W Kr. 189. Kotmsl»e«d, de« 15. August 1885. II. Jahrg. friintrHollistilnll Lrga» für die Interesfen Ärr Arbeiter. ♦ Da«„Berliner Volttblatt" Mchemt täglich MorgeuS außer»ach Sonn- und Festtage». Abonnementtprei« «erlin frei in'« Hau« vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. "oßabonnement 4 Mf. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Siagetragen in der Postzeitunglpreisliste für 1885 unter Nr. 746.) JnfertioaSgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größere« Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi« 4 Uh» Nachmittag« in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Amwmce», Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. Kedaktio«: Keuthstraße 2.— Grpedition: Zimmerstraste 44. Der heutigen Nummer liegt für unsere auswärtige« Abonnenten die Nummer 3? des„JllnstrtrteS Tonn- tagsblatt" bei. Die Zewllihe der Kussm. Während unsere chauvinistische Presse sich über die an- ßeolichen Revanchegelüste derfranzösischeuRepublik �Mer noch nicht beruhigen kann, vollzieht sich bei unserem Wichen Nachbar eine„Revanche", die für Tausende unserer Volksgenossen sehr unheilvoll werden kann. Die Russe« beginnen sich für die Massenausweisung russisch- Polnischer und russischer Unterthanen au« Preußen zu bevanchiren. Da« war vorauszusehen. Al« vor einiger Zeit «chntinformirt«" Blätter behaupteten, diese Autweisungen Sjeschähe» im Einverständniß mit der russischen Regierung, ba begegnete diese Mittheilung einem allseitigen gerechten Jaunen. Heute sieht man nun, daß Rußlaad keineSweg» flssonnen ist, auf Gegenmaßregeln zu verzichten. Eine Re- Sprung, welche mit der Maßregelung ihrer im Autland Abenden Staatsangehörigen durch andere Regierungen sich �verstanden erklären wollte, wäre auch in Rußlano ?bum denkbar, so lange sich diese Staatsangehörigen nicht T® Kriege mit der einheimischen Regierung befänden, wie !*b>a im Falle einer Revolution, die von Außen hereinge- ?a«en«erden sollte. Allein die au« Preußen ausgewiesenen Mischen Unterthanen sind oder waren politisch höchst Mmlose Leute, die sich nur um ihren Erwerb kümmerte». Die Regierung hat durch ihren Vertreter im Abaeord« enhause und auch in ihren Preßorganen erklären lassen, v; Ausweisungen geschähen, um die deutschen Arbeiter gege» �.Konkurrenz der russischen zu schützen, die billiger arbeiten 7?« die Löhne drücken. Ja, dann müßte man aber auch italienischen, schwedischen, ungarischen und czechischen Meiter ausweisen, denn diese machen den deutschen Ar- W?» dieselbe Konkurrenz wie die russischen. Und die au»- s�iesenen Studenten und Kaufleute haben den deut- » Arbeitern doch keine Konkurrenz gemacht! Ueberhaupt ? dieser Weg, die deutsche» Arbeiter von der Konkurrenz Ier ausländischen Arbeitsgenosse« zu befteien, nicht 2 solcher, daß wir und die mit un« Denkenden, 3® ohne Weiteres billigen könnte«. Gegen diese �vkurrenz gäbe es denn doch noch andere Mittel. Nor Ob« hält man die Ansammlung zahlreicher russisch- kMcher Elemente an der Grenze für gefährlich? Nun, M Pnnte doch nur im Fall eine« bevorstehenden Kriege« LI begründe« lassen, und eS wird un» ja immer versichert, B«ir mit dem Nachbar im Osten im besten Einver- �Jwe» seien. Freilich erfahren wir armen gewöhnliche« IseuMeton. Da» Mormonenmadche». gg Amerikanische Erzählung ' von Balduin Möllhanseu. fKortlebuna.) stck r zugebracht hatten, gewesen. Zedenfall» entfernte» sie %'0 geräuschvoll, um ihre friedliche« Gesinnungen an den �»u legen. chniJv. und Zreteba warteten nur so lange, bi«>lch ßgs® drei andere Mohave« zugesellt hatte«, worauf sie sich lebt t? nieder nach de« Hütten zurückbegaben. Sie waren ihre mit langen Bogen und Rohrpfeilen, eben so sie wie l offenbar wollten sie dadurch bekunden, daß alz.J �'den Sehen jeden ferneren Grund zum Mißttauen �schwunden bettachteten. tteine«•®aHi ihrer Begleiter mußte aber wieder eine gieick»tl dit maßgebend gewesen sein, denn alle drei, ob- ganz so kräftig gebaut wie Kairuk und Zreteba, das dieselben noch, wozu sich gesellte, daß sie sich auf �würdigste bemalt und Jeder seinen Kops mit einem «lichV�-�Hgesärbten Kranichfedern geschmückt hatte. So g°fsen?n vollständig einer lebendigen, au« Metall ge- riven Statue, indem er seinen ganzen Körper, bi« auf P�J-tH-n Strich über Nase und Kinn, mtt einer ug von pulverisirtem Bleierz und Fett eingerieben 6%' die beiden anderen vom Kopf bi» zu de» »rbe* 10 leiten Bändern von ziegelgelber und weißer �prangten. Und»"Adem Erscheinen Elliot'S und der durch sei» feste« „ ge« Auftreten veranlaßten Entfernung der ein- xr Zv.® Knegerhaufen kehrte auch die Ruhe in da« Lager �l.�nen zurück, und von allen Seite« eilten die der Karavane herbei, um den Abgesandten de« Sterbliche« nur sehr wenig oder auch gar nicht« davon, wa« an den grünen Tischen der Herren Diplomaten vorgeht. Was aber sicher ist und was Alle begreifen, ist, daß die Russen in der Lage sind, sich gründlich zu re- vanchtten. In Warschau sind auch schon eine Menge von Ausweisungen preußischer Unterthanen erfolgt, und wer sich sicher stellen will, muß sich in Rußland naturalisire« lassen, wenn er preußischer Unterthan ist. Dazu hat aber nicht Zederman« Lust und man weiß auch nicht, wem die Na- turalisatto» ertheilt und wem sie versagt werden wird. Die Folgen solcher Maßregeln find manchmal unabsehbar. Man denke sich den Fall, daß, wie so häufig auch gemeldet wird, ein russischer Arbeiter, Handwerker oder Kaufmann sich seit 20 bi« 25 Jahren in Preußen niedergelassen hat. Er hat sich völlig eingelebt und eine Preußin zur Frau ge- nommen. Nun kommt der Ausweisungsbefehl; er muß fort. Er weiß noch nicht, ob er in Rußland wir finden können, um seine Familie zu ernähren; selten wir! er auch Mittel finden, seine Familie gleich mitzunehmen. Aber nicht alle Preußinnen finden Geschmack an Rußland und man las kürzlich, wie drei Arbeiterfrauen um keinen ?Jrei« nach Rußland wollten und so in die ttaurige Lage amen, sich von ihren Männern ttennen zu müssen. Oder wenn eine Frau ihrem ausgewiesenen Mann nach Rußland folgt— steht e« dann nicht im Belieben der russischen Be- Hörden, die Frau mit den Kindern nach Deutschland zurück- zutteiben und sie so dauernd von dem Ernährer, dem Gatte« und Vater zu ttennen? Aber man weiß auch, daß nach Rußland weit mehr deutsche« Element eingedrungen ist, al« russische« Element nach Deutschland. Namentlich an der deutsch-russischen Grenze leben viele Deutsche, die industriell thätig sind, auf russischem Gebiet. Auch im Innern finden sich viele Deutsche; Kaufleute, Handwerker und Arbeiter sind in den russischen Städten in großer An- zahl aus Deutschland eingewandert. In Petersburg allein gab es 1875 schon 40,000 Deutsche und diese Zahl mag inzwischen bedeutend gestiegen sein. In Südrußland be- finden sich förmliche deutsche Kolonie«. Dazu kommt aber noch, daß die deutsch-russischen Ostseeprooinzen allein schon eine Million Deutscher aufweisen. Wenn diese Deutschen auch naturalisirt sind, so steht den Russen doch nicht« im Wege, die Deutschen in den Ostseeprovinzen für die Maß» regelung der Russen in Deutschland, resp. Preußen, büßen zu lassen. Wenn wirklich ein caens belli einmal au« dem Verhältniß zwischen Rußland und Deutschland heraus- wachsen solle, was ja auch keine Unmöglichkeit ist, dann möchten wir nicht in der Haut derjenigen unserer Stammes- genossen stecken, die auf russischem Gebiet nahe der deutsche« Grenze wohnen. Propheten zu begrüßen und ihren Dank für die Rettung au« der drohenden Gefahr auszusprechen. Elliot benahm sich wie ein kluger Feldherr, und wen« sein abgeschlossenes, ernstes Wesen ihn auch keinen Augen- blick verließ, so wußte er doch jeden kleinen Umstand schlau zu benutzen, um seinen Einfluß zu heben und da« Verttauen in da« Mormonenthum, welches bei Manchem in Folge der ' schon wankend geworden, zu beschwerlichen Reise vielleicht befestigen. Namentlich waren es die Frauen, welche er durch einige leicht hingeworfene Worte aufmunterte und auf da« friedliche Leben am Salzsee vorbereitete, und geschickt wußte er auszuweichen, wenn die eine oder die andere mit besorgnißvollem Tone des zu ihren Ohren gedrungenen Ge- rücht» der am Salzsee herrschende« Sitte oer Vielweiberei erwähnte. Jansen hatte unterdessen die ihm eingehändigten Brief- schaften durchgelesen und au« denselben ersehen, daß Elliot, ausgerüstet mit den weitteichendsten Vollmachten, nicht nur den Zeitpunkt des Aufbruchs zu bestimmen habe, sondern auch nach Gutdünken die Karavane theilen oder eine kleine Be- satzung bei den Hütten zurücklassen könne. Auch die beab- sichtigte Vereinigung Elliot'S und Hertha'« war in einem besonderen Schreiben des Propheten erörtert worden, eine Nachricht, die ihn zwar anfangs überraschte, nach kurzem Ueberlegen jedoch mit Befriedigung zu erfüllen schien; denn indem er Elliot, der ihn beständig von der Seite beobachtet hatte, die Hand drückte, sprach er seine vollste Uebereinstim- mung mit den Ansichten und Plänen de« obersten Propheten au«, und fügte nur noch den Wunsch hinzu, daß keine un- vorhergesehenen Umstände ihnen bei ihrem Vorhaben hin- dernd m den Weg tteten möchten. Die Mohaves waren wieder bei der Hütte eingettossen und kauerten behaglich um ein kleines Feuer, wo ihnen auf Elliot'« Anordnung Speisen verabreicht wurden. Die dort versammelten Männer, Frauen und Kinder zerstreuten sich, um ihren verschiedenen Lagerbeschästigungen nachzugehen, und erst als Elliot sich überzeugt hatte, daß die nöthigen Vorsichtsmaßregel« nicht vernachlässigt wurden und eme Abtheilung Jäger zu einer voraussichtlich vergeblichen Ver- folgung der Wallpai-Räuber aufgebrochen sei, schickte er sich Dazu kommt noch, daß in Rußland ein für den zivili- sirten Europäer unbegreiflicher Zustand von R e ch t l o s i g- keit herrscht, der mit besonderer Wucht auf die in Ruß- land weilenden Deutschen zurückfallen kann, wenn die Russen sich revanchiren wollen. Man bedenke doch, was sich die Behörden gegen einen Ausländer erlauben können in einem Lande, wo die„ a d m i n i st r a t i v e Verschickung", d. h. die Deportatton nach Sibirien ohne Prozeß und ohne Urtheil, noch„zu Recht" besteht! Man erinnere sich doch daran, daß schon Ausweisungen russischer Arbeiter au« Ruß- land vorgekommen find, und daß man die Ausgewiesene« nicht nur im Allgemeinen brutal behandelt, sonoern auch nach russischem Brauch noch mit Knutenhieben ttaktirt hat. Kurz, wenn die Russe» sich wirklich revanchiren wollen, so stehen ihnen Mittel zu Ge- böte, die Deutschen in Rußland gründlich zu drang- saliren und der bekannte Charakter der russischen Bureaukratie läßt in diesem Falle sehr Schlimme« be- fürchten. Man hätte sich von vornherein darüber klar sein sollen, daß in einer Zeit, da alle Kulturländer auf den inter- und der Telegraphen ist der freie Verkehr für Jedermann soziale Bedingung. Man denke nur an EineS: Welchen Schaden würve die deutsche Geschäftswelt schon erleiden, wenn man keine deutschen Handlungsreisenden nach Rußland mehr hinein ließe! Und da» wäre doch nur ein Theil der Gesammtmaßregel». Wir müssen gestehen, daß un« da» Vorgehen gegen die in Deutschland lebenden Russen nicht verständlich ist/ Aber man sollte doch auch dem Publikum die Gründe für diese Maßnahmen und ihre« Zweck mittheilen. Ueber Polittfche Urbrrllcht • die Höhe der jetzigen Prozeßkosten äußert die Kasseler Handelskammer:„Wir haben wiederholt au . jfUjoM, uuvti» wvtwvwvv» wüf die enorme Höhe der Prozcßgebührcn hingewiesen. Die Klagen haben jedoch zu keinem Ziele geführt. Die Folgen zeigen fich in der möglichsten Vermeidung der Prozesse, in den Vergleichen, die der Kaufmann überall zu schließen bereit ist, und in der Abneigung, in Rechtsangelegenheiten die an fich so wünschens- werthe Hilfe des Rechtsanwalts anzurufen. Eine Verminderung der Prozesse würde ja nur mit Genugthuung zu begrüßen sein, wenn sie nicht zum Hintergrund hatte, daß öfters Jemand lieber eine Kränkung seiner Rechte Rch gefallen läßt, als daS Wagniß eines übermäßig theueren Prozesses zu bestehen unter- nimmt. Erfreulich ist nur, daß die verminderten Konkurse auf diesem Gebiete eine geringere Thätigleit der Rechtspflege be- anspruchen. Wir geben die Hoffnung nicht auf, daß die an, in die Hütte einzutreten und sich den Damen vor- zustellen._ Der Schwarze Biber. Hertha Jansen, welcher sich Demoiselle Corbillon, noch immer zitternd vor Angst, wieder zugesellte, hatte vom Inner» der Hütte aus alle Vorgänge, die draußen stattfanden, mit regster Theilnahme verfolgt. E« war ihr nicht entgangen, daß mit Elliot'S Erscheine« daS Verttauen der ganzen Karavane sich wieder befestigte, und sprach sein Aeußeres sie auch wenig an, so konnte_ sie doch nicht umhin, einen hohen Grad von Achtung vor ihm zu empfinden, für die verständige und menschenfreundliche Art, in welcher er die Indianer behandelte und daS drohende Ungewitter verscheuchte. Ihr zweiter Gedanke war. daß der Abgesandte, dessen Namen sie nicht einmal kannte, geraden WegeS vom Salz- see komme, und ihr also Nachrichten von ihrer Schwester überbringe. Eine bange und zugleich fteudige Hoffnung be- seelte sie in Folge dessen, und natürlicher Weise spiegelte» sich derartige Gefühle auf ihrem von innerer Aufregung geröthetem Antlitz, als sie dem sie begrüßenden Elliot ent- gegentrat und ihm mit ihrem holdesten Lächeln die kleine Hand reichte. Mochte Elliot, dieser? finstere Fanatiker, alle Gebräuche und Sitten, welche der Mormonismus vorschrieb, nur al« Mittel und Wege zur ewigen Seligkeit betrachten, welche, ob nun mit Freude, oder mit Abneigung, pünktlich zn beobachten seien; mochte er seinen Ehrgeiz auch dahin den- ten, daß ein Erreichen höherer kirchlicher Aemter ebenfall« -u erhöhter Heiligkeit im Jenseits berechtige; als er Hertha Sinsen, diese« reine, unschuldvolle Wesen, in ihrer ganze» Anmuth vor sich sah, da waren vergessen die Lehren, denen er mit unerbittlicher Strenge huldigte, vergessen der durch seine Vereinigung mit Hertha ihm zufallende Reichthum, welcher ihm behilflich sein sollte, allmälig zu den höchsten politischen und kirchlichen Ehre» eine» Mormonenpropheten emporzusteigen. Alles vergaß er angesichts der lieblichen Erscheinung, und indem er bedachte, daß sie sei« eigen werden solle, Reichsregierung dem fast einmüthigen Begehren der Bevölke- rung, welchem der Handelsstand in vollstem Maße sich an« schließt, doch endlich nachkommen und eine Revifion der Prozeß- «cbübren herbeiführen wird."— Wenn schon aus den besser- sttuirten Kreisen derartige Klagen laut werden, wie wenig wird es da erst den Unbemittelten möglich sein, fich Recht zu ver- schaffen. Die Unfallverhütung wird, nach einer offiziösen Aus« lassung, als eine der wichtigsten Aufgaben und eine der vor- nehmsten Thätigkeiten der Berufsgenossenschaften angesehen. Es ist nun in Frage gekommen, ob es fich nicht empfehlen würde, im Interesse der Einfachheit den Ueberwachungs- Ingenieuren der Unfallverficherungsvercine gleichzeitig die Od« liegenheiten aller in dem Bezirke vertretenen Berufsgenoffm- schaften zu übertragen. Obwohl von anderer Seite geltend gemacht worden ist, daß jene Vereine richtiger in der Berufs- genoffenschaft aufzugehen und ihre gesonderte Thätigkcit ein- zustellen haben würden, hat das Reichsverficherungsamt den Äcrufsgenoffenschaften empfohlen, diese Frage vorläufig als eine offene zu behandeln und nach keiner Seite hin binoende Entschließungen zu fassen. Die Differenz mit dem Sultan von Sansibar ist ber- gelegt, so meldet eine soeben eingetroffene Depesche, deren In- halt allerdings wenig verständlich ist. Sie lautet:„Privat- nachrichtm, die aus Sansibar eingegangen find, melden, daß die Differenz mit dem Sultan beigelegt ist, welcher die deutsche Oberhoheit über die erworbenen Gebiete anerkannt und ver- sprachen habe, seine Truppen zurückzuziehen." Der dunkle Sinn dieser Privatnachricht, wenn fic überhaupt eine thatsachliche Unterlage hat, wird noch sehr der Aufklärung bedürfen. än der letzte« Sitzung der internationalen Tele« enkonferenz, welche fast 6 Stunden währte, fand die Generaldiskufsion der Tariffraaen, besonders der Vorschläge Deutschlands und Oesterreich« Ungarns statt. Die Meinungen waren, wie zu erwarten war, sehr gethcilt, wodurch sich die Diskusfion sehr lebhaft gestaltete� stand im internationalen Telegra unhaltbarer sei, wurde allgemein. Mehrheit sprach fich über den deutschen Vorschlag günstig aus, wenngleich eS auch an gewichtigen Stimmen vagegen nicht fehlte. Beide Vorschläge wurden an die Tariflommrsston ge- wiesen.— Später fand die Befichtigung der hiefigen Tele- graphen« und Posteinrichtungen und der Reichidruckerei statt. In Bezug auf die vermißte Korvette„Augusta" schreibt die„N. Pr. Ztg.": Der Zyklon, mit welchem die Kreuzer-Korvette„Augusta" nach der im„Reichs-Anzciger" aus« tesprochenen Vcrmuthung bei ihrer Ausfahrt aus dem Rothen sieere am 3. Juni in Berührung gekommen sein kann, hat der franzöfischen Marine bekanntlich den Aviso„Renard" gekostet, der dabei untergegangen ist. Bisher aber ist kein Anzeichen Sefunden worden, daß auch dem deutschen Schiffe ein solches lnglück zugestoßen sei. und die Seegegend, in der es fich er- eignet haben müßte, ist so befahren, daß irgend eine Spur des Unfalls zu Tage gekommen sein würde. WaS den Bau der Korvette„Augusta" anlangt, so kann dieselbe verhältnißmäßig viele Kohlen fassen, fie kann 10 bis 12 Tage unter vollem Dampfe gehen und etwa eine Strecke bis zu 2500 Seemeilen unter Dampf machen. Das Schiff hat aber eine alte Maschine, die im Gegensatze zu den jetzt aebräuchlichm Kompound-Ma« schinen unmäßig viel Kohlen verbraucht. Infolge dessen muß man mit dem Gebrauche der Maschine auf langer Fahrt sehr sparsam umgehen und zumeist segeln. Hinstchtlich der Fahrt längs der afrikanischen Ostküste bis nach dem 40. Grade süd« licher Breite und von da auS ostwärts nach Australien, welche die„Augusta" möglicher Weise eingeschlagen hat, find Fälle bekannt, daß Segelschiffe drei volle Monate dabei unterwegs waren. Doch ist e« immerhinauffallend, daß ein Schiff, welches zur Ueberwindung von Windstillen unter Dampf gehen kann, seit einer so lärmen Zeit nichts von fich hat hören lassen und noch nicht am Reiseziel angekommen ist. Au« Schlesien wird der„Voss. Ztg." mrtgetherlt: Im „Oberschl. Anz." werden die jetzigen Ausweisungen als erne Frucht der vorjährigen Zusammenkunft von Skiemiewice be- zeichnet. Das ergebe fich schon aus dem Umstände, daß nicht auch die russtsche Regierung den in Rußland weilenden beut« schen Staatsangehöngen den weiteren Aufenthalt versagt. Sei aber Skierniewice der Geburtsort der Ausweisungen, so liege ihm ein hochwichtiges politisches Motiv zu Grunde. Als solches bezeichnet nun der Artikel die Niederhaltung des Polen« lhums. Nicht russische, sondern polnische Elemente seien es, die man durch die Ausweisungen entfemen wolle, um das russische Polenthum mit seinem Streben nach staatlicher Selbst« ständigkeit zu isoliren. Auf seine Grenzen beschränkt, sei das russtsche Polenthum nicht gefährlich, da es nicht soweit erstarken könne, um der rusfischen Regierung mit den Waffen entgegen- zutreten, dagegen wachse mit seiner Ausbreitung nach Deutsch- land und Oesterreich auch die Gefahr für die polittsche Ruhe Rußlands. Von diesem Gefichtspunkte aus seien die Aus- Weisungen eine segensreiche Frucht der Dretkaisertage in Skiemewiee. Der Artikel sucht dann weiter zu beweisen, daß die Ausweisungen ein ficheres Mittel, dem Geschäftsverkehr drohte sein wild erregtes Blut ihm die Schläfen zu spren- gen, während eine sonst nie gekannte Befangenheit seine Zunge lähmte. „Ich bringe Euch Gruß und Segen des Propheten, des Nachfolgers unsere» heiligen Märtyrer» Joseph Smith, meine geliebte Schwester," preßte er endlich heraus, ohne seinen ver- langenden Blick von Hertha'« großen blauen Augen abzu- wenden, so daß diese unbewußt erröthete und verwirrt vor sich»iederschaute;„ich selbst aber schätze mich glücklich, der Erste zu sein, der Euch auf dem Grund und Boden der Heiligen der letzten Tage nach Eurer langen und gefahr- vollen Reise willkommen heißt." „Von ganzem Herzen dankeich Euch für den Segen und den freundlichen Empfang," antwortete Hertha, ihr kindliches Antlitz wieder voll auf Elliot richtend, wobei ihr entging, daß ihr Onkel sie fortwährend mit einem seltsamen, sinnenden Ausdruck beobachtete.„Ihr kommt direkt vom Salzsee," fuhr sie gleich darauf fort, und in dem Ton ihrer Stimme verrieth sie ihre ängstliche Spannung,„Ihr werdet mir daher Nähere» über meine Schwester, die MrS. Holmsten, mittheilen können." „Nicht direkt vom Salzsee," antwortete Elliot, der allmälig seine ruhige Ueberlegung wiedergewonnen hatte; „ich komme von Fort Utah, meiner zeittgen Heimath." „So habe ich also wieder vergeblich auf Nachricht von meiner Schwester gehofft?" unterbrach Hertha mit kla- Sender Stimme Elliot, und die Thränen traten ihr in die lugen. „Und dennoch bringe ich Nachrichten, wenn auch keine ganz neuen," versetzte Elliot, der sich bei dem ausbrechenden Schmerze des jungen Mädchens unfähig fühlte, ihr sogleich den vollen Umfang ihre« Verluste« einzugestehen.„Sie selbst habe ich seit langer Zeit nicht gesehen, komme ich doch so selten nach dem Salzsee hinauf, aber ihr Kind sah ich, einen lieben, prächtigen Knaben; von ihm kann ich Euch erzählen, denn ihn traf ich ja erst vor kurzer Zeit in Fort Utah in Holmsten» Gesellschaft. O, er ist ein lieber, herziger Junge, und rch bin überzeugt, er wird seiner Tante ein Herz voll krndlrcher Liebe entgegen« tragen." in den Grenzbezirken aufzuhelfen, find. Die gegenwärtige Ge- schäftsflaue sei nur ein Üebergangsstadium; vre Hauptsache sei, daß den deutschen Geschäftsleuten die unbequeme, meist un- reelle Konkurrenz russisch« polnischer Eindringlinge auf diesem Wege vom Halse geschafft werde! Mit welcher Strenge der Grenzverkehr überwacht wird, geht u. a. aus der Thatsache hervor, daß in Kattowitz dieser Tage ein Warschauer Friedens- richter vom Gendarmen eingesperrt worden ist, well sein Paß nicht vifirt war. I« Serbien scheinen sonderbare Zustände vorhanden zu sein. Gut ausgerüstete und vollständig organifirte Räuber- banden machen daS Land unsicher und Vre Regierung ist ihrem Treiben gegenüber ohnmächtig. Vor einigen Tagen hat eine dieser Banden den Abgeordneten Jakowliewitsch auf der Land- straße ermordet. Der Mord erregt großes Aufsehen und die Regierung fahndet jetzt mit großem Eifer nach den Räubern, wozu fie jedenfalls noch ganz besonders durch den Umstand de- wogen wird, daß der genannte Abgeordnete der ministeriellen Partei angehörte. DaS Verbrechen geschah von einer aus zwölf Mitgliedern bestehenden Räuberbande, die den genannten Ab- geordneten und zwei Bauern aus Milanowatz fortschleppte und ersteren später ermordete, die letzteren frelließ. Wie ver- lautet, beabsichtigt die Regierung über einige Bezirke den Aus- nahmezustand zu verhängen. .* An» Breslau erhält die„Volkszeit." folgende Zuschrift: Breslau, 12. August. Am heutigen Tage wurde mir die folgende Verfügung von den dazu beauftragten Polizeibeamten mit der Mittheilung übergeben, daß mein Geschäft, bestehend in Buchdruckerei und Buchhandel, geschloffen und versiegelt werden müsse, welche Arbeit auch in drei Stunden beendigt war. Die Verfügung lautet wie folgt: Regierungs-Prästdium Breslau. In Erwägung, daß die hierorts errichtete ehemalige „Schlefische Volksbuchhandlung: H. Zimmer u. Co." in das GesellschaftSregister hiefigen königlichen Amtsgerichts unter der Firma:„Buchdruckerei und Verlagsgeschäft Silefia. W. Kuhnert u. Co." als offene Handelsgesellschaft unterm 18. Ottober 1884 eingetragen worden ist und daß den„Vereinen" im Sinne des S 1 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestre- vungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 auch offene Handelsgesellschaften beizuzählen find, sofern die Vor- auSsetzungen, wie fie im 8 1 näher bezeichnet find, bei ihnen zutreffen, In Erwägung, daß erweislich die gedachte Druckerei, welche im Jahre 1877 durch freiwillige Beiträge, sowie durch Sammlungen der sozialdemokratischen Parteigenossen begründet worden ist, bis in die neueste Zeit sämmtliche Preßerzeugnisse im Interesse der sozialdemottatischen Partei unentgeltlich her- gestellt hat, von denen die nachgenannten Druckschristen durch die Landespolizeibehörde verboten worden find: ») periodische: 1)„SchlefischeS Wochenblatt", verboten am 8. November 1878. 2)„Breslauer Tageblatt", verboten am 9. November 1878. 3)„Echlefischer Kurier", verboten am 21. Dezember 1878. 4)„Freie deutsche Worte", verboten am 26. September 1879. 5)„Schlestscher Erzähler", verboten am 30. April 1880. b) nicht periodische: 1)„Eine Reise nach Utopien", verboten am 1. November 1878. 2)„Flugblatt an die Wähler des Kreises Reichenbach« Neurode", verboten am 21. Mai 1879. 3)„Etwas mehr Licht über die Ursachen des Nothstandes in Oberschlefien", verboten am 19. Februar 1880. 4)„Statut de? sozialdemokratischen Wahlvereins zu Ostrowo", verboten am 26. Februar 1880. 5)„Der Kampf gegen den Sozialismus, ein nicht ge- haltener Vortrag von Julius Kräcker", verboten am 7. Juni 1880. 6)„Rede des Reichstagsabgeordneten Bebel über das Un» fallverficherungsgesey", verboten am 27. Juni 1881. 7)„Flugblatt an die Wähler zum deutschen Reichstage", verboten am 18. Oktober 1881. 8)„Flugblatt: Wähler Breslau'»", verboten am 18. Oktober 1681. 9)„Arbeiter Königsderg's", Flugblatt, verboten am 25. Oftober 1881. In fernerer Erwägung, daß die Erträge der Druckerei zu AgitationSzwecken und zur Unterstützung sozialdemokratischer Agitatoren verwendet werden, sowie daß in den zur Druckerei gehörigen Lokalen wiederholt geheime sozialdemokratische Ver- sammlungen stattgefunden haben, in denen über die Mittel und Wege, wie den Lehren und Bestrebungen der Partei in weiteren Kreisen Eingang zu verschaffen, berathen wurde, wird daS hierorts bestehende Buchdruckerei- und Verlagsgeschäft Silefia W. Kuhnert u. Co. auf Grund des§ 1 des ReichS- gesetzeS gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial« Während Elliot so sprach, schienen die weicheren Ge- fühle wieder die Oberhand über den starren Mann zu ge- winnen, denn, indem er sinnend vor sich niederschaute, klang seine Stimme immer milder, ja fast zärtlich. Jansen und Rynolds aber wechselten, sobald des Kindes erwähnt wurde, erstaunte Blicke. Sie wußten nicht, sprach Elliot die Wahrheit, oder stand er, um Hertha den Kummer vorläufig- noch zu ersparen, im Begriff, das junge Mädchen zu täuschen. Ihr Erstaunen und ihre Verwirrung wuchsen aber, al« sie au» der fortgesetzten Unterhaltung entnahmen, daß e» sich hier um Thatsachen handle, und bas Kind, welche» fie, gemäß der durch Abraham erhaltenen Auf- schlüsse, für mit der Mutter zu Grunde gegangen halten mußten, dennoch auf irgend eine geheimnißvolle Art ge- rettet worden sei. Mit doppelter Spannung achteten sie daher auf das Gespräch, welches zwischen Elliot und Hertha geführt wurde. „Der Knabe soll ein Engel und das Ebenbild seiner Mutter sein; meine Schwester schrieb mir wenigstens in jedem Briefe davon," sagte Hertha, und etwa« wie Stolz leuchtete aus ihren noch von Thränen umflorten Augen. „Ein Engel ist er, das läßt sich nicht leugnen," ver- setzte Elliot mrt dem Gepräge aufrichtigster Wahrheit,„da- gegen bezweifle ich, daß Ihr eine Aehnlichkeit zwischen ihm und Eurer Schwester zu entdecken vermöchtet. Mütter sind zu sehr geneigt, sich in ihren Kindern verjüngt zu sehen; sie erblicken in denselben gern ihr Ebenbild. Allerdings be- sitzt der Knabe große blaue Augen und blonde Haare, die nur wenig dunkler al« die Eurigen find." „Aber meine Schwester, meine Schwester? wißt Ihr denn gar nichts von ihr?" fragte Hertha besorgt, denn während der Unterhalwng über das Kind waren ihre Gedanken von der Mutter abgelenkt worden. „Ich sagt« Euch schon, daß ich in neuerer Zeit nichts von ihr hörte," entgegnete Elliot wieder ausweichend;„gar keine Nachricht ist dagegen oft die beste Nachricht. Doch sollen wir Menschen uns nie zu festen Hoffnungen hin- reißen lassen, ohne dabei auch der trüben Möglichkette» zu gedenken—" demokratie vom 31. Oftober 1878 von der unterzeichnet» Landespolizeibehörde hiermit verboten. Breslau, den 11. August 1885. Kgl. Rcgierungs-Präfident. Juncker. Zu dieser Verfügung habe ich folgendes zu benmken! Nickt die Firma:„Schlefische Volksbuchhandlung H. Zimmer u. Co." ist unter der Firma: Buchdruckerei und Verlagsge- schüft Silefia. W. Kuhnert u. C., eingetragen worden,- diese Firma besieht nach wie vor—, sondem ich habe die Druckerei von Herrn H. Zimmer n. Co. käuflich erworben und daraufhin, um den handelsgesetzlichen Bestimmungen zu nügen, die Firma: Silefia k., deren alleiniger Inhaber ick»in, in das Handelsregister einttagen lassen. Nicht durch ftki- willige Beiträge, sondern durch Darlehen, worüber jeder Dar- lehnsgcber einen Schuldschein erhallen hat, ist die Druckeret gegründet worden. Die Darlehen find bis auf wenige,«odie Personen nicht ermittelt werden konnten, deren Beträge beider Hinterlegungsstelle der königl. Regierung hinterlegt worden find, gedeckt, d. h. den Darlehnsgebern auf ihr Verlangen zurückerstattet worden. �„ Es ist entschieden unrichtig, daß bis in die neueste Zeit sämmtliche Preßerzeugnisse der sozialdemokratischen Partei un- entgeltlich hergestellt worden find. Aus meinen Geschäfts' büchern geht unwiderleglich hervor, daß jedes Plakat, jeder Stimmzettel von den betreffenden Bestellern bezahlt worden w- Ob meine Geschäftsvorgänger die angeführten Broschüre» un' entgelllich hergestellt haben, weiß ich nicht und glaube es arm nicht. Wenn aber angenommen, die Behauptung wäre richtig warum wird dies zur Molioirung dieses Schrittes gegen«uck ins Feld geführt?.. Wie aus meinen Geschäftsbüchern ebenfalls hervorgeht, w kein Pfennig aus den Erträgen der Druckerei zu Agitation� zwecken noch zur Unterstützung sozialdemokratischer Agttator» verwendet worden, und ebenso hat auch in den Lvk«r» meiner Druckerei nie eine geheime sozialdemokratisch« sammlung stattgefunden. Auf die Zeugen, die die oben � geführten Behauptungen als richtig bekunden könnten, K» neugierig. Darüber, wie der§ 1 des Sozialistengesetzes angezog� wird, diene folgendes zur Aufklärung. Es rst richtig, daß% W. Kuhnert am 13. Oktober 1884 in die Firma eingetttt» ist, und insofern existtrte natürlich eine Handelsgesellschaft zwei Personen, und es wäre nach Anficht der hrefigen Reg»' runa eine Verbindung von zwei Personen genügend, u«** Schlußsatz des§ 1 des Sozialistengesetzes zu enrsprechen, nach derartige Gesellschaften den Vereinen gleichgeachtet verboten werden können., Allein die Sache hat den kleinen Haken, daß Herr RuM am 17. Februar d. I. wieder aus der Firma ausgetreten und mir die Fortführung der Firma: W. Kuhnert u. lW: überlaffen hat, was ein gesetzlich zulässiger Akt ist. Ich also alleiniger Eigenthümer der Druckerei, und es ist sonder** daß. obwohl der Austritt des Herrn Kuhnert in der„6#% Zeitung" am 21. Februar d. I. publizirt ist und ich auch Zuschriften, wie z. B. vom Unfallverficherungsamt, derrr»«« adresfirt erhalten habe, die hrefige Behörde keine Kenntnis �. von hat. Ich selbst aber, rch für meine eigene Person, WJJ unmöglich einen Verein bilden und deshalb kann auch Schlußsatz des§ 1 des Sozialistengesetzes nicht in Anwende kommen. Oder aber, wenn dies doch ganz wrder Erwarte»/? Fall sein sollte oder könnte, müßte ich frerwillig oder unstfl willig vom Erdboden verschwinden, denn dann könnte dürfte ich kein Geschäft mehr anfangen, der Schlußsatz des 5 des Sozialistengesetzes würde und müßte logischer Weise i**! und immer wieder gegen mich in Anwendung gebracht rverd� Daß ich in dieser Angelegenheit alle Instanzen um Recht zu existtren— denn keine der angeführte» K wä�un�en ist für mich zutreffend— anrufen werde, ist Zeilen dieser verständlich. Mit der Bitte um Veröffenllichung ergebenst I. Kräcker, Mitglied des Rerchstazes. Fr anr reich. Ein Zeichen der Zeit ist, daß die ftanzöfische 51 wieder die Erlaubniß zum Abhaltm großer Etiergefechte e So fand vor Kurzem in Nimes ein solches Gefecht statt welchem fich das Publikum in Echaaren eingefunden Die Kämpfe verliefen derartig blutig, daß es selbst eine« der Zuschauer zu arg wurde; wohl ein Dutzend Pferde r, bluteten in der Arena und auch ein Mensch wurde venoutfl, Die Regierung hätte gewiß alle Ursache, derartige bluti»» � schreckliche Szenen ein für allemal zu verbieten. Jtalie«. Der Vogelschutzfrage beginnt Der Vogetjlyutzfrage veatnnt man nun auch in ihre volle Bedeutung zuzuerkennen. Der Ackerbauminister � JteSZ soeben, hauptsächlich auch, um den auf dem internatio� ornithologischen Kongreß zu Wien ausgesprochenen Kim entgegenzukommen, eine Enquete angeordnet, bei der c» rld „Meiner Schwester ist ein Unglück widerfahre»!'* Hertha erbleichend aus, indem fie beide Hände auf Herz preßte. „Mißverstehet mich nicht, geliebte Schwester," Elliot ernst, und in fernem Wesen bekundete sich wieder � fanatische Mormone,„ich wollte nur im Allgemeines � deuten, wie es sich für die Gläubigen geziemt, fi» � Glück auf da« Unglück vorzubereiten, um da»»»r. welches der Herr uns zu unserer Läuterung zu trage» erlegt, williger und freudiger auf un« zu nehme». /L wir doch dazu auserkoren, das heilige Zio» grii", zu helfen und den Tempel des Herrn mit unserem � blut gegen die GentileS zu vertheidigen; sollten wir da, dankbar sein für die unendliche Gnade und Bevrri, welcher wir theilhaftig geworden, anstatt un« mit c'L um unsere irdische Wohlfahrt abzuhärmen und wetter« als un« selbst und die Erfüllung unserer liebsten K»... im Auge zu behalten? Ich sage Such, geliebte 6*'� kein Haar fällt von Euerm Haupte, e» Fei den» r»F gp Willen deS Herrn, und die Heiligen der letzten Tage! sich vor allen Dingen dadurch vor den GentileS auszew� daß fie in ihrem Vertrauen nicht wanken und sich Lagen des Lebens demüthig vor dem Willen de»" y» beugen. Wo sollten wir sonst den Mmh hernehwem sich über uns zusammenziehenden Ungewittter tts Lr' wenn nicht auS dem Glauben? Seid daher nicht klei»*?�;. meine Schwester, sondern empfindet im vollen Maße da» einziehen zu dürfen in da« herlige Zion, und ein ges Mitglied zu werden der jungen Gemeinde, von da» Licht der Erkenntniß und der Wahrheit sich � wird über den ganzen Erdball.". fs* Hertha, durch ihre Erziehung empfänglich g<®rF religiöse Schwärmereien, hatte Elliot so andächtig als wenn sie sich in einer Kirche befunden hätte.&# nicht, daß der gewiegte Mormone, nur um ihr c' ihre Frage zu beantworten, dagegen ihre GAanj*»% andere Richtung zu lenken, sich in allgemeinen gen erging, welche fie dann im Guten oder Bösen- � eigene Lage anwenden konnte. Seine Abficht 9* dessen nur theilweise, denn so lange er sprach,' % totum handelt, dir Bor« und Nachtheilt festzustellen, welche die kmzelne» Volgclgattungen der Landwirthschaft und der Forst- luitur bringen. Grotzbritauuieu« . Man scheint die agrarischen Ausschreitungen in Irland JJ'chr ganz einschlafen lassen zu wollen. So wird aus Cork vom d. gemeldet, daß am Sonnabend Abend auf einen Guts- Verwalter Namens tzayeS, der auf den städtischen Ländern von «-nevens— zwischen Tinsoleague und Clonakilty— wohnt, v« seiner eigenen Hausthür geschaffen und derselbe am Bein verwundet wurde. Hayes war der Verwalter einer Farm, von welcher der Pächter durch einen lokalen Geldverleiher exmittirt worden war, und hierdurch hatte er sich anscheinend mihludig Macht. Der Polizei gelang später die Verhaftung eines lungen Mannes, NamenS M Carthy, welcher der That ver- vachtrg ist. Amerika. ueber den Aufstand der Tschepenne-Fndianer, der mit jedem «-agc emster wird, schreibt der Milwauker„Herold": Noch hat sich hie Nachricht, daß die Tschevennes förmlich den Kriegt- vfad betreten, nicht über allen Zweifel bestätigt, doch ist soviel wohl als sicher anzunehmen, daß eine Lande junger Tschey ennes- itneger aus der Reservation ausgebrochen ist, eine Anzahl .Kaub- und Mordthaten begangen hat und die westlichen Grenz- iwunties von Kansas bedroht. Sin so vereinzelter Ausbruch würde allerdings wenig zu bedeuten haben, desto mehr aber NN allgemeiner Aufstand dieses sehr kriegerischen Indianer- stammes. Die Tschey tnnes haben sehr begründete Beschwerden Wr Klage gegen die Weißen. Der beste Theil ihrer Jagd« flfünde trn Indianer- Territorium ist widerrechllich von Vieh- iuchtern in Besitz genommen, der letzte Kongreß hat ihnen die vhnedies knappen Fahrgelder stark beschnitten, und selbst davon Witt ihnen durch die Habsucht der mtt einander verbündeten Andianer- Agenten und Händler noch ein großer Theil ge- Nohlen, so Daß sie zu langsamem Verhungern verurtheilt wären, wie ihre Brüder im fernen Nordwesten, die Crows und Pintes in Montana, wenn sie— ebenso geduldig oder Mwach wären, wie diese, was sie aber entfernt nicht find. Anfänglich versuchten sie, nach alter Tradition, das Vieh v« Viehkönige zu stehlen, wenn bei ihnm Schmalhans Küchen- Meffter war, denn Vithstehlen ist nach indianischen Begriffen «we Schande, aber fit mußten bald gcnua die Erfahrung wachen, daß jene Viehheerde« von zahlreichen Rmder- wrten gehütet wurden und daß mit diesen nicht zu spaßen war. Mmer mehr befestigte fich daher bei den Tscheyennes die Ueberzeugung, daß fie doch sterben müßten, so oder so, und da Im der Tod in der Schlacht doch dem qualvollen Hungettode iehen. Die Armee-Qffiziere machten in ihren Berichten "och Washington oft genug aufmerksam, daß den Tscheyennes M ihrer Reservatton ihre Hauptelisienzdedingung, die der JfOgd, fehle, und fie daher auf Regierungsrationen angewiesen wen, welche durchschnittlich nur ein Drittel der Soldaten« tattonen betrügen, also nicht entfernt zur Fnstung des Lebens "kr armen Rothhäute hinreichen. Wenn ei also wirklich zum T�ieg mtt den Tschevennes kommt, so wissen unsere Offiziere §0«* genau, daß d,e Indianer nur aus Nothwehr zu den wvasfen gegriffen haben und es widerstrebt ihnen, die Armen zurückzujagen und als Kerkermeister in ihren Hungerkäfigen ge- langen zu hallen, aber fie müssen eS eben thun. Die Schuld iwgt am Kongreß und unserer unvernünftigen Fndianerpolittk, die Grenzanfiedler und unsere Soldaten müssen die Suppe "useffm. Wie wenig mtt den Tscheyennes zu spaßen ist, haben wir tm Jahre 1878 gesehen. Die nördlichen Tscheyennes waren Jahre vorher aus den Black Hills nach einer Reser- vatton am Eimmaron-Fluß versetzt worden, wo das ungesunde ■Kiima fie dezimirte. Sie verlangten»inen Domizilwechsel, uvm alle ihre Vorstellungen blieben unbeachtet, nur wurde mehr Militär geschickt, um fie erfolgreicher festzuhalten. So« der kleine tapfere Stamm aber seinen Entschluß gefaßt alle, nutzte dm Soldaten alle Wachsamkeit nichts und plötzlich anden fich 300 Tscheyennes— Manner, Weiber und Kinder v auf dem Abmarsch nach ihrer alten Heimath in Nord-Dakota gar zu Eitting Bull nach Kanada. .— Präsident Cleveland hat eine Proklamation erlassen, welche die Beseitigung aller gesetzwidrigen Einzäunungen im Almche der Unionsstaaten anordnet. Diese Verordnung ist ?.!l"richtig« für Großbritannien als für Amenka, da englische M schotlcsche Genossenschaften den Nießbrauch von Milltonm Willigen öffentlicher Ländereim durch bloße Einzäunung er- m°lben haben. Sehr oft stützt fich der Anspruch auf dm Mtztttel auf eine gesetzwidrige Einhegung und Besttzergreifung. Ms Vorgehm des Präfidenten hat seinen Ursprung in dem Wetz vom 25. Februar, welches die Verwendung deS �iiutars zur Zurückerftattung des Landes an wirkliche Anstedler »vnehmigt._ Lokales. hat def, Hertha'« sanfte blaum Augen wohl in enthusiastischem Teuer, als er aber geendigt, da ging auch ihre Spannung "erloren, und ihr Haupt traurig auf die Brust neigend, schritt sie langsam nach dem Fmster hinüber, wo fie sich »uf eine alte Bank niederließ. �'lunrer. r°��ernanti mit einigen salbungsreichm Worten begrüßt Mtejich.mit Vorbedacht entfernte. ' i"? ri«,»»»«». au«"on Jansen und Ryaolds, begab er sich hin- »ächs�? � verschiedene» Wachtposten zu besuchm und die „ Hebung des Lager« gmau keonm zu lernm. Auch i Eorbillon verließ, noch mehreren vergeblichen Di« Tespräch mtt Hertha anzuknüpfm, die Hütte. t»<---- cm. r.----» c n Jt, ��•».."jngrvung ve» Lager« gmau rennm zu lernm. Auch Bersu isrtpracy nui veuyu unzutiiuz,,»»,„>» v-""- au* � � vor der Thür kauerndm Mohaves, dmen fich ibr dar schweigsame La Bataille zugesellte, mochte >y.j.""heimliche Gefühle enveckm; sie schntt daher in eilt- Bogm um d« kriegerischen Gestalten herum und bdr_"ach einem der entferntesten Wagm hinüber, in 5V*" sich die zu demsekbe» aehörmde Vsij,'"., ply vre zu oemirrvr» Bün Jss*. befrmndet» Familie behaglich auf Deckm und Uffelpelzm aelagert hatte. Und befand sich also ganz allein in dem Gemach, St-n, K unbeweglich saß fie noch immer auf derselbm Plac, welcher sie, nach ihre, Unterredung mit Elliot, aenommm. tiefer Wehmuth und Besoraniß gedachte sie ihrer Se«en?' �chie««s doch, als habe das Schicksal sich Kehen verschworm, fie im Ungewissm über derm Er- ftn iussan. leis. ich sie nie, nie wiedersehm sollt»!" hauchte sie ihr» sich hm, und Tropfm auf Tropfm rieselte über allein sammetweichm Wangm.„O, wie einsam, wie auf kj�%sdv ich dastehm! Was sollte ich dann wohl noch Liebst, �lt? Nein, nein, eS wäre zu grausam, da« aber™'u"ttlierm— meine arme, arme Schwester— losen Male ich mich mtt bösen Ahnungen und grund- Befürchtungen? So Gott will, werden wir uns wieder- 1884 32 2 6 1 106 4 146 7 und durch Pferdebahnen 6 602 056 Personen befördert; im Jahre 1884 waren diese Zahlen«nf 15 870 272 beziehungsweise 80 151 758 gestiegen und außerdem noch 11 028464 Personen durch die Stadt- und Ringbahn zur Beförderung gelangt, so daß durch die Benutzung der drei genannten Transportmittel im Jahre 1884 zusammen 107050494 Personen, täglich also durschnittlich 293 289 Personen, ihren Ort gewechselt haben. Im Gegensatz hierzu hat die Bedeutung der übrigen Hierselbst dem Personentransport zu Lande dienendm Verkehrsmittel, der Droschken und Thorwagen, nur wenig zugenommen, ja theil- weise eine Abnahme gezeigt. Am 1. Januar 1875 betrug die Zahl sämmtlicher Droschken Berlins 4190, diejenige der Thorwagen 246; am 1. Januar 1885 war die Zahl der ersteren nur auf 4346, die der Letzteren nur auf 383 gestiegen. Der Bestand der Droschken zweiter Klasse und der Bepäckdroschken ist in derselben Zeit aber von 3287 auf 2601 zurückgegangen, während derjenige der Droschken erster Klasse fich allerdmgS von 903 auf 1745 vermehtt hat. Die erheblich verminderte Betheiligung der Droschken zweiter Klasse an dem Personen- ttansport in Berlin ergiebt fich auch daraus, daß cm Jahre 1874 561 435 Droschken, im Jahre 1884 dagegen trotz der de- ttächtlich gewachsenen Bevölkerungszahl und oes erheblich ge« stiegenen Fremdenverkehrs nur noch 448 880 Droschken, also 112565 weniger, auf den Bahnhöfen Berlins Fuhren erhielten. Eine Kehrseite der mit der Entwickelung der deutschen Reichs- Hauptstadt für deren Bevölkerung erhöhten Rothwendigkett der Benutzung öffentlicher Transportmittel bildet die Zunahme der Unglücksfälle. Es wurden Personen 1874 1878 durch Droschken verletzt 29 35 »„ getödtet— 1 „ Omnibus verletzt 16 4 „„ getödtet 1 1 „ Pferdebahnen verletzt 6 64 getödtet 2 3 im Ganzen verletzt 50 103 „„ getödtet 3 5 Unier den 112 im Jahre 1884 durch die Pferdebahnen verletzten Personen befanden stch 30, welche in gar kernen Be- »iebungen zu denselben standen, während 71 Fahrgäste und 2 Beamte derselben waren. Von sämmtlichen Unglücksfällen warm 88 durch eigene Unvorsichtigkeit entstanden, 12 durch Verschulden von Betriebsbeamtm und 12 durch sonsttge Zufälle herbeigeführt wordm. Die sonstigm Betriebsstörungen im Berliner Pferdebahnbetriebe, welche zur Kenntniß der Polizei- Behörden gelangt und untersucht worden find, haben eme Steigerung von 232 im Jahre 1876 auf 1527 im Jahre 1884 erfahren; von letzteren wurden durch Zusammenstöße von Pferdebahnwagen unter einander 24, mit anderen Fuhrwerkm 1019, durch sonstige Umstände 484 veranlaßt. DaS Verschulden traf bei den Zusammmstößen in 32 Fällm den Pferdebahn- kutscher, in 581 Fällen die Kutscher anderer Fuhrwerke, in 430 Fällen aber erfolgten die Zusammenstöße ohne nachweisliche Schuld eines Dnttm. Eine vergleichende Kritik der durch die verschiedensten Transportmittel hervorgerufmen Unglücksfälle ist nur dann möglich, wenn genau angegeben wird, wie viel Kilo- meter von den Pferdebahnen, wie viel von dm Droschken und dm Omnibussen durchfahren sind. Da» stille Haus in der Brüderstr. 10, welches jetzt im Besitz der Petrikirche ist, gehört zu dm historischen Häusem Berlins, um welche die Sage manchen Kranz ge« wunden hat. Lange Zeit führte das Gebäude dm Namen „Galgenhaus" und nach einer alten Chronik hatte es damit folgende Bewandniß: Unter König Friedrich Wilhelm'« I. Regierung fanden in Berlin so viele Hausdiebstähle statt, daß der König schließlich im Zorn ein Edikt ergehen ließ, wonach jeder ettappte Hausdieb zur öffentlichen Warnung ohne weitere Prozedur vor dem Hause, worin er gestohlen, aufgehängt wer« dm sollte. Der Befehl war kaum ergangen, als in dem Hause des Ministers v. Happe ein filberner Löffel vermißt wurde, auf welchen der Minister selbst einen großen Werth legte. Der Verdacht fiel auf ein unschuldiges, erst in dm Dienst ge- ttetenes Hausmädchen, welches sofott dem strengen Editt ge- opfert wurde. Man errichtete dicht vor der Thür des Hause« einen Galgen und hing die Hausdiebin auf. Ein ganzes Jahr lang erzählten fich die Berliner beim Vorbeipasfiren an dem Hause von dem Galgen, der dort gestanden, von dem Dienst- mädchen und dem rührmden Schauspiel der Hinrichtung. AI« fich bald darauf herausstellte, daß der Hausdieb eine zahme Ziege gewesen, da war das Haus Tag für Tag von Neu- gierigen dicht belagert; Jedermann wollte das Galgmhau« und den aufgefundenen Löffel sehen. Der Minister bot in Folge dessen sein Haus zum Kaufe aus, Niemand aber wollte da« Galgenhaus befitzen, bis schließlich der König, der das strenge Edikt zurücknahm, das Haus durch dm Magistrat dem Minister abkaufen ließ. Lange Zeit war vor der Thür deS Hausei Brüderstr. 10 das Loch zu finden, worin der hölzerne Galgen gestanden; es wurde später mit einem Gitter versehen und als Kellerloch bmutzt. Ueber ei» Eisenbahnunglück, welches fich am Mittwoch in Luckenwalde ereignet hat, wird der„Post" geschrieben: Der sehen— wie vermöchte ich es auch zu ertragen, so verlassen und allein unter fremden Menschen? Verlassen und allein?" wiederholte sie sinnmd.„Und jener Offizier, sagte er nicht zu mir ganz dieselben Worte an jenem zauberischen Abmd im Hafm von New�Aork, als ich nur noch wenige Stunden an Bord des Leoparden zu verweilen hatte?„Sollte da« Gefühl de« Alleinstehen«, der Verlassenheit jemal« bei Euch zum Durchbruch kommen, dann, ja, dann erinnert Euch Eurer Freunde und des Versprechm», welche« Ihr ihnen au« freiem Willen gabt;" so lautetm seine Worte, und ich? Ich wiederhole da« Versprechm, mich seiner al« eineSFreun- de« zu erinnern und ihn über mein fernere« Geschick nicht im Ungewissen zu lassen.„Gott segne Euch für diese« Ver« sprechen,- erwiderte er mir herzlich und aufrichtig,„aus dem tiefsten Grunde meiner Seele wünsche ich mir eine Beruhigung, welche Eure glückliche Zukunft gewissermaßm gewährleistet. Ich darf daher hoffen, Euch noch wiederzusehm, eh' Ihr die Reise nach dem fernen Westen antretet, und Zhr gestattet mir, Euch, nachdem Ihr von dem Leopardm geschieden, in der Stadt aufzusuchen." Ja, da« sagte er, und seine Worte klangen so wohlwollmd und redlich, daß ich kein einziges derselben vergessen habe. Aber er hat sein Ver« sprechm nicht gehaltm; er ist nicht gekommen, und wollte ich ihm wirtlich ein LebenSzeichm von mtt geben, was er ja so auftichtig zu wünschen schien, ich vermöchte e« nicht, weil ich nicht weiß, wohin ich einm Brief an ihn zu senden hätte— wer ist im Stande, zu errathm, auf welchem Weltmeer er zur Zett gegen Wind und Wogen kämpft? Der Onkel war ihm nicht hold; in seiner Gegenwart darf ich heute noch nicht von ihm sprechm; er nmnt ihn einen Verräther und erwähnt dann stets seines Durchsuchung«- befehl«. E« muß ein Zrrthum obgewaltet haben; er wäre ja sonst gekommen, um von seinem Recht Gebrauch zu machm— aber er hätte mich immerhin auf- suchm tönnm, wie er e« so heilig versprach; und Rynold« hatte ihm sogar da« Hau« bezeichnet, in welchem wir eingekehrt warm— doch er kam nicht. — Aber welches Recht besitze ich auch, zu erwartm, daß er meiner noch weiter gedenkm müßte?" fuhr sie, träumerisch zu sich selbst sprechmd, fort,„eS ist eine Heber- Berliner Kourierzug, der 8 Uhr 23 Minuten Abends von Leipzig in Berlin emtreffm soll, hatte am genannten Tage wegen eines schrecklichen Unglücksfalles eine dreiviertelftündiae Verspätung. Die nach Luckenwalde führende Chaussee wird von dem Zug gerade an der Stelle durchschnittm, wo der' Eisenbahnkörper in einer bedeutenden Biegung angelegt ist, so daß man von der Chaussee aus nicht weit die Schienen entlang sehen kann. Am Mittwoch war nun, wie es heißt durch die Schuld deS Wärter«, die Uebergangsstelle nicht abgesperrt, so daß ein nach Luckenwalde fahrender schwerer Rollwagen den Bahnkörper auf der Chaussee pasfirte. Der Kutscher des Wagens hatte noch kurz vorher zwei müden Arbeitern, die nach Lucken« walde wollten, einen Platz«uf dem hinteren Theil seines Ge- fährts eingeräumt. Als letzteres inmitten der Schienen war, kam der Kourierzug in vollster Schnelligkeit um die Ecke, und obwohl der Zugführer angefichls der Gefahr sofott Signale gab und bremste, erfaßte die Maschine doch den Hinteren Theil des Rollwagens, zerschmetterte diesen und zermalmte die beiden eben erst aufgestiegenen Arbeiter total, so daß deren Glied« maßen zwischen den Geleisen stückweise umherlagen. Beide find Familienväter. Der Kutscher sowie die Pferde kamen mit leichten Verletzungen davon, da fie nicht unmittelbar von der Maschine mehr erfaßt wurden. Der schuldige Bahnwätter ver- fiel beim Anblick der Katasttophe in eine schwere Ohnmacht, so d«ß er krank hat nach Hause gettagen werden müssen. Nur noch ein Jahr hätte er bis zu seiner Pcnfionirung zu dienen gehabt. Er war bis dahin stets ein gewissenhafter Beamter gewesen. r. Zu den beständigen Streitigkeiten beim Geldwechsel« auf den Wochenmärtten ist dieser Tage'eine beachtenswetthe gettchtliche Entscheidung gefällt worden. Eine Frau hatte beim Einkaufen einer Händlerin einen Thaler gegeben, den diese ein» steckte, und nach einiger Zeit, als die Käuferin das überschüsfige Geld zurück haben wollte, entschieden bestritt, mehr empfangen zu haben, als den für die erhandelte Waare bedungenen Kauf« preis, so daß auch die in Anspruch genommene Hilfe der Polizei unmittelbar nichts fruchtete. Die benachtheiligte Frau klagte nun beim Gettcht und hier bekundete der betreffende Polizei- Wachtmeister, daß ihm über die betreffende Händlenn verfchie« deutlich die Anzeige erstattet sei, daß fie das Herauszahlen auf größere Geldstücke verweigett habe. Der Richter hat nun der Klägenn über ihre Behauptungen einen Eid auferlegt und von dessen Ableistung die Veruttheilung der Händlenn zur Heraus- Zahlung des Restes auf das empfangene Geldstück abhängig gemacht. In dem Uttheile wird noch neben dem Hinweise aus Das Zeugniß des Polizei-Wachtmeisters darauf Gewicht gelegt, daß die Klägerin ihre Angaben sehr bestimmt gemacht habe, während die Verklagte stch nur darauf beschränkt habe, die Angaben allgemein zu bestreiten. Bei dieser Sachlage em- pfehle fich die Auferlegung eines nothwendigen Eides an die Klägettn.— Es ist also in jedem Falle zweckmäßig, bei derartigen Benachteiligungen auf den Wochenmärtten stets der Polizei von der erlittenen Äenachtheiligung Anzeige zu machen, damit den Beamten wenigstens Gelegenheu ge« geben wird, solche zweifelhaften Persönlichkeiten kennen zu lernen. r. Gegen Sommersprossen, die fich bei der gegen- wättigen Temperatur so gern auf der empfindlichen Haut des Gesichts plaziren, wird von erfahrener pharmazeutischer Seite die Anwendung von Bimsteinseife beim Waschen des Gefichts empfohlen. Dre rauhe, kratzende Substanz dieser Seife regt die Hautthätigkeit nachhaltig an und fördett so die Blut- Zirkulation, deren Stockung an den betreffenden Stellen der Haut eben die gelben Fleckchen, Sommersprossen, zur Folge haben soll, woher man es auch ettlärt, daß mit Sommer- sprossen versehene Individuen sehr oft an Störungen des Blutumlaufs leiden Wer die lästigen Flecken los sein will, wird immerhin einen Versuch mit dem angedeuteten Mittel machen können. Ein Kamerun- Enthnfiast. Als am Donnerstag der Ruf de« Schaffners: Etation Lichterfelde! ettönte, stieg eine bis an die Zähne bewaffnete jugendliche Gestalt in grüner Jägerjoppe aus. Sowohl er selbst wie sein Jnfantenegewehr nebst umhängender Pattonentasche erregten bald die allgemeine Aufmerksamkeit. Von einem Beamten der öffentlichm Sicher- heit wurde er nach dem Zweck seiner Reise befragt. Er Jjab an, daß er nach Kamerun gehen wolle, um dort durch Ver- treibung der Wilden fich dem Vaterlande nützlich zu machen. Man forschte weiter und erfuhr, daß er, ein Knabe von 15 ? iahten, der Sohn eines höheren Beamten aus Halle war. Er atte fich mit ca. 60 M. Reisegeld und einem großen Vorrath von Patronen versehen. Der Knabe wurde vorläufig in Ge- wahrsam genommen. Der Vater wurde tclegraphisch benach- ttchtigt und holte am Freitag sein abenteuerlustiges Söhn- chen ab. Belle- Alliance- Theater. Der Treptow'sche Schwank „Sein Steckenpferd" erfreut fich allabendlich der beifälligsten Aufnahme, da er durch se ne wirklich komische Situationen daS Publikum in die heiterste Stimmung versetzt. Für die am nächsten Mittwoch stattfindende Extra- Vorstellung zu halben Kaffenpreisen hat die Direktion das Birch- Pfeiffersche Schauspiel „Der Glöckner von Notre-Dame" angesetzt. Hebung von mir— ich bin indessen zu entschuldigen, den» mir ist, als hötte ich noch immer seine wohlwollende Stimme: „Sollte jemals ein Gefühl des Alleinstehen«, der Verlassen» heit—" Hertha fuhr erschreckt empor; ein Schatten war über das Fenster hingeglitten, an welchem fie saß, und zugleich hatte sich eine Hand mit leiser Berührung auf ihre Schulter gelegt. Ein Schrei schwebte auf ihren Lippen, al« sie de» riesenhaften Mohavehäuptling erkannte, der von außen an das Fenster herangetreten war. Sie drängte den Ausbruch de« Schrecken« aber beschämt zurück, sobald sie einen Blick auf Kairuk'S freundlich ernstes Geficht geworfen und in demselben eine an Verwirrung grenzende Verlegenheit entdeckte. .Achotka, Kairuk achotka— viel gut Mohave, viel gut," sagte der Häuptling leise, indem er wiederholt mtt seinen Fingerspitzen über Hettha's Schulter strich. E« war nämlich seinem Scharfblick nicht entgangen, daß sein plötzliche« Erscheinen ihr Furcht eingeflößt hatte- er wollte sie daher beruhigen, und um sie nicht auch durch seine Stimme zu erschrecken, dämpfte er dieselbe so sehr, daß die Motte sich al« tiefe« Murmeln seiner Brust ent» wanden. Hertha verkannte seine Abficht nicht; sie reichte ihm daher die Hand, indem sie ihm versicherte, ourchau« keine Besorgniß vor ihm zu hegen. Kairuk lächelte und schaute rathlo« um sich. Er hatte das junge Mädchen nicht verstanden und überlegte offenbar, wie er das, was er mitzutheilen wünschte, am besten er» klären könne. „Viel Mohave«, viel, viel Mohave«," sagte er endlich, indem er feine ausgestreckte Hand im Halbkresse nach dem Kolorado zu bewegte.„Mohave« gut, viel gut, nicht tödten Amerikaner, nicht tödten Mormonen; Mohaves viel gut, Mormonentaube nicht Angst." (Fortsetzung folgt.) Saro«ssel- Zusammettbruch i« Kriedrichtfeide. W« am Dienstag, den 11. d. Ä., das 1. Bataillon des Garde» Festung». Artillerie- Regiments von Spandau nach Lüstrin ,ur Schießübung ausrückte, wurde daffelbe, wie die„Verl. Ztg." erzählt, am genannten Tage in FriedrichSfelde auf eine Nacht «inouartirt. Es ging im Orte an dem betreffenden Abend lustig her. Im Schloßrestamant konzertirte die Regimentsmustk und bereitete dem Lokalinbaber eine reiche Einnahme. Alle Lokale waren frequentirt. Vor allen wurde das aufdem Burt« hold'schen Grundstück aufgebaute und schön ausgestattete Ka» rouffel in Anspruch genommen. Auf den Pferden deffelben saßen nicht einer, sondern je zwei und drei auf einem Pferde und in einem Wagen 6—8 Personen. Dem Befitzer war ei diesem Ansturm gegenüber nicht möglich, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Das Karousscl wurde von dem Publikum mit Windesschnelle gedreht, und da, es war'/«lO Uhr, der Leierkasten spielte gerade ven Echunkclwalzer, ein großer kräftiger Gardekanonier wollte noch im vollen Drehen deS Karouffel» sich auf ein schon besetztes Pferd schwingen, da gab es einen Krach, das Gebäude brach im vollen Drehen in sich zusammen, alle Insassen unter sein Leinwanddach begrabend. Nun ent- stand unter der Leinwand das wildeste Chaos; Alles suchte hervorzukriechen und interessante Szenen gab eS in Mengen. Vor allem mußte nach der begrabenen Beleuchtung gefaßt und dieselbe in Sicherheit gebracht werden, um FeuerSgesahr vorzu- beugen. Außer etlichen leichten Kontusionen find Verletzungen nicht vorgekommen. Der Befitzer hat auch einen erheblichen Schaden, da das Karoussel an allen Theilen sehr beschädigt ist. Obenein hatte er noch den Spott von Militär und Publikum zu tragen. Da das Militär nach der obigen Schilderung un- verständiger Weise den Unfug verübte, hätte es den Geschä» digten wenigstens mtt dem Spott verschonen können. Polizetbericht. Am 13. d. M Vormittags fiel der auf dem Neubau Mittenwaldersttaße Nr. 46 beschäftigte Zimmermann Stiller bei dem Anbringen des HauptgefimseS, vermuth» lich in Folge Fehltretens, von dem 5. Stockwerk in de» Hof hinab und verstarb auf der Stelle.— An demselben Tage Nach- mittags brach in einer Wohnung des Hauses Badstraße Nr. 8b, in welcher sogenannte bengalische Flammen fabrizirt wurden, dadurch Feuer aus. daß ein brennendes Licht auf die am Boden liegenden Chemikalien fiel und diese entzündete. Das Feuer griff derartig um sich, daß die erschienene Feuerwehr etwa zwei Stunden in Thätigkeit war.— An demselben Tage Abends machte ein Mann in einem Hotel am Louisenufcr den Versuch, sich mittelst Revolvers zu erschießen. Er wurde noch lebend nach Bethanien gebracht. Gerichts-Zeitmtg. Seehansen t. A. Vor dem hiefiaeu Schöffengericht berief fich ein Angeklagter in seiner Vertheidlgung auf erne Stelle in der heiligen Schrift, was wohl nicht oft vorkommt. Die Lehr- linge Muß. Albrccht und Storbeck waren angeklagt, zu ver- schiedenen Malen junge Staare aus den Nestern genommen, gebraten und verspeist zu haben. Muß rechtfertigte sich damit, daß er behauptete, nach der Bibel sei daS Ausnehmen der jungen Vögel gestattet. Das Gericht hörte mit Verwunderung dieser Angabe zu. ließ sogar eine Bibel herbeiholen und die betreffende Stelle, welche von dem Knaben als 5. Buch Mose 22. 6 und 7 bezeichnet wurde, aufschlagen, wo denn aller- dings steht:„Wenn du auf dem Wege findest ein Vogelnest, auf einem Baume, oder auf der Erde, mit Eiern, und daß die Mutter auf den Jungen oder auf den Eirm fitzet, so sollst du nicht die Mutter mit den Jungen nehmen. Sondern sollst die Mutter fliegen lassen und die Jungen nehmen, auf daß dir's wohl gehe und du lange lebest." Selbstverständlich konnte die Bibelstelle dem Strafgesetzbuch gegenüber die An- geklagten nicht schützen, fie wurden aber nur zu 1 M. Geldstrafe verunbeilt.__ Soziales Arbeiterbewegung. Ueberall find e» die Innungen, welche, anstatt Emi- guna zu stiften, Zwiettacht säen. In D e ssa u haben namlrch die Tischlergesellen nur bei den Jnnungsmerstern die Arbert eingestellt, weil diese mit einer neuen Werkstattsordnung, nach welcher die Gesellen bei demselben Lohne 4 Stunden wöchent- lich länger arbeiten müssen, ohne Zustimmung der Gesellen vorgegangen waren. Bei den übrigen Meistern arbeiten die Gesellen mhig und zur Zufriedenheit fort. Man steht, daß die Innungen weiter nichts bezwecken, als die Gesellen unter das Joch der Meister zu beugen. Und dann find fie geeignet, die Meister, wenn diese auch noch so beschränft und ungeschickt find, immer übermüthiger zu machen. Z« dem großen Oldhamer Streik ist zu bemerken, daß weitere 1 Million und 100 000 Spindeln abgestellt worden find. Die Fabrikanten entlassen ihre Arberter schaarenweise. Die Roth in dem Bezirke ist sehr groß. So etwas erlebt man im dem gelobten Lande der„Harmonie zwischen Arbeit und Kapital!'p Der erste Verdandstag der Kranken- und Begräbniß- Unterstützungskassen des Königreichs Sachsen fand am 9. d. M. unter Betheiligung von 99 Delegirten m Leipzig statt, welche 90 Kassen oertraten. Aus den Verhandlungen er- Sab fich. daß in Sachsen bis zum 1. Juli d. I. 93 Kassen mit 3 799 Mitgliedern bestanden. Der wichttgste unter den ge- faßten Beschlüssen war derjenige betreffs der Ausdehnung des Verbandes über ganz Deutschland. Mit der Ausarbeitung eines bezüglichen Statuts ist das Verbandspräfidium betraut worden, welches seinen Sitz in Chemnitz hat; dort soll auch in Zukunft das Verbandsorgan erscheinen. Für den Eintritt in den Verband ist von jedem neuen Verein ein Beitrag von land günstige Aufnahme finden werden. Verwahrloste Kinder. In diesen wenigen Worten liegt «ine Unsumme sozialen Jammers und Elends, es liegt aber auch eine Anklage gegen die aesammte Gesellschaft dann, weil zumeist diese„verwahrlosten Kindel elternlos und aufsichtslos find. Ehe fich die Einrichtungen des Staates oder der Ge- meinde über solche Kinder erbarmen, find dieselben meist m ihrer Entwickelung derart auf die schiefe Ebene gelangt, daß eme spätere Erziehung nicht viel mehr fruchtet. Aber auch die Erziehung selbst in den Findelhäusern und Besse« rungsanstalten ist meist eine solche, daß die später Entlassenen selten tüchtige Menschen werden, sondem meist unter d»e „Vagabonden" gerathen. So hat man auch in Wren den Anfang gemacht, eine Besserungsanstalt für Taugenichtse rm schulpflichttgen Älter einzurichten und vorläufig 13 Knaben auS einer Unmasse von verwahrlosten Kindern ausgewählt. Wie lief diese Knaben schon gesunken waren, geht aus folgender Schilderung hervor: Die meisten batten schon frühzeitig die Eltem verloren, so viel alS gar keine Erziehung erhalten und ttck zunächst auf den Bettel geworfen und waren auf dieser abschüsfigen Bahn sehr bald zu Uebelthätern ge- worden Den Bettel betrachteten fie augenscheinlich als ein 13&Ä illiliil �Lumpen und Fetzen" gehörten nun einmal dazu. Ein Dritter berichtete in fließender Rede über die Nachtquarttere der kleinen Umhertteiber. Auch in Wien wie in anderen Großstädten giebt eS„Privatherberaen", in denen alle Arten von Bettlern und Ettolchen gegen Schlafgeld Unterkunft finden. Nichts Seltenes sei es, daß Erwachsene Jüngeren ihre Beute gewaltsam ab- nehmen und jeden Widerstand mit Prügeln und Hohn beant- warten. Wer keine Schlafgebühr zahlen rann, muß in Kanälen, unter Brücken x. nächtigen, zum Lager meist gestohlenes Heu oder Stroh benutzend. Ein Vierter beschrieb sehr eingänglich einen an seinem Lehrherm verübten Uhrendiebstahl, legte dabei gründliche KenntnißdesStrafgesetzeS an denTag, wohl unterscheidend zwischen Entwendung und Veruntreuung und schloß mit einer Lobrede auf die„Freiheit", welche ihm durch die beste Verpflegung und Behandlung in abgeschlossenem Orte nicht ersetzt werden könne. Eine interessante Lebensskizze gab ein kaum Vierzehnjähriger, dessen Bruder zur Zeit als yauvt einer förmlichen Räuber- bände zweijährige Gefängnißstrafe verbüßt. Mit steigender Wärme berichtete der Bengel, daß er schon mehrere Male an Brandlegungen theilgenommen habe, was ihm besonderen Spaß machte, weil dadurch meist„großer Schaden" entstehe und eS eine„prächtige Hetz" gebe, wie z. B. damals, als alle die Stellwagen verbrannt wurden und die Leute zu Fuße in die Stadt mußten. Der Knabe leidet offenbar an BrandlegungS« wuth(Pyromanie), seine Augen glänzten bei der Schilderung des Feuers, der Blick wurde stier, wie in seiner Erzählung die Flammen hoch aufloderten!— Solche Schilderungen zeigen zur Genüge, daß die Gesellschaft gegen ihre Pflegebefohlenen — das find doch die elternlosen Kinder— und auch gegen fich selbst lange nicht genügend ihre Pflicht thut. Schamrothe muß doch in der That allen mit Glücksgütern gesegneten Menschen inS Geficht steigen, wenn fie Vorstehendes lesen. Man steht aber auch, daß eS sehr, sehr faul in der heutigen Gesellschaft aussteht. Xus Liverpool wird berichtet, daß dort auch in den Kohlenminen des Lord Londonderry ein großer Streik ausgebrochen ist. Die Arbeiter verlangen eine Lohnerhöhung und eine Einschränkung der Arbeitszeit. Die Zahl der Strei- kenden beträgt ca. 3000. Dieselben hoffen auf einen Sieg, da in den benachbarten Gruben dieselben Forderungen von den Arbeitern erlangt worden find. Die größte Textilfabrik in der Welt ist die in Lawrence, Massachusetts, gelegene Pacific Mills. DaS Be- triebskapital dettägt 2 500 000 Doll. Die Fabrik besteht auS 23 Gebäuden, die einen Flächenraum von 43 Morgen Landes bedecken. In diesen Fabrikgebäuden find vier große Dampf- Maschinen von je 3500 Pferdekraft, 42 kleine Dampfmaschinen, 50 Dampfkessel und 11 kreiselförmige Räder von je 5000 Pferde- kraft im Betriebe. Der jährliche Kohlenverbrauch umfaßt 25 000 Tonnen; der jährliche Gaskonsum in 9000 Verbrennern kostet 35 000 Doll.; der jährliche Baumwollkonsum ist 15 000 Ballen, der jährliche Wollkonsum 4000000 Pfd.— das Produtt von 750000 Schafen. Die Fabrik produzirt jährlich 65000 000 UardS gedruckte und gefärbte Kattune, 35000000 NardS Kammgarnstoffe, im Ganzen also 100000000 Nards, eine Quantität, die fich 2V«mal um die Erde legen läßt. Zur Verfertigung dieser Stoffe find nahezu 20 000 000 Meilen Garn erforderlich. Das Arbcitspersonal besteht aus 5500 Personen, darunter 3600 weiblichen Geschlechts. An Arbeitslöhnen werden im Jahre 1 790 000 Doll. verausgabt. Die größte Zündholzfabrik in Schwede«, vielleicht der Welt, ist die„Jönköping Tändsticksfabnk". Dieselbe bat im vergangenen Jahre 247 768388 SchachtelnlZündhölzer im Werth« von 2563 613 Kronen produzirt: an Arbeitslöhnen wurden 574 813 Kronen ausgezahlt. Die Fabrik arbeitet mit 10 Dampfmaschinen von 200 Pferdekraft, welche 279 verschiedene Arbeitsmaschinen treiben. DaS in der Fabrik beschäftigte Personal be- trug durchschnittlich 1041 Personen und außerdem find noch mehrere hundert Personen außerhalb der Fabrik bei der Schachtel- fabrikation beschäftigt. Uermischtes. Stiergefecht in Nimes. In Nimes fand dieser Tage ein Stiergefecht statt, welchem gegen 20 000 Personen beiwohntm. Keiner der 6 Stiere, die getodtet werden sollten, wurde durch den ersten Stich gefällt; die wüthenden Thier« hatten Zeit, einen Torreador zu verwunden und 10 Pferde umzubringen. Das Publikum zeigte fich über die Thierquälerei erbittert. Die hiesigen Blätter fragen, ob NimeS in Frankeich oder in Sva« nien liege» daß dre Behörde solche Gräuel gestatte? Die „Fr. Korr." schreibt darüber: Der Minister deS Innern M, entgegen früheren Anordnungen, die Erlaubniß zu einem großen Stier gerecht in Nimes ercheilt, welches gestern Nach' mittag die Stufen der dortigen Aren« mit einem schaulustigen fublrkum füllte. Der Torreador Frascuelo war mit seiner uadrilla aus Madrid verschrieben worden und erregte den unbändigsten EnthufiaSmus, als er den ersten Stier erlegte. Der zweite leistete größeren Widerstand, tödtete ein Pferd, ver- wundete deren zwei und versetzte schließlich auch FraScuelo einen Stoß in dre Hüfte, daß der berühmte Fechter blutend vom Platze weggettagen werden mußte. Der dritte Stter kat wüthend auf einem Banderielliero herum, welcher dabei gc ringeren Schaden nahm, als die Zuschauer zuerst glaubten. Der Bruder FraScuelo's tödtete fünf Stiere und erntete dafür den Beifall des Publikums, welches gegen das Ende aber doch daS blutige Spettakel, daS vier Pferde auf der Stelle kostet« und sechs oder sieben so Übel zurichtete, daß fie geschlachtet werden mußten, allzu grausam fand und fich nur halb zufrieden entfernte." Unmenschliche Xohheit. Der auf der Reise von Madras nach Boston befindliche Schraubendampfer„Dilsberg" nahm am 14. Juli auf der Höhe von Lonali die 4 Insassen eines kleinen arabischen B»oteS an Bord, welche zu der Bemannung des gescheiterten Londoner Dampfers„Willingale" gehört hatten- Der gerettete erste Offizier desselben, Mr. OwenS, berichtet, daß der„Willingale" am 21. Juni um 2 Uhr Nachts an der Küst«' etwa 4 Meilen südlich vom Kap Guardafui, Schiffbruch erlitt. Es wurde ein Boot hinabgelassen, und drei Matrosen unter dem zweiten Offfzier versuchten eine Verbindung mit dem Lande herzustellen. Doch in der Nähe des Ufers kenterte des Boot Und ein Matrose ertrank, während die anderen drei das Ge- stade erreichten. Lei Anbruch des Tages kamen 4 Araber an da» Schiff geschwommen, und man bat fie, da« Ende einer Leine an's Ufer zu bringen, da sämmtliche übrigen Boote von den Sturzwellen zerschmettert worden waren. Sie verlangten aber Bezahlung, und da man kein Gelb hatte. sprangen dre Unmenschen über Bord und schwammen wieder anS Gestade zurück. Ein maltefischer Mattose folgte ihnen und erreichte glücklich daS Land. Ungefähr um 9 Uhr brach da« Schiff entzwei, und bald darauf zerfiel das hintere Ende gänz- lich. Einige von der Mannschaft versuchten mittels der Trümmer das Gestade zu erreichen, aber dies gelang nur Wenigen. Der Kapitän, der einen Rettungsgürtel trug, ha»« fast das Ufer erreicht, er wurde aber von den Wellen zurück- gespült, unt> die in seiner unmittelbaren Nähe befindlichen, mtt der Bergung von Schiffsgütcrn beschäftigten Eingeborenen halfen ihm nicht, sondem ließen ihn ertrinken. Der Zimmer- mann, der HochbootSmann, ein Heizer und der erste OfstZiek versuchten alsdann gleichfalls vermittelst der Schiffstrümmer anS Land zu kommen, und als letzterer, der nicht schwimmen konnte und nur von einem Schisssdalkm über Wasser gehalten und endlich ans Ufer gespült worden war, seine Besinnung wiedererlangte, vermißte er von der aus 24 Köpfen bestehenden Bemannung des Schrffet zwölf Personen. Zum Schutze der Drehorgel«. Man schreibt au* Paris:„Im Jahre 1861 wurden mehrere Leierkastenmänner in Paris auf Veranlassung von Einwohnem, die an ihrer Mufik keinen Gefallen fanden, wegen Landstreicherei in W genommen. Der Advokat vertheidigte fie und holte über v» Nützlichkeit ihrer Beschäftigung Gutachten von mehreren KoM- pomsten ein. Diese Gutachten find in folgenden beiden Briefe» enthalten:„Mein lieber berühmter Freund! Ich glaube nM daß ein einziger Komponist wird zugeben wollen, daß sein NA darunter leiden wird, wenn einige seiner Melodien von ve» Drehorgeln oder anderen Mufikkästen, von denen Sie spreche� wiedergegeben werden. Ich glaube im Gegentheil, daß die dem Publikum preisgegebenen Melodien, weit entfemt, den Ruf de> Komponisten zu vermindem, demselben eine VolkSthümliakeu verleiht, welche ihnen nicht unangenehm ist. Gewiß, die KoM- ponisten lieben dre großen Sänger, die berühmten Tenore, d» gefeierten Primadonnen, aber die Volksstimme hat auch Gutes, und fie find weit entfernt davon, dieselbe gering f schätzen. Ihr getreuer Halevy."—»Liebenswürdiger W Cremicux! Ich bin gänzlich der Meinung Halevy'S und bim Sie, mein Gutachten dem seinigen beizugesellen. Der f der Straße ist nicht derjenige, der am wenigsten schmeichem Genehmigen Sie die Versicherung meiner ausgezeichneten HoM- achtung. Auber." Die beiden Tondichter setzen aber bei ihrem duldsamen Spruch jedenfalls voraus, daß die Leierkasten gestimmt find, die Stücke im richtigen Tempo gespielt werde» und das Konzert nicht allzulange dauert, drei Bedingungen die leider!!! nicht immer zutreffen.". 13. Ziehung d. 4. Klasse 172. Königs. Preuß. Lotterie. Ziehung vom 14 Nugufl 1886. klur die Sewlilne Uder 21« Mark sind Den detrefsende» Nummer» in Parenthese deigefügt. (Ohne itzewiihr.) 8 31 40 64*8[6000] 233 330 32 443 528 70 82[8001 650 79 706 27 32 52 58 77[300] MCO 66 97 944 50 1012 47 67 107 28 39 210(3001 33 43 53 301 61 66 82 409 31 613 86 629 60 866 74 78[300]«049[300] 207 70 390 416 33 46 62 72 511 68 81(00 12 19 868 989[300]»017 23 86[300] 99 105[15001 39 60 88[1600] 229 94 97[6501 476 530 62(3001 81 649[300] 768 91[300] 96 837 68 4088 108[800] 36 40 363 66 432 84[3001 881[5601 24 70 6008(3001 137[300] 69 230 36 46 310 11 16 37 463[3000] 76 611 44 92 610 27 714 36 38[16000] 42 810[30001 988 63 72«009 74[3001 82 158 79 275 370 440[550] 71 512 58 606 803 943 7006 60 83 223 309 30 36 6 1 62 401 15 36 520 47 728 72 83 810 931 71 8078 117 19 86 321 29 92 451 545 626(3001 718 32 96 805 88 902 9 23 24 36 37 61 »020[1600] 47 116 38 45 46 237 42 327 511 616 751 65 64 818 916 33 42 57 96 10106 68 211 24 43 54 96 311 622 663 80 808 30 900 31 78 11001 7 14 76 185 209 38(1500] 61 379 456 1300] 72 91 6 1[300] 46 63 91 680 781 1*000[1500] 1 66 106 22 92 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Cronhet» in Berlin. Druck und Verlag von«« vadtng in Berlin SW, Beuthstraße S. 369 425 86(550) 626. 29 84 1300) 411 17 39 502 12 57 76 HO 634«2 77» 965. SiSu'S*« s r 89afe 401 12 79*1600] SolSl3) 667� 703 82S�40 904"l0 15�37 46'«KW IwSrXTMS-tef, SÄ M WA'SÄj® WSKffKLL U- 44 55 208[3000] 20(3000] 377 448 54 56 564 66 81 91 ll5W 792 876 951_ Hier»» eine Beil«� Beilage zum Berliner BolNlatt. Kr. 189. Sximabend, de» 15. Auguli 1885. IL Jahrg. Ita«liier Kntmz zur KrimkuiWstik. ». Unter dieser Ueberschrift fanden wir in der„Vosstschen %" nachstehenden Artikel: .-.'Die neueste Zeitschrift des könial. statistischen Bureaus rnthlilt unter dem Titel:„Die Zahl der Kriminalität in Greußen für 1854 bis 1884" einen sehr wichtigen Beitrag des �ehermen Ober-Regierungsraths und vortragenden Raths im ?"Nrsteiium des Innern Illing zur Behandlung der Kriminal- nantlik in Preußen. Als vor ungefähr 1'/, Jahren der Ge Mme Oder-Justizrath Dr. Starke rn einer kuilurgeichichtlichen vtudie(Verbrechen und Verbrecher in Preußen 1854—1878) M Nachweis zu führen suchte, daß die Klagen über eine be- ventlrche Zunahme des Verbrecherthums großentheils übertrieben und nicht gerechtfertigt seien, fand diese These allgemeinste Pachtung, und es wurde vielfach, insbesondere auch im Ab fltotonefeichaufe, als nunmehr zweifellos erwiesen angenommen, M die Kriminalität in Preußen thatsächlich abgenommen habe- A den Kreisen der Statistiker und Kriminalisten rief das , tarke'sche Buch zum Theil aber lebhaften Widerspruch hervor, und man nannte die Grundanschauung des Veriaffcrs, die zu ??WN er ein großes Zahlenmaterial anhäufte, rosig und opti- miMsch gefärbt, bezeichnete auch die Zahl der neu eingeleiteten Untersuchungen, die Starke seinem Buche zu Grunde gelegt uattr, als absolut ungeeignet, ein Bild von der Bewegung der «rimmalität zu geben. . Nachdem insbesondere der Reichsgerichtsrath Mittelstädt u> erner auch in dieser Zeitung erwähnten Abhandlung, und jüngerer Statistiker, Assessor Dr. Aschrott, die Beweis- Wittel und Schlüsse des Geh. Raths Starke umgehend bekämpft hatten, ist letzterem in der Person des Geh. Raths Illing ein IjUer Gegner erwachsen, der mit Geschick und Energie gegen h>e Art der Zählung in der Starte'schen Statistik auftritt. .v sommt nach Sichtung des statistischen Materials— welches ej-lS'ns allseitig als mangelhaft anerkannt wird— zu dem «chlusse, daß Verbrechen und Vergehen seit einem vollen Kienschenalter in der Zunahme begriffen find, daß das Anwachsen seit 1872 bei den schweren Verbrechen, insbe- 'andere bei Meineid, Verbrechen wider die Sittlichkeit und das �eden, bei Körperverletzung, Raub und Erpressung, Betrug und -örandstiftung sehr bedeutend gewesen ist, und daß seit 1854 aornehmlich die Untersuchungen wegen solcher Vergehen zuge- Nammen haben, welche ihren Entstehungsgrund im Mangel an Aelpekt vor der gesetzlichen Autorität, in Mißachtung der öffent- inhen Ordnung und in Rohheit haben. Bei der Erörterung der Faktoren, welche bei der Zu- und Abnahme der Verbrechen mitwirken, legt Geh. Rath Illing wenig Werth auf die Preise der Lebensmittel: einen bedeutenderen Einfluß weist er der im letzten Menschenalter getretenen vollständiaen Umgestaltung auf allen Ge- meten des bürgerlichen Erwerbes und Verkehrs zu, wenn er °uch diesem Faktor nicht die besonders hervorragende 'Weutung beilegen kann, die man ihm sonst gewöhnlich zu- jpist. Alz einen vor Allem verderblichen Faktor dagegen Zeichnet er den Branntweingcnuß, welches Laster er ms erste und letzte Ursache des Verderbens bei mindestens unsere Zuchthaus sträflinge bezeichnet. Von den Bei brechen sskgen das Eigcnthum, also von über 70 pCt. des Bestan- Unserer Zuchthäuser hat nach Illings Ansicht nur ein Mnger Theil seine Ursache in unverschuldeter Roth; in der flf.'fbrjahl der Fälle erwächst die Roth aus Lüderlichkeit, vor Mi aus der Trunksucht, und dann erwächst aus der Roth i"* Verbrechen. Auch der allgemeine Rückgang der Moral in J1}, unteren Volksklassen, in deren Augen sich Moral und Legion decke und bei denen mit der Jrreligiöfität auch die M'uoralität fortschreite, vermehre die Verbrecher ungemein, �besondere sei dem weiblichen Geschlecht die Prostitution die iw..ule des Verbrechens. In letzter Linie aber trägt nach d��rtheile des Geheimen Raths Illing die Kurzzeitigkeit m, Strafen und die Art des Strafvollzugs, insbesondere die �ernschaftshaft außerordentlich zur Vermehrung der Ver- c» bei. Wenn man auch der Art und Weise, wie der usser den Richterspruch in Spezialfällen kritifirt, nicht durch- beistimmen kann, weil eben das Urthcil auch bei Ab- rfng des Strafmaßes Momente berücksichtigen muß, die sich „..statistische Schemata nicht bringen lassen, so muß man doch ' baß in einer allzu milden Anwendung der Straf- insbesondere des Strafmaßes, eine Gefahr für die _ Brüche Gesellschaft liegt. Das holländische Sprichwort: ttei Int Wiirgkschiihte der Aitteii. dies? �or. Dauben den Wünschen vieler Leser und Leserinnen der N» NK zu entsprechen, wenn wir die Naturgeschichte den, aw*"' Jener kleinen Hausgenossen der Menschen, die und allerlei Wollstoffen in so hohem Grade in v" � werden, noch vor Eintritt ihrer Wiederbelebung chr. ze darlegen und Einiges über Vorkehrungen gegen S4,,kt®ett Schädigungen hinzufüge«. Die Motten, oder sch��.iNilleichek) bilden die letzte Familie der Nacht- (Iii.. ,snge, insbesondere der Abtheilung der Kleinsalter dur�- kcpidoptera). Diese Falterchen sind charakterisirt oder kleinen oder sehr kleinen, schlanken Leib, lineale KesJZ'u�anzettliche Vorderflügel, etwas breitere, lang- de« oül Hwterflügel, mit welchen sie in der Ruhe meist alz qvi. uwrollen. Ihre Räupchen sind 16 füßig, leben auch im Innern der Blätter von Blattfleisch, n,''"*» m----- ix---- Led-r'suchten, oder als Thierfteffer von Haaren, Federn, berferr;�.°��ugen, vräparirten Insekten u. s. w. Viele Spinnr. İus Abnagseln ihrer Fraßobjekte und eigenem Schnei. �hren oder Hüllen(Säcke), die sie, wie die r.._ e ihr HauS, mit Kch berumtraoen. in welche sie sich eigenem >üllen(Säcke), die sie, wie die vel lA.c r"7' y ww., i herumtragen, in welche sie sich Ummi W zurückziehen und in denen sie sich auch zur Puppe M>t« s Dre gefürchletsten sind die Pelzfresser. Wenn Boaz �n des Winters die wärmenden Sachen, Muffs, Zw. und Pellerinen aus dem Schranke, Kommoden und �vorgezogen, oder nach längerer Reise Strümpfe, vien??°' Schlummerrollen und Rückenkissen, Schlafwollmützen, srWs. auch Zöpfe, ToupetS und ChignonS von theurem Men- die!w � besichtigt werden, dann ist das Unglück da. Es sind Ä .(«pfviTL»... T— OlT..... 7U'}----' p---- or ?det i.e derartig bearbeitet, daß zwlschen �en Fingern !-V-Vv.v �''SJ l—'-"o—"——,— «Ott n, dann. Die Unholde sind quer durch Strümpfe kang? Jl*** Wollhemden gegangen, haben durch ihr Nagen die Grti�fu und Plätze im Pelzschmuck hergestellt, genug, oder in v, � artig bearbeitet, daß zwischen den Fingern bleibe»°or Bürste ganze Flocken und große Flausche ver- Von ben.» v. Bebt verschiedene Sorten dieser Schädlinge, bte eine immer noch schimmer ist als die andere. Z achte chirnr hören dieselben nur in das„detail" und es erscheint uN» durchaus ungehörig, hier eine Preisverschiedenheit obwalten J" lassen, durch welche Praxis thatsächlich die Aermsten der Armen, die in ihrer Hilfslofigkeit außer Stande find, mehr zu kaufen- als fie gerade für den Augenblick benöthigen, wenn dazu üder- Haupt die vorhandenen Geldmittel ausreichen, in einer»e dauerlichen Weise benachtheiligt werden. Gerade die Aermste» der Armen müssen Alles am theuersten bezahlen— das ist 5C Fluch der Armuth.„ w. So große? Aufsehen die Enthüllunge« der Mall Gazette" erregt haben, so berichten fie doch eigenm® nichts Neues und Unerhörtes. Wer der Sittengeschichte et«� Aufmerksamkeit zugewendet hat, weiß, daß derartige Zustän»« wie sie für London aufgedeckt find, in jeder großen Stavt kommen und zu allen Zeiten vorgekommen find. In Beru» z. B. wurde schon vor hundert Jahren, wie uns der oM reichische Schriftsteller Friedet in seinen 1785 erschien«� Briefen über die Galanterien Berlins erzählt, der Mädchss� Handel in derselben schändlichen Weise betrieben, wie jctzj.Jl London. Da das von Friede! von dem Treiben der BerlMfj Kuppler entworfene Bild in vielen Stücken den EnihülluM der„Pall Mall Gazette" gleicht, so wollen wir eine SÄ, aus seinen Briefen hier wiedergeben. Der österreitfR?' Schriftsteller, dessen Wahrheitsliebe, wie nebenbei bemerkt ft' mag, von keinem seiner zahlreichen Kritiker angezweifelt worden»' besuchte während seines Aufenthalts in Verlin auch einS derdamm, sehr zahlreichen öffentlichen Häuser die berüchtigte„scharfe Cm in der Kanoniersttaße. Unter der großen Schaar der Bewo?»- rinnen des Hauses fiel ihm ein etwa 17 jähriges Mädchen dessen schüchternes, bescheidenes Wesen gewaltig von.d-»' frechen Benehmen der übrigen„Damen" abstach. Er nah«'. fich demselben und ließ fich, nachdem er die argwöhnische 9L passende Hausmutter unter einem Vorwande entfernt hatte, Lebensgeschichte erzählen. Das Mädchen berichtete: Vor en» Monat wurde ich in Königsberg, meiner Vaterstadt, von% Dame, die fich für ein Fräulein Sch. ausgab und zu U! ,- Vermählung nach Verlin reiste, befragt, ob ich Lust hätte,* Kammcrjungfer mitzugehen. Da ich schon in meiner fiffSfL, Jugend Neigung hatte, die Hauptstadt zu sehen, meine V' aber nicht darin willigen wollten, so reiste ich ohne ihr g mit der Dame weg. Sie hatte noch vier Mädchen,»Heils» Königsberg, theils aus der Umgegend, die alle in ihren Die"'» standen. Als wir hier ankamen, veitheilte uns die Dam«'% in eine besondere Micthe, weil fie erst nach der Hochzelt,.. sie sagte, Gelegenheit hätte, uns bei fich cinzumiethcn. J, von ihr in ein Gasthaus, die„scharfe Ecke" genannt, g«%( wo noch mehr Mädchen, von anderen Herrschaften aufeme n � Zeit eingemiethet waren, wie man mir sagte. Die Dame �.( bat bald weg, versprach aber, sehr bald mich zu besuchen- aber nach acht Tagen noch nicht wieder gekommen war, ich die Frau, wo ich wohnte, mich zu ver Dame zu Diese anwortete, daß fie die Dame nicht kenne. Ich uit darüber um so mehr, als ich das bischen Geld und was' � Kleidung mitnehmen konnte, noch in den Händen der*- � hatte. Ich erfuhr noch diesen Tag, daß ich betrogen»sr„et' eine Tabagie gebracht worden sei. Ich wollte dies Hau � lassen, aber die Wttthin forderte zehn Thaler von mir, � in dieser Woche schuldig geworden wäre, und da in) r'r; zahlen konnte, so zwang sie mich durch Schläge und hm»,. Handlung, daß ich mit den anderen Mädchen auf da» � »immer gehen mußte. Eine von diesen gab mir in der � noch mehr Licht. Die vermeintliche Dame, sagte fie, v"' 0V der Kupplerinnen, die im Lande herumreisten, um juasss ni# cken in ibre Falle zu locken. Ick würde wohl so'«iw auslosen� gg chen in ihre Falle zu locken. Ich wieder herauskommen� wenn ich mich nicht Allein dazu habe ich keine Hoffnung, weil ich nichts was ich am Leibe habe. Da sich bei genaueren NackfoO»-,.\j die Wahrheit des von dem Mädchen Erzählte» heraiwst brachte der österreichische Schriftsteller die Summe von 50� mit Hilfe seiner Freunde auf, bezahlte damit die Scku Mädchens und schickte fie den Eltern wieder zu. ggi*' Nach Mtttheilung des Statistischen Amts der Berlin find bei den hiestgen Standesämtern in Mi- vom 2. August bis inkl. 8. August zur Anmeldung 187 Eheschließungen, 784 Lebendgcborene, 27«rodtg 687 Sterbefälle. �„#*3 Die Legung der Leitungen für die städtischen# zitätswerke geht, wie die„Nat.-Ztg." erfährt,' tliM) von statten, als man es fich gedacht hat. Die st»zss Leitungen beanspruchen den Vorrang. So so sollen ttf schen Werke drei Meter von den Häusern entfernt ble Platz für künftige Kabellegungen zu lassen. Wo fim rf mit Etaatsleituimen kreuzen, müssen sie in Vlechml. I V, Zentimeter Stärke eingelegt werden, um das Ueve, von Elektrizität zu verhüten, wo fie parallel laufen,' in Röhren gebettet werden. M Ber der Kriminalkammer in Kopenhagen Untersuchung gegen einen im Bionat November o. r verhafteten dänischen Unterthan, Namens Krohn, weg t- fertigung falscher dänischer Hundertkroncnscheine 35!„„n Sr selbe ist geständig, im Oktober v. I. solche in Pans u butg verfertigte Scheine in Hamburg und Lübeck verausgabt Zu haben. Krohn, der sich auch„Freiherr" oder„von" Krohn w die 4 großen in Paris vorgefundenen Platten zur Ansertigung der Falsifikate von einem aewiffen Johansen er- M?"' zwei kleinere Platten dagegen m Köln bestellt und settlge Stempel, Zahlen und Namen von drei Lithographen in Dresden erhalten haben. Die erste Angabe über den Ursprung ~t 4 großen Platten ist jedenfalls nicht richtig und erscheint tü e Untersuchung von Wichtigkeit, den wirklichen Ver« Mgrr, der nur in einer Stadt Deutschlands zu suchen sein i bcm' � ermitteln. Da rc. Krohn im Sommer oder Herbst "äch seinem Geständniß sich hier aufgehalten hat, so ist e» nicht unmöglich, daß er die Platten bei einem hiesigen Litho- graphen hat anfertigen lassen, ohne daß der Verfertiger den -Verwendungszweck derselben kannte. Diejenigen Lithographen, %% m der Zeit vom Juni bis Oktober 1884 irgend eine «tont für einen Herrn von Krohn ausgeführt haben, werden Statten � �eige hiervon der hiesigen Kriminalpolizei zu , Einer jener unsinnigen und frevelhaften Wetten, o« denen es sich um übermäßiges Trinken handelt, ist am «uttwoch wiederum� ein Menschenleben zum Opfer gefallen. Gtunb Breies Gilka und zwölf Seidel Patzenhofer'schen ,• m tWTX I I. rv-k IT# CT Zu konsumiren. Es galt bei dieser Wette der Bezahlung „?.«iche. Am Mittwoch Vormittag sollte, der Verabredung gemäß, vrese frevelhafte Wette in einer Destillatton der Memeler- !,i°°�,zum Austraa gebracht werden. K. trank zunächst auch Sj Masche Gilka vis auf den letzten Tropfen leer und machte �.>nn an das Dutzend Patzcnhofer. Doch schon bei dem nixlr-1 �idel fühlte er sich unwohl, und es schwand ihm Üblich die Besinnung so vollständig, daß er nicht mehr wußte, 5?" sich befand. Seine Kollegen schafften in Folge deffen " Besinnungslosen in einer Droschke nach Hause und holten (.w Dessen Bemühungen um den Erkrankten waren ,?°ch vergeblich; derselbe erlag vielmehr nach Verlauf von Zwei Stunden den Folgen seiner entsetzlichen Un« "lutzigteit. Weber einen traurigen Vorfall, welcher den Tod eines Nöen Menschenlebens zur Folge hatte, wird uns berichtet: iQ o,, seinen Eltern in der Prenzlauerstraße 26 wohnende i.m"chte alte Eattlergehilfe Emil Kluge, ein solider, strebsamer unger Mann, war am letzten Sonntag Abend mit mehreren Freunde, ebenfalls sehr anständige junge Leute, in dem gsswurationslokal von K. in der Wrangelstraße, woselbst sie och durch Billardspiel rc. die Zeit vertrieben. Aus bisher nicht (CT aufgeklärter Veranlassung entstand zwischen den jungen und mehreren anderen Gästen ein Streit, der bald in �hatlrchkeiten ausartete, wobei Biergläfer als Waffen dienten. B« der Rauferei erhielt der sich ganz reservirt haltende Kluge Wc derartigen Schlag auf ven Kopf, daß ein Therl h. Seidels in den Schädel drang und K. bewußtlos zu Bo- ?u stürzte. Außer K. erhielten auch noch zwei andere junge �eute Verletzungen. Nachdem dem K. die lerder nicht genügend veachtete Wunde in einer Sanitätswache verbunden worden 5% wurde er nach der elterlichen Wohnung überführt. Der Zustand verschlimmerte sich derartig, daß ein Arzt, Doktor «arewski, herbeigerufen werden mußte, welcher die Ueber- 'Ehrung des Schwerverletzten nach dem jüdischen Krankenhause «npfahl, die sodann auch am Dienstag Vormittag erfolgte. ist der junge Mann gestern Nachmittag seinen Ver« «tzungen erlegen. In dem Schädel des K. wurden noch etwa v Glasstückchen gefunden, sodann stellte man fest, daß in der verbundenen Wunde noch Haupthaare steckten. Der Fall ist verertS der Etaatsanwaltfchaft mitgetheilt worden. schwerer Unglücksfall hat sich, wie ein Lokalbericht« �Matter mittheilt, gestem Vormittag in der Münchener Bier- t.V vet a/mijerei oeiajuiugici Stau», uiu yiuui»>>i,ujiuu» -7?->st von einem in Benutzung befindlichen Treibriemen er» intt*----■--— orr»-- r r v w l hÄ"1»onJSictfth in der Johanmsstr. 18 zugetragen. Ein (,.? der Mälzerei beschäftigter Brauer, mit Namen Echwa« s.A' zst von einem in Benutzung befindlichen Treibriemen er» innly. Und mehrere Mal um dessen Welle herumgeschleudert Erst nachdem die Maschine zum Stehen gebracht .°?kn war, konnte der Verunglückte aus seiner Lage befteit ßwi b Bewußtlos und anscheinend mit mehrfach gebrochenen v/. dmaßen wurde er sofort in die königliche Klinik in der �'kgelstraße geschafft. IM. w Polizeibehörden ist seitens des Amtsvorstehers avstW der Oderförsterei Köpenick die genaue Beschreibung der *ines Mannes zugegangen, welche am 21. v. M. in der Forst erhängt vorgefunden worden ist und deren K.�titat bisher nicht ermittelt werden konnte. Der Verstorbene b ktwa am Ende der 60er Jahre, Schnurrbart und Kopf» b„,?�varen bereits stark ergraut rcsp. weiß. Die Leiche war fehl y wit ursprünglich wahrscheinlich dunkelblau melirtem, w'�vurch Alter und Sonne stark ins Gelbliche verfchossenen W* Z'sv'lich gut erhaltener graubunter gemustert erWeste und eben Beinkleidern, hellen, mit blau eingefaßtentzosenträgern aus Wom-tieufy Hemde ohne Zeichen und Gummizugstiefeln. Bei b,.««??e befanden sich noch ein brauner Sommersttohhut, ein bn�!f!i halbseidenes Taschentuch, ein Taschenmesser mit Hirsch» JWr e' ein Portemonnaie mit 1 Pfennig, ein Futteral mit und ein Notizbuch. Nähere Auskunft über die Leiche er« t der Amtsvorsteher. unn,i?uf der schwedischen Eisbahn findet am Sonntag das »i�V�emiflich letzte große afrikanisch-europäische Wettrennen b-c!>!«n Dromedaren, Rennpferden und Trabem statt. Die r.Jjr, daselbst abgehaltenen Rennen erregten dadurch be- Aufsehen, daß fleh die Dromedare als ungemein dem mfysie Thiere bewährten und größtentheils mit dedeuten- für»rsprung durch das Ziel gingen. Diefe Erfolge haben Dm-».®, letzte Rennen eine ganz ungewöhnliche Konkurrenz her- Nicki' bei der es zu heißen Kämpfen kommen dürfte, da m?« uur ganz beveutende Renner engagirt, sondern auch eine ein»« y �ette»wischen den Dromedarhcngst„Bahagi" und soll m uabmhaftesten Traber Berlins zum Austrag kommen �luch die Sudanesen wollen sich am Sonntag vom baK« M Publikum verabschieden, so daß die schwedische Eis» h-s" uu diesem Tage unter den Berliner Vergnügungen einen des«i�ßknden Platz einzunehmen verspricht. Den Beschluß «in �2%�® soll, wie uns nachträglich noch mitgetheilt wird, ,chen zwei Dromedare und vrei Droschken I. Klaffe ver- kältetes Rennen bilden. __ Gerichts- Zeitung. ®ojiaijfiÖen Bergehens gegen denjenigen Paragraphen des Zur n, Gesetzes, welcher das Einsammeln von Beiträgen Haiti. sozialdemokratischer Bestrebungen verbietet, gz s,�?..gestern der Schriftsetzer Ferdinand Schuder vor der Äär..»b"lung des Schöffengerichts zu verantworten- An einem ein d. I. wurde auf einem der hiesigen Polizci-Bureaux Siaarr. als gefunden eingeliefert, welches außer einer schein. �ncn auf den Nsmen des Angeklagten lautenden Pfand- welck.urid em Päckchen- 34 Stück- kleinere Bons enthielt, der N.., Bezeichnung„Zehn Pfennige",„Für die Familien (Berl2. siWesenen" und darunter den Stempel B. S. D. Tasck..Sozial« Demokratie) trugen. Als Verlierer dieser des dem verdächtigen Inhalte mußte sich auf Grund dersenil'�.vscheines der Angeklagte allerdings bekennen, Sozial �.behauptete aber, daß er überhaupt mit der schwel»» Autokratie in keiner Verbindung stehe, ge» sich i«,.. beun für die Unterbringung der betreffenden Bons llefund-�lsikk; er habe dieselben vor Kurzem auf der Straße flüeni«!,"ud sie bei sich behalten, ohne die etwaigen Konse- klagte®uvägen. Bei dieser Behauptung blich der Ange- uch tm Termin und wenn der Staatsanwalt die Glaub» Würdigkeit dieser letzten Behauptung um so weniger anzufechten im Stande war, als der Anaeklagte ja auch durch das Ver- lieren der Zettel auf die Anklagebank gekommen war, so hielt er doch besonders den Umstand für gravirend, daß derselbe bei seiner ersten Vernehmung eingeräumt hatte, er kenne die Be- deutung der Buchstaben B. 8. D. Hieraus schloß er auf dessen Schuldbewußtsein und beantragte 10 M. ev. 2 Tage Gefäng« niß. Der Gerichtshof adopttrte diese Anschauung, erkannte aber nur auf eine Geldstrafe von drei Mark. Reichsgerichts- Entscheidung. Leipzig, 12. August. (Eine Dynamitgeschichte.) Gelegentlich einer polizeilichen Haus- suchung wurden bei dem Bergmann Anton Friedhof aus Eiser- seid vier Dynamitpattonen in einem Strumpfe auf einer Kiste vorgefunden. Da er keine polizeiliche Erlaubniß zum Befitze von. Sprengstoffen besaß, so wurde gegen ihn Anklage auf Grund des Dynamitaesetzes erhoben. Cr gab in der Haupt- Verhandlung an, er habe im Jahre 1882 von einem Steinbrechergehilfen, als derselbe die Arbeit einstellte und abreiste, jene Dynamitpatronen zum Aufbewahren erhalten und in den Strumpf getbon, in welchem sie aufgefunden seien. Im Laufe der Zeit sei ihm die ganze Angelegenheit aus dem Gedächt- nisse entfallen, und erst am Abend vor der Haussuchung habe ihn seine Frau daran erinnert. An diesem Abend habe er der Polizeibehörde von dem Befitze der Patronen keine Anzeige mehr erstatten können, weil es schon zu spät gewesen sei. Seine Absicht aber, am andern Morgen Anzeige zu machen, habe er deshalb nicht ausführen können, wetl er dringende Geschäfte gehabt habe; so sei ihm die Polizei zuvorge- kommen. Das Gericht hielt dieses Vorbringen für glaubhaft und führte im Urtheile aus: Sovrel ist festge- stellt, daß der Angeklagte an jenem Abend wußte, daß er Pa- trsnen besaß und daß er am andern Morgen fich die Erlaubniß nicht verschaffte. Trotzdem ist aus Freisprechung zu erkennen gewesen. Die Ueberschrift des Gesetzes besagt, daß dasselbe gegen i gemeingefährlichen Besitz und Anwendung gerichtet sein Behauptet nun der Ängellagte, der Sprengstoff sei in Folge des langen Daliegens so sehr verdorben, daß er gänzlich wirkungslos fem müsse, so kann von dem Befitze von Spreng- stoffen nicht mehr die Rede sein.— Bemerkt sei hier noch, daß ein als Zeuge vernommener Steiger folgendes ausgesagt hatte: Die betr. Patronen waren schon sehr alt, daher war das eigentliche Dynamit in denselben nicht mehr feucht, wie dies ein wirksames Dynamit sein muß, sodaß ich große Zweifel hege, ob die Pattonen noch brauchbar waren. Eine Probe zu machen, habe ich mich nicht für befugt gehalten.— Gegen die Freisprechung hatte! der Staatsanwalt Revifion beim Reichsgericht eingelegt. Er sagte zur Begründung derselben folgendes: Das Gericht nimmt an, es müsse festgestellt werden, ob ein Spreng- stoff wirklich geeignet sei zum Sprengen; eine solche Feststellung dürfte nicht wohl zu erwrrken sein, namentlich wenn es nicht möglich ist, des Stoffes habhaft zu werden.— Das Reichsgericht verwarf jedoch dte Revision gemäß dem Antrage des Reichsanwaltes, welcher fich dahin aussprach, daß der Besitz von Dynamit nur strafbar sei, wenn es Dynamit sei und daß der erste Richter eine genügende Feststellung gegeben habe, daß das vorgefundene Dynamit nicht mehr als Spreng- stoff habe wirken können. Vereine und Versammlungen. Der Lokalverband der Berliner Zimmerleute tagte am Mittwoch Abend in den Arminhallen, Kommandanten- straße 20. Nachdem die Statuten einer zu begründenden Sterbekasse der deutschen Zimmerer vorgelegt waren, wurde über die letzte Versammlung der Baugewerksmeister bei Buggen- Hagen debattirt. Es wurde ausgeführt, daß die Gesellen nrcht, wie behauptet worden sei, die Losung ausgegeben hätten, so wenig wie möglich für hohen Lohn zu leisten; es solle fleißig gearbeitet werden, aber innerhalb einer geregeltm Zeit und nicht stundenlang darüber hinaus bis in die Nacht hinein. Durch solche Zustände bei der Akkordarbeit werde die Vagabondage immer größer und müßten die Löhne sinken; denn wenn die Arbeiter, wie es bei der Akkordarbeit geschehe, die Arbeitszeit so viel wie möglich ausdehnten, um dadurch ihr Einkon men zu erhöhen, so hätte das nur zur Folge, daß vom Meister, dem dieses zu hoch erscheine, in der nächsten Woche schon die Akkordpreise herabgedrückt würden. Weiter wurde ausgeführt: Wenn Baurath Böckmann Gerechtigkeit gegen die Gesellen verlange, so könne man fich wohl der Hoffnung hin- geben, daß er für die Anerkennung der Gesellcnorganisalion vei der Meisterschaft wirken würde; man würde ihm dies ebenso danken, wie den Meistern, die der Lohnkommisfion auf friedlichem Wege entgegengekommen find und noch entgegen- kommen werden. Die Bauräthe Ende und Böckmann hätten jetzt ebenfalls auf das Schreiben der Lohnkommisfion in zu- stimmendem Sinne geantwottet und darauf hingewiesen, daß man nach der Konstituirung der„Vereinigung der Inhaber von Berliner Baugeschäftcn" stets mit dieser in Unterhandlung treten solle, wodurch fich mehr als durch Arbeitseinstellungen erreichen lasse. Man bezeichnete diese Kundgebung als im Interesse der Herbciführnng ruhiger Arbeitsverhältnisse liegend. Nachdem noch die Forderung eines anderen Meisters in der letzten Versammlung, die Beseitigung des Koalitionsnchtes be- treffend, behandelt und dabei darauf hingewiesen war, daß dieser Herr für die Meister eine„recht stramme" Organisatton verlangt habe, den Gesellen aber gar keine gönne, wurde noch dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Meister nicht soviel nach Polizei gegen die Gesellen rufen möchten; denn die letzteren seien stets bestrebt gewesen(und würden dies auch in §ukunft sein) durch friedliche Agitation für die Wahrung und örderung ihrer Jntcreffen einzutreten. An die Bäcker Berlins hat das Polizei-Prästdium Frage« bogen austheilen lassen, um mittelst derselben„Erhebungen über die Sonntagsarbeit" zu veranlassen. Diese Fragebogen enthalten u. A. folgende Rubriken: Findet die Sonntagsarbeit statt regelmäßig oder unregelmäßig? Wird die Sonntagsarbeit veranlaßt durch wirthschastliche oder sonstige Gründe? Welche Folgen würde das Verbot der Beschäftigung am Sonn tag haben, namentlich für die Arbeiter? Welche Minderung des Jahres- arbeitsverdienstes würde unter der Voraussetzung eintreten, daß eine Steigerung des Lohnsatzes nicht einträte? Würde dieser Nachtheil durch andere Vortheile aufgewogen werden und durch welche? Ist das Verbot der Beschäftigung von Arbeitern am Sonntage durchführbar ohne oder mit welchen Einschränkungen V Wenn nicht: aus welchen Gründen? Um eine Einigung bei der Beantwortung zu erzielen, hatten fich über 600 Bäckergesellen versammelt. Ueber die Notwendigkeit der Aufhebung der Sonntagsarbeit herrschte in der Versammlung nur eine Stimme. Herr Pfeiffer schilderte die Sonntagsarbeit der Bäcker mit Ruhe und Sachkenntniß, und erklärte es für unerläßlich, den Reichskanzler dringend um Beschränkung der Sonntagsarbeit zu ersuchen: Herr Hoppe dehnte unter stürmischem Beifall der ganzen Versammlung diesen Vorschlag dahin aus, daß die „gänzliche Aufhebung" in Anttag gebracht werden müsse. Es set ein Leichtes, den Sonntagsbevarf an Backwaaren am Sonn- abend, resp. vor Anbruch des Sonntags fettig zu stellen. In diesem Sinne wurden denn auch die einzelnen Fragen beant- wortet. Aus den Feststellungen heben wir hervor, daß die regelmäßige Tagesarbeit eines Bäckers 16—19 Stunden beträgt, was wir an dieser Stelle nicht unterdrücken zu dütten glauben, zumal der Fürst Reichskanzler es s. Z. für unglaublich erklätte, daß ein Arbeiter nur 14 Stunden ununterbrochen in Tvattg- keit sei. Außerdem kamen noch einige Fälle exorbitanter Ueber- anforderung an Arbeitskraft zur Sprache. Die wttthschastltchen Gründe der Sonntagsarbeit wurden verneint; die Moglichkett pekuniärer Nachtheile von der Aufhebung der Sonntagsarbett fällt schon darum weg. weil die Gesellen gegen Wochenlohn arbeiten und die Eonntagsarbeit überhaupt nicht bezahlt wtrd. Die Versammlung sprach fich für unbedingte Beseitigung der Sonntagsarbeit aus. Der Fachverein der Metallschrauben- Favondreher und Berufsgenassen beschäftigte fich in seiner letzten Versamm- lung mit der Tagesordnung: 1. Vottrag des Herrn Michelsen über den Arbeiterschutzgesetzentwurf. 1. Innere Angelegenheiten des Vereins. Der Herr Referent war verhindert, bei Eröffnung der Versammlung anwesend zu sein. Die Versammlung, welche sehr gut besucht war, ttat in Folge dessen zunächst in die Be- rathung des zweiten Gegenstandes der Tagesordnung ein. Es ist besonders zu erwähnen, daß eine Kommisfion des Vereins fich zur Zeit mit der Ausarbeitung eines Normal> Lohntattss für die Spezialwettstätten(auf Grundlage der seit dem Bestehen des Vereins jedes Jahr erhobenen Lohnstatistik) beschäftigt. Dadurch soll erstrebt werden, daß die immer mehr überhand nehmende Beschäftigung jugendlicher Arbeiter, wie solche äugen- blicklich von einzelnen Arbeitgebern beliebt wird, für die Zu- kunft unmöglich gemacht wird. Durch die Konkurrenz jener Arbeitgeber ist der Lohn im stetigen Sinken. Auf An- trag wurde darauf die Ergänzungswahl des Vor- standes vorgenommen und Herr A. Wüst als Beisitzer gewählt. Sodann wurden zwei Mitglieder, welche seit längerer Zeit krank find mit je 15 Mark aus der Vereins- lasse unterstützt. Nach Erledigung noch einiger Vereinsangele- genheiten ertheilte der Vorfitzender dem Referenten, welcher in- zwischen erschienen war, das Wott zum ersten Gegenstand der Tagesordnung. Herr Michelsen erledigte fich seiner Aufgabe »ur Zufttedenheit aller Anwesenden. Am Schlüsse seiner Aus- führungen lohnte den Redner großer Beifall. Folgende Reso- lution wurde einsttmmig angenommen:„Die heutige General« Versammlung erklärt fich mit den Ausführungen des Referenten voll und ganz einverstanden und verspricht, mit allen Kräften dahin wirken zu wollen, daß der durch die Vertteter der Ar» beiterpattei dem Reichstage eingereichte Arbeiterschutz Gesetz- entwurf zum Gesetz erhoben werde." Nachdem der Vorsitzende noch bekannt gemacht hatte, daß die Billet-Ausgabe zu dem am 22. August in der„Urania" stattfindenden Stiftungsfest des Vereins in der Versammlung erfolgt, und um rege Betheiligung der Mitglieder ersucht hatte, wurde die Versammlung ge« schloffen. Hannover, 11. August. Die hiesigen Sozialisten haben die verneinende Stellung des Magistrats gegenüber der Ein- führung eines allgemeinen Gewerbeschiedsgettchts erfolgreich auszunützen verstanden. In einer zu diesem Zwecke gestern einberufenen Versammlung unterzog der Reichstagsabgcordnete Meister die Antwott der Behörde einer scharfen Kritik, dabei den Standpunkt kennzeichnend, daß der nationalliberale Ma- gisttat seinen eigenen Wotten nach den Nutzen eines allge- meinen Gewerbeschiedsgettchts nicht einzusehen vermöge und seine Vorliebe für Innungen durch zugesagte Begünstigung der Jnnungsschiedsaettchte bezeige, während doch sonst die na- tionalliberale Partei gegen die Ackermann'schen Anträge ge-- wesen sei. Eine nochmalige Eingabe zur Einführung des Echiedsgettchts und zwar an das hiestge Vürgervorsteheriolle- gium möge allenfalls versucht werden, das Hinwenden an eine höhere Jnstunz aber sei ausgeschlossen, da der Gesetzgeber den Gemeindebehörden das fteie Vorgehen bezüglich der Gewerbe- schiedsgerichte überlassen habe. Es bleibe daher nur übrig im Kampfe um die Gesetzgebung nicht zu erlahmen und den Reichstag durch Petitionen um Annahme des Arbeiterschutzge- setzes zu ersuchen, durch welche die vorliegende Sache auch er» ledigt wäre. Diese Wotte fanden stürmischen Beifall in der Versammlung, die außerdem noch für eine Eingabe an daS Bürgervorsteherkollegium stimmte. Die Erregung, welche ein vorzeitiger Schluß mit sich bttngt, fehlte zuletzt ebenfalls nicht, da der überwachende Polizeikommissär, der in anerkennendster Weise bei der durch Vottrag und Zwischenrufe ausgeübten Kritik des Verhaltens unserer Stadtbehörde der Redefreiheit nicht entgegengetreten war, die Veisammlung auflöste, als der Klempner L. zu sprechen fich anschickte. Leipzig, 12. August. Am gesttigen Abend fand im Saale der Tonhalle eine zahlreich besuchte öffentliche Versamm» lung der Schneider statt, in welcher Herr Karl Müller, Posamentier aus Berlin, über die Frage:„Wie stellt fich unser Gewerbe zur Arbeiterschutzgesetzvorlage?" refe- ritte, wobei derselbe die Nachtheile der Ueberarbeit nach Feier- abend, der Sonntags, Frauen-, Kinder- und Zuchthausardeit schildette und die jetzigen Verhältnisse als unhaltbar dezeichnete. Herr H e i n z e l aus Kiel sprach fich in demselben Sinne aus und stellte als Mittel zur Verbesserung der jetzigen Lage der Handwerker die Bildung von Genossenschaften hin, die der Staat zu schützen habe. Weiter hielt derselbe eine Besserung des Schulwesens für nöthig, da dasselbe in seiner jetzigen Art nicht geeignet sei, die Arbeiter genügend aufzuklären. Er ver- langte die Einttchtung einer Staatsvolksschule, Beseitigung des Klaffenschulwesens und für alle Bevölkerungsklaffen gleichen Unterttcht. Herr Hüttenberger aus Elberfeld erachtete eS für eine Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, daß nicht mehr Waare angefertigt werde, als lonsumirt werden könne. Femer erklärte derselbe die Beseitigung der Zuchthausarbeit für noth» wendig und empfahl die Verwendung der Sträflinge zu Kanal- bauten. Nachdem noch mehrere Redner fich in gleicher Rich- tung hin ausgesprochen, gelangte eine umfangreiche Petition zur Verlesung, in welcher der Reickstag ersucht wird, die in der von den sozialdemokratischen Reichstagsabgcordneten einge« brachten Arbeiterschutzgesetzvorlage vorgeschlagenen Verbesscrun« gen einzuführen. Unter Beziehung auf den Ausspruch deS Fürsten Bismarck, daß er in dieser Frage die Stimme der Ar« heiter hören wolle, forderten sämmtliche Redner zur einmüthigen Unterzeichnung der gedachten Petiton auf.„Dieselbe müsse," wie fich einer der Redner ausdrückte,„so viel Unterschttften er- halten, daß fie mit einem Möbelwagen fortgeschafft werden müßte." Die Versammlung gelangte schließlich zur Annahme folgender Resolution:„Die heutige in der Tonhalle zu Leipzig tagende Versammlung der Schneider und verwandter Berufs» genossen erklärt fich mit den Ausführungen der heutigen Redner einverstanden und verspricht, mit aller Energie auf die Durch« fühmng des in vottger Reichstagssesfion eingebrachten Arbeiter» schutzgesetzes hinzuwirken." Eine zweite Resolution:„Die heute hier m der Tonhalle tagende Schneiderversammlung beschließt, diese Petition mit allen Kräften zu unterstützen," wurde, wie die erste, von der Versammluug einstimmig angenommen. An die Zimmerer Berlins. Listen und Flugblätter zur Petition der Zimmerer Berlins betreffs Annahme des Arbeiter« schutzgesetzes sind in jeder Versammlung der Zimmerer bei dem Unterzeichneten und in dessen Wohnung in Empfang zu nehmen. Ebenso find die ausgefüllten Listen bei dem Unterzeichneten abzuliefem. Es ist Pflicht eines jeden Berliner Zimmerers» dafür zu sorgen, daß auf jedem Platz und jedem Bau eine Liste zur Unterschnft ausliegt. Ebenso ist es Ehrensache eines jeden Zimmerers, die Petition zu unterschreiben. Hugo Leh- mann, Rügenerstr. 39, Hof patt. Der Bezirksverein des werkthätigen Volkes der Schönhauser Vorstadt hält am Dienstag, den 18. d. M., Abends 8Va Uhr, in Meisters Lokal, Schönhauser Allee 161, eine Versammlung ab. Tagesordnung: 1. Vottrag des Herrn Krohm über die bevorstehenden Kommunalwahlen. 2) Verschiedenes. 3) Fragekasten. Der Verein bezweckt, das Wohl seiner Mitglieder auf sozial-witthschaftlichem Gebiete, sowie in sittlicher und geistiger Beziehung zu fördern durch Besprechung öffentlicher Angelegenheiten, sowie durch gegenseitige Belehrung und Votträge über politische, kommunale, sanitäre und gewerb» liche Angelegenheiten, Pflege der Geselligkeit und Wohlthatigkeit unter den Mitgliedern und ihren Familien. Mitglied des Vereins kann jeder Einwohner der Schönhauser Vorstadt werden, der das 21. Lebensjahr überschritten hat und sich mit den �Bestrebungen des Vereins einverstanden erklärt. Der monatliche geringer(20 Pfg. pro Monat), daß es Beitrag ist ein so Jedem möglich ist dem Verein beizutreten. Im Hinblick auf die bevorstehenden Kommunalwahlen ist es unbedingt erforderlich, daß es dem Verein durch Masfenbeitritt ermöglicht wird, bei der Wahl ein §«wichtiges Wort mitzusprechen. Die Mitglieder werden auf 5 des Statuts aufmerksam gemacht. Dieienigen Mitglieder, die gewillt find, dem Verein Bücher belehrenden sowie unter« haltenden Inhalts leihweise zur Vereinsbibliotbek zu überlaffen, wollen solche mit zur Versammlung bringen oder im Zigarren- geschäft von F. Ewald, Äeinberasweg lob, abgeben. Sonnig, den 16. d., findet eine Faimlilien-Landpartre per Kremser Srtt. Abfahrt früh 7 Uhr, Franseckistraße und Schönhauser llee Ecke. Die austerordentliche Kontrolkommisston der Streik- lasse der Schmiede bittet alle Diejenigen, welche an die Lohnkommisfion der Schmiede Berlins Gelder zum Streikfonds eingesandt haben, an den Schriftführer E- Drewitz, Gubenerstraße 61, Hof 4 Tr., gefälligst die betreffenden Quittungen umgehend einsenden zu wollen, oder aber mitzutheilen, wieviel, auf welche Sammelliste oder ob ohne Sammelliste und an welchem Datum das Geld eingesendet wurde, damit baldigst Bericht über den Kaffenbefund, welcher allen Gebern gedruckt zugesandt wird, erstattet werden kann. Der Kachverein der Fabrik- und Bauarbeiter in Köpenick hält am Sonnabend, den 15. August, Abends 8Vi Uhr, im Schützen Hause zu Köpenick eine Versammlung ab. TaaeS- ordnung: 1. Vortrag des Herrn Nöske aus Berlin. 2. Wahl einer Fachkommisston. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Große öffentliche Versammlung der Maler Berlins und Umgegcnv Sonntag, den 16. August, Vormittags 10 Uhr, in Gratweil's Bierballen, Kommanoantenstr. 77/79. Tagesordnung: 1. Wie stellen fich die Maler zu dem jetzigen Stand des Geyilfenausschusses und der Innung gegenüber? 2. Ver« schiedenes. Die Meister und Gehilfen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Verein zur Wahrung der Interessen der Klavier- arbeiter. Sonnabend, den 15. August, Abends 8l/> Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77—79, Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Erläuterungen über das Arbeiterschutzgesetz. Refeient: Herr Michelsen- 2. Innere Vereinsangelegenheiten und Fragekasten. Gäste find willkom- men. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Die Mitglieder werden ersucht, die Billets vom Eommer-Fest so schnell als möglich zurückzuliefem, damit die Abrechnung bald erfolgen kann. Verein der Sattler und Kachgenossen. Sonnabend, den 15. August, Abends 8'/- Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79, Versammlung. Tages ordnung: 1. Vortrag über das Arbeiterschutzgesetz. Ref.: A. Steindorff. 2. Diskusfion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten.— Gäste find willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Arbeiter-Bezirksverein„Gemüthlichkeit" für Reinickendorf und Umgegend. Sonntag, den 16. August, Vormittags 11 Uhr. Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Schuhmachermeisters F. Arndt aus Bernau. Fachverein der Korbmacher Berlins und Umgegend. Sonntag, den 16. August, Vormittags 10 Uhr, Adalbertstr. 21 bei Otto, Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über den stattgefundenen Streik und Rechnungslegung der Kommisfion. 2. Beschlußfassung über die Zentralisation der Korbmacher Deutschlands. 3. Vereinsangelegenheiten, Fragekastm. Kachverein der Möbelpolirer auf geschweifte Arbeit Montag, den 17. August, Abends 8'/, Uhr. außerordentliche Generalversammlung rm Lokale des Herrn Busch, Muskauer- straße 28. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Die Zentrali- sation der sämmtlichen Möbelpolirer Berlins und unsere Stellung dazu. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Die Freie Vereinigung der Vergolder und Fach- genoffen hält ihre nächste Mitgliederversammlung am Montag, 17. August. Abends 8 Uhr. bei Keller, Andre~" asstraße 21, find.(Siehe den_.. ab, wozu sämmtliche Kollegen eingeladen � � Tischler-Verein. Heute Abend 8V> Uhr Kottbuserstt. 4a Vortrag des Herrn Sperling über Anwendungsfcrmen der naturgemäßen Gesundheitspflege und arzneilose Heilkunde. M Arbeiter- Bezirksverein für den Osten Berlins. Sonntag, den 16. August, Nachmittags 1 Uhr: Familienpartie nach Friedrichsfelde. Abfahrt vom Schlefischen Bahnhof. Da dieses die letzte Familienpartie in diesem Jahre ist, so bittet das VergnügungS-Komitee um reckt rege Betheiligung. In der fretreliösen Gemeinde beginnt am nächsten Sonntag Vormittag 10 Uhr Rosenthalerstr. 38 Herr Schäfer eine Reche von Vorträgen über die Religion alsLebenskunst. Zutritt steht Jedem ster. Uermischtes. AlS Wolf im Echafsgewande bat fich der Pater Robert, ein ehemaliger Dorfgeistlicher in der Auvergne(Frankreich), in San Franziska gezeigt.„Derselbe war vor ungefähr neun Monaten mit seiner Schwester nach San Franziska gekommen, und da er so gar demllthig und fromm war, erhielt er die Pfarrstelle an der Kirche„Rotte Dame des Victoires", obwohl er mit einem entsetzlichen Akzent sprach. Es war keine glänzende Pfründe. Es gehörten zur Kirche einige begüterte Gemeindemilglieder, aber im Ganzen war die Gememde arm und litt an ewigm Geldschwulitäten. Unter diesen Umständen schätzte fich die Gemeinde glücklich, in Pater Robert einen Seelsorger gefunden zu haben, der, wenn er auch ein trauriger Kanzelredner war und durch falschen Gesang Organisten und Gemeindemitglieder zur Ver- zweiflung brachte, doch wenigstens für seine Person bescheiden in seinen Ansprüchen war. Er verlangte nie etwas für fich und bat nur um Geld für diese oder jene nothwendige Aus- gäbe für die Kirche. Gerührt erzählten fich die bewundemden Gemeindemitglieder, wie Pater Robert fast nur von Luft und Glauben lebe und noch immer den alten schäbigen Rock und die alten schlotterigen Unaussprechlichen trage, die er aus der Auvergne nach San Franziska imponirt hatte. So verging ein Jahr nach dem andern, bis er ungefähr vor einem Jahre erkrankte und der Gemeinde mittheilte, daß sein Arzt ihm gesagt habe, daß er bald sterben würde, wenn er nicht nach Frankreich zurückkehrte. Auch die Schwester wurde krank und hinfällig, und das Paar beschloß, die Reise in die Heimath anzutreten. Die Gemeinde hätte es für eine Schande gehalten, die armen Leute ohne Zehrpfennig ziehen zu lassen, und brachte mit Mühe und Roth 1500 Dollars zusammen. Vor einigen Tagen verließ das Geschwistervaar, schlicht und bescheiden, wie es gekommen war, die Stadt. Am Tage nach der Arbrcise erfuhren jedoch die Gemeindemitglieder, daß der „arme" Pater Robert auf der französtschen Spar- dank vor seiner Abreise die von ihm ersparten 9000 Dollars gezogen, daß seine Schwester in aller Stille in Grundeigenthum spekulirt hatte und daß ihre Er- spamisse die ihres Bruders übertroffen hoben. Die Gemeinde- Mitglieder schüttelten bedächtig das Haupt, als ihnen dieS zu Ohren kam. Dieses Schütteln des Hauptes wurde viel energi- scher, als bald darauf der Kirchenvorstand der Pfarrwohnung einen Besuch abstattete und zu seinem Entsetzen fand, daß von der Einrichtung derselben, die der Gemeinde gehörte, nur das übrig geblieben war, was absolut nicht hat weggeschleppt wer- den können. Sonst war Alles fort und dann wurde die Kirche besucht, und darüber, was dort fehlte, beobachten die Mitglieder der Gemeinde der Außenwelt gegenüber das aller- tiefste Schweigen. DaS bissige Weibchen. Einem Wiener Bezirksgench wurde folgende Meldung von einem Wachmann erstattet! „Endesgcfertigter erlaubt fich unter Berufung auf seinen Dienst' eid die Meldung zu erstalten, daß der Buchhalter Anton& mit seinem weiß und braun gefleckten Weibchen spazieren g# ohne daß dasselbe einen Maulkorb getragen hätte. D» Weibchen des Herrn B. ist, wie er selbst zugesteht, sehr bisfig Kleine MittheUtmgett. Emden, 13. August. 68 Menschenleben find durch M Thätigkeit des Emoer Bezirksoereins zur Rettung SM' brüchiger in der Zeit vom 1. April 1882—85 dem Tode eni> riffen worden. Die Gesammtzahl der durch Apparate des ge' sammten deutschen Vereins Geretteten deläuft fich auf 1546. Eisern, im Kreise Siegen, 12. August. Gestern stÄ wurden, wie die„Wests. Post" meldet, die Bewohner unseres Ortes durch die Schreckens künde, daß in vergangener Nach' ein vom nahen Westerwalde gebürttger, hier in Arbeit stehen' der Bergmann meuchlings von mehreren hiefigen Burschen überfallen und todtgeschlagen worden sei, in große Aufregung versetzt. Statt des Erschlagenen sollte, wie man sagt, ein an- derer überfallen werden, der schon seit längerer Zeit den W genannter Burschen auf fich gezogen hatte. Es>st diese That in drei Jahren am hiesigen Orte der zweite Fall, daß ein ganz Unschuldiger der Rauflust zum Opfer g«' fallen ist. Die Thäter find bekannt und bereits zur Hast gebracht. Limburg an der Lahn, 13. August.(Ermordung des Bürgermeisters.) Als am letzten Montag Abend nach 10 W in dem Dorfe Waldernbach(Amt Weilburg) der Bürger' meister, nachdem er in einer Wirthschaft Feierabend geboten hatte, nach Hause gehen wollte, wurde er von rückwärts über- fallen und mit einem Schlage getödtet. Der Thäter ist no« nicht bekannt.(Fttff. Ztg.) Erfurt, 11. August.(Begnadigung.) Der im hi(% Landgerichtsgefängniffe fitzende Raubmörder Gustav Herbst welcher im Frühjahr d. I. vom hiefigen Schwurgericht wegen Mordes und Raubes an dem Händler Stollberg von hier M Tode verurtheilt wurde, ist begnadigt worden. Die Todes' strafe ist in lebenslängliches Zuchthaus und eine Zusatzsttast von 15 Jahren umgewandelt.(Mob. Ztg.). Thorn, im August. Ein schreckliches Unglsto- Es find zwischen Thorn und Warschau regelmäßige Dampfen fahrten mit Personenbeförderung eingerichtet, und zwar in der Weise, daß zwischen Thom und Rieszawa der Dampst' „Eyren" und zwischen Rieszawa und Warschau der Dampstr „Ciechocinnck" kurfirt. Als am Mittwoch nach Ankunft des Dampfers„Spren" der Dampfer„Ciechocinnek" seine Fa� beginnen sollte, schien es dem Kapitän, als wenn die berdw Räder des Dampfers nicht richtig sunktionirten. Er schickte w jeden Radkasten einen Arbeiter, um die etwaigen Fehler Ir ermitteln. Kaum waren die Menschen im Kasten, da wurde. wie die„Tb. O.-Ztg." berichtet, die Maschine in Thätigfe« gesetzt, die Räder drehten fich und im Augenblick waren Heu* Arbeiter zerquetscht. Als formlose Massen fielen die Körper ins Waffer. Bis jetzt ist erst einer derselben aufgefunden worden._ Hriefkasten der Redaktion. B. I., Elisabethsrr. Ihre Anzeige ist genau nach der Vorlage ausgeführt. Manuskript steht Ihnen zur Einficht P Zwe? Wettende. London hat mehr Einwohner als PeW Nach der Zählung vom Jahre 1877 betrug die Zahl der Euu wohner Londons 3 533 484. Zionskirchstraste. 3 Monate. Theater. Opernhaus. Heute: Keine Vorstellung. Schauspielhaus. Heute: Was ihr wollt! Belle-Allianee-Theater. Heute: Sein Steckenpferd. ReneS Friedrtch-WilhelmftädttscheS Theater. Heute: Der Großmogul. Ostend-Theater. Heute: Der Goldgräber. Central-Theater. Alte Jakobstraße 30. Direktion: Adolph Ernst. H-ute: Zum 15. Male: Die wilde Katze. Gesangspoffe in 4 Akten von W. Mannstädt, Mufik von G. Steffens. Ich nehme die gegen den Maurer Herrn Karl Paetzoldt, Cuvrystraße 3, geäußerte Beleidigung hiermit zurück.[1890 Ernst Röster, Maurer, Oppelnerstraße 29. ■ Schweizer-Garten, i Sonntag, den 16. August 1885: Feuerwerk, ooppel-ÄoaM u.(trtra- I vorftellllNg. Auftteten sämmtl. Sezialitäten, Volksbelustigungen,- Tanzlränzchen. Zum Schluß:[1876 Die Schlacht bei Solferino unter Mitwirk. v. ca. 120 Personen. Alles Nähere morg. I Zenkers Bleich Itllnnurt Salei, Nachf. Th. Lammers, Kommandantenstraße 72,! » Nur 1 Treppe. M _ mit anschl. ebenräumen z.Kräinch., Bällen, Kommersen, Ver- samml.zc.z.höchstsol.Bed. Zum Fürsten W olfgang (genannt»er hungrige Wolf), Lichtenberg, Landsberger Chaussee. Empfehle mein am See gelegenes Lokal dem geehrten Publikum. Schattiger Garten, Tanzsaal, Kegelbahn, Kaffee- tüche, Würfel- u. Kuchenbude, Schaukel. Für gutes Bier und Speisen ist gesorgt. Um recht zahlreichen Zuspruch bittet 1530] Carl Sander. Allen Freunden und Bekannten, namentlich den Mit- gliedern des Arbeiter-Bezirksvereins für den Osten zur gefälligen Nachricht, daß ich in der Koppenstraße 57, vim-l-Ti: der Rüdersdorfersttaße, ein Holz- und Kohlen-Geschäst übernommen habe. Auf Wunsch liefere frei ins Haus. 1884] Eduard Peachel. Arbettsumrltt. 2 Korbm.-Ges., w. a. Beigearb., b. h. Lohn u. dauernd. Beschäft. verl. E- K u tz n e r, Schulzendorferstr. 14.[1883 an Wasch- und Bleichkrast unerreicht„ in Pfundpacketen zu 15 Pfg. � Zu haben in allen Droguen-, Seifen- und Colonialwaarengeschäften. General Depot Joh. Schmalor, JTW. Schiff bauerdamm SS1 Vorläufige Anzeige., Dienstag, den 18. August, findet in S ansso»� eine große Arbeiter-Versammlung. statt.— Tagesordnung: Berichterstattung der Kommisst�z Sachen Schmädicke kontra Müller. r? Freie Vereinigung der Vergolder und Fachgenossen. Montag, den 17. August, Abends 8 U&r' im kl. Saale des Herrn Keller, Andreas str. 21: Mitglieder- Versammlung. TaaeS-Ordnung: � 1. Innere Angelegenheiten unserer gewerkschaftlichen 2. Besprechung über Wahl von Sekttons-Kasfirern. 3. Verschiedenes.— Ausgabe der Billets zum Stiftungs-, � am 29. August bei Mohrmann, Gr. Frankfurtcrstt- Gäste willkommen. L,• Große Versammlung stMlicher Ardesttt im (Tischler, Klavierarbeiter, Schlosser%.) Soivlai, de« 16. Augnst, Vormittags 10 Ahr. großen Kante von Keller, Anilreas�v. 21. Tagesordnung: 1. Entgiltige Entscheidung der Angelegenheit Roedel durch Klarlegung und Beweisführung der unstatthaften Ver- Wendungen der gesammelten Gelder und Bericht über die vorgekommenen Unregelmäßigkeiten in der Lohnbewegung der Tischler. 2. Sind die Albeiter Berlins mit der Handlungsweise der Herren Roedel und Genossen, den Unterzeichneten, welcher auf Grund seiner öffentlichen Thätigkeit gemaßregelt ist, eristenzlos zu machen, einverstanden? 3. Wahl einer Untersuchungskommisston. Referent: Tischler Heinrich Künzel. Um endlich diese unliebsame, die Arbeiterbewegung schä« digende Angelegenheit zu erledigen, ist das Erscheinen sämmt- licher Arbeiter nothwendig. Auch find gleichzeitig die Herren Roedel und Stellmann besonders eingeladen.[1881 H. Künzel, Pallisadensttaße 9. Arbeiter-Bezirksverein der Oranienburger Vorstadt und des Weddiug. Montag, de« 17. August 1885, Abends S Uhr, Berfammlung im Wedding-Park. Müllerstraße 178. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten.— Gäste willkommen.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht>1882 Der Vorstand sind bei uns Für die streikenden Maurer eingegangen: Gesammelt von Z i e a l e r in der Schäfer u. Häusner auf Liste Nr. 2227— [jj 12 20. Die Kommisfion der Berliner Maurer. H. Schulz. F. Grothmann. Mitglieder- Versammlung der Ceutral-Ärankeu- u. Sterbekajse der Tischler u. anderer gewerbl. Ärbelie (Oertliche Verwaltungsstelle Berlin Q.) Sonntag, den 16. August, Vormittags 10 Uhr- Gr. Franffutterstr. 117 bei Wulf. Tagesordnung: ri# 1. Abrechnung vom 2. Quartal.. L 2. Arzt- und Medizinfrage sür arbeitsfähige Kranke. 3. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung halber ist ein zahtt Besuch erforderlrch.— Mitgliedsbuch legitimirt.„-J. _ Der Vor f' IM© Uhrenfabrik von Max Busse, IUcmaifiec � MT Hr. 157 InTalidenstraHs« Ufr. 1«' zwischen Brunnen- und Ackerstraße.. empfiehlt sein reichhaltiges Lager, sowie seine gl)» Reparatur- Werkstatt. Verantwortlicher Redakteur M. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max vading w Berlin 8W, Beuthstraße 2. K in bL