Nr. 197. Dienstag, den 23. Angnst 1883. II. Jahrg. erlimrVMIa» Krgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 Das..Berliner Volksblatt» Festtagen. Abonnementspreis für '' ,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. _-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeiwngSpreiSliste'für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Znferate werden bis 4 tl! Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. 490 Redaktion: Kenthstvaße 2.— Expedition: Zimmerstraste 44. Nu die Iiirim blüh'i! % Es ist sonderbar, daß gerade in den Länder», wo die Mur ihr reichstes Füllhorn entleert zu haben scheint, die ?"Nscken sich gewöhnlich im Allgemeinen in weit üblerer befinden, als da, wo die Gaben der Natur dem kärg» �.spendenden Boden in harter Arbeit entrungen werden «ussen. , Diese Erscheinung tritt uns auch entgegen in einem der Mrlichstxn Länder, das von allen Ländern Europa'S viel- eicht von der Natur am reichsten bedacht worden ist und eine der ärmsten Bevölkerungen hat, ein Land, wo die crn" blühen, im sonnigen Italien. , Wenn heute einer jener antiken Staatsmänner ein Ein- Matus, ein Gracchus, ein Cato auferstände und durch fallen wandelte, er würde erstaunt ausrufen:„WaS habt % bei den Göttern, auS diesem schönen Lande gemacht!" z,...Man könnte antworten:„Nun, als ihr auf euren �«fundien mit Sklaven gearbeitet habt, war es auch nicht d Die Alten aber würden wahrscheinlich sagen:„Ihr es also in beinahe 2000 Jahren nicht dazu gebracht, Lage des Volkes zu besiern!"— %n, es mag sehr Vieles besier geworden sein; die tthschaftliche Lage Italiens und seines Volkes aber ist Mezu jammervoll. Mafienweise wandern die Söhne und Mir Italiens aus und sind gefürchtet, wohin sie nur in*"' gefürchtet wegen ihrer niedrigen Lebenshaltung, die SS?» iur Bedürfnißlosigkeit geworden, ist. Sie drücken ü»?.> wohin sie kommen, den Lohn herab und sind so ». schrecken für die deutschen und ftanzösischen Arbeiter Soften, die gewohnt sind, zu anständigeren Löhnen zu % Einheit Italiens, dessen Zerrissenheit durch Zahr- f."°erte diesem schönen Lande die tiefsten Wunden ge- 2*8% hat, ist sicherlich eine Errungenschaft; aber was 558% die Kämpfer von 1859 und 1860, die tapferen 2M%gefährtea Garibaldi's und Bixio'S, heute denken, sie auf den kläglichen Zustand ihres Vaterlandes Wofür, werden sie sich fragen, haben wir unser —"'--- das m auf so vielen Schlachtfeldern vergossen, wenn ju solchem Elend verurtheilt ist? y.-%», es hat Leute gegeben, denen das ewige Träumen C Italiens Macht und Größe zuletzt den Kopf verdreht z»' Man verwechselte das heutrge Italien mit dem alten t'n3t die Gefangenen in ihre Zelle zurück!" der nur wenige Schritte vor ihm stehenden Ü;*thertn abeT absichtlich so laut, daß sein Besehl von e ttnbp?. mT-ommen werden mußte.„So lange noch Bestimmungen getroffen sind, habe ich für deren Die„Größe" Italiens war eine„theure" Errungen- schaft. Man wollte sich mit einem Sprung den Großmächten zur Seite stellen. Statt in der inneren Kräftigung des Landes den hauptsächlichsten Halt zu suchen, schuf man zu- nächst mit ungeheuren Kosten eine große Kriegsmacht zu Wasser und zu Lande. Das war verkehrt; man hat damit die Kräfte des Landes gänzlich erschöpft. Italien ist hauptsächlich auf seinen Ackerbau ange- wiesen; sein blühender Handel aus früherer Zeit ist durch die Entwickelung der VerkrhrSmittel und die wachsende Konkur- renz zum großen Theil lahmgelegt worden. China, Japan, Indien, die Türkei, Griechenland, Egypten, Tunis, Algier konkurriren mit Italien in Handelsartikeln, mit denen eS früher fast allein Europa versah. Wir nennen davon nur den ReiS. Die Zitronen, Oliven, Orangen blühen heute nicht mehr allein in Italien für uns. Seide liefern heute außer Italien, Frankreich und Spanien auch China und Japan für uns. Man schätzt den Ertrag der italienischen Bodenbewirth- schafwng auf jährlich etwa 1500 Millionen. Der Staat, der nun auch an de« Kosten der italienischen Einheit leidet, verlangt an Steuern— und w«S für Steuern!— 310 Millionen. Weitere 200 Millionen sind erforderlich, um die Zinsen der auf dem Grundbesitz lastenden Hypotheken- schulden zu bezahlen. Die Grundsteuer beträgt in Italien 9 bis 18 Franks pro Kopf; eS giebt Güter, die 59 bis 65 Prozent ihres Reinertrags an Steuern abzugeben haben. Die Gemeinden können unbeschränkte Steuerzuschläge machen, die oft bis zum Neunfachen steigen. Unter diesen Umständen haben sich viele Grundbesitzer lieber auspfänden lassen, ehe sie die Steuern bezahlten. In der Provinz Mantua ist in 8 Jahren die Zahl der Grund- eigenthümer von 39 000 auf 35 000 in Folge der Steuer- exekutionen gesunken; dann wurde ein Gesetz gemacht, nach- dem Niemand von Haus und Hof getrieben werden kann, wenn die ausständige Steuer weniger als— zwei Franks(!) beträgt. In derselben Provinz Mantua haben unter den Land- arbeitern in Folge dieser unerträglichen Verhältnisse Bewe- gungen stattgefunden, die kurzsichtige Menschen den Be- mühungen von„Agitatoren" zugeschrieben haben. Es mögen Agitatoren aufgetreten fein, allein die Zustände selbst agiti» ren mehr als genug. Die Landarbeiter befinden sich dort nämlich in Verhältnissen, wie sie zur Zeit des ausgeprägte- sten Feudalismus auch nicht schlimmer gewesen sein können. Der Taglohn bewegt sich im Sommer zwischen 60 und 70, im Winter zwischen 40 und 50 Zentcsimi. Die Arbeiter, die zu den Grundeigenthümern im Verhältniß sogenannter Kolonen(Pächter) stehen, erhalten Wohnung, Feld, Sämereien u. vgl. Für den Morgen zahlen sie dann eine be- Sicherheit zu haften, und in dem Gewirr eines ankommen- den Trains läßt sich befürchten—" „Gott verdamm' Euch!" unterbrach Raft plötzlich mit heiser brüllender Stimme den Kommandanten, und seine Narbe färbte sich dunkelblau; denn wenn er auch mit voll« ftem Gleichmuthe Alles ertragen hätte, was man über ihn elbst verhängte, so war eS doch zu viel für seine Seemanns- ehre, seinen geliebten Dickie so gedemüthigt zu sehen.„Ja, dreimal verdammt sollt Ihr sein!" wiederholte er grimmig, Elliot mit der geballten Faust drohend.„Einen Gefangenen schmähen kann jeder Schiffsjunge, der noch keine drei Nächte in der Hängematte ge- schlafen hat, ohne eben so oft herausgefallen zu sein, ja'S ist originell! Gebt ihm n'en Degen in die Hand und sagt ihm solche Dinge, und wenn er sich nicht Bord an Bord mit Euch legt und Euern Rumpf so leck macht wie'ne leere Wassertonne, die sechs Wochen unter dem Aequator auf dem Deck gelegen, dann mögt Ihr mich kiel« holen—* „Ruhig, ruhig, alter Freund," unterbrach Weatherto» mit mildem Tone den erbosten Bootsmann,„wir sind Ge« fangene und müssen uns sogar eine unedle Behandlung ge- fallen lassen; darum mäßige Dich." Hätte Weatherton im befehlenden Tone gesprochen, so würde Raft augenblicklich geschwiegen haben, so aber hielt er nicht für nöthig, der an ihn gerichteten Aufforderung nach- zukommen. „Nicht ruhig, Dickie, nein, nicht ruhig!" rief er auS, indem er in herauSfordernster Weise seinen Hut von der Stirn tief in den Nacken schob,„ich sage,'S ist niederträch- tia,'S ist feige, so zu'nem Gentleman zu sprechen, ver- dämmt! Auch Eure Zeit wird kommen, und so Gott will, ist eS nicht lange mehr hin!" Ruhig!" kommandirte Weatherton. Rast leistete dem Befehl knurrend Folge, und Elliot wiederholte mit eiserner Ruhe, als habe er des Bootsmanns Schmähungen gar nicht vernommen, seine Anordnungen be- treffs der Gefangenen., Jansen hatte sich abgewendet. Offenbar scheute er sich, Weathetton'S Blicken zu begegnen. Rynolds dagegen ver- >t, für die Hütte zahlen sie Naturalien, genau so, wie früher die Bauern Zehnten, Hühner u. s.w. liefern mußten. Diese Kolonen befinden sich zu den Eigenthümern in einem laufenden Schuldverhältniß, aus dem eS kein Entrinnen giebt. Einige Landarbeiter im Mantuanischen hatten sich zu einem Massenstreik verabredet; da in Italien derartiges für strafbar gilt, so wurden an hundert Mann verhaftet, um prozessirt zu werden. Aber die Verhafteten sind wieder freigelassen worden, weil die Gerichte anerkennen mußten, daß in dem LohnauSmaß der vom Gesetze vorge- schriebenen ausreichende Grund für Niederlegung der Arbeit enthalten war. In Monza schwebt ein ähnlicher Prozeß, der wahrscheinlich auch ähnlich enden wird! Und die Parteien? Die vielen Demokraten, Radikalen und Verwandten im italienischen Parlament, die sich wenigstens so nennen, waS gedenken sie zu thun? Nun, bis jetzt haben sie gar n ich t S gethan. Die Kammern sind in die Ferien gegangen, ohne daß man sich ernstlich mit den sozialpolitischen Fragen beschäftigt hätte. Kürzlich veröffentlichten die italienischen Blätter mit großem Stolze die Rede eines Senators, betitelt:„Demokratie und Arbeit!" WaS war's? Ein Sammelsurium von man- chesterlichen Phrasen, wonach die„persönliche Tüchtigkeit" über alle wirthschastliche Misere hinweghilft! Die„freie Bewegung"& la nordamerikanische Union wurde als Rettungs- mittel empfohlen. Werden dadurch die Steuern geringer und die Löhne höher? Aber als hohe Weisheit wurden die Gemeinplätze des Herrn Senators doch bewundert und auch in deutschen Blättern breitgetteten. Man sagt, die italienische Regierung trage sich mit sozial-reformatorischen Plänen. Nun, diese müssen sehr tief- gehend sein, wenn sie dem unglücklichen Lande helfen sollen. Vor allen Dingen aber mögen die italienischen Staats- männer den kostspieligen Großmachtsdünkel ablegen, der die Kräfte des Landes ruinirt. Drr Kamps m iim Schon seit längerer Zeit hat fich in Wien ein antisozia- listischer Verein gebildet, der auch einen besonderen Preßausschuß niedergesetzt hat zur Herausgabe volksthümlich gehaltener Flug- schriftcn und Broschüren. Die jüngste Broschüre des Vereins ist betitelt:„Der Kampf um den Besitz" und hat den, wie liberale Blätter besonders hervorheben, antisozialdemokratischen Schriftsteller Dr. F. Chleborad zum Verfasser. Die Hamburger„Bürg. Ztg." äußert sich nun über diese Schrift folgendermaßen: Diese kleine Broschüre ist übrigens von großem Interesse und wenn sie auch nichts wesentlich Neues enthält, so wird in derselben der Stoff doch äußerst geschickt verwetthet. Dabei mochte ein schadenfrohes Lächeln nicht zu unterdrücken, als die Gefangenen schweigend bei ihm vorüber dem Hofe des Forts zuschritten, und die Schildwache, mit der Büchse auf der Schulter, ihnen auf dem Fuße nachfolgte. „ES wäre jetzt gerade die geeignetste Zeit, Eure Nichte den Burschen sehen zu lassen," sagte er dann spötttsch zu Jansen, indem sie sich der Thoröffnung des Forts zu in Be- wegung setzten;„gerade die rechte Zeit, um an der Brust des unvergessenen Freundes Trost über den Verlust der ab- trünnigen Schwester zu suchen. Es hätte ein rührendes Wiedersehe» werden können, ohne den glücklichen Gedanken des Kommandanten." Elliot fuhr bei der Erwähnung seiner Person wild empor.„Glaubt Ihr wirklich, daß er einen so tiefen Ein- druck auf das Mädchen gemacht?" fragte er, und seine Lippen bebten vor innerer Wuth bei dem Gedanken, daß die ihm bestimmte Gattin, den Gesetzen zum Trotz, vielleicht freundlichere Gefühle gegen ein Mitglied der so° verhaßten Gentiles hege. „Ich hatte Gelegenheit genug, Hertha Jansen zu beob- achten," antwortete Rynolds, feine Worte langsam ab- ür» 5 fortnehmen. ES wäre ein Triumph für die Gen- ttles, vre 2%�? ernzrgen rechtmäßigen Besitzer des großen Vermögens plötzlich als abtrünnige Mormonen unter sich erscheinen zu sehen." „Den Knaben meint Ihr?" fragte Elliot erbleichend, „des Knaben sollten wir beraubt werden?" wiederholte er tonloS; gleich darauf war er aber wieder Herr seiner selbst; ein Strahl von Rynolds' lauernden Blicken, den er in seinen Augen aufgefangen hatte, schien ihn zum Bewußtsein zurückgerufen zu haben, und ruhiger, aber mit unheilverkün- dendem, drohendem Tone fuhr er fort:„Mag er sich hüten,. k kommt der Verfasser aber zu Resultaten, bei denen seinen Auf- traggebern die Haare zu Berste gestanden haben mögen. Der Verfasser will den Beweis führen, daß.�oer Kampf um den Besitz" kein bedenkliches soziales Merkmal der Reuzeit sei. Daß ihm die? gelingt, ist sicher. Als ob man noch niemals ven Kampf zweier Hunde um den Besitz eines Knochens gesehen hätte! Und doch find die Hunde noch nicht einmal W entwickelt, wie die Menschen in der Urzeit. Das Be- denklichste an der Broschüre ist übrigens, daß der Verfasser obigen Beweis noch führen will. Wir glauben, daß derselbe gar nicht erst erbracht zu werden braucht, ebenso wenig als der, daß die Menschen geboren werden, sich entwickeln und sterben. Gehen wir also kurz über dm„Beweis" hinweg. Der Ver> fasser nimmt als erstes Stadium den Kampf des Menschen mit der Natur an, der letzterer ihren Besitz abringt. Dann sucht sich der Mensch in den Besitz seines Nebenmenschen zu bringen — das ist die Zeit der Sklaverei. Darauf tritt die Frohn- arbeit ein; der eine Mensch sucht den Besitz der Arbettskraft seines Mitmenschen zu erringen und jetzt, wo der Besitz der Arbeitskraft an den„freien" Menschen gebunden, also nicht unmittelbar übertragbar mehr sein soll, sucht ein Mensch deS anderen Arbeitskraft soviel wie möglich auszunutzen. So find wir denn in der modernen Gesellschaft angelangt, von der der Herr Verfasser nunmehr sagt, daß mit der Ein« führung des Grundeigenthums in Folge der schrankenlosen Verfügungsfreiheit die Ungleichheit der Gütervertheilung für die Grundeigenthümer drückend geworden sei, da die Besitzer bei irgend welchen Kalamitäten gezwungen würden, bei dem mobilen Kapital schwerdrückende Hilfe zu suchen. Aber auch der Handwerkerstand sei von dem Großkapital und der Großindustrie in Abhängigkeit gerathen. So sei der Besitz nach und nach ein Werkzeug zur Beherrschung des Menschen durch den Menschen geworden und führe zur Un» fmhett. Der Verfasser erörtert nun diese Taktik des Kampfes um den Besitz näher. Er bespricht vor Allem den Kampf, wie er in der Gegenwart geführt wird, nämlich das in die Augen springende Vorherrschen des Kampfes der Menschen unter einander. Es kämpfen, sagt er, die Befitzenden unter einander durch natürliche Besitz-Zentralisation und durch künstliche. Die natürliche, nämlich die Konsolidation des Grundeigenthums und die Agglomeration des Kapitals, wird vollzogen, indem jeglicher Besitz sich stetig mit Hilfe des darin angelegten und darauf verwendeten Betriebskapitals durch neue, die Entstehungs- kosten an Werth übersteigende Güterzeugung zu vermehren sucht. Mit dieser Vermehrungs-Tendenz geht die Anziehung Hand in in Hand, welche der Anlaaebesty stets auf das Betticbskapital ausübt; sie vermehren sich und die Folge davon ist eben die Besitz-Zentralisation. Allein diese natürliche Besttz-Zenttalisation genügte dem Interesse der Besitzenden nicht und dem ungleichen Besitz wurde noch ungleiche Macht und ungleiches Recht zuge- fügt, ein System, welches den Großgrundbesitz auf Kosten des Kleingrundbesitzes begünstigte, die Kluft zwischen Reich und Arm stets erweiterte, Handelsverträge abschloß zum Nachtheil des Kleingrundbesitzes, indirekte Steuerauflagen erließ, damit die Steuerlast vom Großbesitz abgewälzt werde. Es ist ein Zirkulus, wonach das Maß der polittschen Macht vom Maß des Besitzes und das Maß deS Besitzes wiederum vom Maß der politischen Macht abhängt. Es kämpfen ferner die Befitzenden gegen die Besitzlosen, vor Allem die Besitzlosen gegen die kleinen Unternehmer, um diese an der Aneignung der, wenn auch nur ausnahmsweise gelingenden rudimentären Befitzbildungen zu hindem. Der Kampf ist ein ungleicher- der Antheil an der Beute geschieht so, daß die Besitzlosen sich mit dem Lohne begnügen müssen; es geschieht die Theilung nach der alten Kriegsreael: Dem Führer die Beute, dem Söldner den Sold. Die Härten dieses Theilungsmodus werden nur unbedeutend dadurch gemildert, daß die Unternehmer ihren besitzlosen Streitgenossen hier und da Antheile an Gewinn(Tantismen) gewähren- auch die hu» manen Gegenleistungen sind nur ein geringer Theil der von den Untemehmern ihren besitzlosen Streitgenossen weggenommenen Arbeitserttägnisse. Ihr Maß ist eine so unbedeutende Quote des Unternehmergewinnes, daß es als Ausgleichsmittel im sozialen Theilungsprozeß nicht ernst genommen werden kann. Der Ertrag wird nach Auszahlung der besitzlosen Streitgenossen folgender Art getheilt: Unter dem Namen des Zinses (KapttalzinseS im weiteren Sinne) und zwar sowohl des Grund-, Pacht- und Bodenzinses, wie des eigentlichen Kapitalzinses, ferner unter dem Namen des Unternehmer« lohnes, endlich unter dem Titel des Unternehmergewinnes be- kommt den Löwenantheil der Besitzende. Dem Grundsatz der wirthschaftlichen Gerechtigkeit wird hierbei nicht entsprochen und eine Folge dieser Art des Kampfes und der Theilung ist das Schwenden des Mittelstandes. Der Grundbesitz erscheint einerseits in unübersehbaren Ladifundien konsolidirt, andererseits in Millionen Parzellen zerbröckelt; der mittlere Grundbesitz schwindet und anstatt zweiseitiger Lohnverträge, finden wir nur einseitige, durch die politische Macht des Besitzes geheiligte Satzungen. Auch durch Konvcnienz-Ehen häuft sich der Besitz. Wir sehen also, daß der Verfasser den Kampf der Gegen« nicht zu große Opferwilligkeit für sie zu zeigen; mag sie sich vorsehen, mcht zu warme Theilnahme für ihn an den Tag zu legen. Sein Wächter erzählte mir, er sei auf den Ver- dacht des Spionirens eingebracht worden, und zwischen einem Spion und einer Kugel liegt nur ei» einziges auszusprechen- de» Wort." „Er steht im Verdacht, als Spion in unser Thal einge- drungen zu sein? fragte Jansen, einen eigenthümlich nach- denkenden Blick auf tue elastische Gestalt Weatherton's hef- tend, die sich eben mit schnellen Schritten nach dem Hose deS Fort» hinaufbewegte;.nur im Verdacht?" rief er triumphirend au», indem er mit der rechten Hand auf feine linke Brusttasche schlug,.hier sind die Beweise dafür; sein Kopf steckt in einer Schlinge, die ich zuziehe» kann, jeder- zeit, wann es mir beliebt; fei eS nun, um ihn selbst, oder die GentileS im Allgemeinen dadurch zu strafen. Er ist unser Feind, oder er wäre nicht hier," fuhr er fort, indem er das Haupt sinnend auf die Brust sinken ließ;„wunder- bar, wunderbar, Abraham war seiner Sache so gewiß, wir erhielten die Nachricht von seinem Untergange, und der Erste, der uns in der neuen Heimath entgegenttitt, ,st er, dessen Bild ttef genug in der Brust meiner armen Nichte eingegraben ist, um sie zu einer Abttünnigen— einer Verfluchten zu stempeln. Wer vermag das Geheimniß zu er- gründen, welches ihn vom Verderben rettete? Es ist un- erklärlich! Dennoch empfand ich eine heimliche Freude bei seinem Anblick," fügte er leise, zu sich selber sprechend, hinzu. „Nein, nicht unerklärlich," versetzte Rynold» spöttisch, „eS ist einfach genug; Abraham sowohl als wir sind hinter- gangen worden, und zwar von den beiden Gecken, die in ihrer Heimath Leute mit den reinsten und göttlichsten Be- griffen von Ehre gewesen sein wollen, in der That aber nur, so wett ich sie zu beurtheilen vermag, im Trinken und Kartenspiel bedeutende Erfahrungen gesammelt haben." „Nein, mögen sie so werthlose Charaktere sein, wie sie wollen," bemerkte Jansen bestimmt,„an uns haben sie keinen Verrath begangen, oder sie würden sich nicht ge- wiffermaßen[zu elenden Sklaven herabgewürdigt haben. Entsetzen ergreift sie noch immer, wenn sie an ihren letzten wart in scharfer und zwar nicht in antisozialistischer Weise schildert. Daß er femer die Rechtmäßigkeit, wenigstens die moralische Rechtmäßigkeit des gegenwärtigen Besitzes sehr stark anzweifelt und daß er die gegenwärtigen sozialen Zustände keineswegs als gute, wünschenswerthe hinstellt. Deshalb leitet er den Leser auch aus den sozialen Kämpfen der Gegenwart hin in die sozialen Kämpfe der Zukunft, in wel- chen er das Vorherrschen des Kampfes der Menschen gegen die Natur hinstellt, dessen Taktik die wirthschaftliche Gerechtigkeit sei. Der Verfasser sieht eine Zeit kommen, wo man Strafen auf die wirthschaftliche Ausbeutung des Menschen durch den Menschen legen wird; solche wirthschaftliche Ausbeutung führe jetzt schon zu einem Streite der Sonderinteressen mit dem Staats- und Gemeinintercsse.„Das Staatsinteresse werde aber zum Siege gelangen, indem die Besitzlosen sich an der staatlichen Rechtsbildung betheiligen werden." Das ist offenbar ein sozialistischer Gedanke, oder wenigstens die Abnung eines solchen, wenn auch unklar und unpräzis aus- gedrückt. Der Verfasser meint dann zum Schlüsse, daß die noth- wendige Allianz der Besitzlosen mit dem Staate gegen die private Besitz-Zentralisation durch Förderung des Assoztations- wesens wirken würde und zwar zu ökonomischen und zu Bil- dungszwecken.— Das heißt doch: zu allgemeinen gesellschaftlichen Zwecken. Wenn der antisozialistische Verein zu Wien mit derartigen Broschüren einverstanden ist, so ist das gewiß kein Unglück. Obgleich wir den Autor weder in Beziehung auf Inhalt noch Form durchaus loben können, müssen wir doch anerkennen, daß seine Arbeit geeignet ist, bei der großen denkträgen Masse der „Gebildeten" wenigstens das stumpffinnige Vomrtheil gegen ein eingehendes, unbefangenes Erwägen des sozialen Problems zu zerstören. Möge nur mehr dergleichen kommen. Politische Urtier stcht. Zu der Plenarsitzung der internationale« Tele- graphen-Konferenz, welche am Eonnabend stattfand, wurde zuerst ein Reihe technischer und Reglementsfragea erledigt. Dann erfolgte der Bericht der Tarifkommisfion. Nachdem der Berichterstatter, erster Delegirter Frankreichs, Herr Fribourg, den verwickelten Gang der Kommisfionsverhandlungen mit großer Klarheit und Präzision auseinandergesetzt hatte, begannen die Diskusstonen, als deren Resultat sich die Annahme des einheitlichen Tarifsystems ergab. Es stimmten 25 Staaten, wovon 21 mit ja, 4 enthielten sich der Abstimmung wegen noch nicht eingetroffener Instruktion. Eine verneinende Stimme wurde überhaupt nicht abgegeben. Oesterreich-Ungarn, Ruß- land, England, Frankreich stimmten mit Deutschland, ebenso alle übrigen europäischen Staaten, abgesehen von jenen vier Enthaltungen. Die zweite Lesung wird in etwa 8 Tagen statt- finden. — Der Gedanke, die Gebühren für Kabcltelegramme er» heblich zu ermäßigen, so weit es sich um solche für die Presse handelt, ist, wie man den„Hamb. Nachr." aus Berlin mit» theilt, auch auf dem Telegraphen-Kongretz aufgetaucht; man hat aber bis jetzt noch kern Mittel zur Verhütung des Miß- brauchs der der Presse zu gewährenden Ermäßigung für andere, namentlich kommerzielle Zwecke, ausfindig gemacht. Der Zank im konservativen Lager dauert fort,„Kreuz- zeitung" und„Post" liegen sich noch immer in den Haaren. Elftere beschuldigt die letztere der Demagogie und versichert, „daß Alles, was einen Beigeschmack von Demagogismus habe, nicht ihre Sache sei." Die nationalliberal-konservative„Magd. Ztg." bemerkt dazu:„Je mehr wir mit der„Kreuzzeitung" in diesem Geschmack uns eins wissen, um so weniger verständlich ist uns ihre Vorliebe für Herrn Stöcker und seine Agitation, die jedenfalls an„demagogischem Beigeschmack" nichts zu wün- schen übrig läßt. Wir möchten kühn behaupten, daß das Dema- gogenthum mit all' seinen Künsten und leidenschaftlichen Affekten niemals gründlicher geübt worden ist, als in der unter der be- sonderen Protektion der„Kreuzzeitung" stehenden Stöcker'schen Bewegung. In diesem Augenblicke ist dieselbe z. B. sehr leb- Haft damit beschäftigt, dir in der Vorbereitung begriffenen kirch- lichen Wahlen der Berliner Gemeinden zu beeinflussen. Schon jetzt strömen die von den christlich- sozialen Agenten unterwiesenen Wähler herbei, um sich in die Gemeinde- listen eintragen zu lassen, wobei insbesondere bei denjenigen Gemeinden ein starker Zuzug christlich- sozialer Elemente sich bemerkbar macht, in dem es sich darum handelt, die bisherige freisinnige Majorität durch eine solche von Stöcker'scher Richtung zu ersetzen. Es gilt hier für die fteifinnige Richtung, sehr auf der Hut zu sein."— Die Magdebmaerin befindet sich im Irr- thum, wenn sie glaubt, daß die„Post" dem Stöcker- Kultus fem steht. Für den zweiten Luther sind beide in fast gleichem Maße enthusiasmirt- Erötzlich ist die Mahnung des Blattes an die„freifinnigen" Berliner Kirchcnwähler, sich nicht durch den Anhang; des Herrn Stöcker verdrängen zu lassen. Der „Freisinn" Derjenigen, welche sich an den Berliner Kirchen- wählen betheiligen, dürfte selbst mit Hilfe der Lupe schwer zu Abend in New- Jork erinnert werden. Sie halten sich für Mörder, doch werden sie ohne Zweifel ganz anders auf- treten, sobald sie erfahren, daß ihr vermeintliches Opfer noch lebt— aber gleichviel, wir sind an Ort und Stelle, zeigen sie sich störrisch, so werden sie in die Wüste hinausgejagt." Elliot hatte auf die Unterhaltung seiner beiden Gesähr- ten kaum geachtet. Er schien mit anderen und wichtigeren Dingen beschäftigt zu sein und denselben seine ganze Geistes- kräfte zuzuwenden. Seine Züge waren wieder so emst und verschloffen wie nur je; aber eine gewisse Zufriedenheit thronte auf denselben, als sei er zu einem Entschluß gekom- men, von dessen Ausführung er einen unfehlbaren Erfolg er- warten dürfe. Ehe sie in den Eingang des Hüttenvierecks einbogen, wo schon eine große Anzahl der Bewohner deS Forts zum Empfang der neuen Ankömmlinge versammelt war, hielt Elliot sein Pferd noch einmal an, und nachdem er sich über- zeugt, daß La Bataille sich außerhalb der Hörweite befand, wendete er sich an seine Begleiter. „Ihr behauptet, eS bestehe eine heimliche Neigung zwischen Hertha Jansen und dem Schiffslieutenant," sagte er, seine Blicke in die Augen der beiden Schweden förmlich einbohrend, „gut, es mag dämm fein, laßt sie sich lieben, so viel sie nur immer wollen; was das junge, im Glauben an unsere heiligen Satzungen noch schwanke Rohr nicht aus ftommer Neigung und Hingebung für die geläuterte Religion thut, das geschieht eben so pünktlich, vielleicht noch pünktlicher, wenn dadurch ein geliebtes Haupt von dem sichern Ver- derben gerettet wird. Schweigt über Alles, meine Brüder; ich kenne die hiesigen Verhältnisse genau; überlaßt mir, nach eigenem Ermessen zu handeln, und es wird mir ge- lingen, AlleS zur Ehre des Erlösers und zur Verherrlichung des nm gegründeten Zion auszuführen." Bei diesen Worten leuchtete Elliot'S Gesicht in wildem Enthusiasmus, und Grausamkeit und eine ungewöhnliche WillmSkraft sprühten zugleich aus seinen finster beschatteten Augen. „So geschehe es zur Ehre des Erlösers und zur Verherrlichung deS neu gegründeten Zion," wiederholten Jansen und RynoldS, indem sie, Elliot'S Beispiel folgend, ihre Pferde anspornten. finden sein, denn wirklich freisinnigen Männern kann es wohl ganz gleichgiltig sein, wer in den Kirchenrath gewählt wird. Der„Reichsanzeiger" meldet: Unter Bezugnahme auf die von den Regierungen der Bundes- Seestaaten wegen der gesundheitspolizerlichen Kontrole der Seeschiffe erlassenen Vor- schriften wird hierdurch bekannt gemacht, daß der Hafenpla? Marseille als der Cholera verdächtig anzusehen ist. nn, Infolge der durch das Reichsgesetz vom 5.Jnni18ss beschlossenen Ausdehnung der Unfall- und Krankender- sicherung find 128 Betriebe von Privateisenbahnen und>m öffentlichen Verkehr liegenden Straßenbahnen mit 30 993 Ar- beitem zur Anmeldung gelangt. Außerdem sind noch 210 Eisenbahnbetriebe mit 2580 Arbeitern angemeldet, welche gewerblichen, land- oder forstwirthschaftlichen Zwecken dienen. Im Ganzen waren einschließlich der industriellen und gewerblichen Betriede bis zum 6. August d. I. 180355 Betriebe mit 2 866 787 Arbeitern beim Reichsverficherungsamte angemeldet, welche unter die Bestimmungen des Kranken- und Unfallversicherungsgesetzes fallen. An Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchssteuer» sowie anderen Einnahmen find im Reich für die Zeit vom 1. April 1885 bis zum Schlüsse des Monats Juli 1885 einschließlich der kreditirten Beträge(und verglichen mit der Em« nähme in demselben Zeitraum des Vorjahres) zur Anschrcidung gelangt: Zölle 76 434 043 M.(+ 4 821093 M.), Tabaksteuer 2018 944 M.(+ 674271 M.), Rüben, uckcrsteuer 71512515 M.(- 14 565 475 M.), Salzstcuer 10 528 068 M.(- 127478 M.), Branntweinsteuer 8 958013 M.(- 496 489 M.), U-ber- gangsabgaben von Branntwein 32 528 M.(— 7 164 M), Brausteuer 6 911 947 M.(+ 458 705 Mj, Ueberganasadaabe» von Bier 589 788 M.(+ 62 092 M.); Summe 33 950 866 M- (— 9 180 445 M.)- Spielkartenstempel 234 134 M.(+ 6866 M.), Wechselstempelsteuer 2 242 270 M:(+ 10358 M-). Stempelabgabe für Werthpapiere, Schlußnoten, Rechnungen und Lotteneloose 3 673 872 M(- 812365 M.)- Die zur Reichskaffe gelangte Ist-Einnahme, abzüglich der Ausfuhr- Vergütungen und Verwaltungskosten, beträgt bei den nackbe- zeichneten Einnahmen bis Ende Juli 1885: Zölle 68 746 751 M.(+ 5 649 465 M.), Tabaksteuer 1 803130 M.(+ 896511 M.), Rübenzuckersteuer 27089 280 M.(- 28 487 761 M), Salzsteuer 11444 269 M.(- 78440 M.), Branntweinsteuer und Uebergangsabgabe von Branntwein 13 344 532 M- (— 682332 MV), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 6 360 264 M.(+ 448 578 M.); Summe 428788 226 M- (- 22 252 979 Mark). Spielkattenstsinpel 329 275 Marl (+ 5405 M.). Danzig, 22. August. Kürzlich wurde gemeldet, daß die von der hiesigen Staatsanwaltschaft gegen die 42 ausländischen Bewohner Danzigs, welche bei der Reichstagswahl am 28. Ctz- v. I. mitgestimmt hatten, erhobene Anklage wegen intellektueller Wahlfälschung von der Anklagekammer des hiesigen Landgericht- zurückgewiesen, die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt worden sei, daß aber die Staatsanwaltschaft gegen diesen Be- schluß das Rechtsmittel der Beschwerde eingelegt habe. Zuver- lässiger Äittheilung der„Dana. Ztg." aus Marienwerder folge hat nunmehr der Strafsenat des dortigen Oberlandes gerichts die Beschwerde der Staatsanwattschaft für begründet erachtet, daher die Eröffnung des Hauptoerfahrens angeordnsi und die Anklagcsache zur öffentlichen Verhandlung und Em- scheidung vor die Sttafkammer in Danzig verwiesen. Frankreich. Bon dem englischen auswärtigen Amt sowohl, als au» von dem Major Kitchener, der nach Rocheforts Behauptuoll direkt an der Erschießung Pain's betheiligt gewesen sein% wird in Abrede gestellt, daß Pain auf Befehl eines englisch� Heerführers erschossen worden sei. Hingegen veröffentlicht d� „Jntranfigeant" einen weiteren Briefivon dem früheren Dolmen« Selikowitsch, in welchem dieser seine Anschuldigungen trotz d nächsten Tage wird eine imposante Volksdemonstration voi bereitet, in welcher das Recht Spaniens auf die Karolinen Inseln betont werden soll. Es geht hier das Gerücht, daß% Anzahl Personen, welche preußische Orden befitzen, sie zur»»' gesendet haben. Gleich darauf wurden sie auf dem Hofe von den herben eilenden Männern mit zutraulichem, aber eigenthümlich 3 messenem Wesen als Brüder willkommen geheißen.—,.tf Weatherton und Raft waren um diese Zeit bereits ihr Gefängniß zurückgekehrt. Ersterer hatte sich nachlail» auf sein Lager geworfen und zählte, zur Decke hinaufschaueo- mechanisch die Aeste an den unbehauenen Balken, währe» der Bootsmann, die Hände auf dem Rücken, in dem klew Gemach auf» und abschritt und dabei mit einem Eifer sew Tabak kaute, als wen« sein Leben von dieser Arbeit abg hangen hätte. n, Das Gefängniß lag dem Eingange des Fort schräg 6�* über, und bestand aus einer kleinenxBlockhütte, deren Ba»' um ein Verschieben derselben gänzlich unmöglich zu machen,» durch eiserne Klammern mit einander verbunden waren. auS schweren Planken roh gezimmerte HauSthür war ebenfau mit eisernen Bändern beschlagen worden, doch führte W* nicht unmittelbar[in den Gefängnißraum, sondern in e.j Art Vorflur, die wieder von dem eigentlichen Gefäng durch eine von schwer auf einander ruhenden Balken he*» stellte Wand und eine entsprechende Thür getrennt wur Ein einziges kleines Fenster mündete auf den Hof und leuchtete nur spärlich den abgeschlossenen Raum, und zwischen den oft nicht genau auf einander passe» � Balken da» Tageslicht hätte eindringen können,■, waren die Oeffnungen und Spalten sehr sorgfältig Steinen zugekeilt und demnächst mit feuchter Lehmerde kittet worden.„ Ursprünglich war die Hütte nicht zu einem Gefäng � bestimmt gewesen, man hätte bei dem ganzen Bau sonst»V.z mehr Rücksicht auf Festigkeit genommen. Außerdem � man es der eisernen Fenstervergitterung sowohl, als a»chen politischen Persönlichkeiten begünstigten Bewegung zum ?Avtze junger Mädchen eine öffentliche Versammlung statt. »wa 300 000 Personen waren anwesend. Von 11 Tribünen an! wurden zahlreiche Reden gehalten und sodann Resolutionen .-kommen, nach denen Die Bürger aufgefordert werden Lm h" Behörden bei der Ausführung des von dem Par- '»mente zum Schutz junger Mädchen angenommenen Gesetzes °u unterstützen. m„«gypte«. jn.■"oth und Elend scheinen in Egypten in immer größerem ie um sich zu greifen. Der egyptischen Regierung ist tele- z uvhisch tzjx Nachncht zugegangen, daß es in Berber zu blutigen iL�Wnenstößen gekommen sei und die Bevölkerung, welche an wM'uitteln Mangel leidet,»sich der öffentlichen Kassen be- """wgt habe. Lokales. Ii* vfsteht fett längerer Zeit die auf Anordnung des könig- Ä>lizei-Präsidii versuchsweise getroffene Einrichtung, daß ... Vorderperron der Wagen auf der rechten Seite, welche zu- bur* m.ch ein Gitter abgeschlossen war, auch während der Fahrt b» T"U e Ulch ZZeglassung Diese*" Gitters offen gehalten wird und damit t direkte Verkehr Der Fahrgäste zwischen dem Vorderperron b,? hc Straße ermöglicht ist. Dieser Direkte Verkehr gewährt ftp?®0rtheU, daß Die Fahrgäste des Vorderperrons beim Be- .L M* und Verlassen Der Wagen nicht erst die innere Wagen- an! Iunß zu pasfiren haben, mithin Zeit ersparen, und daß .lmererseits den Fahrgästen im Innern des Wagens nicht das J™en her Vorderpenontbür und Der Durchgangsverkehr Un- an��ichkeiten bereiten. Da Der bisherige Versuch mit dieser, lei? Ä anderen Städten mit Erfolg eingeführten Einrichtung Jr Veranlassung zu Bedenken gegeben hat, wird derselbe, uns mitgetheilt wird, vom 25. d. M. auf Veranlassung JäoliieibetJörDc auf sämmtliche Linien Der gedachten Gesell- teS ausgedehnt werden. Diese Erleichterung im Bahnver- � wird gewiß allgemein Anerkennung finden und steht zu SMS• daß das fahrende Publikum durch Beachtung der Vi n�n Vorsicht bei ihrer Benutzung dazu beitragen möchte, »iplfe auch dauernd beibehalten werden kann. Jn dieser Be- sxftpUg möchten wir darauf aufmerksam machen, daß es sich Unb Zupsiehlt, zur Abwendung von Unfällen das Besteigen F., Verlassen des Vorderperrons Der Wagen während Der ftei? ßanz zu vermeiden und die Einrichtung nur an Halte- benutzen, da schon die Erfahrungen beim Besteigen y Verlassen des Hinterperrons während Der Fahrt gelehrt hört' daß eine besondere Gewandtheit und Uebung dazu ge« ' Um dies ohne Gefahr wagen zu können. Gutherzigkeit der Berliner zeigte sich bei Der Be- D0t°"n8 zweier Opfer Der jüngsten Feuerwerks-Explofion, welche ÖWwin Vormittag auf dem alten Georgen- Kirchhofe in Der tahXäc* �ÜUIUUUH UU) v�ui untu vytüvytu» in vvv laAv, etßer Allee stattfand, wieder im schönsten Lichte. Gleich, f»iS*enl der Tod des Richard Haschoff bekannt geworden, Wp? �ert Strewe, Der Direktor des Schweizer-Gartens, bei u Feuerwerken Der Verunglückte mitgearbeitet hatte, den Dir-fr' uus, daß derselbe feierlich beerdigt werden möge. Der iiiler stellte sich mit einem namhaften Betrage an die Spitze tön,L„ mmlung,«n welcher sich das ganze Personal und tun�st'che Stammgäste betheiligten. Inmitten Der Sorberet» �«och Weatherton's Ankunft einen Tisch und zwei Milhle in das Gemach gestellt, wie auch eine Schütte btei"?88 Heu hinzugefügt, welche die Gefangenen dann >5.? das Ausbreiten ihrer Decken in erträgliche Lager oer« Adelten. „o Waffen waren ihnen bei ihrem Eintritt abgefordert bei dagegen hatten sie alle übrigen Sachen, welche sie firft i? führten, mit hineinnehmen dürfen. Sie erfreuten SeL 8� �selben~"""" Bequemlichketten, welche ihnen das 'm Freien geboten hatte, vielleicht noch größerer, �»dey � unter einem sichern, schützenden Obdach be- »ial �%emb Rast also auf und ab wanderte und jedes» fein»%enn er an dem vergitterten Fenster vorüber kam, bnr. blicke in'g Freie sandte, wurde seine Aufmerksamkeit Und- rch diesen, bald durch jenen Gegenstand gefesselt, er sich dann, je nachdem er gestimmt war, hin.? Schmähungen oder philosophischen Betrachtungen U>elie ein Mädchen, welches von der Mutter beim j?uß überrascht wird, in die Hände dieser heiligen erzana � gefallen zu sein, jwenn e» Euch nicht eben so M wäre." "üih"? andern Worten, eS ist Dir ganz lieb, daß ich seinx toff. bei Dir befinde," entgegnet« Weatherton, ohne �ttcke von der Decke abzuwenden. W es beliebt Euch, mein Zunge, das Bugspriet -ehren Spiegel zu befestigen und meine Gedanken umzu- Ws j antwortete der Bootsmann mit einem leisen Vor- ?vn r.i"em heiser«, aber unbeschreiblich wohlwollenden 'ch n,i?? Stimme,„ich wollte sagen, es sei mir lieb, daß % be- Euch befinde, und nicht Zhr bei mir." gänzlich mittellose Vater desselben kam nach dem Schweizer- Garten und bat flehentlich, auch für die Beerdigung seines Sohnes etwas zu thun. Es wurde nunmehr beschlossen, beide Opfer gemeinschaftlich zu beerdigen, und nun entstand ein all- gemeiner Wetteifer, die Beerdigung so feierlich als möglich zu gestalten. Der Kapellmeister des Ostend-Theaters erbot sich, die Musik unentgeltlich zu stellen, der Inhaber des Beerdigungs- Instituts„Thanatos" stellte für den Preis der einfachsten Särge zwei mit Beschlägen, Flor und Lorbeerkränzen reich verzierte Särge. Die Lerchen wurden aus der Charits- Gemeinde ausgekauft und die Grabstätten auf dem alten Georgenkirchhofe erworben. Auf dem Friedhofe sammelte sich ein Trauergefolge von etwa vierhundert Personen, darunter die Familie Strewe, die Schauspieler des Ostend- Theaters und Schweizer Gartens, das Verwaltungs- Personal beider Etablissements, sämmtliche namhaften Feuerwerker Berlins und viele Privatpersonen. Pastor Freydank von der Bartholomäus-Kirche knüpfte in seiner Leichenrede an den bekannten„Chor der darmherzigen Brüder": „Rasch tritt der Tod den Menschen an!" und betonte in seiner zu Herzen gehenden Rede, daß es das Bestreben des Haschoff kurz vor seinem Tode war, mit seinen sauer verdienten Er- svarnissen seine vaterlose Schwester für die bevorstehende Konfirmation auszustatten. Der plötzliche Tod habe dieses Vor- baden durchkreuzt. Der junge Kopp dagegen sei an dem ersten Tage vom Tode ereilt worden, an dem er in daS Geschäft Der Gebrüder Massow eingetreten. Unter den üblichen Chorälen wurden die beiden Särge neben einander ins Grab gesenkt. Zahlreiche Kränze füllten dasselbe. Nach Der Beerdigung wurde eine Sammlung für die mittellosen Angehörigen Der Todten veranstaltet, die einen namhaften Betrag ergab, welcher den dankerfüllten Familien eingehändigt wurde. R. lieber den Grund zum Selbstmord des aus der dritten Etage gestürzten Pferdebahnschaffner Richter in der Thurmsttaße erfahren wir noch folgende Details: R. hatte sich seiner Zeit auf der Strecke Epittelmarkt-Waldsttaße ohne eigene Schuld einen Rippenbruch zugezogen. Nach seiner Herstellung beschäftigte die Direktion den bereits vier Jahre in Dienst be- findlichen Beamten zwar noch kurze Zeit im Bureau, entließ ihn dann aber plötzlich als überzählig ohne jede Entschädigung oder Pension. Auf Zureden seiner Frau hatte sich R. auf fernem Polizeirevier Rath geholt, ob er nicht Ansprüche irgend welcher Art gegen seine frühere Direktion erheben könne. Nach einer jedenfalls abschläglichen Antwort nahm R. sich sein Unglück so sehr zu Herzen, Daß er in einem Anfall von Tieffinn den grauenvollen Selbstmord beging. I« unserem Nachbardorfe Stralow, draußen aus der Wiese, gerade gegenüber dem Zenner'schen Lokal in Treptow und den erstickenden Laubmassen der Heinicke'schen Insel liegt ein anderes Wafferarundstück, das den poetischen Namen„Der GlaSberg" führt. Es befindet sich hier hart am Ufer ein künst- licher, mit einer achtseitigen großen Laube bedeckter Hügel, dessen Böschungen mit buntem Glasfluß malerisch bedeckt find und der von einer wirkungsvollen Baumgruppe umgeben ist. Dieser Glasberg hat— wer hätte das wohl geahnt!— seit einiger Zeit eine kulturhistorische Bedeutung dadurch erlangt, daß die kleine Gemeinde der„Heiligen der letzten Tage", die Mormonen von Berlin, ihn zum Schauplatz ihrer Taufen auswälten. Ein Augenzeuge schildert in der„Rat.- Ztg." den Hergang eines solchen wundersamen, an mehreren Adepten vollzogenen Taufakts folgendermaßen: Das Taufen am Glasberg wurde in aller Gründlichkeit ausgeführt. Die Brüder nahmen die linke Seite und die Schwestern die rechte Seite des Vier- ecks ein, auf dem sich der kleine Hügel erhebt, und nun kleideten sich die Täuflinge im Dunkeln, umgeben von ihren Geschlechtsgenossen, aus und legten die helle, weiße Tauf« kleidung an. Alsdann schritt der Aelteste oder Apostel, welcher den Taufatt vollzog, die kleine Treppe zum Flusse hinab, und den ersten Täufling an der Hand führend, stieg er etwa zehn Schritte weit hinein, bis der Strom ihre Hüften umfloß. Mit leiser, nicht vernehmlicher Stimme hielt er eine Ansprache, ließ sich dann vom Täufling dessen Namen nennen,„Bruder so und so", und taufte ihn darauf, indem er ihn mit starker Hand vollständig unter das Wasser drückte, worauf der Getaufte das Wasser verließ, um sich anzukleiden und einem anderen Platz;u machen. So wurden nach und nach zwei Brüder und drei Schwestern getauft, die jüngste ein kleines Mädchen, das sich für die Prozedur tapfer genug benahm. Nachdem Alle angekleidet und die Taufgewänder ausgerungen worden waren, stiegen die Heiligen der letzten Tage die kleine Treppe hinauf, welche zur eigentlichen Laube des Glasbergs führt. Hier war es, wo der Missionar aus Utah, ein langer, sorgfältig gekleideter Amerikaner mit dunklem Bart, der sich bis dahin schweigend verhalten hatte, in Thätigkeit trat. Es erfolgte nunmehr nämlich die „Ertheilung des heiligen Geistes" an die neuen getauften Brüder und Schwestern durch„Auslegen der Hände". Der erste Täufling nahm fitzend Platz und vier oder fünf der Aeltesten der Gemeinde, darunter der Missionar, legten ihre Hände auf ihn, während„die Heiligen"— getrennt, zur einen Hälfte die Schwestern, zur andern die Brüder— und dahinter wir Sommergäste aus Stralow, den Raum der Laube als „Jim ich kenne Dich ja, und Du kennst mich, ziehe nur nicht gleich die Trauerflagge auf, wenn ich Dich etwas quäle." „Möchte wissen, wer hier die Flagge bis auf die Hälfte des Mastes hißt?" knurrte Rast, seinen Spaziergang wieder fortsetzend.„Zch trauere nicht und kenne keine Trauer, bestreite aber nicht, daß ich lieber die Planken des Leoparden als diesen Sandballast unter meinen Füßen fühlte," und indem er so sprach stieß er vor Unmuth so heftig mit dem Fuße in die lose Erde, daß eine dichte Staubwolke emporwirbelte und sich dann langsam durch das Fenster entfernte. Seine Blicke folgten mechanisch der Staubwolke nach, und trafen auf die vor der Thür aufgestellte Schild- wache, welche neugierig nach der ankommenden Gesell- schaft hinüberschaute und die Gefangenen vergessen zu haben schien. , Dickte, gesetzt den Fall, ich warte bis es Nacht wird, breche eine Planke aus der Mauer, schlage dem Burschen dort oder einem andern, der an seiner Stelle steht, den Schädel ein, theile mich mit Euch in seine Waffen und wir machen dann, daß wir davon kommen; ich denke, das ist originell." „Um mit Schimpf und Schande wieder zurückgebracht zu werden?" erwiderte Weatherton bestimmt,„nein, Zim, keine Ge- walt; wir sind Kriegsgefangene, die ausgelöst werden müssen, und geschieht dies nicht, so werden unser Freund Falk und die Delaware« schon andere Mittel zu unserer Besteiung ent- decken. Und außerdem, Zim, ginge ja mein ganzer Zweck, weshalb ich die Lustfahrt nach dem Salzsee unternahm, verloren. Nein, Zim, keine Gewalt, sondern ruhig aus- harren." Rast zuckte wie bedauernd die Achseln.„Za, ja, die Schürze murmelte er vor sich hin;„ist zwar'n schmuckes Fahrzeug, aber verdammt will ich sein, wenn nicht jedes- mal Unheil im Winde ist, sobald es sich um Frauenzimmer �„Schienen sich zu wundern, die beide« schwedischen Kontrebandirer, uns hier vorzufinden," fuhr er nach einer Pause fort. „Und sogar«och lebendig vorzufinden," fügte Weatherton hinzu. stehende Gruppe erfüllten. Mit leiser Stimme sprach nun der Missionar die auswendig gelernte rituelle Formel mit stark englischem Akzent.„— rnr bitten ihn, kraft des Amtes, das er hat mich uerliehen, um den heiligen Geist"— mehr war in der Entfernung nicht zu verstehen. Es folgte Täufling Nummer Zwei, auf den gleichfalls alle Gemeindevorsteher die Hände auflegten, während ein anderer die Formel der Geistes- ausgießuna sprach, beim dritten Täufling sprach ein dritter dieselben Worte und so fort, bis allen fünf„die Gabe des Geistes" ertheilt war. Die Feierlichkeit wurde nicht im minde- sten dadurch gestört, daß über die dunkle Fläche des Stromes zu unseren Füßen Ruder- und Segelboote dahinglitten, von deren Bord manch' profanes Liedlein erklang, daß quer über den Fluß der breite Lichtstrom der Laternenreihen des Zenner« sehen Restaurants in Treptow erglänzte und Gläserklirren und Stimmengewirr ertönten. Das fatale Schicksal, unmittelbar nach der Trauung verhaftet zu werden, traf, wie aus Potsdam geschrieben wird, am Freitag einen jungen Ehemann. Jn der dortigen Nikolai- kirche war der feierliche Akt vor sich gegangen, der Geistliche hatte den Segen gesprochen, und glückstrahlend wollte die junge Frau am Arme des Mannes die Kirche verlassen, als plötzlich ein Diener des Gesetzes auf sie zutrat und den Neuvermählten für verhaftet erklärte. Man hatte einen lange gesuchten Dieb glücklich gefangen. Und so mußte denn der junge Gatte dicht an der Schwelle des Eheparadieses umkehren. r. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich am Sonn« abend Nachmittag in der Schulz'schen Bronzewaaren-Fabrik in der Naunynstraße. Ein Gefäß mit Benzin, das einem geheizten Kessel zu nahe gerückt war, explodirte und überschülteie mit seinem brennenden Inhalt den in der Nähe stehenden Heizer, der lichterloh brennend auf den Hof stürzte und hier von herbei- eilenden Personen mit Erde beworfen wurde, um die Flammen zu ersticken. Als man die Erde wieder entfernte, lösten sich große Fleischtheile von der Brust und den Armen des Ver« unglückten ab, der sodann im hoffnungslosen Zustande nach Bethanien geschafft wurde. Der Verunglückte ist Ernährer einer zahlreichen Familie. Dem Großmogul bleibt sein Repertoirglück treu, auch den Winter über scheint er zum Beherrscher des Repertoirs auser- koren zu sein. So hat er an der ersten Stätte seines Erfolges, dem Pariser Gaite-Theater bei der soeben beginnenden Saison sein Rentree gefeiert und Pariser Blätter verzeichnen den er- neuten Erfolg der Audran'schen Operette. Auch das Berliner Friedrich-Wilhelmstädtische Theater weiß ähnliches zu melden. Die gestrige Sonntagsvorstellung fand vor ganz ausverkauftem Hause statt, welches sich in Beifallsbezeugungen überbot. Das Belle-Allianre-Theater war am Sonntag total ausverkauft und fand die Ausführung des Volksschauspiels „Der Glöckner von Notre-Dame" wieder die beifälligste Auf- nähme. Am Eonnabend soll die letzte Novität in dieser Saison das Lustspiel„Mädchen-Jllustonen" von Karl Görlitz zum ersten Male in Szene gehen. Das heute im Zentral-Theater stattfindende erste Jubiläum der begonnenen Saison, die 25. Aufführung der Novität„Die wilde Katze" kann sich eines bisher noch nicht Da- gewesenen Erfolges rühmen: an den vorangegangenen 24 Abenden war das Zentral-Theater stets ausverkauft und Dir, Emst sowohl wie das Publikum bedauerten, daß das Theater nicht über mehr Plätze verfügt, da die Zahl der nicht Einge- laffenen oft derjenigen gleichkommt, welcher es geglückt ist, einen Platz zu erlangen. Wasserstand der Spree in der Woche von 9— 15. August. Polizei-Bericht. Jn dem Bier-Verlagsgeschäft von NeanDer u. Ko., Blumenthalsttaße 13, verunglückten am 20. d. M. Nachmittags Der Arbeiter Elsner und am nächstfolgen- den Tage der Arbeiter Schöpe dadurch, daß sie mit einem aus dem im Erdgeschoß belegenen Komtoir nach dem Keller füh- renden Fahrstuhl in Folge Zerreißens der Windeoorrichtung in den Keller hinabstürzten. Elsner erlitt eine Verstauchung des linken Fußes, Schöpe eine Schulterverrenkung. Am 21. d.M. Nachmittags geriethen in der Wäschefabrik von Behrendt und Buki, Saarbrückerstraße 30, ein Lehrling und ein Laufbursche mit einander in Streit, welcher in Thätlichkeiten ausartete. Hierbei schlug der Laufbursche mit der Hand in ein von dem Lehrling bei Der Arbeit benutztes Zuschneidemeffer und wurde zwischen Daumen und Zeigefinger verletzt, so daß er nach Der Kgl. Klinik gebracht werden mußte. Am 22. d. M. Vormittags wurde ein Arbeiter beim Lehmavstecken auf einem Grundstück m Der Danzigerstraße Durch eigene Schuld dadurch verschüttet und getödtet, daß er eine Drei Meter hohe Lehmwand Der Anweisung entgegen unterhöhlte. Die Leiche wurde nach dem Obduktions« Hause geschafft.— An demselben Tage wurde ein Mann in Der „Kommen mir vor, als führten sie nichts Gutes gegen uns im Schilde." „Wenigstens nichts Freundliches, denn nur auf An- rathen des Kleinern, der sich RynoldS nennt, wurden wir so schnell hierher zurückgebracht. Sie wollten uns den Anblick des jungen Mädchens nicht gönnen. Noch nichts von dem Wagen zu sehen, Zim? Sie müssen bald Hera» sein, und in einem derselben befindet sich unbedingt das arme Mor- monenmädchen." Rast schaute nach der Einfahrt hinüber, und da er dort nichts von Wagen entdeckte, so wendete er seine Aufmerksamkeit dem ihm sichtbaren Hause des Kommandanten zu, welches nach Elliot S Ankunft in einen völligen Aufruhr aerathen war. Es wurden daselbst, wie Rast deutlich zu unterscheiden vermochte, HauSgeräthe von dem einen nach den andern Gemach hin« übergetragen, auch Betten wurden aufgeschlagen, und wäh- rend die Freunde und Bekannten Elliot'S alle mit Hand an- legten, stand er selbst etwas abseits mit seinen beiden Frauen, die er über irgend einen wichttgen Gegenstand aufzuklären und mit strengen Verhaltungsmaßregeln zu versehen schien. Diese letztere Gruppe fesselte vorzugsweise Rast'S Theil- nähme, denn nachdem er sie eine Weile betrachtet, stieß er einen so wilden Fluch auS, wie nur je eines währenv eine* unerwartet aufspringenden TeiphoonS den Lippen eines überraschten Seemanns enttollte. „Der lebendige Satan übet diese Mormonen!" rief er so laut aus, daß die Schildwache vor der Thür sich nach ihm umwendete,„da steht derselbe griesgrämige falsche Prophet, der sich herausnahm, mit uns zu sprechen, als seien wir ein paar seiner ihm dienstbaren wurmstichigen Heiligen- bildet, wie sie in den Straßen von Neapel spazieren ge- ttagen werden, und auf Kommando die Augen schließen, oder wie'n harpunirter Walfisch bluten müssen." „Zim, Du verwechselst die Katholiken mit den Mor« monen," unterbrach Weatherton den eifernden Rast, denn es war ihm in der Einsamkeit seiner Haft fast zum Bedürf- niß geworden, den alten Gefährten hin und wieder spreche« zu hören. (Fortsetzung folgt.) Potsdamerstraße von einem Schlaganfall betroffen und mittelst Droschle nach seiner Wohnung gebracht.— Zu derselben Zeit erlitt der in der Bronzemaarenfabrik von Schultz, Naunyn- straffe 69, beschäftigte Heizer Wolff dadurch schwere Brand- wunden, daß er, um größere Hitze zu erzielen, etwa einen Liter Benzin in das Feuer unter dem Dampfkessel goß und die auf- lodernden Flammen seine Kleider in Brand steckten. Er wurde nach Bethanien gebracht.— Am 22. d. M. wurde der Zimmer- lehrling Haffke an der Sommer- und Dorotheenstraßen-Ecke von emer Droschte überfahren und an Händen und Füßen nicht unerheblich verletzt.— In der Nacht zum 23. d. M. wurde ein unbekannter Mann in angetrunkenem Zustande von einem die Elsafferstraße vassirenden Pferde-Transport über- ritten und dabei derartig verletzt, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte. Soziales mtd Arbeitervemegung. liebet Arbeiterschukgesetzgebung spricht sich ein schmelze- risches angesehenes Blatt der liberalen Bourgeoifie, der„Bund" sehr treffluh aus: Gleichmäßige Einschränkung der Arbeitszeit in allen Ländern und strenges Verbot für die Fabrikanten, die Arbeitszeit nicht über das gesetzliche Maß auszudehnen, das ist das einzig wirksame Mittel gegen die inoustrielle Ueberproduk- tion. Nur in den allerdringendsten Fällen sollte von der Auf- Hebung des Verbots für ganz kurze Zeit eine Ausnahme ge- macht werden können. Bester wäre es aber noch, letzteres gar nicht zuzulassen. Das also ist's, was man mit allen Mitteln anstreben soll. Abgesehen von der Entstehung neuer Fabriken und Erweiterung der alten zu Zeiten guten Geschäftsganges geht das Bestreden dahin, immer vollkommenere Maschinen zu konsttuiren, die bei gleichzeitiger Mehrleistung auch menschliche Arbeitskraft ersparen sollen, und der Fabrikant steht sich sozu- sagen gezwungen, stets die besten davon anzuschaffen, um durch maffenvafte Herstellung der Fabrikate mit wenig Arbeitskräften seine Konkurrenten in Billigkeit der Preise überbieten zu können. Schließlich muß auch noch für diesen Zweck der Lohn der Arbeiter mit herhalten, trotzdem diese ja schon manchen- orts zu wenig zum Leben haben. Wie soll das enden, wenn immer mehr produzirt wird und weniger Arbeiter gebraucht werden! Mit der Zeit werden sich die Regierungen doch gezwungen sehen, hier ein kräftiges„Halt!" zu gebieten, wenn die Menschheit nicht an ihren eigenen technischen Fort- schritten zu Grunde gehen soll. Auf kerne andere Weise dürfte das aber erfolgreicher geschehen können, als daß man, je mehr die maschinelle Thätigkeit zunimmt, die Arbeitszeit in der ganzen Welt entsprechend verringert. Fortgesetzt geregelte Ar- beit ist doch zehnmal besser, als einmal erne Zett lang über- triebenes Arbeiten und dann wieder Darben, wie es bei der heutigen Produktionsweise in den meisten Ländem der Fall ist. Jedermann würde das bald einsehen lernen. Die Fabri- kanten könnten dann wieder lohnendere Preise erzielen und den Arbeitern gereichte die maschinelle Produktion durch ihre Erleichterung der Arbeit erst dann zum Segen. Wenn ihm indeß die Maschinen das Brod je länger, desto mehr weg- nehmen, dann werden die Maschinen für ihn zum Elend! Für uns in der Schweiz, die wir bereits eine geregelte Ar- beitszeit befitzen, ist es ganz besonders wichtig, daß alle Län- der, je eher desto besser, zu einer internationalen Fabrikgesetz- gebung sich verstehen. Darum möchten wir den Bundesrath ermuntern, zur Einführung einer solchen so viel als möglich beizutragen, und durch momentane Ablehnung anderer Regie- rungen sich nicht abschrecken zu lassen. Einmal wird und muß sie kommen. Zur Statistik der Selbstmorde läßt sich die„Volks- Ztg." aus Sachsen folgendes schreiben: Unser Königreich weist von allen Ländern der Welt die meisten Selbstmorde auf und diese sind in fortwährender Steigerung begriffen. Wenn auch im Jahre 1884 eine etwas geringere Anzahl von Selbstmorden stattfand, so find sie doch seit 1860— 1884 von 548 auf 1114 gestiegen. Prozentual heißt dies eine Steigerung von 2,5 Selbmorden auf 10000 Einwohner im Jahre 1860 auf 3,7 im Jahre 1884, also um ein volles Drittheil. Aus dem statistischen Jahrbuch für das Königreich Sachsen geht nun hervor, daß nach dem unglücklichen Kriege von 1866 eine bedeutende Steigerung stattfand, während nach dem siegreichen Kriege von 1870/71 eine Abnahme der Selbstmorde sich zeigte. Es wäre nun thöricht, wenn man den Kriegen selbst eine besonders große Einwirkung auf die Selbstmordziffer zu- schriebe; es kommen vielmehr oie Folgen der Kriege, resp. die witthschaftliche Lage nach den Kriegen hauptsächlich in Betracht. So steigerte sich die Ziffer nach 1866 noch bis in das Jahr 1868 hinein, während sie 1889 schon nachließ. Die wirthschaftlichen Zustände in Sachsen waren in den Jahren keine guren. In den Gründerjahren, wo Arbeitsoerdienst überall vorhanden war, haben wir nur eine geringe Zahl von Selbstmördern, im Durchschnitt von 1870—75 die Zahl von 700 Sofort beim Niedergang der wirthschaftlichen Verhältnisse im Jahre 1376 steigt die Zahl auf 981, im Jahre 1877 auf 1114 und ist seit jener Zeit auf derselben Höhe geblieben. Nur die Jahre 1881 und 1883 liefern eine Zahl von über 1200. Aus dieser Zusammenstellung geht schon hervor, daß eine Steigerung der Selbstmorde in wirthschaftlich schlechten Jahren und eine Verminderung in witthsckaftlich besseren Jahren stattfand. Dies ist nicht zu bestteiten. Man sieht nun auch aus der hohen Ziffer seit 1879, also seit der neuen Zoll- und Wirthschafts- Aera, daß diese für Sachsen keine besseren wirthschaft- lichen Zustände gebracht hat. Doch dies nur nebenbei.— Wenn man nun auch das Fallen und Steigen der Selbstmordziffer auf die wirthschaftlichen Verhältnisse zurück- führen kann, so geht dies doch nicht in Bezug auf die hohe Ziffer der Selbstmorde in unserem Königreiche überhaupt. Denn wenngleich es auch ungemein traurige Zustände in einzelnen Gegenden Sachsens giebt, so find sie doch nicht trauriger, wie in vielen anderen Gegenden Deutschland?, so in einigen Strichen Thüringens und Schlesiens. Und doch ist dort vie Selbstmordmanie nicht derartig im Schwange, als in unserem Königreiche. Als Erklärungsgründe für die hohe Selbstmord- ziffer in Sachsen versucht nun der Pastor Dr. von Criegern in der Leipziger Zeitung"„ein gewisses krankhaft reizbares Ehrgefühl im Volkscharakter" und den„ungesund ge- steigerten Kulturzustand" anzugeben. Dann ist er äußerst betrübt darüber,„daß der Besitz der reinen evangelischen Lehre unser Volk vor schweren sittlichen Verirrungen nicht zu bewahren vermocht hat".— Das letzte Geständmß ist im- merhin in so weit werthvoll, als daraus hervorgeht, baß alle Tiraden der Eiferer der reinen evangelischen Lehre, zu denen ja auch die Herren Stöcker und Genossen gehören, keinen Pfifferling Werth haben. Den ersten Erklärungsgrund deS Herrn Dr. von Criegern aber, welcher die große Zahl der Selbstmorde„auf ein gewisses krankhaft reizbares Ehrgefühl im Volkscharakter" hinführt, halten wir schon deshalb für hin- fällig, weil diesen Charatter andere Nationen, wie z. B. die Franzosen in der That befitzen und keine hohe Selbstmordziffer aufweisen, während die erwähnte Eigenschaft dem sächsischen Volkscharakter wohl nur angedichtet wird. Die Bewohner un- seres Königreichs find ein Mischlingsvolk, deshalb leichtlebig und nicht so widerstandsfähig wie andere rein germanische, oder weniger gemischte Stämme— darin dürste wohl ein Haupterklärungsgrund zu suchen sein. Denn wenn der Herr Dr. von Criegern„einen ungesund gestriger- ten Kulturstand" mit verantwortlich machen will, so kann sich dies doch nur auf die ungesunde Steigerung be- zite 5 Sft als die Bewohner unseres Königreichs und doch eine viel niedrigere Selbstmordziffer aufweisen. So kann man aufBer- lin und Umgegend, auf die Hansestädte, auf Frankfurt und Umgegend, auf Rheinland und Westfalen hinweisen, um nur Gegenven zu nennm, welche eine dichte Bevölkerung und große Jndusttie und in dieser Beziehung Aehnlichkeit mit Sachsen haben. Die Selbstmordziffer m den letztgenannten beiden Pro- vinzen ist aber zirka fünfmal geringer als im Königreich Sachsen, und doch dürfte der Kulturzustand dort sicherlich nicht auf einer niedrigeren Stufe stehen als im letzteren.— Doch wir haben oben nur einen Erklärungsgrund angegeben, um die vollständig nichtigen Andeutungen des Dr. von Criegern auf ihren wahren Werth zurückzuführen. Räthselhaft bleibt die ungemein hohe Selbstmordziffer in Sachsen immer- hin doch. Vereine und Versamminngen. Die Angelegenheit„Rödel" hat in einer am Sonntag Vormittag in Keller's Salon, Andreasstt. 21, abgehaltenen trotz der ungünstigen Witterung überaus zahlreich besuchten öffentlichen Versammlung der Tischler Berlins ihren vor- läufigen Abschluß gefunden. Die Tagesordnung der Versamm- lung lautete:„Wahl einer Prüfungskommission zur Unter- suchung der Angelegenheit„Künzel kontra Rödel". Es wurde Kontrole geübt, daß außer den Vertretern der Presse nur Tischler und Klavierarbeiter den Saal betreten durften. Femer wurden auf Wunsch des die Versammlung überwachenden Po- lizeibcamten in allen Theilen des Saales durch angesteckte Schleifen kenntliche Ordner postirt, um etwaige Ruhestörungen zu verhindern; auch erklärte der Beamte, daß, sobald die Ver- sammlung durch Zwischenrufe gestört werde, er dieselbe auf- lösen müsse. Alle diese Vorsichtsmaßregeln waren jedoch nicht im Stande, die Auflösung der Versammlung zu verhindem. Schon die Bureauwahl gab zu heftigen Debatten Veranlassung. Gewählt wurden: Herr Zubeil zum ersten, der Einberufer der Versammlung, Herr Julius Kreutz, zum zweiten Vorsitzenden und Herr Nöske zum Schriftführer. Nach Konstituirung des Bureaus machte Herr Zubeil den Vorschlag, zunächst ohne weitere Diskussion eine Prüfungskommission zur Untersuchung der in so vielen Versammlungen gegen Herrn Rödel erhobenen Anschul- digungen zu wählen. Er sprach die Hoffnung aus, die zu wahlende Kommission werde unparteiisch, aber auch mit größter Energie handeln, sie' werde sich in keiner Weise verblüffen lassen und von Herm Rödel die Herausgabe der Bücher sowie des sonstigen Materials zur Prüfung verlangen. Sollte sich Herr Rödel dem nicht fügen, so müsse man die Hilfe der Behörde in Anspruch nehmen.(Beifall und Widerspruch.) Herr Löffler erklärte sich mit diesem Vorschlage nicht einverstanden; die Versammlung halte er nicht für kompetent, eine Revisionskommission zu wählen, da nicht alle Anwesenden zum Unterstützungsfonds der Tischler beigesteuert hätten; die Kommission könne nur von einer„Dclegirtenversammlung" gewählt werden. Der Wider- spruch der Versammlung gegen diese Ausführungen wurde ein derart heftiger, daß sich der Vorfitzende genöthigt sah, mit Zu- stimmung der Versammlung Herrn Löffler das Wort zu ent- ziehen, indem er noch darauf hinwies, daß die Versammlung vollständig kompetent sei, die Revisionskommission zu wählen. Es sei außer den Zeitungsberichterstattern in der Versammlung nur Tischlergesellen gegen Legitimation der Zutritt gestattet worden. Herr Lenz, Mitglied der Lohnkommisfion, erklärt sich gegen die Wahl einer Kommission, bevor Herr Rödel ge- sprachen und sich vertheidigt habe, er sagt unter Anderem:„Sie wissen ja garnicht, ob wir mit den Herren, welche Sie wählen wollen, nicht noch ein Hühnchen zu pflücken haben."(Gelächter und Widerspruch.) Herr Rödel: Auch er müsse gegen das beabsichtigte Verfahren Einspruch erheben; dasselbe sei mindestens eigenlhümlich. Es seien gegen ihn Anschuldigungen erhoben worden, die noch nicht bewiesen wären.(Widerspruch.) Das Bureau der letzten Versammtung habe es so einzurichten ge- wüßt, daß er nicht zum Worte gekommen sei.(Stürmischer Widerspruch.) Er beabsichtige überhaupt nicht viel zu sprechen, damit auch die anderen Mitglieder der Lohnkommisfion zu Worte kommen könnten. Wenn man jetzt eine Untersuchungs- kommission wähle, so würde er überhaupt in der Versammlung nicht mehr sprechen. Herr Gundelach: Es sei ihm unbegreiflich, weshalb sich Herr Rödel so sehr gegen die Wahl einer Unter- suchungskommisston sträube. Wenn sein(Rödels) Gewissen rein sei und er die ihm anvertrauten Gelder richtig verwattet habe, dann dürfe weder er noch die Lohnkommisfion eine der- artige Untersuchung scheuen. Habe Rödel und die Lohnkom- Mission aber nicht ehrlich gebandelt, so sei es Pflicht, sie öffent- lich zu kennzeichnen. Der Vorfitzende läßt darauf, um sich nicht den Vorwurf der Parteilichkeit machen zu lassen, darüber abstimmen, ob Herr Rödel vor der Wahl der Re- vifionskommisfion sprechen soll oder nicht. Mit großer Majorität beschließt die Versammlung, daß Herr Rödel nicht vorher, sondern nach der Wahl der Kommission sprechen solle. Es wurde femer beschlossen, sofort die Wahl der Kommission zu vollziehen, jedoch nur solche Leute in dieselbe zu wählen, die bisher weder der Lohnkommisfion, noch einer Revisionskommission angehört, aber zum Unterstützungsfonds beigesteueri haben. Die Wahl siel auf die Herren: Schaar, Völckcr, Julius Kreutz, Nickel, Wilhelm Schmidt, Baresel und Wilhelm Schmitz. Der Vorsitzende spricht hierauf nochmals die Hoffnung aus, daß die nunmehr gewählte Kommisston nach jeder Richtung hin ihre Pflicht tbun werde, um die Angelegenheit, die so viel Staub aufgewirbelt hat, ins richtige Licht zu stellen. Den größten Theil der Schuld an den bedauerlichen Vorfällen der letzten Zeit tragen die Tischlergesellen Berlins selbst. Es sei ein großer gehler, daß man die Lohnkommisfion ohne Kontcol- kommission habe arbeiten lassen. Ein zweiter Fehler sei es, daß man Rödel zugleich zum Vorfitzenden und Hauptkasfirer gewählt und dadurch die gesammte Verwaltung in die Hand eines einzigen Mannes gelegt habe. Wenn man so großen Werth auf die Delegirtenversammlung lege, so müsse er darauf hinweisen, daß in vielen Werkstellen junge Leute zu Telegnten gewählt wurden, unter dem Vorwande, daß sie die meiste Zeit haben(Lärm); es sei sogar vorgekommen, daß sich ältere Tischler- gesellen von ihren jüngeren Kollegen ttakliren ließen und dafür die jungen Leute zu Delegirten wählten. Hoffentlich wird man in Zukunft vorfichliger zu Werke gehen, damit so unerquickliche Angelegenheiten nicht wieder vorkommen. Von Herrn Rödel ermatte er, daß derselbe der Revisionskommission ihr Amt nicht erschweren, sondem auch seinerseits bemüht sein wird, die Sache aufzuklären durch Beantwortung aller an ihn gestellten, auf die Angelegenheit bezüglichen Fragen und Vorlegung des zur Untersuchung nöthigen Matenals. Dann werde es sich ja zeigen, ob vie Gelder richtig verwaltet wurden und ob die sonstigen gegen Rödel erhobenen Anschuldigungen auf Wahrheit beruhen oder nicht. Herr Schmitz, Mitglied der gewählten Untersuchungskommission, schlägt vor, die Kommisfionsmitglieder mögen sofott nach Schluß der Versammlung mit Herrn Rödel zusammen in dessen Wohnung gehen, um ssch die Bücher und das sonsttge Matena! aushändigen zu lassen und so im Stande zu sein, ihre Arbeit baldmöglichst beginnen und vollenden zu können.(Lebhafter Beifall.) Hierauf beschloß die Versamm- lung, Herrn Rödel jetzt das Wort zu ettheilen. Herr Rödel gab jedoch die Ettlärung ab, daß er jetzt nicht sprechen wolle. Dies erregte den größten Unwillen in der Versammlung, daß der Vorsitzende dieselbe, um die Ruhe wieder herzustellen, ver- tagte. Als fick Herr Rödel darauf auS der Versammlung entfernen will, wird die Unruhe jedoch so groß, daß der Polizei« beamte die Versammlung für aufgelöst erklätt. Die RevistonS-Kommisston tn Sachen Künzel kontra Rödel begab sich gleich nach Schluß der Versammlung am Sonntag zu Herrn Rödel, traf denselben aber nicht zu Hause. Am Montag früh 6'/- Uhr gingen die Kommisfionsmitglieder abermals hin und Herr Rödel empfing dieselben. Er verlangte zur Legitimation die grünen Karten, welche ihm indeß ver- weigett wurden. Weiterhin erklätte Herr Rödel, daß er weam der Herausgabc der Bücher erst Rücksprache mit der Loya- kommission nehmen müsse. DeS Weiteren erklätte Herr Rödel, der Kommission wohl Einsicht in die Bücher zu gewähren, die- selben aber auf keinen Fall herauszugeben. Die Kommissü» ersuchte nun in Folge dieses Auftretens sämmtliche Delegirten» in den Werkstätten dafür zu sorgen, daß die Zahlungen der wöchentlichen Beiträge bis auf Weiteres eingestellt werden- Außerdem ersucht sie die Kollegen, die grünen Katten und sämmtliche Quittunge» aufzubewahren, um dieselben eventuell der Kommission einzuhändigen. Die Kommission wird die weiteren Schtttte in der Sache veranlassen.— Im Auftrage der Kommission: I. Kreutz, Skalitzetttr. 28. Eine öffentliche Generalversammlung der Stein- träger tagte am Sonntag Vormittag unter Vorfitz des Herril Otto Rennthaler in Gratweil's Bierhallen, Kommandanten- straße 77/79. Auf der Tagesordnung stand: 1) Der diesjährige Streik und die Folgen. 2) Verschiedenes. Das Referat zum ersten Gegenstande der Tagesordnung hatte Herr Michclxn übemommen. Referent führte zunächst auS, daß die Steinträger gerade die schwierigste Arbeit verrichten müssen, daß deshalb aber auch berechtigt find, dahingehende Forderungen zu stellen, daß sie ihre Familie anständig ernähren können. Er legte der Versammlung klar, daß der bisher gezahlte Lohn für die jetzigen Verhältnisse nicht ausreicht und ermahnte die Ver- sammelten dringend, sich dem Fachvercin als Mitglieder anzuschließen. Der Redner tadelte das schroffe Verhalte« der Berliner Arbeitgeber bei dem diesjährigen Stteik Er unterzog ferner die heut übliche industrielle Frauenarbeit einer scharfen Kritik und zeigte, wie nothwendig eine Regelung derselben sei. Folgende Resolutton wurde von der Versammlung einstimmig angenommen:„Die heutige Generaloersammlung der Steinträger Berlins und Umgegend erklätt sich mit den Aus- führungen des Refenten einverstanden und beschließt, dem „Fachvercin der Steinträger Berlins" beizutreten, um durch ihn ihre gerechten Forderungen zur Geltung zu bringen." Zu „Verschiedenes" wurde von Herrn Brost eine Anfrage eingebracht,„warum er keine Unterstützung bekommen habe". Here Hattleib als Vettrauensmann stellte die Sache klar. Die Delegirten-Kommisston des Gau-Bereins Ver- liner Bildhauer ersucht alle die Kollegen, welche in de« letzten Vereins-Sitzungen Zettel, die Sonntagsarbeit betreffend, erhalten haben, dieselben heute Abend ausgefüllt im Verel» abzugeben._ Literarisches. Professor Johannes Huber und der Sozialismus. Unter dieser Ueberschttft lesen wir im„Baiettschen Landboten folgendes: Als am 20. März 1879 der hochbegabte, unermüdlich thätige UniverfitätSprofessor Dr. Johannes Huber stlnd, wußten die Arbeiter Münchens wohl kaum, daß sie in ihm einen beredten Anwalt ihrer Interessen und einen eifrige« Kämpfer für ihre Sache verloren. Wenigen von ihnen war oe- kannt, daß er ihrem Organe:„Der Zeitgeist" manche Unter- stützung für Arbeiter zukommen ließ, wie er überhaupt Ncth- leidende und Verfolgte nach besten Kräften unterstützte. Do» Zustandekommen des Sozialistengesetzes hat seine Seele m« großer Bittetteit erfüllt, wie ihn überhaupt die krasse Unkenm- niß der sogenannten Gebildeten über das Wesen des Sozialm- mus und deren brutales Auftreten in der Presse gegen du Vettreter der sozialistischen Weltanschauung aufs tiefste empörte- Als Rufer in der Wüste veröffentlichte er in der„Allgemeine« Zeitung" 1878 vier brillant geschriebene Aufsätze, worin cr de« Sozialismus als neue Weltanschauung und als neue Religio« darstellte, kurz und bündig, klar und getreu die philosophM Grundlage desselben darlegte und die begeisternde, den ganze« Menschen erfassende Macht seiner Ideen in schwungvoller- zündender, wahrhaft herzbewegender Sprache schildctte- Diese Aufsätze erregten damals großes Aufsehen und d» Fama erzählt, die Fottsttzung derselben sei auf höheren Wi«> unterdrückt worden. Sie waren sozusagen sein geistige Testament und verdienten, in weitesten Kreisen bekannt Z« werden, was bei dem eiaenattigen Leserkreist jener Zeitu«? nicht möglich war. Nun hat sie Max Ernst neu Herausgegeb«« als Broschüre:„Die Philosophie in der Sozialdemokratie.') Sie umfaßt zwei Druckdogen und kostet nur 40 Pf., kaim somit jedem zugänglich werden. Herr Ernst hat sich unser» Erachtens durch die Herausgabe dieses Huber'schen Werk» ein großes Verdienst erworben. Möchten sich dock die Freu««» Huber's die Verbreitung dieser Broschüre möglichst angcleg«« sein lassen. Dadurch werden sie dem Andenken Huber« in vieler Herzen eine bleibende Stätte schaffen; kann l« doch kein schöneres Denkmal einem Schriftsteller gew«'« werden, als das, welches er durch seine Schriften sich setzt. Gerade in dieser Schrift zeigte Huber die schonü» Seiten seines reichen Geistes und seines edlen Herzens:#«» sie aufmerksam liest, muß von Bewunderung für den Au>« erfüllt werden. Freier denkenden Geistern wird diese Lektü? eine Erquickung bieten, die ihnen Kraft und Muth ve'leufo unentwegt für ihre Ertenntniß einzutreten und jenem drängenden, energischen, wcttthätigen Idealismus zu dienen,„der,««! den Ideen des Rechts und der Menschlichkeit ein historiicb» Dasein zu verschaffen, die in praktischem Materialismus v» sunkcne Welt aus den Angeln sprengen will."(&«% pag. 31.) Ja wahrlich, der versumpften UniversttätsphiloioM' gegenüber, die zur Schande unseres Jahrhundetts noch pursten Blödsinn kultivirt und statt zum Denken nur Z« Phantafiren anleitet, erscheint Hubers Schttst«18' Produkt jener wahren mit den Ergebnissen der Wrm« schaft übereinstimmenden, weil aus ihnen sich ergeben« Philosophie, welche das Denken schult, die Begriffe klärt u das Gemüth erfrischt. Möge daher kein Gebildeter, den« Drang nach Wahrheit beseelt, die Lektüre dieser vorzügl>«> Broschüre versäumen! Vermischtes. Ein Mordhaus niedergebrannt. Essen, 18. Aug«� Soeben gelangt die Nachricht hierher, daß das Wohnbaus. Maschinenwärters Frensemeqer heute Vormittag 11 uor gebrannt ist. Das Haus in derNäbe der Zeche Wolssbank>n Ottschaft Bochold, Bürgermeisterei Borbeck, gelegen, ist derSsb. platz zweier Mordthaten gewesen, deren der Besitzer sick* dig gemacht hat; am 1. Juli 1883 tödtete und zerhaute. seine Ehefrau, und am 26. Juni d. I. erstach er den>w' ben Hause wohnenden Arbeiter Klinkfiek. Wegen der letz wähnten That befindet sich Frensemeyer zur Zeit in suchungShaft in Essen; von der Anklage, seine Frau lich getödtet zu haben, wurde er am 14. Januar d. I Schwurgericht freigesprochen, weil nach dem Gutachten � Sachoerztändigen angenommen werden mußte, daß er die � 'tändiger Unzurechnungsfähigkeit In. Zig." mitgetheilt wird, haben vre N � lezeigt, den Brand des„Mordhauses t der Feuerwehr war das in leichtem sammt dem Inhalt beinahe im Zustande hat. Wie de..__ baren wenig Lust gezeigt, löschen; bei Ankunft der F werk aufgefübtte Gebäude ständig eingeäschert. *)„Sammlung gesellschaftswissenschaftlicher München 1885. Verlag für Gesellschaftswissenschaft(M--s.wi München, Senestlderstr. 4). Erstes Heft dieser in zmiW Lieferungen erscheinenden Sammlung ist das eben ZA Schnftchen. JedeS Heft ist einzeln zu haben un«, fi� jede Buchhandlung zu beziehen. Man verpflichte.� durch eine solche Bestellung nicht zur Abnahme auch Hefte. Perantwortlicher Redakteur«. Trovhei« w Berlin. Druck und Verlag von««»adiug in Bettin 8W„ Beuthstraße 8. Hier,» eise BeiW«* Beilage zum Berliner Bolksblatt . 197. Dienstag den 35. August 1885. II. Jahrg. Die Ausdehiiittig der Uisiillllersicheruiiz ms Serlrulk*) (Hamburger„Bürgerzeitung".) . Der damalige englische Handelsminister Chamberlain stellte einer Parlamentsrede am 19. Mai 1884 fest, daß in Eng- °nd auf Handelsschiffen durchschnittlich von 66 Matrosen Irlich einer durch Schiffsunfall sein Leben verliert, wahrend von den im Dienste der englischen Eisenbahnen Mastigten Personen im Durchschnitt nur jährlich einer von 2� sein Lehen durch Unfall verliert, und während von den gttflleuten durchschnittlich nur einer auf 454 durch Unfall um- Aehnlich ist das Verhältniß der durch Sceunfälle umkom- wenden Schiffer zu den in anderen Erwerbszweiaen auf ge- Mtsame Weise umkommenden Personen im Deutschen Reiche. (m" Nautische Verein konstatirte 1883 auf Grund Hansen'scher �üttheilungen, daß nach der preußischen Statistik von 1875 wmols bei der Arbeit in Steinbrüchen, stcherlich einer äußerst AMrlichen Besck>äflungsart, jährlich 4,37 Menschen auf 1000 umkamen, während bei der Sceschiffsahrt 8,57 auf 1000 jährlich umkamen. Es liegt klar auf der Hand, daß die Unfallverficherung uuf dre Seeleute ausgedehnt werden muß. Findet doch das putsche Haftpflichtgesetz auf Seeleute keine Anwendung, grade '0 steht es in England. Hier ist rasche Abhilfe nöthig. v Man bedenke, die Natur der Sache bringt es mit fich, daß uee Seemann, auf dem Schiffe der strengsten Disziplin unter- Wen, vom Schiffe in der größten Gefahr sich nicht entfernen uurf und nicht entfemen kann. .... An Deutschland kommt einer auf 123 jährlich durch Schiffs- um's Leben. Nach den amtlichen Ermittelungen mar- m>>rt Deutschland in zweiter Reihe unmittelbar hinter England, was die Zahl von Schiffsunfällen in der Handelsmarine be- „'nt! bei den Niederländern z. B. verunglückt jährlich immer "Ur ern Mann auf 232. n. Trotz allem Kokettiren mit der Sozialrcform sind unsere �tzgeber aber bis jetzt noch nicht dazu gekommen, hier cner« em zugreifen. Die Bestimmungen des deutschen Handels- ?.Muches von 1862, betreffend Vre Seeleute und ihre An- "[w Ml den Rheder bei Befchädigungen im Schiffsdienfte, , die der Secmannsordnung vom 27. Dezember 1872 find '% ungünstig. fx. Die aus solcher Vernachlässigung fich ergebenden Miß- M.de zwangen die Rheder, sich mrt dieser Frage zu be- Mstigen. Der Deutsche Nautische Verein hat in ferner letzten Atzung, die im Februar d. I. zu Berlin stattgefunden, die He tzer Seeleute erörtett. Man konstatirte, daß„dieselbe al?* höchst beklagenswcrthe sei, und daß in dieser Beziehung Ämlfe geschafft werden müsse". Bezeichnend ist das Zu- 8 Uandniß Silberschlag's in dem streng manchesteriichen, von Mar Böhmert redigirten„Arbeiterfreund":„Doch bis jetzt > 5 die Bemühungen der deutschen Rheder für Verbesserungen .... Looses der Seeleute ohne allen praktischen Erfolg geblieben, „1® fft dies eben ein Beweis dafür, daß es �älle giebt, wo % 2%� fe?en., em«eweis oasur, oag es Einschreiten der Gesetzgebung, nicht aber die noch so fci», Jß? und wohlwollende Thätigkeit von Privatpersonen Tej� bnngen� kann." Arme Selbsthilfe, wie wirst Du in -- m Momteur desavouirt! Wir fügen aber hinzu, daß die LAMtalistischen Rheder und Rhcvergesellschaften ganz Er- köiin. aus eigener Kraft des wohlgefülltcn Säckels thun huw' uienn sie die Löhne der Seeleute erhöhten, eine ein?? Behandlung und durch Neueinstellung von Leuten Heise �rzte Arbeitszeit einführten. Aber bei diesem Punkt sb»'® rühre, rühre nicht daran. ent>n?i'anntlich hatte Chamberlain einen Seeleute-Schutzgesctz« jmpjäL rm Parlament eingebracht. Er forderte in demselben «us ,f otfcf)riften, nämlich erstens dadurch, daß er es für durch- llinn."Lässig erklärte, daß der Versicherer aus der Verfiche- Ers?. ,ad dem Unfall Gewinn ziehe, daß er mehr erhalte, als .�JMemes wirklichen Verlustes. Die zweite war die, daß er gttirtu» den Aufsatz des Dr. Silbcischlag, Oberlandes- ./aw in Naumburg a. S., im„Arbeiterfreund", 23. Jahr- 2- Vietteljahrsheft 1885. Der Wst. spr-i hat ür Als ob das so eine Hexerei wäre, cinen Toast ,u �n! Nur Kourage! Unsere tausendiahnge� SWffaiwn II».—.TT»«v» r %. 1' Kourage: rtnjcre— di<5 Fälle wacker vorgearbeitet. Es ist voraesorgt für'Xrau vom Hause, für den Regenten, für die Braut, für>>,. Jubilar, für den neugewählten Vereinspräsidenten, hekow.? scheidenden Präsidenten, für die Gäste, für den Fri-hfl?." Hausherrn, für alle erdenklichen Ausstellungen, tchen% und Wahlfeste, für alle politischen und nichtpoliti- Angelegenheiten. ganze Wissenschaft ist sehr einfach:„Meine Herren! c SS~~ ehrenvolle Aufgabe zu theil— bin kein Redner, -- ss�~~.auf rechtem Fleck,— wessen das Herz voll nie so voll gewesen—, ehret die Frauen,— ..r""d weben,— himmlische Rosen,— irdisches Leben, Frau wetterleuchtender Schiller! Ich erhebe die beniij.» J?? Hause—" Bravo! Redner von allen Seiten Äan r,??nscht. Die anderen Fälle sind nicht schwieriger. voll fpilrj" Urgenten zu feiern. Man erhebt sich würde- der'etftp wv ernlt! man kann es leicht thun, denn man ist fpäter-.»% und hat daher weniger getrunken, als die I�erlick-m Also losgelegt:„Meine Herren!"— streva»?M�use. Noch wird ein Tellergeklapper gehört, ein voraus /F uach der Richtung des sträflichen Geklappers, (in hlr� J mäuschenstill. Ein solcher Anfang ist schon .s c % dem Crf,?!1 �vfolg, denn die Tischgenoffenschaft sühtt, vay pe dig er gekränkten Redner eklatante Genuglhuung schul- bestehen m diese kann nur in einer rauschenden Ovation _ Redner ruft noch einmal mit starker Stimme: hinrivs.?.Herren!" Man hört die Fliegen an der Wand ober 1?ßen und den Wein im Glase perlen. Das war in hip 77(in Ton, mit dem dieses zweite„Meine Herren!" Beoba��kiche Gesellschaft schlug! Für den oberflächlichen üwiinen« uklerdings ein ganz gewöhnlicher Ton, für den $t0or._"(nner und Bankettpsychologen aber ein ganzes Eettsx.uun, eine Philippika und eine Epspöe glorreicher die h-ttschung und Selbstüberwindung. Für diesen besagt ' stark betonte Aposttophe nur folgendes: Eigentlich ist den Rheder für Beschädigungen oder Todesfälle der Seeleute bei Schiffsunfällen in derselben Ausdehnung für haftpflichtig erklären wollte, in welcher andere Unternehmer nach der eng- tischen Gesetzgebung und zwar speziell nach der Employere' hability act(Haftpflichtgesetz von 1880) haftbar find. Danach würde der Rheder für solche Unfälle zu haften haben, die durch sein eigenes Versehen, die Versehen seiner Beamten, namenttich also der Schiffsoffiziere, oder durch Mängel des Schiffs herbeigeführt waren. Der Chamberlain'sche Entwurf wurde vom Unterhause in zwei Lesungen angenommen, vor der dritten Lesung am 3. Juli 1884 aber durch die englische Regie- rung zurückgezogen. Und warum? Hatte doch der Antragsteller darauf hinge- wiesen, daß jährlich durchschnittlich über 3000 englische Seeleute, also im Laufe von 24 Jahren über 70 000 Seeleute, etwa ein Drittel der englischen Seeleute, deren Gesammtzahl etwas über 200000 beträgt, durch Seeunfälle umkommen! Und dennoch! Dennoch fiel der Entwurf, weil der kapitalistische John Bull dräuend sein Haupt erhob, weil die mächtigen Rheder einen Entrüstungssturm inszenirten. Chamberlain erzählte selbst im Parlament, daß ein Kapitän Hatfield in der Liverpooler Handelskammer eine wüthende Rede gegen den Gesetzentwurf hielt, ein Exemplar desselben aus der Tasche zog und es mit Füßen trat. Dieser Ehrenmann war in den sieben Jahren von 1877—1884 Eigenthümer von 12 Schiffen gewesen, von denen im gedachten Zeitraum 11, sage und schreibe elf, untergegangen waren. Natürlich! Seeuntüchtige Schiffe werden nachweislich auf die Fahtt geschickt, nachdem Laoung und Schiff hoch versichert worden find. Das Fahrzeug mag mit Mann und Maus untergehen: portweinselrg wird der Eigenthümer Abends nach Hause taumeln, denn er hat einen glänzenden Profit gemacht. Charakteristisch für das Wesen und die Tendenzen des Ka- pitalismus ist nun folgende Stelle in Silberschlags Aus- führungen(a. a. O. S. 147/8), die wir wortgetreu wieder- geben:..Wie war es nun aber möglich, daß Die Opposition der Schiffsrheder gegen den Chamverlainschen Gesetzentwurf fiegte?" Für diesen Entwurf sprachen doch mindestens die- selben, ja eigentlich weit triftigere Gründe, als die, welche für die Haftpflichtgesetze gesprochen hatten, durch weiche man in England in Bezug auf andere Arbeitgeber, z. B. Bergwerks- befitzer, Eigenthümer der Eisenbahnen, Fabrikbefitzer,.Haftpflicht für Beschädigungen der Arbeiter eingeführt hatte." „Der entscheidende Grund war, daß bei den Gesetzen, die zu Gunsten anderer Arbeiter in England gegeben sind, nicht blos Gründe der Menschlichkeit, sondem auch Gründe der Politik in Betracht kamen, was bei den Gesetzen zu Gunsten der Seeleute nicht der Fall ist. Bei anderen Ardeitern, namentlich den Fabrik- und Bergwerksarbeitern, kam es darauf an, deren Stimmen für die Parlamentswahlen zu gewinnen, außerdem aber auch sie durch geeignete Konzesstonen dem Einflüsse der re- volutionären Partei zu entziehen, welche belannttich grade in England mehr als einmal in den Fabrikstädten gefährliche Emeuten hervorgerufen hat. Diese politische Rücksicht hat viel- leicht weit mehr als Erwägungen der Humanität das englische Parlament bestimmt, zu Gunsten der Fabrik- und Bergwerks- arbeiter geeignete Konzessionen zu machen. Was dagegen die Seeleute betrifft, so sind diese auf zahllosen Schiffen zerstreut, selten kommen sie in die Lage, an politischen Wahlen theil- zunehmen; der Einfluß der revolutionären Partei kann sich auch bei ihnen kaum geltend machen. Daher sprechen eben nur Rücksichten der Humanität und nicht auch Rücksichten der Politik zu Gunsten ber Seeleute; die Rücksichten der Humanität allein haben aber trotz der gründlichen und beredten Ausführungen Chamberlains beim Parlamente nicht die Kraft, den eigennützigen Widerspruch der Rheder zu besiegen?" Giebt es, aus der Feder eines unverfänglichen Beurtheilers, eine köstlichere und drastischere Kritik des wahren Werths der Fürsorge für das arbeitende Volk? Ohne Rebbach keine Sozial- reform, ohne Prozentchen keine Abhilfe der schreiendsten Hebel- stände!„Kein Kreuzer, kein Schweiger," sagte man einst; wo kein Profit herausschaut, ist der legislatorische Kapitalist nicht zu haben, kann man jetzt sagen. Doch genug davon! Hören wir, wie es gegenwärtig mit den deutschen Seeleuten steht. „Die Kosten der Krankheit des Seemanns, so lange er auf dem Schiff ist, und während eines Zeitraumes von 3 Monaten, eS eine Schande und ein Spott, daß Ihr Euch nicht ein- mal in einem so feierlichen Momente anstandig zu be- nehmen wißt. Ich hätte die größte Lust, Euch jetzt, wie Zhr'S von Rechts wegen verdient habt, die saftigsten Grob- besten an den Kopf zu werfen, aber ich wenigstens will der Würde unserer Feier bewußt bleiben, und wenn ich auch genöthigt bin, Euch tief zu verachten, so will ich doch der großen Sache zuliebe thun, als wäre nichts vorgefallen. Seht, wie ich mich beherrsche, jede Aufwallung kämpfe ich nieder und wende mich mit evangelischer Milde an Euch. Nehmt Euch ein Exempel daran, damit Ihr erfahrt, was geistige Ueberlegenheit und wahre Größe des Charakters im Stande sind." Und dann endlich beginnt die gesprochene Rede. „Ein schöner, ehrwürdiger Brauch— bei festlichen Anlässen zuerst des Regenten zu gedenken. Daher Entstehung der Institution der offiziellen Toaste, aber wenn jemals nicht offizielles Pflichtbewußtsein, sondern spontaner AuS- druck inmger Liebe und Verehrung bestimmend war, so in diesem Falle. MildeS Zepter— glorreiche Herrschaft— Vater deS Vaterlandes— möge der Allmächtige— lange Jahre— zum Heil und Segen— mit Stolz aufblicken— engelgleiche Gattin— erlauchte Kinder.— Lade Sie ein — Ueberzeugung— allen aus der Seele— Hoch!" Orchester— Tusch— Beifall. Für alles liefert die Tradition die Form und ein fest- gefügtes Gerippe.„Niemals gab es eine lieblichere Braut, glücklich der Mann— zwar ungewiß jede Zukunft— die dunklen und die lichten Loose in der Zeiten Schöße— wenn aber jemals Garantien des Glückes— zürnen müßte man ihm— die schönste Blume entführt— aber dem Freunde das beste— sie ruht sicher in seiner Hut—(Reime unerläßlich!)— ohne Dornen— blühende Kinderschaar— auf Händen tragen— nicht gut, daß der Mensch allein sei — du sollst dem Manne folgen— Vater und Mutter— alückliche Eltern— arme Mutter— sich von solchem Schatze trennen Allgemeine Rührung, Redner wird umarmt und ß�usst. wie man nur jemals in Ver- legenheit kommen kann.„Jubiläum! Ich halte nicht viel unter Umständen auch 6 Monaten nach seiner Ablösung, wer- den lediglich vom Rheder, also Arbeitgeber getragen, während die Kosten einer längeren Erkrankung oder der Nachtheil dauernder Erwerbsunfähigkeit lediglich dem Seemann selbst zur Last fallen. Für die Hinterbliebenen eines umgekommenen Seemanns braucht der Rheder nicht zu sorgen."(a. a. O. S. 148/49.) Wer die seemännischen Verhältnisse kennt, wer da weiß, wie zahllose Schiffe ohne Arzt auslaufen, wie matt die ganze „Behandlung" in der Eintrichtcrung einiger Arzeneien aus der Schiffsapotheke besteht, wer von der erbärmlichen Behandlung weiß, die den Seeleuten so oft noch blüht, der wird das oben Angeführte richtig zu würdigen wissen. Wie traurig ist es aber für einen„Kulturstaat," daß Menschen in härtester auf- reibendster Thätigkeit, die ihr Leben täglich auf's Spiel setzen, nach Ablauf einer kurzen Frist hilflos auf das Pflaster ge- warfen werden, wenn sie längere Zeit krank find, daß der arme Seemann, der im Dienste des Rheders ein arbestsun- fähiger(Krüppel geworden ist, auf die milden Gaben seiner Mitmenschen warten muß. Hören wir nun, was Silberschlag für Vorschläge macht. Er empfiehlt, vorzuschreiben(a. a. O. S. 149): „Daß sowohl die Kosten der Krankheit des Seemanns, soweit solche jetzt blos vom Rheder zu tragen sind, als die Kosten einer längeren Krankheit oder dauernder Erwerbsunfähig- keit eines Seemannes, sowie auch die Kosten der Sorge für seine Hinterbliebenen aus der Seemannskasse zu tragen sind, welche durch Beiträge sowohl der Rheder als der Seeleute zu bilden ist, so jedoch, daß die Rheder einen größeren Theil der Beiträge, die Seeleute den kleineren Theil der Beittäge zu tragen haben." Silberschlag will also die Krankenversicherung mit der Un- fallverficherung zusammenwerfen, und er thut dies auf Kosten — des Arbeiters. Man muß entschieden die Krankenverflche- rung und die Unfallversicherung auseinanderhalten. Es ist sicher möglich, freie von den Seeleuten oder deren Mandataren geleitete Hilfskassen zu bilden. Ueber das„Wie" läßt sich streiten, die Äusführungsmöglichkeit scheint uns zweifellos. Auf keinen Fall aber darf aber auch nur ein Pfennig dem Arbeiter, hier dem Seemann, dafür abgezwackt werden, daß er zur größeren Ehre des Mehrwerths einen Unfall erleidet. Die Unfallversicherung muß von den Untemehmem, und allein von diesen gettagen werden. Wir haben bereits bei dem jetzt gel- tenden Unfallgesetz die 13 wöchentliche Karenzzeit, die zirka 90 pCtz der Unfälle auf die Arbeiterkrankenkassen abwälzt. Und Herr Silberschlag fordert auch noch einen Arbeiterbeitrag zur Unfallversicherung. Das mag juristisch sehr gut sein, Herr Oberlandesgerichtsrath, sozialpolitisch und human gedacht ist es nicht. Und wie motivirt Herr S. das Heranziehen der Seeleute? Erstens mit dem angeblich höheren Lohn der Seeleute, die pe- kuniär besser gestellt seien, als die meisten Fabrikarbeiter. Uns liegen augenblicklich keine lohnstatistischen Daten über die Lohn- Verhältnisse der deutschen Seeleute vor.*) Allein, soviel steht fest, daß die Löhne in der Handelsmarine nicht glänzend find, daß nur scheinbar der Verdienst ein unbedeutender ist, d. h. die Löhnung, die während der Fahtt nicht verbraucht werden kann, wird nach derselben um so rascher verbraucht. Daß aber die Seeleute oft Monate lang arbeitslos find, daran denkt Herr S. nicht, daß sie ihre Familie unterstützen müssen jc., daran denkt Herr E. auch nicht. Sodann glaubt Herr S., daß„das Ehrgefühl der See- leute dadurch gehoben wird, wenn sie selbst auch einen Beitrag zu den Kosten der zu ihrem Besten getroffenen Einrichtung leisten, wenn sie die Wohltbat der Unfallversicherung nicht als eine Art von Almosen empfangen, sondern solche wenigstens theilweise durch ihre Arbeit erwerben". Eonderbar, höchst sonderbar! Was um alles in der Weit hat die Ehre der wackeren Theerjacken mit der Unfallversicherung zu thun? Nicht ein Almosen wird ihnen gereicht, es ist Pflicht und Schuldigkeit der Rheder, die in ihrem Dienst Verunglückten angemessen zu unterstützen. *) Die Gesamnitheuer, die jährlich an Seeleute und Schiffskapitäne(Seeleute giebt es in Deutschland zirka 40000) czahlt wird, beträgt nach den Schätzungen der Hamburger "jeder Mk. 24650000. von Jubiläen, aber wenn jemals—."„Wenn jemals ein Mann würdig war, an die Spitze unseres Vereins zu treten—„Niemals hat unser Verein einen so schweren, unersetzlichen Verlust erlitten— scheidender Präsident— leb' wohl— unsere unerschütterliche Liebe und Anhäng- lichkeit folgt dir— nehmt alles nur in allem— ein Mann!— Ihr werdet seinesgleichen nicht mehr sehen!" —„Gäste! Nein, tausendmal nein!— keine Gäste— Fleisch von unserem Fleische— Blut von unserem Blute — unsere Brüder— her die Bruderhand— Bruderherz — ewig— Bruderkuß— Wenn das noch nicht wirkt, dann gilt es nur noch eine letzte Anstrengung. Man schlägt auf den Tisch, daß die Flaschen umfallen, und donnert ins verdutzte Auditorium:„Ein Hund, wer anders denkt!" Ein Hund! Das überlegt sich doch jeder. Bruderherz, das wirkt, daS schlägt durch, verlaß dich darauf. Dem Verdienste seine Krone— die Krönung de« Gebäudes— der friedliche Wettkampf der Nationen— der Mann unseres Vertrauens— ManneSmuth— Volks- wohl— Einstehen für Recht und Freiheit— dunkle Punkte am politischen Honzont— Staatsschiff— Steuer- mann— Steuerruder— mit vollen Segeln— die hoch- gehenden Wogen— der rothe Faden— mit voller Dampfkraft— alle Mann an Bord— krachen in den Fugen— Rettungsanker— nicht laviren— stürmische See— Klippen— Leck— Brandung— Ebbe und Flut— wie das Wasser seine Kreise zieht- Schiffbruch- Kompaß — Wmd und Wellen- Komandobrücke. Man sieht, wie die Marme allem schon aushelfen kann, und wer heißt uns denn, uns auf die Marine beschränken? Nichts leichter, als im Charakrer des Briefstellers für Liebende beiderlei Geschlechts einen kleinen Trichter für be- geisterte Tischredner zusammenzubringen. Die Sache ist sogar zu leicht, beschämend leicht, und darum wollen auch wir unsere skizzenhaften Versuche einstellen. Obschon nun für alle erdenkliche Fälle vorgesorgt ist, ist es erstaunlich, zu sehen, wie doch so viele Tischredner ihre liebe Roth haben. Das ist eine ganz merkwürdige Erscheinung und DaS dritte und letzte Motiv aber spricht am allerentschie- densten gegen den Arbeiterbeitrag. Es wird nämlich auf die großen Gefahren der Schifffahrt, Schiffbrüche, andere Unfälle, auf die Schädlichkeit des Klimas in den tropischen Gegenden, in Westafrika, Westindien u. s. w. hingewiesen. Gerade des- halb ist der Urternehmer verpflichtet, seine Leute auf's Beste zu schützen. Leider ist es eine Erfahrung, die nicht vereinzelt dasteht, daß die Jurisprudenz dem damit Behafteten eine gesunde sozial- politische Auffassung leicht unmöglich macht. Exempla docent! Hier und bei Anderen. Auf die weiteren technischen Vorschläge Silbcrschlags, be- treffs Bildung einer zentralen Berufsgenossenschaft mit See- mannskasse u. s. w., hier einzugehen, ist nicht nothwendig. S. fordert, daß die Seeleute ihre eigene Vertretung haben unter den Rhedern, wünscht die gleiche Fixirung der Unter- stützungssumme, wie sie im Unfallversicherungsgesetz festgestellt wurde u. s. w. Uns kam es hauptsächlich darauf an, daß die Frage der Unfallversicherung der Seeleute einmal wieder öffent- lich, und zwar in einem Arbeiterblatt diskutirt wurde. Ihre Nothwendigkcit ist einleuchtend. An die Arbeit, ihr Herren Gesetzgeber! Kommunales. Zu botanischen Untcrrichtszwecken werden in der Woche vom 24.-29. August in den städtischen Unterrichts- Anstalten, sowie in einigen Privatschulen von blühenden Pflanzen vorausfichlich zur Vertheilung gelangen: A. In sämmtlichcn Schulen: Ochsenzunge, Türkischer Drachenkopf, Garten> Bohnenkraut, Pfeffenraut oder Kölle, Mermuth, Beifuß, Mais, Welschkorn; B. In den höheren Schulen: Stechapsel(sehr giftig), Trauben- Gänsefuß, Schild- Ampfer, Sonnenrose. w. Nach dem Berichte des Magistrats über die selbst- ständigen Hospitäler und Stiftungen städtischen Pro- tektorats pro 1884 ist folgendes zu berichten: Das Stiftungs- vermögen des Nikolaus Büraer-Hospitals betrug am Schlüsse des Berichtsjahres außerdem Grundstücksvermögen 66�2211,76 M. Die Zahl der am Schlüsse des Jahres 1884 in der Anstalt befindlich gewesenen Personen betrug 89.— 2) Im Stistungs- hause der J- H. Wedinger'schen Stiftungen befanden sich am 1. Januar 1885 22 Männer und 25 Frauen. Das Durchschnittsalter der Benefiziaten betrug bei 22 Männern mit einem Gesammtalter von rot. 1612 Jahren— 73% Jahr und bei 25 Frauen mit einem Gesammtalter von rot. 1878 Jahren= 75% Jahr. DaS Stiftungsvermögen betrug ultimo 1884 310 660,89 M.— 3) Die Hollmann'sche Wilhelminen-Amalien- Stiftung hatte ult. 1884 einen Bestand von 126 Bcnefiziatinnen. Die Ausgaben für dieselben betrugen im Jahre 1884 in Summa 25 274,34 M, während das Kapitalvermögen der Stiftung ult. 1884 auf 1 043 145 M. festgestellt worden ist. Der mit der Stiftung verbundene Hollmann'sche 2000-Thaler Fonds, welcher nach der Bestimmung des Stifters zur Vermehrung des Siifwngsvermögcns 100 Jahre hindurch zinsbar anzulegen ist und erst im Jahre 1950 zur Verwendung kommen darf, betrug ult. 1884 29 100 Mk.— 4) Die Hospitäler zum Heiligengeist und Et. Georg verpflegten im Jahre 1884 151 Personen, für welche eine Summe von 37 052,09 Mk. verwendet wurde. Das Kapitalvermögen der Hospitäler stellte sich ult. 1884 auf 1 222 367,91 Mk.— 5) Das Jerusalemhospital hatte im Jahre 1884 eine Einnahme von 5977,90 Mk, das Kapitalvermögen des Hospitals bestand am Schlüsse des Jahres 1884 aus 386 257,83 Mk.- 6) Das St. Gertraudt-Hospital hatte Ende 1884 einen Bestand von 101 Hospitaliten, das Kapital belief sich zur selben Zeit auf 1 224 375 Mk., wozu noch der Haus- fonds mit einem Kapital von 83 250 Mk. tritt.— 7) Das St. Jakobi-Hospital beherbergte am Schlüsse des Rechnungsjahres 1884,85 23 Hospitalitinnen und betrug das Gesammtvermögen zur selben Zeit 124787,29 Mk. Iokales. Für Mitglieder der Ortskrankenkaflen. Die§§ 19 und 63 des Krankenverficherungsgesetzes bestimmen, daß der Austritt aus den Zwangskassen versicherungspflichtigen Personen mit dem Schluß des Rechnungsjahres zu gestatten ist, wenn sie denselben mindestens drei Monate vorher bei dem Vorstande beantragen und vor dem Austritt nachweisen, daß sie einer dem§ 75 des Krankenverficherungsgesetzes entsprechenden freien oder eingeschriebenen Hilfskasse als Mitglied angehören. Der Schluß des Rechnungsjahres tritt in den meisten Ottskassen am 31. Dezember ein, folglich muß bei denselben die Kündigung spätestens bis zum 30. September angezeigt sein; in den Kassen, welche das Rechnungsjahr schon am 30. November schließen, muß die Kündigung spätestens bis zum 31. August erfolgen, widrigenfalls der Versicherte auf ein weiteres Jahr bleiben muß. Der Nachweis, daß man einer anderen Kasse angehört, man könnte ordentlich in Verlegenheit gerathen, sie aus- reichend zu erklären. Nehmen wir einen Fall, wie er tausendfach beobachtet werden kann. T. ist ein gesellschaftliches Genie und er führt auch bei der Tafel das große Wort. Er beherrscht die Situation und ist der Held der Gesellschaft. Er hört überhaupt nicht auf zu reden, alles hängt an seinen Lippen; er hat zündenden Witz und eine verblüffende Schlag- fertigkeit. Die vergnügten Zuhörer stoßen sich an und während ihnen vom ununterbrochenen Lachen die Thränen in die vorgehaltenen Taschentücher laufen, rufen sie sich zu: „Heute ist er wieder köstlich!"„Er ist außerordentlich, geradezu bewunderungswürdig!" lautet die zustimmende Antwort. Man kann schon nicht mehr weiter, da» Lachen thut weh, die Damen bitten förmlich um Gnade. Aufhören! Man erhebt bittend die Hände: Genug, genug! Aber der glänzende Wortführer schüttelt nach wie vor die Witze aus dem Aermel, feine Beredsamkeit ist nicht einzudämmen. Das Bewußtsein, daß aller Augen auf ihn gerichtet sind, daß sich alle Aufmerksamkett auf ihn konzentrirt, erhöht ihn, be- feuert ihn. Er ist nicht der Mann, der außer Fassung ge- bracht werden könnte— und doch! Einer der Gäste hatte die unglückliche Idee, ihm inS Ohr zu flüstern, er möchte doch die herrschende gute Stimmung denutzen und einen kurzen Toast auf den Herrn des Hauses ausbringen. Welche Veränderung plötzlich!„Wie anders wirkt dies Bildniß auf mich ein!" Der Löwe ist plötzlich stumm ge- worden?, er denkt nach. Es ist unfaßbar; der Mann, der noch vor einer Minute durch nichts aus der Fassung zu bringen war, der mit der Schlagkraft seiner Rede die Ge- sellschaft souverän dominirte, er ist durch das Bewußtsein, daß er nun einige Worte stehend sprechen soll, einige harm- lose Worte konventtonellster Färbung, um all seine Mann- braucht nicht bei der Kündigung, muß aber wohl am Schlüsse des Jahres beigebracht werden. Wird dieser Nachweis ver- säumt, fo ist die voraufgegangene Kündigung wirkungslos, und bleibt man weiter in der Ortskasse. Ob das Rechnungsjahr einer Kasse mit dem 30. November oder mit dem 31. Dezember schließt, ist aus den Statuten zu ersehen. Berliner Heirathen aus der„Gesellschaft". Der Berliner zeichnet sich in der ganzen Welt dadurch aus, daß sein höchstes Streben darauf gerichtet ist, seine Söhne und seine Töchter in eine andere Gesellschaftssphäre herein zu erziehen, als die ist, in welcher er Vermögen und Ansehen erworben hat. Der Bäcker, der ein gut gehendes Geschäft hat, trachtet danach, seinen Sohn Jurist, ja, wenn es möglich wäre, Offizier werden zu lassen. Ein gut besuchter Laden wird selten vom Sohne, vielleicht einmal vom Schwiegersohne übernommen. Die erste Generation dieser Beamtenfamilien hat ein wenig Geld, bei der zweiten Generation ist es bereits durch Theilung verschwunden, oder so verkleinert, daß man es eigens lich als verschwunden betrachten kann und so kommt es denn, daß es gerade unter den Beamten sehr viele giebt, die von großem Haß gegen die Finanzleute erfüllt sind. Dieser eigenthümliche soziale Mißstand hat die fast feindliche Stellung der gebildeten Nichtwohlhabenden zu den gebildeten Wohlhabenden gestaltet, die sich freilich mehr im Leben als in der Gesellschaft zu erkennen giebt. Aber den Urkcim dieses Fehlers pflanzt der Finanzmann wiederum von neuem und schafft den künftigen Generationen aus seiner eigenen Nachkommenschast eine erneute Legion von Gegnern. Statt daß sich die Plutokratie durch ihren eigenen Nachwuchs stärkt, statt daß der Familien- stolz darin läge, das begründete Geschäft weiter auszubilden, ge- schicht dies nur in den Fällen, wo auf den ersten Anlauf das Haus ein Welthaus geworden war; im Allgemeinen handelt der Finanzmann wie der Bäcker und greift in andere Sphären, und der Sohn des Finanzmanncs wird, falls er ein spezifisches Ta- lent hat, vor allem einmal zur Ausübung desselben erzogen, zum Musiker, Maler, Schriftsteller. Hat er kern derartiges spezifisches Talent, aber einen guten, intelligenten Kopf, so betritt er die Gelehrten-, die Do entenkarriere. Ist die Begabung nicht bei ihm vorhanden, so wird er prattischer Junst, nicht Professor der Junsprudenz; hat er aber im Ganzen keinen Kopf zum Studiren, so ist am Ende mit dem Jungen nichts anzufangen, als daß er in Papa's Geschäft eintritt. Recht gern möchte der Sohn Offizier werden und er hat auch das Zeug dazu, er hat körperlich und geistig in vielen Fällen die nöthigen Eigen- schaften, die letzten Kriege haben ihn als unerschrockenen Rc- serve Offizer oft genug auf dem Kämvffclde gezeigt und sich bewähren lassen; aber die sozialen Anschauungen der maßgeben- den Kreise schließen ihn von dem Beruf in erster Generation aus. Nicht so die Töchter, welche als Gattinen der Offiziere recht sehr in der Armee beliebt sind, und es kommt das Wort- spiel, daß die einen die Bons, die andern die Fonds lieben und sich daher kriegen müssen, häufig genug zur Anwendung. Der Entschluß des Finanzmannes, seine Tochter in eine andere Be- rufssphäre zu verheiratben, ist wohl durch mancherlei nchlige Reflexionen begründet. Ein Lieutenant, ein Assessor, ein Künstler, ein Schriftsteller, ein Gelehrter kann vielleicht viel Geld aus- geben, aber das Vermögen des Kindes ist keineswegs so ge- fährdet, wie in der Hand eines intelligenten, gelderwerbenden Kaufmanns, der bei aller richtigen Kombination ganz leicht sein und der Seinigen Vermögen verlieit, und es ist Unrecht, das Motiv einer derartigen Verbindung von Seiten der Väter immer auf Eitelkeit zu schieben. Auch wünscht besonders der Self-made- man, der sein Kind innig liebt und es als ein höheres Wesen betrachtet, wenn es sich in einer höheren geistigen Sphäre, den glücklichen materiellen Behältnissen entsprechend, akklimatifirt hat, was fast immer geschieht, auch ihm diejenigen Sorgen und den- jenigen Kummer zu ersparen, die er selbst im Ringen um Geld und Ansehen ausgestanden- Natürlich giebt er denen den Vorzug, die aus seiner Sphäre hervorgegangen sind. Am liebsten würde er sein Kind dem Künstler, dem Gelehrten, dem Beamten geben, dessen Vater gleichfalls Finanzmann gewesen, nicht weil der zukünftige Eidam auch materiell günstiger situirt ist(diese Reflexion würde nur in zweiter Linie maßgebend sein), nein, er glaubt, sein Kind werde glücklicher, wenn es in einen verwandten Kreis kommt, der dem seinen gleicht. Ob diese Reflexion richtig ist, wer weiß? Wir haben oft genug Beispiele erlebt, daß gerade die so geschaffenen Ver- bindungen in der Sucht des Mannes und der Frau, daß man ihnen ihre Abstammung aus der Plutokratie nicht an- merken soll, in einen Zustand der Geschmacklosigkeit deS Benehmens und äußeren Erscheinens führen, der geradezu ab- stoßend wirkt. Nach den Männern, die aus der kaufmännischen Sphäre stammen, glaubt der besorgte Vater vielleicht unter den Söhnen der höheren Beamten, als ihnen am verwandtesten, scheinbar am nächsten stehend, die richtige Wahl treffen zu können. Er glaubt, da er früher diese Sphäre me so nahe zu Gesicht bekommen hat, seine Tochter werde sich in dem neuen Verwandtenkreise wohl fühlen. Hier irrt er sich leider recht oft und die beiden Schwiegermütter schließen ebenso leicht Freund- schaft, sie verstehen sich ebenso leicht, wie wenn Wasser mit Feuer sich vermischt. Die hohe Beamtenfrau sieht in der Lachen geben und er lacht selbst laut über seine Worte, aber das Lachen ist cin krampfhaft erkünsteltes, unnatür- liches, herausgequältes. Jetzt endlich lachen auch einige aus der Gesellschaft, einige auS Mitleid, um ihm den Gefallen zu thun, einige dem Hausherrn zuliebe, um die peinliche Szene einigermaßen zu maSkiren, einige aus Schadenfreude. Mit Ach und Krach kommt der Redner bis zu dem obli- gaten Hoch! Dann wischt er sich mit zitternder Hand den Schweiß von der Stirne und setzt sich gebrochen nieder. Ich bin mir bewußt, mit dieser Schilderung nichts über- trieben, nichts karrikirt zu haben, denn ich habe derlei oft genug miterlebt und mitangesehen und angehört. Es war immer schrecklich. Ganz ähnlich verhält es sich, wenn so ein glänzender Gesellschafter es sich in den Kopf gesetzt hat, auf schrift- lichem Wege Geist entwickeln zu wollen, also beispielsweise einen witzigen Brief zu schreiben. Du lieber Gott, es ist unglaublich, waS dabei herauskommt! Derselbe Mann, der in der Konversation wirklichen Geist, Geschmack und Grazie offenbart, er wird bis zum Exzeß abgeschmackt, wenn er seinen Humor zu Papier bringen will. Welch ein Abstand zwischen dem Geiste, der im Gespräch auf- leuchtet, denn der Geist ist oft unleugbar vorhanden, und den faden, geschmacklosen Zuckungen, die die Feder auf dem Papiere vollführt! ES ist, wie erwähnt, nicht leicht, für diese grelle Differenz eine ausreichende Motivirung zu finden. Durch den Umstand, daß der Redner sich zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gemacht sieht und daß er dadurch auS dem Kontext gebracht wird, ist keine genügende Aufklärung geboten. Denn der Löwe war auch früher der Mittelpunkt der Gesellschaft und fühlte sich als solcher. Vielleicht kommen wir der Erklärung durch eine Ana- logie näher. Erfahrene Kenner und wissenschaftliche Forscher von autoritativem Gewicht auf diesem Gebiete haben cS längst festgestellt, daß unter Umständen auch ein niedliches Stuben- kätzchen seine ganz besonderen Reize haben könne. Darüber hat die neuere Forschung abschließendes Material zusammen- getragen, die Akten in dieser Frage sind geschlossen, jeder Zweifel verbietet sich von selbst. Rücken wir aber nichts- Schwiegertochter immer eine Fremde, entschulvigt sich fort- während bei ihr, daß sie so eine emfache Frau ist; und wenn die Tochter nicht große Liebe zum Gatten hegt und große Objekt!- vität befitzt, so rennt sie mit Frau Schwiegermutter recht hart aneinander; die junge Frau aklomodirt sich schnell den neue« Verhältnissen, aber die Frau Schwiegermutter will dies nie zugestehen, fühlt sich nie wohl bei ihr, ja, die Enkelkinder find ihr selbst, wie sie sich ausdrückt, zu vornehm, das heißt, ihr Beamtendünkel läßt sie selbst diese nicht als voll anerkennen. Ja das, was den Fernstehenden als verkehrteste Verbindung erscheint, die Verbindung eines wirklichen Aristokraten mir einer Bankierstochter, bietet vielleicht die beste Gewähr für ei« richtiges Verständniß der Verhältnisse, wenn der Aristokrat nicht gerade ein Lump ist' dies ist freilich nicht ausgeschloffen, die fürchterlich traurigen Folgen derartig geschlossener Verbindungen find oft genug in den Annalen der unglücklichen Ehen verzeichnet. Auf der Stralauer Kirchwiese sah es vorgestern sehr trübselig aus. Die rigorosen Bestimmungen der Ortsbehörd« und das theure Standgeld— 2 M. für den laufenden Fuß— hatten schon von Anfang an viele Händler und Budenbefitzer abgehalten, den„Fischzug" zu besuchen. Während im Jahre 1883 die Zahl der Stände ssch auf 800 belief, sank sie im Vorjahr bereits auf 450 und betrug diesmal kaum etwas über 200. Da die Buden diesmal erst am Sonntag öffnen durften» gestaltete sich die Vorfeier, der sogenannte„Fischzugs Heilige- Abend", einfacher wie sonst. Die Sommergäste halten zwar einen Fackelzug veranstaltet, der durch den bengalisch erleuchteten Ort nach der Kirchwiese zog, dort sich aber bald auslöste, da die Buden geschlossen waren und der Aufenthalt im Freien durch den Regen verleidet wurde. Die Versuche, die Dorf- straße wegbar zu machen, waren leider ohne Erfolg geblieben. Noch schlimmer sah es auf der nach Rummelsdurg zu be« legcncn, an sich schon sumpfigen Wiese aus. Während des Vormittags stockte das Geschäft fast gänzlich, erst in den Nach- Mittagsstunden belebte sich die Kirchwiese etwas. Die Würfel- buden erzielten mit Aufbietung der ganzen Lungcnkraft ihrer Besitzer einigen Umsatz. Die Schießbuden standen da» gegen fast gänzlich verödet da. Auch das Geschäft in„Radau- mützen" ruhte vollständig. Vergeblich ließen die KarouffelS die schönsten Weisen ihrer Leierkästen ettönen, die Kinderwelt fehlte. Nur das als Neuheit erschienene Velonpede- Karoussel fand vor den Augen der Erwachsenen einige Gnade.„Rosella, das schöne Wundermädchen", saß vereinsamt in ihrer Bude, der KastagneNenklang einer holden Spanierin vermochte dem „Grand Salon du plaifir" keine Besucher zuzuführen, die „Rosen von Florenz" verblüthen ungepflückt, und der„Salon Ophelia" schloß schon mil Einbruch der Dunkelheit seine Pfotten. Nur Wenige verspürten Lust,„5 Minuten in der Hölle" zuzubringen, hatte man doch an sich schon des Unge- machs genug zu ertragen. Nur„Kasperle" hatte sich ein Pudli- kum erobert, doch dürfte auch er nur einen Achtungserfolg ver- zeichen; die Sammeltellcr blieben leer. Das„Affcntheateck eröffnete seine Vorstellungen erst gar nicht. Das Geschäft in Kcebsen war flau, und ein„Eishändler" mußte mit seinem gesammten Vorrath an Gefrorenem den Heimweg wieder an- treten. Ueber die Verhaftung eines Pferdediebes wird ge- meldet: Am 4. d. M. hatte, wie bereits mitgetheilt worden war. ein Handelsmann aus Weißcnsee auf dem Pferdeniarkt zu Charlottcnburg sein zum Verkauf dorthin gebrachtes Pferd einem unter dem Namen Schlächter- Gustav ihm bekannten Mann mit dem Auftrage übergeben, das Pferd nach Wcißensee zurückzuführen, hatte aber die traurige Erfahrung gemacht, daß er sein Vertrauen einem Unwürdigen geschenkt hatte, denn er sah weder das Pferd noch den Schlächter-Gustav wieder. Gestern traf ein Bekannter des Geschädigten, der den da- maligen Akarkt ebenfalls besucht und dort den Führer des Pferdes gesehen hatte, den letzteren hier in der Landwehr« straße und bewirkte seine Festnahme. In seiner Perso« wurde der wegen Diebstahls bereits mehrfach bestrafte Schlächtergesclle Schlensog ermittelt. Derselbe gab an, das Pferd des Handelsmannes einem Unbekannten für 45 Mark verkauft und den Erlös in seinem Nutzen verwandt ZU haben. Nach einer der hiesigen Polizeibehörde vom Ober- Bergamt zu Klausthal zugegangenen Benachrichtigung ist auf der Lautcnthaler Hütte ein Fäßchen goldhaltiges Silber in Körnerfornr im Gewichte von 125 Kgr. und im Wetthe von etwa 20 000 Mk. vor 10—14 Tagen gestohlen worden. Das Fäßchen, welches wohl von den Dieben vernichtet sein dürfte, war etwa% Mir. hoch und mit eisernen Bändern und Ver« schluß versehen. R. Eine unangenehme Ueberraschung hatte vorgestern ein in der Prinzenstt. 48 wohnender Kunsttischler K- Als derselbe von einem längeren Geschäftsgang Abends nach seiner Wohnung heimkehrte, fand er zu seinem Schreck nichts, als die vier leeren Wände vor. Vor seinem Ausgehen hatte er allerdings einen Zwist mit seiner Ehehälfte gehabt, aber dem- selben weiter keine Wichtigkeit beigelegt und die Sache bcrertS vergessen; anders aber seine Frau, deren Zorn von der zu- fällig hinzugekommenen Schwester noch mehr angefacht wurde. destoweniger diesem wissenschaftlichen Problem auf den Leib- Ein hübsches Stubenmädchen ist als solches hübsch, also ber der Arbeit, im Hause, im Hauskleidchen. Wenn sie aber zum Ausgang den SonntagSnachmittagS-Staat anlegt, dflt Federhut, das modisch sein sollende, aber schlecht gemachst und schlecht sitzende Galakleid, dann ist sie nur noch für ihren glücklichen Schustergesellen oder für ihren etwaige« Schlachtendenker, den Herrn Korporal, genießbar, für d>e Wissenschaft, die Aesthetik ist auch eine Wissenschaft, hat M damit aufgehört, ein interessantes Objekt zu sein, und de ernste Forscher wendet sich sinnend von ihr ab. Darin stea eS. Der unglückliche Tischredner glaubt auch, sich Wl machen und seinen Sonntagsstaat anlegen zu müssen, un das ist dann das Unglück., Ein brillanter Banketttedner ist mein Freund N-, d' er ist es unter so besonderen Umständen, daß ich seiner tp gedenken muß, damit von seiner rundlichen, freundlichen�/ stalt sich ein Licht ergieße auf unser Thema. Freund Z- ein bedeutender Gourmand; ein großer Fresser, sagen ftj guten Freunde; man weiß, waS es gewöhnlich mit den gm Freunden auf sich hat! Ein gutes Menü kann ihn in ei ungeheuer rosige Laune versetzen. Wenn der Ehampagn knallt und die Zeit der Toaste gekommen ist, dann T er früher gewöhnlich durch den AuSruf überrumpelt:„Freun N. hat das Wort!" Auf diese Aufforderung antwortete gewöhnlich, sitzen bleibend, durch eine kecke persönliche» merkung. Der ersten Bemerkung folgten dann andere,»? rend welcher er jich erhob, und so kam er nach und» fy ohne daß er dessen selbst recht inne geworden wäre, und er ließ nicht nach, ehe sich nicht alles vor eitel geisterung in den Armen lag. DaS waren glänzende zündende Improvisationen, auf welche er stolz sein du i Das war, und jetzt ist es anders, ganz anders, und o, sind auch nur die guten Freunde schuld! Diese ifteu � Man ermesse die ungeheure Boshest, die sich aus nächst'& dem Sachverhalt ergiebt. Einer hatte herausgebracht, � B. allerdings ein genialer Improvisator, aber im doch kein Redner sei. Das zeigte sich auch sehr bald, � feuerscheu und wird vom Lampenfieber geplagt, wen den Rath dieser Schwester ließ die Frau einen Möbel- «Wn kommen, die gcsammten Sachen aufladen und war ohne Me Nachricht für den Hinterlasscnen von bannen gezogen. wp läuft der aeaen seinen Willen ........... gezogen. .— � gegen seinen Willen Strohwlttwer ge- Wordene Mann be: allen Bekannten umher und sucht die treulose . Einem Schankwirth in der Dorotheenstraße wurde in 9% Zeit DOIH 1Q h STT> mi*a fcinpm 18. zum 19. d. M. aus seinem verschloffenen eiu Sack mit 8000 Korken im Werthe von '00 M. gestohlen. Es find dies nur Champagner-Pfropfen, 5 folgende Bezeichnung tragen:„Pommery u. Greno Reims, Aoei u. Chandon, Deutz u. Geldermann" und es dürfte der Mmuf von Pfropfen mit dieser Bezeichnung in größerer auf die Spur des Diebes führen. , S- Jener Schwindler, welcher unter dem Namen Barons von Budberg namentlich den Westen Berlins "ocher machte, hat die schönen Hoffnungen einer jungen "V�cr machle, hat vre Ichonen yoffnungcn einer lungcn Wenden Wittwe in der Lützowstraße auf das grausamste zer- M-. Gedachte Dame hatte in einer hiefigen Zeitung inserirt, M sie eine Stellung als Gesellschafterin oder Repräsentantin j-o.i«- eine vlellung ars rseieuWairerrn ooer mepraienrunnn r-Mem Haushalt oder bei einem feinen Herm suche, und fie % auch das Glück, daß bei ihr ein elegant gekleideter Herr Wien, der fich ihr als der Baron von Budberg zu erkennen No, welcher eine Repräsentantin für seinen großen Haushalt milchte. Die einnehmende Wittwe lernte bald den„Herrn Mon" nicht nur als„sehr noblen Mann", sondern auch als Kaller kennen, denn der„Herr Baron" offerirte der Dame cJyfclt einem Wrmrtfartefmff ii nn. nnrläufto" 100 feinen— % einem Monatsgehalt von„vorläufig" 100 M(. seinen- Mab zum Kusse, ein Anerbieten, das die schöne Frau für'! M nicht glaubte annehmen zu dürfen. Der„Herr Baron" j?!*n aber darüber keineswegs ungnädig, denn er versprach der Monen Wittwe, ihr zwei Diener zu ihrer persönlichen Bequem- Meit zu stellen und forderte die Dame schließlich auf, fich für �nächsten Tag in ihre eleganteste Toilette zu werfen, da er Ihr zur Einrichtung einer bereits Unter den Linden gemietheten «f, ü? Wohnung das nöthige Mobiliar ic. kaufen wolle. Dann .«adschiedete er sich mit einem warmen Händedruck von der �glücklichen Frau, die ihr Glück sofort ihren Freundinnen Bekannten mittheilte, überhaupt ganz aus dem Häuschen andern Tage sah man die hoffnungsvolle Wittwe MN um frühen Morgen in einem schönen Sammetkostüm e�wirthschaften|unb so aufgeregt, daß ihr kein Essen 'Mcckte. Die Ungeduld verzehrte fie, denn„er" kam nicht, 2 doch war es schon Mittag. In dieser Ungeduld verging ,2, der Nachmittag, der Abend kam heran, nur nicht der so ' Mückst Erwartete. In derselben bangen Erwartung verging der folgende Tag. Nun riß der schönen Frau die Ge- ik»' �e beschloß, an den Herrn„Baron" zu schreiben und .man f----- Kavalier und Ehrenmann zu erinnern. Ld an stin Wort als______________,......................... »?2dseßkalender fand sie einen Aristokraten des gleichen ; da stand es gedruckt:„von Budberg, A., Baron. gjretar bei der russischen Botschaft. W. Unter den Lmden � Mußte es sein, denn er sprach doch von einer Wohnung tri! und einen Baron dieses Namens wies nur der un- deuche Berliner Adreßkalender auf! Die schöne Wittwe ein.(inen duftenden Briefbogen und Kuvert und schrieb 2V langen, Ian0cn' i" welchem fie ihr Herz eiViUtete und von ihren zerstörten Honnungen sprach. Mit Segenswünsche übergab fie den Brief zur Post. Die machte sich schon Borwürfe darüber, daß fie dem Baron" den erbetenen Kuß verweigert hatte; sollte er OlaTT ÜCH CVWWUtU OVWö r","," iMcht doch darüber ungehalten und das der Grund ferner C�hastiing gewesen sein? Oder— o schrecklicher Gedanke to�-�vuiiuno öetDeicn icm? ajeet— v Vielleicht ein Schwindler? Richtig, es war em Bose- & UnO0�'"� 4**+«TtroimK»« t« tf»r Limmer, mit einem M, Ungestüm trat eine Freundin in ihr Zimmer, mit einem O�blatt in der Hand, in welchem zu lesen war, daß der ist Ä�e Baron Budberg als— Schwindler entlarvt worden OitoT* Wittwe war einer Ohnmacht nahe. Und noch die Bla- 8 dem russischen Botschaftssekretär gegenüber?! W" Einem unglücklichen Schicksal ist der Lebrer B., ich�Uus der Klaffe od der Louisenstädtischen höheren Töchter- bet«JUrn Opfer gefallen. B. besuchte am Sonntag seinen in feinde Berlins wohnenden Vater, woselbst er in Begleitung 8c[2'eiden Kinder und unter Mitnahme eines doppelläufigen Ai j�en Gewehrs ins Freie ging, um Vögel zu schießen bezw. er ArP- Als er auf dem Wege einen Buncnbaum sah, wollte leine Kinder einige von den schönen Früchten erlangen brebi. Um auf den Baum heraufreichen zu können, wSL er das am Riemen ihm um die Schulter tif de Gewehr derartig, daß der Lauf ihm an der Eette ( Bet dem Pflücken der Birnen ging das Gewehr �loy- und B. stürzte todt zusammen.' Arbeiter, die des Wegs MA benachrichtigten sofort die Ortspolizei, welche t'v i V nn f** a. C.______(TTV 1 u � w# Vx V/ n t ft.i V\n t m i ; den That- iiirtl'b aufnahm.'�Der Direktor der Louisenstädtischen Höheren bie Mule. Herr Prof. Mätzner.'--- 03 erhielt gestern Vormittag lrige Kunde" und«heilte sie sofort den Lehrern, ,„„ len und Schülerinnen der Schule mit, welche sämmt- wj, ergriffen waren. Die Beerdigung des unglücklichen findet am Mittwoch statt. NW«(iuem Teppichgeschäft in der Jerusalemer Straße wanfQnßä dieses Monats ein Herr, der fich Käufmann ra nannte, und stellte, mit dem Bemerken, daß er willens J«be S nennen ist. Er ist eben so,„ k" cht blamirt mit demselben. Die ausgesuchte �Bosheit ««r.„r' oiamirt mit demselben. Die ausge,uci)ie-vvsyeu Freunde labt sich an einer anderen Erscheinung. ki 2"? Momente, da dem Unglücklichen verkündet wird, % Rede zu halten habe, ist er die willenlose Beute �esser sen Aufregung. Er. der Feinschmecker, der große 5.K,eti re,V:f"u ues ganzen«am t............ «lebe r«,*'st wahr, er sucht dann, wenn er einmal seine �Ww?elQffen. wenigstens in Getränken nachzuholen, was metdp«„t.«. werden kann, aber erstlich einmal sind die Ge- �rde» bem theurcn K'ouvert' nicht mit inbegriffen und MtZ'(parat bezahlt, und dann ist ihm damit auch wenig l%il'i> e wie bereits mehrfach erwähnt, soll er nach dem . ssr, s('ner Freunde daS Hauptgewicht auf das Essen legen (er schließe, möchte ick noch eine Beobachtung aut . � sind me, jsicht«.�(stctlichkeit zu"arbeiten, und erschrecken daher N sei,-, werden nicht nervös, wenn sie ein Publikum vor I; nfo mL. �esepublikum oder Auditorium, eS ist einerlei, f?," JheniA Gehirnthätigkeit dieselbe ist, wenn eS plötzlich v die a?'5 verarbeiten gilt für die Rede oder zum Satz i�'ateit• e'- Die Hauptsache bleibt die ausgebildete dreh.' f,tt. Thema rasch zu erfassen, es nach allen Seiten A dies..."d zu wenden, bis die dankbarste Seite gefunden Stehen"sprechend ins Licht zu setzen, sich keine Pointe ?„■ 8 Witt, äffen, und dann endlich die Praxis in der fM dürf�nschaft zur rechten Zett zu schließen. Diese rechte 1 für Mick iefcf«Pf nmmen sein, meine Herren. Ick � getommen iucit Irlich mit einem donnernden Hoch! Balduin Groller. tBresl. Ztg.) sei, unter der Firma Kaiser und Bandow in der Friedrichstraße ein Kommissionsgeschäft zu errichten und in hiefigen Geschäften sehr gut eingeführt sei, an den Vettreter der Firma das An- suchen, ihm Teppiche in Kommission zu geben. Dieser Vor- schlag wurde jedoch von dem Vertreter der Firma nicht akzeptitt. Nach mehreren Tagen kam Bandow wieder in das Geschäft und bat um Uebersendung von drei großen Brüsseler Teppichen zum Preise von 50 M. pro Stück an einen Tapezierer in der Charlottenstraße, bei welchem mehrere Zimmereinrichtungen be- stellt wären und wo von den Bestellern eine Auswahl getroffen werden würde. Dieser Auftrag wurde auch ausgeführt. Als später die Firma Auskunft über den Verbleib der Teppiche verlangte, stellte es fich heraus, daß Bandow einen Teppich an den Tapezier verkauft, einen zweiten gleich nach Abgabe mmen und den dritten später durch einen derselben mitgenommen.... Dienstmann hat abholen lassen, den er sodann bei einem Pfandleiher für 15 M. versetzt hat. Bandow, welcher bereits mehrfach bestraft ist, wurde wegen Betruges gestern verhaftet. g. Als gestern in früher Morgenstunde drei Studenten die Konditorei bezw. das CafS an der Ecke der Krausen- und Friedrichstraße betreten wollten, erhielt der eine derselben von einem im Innern des Cafös stehenden Manne mit einem stumpfen Instrument, anscheinend einem sog. Todtschläger, einen so wuchtigen Hieb gegen den Kopf, daß er zurück- taumelte und aus einer starken Wunde heftig blutete. Als den Thäter stellte ein Schutzmann einen Hausknecht fest, der fich offenbar in der Person geirrt hatte. Dem Studenten wurde in der Sanitätswache in der Markgrafenstraße ein Ver- band angelegt. Gerichts-Zeitung. Wer lacht da? So begann ein Attikel in Nr. 48 des „Reichsboten" vom 26. Febmar d. I., welcher sich mit dem Dr. Nathanson, dem früheren Redakteur des„Berliner Tage- blatts" beschäftigte und welcher den letzteren veranlaßte, eine Beleidigungsklage gegen den Redakteur des Reichsboten, Herrn Engels, anzustrengen, welche gestern vor der fünften Be- rufungsstrafkammer verhandelt wurde, nachdem der Verklagte in der ersten Instanz freigesprochen worden war. Anfangs dieses Jahres war Dr. Nathanson bekanntlich wegen Majestäts- beleidigung angeklagt aber freigesprochen worden und hatte dies der in Rom erscheinenden„Riforma" als Material zu einem Artikel mit der Ueberschrift„Dm amiao dell' Italia" gedient, in welchem der Freude und Genugtbuung über das freisprechende Erkenntniß in mehr als warmer Weise Ausdruck verliehen war und darauf hingewiesen wurde, daß Nathanson einer der we- nigcn deutschen Publizisten sei, auf welche Italien zählen könne unv daß derselbe durch seine Artikel viel zu der zwischen dem jungen Staate und Deutschland herrschenden freundschaftlichen Beziehungen beigetragen habe.— Der im Reichsboten erschienene rnkriminirte Artikel nahm nun den Dr. Nathanson,„den Freund Italiens", arg mit; es wurde die Vermuthung ausgesprochen, daß derselbe wahrscheinlich selbst der Verfasser des ihn betreffenden Panegyrikus in der„Ri- forma" gewesen, daß Dr. Nathanson wahrscheinlich von dem berüchtigten italienischen Preßfonds Geldmittel bezöge und daß der ganze Attikel sich als eine übermüthige Anmaßung des Vettassers kennzeichne. Der erste Richter hatte auf Freisprechung des Verklagten erkannt, weil er trotz der starken Angriffe das Kriterium der Beleidigung vermißte, welches die Verächtlich- machung des Angegriffenen bedingt. Im gestttgen Termine bat der Kläger um Bestrafung des Verklagten, weil er in seiner publizistischen Ehre aufs Tiefste gekränkt worden sei, während der letztere, fich auf die Motivirung des ersten Richters stützend, um Aufrechthaltung des ersten Urtheils bat. Der Gettchtshof war aber der Ansicht, daß der ganze Attikel den Stempel des Hohns und der Gehässigkeit an sich trage und besonders wegen der vorerwähnten Äeußerungen beleidigender Natur sei. Er hob deshalb das erste Uttheil auf und ettannte gegen den An- geklagten auf eine Geldstrafe von 100 Mark eventuell 10 Tage Hast. Die bekannte Klagesache des Schttststellers von Peder- zanp.Weber gegen den Abgeordneten Direktor Goldschmidt be- schäftigte gestern in der Berufungsinstanz die sechste Strafkam- mrr hiesigen Landgerichts I. Wie bekannt, bestand zwischen den Parteien eine Zeit lang ein Rechtsverhältniß, über dessen Bedeutung dieselben verschiedener Meinung sind. Während Direktor Goldschmidt behauptet, daß der Kläger nichts weiter als Privatsekretär bei ihm gewesen, stellt von Pederzany Weber die Behauptung auf, daß er eine Art literarischen und intellek- tuellen Adiunfts des Beklagten gewesen und demselben Stoff zu seinen Reden und literarischen Arbeiten geliefett habe. Als rm vongen Jahre eine Brochüre Goldschmidt'sZüber den Frei- Herrn v. Stein erschien, glaubte v. P. dann ganze Stellen aus einer Arbeit wiederzuerkennen, welche er selbst längere Zeit vor- her an den Beklagten abgeliefert hatte. Kläger, der sich inzwischen mit Goldschmidt entzweit hatte, richtete deshalb unter dem 6. Okto» ber p. einen Brief an letzteren, in welchem er ausführte, daß Gsldschmidt fremdes literarisches Eigenthum unberechnet frukti- fizitt habe. v. P. machte einen Honoraranspruch von 300 M. Der Beklagte hat dem Kläger schließlich 160 M. gegeben, nicht weil er seine Forderung als berechtigt anerkannte, sondern um des Friedens willen, v. Pederzany- Weber hat schließlich die Pttvatklage angesttengt, weil ihm zu Obren gekommen war, daß der Angeklagte seinen Bttef vom 6. Oktober dntten Personen gegenüber als eine �Erpressung" bezeichnet hat. Das Schöffen- aettcht hat durch Urtheil vom 23. April er. den Angeklagten Goldschmidt freigesprochen, dagegen den Kläger auf dem Wege der Widerklage wegen Beleidigung in drei Fällen für schuldig erklätt und zu 250 M. Geldbuße verurtheilt. Das Schöffen- aettcht billigte dem Angeklagten Goldschmidt in dem einen Falle, in welchem er bei den Verhandlungen mit dem Rechts- anwalt Hentig von einer„Erpressung" gesprochen, den Schutz des § 193 des Sr.-G.-B. zu, erblickte dagegen in jenem Briefe vom 6. Oktober, femer in einem den Streitfall behandelnden Artikel des„Münchener Frcmdenblattes" und in einem an das Reichs- tags-Präfidium gerichteten Schreiben des Klägers v. P. strafbare Beleidigungen, die durch den§ 193 nicht gedeckt wurden.— Gegen diejes Erkenntniß hat v. Pederzany-Weber die Be- rufung eingelegt und seine Freisprechung und die Vemrthttlung des Dir. Goldschmidt beantragt.— Da v. P. bei der Ver- Handlung in erster Instanz auch hatte durchblicken lassen, daß früher ein Schttftsteller Dr. Levy der«piritus reetor des Dir. Goldsckmidt gewesen, so ist von letzterem ein Brief des mit dieser Bemerkung wohl gemeinten Dr. zur. I. Levy zu den Akten gegeben, m welchem derselbe erklätt, daß er mit den Reden und Schriften des Dir. Goldschmidt nie das Geringste zu thun gehabt habe. Rechtsanwalt Stein vertrat die Anficht, daß beide Patteien mit gleichem Maß zu messen, d. h. entweder beide zu veruttheilen oder beide freizusprechen seien, während Justtzrath Lesse auf Bestätigung des ersten Erkenntnisses»lai- bitte. Der Gerichtshof hielt die Feststellungen der eisten Ver- Handlung in keiner Weise für erschüttett, erwog, daß der An- geklagte m seiner Eigenschaft als Abgeordneter schwer gekränkt und die ganze Angelegenheit zu einem Wahlmannöver ausgenutzt worden ist und erkannte deshalb auf Verwerfung der Berufung. Unter der Anklage des wiederholten Betruges stand nellern der Kaufmann Karl Jakobus vor der 91. Abtheilung SÄÄ imsü schluß versprach. Der Angeklagte erklärte zwar, daß er nur Vermittler und der eigentliche Geldgeber em Herr Meyerstein sei, er würde aber aus besonderer Gefälligkeit für Dr. Gompertz demselben als Sicherheit für das zu leihende Geld eine Hypothel zur Verfügung stellen, welche er auf einem in Friedrichsberg belegenen Grundstücke besaß. Eine Gefälligkeit sei der anbei n werth, meinte aber der Angeklagte und bat darauf den Dr. Gompertz, welcher selbst Geld leihen wollte, um ein Darlehn von 100 M. Er hatte Erfolg. Dr. Gompertz gab ihm das Geld in der.Hoffnung, daß der Angeklagte sich seiner Interessen nunmehr um so wärmer annehmen würde. Schon am nächsten Tage erschien der Angeklagte wieder und bat und erhielt von Dr. G. nochmals 40 M., da er demselben vorlog, er brauche diese Summe, um die Umschreibung der erwähnten Hypothek zu bewirken. Als er seinem Opfer dann noch zu zweien Malen Beträge von 5 und 6 M. abgeschwindelt hatte, ließ er sich bei demselben nicht mehr sehen, und nachdem Mo« nate vergangen, war dem Dr. Gompertz klar geworden, daß er betrogen war. Der Gettchtshof diktitte dem Angeklagten wegen dieser Schwindeleien eine Gefängnißstrafe von einem Monate zu. P. Nächtliche Wilddiebereien in den königlichen Forsten bei Buckow veranlaßten den vom Hofjagd-Amt bestallten Administrator derselben, Jagdzeugmeister Luther, zu Anfang Dezember v. I. während der Nachtzeit einen Streifzug auf die Wilderer zu unternehmen, welche nach der Anficht des Ge» nannten wohl am sichersten in der Nähe des unweit belegenen Dorfes Britz anzutreffen waren. Die Mühe wurde bald belohnt, denn kurz vor Mitternacht entdeckte der Forstbeamte im Mond- schein zwei mit Büchsen bewaffnete Gestalten, welche, als p. Luther seine Begleitmannschaft durch ein Signal hiervon vetttändigte, flüchteten nnd ihre Gewehre fortwarfen, um un« gehindert entfliehen zu können. Dies letztere glückte indessen nur einem der Wilddiebe, während der andere auf der Flucht überholt und in einem Chausseegraben festgenommen wurde. Das doppelläufige, scharfgeladene Jagdgewehr des Ergttffenen fand der Förster hinter einem Gartenzaun in der Erde steckend; eine zweite Jagdwaffe fand man in der Nähe in einem Busch versteckt vor. In- der Person des Festgenommenen erkannte der Förster alsbald einen bereits bestraften Wilddieb, den Mehlhändler Flemming aus Britz. Das Schöffengettcht zu Rixdorf hatte Flemming von der wider ihn erhobenen Anklage freigesprochen. Die Be- rufung der Staatsanwaltschaft hatte jedoch eine nochmalige Verhandlung der Sache vor der Ferienstrafkammer des Land- gettchts II zur Folge. Im gestttgen Audienz-Termin erachtete nun das Berufungsgericht den Angeklagten Flemming des unberechtigten Jagens für schuldig und erkannte auf 300 M. Geldbuße eventuell 3 Monate Gefängniß und Konfiskation der Waffen. Vereine und Versammlungen. br. Die öffentliche Versammlung der Kürschner, die am Sonnabend Lothttngerstt. 37 tagte, hatte fich zunächst mit dm Ersatzwahlen zu beschäftigen, die dadurch, daß 7 Mitglieder der Lohnkommission ihr Mandat niedergelegt hatten, nöthig geworden waren. Die Hinweise auf die persönlichen Zerwürf- nisse in der Lohnkommission und zwei Anträge, von denen der eine dahin ging, daß man in Rücksicht auf die zu geringe Zahk der Anwesenden die Wahlen vettagen möge, der andere dahin, daß man durch Akklamation alle 7 wiederwählen möge, riefen lange erregte Debatten hervor. Aus den dann vorgenommenen Wahlen gingen die Herren Berger, Virow, Fredrich, Bergeler, Schmerberg, Bohn und Hunder hervor. Die Wahl des Herm Koch, eines von den acht Mitgliedem, welche ihr Mandat nicht niedergelegt, zum Vorsitzenden der Lohnkommission und Leiter der Lohnbewegung erfolgte mit Einstimmigkeit. Zum zweiten Gegenstand der Tagesordnung: „Zweck und Nutzen der Kontrolarbeitshücher" nahmen die Herren Koch, Janus und Haase das Wort, um darzulegen, daß es der Lohnkommisfion bisher in vielen Fällen nicht möglich gewesen, die nöthige Gewißheit darüber zu gewinnen, ob die Fabrikanten, welche fich durch Namensunterschrist auf den von den Arbeitern aufgestellten Minimallohntarif verpflichtet haben, der Verpflich- tung wirklich Genüge leisten, und um die Einführung eines Kontrolarbeitsbuches für jeden Arbeitnehmer, in welches sein Arbeitgeber die Zahlungen, die er für die in Empfang ge- nommenen genau zu spezialistrenden Posten geleistet hat, ernzu- tragen verpflichtet sein würde, zu empfehlen. Es wurde die Abstimmung inbetreff der einzuführenden Kontrolarbeitsbücher auf die nächste öffentliche Versammlung vertagt und die Lohnkommission beauftragt, die Angelegenheit, wo möglich unter Assistenz des bisherigen Leiters der Lohnkommisfion, noch ein- mal in Berathung zu ziehen. bfa. Die Generalversammlung der Berliner Maurer am Sonntag Vormittag in der„Tonhalle", Gr. Fttedttch- straße 112, unter dem Vorfitze des Herrn Behrend war von ca. 3500 Theilnehmern besucht, lieber den Hauptgegenstand der Tagesordnung,„das Verhalten der Meister gegenüber den Sperren" refettrte der Vorfitzende. Derselbe theilte mit, daß die bekannten Meister resp. Arbeitgeber in einer am Freitag im Architektenbause abgehaltenen geheimen Sitzung, gemäß den bekannten Vorschlägen der„Baugewerks Zeitung, beschlossen haben, jeden JnnungsbundesMeister zur gegen- fettigen Aushilfe mit Arbeitskräften bei Bausperren zu ver- pflichten, sowie jeden Maurergesellen, der fich nicht„ver- schicken" läßt, in das betreffende„Schwarze Buch" einzutragen, dessen Inhalt stets allen Meistern mitgetheilt werden soll. Das sei doch, bemerkte der Redner, eine Verrufs- crklärung und man könne nur gespannt darauf sein, zu erfahren, ob auch für solche Maßregeln der§ 153 der R.-Gew.-O. existtre, oder nicht. Wenn in jener geheimen Sitzung ferner beschlossen worden sei, sich direkt an die Meister in der Provinz um Zuschickung brauchbarer Arbeitskräfte zu wenden, so werde das an der jetzigen Beschaffenheit des hiefi- 8en Arbeitsmarktes zu Gunsten der Meister und Unternehmer hwerlich etwas ändern, da die Provinz-Meister sich hüten würden, den hiesigen ihre guten Kräfte zuzusenden; vielmehr werde es sich dabei nach wie vor um„schwaches Material" handeln, das man nach kurzem Versuch wieder entlasse und unbekümmett seinem traurigen Schicksal überlasse. Darum möchten es fich alle Maurer in der Provinz doppelt und drei- fach überlegen, bevor sie fich hierher„verschleppen" lassen. In drastischer Weise schildette der Redner hierauf die auf dem Reichstagsbau gegenwättig herrschenden Ar« beiterzustände. Die Mehrzahl der dortigen Maurer nächtige daselbst auf elendem Strohlager, wohl aus keinem anderen Grunde, als weil ihr Lohn ihnen nicht gestattet, fich eine bessere Schlafstelle zu verschaffen. Daß sie nur von Kartoffeln und Hettngen leben, sei gleichfalls bekannt. Solche Arbeiter konnten freilich billig� arbeiten, ihr Dasein aber sei sicher kein menschenwürdiges.'Ferner theilte der Redner mit, daß auf dem Bau des Mar---D _, iaurermeisters Eckett in der Zimmerstraße am Sonnabend 42 Mann einmüthig die Arbeit einstellten, da Herr E. fich weigerte, mehr als 42'/- Pf. pro Stunde zw zahlen. Auch soll derselbe erklärt haben, daß ihn schon jetzt das tausend Steine auf 30 M. zu stehen käme und er bankerott werden müßte, wenn er noch mehr Lohn gäbe. Der Grund, weshalb Herrn E. die Arbeit so theuer zu stehen komme, ser, so bemettte der Redner, lediglich in dem Umstände zu suchen, daß Herr E. bei der Niedrigkeit seiner Löhne keine oder nicht genügend brauchbare, tüchtige Maurer bekommen könne. Das Arbeiterschutzgesetz betreffend, das gleichfalls in der Tages- Ordnung der Versammlung namhaft gemacht war, theilte Herr Baumeister Keßler mit, daß zur Behandlung dieses Gegen- standes am Mittwoch eine besondere große Versammlung statt- finden werde, in welcher er über dieses Thema zu sprechen ge« denke. Aus den übrigen Verhandlungen beben wir nur noch ;ervor, daß Herr Keßler eine die Berliner Lrts- und die Zen- ral-Krankenkaffe der Maurer betreffende Interpellation dahin beantwortete, daß dem Uebertritt von der elfteren zur letzteren eine dreimonatliche schriftliche Kündigung vorhergehen müsse, die man—„aus bekannten Gründen"— nur per eingeschriebenen Brief und unter sorgfältiger Aufbewahrung des be- treffenden Postscheins effektuiren möge, wenn man ficher gehen wolle. Ferner konstatirc der Vorfitzende unter Hinweis auf eine diesbezügliche Notiz in der„Baugewerks-Zeitung", daß der „Vorstand der Zentral-Krankenkaffe der Maurer" und die„Lohn- und Streik-Kommisflon der Berliner Maurer" zu keiner Zeit in irgend welcher Wechselbeziehung zu einander gestanden, oder mit anderen Worten, daß die Zentral-Krankenkaffe niemals etwas mit dem Berliner Streik oder dieser mit jener zu schaffen gehabt. Die betreffende Notiz jenes Blattes erklärte der Äedner für eine„Fälschung und lügenhafte Verleumdung." de. Die Metallarbeiter-Versammlung, welche am Sonntag, den 23. d., in Gratweil's Bierhallen, unter Vorfitz des Herrn Knappe stattfand, war nur schwach besucht. Auf der Tagesordnung stand: 1. Gründung eines„Allgemeinen Metallarbeiter-Vereins" für Berlin. 2. Wahl einer Statuten- berathungs Kommission. Zunächst ergriff Herr Günther das Wort. In Hinweis auf die Ereignisse in Mannheim bedauerte «r, daß dort ein mit den edelsten Absichten und den besten Kräften begonnenes Werk zerstört worden sei. Seiner Anficht nach hätte der Grund keinesfalls in den Zwecken des Vereins gelegen. Die Regierung hätte nichts dagegen einwenden können, daß zur Steuerung des Vagabondenwesens eine Wanderunterstützung und für Arbeitslose wie für Streikende eine Hilfskasse gegründet werden sollte. Vielleicht hätte man sich in der Wahl des Vorstandes vergriffen, der weit über seine Befugnisse hinausgeschritten wäre, dem Verein einen politischen Charakter hätte geben wollen und dadurch den schönen Bau Zerstört hätte. An den Metallarbeitern Berlins, auf die jetzt die Augen aller Genossen Deutschlands gerichtet seien, wäre es, einen neuen über ganz Deutschland ausgebreiteten Verband zu grün« den. Gelänge es nicht, so hätten sie wenigstens ihre Ehre gerettet.(Bravo!) Entgegen den Aeußerungen des Herrn Günther nahm Herr Mierhe die Leiter des Mannheimer Ver- eins in Schutz, welche nur darum so gehandelt hätten, weil fie glaubten, auf dem Boden des badischen Gesetzes sich freier be- wegen zu dürfen. Er persönlich habe von vornherein gesagt, daß mit der allgemeinen Vereinigung ein Bock geschaffen wor- den sei; die Fachvereine, die vorher so blühend gewesen wären, hätten dabei große Opfer bringen müffen, um schließlich, als fie zentralistrt waren, aufgelöst zu werden. Seine Anficht gehe dahin, daß jedes Fach seinen eigenen Verein gründen müsse, um so gewissermassen erst eine Schule für die Zukunft durchzumachen. Redner spricht dann für Verkürzung der Arbeitszeit und Wegfall der Akkordarbeit und kommt, als er vom Vorsitzenden ermahnt wird, bei der --——-" � f«----- cti jc*_- Nur durch eine größere Verbindung könnte man den Herren Respekt einflößen. Man sollte es vorläufig in Berlin versuchen, die Vereine außerhalb würden sich bald anschließen- (Bravo!) In der folgenden Diskussion wird Herrn Günther darauf aufmerksam gemacht, daß sein Projekt nur als eine Fort- setzung des alten aufgelösten Vereins angesehen und demgemäß behandelt werden würde. Mehrere Redner, besonders Herr Netzband, sprechen fich lebhast in dem Sinne des Hrn. Siegrist aus. Schließlich wird folgender Antrag mit allen gegen eine Stimme angenommen:„Die Versammlung möge beschließen, für Berlin emen allgemeinen Metallarbeiterverein zu begründen, worin sämmtliche Metallarbeiter Berlins, gleichviel welcher Branche dieselben angehören, Aufnahme finden. Im Anschluß hieran erklärt Herr Knappe, daß auch der Former- Theater. Opernhaus. Heute: Carmen. Schauspielhaus. Heute: Graf Essex. Belle-Alltauee-Theater. Heute: Sein Steckenpferd. ReueS Kriedrich-Wtlhelmstädttsches Theater. Heute: Der Großmogul. Osteud-Theater. Heute: Der Hüttenmeister. Central-Theater. Alte Jakobsttaße 30. Direktion: Adolph Ernst. Horte: Zum 25. Male: Die wilde Katze. Gesangsposse in 4 Asten von W. Mannstädt, Mustk von G. Steffens. Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Der Feldprediger. |, �--- Die Revifions-Kommisfion der Tischler ersucht sämmtliche Kollegen, welche fich im Besitz von Material: Quittungen ic., befinden, dieses den unterzeichneten Kommisfionsmitgliedern auszuhändigen.[1959 Schmitz, Höchstestt. 22, Baresel, Lausttzerplatz 18, Schmidt, Manteusselstr. 9, Schaar, Manteuffelstt. 67, Nickel, Naunyn- ftroße 87, Völker, Laufitzerstr. 11, Kreutz, Skalitzerstt. 28. begründet von Eugen Richter, erscheint vom 1. September ab als Morgen- blatt 6mal wöchentlich. Postabonnement pro September eine Mark, bei Berliner Zeitungs- spediteuren einschließlich des humoristi- schen, illusttirten Wochenblattes von I. Stet- t e n b e i m„Berliner Wespen" eine Mark 25 Pfennig. Expedition: Berlin w., Franzöfischestr. 11/12.[1961 bund der Fahne des allgemeinen Metallarbeitervereins folgen müsse, er wenigstens würde sonst aus demselben austreten.— Der zweite Punkt der Tagesordnung, Wahl einer Statuten- berathungs-Kommisfion, wurde nach längerer Debatte von der Berarhung abgesetzt, da die Majorität fich nicht für kom- petent genug erklärte, in einer so wichtigen Sache bindende Beschlüsse zu fassen, ohne fie vorher den einzelnen Vereinen vorgelegt zu haben. Es wurde schließlich aus den Herren Günther, Netzband, Koblinski eine Kommisston gebildet, welche in allernächster Zeit zur endgiltigen Erledigung dieser Ange- legenheit eine Versammlung einberufen soll. hfo. Der„Fachverein sämmtlicher im Drechslergewerk beschäftigten Gewerksgenossen" verhandelte in der vom Sonnabend Abend bei Gratweil(Kommandantenstraße) abge- haltenen außerordentlichen Vereinsvcrsammlung über das am Polizeipräsidium an den Verein gerichtete Schreiben in Betreff der Sonntagsarbeit. Das Resultat der Verhandlungen war die Annahme der vom Vereinsvorstande bereits ausgearbeiteten Antworten. Wir heben daraus folgendes hervor: Durch das gesetzliche Verbot der Eonntagsarbeit würde den Gewerks- genossen kein Schaden erwachsen; dieselben versprechen fich von einem solchen Verbote vielmehr beträchtliche Vortheile. So würde es z. B. dem Arbeiter dadurch möglich gemacht werden, fich um das körperliche und geistige Wohl seiner Kinder resp. seiner Familie zu bekümmern, seine geistigen Bedürfnisse zu befriedigen und zu verhindem, daß er ganz zur Maschine herab- "nie und in Stumpfsinn und Unzufriedenheit verfalle. llgemein wurde die Ueberzeugung ausgesprochen, daß der Jahrcsarbeits-Verdienst durch das Verbot der Sonn- tagsarbeit keinerlei Verringerung erfahren werde und die Versammlung beschloß einstimmig, zu erklären, daß das gesetzliche Verbot der Sonntagsarbeit durchführ- bar ser-— Beim Punkt„Verschiedenes" wurde der An- trag angenommen,„die Herren Julius Müller, Arthur Fischer und Julius Hildebrandt nicht mehr in den Verein aufzu- nehmen, auch denselben als Gästen keinen Zutritt zu gewähren und fie an den Verhandlungen nicht theilnehwen zu lassen, da fich dieselben in der Zentral-Krankenkaffe der Drechsler grober Veruntreuungen schuldig gemacht." Endlich beschloß man, an- statt der für den 23. d. Mts. projektirt gewesenen Herrenpartie eine solche am Sonntag, den 30. d. Mts., zu unternehmen, und zwar Morgens 7 uhr vom Kottbuserthor-Platze aus. Die nächste Versammlung findet am 14. k. Mts. in den Armin- hallen, Kommandantcnstt. 20, statt. In dieser Versammlung wird über den Statuten- Abänderungsantrag Beschluß gefaßt werden. Arbeiter-Bezirksverein für den Osten Berlins. Auf die heute Abend 8V, Uhr in Kellers Lokal, Avdreasstraße 21, stattfindende Versammlung werden die Mitglieder nochmals aufmerksam gemacht und aufgefordert, zahlreich zu erscheinen. - lautet: f.~—..... Vorttag des Stadtverordneten utzauer� 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Frage- Die Tagesordnung kästen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste,"durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt.— Der monatliche Bei- trag beträgt 20 Pf., Einschreibegeld wird nicht erhoben. Die Petition betreffs des Arbeiterschutz-Gesetzes liegt zur Unterzeich- nung aus. Den Mitgliedern wird es dringend ans Herz ge- legt, nicht nur die Petition mit ihrer eigenen Unterschrift zu versehen, sondem auch in ihren Kreisen dahin zu wirken, daß dieselbe mit taufenden von Unterschriften bedeckt an den Reichs- tag gelange. Listen find an den im„Berliner Volksblatt' Nr. 178 bezeichneten Stellen zn haben. Denjenigen Mitgliedem, welche Listen zum Sammeln von Unterschriften entnehmen, wird pünktliche Ablieferung zur Pflicht gemacht. Beim Wetterfegen vom Blitz getroffen. Zu Mühl- wald im Pusterthale schlug, wie der„Burggräfler" schreibt, der Blitz vor Kurzem in die dortige Kirche. Es war um 7'/» Uhr Abends, als der Kurat das zweite Mal in der Kirche den üblichen Wettersegen gab. Er hatte eben dl Monsttanz in das Tabemakel gestellt, als es auf- leuchtete und ein Knall erfolgte— im nächsten Augenblicke war Alles in Rauch gehüllt, und als die Wolke sich lichtete, lag der Seelsorger auf der Eoangeliensem an den Stufen des Altars. Der Strahl hatte ihn nur ge- streift; die Brandmale zeigten, wie der Blitz von der linken Hand an die untersten Rippen hinübersprang, seinen Lauf über den unteren Theil des Brustkorbes nahm, um an der rechten Hüstc hinab zu den Fußspitzen zu gelangen und dort zu ver« schwinden. Der Kurat erholte fich schnell wieder. Nürnberg. In diesen Tagen spielte fich auf dem hiesigen Bahnhofsplatze nachstehende Komödie ab. Die Low motive pfiff, der Zug stand augenscheinlich zum Abfahren, da ien kam eiligen Schrittes mit erregtem und erhitztem Geficht ein Mann daher, welcher aufmerksam die zum Bahngebäude stre- bende Menge musterte. Jetzt hatte er gefunden, was er suchte, wie ein Habicht auf die Taube schoß unser Mann auf einen ganz gemächlich daherschreitenden Herrn zu, von dem man no« nicht jagen konnte, ob er zum Bahnhof wollte. Der Erste» nennen wir ihn T— den Zweiten— mag dieser V hefl — sehen, auf ihn zustürzen und mit festem Griff denselben fassen, war das Werk eines Augenblicks.„Also, es rst>o, wie mir gesagt wurde," schnob I den B mit erregtem GeM an,„Sie wollen fich aus dem Staub machen und ich hatte va- Nachsehen. Oho, so haben wir nicht gerechnet, erst zahlen v» mich und dann können Sie hingehen, wohin Sie wollen. Mit mitleidigem Lächeln sah U auf 3E herunter; er war groß in seiner Ruhe, kein Zug hatte fich in seinem Gesichte ber dem harten Angriff T's verändert.„Hartherziger Mann, warum stören Sie mit Ihrem rauhen prosaischen Angriff dre letzien Minuten eines Sterbenden?" sagte A mit melancholischer Ruhe. Ein prüfender Blick des I fand weiter nichts als die vollkommen ruhige Miene des N, dessen Auge wie in weile Fernen blickte.„Ach was, Schwindel," polterte T,„durch-- brennen wollen Sie; mich, den Sie mit so und so viel am gepumpt, auch noch anschmieren; ich weiß Alles!"„Manm wenn Sie Alles wissen," flüsterte N ihm hrrß � dringend in's Ohr,„dann wissen Sie auch, daß mir nichts ge blieben ist, als mein nacktes Leben und dieser einzige Anzug' mein Leben hat unter diesen Umständen keinen Werth für m® mehr, ich bin im Begriff, einen stillen Ort aufzusuchen, um mich von diesem Dasein zu befreien." In tiefen, tragische Tönen hat N gesprochen, düster fchaute sein Auge, die»«> Hand ruhte unheilverkündend in der Rocktasche. Für emm Moment stutzte X doch, aber das war rafch vorüber:„Maup Sie keine Umstände, entweder Sie berappen oder ick rufe o Polizei!"„Unmensch!" sagte N mit dem Pathos eines �ra göden;„Sie wollen es so." Seine rechte Hand brachte ei blitzenden Ding zum Vorschein, mit der Linken faßte er W das Handgelenk seines Widersachers:„Sie Kannibale, raunte er dem erfchrockenen T ins Ohr,„diese Dynamm pattone soll meinem verfehlten Leben ein Ende machen;!? wollte es nicht hier auf freiem Platze tbun, aber bevor ich w«» der Polizei übergebe— Mit diesen Worten riß N an ein Schnur oder sonst was und an der Mcsstnghülse flammte c',. blaues Flämmchen auf.„Herr Gott im Himmel", erbleichend,„lassen Sie mich los, ich habe Weib und daheim!" Nur mit Mühe gelingt es ihm, fich aus der eistm Faust des N zu befreien.„Edler Mann," fagt dieser, Sie mir doch wenigstens die Hand zu Abschied für diese M noch hat es einige Sekunden Zeit." Als§ diese we Worte gesagt, bog X. bereits eiligen Laufes ins Frauen..�. ein, die Ohren mit beiden Händen zudrückend; er mmmstL jeden Augenblick die Detonation... Zehn Minuten sto sah ich den U hochbeladen mit Gepäck und vergnügtem% ficht den Münchener Schnellzug besteigen und wie er u« in der Ecke eines Koupees zweiter Klasse bequem gemacht hast! zog er einen funkelnden Gegenstand aus seiner Brusttal.? und betrachtete mit vergnügtem Lächeln sein-- feuerzeug. Aezirksverein des werklyätigen Wotkes der Schönhauser Mörstadt. Mittwoch, den 26. d. M., Abends 8'/, Uhr. in Meister'« Lokal, Schönhauser Allee Nr. 161: Tersammliiiii?. Tagesordnung: 1. Vorttag des Herrn Lieflänver:„Zur Wohnungsfrage". 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 1957] Der Vorstand. Den ern Berlins "' �Berlin, den 24. August 1885. Die Revisions-Kommisston. 1958 Große öffentliche Arbeiterinnen- Versammlung Dienstag, den 25. August, Abend« 8'- Uhr. in Selo« jan Seatsche« Kaiser, iothriugerstr. 87. Tagesordnung: Die Lohn« und Wohnungsfrage der Ar« WtatoKn. Mfum». u,„„,,„ f,,,„; s„n WWn9. Große öffentliche Kommunatwählev Versammlungen finden am Mittwoch, de» 26. August. Abends präzise 8 Uhr. statt:, a) 3m veutscheu VereiushaN> Wilhelmstraße 118. Tagesordnung: 1. Ergänzungswahl deS Wahlkomitees. r£<" 2. Die bevorstehenden Kommunalwahlen. Refereni. Oskar Krohm; d) 3n derUrauia. Wraugetstraße 9 u.*' /»..,. Tagesordnung:.,_t. Wf! Die bevorstehenden Kommunahlwahlen. Referen- rjps' Stadtverordneter Paul Singer..... Das Wabtt°w>t5> __________________ jn Der Arbeittuachwei« des Bereins Zur Wass�seÄ eressen der Kladierarbeiter befindet sich na« ml r!...— ca C'— 4 o r.. r x.......... Znteressen------------------ vlalitzerstraße 18 bei Stramm. Verannvortlicher Redaktem K, Hrouhet» in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin 8W„ Beuthsttaße 2. «ine & fobei itnb »erb skr 38)