Nr. 302 Sonntag, den 30. August 1883. II. Jahrg. kllinkrUoteWL Organ für die Interessen der Arbeiter. Da«..Berliner Volksblatt« »zur ((Eingetragen in oet PostzeitungSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnfertionsgebühr betrügt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 M. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bi« 4 tlh« Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraste 3.— Expedition: Zimmerstraste 44. gr�"' [1990 fi iM Abonnements- Emknäung. Mit dem 1. September eröffnen wir ein neues Abonne« "W auf das »Kerliner Nolksvtntt� der Gratisbeilage „ZUnstrirtes Sonntagsblatt." Der Adonnenementspreis des „Krrlinrr Polksblatt' "•ü der wöchentlichen Gratisbeilage », JllustrirteS SonntagSblatt" �r�t für Berlin pro Monat 1 Mark 35 Pf., pro Woche , Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, wme von der Expedition unseres Blattes, Zimmerftr. 44, ent- �Kengenommen. b Air außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements den Monat September gegen Zahlung von 1 M. 34 Pf. an. �e Redaktion und Expedition de«„Berliner VolkSblatt". Uns Drntslhe Deich � allerdings in allen Fragen, wo der Säbel entscheidet, rsk» dominirenden Einfluß unter den Nationen. Gefürchtet �üd es von Vielen, geliebt von Keinem. q. Nun braucht man auch nicht viel nach der platonischen dix dem Deutschen Reich entgegengebracht werden J**te, zu fragen, wenn nicht mit derselben zugleich mate- �lle Vortheile vorhanden wären.——— i Wir sehen, daß in Spanien die Liebe, welche man jf* Deutschen Reiche bei der Anwesenheit des deutschen �Prinzen darbrachte, in das gerade Gegentheil, in glühen- imtnpfATnftMt ist weil— ja, �wki' das Deutsche welche, wenigstens nach « r-».»QV.»..."»----~~ij» r i i a* Haß umgeschlagen ist, weil— ja,„rael' das Deutsche eine Politik eingeschlagen hat, welche, wenigstens nach t?flnung der Spanier, die Interessen des spanischen Reichs ttobigt.- *. England fühlt sich gleichfalls gekränkt und die �Avieichelnamen, mit denen dort die Deutschen vor Zeit noch belegt worden sind, zeugen gleichfalls n", Haß und Verachtung gegen das Deutschthum. Ii* Engländern schließen sich vie Holländer weid- W»», die mit erhöhter Kraft ihr:„Verdammter deutscher As" erschallen lassen. {v Die Dänen sind gleichfalls nicht unsere Freunde. �wohl Deutschland nur sein gutes Recht ausübte, als e« �nllesivig-Holstein zurücknahm, so kommt es jetzt weniger �N�n�S�auf������lLjl!�— Jtcuiffeforu Da« Mormoaenmadchen« � Amerikanische Erzählung ' von Bdldtti» Möllhause«. (Fortsetzung.) fib«*«« ihm ein Leichtes gewesen, mit Hilfe seiner Ge- �ten nach dem einstöckigen Häuschen hinauf zu gelangen; �e�chem Zweck, das nerrieth die wollene Decke, die W Kw Rande des Schornsteins hing, und die er mit leich- Wh � über die schwarze, dampfspeiende Röhre Hing, so- st/'« das Geräusch vernahm, mit welchem die geöffneten i et niedergelaffen wurden. %r.Initreifen mußte, lag Falk, während Sikitomaker sich m Weise vor das dem Kamin am nächsten befindliche isfenster hingestreckt Hatte. Wi„ r vernahmen dort fast jede« Wort, welches m dem Ge- btt r•"te''5rochen wurde, und wenn ihnen auch hin und wieder verinniu gemurmelten Stellen der Unterhaltung entgingen, so h?ie" sie doch dieselben aus dem Vorhergegangenen �Nachfolgenden zu ergänzen. W ar �chbem wir an dem Heutigen Abend in der Mitte und Aeltesten und unter dem Vorsitz de« �hrun„ unsere Beschlüffe, betreff« einer energischen Krieg- sWbte» Un� �e« Verwersens der von den GentileS ge- faßt.entwürdigenden Vorschläge und Bedingungen, ge- Stanefi' meine Brüder im Glauben, dürfte eS wohl , sein, unsere Aufmerksamkeit auch einzelnen W stnnft, Familien-Angelegenheiten zuzuwenden," begann ind ein'■ uuchdem Alle ihre Plätze eingenommen hatten ■ siftchj weitere Störung durch den Rauch nicht mehr zu v» Auks? mar.„Ich komme zu Euch, mit dem Segen und SWtt i 9e unseres Propheten, um Eure Ansichten zu er- i WkL. Meit es thunlich, in feinem Namen die nöthigen, %.r"Ren zu treffen und ihm demnächst Bericht über luual unserer Beraihung abzustatten." Und Frankreich? Wenngleich das Volk in Frankreich keinerlei Kriegslust bezeigt und auch die gegenwärtig herrschende Regierung nicht, so kann doch von Freundschaft gegen das Deutsche Reich dort nicht die Rede sein. Wenn auch von Revanche für 1870 71 kaum mehr die Rede ist, so wird der Verlust von Elsaß-Lothringen noch lange nicht verschmerzt fein. Wenn man die Eroberung dieser Provinzen seiner Zeit auch nicht gutheißen konnte, so ist an eine Rückgabe doch nicht zu denken. Auch wir würden dieselbe nunmehr beklagen. Aber die Eroberung selbst wird noch lange Zeit von den Franzosen nicht überwunden werden, sie wird wie ein Pfahl im Fleische beider Nationen stecken bleiben und Eintracht unter diesen beiden tüchtigsten Nationen des Erdballs zu beiderseitigem Schaden stören. Italien aber, welches längere Zeit mit Deutschland verbündet war, hat sich in letzter Zeit schmollend zurückgezogen und schneidet dem Deutschen Reiche grimmige Gesichter.——— Da nun Deutschland sich noch dabei durch Zollschran- ken abgeschloffen hat, da e« ferner eine eigenthümliche Kolonialpolitik treibt, so ist das Mißtrauen der anderen Nationen fortwährend im Steigen begriffen, und eS wird diese Politik mit Gegenmaßregeln beantwortet, welche der deutschen In- dustrie und dem deutschen Handel schwere Wunden schlagen. Und wo die Regierungen aus verschiedenen Gründen dem Deutschen Reiche nicht entgegentreten, da thun eS die Privatpersonen, wie man aus dem Verhalten zahlreicher spanischer Handlungshäuser, um nur einen Fall hervor- zuHeben, ersehen kann, welche deutschen Fabrikanten des kolonialen KarolinenzwisteS wegen ihre Bestellungen sämmt- lich gekündigt haben.— Mit der großen Nordamerikanischen Re- publik hatte das Deutsche Reich lange Freundschaft geschlossen. Aber auch dort haben die agrarische Politik Deutschlands, das Verbot amerikanischen Fleische«, die Ge- treidezölle arg verschnupft, so daß unsere Ausfuhr nach diesem großen Konsumlande sich von Tag zu Tag ver- ringert. Und doch soll unsere neue Wirthschaftspolitik die Ausfuhr vermehren! Man sieht aber, daß dieselbe äußerst ungeschickt fein muß, da sie„stets das Gute will, doch stets das Böse schafft."; Aber, Gott sei Dank, wir haben noch unsere beiden Erbfreunde, so wird man begeistert entgegnen, wir haben noch unser Oesterreich und unser theures Rußland! Natürlich, das sind unsere guten Freunde, wenn sie Vortheil vom Deutschen Reiche ziehen, wie jetzt, wo Deutsch- land ein Bündniß der Engländer und Türken verhindert, welches Rußland und Oesterreich gleichmäßig verhaßt ist. Und der Dank davon? Die vier Zuhörer erklärten durch zustimmende Zeichen und einzelne Worte, daß sie bereit seien, den von dem Propheten erlassenen Befehlen nachzukommen, und der Apostel fuhr fort: „Da eS im Interesse unserer Kirche wie unserer Politik liegt, die Gewalt, namentlich die Gewalt, welche durch Reichthum begründet wird, in solchen Händen zu wissen, welche dieselbe auch weise zur Ehre GotteS und unserer Ge- meinde zu gebrauchen verstehen, so erklärt sich der Prophet vollkommen damit einverstanden, er fordert sogar, daß die Nichte unseres treuen Bruders Jansen unserm Bruder Elliot, dem Kommandanten von Fort Utah, als feine rechtmäßige Gattin angesiegelt werde. Ihr, die Ihr Euch hier versammelt habt, seid die Einzigen, denen es freisteht, Einwände zu erheben, Einwände, denen von höchster Seite Be- achtung geschenkt werden würde. Ich frage daher nochmals an, ob Eure Wünsche mit den Ansichten deS Propheten im Einklänge stehen? Alle äußerten sich in beifälliger Weise, doch konn- ten Elliot und Holmsten nicht umhin, mit einer Art von Beklemmung RynoldS zu beobachten, als derselbe nur ein- fach nickte und mit der Miene größter Unbefangenheit in'S Feuer schaute. „Es ist gut," fuhr der Apostel fort, indem er ein Buch auS der Tasche zog und etwas in dasselbe niederschrieb. „Wie groß ist das Vermögen des Mädchens?" fragte er sodann, sich an RynoldS wendend. „Die Gesammtmasse beträgt gegen hundertundsechzig- tausend Dollars," antwortete dieser im GeschäftStone,.doch würden davon noch sechngtausend oder etwas mehr auf den Erben der verstorbenen Schwester fallen." „Also auf Euch?" fragte der Apostel Holmsten, und wiederum schrieb er einige Worte in sein Taschenbuch ein. Holmsten bejahte die Frage, doch entging es RynoldS nicht, daß er befangen wurde und feinem Blick zu begegnen vermied. Hälfte würde also schon, ohne weiteres Damtkun in der Salzsee-Stadt untergebracht werden," !s Verfolgung der Deutschen in Oester« reich und Rußland! In Frankreich, also bei unserem „Erbfeinde", werden unsere Landsleute viel besser behandelt, ebenso in Nordamerika, wie bei unseren Erbfreunden. Matt sehe nur die Verfolgungen in Siebenbürgen, Böhmen und Mähren an, denen die befreundete Regierung in Wien mit verschränkten Armen zusieht. Man blicke auf die Ostsee- Provinzen, in denen Männer, welche die deutsche Sprache schützen wollen, ihres Amtes entfetzt werden. Man sehe nur die Behandlung sich an, welche die ausgewiesenen Deutschen von ihren„erbfreundlichen" Peinigern erdulde» müssen. Ja, während die beiden Oberhäupter des russischen und österreichischen Reiches als Verbündete des Deutschen Reiches in einem kleinen mährischen Oertchen zusammen waren, er« hielten ganz in der Nähe unsere deutschen Landsleute von den Czechen und Slaven die schönsten Prügel. UnS ging es dabei durch den Kopf, als ob die Zwei Kaifer-Zufammen- fünft gegen Deutschland gerichtet sei. Rußland hat neueroingS höhere Zollschranken gegen Deutschland aufgebaut, und auch Oesterreich ist nicht völlig einverstanden mit der deutschen Wirthschaftspolitik. So hat Deutschland überall Unzuftiedenheit erweckt, viel mehr durch seine neue Zoll- und Kolonialpolitik, al» durch seine Kriegspolitik. Möglich, daß das Deutsche Reich für eine Zeit lang unbesiegbar im Waffentanze bleibt, im wirihschaftlichen Kampfe aber halten eS die großen Nationen des Westens und Nordamerika länger aus— und der wirth« schaftliche Kampf, nicht der mit Soldaten und Kanonen, ist der entscheidende. Möge hierin Deutschland seine Taktik ändern, ehe e« zu spät wird. Es kann sich durch volksthümliche soziale Reformen die Liebe des eigenen Volkes erwerben und wird dann leicht auch die Liebe anderer Nationen erringen. Politische Ueverstcht. Wie die Katze um den heißen Brei, so schleicht Herr Hirsch und s e i n„G e w e r k v e r e i n" um unsere Anklage, daß dies sogenannte„Arbeiterblatt" einen Artikel: Natural- Verpflegungsstationen" aus Bourgeoisblättern g e d a n k e n- los abgedruckt habe. Wir haben die Arbeit auf diesen Sta- Konen an sich nicht bekämpft, sondern d i e Arbeit vor der Ruhe und Erquickung und ferner die Arbeit, welche in Steinklopfen und Holzhacken besteht, für Professtonisten, wie Buchdrucker, Schneider, Zigarrenarbeiter u. s. w., welche dadurch tagelang unfähig werden, auf ihre Profesfion Arbeit an- zunehmen, und der„Gewerlverein" hat solche Arbeit m i t empfohlen; da giebt es kein Drehen und Deuteln. Wir nann- ten einen solchen Standpunkt brutal und eines Arbeiter- blattes unwürdig— und dabei bleiben wir, und alle anständigen, vernünftigen Arbeiter, auch diejenigen, welche punkt ist, um welchen sich die Heiligen der letzten Tage schaaren und ansiedeln, so soll sie auch der Mittelpunkt deS Glanzes und des Reichthums fein. Ihr werdet daher inner« halb kurzer Zeit den Befehl erhalten, hierher überzusiedeln." wendete er sich an Elliot.„Meldet nur, zu wann Ihr Eure Vereinigung mit dem jungen Mädchen festgefetzt habt, damit darauf Rücksicht genommen werden kann. Je eher, je liebet; denn die Geschäfte häufen sich, und es ist voraus- zusehen, daß die nächste Antwort auf unser Ultimatum, welche kaum noch drei Wochen ausbleiben kann, vom Donner der Geschütze begleitet sein wird." „Die Wahl des Zeitpunktes der Verbindung soll meiner Nichte überlassen bleiben," versetzte Jansen, den eS unangenehm berührte, daß hier so frei über die Tochter feines Bruders verfügt wurde. „Und wenn sie die Wahl noch auf Jahre hinausschiebt?" fragte der Apostel schnell in vorwurfsvollem Tone,„wenn sie die Wahl hinausschiebt, bis der Tod dereinst ihren Leben«- faden durchschneidet, wer soll dann verantwortlich gemacht werden für ihr Seelenheil? Nein, mein Bruder, Ihr habt zu bestimmen, und möget Ihr den Tag so nahe wie möglich ansetzen, damit wir außer Besorgniß über da« sein können was ihr im andern Leben bevorsteht." „Ihr habt recht," antwortete Jansen, und ein leichter Falle sie Bedenken hegen sollte, zu beeinflussen wissen. Verlaßt L-uch auf mein Wort, sie wird sich nicht weigern, sie ist fromm, sie ist unverdorben, und wenn es sich darum han- delt, ihre Seele von der ewigen Verdammniß zu retten, dann ist es meine heilige Pflicht, zu den äußersten Mitteln zu greifen, zu welchen mich meine Stellung als Vormund und Onkel berechtigt." .-'?br seid stark im Glauben, mein Bruder," versetzte b» Apostel, indem er Jansen feierlich die Hand reichte, -.Ahr seid ein wahrer Streiter in dem auserwählten Heere des Erlösers, und schon in dieser Welt werdet Ihr den Loh« für Eure fromme Hingebung empfangen." 1 Mitglieder der Äewerkvcreine find, geben Uns recht. Daß fich besonvers darüber der„Gewerkverein" und das brave Mäxchen argem, dazu können wir nicht und lassen uns des- halb kein graues Haar darüber wachsen. Die Wahrheit aber werden wir immer sagen trotz der Verdrehungen und des Ge- bellfers des„Gewerkverein".— Das Blatt will übrigens die ganze Schuld auf fich nehmen und den Herrn Dr. Hirsch völlig entlasten. Es schreibt, daß derselbe bei der Aufnahme des betreffenden Artikels auf Agitattons- reisen gewesen sei und denselben später gelesen habe, als die Redaktion des„Berliner Volksblatt". Zunächst geht aus dieser Mittheilung hervor, daß n a ch t r ä g» l i ch Dr. Max Hirsch sowohl, als dre Redaktion des„Gewerk» verein" eingesehen haben, welchen Bock man durch Abdruck des den Kreisen der Bourgeoifie entsprossenen Arttkels ge- schössen hat, da man die Hauptperson, den Dr. Hirsch, auf alle ftälle salviren will. Dem sei aber wie ihm wolle— Herr Hirsch ist doch mitschuldig. Hat er wirklich nichts von der Aufnahme des Artikels gewußt, so trifft ihn die Schuld, eine solche unfähige Redattion sich angeschafft zu haben' doch wir glauben, daß er die Aufnahme des Artikels selbst veranlaßt hat. Dies ging recht gut, auch wenn er auf Agitation oder im Bade weilte, wie der„Gcwerkverein" zu des Doktors Entschuldigung mittheilt. Gerade als ob es keine Postver- bindungen gäbe? Aber wir werden durch ein anderes Moment in der Annahme, daß Dr. Hirsch selbst der Schuldige ist, bestärkt. Der„Gewerkverein" theilt nämlich mit, daß die „Erwiderung" auf unsere Anklage schon seit 14 Tagen gesetzt worden, aber wegen Raummangel zurückgeblieben sei. Das klingt ganz unglaublich. Der„Gewerkverein" bringt nämlich in jeder Rummer soviel unnützes und alberne? Zeug, besonders aus der Feder des Dr. Max Hirsch, daß dieses wohl hätte zuiückbleiben und der„Erwiderung" Matz machen können. Ader die„Erwiderung" ist erst ins Bad zum Dr. Hirsch geschickt worden, der fie zurecht gestutzt hat, oder, was noch wahrscheinlicher ist, unser Artikel ist ihm ins Bad nachgeschickt worden, wo er dann selbst die„Er- widerung"— die Ueberschrift lautet:„Zur Abwehr"— verfaßt hat. Der Artikel steht übrigens auch dem Dr. Hirsch so ähnlich wie ein Ei dem andern. Auf die Hauptanklage, die wir in den Vordergrund dieser Notiz noch einmal vorge- bracht haben, geht der„Gewerkverein" gar nickt ein, er „quasselt" fich, wie der Berliner sagt, durch allerlei Nedensäch- liches, durch kindliches Geschimpfe daran vorbei.— Noch wollen wir bemerken, daß Dr. Max Hirsch und sein„Gewerkverein" auf unsere weitere Anklage, daß fie in der Frage der russtschen Arbeiter, welche in Oberschlefien als Lohndrücker dienen, vollständig fich auf Seiten des oberschlefischen ausbeutenden Kapitals gestellt, bisher keine Antwort gegeben habe. Sollte dieselbe nach unseren wiederholten Anzapfungen endlich noch aus dem B a d e in den„Gewerkverein" gelangen, so wird die- selbe ebenso nichtssagend ausfallen wie der neuere Artikel„zur Abwehr", und Chefredakteur Dr. Hirsch sowohl, wie die Unter- redattion des„Gewerlverein" werden um den Kern der Sache wiedemm herumschleichen— wie die Katze um den heißen Brei. Zur Diätenfrage. Von Sozialdemokraten haben bis jetzt bekanntlich nur zwei ReichStagsabgeordnete, die Herren Hasen- clever und Heine Klageschriften wegen Herausgabe der empfan- fnen Partei- Unterstützungen erhalten. Auf die außer r e u ß e n wohnenden Abgeordneten findet das preußische rndrecht, auf welches fich die Klage stützt, keine Anwen- d u n g: aber auch nicht einmal aus die in den preußischen Landestheilen und im Rheinland fich aufhaltenden Herren Mei- ster, Harm, Schumacher und Pfannkuch. Daraus erhellt so recht das Merkwürdige dieser Klage. Sollten die Herren Hasen- clever und Heine aber wirklich verurtheilt werden, so brauchten fie nur ihren Wohnfitz in das benachbarte Anhaltische oder nach der preußischen Provinz Hannover zu verlegen, um in Zukunft derartigen Klagen aus dem Wege zu gehen. Es lebe die preu- ßische, es lebe die deutsche Rechtsgleichheit! Hierbei sei bemerkt, daß kürzlich die„Volkszeitung" eine Reihe von Namen sozial- demokratischer Abgeordneten brachte, welche keine Parteientschä- digung empfingen. Aus guter Quelle können wir mittheilen, daß außer den Herren Singer und Sabor s ä m m t l i ch e Ab- geordnete der sozialdemokratischen Partei Parteidiäten bezogen haben. Der Berliner Korrespondent„der Münchener„All- gemeinen" und der„Elberfelder Zettung", die wir vor Kurzem hier in unserem Blatte Spießruthen laufen ließen, kann es durchaus nicht lassen, in„Arbeiterbewegung zu machen", wobei ihm jetzt das Malheur pasfirt, daß die in sozialen Sachen verständige Redattion der„Elberfelder Zeitung" ihm Manches streicht. So schrieb er vor einigen Tagen an beide Blätter die gleiche Korrespondenz, welche die„Allgemeine Zeitung" vollständig aufnahm aber unter einem anderen Korrespondenzzeichen, wie ehedem, während in der„Elberfelder Zeitung" das frühere Zeichen verblieb, aber eine Note gemacht wurde und eine Streichung stattfand. Der Herr Korrespondent beschäftigte fich nämlich mit den„Zerwürfnissen in der Berliner Arbeiterpartei", wobei er die alten, längst abgcthanen Be- Um Rynold's Lippen spielte ein feines, kaum bemerk- bares Lächeln, als er diese prahlenden Worte vernahm und zugleich bemerkte, welchen Eindruck sie auf die drei übrigen Männer ausübten. Für ihn gab es ja weder ein Mormonenthum, noch irgend eine andere Religion. Er hatte sich die Aufgabe gestellt, die Verirrunaen und Verblendungen anderer Menschen zu seinem eigenen Vortheil auszubeuten, und woran ihn in seinem HeimathSlande die Gesetze hinderten, das hoffte er hier in der Fremde ungestraft auszuführen. Nach dem Golde seiner Schutzbefohlenen stand schon seit Jahren sein Sinn, und kaum am Salzsee angekommen, spielte ihm der Zufall die Mittel in die Hand, wenigstens einen beträchtlichen Theil desselben sich aneignen zu können. Er glaubte ein be- günstigendes Lächeln der Glücksgöttin zu erkennen, und in- dem er sich für einen Liebling derselben ansah, wuchs auch sein Vertrauen auf seine List und seine Kühnheit, mit welcher er an die weitere Ausführung seiner langgehegten Pläne zu gehen gedachte. Vertraute und Freunde, auf deren Hilfe er zählen durfte, besaß er nicht, dafür hatte er aber auch keinen Verrath zu befürchten, und seine ehr- geizigen Wünsche reichten ja, neben seinem Durst nach Schätzen, hoch hinauf, höher noch, als er selbst eS sich zu gestehen wagte.— Niemand hatte auf sein Mienenspiel geachtet, und wenn Elliot oder Holmsten es bemerkt hätten, so würden sie eS gewiß als ein Zeichen höhnischen Triumphes gedeutet haben, welchen er darüber empfand, sie nunmehr unbeschadet seiner eigenen äußeren Würde, nach Willkür knechten und pressen zu dürfen. DaS Schweigen, welches auf die zwischen dem Apostel und Jansen staltgefundenen Erörterungen folgte, schien Ry- noldS zuerst drückend zu werden, denn er wendete sich plötz- lich mit der Frage an den Apostel, was an höchster Stelle über den in Fort Utah befindlichen Gefangenen beschlossen worden set'� DotteS hat diesen jungen Abenteurer in «sc%%%%%% welchem Zwecke er noch verwendet werden kann, ob zum merkungen über die Führer der Partei, welche fich jetzt eitlen mühelosen Erwerb geschafft hätten, wieder aufwärmte, obwohl er wissen mußte, daß alle vernünftigen Arbeiter über derartiges Gewäsch nur die Ach'eln zucken, da fie wohl wissen, daß vie in der Oeffentlichkett hervorragend tbätigen Mitglieder der Arbeiterpartei keine Arbeit auf ihre Profesfion mehr erhalten. Dann redet der Herr Korrespondent noch von„unrcd- licher Verwaltung von Geldern" in den einzelnen Vereinen und stelltdie scheinbarrecht unschuldige Frage:„Hält man fich lediglich an die Thatsachen, so scheint der Schluß berechtigt, daß die Arbeiter entweder sehr unvorfichrig in der Wahl ihrer Führer und Vertrauensmänner sein müssen oder daß fie, zu Mißtraum geneigt, ein zu williges Ohr für Verleumdungen haben müssen." Darauf antwortet die Redaktion der„Elberfelder Zeitung" in Klammem mit einem entschiedenen:„Das letztere!"— Die „Allg. Ztg.", welche derartig- Kniffe ihres Korrespondenten zu kennen scheint, schweigt.— Die Korrespondenz, soweit fie von der Arbeiterbewegung handelt, schließt in der„Allg. Ztg." mit folgendem Satze:„Ueberhaupt ist ihr(der Führung der Ar- beiterpartei« Augenmerk darauf gerichtet, die Massen an einer schrittweisen Verbesserung ihrer Lage kein Interesse gewinnen zu lassen. Beweis hierfür ist ihre Haltung zu den Erhebungen über die Sonntagsarbeit und der Ingrimm, mit dem fie die steigenden Bemühungen für Er- richtung wohlfeiler Arbeiterwohnungen abweist."— Diesen Satz hat die„Elberf. Ztg.", weil fie vermöge ihres besseren Eindringens in die Ardetterbewegung von der Unwahrheit desselben überzeugt ist, dem Herrn Korrespondenten einfach gestrichen.— Uns wundert nur, daß solche hochbedeutende Blätter fich in Berlin einen solchen uneifahrenen, nur manchmal recht boshaften Korrespondenten anschaffen können. Allerdings find Leute, die von der gegenwärtigen Arbeiterbewegung etwas ver- stehen, äußerst selten. Im Chemnitzer Monstre-Sozialiften-Prozeß ist dem Mitangeklagten Viereck jetzt die nähere Begründung des Beschlusses zugestellt worden, durch den die von demselben be- antragten Entlastungsbeweise sämmtlich abgelehnt werden. ad 1) beweise das Vorhandensein von denjenigen Institutionen, aus denen die Anklage das Bestehen einer geheimen Verbin- dung folgert, auch der allen übrigen Parteien noch keineswegs die Straflofigkeit derselben; ad 2) sei das negative Ergebmß, zu dem das Landgericht in Elberfeld in dieser Sache gekommen sei, für das Landgericht Chemnitz durchaus nicht maßgebend; ad 3) sei die Vernehmung von Zeugen über die Vorgänge auf dem Kopenhagencr Kongresse überflüsfig, weil die über denselben vorzulegenden Protokolle ausreichende Auskunft geben würden; ad 4) sei die Herbeiziehung eines vollständigen Exemplars des„Sozialdemokrat' Mangels näherer Angabe der einzelnen Nummern, aus denen Beweisanträge yerzulerten find, und weil keine Polizeibehörde bekannt ser, die eine solche Sammlung besäße, und man eventuell zur Verabfolgung der- selben auch keine Polizeibehörde nöthigen(!) könne, abzulehnen; ad 5) sei die subjektive Auffassung der Minister, Regierungs- und Polizeiprästdenten über Wesen und Ziele der Sozialdemo- kratie für das Gericht nicht maßgebend; und endlich ad 6) seien die angezogenen Generalatten der Staatsanwaltschaften nur für den rnneren Dienst bestimmt und könnten als Beweis« mittel nicht benützt werden. Diese Verfügung enthält schließlich den Hinweis, daß dem Antagsteller das Recht unbenommen bleibt, zur Hauptverbandlung so viel Zeugen, als ihm beliebt, auf seine Kosten laden zu lassen. Ueber die Eröffnung des Hauptverfahrens schweigt das Aktenstück, ebenso wenig enthält es eine Andeutung über den Zeitpuntt der Hauptveihandlung. Vermuthlich wird— so meint das„Deutsche Wochenblatt"— der Beschluß zugleich mit der Ladung zum Termin zugestellt werden. Nach§ 216 der Straf-Prozeßordnung braucht zwischen der Ladung und dem Tage der Hauptverhandlung nur eine Frist von einer Woche zu liegen. Man darf sich also auf eine kleine Ueberraschung gefaßt machen. Der Reichstag soll, wie gerüchtweise verlautet, schon im November, also vor dem preußischen Landtage berufen werden. Dem Reichstage würden allem Anschein nach sämmtliche uner« ledigte Gegenstände der letzten Session wieder zugehen. Hierzu soll namentlich trotz der gegnerischen Stimmung, auch das Post- sparkassen-Gesetz wieder gehören. Man erwartet aber eine Umarbeitung des Entwurfes. Der Zentralverband deutscher Industrieller schickt seine Deligirten dieses Jahr nach Köln, woselbst am 4. 5. und 6. Oktober die Verhandlungen gepflogen werden sollen. Zur Berathung gelangen folgende Gegenstände: 1. Die Währungsfrage mit Rücksicht auf die hierbei in Betracht kommenden praktischen Interessen von Handel upd Industrie. 2. Die Sonntagsarbeit. 3. Der Abschluß einer Zollcinigung zwischen Deutschland und Oesterreich Ungarn.— Die Herren Millionäre wollen sich also auch noch extra den Kopf über die Frage der Sonntagsruhe zerbrechen. Was dabei für die Arbeiter heraus- kommen wird, ist vorauszusehen. Im Reichstage ließ die Rcichsrcgierung bei der Berathung des Etats wiederholt erklären, es sei das Bestreben der Reichsverwaltung, die auf Grund des Nahrungsmittelgesetzes vorzunehmenden Untersuchungen durch besonders sorgfältig aus- Auswechseln oder zum Erschießen, im Falle eS angemessen erscheinen sollte, Repressalien zu üben, denn Aug' um Auge, und Zahn um Zahn, spricht der Herr." „Sind von Seiten unserer Feinde noch keine Nach« forschungen nach ihm angestellt worden?' fragte Jansen mit seiner tiefen, eine gefährliche Entschlossenheit verkünden- den Stimme. „Bis jetzt noch nicht, und es ist kaum wahrscheinlich, daß überhaupt solche nach ihm angestellt werden," antwortete der Apostel, einen fragenden Blick auf Jansen werfend. „Wohlan, so weiß Niemand um seine Gefangenschaft, wir können ihn, ohne Besorgniß vor neuen Verwickelungen, bis nach dem wirklichen Aushruch des Krieges in Gewahrsam behalten," entgegnete Jansen. „Wir haben aber die volle Berechtigung, ihn jetzt schon als Spion zu bettachten," bemerkte Elliot, und in seiner ehernen Physiognomie prägte sich so viel Haß und Rache- dürft aus, daß selbst RynoldS dabei ein unheimlich ängst- liches Gefühl beschlich. „Nicht nur die Berechtigung," fügte Jansen hinzu,„sondern ich halte auch in meinen Händen die Beweise, daß er feindliche Absichten schon lange vor seinem Eintreffen am Salsee gegen die freie Gemeinde der Mormonen hegte und nur ver- rätherische Absichten ihn zu der Reise bewegten, zu welcher er als Seeoffizier gewiß nie in seinem Leben kommandirt worden wäre." „Beweise?" ftagte der Apostel verwundert. „Ja, Beweise," bekräftigte Jansen z„doch, sie kommen nicht aus meinem Besitz. Die Beweise sind der Art, daß das Urtheil jeden Äugenblick an ihm vollzogen werden könnte. Jedoch erst im entscheidenden Augenblick gedenke ich Gebrauch davon zu machen. Vielleicht bleibt eS mir erspart, mit so durchgreifenden Mitteln gegen den sinnlosen jungen Abenteurer aufzutreten; er gehört ja zu Denjenigen, welchen wir unsere Rettung verdanken, weshalb ich ihn lieber aus- gewechselt sehen möchte." Offenbar verletzte es den Apostel, daß ein Mitglied der Gemeinde etwas vor ihm verbarg, denn er enthielt sich fernerer Bemerkungen und schaute nachdenklich in'S Feuer, gewählte Sachverständige ausführen zu lassen und dabei ni$ nur nach chemischen Gesichtspunkten zu verfahren, sondern au»! die wirthschaftlichen Interessen des Landes thunl'chst jW rückfichtiaen. Als Sachverständiger wird seitens der PolM und Justizbehörden meist nur ein Chemiker, und zwar auf dem platten Lande in der Regel der nächste Apotheker gehört. Untersuchung einer Anzahl von Nahrungs- und Genußmrttem ist aber in den meisten Fällen so schwienger Art, daß fie zwea» mäßiger Weise nur solchen Chemikern anvertraut werd-n kann, welche ausreichende Erfahrungen auf dem in Rede stehenden Gebiete befitzen. Es wurde deshalb bereits Ende 1882 den Regierungs-Präfidcntcn jc. durch die preußischen Minister des Innern und der Medizinal-Angelegenheiten eröffnet, daß sie Bedenken tragen müßten, die Äonzesfionirung beziebungsweije Bestallung von Apothekern, welche fich gewerbsmäßig mit W' mischen Untersuchungen, speziell bei Untersuchungen von Rad" rungs- und Genußmitteln beschästigen wollen, zuzulassen. Da» den Verkehr mit Nahrungs- und Genußmitteln betteffcndc Reichsgesetz vom 14. Mai 1879 nehme für vre technische Unter' suchung die Errichtung öffentlicher Anstalten in Ausficht, und die Ausführung könne nur um so wünschenSwerthcr erochi« werden, als neuere Verordnungen an den Verkehr mit Ray' rungsmitteln mehrfach bestimmte Anforderungen gestellt haden und durch die Vereidigung von Apothekern als Ch«' miker dieses von den Verwaltunas- Behörden an- zustrebende Ziel nicht gefördert werde, vielmehr PJ defürchten sei, daß dadurch der Errichtung kommunaler Anstalten entgegengewirkt werde. Es wird nun ad« vielfach Klage geführt, daß auch viele Nahrungs- Chemiker N» den Anforderungen nicht gewachsen zeigen, die an fie gestelu werden, und mcht die Gewähr bieten, daß die Gutachten» welche fie vor den preußischen Gerichten abgeben, fich auf S«' naue, mit wissenschaftlicher Kenntniß ausgeführte Analyse» gründen. Im vorigen Jahre wurde auch seitens eines Pr»' vinzial- Medizinalkollegiums darüber geklagt, daß eS»n Chemikem fehlt, welche geneigt find, für gerichtliche Zwe°e chemische Untersuchungen vorzunehmen, und daß auch»» Qualifikation der dazu Herangezogenen oft mangelhast ist, uf» daran der Antrag geknüpft, zu dem gedachten Zwecke staauw geprüfte öffentliche Chemiker zu hestellen. In Folge dessen wurden seitens des Kultusministers sämmtliche Obelpräfidl« zu gutachtlichen Berichten über die Sache aufgefordert und«» Dürfte nunmehr die Entscheidung in Bälde erfolgen. Die Handelskammer in Flensburg hat soeben ihre? Bericht für das Jahr 1884 erstattet. Derselbe konstatirt, ahn- lich wie der Jahresbericht der Danziger Kaufmannschaft,«% erheblichen Rückgang der Geschäfte auf fast allen Gebieten M Erwerbslebens, soweit dieselben für den FlenSburger Han°" und Verkehr in Frage kommen. „Das Jahr 1884 ist— so heißt es in dem Bericht% unserem Bezirke für fast alle Zweige der wirthschaftlichen IK tigkeit ein sehr ungünstiges gewesen. Die Signatur des Jams« gleicht der vorhergehenden, nur find die nachtheiligen 8:1% nungen noch schärfer und einflußreicher hervorgetreten.% vermehrte Produktion und ein ein über alles Maß gesteig«»«' Angebot der Waare, führten Preisrückgänge herbei, welche«mm lohnenden Verdienst fast gänzlich ausschlössen und eine lation auf normalen Grundlagen unmöglich machten. Unter dies« mißlichenVerhältnissen haben fast alle unsere größeren induflnel� Etablissements und zahlreiche hervorragende Geschäftszweiges leiden gehabt. Vor Allem ist es das Rhedereigeschäft, welch im vongen Jahre einen Rückgang erfahren hat, wie derselbe lauw für denkbar gehalten wurde. Segelschiffe wie DampfschW: mg an während er mit dem noch in seiner Hand befindlichen Eis� mechanisch zwischen den Kohlen schürte. � „Trotz der Beweise würde aber doch immer daS einer Bestätigung des Propheten bedürfen," sagte er env mit schlauer Berechnung.. � „Die Bestätigung nicht allein, sondern vielleicht 1�-„ der Befehl dazu würde meiner dienstlichen Anzeige fol(L« entgegnete Jansen, ohne die Mißstimmung des weiter zu beachten.„Glaubt mir, es liegt in unser». Interesse, wenn ich mit meiner Anklage noch «7 e, und wissen einzelne meiner Freunde auch, um waS handelt, ihre Anklagen würden ohne die erwähnten mittel den hohlen Tönen des ErzeS gleichen. Ihr wögt fest darauf bauen, keine Rücksichten, sogar nicht der Um-„ daß er uns aus dem Schiffbruch retten half, würde mich bewegen, Gnade für Recht ergehen zu lassen, wenn Seelenheil auch nur eines einzigen Schafes der auSerw» Heerde des Herrn gilt. Mag Feuer und Schwer* � Thal heimsuchen, mögen sogar die Hände unserer und Kinder von dem Blute der Amalekiter geröth« um so herrlicher wird daS neue Zion aus Staub erstehen, und um so glanzvoller der Tempel deS Cr über den Erdball sttahlen.". � Während Jansen, ergriffen von religiöser Wuth, ss eine Art von Verzückung hineinredete und die ch'(p Brust laut werdenden milderen Gefühle sogleich fi' stickte, hatte der Apostel allmälig seine Augen Su J;, sei» hoben, und ein Ausdruck des Verständnisses glitt schlaues Gesicht, als er vernahm, daß Jansen die m � Vollstreckung des Todesurtheils gewissermaßen von..�ziz rettung einer Seele von der ewigen Verdammniß* mache. 1£(j „Ich will Euch sagen, was Euch noch fehlt/ Laheit bann langsam.„ES fehlt Euch ein ausgefertigtes Mt» welchem Ihr nur Namen, Tag und Stunde hwM braucht, um mit Nachdruck drohen zu können." (Fortsetzung folgt.) jjtwtbes un «et. ffiai «Mten», 47 TOlungen N(n, so »gtts von te; S» M Zigentheil, dB große Fahrzeuge wie steine partizipiren überaus schlechten Resultaten, und mit wenigen Ausnahm«'" welche für das Gesammtergebniß nicht in Betracht komtM» können, haden unsere Schiffe ohne Verdienst, thcils sogar M» Verlust gefahren. Welchen Einfluß die schichte Lage des M dereigcschäfts für unseren Platz hat, wird erfichtlich, wenn% sich vergegenwärtigt, daß unsere Schiffsuntcrnchmungen S1"]. tentheils aus Aktien- oder Rhedereigesellichasten bestehen die viele Millionen betragenden Kapitalien in weiten Kr«"", unseres Platzes untergebracht find. In erster Linie ist O»'« die allgemein schlechte Lagr der Rhederei unsere SchiffsiMss beeinflußt, ein Etablissement, welches ca. 1000 Arbeiter � schäftigt und in industrieeller Beziehung an unserem Orte r«. ersten Platz einnimmt. Wenn das Gesammtresultat der im vorigem Jahre noch ein halbwegs gutes genannt wer»? kann, so liegt dies darin, daß die Werft noch mit älteren# stellungen bis weit in das Jahr hinein beschäftigt war. o» Schluß des Jahres lagen verhältnißmäßig wenig Aufträge' und es hat in diesem Jahre bereits eine Reduttion der% beitcrzahl und Arbeitszeit eintreten müssen. Ziehen wir,«' kurzes Resums aus den uns vorliegenden Berichten, so« konftatiren, daß außer der Rhederei ganz besonders unguni»-, Resultate das Kolonialwaarengeschäft gehabt hat, ferner» tolzgeschäft und die Brennereren; als gut kann allenfalls abrikalion von Nellowmctall(Krusauer Kupfer- und Mem'A werk), die Thonwaarenfabrikation und die Bierbrauerei � zeichnet werden, welche Branchen in Folge eines vermeyr und günstigen Exportsgeschäfts bessere Resultate als an». zwtck- > jsä Eis- telf|�e�n)£t(;c aufzuweisen haben. Das ganze übrige Ge- Nt höchstens ein mittelmäßiges gewesen. Ueber den Um- .?!?lrö im Allgemeinen weniger geklagt als über die sehr Drückten Preise, welche für Arbeit und Risiko einen ent- Wenden Lohn nicht gewährten."— Nach solchen Berichten tffte es den offiziösen Blättern doch etwas schwer fallen, >mmer von einem wirthschaftlichen Aufschwünge zu -„Königsberg, 26. August. Die am hiesigen Orte ange- �len Ermittelungen über den Umfang der Eonntagsarbeit Mn ergeben, daß Sonntagsarbeit hier nur in 28 Betriebs- ~"ten der Großindustrie, in ca. 300 Werkstätten des Klein- �kbes und in ca. 400 kaufmännischen Ladengeschäften statt- Was letztere anbetrifft, so zerfallen sie in 194 Kolonial- M?-, 47 Tabaks-, 77 Putzwaaren-, Blumen-, Handschuh»c. ■Aungen und 132 Hökereien. Im Allgemeinen sei demnach so meint die„Dam. Ztg.", daß die Sonntagsruhe li-v?. 0011 den Gewerbetreibenden schon freiwillig und ohne Nördlichen Zwang beobachtet wird, soweit es die konkreten "haltniffe der einzelnen Geschäftsbranchen zulassen.— Wir Mtn» uns durchaus nicht, daß aus Ostpreußen eine solche ' kommt. Also„nur" in 28 Großbetrieben, 300 Werk .„nur" und 400 kaufmännischen Geschäften! Angenommen, 2% Ziffern wirklich richtig find, was man noch nicht so k, Weiteres glauben kann, so beweisen sie schon gerade das N?cheil von der Schlußfolgerung der„Danz. Ztg.", daß die �betreibenden„fteiwillig" die Sonntagsarbeit aufgehoben �en Die sog. Freiwilligkeit ist überhaupt eine Phrase; Wils wollen die Arbeiter nicht aus Gnade von der Sonntags- fr entbunden werden, sondern von Gesetzeswegen, und Mi ist auch tzxx einzelne Arbeitgeber gezwungen, sich nach �Arbeitszeit seines Konkurrenten zu richten. Nur die Gesetz- trig kann mithin eine alle Theile befriedigende Äsung ""(Jen, . Holland« i vibi zeigt sich bereits, daß der Sttaßenskandal in Amster« S � am Eonnabend begann und von da an allen fol- Wen Abenden fortgesetzt wurde, nicht, wie zuerst in die Welt i�phirt worden ist, von den Sozialdemokraten ausgegangen L.pn den neueren Berichten wird ausdrücklich, wenn auch �isch bemerkt, daß die Anhänger dieser Partei sich nicht beiß eredirenden Menge befanden. Der„Köln. Ztg." e darüber berichtet: Am Sonntag wiederholten sich dieselben J�tn, am Montag hatte der stellverttetende Bürgermeister 5' öffentliche Warnung ergehen lassen. Die Blätter hatten v%nd zur Ruhe ermahnt, namentlich aber den Neugierigen r* Jkth gegeben, zu Hause zu bleiben und sich nicht der Ge> >»- �iuietzen, den erbitterten Polizeisoldaten in die Hände 'allen. Aber der Skandal nahm am Montag Abend noch /"größere Dimensionen an, 50 Mann Polizei standen auf J? Damm und hieben, wo es nöthig war, auf das Gefindet „i.. Am Dienstag erließ der indessen nach Amsterdam zurück- Ä Bürgermeister van Tienhoven eine Prollamatton, in •"«er alle Zusammenrottungen verboten wurden. Aber den« irL mußte auch an diesem Abende die Polizei mit blanker lnm, einschreiten, und wenn das Boll nicht zur Besinnung wM, so wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als daß mittels einer Schwadron Husaren, die erfahrungsgemäß Federlesens machen, die Ruhe wieder herstellt. Irgend Me politische Bedeutung haben diese Unmhen in keiner C-% hörte man ja aus der Mitte der Krakehlenden mitunter C Ruf:„Es lebe Wilhelm Hl.!" und auch die Aufpflanzung ...'Mhm Fahne betrachtete der Pöbel durchaus vom Stand- Jp eines Kirmißspektakels. Bemerkenswerth ist es übrigens, den zwei letzten Abenden die sozialdemokratischen Kol- � kein zu Hause geblieben find, wenigstens unter der /"Mden Menge nicht gesehen wurden.— Der Korrespondent M'�öln. Ztg." scheint„Pöbel",„Gesindel" und„Boll" für "ud dasselbe zu halten. Sranrreich. ktoJlus Lyon wird derichtet:„Die Lage wird immer schwie- SC- Die Hinterlistigkeit der Nteister bringt die Arbeiter zur SzNfttrng. Heute erwarteten über 400 Arbeiter einen den „.Hungen der Arbetter am meisten opponirenden Geschäfts- lkZn Namens Blanchet beim Berlassen seines Ladens und laS n ihn aus. Auch einige Rufe:„In die Rhone!" wurden in«""h Püffe ausgctheilt. Der Geschäftsmann flüchtete sich ji/, dem Schutze mehrer Freunde, zu denen sich noch eme %% Polizeiagenten gesellte, auf die Präfektur. Die Er- C8 wächst von Tag zu Tag. Die Syndikate find überfüllt. libi, Arbeitern spncht man davon, vorwärts zu mar« WZ- ohne auf deren Meinung zu hören. Die Arbeiter der K�lcn aus der Umgegend haben beschlossen, loszugehen. W.« Barcholino, Gemeinderath, ist mit den Unzufriedenen; JÖaltung vom letzten Freitag war überaus energisch. " �.�yndikatskammer der Geschäftsleute begab sich auf vre ........."'" r" etwas eretgnen machen würde. ................____... offene Krieg." bj, O, Die„France" bringt unter ihren letzten Nachrichten fL.J-tojü folgenden Noten:„Wir erfahren, daß mehrere �Wsche Bürger und namentlich Präsidenten von Schützen- Iii,.Turnvereinen der spanischen Regierung ihre Unterstützung lanb Suü haben anbieten lassen, daß ein Krieg mit Deutsch« �egen der Besetzung der Karolinen ausbrechen sollte. "on i«'"Bas große nationale Schützenfest, das am Polygon Iah», cenne8 abgehalten wird, war den Fremden mit Aus- C£ h? Belgier und Schweizer verschloffen. Auf An- Herrn Tsroulede hat vas Komitee beschlossen, daß Vre »>„i,!er fortan zugelassen werden. Eine besondere Einladung «o[nJüt nächsten Sonntag an die Mitglieder der spanischen e gerichtet werden." VT �ati 8. 28. August. Der Leichenfeier für Admiral "utati ,m Jnvalidenhotel wohnten sämmtlrche Minister, De- CrÄ* der Kammern, die Marschälle Mac Mahon und k TÜ- die fremden Militär-AttachSs und zahlrerche Olsizrere "Ufa.?. der Feier wurde der Sarg vor dem Jnoalrdenhotel »ich, wo Truppen vor demselben defilirten. Reden wurden -Renl& en; trotz dem Regenwetter war eine überaus große "ienmenge zusammengeströmt. WMMUW Sie bnf 0 des Arztes ist sie zur Kur nach Rogat gegangen. «ttlaC»or etwa einem Monat ihre Zelle m Saint-Lazare M N" und sich m eines der entlegensten Hotels des Thales öurückgezogen____ Nun ist alles vorüber. Samt- M /vieder in seine Rechte getreten. Herr Grevy berettet l>>lli.'"Ur und erklärte, daß sie, falls, M', die Verwaltung verantwortlich '«netn Worte: es ist dies der 4 zum V„V" ln«eine mem» ucuckh. v-", Vi«»« drttttn Mal vor, die Gefangene zu befreien, aber Vvb"chel will keine Gnade; sie wird demnach weiter hinter Eisend und Riegel bleiben, die Freiheit, ihr Ideal, zurück- zweiten Bande ihrer Memoiren schreibt. Die„Tante Voß" möge sich beim Uebersetzen zuerst dir Brillengläser putzen. G r o tz b r t t a n u i e«. In der irischen Ortschaft Mullinavat, in der Grafschaft Kilkenny, ist es gestem sogar zu ernsteren Ruhestörungen ge- kommen. 100 Polizeiagenten, welche einige Pächter, die das Pachtgeld nicht bezahlt hatten, aus ihren Pachtgütern entfemen wollten, wurden von einer gegen 2O0O Personen starken Volksmenge angegriffen. Die Polizei mußte mit den Bajonetten einschreiten, wobei auf beiden Seiten zahlreiche Verwundungen vorkamen.— Die von Parnell in Dublin abgegebene Erklä- rung, daß die irische Partei im nächsten Parlament legislative Unabhängigkeit für Irland verlangen und anstreben werde, be- antwortet fast die gesammte englische Presse mit einem entschie- denen„qnock von'si Die„Times" sagt:„Das englische Volk muß sich bis zur Unkenntlichkeit verändern, ehe es willens sein wird, Frland unabhängig von Großbritannien zu sehen. Selbst die kleinere Alternative einer abgesonderten, aber nicht unab- hängigen Legislatur kann kaum ernsthaft erörtert werden." Der „Standard" betrachtet das Programm Parnells als eine Kriegs- erklärung gegen England und sagt:„Es wird eine Schmach und ein Unglück fem, wenn englische Staatsmänner beider Parteien sich weigern, das einfache Verfahren einzuschlagen, durch welches allein die parlamentarische Taktik der Separatisten vereitelt werden kann. Wenn Whigs und Tones es von vorn- herein klar machen, daß irgend einem Manöver für die Aus- dehnung legislativer Unabhängigkeit fest und unnachgiebig die Stirn geboten werden würde, wrrd Mr. Parnells Einfluß dem Untergange geweiht sein." Die„Mormng- Post" will dem irischen Volke jedes billige und vernünftige Maß lokaler Selbst- regiemng gesichert sehen, aber von einem unabhängigen Irland, meint das Blatt, könne nicht die Rede sein. �Se'�m Band �findit"fich°unter der Presse�' auch is, sä iääsä am Zwölften Bande, sondern, nach dem„Figaro", am Kokale». Die erste Berliner Zeitung erschien, wie der„Tägl. Rundschau" geschrieben wrrd, im Jahre 1661, zur Zeit des Großen Kurfürsten. Dieselbe wurde von dessen Leibarzt, dem Holländer Cornelius Bontekoe, redigirt und auf sonderbare Weise in den Verkehr gebracht. Nur die zwei Buchhändler Rupert Völker und Elias Lockel, die damals in Berlin„mit nützlichen und gefahrlosen Büchern handeln durften," hatten die Erlaubniß zum Zeitungsverkauf. Wöchentlich einmal, am Sonnabend erscheinend, trugen ihre Bedienten(Gehilfen) am Sonntag die Zeitung aus. Das durfte aber nur bis Mittag geschehen; im Winter vor und im Sommer nach dem Gottes- dienste, der vom Mai bis September unter freiem Himmel war. Vor der Gertraudten- und Georaenkirche stand ein Altar, den die Gemeinde umgab: jüngere Männer, die keinen Platz mehr fanden, durften aus die Bäume klettern. Mit seiner Gemahlin Luise und den Kindern, vom großen Gefolge umgeben, erschien der Kurfürst zum Gottesdienst. Meist blieb er stehen, während die Kurfürstin und ihre Kinder auf einer Bank unter den Bäumen saßen. Nach dem Echlußgebet begann der Zeitungsverkaus. Derselbe fand vor dem Eingange statt; nur Rupert Völker, der erste Buchhändler in Berlin, durfte den Platz betteten und dem Monarchen ein Exemplar überreichen. Seine Gemahlin kehrte mit den Kindern m's Schloß zurück: er pflegte eine Sänfte zu besteigen, die ihn nach dem Lustgarten brachte- Unter einem chinesischen Schirme, den der Kammerhcrr hielt, sah er dort in der Zeitung„die so am vergangenen Sonntag geschehenen Hof- lustbarkeiten" nach. Der Leibarzt, der ihm gefolgt war, meldete ihm dann, daß sich Maler und Gelehrte, mit denen er sich gem nach der Kirche unterhielt, vor der Gartenmauer versammelt hätten. Sie durften eintreten, und wenn er mit den Hofmalem Gabriell Rietzell und Michael Hirt gesprochen hatte, wandte er sich den Gelehrten zu. Andreas Müller wurde nach seinen chinesischen Studien und Hofprediger Schmcttau nach seiner Uebersetzung der biblischen Geschichten befragt. Ein Dritter, dessen Name nicht weiter genannt ist, trug dem Kurfürsten, der an die körperlichen Erscheinungen des Teufels glaubte, eine Teufelserscheinung vor, die ewem Bauer am Hellen Tage passirte. Kurz vor dem Berliner Thore standen die Pferde vor seinem Wagen plötzlich still. Weder durch Worte noch durch Gewalt waren sie von der Stelle zu bringen. Der Bauer sah sich um und bemerkte auf dem Wagen ein häßliches Weib, das Gott lästerte und ihm mit dem Versprechen großen Reichthums ein Gleiches gebot. Da stimmte er an:„Em' feste Burg ist unser Gort", aber das Weib rührte sich nicht. Dann aber brach er in die Worte aus:„Willst Du fahren, so fahre mit in Jesu Namen", und die Erscheinung, der Teufel, vcr- schwand sofort. Der Kurfürst befahl dem Leibarzt und Zei- tungsredatteur, diese Mittheilung in die Zeitung zu bringen: „Als Exemplum für Andere, sich nicht durch Versprechen großen Reichthums versuchen zu lassen". Dann ging er noch gem durch den Garten, den der Dichter Nikolaus Pc ucker in fernem Wiegenliede an den Kurprinzen Karl Aemil als neues Welt- wunder pries: �. „Den Garten, den Dem Vater hat So wunderschön gebaut, Desgleichen Babylon, die Stadt, Kaum jemals angeschaut. Du wirst Dich wundern um den Mann, Mit einem Gabelsttel, Der Wasser von sich spritzen kann, Sobald der Gärtner will." In dem Buche„Nikolai Peucker's Paule" erschien das Ge- dicht; es ist fraglich, ob es vorher in der Zeitung stand. Doch gab sie stets noch genauen Bericht über das Vergnügen bei Hofe, das am Sonntag gleich nach dem Mittagessen begann. Der Kurfürst war ein Freund des Ballcts, und rm Ballhause, emem Gebäude am Lustgarten, führten die Kurfürstin, die Pnnzen und Prinzessinnen nebst jungen Adeligen nn solches auf. Zu- weilen wurde ein Jahrmarft oder eme Wrrthschaft dargestellt: unter Schäfem, Gärtnem, Zigeunem, Mohren, Hausknechten, Juden und Pickelheringcn bewegte sich der Kurfürst in Sultans- stacht. Dieselbe und seine übrige Kleidung ist in der Zeitung genau beschrieben: beim Gottesdienste trug er einen holländr- schen Rock und auf der Jagd einen Sammethut mit Federn und spanische Stiefel mit großen Stulpen. Ueber die„Zeit- läufst" durfte der Leibarzt nur wenig berichten. Die Hof- Nachrichten und„absondelliche Dinge" mochten den damaligen Berlinern auch am besten gefallen, und da der Kurfürst die eine Zeitung für ausreichend fand, so schlug er dem Leipziger Buchhändler Christian Kirchner, der 1679 nach Berlm kam und eine neue Zeitung herausgeben wollte, die Bitte ab. Bis zu seinem Tode 1688 gab es ,n Berlin nur diese eine Zettung, die aber schon früher, da der Leibarzt vor ihm starb, einen andern Redatteur erhielt. Der Billethandel. Seit einigen Wochen feiert der Billethandcl in Berlin wahre Orgien. Man schreibt der„Bresl. M.-Ztg." hierüber: Die Sache ist aus mehr als einem Gmnde interessant. Ort der Handlung ist die Umgegend des Zentral- TbeastrS. Noch vor 8 Jahren wurde in dem Theatersaale, m welchem Direktor Emst die Poffengeister der Mannstädt schen und Treptow'schen Muse tanzen läßt, getanzt:— getanzt von i-nen Anhängerinnen der venu» vnigivag», die sich der ganz Sil»! tragen die Salonmöbel in seinen Stücken auf dem grünen Plüsch das Monogramm F. ti. eingewirkt. Fritz Bcnte war der Besitzer des Orpheums. Die Sophas und Polsstrstühle find aus den Logen auf die Bühne gewandert und erinnern allabendlich an dre Ursprungsgeschichte des Hauses. Mühsam, sehr mühsam hatte Emst zu kämpfen. Er fing mit den„Bons" an. Hunderttausende von Zetteln wurden gratis vertheilt, auf denen stand: Wer diesen Zettel an der Kasse präsenttrt, er- hält gegen Nachzahlung von 25 Pfennig(resp. 50 Pf. für einen bessern Platz) ein Bittet. Das zog. Dann wurde Sonn- tags der Bon für ungiltig erklärt. Nach und nach ttat eine kleine Erhöhung der Preise ein— doch wozu der Wandlung voll- ständig folgen— Thatsache ist es, daß heute bei normalen Preisen das beste Publikum Berlins das Theater füllt und daß— was in Berlin noch niemals in irgend einem Theater dagewesen— seit dem 1. August allabendlich ohne Ausnahme das Wort„Ausverkauft" lange vor Beginn der Vorstellung an der Kasse prangt. Viele Umstände mögen zu dem unerhörten Erfolg beitragen: die Energie und der Fleiß des Direktors, die harmlose Heiterkeit des Stückes„Die wilde Katze'', das zwar vor einer Kritik nicht bestehen kann, aber wie alle Stücke des Central-Theaters den Vorzug großer Sauberkeit hat und von jeder Zweideutigkeit frei geblieben ist, das Engagement wirklich vorzüglicher Kräfte von ersten Theatern, der Umstand, daß die andern Theater noch geschlossen find, das kühle, regnerische Wetter— aber der Erfolg ist da und bildet das Tagesgespräch Berlins. Dieser Erfolg hat auch die Aufmerksamkeit oer Äillet- Händler auf das bescheidene Haus neben dem Orpheum gelenkt. Vom Opernhaus und dem Deutschen Theater find sie Hierher übergesiedelt. Und von diesen Leuten und ihren Manipulation nen will ich berichten. Die ganze Umgegend des Centtal- Theaters lebt jetzt von der„wilden Katze". Ueberall werden Billette gehandelt. Auf der Sttaße, in ver Kneipe, im Lumpen« keller. Unter allen möglichen Vorwänden und Verkleidungen veischaffcn sie sich die Billete. Das Publikum, das erst um 11 Uhr an die Kasse geht, findet alle guten Plätze bereits ver- kauft. Statt 5 oder 6 Händler giebt ei jetzt gegen 30 bis 40. Als die Polizei intervenirte und sie von ver Straße verwies, da erwarben sie von den Befitzem der gegenüber- und nebenan» liegenden Häuser das Recht, in ihren Hausfluren zu verkaufen. und niemand kann sie daran hindern. Als ihnen das zuerst zu unbequem wurde, griffen sie zu einer List; Sie schickten einen von ihnen mit wenigen Billets auf die Straße. Der wurde verhaftet; aber während der Beamte mit ihm zur Wache abzog, konnten sie ungehindert walten, und nutzten die Zeit ordentlich aus. Das Theater fing nun an, sehr genau zu unstrsuchen, an wen es Billete verkaufte. Bekannte Billet- bändler, deren Angehörige, Dienstmänner, reduzirt aussehende Personen wurden überhaupt abgewiesen. Darauf fingen sie an zu drohen und zu insultiren. Zum Schutze der Kasfirerin mußten zwei Schutzleute in Zivil abkommandirt werden; dazu. gesellten sich noch schließlich zwei Geheimpolizisten, auch Logen» schließer müssen Wache halten und der Polizeilieutenant inspizirt daS Schlachtfeld selbst täglich. Denn die Händler find rabiatt Fast alle haben nachweislich Sonntagsverdienstc von 150 bis 300 Ml. gehabt, einer sogar von 400 Mk., an den Wochen- tagen halb so viel und da wollten sie sich denn diesen Gewinn nicht entgehen lassen. Die erste Folge der strikten Prüfung aller Bittetkäufer ist natürlich, daß vie Billete dem Händler noch theurer zu stehen kommen. Er kann jetzt keine Strolche mehr vorschieben, sondern muß sich anständige, respektabel aus- sehende Menschen aussuchen, die von ihm theurer zu bezahlen sind, was immer aufs Billet geschlagen wird. Dem Direktor hat man gedroht, man werde ihm die Knochen ent- zwei schlagen, einstweilen hat man es beim Einschlagen der Fenster der Kasse bewenden lassen. Kurzum es haben die Billethändler zu Mitteln der Gewalt und Einschüchterung §egriffen, die ihrerseits wieder polizeiliche Repressalien zur folge halten. Natürlich trägt das alles dazu bei, den An« drang des Publikums noch größer zu machen. Man sagt sich, wo das passtren kann, muß es sich doch lohnen, hinzugehen. Es ist in der That schwer, diesem Unfug ver Billethändler entgegen zu treten. In New- Bork hat man es in diesem Winter erfolgreich mit einigen Einschränkungen versucht. Dort find für jedes Theater nur eine kleine Zahl bestimmter Händ- ler konzesfioniit. Aber es hat das zur Folge, daß doch einige Leute bevorzugt werden müssen, ohne Ungerechtigkeit geht das nicht durchzuführen und es verstößt gegen die Grundsätze der Gewerbefreiheit. Direktor Daly in New- Bork hat auf seine Billette drucken lassen: Diefes Billet ist nur giltig für die Person, für welche unter Namensnennung es an der Kasse ge- kauft wurde. Das Erste-ien dieses Billets von einem Händler giebt dem Direktor das Recht, dem Inhaber den Zutritt zum Theater zu verweigern." Auf Grund dieser Bestimmung hat er denn auch einigen Personen den Eintritt in sein Haus— selbstverständlich gegen Rückzahlung des Einttittsgeldes— ver« weigert. Der Prozeß schwebt augenblicklich und wird auf bei- den Seiten von bedeutenden Advokaten geführt. Wir stehen erst im Anfang der Saison und der Unfug, der am Zentral- Theater begonnen, wird an den anderen Theatern bald fort» gesetzt werden. Die Sache ist insofem eine Kalamität, als ein Besuch der Theater so vcrtheuert wird, daß er kaum noch erschwungen werden kann. Es würde sich wahrlich empfehlen, daß die Theater> Direktoren zusammentreten und einen Preis aussetzen für die beste Denkschrift über die Beseitigung des Billethandels. _ Allzu scharf macht schartig I Der Kampf gegen den Geheimmittel-Schwindel, der sich wohl ausnahmslos der Unter» stützung der Presse zu erfreuen gehabt hat, nimmt neuerdings lmer Fachorgan allen Ernstes folgendes ausgeführt: Zur schär- feren Bekämpfung der Geheimmittel mußten als solche alle die» jenigen Mittel betrachtet werden, deren Rezept sich im Besitz nur einiger oder einer Person befindet; der gesammten Presse müsse verboten werden, und zwar bei Strafe, Annonzen und Reklame-Artikel, die sich auf Geheimmittel beziehen, zum Ab» druck zu bringen; darauf bezügliche Broschüren und Druck- schriften sind zu verbieten; ebenso alle Inserate, in welchen Leust sich erbieten, mancherlei Krankheiten in kürzester Zeit zu heilen, weil diese Kuren die wichtigsten Stützen des GeKeim» mittel-Schwindels find: Aerzten und Universitätslehrern ist bei Strafe zu verbieten, Atteste über Geheimmittel auszustellen ja es darf nicht einmal bescheinigt werden, daß diese keine aci tungsanker gegen den Gehermmittclschwindel vorhanden ,u sein im � U"D"fanbltck)eä schlechtweg als„apothekerlateintsche" bezerchnet. Statt für Bevormundung der Presse zu schwärmen, oerbmte man eme verständliche Gesundheitslehrc durch die Schule rm Volke und man wird nicht nöthig haben, über das Flonren des Geheimmittel Schwindels zu klagen. n Johann Strauß trifft, wie wir einem Briefe des ge« Komponisten an Herrn Direktor Fritzsche entnehmen, Mitte nächsten Monats zu mehrtägigem Aufenthalt in Ber- litt ein» Theater. Optrvhaus. beute: Der Trompeter von Säkkingen. Morgen: Die weiße Dame. Schauspielhaus. beute: Die Geier Wally. Morgen: Der Störenfried. Deutsches Theater. Dienstag, 1. September: Romeo und Julia. Krtedrich-Wilhelmstädtische» Theater. beute: Der Großmogul. Morgen dieselbe Vorstellung. Refideuz-Theater. beute: Theodora. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Wallner-Theater. beute: Papageno. Morgen: Dieselbe Vorstellung. velle-Alltauee-Theater. Heute: Mädchen-Jllustonen. Morgen dieselbe Vorstellung. Wathalla-Operetten-Theater. beute: Nanon. Morgen dieselbe Vorstellung. Central-Theater. Alte Jakobstraße 30. Direktion: beide: Zum 30. Male: Die wilde 5.. 4 Akten von W. Mannstädt, Mufik Morgen: Dieselbe Vorstellung. Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmans. de: Der Troubadour. gen: Czar und Zimmermann. Ofteud-Theater. beute: Der Hüttenmeister. Morgen dieselbe Vorstellung. Am KriedrichShai«. Schweizer-Garten. Haltestelle der Stingbah« und der Pferdebahn nach Weitzeusee. Sonntag, den 30. August: SW* MilitärConccrt und Borste»««». Austreten— x i) c c Volksbelustigungen� aller Art und Tanükränzchen.— ----------------------------— Abends große Illumination. Kriegs-Feuerwerk"WA der Pyrotechniker A. und W. Massow, Bonander und Seeburg.[1998 Zum Schluß: Die Schlacht hei Wörth, pyrotechnisch-militärisches Schauspiel unter Mitwirkung von ca. 120 Personen. Anfang des Concerts 4 Uhr, des Feuerwerks 10 Uhr. Entree 30 Pfennig, Kinder 15 Pfennig. Reichhaltiger«bendtisch. Zu jeder Tageszeit: «öutasberger Fleck, a Portion 25 Pf. Einem geehrten Publikum empfehle mein ' jlr. uwyttvit+mvmum empseyle MNN � Pch i mm ArbeitBaacbwels für KlaT.erarbelter. M» — n-yr-r �' Achtungsvoll Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße Nr. 15. Sonntag, den 30. August 1885: Gr. Ixtra-Vof stellimg. Nur einmalige Aufführung von König Allgold, oder: Der Mann ohne Namen. Märchenschauspiel mit Gesang in 3 Akten von R. Kn eiset. Anfang des ConcertS 6 Uhr, der Vorstellung 7'/, Uhr. Preise der Plätze: Loge 1 Mk., Sperrsitz 1 Mk., I. Parquet 75 Pf., Parquet und Balkon 50 Pf., Entree 30 Pf. Bon» haben Giltigkeit.[2013 Vereins- und Fest-Säle find immer zu haben. ...............[i.. �....-[19 UTleft Kommandantenstraße 71/72, 1965 •» parterre. @. anst. Schläfst, z. vm. O. Horn, Fürstenwalverstr. 18, 3 Tr. Zur Deutschen Reichs Fechtschule. Mittenwalderstraße und Marheineckeplatz-Ecke. Gute Speisen und Getränke. Spezialität:«««belae! ..------._ �....[ r- Z_____ f__.. W I./ N Jeden Donnerstag und Sonnabend:[1892 Aoh-Habak!! 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Untei i Hierdurch erlaube ich mir, dem geehrten Publikum die Anzeige zu machen, daß meine vollständig neu renovüte» -- Säle~ welche mit den größten Wandgemälden, sowie einigen Umbauten und vollständigen Lichtverbesserungen wieder fertiggestellt find, dem geehrten Publikum zur gefälligen Benutzung stehen. Zugleich erlaube ich mir. den geehrten Veremsvorständen mitzutbeilen, daß meine Säle zu —,-------«n» uccyucii-lleremsvornanoen mitzutbeilen, daß meine Säle zu Äersammlangen, Lallen, sowie allen llerartigen FestlickKeiten, anik Lockzeiten unentgeltlich zur Verfügung stehen. Hierbei bemerke ich, daß alle Sonntag Nachmittag von 5 Uhr ab Ball im großfli Saale stattfindet. Restaurant in den eleganten Vorderräumen zu jeder Tageszeit. _ Achtungsvoll K. Keller, Andreasftratze 2t, am Andreasplatz. [1990 D •«Mter Li Mi te Sunö S?" ie �mittels k'M.U«; \b~-xu ��Schuh- n�StieMwaaren-� Fabrik vm, Crnstav Schnitze, Kcknlimackelmeijler,>�f Oranienstraße 5. 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Cigarren- u. Tabak-Handlimg Fritz Goercki Berlin 80., Admiralstraße 40(frühere„Linde.") säät «roohei« in Berlin. Druck und Verlag von Xap vadiag in Berlin SW, Beuthstraße 9. Himo eine i Beilage Mm Berliner BMlatt. Kr. SOS. Sonntag, den 30. Angnst 1885. II. Jahrg. G »» 23� NlhlsahrtsrimichtuiiM für Ardeiter. >Unler dieser Uebersckrist läuft gegniwärlia ein Artikel die Presse, de. ein Hohes Lied auf das Fabrikantenrhum r Deutschland fingt. Vornehmlich find es konservativ« Zei- Agen, welche den Artikel dringen, da ja seit der neuen Zoll- «fc die Fabrikanten vom Liberalismus zum Konservatismus �getreten find. ,.Der Artikel erklärt ei für unrichtig, daß die Fabrikanten ?>hrer Gesammtheit die Arbeitekräfte egoiltisch ausbeuteten; Mr gäbe es nur vereinzelte Beisviele, während die größere ?Whl der Fabiikanten fich um das Wohl und Wehe der Ar- in ausgiebiger Weise bekümmerte und oft genug erst in �rter Linie an sich dächtest..Dies zeigten auch die zahlreichen Wohlfahrtseinrichtungen die Arbeiter, die man jetzt fast überall vorfände- Und gT.greift der Artikel aus den„zahlreich" vorhandenen Züchtungen die vornehmlichsten nach den Angaben lu, Inspektoren heraus und zählt ganze fünf Sei- wie auf Zunächst existirt eine Kammgamspinnerei in Schlesien, in ?�er jeven Zllorgen vor fünf Uhr 300 Liter Mehlsuppe, die •w&utteis direkten Dampfes gekocht worden ist, den Arbeitern Liter verabreicht wird. Das ist eine Ausgabe von Jfj M. 10, welche durch den frühen Arbeitsanfang reichlich T�der ausgeglichen wird- Punkt fünf Uhr fängt die Arbeit ? Mo Abends sieben Uhr hört ste auf. Ein großer Theil �Arbeiter wohnt bis zu zwei Wegestunden von der Fabrik •Jtfernt und nun wird in dem Artikel als große Wohlthat ??ier hingestellt, daß für diese Arbeiter eiserne Bettstellen rjj Strohsäcke angeschafft worden find, damit sie in der Fa- üdernackten können. •j, Daß diese Eimichtungen bei so unendlich langer Arbeits- -in y* nur der besseren Ausnutzung der Arbeitskraft wegen JWlchrt worden sind, das leuchtet doch Jedem ein, der nrcht g�izu ein unwiffender Laie in solchen Verhältniffen ist! Von Wohlfahrtseinrichtung kann hier bei vierzehnstündiger -nbertszeil und zweistündiger Entfernung vom Arbeitsort doch �■i'ch nicht die Rede fern- . Und dies ist das erste, also wohl das glänzendste Beispiel - kiner Wohlfahrtseinrichtung, die der r'h' dMif-i te auuyiiuyiiotiiuiiyiuiiu, v« v« betreffende Artikel vorfuhrt. $cn u>ir uns das zweite an. Hat da ein reich gewor» Zrgorrenfabrikant M. 5000 zur Gründung einer Alters» L.'yiQUnmRfnßp nnr rintnrn Dohren aeknendet. Die skirma gungskaffe vor einigen fahren gespendet. Die Firma dies Geld, bezahlt 5 ProMt Zinsen an diese M und verpflichtet fich einen jährlichen Beiftag, deffen Höhe M genannt ist, einzuzahlen, bis die Raffe M- 60 000 befitzt. .?var das«nvital aver nickt M. 20000 aroß ist. dürfen % ist, dürfen verwendet �rtet hat und �V" nichts. Man steht bei SÄ mit dem 63. Jahre arbeitsunfähig ist, dieser Art von„Wohlfahrtseinrichtung" _ es dem Geschäft lediglich darauf ankommt, die durch ziemlich leere Vertröstungen lange Zeit an's /t zu feffeln und dadurch Gewinn zu ziehen. Daß der chließlich auch dazu herhalten muß, die„Wohlfahrts- ««Mg" mit zu decke.r und die Zinsen aufzubringen, liegt °?.Hand. äOQo�tteS Beispiel! Zahlt da ein Leipziger Unternehmer, der Vfrfiftt ltc beschäftigt, in einem Jahre an verzinslichen Jn gaffen an die Arbeiter, an Geschenken, an Renteneinlagen, tssch�khcitsunterftüyung. an Jnvalidenunterstützuna und an M?VN.in plötzlichen Sterbefällen, die Summe von M. 10500! auf jeden Ardeiter etwas über M. 3 jährlich, und loil0ll5lnt man eine Wohlfahrlseinrichtung, die öffentliche Be» �"8 verdient? Äta siecht, doch der Unternehmer nur täglich seinen Arbeitern «it&in,.-""ig am Lohn abzuziehen, dann hat er die ganze % �- Aber die Lohnabzüge bringen gemeiniglich "nd fünftes Beispiel. Es hat eine Firma eine �sllluvkiungskasse gegründet und zahlt 1 Prozent deS Ar- vort hinein; eine andere Fabrik hat eine Kinder- � ft�ß�anffa» errichtet, fie giebt den Platz her und bezahlt ���rwärteriiu Kerlmer Sonntagsplauderei. c- Das traurigste Leben von der Welt führen äugen- SL m die Rebhühner. Wenn man bedenkt, was "itier..°huhnva!er und einer ebensolchen Mutter das Auf- --".ge für Mühe macht, wenigen, lumpigen �atfa j."atve durch's Leben schlagen müssen, um schließlich Rhenen?, einem hungrigen Gourmand zum Frühstück den» n man 68 nur begreiflich finden, wenn diese �pft sind® verwünschen, an welchem fie dem Ei ent- als ßen in der Umgegend knallt und knattert eS mm � Hubt�?��nd Jagdverständniß mit jedem Trapper vo ions-Bay aufnehmen könnte. sg.Rg Qehnyfi. �pvache fließend ausdrücken könnte. Vor- Jägerlatein noch nicht zu den obliaatori- «?chen N'�gegenständen, obwohl eS auch öffentlich in �ewaR�Q�iungen mit bemerkenSwerther Geläufigkeit 4."fr g-sprochen wftd. kj�n ni** /f 1* das bischen Blech-Gerede selbst unseren � j�aden, wenn sie mit der Flinte ebenso ge- ez au verständen wie mit ihrer Zunge. Leider «A sondl 1 �°"fig vor, daß man draußen nicht nur %°a endi?."� �e'nen vielgeliebten Busenfreund anschießt, Heulen« u% ein sogenanntes Zagdvergnügen mit I und Wehklagen. Das find nun die fünf ausgewählten Beispiele— wie mögen die anderen erst hinken?!--- Wir wollen über solche Bestrebungen keineswegs absolut den Stab brechen. Aber daß man sie mit besonderem Lobe als„Wohlfahrtseinrichtungen" anpreist, das müssen wir ent- schieden bekämpfen. Solche kleine Mittelchen können nicht dazu dienen, die Lage der Arbeiter irgendwie zu verbessern und ste werden auch meist von den Fabrikanten nur angewendet, um ihre eigene Lage noch zu verbessern, dadurch, daß ste sich einen Stamm von älteren, mehr abhängigen, an das Geschäft gebun- denen Arbeitern großziehen. Kleine materielle Erleichterung verquickt mit stäikerer Abhängigkeit— das ist immer die Loo- sung bei den nicht demokratlschen Sozialreformversuchen im Kleinen wie im Großen. Bei den jetzigen Konkurrenzverhältnissen kann der einzelne Fabrikant, wenn er sein Geschäft nicht gerade zum Vergnügen treibt, seinen Arbeitern keine besonderen Vergünstigungen zu- kommen lassm, wenn dies nicht auch seine Konkurrenten thun. Sonst steht er im Konkurrenzkampfe zurück und auf die Dauer wird er unterliegen. Deshalb kommt es auch auf das gute Herz der sogenannten Arbeitgeber gar nicht an. Einige ganz geringe Ausnahmen zugestanden, wo neben dem guten Herzen noch ein sehr großer Geldbeutel fich befindet, und Arbeitern, und auch anderen Leuten, Geschenke gemacht werden können, sehen alle Fabrikanten ihre Werke und Fabriken lediglich als Anstalten an, die eine möglichst große Rente eintragen sollen und darum muß bei ihnen auch der Lohn der Arbeiter auf der möglich niedersten Stufe gehalten werden. Von freiwilligen Lohnerhöhungen hört man deshalb selten, wohl aber von solchen„Geschenken", deren wir oben einige aufgezählt haben und die man„Wohlfahrtseinrichwngen für Arbeiter" nennt, die aber vornehmlich nur dazu dienen, dem Fabrikanten in der Branche bewanderte und billige Arbeiter dauernd zu schaffen und die so fich gestalten als Wohlfahrtseinrichtungen für Fabrikanten. Kommunales. Der Magistrat hatte beabsichtigt, drn Namen der alten. Wassergasse" in„Wusterhausenerstraße" umzuändern. Unter den Anwohnem dieser Straße war in Folge dessen eine gegen die Ausführung dieser Absicht gerichtete Agitation in Szene gesetzt worden, welche nun auck Erfolg gehabt hat. Nach einem Schreiben des königlichen Polizei-Prästdii ist die Namens änderung abgelehnt worden. w. Die städtische Waisen-Verwaltung hatte fich im Etatsjahre 1. April 1884/85, wie dies aus dem Verwaltungs- bericht des Magistrats hervorgeht, mit vier Kategorien ihrer Pflege anvertraut gewesener Kinder zu beschäftigen. Es waren dies: 1. Waisenkinder im engeren Sinne, d. h. eitern- oder doch vater- oder mutternlose Kinder; 2. sogenannte Zwangs- erzichungs-, d- h. solche Kinder, welche wegen einer vor dem Schluß deS 12. Lebensjahres begangenen strafbaren Handlung und bereits eingetretener oder zu befürchtender Verwahrlosung; 3. andere wegen Verwahrlosung von der Armcndireftion der Waisenverwaltung zugeführte Kinder, darunter namentlich auch solche, deren Vätern oder Müttern k. wegen grober Vernachlässigung ihrer Erziehungspflichten die Erziehungsrechte unter Ueberlragung an die Waisen Verwaltung gerichtlich entzogen worden waren, bei denen aber die Voraussetzungen des Gesetzes vom 13. März 1878 für die Ueberweisung zur Zwangserziehung nicht vor- lagen' 4. ehemalige Waisenkinder, welche wegen Erwerbs- Unfähigkeit der öffentlichen Fürsorge anheimgefallen und aus diesem Grunde in die Pflege der Verwaltung übergegangen waren oder übergingen.— Am 1. Avril 1885 war der Bestand der Waisenkinder im Ganzen 4673(2557 Knaben, 2116 Mädchen), darunter befan- den fich Waisenkinder im engeren Sinne 4306, Zwangserziehungskinder 331, andere verwahrloste Kinder 18 und erwerbsunfähige ehemalige Waisenkinder 18. Von den genannten 4673 Waisenkindern befanden fich im Depot, Alte Jakobstt. 23, 97, in hiesiger Kostpflege bei Privaten 1884, in auswärtiger Kostpflege bei Privaten 1925, in der städtischen Waisener- ziehungsanstalt zu Rummelsburg einschließlich des Lazareths 482 und in sonstigen geschlossenen Anstalten 285. Die örtliche Aufsicht über die außerhalb Berlins im Laufe des JahreS 1884/85 in 128 Städten und 283 Dörfern in Waisenkostpflege untergebrachten 2475 Kinder führten 229 Geistliche, 3o Lehrer, 3 Bürgermeister, 6 Gutsbesitzer jc. Die Zahl der während des Zn der vergangenen Woche erschoß fich ein Unglück- licher Jäger aus Versehen sogar selbst, und da soll noch Jemand sagen, daß der nicht Recht hat, der da meint: „Spiele nicht mit Schießgewehr!" Wenn die grünen Joppen, die abenteuerlichen Hüte, die Jagdgewehre in ihren ledernen Futteralen aus der Bild- fläche erscheinen, dann ist eS gewöhnlich mit dem Sommer bald zu Ende. Auch andere Anzeichen sprechen dafür, daß der Sommer die Absicht hat, sich zu verabschieden oder wie es in höheren Sphären heißt, seine Demission zu aeben. Die vielen Ereignisse der letzten Monate haben rhu zeden- falls ermüdet. Im fernen Afrika starb der Mahdi, ein goldlauterer Charakter, der bei längerem Wirken im Namen des Pro- pheten wirthschaftliche Reformen eingeführt, Stellung zur SchnapSfrage genommen und für das Gebiet der Sahara die obligatorische Hagelversicherung vorgeschlagen hätte. Dann legte man Grant zur Ruhe, der, ohne in Preußen auch nur eine Korporalschaft geführt zu haben, dem oord- amerikanischen Sezessionskrieg in genialer Weise ein Ziel zu setzen verstand. In unseren Gauen toben inzwischen die Vorbereitungen zu den Wahlen, und wenn dieser Zeitpunkt da ist, so wird eS die höchste Zeit, daß der Sommer Ab- schied nimmt— Wahlen können bekanntlich nur im Herbst vorgenommen werden. ES passirt niemals etwas Neues unter der Sonne und so wiederholen sich denn auch diesmal alle die Betheuerungen und Augenverdrehungen gewisser Parteien, die alle in ihrer Weise für den armen, den sogenannten kleinen Mann sorgen wollen. Versprechen und Halten ist schon von Alters her zweierlei gewesen. In unserer vielbewegten Zoit ist es soweit gekommen, daß dem Einzelnen ein gewisses Existenzminimum von «Oeuckelei zugestanden werden muß. Man ist so daran ge- wöhnt daß man hierauf gar nicht mehr achtet, andererseits aber fällt es auch Niemandem ein, den bewußt oder unbe- wüßt Heuchelnden ernsthaft zu nehmen. Etatsjahres 1884 zugekommenen Zwangserziehungskinder be» trug 77. Als solche strafbare Handlungen, welche die gerickt- liche Ueberwrisung zur Zwangserziehung zur Folge gehabt hatten, lagen vor: Diebstahl bei 06 Kindern, Bet- teln bei 10, Unterschlagung bei 5, Betrug bei 4. Urkundenfälschung bei 1 und Gewerbekonttavention bei 1. Es trafen daher nahezu 85 Prozent der Fälle auf Ver» letzung des EigenthumS nur etwa 13 auf Bettelei und zwei auf andere strafbare Handlungen. Wenn man die verschiedenen Durchschnittszahlen über die Pflege der Verwaltung im Berichtsjahre anvertraut gewesenen Kinder, wie solche für das Depot. die Kostpflege bei Privaten und die Anstaltspflege angegeben find, zusammenrechnet, so ergiebt fich eine Gesammtzahl von 4030 Kindern. Durch Aufnahme dieser Zahl von Kindern in diejenige Ueberstcht, welche die Verwaltung im letzten Jahres- bericht über das Verhältniß zwischen der Zahl der verpflegten Waisenkinder und der Einwohnerzahl von Berlin gebracht bat, vervollständigt sich diese Ueberstcht wie folgt: Im Etatsjahre 1. April 1384/85 betrug die Zahl der Einwohner 1 233 823, die Zahl der Waisenkinder überhaupt 4030, neuaufgenommen wurden 1768, wegen Todesfall der Eltern 342. aus anderen Gründen 1426. Danach kommen auf je 1000 Einwohner Waisenkinder überhaupt 3,27, neu im Jahre aufgenommen 1,43, wegen Todesfall der Eltern 9,27, aus anderen Gründen der städtischen Waisenpflege zugefallen 1,16, auf 100 Neuaufgenommene 19,34, aus anderen Gründen in Waisenpflege gekommen 80,66. Die Ist Ausgabe pro I.April 1884/85 für die Waisenpflege laut Final- Abschluß betrug 805 764,84 M-, die Ist-Einnahme laut Final-Absckluß 141 642,09 M, die Ausgabe nach Abzug der Einnahmen 664 122,75 M., die reine Ausgabe der Waisenvflege pro Kopf der Bevölkerung 54 Pfennig. Neue Feuermelder. Das Polizeiprästdium(Feuerwehr- Abtheilung) hat dem Magistrat mitgetheilt, daß beabsichtigt werde, auf den Sttaßen nach und nach Feuermelder von neuer Erfindung aufzustellen- Soll Feuer gemeldet werden, so wird eine an dem Melder befindliche Kurbel gedreht, worauf das telegraphische Signal abgeht, zugleich aber ein starkes Läuten erfolgt, so daß Unbefugte sofort angehalten und zur Bestrafung gebracht werden können. Ter Magistrat hat fich mit der Aus» stellung von fünf Meldern einverstanden erklärt. Die Kosten werden aus der Etatsposttion genommen werden. Uebernahme des alten Jakobikirchhofes durch die Stadt. Unter den Vorlagen, welche jetzt nach Beendigung der Ferien der Stadtverordnetenversammlung der letzteren zugehen werden, befindet fich auch die Vorlegung der Verhandlungen betreffend die Erwerbung des der Petri-Kirchgemeinde ge- hörigen Jakobi- Kirchhofes in der Oranienstraße, der bisher schon wenigstens theilweise als Spielplatz für die Jugend benutzt worden ist. Die Kirchgemeinde hat den Kaufpreis von 600 M. pro Ruthe auf 500 M. herabgesetzt, lehnt aber ent- schieden jede weitere Ermäßigung ab, so daß der Magistrat die Annahme der jetzigen Offerte empfiehlt. Dre Parzelliruna des Platzes, welche eventuell für spätere Zeit in Ausficht stehen würde, wäre sehr zu bedauern. Die Etadtgemeinde soll übrigens auch die Unterhaltung der noch vorhandenen Erb- begräbniffe gegen die für dieselbe bisher schon aufgekommene Summe von 800 M. jährlich übernehmen. Kokales. Die Frühwagen für Arbeiter, von denen schon seit längerer Zeit die Rede gewesen, sollen nunmehr versuchsweise von der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn Gesellschaft vom 31. d. Mts., also vom nächsten Montag ab wöchentlich in Fahrt gestellt werden: Der Fahrplan ist wie folgt festgesetzt: 1) Vom Gesundbrunnen werden 2 Wagen abgelassen, der erste um 5 Uhr, der zweite 5 Uhr 15 Min. Morgens über daS Ro- sentbaler Thor nach dem Oranienburger Thor, die Fahrtzeit soll 28 Minuten betragen. Von diesen beiden Wagen geht der erste um 5 Uhr 35 Mm., der zweite um 5 Uhr 50 Mm. nach dem Gesundbrunnen zurück. 2) Im Anschluß an diesen Ver- lehr sollen nach Ankunft der Wagen am Rosenthaler Thor von hier aus zwei Wagen nach Moabit(Stromstraße> abgelassen werden, der erste um 5 Uhr 20 Min., der zweite um 5 Uhr 36 Min., die um 5 Uhr 50 Min. resp. 6 Uhr 5 Min. dort eintreffen. 3) Vom Bahnhof in der Müllerstraße sollen 2 Wagen nach der Weidendammer Brücke abae- lassen werden, der erste um 5 Uhr, der zweite um 5 Uhr 15 Min. Morgens. Dieselben sollen Anschluß gewähren einmal nach Moabit durch Umsteigen an der In» Dem Arbeiter, der seine ganze Menschenkraft, seine ganze Existenz einzusetzen hat, steht in vielen Fällen ein ge» fühlloseS, unpersönliches Etwas— die Aktiengesellschaft— mit ihrem ausschließlichen Streben nach möglichst hohem Kapitalertrag gegenüber. Da» ist eine ebenso bekannte wie traurige Thatsache, die ganz gewiß dadurch nicht aus der Welt geschafft werden kann, daß eS eine solche Aktiengesell» schast unter besonderen Umständen bisweilen für opportun hält, ihr eigentliches Ziel und Streben etwas zu verschleiern. ArbeiterbilletS für die Pferdebahn ist das Neueste, was man augenblicklich in diesem Genre leistet. Zu zwei ganzen Wagen hat sich die Direktion der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn-Gesellschast auf den ver- schiedenen Strecken verstiegen, zwei Pferdebahn-WaggonS sollen die tausende und aber tausende von Arbeitern beför» dern, die jeden Morgen ihrem Erwerbe nachgehen müssen. Und damit diese Maßregel sich auch ja der berühmten Halb- Heft erfreut, die unser ganzes Zeitalter kennzeichnet, können die Arbeiter deS Abends sehen, wie sie nach Hause kämmen, für die Rückfahrt scheint immer noch die billige Fahrgelegen- heit auf Schusters Rappen zu bestehen. Sand in die Augen, heißt es auch hier, hoffentlich thränen uns die Angen davon nicht so sehr wie von dem vergeblichen Starren nach den Anschlagsäulen, wo sich durch die Singhalesen- Annonce ein optische» Wunder vollzogen haben sollte. Es geht nichts über die Findigkeit der Reporter, die aus Allem Geld zu machen verstehen, und über die superkluge Schlauheit der Herren, die vielleicht dem leichtgläubigen Reporter selbst einen solchen Bären aufgebunden haben, daß ihm jetzt auch die Augen über» gehen. Der Zweck ist jedenfalls erreicht, es wird nur wenige Berliner gegeben haben, welche nicht einen Augen- blick still gestanden haben, um die optische Täuschung auf sich wirken zu lassen. Leider stellte es sich heraus, daß ganz Berlin farbenblind ist. Hoffentlich sind die Singhalesen waschechter wie ihre Freunde aus dem Somalilande. v alidenstraße in die Frühwaaen Rosenthaler Thor— Moabit und das andere Mal nach dem Rosenthaler Thor durch Umsteigen in die vom Oranienburger Tdor nach dem Gesundbrunnen zu- rückfahrenden Frühwagen. 4) Von Rixdorf sollen nach dem Halleschcn Thor zwei Wagen um 5 Uhr 10 Minuten bezw. 6 Uhr 10 Minuten Morgens fahren. 5) Vom Bahnhof Brandenburgstraße sollen zwei Wagen auf der Ringbahn nach dem Landsberger Thor fahren, der eine um 5 Uhr 19 Minuten, der andere um 5 Uhr 34 Minuten Morgens. Die Längen der von den Frühwagen zurückzulegenden«Strecken betragen bei den Touren ohne Wagenwechsel 4 vis 5 Kilometer, bei denjenigen mit Wagenwechsel, also unter Benutzung der bezeichneten An- schlußwagen, 5 bis 8; im Abonnement beträgt der Fahrpreis für die ersteren 10 Pfg., für die letzteren 15 Pf. pro Fahrt. Diese Abonnements werden für jede Kalenderwoche besonders, auf je sechs Einzelfahrten lautend, zum Preise von 60 resp. 90 Pf. Federmann von den Schaffnern der Frühwagen verkauft; die Benutzung der Wagen kann aber auch ohne Abonnement, also gegen einzeln zu lösende Fahrscheine erfolgen, jedoch komm: in diesem Fall der gewöhnliche tarifmäßige Fahrpreis der betreffenden Strecken zur Erhebung. Die Birkenstraße in Moabit, welche s. Z. ein alter Landweg war und fich zu einer eleganten Straße in diesem hoch entwickelten Stadttheil herausgebildet hat, ist zweifellos ein Unikum unter den Straßen Berlins, und der aus gesunden und hochstämmigen B rken bestehende Baumbestano dieser Straße ist immerhin sehenswerth. Birken als Alleebäume in einer großstädtischen, mit vieraeschösfigen Häusern besetzten Straße dürsten in Deutschland kaum zum zweiten Male vor- kommen. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß für die kolossale Bauthätigkeit, die sich seit Jahren in dem Stadttheil Moabit zeigt, vorläufig noch kein Ende abzusehen ist, die Ent- Wicklung dieses Stadttheils vielmehr immer weitere Kreise zieht. Die„Baugesellschaft am Kleinen Thiergarten" hat jetzt von ihrem Terrain bereits den größeren Theil bebaut. Wie die „Bauztg." mittheilt, dürfte sich d'e Tbätigkeit demnächst vorzugsweise den im Süden Moabits, zwischen Alt-Moabit und der Spree gelegenen Vierteln zuwenden, wo eine neue be- gründete Gesellschaft die Bebauung der ehemals Pflug'schen Länvereien vorbereitet. Auch beginnt fich das Bedürfniß nach einer zeitgemäßen Erneuerung der an der Hauptstraße Alt- Moabit liegenden Häuser zu regen, die kaum lange auf fich warten lassen dürfte und jedenfalls dazu beitragen wird, dem Stadttheil ein noch stattlicheres Ansehen zu geben. In Bezug auf schwindelhafte Stellenvermittler wird uns auS unserem Leserkreise geschrieben: Unter denjenigen, welche jetzt wieder im Jntelligenzblatte alle Tage Beschäftigung zu vergeben haben, figurirt ein gewisser„W. Grunow, Mohren- straße 10, l." Dieser Mann gehört zu denjenigen Agenten, welche unerfahrenen Leuten durch falsche Vorspiegelungen das Geld aus der Tasche locken. Zu besagtem Grunow gmg ich am 30. September 1880, um mir ein Engagement zu ver- schaffen. Alle Stellen waren besetzt, aber auf seine Empfeh- lung hin könne mir ja eine Stellung beschafft werden. Ich bekam die„Statuten" dieses„Zentral-Vermittlungs Instituts" (damals Gr. Friedrichstraße 52, wenn ich nicht sehr irre). In diesen Statuten heißt es u. A., daß so lange Empfehlungen erlassen werden,„bis ein(für Sie) günstiges Engagement zu Stande gekommen und abgeschlossen ist." Ich bezahlte„drei Thaler"(laut Quittung) und erhielt die Zusicherung, daß ich bald eine Stelle erhalten würde. Wochen auf Wochen, Monde auf Monde vergingen, Herr Grunow war und blieb stumm. Nach anderthalb Jabren schrieb ich dem p- Grunow einen ziemlich energischen Brief; das hatte zur Folge, daß ich um meine Zeugnisse ersucht wurde. Ich gab selbstver- ständlich nur Abschriften, und bei Gelegenheit der Uebergade derselben bedeutete man mir, ich sei„vergessen" worden, man habe nach so langer Zeit nicht mehr an mich„gedacht". Dann hörte ich wieder nichts mehr mehr von Herrn Grunow, bis ich mir längere Zeit später meine Zeugnisse holte mit dem Bemer- ken, daß ich es sehr sonderbar fände, nicht eine einzige Be- nachrichtigung erhalten zu haben. Fast war mir dieser ganze tandel entschwunden, wenn ick nicht dieser Tage in alten apieren die„Statuten" und Quittung des Herrn Grunow gefunden hätte. Jedermann sei gewarnt, fich durch die Vor- linegelungen des Herrn Grunow bethören zu lassen. Viel- leicht steht die Behörde diesem Ehrenmanne einmal auf die Finger. r. Wohlthätig ist des Feuers Macht! Wenn Schiller beute seine Glocke dichtete und dabei unsere großstädtischen Verhältnisse in Bestacht zöge, so würde er vermuthlich bei der Schilderung einer Feuersbrunst unsere Feuerwehr nicht ver- gessen und eine interessante Seite unseres Geschäftslebens in schwungvollen Worten geschildert haben. Kommt in irgend einem Schaufenster die Gasflamme den leichten Gardinenstoffen zu nahe und entsteht ein Schaufensterbrand, den kaum noch der Polizeibericht verzeichnet, so ist das für den spekulativen Ge» schäftsmann ein Ereigniß von unberechenbarer Tragweite, sobald die Fensterscherbe zerplatzt und die Holzbekleidung Ilodrliijisrr. In der Bretagne gehen junge Mädchen, die gerne hei- rathen möchten, nach Sens bei Bannes und stecken eine Nadel in den Fuß eines hölzernen Standbildes, das einen lokal unter dem Namen St. Uferier verehrten spanischen Heiligen darstellt; binnen Jahresfrist sorgt dieser dann für die Verheirathung seines Schützling». Die Nadel muß aber ordentlich festgesteckt werden, denn wenn sie herausfällt, ist es mit dem Heirathen nichts; auch ist eine starke, gerade Nadel dazu erforderlich, denn wenn sie zittert oder schwankt, kann der Zukünftige ein Krüppel oder ein Lahmer sein. Am Kanal bei Ploumanach befindet sich auf einem zur Zeit der Ebbe vom Lande aus erreichbaren FelSvorsprunge ein von einer romanischen Säule getragener Altar, der dem heiligen Ouirec geweiht ist zum Andenken an dessen im 6. Jahrhundert daselbst von England aus erfolgte Landung. Sein hölzernes Standbild steckt voller Nadeln. Ebenso ver- hält cS sich mit der Statue des heiligen Laurentius bei Ouinttn, obwohl nicht recht ersichtlich ist, waS für eine Be- ziehung gerade dieser Heilige zur Ehe haben soll, falls man nicht in seinem Bratroste eine Anspielung auf den heimischen Herd oder in der besonderen Art seines MarlyrertodeS einen versteckten Hinweis auf die„Freuden des Ehestandes" er- blicken will. Hier muß die Nadel gleich bei dem ersten Stoße stecken bleiben, denn jeder Fehlstoß zieht unerbittlich Verschiebung der Heirath um ein Jahr nach sich. Denselben Brauch findet man weiter landeinwärts zu Laval in der alten Provinz Maine, wo die Arme und Beine eines großen hölzernen St. Christopho- rusbildeS mit Nadelstichen und Nadeln förmlich überdeckt sind; Burschen wie Mädchen huldigen hier der alten Sitte. ES hat sich die Erzählung von einem Irrsinnigen erhalten, der da« Bildniß deS heiligen Mirli am Vorabend seine» Festes zerbrochen habe. Um die Unthat geheim zu halten, habe die Mutter ihn veranlaßt, die Stelle des Heiligen ein- zunehmen. Nun kam aber am Tage des Feste» eine große Zahl von Bittfahrern, welche wegen Anliegen aller Art Nadeln in die Kniee des heiligen Mirli steckten. Die ersten Nadeln rührten von Kindern her und thatcn nicht sehr wehe; dann kam ein Mädchen, bei dessen Stich gleich Blut floß, angesengt oder wenigstens angeräuchert ist; er nagelt vor die leergebrannte Stätte kreuzweis und recht auffällig ein paar Holzlatten und— in den andern Fensterhölcn wohnt dos Grauen— aber auch die Reklame! Ein weißer Zottel, der fich in der schwarzgeräucherten Umgebung besonders auffallend aus- nimmt, enthält in zolllangen Buchstaben die Anfangswoite: „Achtung! Brand!" und kündigt weiter an, daß der..gänzliche Ausverkauf" der beim Brande leicht beschädigten Waarenbe- stände im Laden nebenan oder gegenüber stattfinde. Eine solche Reklame, so wirksam unterstützt dmch handgreifliche und im teuer bewährte Beweismittel, verfehlt nie ihren Zweck. Zum usverkauf kann gar nicht so viel angesengte Waare herbeige- schafft werden, als das kauflustige Publckum wünscht, und am Abend beim Kaffemachen führt fich der glücklich Abge- brannte mit tiefem Verständniß des Dichters Wort zu Gemüth: „Wohtthätig ist des Feuers Macht!" In der Velvetfabrik i« der Wilhelmstraße find, wie uns mitgetheilt wird, in der vergangenen Woche über 300 Frauen und Mädchen nebst den dazu gehörigen Meistern und Vor- arbeitern wegen mangelnder Beschäftigung entlassen. Man be- hauptet, daß in nächster Zeit noch weitere Entlassungen vor- genommen werden. Für die armen Leute wird sich schwerlich so bald lohnende Beschäftigung finden. Eifersucht macht Muth und stählt die Kraft des Weibes; wenn fie liebt und fich verschmäht sieht, wird sie zur Hyäne und finnt auf Rache. Dergleichen ist in Berlin nichts Seltenes; noch kaum dagewesen dürste es indessen sein, daß die Ver« lassene ihre sämmtlichen Freundinnen aufbietet, um den treu- losen Galan, der noch oazu ein riefiger Kürasfier und be- waffnet war, mit vereinten Kräften einen gehörigen Denkzettel zu geben. Der Krieger hatte eine neue Flamme, mit welcher er vorgestern die Freuden der Hascnhaide durchkostete, wobei er jedoch von seiner früheren Geliebten getroffen wurde. Mit vier Freundinnen lauerte fie dem Pärchen auf, als es ein Lokal verließ, und eine regelrechte Schlacht entspann stck. Mit Schirmen wurden wuchtige Schläge geführt, und als die Neben- buhlerin fich zur Flucht wandte, ging's gegen den treulosen Kavalleristen. Der verstand aber keinen Spaß, zog seinen Pallasch, und es wäre der Küchen- Furie und ihren kriegerischen Kolleginnen schlecht ergangen, wenn nicht eine Anzahl Passanten energisch intervenirt und die Wüthenden ge- trennt hätte. e. Auf ganz raffinirte Weise ist ein Weinhändler in der Bülowstraße, ein Mann, der erst seit kurzer Zeit sein Ge- schäst eröffnet hat, nicht unerheblich geschädigt worden. Vor etwa 10 Tagen erschien in seinem Geschäft ein elegant auf- tretendes Paar, welches fich als Eheleute ausgab und fich den Namen von B., am Magdeburger Platz wohnhaft, beilegte. Der Herr und die Dame ließen sich feine Weine vorsetzen und bemerkten dabei, daß fie bisher längere Zeit gute Kunden des in derselben Straße wohnenden Konkurrenten des Weinhändlers fiewesen wären und nunmehr das Lokal des letzteren regelmäßig requentiren wollten, um damit zugleich dem jungen„Geschäfts- mann unter die Arme zu greifen". Dieser war natürlich über die Kundschaft sehr erfreut und effektuirte auch sofort eine größere Bestellung guten Rothweins, welchen fich Herr von B., natürlich auf Konto, nach seiner Wohnung schicken ließ. Nachdem dieser Bestellung ein paar Tage später die Lie- fernung eines Korbes vom besten Champagner gefolgt war, welchen der Weinhändler selbst erst von einer großen Firma fich hatte schicken lassen, da er eine so feine Marke nicht auf Lager hatte, erschien der noble Künde und forderte den Wein- Händler auf, ihm doch endlich die Rechnung zu schicken, da er es nicht liebe, wenn er Schulden besitze. Der Weinhändler wurde hierdurch in seiner Meinung, er habe es mit einem sicheren Mann zu thun, bestärkt, und sandte erst dann die Rechnung, als während mehrerer Tage der noble Kunde nichts von fich hören ließ. Der Bote fand wohl die Wohnung, in welcher der Herr von B. mit seiner angeblichen Frau logirt hatte, nicht aber diese Beiden selbst. Sie hatten eine möblitte Wohnung inne und waren über Nacht plötzlich verschwunden. Der Wirth bezw. der Besitzer der Wohnung hat auch noch die Miethe für mehrere Monate eingebüßt. Der Kriminalpolizei ist von dem Vorgang Mittheilung gemacht. Eine mit„G. Plaehn, Braunschweig» Juliusstraße Nr. 4" unterzeichnete Annonze, welche im„Berl. Jntelligenzbl." in den letzten Monaten erschien und laut welcher„eine noch wenig bekannte Beschäftigung, die gut bezahlt wird, auch nebenbei ausgeübt, leicht erlernt, wie auch von Jedem an fich und seinen Angehönacn verwerthet werden kann, für welche es aber noch an männlichen und weiblichen Personen fehlt, gegen Einsendung einer Postmarkc Fernwohnenden durch schriftliche Anleitung nachgewiesen werden sollte," hat vermuthlich Manchen genartt. Den unter Einsendung von einer Zehnpfennig Brief- marke sich meldenden Personen soll nämlich unter Kieuzband mittels Dreipfennig- Briefmarke ein Avis zugegangen sein, in dem eine„Anleitung zur sachverständigen und leichten Aus führung der feuchten Abreibungen des ganzen Körpers an fich und Anderen" zum Preise von 1 Mark angeboten wird, ein und e» folgte eine handfeste alte Bäuerin, die eine Stopf- nadel so tief in da» Fleisch des armen Wahnsinnigen stieß, daß dieser mit einem lautem Aufschrei über die Leiber der gebückt vor ihm liegenden Verehrer davonsprang, dabei unter» schiedliche Mirakel wirkend, denn man glaubt, daß Sankt Mirli gen Himmel gefahren sei. Nadeln lassen sich ohne Schwierigkeiten in Holz stecken, e» sind aber vielfach die alten, wurmstichigen Holz- bilder durch steinerne Statuen ersetzt worden, bei denen Nadeln nicht verfangen. Dadurch' aber haben die Bittsteller sich nicht abhalten lassen, sie kommen nach wie vor mit ihren Nadeln und legen dieselben jetzt zu Füßen des Stein- bilde» nieder. So ist cS mit den Bildern des heiligen Simon und des„guten heiligen Eloi" zu Menneval in der Normandie und an verschiedenen andern Orten der Fall; man kann sogar sagen, daß man derartige Nadelopfer fast in allen von den großen Verkehrsstraßen abgelegenen Ott- schaften Frankreich» antrifft. So b. findet sich zu Fontaine- la-Guyon im Depattement Eure et Loire auf dem Kirchhofe ein eisernes Kreuz; Frauen und Mädchen, die ihre Andacht vor demselben verrichten, legen jedesmal eine Nadel auf einen der Arme des Kreuzes nieder. Hier ist das Eisen an Stelle des Holzes getreten. Zu Trsdaniel in der Bretagne war ein altes Steinkreuz, an dem einmal ein Querbalken auSgebessett werden mußte. Beim Einfügen desselben blieb eine Ritze und in diese legten nun die Mädchen ihre Nadeln. Als später das ganze Kreuz fottkam, wurden die Nadeln in die Erdhöhlung niedergelegt, die an seiner Stelle geblieben war. Wo man zu Quellen und Brunnen wallfahrtet, werden die Nadeln in das Wasser geworfen. Eine Stecknadel unterscheidet sich von einem Nagel nur durch ihre kleinere und zierlichere Gestalt. Es liegt daher die Vermuthung nahe, daß zu der Zeit, da Steck- nadeln noch nicht allgemein verbreitet waren, Nägel ihre Stelle vertreten haben; und so verhält e» sich in ber That. In dem Ländchen Montbeliard, im äußersten Osten von Frankreich leben zweifelsohne noch Leute, die sich erin- nern, wie dort in Hugonottischen Dörfern vor Zeiten »Ehen zusammengeschmiedet" wurden. In dem Momente, in dem man fich anschickte, das Ehegelübde auszusprechen, wurde ein Nagel in den Predigtstuhl oder die hölzerne Emporbühne getrieben, an einzelnen Orten stampfte man Anerbieten, das die Hoffnungen der Einsender wohl meist arg enttäulcht. Bis jetzt ist erst eine einnge Anzeige davon bei der Kriminalpolizei eingelaufen. Viele Geschädigte werden wegen der Geiingfügigkeit des Gegenstandes die Anzeige unterlassen haben. Um den Umfang dieses seltsamen Geschäfts festzustellen, svrtcht die Polizei die Bitte aus, daß derattig Geschädigte dal- digst auf dem Kriminal-Kommissattat mündliche Over sckriftlicht Anzeige erstatten. Projettirtes Repertoire der Königlichen Schauspiele vom 30. August bis 6. September 1885 Im Opernhauic: Sonntag, den 30.: Der Trompeter von Säkkingen; Montag, den 31.: Die weiße Dame; Dienstag, den 1. September: Alba; Mittwoch, den 2., auf allerhöchsten Befehl: Der Trompeter von Säkkingen; Donnerstag, den 3.: Der Wildschütz; Freilag, den 4.: Fidclio; Sonnabend, den 5.: Der Schauspieldirektor, Cor- pelia; Sonntag, den 6.: Die Afrikanerin.— Im Schauspiel- Hause: Sonntag, den 30: Die Geier Wally; Montag, den 31.: Der Störenfiieo; Dienstag, den 1. September; Maria Stuart; Mittwoch, dm 2.: WallensteinS Lager. Die Büste; Donneistag, den 3.: Der Kaufmann von Venedig; Freitag, den 4.: Maler; Sonnabmd, den 5.: Uttel Acosta; Sonntag, den v.: Echtes Gold wird klar im Feuer, Der Winkelschreibcr. Das Repertoir de«„Deutschen Theaters" dringt für die eiste Woche dieser Saison außer der Eröffnnngs-Vorstellvng „Romeo und Julia" noch am Mittwoch, 2. September, Mi Sedantage:„Prinz Friedrich von Homburg", sodann ,£'1 Welt in der man sich langweilt",„Hamlet" und„Ter Weg zum Herzen". Als erste Novität gebt zu Anfang nächster SW das vieraktige Lustspiel„Der Hexenmeister" von Friedlin Gustav Tliesch in Szene. Zu einer kleinen Sehenswürdigkeit haben fich naa ihrer Aenovirung die Keller'schen Säle in der Andreasstw gestaltet. Große Wandgemälde, die von dem Kunstsinn ihif Vettertigers zeugen, schmücken das Lokal in glänzender Wtt«- Die lustigen, lichten Räume empfehlen fich besonders für anstaltung von Hochzeiten und ähnlichen Festlichkeiten. Der Lindenpark in Echöneberg bietet für sein Publikua> eine Fülle der überraschendsten Vergnügungen. Das äußew geringe Eintrittsgeld ermöglicht den Familien den Besuch duic' Etablissements, den wir unseren Lesern nur empfehlen könntv; Konzert, Theatervorstellung und Tanzvergnügen wechseln«w einander ab, wohinzu noch des MontagS die humottstis«� Soireen der Stettrner Sänger treten. Auf der schwedischen Eisbahn wird heute Sonntag W humottstisches holländisches Wettlaufen stattfinden, das größeren Volkskreisen außerordentlichen Effekt hervorzubrinfr im Stande ist. Auch das berühmte Hexen-Reiren M hierbei nicht fehlen, dcssm Wirkung eine geradezu M beschreibliche ist. Die Arrangemmt» hierzu hat Herr%' tain Silbou übernommen, dessen Erfolge auf diesem Gedio- ganz außerordenttich find. Es werden fünf verschiedene Wc»' laufe stattfinden, bei denen nicht nur die besten Schnellläulo Berlins, sondern auch einige holländische SchnellläufettnM im Kostüm mitwirlm werdm. Das Eintttttsgeld ist auf 10* festgesetzt. Im schwarze« Adler in Schöneberg werden am 6% tag hervorragende Künstler debutiren. Unter diesen verbiß der achtjähttge Bellini, aus einer ausgezeichneten Künstlettaw�, stammend, besonders hervorgehoben zu werden, der als SchlanF" mensch wirklich bewundernswürdiges leistet. Die übttgen p! zialitäten dieses beliebten Etablissements bieten durchgängig hervorragendes, daß den Besuchern desselben ein möglich% laschendes Amüsement in Ausficht gestellt werden kann.% wir hören, wird die reizvolle Subrette, Fräulein Zierrath, am Sonntag vom Publikum verabschieden, eine Abficht, nicht verfehlen wird, die Bewunderer dettelbcn vollzählig i. versammeln. DaS trefflich exekutiite Konzett des Mufikw� des 1. Garde-Attillerie-RegimentS und ein Kavalierdall in � Riesensälen vervollständigen das vorliegende Programm. Belle-Alliance-Theater. In dem herrlichen Soatt� garten daselbst findet am Mittwoch ein großes Doppel statt, bei welchem das Tongemälde„Erinnerung Deutsch� an das Jahr 1871" von Saro, verbunden mit der vom 8%» Personal gesungenen Jubelhymne von Robett Linderer einem Prolog von A. Achterberg zur Aufführung gelangt-. Im Alhambra-Theater findet Sonntag, den 30. eine große Extra. Vorstellung statt, und zwar gelangt Kncisel's Märchenschauspiel„König Allgold oder der 3% ohne Namen" zur einmaligen Aufführung. Das Stück»,, vorzüglich besetzt und eine von Rudolf Kncisel's besten Ji, besten, welches die Runde über sämmtliche Bühnen Deut« lands machte..... Polizei-Bericht. Am 28. d. M.Morgens fiel der W% meister Flucht auf dem Stettiner Bahnhofe in Folge lichen Unwohlseins zu Boden und erlitt dabei eine nidstL bedeutende Verletzung am Hintettopfe. Nach Anlegung/�. NothverbandeS wurde er mittelst Droschke nach seiner WosM.« gebracht.— An demselben Tage Vormittag» fiel ein Kaustw� in der Köpnickerstraße beim Verlassen des PferdebahnMS� ihn auch wohl mit dem Absatz in den Boden. E» der Hand, daß hierfür weder Luther noch Calvin wortlich gemacht werden können. Die Proiestanten erk's., jedenfalls den eigenthümlichen Brauch von ihren kathoiü� Vorfahren, wie er auf diese aller Wahrscheinlichkeit von noch älteren heidnischen Vätern vererbt word«',, Lange bevor e» Bilder und Statuen gab, wurden BßL verehrt und e» haben sich von den dabei beobachteten brauchen Spuren bis auf unsere Zeit erhalten. Vor Jahren befand sich noch in der Nähe von Anger» eine, Eiche, Lapalud genannt, die von der ganzen Bevölre% der Stadt in Ehren gehalten wurde. Man erzählte, r so alt wie die Stadt selbst und bi» zur Höhe von y Fuß fand sich ihr Stamm dicht mit Nägeln beschlagen.'.,. undenklicher Zeit unterließ e» kein durchreisender mann, Schreiner oder Maurer, einen Nagel in sie zu W tv Wir haben sinnst in ihr ein vollständiges Gegenstück „Siock im Eisen" auf dem Platze vor der St. Stett' kirche in Wien. Dieser war ungefähr sieben Fuß ,, von oben bis unten mst Nagelköpfen bedeckt, die einen o1% lichen Panzer um ihn bildeten. Jeder reisende Ha"« bursche verewigte sich in ihm, denn er galt al« ein zeichen und der eingetriebene Nagel war gleichsam kument über die Anwesenheit de« Wandergesellen i« �if Der Sage nach sollte der„Stock im Eisen" der 3er», m & übrig gebliebene Stamm eine» großen Walde» gewefin� der sich an der Stelle de» jetzigen Wien» befand. weise klingen in der HaudwerkSburschen-Sitte altk � gebräuche nach, wie fie bei den heutigen Perfiern"'y Gebrauch sind, die ihre driahkt-i-fazel, ihre prächtig�.»jp Bäume, mit Nägeln, Weihgeschenken, Amulttten und Fetzen bedecken.; K) Wir können aber noch weiter zurückgehen. f. i alten Römern galt das Einschlagen eine» 9W, K piaculnrn, al» ein Sühnopfer in religiösem 3�, ,./ diente al» Mittel, Krankheit und Roth zu verirfy. W sich davor zu bewahren. An einem bestimmten Q,#' Jahre» pflegte der höchste Staatsbeamte im JussfiT vi auf dem Kapitol einen Nagel in die Wand d» t heiligsten, der cella Jovin, zu schlagen. Wober.? brauch stammt, wissen wir nicht mehr; sein J c schon früh in Vergessenheit gecathen. Livius % B % die v'ä % 1 von t V Äcnb der Fahrt zur Erde und erlitt dabei eine derartige «rlctzung des Fußes, daß er fich behufs Anlegung eines Ztoth- «ttdandes zu einem Heilgehilfen begeben mußte.— An dem «Iben Tage Abends entstand in einer Tapezirerwerlstatt, �harlottenstraßc 4, dadurch Feuer, daß beim Anzünden der �sflamme ein Funken auf das in der Nähe liegende Werg M Die Feuerwehr war zu Stelle und etwa Stunde in Ewigkeit.— Zu derselben Zeit wurde ein Echankwirth. welcher w seinem Elsasserstraße belegenen Geschäft zwei in Streit ge- Mbene Gäste beruhigen wollte, von einem derselben mit einem �'erglase derartig auf den Kopf geschlagen, daß er eine vier Ät�eter*an0e®un�t davontrug. Der Thäter wurde ver- Gerichts-Jeiwng. - P- Einer brutalen Messer« Affaire fiel der Arbeiter �tuwe zum Opfer. In der Nacht vom 7. zum 8. September awfim Jahres befand fich der Genannte in der Braun'schen Mvatstraße in Charlottenburg und ward hier Zeuge eines Wortwechsels, der fich zwischen dem ebenfalls heimkehrenden Murer Heiter und mehreren anderen Personen entsponnen «otte. Der Streit dieser Personen artete alsbald in Thätlich- »uen aus; natürlich spielte das Messer, die Waffe der Feig- W» dabei die Hauptrolle. Dem Maler Rudolf Schmidt war «efer Messerstich in den Hals beigebracht worden und dies Mnlaßte den Bruder des Verletzten, Porzellandreher Adolf Uwidt, demselben zu Hilfe zu eilen und gemeinschaftlich mit M Maler Knolleisen und dem Arbeiter August Riemer den v1 der ganzen Affaire bisher unbetheiligten Stüwe, welcher im Begriff war, fich nach seiner nahebelegenen Wohnung *u begeben, festzuhalten und durchzuprügeln. Dabei erhielt Wn Stüwe mehrere wuchtige Schläge, anscheinend mit einem ?Mer geführt, auf den Kopf. Der Verletzte begab fich un- "ttzüglich zu dem Heilgehilfen Sckäfer, welcher ihm die N.m die Echädeldecke reichenden Wunden zunähte und, in Wetracht der Gefährlichkeit derselben, seinen Patienten veran- We fich sofort in ärztliche Behandlung zu begeben. Bevor Heilung der Wunden vollständig konstatirt werden konnte, Mten fich bei dem Patienten jedoch Anzeichen von Geistes- Erwirkungen ein, die der behandelnde Arzt. Dr. Rosenthal eine Folge der Verletzungen bezeichnete und die vorläufige Aufnahme des Patienten in daS städtische Krankenhaus zu J-TOolletiburg veranlaßte. Im Krankenbause konstaterte der s'Wrende Arzt bei dem Patienten eine Schwellung der Kopf- M und Verfolgungswahn; Patient glaubte fortwährend ?'Unmen zu hören von Menschen, die ihn tödten wollten. Die �Uunziatwnen des Patienten trieben ihn verschiedene Male ® Fluchtversuchen, die indessen noch rechtzeitig durch die Wärter /reitelt wurden. Vier volle Monate währte die Behandlung Stüwe in der Anstalt und auch heute noch macht sein Auf« 'klen einen etwas absonderlichen Eindruck. Das Schöffen- Wicht hatte die Urheber wegen qualifizirter Körper- ttletzung verurtheilt und zwar Riemer und Alfred Schmidt f J' 6 Monaten Gefängniß, Knolleisen dagegen nur zu ».Monaten. Trotz dieses verhältnißmäßig milden Urtheils, m Metracht der Folgen ihrer That, legten die drei letzgenannten Rechtsmittel der Berufung ein. Riemer beschwerte fich "gestrigen Audienztermin vor der Strafkammer des Land« Mts Ii über die Höhe der erkannten Strafe, Schmidt erhob 2 Einwand der Nothwehr, hervorgerufen durch den Angriff M leinen Bruder Rudolf. Knolleisen, vertreten durch fernen Mheidiger Rechtsanwalt Schmilinsky, beantragte prinzipaliter Mvrechung.— Nach umfangreicher Beweisaufnahme schloß ber Gerrchtshof jedoch den Ausführungen des ersten Ur- MIs in allen Punkten an und erkannte auf Verwerfung der �ufung unter Bestätigung des ersten Urtheils. �..Der Schlosser Oskar Loui» Fuchs, mit dem fich am fflwge die zweite Ferienstrafkammer deS Landgerichts I zu be- Mfigen hatte, hat es trotz seiner Jugend— er zählt erst �«hre— zu dem traurigen Ruhme gebracht, für einen der Ulcktesten und verwegensten Einbrecher der Refidenz zu aeltm. 2% Untemehmungen scheinen aber nicht vom Glücke be- L Iflt zu werden; wenigstens spricht die Tbatsache nicht da- 'A«aß er bereits, außer einer ganzen Anzahl Gefängnißstrafen, hausstrafen hinter fich hat. Am Abende des 29. März, S Palmsonntage, wurde in der Kellerwohnung des in der CMtraße wohnhaften Schankwirths Richter ein Einbruch Mt. der in jeder Beziehung als ein gelungener bezeichnet in konnte, denn dem Diebe waren 1000 Mark ei Gold in die Hände gefallen. Der Dieb hatte 2% Scheibe deS Kellerfensters mit Hilfe eines in v ntinpflasters zertrümmert und war durch die Oeffnung fj..,se Stube gekrochen. Sodann hatte er einen daselbst be- wj,»Km Schreibsekretär mittelst Dietrichs geöffnet, fich aber ib., bem vorgefundenen haaren Gelve begnügt. Aber em Fenkt V war vem Einbrecher doch pasfirt; als er fich durch die llmft fjffnung zwengte, verlor er seinen Shlips und dieser ����ollt�erhangnißvollfürih�we������va��les fenonie.'die an den Jean.,l so oft ein dictalor clavi figendi cansa ernannt was in Seiten großer Roth oder drohender Gefahr W-f �ar. Im Jahre 492 v. Chr. wurde auf diese Weife der Ii. n �geschlagen, um den Unruhen in der Republik em Ziel lJ*ben. 3m Jahre 362 wurde die Zeremonie nachdem sie la.�.ßenug geruht, erneuert, weil die Pest über ein Jahr '5 ber Stadt gewüthet hatte. Im Jahre 330 wurde dadurch eine Reihe von Vergiftungsfällen m Schrecken : man entschloß sich daher,.den Nagel NN- in ein wie hohes entschloß sich daher, Diese Beispiele zeigen,....... torif«?tec offenbar rituelle Gewohnheit zurückreicht; vor u�ousend Jahren hatten die Römer bereits ihre« Ursprung Herkn� einstige Bedeutung vergessen,— es war em altes bps„ en und zwar wahrscheinlich em Herkommen, daS de», ftner ber ursprünglichsten Formen der Gottesoerehrung, "lit �enannlen Fetischismus beruhte. Zm Zusammenhang Tipp? Götzendienst in seiner rohesten Gestalt wird die de z,.. heutzutage noch in Westafrika ausgeübt. Charles lpyg"ore schreibt in einem der letzten Hefte der Mitthei- big»ber französischen geographischen Gesellschaft, daß man in w.?o die vornehmsten der großen Fetische, die n doke, SenaJ�.eten Hütten antrifft, die von Priestern, ganga zarnbi die"j-, bewacht werden. Nur diesen Priestern ertheile« �ller« � Der Ganga redigirt daS Anliegen des Vitt- je na»? oine bestimmte Formel, während der Hilfesucheade, StötZ°er Bedeutung seine» Gesuches, einen kleineren oder �reta»? �°?rl in das hölzerne Götzenbild treibt. In der , wie am Kongo scheint man sonach in gewissen MlY.wotz des Fortschrittes der Zeit noch nicht sonderlich �rch wen zu sein, wenn auch das heidnische Götzenbild "e christliche Heiligenstatue ersetzt worden ist. nämlich kein gewöhnlicher schwarzer Shlips, sondern ein solcher von einer auffallenden, schreienden Farbe, wie ihn mit Vor- liebe die Zuhälter der Prostttuirten zu tragen pflegen. Die Recherchen der Kriminalpolizei, welche diesen Fingerzeig sofort benutzte, sollten nicht ohne Erfolg bleiben; der Kriminal- kommissar Braun erwarb sich das Verdienst, den Thäter ausfindig und dingfest zu machen. Von einem dem An- geklagten feindlichen Verbrecher erfuhr er, daß derselbe am Palmsonntag Abend in einer berüchtigten Kaffeeklappe mit dem Besitze einer großen Summe geprahlt und auch eine Anzahl Goldstücke gezeigt hatte. Dies genügte, um den unter Polizeiaufsicht stehenden Verdächtigen, welcher in der Lands- berger Allee bei seiner„Braut, der Prostttuirten Marie Welle, fich aufhielt, festzunehmen und über den Erwerb des Geldes zu inquiriren. Aber so ohne Weiteres war der Ange- klagte zu einem Geständniß nicht zu bewegen; er behauptete übereinstimmend mit seiner Braut, die ebenfalls in Haft ge- nommcn wurde, weil ste der Begünstigung verdächtig war, daß die gezeigten Goldstücke die Ersparnisse der Welle wären und daß sie damit den Grund zu ihrer ehelichen Verbindung zu legen gedächten. Bei dieser Behauptung blieben sie auch im Termine und alle Vorhaltungen des Präsidenten, doch ein offenes Geständniß abzulegen, da ste durch die Belastungsmomente doch überführt werden würden, hatten keinen Erfolg. Erst als der Präsident dem Angeklagten Fuchs den Shlips vorhielt und ihm zwei Zeugen namhaft machte, welche denselben mit größter Bestimmtheit als sein Eigenthum bezeichnen würden, da hielt der hartgesottene Ver- brecher ein kurzes flüsterndes Zwiegespräch mtt seinem Ver- theidiger und erklärte darauf, daß er sich zu dem Einbrüche bekenne. Doch sei er nur Mitthäter und habe vor dem Kellerfenster Wache gehalten, während sein Komplize, den er aber nur unter dem Namen„Braun" kenne, den Diebstahl ausgeführt habe. Die Angeklagte Welle beharrte dagegen bei ihrem Leugnen und wollte von dem unrechtmäßigen Erwerb des Geldes, das ste bei ihrem Bräutigam gesehen, keine Ahnung gehabt haben. Der Gerichtshof verur- theilte den Fuchs zu drei Jahren Zuchthaus und den Neben- strafen, die Welle zu drei Monaten Gefängniß. Potsdam. Der Leiter des Maurer- und Zimmerstreiks in Rathenow, Maurergeselle Kresse, war von dem Schöffengericht zu Rathenow zu sechs Wochen Gefängniß verurtheilt, weil er gegen den§ 153 der Gewerbeordnung verstoßen haben sollte. Kresse soll zu dem Maurer Rapsch, der den Streu nicht mitmachte, gesagt haben,„er solle sich nur in Acht nehmen, daß ihn nicht die Kolonnen mit Knütteln vom Bau wegholen." Kresse bestreitet dies entschieden und will überhaupt den Rapsch gar nicht gesprochen haben. Er charakteristrt denselben als einen Trunkenbold und sein Vertheidiger stellt den Antrag, Zeugen über diese Eigenschaft des Rapsch zu vernehmen. Trotzdem Rapsch eine äußerst schwankende Aussage abgiebt, lehnt der Gerichtshof die Beweisanträge ab und erkennt, daß die von Kresse eingelegte Berufung zu verwerfen, mithin das Urtheil des Schöffengerichts zu Rathenow zu bestätigen sei. Nicht besser erging es dem Maurergesellen Christian Meyer, der des gleichen Vergehens für schuldig befunden und vom Rathenower Schöffen- geriebt zu drei Wochen Gefängniß verurtheilt war. Wegen unbefugter Führung des Meistertitels ist ein Bäcker in Glauchau auf Antrag der Bäckerinnuna in zwei Instanzen verurtheilt worden. Nach Anficht des Berufungs- aerichts in Zwickau liegt ein Verstoß gegen§ 149 Nr. 8 der Reichsaeweibeordnung nicht blos dann vor, wenn sich jemand, ohne Mitglied einer Innung zu sein, ausdrücklich Jnnungs- meister nennt, sondern auch schon dann, wenn er fich eine Be« nennung beilegt, welche allgemein den Glauben zu erwecken ge- eignet ist, er sei Jnnungsmeister. Und diesaelte auch von der Bezeichnung Meister, weil die Bezeichnung Meister mit dem Jnnunaswesen im engsten Zusammenhange steht. Vor dem klaren Wortlaut des Gesetzes kann diese Auslegung, die Hunderttausende von Handwerkern, je nach der persönlichen Auffassung der verfolgenden Behörden über Zusammenhang des Handwerks mit den Innungen, der Gefahr der Bestrafung aussetzt, nicht bestehen. Bekanntlich hatte schon die Gewerbe- Novelle von 1881 den unbefugten Gebrauch des Titels „Jnnungsmeister" verboten, aber vergessen, die Zuwiderhand- lung gegen dieses Gebot unter Strafe zu stellen. Letzteres wurde in der Gewerbenovelle von 1883 nachgeholt. Dagegen bedrohte§ 149 Nr. 8 daselbst mit Geldstrafe denjenigen,„der, ohne einer Innung als Mitglied anzugehören, fich als Jnnungs- meister bezeichnet." Ausdrücklich ist in parlamentarischen Ver« Handlungen hervorgehoben worden, daß diese Strafbestimmung keineswegs auf den Gebrauch des ein'achen Titels„Meister" fich beziehen könne. So äußerte am 1. Juni 1883 im Reichstag der Abg. Ackermann, in den Augen der Konservativen der größte Rechtsgelehrte auf diesem Gebiet, wörttich:„Das Gesetz schlägt Ihnen ja nicht vor, zu bestimmen, daß blos die Jnnungsmitglieder den Meistertitel führen sollen. Ich be- klage, daß man nicht dazu gekommen ist; indessen ein Antrag nach dieser Richtung hin liegt nicht vor. Es soll nur der- jenige, der nicht Mitglied der Innung ist, fich auch nicht Jnnungsmeister nennen." Soziales«nd Arveitervemegung. An die Tischler Deutschlands. Kollegen, Arbeiter! Zwei Wochen find wiederum verstrichen und hat fich unsere Lage nur um weniges verändert; es find drei Meister aus der Innung geschieden und haben den mäßigen Forderungen der Gesellen entsprochen und geben wir der festen Hoffnung Raum, daß diesen bald mehrere folgen werden, denn der Boden, auf welchem die Herren Jnnungsmeister stehen, fängt an heiß zu werden. Dieselben erlassen spaltenlange Beuchte in den Zeitungen und suchen ihre Innung als die reine Unschuld hin- zustellen. Auch kann man in auswärtigen Zeitungen Annonzen finden, wo 20 bis 30 Tischlergesellen bei gutem Lohn für dauernd gesucht werden und trotzdem haben wir bis jetzt nur einen Uederläufer zu verzeichnen, welcher, aufrichtig gesagt, nur ein Stümper ist und uns wenig Schaden tdut. Trotz der vielen Warnungen vor Zuzug, kommen doch täglich eine Anzahl Fremder, welche jedoch aufgefangen und sofort weiter befördert werden, denn Thore und Bahn sind täglich besetzt. 47 an der Zahl find es, welche die Arbeit niedergelegt haben, davon find 13 abgereist. Es find meist Verheirathete, welche zu unter- stützen find und gehen wir einem traurigen Zahltage entgegen, da unsere Kasse für diese Woche sehr schwach ist. Auch haben es die.Herren Jnnungsmeister versucht, die schwarze Liste, in welcher die Streikenden und Kommisstonsmitglieder verzeichnet find, den Meistern, welche nicht der Innung angehören, vor- zulegen, mit der Bitte, diejenigen, welche noch arbeiten, aber auf der Liste stehen, zu entlassen, doch haben fie fich keiner großen Sympathie zu erfreuen gehabt und wurden abschlaalich beschieden.— Kollegen, Arbeiter! Ihr werdet dieses Verfahren zu würdigen wissen, laßt uns jetzt nicht im Stiche, obgleich unsere Zahl gering ist, so find wir doch nicht in der Lage, von den hier arbeitenden Kollegen die ganzen Opfer fordern zu können. Darum sendet schnelle Hilfe und haltet streng Zuzug fern Mit kollegialischem Gruß: Die Kommission der Tischler in Dessau. Briefe und Anfragen find zu richten an A. Wagner, Steinstraße 25. Geldsendungen an C- Gendrich, Aslanische Straße�fi. und Vormünder. Anläßlich der großen UWMM im Geringsten von dem Werkführer oder den in der Fabrik beschäftigten Ge, Hilfen auf irgend einen Artikel angelernt, mit welchem dieselben dem Arbeitgeber am meisten materiell nutzen, ohne Rückficht darauf, ob der Lehrling nach beendeter Lehrzeit etwas Tüchtiges gelernt hat oder nicht. In der Handarbeit(als Seidenknopf» macher) wird hier in Berlin überhaupt kein Lehrling mehr aus« gebildet. Der Grund ist die immer mehr zunehmende„Mädchen« arbeitt', wodurch die Existenz der Gehilfen vollständig unter- graben wird. Der Zweck der ganzen Lehrlingsausbildung ist nur für den Fabrikanten„Eisparniß von Arbeitslohn", um konkurrenzfähiger zu sein und das Geschäft herunter zu drücken, wodurch die Zahl der stellenlosen Gehilfen immer größer wird. Der Vorstand des Fachvereins der Posamentirer und Seiden- knopfmacher. Die KristS des Zwischenhandels. Das Mitglied des Aeltestenkollegiums der Berliner Kaufmannschaft, Herr Dr. Max Weigert, hat vor Kurzem eine Brochüre herausgegeben, welche über die Krifis des Zwischenhandels fich ausläßt Der Verfasser zeigt uns, daß bei dem Entstehen der Großindustrie, bei der allgemeinen Theilung der Arbeit, besonders in England und Frankreich, die Produttion fich von der Distribution ge- trennt habe und zwar, wie Weigert meint, zum Vortheil der Produktion. Daß aber der Zwischenhandel den Konsum we- sentlich vertheuert, will der Verfasser nicht zugeben. Nur bedauert Herr Weigert aber und er gesteht es somit zu, daj neuerdings ein allgemeiner Wandel auch in England un' Frantreich zu Ungunsten des Zwischenhandels eingetreten sei, indem die produzrrenden Häuser fich mit ihren Abnehmern direkt in Verbindung setzten. Wir halten dies letztere Verhätt- niß für ein viel gesunderes. Wenn einmal der Löwcntheil an den Erzeugnissen der Arbeit den Arbeitern vorenthalten wird, so ist es immer noch besser, daß derselbe der Produktion, als der Distribution zufällt. Vor den letzleren haben die Arbeiter gar nichts zu erwarten, von dem reich gedeckten Tische der Produktion aber fallen doch wenigstens einige Brosamen ab. Daß aber ein Aeltestenmitglied der Berliner Kaufmannschaft, die den Arbeitern nicht einmal die Sonntagsruhe gönnt, für den Zwischenhandel, für die Kaufmannschaft schwärmt, liegt auf der Hand, beweist in der Sache aber nichts. Unsere biederen Oekonomen klagen wieder über den Mangel an weiblichen Arbeitskräften und schieben die Schuld daran der Freizügigkeit und den Fabriken zu. Wir geben den Oekonomen selbst die Schuld und folgenden guten Rath: 1. Mögen dieselben ihr weibliches Personal gut behandeln; fie sollen demselben keine Backpfeifen ertheilcn, auch nicht zur Haselgerte oder zur Reitpeitsche greifen. Die Sprache der Herren Oekonomen sei die gebildeter Männer würdig. Auch sollen fie niemals in den Ton mancher militärischen Borge» setzten fallen und glauben, fie hätten in ihren Arbeitern und Arbeiterinnen Rekruten vor fich. Wie die Gutsbesitzer, sosollen fich auch ihre Herren Stellvertreter benehmen; 2. mögen die Oekonomen dafür sorgen, daß das Essen, welches ihre Arbeite- rinnen erhalten, ein den Verhältnissen gemäß gutes sei; 3. mögen fie den Arbeiterinnen solche Arbeiten durchweg zuer- theilen, welche dem weiblichen Geschlecht nicht nachlheilig und überhaupt geeignet für dasselbe find und 4. mögen die Herren Oekonomen einen anständigen Lohn zahlen. Vor 6—7 Jahren erhielten die Arbeiterinnen und Mädchen neben ziemlich pauvrem Essen und rauher Lagerstätte z. B. in der Provinz Sachsen auf dem Lande zirka 60 bis 70 Mark jährlich— das macht einen täglichen Lohn von 20 Pf. Jetzt bei dem Mangel an weiblichen Kräften werden dort 35—40 Pf. täglich bezahlt. Man sieht also, wofür der Arbeiterinnenmangel gut ist. Würde man nun 50—60 Pf. täglich den Mädchen geben, so dürfte man, wenn man auch unsere übiigen Rathschläge beachtete, nicht mehr in Sorge über den Mangel an weiblichen Dienst- boten sein. Aus New-Aork kommt die Nachricht, svaß die Vorstände der Arbeitervereine in St. Louis und Ohio in einer Versamm- lung beschlossen haben, in einen Streik einzutreten. Derselbe wird über 6000 Kohlen- und Bergarbeiter umlaffen. Die Ur« fache des Streiks find Lohndifferenzen mit den Arbeitgebern. Es wurden bereits mehrere Versammlungen abgehalten, um mtt den Arbeitgebern wegen einer Lohnerhöhung von 1 Dollar pro Woche zu verhandeln, indeß verliefen dieselben ohne Resultat. Die wirthschaftliche» Zustände in Japan zeigen in allen Theilen des Landes ein sehr düsteres Btld. Die Erwerbs» Verhältnisse sind außerordentlich ungünstige, die Bevölkerung verarmt immer mehr und in vielen Distrikten herrscht geradezu Hungersnoth. Ein Theil der Landbevölkerung strömt der Hauptstadt zu, um hier durch die niedrigsten Dienstleistungen das Leben zu fristen, und vermehrt das städtische Proletariat. Die Auswanderung nach Honolulu und Jeffo nimmt immer größere Dimensionen an. Die Roth und die allgemeine Un« Zufriedenheit find bis zu einem Grade gestiegen, daß der Aus« bruch von Unruhen zu befürchten ist. Vereine und Versammlungen. Nürnberg, 27. August. Wie gemeldet, hatte der Stadt« Magistrat auf Grund des bairischen Vereinsgesetzes die Abhal« tung einer Versammlung verboten, in welcher Frau Guillaume« Schack einen Vortrag halten wollte, da Frauen der Besuch po« litrscher Versammlungen in Baiem verboten ist. Die Kreis- regierung von Mittelfranken hat jetzt die gegen dieses Verbot bezeichnet. Ferner ward in der Regierungsentschließung be- merkt, daß nach den an sonstigen Orten gehaltenen Vorträgen b» �au Guillaume-Schack als Thatsache anzunehmen sei, daß dieselbe für sozialistische Prinzipien Propaganda mache; es sei daher auch mit Recht anzunehmen, daß die Versammlung, wenn auch, der Zutritt, sonstlger Gesinnungsgenossen freigestellt war. zunächst den sozialistischen Zwecken, d. i. den Zwecken der so- zialdemokratischen Partei, des sozialdemokratrschen Vereins dienen sollte und für die Anhänger dieser Partei bestimmt ge- wesen. Hierzu komme, daß der Eiuberufer der Versammluna als e,n eifriger Anhänger der sozialdemokratischen Partei de« kannt sei, mit der Veranstaltung von sozialdemottatischen Druck« schriften. sowie mit dem Vertriebe derselben fich befasse, als Einberufer von sozialdemokralischen Versammlungen und als Schriftführer in solchen wiederholt aufgetreten sei und zur Zeit Nissen se, die anberaumte Versammlung mit Rückficht aut die WGSMi fc&dngdoC ed)�madier m iU bicfet®et' ...faP Kentl�e Versammlung der Goldschmiede und Be- Montag, den 31. August, Abends 8 /, Uhr. irr Rieft s Restaurant, Kömmandantenstr- 71/72. Tagesordnung: 1. Klarlegung der Kassenverhältnisse zwischen Ortskasse und ein- geschriebener Hilfskasse. 2. Arbeitsnachweis. 3. Verschiedenes Bereit» zur Währung der materielle« Interessen der Fabrik- und Handarbeiter in Berlin. Dienstag, den 1. September, Abends SV» Uhr, Mitgliederversammlung bei Böttcher, Köpenickerstr. 150/151. Tagesordnung; 1. Vortrag des Herrn Julius Kreutz über„Die Nothwendigkeit der Sonn« taaSruhe". 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zu- trm. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Verein der Modelltischler, Ackersttaße 63, Montag, dm 31. August, Abends 8 Uhr, Berathung über das Arbeits« Rachweisebureau und Wahl des Arbeitsvermittlers. Allgemeine Stuhlarbeiter- Vereinigung. Montag, den 31. August, Abends 8 Uhr, Generaloersammlung bei Hildebrandt, Weberstraße 17. Tagesordnung: Vorlegung des neuen Statuts. Gäste haben Zutntt. Oeffentliche Versammlung der Müller Montag, den 31. August, Abends 8% Uhr, in beiden Gratweil'schen Sälen, Kommandantenstr. 77—79. T.-O.: 1. Der Lohn im Maler- «werbe und auf welche Weise fichem wir uns eine dauernde Existenz? 2. Die polizeilichen Fragebogen betreffend die Sonn- tagsarbeit. 3. Verschiedenes. Arbeiter-VezirkSverein der Friedrichstadt. Donnerstag, den 3. September, Abends 8 einhalb Uhr, in Gratweil's Brerhallen, Kommandantenstraße 77—79, Vereinsversammlung. Der Vorstand bringt in Erinnerung, daß Badebillets zum „Wilhelmsbade", Schützenstraße 13-19, a 40 Pfg. beim User» einskasstrer Herrn Amold, Kochstraße 39, im Keller, zu haben sind. Fachverein der Stellmacher. Mitglieder-Versammlung am Montag, dm 31. August, Abends 8 Uhr, im Vereinslokal, Jnselstr. 10. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Verschiedenes und Fr anekasten. Gäste willkommen. Ceffentliche Arbeiterinnenversammluna. Dienstag, den 1. September, Abends 8'/, Uhr, im Salon„Zum Deutschen Kaiser", Lothringerstr. 37. Tagesordnung:„Die Gründung eines Arbeiterinnen- Vereins im Vorben Berlins".(Näheres durch Inserat in der nächsten Nummer). Kranten-Unterstützungsbund der Schneider(E. H.) Mittmoch, dm 2. September, Abends 8 eindalb Uhr, in Grat- »veil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77—79, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Besprechung über die Einrich- tung der örtlichen Verwaltung. 2. Abrechnung der Lokalver« walrung. 3. Wahl des Bevollmächtigten, Kasfirers und 5 Revisoren. Das Erscheinen aller Mitglieder ist erwünscht und das Mitgliedsbuch am Eingange vorzuzeigen. Der Fachverein der Tischler hält Montag, 31. d. M„ Abends 8% Uhr, Belle Alliancestr. 5, bei Rothacker eine Ver- sammlung ab, mit der Tagesordnung: 1) Vortrag des Herrn Dr. Wurm, prakt. Arzt und Augenartt, über„vre Erhaltung der Sehkraft"; 2) Fragekasten und Verschiedenes. Um zahl- reiches Erscheinen wird ersucht. Freireligiöse Gemeinde. Heute Vormittag 10 Uhr, Rosenthalerstr. 38. Vortrag des Herrn Schäfer. Kleine Mittheilungen. Mainz, 27. August. Ein schreckliches Verbrechen, das bis zur Stunde noch mcht aufgeklärt ist, setzt unsere ganze Be- völkerung in eine fieberhafte Aufregung. Heute Morgen um 6 Uhr wurde am Rhein, an einem Floß hängend, von Ar- bestem ein in ein braunes Tuch erngeschlagenes Packet ge- funden. Als die Leute das Packet öffneten, fanden fie in demselben einen menschlichen Körper, welchem der Kopf, die Beine und Arme fehlten. An dem Ufer fand man einige Blutspuren und kleine Knochensplitter. Wegen des Verbrechens ist heute Vormittag bereits eine Anzahl Zeugen von dem Untersuchungsrichter vemommen worden, weil dre Behauptung durch diese Zeugen in der Stadt verbreitet wurde, der Rumpf gehöre einem gewissen Blctz, der mit einem Frauenzimmer, Namens Dorothea Müller— die„Kitt-Baronin" genannt. weil fie in der Messe stets mit Kitt handelt— in Gemeinschaft lebte; und zwar wurde diese Meinung deshalb verbreitet, weil diese Zeugen gerade in dem Mantel, m welchem die Leiche ge- hüllt war, das Eigenthum der Dorothea Müller wieder erkennen wolltm. Diese beiden Personen find nun nicht mehr hier aufzufinden, doch hat ein Meßsremder bei der hiefigen Polizei die Anzeige gemacht, daß er die vermißte Müller ge- stem Nachmittag in Frankfurt a. M. gesehen habe. Deshalb begaben stch die Herren Staatsanwalt Dr. Gaßner uud Polizei- Kommissär Schüler heute Vormittag um 11 Uhr nach Frank- furt, um die Müller zu ermitteln. Das Verbrechen ist allem Anscheine nach hier verübt worden; der Rumpf und vielleicht auch die übrigen Körpertheile find an den Rhein getragen und ins Waffer geworfen worden. Der niedere Wasserstand und das Floß verhinderten aber, daß der Rumpf davontrieb. In dem Hospitale fand heute die Sektion der Leiche des Ermor- beten statt: es wurde konstatirt, daß sämmtliche Körpertheile kunstgerechr von dem Rumpfe getrennt worden waren, die Lungen des Mannes, welcher, nach dem Befunde zu urlheilen, etwa 27 bis 28 Jahre alt ist, zeigten einen Ansatz von Köhlen- Srub. Indessen haben zwei Schiffsleute bei der Polizei die nzelge gemacht, ihr Bruder, welcher ebenfalls Schiffsmann und seither auf einem Kohlenschiffe gefahren ist, sei seit gestern spurlos verschwunden. Der bctteffende Mann war noch gestern in verschiedenen hiefigen Wirthschaften gesehen worden; seit- dem fehlen aber alle weiteren Spuren über ihn' auch hatte der Verschwundene eine größere Summe Geldes bei fich. Mainz, 23. August. Während die Staatsanwaltschaft und Polizer in fieberhafter Aufregung nach dem Thäter des heute Morgen entdeckten Verbrechens fahnden, durcheilt soeben die Nachricht von einem zweiten hier entdeckten Mord die Stadt. In der Nähe des„Fürstenbergerhofes" nahmen die Umwohner gegen Mittag mehrere Blutspuren wahr, die Veranlassung gaben, die Staatsanwaltschaft aufmerksam zu machen. Im Verfolg der Blutspuren fand man in dem ersten Stock von Blut überströmt die Leiche der Frau eines Schuhmachers Namens Wothe, eine übelbeleumundete Person, die fich erst vor einigen Wochen mit ihrem früheren Zuhälter verheirathet hat. In einem angren- zcnden von einem zweiten Schuhmacher, einem gewissen Herbst, einem erst vor kurzer Zeit nach Verbüßung einer mehrjährigen Haftstrafe aus dem Zuchthaus enttassenes Individuum be- wohnten Zimmer fand man blutige Kleider und ein blutiges Messer. Da Herbst viel bei Wothe verkehrte, vermuthet man, daß er an dem Verbrechen betheiligt ist, Herbst und Wothe find seit heute früh verschwunden. Der Schlafgenoffe von Herbst, ein Tagelöhner Kranches von hier, ist einstweilen ver» haftet worden. Das ist der Thatbestand, wie er durch die Be- Hörde festgestellt wurde. Weitere Anhaltspunkte fehlen noch, doch vermuthet man einen Zusammenhang mit dem heute Früh entdeckten Verbrechen. Kprechsaal. XX« Redaktion stellt dt« Benutzung de« Sprechiaar«, soweit Raum dafür ad, ug eben ist, dem Publikum ,ur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Zntereffe« zur Verfügung! st« oerwahrt steh aber gleichjeitig dagegen, mit de« Inhalt destelben tdentifizirt zu werden. Zum Krankenkassenwese«. Nachdem die Hilfskassen seit 1. Dezember v. I. einen bedeutenden Zuwachs an Mitgliedern erhalten haben, und zwar nicht nur solche, welche aus der Er- kenntniß des eigenen Nutzens fich gern und freiwillig denselben zuwenden, sondern auch solche, welche nicht aus eigenem Triebe, sondern der Nothwendigkeit gehorchend, kommen, um dadurch der Zwangsmitgliedschaft in den Ortskaffen zu entgehen, darf es nicht unausgesprochen bleiben, daß die HilfSkaffen durch letztere Kategorie in bedeutendem Maße geschädigt wen» Nicht nur, daß diese grade die Kassen oft bei den mbeW' tendsten Unpäßlichkeiten in Anspruch nehmen, um ihre rp träge wieder„herauszuschlagen" und natürlich noch ein kl ckliches mehr, sondern es befindet fich unter ihnen aucb T bedeutende Anzahl, welche, durch die unglaubliche LeichtfiiM' keit der Arbeitgeber begünstigt, nur eintreten, um sich um w Verficherungspflicht überhaupt herum zudrücken, und hiervura nicht allein die Kassen in bedeutender Weise schädigen, son«nr auch unter Umständen den Arbeitgebern so bedeutende luste bereiten können, daß ein Klemmeister gradezu daran I» Grunde gehen kann. Der Vorgang spielt fich fsIgendennaW ab: Diese„Drücker" melden fich bei der Hilfskasse und w den auch Aufnahme. Sie haben nun 2—3 M. für Einürw» geld und einige Wochen ihren Beitrag gezahlt und dam««a Beweis in Händen, daß fie der Hilfskaffe angehören. Der Arbew geber hat fich hiervon überzeugt und 99 pCt. derselben befinden st« nun in dem Glauben, die Sache sei für fie jetzt für alle Zw abgethan. Dem„Drücker" fällt es nun aber nicht ein, n» einen weiteren Beitrag zu zahlen; er restirt Monate lang m» wird schließlich wegen Resten ausgeschlossen. Die Kassen W»» hierdurch außer dem Ausfall in Form von Beitragsverlrnm auch die viel größere Schädigung zu erttagen, daß alle in jenigen der genannten Kategorie, welche vor ihrem Ausschlüsse lw» werden, natürlich die Kasse gem in Anspruch nehmen, und west« fie an ihrer Gesundheit in dieser Zeit dauernd geschädigt# so haben fie natürlich auch ihre Grundsätze geändert und M mit einem Male die pünktlichsten Zahler, so daß den von diesen„Drückern" gewissermaßen die Kreme des thums übrig bleibt. Die Aufsichtsbehörde kann freilich w Meldung der Ausscheidenden und Ausgeschlossenen-forderst aber diese Anforderung wird durchaus nicht an alle Kassen G? stellt und wenn fie gestellt wird, kann die Aufsichtsbehörde� diesen Meldungen nichts anfangen, da den Kassen die � glieder nur nach Namen, Stand und Alter bekannt find, irrff aber, wo fie in Arbeit stehen und die bei der Anmeldung«jf gegebene Wohnung bietet bei den bekannten Umzugsverha« nissen nur einen geringen Anhalt.— Dem Arbeitgeber adw welcher zu seiner Sicherheit stch alle 6 bis spätestens 12 Woast» darum kümmern muß, ob der Betteffende auch noch Mitg>� der Hilfskasse ist, und es dennoch nicht thut, können, wenn � Beispiel ein gerade vorliegendes Ortskrankenstatut zu Gr� gelegt wird, folgende Verluste entstehen:„Der aus der vw? lasse ausgeschlossene und von dem Arbeitgeber nicht der lasse gemeldete Arbeiter wird ernsthaft krank und kommt der CharitS. Nun muß die Ortskasse nach ihrem zahlen, um es fich vom Arbeitgeber wieder w zuziehen. Nach dem vorliegenden Statut werden ein ganzes Jahr außer Verpflegung im Krankenhaust an die Familie wöchentlich 6 Mark gezahlt, und a# genommen, die Krankheit sei so langwierig, daß wirklich r Jahr lang gezahlt werden mußte und endigte schließlich"f mit dem Tode, so hätte der Arbeitgeber zu ersetzen: För f Tage Verpflegung im Krankenhause a 1,75 M. gleich 638,75 an Die Familre pro Arbeitstag: 312 Tage a 1 M. gleich 312% Sterbegeld 60 M, Summa 1010,75 M. hierzu würden P möglicher Weise noch 20 M. Strafe für die unterlassene Meldung gesellen, so daß die Gesammtsumme 1030,75 M? tragen würde. Das ist allerdings der denkbar ungünss' Fall, aber auch wenn das Objekt nur ein paar hundert a beträgt, würde fich ein Kleinmeister von solchem Verlust zu erholen vermögen. Dies einmal ausgesprochen und J? Arbeitgeber davor gewarnt zu haben, daß fie fich nach'JJ maligem Ausweis nie wieder um die Kassenangelegenheit 10 Arberters kümmern, dürste im allgemeinen Interesse liegen. Ein Hilfskaffenverwallck- Große öffentliche 2008 KiMU>»ili»ähltr-Vtlsi>Mlmg in Keller's großem Saal, Andreasstr. 21, Montag, den 31. Augnst. Abends 8'/- Uhr. Referenten: Die Herreu Stadtv. Herold uud Görcki. Der Einberufer. Fachverein der Stellmacher. Mitglieder-Bersammlnng «ontag. den 31. Aug.. Abends 8 Uhr, im Vereinslokal, Fnselftraße 10. Tages-Ordnung: 1. Vorttag. 2. Verschiedenes und Fragekasten. 1918] DerVorstand. Der Fachverein der Schneider hält am Montag, den 81. August. Abends 8'/, Uhr, eine Bersammluug ab in Gratweil's Bierhallen(oberer Saal), Kommandanten- straße 77/79. Tagesordnung: 1. Vorttag über: Der für den Arbeitnehmer nothwendige Rechtsschutz. 2. Erledigung des wichtigen Anttages zur Bildung einer Bibliothek. � 3. Diskusfion und Verschredenes. Da die Tagesordnung sehr rerchhaltrg und wrchtrg rst, «erden sämmtliche Schneider Berlins zu dieser Versammlung eingeladen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 1.2015 Der Vorstand. Fachverein der Tischler. Montag, den 31. August. Abends 8'/. Uhr. in Rothacker'» Lokal. Belle- Allrancestraße 5, Versammlung. Tagesordnung: Vortrag von Dr. W u r m, prakt. Arzt und Augenarzt, über:„Die Erhaltung der Sehkraft." Frage- kästen. Verschiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Zahlreicher Besuch ist nothwendig.>2012 __ Der Vorst a n b._ 6. Wahlkreis. Vezirksverein des werkthätigen Volkes im 29., 30. und 31. Kommunal-Wahlbezirk. D i e n st a g, den 1. September, Abends 8 Uhr, \m iUjliomt Woltag, zothmgerstr. 59« Versammlung. Taaesordnung: 1. Die bevorstehenden Stadtverordneten- ,len Ref.: R. S ch u l tz e. 2. Diskusfion. 3. Erledigung Trrnft-fnftcnä aus den letzten Versammlungen. 4. Ver- �Frägekastens'aus'den"letzten Versammlungen schieden es. 5. Fragekasten [2050 Ein il mödl. Zimmer zu verm. Ackerstr. 30, Hof I. Ogorsell.[2019 6. fr. Schläfst, z. v. Reichenbergerstt. 29, H.>v. A. Böttcher.[2026 pionmflraße. Schwedische Eisbahn. vioiuirslraße. Großes humoristisches holländisches Wettlaufen, unter dem sich das holländische Hexen-Rennen anszeichnen wird. Schnellläufer nnd Läuferinuen.— Konzert.— Anfang 4 Uhr.— Entree 10 Pf.— Kinder frei. Schöneberg. Sonntag, den 30. August: MilitärCoueert Schwarzer Adler. Schöneberg. Sonntag, den 30. August: des Mustk-Korps des 1. Garde-Feld- Artillerie< Regiments unter Leitung des Herrn E. Baumgarten. Eavalier-Ba»« 2025] Der Universal.! FrilU ClaF» ZlerVatll Ep?zialitäwr Komiker Herr Volksbelustigungen.— Alles Nähere die Säulen. A Ehrlich Schöneberg. Sonntag, 30 liindenpark, %%%%'' Almi und Totlit, Schöneberg. Sonntag, 30. August. sowie sämmtlicher zocignonzangerrnnen v" Künstler-Spezialitäten../ Gr. Cancer t. Theater-Borftelluug. Ball 2023| Anfang 4 Uhr. Entree 20 Pf., res. Platz 30 Pf. E. Welckt Montag: Soiree der Stettiner Sä nger. Coneert. Ball.____ Die von Mitgliedern des Fachveretn» der Schneider gegründete_. Produktiv- u. Kohstoff- Genossenschaft der Schneid� ZU Serlin(Eingetragene Genoffenschaft) No. 30 ZIMMEß• STRASSE No. 30 Ä empfiehlt ihr Lager fertiger Herren-Garderobe, sowie ihr reichhaltiges Lager in. und ausländischer Stoffe, ebenfalls Borte und Knöpfe. Herren- Garderoben jeder Art werden nach Maa? angefertigt. Reelle Arbeit. Dauerhafte Stoffe. Feste preise. 723 Bitte gern*# aar Str id Hammer za achten. Der Vorstand nnd Verwaltanparatfe. Central-Kranken- und Sterbekasse des Deutschen Senefelder-Bundes(E. H.). Am 1. September, Abends 8 Uhr, findet im Restaurant Weick, Aleranderstt. 31, eine Extra-Versammlung der Mitglieder statt. T.-O.: 1. Wahl von Delegirten zur Unfallvcrficherung. 2. Rechnungsabschluß pro il. Quartal. 3. Antrag auf Einberufung einer Generalversammlung.[2006 Für die Verwaltung: Paul Möhrin g. Unterstaizongsv. d. Buchbinder und verwandten Berufsgeuoffeu. Montag, den 31. August, Abends 8V« Uhr, Versammlung in Jennsttiie Silo«, Alte ANNstruße 75. Tagesordnung; Vortrag des Herrn Dr. K a n i tz:„Die Erkrankung der Lunge und ihre naturgemäße Heilung.[2011 Der alleinige Arbeitsnachweis der Schneider befindet sich Krausenstraße Nr. 11, Schneider-Herberge.[2022 Zur Anfertigung Damrn und KinderkieldtZ empfiehlt fich Luise Mahler, o., Münchebergcrstr. 33� KrbettsmmKt. Korbmacher-Gesellen a. Schön- Arbeit verl. Etrelitzerstr. 60 Korbmacherges, a. Echön-Arb. Hilden, Schmidtstr. 33 Tücht. Korbmacher-GeseM finden gute und dauernde Beschäftigung bei.L 2021]__ Schmidt ä- Co., Prinzenstraßt�, Korbmacher-Gesellen auf Rohrkiepen verlangt-e 1080] Holze, Manteuffelstr-�> Korbmachergeselle« auf Baige verlangt Schulz, Prinzenstr. 46. L' iff Geübte Schraubendreher für dauernden Attord, langen|1993] Beuthelu. Hu Verantwortlicher Redakteur#L Srouheim in Bettin. Druck und Verlag von Max vadiug in Berlin 8W, Beuthstraße 2.