♦ 201. Sonnabend den 29. August 1883. II. Jahrg. SMM»isl>lM Organ für die Interessen der Arbeiter. 4 Das„Berliner Volksblatt' Acheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Wonnementspreis für J**liu frei in S HauS vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. "«stabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnfertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden biS 4 ü Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Abonnements� Einknäung. „ Mit dem 1. September eröffnen wir ein neues Abonne- auf das »Kerüner Uolksvlatt" � der Gratisbeilage „Allustrirtes Sonntagsblatt." 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Liberalen sagen zum »Miel:„Das Manchesterthum, welches vor allen anderen bj�ern in Deutschland die.Vossische Zeitung" vertrrtt, ist »uf einen gewisien Punkt hin vollkommen berech- Ibi zu bekämpfen ist, sind lediglich die Ausschrer. [ n 9 e n desselben."- So bekämpft man ja überall die w/sch reitungen, wenigstens man sagt so und doch "fan die Sache selbst treffen.. L.-wch dieser kurzen Einleitung wollen wrr den Artikel WiMsischeu Zeitung" zunächst vollständig hier abdrucken. "elbe lautet: kbJ* � Mensch, auch wenn er in den dürftigsten Ver- �'ssen lebt, soll von der Arbeit nicht allein in den Zeiten Wi' kie ihm schlechthin unentbehrlich sind, um zu schlafen, soll ihm noch darüber hinaus eine Mußezert ge- »Wotai] Ieuitleton. Das Mormonenmadche«. Amerikanffche Erzählung von Balduin Möllhauseu. (Fortsetzung.) »Vorläufig spreche nur ich allein davon," antwortete * wi' deffen Kaltblütigkeit in demselben Trade wuchs, Hiop vK1" seine Gefährten ihre Selbstbeherrschung und Kein. Zerlegung verloren.„Doch wozu diese Neckere,en, ° Selrebten Brüder," fuhr er fort, ehe seine beiden »sps,� �eit gewannen, ihm irgend etwas zu erwidern; Kh u?ir offen mit einander und verständigen wir unS; «nfa Worte, ich wünsche in Eurem Bunde als Dritter �K sT)!nen zu werden, und wenigstens einen Theil von zu beziehen, welchen das zwischen Euch ver- klärte.. T-schäft abwirft. Zch bin nicht unbescheiden" er- s�»er m?.e'ter. als er die Verwirrung und Rathlosigkert Kollt� suhrten bemerkte, welche die verhaltene Wuth mcht 'L bin jHs" Durchbruch kommen lassen;„nein, gewiß nicht, unbescheiden; da ich indessen mein Amt als A zr Vermögens gewissenhaft erfüllte und kaum % ZJy die man aufzuweisen hat, so ist eS mern Wi � lSefn e on Euch, mir wenigstens ein Viertel l�Mmtsumme zuerkennen zu wollen." i&to'w'k auf welchen Grund hin?" fragte Elliot entrüstet,„eS daß Ihr bei Eurer gepriesenen Verwaltung der siecht � selbst immer wohlhabender wurdet, mithin nicht nol Euch gesorgt haben müßt. Habt Zhr aberwirk- r�lnn.n Serechte Ansprüche wegen Zurückerstaitung von Ahlt erheben, oder wollt ihr Eure verlorene Zeit v so wendet Euch an Jansen, den Onkel und S Ter.ck.r i)er Kinder, und nicht an unS. Wir vermögen �ffcrtigte Eurer muthmaßlichen Forderung nicht zu geben werden, die eS ihm möglich macht, sich zu sammeln, zu erheben, deS Gefühls seiner Freiheit sich zu erfteuen. Das Wohlbefinden, welches die Muße gewährt, ist nicht ausschließlich von der Dauer der einzelnen Zeittheile abhängig, die er derselben widmen kann, sondern auch von der Art und Weise, wie diese Theile zusammen- gelegt sind. Jemand, der um seine Subsistenzmittel sich zu erwerben, genöthigt ist, in jeder Woche 42 Stunden zu ar- beiten, wird sich wohler fühlen, wenn er sechs Tage lang je 7 Stunden arbeitet und am siebentbn Tage ganz ruht, als wenn er an jedem der sieben Tage 6 Stunden arbeitet. Er aiebt jedem Wochentage gern eine Arbeitsstunde zu, um am Sonntage sechs außerordentliche Mußestunden denjenigen hin zufügen zu können, welche ihm jeder Wochentag gewährt. Wir brauchen wohl nicht ausdrücklich zu sagen, daß wir dieses Zahlenbeispiel nur um der arithmetischen Bequem- lichkeit willen gewählt haben; der Sache nach trifft bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 60, 70, 80 Stunden dasselbe zu. Zn neuerer Zeit hat das Bestreben, eine zusammen hängende Muße zu gewinnen, bis in den Mittelstand hinein zu einer Sitte geführt, die früheren Zeiten unbekannt war, zu ausgedehnten Ferienzeiten. Wahrscheinlich wird diese Sitte ich einen immer breiteren Boden erkämpfen. Allein offenbar »andelt eS sich bei dieser Sitte nicht um eine Einschränkung, ondern nur um eine bessere Vertheilung der Arbeitszeit. Der Richter, der Bureau- und Komtoir-Beamte kann den Ferien- urlaub nur erringen, wenn er außerhalb sei»« Ferien seine Thätigkeit durch die Vertretung beurlaubter Kollegen vermehrt. „Jedem Einzelnen eine ausreichende Mußezeit und zwar in angemessener Zusammenlegung der einzelnen Zeittheile zu ge- währen, ist das humane Ziel, zu welchem wir uns gern be- kennen. Wie dieses Ziel erreicht werden kann, ist eine Sache praktischer Erwägung, und mit bloßen.Schlagworten, mit mechanischen Regeln wird man die Schwierigkeiten nicht lösen können. Es giebt allerdings eine Richtung, welche be- hauptet, es sei gar nicht die Aufgabe der Menschen, diese Frage zu lösen, denn Gott selbst habe sie gelöst. Gott habe den siebenten Tag als Ruhetag vorgeschrieben, und uns ge- zieme es, Gottes Wort einfach zu befolgen. „DaS ist ein Schlagwort, dessen Hohlheit zu Tage liegt. Wir wollen uns nicht darauf berufen, daß der Arzt und sein Hilfspersonal auch am Sonntage bereit sein müssen, in Roth- fällen ihre Dienste zu leisten, denn hier könnte man unS mit einem Anschein von Grund erwidern, daß hier Gott selbst die Ausnahme zugelassen habe. Es giebt aber andere Fälle, in denen die Nothwendigkeit der Sonntagsarbeit nicht geleugnet werden kann, ohne daß es möglich ist, einen gött- lichen Dispens vorzuweisen. Auf der hohen See muß die Arbeit Sonntags wie Werktags in gleichem Maße fortgesetzt werden. Das beurtheilen, noch weniger steht es in unserer Macht, dieselben zu befriedigen." „Zhr mißversteht mich," versetzte Rynolds mit er- heucheltcr Gutmüthigkeit;„Zhr, ja gerade Zhr seid die Per- sonen, vor denen ich meine Ansprüche geltend zu machen habe, und die mir, wenn ich nicht irre, auch meine Forde- rungen gern bewilligen werden. Doch ich will deutlicher sein. ES unterliegt keinem Zweifel, daß Ediths Holmsten, als sie sich durch Flucht der Gewalt ihres zu einer zweiten Ehe schreitenden Gatten entziehen wollte, sammt ihrem Kinde während eines Sandsturms in der Wüste schrecklich zu Grunde ging. Wäre ihr Kind gerettet worden, so würde sich von selbst ergeben haben, wer der eigentliche und rechtmäßige Erbe der ihr zufallenden achtzigtausend Dollars gewesen. „ES mußte also ein anderes Kind geschafft werden, und da in dem Alter von fünfviertel Jahren die Kinder einander sehr ähnlich sind, in dem nächsten halben Zahre aber eine bedeutende Veränderung mit ihrem Aeußern vorgehen kann, so wurde ein bindender Vertrag zwischen Euch geschlossen. Laut dessen sollte der Sohn Elliot's vom Utahsee auf kurze Zeit hierher, dann wieder zu seinen Eltern zurück, endlich wieder hierher gebracht werden und für den geretteten Sohn der verstorbenen Mrs. Holmsten gelten. Das Wechseln des Aufenthaltes, die Zeit, welche zwischen den verschiednen Entschlüssen und Beschlüssen lag, und überhaupt daS weise Benutzen von glücklichen Nebenumständen er- leichterten den ganzen Plan. DaS Märchen von den Zn- dianern, welche daS Kind gerettet haben sollten, wurde von keiner Seite in Zweifel gezogen, und ich glaube kaum, daß weder im Fort Utah, noch hier am Salzsee Jemand lebt der nicht darauf schwört, der kleine blondlockige Knabe, welchen Elliot kurz vor meiner Ankunft herzte und küßte, wie nur ein Vater Zsein Kind zu herzen und zu küssen ver- maa sei der wiedergefundene Sohn tzolmsten'S." Und was bezweckt Zhr damit, daß Zhr hierher kommt ähidAtS' näherte. Steuerrad kann nicht verlassen, der Dampfkessel nicht vernach- lässigt werden. Wer der Schiffsmannschaft die Sonntags- arbeit verbieten will, macht die Schifffahrt unmöglich. Wir stellen den theologischen Vertheidigern der absoluten Sonntagsruhe die ganz entschiedene Alternative: Ent- weder sollen sie das, was sie Gottes Wort nennen, zur vollständigen Durchführung bringen, oder wenn sie zulassen, daß in Gottes Wort der menschliche Witz einen Bruch hineinlegt, sollen sie nicht den Anspruch erheben, daß sie allein die Ausnahmen feststellen können, sondern sollen auch die Gründe anhören, mit denen von anderer Seite andere Ausnahmen gerechtfertigt werden. „Das Bedürfniß nach Feiertagsruhe stellt sich in den ver- schiedenen Arbeitszweigen verschieden. Der Schiffer muß auf hohem Meere außergewöhnlich schwer arbeiten und findet dafür im Hafen die ausgiebigste Erholung. Dem Landwirth schreibt die Natur gebieterisch vor, wann er ar- beiten soll, wann er sich ungewöhnlich anstrengen muß, wann er ruhen darf. Die Landwirthschaft ist der Gefahr staalssozialistischer Experimente in geringerem Maße ausge- setzt als die städtische Arbeit. Wir hegen nicht die geringste Besorgniß, daß man dem Landwirth jemals die Sonntags- arbeit verbieten wird, wenn er nur durch die Sonntags- arbeit seine Ernte retten kann. Wäre daS Volk des alten Te st aments ein ausschließlich land- bauendes Volk gewesen, so wäre wahr- scheinlich das Gebot der Sabbatruhe nie erlassen worden, denn in ländlichen Verhältnissen tritt das Bedürfniß dazu nicht hervor. Die mosaische Gesetzgebung ist unter der Erinnerung an die egqptischen Frohnden entstanden, die allerdings eine S ch utz v o r s ch r i f t sehr wünschenSwerth machten. „Niemand wendet etwas dagegen ein, daß die Sonn- tagsruhe unter den Schutz der Obrigkeit gestellt, daß die Sonntagsarbeit verboten wird, so weit es geschehen kann, ohne Schaden zu stiften. Aber wir wehren uns dagegen, daß aus der Wohlthat eine Plage werde, daß man Polizeiverbote erlasse, welche denen einen Schaden zu- fügen, zu deren Nutzen sie erdacht worden sind. Es kommt nicht allein darauf an, daß jeder Einzelne die ihm erforder- liche Muße finde, sondern auch darauf, daß er von dieser Muße den nützlichsten Gebrauch machen kann. Und gerade diejenigen, auf deren Schutz man mit Recht am meisten bedacht ist, werden ihrenSonntag nur ausnutzen können, wenn an diesem Tage Andere für sie arbeiten. „Zn früheren Zeiten waren unsere Museen am Sonntag geschlossen. Daß man sie jetzt geöffnet hat, zwingt die Galeriediener, ihren freien Tag vom Sonntag aus einen „Zch denke, ich war deutlich genug," antwortete dieser, nicht ohne Aengstlichkeit die kraftvolle Gestalt des Komman- danten messend,„ich bin der Einzige, der um Euer Ge- heimniß weiß, weil Zhr selbst es mir vor wenigen Mi- nuten erst in seinem ganzen Umfange verrathen habt; und wie Ihr Euern Vortheil aus demselben zieht, so will auch ich nicht umsonst unverbrüchliches Stillschweigen be- wahren." Elliot und Holmsten blickten sich gegenseitig betroffen an, als hätten sie fragen wollen, was unter solchen Um- ständen zu beginnen sei. Offenbar waren sie noch im Zweifel darüber, ob Rynolds schon früher den wahren Sach- verhalt errathen habe, oder ob seine Mitwissenschaft nur auf Vermuthungen beruhe, welche durch ihre eigenen unvorsich- tigen Aeußerungen Bekräftigung erhielten. Da wendete Elliot sich plötzlich wieder an Rynolds, der mit einer gut gespielten Unbefangenheit das Feuer schürte und einige Holzscheite auf die Kohlen legte. ..Es lassen sich Märchen erfinden," hob er an, und die Worte entrangen sich mit röchelndem Tone seiner trockenen Kehle,„Märchen, um Jemanden zu schaden, indem man sich für irgend welche Unbilde zu rächen wünscht. Zch weift nicht, ob ich oder Holmsten Euch jemals Grund zu derar- tigen Verleumdungen gegeben haben- jedenfalls sind Eure g�aß: Wenn Jemand einen Andern eines Verbrechens bei ufü en""ächtet, seinen Aussagen Beweise r, � Rynolds achselzuckend,„Beweise be- IL Iamc a darauf an, die Sache vor einen Genchtshof bringen und untersuchen zu lassen. Viel- •r«•«.< mahre Mutter, eine dauernde Trennung von ihrem Krude befürchtend, sich zu bestimmten Aussagen und Zeugnissen verleiten ließe. Doch, warum noch mehr Worte verlieren? Zhr weiset mich zurück, das Gericht wird eS nicht thun; und ob Euch oder mich dabei der größte Ver- lust trifft, müßt Zhr am besten beurtheilen können. Zch betrachte die ganze Angelegenheit jetzt als eine Geschäfts- fache, glaube aber vollständig im Interesse meiner noch nicht anderen Tag zu verlegen; aber das Opfer, welches ihnen dadurch zugemuthet wird, ist verschwindend gering gegen den Nutzen, den eine tausendfach größere Anzahl von Menschen daraus zieht, denen früher alle Kunstsammlungen unzugäng- lich waren. Soll dem Arbeiter einer großen Stadt der Sonntag zu einem wirklichen Segen gereichen, so muß ihm die Gelegenheit geboten werden, am Sonntag in die freie Natur zu gelangen, seine Augen am Walvesgrün zu sätti- gen, seine Lungen in gesunder Luft zu erholen. Und da- mit dies möglich werde, müssen die Bahnbeamten am Sonntag schwerer arbeiten als zu anderer Zeit. Wir können uns keine schwerere Versündigung an der Sonntags- freude des Volkes denken, als wenn man den Eisenbahn- dienst an diesen Tagen zum Gegenstande einer Einschränkung macht. Wenn man an einem schönen Sonntag Nachmittag an einem Berliner Vorort Tausende von Menschen froh und gesittet sich bewegen sieht, wenn man sich unter sie mischt und erfährt, welche Freuden ihnen die Blumen deS Rains, das Springen auf dem Rasen, der Klang einer einfachen Musik, das Einathmen einer durch keinen städtischen Dunst verdorbenen Luft gewährt, dann begreift man schwer, wie eS noch immer so viele Verehrer des englischen Sonntag gebe« mag, der alle diese fröhlichen Menschen auf das Lab« fal der Branntweinflasche zurückwerfen würde. Mag man immerhin an unseren SnnatagSverordnungen hier und da ändern; sie werden der Verbesserung zugänglich sein. Aber die Folgen jedes einzelnen Schrittes möge man sich, ehe man ihn thut, vollkommen klar machen." So der Artikel der„Vossischen Zeitung". In derselben Nummer derselben Zeitung aber befindet sich unter der Rubrik„Vereine und Versammlungen" noch eine Notiz, in welcher als Antwort auf eine Berichtigung der Frau Dr. Hofmann folgendes gesagt wird: „Wir erörtern heute an leitender Stelle unsere Stel- lung zur Sonntagsruhe. Gewiß gönnen wir auch den Fa- brikarbeitern ihren Sonntag. Frau Hofmann wird aber be- kannt sein, daß die Geschäfte sich nicht in gleichem Geleise bewegen. Aufgang wech- seit mit Niedergang in der Industrie. Tritt Niedergang in einem Industriezweige ein, dann wird die Arbeit eingeschränkt und der Arbeiter hat dann der Feier- tage nur zu viele, er muß mehr„feiern" als ihm lieb ist. Mit dem Aufsteigen der Geschäfte suchen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich zu e r h o l e n; der Arbeiter, der in sei- nen wirthschaftlichen Verhältnissen in der Zeit seiner un- freiwilligen Muße zurückgekommen ist, muß seine ökono- mische Lage wieder ins Gleiche bringen, und er wird zum Wohle seiner Familie dann auch den Sonntags- verdienst gern mitnehmen. Oder soll ihm das polizeilich verboten werden? So leicht wie die Damen in den Arbeiterversammlungen, und wie Herr Paul Singer meint, ist das Problem der gesetzlichen Regelung der Sonn- tagSruhe denn doch nicht gelöst." Der Raum gestattet uns für heute nicht, den Beweis zu führen, daß die brave Tante unter die wunderlichen Heiligen gegangen ist. Wir werden dies in einer der näch- sten Nummern thun. Politische Ueversicht. Nach§ 143 der Retchs-Ztvilprozeßordnung kann das Gericht Bevollmächtigte und Beistände, welche das mündliche Verhandeln vor Gericht geschäftsmäßig betreiben, zurückweisen. Die Erwartung, daß diese Bestimmung, welche nach den Mo- tivcn zur Zivilprozeßordnung der Wmkeladvokatur entgegen- treten sollte, eine Verminderung der letzteren zur Folge yaben werde, ist nicht in Erfüllung gegangen. Schon im Jahre 1881 haben die vielfachen Beschwerden über den ausgedehnten Prozeßbetrieb, welchen die sogenannten Rechtskonsulenten, Volksanwälte u. s. w. unter der Herrschast der Zivilprozeß- Ordnung bei den Amtsgerichten betreiben, dem Präfidenten des Oberlandesgerichts zu Frankfurt a. M. Veranlassung gegeben, die Aufmemamkeit der Amtsgerichte seines Bezirks au? das verderbliche Treiben der Winkeladvokaten zu richten und zur energischen Bekämpfung derselben anzuregen. Im Mai 1883 ließ er dem ersten Zirkular ein zweites folgen. Beide Ver- fügungcn find, wie die„Voss. Ztg." berichtet, kürzlich nebst einer Bekanntmachung des Vorstandes der Anwaltskammer zu Frankfurt a. M. vom 10. Mai 1883 auf Anordnung des peußischen Justizministers den Vorständen der Anwaltskammern zur Kenntnißnahme zugefertigt worden.— Was nützen aber derartige Erlasse, wenn die Ursachen, welche zur Benutzung der sog.„Winkeladvokaten" führen, nicht beseitigt werden? Der übergroßen Mehrzahl der Staatsangehörigen ist es eben nicht volljährigen Mündel zu handeln, wenn ich sie frage, ob sie geneigt sei, die dritte Gattin des Kommandanten Elliot zu werden, desselben Elliot, der.sein Kind an den Gatten ihrer verstorbenen Schwester verhandelte." „Schurke!" preßte Elliot zwischen seinen zusammenge- bissenen Zähnen hervor, und seine Faust hob sich, um Ry- noldS in das Gesicht zu treffen. Ehe sich dieselbe aber senkte, fühlte er sich von Holmsten gehalten, der bleich wie ein Todter dastand und, vorgEntsetzen unfähig zu sprechen, mit der andern Hand auf daS nach dem Vorgarten hinaus- liegende Fenster wies. .Man kommt," sagte Elliot, nach der ungedeuteten Richtung hinüberlauschend, indem er den gehobenen Arm schlaff an seinem Körper herunterfallen ließ. „Ja, man kommt," wiederholte Rynolds mit einem tiefen Seufzer, in welchem sich aussprach, wie erleichtert er sich dadurch fühlte, die Stimmen von sich nähernden Personen zu vernehmen. „Wollen wir die begonnene Unterhaltung in Gegenwart von Zeugen fortsetzen, oder seht Ihr lieber, wenn wir zur end- giltigen Vereinbarung einen andern Zeitpunkt wählen?" fragte er dann schadenfroh und mit innerlichem Triumph den Seelenkampf der beiden Genossen beobachtend. Diese schwiegen; sie fühlten, daß sie durch ihre Zu- stimmung das ihnen zur Last gelegte Verbrechen gleichsam bestätigten und auf Rynolds Anerbieten eingingen. Auf der andern Seite aber bebten sie vor dem Gedanken zurück, durch die versuchte Vertheidigung auch noch bei anderen Menschen Argwohn zu erwecken, der zu weiteren Nach- forschungen führen konnte. Da klopfte es laut an die HauSthür. Elliot und Holmsten fuhren zusammen.„Es sei, wählen wir einen ander« Zeitpunkt," sagte letzterer endlich, indem er sich beeilte, die erwarteten Gäste einzulassen. Ja, eS sei, wiederholte Elliot, die Hände auf dem Rücken zusammenlegend, worauf er, wie in tiefes Nachdenken versunken, mit langsamen Schritten das Gemach durchmaß. Es sei" sagte er abermals, als er wieder bei Rynolds an. gekommen war,„von zwei Uebeln soll man immer das kleinste wählen; sprechen wir also zu gelegenerer Ze,t weiter möglich, einen Rechtsanwalt zu bezahlen, und so sehr einer- seits auch das Treiben mancher„Winkeladvokaten" zu ver- dämmen ist, so hat doch andererseits das Abweisen derselben in vielen Fällen zur Folge, daß der arme Rechtführcnde auf sein gutes Recht verzichten muß. Herrn Lanaerhans läßt der Ruhm seines Herrn und Meisters Eugen Richter nicht schlafen. Gleichfalls auf einem fortschrittlichen Feste zog derselbe in schnödester Weise über die Arbeiterpartei her, deren Endziel die Aufhebung aller wirth- schastlichen Freiheit, der Familie und des Eigenthums sei. Wir wollen gern zugeben, daß wir die wirthschaftliche Zügellostgkeit, die Ausbeutung der Arbeitskraft bekämpfen, daß aber die Zer- störung der Familie— das mußte Herr Langerhans schon als Arzt wissen— ganz wo anders zu suchen ist. Daß der volkswüthschaftlich gebildete Herr LangerhanS nicht einmal den wissenschaftlichen Unterschied zwischen Kapital und Eigenthum kennt, ist gleichfalls bezeichnend für diese Art von Volksver- trctern. Uebrigens dürften die Iserlohner und L e t- mather Arbeiter fich bei der nächsten Reichstagswahl solcher alberner Angriffe erinnern. Der internationale Kongreß für Gefängnitzwesen soll Ende Oktober in Rom stattfinden. Von den zur VerHand- lung kommenden Fragen erwähnen wir folgende: Ist es bei gewissen Vergehen nicht zweckmäßig die Gefangniß- oder Haft- strafe durch andere Einschränkungen der Freiheit, z. B. durch Arbeiten in öffentlichen Anstalten ohne Haft, oder zeitweise Verbannung, oder etwa bei einem ersten leichten Vergehen durch Verweis zu ersetzen? Welches find die wirksamsten Mittel zur Verhütung oder Bekämpfung der Landstteicherei? Soll man Zufluchtsorte für entlassene Sträflinge einrichten? Ist in den Auslieferungsverträgen eine Klausel aufzunehmen, die gewisse nach gemeinem Recht Veruttheilte von der Aus- lieferung ausschließt? Wie läßt sich der regelmäßige Aus- tausch der gerichtlichen Strafurtheile unter den verschiedenen Staaten am besten einrichten? Durch welche Mittel muß die Gesetzgebung die gewohnheitsmäßigen Hehler und Andere, welche die Verbrechen anstiften, oder be- 5ünstiaen, empfindlicher treffen? Bis zu welcher Grenze at fich die gesetzliche Verantwortlichkett der Eltern be- züglich der von ihren Kindern begangenen Verbrechen und die Verantwortlichkeit der Vormünder, Erzieher und Hüter der Kinder zu erstecken? Welche Aendcrungcn find nach den neuesten Erfahrungen beim Bau von Zellengefängniffen vor- zunehmen, um solche einfacher und weniger kostsprelig zu ge- stalten, und zwar unbeschadet der nothwenoigen Bedingungen einer gesunden und richtigen Anwendung des Systems? Welche Grundsätze find bei der Ernährung der Gefangenen in gesundheitlicher und strafrechtlicher Hinsicht in Anwendung zu bringen? In wie weit bringt die Gesängnißarbeit der freien Industrie Nachtheile und in welcher Weise muß die Gefäng- nißarbcit organifirt werden, damit eine schädliche Konk»rrenz thunlichst vermieden werde?— Die bevorstehenden Berathungen des Gefängnißkongreffes verdienen— so meint die„Voss. Ztg."— darum Beachtung, weil die italienische Regierung es fich in neuerer Zeit angelegen sein ließ, die übrigen noch fern stehenden Regierungen zum Anschluß an die Wirksamkeit des Kongresses zu bewegen. Die Dinge mit Sansibar find— so lesen wir in der „Magd. Ztg."— offenbar noch nicht zu Ende. Dafür spricht schon das fernere Verb eiben des deutschen Geschwaders daselbst und die Anwesenheit des Admirals Knorr. In amtlichen Kreisen äußert man sich über die Angelegenheit— abgesehen von dem, was gleich nach der Ankunft der deutschen Kriegs- schiffe bekannt wurde— sehr zurückhaltend. Daher ist man gegenüber der telegraphischen Meldung aus London, Knorr habe für Deutschland auch die Abtretung der Mündung des Jubaflusses und den Abschluß eines Handelsverttages verlangt, ebenso wie gegenüber der Ergänzung, welche jene Meldung dahin erfährt, daß bereits vor länger als zwei Monaten G. Dennhardt die Küste von Tana bis zum Jubaflusse unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt, und die deutsche Rcichsregierung diese Ilnterschutzstellung anerkannt habe— vorläufig außer Stande, mit Sicherheit zu sagen, ob diese Nach- richten völlig genau find oder nicht. Die„Angusta" gilt jetzt auch in Marinekreisen als ver- loren; auch der schwache Hossnungsfaden, daß fie als Wrack nach irgend einem Punkte außerhalb des Verkehrs verschlagen sein könnte, ist gerissen. Es kann nicht fehlen, daß über die Ursache, wie das Unglück hat entstehen können, verschiedene Meinungen auftauchen werden. Daß das Schiff außergewöhn- lich stark belastet gewesen sei, soll ausgeschlossen sein; vielmehr habe fich die Belastung ganz innerhalb der üblichen und vor- schriftsmäßigen Grenzen gehalten. Der„Voss. Ztg." wird aus Kiel geschrieben: „Von allen Möglichkeiten ist keine unwahrscheinlicher, als daß die„Augusta" als Wrack bei einer fernen Insel in der Eüdsee liege. Wäre die Korvette dem Zyklone im Meerbusen von Aden entgangen, wenn auch mit schwerer Havarie, so würde fie ohne Zweisel Sanfibar, die Seychellen oder Madagaskar an- telaufen sein. Denn wenn die Takelage auch zerrissen und die Ilasten gekappt wären, so wäre doch die Maschine geblieben, darüber; bis dahin aber Schweigen, tiefes, unverbrüchliches Schweigen." „Tiefes, unverbrüchliches Schweigen," bekräftigte Rynolds, der kaum noch fein Frohlocken zu unterdrücken vermochte. Was er etwa noch weiter sagen wollte, das hielt er zurück, weil in demselben Augenblick die Stubenthür geöffnet wurde. Die Nacht in der Salzsee-Stadt. Auf das Geräusch blieb Elliot stehen, und gleich Rynolds wendete er sich mit höflichem Gruß den Ankommen- den zu. „Ah, schon hier?" sagte der Apostel, dem man den Vorttitt gelassen hatte, sobald er Rynolds erblickte;„Ihr wäret so plötzlich im Gedränge der von der Versammlung heim« kehrenden Brüder verschwunden, daß ich glaubte, Ihr wäret wieder nach der Halle zurückgekehrt, um vielleicht noch einen alten Bekannten zu sprechen." „Ich dagegen vermuthete Euch schon auf dem Wege hierher, und beschleunigte meine Schritte, um Euch einzu- holen," antwortete Rynolds, zuerst dem Apostel mit höflicher Würde, und demnächst Jansen, der sich in des Apostels Begleitung befand, mit verttaulicherem Wesen die Hand reichend.„Erst nachdem ich hier eingetreten war, entdeckte ich meinen Jrrthum, nnd nur den Versicherungen unserer Freunde hier, die behaupteten, Ihr würdet bald nachfolgen, ist eS zuzuschreiben, daß ich nicht sofort umkehrte, um Euch hierher zu begleiten." In Elliot's und HolmstenS'S Ohren klangen Rynolds Worte wie der schrecklichste Hohn. Sie hatten sich indessen schon einigermaßen mit ihrer gefährlichen Lage vertraut ge- macht und ihre Ruhe in so hohem Grade wiedergewonnen, daß weder Jansen noch der Apostel eine Aenderung ihrer GemüthSstimmung wahrzunehmen vermochten, selbst auch dann nicht, wenn sie ihre Physiognomien einer sorgfälttgerev Prüfung unterworfen hätten. Sie waren wieder mit Leib und Seele die finsteren, ein- silbigen Mormonen, bei welchen ei entweder einer bis zum Fa- natismuS gesteigerten religiösen Aufregung, oder einer an Tollwuth grenzenden Gereiztheit bedurfte, um ihre verschlossenen, gleichsam versteinerten Züge zu beleben. denn es ist nicht denkbar, daß dieselbe längere Zeit unll« bleiben konnte, wenn das Schiff überhaupt dem Sturmi entkam. Die„Augusta" hatte Kohlen genug, um Sanfid« order irgend einen Nothhafen zu erreichen, ja es gicbt Kennc:> welche berechnen, daß die„Augusta" von der Insel Perim e« noch ganz gut 1000 Meilen hätte dampfen können. Alles, w» über die kleinen Kohlenbunker der„Augusta" gesagt ijt, w Fabel. Das Schiff war von vornherein als Kreuzer gebw, die Vorrathskammern für Kohlen waren sehr groß angelegl, das Schiff war auch ein schneidiger Segler und vollkommc» seetüchtig; es war durch die Ausrüstungssachen für„Gnett' nau" u. s. w. keineswegs stark belastet, denn es brachte WJ in der Südsee stationrrten Schiffen weder Munition, u«? Proviant; es war auch nicht zu schwer getakelt und keineswep zu scharf gebaut. Es ist ja vollkommen erklärlich, daß W Frage, wie das Unglück hat entstehen können, fich immer wievei aufdrängt. Sas Schiff war nicht mehr jung, aber durchaus seetüchtig und vollkommen in Ordnung. Das Kommando war einem Offizier, dem Korvettenkapitän v. Glöden, anvettraui, der den Ruf eines hervorragend tüchtigen Seemanns gena«. Nun wenn, was wir mit aller Bestimmtheit behauptet, das Schiff gut war, und die Führung in guten Händen lag, wie konnte da das Unglück geichehen- Der Seemann weiß ja, wie er einem Zyklone zu begegnen jP — wenn er ihn rechtzeitig entdeckt. Es ist in einem h#" Grade wahrscheinlich, daß die'„Augusta" von dem 3#'" überrascht ist. Man wolle bemerken, daß es zu den größte» Seltenheiten gehört, daß Zyklone bis zur Straße von Bad>> Manded oder bis Aden gelangen; läuft die Bewegung � kommenden Zyklone gegen den Bug, so hält es bisweilen i# schwer, rechtzeitig daS Herannahen des Wirbelsturmes zu merken, denn es giebt bisweilen kein anderes wahrnehmvaw Anzeichen, als ein ganz langsames Fallen des Barometer»; Denkt man fich nun, daß die„Augusta" möglicherweise NM von dem Wirbelsturm überfallen und keinen Dampf aufgeba» hat, um noch entrinnen zu können, so kann man leider irw den Verlust des Schiffes nicht mehr im Zweifel sein.% die„Augusta" überherhaupt mit leidlich heiler Haut d� Zyklone vom 3. Juni entgangen, so wäre sie ganz sicher no» im Juni in Albany eingetroffen; und wäre das Schliff dum den Orkan wrack geworden, so hätte es die Maschine klar tß macht und wäre zum nächsten Hafen gedampft." Auch die Marhsall-Jnseln sollen— wie die englW „Daily-NewS" wissen will— demnächst unter deutsches W tettorat gestellt werden. Das Blatt meint dazu, daß die du tische Regierung dagegen so wenig wie gegen das Protektors über die Karolinen Einwand erheben werde. Auf den MarsM Inseln, deren Besuch durch ein deutsches Kriegsschiff Dr. StueW der Verweser des deutschen Konsulats in Apia, in seinen mepr fach erwähnten Denkschriften über die deutschen Interessen derSüdsee ebenfalls empfohlen hat, haben die deutsche Handeu und Plantagcn-Gesellschaft, sowie die Firma Hernsheim«jj* Faktoreien auf eigenem Grundbesitz; außer diesen deuticiu Firmen kommt dort nur die englische Firma Henderson un Mc. Farlane in Betracht. Elftere haben ihre HauptstM aus Jaluit und haben im vorigen Jahre außer den seit t= bearbeiteten Inseln in dieser Gruppe noch verschiedene nc»' Inseln derselben in Arbeit genommen. Die moderne grosiindustrielle Technik hat auch Schiffsbau rcvolutionirt. An Stelle des Segels trat Dampf, an Stelle des Holzes das Eisen. Nicht uninteress� ist die kurze Schilderung dieses Prozesses, den auf der Hauptversammlung deutscher Ingenieure, die im August> Stettin stattgefunven hat, der Direktor der berühmten Stewu Maschinenbau Aktiengesellschaft„Vulkan", Herr Haack, gssPj hat:„Noch vor dreißig Jahren" führte er aus war der Bau* hölzernen Segelschiffen an der deutschen Lstsceküste eine lohnt»? Industrie. In England hatte fich um diese Zeit der � eiserner Schiffe auf den Werften alter Firmen in London, 1.% pool, Glasgow sowie am Tyne bereits zu einer bedeutc� Höhe erhoben, in Deutschland lag er noch in den AnfaM Anders jetzt. Die Schiffswerften, auf denen hölzerne Sebaut wurden, stehen leer, wenn fie nicht schon zu oirW* Zwecken benutzt werden' höchstens werden auf denselben»- einige Reparaturen an Holzschiffen ausgeführt. An den ÄH Plätzen dagegen, auf denen Eisen- und Etahlsäst»�, betrieben wird, herrscht reges Leben, wie man auch auf den Flüssen selbst fast mehr eiserne wie hölzerne Segelschiffe steht." Haack gab nicht unwichtige Zahlen über die Bedeutung der dtutst? Schiffsbau Industrie. Wir setzen von denselben folgendes her, die fich auf die Eisen- und Stahlmenge beziehen, die, den bedeutendsten im„Vulkan" ausgeführten bez. in führung begriffenen Schiffsbauten verwendet wurden. Bei chinestschen Schiffen Ting Nuen und Chen-Uuen wurden,, braucht an Eisenplatten 4980000 kg, Profileisen 1 544 W. Kompound-Panzerplatten 3 128 000 kg, diverses 1 076 006 Ferner werden zu den 6 seitens des„Norddeutschen H;',, bestellten Schiffen(Eubventionsdampfern) zur Venvenv�, kommen Etahlplatten 5 385 000 kg, Eisenplatten 1 020 OW ,, Stahlwinkel 2 000 000 kg, Eisenwmkel und Jansen unterschied sich in seinem Wesen wenig oder nicht von ihnen. Die Berathungen, welchen er in der off.. lichen Versammlung beigewohnt hatte, und welche aussss! � lich die ernsten Zeiten betrasen, mochten mit dazu beigetr* � haben, ihn noch wortkarger zu machen. Der Apostel. gegen, ein kleiner lebhafter Mann von etwa sechSzig j gefiel sich darin, trotz der bedrohlichen Zukunft ei« fteuv und leutseliges Benehmen gegen seine Glaubensgenossen,� Allgemeinen aber ein unerschütterliches Vertrauen Schutz Gottes und auf die Unumstößlichkeit des Marino thums zur Schau zu tragen. In Rynolds nun fand er Jemanden, nicht so leicht zu fanatisiren war, wie die üb„ der heiligen Heerde, der aber, wenn auch nicht auS religiöser Ueberzeuguug, dafür aber mit der Verschlag eines echten Jesuiten sogleich auf alle seine Andcut � einzugehen wußte und listig die eigene Stimmung oags des Apostels abmaß.„ß Seitdem Rynolds Elliot und Holmsten in seiner � m wußte, kümmerte eS ihn ja nicht weiter, ob ihn d'rsty gewissenlosen Betrüger hielten. In der Gunst der liiW» einen geivuitniujeii-ueuugsi yreiien. oer-.MN' aber hatte er sich im Laufe der Jahre so sehr zu ort' verstanden, daß eS mehr als gewöhnlicher Umstände ßy hätte, um das Vertrauen, welches derselbe ihw f9 wankend zu machen.. Für die Anwesenden selbst zeigte also Niemand, sondereS und auffallendes Benehmen. ES herrschte Ernst, wie zu allen Zeiten: die Stimmen wurden y das gewöhnliche Maß gehoben; eine zur andern N« w wordene Feierlichkeit ruhte auf den Zügen und in o' wegungen, und mit derselben Feierlichkeit ließen ji» Holmsten'S Einladung Alle auf die vor dem#0 Halbkreise aufgestellten Stühle nieder.. Man war indessen noch nicht über die ersten den Bemerkungen hinweggekommen, da änderte der der den glimmenden uno theilweise noch nicht v ausgetrockneten Holzscheiten in zahlreichen blaue« r und Wölkchen entströmte, plötzlich seine Richtung, statt in den weiten, nach oben zu sich verengende« Äf. N .V des 1868 000 kg. Der Redner theilte mit, daß die Ver- gen, welche zur Lieferung der Stahlquanten für die Menlwnsdampfer gepflogen wurden, hoffen lassen, daß lein davon im Auslande bestellt zu werden e�ucht und schließt mit der Hoffnung, daß künftig deutsche HWe überhaupt nur an deutsche Werften bestellt werden Mden, Wenn diese Hoffnung sich bestätigte, was allerdings Kwwarten ist, so wäre dies im Interesse der einheimischen kdcüer nur freudig zu begrüßen- . Ueber die bereits erwähnte Verhaftung von fünf �Mandern in Frankfurt a. M. geben die Londoner Äes" nähere Aufschlüsse. Zwei der Verhasteten, ein Mr. Mes Harding und ein Architekt Namens William Wimble " den„Times" Darstellungen des Sachverhalts zugehen -M' nach denen die Engländer allerdings alle Ursache haben, tun b die Frankfurter Polizeibeamten zu beklagen. Es er- p°' stch aus diesen Darstellungen, daß Mr. Harding mit seiner Mr und drei anderen Engländern, dem vorgenannten dem Rechtsanwalt Wragg und Mr. Glover, einem uj-'tn des Kriegsministeriums, sämmtlich in London wohn- cvam vorigen Freitag von Homburg aus einen Abstecher .?°> Frankfurt machten. Nach Besichtigung der Stadt wurde ganze Gesellschaft, als sie in ernem Cafs saß, von Polizeibeamten verhaftet und nach der Hauptpolizei« i0!1 geführt. Dort wurden sie einzeln einem kurzen »r unterworfen und nachdem ihnen alle Werthgegen- " abgenommen waren, wiederum einzeln und am yellcn �.uirttage gegen vier Uhr durch die Straßen nach M asten Stadtgefängniß geführt und dort in Zellen einge- ftf™. Keiner wußte, was aus dem Anderen geworden war. Wm?, Haftung war erfolgt aus Grund der Aehnlichkcit, welche Palizeibeamten zwischen Mr. Wimble uno der in ihren S. n befindlichen Photographie irgend eines Verbrechers , hrzunehmen glaubten. Mr. Wimble wie Mr. Harding be- jjjS"' baß sie vergebens darum gebeten hätten, sie nach dem !sn, Ä Konsulate zu führen oder dem britischen General- Oppenhcimer bezw. dem Vizekonsul Goldbeck, mit wel» Ubalden Mr. Wimble bekannt ist, von dem Vorfall zu be- süchtigen; ebenso sollen ihnen Telegrammformulare ver- »wÄ worden sein. Ein glücklicher Zufall fügte es, daß Mr. cd' vci �-üciuuyujiycu scuitt „„..Begleiter verständigte er diesen von dem Vorgefallenen. Maeld eilte nach dem Konsulat und nach langem Mühen ft ln8 es dem Vizekonsul Goldbeck, der sich der Engländer h, großer Wärme annahm, sämmtlichcn Gefangenen noch der a• b gegen 11 Uhr ihre Freiheit zu verschaffen. In v. Zwischenzeit waren die Effekten der Engländer in von ihnen in Homburg bewohnten Hotels durch« worden. Mr. Wimble grebt in seinem Briefe noch an, hijg8 ihm gezeigte Photographie einen sechzigjährigen Mann ».Acllt habe, während er erst 37 Jahre zähle; was der mtt Verbrecher begangen hat, haben die Engländer nicht Jfc*' Die„Times" zweifeln nicht daran, daß die übereifrigen w! i1 einer Rüge seitens ihrer vorgesetzten Behörden nicht iw» werden, schließt aber mit der Bemerkung, daß dieser zeige, einer wie großen Reform das allgememe Be- der Beamtenklassen gegenüber der Zivilbevölkerung tySftig sei. Die„Franks. Ztg." übt an dem Vorfall folgende j. Aus dieser Darstellung ergiebt sich, daß die Krimnalpolizei d!.. vchaus an derjenigen Umficht und Rücksicht, welche ihr '>er anderen Behörde obliegt, hat fehlen lassen. Die ng, daß fic dafür zurechtgewiesen werde, ist deshalb L:,.ganz begründete, sowohl vom Etandpnnkte der Ver- 6en22E aus, wie auch im Interesse des allgemeinen Rechts- j,.. Weins. Wie jüngst unsere Sicherheitspolizei, so muß % auch unsere Kriminalpolizei erfahren, daß es für (L Amt Grenzen giebt, die nicht ohne zwingende Hui überschritten werden dürfen. Zwischen Sistrrung d,. Verhaftung ist ein großer Unterschied, der in jedem Falle respektiren ist, wenn der Verdächtige verlangt, sich als ich,.holten legitimtren zu dürfen; diesem Verlangen eine Weigerung entgegensetzen und dann zur Verhaftung teir, a, ist nach unserer Auffassung mit der persä anoercinbar. » q-'—'~" i--- U persönlichen Frei« � begreifen die Entrüstung der befi3 denn in England weiß man 1 iiJ" ftefitiritot Mi-»»>.!. niH englischen Presse voll« _ �_______ die persönliche Freiheit im�.geschützt. Wenn die„Times" nicht daran zweifeln, daß »sied? Lünten und übercijrigen Beamten von ihren Vor- HietiiH ain Verweis ertheilt werden und die deutsche Re- vckN.stch beeilen werde, den Beweis zu führen, daß sie dm in.M dem die Verhafteten sich haben unterwerfen müssen, „ Ker Weise bcurtheile, so wollen wir ein Gleiches hoffen. «.�wiß hat das Blatt auch Recht, wenn es weiter sagt, knt, W Möglichkeit einer Behandlung, wie sie seine Lands' �..."litten haben, trage dazu bei, vre Sicherheit, die jeder W. ividern könne, zu zerstören und lege deshalb den Ge- !i>i». v nahe, daß noch Raum genug vorhanden sei für Re- dem Verhältniß der Beamten zu der Zivilbevölkerung. d �Wchlagen, erfüllte er in dichten Massen das Ge- �Hustend und die thränenden Augen reibend, rücktm die schleunigst von dem Kamin fort; Holmsten dagegen Wt,F Schüreisen, und trockene Spähne über den Kohlen »i�usend. gab eT sich die größte Mühe, wieder helle Flam- jtL'ü erzeugen, die nach seiner Ansicht den Rauch ver- KT?.««« durch den Druck der Wärme wieder in den Mein hineintreiben sollten. lick,""e Bemühungen erwiesen sich indessen als vergeb- NL.®8 gelang ihm wohl, das Feuer hell aufflackern zu LT' 0lIcitt wenn früher nur Rauch in die Stube ge- !» war, so folgten jetzt Funken und Aschmstaub nach, stich�°uch er sich endlich genöthigt sah, wenn er nicht er- wollte, sich au« dem Qualm zurückzuziehm. % Jang« das Haus steht, bin ich noch nicht durch »eck t velästigt worden," rief er keuchend aus, indem er Unstern hinsprang und dieselben eins nach dem emporschob. Lirrt.'��cht ein Windstoß, der sich in den Schornstein W-l das Holz ist noch zu grün/' bemerkte der Ldri»' � ernem Fenster nähernd, um die durch dasselbe Lende frische Luft einzuathmm. ,�er"»' nein, das ist es nicht," versetzte Holmsten mit 'ein 9,., Anwandlung von Ungeduld,„draußen regt sich A'l �'chen. denn seht nur, wie zögernd der Rauch sich wien« rängt. Nein, eS muß einen anderen Grund �9 �lnr hatte er ausgesprochen, da schien eS, als habe f neues Leben erhalten, denn die Flammen schlugen �Lli,, i 0 w den Schlott hinein, und ihnen nach folgte wtst 8«er Rauch, der sich in dem Gemach angesammelt Wehen mit Tüchern und Decken gelang es den Si&Zn Kräften der fünf Männer, die Atmosphäre in 1° Kr* Zu reinigen, und da man die Ursache, welche \ All,, gewirkt hatte, für beseitigt hielt, so nah« ei» wleber auf ihren Stühlen Platz, während Holmsten %jj em Fenster zum andern hinschritt und dieselben Dieser Gedanke ist aber in Preußen schon recht alt und wird wohl noch viel älter werden. § Solingen, 27. August. Trotzdem die Arbeiter der Solinger Eisen- und Stahl- Industrie die höchsten Schwind- suchtsziffern in Deutschland aufzuweisen haben, trotzdem die enorme Sterblichkeit an der Lungentuberkulose in den hiesigen Arbeiterfamilien zu einem nicht geringen Theile auf unsere mangelhaste Fabrikgesetzgebung und vre damit verbundene Ueberarbeit zurückzuführen ist, trotz alledem will die Handels- kammer unseres Kreises von einer staatlichen Beaufsichtigung rcsp. Regelung der Arbeitszeit und der Sonntagsruhe nichts wissen, denn in ihrem soeben veröffentlichten Berichte reitet sie vor wie nach den alten Manchestergaul. Da das abgetriebene Thier, welches eigentlich längst dem Abdecker verfallen sein müßte, der Stütze bedarf, so nimmt man Hilfe, wo man sie eben findet, wobei selbst der breite Rücken des Herrn Reichskanzlers unserem sonst kosmopolitischen Fabrikantenthum treff- liche Dienste leistet. Der Passus über die Arbeiterschutzgesetz- gebung in dem diesjährigen Berichte ist so ohne alle Rücksicht auf die Solinger Verhältnisse abgefaßt, daß er unbedingt etwas niedriger gehängt werden muß. Derselbe lautet: Arbeiterschutzgesetzgebung. Es wird angestrebt die Sonn- tagsarbeit zu regeln, die Versicherung gegen Invalidität und endlich der Schutz gegen Arbeitslosigkeit. Was nun zunächst die Sonntagsarbeit und den Normalarbeitstag anlangt, so find wir der Ansicht, daß Bestimmungen, welche Fabrikarbeit am Sonntage untersagen und ferner verordnen würden, daß der Arbeiter täglich nur eine bestimmte Anzahl von Stunden be« schäftigt sein dürfe, für die Arbeiter nicht heilsam wirken könn- ten. Wenn die Geschäfte schlecht gehen, dann findet sowieso in den Fabriken und zwar zur großen Unzufriedenheit der Arbeiter eine beschränkte Arbeitszeit statt und es wird in diesen Zeiten an Sonntagen überhaupt nicht, oder wo es sich in Folge der Betriebseinrichtungen nicht anders gestalten läßt, nur sehr kurze Zeit gearbeitet. Gesetze, welche peremtorisch die Arbeit beschränken, und an Sonntagen die Arbeit überhaupt verbieten würden.(Das will der Arbeiterschutzgesetzentwurf, welcher von der sozialdemokratischen Fraktion eingebracht wurde, nicht. Die Herren haben offenbar die Motive, worüber sie doziren, nicht studirt.) kämen daher nur in Anwendung in guten Zeiten, in welchen die Geschäfte blühen und in welchen daher der Arbeiter auch einen guten Verdienst hat. Wollte die Ge« setzgebung nun in solchen Zeiten die Arbeit beschränken, so hieße dies nichts anderes, als dem Arbeiter sein Recht auf Arbeit verkümmern und sein Verdienst schmälern. Grade in den günstigen Geschäftszeiten ist der Arbeitslohn hoch und dem Arbeiter ist dadurch, daß er die guten Zeiten in unbeschränkter Weise für sich ausnützen kann, Gelegenheit geboten, sich für schlechte Zeiten Ersparnisse zu machen. Crholungsgelegcnheiten auch in diesen guten Zeiten finden sich für den Arbeiter zur Genüge. Er weiß sehr wohl, daß er in dieser Zeit ein ge- suchter Artikel ist. Er kann sich daher manche Unregelmäßrg- leiten herausnehmen und manchen Feiertag machen, sich also Veraehen gegen die Fabrikordnung zu Schulden kommen lassen, welche für ihn in schlechten Zeiten verhängnißvoll wirken und unvermeidlich seine Entlassung nach sich ziehen würden. Wir stehen daher auf dem Standpunkt, daß sich diese Materie durch Gesetzgebung nur außerordentlich schwer werde reguliren lassen, indessen sind wir keineswegs der Anficht, daß die Gesetzgebung an die Lösung der Frage prinzipiell nicht herantreten solle (wie gütig!); wir können aber nur dann die gesetzgeberische Regelung der Frage gut heißen, wie dies ja auch in einer der letzten Sitzungen des Reichstages der Herr Reichskanzler überzeugender Weise ausgesprochen hat, wenn die Arbeiter zuvor über dieselbe gehört worden find. Die Arbeiter würden thatsächlich durch die angestrebte Beschränkung der Arbeit große Rechte aufgeben und erheblichen Verdienst verlieren. Es erscheint daher als eine Folge der Gerechtigkeit, daß zuvor die Arbeiter gehört werden, ehe die Gesetzgebung die beiden Fragen zu lösen unternimmt.— Weit wichtiger als die Bestimmung eines Normalarbeitstages und die Sonntagsarbeit erscheint uns die Lösung der Frage, wie der Arbeiter gegen die Folgen der Invalidität und der Arbeitslosigkeit zu versichern sei. Die praktische Lösung dieser Frage würde zugleich die so sehr er- wünschte Entlastung der Kommunen herbeiführen, welche jetzt an ihren Ärmenbudgcts schwer zu tragen haben. Mir müssen allerdings gestehen, daß wir zur Erfüllung dieser Aufgaden keine geeigneten Mittel wissen und uns deshalb auch werterer Borschäge enthalten. Die Versicherung der Arbeiter gegen In- Validität und Arbeitslosigkeit würde ungeheure Summen er- fordern, welche die Industrie unmöglich aufbringen könnte. Wollte man daher dazu übergehen, ähnlich wie dies jetzt bei der Unfallversicherung geschieht, die Arbeitgeber zu Versicherungs- verbänden zu vereinigen und diesen Verbänden die Lasten auf- zubürden, so würde die Höhe der zu zahlenden Prämien so außerordentlich groß sein, daß die Industrie kaum im Stande wäre, mit dem Auslande zu konkurrircn. Schwerin, 26. August. Die amtlichen..Mecklenburgischen Anzeigen" veröffentlichen in der heutigen Nummer eine Be- kanntmachung des großherzoglichen Ministeriums, Abtheilung für geistliche Angelegenheiten, der zufolge nach Bestimmung Sobald aber der letzte Flügel in seine alte Lage zu- rückrollte, strömte der Rauch auch wieder in die Stube hinein, und nicht eher erwies sich dieser Uebelstand als ge- hoben, als bis Holmsten von Neuem alle Fenster aufgestützt hatte. „Ich fürchte, wir werden bei offenen Fenstern zubrin- gen müssen," sagte Holmsten verdrießlich, zu den Genossen herantretend, die sich wieder im Halbkreise um das Feuer ordneten. „Die Zugluft trifft uns nicht," versetzte der Apostel begüttgend,„und gegen die eindringende Kälte können wir uns leicht schützen. Ihr habt ja für einen ausreichenden Holzvorrath gesorgt." „Zch bedaure nur—" „Kein Bedauern, kein Bedauern," fiel der Apostel Holmsten in die Rede, als er sich entschuldigen wollte, „schüren wir das Feuer und vergessen wir nicht, daß die Zeit enteilt." So sprechend ergriff er da« Schüreisen und eifrig störte er die Gluth auf, während Holmsten noch einige starke Blöcke leicht brennenden Zedernholzes über die weiß- glühenden Kohlen aufschichtete. Nach wenigen Minuten herrschte eine so angenehme Temperatur in dem Gemach, daß man das Eindringen der kalten Nachtluft gar nicht mehr fühlte. Der Schein der hoch auflodernden Flammen verdrängte das matte Licht der auf dem Tische stehenden Lampe, und je größere Helle sich in dem Gemach verbreitete, um so schwärzer und undurch- dringlicher erschien die schwarze Finsterniß, welche hinter de« geöffneten Fenstern lag und diesen den eigenthümlichen Charakter von gähnenden Abgründen verlieh. Lustig knisterte das wohlriechende Zedernholz unter den prasselnden Flammen, und eben so lustig tanzten auf den Wänden die verschobenen Schatten der frei in dem Gemach umberstehenden Gegenstände, die nicht gerade durch die breiten Gestalten der Männer verdeckt wurden. Das ver- nachlässigte Lämpchen gab sich wohl die größte Mühe, die MZMZZZ des Großherzogs in Veranlassung der anhaltenden ungünstigen Witterung gestattet wird,„daß die Erntearbeiten an den nächsten beiden Sonntagen, mithin am 30. d. M. und am 6. k. M., nach gänzlich beendigtem öffentlichen Gottesdienst ver- richtet werden, jedech so, daß damit erst eine Stunde nach Beendigung des Gottesdienstes begonnen werden darf, und nur mit Einwilligung der Arbeiter". Aus München wird berichtet, es sei den sämmtlichen Be- diensteten des Königs eröffnet worden, daß von nun an die Reisezulagen, welche zehn Prozent ihres Gehaltes betrugen und bei der oftmaligen Abwesenheit des Monarchen von der Re« sidenz einen beträchtlichen Zuwachs ihrer Bezüge bildeten, ststirt wurden. Wie verlautet, sollen bei den Hofchargen be- deutende Reduzimngcn erfolgen und mehrere hohe Stellen in eine Hand vereinigt werden. Die vorläufig projektirten Separat- Vorstellungen für den König sind gleichfalls sistirt. Desgleichen spricht man von einer umfassenden Verringerung des kömglichen Marstalles. Oesterreich-Ungarn. Die Zusammenkunft in Kremfier ist zu Ende. Die russischen Gäste find gestern Abend nach Hause gereist, nachdem beide Kaiser sich zum Abschied dreimal geküßt hatten. Da dem offiziösen Telegraphen zufolge die Kaiser sich bei der Ankunft nur zweimal geküßt hatten, werden die Offiziösen berechtigt sein, als Resultat der Begegnung eine Zunahme der Freund« schast zu bezeichnen. Kaiser Alexander rief dem Kaiser Franz Joseph zu:„Auf Wiedersehen!" worauf letzterer erwiderte: „Auf baldiges Wiedersehen!" Selbstverständlich regnete auf das beiderseitige Gefolge der übliche Ordensregen nieoer. Frankreich. In Paris hat vorgestern die von Rochefoft aus Anlaß der angeblichen„Ermordung" Olivier Pain's einbemfene Ent- rüstungsversammlung gegen England stattgefunden. Zu der» selben hatte sich eine so große Menschenmenge eingefunden, daß selbst Rochefort nicht mehr in den Saal Dringen konnte. Auf der Straße mit Beifall begrüßt, versprach er, der nächsten Versammlung im Winterzirkus beizuwohnen. Zwei Beschlüsse wurden angenommen, von denen der eine gegen die englische und die französische Regierung gerichtet ist, der andere die Jr- länder ermuthigt.— Gegenüber der Behauptung der„Times", die englischen Militärbebörden in Egypten hätten nie einen Preis auf die Person Olivier Pains gesetzt, druckt übrigens der„Temps" aus seiner Nummer vom 5. April d. I. die am 16. März vom„Daily Telegraph" veröffentliche Bekanntmachung des Kapitäns G. F. Wison wieder ab, welche Dem- jenigen, der Olivier Pain mit seinen Papieren todt oder lebendig ausliefere, 50 Pfd. St.(1000 M.) verspricht und fol« gende Beschreibung von ihm gibt:„Hautfarbe weiß, Bart und Haare blond, Größe etwa 5' 7", Äugen blau, Wuchs schlank, Lippen dünn, Gefichtsausdruck hart; zurückhaltend im Be- nehmen und Sprache. Der Ausdruck seiner Äugen ist charak- teristisch." — Ein Theil der republikanischen Presse in Frankreich forderte im Hinblick auf die am 4. Ottober bevorstehenden allgemeinen Wahlen die Kriegsverwaltung auf, von der Einberufung der Reservisten zunächst Abstand zu nehmen. Die Regierung hat es jedoch für angemessen erachtet, an dem bisherigen Datum festzuhalten, so daß, wie der Temps hervorhebt, bererts 400000 Reservisten bei ihren Regimentern eingetroffen find. Zugleich betont das öfsiziöse Organ, daß die Herbstmanöver am 20. September ihren Abschluß erhalten, so daß für die Wähler, die ffch jetzt für einige Wochen unter den Fahnen befinden, Zeit genug übrig bleibt, an der Wablbewegung Theil zu nehmen. — Mehrere Pariser Blätter, darunter„Temps" und„Röp. franc.", haben in den letzten Tagen Protest c�egen das Ueher- handnehmen des Verkaufs unsittlicher Literatur auf den Straßen erhoben und verlangen ein Gesetz zur Unterdrückung dieses Treibens, durch welches der gute Ruf der Stadt Paris und der Republik gefährdet werde. Italien. Zur Angelegenheit Dorides-Vecchi melden die Blätter heute, daß durch einen auf dem hiesigen Postamte beschlag- nahmtcn Brief die Eigenschaft des de Dorides als eines ge- Heimen Agenten der französischen Regierung bestimmt festgestellt worden sei. Als Geheimnisse, die das Konsortium nach Paris verkauft haben soll, werden genannt: genaue Auskünfte über das Dammsystem von Spezia und die künstlichen Untiefen, über die Punkte, wo Torpedos eingelassen find und über die Passagen, welche von Schiffen ohne Gefahr zurückgelegt werden können; Mittheilungen hinsichtlich der drehbaren Thürme auf den großen Panzerschiffen; die chemischen Formeln für gewisse Pulvergattungcn und die genauen Größenverhältnisse einzelner interessanter Geschützprojcttile. Äußer auf das Arsenal von Spezia erstrecken sich die von den Behörden in Folge des ent- deckten Landesverraths eingeleiteten Erhebungen auch auf das Arsenal von Neapel, nach welcher Stadt Lionello Vecchi vor etwa 3 Monaten eine Reise unternahm. Der dritte Verhaftete, der frühere Marineoffizier Augusto Vittorio Vecchi, Bruder des Lionello Vecchi, ist von Livorno, wo seine Verhaftung er- folgte, hierher überführt worden. Die öffentliche Meinung so begann der Docht zu kohlen, und um den wulstigen schwarzen Schaft bildeten sich Briefe so groß, so schön rund und glühend, daß das Herz einer jungen Braut, welche auf Nachricht von dem fernen Geliebten harrt, dadurch hätte er- freut werden können. Za, es war trotz der geöffneten Fenster doch recht be- haglich in dem Gemach. Lag es nun an der eigenthümlichen Beleuchtung, an der Wärme, oder an den mancherlei Gegen- ständen, welche in dem flackernden Lichte scheinbar beständig ihre äußeren Formen veränderten und dadurch an Diese« und Jenes erinnerten, genug, die ganze Räumlichkeit war wie geschaffen zum Erzählen von Märchen und sonstigen Wunderdingen. Selbst die Wanduhr fehlte nicht mit ihrem geheimnißvollen Ticken, welche« sich anhört, als be- säße das künstliche Räderwerk eigenes Leben und wolle immer mitsprechen. Ebenso wenig mangelten Gipsfiguren und schöne Porzellan- Schäfer und Schäferinnen, wie Mädchen und junge Frauen sie so gern in ihrer Umgebung auf jedem vorspringenden Gesimse und Eckchen in Gruppen ausbauen. Doch die Figuren und Figürchen waren bestaubt; schon seit langer, langer Zeit vermißten sie die freundliche Hand, welche sie täglich zu reinigen und von Neuem zu ordnen pflegte, und was an diesem Abend in dem Gemach in welchem einst das reinste, unzerstörbare Glück zu wohnen meinte, verhandelt wurde, das waren nichts weniger, als Märchen. Finstere, fanatisirte Männer unterhielten sich über Tod wnd Blutvergießen, wie über alltägliche und ganz gewöhn- iche Dinge, und dazwischen rezttirten sie fromme Bibel- sprüche und andere, die auf Krieg und Märtyrthum Bezug hatten. Oben auf dem schrägen Schindeldach aber, neben dem engen Schornstein, der aus dem Kamin der eben be- schriebenen Stube in's Freie führte, kauerte, wie ein neckischer Geist der Unterivelt, Zohn, der gewandte Delaware. (Fortsetzung folgt.) kann stch vorerst nicht darein finden, an seine Schuld zu glauben, und die Meisten halten die Verhaftung Vittorios, den der Prinz Thomas von Genua, Bruder der Königin Maraherita, wie dies aus vorgefundenen Briefen desselben hervorgeht, mit dem fämeliären„Du" auszeichnete, vorerst nur für eine aller» Vings strenge, aber durch die Verhältnisse dringend gebotene Vorstchtsmäßregel. Ein in Anbetracht der geschehenen oder ver- mutheten Enthüllungen sehr plaustbel erscheinendes Gerücht besagt, der Marineminister werde sämmtliche maritime Fortist- kationen inspiziren und in einer Weise abändern lassen, daß die dem Auslande verrathenen Daten, soweit dies möglich ist, annullirt oder wenigstens in ihrer Bedeutung geschmälert werden. Auch wird dem Krieasminister die Abficht zugeschrieben, eine ähnliche allgemeine Maßregel hinsichtlich der Landes- verthcidigungswerke, soweit fie seinem Ressort unterstehen, an- zuordnen. Spanten« Ueber die Stimmung in Madrid wird den„Daily News" von ihrem dortigen Korrespondenten unterm 24. d. gemeldet: „Der gestrige Abend verstrich ohne Ruhestörung. Starke Ab» theilungen von Polizei und militärische Patrouillen sorgten für die Aufrechthaltung der Ordnung. In vielen Straßen wurden zomige Rufe gegen Fürst Bismarck und Teutschland vernom- men. Diese Aufregung wurde durch den nicht weniger erregten Ton der Presse aufrecht erhalten. Am offensten sprechen die ministeriellen Zeitungen, welche entzückt find, zu sehen, daß die Cholera-Panik, die Geldverlegenheiten des Finanzministeriums und die sanitäre Anarchie in den Provinzen in dem erregten Tumulte der patriotischen Kundgebungen hier und in anderen Städten vergessen werden. Die Oppofitionsjournale wetteifern mit den minrsteriellen Blättem in dem Anrathcn, jeden Aus- Skid) zu verwerfen. Auf das bedingungslose Aufgeben der iarolinen-Jnseln seitens Deutschlands wrrd allerdings gedrungen. Einige Zeitungen tadeln sogar die Regierung, weil fie die Inseln nicht gewaltsam zurückerobert. Dre militärischen Journale drücken die Hoffnung aus, der Befehlshaber der spanischen Ervedition werde die deutsche Flagge niederziehen und die spanische aufhissen, oder„in dem Versuche untergehen." Jedermann, welcher zu fragen wagt, was Spanien schließlich thun werde, wenn Deutschland ebenfalls aufbraust und die Karolineninseln behält, wird unverzüglich eines Mangels an Patriotismus beschuldigt. Das Publikum und die Zeitungen reden wirklich, als ob der Ausbruch eines Krieges bevorstände. Der König kam heute Nachmittag per Sonderzug von La Granje an. Bei einem später abgehaltenen Ministerrathe führte er den Vorfitz, und der Minister für auswärtige Angelegen- beiten, Eennor Elduayen, erklärte, Deutschland hätte den Empfang der ersten Note der spanischen Regierung betreffs der Erklärung eines Protektorats über die Karolincninseln„in vager Weise bestätigt", worauf er mit einer entschiedenen De- pefche, welche die spanischen Rechte auseinandersetzte, geant- wortet habe. Ein heute von der deutschen Regierung einge- gangenes Telegramm erklärt, daß die Depesche erwogen weroe, und drückt die Hoffnung aus, daß die Angelegenheit in einer freundschaftlichen Weise geordnet werden würde. Es scheint, daß Deutschland ein Protektorat über die Karolineninseln her- stellte, als es bemerkte, daß das Territorium augenscheinlich aufgegeben sei." Rußland. Großes Aufsehen eregt die Absetzung der Stadthäupter von Riga und Reval, über welche fich der Petersburger„Re- aierungs- Anzeiger" folgendermaßen äußert:„Die betreffenden Gouverneure hatten berichtet, daß das Stadthaupt von Reval, Greifmhagen, die gesetzlich degründete Aufforderung nicht erfüllte, fich in der Korrespondenz mit der Obrigkeit des Gou- vernemcntS lediglich der russtschcn Sprache zu bedienen, und daß das Stadlhaupt von Riga, Bünger, fich weigerte, dem Ukas des Senats nachzukommen, welcher den gesetzlich beschlossenen Gebrauch der rusfischeu Sprache bei der Rigaer Wehrpflichts- behörde vorschreibt. Angestchts der Ausschließlichkeit des Falles wurde die Angelegenheit dem Kaiser unterbreitet, welcher derselben besondere Aufmerksamkeit zuwendete. Da das Ver- halten der gedachten Stadthäupter ein äußerst unschickliches und ungesetzliches war, befahl der Kaiser am 20. d., dieselben aus ihren Aemtern zu entfernen und wegen Widersetzlichkeit gegen gesetzliche Anordnungen der Regierung dem Gerichte zu übergeben." Dänemark. Aus Kopenhagen wird der„Franks. Ztg." unterm 2t. August geschrieben: Man kann fich von der Abnormität der gegenwärtigen Zustände in Dänemark einen Begriff machen, wenn man hört, daß seit dem 1. April, an welchem Tage be- kanntlich das Provisorium über das Land verhängt wurde, nicht weniger als 43 politische Prozesse bei den Gerichten ent- weder verhandelt worden find oder noch der Entscheidung harren. Von diesen zehn wegen Majestätsbeleidigung, drei wegen Ministerbeleidigung, neunzehn wegen Aufsässigkeit gegen die Polizei und 21 wegen anderer politischen„Verbrechen" an- gestrengt worden. Von den zehn wegen Majestätsbeleidigung erhobenen Anklagen find u. A. betroffen: Zwei Redakteure, die angeklagt worden find, weil fie geschrieben haben, daß der König nicht über den Parteien stehe. Beide wurden zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt; ferner ein Bäcker, weil er die Büste des Königs zerschlagen hatte— derselbe erhielt 6 Monate Gefängniß— und ein junges Mädchen mußte, weil es an dem Verbrechen theilgenommen hatte, mit 4 Monaten Gefängniß büßen. Ein Schullehrer wurde zu 4 Monaten ver- urtbeilt, weil er ein Bild des Königs, daß er für 10 Oere (9 Pf.Vaekauft hatte, auf die Erde warf u. s. w. Die Prozesse wegen Ministerbeleidigung find gegen drei Redakteure angestrengt. Der Eine hat das Ministerium Esttup beschuldigt, falsche Schlüssel für die Staatskasse gebraucht zu haben, weil es ohne Finanz- S extraordinäre Ausgaben gemacht hat. Die Zweite hat die rheitsliebe des Ministers Estrup dem König gegenüber in fel gezogen und der Dritte hat einen Vergleich gezogen zwischen dem Benehmen der Regierung und dem der Ver- drecher. Am meisten Sensation dürste jedoch der gegen den Präfidenten des Folketings, Berg, angestrengte Prozeß erregen, weil Berg gegenwärtig der populärste Mann im ganzen Lande ist. Er ist beschuldigt, während einer Volksvenammlung in Holstebro in Verbindung mit zwei anderen Folketingsabgcoid- neten den Polizeibeamten von der Rednertribüne entfernt zu haben. Wie in Deutschland hält fich auch in Dänemark der Polizeibeamte, welcher Versammlungen beiwohnt, auf einem in der unmittelbaren Nähe der Rednerttibüne rhm angewiesenen und reservirten Platz auf, der immer so eingerichtet sein muß, daß der Beamte die Versammlung übersehen kann. Am Tage vor der Abhaltung der genannten Versammlung wandte der bezügliche Polizeibeamte fich mit der Erklärung an den Bureau- vorstand, welcher die Versammlung einberufen hatte, daß er die Abficht habe, auf der Tribüne zu erscheinen. Als Antwort hierauf theilte der Bureauvorstand seinerseits dem Beamten mit, daß er in diesem Falle von der Rednertribüne entkernt werden würde, was denn auch in der That geschah.— Sehr charakteristisch für die gegenwärtigen Zustände ist die aller- dings recht bedenkliche Erscheinung, daß mehrere Schulzen in Jütland überein gekommen find, ihren Abschied zu verlangen, weil fie unter den obwaltenden Verhältnissen es für gesctz- widrig hasten, Pfändungen wegen Nichtzahlen der Steuern vornehmen zu Parnell hielt vorgestern Abend in Dublin eine Ansprache an die Mitglieder der nischen Nationalliga, im Verlaufe welcher SZZ.WZMZ ausnütze, würden die zwei englischen Parteien in der Lösung der irischen Frage mit einander wetteifern. Die Lösung, die fie von den Tones empfangen dürfte, würde für die Interessen Irlands ebenso werthvoll und wichtig sein als die, welche fie von den Whigs und Radikalen empfangen würde. In einer unter dem Vorfitz Pamell's abgehaltenen Sitzung der irischen parlamentarischen Partei wurde beschlossen, daß Kandidaten für die nächste Parlamentswahl in mit Pantell im Einver ständniß handelnden Grafschafts Konventionen gewählt werden sollten. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, daß jeder Kan- didat fich schriftlich verpflichten müsse, mit der Partei zu stimmen und zu handeln und sein Mandat niederzulegen, wenn er dazu von der Mehrheit seiner Kollegen aufgefordert werde. Amerika. Von einem merkwürdigen Gesetze, welches die Legislatur von Kalifomien angenommen hat, berichten die „Insurance Times": In Folge der fortwährenden Klagen dar- über, daß junge Leute es verschmähen, in einem Geschäft eine ordentliche Lehrzeit durchzumachen und in Folge dessen ohne Fachkenntnisse eigene Geschäfte beginnen, woraus fich eine Menge Fallissements ergeben, soll jever junge, noch nicht sechs- undzwanzig Jahre alte Mann, welcher ein Geschäft eröffnet, in irgend einem nützlichen Industriezweige, eine Staatsunter- stützung von 250 Dollars erhalten, wenn er die Absolvimng einer dreijährigen Lehrzeit nachweist. — Die Metallausdeute. sowie die Mineralproduktion der Vereinigten Staatm von Nordamerika find 1884 im Vergleich mit 1883 zurückgegangen. Während die Ausbeutein Eisen im Jahre 1883 noch 4 592 519 t betrug, welche den Werth von 91 910 200 Doll. hatten, wurden im Jahre 1884 nur 4 097 868 t zum Wetth von 73 761 624 Doll. produzrrt. Die Goldausbeute blieb stationär, während die Silberausbeute fich von 35 733 622 Unzen auf 37 744 605 Unzen steigerte. Die gesammte Metallausbeute hatte im Jahre 1883 den Werth von 203 116 852 Doll., im Jahre 1384 belief fie fich auf 186 097 899 Doll. In den Preisen einiger Metalle ist in dem einen Jahre 1883—1884 eine tiefgreifende Veränderung ein- getreten, so in den Preisen des Eisens, des Bleies, besonders aber des Kupfers, denn während vor zwei Jahren 117151795 Pfund Kupfer auf 18064807 Doll. bewerthet wurden, hatten im Jahre 1884 145 221 924 Pfund nur einen Werth von 17789 037 Dollars. Die nichtmetallischen Mineralproduste hatten im letzten Jahre einen Werth von 220 007 024 Doll.; darunter stehen natürlich die Steinkohlen obenan. Die Kohlenausdeute ist in Folge der Ausstände und infolge des Damiederliegens des Eisengeschäftes zurückgegangen. Petroleum hat fich auf der früheren Höhe ge- halten. Das Erdgas, welches man noch vor drei oder vier Jabren unbenutzt entweichen ließ, wurde zu einem Werthe von 1 460 000 Doll. nutzbar gemacht. Einen gewaltigen Aufschwung hat die Ausbeute der Phosphatlager in Südkarolina genommen, welche einen Werth von 2374 784 Doll. repräscntirt. Neuer- dings hat man auch Phosphatniederlagen in Nordkarolina. Florida und Alabama entdeckt. Die metallurgische Krifis ist eben auch in der Union in ihrer ganzen Furchtbarkeit aukge- treten und hat zu dem üblichen Aushilfsmittel der Kapitalisten, zu Lohnherabsetzungen, Einschränkung der Produktion, d. h. Abschiebung zahlloser fleißiger Arbeiter zur industriellen Re- seroearmee auf der einen Seite, und zu Streiks und erbitterten Lohnkämpfen auf der andern Seite naturgemäß geführt. Amerika hat es zwar besser, hat keine Burgen, keine Schlösser, wie einst Altmeister Goethe sang, aber es hat doch, wie die „Kulturstaaten" der alten Welt, gleichfalls in voller Blüthe die— wirthschaftliche Anarchie. Lokales. Der Austritt auS den..Ortskrankenkassen" kann nur bei Schluß des Rechnungsjahres stattfinden und zwar nach vorhergehender dreimonatlicher Kündigung. Da nun das Rech- nungsiahr in manchen Orten mit dem 30. November, in anderen dagegen mit dem 34. Dez-mber abläuft, so muß die Kündigung im elfteren Falle vor dem 1. September und im letzteren Falle vor dem 1. Oktober stattfinden. Der Ablauf des Rcchnungs- jahres ist aus den Statuten der betreffenden Lrtskasscn zu er« sehen. Wer also aus diesen Kassen ausscheiden will, muß fich sofort Kenntniß verschaffen, wann daS Rechnungsjahr abläuft und dann entweder vor dem 1. September, oder vor dem 1. Oktober seinen Austritt schriftlich beim Vorstande der be- treffenden Ortskasse anmelden und zwar geschieht die� Abmeldung am zweckmäßigsten in Gegenwart eines Zeugen oder vermittelst eines„eingeschriebenen" Briefes. Als Abmeldung genügt folgendes Schema: Der Unterzeichnete meldet hiermit seinen Austritt aus der (Name der Ortskasse) an und wird mit Schluß des Rcchnungs- jahres aus derselben ausscheiden. Mein Quittungsbuch trägt die Nummer..... (Ort und Datum.) (Vor- und Zuname, Geschäft, sowie Nanie und Wohnung des Ardeitgebers.! Es genügt nun aber diese Abmeldung allein nicht, sondern die Betreffenden müssen auch vor Ablauf der 3 Monate den Nachweis erbringen, daß fie Mitglieder einer freien, dem§ 75 des Gesetzes„Die Krankenversicherung der Arbeiter" entsprechen- den Kasse geworden find. Wird dieses unterlassen und damit der eine Termin zum Austtitt versäumt, so bleiben dieselben auf ein weiteres Jahr Mitglied der Ortskasse. Wer also seinen Austtitt aus diesen Kassen bewerkstelligen will, für den heißt es„Aufgepaßt". Das vereinsamte Terrain des ehemaligen Schützen» Platzes in der Lmiensttaße, 175 Jahre hindurch der Schau- und Tummelplatz eines der letzten Berliner Volksfeste, wird nunmehr durch Sttaßenanlagen zu einer neuen Verkehrsader der Weltstadt umgewandelt werden. Zur Zeit seiner Ein- richtung war die Bernauer Sttaße— erst nach dem Tilfiter Frieden„Neue Königsstraße" benannt— noch wenig bebaut; an ihrem Endpunkte, wo die Paliffadcn der Stadt auf das Bernauer Thor stießen, dehnten zwei der ältesten Weinberge fich aus. Es waren dies der Leßmann'sche und der gegenüber gelegene Otto'sche, welch' letzterer mit einer Meierei die heutigen Grundstücke Nr. 1—12 umfaßte. Hinter dieser Meierei lag das Ackerland des Schlächters Schäfer, bis zur jetzigen Linien- sttaße hin fich erstreckend. Mitten in diese landschaftliche Idylle wurde dann Anno 1708 der Schützcnplatz hineingelegt, nach- dem„die unumgängliche Nothwendigkeit es erforderte, für die durch Gottes Segen täglich fich vermehrenden Einwohner, deren Gefinde und Leute annoch einen Platz zu deren Begräbniß zu widmen." Das Ministerium der Marien- und Nikolai- Kirche erward daher, wie die„Voss. Ztg." berichtet, von dem Schäfer'schen Acker ein Areal von 06 Quadratruthen Länge und deren 30 in der Breite für die Berliner Schützengilde, als Aequivalent für den zur Herrichtung des neuen Kirchhofes abgettetenen Schützenplatz. Dieser lag zwischen der heutigen Alten Schützen- und Wadzeckstraße. Für das neue Schützcnplatz Derrain zahlte das Kirchenministe- rium— 800 Thaler. Welche Unsumme mag der Echützengilde wohl jetzt dafür gezahlt sein! Während der Okkupation Berlins durch die Franzosen verstummte das Leben und Treiben auch auf diesem Platze. Schon im Ostober 1806, als die Kirchen zur Aufnahme der feindlichen Truppen resp. zu Fourage- Magazinen eingerichtet werden wußten, erhielt auch der Schützen« platz eine Einquartirung„Kaiserl ch- Königlich Franzöfischer Kavallerie", wie es in einem damaligen Berichte heißt. Ihre Bivouakfeuer unterhielten die Herren Franzosen mit den Brettern des von ihnen eingerissenen Kirchhofzaunes, der die dritte Be- m Schlüsse der vorgestrigen Börse ereignete M„ beklagenswerlher Unglücksfall. Der hochbetagte oetty Makler H. Schmidt wurde beim Verlassen der Börse durchs in starker Bewegung befindliche Tourniquct mit solcher menz zur Erde geschleudert, daß er fich am Kopfe eine llali� Wunde zuzog und befinnungslos in einen Nebenraui» Börse getragen werden mußte. Es wurde sofort ärztlich* Vi rcquirirt, der es hoffentlich gelingt, ernstere Folgen des Um abzuwenden.. Nun sollen die Anschlagsäulen auch noch zu optfi/L Versuchen benutzt werden! An sämmtlichen 400 befand sich gestern ein großes karmoifinfarbiges Plakat, auLJ, nur zu lesen mit riefigen weißen Buchstaben:„Zoolog Garten Singhalesen". Unter diesem karmofinfarbigen ly, befindet sich sodann ein ebenso großes weißes Plakat, aui j nichts gedruckt ist; richtet man nur kurze Zeit die Aug*" jjj die weißen Buchstaben im rochen Felde und ficht dann das weiße Plakat darunter, so werden dort plötzlich bt*n ß Buchstaben in violetter Farbe ersckeinen. Die Täuschung� eine vollkommene, trifft aber nur bei allen denen zu, die farbenblind sind. � G. Die Folgen jugendlichen Uebermuths. Studenten, welche in bereits animirtem Zustande eine I. Klasse bestiegen, um nach den Zelten zu fahren, entfiel derselben der in den Wagen mitgenommene Soazierstoa. � nun vernünftigerweise den Kutscher halten zu lassen, sp*"?),.(( junge Mann aus der dahinjagcnden Droschke, fiel unglücklich, daß die beiden Hinterräder ihm über di* Ai gingen. Die Kollegen hoben ihren Freund sofort wieder w � Droschke und beförderten ihn nach feiner in der Karlftta» legenen Wohnung. R. Einen Akt roher Brutalität begingen am M'�fS Abend zwei elegante Herren vor dem Hause Französisw*l an dem Portier Klubach. Besagte Herren kamen Hunde an dem Hause vorüber, der Hund lief in den ysi der Nr. 19 und machte sich dort in bohem Grade laM-�z der Portier denselben hinausjagte. Der Besitzer des»V-M in der Meinung, sein Hund sei geschlagen, fiel nun über den Portier her und als derselbe fich seiner Haut � wollte, kam der zweite Herr auch hinzu und beide den armen Menschen derartig, daß noch jetzt die Spuren>> im Geficht zu sehen find. Da der Portier den einen d**? erkannt hat,(es soll ein Herr von A. sein und bei einer n Lebensversicherung die Stelle als Direktor bekleiden), l 7�1 beiden Herren noch ein schwerer Stand auf der Aniuitz bevor. oaitiidtl Der Großmogul zeigt fich � städtischen Theater als Autokrat, jekte über den Haufen, um sein...............„„ bis tief in den Herbst hinein in Händen zu behalte"- g außerordentliche Anzahl von Besuchern erleichtert s�.f haben, bis auf 200 es zu bringen. Bei der Direktion, die vollen Häuser selbstredend ebensoviel Vergnüg*"" wie dem zahlreichen Publikum die amüsante Cp***"*v% der Großmogul nicht nur Entgegenkommen, sondern derung. So wird vom 1. September ab das Ballet"> JJ eine wesentliche Versonalbeieickeruna erfahren uno< na%%% fiegreicheS Regierung Spitze der choreographischen Großmogul- Armee die ausg*Z Primaballerina Frl. Klara Quality gestellt werden._ irf ienus" und„Excelfior" ist die liebliche Erschei"""�.� 1 graziösen Tanzkünstlerin dem hiesigen Publikum freundlichsten Gedenken. --- Der heutigen Nummer liegt für unsere a«sw � Abonnenten die Nummer 39 des„Jllustrirt**' tagsblatt" bei. Verantwortlicher Redakteur R. Troutzei« in Berlin. Druck und Verlag von Vi« Babing in Berlin 8W„ Beuthstraße?. Hiers« eise gräbnißstätte der vorerwähnten Gemeinden jenseits des Platzes begrenzte. In Folge dessen drangen die zum»A dort gleichfalls untergebrachten Rindviehheerden auf den brachen, nach einem amtlichen Berichte, die Bäume um � wühlten die Gräber auf. Noch einmal Hot dann derEchük"!' platz ein militärisches Schauspiel; diesmal aber waren*s™ Mannschaften des Garde- Grenadier- Regiments.I*"" Alexander", welche fich Anno 1826 mit den neuen Perkusfi*»-' Gewehren dort einübten. Während einer solchen Uebung n®» Wadzeck auf dem dortigen Kirchhof bestattet, und an den Ms!" der Leidtragenden sausten die Kugeln vorüber, so daß der W" liehe mit seiner Rede innehalten und die Anwesenden st» 111 Sicherheit bringen mußten... Die bevorstehende Eröffnung der Markthallen j# sich allmählich beme: stich. Eine Anzahl Bauern, vie sonst ihren Produkten die Märste besuchten, die sich aber nicht W verstehen können oder wollen, einen ständigen Platz Markthalle zu erwerben, haben die Marktplätze bereits verlaM und veikaufen jetzt ihre Waaren vom Wagen herab in Straßen der Stadt. Sie machen dabei ein sehr gutes Gcsa*� da ihre Waaren fich durch Frische und billige Preise zeichnen; ihre Wagen find daher auch meist dicht umdraM Die Berliner Händler, die bisher den Straßenoerkauf behew�' ten, find von der neuen Konkuirenz nicht sehr erbaut. Am eine Anzahl der Wurst-, Käse- und Wildprethändler, die IM auf den Märkten ihre Waaren feil halten, werden nicht i" M Markthallen übersiedeln, sondern haben fich Läden gemie-Ü" und zum Theil schon bezogen. e Ein Berliner Kaufmann ist vor einigen Tagen dm« ein Straimandat von der Ottspolizeibehörde auf der—«nr Sylt überrascht worden. Besagter Kaufmann hatte fich, f dies Hunderte anderer Badegäste zu thun pflegen, die Zc»"r dem Füttern der Seemöven vertrieben, was in der Weis*". folgt, daß man Stückchen von Backwaaren in die Höhe m'"« wonach die Möven im Fluge schnappen und auch in den m*»"''. Fällen die Stückchen Äackwaare mit dem Schnabel oder � Krallen auffangen, um mit der Beute nach ihren ZufluchtsoM zu fliegen. Unser Berliner Kaufmann machte fich nun*>'.? Tages während seines diesmaligen Aufenthalts auf der Sylt das besondere Vergnügen, an jedem Ende eines Bindfadens ein Stückchen Backwaare zu befestigen. Kaum% er die so verbundenen Stücke am Meeresstrande in die M geworfen, als auch schon eine Möoe das eine Stück Backw*"! mit dem Schnabel erfaßte und davonflog, hinter ihr her% mit lautem Geschrei eine große Anzahl von Möven. welche � herunterhängende andere Stück Backwaare ergreifen wol"� Es entsvann fich nun ein interessanter Kampf, der die Badegäste fesselte. Plötzlich erschien aber auch ein Polizeiw?� welcher fich den Namen des findigen Kopfes notttte. Jnzw"� war der Kaufmann nach Berlin aogereist und hatte beinah* ganzen Vorfall vergessen, da wird ihm vorgestern die forte tun g zugestellt, wegen seines vorerwähnten Geniestr*"»? den die dortige Polizeiobngkeit als— Thierquälerei auffak"' eine Geldstrafe von 15 Mk. zu zahlen oder 3 Tage in, K gitterten Räumen über die Folgen seines Aufenthalts in*>"� Seebade nachzudenken.. Den Pferdebahn-Kutschern ist durch die Oeffnung.� Vorderperrons der Pferdebahnwagen eine neue Arbeit«W bürdet worden. Sie find nämlich angewiesen in den in denen der Schaffner das Aufsteigen von Personen auf% Vorderperron nicht bemerkt hat, mit der Glocke ein Zeich*".," sieben. Es gilt dies namentlich für die Wagen, die ein-7. deck haben. Daß die Lage der Kutscher einer Besserung dürftig ist, scheint nunmehr auch von der Direktion �#",5 erkannt zu werden. Mit Einführung des Winterfahtty sollen den Kutschern auch Meilengclder gezahlt werden,„ damit zugleich für Ueberstunden zu entschädigen. mattet, daß fich die Monatseinnahme der Kutscher Meilengelder um etwa 10 bis 12 Mark erhöhen wird.- onäbiöl Nr. «lan S"* S-W-- 1, w I Aiichb°s> ' um IUI' 2% >? ■rfufN' ng nwck en ASM Der©stil' cn sich i» Bttlimr MÄtt. Zlr. S01. Sonnabend, den 29. August 1883. II. Jahrg. gmA S Weis-L TJ over dc» u*Mo# tun et"'; 3# E Kommunales. � Die i« Ausficht gestellte Polizei- Verordnung Messend das Verbot des Ausblasens frisch geschlachteten Msches hat mehrere jüdischen Religionsaesellschaften veran- jJBt beim königl. Polizei-Präsidium sowie beim Magistrat vorstellig zu werden, daß wenigstens das Aufblasen der Mgen auch fernerhin gestattet werden möge, da ihrer Meinung nach nur dadurch die rituell vorgeschnebene Unter- luchung ver Lungen, ob deren Genuß gesundheitsschädlich sei, �geführt werden könne. Das königl. Polizei-Präsidium hat «m Magistrat mitgetheilt, daß es nach eingehender Prüfung M Sachlage nicht tn ver Lage sei, dem Gesuche zu entsprechen, K> rituell dos Ausblasen der Lunge nicht voracschrieben sei, rs Untersuchung der Lungen aber durch dos Nichtaufblasen Meswegs gehindert werde. Der Magistrat hat deschloffen, dem anzuschließen. . W. Eine allgemeine Volkszählung findet bekanntlich l- Dezember er. in ganz Deutschland statt. Soweit die- selbe die Stadt Berlin betrifft, werden von dem städtischen Müschen Amt die Vorbereitungen hierzu bereits eifrig be- J«ben, und hat der Magistrat beschlossen, zur Leitung und Ausführung der Volkszählung eine gemischte Deputation ein- Nsieen, welche, wie in früheren Jahren, außer dem Polizei- Präsidenten und dem Leiter des statistischen Amtes, G- R.-R. Professor Böckh, aus vier Stadträthen und vier Stadtverord- Mn bestehen soll. Ein hierauf bezüglicher Antrag wird- der Stadtverordneten Versammlung zugehen. »d W. Die Bewohner der Gneisenaustrafie haben beim Mgistrat die Gewährung einer Entschädigung für den ihnen Mch den heftigen Gcwiltenegen vom 19. Juli er. verursachten Schaden beantragt. Der Magistrat hat beschlossen, den An- ?.Ull abzulehnen, da er nickt verpflichtet sei, für den durch suhere Gewalt verursachten Schaden aufzukommen. . Bei den hiesigen Standesämtern find in der Woche ?°>N 16. August bis inkl. 22. August er. zur Anmeldung ge- Summen: 190 Eheschließungen, 925 Lebendgeborene, 45 Todt- Kborene. 593 Sterbefälle. Lokales. . er. In Bezug auf die Gasfrage, die bei der Agitation «u den Kommunalwahlen von allen Parteien wahrscheinlich M recht gründlich venlilirt werden wird, gehen vorläufig die Meinungen noch recht sehr auseinander. Auf Ver einen Seite man der Anficht, daß nur durch die sofortige, gewissermaßen �waltsame Lösung des bestehenden Vertrages mit der englstchen ?5sgesellschaft und Uebernahme des Betriebes durch die Stadt, Me Jrage einzig und allein gelöst werden könne. Es läßt Zch nicht verkennen, daß diese Anschauung für den Interessenten, '• h. den Steuerzahler entschieden etwas Verlockendes hat, würde auf diese Weise dem Stadtsäckel ohne Weiteres olne wesentliche Einnahmequelle erschließe«. Ein solches L�siehen wäre gewiß eine Radikalkur, aber immer- ehrlich. Auf der anderen Seite dagegen schlägt etwas Anderes vor, was mit den Praktiken Misser Geschäftsleute übereinstimmen mag, wozu Noch xin rechtlich denkender Mensch unter keinen �ständen seine Zustimmung geben würde. Den Kubikmeter M stellt die Stadt jetzt bekanntlich für 16 Pf. her, während englische Gasgesellschaft die Verpflichtung hat, stets 5 pCt. Miger»u sein. Run kommen einzelne besonders schlaue »'Ute, die da sagen, wenn die Stadt den Kubikmeter Gas für l$f. verkaufte und den Ausfall durch eine'Steuer auf das in gleicher Höhe deckte, so würde durch eine solche Schiebung", denn anders kann ein derartiges Manöver nicht .Zeichnet weiden, die englische Gesellschaft in einer Weise be- Net werden, daß die Kommune schließlich den ganzen Ertrag %x Gasfabrikation einstecken könnte. Gegen diesen unlauteren Mchättskniff verwahrte sich bekanntlich der S t a d t v. S i n g e r g de Kommunalwähler-Versammlung vom Mittwoch Abend. r? wird für Niemanden einem Zweifel unterliegen, daß ,tlt Angelegenheit mit der englischen Gasgesellschaft in irgend «ner Wejse geregelt werden muß, soviel aber ist jedenfalls 2"' daß es nicht so geschehen kann, wie wir es soeben dar- �stellt haben. Unter allen Umständen muß ein Mittel ge- senden werden, welches dazu angethan ist, diese wichtige und ."icht dazu verstehen würde, zu einer Umgebung des Vertrages '�Ue Hand zu bieten.„Auf Kosten der Ehrlichkeit wolle er Dil Nariser Imrulijiik (Frankfurter Zeitung.) (Schluß.) c. Das verbreiteiste Blatt in Frankreich ist das, /Petit �°urnal", welches zu einem Sou verkauft wird. Seine Verbreitung umfaßt gegenwärtig 900 000 Exemplare. Die Men statistischen Ermittelungen ergeben, daß tn Frankreich 5»» 6 Millionen Menschen Zeitungen lesen; da fedes �leinplar des„Petit Journal" von drei oder vier Personen �lesen wird, so kann man annehmen, daß das Blatt der halste der zeitungslesenden Bevölkerung von Frankreich zur 7"türe dient. Die Sonnabends erscheinende literarische Bei- läge des„Petit Journal' hat, obgleich sie eben erst das N« Jahr ihres Bestehens vollendet, bereits eine Verbreitung !°n 200 000 Exemplaren und bringt ihren Lesern Original- Verträge von Zola, Halevy, Sardou, � Daudet A. v____ 7,______, Dumas, Claretie, Der Haupt-Herausgeber, Henry Eseoffier lThimotee Grimm) wußte durch Takt"und Geschick das Blatt c i v,—,----------j t, f ,[ �ese Höhe zu bringen. Bei der ungeheuren Anzahl Und der Verschiedenheit seiner Leser müssen die Artikel des sattes durchaus gemäßigt, nicht streitsuchend und ohne auf- Angliche Meinungsäußerung sein. Ein einziges zu zu bestimmt, zu sehr nach einer Richtung auSae- iprvchenez Wort kann genügen, einen Ausfall 30 bis i?%0 Lesern zu veranlassen. Selbst in den Mittheilungen von -saßen Neuigkeiten, wie einem Straßenvorfall tc., wird die ge- N�-ste Abweichung von richtigem Maße sofort beim Ver- fühlbar. Die Auswahl der Feuilleton» ist ebenso sorg- JM- Boisaobey, JuleS de Gastyne, JuleS Mary, Monis- Bouvier und Emile Richebourg sind die Begünstigten. empfindsamer Roman des letzteren kann leicht die �'erzähl um hunderttausend vermehren, während ein un- tosendes Feuilleton von einem anderen Schriftsteller im '"»de sein kann, einen Ausfall von eben so viel Lesern der stadtischen Verwaltung keine Vortheile gewahrt wissen." An diese Äeußemng knüpft die„B e r l i n e r Z e i t u n g" in ihrer gestrigen Nummer folgende hämische Bemerkung: „Diese.,EbrIichkeits"-Anwandluna des Herrn Singer ist unberechtigt, wie wir schon des Oesteren dargethan haben. Wir kommen übrigens demnächst des Naheren auch aus diesen Punkt zurück. D. Red. d. B. Z. Daß Jemand überhaupt etwas aus Ehrlichkeit thut, scheint der„Berl. Ztg." wunderbar vorzukommen, deshalb setzt sie die Ehrlichkeit jedenfalls in Gänsefüßchen. Wir- find aber gespannt, wie die„Berl. Ztg." die Sache darstellen, auf welchen Stand- punkt ste sich stellen wird. Es ist sehr leicht, in Zecken der Auf- regung gewisse Schlagworte in die Massen zu werfen, die zwar für einen Äugenblick recht schön klingen, aber im Munde eines Frei- finnigen langst jede Bedeutung verloren haben. Ferner ist es leicht, sich den Anschein zu geben, als vertrete man rücksichtslos die Interessen der Allgemeinheit, während man vielleicht nur die Absicht hat, irgendwo recht unbemerkt einen unsicheren Kandi- baten einzuschmuggeln. Einen anderen Zweck haben die Rand- gloffen der„Berliner Zeitung" nämlich entschieden nicht; wir werden ja sehen, wie die„Berliner Zeitung" über die Gasfrage denkt. Was das Ende vom Lüde sein wird, wissen wir heute schon, für Herrn Ullstein wird es trotzdem keinen Eitz im städtischen Parlament geben. r. Die Glocke des Vorsitzenden spielt in unseren öffent- lichen Vercinsoersammlungen nicht immer die hervorragende Rolle, die ihr im Parlamentarismus zukommt. Schon die äußeren Formen, in denen das unentbehrliche Symbol der obersten Leitung einer Versammlung sich präsentirt, find ver- schieden und oftmals auch unzweckmäßig genug; bald ist es eine feststehende Tischglocke, gegen welche mit einem Federdruck ein kleines Hämmerchen geschwungen wird, bald ist es eine wacklige Schelle, die beim Schwingen einen dünnen Ton von fich giebt, der in einer stark besuchten Versammlung einen ge- radezu kläglichen Eindruck macht. Neulich sahen wir sogar eine richtige Thürklingel aus einem Vorstandstische liegen, die statt eines Handgriffes noch die große Spiralfeder zeigte, mit der ste an der Wand befestigt gewesen war. Wie will nun ein Vor- sitzender mit einem so unzweckmäßigen Handwerkszeug einen Redner, der fich seinem Willen nicht fügt, unterbrechen?— Zur Leitung einer öffentlichen großen Versammlung ist eine weithin und laut tönende Glocke ein ebenso notbwenoiges Er- fordcrniß, wie ein umsichtiger Vorfitzender; in ferner Hand hat die Glocke die gleiche Bedeutung wie der bekannte Farbestift in der Hand des Redakteurs; ein kräftiges Läuten macht unpassende Aeußerungen des Redners unver- ständlich für die Zuhörer, wie der Stift des Redakteurs die nicht geeigneten Stellen aus dem Manuskripte beseitigt, und ein geschicktes Umgehen mit beiden Instrumenten dürfte gleich schwer sein. Vielleicht wäre durch ein rechtzeitiges kräftiges Leuten des Vorfitzenden manche Aeußeruna von Rednern übertönt worden, welche eine Versammlungs-Auflösung nach sich zog. Man soll deshalb lein zu geringes Gewicht auf die Glocke des Vorsitzenden legen und diese nicht für eine rein nebensächliche Aeußerlichkeit halten. Herr Stöcker hat bekanntlich im Jahre 1878 eine Sammlung zur Begründung eines Arbeiter-Jnvalidenhauses begonnen und 3388 Mk. 96 Ps. zu diesem Zweck noch in demselben Jahre erhalten. In dem Prozeß Bäcker- Stöcker hat es sich dann ge- zeigt, daß diese Gelder zum Theil für die christlich- soziale Partei verwendet worden sind. Die Vorwürfe, welche Henn Stöcker aus dieser Art der Verwendung des Geldes erwachsen sind, glaubte er damit zurückweisen zu können, daß die Geber zu der anderweiten Verwendung ihrer Gaben zugestimmt hätten. Namentlich wurde als Beweis dafür eine edle Frau auf- geführt, welche Herrn Stöcker 2000 Mk. überwiesen hatte und ausdtücklich ibr Cinverständniß damit ei klärt haben soll, daß ihr Beitrag zur Begründung des Jnvalidenhauses zu politischen Agitator- Zwecken verausgabt werde. Im Uedrigen hat Herr Stöcker versprochen, über die Verwendung des gesammelten FondS genau Rechnung zu legen. Da hierauf immer noch ge- wartet wird, und das christlich- soziale Korrespondenzblatt auch noch die Angelegenheit ganz kürzlich zu Ausfällen gegen den „Reichsfreuno" denutzt hat, dessen bösen„Verdacht" in dieser Sache gegen Stöcker es rügt, so sieht der„Reichsfreund" sich veranlaßt, Herrn Stöcker seine Versprechung in die Erinne- rung zurückzurufen und den sittlichen Werth des Ver- sahrens, welches Herr Etöcker in diesem Falle beobachtet hat, nochmals festzustellen.„Ist es nun wirklich erlaubt— fragt der„Reichsfreund"— öffentlich für bestimmte Wohlthätigkeitszwecke zu sammeln und hinterher heimlich fich von einzelnen Gebern die Erlaubniß er- zu veranlassen. Der leitende Einfluß des„Petit Journal" mag ein sehr großer sein. Zur Zeit, als man vom Mar- schall Mae Mahon eine« Staatsstreich erwartete, war das feste, ruhige, besonnene Auftreten des Kleinen Blattes zu Gunsten der Republik entscheidend, Frankreich vor dem Ueberfluthen der Reaktion zu erretten. Heute, bei der schläfrigen Politik, dankt das„Petit Journal" den Zuwachs in seiner Verbreitung hauptsächlich den vorzüglichen und nutzbringenden Artikeln über praktische Fragen, welche von großem Interesse für das arbeitende Volk sind. Auch ist nicht zu unte> schätzen, welche Anziehungskraft zwei Roman- Feuilletons äußern. Seit die Gründer des„SiSele" 1840 diese Einrichtung schufen, kann keine Zeitung in Frank- reich mehr ohne solche Romanzugaben bestehen. Den letzten Versuch, es auszulassen, machte der frankoamerikanische„Matin"; aber wenige Wochen genügten, um seine Eigenthümer zu überzeugen, daß es nutzlos ist, gegen die Traditionen, welche von allen französischen Frauen gettagen werden, zu kämpfen. „Le Mattn", welcher im Februar 1884 von W. A. Hopkins gegründet wurde, ist eine der interessantesten Neuernggen, welche der neue französische Journalismus ge- schaffen. Das Blatt wird ganz und gar mit ameeikanischem Kapital und nach englischen Grundsätzen geleitet; es ist ein vollkommen unabhängiges Unternehmen und sein Erfolg ist säst ohne Gleichen in der Geschichte des französischen Zour- naliSmuS. Dreizehn Monate nach seiner Gründung deckte daS Blatt bereits seine Kosten und gegenwärtig hat eS in Paris selbst einen fast ebenso großen Absatz, wie irgend ein großes vierseitige« Blatt. Zwischen 5 und 6 Uhr Morgen» zur Presse gehend, ist es im Stande, vermöge seines Spezial- Drahtes die Neuigkeiten der Londoner Blätter rasch auszuziehen, während e« zugleich den Vortheil hat was sich in Pariser Blättem Bedeutendes findet, zu brinaen, da diese meist nicht später als 2 Uhr zur Presse gehen Eine der Eigenthümlichkeiten des„Matin" ist, daß theilen zu lassen, ihre Beiträge zu politischen Parteizwecken zu verbrauchen?— Ist es erlaubt oder anständig, zu prahlen mit der„großen LiebeSthat" für arme, elende, dem Hunger überlieferte obdachlose Arbeiter-Jnvaliden— unter steten Berufungen auf den lieben Gott,— ja zu prahlen damit in Ar- beiter-Versammlungen und dann hinterher plötzlich nach wenigen Wochen schweigend die Sammlungen einzustellen und fich von einzelnen Gebern, die darüber nichts mehr zu sagen hatten, die Erlaubniß ertheilen zu lassen, daS Geld für Wahlagitationen oder für Bezahlung der Schulden für das verkrachte Agitationsblättchen zu verwenden? Ist es erlaubt, so zu han- dein, und dabei der Oeffentlichkeit vorzuenthalten, daß„die große LiebeSthat" aufgegeben ist und die Arbeiterinvaliden von den füi fie gesammelten Geldern nichts besehen? Ist eS erlaubt, dies vor aller Welt zu verschweigen, bis nach sieben Jahren zufällig darüber etwas in die Oeffentlichkeit dringt? Wenn der edlen Frau, welche die 2000 Ml. schenkte, die Sachlage völlig klar gelegt wird, so wird fie erstaunen— nicht über „den bösen Verdacht des Reichsfteunds", sondern darüber, daß der gute Hofprediger ihr die Sache nicht richtig dargestellt hat. Denn daß man mit dem heute für arme arbeitsunfähige Arbeiter geschenkten Betrage nach einigen Wochen die Schulden verkrachter Agitationsblättchen bezahlen kann und darf, das glaubt keine edle Frau. Wir meinen also, der Herr- Hofprediger solle aufhören, mit solchen allgemeinen Redens- arten wie die Katze um den heißen Brei herumzugehen, sondern Rechnung legen oder legen lassen, wie es seine Getreuen ver- sprachen haben." w. Eine höchst interessante Erscheinung, wie der Blitz» schlag auf eine gelähmte Person zu wirken vermag, hat der Sanrtätsrath Kunze zu Halle a. S. beobachtet; derselbe be» richtet darüber in der heutigm Nummer der„Deutschen Medi» zinal-Ztg." Eine Gutsbefitzersrau wurde im Mai d. I. vom Schlage getroffen, die Sprache schwand und es trat eine Läh» mung der rechten Seite ein. Am 8. Juni in der Abendstunde kam ein schweres Gewitter herauf, und ein Blitzstrahl traf das Haus und auch die auf dem Sopha fitzende Frau gerade an der gelähmten Seite. Es entstand durch den Blitz auf der rechten Schulter und in der rechten Seite sofort Rölhung der Haut und brennendes, stechendes Gefühl. Als die durch den Schreck hnvorgerufene Depresfion vorüber war und die Pa» tientin fich beruhigt und erholt hatte, konnte fie den rechten Arm bis zur Kovfhöhe ganz ohne Hilfe erheben. Sie sagte auch„Ja" und„Nein" und sprach insbesondere auch den Nanien ihres Sohnes Edmund, sowie die Worte Pava, Rheumatismus, Fuß jc. deutlich aus. In den ersten acht Tagen nach dem Blitzschlage besserte sich der Zustand der Patientin ganz außer- ordentlich; am 18. Juni konnte fie schon allein stehen und gehen. Seitdem ist allerdings keine erhebliche Besserung eingetreten. Zur Zeit wird die Frau täglich einmal elettrisirt. Zu dem Tod deS Lehrer« Blisse erfährt die„Börs. Ztg." von zuverläsfiger Seite, daß nach dem Befunde der Gerichts- behörde die unglücklichen Schüsse der mit Hühnerschrot ge- ladencn doppelläufigen Flinte dem Verstorbenen in den Unter» leib gegangen find und die Richtung nach dem Halse genommen haben Der Baum, von dem B. einen Zweig abbrechen wollte» stand an einem Chausseegraben; als er nach dem Baum hin- aufreichen wollte, rutschte er in den Graben zurück und als er sich mit der Flinte stützen wollte, gingen die verhängnißvollcn Schüsse los und dem Unglücklichen in den Leib. Blisse hatte sich die Flinte von dem Nachbar seines Vaters, dem Bauern- gutsbefitzer, geliehen, weil er seine eigene, mit Sicherheitshähnen versehene, vergessen hatte. Das Unglück würde mit seinem eigenen Gewehr kaum geschehen sein. In der Begleitung des Blisse, dem die Jagd ärztlicherseits empfohlen worden war, be- fand fich sein Jagdhund, der leinen der hinzugekommenen Leute an die Leiche seines Herrn herantreten lassen wollte und das Blut des B., welches aus den Wunden trief, beständig aufleckte. Ueber die Richtung, welche die Kaiser-Wtlhelm- straffe in ihier Verlängerung von der Neuen Friednchstraße nach der Münzstraße zukünftig nehmen wird, sind in dem Publikum vielfach irrthümliche Ansichten verbreitet, die aller- Vings in der Etraßenanlage selbst einige Unterstützung finden. Die Straße, wie fie jetzt angelegt ist, mündet nämlich nördlich vom Viktoriatheater in die Münzstraße und würde, falls fie ihre gegenwärtige Lage beibehielte, in gewissem Sinne eine Sackgasse bildm. Wie der„B. B.-Z." indeß von zuständiger Serie mitgetheilt wird, handelt es fich hierbei indeß nur um eine provisorische Anlage, da es zunächst darauf ankam, an jener Stelle eine neue Straßenverbindung zwischen dem Reuen Markt und der Münz- bezw. Alcxanderstraße herzustellen, die das Blatt keine besondere politische Meinung hat. Findet da« Blatt es für nöthig, den französischern Lesern, welche nicht von Neuigkeiten allein leben können, einige Konzessionen zu machen, so bringt es Leitartikel von allen Schattirungen und macht die erste Seite zu einem freien Tummelplatz, auf dem sich Op- portuniSmu», Imperialismus, Monarchismus und Republi- kaniSmus abwechselnd vertreten lassen können. In Bezug auf Verbreitung neben dem„Petit Journal" ist daS nächste bedeutende Blatt„La Lanterne" gegründet 1877 von Eugene Mayer und unterstützt von Nves Guyot, welcher die berühmte Reihe von Artikeln gegen die Polizei- Präfektur mit der Unterschrift„Un Vieux Petit Employe* schrieb. Die„Lanterne" gewann eine große Anzahl Leser, indem sie einen gemäßigten republikanischen Ton annahm, gleich dem„Petit Journal", aber gleichzeitig kräftig gegen die klerikale Partei ankämpfte; heute hat„La Lanterne, Journal republieain anti-elerieal" einen täglichen Absatz von 120000 Exemplaren. Der Verkauf dieser billigen volkSthÜmlichen Blätter ist bedeutsam, denn fie beeinflussen die Arbeiter und daS Landvolk bei den Wahlen. Der Einfluß der Drei- SouS- Blätter, wie„Le Figaro"(70 000),„Le GauloiS(18 000), „L'Evenement"(12 000),„Journal des DebatS(6000). »Le PayS(3500),„Le Constitutionel"(2000) ist gering im Vergleich mit dem der Zeitungen wie„Le Petit Journal". „La Lanterne", Henri Maret'S„Radikal, einem großen vier» feitigeir Ein- SouS- Journal mit täglich 50 000 Auflage, Rochefort S Jntransiqeant"(35 000), oder selbst Lissagaray'S Em-SouS-Journal„La Bataille", welches ungefähr 20 000 Ejernplore umfaßt und da« Hauptorgan der arbeitenden Klasse ist. Außerdem giebt e« große volksrhümliche Pro- vrnzial-Ein-Sous-Blätter, wie der„Petit LyonnaiS"(70 000), „Petit Marseillais"(60 000),„Lyon Republieain"(50 000), alle republikanischer Tendenz, welche die Masse de« französi, scheu Volkes leiten, gut geschrieben sind und den An- forderungen de« ftanzösischen Publikum« Rechnung tragen. Aber selbst in den kleinsten Blättern sind schätzenS- dort vorhandenen Baulichleiten, wie das königliche Mehlmaga- zin, zur Zeit aber die Ausführung eines Definitivums mcht gestatten. Tie künftige Kaiser Wilhelmstraße, wie sie in dem ursprünglichen Projekt vorgesehen ist, wird in die Münzstraße unmittelbar am Viktoria- Theater zwischen den beiden kleinen, den Eingang zu demselben flankirenden Gebäuden, in welchen sich gegenwärtra zwei besuchte Restauiants befinden, einmünden, so daß das Vmoria-Theater künftig in den« neuen Straßrnbilde den point de vne bilden wird, der freilich durch die Eisenbahnbrücke, welche die Kaiser Wilhelmstraße an der Zentral Markthalle in zwei ungleiche Hälften theilt, schwer beeinträchtigt werden dürfte. Wre uns des Weiteren mitgetheilt wird, ist das Straßenprojekt noch keineswegs als abgeschlossen zu betrachten, vielmehr soll die Abficht bestehen, die Straße über das Viktoria Theater hinaus, das links und rechts umgangen werden soll, weiter nach Nord- oßtn zu verlängern, so daß fie am Wasscrthurm an der Bel- forterstraße auslauten würde. Vorläufig find das allerdings nur Pläne, die greifbare Gestalt noch nicht angenommen haben, doch liegt es auf der Hand, daß die ganze Anlage eine verfehlte sein würde, wenn die Münzstraße als der Endpunkt der neuen Straße ein für allemal gedacht werden müßte. Wegen Bandendiebstahls wurden gestem zwei 14 beziehungsweise 15 Jahre alte Burschen verhaftet, die fich zur fortgesetzten Verübung von Diebstählen verbunden hatten und geständig find, in den letzten Wochen fünf Diebstähle zum Theil mittelst Einbruchs verübt haben. Aus den Geheimnissen von Berlin. Vorgestern wurde der Referendar a. D. W. wegen Vergehens gegen die Sitt- lichkeit(§ 175 St.-G.-B.) verhaftet. Derselbe hat in der vor« hergehenden Nacht einen jungen Burschen in seine Wohnung geschleppt und dort das Vergehen vorgenommen. Wegen des- selben Vergehens wurde der Schauspieler T. verhaftet. Außer- dem wurden seitens der Kriminalpolizei in den letzten Tagen fiebcn Frauenspersonen wegen Verbrechens wider das Leben (6§ 218 und 219 Str.-G.-B.) zur Haft gebracht.— Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß der Kammerdiener, welcher am jüngsten Freitag wegen Vergehens gegen§ 175 zu vier Monaten Gefängniß verurtheilt wurde, schon vor mehreren Monaten aus dem betteffenden prinzlichen Hofhalt entlassen war. In großen Mengen wurden auf den jüngsten Wochen- markten Bücklinge und Flundern als ungenießbar konfiszirt. Da solche verdorbene Waare fich bei einzelnen Händlern der behördlichen Kontrole leichter entzieht, so ist es nöthig, vor deren Kauf und noch mehr vor deren Genuß zu wamen. Letzteres ist um so nöthiger, als viele Händler den üblen Ge- ruch alter Räucherwaaren künstlich zu beseitigen wissen, so daß ein zuverläsfiges Erkennungsmittel für dar Publikum verloren geht. Der Genuß solcher verdorbenen Räucherfische zieht rühr« artige Erscheinungen nach fick, die namentlich bei der gegen« wältigen Temperatur sehr gefährlich werden können. b. Ein Pistolenduell mit blutigem Ausgang soll dieser Tage im Walde bei Sedan an der Oberstree stattgefunden haben- Ein Mann, der in aller Frühe Pilze suchen ging, ' Ma traf auf eine Anzahl Herren, welche ihm eine Mark gaben, da- mit er sich entferne. Er that es auch, beobachtete dieselben aber aus einem Versteck. Bald hörte er Schüsse fallen und sah, wie einer der Herren verwundet hinsank. Ob eine Unter- suchung bereits Näheres ergeben hat, ist noch nicht bekannt geworden. Eine Schaar von Zuhältern lüderlicher Dirnen kam in der verflossenen Nacht die Königstraße entlang; fie hielten fich untergefaßt und vergnügten sich damit, die entgegenkom- Menden Personen anzurempeln. Der Böttchergeselle L-, welcher zu dieser Gesellschaft gehörte, versetzte bei den Königs-Kolonaden ohne Veranlassung einer Dame einen Stoß und überhäufte die ihn deshalb zur Rede stellenden Begleiter derselben mit den gemeinsten Schimpfwortcn. Der Aufforderung eines hinzuge- kommenen Schutzmanns, ihm zur Wache zu folgen, kam L. nicht nach, sondern warf sich, als er angefaßt wurde, zur Erde und schlug um fich. Nunmehr kamen von allen Seiten die Genossen des L. herbei, welche in ihrer bekannten Weise johlten und dem Beamten den L. zu entreißen versuchten, was ihnen aber nicht gelang. Mit Hilfe eines Wächters und Dienst- mannes wurde L- schließlich festgenommen und ist der Staats- anwaltschaft vorgeführt worden. ar. Eine kle»ne Leinwandbörse hat fich neuerdings in dem Wartesaal IV. Klasse des Bahnhofs Alexanderplatz etablirt. Es kommen da täglich gegen 7 Uhr Morgens die imitirten schleflschen Leinwandhändler zusammen, angcthan mit blauer Blouse und rothem Tuch, ganz nach Art der schleflschen Ver- käufer. Es wird dort ca.'A Stunde Rath gepflogen, welche Vororte von den einzelnen beglückt werden sollen, und ferner wird auch der Kurs der Waaren festgestellt. Ein Theil der Händler benutzt die Vorortszüge, um nach Spandau, Potsdam, Fiedrichshagen, Erkner-c. zu gelangen: ein anderer Therl ver- liert sich in Berlin selbst, um in den äußeren Vorstädten Ge- sundbrunncn. auf dem Weddinp und in der Gegend der Hasen- Haide Handel zu treiben. Die Waaren bestehen in Leinwand, fertigen Schürzen und Hemden, Handtüchern und dergleichen. Zu bemerken wäre noch, daß die Händler äußerst gemttthlich mit einander verkehren, ohne daß der Konkurrenzneid bei ihnen zur Geltung kommt, und daß Jeder einen auf seine Eigen- heitcn bezüglichen Spitznamen führt. Als der Polizei-Wachtmeister K. vorgestern Abend zwischen 9 und 10 Uhr, von einem Spaziergange aus dem werthe Eigenschaften zu finden, vor Allem eine verhältniß- mäßige Achtung vor Sprache und Form, ein Sinn für das Schöne und eine sorgfältige Beachtung der Fragen über Literatur und Kunst, welche durch keinerlei politische Dinge verdrängt werden und welche kein Zeilungsleiter, mag er ein ehemaliger Lohgerber, wie Zourde vom„Siecle", oder ein früherer Geldwechsler sein, auf der Seite lassen kann. Das industrielle Element ist sehr hoch entwickelt bei den Leitern vieler Pariser Journale, allein diese Herren haben das Gute, daß sie ihren literarischen Mitarbeitern volle Freiheit lassen. Auf der andern Seite giebt tS viele vorzügliche und intelligente Zeitungsleiter, wie zum Beispiel Herve, welcher im„SoleilZ den OrleaniSmus in seiner eleganten und präzisen Weise predigt. Auguste Vacquerie, Leiter des„Rappel", ist aus der Schule der ehrenwerthen Männer hervorgegangen, für welche der Iour- naliSmuS ein Mission, ein geheiligtes. Priesterthum ist. Mehr als 15 Jahre hindurch hat Vacquerie im„Rappel" seine täglichen Leitartikel geschrieben, in welchen er mit nie er- lahmender Kraft für RepublikaniSmuS, Wahrheit, Gerechttg- keit und Freiheit focht, die Massen belehrend und erleuchtend, abwechselnd trivial, voll Würde, originell, überspannt, heftig auftretend, aber immer ernst und Achtung gebietend. Inder „Gazette de France", welche jetzt in ihrem 225. Jahrgang steht, wird man immer mit Vergnügen die literarischen Ar« tikel deS Grafen Armand de Pontmartin lesen, während man die politischen Artikel als vergangene Anschauungen über- gehen kann.„La Dsfense" und„l'UniverS" haben seit dem ?nde Duvanloup'S und LouiS Veuillot'S viel von ihrem dem Kode Dupanloup'S und LouiS Veuillot'S viel von ihrem allen Interesse verloren.„La France" ist nicht mehr das, was sie zur Zeit Emile de Girardin's war. Bei allen Feh- lern tm Einzelnen, bei all dem Durcheinander der Meinun- acn ist eS ein Vergnügen und hochinteressant, über den Schwärm der Morgenblätter und über den der Abendblätter, welche täglich in Paris veröffentlicht werden, emen Blick zu werken Welche Lebendigkeit! welcher Jdeenreichthum! bei Friedrichshain kommend, die Straße zwischen dem Städtischen Krankenhause und dem Gutzeit'fchen Lokale passirte, sprang plötzlich ein unbekannter Mann auS dem Gebüsch und ver- setzte ihm mit einem harten Gegenstande zwei Schläge ins Geficht, indem er ihm zurief:„Habe ich Dich endlich erwischt." Der Ueberfallene stürzte sofort besinnungslos zur Erde, und als er fich bald wieder erholt hatte, war der Angreifer verschwun- den. K. ließ fich die beiden erlittenen Wunden bei einem Heilgehilfen in der Frankfurter Allee verbinden. Der Ueberfall dürfte auf einen Racheakt zurückzuführen sein und dem K. nicht gegolten haben. b. Es Herbstelt trotz des blanken Sonnenscheins stark. Gestem früh 6 Uhr zeigte das Wetterglas o Grad und die Spree war ii. dichten Dampf gehüllt, eine Folge der um mehr als das Doppelte böheren Temperatur des Wassers. b. Auf dem Dönhofsplatze hat man jetzt mit der Errich- tung der ersten Wetteriaule für Berlin begonnen. Im„Deutschen Theater" findet die Eröffnung der neuen Saison am Dienstag, den 1. September d. I, statt. Als erste Vorstellung wird„Romeo und Julia" gegeben. Der Billetverkauf beginnt am Sonntag, den 30. d. M., Vormittags 10 Uhr, und wird die Tageskasse von jetzt ab täglich von 10 bis IV: Uhr geöffnet sein. R. Als gefährliche Schwindlerin entpuppte fich im Laufe voriger Woche die bei dem Restaurateur Wolfram, Fricdrichstr. 167, im Dienst stehende unverehelichte Lina Gantzen. Dieselbe hatte nicht nur ihre Herrschast überall ver- leumdet, sondern auch Wirthschaftsgelder unterschlagen, so daß ein Bäckermeister in der Behrensttaße um 9 M. und ein Posamentier um 10 M. geprellt ist. Selbst in ihrem Wohn- Hause Friedrichstr. 167 erschwindelte fie fich aus dem Potalowsky'schen Geschäft einen Regenschirm, indem fie angab, noch ihren Lohn von drei Monaten von ihrer Herrschast zu er- halten. Seit Entdeckung der Betrügereien ist die Wolfram verschwunden und da sie weder ihr Dienstbuch noch ihre Sachen von ihrer letzten Herrschaft abholte, so ist anzunehmen, daß sie durch ihr einschmeichelndes Wesen irgendwo wieder einen vorläufigen Platz gefunden hat. Polizei-Bericht. Am 26. d. M. Vormittags erlitt der bei dem Bau des naturhistorischen Museums in der Invaliden- straße beschäftigte Arbeiter Zimmer dadurch eine erhebliche Quetschung der Finger, daß er beim Aufwinden von Sand- steinen ausglitt und, um sich zu halten, in die Kammräder der Winde griff. Er mußte nach der CharitS gebracht werden.— An demselben Tage Abends wurde ein Polizei-Wachtmeister, als er von einem Spaziergang aus dem Frredrichshain die Straße hinter dem städtischen Krankcnhause pasfirte, von einem plötzlich aus dem Gebüsch hervorspringenden Mann mit einem harten Gegenstand mehrere Male in das Gesicht geschlagen, so daß er besinnungslos zu Boden fiel, und, nachdem er fich erholt hatte, fich bei einem Heilgehilfen einen Verband anlegen lassen mußte. Der Attentäter, welcher anscheinend einen Racheakt verübt hat, ist entkommen.— In der Nacht zum 27. d. M. verstarb ein Mann in der Greifswaldersttaße an den Folgen von Rattengift, welches er einige Tage zuvor rn selbstmörderischer Absicht zu sich genommen hatte.— Am 27. d. M. Nachmittags stürzte fich der Handelsmann Merker im Hause Schwedterstraße 247 aus dem Flurfenster des vierten Stocks auf den Hof hinab und verstarb auf der Stelle. Die Leiche wurde nach dem Ob« duktionshause geschafft.— Um dieselbe Zeit wurde ein zwei Jahre aller Knabe an der Ecke der Rheinsbcrger- und Swine- münderstraße von einem Geschäftswagen überfahren und erlitt dabei nicht unerhebliche Verletzungen am Kopfe und Arme. Er wurde nach dem Lazarus-Krankenbause gebracht.— An demselben Tage Abends wurde ein Mann m seiner Wohnung, Am Ostbahnhof, erhängt vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem Obduttionshause geschafft.— In der Nacht zum 28. d. M. machte eine Frau in ihrer am Engel- Ufer belegenen Wohnung den Versuch, fich das Leben zu nehmen, indem fie fich mit einem Brodmesser die Kehle durchschnitt. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde die Schwerverletzte nach Bethanien gebracht. Gerichts-Jeitiwg. Eine allgemein interesfirende Entscheidung, bei wel- cher es fich um die Frage handelte, in wieweit ein Hausbe- wohner bei zu lärmender Lustigkeit in seiner Wohnung polizei- lich zur Verantwortung gezogen werden kann, wurde gestern von der fünften Berusungskammer des Landgerichts I gefällt. Der Kaufmann R. war im März d. I. mit einem polizerlichen Strafmandat bedacht worden, weil er in der Nacht vom 21. zum 22. Februar er. in seiner Wohnung durch Klavierspicl und Gesang rubestörenden Lärm verübt haben sollte. Er beantragte richterliche Entscheidung und hatte Erfolg, denn das Schöffen- gericht sprach ihn frei. Der Angeklagte wies nach, daß er in jener Nacht mit einer Anzahl von Gästen seinen Gebuttstag gefeiert hatte, wobei allerdings mustzirt und gesungen worden sei. Der dabei verursachte unvermeidliche Lärm sei aber nicht bis über die zunächst gelegenen Wohnungen hinausgedrungen, denn man habe Thüren und Fenster geschlossen gehalten. Das Schöffengericht konnte unter diesen Umständen in der Hand- lungsweise des Angeklagten die Kriterien des ruhestörenden Lärms nicht erblicken, der Amtsanwalt legte aber gegen das freisprechende Erkenntniß die Berufung ein. In der gestrigen zweiten Instanz kam es aber gar nichr erst zu einer Beweis- aufnähme, denn nach der Vernehmung des Angeklagten erklärte all den einander entgegengesetzten Ansichten. Eine wahrhaft glänzende und originelle Komödie. Welch reizendes Bild hätte uns Balzac von dieser modernen Welt der Journali- sten, den Propheten, Politikern, Duellanten, Charlatanen und Fackelträgern des Erfolgs; welch ein heiteres Charakterbild hätte uns der Autor von„Cöfar Brrotteau" zeichnen können von dem Leiter des„Gaulois", Arthur Meyer— diesem Ver» fechter der Traditionen von Monarchie, Kirche und Aristo- kratie, welcher jetzt im Faubourg Saint-Germain kirchlich- moralische Vorträge hält, nachdem er seine Laufbahn als renegater Jude und Schneider begonnen. Bei einer Schilderung der Pariser Presse muß selbst- verständlich auch eines der achtenSwerthesten und interessante- sten Vertreters des französischen Journalismus gedacht wer- den: deS schon genannten FranciSque Sarccy. Der kleine, dicke, grauhaarige und graubärtige Mann mit seiner über- mäßigen Kurzsichtigkeit, seinen gleichmäßigen und unver- feinerten Gesichtszügen, seinem untrübbaren guten Humor ist eben mehr als eine Pariser Berühmtheit. Seine lange journalistische Laufbahn hat seinen Namen in Frankreich gleichbedeutend mit dem gesunden Verstand gemacht und seine lange Mitarbeiterschaft mit About an dem„Dix-neu- vieme Siecle" hat ihm für diese Eigenschaft gewissermaßen daS Monopol verliehen. Er haßt die Politik, welche er als eine Quelle von nichts als Deklamation, leeren Phrasen, schlechtem Stil und schlechten Leidenschaften betrachtet und da er über Alles Klarheit, genauen Ausdruck liebt und da- bei ein gutherziger Mann ist, so hat er für sich eine Spe- zialität von praktischem und häuslichem Journalismus ge- schaffen. Während der letzten dreißig Jahre hat Sarcey mit kaum nennenSwerthen Ausnahmen täglich einen Artikel über praktische Fragen geschrieben. Außerdem schrieb Sarcey allwöchentlich in dem Montag-Feuilleton des„TempS" eine dramatische Kritik und eben diese Theater-Kritiken haben ihm seinen Ruf in diesem Fache gesichert. der Staatsanwall Dr. Daube, die Berufung zurückziehen zu müssen. Allerdings seien die unmittelbaren Rachbarn des Aw geklagten durch das Geburtstagsfest in ihrer Ruhe g#rt worden, es würde aber entschieden zu weit gehen, wenn die« selben bei einer solchen Gelegenheit sofort die Polizei in Anspruch nehmen wollten; hier sei der Hauseigenthümer die näldfti Instanz, um Abhilfe zu schaffen und könne veiselbe ja in seinen Miethskontraklen dergleichen geräuschvolle Festlichkeiten in sev nem Hause verbieten..., Als ein bodenlos leichtsinniger Mensch charatterifii« sich der 26jährige Handlungsreisende Karl Romann Hangen, welcher gestern unter der Anklage des Betruges und der Unterschlagung vor der ersten Ferienstrafkammer des Land« gerichts I stand. Der Angeklagte hat, aus einer wohlhaben- den Familie stammend, eine gute Erziehung genossen, aber de« vorzugte Stellungen als Reisender erster Häuser nicht nur durch dumme, sondern auch durch schlechte Streiche verscherzt- Er hat bereits Gefängnißstrafen wegen Unterschlagung uno Erpressung hinter sich. In diesem Frühjahre hielt er steh b� schästigungslos in Berlin auf und erregte durch sein splendides Auftreten und unnoble Pasfionen Aufseben; er frequenürte hauptsächlich die Lokale mit Damenbedienung. Die Mittel dazu gewährte ihm eine in Dresden lebende Tante, welche» aus Furcht, daß ihr verkommener Verwandter seine Drohung, der Familie noch weitere Schande bereiten zu wollen, au»« führen würde, Alles hergab, was fie auftreiben konnte. Die Geldsendungen müssen aber doch wohl schließlich ausgeblieben sein, denn eines Tages denunzitte ein Dienstmann den Ange« klagten, welcher hier als Freiherr von Haagen aufgetteten war, wegen Betrugs. Der angebliche Freiherr hatte von den> Dienstmann 75 M. entlehnt und demselben als Faustpfand einen schweren Koffer übergeben, der feine Leinewand enthalten sollte, in der That aber mit wetthloser Makulatur auaelül» war. Auch stellte fich heraus, daß der Angeklagte einer Dame der Halbwelt, deren Bekanntschaft er im Cafe Nationale ßf macht, einen Brillantring abgeliehcn und denselben seiner>a Breslau wohnenden Braut als Angebinde übersandt W'- Der Angeklagte war zwar geständig und bat um gelinde»e« strafung, der Gerichtshof glaubte dieselbe aber doch auf st»» Monate Gefängniß bemeffen zu müssen.. Gegen den Herausgeber des„Schalk" VerlagSbu«' Händler Friedrich Thiel zu Friedenau wurde gestem vor der 93. Abtheilung des hiefigen Schöffengerichts eine Anklage wegen öffentlicher Beleidigung des Rechtsanwalts Ackermann in drei Fällen und zugleich des Amtsgerichtsraths Forck m einem Falle verhandelt. Jnkriminirt find zwei Postkarten uno ein Postanweisungsabschnitt. Eine der Postkarten war an de» Buchhändler Alexander Köhler, die beiden anderen Sendungen an den Rechtsanwalt Ackermann Hierselbst gerichtet und>» Friedenau auf die Post gegeben. Die erste Karte datitt vom 14. Januar er., und ist m derselben mit Bezug auf Adressaten gesagt, daß er ein Mann ohne Lebensarr sei. Am dem Postaksichnitt war dem Rechtsanwalt Ackermann zum M>r« wurf gemacht, den Absender in ganz frivoler Weise um Kosten gebracht zu haben, und in der unterm 12. April nach Dresve» gesandten Postkarte stand, daß Advokat und Richter in der Prozeßsache Köhler gegen Thiel Horno.... seien. Köhls' übersandte diese Karte an seinen Mandaten in Berlin, u», dieser hielt fich nunmehr verpflichtet, den Fall zur Anzeige P bringen, während er entschlossen war, die beiden ersten vcn düngen ohne weitere Beachtung zu lassen. Der Angeklagte er hob zunächst den Einwand der Unzuständigkeit, da er in denau seinen Wohnfitz habe und oort auch die Karten W. stellt worden find. Der Gerichtshof erachtete fich aber für ff ständig, weil bei Beleidigungen als Ort der That derjerw anzusehen sei, an welchen sie durch Einhändigung an Wj Adressaten perfett werde. Bezüglich des nach Dresden gf richteten Briefes ist aber die Zuständigkeit in Folge des � sammenhangs begründet. Der Angeklagte läßt sich jetzt Zz Sache folgendermaßen aus: Köhler habe von ihm zwei Kl«#: zum Piestevon 6 und 25 Mark gekauft und bezahlt. Letz#* Klichö habe er nicht behalten und deshalb den Äftm zurückhaben wollen. Hierüber sei er mit Köhler in Streit ßv rathen, und habe ihn derselbe schließlich auf Zurückgabe 25 M. verklagt. In dem am 22. Dezember v. I. angesi#! "' ündigen Wartens der Anwalt# denen Termine sei trotz 1 stündig... �...-------- Klägers nicht erschienen, weshalb er Veisäumnißurtheil vero laßte- Auf den dagegen erhobenen Einspruch sei zum 14; nuar er. ein neuer Termin anberaumt worden. Er st«% dem Wege dorthin verunglückt und habe sofort eine kurze-»»V an das Amtsgericht und eine ebensolche an den RechtsanM" Ackermann mit der Bitte gelangen lassen, den Termin auiZ° heben. Da keine Antwort einging, habe er angenommen,° Alles in Ordnung gegangen sel. Er wurde aber bitter e" täuscht, als er einige Zeit darauf beim Nachhausekommen ein. Gerichtsvollzieher rn seiner Wohnung antraf, welcher in# fichtsloser Weise zur Pfändung in dieser Sache schritt.% der Erbitterung hierüber habe er an den Anwalt d«e# Karte geschrieben. Gleich darauf ersuchte er den Manda feines Gegners, ihm seine Gebührenliquidation zu überseiP, i Anstatt diese zu erhalten, kam ein Kostenfestsetzungsbes«( über mehr denn 27 M. für dieses geringe Streitobjekt,"L daß kontradiktorisch verhandelt worden ist. Dieses Verfav�, habe ihm die zweite inkriminirte Bemerkung in die»st( fließen lassen. Die Karte an seinen Gegner endlich 90% ß aus Acrger darüber geschrieben, daß derselbe zwar sein u erhalten, das KlichS aber nicht zurückgesandt habe. Der � druck Horno.... dürfe nicht für Hornochsen gelesen wero aen st inif" wozu gar kein zwingender Grund vorliege. T>er walt beantragte für die beiden ersten Äeleidigunge für die dritte 300 M. event. für je 10 M. 1 Tag Gefa-A, Der Gerichtshof stellte im ersten Fall wegen zu später lung des Strafantrags das Verfahren ein und verurthe«»* Angeklagten wegen des zweiten Falls zu 50 M., wegen dritten zu 150 M. ev. für je 10 M. 1 Tag Haft.,..-je Halberstadt, 27. August. Der Rcichstagsabgeor«..� Aug. Heine stand am 27. d. M. vor dem Feriensenat de* � sigen Landgerichts, weil er des Vergehens gegen§ V.w, Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der? � demokratre angeklagt war. Heine hatte bis zum März%,( hiesigem Platze die„Halberst. Sonntagsztg." herausgegeben- � vom Regierungspräsidenten zu Magdeburg auf Grund des*„ genannten Gesetzes verboten wurde. In der zirka«j nach diesem Verbote in Halbcrstadt und Umgegend zum e- � Mal verbreiteten„Harzer Post" als dessen Redakteur Dr-%.,](« Schoenlank in München zeichnete, sah die hiesige Staatsan � schaft eine Fortsetzung der verbotenen Sonntagszeitun?-� schlagnahmte die Nummer 5 der„Harzer Post" und Heine den Prozeß. In dem Termine hielt. zahlreiche Zeugen vernommen worden, deren S\ü.mn' von gennger Bedeutung waren, der Vertreter der ew%di waltschaft sein Plaidoyer, das mit dem Anttage endigte, 1�» Heine eine Zusatzstrafe von 6 Wochen Gefängniß (Heine verbüßte zur Zeit eine sechsmonatliche Strast...zste '"__ lt begnUst Beleidigung durch die Presse). Der Staatsanwalt setnen Antrag auf Gefängnißsttafe damit, daß eine für Herrn Heine doch keine Strafe sein würde. Den". [et Herne etn wohlhabender Mann, den eine Gelbst# berühren würde, andrerseits würden es fich gewiß � sozialdemokratische Parteigenossen zur Ehre anxtjb� A?# Herne die Geldstrafe zu bezahlen, da fie es für«#' � bulten nJtirben, für den einzutreten, der für sie eingetcete a# Der Reichstapsabgeordnete Albert Träger, der Heine* st* tberdrger zur Seite stand, widerlegte die Ausführu"!W(!' Staatsanwalts. Ebenso wie der letztere machte au«, miw zur Grundlage seines Plaidoyers die Reichsgerichts ent!»� vom 27. Oktober vorigen Jahres in dem Prozeß geae" M Schönlank wegen Fottsetzung der verbotenen„Süddeutsch*' Wn- i ftt et nachwies, daß keins der vom Reichsgericht ange- I Im Merkmale, welche eine Zeitung als die Fortsetzung M verbotenen Zeitung charaklerifirten, in dem in Rede Wen Falle vorhanden wäre, trat er für die Freisprechung »Angeklagten ein. Der Gerichtshof schloß sich den Ausfüh- An des Herrn Albert Träger an, indem erden Angeklagten Aach und die Kosten der Staatskafie zur Last legte. Astimmiges Bravo von Seiten der zahlreichen Zuhörer "M diesem Richterspruch. soziales mh Arbeiterbewegung. Sie Roth itt Deutschland. Der„Augsburger Abend- die man sicherlich nicht bezichtigen kann, daß sie «nei fgr die Arbeiter nehme oder in wirthschaftlichen Dingen Aachen zu schwarz auftrage, läßt sich aus dem Fichtelge- 'ge schreiben:„Eine Schattenseite dieses Gebirgslandes aber Met nicht unberührt bleiben: es ist dies der soziale Zu- A der Bevölkerung. Ueberall begegnet man blassen, abae- Muten Gestalten, und wenn man die Leute nach ihrer Be- ff,sjutig fragt, muß man hören, daß es allenthalben an Ar- ,!, lchlt, und daß namentlich seit den letzten zwei Jahren, Mend welcher die Glasindustrie stockt, die hier reichlich ver- & m fr m allin Ortschaften Jammer und Elend herrscht. , Verdienstlostgkeit ist derart, daß erwachsene, kräftige Ar- Z» nicht einmal bei 70-80 Pf. täglichem Lohn Be- Migung finden können, und, wie man hört, haben in den % verflossenen Jahren schon einzelne Ortschaften von Staats- A? durch Ankauf von Kartoffeln und sonstigen Lebens- ,u>kln während des Winters unterstützt werden müssen, um «räßliche Elend, dem viele Familien ausge- � sind, wenigstens etwas zu mildern. Leider Aicht man sich'von der Zukunft'keine Besserung; denn l!.v> den rapiden Znrückgang der Glasindustrie versiegen die �"»»quellen der Bevölkerung mehr und mehr, und die A kchen mit Bangen in die Ferne; sie befinden sich in w �drückten Stimmung, und oft, bei meinen Wanderungen A den Wald, mußte ich gesprächsweise Klagelieder anhören haarsträubende Geschichten über die Entbehrungen, denen A.Familien ausgesetzt find, wurden mir erzählt."— Daß iuf von der Zukunft nicht viel verspricht, so bemerken wir C, vvige Schilderung, ist leicht begreiflich, da die Vergangen- !'ult> die Gegenwart die Leute abgestumpft haben. Hier '» auch �ine Unterstützung auf die Dauer nützen, sondern �'"' G elegenheit, die aber nur erzielt ebung des gesammten Volkes. i»?'WVlegenheit durch Etnvürgeruiw einer anderen Industrie »..vvrtcgen Gegenden seitens des Staats ohne die nöthige KW� genheit hat keinen Zweck. Die Konsumtionskraft des A'ch Schaffung von Arbeitsg V,durch die wnthschaftliche H As: Gelegenheit durch Einbürg *(., Aflen Gegenden seitens I «Hsnegen heit hat keinen Zwe juAten Volkes durch bessern—.......,----,—... 3v Hauptsache. Uedrigens sieht es in vielen Gegenden in "Wand ebenso traurig aus wie im Fichtelgebirae. Prag wird gemeldet, daß dort 600 Weber der lAotvet Kattunfabrik die Arbeit niedergelegt haben. Die- verlangen denselben Lohn bei II stündiger Arbeitszeit her. Bei der geringen Lohnhöhe verdienen sie denselben -Weichlich. »Weitere Streiks in England. In Folge wiederholter Mungen haben auch die Nagelschmiede in Staffordshire Worcestershire, etwa 12000 bis 15 000 an Zahl, be- Cm1'«ine Lohnerhöhung zu beanspruchen und im Falle ü Verweigerung derselben einen allgemeinen Streik eintreten L'affen.— Zirka 5000 Arbeiter in der Kanonen- und Ma- LAfabrik von Sir William Armstrong in Newcastle drohen 1»», � streiken, falls nicht zwei mißliebige Werkführer ent- " werden.___ �kreine und Versammlungen. K«,,?ezirks-Verein des werkthätiaen Volkes der Schön« SR Vorstadt. In der letzten Versammlung hielt Herr fl-a�er einen interessanten Vortrag über„Die Wohnungs- ■ Redner erläuterte zunächst, wie unsere wirthschaftlichen Anisse auf die Wohnungsfrage einwirken. Unter der ..Ast des laisser faire, laisser aller bleibe derjenige ' der im wirthschaftlichen Kampfe die größten Mittel fflRi könne. Die Wohnungsfrage sei ein Theil unserer iwjAtUdien, aber auch zugleich eine sanitäre Frage; als «IzflMftliche berühre sie nur den wirtschaftlich Schwachen, inz R'täre jedoch die Allgemeinheit. Wer ein Haus befitze, L, Ron sozusagen ein Monopol, denn wer eine Wohnung Lj,. habe sich den Bedingungen, wie sie von Seiten des fa hers vorgeschrieben, zu unterwerfen Die Konzentration Grundbesitzes vollziehe sich äußerst schnell, schon jetzt be- m firf, ffln.otn-r rpfn nnn oevcngungen vorzuiwreive«. 'leset Hausbesitzer suchen sie in Vereinen noch bessere R Hungen zu erreichen. Redner erinnert an die Petition R??uobesttzer-Vereins im Norden an den Justizminister, in Wt»orderung gestellt wurde, die Gerichtsvollzieher an- Rb-- bei Abpfändung von Mobilien dem Vermiether den» Anzeige zu machen. Redner zeigte nun, wie sich nach tois,.Ren 1870 und 1871 in Folge der flotten Produktions- drr nAe wahre Bauwuth entwickelt habe und je nach Lage �t>Andstucke seien ganz� kolossaleAreist A�Grund � und A"«eZahlt und in Folge dessen auch die Miethen dg,.�stiegen, und da Wohnen ebenso wie Essen und Trinken zu bevorzugt würde: dem Hausbesitzer stehe nsrecht zur Seile. Der Staat oder die Kommune n-wt«, �"igstens dem Schuldner noch die zur Enjtenz &•Ä.ÄÄfc ÄeS WÄ ei b,?»!»« nunmehr auf die Bauart der Häuser em; dieselbe K V�daß sie nicht im Mindesten den an sie m am- des Grund und Bodens gang und gebe. Von RniLT Polizei. Präsidiums sei kürzlich eine neue Bau- Aitth i,,R'Präfldium in dieser Angelegenheit nicht nachgebe. Ut veinehmlich zu äußern; könne man auch -«V|CUlgtIl. XJK wuiuviivu» VIV.V p.� tJ�ien rn ocn demnächst bevorstehenden StadtverordneteNl Beifall lohnte den Redner für seine Aus S Rrnrf(. sehr gerade dies Thema die Anwesenden s-Ä'h'edeneÄ� Seigte die sehr lebhafte Diskussion, an der sich „ Rn O7 Redner betheiligten. Hauptsachlich wurde von den- Jm bl�'net beteiligten. Hauptsächlich wurve von den- ii�lvlcben Ä' bei der bevoi stehenden Etadtverordnetenwahl M. bess°?. Vertretern die Stimme zu geben, die für billige Fahrgelegenheit, sowie für Annahme der vom ftW ÄS.™ % ftafe'dnung ein. Desgleichen gab derselbe noch '"'che Daten über die leerstehenden Wohnungen in Berlin, sowie über die Steigerung der Miethspreise iin letzten Jahre. Im Weiteren kommt der Redner noch auf den letzten Maurerstreik zurück und zeigt durch Berechnung, daß derselbe nicht, wie das in verschiedenen Berliner Zeitungen behauptet worden, die Miethen steigere, da das von den Maurern ver- langte Mehr nur einen verhältnißmäßig unwesentlichen Theil der gesammten Baukosten ausmache. Der Streik sei vielen Vermiethern nur ein willkommener Voiwand, um von ihren Miethern eine höhere Miethe zu verlangen. Zum Schluß führte Redner noch als Beispiel verschiedene englische und amerikanische Städte an, in denen die Pferdebahnen billiger und früher zu fahren anfangen, und ersucht die Anwesenden nochmals, bei jeder passenden Gelegenheit für Besserung der als unhaltbar erkannten Zustände einzutreten. Zu Verschiedenem macht der Vorsitzende bekannt, daß die von der vorletzten Ver- sammlung beschlossene Herrenpartie nach Sadowa gemacht werden soll. Treffpunkt Sonntag, den 30. d. M-, früh 6V« Uhr, bei Kuhlmey, Weinbergsweg 15e. Zahlreiche Betheiligung erwünscht. Die nächste Versammlung findet am Dienstag, den 8. September, in demselben Lokale statt. Der Bezirksveretn des werkthätigen Volkes der Schönhauser Vorstadt hat folgende Petition, betreffend die Errichtung von öffentlichen im Sommer und Winter gegen ein geringes Entgelt geöffneten Volksbadeanstalten, an den Magistrat abgeschickt. Petition: Von ärztlicher Seite ist all- gemein anerkannt und wird gelehrt, daß öfteres, wenn möglich tägliches Baden ein wichtiges Mittel zur Beförderung der Hautthätigkeit sei, dadurch können viele Krankheiten verhindert werden und deshalb sei aus sanitären Gründen das Baden unbedingt zu empfehlen und mit allen möglichen Mitteln zu erleichtern. Die Gründe, die uns bewegen, diese Petition dem Magistrat zu unterbreiten, sind folgende: 1) Sind die jetzt bestehenden Privat. Badeanstalten viel zu klein und außerdem zu theuer, um von der großen Mehrzahl der Arbeiter benutzt werden zu können. 2) Sind auch die Wege zu den jetzt be- stehenden Flußbadeanstalten(als den billigsten) so weit, daß in den meisten Fällen dasjenige nicht in ausreichendem Maße mit dem Baden erreicht wird, was Hauptzweck desselben sein sollte, der Körper wird durch die weiten Wege nach dem Badeplatz hochgradig ermattet. Es fehlt dem Arbeiter die nöthige Zeit, um, selbst wenn er wollte, diese nur mit großem Zeitaufwand zu erreichenden Badeanstalten zu benutzen, falls er nicht in der. Nähe billiger Flußbadeanstalten wohnt. Die Bewohner der Schönhauser Vorstadt aber sind in dieser Hin- ficht nur auf Privat-Badeanstalten angewiesen, wie ja auch sämmtliche Bewohner Berlins im Winter. Die Mitglieder obengenannten Vereins find nun der Meinung, daß der Ma- gistrat in richtiger Würdigung der Wichtigkeit dieser Angelegen- heit für die Bevölkerung— gleichviel ob der Arbeiter- oder der besser fituirten Klasse angehörig— sich mit dieser unserer eetition einverstanden erklären wird. Zweifellos würde die rrichtung von Volksbadeanstalten eine Bediufniß'rage lösen, welche von derselben Bedeutung für die Bewohner Berlins ist, wie z. B. die Einführung der Kanalisation:c. Insbesondere sei noch darauf hingewiesen, daß ähnliche Anstalten schon in verschiedenen größeren Städten(Leipzig, Frankfurt a. M.) ein- geführt find und zur Verbesserung der sanitären Verhältnisse wesentlich beitragen. Die Kosten würden im Verhältniß zum Nutzen(Verminderung der Kranken sc.) nicht derartige sein, daß die Eifüllung unserer Wünsche hieran scheitern sollte. Im übrigen würde sich auch das auf den Bau verwandte Kapital unbedingt verzinsen, und sollte sich herausstellen, daß dies nicht der Fall, so würde der Gewinn, der in sanitärer Hinsicht durch Einrichtung gedachter Volks- Badeanstalten erzielt würde, den pekuniären Verlust unbedingt aufwiegen. Eine öffentliche Generalversammlung der Kisten- und Koffermacher tagte am 24. d. M. in den„Armin Hallen" unter Vorsitz des Herrn Kaufhold. Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag des Herren Rechtsanwalt Freudenthal. 2. Be« richt der Kommisston und Verschiedenes. Herr Freudenthal referirte über„Rechtsschutz und gewerbliche Schiedsgerichte" in sehr ausführlicher Weise. Er bedauerte, daß es sehr häufig vorkomme, daß Kläger den Anwalten gegenüber die richtige Wahrheit nicht sagten und dadurch die Klagen zu Ungunsten des Betreffenden ausfallen. Redner kritiflrte die verschiedenen Fabrikordnungen, wies durch verschiedene Geseyesparagraphen nach, daß der Fabrikant oder Meister den Arbeiter nicht zwingen kann, bei Streiks seine Arbeit fertig zu machen, sobald sie durch einen Dritten fertiggestellt werben könne. Er trat für gewerb- liche Schiedsgerichte ein, da Fachmänner in gewerblichen Fra- gen besser urtheilen können als Juristen. Allgemeiner Bei- fall wurde dem Redner am Schluß seines Vortrages zu The'l. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die heute versammelten Kisten- und Koffermacher erklären sich mit dem Herrn Referenten vollkommen einverstanden und be- schließen, den„Jnteressenverein der Kisten- und Koffermacher" zu ersuchen, eine Petition an den Magistrat um Einfüh- rung eines Gewerbeschiedsgerichts auszuarocilen und den ge- sammten Kisten, und Koffermachem zur Unterzeichnung vorzulegen- Zum zweiten Punkt der Tagesordnung: lieber die Thätigkeit der Kommission theilte Herr Wahrmann mit, daß Leipzig und das sächsische Erzgebirge schon mit unfern Flugblättern bedacht und die sächsischen Kisten- und Koffermacher dadurch aufgerüt- telt worden seien, um mit den hiesigen Kollegen zusammen zu wirken. Auch von Hamburg lonftatirte der Redner, daß event. bei einem allgemeinen Streik Unterstützung zu erwarten sei. In der Diskussion wurde über verschiedene Werkstellen und über dort gezahlte schlechte Arbeitspreise dedattirt. Herr Karche stellte einen Antrag: Eine Versammlung der Kistenfabrikanten zu veranlassen, um dadurch auf gütlichem Wege höhere Löhne zu erzielen. Der Antrag wurde abgelehnt, da mehrere Redner konstatirten, daß sie schon alles versucht hätten, die Herren Fabrikanten zu einer Vereinigung zu veranlassen. Herr Kauf- hold konstatirte, daß in der Kistenfabrik von Schalling ein Streik ausgebrochen sei und handle es sich darum, ob die dorti- gen Arbeiter, die nicht in dem Kisten- und Koffermachervercin sind, Unterstützung erhalten sollten und ob überhaupt der Streik gerechtfertigt sei. Es wurde ein Antrag gestellt, die Streiken- den zu unterstützen; derselbe wurde von Herrn Benke bekämpft, darauf aber einstimmig angenommen. Die Kommissions-Mit- glieder Herren Wahrman und Leichnitz wurden beauftragt, die Streikangelegenheit in die Hand zu nehmen und zu regeln. be. Eine höchst interessante Versammlung des Ar« beiterinnen-Vereins fand am Donnerstag, den 27. d., in Gratweil's Bierhallen unter Vorfitz der Frau Stägemann statt. Herr Stadtverordneter Fr. Tutzauer hielt einen eingehenden Vortrag über Gewerbe- Schiedsgerichte mit besonderer Berücksichtigung der Stellung, welche die Arbeiterinnen hierzu zu nehmen hätten. Der Vortragende erläuterte kurz die Auf- gaben der Gewerbe-Eckiedsgenchte, die Bedeutung derselben für die Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und wies die Nothwendigkeit der Errichtung eines solchen Schiedsgerichtes gerade für Berlin unter Hinweis auf die große Zahl der Streitfälle nach, welche der Gewerbe-Deputation des Magistrats— der gegenwärtig entscheidenden Instanz— im letzten Jahre vorgelegen hätten. Der Redner berief sich darauf, daß in verschiedenen deutschen Städten dergleichen Uebereinstimmung mit den Ausführungen sie trat besonders für die Wahl von Ar- WWWKK betreffenden Arbeiterinnen im Stande, ein sachkundiges UrtheK abzugeben.— Die politische Rechtlosigkeit der Frau überhaupt müsse beseitigt werden; da im Reichstage so viele Jasager säßen, so würden die Frauen das Kopfnicken wohl auch besorgenkönnen. Heiterkeit.) Die Gesetze werden von den Männern nur für die Männer, nicht für die Frauen gemacht. Ein Mannr welcher auf der Straße eine anständige Frau in nicht mißzu- verstehender Abficht anspreche, müsse ebenso wie jetzt im umge-° kehrten Fall die Dirne bestraft werden.— Dieser Ansicht schloß sich Frau Sterrlich und Frau Canzius an. Frau Vötting riech zunächst die Hebung der wirthschaftlichen Lage der Frau mit allen Kräften anzustreben und aus jede Politik zu verzichten. — Frau Kolbe erblickt in einer aus freien Wahlen hervorge-- gangenen Volksvertretung die höchste Stufe persönlicher Rechts» vertheidigung jedes Menschen, sie wünscht deshalb ebenfalls lebhaft aktives sowie passives Wahlrecht für die Frauen. Das Parlament habe bisher noch nichts gethan, um die Prostituttoir einzudämmen oder zu beseitigen; in dieser Frage seien alle Männer für die Frauen Egoisten, und nur die Frauen selber seien im Stande, diese Schande ihres Geschlechts zu beseitigen. — Frau Stägemann empfahl eindringlich die Einführung eines Gewerbeschiedsger chtes und schlug vor, einer zu diesem Zweck gewählten Kommisston von 3 Mitgliedern die Ausarbeitung einer Petiton der Berliner Arbeiterinnen an den Magistrat um Einführung eines Gewerbeschiedsgerichtes zu übertreten. Dieser Anttag wurde einstimmig angenommen und Fr. Stägemann, Frl. Wabnitz und Fr. Canzius gewählt.— Hieran schloß sich nun eine ausführliche vorläufige Besprechung der Lage der Konfektionsarbeiterinnen.— Frau Büge kündigte an, daß. ste in der nächsten Woche eine Mänlelnäherinnenversammlung zur Besprechung der traurigen Lohnverhältnisse und der Mittel zur Besserung derselben einberufen werde und ersucht unter An- gäbe ihrer(der Rednerin) Wohnung(Metzerstraße 7) alle Schneidermeister und Arbeitgeberinnen, die noch etwas Ge- wissen und Mitleid mit ihren Arbeiterinnen im Herzen hätten, ihr in dem bevorstehenden Kampfe gegen schmutzige Ausbeutung. thatkräftig zur Seite zu stehen.— Frau Krankemann rieth bei denjenigen Arbeitgebern, die so gedrückte Löhne zahlten, daß kein Mädchen ohne„Nebenverdienst" auskommen kann, jetzt ber Beginn der Saison die Arbeit niederzulegen. Frau Pötting hielt die Bildung eines Streikfonds für das Nächstliegende. Ohne einen solchen sei an keinen Erfolg zu denken und ebenso wichtig sei es, daß ein Fachverein der Mäntelarbeiterinnen ins Leben träte.(Beifall.) Dieser Anficht schloß sich Herr Lewirr (Kürschner) an; einzeln müsse gegen jede Werkstatt, die schlechte Löhne zahle, vorgegangen werden. Soviel wie möglich müsse die Arbeit der verheiratheten Frau beschränkt unk» dem Manne auskömmlicher Lohn gesichert werden. — Frau Müller beklagt die harte Nothwendigkeit, welche verheirathete Frauen zur industtiellen Thätigkeit zwänge;. wenn aber der Mann arbeitslos wäre, könne sie die Kinder nicht hungem lassen.— Fr. Canzius wünschte, daß vor allem die Beamtenfrauen, welche hauptsächlich die Preise herab» drückten, zu Gunsten der armen Mädchen auf die Arbeit ver- zichteten, deren Ertrag ihnen nur zu Luxusausgaben diente, und daß andererseits keine Arbeiterin bei einer Beamtenfrarr mehr in Arbeit träte.— Frl. Wabnitz empfahl nach einer scharfen Kritik der heutigen sozialen Verhältnisse, die den. Reichen noch reicher, den Armen noch ärmer machten, den Mäntelnäherinnen, den Spieß einmal umzukehren, selber Ar- beitsstuben zu gründen und einen Schneidermeister in Lohn zu nehmen.(Heiterkeit und Beifall.)— Fr. Pötting bezweifelte, ob die ideale Abficht, Arbeitsstuben mit gleichmäßiger Vertheilung des Verdienstes an die betheiligten Arbeiterinnen von positivem Erfolg begleitet sein würde.— Fr. Stägemann erklärte, es sei nur beabsichtigt, den Mitgliedern einer solchen Assoziation den vollen Ertrag ihrer Arbeit zu sichern, der je nach der Leistungsfähigkeit verschieden ausfallen werde.— Frl. Wabnitz fügte dem noch hinzu, daß, wenn irgend möglich,. mit diesen Arbeitsstuben Fachschulen verbunden werden würden. (Beifall.)— Nachdem noch die Erledigung einer Reihe inier- ner Angelegenheiten, besonders so weit es sich um die Grün- dung eines Vereins im Norden Berlins handelt, der nächsten Beschlossenen Mitgliederversammlung zugewiesen war, schloß :r. Stägemann gegen 11 Uhr die sehr zahlreich besuchte Ver- sammlung.— Fr. Canzius ist aus dem Vorstande ausgetreten. — Arbeiterinnen auf Hemden, Hosen, wollene Röcke und Schürzen wollen sich um Arbeitsnachweis bei Frl. Seeger, Prenzlauerstraße 39, oder bei Fr. Kreutz, Sklalitzerstraße 28, melden. bfs. In der öffentlichen General- Versammlung der Maurer, welche am Donnerstag Abend im großen Keller- schen Saale, Andreasstr. 21, unter dem Vorsitze des Herrn Behrend stattfand und von ea. lOOOTHeilnehmern besucht war, referirte Herr Regierungsbaumeisler Keßler über das Verhalten der Berliner Maurer zur Petition an den Reichstag um An» nähme des von den Arbcitercchgeordneten eingebrachten Arbeiter- schutzgesetzentwurfs. In beredter, überzeugender Weise wies der Redner in seinen etwa anderthalbstündigen Ausführungen nach, daß durch Annahme dieses in allen Punkten zu billigenden Gesetzentwurfes oder ähnlicher Arbeiterschutzgesetze die Lage der Arbeiter eine erhebliche Verbesserung erfahren würde. Kein Maurer, dem es um eine solche zu thun sei, dürfe sich bei der Unterzeichnung dieser Petition ausschließen. Auf Befragen des Vorsitzenden bekundeten die Versammelten einstimmig ihre Uebereinstimmung mit der Petition und ihren Willen, dieselbe zu unterzeichnen. Die Erledigung des zweiten Punktes der Tagesordnung, Verschiedenes und Fragcbcantwortnng. ergab nichts Neues, dessen hier zu erwähnen wäre. .r A'? Arbeiter-Bezirksverein der Rosenthaler Vor- stadt hielt am Montag eine zahlreich besuchte Versammluna m Kurzmann s Salon, Bergstr. 68, ab, in der Herr Liefländer über Kommunales referirte- Redner sprach in kurzen, kräftigen Zügen über die Zensuswahl, Miethssteuer, Einkommensteuer, Schule, Badeanstalten, Krankenhäuser, Armenpflege, Beerdigungs» wesen, Bedürfniß Anstalten, Sanitätswachen, Pferdebahn�Ge- sellschaften, Gas-Anstalten und Submisstonswesen und ermahnte zum Schluß die Versammlung, bei den bevo, stehenden Er- gänzungs-Wahlen kräflig für die Arbeiter- Kandidaten einzu- treten. Für die Vereins-Bibliothek wurden 30 M. aus der Vereins!asse bewilligt, ebenso eine Tellersammlung zu demselben Zwecke vorgenommen. Dieselbe ergab 8 M. 67 Pf. Zum Schluß wurde ein Antrag, am 30. August eine Herrenpartie nacb Köpenick zu veranstalten, angenommen. hka. Zur Lohnbewegung der Berliner Zimmere- wurde m der am Mittwoch Abend in den„Arminballen" Kommandantenstraße 20, abgehaltenen, vom Vorsitzenden Darae sammlung einstimmig angenommene Resolution lautet:„Die heutige Versammlung erklärt sich mit der Thätigkeit der sozial- demokratischen Fraktion im Reichstage einverstanden, sie erblickt >m Arbeiterschutzgesetz eine, wenn auch kleine Hilfe, sie verlangt bann von der Mehrheit des Reichstags, daß derselbe endlich solchen Forderungen, wie die im Arbeiterschutzgesetz aufgestellten» zustimmt."— Diese Resolution soll dem Reichstage zugesandt, werden. Chemnitz. Am vorigen Montag wurde hier eine gut besuchte Arbeiterversammlung aufgelöst, in welcher Herr Schwenn« Hägen aus Magdeburg über die Kulturaufgaben deS 19. Jahrhunderts sprach. Berichtigung. Von einem Arbeiter der Rösener'schcn Piano- Fabrik wird uns mitgethcilt, daß die in der letzten Ge- neralverfammlung des Fachvereins der Tischler(stehe Nr. 198 des„Berliner Volksblatt") von einem Redner aufgestellte Be- hauptung:„in der genannten Fabrik sei die Frage: ob den Arqeitern Nachtbeil durch die gesetzliche Einführung der Sonn- tagsruhe erwachse, dahin beantwortet worden, daß ein Nach- theil dadurch erwachse von 50 M jährlich für jeden Arbeiter" eine falsche sei. Nur von einer einzelnen Branche der Arbeiter jener Fabrik sei die Frage dahin beantwortet worden, daß während der Wintermonate ein Nachtheil von 15 M.(nicht 50 M.) durch Einführung der Sonntagsruhe für den Arbeiter entstände. Von allen anderen Branchen wurde die Frage mit „Nein" beantwortet. Wie uns von Seiten des Fachvereins der Tischler mitgetheilt wird, hat der betreffende Redner in der Versammlung auch nur von 15 M.(nicht von 50 M.) gesprochen, so daß hier wohl ein Jrrthum des Berichterstatters vorliegen muß. �„ An die Buchbinder«nd verwandten Berufsgenossen l Schon seit langer Zeit ist es das Bestreben einer großen Anzahl hiesiger Buchbindergehilfen, die im Buchbindergcwerbe einge- rissene Unsitte der Sonntags- und Ueberstundenarbeit abzu« schaffen. Leider aber war dies bis jetzt nicht möglich durch die Zurückhaltung so vieler Kollegen. Viele glauben noch besondere Vortheile durch derartige Arbeiten zu erzielen, ohne zu bedenken, welch großen Schaden sie sich selbst, ihrer Gesundheit und ebenso ihren arbeitslosen Kollegen zufügen. Die Buchbinder- gchilfen in Stuttgart und Leipzig haben nun in mehreren großen Versammlungen beschloffen, fernerhin nicht mehr Sonn- tags oder nach Feierabend zu arbeiten, mindestens nicht ohne eine Extta-Vcrgütigung von 25-33 Prozent zu e'baltm. Da man aber dort befürchtet, die Buchhändler werden ihre Arbeiten nun in Berlin machen lassen, um so die Bestrebungen der Buchbindergchilfen obiger Städte zu unterdrücken, ist es dringend nothwendig, daß die Berliner Gehilfen hierzu Stellung nehmen. Dies ist um so leichter möglich, da bereits eine Anzahl hiesiger Firmen mit der Forderung einverstanden ist. Am Sonntag, den 30. August, Morgens 10 Uhr ist deshalb eine große öffentliche Versammlung aller Buchbindergehilfcn im Restaurant Feuerstein, Alte Jakobstt. 75(siehe Annonze), ein» berufen, welche zu der Sache Stellung nehmen soll. Hoffentlich werden die Interessenten zahlreich am Platze sein. Verein der Sattler und Fachgenossen. Sonnabend, den 29. August, Abends 8V, Uhr, in Gratwcil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über Rückblicke auf unsere frühere Organisation gegenüber der heutigen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gaste find willkommen. Neue Mitglieder werden aufge- noMzi�beiter-Bezirks-Verein für den Osten Berlins. Sonntag, den 30. August: Große Herrenpartie nach Köpenick. Abfahrt vom Schlefischcn Bahnhofe Vormittags 9 Uhr. Die Mitglieder werden ersucht, ihre Karten zur Legitimation mit- zubringen. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, sehr will- Eine öffentliche Versammlung al�r Bildhauer Berlins findet am Sonntag. den 30. d. M., VormrttagS 9'>.Uhr im Königstadt Kasino. Holzmarltstr.- und Alcranderstr.- Ecke statt. Tagesordnung: 1) Wie stellen sich dre Bildhauer zu lden wichtigen, öffentlichen TageSfragen. Referent Kollege P. Dupont. 2) Verschiedenes. Unter diesem Punkt sollen Krankenlassen-Angelegenbeiten, Kündigung bei der Lrtskasse rc. mit erledigt werden. Zur Deckung der Unkosten wrrd cm kleines Entree erhoben. Um zahlreichen Besuch ersucht der wichtigen Tagesordnung wegen der Einberufer.(Siehe Inserat.) bt». Zu den Bausperren macht die Lohn- und Streik- kommisston der Berliner Maurer bekannt, daß auf dem Bau Kommandantenstr. 5 die neuestens von den dort bisher be- schäftigten Maurern beantragte und von der Kommission be« schlossene Arbeitssperre zur Ausführung gekommen ist und in Folge dessen soeben die betreffenden 14 Maurer insgesammt die Arbeit cingestcllthaben, weshalb dieselben, sowie die Kom- Mission sämmllicher Maurer um Fernhaltung des Zuzuges er- suchen. An die Drechsler. Knopfarbeiter und Berufsgenosse«. Die zum Sonntag, den 30. August, nach dem Lokale„Zum Deutschen Kaisett, Lothringerstr. 37, einberufene Versammlung, zu welcher durch Karten eingeladen wurde, kann Umstände halber nicht stattfinden. An Stelle derselben wird zum Sonn- tag, den 6. September eine Versammlung in demselben Saale mit der Tagesordnung:„Der Arbeiterschutzgesctzentwurs" einberufen werven. Arbeiter- BezirkSverei« der Stosenthaler Vorstadt. Wir verweisen hiermit die Mitglieder auf die am Sonntag, den 30. August, stattfindende Landpartie. Rendezvous früh 7V« Uhr Bahnhof Alexanderplatz. Für Nachzügler kann der Zug 1 Uhr 17 Minuten Nachmittag benutzt werden. Recht rege Betheiligung erwünscht. Gäste durch Mitglieder eingeführt willkommen. Verein znr Wahrung der Interessen der Klavier- arbeiter ic. Heute Abend 8". Uhr in Gratweil's Bierballen, Kommandantenstr. 77—79, Mitglieder-Versammlung. Tages- Ordnung: I.Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau. 2. Besprechung des Stiftungsfestes und Ausgabe der Billets. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Die Mitglieder werden ersucht, in dieser Versammlung die Billets vom Sommerfest abzurechnen. Gäste find willkommen. Fachverein der Rohrleger. Die Petition für Annahme des Arbeiterschutzgesetz-Entwurss liegt zur Unterschrift aus bei den Herren: L. Fröbe, Nostitzstr. 16 Hof 2 SW., 21. Frisch, Steinmctzstr. 3 im Keller W., A. Becker, Brunnenstr. 121b 3 N., C. Renner, Britzeistr. 16 SO und E. Glave, Kastanien« Allee 57 N, Große öffentliche Versammlung der Steindrucker. Lithographen und Berufsgenossen Berlins am Sonntag, den 30. August, Vormittags 10'/- Uhr, im Palmen-Saal, Neue Schönhauserstr. 20. Tages- Ordnung: 1. Gründung eines Fachvereins. Referent: Herr Stadtverordneter Fritz Görcki. 2. Diskussion. 3. Wahl einer Kommission zur Ausarbeitung des Statuts. Fachverein der Tischler. Versammlung am Montag, den 31. August, Abends 3'/, Uhr, in Rothacker s Lokal, Belle- 2llliance Straße 5. Tagesordnung: 1. Vorttag des Herrn Dr. Wurm, prattischer Arzt und Augenarzt, über:„Die Er- Haltung der Sehkraft". 2. Fragekasten und Verschiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste find will- kommen. Des interessanten Themas wegen wird gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. Slrbeiter-Bezirksverein der Oranienburger Vorstadt und des Wedding. Morgen findet die von den Mitgliedein beschlossene Landpartie statt. Sammelpunkt präzise'/,8 Uhr Voim. im Vcreinslokal Wedding-Park, Müllerstraße 178. Für Nachzügler bleibt Bescheid zurück. Es ist zu ermatten, daß die Mitglieder sich zahlreich an dieser Partie betheiligen. Eingeführte Gäste willkommen. Der Fachverein sämmtlicher im Drechslergewerk be- schäftigten Gewerksgenossen veranstaltet am Soirntag eine Herrcnpartie. Abmarsch Morgens 7 Uhr vom Kottbuser Thor» platz. Zahlreiche Beiheiligung ist erwünscht.— Die Arbeitsnachweise- Bureaux des Vereins befinden sich wie bisher Molken- markt 7 IV. bei A. Gromoll, und Gitschinerstr. 61 I. bei R. Sündermann. Die Ausgabe der Adressen geschieht täglich von 12—1 Uhr Mittags unv 8—9 Uhr Abends. Die Herren Meister und Fabttkanten, sowie die Kollegen werden um rege Benutzung des Arbeitsnachweises ersucht. Der Arbeiter-Berein für FriedrichShagen und Um- gegen d hält heute Abend eine Versammlung ab mit der Tages- oidnung: 1) Vortrag. 2) Diskussion. 3) Verschiedenes.— Gäste haben Zutritt. Um recht rege Betheiligung wird gebeten. Sämmtlrche Schneider Berlins werden eingeladen, in der am Montag, den 31. August, Abends 8'/, Uhr, in Grat- weils Bierballcn, Kommandantenstr. 77/79(oberer Saal) statt- findenden Versammlung des Fachvereins der Schneider zahl- reich zu erscheinen. Tagesordnung: 1. Rechtsschutz für den Arbeiter. 2. Errichtung einer Vereinsbibliothek und andere wichtige'Anträge. 3. Verschiedenes. Verein sämmtlicher BerufSklassen Berlin ll(Ein- geschr. Hilsskasse) Sonnabend, den 29. d. Mts., Abends S'/i Uhr, im Restaurant Löskow, Prinzenstr. 79, Versammlung. Neue Mitglieder werden in jeder Versammlung, sowie beim Kassirer Schumacher, Laufitzerstr. 1, ausgenommen. Tischler-Verein. Heute Abend 8'/z Uhr, Kottbus«' straße 4», Versammlung. Große öffentliche Versammlung der Schiefer- M Zicgcldecker Berlins und Umgegend am Sonntag, den 30. � Mts., Vormittags 10 Uhr, im Lokal des Herrn Weich AleM derstt. 31. Tagesordnung: 1. Bcrathung über die Antwo« auf den vom Polizei-Präsidium zugesandten Fragebogen in»' treff der Sonntagsarbeit. 2. Das Arbeiterschutzgesetz und da Petition der Kollegen Hamburgs. 3. Wie stellen sich die Dal»' deck-r Berlins zur Lohnfrage und Wahl einer Lohnkomtmifwn 4. Verbands- Angelegenheiten, Mitgliedskarten können# Empfang genommen werden. In der freireligiösen Gemeinde spricht am nü(# Sonntag Vormittag 10 Uhr, Rosenthalerstr. 38, Herr 66# über„die Vortheile und Nachtheile des Idealismus gegen&d« dem Realismus". Zutritt steht Jedem frei. Kleine Mittheilnngen. Prag, 26. August. Etwa 600 Weber haben Hierselbst da Arbeit eingestellt. Die Abhaltung einer Versammlung wur» denselben nicht gestattet. Die Polizei vermittelt zwischen de« Arbeitgebern und den Arbettern. Leipzig, 25. August. Das hiesige Krankenversicherung«' amt beabsichtigt demnächst, besoldete Krankenkontroleure anM stellen, weil man berechtigten Grund zu der Annahme hat, M sehr häufig Simulationen vorkommen. Die Zahl und d» Dauer der Erkrankungen soll nämlich mit dem bisher bei d» freien Hilfskassen gesammelten statistischen Material kcinesiw in Einklang zu bnngen sein. Franksurt a. M.. 28. August Die, so viel bekannt, p erst von der„N. bad. Ldztg." gebrachte Nachricht, daß die««« der königl. Staatsregierung für die Ergreifung des Mörders w Polizeirathcs Dr. Rumpff im Betrage von 10 000 ausgesetzte Prämie bereits vertbeilt worden sei, ist dem ,,W Journ." nach unbegründet. Bis jetzt hat weder eine theilung der Prämie stattgefunden, noch ist auch% stimmung über die Person der Empfänger und ihrer Ar#' erfolgt. Vermischtes. Eine internationale Kleinstadt. Vom intemationai? Gesichtspunkte aus betrachtet, so schreibt„Frcdericia W' muß Fredericia als die wichtigste aller Telegraphenstationen' nördlichen Europa gelten. Es steht sicherlich keine Stadt durch Kabel mit so vielen fremden Ländern in% bindung, wie diese gemüthliche kleine dänische Stadt,* Expedienten müssen eine ganze Anzahl von Sprachen und bis zu einem gewissen Grade von Vollkommenheit a« sprechen, denn sie stehen in Verbindung mit Neweasm. Tyne via Newbiggen, mit Paris via Calais, mit Rußland«, Libau, mit Schweden via Göteborg, mit Norwegen via-lrs«, und endlich mit Teutschland via Hamburg. Ter größte yL der Korrespondenz zwischen Rußland, China, Schweden u� einerseits und England, Frankreich andererseits, sowie ein � des telegraphischen Verkehrs zwischen den Vereinigten Sje«» und China geht durch dieses in der großen Welt unbeta«?. Städtchen. Es arbeiten hier 70 Expedienten an 30 40 Apparaten. Driefkasten der Redaktion. F. J. 29. Eine jederzeitige Entlassung ist zulässig- m O. T. 1. Eine derartige Kasse ist uns nicht bekannt- o Zahlung der Beiträge find Sie verpflichtet., jAl Reiche. Einen Rechtssatz des angegebenen Inhalts es nicht. Moritz Körner. Abholen. ,, Zwei Wettende. Keine polizeiliche Genehmigung forderlich. Holzanweiser. 14 Tage., A. P. 99. Gewerbeschein sowie polizeiliche Genehmig erforderlich._, E. B. Sie müssen auf Zahlung des Honorars klag' � G. 34. Die Frage läßt sich erst nach Einsicht m schriftlichen Miethsvertrag beantwotten.. kfcdi! Theater. Opernhaus. Heute: Alessandro Sttadella. Schauspielhaus. Heute: DaS Stiftungsfest. Belle-Allianee-Theater. Heute: Der Glöckner von Notre-Dame. Krtedrich-Wtlhelmstädttsches Theater. Heute: Der Großmogul. Oftend-Theater. Heute: Der Hüttenmeister. Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Nanon. Central-Theater. Alte Jakobsttaße 30. Direktion: Adolph Ernst. fyuit: Zum 29. Male: Die wilde Katze. Gesangsposse in 4 Akten von W. Mannstädt, Musik von G. Steffens. Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmans. Heute: Der Troubadour. Restdenz-Theater. Heute: Theodora. Wallner-Theater. Sonntag: Eröffnung der Saison. Papageno.____ Die Beleidigung gegen Frau B e l o w bedauere ich gethan zu haben und erkläre dieselbe für eine achtbare Frau. 1994) Ednar« Berber. Quittung. Von Frau Cancius 10 Mf. für einen gehaltenen Vorttag liquidirt, und ist die Summe mir zur Gründung eines neuen Vereins überwiesen. Ebenso liquidire ich für gehabte Unkosten und nothwendige 2Iuslaaen 3 Ml. und verzichte zu Gunsten des neuen Vereins auf die vorgenannte Summe. 1996J Frau P Otting. i Schweizer-Garten, j. Sonntag, den 30. August 1885; Feuerwerk, Konzert und Ertra- VorKrUung. Auftteten fämmtl. Sezialitäten, Volksbelustigungen. Tanzkränzchen. Zum Schluß:[1997 Die Schlacht bei Wörth unter Mitwirk. v. ca. 120Personen. Alles Nähere morg. I [2572 Die Nr. 20 der humoristischen Blätter „Der wahre Jacob" erschienen und in der Expd. des„Berl. Volksbl." zu haben. Hierdurch erlaube ich mir, dem geehtten Publikum die Anzeige zu machen, daß meine vollständig neu renoviltt" welche mit den größten Wandgemälden, sowie einigen Umbauten und vollständigen Lichtvcrbcsserungen wieder feritgß