Nr. 195. Sotmabend, den Ä2. August 1885. II. Jahrg. (riintrlMloll. Organ für die Interessen der Arbeiter. Der heutigen Nummer liegt für unsere auswärtigen Abonnenten die Nummer 88 des„Jllustrtrtes Sonn« »agsblatt" bei. Da- Kaalitiaa-llcht. Die Ritter der„Kreuzzeitung" geben sich mög- «Ute Mühe, zu beweisen, daß unter ihrem verrosteten Har- Uch ein„warmes Herz" für die Arbeiter schlägt. Und deshalb fordern sie die Aufhebung der Koalitionsfreiheit oder, j|e jje es nennen, des Koalitionsrechts für die Arbeiter. .Den Maurerstreik als Anlaß zu einer solchen reaktiv- Rch �-rung benutzen zu wollen, kann eben nur den �__________ kann eben nur » Uern der„Kreuzzeitung" und ihrem vorsündfluthlichen Mang einfallen. Die Arbeitseinstellung der m' war ganz gesetzmäßig; ob das Berliner jene �aktionäre zugestehen wollen oder nicht. Ihnen kommt es (fDet vor Allem darauf an, auch jene wahrhaft kärglichen Errungenschaften— wenn man sie so nennen kann— die Uder Gewerbeordnung enthalten sind, zu beseitigen und auf unser modernes WirthschaftSwesen überlebte mittel- . Aber sehen wirunS einmal an, was wir anKoalitionsfteiheit wen. Man wirft dies Wort gewöhnlich so hin, so daß '. aussieht, als hätten unsere Arbeiter als solche un- "schränkte Koalitions-Freiheit. Die Sache sieht aber "nderz aus. > Was man mit großer Uebertreibung„KoalitionS- �riheit für die Arbeiter" nennt, ist der§ 152 3/ Gewerbeordnung, der im Jahre 1869 in Kraft getreten % lautet: "Alle Verbote und Strafbestimmungen gegen Gewerbe- �J'denbe, gewerbliche Gehilfen, Gesellen oder Fabrikarbeiter S-a Verabredungen und Vereinigungen zum BeHufe Erlangung günstigerer Lohn- und st» r» itsbedingungen, insbesondere mittelst Ein- a;vUnS der Arbeit oder Entlassung der °kiter, sind aufgehoben." j, Das war die„Konzession", die der Liberalismus den "tan machte, wobei gleichzeitig auch den Unternehmern »Freiheit der Entlasiung" gewährleistet wurde. Man sieht sofort, daß dies Koalitionsrecht ein sehr ke,«»es ist. Also nur, wenn die Vereinigung Sink anderen Zweck al« die Erlangung günstiger und Arbeits- Bedingungen hat, ist sie PMttet. Wer darüber hinausgeht, unterliegt anderen Vor- wm°- Politische Vereine sollen nicht unter einander in i �»«».taLi Ieuilleton. Da« Mormonenmadche«« gß, Amerikanische Erzählung ' von Balduin Möllhauseu. (Fortsetzung.) Mich Delawaren sind schon zurück," sagte der Mormone lsz.»Schon zurück?" fragte Weatherton mit erheuchelter Änderung. gg.."Schon zurück, und zwar waren sie es, die uns den 8 h'erher zeigten." Tollen'»� �he keinen Grund, warum sie es hätten nicht thun cheilu' ��egnete Weatherton, der auf eine derartige Mit- sie vorbereitet war,„wundere mich aber, daß g�ßen» � keine Gelegenheit gegeben haben, sie zu be- vzzx,,"Sie sind in der Ouerschlucht dort unten weiter ab- n8 gezogen." gesellt' � weiß, sie wollen ihre Pferde den meinigen zu« %% auch lieben sie eS, in deren Nähe zu schlafen, bin lch es vorziehe, mich mehr häuslich einzunchte«. Ich % geborener Kavallerist." Gewann1?" euerin 9ro6en �kfährten zu schließen, seid Ihr »«väkN�ing, bin ich daS; das Seeleben ist mein selbst- m?eruf." "gereinigte Staaten-Marine?" »gereinigte Staaten-Marine," antwortete Weatherton. Ju»n snjflf. �tzte Mittheilung schien den Mormonen abermals iu Zint�- � zu veranlasien. Offenbar ging er mit sich ' welches Benehmen einen Offizier"der Vereinigten !u. Se9en.ü6e� ohne sich oder die Sache seines Volke» dürst?/ttiren, wohl am rathsamstm und geeignetsten Verbindung stehen, wenigstens in Preußen, und wir haben auf Grund dieser Bestimmung die Auflösung zahlreicher, darunter recht großer Organisationen vor sich gehen sehen. Andererseits sehen wir, daß auch F a ch v e r e i n e, die sich nur mit gewerblichen und Fachangelegenheiten ihres Ge- werkeS befassen wollen, der Auflösung verfallen, wenn die Behörden glauben, Grund zu der Annahme zu haben, daß diese Vereine sich mit politischen Angelegenheiten befassen. Und was kann man schließlich nicht Alles für Politik er- klären, da über diesen dehnbaren Begriff die Anschauungen so sehr auseinander gehen! Politische Organisationen der Arbeiter giebt eS nur noch ganz vereinzelt, man kann sagen, fast aar keine mehr. Man sieht daraus schon, daß die„Koalitionsfreiheit" der Arbeiter in Deutschland ein sehr kümmerliches Wesen ist._ Aber damit sind wir noch nicht zu Ende; da» Sozialistengesetz ist auch noch da. Wenn die Vereint- aungen der Arbeiter eine Gestalwng annehmen, die nach der Anschauung der Behörden auf sozialistische, sozialdemokratische oder kommunistische Tendenzen hinausläuft, so sind die Be- Hörden durch das Sozialistengesetz ermächtigt, solche Vereint- gungen zu schließen. Man wird zugeben, daß auch für diese Bestimmung ein sehr weiter Spielraum sich eröffnet, wie sich ja auch thatsächlich gezeigt hat. Was sonach von eigentlicher Koalitionsfreiheit noch für die Arbeiter übrig bleibt, ist offenbar ein Minimum und dieses Minimum will die„Kreuzzeitung" den Arbeitern nicht gönnen, obschon es durch das Sozialistengeseß so wie so in Frage gestellt ist. Es wäre sehr interessant zu erfahren, wie weit die konservativen Heißsporne nach dieser Richtung hin eigentlich gehen zu können glauben. Was wollen die Herren denn eigentlich noch haben? Soll der§152 der Gewerbeordnung aufgehoben werden und sollen dann auch die Versammlungen und Vereinigungen der Arbeiter, in denen sie ihre Lohn- und Arbeitsverhältnisse besprechen wollen, gänzlich und für alle Fälle verboten sein? Eine solche Idee, eine so gänzliche Verkennung unserer Zustände kann allerdings nur in den Köpfen der Kreuzzeitungsritter spuken. Jedermann, der nur eine Ahnung von den Faktoren hat, die unser WirthschaftSleben bewegen, der muß doch wissen, daß öffentliche Diskussionen und Vereinigungen nothwendig sind, wenn diese Faktoren überhaupt mit einander in Ver« kehr treten oder sich verständigen sollen. Wenn die öffent- lichen Diskussionen gänzlich ausgeschlossen wären, dann müßte nothwendig eine gegenseitige Verbitterung und Ver- hetzung eintüten, die für unser wirthschaftlicheS, ja für unser ganzes vaterländisches Leben von größtem Nachtheil sein müßte. Man begegnet bei den konservativen Heiß> spornen oft solchen Leichtfertigkeiten, als ob ihnen gar nichts daran liegen könne, ob die Bl ihnen gar ni Zevölkerungsklassen in Deutsch nachdem er zu einem Entschluß gekommen,„daß Ihr Euch auf feindlichem Boden befindet." „Ohne Zweifel, seit meine Regierung eS für gut be- funden hat, Euch den Krieg zu erklären und nach Abbruch der letzten Friedensunterhandlungen die Feindseligkeiten zu eröffnen." „Wohlan denn, Euch gegenüber besitze ich die Macht, und befinde mich daher im Vortheil. Ich will indessen keinen Schritt weiter thun, ehe ich Euch nicht die Frage vorgelegt habe: welche Handlungsweise Ihr von mir er- wartet?" „Ich erwarte von Euch die Behandlung eines Gentleman," antwortete Weatherton schnell,„und hoffe, daß Ihr geneigt seid, Euch nicht weiter um mich zu kümmern, mit anderen Worten, mich in dieser Wildniß meinem Schicksal zu über- lassen." „Es giebt nur zwei Wege für Euch, zwischen welchen ich Euch die Wahl lasse," entgegnete der Mormone bestimmt. „Hier bleiben dürft Ihr nicht, denn auch mir liegen Pflichten ob, eben so gut wie Euch, wenn Ihr Euch auf Eurem Schiffe befindet. Ich werde Euch also eökortiren, und zwar entweder bis ins Lager der Vereinigte Staaten- Truppen, wo ich Euch dem Kommandirenden übergebe, oder nach Fort Utah, wo Ihr Euch allerdings als Gefangener zu betrachten habt, bis über kurz oder lang eine Auswechselung stattfindet." „DaS Eine wäre so unangenehm wie das Andere," ver- setzte Weatherton, da» Für und Wider beider Fälle flüchtig erwägend,„es scheint daraus hervorzugehen, daß eine Be- schränkung meiner Freiheit unvermeidlich geworden ist. Aber Ihr sagtet ja wohl Fort Utal" Sa. Fort Ut" .Ja, Fort Utah, eS ist dieses der Ort, an welcbem wir unsere Kriegsgefangenen»um Theil unterzubringen gedenken." Ihr werdet mich doch nicht als Kriegsgefangenen be- trachten?" ftagte Weatherton, dem eS immer schwerer auf die Seele fiel, seiner Freiheit beraubt zu werden. Darüber vermögen nur Höhere zu entscheiden, ant- wortete der Mormone mit einer an Gleichgiltigkeit grenzenden Weatherton gab sich wieder einem trübe« Sinne« hin. gegenüber Interessen stehen oder auch öffentliche land sich in dumpfem Groll ob über die öffentlichen Diskussionen stattfinden. Wir haben immer die Anschauung gehabt, daß allen Angelegenheiten, die öffentliche Interessen berühren, auch die weiteste Oeffentlichkeit zur Verfügung stehen soll. Daß die» in Deutschland gegenwärtig nur in sehr beschränktem Maße der Fall ist, bedauern wir sehr; ganz entschieden aber müssen wir die Forderung bekämpfen, das geringe Maß von Koa- litionsrecht, unter dem wir uns befinden, noch mehr einzu» schränken. Selbst wenn man zugeben will, daß eine voll» ständige Stille auf dem Gebiete der öffentlichen Diskussion in dem Interesse jener famosen Kreuzzeitungsritter läge.— natürlich wollen sie allein das Wort und das Recht zur Vereinigung behalten— dann kann man aber doch sagen, nicht verpflichtet, sich nach den Wünschen dieser Leute zu richten. Die KreuzzeitungSritter wollen den Arbeiter nicht als ein vollberechtigtes Glied der Gesellschaft anerkennen; darum soll er sich nicht einmal in Gemeinsamkeit um seine Lohn- und Arbeitsbedingungen kümmern dürfen. Glücklicherweise denken nicht alle Leute so! Politische Ileberstcht. Mit der Frage wegen Reform der Arbeitshäuser (Korrektionshäuser), wird fich eine auf den 14. Oktober d. I. �lrbeitsanstalten Deutschlands 50 Fragen gestellt worden, deren baldige Beantwortung gewünscht wird. Die Angelegenheit verdient Beachtung und wir behalten uns vor, seiner Zeit auf den wichtigen Gegenstand des Näheren einzugehen. In Bezug aus die Beschlüsse der rnternationale» Telegraphen-Konferenz bemerkt der„Hamb. Korresp.": Daß der in der Tarifkommisston mit der geringen Majorität von zwei Stimmen gefaßte Beschluß, die deutschen Vorschläge ab- zulehnen, eine Verständigung über weniger weitgehende Antrüge nicht ausschließt, ist schon wiederholt bemerkt worden. In wie fem die Hoffnungen auf eine Ermäßigung der bestehmden Sätze um 10—15 pCt. durch die weiteren Verhandlungen er- füllt werden, muß man eben abwarten. Da die Konferenz bindende Beschlüffe nur einstimmig fassen kann, so find die deutschen Vorschläge faktisch durch den Kommissionsbeschluß beseitigt. Die Meldung, daß die Konferenz die Telegraphen- „.. mz vi taxe nach Indien und Australien von 6 auf 2V, S diejenige für die Presse auf dm vierten Thei! und ermäßigen werde, ist bekanntlich dementirt worden. Gestern hat die__ legraphen-Konfercnz ihre zweite Plenarsttzung abgehaltm, in Er fühlte, daß eS vergebliche Mühe fei, dm Mormonen zu einem Vergleich aufzufordem, laut dessen er sich vielleicht an einem bestimmtm Tage an irgend einem zu verabredenden Orte zu stellen habm würde. UebrigmS widerstrebte es ihm daß er, um seinen aeheimnißvollen, vielleicht fi, Zwecken zu dimm, die Verkleidung eines Indianers legt hatte. Er mußte sich also entscheidm. An die Truppen der Vereinigten Staaten ausgeliefert werdm hieß, die ganze ange- Reffe umsonst gemacht habm. Bei dm Mormonen gagegeü, namentlich in Fort Utah, wohin eS ihn nach des Delawarm jüngsten Mittheilungen zog, durfte er darauf rechne«, unter den Höhergestellten und Einflußreicheren mit zugänglichere« Personen in Berührung zu kommen, die nicht nur feinen Vorstellungen williges Gehör schenkm, sondem vielleicht auch, begabt mit wärmeren Herzen, sich zur freundlichen Theilnahme für Hertha Jansm und deren Geschick bereden lassen würden. Während er schweigmd und überlegmd dastand, beob« achtete ihn der Mormone mit einer Schärfe, als ob er trotz der Dunkelheit, sei» Mienenspiel zu unterscheiden und in demselben zu lesm vermocht hätte. Verzeihung, Lieutmant," sagte plötzlich Rast, der über die Demüthrgung, welche, nach seiner Ansicht, Weatherton ,u Theil wurde, nur noch mit größter Mühe seinm auf- steigmden Zorn zurückhielt,„ich denke, ich kenne einen Aus- weg: sind unserer zwei gegen ihrer drei; schlage daher vor, die Sache abzuwickeln; machen sie uns dann zu Gefangmen, so müssen wir allerdings die Flagge streichen, wm» aber nicht, vann mögen sie suchen, so fchnell fort zu kommm, wie eS ihnen ihre zerfchlagmm Glieder erlaubm werdm." „Nein, Inn," entgegnete Weatherton freundlich.„Dein Vorschlag ,st nicht ausführbar. Wir haben kein Recht, auf eigene Hand Krieg zu beginnm; dagegen sind die Mormonen m ihrem vollen Recht, wenn sie in ihrer jetzigm Lage Aus- weis über jede fremde Person verlangm, die sich in ihrem Territorium betreffen läßt. Wir hegm keine feindlichm Ab- sichten, noch weniger sind wir Verbrecher oder Spione; ich welcher indessen die Tarisfrage noch nicht zur Entscheidung ge- kommen ist. Herr Eugen Richter hat sich mit Julius Stettenheim verbunden,— das ist die neueste Assoziirung auf dem Gebiete des Zeitunaswesens. Wie bekannt, beabsichtigt der Führer der deutsch'freifinniaen Partei vom I. Oktober ab eine neue Zeitung geben, welcher, wie jetzt der„Reichsfreund" be- hier irtiuu»guuvvvii, IVV1U,W, ,«,!(■ jtpt VW fcvuivv vv- richtet, die„Wespen" als Beilage beigegeben werden sollen. Herr Richter unv Herr Stettenheim find fich einander auch ganz würdig. Denn genau so wie der erstere keine Gelegenheit vorübergehen läßt, ohne fich in der gallsüchtigsten und ge» häsfigsten Weise über die deutsche Arbeiterbewegung zu äußern, so war es Herr Stettenheim, der im Jahre 1878, als in Folge der Proklamirung des kleinen Belagerungszustandes über Berhn 68 Arbeiter, darunter drei Viertel Familienväter, auf einmal ausgewiesen wurden, den traurigen Muth hatte, über die Aus» gewiesenen seine Glossen zu reißen und so zum Schaden noch seinen Svott und Hohn zu fügen. Selbst konservative Blätter vertheidigten die Maßregel da» mals nur unter Bedauern und unter dem Hinweis, daß fie durch die Sachlage zur„eisernen Notwendigkeit" geworden sei. Julius Etettenheim aber, der Republikaner von 1848 und jetzige Bundesgenosse des Herrn Eugen Richter, er höhnte die um ihrer Ueberzeugung willen aus ihrer Heimath Vertriebenen. Jene Maßregel, welche selbst den eingefleischte« sten Gegnern der Arbeiterbewegung einen Ausruf des Be- dauerns und der Ueberraschung auf sie Lippen zwang, stimmte Herrn Stettenheim zur äußersten Lustigkeit und in mehreren Nummern waren die Fritzsche und Konsorten die Zielscheibe seines schalen Witzes. Für die Berliner Arbeiter dürfte die Erinnerung an diese Thatsache genügen, um der neuesten Grün- dung des Herrn Richter die gebührende Würdigung angedeihen zu lassen. Zum Regenten von Braunschweia soll, verschiedenen Zeitungen zufolge, der Prinz Reuß in Ausficht genommen sein. Es scheint jedoch, als ob ein bestimmter Beschluß noch nicht gefaßt worden ist, denn man stteitct fich in den Tagesblättern noch um die Frage, ob der Prinz auch die Wählbarkeit befitzt. Afrikanisches. Der Plan, eine von Hamburg ausgehende regelmäßige Verbindung mit dem Kongo herzustellen, ist jetzt zur Wirklichkeit geworden, indem die„Castle Mail Packeis Company" nunmehr eine solche ins Leben gerufen hat. Die Schisse der Gesellschaft werden außer dem Kongo nach Ambriz, Loanda, Algoabai, East London, Natal und Telagoabai an- laufen. Als erstes Schiff der neuen Linie wird am 8. Septem» ber der 2811 Tons große Postdampfer„Dunrobin Castle" von Hamburg abgehen. — Einer Depesche aus Sansibar vom 18. d. M. zufolge ist dort gemeldet worden, daß Dr. Reichard, der einzige lieber- lebende der deutschen internationalen Forschungsexpcdition, in einem Kampfe mit den Eingeborenen von Ugogo getödtet wor» den sei. In ultramontanen Kreisen tritt von neuem das Ge- rücht auf, daß der Kultusminister mit der Absicht umgehe, dem Staatsministenum einen Gesetzentwurf über die Verwendung der auf Grund des sogenannten Sperrgesetzes inder Staatskasse angesammelten Fonds zu unterbreiten.— Es hat dieses Gerücht allerdings insofem ernige Wahrscheinlichkeit für sich, als das erwähnte Gesetz mit Ausnahme der Diözese Gne- sen-Posen überall außer Kraft gesetzt ist und kein Grund vor- liegt, die Verfügung über die angesammelten Fonds noch werter auszusetzen. Ueber die Ausweisungen russischer Polen berichtet die„Pos. Ztg.": In diesen Tagen haben zahlreiche(wie man hört, weit über 100) im Polizeibezirk der Stadt Posen woh- nende, aus Rusfisch-Polen oder Galizien stammende Personen, welche nicht preußische Staatsangehörige find, darunter viele selbstständige Gewerbetreibende und Personen, welche hier seit Jahrzehnten ansässig find und Familre haben, von der königl. Polizeidirektion die Aufforderung erhalten, spätestens bis zum 1. Oktober d I. die preußischen Lande zu verlassen, widrigen- falls die Zwangsausweisung erfolgen wird. — Mit welchem Eifer seitens der Behörden gegen die Polen bei der Ausweisung aus dem preußischen Staatsgebiet verfahren wird, illustrirt folgender Fall, welcher von dem „Dzienn. Pozn." wie folgt berichtet wird: Der Lic. Chotkowski, welcher früher unserer Stadt(Posen) und Provinz angehörte, gegenwärtig Dozent an der Universität zu Krakau und Mrtglied des österreichischen Reichsrathes ist, und fich seit einiger Zeit beim Grafen Leon Skorzewski-Lubo- stron aufhält, habe die amtliche Aufforderung erhalten, sofort Lubostron zu verlassen-, nachdem er jedoch dem Landrathe er« klärt, daß er abreisen werde, sobald die Universttätsferien zu Ende gehen oder er in den Reichsrath einberufen werde, wurde ihm der weitere Aufenthalt gestattet. Der„Goniec Wielk." schildert in düsteren Farben die ver» zweiflungsvolle Stimmung der von der Ausweisung Be- troffenen, und schlägt vor, das Posener Komitee für die AuS- gewiesenen möge eine allgemeine Gcneral-Versammlung be- rufen, die Kräfte verstärken und auf neue Mittel finncn, um sehe es daher für kein so großes Unglück an, einige Tage auf Fort lltah in Haft zuzubringen. Außerdem werden wir dort auch erfahren, wem wir uns eigentlich anvertrauten," fügte er mit bezeichnendem Ausdruck hinzu, indem er sich den Mormonen zuwendete.„Gentlemen, ich bin bereit. Euch zu folgen," sagte er dann mit ernster Würde,„und zwar nach Fort Utah; ich wünsche indessen, meinen Gefährten und meine geringen Habseligkeiten, die dort unten liegen, nebst meinen Pferden mit mir zu nehmen. Meine Waffen bleiben felbstverständlich in meinen Händen. Späterhin, wenn wir an Ort und Stelle angekommen sind und ich weiß, wem ich dieselben zu übergeben habe, werde ich mich in die Roth- wendigkeit und in die Lage eines Gefangenen fügen. Vor- her aber, Gentlemen. trennen sich dieselben nur mit meinem Leben von mir." m „Und mit dem meinen," fügte Jim Rast hinzu, indem er mit der Hand auf seinen Kutlaß schlug, daß er laut klirrte und der verwundete Utah, in der Meinung, der Kampf be- ginne von Neuem, scheu aus der Nähe des grimmigen Bootsmanns floh. „Es ist Euch Alles zugestanden, was einem Gentleman geziemt," sagte der Mormone höflich, vielleicht mehr mit schlauer Berechnung und weil er vor Weatherton'S Benehmen unwillkürlich Achtung empfand, als aus Neigung, einem Gentile überhaupt mit Höflichkeit zu begegnen.„Bis wir in Fort Utah eingetroffen sind, wo Anvere über Euch zu bestimmen haben, macht Ihr sowohl als Euer Gefährte nur Ansprüche auf den Namen und das Verhältniß unserer Be- gleiter. Ihr sollt sogar nicht einmal durch ausgestellte Wachen an den Zwang erinnert werden, welcher gewiß durch die gegenwärtige Lage der Mormonen gerechtfertigt wäre." Weatherton antwortete durch eine anerkennende stumme Verbeugung. Er fühlte, daß er sich einem den gebildeteren Ständen entsprossenen Manne gegenüber befand, und wußte nicht, follte er sich mehr über die Entsagung und Energie wundern, mit welcher derselbe die Rolle eines eingeborenen Kriegers übernommen hatte, oder über die Kraft und schlaue Berechnung, mit welcher er die ihm untergebene wilde Bande nach Willkür lenkte und bändigte. Dabei entging ihm aber, daß er ein großes Gewicht darauf legte, ihn scheinbar aus nicht allein die Ausgewiesenen über die Grenze zu schaffen, sondem auch die geschäftlichen Angelegenheiten derselben zu reguliren. Die Vertrauensmänner der„Deutsch-Freisinnigen" im Königreich Sachsen hielten am 16. d. in Dresden eine Versammlung ab, bei der es fich um die bevorstehenden sächfi- schen Landtagswahlen handelte. Man einigte fich dahin, über» all, wo einige AuSstcht auf Erfolg vorhanden sei, sclbstständig mit der Aufstellung von Kandidaten vorzugehen und sich auf Kompromisse mit anderen Parteien nicht einzulassen.(Der Be- schluß wird nicht lange vorhalten.) Die Konservativen und die Nationalliberalen haben fich schon für mehrere Bezirke über gemeinsame Kandidaturen geeinigt. AuS Meerane, 10. August, wird dem Gl.„Beobachter" geschrieben:„Die ungemein rührige Agitation der Sozial- oemokraten zu den bevorstehenden Landtagswahlen erpreßt den konservativen und nationalliberalen Mannesseelen gar manchen Stoßseufzer, der dann jedesmal in der reaktionären Tagespreffe sein Echo findet. Namentlich hat jüngst Herr Stolle aus Gesau bei Entfaltung seines bestimmten Wahlprogrammes, besonders über die Umgestaltung der Gemeindeverfaffungcn durch Lan- dcsaesctz, wonach künstig das Bürger- und Wahlrecht in drn Städten nicht mehr vom Steucrzensus abhängig sein soll, son- dern jeder Steuerzahler müsse stimm- nnd wahlberechtigt resp. Bürger werden können, tief ins Schwarze geschossen und die reaktionäre Gesellschaft in Unruhe gebracht." Mannheim, 20. August. Dem Vorstand des hiefigen Ortsverbands der„Vereinigung der Metallarbeiter Deutsch- lands" wurde gestern seitens des Großh. Bezirksamts eröffnet, daß genannte Vereinigung und in Folge dessen auch der hiesige „Fachoerein der Metallarbeiter" auf Grund des Sozialisten» gesetzes aufgelöst seien. Gleichzeitig wurde die Beschlagnahme der Geschäftsbücher und Papiere vollzogen. München, 20. August. ES wird jetzt bekannt, daß in der Frage der Sonntagsruhe auch Gutachten der Arbeiter ein- geholt werden. Die Art und Weise, wie das geschieht, läßt freilich sehr viel zu wünschen übrig. Die Herren Bezirks- inspektoren gehen, mit dem Fragebogen bewaffnet, in einzelne Werkstätten, nicht in alle, befragen dort einzelne Arbeiter, und tragen deren Antworten in die Listen ein. Was dabei heraus- kommen wird, ist leicht erstchttich. Aber die Scheu, sich an die bestehenden Fachoereine zu wenden, scheint größer zu sein, als die Furcht, zu einem unrichtigen Resultate zu gelangen. Warum man da nicht lieber das Beispiel von Fürth befolgt, daS fich die Sache ebenso leicht als praktisch eingerichtet hat, indem es jedem, ob Arbeiter ob Unternehmer, der die Fragen beantworten will, einen Antwortbogen zur Verfügung stellt, bleibt schwer ersichtlich. Der Erlast des Frankfurter Polizeipräsidiums an die Polizeibeamten wird von der„Franks. Ztg." folgendermaßen besprochen: „Faßt man die Vorgänge auf dem Friedhof, wie fie jetzt aktenmäßig feststehen, ins Auge, so erhellt alsbald, daß die Polizei alle diese Vorschriften, die ihr bekannt sein mußten, außer Acht gelassen und einen Theil derselben gröblichst verletzt hat. Denn 1. wurde die Menge des Trauergefolges nicht in ange« messener Form auf die bezüglichen Gesetze und die Folgen etwaigen Zuwiderhandelns gegen dieselben aufmerksam ge- macht; 2. wurden bei der dreimaligen Aufforderung, die Grab- stätte zu verlassen, weder die entsprechenden Pausen gemacht, noch blieb der Menge nach dem dritten Appell irgendwelche Zeit, fich zu entfernen; 3. die weitere Aufforderung mit der Androhung unmittel- barer Anwendung der Waffe unterblieb ganz, dem dreimaligen, in schnellem Tempo gegebenen Befehl, den Ort zu verlassen, folgte sofort das Kommando zum Einbauen; 4. die Polizei gebrauchte oie Waffe unterschiedlos gegen alle Theilnehmer, nicht etwa nur gegen solche, die fie als schul- dige ansah, fie erfolgte auch nicht bis zur Bezwingung deS Widerstandes, denn von einem solchen, namentlich in dem Sinne, daß Waffengewalt nothwendig gewesen wäre, um ihn zu bewältigen, konnte in dem vorliegenden Falle gar nicht die Rede sein; 5. Es ist nicht der mindeste Versuch gemacht worden, vor Anwendung der Waffe die Festnahme der Schuldigen zu be- wirken. 6. Die Polizei hat fich keineswegs zunächst angelegen sein lassen, die Menge durch Fortdrängen, Aufhalten u. s. w. aus- einander zu treiben, sondern sofort mit der Waffe operirt, fie hat fich aber auch, wie namentlich die Szenen am Portal be- wiesen, Mißhandlungen und Schläge erlaubt, sogar gegen Per- sonen, die dem Befehl, Grabstätte und Kirchhof zu verlassen, ohne jede Renitenz nachzukommen bemüht waren. Diese Zusammenstellung genügt wohl, um darzuthun, auf welche Seite die volle Schuld an dem beklagenswcrthen Ereig- niß fällt. Der Polizeipräsident hätte demnach genügende Ver- anlassung gehabt, gegen den Kommiffarius Meyer, wie es in dem Tagesbefehl heißt,„wegen ungerechtfertigter Gewaltsamkeit mit aller Strenge der Disziplin einzuschreiten" und würde das seinen eigenen Wunsch nach Fort Utah zu bringen; noch weniger ahnte er, daß man ihm schließlich dennoch nicht gestattet haben würde, sich zu den Vereinigte Staaten-Truppen hinüber zu begeben. Lagen doch die triftigsten Gründe vor, nicht ruchbar werden zu lassen, daß die Banden der Ein- geborenen, welche die feindlichen Lager umschwärmten und die noch unterwegs befindlichen ProvisionSkaravanen be- unruhigten, abschnitten, überfielen und sogar verbrannten, von verkleideten Mormonen geführt wurden. DaS Anerbieten, die Nacht noch in seinem verborgenen Lager in dem Felsenkessel zuzubringen, schlug Weatherton auS. Dagegen erklärte er sich bereit, da das Niedersteigen für die mit der Oertlichkeit nicht vertrauten Mormonen zu gefährlich sei, sie nach der Schlucht, in welcher die Pferde weideten, zu begleiten. Er durfte in Folge dessen hoffen, daß Falk unentdeckt bleiben würde. Ein zufälliges Ver- rathen war aber nicht denkbar, weil John einestheils bei seiner Ankunft Rast sowohl, wie den Maler auf alle Fälle vorberettet, anderntheilS, weil er, nachdem das Versteck von den die Mormonen begleitenden Utah« ausgekundschaftet wor- den war, die weiteren Verabredungen mit ihm selbst ge- troffen hatte. Rast mußte daher noch einmal in den Kessel nieder- steigen, und nachdem er zuerst die Lasso'S heraufgebracht und diese dann zusammengeknüpft hatte, ging man an'S Werk, Alles, was Weatherton zugehörte, wie aus einem Brunnen heraufzuwinden. Als die letzte Ladung sich oben befand und Rast, noch keuchend von der Arbeit, sich von der Tanne nach der Felsen» mauer hinüberschwang, traf eine Abtheilung der Utahs ein, welche dem Schwarzen Biber in die Schlucht nachgefolgt waren. Durch die Nachricht der von dem Bootsmann an- gegriffenen flüchtigen Utah« war man dort in Besorgniß über daS Geschick der drei abwesenden Mormonen versetzt worden, und hatte deshalb Kundschafter ausgesendet, um nach denselben zu forschen. Dieselben erschienen gerade zur rechten Zeit, um sich mit Weatherton'S Sachen beladen und die Uebersiedelung er- leichtern zu können, und schon nach wenigen Minuten be- auch sicherlich, wie ja schon die Suspension des Genannten vom Amte beweist, in vollem Maße gethan haben, wenn er der Anficht gewesen wäre, daß demselben lediglich ein disz>M nares Vergehen zur Last falle. Wenn er weu» gegangen und die Sache zunächst dem Untersuchung lichter übergeben hat, so erhellt daraus, daß er nntf als eine Verletzung der Disziplinarvorschriften, daß" eine Strafthat als vorhanden annahm, deren Beurtheilung M eventuelle Ahndung dem ordentlichen Richter obliegt. � öffentliche Meinung und besonders die Presse, soweit sie unat- hängig von irgend welchen Rücksichten und lediglich auf Grun» des Thatbestandes die Vorgänge zum Gegenstand der«nn gemacht haben, können aus dem vorliegenden Tagesbefehl mu Genugthuung ersehen, daß fie ihre Schuldigkeit gethan un« wesentlich da,u beigetragen haben, daß in Zukunft ähnli« Ausschreitungen der Polizeigewalt unterbleiben werden. werden aber auch keinen Anstand nehmen, wie die Bürger>» ihren Rechten, so, wenn es nothwendig fein follte, die Polizei' gewalt in der legitimen Ausübung ihres Berufs, den Gesetzen des Landes Achtung zu verschaffen, nach Kräften'zu stützen un? zu schützen. Nur wo ein solches wechselseitiges Verhältmß od> waltet— und wir dürfen sagen, daß es viele Jahre I°n» hier in Frankfurt bestanden hat— find die Garantien für � Haltung der staatlichen Ordnung und des inneren Frieden« vorhanden. Darum begrüßen wir den Tagesbefehl des Po»' zeipräfidiums, der im Namen der Polizeigewalt solche Gawn' tien gewährt, als einen bedeutenden Akt jener Gesetzlichw» deren Pflicht es ist, die Machtbefugnisse des Staates wie W Rechte der Bürger in gleich sorglicher Weise zu wahren.' Oesterreich-Ungarn. Eine Zusammenkunft der Kaiser von Rußland und Lestw reich soll in diesen Tagen in Kremster stattfinden. Von r# jcher Seite werden für diese Zusammenkunft sehr umfassen� Vorbereitungen gettoffen. Wie nämlich aus Krakau vom i* gemeldet wird, ist seit fünf Tagen rusfischerfeits die gaB Schienenstrecke bis Rtaczki-Granica alle 50 Schritte durch W3 Soldaten besetzt. Schweiz.. Das Bezirksgerichts in Zürich hat in Erwägung,� dah«!( Heilsarmee den Charakter einer Religionsgesellschaft träu-.„ Verfügung der Polizeibehörde, durch welche der Heilsan»» eine Geldstrafe auferlegt und ihre Bücher konfiszirt sind, gehoben. Die Anordnungen der Regierung behufs Beschl�" kung der Agitation der Heilsarmee werden dadurch nicht w rührt. Frankreich. ,, Bekanntlich haben die zahlreichen sozialistischen GruPP und Vereine des Seine-Departements schon vor einigen Woa? dem Zenttal-Komitee ihre Listen gesandt, auf welchen fie N. künftigen Kammer-Kandidaten zu verzeichnen hatten.®CW' ist aus diesen von etwa 75 Gruppen eingesandten Listen Aufzählung gemacht worden. Während 38 Kandidaten aM stellen find, hat man hier fürs erste, um so wenig Leute möglich zu verletzen, 118 Kandidaturen in Erwägung gezoiK| An der Spitze der Gesammtliste steht Maret, Ehefrcdakteur®l; „Radical", mit 70 Stimmen. Nach ihm kommen MM?} f räfident des Gemeinderaths von Paris, und Roque beFmr! lemenceau bekommt erst den vierten Platz mit 66 Stimm� 1 Rochefort hat 44, Pelletan 22 erhalten. Es figuriren auf Gefammtlifte 24 jetzige Deputirte, 13 Gemeinderäche, 13,?. beiterkandidaten. Dem offiziösen„Temps" jagt diese Liste wahren Schrecken ein; er fordert die gemäßigten RepublikaP? d. h. die Opportunisten, auf, ebenso thätig zu sein, wie Radikalen, wenn fie nicht Paris ganz verlieren wollen., — Die Ausweisung des ftühcren ftanzöfischen di#?. tischen Agenten G. Rothan aus den Reickslanden, w'w ö Frankreich sehr übel vermerkt.„Rsp. ftanc." fchreibt: Ä Rothan hatte nichts gemein mit der Patriotenliga. Die% Weisung ist daher nur ein Kommentar zum Artikel der Allg. Ztg." Fürst Bismarck ist vielleicht weniger unzustN? als er scheinen will. Man klagt unaufhörlich in Berlin daw?) daß Frankreich seine Niederlage nicht vergessen könne, läßt J? dort keine Gelegenheit vorübergehen, die traurigsten@rif ungen wachzurufen. Die Ausweisung Rothan's wird d>e„ vilifirte Welt daran erinnern, daß die größte Militärn?? nachdem sie 15 Jahre im entwaffneten, isolrrtm Elsaß kaiM?. es nicht erobern konnte."„National" und„Evenement � langen Ausweisung aller deutschen Korrespondenten, M Frankreich verleumdet hätten." J — Dem den Leichnam deS Admirals Courbet trage?,., Kriegsschiff„Bayard" wurde wegen Cholerafällen an Bor®; Einfahrt in Toulon verweigert und dasselbe unter Beodaär gestellt. Türkei. Ein seltsamer Konflikt ist durch die Geldgier der hcvorgerufen worden. Etwas nördlich von Rhodos Ii«! Insel Etzmi an dem gleichnamigen Golfe. Symi ha- 14000 Einwohner, welche eine ertragsreiche Schwammm?.� betreiben. Die Regierung verlangt nun, daß für ein i«®*„rf kleinen Boote, welche der Echwammfischerci dienen, cinc� wegte sich die ganze Gesellschaft auf dem beschwerliche® hinvernißreichen Wege abwärts. Weatherton, Rast und die drei Mormonen besch�? den Zug. Alle waren schweigsam. Letztere sprachen®�. aus Auchtung vor des jungen Offiziers Gefühle»; dieser. gegen war versunken in Betrachtungen über die sel'I � Lage, in welche er, wie eS ihm jetzt schien, einem$9®"; nachjagend, sich blindlings gestürzt hatte. Und dennoch � es kein Phantom; denn schwebte nicht Hertha Jansen s«', Geiste so deutlich in ihrer bezaubernden Anmuth vor,®®L sie wirklich von Angesicht zu Angesicht vor sich% wähnte? Und befand er sich nicht auf dem Wege nach Utah, wo er voraussichtlich aus die eine oder die ander« mit ihr zusammentreffen mußte? Die in Aussicht stehende kurze Gefangenschast vev daher da? Widerwärtige für ihn; eS schien ihm sogar,_ habe das Geschick fteundlich in seine Pläne eingreife« die Ausführung seiner noch in unbestimmte Formen g« deten Absichten erleichtern wollen., Zuletzt hatte er sich so sehr in seinen Jdeengang tieft, daß er seine Umgebung und die augenblicklich« � fast ganz vergaß, und gleichsam mechanisch folgte«r r dunkeln Gestalten der vor ihm hinschreitenden 3®® welche die Richtung deS gangbarsten Weges bezeichnest; Er erschrak fast, als er sich bei einer kurzen der Schlucht einem hellflackernden Feuer gegenüber®L� um welches sich noch gegen dreißig Utahs in weitem gelagert hatten, die mit einem Ausdruck hämischer(W und gespannter Neugier ihre finsteren, unheimlichen auf ihn richteten. m. Langsam und ruhig wanderten seine Augen$ wilde Bande. Es waren lauter kleine, aber stalten, die außer ihren gräßlichen, ungekünstelten M® nur wenig Kleidungsstücke aufzuweisen hatten. Auf der gegenüberliegenden Seite des Feuers erbl( die Delaware» in vertraulichem Gespräch mit vier neb«® sitzenden, im vollen indianischen Kostüm prangenden M Letztere hatten ihre Züge ebenfalls durch rothe u®®. Farbe bis zur Unkenntlichkett entstellt, doch nicht 3®® ®kuet von 10 Pfund türkisch bezahlt werde. Durch diesen willkürlichen Akt der Regierung werden alle Privilegien der vWwten verletzt und dieselben widersetzen fich daher der Zahlung der Steuer. Der eigentliche Urheber der Maßregel soll wegen seines ChristenhasseS bekannte Gouverneur von Rhodos llilamel Ney sein und die Pforte ist thöricht genug gewesen, auf Innen Antrieb vier Kriegsschiffe abzusenden, um die Einwohner zur Zahlung der Steuern zu zwingen. Seit vierzehn Tagen bloknen diese türkischen Kriegsschiffe die Insel und die Ein- wvhner derselben haben fich in ihrer Rot!) durch einen Aus- iwuß an die Mächte, insbesondere an den britischen Botschafter »? 5°listantinopel um Hilfe gewandt. Am Sonntag hat der «uSschuß auch den griechischen Ministerpräfidenten aufgefordert, ven Symioten beizustehen, worauf Herr Delyannis erwiderte, M die hellenische Regierung Schritte thun wolle, damit die �wkade wieder aufgehoben werde. In Folge derselben sollen w Einwohner der kleinen Insel bereits einer Hungersnoth ausgesetzt sein. Grotzbrita«»ie«. Zwischen den Führern der Jrländer Mr. Davitt und �ar. Parnell bestehen schon seit längerer Zeit Differenzen, über deren Natur fich die„TimeS" folgendermaßen äußern:„Mr. »apitt hat andere Ziele, die mit denen des gegenwänigen o uhrers der Nationalliga(Parnell) im Zwiespalt stehen, aber diese haben mehr mit sich darbietenden Gelegenheiten, als mit der Politik zu thun. Er wünscht unverzügliche Agitation zur Herstellung gesetzgeberischer Unabhängigkeit, eine neue Wanisation, eine hierarchische Verfassung zur Förderung der mschen Industrie, eine Bewegung zur Wiederbelebung der uischen Sprache und Literatur, sowie zur Verbreitung einer «chnischen Erziehung unter dem Volke. Die Liga billigt alle dwse Dinge, aber fie geht dabei mit mehr Methode und Kall- vlütlgkeit zu Werke. Mr. Pamell zieht es vor, einen Schritt Zur Zeit zu thun und seine Stärke auf genau prakttsche Ziele zu konzentriren. Er ist zufrieden, andere Dinge in Ruhe zu Men, bis er eine lokale Regierung nach seinem eigenen Muster dtt. Er ist kaltblütiger, scharffichtiger und geduldiger, als Wr. Davitt, der es wahrscheinlich schwierig finden wird, wgend einen beträchtlichen Theil seiner Landsleute von der Ueberlegenheit seiner eigenen Taktik zu überzeugen."— fJ« Lobgesang auf Parnell wird wohl nicht so ganz zutreffend sM: thatsächlich ist Mr. Davitt bei seinen Landsleuten sehr beliebt und unter dem„gewöhnlichen" Volk ist sein Einfluß 8r%r, als der Parnell's. „,— Fn dem Wahlkreise Chelsea, den der EMinifter Dilke ?ettritt, fand eine allgemeine Wählerversammlung statt, um zu derathen, ob ihr Vertreter noch fernerhin würdig sei, im Unter- ?duse zu fitzen. Gegen Dille find bekanntlich verschiedene An- Iwuldigungen laut geworden, namentlich soll er mit der Frau rrnes Gelehrten ein unerlaubtes Verhältniß gehabt haben, das dicht ohne Folgen blieb. Dilke hatte es den"Wählern anheim> über die Anschuldigungen zu entscheiden. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß die Wählerschaft es ablehne, sich mit dm Beschuldigungen zu beschäftigen. Mithin wird Herr Dilke dach wie vor Vertreter von Chelsea bleiben. Afrika. a. In dem französischen Algier ist es auf Anstiftung einer j?ande.......'"" �>eder mit den Juden! Tod den Juden!" eine Bande von Zirolchen, Besoffenen und Besessenen auf friedliche französische Bürger, deren einziges Verbrechen ist, Israeliten zu sein, und VvO jnuil-t» VWI» VMIV««» lv*f* Mnne, die Ordnung wieder herzustellen und dre sehr �drohte Existenz der Israeliten zu retten. Man glaubte, 03 es damit adgethan sei, allein jetzt geht es ärger, i�.je wieder los. Hoffen wir, daß Maßregeln gettoffen Mven, um diesen aehässtgen, wilden und blöden Molgungen, die eine Schmach für ein Land find, wenn es w? nicht zu unterdrücken weiß, ein für alle mal ein Ende zu �chen."— Angesichts dieser Thatsachen ist eine Delegation ."»irr israelischen Notabeln auS Algier in Paris eingettoffen, f1" bei der Regierung zu interveniren. Der KonseilSpräfident �'dieselben empfangen und ihnen versprochen, ihren gerechten Leerungen Genuglhuung zu verschaffen, unter gleichzeitiger Zusicherung, daß, wenn diese grausame Verfolgung fortdaure, % strengsten Maßregeln dagegen ergriffen werden würden.— --In der That,- so meint oas Journal„PanS—wenn % im„Athbar" die Erzählung der gegen franzöfische Bürger /[üblen Gewaltthätigkeiten, einzig weil fie Juden find, liest, °° ttagt man fich. ob fich Solches in einer franzöfischen Be- ützung zuträgt und ob wir uns im Jahre 1885 befinden. Affen. Aus Kalkutta wird den„Times" unterm 17. d. gemeldet: �»erlautet, der Sohn des Emirs von Afghanistan werde /n Befehl über die Garnison von herat, die auS 12 000 Mann �tppen aller Waffengattungen bestehen wird, übernehmen. �dadurch ihre europäische Abstammung vollständig zu ver- um. o Weatherton schaute sich nach seinen Begleitern <>we, derselben standen dicht hinter ihm; der dritte dagegen, M zwar der Wortführer, hatte sich abgewendet, um, wie Weatherton aus seinen Bewegungen errieth, die Farbe von .„c-— sein Gefangener....—----- r>—---- □- �°e Jemand, der in seinem Benehmen und der offenbarten enkungSwcise einen hochgebildeten Mann bekundete, so �urde« sich wenig um den Eindruck gekümmert haben, "chen seine äußere Erscheinung voraussichtlich bei ihm her» �Nufen mußte. Weatherton lächelte, als er die Absicht des Mormonen Kannte, war aber höflich genug, sich zu stellen, als habe er Mtz bemerkt. Ohne sich durch die auf ihn genchteten firf! t" irgend einer Weise beeinfluffen zu laffen, begab er 1/ iu den Delawaren hinüber, um dieselbe« zu begrüßen, 2* fast wäre er zweifelhaft an ihrer Aufnchtigkeit ge- n�den, als dieselben ihn kaum beachteten und seinen freund- diptm®ru6 mit kalter Geberde erwiderten. Erst später, als uw 7/t>rmonen und die meisten Indianer sich zur Nachtruhe to» F«uer herum hingestreckt hatten, und auch Weather« b..„begriff war, sich auf da« von Rast auf's sorgsamste Gel. �ger zu verfügen, fand der Schwarze Biber ibn/��t, einen vielsagenden, aufmunternden Blick mit van wechseln. Es war die einzige Mittheilung, welche er sv.-� Delawaren erhielt, allein die glänzendsten Ver- auf f treuer Anhänglichkeit hätte« nicht beruhigender wa». Gemüth wirken, nicht schneller die in ihm er- chenden Zweifel verscheuchen können.— »uk v folgenden Morgen schon in aller Frühe brach man de» lurz war der Gruß, welchen die Mormonen mit f.: iuftickbleibenden Delawaren austauschten. Man hatte Nock �?such gemacht, dieselben zur Mitreise zu veranlaffen, T�stuger wagte man ihnen mit irgend welchem Zwange Mit � Mormonen hegten eine heimliche Scheu, sich Beiü i äu verfeinden, und wenn sie auch nicht auf ihren imnd gegen die Vereinigten Staaten hoffen durften, so Die Befestigung der Stadt macht rasche Fortschritte, 3000 Arbeiter find bei derselben beschäftigt, und da alle Berichte darauf schließen lassen, daß ein russischer Angriff das Signal für die benachbarten Stämme sein würde, fich um die Fahne des Emirs zu schaaren, so dürfte General Komaroff, wenn er einen Angriff auf Herat im Schilde führt, deffen Einnahme nicht leicht finden. Anstralien. Heber Goldfunde in Neu-Guinea wird der JDaily News", wie sie in ihrer Nummer vom 18. schreibt, aus Melbourne das Folgende berichtet: Großes Aufsehen hat zu Melbourne und Sydney die Ausstellung sehr schwerer Stücke Goldes gemacht, seitens eines Mannes Namens Kerry, der behauptet, fie in Neu-Guinea gefunden zu haben. Eine größere Gesellschaft ist in Melbourne gegründet worden, um eine Expedition aus die Fundstätte zu schicken, in der Abficht, das angegebene Goldfeld auszubeuten. Alle Attien wurden an einem Tage genommen. In Sydney war eine Erpedition unter Brigadier- General Nelving im Begriff, nach Neu-Guinea zu fahren. Das Gold wurde, wie behauptet wurde, nächst dem Felde gefunden, wo die Expedition der königlich großbritannischen geographischen Gesellschaft unter H. O. Forbes landen wird.— Das Goldfieber ist also wieder im Gange, die Aktiengesellschaften werden ihre Papiere reißend los, einige Schwindler heimsen Millionen ein und die übrigen find angeführt. Amerika. Der unter dem Namen„Die Ritter der Arbeit" bekannte Arbeiterverband in den Vereinigten Staaten, hat einen allge- meinen Streik im Bereiche des Wabash-Eisenbahnnctzes, west- lich vom Misfisfippi angeordnet und zwar in Folge von Diffe- renzen zwischen den Bediensteten und den Direktoren der Eisen- bahn-Gesellschast. Eine große Menge von„Rittem der Arbeit" find bei der Wabash-Eisenbahn angestellt.— Die marodiren- den Apache-Jnvianer in Arizona find von den Truppen gänz- lich aufs Haupt geschlagen worden und ihre Ausschreitungen haben aufgehört. Lieutenant Day nahm mit einer Abtheilung Kavallerie am 12. August Geronimo's Lager ein, wobei mehrere Indianer getödtet wurden. Geronimo wurde verwundet, aber entkam mit nur zwei Kriegern. — Nach einem Telegramm der„Times" aus Philadelphia ist der kanadische Indianer- Häuptling Poundmater wegen seiner Theilnahme an der Rebellion Riels zu drei Jahren Gefängniß vemrtheilt worden. — Telegramme aus Guatemala melden, daß die Regierung der Republik infolge der ausnahmsweisen Ausgaben, welche der letzte Krieg verursachte, die Zahlung der Zinsen der ausländischen und internen Schuld für das am 1. August er. beginnende Jahr eingestellt habe. Somit hätte fich die voll- reichste und wohlhabendste unter den Republiken von Zenttal- Amerika in aller Form bankerott erklärt. Die Staatsschuld Guatemala's belief fich am 31. Dezember 1883 auf etwas über 6 Millionen Dollars, wovon nahe an 4 Millionen auf die äußere Schuld entfielen. Der jüngste Krieg war bekanntlich im letzten Frühjahr durch den damailigen Präsidenten von Guate« mala, den ehrgeizigen Rufino Barrios, veranlaßt worden, welcher die fünf Staaten Zcntralamerika's zu einer einzigen zentralamerikanischen Republik verschmelzen wollte. Dieser Plan begegnete jedoch seitens der übrigen Staaten dem hefttgsten Widerstände und führte zu einer Koalition derselben gegen Guatemala. Barrios fiel in der Schlacht von Chalchuapa an der Spitze seiner Truppen, und damit hatte der kaum be- gonnene Krieg bereits wieder sein Ende erreicht. — Eine Depesche aus Lima(Peru) meldet, die Regierungstruppen, welche Canta besetzt hielten, seien am 15. d. M. von Aufständischen(unter General Caceres) überfallen und ae- schlagen worden, der peruanische General Bustamente habe sich durch einen Revolverschuß getödtet, als er gesehen, daß das Gefecht verloren sei._' 7- Kommunales. Die Eintheilung der Kommunal-Wahlbezirke der 3. Wähler-Abtheilung. 3. Kommunal- Wehlbezirk. Zu diesem Wahlbezirk gehören außer de« in unserer Nummer vom Donnerstag, den 20. August, bereits angegebenen Stadtbezirken 1—15 noch die Stadtbezirke 18—20. Stadtbezirk 18: Taubenstr. 1—11 und 37—54, Mohrenstraße 6—16 und 51—64, Kronenstr. 1—13 und 61—76, Kanonierstr. 1—6 und 40—45, Mauerstr. 8—21 und 61—79, Krausenstr. 1—3 und 72—77, Leipzigerstr. 19 bis 26 und 104-112. Stadtbezirk 19: Franzöfischestr. 1—19 und 50—68, Jäger- straße 1—16 und 63—76, Kanonierstr. 7—20 und 22 bis 39, Mauerstr. 22—31 und 34—51. -----.......■ 126-139, Wilhelmstr. 57 brs 18 und lid— id/, ver ztetpziger-Platz, ver WUycims- Platz, die Kaiserhofstraße, Mohrcnstrajü 1—5, 65 und 66(mit Einschluß des Ziethen-Platzes), Mauerstr. 52— 60. genügte eS ihnen schon, wenn diese verwegenen und listigen Jäger neuttal blieben und ihre oft unschätzbaren Führer- dienste nicht ihren Feinden anboten.— Die letzten Nachzügler der Bande des Utahs waren kaum zwischen den nächsten Felsenhügeln und Schluchten verschwunden, da schritten Sikitomaker und John langsam zu dem Felsenkessel hinauf. Sie ttafen Falk besorgnißvoll m der Tanne sitzend und trübe nach der Richtung hinüberschauend, in welcher der Freund ihm entführt worden war. „Ich hätte ihn nicht verlassen sollen," tief er den sich nähernden Delawaren vorwurfsvoll zu.„Ich fürchte, e« ist keine edle Rolle, welche ich übernommen habe." „Rolle?" antwortete der Schwarze Biber, die Achseln mitleidig zuckend,„weis, nicht, was Ihr meint. Denke, Ihr sollt lachen, daß Ihr noch frei seid, wie der Habicht, der dort»ben den schmelzenden Schnee auf den Bergen um- kreist. Besser zwei gefangen, als drei. Traue den Mormonen nicht weiter, wie ich sie sehe; können immerhin auf den Ge- danken kommen, Euern Freund und den Salzwassermann als Spione zu erschießen." „Gerade deshalb, Delaware, hätte ich nicht von ihrer Seite weichen sollen," versetzte Falk, den des Indianer« Worte mit Schrecken erfüllten. „Merkwürdige Ansichten," erwiderte der Schwarze Biber, und auf seinem gelblich-braunen Gesicht spiegelte fich die spöttische Verwunderung, die er empfand.„Scheint, Ihr wollt lieber mit erschossen werden, als noch länger Bilder mit Eurer Zauberhand schaffen. Nein, nein, es ist besser so; zwei Delawarenjäger vermögen viel, zwei Delawaren- jäger und eine weiße Zauberhand aber noch mehr. Ihr müßt helfen, Euren Freund befreien, und frei soll der Ge- fährte deS Schwarzen Bibers, der mit ihm vor demselben Feuer aß und schlief, werden, und müßte ich Fort Utah an allen vier Enden anzünden und die ganze amerikanische Armee mitten in die heilige Salzseestadt führen. Aber steigt bcrunter. Mann, und macht uns Platz; unsere Pferde müssen ruhen und wir auch; dort unten ist es besser, als hier � So sprechend, zog er an dem ihm von Falk zuge- 28. Kommunal-Wahlbezirk. Stadtbezirk 182: Elisabethstr. 2—64, Waßmannstraße 2—6 und 9— 9a, Kleine Frankfurterstraße 10, 11 und 14—19, Stadtbezirk 183; Landsbergerstraße 20—34 und 89—100, Landwehrstr. 1 und 44, Gollnowstraße 8—35, die Mehnerstraße, Weinstr. 20—21, ver Büschingvlatz, Büsching- strahe 17, Pallisadenstraße 104—106, Waßmannstr. 1, Weberstraße 37, Fliederstraße 2—16, Kleine Frankfurter« straße 12. Stadtbezirk 196: Gollnowstr. 2—7 und 36—42, Georgen« kuchstr. 1b, la, 1 und 2—51, Katharienenstr. 5—7, Georgenkirch-Platz 15, 18 und 19, Lietzmannstr. 2— 6a und i2b— 14. Stadtbezirk 197: Landsbergerstr. 35—59 und 68—88, Landwehrstr. 2—43, Katharinenstr. 1—4 und 8—12, Kurze« straße 20, Kleine Frankfurtcrstr. 13, Lietzmannstr. 7— 12a, Georgenkirch-Platz 1—14. Stadtbezirk 198: Neue Königstr. 20-43 und 50-75, Alte Schützenstr. 1 und 2, Georgenkirch- Platz 20—32, Linienftraße 250, Lietzmannstt. 1 und 14a, Wadzeck- straße 9—14. Stadtbezirk 199; Linienstr. 1-12 und 240-249, Keibelstr. 1 und 43—44, Prenzlauerstr. 1—5 und 57— 62, Prenzlauer Allee 1, Friedenstt. 97—106, Lothringerstr. III und 112. Stadtbezirk 200: Prenzlauerstt. 6—30 und 33—56, Alte Schützenstr. 3—7, Keibelstt. 2—42, Wadzeckstr. 1—8 und 15—23, Hirtenstr. 1, 2, 20 und 21. 32. Kommunal-Wahlbezirk. Stadtbezirk 218: Prenzlauer Allee 2—16 und 241—249, Lothringerstr. 1—12, Eaarbrückerstr. 1—9 und 26—35. Stadtbezirk 219: Die Metzerstraße, Weißenburgerstr. 2—7, Straßburgerstr. 22, 23, 36 und 37, Prenzlauer Allee 239 und 240. Stadtbezirk 220; Straßburgerstr. 1—21 und 38—60, Weißenburgerstr. 1, Eaarbrückerstr. 10—25, Schönhauser- Allee 1— 11 und 177—188, Lothringerstr. 13—22, Fehrbelliner- str. 1 und 2, Lottumstr. 29. Stadtbezirk 221: Fehrbellincrste. 3—9 und 94—100, Lottumstr. 1—28, die Angermünderstraße, Lothringerstr. 23 bis 27, Christinenstt. 1—13 und 31—39, Chormerstt. 2—3. Stadtbezirk 222: Schönhauser-Allce 173—176, Templinerstr. 1 bis 13 und 15—19, Zionskirchstt. 26—31, Christinenstr. 14-30, Schwedterstr. 1-19 und 255- 268. Stadtbezirk 223: Chorinerstr. 15—19 und 66—71, Schwedter- straße 20—28 und 245a— 254a, Kastanien-Allee 37—48 und 61—69. Stadtbezirk 224: Zionskirch-Platz 4, Zionskirchstr. 12—19 und 38—45, Kastanien-Allee 49—60, Fehrbcllinerstr. 17—24 und 63—83. Stadtbezirk 225: Chorinerstr. 4—14 und 71a— 86, ZionSkirch- straße 20—25 und 32—37, Fehrbellinerstr. 10—16 und 84—93, Templinerstr. 14. 34. Kommunal-Wahlbezirk. Stadtbezirk 228: Brunncnstr. 23—31 und 122— 129b, Vetera- nenstt. 3—15 und 17—28, Jnvalidenstr. 1 und la. Stadtbezirk 257: Jnvalidenstr. 2-5 und 148-163, Ackerstr. 27—36 und 143, die Elisabethkirchstraße, Anklamerstr. 1—9 und 49—60, Strelitzerstr. 1—8 und 68—74, Bergstraße 31. Stadtbezirk 258; Strelitzerstr. 9-29 und 48—67, Bemauer- straße 14—24 und 84—93, Rheinsbergerstr. 1 und 79. Etadtbezirr 259: Bernaucrstr. 1— 13a und 94—109, Strelitzerstr. 30—36 und 39—47, Husfitenstraße von Bernauerstraße bis Stralsundersttaße. Stadtbezirk 265: Gartenstr. 36—58 und 96—144, Feldstt. 1 bis 9, Bergstr. 34-43. Stadtbezirk 266: Ackerstr. 45-70 und 117-142. Stadtbezirk 267; Bernaucrstr. 110—121 und Südostseite von Ackerstraße bis Bergstraße, Ackerstr. 37—44 und Südwestseite von Jnvalidenstraße bis Bernauerstraßc, Bergstr. 32, 33 und 44-62. 38. Kommunal-Wahlbezirk. Stadtbezirk 270: Borfigstr. 1—27, Schlegelstr. 14 und 15, Tieckstr. 14— 27. Stadtbezirk 271: Chauffeestr. 1—8 und 116—122, Kommunikation am Neuen Thor, nördliche Seite von der Frie- drichsttaße bis zur Panke, Tieckstr. 1—13 und 28—41, Elsafferstr. 31—40, Borfigstraße von der Tieck- straßc bis Elafferstraße westliche Seite(Borfig'sches Grundstück), Eichendorffstr. 1—6 und 16—22, Schlegelstraße 1— 13a und 16-29. Stadtbezirk 272: Chauffeestr. 9—27 und 94—115, Jnvalidenstraße 24-36 und 111-128, Eichendorffstt. 7-15. Stadtbezirk 273: Scharnhorststr. 1—10 und 32—41, Jnva- lidenhaus und Augusta Hospital, Jnvalidenstr. 37—49 und 84-110, Platz am Neuen Thor. Stadtbezirk 274: Chauffeestr. 28—56 und 82—93, Kessel» straße 1—43. Stadtbezirk 275: Scharnhorststr. 11—31, die Kielerstraße, die Boyenstraße mit Ausnahme des Hauses Nr. 46. worfenen Strick die schwanke Baumkrone nach sich, und bald daraus hatten sich die drei Gefährten zum gemeinschaft» lichen Mahl und zur Berathung vor der kleinen Hütte ver» einigt._ In der Gefangenschaft. Vierzehn Tage waren seit Weatherton's Gefangennahme verstrichen, vierzehn Tage, von welchen er schon zehn in Fort Utah in strenger Haft zugebracht hatte. Ueber die Behandlung fand er im Allgemeinen keinen Grund zu klagen. ES war ihm ein sauberes Gemach in einem festen Blockhause eingeräumt worden, in welchem er sogar be- ständig die Gesellschaft des alten getreuen Rast genoß. Auch wurde ihm an Speisen das Beste verabreicht, was überhaupt dort aufgetrieben werden konnte; doch trugen der» gleichen Rücksichten wenig dazu bei, feine Mißstimmung zu verscheuchen. Er war und blieb Gefangener im vollsten Sinne des Wortes, ein Gefangener, der nicht nur während der Nacht auf das strengste bewacht wurde, sondern der auch am Tage den ihm angewiesenen Raum nicht nach Willkür verlassen und nur zu gewissen Stunden sich in der Begleitung einer mit Büchse und Revolver bewaffneten Schildwache im Freien ergehen durfte. Nicht im entferntesten ahnte er, was über ihn beschlossen worden war, denn er kam mit Niemand in Berührung der ihm irgend welche Aufklärung zu geben vermocht hätte. Alle, dre ,hm etwa begegneten, wichen ihm aus, oder zeigten sich ernst und verschlossen gegen ihn. Offenbar betrachtete man ihn nicht weniger als einen Feind des Mormonen- thums, als die täglich durch neue Truppensendunge« anwachsende Armee auf der ander« Seite des Wahsatfchge- birge«. Noch weniger, als über seine eigene nächste Zukunft, wußte er über den Stand der Politik. Er errieth allerdings, daß der Kampf noch nicht begonnen habe; ebenso entging ihm nicht der Eifer, mit welchem die Mormonen sich rüsteten und im Gebrauch der Waffen übten, Verschanzunge« auswarfen, und sogar Frauen und Knaben zu Allem mtt heranzogen. (Forssetzung folgt.) Gerichts-Zeitung. Eine abgefeimte Betrügerin stand gestern in der Per« son der 22 jährigen unverehelichten Martha Anna Maschewsty vor der zweiten Ferienstrafkammer deS Landgerichts l. Sie ist bereits wegen Eigenthumsvergehen vielfach vorbestraft, im Jahre 1882 wurde ihr durch schwurgerichtliches Erkenntnis wegen Raubes eine zweijährige Gefängnisstrafe zudiktirt. Sie hatte einem Kinde auf der Straße mit Gewalt einen Geld« betrag entrissen, wofür eS Einkäufe machen sollte. Sofort nach Verbüßung der Strafe nahm die Angeklagte ihr gemeingefähr- liches Gewerbe wieder auf, die Anzeigen, welche besonders aus dem Norden der Stadt bei der Polizeibehörde einliefen und wonach Kindern, welche zum Einholen ausgeschickt worden, die Geldbeträge abgeschwindelt waren, mehrten sich in beunruhi- gender Weise. Als es endlich im Juni gelang, der Angeklagten habhaft zu werden, konnte fie auf Grund der stattgehabten Rekognittonen von 12 der be« stohlcnen Kinder überführt werden und gab fie in diesen Fällen auch die Thäterschaft zu. Aber auch einen ande- reit, nicht weniger gemeingefährlichen Schwindel hatte die An» geklagte mit Vorliebe exekutirt. Sie suchte fich ihre Opfer in der Nähe der Gestndevermiethungs. Bureaus auf; unter dem Vorgeben, einen guten Dienst nachweisen zu können, schlängelte fie sich an eine Suchende heran und erbot fich, dieselbe persön« lich zu der betr. Herrschaft hinzuführen. Vor irgend einem Hause mit zwei Ausgängen erklärte sie, am Ziele zu sein, doch schlug fie vor, daß vorerst sie selbst die ihr bekannte Herrschaft besuche, um die Bewerberin anzumelden und deren Dienstbuch einzuhändigen. Vertrauensvoll wurde ihr von ihrer Begleiterin das Dienstbuch überlaffen, worauf die Angeklagte nichts Eili« geres zu thun hatte, als mit demselben durch den zweiten Aus- gang zn verschwinden. Auf Grund des erbeuteten Dienst« buches gelang es ihr sodann leicht, einen Dienst zu erhalten, den fie natürlich nicht antrat, denn es lag ihr nur daran, in den Besitz des Miethsthalers zu gelangen. Der Gerichtshof belegte die gemeingefährliche Betrügerin nach dem Antrage des Staats- anwalts mit drei Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust, Stellung unter Polizeiaufficht und mit einer Geldstrafe von 1800 M. ev. noch 120 Tage Zuchthaus. Als der Rechnungsrath Rautmann am Abende des 31. Mai d. I. mit seiner Familie von einer Geburtstagsfeier nach Hause zurückkehrte, da wurde ihm beim Betreten seiner im Hause Weißenburgerstr. 17 belegenen Wohnung eine höchst unliebsame Ueberraschang. Diebe hatten inzwischen vie unbeauf- fichtigte Wohnung mittels Nachschlüfiel geöffnet, sodann die ver- schiedenen Behälter mit Gewalt erbrochen und mitgenommen, was fie an leicht transportablen Werthsachen vorgefunden hatten. Es waren Schmucksachen und baares Geld im Beirage von ca. 200 M. erbeutet worden. Der Verdacht lenkte fich auf einen jungen Mann, der fich am Nachmittage bei der Frau Rautmann nach irgend einer, augenscheinlich fingirten Person, die im Hause wohnen sollte, erkundigt hatte und der hierbei, als ob er am Zahnweh leide, einen Theil seines Gestchtes mit einem Taschen« tuche bedeckte. Nach der Personalbeschreibung glaubte die Kriminalpolizei hier ein Werk eines alten berüchtigten Diebes und Einbrechers, des Hausdieners Friedrich Wilhelm Emil Räuchert vor fich zu sehen, und der Verdacht bestätigte fich, als derselbe festgenommen und nicht nur von der Frau Raut- mann, sondem auch noch von zwei anderen Bewohnern des Hauses, welche ihm auf der Treppe begegnet waren, mit voller Bestimmtheit wiedererkannt wurde. Die 2. Ferienstrafkammer des Landgerichts I verurtheilte den Angeklagten trotz seines Leugnens zu 2'/% Jahren Zuchthaus und den Nebensttafen. Unter der Anklage der versuchten Erprefiung stand gestern der ehemalige expedirende Sekretair und Kalkulator Johann Friedrich Richter vor der zweiten Feriensttafkammer des Landgerichts i. Der Angeklagte, welcher auf dem Dis- ziplinarwege entlasten worden ist und bereits wegen Unter- fchlagung eine Gefängnißstrafe von neun Monaten verbüßte, richtete im Dezember v. I. ein Schreiben an seinen jetzigen Amtsnachfolger W. und erhob Anspruch auf eine Summe von 150 M. und ein Oxhoft Wein, oder als Aequivalent noch weitere 50 M., welche ihm der Adressat angeblich im Jahre 1876 versprochen hatte, wenn derselbe durch die Fürsprache des Angeklagten, der damals noch im Amte sich befand, eine feste Anstellung erhielt. Da Herr W. von.der Aufforderung keine Notiz nahm, so richtete der Angeklagte am 23. Februar cr. ein zweites Schreiben an ihn und wiederholte seine Mahnung in dringlicherer Weise. Er fügte aber hinzu, daß er im Nichrbeachtungsfalle die Klage gegen ihn einleiten würde und müßten dabei Dinge zur Sprache kommen, welche;für beide verhängnißvolle Folgen nach fich ziehen könnten, da voransfichtlich eine Anklage wegen Beamten- vestechung gegen fie erfolgen würde. Nunmehr erstattete Herr W. Anzeige und gegen Richter wurde obige Anklage erhoben. Während dieser im Termine behauptete, daß die W. schen Ehe- leute ihm thatsächlich aus freien Stücken jenes Versprechen ge- geben, als er ihnen— was allerdings mit der Pflicht eines Beamten nicht harmonire— mitgetheiu habe, Herr W. sei zur Anstellung beim Gesundheitsamt defignirt, bestritten die W.'schen Eheleute dieS mit aller Entschiedenheit. Ter Gerichts- Hof gelangte mit dem Staatsanwalt zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte von unlauteren Mottven geleitet, fich eines Er- preffungsversuches schuldig gemacht und erkannte nach dem An- trage auf einen Monat Gefangniß. Hagen, 19. August. Noch ist der kürzlich hierselbst statt« fhabte„Hödur-Prozeß" in Aller Gedächtniß und schon wieder eltc fich heute vor der Strafkammer des hiesigen Königlichen ndgerichts eine ähnliche bemerkenswerthe Sensationsaffaire ad. Wegen Beleidigung der Amtmänner des Kreises Altena erschienen heute— wie die„Voss. Ztg." schreibt— vor den Schranken des Gerichtes 19 Angeklagte, unter ihnen der Reichstagsabgeordnete Rechtsanwalt Lenzmann; die übrigen Angeklagten find sämmtlich aus Lüdenscheid, bezw. aus Ort- schaften bei Lüdenscheid. Der der Anklage zu Grunde liegende Thatbestand ist folgender: Am 28. Oktober 1884 fand die Wahl zum deutschen Reichstage statt. Am 25. Oktober 1884 erschien im„Lüdensch. Wochenbl." ein auch als Wahlflugblatt verbreiteter„Aufruf"(als dessen Ver- fasser fich beute Herr Rechtsanwall Lenzmann bekanntes in welchem der fortschrittliche Kandidat Herr Dr. Paul Langer- Hans empfohlen, dagegen von der Wahl des naNonallioeral- konservativen Kandidaten, Fabrikanten?l. F. Colsmann- Werdohl, abgerathen wurde. In diesem Wahlaufruf hieß es nun u. Ä.:„Wer Colsmann politisch ist, wissen wir nicht. Wohl aber wissen wir, von wem er aufgestellt und empfohlen wird. Das find die bekannten Konservativen, die Gehenrnn und sonstigen Kommerzienräthe, die Landräthe, Amtmänner, Rittergutsvefitzer, die das Wohl und die Freiheit des Volkes nur im Munde, ihr eigenes Interesse aber überall im Auge haben. Das find die Herren, die einer Vertheueruug der nothwendigen Lebensbedürfnisse durch Vervierfachung der Kornzölle nicht abhold ?nd, die nicht genug Steuem für das Volk ausdenken können, ie jeder Regierung durch Dick und Dünn zu folgen bereit find, weil fie Orden, Titel, Ehren und materiellen Vortbcil ernähren kann. Deren Kandidat kann nicht der Kandidat des reien Bürgerthums sein!" Dieser Wahlaufruf war im Ganzen mit 78 Namen unterzeichnet, von denen 31 auf Lüdenscheid kommen, während fich die übrigen auf andere Ortschaften des Wahlkreises vertheilen. Den Etrafantrag haben nur die Amt- männer des Kreises Altena gestellt. Angeklagt wurden nur oben genannte 19 Unterzeichner, die ausdrücklich in der Vor- Untersuchung zugegeben hatten, daß sie ihren Namen nach aäs#]## Name ohne ihr Wissen und Willen unter den Aufruf gekommen. Andere haben zwar ihre Abficht zu erkennen gegeben, ihren Na- men unter den Aufruf zu setzen, jedoch nicht eher, als bis fie selben gesehen. Obige Neunzehn find nun angeklagt(aus 8 185 u. 200 d. R.-St.-G.i durch öffentliche Schmähungen die Amtmänner des Kreises Altena beleidigt zu haben. Vor- fitzender des Gerichtshofes ist Herr Landgerichtsdtrettor Plato, die königl. Staatsanwallschaft vertritt Herr Gerichtsasseffor Ziegener, die Vertheidigung führt Herr Justizrath Neuhaus- Hamm. R.-A. Lenzmann war in der Zeit vom November 1884 bis Mai 1885 aktives Reichstagsmitglied; als solches kann be- kanntlich gegen ihn ein Strafverfahren nur mit Genehmigung deS Reichstages eröffnet werden. Die Einholung dieser Erlaubniß ist nun seitens der königl. Staatsanwaltschaft nicht z. Z. geschehen und das Verfahren gegen Lenz- mann erst nach Schluß der Reichstagssesfion, im Juni, eröffnet worden. Inzwischen find aber 6 Monate veifloffen und der Angeklagte macht nun den Einwand der Verjährung(nach§ 22 des Preßgesetzes). Der Staatsanwalt ist der Anficht, daß die Verjährung in der Zeit, da der anzuklagende Abgeordnete sein Mandat ausübe, ruhe, während Lenzmann die gegentheilige Auffassung vertritt, schon deshalb, weil ja die Staatsanwaltschaft Gelegenheit habe, die Strafverfolgung beim Reichstag nachzusuchen. Der Gerichtshof trat den Ausführungen des R.-A. Lenzmann bei, sprach die Einstellung des Verfahrens gegen denselben wegen Verjährung aus und legte ferner die dem Angeklagten erwachsenen Kosten der Staatskasse auf. Was die Anklage selbst anbetrifft, so hielt der Vertreter der königlichen Staatsanwaltschaft die Be- leidigung der Amtmänner in Form und Inhalt des Wahl- auftufs für erwiesen und ebenso die Absicht der Beleidigung; er beantragte gegen den Redakteur Crone, weil dieser bereits vorbesttaft, 300 Mark Geldstrafe, gegen Lenzmann, der eben- falls wegen Beleidigung vorbestraft, als Verfasser des Auf- rufeS, 1000 M. und gegen jeden der übrigen Angeklagten je 150 M. Geldstrafe. Herr R-A. Lenzmann führte unter An- dem aus, daß nach den vom Minister v. Puttkamer im Reichs- tage gehaltenen Reden die Pflicht der Beamten sei,— soweit selbe der Regierung unterstehen, wie dies bei den Amtmännem der Fall,— in der Wahl die Regiemngs-Kandidaten zu unter- stützen, wofür ihnen der Minister Avenzement, Orden te. in Ausficht stellte. Es kann also keine Beleidigung sein, wenn das Nämliche in einem Wahlaufruf gesagt werde. Das Urtheil des Gerichtshofes lautete für sämmtltche Angeklagten auf Freisprechung. Es ist allerdings eine objeftive Beleidigung der Ämtmänner für erwiesen erachtet worden, nicht aber die Ab- ficht der Beleidigung, die auch nicht aus der Form des Auftufes hervorgehe; der§ 193 des Strafgesetzbuches �iahrung berechtigter Interessen) stehe den Angeklagten zur Soziales«nd Arbeitervetttegang. Der Schutz der Krauenarbeit wird vielfach dahin miß- verstanden, als ob man die Frau dadurch, daß fie nicht ar- bellen und„nichts verdienen" solle, in Abhängigkeit erhalten wollte. Diese Auffassung trifft man in den Reihen der Frauen» emanzipation: aber auch die Manchesterleute, diese wirthschaft- liehen Anarchisten, wollen auf Grund„des gleichen Rechts für Jeden" den erwachsenen Frauen zu arbeiten erlauben, wo, wann und wie und auch wie lange fie wollen. Wenn die Menschen nicht eine Art von„Gesellschaftsthieren" wären, die gegenseitig aufeinander angewiesen find, die sich nach Stämmen, Gemeinden, Staaten gliedern, dann könnte man den Frauen dies Recht wohl lassen. Da aber die Gesellschaft verpflichtet ist, auch für fich d. h. für die Gesammtheit einzutreten, so muß fie, so weit fie es kann, Alles das, was ihr oder ihrer Zukunft schädlich ist, zu verhindern suchen. So ist auch eine Regelung der Frauenarbeit in Fabriken fast überall vorhanden. Aber während man— und mit Recht— den Schutz vor Aus- beutung und Ueberanstrengung durch die Gesetzgebung Kindern und jugendlichen Arbeitem schon in etwas höherem Maße angcdcihen läßt, um der jungen Arbeiter selbst willen, aber besonders deshalb, die Gesellschaft vor Kormption zu bewahren, ist die gesetzliche Beschränkung der Frauenarbeit bis jetzt eine ungemein geringe. Und die übermäßrge Frauenarbeit bringt erst recht die Korruption, die körperliche und die geistige, in die Gesell- schaft. Zeigt doch die übermäßige Anstrengung der Frauen in den Fabriken ihren Einfluß nicht allein durch Schädigung des eigenen Körpers, sondern es haben auch in der Zukunft ganze Generationen darunter zu leiden. Aber auch schon des- halb ist die übermäßige Frauenarbeit in den Fabriken demo« ralifirend, weil Hausfrauen und Mütter der Wahmehmung des Hauswesens, der Pflege und Erziehung der Kinder, weil ferner die in den Fabriken arbeitenden Mädchen der Ausbil- dung für ihren künftigen Beruf als Frau und Mutter vollständig entzogen werden. Wie oft räsonniren gedankenlose Menschen darüber, daß die Arbeiterfrauen nichts vom Haus- wesen, von der Kindererziehung verständen und so den Ar- beiter nicht ans Haus zu fesseln wüßten, dabei bedenkt man aber nicht, daß selbst da, wo die Frau nicht mehr in Fabriken arbeitet, sie aber als Mädchen dauernde Fabrikarbeit verrichtet hat, die Ausbildung zur Hausftau nicht genießen konnte. So ist eine weitere Beschränkung der Frauenarbeit im Interesse der Zukunft der Nation und der gesammten Gesellschaft sicher- lich geboten. In der Sommerfeld'schen Tuchfabrik in Schlesien ist sämmtlichen Werkmeistern und Arbeitern auf den 1. Oktober gekündigt worden, da an diesem Tage die Fabrik den Betrieb vollstänoig einstellt. Im Siegener Bezirk hat sich eine Konvention der Eisenerzgruben gebildet, die beschlossen bat, die Re- duftion der Gesammtbeförderung um zehn Prozent eintreten zu lassen. Der Beschluß wirft natürlich auch auf die Lage der dortigen Arbeiter ein. Entweder finden Arbeiterentlassungen, oder Lohnreduktionen statt. Ueber den Töpferstreik in Velten veröffentlicht die dortige Lohnkommission folgendes:— In der Versammlung am 11. August wurde beschlossen, den Ausstand weiter zu führen. Auch soll die Kommission keine weiteren Schritte gegen vie Meister thun, da alle Annäherungsversuche erfolglos ge- wesen find. Hat es 16 Wochen gedauert, so kann es auch noch länger dauern. Einer von den Herren Fabrikanten hatte, wie es zur Sprache kam, für Ecken etwas weniger gezahlt, als der Tarif besagt. Die Sache wurde unter der Hand zu unserer Zufriedenheit geregelt. Die vereinigten Meister ärgern fich, daß die freien Fabrikanten, wie sie sagen, von uns zu„reichen Leuten" gemacht werden. Es liegt ja eine Abhilfe lediglich in der Hand der vereinigten Herren. Warum haben fie fich durch Ehrenwort, Wechsel und Schuldschein gegen unS verbunden? Wir wollen den Ausstand sofort beenden, wenn die Herren unseren Tarif anerkennen. Es ist in Berlin am 16. August in einer Töpferversammlung ein Zweifel darüber ausgesprochen worden, ob auch alle freien Meister, bei welchen gearbeitet wird, nach dem Tarif bezahlen. Dies ist aber wirklich der Fall. Nur ein Herr Spindler zahlt einen sogenannten„Nor- mallohn", der uns zwar nicht schädigt, doch hat man deschlossm, auch an diesen Herrn heranzutreten, um eine Gleichmäßigkeit zu erzielen. Wir(heilen auf Wunsch unserer auswärtigen Kollegen die Namen der Herren mit, bei welchen gearbeitet wird. Es find die Herren Baltz, Erdmann, Krohne u. Söhne, C. Heinr. Schmidt, Blumenfeld, Dolakowski u. Co., Woll- schlaeger, Gebr. Becker, Spindler. Diese Herren haben sehr tüchtige Gesellen. In den anderen Fabriken ist der Mangel an geübten Gesellen durchaus nicht gedeckt. Für die 300 Gesellen, die die Arbeit eingestellt haben, find höchstens 20 als Ersatz herangeschafft. Der Vorrath an Oefen in den Fabriken neigt fich zum Ende. Vielleicht bringt diese Thatsache die Herren noch zur Bestnnung. Ein Töpfer, Otto Hänkel, ver« suchte es, auS Freienwalde Töpfer beizubringen, aber sein! Ausstteuung, daß der Ausstand hier beendet wäre, zog nicht Es kam Niemand. Nun, Kollegen, wir stehen fest, wie ani ersten Tage. Noch täglich verlassen jetzt Kollegen Velten, auch Verheirathete machen fort, um die Last der Unterstützung zu erleichtem. Wir glauben bei den Meistern schon ein Schwanken zu bemerken. Die Furcht vor der hohen Konventionalstrafe hält fie noch zusammen. Wir denken aber, die Gewißheit, baß nach§ 152 und 153 der Gewerbeordnung solche Strafen nicht eingezogen, nicht einmal angedroht werden dürfen, wird fich bald Babn brechen und damit unser Sieg entschieden werden. Wir bleiben fest, darauf mögen die Herren rechnen! Kollegen, wir rechnen auf Euch! Ueber den Stand der Eisenindustrie in Nordfranb reich wird aus Valenciennes geschrieben, daß jetzt die Arbeits- zeit in allen Werkstätten auf vier Tage in der Woche beschränkt worden ist. Vor zwei Jahren arbeitete man an den sechs Wochentagen bei einer täglichen Arbeitszeit von 12 Stunden ohne die Pausen gerechnet und auch oft noch Sonntags. Natürlich entstand Ueberproduktion, der jetzt die Knfis ge- folgt ist. Ein großer Eisenbahnstreik der Beamten der Wabash- Eisenbahn in �Nordamerika steht bevor, da zwischen Bedienstete» und Verwaltung erhebliche Differenzen ausgebrochen find. Der Petroleumexport der Vereinigten Staaten belief fich nach dem Bericht des„Bureau of Statistics" zu Washington im Fiskaljahre 1884-85 auf 574 668 000 Gallons(ä 37853 L.) im Werthe von 50 257 947 Dollars. Im Jahre 1883-% betrug der Export nur 513 660 092 Gallons resp. 47103248 Dollars. Trotzdem daß man in neuerer Zeit viel von der bat- digen Erschöpfung der nordamerikanischen Quellen reden hö", und obwohl die msfischen Quellen den amerikanischen ewe immer stärkere Konkurrenz auf dem europäischen Marke be- reitet haben, steigerte fich also der Export dem Quantum naa um ziemlich 12 Prozent und dem Werthe nach um M 7 Prozent._ Uerewe und Uersammlunge«. An die Steindrucker, Lithographen und Berufs» genossen BSrlins. Kollegen! Ueberall in unserem Gewerb! machen fich mehr und mehr jene Zustände geltend, welche d« sichersten Anzeichen einer Ueberproduktion find, und die Fw davon ist Ärbeitsentlassung und Lohnherabsetzung. Dan»»- Kollegen, laßt die Zeit nicht ferner ungenützt vorüber gehen- rüttelt Euch endlich einmal aus aus Eurer Saumseligkeit. Das Lehrlingswesen nimmt in einer schrecklichen Weise übcrband und verdrängt den Gehilfen aus seiner Stellung. Von Jahr zu Jahr wird unser Gewerbe schlechter, überall übersteigt das Angebot die Nachfrage. Unser Gewerbe ist in den letzten Jahren ein über alle Maßen trauriges geworden und Verdiener jetzt viele Kollegen nur noch 15—21 Mark pro Woche. Reiw das hin, eine Familie zu ernähren V Fragt die betreffenden,»H traurig fie dastehen und fie werden obiges bestätigen. WA giebt es unter unS noch Kollegen, welche die Woche auf 24 b» 36 Mark kommen, aber das find nur sehr wenige; gerade dielt sollten wenigstens daS zu halten suchen, waS sie jetzt noch habe», denn wie lange wird's dauern und sie werden ebenfalls»»' einer Lohnreduftion bedacht werden. Um dieses zu vermeidt»« müssen wir versuchen, eine feste Organisation zu schaffen. eines Jeden ist es, fich dieser Organisation anzuschließen, keiiw darf als Indifferenter zurückbleiben. Zeigt auch, Ihr Kollege», daß es Euch nicht an Intelligenz und Solidaritätsgefühl f#' es ist Pflicht eines jeden Kollegen, ob Lithograph, Maschint»' An- oder Umdrucker den Jndifferentismus fallen zu laßt»- Darum erscheint Alle, Mann für Mann, am Sonntag, hc» 30. ds. MtS., Vormittags 10 Uhr, in der Versammlung»» „Palmensaal", Neue Schönhauserstraße 20, um die Gründung eines Fachvereins zu bewirken. Ein Steindrucker im Nai»t» Vieler. (H. K.) Graz in Oesterreich, 18. August Vorgestern u»? gestern fanden hier zwei stark besuchte Versammlungen% eine Maurerversammlung und eine Volksversammlung. 3, elfterer wurde ein Schreiben der Maurermeister verlesen, wcloP den in einer früheren Versammlung geforderten 10 stündigt» Normalarbeitstag verweigert und die Maurer an das Abgt' ordnetenhaus verweist. Die verschiedenen Redner unterzog*» nun das Schreiben einer scharfen Kritik, und einer der Red»*- meinte, nachdem das arbeitende Volk keinen einzigen Vettrew in der Volksvertretung besttzt, mögen nur die Herren Miurt> meister an dieselbe sich wenden. Schließlich wurde beschloß� —___ r....-i__ et»__ fi-« w*......• i w... an�.trfV halle", in der die Herren Gebhard, Losch, Gabn* und Rißmann sprachen, gestaltete sich zu einem v? nichtenden VolkSgericht über unser reaktionäres, lerisches Gewerbegesetz, die korrupte österreichische und über die bereits zum Wahnsinn ausgearteten national» und antisemitischen Hetzereien unserer verkrachten Partes Der erste Redner Herr Gebhard wieS in einer längeren R*» nach, daß nicht die Gcwerbcfreihcit, sondern andere Iftsackt» den Niedergang des �Kleingewerbes verschuldet und daß F» Genossenschaften durchaus nicht geeignet seien, weder DA Kleingewerbetreibenden, noch dem Arbeiter zu helfen- Redner sowie die folgenden geißelten das Vorgehen der � noffenschasten und setzten auseinander, daß der KleingeweA. stand zu Grunde gehen müsse. Nun ergriff Herr Rißman» l einer längeren Rede daS Wort. Nachdem er über die WfIL der Vergangenheit und über ihre Entwicklung gesprochen, erklaA er: Mögen sich die Zeitungen OesterrnchS in Partei frag?) und in nationaler Beziehung noch so bekämpfen, sie find»» einig in der Verttetung der Interessen deS Kapitals und M Feindschaft gegen daS arbeitende Volk. Die feudal klenkK' nationale und antisemitische Presse ist gleich kurrupt u» arbeitet gemeinsam an der Volksverdummung und VolksverhctzU»� Schließlich wurde die Leftüre der Arbeiterzeitungen empftM., Während der Ausführungen des Herrn Rißmann über D Korruption der österreichischen Kapitalistenblätter, besonders v in Wien erscheinenden, schrie ein Antisemit(der die in erscheinende„Judcnfrage" vettheilte)„Judenpresse!" K»». hatte aber der Anhänger der Lippe, Schönerer, Pallan, S®» der und Konsorten, dieses verhängnißvolle Wort ausgespro«', so durchbrauste ein Sturm der Entrüstung den ganzen und allgemein hörte man den Ruf: Hinaus, hinaus mit s»!' Und nicht früher war die Versammlung beruhigt, bis Diel „Herr" aus dem Saale entfernt worden war. Dann aber stieg nochmals Herr Gebhard die Tribüne und vcrurtht", unter allgemeinem Beifall die nationale und religiöse Jntolero und speziell den Antisemitismus. Als er aber das Borgt», fzen die Arbeiterpreffe und die reaktionäre Handhabung" eßgtsetzeS besprechen wollte, wurde ihm das Wort cnftog„ e Versammlung schloß mit einem Hoch auf die Ar» Jedenfalls werden die Herren Nationalitätenhetzer, Antisew' � und Scheinliberalen aus dem Verlaufe der Versammlu»ß.* sehen, daß daS arbeitende Volk Oesterreichs mit ihnen ebenso Gemeinschaft abweist, wie mit den Klerikalen, die zur führung deS Volkes in Brünn ein Blatt„Der gründeten.. Große öffentliche Sattlerversammlung am Sonnabt den 22. August, Abends 3'/, Uhr, im Louisenstädtischen 0 o»»,�, Haus, Alte Jakobsttaße 37. Tagesordnung: 1. Wie vcrha.. sich die NichtinnungSmeister gegenüber der Innung?$C/4C V Herr Sattlermeister O. Berg. 2. Die Nothwendigke» � Sonntagsruhe. Referent: A- Steindorff. 3. Diskus».�. 4. Verschiedenes. Sämmtliche Meister und Gesellen fi»� geladen. zLerantwortlicher Redakteur«. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar vadtug in Berlin 8W, Beuthstraße 2. Hier»» eint Beilage zum Berliner VolMatt. Kr. 193 Sonnabends den 2Ä. August 1883. II. Jahrg. 8* ImangsImlTra— sme|aftn. .. Als die Gesetzgebung des Deutschen Reiches stch der Auf- Wt«»wandte, eine Regelung des krankenkaffenwesens in der herbeizuführen, daß kern Arbeiter mehr ohne den so wunschenswcrthen Rückhalt an einer solchen Kaffe bleibe, da ft-i tlSn wahrhaft ftcistnniger Seite die Loosung ausge- 8 oeit: KQffenjroang, aber keine Zwangskassen. .„.M diese Loosung zur Wahrheit geworden? Dem Scheine "'cht, denn der Ausdruck„Zwangskassen" hat sich für die M Grund des Krankenkaflengesetzes überall errichteten Ge- Mmveverfichemna. Orts-, Betriebs-, Bau- oder Jnnungs- fchjc eingebürgert, und vielfach ist die Borstellung aufge- -r.!"en, als od ein Zwang— wenigstens ein indirekter— i5? Arbeiter bestünde, diesen Kassen anzugehören. .. Aber diese Vorstellung ist ganz falsch. Unsere Gesetz- «evung ist viel freisinniger und humaner als von manchen ®vjfn angenommen wiro, man muß nur die Freiheiten, wissen � deutschen Manne gewährt, zu benutzen n Die sogenannten Zwangskassen find in Wahrheit keine Mugskaffen. Der Zwang besteht nur für den Trägen, der -."J® Wt hat, sich einer freien Kasse anzuschließen. Wer letz- S t der braucht sich um die„Zwangskassen" gar nicht dekümmern. Sie existiren als wohlthätrge Aushilfe für den, un 7).en nicht Lust dazu hat. Wer sich einer freien Kasse an- Mt. bedarf aber natürlich dieser Woblthat nicht, und es M"'cht im Mindesten im Sinne des Gesetzes, daß ihm die- ' we aufgedrängt werden sollte. Arbeitgeber und Arbeitnehmer find zum großen Theile da- .°n überzeugt, daß es besser sei, wenn der Arbeiter sich nicht diese woylthätige Aushilfe hält, sondern fich auf seine eigenen %% flellt und einer freien Kasse beitritt. Der Arbeitgeber ist Reihe von kleinen Verpflichtungen überhoben, die ihm n lastig werden, und hat besonders nicht nöthig, aus eigener «jA* die bekannten Drittelbeiträge für die bei ihm beschäftigten �rverter zu zahlen, noch irgend welche An- oder Abmeldungen Behörde zu machen. Der Arbeitnehmer steht ebenfalls f'? Mitglied einer freien Kasse einfacheren Verhältnissen gegen- ss°kr, fühlt sich gehoben durch das Bewußtsein, einer Jnstitu- uhÜ anzugehören, welche allein von Arbeitern verwaltet N?.unterhalten wird, und ist oft in der Lage, leichter ??krt zu bekommen, als sein Kollege, der als Mitglied Nördlichen Kasse vom Arbeitgeber weniger gern beschäf- W wird. , Es ist nicht unsere Aufgabe, den Werth dieser Vortheile Einschätzen, wir wollen nur darauf hinweisen, daß Niemand, „".diesen Werth hochhält, demungeachtet bei einer behördlichen asie festgehalten wird. Das Gesetz gicbt dem Einzelnen volle Freiheit der Wahl. . Wer einer behördlichen Kasse angehört, und außer Arbeit -°-nmt. tritt damit ohne Weiteres aus der behördlichen Kasse in v®" Wiederaufnahme der Arbeit tritt er nur dann wieder n dre behördliche Kasse ein, wenn er fich inzwischen nicht einer n Plannten freien Kasse angeschlossen hat. � Der Uebertritt ist also jederzeit sehr leicht für alle, welche Tage Arbeitslosigkeit auf fich nehmen. Wer das nicht kann oder mag, hat Gelegenheit zum Ueber« am Schlüsse jedes Rechnungsjahres, das heißt z. B. jetzt, dA nächsten zwei bis sechs Wochen. f,. Die§§ 19 und 63 des ttrankenverficherungsgesetzes be- "Amen, daß der Austritt aus den Zwangskassen verfichcrungs- .n.'Migen Versonen mit dem Schlüsse des Rechnungsjahres zu JjfltrftiT**' VW WV.V»*.*« V. V—-■------- #ef(5u®en Personen mit dem Schlüsse des Rechni.. 5er!• nienn fie denselben mindestens drei Monate vor- njuif®" dem Vorstande beantragen und vor dem Austritt nach- ennv.■daß sie einer dem§ 75 des Krankenverficherungsgesetzes fili-S freien oder eingeschriebenen Hilfskasse als Mit- "angehören. Schluß des Rechnungsjahres tritt in den meisten de- mW v" �affcn am 31. Dezember ein, folglich muß bei den- zemt-" Kündigung spätestens bis zum 31). September ange- i4n„•'n den Kassen, welche das Rechnungsjahr f o A nm 30. November schließen, muß die Kündigung W�/ns bis zum 31. August erfolgen. öiufi der Versicherte auf ein weiteres Jahr beiden Der Nachweis, daß man einer anderen Kaffe angehört, des c? dei der Kündigung, muß aber wohl am Schlüsse «ahres beigebracht werden. Wird dieser Nachweis ver- Iii Snieistrihl im telien. Von Elise Gr.... (Schluß.) i. Des Abends betraten sie, noch immer glückselig, aber oll ermüdet, ihren kühlen, feuchten Raum. Sie hatten W Freuden, die sich ein Faubourger erlaubt, durchkostet. emeinsam hatten sie im Karoussel gesessen und sich ab und r, nor den kleinen Weinhandluugen auf die stets bereit- to t!1 �lühle niedergelassen, mit einem Glase Wein ge< , Und die vorübereilenden Menschen beobachtet. Nach u diesen für sie außerordentlichen Genüssen und Extra- �ganzen kam es ihnen wohl etwas unheimlich zwischen den Ä-n und alten Sachen vor, aber ihre Herzen waren ja so voll— so weit. Und im Rausche des Glücks um- wnüf �overin seine Scanne und küßte sie herzlich. Dann iwrfl er �4'm jugendlichen Uebermuth auf sein Lager, und frfiiji m et DOr 2ust und Freude mit oen Beinen einige ge- gymnastische Stöße in die Lust gemacht, nöthigte er °"n-.°n seiner Seite zu ruhen. aus km züchtig verschämt ließ sich dieselbe am Fußende k,,I oen Bettrand nieder und lehnte das Anerbieten Severin'« gut" m �°ste ab:„O, ich befinde mich gut hier, sehr unk ia rVn chrem Platze aus sah sie ihrem theuern Freund unk. Schützer so lange in die lachenden braunen Augen „„5 tauschte seinen neckischen Reden, bis sie einschlief. Am in„n" durchsuchten die Beiden wieder gemeinschaftlich Früh- die Kehrichthaufen. Sie waren flink und VamTr1"� fäIePPten eine ansehnliche Menge Lumpen heim. qu., sollte jetzt das Haus hüten, und Severin wollte um stink»gelegte Kleider handeln gehen. Er reichte Seanne reit!» ü mit der Weisung, ein gutes Dejeuner zu be- en und im übrigen, mit dem Gelde gut Hauszuhalten. CcnO' war überglücklich über das Vertrauen, welches Au»?'"'hr schenkte. Mit vor Dankbarkeit thränenfeuchten gen warf sie sich an seine Brust. Cevw�% war fie fleißig die Zeit über, in welcher nicht da war. Sie räumte, ordnete, wusch und säumt, so ist die voraufgegangene Kündigung wirkungslos, und bleibt man weiter in ver behördlichen Kasse. Ob das Rechnungsjahr einer Kasse mit dem 30. November oder mit dem 31. Dezember schließt, ist aus den Statuten zu ersehen. Zur Kündigung genügt folgendes Formular: Der Unterzeichnete.......(Angabe des Berufes und Namens)..... in Arbeit stehend bei........(Name und Beruf des Arbeitgebers)......... beantragt hiermit seinen Austritt aus der......(Name der Kasse)...... (Ort und Datum.)(Unterschrift.) Zum Eintritt empfehlen fich unter den freien Kassen natür- lich zumeist die Zcntralkassen, welche über ganz Deutschland verbreitet find, so daß ihr Mitglied überall im Reiche eine Zahlstelle zur Hand hat. Kommunales. Neue Brücke über den Louisenstädtischen Kanal. Der Magistrat hat dem von der städtischen Bau- Deputation aufgestellten Projekte einer Fußgängerbrücke über den Louisen- städtischen Kanal im Zuge der Melchiorstraße zugestimmt und wird denselben der Stadtverordneten-Versammlung zur Ge- nehmigung vorlegen. Die Kosten find auf 30000 M. veranschlagt. w. Zur Verbesserung und Verschönerung des Thier- gartens find im städtischen HauShaltsetat jährlich 30 000 M. ausgeworfen, über deren Verwendung eine von der königl. Ministerial-Äau-Kommission ernannte Kommisfion im Verein mit der städt. Parkdcputation dem Magistrat Vorschläg zu unter- breiten haben. Nach diesen Vorschlägen sollten für dieses Jahr 10000 M zu Verbesserung des Gewässers des Thiergartens, namentlich zu einer gründlichen Ausbaggerung verwendet werden und 10 500 Mark zur Anlage neuer Bewässerung für der zwischen dem Flora Platz und dem Denkmal Friedrich Wilhelms HI. und vom Großen Stern bis zur Weichbildsgrenze belegenen Theile des Thiergartens. Wegen dieser beiden Posten hat der Magistrat indessen beschloffen, die Genehmigung noch auszusetzen, da fich verschiedene technische Bedenken gegen diese Vorschläge geltend gemacht haben, und sollen erst noch die betreffenden Projekte der königl. Ministerial Baukommisston zur Begutachtung unterbreitet weiden. Außerdem sollen 1920 Mark zur Beleuchtung und 5000 Mk. zur Befestigung der Spree- uferar lagen der Äellevue-Allee und der in dieselbe einmünden- den Wege verwendet werden. Mit letzteren Vorschlägen hat der Magistrat stch einverstanden erklärt. Lokales. w. Der Fleischkonsum Berlins. Welche Unmasse von Fleisch in Beilin in einem Jahre konsumirt wird, konstatirt der Verwaltungsbcricht des Magistrats zu Berlin über den städtischen Zentral-Vieh- und Schlachthof für das Etatsjahr 1884/85. Was den Auftrieb anlangt, so hat die erwartete Vermehrung desselben fich in diesem Jahre allerdings nur be- züglich der Kälber und Schweine, bei letzteren sogar um 12 III Stück gegen das Vorjahr, nicht aber bei den Rindern und Hammeln vollzogen. Dies resultirt indessen aus dem Umstände, daß der Berliner Viehmarkt wesentlich ein Exportmarkt ist, welcher von zufälligen, oft nur vorübergehenden Störungen des Auelandserports und von ungünstigen Konjunkturen leicht be- einflußt wird. So wurden im Berichtsjahre von dem Auf- triebe gegen 45 pEt. exportirt. Im ganzen Berichtsjahre wur- den aufgetrieben 147 429 Rinder(darunter 30535 Bullen, 52 254 Kühe, 64 550 Ochsen), Schweine wurden 434939 aufge- trieben(darunter 374 705 inländischer Rasse, 2229 rusfisch pol- nische, 3725 serbische, Waldauer und Beffarabische, 19 831 Bakonier, 50 Kaulasier, zusammen also 25 835 Stück oder 5,9 pEt. des Auftriebes Ausländer), Kälher 110 610 und Hammel 668 649(darunter etwa 250000 Magerhammel), in Summa 1 361 627 Thicre. Zum Export über die nächste Umgebung von Berlin hinaus gelangten, soweit ermittelt werden konnten: 41 754 Rinder oder 28,3 pEt., 89 000 Schweine oder 20, 5 Prozent, 687 Kälber oder 0,6 pEt. und 385 958 Hammel gleich 57,7 pEt des Auftriebes. Es scheinen demnach zum Konsum der Stadt Berlin und ihrer Vororte m der Stadt und ihrer nächsten Umgebung geblieben zu sein 105 675 Rinder, 345 939 Schweine, 1 09 923 Kälber und 282 491 Hammel, indessen sind diese Ziffern als Grundlage für die etwaige Feststellung des scheuerte. Denn Severin sollte sich schon freuen, wenn er heimkehrte. Und vor lauter Freude sollte er sie wieder an sein Herz drücken und— küssen. Sie wurde roth bei diesem Gedanken— ob vor Wonne oder mädchenhafter Schüchtern- hei), lassen wir dahingestellt. Dann, während ihrer eifrigen Arbeit, malte sie sich in Gedanken aus, wie herrlich, wie himmlisch schön eS sein würde, wenn es ihnen erst besser gehen werde, wenn sie ein Stäbchen haben werden mit Fenstern darin und einen kleinen Laden dazu, wie Severin ihr gestern ganz bestimmt versichert hatte. Und lieb wollte sie Severin immer haben von ganzem Herzen, ja— war es denn anders denkbar?— und Severin, mein Severin, murmelte sie mit verklärtem Antlitz, während ihr die Schweiß- tropfen von der heißen Stirne fielen. Die Zeit war vorgerückt; in größter Eile hatte sie das kleine einfache Mahl bereitet, bestehend aus einem Beefsteak, Brod und Wein. Setzt war Alles fertig, die angegebene Stunde da, doch Severin kam nicht. Vergebens schaute sie in banger Sehnsucht nach ihm aus. Die Liebe und mit ihr das an- spruchslose aber reine Glück waren so unverhofft in ihr Herz eingezogen, hatten so viele neue ungeahnte Gefühle in ihrer Brust geweckt, daß sie fast einen süßen Traum zu haben wähnte, aus dem daS Erwachen entsetzlich traung sein müßte. Sie läßt sich auf einm Stuhl nieder, denn die unauS- gesetzte Thätigkeit des Vormittags hatte sie doch recht er- müdet. Ein Strahl der heißen Mittagssonne stiehlt sich durch die geöffnete Thüre und umfängt das junge Mädchen. Er zaubert goldige Lichtteflexe auf ihre schwarzen Haare, er ruht auf den kleinen braunen Händen, er dringt hinein bis in das Herz und scheint von da seinen Rückzug durch die Augen zu nehmen, so sonnig leuchtet und spricht es aus denselben hervor, während im Herzen nur ein liebes — ach so liebes Wort klingt— Severin. Ein Schatten in der Thür läßt sie empor fahren. Zwei unbekannte Männer tragen eine kraftlose Gestalt. Severin," schreit Seanne gellend auf. Die Männer legen Severin auf das Bett und sagen Fleischkonsums der Refidenz nicht anzusehen, weil aus diesen nicht exportirten Thieren nicht blos der Fleischkonsum der Vor- orte zum größten Theil bestritten wird und weil andererseits der größte Theil des nach Berlin eingeführten frischen Fleisches (400000 bis 450 000 Zentner jährlich) diesen für die Schlächtereien der Vororte vom Berliner Markt entnommenen Thieren entstammt. Nach den auf Schätzung beruhenden Durchschnittspreisen für die einzelnen Tbiergattungen würde der Gesammtwerth des Umsatzes fich auf 95 510 000 M. belaufen. Für das Futter derzu Markt gebrachten Thiere hat die Fourage« Verwaltung eine Einnahme von 339 375 Mark. Dazu tritt an Eisenbahn- Ueberführungsgebühr 166 015,20 Mark, an Viehmarktstandgeld 353 393 Mark und an Waagcgebühr 47 188 Mark.— Auf dem städtischen Zcntral-Schlachthof sind in dem Berichtsjahre geschlachtet worden 95 003 Rinder, 264 727 Schweine, 75 843 Kälber und 170 924 Hammel, zusammen 665 897 Thiere. Da nach Schätzung Sachverständiger und Angaben einer Reihe zuverlässiger Schlächter die Durchschnitts» gewichtszahl der am städtischen Schlachthof geschlachteten Thiere bei einem Rind auf 288 Kilogramm, bei einem Schwein 95, bei einem Kalb 50 und bei einem Hammel 21 Kilogramm anzunehmen ist, so hat der städttschc Schlachthof pro 1. April 1884/85 27 360 864 Kilogramm Rindfleisch, 25 149 065 Kilogramm Schweinefleisch, 3 792 150 Kilogramm Kalbfleisch und 3 576 804 Kilogramm Hammelfleisch, zusammen 59 878 883 Kilogramm Fleisch gegen das Vorjahr 2 267 225 Kilogramm mehr geliefert. Zu diesen Massen Fleisch tritt noch die Einfuhr von frischem Fleisch aus den Vororten auf die Berliner Wochen- märkte, die wie bereits erwähnt jährlich 400 009 bis 450 000 Zentner betragen. Außer Berechnung bleiben dabei die sehr beträchtlichen Sendungen von frischem Fleisch, welches in Ge- stalt von Postpacketen aus den kleinen Landstädten Pommerns, Schlesiens, Sachsens:c. an die Berliner Hausfrauen eingeht: die Lieferungen femer, welche die Schlächter der Berliner Vor- orte den Fleischläden und Schankwirthen direkt machen, ohne die Wochenmärkte zu berühren; dazu find noch hinzuzurechnen aus- wärtiges Pökelfleisch, auswärtige Würste und Schinken, welche die Kolonialwaarenhandlungen und Kellerwirthschaften Hierselbst vertreiben, das Fleisch von 6000—7000 Pferden, welche, wie ein städtischer FIcischschaubeamter in einem Berichte im vorigen Jahre berechnet hat, in den Berliner Roßschlächtereien ge- schlachtet werden, nach demselben Bericht gegen 1 Million Gänse, welche mehr eingeführt als ausgeführt werden, l'/t Million anderes Geflügel, 1% Million Stück Wild. Es fehlt so ziemlich an jedem Anhalt, das Gesammtgewicht dieser für die Berliner Fleischversorgung höchst wichtigen Artikel auch nur annähemd zu schätzen. Als zur menschlichen Nahmng nicht geeignet, wurden im Laufe des Berichtsjahres beanstandet und zurückgewiesen 2479 ganze Thiere, darunter 1468 finnige und 199 trichinöse Schweine, und 41 209 Theile von Thieren. Die Dungproduktion auf dem Viehhof und dem Schlachthof betrug 296 707 Zentner, welche 59 341,35 Mark einbrachte. Der Eisen- bahnverkehr auf dem städtischen Viehhofe betrug an beladenen eingegangen Waggons 24 496, an beladenen abgegangenen 7430, zusammen 31 926 Waggons. Die Gesammteinnahme des Viehhofes pro 1884/85 betrug 1 692 713,49 Mark, die Ge- sammtausgabe 1 292 776,96 Mark, so daß ein Ueberschuß von 400 436,53 Mark verbleibt, wovon zu Abschreibungen reservirt bleiben 110000 Mark, während 290 436,53 Mark zur Stadthauptkasse behufs Verwendung zu allgemeinen Zwecken abge- führt wurden. Die Gesammteinnahmen des Schlachthofes be- trug 523 212,27 Mark, die Gesammtausgabe 459 447,48 Mark, der Ueberschuß demnach 68 764,79 Mark, wovon 50000 Mark zu Abschreibungen verwendet und 18 764,79 Mark pro 1885/86 gutgebucht wurden. Bei der Fleischschau betrug die Gesammt- einnähme 283 479 Mark, die Gesammtausgabe 255 562,04 Mark, mithin der Ueberschuß 27 916,96 Mark. Auf dem alten Viehhof ist man gegenwärtig damit be» schäftigt, die langen überdachten Hallen an der nördlichen Seite des Börsengebäudes in einen Riesenspeicher zu verwan- dein. Derselbe soll dem Vemehmen der„Voss. Ztg." nach zur Aufbewahmng von Getreide dienen, das schon in kolossaler Menge in geschlossenen Räumen auf dem Etablissement lagert. Zur Herstellung der Wände an den Hallen kommen zemcntirte Platten a 1»„Kamerunhäuser" in Anwendung. Vor kurzem ist auf dem Terrain auch eine Milchwirthschaft eröffnet worden, die hier eine größere Anzahl Kühe hält. Der hohe und luftige Raum, in welchem die Thiere untergebracht sind, zeigt in seiner Mitte einen mit Topfgewächsen gamirten und mit einem zier- mit gedämpfter Stimme zu Seanne:„Die Cholera." Dann entfernen sie sich schleunigst. Klappernd und winselnd, mit unheimlich vergrößerten Augen starrt Severin auf Seanne. Laut jammernd wirft sich diese über ihn. Sie küßt die blauen Lippen und reibt die gekrümmten Hände. „Du stirbst!" schreit sie herzzerreißend,„o, nimm mich doch mit Dir....." Was weiter geschehen, sie wußte es nicht. Lange hatte sie in wilden Fieberphantasien im Hospital Saint Antoine gelegen. Oftmals war sie aus dem Bett gesprungen, um Severin Hilfe zu bringen, den sie in ihren Fieberträumen unausgesetzt in höchster Gefahr wähnte. Der angsterfüllte Ton, mit dem sie nach Severin rief, dazu die großen, dunklen, fieberglänzenden Augen, welche geisterhaft unter der großen, weißen Nachthaube hervorglühten, berührten das Herz der Wärterin oft seltsam. Endlich ließ da« Fieber nach; und das, was Seanne in wilden Phantasien geängstigt und erschreckt, zer- wühlte mit zermalmender Gewalt als vernichtende Wirklichkeit ihre Seele. Severin war todt und sie— sie lebte. „Sst Severin denn wirklich todt?" ftagt sie die an ihrem Bett verweilende ftomme Schwester.„Sa, er ist todt, ist todt"-- wehklagt sie, ohne Antwort abzuwarten. „Wer war denn Severin?" frägt sanft die fromme Pflegerin. „Mein Freund, mein Beschützer, mein Mann!" schluchzt Seanne.„Nun bin ich allein, nun bin ich verloren!" jam- mert sie. „Kind!" ruft entsetzt die fromme Schwester:„was sprichst Du, Dein Mann? Wie alt bist Du denn?" Und jetzt begann von Seiten der barmherzigen Schwester ein strenges Verhör. Doch bald schloß sich der von lauten Klagen über- strömende Mund des Mädchens hartnäckig. Die Samariterin an ihrer Seite hatte kein Verständniß für ihr Leid. Sie wagte es, ihren theuern Severin noch im Grabe zu bemän- geln; sein Mitleid für Sie, da? unglückliche Kind, als U«. aSBBBH lichen Springbrunnen versehenen Platz, auf dem einige Tische und Stühle aufgestellt sind. Hier kann man Milch frisch von der Kuh zum Trinken erhalten. Die neu errichtete Fabrik zur Bereitung von englischem Hundekuchen hat ihren Betrieb er- öffnet und für die Eisengießerei an der Brunnenstraße find die Werkstätten im Rohbau nahezu vollendet. Etwas versteckt hat sich eine Destillation und Stehbierhalle etadlirt. r. Philosophischer Wahnsinn. Wenn man bei Geistes- kranken, die in ihren Delirien von religiösen Dingen reden, schlechtweg sagt, sie leiden an religiösem Wahnsinn, so wird man in finngemäßer Anwendung dieser Bezeichnung bei dem nachfolgend geschilderten Falle von philosophischem Wahnsinn reden können. Den Besuchern des Thiergartens wird bis vor kurzer Zeit in der Gegend des Louisen-Denkmals öfter ein junger Mann aufgefallen sein, dem man auch bei oberflächlicher Betrachtung anmerkte, daß es nicht ganz richtig mit ihm war. Da er aber gewöhnlich Niemandem zu nahe kam, so ließen seine Angehörigen ihn sich frei bewegen. Er war ziemlich menschenscheu und wortkarg; knüpfte man aber ein Gespräch mit ihm an, so wußte er mit einer staunenswerthen Geschicklich- keit nach wenigen Sätzen das Thema auf das philosophische Gebiet hinüberzuspielen und dann, sobald er das Ziel erreicht «laste, mit möglichster Ausdruckslostgkcit eine ganze Reihe be- annter Gemeinplätze von„Zeit und Raum als bloße Er- scheinungsformen"—„Unvorstellbarkeit des Unendlichen und des Ewigen" und namentlich von der„unendlichen Zahl" ab- zuleiem. Der nicht mehr ganz junge Mann war vor etwa acht Jahren, gleich nach dem Beginn seiner Studien-Laufbahn von einer heftigen Krankheit, wenn wir recht berichtet find vom Typhus, befallen worden und als eine der Nachwehen desselben stellte sich nach der äußerlichen Genesung ein unver- kennbarer geistiger Defekt des jungen Mannes heraus. Seit einiger Zeit ist er aus dem Thiergarten verschwunden; seine Unterhaltungen, besonders über die„unendliche Zahl" hatten in der letzten Zeit einen ganz besonders leidenschaftlichen Charakter angenommen, der sogar manchmal in Thätlichkeiten auszuarten drohte, was namenstich bedenklich wurde, als der Kranke an- sing, seine Vorlesungen über die„unendliche Zahl" irgend einem Vorübergehenden aufzudrängen. Die Angehörigen haben unter diesen Umständen den Kranken in eine Heilanstalt über- führen lassen.— Der Fall bildet jedenfalls einen interessanten Beleg dafür, daß jede Geisteskrankheit ihren Ursprung in einer gleichzeitigen Krankheit des Nervensystems hat, von der die menschliche Vorstellung auch über die wichtigsten Dinge und das gesammte menschliche Denkvermögen abhängig ist. Neue Sanitätswache. Die neue Sanitütswache der äußeren Louisenstadt soll am 1. September eröffnet werden. Angesichts des humanen Zweckes hat die Kat. Eisenbahn- Direktion zwei große Räume im Parterregeschoß des Görlitzer Bahnhofsgebäudes hergegeben, deren Ausstattung vom Komitee in zweckentsprechendster Weise übernommen ist. Sowohl das Zimmer des Arztes, wie das der Heilgehilfen ist mit allem ausgerüstet, was für durchgreifende Hilfe bei Unglücksfällen u. f. iv. nöthig erscheint, selbst ein Krankentransportkorb steht zur sofortigen Benutzung bereit. Der Vorfitzende des Komitees, Herr Polizeihauptmann von Stutterhcim, hat sich die Wiener Sanitätswache, die in der Hygiene Ausstellung so großes Auf- sehen erregte, zum Muster genommen, und hofft, wenn dem Komitee auch fernerhin die Unterstützung hilfsbereiter Mit- bürger gesichert bleibt, für jene Gegend ein segenbringendes Institut zu gründen, das nicht nur des Nachts, sondern auch am Tage zur Hilfe bereit ist. Der Eröffnung wird am Mon- tag, den 24. d. M., ein großes Fest in der Unionsbrauerei in der Hasenhaide vorangehen, dessen Ueberschuß dem Gründungs- fand der Sanitätswache zufließen soll. Die Arrangements hierzu versprechen ein außergewöhnliches Amüsement, da sich tüchtige Kräfte vereinigt haben, sowohl Erwachsenen wie Kin- dern eine Reihe der gediegensten Vergnügungen zu bieten. Des guten Zweckes wegen weisen auch wir auf dasselbe ganz besonders hin. r. Ueber die sprachliche EntWickelung unserer Ber- liner„Bolle" aus der hochdeutschen Zwiebel, mit der sie äußerlich doch gar keine Aehnlichkeit mehr zu haben scheint, hat ein freiwilliger Sprachforscher, der seine diesjährigen Ferien im Vaterlande Fritz Reuters zugebracht hat, eine jedenfalls bemerkenswerthe Beobachtung gemacht. Im mecklenburgischen Dialekt ist die hochdeutsche„Zwiebel" in die plattdeutsche „Zipolle" entartet und von da bis zur Berliner„Bolle" ist nur noch eine ebenso geringe wie wahrscheinliche Umformung, so daß wir es also bei dem würzigen Gemüse-Namen mit einer RückÜbertragung aus dem Plattdeutschen in ein„marcht- gängiges" Hochdeutsch zu thun hätten. Oder weiß es Jemand 6 w. Das Kgl. Polizeipräsidium hatte bekanntlich seiner Zeit die ortspolizeiliche Zustimmung zu der Aufnahme der von der Berliner Schützengilde auf ihrem Grundstück in der Linien- straße geplanten Anlage dreier neuer Straßen in den Be- bauungsplan versagt und hatte der Magistrat hiergegen beim Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten Beschwerde erhoben. Letzterer hat jetzt dem Magistrat mitgetheilt, daß wenn er auch die vom kgl. Polizeipräsidium für die Vcrsagung angeführten Gründe mcht für unerheblich erachten könne," er � doch" die Er- moralität und sündhafte Begehrlichkeit zu bezeichnen. Zeanne krampfte eS vor Zorn und Schmerz das Herz zusammen. Trotzig verharrte sie auf alle weiteren Fragen bei ihrem Schweigen. Sehr unwillig wandte sich die fromme Schwester von dieser verstockten kleinen Sünderin ab. Die mörderische Krankheit, die Cholera, welche fast als erstes Opfer im Zahre 1884 in Paris Severin ge- fordert hatte, war, trotz allen sanitären Vorsichtsmaßregeln, doch hier und da in den ungesundesten Stadtvierteln zum Ausbruch gekommen, mithin die Hospitäler sehr in Anspruch genommen. AuS diesem Umstände wurden andere Kranke, welche sich in der Rekonvaleszenz befanden, unverantwortlich früh als hergestellt entlassen. Darum befand sich auch Zeanne schon nach einigen Tagen mit noch zitternden Knieen auf der Straße. Es war in den letzten Augusttagen, und mühsam schleppte sie sich in der drückenden Atmospäre und den sengenden Sonnen- strahlen weiter. Sie hatte nur ein Ziel— den kleinen Wohnraum, in welchem sie mit Severin die wenigen Stunden so glücklich gewesen war. Von unbestimmten quälenden Gefühlen gemartert war sie endlich vor dem Hause angelangt. Die Thür stand offen, sie sah auch Lumpen in ihrer alten Wohnung umherliegen. Mit thränen- überströmtem Gesicht stand sie plötzlich mitten in dem dumpfen Kellerraum, aus deren einer Ecke zwei alte Leute, welche sich mit den Lumpen beschäftigten, fragend zu ihr aufschauten. Zetzt fielen die Augen des unglücklichen Mädchens auf das Bett, auf welchem sie, züchtig auf dem Rande sitzend, mit nie empfundener Freude im Herzen sanft eingeschlummert war. Mit leisem Aufschrei wankte sie darauf zu und sank kraftlos auf das Bett nieder. Hier auf dieser Stelle war Severin gestorben, o, wäre es ihr doch vergönnt, hier auf derselben Stelle zu sterben. Zn herzzerreißender Klage jammert sie um ihren dahin- geschiedenen Freund. Jammer rührt sogar für einen Augenblick die durch die Schicksale des Lebens schon abgehärteten Herzen der Alten, die mit feuchten Augen Zeanne Z» trösten suchen. Sie lassen das arme Mädchen zwar eme Weile auf dem laubniß zu der beabsichtigten Straßen-Anlage vorbehaltlich des Widerspruchs dritter ertheilen wolle, weil, wie derselbe unter anderm bemerkt, durch die Ausführung des Projektes eine ge- wisse Erleichterung für den Verkehr der Linienstraße herbeige- führt werde. i. Ein spekulativer Kopf hat neulich den Bierspunden seine Aufmerksamkeit zugewandt und auch glücklich herausge- funden, daß sie sich trefflich zu Pflasterungen eignen. Die- selben find bekanntlich von sehr fettem Kienholze, eine Eigen- schaft, welche von den Restaurateuren sehr aemißbilligt wird, da bei längerem Lagern der Bierfässer das Bier einen scharf- harzigen Geschmack bekommt. Die Bierspunde werden von unseren hiesigen Brauereien nur einmal verwandt und dann fortgeworfen. Ein Schlächtermeister aus der Landsbergersttaße hat nun diese Bierspunde von einigen hiesigen Brauereien auf- gekauft und damit ein ganz vortreffliches Holzpflaster auf seinem Hof hergestellt, welches dem sehr starken Wagcnverkehr gegenüber sich bisher gut bewährt hat. R. Bedeutende Verletzungen zog sich gestern Abend beim Bierabziehen der Arbeiter Karl Simon dadurch zu, daß beim Zukorken des Weißbieres eine Champagnerflasche platzte und das starke Glas dem S. in den rechten Arm drang. Zwei Wunden am Unterarm und am Ellbogen-Gelenk mußten auf der Sanitätswache in der Oranienstraße, wo S. Hilfe suchte, vom Heilgehilfen zugenäht werden. Der Blutverlust war da- bei ein so starker, daß S. beim Verbinden dreimal ohnmächtig wurde. R. Ein heftiger Zwist entstand gestern Mittag um 2 Uhr in einem Kupee der Stadtbahn zwischen Friedrichstraße und Lehrter Bahnhof. Ein Herr, der kurz, ehe der Zug die Station Friedrichstraße verließ, noch schnell in das ihm nächste Kupee hineinsprang, setzte sich, froh noch mitzukommen und außer Athem, ohne weiter um sich zu sehen, gerade mitten in einen mit Eiern gefüllten Korb, den eine Marktfrau unbesonnener Weise auf den Sitz neben sich gestellt hatte. Von beiden Seiten erhob sich ein heftiger Streit, indem der Herr Ersatz für seine verdorbene Kleidung und die Frau Bezahlung der zerbrochenen Eier verlangte. Da keine Einigung zu erzielen war, begaben sich Beide zum Stationsvorsteher des Lehrter Bahnhofs, welcher vorläufig die Personalien feststellte. N. Ein schlimmer Handel. Ein armer italienischer Gypsfigurenhändler offerirte gestern Vormittag seinen Kram einer am Kottbuserdamm Nr. 6 im fünften Stockwerk wohn« haften Frau, konnte jedoch auf das niedrige für eine Vase ge- machte Gebot nicht eingehen' darüber wurde die Frau in der Hitze des Wortgefechts so rabiat, daß sie dem armen Kerl seine ganze Herrlichkeit zertrümmerte. Nun wird sie doch wohl den geforderten Preis bezahlen müssen. g. Eine ältere Frau kam gestern Abend gegen 6 Uhr auf dem Hofe des Grundstücks Belle-Alliancestr. 61 so unglücklich zu Fall, daß sie sich den linken Unterarm brach, so daß der Knochen herausdrang. Der Verunglückten wurde in der Sanitätswache in der Markgrafensttaße ein Nothverband angelegt und ihr dann weitere ärztliche Behandlung an- empfohlen. g. Die Polizeibehörden fahnden auf drei Hand- Wertsburschen, von denen der eine einem Mädchen in Rüh- städt bei Wilsnack 1 Armband, 1 Medaillon, 1 Paar Ohninge und 1 anscheinend stlbervergoldetes Kreuz geschenkt hat, welche Gegenstände anscheinend aus einem Diebstahl herrühren, der möglicher Weise auch in Berlin verübt sein kann. Denn der eine der Handwerksburschcn besaß einen auf Hermann Schlierig oder Echlenng lautenden Militärpaß, nach welchem er bis zum 5)erbste 1384 bei einem der Garde-Grenadier-Regimenter zu Berlin gedient haben soll. Zwei der Handwerlsburschen find angeblich Schneider, der dritte Töpfer. Man vermuthet, daß sich bei ihnen noch gestohlene Sachen befinden. Ueber einen Unglücksfall mit tödtlichem Ausgange wird berichtet: Gestern Vormittag verunglückte der bei dem Verwalter des Speichers in der Alcxandersttaße 13/14 in Arbeit stehende Arbeiter Sch. bei der Bedienung eines Fahrstuhls und erlitt einen Bruch des linken Schulterblattes und der Wirbel- säule, in Folge dessen er bald darauf verstarb. Die Explosion an der Tegeler Chaussee hat nun doch noch ein werteres Opfer gefordert. Der Arbeiter Koppe, dessen Zustand wenig Anlaß zu ernsteren Befürchtungen gab, ist am Mittwoch Nachmittag ebenfalls seinen Verwundungen erlegen. Vormittags war er noch völlig munter, so daß er allem An- scheine nach ohne Gefahr dem Verhör unterzogen werden konnte. Nach demselben verschlimmerte sich sein Zustand derartig, daß er Nachmittags um 3 Uhr seinen Geist aufgab. Der einzig Ueberlebende der Katastrophe, der Volontair Kaufmann, bleibt hoffentlich am Leben. i Ein interessanter Müllwagen bewegte sich gestern, gefolgt von einer großen Schaar munterer Kinder, die Prinzen- straße hinunter. Derselbe war mit einer seltsamen Kollektion abgelegter Schmuckstücken, wie verwelkte Blumen ic. jc. aus- staffirt. Zu jeder Seite des Wagens waren bunte Lappen und verbrauchte Fahnen angebracht, während der Führer eine knall- rothe, freilich etwas defette Papiermützc auf hatte und eine orangenfarbene Gardiene in Form einer Schürze um den Leib trug. Inmitten des Wagens ragte ein großer ausgestopfter Bett sitzen und sich ausweinen, aber dann bedeuten die alten Leute ihr, daß für sie kein Raum in der Wohnung sei. Sie sind Onkel und Tante von Severin, und daher die recht« mäßigen Erben seiner kleinen Habe. Zeanne hatte kaum gehört, was die Alten sprachen, nur so viel hatte sie verstanden, daß sie hier nicht bleiben dürfe. Sie verließ, bald nachdem sie sich gesammelt, mit stummem Gruß die alten Leute. Plan- und ziellos irrte sie durch Straßen und Gassen, deren Namen sie nicht einmal kannte. Sie wurde kaum gewahr, daß der Tag der Nacht gewichen war. Endlich machte sie Halt, weil ihre müden Füße sie nicht weiter zu ttagen vermochten. Sie befand sich auf einer großen Brücke, tief unter ihr rauschte und fluthete das nasse Element. Nach Schutz suchend, lehnt sie ihren schwankenden Körper auf die eiserne Brüstung der Brücke. Wie aus einem Traum erwachend schaut sie um sich. Sie weiß nicht, wo sie ist,— sie weiß nicht, wie sie hierher ge- kommen,— sie sieht nur aus den schattenhaften Umrissen der Nacht die durch Gasflammen beleuchteten Ufer der Seine sich endlos in die Nacht hineinziehen. Die Gasflammen vom Ufer werfen ihre breiten Lichtstrahlen auf den dunklen Strom. Und auf der Mitte des schnellfließenden Stromes funkeln und glitzern die kreiselnden Wasser vom magischen Lichte des Mondes beleuchtet. Zeanne's wirrer Blick streift den Himmel und bleibt an der lieblichen Mondscheibe haften, die ihr mildes Licht beruhigend, ftiedeverheißend auf sie herniederstrahlt. Sie zuckt zusammen. Höllenqualen und Himmels- freuden durchtoben noch einmal mit ganzer Gewalt ihr Herz. Severin, murmelt sie mtt verklärtem Aufleuchten der Augen., Leicht, behende, ohne zedwede Schwäche, schwingt sie sich über die nicht sehr hohe Einfassung der Brücke. Noch ein leises—„Severin"— und die Fluthen schlagen über einem gebrochenen Herzen zusammen. Stolz, gleichwie in dem Bewußtsein einer guten That, trägt der Strom seine schäumenden Wasser dem fernen Meere entgegen. Storch, der während der Sommerreise des Besitzers Motten bekommen und deshalb in die Müllgrube geworfen worden. Der Storch trug eine große Kutte um den Hals, hatte in den Flügeln Blumensttäuße; an seinem Schnabel war eine aus altem Papier, Lappen, Lumpen und Sttoh glücklich geformte Wickelpuppe befestigt, die wegen ihres dunkelfarbigen Aussehens jedenfalls zu der weithin fichtbaren auf einem Zettel geschrie- denen Bemerkung Anlaß gegeben hatte:„Erste Sendung aus Camerun!"— Der interessante Wagen bewegte sich langsam die Prinzenstraße hinunter nach der Hasenhaide zu. Die Dampfer der neuen Dampfschifffahrts- Gesell- schaft haben seit vorgestem ihre Fahrten auf der Oberfpne begonnen. Vorläufig werden indeß nur zwei Dampfer zwischen Berlin und Stralau beziegungsweise Treptow kurfiren, doch soll schon im nächsten Jahre die Zahl derselben angemessen ver- mehrt werden, und dann sollen auch die Touren eine weitere Ausdehnung erfahren. Der Preis für die Fahrt nach Sttalau ist auf 10 Pf., für die nach Treptow auf 15 Pf. festgesetzt, während von der alten Dampfschifffahrtsgesellschast für dieselben Touren 25 Pf. erhoben werden, wozu an Sonn- und Festtagen noch ein Aufschlag von 5 Pf. tritt. Die alten Dampfer be» ginnen ihre Fahrt jedoch an der Jannowiybrücke, während Vre Abfahrt der neu eingestellten Dampfer erst von der Schillings- brücke aus erfolgt. Der Durchgang an der Taubenstraße nach dem Haus- voigteiplatz ist nunmehr vorläufig dem Verkehr entzogen. M" dem Abbruch der Gebäude am Hausvoigteiplatz, welche in dem ncuprojettirten Straßenzuge liegen, ist bereits der Anfang ge- macht worden, so daß die Beseitigung des häßlichen sogenannten Bullenwinkels sich sehr bald als eine vollendete Thatsache dar- stellen wird. Nach der Durchlegung der Taubenstraße wird, wie die„Volksztg." hört, auch eme Neupflasterung des Haus- voigtei-Platzes zur Ausführung gelangen, gleichzeitig unter Herstellung eines Sttaßendammes von der Ausmündung der Taubenstraße bis zur Niederwall- beziehungsweise Oberwall- sttaße. Ueber einen groben Exzeß wird folgendes gemeldet! In der Nacht vom 19. zum 20. d. Mts. hörte ein Schutzmann auf seinem Pattouillengange in der Mühlenstraße rubestörendcn Lärm auf dem Grundstück Nr. 60/67, auf dem sich Mörtelwcrke befinden. Er ging mit dem Wächter dorthin und traf auf der am Ufer der Spree belegenen Ausladestelle 14—16 Personen, welche Schnaps tranken, sangen und Harmonika spielten.& gebot nun Ruhe, wurde aber von den Leuten verhöhnt. Der zu den Skandalmachern gehörige„Arbeiter" G. äußerte zu dem Schutzmann, daß letzterer ihnen gar nichts zu sagen habe, da sie Geburtstag feierten. Als der Beamte nun den G. auffor- derte, ihm zur Wache zu folgen, wurde er von mehreren Per- sonen umringt und erhielt einen so heftigen Stoß von hinten, daß er mit G. ins Waffer fiel und sich aus der Gefahr des Ertrinkens durch Schwimmen retten mußte. Zwei Schiffer, denen dieser thätliche Angriff zur Last gelegt wird, find in Hast genommen worden. Das Landesgericht zu Olmütz hat die hiesige Polizei- behörde benachrichtigt, daß der Schreiber Adolf Krüger, alia* Karl Weller, welcher zusammen mit dem„Arbeiter" Thaen» in Olmütz bei Verübung eines Diebstahls ergriffen worden war und sich selbst einer ganzen Reihe hier verübter Einbrüche bezichtigt hatte, am 17. August 1885 aus der Frohnveste, rvo- selbst er sich in Untersuchungshaft befand, entwichen ist. Ein« strafrechtliche Verfolgung des Krüger wird freilich auch im Falle der Ergreifung nicht eintreten können, da derselbe durch das Zeugniß ver ihn für geisteskrank erachtenden Aerzte gegen Strafe geschützt ist. Aus den diesseitigen Personalakten er- giebt sich, daß im Mai 1881 der damalige Unterofsizier- schülcr Krüger einen in der Sttomstraße wohnenden Apotheker, von welchem er ein Mittel gegen Zahn- schmerzen erlangt hatte, in der augenscheinlichen Abficht, denselben zu berauben, mit dem Seiten- gewehr einen so heftigen Schlag auf den Kopf versetzt hat, W der Getroffene bewußtlos zusammenbrach. Krüger, welcher da- mals noch nicht die volle Strafmündigkeit besaß, wurde wegen versuchten schweren Raubes zu 3 Jahren und 6 Monaten Ge- fängniß verurtheilt, entsprang im November 1882 aus dem Strafgefängniß zu Plötzensee und wurde nach seiner Wieder- einliefcrung als geisteskrank der Irrenanstalt zu Dalldorf über- wiesen. Von dorr wurde er im Dezember 1884 auf unbestimmte Zeit zu seinem hier wohnenden Bruder entlassen, im Februar d. I. von der Kriminalpolizei aber wieder verhaftet(da er in der Wohnung eines Offiziers in der Kanonierstraße einen Dieb- stahl mittels Nachschlüssel auszuführen versucht' hatte) und der Charit 6 übergeben. Von hier entwich er wiederum, drang im Juli d. I. mittels Nachschlüssels in den Frauen� Pavillon der Städtischen Irrenanstalt ein und entführte eine Patientin. Herr Retnhold Wellhof tritt in der heutigen 126. Vorstellung des Großmogul, nach dem er seinen Urlaub beendigt- wiederum als Nicobar auf., Polizei- Bericht. Am 19. d. M. Morgens fiel dem bei dem Neubau der Tumhalle auf dem Grundstücke Niederwall- straße 6/7 beschäftigten Zimmermann Schmidt aus einer Höhr von zwei Metem ein eiserner Hammer auf den Kopf, so daß Schmidt einen Schädelbruch erlitt und nach der königliches Klinik gebracht werden mußte.— Am 20. d. M. Morgens eischoß sich ein Mann in einem Anfalls von Eäuferwahnsinll auf dem Boden eines Hauses in der .. Elbingerstraße mittelst eines Gewehrs. Die Leiche wurde nach dem Obduttionshaust geschafft.— An demselben Tage Vormittags wurde der Arbeiter Schmidt auf dem Hofe des Grundstücks Alcxandersttaße 13/l4 von einem beladenen Fahrstuhl erfaßt und gegen die Wand des betreffenden Gebäudes gedrückt. Schmidt wurde dabcr derartig verletzt, daß er auf der Stelle verstarb.— Um dieselbe Zeit fiel der Kutscher Dumke in der Badstraße aus Unvorsich- tigkeit von seinem mit Schutt beladenen Wagen, wurde über- fahren und erlitt einen Bruch des linken Unterschenkels, lp wurde mittelst Droschke nach der Charitee gebracht.— AN demselben Tage Nachmittags fiel der Arbeiter Schmidt am dem Neubau Leipjigersttaße 39 vom Hof aus in den Keller hinab und erlitt dabei derartige Verletzungen, daß er mittel!» Droschke nach seiner Wohnung gebracht werden mußte.— i-u derselben Zeit wurde ein 5 Jahre alter Knabe an der Ecke der Charlotten- und Mittelstraße von einer Droschke überfahren und erlitt dabei erhebliche Verletzungen am linken Arm unv Bein.— An demselben Tage Abends wurde ein Mann'N seiner in der Gartensttaße belegenen Wohnung an dem Schlüffv der Küchenthür erhängt vorgefunden. Die Leiche wurde na» dem Lbduktionshause geschafft. Gerichts-Zeiwng. Eine, sich als völlig unhaltbar erwtcsende Anklagt nahm gestern die zweite Ferienstrafkammer des Landgerichts für kurze Zeit in Anspruch. Auf der Anklagebank befand st» ein bejahrter Mann, dessen Vorleben nicht nur völlig makellos und rein ist, sondern der, wie seine Ehrenämter zur Genüg- beweisen, sich einer besonderen Achtung und Hochschätzuns seiner Mitbürger erfreuen muß. Es war der Rentier, laNlx jährigere Stadtverordnete und Waisenrath Friedrich Augssü Kümmel, welcher sich der Erpressung— es handelt sich um cm Objekt von fünf Mark— gegenüber einem Almosenempfäns; schuldig gemacht haben sollte. Der Angeklagte erklärte sich nichtschuldig und erklärte in ruhiger und überzeugender Wcm wie er zu der ihn so beschimpfenden Beschuldigung gekommcss sei. Im Frühjahre fei der Denunziant, der Almostss, empfänger Virchow, der sich aber den Charakter Agent beigelegt hatte, zu ihm gekommen und% um Vermiethung einer kleinen Wohnung gebeten, die er, Angeklagte, in seinem Hause Wienerstraße 33 leer stehen fl* habt. Er habe den Bitten des Reflektanten nachgegeben, d�' Heb, W s m aber geaen alle Verabredung mit zwei Astermiethern ein- Ziagen. Natürlich habe er dagegen opponirt, Virchow habe einfach erklärt, dann bliebe ihm nichts anderes übrig, als auf der Straße zu kampiren. Nach längerem Verhandeln habe « eingewilligt, den unwillkommenen Gästen für kurze Zeit Untenunft zu gewähren, auch keinen Anstand genommen, den W angebotenen Mehrbetrag von 5 M. als Miethszins für 2 Astermiethcr anzunehmen. Er habe stch die Gesellschaft °»er schleunigst vom Halse geschafft und dann sei die Anzeige wegen Erpreffung gegen ihn erfolgt. Da der Zeuge Virchow t iIq Zugaben bestätigen mußte� so beantragte der Staatsanwalt die Freisprechung des Angeklagtem sowie Auferlegung �ichtsh�n aü� Staatskasse. Demgemäß erkannte der P- Entwerthete Kassenscheine, herrührend aus der «luthezeit des Zettel-Bank-Wesens, finden unbegreiflicherweise M mannigfaltiger Publikationen immer noch bereitwillige «dnehmer. Einen solchen Kassenschein, über 10 Thaler Kou- «nt lautend, besaß der Schlächtergeselle Lacke in Friedrichs- "M; der zu Ende des vorigen Jahres bei der Wäscherin «tem, geborne Fließ, ebendaselbst zur Miethe wohnte und seiner Ungenannten Logiswirthin 7,50 Mark für Miethe schuldig «ar.— Die Stein befand fich mit ihren Kindem in derbem- % größten Nahmngsnoth, weshalb sie von ihrem Miether unter Anwendung des bekannten„Entweder— oder—" die Zahlung der Miethsschuld kategorisch verlangte. Lacke _...____________— D—----- ngte. Lacke war M, armer noch wie der griechische Philosoph Diogenes, aber «itz besaß er und— außerdem den oben bezeichneten Kassen- Hein. Diesen letzteren— wohlwissend, daß derselbe längst K den verfallenen Größen zählt— übergab er dem 8jährigen <<>chterlein der Wirthin mit dem Auftrage, bei dem nahebei wahnenden Bäcker Tschöpke ein Brot zu kaufen und den Schein fo TvetMeIn- Der Koup gelang; freudig jubelnd:„Mutter Uo,!" das Kind heim. Die nichtsahnende Frau � Bäckers hatte den 30Markschein für giltig angesehen M nach Abzug des Gekauften Prompt 29,50 Mark �ausgezahlt. Von dem so leicht erworbenen Gelbe zahlte j-We sofort an die Wittwe Stein 7,50 M.— Hinterher ent- jedoch Frau Tschöpke die Ungiltigkeit der Banknote und folgte die Erhebung der Anklage gegen Lacke wegen Betruges, "?e, da die Stein nachweisbar von der Ungiltigkeit des zu gemachten Werhpapiers Kenntniß gehabt, die Erhebung � Anklage wegen Hehlerei gegen dieselbe. Beide Angeklagte »rf-r. Vkvivwv.*_7vi.vv. � Mrenen vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts II. Frau torin' u>elche wegen Hehlerei bereits vorbestraft, wurde mit Ih+T1«" hierauf zu 3 Monaten Gefängnis verurtheilt, das Unheil gegen Lacke lautete auf 1 Monat Gefängnis. Einer jener ungarischen Gauner, welche unter der v-�e von.Handelsleuten die ganze West durchstreifen, um .�chendiebstähle auszuführen, wurde gestern der 91. Abthei- JJ9 des hiesigen Schöffengeric'" Ju Ängerfertigkett in zwei ts vorgeführt, weil er auch hier Fällen versucht hat. Am Nach- JE des 21.'Juni, als die Frequenz im Ausstellungsparke höhepuntt erreicht hatte, wurde der Angeklagte, der fich �arlus Herzstein aus Pest nannte, dabei ertappt, als er im wisse stand, einer im Parke promenirenden Dame ein Potte- aus der Tasche zu ziehen. Auf dem Polizei-Kom« fi�Kat wurde der Dieb einer Korpervisttation unterworfen und Unbedeutende Anzahl deutscher Freimarten bei ihm ge. Da nun am Tage vorher eine Anzeige eingelaufen, li„ eine andere Dame im Ausstellungsparke das Opfer � Taschendiebes geworden, der ein Pottemonnaie mit tT W% und einer größeren Anzahl Freimarken erbeutete, .,,?urde angenommen, daß Herzstein auch diesen Diebstahl KÄEsührt hatte und dieser Verdacht wurde bestätigt, als die stn, wme zur Stelle geschafft wurde und in dem Verhafteten in 7 Menschen wiedererkannte, der fich im Ausstellungspatte ey"fallender Weise in ihre Nähe drängte. Herzstem gab in' o, 6 er vor einigen Tagen, von Pest kommend, sir�Erlin eingettoffen und in einem in der Krausen- hstl.belegenen Hotel abgestiegen sei. Er beabsichtige, lxvt Abnehmer von Südfrüchten zu gewinnen. Diese von �.Behauptung konnte er aber weder durch Aufgabe Unterer Denzen, noch durch irgend einen sonstigen Nachweis heit„"Fen. Er leugnete den letzteren Diebstahl mit Entschieden- die x Lab über den Erwerb der Freimarken eine Auskunft, bies.ns" Stempel der Lüge an der Stime trug. Er wollte sein-. fich nämlich schon in Pest verschafft haben, um nach �un c. unft in Berlin solche sofott bei der Hand zu haben. nickt Mte sich aber durch die Recherchen heraus, daß Herzstem Vtf. vsEtt von Pest, �sondern vielmehr, nach längerem Reisen V,,„ e verschiedensten deutschen Provinzen, über Köln nach diezt,",. Bekommen war, auch ettheiltc die Pester Behörde auf i«.'Ewige Anfrage die Auskunft, daß der Angeklagte tator t'L," Anfrage vre Auslunft, vaß oer Angeilagie sei,-"'eher auf einen Taschendiebstahl nicht ettappt wäre, doch von->�Elfellos, daß derselbe zu einer intemationalen Bande stejz jMendieben gehöre, denn in den letzten Jahren sei er bei Gesellschaft solcher Personen gesehen worden. Der genoi"wiatt hielt die Belastungsmomente für schwerwiegend "es»,1-, Um den Angeklagten trotz des Leugnens desselben auch Neu» Diebstahls für übersühtt zu erachten und beantragte sickt Monate Gefängniß. Der Gerichtshof war aber der An- diesen kosmopolitischen Gaunern das Handwerk gelegt werden müsse und erkannte auf eine Gefängniß- ,.„enS im Amte in zwei Fällen stand astner August Haßloff vor der zweiten Ferien- des%nbgerichtri/&e bemfelbeA zur&ftge- |nb di? i�lhaten datiren schon vom 1. Juni 1883; erst jetzt «iiivt.».."ezüglichen Recherchen zum Abschluß gelangt, da die 5krno�"fiE" wegm zu weiter Entfernung alle kommissarisch gu—.............„. Elten x werden mußten. An dem vorbenannten Tage er- toeb an" Hierselbst in der Möckernstraße wohnhafte Kandidat HnQ'i �wie ein Fräulein H.. ebenfalls in der Möckemstraße Aesen it' ein Postpacket aus Zeitz resp. Kösen. Erwiesener- �getrost-» die Packete gleichzeitig mit demselben Zuge hier k�Ren gleichzeitig, aber möglicherweise in verschiedenen Efistherr bem Hauptpostamte in der Oranienburgetttraße k und dem Angeklagten sodann gleichzeitig oll. f,' Jbetung an die Adressaten übergeben worden. Als »fofiiet nur die sein, daß ein Unbefugter die Packete bann nachher irrthümlicherweise die Begleitschreiben ifi Erseii-i batte. Die Verpackung der Packete, die k" ,ä£ä8 S'Ai®irÄ i, ben Angeklagten für den Thäter, man K,""ke„h'«aß derselbe den Vettrauensbruch begangen, „Mle nnrf FW allein im Packetwagen von der Oranienburger- S der Möckernstraße befand. � «"Ef aU"?;"61 tvtöckemsttaße befand. Da derselbe fich bisher & gewissenhafter, pflichttreuer Beamter erwiesen, die der Packete auch nicht außer dem Bereiche Mage n.stÄ lag. so beließ die Ober-Postdirettion den unter le�unn V�Aen Postschaffner bis nach der gettchtlichen Eni- w �nfcfillrv"ssfie- Der Angeklagte betheuette im Termine ito�Ung?n„ und da durch die angestellten umfangreichen Er- L L der sti.i�."'cht hatte nachweisen lassen, daß eine Spoli« LI �lstgeklni? nicht schon erfolgt war, bevor sie in die Hände 'ttiteren ssENethen, so hielt der Gettchtshof die gegen >b. nJ;.?0"regendcn Verdachtsmomente nicht für aus- »i.'i". veruttheilen zu können und sprach ihn frei. >11 rt«»» � t.(«*«»<« a** vm«**- der 8on Vornahme unsittlicher Handlungen wurde � Vier-i»?��iener eines sehr hochgestellien Herrn, 1 wreel und der 23 jährige„Arbeiter" Kropatscheck von der ersten Feriensttafkammer des Landgerichts l zu Gefäng- strafe verurtheilt. Kropatscheck war von dem älteren Viereck verleitet worden, von dem überhaupt seitens der Kriminal- polizei Dinge ermittelt worden find, welche garnicht wieder zu geben find. Wie immer in derartigen Fällen, in denen die Zeugen theils sich selbst lompromittiren, theils stch vielleicht so- gar einer strafbaren Handlung zeihen würden, waren deren Aussagen theilweise unsicher, sogar entlastend, nur die Beamten der Polizei waren ihrer Sache gewiß. Der Gerichtshof hielt gestützt auf sehr gravirende Indizien dem Antrag des Staats- anwalts gemäß, die Angeklagten für schuldig und verurtheilte Viereck zu vier Monaten und Kropatscheck zu drei Monaten Gefängniß, außerdem ersteren auch noch zu einem Jahr Ehr- verlust. Der Staatsanwalt hatte gegen V. ein Jahr und gegen K. sechs Monate Gefängniß beantragt. Die VerHand- lung fand übrigens unter Ausschluß der Ocffentlichkeit statt und nur das Urtheil wurde in Gegenwatt des Publikums verkündet; aber auch hierbei wurden die im Saal erschienenen Damen aufgefordert, diesen zu verlassen. Halle, 20. August. Die Strafkammer des hiesigen Land- gerichts vemttheilte heute den früheren Stadtverordneten und Fabrikbesitzer Graeb Hierselbst wegen fahrlässigen Meineids zu acht Tagen Gefängniß. Der Staatsanwalt hatte 3 Monate Gefängniß beantragt. Kassel, 19. August. Der Redakteur des hier erscheinenden christlich- sozialen„Sonntagsboten für Kurhessen" einer reli- giösen Wochenschrift, die fast ausschließlich unter der Land- bevölkerung verbreitet ist, der Buchhändler Heinrich Ludwig Föbus Hierselbst, wurde in heutiger Sitzung der Strafkammer wegen grober Majestätsbeleidigung, beganggn durch einen Artrkel des genannten Blattes, zu einer Gefängnißsttafe von drei Monaten verurtheilt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Wien, 20. August. Gestern stand vor dem Schwurgericht des Betruges, der öffentlichen Gewaltthätigkeit und der Falsch- Meldung angeklagt, Maximilian v. Greffen, kaiserl. russischer Kollegialrath im russischen Ministerium des Innern. Greffen hatte versucht, durch Fälschungen von Telegrammen und Legiti- mationspapieren zum Schaden des Staatsratbs Smelsky von dessen Guthaben bei verschiedenen Banken Gelder zu erheben, was ihm auch in einem Falle glückte. In der Verhanolung gab er an, nicht aus gewinnsüchtrger Absicht gehandelt zu haben, sondern daß er sich nur an Smelsky, welcher angeblrch gegen ihn intriguitt habe(Smelsky kennt ihn indessen gar nicht), habe rächen wollen, indem er ihm Besorgniß wegen seines Ver- mögens einflößte. Greffen wurde zu fünf Jahren schweren Kerkers und Landesverweisung verurtheilt. Uerewe und Versammlungen. de. Die öffentliche Arbeiterinnen-Versammlung, die am Donnerstag, den 20. d. M., in Mohrmann's Salon, Gr. Frankfutterstraße 117, stattfand, war sehr zahlreich— auch von Männern— besucht. Das Bureau wurde aus Frau S t ä g e- mann als 1., Frau Büge als 2. Vorsitzende und Frau Ihrer als Schrrftführerin gebildet. Im Anschluß an fol- gende Petition an den Reichstag:„Die unterzeichneten Frauen und Mädchen Berlins bitten den Hohen Reichstag um Verbot der Sonntagsarbeit in allen Fabriken und Werkstätten, sowie um das unbedingte Verbot jeder Kinderarbeit in Fabriken. Beide Maßregeln werden dazu beitragen, die heranwachsende Generation zu kräftigen, das Familienleben des Arbeiters zu verschönern und die Arbeitskraft von Männern und Frauen für die Wochentage zu stärken," hielt Frau Dr. H o f m a n n ein eingehendes Referat. Sie wies darauf hin, daß auch die Frau ein besonderes Interesse daran, ihre Stimme in einer Frage laut werden zu lassen, habe, die so eng mit dem Fa- milienleben und mit ihren eignen Erwerbsverhältnissen zusam- menhänae. Die vollkommene Sonntagsruhe in allen Gewerken sei im Interesse der Sittlichkeit und Gesundheit geboten. Freie Vereinbarung könne hierin bessere Zustände nicht schaffen, weil jede Garantie fehle, daß die freie Konkurrenz nicht den ein- zelnen Arbeitgeber wie Arbeiter zwinge, die Sonntags- arbeit ein- und weiterzuführen, um nicht im zügellosen Wettbewerb aus dem Felde geschlagen zu werden. In diesem Sinne sei die von der Regierung eingeleitete Untersuchung freudig zu begrüßen, nur sei sehr zu bedauern, daß die Fragen zu sehr m's Einzelne gingen und an einer gewissen Unklarheit litten. Trotzdem werde die unbefangene Antwort jeder Ar- beiterin auf diese Fragen lauten: Wir brauchen die Sonn- tagsruhe; sie ist uns ein Bedürfniß! Es werde sehr oft über den Mangel eines Familienlebens bei den Arbeitern gesprochen, die Klagen seien aber leichtfinnig und oberflächlich. Ohne Sonntagsruhe sei eben ein gedeihliches Familienleben unmög- lich. Wenn der Arbeiter nur lebe, um die Maschine zu be- dienen, wenn die Arbeit vollkommen Herr über ihn sei, dann lasse die harte Anstrengung und die tiefe Müdigkeit kein wahres Zusammenleben mit seiner Frau und seinen Kindem zu. Wie die Lonntagsarbeit schädlich, so sei die Kinderarbeit verwerflich. Das Kind gehöre auf den Spielplatz und in die Schule, nicht in Fabrikräume. Die Industrie werde fich auch ohne Kinderarbeit behelfen, die ganz gestrichen, ganz aus allen Berechnungen weggelassen werden müsse. Mit der Bitte durch eine große Anzahl von Unterschriften unter die oben gen. Petstion zu beweisen, daß die arbeitenden Frauen Berlins nur einer Meinung über die Frage der Sonntagsruhe und der Kinderarbeit wären, schloß die Referentin ihre beifällig aufgenommenen Motte. Nunmehr nahm von rauschendem Beifall begrüßt Herr Reichs- tagsabgeordneter P. Singer das Wott und verbreitete stch in eingehender Rede über das von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachte Arbeiterschutzgesetz. In seinen einleiten- den Ausführungen rechtfettigte er das Eingreifen des Staats in die wirthschaftlichen Verhältnisse. Der freie Wille des Ein- zelnen, der wie die Gegner behaupten, zu sehr durch ein Ein- greifen des Gesetzes beschränkt würde, sei für den Arbeiter zum Popanz geworden. Niedergezwungen durch die Noch, durch die Tausende, die arbeitslos zu jeder Bedingung die Arbeit anzunehmen bereit sind, wird er gezwungen, sich den Willkür- lichen Forderungen des Untemehmers zu unterwerfen. Der Staat habe nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, wenn er seine Aufgabe, der Schutz aller zu sein, erfüllen wolle, den wirthschaftlich Schwachen zu schützen. Ob aber die jetzige Re- gierung gesonnen sei, dieser Pflicht nachzukommen, sei sehr zweifelhast. Er(Redner) könne daher auch die rosige Auf- fassung der geehtten Vorrednerin nicht theilen, ihm scheine vre Enquete der Regierung über die Sonntaasarbeit darauf ange- legt zu sein, kein Resultat zu ergeben. Das zeige fich allein schon in der verwickelten Form der Fragestellung. Wer über- dies den Ausfühmnaen des Fürsten Bismarck, ohne dessen Willen, wie man behauptet, nichts im Deutschen Reiche ge- schehen kann, über die Sonntagsruhe beigewohnt hat, wird aus der einen Thatsache, daß der Reichskanzler fich bei dieser Gelegenheit seit langer Zeit zum ersten Mal wieder des Bei- falls der Deutschfreistnnigen erfreute, entnehmen, daß die Reichsregierung den manchesterlichen Boden in dieser Frage nicht verlassen wird. Dankbar könne man nur deswegen sein, weil die Enquete auf alle Kreise der Arbeiter ausgedehnt zu werden scheine. Auch die Frauen als Arbeiterinnen hätten die Pflicht, ihre Anficht laut werden zu lassen und auf zahlreiche Unterschriften der vorgeschlagenen Petition hinzuwirken. Sie sollten sich ein Beispiel an dem englischen Volke nehmen, das SBffi Auf diesen Gesetzentwurf ging der Redner nun näher ein und beleuchtete Punkt für Punkt die einzelnen Vorschläge und Be- stimmungen, die er besonders auf ihre Einwittung auf die Stellung der Frau zu Staat und Familie untersuchte. So besprach er ausführlich die Forderung des Maximalarbeits- t«ges, des Verbotes der Zuchthausarbeit auf Rechnung der Privatindustrie, der Einführung der Sonntagsruhe, der Beschränkung der Frauen- und des Verbotes der Kinderarbeit, eines Minimallohnes und der organisatorischen Bestimmungen, der Errichtung von Arbeitskammern, Arbeits- ämtern und eines Reichsarbeitsamtes.— Mit der Ein- bringung dieses Gesetzentwurfes— so etwa schloß der Redner — hat die Sozialdemokratie endgiltig bewiesen, daß sie es nicht ist, welche die heutige Gesellschaft zettrümmert. Der Entwurf soll die Brücke sein, die den klaffenden Abgrund sozialer Gegensätze überspannt. Am ersten Tage nach Beginn der neuen Reichstags� Session werden wir diesen Entwurf wiederum einbringen. In der Zwischenzeit unterstützen Sie die Vorlage durch Petitionen an den Bundesrath und die Volksvettretung. In Verbindung mit Ihrer Petition um Sonntagsmhe unterzeichnen Sie auch die Petitionen, welche die Verwirklichung des Arbeiterschutzgesetz-Entwurfes verlangen. (Stürmischer, wiederholter Beifall.»— In der weiteren Dis« kussion drückte zunächst Frau K a n z i u s ihre Uebereinstimmung mit den Anschauungen und Ausführungen des Vorredners aus. Unter lebhaftem Beifall betonte sie, daß das Kind in die Schule gehöre, wo es etwas lernen solle, freilich nicht in der Weise, daß sein Kopf mit Bibelsprüchen vollgepfropft würde.— Ebenso lebhaften Beifall fand Fräul. W a b n itz, die entschieden für den Normalarbeitstag und die Sonntagsruhe eintrat und die Nachfeierabend- und Nacht- arbeit, zu der die meisten Näherinnen heute gezwungen sseien, in ihren Körper und Geist zerstörenden Folgen schilderte. Nachdem noch Frau Kolbe in gleichem Sinne gesprochen, ver- suchte ein Herr H a a s e(Stöckerraner) seinen Weizen auszu- streuen, wurde aber von der Vorsitzenden unterbrochen, da er entschieden vom Thema abwich und durch die fortwährend wiederholte Anrede:..Meine Herren!" Lachstürme der Per- sammlung wachrief. Dieses Lachen verscheuchte ihn endlich von der Tribüne.— Ein Herr S ch i e w e ck schildette hierauf auS eigener Erfahrung die verderblichen Folgen schlecht bezahlter Frauenarbeit. Seine Frau habe 10 Jahre lang für Geschäfte gearbeitet und einen Wochenlohn von 5 und 6 Mark verdient, fo daß ihre Nahrung fast nur aus Brod und Kaffee bestanden habe. Jetzt liege sie ihm nach der Geburt eines Kindes krank, siech und elend zu Hause, während er selbst arbeitslos sei.(Der Ueberschuß der Tellersammlung, 22,30 Mark, wurde auf Be- schluß der Versammlung dem Manne, um die Noch seiner Familie zu lindem, zugewiesen.)— Frau Stä gemann forderte zum Schluß in kräftigen Motten auf, Petitionen um Einfüh- rung des Arbeiterschutzgesetzcs und die vorliegende Petition zahlreich zu unterschreiben und weiter zu verbreiten; gleichzeitig forderte sie auf. dem Verein zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen(Vereinslokal, Gratweil's Bierhallen) beizutreten. — Nachdem noch ein Herr Kluge der Versammlung versichert hatte, daß von dem Abgeordneten Singer wenig zu erwarten wäre, an seinen weiteren Ausführungen aber durch den stürmischen Ruf:„Antisemiten wollen wir nicht hören!" und durch das einstimmige Votum der Arbeiterinnen ge- hindett worden war, gelangte folgende Resolution gegen drei Stimmen zur Annahme:„Die heute in Mohrmann's Salon, Große Frankfurterstraße 117, tagende Versammlung der Arbeiterinnen und Arbeiter des vretten Reichstagswahlkreises ettlätt fich mit den Ausfühmngen der Frau Dr. Hofmann und des Reichstagsabgeordneten Herrn Paul Singer vollständig einverstanden und verpflichtet sich, mit aller Kraft dafür zu sorgen, daß Tausende von Unter- schriften betreffs der Sonntagsruhe und des Arbeiterschutz- gesetzes gezeichnet werden."— Damit schloß die Versammlung. Beztrksverein des werkthätigen Volkes der Schön- hauser Vorstadt. Die letzte Versammlung des Vereins ver- fiel dem Schicksal polizeilicher Auflösung. Herr Krohm hielt einen Vorttag über die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Redner beleuchtet zunächst die Nothwendigkeit der Betheiliguna der Arbeiter an den Wahlen, sowie die verschiedenen Atten der Besteuerungssysteme und zeigte, wie gerade die Miethsfteuer die drückendste Steuer sei. Redner geht dann des Näheren auf die Betheiligung der Stadt an gememnützigen Unternehmungen ein und ersucht zum Schluß die Arbeiter sich rege an der Agi- tation zu den bevorstehenden Wahlen zu bethcrligen, um so, wenn auch noch nicht für sich, so doch für vie Nachkommen Vottherle zu erringen. Nachdem Redner seinen Vortrag beendet, ersuchte der überwachende Polizeibeamte um Angabe von Namen und Wohnung des Referenten. Der Vorsitzende giebt hierauf bezügliche Auskunft. Inzwischen ertönt aus der Versammlung em Zwischenruf, ohne jedoch die Verhandlung in irgend einer Welse zu stören. Nunmehr erhebt fich der Poli- zerbeamte und erklärt auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes die Versammlung für geschlossen.— Die nächste Versammlung findet am Mittwoch, den 26. d. Mts., in demselben Lokale statt.(Näheres stehe Inserat in der Diens- tag-NummerJ Fachveretn der Bau- und Fabrikarbeiter zu Köpenick. In der Versammlung am 15. August fand die Wahl der Fach- kommrsfion statt. Nach Erledigung derselben referitte Herr Nöske(Berlin) über den Maximalarbeitstag. Der Vottragende verweilte hauptsächlich bei der Frauenarbeit, wies nach, daß die Frau in vre Familie gehörte und nicht in die Fabrik, um den mannlichen Arbeltern Konkurrenz zu machen. Durch die heu- tigen witthschaftlichen Verhältnisse würde manches junge Mäd- chen zur Prostitution getrieben. Durch die Länge der Arbeitszeit veranlaßt, sähen die Kinder oft ihren Vater nur am Sonntag. Zum Schluß empfahl Referent, die Pctitionslisten mit zahl» reichen Unterschriften zu versehen, damit an hoher Stelle der Wille der Petenten möglichst zur Geltung gelange. Herr Fertau sprach seine Verwunderung darüber aus, daß in den zwischen Köpenick und Berlin gelegenen großen Fabriken so sehr oft des Sonntags gearbeitet wird. Mit vielem Beifall wurden die Reden aufgenommen. Auch wurde das„Berliner Vollsblatt" den Anwesenden in Erinnerung gebracht. Die nächste Versammlung findet am Sonnabend, den 29. Auaust statt. Die Petitionslisten liegen aus bei Herrn Stutz, Schloß- SSUS 0« SÄLÄÄ Sä?&Ä tag der bestehenden Fcuhvereine der Kürschner und Berufs- wlto»„WoiinT lim du V-ch»n»>«ng'du D-Td»'S Vor Eintritt in die Tagesordnung da'*"~" vi erwähnten Antrag ablehnte. Herr Stoye- �erlrn hatte das Referat übernommen. Er legte die �sriEDungen der Fachvereine dar, ebenso die Aufgabe der „Arbeitsnachweise, welche in allen Vereinen mit Erfolg gear- beuet haben, aber gerade in Betreff des Arbestsnachweises müßten alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, indem die Jnnungsmelster alle erdenklichen Operationen demselben entgegen setzen. Schon vor längerer Zeit hätten die Herren Jnnungs- meister beschlossen, Arveitsnachweise-Bureaus in allen Städten selbst zu errichten, dieses Vorhaben sei jedoch bis dahin noch nicht zu Stande gekommen, weil sämmtliche Jnnungsmeister einen jährlichen Beitrag von 9 M. entrichten sollen, um den durchreisenden Gesellen bei Arbeitslosigkeit eine Unterstützung ner ewesen, Vereine zu bilden, die Mehrzahl der Küi, ,iehe zu schwach in den Städten, um Vereine zu bilden, deshalb empfehle er die Gründung eines Zentral- Unterstützungsbundes der Kürschner Deutschlands. Nur dann könnte es möglich sein mit Erfolg zu arbeiten, wenn selbst dem Einzelnen, der allein in einer Stadt arbeitet, die Ge- genheit geboten würde, Mitglied des Verbands zu werden und demselben in Form von Meilcngeldern auf der Reise Unterstützung zu Theil würde. Ebenso müßten auch bei Ar- beitslofigkeit und Streiks»c. die Mitglieder des Verbands unterstützt werden. Diesen Ausführungen schlössen sich sämmt- liche Ddegirte an und wurde beschlossen, innerhalb 6 Monate einen Delegirtenkongreß in Hamburg oder Dresden zur Gründung eines Zentralverbandes abzuhalten. Es wurden hierauf zur Ausarbeitung der Verbandsstatuten 2 Kommisstonen, aus je 5 Mitgliedern bestehend, gewählt. Der Vorfitzende des Schkeuditzer Fachvereins theilte den Delegirten hierauf mit, daß er am 13. August vom Schöffengericht zu Schkeuditz zu 30 M. eventuell 6 Tagen Gefänaniß verurtheill worden sei, weil er in der am 15. Juni stattgesundcnen Versammlung den überwachenden Polizeibeamten solle beleidigt haben. Er habe mit der Eröffnung der Versammlung zirka 55 Minuten ge- wartet und wie er dieselbe eröffnet, sei die Versammlung von dem Polizeibeamten aufgelöst worden, mit dem Be- merken, daß et_ über eine Stunde gewartet habe. Urtheil zu erlangen, andernfalls die Kosten gemernsam zu tra- gen. Der Delegirtentag wurde um 9'/» Uhr Abends ge- schloffen. Am Dienstag, den 18. d. M. fand in Schkeuditz bei Leipzig eine öffentliche Versammlung der Kürschner(Zunchter) statt. DieHenen Stoye u. Wedcmeyer referirten über die Aufgaben der Fachvereine und der Lohnbewegung, wie dieselben mit Er- folg zur Durchführung zu bringen seien. Dauernde Erfolge, so führten die Redner an, seien aber nur durch die Gesetzgebung kräftig" zu ün terstützen.'�ie Ü'ebelstände der Sonntagsarbeit und die der Nachtarbeit seien im Kürschnergewerk sehr vorhan- den, und bedürften unbedingt einer gründlichen Remedur. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Mehl- und Getteide-Kutscher am Sonntag, den 23. August, Nachmittags 3 Uhr, im Saale des Herrn Seefeld, Grcnadiersttaße Nr. 33. Tagesordnung: 1. Statutenberathung. 2. Verschiedenes. Eine öffentliche Versammlung der Zimmerleute Berlins und Umgegend findet am Sonntag, den 23. d. M., Meister in Sachen der Lohnerhöhung. 2. Verschiedenes. Der Verein der Parquetbodenleaer hält am Montag, den 24. d. M.. Abends 8 Uhr. im Lokal Mauerstt. 86 be, Piper eine geschlossene Mitgliederversammlung ab. Neue Mit- glieder werden aufgenommen Der Fachverein der Tischler hält heute Abend s'/- Uhr, ,"s Salon, Neue Grünstraße 28, eine außerordentliche in Jordan' Generalversammlung ab mit der Tagesordnun antworten wir den uns vom Kömal Polizei-.. stellten Fragebogen bezüglich der Sonntagsarbeit� 2) Antrag, 1) Wie be- rästdium zuge- bezüglich" Verlängerung des Mandats der Arbeitsvermittelungs- Kommisfion von 6 Monate auf 1 Jahr. 3) Antrag Vogt: Einsetzung einer Kommisston, welche fich mit der Frage be- schäftigen"soll: Ist die Errichtung einer UnterstützungSkaffe für ------"ereinsmil"'•P"-"-■ arbeitslose Vereinsmitglieder möglich? 4) Verschiedenes und Fragekasten. Quittungsbuch legitimirt. Neue Mitglieder werden N( aufgenommen. Die Namen derjenigen Mitglieder, welche die übrig behaltenen Billets vom letzten Vereinsvergnügen nicht in Versammlung abliefern, werden veröffentlicht. In der freireligiösen Gemeinde spricht Sonntag Vormittag 10 Uhr, Rosenthalerstraße 38, Herr der sen Gemeinde spricht am nächsten Schäfer über„Vordenken, Nachdenken und Nachglauben als Mittel der Lebensbeseligung."— Zutritt steht Jedem frei. Zentral-Kranken und Sterbekasse der Tischler k., örtliche Verwaltungsstelle Berlin B(innere Louisenstadt). Sonntag, 23. August, Vormittags 10 Uhr: Mitgliederversamm- lung in Conrad's Salon, Wafferthsrstt. 68. Tagesordnung faffung über Wahl von Kaffenärzten für erwerbsfähige Kranke: 3) Verschiedenes. Oeffentliche Versammlung der Steinträger Berlins und Umgegend Sonntag, den 23. August, Vormittags 10 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77—79. Tages- ordnung:„Was haben wir durch den Streik für Erfahrungen gemacht und welches find unsere Aufgaben für die Zukunf Referent: Herr Michelsm. Der Fachverein der Schneider hält am Montag, den ......... st's Salon, Kommandanten- 24. d. M.. Abends 3'/. Uhr. in Nieft' straße 71—72, eine Versammlung ab mit der Tages Ordnung: 1. Arbeiterschutzgesetz und Sonntagsruhe.(Petitlonslisten zur Einführung der Sonntagsruhe liegen aus.) 2. Besprechung der Fragebogen, welche dem Vorstand des Fachvereins vom Polizei. Prafidium zugeschickt worden find. Referent Herr Michelsen. Der wichtigen Tages- Ordnung wegen ladet der Vorstand sämmtliche Schneider Berlins(Meister und Gesellen) ein, in dieser Versammlung zu erscheinen. Eine öffentliche Tischlerversammlung findet Sonntag, den 23. August, Vormittags 10'/: Uhr, in Keller's Salon statt. Näheres stehe Inserat. Oeffentliche Versammlung der Metallarbeiter. Sonn- tag, den 23. August, Kommandantensttaße 77— 79, in Grat- weils Bierhallen. Tagesordnung: 1. Gründung eines„Allgemeinen Metallarbeiter-Vereins" für Berlin. 2. Wahl einer tawtenberathungs-Kommisfion. machung an den Anschlagsäulen. Alles Nähere durch Bekannt- Arbeiter- Bezirksveretn der Rosenthaler Vorstadt. Montag, den 24. August 1885, Abends 8 Uhr, in Kurzmanns Bergstraße" 68, große Versammlung. ordnung: 1. Vortrag. 2. Verschiedenes.� 3. Fragekasten. Um Salon, Tages- zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ist gebeten, da es dem Vorstand nach längerer Zeit wieder einmal gelungen ist, ein der Mitgliederzahl unseres Vereins entsprechendes Lokal zu finden. Gäste, durch Mttgliedcr eingeführt, haben Zutritt. Ferner machen wir noch darauf aufmerksam, daß die Mitglieder der Bibliothekkommisston in der betreffenden Versammlung Bücher entgegennehmen. Auch können solche abgesehen werden beim Vorfitzenden Ballmttller, Veteranenstraße 28 und beim Kasfirer Kaspar, Swinemünderstt. 19, II. Die Petition für den Ardeiterschutzgcsetzentwurf liegt zum Einzeichnen aus und ersucht der Vorstand, recht zahlreichen Gebrauch davon zu machen. Große öffentliche Versammlung der Stellmacher l 23. August, Vormittags 10 Uhr, in Grätz Salon, Sonntag, den„_.■ I Brunnenstr. 140. Tagesordnung: 1. Die Thätigkeit des Ge- sellen- Ausschusses. 2. Die Anfrage des Königlichen Polizei- Präfidiums an den Fachverein, betteffend die«sonntagsarbeit. 3. Verschiedenes. Vereinigung deutscher Schmiede. Den Mitgliedem zur Nachricht, daß unser Statut jetzt die Genehmigung der Behörde gefunden hat und findet die erste Versammlung am Montag, den 24. August, Abends 8'/, Uhr, in den Graweö- schen Bierhallen, Kommandantensttaße 77—79, statt. Tagesordnung: 1. Vorstandswahl. 2. Vortrag des RegierungsbaU' meisters Herrn Keßler. 3. Verschiedenes und Fragekasten. W' gliedsbücher können in Empfang genommen werden und bitter wir alle Kollegen, welche der Vereinigung beitreten wollen, M dieser Versammlung zu erscheinen._ Oeffentliche Versammlung der Metallarbeiter, tag, den 24. August, Abends 8'/- Uhr, in Keller's Salo», Andreasstt. 21. Tagesordnung: Die Vorkommnisse in der Hauptverwaltung der„Vereinigung deutscher Metallarbeiter in Mannheim. Der Berliner Turnrath veranstaltet am Montag, 24. August, Abends 8'/: Uhr, im„Königstädtischen Kaftna Holzmarktstr. 72, eine öffentliche Versammlung, in welcher � Herren Dorner und Gast über das sechste allgemeine beuPj Turnfest in Dresden Bericht erstatten werden. Die Mitglred« der Vereine des Verbandes find hierzu eingeladen und Freu»»' j des Turnens als Gäste gern willkommen. Ifo Kleine Wittheilungen. Brandenburg, 18. August.(Ausgewiesen.) DerSoM demokcat Wernsoorf, welcher fich kürzlich hier als Inhaber etnf» Barbiergeschäfts niedergelassen, nachdem er zuletzt kurze Zeit Magdeburg und in Hannover gewesen, wurde � seiner Frau verhaftet. Die Reklamation geschah seitens Staatsanwaltschaft in Hannover, weil W. wegen Majestät»- beleidigung und Verbreitung sozialdemokratischer Schriften u# Anklage gestellt weiden soll. W. wird per Schub nach nover überfiedeln. Magdeburg, 18. August. Die Schatzgräberei auf Platz vor der südlichen Serte der Zitadelle ist bereits seit � 7. d. M. wieder eingestellt worden, nicht aber etwa, well n"® nichts zu finden hofft, sondern weil die Personen, welches Erlaubniß zum„Schatzsuchen" erhalten haben, erst Geld einzahlen müssen, um die Arbeiter, von welchen, jeder eine Mark erhäll, bezahlen zu können. Die bis lA leoer eme tviarl erhatt, bezahlen zu lonnen. Dre t»s i'«" gezahlten Beträge sind für Lohn ausgebraucht, bis auf � Kaution, welche gestellt werden mußte für das Wiederedna des Terrains. Gememnittziges. Zur Erhaltung von Eiern wird in den„Drcsd.A f. Geflügelzucht" die Anwendung von Vaselin empfohlen. Eier werden durch Waschen gründlich gereinigt und dann � Vaselin eingerieben, welches fich beim Kochen leicht von Of Schale trennt. Will man sicher gehen, so empfiehlt es P u» mui» ivu/v* yvy| V vUifl»*'*?14 v das Einreiben nach einigen Monaten zu wiederholen, Vaselin zu verwenden, worin 2—3 pCt. Salizylsäure bin» W V-stab „ Wi peinige t dur 7°hnerh bau er Kochen aufgelöst sind. So aufbewahrte Eier sollen sttf � ein Jahr gut erhalten und wie frische schmecken.— Vaselin � ein Mineralfett, welches durch Destillation aus den Rückst den des amerikanschen Petroleum gewonnen wird und Paraffin verwandt ist. Das Vaselin zeichnet fich durch aal« ordentliche Haltbarkeit aus, ist unbedingt säurefrei, wird" ranzig und ist vollständig geruch- und geschmacklos. Kriefkasten der Redaktion., P. G. 50. Sie find dort wahlberechtigt, wo Sie r Zeit, als die Wählerlisten zusammengestellt wurden, ge«P gaben. Die Listen haben vom 15. bis 30. Juli öffentlich �7 velegen, find Sie nach dieser Zeit in einen anderen»tt verzogen, so sind Sie dort nicht wahlberechttgt.... Schneider. Nur Verheirathete und verheirathet gew� Frauen werden zur Prüfung für den Hebeammendienst r* lassen. Heute: Preciosa. Theater. Opernhaus. Schauspielhaus. Heute: Keine Vorstellung. Belle-Allianee-Theater. Herste: Der Glöckner von Notre-Dame. Neues Ariedrich-WilhelmstädttscheS Theater. Sroßmogul. Heute: Der Großmogul Ostend-Theater. Heute: Der Hüttenmeister. Central-Theater. Akte Jakobstraße 30. Direktion: Adolph Ernst. Hnste: Zum 21. Male: Die wilde Katze. Gesangspoffe in 4 Akten von W. Mannstädt, Mustk von G. Steffens. Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Der Feldprediger. Tode«. Anzeige Verein der Parquettboden-Leger Berlins. Am Mittwoch, den 19. d. Mts., früh 6'/, Uhr, ver- starb unser treues Mitglied Hermann Weisheit Die Beerdigung findet Sonntag, den 23. August, Vormittags 9'/: Uhr, auf dem Neuen Jakodi-Kirchhof (StUm rech?rege Betheiligung bittet' Der V o r st a n d. Oeffentliche Versammlung sämmtlicher Tischler am Sonntag, den 23. August, Vormittags 10% Uhr, in Keiler s grossem Saal, Andreasstrasse 2* Tagesordnung: Wahl einer Prüfungs- Kommission in der Sache contra Rödel.— Sämmtliche Tischler und Klavier-Arbeiter sind hierzu eing� laden, ganz besonders sämmtliche Revisoren, die in der Lohnbewegung jetzt � früher thätig waren. Legitimation erforderlich. Julius Kreutz, Tischler. Skalitzerstraße 28. 1921 Versammlung des Fachvereins der Rohrleger Sonntag, den 23. August, vormittaas 10 Uhr, bei Mols mt Krüger, SkaUhtr-Striße 126. Tagesordnun 1. Kaff'~- Referent: 2. Vortrag über das Arbeiterschuygesetz. Kreutz. 3. Freie Diekusfion. 4. Auf« talieder.[1917 nktlichen und zahlreichen Besuch wird gebeten. nähme neuer Mitglieder. Um recht pün!,.. Nichtmitglieder habm als Gäste Zutritt. Der Vorstand. Auch einige Sonnabende noch frei._ Schweizer-Garten. 1 Sonntag, den 23. August 1885: Feuerwerk, voppel-Kon)ertp. Ertra- Vorftellung. Auftteten sämmtl. Sezialitäten, Volksbelustigungen, Tanzkränzchen. Zum Schluß:(>913 Die Schlacht bei Wörth unter Mitwirk. v. ca. 120 Personen. Alles Nähere morg. JL ]>ie Ulirenfabrik von Max Busse, Uficmaifiec Hr. tS7 iBTalldenstraftse«fr. 157 iW» zutschen Brunnen- und Ackerstraße emvffchlt sein reichhaltiges Lager, sowie seine Reparatur Werhä$aM. 8-> Große Volksversammlung für Frikdrichsber« und Umgegend am Sonntag, den 23. August, Vormittags 11 Uhr. in Spitzig's Salon, Frankfurter Allee 193. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Paul Singer. Einzeichnung m die Petitionslisten zum Ärbeiterschutzgeset 1916] Der Einberufer. Verein zur Wahrung derlnteress� der Berliner Maurer. Viertes Stiftungsfest Sonnabend, den 29. August 1885, �%| in den Räumen der Philharmonie, Bernburgersst Große humoristische Soiree, sowie großes Coucert und Sali. Da Billets find vorher zu haben bei den Herren Saarbrückerstr. 26, Seitenflügel IV., Jß us ch man n, firaße 16, Hof IV., Albrecht, Grunewaldstr. 7, ® ch r e i b j t, Zossenerstr. 22, A I b r e ch t, Dcnne ffl; La, voin IH., B a r b e r s ch k e, Reichenbergerstr. 59, A. I bet*'& Landsberger Allee 47, Hof pari. Billets für Hernm�� für Damen 25 Pf. Das Ko Die Mitglieder des Vereins zur Wahrung der Jntereffen der Klavierarbeiter werden dringend ersucht, behufs Beantwortung des Frage- bogens in Betreff der Sonntagsaibeit an das königliche Polizei-Präfidium, uns der Wahrheit entsprechendes Material aus oen verschiedenen Fabriken zugehen zu lassen. Zur Eni- gegennahme find sämmtliche Vorstandsmitglieder bereit; außerdem Skalitzerstraße 142 bei Schmidt, Donnerstag Abend 8'/, Uhr und Sonntag Vor- und Nachmittag Skalitzersttaße 18 bei Stramm. 11922 Der Vorstand. I. A.: Z u b e t l. Miver.l. Schlosser u. Beruft Sonnabend, den 22. August, Abends 8'/» ffratwetl's Bierhallen, Kommandantenstraße in GratwetO Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über„Gewerbliche-. erichte" und Diskusfion. 2. Aufnahme neuer d �«r Regelung deS Arbeitsnachweises. 4. Verschie�� s; Fragekasten.— Gäste find willkommen. Der Vorsts 1923] Gute und Arbettsmmkt.. paffende Dienstboten werden ins s. k' Frau Fleischer. AcfcistrJ� 2 Schuhmachergesellen auf Damenrand verlangt 1914] I. Peters, Philttp�- g Allen Freunden und Bekannten und meiner roe�cti[)' iBra"3Wrif4-SSi