Nr. 192. Mittwoch, den 19. August 1883. II. Jahrg. erliimMM» Organ für die Interessen der Arbeiter. 4 ?chentt Da«„Berliner Bolksblatt'" Zlbonnementsprei« für 35 U. wöchentlich 35 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeiwngSpreiSlist« für 1885 unter Nr. 746.) .,, Jnfertionsgebühr beträgt_ für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi« 4 Ufo Nachmittag« in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce» Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Gepeditiou: Zimmerstraße 44. Die AebeiKeinsMunp ffit �et Arbeiterbewegung eine gewichtige Erscheinung. Q..�ben kürzlich noch au« dem„Gewerkschafter" eine kurze »..' Betrachtung abgedruckt, die wir hier aber noch etwa« Liegt die Haupt- unmittelbaren ------/--"xj D---- e»er ausführen wollen. . Zunächst drängt sich die Frage auf: fuchste Bedeutung der Streik« in den seriellen Vortheilen? Nein! Denn wa« zunächst die Mahner höhung betrifft, die vielfach Anlaß zu den «rbutseinstellungen giebt, so ist meisten« der Sieg auf �kiten de« Kapitals, da diese« länger auSdauern kann, und selbst stinn die Arbeiter gesiegt haben, wird in vielen Fällen die tteine Lohnerhöhung durch die gebrachten Opfer überwogen rjfrden. Und endlich ist jede also errungene Lohnerhöhung �mer eine unsichere, die jeden Augenblick durch ungünstige �rhältmffe rückgängig gemacht werden kann. Bester schon liegt gewöhnlich die Sache in ab« Ehrender Beziehung, in Betreff der Verhinderung ™ler von den Unternehmern beabsichtigten Lohnverminderung, »ernhaltung beleidigender Fabrikordnungen und dergleichen. -tet ist mehr Aussicht auf unmittelbaren und bleibenden .. Aber sei dem, wie ihm wolle: eine dauernde, k». �erte Erhöhung de« allgemeinen Lohn« 9 ist durch Streik« nicht zu erreichen. , 3% diesem Punkte sind sich alle Sozial-Oekonomen, Richtung sie auch angehören mögen, völlig einig auch die aufgeklärten Arbeiter stimmen dem zu. ik>r« m dennoch gehen die Streik« in allen Kulturländer» viiül: 8 mit einer Kraft und Hartnäckigkeit, welche au« kSzJ�llen Vortheilen untergeordneter Art nicht zu er- LrC sind. Sie sind auf einer gewissen Höhe der in- üb.» Produktion überall entstanden, sie haben sich �all entwickelt und dauern überall fort. sibei Wahrheit ist, daß solche wiederkehrenden Er- sT. Jungen nicht« weiter sind, als die naturgemäße» % igen und Erzeugnisse der bestehenden bat sse, und um ihre Berechtigung einzusehen, y„. �an sich nur die inneren Gründe derselben zum Be- B tem jU bringen. E« wäre ein Unsinn oder eine An« Zv�.% wenn man glauben wollte, die Arbeiterklasse in t�'schland. England und Frankreich, in allen Kulturländern »ur im Finster», statt daß man in den Streik« der J'?*. naturgemäße Aeußerung de« Klassenbewußtsein« ni�. iter erkennen sollte. Die Arbeitseinstellungen sind «wa eine dem Volke''"' �' --«-k Jeuilleton. Das Mormonenmadchen. Z2j Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhauseu. m,.(Fortsetzung.) inuG em. Bruder hat einen weiten Weg zurückgelegt, er er sein; und ein weiter Weg liegt vor ihm, wenn dem Rio Virgin zurückkehrt." wack«"» Bieg ist weit, La Bataille auf seinem Lager er- geq».». J??" Pferde auf die Weide getrieben werden," ent« dickj-.' /er, die Einladung ablehnend, und indem er sich ecke Decke hüllte, glitt er um die scharfe Hügel- ?"«M. bjz c,' beiden Delaware» lauschten ihm so lange nach, Unter c Richten Fußtritte und da« Knirschen de« Kiese« legten r en Mokassin« nicht mehr vernahmen. Dann aber sich>, J'V'eue Reiser auf die niedergebrannte Gluth, um das 5?. Busammenpacken ihrer wenigen Habseligkeiten und deichte, � �er Pf�de durch die Vermehrung der Helle zu die hatten die Decken nunmehr abgeworfen, und da WY,'/---|«•••V leidet i roaren"ach Art der Trapper oder Pelzjäger ge fchnrü�.� �Bßt, sie trugen die ledernen, mit Fransen ge- von xJ Beinkleider und eben solche Halbstiefel, wogegen Röcke Und ank�' dreitstreifigem Deckenstoff ihren Oberkörper umgaben, vorsck.!� der Brust die gewöhnlichen rothen Flanellhemden obkrsl�??" ließen. Man hätte sie überhaupt, bei einem vran Hinblick, für weiße Zäger halten können, wäre bi« durch die schlichten pechschwarzen Haare, die ihnen 'ndtaniVi schultern niederfielen, und durch ihre dunkel» deleb� ��u Physiognomien über ihre eigentliche Abstammung Perl-» ���en. Denn die am breiten, reich mit farbigen äcstickten Bande über die Schultern hängenden, gleich- man annehmen, e« befinde sich mit dieser allgemeinen und hartnäckigen Erscheinung auf einem Irrwege.--- Die Politik der herrschenden Gesellschaft den Arbeitern gegenüber geht darauf hinau«, die sozialen Verhältnisse so darzustellen, al« ob alle Interessen miteinander in Harmonie ständen. Man sucht die Gegensätze zu vertuschen, damit die große Masse de« arbeitenden Volke« nicht recht inne werde, wie e« eigentlich im witthschaftlichen Leben zugeht. Dem gegenüber muß es die Politik der Arbeiter, der Nichtbesitzenden sein, umgekehrt nachzuweisen, daß die Znter« essen der Unternehmer, der Kapitalisten und der Arbeiter freilich einander gegenüberstehen. Nur durch die Eckenntniß der eigenen Lage der Arbeiter kann der Anfang gemacht werden, die Arbeitskraft von dem großen Drucke de« Kapi- tal« zu befreien. Diese Aufgabe aber, Erkenntniß der eigenen Lage unter die Arbeiter zu bringen, sollten alle Arbeiter- Vereinigungen, alle Fach- und sonstigen Vereine und auch die Gewerkschaften niemals au« dem Auge lassen. Und in dieser Richtung hin wirken die ArbeitSeinstel« lungen in bedeutend hohem Maße. Denn auch die große Masse der Arbeiter, welche der theoretischen Belehrung nicht leicht zugänglich ist, begreift im Falle einer Arbeitseinstellung, daß absolut unvereinbare, ein« ander durchaus widersprechende Interessen vorliegen. Die Unternehmer wollen möglichst kleine Löhne zahlen, die Ar- beiter möglichst hohe Löhne erhalten; die Unternehmer wollen eine möglichst lange Arbeitszeit, die Arbeiter eine möglichst kurze. Diese Gegensätze sind Jedem verständlich. Und wenn e« darüber, nach vielen vergeblichen Bemühungen den Frieden zu erhalten, die meisten«, wie im Maurerstreik zu Berlin, von den Arbeitern ausgehen, doch noch zum Streik, also zum offenen Kampfe kommt, wenn in demselben besonder« von Seiten der Unternehmer mit großer Unerbittlichkeit, die in der Sucht zu herrschen liegt, der Kampf geführt wird, wenn Verfolgungen, Maßregelungen der Arbeiter eintreten, dann wird auch demjenigen Arbeiter, der noch so schwer von Begriff ist, der Standpunkt klar gemacht. Zeder sieht dann ein, daß schwere Gegensätze vor- Händen sind, daß da« Wort von der Harmonie zwischen Kapital und Arbeit nur eine inhaltsleere Phrase ist. Bei den Arbeitseinstellungen aber sind die Arbeiter auf die Hilfe ihrer Arbeitsgenossen angewiesen. Da« Bewußtsein der Zusammengehörigkeit, da« Gefühl der Brüderlichkeit greifen Platz und senken sich tief in die Herzen und Geister. Ferner lernen die Arbeiter bei Streik« sich organisiren, sie lernen einheitlich auftreten; sie erfahren, daß der Ein- zelne unter ihnen völlig machtlos ist, daß da« einigende Band, welches viele einzelne Schwache umschließt, diese zu einer sozialen Macht vereinigt, die oen Kampf gegen den Kapitalismus manchmal sogar mit Erfolg aufzunehmen im fall« gestickten Kugeltaschen, die eigenthümlichen Gürtel, Tabaksbeutel und Tomahawks werden im Westen ja nicht weniger von den weißen, als von den eingeborenen Jägern getragen, und standen auch bei ihnen in seltsamem Kontrast zu der halb europäischen, halb indianischen Bekleidung. Der Schwarze Biber war der ältere, wie auch schon sein hageres Gesicht besagte. Wenn man aber den leidenden Ausdruck in seinen fast weiblichen, keineswegs häßlichen Zügen betrachtete, so erschien es fast unglaublich, daß man einen der verschlagensten und listigsten Indianer des ameri- kanischen Kontinents vor sich habe. Noch weniger traute man ihm zu, daß er sich eben so sehr durch seinen Scharf- sinn, wie durch Muth und ungewöhnliche Sprachkenntniß auszeichne und der Vereinigte Staatenregierung als Führer, Dolmetscher und Zäger im Kriege wie im Frieden schon so vielfach gedient habe. Zohn, sein Gefährte, mochte um zwölf Zahre jünger als er selbst sein, konnte also das dreißigste Zahr noch nicht er- reicht haben. Auch dieser war nur schlank und leicht gebaut; allein die viel gerühmten Eigenschaften seiner Vorfahren hatten sich auf ihn ebenfalls theilweise vererbt, und man brauchte nur auf sein kluges, noch jugendftischeS Gesicht zu schauen, um eine solche Annahme vollkommen gerechtfertigt zu finden. Diese beiden kühnen Zäger waren also zuerst dem Apostel und La Bataille vom Salzsee aus nach Fort Utah, und demnächst Elliot von letzterem Ort aus beständig in der Entfernung einer halben Tagereise heimlich und unbeachtet nachgefolgt. Unterwegs hatten sie mehrfach Gelegenheit ge- funden, während der Nacht mit oem verrätherischen und von ihnen bestochenen Schlangen-Jndianer zu verkehren. Ihre angeborene Sucht nach Abenteuern ließ sie die ihnen ge- wordenen Aufträge pünktlich und gewissenhaft ausführen, und nicht die geringste Spur von Ungeduld verriethen sie, als La Bataille bei ihnen eintraf und sie zur schleunigen Umkehr aufforderte. ES schien sogar, als seien sie auf eine derartige Nach- richt vorbereitet gewesen, denn noch keine zehn Minuten waren nach der Entfernung des Schlangen-ZndianerS ver- strichen, da holten sie schon ihre, bei einer nahen verborgenen Stande ist. Die Bevormundung wird von den Arbeitern abgeschüttelt und es wird die Selbstständigkeit de« Auf- tretens im Volke herangebildet. Wer dies Alles überlegt, der wird zugeben müssen, daß die Streik« ihre Berechtigung haben. Deshalb braucht man dieselben aber nicht künstlich noch hervorrufen zu wollen. Da« ist auf alle Fälle ein ungesundes Beginnen. Nur die au« dem arbeitende« Volke wie von selbst hervorbrechenden Streiks haben eine wirkliche Berechtigung; natürlich sollen diese dann vernünftig geleitet, sie sollen unter Umständen sogar zuerst zurückgedrängt werden, um die nöthigen Vor- bereitungen zu treffen— aber das sind alles Vorsicht«- und Klugheitsmaßregeln, die mit der Berechtigung eines solchen Streik« keinerlei Ausschlag geben.--- Wenn nun also die Streiks an der heutigen Grundlage der Produktion, an der durch das Konkurrenzspiel fest- gestellten übermäßigen Ausnutzung der Arbeitskraft durch den Kapitalismus im Wesentlichen nicht« ändern können, so liegt in ihnen doch ein bedeutend erzieherisches Moment. Sie erziehen die Arbeiter, wie gesagt, zur Selbst- ständigkeit, sie organisiren die Arbeiter und vereinige» sie zu gleichem Handeln. Und wie bei den Streiks, so werden auch die Arbeiter bei den Wahlen handeln. Sie werden nach und nach ein- sehen, daß da« fteie Konkurrenzspiel und die planlose Pro- duktionSweise, die so viel Elend gerade den Arbeitern bringen, auf dem Wege der Gesetzgebung ab- geschafft werden können, und daß an ihre Stelle eine geregelte Produktionsweise, Schonung der Arbeitskraft und ei» auskömmlicher Lohnsatz treten, wenn die Gesetz- gebung wirkliche Sozial-Reformen einführt. Daß die Arbeiter solche Einsicht erlangen und danach bei den Wahlen, besonders bei den ReichstagSwahlen handeln, dies bewerkstelligen zum Theil die Arbeitseinstellungen durch ihre erzieherischen Wirkungen. So aufgefaßt sind die Streiks eine geschichtlich noth- wendige Erscheinung._ Volttische Urtiers, cht. Vivat Fortuna! Das ist die Devise unter welcher fich alle Diejenigen sammeln, die im Vertrauen auf die Glücks- göttin dem Lotteriespiel ihr Opfer darbringen. Jetzt ist wieder eine Ziehung beendet und Tausende haben vergeblich auf Ge- winn gehofft Das Glück war ihnen nicht hold. Und doch sind Derer nicht wenige, welche das Letzte geopfert, den letzten werthvollen Gegenstand zum Pfandleihcr getragen haben, um sich den nöthigen Einsatz zu beschaffen. Mit fieberhafter Un- aeduld warteten sie auf das Erscheinen der Gewinnlisten, ihre Hände zitterten beim Lesen des winzigm Stückchen Papier, auf dem fich die Zahlen gruppirten— doch vergeblich ihr Spähen, ihr Loos war nicht gezogen. Wilde Träume rauben Quelle gepflöckten Pferde herbei, und vorsichtig begannen sie dieselben zu satteln und demnächst ihre ganzen Habseligkeiten, die nur aus ihren Waffen, Decken und etwas gedörrtem Fleisch bestanden, auf denselben zu befestigen. Nachdem sie sich durch einen letzten Blick überzeugt, daß ie vor dem niederglimmenden Feuer nichts veraessen hatten, schritten sie ihren Pferden voran in die Regenschlucht hinein, welche nach der Emigrantensttaße führte. Kaum aber fühlten sie gangbareren Boden unter ihren Füßen, da schwangen sie sich in ihre Sättel, und die Pferde zu einem langen Paß- gang zwingend, zogen sie schweigend in nördlicher Richtung durch die Nacht dahin.— Die Käuzchen und die Ohreulen ließen noch immer ihren unheimlichen Ruf ertönen; die Kämpfe unter den Bergschaften dagegen waren unterbrochen und aufgeschoben worden; das Erbleichen der Sterne in dem östlichen milch- weißen Schein mahnte die stattlichen Bewohnerinnen schwin» delnder Höhen an den bevorstehenden Anbruch des Tage« am v i f 4 r 0H? M Y€w• .,_ nach hinterlistig verborgenen Feinden spähend und lauschend. Der Rlorgenwind war erwacht; kalt und eisig strich er durch die verworrenen Schluchten und Klüfte; auf seinen Schwingen trug er lauter und deutlicher das dumpfe Brau- sen de» in sein schmales Bett eingezwängte», schäumenden Kolorado-Stromes, und lauter und deutlicher vernahmen die Schläfer im Thale des Rio Virgin in ihren Träumen da« Brausen der heimathlichen Wasserfälle oder der sich über- stürzenden Woge« am Meeresstrand. Behaglich dehnten sie sich in ihren wärmenden Decken; doch Keiner so behaglich, wie La Bataille in dem Ziegen- stall, dessen Ausgang sein treues Roß bewachte. Es war ja noch so ftüh und so dunkel. Die Pferde und Maul- thiere aber wurden schon unruhig und drängten in der Einfriedigung hin und her. Sie bildeten einen un- fehlbaren Stundenzeiger für die Wächter, und„Heraus!" tönte es von einem Ende de« Thale« nach dem andern hinüber, zuerst das neckische Echo, und dann erst die trägere» Menschen weckend. ihnen den stärkenden Schlaf; bald sehen sie sich als glückliche Gewinner, vielleicht sogar deS großen Looses, bald ali Ver- lierer, und der Gedanke: Verloren, Alle» verloren, schreckt sie mpor und treibt ihnen kalten Schweiß auf die Stirn. Endlich ist das große Laos gezogen, doch nicht ihnen wurde eS zu Tbeil, bald folgen die nächst größeren Gewinne und jetzt steht daS Glücksrad still, ihr Loos war eine Niete. Doch fort scheuchen sie die trüben Gedanken, es bleibt ja noch d e Hoffnung: Vielleicht das nächste Mal! Und diese Hoffnung erhält sie aufrecht, spornt sie an zu neuer Thätiakeit, es gilt den Einsatz zu be- schaffen zum neuen Spiel. Wieder rollt das Rad, aufs Neue schlaflose Nächte und schließlich dieselbe Täuschung.— Dieser Kreislauf wiederholt sich so lange, bis die Spieler nicht mehr im Stande find, die Mittel zum Einsatz zu beschaffen. Nur ein kleiner Theil kann von sich sagen: Meine Mittel erlauben mir das Spielen, auch wenn ich nichts gewinne, und ein noch kleinerer Theil gehört zu den Glücklichen, denen ein nennens- werther Gewinn in den Schooß fiel.— Mit Recht wird be- hauptet, daß das Lotteriespiel dem Volkswohl tiefe Wunden, in materieller sowohl als auch in moralischer Beziehung, schlägt. Aber das ist noch nicht Alles: Das Lotteriespiel ist ein Hemm- schuh der höheren g e i st i g e n Entwickelung des Volkes und nur zu sehr geeignet, den geistigen Standpunkt deS- selben auf ein tteferes Niveau hinabzudrücken.— Das ewige Hoffen auf einen Glückszufall verhindert, daß sich die Hoffenden mehr mit der Wirklichkeit beschäftigen und wir aeben uns sicher keiner Täuschung hin, wenn wir annehmen, daß nach Aufhebung des Glücksspiels viele, sehr viele unserer Mitbürger sich dem Zeitgeist zuwenden und mit dabin wirken würden, daß unsere wirtyschastlichen Zustände zum Wohle der Gesammtheit gebeffert werden.„Ich spiele in der Lotterie und „hoffe" doch noch etwas zu gewinnen", das ist die Antwort auf die Frage:„Wie wollen Sie denn Ihre traurige Lage verbessern?" Das von Sorgen gequälte Familienhaupt, der Bettler auf der Landstraße, sogar der Todeskandidat, welcher schon mit einem Fuße im Grabe steht— sie Alle hoffen und harren ebenso wie der Spieler auf den glücklichen„Zufall", der ihnen ein besseres Dasein verschaffen soll. Unglückseliges Hoffen, das dem Menschcngeiste Fesseln anlegt, welche ihn hindem, seine Schwingen freier zu entfalten!— Damm fort mit dieser Hoffnung, fort mir den Glücksspielen! Doch keine Ausnahmen, Niemand soll spielen, möge er reich oder arm sein. Daher können wir uns damit nicht einverstanden erklären, daß das Spiel in„auswärtigen", dilligeren und daher auch dem Arbeiter zugänglichen Lotterien verboten werde und im„Jnlande", wo in Folge des hohen Einsatzes nur der Bemittelte zu einem Loos gelangen kann, weiter bestehen soll. Wirkt einerseits das Glücksspiel schon demoralisirend, so ist es andererseits auch nicht ersichtlich, wamm den Letzteren ein besonderes Privilegium zum Spielen geschaffen werden soll. Eins, zwei, drei— Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Nicht nur die„Times", sondern auch deutsche— und hier find es konservative Zeitungen— sehen in den bekannten Ent- hüllungen der„Pall Mall Gazette" den Beweis, daß daS niedere Volk demoralifirt sei. Wo Jedermann den Defekt der Reichen und Vornehmen erblickt, erklärt eins von diesen kon- servativen Bättem in Hinblick auf jene Enthüllungen mit großem Pathos:„Reform der englischen Volksschule— sollte die Parole derer sein, die aufrichtig die sittliche Hebung der niederenBevölkerungsstufe anstteben."— Wahrheit, verhülle dein Haupt! In Bezug auf den in Ehemnitz bevorstehenden Monstre-Sozialistenprozeß erhält die„Volksztg." folgendes Schreiben:„Sie haben bereits(nach dem„Chemnitzer Tage« blatt") mitgetheilt, daß der hier bevorstehende Sozialistenprozeß wahrscheinlich in der ersten Hälfte des Oktober beginnen werde, und daß bis jetzt ein Anttag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit noch von keiner Seite gestellt worden sei.„Wenn letzteres aber bei Beginn der Verhandlungen erfolgen sollte," bemerkt das Blatt wörtlich weiter,„so würde dies bei dem Charakter des zu verhandelnden Gegenstandes Niemand überraschen können." Da diese„Richtigstellung" offenbar von Seiten der Chem- nitzer Staatsanwaltschaft ausgeht, lassen die Schlußworte keinen Zweifel, daß die Staatsanwaltschaft den Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit stellen wird. Ein solcher Antrag wider- strebt aber„dem Charakter des zu verhandelnden Gegenstandes" ganz entschieden. Die Angeklagten sollen durch ihre Theilnahme am Kopcnhagener Kongreß der Zugehörigkeit zu einer geheimen Verbindung sich schuldig gemacht haben, und sollen weiter nach Anficht der Staatsanwaltschaft einer Verbin- dung angehören, deren Wesen und Zweck es ist, durch unae- setzüche Mittel Staatseinrichtungen unwirksam zu machen. Es ist klar, daß gerade die geheime Natur dieser Vergehen deren öffentliche Erörterung im Allgemeinintereffe dringend wünschenS- werth macht. Leider aber besteht bei uns in Sachsen schon seit Jahren die Oeffentlichkeit des Verfahrens in politischen Prozessen nur auf dem Papier, und zwar verfahren die Staats- anwaltschaftcn mit ihren Anträgen auf Ausschluß der Oeffent- lichkeit wie es scheint auf gemeinsame Weisung von oben, und die Mehrzahl der Gerichte hat sich dieser bedenklichen Praxis Einige Minuten später, da flammten nach allen Richtungen hin helle Lagerfeuer auf, und um dieselben herum drängten sich in bunten Gruppen geschäftige Köche und fröstelnde Frauen und Kinder. Der plötzliche Wechsel von der Wärme zur Kälte war unangenehm, aber er war unzertrennlich von dem Lagerleben, und aufmunternde Rufe und sogar Scherze erschallten, wo man vielleicht Kleinmüthigkeit und bittere Klagen zu vernehmen erwartet hätte._ Zm Wahsatchgebirae. Es bedarf wohl kaum der Hinweisung, warum die Mormonen, nachdem sie ihre heilige Stadt gegründet hatten, vorzugsweise nach solchen Pässen in dem Wahsatchgebirge forschten, welche dem neuen Zion möglichst nahe lagen, oder vielmehr sich mit demselben unter einer Breite be- fanden. EineStheils vermochte« die vom Salzsee au» gegen Osten entsendeten Wagenzüge gleich zu Anfang mit frischen Kräften und unterstützt von nahrhaftem Futter für das Zugvieh einen höchst schwierigen Uebergang über den zer- klüfteten Gebirgsstock zu bewerkstelligen, ohne die Folgen deS angreifenden Marsches auf abschüssigen Wegen noch lange nachher zu empfinden; dann aber auch konnte den aus den östlichen Staaten eintreffenden Mormonenkaravanen, wenn sie erschöpft vor der Bergkette liegen blieben, leichter Beistand geleistet werden.— Der Paß, welcher sich durch das Thal des „EmigrattonS-BacheS" hinzieht und, demnächst einen Berg- rücken übersteigend, dem„Canpon-Creek" folgt, darf daher, seiner Nähe wegen, als Hauptausgang aus dem Salzfee- thal gegen Osten betrachtet werden. Die Mormonen, dieses erkennend, haben schon in den ersten Jahren an diefem Paß gebaut und gebessert, und den Weg für die schwersten Trains zugänglich gemacht, wofür sie dann, um die Kosten der schon geschehenen und noch fortlaufenden Arbeiten zu bestreiten, ein ganz geringes Wegegeld für jeden dort fahrenden Wage« und jedes dort getriebene Stück Vieh von den Reisenden einforderten. Wie die Wichtigkeit dieses Passes m FriedenSzeiten nicht unterschätzt wurde, so trat dieselbe in dem Winter von 1857 angeschlossen. Vielleicht veranlaßt der devorstehende Prozeß, der durch die Stellung der Angeklagten— worunter sich sechs Reichstagsmitglicder befinden— das Interesse der weitesten Kreise in Anspruch nimmt, die Presse, sich etwas näher mit den Gründen zu befassen, welche den Ausschluß der Oeffent- lichkeit bei politischen Prozessen rechtfertigen." Welchen Lehrern die Pensionsberechtigung nach dem neuen Lchrerpenfionsgesetze vom 6 Juli 1885 zusteht, wird in einer Verfügung des Unterrichtsminister vom 15. Juli d. I. erklärt. Dieselbe lautet:„Oeffenlliche Volksschulen im Sinne des Gesetzes vom 6. Juli d. I. find diejenigen Schulen, zu deren Benutzung einerseits für Eltern und deren Stellvertreter, die nicht anderweittg dafür gesorgt haben, daß ihre Kinder oder Pflegebefohlenen den für die öffenilichen Volksschulen vor- geschriebenen Unterricht erhalten, ein gesetzlicher Zwang(der gesetzliche Schulzwang) besteht, und zu deren Errichtung und Unterhaltung andererseits für die Schulgemcinden, Schul- sozietäten, Schulverbände, bürgerliche Gememden ic.— je nach der Verschiedenheit der gesetzlichen Vorschriften in den einzelnen Landestheilen— eine allgemeine gesetzliche Verpflichtung be- steht.— Dadurch, daß die oberen Klassen einer öffentlichen Volksschule mit Genehmigung der Schulaufstchtsbehörde nach dem Lehrplane der Mittelschule arbeiten oder daß mit einer öffentlichen Volksschule einzelne besondere Klassen verbunden find, welche bezwecken, den diese Klassen besuchenden Schülern eine über die Aufgabe und das Ziel der Volks- schule hinausgehende höhere Bildung zu geben, ist eine solche Schule, was die Anwendung des Lehrerpenfionsgesetzes auf die Penfionsverhältniffe der Lehrer und Lehrerinnen bettifft, als aus der Kategorie der öffentlichen Volksschulen aus- geschieden nicht anzusehen.— Dagegen find diejenigen neben den wirklichen Volksschulen eines Orts bestehenden öffentlichen Schulen, welche, obwohl nicht zu den eigentlichen Höheren oder gelehrten Schulen(Gymnasien, Realgymnasium jc.) gehörend, doch ihrer gesammten Organisation und ihrem ganzen End- zwecke nach ihren Zöglingen eine über die Aufgabe und das Ziel der obligatorischen Volksschule hinausgehende höhere Bil- dung zu geben erstteben, als Schulen, die zur Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht dienen oder als öffentliche Volksschulen nicht anzusehen.— Es gehören demnach zur Kategorie der öffentlichen Volksschulen im Sinne des Gesetzes vom 6. Juli d. I. insbesondere nicht: a. die von Gemeinden errichteten Vorschulen, welche die Bestimmung haben, ihre Schüler für die Aufnahme in höhere Lehranstalten(Gymnasien, Realgym- nasien jc.) vorzubereiten; b. diejenigen Schulen, welche die Bestimmung haben, ihre Schüler für die mittleren Klassen von höheren Lehranstalten(Gymnasien, Realgymnasien jc.) vorzu- bereiten; c. die nach dem Lehrplane vom 15. Oktober 1872 eingerichteten Mittelschulen: 6. die höheren Mädchenschulen. Im Uebrigen ist es für die Entscheidung darüber, ob eine Schule zur Kategorie der öffentlichen Volksschulen oder zur Kategorie der über der Stufe der obligatorischen Volksschulen stehenden Unterrichtsanstalten gehört, ohne Einfluß, welche Be- Zeichnung dieselbe führt, welche Art von Prüfung zum Lehr- amte die an denselben beschäftigten Lehrer abgelegt und welche Art von Befähigung zum Lehramte dieselben erworben haben." Die Kommission der Telegraphen-Konferenz für das Tarifwesen und vre technischen Angelegenheiten haben in den letzten Tagen mehrere Sitzungen geHallen. In der technischen Kommission sind verschiedene Vorlagen erledigt. In der Tarif- kommisston haben sehr lebhafte Debatten und eingehende Be- rathungen der Vorschläge zlrr Vereinfachung des jetzigen Tarif- und Abrcchnungswesens stattgefunden. Zweckmäßige Abände- rungen werden allgemein angestrebt, verschiedene Amendements stehen in Ausficht, um die großen Schwierigkeiten der Frage zu ebnen. Zu den Ausweisungen russischer Polen aus Schlesien bemerkt die„Neiff. Ztg.": Massenhaft Leute zu oertreiben, welche seit Jahren, ja von ihrer Kindheit an in unserer Mitte sich genährt haben, geborene Preußinnen und deren Kinder ins Elend zu jagen, das sei eine Maßregel, wie sie seit Aus- treibung der Protestanten aus Salzburg und der Schwenk- feldianer aus dem Regierungsbezirk Liegnitz nicht mehr vor- gekommen sei. Sie fügt hinzu:„Wenn von den Offiziösen die starke Auswanderung der Deutschen aus Wcstpreuß-n auf die polnische Einwanderung zurückgeführt wird, so ist dagegen einzuwenden, daß alle Ackerbauprovinzcn eine hohe Aus- Wanderungsziffer ausweisen; Pommern, welches nicht unter polnischer Einwanderung lerdet, die höchste. Aus Pommern wandern in einem Jahre mehr Deutsche aus, als in 20 Jahren Polen in Westpreußen einwandern." Schweiz. Die Regierung hat sich veranlaßt gesehen, die Versamm- lungen der sog. Heilsarmee zu verbieten. Das Verbot lautet wie folgt: 1. Es wirv untersagt, durch die öffentlichen Blätter, Plakate, Zettel, Ausruf, Umbieten von Haus zu Haus zu Versammlungen einzuladen, welche von der sogenannten Heilsarmee veranstaltet werden. 2. Derartige Versammlungen dürfen weder im Freien noch in Lokalen stattfinden, welche öffentlich sind oder gewöhnlich zu öffentlichen Versammlungen bis 1858, und in dem darauf folgenden Frühling, als auf der Ostseite des WahsatchgebirgeS die Vereinigte Staaten- Truppen lagerten, noch merklicher hervor. Von Seiten der Mormonen war daher Alles aufgeboten worden, an ge- eigneten Stellen solche Vorkehrungen zu wessen, daß mit einer geringen Zahl von Streitern einer hundertfachen Ueber- macht der Eintritt in das heimathliche Thal verwehrt werden konnte. Das Wahsatchgebirge bildete also in seiner ganzen Ausdehnung eine mächtige Vormauer der Mormonen, und wo nur immer die Bodengestaltung einen Uebergang als möglich erscheinen ließ, da hatten sie, weithin gegen Norden und Süden, kleine, ziemlich rohe Befestigungen er- richtet, von welchen aus sie dann alle Zugänge vollkommen beherrschten.— Der Schnee war aus den Thälern und Niederungen verschwunden, und immer höher nach den Bergabhängen hinauf dehnte sich die heitere grüne Farbe aus, welche die milden warmen Flühlingslüfte überall dem vom langen Winterschlaf erwachenden Erdreich, und wenn eS das leblose Gestein kaum bedeckte, wie durch Zauber entlockten. Haben doch auch die Wüsten ihren Frühlingsschmuck, der auf kurze Zeit den öden, beängstigenden Charakter mil- dert. Leider dauert dies aber nur so lange, bis die wirk» samer werdenden Sonnenstrahlen dem Boden die Feuchtigkeit deS Winters rauben, demnächst die zarten Keime spärlich zer- streuter Gräser tödten und dörren, und sogar den genüg- samen, auf trockenem Sande gedeihenden Staudengewächsen eine kaum von der einfarbigen Wüste zu unterscheidende Farbe zu verleihen. Es war um die Zeit des flüchttgen Frühlingsschmuckes und in den späten Nachmittagstunden eines sonnigen TageS, als seitwärts von dem zwischen dem Canyon-Creek und dem EmigrationS-Creek gelegenen„Mountain-Paß", in einem ab- geschlossenen, kaum zugänglich erscheinenden Felsenwinkel ein kleines, mit trockenem Holze unterhaltenes und daher rauch- loses Feuer brannte. Dasselbe brannte so lustig und flackerte so hell, als wenn eS die Strahlen der sinkenden Sonne, die nicht mehr in den Felsenwinkel zu dringen vermochten, hätte ersetzen und zugleich die beiden Männer, die vor demselben benutzt werden. 3. Kinder unter 16 Jahren dürfen dic T'cr- sammlungen nicht besuchen, Eltern und Vormünder werden hierfür verantwortlich erklärt. 4. Wer einer dieser•8'- stimmungen zuwiderhandelt, wird mit Ordnungsbuße bestreu. In schweren Fällen findet Ueberweisung an die Gerichte wegen Ungehoriams gegen amtliche Verfügung statt. Die Anhänger der Heilsarmee haben gegen dieses Verbot protestirt. Belgien. Im Lande wächst die Unzufriedenheit ungemein. Solange das klerikale Äinisterum am Ruder rst, geht sein Bestreben dahin, das Staatsbudget möglichst in Äaianze zu bringen. Das ist ja an sich ein ganz richtiger Gedanke, aber wenn das auf Kosten der Gemeinden geschehen soll, so schrumpft em solches Beginnen zu einer Farce zusammen. Der Staat walst die sonst von ihm geleisteten Ausgaben für Schulzwecke mehr und mehr auf die Gemeinden ab, obgleich die Mehrzahl der- selben jetzt schon ganz zerrüttete finanzielle Verhältnisse haben. Kein Wunder also, wenn sie sich von allem Schulwesen mog- lichst zu befreien suchen. Das Ministerium sucht ihnen i» helfen— durch neue und ganz absonderliche Steuern. Könrg' liche Erlasse ermächtigen die Gemeinden z. B. auf Telephon- Abonnements und Bureaus Steuem zu legen; in Arbeiterbe- zirken„per Kopf und jeden Arbeiter und Arbeiterin 3.35 Frls. als Extrasteuer zu erheben", und da wundern sich die Klerikalen, daß das Land immer noch nicht von der neuen Aera, die allen „Schulverschwendungen" ein Ende zu machen und Steuern zu erlassen versprach, aber nichts gehalten hat, begeistert ist! Frankreich. Die Frauenrechtlerin Hubertine Auclerc erläßt nachstehendes„Wahlprogramm an die Frauen". Motto: Die Sklaverei des Weibes Hemmt die Freiheit des Mannet Die französische Nation ist zusammengesetzt aus Männern und Frauen, welche unter denselben Gesetzen stehen und die- selben Steuern bezahlen. Da sie gleich verantwortlich rM" steuerpflichtig, so sind alle Franzosen ohne Unterschied des Gs- schlechtes gleich berechtigt zur Wahrung ihrer Interessen"J der menschlichen Gesellschaft, indem sie in der Gemeinde un° im Staat wirken, um durch ihren Verstand und ihre Zahl öffentliche Wohlfahrt zu sichern. Art. 1. Alle volljährigen Franzosen, Männer und Frauen, sind gleich vor dem Gesetz und erfreuen sich der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte. Art. 2. Die Abstimmung durch die Männer und Frauen ersetzt das bisher auf die Männer allein beschränkte Stimm- recht. Art. 3. Revision der Verfassung und der Ehegesetzgebum durch eine Versammlung, welche zu gleichen Theilen aus Frauen und Männern zusammengesetzt ist. Art. 4. Gleiche Leichtigkeit der geistigen und gewerblichen Ausbildung für ale Kinder Frankreichs und gleicher ZustM ohne Unterschied der Geschlechter zu allen öffentlichen AemteM und Stellen. Art. 5. Der Staat Minotaurus, welcher sich nur ofi/M bart, um Zehnten an Geld und Blut zu erheben, soll eriw werden durch den Staat Familienmutter, welcheFrnrch ihre um' fichtige Fürsorge allen arbeitsfähigen Franzosen Sicherheit# Beschäftigung, den Kindern, Greisen, Kranken und Geb«®' liehen Hilfe zu gewähren hat. Der von den ProduktioÄ dürfniffen in jedem Gewerbezweig unterrichtete Staat vollM nach diesen Angaben die Rekrutirung für die Arbeit und w�M den Individuen nach ihren Fähigkeiten ihren Platz in der sellschaft an, wie er sie nach ihrer Statur in die ArM' einreiht. Art. 6. Gleiche Schätzung der Arbeit und bei gleiltr Produttion gleiche Bezahlung für beide Geschlechter. Art. 7. Die Steuern find nach den Mitteln jedes% zelnen zu bemessen; die Konsumsteuern aufzuheben und** Luxussteuern zu erhöhen. Art. 8. Ueber Krieg und Frieden, femer über das � tionale Budget haben Franzosen und Französinnen abzustimmM' Art. 9. Die Wehrpflicht ist obligatorisch für die Mälw� der Menschheitsdienst obligatorisch für die Frauen. Die theidigung des Landgebiets ist den Männern anvertraut,° Pflege der Kinder, Greise, Kranken und Gebrechlichen w Frauen. Art. 10. Das menschliche Individuum ist selbststäwf Es soll sich ungehindert der Denkfreiheit und der Freihest,� Wort und Schrift seinen Gedanken Ausdruck zu geben, erfreu� Art. 11. Die Rechtspflege ist unentgelttich. Die Gen-H� Höfe und die Schwurgerichte find aus Männern und FrU»" �°Art�2. �Gleiche Vortheile für Mann und Weib. lich Bekräftigung des Gleichheitsfinnes unserer Einrichtung durch den Vortritt, welcher dem Nützlichen und dem wendigen, das Allen dient, vor dem Angenehmen und llevn flüssigen, das nur Einzelnen zu statten kommt, gegeben den soll...i Wähler! Damit die Unredlichkeit in der Politik die 9# zu sein aufhöre, muß das Recht aufhören, Willkür zu saßen und sinnend in die Gluth schauten, erfreuen und un� halten wollen.. Nach ihrer Umgebung zu schließen, hatten die bew einsamen Jäger schon längere Zeit an diesem Orte M„ bracht. Der Boden war nämlich ringsum wie eine Tea festgestampft, und hart an der nördlichen überhäng�g Felswand war aus duftenden Tannenzweigen eine kleine#» errichtet worden, die, obgleich nur winzig, doch dicht und l> genug erschien, selbst den rauhesten Regen- und Sch" stürmen Trotz zu bieten und den in ihr Lagernden einen haglichen Schutz zu gewähren. j, Dicht neben der Hütte, an einem von Pfählen" Zweigen hergestellten Gerüst hingen Waffen, wie f'e„ fernen Westen gebräuchlich, und außerdem ein Vorrath-. gedörrtem und frischem Wildfleisch, ein sicheres Zeichen, � die Bewohner der Hütte, mochten sie auch sonst die trifti?! Gründe haben, sich verborgen zu halten, am allerwenigl gegen Roth zu kämpfen hatten.„ Wie sie überhaupt in die kesselförmige Thalsenkung � langt waren, welche schroffe und unersteigliche Felsen, A zu hundert Fuß Höhe von allen Seiten begrenzten, ließ j bei einem oberflächlichen Hinblick nicht errathen. Doch � lag es keinem Zweifel, daß sie den Fleischvorrath auf � andern Revier, als in dem kaum einige hundert Ouao ruthen haltenden Kessel erbeuteten. st So klein dieses halb unterirdische Reich also was,„ wunderbar schön hatte eS die Natur ausgestattet; dein> i hin man die Blicke auch wenden mochte, überall traft" � auf die malerischste Zusammenstellung von riesenhaften � bemoosten grauen Felsen, abgestorbenen Baumstämmen � niedrigem, immergrünem Gestrüpp. Dazu hatte sich, ft'„N dem ganzen Bilde noch mehr Leben zu verleihen, Mitte der kleinen Fläche, in einer Vertiefung de« und � dringlichen Gesteins, durch den Zufluß des Qefchmm! � Schneewassers ein seichter Teich gebildet, in welchem l1® � schief gewachsenen Tannen und die zerrissenen 3�«# � aiS seien sie wer weiß wie gefallsüchtig, gar anm"" spiegelten. Daß die vor dem Feuer sitzenden Bewohner.Nt wunderlieblichen Verstecks nicht blind für Naturschän? ®tnn Ihr wirklich müde seid, Euere Befehle verkannt zu sehen, ?""?_3hr wollt, daß die neue Legislatur in der Geschichte des »ntts Epoche mache, so zwingt dieses Programm den «andidalen auf; die menschliche Gleichheit, nach dem cS strebt, W der Zweck der Republik; denn Republik und Gerechtigkeit müffm gleichbedeutend sein." x, Das sozialistische Komitee, welches für die Frauenrechte M stellt für die bevorstehenden Wahlen eine Anzahl Kandi- vatlnnen auf. An ihrer Spitze figurirt Louise Michel, dann Men die eben genannte Hubertine Auclerc, die Journalistin .?arie DeraismeS, welche in der Oise durch ihr Vermögen und Ä hortiges Blatt eine nicht unbedeutende Rolle spielt- die oeiannte Paula Minck, dann Lsonie Ronzadc, Frau Clovis N.ues, SsvSrine, die Freundin Jules VallsS u. A. Die welche jetzt den„Cri du peuple" leitet, erklärt in einem Mulllchen Schreiben, sie nehme die Kandidatur nicht an; fie M 0% sehr Frau und ihr Platz sei nicht auf dem Schlacht« sttoe, sondern in den Ambulanzen. Grotzbritaunie«« ,."Us Irland werden neue Agrarverbrechen gemeldet, be« wnders find in der Grafschaft Cläre nächtliche Ausschreitungen, Gegangen von Banden bewaffneter Männer, im Zunehmen. M her Nacht am Mittwoch wurden die Wohnungen von vier Jachtern in Cappabeg, unweit Barefield, erbrochen und die Massen durchgeprügelt, weil fie angeblich Gutsherren Aus« efcheilt hatten. Auch wurden mehrere Schüsse abgefeuert. ,7'" Mann in derselben Nachbarschaft empfing einen Drohbrief, unteneichnct„Kapitän Mondschein." Verstümmelungen von und Rindern, begangen aus Rache gegen miß« nevige Pächter, find ebenfalls wieder an der Tagesordnung. Egypten. „ Ueber das Leichenbegängniß des Mahdi weiden arabischen -otattern aus Suakin folgende interessante Einzelheiten ge- weidet: Gleich nach dem Hinscheiden Mohamed Achmed's trat �er neue Khalif Abdullah zur Leiche hin, nahm ihr den Siegel« Ml ab und zerbrach ihn. Berittene Herolde durcheilten dann Pager von Omdurman und die Straßen von Khartum und oettündeten laut, daß der Mahdi zum Propheten im Paradiese �gegangen sei und dessen Neffe Abdullah die Regierung über« kommen habe. Von allen Seiten strömten die Gläubigen hin ß Zelte, in dem der Todte lag, und warfen fich vor dem« s n,.jammernd und heulend auf den Boden nieder. Unter Wehllagenden befanden sich auch die zahlreichen Frauen Mahdi mit deren Kindern, denen der Eintritt in daS Zelt, 0 dem der neue Khalif eben die Papiere und die Schätze deS xerfiorbencn übernahm, verboten war. Hierauf wurden ficbzig Pkttonen, Emire, Scheikhs und Derwische bestimmt, welche fich mit der Leiche beschäftigen sollten: dieselben mußten jedoch vor« 3» srn Reinigungsbad im Nil nehmen. Und als fich dann die Mtidschatten senkten, da begann unter dem Donner der Ge« Mütze das Leichenbegängniß. Zwölf Personen, die nach je Jkijpg Schritt durch andere abgelöst wurden, trugen die Leiche urch das Lager, wo die Truppen Spalier bildeten und Sal- m!} gaben, hinab zu dem eine halbe Stunde entfernten Weißen jm!; um fie dort zu waschm. Hinter der Leiche schritten die ?Wden Söhne des Mahdi und vertheilten Almosen. Hierauf Ä" sechzig Emire, alle beritten und mit gezückten Schwertern, Ederen M,tte der neue Khalif seinen herrlichen Araber ritt. an die Armen vettheilt wurde, tltachvem man nun me «Me gewaschen hatte, wurde dieselbe in den Turban des jT-tttorbenen eingehüllt und wieder nach dem Zelte zurückge- und hier beigesetzt. Das Zelt wurde sogleich, damit es d,» pwfanirt werde, in Brand gesteckt. Später wird fich auf den Stelle ein Turbeh(Mausoleum) erheben. Lokales. R.v J- Die Grundsatze der Cchnapspolitik nach unten i,.,? bei uns bekanntlich die entgegensetzten wie die der Schnaps« n.""k nach oben. Während man den Echnapsbrennern für 1t Produkte Steuer'Vcrgütunaen bei der Ausfuhr gewährt Inn«'s"* Fabrikation auf jede Weise zu fördern sucht, möchte „J) andererseits den Konsum mit allen Mitteln bekämpfen Womöglich den Dctailverkauf nur noch in der Apotheke A, z"sn. Gensdarmen und Polizisten find denn auch auf die «-Äung solcher kleinen Schnäpse, natürlich innerhalb der blichen Grenzen, streng bedacht. Hatten da am letzten jLMag mehrere Arbeiter eine Pattie nach dem benachbatten fÄ£:nchffeIbe unternommen, kneipten dott Natur in dem "en Park und wollten eben den Einfluß der herrlichen ein'�eratur etwas mildem durch den Genuß eines Gilka, den aurft ihnen in einer Flasche mitgenommen hatte, zu der er c.-ch e«n d« flrfi führte. Aber wo in Berlin und find, und Wan"' L�für erhielt man die sprechendsten Beweise, wenn einblü'"ach der Südseite zu offen gelaffene Hütte hin« .."ckle Und dnrt eine niifnefAIflaenc l-ieichenmavve aewahrte. 'Klbltrf+fl CZ�7 j—-11—- o— 11— c-—, auf»n rx � eine aufgeschlagene Zeichenmappe gewahrte, »vck-7�""e mit Künstlerhand sauber ausgeführte, aber »a&i"'3* ganz beendigte Bleistiftskizze der Hütte mit der 1 n Umgebung hingelegt worden war. Wan den beiden Männem der Künstler war, erneth wzfXsÄ den ersten Blick, trotzdem beide in ihrer hinter- 3)ean■$en Bekleidung kaum eine Verschiedenheit zeigten. Und..�Heend in der Physiognomie des einen tieferer Ernst schäm/! fiewiffe militärische Entschlossenheit zu Tage traten, wie-h"»"der- so keck und sorglos in die Welt Hinein, Sabtee nur ein mit einem glücklichen Temperament be- er für ra r vermag, der sich überall zu Hause fühlt, wo Mit x« nnd Hand Beschäftigung findet, und der et r%ttttfifA 9°4ßen Genüssen des Leben« rechnet, auS einer Winne»« NaluruingebuBg immer neue Eindrücke zu ge- Lebe» n � tief und nachhaltig, dereinst nur mit seinem von ihm scheiden. LeopJ™ nun eine„Hand" von der Bemannung de« vor hie? i1 ein Kunsthändler von New-Dork urplötzlich in denc-fx Gefährten hinversetzt worden, so würden sie -°naen«?' der Verkleidung und ttotz der übermäßig -varte und der wetterzerrissenen Gesichtszüge, den KaU'�ant Weatherton und seinen Freund Falk haben""edererkannt und alt alte gute Freunde begrüßt in Renl'Jäe beiden Männer, welche vor fünf Monaten erst ßeführt durch einen wunderbaren Zufall zusammen« Mrten �vrgen waren, saßen jetzt als unzertrennliche Ge- Tesahr��" im Wahsatschgebirge, umgeben von doppelten sie der einen Seite nämlich die Mormonen,»on denen werde», als Spione betrachtet und gefänglich eingezogen Armee I°?aien, auf der anderen Seite die amerikanische Älemhel? hochgestellten Offizieren, in deren Macht et lag, wie so.?tt die abenteuerlichen Fahtten zu verbieten, die wicht' fieoße Folgen aus kleinen Ursachen entspringen, ° e'vem verfrühten blutigen Zusammenstoß der ein- zwischen Lipp' und KelcheSrand schritt der grünuniformitte Be- amte ein, indem er dem Betteffenden das Ausschänken von Schnaps innerhalb deS Parkes untersagte, auch den Attentäter wegen Gewerbe-Kontravention notitte und zur Anzeige zu bttn- gen versprach.— Der Park in Fttedttchsfelde ist Pttvatbefitz und inwieweit der Gensdarm beaustragt ist, das Hausrecht in Vettretung des Eigenthümers zu wahren, darüber hat er fich in keiner Weise leaitimitt. Daß aber zum gemeinsamen Konsum einer Flasche Schnaps der zeitige Inhaber derselben eine Schankkonzesfion nöthia habe, das geht doch noch über den S chnapSverkauf in der Apotheke. Oder herrscht vielleicht im Park zu Fttedttchsfelde auch noch ein Ausnahme-Gewerbe- Gesetz? Die Markthallen. Am 1. Dezember sollen die jetzt im Bau begriffenen Markthallen eröffnet werden und es wird mit aller Macht nach erzwungener langer Pause gearbeitet, um den vom Magistrat festgesetzten Termin inne halten zu können. Wir nähern uns somit einer der einschneidensten Veränderungen, welche Berlin seit einigen Jahrzehnten durchgemacht. Der Um- stand, daß unsere Zentralhalle fich in direktem Anschluß an die die Stadt durchschneidende Bahn befindet, an ein Mittelglied aller in Berlin einmündenden Bahnen, giebt uns einen Vottheil, den Patts und London nicht besitzen. Konnte doch selbst Napoleon Iii. diese Verbindung nicht durchsetzen. Es wird da- her interessant sein, an der Hand ttnes Vorttages, den Herr Stadtsyndikus Ebetty kürzlich gehalten, zunächst einige ottentirende Worte zu sagen. Die große Zentralmarkthalle in der Neuen Friedrichstraße lehnt sich an den Stadtbahnviadukt beim Bahnhof Alexanderplatz, also in unmittelbarer Nähe des Sedan-Panoramas an. Sieben Viaduktbogen der Stadtbahn, jeder mit einer Bodenfläsche von 180—200 Quadratmeter, bilden so zu sagen den Ast, an welchen die Halle ansetzt. Hier hat man nun den eigentlichen Bahnkörper er- weitett. Es ist ein Anbau geschaffen worden, der die direkte Anfuhr der Marktgüter in die Markthalle gestattet. Dieser Anbau ist allein 800 Meter lang und stellt den eigentlichen Markthallen- Bahnhof dar, auf welchem die in der Nacht einlaufenden Züge ihren Rangirbettieb vomehmen. Für den Betrieb find zunächst nur die Nachtstunden zwischen Mitternacht und 4'/, Uhr Morgens vorgesehen; als Maximal- leistung zwei Züge von je 60 Achsen; auf die Achse, mäßig gerechnet, nur 50 Zentner Last angenommen, macht ein Maximum von 3000 Zentnern. Bis dieser komplizitte, auf wenige Etun« den konzentritte Betrieb— hier lag der Anattffspunkt sehr beachtenswerther Gegner des Eisenbahnanschluffes— sicher, exakt und allen Interessen entsprechend arbeiten wird, kann möglicher Weise einige Zeit vergehen. Ader:„Wo ein Wille ist, wird fich auch die Att der Ausführung finden." Ist die Anlage vorhanden und in Bettteb gesetzt, so wird sie mit elementarer Macht, d. h. mit der Macht des in fich Berechtigten und Nothwendigen, welchem allein fie ihre Entstehung verdankt, alle Hindernisse besiegen. An diese Eisenbahnanlage schließt fich in einem regelmäßigen Parallelogramm auf etwa 8000 Quadratmeter Flache die eigentliche Markthalle an. Sie wird zwei Stockwerke haben; das obere wird indessen nur von den Umfassungswänden und in seinem etwa sechs Meter breiten Mittelgange hottzontale Fläche bieten, aber sonst offen sein, so daß die etwa 25 Meter hohe Halle sehr luftig sein wird. Die obere Etage wird m gleicher Höhe mit dem Bahnhof liegen. Die Perrons werden für die Handhabung des Auslandes so bequem als irgend möglich eingenchtet sein; ausgeladenes Gut geht auf kleinen Wagen. Diese werden auf Versenkungen gestellt und gleiten so herunter in den zu ebener Erde belegenen Markt und die Gewölbe des Nordbahn-Viadusts. Natü- lich wird diese Markt« Halle nicht die einzige in Berlin sein. Vielmehr werden nach und nach in den einzelnen Etadttheilen soviele gebaut werden, daß fie im Stande sein werden, den etwa 13 000 Händlern, welche jetzt, je nach den Markttagen, von Markt zu Markt ziehen, Unterkunst zu gewähren. Drei größere Markthallen, welche bestimmt find den Verkehr der Märkte des Dönhofs- platzes, des Gendarmenmarttes und mehrerer kleiner Wochen- märtte aufzunehmen, befinden fich nahe der Vollendung, in der innern Friedrichsstadt' zwei andere Hallen im Norden und auf dem Magdeburger Platz find in bestimmte Aussicht ge- nommen; etwa noch fünf andere Hallen werden nachfolgen. In spätestens zwei Jahren also wird das Markthallensystem zu einem vorläufigen Abschluß gelangt sein. Alle jene Hallen werden in- deß nur mehr oder minder dem Detailverkehr dienen. Der Schwer- puntt des Markthallenverkehrs, dettGroßhandel und die Unter- vertheilung vom Großverkehr in den Kleinverkehr, die wirth« schaflliche Ansammlung, femer Reguliruna wird für die meisten Konsumgegenstände in der Zentralmarkrhalle erfolgen. Die Phyfiologre im Verkehr ähnelt derjenigen der Zirkulation im menschlichen Körper. Sie strebt dem Mittelpunkt zu und ent- eilt ihm auch wieder. Neben der Regulirung des bishettgen Marktvcrkehrs aber wird die neue Markthalle auch die rationelle Einführung in Berlin bisher so gut wie gar nicht verbrauchter Genußmittel ermöglichen. Dahin gehört vor Allem der See« fisch, und es werden ganz außerordentliche Anstrengungen ge- macht, um ihn, der bisher nur eine Delikatesse war, zu einem ander gegenüber stehenden erbitterten Streiter führen konnten. Sie hatten also doppelten Grund, fich verborgen zu halten, und war ihnen dies bis jetzt auch so vollkommen ge- lungen, daß sie sich nicht nur schon ganz an ihre Lage ge- wöhnt, sondern auch allmälig die Besorgnisse, welche sie Anfang« hegten, verloren hatten und mit einer gewissen be- haglichen Ruhe in den Tag hinein lebten. Sechs Wochen waren ihnen also in dieser Weise ver- gangen; sech« Wochen, in welchen sie den bösen Schnee- stürmen, die gewöhnlich den Uebergang des Winters zum Frühling bezeichnen, Trotz geboten, sechs Wochen, in welchen sie von allem Verkehr mit der äußern Welt abgeschnitten gewesen und andere Menschen höchsten« aus der Ferne von sicheren Verstecken auS beobachtet hatten. Sie befanden sich tief genug im Gebirge, um der Jagd «ach Herzenslust obliegen zu können, während ihre Pferde in einer nahen Sackschlucht, die kaum jemals ein Weißer betteten haben mochte, untergebracht worden waren. Da femer ringsum die unzugänglichsten GebttaSwildnisse sie um- gaben, durch welche sie, Dank ihren Führem, auf selbst dm Mormonen noch unbekanntm Wildpfaden gewandert warm, der Knall ihrer Büchsm eben so wenig de» von den Mormonm besetztm Engpaß, wie das noch weiter entfemte Lager der Vereinigte Staatm-Armee erreichte, so war das Gefühl der Sicherheit, welchem sie sich hin« gabm, gerechtfettigt, und lange noch hätten sie dort zubringm könnm, ohne in ihrem Einsiedlerlebm gestört zu werden, sogar auch dann, wmn auf allen Seitm die wilde Krieg«- fackel mtzündet wordm wäre.— Die Sttahlen der Sonne drangm also nicht mehr in dm anmuthig geschmückten Felsmkessel hinein, und sehr bald machte sich daher in demselbm die dem Gestein mtsttömende feuchte, winterliche Kälte fühlbar. Weathetton schütte mechanisch mit einem dürrm Holz- splitter zwischen den Kohlm, und hielt denselbm, sobald er Feuer aesangm hatte, wie eine brmnende Kerze in beiden Händm, aufmerksam die kleine Flamme bettachtend, die sich allmälig seinm Fingern näherte.. „Gerade sechs Wochen leben wir nun schon in unserem billigen Volksnahrungsmittel zu machen. In unserer Zeit ist Ärbeitstheilung und Zeiterspamiß so viel als— Alles. Wo gilt dies mehr als bei der Hochseefischerei und ihrer Nutzbar- machung für alle Betheiligten. Wie kaum sonst ein Objekt menschlichen Verbrauches, find Fische ein verderbbarer Gegen- stand. Ihr Werth hängt an Stunden und jede gewonnene Stunde erhöht, jede verlorene Stunde vermindett den Gewinn des Fischers. Aus diesem Grunde werden jetzt, gestützt auf die eingehendsten Untersuchungen, mit der zuständigen Eisenbahnstelle Berathungen über den Transpott von Seefischen gepflogen. Desglttchen wird über Maßnahmen be« rathen, um den schleunigsten Absatz der eintreffenden Sendun- am zu bewirken und zwar durch zuverlässige Marktmakler, die dem Fischer auch einen lohnenden Erwerb garantiren. Soweit vielleicht einige Grundlinien des werdenden Verkehrs. An Stelle des engen, mit allen möglichen Unficherheiten, Verzette- lungen und Nebenkosten behafteten veralteten Wochenmarktes tritt der den Erfordernissen modernen Handelsverkehrs ange- paßte, alle zeitgemäßen Verkehrsmittel sorgfältig ausnützende, zweckmäßig organifitte Zentralmaikt, welcher durch Pferdebahn und Elektttzitat mit allen Detailmärkten und sonstigen Abneh- mern innerhalb und außerhalb der Stadt in enger, rascher und unaufhörlicher Verbindung ist. Im Interesse des städtischen Steuersäckels wäre eS wohl zu wünschen, daß fich die optimisti« schen Anschauungen des Herrn Stadtsyndikus Ebetty auch thatsächlich verwirklichen möchten. r. Die baulichen Veränderungen, welche sonst wäh- rend der Ferien in den Schulgebäuden ausgefühtt zu werden pflegen, find in diesem Jahre, wahrscheinlich infolge des Maurerstreiks, mehrfach nicht zu Ende gekommen, so daß daran noch gegenwärtig gearbeitet werden muß, wodurch für den Unterricht oft recht unangenehme Störungen erwachsen. Na« mentlich ist dies der Fall im Leibnitzgymnafium und in der Viktottaschule, wo in jener die Heizungsanlage einer umfassenden Reparatur unterworfen, in dieser der Anschluß an die Kanalisation bewirft wird. Die Störungen beim Unter« richt find oft erheiternder Natur und von unfreiwilliger Komik. In der Pflanzenkunde fordert der Lehrer die Schüler einer oberen Klaffe auf:„Nun suchen Sie mal mit der Lupe den Fruchtknoten."„Der Kerl ist wieder nirgends zu finden," schimpft in diesem Moment unter dem offenen Fenster der Polier auf einen abwesenaen Arbeiter zum großen Gaudium der jugendlichen Botaniker.—„Hübsch grade fitzen Elschen!" ermahnt die Lehrerin. Draußen im Korttdor aber schallt es wie zur Antwott:„Sehen Sie denn nickt, daß der Ausguß schief fitzt? wie kann einem so alten Gesellen wie Ihnen denn noch so etwas pasfiren!"— Man kann fich denken, wie sehr Lehrer und Lehrerinnen die Beendigung dieses unleidlichen Zustandes wünschen. i. Das Joachimthal'sche Gffmnasium ist während der jetzigen großen Ferien mit einer sehr zweckmäßigen neuen Ein« richtuna gegen Feuersgefahr versehen worden. Auf sämmt- lichcn Korridoren find nämlich je zwei große Wasserschläuche angebracht worden, die mittelst einer besonderen Vorttchtung mit den Wasserleitungsröhren in Verbindung gesetzt find. Die Schläuche hängen hinter leicht zu öffnenden Kasten, so daß in der denkbar kürzesten Zeit das ganze Gebäude im Falle einer Feuersbrunst mit Wasser überfluthet werden kann. Im Gan- zen find 15 solcher Schläuche angebracht worden. Das Motiv zu der neuen Einrichtung war der Umstand, daß das isolitt dastehende werthvolle Institut nur schwer von der Feuerwehr erreichbar ist, auch nicht genügend Wafferquellen in der Nähe find, so daß dos Vorbcrertungswerk zu den Löschungsarbeiten eine viel zu lange Zeit in Anspruch nehmen würde; obwohl die Anstalt ja von jeher mit eigenen Feuer- und Löschung«« geräthschaften verschen war, so ist doch diese Neu-Einttchwng für die Sicherheit des Gebäudes von der größten Bedeutung. tb. Oben oder unten? Da die Berliner Omnibus- Aktiengesellschaft auf ihren Fahrzeugen auch„Deckpassagiere" befördert, so tritt an die fahrlustiae Männerwelt— die Frauen find diesmal ausgeschlossen, da sie auch hier kein Wahlrecht haben, wodurch ihnen allerdings auch die Qual der Wahl er- spatt bleibt— die im Begriffe steht, fich dem fahrenden Un- §ethüm, Omnibus genannt, anzuvertrauen, die schwerwiegende -rage zur Entscheidung heran.„Oben oder unten?" Die still- schweigende Parole lautet in den weitaus meisten Fällen: „Alle Mann auf Deck!" nicht etwa, weil man von der Anficht ausgeht, daß aller Segen von„oben" komme, sondern die Gründe dafür, weshalb man fich so hoch versteigt, find wefent- lich andere. Anerkanntermaßen ist es ein sehr zweifelhaftes Vergnügen, in einem derartigen Matterkasten durch die Stadt zu„gondeln". Wenn aber schon einmal das Opfer gebracht wer- den muß, so wählt Jeder gern von zwei liebeln das kleinere und verfügt sich nach„oben", wenn es die Witterung nur einigermaßen gestattet, um wenigstens rauchen oder nach Herzenslust frische Lust schöpfen zu können, Annehm« lichkeiten, die man„unten" nicht genießen kann, wo man außerdem noch das Ungemüthliche einer steifleinenen Gesellschaft mit in den Kauf nehmen muß. In vielen Fällen mag ja auch für die„obere" Wahl die Höhe des Fahrpreises,"welcher der Höhe des Sitzes Gefängniß," unterbrach er die schon wenigstens zehn Minuten dauernde Stille,„ja, gerade sechs Wochen, und wir sind noch immer so klug, wie an dem Tage, an welchem wir zum ersten Mal dieses Feuer hier anzündeten." „Gevuld, Geduld," versetzte Falk mit seiner unverwüstlich guten Laune;„unsere wackere« Freunde werden zur rechten Zeit bei uns eintreffen, denn wie sie sich auf ihr Handwerk verstehen, haben sie schon allein dadurch bewiesen, daß sie uns an einen Ort führten, von dem man behaupten könnte, er läge auf dem Monde, so ungestött sind wir während der ganzen Zeit geblieben. Zn der That merkwürdig, es scheint auf dem nordamerikanischen Kontinent keinen Punkt zu geben, welchen die Delaware»- Jäger nicht wenigstens einmal in ihrem Leben besuchten, keine Landsttecke, auf welcher sie sich nicht eben so leicht zurecht zu finden wüßten, wie auf ihren heimathlichen Jagdgründen am Arkansas. Die Sucht nach Abenteuern ist ihnen angeboren, denn irre ich nicht, so leisten sie uns ihre Dienste eben so sehr aus Lust zur Sache, wie deS zugesichetten Lohnes halber." Weatherton nickte; seine Gedanken waren mit anderen Dingen beschäftigt, als mit Indianern. „Wo der Leopard jetzt wohl kreuzen mag," fragte er plötzlich, wie aus einem Traume erwachend. „Hoho!" erwiderte Falk laut auflachend,„eS geht Euch wohl wie Jim Rast, der am Heimweh nach den blauen Wassern deS Ozeans leidet?" „Das Meer ist allerdings mein Element, und wttd es auch bis zu meinem Lebensende bleiben," entgegnete Weathetton, indem er sich zwang, in deS Freunde« Fröhlichkeit einzu« stimmen,„doch würde eS unehrlich von mir sein, wollte ich behaupten, daß ich mich in diesem Augenblick an Bord de« Leoparden zurücksehnte. Meine Aeußerung entsprang aus ganz anderen Gefühlen- ich gedachte der letzten Tage, ich auf dem braven Schiff zugebracht habe." .Ihr gedachtet des schönen Mormonenmädchens, dessen erste Bekanntschaft ich neugieriger bin, al« auf ewige Seligkeit, und ferner ftagtet Ihr Euch, ob der die Euch gethane Schritt nicht voreilig gewesen, mtt glücklich sorglosem Ausdruck hinzu. (Fortsetzung folgt.) auf die von fügte Falk entsprechend niedriger ist, als„unten", ausschlaggebend fern, doch kommt dieser Gefichtspunkt nur für die„ganze" Strecke in Betracht, da sich für„Theilstrecken" der Preis„oben" und „unten" gleichstellt. Man sollte nun meinen, daf> fich aus vieser Glcichwerthigkeit auch eine Gleichheit der Plätze ergeben müsse, d. h. daß es vollständig gleich sein müsse, ob man „oben" oder„unten" fährt. Dies ist nun aber durchaus nicht der Fall. Wie häufig kommt es vor, daß Jemand, der einen Omnibus benutzen will, zu seinem größten Leidwesen„oben" alle Plätze besetzt findet. Um nun nicht die Fahrgelegenheit zu versäumen und auf den nächsten Omnibus zu warten, wo rhm vielleicht ein gleiches Schicksal bevorsteht, steigt er in das Innere des Wagens, in der Abficht, sobald„oben" ein Platz frei wird, denselben sofort mit seinem unfreiwilligen Platze „unten" zu vertauschen und ist nebenbei überzeugt, dadurch auch eine Pflicht der Galantrie zu erfüllen, indem er ja durch seinen Tausch einer Dame mehr Gelegenheit giebt, den Wagen zu benutzen, die Aktiengesellschaft also keinerlei Einbuße durch «inen derartigen Platzwechsel erleidet. Die brennende Zigarre, aus welcher vor dem Einsteigen noch einige kräftige Züge gethan worden find, um fie vor dem Auslöschen zu bewahren, da„unten" das Rauchen verboten ist, dampft in einer Weise fort, daß die Mit- fahrenden in derselben Weise belästigt werden, als wenn that- sächlich geraucht würde. Das peinliche dieser Situation fühlend, fitzt der Betreffende unruhig wie auf Kohlen, es prickelt in allen Adern und sehnsüchtig harrt er auf den Moment seiner Er- lösung. Da endlich erscheinen die unteren Extremitäten eines „Deckpassagiers" auf der Leiter,„oben" wird ein Platz frei und schleunigst schickt der Unglückliche fich an, den lustigen Platz „oben" mit seiner Persönlichkeit auszufüllen. Doch kaum ge- dacht, wird der Lust ein End' gemacht! Seiner Instruktion gemäß erklärt ihm der Kondukteur, daß, wenn er den Platz wechsele, er noch einmal bezahlen müsse. Alle Einwendungen helfen nichts, der Kondukteur bleibt dabei, es sei so Vorschrift und nichts dagegen zu machen und wohl oder übel, falls er nicht noch einmal bezahlen will, muß der Passagier zurück in den Marterkasten, dem er fich schon entronnen glaubte.— Eine solche„Vorschrift" muß entschieden befremden und kann nur eine Erklärung in dem Uhrensystem finden, daß die Omnibus- Aktien- Gesellschaft noch immer im Gebrauch hat und welches darin besteht, daß auf den Kontrol-Uhren das Auf- und Absteigen jeder Person,„oben" wie„unten" markirt werden muß. In dem Augenblick, wo der Paffagier von„oben" den Wagen verläßt, wird er als abge- stiegen markirt. Nimmt nun der Passagier von„unten" dessen Platz ein, so muß derselbe, wenn es„stimmen" soll,„unten" als„abgestiegen" und„oben" als„aufgestiegen" markirt wer- den. Es ergrebt fich hieraus naturgemäß ein Plus, das nur durch nochmalige Entrichtung des Fahrpreises gedeckt werden kann. Es zeigt fich hieran wiederum das Unzeitgemäße des jetzigen Systems und es ist nicht recht einzusehen, weshalb fich die Omnibus-Direktion so hartnäckig gegen die Einführung des Billetsystems sträubt, wie es bei den Pferdeeisenbahnen mit gutem Erfolge gehandhabt wird. Die königliche Polizeidirektion in Potsdam erläßt folgende Bekanntmachung-. Noch immer machen Dienstherr« schaften dadurch sich strafbar, daß fie es unterlassen, der Polizei- direktion über etwa eingetretene Schwangerschaft eines Dienst- boten auf Grund der Vorschriften der Gestndeordnung Anzeige zu erstatten. Ich bringe deshalb in nachstehendem dre seitens der ehemaligen königlichen Regierung, Abtherlung des Innern, hicrsclbst unter dem 2. Dezember 1861 erlassene Polizeiverordnung(abgedruckt im Amtsblatt, Jahrgang 1861, S. 382) in Erinnerung. Die§§ 117 und 133 der Gestndeordnung vom 8. November 1810(Ges.-S. 1810, S. 102) bestimmen:§ 117. Wenn ein Gefinde weiblichen Geschlechts schwanger wird, in welchem Falle jedoch der Obrigkeit Anzeige geschehen und die wirkliche Entlassung nicht eher, als bis von dieser die gesetz- mäßigen Anstalten zur Verhütung alles Unglücks getroffen worden, erfolgen muß. Die mit den vielfachen Zuwiderhand- lungen gegen diese Bestimmung verbundenen Mißbräuche ver- anlassen uns, auf Grund der uns durch die§§ 5 und 11 des Gesetzes über die Polizeioerwaltung vom 11. März 1850 übertragenen Befugniß, hiermit für den Umfang des Regierungs- beztrkes Potsdam folgendes anzuordnen: z 1. Die Dienstherrschaften, welche schwangeres Gefinde ohne die im§ 133 der Gesindeordnung vom 3. November 1810 vorgeschriebene vor- Sängige Anzeige des Schwängerungsfalles oder ohne die in iolge dessen zu treffenden Anordnungen der Lrtspolizeibchörde abzuwarten, aus dem Dienste weisen, find mit einer Polizei- strafe von einem bis zehn Thalcr zu belegen, an deren Stelle nach§ 18 der Verordnung vom 11. März 1850 verhältniß« mäßige Gefängnißstrafe substituirt werden kann.§ 2. Als Beweismittel für die geschehene Anmeldung haben dre OrtS- Polizei- Behörden nach der ihnen dieserhalb besonders erthcilten Instruktion, den Dienstherrschaften sofort eine Bescheinigung zu erthcilen. Die Zahl der Hunde in Berlin vergrößert fich mit jedem Jahre, und wenn man nach den Erträgnissen der Hunde- steuer berechnet, daß gegenwärtig 34000 Hunve hier existiren, so daß immer der 35. Mensch einen Hund besitzt, so könnte man über diesen Segen fast erschrecken, wenn nicht eben diese vierfüßigen Hausgenossen des Menschen für unsere städttschen Finanzen eine ganz bedeutende Rolle spielten. Die Erttägniffe der Hundesteuer bezifferten fich im vergangenen Jahre auf 381000 M. Unter der oben angeführten Hundeschaar befinden fich 2935, welche das Privilegium der Steuerfreiheit besitzen und zwar 1695 Kettenhunde, 1092 Ziehhunde, welche im Schweiße ihres Angesichts ihr Brod essen müssen, sodann 53 Hunde, welche taubstummen und zugleich mittellosen Eigen- thümern angehören, 39 Treiberhunde und 56 Hunde im Befitze des Personals der auswärtigen Gesandtschaften. e. Bon einer seltenen Geistesgegenwart eines jnngen Mädchens gelegentlich einer ihr zugefügten schweren Ver- letzung, welche bereits von dem Postzerber-cht erwähnt worden äää Hoffmann arbeitete am 14. d. M an emer mst Gaskrast ge- triebenen Nähmaschine, als em langer Stahldraht fich in daS Gettiebe verwickelte. Um denselben herauszuzleken, wrckelte fie fich den Draht um den Zeigefinger der lrnken Hand oder hatte ihn um denselben gelegt, als fie plötzlich emen Ruck verspürte und Blut sah. In der Meinung, daß fie fich die Hand leicht verletzt habe, ging die H. ruhig nach der Wasserleitung und spülle fich die Hand ab. Eine Arbeiterin sah zufallig auf die Hand und schrie entsetzt:„Fräulein Hoffmann, Ihnen fehlt ja ein Finger!" Jetzt erst sah sie das Fehlen desselben; der Finger lag auch unter der Maschine. Nicht im Genngsten er- giiffen, umwickelte die H. zunächst die Hand und sagte:„Na, das ist noch nicht das Schlimmste, wenn ich nur die Hand be- halte." Ein schnell von dem Fabrikherrn herbeigerufener Arzt legte einen regelreckten Verband an. Nachdem die H. noch am Abend desselben Tages mit ihrem Bräutigam zusammen- gettoffen war, stellte fich 24 Stunden nach dem Unfall ein heftiges Wundfieber ein, welches die Ueberführung der H.nach dem Elisabeth-Krankenhause nothwendig machte. B. Wie vorsichtig anständige Damen des Abends auf der Straße sein müssen, zeigte fich vorgestern Abend wieder einmal in der Auguststraße. Während der Ehemann fich in einen Zigarren-Laden begeben hatte, wurde seine draußen auf dem Trortoir wartende Frau von einem Müßiggänger anae- sprochen. der ihr seine Bcglettung amzudringen suchte. Auf dem Staube machte. Sterblichkeit»- und GesundheitSverhältnisse. Gemäß den Veröffentlichungen deS Kaiserlichen Gesundheitsamtes find in der Zeit vom 2. August biS 8. August er. von je 1000 Lebenden aufs Jahr berechnet als gestorben gemeldet: in Berlin 28,2, in Breslau 28,7, in Königsberg 26,1, in Köln 34,6, in Frankfurt a. M. 19,0, in Hannover 25,5, in Kassel 18,7, in Magdeburg 35,8, in Stettin 36,2, in Altona 32,2, in Straßburg 27,2, in Metz 23,8, in München 38,6, in Nürnberg 30,1, in Augsburg 38,8, in Dresden 28,0, in Leipzig 21,8, in Stuttgart 15,5, m Karlsmhe 12,5, in Braunschweia 28,1, in Hamburg 24,7, in Wien 25,0, in Budapest 31,6, in Prag 31,9, in Trieft—, in Krakau 37,5, in Basel 18,8, in Brüssel 21,9, in Amsterdam 17,6, in Paris 20,5, in London 21,9, in Glas- gow 21,3, in Liverpool 24,8, in Dublin 19,7, in Edinburg 14,9, in Kopenhagen 20,2, in Stockholm 18,6, in Christiania 22,3, in Petersburg 27,5, in Warschau 43,5, in Odessa 42,3, in Rom 24,3, in Tunn—, in Bukarest 25,7, in Madrid—, in Alexandrien 44,7. Ferner in der Zeit vom 5. Juli vis 12. Juli er.: in New-Uork 34,6, in Philadelphia 29,7, in Balttmore 27,0, in San Franziska 24,5 in Kalkutta 18,0, in Bombay 28,5, in Madras —.— Der Gesundheitszustand in Berlin zeigte in der Berichts- woche eine weitere Wendung zum Besseren. In Folge der meist kühlen Temperatur der Lust, die in der Berichtswoche vorherrschte, haben Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kinder einen weiteren Rückgang erfahren, und namentlich letztere nur noch 149(gegen 189 der Vorwoche) Todesfälle hervorgerufen, von denen 138 auf Kinder unter 1 Jahr entfielen. Fast in allen Stadttheilen ist ein Nachlaß der Sterb- lichkeit an diesen Krankheitsgruppen erstchtlich, nur in der jen- fettigen Louiscnstadt und im Sttalauer Viertel blieb fie eine größere. Ruhrfälle haben gleichfalls abgenommen. Die Zahl der neuen Erkrankungen an Masern zeigte keine wesentliche Veränderung. Scharlachfieber dagegen rrcfmehr, Diphtherie etwas weniger Erkrankungen als in der Vorwoche hervor. Eine mäßige Steigerung der neuen Erkrankungen zeigten ty- phöse Fieber, die von 37 der Vorwoche auf 43 stiegen. Er- krankungen an Wechselfiebern und an rosenartigen Entzün- düngen des Zellgewebes der Haut wurden seltener, an Kind- hettfieber etwas häufiger beobachtet. Erkrankungen an Keuch- husten, sowie an akuten Prozessen der Athmungsorgane ge- langten etwas zahlreicher, an rheumatischen Beschwerden der Muskeln, sowie an akutem Gelenkrheumatismus etwas seltener zur ärztlichen Behandlung. Polizeibertcht. Am 16. d. M. Abends nahm die Tochter des Kammmachers Kluge, Kastanienallee No. 34 wohnhaft, statt doppelkohlensauren Nattons in Folge Verwechslung Schwein- furter Grün ein. Trotz der sofort ärztlicherseits angewendeten Gegenmittel verstarb das Mädchen an den Folgen der Ver- giftung noch in derselben Nacht. Am 17. d. M. erschoß fich ein Mann in seiner in der Weberstraße belegenen Wohnung mittelst eines mit gehacktem Blei geladenen TerzerolS. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft.— An demselben Tage Nachmittags wurde im Louisen- städtischen Kanal, an der Königinbrücke» die Leiche eineS neugeborenen Kindes aufgefunden und ebenfalls nach dem Obduktionshause geschafft.— Einige Stunden später wurde dem mit der Revision von Lastkähnen beauftragten Schutzmann Schulz von dem Besitzer eines hinter der Wasser- gaffe liegenden Kahnes thällicher Widerstand entgegengesetzt. Schulz kam hierbei zu Falle, renkte fich den rechten Arm aus und wurde nach Bethanien gebracht, während der betteffende Schiffer zur Hast eingeliefert wurde.— An demselben Tage Abends wurde ein Kutscher im angetrunkenen Zustande vor dem Hause Straußbergerstt. 10 auf dem Bürgersteige liegend aufgefunden. Derselbe hatte fich anscheinend den linken Ober- arm gebrochen und wurde auf seinen Wunsch mittelst Droschke nach seiner Wohnung.— Um dieselbe Zeit entstand in der Leimküche der Tischlerei von Ranfft, Pallisadenstt. 90, Feuer, indem dort lagemde Hobelspähne in Brand geriethen. Das Feuer wurde noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr gelöscht. Gerichts-Ieiwng. Angeklagter, Sie find ein bisher völlig unbeschol- tener Mann, verschlimmern Sie die an und für fich unbe- deutende Sache nicht durch ein fruchtloses Leugnen. Mit diesen Worten begann der Vorsitzende die Verhandlung gegen den 43jährigen Handelsmann Adolf Wagner, einen klernen, un- ansehnltchen Menschen, der äußerst befangen und schüchtem auftrat, und der fich des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht haben sollte. Uebriaens müssen Sie aufstehen, wenn ich mit Ihnen rede, fügte der Vorsitzende mit einem strafenden Blick auf den Angeklagten hinzu. Angekl.: Um Jottes willen, höchster Jerichtshof, nehmen Se't man nich vor unjut, ick stehe schon lange, aber ick bin in de Länge etwas zu kurz jeratem un da mag det woll 'ne jeehrte Täuschung von Ihnen find. Vors.: So, so, es ist gut. Wie steht es Venn nun mit der Sache? die Wittwe Spannagel behauptet in ihrer Denunziation, Sie wären in ihrer Abwesenheit durch das Kellerfenster in ihre Wobnung gestiegen, um sich einen Ueberzieher zu holen, den sie Ihnen wegen rückständiger Miethe abgepsändet hatte. Aber, was? Ich glaube gar, Sie weinen? Mann, so seien Sie doch ruhig, danach ist dre Sache wahrlich nicht angethan.— Angekl.: Se jlooben jarnich, wie mir det iS, det ick als'n Verbrecher hier uf de Anklagebank muß find. Ick komme mir vor, als wenn Krauts schon de erste Hypothek uf meinen Kopp usjericht hätte, ick— Vors.: Betragen Sie fich nicht so kindisch, Angeklagter, nehmen Sie fich zusammen und erzählen Sie den Vorfall, wie er fich nach Ihrer Meinung zugettagen. Sie sollen auch die Wittwe Spannagel körperlrch mißhandelt haben.— Angekl.: Ick? Als wie ick de Spannageln? Ja, wenn ick det könnte; ick jloobe, weeß Jott, ick dhäte et. Sagen Se mir bloß, Herr Jerichtshof, kennen Se de Spannageln?— Vors.: Nein, bis jetzt noch nicht; aber wir werden fie später vcmehmen müssen.— Angekl.: Na, wenn Se ihr nich kennen dhun, denn nehmen Se et mir nich iebcl,'n Deibel seine Jroßmutter is'n Engel dajejen.— Vors.: Kommen Sie nun aber endlich zur Sache.— Angekl.: Also ick habe bei ihr jewohnt, det is richtig; aber lieber will ick mit de nackdije Beene uf jlihende Kohlen den Parademarsch machen, als noch eenmal in die ihr Terrain steijen, da kann mir eener Zucker versprechen, oder Speck in Butter braten.— Vors.: Angeklagter, wenn Sie so viele Umschweife machen, muß ich Ihnen das Wort entziehen.— Angekl.: Ick bin ja schon bei; entschuldijen Sie nian meine Vermiesquemtheet(Mißsttmmung), ick habe ihr eben erst wieder uf'n Flur jesehen, un det regt mir immer so uf. Also ick hatte ihr jekündigt, indem ick mir in meine eejene Stube nich jetrauen durfte, zu hustm, oder ick hatte meine Frau'rumjeschickt, indem fie vor ihr noch'n bißken mehr Respekt haben dhat. Na, nu war't richtig. Wat die Frau uns bis'n erschien März gettietzt hat, det jeht nich uf stre Kuhhaut; ick sage Ihnen, Holz und Kiehn hat se uf uns kleene jehackt, det et'n Hund jammern dhat. Un nu kam det Malör, det meine Frau krank wer'n dhat un de Jebirnentzündung kriejen dhat, un ick ihr kühlen mußte mit Eis uf'n Kopp, allens aus Aerjer über de Span- nageln. Un als der erschte März kommen dhat, da war se so krank, det ick alle Oogenblicke denken dhat, se schrammt mir ab, un wat die da draußen is, die sagt an'n erschien März:„Nu aber'raus!" Ick hätte ja gekündigt. Konnte ick denn nu mit de dotkranke Frau'raus? Aber dre da draußen, det is eene, die fragt Ihnen nirjends wat nach, die schont kern Mutterleib int Kind, wollt' ick sagen, keen Kind-- Vors.: Schon gut, Sie werden wieder weitläufig.— Angekl.: Also der fünfte März kommt'ran, un ick nehme mir vier Mann, die müssen meine kranke Frau in'n Bettduch'raus- dragen und nebenan dragen, wo ick jemiet't hatte. Und nu kommt se, de Spannageln, und verlangt von mir noch vor fünf Dage Miethe; det machte fufzehn Jroschen, sagte se. Un als ick ihr sagte, die hätte ick nich, da steift se stantepeh nach meinen Ueberzieber, der noch an'n Nagel hängen dhut, un sagte, det wäre rhr Fand vor fufzehn Jroschen. Nu sagen Se selbst, kann ick mir denn jejen'n Frauenzimmer ufsätzig machen? Also ick jehe ruhig meine West. Am andern Morjen jehe ick mit'n Besen un'ne Millschippe hin un fest de Kammer aus; denn man will fich doch nich jerne wat nach- sagen lassen, un als ick fettig bin un wegsehen will, da sehe ick denn zufällig, det de Spannageln ihre Dhiere offen sieben dhut, un sc nich in die Stube is, un an de Wand sehe ick det bunte Futter von meinen Ueberzieher hängen. Da konnte ick denn der Verlockung nich Jcjenstand leisten un bin'ttn jcjangen un habe ihn mir'rausjeholt; aber de Angst, die ick dabei aus- jestanden habe, die jönne ick keenen Hund. Und nu jehe ick noch nach't Kellerfenster, wat offen stehen dhat, un steile durch un will mir die Schweinsblose'rauSlangen, wo ick det Eis vor meine Frau d'ttn jehabt hatte, da kneje ick mit eenmal'n Ding an'n Kopp, det allens mit mir'rumjehn duht, un ick höre ihre Stimme, wo se sagen duht:„Wat? son oller Kribbelt- setzet steift hier bei hellerlichter Dage bei anständije Leite int Fenster? Dir will ick Montzen kennen lernen!" Ick sage denn nu: Um Jotteswillen, Frau Spannageln, wie können Se woll sowat denken? Da haut se mir noch eene'runter, wo man bequem eene halbe Mandel anständije Backpfeifen von machen konnte, un da bin ick denn langsam wegstloofen' denn ick were mir doch nich mit'ne Frau in Hauerei bejeden? Un alle Hände voll Achtung vor die ihre Forsche! Un nu lassen Se ihr man meinswestn Einkommen, ick bin nich bange. Die Zeugin Spannadel, eine hochgewachsene, robuste, etwa 50jähttge Frau, welche nun den Saal betritt, sieht allerdings nicht aus, als wenn mit ihr gut Kirschen essen wäre- „Ick würde det Wurm von Schmachtlappen da jamich anjezeigt haben, wenn er nich in de Nachbarschaft erzählt hätte, ick hätte ihm verhauen, wo ick ihn doch man leise anjekommen bin, als er mir mit'ne Millschippe zu Leibe jehen wollte.— Vors.. Angeklagter, hatten Sie dre Müllschippe noch in der Hand! — Angekl.: In de Hand habe ick ihr jehabt; aber jehauw habe ick nich mit.— Zeuain: Also ick war eben bein Koos- mann'rumjejangen un hatte mir'n magnitten Hering jeholt, det ick'n andern Apptit kriejen dhat. Als ick retour kommen dhue, da denke ick, ick soll lang hinschlagen, da ste« son oller krummbeenigter Klamottenhengst so jebückt vor> Kellestenster un hat bei mir'n schweren Jnbruch ausjeieit! denn uf'n Arm hatte er den Ueberzieher, den ick vor de fufzehn Jroschen Miete inbehalten hatte, un in de Hand hatte er'ne Millschippe un'n Besen, wat aber sein Eejentum war. Na, mit Spitzbuben un JnbrecherS muß man nich lange Sverenzkens machen; ick habe ihn ja'ne kleene Backfeife st' jeden, det will ick nich ssteiten, un denn wollte ick ihn den Ueberzieher wieder fortreißen, den ick aber nich kttejen dh» weil er ihm festhielt. Nu seefen Se ihm man orntlick na°> sämtliche Padajrafen in; der Mann hat et nich besser verdient. denn er hat mir de fufzehn Jroschen noch nich stjebefl. 7 Vors.: So schnell geht es nun doch nicht. Der Mann ist b>s' her völlig unbescholten, und seine Darstellung von der Zache hat mindestens ebensoviel Wahrscheinlichkeit für fich als vu Jhttge. Da die Beweisaufnahme sehr zu Gunsten des Ange' klagten ausfiel, so mußte die Zeugin eS zu ihrem sichtliche» Aerger erleben, daß derselbe freigesprochen wurde.„Un me# fufzehn Jroschen?" fragte fie, mit dunkelrothem Geficht vor de* Richtertisch tretend.„DaS geht uns hier nichts an; meif% wegen verklagen Sie ihn beim Zivilgettcht; hier find wir fer% wurde ihr zur Antwott.„Nanu geh' mir eener aber mit Wj Kriminal, da jung et denn doch uft Stadtjettcht frieher zu!" äußerte Frau Spannagel wuthentbrannt zu einer gleitettn, als sie fich außer GehörSweite der Beamten befa� („Ger.-Ztg.") Kleine Mittheiinnge«. New-Pork, 4. August. Auf dem Dampfer„Wer»''' welcher am vergangenen Freitag von Bremen hier eintraf U7 jetzt an der Werft von Hoboken vor Anker liegt, wird � junger Mann in Haft gehalten, der wegen deS schweren% brechens„Raub auf hoher See" nach Deutschland zuiückgebro� und den dortigen Behörden ausgeliefert werden soll.*£ junge Mann, angeblich ein Amerikaner, dessen Name als% Lohmann angegeben wird, reiste, ttotzdem er eine betriich% Summe Geldes mit fich führt, als Zwischendccks-Paffagier. D» wachthabenden Offiziere wollen ihn mehrmals an dm berumschleichen gesehen haben, ohne jedoch etwas Böses zu ahne". In einem unbewachten Momente jedoch schlich fich Lohn»n'' in die Kajüte deS Zahlmeisters Sturmann, der sich kurz ZU*', niedergelegt hatte und bereits eingeschlafen war. Noch ehe Zahlmeister, der wohl ein Geräusch vernommen hatte, ständig wieder wach geworden, hatte ihm Lohmann ein Chloroform getränstes �Duch über den Kopf geworfen, faßte sich Wehrenden am Kopfe und drückte ihn in das% nieder, bis das Betäubungsmittel seine Wirkung ge%% Hierauf plünderte er die Taschen seines Opfers und erwu®, eine Anzahl Schlüssel, womit er ein Schiebfach öffnete, v er Diamanten im Werthe von Doll. 12000 entnahm, dem Zahlmeister zur Aufbewahrung übergeben»0» waren. Mit seiner Beute begab sich dann Lo%.„ nach dem Aborte, doch wurde er dort von einem ............... stellten beobachtet, als er etwas in das Kloset zu werfen abfichtigte. Letzterer machte ihn darauf aufmerksam, daß® nicht erlaubt ser und während er mit Lohmann argumenw erhob fich plötzlich ein großer Tumult und mehrere St""� wurden laut, der Zahlmeister sei beraubt und ermordet wo» Der Beamte, dem das Benehmen des Passagiers seh* Lp dächtig erschienen war und der in demselben den angert»' Mörder witterte, nahm ihn sofort fest und entriß seinen Ha* � das Kistchen mit den Diamanten. Lohmann wurde dann 7s dem Zahlmeister, nachdem dieser durch geeignete Mittel fv» � zum Bewußtsein zurückgebracht worden war, als Thäter„ fizirt und in Haft gebracht, um sich später vor den deull« Gerichten zu verantworten. Literarisches.. Von dem illustrirten Unterhaltungsblatt„Die Reue Hamburg, Verlag von I. H. W. Dietz, ist soeben Heft 6*9 zehnten Jahrganges erschienen. Inhalt: Auf hoher See. Sozialer Roman von Prutz.(Fortsetzung.)— Zum modernen Gefängniß�-. — Reese- Ennnerungen. Von Dr. Albert Dulk.(Fortsei! — Eine allgemeine Ursache von Streit, Feindschaft i"1; � defferentrsmus. Von Bruno Geiser.- Der Jrrgw? tef k geschichtlicher Auffassung dargesteU'.% Dr. Albert Dulk. Besprochen von Robert Schwelle � Unsere Illustrationen: Der Dom zu Pisa. Mutterglu»- jiS' Knalleffekt. Korallenriffe.— Vermischtes: Die# physiologische Theorie der Abstammungslehre. Die 7,.�' rung Chinas. Die Lage der Bevölkerung in Kanw,.� lieber die Kosakenländer und ihre Bevölkerung.—*, A technisches: Ersatz der Lokomotive. Wiener Stadtbahn- Jjf unsere Hausfrauen: Kleidersorm und Schnitt. Mitte* Zahnschmerzen.— Räthsel.— RedaktionS-Korresponve Gemeinnütziges.— MannichfalttgeS. .Verantwortlicher Redakteur R. Trouhei« in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin SW„ Beuchstraße 3, Hierzu eine vetl� Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. m Mittwoch, den 19. August 1883. II. Inhrg. ick urch vor 'iS ohw-aZ oo» ttfl % gtBfntiniisprajEO'f, . Unter dieser Ueberschrist bringt ein Blatt, welches zwischen «en Nationalliberalen und den früheren Sezesstonisten steht, Namüch die„Saale-Zeitung", einen Artikel, der die Klage des Uumschen Fiskus gegen verschiedene Reichstagsabgeordnete auf Zackzahlung der aus Privatmitteln von denselben erhaltmen ™ behandelt. , Wir wollen hierbei bemerken, daß, soviel uns bis jetzt be- Mnt ist, von Abgeordneten der Arbeiterpartei die «erren Hasenclever und Heine derartige Klagezuschriften Ehalten haben. Der Artikel des liberalen Blattes aber lautet: ,. Der„Reichsfreund", das Organ des Abg. Eugen Richter, °ttngt eine eigenthühmliche Mittheilung, welche uns, wenn sie M' mit der größten Bestimmtheit und gerade an dieser Stelle Licht der Welt erblickte, unglaublich erscheinen würde. Danach wird in der Frage der aus Parteimittcln ge- Malten Reichstagsdiäten jetzt seitens der Regierung versucht, M Zivilklagen gegen Reichstagsabgcordnete der Meren Fortschrittspaner und der sozialdemokratischen Partei vorzugehen. In den letzten Tagen des jwü stnd Klagen des königl preuß. Fiskus, vertreten durch die Mependen Äezirksregierungen, vor den Landgerichten auf die Perauszahlung der aus den genannten Parteifonds seit 1881 "kzogencn Diäten an den Frskus angestrengt worden. Als Mtliche Grundlage der Klage werden erstens Art. 82 der „.�Verfassung, nach welchem die Mitglieder des Reichstages rf. solche keine Besoldung und Entschädigung beziehen dürfen, u�d zweitens einige Bestimmungen des preußischen Landrechts ""gezogen, welche darauf hinauslaufen, daß der Fiskus Zah- Wgen aus einem Geschäfte, welches gegen ein ausdrückliches Verbotsgesetz läuft, Zahlungen, welche zu einem unerlaubten, «dem wider die Ehrbarkeit laufenden Zwecke gegeben worden seinerseits zurückfordern kann, sobald drefer Zweck und "s Verwerfliche desselben auch dem Empfänger bekannt war. % Es ist, wie gesagt, unmöglich anzunehmen, daß der ''Jtetthsfreunb" eine aufsehenerregende Mrttheilung dieser Art Uers als auf Grund aktenmäßigcr Zeugnisse gemacht haben M". und so stehen wir am Vorabend einer Reihe von Kensationsprozessen, welche wieder außerordentlich vrel zur Mbuterung und Vergiftung unseres öffentlichen Leben bei- QßN werden. Wir können es nur aufs lebhafteste bedauern, 2? der preußische Fiskus fich zur Anstrengung dieser Prozesse -�anlaßt gesehen hat, nicht weil wir den Diätenfonds der Meren Fortschrittspartei an fich vertheidigen, sondern gerade ?eil mir ih«„ra verfehlte und verkehrte Maßregel jetzt betrachten. Bei der sozial- ...........:c die Unterstützung ihrer Reichs- geordneten mittels Parteidiäten durch die zwingende C" wir ihn als eine sehr Mtet haben und auch jetzt betrachten. Bei der foM somatischen Partei mochte die Unterstützung rhrer Reichs NSsabaeordn-i-n mittels Parteidiäten durch die zwingendl 3,% we nbigte it'' insofern" gerechtfertigt oder entschuldigt"sein, Mt..dieselbe keine oder höchstens sehr wemge Mglieder zählt, welche die mit Ausübung ernes S°lchstagsmandats verknüpften pekuniären Opfer bringen bei der Fortschrittspartei ...._______________._____ lag dieser Zwang M."icht vor und so haben denn auch viele ihrer eigenen SS««, ebenso wie die sonstige liberale Presse den Partei- bxMNfonds dieser Partei aus moralischm und taktischen Grün- das �rtheilt. Wir unsererseits haben bisher sogar geglaubt, b.° Derselbe längst das Zeitliche gesegnet hatte; ist dies nicht »all und will die preußische Regierung gegen denselben M,,% welcher eine Aenderung- ffi.n8 in dem Sinne vorschlug, daß der Bezug von Diäten w,?.°us Privatmitteln den Reichstagsabgeordneten em Kr alle- luv. hersagt wurde. Das wäre e,ne sachliche Behand- .-Ader Frage gewesen, während wir den gegen einzelne Ab- aa ämtä Huilshrrrysttildm. Von OuatrelleS. Auch der Beruf eines Hausherrn hat Schattenseiten---- Un. 2ch will Ihnen heute eine Geschichte von einem solchen ttnern Maler erzählen. toor* ntu war nickt einer i Ö war nicht einer jener beneidenswerthen Menschen, aus einer Leinwand von einem Quadratmeter den von Grund Boden &, daß Cantu sich in den Kopf gesetzt hatte, die e? bet p°luiven Philosophie zu vereinigen: Eine LeinJP'l �ben zweifellos in der letzten Ausstellung eine �?°nd m der Größe von 6: 12 Metern bemerkt welche Jülich kühn mit schreienden Farben bepinselt war. "emälve repräsentirte, wie der Katalog besagte: SSWi?*? bedanken der freien Forschung und die geistige »iedÄA"?' die Hydra der unerlaubten Leidenschaften schmetternd." Dieses Meisterwerk war von Cantu: Cantn, ®Jie m.x.. rationalistiachor Maler. 4 die Visitenkarten des Künstlers lauteten. sah Demnach wird es Sie auch nicht überraschen, zu er« „twi' daß Canw arm war. Man wird eben nicht frei.«£ Tuchen Maler", produzirt nicht„den Gedanken der d>elck°. Eichung", nebst Genossin im Kampfe mit irgend« �bgeleat r?' n)enn'"an nicht das Gelübde der Armuth »vea» i bat, außer man ist dumm. Und Cantu war keines« umtn. Er war ein Idiot. Unv�. bem Augenblicke, als er, Cantu, das Genie, der dies��chliche Künstler, der blendende Geist, den Genüssen ''%"................. «.-"•OnnTs«1 ü'"!'? 8" wytw.»->->-«,».»««>,»» ■MtOM'' ,n schmerzliches Erstaunen, als er eines schönen n Ausziehtermm, Mr. Baudrille bei sich ein- "er 90 r»runpier, vr» uimucnvt wti)», vrn �lenugen daß di-„! Gutsagt hatte, erschien es ihm auch ganz logisch, Herr �.„�sammte Menschheit desgleichen that. Sein Hau»- V1? ssemeiner Geist; hatte er ein Recht, auf irgend ?ativn(.si?/M'"ch zu erheben? Daher verfiel unser " m schmerzliches Erstaunen, als er eine» schönen Meten Vb"" Ausziehtermm, Mr. Baudrille bei sich ein- "Tuten Morgen, Herr Canw, hier ist Ihre Quittung.- machen können. Bei Berathung des Art. 32 der Reichsver- faffung wurde im Reichstage und gerade auch seitens des Reichskanzlers anerkannt, daß die Entgegennahme von Diäten aus privaten Mitteln durch die betreffende Bestimmung den Reichstagsabgeordneten nicht verboten werden könne und solle, und es(st uns vollkommen unverständlich, wie der preußische Fiskus angesichts namentlich der durchaus klaren und unzwei- veuttgen Worte des damals wie heute leitenden Staatsmannes auf den Gewinn der von ihm angestrengten Prozesse rechnen kann. Doch ist dies schließlich seine Sache und wir beabfich- tigen keineswegs, uns zu seinem Vormunde aufzuwerfen. Aber vom öffentlichen und politischen Standpunkte müssen wir es lebhaft beklagen, daß die drohenden Sensationsprozesse wieder eine unabsehbare Fülle der tiefsten Verbitterung hüben und drüben wachrufen werden, und es will uns scheinen, daß für unser öffentliches Leben kaum etwas Unerfreulicheres eintreten kann als eine solche Ausficht. Polittsche Ueberftltft. Bet der gestrigen Nachwahl zum deutschen Reichstag im ersten naffauischen Wahlkreise erhielten nach den bis jetzt vorliegenden Nachrichten Fleischmann(Sozialdemokrat) 3500, Körner(Deutschfreifinnig) 7000 Stimmen. Die Ultramontanen und Naiionalliberalen stimmten durchweg für Kömer. Bei der vorigen Reichstagswahl siegte der deutschfreifinnige Abg. Mohr in der Stichwahl mit 9330 Stimmen über den Zentrumskan- didaten, welcher 3532 Stimmen erhielt. Bei dem ersten Wahl- gang bekam Mohr nur 4963 Stimmen, während die Ultra- montanen es auf 5983 Stimmen brachten. Die Nationallibe« ralen vereinten 3565 und die Sozialdemokraten 3068 Stimmen auf ihren Kandidaten. Letztere haben somit einen erheblichen Stimmenzuwachs erhalten. Zu den Reichstagsabgeordneten, welche vom preußischen Fiskus auf Herausgabe empfangener Parteidiäten ver- klagt worden, gehört der Ämtsgerichtsrath Lerche in Nord- Hausen. Derselbe hat aber die„Nordd. Ztg." zu der Er- klämng ermächtigt,„daß er es gleich von vomyerein abgelehnt hat, Diäten oder Entschädigungen aus Parteifonds anzunehmen, und daß er dergleichen niemals bezogen hat."— Hiernach scheint es, daß behufs Ermittelung der wirklichen Empfänger die Klage zunächst gegen alle außerhalb Berlins und dessen nächster Umgebung wohnhasten, früher zur Fortschrittspartei gehörigen Abgeordneten— die nach dem betr. Parteibeschluß zum Empfang der Parteidiäten berechtigten Personen— eingeleitet worden ist.(Wie bereits in dem ersten Artikel der Beilage mitgctheilt, sind auch die sozialdemokratischen Adge- ordneten Hasenclever und Heine angeklagt worden. D. R.) Ein sogenannter deutscher Handwerkertag findet gegen« wärtig wiederum und zwar diesmal in Köln statt. Es haben fich dost wieder die alten Zunftfreunde eingefunden, um den Handwerkern den„richtigen" Weg zu zeigen. Was zur Ver- Handlung gelangt, hat keinen Anspruch darauf, wichtig genannt zu werden. Die deutsche Kreuzer-Korvette„Augusta" dürfte wohl als verloren zu betrachten sein. Dem„Franks. Journal" geht folgende, auf der Reise nach London geschriebene Mittheilung zu:„Leider wird wenig Raum für die Hoffnung auf Erhal- tuna der„Augusta" vorhanden sein. Ich selbst segelte am 2. Juni mit einem englischen Dampfer von Aden nach Bom- bay. Nachmittags 5 Uhr— wir waren 120 englische Meilen östlich von Aden und in Sicht der arabischen Küste— begann ein Unwetter, welches in der Nacht entsetzlich wurde. Um 1 Uhr Morgens erfolgte ein fürchterlicher Schlag und Alles brach, was nicht niet- und nagelfest war. Nachher beruhigte sich das Wetter und am Morgen erfuhren wir von unserem Kapitän, daß wir in einem Wirbelsturme, glücklicher Weise aber in dem Schwanztheile desselben gewesen wären. Der Ka- pitän schätzte den Umfang dieses Cyklons auf 200 englische Meilen, von denen wir über 50 Meilen durchfahren hatten. Da Schiffe, welche nach Australien gehen, in etwas südlicher Richtung segeln, so ist es leider nur zu wahrscheinlich, daß die „Augusta" der vollen Heftigkeit und Ausdehnung des Cyklons „Sollte es möglich fein, Herr Baudrille, daß Sie allen Ernstes Geld von mir verlangen? „Gewiß verlange ich Geld von Zhne«! Nun sind es gerade drei Jahre her, daß ich von Ihnen nichts bekam." „Drei Jahre! Richtig!... Schau, schau, wie die Zett vergeht!" „Die Zeit vergeht und ich bekomme nie etwas." „Welch' traurige Jahre, Herr Baudrille, die letzten drei Jahre!" „Das kenne ich.... Sie haben während dieser traurigen Jahre bald die Belagerung, bald die Einnahme von Paris, bald die Kommune zur Ausrede genommen. Das Erdbeben in Spanien und die Ueberschwemmungen in Ungarn gaben Ihnen weiteren willkommenen Anlaß----" „Ich bm in der That überrascht, Sie mit solcher Leicht« ferttgkeit über diese entsetzlichen Unglücksfälle sprechen zu hören." „Paperlapap! Es ist die höchste Zeit, daß das aufhöre." „Ich bin ganz Ihrer Ansicht; es ist wirklich die höchste Zeit, daß derlei aufhöre. Mit Frankreich geht'S bergab, der Handel liegt danieder, die Kunst..." „Das ist mir ganz gleichgiltig. Sie schulden mir 1500 Frank»." „1500 Franks? Unglaublich!..." „Jawohl, unglaublich! Leider hat dies meine Schwäche � junr Gotteswillen, Herr Baudrille, nennen Sie die edelste Uneigennützigkeit doch nicht Schwäche!" „Ich brauche mein Geld. 1500 Franks findet man nicht auf der Gasse." „Sie haben leider Recht." „Glauben Sie etwa, daß es ein Vergnügen ist, niemals fßjm' sagen Sie das, Herr Baudrille, wem sage» Sie das?" Doch, der Weise lehnt sich deshalb noch nicht gegen das Geschick auf. Die Freude gehört zu den Ausnahmen im �ben. von diesen 1500 Franks..." "®" slSm fem"»mW" r#»f ausgesetzt war. Eine Woche nach meiner Ankunft in Bombay erfuhr ich den Untergang des Schiffes„Speke-Hall" und einer franzöfischen Korvette, welche wir beide am 3. Juni östtich von Aden gesehen hatten." Ueber deu Umfang deS deutschen Schutzgebietes im westlichen Theile der S ü d s e e veröffentlicht ein Herr Frie de- richsen in einem Separat Abdruck aus den Mittheilungen der Geographischen Gesellschaft in Hamburg nähere Details. Danach beträgt das gesammte, unter das Protektorat des Deutschen Reiches gestellte Gebiet im Kaiser Wilhelms Land und im Bismarck Archipel 4203,13 deutsche Quadratmeilen. Hiervon entfallen auf das Kaiser-Wilhelms Land 179 250 Quadratkilometer und auf die Inseln des Bismarck-Archipels 52 177,48 Quadratkilometer. Unter englischem Schutze befinden fich aus dem Festlande von New Guinea inkl. der vor dem Fly-FIuffe liegenden Inseln 225 463 Quadratkilometer, auf den im Süd- osten liegenden Inseln 7575 Quadratkilometer, zusammen somit 233 038 Quadratkilometer, während unter holländischem Schutze ein auf New Guinea gelegenes Gebiet von 390 560 Quadratkilometern steht. Die Ausweisungen aus der Provinz Posen nehmen, nach einer der„Nat. Ztg." zugegangenen Mittheilung große Di- menfioncn an. Aus dem Kreise Samter allein sollen 80 Personen auswandem Als Ausgewiesene werden u. A. die seit einer Reihe von Jahren ansässigen Großgrundbesttzer Graf Gott- hard Turno, von Czorba auf Krajewice und Heinrich von Pot- worowski auf Pielei genannt, letzterer preußischer Altillerie- Reserveoffizier.— Die Bestätigung dieser Einzelheiten bleibt abzuwarten. Aus Breslau wird der„Post" folgendes geschrieben: „Der Reichstagsabgeordnete Kräcker, Besitzer der gesperrten (!)„Silefia"(soll wohl heißen Erweis gebracht, daß die offene ....... als solche schon vor Erlaß der Verfügung des Rcgiemngs- Präfidenten(über die Sperrung derselben) gelöscht worden sei und daß er als der alleinige Inhaber der Firma„Buchdruckerei und Verlagsgeschäft Silefia, W. Kuhnert und Ko." eingetragen sei. Diese Aenderung in der Adresse, an welche die Sperrungssrdre zu richten war, hat indeß keine Aufhebung der letzteren zur Folge gehabt Von landespolizcilichcr Seite ist der betteffende Erlaß jetzt nur in der Weise geändert worden, daß das Verbot, den Druckereibetrieb fortzusetzen, nunmehr gegen diejenigen Personen gerichtet ist, welche die Druckerei ins Leben gerufen und die Betriebsmittel beschafft haben." Frankreich. Das„Journal offiziel" veröffentlicht folgende Handels- statistik für die sieben ersten Monate: Einfuhr 1885 2 517 679 000, 1884 2533 322 000; Ausfuhr 1885 1 786 432000, 1884 1739 308000. — Die Leichenfeierlichkeiten für den während der Expe- dition g�en China gestorbenen Admiral Courbet haben eine sozialdemokratischen Zeitung Druckerei„Silefia") bat den Handelsgefellschaft„Silefia" weitere erfahren. Das Kriegsschiff„Bayard", welches die Lerche des Admirals aus den chincstschen Gewässern überführt, hat unterwegs eine Beschädigung erlitten. Inzwischen ist das Original des zwischen China und Frankreich abge- schlossenen Friedensvertrages in Paris eingetroffen. — Der Gemeinderath von Marseille bat in seiner gestrigen Sitzung gegen den Bericht protestirt, welchen der Pro- fessor Bronardel der medizinischen Akademie über den in jener Stadt herrschenden Schmutz erstattet hat. Geschickt beuten die Munizipalräthe von Marseill. die letzten aus Ton- kin eingetroffenen Meldungen gegen die Fakultät aus und be- haupten kühn, nicht die offenen Kloaken, und auch nicht der die Straßen verpestende Unrath in den Gassen habe die Cho- lera erzeugt, diese wäre vielmehr von heimkehrenden Soldaten aus dem äußersten Osten eingeschleppt worden. Bezeichnend für die in der franzöfischen Verwaltung überall henschende Routinewirthschaft ist der Zusatz, der von dem Gemeinderath ausgearbeitete Entwurf für die Reinigung der Stadt durch Bauten und Umbauten läge nun schon seit neun Monaten den öffentlichen Gewalten vor. Merkwürdiger Weise weiß man heute nicht einmal, wo das Schriftstück verborgen ist; ein Prä« Der Weise sollte fich im Gegentheile an Entbehrungen gewöhnen, er sollte die schalen Genüsse dieser Welt ver- achten..." „Die 1500 Franks, welche ich verlange..." „... sind nichts, im Veraleiche zu den geistigen Ge- nüssen, die Sie so gering zu schätzen scheinen. Das wahre Glück liegt in der Verzichtleistung auf die Güter dieser Welt. Folgen Sie meinem Beispiele, Herr Baudrille, leiste« Sie Verzicht..." „Was? Auf meine 1500 Franks?" „Auf Ihre 1500 Franks in erster Linie." „Einverstanden! Ich willige ein!!!" „Im Ernst?" „Im Ernst. Aber..." „Es giebt ein Aber?" „Ja. Sie werden augenblicklich von hier ausziehen." „Ausziehen?... Ich?... Ja warum denn? Ich bin hier recht zufrieden und habe auch niemals Ihnen gegen- über Beschwerde geführt." „Ah I Das ist stark! I" .. Obgleich die Stiege sehr schlecht beleuchtet ist. Auch giebt es kein Wasser in der Küche. UeberdieS ist das HauS spärlich bewohnt...." „Seit Sie hier wohnen!!!" „Was Sie mir da sagen, ist nicht sehr schmeichelhaft für mich." „Sie werden mich noch ganz aus dem Häuschen bringen!" „Sie wollen mich aus dem Hause bringen? Und noch dazu in einem Augenbltcke, wo ich die letzte Hand an ein Kunstwerk lege, an ein Kunstwerk, welches für die Kunst- Ausstellung in Wien bestimmt ist:„Die Doppelzüngigkeit, lrregeführt von der apokalyptischen Regeneration. Was sagen Sie dazu?" _"•• q jch 2hnen zum Räumen der Wohnung zwei Stunden Zeit lasse. Ihre Möbel mögen Sie mitnehmen. Also m zwei Stunden muß das Lokal frei sein, sonst Hetze ich Ihnen wegen der 1500 Franks die Gerichte an den Hals." „Bedenken Sie doch Herr Baudrille..." „1500 Franks ist nicht zu viel, um mich Ihrer zu ent- ledigen!" „Diese für meine Person etwas abttägliche Bemerkung entbehrt nicht einer gewissen Vernünftigkeit; sie giebt mir fekturbeamter scheint es verschleppt zu haben, und da er sich gegenwärtig auf Reisen befindet, wnd er brieflich und tele- graphisch verfolgt, damit er sagt, wo man es suchen könnte. »gypte«. Fast daS gesammte Perional der egyptischen Etaatsschul- denkaffe ist, wie der„Frankfurter Ztg." mitgctheilt wird, nach Alexandrien übergesiedelt, um dort die Indemnitäten(Ent- schädigungen für ellittene Verluste durch das englische Vom- bardement Alexandriens) zu zahlen. Zunächst kommen die Ein- geborenen, ihnen folgen in alphabetischer Ordnung die Ange> hörigen anderer Staaten, erst also die Deutschen(53), dann die Oesterreicher(145). An griechischen Forderungen find etwa 8< 0, an italienischen 450, an britischen 225, an franzöfischen 325 zu befriedigen. Man rechnet, daß die nochmalige Prüfung der Zertifikate etwa zehn Tage in Anspruch nehmen werde. Gegen den 20. d. M. wird man den Berechtigten Checks auf Sicht ausstellen, wofür zunächst etwa 2'/, Millionen Pfd. Sterl. Einzahlung auf die neue Anleihe zur Verfügung stehen; dazu kommen die für den November Koupon angesammelten Baarbestände der Staatsschuldenkasse mit reichlich 1 Million P'und. Diese Summe darf freilich nicht ganz für die Indemnitäten verwandt weiden, da die Kasse auch laufende Zahlungen zu leisten hat. Schwierigkeiten entstehen jedoch daraus nicht, da für eine Reihe von Jndemvitätsforderungen im Betrage von etwa 1 Million Pfund gerichtliche Ptander- greifung oder andere Beanstandung ersolgt ist, so daß für diese Summen Cbecks mit längerer, wahrscheinlich vierwöchentlicher Sicht ausgestellt werden dürsten. Kommunales. w. Die Kosten der Zuschüttung des Könlgsgrabens. Von der kgl. Eisenbahn-Direktion, Eiser bahnbetriebsamt Stadt- und Ringbahn, ist jetzt dem Magistrat die endgiltige Abrech- mmg über die Kosten der Zuschüttung des Kömgsarabens zu» gegangen. Hiernach betragen die Gesammtkosten der Zuschüttung 1 162 025,61 M., von welcher Summe die Stadtgemeinde 344 288,61 M. zu tragen hat. Nach den bisher geleisteten Zahlungen hat dieselbe aber bereits 365 571 M. gezahlt, so daß ihr noch 21 282 M. 39 Pf. zurückgestattet werden müßten. Da die Stadt aber die Kosten für die provisorische Entwässerung im ehemaligen Königsgrabenterrain allein zu tragen bat, welche 861 M. betragen, so hat dieselbe nur noch 204:1,39 M. zurück- zufordem. Zu den Kommunalwahlen. Die Agitation zu den be- vorstehenden Stadtverordnctenwahlen hat begonnen. Wieder waren es auch diesmal die Arbeiter, welche zuerst in die Wahl- bewegung eingetreten find.— Immer mehr und mehr wird die Wichtigkeit der Vertretung in der Kommune von den Ar- heitern und Kleinbürgern erkannt. Ein Komitö, welches die Wahlagitation leiten soll, ist gewählt. Sacke desselben wird es nun sein, seine Aufgabe in geschickter Weise zu erfüllen, vor Allem aber darauf zn halten, daß die in den letzten Ver- sammlungen zum Austrag gekommenen persönlichen Differenzen nicht, wie die gegnerischen Parteien frohlockend ankündigen, die Agitation beeinträchtigen und die Erfolge derselben in Frage stellen. Nur duich ein einmüthiges Zusammenwirken aller Kräfte, stets das Ziel im Auge behaltend, wird es gelingen, nicht nur die beiden Kommunal Wahlbezirke 12 und 14 zu halten, sondern auch in neuen Bezirken Arbeiter Kandidaten durchzubringen. Wir zweifeln nicht daran, daß es den Bemühungen der Ar- bester gelingen wird, so manchen der jetzt ausgelosten Stadt« verordneten aus dem städtischen Parlamente zu verdrängen. Leicht wird diese Aufgabe keineswegs sein, aber fie wird ge- löst werden, wenn jeder Einzelne nach Kräften dazu beiträgt. Auf Bcsckluß einer Kommunalwählerversammlung sollen rn allen 14 Bezirken, in welchen die Iii. Wählerabtheilung zur Wahl berufen wird, Arbciterkandidatcn aufgestellt werden. Die Agitaiion wird fich also über die Kommunalwahlbezirke 3, 8, 10, 12, 14, 19, 21, 25, 26, 28, 32, 34, 38 und 40 erstrecken müssen. Zum Wahlbezirk 3 gehören die Stadtbezirke 11—15, und 18—20. Wahlbezirk 8 bilden die Stadtbezirke 43—49, Wahlbezirk 10 die Stadtbezirke 68-73, Wahlbezirk 12 die Stadtbezirke 104—113, Wahlbezirk 14 die Stadtbezirke 95 bis 103, Wahlbezirk 19 die Stadtbezirke 125, 126 und 131-134, Wahlbezirk 21 die Stadtbezirke 128-130, 135, 143 und 144, Wahlbezirk 25 die Stadlbezirke 166, 167 und 174-178, Wahlbezirk 26 die Stadtbezirke 157, 158, 160, 161 und 179-181, Wahlbezirk 28 die Stadtbezirke 182, 183 und 196- 200, Wahlbezirk 32 die Stadtbezirke 218- 225, Wahlbezirk 34 die Stadtbezirke 228, 257-259 und 265-267, Wahlbezirk 38 die Stadt- bezirke 270—275, Wahlbezirk 40 die Stadtbezirke 284 und 286 bis 304. Unter den angeführten Wahlbezirken definden fich mehrere(hauptiächlich unter den im Osten sogar den Muth, Sie um ein Darlehen von 50 Franks zu ersuchen." „Sie sind wohl verrückt?" „Nicht im Geringsten. Ich benöthige mindestens 50 Franks, um die Uebersiedelung bewerkstelligen zu können. Bedenken Sie doch: Möbelwagen, Gepäckträger, Trinkgelder zc., und ich besitze nicht einen Sou." „Beruht dies auf Wahrheit?" „Das überrascht Sie? Sie betrachten meine Schöpfungen ringsum und fragen sich, welch fortgesetzte Ungerechtigkeiten des Schicksals.. „Sie sollen die 50 Frank» auch noch haben. Zch will jedes Opfer bringen, um Sie los zu werden." „Dank, tausend Dank, großmüthiger Mann! Doch ich werde mich revanchiren! Sie sollen in meinem nächsten großen Gemälde figuriren:„Die irdische Niedertracht, von der Großmmh der prähistorischen Zeit vernichtet!"-- Zwei Stunden später hatte Cantu die Wohnung geräumt. Am nächsten Morgen sah Mr. Baudrille, nebenbei be- merkt einer der reichsten Hausbesitzer des Stadtviertels, als er seine tägliche Promenade machte, daß eine seiner WohnungS- Ankündigungen am HauSthore verschwunden war. Er trat zu seinem Administrator. „Ist der fünfte Stock vermiethet, Fran?oiS?" „Jawohl, Herr Baudrille, und ich glaube, daß ich mir darauf etwas einbilden darf." „So?" „Ich habe nicht viele Schwierigkeiten gemacht, wie Sie mir befahlen." „Ganz recht. Hat die Partei keine Reparaturen ver- langt?" „Merkwürdigerweise nein." „Der Miether scheint geringe Ansprüche zu stellen und einen bescheidenen Geschmack zu haben. WaS ist er denn eigentlich?" . Er ist Maler." „Hm?... Offen gestanden, liebe ich derlei Leute �„Er macht große Gemälde, die wie Firmenschilder aus- �en Wie heißt denn dieser Schmierer?" "Er gab mir seine Visitkarte. Da ist sie: Cantn, rationalistischer Haler. und Norden Berlins belegenen), in welchen schon bei den letzten Wahlen im Jahre 1883 eine bedeutende Zahl von Stimmen für die Ärbeiterkandidaten abgegeben wurde. Diese Bezirke müssen diesmal erobert werden. Ohne Rück- fickt auf die Person des jetzigen Vertreters zu nehmen, werden die Arbeiter für ihre Kandidaten in allen 14 Wahlbezirken eintreten und den Gegnern zeigen, daß ihre Spekulation auf die Uneinigkeit der Arbeiter eine verfehlte war. Kokales. Eine von entsetzlichen Folgen begleitete Pulver- explosion hält seit vorgestern Abend den Norden Berlins in Aufregung. Auf der Reinickendorfer Feldmark, in der Ver- längerung der der Tegeler Chaussee parallel laufenden Humboldt- straße, und nur wenige hundert Schritte von der Reinickendorfer Schule entfernt, liegt schon seit etwa 30 Jahren das sogenannte alte Dobremontsche Laboratorium, welches jetzt der Feuerwerker Maffow mit dm Feuerwerkern Rauscheft und Calwitz zusammen in Benutzung hat. Das Laboratorium ist ein niedriger Fach- weftsbau von etwa 16 Fuß im Ouadrat, der nur eine einzige Thür, aber keine Fenster befitzt. Es dient zumeist nur zum Lagern des Rohmatenals und der ferttgen Feuerwerkskörper, während die Arbeiten in der Regel im Freien, außer- halb des Walles verrichtet werden. Gestern Nachmittag war der Feuerwerker Rauscheft mit dem 17jähri- gen Volontair Wilhelm Kaufwann und den Arbeitern Gustav Koppe und Richard Haschock mit dem Schlagen von Raketen beschäftigt, des schlechten, regnenschen Wetters wegen wurde ausnahmsweise im Innern des Laboratoriums gearbeitet, in dem 4 Fässer mit je 25 Pfund sogenanntem Mehlpulver standen, während ein Sack mit 75 Pfund von dem in seiner Wirkung furchtbaren Sprengpulver innerhalb des Walles vergraben war. Das Schlagen der Raketen geschieht in der Weise, daß auf einen Metalldorn eine Hülse gesetzt wird. Dieselbe wird dann mit Pulver gefüllt und mit einem mesfingenen Hohlsetzer werden dann etwa 15 Schläge darauf gegeben, wobei die Füllung festgedrückt, durch den Dorn aber rm Innern ein hohler Raum hergestellt wird, der die schnelle Entzündung der Rakete ermöglicht. Das Schlagen der Ra- keten selbst besorgte Rauschert; Koppe, der überhaupt das erste Mal hei der Arbeit thätig war, und der 18jährige Haschock machten die nöthigen Handreichungen, Kaufmann, der gestern seinen flebenzehnten Gebuftstag in Freundeskreis zu feiern gedachte, unterzog außerhalb des Walles die fertigen Raketen der Prüfung. Wie man nun annimmt, hat sich bei den Arbeiten zwischen Dorn und Setzer ein Sandkorn festgesetzt, das eine Selbstentzündung der Rakete und in weiterer Folge Die Erploston des ganzen Laboratoftums zur Folge gehabt hat. Zwischen V« und V-5 Uhr eftönte plötzlich eine furchtbare Detonation und das entsetzliche Unglück war geschehen. Kaum 50 Schritt vom Laboratorium entfernt waren die Gebrüder Bandekow und der Landmann Rod. Kroloff mit dem Auf- laden von Sand beschäftigt und sie waren die Ersten, die zur Unglückstätte eilten. Diese selbst bot einen geradezu furcht- baren Anblick dar. Rauschert war durch dre Gewalt des Pulvers etwa 150 Schritt weit nach der Dalldorfer Chaussee zu geschleudeft worden. Unterwegs hatten fich die Leber und Lunge von dem vollständig zerfleischten Körper los- gelöst. Sie wurden etwa 50 Schritt näher dem Labora- torium zu in einer Blutlache gefunden. Der Arm, der den verhängnißvollen Schlag gethan, war scheinbar gleich bei der Explosion losgerissen, er wurde 500 Schritt weiter) am Rande eines Stoppelfeldes, unweit des nach der Dalldorfer Irren- anstatt zu belegenen Höhenzuges aufgefunden. Dem Haschock war die rechte Hand vollständig abgerissen, außerdem war ihm ein Stück Holz in den Rücken geschleudert und hatte das Rückgrat vollständig bloßgelegt. Koppe, der das Geficht dem Rauschcft zugekehrt haben muß, wurde an der Brust, im Ge- ficht, an den Händen und an den Füßen zerfleischt. Kaufmann endlich, der im Augenblick der Exploston gerade das Labo- ratorium betreten wollte, erhielt Wunden im Geficht und an den Händen. Das Haus selbst war wie vom Erdboden weg- geblasen. Nur ein tief in die Erde gewühltes Loch zeigte noch die Stelle, wo es gestanden hat. Die Mehrzahl der Trümmer war nach Tegel zu gepflogen, nur einige brennende Balken lagen in der Nähe des Walles. Die erste Sorge der zu Hilfe Herbei- eilenden war das Abreißen der brennenden Kleidungsstücke vonden Körpern der Verunglückten, von denen nur Haschock, Kaufmann und Koppe noch Lebenszeichen von fich gegeben hatten. Das Stöhnen der Verunglückten war geradezu herzzerreißend. Ha- schock vermochte nur noch das Wort„Wasser" auszustoßen, dann verlor er das Bewußtsein. Inzwischen waren aus Rei- nickcndoft, wo gestern gerade Erntefest gefeieft wurde, weitere Helfer herbeigeerlt. Die schon erwähnten Sandwagen wurden, „Schon wieder?" brüllte Herr Baudrille. Purpurroth im Gesichte, sprang Baudrille, vier Stufen auf einmal nehmend, in den fünften Stock. Cantu empfing ihn mit einem sanften Lächeln aus den Lippen. „Welche Ueberraschung, Herr Baudrille! Welche Freude, Sie bei mir zu sehen! Als Sie mich verließen, schienen Sie so traurig, daß ich mir vornahm, Sie ein wenig zu zer- streuen." Der unglückliche Hausherr fiel halb ohnmächtig in einen Sessel. Diesmal kostete ihn der Auszug des Malers 450 Franks. Billiger wollte es Cantu absolut nicht thun. Man sieht, daß auch der Beruf eine» Hausbesitzers seine Schattenseiten hat.... Hkiilesdc Dnuiifchr. In der Schilderung einer Orientreise schreibt H. Himmel im„W. Vaterld." über das Kloster der heulenden Derwische zu Alt-Kairo: Das persische Wort Derwisch bezeichnet ebenso wie das arabische Fakir einen frommen, entsagungsvollen Mann, der mit besonderer Strenge den Satzungen der Re- ligion nachlebt. Es gibt Derwische, welche für rhr Streben nach Gottgefälligkest je nach ihrer Individualität gewisse eigenthümliche Formen wählen, während Andere wieder Mitglieder gewisser durch das Band besonderer Askese und besonderer gnostisch-theosophischer Lehren vereinigter Bruder- schaften werden. Immer aber repräsenttren die Derwische das fanatischste Element des MohammedaniSmuS. Die Derwisch-Orden, von denen die fogenannten „heulenden" und„tanzenden" die wichtigsten sind, haben ehelose, in klösterlicher Gemeinschaft lebende Mitglieder, aber auch solche, die als Familienväter in bürgerlichen Berufs- sphären leben und nur in einem gewissen AsfiliationSver- Hältnisse zu ihren asketischeren Ordensbrüdern stehen. Die Orden der heulenden wie der tanzenden Derwische, von denen der erstere seine Gründung auf Rufai(1182), der letztere auf Mewhewi(1273) zurückführt, sind eigentlich Auswüchse deS MohammedaniSmuS, welche nicht in dessen Heimathlande, sondern in den nördlicheren uno westlichen Sphären deS mohammedanischen GlaubenSgebieteS entstanden sind. Wenn ich heute etwas eingehender nur von den eksta- tischen Andachtsübungen der„heulenden" Derwische spreche, so möchte ich doch gleich jetzt bemerken, daß ich von der so gut eS ging, zu Kranken-Ambulanzen umgewandelt, die unglückten darauf geladen und mit Beobachtung aller sichtsmaßregeln erfolgte die Ucbeftührung nach der Jrrenansiau- wo den Verunglückten der erste Verband angelegt wurde,-tie Anstalt versorgte die Unglücklichen auch mit den nöthige» Decken, da fie vollständig nackt angekommen wanü- Nach kurzem Aufenthalt gma es nun nach Reiniaeis dorf, wo man hoffte, bequemere Wagen auftreiben zu können. Leider bestätigte sich diese Hoffnung nicht und so mußten denn die Unglücklichen unter fürchterlichsten Schmerzen auf den Sand wagen bis nach Berlin zur Charitee gebracht werden, wo chne» endlich Hilfe zu Theil wurde. Haschock gab schon kurze Zc» darauf, zwischen 7 und 8 Uhr Abends, seinen Geist auf, Kopie und der am wenigsten verletzte Kaufmann hoffen mit W Leben davon zu kommen. Nach allgemeinem Brauch weioo> derartige Trümmerhaufen zunächst mit Wasser ersäuft, w etwa ein vorhandenes Pulver unschädlich zu machen. Tw nothwendige Vorficht wurde hier außer Acht gelassen. W Sing vielmehr sofort an die Durchsuchung der Trüminec- aufen und brachte thatsächlich den Sack mit dem Spreng pulver noch aus der Erdverschüttung hervor. Da rings herum noch glimmende Trümmer lagen, wäre eine zweite% plofion, die bei der Menge der Anwesenden wahrschem« noch viel furchtbarere Folgen gehabt hätte, sehr leicht mögm gewesen. Auch gestern Vormittag, so berichtet die„w; trafen wir die Unglücksstätte ohne jede Bewachung, obgle» es, wie es heißt, garnicht ausgeschloffen ist, daß noch weue» Pulver-Vorräthe m der Erde vergraben find. Der verstordew Louis Rauscheft, dessen Wohnung in der Pallisadenstreße W belegen ist, ist zwar seit Jahren verheirathct, hinterläßt ow keine Kinder, Haschock war unverheirathet. Der eine derP»®" ter, Herr Calwitz, hatte bereits im Vorjahr das Unglück, K? damals in der Schönhauser Allee belegenes Laboratorium di». eine Explofion zerstört zu sehen und wurde erst vor nä Wochen in der Müllerstraße Nr 115 gleichfalls von ein» Explosion heimgesucht. Die Obstzufuhr nach Berlin ist in diesem Jahre eifs so enorme, wie dres selbst m früheren obfireichen Jahren n'»; der Fall gewesen. Auf der Schlefischen-, der Görlitzer-, sf Potsdamer-, der Lehrter Bahn treffen jetzt alltäglich zahlr� Wagenladungen mtt Obst hier ein, ebenso aus den umü/IF den Ortschaften, sowie auf dem Wasserwege. Wie h'# Blätter mitthrileu, ist augenblicklich der Preis des Obstes � Berlin ein weit niedriger, als in den Provinzialstädten. dem Obstmarkte der alten Börse, wo fich noch immer der g sammte Obsthandel Berlins konzentrirt, beginnt schon% Abend ein reges Leben und Treiben; zu hohen Bergen% das Obst in Tinen aufgethürmt, das zu Lande und zu SSW'! von allen Seiten hier zusammenströmt. Früh am Morgen, � Berlins übrige Bevölkerung noch im Schlafe liegt, langen% die ersten Händler an, und bald drängt fich hier ein Labyrinths allen möglichen und unmöglichen Fuhrwerken zusammen, so oft der angestrengtesten Bemühungen der Polizeioraane beW� um Ordnung zu schaffen. Aber nicht blas Händler, 1»»�', auch Restaurateure, Konditoren, Konscrvenfabrikanten hier ihre Einkäufe. Erst in der Mittagsstunde ist der verkauf beendet, zu welcher Zeit fich insbesondere das mit geringen Glücksgütern gesegnete Publikum einzufinden pi™ um für wenig Groschen fich ebenfalls mit Obstvorrath z» � sehen. Der Handel ist während der ganzen Zeit ein duM� schwungvoller und doch bleibt fast täglich ein Theil des unverkauft, ein Beweis dafür, daß die Zufuhr schon den% darf übersteigt. Freilich finden die guten Obstsorten stets est ßendcn Absatz, auch werden für dreselben im Ganzen»sf immer annehmbare Preise bezahlt; aber die Qualität des D» hält mit den Quantitäten, die täglich nach Berlin koiMA nicht gleichen Schritt, es wird sogar allgemein Klage doN� geführt, daß gutes, auserlesenes Obst, namentlich Ging, srüchte, in diesem Jahre nicht in allzu großer Menge zu M gelangt. ?. Die Ausweisungen russischer Unterthane» � Berlin und dem preußischen Staatsgebiet werden von Polizei-Präfidium noch immer fortgesetzt, ohne auf VieQ sönlichen Verhältnisse der davon betroffenen Personen 91% zu nehmen. So wurde vor beinahe einem Jahre ein hü achtbarer Handelsmann, der bereits 10 Jahre in Berlin � säsfig ist und fich hier zum Militär gestellt bat, nebst Frau, welche aus Nakel gebürtig ist, ausgewiesen. Auf Ii- Eingabe wurde die Ausweisungsordre zurückgenommen dem Betreffenden der Aufenthalt auf weitere 6 Monaü� stattet, während einem Bruder dieses Mannes der Slufo® in Berlin dauernd gestattet wurde. Nach Ablauf dicsel ir. gelang es dem Manne, der die besten Zeugnisse g Empfehlungen hoher Persönlichkeiten aufzuweisen hat uem, � her noch nicht bestrast ist, noch einmal 4 Wochen Aufschu» erhalten; zugleich wurde ihm aber eröffnet, daß er Berü» Zeremonie der tanzenden Derwische, der ich später in � stantinopel beigewohnt, durchaus nur angenehme EinoQ empfangen habe, während die Andachtsübung der heule»., Derwische zu den denkbar aufregendsten Schauspielen g'-, Die beulenden Derwische basiren ihre GebetSfoN» der Annahme, daß die stete laute Wiederholung deS@4 u namens, bei gleichzeitiger Konzentrirung aller Sinne unendliche Heiligkett Gottes, das dem Herrn wohlge,-- Gebet sei, waS dadurch erwiesen ist, daß die eifrige lll»; solchen Gebetes den Geist des Beters allem Irdisch� � rückt und ihn schon hinieden alle Seligkeit der anschauung fühlen läßt. Von einigen Patres der Gesellschaft Jesu< glettet, wurde ich bei dem in Alt-Kairo geW,) Derwischkloster von einigen würdevollen Derwischen lich empfangen und sofort in den mit Sttoh»» belegten Jnnenraum einer alterthümlichen, kreisrunden, einer Kuppel überwölbten Moschee geführt, wo«na» Allen europäische Sessel antrug._ ui An den Moscheewänden bemerken wir eine grüne 6, verschiedene mittelalterliche Schwerter, Spieße und A!»% sterne, dann mehrere Handtrommeln und große Tamb"- auch die in Moscheen gebräuchlichen Koraninschrrften. nicht, sonst aber sind die Wände nur weiß getüncht u»> das Mihrab, die geheiligte, nach Mekka zu gerichtete nische, ist ziemlich schmucklos ausgestattet. In den Mauerkranz unterhalb der Kuppel � mehrere Galerien, hinter deren Holzgittern die Mury namentlich auch Frauen, die bei minderer Bildung 1» für aufregende Schauspiele sehr empfänglich sind, der monie harren. Jndeß finden sich allmälig die Gläubigen ew�, denen nahezu dreißig einen gegen da« Mihrab zu(G', Kreis bilden und durch Ablegen einzelner Oberklem� jj Ausbreitung von Schlafstellen für die AndachtSübu vorbereiten. kr Ich bemerkte unter diesen Gläubigen Manu»'-� Alters und verschiedener Berufssphären. Die meisten Kleinbürger zu fein, nur bei vieren deuteten daS la�W sene Haar, daS asketische Gesicht und die glühende»-� an, daß sie Derwische seien, doch schienen sie uich' Jr Mitglieder der hier etablirten klösterlichen Genossenschul Nun erscheint der Vorstand der Derwische, dew J weißgekleidete Ordensbrüder voranschreiten. Er laß' mü» it":! V* V Ab.auf dieses Termins unwiderruflich verlassen müßte. Der Mnn hat sich hier seine Existenz gegründet und es so weit gebracht, daß er ein flottes Ladengeschäft im Norden der Stadt venys. Angesehene Männer, die lange Jahre unbesoldete Ehrenämter bekleidet, haben sich bereit erklärt, für den Mann Musteben, doch Alles vergeblich. In wenigen Tagen solider ,,?™r. Berlin o erlassen, sein gut gehendes Geschäft, das ihn uno seine Familie gut ernährt hat, aufgeben und fich in einer ttcmden Stadt eine neue Existenz gründen.— In solchen jyauen, wie der angeführte, in denen die Betreffenden sogar " den preußischen Militärdienst eintreten wolllen, sollte etwas "skyr Jtückstcht genommen werden, da ein Geschäftsmann, der «lim-?, gutgehendes Geschäft hat, durch eine Ausweisung »ollstaridrg rumirt wird. Der„Arbeiter" G., ein arbeitsscheuer Mensch, der stch Skwöhnlrch auf dem Georgenkirchplatze umhertreibt, üderfiiel um Ib. Abends gegen 7'/, Uhr auf gcncnntcm Platze ohne jede L?°"tassung zwei vorübergehende anständig gekleidete Herren, Atug sie und warf einen derselben derart über das Gitter der ? ,?gkN' daß er eine Verletzung am Ohr davon trug. G-, ?Ver schon vorher mehrere Frauen durch unanständige Reden ig mfl,. �ttc, wurde durch den Parkwächter zur Wache des Polizei- Reviers gebracht und später der Kriminalpolizei vor- i.m'.'uußte aber hier wieder entlassen werden, da die Ver- Uu ermittelt waren und keinen Strafantrag gestellt k»-/ �uach vorausfichtlich nur wegen VerÜbung groben Un- „r5!trasrechtlich wird eingeschritten werden können. Da es ° Interesse der öffentlichen Sicherheit sehr wünschens- Akrth ist, daß Rohheiten der gedachten Ait eine nachdrückliche Ahndung erfahren, werden die Gemißhandelten ersucht, fich bei " Knminalpolizei zu melden. In Folge von Selbstvergiftung mittels Schweinfurter- S» uttstorb gestern früh die 24 Jahre alte Tochter des in der »n!!? llee wohnenden Kammmachcrs K. Die Verstorbene, weiche magcn- und nervenleidend war, hatte fich an einem gc- Memsamen Ausfluge der Familie nicht betheiligen können, war Mn in der Wohnung zurückgeblieben und wollte fich gegen «>ocnd einen Trank aus Salzwasser und doppelkohlensaurem bereiten, wie fie das schon öfters gethan hatte. Bei M Dämmerung, wohl auch in der Erregung, hat fie statt des -"alrons einen Rest von Schweinfurtergrün, das fich die Fa- «.r SF Vertilgung von Ungeziefer verschafft hatte, und das der Natrondüte auf einem Brett lag, genommen und mese jjfisdjung ausgetrunken. Die von den zurückgekehrten An- gehörigen sowie die von dem herbeigerufenen Arzte ihr gewährte vüfe kam leider zu spät. %..Der berüchtigte Einbrecher Krieger aus Berlin, welcher Milch in Olmütz verhaftet wurde, ist nach einem Telegramm #„Franks. Ztg." aus der Frohnfeste entflohen. Zu dem in der Grenadierstrahe wohnhaften Uhr- Allcher L. kam am 13. d. M. Vormittags die Frau eines Jttnturs B. aus Reinickendorf, um eine Uhr für einen ihrer �verwandten als Geschenk zu kaufen, gab an, daß fie zur Beer- „Kung ihrer Mutter mit der Stettiner Bahn verreisen müsse, und die Uhr nicht gleich bezahlen könne. Auf ihre weitere Zugabe, daß fie in Folge des Todes ihrer Mutter 20 000 Thaler goen würde, erhielt fie von dem Uhrmacher eine goldene -ttmontoiruhr im Wcrthe von 180 Mark, die von ihr sofort l?l königlichen Leihamt versetzt wurde. Gestern wollte fie noch slue zweite Uhr, sowie eine goldene Kette auf Kredit bei dem- Wden kaufen. Letzterer war jedoch inzwischen durch eine ?nonyme Postkarte benachrichtigt worden, daß er einer Schwind- f'lln in die Hände gefallen sei und bewirkte die Festnahme 8? B., die anscheinend noch mehrere Betrügereien m gleicher -lLeise verübt bat. , Ein Einbruch wurde in der Wohnung eines zur Zeit & einem Seebade sich defindenden Kaufmanns in der Kttisalemerstraße in der Zeit vom 7. zum 12. d. M. verübt. �e bisher nicht ermittelten Diebe hatten mittels Nachschlüssel le Korridorthür und die Stubenthüren geöffnet, in den Zim- ,eni sämmtliche Spinden u. s. w. gewaltsam erbrochen, theils .Malls mittels Nachschlüssel geöffnet, dieselben durchsucht, 1%% anscheinend nichts aus denselben gestohlen, weil der In- ihren Erwartungen nicht entsprach. Die vorhandenen rthsachen, welche in dem unteren Kasten des Bücherspindcs rÖ«i, haben fie glücklicherweise nicht gefunden. Des Einbruchs uerdachtigt wird ein etwa 36 Jahre alter Mann mit kleinem Millen Schnurrbart, anscheinend Hausdiener, der am Abend °slS. d. M. mit einem kleinen Bündel von einem Dienst- �°chen aus dem Hause kommend gesehen worden ist, und an MreS im Vorübergehen die Frage richtete, ob es schon von haj£ Diebstahl, der in dem Hause verübt worden, Kenntniß c„y Belle-Alliance-Theater. In der heut und morgen statt- gll�uden Extta-Vorstellung zu halben Kassenpreisen,„Der vonNotre Dame", find die Damen Savary, Lehmann, Nähx des Mihrab auf einem Teppiche nieder, grüßt und nd von Allen tief und ehrfurchtsvoll begrüßt. Sein Kor- 9e bleibt ihm zu Seiten stehen. o- Er beginnt mit näselnder Stimme das gewöhnliche �geSgebet und schon da werden in dem Gemurmel der unü Gemeinde einige langgezogene ja hn I(o! Er!) ° mehrere scharf ausgestoßen e Schreie vernehmbar. v Noch spricht das Derwischhaupt mehrere Segen sformeln, (j~nn schweigt er und eS tritt mit vornehmen Geberden ein erwisch der Suite in den Kreis und beginnt langsam und l lerlrch das GlaubenSbekenntniß zu sprechen, das da lautet: <5v— üla'llah. , Die im Kreise Stehenden beginnen nun in sechs scharf . ikntuirten Silben diese Formel zu wiederholen und mgen hierbei mit dem Oberkörper nach vor- und rück- Den anfangs langsam und deutlich gesprochenen a»I. entsprechen im Rhythmus die Schwingungen, welche gT»ne zunächst sehr maßvolle Musik von Flöten, Lltttet" in�umenten, Zinellen, Tambourin und Triangel be- dj.-M/r das Tempo wird immer schneller und schneller, iw».. folgen sich rascher, die Schwingungen werden aei?16! ��eunigere und die Musik fällt in eine scharfe, aufteizende Tonart. der fcT* Fanatismus erwacht, die Augen werden glühend, Und schweiß strömt von den blassen, tteferregten Gesichtern zu s�sch?" beginnen einzelne Derwische den Oberkörper so vor- �aß das Haupthaar bei der Schwingung nach und rückwärts den Boden berührt. « Plötzlich stimmt der Oberderwisch die Segensformel: "?eil über unseren Propheten u. s. w." an und in dem- Lrss Momente dämpft sich die Musik zu sanften, nMieichei�den Harmonien, und das Geheul der Gläubigen ttwgt in langgedehnten ja ha! Qf. Neu angekommene Mitglieder der Sekte, darunter sehr ■J behäbig aussehende Bürgersleute, reihen sich in de« bei- dessen Mitte nun ein vom Oberderwisch zum Vor» geladener Gläubige tritt, der nun abermals die be- l®laubensformel intonirt. Wieder beginnt der Chorgesang, die Musik fällt bald w «eÄ�R�'o. das �Rezitiren rast in stürmischem ed« eine Pause und wieder beginnt das Gebet! Hayn, sowie die Herren Nhil, Otto und Schulz mit den Haupt- Partien bettaut. Auch bei dieser Vorstellung wird das rühm- lichst bekannte Schwedische Doppel-Quattett im Theater kon- zettiren. Gerichts-Zeitung. Der Standesbeamte Robert Guttzeit hatte gestern vor der 100. Abtheilung des Schöffengerichts zu erscheinen, weil der Tischlermeister August Schönborn seine Bestrafung wegen öffentlicher Beleidigung verlangt hatte. Bekanntlich hatte im vorigen Jahre eine Unfitte Platz gegriffen, wodurch das Pubi- kum in arger Weise belästtgt wurde. Die Sargfabrikanten oder ihre Agenten belagetten förmlich von früh bis spät die Warte- zlmmer und Flure der Standesämter, um hier denjenigen, welche den Tod eines Familienmitgliedes anzuzeigen hatten, sofort einen Sarg anbieten zu können. Als schließlich durch eine be- hördliche Verfügung diesem Treiben ein Ende gemacht werden sollte, da hatte Herr Guttzeit, dessen Bureau in der Wrangelstraße sich befindet und in dessen Revier der Kläger demizilirt ist, mit der Eliefrau des letzteren seine liebe Roth; dieselbe wollte fich vom Flur nicht fortweisen lassen, sondern fuhr fort, hier die Leute mit ihren Offerten zu belästigen. Schließlich kam es zwischen ihm und der Frau Schönborn zu einer erregten Szene und die Folge davon war, daß die letztere fich eine Anklage wegen Haus- friedensbruch zuzog, welche mit ihrer Vemrtheilung endete. In dem bezüglichen Termine erwähnte der als Zeuge ver- nommene Herr Guttzeit, daß der Ehemann der Angeklagten Frau Schönborn ihm gelegentlich einer standesamtlichen Mcl- dung falsche Angaben gemacht habe, und aus dieser Aeußerung, welche der im Zuhörerraum befindliche Schönbom Hörle, beruhte die von letzterem angesttengte Beleidigungsklage. Aber der Kläger würde unter Auferlegung der Kosten abgewiesen, denn der Gerichtshof war der Anficht, daß eine von einem Zeugen unter seinem Eide abgegebene Erklärung überhaupt nicht zum Gegenstande einer Privatklage gemacht werden könne. Die„Allgemeine Fleischer-Zeitung", welche sich durch ihren mit aller Energie fortgeführten Kampf gegen den betrügerischen Vertrieb von Pferdefleisch viele Freunde und Feinde erworben hat, hatte gestern den ersten Strauß vor dem Schöffengericht zu besteben, weil eine aus dem vorerwähnten Kampfe resut- tirende Beleidigungsllage gegen fie angestrengt worden war. In der Nummer vom 15. Juli er. der„Allg. Fl.- Ztg." erschien ein aus Dresden stammender Artikel, in welchem erzählt wurde, daß einer der dortigen Restaurateure ein Filet- Beefsteak von Pferde- anstatt von Rindfleisch habe serviren lassen. Der Dresdener Gastwirthsverein nahm dies gewaltig übel und dessen Vorstand richtete an die erwähnte Zeitung die kategorische Auf- forderung, den Namen des betr. Gastwirths zu nennen. Der verantwortliche Redakteur Horwitz lehnte dies Anstnnen ab und nunmehr wurde von dem Restauratcur Heinrich Holland in Dresden, dem Vorfitzenden des dortigen Gastwitth- Vereins, gegen Horwitz die Klage wegen verleumderischer Beleidigung angestrengt und wurden außerdem weitere 98 Klagen von den übrigen Mitgliedern des Vereins in Aussicht gestellt. Der Kläger ließ fich durch Rechtsanwalt Kaufmann, der Verklagte durch Dr. Fritz Fricdmann vertreten. Zu einer Verhandlung in der Sache selbst kam es indessen nicht, denn der Vertheidiger drang mit seiner Anficht, daß der Kläger überhaupt nicht die Aktiv-Legitimation zur Anstrengung der Klage befitzt, durch und legte der Gerichtshof dem abgewiesenen Kläger auch noch die Kosten auf._ Soziales«nd Arveiterbewegung. An die Berliner Maurer! Kameraden! Nach Beschluß der vorhergegangenen Generalversammlung soll jetzt unser Lohnkampf rn der Art weitergeführt werden, daß über einzelne Baugeschäfte, deren Inhaber fich weigern, 50 Pfennige Stundenlohn zu zahlen, die Bausperre verhängt wird. Die Bau- sperre besagt, daß, so lange dieselbe dauert, kein Maurer in dem gesperrten Geschäft unter keiner Bedingung Arbeit nehmen oder fortarbeiten soll. ES soll dabei in folgender Art verfahren werden: 1. Die Bausperre über ein Baugcschäft kann nur auf Antrag der Lohnkommisston von einer Generalversammlung sämmtlicher Maurer Berlins beschlossen werden. 2. Die Lohn- kommisfion kann die Bausperre für ein Baugeschäft nur beantragen, wenn mindestens zwei Drittel der von dem Baugeschäft beschäftigten Maurergesellen dies freiwillig und schriftlich mit Namensunterschrift beantragen und versprechen, auf Beschluß der Generalversammlung die Arbeit niederzulegen und fie nicht vor Bewilligung von 50 Pfennigen Stundenlohn bei diesem Geschäft wieder aufzunehmen, auch in der Zwischenzeit nirgend anderswo Arbeit anzunehmen.— 3) Die Maurergesellen, welche in Folge einer solchen Sperre Aber nach jeder Pause steigert sich der Fanatismus und erreicht endlich einen kaum mehr zu beschreibenden Zu- stand, in dem die in wilder Ekstase Verzückten mit schäumen- dem Munde ihr Allah! in die Lüfte heulen und wie von tausend Teufeln hin- und hergerissen werden. Einzelne stürzen, wie von epileptischen Krämpfen erfaßt, zu Boden, und man sieht nichts als krampfhaft hin- und hergeschleuderte Körper, unnatürlich bleiche, bläuliche Gesichter. Nur der Oberderwisch und sein Kortöge bleiben regungS- los wie Statuen, kaum daß die Lippen leise sich bewegen, während die Gebetsperlen durch die Finger rollen. Doch nun giebt daS Oberhaupt ein Zeichen, worauf die Derwische seiner Suite nach den an den Wänden hängenden Tam- bourins und Stöcken greifen. Kaum erschallt der scharfe kriegerische Ton der kupfer- nen Becken, so ergreift der wildeste Fanatismus den ganzen Kreis. Ein unsagbar gräßliches, entsetzenerregendes, wirres Bild wogt vor unseren Augen; da trennt sich von dem Kreise ein junger Derwisch, der schon alle Oberkleider ab- geworfen hat, und stürzt sich mit vorgestrecktem Kopfe im wildesten Laufe gegen eine Stelle der Steinwand, über welcher auf einer Korantafel der Name Ali'S des Schiitenhauptes geschrieben steht. Mit einem sein Geheul übertönenden dumpfen Dröhnen schlägt der Schädel an die Steinmauer, der Mann stürzt nieder, aber schnell erhebt er sich wieder und rennt zum zweiten, zum dritten Male gräßlich fluchend gegen die Wand, bis mehrere Gläubige sich auf ihn stürzen, ihn ringend an den Boden drücken, dann schüttelnd in die Höhe heben und endlich auf sein Schaffell niederlegen. All' das vollzog sich in nächster Nähe von mir und meinen Begleitern. Mitten in das diabolische Rasen fällt wieder der näselnde Ton des Oberderwisches und schon sind die Pauken verstummt, sanfte Flötentöne durchziehen mit leisem Sang den Raum und das Geheul mildert sich zu tiefen hohl ver- klingenden Seufzern. Noch ein leise gemurmeltes Gebet aller Gläubigen und die Zeremonie ist zu Ende. Zn feierlichem Zuge durchschreitet der Oberderwisch die tief sich neigende Gemeinde und verläßt den Moscheenraum. Ergriffen— beinahe geängstigt von dem an diabolische Einflüsse mahnenden Schauspiele, verließen nun auch wtt die merkwürdige unheimliche Kultusstätte. die Arbeit niederlegen, erhalten, so lange die Sperre dauert' und die Mittel dazu vorhanden sind, eine Unterstützung von 3 Mark 50 Pfennig für den Arbeitstag, den fie verloren haben. — 4) Es werden von den eingehenden Anttägen auf Ver- hängung der Bausperre nur immer so viel berückstchtigt werden, als Geldmittel vorhanden find, um die aä 3 angegebene Unterstützung zu bezahlen.— Indem wir dieses bekanntgeben und die Kameraden ersuchen, danach ihre Anträge auf Bausperren zur Erreichung von 50 Pfg. Stundenlohn zu stellen, ermahnen wir zur größten Gesetzlichkeit und sttengster Äufrechterhaltung der Ordnung. Andere Arbeitseinstellungen ohne die im Vorstehenden vorgeschriebene Form find durchaus zu vermeiden und haben solche Maurer, welche, aus welchem Grunde es auch sei, sonst die Arbeit niederlegen, keinen Anspruch auf irgend eine Unter- stützung. Um nun recht kräftig mit den Bausperren vorgehen zu können, wenden wir uns an unsere Berliner Kollegen mit dem Ersuchen, mit Opferpfreudigkeit reichliche Gaben für den Lohnkampf zu sammeln. Kameraden! Wir hoffen um so mehr, daß Ihr reichlich beisteuern werdet, da von den einkommenden Geldern es abhängt, ob wir den biS jetzt siegreich und erfolg- reich geführten Loynkampf bald zu Ende führen. Wir finv jetzt lediglich auf die eigene, oft erprobte Kraft angewiesen. Unterstützung von Außerhalb dürfen wir jetzt nicht weiter be« anspruchcn. Die deutschen Kameraden haben uns bis jetzt treu- lich geholfen, wir dürfen ihnen, ohne die Sache zu schädigen, nicht länger zur Last fallen. Also laßt uns zeigen, daß wir selbst stark genug find, uns weiter zu helfen Wir verlangen von den deutschen Kameraden jetzt nur, daß sie, wie bisher, den Zuzug sttengstens fernhalten. Auch von den von Berlin abgewanderten Kameraden erwarten wir, daß fie nicht durch voreilige Rückkehr unfern Sieg wieder ge« fährden. Der am 17. Juni ausgebrochene allgemeine Aus- Sind hat in der Einmüthigkeit, wie er ausgeführt, in der usdauer, mit der er durchgeführt, in den Resultaten, die durch ihn erreicht wurden, alle Hoffnungen, die auf ihn gesetzt werden konnten, weit überttoffen, er vildet ein ruhmvolles Blatt in der Geschichte des Lohnkampfes. Er ist nun beendet und werden weitere Unterstützungen auf Gnrnd dieser allgemeinen Arbeitseinstellung nicht weiter gezahlt. Kameraden! Laßt uns so einmüthig, so opferfreudig, so gesetzmäßig wie bis jetzt auch weiterschreiten, dann wird der Sieg nicht ausbleiben. Es lebe unsere gerechte Sache! Berlin, im August 1885. Die Lohnkommisfion. I. A.: F. Wilke. C. Behrend. Ueber den Töpferstreik in Velten veröffentlicht die dortige Lohnkommisfion folgendes:„Die Drohung mit dem 10. August hat uns nicht geschreckt- Die Meister suchen sich jetzt an die einzelnen Gesellen zu machen, um fie durch Ueber- redungen und Drohungen zur Aufnahme der Arbeit zu be- wegen. Welchen Erfolg fie dabei haben werden, müssen wir abmatten. Wir werden fortfahren wie bisher, jeden Fall, in welchen ein Kollege die Arbeit aufnimmt, bekannt zu machen mit Namensnennung, so wissen die Kollegen immer, wie es steht. Der Zuzug ist unbedeutend. Die wenigen hierhergekommenen Fremden verdienen jetzt 8 Marl wöchentlich. Auch ein Geselle, der nach Frankfutt a. O. geschickt war, um Zuzug heran- zuholen, kam nach verausgabtem Reisegeld allein zurück.— Laßt Euch auch ferner nicht herlocken, Kollegen! haltet den Zuzug fern!— Die Schundpreise des Veltener Geschäftes find zu sehr bekannt, daß man nicht überall uns den Sieg wünschen sollte. Bedenkt, Kollegen, dies wohl! Unser Kampf ist Euer Kampf! Es ist eine Aufbesserung des Geschäftes in unserem Gewerbe nicht möglich, wenn wir nicht die hiesige Schund- konkurrenz durch höhere Löhne abschaffen. Der Zorn der„ver- einigten Fabttkanten" gegen die freien Meister ist sehr erklär- lich und es kommt auch zu manchen unliebsamen Äufttitten, die die„Bildung" der Meister gerade nicht immer im hellsten Lichte zeigen- Man spricht von Maßregelung der„Führer" nach Beendigung des Ausstandes. N'.n, wir fürchten uns nicht. Die„Führer" find vor Allem sehr tüchtige Töpfer und können fich durch ihrer Hände- Arbeit überall ernähren. Kameraden aller Otts, steht fest zu uns! So lange Ihr uns nicht ver« laßt, geben wir den Kämpf nicht auf! lieber die Erwerbsfähigkeit der Arbeiterinnen in Berlin veröffentlicht der„Frauenbund" folgendes:„Eine Ar- beitettn, welche allein steht, bedarf hier m Berlin zu ihrem täglichen Unterhalt: für die Schlafstelle(monatlich 6 Mark) 20 Pf., für Frichstück 15 Pf, für Mittagbrod 30 Pfennig, für Abendbrod 25 Pf., macht in der Woche 6 M. 30 Pf. Dazu kommt noch wöchentlich für Wäsche 75 Pf. und für Kleidung und Schuhzeug 1 M. 50 Pf. Es hraucht eine Arbeiterin also zu ihrem Unterhalt bei ganz einfachem, solidem Leben wöchent- lich 8 M. 55 Pf. Zu dieser Höhe des Verdienstes bringen es aber bei Weitem nicht alle Ärbeitettnnen. Die Näherinnen von Manchetten z. B. bekommen für ein Dutzend Paar besserer Qualität 60 Pf., für ein Dutzend Paar geringerer Qualität 30, 35, höchstens 40 Pf. So verdienen sie bei angestrengter Arbeit die Woche 3 M. 60 Pf. oder 4 M. 90 Pf., höchstens aber 7 M. 20 Pf. Für feine Arbeit an Schürzen erhält die Arbeitenn für das fettig gestellte Dutzend 1 M. 40 Pf., für ein Dutzend gewöhnlicher Att 40 bis 60 Pf., bezahtt dabei das Garn und verdient also im besten Fall wöchentlich bei dieser Arbeit 5 M. Das find trostlose Verhältnisse und ein großer Theil der Fabrikmädchen und der zu Haus aibeitenden Frauen und Mädchen muß fich entweder Nebenverdienst verschaffen, indem es die Bahn des Lasters betritt, oder es muß ttotz allen Fleißes darben und hungem. Auf denen, welche f Hause arbeiten, lasten ja noch ooendrein schwere Ausgaben r Wohnung, Feuerung, Licht und dergl."— So wie in erlin ist der Lohn überall ein kläglicher. Da hilft keine gute Erziehung, da helfen keine Vereine„zur sittlichen Hebung der unteren Klassen", die eiserne Roth kennt kein Gebot und durch die Hungerlöhne werden unerbittlich die Albeitermädchen der Prostitution in die Arme getrieben. Alle Vereine, alle Be- strebungen der höheren Klassen hiergegen find nichts, als die pure Heuchelei, sofern fie nicht auf die wirthschaftliche Hebung der Mädchen und Frauen, auf die Erhöhung des Lohnes der Frauenarbeit und Schonung der Arbeitskraft der Frau hinaus- laufen. Die Verlegung deS Zahltags den Freitag in den Fabriken, die wird, ist mit Freuden zu begrüßen. Arbeiter in Hinficht darauf, daß der....— 0.... beitstag ist, vom Lohne nicht so viel für den Wirthshausgana ausgiebt, nein hauptsächlich deshalb, weil der Arbeiter jetzt immer am Eonnabend durch die Lohnzahlung hingehalten wird und nicht rechtzeitig zur Familie gelangen kann, um endlich einmal der heranbrechenden Sonntagsruhe zu pflegen. Aber auch die Hausfrau, die ietzt die Einkäufe immer des Sonntags machen muß, wird in die Gelegenheit gesetzt, dies schon Soim- abend zu thun. pSfisSlSSSSS b°nge ZU ernähren haben. Die Löhne variirm von 12-18 M. fclfw.$?'» Bergleute feien zufrieden.— Diese„Zu- friefcenfcctr kennen wir, die dortigen Arbeiter find allzu ab» hangig' um fich frei und offen äußern zu können. In der Eifel, wo fast alljährlich der„Notbstand". d. h. u" i>°n der preußischen Regierung anerkannte Nochstand ein- uut' hat man in letzter Zeit Meliorationsarbellen mit großem Erfolg und mit Unterstützung der Regierung bettteben. Die Regulitung der Wasserläuse, Entwässerung von Eünpfen baden bedeutende Resultate geltefett. Es ist vielfach fruchtbarer vom Sonnabend auf folgende� Tag ein Ar- Boden geschaffen worden, wo früher Haide und Moor vor- Händen war. Viel leichter aber, als in den Eifelgegenden, ist die Urbarmachung der großen norddeutschen Heide- und Moorflachen. Da könnte nach Herzenslust der Staat kolonistren zum Segen des Volkes und des Landes. Ueüer die Arbetterverhältnisse in dem Bezirk Wesel weiß der Handelskammerbericht nur Ungünstiges zu melden. „Der übertriebene Branntweingenuß verführe die Arbeiter zur Zügetlostgkeit"— aber von der Lohnhöhe wird nichts berichtet. Da erfahren wir nun, daß der Lohn der dortigen Arbeiter ein viel geringerer ist, als in den anderen Bezirken der Rhein- provinz und Westfalen und daß man mit Vorliebe die sonst bedürfnißlosen waldeck'schen und lippe'schen Arbeiter dort be- schäftigt, die mit einem Stück Brod, etwas schlechtem Fette und noch schlechterem Schnaps vorlieb nehmen. Wo da Zucht und Ordnung herkommen soll, das mögen die Götter wissen! Die Herren der Handelskammer sollten bessere Löhne zahlen, dann brauchten sie derartige Berichte nicht zu machen. Uerewe«nd Versammlungen. b's. Eine sehr zahlreich besuchte Versammlung der Maurer tagte am Sonntag Vormittag im Lokale, Sanssouci" unter dem Vorfitze des Herrn B e h r e n d. Herr Regierungs- Baumeister Keßler sprach als Referent über die jüngst de- schlossene neue„Vereinigung von Inhabern Berliner Bauge- schäfte" und das Verhalten der Maurer gegenüber derselben. Die schon in einer früheren Versammlung geäußerten Bedenken gegen die gesetzliche Zuläsfigkeit einiger, die Kautionen zur Deckung von Konventinalstrafen betreffenden Bestimmungen des WV»» MW. trotzdem die amtliche Genehmigung erhalten sollte, nicht säumen würde, auch dem Statut der Maurergesellen-Vereinigung ana» löge Bestimmungen einzuverleiben, denn was dem Einen Recht, sei auch dem Andern billig.(Beifall.) Wenn es auch, führte Redner� aus, nicht unmöglich sei, daß in der neuen ICH uuv, iliUJl«IIIIIVH4*"#'vtr VWD vvv(»VMVI» Unternehmer-Vereinigung ein besserer Geist walten werde, als ' i Innung, und daß anderen Personen die Führung . r.«y. f. o äX\ � r-\ ttt alten vwQ; v v, w s 1 derselben zufalle, so müßten fich die Maurer doch auf Alles gefaßt machen und so stark als möglich fich organifiren. Scharf kritifirte der Redner hierauf den Artikel der neuesten Nummer der„Baugewerks-Zeituna", welcher die Ueberschrift trägt:„Hat der Maurerstreik die Nothwendigkeit einer Reform der Gewerbe- Sesetzgebung gezeigt und in wie weit. Diesen von einem Juristen geschriebenen Artikel verglich der Redner mit der Urtheilsmotivirung eines studentischen„Bierrichters" in der Studentenkneipe, nur mit dem Unterschiede, daß bei dem Ar- tikel der„Baugewerks-Zeitung" die Komik eine unfreiwillige sei- Endlich thcilte der Redner noch mit, daß ihm Herr Bau- rath Böckmann seine in der jüngsten Baugeschäftsinhaber-Ver- sammlung gehaltene Rede und das Statut der neuen Meister- Vereinigung mit dem Ersuchen um Veröffentlichung im Fach- organ der deutschen Maurer zugesandt habe. Die gewünschte Veröffentlichung werde erfolgen, da beide Schriftstücke ohne Zweifel für die Maurer von Interesse seien. An der Dis« kusston, betheiligten fich die Herren Behrend, Weiße, Groth- mann, Wille u. e. A. Der Vorfitzende theilte die im Ganzen recht zufriedenstellenden Erfolge der unlängst verhängten Bau- sperren mit, so z. B-, daß Maurermeister Stägemann, den auf seinem Bau in der Straußbergerstraße gleichfalls die Bausperre � � Y-.e--- W...---» 4 faifXaM. betroffen, die Lohnforderung ganz bewilligt hat und seitdem seinen Bedarf an Arbeitskräften n......"..... '.•*, nnr\. rr t." --— V.............. . jcvuci uu<4i,vvuwm.%.,.v.. nur von der Lohnkommisston bezieht. Maurermeister Wolff sei, vorausgesetzt, daß er die ihm vom Jnnungsbundes-Amt versprochenen Arbeitskräfte nicht in den nächsten Tagen erhalte, gleichfalls gewillt, 5 Mark zu bezahlen und Arbeitskräfte von der Lohnkommisston zu beziehen. Neue Bausperren seien vorläufig noch nicht zu beschließen, bevor nicht die alten vollständig erledigt worden. Bezüglich des bei den Bausperren zu beobachtenden Verfahrens verwies der Vorfitzende auf dm neuesten Aufruf der vohn- kommisfion. Aus demselben gehe, wie Redner hervorhob, eine Amderung des seitherigen Verfahrens insofern hervor, als die �----- r ji»jzi.— L.fJLa 3iCmrciUIIU vv» icuycviavu rv„ff7. v' von den zu sperrenden Baugeschaften beschäftigten Maurer, nachdem fie den schriftlichen Antrag auf Beschluß der Bau- » f i,> r»......: rn____ n. fl i h> t« AM Im Sav nnit-awaM � IIUU�UCIII|IC VVII|. f 4..v�vt» v|... u-.___ sperre bei der Lohnkommisfion gestellt haben, in der betreffen- den, die Sperre eventuell beschließenden Versammlung nicht noch einmal über ihr Einverständniß befragt werden sollen. Nach Schluß der Diskussion nahm die Versammlung einstimmig folgende Resolution an:„Die heutige General-Versammlung der Berliner Maurer k. erklärt: in Erwägung, daß dem organifirten Kapital gegenüber nur durch eine straffe Organi- sation die Lage der Maurer gebessert werden kann, versprechen die heute versammelten Maurer, mit allen Kräften und gesetz- lichen Mitteln dahin zu wirken, daß fich alle Maurer dem Verein zur Wahrung der Interessen der Berliner Maurer an- schließen, um Erhöhung ihres Lohnes, Verminderung der Ar« bcitszcit und Ruhe an Sonntagen herbeizuführen." Eine öffentliche General-Versammlung der Berliner Stuckateure tagte am Sonntag, den 16. August, Vormittags 11 Uhr, in Nieft's Salon, Kommandantenstraße 71/72. Herr Mar Kreutz referirte über das Ardeiterschutzgesetz und die Nothwendigkeit der gesetzlichen Einführung der Sonntagsruhe. Referent spricht sein Bedauern aus, daß ttotz der Wichtigkeit der Tagesordnung die Bethelligung der Kollegen an der Ver- sammlung eine so schwache sei, er empfahl den Anwesenden, in ihren Kreisen nach besten Kräften dahin zu wirken, die noch fernstehenden Kollegen heranzuziehen, denn nur durch vereinte Kraft sei etwas zu erreichen. Zum Beweise dafür, daß ein gesetzlich geregelter Arbeitstag durchführbar ist, führt Referent dm m der Schweiz gesetzlich, in England ohne Mitwirkung der Gesetzgebung und in Oesterreich ebenfalls theilweise gi lich eingeführten Arbeitstag an und hebt hervor, daß fich die Arbeiter dort ganz wohl dabei fühlen. Die gesetzliche Ein- führung sei möglich und würde auch bei uns über kurz oder lang durchgeführt werden. Nachdem Referent das Verhalten des Manchesterthums kntifirt, geht er zur Organisation der in dem Arbeiterschutzgesetzentwurf vorgeschlagenen Arbeitekammern und Arbeitsämter über und plädin zum Schluß für zahlreiche Unterzeichnung der ausliegenden Petitionslisten für Annahme des Arbeiterschutzgesetzmtwurfs. In der Diskusston wurde hervorgehoben, daß die Meister die vom Polizeipräsidium aus- gegebenen Fragebogen, die Sonntagsruhe betreffend, den Ar- bertern vielfach vorenthalten. Herr Walz I und Werder erklären, von den Meistern solche Bogen erhalten zu haben. Für Abschaffung der Sonntagsarbeit sprachen noch die Herren Zimmermann, Krause, Handtke und Andere. Inzwischen war folgende Resolution eingegangen: Die heutige öffentliche Ver- sammlung der Berliner Stuckateure erklärt fich mit den Aus- führungcn des Referenten vollständig einverstanden und ver- pflichtet fich, die Petition für das Arbeiterschutzgesetz zu unter- schreiben. Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Darauf referirte Herr Heindorf über den Bescheid des Polizei- Präfidiums bezüglich des Abfallens von Stucksachen. Die Stuckateure haben, als im Januar d. I. das Polizeipräsidium eine Bekanntmachung bezüglich des Abfallens der Stucktheile erließ, eine aus 5 Mitgliedern bestehende Kommisston gewählt, welche eine Resolution ausarbeitete und dem Polizeiprästdium unterbreitete. In dieser Resolution waren, um schlechter Ar- beit, welche ein Herabfallen der Stucktheile bedingte, vorzu- beugen, folgende Forderungen aufgestellt: 1) Bei Anfertigung von neuer Stuckarbeit, resp. Befesttgung derselben muß den Stuckateuren von Seiten der Putzer eine gute Rüstung an den Fa?aden überlassen werden, 2) bei Untersuchung von schlechten Arbeiten sollen auch Gehilfen als Sachverständige hinzugezogen werden, und 3) bei neuen Arbeiten den Prinzipal in erster Linie verantwortlich zu machen. Das Polizeipräsidium hat dar- auf erwidert, daß die von der Kommisfion ausgearbeiteten Vor- schlüge zur Berückfichtigung nicht geeignet find. Referent führt aus, daß er fich mit dem Bescheid des Polizeiprästdiums nicht ganz einverstanden erklären könne. Das Pottzeipräfidium hatte, wie Redner anführt, auch auf die gesetzlichen Bestimmungen vom 14. September 1855 hingewiesen, welche für alle an Bauten beschäftigten Handwerker Anwendung fände, und für die ent- stehenden Schäden der gedachten Art immer nur den betreffenden Bauleitenden verantwortlich macht. Herr Grünberg weist auf die bei alten Bauten vorzunehmenden Reparaturen hin und ermahnte die Anwesenden, nicht so ohne Weiteres ihre Unter- schritten für die Solidität der gesammten Stucktheile zu geben, da sie ja doch im geeigneten Falle nur für ihre eigene Arbeit gut sagen könnten. Redner erklärte sich mit dem Bescheid des Präfidmms einverstanden. Herr Heindorf berührt die Zen« tralisation der Stuckateure und bemerkt, daß die in vielen anderen Städten bestehenden Stuckateurvereine besser organifirt wären und ihre Zustimmung zur Zentralisation gegeben hätten. Es entspinnt fich eine lebhafte Debatte, in welcher eine der größten Werkstätten kritistrt wird, für welche Herr Zimmermann jedoch eintritt. Es sprechen noch in recht kollegia lischer Weise die Herren Werder, Mützelburg, Handtke u. A. und ermahnen dieselben die Versammlung, zum Wohle Aller fich recht zahl- reich dem Verein amuschließen. Bei Punkt 3„Hilfskassen" verlas Herr Kasfirer Schulz einige Zeitungsberichte, 7worin die Existenzfähigkeit der Ortskrankenkassen in Frage bestellt wurde. Es wurde darauf beschloffen, am 7. September, Abends 8 Uhr, eine Generalversammlung stattfinden zu lassen, deren Tages- ordnung noch bekannt gemacht wird. Schluß der Versammlung 3 Uhr. tb. Ueber da? heutige Submisstonswesen sprach Herr Regierungsbaumeister Keßler am 17. d. Mts. in einer öffent- lichen Schlofferversammlung bei Gratweil. Derselbe beklagte als einen fühlbaren Mangel im Baugewerbe das Fehlen eines Bindegliedes zwischen dem wissenschaftlich gebildeten Bauleiter, welchem praktische Erfahrung wesentlich abgehe, und dem Ar« bester. In Frankreich würde dieser Posten ausgefüllt durch den„Kondukteur", einem aus dem Arbeiterstanoe hervorge- aangenen, praktisch und theoretisch nach Möglichkeit und Fähig- keit ausgebildeten Mann. Der„Bauaufseher" entspreche dem „Kondukteur" in keiner Weise und würde nur als Durchgangs- posten für zivilversorgungsberechtigte Unteroffiziere betrachtet. Der Bauleiter habe in der Regel mehrere Bauten unter fich, könne demzufolge nicht in dem Maße, wie noth- wendig, eine Kontrole ausüben, da er zudem noch mit Bureauarbeiten überhäuft sei. Auf den Bauten selbst sei der Beamte in nur ungenügender Weise vertreten, dadurch werde dem Baubetrug Thür und Thor geöffnet. Dazu komme das Reglemcntiren von„oben", das sogenannte „Assefforenwesen" im Baufache, durch welche das ursprüngliche Regiewesen unmöglich gemacht werde. Das Sub- misfionswesen sei in seiner heutigen Handhabung eine große Gefahr für den Staat und nur eine Prämie für Gewrffenlofigkeit und Schwindel. Die Schwindler aus dem Bauwesen herauszutreiben, sei nur möglich durch eine konsequente eiserne Durchführung der Submisfions« Bedingungen und Jnnehaltung der festgesetzten Konventional- strafen, sowie durch Anstellung eines„Kondufteurs", für deren Ausbildung durch Fortbildungs- und Baugewerksschulen:c. zwar schon etwas, aber noch nicht genügend Sorge getragen werde. Die Submission drücke auch vie Arbeitslöhne herunter, der intelligente Arbeiter werde immer mehr verdrangt dur bedürfnißlose fremde Arbeiter, so daß mit der Zeit das P vollständig degeneriren müsse. Die Regierung suche�ivarjw Einhalt zu gebieten durch„Ausweisung der fremden Elemente, ein wirksamer Schutz der einheimischen Arbeiter sei aber nur der gesetzliche Maximalarbeitstag. Ferner müßten Orgamsationen geschaffen werden zur Festsetzung eines Minimallohnes und wurde fich auch das Submisstonswesen durch eine wirksame Arbeiterschutzgesetzgebung von selber regeln.— Anschließend hieran wünschte Hr. Pirch höhere Schulen und unentaeltuche Lehrmittel für die Arbeiter. Herr Mittel bezeichnete die Akkord- arbeit als das Grundübel, deren Beseitigung defürwortetend- Herr Marx hingegen maß den Arbeitern selber alle Schuld bei. Würde Niemand für niedrige Arbeitslöhne arbeiten, so müßten auch höhere Löhne gezahlt werden. Der Fachverein der Tischler hält heute, Mittwoch, Abends 8 /, Uhr, in Kurzmann's Salon, Bergstraße 68, eme Versammlung ab. Tages-Ordnung: Vortrag des Herrn BaU- müller, Verschiedenes und Fragetasten.— Gäste find will- kommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen.—«m Sonnabend, den 22. August, findet bei Jordan, Neue Grün- straße 28, eine außerordentliche Generalversammlung des Per- eins statt mit der Tagesordnung:„Beantwortung des vom Königl. Polizei-Prästdium dem Verein zugestellten Fragebogens bezüglich des Verbots der Sonntagsarbeit." Fachverein der Drechsler, Knotzfarbeiter und Berufs- genossen. Den Drechskern, Knopfarbeitern und Berufs- genossen hiermit zur Nachricht, daß das Königl. Polizer- Präsidium an den Verein die Aufforderung gerichtet bat, du in Betreff der Sonntagsarbeit gemachten Erfahrungen der Bc- Hörde mitzutheilen. Der Vorstand hat fich deshalb veramaßl gesehen, vereint mit den Vertrauensmännern eine Beantivorlung der gestellten Fragen auszuarbeiten, um dieselben den Gewens- genossen vorlegen zu können, zu welchem Zweck eine M«- gliederversammlung des Fachvereins zum Donnerstag Abeno 8 Uhr nach Kellers Salon, Andreasstt. 21(kleiner Saal) einberufen ist. Alles andere im Jnseratentheil. SämmuiM Kollegen werden gebeten, in dieser Versammlung recht zahlreich zu erscheinen. Arbeiter-Bezirksverein„Süd« Ost". Mitglieder-Ver- sammlung am Mittwoch, den 19. August, Abends 3'/-"T in der„Urania", Wrangelstraße 9 und 10. Tagesordnung. 1. Vortrag des Stadtverordneten Herrn Singer über die Thätigkeit der Stadtverordneten-Versammlung. 2. GeschO liches. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Der Louisenstädtische Bezirks-Berein„Vorwärts" hält heute(Mittwoch), Abends 8V, Uhr, im Restaurant I. Ruff(City-Passage), Dresdenerstr. 52/53, eine Vereins' Versammlung ab, in welcher Herr M. Kreutz über die Kom- munalwahlen referiren wird. Die Petition, das Arbeiterschus- Gesetz betreffend, kiegt zur Unterschrift aus. Die Mitglieds werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Am' nähme neuer Mitglieder findet statt.— Gäste find mm- kommen. Eine öffentliche Versammlung der Obst-, Gemüse-' Milch-, Korbwaaren-, Kohlen- und Produktenhändler finde am Donnerstag, den 20. August, Abends 8 Uhr, in Mm# Wilsnackerstraße 34, bei Jlges, statt. Tagesordnung: 1-% Nothwendigkeit der Organisation. 2. Besprechung über du Gründung eines Vereins. 3. Diskussion. Theater. Opernhaus. Heute keine Vorstellung. Schauspielhau«. Heute: Der Leibarzt. Belle-Alltance-Theater. Heute: Der Glöckner von Notte-Dame. Neues Friedrich-WilhelmstädtischeS Theater. Heute: Der Großmogul. Ostead-Theater. Heute: Der Goldgräber. Central-Theater. Ave Jakobsttaße 30. Direktton: Adolph Ernst. Heute: Zum 18. Male: Die wrlde Katze. Gesangspoffe in 4 Sitten von W. Mannstädt, Mufik von G. Steffens. Durch die Geburt eines kräftigen Jungen wurden hoch- erfteut 1�902 Berlin, den 17. August 1885. W. Werschke und Frau, Adalbertstr. 16. Der Töpfergeselle Rn«. Rentsehke ist am 17. d. M. am Herzleiden in der hiefigen Charitee verstorben und findet die Beerdigung am Donnerstag Nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Thomaskirchhofes aus statt. Dies zeigt hiermit allen Verwandten und Bekannten tief- detrübt an Die trauernde Wittwe 1907]_ 1-. Hentschke. Der Ueberschuß der Tellersammlung der Arbeiter- Versammlung, welche am Sonntag. dm lk. August. in Keller-s W«,| � ÄÄÄS'Elfö Ä1Ä 3 u b e i l. Verewig, d. Uetallaweiter Deiitschl. Mitgliedschaft Berlin L Sonnabend, den 22. August 1885: Grosses Binder- u. Familienfest, verbunden mit Tanzfränzchen, Im Wedding Park, Müllerstrasse Nr. 178. Billets ä 20 Pf. find vorher zu haben bei Behrnd, Reinickendorferstt. 60 Iii., bei Wolff, Reinickendorferstt. 43» ll„ und im Vereinslokal Weddina-Park bis Sonnabend Nach« mittag 2 Uhr. Kinder in Begleitung der Eltern haben freien Zutritt. Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr ab geöffnet. Anfang des Konzerts 4 Uhr. An der Kasse findet kein Btllet-Verkauf statt.[1903 Der V o r st a n d. Arb.-KeMsmeiii d. Fnedrichliadt. Donnerstag, den 20. August, Abends 8 Uhr, Wersammluns' tn Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79. Tages-Ordnung: 1. Ve reinsmittheilungen. 2. Vortrag des Herrn Michelsen: Ueber Frauenarbeit. 3 Verschiedenes.[1906 Um zahlreichen Besuch ersucht Der Vorstand. A»ßemtze»tUcht MMer'NersllmmliklS des /achverems der Drechsler, Snopfarbeiter und verwandten Derufsgeuosseu am Donnerstag, den 20. d. M.. Abends 8 Uhr, in Keller's Salon(kleiner Saal), Andreassttaße 21- «. m Tagesordnung:_ ,.a. 1. Die Beantwortung des dem Verein vom königl. V0«t Präsidium zugesandten Fragebogens behufs Eihebuchp über die Sonntagsruhe. 2. Verschiedenes., Der wichtigen Tagesordnung halber ist das ErschelNssv sämmtlicher Mitglieder nothwendlg. Gäste find willkommw- 1904] Der Vorstand. ftdlOTRIll'S SttlllJß;| hochelegant, mit an# Nachf. Th. Lammers. I fl ff 1 Nebenräumen äfroW« Auch einige Sonnabende noch frei.. Herzinnige Bitte! Ein geachteter Familienvater, der durch~' uvuivitw. uuimnn'uuin., v"„uiu, jtm, in(.in.,*,...�..n«...(..i(.n>i beizuspnngen.®ei. «WLSKM bereit. Verantwortlicher Redatteur«.«muhet« W Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW, Beuthstraße 2. w».|uuv hui, Qiuuiciii iuujc jcivin./ das wahr?"—„Allerdings, mein Herr."—„Dann habe � die Ehre, Sie um ihre Hand zu bitten."—„Wie, mein so weit treiben Sie die Feinschmeckerei?"— Der Gast M aus seiner Brieftasche eine Locke vom goldigsten Blond u% sagt mit vibrirender Stimme:„Sehen Sie, dieses Blond w meine Leidenschaft. Seit einem Monat sammle ich alle Haan- die ich hier im Essen finde!", ,, Zu den bekannten„Fünfundzwanzig. Wie ba „Kötzsch. Ztg." mittheilt, ist der Gutsbefitzer M u s ch t e r � der von Rinmeister von Tümpling mittetst eines Schusses haltenen Verwundung— gestorben. Man ist in der Lößwfl wo der Herr Rittmeister eine bekannte Persönlichkeit ist, aw daS Ergebniß der eingeleiteten Untersuchung sehr gespannt. Zeitungen in Nordamerika. Nack Rowell's„Amerika nischem Zeitungs-Ädreßbuch für 1885" erscheinen in den Vereinigten Staaten und Kanada gegenwärtig 14147 Zeitungw und Zeitschriften, d. i. eine Zunahme von 823 während B£® letzten Jahres und 6441 mehr als vor 10 Jahren. Hiervoss entfallen auf die Vereiniptm Staaten 12 973, der Rest Kanada. Die westlichen Staaten weisen, wie schon früh e, v> größte Zunahme auf. Die Anzahl der im Staate 9% Bork 1884 erschienenen Zeitungen und Zeitschriften � trug 1523.,| Paris, 9. August. Das Pariser Zuchtpolizeigericht bo den Damenschneider Wort als Präfidenten des Schneider; Syndikats, welches seinen Mitgliedern die Namen der schlechten, Kunden mitgetheilt hat, von der Anklage der VerleumduvS freigesprochen, hingegen den„Tslsgraphe, welcher unbefugte Weise eine Auswahl dieser Namen veröffentlicht hatte, 2000 Frks. Strafe und je 1000 Frks. Schadenersatz zwei der Genannten, welche Beschwerde erhoben hatten, ver urtheilt. 1