Nr. 188. Freitag» de« 14. August 1885. II. Jahrg. terlimMMI. Organ für die Interessen der Arbeiter. Da«„Berliner Volksblatt" �scheint täglich Morgen« außer nach Sonn- und Festtage». AbcmnementSpreiS frei in« Hau« vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 V»stabo»nement 4 M. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nunnner mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungSpreitlist« für 1885 unter Nr. 746.) r...„ �.n t,, Jnsertionsgebühr w bgefpalteae PAtzeile od» deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. Ked aktiv»: Kenthftraße 2.— Grpeditian: Zimmerstraße 44. Fcstseierll. dem Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokratie, �ch-S 1% wie wir oft nachgewiesen haben, vielfach zu nem Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter gestaltet hat, sind �«roßen Arbeiterfeste, besonders in Berlin, von � Tagesordnung verschwunden. Wir erinnern uns solcher __ �eiterfkste, bei denen sich zehntausend Personen zusammen- W4 �"den hatten. � Kaffeekochen, Konzert, eine kurze Rede, in der die Be- Ming solcher Arbeiterfeste hervorgehoben wurde, Theater, die junge Welt, nachher etwa« Tanz und ungetheilte �ohlichkert— da« Alles wurde für ein geringes Entree 1"" Theilnehmern geboten. Trunkenheit und Skandal waren Men Festen absolut auSgeschloflen. i Niemand wollte sich durch ungebührliche« Betragen in �Verdacht setzm, kein braver, ehrlicher Arbeiter, kein guter amerad zu sein. h Trotzdem wurden solche Feste von der herrschenden �effe geschmäht und von Preßsöldlingen, die gar nicht sich 7�. he gaben, dieselben zu besuchen, in allen möglichen starten verlästert, Szenen geschildert, die nicht stattge- den hatten, um diese Arbeiterfeste und die Partei, welche o�anstaltet hatte, zu diskreditiren. - Da aber später solche großen Volksfeste, die durchweg .en siebenziger Jahren nur zwei bi« drei Mal im Zahre .T�rt, auch von bekannten Männern anderer GesellschaftS- l,�-? �ad Parteien ab und zu besucht wurden, die öffent- J9j3tugmß für die Wahrheit ablegten, mußte die Lügen- fz/P* verstummen und e« wurde allgemein anerkannt, daß Ui2 ,'cho derartige Feste, getragen vom Volksgeiste, ftöhlich würdevoll zugleich verliefen. ft aber durch diese Festfeier« die Einigkeit unter den Sutern befestigt wurde, was der herrschenden Presie ein ftrtin? Auge war, so suchte man andere Verdächtigung«- «trh■" lind ein Hauptmoment darunter war, daß der ouf diesen Feste« seine» sauer erworbenen Lohn to, Obwohl nun nirgends eine größere Solidität herrschte, tzfcT Horade auf solchen Festen, blieb die herrschende Presie a-r»., dieser unwahren Behaupwng, bi« da» Ausnahme« Ü|.5 im Berlin und auch fast überall diesen Volksfeste» "tthaupt ein jähes Ende bereitete. feit. Stelle derselben find nun überall kleinere Verein«- Do.* getreten. So viel wir wisie», sind auch diese Asg,..vochvereinen und Gewerkschaften arrangirten, von sckak.,�" geleiteten Feste immer von gutem kamerad- ni�uchen Geiste beseelt, und auch hier hört man die Ä�on Exzessen. Auch find die Ausgaben, die sich �»estfeierndtn erlauben, nur geringe. Jeuicteton. Das Mormouenmadche». Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhauseu. (Fortsetzung.) km." v lieber Onkel, thue es nicht," wiederholte sie »diese armen Menschen besitzen ja keinen klaren von unserer Religion und den Pflichten eines recht- tanit � �h"sten. Haben sie sich aber vergangen, so ist e« flicht m böser Abficht geschehen. Betrachte sie nur, wie K>b» i-i-ch.■ �d harmlos sie zu unS herüberschauen. Stet« >ehal>» Indianer für schreckliche, blutdürstige Menschen Sink r Und wich in meinen Träumen vor ihnen entsetzt. dop!- tte aber alle wie diese hier, so hege ich keine Furcht fpiaif"„v" und indem das junge warmherzige Mädchen so chw'fläherte es sich festen Schritte« den beiden Wilden, nrtt dem lieblichsten Lächeln die Hand reichend. Wrimi war durch die Worte seiner Nichte unangenehm »dter �! allein auch er befand sich unbewußt so sehr er in, Einfluß de« reinen, edeldenkenden Wesens, daß i« daa Ä Augenblick nicht» zu entgegnen vermochte und, �haoes W eintretend, seine Aufmerksamkeit mechanisch den Ichrit+��de» waren bi» in die Mitte de» Gemache« vorge- fltonin Lfly ffe plötzlich die am Fenster lauschende junge Mor- liebe«£e�en und wie gebannt auf derselben Stelle stehen "nb»j.�Auf ihren Zügen spiegelten sich zugleich Furcht denn wenn sie auch kurz vorher schon llflem begegnet waren, so hatten sie doch nie in , ichtin,,»'w>a, kennen gelernt, was Hertha's anmuthiger . ein oh9 Llflch gekommen wäre. Sie hielten sie offenbar das i°ischez Wesen, und kaum wagten sie zu athmen, Zansr« lflnge Mädchen sich ihnen zuwendete und dann, '»ernrit� fliegen tretend, mit gütigen Worten die Rolle der Als g? übernahm. i,e aber, ohne die geringste Spur von Besorgniß, Ander« sieht es schon bei den großen VolkSvergnü- gungen aus, die wir überall in Deutschland haben, wie die zahlreichen Vogelschießen, SedanSfeiern u. s. w. Hier ist das Trinken die Hauptsache. Kein gemeinsame» Band umschließt die Feiernden und so konnte es z. B. vorkommen, daß ein Leipziger Wirth nach einem Sedanfeste veröffentlichte, ihm seien an dem Festnach- mittage zirka 1400 Gläser zerschlagen odet»tznitgenomme« worden. Gegen derartige Feiern hat sich die herrschende Presse niemals gewandt, obwohl dort zahlreiche Arbeiter in der That ihre sauer verdienten Groschen verdübelten und immer noch verjubeln. Diese Feste waren ia eine schmuckreiche Dekoration derjenigen Strömung, die man die herrschend« nennen konnte. Auch die großen deutschen Schützen-, Sän- ger- und Turnfeste haben eine ähnliche Tendenz. Zn frühe- ren Zeiten, als dieselben noch idealere Zwecke verfolgten, wurden sie beschränkt, jetzt werden sie dagegen offiziös und offiziell in allen Tonarten belobt. Trotzdem wird auf den- selben mehr verschlemmt und vertrunken, als früher, und so ein echter Festschütze muß auch noch dabei seinen besonderen Skandal haben und wäre es auch nur, daß er einen ver- meintlichen Ungarn in rohester, gemeinster Weise insul- ttrte. Und wenn man nun gar noch all die kleinen Vereins» feste betrachtet und wie es darauf hergeht? Keine Spur von idealen Anschauungen, keine Spur von der Lösung wirklicher Vereinsaufgaben! Wir brachten noch kürzlich einen Brief des Kranken- Kassenvorstehers eine» Dresdener KriegervereinS, in welchem derselbe die Fahnenweihe weitaus der Krankenkasse vor- zieht.——— lieber solche„VereinSpest" äußert sich auch die„Demo- kratische Korrespondenz" in folgender Weise:„DaS Ver- einSwesen und die damit in engstem Zusammenhang stehende« Feiern und Festlichkeiten sind allmählich zu einem ernst- lichen Uebelstande geworden, der nach wirthschaftlicher und auch zum Theil nach politischer Seite hin zu schweren Be- denken Anlaß giebt. Wer tagtäglich eine größere Anzahl von Zeitungen und namentlich aus kleineren Orten in die Hände bekommt, der muß sich erstaunt ftagen, woher denn die Leute die Mittel nehmen, um sich an all diesen Fest- lichkeiten zu betheiligen? Da« wimmelt nur so von Berich- ten über Fahnenweihen, Stiftungsfeste, Gesangsfeste, Turn-, Veloziped-, Ruder- und weiß Gott was sonst noch für Feste, daß man unwillkürlich an den Kopf greift und sich fragt, ob denn der Mensch eigentlich zum Arbeiten oder zum Festefeiern auf der Welt sei. Und wenn man dann erst in so manchen Blättern dicht hinter den Festberichten die Jörn- Kairuk und demnächst Zreteba die Hand drückte, da strahlten deren braune gutmüthige Physiognomien vor Entzücken, und indem sie mit ihren schmalen schöngeformten Händen schmei- chelnd über Hertha'» Arm strichen, wiederholten sie einmal über das andere in tiefen milden Tönen da« bezeichnend« Wort„Achotka". Demoiselle Corbillon befand sich während der ganzen Zeit auf der entgegengesetzten Seite de» Gemach». Ihr Gesicht hatte sie halb abgewendet, und Entsetzen, Abscheu und Zorn wechselten komisch auf ihren scharfen Zügen, mdem sie ihre stechenden Seitenblicke bald auf Hertha, bald auf die mar- tialischen Gestalten der MohaveS heftete. „Entfernt die schrecklichen Menschen von hier!" rief sie Jansen entgegen, eh' dieser auf die Anrede seiner Nichte zu antworten vermochte,„sie sehen aus wie Verräther, und find nur gekommen, um zu morden und zu plündern. Ent- sernt sie, um GotteS willen, wenn auch nur de« Kindes wegen!" Hertha lächelte ihrer Gouvernante schelmisch zu, al» sie deren Angst gewahrte. Kairuk und Jreteba, die mit den Augen der Richtung von des jungen Mädchens Blicken ge- folgt waren und in der bebenden Gestalt der Französin wohl den Grund von Hertha's Fröhlichkeit ahnen mochten, lächelten ebenfalls. Der Zorn der Gouvernante aber wurde dadurch in so hohem Grade rege, daß sie sich ein Herz faßte und an den beiden Mohaves vorbei in's Freie hinausstürzte, um Schutz bei den nächsten Wagen zu suchen und von dort aus ihre verzweiflungsoollen Blicke über das Thal zu sen- den, in welchem sie überall Unruhe und Besorgniß erregende Geschäftigkeit gewahrte. Jansen hatte unterdessen seine Nichte sanft zur Seite geschoben und betrachtete noch immer aufmerksam den jetzt vor ihm stehenden Häuptling. „Kind", hob er endlich an, sich halb«ach Hertha um- wendend,„Du glaubst überall nur gute Menschen zu sehen; selbst diesen Wilden, die un» den größten Schaden zugefügt haben, schreibst Du ehrenwerthe Gesinnungen zu. Ueber- lasse es Männern, in dieser Sache eine Entscheidung zu treffen. Ich wiederhole Dir daher, e« ist von Wichttgkett, ja, unser Aller Leben hängt vielleicht davon ab, diese mehr merlichsten Klagelieder über die„Roth des Landmannes" liest, dann weiß man wirklich nicht mehr, was man dazu sagen soll. Ganz besonder» sind eS um die jetzige Zeit die „Krieger verein«", die Stadt und Land durch ihre „Erinnerungsfeiern" und„Gedächtnißtage" unsicher machen. Von Spichern bis Pari» und Belfort, all die blutigen Etappen muß ein richtiger Kriegerverein durch eine„Gedächt» nißfeier" kennzeichnen, bei welcher der Chauvinismus Trumpf ist und die„Loyalität" wahrhafte Orgien feiert, der Geld- beute! aber den grausamsten Schröpfungen ausgesetzt ist." Hiergegen wendet sich natürlich die herrschende Presse nicht. DaS sind Feste, die gefeiert werden müssen! Und daß gerade auf den Festen der Kriegervereine die Trunkenheit vielfach ihre Orgien feiert, daß gerade dort Schlägereien und Exzesse vorkommen, ist allbekannt. Braucht man doch nur an die famose Parade zu erinnern, die vor einigen Jahren in Potsdam abgehalten werden sollte, aber nicht abgehalten werden konnte, weil eine große Anzahl der anwesenden KriegSvereinler sich schon Morgen» früh in einem unqualisizirbaren Zustande befand. Kurz und gut! Die herrschende Presse thäte wohl, vor der eigenen Thüre zu kehren. Wir sind sicherlich keine Gegner von Vereinen und von Festen. Nur dürfen auS den Vereinsmitgliedern keine Vereinsmichel werden, die ihre kleinen VereinSbcstre- bungen über alles Andere setzen, und auch die Feste be- kämpfen wir nicht, nur dürfen sie nicht zu oft aufeinander folgen und dann sollen sie auch nicht der Trunkenheit und Royhest dienen, sondern sie sollen von Fröhlichkett, Einigkeit und Humanität getragen sein. Die Arbeiter besonders aber sollen über dem Verein«- wesen nie die große Arbeitersache selbst, da» Ringen, die Lage der Arbeiterklasse zu verbessern und ihr Recht zu er- langen, au« dem Auge lassen. >ung. In d»m Artikel in Nr. 186 vom letzten Mittwoch-/..Arbeitskammern, nicht— Arbeiter. kammern" muß eS in der ersten Spalte zehnte Zeile von unten natürlich heißen: Der Arttkel selbst preist die englischen Schiedsgerichte an und empfiehlt die Einführung ähnlicher Einrichtungen in Deutschland. Politische Ueberstcht. Für die staatlichen Telegraphenverwaltungen besteht noch keine Haftpflicht für den durch Absendung eines Tele- aramms entstehenden Schaden, während bei dem Post- und dem Eisenbahnbetriebe der Staat dem Publikum gegenüber vermögensrechtliche Verpflichtungen übernimmt. In dem internationalen Telegraphenvertrage heißt es, daß die hohen kontra- als verdächtigen Krieger in unserer Gewalt zurückzubehalten. Es bleibt dabei, sie verlassen unser Lager nicht wieder, und müßte ich ihnen selbst die Glieder bis auf die Sehne» durch- schnüren." „Sie kamen vertrauensvoll und unbewaffnet, sie kamen als Boten," unterbrach Hertha ihren Onkel, nur mit Mühe die Thränen zurückvrängend, welche dessen zornig erhobene Stimme ihr in die Augen gettieben hatte. „Sie kamen als Abtrünnige, die vergessen haben, daß sie die heilige Taufe empfingen," entgegnete Jansen etwas milder.„Du glaubst mir nicht, trotzdem Du weißt, daß durch diese Eingeborenen, durch ihre Genossen wenigstens, erst vor einer halben Stunde unser beste« Pferd getödtet wurde." „Wallpai« tödten Mormon Pferd, Wallpai» böse," sagte Kairuk, der die letzten Worte Jansen'« verstanden hatte. „Du hörst e«, diese Leute sind unschuldig, behandle sie daher nicht so streng," versetzte Hertha, die in den Augen ihres Onkels eine verhaltene Drohung zu entdecken glaubte. Jansen war im Begriff, etwas zu entgegnen, wurde aber unterbrochen durch lautes Rufen, welches von der Nord- seite deS kleinen ThaleS herüberschallte und sogleich von alle« Seiten beantwortet wurde. Schnell trat er vor die Thür hinaus, um sich von dem Grund der Störung zu überzeugen. Hertha folgte ihm auf dem Fuße nach, und die beiden Indianer, die sich nunmehr allein im Gemach sahen, wollten ebenfalls Gebrauch von ihrer Freiheit machen. Kaum hatten dieselben sich aber einige Schritte von der Thür entfernt, so sahen sie sich von mehreren bewaffneten Mormonen umringt, welche sie bedeuteten, sich wieder in das Innere der Hütte zurückzubegeben. Erstaunt blickten die beiden Krieger sich gegenseitig an; sie, die in ihrem Leben noch keinen Zwang kennen gelernt hatten, schienen ein derartiges Ansinnen gar nicht zu verstehen, und erst al« sie halb mit Gewalt wieder in da» Gemach hineingedrängt wurden, gelangten sie zu dem Bewußtsein, sich wirklich al« Gefangene betrachten zu müssen. Die Folge davon zeigte sich fast augenblicklich in ihren Zügen, doch keineswegs in einem Ausbruch von Zorn oder hirenden Thrile in Bezug auf den internationalen Telegraph n- dienst leinerle Verantwortlichkeit übernehmen, und dem ent> sprechend bestimmt die Telegraphenordnung'ür das Deutsche Reich:„Die Telegraphenverwaltungen leisten für die richtige Ueberlunft der Telegramme oder deren Ucberkunft und Be« stellung innerhalb einer destimmten Frist keinerlei Gewähr und haben Nachthcile, welche durch Verlust, Verstümmelung oder Ver- spätung der Telegramme entstehen, nicht zu vertreten." Trotz« dem hat das frühere preußische Obertribunal dahin entschieden, daß der Telegraphenbeamte für den durch die Verstümmelung eines Telegramms enrstehenden Schaden hastbar sei, und auch das Berliner Amtsgericht l hat im Januar v. I. einen Tele- graphenasfistenten veruttheilt, für die Nachtheile, welche durch die von ihm verschuldete Entstellung eines Telegramms dem Ausgeber erwachsen waren, vollen Schadenersatz zu leisten. Dagegen bezeichnen hervorragende Rechtslehrer, z. B. Mittel« meier, den Aufgeber als haftpflichtig für den aus dem Abschluß eines Geschäfts mittelst Telegramm entstehenden Schaden. Gar häufig, z. B. in den Fällen fälschlicher An« fertigung von Depeschen, ist aber der Aufgeber nicht zu er- Mitteln, und der Empfänger des Telegramms würde alsdann den Schaden selbst zu tragen haben. Eine Entscheidung des Reichsgerichts liegt bis jetzt in der Sache nicht vor. Der gestrige„Reichsanzeiger" enthält eine kaiserliche Verordnung, betreffend die Formen des Verfahrens und den Geschäftsgang des Reichsvcrficherungsamtes. Im Reichsverstcherunasamt ist nunmehr eine Ent- scheidung über die striitige Frage ergangen, ob die in den Zuchthäusern und Korrektionsanstalten arbeitenden Strafae- fangenen und Korrigenden unter das Unfallvcrficherungsgeietz fallen. Das Reichsverficherungsamt hat die Frage verneint. Es heißt in dem Bescheide:„Derartige Gefangene find nach Auffaffung des Reichsverficherungeamies. auch wenn fie von Vrivatunternebmern in der Anstalt beschäftigt werden, nicht alS Arbeiter im Sinne des Unfallverficherungsgesetzes anzusehen, ebenso wenig wie das Arbeitshaus für eine Fabrik zu erachten ist. Insoweit aber der Dampfbetrieb oder die Wasch und Badeeinrichtungen von freien Arbeitern und nicht von Straf- gefangenen besorgt werden, würden die Arbeiter allerdings als verfichcrungspflichtig zu behandeln sein." Die Minister des Innern und de« Kultus erinnern in einem besonderen Erlaß an die Verfügung des Justizministers vom 11. Juli, wonach den Amtsgerichten eines Oder- landesgerichtsbezirks eine Anweisung dahin zu erthcilen ist, daß fie in den gemäß§ 53 Abs. 2 der Vormundschaftsorvnung er- tehenden Requisitionen dem Waiscnrathe die Religion des flündels angeben oder ihn um deren Ermittelung angehen, unter allen Umständen aber ihn aus die Bestimmung deS § 19 Abs. 2 der Vormundschaftsordnung, wonach bei der Aus- wayl des Vormundes auf das religiöse Bekenntniß deS Mündels Rückstcht zu nehmen ist, autmerksam machen. Die Standesbeamten der Provinz haben in ihren bezüglichen An- zeigen an die Gerichte einen Vermerk über die ihnen aus der Geburts- oder Sterbeurkunde bekannte Religion des VaterS oder der Mutter beizufügen und außerdem die Gemeinde- Hehörden den Waisenrälhen eine pünktliche Beachtung des Justiz-Ministerial-Reskripts vom 11. Juli c. zur Pflicht zu machen. Zur Dampfersubvention. Einen plaufiblen Grund für die Ablehnung der Offerte Hamburgs für die Dampfecsub- vention glaubt jetzt die„Hamb. Börs." aufgefunden zu haben, indem fie auf die Unmlänglichkeit deS Fahrwaffers der Elbe von Kuxhaven nach Hamburg und auf die schlechte Beschaffen- heit des Kuxhavener Hafens aufmerksam macht und Abhilfe der Mißstände verlangt. Das Blatt schreibt unter anderm:„Es wird deshalb gewiß für die Zukunft Hamburgs von äußerster Wichtigkeit sein, daß erstens das Fahrwaffer der Elbe so weit wie irgend möglich vei tieft wird, da als gewiß anzunehmen ist, daß die Größe und damit die Tiefe der Seeschiffe noch weiter zunehmen wird und daß zweiteus ein großer und genügend tiefer Hafen bei Kuxhaven gebaut wird, damit jederzeit und be- sonders im Winter den Schiffen, die vielleicht tausende von Meilen sicher über See gekommen find, ein ficherer Zufluchts- ort geboten wird, und dieselben nickt noch fast im Anaeficht ihres Bestimmungshafens schweren Schaden oder gar schiff- bruch leiden, wie es in den vergangenen Zeiten leider so oft vorgekommen ist. Sollten die maßgebenden Faktoren in Ham- bürg nicht endlich zu der Einficht gelangen, daß, wie die Ver- tiefung der Elbe nothwendig, so ein großer Hafen bei Kux- Häven ebenso unerläßlich ist? Man sollte es meinen, oder es müßte bewiesen werden, daß bei der heute besprochenen Ent- scheidung des Bundesraths die Verhältniffe unserer Elbe keine Rolle gespielt hätten." Die Konservativen in Schlesten baranguiren stch gegen« seitig nach dem Muster ihrer Berliner Freunde. So erlaffen sechs konfervative Herren im„Schles. Morgenblatt" folgende Erklärung:„Nachdem die„Schlesische Zeitung" wiederholent- lich unbegründete Verdächtigungen gegen die Konservativen Schlesiens ausgesprochen hat, sehen wir Unterzeichneten uns nicht mehr in der Lage, dieselbe ferner zu halten. Wir machen darauf aufmerksam, daß Inserate, welche zu unserer Kenntniß Schrecken. Im Gegentheil, sie waren viel ruhiger ge- worden, und wenn sich auch eine gewisse Aengstlichkeit in ihren Bewegungen ausdrückte und eine Art von Trauer über die Täuschung aus ihren Mienen sprach, so glühte doch auch wieder die Wildheit eines Panthers aus ihren Augen, der sich plötzlich durch eine listig aufgestellte Falle in die Gewalt deS Jägers gegeben sieht. Leise schlichen sie nach dem Fenster und besorgt blickten sie nach dem Felsen hinüber, von welchem aus sie die im Lager Versammelten zuerst beobachtet hatte». Die dort von ihnen aufgestellte Schildwache war ver- schwunden, dafür aber vernahmen sie au« derselben Rich- tung einen langen jauchzenden Ton, der, mit eigenthümlichen Modulationen ausgestoßen, weithin zwischen den Bergen widerhallte.,,„, Ueber KairukS braunes Gesicht glitt ein Lächeln der Befriedigung; denn noch spielte daS Echo mit dem Signal» ruf der indianischen Schildwache, der eS nicht entgangen war, daß man den Häuptling und seine Gefährten als Ge- fangene behandelte, da schlüpfte eS auf den Abhängen hinter den Felsblöcken, aus den Schluchten und au« dm Spalten im Gestein hervor, und eh' eine weitere Minute verstrich, war die südliche Hälfte der zackigen Thaleinfassung übersäet mit schwarzbehaarten Köpfen und braunen schlanken G.iedern, die nur auf ein Zeichen harrten, sich zu erheben und sich als einige Hundert mit Keulen, Bogen und Pfeilen be- waffneter MohaveS auszuweisen. Unter den Mormonen war plötzlich eine Stille einge- getreten; man vernahm nur noch die kurzen halblauten Rufe, mit welchen die Frauen und Kinder aufgefordert wurden, sich in den Schutz der Hütten zurückzuziehen, und das Getrappel der Heerden, welche man der, durch die in einen Kreis zusammengefahrenen und mittelst Ketten an einander gefesselten Wagen hergestellten Einfriedigung zutrieb. Alles befand sich in der größten Verwirrung, und während die Männer die nöthigsten Anstalten zur Verthei- digung trafen, die Frauen und Kinder dagegen sich zagend hinter den festen Blockwänden verbargen, stahl sich mancher besorgte Blick nach den nahen Feltabhängen hinüber, kommen sollen, in daS„Schlesische Morgenblatt" einzurücken find. Gleichzeittg legen wir dagegen Verwahrung ein, daß die „Scklss. Ztg." als Organ der Konservativen Scklkfiens an- gesehen wird. Wir biiten unsere Gestnnuagsgcnoffen, unterer vorstehenden Eiklärung beizutreten. Wodlau, 6. Juli 1885." (Folgen sechs Namen.)— Tie„Breslauer Morgenttg." be merkt sehr treffend dazu:„Was bezwecken diese sechs Herren wohl mit dieser„Erklärung"? Es ist ein großer Jrrthum, dem fich zuweilen einzelne sanguinisch angelegte Zcitungsleser hin- aeben, zu glauben, daß solche Kundgebungen irgenv einen Ein- druck auf eine zielbewußte Zeitunas Redaktion zu machen im Stande seien. Ihr Effekt ist gleich Null. Stürbe man an gegntnschen MißnergnügungS Erklärungen, so deckte beispielsweise uns schon längst der Leichenstein." Die Ankunft de» deutschen Geschwaders vor Sansibar hat alle offiziösen Federn von Berlin in Bewegung gesetzt, allein— so meint die„Franks. Ztg."— man wird in den Ausführungen derselben vergeblich nach einer Aufklärung darüber suchen, was die vier Kriegsschiffe nun eigentlich in Sanfidar thun sollen.„Dem übelgerathenen Sultan Eeyd Bar- aasch einen ungefähren Begriff von der Macht des Deutschen Reiches deibiingen!" Das kann doch nur geschehen, wenn Kommodore Paschen durch die Kanonen seiner Eckiffe das Eigenthum des Sultans zerstören läßt. Ein solches Vorgehen der deutschen Schiffe wird aber selbst von Denjenigen, welche dem Sultan einen Begriff von der deutschen Macht beibringen sollen, als sehr unwahr scheinlich bezeichr et, und auch der englische Unterstaatssekretär des Acußern, Mr. Bourke, hat erst gestern im Unterhause erklär», daß ihm von einer Bedrohung des Sultans durch Deutschland nichts bekannt sei. Es hat eben i den Anschein, alS ob die schnelle Ertheilung des kaiserlichen Eckutzbriefes für die mangelhaft umgeschriebenen Erwerbungen der Deutsch- Ostasrikanischcn Gesellschaft und die Absend ng | eines Ratte-Geschwaders zur Bestrafung des Sultans von San- - fibar wegen deffen angeblicher oder wirklicher Uebergriffe auf das Gebiet der Ostafrikanischen Gesellschaft auS Motiven erfolgt find, welche heule kein, Geltung mehr haben. Dem deutschen Reichskanzler kam es damals wahrscheinlich hauptsächlich nur darauf an, dem Ministerium Gladstone eine neue Schwierig- keit zu bereiten, und ale das verhaßte liberale Kabinet stürzte, war es zu spät, dem Sultan gegenüber eine andere Stellung einzunehmen und die Maßnahmen in Betteff der Zusammen- ziehung deS Geschwaders vor Sanfibar rückgängig zu machen. — Wenn maB verschiedenen sehr kolonialsreundlichen Berliner Berichterstattern, welche fich zugleich den Anschein der Offi- ziofilät geben, Glauben schenken darf, dann find auf deutscher Seite in der Sanfidar Angelegenheit mehrfach Fehler gemacht worden. Darnach war die Entsendung des Herrn Dr. RohlfS als Generalkonsul zu dem Sultan Segd Bargasch ein Miß« griff: im auswärtigen Amte machte man fich eine falsche, nämlich überm- bene Voi stellung von dem deutschen Einflüsse in Sanfibar; man hatte keine genaue Kenntniß über die Grenzen des Sulianats, woher es auch kam. daß die auf Veranlaffung des auswärtigen Amts von L. Friederichsen in Hamburg her- ausgegebene Karte daS„Sultanat" Witu als zu Sanfidar ge- höng bezeichnete." Das Blatt meint nun weiter, daß der Versuch, die Verantwortung für die jetzige unerquickliche Lage den in Sanfibar etablirten Hamburger Handlungshäusern aufzuwalzen, wohl nur der Verlegenheit entspringe, in die man gerathen sei.„Wir wollen— so fährt das Blait fort— uns vorläufig noch kein Unheil darüber er- lauben, ob und inwiefern diese Vorwürfe berechtigt find, allein es ist nur zu leicht zu erklären und kann den seit Jahrzehnten in Sanfibar etablirten Hamburger Großkauflcuten ficher auch nicht zum Vorwuif gemacht werden, daß fie vor Allem bemüht gewesen find, ihre freundschaftlichen Beziehungen zum Sultan von Sanfibar zu erhalten und dieselben nicht durch eine Partei- nähme für die wunderlichen Kolonie Gründer, welche so plötz- in Ostafrika auftauchten, auf's Spiel zu setzen. Das haben stch wohl weder die deutschen Kaufleute in Sanfibar, noch der Eul« tan Eeyd Bargasch gedacht, daß hinter diesen merkwürdigen Leuten die Macht des Deutschen Reiches stehe." Vor der Auswanderung nach Queensland warnt ein den„Schlesw. Nachr" zugegangenes amtliches Schreiben. An- aeblich im Auftrage der Kolonialregierung von Queensland in Australien versuchen augenblicklich Agenten, Deutsche zur Aus- Wanderung nach dort zu be regen unter dem Versprechen von freier Ueberfahrt und sofortigem Verdienste. Die Auswanderer müssen ihrerseits aber einen mehrjährigen, festen Arbeitskontrakt eingehen, durch welchen dieselben ein in sklavenähnliches Ab- hängigkeitsverhältniß kommen würden. Ganz davon abgesehen, ist die Arbeit, für welche die Anzuwerbenven bestimmt find, und das doitige Klima für Europäer gänzlich ungeeignet. Die schwere Feldarbeit in den Zuckerplantagen können selbst Chinesen, welche früher ins Land gezogen wurden, nicht leisten, und von 80 im vongen Jahre neu angeworbenen Weißen waren nach sechs Monaten nur noch sechs bei der Arbeit, und auch diese halten während dieser Zeit mehr oder weniger am Fieder ge- litten. Zudem erreicht der von den Agenten gebotene Arbeits- lohn lange nicht die Höhe des dort ortsüblichen, nach offiziellen Bekanntmachungen der dortigen Regierung 800 bis 1000 M. auf welchen die Zahl der MohaveS noch immer zu wachsen schien. Demoiselle Corbillon rang die Hände und wußte nicht, wohin sie sich in ihrer Verzweiflung wenden sollte. DaS für sie und Hertha bestimmte Gemach war ja schon von Kairuk und Ireteba besetzt, welche ihrer angstvoll aufgeregten Phantasie nur noch riesenhafter und entsetzlicher vorschwebten. Rpnolds, nicht weniger besorgt als die Französin, wich Jansen nicht von der Seite; selbst Hertha erbleichte, als sie das plötzliche Auftauchen einer ansehnlichen Streitmacht ge- wahrte und zugleich bemerkte, daß ihr Onkel, unentschlossen, zu welchem Mittel er seine Zuflucht nehmen sollte, mit den Zähnen knirschte und ihr befahl, in der Nähe der Hütte zu bleiben.— Da« unverhoffte Erscheinen der zahlreichen eingeborenen Krieger und die vollständige Ungewißheit über deren Ab- sichten wirkten so lähmend auf alle Mitglieder der Karavane, daß man darüber ganz vergaß, weshalb kurz vorher das Lager alarmirt worden war. Jansen glaubte daher seinen Augen nicht trauen zu dürfen, als er plötzlich hinter den Hügeln hervor ein halbes Dutzend Reiter auf sich zuttaben sah, die er sogleich für reisende Mormonen erkannte. „Beruhige Dich, mein Kind," sagte er zu Hertha, die mit ängstlicher Spannung dem weiteren Verlauf der Dinge ent- gegenharrte,„beruhige Dich, die Gefahr ist nur vorüber- gehend, denn siehe, dort erhalten wir Verstärkung. Geh' nicht in die Hütte," fuhr er fort, als er bemerkte, daß Hertha sich nach der Thür zurückzog;„die Mohaves sind drinnen, man kann diesen Wilden nicht trauen." Hertha schien aber die Worte ihres Onkel« zu über- hören; denn ohne die Ankunft der Fremden, welche jetzt Janfen'S ungetheilte Aufmerksamkeit rn Anspruch nahmen, vorher abzuwarten, begab fie sich in das Gsmach, und furcht- los trat sie zu Kairuk, der, gleich seinem Gefährten, mit ernster Theilnahme durch das Fenster nach den durch die Stammesgenossen so reich belebten Bergabhängen hinauf- blickte. Der Häuptling war so sehr in Berrachtungen versunken, daß er Hertha nicht eher bemerkte, als bis sie leise seinen jährlich betragenden Lohnes, wie solcher zum Lebmsunterhalt bei vortigen Theuerungoverhältniffen erforderlich ist. Da du Anwerbung von Deutichen nur den so eben von der enalisaicn Regierung unterdrückten Kulihandel ersetzen soll, rönnea unsere Landslcute wissen, welchem Schicksal sie entgcaw gehen, wenn fie den Lockunzen der betreffenden Agenten ssW leisten würden. Oefterreich'Ungar«« Vor einigen Monaten erfolgte bekanntlich die Verhaftung des Hauptmanns Baron Polier des Echelles angeblich weae» widerrechtlicher Verwendung militärischer Dokumente. Verhaftung erregte damals großes Aufsehen und da glciÄ- zeitig in Berlin und an einigen anderen Orten Deutschland» Verhaftungen aus ähnlichen Gründen stattfanden, so glaudle man, daß unter den Angeschuldigten eine Verbindung vochaa' den gewesen sei. Nachdem die in Deutschland Jnhaftin» längst freigelassen, verlautet nun, daß auch der oben genannte Hauptmann demnächst freigelassen werden soll.. Graz, 11. August. Der Ausschuß des Gewerbebundcs sprach fich gegen die Zoll Union mit Deutschland aus und denkt, diesen Gegenstand in der nächsten Versammlung prr Sprache zu bringen. Die gest-iae Bundesversammlung beschloß eine Resolution des Inhalts, der Ministettal Erlaß j» die Staatsanwaltschaften, betreffend die Strafhausarbeit, schaffe noch keine Abhilfe. Es soll in den Ettafhäusern nur das ver- fettigt werden, was die Sttafhäuser selbst brauchen, und jeder Geschäftsverkehr nach Außen habe zu entfallen. Der Bundes- ausschuß legte Verwahrung gegen die Behauptung«in, daß du Gewerbepattct bei den letzten Wahlen mit den Klettlalea i» irgend welcher Beziehung stand. Schweiz. In der Schweiz ist man gegenwärtig bestrebt, mst de» Dorfschulen Gärten zu oerbinden, in welchen fich die Kind« die für die Landwirthschaft und Gärtnerei nothwendigen Kennt- nisse erwerben können. Die schweizettsche Bundes Regierung hat kleine Prämien für die Einttchtung solcher Gätten de- willigt, welche ver schweizettsche landwirtyschastliche Verein vek- theilt. Es dürfte auch wertere Kreise interesftrm, das Pr� gramm für diese Schulgätten in seinen Hauptpunkten kenne» zu leinen. Es lautet: Der Schulgarten an Landschulen so» der Jugend in anregender Weise theils zur theoretischen vt' lehrung über die Kultur der wichtigsten und für das Leben nöthigsten Gewächse, theils als Uebungsfeld sür rationelle Aufzucht, Pflege und Behandlung der letzteren dienen,»n« gleichzeitig den Sinn für Gatten- und Gemüsebau, Ordnung und landliche Veischönerung fördern. Der Schulgatten 1»« soweit möglich, berücksichtigen: den Gemüsebau für Gatte» und freies Feld, einschließlich der Aufzucht von Pflänzlinge» in Frühheeten; den Obstbau, hauptsächlich mit Rückficht«»> die Heranziehung von Gatten- Hochstämmen und den vi»' schiedenea Zwcrgformen von Sämling, Wildling und andtts» üblichen Unterlagen bis zum fettigen Fruchtbaume; die CstoH» und Kräuter für den Futkerbau; die Weinrebe mit der lingsschule, enthaltend die landesüblich bewährtesten und eu» Anzahl empfchlenswerther neuer Sotten; wenn thunlich»% in der Folge nöthig, mit Berückfichtigung von VeredcluM Operationen auf Reblaus widerstandsfähige amettkamffF Unterlagen: die hauptsächlichsten forstlichen Pflanzen, Walvbaumichule behandelt; die Kultur der Korbweide:% zucht und Kultur der cmpfehlenswertbesten Beerenstiäuchtt st» den Haushalt und Markt; eine Kollektion Ziersträucher»" Blumen als Zierde des ländlichen Hausgattens und mit � rückstchtigung der von der Honigbiene gesuchtesten Blütbenatts»' Einrichtung für Vogelschutz; einen Bienenstand; eine Kollektt» der gesäbrtichsten Gistoflanzen. Die Echusgätten stehen unsl der Aufstcht der Gemeinveschulbehörden, welche für bestinSzst«' Bepflanzung, Leitung und Besorgung, insbesondere auch pünktliche Handhabung einer genauen Ordnung zu W'., haben.... Es folgen dann die Bestimmungen über die A»-; theilung der Prämien. Die Schulgärten haben fich bereit«»f sehr nützlich erwiesen. Der Einfluß auf die Kinder ist vottrefflicher. Nicht blos die Kenntnisse, welche fie dort£ werben, machen die Gärten für die Kinder werchvoll, find zugleich ein ausgezeichnetes Erziehungsmittel. Es»%, wohl der Mühe werlh, daß man in Deutschland?lehiilttb versuchte. Nach dieser Richtung bedürfen unsere Sck»� dringend der Ergänzung. Belgien. Aus Brüssel, 11. August, wird der„Voss. Ztg. schrieben: Es ist berttts erwähnt worden, daß die intern»»� nale Kongo Assoziation fich sehr wenig kulant gegen dicjeMjL ihrer Agenten zeigt, welche aus irgend einem Grunde»% als kontraktlich ausbedungen vom Kongo zurückkehren.* Regulirung der Gehälter stößt fast jedes Mal auf 6*#% leiten und offene Schreiben an den König Leopold, in N» er um Eifüllung der von der Affoziation eingegangenen.�. bindlichkeiten gebeten wird, wie Prozesse find leider sehr haM Von letzteren schwebt jetzt eine ganze Anzahl, die, da der c der Assoziation Brüssel ist, auch von der Brüsseler Tribuns kammer abgeutthcilt werden. Die gettchtlichen VerhandliMS Arm berührte und dann mit fragender Geberde»»4 besetzten Höhen hinaufwies. a, „MohaveS, MohaveS, viel MohaveS," sagte er freundlichem Kopfnicken, indem er einen Schritt von Fenster zurücktrat, um Hertha einen bessern Neberbl»» gewähren.„MohaveS gut, achotka, nicht tödlen Pferd,» tödten Amerikaner," und um seine friedfettigen Gesinnu»� zu verdeutlichen, strich er mit seiner braunen Hand schmtt�> über die hellblonden Flechten des jungen Mädchens, may � feine großen schwarzen Augen wieder bewundernd die liche Gestalt maßen. 0{{, „Die MohaveS sind gut," entgegnete Hertha, u>» � standen zu werden, des Häuptlings eigene Worte gebraM � „wenn sie aber gut find, dann sagt ihnen, daß sie M fernen sollen; sie ängstigen unsere Leute; schaut*>» hinüber, die Kinder, wie fie weinen, und die Mütter, sie sür daS Leben ihrer Kinder zittern."..�'1 Kairuk zuckte lächelnd die Achseln; er hatte � Abficht nicht verstanden. Um der jungen Mormonw aber legte es sich wie Eis, weil fie des Indianers u gung deutete, als wenn er unfähig oder nicht genttg dem drohenden Kampfe vorzubeugen.»ieatt» Ihre Angst entging den beiden scharfsinnigen w*-jf nicht, und Verlegenheit malte fich auf ihren kluge». � siognomien, während sie leise mit einander sprachen»» Grund von Hertha's Besorgniß zu enträthseln-'rictZ „MohaveS fort?" ftagte Ireteba endlich, fe*B. itfi# Gesicht freudestrahlend Hertha zuwendend, denn f*.a#» ihn förmlich mit Entzücken, unter de« wenigen eng Motten, die er seinem Gedächtniß eingeprägt hatte, das rechte aufgesunden zu haben.'■. fifsi' »Ja, ja, MohaveS fort!" antwotttte Hertha und die Besorgniß, die sich auf ihrem schönen An.�0 gelie, verwandelte fich plötzlich in den sprechenden banger Hoffnung.«ieder�t, „Achotka, MohaveS sott, MohaveS fort! J® � 1» Kairuk triumphirend, und ohne eine weitere Aeup zuwarten, schritt er eilig zur Thür hinaus.-i zitt». Offenbar wollte er seinen Kriegern gebieten, Z zuziehen; in seinem Eiser aber, dem zungen J-" in$t£n' Tage haben gezeigt, wie dringend nothwendig eS mr alle diejenigen, die in den Dienst der Assoziation eintreten wollm— und lhatiächlich bewerben fich sehr viele Deutsche — ist, fich die kontraktlichen Bestimmungen genau anzu« .Die Konttakte find nur im Interesse der Assoziation Wiefasjt, der Kongo Reiselustige aber, froh sein Ziel erreicht zu 1; � unterzeichnet. Kehrt er dann entnüchtert auS irgend «nem Grunde früher als ausgemacht nach Europa zurück, so allen Anspruch an die Assoziation verloren. Das bel- Cv®ttl{b'— das hat es erst gestern wieder erkannt— hält M lediglich an den Wortlaut des Konttakts. Eo find dieser �age zwei dieser Prozesse zu Ungunsten der Agenten— der eme war ein Hamburger, der andere ein Belgier— entschieden ürt'«weil ihre Rückkehr duich keinen im Kontrakt vorher- WH|tne.i Grund motivirt ist". Ja, der Letztere wurde noch �-t. der Assoziation einen Schadenersatz von 1200 FrkS. Frankreich. „, Die Deputirtenlammer, welche nunmehr zum letzten Mal �agt hat, wurde am 21. August 1881 gewählt, trat ihr Amt iBoi f; Oktober desselben Jahres an und hatte am 28. Oktober ihre erste Sitzung. In dcr Zeit von 4 Jah,en tagte fit N Ztal; 1881 29 Mal, 1882 128 Mal. 1883 145 Mah 1884 c* Mal, 1885 96 Mal. Uederdies nahm fie zugleich mit dem wenat an den Sitzungen deS Revisionskongresses in Versailles � 5. bis zum 15. August v. I. theil. Tritt kein außer« ..Deutlicher Zwischenfall ein, dann hat die Kammer keine Ge« ugenhest mehr zur Ausübung ihrer Vollmachten. Allein ihr Mandat läuf gesetzlich erst am 14. Oktober d. I. ab und trüge N em ernstes Ereigniß bis dahin zu, wie z. B. der Tod deS Präsidenten der Republik, so hätte fie noch den Nachfolger zu "nennm und würde fie ihr Mandat ausüben, auch wenn die "tuen Deputirten schon ernannt wären.— . Im Laufe der vier Jahre de« Bestandes der Deputirten« lamlner lösten fich fich sieben Ministerien ad: 1) Ministerium: Konseilpräfident Jules Ferro: Mit« : Cazot, BarthSlem? Saint Hilaire, Constant, Maugin, e, ClouS, Savi Carnot, Tirard, Cocherq. 2) Ministerium: Konseilpräfident Lson Gambetta; Mstglteder: Waldeck- Rousseau, Raynal, Allain Targö, �azot, Campenon, Gougeard, Paul Bert, Proust, Rouvrer, «ocheig. .... Ministerium: Konseilpräfident de Freycinct; Mit- «»eder: Humbett, Goblet, L-on Eay, Billot, Jaursguiben?, »ruy, Varroy, Tirard, de Machy, Cochery. „4) Ministerium: Konseilpräfident Duclerc; Mitglieder: Mi- reS, Duvaux. Devss, Tirard. Billot, Pierre Legrand, «aurSguiberro. Hvrisson, de Mahy, Cochery. ... ü) Ministerium: KonseilSpräfident Arllieres; die Mit« �wer des früheren Kabinets dehielten provisorisch ihre Pone- ... 6) Ministerium: KonseilSpräfident Jules Ferry; Mit» Jlwbtr; Challemel Lacour, Mattin-Feuillse, Waldeck'»ouffeau, �HNal, Trrard, Thibaudin, Charles Brun, HSrisson, Msline, .'rMery. Veränderungen in dieser Kombination: Jules Ferry Wrnahm das Pottefeuille des Herrn Challemel- Lacour, die �enerä e Champenon und Leval nach einander dasjenige des Iinerals Thibaudin, Admiral Peyron das des Herrn CharleS «run; des Weileren Herr Rouvier das des Herrn Hörisson und 'wllröres das des Herrn Ferry. m miii ...?) Ministerium: Konseilsprästdent: Henri Brisson' Mit« Mder: de Frcycinet, Allain- Targs, Goblet, Eadu Carnot, Mrre Legrand, Campenon, Galiber, Heros, Mangin, Demüle, ®«trion. ,. Die Neuwahlen zur Deputirtenlammer finden am 4. Ol» "der statt. *~ In Marseille wurden in den letzten 24 Stunden 88 jj-ooeafalle, worunter 30 an Cholera, angemeldet. Das Ver- Mlten der Bevölkerung ist ruhiger als im vorigen Jahr, und 8?" sticht nicht mehr in Masse. Seit gestern weht ein heftiger Mral, der die Luft bedeutend abgelühlt hat. Die dottigen Aaster dringen auf schleunige Maßregeln zur Reinigung der fr-lidi und weisen auf die zahlreichen Ansteckungsherde hin. y-: Bürgermeister hielt eine Versammlung von Aerzten ab, faffem � Lrganifirung von Hilfs- Bureaux Beschluß zu Dänemark. ai). Aus Kopenhagen wild gemeldet, daß das„lock out" der Mallarbeiter noch fortdauert, nur eine Firma hat den Ar« Tätern ihre Fabrik geöffnet. Die Hilfsbereitschaft, die man aus 2" Theilen des Landes den Arbeitern gegenüber zeigt, um i?üen zum Siege in dem aufgedrungenen Streik zu verhelfen, . wet einen erfreulichen Bewers von dem Zusammenhalten der »i llstch mündigen Bevölkerung überhaupt. Reiche Gaben setzen ein zur Unterstützung, und wie im Handumdiehen Mden die 600 Kinder der Arbeiter untergebracht.— Die von holstenbroer- Versamm lung her verhafteten Bürger Noes Nielsen find nach„Anficht" deS Untersuchungsnchters noch «F>Jlcr nicht wszulasien, obwohl nach der längst beendeten rttersuchung sich 4400 zahlungsfähige Mitbürger zu jeder ver« �Sten Bürgschaft berert erklärt haben, und die Vernehmung ''nen, vergaß er, daß er Gefangener war, und nicht eher Annette er fich dieses Umstandcs, als bis die draußen auf« hellten Echildwachen, die nicht anders glaubten, als daß �nlfljehen wolle, ihm die Mündungen ihrer Büchsen ent- »°genhielten. . Kairuk erschrak, und auS jeder Linie seines Gesichts Mach ber bitterste Schmerz, den er über die Beschränkung lnirer Freiheit empfand. Auf den Höhen aber richteten sich einweise die Hünengestalten der MohaveS empor, und a Geheul, laut und durchdringend erschallte, daß selbst die cMZkn der kühnsten Mormonen bebten und Alle besorgt nach n? Hütten hinüberschauten, in welchen die Weiber und index Untergebracht worden waren. i,. 8«iruk hob seine Arme hoch empor, und fast äugen« Km, � verstummte der schreckliche Lärm. Seine Krieger (U,. �as Aeichen wahrgenommen, und gehorsam fügten fie Um r Willen. Er selbst warf noch einen trüben Blick fich, und gesenkten Haupte« schritt er dann wieder der te' �wch was er dachte und was er fühlte, das lag in d?■�otl,en:„MohaveS gut; MormonS, Amenkaner, schlecht," se� Elliot, der auf der andern Seite der Hütte vom stiegen war, Jansen und RynoldS mit verstörten krgsj�vssn hielt den Bnef deS Propheten in Händen, Gilin,(-« den Befehl an den jünaern, aber erfahrener« dock t �tragen mußte. Er hatte ihn noch nicht geöffnet, Niyl�"st'nktmäßig duldete er, daß jener sogleich da» Kom- �"schritt � und, um den Friede« wieder herzustellen, fest"�er vettritt dem Häuptling den Weg?" fragte Elliot -��oestimmt, jedoch ohne Hitze oder Zorn, denn er, ) �!ach dem Leben geschildett. Berg's, deS Folkethingßpräfidenten, gar nichts Neues wider fie erbrachte.— Aus Stubbekjöbing auf Falster wird berichtet, daß ein auf letztgenannter Insel ausäifiaer Hofbefiyer Cdr. Jensen Skaaning verhaftet worden ist, weil er den König als einen„Meineiniden" bezeichnet hat. Wie„Morgendl. er» fahren hat, ist der Bett essende gegen eine Kaution von 5000 Kronen auf freien Fuß gestellt, eine Nachricht, die wohl noch der Bestätigung bedais. Gro h bri tauuie«. Im Unterhause wurde an die Regierung die Frage ge« richtet, od fie amtliche Informationen über angeblich« Annexionen der deutschen Regierung in der Region von Eanfibar befitze. Der Unterstaatssekretär Bourke erwidette: „Die Information, welche die Regierung auS Eanfibar empfangen hat, bestätigt nicht die Wahrheit der in dem Berliner Teregramme der„Times" vom 7. August enthaltenen Meldung betreffs der Abtretung der Distrikte Kilima- Rjaro. Chaga, Aruscha u. s. w. an die deutsch- ostafrikanische Gesellschaft. Wir haben im Gepentheil jeden Grund für die Annahme, daß die Häuptlinge dieser Distrikte dem Sultan von Sanfibar treu geblieben find und fottfahren, seine Oderhoheit anzuerkennen. Die Schiffe des deutschen Geschwaders find auf der Höhe von Sanfibar angekommen, aber wir haben nicht gehört, ob der Sultan dadurch eingetchüchtertiworden ist." — London, 12. August. Beide Häuser de» Parlaments nahmen einstimmig das von Lord Salisbury beantragte Dankesvotum für die im Sudan- Feldzuge verwendeten engli- schen Truppen an. Im Unterhause wurde die Bill, bettessend die Verbesserung der Arbeiterwohnungen, in dritter Lesung **— Die Regierung machte in der Sitzung vom 10. d. M. Mittheilung über die Zusammensetzung einer Kommisfion zur Untersuchung der Ausdehnung und Ursachen der gegenwättigen Stockung in Handel und Industrie.— Daß die yerren immer noch nach den Ursachen der Stockung von Industrie und Handel suchen I Für Jeden, der nicht blind ist, liegen fie auf der Hand. — Die Gesellschaft, welche die„Enthüllungen" der„Pall Mall Gazette" veranlaßte, hat fich an die Gewerkverette ge» wandt, um fie zu einer großen Kundgebung gegen die Unfitt» lichkeit zu vei anlassen. Di« Arbeiter haben darauf folgender» maßen geantwortet: „Erne solche Kundgebung wird nicht sehr wirkungsvoll sein, oder dauernd gute Folgen haben; durch bloßes Protefiiren gegen ein bestehendes Uebel wird es nicht beseitrgt. Das wirk» liche Hilfsmittel besteht darin, die Grund« läge unseres sozialen Lebens zu verändern, welche, infolge der ökonomischen Verhältnisse zwischen Arbeit und Kapital, niedrige Löhne erzeugt und durch andere künstliche Mittel Höllen auf Erden schafft, Männer durch Ar« muth herabwürdigt, Frauen durch Hunger ruinirt und dieJugend durch physische und geistige Verkommenheit im Wachsthum hin» dert, somit die wichtigsten Antriebe zu Lastern jeder Gattung bildet." Das ist eine Antwott, wie fie den blafirten Kundgebungs» machern noth thut. Das ganze Gekrächze dieser Gesellschaft ist nichts weiter als pure Heuchelei und GeschäftSspekulation. Es ist ihnen gar nicht darum zu thun, die Ärmuth vor Roth und Schande zu schützen; fie wollen nur ihren Sonderzwecken dienen und fich nebenbei als Tugendbolde hinstellen. Amerika. Der Nothstand der arbeitenden Bevölkerung in den Vereinigten Staaten von Amenka hat, wie alle zuverlässtgen Be- richte übereinstimmend bestätigen, bisher eine Besserung nicht ersichren. Vielmehr erheben fich, nachdem bereits der Erlaß eines allgemeinen Einwanderungsverbots in Anregung gebracht worden ist, in der amerikanischen Presse nunmehr auch Stimmen, welche nur noch von einer Masscnrückwanderung nach Europa eine Besserung der Lage erhoffen.(Ein recht unfinniger Vor- schlag, der weder-Amerika noch Europa nützen kann; die Wuizel des Nebels steckt anderswo.) In dieser Beziehung ent- hält die„Chicago Tribüne" vom 15 v. M. einen beachtcns- wettben Attikel, welcher fich speziell mit der Auswanderung von Jrländern nach den Bereinigien Staaten beschäftigt. Das Blatt beruft fich auf Aeußerungen des Erzbischofs Croke und des Bischofs O'Connor von Nebraska, welche fich mit Rückficht auf die in Irland eingeleiteten Reformen gegen jede fernere Auswanderung von Jrländern aussprechen, und zitirt dazu eine zustimmende Aeußerung des in Chikago erscheinenden„Citizen". In dem betreffenden Zitgt heißt es unter Anderem:„Nach unserer Anficht ist die irische Auswanderung ausgeartet zu einer blinden Flucht. Die Leute verlassen in Hast ihre bisherigen Gründe und eilen den neuen zu, die aus weiter Ferne als orüne Gefilde erscheinen. Aber näher gekommen, finden fie nur Noth und Hunger und wären glücklich, wieder heimzukehren. Eo steht es in Wahrheit mit der irischen Auswanderung nach Amerika. Es giebt jetzt thatsächlich mehr Leute in den Ver- einigten Staaten, als Gelegenhett zu lohnender Beschäftigung, der schon seit Jahren im Verkehr mit den wildesten Ein- geborenen des amerikanischen Kontinents gelebt, übersah auf den ersten Blick die ganze Sachlage.„Entfernt Euch, meine Brüder, fuhr er fort, als Niemand antwotttte,..und wenn Euch Euer Leben und da» Eurer Frauen undqKinder lieb ist, dann wage Niemand seine Hand gegen die Indianer aufzuheben, es sei denn zur Vettheidigung." Die Wachen entfernten sich, und Elliot trat nunmehr auf Kairuk zu, welcher, sobald er elfteren erblickte, auf der Schwelle der Thür stehen geblieben war. „La Bataille! rief der Kommandant aus, und im nächsten Augenblick stand der Schlangen-Jndianer an seiner Seite, bereit, bei der bevorstehenden Verhandlung als Dol» metscher zu dienen. Letzterer, obgleich schlank und schön gewachsen, ver- schwand fast dem riesenhaften Mohave gegenüber. Eine unnachahmliche Geringschätzung thronte aber auf seinem scharfen Adlcrgesicht, als er sich dem, ihn wenigstens um anderthalb Fuß überragenden unbekleideten Kairuk zuwendete, und zugleich die, nach seinen Begriffen einen höheren Grad von Zivilisation verrathende Scharlachdecke in malerische Falte« um seinen Körper zusammenzog, so daß nur der mit einem leichten zierlichen Tomahawk bewaffnete rechte Arm sichtbar blieb, der, wie der untere Theil seines Körpers, noch eine sauber gearbeitete Umhüllung von weich gegerbtem Anttlopenleder zur Schau trug. Kairuk hatte derattigen Reichthum allerdings nicht auf- zuweisen, doch konnte er nicht umhin, dem ftemden Indianer gegenüber mit Dem zu prahlen, was ihm von der Natur verliehen worden war. Er verschränkte nämlich die Arme über die breite Brust, eine LieblingSgewohnheit von ihm, und indem er sich noch gerader emporrichtete und ausreckte, blickte er mit einem mitleidigen Lächeln auf seine Umgebung, selbst auk den hochgewachsenen Jansen und den fast eben so großen Elliot nieder. „Die Mormonen sind Kinder der Wüste, wie die MohaveS und alle übriaen Jndianerstämme," begann La Bataille endlich im AufttageElliot's in der Mohave-Sprache,„und deshalb sind I die Mormonen Brüder der MohaveS. Warum aber sehe ich# und wir wissen dem Bischof O'Connor Dank für sein« frei» müthigen Darlegungen, durch welche ei die Jrländer zum Bleiben in ihrer schönen'?), gesunden Heimach zu bestimmen sucht." Bemerkenswerth und für den Ernst der Lage bezeichnend ist eS jedenfalls, daß amerikanische Blätter nicht davor mrückscheuen, den gegenwättigen Berhöllniffen in europäischen Ländern vor denen in der neuen Welt den Vorzug geben. Die Aus» wandemnaSlustigen in Deutschland aber mögen aus den an- geführten Thatiachen eine um so dringendere Warnung ent- nehmen, als der deutsche Auswanderer in der Regel nicht einmal die Landessprache der neuen Welt versteht und demgemäß dem Jrländer gegenüber noch im Nachthell ist. Lokales. i. In der Eteuer-Einschatzuna erweisen fich unsere hoch» wohlweisen Verwaltungsbehörden bekanntlich immer als ganz besonders weise und entwickeln eine vittuosenhakte Geschicklich- keit in der Handhabe ver Steuerschraube. Zu Ende des Jahres 1383 verstarb Hierselbst ein Rent er, der sein Vermögen einer Tochter hinterließ, die natürlich bei Weitem nicht im Stande war, aus der Erbschaft die gleichen Revenüen zu ziehen, wie 3r Vattr bei seinen Lebzeiten. Sie heirathete bald darauf nen Beamten und war nicht wenig erstaunt, kurz nach ihrer Verheirathung im April v. I. eine an die„unverehelichte Klara I." adresfitte Steuereinschätzung zu erhalten, wottn sie mit dem vollen Einkommen ihres verstorbenen Vaters selbst- ständig zur Steuer veranlagt wurde. Die hiergegen bis in die letzte Instanz bettiebene Reklamation ihres Ehemannes ist dieser Tag« endgiltig von dem Minister des Innern abschläqlich be« schieden, der es im Prinzip als vollständig zulässtg erklärt, daß Ehefrauen, die erst nach Beginn des Steuerjahres fich ver» heirathet haben, sell'stständig für das laufende Jahr zur Steuer eingeschätzt werden, so daß in diesem Falle die steueraesetzliche Vorschrift, wonach das Einkommen aus dem Vermögen der Ehesrau mit dem Einkommen des Mannes gemeinsam ver- steuett werden soll, für das bereits begonnene Steuerjahr nicht zur Anwendung kommt.— Man möchte geneigt sein zu be» zweifeln, ob das gleiche Prinzip zur Anwendung hätte kommen können, wenn ein Offizier der glückliche Ehemann der unver» ehelichten Klara X. geworden wäre. Es ist kaum anzunehmen, daß man diesen Herren so ohne Welleres einen Therl von dem Privileg ihrer Steuerfreiheit gegenüber den Kommunen hätte Hinweginterpretiren können. Der„Jünglinos« Tribut" in Deutschland. An- knüpfend an die auch von uns gestern gebrachte Notiz über die Hamburger Echundlittiatur schreibt ein Korrespondent der „Biesl. Morg.-Ztg": Mit seltener Einmüthigkeit hat die Presse Deutschlands über die Beschlagnahme der Uebersetzungen aus der„Pall Mall Gezette" sich des Uttheils enthalten. Auch der begeistertstt Verehrer der Preßfreibeit könnte hier keinen Anlaß zur Beschwerde finden. Der Hinweis darauf, daß in London die Veröffentlichung unbeanstandet blieb, ist ein durchaus unzutreffender und nicht stichhaltig. Die Ver- öffentlichung der„Pall Mall Gazette"— es sei dahingestellt, ob sie geschmackvoll war— und die Uebersetzungen in Deutsch- land erfolgten unter wesentlich verschiedenen Voraussetzungen und aus anderen Motiven heraus. Dott war in erster Reihe die Abficht, auf ein schreiendes Uebel aufmerksam zu machen, und die von der„Pall Mall Gazette" gewählte Methode ge- hört zu den sogenannten heroischen Mitteln. Eine mangel- haste Gesetzgebung sollte unter dem Andrang eines Massen- sturmes geändett werden. Ein schreckliches Mittel schien das einzige zu sein, um einem schrecklichen Zustand ein Ende zu machen. Jedenfalls stand gr. ifbar da, was das englische Blatt zu seinem außergewöhnlichen Vorgehen veranlaßt hatte. Anders bei uns. Zustände, wie fie in der„Pall Mall Gazette" geschildert, mögen vereinzelt in Deutschland vorkommen, zu der Regel gehören fie nicht Es fehlt der Boden, auf dem jene Auswüchse gedeihen könnten; es fehlen die vom Trünke entmenschten Mütter, es fehlt die frömmelnd heuchlerische Gesellschaft. Vor Allem aber haben wir die Gesetz» gebung, deren Mangel man in England beklagt. Der deutsche Kodex ist vollständig ausreichend, jedes Verbrechen, welches unter dem Titel des„Jungfrauen- Tributs" klasfifizitt werden könnte, zu sühnen. Wenn somit keinerlei greifbares Motiv für eine eingehende Ucbcrsetzung der englischen Enthüllungen vor« liegt, so muß man nach anderen Gründen suchen, und es bleibt nur übrig, daß mit diesem Schmutz rein geschäftliche Ausbeute beabsichtigt wird. Der sogenannte Schutzparagraph würde also als Entschuldigung für die Veröffentlichung nicht angezogen werden können. Es bleibt nichts übrig als die niedere Spekulation auf die Skandalsucht des Lesepublikums. Das große Aufsehen, welches fich an jene Enthüllungen knüpfte, hat indessen auch der Berliner Polizei Anlaß gegeben, erneute Umschau zu halten. Das Resultat ist ein, wie ich höre, im Ganzen befriedigendes. Nur lenkte eine verwandte Att der Ver» führung die Aufmerksamkeit auf fich, und es ist dringend zu wünschen, daß da Abhilfe geschaffen wird. Da liegt die Anzeige eines in Hamburg wohnenden Buchhändlers vor uns. Der Mann annonzirt ausdrücklich:„Speziel für Knaben" Bücher-Kataloge an« so viele MohaveS ohne ihre Weiber, aber bewaffnet mit Keulen und Bogen? „Der Weg ist zu weit und zu steinig für die nackte« Füße unserer Weiber und Kinder," antwortete Kairuk, noch immer mitleidig lächelnd;„wenn ein Häuptling der Mo- haveS sich aus seinem Thale entfernt, dann folgen ihm seine Krieger nach; sie folgen ihm nach mit Keulen und Bogen, denn die Wallpais und Pai-UteS sind nicht Brüder der Mo» HaveS. Die MohaveS essen Bohnen und Kürbisse, die Wall- pais Ratten und Mäuse.— Aber die Mohave« sind Brüder aller weißen Menschen, der Mormonen und der Amenkaner, sie dienen Beiden und wollen keinen Krieg; fie wollen aber auch nickt, daß die Amerikaner und Mormonen de» Krieg in daS Thal des Kolorado ttagen." Bei der Mittheilung, daß die MohaveS nicht gesonnen seien, in irgend einer Weise, eben so wenig für die Mor- monen, als gegen fie Pattei zu ergreifen, erhielt Elliot'» Physignomie einen noch finsteren Ausdruck. Er bezwang in» dessen seinen Unmuth, und Kairuk zum Zeichen der Freund» schaff die Hand reichend, ließ er ihm durch La Bataille er- klären, daß er vollkommen mit ihm einverstanden und nur ein Jrrthum Ursache der Beraubung ihrer Freihett ge» wesen sei. Kairuk'S Gesicht erheiterte sich bei dieser Nachricht, und er rief, wie um die Wahrheit ver Aussage zu prüfen, Ire» teba aus der Hütte, mit welchem er sodann dem nächsten � � Elliot schaute ihnen mit einem Anflug von Argwohn nach; er beruhigte sich indessen wieder, als sie am Fuße der Felsen stehen blieben und einige Worte nach denselben hin» aufriefen. WaS sie hinaufnefen, verstand selbst der Schlangen- Indianer nicht; die Wirkung ihrer Worte war aber eine gewichtige, denn eS erhob sich augenblicklich auf allen Ab- hängen ein ohrenzerreißendes Jauchzen und Gellen, und statt der schwarz behaarten Köpfe und nackten Glieder wurde» die ganzen Gestalten sichtbar, wie fie in kleinere und größere Gruppen zusammenttaten und jubelnd sich in der Richtung nach dem Kolorado hin entfernten. (Fortsetzung folgt.) scheinend harmlosen Inhalts, Lehrbücher, Unterhaltunaibllcher, und verspricht bei der kostenfreien Einsendung auch gleich ewige Kouplets mttzusenden, die bei Polterabenden oder Familien- festen, auf Liebhaber-Theatern zum Vortrag gebracht werden können. Der fünfzeynjährige Sohn einen Profeffors läßt sich darauf den kostenfrei angebotenen Katalog kommen. Zwischen den Blättern des übrigens albernen Kouplets aber liegt dann ein anderes Blatt, dessen einfaches Ueberblicken genügen muß, den heranwachsenden Knaben zu verwirren und zu verderben- Was von erotischer Unnatur unter dem Deckmantel medizinischer Belehrung nur irgendwo erschienen ist, wird hier zusammen an- gepriesen und dem Knaben eine Perspektive in Dinge eröffnet, von denen er bis dahin oft auch keine Ahnung hatte. Die finnreizendsten Broschüren find angekreuzt. Aus fie wird die besondere Aufmerksamkeit gelenkt. Wie nun, wenn der Knabe hinter dem Rücken des Vaters fich diese niederttächttgen Hefte kommen läßt. Wer will ihn darin hindern? Und wenn die Hamburger Firma ihre Bücher„speziell für Knaben" anzu- preisen die Unverschämtheit befitzt, wer hindert fie, auch„spezrell für Mädchen" dasselbe zu thun? Es ist das ein probates Mittel, die Aufmerksamkeit der Altersklassen, auf die man eS abgesehen hat, auf die verbotme Frucht zu lenken. Die„Pall Mall Ga,ette" sprach von einem Jungfrauen> Tribut im modernen Babylon. Es handelt fich auch hier um einen Jünglings- und Jungfrauen-Tribut. Nur daß die Prozedur eine mdrrekte ist. Um elenden Gewinnes wrllen wird auch hier das Herz und Gemüth der Kinder vergiftet, ihre Phantafie erregt, unsauberes Denken in fie hineingepflanzt. Die Hand des Kupplers, der sein Opfer ergreift und es direkt vernichtet, fehlt. Aber die Prozedur ist deshalb keine bessere, weil fie eine indirette und weniger schnelle ist. Denn wenn die von der Londoner Zeitung geschilderte Bestie in Menschengestalt fich ein einzelnes Opfer sucht, so vollzieht der Buchhändler, welcher seine nichtsnutzigen Broschüren Kindem in die Hand drückt, einen Massenmord an unschuldigen Seelen, und er präparirt den Boden, auf dem die Unzucht dann üppig aufwuchern kann. Ost genug findet eine Razzia auf obskure� Bilder statt, welche in Schaufenstern ausgestellt find. schon eine, noch dazu saubere Decamerone mit Beschlag belegt. das noch dazu einen beträchtlichen Jugend nicht leicht erreichbar ist, gegen diese Hamburger Schandliterawr. Wenn der starke Arm der deutschen Polizei hier hineingriffe und einmal ge- waltige Säuberung hielte, so wäre das ein überaus verdienst- iches Vorgehen. r. De« Studenten Fluch. Es war am Abend vor dem heftigen Gewitter, welches plötzlich in der Nacht über Berlin hereinbrach, als wankenden Schrittes und schweren Hauptes ein Musensohn von einer schweren Sitzung nach der Schön« Hauserstraße heimkehrte. Hell lächelte ihm bereits im Glanz der Gaslateme die heimische Hausnummer entgegen und freudig reckte er die Hand mit dem kräftigen Hausschlüssel aus nach der Richtung des so schwer auffindbaren Schlüssellochs; da— klirr— fällt der Schlüssel zu Boden und verfinkt zwischen dm Gitterstäben in den Lichtschacht, der nach der Bäckerei-Werkstatt des Hauses führt.„Da fahre doch ein Donnerwetter in das verfl.... Kellerloch!" Der Student hats gerufen, der Wächter hats gehört. Er öffnet dem Musensohne die Pforte und dieser erklimmt mit Mühe das Studenten-Parterre des Hauses. Inzwischen verfinstert fich der Himmel und krachende Donner erschüttern die Lust. Rauschend strömt der Regen hernieder; seine Fluthen überschwemmen das Trottoir und stürzen in das schmale Lichtloch hernieder, wohin fie den Staub und Schmutz der Straße in mißfarbenen Schlammwellen mit sich fortwälzen. Unten im Keller staut fich das Waffer und verdirbt mehrere Säcke guten Mehles, dos sein zarte? Weiß unter diesem schmutzigen Einfluß rn ein dunkles Grau verwandelt. Noch eine große Schmalztonne widersteht, mit dichtem Deckel versehen, den feindlichen Fluthen; aber auch fie steht am Boden tief im Schlamm und ihr fettiger Inhalt wird dadurch ungeeignet, noch femer zum Sieden der Pfann- und Spritzkuchen verwendet zu werden. Des Bäckers Namen meldet kein Polizeibericht; das Kellerloch aber hat er verschlossen, so- wohl gegen das Eindringen des Wassers, wie gegen daS Herunterfallen des Hausschlüssels. Mehl und Schmalz aber, fie find— versunken und nicht gegessen!— Das ist des Studenten Fluch. I« de« Kreisen� der hiesigen Lohnschreiber wrrd Die Berliner Polizei hat Uebersetzung von WeberS Und doch ist dieses Buch, Preis kostet und somit der ein wahres Unschuldskind darüber Klage geführt, daß der Zuwendung der vom Abge- ase in diesem Jahre bereitwilligst genehmigten Mehr- ordnetenhaui..._. aufwedungen für Schreibarbeiten bei den Gerickten mcht überall nach gleichen Grundsätzen verfahren werde. So werden bei- spielsweise beim Landgericht Berlin l schon denjenigen Kanzlei- gehilfen, welche länger als sechs Jahre dort beschäftigt find, die Höheren Schreibgebühren im Bettage von fieben beziehungs- ...* F. VI m C_____ 1.. u � st l+ � ,1*V\ft I f« � J weise acht Pfennigen pro Seite bewilligt, während beim Land- gericht Berlin U diese höheren Schreidgebühren erst dann ge- zahtt werden sollen, wenn der betreffende Kanzleigehilfe mm- destens zehn Jahre ununterbrochen beim Gerichte als Lohn- schreiber thätig gewesen ist. Ebensowenig erfolgt die Gewährung von Diäten nach einheitlichen Grundsätzen. Auch in dieser Be- ziehung habm die Kanzleigehilfen beim Landgericht Berlin I vor ihren Kollegen berm Landgericht Ii den Vorzug, denn während diese nur den Satz von neunzig Mark pro Monat erhalten, erfreuen fich die ersteren eines solchen von hundert Mark. Welche Gründe für diese, durch nichts gerechtfertigte un- gleiche Verwendung vom Staate bewilligter Geldmittel maß- gebend find, entzieht fich selbsttedend der Beurthellung. Daß dies den Abfichten der Justizverwaltung entspricht, möchten wir aber um deswillen bezweifeln, weil die Jnittative zur Erhöhung des betreffenden Fonds vom Justizminister selbst ausging mit der ausdrücklichen Motivirung, daß diese Benefizien älteren be- wählten Kanzleiarbeitern zu Gute kommen sollen. Eine ganz bedeutsame Beränderung vollzieht fich seit einigen Tagen in den Straßen, welche die Verbindung zwischen Werderscher Markt, Spittelmartt, Dönhofsplatz und Haus- votgteiplatz darstellen. In diese Gegend zog fich vor etwa 20 Jahren das Konfektionsgeschäft. Es nahm zuerst von den Plätzen Befiy, jetzt okkupirt es auch die Nebensttaßen. Hier entsteht eine City, in der fast Niemand wohnt; die Be- völkerungsstatistik zeigt einen stetigen Rückgang, das Geschäft mit seinen stetig wachsenden Ansprüchen verschlingt rastlos die alten Bauwerke. Die Zeit liegt noch nicht lange hinter uns, zu welcher ein Haus, das durch alle seine Stockwerke ausschließ. lich dem Geschäfte gewidmet war, in Berlin eine Seltenheit bildete. Heute kann man diese Häuser bereits nach Dutzenden zählen. Die Kurstraße zum Beispiel, eine Straße, die früher viele enge, baufällige.Häuser aufwies, arbeitet fich zu einer Straße mit Geschäftspalästen heraus. Wer hier baut, thut es bereits mit bestimmter Rückficht nicht allein auf das Geschäft im Allgemeinen, sondern auf die bestimmte Geschäftsbranche. Auch in der Leipziger- und Friedrichsttaße findet man Wohnungen im ersten Stockwerke nur sehr selten; oft gehen die dem Handel und der Jndusttie überlassenen Räume bis ins zweite und dritte Stockwerk. Es giebt Häuser in der Nähe deS Dönhofsplatzes,;in Venen ganz großartige Gcschäfts-Etablisse- ments fich auf den Höfen eingemrethet haben. Auf dem Haus- voigteiplatz befinden fich Häuser, die eine ganze Geschäftsstadt repräsentiren. Die Ursache für diese rapide Veränderung deS Charakters des ganzen Stadttheils liegt auf der Hand. Seit der großen Bedeutung, welche Berlin auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens gewonnen, giebt es kaum ein nennenSwertheS Etablissement in Deutschland, das nicht den Wunsch hat, eine rt Vertretung in Berlin zu besitzen. So kommt es, meint „Nat.-Ztg.", daß die Entwickelung Berlins zu einer Industrie- und Handelsstadt ersten RangeS seiner Gesammt. entwickelung noch voraneilt. Oerichts-Zettrnig. Da« Ntsfische Gerichtswesen. Der russtsche Schriftsteller A. Ssomoss hat unter dem Titel„das Gericht in der Praxis" ein Werk veröffentlicht, welches in Rußland große« Aufsehen sech» nutzlose Fahrten zur Stadt, jedesmal 30 Werst hin und zurück, auf Verlangen der hohen Obrigkeit— und wozu um verhöhnt daS Gericht zu verlaffen. hervorgerufen hat. Aus einigen Kapiteln« welche die„PeterS» burger Zeitung" zum Abdruck bringt, entnehmen wir die fol gende markante Geschichte, welche Ssomoff zur Charatterifirung deS rusfischen Gerichtsverfahrens erzählt:„.... Ich gebe über den Stadtplatz. Ein Betrunkener stürzt aus der Schanke und schlägt mich mit einer Flasche über den Kopf, daß der Schädelknochen frei liegt. Eine Masse Zeugen find vorhanden. Ich wende mich an die Polizei, der Schuldige wird ermittelt; er ist mein früherer Kutscher, den ich vor drei Jahren entlassen. Die B unde wird ärztlich untersucht und als leicht befunden. Die Sache geht an den Untersuchungsrichter und ich kehre nach Hause zurück, 30 Werst von der Stadt. Nach 2 bis 3 Wochen erhalte ich eine Zitation vor den Untersuchungsrichter, der meine Bestätigung der von mir eigenhändig in der Beschwerde an die Polizei gemachten Angaben haben null. Ich gebe die Bestätigung und fahre wieder nach Hause. Nach abermals zwei bis drer Wochen zitirt mich der Friedensrichter zur Vornahme des„Vcr- söhnungsversuches". Ich komme zur Stadt, aber dem Beklag- ten hat die Zitation nicht eingehändigt werden können, er ist aus der Stadt verschwunden. So fahre ich denn abermals nach Hause. Nach zwei bis drei Monaten erfolgt eine neue Zitatton vor das Gericht. Es ist dieselbe Geschichte, der An- geklagte fehlt. Ich erkläre dem Richter, daß ich mich keinesfalls mit meinem früheren Kutscher, der mich verwundet, zu ver- söhnen gedenke. Der Richter erklärt, daS ginge nicht, ohne die Zeremonie deS Versöhnungsversuchs könne die Sache nicht in Gang kommen. Ist daS nicht Tortur? Aber ich bin hart- näckig, ich kehre nach Hause zurück und erwarte eine neue Zitation. Endlich ist der Angeklagte aufgefunden, der Richter hat mich zittrt, die„Zeremonie" ausgeführt und die Akten dem Untersuchungsrichter abgeliefert, um die Zeugen zu befragen. Nack Hause zurückgekehrt, hatte ich ein Dankgebet ab, daß mir der Kopf in der Kreisstadt zerschlagen ist, nur 30 Werst von meinem Wohnsttz und nicht irgendwo 300—400 Werst Enttemung, sonst hätte ich zur Beobachtung der„Zere- monie" drei- bis viermal auf die weite Strecke zittrt und dadurch gezwungen werden können, auszuspucken und die Sache fallen zu lassen. Nach drei bis vier Monaten erhalle ich die Vorladung des Bezirksgerichts; die Sache wegen meiner Verwundung wäre an das Gericht gelangt und würde alS„Privatklage" verhandelt werden. Man glaubt nicht, daß die Peinigung damit ein Ende hatte. Abermals nach 3—4 Monaten läuft die Zitatton vor das Bezirksgericht ein. Ich erscheine. Die von mir angegebenen und vom Untcriuchungs- richter aufgeforderten Zeugen find nicht da. Der Angeklagte hat einen Advokaten angenommen und letzterer hat drei Zeugen beigebracht. DaS Gericht beginnt, der Prästdent fordert mich aus, die Klage zu„unterstützen". Ich erkläre ganz verwirrt, daß ich alle Umstände in meiner schriftlichen Beschwerde und in meinen Angaben vor dem Untersuchungsrichter dargelegt und nichts hinzuzufügen habe. Der Angeklagte leugnet seine Schuld. Das Gericht schreitet zur Vernehmung der vom Advo- katen angegebenen Zeugen. Der eine bezeugt, daß ich von meiner Frau getrennt lebe, der zweite, daß ich streng gegen die Diener- schast bin, der dritte, daß ich Bekanntschaften meide. Ich ver- stehe nicht, waS das bedeuten soll. Da erhebt fich der Advokat, er zeichnet ein Bild meines Familienlebens und meines Lebens in der Oeffentlichkeit und erklärt dann ohne Weiteres, daß, nach den Angaben der Zeugen zu urtheilen, die Anklage gegen seinen Klienten eine Erfindung sei, eine f' haltlosen Charakters. Die Zunge klebt mir am( Richter tauschen ein Lächeln, gehen hinaus und zurück; Der Angeklagte ist freigesprochen. Der aus vollem Halse. Der Präsident klingelt. Im klärt mir ein anderer Advokat mit der Miene des Mitleids, ich sei selbst am Ausgange schuld, ich hätte die beim Unter- suchungsrichter befragten Zeugen zitirm lassen sollen; ihre dort gemachten Aussagen cxistiren für daS Bezirksgericht so gut wie aar nicht.„Hätten Sie 25 bis 50 Rubel daran gewandt," schließt der Advokat,„so würde der Angeklagte nicht lachen, sondern säße im Gefängniß." Ich erwiderte, ich hätte mich nicht darauf vorbereitet, selbst unter die„Unabsetzbaren" zu gehen und daher die Zeremonien und Formen nicht kennen gelernt. Wer dieselben aber nicht kennt, muß fich ungestraft den Kopf zerschlagen lassen, oder mindestens einen 25-Rubel- Schein neben die Wunde kleben. Ist daS Gericht und Ge- rechtigkeit? Dazu nehme man noch die Unkosten für fünf bis Soziales««d Arbeiterbeweglmg. Eine sonderbare Nachricht geht durch die Presse:„3% verschiedenen Städten des Reiches find gegenwärtig polizei- liche Erhebungen über die Sittlichkeitsver- Hältnisse, über die Zahl und die Lage der in Fabriken und anderen gewerblichen Anstalten beschäf- tigten Mädchen und Frauen und über sonstige. die öffentliche Sittlichkeit betreffende Zustände im Gange. Ob es fich hier um vereinzelte Feststellungen oder allgemein« An- Ordnungen handelt, ist vorläufig nicht festzustellen."— Die Bemerkung, daß die Mädchen und Frauenarbeit in den Fabriken zu den Zuständen gekört, welche die öffentliche Sittlichkeit betreffen, ist für die Befitzer solcher Anstalten eine jchwere An- klage. Wir wollen hier nicht untersuchen, inwiefern fie berech- tiat ist. Und wenn wir auch zugeben, daß durch den Hunger- lohn, der auf der weiblichen Arbeit ruht, viele Arbeiterinnen der Prostitution in die Arme gcttieben werden, so ist es doch äußerst gewagt, wenigstens in Bezug auf die Arbeiterinnen selbst, hier die Fabriken in der Weise zu degradiren. So gut wie die Fabriken könnte man dann auch andere Institute, z- B- Pensionen, wo junge Mädchen fich befinden, auf ihre Eist- lichkeit untersuchen. Im Uebrigen aber halten wir die Polizei für ein sehr ungeeignetes Organ,„Erbebungen über die Sin- lichkeitsverhältnisse" zu veranstalten. Dazu rst nur eine aui de» verschiedenen Bevölkerungsklassen zusammengesetzte, mit polizeilicher Vollmacht ausgerüstete Kommisston im Stande. lieber die Enquete, die Arbeit an Sonn- und Fest- tagen betreffend, liegen recht sonderbare Dinge vor. Die kanntmackungen der einzelnen Regierungen dritten vom 4. und 5. August, geschloffen aber sollen die Erhebungen schon am 15. d. M. werden, so daß nur ein Zeitraum von 10 Tagen übrig bleibt. Dann werden in den RegierungSerlaffen einfach die„Interessenten" ersucht, bis zum 15. d M. in den Ort- schaften den Landräthen, in den Städten der Polizeiverwaltung Mittheilung zu machen, in welchen Industrie- und Gewerbs- zweigen überhaupt eine Beschäftigung gewerblicher Aideittr an Sonntagen stattfindet. Von irgend einer Kommisston, die die Enquete vornehmen soll, ist nicht die Rede. Von einer Vor- nehmung der Arbeiter gleichfalls nicht. Die Ortsbehörden bringen die Regierungsverfügung einfach zur Kenntniß der Betheiligten und damit basta. Die Fabrikanten oder Hand- jfolge meines Säumen. Die kehren rasch Mann latzt Vorsaale er- werker, bei denen nicht regelmäßig Sonntagsarbett statt- findet, werden einfach schweigen, die Gesellen gleichfalls, um sich nicht in Unannehmlichkeiten zu stürzen. Ueberhaupt werden sich nur wenige Arbeiter melden, wenn fie richt besonders be- fragt werden. So wird die Enquete resultatlos verlaufen— und Fürst Bismarck wird Recht behalten, daß die Arbeiter selbst die Sonntagsruhe nicht wollten. Deshalb müssen die Arbeiter ihren Willen durch eine Million Unterschriften unter den Petitionen an den Reichstag dokumentiren. Harmonie zwischen Kapital und Arbeit. Immer zeigen die Harmoniedudler auf England, wenn fie ibren Sing- Sang anstimmen, als ein Land, wo der ganze wirth« schaftliche Betrieb im schönsten Einklang zwischen Unternehmern und Arbeitern geregelt sei. Und doch hört man in keinem Lande so häufig von Streiks, als in England. Und wie werden diese Streiks manchmal gefühlt? So werden aus Jlkeston fDerbyshire) arge Ausschreitungen gemeldet, welche fich die dort im Streik befindlichen Kohlengrubenarbeitcr zu Schulden kommen ließen. Aus Aerger darüber, daß es der Grubenverwaltung gelungen war, einige Bergleute zu bewegen, die Arbeit zu den herabgesetzten Löhnen wieder auszunehmen, zerstörten sie da» Wohngrbäude des Geschäftsführers, der fich mit seiner Familie verbarrikadiren und durch Pistolenschüsse vertheidigen mußte- um nicht der Wuth der stteikenden Arbeiter zum Opfer zu fallcM Die Wohnungen der Bergleute, welche die Arbeit wieder auf- genommen, wurden ebenfalls demolirt und Galgen vor denselben errichtet. Zur Unterdrückung der Ausschreitungen mußte Polize« aus Derby, Nottingham und anderen benachbarten Städten requirirt werden.— Schöne Harmonie zwischen Arbeit und Kapital! Die Ernte bleibt in ganz Preußen nach amtliche» Erhebungen hinter einer Mittelernte zurück. Auch in Amerika ist die Einte keine glänzende. So ist also die trübe AusfisM vorhanden, daß das Korn, besonders der Roggen, wesentlich im Preise steigt. Dann erst wird der„Segen des Getreidezolles fühlbar werden. 12. Ziehung d. 4. Klaffe 172. KSmgl. Preuß. Lotterie. LUHim,»am II.«liziift IMS. pur dir««»Inn« iider«10 Mar! ftud ata d-irrffrudeu Kuimern in Parenthese beigesllil. (Ohne Gewahr.) 110[300174 268 0)50) 322 68 70 471 77 696 622 48 67 719[3001 44 833 910 1029 251 337 71 495 607 65 609 1300] 13(3001 49 64 70 749 79 80 807 13 22 27 75 936 2037[55(8 107 236 47 393 457 71 506 621 39 739 54 873 925 79«048 64 98 135[3001 248 50 66 336 60 90 495 629 88 773 94 813 39 921 80 4037 193 215 28 338[5501 84 470 626 44 46 69 93 603 16[1500) 39 714 68 842[5601 48 67 931 57 72[1500) 6268 401 92 607 48[3000] 71[30001 89 764[15001 98 816 48 89 14 56 9§ 60ip4Ö63[3001 90 136 89.206 81 306 11 ______ 470 75[5501 85 616[300] 33 37 44 648 65 759 80 875[60001 7078 229[300] 86 323 99 406 72 82 86 508 40 58 78 668 86(3000) 734 63 820 86 947 8003(550) 9 94[5501 96 98 129 80[300) 94 216 21 41 45 66[30j] 68 86 326 484 623 52 616 23 53 700 34 39(6501 81 94 97 «002 72[300»>75 92[3001 135 43 86 263 381(1600) 478 529[1600) 79 607 708 58 808 19 68(3001 932 79 10082[30001 118 79 229 75 404 41 616 862(5501 77 915 16 48 70 18034 66 71 166 93 239 360 438 56 581 82 115000] 645 71 81(550) 707 [1500] 21 49 60 76 78 829 77[16001 939 47(300) 76 98 14038 41 136 64 233 72 362[300] 468 87[3001 525 60 661[300] 709 33[3000] 44[6601 78 88 98 898 981 16081 93 190 224 61 83 88 314[6601 69 64 408[660) 613 44 658 66 866 1300) 74 914 38 1*074 89 96 226 28 34 68(3001 69 315 77 99 514 23 602(3001 32 47(300) 724 32 48 81(300) 895 914(3001 71 72 74 1 7007 21 f6 70 121[3000) 25 48 297 304 20 34 69 420 34 74 642 43 607[3001 708 78[300) 896 924 67 18109 44 62[1500) 64 73 200 20 24 73 304 19 412 19 83 99 620 21(3001 32 33 1300) 645 706 32 831 37 70 78 79[300) 1»004 43[300] 66 88 186 215 28 94 401 51 649 62 64[16001 71 96 601 14 700 839 49 906[300] 18 «0001 28[300) 62 102 48 286[560] 320 36 64 79 416 39 44 87 513 )) 42 63 64 690 731 51 803 915*1009 44 69 81 110[5601 56 210 26 171 76 79 403(3001 509 26[560J 46 52 82 606 18[16001 43 725 68 79 94 801 41 95 953 74 93««149[300] 242[300) 66 308 50[300] 486 94 657 624 26 27 54 742 812 20 98 963[300)«8019 62 102 38 236 49 65 93 98 305[3001 20 36 556 639 739 41 56[3001 804 8 9(30001 79 936 1";" JO] 73 167 89 217 69(3001 67 68(1600) 336 69 79 408 23 81 (1600) 613 43 68 624 62(3000) 89 725 66[300) 809 44 77[30001 992 94 *4067 «6062 69 13000) 96 165 310 406[3000) 40 548 68 621 28 86 1 15001 789[3001 816 26 61 74«6007 18(550) 49 83 240(15001 97 98 342 68 430 15501 601 7 51 633 703 800 61 74 81 94 936 72*7064 76 228 45 49 86 4Ö2 1300) 27 95[300[ 514 41 43 62 602 64 761 850 96 969 13001 SK))««066 114[3001 62(300) 97 261 418 39 520 733 51 58 13)01 1 94«0069 121 22 60 214[3001 60 80 300[300] 60[150OJ 621 Ii 74 87 741 92 861 97■ »0077 104 10[15001 64 97 22415501 52[5501 84 96 602 13 60 66 660 749 830 57 64 910 21 91 81064 fe 119 47 62 211 386 440 43 58 502 6 29 73 636 739[30001 939»«041[5601 48 53(300) 71 95 244 84[30OJ 302 70 404 66 68 92[30001 93[3001 620 91 95(3U001 96 613[15001 62 703 38 902 27»»035 97 186 225[1500) 31 64 89[1500) 320 21 408 72 571(3oOJ 626 704 41 86(300) 813 908 94»4060 119 22 28 58 273 91 329 84(300) 434 683 648 69 817 22[30001 *»047 57 109 73 384[löuOJ 476 95 569 606 20 36 55 57(3oüC) 8a _U 155 77 280 13001 92(800) 318 400 56[16001 535 38 80 617 1-0 OOC)£l 716 34 814 20 29 922 13001 34 71 72 13001 40013 115 36 79 247 325 41 49[300] 456 68[3001 64 525 30 76 623 760 901 4 4 4090 214 38 41 415 43 59 60 63 67 74 570 630 81 717 1300) '7'45(W 42 Woof 152�5501 90 224 69[560) 357 70[650] 686 626[300] 88 91 827 80[3001 61 939 1550) 47 4*015 64 76 155 216 85 894/3, 88 91 827 30[3001 61 939[5501 47 4«015 6+ 76 155 215 36 3»« (660) 626 735 91 812 31(550) 938 93 47019 51 III[3001 70 250 30»*J 62 435 624 688 705 919 67 4H067 162 88(5501 266 81 339 59 447&1 66 603 17[3000) 19 618 44 56 87 93 727 64[3001 802 87 981 SM 4«034 101 12 13000) 40 256 323 33 458[300] 601 46 80 82 612 65 7°* 78 836 51 907 22 63... 73 u O024 11600) 73 179[300] 93 248 54 78 84 821[15001 87 90 419 Ü 96 98 651 624 46[15001 66 97 720 24 813 16[5601 97[300) 924 36»40?> S if rÄÄVÄ'äS 45 86[6601 609 83 739[5501 87(300) 947[550, 56 59009 12 18 241 69 302 92(300) 96 500 706 34 41[1500) 829 91(300) 96 l»001.zz"-s 54013 138 70 202[3001 26 339 67 70 83 87 436 86 40 43 82 523 � IlfS�ioij 67 255 69° 324 79 444 61 94 618 87 613 39 64 79 � W KHÄ? 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Erouhei» in Berlin. Druck und Verlag von N« vading in Berlin 8W, Beuthstraße S. Hierz» eine vetlack� Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 1*8. Freitag» den 14. August 1885. II. Jahrg. Ue Falliveremsdeuleglluz in UneumrK. a Tic Organe, durch welche die dänischen Arbeiter ihre Mderungrn duichseyen oder vurchzuseyen versuchen, find die iwjiorrrinr Die Fachvereine bilden tUanlcn unv Hiliskafien, M überall, wo Vre Arbeiter als Ganzes auftreten sollen, ge- lchlcht ig Durch ihre Bei eine. Es ist kein unbedeutendes tta- M, über we ches die Ardeiter durch ihre Vereine verfügen. «le wissen, daß sie, um die Kapitalmacht mit Eifolg.belämpfen iu können, selbst im Befitze von Kapital sein muffin. Dieses Ilmtal ifi es, welches die Existenz und die Thätiykeit der «'»vereine bedingt und durch daficlbe baden fie vre große »'«cht die fie jetzt thaisächlich befitzen erlangt. . Es ist ein allgemein velbrcitetes Voiurtheil, daß die M vereine die Streiks hervorruftN. Für eine ober- schliche Betrachtung kann es wohl so scheinen, da die jwtltiinbe der Vereine immer bestimmen, od ein Streik Nultsitibm loll oser nicht In Wirklichkeit wird vielen �üerls, durch die gute Organisation der Fachvereine vor- xoeugt. Ohne dieselben würden Streiks öfter stattfinden, � würden in größerem Umfange, wilder und unvorsichtiger J(ä jetzt begonnen werden und größere Verluste, sowohl für Arbeit, r, als für die Arbeitgeber herbeiführen. Der Streik wie gesagt, von den Fachvereinen organifirt. Wünschen r* Arbeite, einer Fabrik irgend eine Forderung durchzusetzen, xltn haben fie nicht das Recht, selbst zu bestimmen, daß der xueik stattfinden soll Sie müssen vre Angelegenheit dem 5?°rstanv oder den Mitglredern des Vereins anmelden und �tler en scheidet, od der Wunsch der Unzufriedenen ein der- Zuger i»t, daß der Verein fie während eines eventuellen Streikes unterstützen muß. Es wird jedoch nicht mit diesem «nzelnen konkreten Fall vor Augen entschieden, ob der Streik Mieten darf oder nicht, sondern es weiden auch viele andere �rhältnisse in Brtracht gezogen. Durch die fast über alle Länder �breiteten Arbeilervererne läßt der Vorstand sich über vre Ar- �'Verhältnisse an verschiedenen Plätz.n benachrichtigen. Man Ml ferner, so weit möglich, die Arbeiter deimaßen zu vertheilen, Nß nicht an einem Orte Ueberfluß, an einem anderen Mangel an Mtern vorhanden ist. Durch dieses„Vtachrichtseinholungs- Jwem" ist man im Stande, deurtheilen zu können, in wie weit �.Arbeitgeber in einem gewissen Augenblicke einen höheren zrQn geben können. Erst wenn hierüber Klarheit ge>chaffen Mden ist. entscheidet der Vorstand, ob der Streit im äußersten Wfall stattfinden darf. Denn nicht sofort wird zu diesem "uel gegriffen Bevor der Streik erklärt wird, verhandelt der Vorstand V dem betreffenden Fabrilbefitzer. Als an dem Ausgang der K�che nicht direkt interesfirt, repräsentirt der Vorstand des Mins ein einigermaßen unparterisches Vermitllungskomrtee. M wenn die Vermittlungsversuche sich als erfolglos erwersen, Munt der Kampf. Wenn der Streik erklärt worden rst, theilt r?.--Sozialvemokrat"— das Hauptorgan der dänischen Ar- 1°,.~ mit, daß die Arbeit in der betreffenden Fabrik nieder- »siegt iß. Diese Veröffentlichung schließt immer mit den Wor- ..Man verbittet sich jeden Zuzug von Arbeitern, bis die We senheiten geordnet find." Sofort hört dann jede An- Kg von Arbeitem auf. ln,.-,"n der Streik keinen großen Umfang hat, bestrertet der W�e Verein die damit verbundenen Ausgaben. Nrmmt Gielde aber größere Dimenfionen an, so treten dre Vorstände »„-verschiedenen Fachvereine zusammen und erlassen ernen CN an alle Arbeiter des ganzen Landes, in welchem dre- aufgefordert werden, die Streikenden zu unters ützen. irrigen Aufrufen wird immer Folge aelerstet. Koloffale �UNwen find es. welche durch freiwillige Beiträge zuflreßen. diese Hilfeleistungen kommen nicht von den Arbeitem «-gegenwärtig findet in Kopenhagen, wie bereits gemewet 'st. ern Streik statt, der die allgemeine Aufmerksamkeit aKftch lenkt. Die Maschinenarbeiter einer Kopenhagener kam' �tten unlängst die Arbeit niedergelegt weil der Fabri- K auf einen Mimmallohn von 27 Oere(29 Pfennige) die Äbe nicht eingehen wollte. Er wurde von 23 anderen tet?in unterstützt, welche erklärten, daß fie, wenn die Arber- «i« nachgeben und aus dem Fachverein sofort austraten, �"'ock-ont"(Arbeiter-Ausschluß) arrangiren würden. Dre Aldi meiirr KchnMellerliiuslaihii. Von Sara Hutzle r. Nachdruck»erbaten.f � Die Schwierigkeiten des Anfange» waren überwunden. to iK Erzählungen, die zu Beginn meist mit rücksichtsloser s�'nue, kennung an mich zurückgeschickt zu werden pflegten, eini �»llmälig freundlichere Ausnahme, und ich fing an— Jol8e Eitelkeit auf die Benennung„Schriftstellerin" an den MJ* legen. Ich wagte es, auf die gelegentlich im Hause Irrenden EinschätzungS- und Wohlthätigleitslisten meinen mit dem Prädikat„Schriftstellerin" zu setzen, ich be- Iton»» i vem Praoilai„wajuyiiisucun vv C j?ni9en Werth darauf zu legen, daß die an mich an- Hachen Briefe, welche auf der Adresse diese schmerchel- «Z auf während der Besuchsstunden auf .-...»mung trugen,—,........- L. ej� der guten Stube liegen blieben. Ich setzte dann iiiu."einen und v»vvv�...|' Y----- Stolz, mir die wöchentlichen Rechnungen über Brod an die„Schriftstellerin" beschreiben zu i ja, ich überließ es meinem Lieferanten von Kou- inri,,- Briefbogen unter den kleinen gedruckten Adressen ßenD?" Namen noch das freudebringende Wörtchen„Schrift- k'tei V anzufügen, und so geschah es bald, daß die gläu- btem�anien und Verwandten, welche in gutherziger Angst W,,.Erfolge entgegenzitterten, diese meine eigenen kleinen, Wt«n« Neklamen für vollgilttg erachteten, und so rück- �aeni die Verbreitung meines Ruhme» gingen, wie sie Suem den Nießbrauch davon forderten und zu allen der«N. und unbequemen Tagesstunden den„Salon" �"ien ftftellerin— Kousine— durch ihre Besuche ver- Müw'L harmlos mir meine eigene Eitelkeit erschien, so Kiebt-i a» wurde mir die— der guten Tanten. E» W.,ne Sorte sehr zu rühmender Anverwandten, welche Lfebe«»?� Anwaltschaft und ihren Einfluß einem empor- % Geiste— die Wege etwas zu ebnen vermögen. gehörten einer anderen Gattung an. Die meiner enthusiastischen Familienglieder »-te«W°uf einen kleinen Kreis einfacher bürgerlich da«„Aparte" schwärmender Mitbürger des 5"ls Berlin„£7 Da»..Aparte" ward nun ich, Arbeiter gaben trotz dieser Drohung nicht nach und 800 Arbeiter find jetzt ohne Arbe-t. Dieser Streit ist aus zwei Gründen von besonderem Interesse: erstens weil er für Kopenhagener Verhältnisse als ein sehr großer zu be trachten ist, und zweitens, weil er auch in politischer Beziehung eine gewisse Bedeutung hat. Unter den Fabri- kanten, oie mit dem„lock-"nt" drohen, find sehr reiche Leute, welche viel fertiges Material liegen haben, so daß fie verhältnißmäßig keine großen Verluste erleiden. Auf der an- deren Seile definden stch 800 arbeitslose Arbeiter, die wöchent- lich 10000 Kronen«ij 000 Mark, nöthig haben, um überhaupt existiren zu können. Hinter den Letzteren stehen aber nicht allein alle Arbeiter Dänemarks, sondern auch die Mehrheit der Bevölkerung, die große liberale Oppofition, welche, wenigstens so lange das reaktionäre Ministerium Estrup am Ruder ist, die sozialdemokratische Arbeiterpartei vielfach unterstützt. Das lock-oat" der Fabrikanten ist ein Versuch, die Fachvereinsbewegung zu vernichten, und zu diesem Zwecke hat denn auch die mtnisterielle Partei einen Verein unler dem Namen „der Schutz der Arbeiter" gebildet, welcher die Arbeiter gegen die„Tyrannei der Fachvereine" schützen, oder mit anderen Worten, den Streiks entgegenarbeiten soll, indem er die Ar- bester unterstützt, welche die Arbeit wieder aufnehmen. Dieser Verein hat ein bedeutendes Kapital unter den Kapitalisten der mirnsteriellen Partei angesammelt und mit diesem Gelde soll nun der Kampf gegen die Fachvereine geführt werden. Der- selbe wird vermuthlich lange dauern und ein harter sein. Die streikenden Arbeiter haben wenigstens den Vortheil, daß die öffentliche Meinung auf ihrer Seste steht.(F. Ztg.) Kokales. er. Wer die bisherige Kommunal-Wahlbewegung beobachtet, der muß, wenn irgendwie Offenherzigkeit sein Prinzio ist, ohne Weiteres zugeben, daß dieselbe bis jetzt wenigstens kein erquickliches Brld bietet Auf der einen Seite herrscht eine kaum verhaltene Lust zum Angriff, auf der anderen eine fast übertriebene Empfindlichkeit. So wie die Sachen augenblicklich l egen, hat es nicht den Anschein, als ob die Streitigkeiten schon in nächster Zeit beendigt sein werden, es wäre ein Zeichen der Schwäche, wenn man fich das, angesichts der vorliegenden Thatsachen verschweigen würde. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, zu untersuchen, auf wessen Seite die Schuld an dm äugen- blicklich so gespannten Verhältnissen liegt, daß aber eine Span- nung da ist, glauben wir am Allerwenigsten wegleugnen zu sollen. Freilich scheint es ein Fluch der deutschen Arbeiter« bewegung zu sein, daß immer, wenn man auf eine geschlossene, masfige Konzenttalion der Kräfte rechnete, fich Dinge fanden, wegen deren man sich in die langwierigsten, erbitterlsten Debatten einließ, die doch schließlich immer nur darauf hinauslaufen können, wenigstens eine Zersplitterung der Kräfte Herbeizuführen, wenn sie nicht gar dazu angethan find, einen großen Theil der Albeiter aus berechtigtem Ueberdruß der allgemeinen Sache überhaupt abwendig zu machen. Es wäre nun gewiß eine übertriebene Aengstllchkeit, wollte man jetzt schon fürchten, daß die kleinlichen Reibereien, denn mehr ist es doch in der That nicht, irgend welchen thatsächlichen Einfluß auf das endgillige Resultat der Wahlen haben könnten, im Gegentbeil, wir glauben fest und sicher, daß im Augen- blicke der Gefahr, des Kampfes, die Arbeiterschaft einig und entschlossen das Ihrige thun wird, trotzdem will uns nicht ge- fallen, daß gerade heute die intelligenten, aufgeklärten Arbeiter, deren Pflicht es augenblicklich entschieden wäre, ihre gleichgiltigen Kollegen heranzuziehen, ihnen ein erhebendes Beisprel einmüthigen Handelns zu geben, fie mit den Forde- rungen der ganzen Arbeiterschaft vertraut zu machen, daß gerade sie stch heute befehden, als wären sie grimmige Gegner. Es ist nicht das Kennzeichen eines politisch-reifen Kopfes, wenn man fich blindlings auf einen Gegner stürzt, dem vielleicht nur in der Hitze des Gefechts ein unüberlegter Ausdruck entfallen ist, ebensowenig aber zeugt es von besonderem politischen Takt- gefühl, wenn man zu vollständig unpassender Zeit an ver- gangene Dinge erinnert, die jetzt noch zu ändern in keines Menschen Macht steht. Aus solchen Nörgeleien entstehen die wilderregten Debatten in den Versammlungen, hierin findet der nachhaltige Groll seinen Keim; die politisch so überaus die Schriftstellerin, deren Sachen in Blättern zu lesen waren, in Blättern, die man kaufen konnte, und— meine „bürgerlichen" Anverwandten waren nicht geizig. Sie kauften mit einer wahren Wollust die Exemplare jener Blätter en gros, die meine Anfängerarbeiten wohlwollend und zu kleinen Preisen druckten. Meine„Bürgerlichen" waren gute Menschen. Gar nicht engherzig. Sie lasen die heiklen kleinen Nuanzen meiner Salongeschichten mit Objektivität und Toleranz. Sie besaßen auch keine falsche Scham, denn sie priesen, wo sie nur das willige Ohr einer HökerSftau auf dem Markte für sich gewinnen konnten— laut und vernehmlich meine schriftstellerischen Fähigkeiten. Sie waren auch um meine Zukunftserfolge besorgt. Es wanderten in drohender Rapidität nach jedesmaligem Erscheinen einer neuen Arbeit meiner Feder enthusiastische kleine BilletS mit ano- nymer Unterschrist an die Redakteure der verschiedenen Druckorgane. Ja, meine Anverwandten waren prächtige Menschen! Menschen von echtester Empfindung, aber ihre loyale An- hänglichkeit, ihr wahrhaft ergötzlicher Eifer, meine Karriere zu fördern, wirkten auf mich geradezu einengend, bedrückend. Zudem litten die guten Tanten an einer Krankheit, die Prahlsucht hieß, und um dieser Prahlsucht den nöthigen AusdehnungSraum zu gewähren, veranstalteten die Menschen „kleine Gesellschaften", und diese zur Förderung meiner schriftstellerischen Karriere. Geschah eS, daß von irgend- woher sich Besuch anmeldete, oder daß sich dem gewohnten Kreise von Bekannten eine neue Figur zugesellte, so erfolgte das Unvermeidliche: Eine der Tanten gab eine Gesellschaft, und dieser verlieh ich dann,— in meiner Gestalt als „Schriftstellerin", das nöthige Relief. Ich hatte es aufgegeben, gegen die Gewaltmittel der Tanten anzukämpfen. Zudem lag, trotz der geschmacklosen Aufdringlichkeit ihrer Huldigungen in ihrer Beharrlichkeit etwas, das der Eitelkeit schmeichelte, und das sich zuweilen vereinigte mit all' dem Anfängerstolz, der mich hie und da hartnäckig Übersiel, und der mich die Protektion der guten Tanten gnädig aufnehmen ließ. Die Protektion ging also noch— aber die Gesellschaften! Die marternden Gesellschaften, in denen man unter allen Umständen da« unklugen persönlichen Anzüglichkeiten und Anzapfungen bieten den Gegnern den willkommenen Stoff ,u ihrem Jubel- geschrei und ihren höhnischen Auslassungen. Man könnte ja manchen Erörterungen einen gewissen Werth beilegen, wenn es fich überh iupt um Verschiedenheiten in den Prinzipien handelte, da das aber nicht der Fall ist, nicht der Fall sein kann, so werden immer nur untergeordnete Fragen diökutirt, die für die vorliegende Aktion durchaus bedeutungslos sind. Sie erschlaffen nur das Gros und schwächen das Interesse selbst bei denjenigen ab, die stch mit Eiter und Hingebung der Allgemeinheit zu widmen gesonnen find. Wir sind rn die Agitation zu den Kommunalwahten eingetreten— das ist jetzt die Parole, um Sachen, die vor zwei Jahren pasfirt find, können wir uns jetzt nicht kümmern, hat man es für gut befunden, vieselben so lange ruhen zu lassen, so wird fich auch nach den Wahlen Zeit zu ihrer Erledigung finden. er. Zu den Kommunalwahten nimmt jetzt ouch die „Berliner Zeitung" das Wort. Sie thul's in ihrer Art und Niemand wird ihr das verdenken. Ihr Geschreibsel be- ginnt fie lammfrommer Weise tolgendermaßen:„Wir können es nur als eine erfreuliche Erscheinung begrüßen, daß die Ar» bester, die stch der hohen Bedeutung der Kommunalwahlen vollkommen bewußt find, so frühzeitig auf den Plan getreten find."— Das Kompliment klingt etwas süßsauer, man hätte vielleicht lieber gesehen, wenn die Arbeiter erst auf den Mahn» ruf der Herren„Freisinnigen", speziell den Ver„Bert Ztg." gewartet hätten. Leider war aber die Arbeiterschaft so frei, stch an Niemand zu kehren, und so erübrigt natürlich nichts An- deres, als zum bösen Spiel gute Miene zu machen. Indessen die Arbeiter find ja daran gewöhnt, von den Herren Frei- finnigen erst mit seidenen Handschuhen geliebkost zu werden, damit man später die eiserne Faust, die in denselben steckt, nicht so sehr fühlt. Daher fährt denn auch die„Berl. Ztg.", ihrem edlen Beruf gemäß, Zwietracht und Mißtrauen zu säen, wo es nur angeht, folgendermaßen fort: „Es wird stch freilich heute von den Herren, die vor zwei Jahren in der Kommunalbewegung die Rechte und Interessen der Arbeiter so energisch vertraten, Niemand mehr darüber täuschen können, daß fie ihren Einfluß auf die Berliner Arbeite, bevölkerung im Großen und Ganzen verloren haben." Wer mag das nur der„Berliner Zeitung" verrathen haben? Die Kurzfichtigkeit der„Berliner Zeitung" kommt fast rhrer Unverfrorenheit gleich. Sie muß selbst zugeben, daß die Herren vor zwei Jahren die Rechte und Interessen der Arbeiter energisch vertreten haben, wie es denn auch in der That der Fall ist, und nun sollten dieselben ohne jede Veranlassung das Vertrauen der Arbeiter verloren haben? Das wäre doch eine Inkonsequenz von Seiten der Arbeiter, wie fich vieselben noch niemals eine solche haben zu Schulden kommen lassen. Und wenn die„Berliner Zeitung" auch nur einen Grund für diesen plötzlichen Umschlag der öffentlichen Meinung hätte an- geben können, so glauben wir mit Recht annehmen zu können, daß fie denselben recht sehr vernehmlich geäußert hätte. Es existirt kein einziger vernünftiger Grund für eine derartige Annahme, und so bleibt der„Berliner Zeitung" nichts weiter übrig, als diejenigen Arbeiter, welche immer nach ihren eigentlichen Lebens« interessen zuwider im Gefolge dieses Manchesterblattes mar- sckiren, irre zu machen. Wie weit das dem Blatt gelingen wird, muß der Zukunft überlassen bleiben. Auch über das neue Wahlkomitee läßt sich die„Berl. Ztg." aus:„Ob die Männer des jetzigen Ardeiterwadlkomitees, das stch am vorigen Sonn« tag konstituirt hat, in der Erhaltung der Volksgunst glücklicher sein werden, wird die Zukunft lehren." Jedenfalls werden die Männer ihre Pflicht thun, und od sie die„Volk gunst," verscherzen werden, darüber hat sich die„Berl. Ztg." am allerwenigsten den Kopf zu zerbrechen. Dann fährt das Manchesterblatt fort: �Zunächst zweifeln wir nicht daran, daß die Bemühungen des Wahlkomitees die Kandidaten der Bürgerpartei aus dem Felde zu schlagen, von Erfolg gekrönt sein werden, so daß die Ar» besterpartei im städttschen Parlament nicht unerheblich oerstärkt erscheinen wird." Die„Berl. Ztg." thut hier so, als ob fich die Agitation der Arbeiterpartei garnicht gegen die deutsch frei- finnigen Stadtverordneten richtete! Erst recht, in jedem Bezirk, mag er bürgerparteilich oder deutschfreistnnig gewesen seiu, wird der Angriff mit allem Nachdiuck eröffnet werden, und es wird den Ar- bestem höchst wahrscheinlich ganz gleichgiltig sein, ob sie deutsch- „Aparte" an mir vor Augen haben wollte. Ja— man ehrte mich, und man that es auf lachsfarbenem Papier: „Um 8 Uhr zum Thee. Gäste aus Danzig. Bringe» Sie den üblichen Esprit mit! In alter Liebe Tante Cäcilie." Den üblichen Esprit! DaS Wort allein ängstigte mich. Ich war stets am geistlosesten, wenn man von mir das Meiste erwartete! Und„Gäste auS Danzig"! Ich hatte die letzten aus Königsberg in der Erinnerung, die den ganzen Abend geschwiegen und mich gemustert hatten, und die dann schließlich zu erzählen anfingen, wie viel„schreckliche«" Zeug im Laufe oeS Jahres den„Menschen" zum Lesen angeboten würde. Ich gedachte der weisheitSkrämernden Königsberger und begann darüber nachzusinnen, ob nicht ein verwendbarer Gedanke als rettendes Hindemiß im letzten Moment noch zwischen mir und diesem Acht-Uhr-Thee mit Esprit sich finden ließe. Vergeblich. Es fiel mir nicht einmal eine Migräne ein— ich seufzte und ging. Drei Treppen! Wie konnte es auch anders sein? Welche_ gutmüthigen. wißbegierigen Tanten wohnen je anders, als im höchsten Olymp, von wo auS sie, im oberen Flur stehend, vom Treppengeländer herab die Vorgänge des ganzen Hauses übersehen konnten? Ich trat rasch ein in den kleinen Salon. Von den grünen Plüschmöbeln her hallten mir frohe Begrüßungsrufe ent» gegen.„Ah— da ist sie— da ist sie!" Welches noch so widerspenstige Frauenherz fühlt fich durch warme AuSzerchnung nicht versöhnlich gestimmt? Ich vergewisserte mich in den ersten Sekunden, daß die„Dan- ziger" anders waren, als meine noch nicht verwundenen „Königsberger". Im Triumph führte mich die gute Tante zu der sich erhebenden, mich aufs Devoteste begrüßende» Bekanntenzahl und dann zu den Danziger Gästen: zwei dicke Damen, ein Referendar und ein blondes, sentimental blauäugiges Mädchen, deren ovales Gesichtchen mich voll scheuer Verehrung stumm bettachtete, und deren schlanke zier- liche Gestalt sich bei der Präsentation in einen jener tiefe» Pensionsknixe verlor, die der Respekt vor dem Nimbus, der die Schriftstellerin umgab, gebot, und die die gute Erziehung von einem Backfischsräulein forderte. freisinnige oder bürgerparteiliche Bezirke erobern. Jedenfalls aber imrd sich die Arbeiterpartei durch die Redereien eines rabiaten Manchesterorgans nicht hauptsächlich auf bürgerpar» tciliche Bezirke drängen lassen, und daran scheint den Deutsch- fmstnnigcn ungeheuer viel zu liegen, damit nur sie keine Man date verlieren. Wenn nun die Arbeiterpartei aber auch ihre Mandate vermehrt, so hegt die„Verl. Ztg." folgende Befürch- tungen:„Ob sie(die Arbeiterparter) aber zur Leseiiigung no- torischer Mißstände beitragen und im Uebrigcn große mora- tische Erfolge erzielen wird, das hängt von der Sach- kenntniß und Entschiedenheit ab, mit welcher die Ar- beiterführer jene Mißslände in ihrer ganzen Sckärke de- leuchten und die Massen für deren Abschaffung zu elektrisiren verstehen. Da ist z. B. dle Miethssteuer, die so schwer auf den unteren Klassen und den Gewerbetreibenden lastet.� Hat man jemals von einem detaillirten und genügend motivirtcn Programm der Arbeiterpartei bezüglich jener Steuer gehört? Ist sie überhaupt in den Albeiterversammlungen auf die Tagesordnung gesetzt und hat man jemals den Entschluß ge- faßt, bezüglich einer die arbeitenden Klassen befiiedigcnden Lösung der MietKssteuersrage Massenkundgebungen in Szene zu setzen, die sicher nickt aus den Widerftanv der Polizei gestoßen wären? Mit der Gasfrage verhält es sich ähnlich und was die Armenverwaltuna anbetrifft, die so sehr viel zu wünschen übrig läßt, so ist dieselbe von der Arbeiterpartei immer nur oberflächlich gestreift worden. Es wäre sehr zu wünschen, daß hierin künttig eine Aenverung einträte, denn von dem Maße, in welchem die Arbeiterparter ,ur Verbesserung unserer kommunalen Zustände mitzuwirken versteht, hängt die Autorität und das Ansehen dieser Partei bei allen Schichten der Berliner Bevölkerung ab und die Eriolge, die fle hier errungen, wird sie dann auck für ihre außerhalb der kommunalen Sphäre liegenden Parteizwecke verwerthcn können." Mit dem letzten Satz find wir einverstanden, bei dem ersteren aber möchten wir doch der„Berl. Zlg." zu bedenken geben, daß die Freisinnigen so viele Jahre das ausschließliche Ver- fügungsrecht in der Kommunalverwaltung gehabt haben, und daß sich in den langen Jahren nicht cme Hand rührte zur Regelung der Miethssteuer, zur Emführung einer vernünftigen Verwaltung in Bezug auf Gas- und Pferoebahngesellschaften. Und hierüber soll man in öffentlichen Versammlungen niemals gesprochen haben? Der Artikelschreiber der„Berl. Zig." scheint während der letzten zwei Jahre geschla'en zu haben. Aber wes- halb, so dürfen wir wohl mit Recht fragen, weshalb richtet die „Berliner Zeitung" diesen so„warmempfundenen" Appell nicht an die Majorität, die trotz alledem ja immer noch der deutschsreifinnigen Partei verbleiben wird, weshalb an die Stadtveroidneten der Arbeiterpartei? Gerade in Bezug auf diese Fragm hätte sich der„Berliner Zeitung" und der Majorität im rothen Hause, wenn es Beide jemals ehrlich mit der aibeitenden Bevölkerung gemeint hätten, schon vor Jabren ein weites Feld reicher und ersprießlicher Arbeit bieten können. Und daß man bisher noch nicht zum Ziele ge- langt sei, daran sollen nun mit einem Male die fünf oder eigentlich nur vier Stadtverordneten der Arbeiter Schuld sein? Wahl hastig, trotz aller Schlauheit ist das Manchesterblatt ziimlich tdöricht, wenn es meint, daß auf diesen Leim auch nur ein Ärbester gehen wird. g. Ein Aufsehen erregender Vorgang spielte sich gestern Nachmittag gegen'/-6 Uhr vor dem Prenzlauer Thore ab. Dort befindet sich bekanntlich an der Ecke der Lothringerstraße und der Prenzlauer Allee ein hocheingezäuntes Grundstück, auf welchem die Mannschaften des Kaiser Alexander Garde- Grenadieo Regiments Nr. 1 Exerzitien ,c. ausführen. Drcsen militärischen Schauspielen wohnten in der Regel Knaben als Zuschauer bei, welche theils durch die offenen Stellen der Ein- sriedigung sahen, theils aber auch auf dieselbe klettern, um so einen fieieien Ueberblick über den innerm Raum des Grund- slücks zu erhalten. Das letztere thaten mehrere Knaben auch gestern, obgleich sie bereits wiederholt von Soldaten'zurück- getneb>n worden waren. Plötzlich vernahm man einen lauten Sckmerzensschrei und man sah den einen dieser Knaben von etwa 11 Jahren, dessen Eltern in der Grenadier- straße wohnen, vom Zaun hei untertaumeln und sich sein blut- überlaufenes Geficht mit den Händen bedecken. Sofort sammelte sich eine große Menschenmenge an, aus welcher zwei Männer hervortraten und mii dem Knaben nach dem Polizerbureau in der Straßburgerstraße gingen, um zu bezeugen, daß dem Knaben die anscheinend schwere Verletzung, welche entweder von einem Steinwurf od.r einer Waffe herrühren soll, von dem Exerzier- platz zugefügt worden sei.— Von anderer Seite wrrd uns der unerquicklich? Voifall in deisilbcn Weise dargestellt, nur soll fich ein Offizier des verwundeten Knaben angenommen haben. h. Lohengrin im«ahn. Auf der Spree«igt sich von Zeit zu Zeil ein interessantes Künstler-Quartett. Wenn das- selbe in seinem Kahn langsam stromauf ruvert, erlen alle User- Bewohner an den Fluß. D-r eine künstler ist Sanger. de- gabt mit einem weichen und tiefen Baß. Er mebt Vre schönsten Lieder zum Besten und sein tiefes F. am Schluß macht stets Sensation. Die drei anderen Künstler begleiten den Sanger Das Gespräch ging sofort zur Literatur über. Die Herren waren im Lesezimmer aufgereiht, die Damen zogen mich herzlichst in ihre Milte. Im Laufe der folgenden Srunde erzählte man mm, ohne abzusetzen— die Danzige- rinnen blieben hinter den Erwartungen keineswegs zurück — von dem viel verbreiteten Klang meines Namens. Zch erfuhr, daß auf dem Gute bei Danzig, auf dem die Damen lebten, zwei Schulfreundinnen Elli's bei der Lektüre meiner Erzählungen Thränen vergossen hatten, erfuhr, daß die Kaffeenachmittage, die die Danziger Damen in der Stadt zu geben pflegten, seit Kurzem zu L-senachmittagen gewor- den waren, zu denen man meine Sachen wie die heißen Pfannkuchen verschlänge, kurz, ich erfuhr Schmeichelhaftes im höchsten Sinne deS Wortes, und ich konnte— so obsek- tiv ich zu verbleiben suchte— doch nicht umhin, bis zu einem gewissen Grad davon wohlig berührt zu werden. Man rief zu Tisch. An den Herrenreihen begann man auch - mem Lob zu singen. Einer that mir den Gefallen, zu behaupten, daß er mich lange Zeit hindurch für ewen Mann gehalten habe. Am Fußende des Tisches debattirten zwei der Jüngeren aus der Gesellschaft über den Werth kurz ge- haltener Skizzen im Vergleich zu den früheren längeren Romanen.,_ Zch hörte noch, beim Aufstehen vom Tisch, wie Tante Cäcilie ihrer Nachbarin, dem älteren Vollmondgesicht aus Danzig in ihrem behaglichen breiten Flüstertone erzählte, daß der Butlerhändler im Keller vom Diener des Herrn von Sauden aus dem zweiten Stock, erfahren habe, daß sein Herr seit Kurzem das Zllustrirte Wochenblatt halte und daß er eS mit dem größien Interesse von Anfang bis ,u Ende lese. Entschieden, man feierte mich. Zch blickte, ein wenig über die allzugroßr Aufmerksamkeit, die man mir schenkte, bischämt um mich, und fand einen Rettungsanker in dem Anblick des blonden Münch- n« mit dem feinem Oval und den tiefen Augen. Diese Augen ruhten gerade auf mir, und angezogen durch die Unschuld threr Mienen, näherte �"zn nn er Anwandlung von Bescheidenheit hoffte ich, bei diesem Landkinde e.n erfrischendes Gespräch über einen Gegen- stand der nicht die Literatur traf, anschlagen zu können. sehr dezent mit Geige, Flöte und Guitarre. Alles ftagt, wer die Künstler sind, aber Niemand weiß daraus Antwort zu geben. Die Anzahl der Sternschnuppen in den verflossenen Nächten war, den Voraussagungen der Astronomen entsprechend, eine zahlreiche zu nennen. Besonders zeichnete sich für den Berliner Horizont nach dem„B. T." die Nacht vom Montag auf Dienstag aus. Schon um 8'/» Uhr, also noch bei voller Dämmerung, wurden zwei außergewöhnliche helle Meteore beobachtet, die, fast im Zenith beginnend, am Westhimmel ver- löschten. Mit Einbruch der Dunkelheit wurden viele kleinere Meteore, theilS am Nord- Ost- Himmel, theils am nördlichen Himmel, bemeilt. Durch besondere Helligkeit bemerkbar, fielen bis drei Uhr Nachts nur vier Dkteoren, von denen zwei, im Glänze eines Siemes erster Größe, eine sehr kurze Bahn am Himmel im Stemdild des Perseus und des Fuhrmanns be- schrieben und schnell verlöschten. Seitens der hiesiaen Polizeibehörde werden, Vorzugs- weise bei Antiquaren, Nachsorschungen über den Verbleib eines Messers, welches aus der Waffensammlung des königl. Zeug» Hauses gestohlen worden ist, angestellt. Das etwa 25 Elm. lange Messer, welches zur Jagd benutzt worden, ist einschnei- dig und hat ein braunes Heft von Holz mit eingelegten Ver- zierungen. n. An einer Schaukel verunglückt. Einer jener Un- glücksfällc, die sich alljähilich trotz aller Warnungen der Presse ereignen, trug sich, wie jetzt erst zur öffentlichen Kenntniß kommt, Anfangs dieser Woche in einem Vergnügungslokale an der Pankower Allee zu. Ein fich dort aufhaltender Musiker Friednch W. war aus Unvorsichtigkeit einer in Bewegung be- findlicken Schaukel derart zu nahe gekommen, daß er von der- selben erfaßt und neben einer Zerschmetterung des einen Unter- schenkels auck lebensgefährliche Verletzungen am Unterleib davontrug. W, dem die Bauchhöhle theilweise aufgerissen, mußte sofort nach der königlichen Charitee geschafft werden. In Folge der von uns vor einigen Wochen ver- öffentlichten Notiz über die Verhaftung von zwei Taxatoren und fün' Handelsleuten wegen Betrugs haben zwar schon meh- rere Personen, welche durch Einlösung von Pfändern des preu- ßifchen Leihhauses geschädigt worden find, ihren Verlust beider Kriminalpolizei zur Anzeige gebracht, doch wäre es im Interesse der Untersuchung wünsckenswerth, daß fich noch andere Per- sonen, die in dei selben Weise Schaden erlitten haben, meldeten. Der Betrug ist duich Verkauf von Pfandscheinen über Gegen- stände, die über den Werth taxirt und beliehen worden waren, verübt worden. Ueberfall. Vorgestem Mittag wurde ein Schlächtergeselle, welcher in der Flieden straße harmlos spazieren ging, vor dem Misstonshause von sieben Strolchen, die ihm auf der Sei e des Friedrichshain eine längere Strecke gefolgt waren, plötzlich über- fallen und mit Messern und Faustschlägen derartig mißhandelt, daß er in das städtische Krankenhaus Friedrichshain gebracht werden mußte. Bei der Annäherung eines Schutzmannes ent- flohen die Strolche in den Friedrickshain, doch gelang es dem Beamten mit Hilfe von mehreren Personen, die Zeugen der Mißhandlung gewesen waren, fünf derselben festzunehmen und zur Halt zu bringen. Der Uebeifallene kennt keinen der Rauf- dolde und glaubt, daß fich dieselben in seiner Person geirrt haben. Der«riminalschutzmann E. hatte in Erfahrung ge- bracht, daß seit einiger Zeit ein junger Mann das Cafe Alexander häufig frequentrre und mit den dort Nachts ver- kehrenden Damen viel Geld vergeude. Der Beamte beschloß daher, den jungen Mann zu beobachten und nach der Quelle zu toi scheu, aus welcher er die Summen geschöpft, welche er m so leichtfertigei Weise verausgabte. In der Nacht zum Dienstag traf er den Verdächtigen in dem erwähnten Etablisse- ment, er ließ ihn nicht aus den Augen und folgte ihm, als er des Morgens in der fünften Stunde fich mit einem Dämchen entfernte und in der Königstraße eine Droschke erster Klasse mit der Weisung an den Kutscher bestieg, nach dm Zelten zu fahren. Der Beamte folgte in einem anderen Gefährt dem Pärchm, das fich am Ziel in eines der für Frühaufsteher so zeitig geöffneten dortigen Lokale begab, um Kaffee zu trinken. Als der junge Mann sodann zur Bezahlung seiner Zeche dem Kellner einen 50-Markschein über- gab, schritt der Kriminalbeamte endlich ein, fragte den Ver- dächtigen nach seinen Personalien und nach dem Erwerb des Geldes, das er die Zeit über so verschwenderisch ausgegeben. Der junge Mann bekannte, nachdem er allerhand Ausflüchte veisucht, daß er der Sohn eines Hauseigenthümers in der Klostei straße sei, daß seine Eltem vereist seien und daß er deren Abwesenheit benutzt habe, um mit Hilfe eines Nachschlüssels mehrfache stille Anleihen im Geldschrank des Vaters zu be- wirken. In der Zeit von etwa 14 Tagen habe er fich die Kleinigkeit von 1100 Mark nach und nach angeeignet und einen großen Thcil davon bereits verbracht. Auf dieses Geständniß hin wurde der eist 18 Jahre alte Verschwender zur Haft ge- bracht und hairt doit einstweilen der Entscheidung darüber, ob der von seine» Streichen in Kenntniß gesetzte Vater den Ich lachte daher das junge Ding zutraulich an, und— mochte sie meine Wünsche errathen haben— sie steuerte sich durch die enge Reihe dicht geschobener Stühle durch und stand neben mir. Sie hielt die Hände auf dem Rücken verschlungen, in— so glaubte ich— schüchternem Ungelenk, da« ihr reizend stand. Da sie mich erreicht hatte, zog sie die Hände lasch vor, und zwischen ihnen hielt sie ein feuer- roth gebundenes Büchlein. „Ist es ein Album?" fragte ich, und sie nickte entzückt über meine Divinationsgabe und sprach rasch und schüchtern ihr Gesuch her. „Ich wollte Sie bitten— ach würden Sie wohl so liebenswürdig fein? Es ist— ich möchte gern— ach gnädige Fiau— ein Autograph!" Zch zögerte ganz umsonst. Die übrigen Gäste betheiligten sich ernsthaft an den Bitten der Kleinen, und die Stimmung wurde eine unangenehm peinliche, als man mich unter lautloser Stille an den Schreibtisch führte. „Etwas Geistreiches!" flüsterte Tante Cäcilie,„etwas recht Originelles," und„Sie sind ja so espritvoll!" flötete gerührt die Donziger Aelteste. Da war eS wieder, das entseßlichs Wort. Espritvoll! So ohne weiteres esprit- voll zu sein, in Gegenwart der umstehenden Enthusiasten. Zch sann verzweiflungsvoll nach, und um mich gru- pirt, lehnten und standen in andächtiger Erwartung— meine Gönner. Es fiel mir wie ein Lichtfunke ein, daß ich die Schönheit der kleinen Bittstellerin besingen konnte, und so begann ich, die mir so aufoktroyirte Arbeit des Dich- tenS, deS AndichienS der blauen Mädchenaugen, und wäh- rend ich fchrüb, schauten die Mädchenaugen geradeaus — und die Lippen des LandkinndeS begannen zu sprechen, um in halbleisem Tone— es umschwirrte undeutlich mein Ohr dem langen Referendar da» Lied meiner Verdienste um die Literatur vorzutragen. Der Unglückliche beging die Thorheit, zui. fragen— auch da? verstand ich trotz de» leisen ToneS— was ich„eigentlich schriebe," und nun begann eS um mich her zu schwirren und zu rasseln von Redensarten der dringlichsten Natur. Man lobte, rühmte, man berichtete, und unter dem ollem saß ich— mein Tichtungsziel intensiv vor Augen haltend und ließ die Lobscenen, die sich Bahn brachen, schweigend über mich Ctrafantraa gegen ihn stellen wird, denn obne einen solck'" bleibt die strafrechtliche Verfolgung des leichtfinnigen Poll»»» ausgeschlossen. Der f. Z. viel besprochene plötzliche Tod des Kit-- arbetters der Getichtszeitung Richard Jüterbok hat nun noch, wie hiesige Blätter melden, Veranlassung zu einer Aov Untersuchung wegen„Kö'.pervcrletzung mit tödtlichem Alis- gange" gegeben, welche gegen den Verabreicher der verhäng- nißvollen Ohrfeige eingeleitet worden ist. Der Thäter sott cm Beamter sein, der in dem Göbel'schen Lokale den Winh vertreten wollte und dabei in so derber Weise auftrat. Ee W bereits eine Anzabl Zeugen vernommen worden. Der Prozez dürfte gleich nach beendeten Gerichtsferien vor der vierte» Strafkammer des Landgerichts l zur Verhandlung gelangen. Polizeibericht. Am 12. d. M. Nachmittags wurde Echlächtergesclle Raschle in der Werkstatt seines Meisters, Klofierstraße Nr. 94, nach vorangegangenem Streit mit cineni anderen Gesellen, von diesem mit einem Schlachtmeffer in die linke Seite gestochen und derartig verwundet, daß er nach legung eines Nothverbandes nach der königl. Klinik gedraas werden mußte.— Um dieselbe Zeit wurde ein 13 Jahre a!" Mädchen in der Linienstraße von einem Möbelwagen über« fahren und erlitt dabei eine erhebliche Quetschung des rechne» Oberschenkels. Es wurde nach der elterlichen Wohnung und von dort nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebrachl� An demselben Tage Abends entstand in einer Wohnung W Hauses Weberstraße Nr. 22 dadurch Feuer' daß beim llmfalll» einer Lampe das Petroleum in Brand gerieth. Das Feuer wurde noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr gelöscht.— ,3® derselben Zeit machte ein Mädchcn in der Wohnung Wssf Dienstherrickaft in der Neuen Schönhauserstraße den Peifti®' fich mittelst Oleums zu vergiften. Es wurde noch lebend no® dem Et. Hedwigs-Krankenhause gebracht. Gerichts-Zeitung. Ein Echlafstellendteb der gefährlichsten Sorte nrurd« gestern durch Urtheil der vierten Ferienstrafkammer des Land' gerichts I für längere Zeit unschädlich gemacht. Der Fornitt Albert Karl Müller gehört zu denjenigen verhärteten Mr< blechern, welche, kaum aus dem Gelängniffe entlassen, fich solv« wieder an dem Eigenthum ihrer Mitmenschen vergreifen; ff" waren es Schlafstellendiebstähle, welche ihm die Vorstrafen euu getragen haben. Der Angeklagte erklätte mit zynischer Cflcn' heit, er habe wieder stehlen müssen, da es ihm, als einem ioede» aus dem Gefängnisse Entlassenen, nicht habe gelingen wolle», auf ehrliche Weise sein Brod zu erwerben Cr hat es f«11? gebracht, in einem Zeitraum von kaum drei Wochen fich vierw® eine Schlafstelle zu miethen und eben so oft hat er fich mit tc» Werthsachen seiner, meistens nur armen Wirthsleute heimlich fernt. In einem Falle nahm er sogar einen Regulator mit. Beute wurde schleunigst versetzt, indem er fich durch einen f«®' den, ebenfalls gestohlenen Pfandschein legitimirte. Als es d» Kriminalpolizei endlich gelang, seiner habhaft zu weiden,»» bekannte er fich aus freien Stücken zu einem schweren DicbM» den er vor Kurzem begangen, er sei durch ein offenstehende» Fenster in die Hofwohnung eines in der Schwedterstraße woh» haften Schuhmachers gesttegen und habe fich eine auf dN» Tische liegende Taschenuhr angeeignet. Die angestellten� Mittelung n bewiesen die Richtigkeit dieser Angaben. Staatsanwalt beantragte gegen den Unverbesserlichen% Zuchthaus st rafe von fünf Jahren, der Getichtfhvi erkannte auf dr ei Jahre Zuchthaus, fünf Jahk° Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Wissentlich falsche Anschuldigung wurde dem Echläch»* meister Karl Schramm zur Last gelegt, welcher vor der dnN� Ferienstrafkammer des Landgerichts i stand. Unterm 5. Mo» dieses Jahres richtete der Angeklagte ein Schreiben an d® Staatsanwalt, in welchem er um die Besttafung des PWf, Händlers Dreihig und des Maklers Kunze bat, welche ihn grober Weise vergewaltigt haben sollten. Der erstere hatte w'v am 17. Februar ein Pferd für 276 M. verkauft, auf welas» Preis er 30 M. angezahlt und das Restkaufgeld in WeäffL erlegt hatte. Bald nach dem Kaufe merkte Schramm, faß w"! ein kolleriges Pferd aufgedrungen worden sei und mach» dem Verkäufer hiervon Mittheilung, verlangte auch, faß"T Kauf rückgängig gemacht würde. Dreihig verlangte aber Nachweis der Koller-Krankheit durch die Attest der Th" arzneischule, welches Schramm auch beschaste. Auf fk ladung des Dreibig hin sollte darauf die Erledijp'i» der Angelegenheit in einem bezeichneten Restaurant erfolg-. als Schramm fich aber einstellte, fand er in dem Separatziwt». des bezeichneten Lokals nicht nur den Dreihig, sonvern a» noch zwei Fieunde desselben, den Makler Kunze und Schlächter Schmidt vor. Nach der Angabe des Schramm h»- ihm Dreihig das erwähnte Attest der Thierarzneischule Votst aus der Hand gerissen und es mit den Worten:„So,"„ können die mir gar nichts", in die Tasche gesteckt.&of» hatte Dreihig für die Rückgängigmachung des Geschäfts""jL der baaren Anzahlung von 30 Mk. noch die linterzeich»"*' ergehen. Schweigend und— was soll ich es leugne»« mit einem Gefühl von Behagen. Wer will mich Wer unter den Anfängern, Kollegen, denen es nach la»S Mühen gelungen ist, seine Schriften in verschiedenen BläsiKr anzubringen, denen es mit dem Streben bitterer Ernst, g die mit ihrem Wollen und Können noch im Stadium» TastenS sind, wer unter ihnen fühlt es mir nicht nach, U ich mich an dem mich umgehenden Enthusiasmus onsK"' erfreute und betäubte? Und so halb im Gefühl des hobenseinS, halb im Empfinden der Beschämtheit, 14"�# an meinem Verslein weiter, während meine Landrose» der hellen Stimme fortplauderte und— ich horchte � halb hin— eine Erzählung wiederzugeben schien. ,c, dem Kinderleben," hatte ich sie sagen hören,„aus dem � � derleben schreibt sie die reizende Sachen über Kinder_ rührend und ergreifend— wirklich! Erst neulich war Familienblatt wieder eine Geschichte von ihr." „Und die junge Dame erzählte, während ich Dich- die angedeutete Novellette her und— ich horchte»!$'..{, den Stoff, sondern wiegte mich in geschmeicheltem Wo?-> fallen über die Tiefe des Eindrucks, den meine Erzähl» 9 — es war klar— auf naive Gemüther zu machen»%,. Was soll ich es leugnen, daß mir diese Art von Huld'i) � erhebend war? Die Stimme des Mädchens erzählte m sie wurde allmähliz begeisterter und wirklich erregt: „Da kommt die Stelle das Kindchen am Fenster! vor Angst zusammen und Die kleine Erzählerin stockt und sieht auf mich die ich meinen Vers beendet habe und ihr mit einer � leicht gar zu entrüsteten Miene in's Antlitz sah. n\it< den Künstlerstolz— über die gekränkte Eitelkeit! 3# �jch, ihr mit erzwungenem Lächeln zu, und gewann eS iwer � ihr das Büchlein mit dem Autograph zu überreich*?- zu v errathen, ohne sie aufzuklären darüber, weder fi�stiid die begeisterten Hörer, daß die Erzählung, die sie ,.F mir zum Preise vortrug, die letzte reizende Nooellel" von— Hermann Heiberg. «nrt Wechsels über 30 Mk. verlangt. Den letzten Betrag wollte Dreihig als Kosten des Prozesses gegen den Lordefiyer des tolknmn Pferdes verwenden. Schramm weigerte sich, den Wechsel zu unterschreiben, j-tzt seien aber Dreihig Und Kunze unter gefährlichen Drohungen und mit erhobenen Fäusten und Stöcken auf ihn eingedrungen und um nicht gemißhandelt zu werden, habe er den Wechsel unterzeichnet. «chmrdt habe sich bei der Affaire ziemlich passiv gehalten. Auf die Denunziation des Schramm hin wurden Recherchen an- Kestellt und da diese etwas pofitro Belastendes für die Be- ttichneten nicht ergaben, so zog sich der Denunziant obige An- uage zu. Im Verhandlungstermine mußte Dreihig einräumen, daß er dem Schmidt 10 M. und dem Kunze 3 M. für ihre „Bemühungen" gegeben, konnte aber nicht in plaufioler Weise Meben, worin diese Bemühungen bestanden, da die Zeugen ssch außerdem in Widersprüche verwickelten, so hielt der Ge- "chtshos st« nicht für glaubwürdig und sprach den Ange- lutgten frei. , Stettin.(Ein gefährlicher Heiratsschwindler.) Die Ver« Handlung am 11 d. M-, in der eine Betrugssache abgeurtheilt «erden sollte, schloß, wie die„N. St. Z." mittheilt, mit einer lehr aufgeregten Szene. Angeklagt war der Piivatschreiber Kurtz aus Fürsten walde, 42 Jahre alt und wiederholt vorbestraft Born Jahre 1861 an haben stch preußische, bairische und württem- xi'gische Gerichte mit ihm beschäftigt.— Im August v. I. hatte der Angeklagte die ihm im Jahre 1881 vom B.eslauer Landgericht zuerkannte dreijährige Gefängnißstrafe verbüßt. In oem damaligen Prozesse simulrrte er zeitweise Geistesstörung und wollte die ihm zur Last gelegten strafbaren Handlungen, °>e in Heirathsschwindelcien bestanden, in diesem Zustande aeiübt haben. Er wurde einer Irrenanstalt überwiesen und ärztlichen Sachverständigen scharf beobachtet. Das Resul- «t dieser Untersuchung war, daß der Angeklagte als ein„ele- hanler Simulant" bezeichnet wurde. Mitte Februar d. I. kam �"•z nach Stettin, angeblich um hier durch schriftliche Arbeiten trinen Lebensunterhalt zu erwerben. In Wahrheit setzte er je- dach seine verbrecherische Thätigkeit fort. So licß er in aus- thattigen Blättem eine Anzeige veröffentlichen, nach welcher ame elternlose junge adelige Dame mit einem Vermögen von »00 000 Thalern, das theilweise in Bank- und Eisenbahnaktien aeponirt sei, stch mit einem Gutsbefitzer oder Offizier zu ver- ehelichen beabfichtige. Lfierten auf diese«reiche Partie" waren Unter Zuficht rung von Verschwiegenheit im Annonzen- dureau von Rudolf Mosse in Stettin niederzulegen. Auf dieses Inserat bissen zwei Rittergutsbefitzer und ein Sckonde- Lieutenant an. Der Angeklagte trat mit ihnen in Verbindung, muckte ihnen Photographien, die er fich hier zu verschaffen ge- BW hatte, nnd begann nun mit den Herren einen regen Schriftwechsel. Im Verlauf desselben forderte Kurtz Vorschüsse w seine Bemühungen und erhielt Beträge von 30, 40 und N M. Nach Empfang der Gelder hörte die Thätigkeit des Angeklagten auf und d'.e Betreffenden merkten gar bald, daß ne einem Schwindler in die Hände gefallen waren. K. wurde Ai 24. März in dem Äugenblicke festgenommen, als er den Schauplatz seiner Thätigkeit wieder verlegen wollte. Dabei «urde ihm auch einIgrößercr Geldbetrag abgenommen. Der Angeklagte, welcher auch im hiesigen Gefängniß in Bezug ?uf seinen Geisteszustand beobachtet worden ist, erklärte, er B«; das, was er zu verantworten habe, bei vollem Erstände ausgeführt und sei zu dieser Zeit nicht geistesgestört Mesen. Die Offerte, die er erlassen, sei aber kerne betrüge- 5'che, sondern eine ernstgemeinte gewesen. Ein Fräulein v. B. Me ihn beauftragt, ihr einen passenden Ehcgemahl zu ver- und er habe lediglich diesen Antrag ausgeführt. Er M bereits fieben derartige Parteien zu Stande gebracht haben. erster Zeuge wurde der Kriminalkommissarius Stürmer Wommen. Als derselbe bekundete, daß der Angeklagte ihm zugestanden habe, die ganze Heirathsgeschichte sei eine fingirte, «rang dieser plötzlich auf, überhäufte den Beamten, indem er Oer Lüge beschuldigte, mit den gemeinsten Schimpfworten, JW'ff dann das auf dem Platze des Vertheidigers stehende hölzerne Tintenfaß und warf es, ehe er daran gebindert .«»den konnte, nach Herrn Stürmer. Die Kleidung des Letz miirSn Vi** Afrt flofllVioH hls» f Hftnr 11 rtrfl rtPftPtl hl( liA? W der Angeklagte gegen den Gerichtshof mit ähn- �7," wüsten Schimpsreden, wobei er besonders den Etaatsan- ann. fachte. Als nunmehr die im Saale arwesendcn Be- stch auf den Angeklagten stürzten, um ihn an weiteren tv��reitungen zu hindern, wehrte sich derselbe heftig und ge- Unh s kirh wie ein Rasender. Dabei fiel die Anklagebank um auf �er Angeklagte wälzte fich zuletzt mit einem der Beamten A..~cr Erde. Erst den vereinten Anstrengungen einer Anzahl gelang es, den Angeklagten in die Zelle neben dem vm�. �le zurückzubringen. Die Verhandlung selbst wurde den&- T Der Angeklagte hat übrigens schon in der Zelle lick.�.'.'ninalschutzmann R., der ihn dort beiuchte, in, ahn- Qurf. beleidigt, so daß die gestrige Verhandlung sich u> mit drcsem Vergehen beschäftigen sollte. �iales mh Arveiterdemegung. fihun'e kchlimm es mit der Eisenindustrie i» Ober- der■>en aussteht, geht aus einer Erklärung des Auffichtsiaths stckta.."J�itzer Hütte, einem großen Werke, hervor. Der Auf- Ion«.° h schreibt:„Das Werk wird nicht außer Betrieb ge- di, V Es find ausreichende Betriebmitt'l vorhanden, und jur,�°h�kenproduttionskosten find pro Juli bereits erheblich « e r ��anaen. Für den laufenden Monat ist eine ratf> ier< Aebuftion wahrscheinlich. Der Aufsichts- bur* Gesellschaft richtet hauptsächlich sein Augenmerk darauf, Und vL«tfpomtffe in allen Zweigen der Verwaltung leh»»???..Betriebes das an und für fich günstig gelegene Werk «enn zu erhalten, und er würde gewissenlos bandeln, «ertk.-� öurch vollständige BetriebseinsteUuna das Werl ent- in(Ä!" würde."— Daß an solchen„Ersparnissen" die Arbeiter �rsizn»,�wte betheiligt find, ist selbstverständlich, ebenso selbst- EMvar»!* wie ste von einer Betheiligung an den wirklichen blossen solche Werke in guten Zerten machen, ausge- 9- August. Vor einigen Tagen mußte ein W m"jiaf dem Rott" wegen seiner Baufälligkeit, und zwar des&nnfnMu"? der Polizei geräumt werden. Der Abbruch dein unfllf Adst ist auch bereits erfolgt. Ein Theil der von leine Ii�.'w'llrgen Auszüge bettoffenen Familien hat bis heute dachlo�Ä�ß. sinden können und liegen dieselben nun ob« Freien umher. Die Leute Häven fich in der Nähe «arten„??? Wohnstätte regelrechte Feldlager eingerichtet und Aeihx' bessere Tage. Beklagenswerth sind gewiß in erster {linder PQcb{n' mit der schlechtesten Nahrung verpflegten W die mehrere im zartesten Alter stehen. Gestern "Uhr« n y" 3 Mädchen im Alter von 14 bis 16 ""/fl'flriffj« f.'u diese»Obdachlosen gehören, es». �. ffen und ttn städtischen Polizeig efängn iß unter- """" WO M** hea Schuld Vnv ist hier die unverschuldete Obdachlosigkeit nd tz,. daß junge Mädchen dem grauenvollen Elende >an wornno�unkenheit preisgegebm werden. Und da spricht � A«« Ä�ond immer das böse Wort aus: Selbstverschuldet! Zdustri. Lomnitz wird mitgetheilt, daß in der Wollen- Kohden, lornvahrend eine wesentliche Reduktion stattfindet. och bede�> üble schon außer Betrieb gesetzt find, find ?cn N...".?di Läger fertiger Waaren vorhanden, vor ürh.°uf eine erhöhte Geschäststhätigkeit nicht eintreten f v Ar d.�denhagcn schreibt man: Die Fabrikanten, welche Nd Sch°V"ausschluß der Maschinenarbeiter der')!<>!* beschlossen hatten, find cmoört darüber, daß wrmen, welche den Ausschluß verhängten, die Firma H. Rudolph Koefoed und Komp., fich mit ihren Arbei- tern über den streitigen Punkt verständigt hat. Die erwähnte Firma ist eine Altiengesell'chaft, und die Direktion glaubte im Interesse der Aktionäre gehalten zu sein, von der Verbindung mit den anderen Eisengießereien ic. stch lossagen« müssen. Die„Franks. Ztg." meint, die Hoffnungen der Arbeiter auf Durchführung ihres Krieges können hierdurch nur belebt wer- den. Für die durch den Ausschluß brotlos gewordenen Ar- beittr find bis jetzt 25 244 Kronen eingegangen. Auch aus Frankreich kommen schlrmme Nachrichten über dm Stand der Metallindustrie, die im nördlichen Frankreich bekanntlich weit ausgebreitet ist. Ueberproduktion und Reduktion der Produktion— Lohnreduktion und Arbeiter» entlaffungen, genau so wie in Deutschland. Kerewe«nd Versammlungen. Der Kachverein der Stellmacher hielt am 10. August in Scheffers Lokal, Jnselstraße 10, eine Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: Ersatzwahl von 2 Vor- standsmitgliedern, Verschiedenes und Fragekasten. An Stelle des bisherigen Schriftführers Herrn Rohtohl wurde Herr Elein gewählt. Als Nachfolger des seitherigen zweiten Vor« fitzenden Herrn Tausch wählte die Versammlung Hr. Schröder. Beim 2. Punkt der Tagesordnung:„Verschiedenes" entspann fich namentlich über die Handhabung der Arbeitsadreffenausgabe des Herrn Weimann, eine sehr lebhatte Debatte; an derselben bi tbeiligten stch wieder holt die Herren Rokohl, Einger, Glaubitz, Böhm, Graacke, Elein, Gelhar, Heider, Menzel und viele An- dere. Herr Rokohl schildert eingehend die Mißstände bei Ver- theilung der Arbeit durch Herrn Weimann und weist auf die Folgen hin, welche eintreten würden, wenn die Stellmacher- gesellen Berlins fich nicht in Bälde aufraffen zur Wahrung ihrer Interessen, wie es deutschen Männern und Berliner Ar- bester» geziemt. Herr Singer schließt sich dem an und macht dem Vorstande den Vorwurf, daß er nicht genug gethan hätte für die Verbrestung der Nachricht, daß der Fachverein der Stellmacher Berlins einen Arbeitsnachweis gegründet hat, daß die Arbeitsvermittelung unentgeltlich laut Statut für jeden arbeitsuchmden Kollegen geschieht, und daß der Arbeitsnachweis fich Lindenstt. 16 ttn R> staurarst bei Herrn Hammel befinde. Herr Elein nimmt den Vorstand in Schutz, erklärt aber gegenüber den von anderer Seite gemachten Ein- Wendungen, oaß N emand einen Stein auf die Kollegen werfen könne, die fich arbeitsuchend bei Weimann einfinden. So lange nicht die große Mehrzahl der Stellmacher Berlins von der Notwendigkeit einer festen Organisation durchdrungen sei, so lange es dem p. Weimann gelingt, die Arbeit in seiner Woh- nung auszugeben und sich noch Stellmacher finden, um diese letzte Arbeitsausgabe aufzusuchen, werde der Fachverein noch schwer Kämpfe und Opfer zu bringen haben. Es wurde der Beschluß gefaßt, der Ärbeitsausgaoe-Kommisfion das Amt auf ein Vierteljahr zu übertragen, da durch häufigen Wechsel der Mitglieder vre gewiffenhatte Ausgabe bedeutend erschwert würde. Von Herrn Menzel wurde der Antrag gestellt, zur Ver- anstaltung des diesjährigen Stiftungsfestes em Vergnügungs- Komitee zu wählen. Nach längerer Diskusston wurde derselbe angenommen und die Herren Hering, Paulik, Graacke, Freund, Gelhahr, Menzel und BachhanS gewähll. Diese Herren haben der nächsten Versammlung Bericht zu erstatten. Noch wurde bekannt gemacht, daß am Sonntag eine große Versammlung sämmtlicker Stellmacher Berlins, behufs Erledigung der Petition an den Reichstag, stattfindet. dfs. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Berliner Maurer hielt am Dienstag Abend rn„Sanssouci" eine von zirka 1800 Theilnehmern besuchte Versammlung ab, um zu der neuen„Vereinigung von Inhabern Berliner Bau- geschäfte" Stellung zu nehmen. Als Referent sprach Herr Baumeister Keßler. Redner entwickelte die Anficht, daß jene geplante Vereinigung den Berliner Maurern durchaus nicht gefährlich werden könne, vorausgesetzt, daß Letztere stch noch viel fester und allgemeiner organifirten und dem„Verein zur Wahrung der Interessen der Berliner Maurer" in Masse sich anschlössen. Der Jnnungs-Bund der Meister sei, so führte der Redner weiter aus, moralisch und materiell unterlegen. Von je her habe in diesem Jnnungs« Bunde ein den Gesellen feindseliger Geist das Regiment gehabt. Nunmehr habe sich aber auch in den Meister- resp. Unter- nehmerkreisen die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß die Innung zur Hebung des Handwerks unfähig sei und es ihr nimmermehr gelingen werde, die Mehrheit der Arbeitgeber für sich zu gewinnen. Jetzt suche man eine neue Vereinigung an ihre Stelle zu setzen, die voraussichtlich zu nichts weniger als zu einer wirklichen Einigkeit der Arbeitgeber führen werde, da die Mitglieder der neuen Vereinigung zum Theil aus den Mitgliedern des alten Jnnungs-Bundcs und zum Theil aus Gegnern desselben bestehen würden. Während die Einen die neue Vereinigung nur als eine Ueber- gangsform betrachten, wären die Anderen darauf bedacht, die Innung allmälig ganz von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Würde dagegen, was freilich ziemlich un- wahrscheinlich sei, die Innung vollständig in der neuen Unter- nehmer- Vereinigung aufgehen, so könnte letztere den Gesellen unter Umständen g! fährlich werden. Im Grunde genommen habe man aber trotz alledem Ursache, die neue Vereinigung freudig zu begrüßen, da die unfähigen Führer der Innung, der seitherigen Organisation der Merster, vielleicht doch durch intelligentere und einsichtsvollere Kräfte ersetzt werden könnten und in der neuen Vereinigung Leute an's Ruder kämen, die mehr Verständniß für die Arbeiterintercffcn hätten, wie die be- kannten„Macher" des Jnnungsbundes. Auch bafire die neue Organisation der Meister gleich jener der Gesellen auf dem Vereinsgesetze, während die Innung auf privilegirtem Boden fuße. Bezüglich des Statuts der neuen Vereinigung gab Redner mancherlei Bedenken gegen dasselbe Ausdruck, besonders in Betreff der zu stellenden Kautionen, die der Ansicht des Redners zufolge mit den gesetzlichen Bestimmungen der Gewcrbe- ordnung(§ 153) nicht in Einklang zu bringen sein dürften. Jeden- falls werde der Beschluß der Gründung einer neuen Vereinigung das Gute gehabt haben, die Vereinigung der Maurer zu stärken und zu einer großen und unwiderstehlichen zu machen. (Stürmischer Beifall.) Nunmehr müsse und werde jeder Ber- liner Maurer ihr beitreten, dafür müsse Jeder agitiren. An der Diskussion betheiligten sich die Herren Scheel, Weiß, Wille, B ehrend u. Ä., welche durchweg in demselben Sinne sprachen. Der Vorfitzende verlas dann noch einige Para- graphen des vom Bourath Böckmann verfaßten Statuts der geplanten Bauunternehmer- Vereinigung, das auch er einer Kritik unterzog, er bemerkte, daß auch seiner Anficht nach ein- zelne Bestimmungen desselben eine Verrufserklärung involviren und dasselbe daher von der Behörde schwerlich werde genehmigt werden können. Bei geschickter Leitung könnte der neue Ver- ein der Unternehmer den Arbeitern verhängnißvoll werden, be- sonders bedenklich sei in dieser Hinsicht der§ 7 des Statuts, bezüglich der Verlängerung der Kontrakte in Fällen von mehr als 14 Tage dauernden Streiks. Im Laufe der Diskussion wurde zu gewissenhafter Beantwortung der ausgegebenen Frage« bogen sowre zu regen Geldsammlungen für den Generalfonds aufgefordert und beschloffen, denjenigen Maurern, die bereits anderen Fachvereinigungen angehören, beim Eintritt in den Verein die Zahlung des Eintrittsgeldes zu erlassen. br. Eine öffentliche Versammlung der Zigarren- sortirer und Zigarrenarbeiter fand am Mittwoch m Siegmunds Restaurant, Lrmen>tr. 8, zu dem Zwecke statt, einen Bericht des Herrn Becker aus Hamburg entgegen zu nehmen. Derselbe berichtete im Wesentlichen Folgendes. Der .Ä stützung seiner Mitglieder bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit, in Krankheits- und sonstigen Notlffällen konstituirt. Von den ca. 300 in Hamburg existirenden Sortirern gehören 250 dem Vereine an. Fast alle Zigarrcnfabrikanten Hamburgs stehen dem Vereine wohlwollend gegenüber. Nur 2 Firmen nahmen bald eine feindselige Stellung zu dem Verein ein, schloffen die Arbeiter, die dem Vereine angehören, von ihren Fabriten aus und bemühten fich, Arbeiter von auswärts heran- zuziehen. Vor Kurzem haben diese zwei Finnen noch eine dritte auf ihre Seite gebracht und dieselbe veranlaßt, von den bei ihr beschäftigten Sortirern, welche Mitglieder des Vereins find, einen nach dem anderen zu entlassen, so oft als ein Ersatzmann, der nicht Vereinsmitglied ist, vorhanden war. Durch diese Taktik fanden fich die 15 noch in Arbeit stehenden Vereinsmitglieder bewogen, die Arbeit niederzulegen. Herr B. theilte dann noch mit, daß der Verein einen bedeutenden Unter stützungsfonds habe und im Stande sei, die gemaßregelten und streikenden Kollegen(zusammen 35) aus eigenen MUeln ausreichend zu unterstützen. Die Bitte, die er im Austrage des Vereins an die Berliner Kollegen zu richten habe, gehe nur dahin, daß fie den Zuzug von Sortirern nach Hamburg verhindem möchten. In der Diskussion sprachen zwei Zigarren- macher fich sehr mißbilligend darüber aus, daß die Zigarren- sortirer, anstatt fich dem allgemeinen Verbände deutscher Ta- hakSarbeiter anzuschließen, ihre besonderen Vereine noch aufrecht erhalten wollen. Alle anderen Redner traten für den Hamburger Verein ein. Das Ergebniß der Verhandlungen war die fast einstimmige Annahme einer Resolution, in welcher die Versammlung das Vorgehen der genannten Fabrikanten für inhuman erklärt und fich verpflichtet, den Hamburger Zi- aarrensortirer Verein zu unterstützen und den Zuzug von Berliner Sortirern fernhalten zu wollen. In der letzten Delegirten-Versammlung der Schlosser und Berufsgenossen wurte beschlossen, die Zahlstellen durch folgende Herren zu besetzen: Zahlstelle 1. Hüther, Rüders- dorferstt. 8, v. ni Dr.; Zahlstelle 3. Ledertheil, Schleier- macherstr. 6, v. 1U Tr.; Zahlstelle 4. Günther, Bülow- straße 60, Quergeb. 1» Tr I.; Zahlstelle 5. Hartmann, Dorotheenststr. 3 1, v. Hl Tr.; Zahlstelle 6. Rübe, Zions» kirchfir. 55; Zahlstelle 7. Krüger, Weinstt. 31, v. IV Tr.; Zahlstelle 8. R ogatt, Sophienstt. 28,29, Quergeb. i. Keller 7 Zahlstelle 9. Eli s, klein beerenstr. 25. Der Zahlungsmodus wird wie bisher beibehalten und bittet die Lohnkommisston der Schlosser um recht rege Theilnahme, gleichzeitig um zahlreichen Besuch der am Montag, den 17. August, Abends 8>-, Uhr, bei Gratweil, Kommandantenstr. 77/79, stattfindenden Generalver- sammlung. Näheres Sonntag an den Anschlagsäulen. Fachverein der Drechsler. Knopfarbeiter und verw. Berufsgenossen. In der Mrtgliederversammlung. welche am Dienstag, den 11. August, im Königstädtischen Kasino, Große Frankfurterstr 77, tagte, erstattete zunächst der Kasstrer Bericht über die gesammte Einnahme sowre Ausgabe des Fachvereins, darauf wurde demselben die Decharge ertheilt. Nachdem erstattete der Vorsitzende einen ausführlichen Bericht über die bisherige Thätigkeit des Vereins, dieselbe war in der letzten teil etwas weniger lebhaft, weil der Vorstand hoffte, eine inigung mit dem Verein zur Wahrung der materiellen In- tereffen der Drechsler und Berufsgenossen herbeizuführen. Nach- dem aber die Mitgl eder in der letzten Generalversammlung den Beschluß faßten, den Titel des Fachvereins nicht zu ändern, sondern wünschten, daß die Drechsler unter dem jetzigen Titel dem Ve? ein beitreten, sah fich der gesammte Vorstand genötdigt, sein Amt niederzulegen und wurden darauf neu gewählt: I. Hildebrandt und E. Ueckermann zu Vorsitzenden; Emmer- ling und Flegel zu Rendanten; Altmann und Hoffmann zu Schriftführern- und zu Beisitzern die Mitglieder M. Grahl, Bleichcrt und Bohne Nachdem dann der seitherige Vorstyende noch einige neue Mitglieder begrüßt und der neue Vorstand sein Amt angetteten hatte, wurden noch einige unwichtige Sachen erledigt. dt». Die Vollziehung der am Sonntag beschlossenen Bausperren betreffend, wird uns von der Stteillommisfion der Maurer versichert, daß die in einzelnen Organen der hiesigen Tagespresse über diese Angelegenheit enthaltenen Angaben durchaus unzutreffend find. Bezüglich des„beispiels- weise" angeführten angeblichen Vorkommnisses, daß auf dem Marlthallcnbau in der Zimmerstraße— der„Nat.- Ztg." zufolge— von 80 dort beschäftigten Maurern nur 30 am Montag die Arbeit niedergelegt hätten, ist zu bemerken, daß dieser, so viel wir wissen, den Maurermeister Krebs überttagene Bau bei den am Sonntag defignirten Bauten überhaupt nicht in Bettacht gezogen war. Es handelt fich bei dem betreffenden Falsum, wie es scheint, einfach um eine Verwechselung des Maitthallenbaues in der Zimmerstraße mit dem die Straßen- front bildenden Privat Vorbau Zimmerstr. 90 91, welcher dem Maurermeister Eckest übertragen ist und auf welchem, in Folge des am Sonntag gefaßten Beschluffes sämmtliche dost be- schäftigten 23 Maurer, nachdem die 5 Mark-Forderung nicht bewilligt worden, die Arbeit eingestellt haben. Falsch find auch mehrere, die für die Bausp-rre zunächst in AuSficht ge» nommenen Bauten betreffenden Angaben einiger Zeitungsoe- richte über die jüngste Maurerversammlung am Sonntag auf „Tivoli." Beschlossen wurde die Sperre, nach Befragung der Betreffenden, nur auf 7 Bauten, da von 3 der damals notisten 10 Bauten keine Maurer in der Versammlung anwesend waren. lieber den Vollzug der Sperren find der Kommission bis jetzt folgende zuverlässige Meldungen zugegangen: 1. Auf dem Bau Oranienburgerstraße, Ecke der Artillestesttaße(Vost-Ge- bäude) beim Maurermeister Damus, haben von 30 Maurern 23 die Arbeit niedergelegt! 2. Schönbauscisttaße«Ecke Linien- straßel bei Maurermeister Wolfs, sämmtliche 21 Maurer; 3. Dragonerstraße 10, bei Maurermeister Wolff, alle 9 Maurer; 4. Zrmmerstr.90/9l, bei Maurermeister Eckest, alle 23 Maurer- 5. Danzigersiraße, Gasanstalt, beim Maurermeister Eckest, alle 16 Maurer; 6. Straußbergerstt. 6, bei Maurermeister Etägemann von 28 Maurern 27; 7. Friedrichstraße 18, bei Maurermeister Eckest, haben von ca. 19 Maurern einige die Arbeit niedergelegt, einige nicht; genauere Nachrichten fehlen noch. Schließlich rft noch hinzuzufügen, daß, ganz im Gegensatze zu jenen Zeitungs- Nachrichten der erfolgte Vollzug der Bausperre eine größere Anzahl der Meister veranlaßt hat, ihren sämmtlichen Maurern den Lohn von 5 M. zu bewilligen. Die Namen der betreffenden Meister werden noch verönentlicht werden. Höchst unbe» gründet ist die in der„Natt-Ztg." ausgesprochene Annahme, daß sich„die Majorität der Maurer um die von verschwinden- den Minoritäten gefaßten Beschlüsse gar nicht mehr kümmere." Ueber die zu vollziehenden Bausperren wurde überhaupt nicht willkürlich beschlossen, sondern erst nach Abgabe eines Votum« der auf den qu. Bauten Beschäftigten Beschluß gefaßt. Künftig wird aber so viel wie möglich dafür gesorgt werden, daß die betreffenden Maurer der in nächste Aussicht für die Sperre genommenen Bauten auch in der betreff enden Versammlung so zahlreich als möglich einfinden. Plauen, den 9. August. Die für gestern im Saale deS PraterS angekündigte Volksversammlung, wozu sich etwa 800 Personen aller Stände eingefunden hatten, wurde pünktlich 9 Uhr eröffnet. Nach Erledigung der üblichen Burcauwahl begann Herr Reichstagsabgeoidneter Grillen- b er g er seinen angekündigten Vortrag über das von sozialdemokratischen Abgeordneten im Reichstage eingebrachte, aber nickt zur Berathung gekommene Arbeiterschutzgesetz und die Petrtionsbewegung hierfür. Herr Grillenberger verstand es, in zweistündiger fließender Rede in maßvoller Weise Kritik an den zur Zeit herrschenden Mängeln deS Arbeiterschutzes zu üben, und suchte den Beweis zu führen, daß diese Mängel durch Annahme eines Arbeiterschutzgesetzes, welches unter An- derem die Einführung einer verbesserten und erweitesten Fabrik« aufficht, eines MaximalarbeitStages, eines Minimallohnes und W« Abschaffung der EonntagSarbeit bezwecke, beseitigt würden. Die Ausfübrungen des Redners fanden während des Vortrags, sowie am Schlüsse Beifall. Der Zentral-Vorstand der Zentral-Kranlett- und Bearäbnißtasse der Buchbinder und verwandte Geschäfts. zweige(E. H) macht in der„Deutschen Buchbinderzeiluna" folgendes bekannt:„Die gesteigerten Ansprüche an unsere Kasse machen es nothwendig, die infolge Restiren S ausstehenden Be- träge pünktlicher einzugehen. Wir ersuchen deshalb alle Vor- stände der örtlichen Verwaltungsstellen, von jetzt ab nach§ 5 Absatz a des Statuts diejenigen Mitglieder, welche länger als 6 Wochen Beiträge schulden ohne um Stundung nachgesucht oder solche erhalten zu haben, auszuschließen."— Wir ersuchen daher alle hiesigen Mitglieder unserer Kasse, so schnell als möa- lich ihren Verpflichtungen nachzukommen, ev. von dem§ 17 Openn die in diesem Paragraphen angezogenen Fälle vorliegen) G«b,auch zu machen. Im anderen Falle sieht sich der Vorstand vetpflichtet, dem Wunsche des Zentral Vorstandes im Interesse der Kasse nachzukommen. Die Zahlstellen find nach wie vor täglich bei P. Schneider, Blumenstr. 29 im Laden, ferner bei Otto Schneider,?iaunynstr. 60 im Keller sowie jeden Sonn- abend von 3'/, Uhr Abends ab Alte Ja'obstr. 120; Dresdenerstraße 38 bei Koch. Grüner Weg 13 im Eichkatzenkeller nnd Rosenthaler- und Weinmeister-Straßen-Ecke in der Destillation bei Schröder geöffnet. Der Vorstand der örtlichen Verwaltung Berlin. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeiter(E. H. Hamburg) Filiale l Berlin. Monatsversamm- lung am Eonnabend, den 15. August, Abends 8'/, Uhr, im Saale des Herrn Rothacker, Teltowerstr. 3. Beiträge werden angenommen. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Tischler u. s. w. (örtliche Verwaltungsstelle Berlin ö.). Mitglieder-Versammlung Sonntag, den 16. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, in der Gr. Frankfurterstr. 117 bei Wulf. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Arzt- und Medizinfrage für arbeitsfähige Kranke. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch wird wegen der wichtigen Tagesordnung gebetm. Das Mit- gliedsbuch legitimirt.— Billets zu dem von der Kasse ver- anstalteten Sommerfeste, welches am Montag, den 17. August, in der„Neuen Welt"(Hasenhaide) statlsindet, find in der Ver- sammlung zu haben. Der etwaige Ueberschuß ist für die länger als ein Jahr krank darniederliegenden Mitglieder be- stimmt. Der Gauverein Berliner Bildhauer veranstaltet am Sonntag, den 16. August, eine Exkursion zur Besichtigung des Schönhauser Schlosses, verbunden mit Landpartre. Zu- sammenkunft am Hackeschen Markt Morgens 8'/, Uhr, weiteres Rendezvous 9'/, Uhr in Pankow. Der Unterstützungsverein der Buchbinder it. hat zum Sonntag, den 16. August, eine große Maffenpartre nach Fridrichshagen lMüggelschloß) veranstaltet. 3 Dampfer mit Musik gehen an diesem Tage Morgens früh 7'/« Uhr von der Jannowiybrücke aus ab. Kollegen sowie Freunde anderer Gewerkschaften werden hierzu freundlichst eingeladen, unter Hinweis auf die großartigen Vorkehrungen, welche der Verein gekosten hat, um alle Theilnehmer auf das Beste bewirthen zu können. Billets sind noch zu haben bei Kerkhoff, Alexan- orinenstraße 103, v. l. Freudenreich, Sebaftianstraße 34, H. 1. Paul Schneider, Blumenstraße 59, im Laden, sowie an der Jannowitzbrücke selbst vor der Abfahrt. Verein sämmtlicher Berufe(eingeschriebene Hilfskaffe 4). Eonnabend, den 15. August, Abends 8V, Uhr, Mitglieder- Versammlung Flottwellskaße und Karlsbad- Ecke der Kuß. Mitglieder werden daselbst oder beim Kasstrer O. Zopff, Steg- litzerstraße 92, Abends von 8- 9'/, und Sonntags von 1—3 Uhr aufgenommen.. �„ Allgem. Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeiter(e. H. 29 Hamburg, Filiale 8 j Gesundbrunnens). Wegen des am Sonnabend, den 15. August, stattfinden Sommerfestes fällt an diesem Tage der Zahlabend aus und werden dafür am Sonntag, den 16. August, Vormillags von 10—12 Uhr, Beikäge im Zahllokal angenommen. Vermischtes. „Zur neuen Herberge". Das Vergnügungslokal„Zur neuen Herberge", drei Stunden von München entfernt, welches heute ein gern besuchter Ort ist. an welchem sich auch die Münchener und Fremden in der Umgebung von frisch- grünen Wiesen und dustenden Nadelwaldungen an einem vorzüglichen Biere aus dem tönigl. Schleißheimer Brauhause laben, hat, wie uns ein Münchener Korrespondent schreibt, eine grause Ge- schichte, welche durch Gerichtsakten zu belegen ist. Die Sache wird uns folgendermaßen berichtet: Unweit von Schlerßheim liegt ein Wirthschastsgebäude, umgeben von Waldungen. Feldern und Wiesen, früher im Volksmunde genannt„zur kalten Herberge", welcher Name aber in der Neuzeit ln„Zur neuen Herberge" um- geändert wurde. Dies Wirthshaus stand in alten Zerten m üblem Rufe. Kaufherren, Bürger, Handwerksgesellen und andere Rei- send«, welche auf der Postfiraße nach Pfaffenhofen und Ingolstadt wanderten, waren auf unerklärliche Weise verschunden, und aller Nachforschungen ungeachtet konnte Niemand mehr erfahren, wohin sie gekommen. Da geschah es vor etwas mehr als 100 t ohren, daß ein Viehhändler aus München, Namens Benno chleitner, von einem entfernten Vühmarkte heimkehrend, reich- lich mit dortselbst erlöstem Gelv versehen, unfem München von einem stürmischen November-Abende überfallen wurde und sich entschloß, im Winhshause„zur kalten Herberge" zu übernachten. Angelangt in der Wirthsstube setzte er sich an einen Tisch nahe dem behagliche Wärme ausströmenden Kachelofen und legte sorgsam seine wodlgefüllte Geldgurte neben sich auf die Ofen- bank. Müde und hungrig geworden, labte er sich an dem guten Biere, das ihm sofort gebracht wurde, und bald darauf setzte ihm der Wirth auch eine tüchtige Ponion Schweins- knöchel in saurer Brühe vor. Achleitner begann in das Esten tapfer einzuhauen; doch wie erschrak er, als er mit einem Male ein Knöchelchen aus der Brühe hervor- zog, welches die große Zehe eines menschlichen Fußes war! Hermlich und unbemerkt wickelte er alsogleich die Zehe in sein Schnupftuch und steckte sie in die Tasche. Dann kank er rasch sein Bier aus, dezahlte seine Zeche und obwohl der Wirth ihn bei dem schlechten Wetter mit schönen Worten zum lieber- nachten zu bewegen suchte, begab er sich, seinen getteuen. großen Hund an der Seite und seinen mit Eisen beschlagenen Wander- stock fest fassend, eilig wieder auf den Weg nach München, wo er in später Nacht eintraf. Gleich des Morgens meldete sich Achleitner bei dem geskengen Herrn Sladtoberrichter Franz Püttiich und referirte ihm getreulich den Vorfall unter lieber- gäbe des corpus delicti. Aber die„kalte Herberge" gehörte nicht zum Stadtbezirk München, sondern unter die Gerichts- barkeit des Landgerichtes Dachau. Sofort sendete daher der Stadtoberrichter einen eigenen Boten an den Landrichter von Dachau ab, und schon wenige Stunden darauf erschien eine Gerichts-Kommission, beglettet von Gerichtsdienern und bewaffneter Mannschaft, in ver„kalten Herberge", wo sogleich der Wirth nebst seinen Hausgenoffen in Ketten gelegt wurden. Bei der zugleich vorge- nommenen Hausvurchsuchung fand sich nicht nur in verschiedenen Schlupfwinkeln eine große Anzahl von Gegenständen vor, welche den unglücklichen Opfern geraubt worden waren, son- dem in dem Keller noch eine ziemliche Portion eingepökelten Menschenfleisches. Weitere Nachforschung brachte in dem nahen Moose, nur oberflächlich versteckt, menschliche Knochen zu Tage. Die ganze Mördergesellschaft, bestehend aus dem Wirthe, seinen zwei Söhnen und Töchtern, einem Knechte und einer Magd, wurde am Landgerichte zu Dachau prozessirt. Unter ver Tortur gestanden sie ein, daß sett einer Reihe von Jahren über 40 Personen, welche bei ihnen übernachteten, in ihren Schlafkammern überfallen und gemordet wurden, das Fleisch der Ermordeten aber eingcsalzen, geräuchert, verwerthct und sogar nach München verkauft wurde. Durch Urtheilsspmch wurden fünf der am meisten aravirten Verbrecher, darunter der Wirth und seine beiden Söhne, lebendig gerädert, die Uebrigen enthauptet. Lachen und Weinen. Das„N. W. Tagbl." erzählt: Das ist eine Geschichte von einer Premiere im Burgthcater, und man kann nicht gerade behaupten, daß sie ganz zeiigemäß käme. Aber sie ist wahr und sie hat uns so gut gefallen, daß wir glauben, sie immer erzählen zu dürfen. Man spielte also eine Premiere, zugleich das Erstlingswerk eines jungen Dichters. Im Hause herrschte behaglich heitere Stimmung, denn das Stück, ein poesievolles Lustspiel, gefiel; es gefiel über die Maßen und zuweilen ging ein heller Slrom von Lachen durch den Raum, der Alles überfluthete und dessen Wellen zu der Bühne hinüberschlugen, daß auch die Darsteller die Heiterkeitsttahlende Stimmung überkam, und der fröhliche, freudige Ucbermuth in dem, was sie thaten und sagten, wie aus innerer Glückseligkeit herauszuquellen schien. In einer Loge saß ein frisches, blond» haariges Mädchen, dessen silbernes Lachen wie eine Melodie über den Begleitstimmen der Anderen schwebte— in der Loge nebenan eine alte Frau mit mildem, feingeschnittenem Gesichte, die un- verwandt nach der Bühne sah und über deren gefurchte Wangen Throne an Thräne zog, still und stetig. Das sah die Kleine und da fiel auch schon der Vorhang und donnernder Beifall zog durch das Haus- Zweimal, dreimal kam der Dichter heraus, zum Glücke von den Schauspielem geleitet, sonst wäre er wohl nicht wieder heil hinter die Koulissen gekommen, so wenig wußte er, wo er auf den heißen Brettem ging und stand. Und dann wurde Ruhe und die Leute strömten hinaus in den Foyer und die Logenthüren flogen auf und der Logengang bevölkerte sich. Unser Mädchen war auch herausgetteten und da stand es der alten Frau gegenüber, auf deren Antlitz ein feuchter Schimmer lag, wie wenn der Regen über eine Landschaft gezogen ist, und nun küßt die Sonne seine Spuren von.den Gräsern. Ein kurzes Zögern— dann tritt sie resolut auf die alte Frau zu: „Sie vci zeihen, Alle waren so froh und Sie haben geweint?" —„Ach, liebes Kind," war die freundliche Antwort,„der Dichter ist ja mein Sohn!"... Das Mädchen fiel der alten Frau um den Hals und küßte sie und brach in lautes Weinen aus, und die alte Frau— die lachte jetzt, herzlich und tief, und sie weinte dazu und küßte daS Mädchen auf beiden Wange« das ist unsere wahre Geschichte. Der Dichter ist jetzt ein Hai' rath und kann sie bestätigen. Ein Hofrath wird doch ein volb wichtiger Zeuge sein.__ Kleine Mittheilungen. I« Sermsdorf verunglückten gestern zwei bei den dar- tigen Bahnbauten beschäftigte Arbeiter dadurch, daß die hw leren Bretter der Draisine, auf der sie saßen, nachgaben; die Beiden stürz: en herunter und wurden von der Draisine über- fahren. Schwer verletzt wurden Beide in Tragkörbm nach einem Berliner Krankenhaufe befördert. Nordhausen. 13. August. Gestern ist der Befehl zur Hrnrichtung des vom hiesigen Schwurgericht zum Tode ver- urtheitten Raubmörders Emflius Hille aus Sollstedt hier einge- Kossen. Dieselbe wird Freitag früh 6Uhr im Hofe des hiesige« Landgerichtsgesängniffes vollzogen werden. Der noch nicht voll 31 Jahre alle Delinquent, welcher in Sollstedt als Knecht diente und eine Frau mit zwei kleinen Kindern hinterläßt, hatte am Abend des 26. November v. Js. den Handelsmann Ferdr« nand Psitzenreuter auf der Chaussee bei Sollstedt in grau- samster Weise ermordet(der Leichenbefund erwies nahe an 80 Wunden) und denselben seiner in 372 M. bestehenden Baar- schaft beraubt. Die morgen erfolgende Hinrichtung ist die erste, welche in unserer Stadt, seitdem sie aufgehört hat eine freie Reichsstadt zu sein, vollzogen wird, also auch die erste in diesem Jahrhundert. .. Wien. 11. August.(Unglücksfälle bei Bauten.) Dem bei emem Baue mit Reparatur-Ardeiten an dem Hause Nr. w in der Rothenthurmskaße beschäftigten Arbeiter Joseph Hart! widerfuhr heute Vormittags das Unglück, mit einem Pfosten, der sich aus dem Mauerwerk losgelöst hatte, auf die Straße herabzufallen. Hartl zog sich bei dem Sturze keine Verletzungen zu, fiel jedoch auf einen eben die Straße passirenden fremden Herrn, der zum Glücke nur mit mehrfachen Kontusionen am Ellbogengelenke_ und leichten Hautabschürfungen davonkam- Der Fremde weigerte sich entschieden, seinen Namen zu nennen, und gab an. im Hotel„zur Stadt Trieft" zu wohnen. Die Frei» willige Rettungsgesellschaft verband ihm die Wunden, woraus er von einem Komsortable in das genannte Hotel gebraldt wurde.— Seit einigen Tagen wird das Haus Nr. 3 des Hol Zuckerbäckers Demel auf dem Michaelerplatze renovirt, weshal» oberhalb der Einfahrt ein Gerüst errichtet ist. Heute, um >1 Uhr Vormittags, arbeitete auf demselben ein ungefäM 50jähriger Maurer, als plötzlich einer der Stützdalken mitü« entzweibrach, wodurch ein Theil des Gerüstes einstürzte der auf dem Gerüste arbeitende Maurer vom ersten Stockwerke auf das Straßenpflaster herabfiel und bewußtlos liegen blieb- Der Mann, welcher schwere Verletzungen am Kopfe, am Halst und an den Füßen erlitten hatte, wurde in d e Einfahrt ge° tragen, nach einiger Zeit zum Bewußtsein gebracht und soda«« in das allgemeine Krankenhaus überführt. Sriefkasten der Redaktion. H. D. Sie haben die rückständigen Beiträge zu zahle«- R. SR. Die Wirthin ist im Recht. M. B. 1. Nein. 2. Sie haben die in der Vereinbarung bestimmten Raten zu zahlen. M. S. Sie rönnen die Sachen so lange zurückbehalten, bis der Lohn bezahlt wird. Lagergeld können Sie beam spruchen. F. S. Ihnen kommt der Eid zu, daß die Kündigungsfw ausgeschlossen ist. E. O. Mit der Ehescheidungssache hat die angeregte A«' Lehmann. 1. Nein. 2. Amtsgericht I Moabit. 3. Zeh« Mark. Peters. Sie werden wohl einen sogen. Berliner Mieth� vertrag unterschrieben haben. In demselben ist gewöhnlich be« stimmt, daß der Miether die von Ihnen benannte Reparatur zu tragen hat. Findet sich eine derartige Bestimmung im Ver« kage nicht, so liegt die Reparatur dem Vermiether ob. Stand. Sie haben gar keine Ansprüche dem Eigenthümrc des Platzes gegenüber, da das mündliche Uebereinkommen reflü lich nicht von Belang ist, wenn Sie vereinbart haben, daß Vertrag schriftlich gemacht werden soll. P. K. 1) Ein Ehescheidungsgrund liegt vor. 2) Für W Kosten ist die Frau mitverhaftet. Der Fiskus hält sich an de«« jenigen, von welchem er etwas erlangen kann. , S. P. Sie können lediglich gegen die Inhaber der jetzigen Firma, sofern dieselben das Engagementsveihält«'? lösen und sie eine anderweitige Stellung nicht finden, Zahlung des Gehalts klagen. Weitere Mittel haben Sie ist' setzlich nicht an der Hand. ,» Alter Abonnent Adalbertstraße. 1. Nein. 2. Es'« nach dieser Richtung noch keine Bestimmung gettoffen. Theater. Opernhaus. Heute: Die Stumme von Portici. Schauspielhaus. Heute: Keine Vorstellung. velle-Allianee-Theater. Heute: Sein Steckenpferd. Neues Ariedrich-Wilhelmstädtische« Theater. Heute: Der Großmogul. Osteud-Theater. Heute: Mutter und Sohn. Central-Theater. Akte Jakobskaße 30. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Zum 14. Male: Die wilde Katze. Gesangsposse in 4 Akten von W. Mannstädt, Musik von G. Steffens. Todeei Anzekge 11865 Den Mitgliedern der Kranken- u. Begräbnißkasse für die im Berliner Gürtler- u. Bronzeurgewerbe beschäftigten Personen(e. Hilfsk. 60) zur Nachricht, daß unser werther Kollege Karl Pape am Dienstag plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet Freitag Nachm. 5 Uhr vom Alten Louisenkirchhof, Bergmannstraße(neben Keller's Hofjäger), aus statt. Um rege Betheiligung bittet Der Vorstand. Arbkitsmarkt. der auf Hausarbeit eingerichtet T,galttWacher.�2«'j�''7M Korbmacher auf Natur- u. Schunen-Arbeiten verl. Blume, Lrandenburgsk. 25._ Zur Anfertigung von[1864 Damen- und Kinder-Kleidern empfiehlt sich>«>» Hnnzlgcr, Puttkamersk. 3, Hof II. r. Ein Klavierspieler empfiehlt sich zu allen fest» M lichen Gelegenheiten(Landparthien u. s. w.) Gef Adr. sub X. Y. Z. in Ver Exped. d. Bl. erbeten.[188 Dneul der Zastler n. Ifldjgenoffcn. Sonnabend, den 15. August, Abends 8'/, Uhr, in GratweU's Bierhallea, KommandantensK.77/79. Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über das Arbeiterschutzgesetz. Ref.: A. Steindorff. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekaslen.[1868 Gäste sind willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vor st and. Mitglieder-Versammlung des Vereiks)ur Wahrung der Zutenssen der Klavier arbeiter Sonnabend, den 15. August. Abends 8 Vi Uhr, Kommandantenstr. 77/79. Tagesordnung: 1. Erläuterungen über daS Arbeiterschutzgesetz. Referent: Herr M i ch e l s e n-[1867 2. Innere Vereinsangelegenheiten und Fragekasten. Die Mitglieder werden ersucht, die Billets vom Sommer- Fest so schnell als möglich zurückzuliefem, damit die Abrechnung bald erfolgen kann. Gäste willkommen. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vor st and. Zu der am 16. d. Mts. stattfindenden Dampferpartie des Unterftützungsvereins der Buchbinder find noch Billets zu haben bei Kerkboff, Alexandrinen- straße 103, v. 1.; Freudenreich, Sebastianstr. 34, H. I.; Paul Schneider, Blumenstr. 59, im Laden, sowie an der Jannowitzbrücke vor der Abfahrt um 7V« Uhr früh.[1866 Itllnnurt Solm, Nachf. Th. Lammers Kommandantenstraße" mm Nur 1 Treppe. hochelegant, mit anschl. 's.( NCnnl Nebenräumen z.Kranzch., 72, UPllllf Bällen, Kommersen, Ver- ' samml�c.z höchstsol.Bed. j[rl>.-Sk).-Vtrem f. d. Olle« Kerli«». Tonntag, den 16. August. Nachmittags i Uhr: Familienpartie nach Friedrichsfelde. Abfahrt vom Schlestschen Bahnhof.,.» Da dieses die letzte Familienpartie in diesem Jahre so bittet um recht rege Betheiligung der Mitglieder als der Gäste._ l' _ Das Vergnügungs-Komi• An die Zimmerer Berlins. Listen und Flugblätter zur Petition der Zimmere lins betreffs Annahme des Arbeiterschuügesetzes I>« in jeder Versammlung der Zimmerer, bei dem Unterzeichne� \n jcuci. �cijammiung uei o�nmeter, nei oem unitl3, ßrtl> und in dessen Wohnung in Empfang zu nehmen. Ebenso N« die ausgefüllten Listen bei dem Unterzeichneten abzulicst. VfcV U4S4VII VV» WIU«.4, t IU# U V � t U WVO"- Es ist Pflicht eines jeden Berliner Zimmerers, dafür zu sorg?» jedem Bau eine Liste zur Unterst brensacke eines ieden Zimmerer Petition zu unterschreiben. daß auf jedem Platz und ausliegt. Ebenso ist es ) jedem Bau eine Liste zur Unters« Ehrensache eines jeden Zimmerer», � wmtnuy-ttvtN. L j Hugo Lehmann, Rügenerstraße 39, Hof, W MmM No. 96 Dresdenerstrasse No. 96, werden Anfangs Oktober eröffnet. Dieselben, ca. 2000 sonen fassend, find unter koulanten Begingungen an%i5 eine w. zur Veranstaltung von Festlichkeiten zu vergebenN� Meher's gr. Lexikon, 3. Aufl., wird zu kaufen gesu�, Offerten mit Preisangabe find abzugeben bei Graß, straße 38, Hof 3 Tr._____[T Gesucht wird für ein nachweislich TtS�& Geschäft ein Kompagnon mit einer Em von mindestens 6000 Mk. Adr. sab H. N. 2 in der aft pedition dieses Blattes erbeten.' Verantwortlicher Redakteur K. Srouheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin 8W, Beuthstraße 2.