Kr. 187. Doimerstag, deu 13. August 1885. II. Jahrg. Brgan für die Interessen der Arbeiter. _ Vi o.. J«fertionsgebühr 9�} w gespaltene Petwcile oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmarkt 10 Pf. i?a,ati na� Uebereinkunft. Inserate werden bi« 4 Uhr Nachmittags m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Anrnrnttt* Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Grpeditiou: Zimmerstraße 44. Die ftiiilzösij'chl Depulirtenknitirafr, . Die Kammer der Deputirten, der wichtigste Theil der stanzösischen Volksvertretung, ist nun auseinandergegangen und an Stelle ihrer oft so tumultuarischcn Verhandluvgen B. vle nicht weniger tumultuarische Wahlagitation getreten. Wennschon die Kammer eine eminente republikanische Majo- *»at auszuweisen hatte und sonach der gegenwärtig in Frank- reich bestehenden StaatSform äußerlich entsprach, so wird «aS Andenken an diese Versammlung doch kein sonderlich Angenehmes sein. Ein Blatt widmet ihr das geflügelte «ort:„Sie hat das Defizit votirt!" und trifft bamit de« Nagel so ziemlich auf den Kopf. . 3a, diese Versammlung ist mit den Mitteln Frankreich» recht leichtfertig umgegangen und eS fragt sich, ob eine neue Kammer im Stande sein wird, da» angerichtete Unheil wieder gut zu machen. Die Franzosen nehmen die Sache lehr leicht, z u leicht, wie uns scheint, und sind weit mehr ?�Aus bedacht, ihren doktrinären Liebhabereien Raum zu '�Affen, als die fressenden Schäden der Staats- wirthschaft zu beseitigen. Sie machen gleißende chrojelte für die Zukunft und denken viel zu gch�t �et k'e nach, die Gegenwart erträglicher zu Die Kammer hat vor einiger Zeit die Regierung de» �chaukelpolitikers ZuleS F e r r p gestürzt, aber sie stürzte «n1*'1? kigeneS Ansehen. Sie halte auf einer ihrer wich- 'gsten Rechte, auf die Entscheidung über Krieg ° Frieden, freiwillig verzichtet. Der Krieg in Ost- Aiun wurde angezettelt, als die Kammer nicht beisammen 29*! wan bekümmerte sich gar nicht um ihre Einwilligung. ** vle Kammer nach diesem eigenmächtigen Akt der Regie- ung wieder zusammenttat, Hütte ihr Erstes fein müssen, on der Regierung Rechenschaft über deren Eigenmächtigkeit B«ordern. Sie that aber dies nicht und that sogar das �egentheil, indem sie der Regierung die verlangten Kredite N Fortführung des vom Zaun gebrochenen Krieges ohne «itttcres bewilligte. Es ist kaum jemals dagewesen, daß in wem demokratischen Staatswesen die Volksvertretung so «ichtherzig auf eines der wichtigsten Volksrechte, die Eni- Xheidung über Krieg und Friede», Verzicht geleistet hat. Die Reformarbeiten, welche die Kammer in yrer vierjährigen Legislaturperiode geleistet hat, sind so un- /deutend, daß es sich gar nicht lohnt, sie aufzuzählen. Da- ?�en hat sie die Getreide- und Viehzölle erhöht und bi., Listenskrutinium eingeführt. Dies erinner» sehr an J/rüchtigten zwei Drittel des National-Konvents. t A diese reaktionär gewordene Versammlung 1795 abtrat, schloß fie/ daß zwei Drittel der neuen Volksverttetung _ den gegenwärtigen Konventsmitgliedern gewählt werden Jeuirreton. Das Wormonettmadche«. 27j Amerikanische Erzählung von Baldui« Möllhause«. (Fortsetzung.) ... �umälig erhob man sich von den Feldtischen und vom �»nev Rasen, auf welchem für die meisten gedeckt gewesen, �.geschäftig begaben sich Frauen und Kinder an den Fluß, b..,. �.gebrauchten Geräthschaften zu reinigen. Kaum aber deicki" c eisten den nur wenig Wasser führenden Bach er- lunT''0 hauten sie verwundert und mit einer Anwand- Schrecken auf die getrübten und von Blut ge- Meten»lu�e« Und ui, Ruf eilten von allen Seiten Männer herbei, Wirkst diese sich überzeugt, daß die Farbe deS Wassers «in q\7. frisch vergossenem Blute herrühre, trennten sich Und fnr bewaffnete Jäger von der übrigen Gesellschaft wüm". langsamen Schrittes dem Flüßchen stromauf- �Wchen" �rfac�e dieser verdächtigen Erscheinung zu Pferds.ftch schnell dem Engpaß, in welchem das bat nun" Wilden getödtet worden war, und wenn auch doch de, � bort wieder geklärt hatte, so entdeckten sie rvihen �g/!?rlerer Untersuchung noch immer einen schmalen fprudelnb i/n, der eben erst im Begriff war, sich mit dm _ M."..Puthm zu vermischen. Paß größerer Vorsicht, als bisher, drangm sie in dm Ällex"f. und ein unbestimmter Schrecken bemächtigte sich Pferde„LI6 plötzlich dm blutigen Kopf eines ihrer besten f*indlich„-?b*ftn und dm sichersten Beweis von der Nähe oj! r Indianer erhielten. Und Li«danke war, daß ihr Lager umzingelt fei den Schr„ia u�chstm Augenblick die unsichtbaren Feinde aus �kutbad-.. und FelSspaltm hervorsttirzen und mit einem ginne« würd den wehrlosen Weidern und Kindern be- t müßtm. Das Listenskrutinium ist ein anderes Mittel zum selben Zweck, denn die Kammer resp. die Majorität hofft sich damit ihre Sitze zu erhaltm. Es zmgt von innerer Schwäche, wmn eine Versammlung zu einem solchen Mittel preisen muß. Im Uebrigen kann sich das Listenskrutinium ehr rächen. Jetzt sollen die gegnerischen Minoritäten mit- telst des Listen skrutiniums noch völlig ausgemerzt werden. Wenn die öffentliche Stimmung einmal umschlägt, so kann daS Listenskrutinium bewirken, daß dm Republikanern nicht einmal eine Minorttät bleibt. Sie hätten sich durch zeit» emäße Reformen und durch eine friedliche und sparsame olitik die Zuneigung und das Verträum des Landes er- weckm sollen; dann hätten sie sich vor den Umtrieben der Reaktionäre nicht zu fürchtm gehabt und brauchten nicht zu einem so kläglichen Mittel, wie das Listenskrutinium ist. zu greifen, um sich die weitere Herrschaft zu garantirm. Diese republikanische Partei in ihren merkwürdigen Schatti- rungen scheint es als ihre Aufgabe zu betrachtm, die Re- publik auf möglichst unficherm Boden zu stellen. Man darf freilich nicht vergessen, daß jetzt alle die politischen Streber und Beutemacher, die genau genommen dem seichtesten Libe- ralismuS angehören oder auch gar keine Gesinnung haben, unter der republikanischen Flagge segeln. Diese betrachten Staat und Regierung als milchmde Kuh und ihnen kommt es nicht darauf an, dem französischen Volke ein jährliche« Defizit aufzuwälzen, wenn nur sie selbst dabei ihre Beute machen. Wie wenig Verständniß die Kammer für die brennend- stm Zeitfragen besaß, das bewies sie durch ihr Verhalten in der Arbeiterfrage. Obschon sich eine Menge von wirthschaftlichen Katasttophen unter den Augen der Kammer vollzogen, obschon in der glänzmdm, von Vergnügungen raufchmdm und leichtsinnigen Stadt Paris da» düstere Ge- spmst des Massenelends Allen sichtbar erschim, so zeigte die Kammer weder Verständniß noch Entgegen- kommen für die Nothlage des arbeitmden Volkes. Die Regierung ließ durch Ferri) erklären, die Zahl der ver- setzten Gegenstände in den Leihhäusern habe nicht zuge- nommen, und glaubte mit diesem Tröste das Volk abspeism zu können. Einige Abgeordnete, die sich für Sozialökonomm hielten, darunter der halbverrückte Proudhonist Langlois, haspelten ihre vorsündfluthlichm ökonomischen Gemeinplätze ab und glaubten damit alles nur Mögliche für die Arbeiter gethan zu haben. Schließlich setzten sie einen Ausschuß „z-u r Untersuchung der ArbeiterkrisiS" ein. Dieser Ausschluß hat in seinem langen Dasein nicht einmal eme anständige Arbeiterstatistik zu Stande gebracht und fast hätte es scheinen können, als habe er seine Materialien den Tagesblättern entnommen. In den öden Debatten dieser Kammer ist auch nicht Vollen Laufs eilten sie daher nach dem Lager zurück, und indem sie die Schildwachen auf den Höhen ermahnten, auf ihrer Hut zu sein, riefen sie sogleich die ganze streitbare Mannschaft zusammen, um so schnell wie möglich die nöthigcn Maßregeln zur Vertheidigung zu treffen. Ein wirres, lebhaftes Treiben entstand jetzt unter den Mormonen. An einer gewissen Ordnung aber, und an der Stille, mit welcher die ertheilten Befehle sogar von Weibern und Kin- der» ausgeführt wurden, erkannte man sehr wohl, daß Umsicht und Strenge in dem Lager walteten und man keineswegs auf dergleichen störende Zwischenfälle unvorbereitet war. Hier flüchteten Frauen und Kinder nach den Block- Hütten, dort vertheilten sich die mit Büchsen bewaffneten Männer bei den Wagen, während eine größere Abtheilung sich nach dem Rande des Thales hinüber begab, um die Pferde und Maulthiere herbeizutreiben, und zwei andere, jede aus nur vier Mann bestehend, sich anschickten, in die Schluchten einzudringen, um sich eine genauere Kenntniß von ihrer vermeintlich gefahrvollen Lage verschaffen zu können. Die Patrouillen waren aber noch nicht aus dem Ge- sichtSkreise der Zurückbleibenden getreten, da lenkte plötzlich ein jauchzender Ruf und einige in ähnlicher Weise auSge- stoßen?, aber unverständliche Worte die Aufmerksamkeit Aller nach dem südlichen Thalende hinüber. Auf dem äußersten Rande der schroffen Felswand, hinter welcher der Rio Virgin in den bi» an den Kolorado fort- laufenden Engpaß eintrat, standen zwei unbewaffnete und unbekleidete Indianer von riesenhaftem Körperbau, welche offenbar sich nicht nur bemerklich machen wollten, sondern auch eine Zusammenkunft mit den Mormonen herbeizuführen wünsch�ie � kort hinaufgekommen waren und ob sie daselbst s-bon lange zugebracht hatten, wußte Niemand; doch wurden fte von den Mormonen selbstverständlich als mit zu der Rande gehörig bettachtet, von welcher in dem gegenüber« liegenden Paß die bluttgen Zeichen zurückgelassen worden ™�ßs ging wenigstens daraus hervor, daß die Mündungen mehrerer Büchsen sich Hobe« und durch Geberden und Ruf einmal der Gedanke an eine einschneidende Sozialgesetzgebung aufgetaucht. Was soll der Arbeiter von dieser Republik halten, wenn sie sich nicht um seine Roth bekümmert? Allein daran denkt die regierende Bourgeoisie in ihrem groben Materia- liSmu» nicht. Sie sitzt jetzt im Rohr und schneidet sich Pfeifen. Der Staat ist für sie nur ein Apparat, der ihre Spekulationen fördert. Einen anderen Zweck scheint sie ihm nicht zuzu- schreiben. „Man befürchtet, der WahlcharlataniSmuS werde bei uns die ernste Gesetzgebungsarbeit tobte«!"— So äußert sich ein Pariser Blatt. Diese Befürchtung ist in der That nicht unbegründet. Eine Menge der Kandidaten, die auf dem Schauplatz erscheinen, haben auch gar nicht die Absicht, dem Lande durch eine ernste Gesetzgebungsarbeit nützlich zu sein. Sie lassen sich wählen, um von den einflußreichen Politikern ein einträgliches Amt zu bekommen oder das Alan- dat irgendwie sonst zu pekuniären Zwecken zu verwerthen und dabei noch die reichlichen Diäten(1 1 000 Frank» jährlich) und die freie Eisenbahnfahrt zu haben. Das Listenskrutt- nium wird diesen Zustand eher fördern, denn ihm Abbruch thun. Die Blätter, welche den Anschauungen des Spießbür» gerthums sich anbequemen, machen der Kammer de« Vor- wurf, sie habe sich zu sehr dem Radikalismus ergeben. Das ist offenbar ver einzige der der Kammer mit Unrecht gemacht wird. An„radikalen" Phrasen hat eS in der Kammer allerdings nicht gefehlt, wohl aber an radikaken Reformen. Man hat nicht einmal gewagt, das Joch des von Napoleon I. mit dem römischen Stuhl geschlossenen Konkordats abzu- schütteln und die so oft versprochene radikale Schul- reform ist auch heute noch weiter nichts als ein schöner Traum. Eine volksthümliche Steuerreform, die alte demokratische Forderung der Ersetzung aller Steuern durch eine einzige progressive Einkommensteuer, ist von Niemanden auch nur angedeutet worden. Natürlich, die regierenden „Republikaner" finden es ganz angenehm, die Kosten für ihre Kriege dem Volke durch indirekte Steuern aufzu- bürden. Was wird die Zukunft bringen? Wenn sie nicht» Besseres bringt, als was in der alten Kammer war, dann haben die Franzosen keine Aussicht, von dem bisher geübten Regierungssystem befreit zu werden, das sie in gefährliche kriegerische Unternehmungen verwickelt und ihnen schwere finanzielle Lasten aufwälzt. Es giebt in Frankreich eben mehr als einen Ferry; dieser Staatsmann ist ein Typu» der herrschenden Koterie._ U otttische Ueberstcht. Polizeiliche Erhebungen über die Sittlichkeitsver- Hältnisse, die Wirkung der polizeilichen Aufsicht über die Aufforderung an sie gerichtet wurde, in das Thal hinab- zusteigen und dort Rede zu stehen. Die drohende Art, in welcher man von allen Seiten herbeieilte, und die ungestümen, feindliche Absichten ver- rathenden Zeichen schienen den Fremdlingen indessen keine Besorgniß einzuflößen. Sie verharrten in ihrer ruhigen, bis zu einem gewissen Grade würdevollen Haltung und be- rathfchlagten so ungestört mit einander, als wenn sie die Unverwundbarkeit eines Achilles besessen hätten. Als die Mormonen aber, um die vermeintlichen Räuber nicht entfliehen zu lassen, sich in einen Halbkreis vor der Felswand aufstellten und ihre Aufforderung an die Indianer immer drohender und dringender wiederholten, schlug der größere der beiden Krieger, der sich vor seinem Kameraden durch einen um sein Haupt geschlungenen buntfarbigen Shawl auszeichnete, die Arme über feine hohe Brust zu- sammen, und indem er noch dichter an den Rand des Fel- fens herantrat, rief er mehrere Male mit wohlklingender. auffallend sanfter Stimme das Wort„Achotka"•) hinunter, wobei er in der zuttaulichsten Weise lächelte und nickte. Die Aufregung der Mormonen wurde dadurch nicht beschwichttgt; im Gegentheil, sie schrieben die sichere Hal- tung der Fremdlinge dem Bewußtsein zu, sich dort nicht ohne hinreichenden Schutz zu befinden, und von Neuem brachen die Pattoulllen auf, um die Schluchten nach ver- borgenen Feinden zu durchspähen. Ein großer Theil blieb dagegen vor der Felswand zu- rück, entschlossen, die Indianer lieber herunter zu schießen, als sie entkommen zu lassen. Dieser Vorsorge bedurfte eS jedoch nicht; denn der mit dem Shawl geschmückte Krieger wendete plötzlich den Kopf rückwärts und rief laut und deutlich den Namen„Navarupe" au», worauf er, seinem breitschultrigen Gefährten voran, ge- wandt den Abhang hinunter zu klettern begann. Sie hatten die Hälfte ihres gefährlichen Weges zurückgelegt, da stießen die sie bewachenden Mormonen einen Ruf besorgniß- voller Verwunderung aus, denn sie bemerkten, daß auf der *)„Achotka."„gut", eine Art Begrüßung der Kolorado- Indianer. Prostitunte, über die Zahl und die Lage der in Fabriken und andern gewerblichen Anstallen beschäftigten Mädchen und Frauen und über sonstige, die öffentliche Sittlichkeit betreffende Zustände, sollen in verschiedenen Städten de« Reichs gegen- wärtig im Gange sein. Ob es sich hier um vereinzelte Fest- stellungen oder allgemeine Anordnungen handelt, ist nicht bekannt. Wie Wahlkreise verschachert werden, geht aus einer Korresvondenz hervor, welche dem„Frkf. Journal� vom TaunuS zugeht. Nack derselben will die„deutsch-fteifinnige" Partei den Nationalliberalen in Nassau den„MainkretS" für die Landtagswahlen als Preis für eine Unterstützung bei der Ersatzwadl zum Reichstag im Wahlkreise Höchst-Homburg ad« treten. Die Meldung wird freilich von der„Lib. Korr.' auf dos Entschiedenste bestritten!— Neu ist eS nicht, daß die „liberalen" Parteien derartigen Schacher betreiben. Hoffentlich werden aber die Wähler jetzt, nachdem der Handel bekannt ge- worden ist, stch nicht wie eine Hammelheerde zur Abstimmung für den aufgedrungenen Kandidaten treiben lassen. Zur Enquete. Die erste amtliche Kundgebung einer preußischen Behörde über die auf Veranlassung deS Reichskanzlers anzufüllende Untersuchung über die Be« schäftigung gewerblicher Arbeiter an Sonn« und Festtagen liegt in einer Bekanntmachung der Regie- rung zu Arnsberg vom 4 d. M. vor. Nach derselben sollen in Gemäßkeit der vom Minister für Handel und Gewerbe ge- troffenen Anordnungen zunächst alle Industrie- und GewerbS« zweige, in welchen überhaupt eine Beschäftigung gewerblicher Arbeiter an Sonn- und Festtagen vorkommt, ermittelt werden. Eine ähnliche Verfügung rst von Seiten des königl. RegierumjS- präfidenten zu Licgmtz am darauffolgenden Tage(6. d. M.) ergangen. Dieselbe hat folgenden Wortlaut: „Um eine Grundlage für die über die Beschäftigung ge- werblicher Aibeiter an Sonn- und Festtagen anzustellenden Er- mälelungen zu gewinnen und besonders, um feststellen zu können, für welche Industrie- und Gewerbszweige eine durchgehende Arbeit an Sonn- und Festtagen nach der Beschaffenheit des Betriebes erforderlich ist, oder bei einem eventuellen allgemeinen Verbot ausnahmsweise zu gestatten sein würde, ist es erforder- lich, zunächst festzustellen, in welchen Industrie- und GewerbS- zweigen überhaupt eine Beschäftigung gewerblicher Arbeiter an Sonntagen stattfindet. Um für oiese vorzunehmende Festste!- lung die beiderseits wünschenswerthe Genauigkeit zu erreichen, ersuche ich die Interessenten aus sämmtlichen Industrie- und Gewerbszweigcn des Licgnitzer Bezirks, bei denen eine Sonn- tagsarbeit statlfindet, bis zum 15. d. M den betreffenden Herren Kreis-Landräthen und in Görlitz und Liegnitz der Polizeiver- waltung darüber eine kurze Mrttheilung mit genauer Angabe des Geiverbszweiges und dem Zusätze„Fabrikbctrieb" oder „Handwerkbetrieb" zugehen ,u lassen." Die Ortsbehörden im Regierungsbezirk Lregnrtz find auf- gefordert worden, diese Verfüguna unverzüglich �ur Kenntniß der Beiheiligten zu bringen. Die Enquete üver dre Sonntags- ruhe soll, wre aus dem Obigen mittelbar folgt, in Preußen ve- reits am 15. d. M. geschlossen sein; das„unverzüglich" ist also streng zu nehmen. Ein Schlußtermin für das Reich ist noch nicht festgesetzt- Im Gange find die Erhebungen aller Orten. Der Minister für Handel und Gewerbe und der Minister des Innern haben an den Reaierungspräfidenten zu Oppeln unterm 4. August folgendes Reskript erlassen: „Ew. Hochgeboren erwidern wir auf den gefälligen Bericht vom 3. d. M. ergehenst, daß die Zuläsfigkeit der Festsetzung der durch U, Vertretung des§ 81 des Krankenverflcherungsgesetzes vom 15. Juni 1883 verwirkten Strafen durch die Orts- Polizeibehörde in Gcmäßhcit des§ 1 des Gesetzes, betreffend den Eilaß polizeilicher Strafvcrfügungen wegen Uebertn hingen, vom 23. April 1883 z® S. S. 65) unhedenklich erscheint, da die bezeichneten Uebertretungen in den polizeilichen Verwaltungs« beieich einer anderen Behörde nicht lallen. Die fernere Frage, in welche Kasse die endgiltig festgesetzten Geldstrafen zu fließen haben, regelt fich demgemäß nach§ 7 des Gesetzes vom 23. April 1883." Konfessionelle Unduldsamkeit. Der„deutschen Reichs- zeitung" schreibt man aus Straßburg:„Leider erst jetzt bin ich in der Lage, Ihrem Blatt ein Vorkommniß mitzutheilen, welches hier großes Aufsehen erregte, da es den unter der protestantischen Studentenschaft der hiefigen Universität immer breiteren Boden gewinnenden Katholikenhaß nur zu deutlich kennzeichnet. Durch Rektoratsbeschluß und Anschlag am schwar- zen Brett vom 7. v. Mts. wurden zwei der„konfessionslosen Verbindung Voscgina" angehörende protest�tische Studenten von der Universttat fortgewiesen und die Verbindung selbst auf ein Jahr aufgehoben. Die beiden Gemaßregclten- der Eine ist sogar StudiosuS der evangelischen Theologie!- hatten am 7. Juni c. Abends ohne irgendwelche Veranlassung mehrere Mitglieder der hiesigen farbcntragenden katholischen Studentenverbindung„Badenia" aus purem lonfesstonellen Haß zunächst auf dem Bahnhofe zu Appenweier in bubenhafter Weise beschimpft und thätlich angegriffen, sodann den Senior der Verbindung vor dem hiesigen Metzgerthor von emem Hinter- halt aus überfallen und so barbarisch mit Knüttelhieben über Stelle, wo die beiden Krieger eben noch gestanden, jetzt ein junger, schlanker Bursche kauerte, der auf geheimnißvolle Weise hinter den nächsten Felsblöcken hervorgeglitten war. Derselbe zeigte ebenfalls, trotzdem er sein Gesicht, bis aus einen von der Stirn über die Nase und das Kinn laufenden feuerfarbigen Strich, schwarz bemalt hatte, ein durchaus fried- fertiges Äeußere. Dagegen weigerte er sich standhaft, in das Thal hinabzusteigen, und alle an ihn ergehenden Rufe und Aufforderungen beantwortete er nur durch ein stoisches ver- neinendeS Schütteln seines Kopfes._ Die Mormonen drangen endlich nicht weiter in ihn, denn sie begriffen, daß er als Schildwache dort aufgestellt sei, um über das Geschick seiner Gefährten zu wachen und, im Falle dasselbe eine böse Wendung nehmen sollte, seine übrigen Stammesgenoffen, die vielleicht zu vielen Hunderten ringsum zwischen den Felsen verborgen waren, sogleich da- von in Kenntniß zu setzen._ Die beiden Krieger waren unterdessen im Thal bei den Mormonen eingetroffen und von diesen sogleich umringt worden. Wenn aber ein Theil der über den Verlust des Pferdes erbitterten Männer die Absicht hegte, sie die hinter- listige That der Räuber entgelten zu lassen und sie demge- maß zu behandeln, so änderten sie ihren Vorsatz, als die- selben ihnen vertrauensvoll entgegentraten und ihnen mit offener, freundlicher Geberde und vielfach wiederholtem „Achotka," die Hände reichten. Daß diese nicht bei der Räuberei betheiligt gewesen, war kaum zu bezweifeln, doch hielt man es für rathsam, sie strenge zu bewachen, um sie für die von ihren muthmaß- lichen Genossen verübte That verantwortlich zu machen und durch ihren Einfluß sich gegen eine Wiederholung derartiger feindlicher Eingriffe zu schützen. Die äußere Erscheinung dieser Urwtlden mochte mit %!%%%%%«s fe «lieber der Mormonen-Gesellschaft emporragten, waren ihre den Kopf mißhandelt, daß man anfänglich für das Leben des hoffnungsvollen Jünglings fürchten mußte. Obendrein suchte fich im Verhöre daS sonderbare Exemplar von einem Theologie- studentcn durch nichtswürdige Verdächtigungen des Mißhandelten herauszulügen, so daß er im Anschlage noch„grober Unwahr- heit" geziehen werden mußte. Beide Ausgewiesene stammen auS dem Elsaß."— Derattige Bübereien find unter Studenten, einschließlich derjenigen der Theologie, keine Seltenheit. Es steht in Deutschland mancher Pfarrer auf der Kanzel und predigt Moral und Nächstenliebe, der als„flotter Bruder Studio" ganz trefflich blutige„Schmisse" auszutheilen verstand. Zur Kolonisation. AuS Wilhelmshafen erhält das Morddeutsche Wochenblatt" eine Zuschrift, in welcher auch eines MatrosenbriefeS Erwähnung aethan wird. Der Brief ist aus Kamerun, an Bord des„Bismarck" geschrieben; in demselben heißt es über die Prellerei dre Kolonialagenten folgendermaßen: „Erwähnt mag hier sein, daß unsere Landsleute in der Fremde das Wort„Verdienen" besonders groß schreiben. Dies gilt auch von den Wörmann'schen Agenten, von denen wir Vieles beziehen müssen, da wir mit den Eingeborenen nicht handeln dürfen. Für eine Kiste Bier nahmen sie uns die Kleinigkeit von 50 Mark ab, während wir oieselbe Kiste mit 48 ganzen Flaschen von anderer Firma mit 30 Mark bezahlen. Für eine Ziege, von den Negern eingehandelt, für einige Perlen oder ein Meter Zeug und dergleichen müssen wir 20 bis 30 Mark bezahlen, für das Ei pro Stück 50 Pf." Der Einsender aus Wilhelmshafen macht dazu noch dieBe« merkung, daß das Deutsche Reich es fich ein anständiges Stück- chen Geld kosten lasse, dm Handel der Hamburger und Bremer Kolonialmatadore durch seine Marine zu beschützen. Zum Dank dafür würden die Beschützer durch ihre Schützlinge in derart unerhörter Weise ausgebeutet. Im Prozeß LieSke machte bekanntlich die Aussage einer Frau Camphausen Aufsehen. Dieselbe meldete fich am letzten Tage, wie sie sagte, aus Gewissensanast, um zu bezeugen, daß sie mit ihrer Tochter den LieSke am Abend vor der That am Thatort gesehen habe. Frau C. hat ein chronisches Leiden und nimmt unter Berufung darauf Unterstützungen in Anspruch von allen Leiten; sie verschont weder Vereine noch Private, weder Frankfurter noch Auswärtige mit ihren Gesuchen. So hat sie auch die Frankfurter barmherzigen Schwestein und die Kranziskanerinnen jahrelang zu Unterstützungen herangezogen, die von der Zeit an aufhörten, als man den Charakter oieser Dame Keffer kennen lemre. Nun theilte vor vierzehn Tagen die„Europäische Konespondmz"„aus durchaus glaubwürdiger Quelle" mit, daß die Oberin der Barmherzigen Schwestern (Dienstmägde Christi) in die Frau Camphausen gedrungen sei, „durch Zeugenaussagen ihr Gewissen zu erleichtem, und ihr schließlich, als sie aus Furcht vor den Anarchisten fich dessen geweigert, mit der ewigen Verdammniß gedroht habe. Der armen Frau blieb in ihrer Bedrängniß keine andere Wahl, als auf den Zeugenstand zu treten und den Angeklagten als die- jenige Person zu bezeichnen, welche am Abend vor der Mord- that im Vorgatten deö Rumpff'schen Hauses das Terrain re« kognoszitt habe." Die Schwestern, namentlich die Obettn, waren wie aus den Wolken gefallen, und im„General- Anzeiger" wurde diese Mittheilung als eine grobe Unwahrheit erklätt. Die„Europ. Korr." aber versichert, ihr Gewährsmann halte seine Angaben vollinhaltlich aufrecht. Nunmehr hat die Obenn sich zur eidlichen Aussage erboten,„daß sie die Frau C. seit Dezember 1884 weder gesehen noch gesprochen habe." Wer hat nun recht? Aus Mecklenburg-Schwerin wird der„Voss. Ztg." ge- schtteben:„Daß man auch hi r zu Lande auf Seiten der konservativen Partei die Nützlichkeit der Ämtsblätter für die politische Bearbeitung der Bevölkerung zu schätzen weiß, ergiebt fich aus einer amtlichen Bekanntmachung, nach welcher die Redaktion, der Druck und der Verlag des„Oessent- lichen Anzeiger für die Domanialämter Schwenn und Coiviy" der Bärensprung'schen Buchdruckerei zum 1. Oktober gekündigt worden ist und von da an dem Buchdruckereibefitzer Hcrbcrger überttagen werden wird. Dieses Blatt soll dann wöchentlich zweimal und um einen politischen und erzählenden Theil ver- größert erscheinen. Zur Erläuterung dieser Veränderung dient, daß der Besitzer der erstgenannten Druckerei der liberalen, Herr Herberger aber der konservativen Partei angehött, auch bereits Drucker und Verleger der„Meckl. Landesnachr." und in Behinderungsfällen auch Stellvertreter des Redakteurs dieses zum Gefolge Stöcker's gehörenden Blattes ist. Femer, daß an der Spitze des Amtes, dessen„Oeffentlicher Anzeiger" der Wandlung unterzogen wird, der konservative Reichstags- abgeordnete, Landdrost v. Wrisberg, derselbe, welcher dm Reigen der mecklenburgischen Deklarantm für Stöcker eröffnet hat, sich befindet. Danzig, 10. August. Wie seiner Zeit gemeldet wurde, war gegen die 42 ausländischen Bewohner Danzigs, welche bei der Reichstagswahl am 28. Oktober v. I. in dem Glauben, daß ste, weil in den Wählerlisten verzeichnet stehend, wähl- berechtigt seien, mitaestimmt und dadurch die Ungiltigkeit der Wahl herbeigefühtt hatten, von der Staatsanwaltschaft Anklage man sie mit den Göttergestalten des antiken Olymp hätte vergleichen können, wie sie einst als Ideale der Phantasie dm altm griechischen und römischen Künstlcm vorgeschwebt habm mögen.") Ein langer, flatternder Schurz von weißem Baumwollen- zeug bildete ihre einzige Bekleidung, während Sandalen von dickem, ungegerbtem Leder ihre Füße gegm das scharfe Ge- stein schützten. Als Schmuck hatten sie nur mehrere Schnüre weißer Perlm um ihren Hals geschlungen, wozu derjmige, welcher den Turban auf seinem Kopfe trug, noch einm blauen Stein und ein« weiße Perle mittelst eines dünnen Riemens an seinem durchstochmm Nasenknorpel befestigt hatte. Ihr Hauptschmuck bestand indessen in den pech- schwarzm Haaren, wdlche in unglaublicher Länge und Stärke über ihre Nacken niederfielen. Dieselben waren mit Hilfe von klebriger Erde in sechSzchn bis zwanzig dicke Strähnm zusammengedreht worden und reichten bis tief auf's Kreuz hinab, wo sie alle in gleicher Länge mdigtm. Ihre Physiognomien trugen dm echten indianischen Typus, zeigtm aber nichts von dem wilden verschlagmen Ausdruck, welcher dm größten Theil der nordamerikanischm Jndianerstämme charakterisirt. Es ruhte sogar eine gewisse Offenheit und Redlichkeit auf denselben, was von vorn- herein zu der Vennuthung verleitete, daß sie, anstatt von dem Fleische des Wildes zu lebm, ihre Nahrungsstoffe einzig und allein einem üppig spmdenden Boden verdankten, was im Laufe von Gmerationm nicht ohne Einfluß auf die Körperbeschaffmheit und Neigungen des Menschen bleiben kann. Furchtlos und ohne ein Zeichen von Befremdung schntten sie im Kreise ihrer Eskorte dahin, als diese sie dm Hüttm zuführte. Der freundliche Ausdruck wich nicht von ihren dunkelbraunen Zügm, er verstärkte sich aber zu einem fröhlichen, harmlosen Lachen, wmn sie gewahttm, daß die Frauen und Kinder scheu vor ihnen zurückpralltm und sie nur aus der Ferne mit. unverhohlener Schm be- rrachtetm. *) Diese Schilderung der Mohave-Jndianer darf nicht als übctttteben betrachtet werdm. wegen intellektueller Wahlfälschung erhoben worden, indem die Staatsanwaltschaft der Anficht war, daß durch Unterlassung des Vermerks„Ausländer" in den zum Zweck der Klaffensteucr- Veranlagung zirkulirenden Hauslisten die Angeschuldigten ihre Aufnahme in oie Wäblerlisten beabsichtigt hatten. Wie die „Dimz. Ztg." vernimmr, hat nun die Strafkammer des dortigen LandgmchtS die Zulassung dieser Anklage und die Eröffnung des Hauptvettahrens abgelehnt. Dieser Beschluß soll allerdings von Seiten der Staatsanwaltschaft durch das Rechtsmittel der Beschwerde angefochten sein, so daß eine rechtskräftige Ent- scheidung noch nicht vorliegt. Italien. Die radikale Agitatton macht gute Fortschritte. Wie der „Voss. Ztg." mitgetheilt wird, befindet fich das Zentrum derselben in Mailand. Die zahlreichen Arbeirervereine, welche dem in jener Stadt bestehenden„Consolato operajo" angehören, haben die nachstehende Tagesordnung votitt: Im Hinblick auf die Prinzipien, welche die Basis der Erlösung des Vaterlandes waren; auf die Prinzipien des Rechts aller Völker ohne Unter- schied der Farbe; auf die Prinzipien der Menschlichkeit und der Brüderlichkeit, welche durch die Expedition nach Afrika verletzt wurden; im Hinblick auf die Bedürfnisse der Arbeiter, welche die Abrüstung und den Ftteden benöthigm, damit die Jndusttte und das soziale Wohlbefinden gefördert werden: leitet die Versammlung der dem Arbeiter- Konsulat zugeschttebenen Gesell« schaften in Italien eine Agitation ein, damit unsere Truppe« aus Afttka zurückberufen werden, und sie wird zu diesem Zwecke eine erste öffenttiche Zusammenkunft in dem neuen Salon des �Konsolato" abhatten.— Seit einiger Zeit vergeht kaum ein Tag, an welchem nicht über eine Arbeitseinstellung an diesem oder jenem Orte benchtet würde. Diese Arbeitseinstellungen geschehen leider häufig genug, weil man den armen Leuten die Erfüllung ebenso berechtigter als bescheidener Forderungen ver- weigert, wie dies der folgende Fall beweist. In San Bonifazio bei Verona verweigetten die bei den Attilleriebauten am Torrente Alpona beschäftigten Arbeiter ihre weitere Beihilfe und zerstöttcn eine über den Alpone hergestellte provisonsche Brücke. Trotz des letzteren Exzesses fanden es die Behörden angemessen, in der Weise zu vermitteln, daß sie die Bauunter- nehmer ersuchten, den recht genngfügigen Lohn der Leute einigermaßen aufzubessern, thatsächnch nahmen dieselben die Arbeit gegen Bewilligung einer genngfügigen Lohnerhöhung wieder auf. G r o tz b r i t a«« i e«. Auf zwei große Skandale wird jetzt vielfach von englischen Leitungen angespielt und in den Londoner Klubs wird offen davon gesprochen. Der eine ist ein Ehescheidungsprozeß, den der Advokat Donald Crawford gegen seine Frau angestrengt hat. In dieser Sache spielen der frühere Minister Sir Charles Dilke und Frau Crawford die Hauptrollen. Der Fall ist von erschwerenden Umständen begleitet. Die Dame hat ihrem Gatten ein vollständiges Geständniß abgelegt. Der Betreffende hat dem Gatten die Summe von 10000 Lstrl. für sein Schweigen angeboten. Der andere Skandal bezieht sich auf das Gerücht, daß in einem der von der„Pall Mall Gazette berichteten Fälle von Verführung dreizehnjähriger Mädchen ein anderes hervorragendes Mitglied des früheren Mini- st e r i u m s betheiligt sei. Der Name dieses Herrn wird in Verbindung mit dieser schmutzigen Angelegenheit so beharrlich genannt, daß ein insches Mitglied gedroht hat, eine darauf b«- zügliche Frage im Parlament zu stellen. Ueber den ersten Fall wird noch aus London vom 10. geschrieben;„Schon seit geraumer Zeit waren Gerüchte im Um- lauf, daß Sir Charles Dilke, der frühere Präsident des Lokal- Regierungiamtes und Mitglied des Kabinets Glastone's, ei» Verhältniß mit einer verheiratheten Frau unterhalte und dem- nächst in einen Ehescheidungsprozeß verwickelt werden würde. Diese Gerüchte erklätten zum Theil die in verschiedenen Zeitungen austallchenden Meldungen, daß Dilke in Kurzem sein Mandat für Chclsea niederzulegen und vom poliuschen Schauplatz gänzlich zurückzutreten gedenke. Dann hieß es, daß Anstrengungen gemacht werden, um die unangenehme Affaire zu vettuschen. Diese Bemühungen scheinen indeß nicht erfolg- reich gewesen zu sein, denn Sir Charles Dilke ist jetzt that- sächlich der Beiheiligung an einem Ehebruch angeklagt worden. Mr. Donald Crawfott, ein Advokat, klagt beim Londoner Ehe- scheidungs-Gerichtshofe auf Scheidung von seiner Frau Virginia Mary wegen Ehebruchs, den sie, wie die Klage behauptet, m» dem Baronet und Parlament smitgliede Sir Charles Dilke verübt haben soll. Der sensationelle Prozeß wird in Kurzem zur Verhandlung gelangen. Frau Crawfott zählt erst 20 Jahre, während ihr Gatte viel älter ist. Sie ist die Schwester der Wittwc Ashton Dilke'S, eines Bruders Sir Ch. Dilke's. Sir Charles ist seit 1874 Wittwer und Vater eines elfjährige« Knaben. Er hat an den Vorsitzenden des liberalen Vereins von Chelsea ein Schreiben gerichtet, wonn er die gegen ihn erhobene Beschuldigung als unwahr bezeichnet und sagt, er sehe dem Ergebniß der gettchtlichen Untersuchung mit Zuver- ficht entgegen. Er ersucht den Vorsitzenden, eine Sitzung des Rothes des liberalen Vereins einzuberufen, damit der That« Während sie sich nun auf dem User des FlüßchenS da« hinbewegten, machte einer ihrer Begleiter sie auf die fchwin- denden Blutspuren im Wasser aufmerksam, und verbeut- lichte ihnen zugleich durch Zeichen, daß weiter oberhalb«in Pferd geraubt und getödtet worden sei. Der Krieger mit dem Shawl warf bei dieser Nachricht verächtlich die Lippen empor. „Wallpais tödten Amerikaner Pferd!" sagte er'« schwer verständlichen englischen Watten, der sicherste Bs« weis, daß er schon früher mit Weißen verkehtt hatte.„Mo- haveS achotka! MohaveS nicht tödten Pferd! Wallpa's schlecht: tödten Amerikaner Pferd, tödten Amerikaner Man« schlafend!". Die einfachen Versicherungen deS Indianers trugen F sehr daS Gepräge der Wahrheit, daß kaum noch Einer' au» seiner Begleitung die Aussage bezweifelte. Da man aber eben so wenig die WallpaiS wie die MobaoeS kannte, r glaubte man noch immer mit der größten Vorsicht Handel«, vor Allem aber die beiden Krieger nicht mehr aus den Hän- den lassen zu dürfen. Auf vem Wege fragten sie mehrfach nach dem„K««� mandante" der Karavane, wobei sie andeuteten, daß sie# Mittheilungen zu machen hätten. Sie wiederholten«P Frage noch einmal, als sie vor der geräumigsten der Hütte« angekommen waren, und gleich darauf Jansen und Ryn"� ihnen aus der Thür entgegentraten�- a„ „Ich bm der Kommandant," sagte Jansen, indem s- auf seine Brust wies und zugleich mit einer Ärt«. Bewunderung die prachtvollen Gestalten in Augensche'« nahm. „Achotka," versetzten die Indianer mit Befriedigung dann aber kniete der Wortführer nieder, und nachdem.. den Shawl von seinem Kopfe loSgewunden und vor p, auseinander gebreittt hatte, nahm er mehrere Papiere� demselben hervor, von welchen er eins seinem Gefährts«' daS andere aber Jansen darreichte.,, Jansen faltete daS Papier, welches sorgfältig i« � ledernen Umhüllung verborgen gewesen, auseinander..« „Kairuk, Häuptling des mittleren Mohave-StamM�' las er laut. Jo demselben zur ErwZzuna unterbreitet werden könne. der Rarh", fährt er fort,„der Meinung sein sollte, daß .Interessen der Partei bei der allgemeinen Wahl damnter werden, daß fie Einem anvertraut worden, auf dem eine a t' wenn auch unverdiente Anschuldigung lastet, werde feÄ, itet sein, vom öffentlichen Leben zurückzutreten, bis «Kst Anschuldigung" wwerckegt worden ist." ggtoptm« i,.®ndUch ist Ausficht vorhanden, daß die durch das Bom- - dement von Alexandrien Geschädigten in den Besitz der iW T- D0"«rexanvrrcn escicyaoigien in ocn«env orr iiS iungst zugesprochenen Entschädigungen,«elche aus der 1"M.degebenen, von den europäischen Mächten garantirten Wischen Anleihe von 9 Millionen Pfund Sterling zu zahlen 5 K' langen werden. Wie man aus Altxandnen meldet, 'w daselbst die Auszahlung der deutschen Ansprüche bereits Donnerstag erfolgen. o„ Amerika. ims zwischen den Vereinigten Staaten v o n Amerika v" oer Republik Ecuador find Verwickelungm entstanden, wi« die Hdlsz." meint, vielleicht emstliche Folgen � lonnen. In einem Gefängnisse in Ecuador fitzt seit sker Zest ein amerikanischer Bürger Namens Julio R. Die Regierung der Vereinigten Staaten überzeugte GpW. mjk megremng oer �eremrgien e?iaaicn uoeizeuair Ca�on, daß Santos, welcher in Ecuador geboren war, sich W$tc 1874 in Nordamerika hatte naturalifiren lassen, daß um• ssm nach dem Lande seiner Geburt zurückgekehrt war, Jjine ihm durch den Tod seines Vaters zugefallene Erbschaft && und daß er bei diesem Anlasse auf die Anklage der �ahme an einer Verschwörung zum Umstürze der Regie- LlZoerhastet und ohne Prozeß eingekerkert worden war. fcüo, Cleveland ordnete daraufhin an, daß Schritte zu der Freilassung des Santos gcthan werden sollten. Sfoli Wer des Auswärtigen forderte in Folge dessen die von Ecuador auf, dem Santos einen gerechten und cMmischen Prozeß zu gewährm, um seine Schuld oder Un- lestzustcUen, oder denselben sofort bedingungslos aus dem m�Sniß zu entlassen. Zur Unter stützung dieser Forderung toi«» damals in Panama stationirte Ver. Staaten Kriegs- ,ll"�«roquois" nach Guayalquil beordert. Die Regiemng � �uador hat fich gleichwohl noch nicht gemüßigt gesehen, � ran gen zu entsprechen, und es heißt sogar, sie habe fich Äerlasfc � W M ung den gehl_ genannte Itin-7�wflung einiger Kriegsschiffe an Chile gewandt, um r."ilcrung den gehörigen Nachdruck zu geben.„Sollten 0 schreibt das oben genannte Blatt,„diese Angaben be- iinhk, die kleine Republik wirklich eine so Herausfordemde »in,, ssende Haltung gegen die Vereinigten Staaten an- yaben, so dürfte es zu Verwickelungen kommen, w," Losung für Ecuador kaum vortheilhast sein würde, denn U- � jediae finf Bprptlö bei früheren(Aeleaen- B Administration Hat bereits bei früheren Gelegen- na bewiesen, daß fie fich dem Auslande gegenüber in Re« LLW setzen versteht und daß fie entschlossen ist, wo dies " bedrohten Rechte rM i,,~~ X)ie Revolution in Venezuela ist nach einer auf ij�enezuelanischen Gesandtschaft in Washington aus Caracas i; Wufenen, vom 27. Juni datirten Depesche unterdrückt und Q Msche wieder im ganzen Lande Ruhe und Frieden— bis �edcr losaebt. L„ Lokale». y»«« hochachtbarer Seite geht der„Rat. Ztg." unter «Ngflutig �2 gesammten Materials die Schilderung ernes »Brenden Unfuas zu, der von einem namhaft gemachten e �'"uri, itnrugs zu, oer von einem namyll!» grmuiuie» �Mdler in Hamburg verübt wird. Diese Firma annonzirt > ein Knaben", daß fie postfrei Büchcrkataloge und da- «ei T" tur Knaben", dag fie postfrei Büchenararoge uno oa- se»b,wSe Kouplets zur Aufführung in Liebhabertheatcm ver- tikN.Der fünfzehnjährige Sohn unseres Korrespondenten b�, /arum und erhielt nun neben indifferentem Zeug und %iliA<.2!Wd)nft für Liebhabertheater Empfehlungsanzeigen von M?"' deren bloßer Titel die Phantasie des Knaben in die Aufregung versetzen muß. Wie nun, so fragt der iffi.SÄS mf™ «tw.Wnen Werke liegen uns dem Titel nach vor. Sie ge- «b.>.>um größten Theil jener niederträchtigen Schmutzliteratur �ter der Maske wiffenschaftlicher Erörterung darauf M d-n Sinn des Lesers systematisch zu verwirren. Es SWem0 Schriften der gefährlichsten Sorte, die den CU" die Hände zu spielen geradezu fluchwürdig ist. Unnsi K betrachtet, stehen diejenigen, welche aus niederer Ge- öiigz. es fich zum Gewerbe macheu, die Jugend durch das »tis�uchmachen solcher Lettüre auf Abwegs zu leiten, genau bh ,A?„°"breNerischen Standpunkt des Gesindels, welches � K/Mach Gazette" kürzlich bloßgestellt hat. Aber mit ist.„ isichen Verurtheilung allein ist es nicht gcthan. Und daß die Polizei und das Strafgesetzbuch aus' . Zv??den, um hier ein energisches„Halt" zu rufen. ..Nnu ��avinnen in Berlin. Daß die Enthüllungen '- Mall- Gazette" nicht ganz spurlos an Deutschland Mohave-Hauptling," versetzte der Träger der Aaften, fich stolz in die Brust werfend. er. schaute ihn ernst und prüfend an und las wei- � 8 war eben eins jener Zeugnisse, wie sie von Reifem B>Jul,ewn emS jener Zeugnisse, wie jie von >°lch�wemlich von den Offizieren der Vereinigten Staaten �»sti� aeru ertbeilt werden, die sich durchs besondere T-vmuerg ertheilt werden, die sich durch besondere esttungen und Treue bei irgend einer Gelegenheit ö*" und �reue vei irgeno ein« haben. Die Eingeborenen legen im Allge- v..-Ii nr.t- om......D,'..... Papiere", v l«en /w 7("Uic yrr- Alchen c0�" Werth auf dergleichen„sprechende � Zauberkräfte zuschreiben; Jo leuchteten '"ry Kai.,«��"ae �aucerirajie zuilyrc.vc», ??Iä ein"! Augen vor innerem Entzücken, als er aber- If�eä m Beweis von de« noch ungebrochenen.Kräften r�lick!"ulets erhielt. Hatte Jansen ihn doch nach dem melde«, Papiers bei Namen genannt, ohne daß ihm ukrrathen worden wäre. &% Jansen da, Zeugniß Kaimk's zu Ende ge- MternÄ!. der andere Indianer mit eigenthümlich E welches gor merkwürdig gegen seine H'j � kontrastirte, ebenfalls sein sprechendes Papier angesehner Krieger, der schon bei mtanbcu��" �aut genug, um von seiner Umgebung �chte �da uickte fteundlich zustimmend, und fast verlegen ti*1 a's er die Blicke aller �Umstehenden mit mit s�"9 von Neugier und Theilnahme auf sich ge- iL waifc�Wund Zreteba," begann Jansen, nachdem er °0n ben q»---- N._______«. f»;«. 1 ntB Don T-c>rrieoa," oegann Junten, nuryoem er H.Uen? den Zeugnissen genommen, indem er seine llt st er zusamm-ninn was fübrt Euck bierbsr? mi_,*♦•»'vvvtyzn[ j vjv v in i< iv t»;»«» vv,«» v»|vn»v Walt sli�dten nicht Pferd," antwortete k- bais schj'"dem er sich aufrichtete, nocl Kairuk, und rn�Vaiz mdem er sich aufrichtete, noch zu wachsen, Jtttaner Wallpais lobten mehr Pferde, wenn .-............ gasend. Wallpai nicht Bruder von Mohave, 1 nath dem Leben geschildert. vorübergehen konnten, war zu erwarten. Jetzt heißt daß auch unsere Polizei der Frage näher treten und l ländischen Agenten schärfer auf die Finger sehen wolle. [« erwarten. Jetzt heißt es nun, den aus- _____________________________., Warum gerade nur oen ausländischen Agenten? Es leben in Deutsch- md deutsche Reichsangehörige genug, die den weißen Sklaven« Handel ebenso schwungvoll betreiben, wie die Ausländer. Wir meinen aber, daß es vielleicht gut wäre, ebenso viel wie auf die Agenten, auf die EutstehungSursachen der Prostitution daS Augenmerk zu richten. Es rst einmal nicht zu leugnen, daß die Prostitution täglich wächst und daß fie auch ganz ohne jedes Hinzuthun der Agenten in demselben Maße wachsen würde. Der erste Grund dieser traurigen Erscheinung liegt, wie schon oft genug hervorgehoben wurde, in der fürchterlichen Niedrigkeit der Löhne für die Frauenarbeit Es ist ein soziales Unglück, daß wir in unserer so fortgeschrittenen Zeit, gerade in Bezug aus den Werth und den Preis der Frauenarbeit, auf dem Schätzungspunkt des sechözehnten und siebzehnten Jahrhunderts stehen geblieben find. Wenn fich ein einzelnes, alleinstehendes Mädchen auch halb todt arbeitet, so kann fie doch kaum den nothdürftigsten Lebensunterhalt verdienen. Der Weg von ihrem Elend bis zur Prostitution ist nm ein kurzer, sehr kurzer Schritt, der von vielen Leuten außerordentlich erleichtert wird. DaS Verfahren ist dabei ganz daffelbe wie in England. Da finden sich zum jungen und hübschen Mädchen plötzlich mehrere sehr gutmüthige und gefällige Leute, die ihr, ohne Ausficht, jemals bezahlt zu werden, Wohnung, Kost und Toiletten kreditiren. Das Madchen verdient täglich wenig oder gar nichts, die Schuld wird immer größer. Die fteundliche Wüthin fängt an, auf Bezahlung zu drängen. Das Mädchen ist zweihundert Mark, oft noch weit mehr schuldig, und sie weiß nicht einmal, wie stch das so gemacht hat. Das arme Ding ist nun von der ganzen Welt verlaffen, eine Ausficht, jemals diese große Summe ab- zuverdienen und abzuzahlen, ist absolut nicht vorhanden. Jetzt macht ihr die freundliche Wirthin den Standpunkt klar. Es gäbe doch so liebenswürdige Herren, denen eS auf einige Zehn- Markstücke nicht ankäme, fie müsse nur suchen Bekanntschaften zu machen, dann würde alles gut gehen. Um dem Gesagten auch den gehörigen Nachdruck zu geben, wird der Brodrorb etwas höher gehängt, und der Mangel, die Roth, das Elend werden täglich fühlbarer. Und eines Abends, während das arme Mädchen kopfhängerisch, muth- und ziellos durch die Straßen streift, ist die eiste Bekanntschast angeknüpft. Aber ach, fie bringi nicht den erhofften Goldregen. Aber die eitle Hoffnung, vie Unkenntniß der Menschen in Verbindung mft dem Hunger, der nach längerer Zeit durch ein gutes Souper mit berauschenden Gettänken aesttllt wurde, hat die Katasttophe herbeigeführt. Am nächsten Morgen wird fie von dem fremden Manne, vielleicht mit einem beschämend kleinen Geldgeschenk entlaffen— der erste Schritt ist gethan. Nun giebt es kein Zurück mehr, jetzt geht es abwärts. Die Wirthm hat einen feinen Sinn für solche Ereigniffe, fie weiß genau, waS ge- fchehen ist und wird freundlicher. Der nächste Abend findet das Mädchen wieder auf der Straße, schon in neuer Gesell- schast. Und von nun an geht es so alle Tage. Sie leidet keinen Hunger mehr, denn sie„verdient" Geld, oft viel Geld. Aber so viel fie auch„verdienen" mag, das Geld verschwindet wie in ein bodenloses Faß. Die Wirthin hat die Miethe außerordentlich gesteigert und die Schulden für Toiletten und Kost werden täglich ungeheuerlicher. Das arme Geschöpf ist tief gesunken, ist für die menschliche Gesellschaft völlig ver« lorm, aber fie hat nicht einmal den Lohn für ihre Schande l Sie büßt eine Hölle, so lange fie lebt, denn von ihrer Schande lebt nicht sie, sondern die Anderen, die Vampyre, denen sie nur zum Werkzeug ihres gemeinen Egoismus dient. gg. Eine Gerichtsvollzieher-Auktion.„Heute össent. liche Versteigerung. Das Gerichtsvollzieher- Amt"— verkündet die schwarze Tafel, welche an dem Eingange zu einem der ver- schiedenen Aultionslokale dieses Institutes angebracht ist. Im Innern des schmucklosen Gebäudes mit seinen stark vergitterten Fenstern ist es bereits lange vor Beginn der Versteigerung le» bendig. Aus dem Asservaicnraum, der den größeren Theil des Pfandlokales einnimmt und in welchem alle nur erdenklicken Gegenstände sorgfältig aufgespeichert lagern, schleppen stämmige Ardeiter nach der Anweisung des Genchtsvollziehers die für die heutige Auktion bestimmten Sachen heraus und stellen sie zur Befichtung auf. Von der stilvollen Salon-Einrichtung, mtt geschnitzten, seidenbezogenen Sophas, Armseffeln und Stühlen, kostbaren Spiegeln, Kronleuchtern und Teppichen, deren An- schaffungswerth Tausende von Mark betrug, bis herab zu dem armseligen Gerümpel der Stätte der Armuih, der engen Dach- wohnung ist das Mobiliar vertreten. Die elegante Garderobe, kostbar gestickte Leibwäsche, theure Weine und Zigarren eines Verschwenders lagern hier friedlich neben dem schlichten Rock, der geflickten Blouse des Fäffer, Kübel und Düten enthalten die Restbestände eines Kolonialwaarenladens- Toonbank, dem Geschirr, den Tonnen Bier, Liqueursorte«, Selters- und Sodaflaschen einer find Manufakturwaaren, wollene und halbwollene Tücher, Kleiderstoffe in allen Preisen aufgestapelt, die einem in Konkurs gerathenen Händler abgepfändet worden find. Der Gerichts- Proletariers. gepfändeten Neben der verschiedenen Restauration Kairuk getauft, Kairuk Mormone," und indem er so sprach, zog er einen andern mit Bleistift geschriebenen Zettel her- vor, den er in Jansen's Hand legte. Jansen sah zuerst nach der Unterschrift. Dieselbe mußte ihm nicht fremd sein, denn mit gesteigertem Interesse las er den an den zeitigen Kommandanten am Rio Virgin gerich- teten Brief Zeile für Zelle zu Ende. Angenehme Nachrichten enthielt derselbe offenbar nicht, denn indem er die oft undeullichen Schriftzüge nicht ohne Mühe entzifferte, verfinsterte sich sein ehernes, undurchdring- licheS Antlitz immer mehr. „Der Versuch ist mißglückt," hieß eS in dem Schreiben; „die Mohaves, die anfangs geneigt schienen, für uns gegen die Amerikaner Partei zu ergreifen, sind uns im letzten Augenblicke untreu geworden. Sie folgten dem schlauen Rath der Gentiles und verhielten sich neutral. In Folge dessen schwimmt das Dampfboot, welches wir schon in den Händen zu halten glaubten, wohlbehalten den Kolorado hinunter, während der größere Theil der bewußten For- schunaSexpedition auf Maulthieren den Weg gegen Osten eingeschlagen hat." „Kairuk, ein einflußreicher Häuptling, und Jretaba, sein Busenfteund, sind diejenigen, welche durch ihr Auftreten unsere Pläne durchkreuzten. Beide sind schon bei einer früheren Gelegenheit getauft worden, zeigen sich aber seit ihrer letzten Zusammenkunft mit den Gentiles dem Mor- monismuS nur wenig hold. Der Kolorado wird mit Gewalt der Waffen offen für uns gehalten werden müssen, und dürften Ueberbringer dieses Schreibens wohl als Geißeln -u behandeln sein, um später durch ihr Leben und, wenn möglich, durch ihren Einfluß einen freien Abzug auf dem Ktrome für uns und unsere Gemeinde zu erzwingen, u-ber- sender dieses befinden sich noch im Gebirge, um die Kolorado- m Vollzieher ist unerbittlich. Er verschont weder die Stätte ver-- floffencn Reichthums, noch das Quartier der Armen, denen er das Letzte nimmt, das fie ihr eigen nannten. Wenn diese Gegenstände sprechen könnten, welche Erfahrungen würden fie gegenseitig austauschen, wie viel Szenen einstigen Glücks und Zufriedenheit, maßloser Verschwendung und Leichtsinns, ge« täuschter Hoffnung, unverschuldeter Roth und Armuth haben sie an fich vorüberziehen sehen? Mit wie steudigem Gefühl führte wohl vor Jahren der junge Gatte sein ihm angestautes Weibchen von der Hochzeitstafel in die elegante Wohnung, wie schwelgte er in Glückseligkeit, bis die Sorge stch einstellte und geschäftliche Unternehmungen den Sturz seines Hauses herbei- führten? Welche Gefühle durchzuckten wohl sein Herz, als er mit der weinenden Frau und seinen Kindern die Heimstätte seines Glückes verließ, deren Trümmer fich hier wiederfinden? Wie lange haben diese alterthümlichen, wurmstichigen Schränke und Kommoden wohl ihren Befitzern gedient? Welche ergreifende Schildemna von Tagen deö Kummers und des Elends, durchweinten Nächten könnten ste entwerfen? An wie viele Thüren hat der in unverschuldete Noth gerathene Handwerker schweren Herzens geklopft, um sein bischen Hab und Gut vor den Händen des Gerichtsvollziehers zu retten? Vergebens! Niemand wollte fich dazu verstehen» ihm den geringen Bestag ohne fichere Bürgschaft vorzusstccken. Mit Thränen in den Augen sah er, wre seine Möbeln auf den Wagen geladen und dem Pfandlokal zugeführt wurden, während seine gebeugte Leidensgefährtin schluchzend auf dem Rand des Bettes saß. Selbst den Kanarienvogel, den munteren kleinen Sänger, ihren Liebling in dem bescheidenen Käfig, ihre werthlosen Blumen, die fie selbst gezogen und mit eigener Hand gehegt und gepflegt hatte, nimmt der Vollstrecker der Gerechtigkeit mit fort. So will es das Gesetz! Den Händlern in Mobilien, Kleidern und Ramschwaaren, die das Hauptkontingent stellen, sonstigen Kauflustigen und Reu- gierigen, die fich inzwischen in dem Auktionslokal eingestellt haben und welche die für die heutige Versteigerung bestimmten Sachen musternd umstehen, ist jede Sentimentalität fremd. In Gruppen diskutiren fie den Werth der verschiedenen Gegenstände und machen fich Nottzen, vereinigen fich zu gemeinsamen Aufläufen und haben nur Smn für oen zu erzielenden Profit, unbekümmert darum, od Arbeitersamili in Mobilien mit der ganzen Wucht ihres durch ihre Wohl» beleibtheit faconlos gewordenen Körpers in ein Fauteuil nieder, daß eS in allen Fugen kracht, dort steht ein Brautpaar finnend vor einem Spiegel, den es stch zur Vervollständigung seiner Ausstattung zuzulegen gedenst. Andere befühlen die Kleidungs- stücke mit ihren oft nur ungenügend gereinigten Händen, noch andere Personen find nur aus Neugierde gekommen, es ist ihre Leidenschaft, Austionen zu besuchen, namentlich Frauen ze.a n dafür eine ausgesprochene Vorliebe. Der Attionator hat unter- deß mit seinem Schreiber in einem abgestennten Raum Platz genommen. Vor ihm steht ein langer Tisch von bedeutender Breite, an dessen Breitseiten fich di» Stammgäste des Gerichts- vollzieher-Lokals niedergelassen haben. Auf improvisirten Sitzen haben es stch wohlbeleibte Händlerinnen, denen das Stehen zu beschwerlich wird, so bequem als möglich gemacht. Ihre ab- genutzten Ledertaschen und Rohrkörbe bergen das wohlgefüllte Portemonnaie und das Frühstück, das ste während des Laufes der Versteigerung mit größter Gemüthsruhe einzunehmen pflegen. Eine„fliegende" Restauration, die ein indu- sstieller Gastwirth während der Dauer der Versteigerung in dem Lokal etablirt, sorgt für die Benetzung der durch das viele Sprechen angesstengten Organe. Das lebhafte Schwatzen und Lachen wird jetzt durch einen Hammerschlag des Gerichts- Vollziehers unterbrochen, die Auktion beginnt, nachdem er die Verkaufsbedingungen bekannt gemacht hat. Den Reigen der Versteigerung eröffnet eine Kommode, die zwei Arbeiter mit kühnem Schwünge auf den Tisch des Hauses niedersetzen. „Wie viel soll ich dafür haben?" beginnt der Verauktionirende im geschäftsmäßigen Tone. Man zuckt die Achseln, schüttelt den Kopf, nachdem der Gegenstand nochmals einer eingehenden Besichtigung unterworfen.„Was soll ich dafür haben?" wieder- holt der Mager.„Drei Mark", bietet ein Händler. Einer seiner Konkurrenten hebt einen Finger in die Höhe. Der ge- schäftökundige Mann des Gesetzes versteht den Wink.„Vier Mark", fähtt er fort.„Noch fünfzig", ruft der crstere.„Vier, fünfzig", ertönt es von Neuem.„Keiner mehr, ein Spottpreis, vier Mark, fünfzig".„Fünf Mark."„Niemand mehr als fünf Mark. Zum ersten, zum zweiten, zum"— eine Pause erfolgt, „zum— dritten. Glück damit.— Ihr Name?" Der glückliche Käufer des Möbels giebt seine Adresse auf, die mit Kreide auf das erworbene Stück gemalt wird und zahlt den Bestag, nicht ohne von einigen Kollegen ironisch beglück- wünscht zu werden.„Ein Sopha mit Damastbezug", bietet der Gerichtsvollzieher nun aus.„Was soll ich dafür haben?" Von Neuem prüft die kauflustige Gesellschaft das Stück in allen Theilen.„Zehn Marl", ertönt es.„Das ist ja kein Gebot für ein so gutes Sopha", replizirt der Versteigernde.„Fünfzehn seinem Lager festzuhalten und doch nicht dadurch Veran- lassung zu einem feindlichen Zusammenstoß zu geben, oder das Leben des Schreibers des Briefes, den er sammt seinen Begleitern in der Gewalt der MohaveS wußte zu gefährden. p' Kairuk und Zreteba ahnten nicht, was in der Seele des finstern Mormonen vorging. Wie schon mehrfach bei früheren Gelegenheiten, so hofften sie auch hier auf freundliche Anerken- n ung der pünktlich ausgeführten Aufträge, und mit erwartungS- voller Spannung beobachteten sie Jansen, der noch immer wie mit Lesen beschäftigt dastand. Endlich gelangte er zu einem Entschluß; er schaute zu den beiden Kriegern empor, und ihnen zum Zeichen des Dankes die Hand reichend, bedeutete er sie, in die Hütte einzutreten. Die Mohaves thaten, wie ihnen geheißen wurde- ehe Jansen ihnen aber nachfolgte, wendete er sich zu den Leuten, welche die Fremdlinge so lange bewacht hatstn „Laßt sie nicht aus den Augen," sagte er leise genug, um von den Mohaves nicht geHort zu werden, obgleich dicke seine Worte nicht verstanden hätten.„Sie müssen mit Güte oder Gewalt unsere Gefangenen bleiben." #(*, ich ihnen die Fm- uicht, lieber Onkel," sagte plötzlich eine sanfte, Mitleidige Stimme, und als er emporschaute, erblickte er Hertha, die von der scheibenlosen Fenstcröffnung aus die ganze Unterhaltung überhört hatte. (Fortsetzung folgt.) Mark." Mit zwanzig Mark geht daS Sopha in der Auktion fort.„Es lebe dreimal Hoch das Kanapee", ruft ein humoriftisch angehauchter Händler dem neuen Befitzer zu, ein Witz der mit allseitigem Beifall aufgenommen wird. Immer heißer geht es im Laufx der Auktion yer. Immer neue Gegenstände werden aus dem Speicherraum herbeigetragen. Je nach Bedarf er« werben die Händler und Privatleute Sachen, für welche sie Verwendung haben und oft werden dieselben von letzteren weit über den Werth bezahlt. Mit tzohngelächter werden die- jenigen überschüttet, die für ein zur Auttion gelangendes Stück, auf dessen Erwerbung fie sich kaprizirt hoben, vielleicht das Doppelte seines Werthes bezahlen, nicht selten von Händlern dazu getrieben, die es als einen Eingriff in ihre Rechte be« trachten, wenn Privatleute mitzubieten wagen und oft förm- licke Koalitionen bilden, um letztere auszuschließen, um sich den Erwerb von werthvollen Gegenständen zu fichent, deren Nutzen fie stch später untereinander rheilen. Wie groß ist anderseits die Freude derjenigen, denen es gelungen ist, ihre gepfändeten Sachen, an denen ihr Herz hing, auf der Auktion wieder zu erwerben, für fie reprä- sentiren die durch den Gebrauch lieb und werth gewordenen 'Gegenstände den doppelten Werth. Zuweilen kommt auch der Humor zur Geltung. Vier Mann schleppen ein Piano herbei. „Ein prachtvolles Jakarando-Piano aus der berühmten Fabrik »an N. N," ruft der Auktionator aus,„ein prächtiger Ton und fast ganz neu!"„Du, spiel' mal einen auf," ruft ein Witz vold einem der Umstehenden zu. Der Verschluß des Jnstru mentes wird geöffnet. Der eine oder der andere der Um- stehenden versucht vergebens, dem Piano die Melodie des schönen Liedes„Ach, du lieber Augustin" zu entlocken, wobei er mit seinen breiten Fingern immer zwei Tasten zugleich er- greift.„Ist vielleicht Jemand da, der Klavier spielen kann?" fragt der Auktionator. Ein Jüngling, ein schmächtiges Kerl- chen meldet fich als Musilkundrger.„Fall' man nicht in das Klavier," ruft ihm ein Witzbold, aus seine Körperbeschaffen- heit anspielend, zu.„Spiele mal vierhändig," fordert ihn ein Zweiter auf. Mit Behagen hört die Gesellschaft diese Witze an. Der Jüngling erröthet.„Was soll ich spielen?" fragt er schüchtem. „Die schöne blaue Donau", den„Schauckelwalzer". Nein, „Lohevgrin", rust ein Verehrer Wagner's. Nach längerer Debatte einigt man fich dahin, den ersteren Walzer anzuhören, den der Jüngling denn auch unter einigen Entgleisungen glücklich zu Ende bringt. Donnernder Beifall belohnt seine virtuose Leistung. Er erhebt fich dankend und abermals lieb- lich erröthend von der Tonne, die ihm als Klaviersessel gedient hat. Nach diesem kleinen Intermezzo nimmt das Geschäft wieder seinen Fortgang, und das Piano geht in der Ver- steigerung für 250 Ml. fort. Endlich ist die Versteigerung zu -Ende, die verschiedenen Gegenstände haben ihren Befitzer ge- wechselt. Die lange Reihe von Wagen, Karren und sonstigen Transportmitteln, die vor dem Auktionslokal aufgefahren find, führt fie ihren neuen Bestimmungsotten zu. In alle Winde zerstreut find die verschiedenen Gegenstände, die noch vor Kurzem hier zusammen lagerten, vielleicht treten fie nicht lange darnach abermals die Wanderung nach diesem verhängnißvollen Ott an, bis fie endlich nach einer vielbewegten Dienstzeit auf dem Hausboden unter dem alten Gerümpel eine bleibende Stätte finden. „Zeitgemäße Worte an Stellensuchende in den So« lonien" veröffentlicht die„Weser Ztg.": Hat man einmal den Entschluß gefaßt, das alte Vaterland zu verlassen, sei es aus -irgend einem Grunde, so stehen fich Diejenigen natürlich be- deutend besser, die festes Engagement haben und denen die Reiselosten bezahlt find, ich will aber setzt von Denen sprechen, die auf gut Glück oder aus Dummheit oder Verzweiflung ein- fach von einem Otte hören und dorthin abdampfen oder ab« segeln. So ein Ozeandampfer bildet eine kleine Welt für fich, und was man dott Alles ficht und hött, grenzt oft an's Un- glaubliche.— Herr 91., Hannoveraner, 22 Jahre alt, sehr groß und dick, bekam nach dem Konkurs und Tode seines Vaters, der Bierbrauer war, ein Auswanderungsbillet nach der Kapkolonie von seinem Onkel geschenkt, eine Tante schentte 200 Mk., die in Antwerpen und London unstnnig verfiegelt wurden, und so befand fich dieser Jüngling ohne Geld, ohne Eprachkennt- niffe von Englisch oder Holländisch auf einem nach Kapstadt gehenden Dampfer. Gewöhnt an eine ziemliche Anzahl Bieres täglich, an Seekrankheit leidend und die englische Schiffskost nicht mögend, wurde der Mann schwächer und kränker. Eine Kollekte unter den Paffagieren verhalf zu zwei Flaschen Porter täglich. Was aus ihm später wurde, weiß ich nicht, zu schwerer 9lrbe>t war er zu dick, keine Spur von Energie— wahrscheinlich verdorben und gestorben.— Herr B., früherer Sergeant bei einem preußischen Pionierbataillon, fuhr als Auswanderer nach Natal mit 100 M. in der Tasche. Keine Sprachkenntniffe. dagegen energisch und sehr für fich «ingenommen. Sein Plan war, im Transvaal oder bei einem Neacrkönig Offizier zu werden. Nach zwei Monaten kam er zerlumpt und zernssen in Kapstadt an, war zu Fuß von Trans- vaal gekommen, hatte gehungert, auf der Landstraße geschlafen. Da es schwer hielt, gleich etwas für ihn zu finden, bot ein deutscher Kapitän ihm an, ihn als Leichtmatrosen mit nach Italien zu nehmen. Fort segelte das Schiff, ob er wohl je in Deutschland angekommen ist? Herrn C., Passagier erster Klaffe, sehr nobel und fein, Sohn eines Hoteliers aus B., traf ich später eines Tages auf der Straße mit einem Sandkarren beschäftigt. Herr D., ebenfalls erster Klasse, Kaufmann aus Süddeutschland, begegnete mir eines Abends als wohl- bestallter Hafenpolizist.— So könnte ich noch immer weitere Beispiele anführen; doch genug für heute. Jeder, der stch eine Kolonie aussucht und entweder die letzten Groschen auf ein Billet zweiter oder dritter Klaffe anwendet oder fich„durch arbeitet", muß fich auf folgendes vorbereiten: 1) Alles viel schlimmer vorzufinden, als er stch es vorstellt. 2) Jede ihm offerirte Arbeit im Anfang, sei sie auch noch so unangenehm — sofort anzunehmen. 3) Nie den Muth zu verlieren. In Betreff des ersten Punktes denken fich viele Leute eine Kolonie als ein Eldorado für ein Schlaraffenleben, nichts zu thun, jagen, reiten, unter Palmen fitzen zc. Die Wahrheit aber ist anders; oft wird der Gehalt im Voraus vergeudet— oder bald nach Ankunft, wenn Alles nüchtern besehen und be- trachtet woiden, wird man krank oder melancholisch, die über- nommenen Pflichten werden vernachläsfigt, reelles oder fingirtes Heimweh stellt sich ein, totale Unfähigkeit der Stellung, Reibereien mit Geschäftskameraden, Durchbrennen oder Ent- laffung! Zum zweiten Punkt ist aber folgendes zu rathen: Fahre auf eigene Kosten in bescheidenem Auftreten und Kleidung dritter Klasse hinaus, vergiß nicht für immer, aber für einige Zeit die Vergangenheit, sei höflich und freundlich gegen Deine Mitmenschen an Bord, lüge nicht, sondern sage einfach, daß Du bereit bist, entweder mit Dernen Händen oder mit Deinem Kopfe in einem fremden Lande zu arbeiten, sei möglichst heiter, zehn zu eins, daß Du schon auf der Passage Freunde machen wirst, die Dir drüben helfen werden. Passtrte es mir doch auf meiner Reise von Marseille nach Singapore, daß mir drei gute Stel- lungen offerirt wurden, die ich leider nicht annehmen konnte. Die erste war als Korrespondent, die mir ein Mitreisender mit Passage und schönem Gehalt in Wladiwostock offerirte. Die zweite war als Sekretär mit einem Juwelierreisenden von Ceylon aus nach Indien. Die dritte war als Klavierspieler für einen malaischen Fürsten, der fich zudem konttaktlich ver> pflichten wollte, mir den Tabackbau auf einer größeren Fläche seines Befitzes zu gestatten. Ein Bekannter, der mit mir nach der Kapkolonie fuhr, machte fich während der Reise sehr gefällig aeaen eine alte Dame, der das Gehen sauer wurde. Obgleich mtt tüchtigen Kenntnissen und solidem Charakter ausgerüstet, konnte er keine Stellung in Kapstadt finden, und mit seinen letzten Groschen bezahlte er die Passage nach Natal. Vor einiger Zeit hotte ich von ihm: In Durban begegnete er der alten Dame auf der Straße, und wie fie sein Leid bötte, ver- schaffte fie ihm eine angenehme, gute Stellung.— Wenn es einem jungen Manne m der Kolonie'gut geht, so heißt es immer:„Ja! der hat Glück gehabt;" ich bestreite diesen Ausdruck, wer ein heiteres Gemüth und noch einen unverdorbenen Charakter und eine gute Gesund- heit mit hinausnimmt, fich in jede Lage— wenn es sein muß hineinfindet, der kommt vorwärts. Arbeit schändet nickt. In Singapore machte ich die Bekanntschaft eines ehemaligen preußischen Kavalletteoffiziers, derselbe betneb einen lebhaften Handel mit Pferden zwischen Australien und Indien. Drei Jahre lang war er Koppelknecht»wischen diesen beiden Plätzen für eine Srdneyfirma gewesen, jetzt war er AssociS. Ein junger Engländer, Sohnßguter Eltern, sehr nachsichtig, erzogen, seine Jugend mit Reiten und Jagen zubringend, tneb es zu- letzt in seinem Hcimatlande zu toll und wurde nach Ceylon ge- schickt, wo er— ander Qoveroment— eine Anstellung bei der Eisenbahn bekam. Natürlich paßte ihm diese gebundene, fitzende Stellung nicht und er verging stch, daß seine Ent- laffung erfolgte. Ein rührender Bnef an seine Eltern „.. mit der Bitte, ihm daS Passagegeld nach Australien zu schicken, blieb ziemlich lange unbeantwortet, und so erschoß er fich. Tags darauf kam Bnef und Check— aber leider zu spät. Warum so viele gleich den Muth aufgeben, wenn es ihnen schleckt geht, kann ich nicht begreifen, folgt doch auf Regen Sonnenschein, Ausnahmen machen Kranthett und Alter. Belle-Alltanee-Theater. Das schwedische Doppel-Quar« tett veranlaßt allabendlich durch seinen prachtvollen Gesangs- Vottrag, sowohl auf der Bühne, als auch im Sommergarten eine förmliche Völkerwanderung und enthustaSmitt das Publi- kum derartig, daß ihm rauschender Beifall nach jeder einzelnen Piece zu Theil wird. finden, deren Betneb eine Schädigung der Gesundheit Sittlichkeit der Frau mit sich fühtt. Auch ein gänzliche? jg bot der Kinderarbeit sei durchaus nothwendig, um den# brauch unentwickelter Kinder zu beseitigen. Nach 6 tägiger beit müsse einem jeden Arbeiter ein Tag der Erholung«f räumt werden und deshalb fordett der Gesetz-Entwurf obligatorische Sonntagsruhe. Außerdem legte R(W einen besonderen Werth auf die Erttcktung von Arbeit-' kümmern, Arbeitsämtern und eines Reichs- Arbeitsair" als Garantie für eine freiheitliche und gerechte Ausführ®! der im Gesetzentwurf vorgeschlagenen Maßregeln. Im Intens der matenellen und geistigen Hebung der Lage der arbeitet Bevölkerung sei ein von freiheitlichem Geiste getragenes Ärbei� schutzgesetz dringend nöthig. Hiermit schloß Redner unti t. Daß eine ernstliche UnfallSaefahr mit dem allgemein beliegten Vergnügen des Familien- Kaffee- Kochens in unseren Sommerlokalen verbunden ist, dürfte außer den unmittelbar bei diesem„Vergnügen" betheiligten Frauen wohl kaum noch bekannt sein, und doch ist es nöthig, bei dieser Beschäftigung iküche äußerst vorsichtig zu sein. Ist der Andrang zur Kaffeeküche groß, so ist das Umgehen der dott beschäftigten Dienstboten mit dem fiedenden Wasser im höchsten Maße gefährlich. In größter Geschwindigkeit werden die Kaffee- Kannen mit dem kochenden Inhalt auf den Abfertigungstisch geschoben, so das die fiedende Masse den dicht aneinander gedrängten Frauen entgegensptttzt; hat eine derselben das bestellte Gettänk entgegen- genommen, so beginnt fie mit demselben fich durch die Menge Bahn zu brechen, wobei natürlich Alles gern aus Respekt vor der heißen Kanne und ihrem Inhalt Platz macht. Ein sehr ernster Unfall aber ereignete fich bei solcher Gelegenheit am Montag in einem Lokale der Hasenhaidc. Eine Frau hatte die für fie gefüllte Kanne erfaßt und schickte fich zum Fortgehen an, als fich das Gefäß von dem wahrscheinlich defekten Henkel loslöste und den kochenden Inhalt über die Füße ihrer Trägerin ergoß, deren einer so erhebliche Brandwunden erlitt, daß die Bekleidung heruntergeschnitten und die Verletzte mittelst Droschke nach ihrer Wohnung geschafft werden mußte. Dieses Vottommniß ist keineswegs vereinzelt. Für die Wirche ergiebt fich aber hieraus die zwingende Nochwendigkeit, für geeignete Sickerbeitsvottehrungen zum Schutze der Bethelligten bei diesem gefährlichen Vergnügen zu sorgen. Vereine nnd Versammlungen. Eine Versammlung der Stellmacher Berlins tagte am Sonntag Vormittag 10 Uhr im„Schützenhause", Linien- straße 5. Herr Tischlermeister Mitan refenrte über den Ar- beiterschutzgesetz-Entwurf. Er beleuchtete die wichtigsten For- derungen des Entwurfs, die dem Arbeiter gewährt werden müßten. Der Druck, welcher auf dem 9lrbeiter lastet, könne dadurch bedeutend gemildett werden. Dieser Gesetz Entwutt habe die Sympathie der Arbeiter lebhaft erregt, so daß sie sich in Korporattonen zusammen schaaren, um ihrer vollen Ueber- einstimmung Ausdruck zu geben und der gesetzgebenden Körper- "(Haft zu zeigen, daß der 9lrbeiter auch schon Denken gelernt labe. Viele Arbeiter und Handwerker haben beschlossen, eine IZetition an den Reichstag zu schicken und mit ihrer Namens- Unterschrift bekräftigt, daß fie mit dem Arbeiterschutzgesetz ein- verstanden seien. Ferner kritifitte Referent die Zuchthaus-, die Frauen- und Kinderarbeit in den Fabttken, durch welche den freien, resp. den männlichen Arbeitern große Konkurrenz be- reitet würde. Diese Konkurrenz trage dazu bei, daß das Heer der Arbeitslosen ein immer größeres werde. Eine Beschrän« kung der Frauenarbeit müsse in allen Industriezweigen statt- ______ U.. m...'edner unter arM Beifall der Versammlung. Darauf entspann fich eine Kbhp Diskussion über die Mängel und Schäden des Stellmlub«' gewerks, welche einer scharfen Kritik von den Herren Mv Glaubitz, Heider, Singert und Grak unterzogen wurden- Schluß der Versammlung gelangte folgende Resolution Abstimmung und Annahme:„Die heute Versammelten erual!" sich mit dem Arbeiterschutz- Gesetzentwurf vollständig ein»� standen und beweisen durch NamenSunterschnft ihre Zu>�' mung." Es wurde beschlossen, folgende Petition an den W' schen Reichetag zu senden:„Von der Ueberzeugung dui» drungen, daß durch Annahme des von dem Abgeordnet' Herrn Gnllenberger und Genossen am 27. Januar 1885 e® gebrachten Arbeiter'chutz-GesetzentwurfS ein großer Thell unser» Roth und unseres Elends beseitigt werden wird, bitten Unter' zeichnete, den Entwurf zum Gesetz erheben zu wollen." Die Versammlung des Arbeiter-Bezirksvereint Westens wurde am Montag Abend nach etwa halbstüÄ Dauer polizeilich aufgelöst. Herr Laske sprach über den beiterschutzgesetzcntwurf. Referent meinte, als die Frage tf" Arbeiterschutzgesctzes zuerst austauchte, stimmten selbst dieA servativen Zettungen derselben zu. Sehr bald jedoch sei% Anerkennung wieder verstummt. Redner besprach nun r- Sonntagsruhe, kam dann auf die Vagabondenfrage und � Recht auf Arbeit zu sprechen, ebenso auf die Frauen- Kinderarbeit. Die Kinderarbeit in den Fabttken führe!» Degeneration des gesammten Arbeiterstandes, da würde W' zialrstengesetzes. Die Vereinsbibliothek ist bereits 50 A«!* stark und find die Bücher zu haben bei Kleinert, Denneio» straße 8, vorn 4 Treppen.. Eine Versammlung der Etuisarbeiter tagte If. 5. August. Es wurde beschlossen, zur Vettretung der Arb� Interessen derselben einen Fachverein zu gründen. Eine misfion von 7 Mitgliedern wurde beauftragt, innerhalb 111' Wochen ein diesbezügliches Verttnsstatut auszuarbeiten. Merane(Sachsen), 10. August._ Wie verschiedene melden, find bei der hicfigen Ortskrankenkasse l vom 1.% zember 1884 bis Ende Mai 1885 über 600 Mark Rückst� zu verzeichnen. Das Zwangsvollstreckungs-Verfahren habe 177 Personen und 136 Mark Rückständen einen Ausfall � 64 Matt ergeben, während es bei 179 Personen mit 511 r Rückständen noch nicht zum Abschluß gelangt ist.„Mit, nugthuung können, so schreibt über diesen Fall die„ZÜM Morgenzertung", die eingeschriebenen freien Hilfskassen f solche Vorkommnisse blicken, weil dieselben beweisen, daß?» die Selbstverwaltung der Arbeiter, obwohl dabei auch MaA vorkommen, das Krankenwesen gut geleitet werden kann.% jenigen Behörden aber, welche seither Mißtrauen gegen WW»»»" fl».«s? die werteste Unterstützung angedeihen zu lassen, wenn fie � freien Hilfskassen gezeigt haben— und ihrer find nW mögen sich beerten, wo es immer möglich ist, diesen% rr�-�r, ,., r„ct„..----- m VIV(VVI»V|«V vtiiitiMueuuu uuytvtlijeu zu lUfitn, uicilli I" erst daran durch Krachs rn den Ottskaffen uud Defizits»n r Gemeindelassen gemahnt werden wollen." Verein zur Wahrung der materiellen Jntettlr der Fabrik- und Bauarbeiter in Berlin. GeneraloerstiL lung am Dienstag, den 18. August, Abends 8'/, Uhr, im des Herrn Bötcher, Köpnickerstraße 150—151. Tagesordn»� na der Statuten. 2. Monatsbericht der Reoii®, 3. Vottrag über Sonntagsruhe. 4. Verschiedenes. R(% wird in der Versammlung bekannt gemacht. Neue Mi> werden aufgenommen. Gäste find gern gesehen. Spar« und Kreditverein„Solidaria". Den ilf dem zur Nachttcht, daß für die am Sonntag, den 16. d- 7, stattfindende Herrenpattie der Versammlungsort bei W(% Zusammenkunft Morgens v m Adalbertstr. 16, fich befindet. Abmarsch 60, Uhr. 11. Ziehung d. 4. Klasse 172. Königl. Preuß. Lotterie. Ziehuna vom I». August 1885. Nur dir«erelnnr über 210 Mark ftnd den betreffenden Nummern tu Parenthese beigefügt. (Ohne Sewädr.) 30 45 6? RO 135[300] 47 65 77 79 269 93[1500] 354 55 69 472 545 [3001 53(15001 77 97 615 88 728(5501 96 908 92 lull 24 76 148 66 87 310 61 69 4i'3'4 77 646 96 1300] 769 808 46 964 2063 75 190 473|560t 88 599 602 2' 722 59 60 62 72 76 81 803 50 62 938 67 80 3015 67 300] 83 103 59 210 43 87 305 23 86 92 403 14(3001 512 34 36 98 676 758 80 850 905 4063 126 85 262 89 313 408 72(1500] 502 15 52 67[300] 66 74(15001 606(550) 14 721 53 72 96 812 17 913[3000] »143 55 228 79 312 20 82 91 413 510 87 88(3001 609 36 50 97 778 821 93 918[300] 83 6015(5501 17 91 123 40 289[3000] 94 375 479 501 17 23 38 89 600 31 773 79 95 851[300] 70 80(3001 931 60 59 64(3000] 7037 67 94 149 233 39 91 342 66 83 90(3001 421 60 74 87 507 66 75 602 25 71 799 1300] 838 80 85 923 8177 209 355 85 98 422 28 73 517 97 603[300] 15 65 1300] 68[6501 710 46 844 1300] 72»082 102 23 224 60 328 45 64 400 27 96 501 46 84 605 42 88 720[550] 28 43 67 88 841 (3001 49 975 77[550] 10042 13001 216 361 73 479(300] 631 43(30001 87 637 38 53 755 818 33 59 86 960 11009 28 65 88 134[560] 37 77(300] 89 298 316 39 61 95(300) 420 83 561 68 611 713 38 66 815 26[15001 49 84 941 97 1-1046 77 128 269(3001 63 319 68 424 596(16001 645 711 30(300) 866 «41 80 86 1.1019 74 246 426 43 64 76 83(3001 640(1500) 44 718 32 804 7 8 12 41 972 1 4056 89 110 94 95 228 32 314 71 402 647 53 90 719 803 7 35 77 917 90) IS 1.10 13000L38 241 57 315 25 63 72 512 22 40 60 89 663 709[300] 803 32 68(5301 72 78(3001 81 904 23 40 71 86" 1«067 90 164 282 43S 85 533 616 64 705(1600) 74 90(3001 845 78 982 83(30001 86 1 7197 242 71 76 96 336[300] 48'[3001 422 33 T30Ö) 618(3000]" 33 64 742 833 18003 76 96 266 75 332 66 91 416 17(5501 31(1500] 518 91 908 88 47__________________________ ML 99(300j 616 22 69 714 16 64[3001 88 848 63 921 55 57 98(300) 137 46 53 316 59 92 406[300] 91 653 600 21 67 96(1600] 755 64 90 827 52 981 97[550] 90150 205 306 45[300] 5 93 428 65 66 83 608 71 82(300) 706 69 833 44 67 95 924 69 21006 33 37 46 97 220 403(300) 74 90 608 40 41 ------------------- 11 46 62 333(6501 46 93 99 23015 76 811 16 30 tzOlMW" 240141300]" 26 43"128 54 � 65�246�85 324 1(1600] 19(15001965 .9 573[300] 625 728 --„------------------------------.___, 78 319 69 495(3001 529 56 56 630 766 86? 905(3(81] 69(1500J 73 27023 27 62 87 129 84 231 79[1500] 313 52 92[300] 667 79 675 756 80 803 33 932 55 98 2 8008 36 116[300] 43(30001 267 313 46[3000] 68 70 530 624 32 34 38 54 719 42 57(300) 847 66 68 927(1600] 34 68 20041 303 96 631 68[1600] 82 673[o&U] 83 722[300] 23 802 20 79 900 23 81 « 80061 101(60001 328 411 30 74 624 43 56 75 623 34 741 906(15001 Sj'l ZW IM»»1« 718 89(1500) 862 63 948 67 82(3000] 92 915 32 45 66 70 18000) 46052 53 112 26 34 66 67 fjJ 60 86 96 302 402 36 46 51 56 641 645 52 71 718 39 61 820«IM 65 4 7037 38 123 76 81 246 53 83 300 9096 410 77 91 506 IS l« _ 45014 84 247 49(550185340(550] 414 77641 43 60 82(3000] 92 915 32 45 66 70(80001 46052 53 112 26 34 44(30001 53(300] 614 761 77 l 202 8 386 470 639(300) 81[3000] I 92 121 86 342 513 46 1660) 60 69'._____......... 50112 53 77 226 68 450(3001 91 529 34 78 740 45 892 988 50112 53 77 226 68 450(3001 91 529 34 78 740 45 892 98» 159 214 49 321 25 40 43 610 12 39 820 71 74[1500] 943 47 54 MM 70 5 8039 121 90 271 344 433 44 583 87[300] 629(3001 38 744 AM 845 53 59[5501 97 961 77»4 5!» 158 95 234 91 354 462g98 Wjj«jjo 85 87 797 820 40 51 58[3001 64(30001 94 932 54011 425 46 72 639 63 95[3001 712 13 1300 48 63 67 ,7 55011 109 49(300] 76 282 323 43 70 438 86 508 9 74 601'(. 840 62 78[550] 916 45 64 75 83 92[3001 5 0056 113 30 13000!;».?., 224 347 482 505(3001 19 23 32 77 606 20(15001 49 742 44 47 W 5 7026 98 101 40 56 95 204(5501 309 77 405 52 88 94 610 58 7ß!'(ji 74 766 67 97(300) 805 50 66 5H018 42 52 158 80 246 371[lMN> 401 13 36(30001 44 47 713 47[3001 52 67 93 818 20 904 490(300) 684 89 92 643 60 705 9 71(300] 83 80Ö 47(3001 48%% 80(309]««011 63[bOOO] 68 153 80 86 250 66 66(300] 300 1" n» 433 91 685 94(1600] 617 44 72 722 69 96 831 71 918 42«»# j?! 22(3000) 65 121 68[300] 89 303[1500] 59 63[550] 90(30001 4SI � 62(300] 627[300] 58(3001 86 868«4033 101 76 1650] 213 S«*. 96[3000] 629 627 77 781 11500] 895 942 86..... oS-Ü «5091 170 232 82 333(550) 85[300] 433 50 650 721 64 8«I. 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Druck und Verlag von Mar vading in Berlin 8W„ Bcuthstraße 3. Hier«« eine Beilage zum Berliner Bollsblatt. Kr. l87. Donnerstag, den 13. Angnst 1883. II. Jahrg. Zur Redefreiheit der Adzeordueten. dliüfr m ■m M (Aus den„Demokr. Blättern.") eNach den neuesten Zeitungsnachrichten ist der Senats« ent v. Holleben zu Berlin zum Präfidenten des Ober- sgerichts zu Königsberg ernannt worden. Herr v. H. gehölte zu den Neun, welche zur bewußten Zeit wr die Einschräntung des Art. 84 der«preußischen) Verfassung stimmten,— seldstoei ständlich aus Ueberzeugung. Diese Beförderung ist um so erfreulicher, als dieselbe aufs neue beweist, daß man niemanden für solche Abstimmungen büßen läßt. Plan hat die Namen der Votirenden damals in Mertoerse, nach Art der Zumpt'schen Genusregeln, zusammen- gestellt, die von Zeit zu Zeit in Erinnerung gewacht zu werden verdienen, damit diese Herren nicht gar zu bald vergessen, son- vern der Geschichte einverleibt werden und bleiben. Die Verse lauten: Es stimmten Jahnigen, Frech, Weißgerber, v. Seckendorf und Reichensperger, v. Schmitz und Bloemer und Goldtammer Für Redefreiheit in der Kammer. Die Redefreiheit woll'n aufheben v. Schlieckmann, Heffter, v. Holleben, v. Tippelskirch, v. Daniels, Fink, Donalies, Kühne und Edink. Da die in obiger Zuschrift berührte Angelegenheit unseren mgeren Lesern vielleicht nicht bekannt ist, fügen wir zur Er- arung folgendes hinzu: Der Abg. Frentzel hatte in einer Rede im Abgeordneten- hause Aeußerungen über den Regierungspräfidenten in Gum- binnen gelhan, worin dieser dem Haß und der Verachtung preisgegeben sein sollte, so daß die Staatsanwaltschaft den Redner deshalb gerichtlich belangte. Sowohl das Kreis- gericht von Gumbinnen, als das Appellationsgericht von Jnster- bürg hatten jedoch die Klage mit Rückficht auf Art. 84 der Versassung: «.Die Mitglieder beider Kammern) können für ihre Abstimmungen in der Kammer niemals, für ihre darin ausgesprochenen Meinungen nur innerhalb der Kammer auf Grund der Geschäftsordnung zur Rechenschast ge- zogen werden. abgewiesen, letzteres noch unter ausdrücklicher Beziehung auf einen Plenarbeschluß des Obertribunals vom 12. Dezember 1853. Das Obertribunal hob indeß diesen Beschluß auf (W. Januar 1866): es frage sich, führte der Beschluß aus, in welcher ü. erse der Ausdruck„Meinungen" aufzufassen sei. Räch dem gewöhnlichen Sprachgebrauch verstehe man hier- unter lediglich die Resultate des Denkvermögens, im Gegensatz M Behauptung und Verbreitung von Thatsachen. Aus der Entstehungsgeschichte des Paragraphen ergebe sich, daß unter '.Meinungen" nicht überall dasjenige zu verstehen sei, was ber allgemeinere Ausdruck„Aeußerungen" in fich schließe u. s. w. Dieser Beschluß, welcher die Redefreiheit der Abge- ordneten vernichten sollte, kam mit Hilfe zweier Hilfsrichter mit einer Stimme Majorität zu Stande; er ist nicht ohne Folgen geblieben. Zunächst spitzte er den Konstikt wesent- «ch zu. . In den Sitzungen des Abgeordnetenhauses kam es aus Anlaß eines Antrages Hoverbeck über den offenbaren Bruch ocr Veifassung durch das Obertribunal zu stürmischen und erregten Debatten, in welchen der spätere Herr Reichskanzler seine Ansichten über die Redefreiheit der Abgeordneten zum besten gab. Damals brach Twesten(einer der Gründer Partei) in die leidenschaftlichen 12 ber nationalliberalen Worte aus: „Mögen Sie Richter mit allen (zu dem Minister gewendet) Ihre ................... Orden des preußischen Staates de- hängen, Ihre Sterne decken die Wunden nicht, welche diese Männer ihrer Ehre vor der Mit« und Nachwelt _ geschlagen haben, Anirrl mii Heimzesu»drii. (Schluß.) Einige Wochen später las er in der Zeitung: Ver- Mite: Alwin Thalberg, Rosa Schwarz. Was war das? Er traute seinen Augen nicht. Hatte sie im letzten Augen» blick noch den Muth gehabt, die Fesseln zu lösen? Eine Hand legte sich auf seine Schulter, er sah den -Letter seiner kleinen Freundin neben sich.„Nun, was sagen Sie? Ich sehe, Sie lesen da eben die Heiraths- steige des Herrn, der eigentlich die Ehre haben sollte, mein ■Lstter zu werden. Sonderbare Welt", er warf ärgerlich Hut und Reilpeitsche auf den Tisch.„Kann das Mädchen **** steinreiche Frau werden und zieht es plötzlich vor, »-lieber, tausendmal lieber", wie solche dummen Mädel zu lagen pflegen, wieder Erzieherin zu werden. Komischer Ge- schmack, kann mir dabei absolut nichts Schönes denken! Zch bin so böse darüber, wie die ganze Familie! Es war wirk- uch ein guter Kerl, der sein Heil mit ihr versuchen wollte; otwas bornirt vielleicht, unter uns gesagt, aber ich bitte Sie, ben Luxus kann man sich erlauben, wenn man Geld wie Hw* hat, wie der! War sterblich verliebt in das Mädel, iiud sie mar eine so kühle Braut!„Moderne Brautschaft" nennt man da» ja wohl: aber der Himmel behüte Einen in Gnaden vor solchen Moden! Zch Hab' mich wirklich ge« wältig ärgern müssen in der Zeit. g. Denn plötzlich eines Tages— sie war hierher gereist, Ankäufe zu ihrer Hochzeit zu machen, und meine Frau sucht Lürade für sie das Brautkleid aus, denn sie bekümmerte sich �leufelt wenig um diesen Kram, an dem doch sonst die -Gelberherzkn hängen— tritt sie ganz resolut in den Laden r? sagt:„Laß nur, Life, heute nicht!" Meine Frau ist andrer Meinung, aber sie bleibt fest.„Komm, ich will etwas sagen." Und draußen sagt sie ganz ruhig: »»och will Thalberg heute Abend noch abschreiben, es geht °°ch über meine Kräfte!" Meine Frau fällt beinahe um Schreck.„Kind," sagte sie,„wie kannst Du so scherzen, ven« Dein Ernst kann'S doch nicht sein!"„Nimm'S immer« % an, ich thu'S nun einmal nicht!" und dabei bleibt das cadchen und schreibt wirklich noch denselben Abend an oen armen Thalberg. Nun, der hat sich schnell genug ge- ?7]fct," fuhr er ingrimmig fort,„aber nun diese Familien- & t1 Die guten Leute hätten sich, nun, da eS einmal ge- '�ehen, hineinfinden sollen und gute Miene zum bösen (Stürmisches Bravo) leider aber nicht mos ihrer Ehre, sondern auch der Ehre ihres Vaterlandes." (Lebhaftes Bravo.) Schließlich wurde in namentlicher Abstimmung ein Antrag § Overbeck mit 263 gegen 35 Stimmen angenommen, der m,t nergie die Redefreiheit der Abgeordneten wahrte. Wenige Tage nach diesen erregten Debatten folgte die verfassungs- widrige Vertagung des Landtags. Es kam der Krieg und in dem Siegesrausche verblaßte auch die Erinnerung an die Schmach des höchsten Gerichtshofes. Aber doch nicht für immer. Zunächst waren die Liberalen bei Berathuna der Rcichsverfassung doch vorsichtig genug(?), dem auf die Rede freiheit Ver Abgeordneten bezüglichen Attikel 30 eine Fassung zu geben, die vor einer Wiederholung solcher Attentate ficherte. Dann aber gab die Erinnerung an die Zusammensetzung und die notorische Beeinflussung des Obcrtribunals durch den da« maligcn Justizminister Grafen zur Lippe bei vielen Abgeord- neten den Ausschlag, als es sich um die Frage handelte, ob das Reichsgericht seinen Sitz in Berlin oder in Leipzig haben solle. Die jrhizeEiiquetc über die ZimiMuhe wird von der„Franks. Ztg." in einem Leitartikel besprochen, den wir hier ungekürzt wiedergeben wollen. Derselbe lautet: „JnFolge der bezüfllichen Verhandlungen in der lctztenReichs- tagssesfion hat der Reichskanzler bekanntlich eine Verständigung unter den Regierungen der Ein�elstaaten herbeigeführt, welche eine Untersuchung über die Beschäftigung gewerblicher Arbeiter an Sonn- und Festtagen bezweckt. Die Art und Weise, in welcher diese Untersuchung vorgenommen werden soll, entspricht im Allgemeinen durchaus der Haltung, welche der Reichskanzler persönlich im Reichstage in dieser Frage angenommen hat, man will von Seiten der Reichsregierung offenbar nur einer Form genügen, ohne die Sache selbst allzu einst zu nehmen. Unter solchen Umständen dürfen die arbeiterfreundlichen Politiker von dieser Untersuchung, die fich lediglich auf die Ausfüllung eines Fragebogens durch die Industriellen und vielleicht auch eine Anzahl beliebig ausgewählter Arbeiter beschränkt, kein für die Arbeiter besonders günstiges Resultat erwarten; denn wir haben es hier nicht mit einer unter der Kontiole der Oeffentlichkeit stehenden Enquete zu thun, sondern lediglich mit einer je nach Wunsch und Willen der Regierung zu ver- werthenden Erhebung. Und daß die Reichsregierung fich nicht allzusehr mit einer gesetzlichen Einschränkung der Sonntags- arbeit beeilen wird, selbst wenn die Erhebungen für das gänz- lichc Verbot der Sonntagsarbeit sprechen sollten, liegt ange- stchts der bisherigen Stellungnahme der Reichsregicrung auf der Hand, zumal die Regierung schon bei öfteren Gelegenheiten den Ergebnissen von Enqueten geradezu entgegengesetzt ge- handelt hat. Unseres Erachtens deutet die Art der Unter- suchung schon jetzt darauf hin, daß dieselbe im besten Falle eine Menge von„schätzbarem Material" liefere, keineswegs aber zu einer baldigen rationellen Lösung der wichtigen Frage der Sonntagsarbeil führen wird. Die Frage wird noch dadurch schwieriger gemacht, daß die Erhebungen fich nach einer uns vorliegenden Bekannt- machung der Ärnsberger Regierung nicht nur auf die Groß- und Fabrik Industrie, sondern auch auf die Han- delsgewerbe und das Handwerk beziehen sollen, obgleich die arbeiterfreundlichen Parteien zunächst nur die gesetzliche Ein- schränkung bezw. das Verbot der Sonntagsarbeit in Fabriken verlangten. Je mehr Erwerbszweige in diese Frage hinein- gezogen werden, um so mehr wird natürlich die Lösung ver- zögert, so daß zum Schluß aller Wahrscheinlichkeit nach Die- jenigen Recht behalten, welche in den vorliegenden Erhebungen nur ein Mittel erblicken, die namentlich den Großindustriellen unerwünschte gesetzliche Regelung der Arbeiterverhältnisse immer weiter hinauszuschieben. Die erwähnte Bekanntmachung der Regierung zu Amsberg beweist schon von vomherein, was man Spiel machen, aber eS hielt schwer, sie zu beruhigen. Sie haben dem armen Ding das Leben schwer genug gemacht, aber die Kleine war wie ausgewechselt seitdem, zu den härtesten Strafreden machte sie ihr freundlichstes Gesicht und der Refrain war immer:„Zhr könnt Euch gar nicht denken, wie froh ich bin, daß ich meine Freihett wieder habe; es war erbärmlich, daß ich mich überhaupt überreden ließ!" Sie hatte ihre Heiterkeit wiedergefunden, die sie während ihres famosen Brautstandes ganz eingebüßt hatte, und—" „Wo ist sie denn jetzt?" fragte endlich der Doktor, der freilich erregt genug zugehört hatte. „Nun, sie hat da» Klügste gethan, was zu thun war, sie hat eilfertig eine Stelle als Erzieherin wieder ange- nommen, da hinten irgendwo in der Mark", er nannte einen Namen,„wo allen Traditionen zuwider der Lehm am tiefsten ist, wie sie neulich meiner Frau schrieb. Es geht ihr aber, glaub' ich, nicht all zu gut, und ich denke, sie wird noch einmal bereuen, daß sie uns allen diesen Kummer ge» macht- denn ich bitte Sie, wo findet ein Mädchen, das ihre Verlobung so leichtsinnig löste, heutzutage noch einen Mann. Mit der wirdS'S Keiner wieder wagen, und ich würd's auch Jedem verdenken."— Ein wonniger Junitag. Die Sonne warf ihren heißesten Schein auf die herrlich geschmückte Erde herab; auch in das einfache Mädchenstübchen fanden ihre neugierigen Strahlen den Weg, sie huschten durch das Gezweig des davorstehenden Kastanienbaumes und über das blonde Köpfchen und spiegelten sich in einem Paar glänzender Augen. Diese Augen blickten sinnend hinaus in all die Pracht der schönen Welt; die Arbeit war der Hand entsunken. Das blonde Mädchen hatte schon eine ganze Weile so still vor sich hinttäumend dagesessen. Baute sie wieder Luftschlösser? Zeit dazu hatte sie heute. Die Herrschaften waren schon früh am Morgen fortgefahren, selbst die Kinder waren mit- genommen, nun war sie allein. Allein, wer weiß es, was Alleinsein heißt? Zuerst empfand ihr lebhaftes Gemüth einen wahren Jubel über diesen selten«, Genuß, aber solche gezwungene Einsamkeit, bei der man auch nicht die leiseste Aussicht hat, daß sie, wenn auch nur auf einen Augenblick, unterbrochen werden könnte, drückt zuletzt solch' lebhaften und im Grunde auch mittheilsamen Geist. Sie hatte geschrieben, gelesen, gearbeitet, kurz alle Dinge ver- sucht, die selbst dem einsamsten Menschenkinde zu Ge- böte stehen— nun war'S ihr beinahe zuwider! von den geplanten Erhebungen zu ermatten hat. Die Unter- nehmer aller derjenigen Betriebe, in welchen eine Beschäftigung gewerblicher Arbeiter an Sonn- und Festtagen bisher stattge- fundcn hat, werden aufgefordert, binnen kurzer Frist eine bezügliche Anmeldung an den Fabrikinspektor des Bezirks zn richten, und wer diese Anmelvung unterläßt, bat zu gewättigen, daß für den Fall eines allgemernen Verbots der Sonntags arbeit Ausnahmen für seine spezielle Branche nicht bewilligt werden. Die Regierung stellt also, noch ehe fie das Verbot der Sonntagsarbeit erlassen hat, massenhafte Ausnahmen von dieser Regel in Ausficht, fie fordett indirekt die Jnflustriellen auf, für ihren speziellen Bettieb schon a priori Ausnahmen zu erbitten, so daß schließlich trotz der„Untersuchung" Alles beim Alten bleibt und dem gewerblichen Arbeiter die Sonntagsruhe vorenthalten wird, welche, wie die namentlich in England(und Amerika) gemachten Erfahrungen beweisen, sowohl für das phystsche als auch das moralische Wohlbefinden des Arbeiter standes von hohem Werthe ist. Irgend eine Kontrole über die Vollständigkeit der an den Fabrikinsoektor gelangenden Anmeldungen gibt es nicht. Der Gewcrberath ist, wie wir schon oft nachgewiesen haben, absolut außer Stande, bei der Größe seines Bezirks die eingehenden Anmeldungen auf ihre Vollständigkeit unv Richtigkeit ju prüfen, zumal ihm jetzt noch das Hanvelsgewerbe unv das Handwerk zugewiesen wird, mit dem er in seiner sonstigen amtlichen Thätigkeit nicht das Ge- nngstc zu thun hat. Wäre das Institut der Fabrikinspektion in der von uns so häufig vorgeschlagenen Weise ausgedehntunddmch eine kräftige Unterstützung der Ottspolizeibehörve gefördert, so könnte man von demGewerverath eine wirklicheKontrole wenigstens der aus den eigentlichen Fabrikbetrieben ihm zugehenden Anmeldungen und der späteren Fragebeantwortung erwarten, unter den gegenwärtigen Verhältnissen aber ist gar nicht an diese Kontrole zu denken. Dies ist um so schlimmer, als un- parteiische Sachverständige gar nicht gehött werden, so daß die „Untersuchung" im besten Falle die Anschauungen der Be- tttebsunternehmer und vielleicht auch einer kleinen Zahl von ausgewählten Arbeitern wiederspiegeln wird. Auch an Grün- den für eine ablehnende Haltung wird es den Industriellen gewiß nicht fehlen; wo man mit technischen Gründen nicht durchzukommen glaubt, schützt man wirthsckaftliche Nachtheile vor, wie es ja immer geschieht, sobald es fich um eine ernst- hafte praktische Sozialpolitik handelt. Und wenn schließlich nichts Anderes mehr übrig bleibt, dann spricht man von der durch eine arbeiterfreundliche Sozialpolitik gckäbrdeten Kon- kurrenzfähigkeit unserer Industrie auf dem Wellmarkte, ob- gleich unsere modemen Wirthschaftspolitikcr das Möglichste gethan haben, um im vermeintlichen Interesse der nationalen Arbeit unserer Ausfuhnndusttie den Weltmarkt zu verschließen. Wenn wir uns nun weiter den Fragebogen ansehen, wel- cher den in der geschildetten Weise ermittelten Betriebsunter- nehmem vorgelegt werden soll, so kann unsere ungüstige Mei- nung über diese Art von Erhebungen nur bestäikt werden. Unter den fieben Nummern des Fragebogens nämlich befinden fich wahre Dottorfragen, deren Beanlwottung einem wahrheitS- liebenden und ehrlichen Industriellen geradezu unmöglich ist. Wer will z. B. als Einzelner mit Sicherheit die Frage beant- warten, welche witthschartliche Folgen das Verbot der Sonn- tagsarbeit für den Betriebsunternehmer haben würde. Und dann kommt die Hauptfrage, auf welche ja der Reichskanzler so großes Gewicht legte und wegen deren er nicht auf gesetz- aeberischem Wege vorgehen will, nämlich die Frage, welche Minderung des Jahresarbeitsverdienstes unter der Voraus- setzung eintreten würde, daß bei dem Verbot der Sonntags- arbeit eine Steigerung des Lohnsatzes nicht stattfände, und ob der entstehende Nachtheil durch andere Vortheile aufgewogen werden würde. Die von den Großindustriellen von Zeit zu Zeit veröffentlichten Mittheilutigen über die Lohnbewegung erfreuen sich bekanntlich«m Allgemeinen keiner besonderen Zuoerläsfigkeit, hier aber in diesem Falle wird um so weniger Werth auf derartige Angaben zu legen sein, als ja die Sonn- tagsardeit nur in verhältnißmäßig wenigen Fällen eine ganz Ich verlerne heut wohl noch das Sprechen, dachte sie; wäre doch wenigstens Fränzchen hier, damit ich mit ihm spielen könnte! Eitler Wunsch! Selbst Baby und Kinder- stau hatten sich der allgemeinen Völkerwanderung ange- schlössen. Ich hätte mitfahren sollen, dachte sie weiter, aber eS ist doch besser, sich hier ein wenig zu langweilen, denn so muß ich'» doch am Ende nennen, sintemal Selbst- erkenntniß eine schöne Sache ist, als dort geduldet und ungemüthlich herumzusitzen! Sie lehnte den Kopf zum Fenster hinaus, es ist so heiß draußen, sonst könnte ich spazieren gehen. Sie wendete sich, um diesen Vorsatz aus- zuführen. Da steckte das hübsche Hausmädchen den Kopf zur Thür herein:„Fräulein, hier ist ein Herr, der Sie zu sprechen wünscht." „Ein Herr," sagte die junge Dame verwundert;„ich komme sogleich." Die Mühe wurde ihr erspart, ein leichtes Klopfen an der Thür, sie wurde geöffnet und herein trat ein statt- licher Mann, er blieb stehen.„Ilona," sagte er, darf ich?" Er breitete die Arme aus; sie flog auf ihn zu, der blonde Kopf ruhte an seiner Brust, er strich zärtlich darüber hin. „Ist eS denn wahr," fragte er,„liebst Du mich denn wirklich?", L Sie löste sich erröthend aus seinen Armen. „O, Herr Doktor", sagte sie schelmisch,„den Sieg habe ich Ihnen eigentlich zu leicht gemacht." Er zog sie wieder an sich.„Kann ich'« denn wirklich glauben?" begann sie wieder und sah unter dem etwa« zer- zausten Haar zu ihm auf; und welche Fülle von Glück sprach jetzt aus diesen Augen,„sind Sie wirklich hergekom- men, haben Sie den Weg gefunden?" „Sie", sagte er,„hast Du keine andere Anrede für Deinen alten Schatz." Sie lachte:„Woher weißt—", sie stockte, dann sagte sie,„ich habe eigentlich so viel Respekt vor Ihnen, daß ich wirklich nicht„Du" sagen kann." „Versuch's nur!" sagte er. „Du, Du, Du", sagte sie, und sah ihm glückselig in die Augen,„Du für Zeit und Ewigkeit." „Wenn Du'S nur kannst", spottete er fröhlich,„wenn'S uur nicht wieder über Deine Kräfte geht!" „Nein", sagte sie,„ich hatte mich verirrt, jetzt, hier an Deinem Herzen habe ich mich heimgesunden." «aelmäMe ist und selbst ein durchaus unparteiischer Arbeit« gebcr große Echwierigkeiten haben dürfte, genaue Angaben über die etwaige Lohnvermindemna zu machen. Eigenthümlich ist auch vie vierte Nummer des Frage- bogens, welche steh mit den technischen Eigmthümlichleiten des Betriedes und mit den wirth.chaltiichen Gründen befaßt, durch welche die Sonntagsarbei. veranlaßt wird. Wir würden diese Frage dahin beantworten, daß der wahre Grund der Sonn- tagearbeit in der weitaus übeiwiegenden Mehrzahl der Fälle das Interesse der Betriebsunternehmer ist und daß, wie die Durchführung des Verbots der Sonntagsarbeit in England beweist, weder durchschlagende technische noch wirthschaftliche Giünde anderer Art gegen das Verbot der Sonntagsarbeit sprechen. Die letzte Frage, ob das Verbot der Beschäftigung von Arbeitern am Sonntage durchführbar sei oder nicht, könnte man prinzipiell ohne Weiteres mit dem Hinweis auf England und Amerika erledigen, wir find indessen überzeugt, daß unsere Großindustriellen Giünde genug gegen diese Möglichkeit vordringen werden, zumal schon dre Art der Fragestellung !ie dazu ermuihigt. Es ist ja immer dieselbe Geschichte, obald es fich nur darum Handell, die schrankenlose Aus- Nutzung der menschlichen Arbeitskraft zu beseitigen und dem wirthichaftlich schwachen Arbeiter durch gesetzliche Maßregeln zu Hilfe zu kommen, so beim Maximalarbeitstag, bei der Einschränkung der Frauen- und Kinderarbeit uno jetzt wieder bei der Frage des Verbots der Sonntagsarbeit. Es wird der Reichsregierung aller Voraussicht nach nicht schwer werden, aus dem Resultat der Fragestellung Gründe sür ihre ablehnende Haltung gegen das Verbot der Sonntags- arbeit abzuleiten, wer aber die jetzige„Untersuchung" genau betrachtet, wird fich nicht darüber täuschen lassen, daß die Sorge um das materielle und moralische Wohl der arbeitenden Be- völkcrung der Grund dieser Stellungnahme ist. Wollte man ernsthaft und gründlich an die Sache herantreten, so hätte man einzig unv allein den Weg einer unter palamentarischer Kontrole stehenden öffentlichen Enquete mit Vernehmung von Sachverständigen und mit dem immer so gute Resultate liefern- den Kreuzverdör der Interessenten betreten dürfen. So lange nicht dieser einzig rationelle Weg eingeschlagen wird, kann von einer praktischen Sozialpolitik mcht die Rede sein. Die jetzt be- liebte»rt einer Untersuchung über industrielle Verhältnisse aber ist nur geeignet, die wichtige Frage, zu welcher es schon jetzt nicht an Material fehlt, zu verwickeln und eine Unklarheit zu schaffen, die schließlich nur als Deckmantel für die ablehnende Hallung der Regie, ung und der von ihr begünstigten Groß- industriellen dient."_ Lokales. In der ersten ordentlichen Stadtverordnetenfitzung nach den Ferien wird seitens eines Stadtverordneten der An- trag auf Besteuerung auswättiger(sogenannter„echter") Biere eingebracht werden. Während die Berllner Brauereien an Briumalzstcuer in den Stadtsäckcl jährlich über 400000 Mark einliefern, gehen an 100 000 Hektoliter Bier von Bayern K. gänzlich zoll und steuerfrei hier ein. Dieses Mißverhältniß soll durch eine Auflage von 2—3 Mark pro Hektoliter fremden Bieres beglichen werden. Der Antrag hat, der„Berl. Ztg." zusvlge, du nöthige Unterstützung bei allen„Fraktionen" bereits gefunden. Ueber die Auflösung einer Ferienkolonie wird be- richtet:„In der Stadt Teupiy, wohin 20 Knaben geschickt worden waren trat das Schar lachfieber auf. Auf die tele- graphische Meldung des Führers der Kolonie sandte das Komitee sofort einen Arzt hin, ließ die Kinder untersuchen und, da fic sämmtlich gesund waren, sofort nach Berlin zurück- kommen, natürlich zum großen Leidwesen der armen Kleinen. Es ist dies der erste Fall der Auflösung einer Ferien� Kolonie, aber er zeigt, wie nöthig die stete Aufmcrlsamkeit des Komitees war." w. Die vom Magistrat über die Stabilität der Moltke-Brücke angestellten Untersuchungen und deren Ergeb- neffe haben denselben veranlaßt, auch die Alsen-Brücke einer eingehenden Prüfung in Bezug auf ihre Stabilität zu unter« ziehen. Diese Prüfung hat ergeben, daß die Alsenbrücke nicht im Stande ist, eine größere Last ohne Gefährdung des Bau« wertes zu tragen, als 0000 Kilogramm, gleich 120 Zentner, welches Gewicht nach der Polizei Verordnung vom 4. Mai 1875 die hiefigen Siraßen und Brücken ohne besondere Vor- kehrung passiren darf. Der Magistrat hat das kgl. Polizei Präsidium daher ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß größere Lasten nicht über die Alsenbrücke geführt werden. In Bezug auf die Sterblichkeit der Kinder während des ersten Lebensjahres hat Frhr. v. Fircks, Mitglied des Königlich Statistischen Bureaus in Berlin, auf Grund des von letzterem in den Jahren 1875—1833 für das Gesammtge- biet der Monarchie beigebrachten Materials eingehende Unter- suchunacn angestellt. Von den Ergebnissen derselben, die in einer Schlußdetrachtung vom Verfasser übersichtlich zusammen- Das Nmslnisslhrrideii. Skizze von M. S a n o i. lUnberechtigter Nachdruck rerboten.Z „Hast Du schon gelesen, Schwesterchen, daß die Kölner Musikzeitung einen Aufruf zur Betheiligung an einer Preis- bewerbung erlassen hat? Du tischst uns ja so oft Remi- niSzenzen auS Deiner Konservatoriumszeit auf und verstehst dieselben so prächtig zu illustriren, nun mache Dich einmal an die Arbeit und zeige auch hier, daß Du mit Deiner Feder noch etwas Besseres leisten kannst, als Familien- korrespondenzen zu führen und die diversen Kousinen und Freundinnen mit Kochrezepten und Familienklatsch zu ver- sehen, hole Dir die Prämie aus Köln." Die Prämie— ja das zog, und die Hoffnung, diese zu erringen, übte noch größeren Reiz auf mich aus, als die Pietät für die musikalischen Größen, mit denen ich während meiner Studienzeit in Berührung gekommen war. Ich ließ sie alle vor meinen Augen Revue passiren, aber bei aller Verehrung und Bewunderung ihrer Kunst boten diese Professoren doch so wenig Interessantes, so gar nichts, das zu einer poetischen Skizze die Grundlage hätte bieten können. Wie lächerlich prosaisch war z. B. das Familienleben unsere» allseitig geliebten Direktors, der völlig unter dem Pantoffel seiner im schönsten„maecklenboargisch" redende« Gattin stand; wie häufig hatten wir ihn beobachtet, wenn seine Augen vor einer noch so kleinen Verfügung erst er- laubnißsuchend auf ihrem Antlitz ruhten, und wie ängstlich wurde der geniale Mann, wenn während des Unterrichts seine Gatttn im Saale erschien und er vermuthete, daß zu Hause seiner eine Gardinenpredigt warten würde.— Und nun erst unser Klavier Professor, der große Virtuose. Ja über den konnte man auch unmöglich im rosenrothen Lichte der Poesie berichten. Wer ihn im Konzertsaale am Flügel gesehen, konnte wohl von seinem feurigen, genialen Spiele hingerissen werden und für seine Kunst schwärmen; wer aber, wie ich hinter die Koulissen zu sehen vermochte, mußte sich von seinen üblen Gewohnheiten und Manieren zu sehr abgestoßen fühlen. In unsauberer Kleidung, die den Geruch von Tabak und Spirituosen ausströmte, erschien gestellt worden find, sei Einiges hier hervorgehoben. Von je 1000 ehelichen Kindern, einschließlich der Todlgeborenen, über« leben in Preußen durchschnittlich 770, von je 1000 außerehelich geborenen Kindern dagegen nur 015 das erste Lebensjahr, und zwar ist die Zahl der Ueberlebenden bei den Mädchen ctwaS höher, bei den Knaben etwas niedriger, als der Ge- sammtdurchschnitt. Der Familienstand der Geborenen äußert auf deren Sterblichkeit stärkeren Einfluß als das Geschlecht, weshalb in allen Altersstufen eheliche Mädchen der geringsten, außereheliche Knaben der höchsten, und in der Ehe geborene Knaben einer geringeren Sterblichkeit als außer der Che geborene Mädchen unterworfen find. Zur Zeit der Geburt beträgt die wahrscheinliche fernere Lebensdauer ehelicher Knaben 39,20 Jahre, ehelicher Mädchen 43,70 Jahre, bei außerehelichen Knaben dagegen nur 15,2 Jahre, bei außerehelichen Mädchen 25,0 Jahre. Nach der Vollendung des fünften Lebenstages tritt bei beiden Geschlechtern mehre Tage hindurch eine größere Lebensgefährdung ein, welche wahrscheinlich auf den um diese Zeit in der Regel eintretenden Wechsel in der Ernährungsweise zurückzuführen sein wird. Die Sterb- lichkeit ehelicher Kinder ist ein Gradmesser für die durchschnittliche wirthschaftliche Lage der Bevölkerung, denn die Liebe der Eltem richtet fast ausnahmslos nach Maßgabe der verfügbaren Mittel ihr Bestreben darauf, das Leben der Kinder zu erhalten. In einigen preußischen Gebiets- theilen ist die Sterblichkeit ehelicher Kinder unverhältnißmäßig hoch, nämlich in den niederschlefischen Jnduslriebezirken, in Berlin und dessen nächster Umgebung und in Hohenzollem. Es befindet fich in diesen Gebieten anscheinend ein relativ großer Theil der Bevölkerung in übler Lage und wirthschaft- licher Bedrängniß. Zieht man das Religionsbekenntniß der Eltern in Betracht, so findet man, daß von je 1000 ehelich Geborenen starben vor Ablauf des ersten Lebensjahres bei evangelischen Eltern 229, bei katholischen 223, bei jüdischen 172. Dagegen überlebten das erste Jahr unter je 1000 unehelich Geborenen von evangelischen Müttern 024, von katholischen 003, von jüdischen nur 592. Die unehelichen Kinder jüdischer Mütter find demnach einer relativ starken Sterblich- keit unterworfen, und insbesondere finden bei den außer- ehelichen Geburten von Knaben jüdischer Mütter unge- mein häufig, fast doppelt so häufig als bei evan- gelischen oder katholischen Todtgeburten statt. Auch die Art der Erwerbstdätigkeit der Eltern, insbesondere der äußerst erheblichen Einfluß auf die Sterblichkeit der Einzelne Gewerbe wirken besonders nachtbeilig, na- die Tcxtilgewerbe, wenn sie als Hausindustrie be- trieben werden, sodann der wechselnde Lohnerwerb im Tage- lohn, auch der Bergbau, falls wie es im Waldenburgschen Kohlenrevier geschieht, die Frauen der Bergleute ihrerseits in der Textilindustrie thätig find und die Kinder deshalb während eineS großen Theils des Tages ohne genügende Aufsicht und Pflege find. Auch der Wohnfitz der Eltern ist begreiflicherweise von Einfluß auf die Höhe der Kindersterblichkeit, und zwar gilt dies für die ehelich wie für die unehelich Geborenen. Die Sterbeziffer der im ersten Jahre stehenden Kinder ist am höchsten in Großstädten, dann folgen die Mittelstädte ihnen die Kleinstädte, und in letzter Linie, also am günstigsten steht das platte Land; doch finden in dieser Hinficht viele Aus- nahmen statt, und selbst einige Großstädte weisen eine relativ niedrige Sterblichkettsziffer bei den Neugeborenen auf, so z. B. Hannover und Frankfurt a. M., die überhaupt in saiutärcx Beziehung meist recht günsttg dastehen. g. Die Berliner Geschäftswelt und die Familien- ereigniffe. Dem Berliner wird gleichsam„von der Wiege bis zum Grabe" seitens unserer Geschäftswelt die größte Aus- nierrsamkeit zu Theil. Man bewacht die Familiencreignisse mit Argusaugen, denn der Kaufmann ist in jeder Beziehung in- telligent und weiß aus Allem seinen Vortheil zu ziehen. Für ihn bilden die durch die Zeitungen bekannt werdenden„frohen" sowie traurigen Familienereignisse eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle, und wenn er auch hier und da seine Er- Wartungen getäuscht steht, sein Geschäft macht er doch. Kaum ist dem Berliner Einwohner ein neuer Zuwachs in der Familie geworden, da gehen ihm schon von zahlreichen Firmen Offert- schreiben zu, welche alle nur denkbaren Aitikel für den kleinen Erdendürger empfehlen. Dasselbe Schauspiel wiederholt fich bei ehelichen Verbindungen sowie endlich bei Todesfällen. Natür- lich ist das Genre der offerirten Verkaufsartikel bei jedem der genannten Vorfälle verschieden. Während es fich in den beiden erstgenannten Fällen um Wäsche- pp. Ausstattungen handelt, beziehen fich die Empfehlungen der Berliner Geschäfls- welt in Todesangelegenheiten auf Trauerkleider, Grabsteine, chemische Reinigung der Betten, Mattatzcn ic. bei ansteckenden Krankheiten und dcrgl. mehr. Die Kauernden Familicnange- hörigen eines kurz vorher Entschlafenen find häufig nicht wenig erstaunt, wenn sie durch die Post einen Brief zugestellt er- halten, bei dem das Kouoert mit einem dicken Trauerrand um- geben ist. Werden sie von einem neuen Schicksalsschlage heimge- sucht, trifft fie schon wieder ein neuer Schmerz? Erst nachdem Mütter. Kinder. mentlich er zum Unterricht und seine Ausdrücke ließen die Rohheit seines Charakters erkennen. Während ich grübelnd am Schreibtisch saß, kam mein Bruder hereingestürmt und sagte:„Hier bringe ich Dir den Büchmann, denn jedenfalls mußt Du doch Deine Skizze mit einem Zitate beginnen." Mechanisch schlug ich daS Buch auf und mein erster Blick fiel auf den Satz: 0 ei tacaissig, philosophns wanBisses.(Ach, hättest Du lieber den Mund gehalten!) War das ein Wink des Schicksals, daß ich mich nicht heranwagen sollte an die PreiSbewer- bung? Aber nein, die Prämie lockte zu verführerisch, es mußte versucht werden! Da hatte ich auch bereits mein Zitat gefunden, und vor meiner Erinnerung standen die Lebensschicksale des früher in unserer Stadt lebenden Kom- ponisten Gärtener, auf dessen Erdendasein die Worte: „Arnare e soffrire Tacere e rnorire 1 4 („Lieben und Leiden Schweigen und sterben") wie sür ihn erfunden paßten.— Jetzt erkannte ich erst, wie oft ich den beliebten Damenschriftstellerinnen, und speziell der Frau Elise Polko Unrecht gethan, wenn ich über ihre Leidenschaft für Motto's und Denksprüche gespottet hatte, denn ich empfand es als eine große Erleichterung, sowohl bei der Einleitung wie auch im weiteren Verlaufe der Erzählung, die treffenden und dazu so interessant klingenden Worte" als„rothen Faden" durch die Erzählung weben zu können. Freilich hatte ich den bleichen, stolzen Mann während der letzten Jahre ganz aus den Augen verloren; ich wußte nicht einmal, wie jene unglückliche Affaire, in welche ihn ein Paar schöne, sündige Frauenaugen verlockt, geendet hatte. Aber es war bei mir beschlossene Sache, daß ich ihn sterben lassen wollte— licentia poetica— die ich mir wohl erlauben durfte. Wie herrlich konnte ich die dissonirenden Akkorde, die ihn durch seine Lebenisymphonie begleitet hatten, am einsamen Sterbelager und auf einem schmucklosen Grabhügel ausklingen lassen; es mußte ja traurig enden, damit mein„sostrire rnorire" wieder effektvoll am Schlüsse der Erzählung erscheinen konnte. Ich begann in warmen Worten sein Geschick zu schil- dern, sein edles Streben und erfolgreiches Wirken, die un- man den Brief geöffnet, fällt Einem die gleichfalls mit(W Trauerrand umgebene Offerte eines hiefigen ingeniösen schäftsmannes in die Hand. Bei dieser Gelegenheit sei bcmnu, daß man Empfehlungen von Kirchhofsbeamten keine Beachtu»S schenken sollte, da diese hohe Prozente von den Fablikantee beziehen, welche von letzterem auf die Bedarfsartikel dci» Käufer angerechnet werden. Es ist daher in jedem Falle al« opportun zu bezeichnen, daß man bei den betteffenden Fatn° kanten die Bestellungen direst macht. Das theure Salz. Eine der drückendsten Etencm welche aus unserem Volke lasten, ist die Salzsteuer. So deshalb die Regierung mit neum Steuerplänen vor das xW trat, ist die Forderung geltend gemacht worden, als Aequir� lent für die Auferlegung neuer Lasten diese indirekte W' steuer zu beseitigen, welche auch der ärmsten Familie die karg- liche Einnahme um 3 Mark jährlich verkümmert und# Lebenshaltung dementsprechend Herunterdrückt. Aber au» ebenso oft ist seitens der Regierungsvertreter und ihrer# Hänger im Parlamente die Ablehnung dieses Anfinnens dam> begründet worden, es habe diese Steuer bereits so lange W bestanden, daß fich durch die Regulirung des wirthschastlich� Lebens eine Abwälzung von der ärmer fituirten Bevölkerung auf die wohlhabendere vollzogen habe, und daß ein Druck lau» noch empfunden werde. Handele es fich doch nur Hfl und wieder um die Mehrausgabe von ein M Pfennigen Die Herren wissen sehr wenig, wie» Leuten zu Muthe ist, denen bei der Beschaffung Lebensmitteln auch der Pfennig eine große Rolle% Es giebt aber Menschen, denen selbst das gemeine e« durch die Vertheuerung zu einem Luxusartikel geworden»r Theoretische Auseinandersetzungen vermögen nur schwer Verständniß für solche Dinge zu erschließen. Wohl aber W unS ein Blick in das Leben des Lebens Härten erkennen, w" wo uns selbst dazu die Gelegenheit mangelt, helfen unsc� Verständniß die Darstellungen nach, welche große Mensch� kenner aus dem Volkslebm geschöpft haben. Hören wir P' mal, was uns Turgenjeff, der jüngst verstorbene 8J™ russische Denker und Dichter, von dem theuren Salz, r®" nicht in tendenziösem Hinblick auf deutsche Steuerfragen, Jj dieses Dorfes, hörte, welches Leiv, die Wittwe bettoffen, suchte fie am Tage der Beerdigung auf. Sie fand sts c Hause. Mitten in der Stube vor dem Tische stehend, seb�' fie mit der rechten Hand(die linke hing kraftlos herab) langsamen gleichmäßigen Bewegungen dünne Kohlsuppe einem verräucherten Topf und führte den Löffel ununterbrw" zum Munde. Das Geficht der Alten war trübe und � gemagert, die Augen roth und geschwollen; aber fie r!. eine feste, gerade Haltung, wie in der% „Mein Gott!" dachte die gnädige Frau.„In einem st1®: Augenblick kann fie noch epen... welch rohe Empfind»»�, haben doch all diese Leute!" Und die gnädige Frau erin?� fich, wie fie vor einigen Jahren, da sie ihr neunmonau'� Töchterchen verloren, vor Gram es abgelehnt hatte, eine r schöne Villa in der Nähe von Petersburg zu miethen, und r ganzen Sommer in der Stadt geblieben war!... Und' " e aß noch immer von ihrer Kohlsuppe. Endlich verw� die gnädige Frau nicht mehr an sich zu halten.„Ta#% sprach fie.„Um Gottes willen! Ich. bin erstaunt! Du � deinen Sohn also Appetit verloren? gar nicht geliebt? Du hast nicht einmal� ... Wie kannst du nur diese KojÄ Waffia ist todt". cntacanete leise die% essen\"„Mein Wassja ist todt", entgegnete leise die � rollten ihr bittre Thränen übel � Bäuerin, und von neuem eingefallenen Wangen.„Nun ist auch mein Ende nahe! undFntsernte sich. Sie" bekam& Salz billig. Achst1" b. Ein liebenswürdiger Bahnhofs-Jnspektor werth. Kürzlich verspätete fich der letzte Dampfer von dorf zum letzten Zuge nach Berlin wegen Ueberfüllung, die etwa 150 Passagiere hatten Ausficht, bis zum U% Morgen zu warten, unter ihnen zwei Militärs, die W&z ......~ Dienst sein sollten. Der Inspektor aber meldete bere» den Vorfall telegraphisch nach Berlin und bald kaib � Friedrichshagener Extrazug und erlöste die Sitzengeblü� aus ihrer peinlichen Lage. � g. Wie vorsichtig man selbst bei anscheinend fügigen Entzündungen an Körpertheilen sein muß,% folgender Fall. Die in der Krausenstraße wohnende Frau welche fich durch Waschen und Aufwartestellen enuist merkte vor einigen Wochen, daß fich an der Spitze des fingers der rechten Hand eine Entzündung bildete. Sie Anfangs nicht weiter darauf, bis fich an der ganzen Eiter ansetzte. Nunmehr eilte fie zum Arzt, web au erklärte, daß der Finger sofort geschnitten werden w: sick der Eiter bereite tief einliefreffen MM* ftrau™* da fich der Eiter bereits tief eingefressen hätte. Frau�-� edlen Einflüsse, die ihn herabzogen in den Schlaw«' Sünde, und die seltsame Verkettung der Umstände, sein Unglück herbeiführten. Mit heißer Stirn und x Wangen saß ich und schrieb Stunde auf Stunde, halbe Nacht hindurch. Der EinsendungStermin stand vor der Thür; mü Segenswünschen sandte ich mein kleines Opus hm n»_ heiligen Köln, um erwartungsvoll der Entscheidung� Komitees zu harren. Nur der Bruder wußte um., Bewerbung, und mit ihm zusammen baute ich*5 herrlichsten Luftschlösser über die Verwendung des � wir saßen schon im Geiste im schaukelnden Kahne an j, schimmernden Fluthen oes Rheines, denn daß �(i heiligen Stadt—„der Wiege meines Ruhmes" 7" p Dankvisite abstatten wollten, stand fest beschlosst � meinem Programm. Von Tag zu Tag steigerte erwartungsvolle Hoffnung. Da— endlich, r, Wochen waren vergangen, kam der Brief aus Köm- � rcgung, Spannung—• aber o weh, das Kouvert sich so schwer an— mir sank das Herz und riq) stand es: „Beifolgend retourniren wir Ihnen höflichst das eingesandte, sehr talenwoll geschriebene Wir konnten es leider nicht akzeptircn, da unsere g W Mitarbeiterin Frau Elise Polko uns gerade mit dem i bild derselben Persönlichkeit versehen hat, welches b./ der nächsten Nummer erscheinen wird. Die 9., Schriftstellerin schöpft aus den sichersten Ouellen u � den Sie ersehen, daß der geniale Komponist u'd) gl brochenem Herzen gestorben, sondern noch heute licher Vater von fünf Kindern auf seinem Gute m L m t lebt." u f1 Welche Enttäuschung! Und gerade von r?" mußte ich besiegt werden! Was werden wir da W lesen bekommen von italienischen Bröckchen, und Sentenzen? polterte ich in ohnmächtigem 9%%«. Sollen wir Menschenkinder noch daran z�efi � wir unsere guten Geister haben, die unS beschü? � wir nur ihrer Stimme Gehör geben wollten- doch nur meiner ersten Empfindung beim Äun�.�of Zitatenschatzes gefolgt: 0 si tacnisaes, rnansiases; L ltbo$ zu der kleinen Operation nicht den Muth und glaubte mit Hafergrützumschlägen die Entzündung bezw. das Geschwür aufzuweichen. Als dies aber nicht erfolgte und die Schmerzen Mmer zunahmen, ging sie wieder zu dem Arzt, um sich den Finger schneiden zu lassen. Jetzt war es aber schon zu spät, benn der Eiter hatte bereits einen Theil des Knochens zer- Neffen und so mußte sich die Frau vor einigen Tagen einer Amputatio» unterziehen. Jetzt ist die Frau fürs Erste arbeits- unfähig und bereut ihren Leichtsinn, daß sie nicht gleich dem Willen des Arztes gefolgt war. . Die Kunde von einem Mordversuch versetzte am Lkimgen Tage die Bewohner unseres Nachbarortes Charlotten- %% m Aufregung. Nach den genauen amtlichen Recherchen !»- Sachverhalt der folgende. Ein dort in dem Hecht'schen <-oiaie konditionirendes Dienstmädchen, welches mit einem in demselben Hause wohnenden verheiratheten Mann, einem ��cher F., ein intimes Verhältnis gehabt haben soll, wurde, als fie den Hof passirte, von der Frau dieses Mannes ange- aalten und mit einem schweren Holzpantinen derart auf den Ropf geschlagen, daß das Mädchen eine klaffende, glücklicher- Mi aber nicht lebensgefährliche Kopfwunde davontrug. Das Mädchen wurde sofort in ärztliche Behandlung genommen, wahrend Frau F. nach der Polizei fistirt aber bald wieder ent« lassen wurde. ., u. Unbekannter Selbstmörder. Ein gut gekleideter an« lö) einend den besseren Ständen angehöriger Herr wurde, wie uns mitgetheilt wird, am gestrigen Tage in den Waldanlagen an Halensee an einem Baum erhängt gefunden. Da bereits we Lcichenstarre eingetreten, so mußte die Anstellung von �lederbelebungsversuchen unterbleiben. Behufs eventueller Rekognos�irung ist die Leiche des Selbstmörders, bei der keinerlei <«gltrmat,onspapiere vorgefunden wurden, nach Spandau ge- Ichafft worden. . d Auf dem Alexanderplatz spielte sich gestern eine selt- iame Szene ab. Eine Frau, die von irgend einem krankhaften Zufall betroffen worden war, schlugnut Händen und Beinen w um sich, daß ein halbes Dutzend Männer fie nicht bändigen ivnnten. Ein Schutzmann requirirte deshalb einen gerade vor- �verkommenden Hundewagen, und auf diesem transvortirte man ?le noch immer um sich schlagende Frau nach der Polizeiwache der Georgenkirchstraße. b. Eine peinliche Störung erlitt dieser Tage eine Land« ?vrke. nach dem Pächsee im Grunewald. Als die Gesellschaft fich 'm Walde mit Spielen auf das Beste amüfirte, bemerkte fie in �wger Entfernung eine Dame, welche ein heftig weinendes mit fich zog. Doch achtete man nicht weiter darauf. Als wan jedoch zum Abendessen nach dem Hause des Forstwäricrs iurückkebrte, zeigte die Frau desselben den der Dame gehörigen Hut mit einem Zettel vor, der die Wohnung ihres Mannes, j�jes Ingenieurs, enthielt. Die Dame habe viel über ihr Leid und schließlich gesagt, wenn sie bis zum folgenden borgen nicht zurückgekehrt sei, solle man ihren Hut an die bei- Segebene Adresse schicken. Das heftig weinende Kind habe nicht mit ihr gewollt, aber fie habe beständig auf dasselbe eingeredet, es werde seine Mutter doch nicht verlassen. Die Stimmung der Gesellschaft war durch diese Mittheilungen völlig verwan- delt, man machte der Frau Vorwürfe, daß fie Niemand gerufen habe und vertheilte fich dann nach allen Seiten, um nach den Verschwundenen zu suchen— aber vergeblich! Eine Liebestragödie. Am Abend des 8. August ist in einem hiestgen Gasthof ein Kaufmann mit einem Mädchen, das er als seine Braut bezeichnete, abgestiegen. Da beide Personen fich in den nächsten Tagen nicht sehen ließen und die Thüre des von ihnen bewohnten Zimmers auf wiederholtes Klopfen nicht geöffnet wurde, ließ am Morgen des 11. August Ar Hotelbesttzer die von innen verschlossene und verriegelte Thür durch einen Schloffer öffnen. Das Mädchen wurde rodt vuf einer Chaiselongue liegend gefunden, mit einer Schuß- wunde an der rechten Schlafe und vor ihr sah man, auf den Knieen, gleichfalls erschossen, einen sechsläufigen Revolver in der Hand haltend, ihren Geliebten. Eine zurückgelassene Blei- llutnotiz bezeichnete als Grund des Selbstmordes ein unglück« "chcs Licbesverhältniß. ..„ Ein nicht legitrmirter Weinliebhaber. Em in emer jjwfigen Weinkellerei in der Kronenstraße beschäftigter Arbeits- dursche wurde am 7. d. M. von dem Kellermeister dabei abge« mßt, als er fich widerrechtlich eine Flasche Champagner vom �aaer nahm und damit in einen Nebenraum ging. Zur Rede Bestellt, leugnete der Bursche anfänglich, gab später jedoch zu, "ach und nach 25 Flaschen Champagner gestohlen zu haben, und nannte noch zwei Hausdiener als Helfershelfer, die aus Am Geschäft aber bereits entlassen waren. Die Diebstähle an Wein scheinen von dem Arbeitspersonal seit längerer Zeit im umfangreichsten Maße ausgeführt worden zu sein, denn es ist wftgestellt worden, daß nur allein an Champagner 300 ganze Und 130 halbe Flaschen im Werthe von 1200 Mark innerhalb "Nes Jahres gestohlen worden find. Einer in der Pionierstraße wohnenden Hebeamme Zmgcn vor einiger Zeit Briefe zu, in welchen ihr gedroht wurde. "aß unerlaubte Kuren, die fie ausgeführt, zur Anzeige gebracht werden würden, sofern fie nicht eine gewisse Summe an den Bevollmächtigten des Briefschreibers zahlen würde. Da die Hebeamme fich keiner strafbaren Handlung bewußt war, so 'chlckte fie die Briefe, die mit„Wolf auf Rersen" unterschrieben waren, an die Kriminalpolizei, die den Briefschreiber, einen wehrfach bestraften Winkelkonsulenten Jänicke, wegen versuchter Erpressung festnahm. ,,, Diebstahl. Gestern Nachmittag gelang es emem hicfiaen Goldarbeiter, einen mehrfach besttaften Hochstapler, auf dessen Treiben von Nürnberg aus, von wo er im vorigen Jahre wegen Diebstahls ausgewiesen wurde, aufmerksam gemacht worden ist, beim Ladendiebstahl zu ertappen. Der„Rentier" Schulz, wie fich der Festgenommene nannte, wollte in einem M der Holzmai ktstraße belegenen Juwelierladcn eine goldene Uhrkette für etwa 150 Mk. kaufen, ließ fich mehrere Ketten legen und eine von den vorgelegten im Werthe von Mark in der Hand unter dem Handschuh verschwinden. Der Goldarbeitcr bemertte die Manipulation, ließ fich die Kelte wiedergeben und bewirfte die Verbaftung des Schulz. Polizeibericht. Am 11. d. Mts. Vormittags wurden ein Vcann und ein Mädchen in dem Zimmer eines Hotels rn der Medrichstraße todt vorgefunden. Nach vorgefundenen Notizen hatten fich beide mittels Revolvers erschossen. Die Veranlassung A»zu scheint ein unglückliches Liebeeverhältniß gewesen zu fem. zVe Leichen wurden nach dem Obduktionshause geschafft.— s?" demselben Tage Nachmittags sprang ein Mann am Louisen« Uler in selbstmörderischer Absicht in den Kanal, wurde jedoch, °yne Schaden genommen zu haben, gerettet und nach der Wache a 42. Polizeireviers gebracht. Nachdem er wieder zur Bc- i?nung gekommen, begab er fich nach seiner Wohrung.— Um Gielde Zeit fiel der Kutscher Steinbach, welcher in der Brunnen- ssraße neben seinem mtt Mörtel beladcnen Wagen einherging, Auggleitens zur Erde und wurde überfahren. Er er- (r wnen Beinbruch und mußte mittelst Droschke nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht werden. Gerichts-Zritung. Aland fich der 32 jährige Buchhalter Ludwig Karl Turley, Abtheilum der 3� juynyv"""T"n......- »uldigt war des Betruges in mindestens 24 Fällen. ligen Jahres hatte bekanntlich die im Rothen Schloß Kunst-Gewerbehalle die Konzession zur Veranstal- f"Nk einer Lotterie erhalten, welche 100 000 Loose& 1 M. um- KAn durfte. Währenv die Firma Rokotnitz den pekuniären dMWU dieses Unternehmens leitete, lag der eigentliche Vertrieb � Loose in den Händen des Direktors Fischer von der Ge- werbehalle. Auf die Empfehlung eines Geschäftsfreundes hin engagirte Herr Fischer den Angeklagten, um angesehene Ge- schäfreleute, als Buchhändler, Zigarrenhändler, Konditoren it. zur Uebemahme eines Debits dieser Loose zu bewegen und der Angeklagte entledigte fich auch seines Aufttages mit Geschick und Fleiß. Einige Monate waren ver- gangen, der Angeklagte war längst wieder entlassen worden und mit den Geschäftsleuten, welche den Vertrieb der Loose übernommen, sollte abgerechnet werden. Da stellte fich heraus, daß der Angeklagte fich in vielen Fällen— es find 24 zur Kognition der Behörde gelangt— von den Loosabnehmern Vorschüsse in Höhe von drei b,s fünf Mark hatte geben lassen und dafür a conto der Kunst Gewerbehalle quittirt hatte. Der Angeklagte wollte im Termine glauben machen, die Geschädigten hätten ihm die Darlehen ihrer persönlichen Bekanntschaft wegen gegeben und ihn allein für die Zurückgabe haftbar ge- macht, die Beweisaufnahme unterstützte diese Deutung aber keineswegs. Der Gerichtshof gelangte zu der Ueberzeuguna, daß der Angeklagte fich im Sinne der Anklage vergangen habe und diktirte ihm oieserhalb eine G efängnr ß strafe von drei Monatenzu. Nachwehen des Maurerstreiks. Der Maurer Fritz Weimann wurde gestern durch Urtheil der dritten Ferien- strafkammer des Landgerichts I zu einer Gefängnißstrase von 14 Tagen verurtheilt. Der Angeklagte hatte bis zum 1. Juli d. I. auf dem Neubau Schönleinsttaße 5 gearbeitet und fich dann den Streikenden angeschloffen. Als er am folgenden Tage sein Werkzeug abholen wollte, traf er auf dem Bau mit dem Maurer Neumann zusammen, welcher nach wie vor ar- beitete. Weimann stellte ihn hierüber zu Rede und es kam schließlich zu Thätlichkeiten. W. wurde zur Haft gebracht und hat fast volle sechs Wochen in Untersuchungshaft verbleiben müssen. Diesem Umstände tmg der Gerichtshof Rechnung in- dem er die erkannte Sttafe— 14 Tage Gefängniß— für verbüßt erachtete. Wer denunziren will, findet leicht die Veranlassung dazu. Der Buchbindergeselle Emil H o ß defand fich gestem auf der Anklagebank der 91. Abcheilung des Schöffengerichts; sein bisheriger Brodherr, der Buchbrndermeister Schupp, Brückenstraße 3, wollte ihn wegen Diebstahls bestraft wissen, weil er sich bei seinem Fortgange widerrechllich in den Besitz eines Stückes Werkzeugs, eines sogmannten Schabemeffers, welches neu fast eine Mark kostet und welches dem Meister gehörte, gesetzt haben sollte. Der Angeklagte betheuerte seine Unschuld himmelhoch und stellte den Vorfall folgendermaßen dar: Am betreffenden Morgen habe ihm der Meister mttge- theilt, daß er für kurze Zeit seiern müffe, da er keine Arbeit für ihn habe. Er, der Angeklagte, sollte aber nach Verlauf von einigen Tagen wieder anfragen, es sei möglich, daß in- zwischen wieder Bestellungen eingelaufen wären. Der An- geklagte hatte nun seine Sachen zusammengepackt und aller« Vings ein dem Herrn Buchbindermeister Schupp gehöriges Messer mitgenommen, welches er zu einer Arbeit in seiner Wohnung benutzen wollte, dagegen zwei solcher Messer, die sein Eigen- thum waren, aber erst geschärft werden mußten, in der Werk- stätte zurückgelassen. Außerdem hatte er den anwesenden Lehr- ting ausdrücklich auf den von ihm vorgenommenen Tausch so- wie von dem Grunde dazu in Kenntniß gesetzt. Da diese Angaben des bisher völlig unbescholtenen Angeklagten, welcher unter Thränm beschwor, ihn nicht als Dieb zu brandmarken, durch die Vernehmung des Lehrlings in allen stücken bestätigt wurden, so fällte der Gerichtshof ein freisprechendes Urtheil. Der Angeklagte habe allerdings eigenmächtig und unvorstchtig gehandelt, aber diese Handlungsweise als Diebstahl zu charakte- rifiren, liege durchaus kein Grund vor. Soziales«nd Arveitervemegung. Auch die Bäckergesellen treten allgemach in die Lohn- bewegung ein. So haben in Barmen zirka 30 Gesellen die Arbeit eingestellt, um einm allgemeinen Streik behufs Lohnerhöhung zu veranstalten. Die Jahresberichte der Handelskammern gehen ge- meiniglich um die Lohnfrage herum, wie die Katze um den heißen Brei. Doch hört man auch in einigen Berichten die sonderbare Klage, daß die Industrie darniederliegc, die Waa- renpreise ständen sehr niedrig, die Fabrikanten erzielten keiner- lei Verdienst und doch seien die Löhne nicht herabgegangen. Vernünftige Leute glauben dies nicht, aber es giebt auch noch genug unvernünftige Leute auf der Welt, für die gleichfalls Berichte abgefaßt werden. Besonders werden derartige Aufstellungen m den Bezirken gemacht, wo die Eisenindusttie herrscht. Nun macht der Jahresbericht der Handelskammer zu Limburg an der Lahn durch solche Flunkereien einen derben Strich. In diesem Bericht heißt es nämlich bezüglich des Berg- baues und der Eisenindustrie, daß die Löhne durchweg von 2 Mk. resp. 2M 20 auf IM. 50 Pf. resp. 1 M. 80 Pf. gesunken seien, also um 25 Prozent! Und so wie in diesem Handels- kammerbczirk ist es fast überall in Rheinland und Westfalen und Hessen-Naffau.— Der Unterschied ist nur der, daß man in Limburg bekennt, was man anderswo leugnet. Stand der Streiks in England. Der Streik der Baumwollspinner in Oldham dauert noch immer fort und scheinen beide Seiten an ein Nachgeben nicht zu denken.— In der Kohlengrube des Marquis von Londonderry haben 1500 Bergleute gekündigt, weil fie behaupteten, 20 Prozent weniger Lohn zu erhalten als andere Bergleute.— In Norfolk find zwischen Farmern und Emtearbcitcm Lohndifferenzcn aus- gebrochen.— Der Streik der Heizer und Matrosen in London dauert noch fort. Fast sämmtliche Tapezirergesellen haben in L o n d o n die Arbeit niedergelegt. Dieselben verlangen eine wöchentliche Lohnerhöhung von 4 Mark. Die Zahl der Streikenden be- trägt 3000. Ob die eingeleiteten Unterhandlungen mit den Meistern Erfolg haben, kann man noch nicht bcurrheilen. Der Seefisch als Volksnahrunasmittel. Welch her- vorragende Rolle der Seefisch als VolksnahrungSmittel spielt, zeigen einige statistische Nachweise, welche in der unlängst statt- gehabten Versammlung der Londoner Fischergilde mitgetheilt wurden. Darnach werden an den Markt Billingsgate, den Zentralpunkt des Londoner Fischhandels, täglich 500 Tons Seefische geliefert— ein Quantum Nährstoffes, welches dem Fleische von etwa 14 000 Hammeln gleichkommt. Rechnet man den Verzehr Londons gleich einem Drittel des Bedarfs der britischen Gesammtbevölkerung, so ergiebt sich, daß der Jahres- verbrauch an Seefischen quantitativ dem Nährwerth von 12'/> Millionen Hammeln gleichsteht. Dem entsprechen auch die Betriebsverhältniffe der englischen Hochseefischerei, welche ein Kapital von 5 Millionen Pfund Sterling(100 Millionen Mark) repräsentirt und 200 000 Menschen ihren Lebensunterhalt gewäyrt. Uereine und Versammlungen. Eine öffentliche Schumacherversammlung tagte am Montag Abend in Keller's Salon, Andreasstr. 21, um über: die Bestrebungen der Innung und die Neubildung einer solchen zu berathen. Das Referat hatte Herr Schuhmachermeister Metzner übernommen, während Herr Basewitz die Verhandlungen leitete. Der Referent bedauerte, daß es durch den schwachen Besuch der Versammlung den Anschein gewinne, als ob gerade im Schuhmachergewerbe das Interesse an der Allgemeinheit weniger vorhanden sei als anderswo, obgleich die bedrängte Lage gerade die Schuhmacher zu regem Denken über d« Ver- besserung derselben veranlassen sollte. Auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens herrschte in Folge des Kampfes zwischen Altem und Neuem. Werdendem und Vergehendem eine große Unzufriedenheit und besonders auf wirth- schastlichem Gebiete ein Unbehagen, das nur aus diesem Kampfe heraus zu erklären ser. Die Erkenntniß, daß das Handwerk gegenüber dem heutigen Maschinenbetriebe seinen goldenen Boden verloren, nicht mehr die Sicherheit der Existenz garantire, bemächtigte fich immer weiterer Kreise und mache es möglich, daß man längst überlebte Institutionen als Heilmittel gegen soziale Schäden anpreisen könne. Nach einem kurzen historischen Rückblick auf die Entstehung und Entwickelung der Innungen bezeichnet es der Vortragende als im höchsten Grade auffällig, daß die Jnnungsbesttebungen weniger von Hand- werkern als von hochgeborenen Leuten ausgingen, deren Vor- fahren die schlimmsten Gegner der Innungen, des Hand- werks gewesen. Leute, die nicht produktiv selbstthätig find, zu dem Handwerk in gar keiner Beziehung stehen, suchen demselben jetzt plötzlich aufzuhelfen, weil fie erkannt haben, daß fie die unter den Handwerkem jetzt herrschende Unzufriedenheit vortrefflich für ihre Sonderzwecke benutzen könnten. Um zu verhüten, daß der Hebel an der richtigen Stelle eingesetzt werde, suchen diese hochgeborenen Herren die Handwerker durch Belebung abgestorbener Institutionen von dem eigentlichen Ziele abzulenken, und es sei bedaueilich, daß eine große Zahl besonders von Kleinmeistern den Pferdefuß noch nicht erkannt habe. Der Vortragende sucht nun nachzu» weisen, daß die Schuhmacherinnung schon ihrer Zusammen- setzung wegen nicht im Stande sei, irgend welche Verbesserung zu schaffen. Denn neben einer kleinen Zahl von solchen Mei- stern, welche wirklich auf Bestellung Kundenarbeit fertigen, besteht der größere oder doch bestimmende Theil der Mit- glieder aus Leuten, welche Handel treiben und diese suchen durch Errichtung von Börsen und Schuhmarkthallen auch noch die auswärtigen Genoffen auszunutzen. Die große Zahl der kleinen Jnnungsmeister aber wissen nur nicht, wohin fie fich zu wenden haben, sonst würden fie überhaupt nicht dort bleiben. Die von der Gesetzgebung versuchten Mittel seien absolut ungenügend und dre zur Schau getragene Sorge um die tech- nische Ausbildung der Lehrlinge sei nur ein Vorwand, um den Zünftlern billige jugendliche Arbeitskräfte zu verschaffen. Es sei eine Ironie, ein Hohn auf das Gesetz, welches den Jnnungs« meistern das alleinige Halten von Lehrlingen garantirt, wenn die Innung Leute aufnehme, die niemals ein Handwerk erlernt hätten. Der Befltzer der„Goldenen 110" sei mit vielen anderen Jnnungsmeister geworden, obgleich er gar nicht Schneider sei und ebenso verhalte es fich in vielen Fällen auch bei anderen Gewerben. Unter lebhaftem Beifall geißelt der Redner das ganze Prüfungswesen mit seinen bekannten Auswüchsen und kommt zu dem Schluß, daß eine Besserung der Erwerbsver« Hältnisse im Schuhmachergewcrbe nur zu erreichen ist. wenn Meister und Gesellen sich zusammenschaaren, gegen die Neu« belebung alter absterbender Institutionen energisch Front machen und sich nicht durch die heuchlerische Freundlichkeit der ritter- schaftlichen Helfer täuschen lassen. Auch die Bestrebungen der neuen Innung könnten dauernden Erfolg nicht haben, sondern durch Regelungdcr Arbeitszeit und Aufbesserung der Lohnverhältnisse müffe Wandel geschaffen werden. In der sehr eingehenden Debatte sprechen stch die Herren Kern, Baginsly, Threl, Klinger u. A. im Sinne des Referenten aus. Herr Baginsly bezeichnet die beabsichtigte Neubildung einer zweiten Innung als das Wert einer Streberpartei, die unter Führung der Herren Aurin und Emmel nur ihr Geschäftsinteresse fördern wolle. Solchen reaktionären Bestrebungen müssen die Schuh« macher mit allen Kräften entgegentreten. Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten nimmt die Versammlung eine Re- solution an, in welcher fie fich mit den Ausführungen des Herrn Metzner einverstanden erklärt, gegen die Bestrebungen der Innungen zu wirken verspricht und die Schuhmachermeister und Gesellen auffordert, dem Unterstützungsverein der Schuh- macher herbeizutreten. Zur Vertheilung kam in der Versamm- lung eine Petition an den Reichstag für gesetzliche Maximal» Arbeitszeit und gesetzlich bestimmten Minimallohn: ferner zu Gunsten einer gesetzlichen Bestimmung, daß der Staat in den Gefängnissen nur für seinen eigenen Bedarf produziren dürfe. Der Fachverein der Marmor- und Granitarbeiter hielt am 10. d. M., Alte Jakobstr. 44, eine Versammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Steinmetz Herrn Hofmann über„die Nothwcndigkeit einer Organisation der Marmor- und Granitarbeiter." 2. Diskusston. Referent giebt zunächst einen kurzen Ueberblick über Zweck und Ziele der Fach« vereine, weist dann auf die Lohnreduktion und die schlechten Verhältnisse der Industrie in den letzten Jahren hin und be- zeichnet als Ursache die schrankenlose Produktion. Eine Besse« rung sei nicht zu schaffen durch Innungen oder Gewerbe-Aus- stellungen k. Die Arbeiter und Handwerker müßten bessere gustände zu schaffen suchen durch feste und gesunde Berufs- rganisationen. Als einen Uebelstand erkennt Redner, daß ihm bekannte Marmorarbeiler, welche in hiesigen Fabriken be« schäftigt find, des Sonntags und nach der üblichen Arbeitszeit, in kleineren Geschäften noch arbeiten und somit den etwa feiernden Kollegen den Lebensunterhalt ab- schneiden. Diesen Mißständen sei nur abzuhelfen durch tüchtige Agitation in den Werkstätten, deren Arbeiter noch nicht dem Verein angehören. Ferner brachte Redner einen Fall zur Sprache, wo ein Arbeiter statt dem vereinbarten Akkord 3 M- 50|Pf. Tagelohn bekam. Diese Manipulation sei nur zu ver- hüten, wenn ein Schiedsgericht existirte, wie es vom Fachverein der Tischler in einer Petition an den Magistrat in Vorschlag gebracht wurde. Einen einheitlichen Lohnsatz durchzuführen� sei jetzt nicht die geeignete Zeit, wohl aber würden bei einer etwa eintretenden Arbeitseinstellung die Steinmetzen und Be- rufsgenossen den Marmorarbeitern hilfbereit zur Seite stehen. Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Referate erfolgte eine lebhafte Diskussion, in welcher alle Redner stch mit dem Referenten einverstanden erklärten und versprachen, alle Uebel« stände bald zu beseitigen. Auch wurde ein Mitglied als ge- maßregelt betrachtet, da dasselbe wegen Festhaltens des verein- karten Lohnes vom Fabrikanten Herrn Tauchart entlassen wurde. Bis zum anderweitigen Unterkommen wurde dem Kollegen eine angemessene Unterstützung gewährt. Es wurde noch veschloffen, in nächster Zeil eine öffentliche Versammlung einzubemfen, um über die Lohnfrage speziell zu berathen. In der Versammlung des Fachvereins der Schmiede, welche am 10. August in Gratweil's Bierhallen tagte, hielt Herr Dr. Benkendorf einen Vortrag über„Feuerbestattung". Der Referent führte zunächst vie nachtheiligen Folgen der Be- etdigung der Leichen an. Wenn beim Verwesen ver Leichen das Untergrundwaffer hinzu trete, so löse das Wasser den Körper auf in tausende kleiner Thcilchen, welche, wenn das Wasser wieder zurücktritt, in demelben verbleiben und so den in der Nähe befindlichen Brunnen zugeführt werden. Dann ge- langten so die grfttgen Theile durch das Trinken des WasserS in den menschlichen Körper, was unbedingt nachtheilige Folgen haben müsse. Es entständen daraus oft Diphtheritts- und Cholera-Erkrankungen. Der Verbrennungsprozeß sei dagegen unschädlich und billiger. Es beliefcn sich die Unkosten auf 10—12 Mark. Redner meint, es könne höchstens die religiöse Frage von den Angehörigen der Verstorbenen in Betracht ge- zogen werden, er weist jedoch darauf hin, daß dieselben For- malitaten, wie bei der Beerdigung in Anwendung kommen können. Die Leiche würde dann(statt ins Grab) in den Ofen versenft und durch einen daneben befindlichen Behälter erhitzte Luft(600 Grad Celsius) zugeführt, welche die Lerche zu Asche verbrennt, diese wird den Angehörigen in einer Urne zugestellt, welche fie an irgend einem Orte beisetzen lassen können. Der Vorsttzende, Herr Hoffmann, machte hierauf bekannt, daß der Verein für Feuerbestattung eine Petition an den Reichstag einreichen will und ersucht die Kollegen, welche fich dafür intercsfiren, fich durch Namensunterschrift daran zu betheiligen. Herr Dr. Benkendorf hatte Petitions-Formulare mitgebracht.. In der Diskussion sprachen wohl mehrere Mitglieder ihre An- rkennnuna darüber aus, jedoch führte Herr Matthes an, daß unS das Arbeiteischutzaesetz jetzt weit mehr interelstren müsse, als der Verein für Feuerbestattung. Wer fich jedoch dafür interesfire, könne fich ja unterschreiben. Zum Schluß machte der Vorfitzende bekannt, daß die nächste Versammlung am 24. August im Vereinslokal„Gratweils Bierhallen" stattfinvet. Im Bezirksverein de» werkthätigen Volke» im 29., 80. und 31. Kommunalwahlbezirk hielt am Dienstag, den 11. d. M-, im Restaurant Siemund, Linienstr. 8, Herr Rechtsanwalt F reudenthal einen mit großem Beifall aufgenom- menen Vortrag über„Rechtsschutz im Gcwerksleben".— Redner weist auf die in Arbeitgeber- sowohl wie in Arbeitnehmerkreisen herrschende Unklarheit über den Rechtsschutz hin, erläutert durch zahlreiche Beispiele die Pflichten und Rechte des Arbeitnehmers bezüglich der Akkord- wie der Lohnarbeit betreffs Fertigstellung übernommener Arbeiten, empfiehlt Einführung von Gewerbe- gerichten und erwähnt, daß diese Forderung keineswegs eine neue sei, indem schon seiner Zeit in Görlitz und Liegmtz derartige Gerichte existirt, leider aber durch die Theilnahmslofigkeit der Massen wieder eingegangen seien. Redner giebt zu, früher selber Gegner der Laiengerichte gewesen zu sein, aber die ge- machten Erfahrungen hätten ihn eines Anderen belehrt. Er er- mahnt die Anwesenden, in jedem Falle einer Streitigkeit mit dem Arbeitgeber, in welchem der Arbeiter mit dem ergangenen Urtheil der Gewerbe-Deputation unzufrieden zu sein vermeine, fich sofort nach dem Amtsgericht in der Neuen Friedrichsttaße hinzubemühen, da der zehntägige Termin zur Einlegung der Berufung viel zu kurz bemessen sei, zumal innerhalb dieses Zeittaums auch der Arbeitgeber eine Zuschrift über die eingelegte Berufung von Seiten des Gerichts erhalten muß.— An der Diskussion betheiligte fich Herr Kunkel, der ebenfalls energisch für Einführung von Gewcrbeschiedsgcrichten plaidirte.— Zum Punkt Verschredenes übergehend, wurde beschloffen, am 30. August eine Partte nach Grünau resp. KS- penick zu veranstalten. Treffpunkt und Zeit wird seiner Zeit bekannt gemacht werden.— Gelegentlich einer Mittheilung des Herrn Tübbecke, daß gegenwärtig die Fragebogen in Betteff der Enquete über die Sonntagsruhe zirkulrren, und wie selbiger in Erfahrung gebracht, die Arbeiter besonders und nicht unter Einfluß der Arbeitgeber zur Beantwortung der Fragen heran- Hogen werden, entspinnt sich eine lebhafte Debatte, an welcher m hervorragender Weise Herr Rechtsanwalt Freudenthal heiligt, der auf Grund eines vorliegenden Exemplars die Fragen einer näheren Beleuchtung unterzieht und nachdem fer- ner noch einige andere Redner iyre Ansichten dahin rundge- geben, daß einzelne von ihnen fich von der Sache das ge- wünschte Resultat versprechen, andere aber die ganze Sache absolut verwerfen, nimmt noch Herr Gutsche das Wort, um die Enquete zu kritistren. Als Redner hierbei auch auf das Sozia- liftengesetz zu sprechen kam, erhob sich der die Versammlung überwachende Polizeibeamte, um die Versammlung aufzulösen, der Vorsitzende erklärle zu gleicher Zeit die Versammlung für geschlossen.- Schließlich sei noch erwähnt, daß die nächste Sitzung ebenfalls mit Vorttag am 25. August im obenerwähnten Lokale abgehalten wird und daß außer in den Sitzungen der Kasfirer Herr Emil Franke, Saarbrückerstr. 6, neue Mitglieder aufnimmt. Der Fachverein der Schneider hielt am Montag, den 10. August, in Niest's Salon. Kommandantenstt. 71-72, eure General- Versammlung ab. Auf der Tages- Ordnung stand: 1. Quartalsabrechnung und Abrechnung vom letzten Vergnügen. äSSW&rS Ä4» A& Die Abrechnung des Vergnügens am 3. Pfingstferertage in Habel's Brauerei schließt ab mrt einem Ueberschuß von 52 M. 70 Pf. Der zweite Punkt der Tages- Ordnung konnte mcht erledigt werden, indem die Antragsteller momentan mcht in Berlin warm und wurde deshalb dieser Punkt bis zur nächsten Versammlung vertagt. Zu„Verschiedenes" entspann fich eme lebhafte Debatte über Vereinsangelegenheiten, indem von Seiten der Mitglieder Vieles im Verein als dirette Vernachlässigung der Vernnsinteressen angesehen wurde. Die Mitglieder, um welche es sich handelt, werden zur nächsten Vorstandsfitzung eingeladen, um darüber Klarheit zu schaffen. Sodann verliest der Vorfitzende eine Anfrage, welche dahin lautet: warum hat der Fachverein nicht schon längst Stellung zum Arbeiterschutz- gesetz und Normalarbeitstag genommen? Diese Frage wurde vom Vorstandstisch aus von Herrn Hartfuß dabin beantwortet, daß dies durch verschiedene Verhältnisse ,m Schnerdergewerbe vernachlässigt worden sei. jedoch wurde im Allgemeinen von den Mitgliedern verlangt, in aller Kürze eme, öffentliche Schneiderversammlung für Meister und Gesellen einzuberufen mit der Tages Ordnung: Arbeiterschutzgesetz und Normalarbeitstag. Den Mitgliedern des Arbeitertnnenverein» zur Nach- richt, daß heute iDonnerstagi. Abends 8 Udr, ,n Gratweils Lokal, Kommandanteirstraße 77-79, ein geselliges Zusammen- sein stattfindet. Gäste find willkommen. Neue Mitglieder werdm aufgenommen. Kranken««nd Begräbnißkasse für die im Berliner Gürtler- und vronzeurgewerbe beschäftigten Personen Ein- geschriebene Hilfskaffe Ztr. 60). Außerordentliche Generalversammlung Donnerstag, den 13. August, Abends 8 Uhr, in Baumbach'S Kasino, Prinzenftt. 94. Tagesordnung: 1. Wahl eines Bevollmächtigten sowie dessen Stellvertreter zur Unfall- verfickeruna. Die Droschkenbefitzer halten heute Abend 9 Uhr im Saale des Handwerkervereins, Sophienstr. 15, eine Versammlung ab, mit der Tagesordnung: 1. Wie verhalten wir uns gegenüber dem in der Presse veröffentlichten Artikel, betteffend die Abänderung des Droschtentarifs. 2. Besprechung über Bildung eines neuen Vereins, zur Vertretung unserer gemein« samen Interessen. 3. Freie Diskusston. Vermischtes. Wie viel Zeitungen giebt's in der Welt? Eine ge- naue Beantwortung dieser Frage ist kaum möglich, doch lassen fich wenigstens annähernde Schätzungen aufstellen, die zu interessanten Resultaten führen. Der Pariser„Figaro" giebt die Gesammtzahl der Zeitungen auf 35 000 an, so daß auf je 40 000 Menschen eine Zeitung käme. In Europa, wo nach dieser Statistik 20 000 Zeitungen erscheinen, steht Deutsch- land mit 5500, darunter 800 täglichen, obenan. Sodann kommt Großbritannien mit 4000, darunter 800 täglich erscheinenden und Frankreich mit zusammen 4092, aber nur 360 Tageblättem Italien hat 1400 Blätter: es erscheinen davon 200 in Rom, 140 in Mailand, 120 in Neapel, 94 in Turin und 79 in Florenz, und als das älteste Blatt wird die„Gazzetta di Genova" genannt. Oesterreich-Ungarn publizirt 1200 Blätter, davon 150 täglich. Spanien hat ungefähr 850 Blätter, wovon ein Dritt- theil politische. Rußland nur 800, wovon 200 auf Petersburg und 75 auf Moskau kommen. Mehrere der russischen Blätter erscheinen in 3 Sprachen, 4 in stanzöflscher, 3 in deutscher, 2 in lateinischer und 2 in hebräischer Sprache, daneben einige in der Sprache der Polen, Finnen, Tataren und Georgier. In Griechenland erscheinen über 600 Zeitungen, davon 54 in Athen, inI der Schweiz 450, in Holland und Belgien je 300. Der Welttheil Asien hat 3000 publizistische Organe, davon kommen nicht weniger als.000 allein auf Japan; die einzigen Organe in China dagegen, welche von den Refidenten in den Vertragshäfcn herausgegeben werden, find der„Ning- Pao", offizielles Organ für Peking, der„Chen-Pao" und der „Hu-Pao" in Shanghai und das rm letzten Jahre in Korea aus- gegebene Regierungs-Joumal. Drei Blätter erscheinen in Fran- zöflsch-Cochinchina und eines in Tongking„l'Aveoir du Tovkin". Alle übrigen auf Asien gezählten Organe, mit Ausnahme von 6 perfischen, erscheinen in Indien. In Afrika erscheinen nur Gotha, 3. August. Gestern wurde hier die 259 W# Verbrennung vollzogen... Petersburg, 8. August. In der kaiserlichen Rtichiba« ist ein großartiger Betrug verübt. Die„Nowosti" beriöid darüber: Der Betrug, obgleich im März d. I. vollführt. erst jetzt zu Tage, und zwar Dank einer einfachen ZufällM Unter der Zahl der Depositoren der kaiserlichen Bank% fich auch Oberst Bolonin, der frühere Verwalter der kaiseriilm Gewehrfabrik in Sestrorjezk, welcher die respektable Summe 220,000 Rubel in zinstragenden Papieren angelegt Jp* Länger als ein halbes Jahr war Herr B. nicht in der Rcilt» dank erschienen. Die letzten Zinsen auf seine Papiere, M por für das letzte Halbjahr des vergangenen Jahres, ham■ rm Januar-Monat erhoben und weil die KouponS Papiere für das verflossene erste Halbjahr dieses Jahres 1. Juli fällig waren, erst jetzt in der Reichsbank w# sprachen und zwar Donnerstag, den 25. Juli. B. hatte sein formelles Gesuch um Herausgabt% Depositums nebst Aufweis der resp. Nummer der g hörigen Papiere einem Beamten der Bank gereicht. Nachdem das Gesuch die verschiedenen Ins» der Buchhalterei pasfirt hatte und revidirt worden war, rwn fich der qu. Beamte unter Kundgebung großer Verwunden� e an Herrn B.: Was soll denn das heißen, w as zweite Mal Ihre Einlagen verlangen?-7® das zweite Mal? Ich habe bis jetzt nichts erhalt mit der Frag! Sie bereiis fr denn 200 Zeitungen, wovon 30 in Egypten, die übrigen in den französischen und englischen Kolonren. Von den 12 500 in den Vereinigten Staaten(davon 1000 täglich» erscheinenden periodi- schen Zeitungen ist das älteste Blatt die„Boston NewS", zuerst 1794 erschienen. Nicht weniger als 120 Blätter werden in den Vereinigten Staaten von Negern herausgegeben, das älteste derselben, der„Elevator", zuerst vor achtzehn Jahren in San Franzisko. Kanada hat 700 Zeitungen, worunter viele französische, und im Süden steht die Argentinische Republik an erster Stelle mit 60 Blättern. Australien hat 700 Zeitungen, die Sandwich-Jnseln 8, wovon 5 in englischer und 3 in der Eingeborenen- Sprache erscheinen. Von den aufgeführten 35 000 periodischen Zeitschristen erscheinen 16 500 in englischer, 7800 in deutscher, 6850 in französischer, 1600 in spanischer und 1450 in italienischer Sprache. erwiderte B.— Erlauben Sie, Ihr' Depositum bereits Ihrem Bevollmächttgten ausgehändigt worden. � Ich habe gar keinen Bevollmächtigten und habe% baupt Niemand beauftragt, mein Kapital zu erheben. 1 Bestürzung war nicht gering bei dieser AnkündlM und vermehrte sich noch, als Herr B. die Quittung? Reichsbank über Deponirung genannter 220 000 Rubel vorWd während dieselben dem vermeintlichen Bevollmächtigten£ Herm B. auf Grund notarieller Vollmachten, natürlich£ sälschter, schon im März ausgehändigt worden waren-/ sofort eingeleitete Untersuchung wird natüilich bald Lot' jene eklatante Bankdefraudation bringen und»"U Gerichtschronik entschieden um einen grandiosen vÄ reicher werden. Wie man hört, soll es den in die abkommandirten Detektivs bereits gelungen sein, die Spur der Verbrecher zu kommen. Dieselben hatten, leicht erklärlich ist, vollauf Zeit gehabt, die Papiere Mann zu bringen und umzusetzen. Trotzdem soll Aussicht'-. handen sein, wenn nicht die Papiere selbst, so doch die � gezahlten Summen zu erhalten. »scheint Verlw Hostaboi Bett waches si ttnem Au � R r 0 j Pfunden Sprechsaal. Die Redaktion stellt die Benutzung de» Svreehsaal», soweit � II...... m..\,i,.,_...» a,-------- ü,--- 1___ aH»«. abjugeben ist, dem Publikum zur Besprechung von«ngelegenheiten»eifk! � kintereste» zur Bersügung; fie»erwahrt fich ater gleich, eitig dagegen. &Z' Kleine Mittheilungen. telmstedt, 10. August. Am 5. August, so erzählt der waren zwei Knaben von 12 und 13 Jahren aus dem benachbarten preußischen Städtchen Neuhaldensleben entlaufen, um wie fie sich vorgenommen, Räuber zu werden. Dieselben trafen hier ein und begaben fich bald nach Braunschweig zu, kehrten aber gestern nach hier zurück, gingen nach dem Klara- bad und speisten, nahmen aber nach eingenommener Mahlzeit, ohne zu zahlen, Messer und Gabel mit fich. Der Kellner de- merkte dieses und Zagte ihnen nach. Da erschien der richtige Augenblick, fich als Räuber zu zeigen, denn der eine der Räuber feuerte auS einem Terzerol zwei Schüsse auf den Kellner ab, glücklicher Weise ohne Verletzung. Darauf suchten fie das Weite, schwammen durch einen Bach, wurden aber in dem nahen Dorfe Behndorf angehalten. Der ältere Knabe entkam, nachdem er auch noch einen Schuß auf den betreffenden Fest- nehmer abgefeuert hatte. Der jüngere Knabe, der fich nicht bändigen lassen wollte, wurde gebunden und im Dorfe fest- geHallen. Des Abends erschien schon der Vater und holte den hoffnungsvollen Jungen fort. Der andere wird auch bald ermittelt werden.— Offenbar haben die Jungen ihren Verstand durch das Lesen von obligaten Schauergeschichten zerrüttet. Inhalt defiolbm identifizirt zu worden. An alle Gewerkschaften und Arbeiter Berlins!. Auf Grund der Vorkommnisse in der Delegirten-Ver»� lung der Berliner Tischler vom 11. August und der in Zeit vorgekommenen Zersplitterungen in Betteff der. gelegenhett des Herrn Rödel bin ich verpflichtet, im In«». sammtlicher Berliner Arbeiter die bewiesenen und mir beka»� unstatthaften Verwendungen von Arbcitcrgroschen seitens Henn Rödel, Hauptkasfirer der Tischler-Lohnbewcyung� e lich bekannt zu machen. Ich habe deshalb eine offen Arbeiter-Versammlung, zu der hauptsächlOT Tischler Berlins eingeladen find, zum Sonntag, den loj Vormittags 10 Uhr, in Keller's großem Saal, Andreassn. einberufen. Bitte sämmtliche Gewerkschaften, wenn% möglich dieses in Betreff Einberufung von Versammle berücksichtigen zu wollen; gleichfalls erwarte ich, daß Rödel an diesem Tage reine andere Versammlung berufen wird. t Heinrich Künzel, Tischler, Pallisadenstr. 9,. bisher Mitglied der Lohn-Kommisston der Tischler Ber> Kriefdasten der Redaktion. � R. Zeuahofstr. Gehen Sie am Sonnabend*5 zwischen 8—10 Uhr nach der Lausttzerstt. 52 bei| j oer Slalitzerstraße). Es befindet fich dort eine Zahlst� Zentral Kranken und Sterbekassc der Fabrik- und 'S arbeiter beiderlei Geschlechts, wo Sie sichere Auskunft werden., Stellmacher L. Versammlungsberichte dürfen auf einer Seite des Papiers schreiben. �, A. T. Friedenstraße 1». Wir werden Ihnen das wünschte zusenden.„ G. E., Bergmannstr. Wäre uns die Notiz zugeg" so hätten wir dieselbe aufgenommen. P'OPichre Theil "S �«erb. ««nerad Ä harten 'undcn hq veranf .Da i % Rrbeher Trasse. K Sv Theater. Opernhaus. Heute: Der Trompeter von Säkkingen. Schauspielhaus. Heute: Keine Vorstellung. Belle-Allianee-Theater. Heute: Sein Steckenpferd. Neue» Friedrich-Wilhelmstädtische» Theater. Heute: Der Großmogul. Osteud-Theater. Heute: Die Goldgräber. Central-Theater. Aste Jakobsttaße 30. Direktion: Adolph Ernst. Hntt«: Zum 13. Male: Die wilde Katze. Gesangsposse in 4 Asten von W. Mannstädt, Mufil von G. Steffens. Nach jahrelangem Hetzen gezwungen, Deutschland zu ver« lassen, sage ich allen guten und ehrlichen Freunden ein herz- lichcs Lebewohl. Bremen, den 8. August 1885.[1890 Max Sendig. Iilttram'ft Salon, Nachf. Th. Lammers, Kommandantensttoße 72, M» Nur 1 Treppe, m �. i hochelegant, mit anschl. Wnnl Nebenräumen z.Kränzch., � II Hl Bällen, Kommersen, Ver- samml.zc.z.höchstsol.Bed. Das Sommerseft des Fachvereins der Schlosser u. Lernfsgen., verbunden mit Sommernachtsball, zum Besten seiner hilfs- bedürfttgen Mitglieder findet am Sonnabend, den 15. August, in Th. Keller'» Hofjäger. Hasenhaide, statt. Für Belustigungen aller Art ist bestens Sorge gettagen. Billets a 25 Pf. find zu haben be» Kluge, Mulackstt. 22, 1; Faber, Nostizstt. 18; Mcnz, Bergstt. 74. Kinder sind stet. Freunde und Gönner des Vereins find hiermit bestens eingeladen. August Herold Berlin SO, 113 Skalitzerstrasse 113. Miikel-, Spiegel and polsterwaarea Magazin Eigene Fabrik. Solide Preise. Prompte Bedienung V».«% Sagende {IminiiinnB knlfdiei MctMriicitcr. (Mitgliedschaft Berlin Süden.) Donnerstag, den 13. August. Abends 8V, Uhr. bei Wolf u. Krüger, Skalitzcrstr. 126: Mitglieder- Versammlung. [1856 Das Komitee. TageS-Ordnun». 1. Vortrag des Herrn K a n i tz über: Die Naturheilmethode. 2. Das Verhalten des 1. Bevollmächtigten der Mitgliedschaft Berlin Süden und die Stellung der Mitglieder hierzu. 3. Wahl eines Revisoren.[1858 4. Verschiedenes und Frage kästen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste willkommen. Der Vor st and. Montag, den 17. August 1885, Abend» 8V. Uhr. findet in Heise's Salon, Lichtenbergerstt. 21, eine außerordentliche Gtneral-Versammlung der Ortskranken?asse der Böttcher Berlins statt.— Tagesordnung: Soll die Kasse weiter bestehen oder nicht?— Zu dieser Versammlung müssen sämmtliche gewählte Delegitten erscheinen.[1359 Seemann. Vorfltzender. Avis. Der Arbeitsnachweis des Vereins zur Wahr» � Interessen der Klavicrarbeiter befindet sich nach'< slalitzerstraße 18 bei Stramm. Berfammlung � des Arbeiter-Bezirksvereins Gemüthll� für Reinickendorf und Umgegend am Sonntag, den 16. August, Vorw'[l> 11 Uhr.??? M nttf Referent: Schuhmachermeister Friedrich Arn � Bernau._ G. O e st e r r e i ch, Vglt�P Der Mrilsnachiiieis der SWl befindet fich bei Herm Opertz, Alte Jakobstr. DM" Wäsche wird in und außer de«$�1 gebessert, auch werden Namen gestickt und|v strickt bei Fr. Böhme. Grünauerstr. 11, HofJ�>� M D 0:; K «ve» Die Nr. 19 der humoristischen Blätter./ „Der wahre Jacobs ist erschienen und in der Expd. des„Berl. Volksbl f� Verantwortlicher Redakteur M. Srouhet« in Berlin. Druck und Verlag von Max vadwg in Berlin SW, Beuthsttaße 2. W Sil % Als