Nr. 199. Donnerstag, den S7. Angnst 1888. II. Jahrg. KMerMslW Drasn für dir Interessen der Arbeiter. 4 (Eingetragen in Da«..Berliner Volksblatt- Sonn- und Festtagen. MonnementSprei« rk, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. PostzeiwngSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) JnfertionSgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 tt! Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. aal/ Redaktion: Kenthstraste 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Stwmesiim. . Zu den bevorstehenden LandtagSwahlen hört man wie- T die verschiedensten Lockrufe abHallen. ES wird wieder versprochen, um nicht gehalten zu werden. Konservative Nationalliberale wetteifern in demagogischen Kunst- Wen; die Freisinnigen" sind diesmal etwas schüchterner p sonst, wohl in der sicheren Voraussicht, daß ihnen die �Mmenden Wahle» keine Vortheile bringen werden. Na- �»alliberale und Konservative wollen dem.kleinen Mann" Mcn und demgemäß die Besteuerung einrichten. So be- hupten sie. Wer'S glauben will, der mag'S thun; wir fnb so frei, eS nicht zu glauben. Wenn die Nationallibe- Wen wirklich den Willen haben, ein den„kleinen Mann" �lastendes Steuersystem einzuführen, warum haben sie es gethan, als sie eine starke und mächtige Partei waren jJW im Parlament ausschlaggebend wirken konnten? Jetzt, r tut noch Trümmer von der einstigen großen Partei vor- Wnben sind, können wir in dem Versprechen bopulärer Steuer- Reformen seitens der Ratio« illiberalen nur noch eine Leimruthe erblicken, Ä welcher Wähler hängen bleiben sollen. hat bei den letzten Wahlen zum Reichstage kennen Mernt, was die Nationalliberalen im Versprechen leisten jinen. Damals stellte die„Kölnische Zeitung" die Ab- Fassung des Sozialistengesetzes in Aussicht, um die Stim- in der Sozialisten für die Stichwahl in Köln zu gewin- Jetzt ist dem rheinischen Blatte das Sozialistengesetz ider„unembehrlich". v Wenn deshalb Herr Miquel verspricht, die Vermehrung i indirekten Steuern al« Projekt aufzugeben, so wollen p ihn darüber wieder befragen, wenn die Regierung indirekte Steuern verlangen sollte. Indessen hat Herr nuel die„stärkere Heranziehung des Kapitals" zur Be- firung für nothwendig erklärt, und auch von konseroa- Seite wird eine neue Besteuerung der Kapitalrenten Jpangt. Als Phrase klingt das sehr schön, allein eS pW deshalb doch Phrase. Wenn die Konservativen sagen, » wollten„die Entlastung des kleinen Handwerker- und pwerbestandS gegenüber den Großbetrieben" anstreben, so rW wir doch ganz gut, daß eine Steuergesetzgebung nach JW Willen der Konservativen den großen Grundbesitzern ° Schnapsbrennern nicht allzu wehe thun würde. to. Es ist eine alte demokratische Forderung, sämmtliche ......|----------- 'ormen zu Gunsten einer einzigen direkten pro- Jeuilleton. 39. Da» Mormottenmädchen. Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhaufeu. (Fortsetzung.) Und �°chdem Weatherton und Rast von ihren Freunden Crf,«. Ehrten getrennt worden waren, hatten Falk, der �ZwUze Biber und John die Antilopen-Znsel zu ihrem h�ihalt gewählt. Sie befanden sich dort weit aus dem Wrfll bet doppelten Postenketten der sich einander gegen- tJ-Mmde» Streitkräfte. Außerdem durften sie darauf un& daß die Insel ihrer Unzugänglichkeit wegen ganz CfÄ bleiben würde; zugleich vermochte» sie aber auch «iß n Weatherton im Auge zu behalten und sich Kennt- % seinem Ergehen zu verschaffen. & s.�enn nun die beiden Delaware» die Mormonen nicht ltiiäs?.We» brauchten, und Falk, als umherreisender deutscher hätt,' ohne Verdacht zu erregen, in der Salzseestadt baz r auftreten können, so hielten sich alle drei doch auf i» b«. m ltigste verborgen; denn wurde ihre Anwesenheit �taus �ahe der Salzseefiadt erst ruchbar, dann mußten sie «nb bL?6'0!* sein, zum allerwenigsten beobachtet zu werden, tinbun� �fslen Zeichen von ihnen, welches auf ihre Ver- biRn,? nrit den Gefangenen gedeutet hätte, würde unbe- . Ausweisung aus dem Thale gefolgt sein. sortj.,,* ckte man sie wirklich einmal, wenn sie ihre Nach- siiab An bis in die Hauptstadt selbst oder bis nach Fort ?«Wn vl*ett' dann blieb ihnen ja noch immer der die zvp mit irgend einem Vorwande hervorzutreten und tnwnen offen um Gastfreundschaft zu bitten. ■Wen Zufälliges Zusammentreffen mit RynoldS und «eriRj� �ußte allerdings auf alle Fälle und um jeden Preis W$t m werdI», weil ein Wiedererkennen Falk'S zu be- �wnii* und demnächst Verdacht gegen ihn und seine Trnta? Gefährten wachgerufen worden wäre.— »°em sich die drei Abenteurer nur mit der größten weise und sparsame Finanzverwaltung könnten auf diesem Wege ausreichend beschafft werden. Die Summen, welche bei einer solchen Einkommensteuer von den Großgrundbesitzern, den Börsenfürsten und den Großindustriellen an den Staat abgegeben werden müßten, würden sich allerdings kolossal steigern. Es wäre interessant, wenn ein„Zahlenmensch", wie etwa der Geheimrath Engel, sich daran machen würde, den Erttag einer solchen Steuer zu berechnen. Es läßt sich das Nationaleinkommen wenigstens ungefähr feststellen und man wäre damit, wenn man einmal eine mit Ziffern be- legte Darstellung einer solchen Steuer hätte, um einen guten Schritt weiter gekommen. Die Steuern und ihre Umänderungen spielen gewiß eine wichtige Rolle in der Geschichte der Kultur- staaten; bis jetzt aber hat man es immer ver- standen, den Hauptantheil an den Staatslasten ans die Schultern der großen Masse zu wälzen. Wir haben die Einrichtung einer direkten Einkommensteuer zwar in vielen Staaten, aber immer in unvollkommener Form. Die großen Einkommen werden viel zu wenig in Anspruch ge- nommen. Herr Miquel hat von einer direkten Kapitalbesteuerung überhaupt eine sonderbare Vorstellung. Er will die Ein- kommen in verschiedene Rangstufen geordnet haben; es müsse, sagte er,„eine schärfere Unterscheidung zwischen Erträgnissen aus erworbenem Vermögen und Erträgnissen aus LeibeS- und Geistesarbeit" gemacht werden. Man merkt leicht, wo- hinaus damit Herr Miquel will; er will damit sagen, daß man dem Unternehmergewinn und der Grundrente noch Hinterthürchen genug offen lassen werde, um sich einer scharfe» Besteuerung zu entziehen; er giebt einstweilen nur den KapitalzinS preis, der von den Nationalökonomen als die Grundlage des arbeitslosen Erwerbs aufgefaßt wird. Danach würden die Finanzpläne des Herrn Miquel hauptsäch- lich die Rentiers und die Börsianer treffen. Es sind aber unter den Börsianern sowohl wie unter den Rentiers so viele Leute, die sich den Luxus gestatten, nationalliberale Politiker zu sein, daß man kaum annehmen kann, es sei den Nationallibtralen ernst mit einer solchen Art von Steuer- reform. Die Nationalliberalen wären die erste Partei in der Geschichte, die eine Steuerreform durchsetzte, von der ihre eigenen Mitglieder stark in Mitleidenschaft gezogen würden. Für so edelmüthig, so idealistisch, so patriotisch- opferfreudig halten wir die Nationallibcralen nicht. Die Konservativen drücken sich einfacher aus; diese wollen einfach die Kapitalrente stärker heranziehen und„das Handwerk gegenüber den Großbetrieben entlasten". Wie sie das machen wollen, wird nicht gesagt; man sieht also, daß man eS mit einer bloßen Wahlphrase zu thun hat. Soviel ist aber sicher aus dem konservativen Wahlaufruf zu entnehmen, daß die Kon- Vorsicht bewegten, war eS ihnen doch gelungen, Zuver- lässiges über Weatherton's Lage zu erfahren. Ebenso hatten sie durch geschicktes Ausfragen von Kindern Kunde von dem Eintreffen der Karavane in Fort Utah erhalten. Ueber Hertha Jansen und ihre Begleitung wußten sie indessen nur sehr wenig, doch brachten sie den lebhafteren Verkehr zwi- schen Fort Utah und der Salzseestadt mit diesen sowohl, als mit Weaiherton'S Geschick in Verbindung, zumal der Verkehr vielfach und gewöhnlich durch dieselben Personen aufrecht erhalten wurde. Sie wendeten ihre Aufmerksamkeit daher vorzugsweise diesen vermittelnden Boten zu und scheuten keine Mühe, keine Anstrengung, wenn sie da- durch auch nur im Entferntesten ihren Zwecken zu dienen glaubten. Nicht weit von der Stelle, wo die Sandbank gewisser- maßen die Ueberbrückung von der Insel nach dem Festlande bildete, saßen der Schwarze Biber und Falk in ernster Unterhaltung bei einander. Außer den Sätteln und ihren Waffen, die neben ihnen lagen, war keine Spur von einem Lager sichtbar. Dasselbe befand sich weiter oberhalb hart am Rande des Sees unter einem höhlenartig ausgespülten Felsen, wo eine süße Quelle spärlich dem geborstenen Ge- stein entrieselte. AuS dem Wesen der beiden Gefährten und aus der Aufmerksamkeit, mit welcher wenigstens immer einer von ihnen die ferne Mündung des Jordan im Auge behielt, ging hervor, daß ganz besondere Gründe sie veranlaßt hatten, gerade diesen Punkt zu ihrem zeitweiligen Aufenthalte zu wählen. Ihre Pferde und daS des abwesen- den John wateten in dem seichten Wasser umher und ver- gnügten sich damit, die äußersten Spitzen der Binsen abzu- beißen, die, sehr dünn zerstreut, kaum erst eine Elle hoch, dafür aber um so zarter und saftreicher, über das Wasser emporgeschossen waren. Sie mußten längere Zeit daselbst zugebracht haben, denn Kalk begann schon deutliche Zeichen von Ungeduld von sich zu neben und fast alle fünf Minuten blickte er zu der Sonne hinauf, die sich den westlichen Höhen zuneigte. Ich hoffe, John hat sich nicht getäuscht, als er gestern die beiden schwedischen Mormonen zu erkennen glaubte," sagte er nach einem längern Schweigen zum Schwarzen servativen nicht daran denken, die Bodenrente stärker zur Besteuerung heranzuziehen. Wahrscheinlich halten sie den Grund und Boden für kein Kapital und fassen auch demgemäß dessen Erttag auf. Diese Auffassung paßt Herr- lich in die ganze konservattve Wnthschaftspolitik. Hier kommen eben wieder die leider großen Interessen- gruppen zum Vorschein, die sich stets bekämpfen, wenn in den Parlamenten die Börse und der Grundbesitz von der Gesetzgebung berührt werden. Diese beiden Interessen- gruppen, die Vertteter des beweglichen und des unbewcg- lichen Besitzes, ringen mit einander um die Herrschaft im wirthschaftlichen Leben; jede will die Gesetzgebung zu ihrem Behagen gestalten. DaS ist zwar erklärlich, wir haben aber keinen Grund zu wünschen, daß eine dieser Gruppen zur vollständigen wirthschaftlichen Herrschaft komme. ES ist gut, daß sie sich theilweise lahmlegen, indem sie ein- ander bekämpfen. Denn die Leute, die weder Kapitalzins noch Grundrente einnehmen, bilden die ungeheure Mehrheit der Staatsbürger und haben eben ihre eigenen Interessen. Wir halten weder von der nationalliberalen noch von der konservativen Steuerreform etwas; indessen werden die Herren, auch wenn sie noch so schöne Phrasen drechseln, doch nicht ihre wahren Absichten verschleiern können. Das Volk weiß ganz genau, daß sie nicht so idealistisch sind, eine Entlastung des„kleinen Mannes" auf ihre Kosten vor- zunehmen, wie man fast glauben sollte, daß ihre Absicht sei, wenn man die Wahlaufrufe liest. Dergleichen zieht nach so vielen Erfahrungen heute nicht mehr. PoUtische Ueberstcht. Eugen Richter kann's nun einmal nicht lassen, er muß bei jeder Gelegenheit neben den Parteien auch Personen anrempeln und alle Fragen ins persönliche Gebiet hineinziehen. So redete er auch vor einigen Tagen im Tivolisaale und meinte, daß sich die Sozialisten heftig bekämpften und einige Sterne wieder im Verbleichen seien. Dabei holte er denn den verstorbenen Dr. Schweitzer zum Sukkurs herbei und wollte damit beweisen, daß das Miß- ttauen der Arbeiter gegen ihre Führer gerechtfertigt sei.— Es ist uns nicht angenehm, Personen fortschrittlichen Angedenkens hier zu nennen, deren Stern längst verblichen ist, die aber gleichfalls beweisen, daß das Mißtrauen, welches ganze Schichten der Bevölkerung gegen die Führer der Fortschritts- partei hegen, gerechtfertigt ist. Ein Hauptführer in der fort- schrittlichen Bewegung, ein intimer Freund von Schulze- Delitzsch, der längere Jahre auch ein fortschrittliches Arbeiter- dlatt, den„Arbciterfreund" in Koburg, herausgab, war Rechts- anmalt Feodor Streit, dessen politische fortschrittliche Laufbahn, da er Mündelgelder unterschlug, im Zuchthause endete.— Ein längst verblichener Stern der Fortschrittspartei ist Herr Franz Duncker. Dann stand zu Anfang der Viber, der mit stoischer Ruhe, indem er seinem Tomahawk, welcher dnrch eine sinnige Vorrichtung zugleich die Stelle einer Mordwaffe und einer Tabakspfeife verttat, dichte Rauch- wölken entlockte, nach der Mündung des Jordan hinüber- schaute. „John besitzt ein gutes Auge und ihr habt eine kunst- volle Hand," antwortete ber Delaware nachlässig;„er hat die Männer beobachtet, als sie am Jordan übernachteten, und er hat ihre Gesichter auf Eurem Papier gesehen. Es giebt nicht zwei Menschen, die nur ein Gesicht haben." „Aber ich sah sie nur einmal und zwar flüchtig, eS ist nicht anzunehmen, daß ich ihre Züge so genau getroffen habe," wendete Falk zweifelnd ein. „Wir wollen warten und sehen," gab der Biber zur Antwort. „Und was wird unsere nächste Aufgabe sein?" fragte Falk und im Tone seiner Stimme bekundete sich Unruhe und Besorgniß.„Seit Wochen streifen wir umher wie ge- hetztes Wild, und Alles, was wir gewonnen haben, sind eigentlich doch nur Muthmaßungen. Wir wissen nicht ein- mal genau, in welchem Hause sie Weatherton gefangen '" tt Schwarze Freunde helfen, und wißt nicht wie. Zett genügt für"?l!n und für uns; warten und sehen und keinen Schlag ver- doch bLife ich Wie wollen � 06 hinter ihre Geheimnisse kommen „Hören und sehen," antworte der Schwarze Biber mit ernem verschmitzten Lächeln,„hören und sehen, und selbst nicht gehört und gesehen werden." „Dann vermögt Ihr mehr, als andere Menschen, zumal in einer Zeit, in welcher die Mormonen so wachsam sind," be- merkte Falk mißmuthig. .Ich denke, ich kann," bestätigte der Delaware,„und «aS die Wachsamkeit anbetrifft, so befinden sich ihre schärf- 60et Jahre Herr Redakteur und Schriftsteller Michaelis mit an der Spitze der Fortschrittspartei; er war, wie jetzt Herr Richter, die Finanzkapazität der Partei. Sein fortschriftlicher Stern ist auch längst verblichen; Herr Michaelis befindet fich jetzt, nachdem er mit dem Aermel die Ministerbank gestreift hat, als Präsident des Jnvalidenfonds in sehr behaglicher, einträglicher Stelle. Was sagen Sie dazu, Herr Richter? Wenn Ihre neue Zeitung Fiasko macht? Was dann? Doch aeben Sie fich keine Mühe; Ihre geringe For- mcngewandtheft, Ihr ganzes täppisches Wesen schützt Sie vor der Versuchung, wie die alte Jungfer durch ihre Häßlichkeit vor der Ehe geschützt wird.— Doch weiter. Herr Dr. Her- mann Heinrich Becker war ein leuchtender Stern am Fortschrittshimmel; der ist auch längst herabgefallen und er- loschen im— Herrcnhause. Und was sagen Sie, Herr Richter, von dem braven Dr. Löwe, diesem edlen Mitstreiter für Fortschritt und Volkswohl? Der Herr freut fich sogar darüber, daß sein Fortschrittsstern erloschen ist; er flötet seine Weisheit jetzt am Fabrikantenherzen aus zur Höberen Ehre Bismarcks und nicht zu seinem eigenen Schaden. Man könnte noch fort- fahren und weitere Namen nennen. Doch es sei genug! Herr Eugen Richter aber sollte das alte Sprichwort endlich beher- zigen: ,.E s i st gefährlich, mitSteinen zuwerfen, wenn man im Glashause sitz t." Zur Enquete. Seitens des Berliner Polizeipräsidiums war auch an das Aeltesten- Kollegium der Berliner Kaufmann- schaft eine Aufforderung ergangen, fich bis zum 25. August bezüglich der Sonntagsarbeit zu äußern. Das Aeltestm-Kollegium berief die Sachverständigen- Kommisfion für gewerbliche Änge- legenhciten und hat in seiner letzten Sitzung deren fast em- stimmiges Votum in Betreff der Groß- und Fabrik- Jndusftie fich vollständig angeeignet: Die Kommisfion ist der Ansicht, daß der bis jetzt bestehende gesetzliche Zustand(§ 105 der Gewerbeordnung), nach welchem zum Arbeiten an Sonn« und Festtagen, vorbehaltlich der ander- weiten Vereinbamng in Drin glich keitsfällen, Niemand verpflichtet ist, einfach aufrecht erhalten werden sollte. Unter diesem gesetz- liehen Zustand haben fich die Verhältnisse der Groß- Jndusftie in Berlin dahin gestaltet, daß SonntagSarbeit im Wesentlichen auf die für das Werl selbst und für die Kunden deffelben noth- wendigen Reparaturen und auf ausnahmsweise der Beschleu- nigung bedürfende Neubestellungen eingeschränkt ist. Da, wo die Sonntagsarbeit noch über dieses Maß hinausgeht, haben es die Arbeiter mittelst des ihnen gesetzlich zustehenden Koalilions- rechts in der Hand, die Sonntagsbeschäftigung in den Fabriken auf ein vernünftiges Maß zu reduziren. Weiter zu gehen und den Arbeitern gesetzlich zu verbieten, am Sonntag zu arbeiten, auch wenn fie es für fich und ihre Familie für nothwendig erachteten, hält die Kommisfion nicht für gerechtfertigt. Weiter ist fie der Anficht, daß das Verbot der Sonntagsardeit eine Verminderung in den Einnahmen der Arbeiter im Gefolge haben werde. Die Industrie befinde fich keineswegs in der Lage, den Ausfall an Arbeitsstunden, welchen das Gesetz ihr auferlegen würde, für fich zu ftagcn und die Arbeiter vurch Erhöhung des Werktagelohnes für den Ausfall schadlos zu halten; an Stelle der Sonntaasarbeit würde eventuell Nacht- arbeit treten müssen und diese würde für die Arbeiter noch weniger zuträglich sein. Ferner würde ein gesetzliches Verbot der Sonntagsarbeit, wie auch die Verhandlungen der Reichs« tagskommission von 1883 nachweisen, nicht ohne vielerlei generelle Ausnahmen und nicht ohne das Recht der Orts« behörden zur Ertheilung von Spezialdispenscn erlassen werden können. Damit entstehe die Gefahr ungleichmäßiger Anwen- dung des Gesetzes und einer gewissen Willkürlichreit. That- sächlich träten Nachtheile der Sonntagsarbeit in den Fabriken nur in geringem Umfange hervor; ganz anders liege die Sache in der Hausindustrie; aber auf diesem Gebiete sei ein Erlaß gesetzlicher Bestimmungen ebenso schwierig, als ihre Ausführung und Ueberwachung. Innerhalb eines Menschcnalters hätte fich ohne einen gesetzlichen Zwang die Zahl der täglichen Arbeits- stunden in den Fabriken von 12 meist aus 10 ermäßigt; dies weise darauf hin, daß fich auch auf dem Wege der Sitte das allseitig als wünschenswerth erachtete Ziel der möglichsten Ein- schränkung der Sonntagsardeit erreichen lassen werde. Diesem Votum der Kommisfion trat, wie gesagt, das Aeltesten- Kollegium durchaus bei und fügte in Befteff der Handels- geschäfte, in denen gegen Gehalt und nicht gegen Tagelohn gearbeitet wird, noch hinzu, daß hier zwischen Großhandel und Kleinhandel und wiederum zwischen verschiedenen Gattungen des Kleinhandels so vielfache und erhebliche Unterschiede oe- ständen, daß eine schablonenhafte Behandlung der Frage, be« fteffend Beschäftigung am Sonntag, ganz unausführbar sei. Im Kleinhandel, so weit er fich in serner Verkaufsstelle direkt an die Konsumenten wende, würde es nicht gar viele Branchen geben, welche am Sonntag die Arbeit einstellen könnten, weil zum Thetl die Konsumenten auch am Sonntag die Zeit zu Einkäufen haben. Im Großhandel dagegen gäbe es Zweige, welche ihre Korrespondenz und ihre Geschäfts- Abschlüsse am Sonntag paufiren lassen könnten; andere seien genöthigt, wenigstens einen Theil ihrer Gehilfen und auf wenige Stunden zur Komtoir- Arbeit heranzuziehen; auch für das gesammte sten Augen im Gebirge den Amerikanern gegenüber, während in der Stadt nicht schärfere Augen wachen, als der Maul» wurf aufzuweisen hat." Hier schwiegen die beiden Männer wieder längere Zeit. Obschon der Delaware mit einer Zuversicht sprach, als ge- höre ein Fehlschlagen seiner Pläne mit zu den Unmöglichkeiten, wurden Falk'S Zweifel und Besorgnisse dadurch doch keines- wegS verscheucht, und nach wie vor beobachtete er ungeduldig den Stand der Sonne, bis dieselbe endlich den äußersten Rand der Bergkette berührte. „Da ist John," sagte der Schwarze Biber plötzlich, indem er wie eine Feder emporschnellte.„Aber er mahnt zur Eile," fuhr er lebhaft fort, mit der Hand auf die Mündung des Jordan deutend, wo zwei schmale Rauch- säulen in geringer Entfernung von einander emporwirbelten. „Zu Pferde denn," versetzte Falk, und er war im Be» griff, seinen Vorsatz auszuführen, als der Delaware ihn plötzlich daran verhinderte. „Geduld," sagte er ernst und entschieden, und zugleich wich der leidende, schläfrige Ausdruck aus seinen hell- braunen Zügen;„Geduld; wir müssen vor allen Dingen erfahren, wohin wir uns zu wenven haben," und während er so sprach, spähte er schärfer nach der Richtung hinüber, in welcher die beiden Rauchsäulen auf einige Minuten sichtbar gewesen und dann wieder zusammen« gesunken waren. Nach etwa zehn Minuten zeigte sich südlich von den ersten Rauchsignalen, also mehr in der Richtung nach der Salzseestadt, ein drittes, welches indessen noch schneller al» die anderen verschwand und offenbar dadurch erzeugt worden war, daß Jemand angefeuchtetes Pulver über einigen glühen- den Kohlen verbrannt hatte. „Also auf dem nächsten Wege»ach der Stadt," sagte Sikitomaker, behende nach den Pferden eilend, um sie her- beizuholen. Falk antwortete nicht mehr, sondern folgte dem Bei- spiele des Delaware». Balddarauf standen ihre Pferde und das John'S gesattelt vor ihnen, und nachdem sie sodann die Waffen zweckmäßig auf ihren Körpern befestigt, schwangen sie sich in den Sattel, und dahin ging es im gestreckten Galopp über die Sand. Handelsgewerbe müsse man dem Einfluß der Sitte die Herab- Minderung der Sonntags-Arbeit überlassen, was um so leichter sei, als das Verhältniß zwischen Prinzipal und Gehilfe doch immer ein anderes sei als zwischen Fabrikherrn und Arbeiter. Auf diese allgemeinen Gefichtspunkre glaubte sowohl das Aeltesten- Kollegium als die gewerbliche Kommisfion fich beschränken zu sollen, da die angeordnete Befragung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ja fich auf alle einzelnen Arbeitsbetriebe erstreckt und den Ergebnissen dieser Enquete in keiner Weise vorge- griffen werden sollte. Wir wollen gerne zugestehen, daß wir von dem genannten Kollegium keine andere Aeußerung erwartet haben' sie bewegt sich ganz in dem ausgefahrenen manchesterlichen Geleise und rst höchstens in sofern bemerkenswerth, als auch diese An- schauungen noch obenein in recht ungeschickter und nackter Weise vorgetragen werden. Was darin gegen daS gesetzliche Verbot der Sonntagsarbeit gesagt wird, ist recht alt und abgestanden; vomahezu 20 Jahren fanden solche Argumente mitunter noch einigen Glauben.— Interessant ist nur der Hinweis auf das Koalitionsrecht, mittelst dessen die SonntagSarbeit auf ein „vernünftiges Maß zurückgeführt werden könne. Wo dieses Maß anfangen, resp. aufhören soll, wird nicht gesagt, obwohl es doch gewiß sehr lehrreich gewesen wäre, wenn genannte Herren den Begriff„Vernunft" etwas deutlicher definirt hätten. Wie es aber mit dem Koalitionsrecht bestellt ist, haben wir bereits gestern erörtert; es ist unter den beutigen Verhältnissen mumienhaft zusammengeschrumpft und nicht im Entferntesten zureichend, um dem Verlangen der Unternehmer, Sonntags zu arbeiten, erfolgreich entgegentreten zu können. Zur Diätenfrage entnimmt die„Pos. Zeit." einem viel« gelesenen Buche einen recht interessanten Beitrag. Dieses Buch führt den Titel:„Der Parlamentarismus wie er ist" und hat zum Verfasser den Herrn— L o t h a r B u ch e r, der als die rechte Hand des Reichskanzlers angesehen wird. Freilich ist der Herr Bücher nicht mehr der Bucher von 1855, wo er diese Schrift herausgegeben hat. Wie fich doch die Zeiten und die — Menschen ändern! Da heißt es über die Urgeschichte des englischen Parlaments:„Die Mitglieder des Unterhauses er- halten von ihren Kommittenten Diäten, Ritter wie Bürger. Es war herkömmlich, ihnen ein Pferd zu schenken,„darauf zum Parlament zu reiten." Der Betrag der baaren Entschädigung war durch eine Akte von Eduard II. auf 4 Shilling täglich für den Vertreter einer Grafschaft, und halb so viel für einen Bürger bestimmt. Aus Verfügungen des Sheriffs und aus Kämmereirechnungen ergicbt fich, daß häufig andere Ab- kommen über den Betrag und über die Zahlungsmodalitäten f eftoffen wurden. John Strange in Dunwich nahm 1463 seine Hüten in Hering(auch nicht übel!) den er wahrscheinlich in London verkaufte. Unter derselben Regierung beschlossen die Bürger von Uork, daß ihr Abgeordneter die alte Stadt würdig repräsentiren und daher 4 Eh. täglich empfangen solle, wenn er ein Pferd halte, andernfalls 2. Andrew Maxwell, eine be- kannte Figur aus der englischen Literaturgeschichte, soll der letzte gewesen sein, der Dräten liquidirt hat. Das die eng- lischen Abgeordneten heute noch zu Diäten berechtigt find, unter- liegt nicht dem geringsten Zweifel. Wenn Jemand den Muth hätte, sie zu fordern, so müßten die Conrts of Common Law (Gerichtshöfe des gemeinen Rechts) auf' eine nach den jetzigen Preis- und Lebensverhältnissen abgemessene Ent- schävigung erkennen."— Bekanntlich hat man fich im Reichs- tag bei der Debatte der Anträge auf Diätengewährung von Seiten der Regierung und der Konservativen wiederholt auf daS Beispiel des englischen Parlaments berufen, in dessen Wesen es liege, daß die Abgeordneten keine Diäten empfangen dürfen- Wenn Lothar Bucher's Angaben richtig sind— und daran ist wohl nicht zu Zweifeln—, so ist von einem Nicht- dürfen überhaupt keine Rede. Die Diätenzahlung ist dort in Vergessenheit gerathen, wahrscheinlich in Folge des Umstandes, daß mehr und mehr der reiche Grundbesitz früher fast aus- schließlich die Abgeordneten in England lieferte, die dann freilich keine Diäten nöthig hatten. Interessant ist jene Mit- theilung über die Veihälmisse des parlamentarischen Muster- landes auch um deswillen, weil sie zeigt, daß es ganz und gar nicht dem Wesen einer echten Volksvertretung widerspricht, wenn die„Kommittenten", also die Wähler, durch Selbst- besteuerung den fie vertretenden Abgeordneten ihre baaren Auslagen ersetzen. Danach wird es also wohl auch dem Wesen unserer Sorte von Parlamentarismus nicht allzu sehr wider- sprechen, wenn eine Partei solchen ihrer Mitglieder, die dessen bedürftig find, mäßige Diäten auS einem ehrlich gesammelten Dtätenfonds zuwendet. Die Verwendung des Restes der Bismarckspende zu einer„Schönhauser Stiftung" sindet nicht einmal den Beifall der zahmen Nationalliberalen. So bringt die„Nat.-Lib. Corresp." einen Artikel, in welchem lebhaft über eine derartige Verwen- dung geklagt wird. Es heißt da: „Man hat es seiner Zeit an Vorschlägen, wie die aus der Bismarckspcnde restirende und zur freien Verfügung stehende Summe am seaensreichsten zu verwenden sei, nicht fehlen lassen, das Projett aber, welches jetzt seine Ausführungen gefunden hat, haben wir von Anfang an für das am wenigsten lückliche bank und demnächst durch das hohe Artemisia-Gestrüpp auf die Salzseestadt zu. Der Delaware ritt voran und führte John'S Pferd am Zügel, während Falk sich dicht hinter ihm in seiner Spur hielt und zeitweise das lose Pferd zur Eile antrieb. Welche Aufgabe die beiden Delaware» sich nunmehr gestellt hatten, vermochte er nicht zu ergründen, und wunder- dar erschien eS ihm, daß der Schwarze Biber ein so großes Gewicht auf einen Besuch in der Mormonenstadt legte, während er doch wußte, daß Weatherton sich noch immer in Fort Utah befand. Es blieb ihm indessen keine Zeit, dar- über nachzudenken und alle ihm bekannten Nebenumstände zu erwägen, denn sein Pferd und der wenig gangbare Boden, über welchen sie hingaloppirten, nahmen seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch, und keine Minute durften sie verlieren, wenn sie bald nach Einbruch der Nacht bei der hinter der Stadt über den Jordan führenden Brücke ein» treffen wollten, wo sie von John erwartet wurden.— Wie fast alle neuen Städte Nordamerikas, so ist auch die Salzseestadt der Mormonen überaus regelmäßig ange- legt worden. Die Sftaßen sind breit und laufen von Süden nach Nor- dm und von Osten nach Westen, und zwar mit einer solchen Genauigkeit, daß kaum ein Ouadratfuß Unterschied zwischen den einander gegenüberliegmden rechtwinkeligen Häuservier- ecken besteht. Die westliche Grmze der Stadt ist nur durch einm schmalen Zwischmraum von dem Jordan geftennt, und wo eS auf diesem Räume die öffmtliche Kommunikation nur immer gestattet, da sind von den Besitzern der äußerstm Häuserreihen Gärten angelegt worden, die eben so wohl den Zweck haben, einen angenehmen Aufenthalt im Freien zu gewährm, als auch den Hausstand mit Gemüsen und sonstigen, in der Küche fast unentbehrlichen Gartmerzeug- nissen zu versehm. Falk und Sikitomaker, nachdem sie ihre Pferde eine Strecke weiter abwärts der Sicherheit wegen zurückgelassen hatten, waren in der Nähe der Brücke mit John zusammenge- troffen. Obgleich noch früh am Abmd, so waren die Straßen, namentlich die Wege außerhalb der Stadt, nur wenig be- gehalten. Fürst Bismarck hat es seiner eigenen Jnitiatiie utt* bisherigen Thätigkeit auf sozialpolitischem Gebiete zu danli», daß man bei der von ihm zu gründenden Stiftung in nfiei Linie an das schwere Loos der Arbeiter und dessen Erleichtermz dachte. Mitbestimmend wirkt hierbei die Art und Weise, wie« weiten Kreisen die Gelder für die Bismarckspcnde aufgebraM worden waren. Gerade in den unbemittelten Klassen hatte man« der festenZuverficht gesteuert, daß das Resultat verSammlung de» am meisten Hilfsbedürftigen zugute kommen würde... Wir getw recht gern zu, daß die noch vorhandenen Mittel zu einer für die Arbeiter berechneten Stiftung im Großen nicht ausreichten� dennoch hätte sich hier, wenn auch in beschränkterem Maße, eine wahrhaft segensreiche Wirkung erzielen lassen, indem man ge- wisse, von oer bittersten Noth erhobene Forderungen erftM- Wir erinnern nur an den seinerzeit auch von u»» befürworteten Vorschlag, die verunglückten Arbeiter oder deren Hinterbliebene Familienangehörige in jenen ersten schwere» Tagen zu unterstützen, wo die Bestimmungen des Unfatü verficherungsgesetzes noch nicht in Kraft treten. ES unterlregl keinem Zweifel, daß Mangel und Elend den Kern der soziale» Frage bilden, und daß der weiteren Ausbreitung ein Damm nur durch Aufwendung aller verfügbaren Mittel im aufrichtrgk» Sinne der Erleichterung und Linderung gesetzt werden ka»»- Wie vielseitig läßt fich aber hier eine wirklich hilfreiche Thatig' keit entwickeln, sei es in der Form der diretten Unterstützung' der Beschaffung von Arbettsutenfilien, der Aussetzung rw» Prämien für treue Arbeit u. s. w. u- s. w. Wir leugnen rernes- wegs, daß auch der Zweck, wie er in der„Schönhauser Stiftung' vorzüglich in dem zweiten Absatz, die Unterstützung Lehrerwittwen betreffend, liegt, ein entschieden nutzbringen« der ist, nur wird davon ein zu enger und nicht unmittelbar bedürftiger Kreis berührt. Wer einen Gymnafialkursw durchlaufen und das Univerfitätsstudium absolviren kann, zas» unter den gegenwärtigen Verhältnissen schon zu den finanzier besser fituinen Erdensohnen, und in Betreff der Wittwen vo» Lehrern höherer Schulen gestalten fich die Penfionsangelege»' heiten von Tag zu Tag günstiger. Zudem wird jetzt aWp mein und mit sehr gutem Grunde über den allzu großen A»' drang bei unseren Gymnasien und Univerfitäten geilag>' welcher uns mit der Zeit ein sehr bedauerliches geistiges Prm letariat bringen wird, und sollte man dem gegenüber lieber m ernstlich abmahnender Weise wirken, als durch die Gründung neuer und verlockender Stipendien den schon jetzt übennäw» Trieb„zu studiren" noch zu stärken. Das Kapital der„@*o» Häuser Stiftung" beträgt 1 200000 Mark, welches bei 4 pw zentiger Verzinsung und nach Abzug der Verwaltungskosn» ca. 40000 M- jährlich zur Vertheilung verfügbar ma«� Nimmt man nun an, daß die Hälfte der disponiblen Sui»m° der Wittwen- und Waisenuntcrstützung überwiesen wird,> würden jährlich zwanzig Studenten bezw. Kandidaten"ff, Stipendium von 1000 Mark erhalten. Stiftungsverwalter W der Reichskanzler und geht nach seinem Tode VorstandsM auf dasjenige Mitglied seiner Familie über, welches nach»e» bereits betroffenen Bestimmungen zum Besitz des Stamm guts Schönhausen gelangt, bezw- berechtigt ist.- Eine wenig günstige Beurtheilung dürfte aber daS A™ Vorhandensein jeder kontrolirenden Instanz bei der BewermW und Vergebung der Unterstützungen finden. Nach den<£»»»' digungen, welche die„Magdeb. Ztg." über diesen Puntt et» gezogen, giebt es im ganzen Staate keine einzige Stiftung f, den Rechten einer junstischen Person, über deren Ertrag»'» ein Einzelner nach eigenem freien Ermessen verfügen lö»»' „Das Statut der Schönhauser Stiftung", bemerkt das gen»»» Blatt,„schafft dem jeweiligen Besitzer von Schönhausen er» Spielraum, wie er in dieser Ausdehnung nicht einmal ernc Testator eingeräumt wird, der sein Vermögen zu einem AIK thätigkeitszweck bestimmt. Im vorliegenden Falle bcsrckt? der unbeschränkten Verfügung des Besitzers von SchönhW». unterstellte Stiftung aus Geldern, die von vielen PerifL aufgebracht wurden, und dieses Moment weist doch am..„ Heranziehung von Vertrauensmännern hin, deren Berich'!'.,' die Verwendung der Spendequote zu veröffentlichen Will man aus diesem begründeten Tadel eines durchaus � meinenden Blattes einen Schluß ziehen, so dürfte die„Gß-, hauser Stiftung" sowohl ihrem Inhalt als ihrer Form» noch manche scharfe Kritik zu gewärtigen haben." � Die Schutzzöllner find trotz des großen UmfangeS dri, »ergangenen Frühjahr angenommenen Zolltarife lemesw» zufrieden, sondern machen schon wieder Versuche, Abänderu»». des Zolltarifes herbeizuführen. So hat kürzlich unter v. (Y) � sir»*4�� am»? tiölv? Vorfitze des dekannten agrarischen Agitators Freiherrn vo» � in einem Orte der Rheinprovinz eine Kreisversammlung rheinischen Bauernverems stattgefunden, in welcher bcsMft-b wurde, und zwar mit Zustimmung des genannten Herrn,»% w Vorsitzender des Gesammtvereins ist, die im Laufe der uv Reichstagssession eingereichten Petitionen wegen E�fuS„ eines Zolles auf Gemüse bei Beginn der nächsten Ecsst» � wiederholen. Die Vertreter der niederrheinischen W»»' vn haben fich im Frühjahre die erdenttichste Mühe gegeben- Wünschen der Petenten gerecht zu werden, doch vennow' jtt die Mehrheit des Reichstags von der Nothwendrgkc" � lebt. Die zahlreichen Lichter, welche in den, Häuserreihen mit einem heimathlichen Schein hinter de» � verhangenen Fenstern und Fensterchen flimmerten, be«'> ÜtWZ % verhangenen Fenstern und Fensterchen flimmerten, daß man sich nach vollendetem Tagewerk in das milienleben zurückgezogen hatte und dort, in entsprech � Unterhaltung, die noch immer langen Abendstunden � brachte. Die Luft war ja noch, trotz de» vorhergegang lieblichen Frühlingstages, zu eisig, zu kalt, um sie zu genießen; denn m ähnlicher Weise, wie vor«kn« Stunden die Sonne Wärme ausstrahlte, blieben die Schneelagen auf den Gebirgskämmen nicht ohne en'flsN.�i. setzte Wirkung auf die unteren atmosphärischen ES war» als ob die Kälte nur den Einbruch der Nach � gewartet habe, um sich zu senken und mit den Neo � vereinigen, welche, den moorigen Niederungen milchwe p � sieigend, die Menschen mit böSarttgen klimatischen drohten. Die beiden Delawaren und ihr Gefährte dessen unempfindlich gegen die Kälte zu sein; denn« j* 1{/ letzterer mit größter Spannung die Delawaren oeoo lauschten diese mit einer Aufmerksamkeit nach de hinüber, als wenn sie im Stande gewesen wären, � Haus hinein zu horchen und jedes einzelne der v I sprochenen Worte zu vernehmen., vwpft Da drang von der Mitte der Stadt her ein g tes Murmeln vieler Männerstimmen durch die st'U qßhp, sphäre zu ihnen herüber, und gleichzeitig erhob M~ um sich zu entfernen. n(**, te- „Das Haus dort drüben auf der äußersten„ z» haltet im Auge," sagte er leise, ehe er davon sch Sikitomaker und Falk;„jetzt sind nur die beive». auf der linken Seite der HauSthür erleuchtet. � sich die Fenster auf der andern Seite, dann i jenigen zurückgekehrt, die am meisten bei der lie w w i* . Mäßigkeit eines Gemüsezolles nicht zu überzeugen. Ferner wie Anzahl elsässtscher Fabrikanten beim BundeSrathe die wung des Eingangszolles für Weberzcuge(Wcberlitzen Verbindung mit Schäften), welche nach dem amtlichen »renverzeichnisse gegenwärtig wie Maschinen verzollt beantragt, und die preußische Regierung hat sich , � das Gutachten der in Betracht kommenden Handels- '-ronern einzuholen. Wodurch die Zollerhöhung begründet M und in welcher Höhe fie vorgeschlagen wird, ist noch nicht �mnt geworden; nur ist aus dem letzten Eiyungs- Protokolle �Handelskammer zu Barmen zu ersehen, daß dieselbe de- Wffen hat, in ihrem Gutachten sich gegen die Zollerhöhung Ansprechen. Da aber die elsässtschen Fabrikanten stets auf «Agtes Ohr für ihre Bitten um Zollerhöhung oder Ableh- von anderswo ausgesprochenen Wünschen auf Zoll- ngen oder Einfuhrerleichterungen rechnen dürfen, so " iglichkeit nicht ausgeschlossen, daß dem Reichstage ...—... eme neue Zollnovelle vorgelegt werden wird. Dann ■ Am. natürlich auch weitere Wünsche nicht ausbleiben. Ein Aer ist ohnehin schon auf dem vor einigen Tagen in Berlin Ahaltenen Kongreß deutscher Sattlermeister ausgesprochen . t>en. Von einem schlefischen Theilnehmer an demselben U>e,«eil angeblich der österreichische Wagenbau den schle- Jfn ruinire, ein hoher EingangSzoll auf österreichische Wagen Wangt. Der Kongreß beschloß, die Angelegenheit auf die Msordnung der nächstjährigen Versammlung zu stellen. N die Forderungen nach neuen Zöllen sich während der Wlten Monate in gleicher Weise mehren, werden die Zoll» Trotten in der nächsten Reichstagssesston kaum weniger Raum "webmen. als in der letzten. z-.Die Ausweisungen von preußischen Staatsange- Mgen aus Russtsch-Polen scheinen nunmehr gleichfalls An größeren Umfang angenommen zu haben. Der War- Mer OderPolizeimerster hatte eine Revision der Legitima- �n-papiere derjenigen Personen, welche aus Preußen stammen, Midnet, und als sich herausstellte, daß viele derselben ent- Ar gar keinen oder einen bereits abgelaufenen oder sonst A'Selhaften Paß hatten, so wendete er sich an das deutsche 'neralkonsulat mit dem Gesuche, diesen Personen eine Legiti- Am zu der Rückreise nach Preußen zu geben. Dies geschah A' indem das Konsulat diesen Personen eine Reiseroute mit 5l Anweisung ertheilte, sich auf kürzestem Wege über die nach Preußen an denjenigen Ort zu begeben, von wo , ljfkommen waren; auch wurde dabei in der Reiseroute an- PjA», daß dies in Folge der Ausweisung seitens des Ober- Milmeisters von Warschau geschehe. Die Anzahl der auf S Weise Ende Juli d. I. aus Warschau ausge« Awen Deutschen betrug 140. Am 7. d. M. ging Transport derartiger Ausgewiesener von Warschau zu M ab, und ein Theil desselben kam am 19. d. Mts. zu Mndrowo an der Grenze an, um dort hinübergcwiesen zu !/An. Die zu diesem Transport gehörigen Männer gingen yn>n zusammen, mit Fesseln aneinander geschlossen, die Auen ohne Fesseln. Auf der Route, welche mit der Eisen- An in fünf Stunden zurückgelegt wird, übernachteten die zu Transport Gehörigen in den betreffenden Ortsgefäng- neu. Die meisten von ihnen hatten mit der Eisenbahn auf An? Kosten bis zur Grenze fahren wollen, doch war dies cA gestattet worden. Die Leute gehörten verschiedenen ffijden an; es waren darunter einfache Arbeiter, Handwerker, Mute, jüngere und ältere Leute. Dienstmädchen, Frauen in Leitung ihrer tranSportirten Männer, Bonnen und Gouver- z?n>cn, zum größten Theil der Sprache und Nationalität nach Oesterreich-Ungar». s-v Der Kaiser von Rußland und der Kaiser von Oesterreich -�nunmehr in Kremfier eingetroffen. Größer als die Zahl �7" NU!........______ M...... ? Adjutanten und Korrespondenten ist in Kremsier die Zahl C Polizisten. Außer den russischen im Gefolge des Zaren U die österreichische Regierung, um die Sicherheit ihres Gastes W, großartige Vorkehrungen getroffen. Serbien. �Belgrad, 21. August. Der Bürgermeister Vladan Gior- dAc hat anläßlich einer zwischen dem Bürgermeisteramte und den kdtpräfenur als kontrolirenden Staatsbehörde entstan- ilW dienstlichen Kontroverse in seinem letzjährigcn Rechen- Ww dericht gegen die Organe der Staatsverwaltung einige JAbe Bemerkungen gemacht. Auf Antrag der Etaatsan- Auichaft wurde nun der Bürgermeister wegen Beleidigung L zlliegsministers, der Polizeibehörde, der Gendarmerie und ai-t.�imsteriumS des Innern, und wegen Verletzung des Ge- lp?ndcgeseyes in den Anklagestand versetzt. Die Anklage ist §§ 103 und 104 des Strafgesetzes, auf§ 43 des Be- z>.Astatuts und auf§ 73 des Gemeindegesetzes bafirt. Die guAtzung eines so angesehenen ManneS wie Vladan Gior- LA in den Anklagezustand mft hier allgemeines und pein- Aufsehen hervor. _ Italien. «tr-lv' Aufregung, welche die Verhaftungen wegen Hoch- hervorgerufen haben, hat sich noch vergrößert durch fc�Aehmen unmöglich machen," fügte er, wie sich entschul- h?*nb, hinzu. Im nächsten Augenblicke stand er auf dem itofii** Flusse«, und geräuschlos glitt er über die Brücke Uber gnade auf die nächsten Häuser zu, wo er bald dar- ' ,n der Dunkelheit verschwand. "Ein guter Junge," sagte der Schwane Biber zu Falk, ein er wohlgefällig mit der Hand hinter John her deutete; 5l7e' Otterbälge würden ihm nicht mehr Freude machen, et»,., sei geheime Kundschaften. Ja, ja,'S geht nicht« über ZW Abenteuer. Lebt man sonst zu Hause auf der Farm, tf e alle Aufregung, einen Tag wie den andern. Die Neger- � ven bestellen daS Feld und unsereins schaut ihnen zu. j',eä ist durchaus nothwendig, hin und wieder eine kleine ad � W unternehmen; bringt zwar nicht mehr viel ein, zuweilen stößt man»och auf etwas Aufregung. Ein ffo... � Zufall war'S, der mich mit Euch und Euern Ge- zusammenführte." r r.x u.?° sprach der halbzivilisirte Indianer behaglich vor Ell. Er gedachte seiner sorgensreien Hcimath und der , die er sich allmälig durch seine Dienstleistungen bin». ,? Amerikanern erworben hatte, wie eines nothwen- Uebels. Je mehr aber seine Geisteskräfte in der ge- W.WAgen Lage angespannt wurden, um so sichtbarer iJW°le Neigungen seiner kriegerischen Vorfahren in den sei», �Srund, nur daß er, etwas gesprächiger als diese, . vreude über die bevorstehende Aufregung in Worten Tag legte, währenv Falk fast Unwillen darüber 'Ad, daß er die Sache so leicht zu nehmen schien. nw.AnS Geräusch, welche« das Signal zu John's Aufbruch ge- bie rührte von einer großen Gesellschaft von Männern her, (L*4 einer Berathung in der öffentlichen Halle, dieselbe löst, 0�e6 und sich in kleinere und größere Gruppen auf- wi. 2ndem diese sich nun nach allen Richtungen hin den W f, �en Stadttheilev zu bewegte», verstummte allerdings sehsl Kniende Lärm, dafür machten sich die einzelnen Ge- nieder bemerklicher, indessen weniger durch lautes Ql8 daß ihre Fußtritte zwischen den weit ausein- »<>„ L"ehenden Häusern wiederhallten, und hin und wieder �".Heimkehrenden eine Thür zugeschlagen wurde. �'ch in der Straße, welche gerade auf die Brücke zu- eine zweite, nicht minder Aufsehen erregende Affaire. bandelt sich um einen kolossalen Diebstahl im königlichen Schlosse zu Turin, bei welchem das ganze, an 30000 antike arikchische und römische sowie mittelalterliche Münzen und Medaillen umfassende Münzkabinet des Königs, ferner 4 Hals- ketten und Ordenssterne des AnnunziatenordenS in Brillanten im Werth von 600000 Fr., dann die beiden dem König Emanuel von den Städten Turin und Neapel dargebrachten prachtvollen Kronen und der überaus reiche mit Brillanten, Rubinen und Smaragden besäete Ehrensäbel, der dem König Viktor Emanuel, wenn ich nicht irre, von den Venezianern verehrt wurde, nebst einer großen Anzahl anderer Kostbarkeiten im Gesammtwerthe von wenigstens 2'/- Millionen Franken gestohlen wurden. Obgleich die Diebe alles so eingerichtet hatten, daß ein Einbruchsdieb- stahl vermuthet werden sollte, ist es wahrscheinlicher, daß der Diebstahl von irgend einem Beamten unter Mithilfe einiger Diener bei der Waffensammlung und Schatzkammer begangen worden ist. Bisher scheint es nicht, daß die Turiner Polizei eine Spur der Diebe entdeckt habe, obgleich ein bei der Waffen- sammlung in Verwendung stehender Aushilfsdiener in Ver- wahrunashaft genommen wurde. Da Turin in der Nähe der französischen und der schweizer Grenze liegt, ist es nur zu wahrscheinlich, daß es den Dieben bereits gelungen ist, ihre Beute im Auslande in Sicherheit zu bringen und. wenn nicht anders eine der großen Seltenheiten des Münzkabinets irgend- wo im Auslande auftaucht, werden auch die Diebe wohl un- bekannt bleiben. G r o tz b r i t a« n i e n. Die Einnahme von Kassala durch die Insurgenten des Sudans, sowie das iveitere Vorrücken der letzteren hat in England allem Anschein nach neue Besorgnisse erweckt. Während daher unlängst gemeldet wurde, daß die Rücksendung von Truppen aus Egypten unmittelbar bevorstände, theilt nun- mehr ein Telegramm des„Reuter'schen Bureau's" mit, daß der Befehl für den Transport von vier Infanterie- Bataillonen von Alexandrien nach England zurückgenommen worden ist. — Ter diesjährige Gewerkvereins-Kongreß wird am 7. September und an den fünf folgenden Tagen in der Cam- bridge-Hall, Eouthport, abgehalten werden. Auf der Tages- ordnung steht: 1) die Zusatzb,ll zum Haftpflichtgesetz von 1880; 2) Befähigungszeugnisse für Personen, denen die Leitung von Dampfmaschinen und Dampfkesseln unterstellt ist; 3) die möglichste Vermehrung der Zahl der Fabrik- nnd Werlstatt In- spettoren: 4) das Recht der Angehörigen verunglückter Berg» leute, bei der Leichenschau anwesend oder vertreten zu sein; 5) das Genossenschaftswesen und dessen Verhältniß zum Ge- werksoereinswesen' 6) Kodifikation der Gesetze betreffend Ba- gatcllsachen; 7) Reform der Landgesetze; 8) öffentliche Untersuchung plötzlicher oder zufälliger Todesfalle in Schottland. Afrika. Die Verhältnisse im Kaplande liegen für das englische Herrschaftsintereffe bekanntlich insofern ziemlich ungünstig, als das angelsächsische Bevölkerungselement sich dem holländischen gegenüber in entschiedener Minorität befindet und keine Aus- ficht vorhanden ist, diese Proportion in absehbarer Zeit zu Gunsten Englands umzuwandeln. In richtiger Erkenntniß ihrer ethnographisch bedrohlichen Situation sucht deshalb das Ängelsachsenthum am Kap jetzt einen Rückhalt an den daselbst ziemlich zahlreich vorhandenen deutschen Ansiedlern, mit denen es sonst nicht gerade auf dem besten Fuße lebte. Wie man in Bezug auf die Deutschen spekulirt, dafür giebt nachstehende Auslassung der„Cape Times" einige interessante Anhalts- punkte.„Wir haben", schreibt das Blatt,„viele deutsche Ein- wanderer unter uns, und dieselben haben sich im Allgemeinen gut bewährt und find unzweifelhaft mit ihrem strebsamen, unternehmenden Wesen geeignet, um erfolgreich gegen die Schwierigkeiten anzukämpfen, welche unter diesem Himmelsstrich sich dem kleinen Landwirthe entgegenstellen im Gegensatze zu den Besitzern vieler tausend Morgen Landes." Dann geht „Cape Times" nach Aufzählung ver lobenswerthen Eigen- schaften der Deutschen zur Frage der Befiedelung Bechuana- lands über und schlägt dafür Deutsche vor, indem als Be- gründung angeführt wird, wie z. B- in Texas(Amerika) unter sehr ungünstigen Verhältnissen die deutschen Niederlassungen sich als Muster von Sauberkeit, Strebsamkeit und Fleiß er- wiesen haben und dort durch deutsche Schwierigkeiten über- wunden worden seien, denen die Angehörigen anderer Nationen unterlagen. Weiter heißt es:„Welch' sichere Garantie für Ordnung und Ruhe würden diese Ansiedler dort in jenem viel« geplagten Lande bieten. Und dann würde sicherlich eine Han- delsstraße und Handel sich dort zeigen." Solcherlei Kund- gedungen stehen in englischen Kreisen jetzt keineswegs mehr vereinzelt da und bringen den Deutschen am Kap zum Be- wußtsein, daß fie einen wirthschaftlichen Machtfaktor bilden, mit dem in Zukunft gerechnet werden muß. führte, ließen sich Schritte vernehmen, die sich schnell näherten. Dieselben rührten von zwei Männern her, die in einer leisen, aber sehr ernsten Unterhaltung vertieft, offenbar unbeobachtet bleiben wollten; denn trotzdem sie eifrig zu einander sprachen und ihre Schritte beschleunigten, versäumten sie doch nicht, von Zeit zu Zeit rückwärts zu schauen, als wenn sie befürchtet hätten, von unberufenen Zeugen eingeholt und belauscht zu werden. Als sie am Ende der Straße auf das sich zwischen dem Fluß und der Stadt hinziehende und zum Theil in Gärten umgewandelte streit Feld gelangten, bogen sie gleich gegen Norden an den Häusern und den«och unbenutzten Bauplätzen hinunter. Wie Falk zu unterscheiden glaubte, lenkten sie gerade auf daS abgesondert in einem eingefriedigten Garten stehende Hau» zu, auf welche« John, ehe er sich entfernte, hingewiesen hatte. Kaum errieth der Schwarze Biber aber, daß diese zwei von den bezeichnete« Persönlichkeiten seien, so schlich er, ge- folgt von dem Maler, über die Brücke hinüber. Dann sich unter dem Schutz des UferS im Bett de« Flusses fort- bewegend, gelangte er bald so weit, daß er sich dem seiner Wachsamkeit empfohlenen Hause gerade gegenüber befand, ihm also ein von John gegebenes Zeiche« nicht entgehen konnte. Von diesem hatten sie seit seiner Entfernung nicht« mehr gesehen oder gehört. Wenn aber die beiden Mormonen, nachdem sie aus der Stadt herausgetreten waren, anstatt nur rückwärts zu schauen und zu lauschen, sich einige Schritte zurückbewegt und dicht an den Häusern hingespäht hätten, so würden sie wahrscheinlich zu ihrem Verdruß entdeckt haben, daß ihnen die Gestalt eine« Mannes in ganz geringer Entfernung nachschlich und immer näher an sie heran zu kommen trachtete. Es war dies der Delaware, der, obgleich er wußte, daß sein Leben von einer Entdeckung abhing. Alles aufbot, aus den Worte« der vor ihm her Schreitenden nähere Aufschlüsse über das Weatherton bestimmte Geschick zu er- la��Dieselben schienen sich indessen weniger um den gefangenen Offizier zu kümmern, denn auf der ganzen Strecke, auf Kommunales. Zwangsweise Einziehung restrrender Steuern. Obgleich die bisher vom Vollstreckungsamt ausgeübte zwangs- weise Einziehung von Steuerresten durch Verfügung des Ma- gistrats der Abtheilung III der Steuer-Deputation überwiesen ist, ist der Geschäftsumfang des städtischen VollstreckungsamteS in stetiger Zunahme begriffen. Mußten doch 1883/84 nicht 34,399 Einziehungsaufträge ertheilt werden, wäh- rend 1882 noch 33 288 genügten. Die Hauptarbeit erwuchs aus der Einziehung der Beiträge zum Gestndebelohnungsfonds, deren gutwillige Zahlung seitens der Betreffenden immer sei- tener stattfindet, wie dies die Zahlen für 1381 bis 1883/84 zeigen. Dieselben ergeben für 1881 15460, für 1882 15 93a und für 1883/84 bereits 18818 Aufträge. Weitergehende Schlüsse auf die wirthschaftlichen Verhältnisse aus der Höhe dieser Zahlen herzuleiten, erscheint unthunlich, da eine erheb- liche Zahl von Aufträgen dieselben Posten betraf. Geht man auf letzteres Moment als das bedeutungsvollere ein, so findet sich, daß z. B. jene 18 818 Austräge aus 9498 einzuziehenden Beiträgen zum Gestndebelohnungsfonds resultirten; es spricht sich eben hier das häusige Wechseln ver Herrschast mit Dienstboten aus. Bei allen andern die zwangsweise Einziehung betreffenden 15 581 Aufträgen beträgt die Differenz gegen die wirklichen Posten nur 1944, d. h. 13 637 Posten kamen in Frage. Unter den Aufträgen 4400 betrafen Requistlionssachen, d.h. zwangsweise Einziehung von Geldern, welche augenblicklich in Berlin wohnhafte Personen andern Magistraten verschulden: 1229 betrafen Lohn- zu den Steuer- Exekutoren, deren jedem ein besonderes Revier zugetheilt ist. Die meisten Aufträge kamen im V. Revier vor (Schöneberger und Tempelhofer Vorstadt und größter Theil der diesseitigen Louisenstadt) mit 6649, die wenigsten im M. Revier(Spandauer Viertel, Oranienburger Vor, ladt und Wedding) mit 4399.— Von allen 34 399 Aufträgen gelangten 23 135 zur Erledigung, darunter 12 344 oder ca. 36 pCt. aller durch Zahlung bei der Mahnung oder innerhalb der Mahnfrist. Bei 2180 Aufträgen erfolgte zwar Zahlung, aber erst vor Voll- zug der Pfändung; in 1178 Fällen trat körperliche Pfändung ein bezw. Zahlung nach der Pfändung. Ein wirklicher Ver- kauf der Pfandstücke fand nur in 36 Fällen, 1882 nur in 19 Fällen statt. Lokales. .. Der Austritt aus den ,. Ortskrankenkassen" kann nur be, Schluß des Rechnungslahres stattfinden und zwar nach vorhergehender dreimonatlicher Kündigung. Da nun das Rech- nungsjahr in manchen Osten mit dem 30. November, in anderen dagegen mit dem 31. Dezember abläuft, so muß die Kündigung im ersteren Falle vor dem 1. September und im letzteren Falle vor dem 1. Oktober stattfinden. Der Ablauf des Rcchnungs- jahres ist aus den Statuten der betreffenden Ortskassen zu er« sehen. Wer also aus diesen Kassen ausscheiden will, muß sich sofost Kenntniß verschaffen, wann das Rechnungsjahr abläuft und dann entweder vor dem 1. September, oder vor dem I. Oktober seinen Austntt schriftlich beim Vorstande der be- treffenden Ostskasse anmelden und zwar geschieht diese Ab« Meldung am zweckmäßigsten in Gegenwart eines Zeugen oder vermittelst eineS„eingeschriebenen" Briefes. Als Abmeldung genügt folgendes Schema: Der Unterzeichnete meldet hiermit seinen Austritt aus der (Name der Ostskasse) an und wird mit Schluß des Rcchnungs- jahres aus derselben ausscheiden. (Ort und Datum.) (Vor- und Zuname, Geschäft, sowie Name und Wohnung des Arbeitgebers.) Es genügt nun aber diese Abmeldung allein nicht, sondern vre Betreffenden müssen auch vor Ablauf der 3 Monate den Nachweis erbringen, daß fie Mitglieder einer freien, dem S 75 des Gesetzes„Die Krankenversicherung der Arbeiter" entsprechen- den Kasse geworden find. Wird dieses unterlassen und damit der eine Termin zum Austritt versäumt, so bleiben dieselben auf ein weiteres Jahr Mitglied der Ortskasse. Wer also seinen Austntt aus diesen Kassen bewerkstelligen will, für den heißt es„Aufgepaßt". Mit der Herstellung der Telegraphenleitung von Spandau nach Potsdam ist in den letzten Tagen begonnen worden. Die Depeschen, welche von Spandau nach Potsdam und nach anderen in derselben Richtung liegenden Osten be- stimmt find, brauchen nicht mehr den Umweg über Berlin zu machen, wo sie nicht selten eine Verzögerung erlitten. Leider ist das diesjährige Stralauer Fischzugsfest nicht ohne jene Ausschreitungen verlaufen, durch welche sich leider bei gewissen Berliner Elementen der höchste Grad der festlichen Stimmung dokumentirt. Eine schwere Verletzung wurde am Montag Abend gegen neun Uhr einer Frau zugc« welcher John sich in ihrer Nähe befand, Höste er nicht ein einziges Mal Weatheston's Namen nennen. Dagegen ver- handelten sie eifrig über einen Knaben, von welchem John aber nichts wußte, und daher auch das Erlauschte in keine Beziehung mit Weatheston oder dessen Plänen zu bringen vermochte. In dem Augenblick, in welchem fie um die Ecke bogen und den daselbst verborgenen Delaware« fast streiften, hatte der kleinere von Beiden das Wost ergriffen. „Ihr haltet es also für rathsam, den Knaben nach Fort Utah zu senden?" fragte er mit zweifelndem Ausdruck. „Ganz gewiß," antwortete der andere mit Entschieden« heit,„es ist nothwendig, eben so wohl des Mädchen« wegen, als auch— nun, Ihr wißt ja, Weiber denken ander« als Männer, und einer Mutter ist nicht zu verargen, wenn sie sich nach ihrem Kinde sehnt." „Bruder Elliot," antwortete Holmsten,„habt Ihr be- dacht, daß ein einziges unvorsichtiges Wort von Euch oder von Eurer Gattin unsere Pläne scheitern machen kann?" „Es wäre möglich," entgegnete Elliot,„aber daß es nicht geschehen wird, dafür stehe ich ein. In meinem Hause wissen nur die Mutter und ich um das Kind; selbst meine zweite Frau hat noch keine Ahnung davon, indem ich sie erst in mein Haus nahm, nachdem unser Vertrag schon seit Mo- naten bestanden hatte—" »Aber die übrigen Bewohner des Forts?" unterbrach Holmsten seinen Gefähsten. "Die übrigen Bewohner des Forts?" fragte Elliot gestng- schätzig zurück,„o, die wissen, daß meine erste Frau die Mutter von Zwillingen wurde. Außerdem wissen sie aber auch, daß ein« der beiden Kinder, noch kein volle« Jahr all, auf einer Reise, welche ich, nur begleitet von Weib und Kind, hierher unternahm, starb und auf dem Ufer des Jordans begraben u>urde; ferner, daß meine Frau dann Euer Kind, welches von Indianern aus dem Sandsturm gerettet und Euch ge- rade zu seiner Zeit zurückgebracht worden war, zu sich nahm, um es vorläufig zu pflegen und zu erziehen. (Fortsetzung folgt.) ,t, die sich mit ihrem Manne auf dem Heimwege von Stralau .. /and. Eine Schaar junger„antmirt«'' Burschen trennte daS Ehepaar mit kräftigem Anlauf, wobei die Frau so' ________________. gegen einen Älleebaum geschleudert wurde, daß fie stark im Geficht blutete. Ihrem Manne wurde, als er sich gegen die Stören- friede wendete, von anderer Seite der Zylinderhut so aufae- trieben, daß auch er momentan wehrlos war und die Angrerfer entkommen lasten mußte. Etwas später wurde am Schlefischen Thor eine größere Schlägerei durch die Brutalität eines Mannes, der einer Frau mit dem Regenschirm ohne Veran- lastung in's Geficht geschlagen hatte, hervorgerofen, jedoch durch das energische Eingreifen eines berittenen Schutzmannes bald beendet. Ueber einen recht peinlichen Vorfall, bei welchem ein Geistlicher eine unliebsame Rolle spielt, wird dem„B. B. C." gemeldet: Die Bewohner der Auguststraße in Nowawes wurden am Freitag durch eine Jagd, welche der Ortsgeistliche, Pre- diger Koller, auf ein Sckulmädchen machte, in nicht geringe Aufregung versetzt. Die Veranlastung dazu soll folgende ge» wesen fern: Die in der Auguststraße wohnenden Arbeiter Hede'schen Eheleute haben eine Tochter, welche zu Michaelis konfirmirt werden soll, außerdem aber noch kleinere Kinder, welche der Beaufsichtigung und Wartung bedürfen. Um außer dem Hause arbeiten zu können, und da das Mädchen bereits vierzehn Jahre alt ,st, schickten die Eltem dasselbe nach den Hundstagsferien nicht mehr zur Schule. Nach acht Tagen kam der Amtsdicner und forderte die Eltern auf, das Kmd wieder zur Schule zu schicken, welcher Aufforderung sofort nach« gekommen wurde. Auf dem Schulflur wurde das Mädchen aber schon von der Lehrerin, Fräulein v. Sabatzky, erwartet, mit in die Klasse genommen und dort mit einem Rohrstock gezüchtigt. Die Züchtigung muß aber etwas hart ausgefallen sein, denn auf Veranlassung der Eltern stellte Herr Dr. Graf ein Attest aus, daß das Kind blut« künftig geschlagen und dadurch ernste Folgen für die Gesund- beit desselben nicht ausgeschlossen seien. Da nach Anficht der Eltern ihre Tochter nun der Schonung bedurfte, schickten sie dieselbe wieder nicht zur Schule, gingen beide ihrer Arbeit nach und gaben dem Mädchen die Anweisung, die Stubenthür stets verschlossen zu halten. Am Freitag erschien nun Herr Prediger Koller, verlangte Einlaß und ließ, als er ihm nicht gewährt wurde, sein Verlangen durch eine in demselben Hause wohnende Frau Caspar wiederholen. Aber erst als er drohte, die Thür gewaltsam öffnen zu lassen, erhielt er Einlaß. Ob- gleich das Mädchen nur der Anweisung ihrer Eltern nach- ! gekommen war, mußte eine solche Resvettwidrigkeit stteng be« traft werden. Zuerst mußte Frau Caspar ihr die kleine Schwester, welche ihrer Obhut anvertraut war, abnehmen, dann gab es Ohrfeigen, welche etwas derb gewesen sein müssen, denn noch vorgestem wollte das Kind auf dem einen Ohr nicht hören können, hierauf wurde das Kind im Genick gepackt und die Treppe hinunter expedirt. Auf der untersten Stufe ge- lang es ihr aber, sich den Händen des gesttengen Herrn Predigers zu entwinden und das Weite zu gewinnen, um ihren Eltern von dem Vorgefallenen Mittherlung zu machen. So leicht wollte aber der Herr Geistliche das Mädchen nicht fahren lassen. Er drückte den Hut in den Nacken und rannte dem Mädchen nach, hätte es aber schwerlich wieder er- griffen, wenn dasselbe nicht bei der Ludwigsaasse zu Falle ge- kommen wäre. Nachdem Herr Koller das Kind wieder dingfest gemacht, transportirte er dasselbe nach der Schule und übergab es an Fräulein Sabatzky. Den Eltern, welche von dem Vor- fall durch Bewohner der Auguststraße in Kcnntniß gesetzt waren, wurde die Herausgabe ihrer Tochter verweigert, weil Herr Koller, wohl als Schulinspektor, bestimmt hatte, dieselbe solle bis am Abend eingesperrt bleiben. Der Herr Amtsvorsteher, an welchen sich der Vater wandte, erklärte, nicht einschreiten zu können; als sich aber ein Lehrer zu Herrn Koller begab, wurde das Mädchen entlassen, befindet sich aber seitdem, wohl infolge der Aufregung, krank. Anzeige von dem Vorfall ist sowohl der vorgesetzten Behörde, wie dem Amtsvorsteher gemacht worden. Es wird sich ja also bald ergeben, ob es zu den Be- fugnisscn eines Seelsorgers gehört, in fremde Wohnungen ein- zudringen, schulpflichtige Mädchen zu ohrfeigen und dieselben mit Gewalt nach dem Schulgebäude zu schleifen. g. Die Landleute. weiche die heutigen Wochenmärkte auf dem Dönhossplatz und dem Gendarmenmarkt bezogen, waren bereits zum Theil mit Pelzen bekleidet, ein Beweis, daß die Nächte in der Umgebung Berlins recht kalt sein müssen. In Berlin selbst sieht man am Morgen ebenfalls schon winterliche Kleidungen in Gestalt von dicken Stoffmänteln, welche vielleicht noch einmal auf kurze Zeit durch den uns noch bevorstehenden sog. allen Weibersommer verdrängt werden. g. Ueber einen bedauerlichen Unglücksfall, von welchem der in der Möckemstr. 138 wohnende Schlächtermeister und Hauseigenthümer Geyer betroffen worden ist, wird uns erst heute folgende Mittheiluna gemacht. Geyer erhielt am ver- gangenen Mittwoch den Besuch eines seiner Bekannten, des Schneidermeisters Wilh. B. aus Trebbin, den er einlud, mit ihm nach Äariendorf zu fahren. Beide bestiegen ein Break, vor welchem ein muthiges, vierjähriges Pferd gespannt war. Auf der Chaussee nach Tempelhof, welche neu chausfirt wird, wurde das Pferd plötzlich scheu, ging im rasenden Galopp durch und rannte mit solcher Gewalt gegen einen Haufen aufgestapelter Steine, daß beide Insassen vom Wagen geschleudert wurden. Die Stränge des Pferdes zerrissen und dieses galoppirte nach Berlin zurück. Während B. ohne besondere Verletzungen davon gekommen, war Geyer so unglücklich mit dem Hinterkopf auf den Steinhaufen gestürzt, daß er regungslos aus der Erde liegen blieb. B. eilte nun sofort nach dem Militärlazareth in Tempelhof, wo sich auch zugleich ein Stabsarzt zur Hilfe- leistung bereit fand. Nachdem derselbe eine erhebliche Ver- letzung des Schädelknochens konstatirt, wurde Gcner. nach seiner Wohnung überführt, woselbst er sich heute noch in sorgfältiger ärztlicher Behandlung befindet. Das Pferd wurde in der Möckernstraße aufgefangen. g. Der Beerdigung des Lehrers Bliffe von der Louisenstädtischen höheren Töchterschule, dessen Leben auf eine so schreckliche Weise beendet wurde, werden zahlreiche Ver- treter hiefiger höherer Schulen beiwohnen. Bliffe war ein tüchtiger Lehrer und erfreute fich allsertraer Belredthert. Wre wir von einem nahen Verwandten des Verstorvenen erfahren, war B. ein leidenschaftlicher Jäger und auch ein guter Schütze, und diesem Vergnügen konnte er um so mehr nachgehen, als sein Vater, welcher Lehrer in dem 4 Meilen von Berlin ent- kernten Eichstädt, an der Nordbahn belegen, ist, eine größere tagd gepachtet hat. An jedem Sonnabend Nachmittag pflegte lisse mit seinen beiden Kindern, einem 8 jährigen Knaben und einem 5 Jahre alten Mädchen, zu seinen hochbetagten Eltern nach Eichstädt zu fahren, um am Sonntag mit vem Jagdgewehr Wald und Flur zu durchstreifen- So auch am vergangenen Sonntag, wo er auf die bereits mitgethcilte Weise seinen Tod fand. Man kann fich den großen Schrecken des in den 60er Jahren befindlichen alten Vaters und der Mutter denken, als ihnen die Mittheilung von dem traurigen Enve ihres Sohnes gemacht wurde, der sie heiter und guter Dinge verlassm hatte. r. Gefälschtes Gewürz. Bei den amtlichen Unter- suchungen nach gefälschten Nahrungs- und Ganußmitteln, die auf polizeiliche Anordnung vorgenommen werden, hat fich auch eine Verfälschung des von den Kauflenten als„Gewürz" ver- kauften Produftes herausgestellt. Es find Fälle ermittelt worden, wo ein ganz erheblicher Bestandtheil getrockneter Hage- Hutten dem Gewürz beigemischt war, und ist diese Fälschung höchst wahrscheinlich von den Erwro�Handlern ausgegangen. aeaen welche sich das wertere Ermittelungsverfahren nchtet. -zwar ist die Beimischung getrockneter Hagebutten nicht gerade gesundheitsschädlich, dagegen besitzen diese dem Gewürz gegen- über einen ganz erheblichen Minderwerth und da Hagebutten für manchen wenig appetillich sein dürften, so liegt hier eine ganz ähnliche Verfälschungsmethode vor, wie bei Verwendung von Pferdefleisch zur Zervelatwurst. Für scharfsinnige Juristen würde fich nun ein ungemein interessanter Rechtsfall konstruiren lassen, wenn etwa ein Wurstsälscher zu seinen Würsten außer dem Pferdefleisch auch noch Hagebutten- Gewürz ver- wendet hätte. Die Louisenstädtische Oper unter Direktion Firmans eröffnet am Sonnabend(29. d.) mit Verdi's„Troubadur", der bekanntlich ein Vorführen von 4 ersten Kräften gestattet und einen ziemlich korrekten Maßstab zur Äeurtheilung der Leistungen bietet. Unter den engagirten Solisten und Solistinnen finden wir an dieser Kunststätte bereits bekannte und erprobte Namen; so die Tcnore v. Kaminski und Zimmermann, die dramatische Sängerin Fräulein Waibel. Von den Neuengagirtcn erwähnen wir die Damen Felsenmair, Schwärtze und Rosen, die Herren Polard, Lüder, Rückauf, Lettinget und Leitzen. Das gut be- setzte Orchester steht unter Leitung der Dirigenten R. Fischer und A. Schreiber. Soziales««d Arbeiterbemesung. Die Lohnkommisfion der Zimmerer macht bekannt, daß nachstehend verzeichnete 34 Zimmermeister rcsp. Arbeitgeber, welche Zimmerleute beschäftigen, bereits einen Minimallohn von über 4 MI.(4,25—4,50 Mk.) pro Tag an ihre Gesellen zahlen: F. A Hoffmann, Gneisenaustt., Zoche, Bülowstr., Schiller, Friedensstr.; Heppke, Belleallianceplatz; Naß, Pappelallee; Tetzlaff, Möckernstr.; Opitz, HagelSbergerstr.; Reuter, Haidestr.; Hctsch, Weidenwcg; Uebrich, Großgörschenstr.; Rogge, Weiden- weg: Altenroth, Strelitzerstr.; Paul Hübel, Zossenerstr-; Lehder, Pallrsadenstr.; C.Juna, Bellermannstt.; Hermann, Friesmstr.; Zimmermann, Alt- Moabit 89 90; Schneider, Reineckendorferstr.; Gosebruch, Ziegelstt.; Rickowski, Rheinsbcrgerstr.; Krause, Lützowstt.; Osten, Luisenufer; v. d. Heyden, Friedensstr.; Ziechmann, Göbenstr.; Gradehand, Lutherstr-; Eckert, Ritterstraße; Lukas, Wartenburgstr.; Igel, Engclufer; Architekt Rast, Ackerstr.; Zschunke, Friedrich Karl« und Alexanderufer; Hinze, Forsterstt.; Harz, Greifswalderstr. und Wuthe, Rixdorf. An die Kisten- und Koffermacher Berlins. Unter- zeichnete ersuchen alle Kollegen den Zuzug nach der Werkstatt des Herrn Schalling fernzuhalten, da derselbe willens ist, seine alten Arbeiter, welche versuchten den jetzigen Preistarif auf- recht zu erkalten, zu entlassen und durch neue zu ersetzen.— Herr Schalling war es, der seinerzeit den Zuzug von Kisten- und Koffermachcrn auS Leipzig veranlagte und dadurch zur Ueberfüllung deS hiesigen Arveitsmarkts beitrug. Wahrmann. Leichnitz. „Schutz der nationalen Arbeit"— so lautete die Pa- role bei allen Zollerhöhungen und besonders bei denen, die der Eisenindustrie angeblich zu Gute kommen sollten. Wir be- stteiten gar nicht, daß verschiedene Großindusttielle ihr Schäfchen dabei geschoren haben; aber anständig waren sie dabei auch nicht einmal, weil fie nicht ein einziges Flöckchen Wolle an ihre Arbeiter abgaben. Und die Eisenindustrie als solche hat fich in Deutschland dabei nicht gehoben. Die clsaß-lothnngcr Eisenbahnverwaltung ficht fich nämlich in der Lage, ihre Wagen im Auslande zu bestellen. So war neulich in Straßburg die; Lieferung von 37 Personen- und 8 Gepäckwagen ausgeschrieben den Zuschlag erhielt eine schweizer Fabrik, die für den Personen- wagen nur 5635, für den Gepäckwagen nur 3640 Mk. forderte, während die billigste deutsche Offerte 6900 Mk. und resp. 4800 Mk. betrug. Die Ersparniß beziffert sich also bei dieser einen Submission auf 56 085 Mk.— Wo der Unterschied im Preise derart groß ist, da kann man gewiß nicht die Äahnverwaltung tadeln, daß sie die deutschen Fabriken umgangen hat. In der Schweiz aber find die Arbeitskräfte nicht billiger als in Deutsch- land und auch wohl das Rohmaterial nicht. Woher kommen denn diese gewaltigen Preisunterschiede? Der deutsche Fabri« kant richtet fich noch immer nach der Phrase:„Der Staat kanns bezahlen" und stellt dabei Forderungen, die nicht erfüll- bar find. Undankbar ist derselbe noch dabei gegen den Staat, der ihm durch Schutzzölle ein großes Geschenk gemacht hat. Man steht aber an diesem Beisprel, was es mit dem„Segen der Schutzzölle" und dem„Schutz der nationalen Arbeit" auf fich hat. Arbeitsmangel ist nicht nur bei den Lohnarbeitern vorhanden, sondern auch bei den Handwerkern und sonstigen kleinen Leuten. So meldeten fich zu einer erledigten Küster- stelle in Halle 80 Bewerber, meist Handwerker, Militäran- wärter und nur einige Lohnarbeiter. Aber auch in den „studirten Kreisen" fehlt es an Arbeit. So bewarben sich in Chemnitz um eine an der Handelsschule ausgeschriebene Lehrer« stelle nicht weniger als 109 Kandidaten des höheren Schul- amts! Ueberfüllt find alle Branchen, genügende Arbeitsge- legenheit ist nirgends vorhanden— das sind in der That trostlose Zustände. § Solingen, 25. August. Der Jahresbericht der Han- delskammer des Kreises Solingen, welcher dieser Tage zur Ver- tbeilung gelangte, sagt über die Geschäftslage folgenves: Die allgemeine Ruye, welche im Jahre 1884, besonders in seiner zweiten Hälfte, sich in vielen Branchen des Erportgeschäfts gel- tend machte, hat auf unfern, für den Absatz seiner Artikel zum großen Theil auf das Ausland angewiesenen Bezirk auch ihren schädigenden Einfluß gehabt, weshalb wir außer Stande sind, von emer besonderen Besserung der geschäftlichen Verhältnisse sprechen zu können. Die uns von Sellen so vieler Fabrikanten zu Ohren kommenden Klagen dürsten aber nicht allein dem stillen Geschäftsgang beigemessen werden, sondern theilweise wird der Grund auch in der hierorts stets zunehmenden Kon- kurrenz zu suchen sein, welche, um einen Theil des zu decken- den, fich aber nicht in gleichem Maße steigernden Bedarfes an fich zu ziehen, vielfach zu sehr reduzirten Preisen verkauft; dann aber ist, Dank mancher verbesserter Fabrikationseinrichtung, in den letzten Jahren auch die Produftionsfähigkeit erheblich ge- stiegen, was den Mangel an Bestellungen allerdings doppelt füblbar macht. In den geschlossenen Etablissements wurde während der Berichtsperiode fast allerwärts ruhig weiter gear- bettet, und wenn auch in der Hausindustrie einzelne Leute zeitweise ohne Beschäftigung gewesen sind, so war der Arbeits- mangel doch nicht der Art, daß die öffentliche Mildthäligkeit in höherem Grade hätte in Anspruch genommen werden müssen, wie dies in den früheren Jahren der Fall gewesen. Im Ganzen und Großen find, wie schon gesagt, die Resultate allerdings nicht als günstig zu bezeichnen, und von den ver- schiedenartigsten bei uns vertretenen Industrien werden nur wenige sein, die nicht auf bessere pekuniäre Eigcbnisse gehofft hätten. Wir geben auch zu, daß die bei fast allen Fabrikanten und Händlern zum Ausdruck kommende Unzufriedenheit ihre Berechtigung hat; der Verdienst stand nämlich nicht im rich- tigen Verhältniß zu der aufgewandten Arbeitskraft, dem ange- legten Kapital und dem gehabten Risiko. Einen Blick auf unsere Absatzgebiete werfend, können wir zuerst konstatiren, daß das Geschäft in unserem Vaterland während der ersten echs Monate durch die günstigen Ernte-Ausfichten ziemlich be- lebt war; später trat aber ein Stillstand ein, der bis zum Schlüsse des Jahres anhielt. Die hohen Zölle, durch welche sich Frankreich, Oesterreich und Rußland gegen das Ausland abschließen, haben einen fortwährenden Rückgang unserer Be- ziehungen zu diesen Ländern für viele Artikel bewirkt.— Italien hat durch die lang anhaltenden Epidemien etwas an .Kaufkraft verloren, dann aber trägt auch die nicht zu unter- chäyende einheimische Industrie vrel zu vem langsamen Ge- chästsgange bei.— Trotzdem, daß Spanien unter dem Ein- luß der Cholera, der Ueberschwemmungen und des Eidbebens zu leiden hatte, konnte man mit den geschäftlichen Resultaten daselbst doch durchweg zufrieden sein.— England kauft- den meisten Artikeln weniger wie in den Vorjahren.- Bedarf in der Türkei, in Belgien und Holland, in Schweden und der Schweiz konnte als ziemlich normal sehen werden. Fast allerwärts wird das Geschäft aber» schwert; mit Anfang dieses JahreS trat sogar in« Schweiz ein Tarif ,n Kraft, nach welchem verscb««» unserer Artikel bedeutend höher verzollt werden, k z.B. Waffen zu Fr. 50,— anstatt zu Fr. 30,—, Waffenschmt» waaren zu Fr. 40,—, während der frühere Satz nur Fr. war.— Der in den letzten Jahren in Griechenland sehr auV blühte Handel lag in Folge der verregneten Korinthen � und des eingeführten Zwangskurses so darnieder, W" Reisenden es gerathcn hielten, ihre Touren abzukürzen.— W" Absatz nach den Vereinigten Staaten hat leider nicht an«? zugenommen, und die Erwartungen, welche man für die uachl« Zeit auf dieses, für unsere Artikel so überaus bedeutendes.�« setzt, werden kaum in Erfüllung gehen. Trotzdem ist aber n' freulich, das fich das deutsche Geschäft dorthin im Allgem-i»� gehoben hat. Nach den Konsulats-Ausweisen ist der V-wm aus den Bezirken: Barmen um Mark 219 912.21, Elbens um Mark 775 982,10, Düsseldorf um Mark 717,40 gegen# gestiegen. Die Verhältnisse in Süd- und Mittel- Amerika,° West-Jndien und Mexiko ließen durchgehends viel zu wünW übrig. Wenngleich die Ursachen des trostlosen GeschäflsgaH� in den einzelnen Ländern verschieden sind, so muß man doch in erster Linie fast überall auf die Entwerthung# f rodufte zurückführen.— Das Geschäft nach China ist in w# rzeugnissen, abgesehen von Waffen, ganz untergeordneter?!� — Nach Indien war, bei den schlechten Preisen der M produfte, das Geschäft hauptsächlich in der zweiten Hälft- JahreS sehr still, auch übte die Krisis auf Java einen werff- schädigenden Einfluß aus.— Wenn wir über das Berichs hinaus von der augenblicklichen wirthschaftlichen Lage spr-®? wollen, so müssen wir leider konstatiren, daß eine ganj� hebliche Verschlechterung aller geschäftlichen Verhältnisse(W treten ist und daß die von fast allerwärts einlaufenden richte recht ungünstig lauten und nur geringe Hoffnung eine baldige Besserung geben.. ,M Statistik über die Mineralöl- und Paraffin-Fabn'® der Provinz Sachsen. Die Zeitschrift für die Par°W Mineralöl- und Braunkohlen- Industrie giebt folgende o? sammenstellung: Von elf Mineralöl- und Paraffin- F®f??. der Provinz Sachsen wurden im Jahre 1883 verarbei»� 55 016 691 Kg. Theer, verbraucht 2 487 968 Hektol. Kohle, p" duzirt 49 586 203 Kg., angekauft 5430488 Kg., beschäftigt-® beiter 1178, einschließlich Familienmitglieder 3875; ungestU Anlagekapital 5 779 WO M. Diese Zahlen stellten fich P™»7 wie folgt: Verarbeitet Theer 56 375 859 Kg.. Kohle 2 500 400% produzirt 48929 822 Kg., angekauft 7 446 037 Kg.. Zahl% schäftigten Arbeiter 1342, ernschl. Familie 4354; ungesti, Anlage- Kapital 6 289 000 M.- Hier finden wir einmal eine Fabrikation, von welcher eine kleine Steig--� zu berichten ist.„ In Oldham haben einzelne Arbeiter fich mit der% reduktion von 10 Prozent einverstanden erklärt. es im Verhältniß zu den Streikenden nur eine ganz Zahl ist, so ist doch der Eindruck ein ungünstiger; es erste Bresche in die fest zusammenstehenden Aroeitermassen K schössen worden.— Die Kettenschmiede in Staffordsbire'' Worcestershire, zirka 4000 haben beschlossen, behufS L eines LohnzufchlagS von 20 Prozent die Arbeit ni-d-� legen. Ueber die Lage der englischen Textilindustrie, m», ja auch der Oldhamer Etteik zusammenhängt, wird ßeia�rL, Obwohl hinfichtlich ihrer Kapitalmacht und der ausgedehN'N Absatzbeziehungen viel günstiger fituirt, alS die deutsch-*1, kurrenz, klagen die englischen Spinnereien doch schon se»% reren Jahren über unablässigen Rückgang deS inländisch-/' satzeS wie des Exports und es giebt zahlreiche Fabriken, heute mit kaum nennenSwerthem Gewinn oder ganl solchen arbeiten. AuS Anlaß deS gegenwärtig in der ensil" Baumwollenspinnerei herrschenden Streiks sind Ermittel� über die Ergebnisse der Oldhamer Spinnereien im l.®e, jJ» 1885 angestellt worden, aus denen hervorgeht, 80 Spinnereien im vergangenen Halbjahr 19 keine Dn»� zs gezahlt haben. Der Streik der Spinner erstreckt W dieser Etablissements, wovon 7 ohne Gewinn gearbeitet ividende von 5'/, pCt. erzielt übrigen eine Turchschnittsdividende Unter diesen Verhältnissen dürfte es den Arbeitern nicht � die Lojnermäßigung von 10 Prozent rückga>M mmmmm.. a In Föurmies hat eine Versammlung �0 die'Ä werden, machen. Betriebs- Einschränkung französischer KammS Spinnereien. In Fourmies hat eine Versammlung i""™ sicher Kammgarnspinner stattgefunden, welche über Spindeln verfügten. Dieselben pflichteten dem früh-r-n�j, schluß von 35 Fabriken bei und werden fortab einen Tag in der Woche einstellen. Vereine und Versammlung�, Gegen die polizeiliche Auflösung der Wählerversammlung, welche am Sonntag, den in GratweisiS Bierhallen, Kommandantenstraße 77— 7o.�» hatte sich der Vorsitzende der Versammlung deschwerdel � an daS Kgl. Polizeipräfidium gewandt. Dem Besch n-rv �ß« wurde unterm 22. d. Ä- eröffnet, daß der Herr Polt�AD dcnt nicht in der Lage sei. der angebrachten Remom 0 Folge zu geben, da der Inhalt der in der Versammlung � die bevorstehenden Kommunalwahlen gehaltenen R- Kr- ungen hervortreten ließ, welche den überwach-"�? strebungen oervorrreren neu, wetlye oen uoenuuw--� amten zur Auflösung der Versammlung auf Grunv,. Utendes Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 durchaus Verbotene Vereinsversammlung. Die � des Bezirks vereinS der werkthättgen Bevölkerung sgersa-M'-gll im und 31. Kommunal, Wahlbezirk, welche am Dienstag in Eiemund'schcn Lokale, Linienstt. 8, stattfinden welcher ein Vortrag deS Herrn Francke über den R«. des Handwerks auf der Tagesordnung stand,-st des§ 9 deS Sozialistengesetzes verboten worden- D-�r® Verantwortlicher Redakteur N. Tronhei« in verlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin 8W„ Beuthstraße 3. Z'tz des§ 9 deS Sozialistengesetzes verboten worden- 6' Vereinsvcrsammlung findet am Dienstag, den 1- demselben Lokale statt. Die Interessenten deS V. R Wahlkreises machen wir auf die in unserer heutig-" befindliche Annonze aufmerksam.„.».»ichsb-s? Der Arbeiterverein„Hoffnung" in Friedr'--� tagte am Eonnabend, den 22. August im Lokale � A Neumann, Gürtel 41. Herr Dr. Lütgenau refenr« � ir gemeinem Beifall über„Deutsche Kolonialpositu•„»m hervor, daß, obwohl Deutschland einen bevorzugten � den zivisisirten Staaten einnehme, es mit der„Kol � u* im Vergleich zu andern Staaten, z. B. England, zurück sei, indem die überseeischen bestkultivirten. jn vm bereits lange im Befitze anderer Staaten seien und o"L xr" von Deutschland beschlagnahmten Ländern überhaup„„sjtfjj Eintheilung der Arbeit wie der W-rthe sich., Mtirfa�i- deutschen Kolonialpolitiker sollten hierauf>h-- aiiWfy dann hatten ihre ärmeren Landsleute nicht noth-g� dem und so dem Vaterlande eine bedeutende~i,cÜt> werthe Arbeitskraft zu entziehen. Im zweiten Jp Ära der Thätigkeit vorhanden sei, um Verbesserungen�� Hier,« ein« m Min» IWfobWI. Ar. 199. Donnerstag, den 37. August 1883. II. Jahrg. d icntifl!»® rf '5 -Z 5n Rückgnuz iits Dwlslhthii» Es ist ein melkwllrdiges, wenn auch nichts weniger als �wurderliches Zusammentreffen, daß grabt jetzt, wo der Chau- *Msmus fich so breit macht und das Märchen vor der unver« Weichlichen Giöße und Macht Deutschlands uns Tag für Tag Wu» Frühstück, Mittagsessen und Abendessen aufgetischt wird, *®n allen Seiten Jeremiaden über den„Rückgang' des Deutsch- chums" ertönen, und leider nicht ohne Grund. Mit der trau- Lage, in die das„deutsche Element" in Oesterreich ge- %n ist, haben wir uns schon früher beschäftigt. Allein der "Rückgang" beschränkt fich nicht blos auf Oesterreich: er findet überall stalt, wo außerhalb des gegenwärtigen Reichsgebiets putsche einst die herrschende Rasse bildeten. Unter der Überschrift:„Die russischen Ostseeprovinzcn" ging jüngst nach- whender Artikel durch die nationalliberale Presse: .„Wer wollte es leugnen, der Slawismus ist gegenwärtig «lsteich aus der ganzen Linie. Da fich diese Erickemung nicht Min auf Oesterreich beschränkt, wo man fie ausschließlich auf b>e innere Politik der dortigen Regierung zurückfübren will, ■o wird man gut thun, außerhalb der politischen Tagesströ- Hungen und Parteileidenschaften nach den Ursachen dieser Er« fweinung zu forschen, die, abgesehen von Oesterreich, auch in «"dem zu Tage tritt, die bisher noch vorwiegend einen Mischen Charakter getragen haben. Da find vor Allem die russischen Ostsceprovinzen, wo das �eutschthum von?sahr zu Jahr an Boden verliert, und, Bjtade wie in Oesterreich, dem unaufhaltsam vorrückenden «lawenthume weichen muß. Die Erklärung dieser Erschei- """g liegt in den beiden genannten Staaten nahe genug, P*nn nran fich eben vor den Thatsachen die Augen nicht ver- 'Vließen will. . Jene wurzelt vor Allem in der unser Jahrhundert beHerr- 'wenden nationalen Idee, welche auch die versch ebenen sla- Wen Völker erfüllt und zwar weitaus lebhafter und nach- Vcklichcr als die deutschen Stämme, mit denen bisher die Slawen denselben Boden bewohnt haben. Ueberdies ist so- PM in den russischen Ostseeprovinzcn als auch in Oesterreich M Zahlenverhältniß der Slawen den Deutschen gegenüber ein »ttadezu erdrückendes, was also Jenen den Kampf wesentlich Michtert. und seinen schlicßlichen Ausgang kaum zweifelhaft '""cht. Das Deutschthum der Lstseeprovinzen beschränkt sich 5«r auf einen schmalen Küstenstreif, hinter dem fast unmittelbar ?°s weitgedehnte lettisch-esthnische Vinterland beginnt, ja emer M geistigen und kulturellen Mittelpunkte des dortigen Deutsch- Ws. die alte Universitätsstadt Dorpat, liegt bereits, gleich W Insel, in diesem Hinterlande und hat fich deshalb fort- Mrend der anprallenden Hochfluth des dem Dcutschthume Endlichen, von der russischen Regierung unterstützten nationalen dementes zu erwehren.. �,.... > In äbnlicher Weise, wenn auch nrcht ganz so schlrmm wre ? den Ostseeprovinzen, verhält es fich mrt dem Dcutschthum Z, Oesterreich. Auch da ist dieselbe im Verhältniß zum �wwenthum nur schwach vertreten, ja ganze deutsche sprach- Pbwte sind mit ihren Städten und größeren Ortschaften von slawischen Landbevölkerung eingeschlossen, welche ihre natio- PI" Agitation mit'großem Nachdrucke betreibt und in Folge !"sen schon eine ganze Reihe Erfolge errungen hat, die fich Um mehr rückgängig machen lassen. Das bezieht sich nament' T auf Böhmen, die Südsteiermark, Krain. Jstrien und das bNatische Küstenland, wo trotz eines tbeilweife lebhaften «"wpfes seitens der Deutschen, wie in Böhmen, das Deutsch- �"n im Rückgange begriffen ist. Dieselbe Erscheinung tritt noch K auf Böhmers, die Südsteiermark, Krain, Jstrien und das ?Natische Küstenland, wo trotz eines tbeilweife lebhaften Kampfes seitens der Deutschen, wie in Böhmen, das Deutsch- im Rückgänge begriffen ist.,. v Dieselbe Erscheinung tritt noch rn einem dntten Lande, m M Schweiz, hervor. Dort ist aber.die Ursache erne wesentlich Mere als in den Ostseeprovinzen und in Oesterreich.>zn der Schweiz giebt es keine nationale Agitation und deshalb auch N"en Nationalitätenkampf; die drei in der Schweiz vertretenen Ratronen: Deutsche, Franzosen und Italiener, vertragen fich Umehr ganz friedlich. Aber dennoch geht auch rn der Schwerz s Deutichthum fortwährend zurück, wie dies seit Jahren rm Wichen Wege statistisch festgef.cllt wird. Da dort, wre gesagt, r." nationaler Kampf existirt, so vollzieht sich der Ruckgang Deutschthums in völlig friedlicher Werse. Dre alleinige Mrche dieser Erscheinung liegt, wie es in der Schweiz genug- 2 bekannt ist. in der Thatsache. daß der allerdings unschöne M r°uhe deutsch-schweizerische Dialekt, welcher m allen Ge- Mastskreisen üblich ist. fich der französischen Schnstfprache "üenüber nicht zu halten vermag. So dringt also das iW Die Tiizriidril lind die Laster. Ein Märchen. Von M. E. Salyzkow(Schtschedrin). (Nordische Rundschau.) Die Tugenden und die Laster standen sich seit Menschen- �ken feindlich gegenüber. Die Laster lebten lustig und 'Mbten alles mit vieler Gewandtheit; die Tugenden lebten V- doch wurden sie in allen Fibeln und Lehrbüchern l««?"kpiel angeführt. Im Herzen wünschten sie aber auch Ij®1" die Laster zu prosperiren! Und, offen gestanden, ge- � ihnen auch manchmal im stillen. 2«»'»»»»»'»-» Tug-»d-» :: W«; unb Silberstoffen durch die weite Welt. Dre Tugenden Ru»„{n"s nicht einholen und ärgerten sich darüber.„Schon Klj'"ersetzten sie,„spiele nur den Stutzer, Unverschämter. den ,,Wden auch im bloßen Hemde von allen geachtet wer- W., Die Laster antworteten ihnen hierauf.„Nun, serd % geachtet in Gottes Namen!" iftRf„i0'chen Spott wollten sich die Tugenden nicht gefallen Wssez.- ünd begannen die Laster an allen Kreuzwegen herab- Miif?' Sie traten im bloßen Hemde auf die Straße und die Vorübergehenden:„Nicht wahr, ihr ehrlichen ÜW habt uns auch im Hemde lieb?" Worauf die Vor- schw-n» zur Antwort gaben:„Was sich diese Kaffee- ""S jeßt vermehrt haben! Geht mit Gott und haltet "'cht auf!" >di...Die Tugenden versuchten auch die Polizei um ihre Mit- �"nzugehen:„Was steht ihr da und gafft? Ihr Publikum verkommen; ehe man sich» versieht, Aich�pft es in den Lastern!" Die Polizei aber rührte sich fuhr fort, den Lastern die Honneurs zu §nZ\®0 mußten denn die Tugenden unverrrchteter �"bzrehen, doch drohten sie in ihrem Zorn:„Wartet Franzöfische vom Südwesten des Landes unaufhaltsam nach dem Nordosten vor. Der einst ganz deutsch gewesene Kanton Freiburg ist heute fast vollständig französtrt, ja im ganzen Kanton kann sich nur mit Mühe ein einziges deutsches Blatt, die„Freiburger Zeitung", halten, während in der Stadt allein acht französische Zeitungen erscheinen. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse im Kanton Wallis; selbst im Kanton Bern macht das Französische immer größere Fortschritte, die überhaupt in der ganzen deutschen Schweiz noch wesentlich durch den Umstand erleichtert werden, daß dort jeder Ge- bildete neben seinem alemanischen Dialekt auch das Franzöfische spricht. Um nun wieder auf die Verhältnisse in den russischen Ostseeprovinzen zurückzukommen, so kann leider gleichfalls nicht geleugnet werden, daß auch dort das Deutschlhum keine Ausficht hat, dem Eindringen des russischen Wesens erfolgreich wider« stehen zu können. Wir haben bereits auf die sehr ungünstige örtliche Lage eines der bisherigen Hauptmittelpuntte der Deut- schen, der Univerfitätöstadt Dorpat, aufmerksam gemacht, eine Stadt, welche von allen Seiten dem esthnisch- lettischen Anstürme preisgegeben ist. Die Erfolge desselben find nicht zu verkennen, weil schon gcgcnwärlig der deu sche Charakter der Univerfität Dorpat, sowie das ii esen der Stadt eine fühlbare Einbuße er- litten hat. Von allen Seiten strömen esthnische, lettische und russische Studenten herbei, welche mit ihren deutschen Kollegen fortwährend in nationalem Kampfe liegen und im öffentlichen Verkehr, wenn fie auch der deutschen Sprache mächtig find, fich nur der russischen bedienen. Diese große Vernrehrung der russischen Studenten in Dorpat hat auch eme Menge Handels» und Geschäftsleute russischer Nationalität nach der Stadt ae- zogen, um doit die russischen Studenten, welche nur oei Nalionalrussen wohnen und bei solchen kaufen wollen, mit allem �Röthigen zu versehen. So kommt es, daß man gegenwärtig in den Straßen Dorpats die rusfischen Laute ebenso häufig, ja fast noch häufiger hört, als die deutschen, eine Wahrnehmung, die in früherer Zeit nur ganz vereinzelt gemacht werden konnte. Die russische Regierung und ihre Organe in den baltischen Provinzen begünstigen selbstverständlich dieses Vordringen des Ruffenthums, ja die Zeit dürste nicht mehr allzu fern liegen, in der die Dorpatcr Universität ihren deutschen Charatter ver- lieren wird. Auch das übrige Unterrichtswesen, welches unter der Leitung des Kurators des Dorpater Lehrbczirks, Staats- rath Kapustin, steht, wird immer mehr rusflfizirt. Der Anfang wurde mit den sogenannten, theilweise von der Regierung erhaltenen Kreisschülcn gemacht; in mehreren derselben ist, je nach ihrer örtlichen Lage, das Russische bereils als Unterrichts' spräche eingeführt worden, ja die russischen Lehrer gehen so rücksichtslos vor, daß sie Schülern deutscher Nationalität unter Androhung von Strafen den Gebrauch der deutschen Sprache selbst außerhalb der Schule, besonders an öffentlichen Orten, verbieten. Staatsrath Kapustin soll auch der Regierung einen Plan zur Russifizirung der 26 deutschen Gymnasien vorgelegt haben, wodurch gleichzeitig die Russifizirung der Dorpater Univerfität, die fich ja aus den Gymnasien ergänzt, beschleunigt werden soll. Mit einem Motte, das deutsche Untcrrichtswesen sowie das Deutschthum der Ostseeprovinzen überhaupt geht einer trostlosen Zukunft entgegen. An einen erfolgreichen Kampf gegen diese nationale Vergewaltigung ist kaum zu denken, weil ein solcher in einem so ausgeprägt absoluten Staate wie Ruß- land ohne die schwersten Gefahren für die Theilnehmer gar nicht möglich ist." Also schreiben— wir wiederholen es— nationalliberale Blätter. Rückgang des Deutschthums. wohin wir blicken! Daß die Deutschen in den Landstrecken, um welche es fich bandelt, meist in der Minorität find, erklätt die Thatsache des Rückganges nicht. In der Minderheit waren fie auch früher, und sie machten doch Fortschritte. Woher der plötzliche Wechsel? Ohne Zweifel hängt er mit der in Deutschland zur Herr- schaft gelangten Politik zusammen. Dieselbe hat nach zwei Richtungen hin r.achtheilig gewirkt. Einmal hat sie— was besonders von Oesterreich gilt— das deutsche Element direkt von seinem Rückhalt abgeschnitten, und es— wenigstens für längere Zeit— der Möglichkeit beraubt, den Kampf um's Da- sein mit anderen Nationalitäten ettolgreich zu führen. Ferner hat die Bismarck'sche Politik Deutschland im Aus- lande verhaßt gemacht, ohne der deutschen Nation ein erhöhtes moralisches und intellektuelles Gewicht zu geben. Man nur! ihr werdet schon für eure Thaten in die Bergwerke kommen!".„. Die Laster eilten unterdessen immer voraus und prahlten noch dazu.„Da habt ihr auch was Rechtes gefunden— uns mit den Bergwerken zu drohen! Ob wir dahin kommen, ist noch die Frage, ihr aber sitzt schon seit eurer Geburt bis an die Ohren dttn! Seht doch diese Böswilligen! Sie sind fast nur aus Haut und Knochen zusammengesetzt, aber ihre Augen blitzen! Ihnen wässert der Mund nach einem Kuchen, doch verstehen sie nicht, sich denselben zu ver- sch äffen i-» 220tt> die Zwietracht wuchs mit jedem Tage. Häufig kam es sogar zu öffentlichen Schlägereien, doch auch hier war Fortuna den Tugenden nie günstig. Die Laster besiegten dieselben und legten sie in Fesseln: So, jetzt ruhig, ihr Uebelthäter! Und da saßen sie denn, bis die Obrigkeit für sie eintrat und sie freiließ. Während einer dieser Schlägereien ging zufällig der dumme Peter an ihnen vorüber und sagte zu den Kämpfenden: „Ihr Thörichten! warum hadert ihr nur? Ursprüng- lich wart ihr ja beide„Eigenschaften"; es entstanden ja erst viel später auS der Einfalt und Verdorbenheit der Menschen die Tugenden und die Laster. Die einen wurden unterdrückt, den andern wurden keine Zügel angelegt— so verdarben die Räderchen an der Maschine, und es began- nen Zwiettacht, Hader und Trübsal in der Welt zu regieren. ... Ich will euch sagen, waS ihr zu thun habt: geht auf den Ursprung zurück— vielleicht einigt ihr euch in einem �Nachdem er so gesprochen, setzte er seinen Weg zum FiSkuS fort, um seine Abgaben einzuzahlen. Ob die Worte des dummen Peter auf die e-ttertenden einen Eindruck gemacht oder ob sie kein Pulver mehr auf der Pfanne hatten, ist schwer zu sagen, genug, sie zogen die Segel ein und wurden nachdenklich. Die Tugenden überlegten sich übrrgenS die Sache ernster weil ihnen der Magen vor Hunaer knurrte Die Laster dagegen gingen sofort, nachdem das Signal zum fürchtet das Deutsche Reich, aber man liebt und achtet die Deutscken nicht. Jedenfalls ist die Ausdehnungskrast(Expanstonskraft) de» Deutschthums eine weit geringere, als fie früher gewesen ist. Wir haben— leider!— aufgehört, moralische Eroberungen zu machen. Zum Glück find die Ursachen, welche den Rückgang herbei« gefühtt haben, vorübergehender Natur; sonst wäre der Rück« gang des Deutschthums gleichbedeutend mit Verfall des Deutschthums, und das Endergebniß der herrlichen„Wiederaufrichtung des Reiches" hieße: Finin Gerrnaniae. Daß es soweit nicht kommt, dafür ist jeder Deutsche ver- pflichtet, mit ganzer Kraft einzutteten. Wie er das kann? Ei. natürlich, indem er die Quellen des Nationaltodes ableitet. Politische Uebrrstcht. Die Frage der Beschäftigung der gewerblichen Ar- beiter an Sonn« und Festtagen wird mit der Ausfüllung und Beantwortung der Fragebogen seitens der Arbeitgeber und Arbeiter in ihrem Vorstadium ihre Erledigung noch nicht finden, sondern es sollen, wie verschiedene Blätter mittheilcn, neben diesen schriftlichen Kundgebungen auch noch anderweite mündliche Erklärungen der betreffenden Gewerbetreibenden pro« vozirt werden. Wie verlautet, sind die Spezialregierungen veranlaßt worden, in amtlichem Wege Versammlungen von Arbeitgebein und Arbeitern anzuberaumen, zu welchen die be- treffenden Interessenten bestimmter Kreise privatim und öffent- lich eingeladen werden sollen und in welchen unter Leitung eines amtlich beauftragten Kommissars darüber Erötterungcn zu pflegen sind: 1) in welchen Industrie- und Erwerbszwei- gen beziehungsweise in welchem Umfange in den einzelnen Zweigen eine Beschäftigung der Arbeiter an Sonn- und Fest- tagen stattfindet, 2) welche Gründe die Sonntagsarbeit veran« lassen, 3) welche Folgen ein Verbot derselben für die Arbeit- giber und Arbeiter haben würde, und 4) ob ein solches durch» führbar ist? Die Spezialregierungen sind beauftragt worden, mit Hilfe ihrer amtlichen Organe die Arbeitgeber und Arbeiter zur möglichst regen Tbeilnahme an diesen Versammlungen herbeizuziehen und damit die allscitigsten Interessen von Ge- werbetreibenden berücksichtigt weiden können, namentlich allen Unternehmern gewerblicher, sei es zur Goß- und Fabrik-In- dustrie, sei es zum Handelsgewerbe oder zum Handwerk ge- hörender Betriebe, sowie denjenigen in solchen beschäftiaten Arbeitern, welche ein Interesse an der Erötterung dieser Fra« gen haben und ein solches geltend machen wollen, die Thal- nähme an diesen Veisammlungen zu ermöglichen. Diese Ver- sammlungen werden etwa in der Mitte des Monats September stattfinden. Holland. Am Sonnabend Abend soll in Amsterdam eine Sozia« listen Demonsttation stattgefunden haben. Die„JndSpen« dance" berichtet darüber: Am Sonnabend fand der öffentliche Verkauf des Journal„Recht voor allen" statt. Die Eigen- thümer zogen lärmend durch die Straßen und allmälig wuchs die Zahl derer, die fich ihnen anschlössen, auf mehr als 3000 Pcisonen an. Unterwegs machten fie sich aus rothen Taschen- tüchern Fahnen und stimmten revolutionäre Lieder an. Die Polizei schritt nur einmal ein, als die Ruhestörer in einem Polizeibureau Fenster zertrümmerten, und trieb sie mit blanker Waffe auseinander. Da gegen Mitternacht ein heftiger Platzregen niederging, trennten fich die Tumultuanten schnell nach allen Seiten. So weit die„Jndep."- die Unruhen scheinen aber damit kein Ende genommen zu haben, denn am Montag hat die„Franks. Ztg." folgende Telegramme erhalten: Amsterdam, 24. August. 9 Uhr 29 Minuten. In Folge von Manifestationen von Sozialisten und Widerstand gegen die Polizei ist hier in den letzten Tagen eine Warnung seitens des Bürgermeisters angeschlagen, worin die Bürgerschaft zur Ruhe ermahnt wird. Amsterdam, 24, August, 12 Uhr. Die Stadt ist sehr un- ruhig. Eine singende Menge bewegt sich durch die Stadt. Viele Schaufenster find in den Slraßen eingeworfen worden; verschiedene Sozialisten wurden verhaftet und Kavallerie wurde aus Haarlenr requirirt. Diese Nachrichten find jedenfalls mit Vorficht aufzu« nehmen, da aus ihnen nicht ersichtlich ist, aus welchen Gründen der Tumult stattgefunden hat und anderseits bei solchen An« Rückzug gegeben, ihren früheren nichtswürdigen Geschäften nach und fingen an, herrlich und in Freuden zu leben. „Er hat gut von„Eigenschaften" reden"— hob als erste die Bescheidenheit an—„uns sind diese„Eigenschaften" eben so gut bekannt wie ihm! Einige von ihnen gehen in Sammt und Seide einher und speisen auS goldenen Gerüchen, andre sind in Lumpen gehüllt und sitzen tagelang ohne Essen. Der dumme Peter hat wenig Sorgen: er hat seinen Wanst mit Spreu gefüllt und hat recht daran gethan; uns kann man aber nicht hinters Licht führen— wir wissen, wo Bartel den Most holt." „Und was sind das für„Eigenschaften," die da plötz« lich aufgetaucht sind!" versetzte unruhig der Anstand.— „Liegt hier nicht ein Mißverständniß vor? Es hat von jeher Tugenden und Laster gegeben. Seit hunderttausend Jahren spricht man von ihnen und Tausende von Büchern sind dar- über geschrieben worden; nun kommt er plötzlich und wagt so ohne weiteres zu behaupten, daß es bloß„Eigenschaften" seien. Ja, versucht es doch, euch an diese Tausende von Büchern zu machen, dann werdet ihr sehen, was für dichter Staub herausfliegen wird!" Sie überlegten hin und her und gaben endlich ,u. daß der Anstand recht hatte. Seit wie viel tausend Jahren galten dre Tugenden für Tugenden und die Laster für Laster! Wie viel tausend Bucher find darüber geschrieben, welch eine Menge Papler und Tinte ist dazu verbraucht worden! Die Tuaenden haben nnmer- rechts gestanden, die Laster- links; und NUN sollte man plötzlich, den Worten des dummen Peter zu- folge, auf alles Verzicht leisten und sich bloß„Eigenschaften" nennen. �as wäre ja fast dasselbe, als wenn man sich seiner Standesehre entäußern und sich„Mensch" nennen sollte! Clnfach wäre es natürlich— sehr einfach, doch Dummheit ist oft schlimmer als Bosheit. Geht und versucht einmal, aus Dummheit etwas zu thun, da werdet ihr mit dem ersten Schritt in eine solche Unmasse von Schlingen gerathen, daß ihr auch euren Kopf leicht einbüßen könnt! Nein, von„Eigenschaften" kann nicht die Rede sein,' aber ein Kompromiß— oder auf gut Deutsch zu sagen, ein laffen die Geneigtheit nur zu sehr vorwiegt, die Sozialisten für Alles verantwortlich zu machen. — Der Groeninger Provinzial- Arbeiter> Verein richtete jüngst an die zweite Kammer eine Petition, in welcher ver- langt wird,„daß auch Kinder von Arbeitern mit guten An« lagen die Anstalten für den mittleren und höheren Unterricht besuchen können, und zwar in der Weise, daß ihnen nicht allein der Unterricht unentgeltlich ertheilt, sondern daß vom Staat auch für Kleidung, Nahrung und was sonst zum Studium nöthig ist, gesorgt werde." Großbritannien« Die gestrigen Londoner Morgenblätter haben lange Briefe über eine in Frankfurt a. M. erfolgte Arretirung englischer Touristen veröffentlicht. Das„Franks. Journal" meldet über den Vorfall folgendes: Am Freitag wurden von der hiefigen Kriminalpolizei ,m Cafö Kastno vier Herren und eine Dame, englischer Herkunft auf Grund auffallender Aebnlichkeit mit den Photographien und Signalement derjenigen Personen, welche wegen des Diebstahls bei der Hamburger Rcichsbank verfolgt werden und deren Spur nach Frankfurt wies, festgenommen. Die Entlaffung der Sistirten erfolgte jedoch noch am Abend desselben Tages, nachdem die sogleich angestellten Ermittelungen die völlige Unverdächtigkeit Aller ergeben hatte. Die Ver« hasteten waren, nach der„Franks. Ztg.", Major Charles Har- ding, Miß Harding, Mr. vi. G. Mover, Mr. William Wimble und Mr. Robert T. Wragg.— Letzterer hat in der„Morning Post" einen anderthalb Spalten langen Brief veröffentlicht, in welchem er die Frankfurter Polizei angreift. Er hat fich auch bei Lord Ealisbury und dem englischen Botschafter in Berlin, Sir Edward Malet, über die Bebandlung beklagt, welche ihm und den anderen Engländern zu Thcil geworden ist.— Die „Times" spricht ihr Bedauern über den Vorfall aus und hofft, die deutsche Regierung werde fich beeilen, zu beweisen, daß fie das Unrecht, welches den Engländern angethan worden ist, in rechter Weise beurtheile. Kokales. er. Verjüdelt nennt uns die„Staatsbürger Ztg.", weil wir von einer„definitiven Erklärung" des Blattes, daß der Drechsler Herr Müller nicht der Verfasser jenes bekannten Ar« tikels gewesen sei, bisher noch keine Notiz genommen hatten. Wir halten uns bei der bekannten Haltung der„Staatsbürger« ftg." nicht für verpflichtet,„definitive Erklärungen" des > lattes ohne Weiteres auf Treu und Glauben hinzunehmen. Wir hätten auch ohne die Anzapfungen der„Staatsbürger- Ztg." unseren Jrrthum, soweit ein solcher vorliegt, ganz offen eingestanden, wir wüßten wenigstens keinen Grund, weshalb wir dies nicht hätten thun sollen. Herr Müller ist, wie wir jetzt auch ohne die Hilfe der„Staatsbürger-Ztg." konstatiren können, thatsächlich nicht der Verfasser des bewußten Artikels. Wenn man aber die gewundene, höchst wahrscheinlich abstchtlich so zweideutig gehaltene Notiz der„Staatsb.-Ztg." am Schlüsse des Berichts über die Volksversammlung, welche über Herrn Müller entschied, liest und die anrüchigen Quellen kennt, aus welcher die„Staatsbürger-Ztg." ihre Mittheilungen schöpft, so lag die Vermuthung doch näher, als die„Staats- bürger-Ztg." zu glauben scheint, daß sie der Abwechselung halber auch einmal ein solches Bündniß eingegangen wäre. Was die „Staatsbürger-Ztg." im klebrigen von„unfläthigen Schimpfe» reien" unsererseits fabulirt, ist uns vollständig unerfindlich, fie wird doch nicht etwa glauben, daß man ein solches Blatt mit Glaceehandschuhen anfaßt? Im Uebrigen haben wir aber über« Haupt nicht geschimpft, die„Staatsb.-Ztg." scheint die Wahr- heiten, die wir ihr allerdings vorhalten inußten, für Beschim- pfungen zu halten. Es ist merkwürdig, daß sich die„Staats« bürger-Ztg." beleidigt fühlt, wenn ihr nachweislich wahre That- fachen gesagt werden. Uns soll es recht sein, es mag aber auch kem angenehmes Gefühl sein, wenn man fich solche Wahr« heiten sagen lassen muß. r. Mit unserem Leitungswasser werden zwar alle mög- lichen Experimente angestellt, um dessen Reinheit und Unschäd- lichkeit für den menschlichen Organismus zu erreichen, indeß müssen solche Bemühungen resultatlos bleiben, wenn nicht zu- gleich bei den einzelnen Röhren-Anlagen Maßnahmen zum Schutze der Gesundheit der Einwohner beobachtet werden. Schon seit längerer Zeit ist auf das Bedenkliche der Verwen« dung bleierner Leitungs-Äöhren hingewiesen worden, die be- kanntlich in großer Anzahl bei uns im Gebrauch find. Daß fich von dem weichen Metall dieser Röhren leicht kleine Be- standtheile loslösen und dem durchfließenden Wasser mittheilen, ist leicht begreiflich. Andererseits kann man als festgestellt an- nehmen, daß nur eine sehr geringe Beimischung von Blei im Wasser ohne Nachtheil für die Gesundheit ertragen werden kann, und zwar wird der höchste zuläsfige Bcstandtheil auf 0,7 Milligramm für einen Liter Wasser angenommen. Ange- stellte Versuche haben nun aber ergeben, daß nur bei schnell abfließendem Leitungswasser das erwähnte Quantum Blei nicht überschritten wird, während schon bei langsam aus dem Rohre fließendem Wasser, und mehr noch, wenn es länger als zwölf Stunden im Rohre still gestanden hat, sich erheblich größere Bleimengen vorfinden, so daß der Genuß solchen Wassers der Gesundheit entschieden nachtheilig ist. Es empfiehlt fich daher, Schelmenstück zu ersinnen— das wäre vernünftig. Ein Schelmenstück, das die Tugenden erheitern und auch den Lastern recht sein würde— da ei auch diesen letztern nicht immer nach Wunsch geht. So wurde z. B. kürzlich die Wollust auf frischer That in der Badstube ertappt und dar- über ein Protokoll aufgenommen; in derselben wurde auch der Ehebruch die Treppe hinuntergeworfen. Wie lange ist es denn her, daß sich die Freigeisterei zur vollen Blüthe entfaltet hat? Nun hat man sie mit der Wurzel auSge- rissen! Demnach ist auch den Lastern ein Schelmenstück nicht unerwünscht. Geehrte Herren! Geehrte Damen! Hat nicht jemand von Ihnen ein„Mittelchen" vorzuschlagen? Nach dieser Aufforderung trat ein uraltes Weibchen hervor: die Erfahrung(es giebt zwei Erfahrungen, die tugendhafte und die lasterhafte; diese aber war die tugend- hafte). Sie machte folgenden Vorschlag:„Sucht mir ein Kleinod auf," sagte sie,„das den Tugenden nicht miß- fiele und auch von den Lastern nicht ungern gesehen wäre, und sendet es als Parlamentär in das feindliche Lager." Man begann zu suchen und fand natürlich auch etwas. Man fand zwei Waisen: die Mäßigkeit und die Pünktlich- keit. Beide wohnten im Hinterhof der Tugendkolonie, sie lebten von ihrem Waisenantherl, handelten mit Branntwein aus der Schenke(was streng verboten war) und gewährten heimlich den Lastern Unterschlupf. Doch Aller Anfang ist schwer. Diese Waisen waren zu wenig präsentable und gar zu gefügig, um die ihnen gestellte Aufgabe gewissenhaft zu erfüllen. Kaum waren sie im feind- lichen Lager erschienen, kaum hatten siegbegonnen zu parla- mentiren, als die Laster in corpore ausriefen:„Wir kennen das alte Lied! Ihr geht schon längst damit, wie die Katze um den heißen Brei, um uns herum, doch paßt es nicht hierher! Geht mit Gott, ihr Waisen, verliert nicht unnütz eure Zeit!" Um nun den Tugenden zu beweisen, daß man sie nicht binters Licht führen könne, gingen sie in das Gasthaus Samarkand und verblieben dort die ganze Nacht. Als sie überall, wo bleierne Röhren in Anwendung kommen, bei der Entnahme von Wasser aus der Leitung, namentlich wenn diese längere Zeit unbenutzt war, zunächst ein entsprechendes Ouan- tum ablaufen zu lassen und dasselbe zu anderen, als zu Nah- rungszwecken zu verwenden. Ein peinlicher Vorfall, so schreibt uns ein Leser, er- eignete sich am 20 d. M. durch die Fahrläsfiakeit des Fuhr- Werksbesitzers Vogler in der Markusstraße bei ver Beerdigung meines Kindes. Als der Wagen(Ii. Kl.) mit der Leiche und vier Personen auf dem Wege nach Weißensee hinter der Ver- bindungsbahn angelangt war, stürzte der Wagen mit einem furchtbaren Krach, und mit Verlust seines Hinterthcils(Räder, Achse u. s. w.) zu Boden. Bei der Besichtigung wurde von verschiedenen Kutschern konstatirt, daß die betreffenden Verbin- dungsstllcke zum großen Theil schon längere Zeit durchgebrochen waren. Als ich am anderen Tage Herrn Voaler bemerkte, daß es doch unverantwortlich ist, einen solchen Wagen in Betrieb zu schicken, fuhr er mich mit den Worten an:„Ich kann nicht jeden Wagen nachsehen, wenn er vom Hof sähet u. f. w." Be- merkt sei noch, daß die Leiche mit dem zerbrochenen Wagen auf der Chaussee stehen blieb, bis ein anderer Wagen an Ort und Stelle war, während wir in einem nahen Lokal Zuflucht vor dem Unwetter suchen mußten. In das Geschäft eines in der Königstraße wohnhaften Kaufmanns kam gestem Vormittag ein Mann, welcher fich Schindler nannte, einen größeren Posten seidene Tücher- und Herren-Kravatten kaufte und den Auftrag gab, die Waare nach der angegebenen Wohnung in der Linienstraße zu schicken, wo- selbst bei der Ablieferung Zahlung erfolgen würde. Der Kauf« mann, der vor drei Jahren bei einer gleichartigen Bestellung betrogen worden war, übersandte zwar, wie verabretet, die be- stellten Waaren durch seinen Sohn, veranlaßte aber, daß dem letzteren ein Kriminal-Schutzmann beigegeben wurde. Der an« gebliche Schindler war sichtlich betroffen, als die Waaren durch zwei Personen ihm überbracht wurden. Er nahm die mitge- sandte Rechnung, ging mit derselben in das Nebenzimmer, an- scheinend um Geld zu holen und entfernte fich von dort heim- lich durch einen anderen Ausgang, ist auch nicht wieder zum Vorschein gekommen.— Ein wahres Glück, daß der Kriminal« schutzmann dabei war! Eine unvorsichtige Hühneraugen-Operation hat schon wieder ein Opfer gefordert. Ein Herr Balsen in der Marien- sttaße war von Hühneraugen stark geplagt und wollte am Freitag kurz vor seinem Ausgehen durch Beschneiden der Horn- haut fich Linderung schaffen, schnitt jedoch zu tief. Zu der An- fangs vernachlässigten Wunde kam der Brand, so daß eine Amputation des ganzen Fußes erforderlich wurde. Gefunden wurden am 25. d. M. von der Besitzerin des Grundstücks Liesenstr. 19 im Hausflur zwei Stück geladene Geschosse(Schrapnells), welche kurz vorher dort niedergelegt worden find. Die muthmaßlich vom Schießplatz gestohlenen Geschosse wurden der Direktion der Artillerie-Schießschule über- liefert. Der Schwindler, welcher, wie seiner Zeit mitgetheilt, eine biefige Firma in der Spandauerstraße und später noch andere Geschäfte durch Bestellung und Entnahme von Bindfaden ge- schädigt hat, wurde gestern in der Dresdenerstraße ergrissen und verhaftet. Es ist dies der wegen ähnlicher Handlungen bereits zweimal bestrafte, 24 Jahre alte Kommis Siegfried Loeoy. Derselbe ist geständig, in acht Fällen gefälschte Bestell- zettel an die geschädigten Firmen überbracht und einige Sorten des bestellten Bindfadens mitgenommen zu haben, die er später als Stadtreisender an Restaurateure und Schlächter in ent- legenen Stadttheilen verkaufte. Das Verttauen seiner Opfer wußte Loevy sich durch Vorzeigung von Geschäftskarten zu ver- schaffen, die er fich auf den Namen der angeblichen Bindfaden- käufer in der Weise hat anfertigen laffen, daß er 1000 Starten bestellte, zwei Probekarten an fich nahm, und dann fich nicht wieder sehen ließ. Der Betrug wurde entdeckt, als L. so un« vorsichtig war, seine Bestellung in einem Geschäft im Zeitraum von vier Tagen zu wiederholen. Nach einer Anzeige des Rektors der in der Großen Hamburgerstraße belegenen Knabenschule der jüdischen Ge- meinde ist am 23. d. M. Mittags zwischen 12 und 1 Uhr in das Fenster eines im zweiten Stock nach der Westseite zu be- legenen Klassenzimmers während des Unterrichts geschossen worden. Die kleine Kugel drang durch eine Fensterscheibe in die gegenüber liegende Thür, ohne weiter Schaden an- zurichten. Ucber die Entführung eines zehnjährigen Mädchens wird folgendes gemeldet: Vor etwa 4 Wochen kam die Kauf- mannsfrau Anna Adam aus New-Pork zum Besuch ihrer hier- selbst in der Straße Alt-Moabit wohnenden Schwester, der Frau des Postboten Tietz und ihrer in Wollstein, Kr. Bomst, wohnenden Mutter. Frau A., welche fich in der Mauerstraße einlogirt hatte, nahm am Abend des 24. d. M. die zehnjähige Tochter ihrer Schwester und mit dem Versprechen, das Mädchen noch an demselben Abend zurückzusenden, nach ihrer Wohnung, angeblich um dem Kinde einige Geschenke einzuhändigen. Da die Anna Tietz weder an dem qu. Abende noch am folgenden Tage zurückkehrte, begab fich Frau Tietz nach dem Logis ihrer Schwester in der Mauerstraße und erfuhr dort, daß die Adam mit dem Kinde schon vorgestern Abend abgereist sei. Zur gegen Morgen von dort aufbrachen, fingen sie die Enthalt- samkeit und die Keuschheit auf und behandelien sie so nichts- würdig, daß sogar die Tataren von Samarkand sich darüber verwundert äußerten: DaS sind noble Herrschaften, und wie treiben die's! Da sahen die Tugenden ein, daß die Sache ernst wurde, und daß sie sich endgiltig zu etwas entschließen müßten. Es wuchs unter ihnen zu jener Zeit ein Wesen sächlichen Geschlechts auf, es war weder Krebs noch Fisch, weder Huhn noch Vogel, weder Dame noch Kavalier, son- dern von allem etwas. Es wuchs auf, wurde abgerichtet und gedieh. Der Name dieser Zwittergestalt war auch fach- lich: das Heucheln.... Alles an diesem Wesen war räthselhaft— selbst die Geburt. Bei den Ureinwohnern ging die Sage, daß einst die Demuth und die Wollust in einem dunklen Gange zusammengestoßen waren und daraus dieser Sprößling entstauben sei. Derselbe wurde von den Tugenden aufgezogen und sodann in die Pension zu einer Französin— cornme-il-fant gegeben. Diese Tradition wurde auch durch das äußere Wesen des HeuchelnS bestätigt, denn obgleich es stets mit niedergeschlagenen Augen umherging. so hätte doch jeder scharfe Beobachter bemerken können, daß über sein Gesicht häufig ein Zug der Wollust glitt, und daß eS daS Kreuz zuweilen bei Gelegenheit sehr unschön bewegte. ES war nicht daran zu zweifeln, daß bie Pension Cornrne- il-faut diese Zwittererscheinung verschuldet hatte. Dort war das heuchlerische Wesen in bie Geheimnisse der Hauptwissenschaften eingeweiht worden, wie:„am Schnürchen zu gehen,"—„kein Wasser zu trüben,"—„sich ohne Seife in die Seele hinein- zustehlen,"— mit einem Wort, alles das zu thun, was dem tugendhaften Leben Vorschub leistet. Auch entging eS nicht dem Einflüsse des Kankan, von welchem Wänoe und Luft der Pension durchdrungen waren. Außerdem verdarb eS Madame Cornrne-il-fAnt noch dadurch, daß sie dem heuch- lerischen Wesen ausführliche Mittheilungen über ihre Eltern machte. Ueber den Vater(Wollust) gestand sie, daß er rnanvais genre und grob war— alle zu kneifen suchte! Ueber die Mutter(Demuth), daß sie zwar kein glänzendes Aeußere hatte, aber immer so kokett aufschrie, wenn man Wiedererlangung des anscheinend entführten Kindes hat K Mutt«r polizeiliche Hilfe in Ansvruch genommen. Polizei-Bericht. Am 20. d. Mts., Abends, wurde M 15 Jahre alte Knabe Großmann, Kastanien- Allee Nr. 69» den Eltern wohnhaft, von dem im selben Hause wohnte Steinsetzer Roy aus unbekannter.Veranlassung durch vW schlüge über den Kopf derartig verletzt, daß an seinem kommen gezweifelt wird. Roy ist oerhaftet worden.-»f 23. d. Mts., Nachmittags, fiel die Wittwe Wendorff.% nackerstraße 28 wohnhaft, einige Stufen der Kellertreppe r und erlitt dadurch einen Armbiuch. Sie wurde nach � städtischen Krankenhause in Moabit gebracht.— Um dieu- Zeit fiel ein Arbeiter in der Friedrichstraße zur Erde und nv" einen Armbruch.— Am 25. d. Mts., Nachmittags, zeiMs eine Frau in ihrer Wohnung in der Ackerstraße aus W über die ihr bevorstehende Exmisston mit der Hand J* Fensterscheiben. Sie erlitt dabei eine Verletzung der Pulset und mußte nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht werde».'' An demselben Nachmittag wurde aus dem Hausflur Kano»� straße Nr. 16 ein unbekannter, etwa 35 Jahre alter Man» � wußtlos und aus zwei Kopfwunden stark blutend aufgelu»� und nach Anlegung eines Nothverbandes nach der Cdanle?> bracht.— Um dieselbe Zeit fiel der Kutscher Flügel in � Thiergartenstraße- wahrscheinlich in der Schlaftrunkenyen von seinem Arbeitswagen herab und erlitt dabei solche e» letzungen, daß er ebenfalls nach der CharitS gebracht w"" mußte. Gerichts-Zeltung. o. k. Die Ermordung des Polizei-Rath Dr. Ru>»k vor dem Reichsgericht. lTelegramm.) Vor vem Forums Ferien- Strafsenats des kaiserlichen Reichs- Gerichts geW heute die am 13. Januar d. I. zu Frankfurt a. M.% Ermordung des Polizei- Rath Dr. Rumpff zur Veroandl� Bekanntlich wurde am 1. Juli d. I. der Schuhmacherg'', Lieske von dem Schwurgericht zu Frankfurt a. M- nach � dreitägigen Verhandlung dieses Verbrechens für schulvig ere°. und deshalb zum Tode und Verlust der bürgerlichen rechte und außerdem wegen versuchten Todschlages,» Vertheidiger oes ruesre j Dr. Fester(Frankfurt a. M.) im Auftrage des Angek»! das Rechtsmittel der Revifion eingelegt. Der™ theidiger gründet diese Revifion auf folgende 9 „1) Es find in der Audienzverhandlung mehrere Aussage»'■ in der Schweiz vernommenen Zeugen verlesen worden, schweizerischen Gerichtsverhandlung entsprechend, nicht OK'.' waren. Der Vertheidiger protestirle deshalb zur Zeit gOF Verlesung. Der Gerichtshof entschied jedoch gegen diese».. trag des Vertheidigers. Der Vertheidiger ist nun der M% die verlesenen unbeeidigten Aussagen, die das erste betrafen, haben auf das Verdikt der Geschworenen einen lichen Einfluß ausgeübt.— 2) rügt der Vertheidiger, H« Geschworenen die Frage vorgelegt wurde:„Ist der schuldig, am 13. Januar 1885 den Polizeirath Rurnpss oder in Gemeinschaft mit Anderen, vorsätzlich gelödtet zu und zwar, indem er die Tödlung mit Ueberlegung ausD Der Vertheidiger bezeichnet diese Frage als eine unbefiu � so daß durch die einfache Bejahung oieser Frage j Geschworenen eine bestimmte Antwort nicht geaeOe», Der Vertheidiger beantragt deshalb, das UrtW Königlichen Land-SchwurgerichtS zu Frankfurt»-/%'. zuHeben und eine neue Verhandlung anzuordnen.—% drang des Publikums nach dem nur kleinen Sitzung»!� ein ganz enormer. Den Gerichtshof bilden: Senats Dr. Hocheder(Präsident) und die Reichs Gerick � Wielandt, Loewenstein, Calame, Rehbein, StrtlgsW; Dr. Petersen(Beisitzcnde). Die Kaiserliche, Anwaltschaft vertritt Reichs- Anwalt Trevü»!. � Vertheidiger fungirt Justiz. Rath Dr. Fels(#',%&' Im Auditorium befindet sich unter anderen distingurw»� sönlichkeiten Polizeidirektor Brettschneider(Leipzig).* 9 Uhr eröffnet Prästdcnl Dr. Hocheber die Sitzung zunächst das Wort dem Referenten des Reichsgerichts, stein. Dem Referat ist zu entnehmen: Die wohnhaften Zeugen Saladin, Sonderegger und Feiner* zum Audienztermin geladen. Saladin und Sonderegger »hr Erscheinen von hohen Zeugengebühren abhängig Feiner überhaupt ablehnte, zu erscheinen. Da der Gen� nicht in der Lage war, das Erscheinen der Zeugen zu er», � so beschloß der Gerichtshof, aus diesen Gründen und au», zu weiter Entfernung die kommissarische Vernehmung statten. Das Baseler Gericht hat nun die Zeugen I gclöbniß vereidigt und dem Frankfurter Gericht angezc in, es in der Schweiz in Untersuchungsverfahrcn eine �rr| nicht gebe. Das Handgelöbniß ser den Zeugen nur»'e ficht auf den besonderen Fall abgenommen wordem�.� Keller, der auch in Basel vereidet vernommen worden nicht aufzufinden, es konnte ihm deshalb das HahW,,�' Eibesstatt nicht abgenommen werden. Die Vertherbih außerdem, die unbestimmte Fragestellung; es gehe au», sie kniff, daß sogar diejenigen Laster, die diesem sonst gänzlich abgeneigt waren(wie: die BeM j Herrschsucht, die Schwermuth)— sich dieses � � nicht versagen konnten. Dieses sächliche Wesen, K Augen niederschlug, aber doch unter den geschlosse pern verschmitzt um sich blickte, wählten nun die � um mit den Lastern in Unterhandlungen zu treten, � diese Weise einen allgemeinen modus vivendi JU � damit den einen wie auch den anderen Erleichtern ö p ,,30, verstehst du dich denn auch auf uns examinirte es vorläufig die Galanterie..... p „Zch?" erwiderte erstaunt daS heuchlerisch „Ich mache eS so...." Die Tugenden hatten kaum Zeit, zu sich 3"#ii als das heuchlerische Wesen auch schon die Aug. geschlagen und die Hände auf der Brust � t eine schwache Rothe umspielte die Wange.>-' Zungsrau, wahrhaftig! ..Ach, du Verschmitzte! Aber nun nach>y� lasterhasten Art.... wie?".xj Doch daS heuchlerische Wesen antwortete n'< hierauf. In einem Moment ging, kaum giw solche Umwandlung mit ihm vor, daß sogar der ob der Vorttefflichkeit ausspie und pfui! rieft Darauf beschlossen alle einstimmig, zum NotM(iL zu gehen und eine Vollmacht zu unterschreiben, heuchlerische Wesen mit der Führung der tagen schäfie betrauten.' cz Wenn man etwas beginnt, so muß man Ende führen: so bitter eS war, eS mußten... Entschuldigung gebeten werden. Da machte i heuchlerische Wesen auf den Weg zu ihrer gem*-..�.\ und konnte vor Scham kaum die Augen auilsi'$ hat sich doch jetzt überall hin die Gemeinh�, i klagte eS laut, fügte aber in Gedanken W schön leben doch die Laster!" Und in der-iv es eine Werst von der tugendhaften ResidiN«. pi als es auch schon alle Merkmale von Glanz u h-tdi- zurde 6 -1 "il rt# ts us W nD eimf Puls°� Detfien-,' KfllKWf Ma�n w ifflefunt« Üt'ä :S| cht P# . Ruv-Zl �onH wtwortung der Geschworenen nicht hervor, ob sie annehmen: >st es der Angeklagte selbst, der den Dolchstich geführt, «ber in welchem Umfange hat er bei der � Ausübung N Verbrechens mitgewirkt." Es sei daher die Möglich- ktf nicht ausgeschlossen, daß die Geschworenen der Memung Seesen find, der Angeklagte habe sich nur der Beihilfe schuldig gemacht. Aus diesen Gründen beantrage die Vertheidlgung, das Urtheil aufzuheben und die Angelegenheit an daffelbe Ge- Mli zur nochmaligen Prüfung zu verweisen. Nach Beendl- ßung des Referats nahm das Wort Justiz-Rath Dr. Fels: Ueber den zweiten Revisionsgmnd will ich nicht sprechen, ich denselben dem Ermessen des Gerichtshofes anheimstellen. �ezüglich des ersten Punktes bemerke ich: Die Verlesung der otugmaussagen waren unzulässig, da nach der deutschen Prozeß« Ordnung unbeeidigte Aussagen nicht verlesen werden dürfen. Em Handgelöbniß an Eidesstatt kann in einem deutschen r*• r j f% /TC' w..Vi. f'TN?_ CT\-— T«• r* r\ ma Ä s. d pOtlC'�. j das«3 echt fä diese». rWi« Aeidl-A men vfj ir, wy AngeW inpss, S !eae f i .4. fe li*ri undK iner g I S fßttA ch us1 Z »- � '4 y V» V*»»>w. V v v �* v*»*»»•••••... V....------,--- �-nwisverfahren nicht als Eid gelten. Die Verlesung wäre °»er auch unzulässig gewesen, wenn die Zeugenaussagen beeidigt gewesen wären. Die deutsche Prozeßordnung gestattet die kom- Mansche Vernehmung, wenn das Erscheinen der Zeugen im Mtenztermin besonders durch Krankheit, große Gebrech- Ulert, oder weite Entfemung besonders erschwert ist. M derartiger Fall lag bezüglich der Zeugen Saladin und vonderegger nicht vor. Eine zu weite Entfernung kann nicht unbenommen werden, da in der That eine Anzahl Zeugen aus ?n>el erschienen find. Saladin und Sonderegger erklärten sich {*rnt, jU erscheinen, sie machten dasselbe nur von der Höhe °kr Zeugengebühren abhängig; wenn die geforderten Zeugen« «wlipren auch bedeutend höher waren als die anderer Zeugen, 1? sst doch zu erwägen, daß auf die Ergreifung des Thäters Prämie von 1000 Mark ausgesetzt war, mithin "n besonderer Grund, die höheren Zeugengebühren «u verweigern nicht vorlag. Ich bin außerdem der Meinung, «as Baseler Gericht befand sich in einem Rechtsirrthum. Die Vorschrift, im Untersuchungsverfahren keine Vereidigung vor- �nehmen, kann sich doch nur auf Fälle beziehen, die vor Dweizer Gerichten zur Aburtheilung gelangen. Etwas an- «res dürfte es aber doch sein, wenn eine Vernehmung auf Muifition eines auswärtigen Gerichts zu erfolgen hat; auf »somatischem Wege wäre eine Vereidigung wohl zu erzielen gewesen. Ich erachte deshalb das Verfahren des Schwurgerichts «u Frankfurt a./M. nicht für korrekt und beantrage, das Er- lenntniß aufzubeben Reichs- Anwalt Treplin: Ich Antrage die Revision zu verwerfen. Ich will über den «werten Revifionsgnmd auch nicht weiter sprechen, sondern be- werken, daß die alternative Fragestellung durchaus zulässig war. Sas bm anderen Revifionsgrund anlangt, bezüglich der Gruppe Uadm, Sonderegger und Feiner, so lag hier ein nicht zu Zeitigendes Hinderniß vor, das deren kommissarische Verneh- wung rechtfertigt. Feiner lehnte sein Erscheinen überhaupt 5 während die beiden anderen Zeugen dasselbe von hohen peugengebührcn abhängig machten. Da das Gericht einmal Me Zwangsmittel hatte und sich andererseits auf ein «iaitiren nicht einlassen konnte mit den Zeugen, � war die kommissarische Vernehmung gerechtfertigt. ss» die schweizerische Prozeßordnung eine Vereidigung im untersuchungsverfahren nicht kennt, so konnte das Baseler Bericht eine Vereidigung nicht vernehmen, denn es ist klar, daß «"dasselbe lediglich drc dottigen Bestimmungen maßgebend M auch auf diplomatischem Wege wäre laut Auslieferungs- »ertrag eine Vereidigung der Zeugen nicht zu erzielen gewesen. Verlesung der Aussage des Zeugen Keller stand nichts im Mrge, da dessen Aufenthaltsort nickt zu ermitteln gewesen ff- Ich beantrage daher, die Revision zu verwerfen. Mch �rzer Beratbung verkündet der Präsident Dr. vocheber: Der Gerichtshof hat erkannt, daß die �v'fion des Angeklagten Lieske wider das Erkenntniß M königlichen Schwurgerichts zu Frankfurt zu verwerfen ist. «?ch kurzer Bcrathung verkündet Dr. Hocheder: Der Gerichts« S0'a hat erkannt, daß die Revision des Angeklagten Lieske wider :a» Erkenntniß des königl. Schwurgerichts zu Frankfurt a. M. � verwerfen und dem Angeklagten vie Kosten des Verfahrens Uiuerlegen find. Was zunächst die Verlesung der Aussage J5 Zeugen Keller anlangt, so ist dieselbe laut z250 der beut« jweir Prozeßordnung zulässig gewesen und laut Inhalt der Akten Wen Aufenthalt nicht zu ermitteln war. Die drei anderen Zeugen sind ordnungsmäßig, jedoch ohne Erfolg, geladen worden. eine hat es überhaupt abgelehnt, die zwcr anderen machten � Erscheinen von Bedingungen abhängig, die im Gesetze In vi lircht vorgesehen sind. Da die Zeugen im Aus- wssde wohnen, so konnte das Gericht einen Zwang nicht ausüben. Es war daher vollständig korrekt, wenn das Gericht ??Sen zu weiter Entfernung und eines nicht zu beseitigenden jjMetnisses halber die kommissarische Vernehmung beschloß r. A er, 1 icht f i I Auslieferungs- werben. luui y 400 vtv—.,-o------ als an.'?rung der Frage, ob der Angeklagte als Thärer oder Vi« �tthäter schuldig sei, erfordert die Prozeßordnung nicht. Geschworenen vorgelegte Frage hat alle in Betracht bas�ssdew Umstände in sich geschlossen. Im Uebrigen hat «aerchsgericht bereits in früheren Entscheidungen derartige Spiel, Tanz und Lachen ertönte. Was für eine Stadt hatten sich die Laster gebaut, mit was für Ä breiten Straßen und Gassen, Plätzen und Boule- �■ Hier— die Straße des falschen Zeugnisses, dort Dnr� Perratherplatz und siehe, da auch der Schandboule- au- Vater der Lüge selbst saß hier und verkaufte Bude„Verleumdung" Branntwein. �. So lustig die Laster auch lebten, so durchtrieben sie i>v l? ,n ihren nichtswürdigen Geschäften waren— sie gaben « QWch ihre Verwunderung zu erkennen, als sie das d..,. sche Wesen erblickten. Dem äußern nach war es— d-, i?ne Zungfrau, ob sie es aber auch in Wahrheit war— ».- hatte selbst der Teufel nicht ergünden können. Auch der m,ir. ber Lüge, der fest überzeugt war, daß eS keine Ge- er. auf der Welt gäbe, die er nicht durchgemacht, selbst 'B die Augen weit auf. das" lm" sagte er,„ich habe mich geirrt in dem Glauben, gn®6®. fein gefährlicheres Subjekt als mich auf Erden giebt. b;* t>in ich; Das rechte Gift— das steckt dort! Ich be- Ulan mehr der Frechheit, daher kommt eS vor, daß die menn auch nicht oft so doch von Zeil zu Zeit, jn,, frePPe hinunterwirft; wenn dieses Schätzchen aber je- Unrn tritt, dann ist an keine Rettung zu denken! Es es K�"t dich dermaßen und läßt dich nicht eher los, als bis letzten Saft ausgesogen!" eich aber das heuchlerische Wesen so große Ver- e— r. fl-C-a � letzten Saft ausgesogen! p>» Obgleich aber das heuchlerische Wesen so große-tw« «b Amg hervorgerufen, so lief es doch nicht ohne Streit bei, r'e soliden Laster(Aborigener), die besonders an der% Traditionen hingen, wie z. B. die Sophisterei, nicht.nb."' der Stolz, der Menschenhaß u. s. w., gingen hielt-" dem heuchlerischen Wesen nicht entgegen, sondern "auch die andern davon zurück. „ez ,"?as wahre Laster bedarf keiner MaSke," versetzten sie, Uns selbst seine Fahne hoch und mannhaft. Was kann schon e■ heuchlerische Wesen neues lehren, was wir nicht � lett anbeginn der Welt wissen und erfahren haben? fahrt nichts. Im Gegentheil, eS wird nus nur ge- che Ausflüchte lehren und uns zwingen, iuZ,.o n.r Alternativfragen für zulässig erachtet. Aus allen diesen Gründen ist, wie geschehen, erkannt worden. Auch ein Jubiläum. Der„Arbeiter" Gottlieb Christ, welcher gestern der 88. Abtheilung des Schöffengerichts vor- gefühtt wurde, um sich wegen Thierquälerei, Beamtenbeleidi- gung und Wiederstands gegen die Staatsgewalt zu verant- warten, hat so viele Vorstrafen hinter sich, daß derer Verlesung fast eben so viel Zeit in Anspruch nahm, wie die ganze Ver- Handlung. Es waren gerade vierundzwanzig und fast alle hatte sich der Angeklagte wegen gewaltthätiger Handlungen zu- gezogen. Am 2. Juni funairte der Angeklagte als Führer eines Mörtclwagens. Ein Schutzmann wurde Augenzeuge, wie derselbe die Pferde in Äergerniß erregender Weise mißhandelte und stellte ihn dieserhalb zur Rede. Als Antwott wurde ihm eine höchst beleidigende Aeußerung und als der Erzedent darauf zur Wache fistirt werden sollte, mußte der Beamte sich erst Hilfe holen, denn der mit herkulischen Kräften ausgestattete Kutscher schüttelte ihn mit Leichtigkeit von sich ah, als derselhe Hand an ihn legte. Die schließliche Arrettrung des Angeklagten konnte erst erfolgen, nachdem derselbe nach heftiger Gegenwehr überwältigt und gebunden worden war. Der Staatsanwalt wollte die fünfundzwanzigste Strafe, die den Angeklagten für sämmtliche Vergehen tressen mußte, auf neun Monate Gcsängniß bemessen wissen, der Gerichtshof war aber der Anficht, daß yier eine noch strengere Bestrafung am Platze sei und veruttheilte den unverbesserlichen Gewaltsmenschen zu einem Jahr Gefängniß und vier Wochen Haft. Sechs Monate Gefängniß für ein Beefsteak, das er nicht einmal genossen hat, wurden dem Kanzlisten Paul Wilh. Jäckel gestem durch Urtheil der ersten Ferienstrafkammer des Landgerichts I auferlegt. Die Besttafung war deshalb eine so harte, weil der Angeklagte trotz seiner 28 Jahre ein schon vielfach, selbst mit mehrjährigem Zuchthaus vorbestrafter Betrüger ist. Unter seinen Vorstrafen befindet sich u. A. eine wegen unbefugten Tragens von Uniform, sowie wegen unberechtigter Führung des Doktortitels. Am Abend des 21. April er. trieb er sich zwecklos mit einer Prostituirten in den Straßen der Residenz umher, beide waren mittellos. Da äußerte seine Begleiten» den Wunsch nach einem saftigen Beefsteak und sofort hatte der anschlägige Kopf des Angeklag- ten einen Plan ausgeheckt, um ein„Tischlein deck dich!" her- vorzuzaubern. Sich für ein Ehepaar ausgebend, welches soeben von außerhalb hier eingetroffen, wandten sie sich an den Portier von Czornikow's Hotel und bestellten ein Zimmer aus etwa zehn Tage. Ihre Sachen würden im Laufe des Abends durch einen Drenstmann gebracht werden. Die angeblichen Reisenden bestellten sich sodann auch je ein Beefsteak und nach einigen Minuten wurde ihnen auf dem Zimmer servirt. Inzwischen hatte der Portier aber doch Verdacht geschöpft und richtete einige Fragen an den Angeklagten, die Viesen stutzig machten. Derselbe zog es daher vor zu verduften, bevor er das Beefsteak genossen hatte. Als seine Begleiterin inzwischen nicht nur das eine, sondern alle beide Beefsteaks sich zu Gemüthe gefühtt hatte und angeblich auf die Rückkehr des Angeklagten hartte, wollte auch sie das Hoiel verlassen, kam aber nicht weiter als bis zur Pottierloge, als der Insasse hcrausttat und sie festhielt. Es gelang leicht des.Hauptschwindlers habhaft zu werden. Derselbe war im Termine in vollem Umfange geständig und vom Präsidenten auf das Gewagte des Unternehmens auf- merksam gemacht, zumal bei seinen vielen Vorstrafen, antwortete der Angeklagte in nonchalantem Tone:„Ja, daß es eine Be« trügerei war, kann man nicht leugnen, aber an mir bewährt sich das Sprichwott:„Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit." Wie erwähnt, traf ihn eine sechs- monatige Gefängnißsttafe. Gin Renkontre mit einem Hnndefänger zog dem Handelsmann Wilhelm Hippel uud dem Arbeiter Ludwig Getten eine Anklage wegen Röthigung zu, die gestem vor der ersten Fcnenstrafkammer des Landgenchts l verhandelt wurde. Am 28. April bemerkte ein Hundefänger, daß der erste An- geklagte mit einem maulkorblosen Hund, den er an einem Stricke hielt, auf der Straße stand, und dem Thiere seine Schlinge von Meffingdrnht überwerfend, erklärte er es für seine Prise. Hippel versuchte darauf, den Hund an dem Stricke mit sich fortzuziehen, der Hundefänger ließ aber natürlich die Schlinge nicht los und dem unschuldigen streitigen Objekt wäre es bald schlimm ergangen, wenn der zweite Angeklagte nicht auf die Rufe des ersteren herbeigeeilt wäre und den Messing- draht des Hundcfängers durchschnitten hätte. Die Menschen- menge, welche diese kleine Episode herbeigelockt, war nur zu geneigt, gegen den letzteren Partei zu nehmen, von allen Seiten regnete auf ihn Püffe, bis ein Schutzmann ihm in seiner be- drängten Lage zur Hilfe kam. Natürlich hatte er sich unter diesen Umständen um den Hund nicht mehr kümmem können, welcher glücklich entwischt war. Im Verhandlungstermine wies der erste Angeklagte nach, daß er den Hund anzuspannen im Begttffe gewesen und der Maulkorb bereits aus seiner Woh- nung geholt wurde, als der Hundefänger auf der Bildfläche erschien und billigte der Genchtshof daher jedem der beiden bisher unbescholtenen Angeklagten mildernde Umstände zu, in- dem er die Strafe auf nur je 10 M. oder zwei Tage Ge- fängniß bemaß. P Wegen zahlreicher Fälschungen hatte stch gestern der Handlungsreise Jonas Loeb aus Bad Nauheim vor der auch nicht gerade vor uns selbst zu schämen, so doch den Schein anzunehmen, als wenn wir uns schämten. Caveant consnles 1 Bis jetzt haben wir ein Gefolge gehabt, das uns stets tteu und ausdauernd anhing; wenn es nun unsere Ausflüchte bemerkt, dann wird es sagen:„gewiß sind die Laster in der Klemme, da sie sich selbst verleugnen!" und wird uns den Rücken kehren; ihr werdet sehen— daß eS so kommen wird." �,, So sprachen die verhärteten Catolaster, die weder neue Richtungen, noch Einflüsterungen, noch besondere Um- stände anerkenneu wollten. Im Schmutz geboren, wollten sie auch lieber in demselben ersticken, als von ihren uralten Traditionen abgehen. Nach ihnen kam eine andere Kategone Laster, die eben- falls von dem Erscheinen des heuchlerischen Wesen? nicht sehr entzückt waren, nicht gerade, weil letzteres ihnen wider- sich war, sondern weil sie auch ohne dessen Vermittlung m heimlichen Beziehungen zu den Tugenden standen. Hier- her gehörten: die Untreue, die Wortbrüchigkeit, die Ver- rätherei, die Ohrenbläser«, die Verleumdung und dergleichen. Sie brachen weder in Freudenrufe aus, noch klatschten sie mit den Händen, auch brachten sie kein„Hoch" aus, sie blinzten bloß mit den Augen und sagten: Wir bitten recht sehr!— Wie dem aber auch war, der Triumph war dennoch dem heuchlerischen Wesen sicher. Die Zugend, in Gestalt des Ehebruchs, der Trunkenheit, des über- mäßigen EssenS, der Zügellosigkeit und der Rauferei, be- stimmte sofort eine Zusammenkunft und empfing den Par- lamentär mit solchen Ovationen, daß die Sophisterei sich sofort genöthigt sah, ihr Geschwätz für immer einzustellen. „Ihr stört bloß alle, ihr alten hartgesottenen Sün- ber""rief die Zugend dem Alter zu.„Wir wollen leben, ih/ bringt uns Trauer. Wir werden in die Schulbücher kommen(das schmeichelte ihnen am meisten) wir werden in den Salons glänzen! uns werden die alten Frauen lieben� ejnem ber Boden war für den Frieden ge- ebnet. Als nun das heuchlerische Wesen nach Hause zurück- Ferienstrafkammer des Landgerichts i zu veranworten. Die Handlung Edmund Müller und Mann in Charlottenburg engagirte Ende August v. I. den Angeklagten als Geschäfts- reisenden gegen Provision mit dem Auftrage, Süddeutschland zu bereisen und übergaben demselben einen Vorschuß von 300 Mark.— Bald liefen auch massenhaft Bestellungen ein, die sich hinterher aber als fingirt erwiesen, denn nachdem die Firma ihrem Geschäftsgebrauch gemäß den angeblichen Auf- ttaggebern eine schriftliche Bestätigung der durch den Reisenden übermittelten Aufträge eingesandt, liefen aus verschiedenen Orten Südteutschlanos grobe Briefe ein, in denen die Adressaten stch dagegen verwahrten, jemals bei Edm. Müller und Mann Bestellungen aufgegeben zu haben. Loeb hatte, wie sich unzweifelhaft ergab, die der Firma eingesandten Be- stellscheine gefälscht, um dadurch die Zahlung der verabredeten Provifion zu erlangen. Im Ganzen bat er auf diese Weise von seinen Chefs innerhalb der 14 Tage seiner Thätigkeit 600 Mark erschwindelt.— Im Audienztermin bezeichnete der Angeklagte mit großer Frechheit, die Aussagen der angeblichen Besteller, die auf Requisition des Untersuchungsrichters an ihrem Wohnorte vernommen, jedwede geschäftliche Verbindung mit der genannten Firma ablehnten, als unwahr. Einer Er- Mahnung eines der beifitzenden Richter, die Wahrheit einzuge« stehen, setzte Loeb ein spöttisches Lächeln entgegen. Der Ge- richtshos erkannte, den Hartgesottenen trotz seines Leugnens für zweifellos überführt erachtend, auf eine Gefängnißstrafe von 2 Jahren und Ehrverlust auf gleiche Dauer. Vereine und Versammlungen. Hr. In der Versammlung des Arbeiter-Bezirksver- eins für den Osten Berlins, welche am Dienstag in Kellers Lokal, Andreasstraßc 21, unter sehr starker Betheiligung statt- fand, hielt Herr Stadtv. Tutzauer einen Vortrag über:„Die Errichtung eines Gewerbe-Schiedsgerichts in Berlin". Der Vortragende leitete seine Mittheilungen mit der Bemerkung ein, daß die bevorstehenden Kommunalwahlen den Arbeiter- Bezirksvereinen Veranlassung geben, sich in nächster Zeit vor- zugsweise mit Kommunalangelegenheiten zu beschäftigen. Von den Kommunalangelegenheiten habe gegenwärtig die Frage der Errichtung eines Gewerbe-Schiedsgerichts in Berlin für alle Arbeiter Berlins das höchste Interesse. Mit Rücksicht darauf, daß die Gewerbeordnung den Stadlbehörden die Befugniß er- theilt, zur Entscheidung von Streitigkeiten zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern in Bezug auf Lohnverhältnisse u. s. w. Schiedsgerichte zu errichten, die aus Arbeit- federn und Arbeitnehmern zusammengesetzt sind, haben die iertreter der Arbeiterpartei in der Stadtverordneten- Versammlung den Antrag auf Errichtung eines solchen Schieds- gerichts in Berlin gestellt. Der Antrag habe keine Opposition hervorgerufen. Es sei eine aus 10 Stadtverordneten und 5 Mitgliedern des Magistrats zusammengesetzte Kommisston für diese Angelegenheit eingesetzt und alle 4 Vertreter der Ar- beiterpartei seien in die Kommission gewählt worden. Es sei nun Sache der Arbeiter, ihre Ansichten und Wünsche in Be» zug auf das zu errichtende Gewerbe Schiedsgericht ihren Ver- trctern kund zu geben. Aus den Mittheilungen, welche der Referent über die in einigen Städten Deutschlands schon be- stehenden Gewerbe-Schiedsgerichte machte, heben wir hervor, daß in Nürnberg und in Leipzig die Mitglieder des Schieds- gerichts direkt und mit geheimer Stimmabgabe von den Be- rufsgenossen gewählt werden, in Nürnberg 24 Gesellen und 12 Meister, während in Hamburg die Mitglieder, 15 Gesellen und 15 Meister, von den dort bestehenden Gewerbe« kammem gewählt werden. In Leipzig haben auch Arbeiterinnen das Recht, stch an den Wahlen zu be- theiligen. Das Bedürfniß eines aus Fachleuten zusammen- gesetzten Gewerbe-Schiedsgerichts für Berlin darlegend, theilte Referent mit, daß im letzten Jahre bei der Gewcrbedeputation des Magistrats«OlOkKlagen angebracht wurden und 1913 durch kontradiktorisches Resolut erledigt worden find, und daß bei 371 Berufungen an das Amtsgericht in den meisten Fällen die Entscheidung zu Gunsten der Arbeiter ausgefallen ist.— Zur Diskussion nahm zuerst der Reichstagsabgeordnete Singer das Wort. Derselbe wies darauf hin, daß die Frage der Errich- tung eines Gewerbe- Schiedsgerichts in Berlin in der Zeit bis zu den Kommunalwahlen noch nicht zur Erledigung kommen werde, daß diese Frage aber im künftigen Jahre um so eher und um so mehr im Sinne der Arbeiter werde erledigt werden» je mehr die Zahl der Stadtverordneten, welche der Arbeiter- partei angehören, durch die nächsten Wahlen werde vermehrt werden. Daß für die Wahlen zum Gewerbe-Schiedsgerichte die Arbeiterpartei das allgemeine, direkte Wahlrecht mit ge- heimer Stimmabgabe zu fordern habe, sei sclbftverständig. Auch müsse für diese Wahlen den Arbeiterinnen das Wahlrecht ge- geben werden, da dieselben in Bezug auf manche Arbeiten die besten Sachverständigen seien. Herr S. sprach dann noch über die Thätigkeit der Vertreter der Arbeiterpartei in der Stadt- verordncten-Versammlung. Ihre bisherigen Erfolge seien zwar nicht groß gewesen, aber doch der Art, daß sie die Hoffnung auf baldige größere Erfolge als berechtigt erscheinen lassen. Herr Voigt hob hervor, daß in gewerblichen Streitigkeiten ge- rechte Urtyeile zu fällen nur Solchen möglich sei, welche Sach- verständige sind.— Er begründet dann den Antrag, den Vor- gekehrt war und den Tugenden Rechenschaft über die Mission abgelegt Hatto, da wurde einstimmig anerkannt, daß jegliche Ursache zum Fortbestehen der Tugenden und Laster als einzel- ner sich gegenüberstehender feindlicher Gruppen für immer be- seitigt sei. Nichtsdesioweniger wollten sie aber die alte No- menklatur nicht vernichten, man konnte ja nicht wissen ob sie nicht noch einmal nöthig war- doch beschlossen sie, dieselbe vorsichtig zu gebrauchen, damit allen ersichtlich, daß nicht viel dahinter steckte. Seit dieser Zeit begann zwischen den Tugenden und den Lastern eine ungemeine Gastfreundschaft zu herrschen. Hatte z. B. die Zügellosigkeit Lust, die Enthaltsamkeit zu be» suchen, so nahm sie die Heuchelei unter den Arm— die Enthaltsamkeit begrüßte sie schon von ferne, wenn sie �'„Ich bitte recht sehr! ich bitte unterthänigst! Wir haben für Sie....." Und umgekehrt, hatte die Enthaltsamkeit Lust, bei der Zügellosigkeit von den Fastenspeisen zu naschen, so faßte sie ebenfalls die Heuchelei unter den Arm. Die Zügellosigkeit hatte bereits alle Thüren geöffnet: „Ich bitte recht sehr! ich bitte unterthänigst! Wir habe« für Sie... An Fasttagen ttaktirten sie mit Fastenessen, zur Nicht- fastenzeit mit Fleisch, Milch u. s. w. Mit der einen Hand schlugen sie das Kreuz— mit der andern— tobten sie. Da» eine Auge erhoben sie gen Himmel, mit dem andern— hegten sie lüsterne Wünsche. Zuerst genossen die Tugen- den die schönen Dinge, nachher bekamen auch die Laster ihr bescheiden Theil, ja sie äußerten zu allen:„Wir haben noch nie solche Leckerbissen gehabt, die wir jetzt so nebenbei genießen!" Der dumme Peter aber kann bis auf den heutige« Tag nicht begreifen, warum die Tugenden und die Laster sich so leicht mit Hilfe der Heuchelei versöhnt, da es doch viel natürlicher gewesen wäre, darauf einzugehen, daß die einen wie die andern nichts weiter als„Eigen- schaften" seien. stand zu ermächtigen, zum Zweck der Agitation für die stommunalwahlen nach seinem Ermessen aus der Vereintkasse bis zu 100 Mark zu verwenden. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Auch wurde der Vorstand noch beauftragt, eine Petition an den Magistrat in Betreff des Gewerde-Schieds- gerichts auszuarbeiten. Der Fachverei« der Rohrleger hielt am Sonntag, den 23. d. M-, eine stark besuchte Versammlung im Lokale von Wolff und Krüger. Skalitzcrstr. 126, ab. Auf der Tages. Ordnung stand: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag über das Arbeiter- Schutzgesetz. Referent Herr Max Kreutz. Derselbe erläuterte die wichtigsten Punkte des Arbeiter- Schutz gesetzt Entwurfs und legte klar, wie schädlich die Gefängnißarbeit dem freien Arbeiter ist, weil der Unternehmer mit Gefangenenarbeit seine Waare bedeutend billiger herstellen kann, als ein anderer Unternehmer mit freien Arbeitern- Es werde Niemand verlangen, daß die Gefangenen nicht arbeiten sollen; nein, dieselben sollen beschäftigt werden, aber nur um die Bedürfnisse der Strafanstalten zu befriedigen. Redner sprach weiter über die Einschränkung der Frauenarbeit und führte an, daß durch die heutige Handhabung der Frauen- arbeit die Entsittlichung immer mehr befördert wird, und nur schädigend auf das Familienleben eingewirkt werde, da die Frauen oft Arbeiten verrichten, zu welchen ihre Körperkonsti- tution nicht geschaffen ist. Dadurch würde die Nachkommen- schaft geschwächt und nach und nach gänzlich vertümmem. Ferner erläuterte der Referent die Schädlichkeit der Kinderar- Veit im Allgemeinen und führte an, daß vor einiger Zeit im Reichstage diese Frage zur Besprechung kam und der Reichs- tagsabgcordnete Dr. Hartmann sich äußerte, daß die Kinder- arbeit durchaus nicht schädlich wäre, sondern sogar lehrreich und ausbildend. Wenn auch Dr. Hartmann seine Kinder in eine Fabrik zur Arbeit schickte, um dieselben dort auebilden zu lassen, dann würde er die Sache wohl anders beurtheilen. Zum Schluß erläuterte Referent, daß nur die Roth den Arbeiter dazu treibt, daß Frauen und Kinder über- Haupt zur Erringung des nölhrgcn Unterhalts beschäftigt werden müßten. Es sei Pflicht eines jeden Arbeiters, dahin zu streben, den Verdienst so zu erhöhen, daß derartige Uebel» stände verschwinden. Auch die Gesetzgebung sei verpflichtet, dafür einzutreten. Redner ersuchte, daß die Arbeiter recht zahl- reich petitioniren sollten, damit der Arbeiterschutzgcsetzcntivurf angenommen werde.(Lebhafter Beifall.) In der Diskusfion erklärten fich sämmtliche Redner mit den Ausführungen des Referenten vollständig einverstanden. Es wurde folgende Re- solution angenommen: Die heutige Versammlung des Fachver- eins der Rohrleger erklärt fich mit den Ausführungen des Re- ferenten einverstanden und verpflichtet fich, die ausliegenden Listen in Betreff des Arbeiterschutzgesetzes zahlreich zu unterschreiben und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dafür zu agitiren. Darauf fand eine zahlreiche Einzeichnung statt. Sodann wurde für die streikenden Tövfer in Velten eine Tcllersammlung ver- anstaltet. Listen zur Unterzeichnung der Petition liegen aus bei: L. Fröbe, Nostizstr. 16, Hof 2 Treppen 8W., A. Frisch, Steinmetzstr. 3 im Keller W., A. Becker, Brunnenstr. 121 d 3 Treppen N., C. Renner, Britzerstr. 16 SO und E. Glav«, Kastannien Allee 59 N. Eine Versammlung der Schmiede Berlins tagte am Montag, den 24. August, in Gratweil's Bierhallen behufs Gründung des Vereins„Vereinigung deutscher Schmiede". Herr Drewitz machte zunächst bekannt, daß auf dem Kongreß zu Magdeburg am 24. und 25. Mai beschlossen worden sei, den Verein„Vereinigung deutscher Schmiede" zu gründen, und zugleich eine Unterstützungskaffe für wandernde Mitglieder. Die Statuten seien ausgearbeitet worden, wurden jedoch vom königlichen Polizei- Präfidium zu Berlin nicht genehmigt, mit Hinweis auf die Bestimmungen des Vcreinsgcsetzes, wonach die„Unterstützungskaffe selbstständig sein, und eigene Statuten haben müsse; auch sei von Sachverständigen zu prüfen, ob die Kasse lebensfähig sei." Da dies jedoch längere Zeit in An- spruch nehmen wird, so sei beschlossen worden, den Verein ohne die Unterstützungskasse zu gründen, was von der Versammlung auch durch Abstimmung angenommen wurde. Es wurde hierauf von der Versammlung ein„provisorischer Vorstand" gewählt. Derselbe besteht aus den Herren Drewitz, Hoffmann, Stange, Sommerfeld, Maaß und Mathes. Ferner nmrden die Herren Hahn, Dörfer und Hasse zu Revisoren gewählt. Dann ertheilte der Vorfitzende Herrn Baumeister Keßler das Wort zum Vortrage über„Organisationsfragen". Der Referent Theater. Opernhaus. Heute: Norma. Schauspielhaus. Heute: Ein Sommemachtstraum. Belle-Alltance-Theater. Heute: Der Glöckner von Notre-Dame. Frtedrtch-Wilhelmstädttsches Theater. Heute: Der Großmogul. Ostend-Theater. Heute: Der Hüttenmeister. Central-Theater. Alte Jakobstraße 30. Direktion: Adolph Ernst. Horte: Zum 27. Male: Die wilde Katze. Gesangspoffe in 4 Akten von W. Mannstädt, Mufik von G. SreffenS. Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Der Feldprcdiger. Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmans. Sonnabend, den 29. August: Eröffnung der Opernsaison. ArbeitMarkt. Korbmacher-Gesellen auf Stück und Lohn(15—20 M) gesucht von R o s i n, Dalldorferstr. 5. 14969 verlangt Koulisscn-Stanzer 11977 Lempe, Prinzesfinnenstraße 21. E. anst. Schläfst, z. vm. O. Horn, Fllrstenwalverstr. 18, 3 Tr. E. kl. möbl. Zimmer z. vm. Ackerstr.30, Hof I. Ogorscll.[4975 Ifen! Ken! Ifen! nvu; ii«;u i s Erste Central Kpelseanstalt Spittelmarkt Nr. 17. Alle Speist« 25 Vsesuig! Klmpots 5 Pfennig! Bouillon, Milch. Ehokolade re. 10 Pf.[1978 _ Auswahl grostarlig zu jeder Tageszeit. Äerfammluna des Arbeiterinnen-Vereins am Donnerstag, den 27. d., Abends 8'/- Uhr, in Gratweil's Vierhallen, Kommandantenstr.77/79. Vortrag des Stadtverordneten Herr F ranz Tutzauer: Gcwcrbe-Schiedsgericht. Gaste haben Zutritt.[1974 _____ Der Vorstand. Die Nr. 20 der humoristischen Blätter[2572 „Der wahre Jacob" ist erschienen und in der Exvd. des„Berl. Volksbl." zu haben. führte zunächst an, wie die älteren Völker und unsere Vorfahren mit ihren Verhältnissen zufrieden waren, bis später Fremde kamen, welche fich mit dem Handel beschäftigten; diese lieferten die Arbeiten in andere Länder und brachten andere Produkte mit; wer die Arbeit billigsten lieferte, setzte am meisten ab. Es bildete sich somit nach und nach der Konkurrenzkampf, die Löhne wurden herabgedrückt, der Unternehmer suchte immer billigere Arbeiter Heranzuziehen. Redner meint, der billigere Arberter sei immer der unzivilisirtere. Er schildert in drastischer Weise die Lebensweise der polnischen Arbeiter: diese seien zu- frieden, wenn fie ein Stück Brot und Branniwein hätten, es es sei ihnen gleich, ob fie ein Bett oder in der Hütte auf Stroh schlafen; sie könnten somit billiger arbeiten und machen dem deutschen zivilifirten Arbeiter Konkurrenz. Diesem müßte durchaus entgegen gewirkt werden, wozu die Ver- einigungen geeignet seien. Ein Einzelner könnte nichts dagegen thun; je größer und fester die Organisation, desto leichter sei etwas zu erreichen. Redner ist der Meinung, die Vereinigungen verfolgten dreierlei Zwecke, politische, wirth- schaftliche und moralische. Herr Drewitz betonte, daß die Vereinigungen nur zwei Zwecke verfolgen und zwar wirthschaftliche und moralische. Politische Angelegenheiten könnten in der Vereinigung nicht in Frage kommen. Zum Schluß macht Herr Hoffmann bekannt, daß die nächste Fach- Vereinsversammlung Sonnabend, den 5. September, in Grat- weil's Bierhallen, im oberen Saal stattfindet. Der Fachverein der Berliner Schmiede feierte am 22. August sein erstes Stiftu- gsfest in dem prachtvoll deko- rirten Saale und Garten des Eiskeller-Etablissements, Chaussee- straße 88. Schon um 5 Uhr kamen die Damen mit den Kindern, um fich bei Konzert und Theater zu amüfiren; namentlich erregte das letzte Theaterstück„Der amcri- konische Barbier" große Heiterkeit unter den Zuschauern. Um zehn Uhr war große Kinder- Fackelpolonaise. Nack Schluß des Theaters herrichte in dem Saal ein reges Treiben; Jeder bemühte fich, einen Play zu finden, da wegen der kühlen Witterung alles nach dem Saale drängte, so daß erst, nachdem die Mufik zum Tanze spielte, einigermaßen Ordnung geschaffen werden konnte. Im Allgemeinen verlief das Fest in der frohesten und heitersten Stimmung, welches wieder recht deutlich bewies, wie der Fachverein die Einigkeit der Sckmiede geschaffen hat. Erst nach 6 Uhr Mor- gens fand das Fest seinen Abschluß. de. Die öffentliche Arbeiterinnen» Versammlung, welche zur Besprechung der Lohn- und Wohnungsfrage zu Dienstag, den 25. d. Mts., nach dem Salon zum deutschen Kaiser, Lothringerstr. 37, einberufen war, war sehr stark be- sucht. Zu Vi aus Männern und zu V: aus Frauen zusammengesetzt, mochten an 1000 Personen anwesend sein. In das Bureau wurde Frau Pölling als 1., Frl. Stolpe als 2. Vor- fitzende und Frau Büge als Schriftführerin gewählt. Frau Canzius führte zunächst etwa folgendes aus: Von allen den- kenden Menschen wird es mit Freude begrüßt werden, daß die Frau aus der Unterdrückung, in der fie lebt, sich zu erheben, versucht und für ihre Rechte selbst eintritt. Die Jahrtausende alte sklavische Demuth der Frau verlangte bisher weiter nichts, als was ihr der Vtann freiwillig zuerkennt. Da ihr aber die Natur genau so schwere Pflichten und Lasten auferlegt, wie dem Mann, ja noch schwerere, so hat sie zu verlangen, daß sie als gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft anerkannt werde. Den meisten Frauen fehlt die Erkenntniß ihrer Lage. Sie sagen fich, wir arbeiten von früh bis Abends, mehr können wir nicht arbeiten, wir arbeiten, bis wir hinfallen. Aber diese unmäßige Anstrengung verschlimmert die Lage. Ein besonderer Schaden für die Frauenarbeit ist die Arbeit von Frauen, die nicht nöthig haben zu arbeiten, Beamtenftauen, die sich gem ein kleines Taschengeld und eine Unterhaltung für ihre z rhl- reichen müßigen Stunden verschaffen wollen und zu jedem Preise Arbeit annehmen. An fie sei der Appell zuerst gerichtet, die Löhne der Frauenarbeit nicht noch mehr zu drücken. Sie geniren fich doch sonst, Arbeiterfrauen zu heißen und in Ar- beiterkreisen zu verkehren, da sollen fie sich doch noch mehr amiren und überhaupt auf die Arbeit verzichten.(Beifall.) An faulen Glossen über unsere Bestrebungen fehlt es nicht. Aber die Spötter find solche Leute, welche Grund haben, die Frauenbewegung zu fürchten, welche Gefahr für ihre männliche Würde wittern. Ein denkender Mann wird sich freuen, in den Frauen Mitstreiter für seine Ziele zu finden. In Folge der medrigen Löhne werden viele Frauen zur Prostitution gedrängt. Was fie dort verkaufen, ist ihr einziger Befitz. Soche Zustände eine Schmach für die Gesellschaft. Es müssen Mittel den werden, um die Arbeiterin, solange fie arbeitslos ist, i» schützen. Es sollten Wohnungen, Gebäude, eingerichtet««� den, die nicht dem Asyl gleichkommen, wo arbeitslose Waw« Aufnahme finden, ohne daß ihre Ehre gefährdet ist. Hebung der Löhne kann nur durch die Einigkeit der erzielt werden. In allen Branchen der Frauenarbeit miW? aus den Arbeiterinnen Kommissionen gebildet werden, um Höhe der Arbeitslöhne festzusetzen. Die Frauenbewegung� Berlin muß nach dieser Richtung hin lebhafter werden.# allen Gegenden Berlins müssen sich Frauenvereine bilden, w einziger kann seine Aufgabe nicht in dem erfordeilichem lösen. Ferner müssen Arbeitsstuben errichtet werden, um BW mit dem Unternehmer zu arbeiten. Gleiches Recht für tW ist die Losung, auch für die Frauen. Die Frauen müssen ihre Reckte eintreten, fie müssen laut den Ruf erschallend'� ...„Brot thut uns noth, wir brauchen Brot!"(Lebhafter� fall.)— Herr Schriftsetzer Kunkel plaidirt für eine Beschrank» der Frauenarbeit, um durch den Wegfall dieser w* kurrenz bessere Löhne für«die Männer zu Frl. Wabnitz schloß sich diesen Ansichten an und verlangte'. vollständiges Verbot der industriellen Arbeit der verbeiraM Frau überhaupt. Gleichzeitig sprach sie fich für EinfüWJ» eines Normalarbeitstages und der Sonntagsruhe aus und u« scharfe Kritik an dem Ausspruche rheinischer Fabrikanten, j®' aus ethischen(sittlichen) und finanziellen Gründen diese v richtungen als schädlich für den Arbeiter zu verwerfen% (Beifall.)— Sie schloß hieran die Bitte, dem Verein zur-e? tretung der Interessen der Arbeiterinnen fich recht zahlreim zuschließen, und einig und versöhnlich zu sein.(Beifall.) rj! Anschluß hieran wird beschlossen, den Ueberschuß der Ted sammluna diesem Verein zuzuweisen.— Eine eingemui Frage: Wäre es nicht besser, einen zweiten Frauenvemn« den Norden Berlins zu gründen, da der Weg von dem Berlins nach dem Vereinslokal in der Kommandantenstraße eine Arbeiterin, die um 8 Uhr ihre Arbeit erst beendet, zu � ist, giebt Anlaß zu einer sehr ausgedehnten und erregten-- hatte.— Frau Staegemann bekämpft den Antrag enticku� einen zweiten Verein zu bilden, der erste habe noch W# L viele, es würde nur zu Unzuträglichkeiten und Reib««, führen und zwei kleine Häufchen würden machtlos ihrer � gäbe gegenüber stehen. Es treffe auch die Behauptung nirnv" daß der Norden vernachlässigt werde; es hätten zahlreiae--� sammlungen hier stattgesunden. Vorläufig sei auch ein verein noch nicht nöthig.— Die Frauen Böttcher, Law und Grottmann sprechen fich entschievcn für diesen neuen-' imv vyiuiniiuim pcg cuiimieucn yut uiqcn m f' vrf ein aus, der nicht gegen den alten gerichtet sein solle, ur für den Norden eine besondere Agitation entfalten! fräulein Wahnitz und Frau Stägemann rathen wiederhou � V nuuiciu �vaonip unu tfrau oiagcmann raiyen iDwuwv'- iinigkeit und protestiren dagegen, die innersten Vereinsm� legenheiten in einer öffentlichen Versammlung erörtert zu Den großen Zielen gegenüber müßten kleinliche Interesse» schwinden.— Trotz dieser Gegenvorstellungen wurde i.-* eine Minorität(nur die Frauen stimmten) beschlossen,'- Verein für den Norden zu gründen und dem Burea» heutigen Versammlung das weitere zu überlassen. Dresden, 24. August. Aus Anlaß eines Vorkomw»!� in einer öffentlichen Verl ammlung, in welcher der dieselbe wachende Polizeibeamte Gelegenheit nahm, einen Redner,> von der Tagesordnung abwich, zur Ordnung zu weise», � bei dem Ministerium des Innern Beschwerde gegen daä>� fahren des Beamten, der, als gegen seine Maßnahme worden, die Versammlung aufgelöst hatte, erhoben Das Ministerium hat jedoch, wie die„M. A. Ztg."»»%l das Verfahren des betreffenden Beamten als korreft � und die Beschwerde verworfen. Kleine Mittheilungen. � Die Prämien für die Ergreifung des Mördell� Poltzeiraths Rumpfs im Betrage von 10000 M. st»'., 1 das„Franks. Journal" hört, nunmehr zur Vertheilnng' Gendarm Götz von Hockenheim, welcher den Lieste anh bei seiner Flucht einssng, erhielt 6000 M., der e'nc dtt Rinkleff von Hockenheim 1700 M-, der andere 1� 1000 M. wurden anderweitig vertheilt. August Herold Berlin SO., 113 Skalitzerstrasse 113. Möbel-, Spiegel- lliul pHemMiM Magazin Eigene Fabrik. Solide Preise. Prompte Bedienung. Kalender. Unser veutscher Handwerker- und Arbeiter- Notiz-Kalender fit iw Zihr 1886 i st erschienen und bereits versandtfertig. Wir haben für frühzeitigere Fertigstellung als in den früheren Jahren gesorgt und find im Stande, jeden bestellten Posten sofort zu cxpediren. Um jedoch eine ge> ordnete Reihenfolge dabei einhalten zu können, bitten wir um baldigste Bestellung. Der Kalender ist inhaltlich wiederum bedeutend ver- mehrt worden. Außer den bisher schon darin enthaltenen Tabellen, Tarifen und Gesetzen(als Kiankenverficherungs- geiey mit Nachtrag vom 28. Januar 1385, Hitfs- kassengesetz mit Novelle vom 1. Juni 1884 rc.) sind neu beigefügt: Das Gesetz über die Freizügigkeit. Gesetz, betr. das Urheberrecht an Mustern und Modellen, Gesetz über Markenschutz. Im Geschichts- kalender find die in der neuesten Zeit eingetretenen Ereignisse nochgetragen. Der Kalender, mit Schreibpapier und Papier für Tagesnotizen ausgestattet, kostet wie bisher 50 Pfennig. Auf vielfachen Wunsch unserer Geschäftsfreunde haben wir auch eine stärkere Ausgabe mit mehr Schreib- papier und stärkerem Einband gemacht, von der das Exemplar zu 70 Pf. abgegeben wird. Wiederverkäufern Rabatt wie bekannt. Zahlreicher Abnahme sehen entgegen[1080 Nürnberg. Wörlein& Co. FllWchcZkitmß begründet von GugCN 0{tCl)tCtf erscheint vom 1. September ab als Morgen- blatt 6mal wöchentlich. Postabonnement pro Septemhcr eine Mark, bei Berliner Zeitung� spcditeuren einschließlich des humoriin' scheu, illusttirten Wochenblattes von I. St'• J tenbeim„Berliner Wespen" eine Mar» 25 Pfennig. Exvedilion: Berlin F-anzöstschestr. 11/12.[4 961 5. Wahlkreis. Vezirksverein der werkthätigen Bevölkerung und 31. Kommunal-Wahlbezirk. hf: Sonntag, den 30. August, früh 8 11 Landpartie nach KöpettH- ndezvous: Bahnhof Alexanderplatz. Pünktliches Rendezvous nolhwendig. Dienstag, den 1. September, Abends 9[f Restaurant Siemund, Linienstraße 8: � V ersammlnVf� Tagesordnung: 1. gung der alten Fragen. Vortrag. 2. 4. Verschiedenes Achtung! Unseren Kollegen zur Kenntniß, daß auf dem Bau Kommandantenstraße 5a wegen Lob" � Arbeit eingestellt haben. Die Kommission der Berliner Verantwortlicher Redattem R. Trott hei« in Berlin. Druck und Verlag von Mar vadwg in Berlin SW, Beuth straße 2. *>it der iO)