Nr. 203. Dienstag, den 1. September 1883. II. Jahrg. (tlintrlMlatl Krgsn für die Jntrrcsfrn der Arbeiter. 4 Da«..Berliner VolkSblatt" Achewt täglich Morgen« außer nach Sonn- und Festtagen. Zldonnementtprei« süi J*rfta frei m« Hau« vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf v«staboa»ement 4 Mk.©raaeine Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf (Eragetragen in der PostzeiwngSpreiSlist« für 1885 unter Nr. 746.) JafertionSgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bi« 4 tlht Nachmittag« in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce»« Bureaux, ohne Erhöhung de« Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraste 2.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. Abonnement«� Einkaäung. Mit dem 1. September eröffnen wir ein neues Abonne- »ent auf das »»Kerliner Uolksblatt� der Gratisbeilage „Allastrirtes Sonntagsblatt." 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Man sehe einmal die Blätter v« dem Jahre 1848 nach und man wird staunen, wie groß in jener Epoche freieren Denken« daS Vorurtheil gegen ** Theilnahme de« schwächeren Geschlechts an der Erörte- ?vg öffentlicher Angelegenheiten war. Eine Frauenver- Mmlung hielt man 1848 in Leipzig z. B. für etwas so �denkbares, daß ein„Spaßvogel", der den Versamm- Klg«eifer der Demokraten verspotten wollte, eine �'tnstmädchenversammlung ausschrieb in der Meinung, ?vnit einen Witz gemacht zu haben. Aber aus Spaß wurde Ernst; es kam eine große Anzahl von �vnümädchen in dem bezeichneten Lokale zusammen und e von ihnen ergriffen daS Wort, um sich über die ichte Behandlung und Bezahlung seitens der„Herr- jWten" zu beschweren. Der„Spaßvogel" sah sich plötzlich jv Dienste„jener Kraft, die stets das Böse will und doch Gute schafft", und er hat sicherlich einen ähnlichen "�paß" nicht wieder versucht. Man hat immer den Versuch gemacht, einzelne Aus- vehrer schlecht Skw *3) »«»»t«.] JeuMeton. Da« Mormonenmitbche«. Amerikanische Erzählung von »aldui« Möllhause». (Fortsetzung.) „3a, da« ist e»!" rief Elliot aus, und der von einem ' t Maler, der der sich an dem Fenster, .. w yv.vu, uuf die Kniee erhoben hatte, glaubte 2* Knirschen seiner Zähne zu vernehmen; verschafft mir Jv solche« Urtheil, und ich stehe dafür ein. was mrr jetzt nchmal in unerreichbare Ferne gerückt erscheint, wird zu ler Aller Zufriedenheit endigen." 2ndem er so sprach, suchte er RynoldS' Augen, um thm �stehen zu geben, daß ihm sowohl wie Holmsten diese O?8cheruvg gelte. ES wurde von Beiden auch so auf- JJal', denn vie düsteren nachdenkenden Züge der letzteren Men sich flüchtig, während RynoldS ohne Scheu, zum ttfr �ß er mit dieser Erklärung zufrieden sei, offen und '"M-nmend nickte., riw.j anfen dagegen war erbleichend auf seinen Stuhl !'Uckgesunken, und mächtig arbeitete seine Brust unter der verstrebenden Gefühlen, welche ihn bestürmten. Doch er in seinem Innern wurde schnell entschieden, als rj�iotzlich vorwurfsvollen Blicke RynoldS auf sich ge- diw sah. Der auf künstliche Art wach grhaltene Fana- � siegte über alle Bedenklichkeiten. Aber er wurde sinsterer und verschloffener, und daS Haupt sinnend �rust neigend, schien er sich an der ferneren Be- 8 nicht mehr betheiligen zu wollen. Avno-?ch werde sehen, was sich thun läßt," erwiderte der '»oll.' � hier eine willkommene Gelegenheit sah, die Ge- Vc" an sein Uebergewicht zu erinnern.„Wird Euch da» w..lanale j0 betrachtet eS als einen Beweis des yN�gie zugestellt, so betrachtet eS als einen Beweis des Vird Vertrauens, welches in Eure Umsicht gesetzt ; ,°enn Ihr werdet einräumen, meine theuren Brüder, Wche Vollmacht in den Händen von Leuten, die rhre wüchse der FrauenemanzipationS-Bestrebungen in England und Nordamerika mit der Frauenbewegung überhaupt zu identifiziren und so daS Ganze lächerlich zu machen. Wen« einige verrückte Engländerinnen oder Amerikanerinnen sich in phantastischen Trachten sehen ließen, so erklärte man dies für daS Wesen der EmanzipationS-Bestrebungen. Das Wort„Emanzipation der Frauen" ist überhaupt viel mißbraucht und mißdeutet werden. Indessen nahm die Frauenbewegung einen ernsten Charakter an, indem man sich mit ernsten und wichtigen Gegenständen beschäftigte. Doch wurde die Bewegung zuerst auf einen Abweg geführt. Bürgerliche Damen, Frauen von Professoren, Kaufleuten und Beamten, die sich mit den ihnen nicht gebührenden Titeln ihrer Männer schmückten(die Frau Kommerzienrath, die Frau Geheimrath, die Frau Professor, die Frau Doktor u. s. w.), traten auf und brachten der Frauenbewegung jene Verflachung und Verödung bei, welche der Arbeiter» bewegung durch die liberalen Bildungsvererae beigebracht werden sollte. Daß jene zuweilen recht viel und recht albern schwatzen ven Damen von unseren wirthschaftlichen Zuständen keine Ahnung hatten, ist klar; ihre Männer hatten sie ja auch nicht. Jene Damen glaubten mit allen sozialen und wirthschaftlichen Fragen fertig zu sein, wenn sie Volksküchen errichteten und junge Mädchen in einigen Handarbeiten unterwiesen. Sie hielten es für ganz lobenSwerth, wenn die Töchter leidlich situirter Familien für große Geschäfte nähten und stickten, um für das so verdiente Geld sich einen Ballstaat anzuschaffen. Daß damit den Näherinnen und Stickerinnen von Beruf die Löhne gedrückt und die Arbeitsgelegenheit erschwert wurde, zog man nicht in Betracht. Man dachte gar nicht daran, Arbeitsnachweise für Näherinnen und Stickerinnen von Beruf zu errichten; für jene„verschämten Armen" aber wurden sehr bald Ver- mittelungSanstalten hergestellt, wo Zuweisung und Ab- lieferung der Arbeiten geheim geschehen konnte, damit die betreffenden Damen sich nicht zu schämen brauchten. Ihre Verehrer sollten doch nicht erfahren, daß sie für Geschäfte arbeiteten. Solcher Vermittlungsanstalten, die behilflich sind, den armen Näherinnen das Brod wegzunehmen, giebt eS heute noch genug. Sie leisten der albernen Anschauung, als sei die Arbeit eine Schande, Vorschub. Die Frau Professor, die Frau Doktor, die Frau Kommerzienrath konnten, wenn sie den Klemmer nur richtig auf der Nase hatten, sehr weise Gesichter machen und ihre Freude darüber ausdrücken, daß so viele Frauen in die Fabriken gingen. Wenn die Kinder größer waren, konnten sie ja mit den Müttern und Vätern gehen und auch arbeiten. Dann, so sagten jene Damen, verdiente ja die ganze Familie und man war aller Sorgen enthoben. Daß jene Art von Befchäftigung nicht nur die Löhne sinken macht und die Leidenschaften nicht vollständig zu beherrschen verstehen, ist eine sehr gefährliche Waffe, eine Waffe, deren Schneide bei unbesonnenem Gebrauch sehr leicht gegen unsere Kirche gewendet werden kann." „Wir sind Mormonen und Männer, die im Kampfe gegen die Verhältnisse ihre Leidenschaften beherrsche« lernten," versetzte Elliot mit kalter Ruhe. „Gewiß, gewiß," pflichtete der Apostel bei,„was Ihr unserer Kirche seid, bleibt unvergessen; besäßen alle Männer, die wir zählen, nur die Hälfte Eurer Willenskraft, so dürften wir mit weniger Besorgniß der nächsten Zukunft entgegensehen." Die Unterhaltung ging nunmehr von den Privat- angelegen heiten wieder auf die bedenkliche Lage des Lande« über. Namentlich wurde die weitere Befestigung der Fort Utah näher befindlichen Engpässe besprochen, zu welcher Elliot einen Theil der ihm zu Gebote stehenden Kräfte und außerdem die ihm zugesührten Geschütze ver- wenden sollte. Für Falk hatte dies kein Interesse mehr, doch wagte er nicht, sich von der Stelle zu rühren, aus Beforgmß, durch ein zufällig erzeugtes Geräusch eine Entdeckung berbei- zuführen und in Folge dessen dem gefangenen Freunde den letzten Weg der Befreiung abzuschneiden. Erst nach Verlauf eraer weiteren halben Stunde, al« Holmsten abermals einen Versuch mit dem Schließen der Fenster machte, ohne daß dadurch die Stube sich mit Rauch angefüllt hätte, änderte er seine gezwungene Stellung. Er schloß sich darauf dem jungen Delaware« an, der, seine Aufgabe auf dem Dache als beendigt betrachtend, wieder geräuschlos hinuntergestiegen und an seine Seite ge- schlichen war. Schnell gelangten sie sodann in den an dem Ganen vorbeiführenden Weg, wo sie von dem vorausgeeilten Biber erwartet wurden, doch zogen sie sich nur so weit in der Richtung nach dem Flusse zurück, daß sie, ohne von dem Hause aus entdeckt zu werden, über ihre weitere Handlungs- weise berathschlagen konnten. Sie waren noch zu keinem bestimmten Entschlüsse ge- langt da öffnete sich die Thür von Holmsten'« Haus, und Arbeitslosigkeit steigert, sondern auch die Familie zerstört, wußte man nicht. Zuweilen hielte« die leitenden Damen auch Vorträge und erzählten von den Gefahren der großen Städte für junge Mädchen, von der Vortrefflichkeit der bürgerlichen Küche und vielleicht auch vom Monde. Dieser Unfug— der Berliner sagt Mumpitz— besteht noch fort. Aber er berührt nur noch gewisse Kreise; die Frauen und Mädchen, die zum arbeitenden Volke gehören, bekümmern sich nichts darum. Die Arbeite- rinnen haben sich schon lange in Deutschland mil den öffent- lichen Angelegenheiten beschäftigt und haben erkannt, daß sie sich selbst um ihre wirthschaftliche Lage bekümmern müssen, wenn eine Besserung erzielt werden soll. DaS materielle und moralische Elend ist unter den Frauen und Mädchen größer als unter den Männern. Wir sind keine Anhänger von übertriebenen Forderungen und Utopistereien, aber wir müssen gemäß unseren Anschauungen den Frauen das Recht einräumen, sich selbst um ihre Angelegenheiten zu bekümmern. Daß unter den deutschen Arbeiterinnen zahlreiche Elemente bestrebt sind, eine umfassende Frauenbewegung in Fluß zu bringen, darf als ein erfreuliches Zeichen geistigen Fortschritt« aufgefaßt werden. Wie weit man noch in diese» Dingen in Deutschland im Allgemeinen zurück ist, ergiebt sich schon daraus, daß z. B. in Bayern Frauen- vereine, die von der Behörde als politische angefehen werden, einfach nicht gestattet sind. Und doch besitzen die Arbeiterinnen in Nürnberg daS Stimmrecht zum gewerblichen Schieds« gericht! Durch den Eintritt in Krankenkassen und ähnliche Ver- einigungen werden die Frauen und Mädchen den öffentlichen Angelegenheiten ganz von selbst näher gebracht. Möge» mehr und mehr die alten Vorurtheile schwinden, damit die Frauen und Mädchen des arbeitenden Volke« durch selbst- ständige Betheiligung an den öffentlichen Angelegenheiten Verständniß für unsere Zeitfragen gewinnen und endlich auch zu einer Besserung ihrer wirthschaftlichen Lage ge- langen._ Politische Ueberstcht. Das ueue Lotteriegesetz dürfte zur Folge haben, daß der Antrag auf Vermehrung der preußischen Loose in der be» vorstehenden Session mit größerem Nachdruck erneuert wird. Das neue Gesetz leistet ihm direkt Vorspann und das ist wohl auch der Grund, weshalb er trotz mancher Bedenken schließlich die Zustimmung der Regierung gefunden hat. Recht bemerkens- werth ist, daß die Zentrumsprcsse jetzt für die Vermehrung der preußischen Lottericloose, gegen die in der letzten Session des Landtags die Frattion mit wenigen Ausnahmen gestimmt hat, mrt Entschiedenheit eintritt. So äußert sich der ultramontane vor dem schwachen Lichtschimmer erkannten sie deutlich, daß der Apostel, Jansen, Elliot und RynoldS sich ver» abschiedeten, während Holmsten mit der Lampe in der Thür stehen blieb und ihnen von dort au« durch den Garte» nachleuchtete. Die kleine Pforte fiel in« Schloß, der Apostel rief noch ein sehr leutseliges Lebewohl zurück, welche« Holmsten mit entsprechender Höflichkeit erwiderte, und gleich darauf verschwand letzterer im Innern des Hauses. Die Thür wurde mit lautem Geräusch zugeworfen und dann nicht nur der Schlüssel zweimal im Schloß umgedreht, sonder» auch noch eben so geräuschvoll zwei Riegel von Innen vor- geschoben. Die Delaware« und Falk beabsichtigten jetzt nur noch so lange zu warten, bi« die Mormonen sich ein Wenige« weiter entfernt haben würden, um dann gleichfalls den Rückzug anzutreten, al» ihre Aufmerksamkeit plötzlich wieder nach dem Hause hinübergelenkt wurde. Sie entdeckte» nämlich, daß in dem Gemach, in welchem die Berathuna stattgefunden hatte, Jemand da» Licht auslöschte. Da aber das Kaminfeuer noch immer einige Helligkeit verbreitete so konnte es auf keiner Täuschung beruhen, al« sie eine männliche Gestalt zu bemerken glaubten, welche da« eine Fenster in die Höhe schob, mit vorsichtiger Bewegung durch dasselbe in den Garten hinausstieg und demnächst eben so behutsam daS Fenster wieder niederzog. sreIf ä%%%» leise geöffnet und wieder geschlossen wurde. Wohin die Gestalt, ra welcher sie Holmsten erriethen, sich bewegte, vermochten sie nicht zu unterscheiden, weil die schwarzen Häusermassen den Hintergrund bildeten. Sie ver- mutheten indessen, daß er eine dringende Veranlassung habe, seinen Genossen unbemerkt nachzufolgen, und da sie hofften, aus eraer Beobachtung feines heimlichen Treibens Vorthcil für ihre eigenen, zum Besten Weatherlon's gefaßten Pläne zu zuhen, so kamen sie überein, ihm nachzuschleichen und ihn nicht eher wieder au« den Augen zu lassen, al« bi« er nach seiner Wohnung zurückgekehrt sein würde. Trotzdem Holmsten seine Schritte nach besten Kräften „Wests. Merkur" u. A. folgendermaßen:„Es dürfte wohl kaum einen Strafparagraphen geben, gegen welchen so viel ge- sündigt wird, als gegen diesen. Dennoch wird er vorausstchllich nur selten zur Anwendung gebracht werden, und zur Verhin- derung der verpönten Sprelerei wird er so gut wie gar nichts nützen. Fast jeder Zigancnhändler wird nach wie vor die un- erlaubten Loose in seiner Rocktasche tragen, wohin kein Staats- anwalt blicken kann, das glatte Kaffengeschäst, welches nöthigen- falls ohne alle und jede Buchung sich abwickeln läßt, entzieht sich mit Leichtigkeit der amtlichen Kontrole. Die Lotteric-Pläne und Ziehungslisten liegen frank und frei auf dem Laden- tisch aus; denn das verbietet das Gesetz nicht. In§ 3 wird allerdings eine neue Strafbestimmung gegen das Veröffentlichen der Gewinnlisten durch preußische Zeitungen eingeführt. Dar- über werden sich die betreffenden Zeitungsverleger nicht sonder« lich argem; denn ein Vergnügen war diese Veröffentlichung spaltenlanger Listen, wozu die Konkurrenz bisher zwang, wahr« tich nicht. Die mit Loosen handelnden Zigarrenhändler freuen fich über diese Bestimmung; denn jeder neugierige Loosbefitzer geht jetzt in den nächsten besten Laden, wo eine Ziehungsliste ausliegt, und kauft dabei etwas— vielleicht sogar ein neues „Glücksloos", das ihm verlockend vor die Augen gehalten wird. Das neue Gesetz hilft also dem Lotteriekarren nicht im Geringsten aus dem Sumpfe heraus. Besten Falles bleibt die ganze Misere, wie fie war. Kann es aber auf die Dauer so weiter gehen? Sollen wir uns von Hamburg, Braunschweig und Sachsen mit mehreren Millionen jährlich besteuern lassen und obendrein im Lande das Aergemiß eines allseitig mißachteten Strafparagraphen bestehen lassen? Unsere Regierung hat doch sonst keinen Mangel an Initiative; fie weiß sonst überall zuzugreifen, von der höchst gleichgiltigen Privatdiätenfrage bis nach Sansibar und den Karollnen-Jnseln. Bios in der Lotteriefrage steht fie schüchtern und thatenlos da, geduldig auf die Initiative des sonst so gem ignorirten Parlaments wartend. Und das Parlament bemüht, sich vergebens, über die Sache ins Klare zu kommen. Eine Berliner Zeitung liefert dieser Tage in einem langen Artikel eine Zusammenstellung all der verschiedenen Anschauungen über die prinzipielle und aktuelle, die ethische, volkswirthschaftliche und finanz-politische und alle sonstigen Seiten des Lotteriewesens, woraus fich eine wahrhaft tragikomische Buntscheckigkeit der An- sichten, sogar innerhalb der bestgeschlossenen Parteien ergiebt. Wenn die Freifinnigen etwas als„unmoralisch" hinstellen, was der gestrenge Abg. A. Reichensperger für erlaubt und harmlos erklärt, dann kann man wohl sagen, daß die Begriffe gründlich verschoben und eine Klärung so bald nicht zu ermatten steht. Der Verlegenheitsbeschluß des Abgeordnetenhauses, die Lotterie aufzuheben, ist einfach undurchführbar, so lange nicht die Nach- barftaaten gutwillig ihre einträglichen Lotterien aufgeben. DaS Reich ist nrcht kompetent, ihnen diese Einnahmequelle zu ver- stopfen. Die Regierung muß also andere Wege zur Abhilfe suchen. Will fie eS versuchen, ob mit Sachsen, Braunschweig und Hamburg ein gütliches Abkommen zu treffen ist über die allmälige Einschränkung und langsame Aufhebung der vier Lottetten, so sei ihr dazu Zeit gelaffen. Hält sie diesen Versuch für aussichtslos oder scheitert derselbe, so bleibt nichts übrig, als daß die Regierung fich ein Herz faßt und die Vermehrung der preußischen Loose beantragt." DaS Direktorium des Zentralverbandes deutscher Industrieller erließ vor Kurzem ein vettrauliches Rundschrei» den, in welchem um Einsendung freiwilliger Beiträge seitens der Mitglieder des Vereins gebeten wurde, damit das Direk- tonum im Stande sei, die mit Herrn Schweinburg, dem Eigen- thümer und Herausgeber der offiziösen„Verl. Pol. Nachr." und der in demselben Fahrwasser segelnden„Neuen Reichskorresp.", gettoffenen Arrangements zu erneuern. Beide Blätter sollen den Zwecken der Großindustriellen dadurch dienen, daß fie das Publikum resp. die anderen Zeitungen mit Nachttchten, welche anscheinend unparteiisch gehalten find, in Wirklichkait aber nur die Interessen der Großindustrie vertteten, versorgen. Mtt anderen Worten: Es handelt fich um eine schlau berechnete Be- einflussungder öffentlichen Meinung. Aber in Geldsachen find selbst die Millionäre sehr vorsichtig, denn obgleich besagtes Schreiben die„Verdienste" des Herrn Schweinburg um die Sicherung der Stabilität und Dauer der neuen wirthschaft- lichen, d. h. schutzzöllnenschen Gesetze lobend hervorhob, scheinen die Industriellen mit den„freiwilligen" Beittägen außeror- deutlich zurückhaltend zu sein. Darum steht sich die„Neue Reichskorresp." veranlaßt, den Industriellen ins Gewissen zu reden und fie auf die schrecklichen Folgen aufmerksam zu machen, wenn fie fich von der nationalen Schutzzollpolitik und deren Propheten, Herrn Schweinburg, abwenden wollten, und der „Reichsanz." beeilt fich, dieser Reklame die erste Stelle unter seinen„Zeitungsstimmen" einzuräumen. Ei« neues Weißbuch mit allen zur Aufklärung der deutsch- spanischen Differenzen dienenden Aktenstücken wird offiziös in Aussicht gestellt. An der Spitze ibrer jüngsten Nummer wendet sich dre„N. A. Z-" in einem Artikel gegen die„Germania", die es versucht hat, die Korrektheit des beut- schen Vorgehen und die Rechtmäßigkeit der deutschen Ansprüche auf die Karolinen-Jnseln anzuzweifeln. In beschleunigte, gelangten Falk und seine gewandten Ge« sähtten doch nach kurzer Zeit so dicht hinter ihn, daß über seine Person keine Zweifel mehr obwalten konnten, zugleich überzeugten sie sich aber auch, daß sein Spähen den übrigen Mormonen galt, deren Stimmen dumpf und undeutlich zu ihnen herüberdrangen. Die verschiedenen Patteien verfolgten also denselben Weg, auf welchem John einige Stunden früher RynoldS nach Holmsten'S Wohnung nachgespäht hatte. Die vier vordersten Mormonen bewegten sich nur langsam dahin, weshalb eS wohl eine Viettelstunde dauerte, ehe sie die vor der weiter abwärts gelegenen Brücke mündende Straße er- reichten. Dort nun blieben sie, ehe sie sich in die Stadt hineinwendeten, einige Minuten stehen, wie um über irgend einen Gegenstand ihre von einander abweichenden Meinungen auszutauschen, und mit ihnen standen regungslos Holmsten und, etwa dreißig Schritte hinter diesem, die spähenden Delaware» mit ihrem weißen Gefährten. Zn der Stadt selbst war um diese Zeit Alles so still, als wenn sie ausgestorben gewesen wäre. Keine Laterne, kein durch die Fensterscheiben sallender Lichtschimmer be- leuchtete die breiten regelmäßigen Straßen, und nur hin und wieder erblickte man den gedämpften Schein einer Nacht- lampe, welche vielleicht das Gemach eines Kranken trübe erhellte, um ihm die langen Stunden der Nacht weniger qualvoll und endlos verrinnen zu lassen. Die Sterne funkelten, wie eben so viele wachsame Augen, welche auf die Erde niederschautenj, um die träumenden Menschen vor Unheil zu bewahren. Die Atmosphäre war aber dabei doch schwarz und dunkel; vorzugsweise nahe dem Erdboden, über welchem die den Niederungen entsteigenden Dünste als leichter Nebel lagetten. Die Außenlinien der Häusermassen verschwammen in einander, und die den Horizont begrenzen- den Gebirgszüge glichen drohend aufsteigendem Gewölk. Nur im Norden zeichnete sich ein schwacher milchfarbiger Schein au», welcher, den Stand der Sonne auf der andern Seite der Erdkuael verrathend, sich allmälig immer wetter "' ndlich in ine Morgenröthe um nach Osten herumschob, überzugehen. Als der Apostel und endlich sei� Begleiter und demnächst diesem Attikel heißt es zum Schluß:„ES ist bezeichnend für die Stellung der„Germania" in deutschen Angelegenheiten, daß fie das einzige Blatt in der ganzen deutschen Presse ist, welches die Partei des Auslandes ergreift, und welches die Ruhe und Sicherheit, mit der Deutschland die Karolinen-Fraae be- handelt— indem es fich bereit zeigt, eine schiedsrichterliche Entscheidung darüber zu akzcplircn—, nicht als Beweis der Friedensliebe und Versöhnlichkeit unserer Politik auffaßt, son- dern darin Veranlassung findet, die Rechtmäßigkeit unserer Sache anzuzweifeln.— Die Haltung der„Germania" über- rascht uns jedoch nicht; denn die. Germania" ist überhaupt kein deutsches Blatt, sondern der Bundesgenosse jedes, auch deS frivolsten Angriffes auf das Ansehen und die Interessen Deutschlands. Die öffentliche Meinung wird voraussichtlich bald in der Lage sein, den Verdunkelungen der»Germania" gegenüber die deutschen Rechtsansprüche in der Karolinen-Frage beuttheilen zu können; denn wir bezweifeln nicht, daß im An- schluß an die bishenge Behandlung der Kolonialpolitik auch die Episode der Karolinen durch Veröffentlichung der darüber sprechenden Aktenstücke dem allgemeinen littheil unterbreitet werden wird. Zur Kolonialpolitik läßt fich die„Vollzeitung" aus Thünngen schreiben: Unsere Kolonialpolitik soll doch dazu die- nen, das Exportgebiet der deutschen Industrie zu erweitern— denn wenn man diesen Zweck aus dem Auge läßt, so hat fie gar keinen Zweck. Wie diese Kolonialpolitik nun dem deutschen Cxpott dient, geht aus einer verbürgten Nachricht aus Apolda hervor. Der Cxpott von Wollwaaren nach Spanien war noch im vorigen Jahre ein sehr erheblicher, doch trat in diesem Jahre die Cholera störend dazwischen. Aber viel störender find die Verwicklungen, welche der Streit wegen der Karolinen- Inseln hervorgebracht hat. So hat der Inhaber einer größeren, an mehreren Orten Spaniens domizilirten Firma aus Madrid an einen Apoldaer Fabttkanten geschrieben, daß er fich „mit Hinsicht auf die ungünstige politische Situation" veran« laßt sehe, von umfangreichen Bestellungen gänzlich abmsehen. Wahrscheinlich wird es nicht bei diesem einen Fall bleiben.— Die Gegner der Kolonialpolitik des Fürsten Bismarck haben übrigens auf die Zerwürfnisse mit anderen Nationen, welche dieselbe unbedingt hervorrufen würde, immer schon aufmerksam gemacht und haben unter diesen Zerwürfnissen nicht gerade den offenen Krieg zu Lande und zu Wasser verstanden, sondern den wirthschaftlichen Krieg, der Deutschland auf die Dauer sehr empfindlich tteffen kann, wie schon obiger Fall zeigt. So sehen wir, daß die Kolonialpolitik gerade das Gegentheil von dem erzeugt, was fie erzeugen soll.— Wir wollen hierzu noch be- merken, daß ähnliche Absagunaen spanischer Handelsfirmen auch in Elberfeld und W ü r z b u r g angelangt find. Gegen die deutschen Eisenbahnverwaltungen find beim Reichs-Eisenbahnamt in der Zeit vom 1. Januar bis Ende Juni 1885 im Ganzen 93 Beschwerden aus dem Publikum eingelaufen. Von dresen bezichen fich 13 auf den Personenverkehr, 54 auf den Güterverkehr und 26 auf andere Gegenstände. Das Reichseisenbahnamt hat von diesen Beschwerden für begründet erachtet 4, als unbegründet zurückgewiesen 13, aus den Rechtsweg verwiesen 2, wegen mangelnder Zuständig- keit der Reichsgewalt nicht zur Kognition gezogen 22. Dre übrigen 52 wurden zum größten Theil, mit Rückficht auf die dann behandelten Gegenstände, zur direkten Er« ledigung an die zuständigen Eisenbahn-Verwaltungen abge- geben. Betroffen von Beschwerden find überhaupt 27 Eisenbahnverwaltungen. Die Einnahmen der Post- und Telegraphen-Ver- waltung haben für die Zeit vom Beginn des Etatsjahres bis zum Schluß des Monats Juli 1885 55 059 506 Mark (2 241 666 M. mehr als im Etatsjahre 1884/85), die der Reichs- Eisenbahn-Verwaltung 15 469 000 M.(—145551 M.) betragen. Die Grundsätze, nach welchen die Ausweisung der Polen stattfinden soll, sollen auf einer beim Odcrpräfidenten von Wcstpreußen stattgefundenen Konferenz der Kreislandräthe, welcher ein Ministerrat� beiwohnte, festgestellt worden sein. Die„Gazeta Torunska" bringt über die Norm folgende Mit- theilung: Es werden nicht ausgewiesen diejenigen Personen, die vor dem Jahre 1843 nach Preußen gekommen sind; ferner Leute, die selber oder deren Söhne im preußischen Heere ge- dient haben; Personen, die zeitweise zu ihrer Ausbildung oder des Erwerbes halber in Preußen fich aushalten und festes Do- mizil oder Geschäft nicht befitzen, wohl aber im Besitze von Legitimationspapieren find, Studenten, Schüler, Handwerker, Arbeiter u. s- w. Alle anderen Personen, sowohl aus Ruß- land als auch aus Oesterreich unterliegen der Ausweisung, selbst wenn fie einen ordnungsmäßigen Paß befitzen. Auch Termine für die Ausweisungen find festgesetzt worden. Un- verhenathcte Personen sollen so bald wie möglich das preußi- sche Gebiet verlassen; vermiethete, aber durch Dienstkontrakte nicht gebundene Leute sollen bis zum 1. Oktober bleiben dürfen, während solche Personen, welche durch Jahreskontrakte Verpflichtungen übemommen haben, in Westpreußcn bis zum 11. November geduldet werden sollen; Personen, die Geschäfte oder Grundbesitz ihr eigen nennen und zur Ordnung ihrer Holmsten ihren Weg in die Stadt hinein wieder fortsetzten und ihre Verfolger bei der Straßenecke anlangten, schlichen Falk und der Schwarze Biber nach der andern Seite der Straße hinüber, wo fie etwas weiter zurückblieben, während Zohn so dicht an Holmsten heranglitt, wie er eS ohne Ge- fahr, entdeckt zu werden, wagen durfte. In dieser Ordnung bewegte sich sodann die ganze Ge- sellschaft über die nächsten zwei Ouerstraßen fort. Bei der dritten endlich blieb die vorderste Abtheilung wieder einige Minuten stehen, worauf man sich von einander trennte, um sich nach den in verschiedenen Richtungen liegenden Wohnungen zu begeben. Der Apostel und Jansen folgten der Straße noch weiter aufwättS; RynoldS und Elliot dagegen bogen nach rechts in die Querstraße ein, in welcher sie ihren Weg mit vergrößetter Eile fortsetzten. Nach Zurücklegung von ungefähr hundert Schritten, auf welcher Strecke kein ernzigeS Wott gewechselt wurde, blieb Elliot plötzlich stehen. „DieS ist das Haus, in welchem ich bei einem alten Freunde mein gewöhnliches Absteigequartier habe, wenn Ge- schäfte mich nach der Salzseestadt führen;" sagte er, indem er dicht an das nächste Haus heranttat und laut an die Thür pochte. „So wünsche ich Euch denn angenehme Nachtruhe," be- merkte Rynolds in sarkastischem Tone, indem sich Elliot noch einmal nähette;„hoffentlich werdet Ihr meiner in Euern Träumen gedenken und einen Entschluß zu meinen Gunsten fassen. Ihr wäret sehr schweigsam heute Abend, schweig- samer, als man sonst gegen seine guten Freunde zu sei« pflegt. Bei unserer nächsten Zusammenkunft müßt Ihr ge- sprächiger sein und nicht vergessen, daß ich durch weise Ver- waltung nicht wenig dazu beitrug, die Mitgift Eurer neue« Zukünftigen ansehnlich zu vermehren, und daher wohl ver- diene, etwas berücksichtigt zu werden." Elliot knirschte vor Wuth mit den Zähnen, und seine Finger umschlossen den Thürgriff so krampfhaft, als wenn er denselben hätte auS dem Schloß herausdrehen wollen. Eine seinen Gefühlen entsprechende Antwort schwebte auf seinen Lippen; doch fürchtete er, Rynolds noch mehr gegen Vermögensverhältnisse Zeit gebrauchen, können bis zu jähr und selbst bis zum 1. April nächsten Jahres Aufsch� erhalten. Mit dem 1. April soll aber tasnla rasa ßC schaffen sein. Da die Ausgewiesenen vielfach völlig rathlos find, nw Schritte fie erarerfen sollen, so haben fich Jnformationsbmear» in Ost- und Westpreußen gebildet, welche gleichzeitig auch che« mit Rath und Hilfe an die Hand gehen, welche den Aus- weisungebefehl noch gewärtigen. Derartige Information»- bureaus befinven fich bereits in Thorn, Kowalewo, Golu°, Belno, Stuhm, Zakrzewko; es soll die Zahl dieser Bureaus aber noch vecmehtt werden. Bemerkt wird, daß Auswanderern nach Amettka vom Komitee keine Unterstützungen gewährt werden. Auch in Danzig haben die Ausweisungen begonnen. A« 27. d.M. wurde 76 daselbst aufhaltsamen Personen aus Pole» durch die Polizeibehörde eröffnet, daß fie bls zum 1. Oktober d.o- das Land verlassen sollen. Ueber die Bismarckspende bnngt ein hochkonservatitts Blatt, die„Dresdener Nachrichten", folgende Bemerkungen, die uns zum größten Theil recht zutteffend erscheinen: Unter dem Glänze der Kremsterer Festtage find die Vorkommnisse der mne- ren Politik Deutschlands vorübergehend in den Schatten ge- treten. Doch hat die Urkunde, mittelst welcher die Bismaro« spende als„Schönhauser Stiftung" ins Leben trat, Aufsehe» und Widerspruch genug erfahren, als daß man diese Ango- legenheit ganz mit Schweigen übergehen könnte. Auch% wo die Brsmarckspende abzüglich des Gutskaufs das Dasel» einer juristischen Person zum Vottheile der Philologen erhalt bat fich nirgends in der ganzen Presse eine einzige beifällig Stimme vernehmen lassen- Selbst die degeistettsten Anhänge des Kanzlers schweigen. Zu unserem Bedauern müssen w» auch die ganze Art der Sammlung, Beschenkung und Stiftung als unerfreulich bezeichnen. Schon die Verwendung der größeren Hälfte der öffentlich gesammelten Gelder zum Ankauf des Gurr* Schönhausev entsprach nicht dem Wunsche und Willen da Spender; jetzt wird nun, aller Einwendungen ungeachtet, da Rest der Sammlung zu einer Stiftunq für Phrlologen an- gelegt. Diese Einrichtung scheint ebensowenig glücklich gewadu- wie der Name, den fie trägt:„Schönhauser Stiftung",«p? innert derselbe doch für ewige Zeiten an die Schenkung d» Gutes Echönhausen- wer aber für die Zwischenfälle bei Gutsschenkung und die Stimmung der Geber ein Gedäch hat, kann die Verewigung dieser Dinge nicht für votthen halten.„Bismarckstistung" wäre besser gewesen. Warum ava der Kanzler gerade für Philologen den Rest der Eammelgejoa bestimmte, ist ein allgemernes Räthsel. Es ist bekannt, da! Fürst Bismarck für dresen ehrenwerthm Theil der Lehrerschau und für das Gymnafialwesen nicht gerade eine besondere-hfl liebe befitzt. Alle Welt hatte die Verwendung für politische Zwecke, eine humane That auf sozialem GsW» gewünscht und ermattet. Unterstützungen für die ersten%% nach einer Verunglückung, bevor die Krankenkassenhilfe eintrm- Belohnungsprämien für treue Dienste oder sonstige Erlera-p rungen des Looses der Arbeiter hätten sich leicht dargeboim- Werl der gewerbliche unv ländliche Mittelstand und die Arbc«a Serade eineVerwendung nach dieserRichtung hin ermatteten, daw--' aben fie fich so zahlreich an der Bismarckspcnde betheiligt. l'U fließen ihre Groschen einem Zwecke zu, für den die Wcnrgifl' von ihnen, wäre es eher bekannt geworden, nicht einen beigesteuert hätten. Wer mißgönnte es etwa den Kandrdaic? des höheren Schulamts, daß fie in der Zeit vom Examen � zur Anstellung die Zinsen von 1200 000 Mark zu Reisen# Studien erhalten? Aber schon die vorzugsweise Bkrückficht'E� der Philologen ist befremdlich. Eher wäre es zu begreif� wenn Bismarck, als Minister des AuSwätttgen, hauptfaWr die Lehrer der neueren Sprachen, nicht die klasstschen logen berücksichtigt hätte. Wir haben an praktisch 0«#%:,' wrrklich leistungsfähigen Lehrern des Französischen und(A lischen auf den höheren Schulen eher Mangel, denn UebeM während den Lateinern und Griechen auch ohne besondere ofl derung ein unerschöpflicher Nachwuchs blüht. Es Härte Haupt nicht einer Änreizung zur Ergreifung der gcWPL Berufe bedurft, wie sie in der philologischen Schonh� Stiftung geschieht, da der Andrang dazu allger»� als schwerer Uebelstand empfunden wird. Was aber„ Verwaltung der Stiftungsgelder anlangt, so haben 1 betreffenden Bestimmungen der Stistungsurkunde 0 gerechtes Befremden erregt. Dagegen ist ja nichts zu W daß fich Fürst Bismarck selbst dre unbeschränkte Tispo» über die Verwendung der Zinsen vorbehielt. Wenn nati liberale Blätter dagegen einhalten, es gäbe im 0" preußischen Staate keine einzige Stiftung, über deren trägnisse ein Einzelner ohne Kontrole, ganz nach eigenem. � messen, verfügen könne, so meinen wir: hier ist eben der% j, nahmefall! Für den Fürsten Bismarck persönlich wurden. Gelder gesammelt, dem Kanzler allein find fie anvenr. Aber daß auch seine Nachkommen, der jeweilige Erbe � Echönhausen, ohne jede Kontrole anderer Personen üb« � Zinsen von Sammelgeldern soll verfügen können, entli'„ nicht dem Brauche. Die Nachkommen des Kanzlers find reichlich genug durch die Schenkung des Gutes EckontM_ sich zu erbittern. Da kam ihm der Wirth des Haufe* � seiner peinlichen Lage zu Hilfe, indem derselbe de« R'Äj zurückschob und mtt einem Licht in der geöffneten w erschien. A „Gute Nacht," sagte Elliot, RynoldS münisch dre reichend. „Auf Wiedersehen," antwottete dieser spöttisch. f Elliot trat ein, die Thür schloß sich und Rynolds btt sich wieder im Dunkeln und allein. ,..cht Er mußte glauben, ein gutes Tagewerk vor sich 0�-� zu haben, denn indem er die Straße weiter hinurrtett� � lachte er behaglich vor sich hin, und gleich darauf beg er eine so lustige Melodie vor sich hmzusummen, w> in so ernster Zeit wohl selten in ver Salzsee-Stadt wurde. Plötzlich stand er still, und besorgt lauschte".q wärtS. Er glaubte dicht hinter sich Schritte vernomw haben, und da es eine alte Gewohnhett von ihm wa, � den Rücken immer frei zu halten, so mattete er, um späten Wanderer bei sich vorübergehen zu lassen.(t Derselbe näherte sich schnell, und bald untersch j„ eine hohe Gestalt, die sich gerade auf ihn zu beweg- Folge dessen er mechanisch die Hand auf de« Gnfl seiner Tasche steckenden Revolvers legte. »Ich muß Euch durchaus noch in dieser Nacht s? fotfo ♦«Vnoy** i»*««rtt*'.-f/ift rü-l' sagte Holmsten leise, indem er dicht vor Nynold* 9 dem bei dem Klang der bekannten Stimme eine oe L d>< von der Brust sank;„ich habe keine ruhige Minute,. ge bewußte Angelegenheit zwischen uns nicht vollsta ordnet ist—" „Aber ohne Elliot?" fragte Rynolds überrasch „Ja, ohne Elliot," antwortete dieser, sich scheu. »hätte ich ihn zum Zeugen unserer Unterredung Hab mp so wäre eS mir ein LnchteS gewesen. Euch schon. Hause von meinen Wünschen in Kevntniß zu.�,-e» schlich Euch heimlich nach, um Euch wichtige M>>? t{ zu machen. Ihr müßt auf Alles vorbereittt st'"-,- W wieder mit ihm zusammentrefft. Aber kommt, kom uns nicht auf derselben Stelle stehen bleiben; � haben Ohren, wir müssen frei um uns schauen to worden und hätten die Vertheilung von 40—50 jähr- «4en Stipendien zu 1000 Mk. mhig der Mitwirkung einer Matsbehörde oder einem Ausschuffe unabhängiger, unpartei- Mr Männer überlassen können. Alles in Allem hat der Ver- W der Bismarckspende mit seinen fortgesetzten Enttäuschungen °i?lrkt, daß eine solche Jubiläumssammlung sobald nicht leicht »Wer gewagt werden darf.— Das ist eine konservative «unme! Oefterreich-Ungarn. , In einem Epilog zur Kaiser-Entrevue äußert sich der Korre- >Mdent der„N. Fr. Pr." über die rusfischen Gäste wie folgt: Zar liebt es nicht, unter die Menge zu treten. ,Aort- behauptet ein Beobachter, der in der Lage war, Kaiser Mnder m den letzten Tagen wiederholt zu sehen, �.bedrückt A ein unheimliches Gefühl der Erinnerung an das Bild seines "wen Vaters, an die entsetzlichen Szenen, die dessen Ermordung Weiteten. Daher dieser etwas scheue Blick, der unausgesetzt 5$ rechts und links späht: daher die Gewohnheit, selbst beim Wutiren die Hand so ängstlich weit vom Kopfe zu halten, daß % bm Blicke Raum läßt, vorsichtig zu spähen, ob kein Feind «der Nähe; daher auch all die Gewohnheiten, welche so be- Nmend für die Gefühle des Zars find, wie die Tageshelle , �r Waggon-Schlafzimmer. Er ist fast nie allein, und bei- ?°!>e immer ist es die Zarin, die um ihn ist. Nichts Rühren- ff- erzählt man weiter, als die Art, in der sie ihn aufzu- Uern versteht, wie sie weiß, ihm Muth einzuflößen und die Watten zu verscheuchen, die so oft über ferner Stirne schweben." ? achdem die Zusammenkunft der Kaiser vorüber, taucht jetzt fftachricht von einem Attentat auf, welches dem Zaren gelten We. Es heißt diesbezüglich, daß in dem Theatersaal im Moflichen Schlosse in ttremster, auf dem Ehrenplatz, den der W einnehmen sollte, ein Stein gefunden wurde, der den Weg c, dahin durch eines der Spiegelfenster zurückgelegt hatte. Der Wlii soll die Größe einer Birne gehabt haben und von einer Merhülle umschlossen gewesen sein, auf der die Worte standen: y dem Tyrannen". Man nimmt an, daß es sich lediglich Offnen Scherz handelt, indeß werden aber die Untersuchungen "W dem Urheber eifrig fortgesetzt.— Die ganze Geschichte & wohl der Phantasie eines Berichterstatters entsprossen sein. Franrseich. ff Bekanntlich gelang es Rochefort nicht, bei dem ersten �trüstunas-Meeung in den Saal zu gelangen, well derselbe ? seiner Ankunft derarttg überfüllt war, daß Niemand mehr »Eingelassen werden konnte. Rochefort kündigte darauf an, j er ein zweites Meeting einberufen werde; dasselbe hat nun Sonnabend stattgefunden. Rochefort leitete die Versamm- welche von ungefähr 6000 Personen besucht war. Die- gaben einsttmmig ihrer Entrüstung über die Ermordung Kr Pain's in den schärfsten Worten Ausdruck und ver- .�Wen von der französischen Regierung, daß sie Genugthuung � der englischen fordern solle. Schließlich wurde noch auf J* Haltung Spaniens in Sachen der Karolinen-Jnseln hinge- S", bei welcher Gelegenheit die Versammlung in den Ruf Mmmte:„Es lebe vre spanische Republik! Nieder mit dem �Klpator!" Rußland. imv?Kr Zar hat seinen Weg zunächst nach Kiew genommen 2 sst dortfelbst glücklich angelangt. Zu seinem Schutze sind Waffende Niaßregeln gettoffen. Wie der„W. Allg. Ztg." SS siiew gemeldet wird, hatte der General-Gouverneur aus Maß Kaiserreise besondere Instruktionen erhalten. Den Mnalen von Kiew wurde strengstens untersagt, andere Be« =# als die offiziellen über den Besuch des Zaren zu ver- Mtlichen. In allen Häusern, ohne Ausnahme, wurde die . Mhl ver Inwohner konstatirt und mit den Polizeimeldungen Wichen. In den Straßen, die der Zar pasfiren wrrd, Wi. sämmlliche Keller und Magazine revidirt. In den- Straßen wurde der begonnene Bau neuer Häuser in wJ' polizeilicher Anordnung eingestellt und mit Brettern klagen. In der Entfernung von 2 Werst vom Bahnkörper fi�sau, Charkow, Poltawa und anderen Städten angekommen. h.- etwaigen Demonstrationen durch Nichtbeflaggung der Laser vorzubeugen, wurden von jedem einzelnen Hauseigen- cn—.ma.-..-— Im Bahnhof l ffiec schriftliche Verpflichtungen ausgestellt. *3 wurde eine Gendarmerie-Kaseme etablrrt und das Bahn- Lffal wurde beaustragt, für einige Tage seine im Bahnhof die-?en Wohnungen zu verlassen, dieselben abzusperren und geixst chlüffel Gendarmerie- Kommandanten zu über- % chwedeu«nd Norwegen. slbei«. � Arbeiterbewegung in Schweden macht mächtige Fort- KÄf- Noch vor wenigen Jahren erschien dem skandinavischen »„». �"vereinstage das allgemeine Stimmrecht zu weitgehend sfo�wegte man sich wirthschaftlich etwa im Schulze-Delitzsch- öJ) Fahrwasser. In kurzer Zeit hat der Einfluß von Däne« �2 �as unermüdliche Wirken des(aus Deutschland auS- Lc"Aber wohin wollt Ihr mich führen?" fragte Rynold« gls Holmsten mit der Hand unter seinen Arm ejst�uh, und sodann, ihn mit sich fortziehend, den Rückweg Ai meinem Hause," antwortete Holmsten flüsternd; «.ffft Eure Stimme, bis wir an Elliot's Wohnung vorbei ' der Zufall könnte ihn ans Fenster geführt haben." % Rynolds folgte dem Rath feines Gefährten, denn wenn lU.'ff anfangs wirklich Argwohn gegen dessen Auf- Cr?1?1* faßte, so beruhigte ihn doch wieder das dringende, tinia J»6 Wesen, mit welchem derselbe ihm die Mittheilung Hb* Geheimnisse« ankündigte. Von dem Grheimniß selbst b->si.�artete er, daß Holmsten sowohl al« Elliot durch derd noch fester und sicherer in seine Gewalt gegeben � würden. setzte daher Holmsten's Drängen durchaus kein ßekst"ben entgegen, als derselbe, bei der Haupsstraße an- «Cj � sogleich nach dem Fluß und der Brücke hm Hl..«!?-! sle, trotz der vorgeschrittenen Nacht und der irq�. st'lle, die in den verlassenen Straßen herrschte, von nicht omer Seite beobachtet werden könnten, schienen sie bie r-iu befürchten. Die beiden Delaware« aber und Falk, bost 3 wieder vereinigt hatten, schlichen in der Entfernung »>n hundert Schritten vor ihnen her und ließe« sie, �3� � Straße angekommen, ganz dicht bei sich vor- % wäre vergebliche Mühe, Eurem Scharfsinn gegen- lich Offnen zu wollen, daß zwischen Elliot und mir wirk- sie st.?, geheimer Vertrag besteht," sagte Holmsten, sobald »est." genug von Elliot's Wohnung entfernt waren, um -V i» au« mcht mehr gehört und gesehen zu werden. »Ks �ertrag besteht in der That, und da Ihr demselben fkttSL Sp?1 gekommen seid, so finde ich es Eurem s>tcht?'°r entsprechend, daß Ihr Vortheil daraus zu ziehen NÄ*®. Elliot gerade so dächte, so würde eS keiner �'"barungen mehr zwischen uns bedürfen," bemerkte m mit erheucheltem Gleichmuthe.„Ein paar Worte gewiesenen) Schneiders Palm und vor allen Dingen der enorme Fortgang der kapitalistischen Entwickelung die Arbeiter auf einen ganz anderen Boden geführt. Sie haben in Stockholm vor- züglich organifirte Fachvereine und ein eigenes Organ,„Fiden". Am 21. v. M. fand eine große Versammlung statt mit der Tagesordnung:„Die Stellung der schwedischen Arbeiter zum Lockout in Kopenhagen". Die Versammlung beschloß einstimmig mit Begeisterung, den Arbeitern in der dänischen Hauptstadt in ihrem Kampfe beizustehen und zwar sowohl durch Fernhaltung der schwedischen Arbeiter als durch dauernde Geldunterstützung. In der Berathung wurde von allen Rednem ein lebhaftes Klassenbewußtsein zum Aus- druck gebracht. Als der eben anwesende Palm(derselbe giebt in Malmö den„Folkswiljan" heraus» darauf hinwies, daß die Unterstützung der Kopenhagener Arbeiter seitens der schwedischen ein Darlehen sei, welches den letzteren bei kommender Gelegen- heit durch Gegendienste wieder zurückbezahlt werde, antwortete die Versammlung mit lebhaften Hurrahrufen und wurde der Resolution der für die Stimmung und Anschauungsweise der Anwesenden bezeichnende Satz eingefügt,„daß die Arbeiter in allen Ländern in unmittelbarer Verbindung mit einander stehen und einander nach Kräften unterstützen sollen, wo immer die Umstände es erfordern". Der Berichterstatter der liberalen„Götebergs Nyheder" schließt seinen Bericht über diese Versammlung wie folgt:„Diese Versamm- lung ist bemerkenswerth, denn sie ist ver erste Schritt zum An- schluß der schwedischen Arbeiter an die große Arbeiterbewegung, welche sich über die europäischen Länder ausgebreitet hat. Viele von den Theilnehmern dieser Versammlung find wohl keine Sozialisten gewesen, aber sie haben hier den sozialistischen Lehren ihren Beifall gegeben und ihre Hand zur Unterstützung von Klassengenossen eines anderen Landes geboten, von welchem die meisten sich zum Sozialismus bekennen. Und als ein alter Arbeiterführer dem Schneider Palm im Vorbeigehen einen spöttischen Hieb versetzen wollte, welcher noch vor einem Jahre Lachen und Beifall hervorgerufen hätte,— da wurde der Redner ausgezischt, und man wollte den alten Arbeiterführer nicht mehr anhören. Und doch waren Stockholms beste, ruhigste und besonnenste Arbeiter zugegen, einberufen vom Verbandsaus- schusse der Fachvereine, welcher aus einsichtsvollen und vorstch- tigen Männern besteht. Das hat etwas zu bedeuten." Großbritannien. Der Pariser„Schiedsgerichts- und Friedens- Verein" hat an die gleichnamige Londoner Gesellschaft eine Aufforderung zur Bildung eines internationalen Untersuchungs- Ausschusses gerichtet, welcher die von Rochefort erhobenen Beschuldigungen bezüglich des Todes von Olivier Pain prüfen, bezw.„Nach- forschungen nach den Beweisen dafür anstellen" solle. Der Vollzugsausschuß des Londoner Schiedsgerichts und Friedens- Vereins hat beschlossen, der Aufforderung Folge zu leisten und der Ausschuß wird nun gewisse Persönlichkeiten, die den Feld- zug im Sudan mitgemacht haben, ersuchen, vor ihm zu er- scheinen, um irgend welche Informationen, die sie über die Angelegenheit defitzen mögen,-zu Protokoll zu geben. Der Pariser Ausschuß soll eingeladen werden, Vertreter zu dieser Enquete zu entsenden. — In Bezug auf die deutsche: seits erfolgte Besitzergreifung der Karolinen Inseln äußern sich die„Times":„Uever den angeblichen gemeinschaftlichen Protest gegen die spanischen Prä- tensioncn, der 1875 durch den Grafen Hatzfeld und Mr. Banard überreicht worden sein soll, befitzen wir keine Information wenn aber irgend ein solcher Protest erhoben wurde, so beweist dies wenigstens, daß die fraglichen Prätensionen der deutschen Regierung wohl bekannt waren, die daher jetzt keine Unkennt- niß derselben vorschützen kann. Da dies der Fall ist, so würde es wenigstens höflicher gewesen sein, Spanien eine Andeutung von dem deutschen Wunsche zur Annexion gegeben zu haben; und diese Unterlassungssünde ist eine, Vre bedauert werden muß, falls sie nicht dazu geplant war, einem anderm schließ- lichen, bis jetzt unenthülltem Zwecke zu dienen. Was dieser angeblich existircnde Zweck sein mag, ist schwierig zu errathen und unmöglich zu entdecken. Die Karolineninseln werden viel- leicht als„Bauern" in dem Spiel der europäischen Politik benutzt, und wenn dies der Fall ist, dann ist deren wahre Beziehung zu den anderen Figuren auf dem Schachbrett ein Problem, dessen Lösung der Zeit überlassen werden muß. Die Kolonialbesttzungen Englands sind die Früchte geduldiger Arbeit vieler Generationen, und eine Art von sir und fertiger Nachahmung derselben muß in der Natur der Dinge Verluste und Enttäuschungen im Gefolge haben. Nichts, was des Be- fitzes werth ist, wird voll ausgewachsen geboren, und wenn Deutschland ernstlich Kolonien wünscht, muß es lernen, die Geduld zu üben, die so hervorragend unter den guten Eigen- schaften seines Volkes ist. In der Welt umyerzuwandern auf der Suche nach»erirrten Inseln, und in Streitigkeiten mit denjenigen verwickelt zu werden, die ein älteres Recht auf die- selben beanspruchen, mag den Pionieren in einem solchen Unter- nehmen eine angenehme Aufregung gewähren, aber es ist nicht dazu angethan, eine Quelle dauernder Vortheile für das Reich zu werden. von jeder Seite, ein kleines Schriftstück und drei Unter- schriften, und Alles wäre beseitigt." „Glaubt Ihr, ich würde mich dazu verstehen, Euch erne namhafte Summe für Euer Schweigen auszuzahlen, wenn ich einen anderen Ausweg wüßte?" ftagte Holmsten mit verhaltenem Grimm. „Ich müßte Euch schlecht kennen, wollte rch Euch der- gleichen liberale Gesinnungen zutrauen," antwortete Rynolds, dem das offene Geständnis, viel besser gefiel, als wenn der sonst so verschlossene Mormone ihm mit einer unnatürlichen, gleißnerischen Freundlichkeit entgegengetreten wäre. .Wohlan," fuhr Holmsten ,n derselben Weise fort,„der Zwang, welchem ich unterworfen bin, hat eine ganz ähnliche Wirkung auf Elliot. Auch er wird sich, kann sich nicht weigern, aus Eure Bedingungen einzugehen, vorausgesetzt, dieselben sind nicht so hoch gespannt, um dadurch unannehm- bar zu werden." „Fürchtet nichts, ich bin sehr bescheiden in meinen For- derungen." „Es kommt darauf an, was Ihr bescheiden nennt, doch davon später; ei handelt sich jetzt darum, daß mir, dem doch ein bedeutend kleinerer Antheil von der Erbschaft zufällt, auch geringere Verbindlichkeiten gegen Euch ob- " �„Ich glaube kaum; die beiden Schwestern sind ganz gleich bedacht worden, und was Elliot's Braut jetzt mehr erhält, das hat Euere verstorbene Frau schon im Voraus � � So lautet das Urtheil jetzt, es wird aber anders lauten, wenn Ihr einen Blick in einige Dokumente geworfen habt die ich unter dem Nachlasse meiner Frau entdeckte, und von'deren Wichtigkeit sie keinen Begriff gehabt zu haben schewt.�okumente?" ftagte RynoldS, indem er vor Erstaunen stehen kraft deren meiner verstorbenen Frau, als ��Hier herum, hier herum," versetzte RynoldS plötzlich, Kommunales. Zur Eintheilung der Kommunal-Wahlbezirke. Im 10. Kommunal-Wahlbezirk, dessen Eintheilung wir in Nr. 193 des Berliner Volksblatt brachten, ist jetzt durch die stattgehabte neue Numericung der Nostizstraße insofern eine Veränverung eingetreten, daß jetzt die Häuser Nostizstraße 1—11 und 50-63 zum 68. Stadtbezirk gehören. Zu botanischen Unterrichtszwecken werden in der Woche vom 31. August bis 5. September er. in den städtischen Unterrichtsanstalten, sowie in einigen Privatschulen von blühenden Pflanzen voraussichtlich zur Vertheilung gelangen. A. In sämmtlichen Schulen: Hirse, Wunderblume, Knöterich, Akanth, (Blätter: Motive zum korinthischen Kapital), Herbstliches Helenenkraut, Weißblühender Fuchsschwanz- B. In den höheren Schulen: Taumellolch, Balsamina, Springkraut, Bauern- tabak, Judenkirsche, Echlutte(Früchte) und Wermut. Ueberfüllung des Arbeitsmarktes an allen Ecken. Der Magisttat veröffentlicht in der neuesten Nummer des „Kommunal- Blattt' nachstehende Bekanntmachung: „Seit einiger Zeit gehen uns täglich Gesuche um Be» schäftigung von Personen, welche den verschiedensten Ständen angehören, aber nicht zivilversorgungsberechtigt find, in größerer Anzahl zu. Solche Bewerbungen können aber, soweit es sich um Arbeiten bei den verschiedenen städtischen Unternehmungen, als: Straßenreinigung, Kanalisation, sonstigen Bauaus» führungen k. handelt, nicht von uns berücksichtigt werden, weil Vre Annahme der erforderlichen mechanischen Arbeitskräfte unmittelbar an den betreffenden leitenden Stellen erfolgt.— Für Bureau-Arbeiten kann die Annahme von Hilfsarbeiten immer nur vorübergehend zur Erledigung außerordentlicher Mehrarbeiten stattflnden. Für solche Fälle find aber Anmel» düngen so reichlich vorhanden, daß die Berücksichtigung neuer Gesuche auf Jahr und Tag unmöglich ist.— Ebensowenig liegt es zur Zeit in der Möglichkeit, ven Bewerbungen„an» stellungsberechtigter" Personen, gleichviel ob es sich um eine Versorgung im Sudaltern- oder Unterbeamtendienst handelt, Folge zu geben, da für die in den etatsmäßigen Stellen etwa eintretenden Vakanzen bereits so zahlreiche Notirungen statt- gefunden haben, daß auch hier die Einberufung der Bewerber erst nach längerer Zeit ausführbar ist.— Wir bringen diese Umstände hierdurch zur weiteren Kenntniß, um auf die Erfolg» lostgkeit der erwähnten Gesuche vorweg aufmerksam zu machen, sowie darauf, daß uns nur die portopflichtige Rücksendung der dennoch eingehenden Anträge mit kurzem ablehnenden Bescheide übrig bleiben würde." Lokales. g. Welchen Gefahre« das Publikum durch die Zuhätter lüderlicher Frauenspersonen ausgesetzt ist, hat die erst vor einigen Tagen polizeilich gemeldete Nachtszene bei den Königs» Kolonaden gezeigt. Heute wird schon wieder ein Fall einer derartigen widerlichen Ausschreitung gemeldet. Diesmal war der Schauplatz die Ecke an der Alten Jakob- und Kommandanten» sttaße, woselbst in der Nacht zum Sonntag sich eine blutige Schlägerei entwickelte, bei welcher leider das Messer wieder eine traurige Rolle spielte. Etwa zehn Frauenspersonen mit ihren„Beschützern" hatten mit mehreren Steinsetzern einen Streit angefangen, in dessen Verlauf die„Louis" die Messer zogen und rücksichtslos aus die Steinsetzer losstachen. Mehrere der- selben erlitten bedeutende Verwundungen, wovon noch am Sonn- tag Vormittag die große Blutlache auf der Sttaße einen Beweis ablegte. Der Polizei soll es gelungen sein, mehrere der Messerhelden festzunehmen. E. Wie leicht und wenig dauerhaft die Bauten in der Zeit der Gründungen ausgeführt wurden, zeigte sich wieder einmal gestern Nachmittag in der Belforterstraße. Hier stürzte plötzlich am Hause Nr. 26, dem Eckhause von Straße 33, das Fenstergestms der vierten Etage herab und riß beim Fallen auch noch dasjenige der dritten Etage mit herab. Große Haufen von Kalkschutt bedeckten das Trottoir und es ist ein unerwartetes Glück zu nennen, daß von den vielen, in jener Straße vor den Häusern spielenden Kindern keins an dieser Stelle sich befand, als jene Massen herabstürzten. Das Haus, jetzt in Privatbesitz, ist seiner Zeit, wie viele Häuser dortiger Gegend, von dem verflossenen Hollander'schen Bauverein errichtet worden. E. Ueberfall. Der Tischler Klinkmüller, wohnhast Britzer« straße 33 bei Neumann, im Begriff Nachts 3 Uhr mit seinem Schwager nach Hause zu gehen, trat am Wasserthor in eine Bedürfnißanstalt, war aber kaum daselbst eingetreten, als er seinen draußen harrenden Schwager um Hilfe rufen hörte. Eilig stürzte K. nun heraus und sah, wie mehrere Sttolche auf seinen Schwager einschlugen und mit Messern bedrohten. K. suchte seinen Schwager von den Burschen zu defreien, erhielt aber dabei eine Zoll lange Schnittwunde an der linken Hand zwischen Daumen und Zeigefinger, so daß er sofort ärzlliche Hrlfe aufsuchen mußte, die ihm auch auf der Sanitätswache zu Theil wurde. als er gewahrte, daß fein Gefährte, anstatt die Richtung nach fernem Hause einzuschlagen, dem über die Brücke füh- renden Wege nachfolgte. .,«Laßt nur," beruhigte Holmsten,„ich habe Euch noch viel, sehr vrel mrttutherlen, wir gehen den Fluß entlang. wo wir überzeugt sein dürfen, von Niemand behorcht zu werden. In meinem Hause kann ich nicht dafür einstehen, daß meine Frau, befremdet durch Euer« späten Besuch, nicht dem natürlichen Triebe der Neugier nachgiebt und uns be- lauscht; und Ihr wißt ja, Weiber bleiben Weiber—" „Also Dokumente?' unterbrach Rynolds seinen Be- gleiter, denn die unerwartete Kunde hatte ihn in eine so fieberhafte Spannung versetzt, daß er alles Andere darüber vergaß und an weiter nichts mehr dachte, als Näheres über die ihm unbekannten Schriftstücke zu erfahren.„Glaubte ich doch die Familienverhältnisse der beiden Mädchen so genau zu kennen, fuhr er nach kurzem Sinnen fort, und dennoch sind Dokumente aufgefunden, von deren Vorhandensein ich nichts weiß? Sonderbar, sonderbar; wer dieselben wohl vor mir verborgen gehalten haben mag? Aber saat »aST-ZÄ**'' f" w �-»u. „Worauf sie sich beziehen, sollt Ihr nachher selbst lesen. und zu verwenden gedenke rch sie derartig, daß die an Euch HZMMSSM triumphrrend, daß derselbe sich so rücksichtslos immer tiefer m ferne Gewalt gab. ...'Ahr sollt ja sehen," versetzte Holmsten wie erzürnt Ungeduld,„es ist aber für meine eigene Sicherstellung unerläßlich, vorher über einzelne Punkte mit Euch Rücksprache zu nehmen." (Fortsetzung folgt.) DaS„Kleine Journal" hat gerade vierzehn Tage ge- braucht, um auf unseren damaligen Artikel zu antworten. Und wie antwortet dieses Blatt? Solchm Gegnem gegenüber giebt es, wie wir schon einmal hervorhoben, kein bcfieres Venhei- diaungsmittel, als wenn man das, was fie sagen, niedriger hängt. Das-Kleine Journal" sei damit gestraft, daß wir seinen Artikel auch weiteren Kreisen zugänglich machen, es wäre wirklich schade, wenn solche Musterleistungen unter dem Ausschluß der Oeffentlichkeit dahinsiechten. Das„Kleine Jour- rral" schreibt: „Das„Berliner Volksblatt", das angebliche Organ der hiesigen angeblichen Arbeiterpartei, wiewohl es mehr für politische Lumpensammler geschrieben zu sein scheint, hat uns in einer seiner letzten Nummern einen längeren Schimpfartikel gewidmet, auf welchen wir erst jetzt auf- merksam gemacht worden find. Anlaß zu jenem„Schimpf- erguß" hat dem„Arbeiter"-Organ ein in unserer vorletzten Nummer enthaltener durchaus sachlich abgefaßter Artikel ge- geben, welcher sich mit den in letzter Zeit offen zu Tage getretenen Zwistigkeiten innerhalb der sozialdemokratischen Partei Deutschlands und speziell Berlins beschäftigte. Unter Aufwand aller nur möglichen Schimpfworte, wie fie in der Hausknechtsstube derJournalistik leid er imSchwange sind, wird nun vom„Volksblatt" unser Artikel nicht etwa widerlegt, sondern das„Arbeiter"-Organ geht dieser ihm offenbar peinlichen Sache aus dem Wege, indem es eine lärmende Kanonade mit allerband Schimpfereien und persönlichen Anzapfungen eröffnet um durch einen Spektakel seinen Rückzug zu verdecken. Mehr wie lächerlich ist eS, wenn das„Arbeiter"-Organ sich erdreistet, zu behaupten, wir hatten uns zu unseren Ausführungen nur deshalb ver- anlaßt gefühlt, um„die Arbeiterinteressen zu schädigen und Zwiespalt in die Reihen der arbeitenden Bevölkerung irr säen."— Das weiß doch nachgerade in Berlin jedes Kind, daß es wahrlich nicht nothwendig ist, in die Reihen der hiesigen arbeitenden Bevölkerung, d. h. der Berliner Sozialdemokratie, in deren Interesse das„Berliner Volks- blatt" ja thätig ist, Zwiespalt zu säen:— der besteht ja doch schon lange und trägt Tag für Tag seine herrlichen Früchte. Wenn sich die Herren Arbeiter in ihren Ver- sammlungen raufen, wenn fie die Güte ihrer Hirnschalen auf ihre Festigkeit hin prüfen, wenn fie dutzendweise zum Staatsanwalt und Friedensrichter laufen, wenn fie sich gegenseitig beschimpfen wie die Fischweiber,— ist denn das. edles„Volksblatt", noch kern Zwiespalt? Gewiß müffen erst Tisch- und Stuhlbeine wieder an Stelle der Worte treten und der Tölkeknüppel wieder zur Herrschast gelangen, dann vielleicht wird sich das wahrheitsliebende „Volksdlatt" zu dem Eingeständniß herbeilassen, daß wirk- lich der„Schatten einer Disharmonie" in Arbeiterkreisen vorhanden ist. Auf die weiteren Grobheiten des„Arbeiter"- organs, das sich in den Kreisen der Penn- und Sonnen- brüder ob seines Urbanen und für diese Kreise wie ge- schaffenen Tones einer gewissen Beliebtheit erfreut, werden wir für die Folge nicht weiter reagiren, eine Polemik mit „Kollegen", die, um ihren Beruf nicht zu verfehlen, besser gethan hätten, die Hobelbank und den Schraubstock nie mit der Feder zu vertauschen, macht weder unseren Lesern noch uns selbst Vergnügen. Wie sagte doch gleich Friedrich der Große?... Das„Volksblatt" geberdet sich ernstlich böse darüber, daß wir behauptet haben, der bekannte Herr Singer beeinflusse die Haltung des angeblichen„Arbeiter"organs nach der einen oder anderen Richtung hin. Thatsache ist nun, daß Herr Singer das„Volksblatt" durch pekuniäre Zuschüsse über Wasser hält, daß Herr Singer einen Theil der Mittel zur Gründung dieser Zeitung hergegeben hat, ebenso wie Herr Singer, oder daS Geld des Herrn Einger, aus Schlosser- und Tischlergesellen und Budikern— Kaufleute, Möbclhändlcr und Zigarrenhändler geschaffen hat. Diese Thatsache kann das„Volksblatt" durch alles Schimpfen nicht aus der Welt schaffen und deshalb wird es fich wohl oder übel gefallen lassen müssen, wenn die böse Welt be- hauptet, Herr Einger beeinflusse die Haltung des von ihm gegründeten und mit seinen Mitteln aufrecht erhaltenen Organes. Nicht wir allein find dieser Anficht, die Arbeiter selbst haben öffentlich schon des Oefteren darüber Klage geführt, daß das„Volksblatt" nicht objettiv vorgehe, daß es ihm unbequeme Berichte todt- schweige, daß es die Arbeiterführer, welche die Partei Singer saue phrwe nicht bedingungslos unterstütze, nicht zum Wort kommen lasse u. s. w. Alle diese schönen Dinge find in öffentlicher Versammlung zur Sprache gekommen und zwar waren die Angriffe auf das„Volksblatt" so wuchtige, daß fich ein Redattionsmitglied veranlaßt sah» dieselben, so gut es eben ging, abzuschächen! Dies zur Kennzeichnung ver Unabhäna, gleit des angeblichen Organes der hiesigen angeblichen Arveiterpartei." Wir machen uns ein besonderes Vergnügen daraus, unseren Lesern einmal eine Probe von dem Lesestoff zu bieten, wie er von den sogenannten„besseren Gesellschaftskreisen", den Lesern des„Kl. Journ." goutirt wird. Wir glauben auch durch die Reproduktion des obigen Artikels allein schon den Beweis er- bracht zu haben, daß wir von dem„Kleinen Journal" nicht zu viel sagten. Wir wußten, daß wir uns mit einer unsauberen Gesellschaft befassen mußten, als wir unS mit dem, Kleinen Journal" in eine Kontroverse einließen, daß wir aber direst in eine Kloake gerathen würden, das ahnten wir steilich nicht. Einmal und nie wieder! g. Die Leichen zweier, anscheinend dem Arbeiter- Bande angehöriger Männer, find am 15. bezw. 21. d. M. t Grunewald aufgefunden worden, deren Identität bisher trotz aller amtlichen Bemühungen nicht zu ermitteln gewesen. Die erstere Leiche ist die eines Mannes in den 40er Jahren, von mittler Statur. Bekleidet war dieselbe mit Schuhen, dunkler Hose, dunkelgraucm Jaquet von starkem Stoff, schwor- zem Ftlzhut. Außerdem fand man bei der Leiche einen Stock, eine silberne Zylinderuhr, eine Schnupftabaksdose, ein Porte- monnaie mit geringem Geldinhalt, ein Messer und einen Schlüssel.—. Die zweite Leiche war die eines Mannes im Alter von zirka 45 Jahren, von mittler, untersetzter Statur, mit starkem rothen Vollbart und braunem Kopfhaar. Bekleidet war dieselbe mit grauem Sommerrock und ebensolcher Weste mit grauen Hornknöpfen, braunen Hosen, weißem leinenen Hemde und verblätterten Schaftstiefeln. Vorgefunden bei der Leiche wurden: ein rotbes Taschentuch, ein Taschenmesser mit Homschale, eine Meerschaumzigarrenspitze, ein Portemonnaie mit wenigem Inhalt, ein kleiner Schlüssel, Kriegsdenkmünze von 1870/71, zwei große Schlüssel am Ringe, ein Ordmeblech mit Band und Denkmünze von 1870 71. Der Amtsvorsteher von Schleinitz in Forsthaus Grunewald giebt über die Leichen jede weitere Auskunft. Die Louisenstädtischc Oper, welche unter den günstigsten Auspizien begonnen, bringt am Dienstag die Oper: Norma, in der Titelrolle mit Frl. Waibel, eine Leistung, die schon früher vom Publikum und der Kritik sympathisch begrüßt wurde. Als Adalgisa tritt zum ersten Male eine ganz junge stimmbegabte Dame Frl. Fesenmair auf. Herr v. Kaminski, von seinem er- folgreichen Gastspiel am k. I. Hoftheater in Warschau zurück- gekehrt, wird den Sever fingen. Zur Sedanfeier am Mittwoch hat Direktor Firmans den Triumph der deutschen Musik, Beethoven's Fidelis bestimmt, die Besetzung ist folgende: Leonore— Frl. Waibel, Floristan— Herr v. Kamineki, Mar- zeline— Frl. Fesenmair., Jaquino— Herr Zimmermann, Rotto— Herr Meyen. Auch Ouvertüre Nr. 3 wird exekutirt um die Feier entsprechend würdigen zu können. Soziales«ud Arbeiterbewegung. An die Metallarbeiter Deutschlands. Genossen! Am 29. August haben sämmiliche Former der K. Krause'schen Ma- schinenfabrik,— 21 an der Zahl— die Arbeil niedergelegt, weil einem von ihnen ein Abzug von zirka 20 Prozent gemacht woiden ist und den anderen gleichfalls eine Lohnreduktion bereits angekündigt wurde.— Auf eine gütliche Einigung ließen fich die Leiter der Fabrik nicht ein, in Folge dessen war der Streik unvermeidlich.— Vor allen Dingen ist Zuzug strengstens fernzuhalten. Alle Zuschriften find zu senden an den Fachverein der Metallarbeiter Leipzig, Schloßgasse 11.— Etwaige Geldsendungen an den Kasfirer H. Friedrich, Leipzig, Weftstr. 52, Hof 3 Tr. Mit genossenschaftlichem Gruß der Fachverein der Metallarbeiter und die Streikkommisfion. Die Eisen- und Kohlenindustrie ist in Deutschland be« rühmt, und außer England hat kaum ein Land so große Eisen- werke wie Deutschland. Desto unerfreulicher ist es, daß bei großen internattonalen Austrägen die Deutschen nicht konkurriren können. So hat die Panama-Gesellschaft großartige Lieferungen an Eisenbahnmaterial mit den Lütticher Werkstätten abge- schloffen, ohne daß man in Deutschland nur einen Konkurrenz- versuch gemacht hätte. Die Franzosen, die in der Eisen- industne nicht so mächtig find, wie die deutschen Werke, hatten doch wenigstens die Konkurrenz versucht. Die gebratenen Tauben fliegen der deutschen Industrie nicht in den Mund und Angra-Pequena und Kamerun machen den deutschen Export auch nicht glücklich. Daß die deutsche Konkunenz und der deutsche Wettbewerb vielfach unterliegen, daran ist in der Hauptsache auch unsere politische Stellung Schuld. LessepS wird natürlich einen Franzosen bevorzugen und auch einen Belgier dem Deutschen gegenüber. Aber wir haben auch in soweit Schuld, daß wir unsere Kraft nicht genügend öffentlich zeigen. Weshalb veranstalten wir keine Weltausstellung in Berlin? Weshalb zeigt fich auf einer solchen nicht die ganze Kraft unserer Eisenindustrie? Und gerade die Eisenbarone find es, welche schon die Berliner nationale Ausstellung hinter- treiben wollen! Was dahinter steckt, kann man kaum ver- stehen. Ueber die wirthschaftlichen Verhältuisse im König- reich Sachsen bringt die„Volkszeitung" ab und zu Berichte, welche auch wir verschiedene Male zum Abdruck gelangen ließen. Deshalb ist auch für unsere Leser nachfolgende Zu- schrift interessant, welche das genannte Blatt neuerdings aus Sachsen erhielt. Dieselbe lautet: Als die„Volks- Zeitung" im vorigen Jahre des öfteren Situationsbelichte über die wirthschastliche Lage in den Gebirgsgegenden unseres König- reichs brachte, welche der Wahrheit gemäß die dortigen Zu- stände gerade nicht im rosigen Lichte erscheinen ließen, da fanden sich ab und zu Stimmen in unserer Presse, welche diese Berichte als unrichtig hinstellten und fich überhaupt über die Presse in Norddeutschland beklagten, die den braven„Säch- fern" immer etwas am Zeuge flicken wolle. Nachdem aber die Handelslammerberichte für das Jahr 1884 erschienen find, er- klingen solche Klagen nicht mehr, da es erwiesen ist, daß die vorjahrigen Berichte der„Volks- Zeitung" auf genauer Jnfor- mation und vollständigster Wahrheit beruhten. Uebrigens wird dies auch von unseren Zeitungen nunmehr selbst bestätigt. Dieselben bringen jetzt einen Auszug aus dem Bericht der Handelskammer zu Plauen,„aus welchem ersichtlich sei, daß im Erzgebirge und Voigtlande die Strümp fwirkerei nicht nur in diesem, sondern auch im vorigen Jahre einen äußerst flauen Geschäftsgang gehabt habe." Besonders war die Ausfuhr nach Amerika und zwar in Folge der neuen d eutschcn Zollpolitik eine sehr schwache. Aber nicht nur Nordamerika, sondern auch sämmtliche andere Staaten der westlichen Hemisphäre hatten geringere Aufträge erstatter damals gemeldet hat. Aber auch in der gesammten Maschinenweberei lag schon im vorigen Jahre die Arbeit dar- nieder, und jetzt ist es noch schlimmer geworden. Die An- schaffung neuer Maschinen für die Hausarveiter hat jetzt ganz nachgelassen. Im Gegentheil, es kommt vielfach vor, daß ver- schiedenen Haueindustriellen, welchen im Jahre 1883 von den Maschinenfabriken auf Ratenzahlung die Maschinen überlassen worden waren, dieselben jetzt wieder weggenommen werden, weil die Besitzer die versprochenen Abzahlungen nicht leisten konnten. Für die Maschinenfabriken find diese Maschinen jetzt auch ziemlich werthlos, deshalb find auch zahlreichen Meistern dieselben weiter überlassen worden, trotzdem fie ihren Ver« pflichtungen nicht nachgekommen find. Bei den jetzigen Ver- hältniffen werden fie es auch wohl nicht können, und so ist es hei diesen Aermstcn nur eine Frage der Zeit, wann„ihre" Maschinen als altes Eisen verkauft werden.— Besonders gute Ernteausfichten find in unseren Gebirgsgegenden auch nicht vorhanden, und so wird fich für unsere dortige blutarme Ar- beiterbevölkerung der nächste Winter leider noch schlechter ge- statten, als der vorige. Der Preisrückgang in der Eisenindustrie ist ein drasti- sches Exempel für die wirthschastliche Anarchie, unter der wir stehen. Blind darauf los produziren, Produkte in Masse auf den Markt werfen, in wildem Wettbewerb die Konkurrenten unterbieten, die Wohlfeilheit der Waaren erkaufen durch die größtmöglichste Ausdehnung des Arbeitstages, durch Herab- drückung der Lohnsätze, das ist die Signatur unseres Wirth- schaftslebens. Ein rheinisches Hüttenwerk hat in den letzten drei Jahren folgende Preise erzielt: 1882 83 1883/84 1884/85 für Walzeisen 135 M. 119 R. 109 M. Dagegen wurden gezahlt für 1882/83 1883/84 1884/85 Eisenschott aller Art 57 M. 52 M. 48 M. für schmiedeeiserne Drehspäne 48„ 45„ 40„ für Roheisen(gewöhnliches und Qualitäts) 53„ 46„ 43„ Diese Preise zeigen also in den letzten Jahren einen merk- lichen Rückgang der Wcrthc, der in besonders eklatanter Weise beim fertigen Fabrikate hervortritt. Ob mit den per Ende Juni d.J. aufgestellten Jahresdurchschnittspreisen die niedrigste Grenze erreicht ist, dürfte fraglich sein. Die Weinproduktion in den verschiedenen Länder« der Erde ergiebt folgendes Bild: Frankreich........ 35 000 000 Hektoliter Italien......... 27 000000„ Spanien......... 22000000„ Oesterreich-Ungarn..... 8 500 000„ Portugal......... 4000000„ Deutschland........ 3 700 000 Rußland......... 3500000„ Cypern......... 1 600 000„ Schweiz......... 1300 000„ Griechenland....... 1300000„ Vereinigte Staaten von Amerika 1 000 000„ Türkei......... 1000 000„ Verschiedene Länder zusammen 2 600000„ Die Gesammtproduktion der„zivili- firten Welt" beträgt demnach.. 112 500 000 Hektoliter. Dabei ist die sozialwirthschaftliche hochwichtige Thatsache festzuhatten, daß die ftanzöfische Weinindustrie fich auf die Hälfte reduzirt hat, was nicht blos den verheerenden Wir- hingen der Reblaus, sondern auch den Fortschritten des Kapi- talismus geschuldet ist. Frankreich ist Weinland, der Wein ist Nationalgetränk, nachgewiesenermaßen— laut der offiziellen Statistik— ist in Frankreich selbst der Weinkonsum ganz er- heblich gesunken, ein Beweis, daß sich die wirthschastliche Lebenshaltung der großen Masse des Volkes verschlechtert Ist ja doch auch z. B. in Paris in den letzten Jahren(r« dem Ausweis der Ottroiergebniffe) der Fleischverbrauch" l großen Maße zurückgegangen. Dagegen hat der Fusel sämigen Frankreich seinen Sicaesmarsch begonnen, der BraM weinronsum, die Zahl der Schnappsschänken, die Ziff«? Alkoholismus ist von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gestiegen. lehrend wäre es, wenn auch aus den anderen Weinlww» sichere Daten vorlägen, fie würden eine treffliche JUusir� zu unserem modernen Wirthschaftslcben liefern, ergreifet als der Griffel eines Hogarth fie hätte festbannen können. AuS Flensburg wird die Zahlungseinstellung dergr Eisengießerei Dittmann u. Brix gemeldet. Die Passiven tragen weit über zwei Millionen Mark. Daß durch solchen iF sammenbruch einer im Konkurrenzkampfe besiegten Finna jW zugsweise auch die Ardeiter zu leiden haben, ij stänvlich. Aus London wird gemeldet, daß endlich der Stren g Arbeiter in den Forfar Tuchfabriken, welcher nahezu ein Jahr dauerte, jetzt endlich durch das feste Zusammenhalten» Streikenden zu deren Gunsten beendigt worden ist. Nack reren sehr stürmisch verlaufenen Versammlungen zeigten fi«" Fabrikbesttzer bereit, die geforderte Lohnerhöhung von 3'/«% zu bewilligen und wurde die Arbeit in allen Theilen wieder ausgennmmen. Die Zahl der Streikenden belief fi« über 2000 Mann und wurden wöchentlich ca. 3000 Lsm Unterstützungen aus der Streikkasse gezahlt.., Ueber die Lage der Arbeiter in den Vereinign Staaten wird aus Ncw-Nork dem„Volkswohl" folgendes 6 schrieben: Obgleich in den Industrien der Vereinigten Stwl eine merkliche Besserung eingetreten ist, befindet fich dofflK großer Theil von Unbeschäftigten in fast allen Theilen des�f des, dagegen war die Nachfrage nach Landarbeitem e letzten Wochen eine größere. Ein starker Mangel herrscht an weiblichen Dienstboten und Köchinnen, die bis in dem sten Westen bei Hohen Löhnen begehrt werden und nur P geringsten Theile zu erhalten find. Die Heuer abermals«v nngerte Einwanderung strömt mehr dem Westen zu, umi�r bau zu treiben. Das ist noch das hoffnungsreichste Gebiets Diejenigen, welche in Amerika eine zweite Heimath suchrv- gleich auch hier die Erwartungen nicht zu hoch geschraubt w den dürfen und die größte Vorsicht vor Betrug in Bezug Landkaus oder Verdingung an Farmer geboten ist. Sprechsaal. Die NedaNion stellt die Lenuzung de» Edrechsaali, soweit ab»!»» eben ist, dem Publikum zur Besprechung»on Angelegenheiteng>® � Interesse» zur Bersügung! fie oerwahrt fich aber gleichzeitig dagegen, Inhalt desselben identifizirt zu werden., In der Nr. 194 des„Berliner Volksblatt" vom 21. er. steht fich der Vorstand der Schneiderinnung veranlaßt, Ausführungen, die der Unterzeichnete in einer von der Au nachweiskommisfion der Schneider einberufenen Versammv� der Schneidermeister- und Gesellen gemacht hat,„ri*WJ stellen". Der Jnnungsvorstand meink, der Bericht, den „Berliner Volkedlatt" brachte, fei geeignet,„die Innung>n � Augen billig denkender Menschen herabzusetzen." Als od% Innung nicht schon alles Mögliche selbst gethan hätte, mn' selbst zu degradiren. Wenn der Schreiber der betrefK� Zeilen meint, ein Herr Pfeiffer habe fich erlaubt, JnnM einrichtungen zu kritifiren, die er nicht kenne, und es % I---—-,---y----— V-------- it\—/---- O— O---- rao Nachweis u. s. w., so ist oem entgegenzuhalten, daß, Arbeitsnachweis der Innung den Bedürfnissen der Äeistel. Gesellen entsprochen hätte, es nicht möglich gewesen wäre, z. Ä. die„Volkszeituna" nahezu die einzige Arbeitsvermäu� in den letzten Jahrzehnten war. Wo ist da der Arbeitsnachweis, Herr Brinkmann? Und wissen denvJz Herren nicht, daß der Rendant und Altgeselle der stUA Schneidergesellen-Kranken- und Sterbckasse den Arbeitsna�� schon seit langen Jahren allein geregelt haben? Wen>h x Einsender bemerken, daß der Meister Kamin mit dem betraut sei, so ist dieses wohl richtig, ob aber ein Institut, das bei einer Arbeiterschaft von 6 bis 8000 Pod, in der guten Zeit im höchften Falle 1 Dutzend Vermittels � in der Woche hat, während die„Volkszeitung" deren an'"m einzigen Tage oft 3 bis 400 enthält, dem allgemeinen entspricht, dies überlasse ich dem Urtheil denkender Mm-z Als vor nunmehr bald 2 Jahren die Schneider Berl'N-. sagten:„So geht es nicht mehr weiter, wir wollen einen � regelten Arbeitsnachweis", da wurde auch die Innung von damals gewählten Kommisston eingeladen. Der zweite«y, meister Herr Brinkmann erschien auch und machte daraui � merksam, daß nach dem neuen Jnnungsgesctz die Inn- � verpflichtet seien, dem Herbergswesen und Arbcitsnach«r>° A Thätigkeit zu widmen, und verlangte von uns, wir' ,ßi warten, bis die Herren Jnnungsmeister mit ihren Vorderen � fertig seien, dann würden fie uns Mittheilung davon m � Da aber Herr Brinkmann auch noch durchblicken ließ,"Lnt Vorstand der Innung das Szepter führen wolle, w-A, wir allein vor, denn zu solchen Vertretern des Hon® welche erst durch den Gesetzgeber an ihre Pflicht jL#* werden müssen, trotzdem fie früher das Heft in Hände» 7" und außerdem noch ein ansehnliches Kapital als„Rückendes � hatten wir kein Vertrauen. Wie recht wir daran tho» weist, daß die Innung nun mit dem Verwalter der v „Zur Heimath", Oranienstt. 105, einen Kontrast dawi S abgeschlossen hat, daß die„christliche" nunmehr auch � Herberge" sei. Jene Herren haben doch gewußt, r» Schneider Herberge eristirt, um welche aber die Herren v.� Innung als„Vorkämpfer des Handwerks" fich seitJaM nicht gekümmert haben. Diese Herberge wurde durow nur von den Gesellen gestützt und erhalten. Wore nicht Pflicht der Jnnungs> Meister gewesen, ficb � täten. Betten u. s. w. anzusehen— wie es die Vcrtr � Eattlerinnung gethan haben— und in Unter? mit uns zu treten? Wenn diese Unterha» zu keinem befriedigenden Resultat geführt wäre es da nicht noch Zeit gewesen,»o® � m von uns absichtlich streng gemiedenen Lokal zu gehe»' h a? „gute Behandlung" u. s. w. in der Herberge zur£enn wl belangt, so meine ich wohl bestimmt behaupten kon»«1 ich über die dortigen Verhältnisse besser unterrichte! W der Vorstand der Innung. Endlich habe ick v'? . co naoe wo nähme des Vertreters der„goldenen 1 10" in die o»» 5W* ..............'PSffSS&A gangen sei. Im Uebrigen wissen ja die Herren � gesagt, daß ich dies aus„authmtischer daß mir von„glaubwürdiger Seite"" ________ e.i Ol___ C'. rn- daß"man vor dem Inkrafttreten des neuen In" �ve" nickt sehr wählerisch war; wenn es irgend anging, � zU K genommen�wer kam, um nur nrn6» MNaueoe».. WMWM 1,___''' Verantwortlicher Redakteur M. tronhet» in verlin. Druck und Verlag von Max vading in Berlin SW„ Beuthstraße?. „Arbeit" behandelt. f Ä inW w mZ» i«wi WM tiig cn» bintW !« Beilage zum Verlmer lsvlan. Nr. 203. Dirustag, den 1. Krptembrr 1885, IL Iichrg. Die nrmtn Aktimitt. D«r Jahresbericht des kgl. bayrischen Kon- suis in Stuttgart, ficherlich eine unverfängliche Quelle, bietet interessante Aufseblüffe über die Lage der Stuttgarter lndustrie und der Industriellen. Da heißt es nun z. B.: �auschretnerei. Diese Industrie war entsprechend der Bauthäligkeit in 1884 beschäftigt, von eigentlich lohnenden Preisen läßt sich bei der bestehenden Konturrenz nicht berichten, was auch von den Parq u etbod enfa'briken gilt, welche insbesondere fiir die gewöhnlichen Sorten von Parquetböden sehr üb,r auswärtige Kontunenz klagen.— P i an o f ort e- ttn d Harmonrumfabriken. Der Absatz war in der ersten Halste des Jahres wenig lebhaft und besserte sich erst später, so daß die Umsätze denen des Vorjahrs schließlich gleich blieben. Die Konkunenz habe auf die Preise gedrückt. Den Export betreffend sind Amerika und Australien gute Abnehmer Zewesen. Nach Asien und Afrika war das Geschäft schwächer. Der Absay nach England, sonst ein bedeutender Kunde, soll schlecht gehen." Die Arbeiter, die in letzter Linie stets die Zeche zahlen, haben unter diesen Verhältnissen ficherlich keinen„wirthschaft- luhen Ausschwung" sondem einen Niedergang ihres Standard of life(wirtdschaftliche Lebenshaltung» zu verzeichnen. Die Presse der Großindustriellen aber klagt über schlechte Zeiten, heischt Schutzzölle oder andere Maßregeln staatlicher Protektions- Politik und beklagt die bedauernswerlhen Rentner. Die armen, armen Leute! Was aber meldet der offizielle Konsulatsbericht? Die badische Anilin- und Sodafabrik wird pro 1884 eine Dividende von vierzehn Prozent vertheilen, ein sthr befriedigendes Resultat in Bcttacht, daß das Jahr 1884 durch das Sinken des Rohmaterials und dadurch bedingte Fallen des Fabrikats äußerst ungünstig gewesen ist. Durch die enormen Abschreibungen von 1873—1383 an den Liegenschaften, Gebäuden, Apparaten und Utensilien von Stuttgart, Ludwigs ... w rrs.! � r..-....... r___ n.. jc.___ cm___ a r.___ or* rcr\ i in*» i, Sr konnte für 1884 10% pCt. ver> und Weberei Ibei theilen(1883 12V, pEt.) Zuckerfabrikatisn. Trotz des enormen Rückgangs der Zuckerpreise hat die Zuckerfabrik Stuttgart für 1883/84 einen Betriebsgewinn von Ri. 294922 erzielt. Hiezu haben der reiche Zuckergehalt den Rüben und guter Ertrag der Landwirth- schaft hauptsächlich beigetragen. An Dividende für Stamm- und Prior itätsstammattien kamen gleichmäßig 6 pGt zur Ver- theilung. Abgeschrieben und der Reserve zugewiesen wurden ca. 100 000 Mr. In einen Emeuerungsfonds flössen 40 000 Mk., in den Dividendenreservefonds 50 000 Mk. Die Dividende der Zuckerfabrik Heilbronn betrug 10 pCt., Böblingen„ 7„ Wie man also ficht, sind für 1884 den Theilnehmem recht angenehme„Entbehrungslöhne" in den Schooß gefallen. Die Dividenden, die in Stuttgart für das Vorjahr gezahlt wurden, schwankten also zwischen 4, 5, 6, 7, 10, 10%, 13'/- und 14 pCt., wahrlich recht erkleckliche Profitraten zu einer Zeit, in der allgemein über die Verflauung des Geschäfts, über die chronische Krise, über den Rückgang unseres Wirthschaftslebens geklagt wird. Aber trotz der Zuckerlrise, trotz der metallurgischen Krise, trotz des von den Woll- und Baumwollbaronen ange- schlagenen Lamentos über die Stockungen in der Textilindustrie, sind fette Prämien für die Aktionäre, für die Untemehmer frisch, fromm, fröhlich, frei emporgediehen. Trübselig, aber reich an Lohnentbehrung, steht bei Seite der Lohnarbeiter, er überschlägt sein immer mehr zusammen- schrumpfendes Hauchaltungsbuvget, gedenft der vielen gezwun- Rekn Wterabfetzungm, bnK Buche. Der Reservefond beträgt 2518351,36 Mk. Wir wissen mcht, wie die Stuttgarter Filiale ihre Arbeiter behandelt und ausnützt. Doch wenn ste so verfährt, wie das Ludwigs- Hagener Etablissement, das selbst im letzten Berichte der vayerischcn Fabrilinspektoren ttotz alles Lobes für die sogen. J«Wohlfahi tseinrichtungen" etwas melancholisch-sentimental gc- childert wird, dann braucht man nicht erst lange über die Entstehung der hohen Dividenden nachzudenken. Wir zweifeln gar nicht. daß die Verwaltung in Stuttgart nach demselben ersprießlichen System geregelt ist, wie in der rheinpfälzischen Anstalt zur Exploitation von Anilinfarben und Arbeits- «ästen. . Die Deutsche Verlagsanstalt, vormals Ed. Hallberger, hat auch für das Jahr 1883/84 einen sehr günstigen Rechnungsabschluß gemacht und neben einer Dividende von 13'/, pCt. noch ganz bedeutende Abschreibungen vorgcnom- wen, sowie Bettäge dem Reservefond und Emeuerungsfonh angewiesen. Äffi? JSsÜL*"' Ä- Iii' Jlü»«'•Jft.« mf.. w»|• v* v 4»-V/ v v VW WWti.' arbeit, deS langen Arbeitstages und der trostlosen Zukunft. Nun, vielleicht ist der deutsche Reichstag nicht taub, wenn nach Beginn der neuen Sesfion der Ruf der deutschen Arbeiterklasse in hundcrttausendfachem Echo an sein Ohr schlägt: Gebt uns das Arbeiterschutzgesctz! Vielleicht! Aver wird die Parlamentsmchrheit nicht zögern, wird fie nicht erst sich Raths erholen bei den Lazarussen der modernen Produktionsweise, bei den armen Aktionären? N-Utt/che Wrberstcht. In Sachen der Sonntagsruhe ist zu melden, daß hier- orts verschiedene Vorstände von Fachvereinen die Einladung erhalten haben, zur mündlichen Vemehmung einen Delegirten zu entsenden. Uns liegt eine diesbezügliche Aufforderung vor, welche folgenden Wortlaut hat: Die Herren Minister für Handel und Gewerbe und des Jnnein haben angeordnet, daß der schriftlichen Beantwortung der bezüglich der Inanspruchnahme von Arbeitskrästen an Sonn- und Festtagen festgesetzten Fragen noch mündliche Vernehmungen und Verhandlungen folgen sollen. Der Vorstand wird ersucht, zur Vertretung des�Fachvereins......(folgt Name des Bernau. Er trug sich damals sehr elegant und der Vergleich zwischen seinem jetzigen und damaligen Aus- sehen veranlaßte mich zu der Frage, ob er außer Kondition sei, da ich ihn früher in besseren Verhältnissen gekannt hätte.„So, Sie kennen mich von Bochum? ja, damals war die Zeit eine bessere für mich, wir hatten damals das Sozialisten- gesctz noch nicht. Zu jener Zeit verdiente ich in der Partei als Agitator mehr als mit der ganzen Schneiderei. Wenn ich da einen Tag„reden ging", hatte ich meine 10 Mk. verdient, heute ist es nichts mehr."— Mich überraschte das zynische Geständniß und ich forschte weiter, ob er jetzt auch noch Sozialist sei.„Ei was", erwiderte er etwas scharf,„die Kerle sind ja zu dumm und zu feige, ich werde mich jetzt auch wohl hüten."— Ich hatte genug von der professtonsmäßigen Volks- beglückung gehört...." Das eingangs genannte Blatt bemerkt dazu: Die „dummen" und„feigen Kerle", wie der Sozialisten-Apostcl unsere wackeren Arbeiter zu nennen sich erdreistet, werden es, wenn fie diese Geschichte lesen, hoffentlich dem Sozialistengesetz Dank wissen, daß wenigstens dieser Arbeiterfreund ihnen nicht mehr 10 Mk. täglich kostet."- Die„Nordd. Allg. Ztg." räumt diesem Artikel eine her- vorragende Stelle ein, jedenfalls doch, damit er besser zur Kenntniß des Publikums kommen soll. Wie allgemein bekannt, wird aber das offiziöse Blatt nur in den Zeitungs-Redattionen gelesen und deshalb fühlen wir uns veranlaßt, demselben durch ungeschmälerten Abdruck eine weitere Verbreitung zu sichern, finremalen unser Blatt hauptsächlich von Arbeitern gelesen wird. — Schade nur, daß„man" nicht auch den Namen des 10 Mark- Schneiders, der doch gewiß nicht aufgeschnitten, genannt hat, vielleicht würde man dann„den sich jetzt wohl hütenden" Volksbeglücker etwas näher in Augenschein nehmen können. Da der Sozialisten-Apostel gewiß nicht nur in der Phantafie W WS..!»!>» f—V-----"- eins) bei diesen Verhandlungen ein Mitglied zu ernennen, dasselbe mit einer Beglaubigung zu versehen und zu ersuchev, fich am Freitag, den 11 September, Vormittags 9'/- l'.�r, im Zimmer 36, Molkenmarkt 3 I Treppe, einzufinden. Königliches tfi.r:..:__ ühwi..... es, ct\ ev.t.wr» J. SB. konnten." Kammgarnspinnerei Bietigheim. Die Kon- lunfturen uno der Geschäftsgang des Betnebsiahres 1883/84, °uf das auch äußere Verhältnisse störend einwirkten, ließen «ine höhere Dividende als 5 pCt. zu. Für das mit 30. April schließende Bettiebsjahr wird ein günstigeres Resultat erwartet. . Baumwollspinnerei und Webereien. Das jtor—■- Sf.f"»««(null» U/Ultll llicyiliuv. OtUUUlBpitllC IUI«WWK UUV Sucher find Anfang des Jahres ziemlich gut gewesen, konnten levoch dem später für Baumwolle eingetretenen Aufschlage nicht Ligen, so daß fich das Preisoerhältniß zwischen Rohstoff und «Fabrikaten in den Sommer uno Hcrbstmonaten ungünstiger gestaltete. Der niedere Wasserstand hat manche Etablissements genöthigt zum großen Theil mit Dampf zu arbeiten und hie- furch wesentliche Kosten verursacht. Die Baumwollspinnerei Der irrzelsme Kesmßkoe. ungarische Komitatsgeschichte von Koloman MikSzath. «Der nächste Zeuge möge eintreten!* .. Der Hajduk führt den Geforderten vor; eine mächtige „Z..chulttige Gestalt, welche de« riesigen Hut ungeschickt hin nr hkr dreht. Der breite Gürtel ist mit fünf sternförmigen o«°�hen, was auf besondere Eleganz hinweist, und u den Füßen trägt der Mann ganz neue Bundschuhe mit �pem Riemenzeug. i,. Schau, schau! DaS ist ja der flovakifche Feldhüter Jf.vm« Stephan MacSkasy; derselbe Feldhüter, welcher s»i in meiner Studentenzeit pfändete, weil ich in Herrn Waldung jagte. . Ai« flimmerte es vor den Augen, ich vergaß, daß ich t vt Richter bin. Kein Wunder, ich«ar ja dazumal erst ..T�ozwanzig Zahre alt. Ich dachte nun daran, wie Un- u T kS von ihm gewesen, mir die Jagdflinte abzunehmen, *0"«ordern seither fünf Jahre verflossen, genügte doch ein „J ,0"f die Züge deS Feldhüter», um mein Blut sieden kochen zu machen. fl.r jZor fünf Jahren war ich ein schwache« Bürschcheu und Unk- auf die Erde, da er mich vor die Brust stieß. jetzt tn Augenblicke schien eS mir, als stünde ich erst di» o t? ken harten Schollen auf, um meinem Angreifer an % zu fahren.... "inv Du?" frug ich mit dumpfer Stimme. »vükki' �ichael Vrana, zu Ihren Diensten," erwiderte unter- der Riese. !�ritt näher" er{« v'am näher, langsam, feierlich und verzagt, al« wäre futfW Kirche.(Daheim, mein Lieber, warst Du nicht auf Deiner PuSzta hieltst Du Dich für den "Wie alt bist Du?" "Neunundzwanzig Jahre." "Aerheirathet? Hast Du Kinder?" »Ich bin unverheirathet." >eim. olizeiprafidium. v„ u..v...,........ Ob zur Theilnahme an dieser Konferenz alle Fachvereins- Vorstände Einladungen erhalten haben oder ob nur einzelne dazu herangezogen werden sollen, ist uns nicht bekannt. Da» vom Landtage beschlossene sogen. Kommunal- nothsteuer-Gesetz soll nunmehr die königliche Sanktion erhal- tcn haben und vürfte demnach im„Reichsanzeiger" verkündet werden. Dah ein großer Theil der sozialdemokratischen Agi« tatoren thatfächlich von den Pfennigen der Arbeiter lebt, be« weist folgendes Geständniß, welches— wie die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt—„man" einem Leser ver„Rheinisch- West- fälischen Ztg." gemacht hat. Derselbe schreibt diesem Blatte: „Vor einigen Tagen traf ich auf einer Geschäftsreise im Lippischen in einer Dorfschenke einen ziemlich derangirt aus- sehenden Mann, welcher ein Gespräch mit mir anknüpfte, aus dem ich ersah, daß ich es mit einem in den Fahren 1377/78 in der Gegend von Bochum vielgenannten Sozialisten-Apostel zu 'latte. Der Mann, feines Zeichens ein Schneidergeselle i-**—---- r P f' ------- ,v-«v*, v»v wu/moi viutiung, oay oie rynm�cyen Arbeiter eS dem Sozialistengesetz zu danken haben, daß fie den Schneider los geworden find, berechtigt. Daraus folgt: Das Sozialistengesetz wirkt gut! In Spanien ist die Aufregung wegen der Karolinen- Inseln noch immer sehr groß. Fast jeder Tag bringt neue Demonstrationen. Die Regierung sucht, im Anbetrackt, daß fich dieselben auch gegen die Monarchie richten, nach Möglich- keit jede Kundgebung zu unterdrücken. Gestern Abend sollte wiederum eine Hauptkundgebung stattfinden, die Regierung ließ jedoch eine ansehnliche Polizeimacht aufmarschiren uno die Hauptstraßen besetzen. Unter solchen Umständen mußte die Demonstration unterbleiben.— Einem Telegramm zufolge soll Spanien an Deutschland die Abschrift eines mit den Cinge- borenen der Karolinen-Inseln vor drei Jahren abgeschlossenen Vertrages, nach dem dieselben die spanische Oberhoheit aner- kennen, abgesandt haben. aus Sachsen, war mir aus jener Zeit noch sehr gut im Ge- dächtnisse, und ich entfinne mich seiner damaligen, in vielen Orten des Bochumer KreiseS gehaltenen konfusen Brandreden gegen das Kapital und weiß Gott was alles noch ziemlich ge- „Warst Du schon jemals bestraft?" „Noch niemals!" „Na, dann wirft Du e« jetzt werden"— dachte ich— „wir haben schon hierfür die richtige Methode Dann fuhr ich mit lauter Stimme fort: „Du bist als Zeuge vorgeladen, Michael Vrana, und sollst in Sachen Gyurczil kontra MacSkasy Zeugniß geben. Kennst Du die Bedeutung des EideS?" „Zu dienen, gnädiger Herr," erwiderte er demüthig und strich fein langes gelblich-blondeS Haar nach rückwärts. „Bist Du nicht bettunken?" „Nein, gnädiger Herr." „Mir scheint doch! Tritt noch näher und hauche mir ins Gesicht." Dieses„Hauche mir ins Gesicht" war unsere Privat- waffe, welche der Vizegespan für seinen eigenen Gebrauch zu kleinlich fand und selbst der Stuhlrichter uns KomitatS- geschworenen überließ, damit wir uns damit die Zeit verttieben. Vrana hauchte mir ins Angesicht. Sein Athem war so rein, wie der eine« neugeborenen Kindes und ich fand darin keine Spur von Branntwein. Gleichviel! Es stand fest, daß Vrana heute büßen müsse! „Andreas!" rief ich den Hajduken herbei. „Befehlen, Herr Geschworener?" „Führe er diesen Trunkenbold in die Einzelzelle, damit er bis morgen seinen Rausch ausschläft!" Vrana leistete einen feierlichen Eid, daß er seit einer Woche kein berauschendes Getränk verkostet; das nützte ihm aber wenig. Die königliche Tafel ist zu entfernt, um dahin zu appelliren. Herr Vrana ging daher in das Kommunales. Die Veranstaltung eines Festes im Rathhause zu Ehren der internationalen Telegraphen Konferenz. Der Magi- strat hat der Stadtverordnetenversammlung folgende Vorlage zur Beschlußfassung zugehen Wen: „Nach den Bestimmungen des internationalen Telegraphen- Vertrages finden von Zeit zu Zeit, etwa alle 5 Jahre, Tele- graphen-Konferenzen statt, welche aus Abgesandten der Ver- waltunaen der vertragschließenden Staaten und der großen Kabel-Gesellschaften gebildet werden. Auf der letzten im Jahre 1879 in Londoti äbgehaltenett Konferenz ist als Sitz der nächsten Konferenz Berlin gewählt worden, und diese Konferenz ist, wie wir als bekannt voraus- setzen dürfen, am 10. August d.J. Hierselbst zusammengetreten. Auf derselben find nicht nur sämmtliche Telegraphen- Ver- waltungcn Europas, sondern auch ene Anzahl Staaten der übrigen Erdtheile sowie fast alle großen Kabel- Gesell- schaften vertteten, wie dies aus anliegender Liste des Näheren erfichtlich ist. Diese Konferenzen dienen zu Berathungen dar- über, welche Aenderungen in den Vorschriften im Tarifwesen für den intemationalen Telegraphendienst aus Rücksicht auf die im Gebiete der Elekttotechnik gemachten Erfindungen und er nächste Zeuge möge eintreten!" Bis spät am Abend arbeitete ich in Sachen Gyurczik kontra MacSkasy, denn damit ich eS nur gleich sage, ein -roßer Theil der Justizpflege war unS jungen, leichtsinnigen Burschen anvertraut. Unser braver Stuhlrichter kümmerte sich nur um die Administration und auch hierin hatte er sich eine besondere Spezialität ausgesucht: die Sorge für die betrunkene Menschheit. In dieser Richtung war er ein Unikum an Fürsorge. Wenn irgendwo das Brückengeländer defekt wurde, rief er unmuthig aus:„Daß man es allsogleich ausbessere! Wie leicht könnte eS sonst geschehen, daß ein Bettunkener von der Brücke hinabstürzt!" Wenn man auf den Dörfern nach guter alter Sitte die ungesagten Bäume mitten in der Gasse liegen ließ, gebot er allsogleich, dieselben zu ent- fernen,„denn ein Betrunkener könnte leicht darüber stolpern," und um noch ein dritte« Beispiel zu geben, wenn im kleinen Hofe des Komitatsgebäudes, wo wir Geschworene unsere Kanzlei hatten, daS primitive Pflaster aus den Fugen ging, da kannte sein Zorn schon keine Grenzen:„Warum reparirt man daS Pflaster nicht? Am Ende beschädigen sich noch die Geschworenen, wenn sie de« Nachts benebelt heimkommen!" Auf die nüchternen Menschen, gleichwie auf die Justiz- pflege legte er kein besondere« Gewicht. Ein nüchterner Mensch findet sich auch auf einer Brücke ohne Geländer, in einem Hofe mit aufgerissenem Pflaster zurecht. Wa« aber diejenigen betrifft, welche prozessiren, die verdienen wahrlich kein Mitleid! Wer sich muthwillig in die Gefahr begiebt, möge zusehen, wie er sich herauszieht. All' dieS ging mir durch den Sinn, als ich am Abend des bewußten Tages die Akten„Gyurczik kontra MacSkasy" in die Ecke warf und mit einigen guten Kameraden in das nahegelegene Bad ging, um daselbst eine lustige Nacht zu verbringen. Am nächsten Morgen wollte ich die Arbeit wieder aufnehmen. Allem wir unterhielten uns so gut, daß aus einer Nacht zwei wurden, den dazwischen fallenden Tag gar nicht ge- rechnet. Erst am Morgen nach der zweiten Nacht, gerade als ich die Krautsuppe— ein Universalmittel gegen Katzen- jammer— löffelte, gedachte ich der Affaire„Gyurczik kontra MacSkasy" und zufolge einer seltsamen Jdeenverbindung fiel mir der unglückliche Michael Vrana ein, der noch immer in der Einzelzelle saß. Der Löffel entfiel meiner Hand. So an 42 Stunden waren es, daß der arme Vrana ohne einen Bissen Nahrung oder einen Trunk Wasser zu sich zu nehmen im Kühlen saß, ihrer anerkannten Bedeutung entsprechenden festlichen Art zu begrüßen und zu bewirthen. Diese Ehrenpflicht liegt jetzt der Stadt Berlin ob, und wir haben daher, da es unter Berücksichtigung der Lage der Verhandlungen der Konferenz und der ihren Mitgliedern anderweit— wie z. B. noch während der letzten Tage in den Hansestädten, in Kiel u. s. w. gebotenen Festlichkeiten zunächst nur möglich war, den in den öffentlichen Blättern genügend besprochenen Ausflug nach Potsdam- Wannsee zu arrangrren, beschlossen, zu Ehren der Konferenz nunmehr im Rathhause selbst ein solennes Fest zu veranstalten. Was die speziellen Vorbereitungen zu diesem Feste ande- langt, so wünschen wir, daß dieselben, wie bei anderen ähn- lichen Anlässen, durch eine aus Mitgliedern der Stadtverord« netenversammlung und des Magistrats gebildete gemischte, nicht zu große Kömmission getroffen werden, welche die Vollmacht erhält, alle Einzelheiten definitiv zu regeln. Bezüglich der erforderlichen Geldmittel bemerken wir, vor- bebaltlich der näheren Darlegung durch unsern Kommissarius, daß nach dem vorläufigen Ueberschlage zu dem bei Spezial« Verwaltung 50 im Extraordinarium(B. 1) zu Repräsentationszwecken ausgeworfenen, zum Neil verbrauchten Betrage eine Nachbewilligung von 15000 M, wünschenswerth sein würde, wenn, wie wir für nothwendig erachteten, für etwaige in der zweiten Hälfte des Etatsjahres eintretende Fälle der Rcpräsen- tation der Stadt eine entsprechende Summe verfügbar bleiben soll.— Hiernach ersuchen wir die Stadtvcrordneten-Versammlung beschließen zu wollen: „Die Versammlung erklärt sich mit der Benutzung der Festräume des Rathhauses zu einem zu Ehren der internationalen Telegraphen- Konferenz zu veranstaltenden Feste einverstanden- Sie depulirt in vre gemischte Kom- misston, welche ermächtigt sein soll, alle erforderlichen Vorbereitungen und Abmachungen definitiv zu treffen, ihrerseits 3 Mitglieder und stellt gleichzeitig dem Ma- gistrat zur Bestreitung der entstehenoen Kosten aus dem Extraordinarium(B. 1.) der Spezial-Verwaltung 50 über den dort bereits ausgeworfenen Betrag hinaus die Summe von 15000 M. zur Verfügung." Kokales. In Bezug auf uusere Rotiz, die Velvetfabrik be- treffend,«heilen wir berichtigend mit, daß fich die Fabrik nicht in der Wilhelmstraße, sondern in der Mühlenstraße befindet, rmd daß nicht 300 sondern 50—60 Mädchen entlassen find. Wie die Gefangenenarbeit die freien Arbeiter drodlos macht, wird so recht durch folgende Thatsache illustrirt. In Nieder-Schönweide bei Berlin existirt eine größere Fabrik unter der Firma A. u. A. Lehmann. In dieser Fabrik werden jetzt ungefähr bereits 40 Strafgefangene aus Rummelsburg unter der Obhut eines Aufsehers beschäftigt. Wie von dortigen Ar- heitern behauptet wird, schlafen und essen die Gefangenen auch in der Fabrik. Jndeß sind andererseits schon eine große An- zahl von den freien Arbeitern dieser Fabrik entlassen worden. Unter den letzteren befinden fich, wie man uns mittheilt, auch Familienväter, welche im Orte ansässig find, ihren Pflichten also der Gemeinde sowohl als dem Staat gegenüber nachkommen müssen. Die Leute haben fich dort eingemiethet in der Vor« ausficht, Arbeit in der Fabrik zu behalten und jetzt werden sie durch die Strafgefangenen broolos gemacht. Das find Ver- Hältnisse, die zu denken geben. Verlegung der Wochenmärkte. Die bisher auf dem Wedöingplatze an jedem Montag und Donnerstag abgehaltenen Wochenmärkte werden vom 1. Oktober d. I. ab nach dem Nettclbeckplatze verlegt. Für den Verkehr auf demselben kommen die für die Wochenmärkte überhaupt geltenden Bestimmungen in Anwendung. Verkäufer, welche drese Märkte zu beziehen beabsichtigen, haben sich spätestens den 10. September der dem Kommissariat für Markt- und Gewerbeangelegenheiten, Louisen- Ufer 2b, zu melden. Der Weddingplatz, der seit Erbauung der Dankeskirche für den Marktverkehr zu klein geworden ist, wird nach Verlegung des Marktes wahrscheinlich mit Schmuck- anlagen versehen werden. Die Umgebung des Platzes hat sich seit dem Kirchenbau merkwürdig verändert, und zwar durch eine Reihe von stattlichen Neubauten. Gegenwärtig werden auch die letzten Baulichkeiten des bekannten„Owenburger Hofes" fortgerissen, um einem Prachtbau Platz zu schaffen; ferner er- hält die verlängerte Fennstraße gegenwärtig ihr erstes Eck- gebaude�� gemeldete Verhaftung eines Referendars und eines Schauspielers wegen Verdachtes unnatürlicher Ver- brechen und die sich von Zeit zu Zeit wiederholenden Meldungen ähnlicher Art geben durch ihre mysteriöse Kürze und äußerliche Inhaltslosigkeit der Phantaste des Publikums den weit- gekndslen Spielraum. Es ist deshalb ein erwähnenswerther Fall, der in dem neuesten Hefte der Eulenburg'schen Viertel- jahrsschrift für gerichtliche Medizin mitgethellt wird, und der einen jungen Mann betrifft, der ,n Folge serner unnatürlichen Neigungen in ärztliche Behandlung gegeben wurde. Die dabei angestellten Ermittelungen lassen einen interessanten Einblick in die Nachtseiten der menschlichen Natur und auch in daS Ge- daS heißt, wenn er noch saß und nicht unterdeß verhungert «der verdurstet war. „Kutscher! Schnell einspannen und im Galopp m die KomitatShauptstadt." Meine Freunde wollten mich zurückhalten, sie konnten nicht begreifen, was mir plötzlich eingefallen. Ich muß nicht Übel ausgesehen haben mit meinen schreckensbleichen Zügen und der verstörten Miene. .Lasset mich in Frieden, ich muß gehen, unter jeder Be- dingung gehen!".._ Der alte KustoS blinzelte mrr vertraulich zu: „Verstehe, Spektabilis! Gewiß ein Rendezvous für heute." Diese Zugend!",. .Der schaut nicht aus wie ein Verliebter," meinte der Vizenotär Stephan Kolontay,„sondern weit eher wie Zch fuhr zusammen, eS überrieselte mich kalt bei diesem Worte. Und wen» er wahr spräche? Verzweifelt warf ich mich in den Wagen, allein trotz aller Schnelligkeit der Pferde kam eS mir vor. als rührten wir uns nicht vom Flecke. Die Bäume warfen dunkle Schatten, ich erblickte darin ebensoviele Särge. Eine Fledermaus fuhr mir ins Angesicht; wie ich sie packte, fing ich an zu zittern, daß mir die Zähne klapperten. O, Du mein Gott, der arme Vrana ist schon gewiß tobt! ES mochte so nahe zu Mitternacht sein, als ich in die KomitatShauptstadt gelangte und am Thore des KomitatS- Hauses pochte. „Sie wünschen?" frug mich der Schildwache stehende ��Ausmachen! Zch will in die Kanzlei gehen." Daselbst verwahrte man die Gefängnißschlüssel. Doch was nützte es, wenn wieder der Schlüssel der Kanzlei bei "dem Hajduken in Verwahrung war. Zch lief athemloS an das andere Ende der Stadt, vierten Male 3658 Kinder, waren 142 28 eheliche, hiebe unserer Großstadt thun. Uebereinstimmend mit anderen, dem gleichen Laster fröhnenden, erklärte der Patient, daß sich jene untereinander sofort beim ersten Blick erkennen und des- halb in größeren Städten die Gelegenheit zu gegenseitiger An- Näherung nicht schwer zu suchen sei. Auf einem einzigen Gange vom Brandenburger Thor nach dem kaiserlichen Palais könne er des Abends jeder Zeit einige Dutzend ihm gleickgcfinnter Männer bezeichnen, was aber nur einem solchen möglich sei, der selbst an dieser unglücklichen Leidenschaft hängt. Ja es existiren Verbindungen, in denen dauernde Verhältnisse und feierliche Liebesbände nicht selten mit allem tragischen Pathos in solchen Brüderschaften geschlossen werden. In ihrem Wesen zeigen diese Leute etwas Weibisches, Anschmieg- sames; auch ihre Geistesrichtung ist meist weibisch, auf Kleines, Nächstliegendes gerichtet, selbst ihr Körperbau ist meist zart, die Hautfarbe weiß und die Stimme sanft und einschmeichelnd. In dem betreffenden Falle konnte der Arzt eine deutliche Ent- wickclungshemmung des Gehirns konstatircn und es entsteht daher die wohlberechtigte Frage, ob in solchen Fällen un- naiürlich-leidenschaftlichcr Ausbrüche der Arzt oder der Straf- richter zu Hilfe zu rufen sei. d. Baar Geld lacht. Der kleine Mann hält Papiergeld immer noch nicht für vollgiftig. An der Wechselstube des Stadtbahnhofes Friedrichstraße erschienen gestern zwei Schlefier, welche nach langen Jahren aus Australien in die Heimath zu- rückkehrten. Ihre Ersparnisse hatten fie fich auf die Bank von England anweisen lassen und bei ihrer Ankunft in London in Empfang genommen. Jeder von ihnen besaß 500 Pfund. Sie hatten dieselben in Gold erhoben und brachten fie in Original- säckchen der Bank von England mit. Hätten fie fich das Geld in Papier auszahlen lassen, so hätten fie Jeder 25 Mark pro- fitirt. Auch hier nahmen sie dafür wieder deutsches Gold statt zinsttagcnden Papieren, zu deren Ankauf fie fich wohl doch werden entschließen müssen. Trotzdem die Leute die halbe Welt gesehen hatten, waren fie Bauern geblieben. Der Berg Gold, den fie einheimsten, erregte allgemeine Aufmerksamkeit. P. Ein Opfer der Berufspflicht. Aus der vierten Etage des Neubaus an der Spandauerbrücke und Rosenthaler- straße stürzte gestern, Montag, Nachmittag gegen 4 Uhr ein Maurer, oben auf dem Gerüst strauchelnd, auf das Straßen- pflaster mitten unter die Passanten. Beim Hinabstürzen schlug der Unglückliche mit dem Kopfe auf verschiedene Netzriegel der äußeren Rüstung, sowie auf einen halbfertig gemauerten Balkon und stürzte dann schließlich auf das hölzerne Schutzdach mit dem Rückgrat aufschlagend zur Erde- Mit schweren Ver- letzungen, aber noch lebend, wurde der Verunglückte sofort per Tragkorb nach dem nahcbelegenen Krankenhause geschafft. Eine große Blutlache, welche die Stelle bezeichnete, wo der Verun- glückte zur Erde gefallen, wurde noch stundenlang von Vor- übergehenden schaudernd umstanden. Bewegung der Bevölkeruag der Stadt Berlin. Im Monat Juli d. I. fanden 929 Eheschließungen statt. Bei 791 Eheschließungen waren Mann und Frau gleicher Konfession, und zwar waren 750 evangelische, 18 katholische, 23 mosaische Paare. Evangelische Mischehen waren 59, mit 58 katholischen, 1 mosaischen Frauen. Katholische Mischehen waren 71 mit evangelischen Frauen. Mosaische Mischehen waren 6 mit evangelischen Frauen. Zwei Disfidcnten ehelichten evangelische Frauen.— Zum ersten Male heiratheten 794 Männer, 845 Frauen; zum zweiten. Male 128 Männer(106 Wittwer, 22 Geschiedenes 81 Frauen(58 Wittwen, 23 Geschiedene), zum dritten Male 6 Männer(5 Wittwer, 1 Geschiedener), 2 Frauen'1 Wittwe, 1 Geschiedene), zum 1 Frau(Wittwe). Lebend geboren wurden darunter 432 außereheliche. Todtgeboren mit 30 außerehelichen. Es fanden 5 außereheliche Zwillings-Geburten statt. Die Zahl der Sterbe- fälle betrug 4050. Von den Gestorbenen erlagen an Masern 45, Scharlach 23, Rose 4, Diphtheritis 107, Kindbettsiebcr 14, Typhus 16, Ruhr 26, Syphilis 6, Alter s schwäche 62, Gehirnschlag 74, Bräune 1, Keuchhusten 24, Lungenentzündung 135, Lungenschwindsucht 321, Diarrhöe 494, Brechdurchsall 1166, Magendarmkatarrh 139. Durch Vergiftung kamen 13 Personen um, hiervon 3 durch Selbstmord, 9 durch Alkoholvergiftung (velirivm tremens). Eines gewaltsamen Todes starben 59 Per- sonen, und zwar durch Verbrennung 3, Ueberfahrcn 3, Sturz oder Schlag 19, Erschießen 4, Erhängen 11, Ertrinken 14, andere gewaltsame Todesursachen 5. Hierunter find 37 Todes« fälle durch Unglücksfälle, 22 durch Selbstmord herbeige- führt. Unter den Gestorbenen find 2931 inkl. 531 außereheliche Kinder unter 5 Jahren, also 72,4 pEt. Im Alter von 5 bis 15 Jahren starben 131, 15 bis 20 Jahren 43, 20 bis 30 Jahren 153, 30 bis 40 Jahren 185, 40 bis 60 Jahren 303, 60 bis 80 Jahren 255, über 80 Jahren 49 Personen. Im ersten Lebensjahre starben 1942 eheliche, 495 uneheliche, zusammen 2437 Kinder, und zwar im 1. Monat 345, 2. Monat 237, 3. Monat 241, 4. Monat 243. 5. Monat 244, 6. Monat 249, 7. Monat 219, 8. Monat 168, 9. Monat 166, 10. bis 12. Monat 532, davon waren ernährt mit Muttermilch 241, Ammenmilch 10, Thiermilch 1397, Milchsurrogaten 74, gemischter Nahrung 532, nicht angegebener Nahrung 183. In hiefigen Krankenhäusern starben 538, einschließlich 65 Auswärtige, welche zur Behandlung hierhergebracht waren, und zwar im Elisabeth-Krankenhaus 21, wo AndraS wohnte und weckte ihn aus seinem besten Schlafe. „AndraS, steh' er schnell auf!" „Kommen unS etwa die Tartaren auf den Hals?" brummte er und wendete sich auf die andere Seite, um weiterzuschlafen. „Steh' er schnell auf, ein großes Unglück ist ge- schehea l" „Was Sie nicht sagen!" „Erinnert er sich noch an den siovakischen Feldhüter, den wir vorgestern einsperrten?" „Meiner Treu, den haben wir rein vergessen!" „Weiß er auch," rief ich verzweifelt,„daß der Unglück- liche seitdem verschmachtet sein kann?" „Kann schon sein. Obzwar dadurch dem Komitate kein allzu großer Schaden geschähe." „Schnell! Wir wollen ihn hinaus lassen. Eins, zwei!" „Um diese Zeit?" staunte AndraS. Dennoch erhob er sich und ging mit. Unterwegs gab er aber seiner Unzufriedenheit in folgenden Worten AuS- druck: „Das ist eine vergebliche Mühe, gnädiger Herr! Nehmen wir den Fall, der slovakische Bengel wäre gestorben, so können wir ihn ohnehin erst morgen begraben lassen; lebt er aber noch, so schläft er um diese Zeit und wird sehr unzufrieden sein, daß man ihn aufweckt." „Gehen wir nur!" Die Schlüssel holten wir aus der Kanzlei und durch- schritten hierauf in tiefer Stille den Hof. Meine Schläfen glühten, das Herz pochte mir zum Zerspringen, ich vermochte mich kaum aufrecht zu erhalten. O, diese fürchterlichen Mi- nuten wogen reichlich ein Zahr des Leidens auf'. Der Schlüssel knirschte im rostigen Schlosse, die Thür öffnete sich... „Gehe er voraus, AndraS," flüsterte ich mit zitternder Stimme,„befühle er seine Hände und sein Angesicht.. Ach, ich fürchte mich!" „Die Hand ist kalt, gnädiger Herr." Elisabeth- Kinderhospital 3, Bethanien 36, Friedrichshaul l, Hcdwigs-Krankenhaus 47, Jüdisches Krankenhaus 9, Klinitu® � Üniverfitäts Frauenklinik 14, Auausta-Hospital 18, Lazarus-?«' kenhaus 29, Mililäilazareth—, Städtisches Krankenhaus M»« 63, Charitö 163. Auf die 13 Standesämter vertheilen W* I Todesfälle folgendermaßen: Berlin- Köln-Dorotbeenstadt-f Friedrichstadt 97, Friedrich- und Schöncberger Vorstadt Friedrich- und Tempelhoker Vorstadt 308, Louiienstadt jenp 539, Louisenstadt diesseits und Neu-Köln 281, Stralau Viertel 612, Königstadt 247, Spandauer Viertel 196, Zi°i» thaler Vorstadt 558, Oranienburger Vorstadt 387, Friedm Wilhelmstadt und Moabit 198, Wedding 385. Die geborenen find 33,64, die Todtgcborenen 1,31, die Sterbet«- 37.25 pro Mille der fortgeichrrebenen Bevölkerungszahl.* wurden 10 374 Zugezogene, 10 342 Weggezogene gemeldet,# in Gasthäusern ic. nach polizeilicher Meldung 33 475 FreB beherbergt. Die Zahl der im Monat Juli vorgekommenen fektions-Erkrankungssällc betrug an Typhus 149, Pocken- Masern 359, Scharlach 157, Diphtheritis 553, Kindbettfiebcrl Die größten Zahlen unter diesen Erkrankungen entfallen® Standesamt VII mit 206, Vi mit 160, X mit 147, V t Hl Fällen., i. Auf unseren Wochenmärkten macht sich seit en«« feit eine ganz erhebliche Preissteigerung für Lw edem k. bemerklich. Schweineleber, die von ärmeren ihres billigen Preises wegen(60 Pf. pro Pfund) viel gel«» wurde, ist auf 90 Pf. rn die Höhe gegangen und wirb großen Fässern von außerhalb hier zu Markte gebracht. man den Erklärungen der Händler glauben, so wäre das If nannte Nahrungsmittelgesetz Schuld daran, das bei der!- fertigung von Leberwurst die Verwendung anderer Materw« namentlich der früher viel dabei konsumirten Semmel,« mehr zuläßt und so die Verwendung der Leber zu dieser BZ fich besser bezahlt macht, als bei dem früheren billigen preise. E. Ein eigenthümlicher, glücklicherweise seltener» blick zeigte fich Sonnabend Nachmittag den Passanten! Blumenstraße. Die Sttaße entlang kam der Handelst Mahlow aus Friedrichsberg mit seinem Wagen. Vor' Wagen war ein Schimmel gespannt, welcher elend und nm aussah und außerdem zwei große offene Wunden auf der � hatte. Das Pferd war nicht anders fortzubewegen, als W jeder Seite zwei bis drei Männer dasselbe aufrecht h>� während einige Andere de» Wagen schoben. R. Vier Steinmarder spielten am Sonnabends dicht neben der National- Gallerte miteinander und wow dreist, daß fie einem hinzukommenden und fie beobarhw Herrn bis auf etwa drei Schritt an fich herankommen ehe fie die Flucht ergriffen und fich unter einer großen platte verbargen. ar. Einem bedauerliche« Mistgeschick ist am Sotrf der sechsjährige Sohn des Mödelbändlers Mielsch x Königstr. 38) zum Opfer gefallen. Der Knabe, der R suchsweise in Eberswalde aufhielt, spicltelmit einigen% in einer Sandgrube. Während die Kleinen mit kiB- Freude an ihrem harmlosen Spiel fich ergötzten, gerieth � der Sand von oben in Bewegung, und ehe die Knaben. das Bedenkliche ihrer Lage zu fassen vermochten, w»«'* kleine Mielsch von dem herabstürzenden Sande verschüttet. andern Knaben gelang es zu cnt'ommen, und obwohl IJsu der Stelle nach Hilfe für ihren Spielgenossen so fanden die Rettenden den Knaben doch nur als> wieder. � b. Bei Lcichenfunden geht es in der Umgegen°� Berlin noch recht schwerfällig zu. Am Freitag voriger schwamm in einer Bucht der Oberspiee eine männliche i an. Am Sonnabend wurde sie untersucht und dai-� Waffer an einen Pfahl festgebunden, bis die gerichtliches suchungskommisfion an Ort und Stelle erschienen sei,«*7 Montag der Fall sein sollte. Ji Der Hund— kein Zugthier. Unter dieser ll(%j bringt das„Badeblatt" in Karlsbad folgende interessantes Jedes Thier erfüllt einen Zweck im Haushalte der 9WV nach Körperentwickelung und Eigenschaften ist dieser NatA» dem Menschen mehr oder weniger dienlich- auch Deshalb unterscheidet man in dieser Beziehung schädliche Thiere. Der Mensch hat das unbestreitbare die Thiere für seine Zwecke zu verwenden, auszunützen � der Mensch von diesem Rechte einen vernünftigen v'. p so wird er gegen die Gesetze der Natur und gegen of.> der Thiere nicht verstoßen. Leider verkennt der Me>ö®J seine Pflicht, indem er Thiere in naturwidriger Weist u nein Nutzen verwendet. Jede vernünftige, der Naffiip Thieres zuwiderlaufende Verwendung desselben ist 3% — Thierquälerei.— Der Mensch bat die Begabung, t"- nach ihren Eigenschaften und Kräften, nach ihrer gewisse Zwecke abzurichten, gebrauchsfähig zu machen; � den Ochsen nicht zur Jagd verwenden wollen, das Pstk> als Wächter aufstellen und den Hund nicht als ZuM- wenden. Der handwerksmäßige Gebrauch eines AO'j Zwecken, die dessen Natur zuwiderlaufen, ist eine W« keit gegen die Thierwelt und unerlaubt nach den GestfJ Vernunft und der Moral. Der Hund ist dem™ „Rufe er ihn beim Namen!" stöhnte ich. „He Miso! Miso Vrana!" „Hop!" rief dieser und sprang auf. � Zn meiner Freude hätte ich ihn schier»ma fehlte mir aber die Kraft. „Du lebst also noch, Michael?" „Natürlich!" erwiderte er. „Wir glaubten, Du wärest schon gestorben, y „Warum nicht gar!" meinte er, schier beleidig solchen Zumuthung.» f „Du bist frei, Michael Vrana, und kaum gehen.". ji Er gab keine Antwort und hat nur ein wen» Zch glaubte, er wolle mich an der Kehle packen,| meine Willkür zu rächen. Ich hätte eS von ihm genommen.,_ st1 Doch er that nichts von alledem,% fich nieder und küßte mir mit großem Ger Hand. „Besten Dank, gnädiger Herr, daß Sit lassen," sprach er;„ich bin ja kein so gottloser,{ Die Schamröthe stieg mir inS Angesicht u«d ihm meine Rechte. Er setzte dm breitkrSmprg�'( und schnallte den Gürtel fester. f »Ich habe eS ja gleich gedacht, daß man wy jjl' würde. Dmn ich weiß nur zu gut, wie'gereckt Komitat ist."-----1---- yf* Das war mein einziger Gefangener. Ganz, a K schaffen als die heutigen, welche man hier fängnisse vergißt. Er wußte, was Anstand serspäter trat er zu mir in die Kanzlei. J „WaS giedt'S, Freund Michael Vrana? � Er nahm einm geflochtmm Handkorb h«»'� mantel hervor.,, � CM „Ein bischen süße Traubm habe ich®, ji 1 Herrn gebracht, um meiner Dankbarkeit Ausv f ... Zch kostete die Traubm, mir kamen süß vor. Viclseiti'gkei rm Dienste der muthet �astthier zu unseren Ha Herabwürdi überhaupt c Einschließui dst sich zu ngnen fich jurn Ziehen hierzu körpe -ttehengänge auf den Bo Grad der 9 find Hilfsn Nicht zum j «iuck aus, 1 ein Unding thümlich sck und das A springen, Mäßigen Z «Zanken «Milderung 1°, wesentlii wcht zuläsj Hund eins, diese üble< geführt hat «lrlhschaftl juerk nicht Lnnt. In «Merita, d< eineThierq Hunde, ab ssthen und wie ein gr dennoch kc "ich % wir! Und Nicht Nicht als nützlich als Wächter, Hüter, Beschützer, zur Jagd und ?um Vergnügen in mannigfachster Weise. Man spannt «en Hund aoer auch vor den Wagen, eine Erfindung, me dem Menschen nicht zum Ruhme gereicht. Der Natur- Twscher, der Hundekenner und Hundefreund, der Jäger, der Schäfer, der Hundearzt, ja auch der Dieb, fie alle erkennen die Vielseitigkeit und Vortrefflichkeit der Eigenschaften des Hundes im Dienste des Menschen an. Nur wer den Hund nicht kennt, d-rmuthet ihm zu, Zugdienste zu leisten und ihm zugleich als «lafithier zu dienen. Der Hund ist das höchstorganifirte unter Unseren Hausthiercn und ist solche Verwendung sonach eine Herabwürdiauna, eine Schändung seiner seiner Natur. Das Pferd, überhaupt alle Einhufer, sowie jene Pflanzenfresser, welche eine Umschließung der Fußenden in der Form von Hufen befitzen, ble fich zum Schutze derselben mit Eisen beschlagen lassen, mgnen fich dieser Körperbeschaffenheit wegen zunächst und allein »um Ziehen und Lasttragen. Dagegen find alle Fleischfresser hierzu körperlich nicht geeignet. Der Hund als ein solcher ist Lehengänger, die gegliederte Pfote ermangelt beim Aufsetzen °uf den Boden eines festen Stützpunktes und erträgt nicht jenen JSrad der Abnützung, welche ein Hufeisen ersetzt. Die Pfoten fiiid Hilfsmittel zum Laufen und raschen Bewegungen, aber Wcht zum Ziehen Des Hundes Brustgerüste hält keinen Gegen- «rulk aus, daher ein Kummet oder Brustgeschirr an einem Hunde mn Unding ist. Der Gang ist abweichend, nach Brehm„eigen- Wmlich schief", daher nicht in die Spur des Vorderfußes treffend und das Anziehen nicht gradlinig. So kräftig der Rücken zum «onnge n, so unvottbeilhaft ist er für Entwickelung einer gleich- Maßigen Zugkraft. Die Äthmung wird in der sehr beengten Brust so gesteigert, daß fie das Thier rasch erschöpft, wozu der m der Thiergaitung liegende Uebereifer wesentlich beiträgt. Un- iahlige Hunde erliegen sehr bald bei diesem Geschäfte, andere Franken häufig, alle find elend. Keine Natur- ichttdcrung rühmt die besondere Begabung des Hundes ms Zugvieh. Jene Völker, welche von dem Hunde ougdienste verlangen, weichen in ihren Lebensverhältnissen »o wesentlich von den unfern ab, daß ein Vergleich absolut nicht zuläsfig ist. Die Grönländer würden bei uns gewiß keinen Kund einspannen. In Europa giebt es einzelne Landstriche, wo niese üble Gewohnheit fich eingebürgert und zu Ausschreitungen Wührt hat. Eine Masse Menschen lebt unter ganz gleichen mirlhschaftlichen Verhältnissen, viele glauben ohne das Hundefuhr- werk nicht existiren zu können, während die Mehrzahl es gar nicht wnnt. In einzelnen Ländern ist es geradezu verboten(England, «merita, derSchweiz rc.), warum?— weil es nicht nothwendrg und mneThierquälei ist. Es giedtPrerde, die nicht größer find als große Kunde, aber es find eben Pferde; sie haben Hufe und können iwhen und lasttragen; wenn dagegen der Hund so groß wäre, wie ein großes Pferd, er wäre der seiner eigenartigen Bauart dennoch kein Zugthier. Wenn es nun mit unserem unglück- Zeugen Hundefuhrwerke so weit gekommen ist, daß die Po- uzn dafür sorgen muß, daß keine zu kleinen, schwächlichen und wuchtigen Hunde eingespannt werden, daß der Besitzer geeignete Wagen(zwei- statt vierrädrige) verwenden und sich wicht auch noch zu der Last auf denselben setzen und nicht lwnell fahren, daß fie Unterlagdecken und Wassergesäße mit fich 'Uhren, und dergleichen Vorschriften noch mehr, dann ist es wirklich sehr miserabel um dieses Verkehrsmittel bestellt ünd Jeder, der sein Hundefuhrwerk ganz abschafft, giebt nicht nur ein gutes Beispiel, sondem er zeigt, daß er ?>cht in Gemeinschaft mit Anderen ein Handwerk betreibt, das fortwährend der strengsten polizeilichen Uederwachung bedarf. Wer möchte fich sagen lassen, er sei ms Hundefuhrwerksbesitzer mitbetheiligt, daß solche behörd- «che Einschreitung nothwendig geworden ist! Wie aber bas überflüsfigste aller Marterwerkzeuge für unsere Kausthiere, das gefährlichste Spielzeug für unsere Kinder, die «Peitsche" nämlich, auch bei dem Hundefuhrwerk nothwendig sein sull, das ist nicht einzusehen, wenn man weiß, wie übereifng fich ?ie bemitleidenswetthcn Thiere bei diesem naturwidrigen Ge- «rauche geberden, fich überhitzen, oder verzweifelnd hingestreckt, «em siWnmfr firfi omeben! Also! fort mit dem Hundefuhrwerke! elehrung und Ermahnung für gänzliche Das Wallnertheater eröffnete am Sonntag die Saison dem„Papageno", Posse in vier Aften von Rudolf Kneisel. Kos Stück ist den Berlinern nicht neu und man kann nicht JSsien, daß dasselbe während der Ferien besser geworden wäre. jMenn man auch nicht behaupten kann, daß es in der Posse ssut gezeichneten Charaktere gäbe, daß fie gänzlich der ko- Mchen Momente entbehre, so find im Allgemeinen die-. Witze M viel zu gewaltsam und zu wenig spezifisch- berlinisch, als ??» das Stück selbst einen wenig kritischen Zuschauer vollstän- g befriedigen könnte. Die etwas spärliche Handlung reicht �wt einmal für die vier Akte aus, so daß hin und wieder tti.W— anerkennenswerthcr______ ilirpr£ J�lle Mitoirfenben waren entschieden bestrebt, fich von besten Serte zu zeigen, und wenn das Publikum sich zu- btwas kühl verhielt, so wurde die Stimmung all« 3 bock animirter. Fräulein Meyer war allerdings kein ci?™' welches an Ueberbildung leidet, fie scheint für iz»�3�RoUen nicht geschaffen zu sein. Ebenso geben die «s s-i!?- Alerander und Ottbert ihre Rollen ein wenig zu steif, «orfr./ v r eigentliche Schliff, der auch in den weniger her- viuß Personen ganz entschieden zur Geltung kommen von IM' Bertha Stein tritt heute(Dienstag), nachdem fie sechswöchentlichem Urlaub gekräftigt nach Berlin �ruckgckehrt ist. im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater als st-in3 xn} Großmogul wieder auf. Die letzte Sonntagsoor- Zß land vor sehr gut besuchtem Hause statt. »uck Louisenstädtisches Theater. So sehr man sich so ben erziehenden Einfluß einer guten Bühne klar ist, den?« C tä dennoch verschwindend wenig Musentempcl, in der 7C." breiteren Volksschichten durch ein geringes Entree halb �!. möglich ist. Um so sympathischer stehen wir deS- Unternehmen des Herrn Direktors Firmans gegenüber, fdW t-l0"1. Eonnabend eine Volksopersaison im„Louisenstädti- Daz nR mit dem unverwüstlichen„Troubadour" eröffnete. lebK„kl'M°?mse war ein über Erwarten gutes und spendete das den m nnimirte Publikum den wärmsten Beifall. Frl. Weibel. flan, l"1" nicht unbekannt, sang und spielte die„Leonore" ühJ bo�üglich, nachdem sie eine anfängliche Jndispofition eine» f"�n. 8" Herrn Polard als„Manrico" lernten wir deffe» r It? Tenor von ganz respektablem Umfange kennen, �eiknn �?�s Spiel bei den ZuHörem den wohlverdienten alz ru.bNl�te. Frl. Rissen als„Azneena" und Herr Lüden Eicke�Ä �lmQ" bestanden ihre Feuerprobe mit Frische und «ntaen.� kam ihnen das Publikum auf das Wohlwollendste Ins,.?,!?.' Tsie Chöre waren gut geschult und verdiente die '»mirung alles Lob. »WWW den elterlichen Wohnungen überfahren. Beide erlitten anschei- nend unerhebliche Verletzungen.— An demselben Tage Abends hatte fich der 9 Jahre alte Knabe Böhm, Koloniestraße 119 bei den Eltem wohnhaft, auf die Deichsel eines Wagens ge- setzt, welcher an einen mit Pflastersteinen beladenen Arbeits- wagen angekoppelt war, fiel dabei zur Erde und wurde über- fahren. Er erlitt derartige Verletzungen, daß er nach dem Augusta- Hospital gebracht werden mußte, woselbst er schon am nächsten Morgen verstarb. Am 30. v. M. Morgens gerieth in einer Küche des Hauses Landsbergersttaße 73 die Balkenlage unter der Kochmaschine in Brand. Die Feuerwehr war zur Stelle und etwa zwei Stunden in Thätigkeit.— An demselben Tage Morgens wurde ein Mann in seiner Wohnung, Ber- nauersttaße, und am Nachmittage ein Mann auf dem Boden eines Hauses in der Etraußbergersttaße erhängt aufgefunden. — An demselben Tage Abends wurde vor dem Hause Gräfe- straße 20 eine etwa 35 Jahre alte Frauensperson todt aufge- funven. Dieselbe war anscheinend am Herzschlage verstorben und wurde die Leiche nach dem Obduftionshause geschafft. Gerichts-Zeitung. Ein nächtliches Abenteuer, welches der Hierselbst studi- rende Pharmazeut Willy K. zu bestehen hatte, fand gestern ein Nachspiel vor der 91. Äbtheilung des Schöffengerichts, woselbst gegen den Genannten wegen Beamtenbeleidigung und Wider- stands gegen die Staatsgewalt verhandelt wurde. In der Nacht zum 16. Juli fand der in der Wilhelmstraße patrouillirende Wächter den Angeklagten in halb entkleidetem Zustande auf dem Trottoir liegen. Er hielt denselben für betrunken, brachte ihn nach längerem Rütteln zu fich und erhielt auf sein Be- fragen die Antwort, daß er im Hause Wilhelmstraße 52 wohne. Die Kleider unter den Arm nehmend, taumelte der Ange- klagte von dannen und der Wächter beobachtete noch, wie der- selbe in dem Eingang des bezeichneten Hauses verschwand. Nach einigen Stunden wurde der Wächter von einigen jungen Leuten avifirt, daß in der Wilhelmstraße, in der Nähe der Zimmerstraße, ein halb entkleideter Mensch auf dem Pflaster liege. Wiederum fand der Wächter den Angeklagten in der vorbeschriebenin Verfassung und anscheinend im tiefsten Schlafe auf der Straße liegen. Nachdem er ihn ermuntert, machte er ihn darauf aufmerksam, daß er nicht im Befitze einer Uhr und möglicherweise bestohlen worden sei, erhielt aber von dem An- geklagten eine ungezogene Antwort. Da die Aufforderung an denselben, fich zu bekleiden und nach Hause zu gehen, auf den hartnäckigsten Widerstand stteß, so rief der Wächter fich noch einen Kollegen herbei und Beide vesuchten nun, den Ange- klagten nach der Wache zu bringen. Dieser wurde aber plötz- lich von einem wahren Wuth- Paroxismus ergriffen, ein ge- waltiger Fanstschlag traf den einen der Beamten ins Gesicht und im nächsten Augenblicke lag auch der zweite am Boden. Endlich gelanges den vereinten Bemühungen der Beamten, den Tobenden zu überwältigen und zur Wache zu bringen, woselbst er erst einen veritablen Krampfanfall zu bestehen hatte und sodann in einen tiefen Schlaf verfiel. Im Termine bekundeten die Wächter, daß fie den Angeklagten für stark betrunken, aber nicht für sinnlos gehalten hätten und wollte der Staatsanwalt denselben mit einer Gesammtstrafe von 50 Mark bestraft wissen. Der Angeklagte erklärte, daß ihm sehr wohl bekannt sei, daß Trunkenheit als Milderungsgrund angesehen werde; er könne den letzteren aber nicht für fich in Anspruch nehmen, denn er sei ganz entschieden nicht betrunken gewesen. Wohl aber sei er in der Wilhelmstraße von einer Anzahl Strolche überfallen worden und ein heftiger Schlag über den Hinter- köpf habe ihn besinnungslos zur Erde sinken lassen. Von diesem Augenblicke bis zu dem Zeitpunkte, als er auf dem Polizeirevier eewachte, sei er bewußtlos gewesen, wenigstens wisse er von dem, was in der Zwischenzeit vorgegangen und was er begangen haben sollte, keine Spur. Da nach dem Zeugnisse des Polizei-Kommissars der Angeklagte in der That eine anscheinend von einem Schlage herrührende große Beule auf dem Hinterkopfe gehabt, so hielt der Gerichtshof nicht für ausgeschlossen, daß der letztere dadurch in einen Zustand versetzt worden war, welcher ihm die freie Willens- bestimmung raubte und erkannte auf Freisprechung des An- geklagten. In bedenklicher Verfassung erschien gestem der Vieh- treiber Julius Schnur vor der 93. Abtheilung des Schöffen- gerichts, um sich wegen einer auf„Unfug unv Hausfriedens- bruch" lautenden Anklage zu verantworten. Er hatte äugen- scheinlich dem Schnaps zu sehr zugesprochen, denn seine Augen hatten jenen, den Trunkenbolden eigenthümlichen stieren Blick, seine Stimme war rauh und wurde von häufigem Schluchzen unterbrochen. Den Unfug sollte der Angeklagte dadurch be- gangen haben, daß er sich auf offener Straße prügelte. Als er zur Wache gebracht war, wurden wie üblich seine Persona- lien festgestellt und sollte er dann wieder nach Hause gehen. Er war aber, wie die Anklage behauptet, nicht zu bewegen ge- wesen, das Polizei-Bureau zu verlassen, bis er mit Gewalt entfernt wurde. Präs.:„Angeklagter, räumen Sie beide Vergehen ein?" Angekl.:„Det ik mir jehauen habe, det jebe ik Beifall, aber nich mit'ne Pulle, denn wo werde ik mit'ne Pulle hauen, wo noch wat in is; blos mit die Faust. Abersten der Schutzmann brauchte mir ooch nich jleich die Hände und Füße zu knebeln, det ick mir nich die Oogen auswischen und rnch treten konnte, ick bin allemal derjenigte, der den Beamten folgen thut, denn ick weeß, wat darnach kommt." Präs.:„Warum find Sie denn nicht gegangen, als der Telegraphist Sie aufforderte, das Bureau zu verlassen?" Angekl.:„Weil det mit meine Ansichten von Ehrgefühl un Moral nich zusammendreffen dhut, ick wette, wenn ick rausjejanaen wäre, fie hätten mir soforten wieder in- jclocht von wejen Schamverletzung, wat en schwerer Jesetzes- Paragraphen is un noch über Hausfriedensbruch steht. Präs.: „Wegen Schamverletzung? Wieso?" Angekl.:„HerrJenchtshof, die Schutzleite hatten mir so darjestellt, det ick nich uf die Straße jehn konnte; von hier bis hier un von hier bis hier, un denn noch en Paar mal quer rieber hatten fie mir die Hosen vollständig ufjerissen un da ick blos det eene Paar anhatte, so wollte ick von wejen Nackigtkeit un Echamverletzung mir uf de Straße nich sehen lassen. Un da habe ick denn natierlich ver- langt, fie sollten nach meine Olle schicken, det fie mir die Sonn- tag'schen bringt. Aber det wollten sie ja nich."— Die Schutz- leute bekundeten, daß der Angeklagte seines ungebührlichen Benehmens wegen gebunden werden mußte, daß dessen Bein- kleider aber in derselben Verfassung geblieben waren, wie fie der Träger dahin gebracht hatte. Derselbe habe lediglich chika- niren wollen, sei aber stark betrunken gewesen. Aus letzterem Grunde beanttagte der Staatsanwalt unter Annahme mildemder Umstände eine Gesammtsttafe von 40 Mk. oder entsprechender Freiheitsstrafe. Während der Berathung meinte der Angeklagte zu einem im Zuhörrerraum befindlichen Bekannten:„der Spaß wird woll so'n zwanziger Mark kosten," und ein befriedigtes Lächeln spielle um seine Lippen, als seine Taxe fich als richtig erwies. Der Gerichtshof hielt den Hausfriedensbruch als im finnlosen Zustande begangen und sprach den Angeklagten dieser- halb frei, dagegen erklärte er den groben Unfug dadurch für konsumirt, daß sich der Angeklagte bis zur Unzurechnunasfahlg- keit bettank.„Werden Sie sich bei dem Urthell beruhigen. fragte der Präsident nach der Publizirung.„Jh wo, noch lange nick, wir jeh'n bis an't Kammerjericht", erwiderte der Angeklagte und äußerte auf dem Flur höchst vergnügt:„Det haben wir höchst-elhäiig-ißvoUe Fol, £»Ä verhandelte. Zu den Obliegenheiten des Angeklagten gehörte u. A. auch, daß er Gerichtskosten, Strafgelder rc. einzuziehen und an den Gemeindevorsteher Scholl einzuliefcm hatte. Es war ihm von seinem Vorgesetzten die Erlaubniß ertheilt wor- den, den Parteien die ratenweise Tilgung der Kosten zu ge» statten und durfte er die einzelnen Beträge so lange in seinem Gewahrsam behalten, bis die ganze Summe bezahlt war. Am 4. September v. I. war der Amtsdiener plötzlich verschwunden, weder sein Vorgesetzter noch seine Familie wußten, wo er ge- blieben und bald ging das Gericht von Munde zu Munde, daß er fich das Leben genommen. Eine Revifion seiner Bücher ergab, daß er noch eine Summe von 41,10 M. in amtlicher Eigenschaft eingezogen und hinter fich haben mußte, doch war das Geld in seiner Wohnung nicht zu finden. Die Ehefrau des Verschwundenen erstattete dce Summe sofort und nahm daher der Amtsvorsteher von einer Denunziation wegen Unterschlagung Abstand und begnügte fich, einen anderen Amtsdiener anzustellen. Inzwischen hatte ein Anonymus der Staatsanwaltschaft Anzeige gemacht und wurde die obige An- klage gegen den Amtsdiener erhoben, als dieser, ebenso unver- muihet wie er verschwunden, nach drei Tagen in Lichtenberg wieder auftauchte und zu seinem Schrecken erfuhr, daß er be- reits einen Nachfolger erhalten. Im Verhandlungstermine wies der Angeklagte in überzeugender Weise nach, daß er kein unred- licher Beamter, wohl aber ein unglücklicher Ehemann ge- wesen. Nachdem er 15 Jahre lang mit seiner Frau ein glückliches Zusammenleben geführt, hat er die ttaurige Ersah» rung machen müssen, daß dieselbe es im Punkte der ehelichen Treue nicht genau nahm. Es kam zu heftigen Auftritten und am 3. September verließ Frau Krönicke heimlich das Haus. Der Angeklagte schilderte in beredter Weise die Verzweiflung. welche rhn hierüber ergriffen; ohne Ueberlegung sei er nach Berlin gefahren und sei hier tage- und nächtelang ziel- und zwecklos umhergeirrt. Nach einigen Tagen sei er doch zu der Erkenntniß gekommen, daß sein Gebadren ein unmännliches und es am besten sei, zurückzukehren. Er habe die Gepflogen» heit gehabt, die amtlich eingezogenen Gelder zwischen seiner Wäsche im verschlossenen Schranke zu verbergen und hier habe er die einkasfirten Gelder sofort hervorgeholt, als er von dem Verdachte, der auf ihm lastete, Kenntncß erhielt. Da fich die Angaben des Angeklagten in allen Punkten wahr erwiesen, so beantragte der Staatsanwalt selbst die Freisprechung des Angeklagten, auf welche der Gerichtshof erkannte. P. Auf eine fürchterliche Art verunglückte am 24. März d. I. in Lichtenrade beim Ausdreschen von Getreide das Dienst» mädchen Anna Fuhrmann. Auf dem Bauerngut der Wittwe Rademeyer daselbst befand fich am genannten Tage eine mit Göpelwerk betriebene Dreschmaschine im Gange, als die Fuhr- mann fich derselben näherte, um herabgefallenes Getreide zu- sammenzuharken, hierbei kam das Mädchen einer außerhalb an der Scheunenwand befindlichen Transmisfionswelle zu nahe und ehe die in der Nähe Arbeitenden irgend etwas davon ge- wahrten, war die Bedauernswerthe an der Schürze und den Röcken von der Welle erfaßt und unzählige Mate um dieselbe herumgeschleudert. Das Geräusch der ber den Umdrehungen dem Mädchen von dm Füßen geschleuderten und wieder niederfallenden Pantoffeln veranlaßten zwar ein anderes in der Nähe arbeitendes Mädchen zu dem Ruf: „Anhalten!"— aber es war zu spät. Das Unglück war geschehen. Dem dedauemswerthen Mädchen waren sämmtliche Gliedmaßen derart zerquetscht, daß fie als eine form» lose Masse von der Welle losgeschnitten und fie zwar noch lebend aber in bewußtlosem Zustande von der Unglücksstelle nach der Charitee Hierselbst geschafft werden mußte, woselbst fie nach Verlauf zweier qualvollen Tage ihren Leiden erlag.— Gegen den Sohn der Bauerngutsbesttzerin, Bauer Wilhelm Rademeyer, welchem der Wirthschaftsbetried von seiner Mutter übertragen und der daher im eigentlichen Sinne als Brodherr der Verunglückten anzusehen ist, war nun auf Grund des obigen Vorganges wegen fahrlässiger Tödtung Anklage erhoben weil er die Anbringung von Schutzvorrichtungen bisher unter- lassen. Die Ferienstrafkammer des Landgerichts II hatte fich am Montag mit der Sache zu befassen. Nachdem über den Einwand des Angeklagten— daß das Mädchen durch eigene? grobes Verschulden verunglückt sei— durch Vernehmung von Zeugen sowie des Gewerberaths Freiherrn von Etülpnagel als Sachverständigen Beweis erhoben worden war, erkannte der Gerichtshof auf Freisprechung. Uerewe und Versammlungen. bi«. Die Steindrucker und Lithographen hielten am Sonntag Vormittag im„Palmen. Saal", Neue Schönhauser» straße 20, behufs Gründung eines Fachvereins eine öffentliche Versammlung ad, die von ca. 500 Theilnchmern besucht war. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Sleindrucker Albert Schulz gewählt; das Referat hatte der Stadtverordnete Goerli über- nommen. In seinem Vottrage eröttette Redner den Nutzen sowie die Ziele der Fachvereine für das materielle und geisttge Wohl der Arbeiter und empfahl den Anwesenden, fich zu einem solchen recht zahlreich zu vereinigen, um den vielen Mißständen in ihren Gewerben, namentlich der unmäßig langen Arbeitszeit, der sog. Ueberstundenarbeit und der überwuchernden Beschäf» tigung von Lehrlingen sowie der schädigenden Konkurrenz durch die Gefängnißarbcit erfolgreich entgegenwirken zu können. An der darauffolgenden Diskusston betlialigtc fich eine große Anzahl von Rednern, die sich insgesammt für vie Nothwendigkeit der Ernchtung eines Fachvcrerns aussprachen und die vorhandenen Schäden beider Gewerbe bloßlegten. Allgemein wurde konstatirt, daß in der Mehrzahl der Geschäfte fast nur mit Lehrlingen gearbeitet und wegen des niederen Lohnstandes unmäßig viel„Ueberstundenarbeit" geleistet wird. So kam z. B. zur Sprache, daß im Geschäft von Hellnegel (Kochstraße) an 9 Maschinen 6 Lehrlinge und nur 3 Drucker beschäftigt seien, während bei der Frrma Fttedberg und Silberstein(Engelufer) seit geraumer Zeit der Arbeitstag von Morgens 7 bis Nachts 10 und oft sogar bis 12 Uhr dauere. um die vorhandenen großen Aufträge ohne Vermehrung des Arbeitspersonals, also billiger effeftuiren und alle 12 Maschinen des Geschäfts arbeiten lassen zu können. Herr Eckatt, der in der Versammlung anwesende Oberdrucker des Geschäfts rief durch die ziemlich brüske Art seiner Rechtfettigung der Maßnahmen der letztgenannten Firma nicht geringe Auflegung in der Versamm- lung hervor und mußte fich namentlich vom Referenten scharfe Zurechtweisungen sagen lassen. Die Versammlung beschloß die Gründung eines„Fachvereins der Steindrucker, Lithographen und Bemfsgenossen" so energisch und rasch als möglich ,u be- treiben und nahm einen Antrag auf Wahl einer aus 15 Mit, C' edern bestehenden Kommission zur Ausarbeitung des Sta- s-c. an. Wu. Die öffentliche Versammlung der Buchbinder. welcheamSovntag Vormittag rn Feueistein's Salon. Alte Jakobstt. 75, stattfand, beschäftigte fich mit der Stellungnahme zu dem von den Leipziger und Stuttgatter Buchbindergehilfen gefaßten Beschluß. nrcht mehr an Sonntagen und nach Feier. abend zu arbeiten, mmdestens nicht ohne eine Exttavergülung rm Betrage von 25 bis 33'/, pCt.- Der Referent Herr Höhne therlte mtt, daß die Leipziger und Stuttgatter Gehilfen, nach» dem fie den erwähnten Beschluß gefaßt, befürchten, die dortigen Verlagebuchhandler möchten die betreffenden Buchbinderar- betten nunmehr in Berlin herstellen lassen. Sei es schon. führte der Referent ferner aus, an und für fich geboten, der in sanitärer und witthschaftlicher Hinfickt die Arbeiter schä- digenden Sonntags- und Ueberstunden. Arbeit auch in Berlin ern Ende zu machen, so erfordere jetzt schon die Pflicht der Kollegialität gegenüber den auswärtigen Gewerksgenossen, daß man fich ihrem Beschlüsse anschließe. An der anrmittcn Dis- kusfion betheiligten fich viele Redner, durchweg im Sinne deS ' t t« 1-4 f 5 Referenten und gegen die Sonntags- und Uebeiswnden- Arbeit. Schließlich nahm die Versammlung einstimmig «ine Resolution an, durch welche ste I. eine höchstens zehn- stündige Arbeitszeit für den hier in Betracht kommmden Buch- binder- Industriezweig für ausreichend und 2. fich für den An- Versammlung den Arbeitgebern zur öffentlichen Meinungs- kundgebuna zu unterbreiten. hfs. Die Versammlung der Schiefer- und Ziegel- decker am Sonntag Vormittag in der Alexandeistr. 31 berieth über die Beantwortung des vom Polizeipräfidium übersandten Fragebogens bezüglich der Sonntagsarbeit und beschloß ein- stimmig, d>nselben im Sinne einer Verneinung der Sonntags- arbeit zu beantworten. Betreffend das Arbeiterschutzgesetz und die Petition der Hamburger Kollegen um Annahme des dies- bezüglichen Gesetzentwurfs wurde eine Kommisfion beauftragt, die Unterschriften der Dachdecker für die Petition zu sammeln. Sämmtliche Anwesende unterzeichneten dieselbe. In Erledi- gung des dritten Punktes der Tages- Ordnung,„Stellung- nähme der Dachdecker Berlins zur Lohnfrage und Wahl einer �ohnkommisfion", wurde ebenfalls eine aus fieben Mitgliedern be- stehende Kommisfion gewählt, welche die Vorarbeiten für die Lohnbewegung zum nächsten Frühjahr ausarbeiten soll. hfa. Eine öffentliche Bildhauer-Versammlung tagte am Sonntag Vormittag im Königstadt-Kafino unter dem Vor- sitze des Herrn Böttcher. Den Hauptgegenstand der Tages- ordnung blldete das vom Referenten. Bildhauer Dupont, be- handelte Thema:„Wie stellen fich die Berliner zu den wich- tigen öffentlichen Tagesfragen?" Der Redner erläuterte in beifällig aufgenommener Weise den bekannten Arbeiterschutz« gesetzantrag, dem er in allen Punkten beipflichtete, um schließ- lich allen Bildhauern die Unterzeichnung der an den Reichstag gerichteten Petition um Annahme des Arbeiterschutzgesetz- entwurfes zu empfehlen. Nach einer lebhaften Debatte, in der fich alle Redner bis auf einen für das Arbeiterschutzgesetz und die Unterzeichnung der Petition aussprachen, gelangte mit allen gegen 3 Stimmen folgende Resolution zur Annahme:„Die heutige Versammlung der Berliner Bildhauer erklärt fich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verpflichtet fich, mach Kräften für recht zahlreiche Unterschriften der Petition um An- nähme des von der sozialdemokratischenFraktion im Reichstage ein- gebrachten Arbeiterschutzgesetzes einzutreten." Hierauf kam die erscheinenden„Anzeiger", in welcher gesagt wird, daß, um die Meinung der Arbeiter zu hören, von Sellen der zuständigen Behörden Versammlungen einberufen werden sollten. Während des Verlescns wurde auch diese Versammlung aufgelöst. Die fünfte Versammlung sollte am Donnerstag, den 28., stattfinden und zwar mit derselben Tagesordnung, wurde jedoch ebenfalls gleich nach der Eröffnung aufgelöst. Plagwitz(bei Leipzig), 29. August. Hierselbst fand am 22. August eine zahlreich besuchte Arbeiterveisammlung statt, in welcher der Reichstagsabgeordnete Kayser folgendes Programm für die bevorstehenden Landtagswahlen aufstellte:„1. Forderung eines allgemeinen direkten Wahlrechts bei der Landtags- wähl, also vor Allem Abschaffung des 3-Mark-Zensus für das aktive und des 3V Mark- ZensuS für das pasfive Wahlrecht; 2. Einführung deS unentgeltlichen Schulunterrichts und Ueber- nähme der Kosten desselben auf den Staat; 3. staatliche Armenpflege, wodurch �namentlich der unhaltbare Zustand beseitigt nähme des von der sozialdemokratischenFrattion im Reichstage ein- gebrachten Arbeiterschutzgesetzes einzutreten." Hierauf kam die Krankenkassen frage und die von Herrn Buda in Erinnerung gebrachte Thatsache zur Sprache, daß der eventuelle Austritt aus der Ortskrankenkasse behufs Eintritts in die freie einge- schriebcne Hilfs Krankenkasse des Unterstützungs-Vereins der Bildhauer Deutschlands bis zum 31. Dezember geschehen und demselben eine dieimonatliche schriftliche Kündigung voraus- gehen muß.— Herr König empfahl recht rege Betherligung an der bevorstehenden Kommunalwahlbewegung und als geeignetste Zeitung für die Arbeiter das„Beruner Vollsblatt". Auch nahm die Versammlung einstimmig einen Antrag an, den vcr- bleibenden Ueberschuß einer zur Deckung der Versammlungs- Unkosten veranstalteten Tellersammlung dem Unterstützungsfonds der Bildhauer zu überweisen. Brandenburg a/H., 30. August. Fünf Versammlungen hintereinander aufgelöst. Unsere Leser werden fich noch der Mittheilung erinnern, daß der Herr Oberbürgermeister in Bran- denburg keinen Referenten von außerhalb sprechen läßt. Aber auch Einheimische werden nur sehr selten zum Wort zu- gelassen. Die folgenden Beispiele mögen das bewerfen. Am Sonntag, den 16. d. M sollte hier eure Versammlung statt- finden, in welcher Herr Ewald über das Arbeiterschutz-Gesetz ertheilte der Vorfitzende----------......-r,„.. der Petttion. Kaum hatte der Vorfitzende dre Worte gesagt: „Ich ertheile Herrn Ewald das Wort zur Verlesung der Pe- tition" wurde die Versammlung aufgelöst.— Am Montag, den 17. fand eine Versammlung statt, in welcher der Stellmacher Herr Reese von hier über das Reichskrankenkaffew Gesetz sprechen wollte. Als derselbe sagte:„Ick will nicht, daß mein Arbell- aeber für mich einen Theil des Beitrages bezahlt, dazu bin tch zu stolz, den bezahle ich aus meiner Tascke," wurde auch drese Versammlung nach einer Dauer von 10 Minuten aufgelost.- Am Mittwoch, den 19., sollte wiederum eine Versammlung wegen einer Petition betteffs des Arbeiterschutz- Gesetzes statt- finden. Als fich nach Verlesung der Petition und nachdem Herr Hoffmann kurze Zeit gesprochen, Herr Ewald zum Wort meldete, wurde auch diese wieder aufgelost. Dre vrerte Ver- sammlung sollte Montag, den 24. d. M. stattfinden und sollte auch in dieser die Petttron berathen werden. Glerch nach der Eröffnung hielt der Vorsttzende, Posamentier Hoffmann, eine kurze Anrede. Hierauf verlas derselbe eine Notiz aus dem hrer werden soll, daß Schulgeldrestanten Almoscnempfänger werden; 4. Aufhebung bei Etaatsanstellungen des Unterschiedes zwischen Festangestellten und Diätaren; 5. GehaltS- und Lohnerhöhung für die niederen Beamten und besonders für die produktiven Staatsarbeiter und 6) Einführung einer schärferen Kontrole der Handhabung der Polizeigewalt.(Beschwerde- Instanz.)" Zu diesen Forderungen sagt nun das„Leipziger Tagcbl.":„Die Hauptsache in dem vorstehenden Programm ist also, daß Jever« mann auch bei den Wahlen zum Landtage wahlberechtigt sein soll, ohne daß er dem Staate gegenüber etwas leistet."— So spricht ein nationalliberalcs Blatt! Zunächst merke man fich hier den offenen Angriff auf das allgemeine gleiche Wahlrecht, dann aber ist es geradezu unerhört, den Arbertern, welche keine drei Mark direkte Steuern zahlen, vorzuwerfen, daß fie für den Staat nichts leisteten. Man rechne nur die indirekten Steuern an das Reich, wodurch die Mattikularbeiträge unseres Königreichs auf ein Minimum reduzirt werden; man Senfe nur an die Arbeitsleistung überhaupt, wodurch doch in der Haupt- fache mit das Staatsgefüge erhalten bleibt. Da die National- liberalen in letzter Zert fich als besonders arbeiterfreundlich hin- stellen, so ist es wohl am Platze, solche Aeußcrungen eines her- vorragenden Blattes dieser Partei festzunageln. Der Bezirkoverei» des werkthätigen Volkes im 29, 30. und 31. Kommunal Wahlbezirk hält heute Abend im Re- taurant Woltag, Lothringerstt. 59, eine Versammlung ab. !.-O.: Vortrag des Herrn R. Schulz über:„Kommunale Angelegenheiten." Die Bewohner des 28. Kommunal-Wahlbezirks, in welchem in diesem Jahre eine Ersatzwahl zur Stadtverord- netenwahl stattfindet, find ganz besonders eingeladen, in dieser Versammlung zu erscheinen.— Der Vorstand des Vereins war genöthigt, das Lereinslokal zu verlegen, weil der seitherige Vereinswirth sein Lokal für den Verein zur Abhaltung von Versammlungen nicht mehr bergeben wollte- Die Revisionskommtsflon, welche gewählt worden ist, um eine Revifion der Abrechnung der Streikkommisfion, welche den Streik der Arbeiter der„Aniunfabril" leitete, vorzunehmen, steht fich genöthigt, ihr Amt niederzulegen, da das betreffende Matena!, welches vom Kasfirer der Elreikkommisfion vorgelegt worden ist, keinen genügenden Aufschluß giebt und deshalb die Ermittelung eines genauen Resultats den Unterzeichneten unmöglich ist. Berlin, den 31. August 1885. Die Revifions- kommrsfion. A. Rosenow. W. Hensel. F. Ludwig. H. Peters. W. Reiber. Der Louisenstädtische Bezirksvereiu„vorwärts" bält am Mittwoch, den 2. September, im Restaurant I. Reiff, City-Paffage, Dresdenerstt. 52/53, eine Vereins- Versammlung ab. Die Tagesordnung wird in der nächsten Nummer dieser Zeitung durch Inserat bekannt gemacht. Die Petitton, das Arbeiterschutzgesetz betteffend, liegt zur Unterschnft aus. Äußer- dem find noch Listen zur Unterschrift bei den bereits früher an dieser Stelle benannten Herrn zu haben. Sentral- Kranke«- und Sterbekasse des Deutschen elder Bundes, Verwaltungsstelle Berlin. Alexander- sttaße 31, im Restaurant Weich heute Abend 8 Uhr: Extra- Mitglieder- und Verwaltungs-Versammlung. Tagesordnung: Wahl der Telegirten zur Unfallverficherung.— Rechnungsab- pro II. Quartal.— Antrag auf Einberufung einer Ge- Annenstraße 16. Telegirten- Ver- welche die Vermuthung, daß die im Rhein gefundene identisch mit der Person deS vermißten Schuhmachers ist, eine wesentliche Unterlage erhält. In den Mäge» beiden Leichen hat man nämlich zanz ähnliche Sp™?" wahrgenommen und insbesondere in jedem der beiden M" grüne Bohnen in demselben Verdauungszustand vorgefw* Aus dieser Entdeckung wird der Schluß gezogen, daß m« Ermordete gemeinschaftlich in der Haushaltung der Wothe kurz vor dem Morde gegessen haben. Herbst W" indeß ruhig weiter, obwohl die Anzeichen sich von Stunl«® Stunde mehren, daß er der Thäter oder jedenfalls ist. Eine große Reihe von Personen find bereits vernoiw» worden, ohne daß man indeß etwas wesentlich Neues zu förderte. Auswärts als der vermißte Wothe angehaltene sonen mußten wieder freigelassen weiden.. J Wien. 28. August.(Grauenhafter Selbstmord.) Augen des eigenen Kindes hat heute Abend um halb° w eine Mutter auf gräßliche Weise ihrem Leben ein Ende gciwS In dem Hause Nr. 15 der Stadiongasse in Sechshavs seit längerer Zeit Sie 36jähnge verwittwete Miederma� Agnes Ofner mtt ihrem fünfjährigen Kinde. Seit dem j-* ihres Mannes hatte die Frau mit Entbehrungen und Natt kämpfen. Vor einigen Monaten erkrankte sie, und nun F die Noth aufs höchste, und Frau Ofner und Seren Kind m# oft tagelang hungern. In solchen Momenten mag ww", unglücklichen Frau der Gedanke an Selbstmord aufgefw sein, den fie heute Abends auf grauenhafte Weise zur" führung brachte. Nachdem sie von ihrem KinSe Abschied? nommen hatt, richtete fie fich im Bette auf, zerschlug et«? einem Nachttästchen stehenSes Wasserglas und riß fich- M stäblich genommen, mit den Scherben des Glases den Ha� zur Wirbelsäule auf, so daß der Kohlkopf vollständig wf? geschnitten wurde. Auf die Hilferufe des KindeS, das% zeuge dieser fürchterlichen Szene war, eilten Hausleute HZ, welche die unglückliche Frau bereits als Leiche fanden, d? nach dem Bekanntwerden des Vorfalles fand sich in dem v� eine Kommisfion ein, die den Thatbestand aufnahm und Uebertragung der Leiche in das Sechshauser Spital anord� Nr. neralversammlung. Gau- Verein Berliner Bildhauer. Dienstag, den 1. September, AbenSs 9 Uhr, sammlung. Kleine Mittheilungen. Mainz, 28. Aug. Bei der heute Mittag in Gegenwart der Staatsanwaltschaft und der Gerichtsbehörden vom Me- dizinalrath Dr. Helwig vorgenommenen eingehenden Be- fichtigung der einzelnen Theile und Eingeweide der beiden aufgefundenen Leichen hat man eine Entdeckung gemacht, durch der bestimmtes uituu». vanuur, vu CHI« Katastrophe, der leider auch Menschenleben zum Lpftr K Die„Argo" befand fich seit einigen Monaten gründlich» � paratur halber im Lloyd- Arsenal und sollte am kommenden abend ihre Probefahrt macken. Seit 9 Uhr Vorm. waren du"P den Kesseln befindlichen Oefen geheizt worden, um das Fun® niren der Maschine zu erproben, als plötzlich aus bisher u® kannten Ursachen der linksseitige Kessel an einer Stelle F ziemlich starker Detonation barst und eine Fluth siedend rj Waffers und zusammengepreßter Dämpfe fich in den wJJ ergoffen; nach einer anderen Version wäre die Beschäl? nicht an dem Kessel, sondern an der Decke des � demselben befindlichen Ofens erfolgt. In dem Heizt«? einem tunnelartigen Gange zwischen den Kesseln befanSen fich 13 Lloydbedienstete, Maschinisten Heizer, die mit der Schürung der Ofenfeuer beschäftigt«% Alle erlitten schwere, zum Theil fürchterliche Brandw»®? Als die auf den umliegenden Schiffen be'chäftigten auf die Detonation und die Hilferufe auf die„Argo" erblickten fie im Heizraume, aus dem herzzerreißendes er« und Jammerrufe klangen, einen Haufen am Boden Männer. Der schnell herbeigeeilte Arzt des Lloyd f.1, gleich die Bergung der Unglücklichen, die fürckterlF gerichtet find; einigen hängt das Fleisch thattächlich in setzen von den Knochen. Sie wurden in Tragbahr� Sprtal transportitt, wo man fie zur Linderung der st ~,u unni- OD Als schenleben zu beklagen ist; von Sen Ledenden sind drei>« nißerweckendem Zustande. Die Frage nach den SchuldtN ist vor der Hand noch eine offene; eine um 5 Uhr«# der„Argo" erschienene Gerichtskommisston hat die Au? Haltung oes sratns quo verfügt.— Der beschädigte W. acht Jahre alt und vor Kurzem von einer technischen Koi»� als für ein weiteres Jahr tauglich erklärt worden; vor'- Jahre schon mußte er einer gründlichen Ar unterzogen werden. Die Nachricht von bief»"«! glücksfall hatte sich mit Windeseile in der � verbleitet und hatte die Bevölkerung natürlich in grA � regung versetzt. Das Arsenal und das städtische Spit«� von Angehörigen und Freunden der Arsenalarbeiter u% welche angstvoll nach den Namen der Verunglückten W J wobei fich herzzerreißende Szenen abspielten.— Ein Unglücksfall hatte fich hier am 15. September 1883«* des„Castor" ereignet, wobei zwei Personen umkamen- Theater. Opernhaus. Heute: Aida. Schauspielhau». Heute: Maria Stuart. Deutsche» Theater. Heute: Romeo und Julia. Kriedrich-Wilhelmstädtische» Theater. Heut«: Der Großmogul. Restdenz-Theater. Heute: Theodora. Wallner-Theater. Heute: Papageno. Belle-Alltance-Theater. Heut«: Mädchen-Jllustonen. Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Die Glocken von Corneville. Central-Theater.__ Alte Jakobstraße � Direktion: Adolph Ernst. H-ute: Zum 33. Male: Dre wrwe Katze. Gewgspoffe in 4 Wen von W. Mannstädt. Mufik von G. Steffens. Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmans. Heute: Norma. Oftend-Theater. Heute: Der Hüttenmeister._ Todes-Anzeige. Den Mitgliedern de» Fachvereins der Tischler zur Nachricht, daß unser langjähriges Vereinsmitglied, Ser Tischler Richard Beck, welcher längere Zeit Mitglied der Arbeitslosen- Kom- Mission rc. war, am 28. August, Abends 8V, Uhr, im Elisabeth- Krankenhause im Älter von 24 Jahren nach langem Leiden gestorben ist.— Die Beerdigung findet heule, Dienstag, den 1. September, Nachmittags 5 Uhr, vom Elisabeth-Krankenhause, Lützowstr. 24/26, aus auf dem Zwölf-Apostel Kirchhofe bei Schöneberg statt. Die Mitglieder des Fachvereins der Tischler werden ersucht. sich recht zahlreich zu betheiligen.(2032 Der Vorstand. Kranken-Unterstühungöbund der Schneider se. HZ Versammlung der berliner Mitglieder Mittwoch, den 2. September er.. Abend» 8'/, Uhr, tn Gratweil'S Bierhallen. Kommandantenstraße 77/78. Tagesordnung: 1. Besprechung über die Einrichtung der örtlichen Verwaltung. 2. Abrechnung der Lokalverwaltung. 3. Wahl des Bevollmächtigten, des Kasstrers und der Re- visoren. Das Erscheinen aller Mitglieder ist nothwendig. Das Ouittungsbuch ist vorzuzeigen.[2032 Der Vorstand der örtlichen Verwaltungsstelle. Arb.-By.-Verew„SSä-vst�. Ordentliche Mitglieder-Versammlung am Mittwoch, den 2. September, Abends 8'/, Uhr, in der„Urania", Wrangelstraße 9 u. 10. Tagesordnung: Vortrag. Verschiedenes. Fragekasten. Thema und Referent stehe morgen im redaktionellen Theil. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt.[2030 Der Vorstand. Den Mitgliedern des Vereins zur Wahrung der Änteresseu der Klavierarbeiter zur Nachricht, daß das 4. Stiftungsfest Sonnabend, de« 12. September, in Sanssouci, Kottbuser- straße 4a, stattfindet. Die Mitglieder werden ersucht, die Billets bis Sonntag, den 6. September, abzuholen und zwar bei Nagel, Wienerstt. 62, vorn 4 Tr., bei Z u b e i l, Wal« demarstr. 73, und Sonnabend und Sonntag bei Stramm, Skalitzerstt. 18.[2040 Der Vorstand. der Oeffentliche Arbeiterinnen- Versammle Dienstag, den 1. September. Abends 8'/, �' i» Silo»;»« Kesischt« Koiser» L-thrttS�' Tages-Ordnung: Besprechung über den zu gründenden Verein. Statutend» Um recht zahlreiches Erscheinen bittet ___ Frau Quittung. Es wurden mir von befreundeter Seite n 1. Mk. 2,45, 2. Mk. 7,15 zur Gründung des neuen und sage ich allen Gebern meinen besten Dank., ___ FrauPo�-- Verloren )u H] Verantwortlicher Revawur R.»rauh et« in«erlin. Druck und Verlag von Max vadtng tn Berlin 8W„ Beuthstraße 2. Herr Emil Zoch, Tischler, kann fich seinen 8*[i von B ar e s e l, Laufitzerplatz Nr. 18, abholen. Arbettsmurkt. � Korbmacherges, auf Baige verl. Schulz, Prinzenst�> Der Arbeitsnachweis des Vereins zur Wah�Ä Interessen der Klavierarbeiter befindet sich 1' Skalitzerstraße 18 bei Stramm. Die Nr. 20 der humoristischen Blätter ,/ ..Der wahre Jacob ist erschienen und in der Expd. des„Berl. Volksbl�X B Großer Mittagstisch fiir 600 Persoie». st Portion 25 Pfenich ■BB Gute Hausmannskost. WaUstragRe �«7 »ad [««0