Kr. 200. Freitag, den 28- Angnst 1883. II. Jahrg. KMnVMIM Lrgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Da»..Berliner Volksblatt" Jlchewt tiglich Morgen» außer nach Sonn- und Festtagen. ZlbonnementSprei» für J**Kn frei tu» Hau» vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. �nabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnfertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi» 4 Uhr Nachmittag» in der Expedttion, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce«- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Abonnements- Einkaäung. Mit dem 1. September eröffnen wir ein neues Abonne» "«tt auf das »Kerliner Polksvlatt" � der Gratisbeilage „Klwstrirtes Sonntagsblatt." 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Aber ändern können wir diese Gebräuche auch Sty Und so kümmern wir unS im Allgemeinen lieber um �ße, die uns näher liegen. ».Aber man kann die Frage aufwerfen: Sind diese Colinen- Inseln, fern im großen Ozean zwischen Asien Amerika, wirklich ein so wichttges Objekt, um ihret- un» die Feindschaft Spaniens zuzuziehen? Man uf? zwar einwenden, daß diese Feindschaft auch im jMdnnsten Fall weniger eine nationale als eine diploma- sein dürfte. Das spanische Volk, dessen Elend jetzt jJ bei dem rapiden Umsichgreifen der Cholera an (2 Sag kommt, hat sicherlich für die Karolinen- Znseln J&er Interesse als die spanischen Diplomaten und deren �°rgane. 3ene Inseln find sehr zahlreich; sie mögen etwa 4 bi» >»»b[e'n- Sie wurden um 1528 durch Spanier entdeckt Su spanischen Blätter behaupten, daß damit auch eine .Ntzaahme verbunden gewesen sei. Die„Norddeutsche All- e'ae Zeitung" bestteitet dies entschieden und wir glauben (Oj JeuMeton. 9«* Mormouenmiidche«. Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhauseu. (Fortsetzung.) -'Em Jahr hatte der Knabe, ehe Ihr ihn wieder zu Euch tn deinem Hause verlebt und daselbst die liebevollste Äiutt genossen, ist es daher auffällig, wenn er Diejenigen s«lck. � Vater nennt, die er so lange gewohnt war als -v. 9 frtrtrt*» rtfTrtpmptn. höfe her �Iter*' cr wurve nur icywer, nacyoem n uu» jv fast,." genannt, Zutrauen zu Euch und Eurer neuen Gattin letzt beruhigt Euch also, daS Erscheinen deS Kindes wird ein»,. Nachdem die Schwester seiner Mutter in Fort Utah td�offen ist, von allen Seiten doppelt gut geheißen % der Hund?" fragte Holmsten, plötzlich an der PfL. des Vorgartens seines Hauses stehen bleibend.„Er (t ni*. 5 immer an dieser Stelle zu erwarten; fort kann gab?' sein; denn als ich mich zur Rathsversammlung be- Bleitete er mich noch eine Strecke." sich defindet sich vielleicht im Hause," versetzte Elliot -Mschauend. *)si seine Art sonst nicht," entgegnete Holmsten noch ioch efremdet.„Vielleicht hat meine Frau ihn hereinge- »ä�'rj.�eil fix weiß, daß ich Besuch erwarte. Er fällt gep,$"ach Einbruch der Dunkelheit Jeden mit grimmi- \ j. Beul an, der in den Garten einzudringen versucht. '[0 wird es sein," und über die Abwesenheit des iritj. ahigt, öffnete er die Pforte, um Elliot den Vor- lasten. Psttf rT ein Wort," sagte er dann, sobald er die Pforte geschloffen, indem er wieder stehen blieb;„wie ty4e L3Ht Euch dem jungen Mädchen gegenüber und Stellung behauptet sie Euch gegenüber. Ich sollte kaum, daß Madrider und Berliner Offiziöse sich über diesen Gegenstand jemals werden einigen können. Unter den Karolinen-Jnseln sind viele, die gar nicht bewohnt sind und auch schwerlich bewohnt werden können, da es an Trinkwaffer mangelt. Die Inseln ruhen auf Ko- rallenbänken und sind meistens ohne Gebirge; nur die öst« lichen haben Höhen, die sich bis zu fast 1000 Metern erheben. Dort giebt es auch Waldungen. Indessen sind gerade diese östlichen Inseln heftigen Stürmen und Erd- beben ausgesetzt. Flüsse und Bäche giebt eS nur auf den größeren Inseln. Man ist im Zweifel, ob man sie zu Asien oder zu Australien nehmen soll. ES werden noch andere Inselgruppen zu den Karolinen gerechnet, doch streiten sich die Gelehrten hierüber. Da» Klima soll ganz angenehm sein. Doch liegen wohl wenig oder keine Erfahrungen darüber vor, ob es für Europäer dauernd erttäglich ist. Die Bevölkerung soll sich auf über 100 000 Köpfe belaufen und besteht aus kupferfarbigen Malaien, so daß wir außer den„schwarzen Brüdern" von Kamerun nun auch kupferfarbige Brüder haben. Diese Eingeborenen, die fast nackt gehen, treiben Fischerei und Ackerbau, sie bauen namentlich die Arumwurzel, aus deren Stärkemehl, Sago bereitet wird. Es wachsen Pisang, Brodfrucht, Zuckerrohr, Kokos, Bambus, Orangen auf diese» Inseln. Von Euro- päern sind die zahmen Hausthiere eingeführt worden, die dort auch gedeihen; sonst giebt eS viele Schildkröten und Muscheln und im Meere einen unermeßlichen Fischreichthum. Die Eingeboren treiben einen Tauschhandel; sie geben die heimischen Produkte gegen Eisen, gegen Tuche und gegen Böte her. Man berührt sich auf diesen Inseln zur Be- grüsiung mit den Nasen, welche schöne Sitte wir wohl, wenn wir mit den neuen Brüdern in Berührung kommen sollten, werden einhalten müssen. Diese Insulaner haben eine Religion, Könige und Priester. Auch besteht bei ihnen jener merk- würdige Gebrauch der Freundschaftsbündnisse zwischen zwei Männern, von denen der eine den andern überall zu vertreten das Recht und die Psticht hat. Dieser Gebrauch verträgt sich schlecht mit der Manchestertheorie; die Anschauungen der Herren Bamberger und Baumbach werden also vorläufig auf den Karolinen schwerlich Anhänger finden. In einem Punkte sind diese Insulaner uns voraus, die Leichenverbrennung ist bei ihnen allgemein zu- lässig. WaS wollen wir nun mit diesen fernen Inseln an« fangen? Wird sich ein großes gewinnbringendes Absatz- gebiet für industrielle Produkte dort erschließen lassen? Schwerlich, denn vorläufig sind die Bedürfnisse der Insu- laner noch so gering, daß an einen Massenabsatz europäischer Produkte wohl kaum zu denken ist. Eine Bevölkerung, die mit einem Stück Tuch um die Lenden sich schon bekleidet denken, im Verkehr mit Euern Frauen kann ihr nicht lange ein Geheimniß bleiben, was sich Alle ihr offen mitzutheile« scheuen." „In Fort Utah ist die nothwendige und zweckmäßige Täuschung noch immer weit eher durchzuführen, als hier oben in der Salzseestadt," erwiderte Elliot mit einem leisen An- flug von Trauer im Tone seiner sonst fast ausdruckslos ern- sten Stimme.„Außerdem drängt der Schmerz um ihre Schwester alle anderen Gefühle und Gedanken weit in den Hintergrund zurück; sie kommt indessen mit Niemandem als mit meiner Familie in Berührung, und da ich den einzelnen Mitgliedern ihr zu beobachtendes Benehmen auf's strengste vorgeschrieben habe, so erblickt sie in denselben nur Verwandte von mir, deren Gatten zum Dienst in's Gebirge befohlen worden sind." „Aber der Knabe, er wird Euch in ihrer Gegenwart Vater nennen?" „Kinder in diesem Alter plaudern, wie es ihnen der Zufall gerade eingiebt, mag das brave, liebe Bürschchen da- her immerhin Vater zu mir sagen. Ich räume aber ein, die Maskerade, welche wir zum Besten unserer Kirche und mit Rücksicht auf das WachSthum unserer Gemeinde aufzuführen gezwungen sind, kann nicht lange andauern. Eure Schwägerin muß mir angetraut werden, ehe sie zur ruhigen Ueberlegung gelangt, und bei ihrer Frömmigkeit und der sichtbaren Er- gebenheit in den neuen Glauben wird sie sich gewiß recht bald über die ungewöhnlichen Satzungen unserer Religion beruhigen, zumal sie dann jeden Rücktritt abgeschnitten weiß." „Nicht, wenn sie den Charakter ihrer untergegange- nen Schwester besitzt," bemerkte Holmsten mit einem tiefen �,O, eS giebt Mittel, unfehlbare Mittel," antwortete Elliot, und seine Stimme bebte seltsam vor leidenschaftlicher Auf- reaung und innerem Grimm. ..Welche Mittel?" fragte Holmsten bestürzt. Elliot biß sich auf die Lippen, im nächsten Augenblick hatte er seine Ruhe aber schon wieder gewonnen. Offenbar dachte er darüber nach, ob es rathsam sei, zu Holmsten von Hertha's Verhältniß zu Weatherton zu sprechen, und der fühlt, kann von unseren Textilwaaren nicht viel konsumiren. Zucker werden wir von dort kaum beziehen wollen und mit Palmöl und Kokosnüssen werden wir aus Afrika reichlich genugversorgt. Was sollen wir also durch die Karolinen Besonderes gewinnen? Die hanseatischen und auch andere Kaufleute werden wahrscheinlich bemüht sein, den SchnapS, den sie al» Träger einer nach ihren Begriffen zugestutzten Zivilisatton betrachten,- dorf einzuführen. Der Fusel wird die armen Insulaner entnerven, aber die großen Sprit« Händler werden vielleicht einigen Gewinn davon haben. Man könnte sich als Grund der Besetzung der Karoline« noch einen anderen Umstand denken. Der Zusammenstoß in Asien zwischen Engländern und Russen ist unvermeidlich geworden und die frechen Provokationen der russischen Generale wiederholen sich. Die englische Presse spricht sich neuerdings fast einstimmig dahin au», daß es zum Kampfe kommen müsse; wer die Haltung der beiden feindlichen Mächte genau beobachtet, der muß sich überzeugen, daß man beiderseits Vorbereitungen zu dem großen EntscheidungS- kämpfe trifft. Wenn der Zusammenstoß eintritt, dann dürften die ostasialischen Gewässer zum Schauplatz von Kämpfen zwischen russischen und englischen Flotten werden. Aus den russischen Häfen an den ostasiatischen Küste» werden zahlreiche russische Kreuzer hervorschlüpfen, um den englischen Handel zu stören. Will das Deutsche Reich, in- dem es sich in seinen Meeren festsetzt, sich einen gewissen Einfluß auf den Gang der Begebenheiten sichern? Und hat man sich zu dem Zwecke auf der Grenzscheide zwischen Asien und Australien, auf Neu-Guinea und auf den Karolinen festgesetzt? Wir halten eS für möglich, daß die leitenden Blätter uns etneS TageS sagen: Nun haben wir so und soviel Ko- lonien; wenn wir sie unS erhalten wollen, müssen wir auch eine größere Marine, eine wirkliche Schlachtflotte haben. Und daß sich ein Reichstag fände, der seine Zu- stimmung zu einer solchen Forderung gäbe, wäre auch keine Unmöglichkeit. DaS Ganze wäre unserer Meinung nach indessen ein sehr gewagtes Experiment und es könnte un» leicht ergehen wie den Italienern, die durch Erbauen von kostspieligen Kriegsschiffen ihre Finanzen— wie wir in Nr. 197 d. Bl. näher dargelegt haben— gänzlich erschöpft haben. Sonach wäre die„Angliederung" der Karolinen an das Reich für un» kein Akt, der uns mit besonderer Freude erfüllen könnte. ES ist ersichtlich, daß man sich wieder Mühe giebt, unsere Seemacht zu heben. Nun, wir wollen gewiß kein schwaches Deutschland, aber man muß auch unsere Mittel berücksichtigen. Wir können nicht in Jahrzehnten nachholen, was in Jahrhunderten versäumt worden ist. Uns ist e» Hoffnungen zu erwähnen, welche sich zu seinem eigene« Vottheil an die Ausbeutung des Geheimnisses knüpften. „Das erste Mittel," hob er endlich nach kurzem Sinnen an,.bleibt, daß ich ihr das Kind ihrer Schwester zuführe. Sie wird sich nicht weigern, da Mutterstelle zu übernehmen, wo ich die Stelle des Vater» oertrete. Nein, sie wird sich nicht weigern, ich verspreche es Euch." fügte er mit Unheil verkündenoer Ruhe hinzu;„innerhalb vier Wochen ist sie mir angetraut, und noch vor dieser Zeit wird Euch da» Vermögen Eurer verstorbenen Frau, welches dadurch, daß deren Kind noch lebt, an Euch fällt, unverkürzt eingehändigt werden." „Und Ihr gelangt, da deren Kind noch lebt, durch meine Vermittelung m den Besitz eine» eben so großen Vermögens und einer der schönsten Frauen am Salzsee," versetzte Holmsten, jedes einzelne Wort besonders betonend. „Schön ist sie," bekräftigte Elliot nachdenkend,„warum aber deutet Ihr schon wieder auf einen zwischen uns Beiden abgeschlossenen Vertrag hin?" fuhr er gleich darauf lebhafter fort.„Was zwischen uns verabredet wurde, ruht vergraben in unserer Brust, um nie wieder an's Tageslicht gezogen zu werden." „So sei es," antwortete Holmsten finster,„Eure Ver« emigung mit Hertha Jansen findet statt, sobald alle Vor- Bedingungen erfüllt und aus ewige Zeiten unantastbar gc. macht worden sind."' ö ä" i irÄ: Einsprache, wenn ich spater, auf Hertha's Wunsch vielleicht, meinen Namen auf ihn übertrage, ohne indessen dadurch dem Drittel de» Euch von Eurer verstorbenen Gattin zu« gefallenen Vermögens für ihn zu entsagen." Holmsten reichte Elliot zum Zeichen des Einverständ« msses die Hand, und schweigend schritten sie dann durch das Gartchen der Hausthür zu. Kaum waren sie eingetreten und die Thür hinter ihnen ms Schloß gefallen, da erhob sich dicht am Zaune, kaum zwei Schritte von der Pforte, wo sie so lange innerhalb der Einfriedigung gestanden hatten, John's schlanke Gestalt aus dem Gräfe, und gleichzeitig sandte er leise und gedämpft 1 viel wichtiger, Deutschland innerlich zu kräftigen durch He bung der wirthschaftlichen Lage des Volkes. Und dazu können die Karolinen nichts beitragen. Politische Mrberstcht. Zur Hochseefischerei Nachdem sich Stimmen erhoben haben, die deutsche Hochseefischerei durch einen Heringszoll zu schützen oder ste zu subventioniren, bestrebt man fich sofort hier in Hamburg, wie die„Bürger-Zeitung" schreibt, eine Aktien- gcsellschaft für Hochseefischerei zu gründen, um auch etwas davon mit zu erhalten, waS von des Deutschen Reiches Tische fällt. Man beabfichtigt nämlich, die an der Unterelbe vorhandenen Fischer für du Sache zu interesfiren, ihnen Mittel für die Be- schaffung größerer und seetüchtigerer Fangfahrzeuge zur Ver- fugung zu stellen und mit der Erbauung eigener Fayrzeuge für die Aktiengesellschaft nur allmälig vorzugehen, je nach der Entwickelung veS Geschäfts. Es ist ein Aktienkapital von IV: Millionen Mark in Ausficht genommen. Daraus ersteht man, daß in der That, sollte es zu einer Zollerhöhuna oder Subvention kommen, die großen Handelsgeschäfte den Nutzen davon erringen wollen. Die Fischer selbst aber, welche die Ar- beit verrichten und der Gefahr Trotz bieten, werden leer ausgehen. Jedenfalls muß, wenn die Sache im Reichstag zur Berathung gelangt, auf solche Vorkommniffe hingewiesen werden. Deutsche Staatsangehörige, wie die Spitzbuben zu- sammengekoppelt und zu �uß von Warschau über die Grenze transportirt' deutsche Staatsangehörige auf dem Marsche Nachts wie Spitzbuben in Gefängniffe gesperrt— es geht doch nichts über die thurmhohe Freundschaft! Das mächtige Deutsche Reich muß(?> es fich gefallen lassen, daß seine Landeskinder, die im Auslande fich eine ehrenhafte Existenz begründet haben, wie die Vagabonden„abgeschoben" werden l'r— so ruft die «Volkszeit." angefichts der unter obigen Umständen erfolgten Ausweisungen Deutscher aus Rußland aus. Muß sich denn aber Deutschland eine solche Behandlung seiner Angehörigen gefallen lassen? Das Reich schickt Kriegsschiffe nach den ent- femtestcn Gegenden, um die Besitzungen einiger Gesellschaften zu schützen, um einige Neger, die vielleicht nicht einmal ihre Handlungsweise überlegen können, zu züchtigen. Aber warum denn in die Ferne schweifen? Reicht die deutsche Macht nicht aus, um die Rohheitcn russtscher Haldwilden zu strafen? Sonderbar, höchst sonderbar! „Ewiger Krieg". Zu diesem Kapitel bemerktem rechts stehendes liberales Blatt, daß die jüngste Haltung des KabinetS Briffon vom deutschen Volke mit Genugthuung begrüßt werden müsse, da demselben durch die Fortdauer friedlicher Beziehungen zwischen zwei zu fruchtbarster Ergänzung im Wettkampfe der Kultur, nicht zum Waffengange berufenen ungleich geartcteten, hochbedeutenvcn Nationen nur Vortheil und Segen entsprieße.— Das klingt allerdings anders, als die Raisonnements eines avencementslüsternen Offiziers. Zu dem Berliner Maurerstreik bemerkt die„Elberfelder Zeitung" sehr verständig, sie sei der Anficht,..daß die Leitung der Sozialdemokratie an dem großen Streik einen direkten An» theil nicht gehabt habe; ste mag verartige, aus den Lohnver- hältniffen entspringende Bewegungen nicht aufhalten, aber sie befördert ste auch nicht direkt, weil ste fich nichts von ihnen zu versprechen hat."— Die„Nordd. Allg. Ztg." kann noch viel von ihrer rheinischen Kollegin in solchen Dmgen lernen. Zur Frage der Sonntagsheiligung regt eine Zuschrift der ,Li>t. Morgenztg." die Nothwendigkeit an, an die gleich. zeitige Beseitigung der Extrafeiertage heranzugehen, die Sachsen noch in seinem Hohenneujahrsfeste am 6. Januar, seiner besonderen Feier des Reformationsfestes und dem einen der beiden Bußtage besitzt. Diese Wochenfesttage find der Industrie be» sonders nachtheilig, wenn fie auf einen Dienstag oder Freitag fallen, weil dann nothgedrungen die Fabriken drei Tage ferem, da das Anheizen der Kessel auf einen Tag fich nicht verlohnen würde. Je strenger man in Betreff der Unterdrückung der Sonntags, und Festtagsarbett wird, um so unabweislicher ist die Aufhebung der überflüsfigen Festtage. Daß Sachsen zwei Bußtage haben muß, steht man in den industnellen Kreisen, denen dadurch ein Arbeitstag und ein Tagesverdienst genommen wird, nicht ein. Auch das Verlegen des Reformationsfestes vom 31. Oktober auf den nächsten Sonntag ist eine billige Wir wissen zwar haben müssen und ebensowenig ist uns bekannt, ob em beson- deres Bedürfniß nach sonstigen religiösen Feiertagen vorhanden ist. Aber soviel steht fest, daß die sächstschen Arbeiter nichts davon haben würden, wenn die angegebenen Feiertage auf- hörten. Wenn es nach dem Wunsch der Untemehmer ginge, dann dürfte überhaupt schließlich kein Ruhetag mehr vorhanden sein' ihnen ist jede Störung im Geschäftsbetnebe ein Gräuel. aleichviel, ob dieselbe durch einen Feiertag oder eine sonstige rsache�herbngMhtt wird-er �j�ch�stfälischen Zeitung." Die„RH.-W. Ztg.", das Organ der westdeutschen als wäre eS aus den Lüften gekommen, das Pfeifen des kleinen Regenvogels nach dem Zordan hinüber. Ein ähn» liches Pfeifen antwortete, und John, dadurch zufriedengestellt, legte sich wieder hin, um die Ankunft der Gefährten abzu- warten. Ehe er indessen ei» weiteres Zeichen von ihnen ver- nahm, störte« ihn plötzlich die Schritte eine» einzelnen Wanderers, der mit großer Eile auf demselben Wege daher kam, auf welchem er selbst kurz vorher Elliot und Holmsten nachgefolgt war. Er mußte befürchten, daß derselbe gerade mit dem Schwarzen Biber und Falk zusammentreffen und von letzterem sogar für seine eigene Person gehalten und möglichen Falls angesprochen werden würde. Er stieß daher den verabredeten WarnungSruf der kleinen gekrönten Rebhühner auS. Derselbe wurde kaum dreißig Schritte weit von ihm sogleich wiederholt, der sicherste Beweis, daß der Schwarze Biber den Fußgänger rechtzeitig entdeckt hatte und daher auf seiner Hut war. Der Wanderer näherte sich unterdessen schnell, und da er mit der Oertlichkeit nicht sehr verttaut war, die Pforte sich aber in der Dunkelheit gar nicht von der Einfriedigung auszeichnete, so begann er, nachdem er bei der Ecke des Gartens angekommen, sich langsam an dem Zaune hinzu- tasten, um auf diese Weise die Pforte und demnächst den hölzernen Riegel an derselben zu finden. John sah ein, daß einer Entdeckung gar nicht mehr vorzubeugen sei, und der Fremde, wenn er ihm nicht auS« weiche, über ihn hinstolpern müsse. Ohne zu zögern, sprang er daher geräuschlos empor, und als ob er den Dienst eines Rvnolds, sich nach dem Delaware« umwendend. Holmsten wohnt hier," gab der Angeredete zur Ant- wort,"und indem er einige Schritte zurücktrat, öffnete er Rvnolds die Pforte, worauf er sich mit einem kalten „Gute Nacht" entfernte und hinter dem nächsten Hause ver- schwand� auf der rechten Seite der Thür waren seit Holmsten'S und Elliot'S Eintritt in'S Haus erleuchtet worden. Eisenindustriellen, ein nationalliberales Blatt Heidelberger Ob- servanz, läßt fich in ihrer Nummer 222 aus Berlin schreiben: „Allerorten wird von der sozialdemokratischen Partei die Agi- tation für die Fachvereine lebhaft betrieben. Sie dienen fast lediglich politischen Zwecken. Es könnte Wunder nehmen, daß noch so viele Aufmunterungen in den Aibeiterversammlungen zum Beitritt zu den Fachvereinen nothwendig find. Thatsach- lich ist eine Strömung unter den Arbeitern vorhanden, welche einer Gewerkschaftsbewegung mit praktisch-wirthschaftlichen Zielen, genossenschaftlicher Selbsthilfe zur Besserung der Lage der Arbeiter zustrebt. Das hiesige Arbeiter- b l a t t weist gerne auf die imponirende Macht der englischen Trades Unions hin, aber deren Macht beruht, abgesehen von der Zentralisation, dann, daß fie praktische Polttit treiben, d. h. reine Politik so wenig als möglich. Die Zahl der eng- tischen Gewerkschaften ist von 1873 blS 1883 von 118 auf 195 gestiegen, die Zahl der Mitglieder aber von 264000 auf 253 000 gefallen. Sollte das nicht mit der zunehmenden Proletarifirung der großen Masse zusammenhängen, fragt das Arbeiterblatt. Was verhindere, daß die deutschen Gewerk- schaffen es den englischen nicht gleich thun könnten, das seien die mangelnden gesetzlichen Garantien; es fehle ein volksthüm- lich abgefaßtes Reichsvereinsgesctz, das die zentralifirte Orga- nisation der Arbeiterkorporationcn ebenso zulasse, wie die Verbände der Industriellen. So lange die Arbeiter fich von ihrer jetzigen Führung nicht los machen, ist wenig Hoffnung auf Erfüllung dieses Wunsches. Der praktische Versuch mit dem Arbciterschutzantrag entsprang für die Sozialdemokraten doch mehr takttschen Rücksichten, hoffentlich verrechnen fich aber die Herren und finden die Arbeiter immer mehr Geschmack daran, prattisch an der Gesetzgebung zur Verbesserung ihrer sozialen Lage mitzuarbeiten."— Schief, schielend, unwahr, un- klar und unrichtig, das ist das Gesamntturtheil, daS fich über diese Mittheilung der„RH.-W. Ztg." fällen läßt. Wie oft ist nicht schon erklärt und bewiesen worden, daß die Fachvereins« bewegung eine rein gewerkschaftliche, nicht politische ist. Glaubt die„RH.-W. Ztg.", daß, wenn dieS nicht so wäre, der Pfeil vom straffgespannten Bogen des Sozialistengesetzes nicht schon längst gegen die Fachorganisationen geflogen wäre? Lächerlich ist es ferner, anzunehmen, daß deshalb, weit die Arbeiter gewerkschaftlich sich bethätigen, nun die politische Bewegung ebben müßte. Die klassenbewußten Arbeiter betonen sowohl das politische wie das gewerkschaftliche Moment, als nothwendig zur Verbesserung ihrer Lage. Und wie beschämend für die Schirmherren des„Patrimonmms der Enterbten" ist die sanfte Drohung, daß,„so lange die Arbeiter fich von ihren jetzigen Mhrern nicht losmachen", an gesetzliche Garantien für die Gewerkschaften u. s. w. nicht zu denken sei, d. h. so lange eine Arbeiterpartei existirt, wird den nothleiden- den, um bessere wirthschaftliche Verhältnisse kämpfenden Arbei- tern einfach Alles verweigert. Eine ebenso billige wie schlechte Ausrede. Die Herren Sozialrefornrer wollen ja doch, wie fie sagen, um seiner selbst willen dem arbeitenden Volk helfen; und über dies Erkenntniß sollten fie nicht hinwegkommen? Wäre es nicht das Beste, sie machten durch gründliche, gute Reformen ihre Versprechen zur Wahrheit? Aber der Nationalliberalismus und die anderen Parteien find sozialreformettsch nur bis an den Geldbeutel. Das ist des Pudels Kern. Deshalb verschanzt man fich hinter Unwahr- heften, Entstellungen, politische Märchen. Freilich, schon Shake- speare sagt:„Gründe find so wohlfeil wie Brombeeren." DaS ReichsversicherungSamt hat nunmehr die Schieds- gettchtsbezirke für die Berufsgcnossenschaften abgegrenzt und eine gedruckte Ueberstcht derselben allen Vorständen zur Kenntnißnahme zugänglich gemacht. Es ist hierbei von dem Grundsatze ausgegangen, daß die Seltionsfitze und Schiedsgerichtsfitze möglichst zusammenfallen sollen, da hier- durch die Verwaltung erleichtert wird und Kosten erspart werden. „In Sachen der Sonntagsarbeit ist— so berichten ver- schiedene Blätter— von der sozialdemokratischen Partei eine Gegenenquete veranstaltet worden, deren Ausführung das in München befindliche Rohledersche Bureau für Änge- legenheiten der Fachvereine übernommen hat. Dasselbe hat an die bei ihm angemeldeten Fachvereine Fragebogen entsandt, soll aber, nach Mittheilung des„Frkf. I., dabei nur ein ge« nnges Entgegenkommen finden, indem fich bis jetzt von zirka 470 Vereinen kaum 50 bereit erklärt haben, die ihnen über- tragene Arbeit zu erledigen."— Dieser Bencht dürste auf einem Jrrthum beruhen und ist wohl dadurch entstanden, daß genanntes Bureau den Fachvereinen Fragebogen zugesandt hat, um eine genaue Statistik über die Verhältnisse in den verschie- denen Gewerben herbeizuführen. Zu der internationalen Telegraphen-Konferenz in Berlin dringt das„Arth. f. Post u. T." einen historischen Rückblick, welchem die„Voss. Ztg." folgende Daten entnimmt: Die erste Anregung zur Abhaltung internationaler Telegraphen- Kongresse ist vor mehr als 25 Jahren von der belgischen Re- gierung ausgegangen. Auf Einladung der letzteren trat im Jahre 1858 in Brüssel der erste derartige Kongreß zusammen, welcher an Stelle der vielen Sonderoereinbarungen einen ein» Falk und die beiden Delaware«, die eben so schnell an die Einfriedigung des Gartens gelangten, wie Rynolds das Haus erreichte, konnten daher deutlich sehen, daß dieser, ehe er seine Anwesendheit kund gab, nach den zuletzt erhellten Fenstern hinschlich und vorsichtig in das Innere des Ge- macheS spähte. Indem er sodann sein Ohr dem Rande der untersten Fensterscheibe näherte, versuchte er zu horchen, doch befürchtete er entweder eine Entdeckung von Innen, oder der gedämpfte Schall der Stimmen ging für ihn verloren, denn nachdem er noch einmal einen langen Blick in da» Gemach geworfen, schlich er eine kurze Strecke weit auf dem Garten« wege zurück, worauf er sich schnell wieder, jetzt aber mit ge- räuschvollen Schritten, der HauSthür näherte. Auf sein Anklopsen wurde sogleich geöffnet. Als er aus den Flur trat, bemerkte er, wie Holmsten ebendaselbst einen kleinen blondlockigen Knaben von zwei bis drei Jahren von Elliot'S Arm nahm, in die links liegende Thüre hinein» schob und zugleich eine ihm nicht sichtbare Frau bat, daS Kind nicht wieder hinauSzulassen, während Elliot ihm die Hand zum Gruß entgegenreichte und feine Verwunderung darüber aussprach, daß er allein komme. „Der Apostel und Jansen werden bald nachfolgen, ich eilte voraus, um Euch vorher allein zusprechen," antwortete Rynolds, Holmsten'S Bewegung nicht beachtend, aber inner- lich noch triumphirend über daS, was er durch das Fenster entdeckt hatte. Er war nämlich gerade zur rechten Zeit eingetroffen, um zu gewahren, daß Elliot, der sich unbemerkt glaubte, da« Kino aus seinen Knieen hielt und mit einem auffallend weichen Ausdruck in seinen Zügen herzte und küßte, Holm- sten dagegen sich abgewendet hatte und nach dem Flur hin- auslauschte, wie um einer zufälligen Störung durch seine Frau rechtzeitig vorbeugen zu können. Indem er die beiden Männer nun vor sich stehen sah, flogen seine scharfen Blicke prüfend über ihre Physiognomien hin. Dieselben waren wieder so undurchdringlich und ver- schloffen, wie nur je, und vergeblich strengte er sich an, aus ihren Augen etwas von der Gemüthsstimmung herauszulesen, in welcher fie sich zur Zeit, als er sie durch das Fenster beobachtete, befunden hatte». zigm Vertrag, an die Stelle der verschiedenen, nach Völlen aruppen gesonderten Telegraphenvereine einen(mit Ausnahme Englands), sämmtliche europäischen Telegraphenveiwaltungea umfassenden allgemeinen Telegraphenverein setzte. Hierdurch erhielt die Welttelegraphie eine Grundlage, welche später bei den programmmäßig abgehaltenen Konferenzen(Patts löK- Wien 1868, Rom 1872, Petersburg 1875 und London 1379) gefestigt und erweitert wurde. In Wien traten die erstell außereuropäischen Länder dem Vereine bei; in Rom erschienen zum ersten Mal die Vertreter der großen Kabelgesellschasten; in Petersburg wurden wesentliche Verbesserungen des qe- meinsamen DrenstbetttebeS vereinbatt und London endlich M den ersten Echtttt zur Vereinfachung der vielgestaltigen Tariss Verhältnisse. In Bezug auf die BerufSgeuossenschaften wird offiziös geschtteden: Mittelst Erlasses vom 22. d. M. hat das Reichs- Verficherungsamt den Vorständen der Berufsaenossen« schaffen die Mittheilung gemacht, daß es beabsichngt, am 1. Oftober d. I. das Unfall- Verficherungsgesetz in Kraft treten zu lassen. Um aber zuverlässig übersetzen zu können, od die nach§ III des Gesetzes hierzu erforderliche kaiserliche Verarg nung rechtzeitig wird erbeten werden können, verlangt das Reiws-Verfichemngsamt eine bestimmte Auskunft über alle aus die Organisation der Genossenschaften bezüglichen Puntte, ins- besondere auch darüber, ob alle Organe gewählt, namentlich od die Abgrenzung der Bezirke und die Wahl der Vertrauens- männer bereits erfolgt ist. Zu diesem BeHufe find den Genoffen- schaffen Fragebogen zugefertigt worden, deren Ausfüllung zum 1. September d. I. vorgeschneben ist. In Betreff der Fußbekleidung der zur korrektionelle» Nachhaft überwiesenen Personen hat der Minister des Innern im Einvernehmen mit dem Justizminister durch Ver- fügung vom 21. April d. I. auf einen speziellen Bettcht foi- gendes bestimmt:,., Die Verpflichtung der Gerichtsbehörden in Bezug auf die Beschaffung von Kleidern für die aus den Gerichts- w. sängnissen zur Entlassung kommenden Personen geht, wie st» aus der Natur der Verhältnisse ergiebt, und woran auch grmw' sätzlich festgehalten werden muß, über das unumgänglich Noch- wendige nicht hinaus. Die mit früheren Verfügungen de» Justizministers im Einftanae stehende Bestimmung im§# des Reglements für die Gefängnisse der Justizverwaltung, nach welcher die Bekleidung der zu Entlassenden den An- forderungen der Jahreszeit, Gesundheit und Sitte en>' sprechen soll, ist daher nur mit dieser Beschränkung zu verstehen, und es ist namentlich aus dem Worte „Sitte" nicht die Folgerung herzuleiten, daß bei der Art � Bekleidung allgemeine Gebräuche und Gewohnheiten unbeduigr Berückfichtrgung finden müßten. Der Begttss„Sitte" kann vielmehr nach dem Vorhergesagten nur dahin gedeutet werden, daß dre Kleidung dem Sittllchkeitsgefühle Rechnung tragen und insoweit vollständig sein müsse, daß dieselbe keinen Aristo» erregen und ein öffentliches Aergerniß nicht hervorrufen kann. Daß das letztere der Fall sein sollte, wenn Personen niederen Standes in der dottigen Provinz aus dem Gefängniß barfui entlassen werden, wird, trotz des in dem Bettcht hervorgehobenen Umstandes, daß das Barfußgehen selbst in den unteren Klaff� der dortigen Bevölkerung als eine allgemeine Sitte nicht anzw sehen sei, schwerlich behauptet werden können. Die Forde- rung, daß die zu Entlassenden unter allen% stünden mit Schuhwerk versehen sein müßten, läßt daher in dieser Allgemeinheit nicht aufrecht erhalW* und es wird ein dahin gehendes Verlangen von dw Polizeibehörden bei der Uebernahme der Korrigenden mit folg nur dann geltend zu machen sein, wenn die Rückfiamr auf die Jahreszeit oder die persönlichen Verhältnisse des E?' lassenen dasselbe begründet erscheinen lassen. In ähnlicher Ww ist die fernere Frage, wie fich die Polizeibehörden dem Lmw- armenverbande gegenüber zu verhalten haben, zu beantworte- Ein Anspruch darauf, daß die Korttgenden bei ihrer Einliefert�» in das Arbeitshaus mit einer bestimmten Kleidung versep, sein müssen, steht dem Landarmenverbande nicht zu, und es? lediglich Sache desselben, etwa hierin vorgefundene Mängel?. angemessen scheinender Weise zu beseitigen. Die Verbindliche. des Polizeifiskus beschränkt sich nach§ 38 des Ausführung-' gesetzcs vom 8. März 1871(Ges.-Samml. S. 130) nur auf l"* Lieferung solcher Bekleidungsgegenstände, welche für die focj'lr„ Zwecke des Transportes erforderlich werden. Die% scheiduna darüber, wann und in welchem Umfange dieses � forderniß als vorhanden anzunehmen ist, steht allein der lo? des-Polizeibehörde, beziehungsweise den mit der Ablieferung der Korttgenden beauftragten Orts Polizeibehörden zu u». wird fich nach den Umständen des einzelnen Falles müssen. Im Allgemeinen ist jedoch auch hier davon ai richtc" gehen, daß nur das wirklich Unentbehrliche beschafft und IN- Ausrüstung, wie dies bereits der§ 17 der TranspottinstnNs tion vom 16. September 1816 vorschreibt, im Wesentlichen o® diejenigen Gegenstände beschränkt wird, welche zur Sicherung gegen die Kälte und zur Vorbeugung eines öffentlichen Aerg?. nisses nothwendig erscheinen. Nach diesen Gesichtspunkten auch die Frage wegen der Verabfolgung von Schuht Wie Jemand, der gewohnt ist, überall gastfreundl� aufgenommen zu werden, trat er aus Holmsten'S einladen� Handbeweaung in daS Gemach ein, welches zu des Hnn? Herrn ausschließlichem Gebrauch bestimmt zu sein schien, uu überrascht schaute er sich um, als er in der ganzen Eintt? tung desselben eine gewisse Ueppigkeit bemerkte.. ES war das erste Mal, daß er Holmsten besuchte, den« 11 vorhergehenden Abend war er durch anderweitige Verpflichtung� abgehalten worden, sich an der dort stattgehabten Berathung Z betheiliaen. Unwillkürlich verglich er die Einfachheit, die s- bisher fast durchgängig bei seinen Glaubensgenosse« gesundes' mit dieser an LuxuS grenzenden Ausstattung, und er ttN nicht, als er überall den Geschmack einer jungen Frau 3, erkennen glaubte, welche einen großen Theil ihrer Zeit dar«' verwendet hatte, ihre Häuslichkeit sinnig zu schmücken./. mentlich waren es Stickereien mancherlei Art, die ei� freundlichen Schimmer über das Gemach verbreiteten, de!> Möbel allerdings einen Vergleich mit den Fabttkate« licher Städte nicht aushielten, aber doch so sauber und L biegen waren, wie sie nur immer am Salzsee Hergel» werden konnten. � Rynolds gedachte Holmsten'S unglücklicher Gattt«!.� sah im Geiste daS harmlose und freundliche Wesen vor W welches er als Kind m der Heimath fast täglich gesehen u beobachtet, und welches dann, beseelt von religiöser merei, dem Manne seiner Wahl weit über den Ozean L nachfolgte. Die den Lehren des Mormonenthums geoPrL junge Frau verkörperte sich gewissermaßen in seiner™.,- tasie, aber er blieb kalt und gefühllos. Nur der Geda« c eine unumschränkte Gewalt über Elliot und Holmsten d" die Mitwiffenschaft ihre» tiefsten Geheimnisses errungen. haben, erfüllte ihn, als er die theilweise ihm nicht fre� Gegenstände in seiner Umgebung betrachtete. Holmsten war mit den Augen der Richtung Blicke gefolgt. Er mochte Rynoldi' Gedanken errw?., denn über seine nicht unschönen, aber durch religiösen tiSmuS und die aus denselben hervorgehenden Leidenschaften gleichsam versteinerten Zügen zuckte es tr».� tiefer, unheilbarer Schmerz, und fast vergaß er, seine � zum Niedersitzen einzuladen. «toi. E i f. i K %* L�elcniRcn Korrigenden, welche ohne solches von den ��behördm übernommen werden müssen, zu behandeln, >° wird danach kaum zweifelhaft sein, daß, wenn der *?�port bei günstiger Jahreszeit und unter Benutzung der J erfolgt, der Transportant selbst aber an das Bar- ü#(n gewöhnt ist, entsprechend dem von einzelnen Polizei« I.., schon jetzt geübten Verfahren, die Lieferung in der n U nicht zu erfolgen hat. Der Justizminister hat im imgen den gerichtlichen Behörden eine besonders sorgfältige z. jwg darüber, wie weit in jedem einzelnen Falle in der (Äi 8un0 non Kleidung und Echhwerk an zu entlassende �Nchtsgefangcne gegangen werden könne, zur Psticht machen >A- Es darf erwartet werden, daß hierdurch für die Zu- �weiteren Beschwerden in Bezug auf die Bekleidung der »"Wknen vorgebeugt werden wird und Kollisionen zwischen «il.- �gnißverwaltungen und den Polizeibehörden hierüber � Krncr eintreten werden. Oesterreich-Ungar«. .«n unserem siiachbarlande hat wieder einmal ein kleiner Mnll stattgefunden. In Königinhof fand die Eröffnung deutschen Turnsaales statt, zu welcher sich viele Fest- Mnehmer eingefunden hatten. Wahrscheinlich haben sich nun tot ii. etwas provokatorisch benommen und dadurch J Wteich im Orte anwesenden Czechen gereizt. Es entstand streit und etwa 1500 Czechen versuchten den Festsaal zu -n, wurden jedoch von Gendarmen und Polizei zurück- en. Nachdem die Haltung der Volksmenge trotz der an d* l�Genen Aufforderung, sich zu zerstreuen, immer drohen- v wurde, ersuchte der Bezirkshauptmann um 11 Uhr Nachts u �urner, ihre Feier zu schließen. Die Volksmenge versprach, dw niPdrenden Turner nicht zu belästigen; trotzdem wurden tinopen überfallen, wobei ein Gendarm verwundet und utscher durch Steinwürfe schwer verletzt wurde. Die Unter- 0 ist im Gange. Spanten. m Vre Erregung wegen der Karolinen- Inseln dauert fort. n» a' Salamanca, derselbe, welcher s. Z. den deutschen Kron- f?Wn in Valenzia empfing, soll thaffächlich seinen preußischen - � zurückgeschickt haben, wofür er von den republikanischen gr-'-n als Hell» gefeiert wird. Mehrere Mitglieder der spa- (pn Akademie der Jurisprudenz haben Einberufung einer Malversammlung beantragt, um derselben folgende Beschlüsse i, Annahme zu unterbreiten: 1) Daß die Akademie mit tiefstem �uem und größtem Unwillen Kenntniß genommen hat von 53,» den Deutschland soeben vollzogen hat, indem es die Babeltbuav„usurpirte", welche einen Theil unseres, die Jaunen" benannten Archipels bildet, und was eine Ver« 2% der Grundprinzipien bedeutet, welche das internationale Pcrrecht bilden." 2)„Daß, um in energischer und patrio« ».7® Weise gegen ein derartiges Attentat zu protestiren, der ii?rrin, des Deutschen Reiches, Friedrich Wilhelm, und die deutschen Mitglieder der Akademie ausgestoßen Italien. ,«rn Sonntag wurde in Mailand ein von der republi- »bSj? Maffi, ein Mitglied der Deputirtenkammer, mißbilligte JRsid) die italienische Besetzung von Massauah und erklärte, s° die Sehnsucht der italienischen Soldaten nicht nach Afrika, nach den italienischen Alpen gerichtet sei. Unver�üa- ! uachdcm diese Worte gesprochen waren, trat ein Pohzti» stor vor und drohte, Signor Maffi an der Beendigung Rede zu verhindem, falls er in derselben Tonart fort« Alsdann nahm das Meeting einen Beschluß an, worin >erufung der italienischen Truppen aus Massauah ver« wurde. Die Republikaner beabsichtigen, ähnliche Meeting? Italien zu organifiren. Frankreich. �ules Ferry S, zu erzamen, on oer lon,ervaiive Wayrer �'fällig mit republikanischen zusammentrafen und sie an toJ�rathung theilnehmen ließen.„Die Verhandlung be« iC: kaum hatte der Redner das Wort ergriffen und ange« W die Politik des Herrn Ferry über vre Nothwendigkeit to'Anialcn Ausdehnung zu bekämpfen, als einer der repu« Aschen Anwesenden sich erhob und, ihn unterbrechend, dre i�chen Worte sprach: Meine Herren! ES ist ganz und �.unnöthig. daß Sie sich noch die Mühe geben, von Herrn fi W sprechen. Alle, die wir hier find. Reaktionäre und �Aifoner, haben über diesen Punkt ganz die gleiche Mer- üC das heißt, daß die Wahl des Herrn Ferry in den Vo« »JI Unmöglich ist; ich bin dessen im Voraus sicher, daß Nie« U"* Mi. i5„ wi.S M««,, vi- OlhRrfit L wir hter widersprechen wird. Wenn Jemand die Absicht Ll wr ihn zu stimmen, dann sage er eS! Wenn Sie uns uberzeugen wollen, so sprechen Sie von etwas anderm, � über Ferry ist unsere Dteinung schon gebildet. Lauter «3ch komme etwas früher und allein," hob Rynold» »pachdem sie vor dem kleinen Feuer, welche» in dem Ä brannte, Platz genommen, und während er sprach, [ 61 seine Blicke fest auf die blauen Flämmchen geheftet, KlM um ihr Leben bettelnd, über den verkohlten Holz- C�u tanzten und flackerten;„ich komme allein, weil da», L'4 Mitzutheilen habe, nur einzig und allein für Eure bestimmt ist. Selbst der oberste Prophet darf nicht % wa» hier d kiä-°«der, um die Spannung Ellwt's und Hotmsten', zu iu�u und demnächst um so erfolgreicher auf sie einwirke« °unen. k« dagegen blickten sich gegenseitig beftemdet in die �»J�nold«' geheimnißvolle» Wesen erfüllte sie mit Ahnungen, und im Zweifel darüber, wie sie selbst si �ben würden, schwiegen sie, um vorerst au ° Eröffnungen zu harren. K-% wißt, lieben Brüder, daß ich zum Vormunde über 'Jansen und ihre unglückliche verstorbene Schwester, !»bl"?chherige Mr». Holmsten gewählt wurde," fuhr Rynold« wieder mit erheuchelter Sanftmuth fort;„ferner H Euch nicht fremd geblieben sein, daß unter meiner dL?u*sen's Verwalwng das ohnehin schon namhafte Ver- ber beiden Waisen noch um ein Beträchtliche» ver- L'"urde, wa» nunmehr dem zukünftigen Gatten Hertha'» � Tm"chwäßigen Erben von deren verstorbener Schwester kommt." �tli*��tend Rynold« so sprach und noch immer mit einer �sten Miene in da« Feuer schaute, fühlten die Utt»!. ni"" Miene in da« Feuer scuauie, fühlten oie die zu beiden Seiten von ihm saßen, eine seltsame !» J�wung._ Kaum wagten sie vor ängstlicher Spannung und noch weniger hätten sie sich gettaut, die ">,! ziPuse, welche Rynold» absichtlich wieder eintteten ließ, k Zu unterbrechen. Mtj�ch dem, was ich voraufschickte, meine Brüder, wird e» Imu1 Uberraschen, mich von der wunderbaren Fügung de» tief ergriffen zu sehen," sagte er leise vor sich hm. SeJr** sprang er, wie au» einem tiefen Traum er- empor, und seine Hand auf Holmsten'» Schulter Beifall begleitete den Unterbrecher und Niemand erhob sich, um ihm zu erwidern." — Der Prinz Napoleon, der nur gezwungen seinen Freun- den die Veranstaltung von Versammlungen zur Vertheidigung seiner Ideen gestattet, scheint die Absicht zu haben, im nächsten Wahlkampfe eine vollständige Neutralität zu wahren. Diese Reserve legt er auch seinen Getreuen in den Versammlungen auf und untersagt ihnen, Reden zu halten, die Erklärungen in seinem Namen gleichkommen könnten. Ja, er soll sogar durch seine Freunde, wie Maurice Richard, Pascal, Lengls, Eilvy Sohn, den Jeromisten strenge verboten haben, für die Wahlen vom 4. Oktober zu kandidiren, so daß bei denselben keine vom Prinzen angenommene und empfohlene Jeromistische Liste sein wird. Desgleichen hat der Prinz einigen seiner Freunde, an die sich verschiedene Jornalisten gewandt hatten, um den Prinzen über seine Haltung zu interviewen zu dürfen, kurz und bündig erklärt, er wolle Niemand empfangen. — Marseille. In der letzten Sitzung des Munizipal« rathes wurde beschloffen, von der Regierung eine außerordent- liche Subvention von 300000 Franks zur Unterstützung der Angehörigen der Cholera-Opfer zu verlangen und an die öffent- liche Wohlthätigkeit Frankreichs zum Zwecke von Geldsamm- lungen zu appelliren. Grotzbrttaunie«. Die deuffche„Annexion der Karolinen-Jnseln" wird von den meisten englischen Blättern als ein fiut accoinpli angesehen, gegen das sich eben nichts machen läßt. Die„Daily- News" finden es indeß nicht leicht, die Motive der Aktion Deutschland« in Bezug auf die genannten Inseln zu verstehen. „Fürst Bismarck," schreibt das Blatt,„bekundete etwas weniger als seine übliche Klugheit und Staatsmannskunst, indem er das Nationalgefühl Spaniens um eines absttakten, von keinem hinlänglichen praktischen Vortheil begleiteten Rechtes Willkür» licher Weise beleidigt. Die Frage ist eher eine des Gefühls, als eine von materiellem Interesse, und kein Vortheil, den Deutschland durch die Geltendmachung seiner Prätenstonen gerade jetzt gewinnen könnte, würde der Einführung eines neuen Elementes der Erbitterung in die internationale Politik Europas wetth sein."— Die englischen Truppen, welche sich am Montag in Alexandrien einschifften und deren Abfahrt auf plötzlichen Befehl unterblieb, haben nunmehr Ordre erhalten, in See zu gehen und werden demnach bald in England ein- treffen. «gtzpte«. Die Uebergabe der Garnison von Kassala bestätigt sich. Die Besatzung war durch den Mangel an Nahrungsmitteln an den Rand der äußersten Roth getrieben und hatte während der letzten Tage nur von Gras gelebt. Die Bedingungen der Uebergabe waren ehrenhast; es wurde der Garnison und den Einwohnern freigestellt, die Stadt zu verlassen, und gegen- wärtig leben Sieger und Besiegte freundschaftlich bei einander. Osman Digma verließ bei der Nachricht hiervon unverzüglich die Nachbarschaft von Euakin und brach nach Kassala auf. Man erwartet indeß nicht, daß er im Stande sein wird, sich in das Resultat einzumischen, da sämmtliche Stämme der bestän- digen und unvrofitablen Kriegführung herzlich müde find. Amerika« Es liegen nunmehr nähere Meldungen über die Ursachen vor, welche den Sturz des seit 1878 im Amte gewesenen libe- ralen Kabinetes Saraioa in Brasilien herbeigeführt haben. Dieselben sind in den finanziellen Schwierigkeiten zu suchen, welchen die Durchführung des Sklaven-Emanzipations-Gesetzes begegnet. Vor Jahresfrist blieb schon daS liberale Kabinet Dantas bei der JndemnitätS-Frage in Betreff der Sklaven, welche das 60. Levensjahr erreicht hatten, in der Minorität. Der vom Kaiser zur Kabinetsbildung bemfene liberale Partei- führer Saraiva arbeitete einen Gesetzentwurf aus, welcher den sechszigjährigen Sklaven frelläßt, denselben jedoch verpflichtet, seinem früheren Herrn noch weitere drei Jahre als Entschädi- aung Dienste zu leisten. Diese Klausel, sowie die übrigen auf Durchsühruna des Emanzipations-Gesetzes innerhalb zehn Iah- rcn abzielenden Vorschläge der Earaiva'schen Vorlage waren von der Kammer angenommen worden. Nur über den Los- kaufsfonds, beziehungsweise die Beschaffung der finanziellen Mittel zur Durchführung der Freilassung hatte sich ein Streit enffponnen, welcher mit der Niederlage der Liberalen endete. Die Mittel des Loskaufsfonds von 1871 find nämlich so spär« lich, daß der brasilianische Staat bis heute, also in einem Zeit- räume von vierzehn Jahren, nur 11000 Sklaven loszukaufen im Stande gewesen ist. Saraiva beanttagte nun eine Zusatz- taxe von fünf Perzent auf alle allgemeinen Steuern mit Aus« nähme der Exportsteuer, und zugleich eine jährliche Emission von fünfperzentigen Staatsrenten-Titeln bis zum Betrage von 15 Millionen Franks zu dem Zwecke, die Mittel zur Emanzi- pation aufzubringen. Dieser Anttag fiel und mit ihm das Kabinet.— Das neue Kabinet ist bereits gebildet, ob es unter den obwaltenden Verhältnissen sich lange am Ruder erhalten kann, erscheint sehr fraglich. legend, rief er aus:„Euer und Edith«'» Kind ist in der That au« dem Standsturm, der seiner Mutter traurige» Ende herbeiführte, gerettet worden!" Wäre ein Blitz vor den beiden Männer« in den Bo- den gefahren, so hätte da» nicht furchtbarer auf sie wirken können, al» die von Rynold» in einer Art von Verzückung ausgestoßenen Worte. Die Farbe war au» ihren Zügen gewichen, ein tiefe» Entsetzen leuchtete au» ihren weit auf- gerissenen Augen, und so stierten sie Rynold» an, al» wenn sie erwartet hätten, daß er seine niederschmetterde Mit- theilung im nächsten Augenblick widerrufen würde. Dieser dagegen hatte schon wieder Platz genommen und blickte, wie er vorher gethan, sinnend in die Flammen, mit schlauer Be- rechnung den Schrecke» der beiden Verbündeten nicht be- achtend. .Wo ist der Knabe?" fragte Holmsten endlich, mit drohender Geberde vor Rynold» hinttetend;„antworte mir, wo ist da» Kind? ich will e» zurückhaben, da» Einzige, wa» mir von einer gettäumten irdischen Glückseligkeit blieb" und indem er so sprach, sank seine wild erregte Stimme zu einem ängstliche« Flüstern herab, während ein unbeschreiblich weicher Ausdruck seinen regelmäßigen Zügen auf Augen- blicke den ursprünglichen Charakter männlicher Schönheit verlieh. „Und Zhr fragt?" entgegnete Rynold» mit einem Seitenblick auf Elliot, der noch immer nach Fassung rang und seine heftige Gemüthsbewegung vergeblich hinter einer MaSke von Verschlossenheit zu verbergen trachtete.„Zhr ftagt?" wiederholte er lauter,„und ich sah eben ein Kind an Eurer Hand, welche» doch nur da» gerettete gewesen sein kann." Bei diesen Worten sprangen Elliot und Holmsten, wie von einer giftigen Schlange gebissen, empor, und wenn sie bei der ersten Nachricht nur Schrecken und Entsetzen an den Tag gelegt hatten, so schien sich jetzt die furchtbarste Wuth ihrer zu bemächtigen. War ihre Haltung doch so drohend, und sprühten ihre Augen doch ein solche» Feuer de» Hasse? und Rachedurstes, daß Rynold», hätten sie sich an einem andern Ort befunden, für sein Leben würde ge- fürchtet haben. Lokales. Von Herrn Reichstagsabgeordneten Singer erhalten wir folgende Zuschrift:„Geehrter Herr Redakteur! In ver- schiedencn Blättem lese ich, daß in einer am Dienstag statt- gehabten Arbeiterinnen-Versammlung behauptet wurde, eine Anzahl der von meiner Firma beschäftigten Schneider zahle ihren Arbeiterinnen keinen Lohn und behandle dieselben außer- dem noch in geradezu empörender Weise. Es wäre mir sehr erwünscht, wenn die betreffenden Rednerinnen mich mit dem bezüglichen Material versehen wollten, damit ich fesfftellen kann, ob und wie weit jene Behauptung begründet ist. Die Wahr- heit derselben vorausgesetzt, werde ich selbstverständlich dafür sorgen, daß wirksame Abhilfe geschaffen wird. Mit der Bitte, durch Veröffentlichung dieser Zeilen die Beschaffung des Mate» rials zu unterstützen, bin ich Ihr ergebener Paul Singer." k. Das Nomadenthum in der Berliner Bevölkerung hat der Statistiker H. Schwabe treffend jene in der Reichs- Hauptstadt so drastisch zu Tage tretende soziale Maffenerscheinung genannt, die in der konstant anschwellenden Ziffer der Umzüge sich offenbart. Dem Berliner, d. h. der großen Masse, ist seine Wohnung bereits zum steinernen Zelle geworden, aus dem der rasche Wechsel jede Behaglichkeit, jede Spur häuslichen Friedens fernhält. Die Ursache aber dieser Quartalsvölkerwandlemnaen ist vor allem in erster Linie eine wirthschaftliche. Jede Ge« schäftsstockung, jede Krists wirft Hunderte und Tausende auf's Pflaster. Vergegenwärtigen wir uns zunächst die Zahl der Umzüge innerhalb direkt gemietheter Wobnungen, also mit Weglassung der Umzüge von Chambregamisten, Schlafleuten. Folgende Tabelle giebt für einen 12jährigen Zeitraum die Zahl der vorhandenen Wohnungen, verglichen mit der Zahl der Umzüge an. Zahl der Von 100 Miethern Jahre Wohnungen inkl. wechselten Gelasse die Wohnung 1861 99 728 44,7 1862 113 048 45,6 1863 120 598 49,6 1864 129 193 51,1 1865 138356 51,1 1866 146081 51,1 1867 153 433 53,7 1868 158 740 49,0 1869 163 057 44,7 1878 166 144 40,1 1871 168 541 38,0 1872 173 001 43,1 Die Masse der Umzüge ist kolossal, sie bettaaen in einem zehnjährigen Durchschnitte pro Jahr fast 50 pCt. der Wohnungen, d. h. also von je zwei Miethern zieht im Jahre einer aus.— Der ökonomischen, der wichtigsten Seite der Wohnungs- frage, kommt man näher, wenn man fragt, in welchen Klassen der Wohnungen die jährlichen Umzüge stärker oder schwächer auftteten. Dies ersieht man aus nachstehender Tabelle, welche die Wohnungen nach ihrem Miethswerth in sieben Klaffen theilt uno für jede Klasse pro 1872 die Zahl der Wohnungen und Umzüge ermittelt: Miethswerth...In nebenstehenden Wohnungsklaffen der Wohnungen cxistirten Wohn. Thlr. 1-100 101-200 201-300 301-400 401-600 601-1000 über 1000 inkl. Gelasse 90133 44129 15 551 8 516 8 396 5 830 3 761 kamen Umzüge vor 41 397 18 741 6029 3 091 2 643 1765 902 Auf 100 Wohn. kam. Umzüge vor 45,9 42,5 38,9 36,3 31,5 30,3 24,0 176276 74568 42I Die Wechselbeziehungen zwischen Armuth und Nomaden- thuni springen Jedem, ver diese Tabelle auch nur flüchtig durchliest, sofort in die Augen.„Je tiefer," sagt Schwabe, „die soziale oder wirthschaftliche Stellung einer bestimmten Gmppe der Berliner Bevölkerung ist, desto intensiver verfällt sie dem Nomadenthum." Und die letzte Spalte der soeben ge- gebenen Tabelle enthält einen streng mathematischen Ausdruck dieser Behauptung: Wer über 1000 Thlr. Miethe zahlt. erhält die Zensur 601-1000 desgl. 401-600 desgl. desgl. desgl. desgl. desgl. dessen Nomadenthum 240 303 315 363 389 425 459 301-400 201-300 101-200 1— 100 Im Durchschnitt für ganz Berlin mußten im Jahre 1672 von 100 Miethern 42 ausziehen. In der niedrigsten Wohnungs- klaffe kommen auf 100 Micther 46, in den aristokratischen blos 24 Umzüge. Von Jahr zu Jahr fordert die Wohnungsfrage immer energischer ihre Lösung, Aber sie ist nur ein inte« grirender Bestandtheil der sozialen Frage. Das zeigen die „Rynolds," begann nach einer kurzen Pause Holmsten mit tiefer, zitternder Stimme, sich gleich Elliot wieder auf seinen Stuhl niederlassend,„ich kannte Euch schon drüben in der alten Heimath, und zwar als Jemandem, dem freundliche und aufrichtige Gefühle fremd waren. Ihr habt Euch in den Jahren, die zwischen dem Damals und Jetzt liegen, nicht geändert. Vergeht nicht, daß Ihr Euch nunmehr am Salzsee befindet, wo Euch jederzeit die Rache für eine Beleidigung treffen kann. Sagt, wa» ver- anlaßt Euch dazu, Euer Spiel mit Männern zu treiben, die im Stande sind, Euch zu zermalmen, zu zertreten?" „Ich will Riemanden beleidigen, noch treibe ich Spiel mit Euch," antwortete Rynold» kalt und ruhig, seine Blicke wieder auf die glimmenden und knisternden Kohlen heftend; „ich will mich nur in Einvernehmen mit Euch setze», und zwar als Vormund von Hertha Jansen und al» gewissen- haftet Verwalter ihre» Vermögens und dem Theil de« Ver- mögen», welcher noch an die Erben Eurer verstorbenen Frau ausgezahlt werden soll. Es war ja verhältnißmäßig nur eine geringe Summe, welche Euch nach Eurer Verheiräthung übergeben wurde." „Wollt Ihr nicht auch in die Rechte de» oberste« Propheten und in die Jansen'» eingreifen, indem Ihr über die Hand des jungen Mädchens verfügt?" ftagte Elliot spöttisch, denn daß Rynolds des Knabens nicht weiter er- wähnte, hatte ihn wieder einigermaßen beruhigt. „Da» nicht, meine lieben Brüder," erwiderte Rynolds eben so spötttsch,„aber ein Wort mitsprechen möchte ich, und namentlich bm ich entschlossen, nicht eher Rechnung abzu- legen, al» bis das geheimnißvolle Dunkel, welches den Knaben umschwebt, gewichen ist. Es sind Gerüchte im Um- lauf, die, wenn sie sich bewahrheiten, Euch, Bruder Holm- sten, die erwartete Erbschaft, und Euch, Bruder Elliot, bas junge Mädchen sammt der reichen Mitgift kosten „Gerüchte?" riefen Elliot und Holmsten gleichzeitig au», von ihren Stühlen emporfahrend;„wer spricht von Gerüchten, und wer wagt es, Gerüchte über uns in Umlauf zu setzen?" (Forssetzung folgt.) oben gegebenen Ziffern der amtlichen Statistil recht deutlich. Nur rationelle, d. h. volkSthümliche Reformen können die Wohnungsfrage zu einer glücklichen Lösung führen. Untersuchungen auf Trichinose betreffend. Da trotz der bestehenden auf dem Wege der Polizeivcrordnung getrof- fenen Verpflichtung der Untersuchung der geschlachteten Schweine auf Trichinen noch immer frälle vorkommen, in denen Personen nach dem Genuß von trichinösem Fleisch erkranken, bei welchem erwiesenermaßen eine Untersuchung auf Trichinen stattgefunden bat, so haben die Minister des Znnem und der Medizinal- Angelegenheiten angeordnet, daß eine genauere Untersuchung, als bisher stattgefunden, erfolgen solle. Der Fleischbeschaucr soll fernerhin jedem geschlachteten Schweine wenigstens sechs Fleischproben, jede von der Größe einer Wallnuß, und zwar aus dem Zwerchfell, den Augenmuskeln, den Zungenmusteln, den Kehlkopfsmuskeln, den Zwischenrippenmuskeln und den Nackenmuskeln entweder selbst entnehmen oder in seiner Gegen- wart von dem Schlächter entnehmen lassen. Aus jeder dreser Proben soll der Fleischbeschauer dann wenigstens sechs Prä- parate kunstgemäß anfertigen und unter dem Mikroskop sorg- fältig untersuchen. Den Provinzialregierungen ist aufgegeben worden, diese Einrichtungen im Wege der Polizeiverordnung zu treffen. r. Schlagende Argumente find bei jeder Art der Ver- theidigung von großem Werthe und ihre Wucht ist in manchen Situationen geradezu niederschmetternd. Am Montag hatten die Arbeiter eines Holzplatzes im Südosten unserer Stadt einen Ausflug nach Stralau unternommen. Als sie nun am Dienstag wieder zur Arbeit erschienen, ließ der Inhaber des Geschäftes, der erst in der vorigen Woche von Karlsbad zurückgekehrt ist, wo er sein werthes zZch um mehrere Pfunde erleichtert hat, die Arbeiter in sein Komptoir rufen und kündigte ihnen ihre Ent- lassung an, die denn auch stillschweigend hingenommen wurde. Als nun aber der gestrenge Herr Prinzipal seine Entschließung mit der Bemerkung motivirte, daß er keine Arbeiter gebrauchen könne, bei denen der„blaue Montag" Sitte ist. erlaubte sich einer der Entlassenen den Hinweis, daß solche Grundsätze den Arbestern gegenüber ganz besonders einem Manne schlecht ständen, der in so angenehmen Verhältnissen lebt, daß er von Zeit zu Zeit einer Entfettungskur fich unterwerfen müsse. Der hierauf folgende ohnmächtige Wuthausbnich des gesttengen Herrn fand nur sein Echo m dem Gelächter der entlassenen Arbeiter und als nun noch ein Schutzmann herbeigerufen wurde auf den Wunsch des Herrn Prinzipals, man weiß nicht recht zu welchem Zwecke, da wurde diesem in Gegenwart� einer größeren Menschenmenge noch einmal das Argument gegen den entfetteten Holzhändler referirt. Die Menge spendete Beifall und ging, dem Wunsche des Schutzmannes gemäß, auseinander. Ob der Herr Holzhändler von der Sache Schaden haben wird, ist schwer zu sagen, aber für den Spott braucht er nicht zu sorgen. DaS Argument gegen die Verächter des„blauen Mon- tags" ist aber jedenfalls beachtenswerth und dürfte in zahlreichen Situationen anwendbar sein. Der kürzlich avistrte Kampf gegen das Zuhalterthum wird mit aller Energie durchgeführt und eine große Anzahl von Zuhältem öffentlicher Dirnen sitzt augenblicklich in Moabit in Untersuchungshaft und vermehrt sich von Tag zu Tag. All' diesen sattsam bekannten Ehrenmännern, welche notorisch nur vom Laster leben, wird auf Grund einer neuen Entscheidung des Reichsgerichts der Prozeß gemacht werden und es ist nur zu begreiflich, daß man mit diesem Gelichter keine großen Umstände macht, sondem die Festgenommenen einfach hinter Schloß und Riegel bringt, unbekümmert darum, ob dieselben den Besitz einer festen Wohnung nachweisen oder nicht. Wie wir hören, sollen demnächst auch verschärfte Anweisungen zur Reinhaltung der Friedrichstraße von den fich dort noch immer breit machenden Dirnen erfolgen. Dieses Thema hat bekannt- lich schon im vorigen Jahre die Kreissynode Friedrichswerder zn lauten Klagen veranlaßt; es scheint aber, als ob dieselben bis jetzt ungehölt verhallt sind. Ein Durchbrenner. Die Frau des Restaurateurs R. in der Rosenthalerstraße hatte, so berichtet das„B. T", am Mon- tag Vormittag in Begleitung eines ihrer Dienstmädchen den Wochenmarkt am Alexanderplatz besucht, um dort für ihr Ge- schüft größere Einkäufe zu bewirken. Da das Mädchen bereits an den ersten Erwerbungen schwer zu tragen hatte, so rief Frau R. einen der auf oem Platze umherlungernden Sonnen- drüder, der ihr völlig unbekannt war, heran und bcaufttagte ihn, zwei Gänse und eine Rehkeule, die sie noch eingekauft hatte, in einem Korbe nach ihrem Etablissement zu tragen, wo- mit der Mann auch einverstanden war, da er hierfür 50 Pf. erhalten sollte. Bald war der Mann mit dem Korb außer Sicht. Als die Frau noch einige weitere Einkäufe bewerkstelligen wollte, vermißte sie zu ihrem Schrecken ihr Portemonnaie, das noch etwa 80 M. enthielt. Sie entsann fich sogleich, daß dies Portemonnaie sich in dem Korde befinde, mit welchem sie den Fremden nach Hause geschickt hatte. Sie eilte daher selbst nach Hause, traf den cngagirten Träger aber weder unterwegs, noch ließ derselbe fich in ihrer Restauration blicken — er war einfach mit dem ihm anvertrauten Gut durchgegangen. Frau R. machte fich nun am Dienstag in aller Frühe auf die Suche nach dem Spitzbuben, den sie so scharf ins Auge gefaßt hatte, daß sie im Stande zu sein glaubte, ihn bestimmt wiederzuerkennen. Zunächst lenkte sie ihre Schritte nach dem Alexanverplatz, und dort fand sie tn der That ihren Durch- gänger, der fich inzwischen neu eingekleidet hatte, in einem Kreise von Sonnenbrüdcrn, die er mit Schnaps traktirte. Frau R. holte in aller Stille einen Schutzmann herbei und ließ den Uebelthäter verhaften, welcher im Bureau des 19. Polizeireviers auch ohne Weiteres zugestand, daß er die ihm zum Transport anvertrauten Gänse und die Rehkeule um ein Billiges verkauft und das Geld aus dem Portemonnaie, das er im Korbe ge« funden, sich angeeignet habe. Den Raub hatte der Bieder« mann, der übrigens schon mehrfach vorbestraft ist, bis auf 24 Mark, die ihm noch abgenommen wurden, in der kurzen Zwischenzeit vergeudet. Bis auf Weiteres ist der Spitzbube im Moabiter Untersuchungsgefängniß kaltgestellt. Der Polizeibericht meldete am Freitag, daß der Schön- Häuser Allee 48a, wohnende Arbeiter Funke von dem Geländer der in der Prenzlauer Allee liegenden Eisenbahnbrücke auf einen unten durchfahrenden Zug und von diesem zwischen die Schienen gefallen und am Kopf und einem Bern verletzt wor- den sei. Wie der„Nat.-Ztg." erst jetzt nntgetherlt wird, ist der Fall ein überaus merkwürdiger. Funke ntt ,m ange- trunkenen Zustande auf dem Geländer der Brücke, als unter derselben ein Eisenbahnzug des Nordringes in der Richtung nach Weißensee die Brücke pasfirte. In demselben Augenblicke verlor Funke das Gleichgewicht und stürzte hinab. Zuerst fiel er auf das Verdeck eines Wagens und dann kollerte er in den Zwischenraum zwischen diesem und dem folgenden Wagen und blieb alsdann auf dem Geleise liegen, so daß der übrige Theil des Zuges über ihn hinwegbrauste. Daß er durch die Puffer und das Kuppelgc stränge der beiden Wagen hindurchfallen konnte, ohne Übersahren oder geschleift zu werden, ist als ein Wunder anzusehen. Die Zuschauer waren daher auch ganz er- staunt, als Funke fich wieder erhob und einem Schutzmann zum Hedwigs-Krankenhause folgen konnte. Ein Bild sozialen Elends, wie es nur eine Großstadt »eitigt, entfaltete fich vorgestern Nachmittag den Bewohnern des Hauses Luisenstraße 11. An einer der vor diesem Hause siebenden Akazien lehnte ein Mann, welcher krank zu sein sckren Von einem Vorübergehenden gefragt, was ihm fehle, M-SMStzA-- Bewußtlosen wieder zu fich zu bringen. Nachdem dies ge- schehen, und er gefragt wurde, was ihm fehle, fing derselbe an bitterlich zu weinen und erzählte dann auf längeres Zureden seine Leidensgeschichte. Er ist Bäcker und hat 14 Monate in der Charitee gelegen. Von dort entlassen, konnte er keine Stellung finden und hatte den ganzen Tag noch nichtsge- gessen. Die Bereitwilligkeit der Berliner, leidenden Mit- menschen zu helfen, bewährte fich auch hier wieder aufs Glan- zcndste. Nachdem der arme Mann mit Speise und Trank er- quickt worden und noch einige Mark Geld erhalten hatte, wurde derselbe von dem Eingangs erwähnten Rollkutscher, der bedauerte, daß er den Bemitleidenswerthen nicht anders unter- stützen könne, nach seiner in der Hamburgerstraße belegenen Wohnung gefahren. Hunderttausende gehen oft zur Linderung der Roth nach fremden Ländern und bei uns brechen die Leute vor Hunger auf den Straßen zusammen. Wie der Kanzler spricht. In parlamentloscr Zeit pflegen die Stenographen ihre Erfahrungen, die sie bei Aus- Übung ihres Berufes gesammelt, auszutauschen, und so hat im Berliner Zentralverein Stolze'scher Stenographen jüngst wieder ein Kammerstenograph seine„Erlebnisse und Erfahrungen auS der parlamentarischen Praxis" zum Besten gegeben. Ueder die Redeweise des Fürsten Bismarck sagt der Stenograph:„Ich bin— so begann der Vortragende— seit dem Jahre 1876 ununterbrochen parlamentarischer Berichterstatter und kann daher wohl für mich ein Urtheil darüber in Anspruch nehmen, welche Bedeutung als Redner ein Parlamentarier hat. Ein Urtheil über den Reichskanzler als Palamentarier würde zu weit gehen, aber um über den Reichskanzler als Redner vom Standpunkte des stenographischen Berichterstatters zu urtheilen, dazu glaube ich ein unbestrittenes Recht zu haben. Gestatten Sie mir zunächst, daß ich Ihnen klar mache, wie fick das Auftteten des Reichs- kanzlers dem Beschauer darstellt. Wer ihn einmal gesehen hat, der kennt diese große Kmassiergestalt, eine wahre Hünengestalt, mit dem großen Kopfe, und dem tiefen, stechenden Blick. Wenn man fich ihn auf seinem etwas erhöhten Platze ziemlich in der Mitte des SaaleS vorstellt und fich vergegenwärtigt, daß aus diesem kolossalen Manne eine fast frauenhaft schwache, nicht gerade sehr sympathisch klingende Stimme spricht, die, nament- lich wenn er von seinen nervösen Affettionen heimgesucht wird, in jedem Satze ein- bis zweimal von einem donnemden Räuspern unterbrochen wird(wenn er leise und fein redet, kommt plötzlich ein Räuspern, das den ganzen Saal erzittern macht, und dann wieder ein Räuspem, und dazwischen ertönen in ganz schwacher Stimme einige Sätze)— dann ist von einer Rede nicht mehr zu sprechen. DaS find hingeworfene Sätze, aber das ist keine Rede! Dabei ist der Reichskanzler zweifellos ein Held im Gebrauche der Worte und in der Wahl seiner Bilder. Er hat'die Rede meisterhast in seiner Gewalt, und ich habe schon öfter geglaubt, daß dieses kraftvolle Räuspern eine oratorische List ist und eine oratorische Bedeutung hat. Vielleicht kommen ihm während desselben neue Gedanken. Jedenfalls ist dieses Räuspern in höchstem Maße auffällig. Der Fürst fängt z. B. einen Satz in schroffster Form an, und man sagt fich: jetzt muß nothwendig eine großartige Grobheit folgen; da kommt mit einem Male dieses Räuspern, und nun folgt eine Wendung, an die kein Mensch gedacht hat. Mir ist nur noch ein Fall in Erinnerung geblieben, da lautete der Satz so:„Ich stehe im Dienste des Kaisers. Ob ich darin zu Grunde gehe, das kann mir gleichgiltig sein und Ihnen.... (jetzt kommt wieder das Räuspem).... kann es auch gleich- giltig sein." Jedermann hatte gedacht, jetzt käme mindestens eine grobe Verbalinjurie.— Das ist eine Art zu sprechen, die vom Stenographen absolut nicht wiederzugeben ist, denn für das Räuspem giebt es weder ein Stolze'sches Siegel, noch dürfte überhaupt dafür eine schriftliche Bezeichnung existiren. Genug, das find Eigenthümlichkeiten des Redners, und diese treten beim Reichskanzler gerade in so großer Zahl hervor. Da ist z. B. auck die Art der Zwischenbemerkungen zu erwäh- nen. Er zitirt eine Stelle oder verliest eine Note, wie dies besonders häufig bei seinen letzten Reden über die Kolonial- Politik der Fall war; da find denn die Herren Stenographen gewöhnt, Noten oder Schriftstücke, die zur Verlesung gelangen, nach ver Sitzung zu bekommen, und so stehen sie denn und warten, bis das Schriftstück abgelesen ist. Da macht der Reichskanzler mitten im Text eine erläutemde Zwischen- bemerkung, oder er giebt einen Hinweis auf etwas früher Da- gewesenes, und nun ist es bei der dünnen, unverständlichen Stimme gar nicht zu unterscheiden: Was ist Text und was ist Zwischenbemerkung?— Kurz, wenn ein Mensch darauf ausginge, dem Stenographen Schwierigkeiten in den Weg zu legen, so muß er reden wie der Reichskanzler Fürst Bismarck." Der zoologische Garten trifft Vorbereitungen für den Empfang der Einghalesen sowie der Thiere und mannigfachen Geräthe derselben. Auch diese Ausstellung rührt von dem be- kannten Thierhändler Hagenbeck her, welcher die Somali-Neger fragwürdigster Erscheinung dem Zoologischen Garten verschafft hatte. Wir wollen, so schreibt man der„Magd. Ztg.", zu Gunsten des im Uebrigen so wohl begründeten und durchaus verdienten Rufes, welches unser Zoologischer Garten wie der genannte große Tbierhändler befitzen, uns der Hoffnung hin- geben, daß die Einghalesen- Gesellschaft die Scharte wieder auswetzen möge, welche die„Somali-Neger" ihrem Ruf bei- gebracht hat. Es wird auf alle Fälle gut sein, wenn sich die Direktion vor ähnlichen Vorfällen für die Zukunft auf daS Vorsichtigste hütet. Uederdies hat der Garten jetzt unter seinem neuen Direktor eine sehr erfreuliche Neuerwerbung gemacht: zwei schönfarbige Bläßbock-Antilopen aus Südafrika. Sie find weißbraun und bläulich grau, haben einen langen, schwarzen Streifen auf beiden Seiten und ebenfalls schwarzen Schwanz. Der reiche Bestand an verschiedenartigen Antilopen ist somit noch durch zwei seltene Exemplare vermehrt worden. Oerichts-Zeiwng. Die in ungehöriger und unqualifizirbarer Weise ausgeführte Verhaftung eines Unschuldigen, wie solche seitens des Vorfitzenden des Gerichtshofes bezeichnet worden ist, wurde in einem Korrespondenzartikcl der„Freien Zeitung" vom 20. Mai v. I. besprochen. Nach dem seitens der Polizei- Verwaltung zu Hörde in Westfalen gestellten Ettafanttage sollen die in dem Artikel behaupteten Thatsachen, welche ge- eignet find, die Polizeibeamten des Orts in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen, durchweg erfunden sein, und ist deshalb der Redafteur des genannten Blattes Heinrich Bäcker wegen durch üble Nachrede begangener Beleidigung der betr. Polizeibeamten unter Anklage gestellt worden. Verhandlungs- termm in dieser Sache hat bereits mehrmals angestanden; gestern gelangte dieselbe vor der 87. Abthcilung des hiefigen Schöffengerichts zum Austrage. Auf Grund des als voll- kommen glaubwürdig erachteten Zeugnisses des inzwischen er- mittelten Kellners früheren Schauspielers Püschel hat fich An- fangs Mai v. I. in Hörde folgender Vorfall abgespielt: Püschel, der bei dem Theaterdirektor Schubert als Schauspieler engagirt war, hatte von seiner in Beilin wohnenden Mutter auf seine Bitte um eine Unterstützung, da er die letzte Monats- gage nicht erhalten, einen eingeschriebenen Brief mit Freimarken im Werthe von 3 Mark erhatten. Da fie ihm der Postbeamte nicht in Geld umwechseln wollte, kaufte er in einem Zigarren- laden 5 Stück Zigarren und bewog den Verkäufer, die Marken für Geld einzutauschen. Zu dieser Zeit waren in dem gedach- ten Laden gerade der Gendarm Schuhmann und der Polizei- sergeant Müller anwesend, denen Püschel aus Respekt je eine Zigarre offerirte- Die beiden Beamten nahmen die ihnen ge- dotene Zigarre an und entfernten fich, während Püschel mit seinem Gelde in der Tasche fich nach der Bahnhofs- restauration begab und an einem Glase Bier gütlich that. Noch ehe er dasselbe ausgetrunken, traten die beida Polizeibeamten in das Restaurationslokal und erklma den betroffenen Kor. ödianten wegen Diebstahls an den M marken für verhaftet. Vergebens versuchte sich Püschel dui« den Brief seiner Mutter und einen bei fich habenden W" schuckstempel zu legitimiren; er mußte es fich gefallen 1#»- in der Mitte der Beamten durch die Stadt nach dem Pw" bureau transpottirt zu werden. Unterwegs sagte ihm W der eine Polizist auf den Kopf zu, er wäre gar nicht für den er fich ausgebe, sondem der auS Schwelm steckbireM verfolgte Kunstteiter Büchler. Auf dem Polizeibureau m# fich der erst 18 Jahr alte Püschel eines nochmaligen Exav«n» seitens des Polizeisekretärs aussetzen, welcher das Signalenum des Büchler mit dem des Arrestanten verglich. Da die W'' teuren absolut nicht paßten, machten die Beamten durch An- fassen der Haare des letztem den Versuch, zu begründen, dessen Kopf vielleicht mit einer Perrücke bedeckt sei. Nach ew» 20 Minuten wurde Püschel von der Wache entlassen.— dem Artikel, in dem dieser Vorfall erzählt worden ist, hieß daß die Beamten fich die Zigarren hätten schenken lassen un» daß Püschel aus dem Polizeibureau wie ein gemeingejährba« Verbrecher stundenlang festgehalten worden sei. Die bnom Beamten haben bei ihrer ersten Vemehmung vor ihrem Bürgtt- meister die mitgetheilten Thatsachen sür gemeine Lügen de« zeichnet, bei ihrer eidlichen Vernehmung u. A. aber die AW uchkeit zugegeben, daß Püschel ihnen je 1 Zigarre angeboten habe und daß sie fie angenommen hätten. Der Staatsanwa» beantragte 500 M. eventuell 50 Tage Gefängniß, während Rechtsanwalt JwerS fämmtliche Thatsachen für erwiesen erachte» und deshalb die Freisprechung des Angeklagten beantragte." Der Gerichtshof vemrtheilte den Angeklagten zu 50 M. coentuea 10 Tagen Gefängniß, indem er die Behauptung, daß die amten fich Zigarren hätten schenken lassen, dahin auffaßte, M dies nur auf deren Jnitiattve zurückzuführen sei. Dies ist ebenso unrichtig als die behauptete Thatsache, daß PuW auf dem Bureau stundenlang festgehalten worden sei. Uebrigen sei der Beweis der Wahrheit erwiesen. Pöbelhafte Offiziere.„Die Kammer des Friedensn� ters" in Et. Petersburg bildete vor einigen Tagen Den Sä� platz einer Prozeßverhandlung, welche eine zahlreiche Meng anlockte. Die aktiven Offiziere Oberstlieutenant Kochno u** Kapitän v. Morgenstem nahmen die Anklagebank ein. beiden Herren, so wie ein Dritter— Student Bawastro-Jeuw- der in Folge seiner Abreise nicht vorgeladen werden konnte � waren auf Grund eines polizeilichen Protokolls beschull>'A während einer Vorstellung im Garten des Adligen Klubs'» öffentliche Ruhe und Ordnung gestört und fich höchst u?«" ständig betragen zu haben. Nach Aussage fast iämmtw' Zeugen sollen die beiden genannten Offiziere mit Flaschen und Gläsern auf den Tisch geklopft und, als o Polizei das Auslöschen der Beleuchtung auf der Bühne o» ordnete, sich mit einer Ansprache an das Publikum geß# haben, in welcher fie dasselbe aufforderten, in Anbetracht J* unbeendigten Vorstellung daS Eintrittsgeld zurückzuverlanW' Der Pristaw- Gehilfe beantragte das höchste Strafmaß, tonend, daß die Herren Osfiziere fich sehr häufig der Po� gegenüber zu viel erlauben. Der Richter verurtheilte o° Oberstlieutenant Kochno zu sieben Tagen Arrest— was o? jetzt in den Annalen des Gerichtsverfahrens eines FneW richterS noch nicht vorgekommen ist— den Kapitän v.NW.. stern zu einer Geldstrafe von fünfzehn Rubeln oder im der Zahlungsunfähigkeit zu drei Tagen Arrest. Kprechsaal. Die RedaN ion stellt die Lenuzmig de» Sprechsaal», soweit Rawa � abzugeben ist, dem Publikum zur Besprechung«on Angelegenheiten allge»"� Anteresse» zur versügung! fie verwahrt fich aber gleichzeitig dagegen, d™ Inhalt desselben identifizirt zu werden. Im Sprechsaa! der Nr. 185 des„Berliner VolkSdlatt�? über Begründung einer zweiten Schuhmacher-Jnnung ein i» richt enthalten, der von einem Herrn Stephan Unterzeichners. und fich unter anderem auch mit meiner Peison Es werden Behauptungen aufgestellt, die mit den Thal% wenig Aehnlichkeit haben. Der Herr Stephan behauptet n«n»' daß rch vor 5 Jahren in der Bewegung auftauchte und er w Dem gegenl»?, zuerst im Berliner Arbeiterverein kennen lernte. Dem gege«-!Ä habe ich zu bemerken, daß ich an der Arbeiter- Bewegung L dem Jahre 1872 mich bctheilige und in inimer K dieselbe thätig gewesen bin und recht erfreuliche Resultate ers c ncmcicn om unv icaji cirteuiufle meiuuu«.. habe. Der Herr Stephan kommt dann auf die Schuhwn®- Versammlungen zu sprechen, in denen ich die Anwesenden», langweilt habe; dies zu beurtheilen muß ich den Schuhma�O überlassen, welche in den Versammlungen anwesend w« Auf die Bemerkung:„Es giebt Leute, welche die Manie 9* u gerne zu reden" u. s. w., erwidere ich, daß es auch Leute M welche die Manie haben, Andere zu verdächtigen, die fie kennen.— Der Herr kommt dann weiter auf die macher-Versammlung selbst zu sprechen und sagt,. ich planlos, statt zum zwerten Punkt zum ersten+ � der Tagesordnung gesprochen und der Vorsitzende trotzdem das Wort nicht entzogen hätte. Der Herr nöth'gt hier kurz auf die Verhandlung einzugehen. Herr Aunn die Gründe an, weshalb er von dem Jnnungsvorstand ge"�. regelt worden sei. Nach ihm sprachen noch zwei von. der\ nuna, nachdem erhielt ich das Wort und führte an, da?# ich schon die Absicht hatte, der alten Innung beizutreten, nachdem ich die Mißstände in derselben kennen gelernt nun keine Lust mehr dazu verspüre und ich auch andere o hinweisen würde, wenn fie der Innung beitreten wollten-�, Das war den Herren von der Innung zu viel,— weilig—„zur Geschäftsordnung!" erscholl es sammlung. Der Vorfitzende erklärte, ich hätte zur erscholl es aus der- � lammmng.»jet-vornvenoe errrarre, ich hätte zur �it sprechen und die„Unternehmer" der neuen Innung ioUI 1 «eb» ihren Bestrebungen an die Leffentlichkeit treten man prüfen könne, ob da? Unternehmen einen» nützigen Zweck habe; nur auf diese Weise der alten Innung entgegentreten. Mehrere Anw»' � meldenten sich hierauf„zur Geschäfts- Ordnung Ich erklärte darauf, der„neuen Innung" meine ganze � merksamkeit zuwenden zu wollen, Venn es sei Überhang � recht klar, für was die Gründer der„neuen Innung � treten. Wenn ich nun die Herrn von der neuen Jnnun» � forderte, mit ihren Besttebungen an die Oeffentlubi treten, ist damit schon bewiesen, daß ich derselben B kann? Doch gewiß nicht. Meine Abficht war eine, Ein neues Unternehmen, welches die öffentliche Krn"'(& vertraaen kann, meine ick. ist der Unterstüüuna NUM. jjjt '"J« tzr. vertragen kann, meine ich, ist der Unterstützung und hat keine Lebensfähigkeit.— Die Entdeckung, <<�w»»ii v wivfV1*1* Vv» Vviii".-ei>irtp v* in eine gehobene Stimmung versetzt worden ist, so ist# erklärlich und wird von denen geschätzt werden, welche licher Weise eine solche Reise in gehobener Stimmung gelegt haben. An dreaittgen„Bestrebungen" habe Ist vetheiligt, und werde es auch in Zukunft nicht thi• M Herr Stephan scheint weniger ein Gegner der„Innung iS Haupt, als wie ein Gegner der„neuen Innung" 9" L»»■ rathe ihm daher, bei vorkommender Gelegenheit cw>.q». Liebe zur Wahrheit zu bewahren. Woyack, Müllen»- % Verantwortlicher Redakteur#. Trouhet« w Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin 8W„ Beuthstraße 3. Kriefkasten der Redaktiott. � O. Lenz, Bez.-Verein Rosenthaler Vorstadt. meutaw apiritn» heißt Nahrung des Geistes. vetl-� 0' Hier»» eine §* zum Berliner Volksblntt Kr. 300. Freitag, de« 38. August 1885. II. Jahrg. LllMnzsmhlm ?chcn in verschiedenen deutschen Staaten vor der Thür. So roden allgemeine Neuwahlen im Königreich Preußen und im Ioßherzogthum Baden, Ergänzungswahlen im Königreich Jüchsen und in einigen thüringischen Fürsten- und Herzog« Mmern schon in diesem Herbst statt. Also weit über die Hälfte des deutschen Reiches ist bei den Mhlen engagirt und doch hört man nichts und ficht man nichts «»von. Keinerlei Aufteguna, keinerlei Begeisterung ist zu finden ".boiisnüchtern schneiden stch die gegnerischen Parteien lang- �ige Gestchter zu. , In Preußen ist die konservative Partei mit einem Aufruf hervorgetreten, der einem anmuthet, wie eine ungesalzene, ungefettete Kartoffelsuppe, in der nur einige wenige kostete Brobkrumen schwimmen. . Der Aufruf wird nicht einmal warm bei der Aufzählung JjkrHeldenthaten der konservativen Partei in der vergangenen �Wslaturperiode. Man ersteht schließlich aus dem Schriflstück Ar« daß die konservative Partei bei allen Fragen mit der Re- aWung durch Dick und Dünn gegangen und daß ihr eigent- Mer Führer Minister von Putikamer ist. Das sagt genug. Partei, die ministeriell und reaktionär zugleich ist, kann � Volke keinen dauernden Halt haben. Und dennoch bat die konservative Partei Ausficht auf Er- le bei den nächsten Wahlen, da die Regierung ihr zugethan � und weiter auf ihre bedingungslose Unterstützung rechnet. ?Ue von der Regierung abhängigen Elemente find der Wahl- tt faktisch beraubt, da die Stimmabgabe eine öffentliche Die Beamten wählen also durchweg konservativ; einige len gar nicht, doch das wird denselben auch schon ver- . ,'l. Die Arbeiter in Staatswerkstellen werden zur Wahl �[gefordert und stimmen natürlich, soweit fie wahlberechtigt r"' für ihren Werkmeister als Wahlmann, der selbstverständlich �"servativ wählt. , Die Handwerker, welche auf den Zuschlag bei Submisstonen resp. später Berückfichtigung finden möchten, wählen Merungsfreundlich, also konservativ. Die Bauern in abge- Urnen Orten stimmen für ihren Landrath, den fie natürlich ,7 den klügsten Menschen der Welt halten, und mit dem fie 1, uicht verderben wollen,„da er Gewalt hat über fie", we« wens nach ihrer Meinung � So blüht der konservative Weizen bei den preußischen Land- Wrnahlen mit ihrer öffentlichen Abstimmung, so lange die Re> Ming konservativ ist. Wird die preußische Regierung einmal Mrr liberal, was aber kaum anzunehmen ist, so blüht natür» »7. der liberale Wetzen. Bei dem preußischen Wahlgesetz beein- M die Regierung die Wahlen, selbst wenn fie die Hände %in den Schoost legen würde. % Unter solchem Bewußtsein und der dadurch entstandenen Nlofigkeit ziehen die Liberalen und Fortschrittler in einen iw..."�>answorl in ueu muj �«als ein Landrathswort. L. Das arbeitende Volk aber steht mit verschränkten Armen �Wahlen zu, nicht allein, weil die Oeffentlichkcit derselben (i Volksgedanken nicht zum wirklichen Ausdruck gelangen j), U kann, sondern hauptsächlich deshalb, weil die Wahlen Vchiedenen Klaffen vollzogen werden. ÜH Dadurch ist es auch unmöglich für die Arbeiter, emcn der in den preußischen Landtag zu bringen.--- 1 und nicht öffent- wird durch einen ia-,7"«cnius vre AUgemelnyeii leyr veimränkt, so daß nrch SC jwei Drittel von Denjenigen das Landtagswahlrccht aus- kC.'önnen, die zu den Reichstagswahlen stimmaerechtigt find. »..«dem nun die Arbeiter in die Landtagswahlen eintreten .... Zensus herrscht.----- J'ymung in dem sächsischen Wahlgesetz, daß der Sieg schon b ,"uer relativen Mehrheit errungen wird. Wir wollen dies . /wem Beispiel näher bezeichnen. In Dresden werden wahr- Die Dariser Journalistik (Frankfurter Zeitung.) »iel»?" kern August Heft der englischen Zeitschrift:„Fort- k/'y Review"(herausgegeben von T. H. S. Escott, ejjw«, Chapman and Hall) veröffentlicht Theodore Child wtereffanten Artikel über die internen Verhältnisse der � Zeituvgzpresse, dessen Inhalt werth ist, auch in Mand bekannt zu werden. "Hlit- �iiriser haben jeden Morgen die Auswahl von h&C' Zwanzig großen vierseitigen und zehn kleineren Blättern. Zwischen vier und fünf Uhr des Nach- dro°. werden fünfzehn andere große Journale ausgegeben »»)>/'ichen acht und neun Uhr Abends erscheinen noch Wl S/°be Zeitungen. Allerdings wird man von dem sstm.il belehrt, daß kaum ein halbes Dutzend von dtesen täglich erscheinenden Blättern wirklich gewinn- «(er" d Unternehmungen sind. Die übrigen bestehen mehr aus i?dnlger mühselig und die Mehrzahl ist um zu existtren «ie�eihilfe und Unterstützungen anderer Art angewiesen. Ml. I-> yuucn UHU«U SJU4V» vv. So hält beispielsweise;das„Journal des 'ifl'gen /reu am alten Herkommen jener Tage, ehe noch die t�den A/tungen an's Licht traten; für eine Einzelnummer Ar% Centimes erlöst und das jährliche Abonnement Dg; J.s und die Departements beträgt 72 resp. 80 Francs. �Unni sn hat gegenwärtg, während es kaum in den %«((«kaufssiellen gesehen wird, 4000 Abonnenten und ne jährliche Einnahme von 300 000 FrcS. Die väMeiwJ,u.9en bringen weitere 200 000 Francs und die p 1 Sum fte fügen noch 100 000 Francs hinzu. AuS % dieser Einnahme entspringt ein recht ersprieß- Josten bett französischen Einrichtungen sind die materiellen iSn 8fnng zu nennen. Nicht mehr als ein halbes Dutzend $Vp",!n Paris werden auf eigenen Pressen und mit "".�druckt. Die Mehrzahl wird in den groß-n �>n der Nachbarschaft der Rue Montmartre in Sa schcinlich bei den nächsten Wahlen in einem der Wahlkreise fünf Kandidaten aufgestellt; nehmen wir an, daß 5000 Stimmen abgegeben werden, die stch also vertheilen:!. erhält 1002 Stimmen: 2. aber 1001; 3. nur 1000; 4. hingegen 999 und 5. grade 998, so ist Numero 1 definitiv gewählt, trotzdem er von 5000 abgegebenen Stimmen nur 1002 erhalten hat und somit doch unmöglich die Anschauungen der Majorität des Wahlkreises vertritt. Das find nun Alles Bestimmungen, die das Volk auch in Sachsen nicht zu hoher Wablbegeisteiung bringen können. Von Baden, wo die Natronalliberalen mit Konservativen und Klerikalen ringen und aus den thüringischen Klein« staaten, wo Lokalkandidaten an den Stammtischen ernannt werden, hört man gar nichts, deshalb können wir darüber auch nichts schreiben.-- J- Alles in Allem aber ist es ein Jammer, daß im„geeinten deutschen Reiche" so verschiedene reaktionäre Wahlsysteme noch existiren, da die höchste gesetzgebende Körperschaft, der Reichs- tag, doch aus allgemeinen und gleichen Wahlen hervorgeht. Deshalb sei es für alle wahrhaft freistnnigen Männer heilige Pflicht, für die Erringung des Allgemeinen gleichen und geheimen Wahlrechts auch in den Einzelstaaten energisch ein- zutreten._ Politische Urberstcht. Der Reichsanzeiger publizirt heute das Lotterie- g e s e tz. Dasselbe hat folgenden Wortlaut: Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen:e., verordnen, unter Zw stimmung beider Häuser des Landtags der Monarchie, was '* 5 1. Wer in außervreußischen Lotterien, die nicht mit königl. Genehmigung in Preußen zugclaffen sind, spielt, wird mit Geldstrafe bis sechshundert Mark bestraft. § 2. Wer sich dem Verkaufe von Loosen m dergleichen Lotterien unterzieht oder einen solchen Verkauf als Mittelsperson be- fördert, wird mit Geldstrafe bis eintausendfünfhundert Mark bestraft. § 3. Die Veröffentlichung der Gewinnresultate von dergleichen Lotterien in den in Preußen erscheinenden Zeitungen wird mit Geldstrafe bis zu fünfzig Mark bestraft. § 4. Den Lotterien find alle außerhalb Preußens öffentlich ver- anstaltete Ausspielungen beweglicher oder unbeweglicher Sachen gleich zu achten. Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Königlichen Jnfiegel rc. rc. Auf Grund des Sozialistengesetzes ist die bei Wör- lein u. Comp, in Nürnberg erschienene Broschüre:„Demagogie und Sozialdemokratie", verfaßt von Karl Frohme, verboten worden._ Kommunales. w. Die Räumung der Pauke erscheint im gesundheits- polizeilichem Interesse dringend nothwendig. Das Kgl. Poli- zeipcästdium hat daher an den Magistrat die Anfrage gerichtet, ob er geneigt sei, diese Räumung vorbehaltlich der Erstattung der Kosten durch die hierzu Verpflichteten, ausführen zu lassen und hat als geeignetsten Zeitpunkt der Räumung die zweite Hälfte des Monats September in Vorschlag gebracht. Da die Vorarbeite» zur Jubiläums-Ausstellung bereits ziemlich weit vorgeschritlen find, hat der Senat der Akademie den Magistrat ersucht, die von der Stadt bewilligten 100000 Mk. jetzt auszahlen zu lassen. Der Magistrat hat die Auszahlung sogleich angeordnet. zokoles. Nachstehende Ehrenerklärung veröffentlicht die„Ber- liner Zeitung":„In Nr. 86 unserer Zeitung haben wir in Folge der Verschweigung des Namens einer Zeugin in den und Druck hergestellt, welche kontraktlich sich verpflichten, 20 000 Exemplare eines großen vierseitigen Journals für die Summe von etwa 1500 Frencs zu liefern. Der Raum für An- kündiguvgen wird ea bloc an eine der drei großen Annoncen- Agenturen vergeben. Nicht nur jede politische Gruppe, sondern auch jede Fraktion in einer Gruppe, ja jeder hervorragende Senator und Deputirter hegt den Wunsch, ein Blatt zu inspiriren und über ein Organ zu verfügen, durch welches er seine Ansichten verbreiten kann. Daher die große Anzahl und die Verschiedenartigkeit der Zeitungen in Paris und den Provinzen, von denen wohl manche zur Blüthe und zum Ansehen kommen, viele aber beim Entstehen schon den Todes- keim mitbringen. Eines der wunderbarsten Erzeugnisse des Jahrhunderts ist der.Figaro". Villemessant, welcher feine Laufbahn in einem Schnittwaarenladen begann und sie im Alter von 69 Jahren am Roulettetisch abschloß, war ein Fürst der Charlatane und ein Modell des gewissenlosesten Skeptizismus, welcher jährlich eine halbe Million einstrich, indem er die Patronage seines Journals bald der Geistlichkeit, bald den Komödianten, bald der Notre-Dame, bald den FolieS BergereS, bald dem Barbier Lespes, bald dem Grafen von Chambord, dem„Roy" überließ. Der„Figaro" repräsen- tirte niemals Etwas, weder eine politische Meinung, eine artistische oder literarische Schule, oder eine geistige Be- wegung. Seine ganze Mission war stets, seine Leser mit Neuigkeiten und Pikanterien zu versorgen. Er war das erste Blatt, welches die Interviews und andere Reporterstückchen einführte und die sogenannte„presse a inforrnations". Als Villemessant durch seinen Tod von dem Blatte abge- schieden wurde(1879) blieb das Blatt wie vorher, wenig- stens in seinem Aeußern. Die Erbschaft des Fürsten des CharlatanismuS wurde unter seine Lieutenants vertheilt, welche die Aktionäre davor warnten, den Charakter des Fiaaro" oder den Stab zu ändern, da sie sonst ihr Eigen- t'hum verlieren würden. Die Herausgabe und die Leitung be« Blattes wurde dem Triumvirate Magnard, Perivier und Rodaus anvertraut und der Rest des Stabs, Albert Wolfs, iz- N Berichten über den Prozeß des Mandolinenspielers Gargiulo die biefigen Gerichts' Berichterstatter bezüglich ihrer Ehrenhaf- tigkeit verdächtigt. Da wir uns überzeugt haben, daß unsere Anspielung jeder Begründung entbehrt, sprechen wir hiermit unser lebhaftes Bedauem aus, daß wir einer derarttgen grund- losen Verdächtigung Raum gegeben haben." Ein Strasantrag auf Grund des§ 860&1. 13 Stt.-G-B. wegen Thierquälerei wurde heute gegen den Absender eines Transports Hammel aus Neu-Brandenburg eingereicht. Der- selbe hatte, wahrscheinlich um Fracht zu ersparen, beim Ver- laden der Thiere die tarifmäßige Norm nicht inne gehalten und den Wagen überladen. Bei der Ankunft Hierselbst wurden drei Hammel todt aufgefunden, die jedenfalls während des Trans« ports erdrückt worden find. Ueber eine Schwindlerin geht uns folgende Mittheilung zu: Ein gestern Nachmittag mit der Stettincr Bahn hier an- gekommenes Mädchen hatte einem unbekannten Frauenzimmer� dessen Bekanntschaft sie während der Reise gemacht, auf dem Bahnhofe ihren Reisekorb zur Obhut anvertraut, während fie eine Droschke suchte. Bei ihrer Rückkehr fand fie weder die ge- fällige Unbekannte, die mit einem Regenmantel, blauem Kleide und schwarzem, mit weißen Rosen garnirtem Perlenhut be» kleidet und von großer Statur war, noch ihre Sachen vor. d. Ein schnurriges Heirathsgejuch erläßt ein„Kauf- mann in gesicherter Lebensstellung". Was er sucht, ist ein junges Mädchen aus einem ff. Hause, in dem„alles Gute und Edle von je gefördert, Literatur, Kunst und Wissenschaft ge- pflegt worden find."„Auch daß er zu seiner Frau." heißt es weiter,„nur ein anmuthsvolles Geschöpf zu erwählen gedenkt, sei ausgesprochen. Aeußere Eigenschaften aber zu erwähnen, hält er für unangebracht, weil hohe Tugenden auch störende Dinge dem geistigen Äuge verkleinern, dem liebenden sogar entrücken." Endlich heißt es:„Reflektantinnen find ausge» geschloffen, denn junge Damen, die dieser Rubrik Axfmerksam- reit schenken, wären von vornherein nicht des Einsenders Ge» schmack."— Ob der junge Mann selbst weiß, was er will? Ueber einen Unglücksfall mit tödtlichem Ausgang erfahren wir Nachstehendes: Am 24. d. Ms., Mittags, ver- ließen die Maurer Ä.'schen Eheleute ihre Wohnung in der Schmiedstraße und schloffen ihre drei Kinder im Alter von 10, 7 und 2 Jahren ohne Aufficht in derselben ein. Der älteste Knabe war von der Mutter beauftragt, für seine jüngste Schwester Milch über einer Spiritusflamme zu erwärmen. Als die Milch bereits kochte, stieg das jüngste Kind auf eine Fuß- bank an den Tisch, auf welchem der Kochapparat stand, unv riß letzteren um, so daß sich die kochende Milch und der brennende Spiritus über den nackten Körper des Kindes er- gössen. Dasselbe blieb mit den erlittenen Brandwunden bis zur Rückkehr der Mutter hilflos liegen und verstarb am folgen- den Tage. b. Galant ist es nicht, aber praktisch. Das neueste Lokal. ist in Berlin stets das besuchteste, und wie die Dinge heute liegen, müssen die Damen überall dabei sein. Wenn aber ein Herr mit drei Damen eintritt und zwei Gläser Bier bestellt, s» ist dem Wirth wenig damit gedient. In unserem neuesten Phänomen von Bierlokal verabfolgt man deshalb nur soviel Seidel, als Personen Platz nehmen oder gar keins, was einer höflichen Einladung, fich rückwärts zu konzcntriren, gleich- kommt. R. Am Hafenplatz an der Schönebergerstraße verunglückte gestern der 16 jährige Lehmann, der, ohne feste Schlafstelle zu haben, dort des Nachts auf den Fahrzeugen logirte. L. war gestern mit Ausladen von Kohlen beschäftigt, eine Arbeit, die nur 3—40 Pf. pro Tag bringen soll. Bei Inangriffnahme einer neuen Ladung schlug die Klappe derselben dem L. der- artig ins Genick, daß der Wirbelknochen entblößt herausstand und der Getroffene besinnungslos hinstürzte. L. wurde von einem Schutzmann mittelst Droschke zur Charitee gebracht. Die Leiche einer unbekannten, etwa 26 Jahre altew Frauensperson wurde vorgestern Vormittag von einem Schiffer im Landwibr-Kanal unterhalb der Bärwaldbrücke auf- gefunden und zum Obduktions Hause geschafft. Unter den bei der Leiche gefundenen Gegenständen, die vielleicht zur Erwitte- lung der Person führen könnten, defand sich em goldener Siegelring mit gelbem Stein, ein goldener, an einer schwarzen aber als Präsidenten, welcher wenig Autorität über seine Minister und Mitarbeiter besaß. Aber es ist nur zu gewiß, daß aus dieser individuellen Unabhängigkeit der Hauptmitarbeiter des„Figaro" während der wenige» letzten Jahre ein Mißbrauch in der Verbindung mit den Pariser Theatern sich ergeben hat. Der Mißbrauch besteht in den sogenannten theatralischen Syndikaten. Eine Anzahl Journalisten, namentlich Wolff, Gill-, Bucheron, Prsvel, Saint-Albin, DarcourS und Valabreque, welche keine spezielle Begabung für die Bühnendichtung besitzen, die aber sahen, welche Summen dramatische Werke einbringen, be- gannen Stücke zu schreiben, welche sie bei den Theaterpäch- tern einreichten. Die Pächter oder Direktoren schlugen dann vor irgend einem alten Schauspielschreiber, den Herrn So- und-So zum Mitarbeiter zu nehmen,„damit man bei dem „Figaro" in Gunst komme." Es war der„Figaro", welcher zuerst die Erzählung und die Kritik neuer Stücke den Mar- gen nach ihrer Aufführung brachte, und welcher zuerst be- gann, eine anekdotische Geschichte des Theater-Abends in den vielbekannten„Soiräes Parisiennes" von„Monsicnr de l'Orchestre" zu geben, während er gleichzeitig jeden Tag ansehnliche Spalten dem theatralischen Echo widmete. Es ist natürlich, daß wenn ein„Figaro"-Mann ein Stück auf solch einem Theater aufführen ließ, er niemals die Gelegen- heit versäumte, in den Spalten, welche„Oorrrier des TMatres" überschrieben sind, die marktschreierichsten An- preisunaen aufzuttschen Die theatralischen Reporter anderer Royal, Gymnase und Nouveautes mehr oder weniger das Monopol emeS Syndikats von Journalisten, zum Nachtheil der jungen, wahrhaft berufenen Autoren. Aehnlich ist das Verhaltmß vieler Zeitungen zur Börse. Die Pariser und noch weniger die Provinzial-Franzosen, fo'5�. CHilb weiter, sind noch nicht von der anglo-sächsi- schen Manie ergriffen für Neuigkeiten, nur weil sie neu find. Zwei Unternehmen wurden zur Einführung dieser Mode ver- sucht; das eine mit amerikanischem Geld„Le Matin", und eins mit französischem Kapital„Le Teiegraphe". Beide Schnur befestigter Schieber mit den Buchstaben L. D. und R. R, eine filberne Damen�Zylinder-Uhr mit Goldrand, ein kleines Portemonnaie von rothem Plüsch mit 13,62 M., sowie ein weißes Taschentuch mit blauem Monogramm A. D. M. Das Belle-Alliance-Theater war am Mittwoch bei der Aufführung des Volksschauspiels„Der Glöckner von Notre« Dame" schon lange vor Beginn der Vorstellung total ausver- kauft, daß Hunderte entweder nur Entre zum Garten erhalten konnten oder unvcrrichteter Sache umkehren mußten. Die Direktion hat fich nun entschlossen, vielfach ausgesprochenen Wünschen entgegen kommend, noch zwei Vorstellungen des Volksstückes für Freitag und Sonnabend(Parquet 1 Mark) anzusetzen und die bereits angemeldeten Premieren des Görlitz- schen Lustspiels„Mädchen- Illusionen" anstatt am Sonnabend erst am Sonntag stattfinden zu lassen. Polizei-Vmcht. Am 24. d. M. Nachmittags warf das in der elterlichen Wohnung, Schmidtstt. 8a, allein zurückgelassene, 2 Jahre alte Mädchen Frieda Bock eine Spiritus- Maschine mit einem Gefäß voll kochender Milch vom Tische herab, so daß die Milch sich über das Kind ergoß und dasselbe so verbrühte, daß es am 25. d. M. an den erlittenen Ver- tetzungen verstarb.— An demselben Tage machte ein Arbeiter in seiner Wohnung Nostizstraße den Versuch, fich mittelst Oleum zu vergiften, hat jedoch erheblichen Schaden an seiner Gesund- beit nrcht erlitten, indem er nur Brandwunden in der Mund- höhle davontrug.— EJn der Nacht zum 26. d. M. durchschnitt fich ein Mann vor dem Hause Chausseesttaße 13 in selbstmördsrischer Abficht mit einem Rafirmesser die Puls- ädern. Er wurde nach Anlegung eines Notverbandes noch lebend nach seiner Wohnung gebracht.— Am 26. d. M. Vormittags wurde im Landwehr-Kanal hinter dem Grundstücke Gitschincrstraße Nr. 18 die Leiche einer etwa 26 Jahre alten Frauensperson aufgefunden und nach dem Obduktionshause geschafft.— An demselben Tage Nachmittags fiel der Stein- träger Paschali auf dem Neubau Weinbergsweg Nr. 1 einen Stock hoch auf ein Schutzdach hinab und erlitt dabei eine Ver- renkung der linken Hand.— An demselben Tage Abends wurde ein obdachloser Mann im Thorwcge des Hauses Echenkendorfsttaße Nr. 3 krank aufgefunden. Derselbe wurde nach der Wache des 67. Polizei-Reviers gebracht, woselbst er jedoch, che ärztliche Hilfe einttaf, verstarb- Die Leiche wurde nach dem Obduktionshausc geschafft. Gerichts-Zeihmg. Es ist eine sonderbare Geschichte, wie der Bürsten« macher Schmidt zu einer Tracht Prügel kam. Auf der An« klagebank befindet fich der 42jährige Maurerpolier Johann Bloch, welcher der gemeinschafttichen Körperverletzung angeklagt ist. Vors.: Angeklagter, Ihr Mitschuldiger, der Barbier Fischer, hat fich seiner Bestrafung leider durch die Flucht ent« zogen, der ist wohl nach Amerika?— Angekl: Ick weeß nich, wo det Luder hin is; ick jloobe, er is nach Kamemn, aber der is jewiß besttaft jenung; denn er hat meine Olle mitjen ommen. — Vors.: Ja, ich sehe aus den Akten, daß er mit Ihrer Frau durchgebrannt sein soll. Nun, da müssen wir uns an Sie halten; Sie sollen in Gemeinschaft mit dem Barbier Fischer den Bürstenmacher Schmidt arg mißhandelt haben. Sie wer- den dies wohl nicht so ohne weiteres einräumen; erzählen Sie den Vorfall möglichst kurz.— Anteil.: Det is nu schon lange her, det war in'n September vongtet Jahr, da stehe ick ecnes Sonntags morjens an de Oranien- un Alte Jakobsttaßen« Ecke un weeß eejentlich selber nich, indem meine Olle schon seit drei oder vier Dage mir schändlichcrweise verlassen hatte. Da krieje ick mit eenmal den Bürschtenmacher Schmidt mt Doge, wat'n oller Bekennter von mir is, aber mir frieher ooch immer uffallend häufig besuchen dhat, wenn ick nich zu Hause war, wat ick von'n verheirat'ten Mann mit vier Kinder iberhaupt nich hibsch finden dhue. Aber diese ollen Kribbensetzer, det find merschtendcels de schlimmsten.— Vors.: Angeklagter, lassen Sie alle überflüssigen Redensatten fott und kommen Sie zur Sache.— Angekl.: Also ick sage Jut'n Morgen, Emil, un er bleibt bei mir stehen un steht mir freind- lich an un fragt mir so lustig, ob ick bei de scheene Witterung nich nach außerhalb machen will, un worum ick meine Frau nich mitnehmen dhue. Ick sage weiter nischt wie„nee", wo« druff er mir denn fragen dhur, ob er bei mir neilich, als er bei mir Karten spielen dhat, seine Zijarrenspitze liejcn jelassen hätte, un ob er nich bei meine Frau nachfragen könnte, ob fie rhr jefunden hätte. Nu wußte ick natierlich Bescheid; denn wenn mir eener mit'n Zaunfahl uf'n Kopp hauen dhut, denn kitzelt mir det schon, un ick muß in allen meinen Aerjer so in« wendig lachen, als er mir dabei so ehrlich ankucken dhut. Un ick sage zu ihn, nee, Emil, sage ick, den Zahn laß Dir man ausziehen, det Verhältniß hat seine Endschaft, un wenn ick Dir'mal so jewissermaßen jettoffen hätte, de Ribben hätt' ick Dir ecnzeln int Leib jeknickt. Aber wat fie- is, meine Frau, die is mir ausjenckt; un wat mir am meisten ärjern Journale geben viel Geld aus für Telegramme und Spezial« drähte und dergleichen, ohne daß man sagen könnte, ihr Erfolg spreche für ein solches Bedürfniß. Ein natürliches, künstlerisches Gefühl der Franzosen hindert sie, Freude an dem nackten Lako« niSmuS des Telegramms zu finden. Der Franzose lebt nicht allein von trockenen Arode der Polittk, sondern lieber von dem Honig, welcher von den Lippen seiner Dichter, seiner Schriftsteller, seiner Musiker, und von Allen, welche aus den geheiligten Quellen der Kunst trinken, träufelt. Keine Zeitung findet Gunst vor den Augen des französischen Publikums, wenn sie den nationalen künstlerischen Sinn vernachlässigt. Bei allen seinen unzureichenden und frivolisirenden Mittel- Mäßigkeiten hat der„Figaro" literarische Eigenschaften und innerhalb seiner Grenzen wird eine unterhaltende und sti« lisch gefeilte Darstellung der Ereignisse gegeben. Sein Haupt- Chroniqueur, Albert Wolff, hat manche Eigenthüm« lichkeiten. Er ist der häßlichste Mann in Paris; gleich Offenbach ist er ein Deutscher, gebürtig aus Köln; er kam 1857 nach Paris, wurde Sekretär des älteren Duma» und ward zuerst bekannt als„rAllemcnt de Idar. Duma»." Seitdem hat Wolff sich in jeder Beziehung entwickelt. Nach der Ansicht Vieler wurde er die Personifikation des Pariser Witzes, uno obgleich die Stilisten sein Französisch betrachten, als trage eS den Stempel eines Schöngeists aus der Pro- vinz, so kann doch Niemand leugnen, daß Wolff stets den Instinkt hat, eine Chronik gerade über den Gegenstand zu schreiben, über welchen das Publikum unterhalten sein will — mit anderen Motten, Wolff hat im höchsten Grade die Witterung der Aktualität. Aber so groß sein Ansehen ist, kann er als Chroniqueur nicht mit Rochefott verglichen werden, welcher allein eine Chronik schreibt, die ein realer Attikel ist von Anfang bis zu Ende, drollig, beißend, zu Zetten selbst voll Grimm, aber immer spaßhast und witzig in der originellsten und ungezwungensten Weise. Wolff übte einige Zahre früher als Kunfikrttiker ungemeine« Einfluß aus, aber die Maßlosigkeit seiner neuesten Attikel hat ihm viel von seiner selbst angemaßten Autotttät geraubt. Die anderen leitenden ChroniqueurS des„Figaro" sind: A Claveau. welcher bewundernSwetthe literattsche EffayS unter dem Pseudonym„Ouidam" schreibt; Albert Delpit, der Novellist; Bergerat, der Dichter; Lson Lavedan(Phi. lippe de Grandlieu) und der Baron Plate!(Zgnotus). D.e letzteren zwei haben eine Spezralttat höchst, egender konser- dhut, is, det de olle Spinatschachtel bei den Balbier Fischer hinjezogen is, det is ja noch der reene Junge jejen ihr. Wat? sagt er, Deine Olle is weg? Un bei den kleencn, krumm- becnigtcn Balbier hier drum in'n Keller? Ja, sage ick, da soll se find, un ick stehe hier schon'ne Stunde lang un warte uf ihr, ob ick ihr nich int Ooge kriejen kann.— Mit eenmal jing mir'n Taljlicht uf. Ick sage, Emil, sage ick, Du könntest mir den Jefallen dhun und jehst'runter un läßt Dir balbieren un stehst zu, ob se bei ihn is. Hm, mecnt er, mit son recht unschuldijet Jestchte, eejentlich bin ick schon balbiert; aber Dir will ick den Jefallen dhun. Na, injeseeft is er denn ooch jründlich jeworden, det kann keener abstreiten.— Vors.: Nun kommen Sie aber endlich'mal zur Sache.— Angekl.: Nu kommt der Hauptakt. Also er jetzt'runter bei'n Balbier, un det dauett'ne Viertelstunde, un er kommt nich wieder'raus. Ick were schon unruhig, da kommt mein Balbier aus'n Keller jesprungen un ieber de Straße un flitzt bei'n Koofmann'rin. Nanu, denke ick, wat is det. Nach'ne Weile kommt er wieder 'raus un wieder mit drei Schritt über de Straße un'rin in 'n Keller. Nach'ne Weile höre ick denn da unten'n stoßen Radau, un ick jehe hin und sehe denn, wie mein Balbier un meine Olle den Schmidt bei de Schlafittchen haben dhun un stoßen ihm de Treppe'ruf un verhauen ihn, det det'ne Art hat, un seine janze Visasche is schon blutig, wo meine Olle ihn een ordentliches Stick von de Haut abjezojen hat. Johann, ruft meine Frau, dieser Schmidt, der infamigte Kerl, hat mir mit unsittliche Andräje belästigt. So, sage ick denn jan» ruhig, det hat er jedhan? Det is nich nett von den Mann; denn muß er Keile kriejen. Und da habe ick ihn denn n' paar Dinger jewrscht.— Vors.: Sie sollen ihn aber arg zugerichtet haben. — Angekl.: Bitte sehr, det bin ick nich jewesen, det hatten der Balbier un meine Olle schon desorgt. — Vors.: Wie endete denn nun die Geschichte?— Angekl.: Na, ick kann't ja dreiste sagen, er is ja nu weg mit ihr; als Schmidt hinjcjangcn war und wollte sich verbinden lassen, denn habe ick aus Freide erst'n Schnäps. fangs sei Fischer allein habe er, der Zeuge, hinter in zwei Theile trennte, Er habe den Barbier nicht keenen mehr balbieren jekonnt, son Jefichte hat er jehabt, un meine Olle hat Eis jeholt un hat ihn den janzen Dag jekühlt, habe ick man jehött. Die beeden wer'n aber noch an Bloch denken, da sage ick jut vor. Vors.: Die beiden haben vorge- zogen, keinen Strafanttag zu stellen, also geht diese Geschichte uns nichts an. Der Zeuge Schmidt schildert den Vorfall im wesentlichen wie der Angeklagte. Ihm zu Gefallen habe er sich überflüsstgerweise noch einmal barbieren lassen wollen und sei dafür mrt Undank und Schlägen belohnt worden. An- in der Stube gewesen; doch einem Vorhang, der den Raum noch jemanden hantieren hören. direkt fragen mögen und deshalb zu einer List gegriffen, welche glückte. Er erklätte nämlich, als es ans Bezahlen ging, daß er nur im Befitze einer Doppel- kröne sei, und seine Vermuthung, daß der Barbier außer Stande sei, dieselbe zu wechseln, wurde bestätigt; Fischer eckte mit dem Goldstück zum Kaufmann, um es wechseln zu lassen. Nun sei die entlaufene Frau hinter dem Vorhang hervorgekommen, und er habe ihr im Interesse seines Freundes Vorwütte über ihre Flucht gemacht. Der zurückkehrende Fischer habe dies ge- Hütt und sei hierüber so wüthend geworden, daß er sofott auf ihn losgestürzt sei und ihn mit Faustschlägcn traktirt habe. Die Frau Bloch sei ebenfalls über ihn hergefallen; am schlimmsten sei es ihm aber ergangen, als er, vor den beiden die Treppe hinauf retittrend, von dem Angeklagten Bloch in Empfang genommen wurde, und anstatt von ihm unterstützt zu werden, mit Faustschlägen ins Geficht be- deckt wurde.„So was ist mir in meinem ganzen Leben nicht pasfitt," schloß der Zeuge seine Erzählung, nachdem er auf die Fragen des Präfidenten wiederholt versichert hatte, daß er fich im Punkte des Anstandes und der Moral in keiner Werse gegen die Frau Bloch vergangen. Der Zeuge ist fast 14 Tage arbeitsunfähig gewesen, und wenn der Gettchtshof in An« bestacht der vorliegenden Umstände auch glaubte, dem An« geklagten mildernde Umstände zubilligen zu müssen, so mußte andererseits in Betracht gezogen werden, daß der- selbe bereits wegen ähnlicher Gewaltthaten mehrfache Vor- strafen erlitten, und wurde deshalb die Strafe auf 14 Tage bemessen.(Ger.-Ztg.) Er wollte gern die Feuerwehr sehen. Eine etwas aufregende Verhandlung, bei welcher sowohl auf der Anklage- bank wie im Zuschauerraum Thränen in reichlichem Maße flössen, beschäftigte gestern die lV. Fenenstraslammer hiesigen Landgerichts I. Vor derselben erschien der aus der Unter- suchungshaft und in Gefängnißkleidem vorgeführte, eben 13 Jahre alt gewordene Knabe Emrl Heinrich Gustav Eilner, der Sohn sehr anständiger Eltern, welcher angstbebend auf der Anklage- bank Platz nahm. Der Junge, welcher seit vier Wochen in vativer Artikel voll seltsamer Theorien über göttliches Recht und republikanisches Uebel, welche sie mit Hilfe eines Ueber- flusseS grotesker Metaphern zum Vorttag bringen. Der dra- matische Kritiker des„Figaro" fft August Viw, ein dürrer und auSgetrockner alter Herr mit einem verkommenen Schnurr- bart und einer leichten Aehnlichkeit mit dem letzten Kaiser, dessen Geschichte er geschrieben und währen dessen Regierung er eine hohe Stellung in der offiziösen Presse inne hatte. Vitu ist gewiß der unterrichteste lebende dramatische Krittler in Frankreich und die französische Bühne und ihre Geschichte haben für ihn kein Geheimniß. Der„Figaro" ist sehr stolz auf seine zwei Hauptteporter, die Herren Pierre Giffard und Chincholle, welche in der That die Verbefferer, wenn nicht die Gründer des modernen Pariser Reporter- thumS sind, daS heißt der höheren Repottage, als Gegensatz zu der niederen Reportage, welche durch eine elende Armee von Drei-Sous-a-liners besorgt wird. Die höhere Repor- tage, welche im Allgemeinen eine Interview bedeutet, würde nach 1870 in den französischen Journalismus eingeführt und augenscheinlich von den Amettkanern entlehnt. Auf Thiers blicken die französischen Reporter wie auf ihren hei- ligen Patron, weil er der erste war, welcher auf ein derar- ttgeS Kreuzverhör einging. Nach und nach hat diese Repor- tage ihr« Herrschaft auf alle Klaffen der Gesellschaft ausge- dehnt, selbst auf die demi-monde, über deren Heroinen und deren Treiben im„Gil BlaS" Theodore de Bauville pikante „Phantasien", Henri« Fouquier philosophische Betrachtungen und Catulle MendcS historische Artikel zum Besten geben. Die erste Klaffe der französischen Reporter, welche mit den TageShelden ihre Konversationen pflegen, beziehen 15 000 bis 20 000 Franken das Jahr und mehr. Der französische Journalismus ist eine rein demokra- ttsche Laufbahn; der Pfad steht allen Denen offen, welche Talent haben und daS Publikum ist Richter und Zahlmeister. Der Panser Journalismus läßt die Mitarbeiter persönlich für ihre Attikel eintteten. Dieser persönliche Journalismus verleiht der ftanzösischen Presse ihre Lebendigkeit, ihre Ab- wechselung und ihre Fruchtbarkeit an Ideen. Dank dem persönlichen Journalismus hält die französische Presse, ob- gleich sie seit 1864 ein rein geschäftliches Unternehmen ge- worden ist, die hohe literarische Eigenheit aufrecht, in welcher sie einzig in der Welt dasteht. Und Dank dem persönlichen Journalismus waren Frankreich und die zivilisitte Welt im Unterfuckungshaft gesessen, hat am 17. und 19. Juni in W Hause Christinenstraße 36, wo seine Eltern wohnen, Feeer angelegt, welches glücklicher Weise beide Male noch recht- zeitig entveckt worden ist. Der kleine Bursche, welcher keiiffl über die Saniere hinweg zu sehen vermag und_ tm Zuschauerraum seine Mutter und Geschwister in Thränen erblickt, weint unaufhörlich und giebt seine Antworten unter dem Zeichen der größten Angst. Präs: Du hast am 17. Juli den Bretterverschlag des Bodens im Hnust Deiner Mutter in Brand gesetzt. Wie bist Du auf diesen Gedanken gekommen?— Angekl.: Der Kanter hat gejM: Komm', wrr wollen Feuer anmachen, dann kommt die gnW Feuerwehr. Ich habe erst Nein gesagt, dann hat er mich w# so gettietzt, bis ich ja gesagt habe.— Präs.: Wer hat W und Streichhölzer gehabt?— Angekl.: Der Kanter.— PraU Wie alt ist denn der Junge?— Angekl.: 12 Jahre.— Wie bist Du auf den Boden gekommen?— Angekl.: 3® sollte für meine Mutter Holz holen und da ist der Kanter mu den Schweselhölzern mitgekommen.— Präs.: Was habt tot nun in dem Bodenverschlag gemacht?— Angekl.: Der Kanter hat ein brennendes Stück Holz hingelegt und vier Stücke Holz darauf gelegt.- Präs.: Brannte es lichterloh?— Angekl.: Ja, es brannte sehr hübsch hell.— Präs.: Wo gingt# dann hin.— Angekl.: Wir gingen'rüber auf die andere Eeue um zu sehen, ob die Feuerwehr kommt. Aber das Fest? hat nicht'rausgeschlagcn.— Präs.: Glücklicher Weist ist es nicht schlimm ausgefallen, denn das Feuer ist bald aus- gegossen worden. Nun hast Du also am 19. Juli das Kunststück noch einmal wiederholt und versucht, ein hölzernes Keller« gitter in Brand zu setzen. Warum thatst Du das?— Anreu- schluchzend): Ich wollte gem die Feuerwehr sehen.— Prä).: Du wolltest doch zweifellos die Treppe in Brand setzen?% Angekl.(noch mehr schluchzend); Ich wollte blas die Feuerwehr sehen.— Präs.: Und wie es nun brannte, was thatst Du da- — Angekl.: Da lief ein Junge aus dem Hause zur Feuerwehr um den Brand zu melden und ich lief mit.— Prüf.: Du hast Deinen Zweck aber doch nicht erreicht?— Angekl.: Nein, man hatte das Feuer schon im Hause gelöscht.— Präs.: Dachtest Du denn nicht, daß Dich für solche böse That Strafe erwartet. — Angekl.: Ja— Präs.: An welche Strafe dachtest Du denn?— Angekl.: Das weiß ich nicht.— Präs.: Du 0# doch, was ein Brandstifter ist?— Angekl. weinend): V will ja kein Brandstifter sein.— Präs.: Wußtest Du nicht, daß der Schutzmann solche unnützen Jungen mitnimmt und st- ins Gefängniß kommen?— Angekl.: Nein, jetzt weiß ich% aber.— Präs.: Was dachtest Du denn sür eine Strafe bekommen?— Angekl.(weinend): Prügel!— Präs.: Hast DU in der Schule schon manchmal Prügel bekommen?— Ängell' Ja.— Präs.: Auch von Vater und Mutter?— Angik- (schluchzend): Ja!— Präs.: Du bist wohl ein kleiner Taufst' nichts?— Angell.: Ja.— Präs.: Was sür dummen Streiks hast Du denn schon gemacht?— Angekl.«laut schluchzen� Gar keine.— Der Staatsanwalt Dr. Otto hielt es für zwe'str los, daß der kleine Missethäter die zur Erkennung der Straf' barkeit seiner Handlung erforderliche Einficht besessen hat un- er beantragte deshalb 14 Tage Gefängniß, welche durch M Untersuchungshaft als verbüßt zu erachten sei. Der GericktshA erkannte auch diesem Antrage gemäß. Präs.: Junge, Du wirst i werden. Lasse Dir den heutigen Tag als LelF heute entlassen J------------------,—-------- dienen und sorge dafür, daß Du nie in Deinem Leben h's; wieder vor Gericht zu erscheinen hast.— Angekl.(schluchzend)' Ich will es nie wieder thun. Beim Hofschlächtermeister Hefter in der Leipzigerstt?� stellten fich jeden Sonntag, Morgens um 6 Uhr, sehr rFst Kunden ein, welche sonst außer Stande find, ihren Bedau aus dem feinen Geschäfte zu beziehen. In dürftiger Kleidung, mit Körben, Töpfen oder irgend einem Behälter versehsN- eilen fie, Frauenbund Männer, so schnell es ihnen möglich� dem bekannten Geschäft zu, und durch den Hausflur in � Kellerraum. Gilt es doch einen Platz möglichst vorne an Gitter zu erhaltrn, hinter welchem ganze Berge von Eisbeins Würsten, kleineren Fleischstücken sc. liegen. Es ist dies welche ein wenig unansehnlich geworden ist, aber sonst ihrer Qualität nichts eingebüßt hat. Dennoch wird fie an®1; feine Kundschaft des Hefter'schen Geschäfts nicht verabfolg? sondern der Inhaber hat die Einnchtung getroffen, diese Fleischwaare jeden Sonntag früh an bedürW Leute für ein Weniges veräußett wird. Unter®s Menge, welche am 7. Juni er. vor dem Laven ttsche auf den Anfang des Verkauss hartte, befand sich die eheverlassene Bertha Mathilde Arndt. Da bemerkte?! Nachbarin, wie fie die langen Finger durch das Gitter s®®"! hinter dem ein Haufen Eisbeine lag, und wie fie geschickt F diesen eins nach dem andern durch das Gitter zog und 1 ihren Deckelkorb praktisttte. Als die Verkäuferin ersclF1}' wurde ihr von der Unredlichkeit der Arndt Mitthcilung gema®1' die letztere erhob aber ein großes Lamento urd zieh vie Ts nunzianten einfach der Lüge. Einer der Anwesenden, � Stande, hervorragende französische Schriftsteller wie—„ Renan, Taine, John Lemoiune, Gabttel Charmes, 3-, Weiß, Francisque Sarcey, ClSmenceau, Claretie, Banvill, Fouquier, Hentt Rochefott, Delpit, Paul de Cassagnac, Ber; geret, Henry Marek, Jules Simon, Vacquette, Paul Bou aet, Ranf, Herve, Scherer, Henry Ceard, Paul Ätanf, Scholl, Paul Bett und andere politische Schttststeller, Kr tiker, Soziologisten und Effaysten in ihrem vollem Werth Z erkennen., Hier mag die Thatsache Erwähnung finden, wenigst�11 wird es durch die Pariser Presse bestätigt, daß wo der fr® zösische Journalismus anonym ist, er langweilig und W.» fällig wird. Die erste Seite des„TcmpS" zum Beispiel'' oft mittelmäßig und ermüdend und als Ursache giebt einer o bedeutendsten Mitarbeiter an, daß der Leiter, Herr H�jJ darauf bestehe, die erste Seite anonym zu halten und die tf0'0 sei, daß er hierfür nur Publizisten zweiten Range» Pn Die erste Seite der„RSpublique Franeaise", obgleich 11 � züglich inspirirt, ist au« der gleichen Ursache langweilig" schwerfällig geschrieben. Von den wirklich bedeutenden. nalen ist der„TempS" dennoch gegenwärtig der beste: langem Kampf hat er das„Journal des DebatS" entthr? und er ist nun dasjenige französische große Blatt, wri®. die meisten Abonnenten in Frankreich und den fremden*.' dem hat, obgleich sein Absatz auch jetzt noch nicht u 35 000 Exemplare täglich sich erhebt. Gemäßigt republikan'I' ist eS im Ausdruck seiner Meinung immer klar, und gerecht und verliett nicht, wie die übrigen französil?� Parteiorgane, seine Ruhe, oder wie die Franzosen ne s'ernballe jarnais. Während der„TempS" nicht auz große Aufmerksamkeit auf ein elegnnteS äußere verwendet, ist fein Lesestoff vortrefflich. Sein dramamV Kritiker, Sarcey, hat einen europäischen Ruf; sein K» kritiker, Paul Mantz, ist einer der tiefsten und freimüth'�,� Kunstkritiker der Neuzeit; sein Pariser Chronist ist®,et vcllist, Dramatiker und Polygraph JuleS Claretie; st"*.„b rarischer Kritiker ist Scherer; die Akademiker Legouv® MeziereS sind fleißige Mitarbeiter. Das Ressott der � ketten faßt in Kürze alles das zusammen, was ei« 111 genter Franzose über fremde Länder zu wissen wünsch1' (Schluß folgt.) i ?�osenempfänger Briese, nahm ihr unversehens den Deckel- aus der Hand und reichte ihn der Vcrräuserin hinüber, W« sich durch den Augenschein davon überzeugte, £ c�c. gestohlene Eisbeine enthielt. Jetzt wurde ,, Diebin einfach vor die Thüre gesetzt. Sie wurde iZen den Briese aber hierüber so erbost, daß �..Zradenwegs zur Polizei eilte und denselben bezichtigte, bei Wer Eisbeine gestohlen zu haben. Die daselbst noch an- Mnben Käufer waren nicht wenig erstaunt, als die Arndt in Uintung eines Schutzmanns wiederum im Verkaufslokal er- Ä �re Bezichtigung gegen Briese wiederholte und dessen zlretimng verlangte. Sie erboten sich Alle, denselben zur Wi zu begleiten und hier wurde leicht festgestellt, daß die �-Huldigung ein schnöder Rachealt und völlig aus der Luft xMn war. Der Spieß wurde nunmehr umgedreht und der SJ �kstem durch Urlheil der eisten Ferienstrafkammer des �dgerichtz I eine Gefängnißftrafe von drei Monaten wegen Amtlich falscher Anschuldigung zudiktirt. «tne Heiraths- Annonce und ihre Folgen-„Em .es junges Mädchen, Inhaberin eines im Mittelpunkte ,1�' belegenen, gangbaren Materialwaaren-Geschäfts und Thalern Vermögen, wünscht sich zu verheirathcn." »and eines Tages in einer hiesigen Zeitung und kam die auch dem Koch Johann Propanda zu Gesicht, welcher «..sWktant aufzutreten beschloß. Allerdings hatte er seit .ahren eine Braut, es war aber ein armes Mädchen und tr dies Verhältniß ja leicht lösen, wenn seine Bewer« Ä um das reichere Mädchen Erfolg hatte. Er gab also 2 seine Adresse unter der gewünschten Chiffre ab und am Wen Tage erschien bereits em Herr bei ihm, der sich als der Waftzsührer und Kufin der heirathslustigen Dame vorstellte. �.�Unterhandlungen wurden eingeleitet und als Propanda Hfuies, daß er im Befitze von 700 M. war, gelangten fie auch L.,, w einem für beide Theile befriedigenden Re- kj05- Nach einigen Tagen ging Herr Propanda mit neuen Braut spazieren, die Thränen der so Verlassenen kümmerten ihn wenig. Die Strafe Der„Geschäftsführer" der Braut, ein {tele1' kZ über nicht aus... I PF i-imcneit, erklärte dem zukünftigen Ehemanne, daß er an noch eine Forderung von 200 M. habe und daß femer M�kitshalber ein' Kontras abgeschlossen werden müßte, bas Materialwaarengeschäst auf ihn, den Propande, wo- .________________________................ über- lallte. Der Kontrakt kam zu Stande und lautete ein desselben dahin, daß P. als Reugeld eine sofort zu su zahlenden Miethzins für das Geschäft entrichtete. fliu: brese Zahlungen, sowie durch die vielen Aus- >3 die ihm durch die Verlobung, die fich u3 lüpfenden gemeinsamen Vergnüngen:c. erwachsen !�'»u>ar das Vermögen des Herrn P. schließlich auf 200 M. zusammengeschmolzen. Da erhielt P. eines M» on seiner Braut einen Brief, welcher einen ähnlichen Li iL hatte wie jener, den er vor Kurzem an seine ehemalige wJjie richtete; seine Braut löste das Verhältniß auf, denn yn? sei er zu arm, zweitens habe sie gehört, daß er erst ein i. vahren bestehendes Verhältniß gelölt habe, um fich mrt »nloben zu können, und drittens paßten fie überhaupt nicht en. Herr P. tobte und wüthete, es half ihm aber , seine Bemühungen, die Briefschreiberin in ihrem Ent- ,�-»usse wankend zu machen, blieben ohne Erfolg. Als aber $°on seiner Forderung auf Zurückgabe des von ihm für �..Geschäft veranslagten Geldes keine Notiz genommen da sann er auf Rache und schließlich denunzirte er L''bemalige Braut sowohl wie den Herrn Simoneit wegen LiMes, indem er behauptete, daß er einem abgekarteten ?»um Oofer gefallen. Die gestrige Verhandlung, welche fwW« Sache vor der 93. Abtheilung des Schönengerichls s. l?nd und in welcher die erste Braut des Herrn P. als -.sungirte, konnte aber nicht genügendes Material zu lorderrr, um den Angeklagten einen beabsichtigten Betrug wukiMsen und zum fichtlichen Aerger des Denunzianten leide freigesprochen. iftlesrntd Arbeiterbewegung. Sta�gett die allgemeine deutsche nationale Industrie- (oll"'ltung zu Berlin, die im Jahre 1888 abgehalten werden üimT"bet sich der Vorstand des Vereins der gemeinsamen MpWichen Interessen in Rheinland und Westfalen. Der- »i Rundschreiben an die einzelnen Mitglieder erlassen, in der eindringlichsten Weise vor wird; daß dennoch vierzehn Mitglieder ihre Unab »»Mit so weit bewahrten und mit Ja stimmten, ist noch zu in- Nun wird der Verein beim Handelsminister Vor- machen und da das preußische Ministerium aus uns �.unbegreiflichen Gründen der nationalen Ausstellung auch kw Mpalhisch gegenübersteht, so ist die Möglichkeit vorhanden, «der �Ausstellung ins Waffer fällt. Man würde daraus "«n �°er einmal sehen, das Deutschland alle Gelegenheiten iüzx." Hand weist, in wirthschastlicher Beziehung einmal zu %' was es kann. Eine solche Zaghaftigkeit ist aber gewiß l�t,Jeciflnet, das Ausland von unserer Exportfähigkeit zu Ziatürlich ist es leichter die Kameruner zu be- feant,?' Lls z. B. die Nordamerikaner. Ob deshalb der oben 'Wd t �erern mit langem Namen der Kolonisationspolitik "»tiZ /«udig zugestimmt, wie er mit aller Macht gegen die .�Industrieausstellung austritt?_„ � M�eta de» wirthschaftlichen Aufschwung»". Der ü�inp! der Handelskammer zu Dlllenburg schildert die ffne Geschäftslage von Handel und Industrie ,n 1884 «-"als"'ck>t günstig. Besonders waren die Haupt. Abzweige des Bezirkes, der Bergbau und die Hutten- .sthr ungünstig beeinflußt, was namentlich gegen WL, �°dres durch rasches Fallen der Preise und Ein- des Betriebes fich bewahrheitete., Günstigere nndere Industriezweige, stvie z. B. dre und Iä" Wä«.. st Agnesenhütte, bei Haiger kam durch die allgemeine rN, T Jage der Hochofen-Industrie wieder zum Erliegen. 7»den Mündet, oder vielmehr mit bestehenden Werken ver- S»!,. wurden eine Zement-, eine Maschinen-Hufe,sen- und �ker"0°meter-Fabrik. Die Beschäftigung der Äauhand- NeseikAs�n das Vorjahr war eine verminderte zu nennen. t jt;»n. aus y, ß? Handelskammer ersteht man, daß im Jahre lsJL�" Lüneburger Saline 160 Arbeiter beschäftigt waren, Men einen Lohn von 67 903 Mark bezogen! Das it Arbeiter jährlich. 426 Mark, also eme Tages- Groß- �üssij�wit Familie von 1 Mk. 16 Pfg. Zahlriche Mrk errcick-n-in-n iribrlicken Nettoverdienst von Sl Knnen gerade diese Gesellschaftsklassen Kr Herrlichkeit unserer Zustände sprechen, und ein h«» Hautwdullr» m«?«»ui Soz»,. ssentlrcht, der mit einem„Loblied" auf die einen Haus- indufirie im meininger Oberland gleichbedeutend ist. Damm kein Wunder, wenn wir denselben auszugsweise in den Spalten unserer„Sonneberger Zeitung" wiederfinden, bietet er doch Gelegenheit, den freifinnigen tzumbüg von der„forterbenden Hausindustrie", welche dem Großbetriebe gegenüber selbstständig dastehe, von Neuem aufzutischen. Gesang. Geselligkeit und Humor würzten die Arbeitszeit und mancher Fabrikant habe vom Lehrjungen an durch„eigene Kraft" fich zum Wohlstand undAnsehen emporgearbeitet; ein zufriedener Geistder Bevölkerung sei den„sozialistischen Wühlereim" bisher nicht zugänglich ge- wesen.— Die dem Untergange geweihte und jetzt schon im Todes- kämpfe liegende Hausinvustrie, die unter dem Dmck der kapi- talistischen Produktionsweise und der freien Konkurrenz alljähr- lich mehrere selbstständige Kleinmeister in die Reihen der Lohnarbeiter schleudert und die schlimmste Ausnutzung der Arbeitskraft der Frauen und Kinder zur Folge hat, muß der Großproduktion von Jahr zu Jahr immer mehr Platz einräu- mcn, bis endlich die letzte Spur der vielbesungenen Hausin- dustrie verschwunden ist. Und gerade diejenigen Industrie- Helden, die immer in Wort und Schrift die Hausindustrie im meininger Oberlande kräftigen und schützen wollen, find die Todtenwürmer der Spielwaaren- Hausindustrie! Während diese früher nur die Vermittler auf dem Weltmarkte waren, haben fie die Konkurrmzfähigkeit oder auch die Konkurrenzun- fähigkeit oder, noch besser ausgedrückt, die Konkurrenzwuth auf die eigene Anfertigung von Spielwaaren aufmerksam gemacht und somit die selbstständigm Existenzen zahlreicher Kleinpro- duzenten untergraben, um diese als Fabrikarbeiter um ihr trauriges Dasein weiter kämpfen zu lassen. Und während dieses wirthschaftlichen Prozesses,„da fingt Alles und die Zufriedenheit ist der Damm gegen sozialistische Wühlereien".— In dem Artikel der„Sonne- berger Zeitung" wird auch ein Vorschlag gemacht, um die Hausindustrie gegen den Untergang zu schützen. Dieser Vorschlag ist allerdings originell und lautet:„Unseren Haus- Kleinindustricllen kann nur durch Kunstindustricschulen ge- Holsen werden, die in Deutschland populär und praktisch wirken sollen! Natürlich müßte der Staat diese Schulen auf gleiche Rangstufe stellen, wie die wissenschaftlichen, die zur Berechti- gung des einjährigen Dienstes führen!— Solche Schulen für das arbeitende Volk(!!) in großer Zahl zu schassen und gleich- zustellen mit den bis jetzt privilegirten Schuten, das wäre eine Staatshilfe, wie wir fie uns gerne gefallen lassen würden, das wäre Sozialreform im besten Sinne des Wortes!"— Hierzu bemerkt der Einsender der Korrespondenz an die„Thür. Waldvost" recht treffend: Ja! das fehlt auch; wenn die Söhne gewisser Herren Bourgeoisfabrikanten ,c. zum wissenschaftlichen einjährigen Examen zu dumm find, muß denselben weiter Ge- leaenheil geboten werden, als Schnitzer, Maler oder Modelleur noch den„Einjährigen" durchzudrücken. Und damit wäre das Grundübel der Hausindustrie beseitigt.— Heiliger Bimbam! Zum Töpferstreik in Velten veröffentlicht die dortige Lohnkommisfion das Folgende: In der Mitglieder-Versammlung des Fachvereins am 21. d. M. wurde abermals die Frage gestellt: Wollen wir weiter streiken? und wieder einstimmig bejaht. Es kam ein Bericht über unfern Ausstand und über den„Bauhandwerker" im„Berliner Tageblatt" zur Kenntniß der Versammlung— und wurde festgestellt, daß dieser Bericht nur Unwahrheiten enthielte. Sonntag war eine öffentliche Versammlung der Töpfer aus Velten und Umgegend, in welcher Herr Kreutz aus Berlin die Wege erläuterte, welche den Ar- beitern offen stehen, um zu ihrem Rechte zu gelangen. Die Herren Fabrikanten waren wieder eingeladen, aber nicht erschienen, mit Ausnahme der Herren, dre der Vereinigung nicht angehören, die recht zahlreich anwesend waren. Trotz des schlechten Wetters und trotz des Umstandes, daß unnütze uns bekannte Hände die von uns angehefteten Plakate abgerissen hatten, war die Versammlung doch recht zahlreich besucht und die Stimmung eine freudige und zuverstchtliche. Wir werden lieber unsere Heimath verlassen, als daß wir nachgeben, da unsere Forderung eine gerechte ist. Mögen uns die Kameraden nicht verlassen. Die Eisenindustrie in Schweden liegt vollständig dar- nieder. Man schreibt darüber der„Vosfischen Zeitung" aus Stockholm: Die geringen Ausfichten auf eine baldige Besserung der Eisenkonjuntturen machen unsere Hüttenbefitzer immer muth- loser, nicht nur daß überall die Produttion eingeschränkt und Hochöfen kalt gelegt werden, sondern es wird sogar mit dem vollständigen Abbruch der Oefen begonnen. Asjöhütte in Bjurknäs in Nerike will ihren Hochofen mit allem Inventar per Auttion zum Abbruch verkaufen. Die Hütte wurde im Jahre 1638 angelegt. Die Qväggeshütte in derselben Gegend soll demnächst auch abgerissen werden. Die Linnebäckshütte in Carlskoga, errichtet im Jahre 1656, ist bereits vor Kurzem nebst dem kostbaren, fast neuen Kohlenmagazin abgerissen und baut der frühere Bergwerksbesttzer dafür eme Mehlmühle. Ueber Logir» uud Esthauser für Arbeiter wird aus N e w- U o r k oenchtet, daß dott zahlreiche vorhanden find: die besuchtesten find die drei von der„Gesellschaft zur Ver« besserung der Arbeitshäuser" begründeten, hauptsächlich zu dem Zwecke, unverheirathete Arbeiter den gewöhnlichen Kneipen zu entziehen und fie zu einem wohlgeordneten Lebenswandel und zur Reinlichkeit anzuhalten. Erfreulicherweise steht man fie mehr und mehr bevorzugt, so daß fie beretts— obwohl ur- sprünglich keineswegs darauf berechnet— Gewinn abwerfen. Das neueste kürzlich eröffnete dieser Häuser enthält 200 eiserne, in den 5 Stockwerken vertheilte und mit sauberem Bettzeug ausgestattete Bettstellen. Feste Regel des Hauses ist, jedem Gast ein eigenes Bett zu geben, für welches er 15 Cents (63 Pfg., für amerikanische Verhältnisse ein sehr niedriger Preis) pro Nachs zahlt. Wasch- und Badebequemlichkeiten, die mit dem Waterclosets fich im Ervgeschoß befinden, find hin- reichend vorhanden. Zu ebener Erde liegt auch das Bureau, durch das man in's Lesezimmer gelangt, das mit englischen und deutschen Zeitungen und belletristischen Monatsschriften versehen und zum Aufenthalt der Gäste bestimmt ist. Morgens >/-6, 6 und 7 Uhr werden die Schlafenden geweckt. Um 8 Uhr müssen fie die Bettzimmer, um 9 Uhr das Haus verlassen, welches dann bis Nachmittags 4 Uhr geschlossen bleibt. Abends ist das Haus von 4 bis lO'/, Uhr geöffnet, nach 11 Uhr findet kein Gast mehr Zutritt. In der im selben Hause befindlichen Speiseanstalt werden Mahlzeiten zu 5, 10 und 15 Cents(21, 42, 63 Pfg.) verabreicht, schmackhaft und gut zubereitet. Die Restauration wird für einen niedrigen Preis verpachtet, doch hat fich der Pächter streng an die Vorschriften des Hauses zu halten und darf keine gerstigen Getränke verkaufen. Mobilar und Kocheinrichtungen liefert die Gesellschaft. Die Verwalter (Managers) halten wöchentlich Musterung. Arbeiter finden hier ein behagliches Unterkommen, die vor Allem nothwendige Sauberkeit und Ordnung und dabei Unterhaltung in den Mußestunden. Sonntags, an Feiertagen und bei schlechtem Wetter find diese Logirhäuser den ganzen Tag geöffnet, was an gewöhnlichen Tagen aus dem Grunde unterbleibt, um die Leute gewissermaßen zu zwingen» fich nach Beschäftigung um- zuthun._ Vereine nnfr Uersamminngen. En. Herr Stadtverordneter Paul Singer hiett vor- aestern Abend in einer öffentlichen gut besuchten Kommunal- wäbler-Vcrsammlung, welche in der Urania unter dem Vorsitz ZGK-MZMZ und Reformen in Vorschlag gebracht habe. Mit dem Anfangs« resultate könne ein Jeder zufrieden sein, doch muß, so etwa fuhr der Referent fort, dieser Erfolg bei jedem denkenden Ar- heiter der Antrieb zu weiterer kraftvoller Agitation bilden. Die Einnchtungen, welche wir jetzt in Berlin haben, ent- sprechen viel zu wenig den gerechten Anforderungen der großen minder begüterten Bevölkerungsklasse und wenn nun auch bei dem gegenwärtigen Dreiklassen-Wahlsystem von einer wirtlichen Vertretung des Berliner Volkes nicht die Rede sein kann, so dürfen speziell die Arbeiter, die Wähler der dritten Abtheilung, doch keine Mühe und Anstrengung scheuen, um diejenigen Männer, welche das Vettrauen der Majorität des weikthätigen Volkes genießen, in das städtische Parlament zu entsenden. Wenn wir auch mit dem Dreiklassen-Wahlsystem längst ge- brochcn haben und selbstverständlich auch für das gleiche direkte und geheime Wahlrecht auch in der Kommune eintreten, so darf uns das keinesfalls zurückhalten, unsere ganze Thätigkeit darauf zu konzentriren, daß am Abend der Wahl die Arbeiter unter lautem Jubel konstatiren können, die Arbeiter Berlins haben neue Sitze im Rathhause errungen! Meine Herren! Der Kampf gegen die Majontät im städtischen Parlament ist eigen t« lich ein Kampf gegen Windmühlenflügel, aber wir erlahmen nicht, denn jeder Antrag, von uns eingebracht, ist ein Stein zu dem Bau, welcher zu unser aller Wohl errichtet werden soll. So haben wir mit unserem Antrage behufs Regelung der- Miethssteuerfrage einen nicht ganz erfolglosen Anlauf zur Lösung dieser Frage im Sinne der Gerechtigkeit gemacht. Wir sagen uns, daß eine Reform der Miethssteuer, welche letztere jetzt nach unten hin progressiv drückend wirkt, weil die kleinen Wohnungen mit demselben Prozentsatze, wie die großen Woh- nungen, belegt find, was entschieden eine Ungerechtigkeit in sich schließt, unbedingt eingeführt werden muß. Es muß unsere Sorge, unser ganzes Bemühen sein, dahin zu wirken, daß diese wichtige Frage, wie gesagt, nur im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit gelöst wird. Ich glaube konstatiren zu müssen» daß die fünf Ärbeitervettreter voll und ganz ihre Schuldigkeit gethan haben, namentlich wenn man ihre nummerische Schwäche in Betracht zieht. Sie waren stets bemüht, dasjenige zu halten, was sie ihren Genossen, ihren Wählern versprochen hatten. In der Regelung des Pferdebahn wesens konnte wenig Grund« legendes geschaffen werden, weil leider die Verträge mit der Gesellschaft vor zwei Jahren noch schnell abgeschlossen wurden. Bei der Frage der elektrischen Beleuchtung hat sich auf das Treffendste gezeigt, wie weit die Vorliebe der Majorität der meist fortschrittlichen„Stadtväter" für das Aktienwesen eigent- lich geht. Anstatt die elektrische Beleuchtung in städtische Ver- waltung zu nehmen, hat man fich nicht gescheut, mit der Ge- sellschast der elektrischen Werte einen Vertrag abzuschließen, nach welchem die Bevölkerung mit den Brosamen, welche von den Tischen der Privataktiengcsellschaft fallen, zufrieden sein muß! Um noch Mal auf die Pferdedahn zurückzukommen, muß ich erklären, daß unser Antrag, die Einstellung sogenannter „Früh- oder Arbeitswagen" gewisser Sympathie in der Ver- sammlung fich wohl erfreute, aber auch in dieser sehr einfachen Sache hieß es dann wieder: Immer langsam voran u. s. w.! Die Stadtverordnetenversammlung beschloß nämlich, mit der Direktion der Pferdebahn-Gesellschaft erst in Verbindung zu treten, ob solche Einrichtungen auch wohl zweckmäßig sein würden! Wie richtig wäre es gewesen, wenn man der Direktion der reichen Gesellschaft die verlangte Einrichtung einfach zur Bedingung gemacht hätte. Aber Arbeiterfreundlichkeit der Majontät im städtischen Parlament zu suchen? weit gefehlt! Das zeigt stch auch treffend, daß wir Ärbeitervettreter selten in die Deputationen gewählt werden» so haben wir z. B. keinen Vertreter in die Schuldeputation, in welcher unser Mann gewiß segensreich gewirkt haben würde, senden können. Wir waren daher gezwungen, uns insbesondere an den Plenarberathunqen zu detheiligcn und das ist denn auch in ausgiebigster Weise geschehen. Einzelne Erfolge flnd erzielt worden, so die Anregung zur Errichtung gewerblicher Schiedsgerichte, welche für Berlin durchaus nöthig erscheinen, da Sttertigkeiten gewerblicher Natur nur von Fachmännern ent- schieden werden können. Was die projektirte Besteuerung frem« der Bicre anbetrifft, so werden wir uns, gemäß der Haltung unserer Freunde im Reichstage bei ähnlichen Fragen, wahrscheinlich ablehnend verhalten, oder wir müßten andern Falls die feste Garantie dafür erhalten, daß die Verwendung der Einkünfte» welche etwa 500 000 Mark betragen dürften, nur allein im Interesse der ärmeren Bevölkerung geschieht. Im Prinzip, meine Herren, verwetten wir bekanntlich jede schädigende indi- rette Steuer. Redner verurtheilte dann noch scharf die projek- litt gewesene Abänderung der Geschäftsordnung im„rothen Hause", die Geheimhaltung der Vorkommnisse in sogenannter geschlossener Sitzung und meinte mit Recht, daß nur durch die kräftige Opposition der Arbeiter- vettreter dieses nicht demokratische Projett glücklich zu Fall gebracht worden wäre. Auch kam Herr Singer auf die Sanitats- wachen zu sprechen und plaidirte lebhaft für die Uebernahme resp. Einttchtung derselben durch die Stadt. Diese Institute vermöchten nur dann für die Gesammtheii im wahrsten Sinne des Wortes segensreich zu wirken und zugleich den„Armenarzt" illusorisch machen, wenn diese Institute auch durch die Organe der Gesammtheit verwaltet würden. Ferner pries Redner die Einführung von Volksbädern als ein Ziel, welches die Arbeiter. vertteter ganz besonders zu erstreben hätten. Wir alle müssen, so schloß der Vottragende seinen rein sachlichen insttuttwen Vortrag, mrt aller Energie und fester Thatkraft dahin stteben, daß dre Anzahl der Ärbeitervettreter baldmöglichst mindestens verdoppelt wird. Wir find— und das sollen sich unsere Gegner ein für alle Mal gesagt sein lassen- vollkommen einig und stehen nach wie vor in fester Treue zusammen, wenn es gilt, unsere erhabenen idealen Ideen der Gerechtigkeit und des reinen Menschenthums irgendwie Geltung verschaffen zu können. Wir beurtheilen keinen Menschen nach seiner Konfesfion, welche für uns Privatsache ist, wir haben nur ein Ziel vor Augen, das ist die Einführung menschen- würdiger Zustände durch das Gesetz und um dieses edle Ziel mit erreichen zu helfen, um auch für unsere Stadtgemeinde Berlin eine wahrhaft volksthümliche Gesetzgebung als Funda- ment segensreichen Wittens zum Wohle Aller zur Wahrheit werden zu lassen, bitte ich Sie dttngend, eingedenk des Wahr- spruches:„Einer für Alle, Alle für Einen" mit vollster Kraft» Energie und Hingebung dafür Sorge tragen zu wollen, daß die Zahl unserer Vertreter im Rathhause sich immer mehr ver- stätte.(Stürmischer, lebhaftester Beifall.) Mit einstimmiger Annahme einer im Smne der gehörten Rede abgefaßten Rcso- wtion und einem darauffolgenden zu Herzen gehenden schönen Ä.'0ß er Bahlen aus„Schwabis' Statistik der In?»n cn'fl}.' au8 denen folgendes zu entnehmen ist: «in Bürger Berlins, der ein Einkommen bis zu 1000 Matt iadtllr Oat, Zahlt von seiner Gesammteinnahme 20—25 pCt. an Miethe, ein Angehönger des Mittelstandes 10-15 pCt.» etn Reicher 1—5 pCt. Gerade die ärmsten Bevölkerung� Klaffen werden also durch die Miethssteuer am schwersten belastet: sie haben den vierten Theil ihres Einkommens mit KV» Prozent Miethssteuer zu ver steuern, während bei den besitzenden Klaffen nur der zebnte, ja nur der hundertste Theil ihres Einkommens durch die Mieths- steuer getroffen wird.(Vergl. auch den hierauf bezüglichen Artikel unter Lokales. D. R.) Die einzig richtige Steuer zur Deckung der Bedürfnisse von Staat und Kommune sei die pro- gresfive Einkommensteuer. In Berlin giebt es 631 Millionäre, 21 dieser Personen haben nicht nicht nur ein Vermögen, son- dein ein jährliches Einkommen von 1—5 Millionen. Dieser Reichthum finde seinen Ausdruck in den hohen Miethssummen, die für einzelne Wohnungen gezahlt werden. In Berlin find 400 Wohnungen vorhanden, die über 10 000 Mark jährliche Miethe kosten, 242 über 20 000 Mark, 63 über 25 000 Mark und 2 Wohnungen über 30000 Mark. Em Mann mit einem ährlichen Einkommen von 5 Millionen könne z. B. 10 Proz. iervon leichter entbehren, als ein Tischlergeselle 4 Proz. von einem jährlichen Verdienst. Zu der Einführung einer städti. chen progresfiven Einkommensteuer sei allerdings die Erlaubniß ver Regierung erforderlich, wenn aber die städtischen Behörden mit Emst und Nachdruck für eine solche For- demng eintreten, werde auch die Regierung sich nachgiebig zeigen. Pflicht der Arbeiter. Vertreter aber sei es, mit aller Kraft die städtischen Behörden zu einem solchen Schritte zu drängen.— Nachdem der Redner für Uebemahme der Pferdeeisenbahnen seitens der Stadt und für Einführung einer Gassteuer plaidirt hatte, würdigte er das Verhalten ver liberalen Majorität einer scharfen Kntik, als es fich einmal um vie Erhöhung des Gehaltes der höheren städtl- schen Beamten und ein andermal der städtischen Latemen- anzünder handelte. Am 1. April dieses Jahres war die liberale Majorität mit dem Gelve aller Bürger so freigebig, das Ge- Salt des Bürgermeisters Duncker um 3000 MI., das des Stadt- aurathS Blankenstein um denselben Betrag zu erhöhen und ebenso dieselbe Summe Herrn Stadtkämmerer Runge zu seinen 9000 Mk. und Herr Stadlbaurath Hobrecht zu seinen 15000 Mk. jährliches Gehalt zuzulegen. Als aber der Lohn der städtischen Laternenanzünder um wenige Pfenige taglrch erhöht werden sollte, hatte man nur ein starres Nein.— Nun wandte fich der Redner zu dem städtischen Unterrichtswesen. Er wies nach, daß die Unentgeltlichleit des Volksschulunterrichtes nicht ein Geschenk, sondern die Erfül- lung eines Versaffungsartikels sei und verglichen mit der Für- sorge der Stadt für„höhere" Unterrichtsanstalten wenig zu bedeuten habe. Trotzdem die Stadt gesetzlich nicht verpflichtet sei, für Gymnafien-c. zu sorgen, sondem der Fiskus diese Aufgabe zu erfüllen habe, versuche es die Stadt gar nicht ein- mal mehr, den Fiskus an seine Verpflichtung erinnern. Während jeder Gemeindeschüler der Stadt jährlich 50 Mark koste, wären für jeden Schüler einer höheren Lehranstalt 90 Mark jährlich erforderlich. Die Vertreter der Arbeiter hätten dafür zu sorgen, daß der Unterricht auf allen Schulen voll- kommen frei, und somit jedem zugänglich werde, daß der Besuch der Volksschule obligatorisch für l-des Kind se, und daß der Uebergang in eine höhere Schule von einem Examen ab- hängig gemacht werde.— Nachdem der Redner dann noch kurz auf das Ungenügende der sanitären städtischen Einrichtungen aufmerksam gemacht und femer darauf hingewiesen hatte, daß die Vertreter der Bürgerpartei nur deshalb in einigen Fragen mit der Arbeiterpartei in der Stadtverordnetenversammlung ge- gangen wären, um fich populär zu machen und„weil es nichts geschadet hätte", daß aber Rassen- und Konfesfionenhetze, wie fie von jener Seite betrieben werde, auf das Schärfste zu ver- mtheilcn sei, schloß er mit der Aufforderung, für die Wahl von Arbeitervertretem mit allen Kräften einzuttcten.(Ledhafter Beifall.) An den Bortrag schloß fich eine ausgedehnte Dis- lussion, die deshalb besonders ledhast war, weil ein Deutsch- freisinniger fich bemüßigt fand, zu opponiren. Wir würden ausführlicher auf die Auslassungen dieses Herrn eingehen, wenn von ihm in geschickter Weise die Prinzipien der liberalen Majorität vcrthcidigt worden wären. Nach einem Schlußwort des Referenten wurde folgende Resolution gegen eine Stimme angenommen:„Die heutige Kommunalwähler-Versammlung erklärt fich mit den Ausführungen des Herrn Krohm einverstanden und verpflichtet fich, mit allen gesetzlichen Mittel bei den bevorstehenden Kommunalwahlen nur für solche Kandidaten eintreten zu wollen, welche die Interessen der Arbeiter energisch zu wahren wissen." br. Die Versammlung des Unterstützungsvereins der Vergolder, welche am Mittwoch Grenadierstraße 33 stattfand, vollzog zunächst Wahlen zur Ergänzung des Ausschusses. Darauf folgte der Kassenbericht des Ausschusses für die Amts« dauer des provisorischen Vorstandes vom 15. Juni bis 1. August. Sodann legte der Vorfitzende einen behufs Hcr« stellung einer Stattstik über die gegenwärtigen Verhältnisse im Gewerbe der Vergoldcr vom Vorstände entworfenen Frage- bogen vor, der für jede Werkstatt und in den größeren Fa- birken für jeden Arbeitssaal sorgfältig ausgefüllt werden soll. Er hob hervor, daß ohne die Grundlage einer Statistik der Verein die den arbeitslosen und den gemaßregelten Mitglie- dern zu gewährende wöchentliche Unterstützung nicht richtig de- messen könne. Der Fragebogen wurde mit einigen unwesent- lichen Abänderungen akzepttn. Das Ergebniß der statistischen Erhebungen soll auch den anderen zwei in Berlin bestehenden Organisationen der Vergolder, dem Ortsverein und der freien Vereinigung, mitgetheilt werden. Der Antrag, daß ein aus einem Mitgliede des Vorstandes, einem Mitgliede des Aus« schusses uno drei von der Versammlung zu wählenden Kol- legen bestehendes Vergnügungskomitee eingesetzt werden möge, wurde einstimmig angenommen. Endlich wurde noch de- schloffen, daß über 14 Tage im Süden oder Südosten eine öffentliche Versammlung behufs Agitation für den Verein ab- gehalten werden soll. Der Fachverei« der Schneider hielt am 24. August in Niefts Salon, Kommandantenstraßc, eine Versammlung ab, welcher bis auf den letzten Platz gefüllt war. Die Tagesord- nung war: 1. Besprechung der Fragebogen, welche das Polizei- Präsidium dem Verein zugesandt hatte. 2. Das Arbeiterschutz- gesetz. Referent Herr Michelsen. Die Fragebogenbeantwottung detreffend, wurden vom Vorstand die zu gebenden Antworten dem Verein zur Begutachtung vorgelegt, welche bis auf einen Punkt die volle Zustimmung der Mitglieder fanden. Hierauf wurde der Vorstand beaufttagt, den Fragebogen dem Polizei Präsidium zuzustellen. Nachdem hielt Herr Michelsen seinen Bottrag über das Arbeiterschutzgcsetz. Derselbe erläutette die wichtigsten Punkte in dem Arbeiterschutzgeseyentwurf, und legte klar, wie schädlich die Gefängnißarbeit dem freien Arbeiter gegenüber sei. Redner sprach dann über die Regelung der Frauenarbeit und wies nach, wie sehr die heutige Frauenarbeit die Entfittlichung fördere. Auch die Kinderarbeit in den Fa- bnken unterzog der Redner einer scharfen Kritik. Dann wies derselbe darauf hin, daß ein jeder Arbeiter mithelfen solle, daß derartige Uebclstände beseitigt werden. An der Diskusfion be- theiligtcn fich verschiedene Mitglieder und sprachen fich alle im Sinne des Referenten aus. vie forderten sämmtlich auf, die Petitionslisten für das Arbeiterschutzgesetz zahlreich zu unter- zeichnen. Folgende Resolution wurde angenommen:„Die am 24. August tagende Versammlung des Fachvereins der Schneider erklärt sich mit den Ausführungen des Herrn Michelsen einverstanden und verspricht, die Petition, welche vom Verbandsvorstand des Vereins der Schneider und Be- rufsgenossm Deutschlands entworfen wurde, nach Kräften zu unterstützen." Der Fachverein zur Wahrung der Interessen der Tapezirer hielt am Montag, den 24. August in den Grat- weil'schen Bierhallen unter Borfitz des Herrn Wildberger seine ordentliche Versammlung ab, mit der Tagesordnung: Die Enquete in Betreff der Sonntagsruhe und Beantwottung des vom Polizei-Präfidium dem Vorstande zugestellten Fragebogens. Das Referat hatte Herr Michelsen übernommen. Referent erläutette die wichtigsten Punkte des Arbeiterschutzgesetzentwurfs und wies auf die Wichtigkeit der darin enthaltenen Forderungen für die Arbeiter hin, er führte unter anderen an, daß ein Ver- bot der Sonntagsarbeit sehr gut durchführbar sei und die Folgen in keiner Beziehung nachtheilige, vielmehr für Arbeiter wie Arbeitgeber nur segensreiche fem werden. Es würde durch Annahme des Gesetzentwurfs ein großer Theil der Roth und des Elends des Arbeiterstandes beseitigt. Der Unternehmer wisse oft nicht, wo den Arbeiter der Schuh drückt, da er wenig davon unterrichtet ist, wie es in der Hütte und Wohnung des Arbeiters aussieht. Redner verglich darauf einen gut organifirten Staat mit einer Pyramide. Die Arbeiter seien daS Fundament und auf dieses thürmten sich die Gewerbtreibenden, Jndustttellen, Großgrundbesitzer und alle höheren Klassen. Wenn nun das Fundament die Stürme und Lasten nicht zu tragen vermöge, könnten fich selbstredend die oberen Schichten nicht halten. Bei diesen Watten erhob fich der überwachende Beamte, und der Vorsitzende, eine Auflösung befürchtend, schloß die Versammlung. Wien, 26. August. In der Volkshalle des neuen Rath- Hauses fand vor einigen Tagen eine von etwa 1200 Hand- lungskommis aller Branchen besuchte freie Versammlung statt, welche einen stürmischen Verlauf nahm. Zunächst refetttte Herr Joseph Ruzicka über die jüngste Petition des Gremiums der Ziener Kaufmannschaft, wobei er mehrfach Angriffe gegen das Grenium richtete, und beantragte eine Resolutron, welche fich gegen die Petition deS Gremiums der Wiener Kaufmann- schaft erklätt, weiter die Unzufriedenheit über die bisherige Wirksamkeit des Gremiums, soweit dieselbe die Lehrlinge und Kommis betrifft, ausspriebt, die sofortige Auflösung desselben verlangt und gegen die Zutheilung des kaufmännischen Perso- nals zu gewerblichen Genossenschaften protestitt. Diese# lution wurde angenommen. Hierauf sprachen Mehrere w die Lage der Kommis und Lehrlinge und gegen den 5?'»® Kaufmännischen Verein. Es wurde die Nothwendigkest beton. zur Wahrung gemeinsamer Interessen einen Verband# reichischer Handlungskommis zu gründen. Als nun die Gcgcnrur«' ihre Anschauungen zur Geltung bringen wollte, erhob ßeb fl großer Lärm, der bis zum Schlüsse der Versammlung�«Mit Ein anwesendes Vorstandsmitglied des Wiener Kaufmanniw* Vereins, Herr Popper, sagte, daß diese Korporation allerdiiP nicht ausschließlich die Interessen der Handlungskommis verw°. es sei aber kleinlich, einen geachteten Verein, der so viel zu beschimpfen.(Widerspruch und Beifall. Rufe:„Echllii I Die meisten der heute versammelten KommiS heben Ahnung von den Leistungen des Wiener Kaufmännischen w eins... Bei diesen Worten entsteht ein ungeheurer Trm# Rufe, wie:„Herunter von der Tribüne!". Hinaus!"„S#*- werden laut, die erregten Gemüther hindern Herrn Popp««J, Weitereden. Da es auch anderen Rednem der Opposition# besser erging, so schritt der Vorsitzende, Herr Anton Raab, M Abstimmung, worauf die Gründung eines eigenen Perboi'»' mit großer Mehrbeit beschlossen wurde. Verein sämmtlicher Bernfstlasse» Berlin I. schriebene Hilfskasse). Sonnabend, den 29. d. M.,' 8 Uhr, Münzstraße 5, Versammlung. T. O.: KasienbenA Mittheilungen. Geschäftliches. Auch werden in dieser Versa»«' lung die Billets zum Kränzchen, welches am 19. Eeptc«°« zum Besten der Weibnachtsbescheemng stattfindet, ausgegebfr Verein zur Pflege freireligiösen Lebens. SonnM den 30. d. Mts.. Vormittags 10 Uhr. Niederwallstraß- 20,* unteren Saale, V ottrag des Herrn Vogtherr. Thema: Gebet." Zutritt steht Jedem frei.. Allgemeine Kranken- und Sterbe-Kasse der Wr#' arbeiter(E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin VI. SonM den 30. d. Mts., Vormittags 10 Uhr. Elisabethkirchstraße 6» Herrn Kilian: Außerordentliche Mitglieder- Versammle Tagesordnung: 1. Kassenbericht pro Juni. 2. Wahl e»* Kassirers und der Beitragsammler. 3. Verschiedenes Quittungsbuch legitimirt. Die Zahlstellen befinden fich- straße 36 bei Galle und Brunnenstraße 113 bei Herrn, Beiträge und Aufnahmen werden daselbst jeden Sonnab«� Abend von 8—10 Uhr entgegen genommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Meta� beiter(E. H. 29 Hamburg) Filiale 8 Gesundbrunnen. T» Mitgliedern zur Nachricht, daß von Sonnabend, den 29.% an eine zweite Zahlstelle Stettinersttaße 19 bei Kupsck eröW ist. Daselbst werden jeden Sonnabend Abend von 8— 10W Beiträge angenommen und neue Mitglieder aufgenommen- Verein zur Wahrung der Interessen der und Koffermacher, Montag, den 31. August. Abends of Uhr, in den Arminhallen, Kommandanten str. 20, MiW"% Versammlung. Tagesordnung: 1. Bettcht über die 1% stützungskasse deS Vereins, und wie stellen sich die Mitgi� zu derselben? 2. Verschiedenes und Fragekasten.— Der stand ersucht die Kollegen, welche in der Versammlung o» t August fich verpflichteten, dem Verein beizutteten, am31. W" vollzählig zu erscheinen.. Fachverein der Bau- und Fabrikarbeiter zu KStzemv Sonnabend, den 29. August, Mitglieder� Versammlung. 1. Vortrag. 2. Diskussion. Verschiedenes. Neue werden aufgenommen. Die Petition an den Reichstag bett- Arbeiterschutzgcsetz, liegt in folgenden Lokalen aus: haus; Held, Grünstr. 50; Seifert, Gattenstr. 24; Joch, � nickerstraße; Weinett, Alten Markt 58a und Stutz, straße 1. Am Sonntag, den 30. August veranstaltet der 33««° eine Herrenpartie., Kentral-Krauken- Sterbe und UnterstühungSkasse Deutschen Zimmerer. Sonntag, den 30. August, Vornnw� 9'/» Uhr in Sanssouci, Cottbuferstraße Nr. 4a General«« sammlung. Tagesordnung: 1. Die Vortheile und Nach� der Hilfskassen gegenüber den Ottskassen. 2. Verschiedenes Arbeiterbrzirksverein der Friedrichsstadt. Den M gliedern zur Nachricht, daß am Sonntag, den 30. August«! eine Herrenpattie nach Köpenick stattfindet. SamwelP� Bahnhof Alexanderplatz präzise 8'/- Uhr Vormittags. Arbe»« b'llets& 50 Pf. für Hin- und Rückfahtt sind daselbst ,u% Zahlreiche Betheiligung ist erwünscht und können Gäste w«8 Mitglieder eingeführt werden. M br. Die öffentliche Versammlung der Former,%% am Mittwoch Abend im Salon„zum deutschen Kaiser",% nngerstr. 37, zur Erledigung der Tagesordnung: J-% Stand des Hartung'schen Streiks. 2. Die Auflösung r, »Freien Vereinigung der Former" stattfinden sollte, � nicht stattgefunden. Dem Einberufer war am seitens des Polizei-Präsidiums das Verbot dieser Versammw"» zugegangen. Theater. Opernhaus. Heute: Zar und Zimmermann. Schauspielhaus. Heute: Egmont. Belle-Allrance-Theater. Heute: Der Glöckner von Notre-Dame. Krtedrich-WilhelmstädttfcheS Theater. Heute: Der Großmogul. Ostend-Theater. Heute: Kabale und Liebe. Walhalla-Operetten-Theater. Heilt,: 9lonon. Alte Jakobstraße 30. Direktion: Adolph Ernst. b-mte: Zum 28. Male: Die wilde Katze. Gesangsposse in 4 Akten von W. Mannstädt, Musik von G. Steffens. Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmans. Eonnabend: Eröffnung der Opernsaison. Der Troubadour. Arbettsmsrkt. Kordmacher-Ges. auf Schönarbeit verl. Sttelitzerstr. 60. [1981 Korbmacher-Gesellen auf Rohrkiepen verlangt 1989s_ Holze, Manteuffelstr. 65. Tüchtige Faeadenputzer für Roman-Cement finden nach außerhalb Beschäftig, durch B r a s ch, Zimmerstr. 95/96.[1987 Korbmacher-Gesellen auf Stück und Lohn(15—20 M) gesucht von R o s i n, Dalldorf erstr. 5.[1969 Vereins- und Fest-Säle find immer zu haben.[1965 �«"""andantenstrabe 71/72, parterre. [2572 Die Nr. 20 der humoristischen Blätter ..Der wahre Jacob" ist-�schienen und in der Expd. des„Berl. Volksbl." zu haben. . Aorst. Sonntag, den 30. August: foniptie mich DM Treffpunkt früh 7V« Uhr Bahnhof Alexanderplatz. Diejenigen, welche Nachmittags nachkommen wollen, können den Zug 1 Uhr 17 Minuten benutzen.[2001 KezMsvttt!« d.«belt. Kevölkersig d. SW. Kerlins. Herren-Landpartte platz: Hallescherthorplatz. Abmarsch präzise früh 7 Uhr.[1966 Arb.-Kes.-Vtttiu f. d. Ofteu Kerlins. Sonntag, den 30. August: Gr. Herrenpartie nach Köpenick. Abfahrt vom Schlestschen Bahnhofe Vormittags 9 Uhr. Die Mitglieder werden ersucht, ihre Karten zur Legitimation mitzubringen. Gäste, durch Mitglie- der eingeführt, sehr willkommen.[1988 Das Vergnügungs-Komitee. Arbeiter-Bezirksverein der Oranienburger Vorstadt und des Weddiug. Sonntag, d. 30. August er.:_ DM- Landpartie."WW Sammelpunkt präzise V»8 Uhr Vorm. im Wedding- Park, Müllerstr. 178. Gäste, durch Mitglieder eingefühtt, sind willkommen.[2000 Der Vorstand. IM Großer Mittagstisch MS _ für 600 Personen. HHB* Portion L» Pfennig, mmtm ___ Gute Hausmannskost.[1932 WaiistraRRe 16,# parterre. Ta 1. Vortrag des Herrn icsordnung: Dr. Lütgenau. o' Besprechung des Etistungsfcstes und Ausgabe der Fsagekasten....... �% Die.......... sammlung die Billets vom Sommerfest abzurechnen- iqqki 01611- zahlreichen Besuch bittet iüoo| Der Vorst«>-- Zur pünktlichen Besorgung des Bfrltner Volksblatt »11 Pfifin der Sallltt n. Tonnabend. den 29. August. Abends 8V, Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantcnsv-�' Versammlung 1. Bottrag über Rückblicke auf unsere frühere Organssast� gegenüber der heutigen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes- Gaste find willkommen. Neue Mitglieder werden ow&g nommen. it" ____ Der Vorstan�. Hroße öffentliche Dersammluag der Steindrucker, Lithographen und Berufsgenossen Berlins am Sonntag, den 30. August, Vormittags 10'/a"M' im Palmen-Saal, Neue Schönhauserstr. 20. Tagesordnung: 1. Gründung eines Fachvereins. � ferent: Herr Etadtv. Fritz Görckl. 2. Diskusston. 3- ttSfc einer Kommission zur Ausarbeitung des Statuts. A' ___ Der Ein berutt�- Mitglieder-Bersammlttttg des Vereins)ur Wahrung der JnterejP der Klaoierarbeiter Sonnabend, den 29. August, Abends 8'/, Uhr- Kommandantenstraße 17/79. zsillets- �üßlleder werden dringend ersucht, in diestt�pe oie Billets vom Sommerfeft abzurechnen. te ehls� fokttt sämmtlicher Zeitungen u. Journale empsi/h�jj. 1984j W. Schonsteln, Mariannenstr-�. Verantwortlicher Redakteur fL Crontzei« in verlin. Druck und Verlag von Max vadwg in Berlin SW, Beuth straße 2.