» t* I ti f f Ar. 306 Freitag, de« 4. September 1883. II. Jahrg. SnlmrMMIl Krgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 Da-..Berliaer Volksblatt- täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Afjftn frei m s HauS vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. �mbonnement 4 MI. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in oer Postzeitungspreislist« für 1885 unter Nr. 746.) Jafertiousgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSma�t 10 Pf, Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 3.— Expedition: Zimmerstraße 44. Wuiderliche Heilige. in. �Allerdings soll die Sonntagsruhe ihren erziehlichen N«ß auf die Arbeiter und die Familie« derselben aus- r* und nicht allein in Bezug auf die geistige, sondern * auf die körperliche Erziehung. . Die Ruhe, der Spaziergang in den Wald oder in die z sollen den Körper erfrischen und ihn zu weiterer �e>t fähiger machen; das Zusammensein mit der Frau ii. Kindern wirkt in sittlicher Beziehung günstig und Lagerhaltung mit Freunden und Mitarbeitern fördert �.Aufklärung. Im Winter oder bei schlechtem Wetter der Arbeiter zu einem gute» Buche und stärkt dadurch � und Temüth. man diese individuelle Seite der Sache von der �hschaftlichen Seite vollständig loslösen könnte— und .7. Kunststück will die„Vosslsche Zeitung-- augenscheinlich (xT8— dann natürlich müßte bei dem heutigen Wirth- M'Sgetriebe Jeder, welcher einen vollständig freien Sonn- 7� haben wollte, wo er jetzt keinen hat, für einen Stell- i�ter sorge« und diesem dafür den Loh» zahlen, den er Al selbst erhalten hat. Ii* die Sonntagsruhe hat auch eine wirthschaft �aite und zwar eine bedeutende— sie ist ei» fo» desjenigen System«, welches das Manchesterthum in � bedeutendsten Erscheinung, in der freien Konkurrenz, to. t" will, indem es die zügellose Produktion zu einer �Selten gestaltet. Sun den einzelne« Arbeiter das Verbot der »�"agzarbeit in Bezug auf den„Stellvertreter-- und den Hi. �derhaupt garnicht, sondern lediglich die G e s a m m t- Und bei dieser spielt die dadurch entstandene Arbeits- �7?atmderung in Hinsicht auf den Lohn gar keine Rolle. @,2 Sonntagsarbeit kann«ine Lohnerhöhnng für den w/u'en nur erzielt werden, wenn zahlreiche andere Ele- ™»icht arbeiten. Von dem Augenblicke aber an, wo md des Sonntags arbeiten darf, hat auch hier die es bei der Arbeitszeit, welche gegenwärtig, je länger sie dauert, %iir wie bei der SonntagSarbeit, so ist iw Arbeitszeit, welche gegenwärtig, je länger, einzelnen Stellen höher bezahlt wird; auch die wjnten Üeber stunden geben davon einen Beleg ab. o aber ein MaximalarbeitStag gesetzlich festgestellt, «t»9j«von rriir immer rneyr aus ,r>ur» hq»��issen heraus und wird gefestigt, der Ausbeutung �jweusirast werden Schranken gesetzt und ein„Stell- Schranken gesetzt IeuMeton. 9«« Mormonettmädche». Amerikanische Erzählung von valdui» Möllhause». (Fortsetzung.) .i» A Miß Hertha,," sagte Weatherton nach iltxbt.,- nuf bloßen leeren Verdacht hin dei_ 'mJc ober Gewalt herbeizuholen.", N�Sen?" fragte Hertha tonlos,„gefangen auf einen �iüenl c�t hm? O, ich ahne, man hält Euch für einen �als; Ä�ind unserer Religion, darauf fußend, daß Euch 'fchli(f2 �ew-Bork auf Eure eigene Anregung, wie man Ne»?�muthet, der Durchsuchungsbefehl ausgefertigt N uni. � ich will mit meinem Onkel sprechen; er ist w» s,.,,.''erschlossen, jedoch nicht ohne Anhänglichkeit an - Er wird Eure Befreiung bei dem Kom- ie und selbst bei dem Propheten auswirken, und einer Pause, der Freiheit be- m W(&;'en, so würde Weatherton bemerkt haben, }i big ser und die innere Erregung ihr liebliches Ant- >. ieihlick« Schläfen hinauf erglühen machten;„ja, un- k(Ruit»' wiederholte sie, seine Hand ergreifend und ,,°stiis>2,..iwlschen ihren beiden drückend,„Euch, der Ihr Än». w'e, bei der Rettung von so vielen Menschen be- U0$ vttiSt/ Euern Edelmuth in dieser Weise zu lohnen. t ihnen, sie kennen Euch nicht; der auf Ver- (jL�henbe Vorfall in New-Aork und Euer plötz- 2�1, o? e1 h'" haben ungerechten Argwohn bei ihnen Aiil sie würden es nicht gewagt haben, Euch wie werd« ö» behandeln. Aber Ihr seid großmüthig, -Shnen verzeihen, und wenn sie auf die Stimme Vertreter" kayn nicht eintreten, weil eben nicht länger, als festgesetzt, gearbeitet wird und weil dann nach und«ach keine„Stellvertreter" mehr vorhanden sind, weil bei der abgekürzten Arbeitszeit alle vorhandenen Arbeitskräfte be- schäftigt werden könne». Tritt nun noch eine Regelung der Gcfängnißarbeit, ei» Verbot der Kinderarbeit und eine Beschränkung der Frauen- arbeit hinzu, so ist das System fertig und die freie Konkur- renz in Bezug auf die Produktionsweise gebrochen. S o muß man, wir wiederholen es, die Sonntagsruhe nur als ein Glied in dieser Kette betrachte», um die Wichtigkeit der selben zu begreifen. Ob die„Vossische Zeitung" dies weiß und es nur im Interesse des Manchesterthums verschweigt oder ob sie eS nicht weiß, weil das Manchesterthum ihr den Kopf ver- kleistert hat, wer möchte dies mit Bestimmtheit klar stellen? Auch die Antwort an Frau Dr. Hofmann stellt diese Frage nicht ganz klar, da in derselben etwas ganz Alltägliches, fast Banales den Lesern aufgetischt wird.„Frau Hofmann wird aber bekannt sein, daß die Geschäfte sich nicht in gleichem Geleise bewegen; Aufgang wechselt mit Niedergang in der Industrie." Und deshalb ist eS unmöglich, eine Sonntagsruhe auch in der Industrie herbeizuführen. Das ist der Sinn dieser Antwort. Aber, so fragen wir die„Vossische Zeitung", hält die selbe denn wirklich die gegenwärtigen wirthschaftlichen und sozialen Zustände für unfähig, irgend eine grundsätzliche Aenderung zum Bessern zu erfahren? Sie aiebt ja selbst den ewigen, ungesunden, verderblichen Wechsel in der In dustrie zu! Sind denn aber die heutigen wirthschaftlichen Zustände s o verrottet, daß durch allerlei gesellschafiliche und gesetzgeberische Maßnahmen dieselben nicht geändert werden können zum Guten? Sollte diese Frage, was wir nicht thun, verneint werden, so lägen darin noch viel gewaltigere Anklagen gegen das Manchesterthum, als sie jetzt schon er- hoben werden. Gegen diesen ungesunden Wechsel in der Industrie soll die Sonntagsruhe eben mit ankämpfen. Das System der Ausbeutung der Arbeitskraft durch den Kapitalismus, durch das Konkurrenzspiel, der Wechsel des Aufgangs und Niedergangs in der Industrie, dies soll Alles durch das System der Ordnung auch in wirthschaftlichen Dingen zum Heile des Volkes besiegt werden! Und ein Glied in diesem System ist die Sonntagsruhe. So muß man die Frage auffassen. Wenngleich die„Vossische Zeitung" in der Hauptsache ihren Artikel gegen die Klerikalen und Orthodoxen gerichtet hat, so tritt doch da« Manchesterthum in dem Blatte so kraß hervor, daß auch wir vom sozial-politischen Standpunkt der Gerechtigkeit nicht hören, so werden sie doch meine Vor- stellungen, mein Flehen nicht unberücksichtigt laffen, und den vielen und schweren Kummer, welchen ich schon zu tragen habe, nicht noch vergrößern wollen." „Müßten Kanibalen sein, wollten sie nicht auf die Stimme eines solchen Engels hören!" schnaubte Rast, und indem er sich abwendete, beschwor er vor sich hin, daß c» leichter sei, bei einem plötzlich losbrechenden Teiphoon, als beim Anblick bitterer Thränen in so unschuldigen Augen die ruhige Ueberlegung zu behalten. Weatherton, tief gerührt von Hertha'« Edelmuth, achtete nicht auf das, wa« der alte Seemann bemerkte, aber eine füße Wchmuth erfüllte ihn, daß sie sich mit einem an Ent- rüstung grenzenden Enthusiasmus zu seiner Vertheidigerin aufwarf und ihm nicht nur die Freiheit versprach, sondern auch noch seine Vergebung für die ihm widerfahrene Be- Handlung erflehte. „Versprecht nicht zu viel, Miß Hertha,-- sagte er freund- [ich tröstend,„bis jetzt glaubte ich, man halte mich auf den Verdacht, die Rolle eines Spions übernommen zu haben, hier zurück. Dergleichen Fälle sind im Kriege nicht selten und dauern in der Regel nur so lange, bis das Gegentheil erwiesen ist. Sollte man aber außerdem noch die Anklage gegen mich erheben wollen, in New-Bork auf eine Durch- suchungSordre für das Kalifornia-Dampfboot angetragen zu haben, so würde ich dieselbe nur bestätigen können und mbine Haft dadurch noch auf unbestimmte Zeit verlängern. Allerdings läge einem solchen Verfahren wohl mehr persön- liche Feindschaft zu Grunde, indem der Krieg hoffentlich noch nicht so weit gediehen ist, um vor dem Völkerrecht die gegen einzelne und sogar vollständig unbetheiligte Per- sonen ausgeübten Feindseligkeiten gerechtfertigt erscheinen zu laffen. � benn wahr, hegtet Ihr die Absicht, das Dampf- boot"vor seiner Abfahrt zu durchsuchen?" fragte Hertha traurig, nachdem sie eine Weile sinnend vor sich nieder- geschaut. eine richtige Breiten- und LSngenmessung bei klarem Wetter!" fuhr Raft, bei dem böse Erinnerungen wachgerufen worden waren, grimmig dazwischen,„und kiel- aus die in dem Artikel hervorgetretenen Anschauungen be- kämpfen mußten. Zum Schlüsse wollen wir uns nun noch mit einer Behauptung des genannten Blattes beschäftigen. Das- selbe meint, daß die„Heiligung des Sonntags" durch die Bibel wohl nicht erfolgt sein würde, wenn das jüdische Volk ein ausschließlich ackerbautreibendes gewesen wäre. Die mosaische Gesetzgebung sei unter der Erinnerung an die egyptischen Frohnden entstanden, die allerding« eine Schutzvorschrift sehr wünschenSwerth machten. Wir wollen dieser Meinung nicht widersprechen. Aber sind w i r denn ein ausschließlich ackerbauendes Volk» Ist die Arbeit der Steinträger an den Berliner Bauten nicht mit denen der Israeliten in Egypten vergleichbar? Ist nicht die 14— löstündige Arbeitszeit der Näherinnen oder der Weber in Sachsen und Schlesien ebenso schlimm, als die egyptische Frohnde? So hat die„Vossische Zeitung" in ihrem Manchester» lichen Zorn gegen die Agrarier durch obige Angabe in der That den besten Beweis geliefert, daß in unserer Zeit und gerade für die Industrie das rücksichtsloseste Verbot der Sonntagsarbeit am Platze ist. Dafür unfern Dank! Im Uebrigen sollte doch die alte„Tante" ihren man- chesterlichen Plunder bald ablegen, sie würde dann nicht mehr so wunderlich aussehe«. Wr Itiniiiinj für Ctte- rniii Geld- üderilrUize. Esl ist erstaunlich, was sich der deutsche Michel Alles bieten läßt. Nicht genug, daß er ohne Murren seinen Geld- beute! stets offen hält, wenn er von dem Ruhme der schwarz- weiß-rothen Flagge hört, er glaubt auch felsenfest an die Märchen über die Vortheile der„wichtigen" Ländererwerbungcn im schwarzen Erdtheil und geht ohne Bedenken auf den Lelm, wenn es gilt, Privatgesellschaften ron dem selbstverschuldeten Bankerott zu retten. Das„wasserlose Wüstenland-- Angin fequena ist sicherer Beleg hierfür. Damit ist aber der olonicnmoloch noch lange nicht befriedigt. Kaum ist das klägliche Fiasko in„Lüderitzland" etwas vergessen, oder viel- mehr vertuscht, so schießt eine zweite Gründerci auf, welche mit seltener Unverfrorenheit auf die sprichwörtliche Langmuth der Deutschen sündigt, oder deutlicher gesprochen, die Dumm- hat der Leute ausnutzen will. Es ist dies die Kamerun- Land« und Plantage»«Gesellschaft Woer- mann, Thormählen u. Cie.", welche schon eine er- klc etliche Zahl Antheilscheine zu je 1000 M. an Kommanditisten in den verschiedensten Tbeilen des Reiches ausgegeben hat. Zweck der Gesellschaft ist. eine„rationelle Plantagenwirth- rolen will ich mich laffen von dem ersten besten Mormonen- .onstabler, wenn wir nicht jedes Bündel im Schiffsraum übergeholt hätten; wäre Dickie, wollte sagen Lieutenant Weatherton nicht von den verdammten Werftpiraten in die Falle gelockt worden." Hertha schaute zuerst auf den erboßten Seemann, und wendete sodann ihre fragenden Blicke Weatherton wieder zu. W recht," sagte dieser lächelnd, die in des jungen Mädchen« Augen liegende Bitte um Erklärung beant- wortend. „Was hatte Euch unser armes Volk gethan?" ftagte Hertha weiter, und ihre Stimme klang so weich und kla- gend, als hätte sie einen großen Verlust zu betrauern gehabt. „Miß Hertha, auf Eure Frage bin ich gewissermaßen ver- pflichtet, eine Antwort zu ertheilen, obwohl nur mit Widerstreben weil sie vielleicht einer Verleumdung ähnlich sieht. Nachdem ich in New-Bork lange vergeblich nach Euch geforscht hatte und stets zweifelsohne absichtlich, auf falsche Spuren gelenkt worden war' bl-eb mrr nur dieser eine letzte Ausweg. Ich wollte Euch auf alle Fälle wiedersehen, um nicht, in Folge meiner an Bord des Leoparden abgelegten Erklärungen, für unwürdig Eures 81» Euch'sprach" Abende unseres Zusammensein« zu Während des ersten TheilS seiner Rede hatte Hertha sinnend vor sich niedergeschaut. Auf ihrer reinen Stirn, auf den leicht zusammengezogenen, schön gezeichneten Braue» stand geschrieben, daß sie sich.vergeblich bemühte das Ge» schafl" im Kamerun Gebiete zu versuchen. Sehen wir uns die „Gründerei" etwas näher an! Nach den übeinstimmenden Berichten unparteiischer Afrika- reisender ist eine solche Gründung kurzweg unmöglich. So sagte z. B. Peichue-lLösche in der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin:„Denkt man die Kolonisation in Afrika derart, daß unsere Auswanderer, Tausende unserer Landsleute mit Weib und Kind, mit Hausthieren und fahrender Habe nach dem tro- pischen Afrika übersiedeln sollten, um dort, wie hier, durch eigene körperliche Arbeit dem Boden ihren Unterhalt abzuringen, so ist dem strengstens entgegenzutreten. Jeder derartige Versuch würde mit dem Friedhof beginnen und mit dem Friedhof enden.... Wir können nicht unsere AuSwanderfamilien hinaussenden, um dort in einem Klima, welches selbst dem beststtuirtm und mit der größten Sorgfalt über seine Gesundheit wachmden Europäer schädlich ist, unter der Last stetiger körperlicher Arbeit elend zu ver- kommen." Der Afrikareisende Dr. Fischer sagt in seinem Buche „Mehr Licht im dunklen Welttheil"�„Trotz allen Exp crimen ten, die in Afrika gemacht worden find, trotz alles Geldes, das Afrika gekostet hat, wiffen wir nicht einmal, ob in den Küsten- gebieten des äquatorialen Westens oder Ostens Kaffee, Baum- wolle oder Tabak gezogen werden kann. Der Tabak, der einst« weilen von sehr vielen Negerstämmen angepflanzt wird, kann eher als Rattengift Verwendung finden, denn als Genußmittel." Die von Woermaim am Gabun angelegten Kaffeepflanzungen rentiren fich ebenfalls nicht und von einer Betreibung europäi» scher Kulturen im Großen kann nach demselben Gewährsmann in den Tropen Afrikas gar keine Rede sein. Es fehlt hierzu jede Vor- auSsetzung. Die weniger ungesunden Gebietstheile find un- frucktdar und die fruchtbaren find ungesund. Was Kamerun speziell anbelangt, so ist es von allen Punk« ten der Westlüste Afrika'S einer der gefährlichsten. Das Klima dortselbst ist geradezu als ein mörderisches zu bezeichnen. Malariafieder, Dyßcnterie und Leberkrankheiten treten hier in der bösartigsten Foim auf. Die Sterblichkeit ist unter den dort weilenden Kaufleuten eine erschreckende, und man kann sagen, daß für den Europäer, der fich dort anfiedeln will, die Wahrscheinlichkeit eines Grabes in fremder Erde größer ist, als die Ausstcht auf glückliche Heimkehr. Das Ende Nachtigal's, welcher allen Gefahren des"schwarzen Erdtheils Jahre lang ge trotzt hatte, aber in Kamerun's Fieberluft in kurzer Zeit den Toveskeim einathmete, wird das Gesagte genügend bestätigen. Selbst der Berichterstatter der„Köln. Ztg.", Herr Zöllcr, der gewiß den dunklen Erdtheil in den lichtesten Farben darzu« stellen sucht, muß bei Besprechung des Kamerungebietes stets von Schüttelftost und Krankheitsfällen reden und gestehen, daß auch unter den Schwarzen nirgends so viele Fälle von Wechsel« ffeber vorgefunden werden, wie im Kamerungebiete, daß das Fieber fich ebenso hoch hinauf erstteckt, als es Dörfer giebt, und daß die Diphtherie in wahrhaft erschreckender Weise um fich greift. Der Boden des Mündungsgebietes, das ja ganz allein in Betracht gezogen werden kann, ist nach den Beweisen obiger Forscher nicht blos von Natur ziemlich unfruchtbar, sondern auch altausgesogenes Land, das blos knapp für die Bedürfnisse einer zahlrerchen Bevölkerung Eingehomen ausreicht. Weiter den Fluß hinauf tritt von flaches, mangrowebestandenes Sumpfufer auf, das nicht einmal Negeranfiedelungen duldet. Dazu kommt dann noch die un- ausstehliche Moskito-Plage, welche einen gesunden Schlaf zur Unmöglichkeit macht. Selbst das Thierleben ist hier, von der gerade erwähnten Landplage abgesehen, nur dürftig vertreten. Nur Strand- und Seevögel beleben die Landschaft. An den Schlammufern sonnen riefige Krolodille ihren Panzerleib und über den nassen Sand huschen zahllose kleine Krabben, welche auch der Landschaft den Namen gegeben haben*). Außerdem erblickt man noch zahlreiche Termitenhügel mit ihren gefährlichen Bewohnem, Schaaren von empfindlich stechenden Sandfliegen, die zu Tausenden ihre Opfer überfallen, und unendliche Züge von Wanderameisen, die jeden Grashalm, jedes Blatt, jedenZwerg bedecken und alles Pflanzenleben vemichten. Selbst der Mensch kann fick nicht genug vor ihnen hüten, wenn er nicht mit tau« send Bissen hedcckt werden will.,,, r So viel von diesem„Reichslande", das man jetzt behufs Gimpelfanges zu einem schwarzen Eldorado umzustempcln sucht. Politische Uelrersicht. In Sachen der Sonntagsruhe hat die alte offiziöse Base, die„Nordd. Allg. Ztg.", einen schweren Stand. Ver- gehlich müht fie fich nun schon seit Monaten damit ab, den Beweis zu liefem, daß die von den Arbeitcm verlangte Sonn- tagsmhe nicht durchführbar sei und daß das Verbot der Sonn- tagsarbeit dem Arbeiter nur zum Schaden gereichen würde. *) Das Wort Kamerun leitet fich nämlich von dem portu- giesischen camaraoa(Krabbe) her. Die Sklavenhändler nannten den Strom„Krabbenfluß"(rio dos camaraos), woraus die Engländer„Cameroovs", und die Deutschen Kamerun machten. heimniß zu durchdringen, auf welches Rast hingedeutet halte, das Weatherton aber, offenbar aus freundlicher Theilnahme für sie, mit Vorbedacht nicht weiter berühren wollte. Als er dagegen ihrer letzten, an Bord des Leoparden geführten Unterhaltung gedachte, da schaute sie mit einem unheschreib- lich kindlichen und wehmüthigen Lächeln zu ihm empor. „Freundliche, uneigennützige und wohlwollende Worte werden nicht so schnell vergessen, wie herbe und bittere Er- fahrungen,' begann sie mit innigem Tone.„Ist nun der Grund darin zu suchen, daß bei dem ernsten Charakter der mft nahe stehenden Personen nur selten dergleichen gütige Worte an mich gerichtet wurden, oder ist eS jenem zauberischen Abend zuzuschreiben, genug, die Worte, welche Ahr damals zu mir spracht, leben noch immer in mir fort. Sie gereichten mir zur Aufmunterung, wenn aus der langen Reise die Beschwerden meine Kräfte zu übersteigen drohten, sie bildeten aber meinen Trost, als ich, nachdem man mir die schreckliche, niederschmetternde Nachricht vom Tode meiner Schwester überbracht hatte, erst wieder im Stande war, mit Ruhe und Ueberlegung zu denken.„Sollte das Gefühl des AlleinstehenS, der Verlassenheit bei Euch zum Durch- bruch kommen, dann erinnert Euch Eurer Freunde," sagtet Ihr damals und glaubt mir, die Erinnerung an die fernen Freunde trug mit dazu bei, mich in den Stunden, die ich glaubte nicht überleben zu können, zu ttösten und aufzurichten." ..Die Lage, in welcher ich mich gegenwärtig befinde, entspricht allerdings wenig meinen Worten ," entgegnete Weatherton, und er fühlte, daß alles Blut ihm zum Herzen drang,„allein die Stunde der Befreiung muß ja endlich auch für mich schlagen, und wohl darf ich daher noch einmal auf meine ftüheren Aeußerungen zurückkommen. Wenn das Gefühl des AlleinstehenS schwer auf Euch lastet und Euren Lebensmuth zu brechen droht, scheucht es von Euch und blickt verttauenSvoll in die Zukunft. Bedenkt, ich bin nicht der einzige Freund, der in Eurer Nähe weilt, es gicbt deren noch mehrere, die ihre wachsamen Augen beständig auf Euch gerichtet halten, und die gewiß nicht fern oder unentschlossen bleiben werden, wenn es gilt, Euch mcht nur mit Rath, sondern auch thatkräftig zur Seite zu stehen. Sre werden Doch vergeblich! Die Arbeiter achten nicht mehr auf solche blöde Wortklauberei und selbst die nächsten Verwandten der alten Vettel, die ftommen Konservativen und Ultramontanen, wollen von diesen Tiraden nichts mcbr wissen. Freilich ver- langen die Letzteren daS Verbot der Sonntagsarbeit zumeist aus anderen Motiven als wie die Arbeiter. Das Stärkste aber, was bis jetzt von dem offfziösen Blatte gegen die gesetzt lichc Sonntagsruhe vorgebracht wurde, birgt ein längerer pole- Mischer Artikel der heutigen Nummer. In demselben wird auf den§ 105 der Gewerbeordnung hingewiesen mit der Bemer- kung, daß in diesem Paragraphen bereits ausdrücklich stipulirt sei, daß Arbeiter seitens ihrer Arbeitgeber der Regel nach zur Arbeit an Sonn- und Festtagen nicht verpflichtet werden dürfen. Und nun wird hinzugefügt:„Die Sonntags ruhe ist also dem Arbeiter bereits gesetzlich so weit garantirt, w i e er sie selbst haben will, und bisher hat man nicht ge- Hütt, daß irgend Jemand hierin etwas ändern wolle."— Wozu also noch die Enquete? Die Arbeiter haben ja schon die Sonntagsruhe nach Wunsch und Niemand hat das Be- gehren gehabt, hieran etwas ändern zu wollen! Wo bleibt da Ben-Akiba? Ferdinand Lassalle— und Eugen Richter. Bekanntlich ist der 31. August der Todestag des großen Volkstribuncn, dessen Genialitäl auch von seinen prinzipiellen Gegnern aner- kannt wird. Berliner Arbeiter hatten durch einen Ausflug diesen Tag auch in diesem Jahre gefeiert, weil fie in Lassalle einen der größten Bahnbrecher in Bezug auf die Lösung der sozialen Frage verehren. Wohl sämmtliche Berliner Zeitungen haben von dresem Ausflug Notiz genommen. Ebenso auch die „Frcifinnige Zeitung" des Herrn Richter. Dieser Neidhammel aber weiß in der That nichts besseres zu thun, alö eine Art von Nekrolog über Laffalle dem Bericht anzuhängen, in welchem derselbe wegen seines unseligen Duells nochmals in den Koth gezogen werden soll und m dem über seine politisch- soziale Laufbahn weiter nichts gesagt wird, als:„Das politische Auftreten Lassalles begann zuerst im Jahre 1863, war also von sehr kurzer Dauer." Auf diese Weise sucht der politische Bürstenbinder, Eugen Richter, den großen, gewaltigen Gegner der fortschrittlichen Ph:ase noch im Tode zu bekämpfen, den Mann, dem Herr Richter nicht werth ist, die Schuhriemen zu lösen.— In Breslau aber wurde von dortigen Arbeitern ein großer Lorbeerkranz auf das Grab des edlen Todten gelegt. Gegen Herr« ReichstagSabgeordneten Viereck, Her- ausgeber des„Rechts auf Arbeit" und den Redakteur dieses Blattes, Herrn Eichbof, ist vom Frankfurter Polizeipräfidium Strafantrag wegen Beleidigung gestellt worden. Es handelt sich um einen Artikel, der m scharfer Weise das Verhalten der Frankfurter Polizei bei der bekannten Friedhofs-Affaire ftitistrte. Auch gegen den Herausgeber der„Frankfurter Korrespondenz", Herrn Müller, ist in derselben Angelegenheit Strafantrag „ geVerhandlung stellt. Der Prozeß wird in München zur kommen. Zur Kolonialfrage. Wir haben schon mitaetheilt, daß der Stteit zwischen Spanien und dem Deutschen Reich der un- fruchtbaren Karolineninseln wegen einen Haß in der spanischen Geschäftswelt erzeugt hat, welcher dazu führt, alle Vcrbindun- gen mit Deutschland abzubrechen. In Apolda, Elberfeld, Würzburg und Wittenberg find Briefe angelangt, welche den deutschen Fabriken die Bestellungen kündigen. Die„Hambur- ger Börsenhalle", die sicherlich in dieser Frage gut orienlirt ist, schreibt:„Die geschäftlichen Beziehungen mit Spanien erschei- nen bei einer längeren Dauer oder einer, allerdings schwerlich in Ausficht stehenden Versckärfung des Konfliktes wegen der Karolinen Inseln unzweifelhaft gefährdet. Nach hier oei fast allen in beständigem Verkehr mit Spanien stehenden Firmen eingegangenen Mittheilungen hat fich die hochgradige Erregung der Presse auch auf den spanischen Handelsstand übettragen. Die„Union Mercantil" in Barcelona, eine Vereinigung der angesehcndsten Kaufleute, hat den Beschluß gefaßt, jede Ver- bin d un g mit deutschen Häusern und dortigen Vettretern abzubrechen, bis die erwähnte Angelegenheit geordnet sei. Aus Valencia und Tarragona find ähnliche Anschauungen brieflich hierher geäußert worden, auch hat man schwebende Kontratte von spanischen Plätzen aus hier annullirt. Bei der lebhasten Verbindung mit Spanien find derartige Vorkomm- nisse natürlich für den Geschäftsverkehr in hohem Grade störend, und es ist zu wünschen, daß es dem unzweifelhaft vorhandenen guten Willen der Diplomatie gelinge, die bisherigen freund- lichen Beziehungen zwischen Deutschland und Spanien wieder herzustellen."— Das find vorab die unerfreulichen, aber recht greifbaren Folgen unserer Kolonialpolitik. Selbst am Kongo find die Zustände für die Gründung von Kolonien nicht viel wetth. Der Leiter der Geschäfte einer Antwerpener Gesellschaft schreibt nämlich in einem Privatbriefe vom Kongo aus folgendes:„Genau genommen ist in diesem Lande nichts gut. Das Klima ist so schlecht, daß, was die Landwirthschaft betrifft, man niemals ein günstiges Resultat haben wird. Ich selbst habe die Insel Matebba, wo ich bin, ausgewählt, denn alles bestellbare Terrain, das man mir an- gegeben hatte, war unbrauchbar. Ich dcschräntte mich darauf, jederzeit bereit sein. Euch einer Lage zu entreißen, die Euch über kurz oder lang unerftäglich werden muß." Bei den letzten Worten glaubte Weatherton zu be- merken, daß Hertha erschreckt zusammenfuhr und ein Aus- druck tiefster Traurigkeit sich über ihr kummervolles Antlitz verbreitete. Sie faßte sich indessen schnell wieder, und ihre großen redlichen Augen voll auf ihn richtend, suchte sie in seinen Zügen gleichsam nach einer Erklärung zu seinen Aeußerungen. „Eure Gefangenschaft ist der bitterste, schwerste, jedoch ein gerechter Vorwurf gegen die noch nicht geordneten gesell- schaftlichen und gesetzlichen Zustände in unserer jungen Ge- meinde," begann sie endlich mit einem Anflug von Be- fangenheit.„Aber es wäre unedel, wollte man deshalb das ganze Mormoncnthum verdammen und ihm jede srgensreiche Zukunft absprechen. Nein, Mr. Weatherton, eS kann Euer Ernst nicht sein, wenn Ihr auf eine mir drohende Gefahr hindeutet, die aus meiner Gemeinschaft mit den Heiligen der letzten Tage entspringen soll, ich verstand wenigstens Eure Worte nicht anders; eS spricht aus Euch vielleicht nur der gerechte Unwille über daS gesetzwidrige Verfahren, welches man gegen Euch eingeschlagen hat." „Nein, Miß Hertha, nehmt meine Ehre zum Pfände, ich selbst bin der Letzte, an den ich mit Besorgniß denke. Wenn ich Befürchtungen hege und wenn ich mir erlaubte, darauf hinzuweisen, daß Eure Lage dereinst eine, um mich mild auszudrücken, unerttägliche werden dürste, so geschah eS nicht, weil ich vielleicht feindliche Gefühle gegen daS Mor- monenthum in meiner Brust genährt hätte, nein, gewiß nicht. Ich habe keinen Grund dazu, am allerwenigsten könnte eine vorübergehende Gefangenschaft, die bei den jetzigen unglückseligen politischen Verwickelungen vielleicht zu ent- schuldigen ist, mich zu Haß und Rachsucht reizen. Indem ich vergeblich nach Euch in New-Aork forschte, indem ich Euch bis hierher nachreiste und nicht scheute, selbst auf die Gefahr einer dauernden Gefangenschaft hin, mich durch die doppelten Postenketten hindurchzuschleichen, indem ich endlich auf Schritt und Tritt, zu jeder Stunde, ob nun wachend oder träumend, von ernsten Besorgnissen um Euch erfüllt war, leitete mich die feste Ueberzeugung, und sie leitet mich ein Haus aus Bambus zu errichten und es während 3 zu bewohnen, denn zugleich mit diesem Briefe sende iffl w™ Brief an die Antwerpener Herren, um ihnen so emdnng>>« als möglich von dem Untemehmen abzurathen. Wollen s>c ftotzdem ihre Kapitalien darin anlegen, so wird es immer nm Zeit sein, ein größeres Haus zu bauen." Nun schildert«f Briefschreiber das Leben in den Etationen, das für „welche nicht zu reisen brauchen", sehr angenehm M- Nichts thun und— auf Kosten der Assoziation' opulente Diners und Soupers aus„mindestens o? Gängen", die fie bald hier, bald dort unter ftö% nehmen.„Wir trinken fast nur Champagner." Dock arm rother Pottwein und Madeira kommt beim Morgemmmß! Ehren.„Sie sehen, so schließt der Bnef, daß das Leben h>- für diejenigen sehr leicht ist, welche alles Nöthige aus Euro»« erhalten. Von Arbeit keine Spur, der kleine Handel ex>stm nicht. Nur die Beamten der verschiedenen Faktoreien und d Agenten der Sozietäten haben etwas zu thun. Wir beide B Übrigens die einzigen Privatleute am Kongo und find eniw tigt, uns alles was wir brauchen, durch alle Stationen° Assoziation liefern zu lassen. Andere Personen, obmohi» Geld haben, leiden Hunger, denn nirgends giebt es GeleW heit irgend etwas, was es auch sei, zu kaufen. Die ist nur an den Orten möglich, wo die europäischen Stco»' Alles in großen Ouantitätcn herzuführen. Das kommt D<# daß dieser Tbeil Afttkas sehr arm und sehr steril ist, trotz° großen Geldsummen, die die Kongoregierung optett und man als fortgewoifen betrachten kann, denn der Boden ww hier nur aus nackten Felsen oder ungeheuren Ntorafien.. Diese Nachttchten werden die schon sehr zurückhaltenden g. gischen kommerziellen Kreise erst recht in ihrer bekannten� neigung gegen Handelsunternehmungen am Kongo bestarie� Der Konflikt zwischen dem Stettiner Magistrat � der d rtigen Regierung wirft recht grelle Streiflichter auf beutiges Verwaltungsverfahren. Ueber die Beschwerde � Magistrats ist— wie wir bereits gestem mitgetheilt hak" im ablehnenden Sinne vom Bezirksausschuß entschieden v den. Vorfitzender des Bezirksausschusses aber ist dersej' Regierungspräfidcnt Wegener, in dessen Auftrage die grincne polizeiliche Verfügung erlassen worden war. 3®%,, sich derselbe in diesem Falle vettreten lassen, aber dieser treter war ein ihm unterstellter Beamter. Welchen Werths derartige Ap'llinstanz hat, liegt auf der Hand..» Die„Norddeutschen Demokraten" wollen nun% einen Parteitag und zwar am 13. September in Hamburg halten. Auf der Tagesordnung stehen folgende v®* 1. Beratbung und Beschlußfassung über das norddeutschen demokratischen Partei; Berichterstatter: � _---------- Ser[in, 2 Berathuna und Dr. Adolf Phillips,«enin; z.«eraiyung unv fassung über das Organisationsstatut der Partei; erstatter: Herr Rechtsanwalt Friede. Kohn, Dortmund;% stituirung der Partei; 4. die Stellung der Partei zur%' Politik; Berichterstatter;£ .....,------------ I..... Herr I. Wedde, Hamburg. Parteitag soll am 14. September eine große öffentliche sammlung des demokratischen Vereins rn Hamburg ftl in welcher Herr Rechtsanwalt Lenzmann über Arbew refettren wird. AuS Sachsen läßt fich die„Volks- Zeitung" In einer jüngst abgehaltenen Predigerkonferenz zu G'Lz nitz gab fich die versammelte Landesgeistlichkeit unter rung des bekannten Pastors Seidel wieder einmal alle- die Sozialdemokratie zu vernichten. Herr Seidel gab zu-j die Kirche fich in dem Kampfe gegen die Sozialdenu»� vre Kirche nch rn dem Kampfe gegen die Eoziaioev"--� manche Versäumnisse zu Schulden hätte kommen lassen, die Herren Pastoren ihre Predigten nicht im Sinne de». .........■....... r# lösers in soziale Predigten umzugestalten wüßten oder ff« nigstens nicht umgestaltet hätten. Auch müsse der öfter in freien Versammlungen aufklärend und ver wirken. Werke der Barmherzigkeit, innere Misston Js: j müßten hilfreich in den Kampf mit eingreifen.— Ali» aber nicht besser, wenn die Geistlichkeit in Sachsen,»JU die politischen Verhältnisse einzugreifen, fich mehr regen � um für Moralität und£>umanilät im AUaemeinen cin�wv um für Moralität und Humanität im Allgemeinen einz Hat die„reine evangelische Lehre" in Bezug auf die un zahlreichen Selbstmorde, in Bezug auf die vielen unebA Kinder, auf die vielen Ehevcrsprechungen, die nicht ßT-, werden, unser Königreich vor Schaden bewahren könne» r giebt es viel zu thun, da können die Herren GeistliaÄ gen, daß fie ihres Amtes richtig matten können; pM Eingreifen in politische Dinge aber fühtt immer zur®10 j Zur Unfallverstchernna wird offiziös geschrieben�. war seitens eines Berufsgenosscnschafts-Volstandes die» zu erkennen gegeben worden, bei der Aufstellung de», fahrentarifs die Frage in Erwägung zu ziehen, o» i empfehle, die mir Dampfkesseln versehenen Betnebe fers Genossenschaftsmitglieder, welche einem bestimmt n Revifionsoereine mcht angehören, einer höheren Gefahl�tz zu überweisen, �als die jenem Vereine angehörenden � t as Reichsverstcherungsamt hat aber diese die Nichtangehörigkeit zu einem derartigen frage vernl mc jniuiuimcym inicu zu einem ueiunigen loeretne höhere Unfallgefahr für den Betneb involvirt und es au« nolb. heute nicht weniger: daß die religiösen und politische»� des Mormonenthums Punkte und Vorschriften enthalte»' sobald sie ihre Anwendung auf Euch finden, Euch unglücklich machen müssen, weil sie eben in krassem Wideelz zu Eurem natürlichen Gefühl, zu Eurer reinen, edle»' kungsweise, zu Eurem ganzen Charakter stehen. Verge � Miß Hertha," fuhr Weathetton erregter fort, wie» � __ c____ Qr_-.rx__ tr. rrx v..•________ crrv.-c ur»£1**1)«-V, nennbarer Angst erfüllt des jungen Mädchens Ha»b. send,„ich kann nicht ander«, ich muß sprechen, Ih» � am Rande eines Abgrundes, dessen Grenzen un».( Uli» t/iuttvt. vmw«tvtytuuvtp, Vt||tH W&CIIQtM—- l' lofe Tiefe Euch verborgen sind, und die Ihr b»; werdet kennen lernen, wenn es viel zu spät ist, unwiderruflich und unaussprechlich elend geworoe» werdet.—"-t t- „Genug, genug," unterbrach ihn Hettha, indew Hand, die fie mit einer hastigen Bewegung zuru»S� hatte, ihm wieder darreichte;„in Euern Worte». Eurer Stimme sprechen sich wahre Theilnahme ernstesten Besorgnisse aus; ja, eine so aufric opferwillige Freundschaft, wie ich sie nicht Eure uneigennützig gebotene Freundschaft � M mit überströmendem Herzen an und erwidere? mir, eben so aufrichtig, doch die Anklagen, 0*7/ gegen das Mormonen thum schleudert, die weise$ die muß ich zurückweisen. Ich könnte darauf einge" Anklagen widerlegen," eiferte sie weiter, während �> Wesen ein schwärmenscher Enthusiasmus an® Hl'l früheren Niedergeschlagenheit trat und ihr liebes, Antlitz erglühen machte,„ja Alles könnte ich»" doch zu welchem Zweck? Mir wird es ebenso wenssL ßuff) 21t Ott**«* Vv« IITtb Euch zu überzeugen und die gebührende Ächtung und �, vor der geläuterten Lehre Joseph Smith'S einzufl� J. um uei geiauienen Leyre �vjepy ivmlty s emz-i-v� Euch, mich derselben abtrünnig zu machen und d»■ Ruhe und den Frieden meiner Seele zu untergf» � bitte Euch daher, ich beschwöre Euch bei unserer l Eurer Seite so erprobten Freundschaft, brecht ab» laßt die religiösen Ansichten nicht wieder feindl>® � zwischen uns treten! O, Ihr wißt nicht, Ihr m&J wissen, wie tief Ihr mich, ohne es zu wollen oder z» p wundet. Ihr erwähnt eines Abgrundes, einer l: ei ix 'es{ dorlä Wer W st r 3 bann I' fäeii 1 m>erhalb der Grenzen der Zuständigkeit der Berufsaenoffen- chasten liegt, den Beitritt der Genossenschafts-Mitglieder u einem Dampfkeffcl' Rcvifionsvereine obligatorisch zu machen. Potsdam, 2. September. Der hiesige Polizeidirektor hat, wut dem„Anz. f. H.". sämmtliche hiesige Fabrikbesitzer, bezw. deren Vertreter, so wie die in diesen Fabriken beschäftigten Arbeiter zu einer Besprechung über die Enquete betreffs der vonntagsarbeit nach seinem Arbeitszimmer im Polizei-Dienst- gebäuve zum 3. September eingeladen. Die Arbeiter sollen M durch Deputationen von höchstens drei Mitgliedern ver- »eten lassen. In Betreff Anmeldungen von Versammlungen ist neuerdings auf die bestehende Gesetzesbestimmung verwiesen s(juuv Forden, oaß von allen Versammlungen, in welchen öffentliche cl existirt Angelegenheiten erörtert oder berathcn werden sollen, der Un- unv W«inehmcr mindestens 24 Stunden vor dem Beginne der Ver- >eidesind ftminlung unter Angabe des Ortes und der Zeit derselben ermäli« Anzeige bei der Polizeibehörde zu machen hat. Dabei ist mit !nen d«®eJ"ß auf den Begriff und die Erforderniffe einer Versamm- ■)I st lung im Sinne des Gesetzes ein jüngst ergangenes Eikenntniß „'gel» dis Strafsenats des Kammergerichts mitgetheilt worden, damit xristcH oie darin enthaltenen Rcchtsausführungen die erforderliche Be- ' Mung finden. Darin heißt es: Die Strafbarkeit ist ausge- Wloffen, wenn in einer zu einem anderen Zwecke veranstalteten Versammlung von Einzelnen öffentliche und politische Ange- iegenheiten erörtert oder berathen werden. Die Versammlung nwß hiernach„zum Zweck" der Erörtemna öffentlicher Ange- »genheitcn unternommen worden sein, d. h. es muß von vorn herein bei dem Unternehmer, Einberufer u. s. w. die Abficht oorgewaltet haben, dergleichen Angelegenheiten in der Ver- lammlung zu erörtern und zu besprechen. Es ist also rechtlich nicht erforderlich, daß eine Personenmehrheit zu dem beregten Awecke sich auf irgend eine Weise„organifire", sich zu emer Ansammlung für diesen Zweck„konstituirt" habe. Ob die Versammlung als eine solche(organisirte und einheitlich kon- intuirle) sich darstellte, ist nach Inhalt des Gesetzes durchaus n>cht entscheidend. Ja, selbst darauf, ob den zusammcnberufe- nen Personen die Erörterung öffentlicher Angelegenheiten als oer Zweck ihres Zusammenkommcns bewußt und bekannt war, «mn es nicht ankommen, vielmehr ist nur der Zweck, welchen oie Unternehmer verfolgt haben, die Absicht der die Versamm- wng Berufenden entscheidend. Auch eine Versammlung, die nur zu einem vorgeschützten oder eingebildeten Zweck bemfen worden, und deren Theilnehmer in dem hierdurch veranlaßien Zrrthum über den Zweck der Versammlung zusammengetreten sind, unterliegt dem Gesetze unbedenklich, wenn der Unlemeh- wer in Wirklichkeit den Zweck verfolgt, öffentliche Angelegen- ?f>ten in der Versammlung zu erörtern oder zu berathen,„oder nteselbe zu Agitationszwecken auszubeuten." Holland. g. In Amsterdam herrscht wieder völlige Ruhe. Nur einige �nffenbubcn und Bummler versuchten noch einigemal! Lärm ju machen und gaben dadurch der Polizei eine gute Gelegenheit, Wh populär zu machen. Daß die Sozialdemokraten dem un- nutzen Gassenlärm fern gestanden haben, crgiebt sich auch aus jnnem Manifest, welches der sozialdemokratische Bund in der «tadt anschlagen ließ. Darin wird darauf hingewiesen, daß sozialdemokratische Partei ebenso viel Interesse an der Ruhe Ndc, wie die übrige Bevölkerung. Der ganze Krawall sei auf Anstiften von»genta provoc&tenrs erfolgt. Fraurreich. . In seiner nächsten Session wird der Pariser Gemeinderath %n Stadthaushalt für 1886 zu berathen haben. Der Voran- Nag beläuft sich auf 258 Mill., beträgt also mehr als der Staatshaushalt Belgiens. Auf den Kopf kommen in Paris Fr. an städtischen Lasten. Außerdem trägt Paris ein Mentel des französischen Staatshaushalts mit ungefähr M Mill. oder 172 Fr. auf jeden Einwohner. Es kommen �mnach 276 Fr. städtische und Staatssteuer auf jeden Kopf, bei einer Familie von nur fünf Personen eine Steuerlast n?n 1380 Fr. ausmacht. Unter den 600 000 Pariser Familien giebt es mindestens 150 000, deren Einkommen diese Ziffer w nicht oder kaum erreicht. Spanten. . Das Beispiel des Großhändlers Hernandez in Madrid, rt im liberalen Klub sein Absage- Zirkular an alle seine bis- "si'gen Geschäftsfreunde in Deutschland verlas, hat in B a r- !°lona weitgehende Nachahmung gefunden. Im Saal der Fufmännischen Vereinigung„El circnlo mercantil" fand eine Msammlung des Handelsstandes statt, wobei folgende Be- Flüsse einstimmig gefaßt wurden: � � v 1. Alle spanischen Industriellen und Handeltreibenden wer- r" aufgefordert, ihre Beziehungen zu Deutschland so lange zu juspendiren, his der Würde Spaniens die gebührende Genug- .nuung ,u Theil geworden. 2. Auch die Bank- und Börsen- nftchafte mit deutschen Plätzen sollen so lange völlig eingestellt Z"dtn. 3. Ein energisches Telegramm soll vom Bureau der �rsammlung an die spanische Regierung gerichtet werden, dieselbe aufgefordert wird, a) auf dem Eigenthumsrechte und daß ich dem Elend in die Arme eile; erinnert �.sich, ich hatte eine Schwester, die Jahre lang als Mormo- jjjn am Salzsee lebte. Sie lebte so glücklich mit ihrem hatten und dem holden Kinde, wie Sterblichen nur je ver- °?nilt gewesen ist; ihre Briefe sind die besten Beweise dafür. 5?" ich nun glauben, daß meine arme Schwester das Recht kT vom Unrecht zu unterscheiden vermochte? Oder gar, 21 sie mich hinterging, indem sie mir rieth, meinen Onkel !M>ingt zu begleiten? O, wie könnte, wie dürfte rch der- Wen für möglich halten! Meine Schwester besaß ein zu Ä« Herz, zu viel schwesterliche Treue und Anhangltchkeft. 5'° würde, wäre sie unglücklich gewesen, ihr Elend mtt Ge- ü,,; getragen, der Hoffnung, mich jemals wieder zusehen, � sagt haben, aber mich zu sich gerufen, wenn sie nicht über- M gewesen wäre, e« geschähe zu meinem Heil» nein, memals, Ä? fÄ 6jimen müssen. Vergebt mir," fügte sie dann�mit sanfterer in iu' während ihr Enthusiasmus sich plötzlich wleder üb-. � Trauer umwandelte und ein heißer �.hranenstrom »erj.'�e Wangen rann,„alle gegen das Mormonenthum Setir Schmähungen und Angriffe schneiden mir durchs W''le klingen mir wie Schmähungen, die meii SÄ'l.e klingen mir'wie Schmähungen, die meiner einzigen, Asschledenen Schwester ins Grab nachgesandt werden. �icyievenen Schwester ms Grad nacygefanvi wrivr». ei i/�ahtenb Hertha so sprach, war eS Weatherton, als iM 4m. das Unheil einer lebenslänglichen Haft oder gar m.r, zuerkannt worden. Er überzeugte sich, daß gem�ÄS' ohe Hertha nicht noch trübere Erfahrungen lich-* t. alle seine Bemühungen an dem unerschütter- sie �ertrauen und der tiefen Frömmigkeit, mit welcher � N der neuen Lehre ergeben, kraftlos abprallen würden. Sann•nn Pe aber erst diese Erfahrungen gemacht hatte, fiu K, 19 dann war es vielleicht zu spät, sie vor dem Elend lich, ÄZhren. Seine letzte Hoffnung, durch eine freie, ehr- schei»-.. vbarung eine glückliche Entscheidung herbeizuführen, S-nk-�. �vollständig an der Pietät, mit welcher sie das An- End- �ver Schwester bewahrte, und deren Beispiel b,S an's 'hter Tage zu befolgen gedachte. Spaniens an der gesammten Karolinengruppe fest zu beharren, dl den Handelsvertrag mit Deutschland für erloschen zu er- lkären, c) die Einfuhr aller deutschen Handelsartikel zu ver« bieten. 4. Die sämmtlichen Korporationen Barcelonas werden aufgefordert, dieses Ansinnen an die Regierung zu unterstützen. 5. Desgleichen soll die ganze Bevölkerung der Stadt aufge- fordert werden, durch eine große öffentliche Demonstration diesen Beschlüffen ihre Zusttmmung zu bezeugen. G r o tz b r t t a»» i e«. Im Zusammenhange mit den jüngsten Enthüllungen der „Pall Mall- Gazette" fand vor dem Londoner Polizeigencht eine Verhandlung gegen die Frau Rebecca Jarret statt, welche an- geklagt ist, die dreizehnjährige Eliza Armstrong entführt zu haben. Die weitere Verhandlung wurde auf Montag vertagt. Das Gericht verweigerte die Annahme einer Kaution. Auch gegen einen Redakteur der„Pall Mall Gazette", Namens Sread, nnd einen Angestellten derselben Zeitung, Jacques, ist wegen Mitschuld an der Entführung das gerichtliche Verfahren eingeleitet. Die„Voss. Ztg. bemerkt dazu:„Eliza Armstrong ist nach früheren Mittheilungen der„Pall Mall Gaz." von dem geheimen Ausschuffe, welchen dieses Blatt gebildet hatte, nur entführt worden, um die Leichtigkeit und Möglichkeit einer solchen Entführung zu beweisen, keineswegs aber zu unsittlichen Zwecken. Der genannte Ausschuß hat sich hierzu allerdings einer Person bedtent, welche früher als Kupplerin gewirkt hatte, das entführte Mädchen aber sofort, nachdem der Streich gelungen war, bei einer anständigen Familie untergebracht. Mr. Stead ist unseres Wiffens den Chefredakteur der„Pall Mall Gaz.", also derjenige, der die ganze jetzige Bewegung zum Schutze der jungen Mädchen in England ange- regt hat." Amerika. Aus Newyork wir dem„Volkswohl" von Mitte August folgendes geschrieben: Obgleich in den Industrien der Ver- einigten Staaten im Allgemeinen eine merkliche Besserung ein- Setreten ist, befindet sich doch noch ein großer Theil von Unbe- häftigten in allen Theilcn des Landes, dagegen war die Nachfrage nach Landarbeitem in den letzten Wochen eine größere. Ein starker Mangel herrscht wieder an weiblichen Dienstboten und Köchinnen, die bis in den fernsten Westen bei hohen Löhnen begehrt werden und nur zum germasten Theile zu erhalten find. Die Heuer abermals verringerte Ein- Wanderung strömt mehr nach dem Westen zu, um Landbau zu treiben. Das ist noch das hoffnungsreichste Gebiet für die- jenigen, welche in Amerika eine zweite Heimath suchen, obgleich auch hier die Erwartungen nicht zu hoch geschraubt werden dürfen und die größte Vorficht vor Betrug in Bezug auf Landkauf oder Vervingung an Farmer geboten ist. Es wurde schon wiederholt darauf hingewiesen, das ameri- kanische Mädchen zum Dienen nicht erzogen werden, sondem lieber in irgend einer Fabrik arbeiten, unv daß selbst die best- gestellten Bürgermädchen, d. h. solche, deren Eltem Haus und Geschäft besitzen, als Fabrikmädchen arbeiten: daß deutsche Dienstmädchen sehr gesucht sind, selbst hier im Osten, und Löhne bis zu 18 Dollars pro Monat, ja selbst höher bekommen, und 12 Dollars selbst an ein Dienstmädchen für niedrige Hausarbeit bezahlt werden. Trotzdem kommt es selten vor, daß ein deutsches Mädchen lange Zeit dient. Ueber kurz oder langiläuft es in die Fabrik. Es giebt chatsächlich keinen Geschäftszwerg, in dem nicht Mädchen beichäftigt stnd. Es scheint, daß die verfügbare freie Zeit das einzige Zugmittel ist, daß diese Mädchen Vre Fabriks- arbeit wählen läßt, denn in den meisten Fällen erreicht ihr Verdienst nicht einmal die Lohnhöhe, die sie als Dienstmädchen erhalten würden, und sie büßen Verpflegung und Wohnung dabei ein. Ich will hier ein Beispiel geben von den Reizen der Fabriksarbeit— ein einzelner Fall, dem sich zahllose andere anfügen ließen. In der Stadt Newyork ist eine Seidenweberei, in der 800 Mädchen arbeiten. Der höchste Verdienst der Mädchen ist 5 Dollar pro Woche. Der Besitzer der Weberei, ein sehr frommer Mann, ist in der Kirchengemeinde, zu welcher er gehört, der vielen Wohltheten und Unterstützungen wegen, die er giebt, in hohem Ansehen, und namentlich liefert er Unterstützungsbeiträge an ein Institut, das sich die Rettung „gefallener Mädchen" zur Aufgabe macht. Gewiß ein Muster von einem Menschenfreunde. Aber wie sieht es in seiner Fabrik aus? Da hat er sich einen Menschen als Vormann angestellt, der einmal Aufseher in einem russischen Gefangenhause ge- wesen zu sein scheint. Für's Erste führt er die denkbar roheste Sprache den Mädchen gegenüber. Amerikanerinnen find in diesem Punkte sehr empfindlich. Für Alles und Jedes giebt es Geldstrafen. Wenn ein Mädchen zu einem anderen spricht, wenn es sich Wasser zum Trinken holt oder auch nur Wasser verlangt! Es ist nämlich ein Knabe da, der in gewissen Zeiträumen mrt dem Wassereimer herumgeht und den Mädchen zu trinken giebt. Zu keiner anderen Zeit ist es ihnen möglich, zu trinken. Wir hatten Heuer bis zu 98 Grad Fahrenhcrt im Schatten und bei solcher Hitze das Verlangen nach Waffer mit Geldstrafen zu belegen, ist nicht besonders„christlich". Das Wasser in Newyork ist warm und deshalb ist in Newyork in jedem Geschäfte, auch im kleinsten Haushalt, Eis vorhanden; Ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust, es war die einzige Antwort, welche ihm auf Hertha'S Erklärung zu Gebote stand. Seine von dem flackernden Feuer der Mo- haveS beleuchtete Physiognomie mußte indessen einen hohe» Grad bitterer Täuschung verrathen, denn Hertha glaubte nun ihrerseits, ihn verletzt zu haben, und der augenblicklichen Regung ihres Herzens folgend, trat sie wieder dicht an ihn �°�Mr. Weatherton," sagte sie in ihrer treuherziaen Weise, indem sie ihre Hand zuttaulich auf des jungen Ossi- ziers Arm legte.„Ich wollte Euch nicht wehe thun, und wenn meine vielleicht unüberlegt ausgesprochenen Ansichten Euch unsanft berührten, dann geschah eS ohne meinen Willen. Laßt uns freundlichere Bilder zum Gegenstand unserer Unterhaltung wählen, die ohnehin nur noch wenige Mi- nuten dauern darf. Laßt unS sprechen von Euern Feunden, die Euch hierher begleiteten und sicher nicht fern sein können. Seht, auch ich habe auf meiner Reise Freunde ge- mannen," fügte sie mit einem schwermüthigen Lächeln hin- zu, indem sie auf die Gruppe der aufmerksam lauschenden MohaveS wies, die, als ob sie den Inhalt ihrer Worte verstanden hätten, mit glücklichem Lachen zu ihr empor- schauten.„Es sind allerdings nur Urwilde, und die Mtttel zu unserer Verständigung sehr gering, allein ich kann Euch versichern, die Herzen, welche sie rn der Brust tragen, und die Gefühle, welche zu verbergen sie nicht ver- stehen, würden manchem hochzioiliflrten Weißen zur Ehre gereichen. Ich behaupte dies, trotzdem ich zu den Bevor- rügten gehöre, die noch keine schlechten Menschen kennen gelernt haben. Schrecklich, wie sie sich in ihrer Malerei ausnehmen, würde ich mich nicht fürchten, unter ibrem Schutz ganz allein die traurigsten Einöden zu durch- wandern. Dieser ist der Häuptling Kairuk, und Jener dort �reteba. sein Freund; die Namen der übrigen kenne rch ebenfalls, doch sind es namentlich die beiden Ersteren, welche mmm-m die EiShändler fahren den ganzen Tag über durch die Straßen, nur in jener Seidenweberet giebt es kein Eis; da haben denn die Mädchen Geld zusammengeschossen, um einen Kühler zu kaufen und Eiswasser zu erhalten. Der oben erwähnte Knabe erhielt das Geld, um den Kühler zu holen, wurde aber sofort vom Vormann entlassen, weil er sich hinter seinem und dem Rücken des Chefs in eine solch„revolutionäre" Bewegung ein- gelassen hatte.— Abzüge wegen schlechter Arbeit kommen sehr oäufig vor, und ein Mädchen hat in kurzer Folge zwei volle Wochenlöhne abgezogen bekommen, trotzdem, wre das Mädchen behauptet, das betreffende Stück Waare ebenso anstandslos ver» kaust wurde, wie alle anderen. Dabei muthet man aber den Mädchen zu, daß sie auch wöchentliche oder monatliche Bei- träge für„humanitäre" Zwecke beisteuern sollen, und der Chef hat wiederholt erklärt, daß er von den vielen Strafgeldern, die er einziehe, keinen Cent für sich behalte, sondern Alles für „wohlthätige" Zwecke hergebe. Eine recht sonderbare Art, Wohl- thaten zu üben. Auch bekommen es die Madchen häufig zu hören, daß 5 Dollars ein viel zu hoher Verdienst für eine weibliche Person sei, daß wohl auch 2 Dollars genügen müßten, umsomehr, da ein Kleid aus Kaliko gut genug für eine Arbeiterin sei, und käme sie wirklich nicht damit aus— nun, ein Mädchen fände bald Mittel und Wege, sich etwas extra zu verdienen. Letzteres ist die Aeußerung des Vorman- nes. So rettet man von der einen Seite„gefallene Mädchen" und auf der anderen Seite führt man sie durch Hungerlöhne dem Falle zu. Da es amerikanischen Arbeitgebern verboten ist, Arbeiter aus Europa kontraktlich zu binden(ein solcher Straffall ist eben in der Schwebe), fo verfallen die Herren auf ein anderes Auskunftsmittel: sie bezahlen den Arbeitem die Ueberfahrt und lassen den Konttakt einfach hier zu Lande unterzeichnen. Ein solcher Fall ist eben jetzt entdeckt worden. Der betreffende Fabrikant hat mit dieser Gesetzesumgehung schwerlich etwas gewonnen und wird seine Strafe(bis zu 1000 Doli, für jeden Arbeiter) bezahlen müssen, denn das betreffende Gesetz ver- bietet nicht nur die Abschlicßung von Konttakten in Europa, sondem auch die Bezahlung der Passage an Arbeiter, da dies ja doch nur zum Zwecke des Engagements geschieht. Die Ar- bester in Deutschland können nicht genug gewarnt werden, auf Arbeitsversprechungen hin nach Amerika zu gehen, da Kräfte hier genug find und der Hauptzweck immer der ist, Löhne zu zahlen, die für Deutschland hoch scheinen mögen, aber für die hiesigen Verhältnisse, Lebensmittel und Wohn- preise derartige find, daß fie von Einheimischen zurückgewiesen werden. Zokales. b. Welche Nachtyeile die immer weitere Ausdehnung den Frauenarbeit für unsere Erwerbsverhältnissc hat, wird recht klar aus der nachstehend mitgetheilten Begebenheit hervorgehen. Im Norden der Stadt wohnt eine Wittwe mit zwei Kindem, einem Sohn und einer Tochter. Der Sohn war in einem hiesigen Geschäft als Komptoirist angestellt und bezog ein monatliches Gehalt von 120 Marl. Um nun die Einnahmen der Familie etwas zu vermehren und gleichzeitig eine„angemessene" Be- schäftigung zu haben, ließ fich die Schwester des jungen Man- nes von befreundeten Personen dazu bestimmen, in einem kauf- männischen Lehrinstitut die Buchhaltcrei ic. zu erlernen, um als Komptoiristin Stellung zu suchen. Klärchen, dies der Vor- name des jungen Mädchens, war denn auch so glücklich, nach nicht allzu langem Warten ein Engagement als „Komptoirdame" zu finden und wenn ihr Monatsgehalt auch nur auf 30 Mark bemessen war, so tröstete sie sich doch damit, keine gewöhnliche Arbeiterin zu sein und zeigte Abends ihren Freundinnen mit einem gewissen Stolz ihre dintenbc- fleckten Finger. Klärchen war von ihrem neuen Beruf so ein- genommen, oaß fie alle ihre Freundinnen zu überreden ver- suchte, Strickstrumpf und Nähzeug bei Seite zu werfen und statt dessen die Feder zu ergreifen. Die Mehrzahl schüttelte dazu bedenklich den Kopf, allein eine unter ihnen, die wir Erna nennenZwollen, schien die Stellung einer Komptoirdame doch zu interessant zu finden; fie machte wie Klärchen einen Kursus in einer kaufmännischen Unterrichts anstatt durch und bewarb fich nach dessen Beendigung fleißig um eine Stelle. Wochen vergingen, che fie auf alle ihreOfferten eine Antwort erhielt' aber fie verzagt nicht; fie braucht es ja nicht so nöthig, Papa lebt ja in leidlich guten Verhältnissen und ihr einstiges Gehalt kann Erna ganz für fich verwenden. Da endlich erhätt fie eines Tages die Aufforderung sich vorzustellen und zwar dem Prin- zipal, bei welchem der Bruder ihrer Freundin Klärchen in Stellung ist. Sie ging, gefiel und wurde mit 40 Ml. Monatsgehalt engagirt. Voller Freude eilte sie nach Hause und konnte kaum die Rückkehr ihrer Freundin eiwartcn, um dieser die frohe Nachricht mitzutheilen. Klärchen freute fich natürlich ganz un- bändig, daß Erna ein so vottheilhaftes Engagement gefunden hatte und dies hauptsächlich ihrem Zureden zu danken habe» allein ihre Freude verging vollständig, als bald darauf ihr Bruder nach Hause kam und der Mutter die Mittheiluna machte, daß er heute seine Kündigung erhalten habe, weil sein m,r seine Anhänglichkeit zu beweisen, hat oft tagelang, wenn ich den Wagen mit einem Reitpferde vertauschte, mein Thier, trotzdem eS fromm wie ein Lamm war, am Züael geführt. Man spricht von dem richtigen In- stinkt der Thiers. Ihr findet das hier so recht be. wahrheitet; denn ich glaube, auf dem ganzen Fort befindet sich kern Hund, der mit den MohaveS nicht Freundschaft geschloffen hätte und nicht ihrem leisesten Winke gehorchte. Ja, gewiß, diese MohaveS find gute Menscheu, und wie Ihr erklärtet, daß Eure Freunde auch die meinigen wären, so sollen diese braven Krieger hier nicht weniger die Eurigen sein. Kairuk," fuhr sie dann zu dem Häuptling gewendet fort, seine Aufmerksamkeit auf Weatherton lenkend,„er ist sehr gut, sehr achotka." „Hagh, Amerika» achotka, achotka," rief Kairuk mit tiefer, wohltönender Stimme aus, und indem er emporfpranq klopfte er zuerst Weatherton und demnächst dem etwa» ab- seits stehenden Rast schmeichelnd auf die Schultern. Ame- rikan gefangen," sagte er darauf, seinen Arm in der Richtung des Gefängnisses ausstreckend. „Ja, gefangen," antwortete Weatherton bitter, dem den Bootsmann, der seine Verwunderung durch sein gewöhn- \t ää inochen, was Du in vier Wochen unter diesen harmlosen Riesen verderbest." „Hab'S immer gesagt," entschuldigte Rast sich mit emem Kratzfuß vor Hertha,„Fluchen ist'ne verdammt schlechte Angewohnheit, wie Dickie'S Vater mir noch auf dem Sterbebett versicherte;„ja'ne verdammt schlechte Angewohnheit, kann'S aber nicht lassen." (Fortsetzung folgt.) Chef dem Fortschritt der Zeit folgend sich eine Komptoiidame engagirt habe. Erst als der junge Mann Monate lan�stellungs los gewesen und die Familie in die größte Bedrangniß ge- rathen war, wurde es ihnen klar, daß durch diesem, die erweiterte Erwerbsthätigkeit des weidlichen Geschlechts nicht wie man fälschlich vorgiebt, ein Nutzen geschaffen worden ist, sondem einzig und allein den Unternehmem, welche Frauen zu erbeblich nievrigeren Löhnen engagiren können, als ste solche Männer zahlen miiffen. Mit ven 120 M. Gehalt, welche der junge Mann monatlich bezog, konnte die kleine Familie leben, bei 30 M. Einkommen der Tochter mußte sie hungern. Klärchen hat denn auch den Geschmack an der Stellung einer Komptoir- dame gründlich verloren und als nach monatelangem Bemühen ihr Bruder endlich wieder einen Posten gefunden hatte, gab fie ihre Stellung auf, um eine dem Wesen des Weibes mehr entsprechende Beschäftigung zu suchen. Sie überredet auch keine ihrer Freundinnen mehr, sich fürs Komptoir ausbilden zu lassen, denn es könnte ja vielleicht noch einmal pasfircn, daß ihr Bruder durch eine Komptoirdame verdrängt würde. Zur Beschwerdeführung bei dem Minister des Annern hat fich dieser Tage eine ausgewiesene Russin an einen Berliner Rechtsanwalt gewendet. Der Fall liegt so eigenthümlich, daß er auch für die Oeffentlichkeit Interesse haben dürfte. Die Frau, eine geborene Deutsche, verheirathcte sich vor mehr als zehn Jahren mit einem russischen Handwerker; aus der Ehe finlr fünf Kinder entsprossen. Materielle Sorgen veranlaßten die Familie, nach Königsberg zu ziehen, wo fie ebenfalls mit Roth außerordentlich zu kämpfen hatte. Das Ende vom Liede war, daß der charakterlose Mann eines Tages fich den traurigen Verhältnissen entzog und spurlos verschwand. Das Gerücht erzählte, er sei nach seiner Heimath, einem Städtchen in Ruß- land, gegangen. Die Frau schreckte trotz ihrer hilfslosm Lage vor der weiten Reise nicht zurück und suchte ihren treulosen Gatten dort, wo man ihn glaubte zu finden. Aber ihr Hoffen wurde getäuscht, und später ward es zur Gewißheit, daß der Mann übers Meer nach Amerika gezogen war. Da war es allerdings schwer ihn zu suchen, und ob fie nun wollte oder nicht, fie mußte nach Königsberg zu ihren Kindern zurück. Hier sollte ihr die unselige Verbindung von Neuem zum Fluche werden. Eine strikte Ausweisungsordre des Poli- zeipräfidiums verbannte fie als Rusfin aus der ihr zur Heimath gewordenen Stadt. Zn ihrer Verzweiflung wußte ste nicht, wohin fie sich wenden sollte. Endlich folgte fie dem Rathe eines erfahrenen Mannes und trug ihre Angelegenheit einem bekannten Berliner Rechtsanwälte vor. Bei der Konsultation kam auch zur Sprache, in welcher Weise die eheliche Verbin- dung zwischen dem Paare vollzogen worden war. Dabei stellte fich heraus, daß lediglich ein Rabbiner die Vereinigung vor- genommen hatte, daß es fich also um einen gesetzlich ganz un« wirksamen Ast handelte. Da fie unter diesen Umständen noch als Deutsche anzusehen wäre, so ist Ausficht vorhanden, daß der Ausweisungsbefehl, welcher die der russischen Enrache Un- kundige in ein ihr vollständig fremdes Land verweist, von der Ministerialinstanz wieder aufgehoben werden wird. Eine miß- liche Folge aber liegt darin, daß die Kinder nunmehr mit dem Makel der Unehelichkeit behaftet würden. Folgende Warnung vor unbedachter Auswanderung findet fich in dem„Anz. des Deutsch- Christl. Vereins junger Männer zu London":„Wir nehmen Veranlassung, unsere jun- gen Freunde im lieben Deutschland drüben recht dringend zu warnen, es sich zweimal zu überlegen, ehe fie nach England oder Amerika auswandern. Das alte Märchen, daß hier das Gold auf den Straßen liegt, scheint noch immer von Manchen für Wahrheit gehalten zu werden. Arme Betrogene! Sie finden nicht Gold, nicht einmal Arbeit, aber Elend. Unser Verein kommt fortwährend mit solchen zusammen, die hier schon lange und in guten Stellungen gelebt haben, dre aber wegen der augenblicklich herrschenden Geschästsnoth plötzlich entlassen find. Es ist ungemein schwer, selbst für solche Stellungen zu finden. Was nun mit denen thun, die ohne Referenzen, ohne Kenntniß der englischen Sprache, ohne Mittel herkommen? Es ist ein herzzerreißendes Elend. Niemand ahnt es drüben, welche Schaar von feinen, gebildeten Leuten hier umhergeht, die gern die härteste Handarbeit verrichten würden, wenn fie solche nur bekommen könnten, die nun nicht mehr vorwärts noch rückwärts können und, vom Hunger getrieben, Bettler werden oder gar noch tiefer sinken. Häufig stehen des Abends 10 Uhr vor der Thür unseres Vercinshauses hungernde Landsleute, die nicht einmal mehr ein Nachtlager haben. Zu einem Thceabend, den der Verein kürzlich den armen Deutschen gab, kamen etwa 150, von diesen waren nur 20 in Arbeit und zwei Drittel ohne ���Ge�ieimmittelschwindler. Der Karlsruher Ortsgesund- heitsrath erläßt folgende Warnung: Durch Zeitungsannonzen und Zirkuläre erbretet fich dre „Deutsche Gesundheitskompagnie" in Berlin, Kranken ver- schiedcnster Art Rath und Arzneien zu vermitteln. Die„Deutsche Gesundhcitskompagnie" besteht aus dem bekannten Kurpfuscher Richard Mohrmann und dem Schrift- steller Bernhardt, dem angeblichen Verfasser des Jugend- spiegris.� Mohrmann haben wir schon verschiedentlich gewarnt. Derselbe war früher Uhrmacher, dann Photograph.n- gehilfe; bis vor kurzem übte er sein Gewerbe als Bandwurm- doktor im Umherziehen aus und betteibt, seidem letzteres durch die Gewerbeordnung verboten worden, das Geschäft auf brief- lichem Wege. Die von Mohrmann gegen Bandwurm verabfolgten Mittel früher in der Apotheke zu Nossen zu 1,20 M. zuwurden......._ � bereitet und durch Mohrmann für 10 M. verkauft. Die Broschüre, der„Juaendspieael", verheißt Hilfe gegen Schwächezustände und dergleichen. Ihr offenbarer Zweck ist, solche, die fich durch Ausschweifung die Gesundheit zerüttet haben, in Angst zu versetzen, um fie zur geldlichen Ausbeutung ��Nach Capanu-Carlowa(Mediz. Spezialitäten) und Witt- stein(Taschenbuch der Geheimmittellehre) besteht daS Bern- hardi'sche Mittel aus zwei Flaschen Honigwasser im Werthe von 0,50 Mark. Der Preis beträgt 60 Mark. Einer Persönlichkeit, die fich von brer aus an dre „Deutsche Gesund heitskompagnie" um Rath wände, wurde dieser unter der Bedingung zugesagt, daß fich der Patient zuvor zur Zahlung eines Honorars von 100 Marl ver- Wir warnen vor dieser nichtswürdigen Schwindelei. °-n mw im Schnetzler. Schumacher. Eine Bartkrankheit, die mehr ihrer Unannehmlichkeit und langen Dauer als ihrer Gefährlichkeit wegen gefürchtet ist, die parasitäre Bartflechte(Sylose), grasfirt seit längerer Zeit in Berlin. Da ste Pilzen ihren Ursprung verdankt, die durch ihre Berührung die Krankeit hervorbringen, so wird bei Bestehen eines Herdes durch Rastren und Betasten des Gesichts der Keim zu neuen Herden bei der erkrankten Person und bei Anderen gelegt, wozu die Barbiere oft unschuldiger Weise beitragen; denn die Reinlichkeit, wie fie in den meisten unserer Friseurlädcn geübt wird, ist nicht im Stande, die dem Rafir- messer anhaftenden Pilze zu vernichten, da zu deren Ver- tilgung das flüchtige Abreiben mit Seife allein nicht allzuviel nützt, und antiseptische Behandlung der Instrumente mit dem die Pilze tödtenden Sublimat bezw. �Karbol ohne besondere Anreauna wohl nicht stattfindet. Außerdem werden durch mit Bläschen oder Schuppen bedeckt find, und wird— von den Laim oft als gewöhnliche Flechte angesehen— so lange vernachlässigt, bis derbe, tiefer fitzende, schließlich vereitemde Knötchen zum Befragen eines Arztes diingend mahnen. Die Krankheit wird durch Pilze verursacht, die fich in Kettenform oder als runde Sporen zwischen den Oberhaut- zellen finden und später in die Haarbälge, zwischen die Wurzel- scheiden und in die Haare selbst eindringen, woselbst sie mikroskopisch nach Aufhellung mit Natron- oder Kalilauge nach- weisbar find. Je länger die Pilze wuchern, um so tiefer dringen fie ein und geben Veranlassung zu den oben erwähnten Knötchen. Die pilzigen Haare zeigen sich trübe und weiden, in Chloroform gelegt, weiß wie Kalk, während gesunde Haare durch Befeuchten mit Chloroform nur wenig heller werden. Durch den Nachweis der Pilze ist die Diagnose auf die parasitäre Bartflechte ficher gestellt. Während diese Hautkrank- heit in früheren Jahren selten zur Beobachtung kam, kann man jetzt in Berlin beinahe von einem epidemischen Auftreten der- selben sprechen. Die Männer sollten bei Ausschlägen im Be- reiche des Bartes sofort den Rath eines Arztes nachsuchen, damit, wenn es fich um die Pilzflechte handelt, frühzeitig ein- geschritten und nicht unter ruhigem Abwarten das Leiden auf viele Monate ausgedehnt wird. Die Pilze werden, der„Tägl. R." zufolge, durch Sublimatlösung ficher getödtet, und es ist rathsam, sofort eine solche anzuwenden, zugleich die Haare im Bereich der Flechte erbarmungslos auszuziehen, was mehr müh- selig als schmerzhaft ist. In der denkbar gefährlichsten Situation befanden fich am Dienstag früh die Zimmerleute, welche damit beschäftigt waren, auf dem Neubau des Grundstücks Perlebergersttaße 28 das Fach werk oberhalb der vierten Etage zusammenzufügen. In dieser schwindelnden Höhe mit den schweren Balken hanti- rend, wurde einer von ihnen vom Blutsturz befallen und ver- mochte fich nur mit Mühe auf den Beinen zu halten, bis seine Kollegen ihm zu Hilfe kamen. Einer derselben wurde durch den unerwarteten Anblick derartig erschrocken, daß er beinahe die Geistesgegenwart verloren hätte und hinuntergestürzt wäre. Der Patient wurde in das nahe belegene Moabiter Kranken- haus gebracht. Die Witterung des Monats August war in diesem Jahre beispiellos rauh und unfreundlich. Seit Beginn der regelmäßigen meteorologischen Beobachtungen(1884) ist kein August so kalt gewesen wie der diesjährige. Hätten nicht ein paar Tage in der ersten Monatshälfte einen bedeutenden Wärmeüberschuß gehabt, so wäre die mittlere Monatstempera- tur noch beträchtlich niedriger. Der Monat begann mit einer kurzen kühlen Regenperiode; dann trat vom 4. ab warmes heiteres Sommerwetter ein, das mit einer dreitägigen Unter- brechung bis zum 13. anhielt, während das Barometer beträcht- lich stieg. Am 14. begann das bis zum Monats schluß andauernde kalte, meist regnerische und trübe Wetter. Die ersten paar Tage blieben noch von Niederschlägen frei, vom 17. bis 25. aber regnete es tagtäglich. Die letzten Monatstage brach- ten etwas freundlicheres, aber andauernd kaltes Wetter. Die Temperatur sank Nachts bis zu einer im August noch nicht beobachteten Tiefe, und am 28. Morgens wurde sogar schon Reif konftatirt. Die mittlere Morgentemoeratur (6 Uhr) betrug nach den in dieser Zeitung publiziiten Beobachtungen 11,5 0 C, die Mittagstemperatur(1 Uhr) 17,7 0 C., die Abend-Temperatur(10 Uhr) 13,1 0 C. Daraus ergiebt fich eine mittlere Monatstemperatur von 14,3 während dem August nach langjährigen Beobachtungen eine solche von 19,6° zukommt. Der nächstkälteste August seit 1848 war der des Jahres 1864, der immer noch 15,2° hatte, während in keinem anderen Jahre die Mitteltemperatur des August unter 16° lag. Die Abnormität des Berichtsmonats geht hier- aus zur Genüge hervor. Die mittlere Tagestcmperawr lag vom 14. ab stets zwischen 10,5 und 13,5°, und die höchste Temperatur betrug in dieser ganzen Zeit nur 19,9°, während am 6. noch 27,2• und am 11. 27,5° beobachtet waren. Das Wärmeminimum fiel mit 3,5° auf den 29., überhaupt sank in 15 Nächten das Thermometer unter 10°, während es nur an drei Tagen über 25° stieß. Der diesjährige August war ge- rade so warm wie der vorzährige September; und die Hoffnung, daß der September in diesem Jahre einigermaßen gut machen wird, was der August an Badegästen, Sommerfrischlern w. verschuldet hat, entbehrt bis jetzt der Begründung. Aus dem sonstigen Beobachtungsmateiial sei noch erwähnt, daß der mittlere Barometerstand 756,0 Millimeter betrug, das ist fast 1 Millimeter weniger, als der langjährige Durchschnitt. Die Schwankungen waren nur um Mute des Monats beträcktlich und bewegten fich zwischen 746,2 Mmtr. (am 23.) und 764,6 Mmtr.> weise auf Unterrichtskurse für Arbeiter, die in den GroßMtM leicht hergestellt werden könnten und den Arbeitern die LW lichkeit bieten müßten, vorzugsweise aus der Geschichte,«r Naturwissenschaft und der Nationalökonomie das Wichtigste fw zu eigen zu machen. Er hob dabei hervor, daß der Unterricht m diesen Kursen mit Diskussion verbunden sein müßte. In l« an den Vorttag fich anschließenden Diskusston sprachen vie Redner ihre Zustimmung zu den Ausführungen des Rest- renten aus. Ortskrankenkasse der Majchinenbauarbeiter und wandten Berufsgenofsen zu Berlin. Laut Beschluß der% flirten obiger Kasse vom 5. Juli er. und Genehmigung de Bezirls-Ausschusses vom 25. August er., find die wöchentlich" Beittäge zur Krankenkasse für erwachsene Mitglieder von 51 a» 66 Pfg, für minderjährige Mitglieder von 25 auf 33!Rfa- — vom 29. August er. anhebend— erhöht worden. Verein sämmtlicher Berufsklassen(eingeschriebene hilstj lasse) Berlin in. Eonnabend, den 5. September, Aben» 8V» Uhr, Ackerstr. 13, Versammlung._ Fachverein der Schlosser und Berufsaenossen.% sammlung am Sonnabend, den 5. September, Abends 8'/- W' bei Gratweil, Kommandantenstr. 77/79 loberer Saal). Tage»' ordnung: 1) Abrechnung vom Sommertest; 2) Wahl W» ersten Vorfitzenden; 3) Aufnahme neuer Mitglieder; 4) 2#" schiedenes und Fragekasten.„ Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall' arbeiter(E. H. Nr. 29) Hamburg, Filiale 4. Sonntag, W1 6. September, Vormittags 10V> Uhr, bei Keller, Andrea-' straße 21: General-Versammlung. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metalb arbeiter(E. H. Nr. 29). Hamburg, Filiale 8, Gesundbrunnen- Mitglieder- Versammlung Sonnabend, den 5. September Abends 9 Uhr, Äadstr. 54—56 bei Weimann. TagesorvnM- Kassenbericht. Wahl eines Revisors. Verschiedenes-— gliedsbuch legitimirt. Fachverein der Schmiede. Sonnabend, den 5. Ecptv, Abends a'/i Uhr, im oberen Saale der Gratweil'schen Biel' hallen, Kommandantenstr. 77—79. Außerordentliche Generat' Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Mt� 2. Antrag des Voistandes betr.„Auflösung des Vereins ui» Anschluß an die Vereinigung deutscher Schmiede". Verein der Einsetzer Berlins. Sonntag, den 6. Sekt- mtHftnÄ in llhr N«,, Srl-HrtAaNr dÄ aOii/.IJ.h-r,®«!' Vormittags 10 Uhr, Neue Frtedrichsstr. 44. Mitglieder 2� sammlung. Kprechfaal. Di« Redaktion stellt die Benutzung de««prechsaal«, soweit Rau« t-j abzug eben ist, dem Pudiikum zur Besprechung von«ngelegenheiten Interesse« zur Bersügung,' fie»erwahrt fich aber gleichzeitig dagegen,»ni � Inhalt desselben identifizirt zu werden. Die Auflösung der„Freien Bereinigung der Met«� arbeiter Deutschlands". Aus Mannheim erhalten wir st; gendes Schreiben, mit der Bitte um Veröffentlichung selben:,. In Nummer 197 des„Berliner Volksblatt" lese ich estst Bericht, wonach Herr Günther in einer am Sonntag, V 23. August, in Gratwetl's Bierhallen abgehaltenen M(% arbeiter Versammlung gesagt hat:„Seiner Ansicht nach b?, der Grund der erfolgten Auflösung der Vereinigung keinesfsL in den Zwecken des Vereins gelegen. Die Regierung nicht dagegen einwende» können, daß zur Steuerung„ Vagabondenwescns eine Wanderunterstützung und für Art*"' lose wie für Streikende eine Hilfskasse gegründet werden Vielleicht hätte man fich in der Wahl des Vorstandes griffen, der weit über seine Befugnisse hinausgeschritten dem Verein einen politischen Charakter hätte geben wollen u«' dadurch dm schönen Bau zerstört hätte." Ueber den elst� Theil dieser Redensartm will ich mich nicht äußern, da ich?? Raum dieses Blattes nickt so viel in Ansvruck nckmen stst! Raum dieses Blattes nicht so viel in Anspruch nehmen-y. aber doch will ich Herrn Günther verrathen. daß ich an � Heilkraft dieser beiven genannten Kassen allein nicht glau� sch will mich vorläufig nur gegen den letzten Satz wenden, � ersclbe offenbar unrrcktia. wenn nickt aar frivol aena»-' werden muß derselbe offenbar unnchtig. wenn nicht gar frivol gen# nuß. Bis jetzt hat der Ausschuß es sorgfältig mieden,„Politik" zu treiben, es sei denn, daß Herr Gü"% •«»vvvv*v //-vv»«*»» fvv vtmi, vup•ycvv w**' alles, was nicht zu den sogenannten humanitären Bestrebung" gerechnet wird, als„Politik" betrachtet. Aber solche Än#™ überlasse Herr G. doch ruhig dem Herrn Stadtdircktor( in Mannheim und dem Regierungssenat in Speyer, oder er müßte noch einen Schritt weitergehen und uns au« eine„ausländische Versicherungs- Gesellschaft", wie r* Polizei- Behörde in Elberfeld gethan hat, betralt'� Man sehe doch ein, über unsere Thätigkeit einmal an, jo gelangt man zu«»T» seh baren Konsequenzen. Doch selbst die yiefige Behörde düst den Beweis schwer erdringen können und hat ihn nickt? «.«vresriv gnyun yai, eignet man fich solche falsche Anfick' einmal an, so gelangt man zu iliü' bracht, das beweist das, Verbot, daß der Ausschuß eine sche Thätigkeit innerhalb der Vereinigung enssaltet habe vr die Behörde genügte es schon, daß eine Anzahl Soziall) ei" traten in der Vereinigung wirkten, und da das Vermuck. eine schwache Seite der Polizeibehörde ist, so vermulhete r". weiter, in der Vereinigung könnten die wunderlichsten geplant werden. Mit Unrecht allerdings, denn grade wir,° Metallarbeiter, waren stets von 2—3 Polizeibeamten in® 4 Versammlungen bewacht, woraus geschlossen werden kann, auch die obere Behörde mit wahrheitsgetreuen Berichten"r, sehen wurde. Auch der Auftuf rann nicht als Beweis zogen werden, da der Verfasser und Verleger allein die antwortung zu tragen hat, waS der Ausschuß ganz ui#;, deutig erklärte. Dock scheint auch der Inhalt nickt aufreizend auf die Bevölkerungsklassen gewirkt zu haben, fz bis jetzt kein Staatsanwalt eine Anklage erhoben hat. für mich der beste Beweis von Ich wüßtes demnach als ganz ungehörig -antrage eryooen yai.-%7wg. der Ungefährlichkeit deycl. ngehörig bezeichnen, wen» � einem Mitgliede solche Äeußerungen gethan werden,.p welche sogar die hiesige Polizeidehörvc noch keinen Lewe«, r» 4 Ol T)•»»• 04 L � P' c\ t- r v f. �4*�/30_. bracht hat. Mir ist nicht bekannt, daß im Ausschuß etwas � deres als ,m Statut vorhergesehenes verhandelt wurde, � ebenso wenig schusses für wie er fie______________..... Selbst der mit der Arbeiterbewegung Unbekannte wird 8"«# Ueberzeugung kommen, daß dies Verbot der Vereinigung� Zweck haben dürfte, eine aufstrebende, zu großen Hofw/W berechtigte Fachorganisation zu beseitigen. Gerade das-�, Bestehen der Vereinigung ist für die Arbeiterbewegung fU ordentlich lehrreich gewesen, für uns war er allerdings � kurze Lehrzeit. Ich hätte durchaus keine Veranlassung wen, etwas zu erwidern, außer Herrn Günther perfönlick- solche Behaupwngen werden, wenn nicht widerlegt, ausgebeutet. Sobald die Entscheidung der Reichskow«'� vorliegt, werden alle Aktenstücke, sowie alles, was mit d-' "ugung zusammenhängt, der Oeffentlichkeit übergeben- Mannheim, den 1. September 1885..... I. Willis-� Verantwortlicher Redaktem«. Erouhei« tu Herlin. Druck und Verlag von Mar vadtng In Berlin SW, Beuthstraß« 2. 'telltM, jiffenxdm it iBtrtcn, bis zu? ndct W iolksschule ch für iit irfniß ßt» SIS Ik 206. die Äöz- nchte, dtt Ztigste fi» tcrricht M . z.« A: und wp der DelP 3# on 51 aus ,f 33 P'S- jene HW , Abend» en. Z 8'/, Uhr, i. W* ff» t Metall' ntafl, dn> Andrej r Metall' lddrunneu- Zeptcmdrr, f°?K 5. Scptbll che» ÄieP Generlu» rn Mit» reins uae n 6. S-'t. lieber; Beilage zum Berliner Volksblatt H Freitag, de« 4. Septemder 1883. II. Jahrg. Die StoOTB � it allge»«� jtn, nnt" r Met� n mir F hung w' : ich ein- :%* nach»r, keineif� ung M -runa it AÄE den soll?' indes tten wo» wllen !?i»Z men% ich an enden,°Z « y% oder 00? z auch � wie*| betroM «nfich? M ?iS rM „Ittiftniiijt leitunii" iiuD die Kmumimlniiihleii. � Die„Freifinnige Zeitung" debütirt in ihrer Mittwochs- ?amer mit einem Angriff auf die sozialdemokratischen Mit- wjer der Stadtverordneten-Versammlung, denen sie vorwirst, y für die Erfüllung ihres Programms gethan zu haben, von denen das neue Blatt dehauvtct, daß sie, um ihren £°>ensch(Htsdcricht aufzuputzen, sich Verdienste zusprechen, die �rn nicht zukommen. Da wird zunächst von der„Freis. Ztg." gesagt, nicht der 'Moe der Arbeiterpartei in der Stadtverordneten- Ver- lung sei es zu verdanken, daß eine Reform der �..chesteuer in schnelleres Tempo gekommen, sondern M lange vorher hätte die Versammlung sich in Folge S/L Antrages des Stadtverordneten Dr. Stryck mtt 1 Miethssteuerstage beschäftigt. t- Es gehört wirklich eine Postion Dreisttgkeit dazu, der Mgerschaft weiß machen zu wollen, daß die liberale Majontät �tötadtoer ordneten- Versammlung dieser Frage die gebührende J™erkiamkeit geschenkt hat. Weiß denn die„Weis. Ztg." daß die Versammlungen in jener auf den Stiyck'schen hm niedergesetzten gemischten Deputation Jahre hin- '«rch vollständig geruht haben? e Die..Freis. Ztg." sagt ja selbst, lange vor dem Eintntt ? Sozialdemokraten in die Vestammlung sei die Frage in Mlbung genommen, warum aber ist, fragen wir jetzt J Stadtverordneten, denn nickt, wenn es ihnen Emst 2 t>ner Erleichterung für die Miether kleiner Wohnungen «vvefeir, die Reform in's Leben gerufen. Sehr entrüstet ist die„Freis. Ztg." darüber, daß der libe- � Mehrheit wiederum Verschleppung nicht„vorgeworfen", jr. M sagt, sondern nachgewiesen ist. Ja, was ist es denn Porres, wenn eine Deputation mitten in ihren Berathungen J'Wst, um bei der Staatsbehörde anzufragen, wie diese über Aefonn der Miethsstcuer tunkt? »..Auf einem Gesetz soll die Miethsstcuer beruhen; ist es '■Ht oder Unwissenheit der„Freis. Ztg.", welche diesen Satz ÄftfDt hat. Die Miethsstcuer wird erhoben auf Grund einer �Netsordre, welche der Stadt Berlin das Recht giebt, bis f«öhe von 87» pCt. der Miethe eine Abgabe zu erheben. »2 Summe also, welche noch unten ausfällt und durch die ?h°huvg von 67, pCt auf 87: pCt. nicht gedeckt wird, durch A Zuschlag zur Einkommensteuer aufzubringen, dazu, ist die �lersinnige Zeitung" kühn genug zu behaupten, bedürfe es M„neuen MiethSsteuergesetzes". Weit gefehlt,„Vestretestn r? Freisinns", ein solcher Beschluß der Gemeindebehörden «U nur wie jeder Andere der Genehmigung der Auf- Moehörde und es ist nicht nöthig, Regierung und Landtag valb in Bewegung zu setzen. u Wenn nun auch die„Freis. Ztg." daS nicht werß, ihre An- Z%er und Parteigenossen in der Stadtverordnetenversammlung Mn davon Kenntniß haben. Deshalb ist der Vorwurf der Lsschleppung vollkommen begründet und die Majontät der verordnetenvcrsammlung nTg 'Oi S'Z % I flUI w der ir vergangen ist, ohne die schreiendsten Mißstände der teuer zu beseitigen. lbi�ab die„Freis. Ztg." bei Besprechung der Forderung der ziNahme der Pferdebahn in städtische Verwaltung für das to�vchsttesthum" eine Lanze bricht. wundert uns nicht, 2»ir wollen uns nicht damit aufhalten, die albemen und Mroschenen Phrasen, mit denen die„Freis. Ztg." diese sür Wohl der Gesammtheit durchaus nothwendigen und ge- Forderungen bekämpft, zu widerlegen. lk P* Fragen der Errichtung von Volksbädem und dre Mnahme der Sanitätswachen in städtische Verwaltung, »die„Freis. Ztg.", seien Zweckmäßigkeitefragen. gewiß, eben weil es für zweckmäßig und noth- geHallen wird, deshalb verlangen es die Ver- livi* der Arbeiter, und es spricht deutlich für die Stel- jh'?.der liberalen Mehrheit zu diesen Fragen, daß Unumschränkter jahrelanger Herrschaft in der städtlschen hfjjj�ung leine Gelegenheit gefunden hat, diese Aufgaben zu der„Weis. Ztg." hat die Arbeiterpastei nichts in der tdüi. �rordneten-Vestammlung geleistet, auch sonst keine An- Ben gegeben. Daß ein Antrag auf Erstchtung gewerb- --------- Ifi v---- t-* die„Weis. Ztg." ühwagcn Schiedsgerichte gestellt ist, davon bat j�urüch keine Ahnung. Daß die Einstellung von Die Hmdslhuhc dn prinzesli». Es war im Jahre 1843, als in Petersburg an einem Sonntag die alljährlich wiederkehrende glänzende yfpenrevue unter den Balkons des Marmorpalais statt- (,2 Da» glänzende Schauspiel nahm seinen gewohn- 2*? Verlauf, nur erregte im Gefolge des Kaisers eine �hümliche Erscheinung allgemeine Aufmerksamkeit. E« »tit Greis von wunderlicher Figur, in weißem Rock S J0$tn Aufschlägen, braunen Lederhosen, Stiefeln mit tyÄ" und dreieckigem Hut mit weißer Reiherfeder. «xJ Gestalt in der Uniform, wie sie unter Katharina 11. i»ssW» wurde, gab zu allerlei Deutungen Vera». 9- Bald indessen wurde die volle Wahrheit bekannt, Ity�wir«ollen in Kürze die Geschichte des Greises er- # �$ war bekanntlich eines der größten Originale lln��kit und der glücklichste Mensch seines Jahrhunderts. K,» fijier der Garde, hatte er das Glück, von der Kaiserin ueti.„Du werden, welche ihm in der Revolution, die 111- das Leben kostete, die Degenquaste verlieh. W' unternehmend, ehrgeizig, stieg er zum Günstling �ew, ,. unterwarf sich die mächtige Frau, die er "ebte und von der auch er nur kurze Zeil geliebt Bist) Polin fesselte Potemkin. Anmuthig, launenhaft oo» Geist und Frivolität, war die Prinzessin � um r"5' später Gräfin Woronzow d'Aschkow, damals Aöty �schränkte Gebieterin der Mode und die angebetete Hevr*? Salons. Sie flößte dem Günstling die heftigste °hne selbst für diese unempfindlich zu er- ratbungen ist der Redastion der„Weis. Ztg." gewiß unbekannt geblieben. Daß bei dem Etatut der Gemeinde Krankcn-Ver- ficherung wesentliche Verbcsserungen auf Antrag der Arbeiter- partei eingeführt sind, dies zu wissen, wäre von der„Weis. Ztg." zu viel verlangt, und so könnten wir noch eine stattliche Reihe von Thatsacken anführen, um nachzuweisen, daß die Be- hauptung der„Weis. Ztg.", die Arbeiterpartei hat nichts ge- leistet, auf Unwahrheit beruht. Wir begnügen unS aber darauf hinzuweisen, daß ein kompetenterer„Richter", als die„Weis. Ztg." es ist, ja recht bald Gelegenheit findet, sein Urthcil über daS Programm und die Tbätigkcit der Ardeiter- Stadtverordneten zu sprechen, näm- lich die Bürgerschaft, die Wähler. Diese werden entscheiden, ob die Arbeiterpartei in der Stadtverordneten- Versammlung ihr Versrpechen gehalten hat, und wenn, woran wir nicht zweifeln, die Arbeiterpartei verstärkt ins„rothe Haus" einzieht, dann gehen auch vielleicht der„Freis. Ztg." die Augen darüber auf, daß sie leeres Stroh gedroschen hat. Kommunales. Stadtverordneten- Versammlung. Erste ordentliche Sitzung nach den Ferien am Donnerstag, den 3. September. Der Zuhörerraum ist überfüllt. Stadtvcrordneten-Vorsteber Herr Dr. Straßmann eröffnet die Sitzung um 5 Uhr 40 Minuten mit geschäftlichen Mitthei- lungen. Die feierliche Einführung und Vereidigung des neu- gewählten Stadtverordneten Elteste wird vollzogen. Die Abtheilungen haben je 3(15) Mitglieder für den Ausschuß zur Vorderathung der Vorlage, betr. dre Errichtung einer kleineren Schwcineballe auf dem Zentral- Viehhofe und je 3 Mitglieder für den Ausschuß zur Vorderathung der Vorlage, betr. die Fest- setzung von Baufluchtlinien für das Terrain an der Herkules- brücke und für eine Straße neben der Stadtbahn gewählt. Von den Stadtverordneten Singer und Genossen ist fol- gende Anfrage eingegangen:„Die Unterzeichneten stellen die Anfrage, od von dem Herrn Oberprästdenten der Provinz Brandenburg auf die Mittheilung des Magistrats wegen der Mietyssteuerreform eine Antwort und ev. welche eingegangen ist?"— Die Anfrage geht dem Magistrat zur Beantwortu.lg zu.— Ferner liegt von denselben Herren fol- gender Antrag vor:„Die Versammlung wolle beschließen, den Magistrat aufzufordern, über die Anfrage Tutzauer und Genossen, betr. der Stellung des Magistrats zum M a u r er- streik sich so schnell wie möglich zu äußern."— Dieser An- trag soll, wenn die Zeit es gestattet, als letzter Punkt der Tagesordnung betrachtet werden.— Außerdem gelangen vier Resolutionen(vom Ardeiter-Bezirksverein des 29.— 31. Wahlbezirks, vom Arbeiter-Bezirksoerein„Vorwärts", vom Arbeiter- Bezirksverein„Süd-Ost" und von einer Kommunalwähler- Versammlung) zur Verlesung und erregen das Gelächter der Versammlung, welche in gleichem Sinne dieBe» milligung von 15000 M für das Festessen zu Ehren der Te- legravhen-Konferenz für„v e r w e r f l i ch" erklären. Nack Eintritt in die Tagesordnung werden zunächst eine Anzahl Naturalisationsgesuche und die Vorlagen, betr. die Ver- leihung eines städtischen Stipendiums an einen Studircnden, sowie die Ausnahme einer Anzahl Personen in das Nikolaus- Bürger-Hospital betr., erledigt. Nach kurzer Berichterstattung seitens des Stadtverordneten E s m a n n, betr. die Erwerbung des Straßenterrains vor dem Grundstück Lietzmannstraße 6a/ 7 wird nach dem Antrage des Ausschusses der Magistratsantrag auf Bewilligung einer ver- gleichsweisen Entschädigung von 27 000 Mark an den Besitzer abgelehnt, dagegen wird der Magistrat ermächtigt, dem Herrn Pincussohn den Betrag von 19000 Mark zu zahlen, wodurch der gesammte, nach den ergangenen Erkenntnissen im besonderen Verfahren festzustellende Entschädigungsanspruch inkl. der ZinS- forderung bis zum Zahlungstaae, für beglichen erachtet wird. Nach rascher Erledigung einer Anzahl unwichtiger Anträge gelangt der Anttag des Magistrats— betr. die Veranstaltung eines Festes zu Ehren der mternationalen Tclegravhen-Kon- ferenz— zur Berathung, welcher folgenden Wortlaut hat:„Die Versammlung erklärt sich mit der Benutzung der Festräume des Ralhhauses zu einem zu Ehren der internationalen Telegraphen- Konferenz zu veranstaltenden Feste einverstanden. Sie deputirt in die gemischte Kommission, welche ermächtigt sein soll, alle erforderlichen Vorbereitungen und Abmachungen definitiv zu treffen, ihrerseits 3 Mitglieder und stellt aleichzeitig dem Ma- gistrat zur Bestreitung der entstehenden Kosten aus dem Extra- ordinarium(B. 1.) der Spezial Verwaltung 50 über den dort bereits ausgeworfenen Betrag hinaus die Summe von 15 000 Mark zur Verfügung."— Aber in dem Augenblick, wo Potemkin an seinem nahen Triumphe nicht mehr zweifelte, wechselte die Laune der Prinzessin; ihr Benehmen wurde ihm gegenüber kalt und zurückhaltend. Man wollte bemerkt haben, daß dieser plötzliche Empfindungswechsel zur Zeit des großen Theater- brandes eingetreten sei, bei welchem sie beinahe ihr Leben eingebüßt hätte. Ihre Rettung verdankte sie nur der Auf- opferung eine» jungen Major», welcher sie auf ihren Hilfe- ruf ihrer schon von Flammen umschlossenen Loge entrissen hatte. In Verzweiflung über seine« Mißerfolg setzte Potemkin alle Mittel ein, um die Ursache desselben m Erfahrung zu bringen. So wurde von jenem Tage an die Prinzessin von einem für sie undurchdringlichen Netz der Spionage um- gebe«. Indessen trat kein einziges Zeichen zu Tage, welches das Geheimniß ihrer Kälte hätte erklären können, und schon war Potemkin geneigt, sie auf Rechnung einer jener Launen zu setzen, welche Damen der vornehmen Welt so häufig als alleiniges Gesetz ihrer Neigungen anerkennen, als ein Umstand seinem Argwohn eine bestimmte Richtung vorzeichnete. Am 8. März 1774 nahm die Kaiserin mit der Pnn- ,essin ZoumowSky und dem Grafen Potemkin von einem Fenster der Eremitage aus eine Parade der Reitergarden und der vier Preobajinskischen Regimenter in Augenschein. Als das zweite Bataillon dieser schönen Infanterie vorbei dcsilirte, neigte sich die Prinzessin über die Balkonlehne und ließ— geschah es nun mit Bedacht oder aus Unauf- meiksamkeit- einen ihrer Handschuhe hinabfallen. Em WWW» Etadtsyndikus Zelle rechtfertigt kurz den Magistrats- anttag. Die materielle Begründung des Antrages fei in einem Worte enthalten: es handle sich um eine Etzrenpflicht der Etadt Berlin, eine Pflicht des Anstandes, der sich noch keine Etadt entzogen habe. Die formelle Natur der Ange- legenheit. daß bereits Vorbereitungen zur Ausführung dessen, waS erst jetzt beschlossen werden solle, seitens des Magistrats getroffen worden seien, erledige sich dadurch, daß das Fest nicht länger als biS zum 7. d. verschoben werden konnte und eine Extraversammlung in den Ferien nur zu diesem Zwecke einzuberufen, der Herr Stadtverordneten-Vorsteher nach Rücksprache nicht für nothwendig befunden habe. Etadtv. Singer: Ich kann mich den Ausführungen des Magistrats-Kommissars, daß hier eine Ehrenpflicht der Stadt Berlin vorliege, nicht anschließen. Ich bin der letzte, der ver« kennen wollte, daß diese Konferenz von hoher Wichtigkeit sei,. daß sie eine lultunördernde Arbeit leiste. Ihren Bestrebungen bringe ich volle Sympathie entgegen und es kann mir nrcht einfallen, den Manner» der Wissenschaft ihr Verdienst zu schmälern. Aber vom kommunalen Standpunkt aus muß ich aussprechen, daß die Stadt Berlin als solche mit dem inter« nationalen Telegraphen- Kongreß nichts zu schaffen hat. Die Ermäßigung der internationalen Tarife bringt wohl dem Groß- Handel, den Großindustriellen und der Börse große Vortheile, aber die große Masse des Volkes hat nur ein sehr geringes Interesse an den Arbeiten und Besttebungen der Konferenz. Von diesem Standpunkt aus erscheint die Ansicht des Magisttats als nicht zutreffend. Man wird einwenden, daß eS hier gelte, internationale Bestrebungen zu fördern, die allen Völkern zu Gute kommen. Thatsächlrch stellt aber die internationale Telegraphen Konferenz keinen internationalen Staatenbund. Es haben sich auf ihr der Verkehrsfiskus der Länder und die Vertreter großer Privatuntemehmungen, der Kabel- Aktien- Gesell- schaften zusammengefunden. Es haben also neben der Gemeinnützig- keit des Strebens auch große Privatgeldmächte ihr Interesse zu vertreten.— Wir haben außerdem sehr viele wichtige Versamm» lungen und Verbände in unseren Mauern beherbergt— so die Kongokonferenz, den Berliner Kongreß von 1878— und bei keiner hat man es für nothwendig erachtet, seitens der Etadt gastliche Demonstrationen zu veranstalten. Ohne der Telegraphen-Konferenz zu nahe treten zu wollen, meine ich, daß jene Konferenzen weit bedeutungsvollere Beschlüsse für Handel, Verkehr, Industrie und Kultur gefaßt haben und doch ist es damals keinem Menschen eingefallen, jenen Gästen zu Ehren teste seitens der Etadt zu verlangen. Wenn man es jetzt als eine nstandspflicht der Weltstadt hinstellt, solche Feste zu veran- stalten, so möchte ich wünschen, daß dieses Äroßstadtbewußtsein an anderen Stellen zum Vorschein käme, im Verkehr mit Oberpräsidenten, mit Mini st ern, mit Reichs- k a n z l e r n. Dort wäre es angebracht, daß dies Bewußtsein mit der Schärfe auftritt, die darthut, daß wir uns als Welt- stadt fühlen. Wir meinen die Aufgabe der kommunalen Ver- ttetung dahin zu verstehen, daß sie für die richtige Verwendung kommunaler Mittel auf kommunalem Gebiete sorgt. Aber wir halten uns nicht für berechtigt, die Summen, welche die Steuer- zahler aufbringen, zur Veranstaltung von Festen, nicht zum Nutzen der Allgemeinheit zu verwenden; um so weniger berech» tigt, als wir wissen, daß es der Stadt oft an Geld für wichti- gere Dinge fehlt.— Da hatten eine Anzahl von Familien durch Waffersnoth Hab und Gut verloren, die städtische Ver« waltung versagte, weil es an Mitteln fehle, jede Un- terstützung. In vielen Familien unserer Stadt ist zur Einziehung der Miethssteuer der Exekutor...(Große Unruhe, Glocke des Vor- sitzenden). M. H. Sie kommen schneller um die Ihnen un- angenehmen Gründe meiner Rede herum, wenn Sie mich ruhig aussprechen lassen. Wir find alle hier, um unsere Ueberzeu- gung auszusprechen, und der würde sein Mandat schlecht er- füllen, der aus Furcht, hier unterbrochen und gestört zu werden, es unterläßt, seine Ansicht zu vertreten. Also, m. H., in vielen Familien unserer Stadt ist der Exekutor kein seltener Gast: eine nicht unbeträchtliche Zahl unserer Mitbürger wird jeden Monat aus Gründen der Nichtzahlung von Steuern gepfändet. So lange solche Zustände herrschen ist es nicht an der Zeit, Feste zu feiern. Das Gefühl, welches die internationale Kon« ferenz erfüllen wird, daß sie der Sympathie der ganzen Welt sicher ist, wird durch ein Festmahl nicht verstärkt werden. Unsere Pflicht ist es, die Mittel der Stadt für kommunale Interessen zu verwenden. Zu den kommunalen Interessen kann ich solche Feste nicht rechnen.(Gelächter. Bravo.) Stadtv. Meyer vertheidiat die Bewilligung der Summe. Es handle sich um eine Pflicht des Anstandes, um das Gebot der durch Landesfitte und Brauch geheiligten Gastfreund- schaft. Was die Kongo Konferenz anbetreffe, so sei es richtig, daß damals keine Wste gefeiert worden seien. Die Stadt auf, drückte ihn an seine Lippen und verbarg ihn zwischen den Knöpfen seiner Uniform. Die Prinzessin erröthete. Potemkin aber neigte sich zu ihr. „Dieser Offizier bereichert sich mit einem Ihrer Hand- schuhe," sagte er mit gedämpfter Stimme,„für wen ist der andere bestimmt?" „Für Sie, Graf, wen» Sie galant genug sind— um auf solchen Flitter Werth zu legen." „Geben Sie ihn mtt," sprach Potemkin und entfernte sich damit eilig. Am Abend desselben TaaeS erschien ein Feldjäger mit zwei Kosacken vor dem Major TscheghelowSki. Dieser er- bleichte bei dem Anblick, denn ein derartiger Besuch ist immer verdächtig.„Folgen Sie uns," sagte der Feldjäger —„Wohin?"—„Das ist ein Geheimniß."— Auf rnrn war vergeblich. Der Major nahm in dem Fuhrwerk Platz, in Winde«- eile jagte mtt demselben das Gespann von zwei ukrainischen Rossen dahin und ließ bald hinter sich die Lichifeuer der Nacht, die blauen Dome der Stadt und die zackigen Thürme der Zitadelle. Der Schnee wirbelte in dicken WWWWMWWWWWWWWIWWWW»»» Berlin lege sich überhaupt in dieser Richtung eine Zurück- Haltung auf, die oft zu weit ginge und es würde in manchen Dingen Keffer stehen, wenn diese Zurückhaltung nickt vor- banden wäre.(Beifall.) Berlin habe die Pflicht, durch dieses Fest der Welt zu zeigen, daß es verstehe, was es der Gast- freundschaft, was der Kultur schulde. tBraoo.) Stadtv. Goercki: Trotz seiner ziemlich langen Rede bat der Herr Vorredner neue Momente nicht geltend gemacht. Er ist über die Erklärung des Stadtsyndikus, daß eine Ehren- pflicht vorliege, nicht hinausgekommen. Bei einer einiger- maßen unparteiischen Würdigung der Sachlage werden Sie, meine Herren, die von uns angeführten Gründe als richtig an- erkennen müssen.(Gelächter.) Ihr Lachen beweist mir, daß ich Sie für besser gehalten habe, als Sie find. Sie Lnd nicht fähig, Gründe zu verstehen.(Heiterkeit.) Der Herr Vorredner hat von Landes gebrauch und Sitte gesprochen. Ich meine, daß es dem Landesgebrauch und der Sitte ent- spräche, wenn man die darbenden Mitbürger unterstützt.(Un- ruhe) Sorge man zunächst dafür, daß Summen in diesem Sinne verwendet werden. Ich will mich mit dem Herrn Vor- redner nicht in einen Streit über das Wesen der Kultur ein- lassen, aber niemals werden Kulturzwecke erfüllt, wenn man auf Kosten der gesammten Bürgerschaft wider den Willen dieser Bürgerschaft handelt und Feste feiert.(Widerspruch, Unruhe.) Es ist dienlich, am.eigenen Herde erst aufzuräumen und dafür zu sorgen, daß die Töpfe der Bürger nicht leer sind. Noch niemals hat man vorher es unternommen, aus solchem Anlaß Feste zu feiem. So hat man z. B. es nicht für nöthig befunden, zu Ehren des Kon- gresses der Aerzte und Naturforscher ähnliche Feierlichkeiten zu veranstalten. Es giebt Aufgaben, die näher liegen. Man bat es mit dem Anstanoe der Großstadt für vereinbar gefunden, die Erhöhung der Löhne für städtische Arbeiter abzuschlagen. Das düstere Gemälde, die furchtbare Gewalt des Exekutors, welche manches Familienglück vernichtet, hat mein Kollege be- rcits gezeichnet. Und Sie wollen nun das Geld, welches der Exekutor den Aermsten der armen Steuerzahler abnimmt, das wollen Sie zu Festessen verwenden!(Unruhe.) Der Noth der eigenen Mitbürger trägt man keine Rechnung und solche Ausgaben will man bewilligt haben! Hier handelt es sich um ein Spiel mit im Voraus gemischten Karten! Man war sich bereits einig, als man hierher kam. Unter der Hand hatte man sich verständigt und das nennt man dann öffentliche Be- rathung. Ich weiß, daß Sie die 15 000 Mark bewilligen werden, ich weiß aber auch, Sie werden die Suppe, die Sie sich damit vorsetzen, auch auszuessen haben.(Gelächter, Unruhe.) Stadtv. tz o r w i tz erkennt trotz prinzipieller Gegnerschaft das redliche Bemühen des Stadtv. Singer an, seinen Ansichten Geltung zu verschaffen. Anders liege es bei dem Stadtverordneten G ö r ck i. Der größte Thcil seiner Rede sei nicht verständlich, wenn man nicht wisse, daß G. bereits in öffentlichen Versammlungen laut Zeitungs- bericht angekündigt habe, er(Görcki) werde in dieser Frage der Stadtverordnetenversammlung einmal den Standpunkt klar machen.(Heiterkeit.)' Ob ihm(G.) das gelungen sei, wolle er(Redner) die Versammlung beurtheilen lassen. (Heiterkeit). Der Herr Stadtv. G. hätte besser gcthan, nicht das Wort hier zu nehmen.(Zustimmung). Jedenfalls habe derselbe Ruhm, eine neue Erscheinung m die Gepflogenheiten dieser den.._,_. Versammlung gebracht zu haben, eine Debatte über Fragen der Sckicklichkett und des AnstandeS. Neben der Sorge um oie Wohlfahtt ihrer Bürger habe die Stadt Berlin sich auch um gewisse— der Herr Stadtv. Görcki verstehe ja so viel Latein, daß er das Wort werde übersetzen können(Heiterkeit)— um ge- wisse üvvovckeradilia zu kümmern, um nicht wägbare, nicht näher zu bestimmende und zu begründende Pflichten, um die Erfüllung von Anstandspflichten. Tie Frage der Fürsorge für Arme habe mit dieser Frage gar nichts zu thun. Wer beides demnach verquicken wolle, handle aus Scheelsucht, um die Verdienste der Stadt« verordneten Versammlung, welche gerechte Würdigung aner- kennen müsse, herabzusetzen. lLebhafter Beifall.) Die Debatte wird geschlossen. Persönlich bemerkt der Stadtv. H. Singer, daß er gegen den Versuch des Stadtv. Horwitz protestiren müsse, ihn rn irgend einen Gegensatz zu seinem Kollegen Goercki zu bringen. Ein Jeder spreche hier nach seinem Temperamente. Stadtv. Goercki(persönlich): Der Herr Stadtv. Hör- witz hat es nicht unterlassen können, mich in seiner Rede fort- während zu apostrophiren. Ich ersuche ihn, künftig sich mit meiner Person ebensowenig befassen zu wollen, wie ich es bisher mit der seirigen gethan habe und fernerhin thun werde. (Heiterkeit.) In d er Abstimmung wird der Antrag des Magistrats gegen die Stimmen der Arbeiter- Sstadtverordneten angenommen.— In die Fest- kommisflon wird u. A. der Stadtverordnete Dr. Horwitz ge- wählt.— Nach der Abstimmung verläßt ein großer Theil der Stadtverordneten den Sitzungssaal. Auch die Tribünen lceren�sich mit dem Bericht über die ausgedehnte Sitzung, welche sich bis'/«9 Uhr erstteckte, hier ab und bringen den Schluß in nächster Nummer. D. Red.) Lokales. vi. Herrliche Zustände würden wir in Berlin erhalten, wenn es nach den Wünschen einiger Heißsporne der Berliner Maurermeister ginge. Wie allbekannt, haben die hiesigen Flocken und hüllte die stummen Reisenden ein. Einen Augenblick fuhr dem Major der Gedanke durch den Sinn, seinen mürrischen Begletter zu erdrosseln. Aber die eherne Wimper des Feldjägers schloß sich die ganze Nacht nicht. Man erreichte PochczerSkoi; der Major wagte die Frage, ob man am Ziele sei.—„Noch nicht," lautete die Antwort de« Angebe murden gewechselt und die Reise ging weiter. Bystarka, Pounenskoi hießen die nächsten Anhalts- orte; bei jedem Vorspann wiederholte der Major, dessen Be- klemmung mit der Entfernung wuchs, seine Frage, und jedesmal erhielt er als Antwort das schreckliche: „Noch nicht!" Zn den Wäldern von Bologha folgte 40 Werst lang dem Fuhrwerk ein Rudel ausgehungerter Wölfe, ohne daß der Feldjäger ihnen Beachtung zu schenken schien; denn bei diesen Reisen gehörte das zu den gewöhnlichsten Zufällen. Von den braunen Bestien zerrissen zu werden, lebend im Eis zu erstarren oder in ein sich plötzlich öffnende« Schnee- grab versenkt zu werden, da« seine Beute ersaßt und sich sogleich wieder schließt, ist die dreifache Möglichkeit, welche den Reisenden immer mehr bedroht. Sonst unterbricht die trostlose Einförmigkeit dieser Schneefelder nur hin und wieder ein im asiatischen Stil gebautes Kloster, eine mit Bambus gedeckte Hütte oder gigantische, von Naturkräften gespaltene Felsen. Siebzehn Tage verstrichen so unter unsäglichen Qualen- der Major starb fast vor Ermattung, als das Fuhrwerk vor einigen zwanzig Hütten anhielt, die eher ge- schienen, Bären als Menschen zur Wohnstätte� zu Ä T& IwTÄ«iJTaS ®(.ficht des Majors wurde bleichfarben._„Nein!" rief er Gesicht des Majors wuroe i ncj er aus und preßte dabei zuckend die Hand seines unheimlichen Maurergesellen den Beschluß gefaßt, auf den Bauten, wo ein allzunievriger Lohn gezahlt wird oder die Behandlung von Seiten der Bau neistcr eine verletzende ist, die Arbeit einzu- stellen. Dieser Beschluß ist nun mehrfach zur Ausführung ge- kommen, so auch auf dem vom Maurermeister Zicgra geleiteten Neubau Fricdrichstr. 213. Doch man weiß sich zu helfen, die hiesigen Maurer sollen nun einmal ihren Willen nicht haben, selbst wenn auch der Ersatz weit theurer zu stehen kommt, so wird er doch aus dem äußersten Winkel Deutschlands herbei- Seschafft. So ist es denn auch in diesem Falle gelungen, die >lätze der Stteikenden mit voiläufig ungefähr 20 Diaurem pol- nischer Zunge auszufüllen. Und wie vegetrren diese Leute? Nun, man sollte kaum glauben, daß so etwas in Berlin möglich wäre: Sie schlafen im Rohbau, in der ersten Etage, wählend der- selbe oben noch nicht einmal unter Dach ist, Regen und Un- weiter also freien Zugang haben. Weder Fenster noch Thülen find vorhanden, die Menschen kampiren mithin nichl besser wie im Freien. Da liegen sie nun auf Stroh und suchen sich nach Möglichkeit mit alten Decken und Kleidern gegen die Kälte zu schützen. Sieben Bund Stroh standen noch in einem Winkel, als unser Gewährsmann den Raum betrat, ein Zeichen, daß noch Zuzug erwartet wird. An den feuchten Wänden und auf den Lagern hingen resp. lagen die wenigen Habseligkeiten dieser Polen bunt durcheinander: in einem Eimer wurde das Mittagsesscn aus der Volksküche geholt und jeder suchte nun erne recht große Portion aus dem Gefäß zu erwiichen. -- Fürwahr, ein Bild nach dem Herzen aller derjenigen, die nach bescheidenen und anspruchslosen Arbeitern lechzen. Wie wäre es denn, wenn alle Maurer Berlins sich so ein- schräntten? Wozu wohnen und Miethe bezahlen? Weshalb Steuern entrichten? Warum Bier trinken und Fleisch essen. giebt es doch in der Volksküche die Nahrung eimerweiie? Kommune und Stadt würden sogar dann noch oft den Exe> kutor sparen, da er doch nichts finden würde und wenn Schläch- ter, Bierbrauer, Schuhmacher, Schneider und Hauswirthe keine Geschäfte mehr machen können, so mögen sie hingehen und sich auf irgend einem Bau zum Helfen anbieten. Dann wird der Baumeister um so mehr in der Lage sein, den übermüthigen Forderungen der Arbeiter entgegen treten zu können. Also mehr Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit müssen sich die Ber- liner Maurergesellen angewöhnen, wenn es— besser werden soll. Doch noch eine Frage. Darf die Behörde es dulden, daß eine Anzahl von Menschen in einem Rohbau und unter oben beschriebenen Verhältnissen logiren? Wir find der An- ficht, daß solche Lager leicht eine Brutstätte von Epidemien werden können und daß daher schon aus sanitären Gründen solche Pennen nicht geduldet werden dürfen. tb. Einen tiefen Einblick in die schwere Roth der Zeit gewährt das Haufirgewerbe, indem die Zahl dieser Ge- werbetreibenden in geradezu erschreckender Weise zugenommen hat und insofem zu einer wahren Plage geworden ist, als sich auch vielfach Elemente hinzugesellen, deren Erscheinen um so weniger wünschenswerth ist, als sich naturgemäß das Haufir- gewcrbe nur in einem gewissen Kreise der Bevölkerung Ab- nehmer für die feilzubietenden Waaren suchen kann. Da die vornehmen Stadtviertel mit ihren reichen Bewohnern kein Operationsfeld für Hausirer find, so wenden sich dieselben fast ausschließlich den ärmeien Stadtvierteln zu. Der Arme lebt vom Armen und der„kleine Mann", der Arbeiter ist es, welcher im warmen Mitgefühle mit der Nothlage dieser Ge« schäftsleute einen willigen Käufer adgiebt, vorausgesetzt, daß er im Stande ist, irgendwelche Einkäufe zu machen. Die mcisten der heutigen Hausirer betreiben das Geschäft nicht professions- mäßig, sondern gezwungen durch drückende Roth gehen die betr. Personen von Haus zu Haus und suchen therls ihre selbstgefertigten Waaren an den Mann zu bringen, theiis kaufen sie sich einen kleinen Kram zusammen und suchen durch den Wiederverkauf einen kleinen Gewinn zu er- zielen. Freilich muß man oft sich fragen, wenn man die Preise hört, zu welchen das Angebot der Waaren erfolgt, wie es möglich ist, dabei noch etwas zu verdienen und in gar vielen Fällen ist dies auch nicht der Fall und die Waare wird einfach fortgegeben, nur um sie los zu werden und baares Geld nach Hause zu bringen, um den nothwen- digen Lebensunterhalt, die fällige Miethe oder sonstige drin- gende Ausgaben bestreiten zu können. Stets aber ist der etwaige Verdienst ein so geringer, daß sich gewiß Jeder be- denken würde, das mühselige und mit vielfachen bitleren Krän- kungen versehene Geschäft eines Hausirers zu betreiben, wenn er nicht durch die Noth dazu gezwungen würde. Meistens find die heutigen Hausirer Frauen und Kinder von Arbeitem, welche entweder krank uno erwerbsunfähig oder arbeitslos find, welche wiederum an die Thür der Arbeiter klopfen und ihre Waare zum Kauf anbieten. So sind namentlich die in überwiegender Majorität von Arbeitern und„kleinen Leuten" bewohnten Vorstädte das Operationsfeld für dieselben und es findet Hierselbst ein Zusammenfluß von Hausircrn statt, welcher sowohl durck die Zahl derselben, als auch durch die Waaren, welche von denselben feilgeboten werden, unter denen selbst das liebe Brot gar häufig anzutteffen ist, staunende Verwun- dcrung erregen muß. Die hauptsächlichste, fast möchte man sagen, die einzige Geschäftszeit für diese unfreiwilligen Hausirer ist der Sonntag Vormittag. Um diese Zeit find die „Kunden" am besten zu Hause zu treffen und noch im Besitze des verdienten Wochenlohnes, von dem möglicherweise einige Groschen für einen„Gelegenheitskauf" abgestoßen werden, auf welchen bei der Eintheilunq des Geldes eigentlich nicht Bedacht Senommen worden ist. Des Sonntags Vormittags werden da- er die„Voistädter" von Haufirern förmlich überfluthet und Gefährten,.es ist nicht möglich; Sie werden mich nicht in diesem verfluchten Orte allein zurücklassen? Was habe ich gethan? Wie heißt mein Verbrechen? Zch bin das Opfer eines unbegreiflichen ZrrthumS! O, fühle Mitleid mit mir, Mensch, führe mich zurück nach Petersburg, und das ganze Besitzthum meiner Familie mag Ihnen zufallen!"—„Ich darf nicht!" erwiderte der Feldjäger und fügte, indem er aus seiner Tasche ein Päckchen hervorzog und eS dem Major TcheghelowSki überreichte, hinzu:„Nehmen Sie das! Der General Potemkin hat mich beaustragt, Ihnen das Päckchen bei dem Abschied einzuhändigen." Zn demselben befand sich— der andere Handschuh der Prinzessin ZoumowSki. Der Major zuckte zusammen- seine Züge färbten sich unter dem Eindrucke einer lebhasten Bewegung; beim Anblick dieses Liebeszeichens fand er allen verlorenen Muth seiner Seele wieder.„Sagen Sie dem General Potemkin, daß ich weniger die Schrecken Sibiriens fürchte, als ich den Werth seines Geschenkes schätze, welches er mir zum Trost für mein Exil zurückläßt." Der Feldjäger verneigte sich. Dann knallte seine Peitsche in der Luft und da« Gespann jagte mit ihm von dannen. Der Verbannte sah es schwinden, wie ein in den Katakomben Verirrter die bleiche Lampe erlöschen, oder den leitenden Faden reißen sieht, der ihn wieder zu Licht und Leben zurückleiten sollte. Sechzig Zahre verflossen— sechzig Jahre sanken in den Schooß der Zeit mit allem Elend, allen Entbehrungen und Gefahren. Der Zufall führte im Zahre 1862 die Entdeckung durch einen mit einer Sendung nach TobolSk betrauten Offizier herbei. Nachdem dieser die Erzählung de« armen verbannten Major« vernommen, beeilte er sich, sie zur Kenntniß deS Generals Therichew zu bringen, welcher peiüdA man kann es oftmals den Leuten nicht allzusehr wenn sie in nicht allzu liebenswürdiger Weise die leute abweisen und ihnen die Thür kurz vor der Nase zumgi* Die Hauptschuld an diesem abgekürzten Verfahren tragen M die Sendboten der Abzahlungsgeschäfte, welche auch auf ff sauer verdienten Groschen der Arbeiter spekuliren und in oul1 dringlichster Weise ihre Artikel, Regulatoren, Schauerrom«, Nähmaschinen, Bons zum Photographiren u. dergl. m.anW Mann zu bringen suchen. Wenn Jemand nach der 3% Mühe und Lasten am Sonntag Morgen, wo er sich der W pflegen will, unablässig in derartiger Weise belästigt wird, p kann er schließlich wohl die Geduld verlieren und der UnsM dige muß mit dem Schuldigen leiden. Jedenfalls aber ß# du ch dieses Suchen nach Absatzgebieten die schwere Roth d« Zeit in hinreichender Weise gekennzeichnet. _ g- Zur Warnung thcilen wir folgenden Vorgang Der in der Friedrichstraße wohnende Kunstzeickner Tb- sich im vorigen Herbst einen Blumentisch, dessen Einsatz au grün lackirtem Zinkblech bestand. Durch die Blumentöpfe nun das auf die Blumen gegossene Wasser durckgefickert»J befeuchtete den Boden des Zinkeinsatzes, von dem sich. KeförW durch das Hin- und Herrücken der Blumentöpfe, der Lack f# weis loslöste. Einige Zeit nach dem Erwerb des BlumcnM' stellten sich, namentlich bei geschlossenen Fenstern, bei Herrn� Stiche in der Gegend der Schläfe, sowie ein unbefthteibl'®; Gefühl in den Fingerspitzen ein, welche erst nackließen nach»* bei Eintritt der wärmeren Jahreszeit in diesem Jahre die Kuff fast während des ganzen Tages offen standen. Jetzt nun,«off ungünstige Witterung dies nicht mehr in dem Maße geftat"* da der Blumentisch in dem Arbeitszimmer des detteffer� Künstlers steht, stellten sich nicht nur die früheren Erscheinung wieder im höheren Grade ein, sondern das stechende G-st' hat sich auch den Lippen mitgetheilt und der Kopf wi® einem dumpfen Druck geplagt. Durch Zufall vernahm hie?� ein dem Künstler befreundeter Apotheker, welcher den Lack � genauen Analyse unterwarf und in demselben dezw.der mr# Farbe ein großes Quantum von Arsenik vorfand, der allein/' Ursache der gedachten Krankheitserscheinungen ahgegebef p In wie vielen Fällen mag man bei denselben Erscheinung den vielgebrauchten Witten Zinkeinsätzen bei Blumentrslp keinen Wetth beimessen. g- Die Pfandleiher hört man jetzt sehr klagen. Sie log angeblich sämmtlich unter dem Pfandleihgesetz und dcr Kontrole der Behörde. Während fie früher auf 3 Marl g Monat 25 Pfg. von dem Verpfänder nahmen, dürfen fkj, nur für denselben Betrag und Zeitraum 6 Pfennig for»ff: ein Unterschied, der das schlechte Geschäft allerdings einleuld«� macht. Für den armen Mann, welchen die Noth zur% Pfändung seines Eigenthums drängt, war in diesem Falle Gesetz erne Wrhlthat. Durch diese Bestimmungen und? Kontrole der Behörden hat auch die rapide Zunahme der% leihgeschäfte aufgehört und wir erfahren, daß der schleckte dss dienst einer Anzahl von Prandleihgeschäften Veranlassung k. geben hat, in nächster Zeit ihre Geschäfte aufzugeben, um � anderen Erwerb zu ergreifen.> Ein Nachtwächter traf in der Nacht vom 1. zum � Mts. in der Boxhagenerstraße einen Mann, der einen geW? Sack trug und auf die Frage des Wächters nach dem seine Last fortwarf und die Flucht ergriff. In der FranK Allee wurde derselbe von ernem Schutzmann wieder ergffj, und zur nächsten Polizeiwache gebracht. Hier wurde in K Person der bereits fünf Mal wegen Diebstahls bestrafst«c beiler" P. festgestellt, der eingestand, sieben Palmen un»% Rosenstöcke aus der Kunstgättnerei von Ch. an der Frankfurter Allee und Boxhagenerstraße gestohlen zu habe»- � Wegen Erpressung wurden gestern die Schiffsff� K. und R. zur Haftae bracht, welche ein unter sittenpoli, Kontrole stehendes Mädchen in der vorigen Nacht aus> Kähn genommen und dasselbe nachher nicht allein zur gäbe ihres Verdienstes, sondern auch des mitgebrachten durch Bedrohung mit Schlägen mittels eines Tauendei p Itf anlaßt hatten. Ein zwölfjähriger Knabe, der Sohn eine« Swinemünderstraße wohnenden Maurers A., wurde(P. der Staatsanwaltschaft vorgeführt. Derselbe besitzt einCL, verbefferlichen Hang zum Umbertreiben und hat m% Knaben gleichen Alters veranlaßt, mit ihm gemeinsch� Bandendiebstähle auszuführen. � ar. Die Sicherheit des Publikums ist in den Tagen wiederholt durch Unfug, der mit Schußwaffen wird, gefährdet worden. So wurde gestem zum zweiten/), bei Herrn Pohl, der in der Parallelstraße zum Bahnhof derolaß 2 Stadtbahnbogen ausgebaut und zu einer KnerM j gerichtet hat, ins Fenster geschossen. Die Kugel, die ma»£ funden hat, weist darauf hin, daß der Unfug mit einem verübt wird. Beim ersten Mal, wo die Kugel edcnfalls � Scheibe zertrümmerte, flog dieselbe ganz nahe am Wirthes vorbei. Herr Pohl hat durch dieses wieveA Bubenstück bereits erheblichen Schaden gehabt, da viele � aus Furcht dem Lokal fernbleiben. ar. Was bei der Bereitung des bairischen in Zukunft erlaubt sein solle, diese Frage bildete n*� „Pharm. Ztg." auf dcr Chemiker- Versammlung zu N&* � den Gegenstand einer Diskussion. Die Versammlung kaM � bei zu dem einstimmigen Beschluß:„die Verwendung fijil Salizylsäure nicht zuzulassen, den doppelt, schwefligsauren~ als Reinigungemittel zu gestatten, bei gleichzeitiger tii lung einer Maximalgrenze des Gehalts an schwefliger c sie wiederum zu den Ohren des Kaisers Nikolai bringen wußte. Die Ungerechtigkeit war heimlich geschehen—* offenkundiger sollte die Wiedereinsetzung des Offiz'k"„ji sich gehen. Man zog den 90 Jahre alt Gewordenen� dem Exil von Zsba, das er mit seinen eigenen jLi Sibirien gebaut hatte, heraus, führte ihn nach Pei� � und der Kaiser richtete an ihn vor der Front von zwoll u dem Platz der Admiralität vereinigten Regimenter« ehrenden Worte:. u „Nehmen Sie mein kaiserliches Wort, Herr Majo� wenn ich Zhr Unglück früher erfahren, es längst F««< hätte. Bleiben Sie in meiner Nähe und leben Sie einer Pension von 4000 Rubeln. Der Kaiser wird r? was Rußland an Zhnen verschuldet." ai Der Major TcheghelowSki behielt die Uniform zehnten ZahrhundertS bei. Trotz seiner 97 Zahre 0*4,., täglich Spaziergänge zu Fuß, mit aufgerichteter) und sanfter, heiterer Miene und bettachtete mit Erp den Wechsel, der sich in der Gesellschaft innerhalb Jahrzehnten vollzogen hatte. Auch sprach er zu all«; es hören wollten, mit einer Begeffterung, die der_V seines Alters nicht zu erlöschen vermocht hatte, Kaiserin Katharina, dem Prinzen von Ligne, von � Orloff und Personen, die einst in der Eremitage oder Gärten der taurischen Paläste zu finden waren.(#'' Nach Ankunft des Greises in Petersburg 0* � r erste Sorge, sein Testament abzufassen. Es bestand« folgenden Zeilen;„, Ä „Als letzte Gunst begehre ich, mit dem$** gjr schuhe begraben zu werden, welche ich an schwarzeck auf der Brust trage." A «m Biere, bei Herstellung von Harem, fiatl mousfirendem Weiß- »tere einen Rohrzuckerzusatz zu gestaiten. _ R Auf Veranlassung de» hiesigen königliche« Polizei- Präsidium» wurden heule Vormittag durch Kriminalbeamte die bei den Zeitungsverkaufern noch vorhandenen Exemplare der Uebersetzung aus der„Pall Mall Gazette" über den„Jung- frauentribut im modernen Babylon" konfiszirt bezw. beschlag- nahmt. Das Resultat der hierdurch in Polizeibestv gebrachten Exemplare war ein nur bescheidenes, weil die Händler den gröhten Theil ihrer ansehnlichen Vorräthe bereits recht preis» Amdig verkaust hatten- Die Zeitungshändler mußten den Kriminalbeamten eine Erklärung unterschreiben, nach welcher sie nur noch im Besitz der beschlagnahmten Exemplare der be» treffenden Artikel sich befänden. . m. Die Ab« und Zufahrt am Wallner-Theater be- darf, wie der„Fuhrhalter" meint, einer baldigen Regelung; denn beim Schluß der Theatervorstellung begannt ein reines -üktt Korso, keine Ordnung und keine regelrechte Reihe, ob- wohl die Jfflandstraße sich sehr put benutzen ließe. Wunderbar genug erscheint es, daß nicht alle Abend mehrere Wagen zer- kümmert und Paffanten überfahren werden. Der Großmogul, das unverwüstliche Zugstück des„Fried- uch Wilbelmstäduschen Theaters" hat einen ganz neuen eigen- wmgen Reiz mehr erhalten. Wenn man sich im Allgemeinen Nur lobend über die mitwirkenden Kräfte, die Ausstattung und Mzenirung des Stückes aussprechen kann, wie das übrigens schon früher von uns geschehen ist, so hatte die Direktion für tdorgestern Abend für erne ganz besondere Ueberraschung gesorgt. räulein Qualitz, vom„Viktoria> Theater" her dem Berliner heater< Publikum bekannt, erntete als Solotänzerin reichen Mall. Die sylphidenartige Schmiegsamkeit ihres Körpers, die und Elastizität ahrer Bewegungen, die rythmische % �chnaiegsamkeit, mit welcher sie den gefälligen Melodien folgte, rrchtse, tagten aber auch die frohe Stimmung des Publikums. . Polazei-Bericht. Am 2. d. M. Nachmittags fiel der auf Neubau Brückenstr. 9 beschäftigte Steinträger Geitner, er eine Mulde Ziegelsteine nach den oberen Stockwerken Ng, in Folge eines Fehltritts von der Leiter und erlitt einen Papenbruch und eine Verletzung am linken Knie. Er wurde wmelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht.— Um dieselbe oeit wurde ein Mann an der Ecke der Zimmer- und Mark- pafenstraße von einem Möbelwagen überfahren und erlitt da- eine erhebliche Verletzung des linken Oberschenkels, so daß fr nach der CharitS gebracht werden mußte.— Einige Stunden Wer zertrümmerte der Portier eines Hauses in der Münz- paße an der Trunkenheit mehre Fensterscheiben des gedachten Muses und erlitt dabei derartige Verletzungen am rechten Handgelenk, daß er mittelst Krankenwagen nach dem Kranken- Wüfe am Friedrichshain gebracht werden mußte. Gerichts-Zeiwng. . Eine romantische Geschichte» die als Beitrag zu dem M so beliebten Thema des„Jungfrauen-Tributs im modernen Babylon" gelten kann, beschäftigte gestern in längerer Ver> Undlung die 3. Strafkammer des Landgerichts I. Auf der Anklagebank befanden sich, der gemeinschaftlichen versuchten ,,.Wffung beschuldigt, der Lokomotivführer Wilhelm Rapsch ' M dessen erst 17 jährige, sehr hübsche Tochter Louise Marie »sapsch. Nach der Anklage sind Vater und Tochter am 13. De- ieinber v. I. in der Wohnung des damaligen rumänischen Le- ' Monssekretärs, jetzigen interimistischen Geschäftsträgers zu Petersburg, Viktor Cuciurano, im Hause Potsdamerstraße 130 "ichtenen und hat Rapsch demselben Vorwürfe darüber ge- „wht, daß er ferne noch minorenne Tochter ver- und entführt ■JP sie demnächst mittellos in Weimar fitzen gelassen habe. schließlich soll Rapsch von dem jungen Daplomaten die �umme von 700 Mark verlangt und dabei die Drohung Äestvßen haben, daß er ihn im Weigerungsfalle beim �»wältigen Amte anzeigen und ihn aus Amt und K?wainaen Amte anzeigen unv ahn aus Amt unv Wurden bringen würde. Der Angeklagte Rapsch erklärte sich Ü urchtschuldig. Er sei Vater von 5 Kindern und im Juli J Jahres 1884 von einem schweren Familienunglück betronen fäÜ"• Sein ältestes Kind, die Angeklagte, sea plötzlich ver- Munden. Nach etwa drei Monaten sei sie nach dem elter- u„tn Hause zurückgekehrt, aber entehrt und moralisch tief ge- , denn sie war inzwischen in Weimar einmal mit acht Gefängniß wegen Betruges und dann wegen Dieb- sei•. uait sechs Wochen Gcsängniß bestrast worden. Er U wit seiner Frau monatelang umhergereist, um seinem ver- fafkn Kinde auf die Spur zu kommen, sei dadurch in y-W. Verhältnissen sehr zurückgekommen und schätze seinen jx.., Waren Verlust auf 700 Mark. Dies habe er dem- ü.'Wen, den seine seine Tochter nach langem Euchen ausfindig wül und ihm als ihren Verführer bezeichnet hatte, vorge- w."' als er sich ihm als zürnender und tiefgebeugter Vater tt hol Keineswegs habe er diese Summe verlangt, sondem Äk?,. nur bezweckt, den Hern Euciurano wegen der Eni- w«kt„ frincr minderjährigen Tochter gerichtlich zur Verant- satin» S ziehen zu können und von ihm das Zugeständniß ver- j)Qk°'.Mß er der Verführer gewesen. Der Legationssekretär sei„Hm allerdings in entrüstetem Tone gefragt, ob er verrückt io"" und seiner Begleiterin die Thür gewiesen, seine fie oi habe aber dennoch mit aller Bestimmtheit erklärt, daß stritt ja. der Persönlichleit nicht irren könne. Auch diese be- »in« orl �rhuld und schilderte ihren Roman folgendermaßen: JeflanJ5enW'm Juni 1884 sei sie im Thiergarten spazieren W ein Herr an sie herangedrängt und eine sei oZ�ung mit ihr angeknüpft habe. Das Ende derselben Hot«, daß fie dem neuen Bekannten nach Hubert's viel Ä-Konaggrätzerstraße IIS, gefolgt sei. Hier habe fie ziemlich Aerk?,..F�uken und sei dann dem Verführer erlegen. Das Und W'Upann ffch hinter dem Rücken ihrer Eltern weiter fort sie srf!?;, chr Liebhaber, der ihr viele Male die Ehe versprochen, Tei�.'ll°iich zu überreden gewußt, ihn heimlich auf einer �ssk». reise zu begleiten. Er habe fich für einen reichen Guts- Kinnz ausgegeben und fich Max Bemhard genannt. Zuerst ■tW ch Halle, dann nach Weimar und Jena, woselbst das ft-ls% rhr Entführer zeichnete fich in den Fremdenbüchern Äch-.,.. Kaufmann Max Bemhard und Frau ein— den Lop*„2™, bestieg. An demselben Tagr, es war der vierte �UgebnÄ''�"r Abreise von Berlin, habe ihr Begleiter ihr 34 M. Atirkrcik. mit der Aufforderung, nunmehr alleine wieder die U sein. Mch Weimar anzutreten, wo sie ihn erwarten solle, �'ei ni�.!�ä»e nach einigen Tagen erledigt sein würden. äfften, wiedergekommen und sie habe, um vor materieller Roth Wichen£ fpm' ffch der Prostitution ergeben müssen. Einem Hotel- .�.ffvbien. � ffe Wäsche abgeschwindelt, einem Manne 30 M. W fie"""d nach Verbüßung der ihr hierfür zudiktirten Strafen Ut d-n, N Hause transportirt worden. Wochenlang habe fie t? �ie Straßen der Residenz durchstreast, in der ic der T /?, Zerstörer ihres Lebens zu begegnen, endlich sei Äer b«. tu v äu Hilfe gekommen, fie habe den Gesuchten Ate fol.s!>rnden entdeckt, als derselbe gerade ein Haus betrat. Mler nili i.1" und erfuhr von dm Bewohnern, daß ihr Ver- Y»»•>*' V» I»• Vf.,---- y----' �" u Ulsch.."'cht der Kaufmann Max Bernhard, sondern der 'vr Tk�alionssekretär C. sei.— Die Angeklagte blieb M jl-Mine mit aller Bestimmtheit dabei, daß der Zeuge C- äbeta'"(rführer ein und dieselbe Person sei, sie kenne ihn be nn. ia Qn �«i-rüf jl__ n.J. ver rumä- auch welche sich i? charakteristischen Nasenscharte wieder, ZW Eid« 5-"pe befand. Dieser behauptete aber unter «S K'S st.W veMn� � das Geficht in auffallender Weise mit einem sei er ii ssehabt. Auch kenne er weder Hubert's Hotel A von«chuupt im Sommer 84 und zumal im Monat "w fortgewesen, wie er aus Akten, die er "artigen Amte zu jener Zeit fortlaufend geführt habe, nachzuweisen im Stande sei. Es stellte sich auch heraus, daß ein Brief an den angeblichen Max Bernhard an die Ange- klagte Rapsch von einer andern Hand als der des Zeugen herrühren mußte. Der Staatsanwalt hielt auf Grund der Beweisauf- nähme dafür, daß hier ein ganz raffinirter Erpressungsversuch vorliege und beantragte gegen jeden der Angeklagten eine Ge- fängnißstrafe von 14 Tagen, während der Vertheidiger für Freisprechung seiner Klienten plaidirte. Der Gerichtshof ver- theilte nur den Vater Rapsch zu 14 Tagen Gefängniß, fprach dagegen die Tochter frei. Wegen Vergehens im Amte in vier Fällen stand gestern der Briefträger Johann Gotthelf Rochenburg vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte war beim Postamt 33 in der Köpenickerstraße angestellt. Im An- fange d. I. liefen so viele Reklamationen aus diesem Revier wegm nicht angekommener Briefe ein, daß hier unehrliche Manipulationen seitens der Beamten vermuthet wurden und auffallend war es, daß besonders die Soldatenbriefe ihre Adresse so häufig verfehlten. Der Verdacht lenkte fich auf den Angeklagten, weil dieser fich besonders zum Sortiren der Briefe drängte, auch wenn es nicht zu seinen Obliegen- hellen gehörte und erhielten seine Kollegen deshalb die Weisung, ihm auf die Finger zu sehen. Am 16. März wurde dies wiederum ausgeführt und hierbei gelang es, den Verdächtigen in flagranti zu ertappen. Jedenfalls konnte es wohl kaum dem Zufall zugeschrieben werden, daß fich in einem Kou- vert mit Drucksachen, welche der Angeklagte zu expediren hatte, vier Stück Soldatenbriefe befanden. Es stellte fich später heraus, daß sich, wie dies häufig der Fall zu sein pflegt, in zweien der ...... Die Anklage nimmt an, Briefe einige Freimarken daß der Angeklagte die befanden. erwähnten „„. Bnefe an fich gebracht, um fie ihres eventuellen Inhaltes zu berauben. Derselbe be- stritt dies im Termine auf's Entschredenste, wurde aber durch die Beweisaufnahme derart belastet, daß der Gerichtshof mit dem Staatsanwalt die Ueberzeugung von seiner Schuld gewann und ihn nach deffem Antrage zu einer Gefängnißsttafe von vier Monaten verurtheilte. Vom Unglück verfolgt. Der 35 Jahre alte, völlig un- bescholtene Johann Leipold war durch etwa 5 Jahre Oberkellner im Hotel Galisch in Breslau. Er genoß während dieser Zeit nicht nur das Vertrauen und die Zufriedenheit seiner Vorgesetzten, sondern erfreute fich auch bei allen anderen, mit denen er zu thun hatte, bei Gästen, Geschäftsleuten:c., allge- meiner Beliebtheit. Ein hübscher, intelligenter Mann, er spricht außer deutsch fertig und elegant ftanzostsch, englisch und italienisch, eroberte er sich durch ferne stete Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit die Zuneigung derer, die mit ihm verkehrten, im Fluge. Leipold hatte demnach allen Grund, mit seiner überdies sehr ertragreichen Stellung recht zufrieden zu sein. Sein Lebensglück schien ein vollkommenes zu werden, als es ihm im Frühling vorigen Jahres gelang, sich die Liebe einer jungen Dame aus einer hiesigen angesehenen und wohlhaben- den Familie zu erwerben. Die Eltern des Mädchens billigten dessen Wahl und erklärten fich auch bereit, den zukünftigen Schwiegersohn bei seinen Unternehmungen mit Geldmitteln ausreichend zn unterstützen. In gerechter Würdigung dieser günsttgen Verhältnisse dachte Leipold daran, fich selbstständig zu machen. Er beabsichtigte, aus dem Oberkellner der Pächter des Hotel Galisch zu werden. Gelegenheit hierzu war da. Frau Galisch, die Gattin des unter Kuratel stehenden Besitzers des Hotels, ging, müde der großen Last, welche die Verwaltung ihr auf- erlegte, ernstlich mit dem Plan um, das Hotel zu verpachten. Ihr Vater, der Oberamtmann Otto, und der Rathsmaurer- meister Knauer, ersterer der Vormund, letzterer der Gegen- vormund ihres Gatten, waren mit dem Plane einverstanden und hatten bereits mit Herrn Quietz, dem jetzigen Pächter des Hotels, Verhandlungen zu diesem Zweck angeknüpft. Leipold, dem dies bekannt war, trat deshalb an Frau Galisch heran und fragte fie, ob fie geneigt sei, ihm das Hotel zu verpachten. „Gewiß," antwortete Frau Galisch,„gegen Ihre Person habe ach nicht das Geringste. Im Gegentheil! Es würde mich freuen, Sie als Pächter des Hotels zu sehen. Allein, ich biia nicht in der Lage, mit Ihnen in Verhandlungen darüber ein- zutreten. Sie müssen sich behufs dessen an meinen Vater und an Herrn Knaucr wenden." Leipold that dies. Gleich Frau Galisch zeigten fich auch die beiden Vormünder gern geneigt, Leipold, den sie als tüchtigen, das Interesse ihres Hauses eifrig wahrnehmenden Menschen kannten, die Pacht zu über« tragen. Beide erklärten jedoch gleichzeitig, daß hierzu Geld, viel Geld nothwendig sei und daß man erst ernst- hast über die Sache sprechen könne, wenn Leipold ihnen nachweise, daß er über ein Vermögen von 60 000 M. verfüge. Geschehe dies, so stehe dem Abschluß des Vertrages nichts im Wege. Leipold erklärte darauf, daß er das Geld be« schaffen werde. Um dies zu ermöglichen, wandte er fich nicht nur an seine Schwiegereltern, sondern auch an den ihm seit etwa zwei Jahren berannten Oberkellner im Hotel„Zum weißen Adler", Robert Kückelhahn. Er theilte demselben mit, daß er gegründete Ausficht habe, die Pacht des Hotel Galisch zu er- halten, und bot ihm gleichzeitig die Oberkellnerstelle darin an. Später erweiterte Leipold dieses Anerbieten, indem er Kückelhahn vorschlug, sein Theilhaber zu werden. Kückelhahn war dies genehm und er erklärte fich, wenn Leipold ihm die Theil- haberschaft schriftlich zusichere, bereit, sofort eine Summe baaren Geldes aus seinem Vermögen zur Verfügung zu stellen, damit das Geschäft zum Abschluß gebracht werden könne. Leipold, der ja Geld nöthig hatte, gab die Zuficherung und erhielt darauf von Kückelhahn 1760 M. Der letztere äußerte hierbei, daß er noch 15000 M. stellen werde, sobald der Verttag ab- geschlossen sei. So hold das Geschick bis dahin Leipold gerne len war, so ungünstig gestaltete es sich fortan für ihn. Irgend ein „guter Freund" unternahm es, ihn bei seinen zukunftigen Schwiegereltern zu verleumden. Der hinterlistige An- schlag gelang. Die Schwiegereltern zogen ihre Hand von Leipold ab, die Verlobung ward aufgehoben. Hierdurch in eine hochgradige Erregung versetzt, ließ fich Leipold, dem es in- zwischen gelungen war. sich von anderer Seite 5000 M. zu ver- schaffen, in allerhand kostspielige Unternehmungen ein. Er be- schloß, da er keine Aussicht hatte, das„Hotel Galisch" zu erhalten, die„Goldene Gans", den„Kaiserhof" u. s. w. zu pachten. Er schloß auch dahin gehende Verträge ab. um fie bald darauf zu lösen und tausende von Mark als Abstandsgeld zu zahlen. Um diese Zeit, im September des vorigen Jahres, fand fich Kückelhahn, der zwei Monate vorher seine Stellung im„Weißen Adler" aufgegeben hatte, bei Leipold ein und ver- langte, da ihm allerhand schlimme Gerüchte über dessen Zahlungs- fähigkeit zu Ohren gekommen waren, die 1760 M. zurück. Leipold, außer Stande, die ganze Summe zu bezahlen, hän« digte Kückelhahn 170 M. baar ein und überließ fhm ein Zigarrcnlager, das einen Werth von mindestens 600 M. hatte. Am 1. Oktober verließ Leipold das Hotel Galisch. An seine Stelle trat auf seine Empfehlung hin Kückelhahn. Bald darauf kehrte Leipold für einige Zeit Breslau den Rücken. Vor seiner Abreise händigte er Frau Galisch den Betrag von 1000 M. ein mit der Bitte, seine Gläubiger ,u befriedigen. Nach Breslau zurückgekehrt, verfiel Leipold m Irrsinn. Die Aufregungen der letzten Monate, namentlich die Wendung, welche sein Liebesverhältniß genom- mcn, hatten sein Gemüth in bedenklicher Weise zerrüttet. Am 14 November nach dem Allerheiligen-Hospital gebracht, ver- blieb er daselbst bis zum 11. Mai d. I., an welchem Tage er, als aebeilt erklärt, das Hospital mit dem Gefängniß vertauschen mubte Während seines Krankenlagers waren Thatsachen zur KMMWDZ Galisch Wein im Betrage von 175 Mark und baares Geld in Höhe von 249 Mark unterschlagen zu haben. Durch die Vor- spiegelung, so behauptet die Anklage, daß er gegründete Aus- ficht habe, Pächter des Hotels Galisch zu werden, sei Kückelhahn zur Hergabe der 1760 Mark verleitet worden. Aus demselben Grunde habe fich der Kaufmann Teuber bewogen gefunden, Leipold Zigarren im Betrage von 227 Mark zu liefern. Die Unterschlagungen endlich sollte Leipold dadurch verübt haben, daß er ohne Wissen der Frau Galisch Wein bestellt und den- selben in seinem Nutzen verwandt; ferner, daß er 249 Mark, welche er von Frau Galisch erhalten, um Backwaaren zu bezahlen, die Perini geliefert, nicht abgeführt hatte. Die Verhandlung über diese Anklage stand bereits zweimal an. Beide Male mußte fie vertagt werden, da einige Zeugen fehlten. Erst heute, nachdem Leipold beinahe vier Monate in Untersuchungshaft zugebracht hatte, konnte sie zum Austrag gelangen. Leipold, der im Allgemeinen die oben erzählten Thatsachen zugab, erklärte entschieden, nichtschuldig zu sein. Er habe, so erklärte er, fich ernstlich bemüht, die Pacht des Hotels Galisch zu erlangen. Dies wäre ihm auch gelungen, wenn man ihn nicht durch böswillige Verleumdungen seinen Schwiegereltern entfremdet hätte. Er habe also Kückelhahn nichts Unwahres vorgespiegelt. Ebenso wenig habe er dies dem Kaufmann Teuber gegenüber gethan. Letzterer sei, da er von den Verhandlungen behufs Uebemahme des Hotels durch ihn gehört, zu ihm gekommen und habe ihm Zigarren ange- boten. Er sei anfangs nicht willens gewesen, welche zu kaufen, habe fich aber schließlich durch das Zureden Teuber's zur An- nähme einer Sendung verstanden. Nur die widrigen Geschicke, von denen er bald darauf heimgesucht worden, seien die Ur- fache, daß er die Zigarren noch nicht bezahlt habe. Aus dem- selben Grunde sei es ihm nicht möglich gewesen, Kückelhahn gänzlich zu befriedigen. Richtig sei, daß er in dem Glauben, die Pacht zu erhalten, für das Hotel Galisch bei einer Mainzer Firma ein Faß Wein bestellt, und daß er denselben für sich verwandt habe. Zur Deckung dieser und ähnlicher Schulden aber sei ja der Betrag von 1000 Marl bestimmt gewesen, den er Frau Galisch vor seiner Abreise eingehändigt. Frau Galisch habe auch von diesem Betrage die Weinrechnung be- glichen. Ebenso habe fie davon die 249 M. bezahlt, welche Perini für Backwaaren zu erhalten hatte. Die Beschaffung der letzteren habe ihm obgelegen. Da er mit Frau Galisch täglich abgerechnet, habe er fich auch täglich das Geld für die Back- waaren abgezogen, um es später im Ganzen an Perini abzu- führen, der ihm einen Rabatt von 10 Prozent bewilligt hatte. Eines Tages, im Sommer vorigen Jahres, habe er die 249 M. bezahlen wollen. Perini selbst sei jedoch verreist gewesen und sein Gehilfe habe von der Gewährung des Rabatts nichts ge- wüßt. In Folge dessen habe er noch nicht bezahlt, um vie Rückkehr Perini's abzuwarten. Später sei er selbst nicht in Breslau und mithin nicht in der Lage gewesen, zu bezahlen. An seiner Statt habe dies Frau Galasch gethan. Die hierauf folgende Beweisaufnahme gestaltete fich für den Angeklagten ungemein günstig. Von der Aussage Kückelhahn's abgesehen, wurden durch die Bekundungen der Zeugen, der Frau Galasch, des Oberamtmanns Otto und des Rathsmaurermeisters Knaucr, die Angaben des Angeklagten vollauf erhärtet. Es ergab fich daraus, daß Leipold fich wohl der Hoff- nung hatte hingeben können, die Pacht des Hotels Galasch zu erhalten. Die genannten drei Zeugen stellten dem Angeklagten durchweg das beste Zeugniß aus. Demgegenüber war die Bekundung Kückelhahn's belanglos Letzterer hatte erklärt: Leipold habe ihm gesagt, er sei der Pacht sicher, wäh- rend er mit Frau Galisch gar nicht darüber gesprochen. An» gefichts dieses Ergebnisses der Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt selbst, auf alle übrigen Zeugen zu verzichten und den Angeklagten gänzlich freizusprechen.„Der Angeklagte," so führte der Staatsanwalt aus,„mag über das Ergebniß der wegen der Pacht gepflogenen Verhandlungen zu sanguinisch gedacht, und er mag deshalb Kückelhahn mehr gesagt haben, als er eigentlich hätte sagen sollen und dürfen. Hierin jedoch eine betrügerische Abficht zu finden, duzu liegt nicht der geringste Anhalt vor. Auch bezüglich der übrigen Punkte der Anklage muß angenommen werden, daß der Angeklagte durchweg in gutem Glauben gehandelt." Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Cohn II, schloß sich natürlich dem Antrage des Staasanwalts an und der Gerichtshof erkannte ohne weiteres danach. Leipotd ward sofort aus der Haft entlassen. Hoffentlich bleibt der Viel- und Hartgeprüfte in Zukunft von ähnlichen schlimmen Mißgeschicken verschont. Er hat wahrlich genug gelitten. Soziales und Arveitervemegung. Zu dem Berliner Maurerstreik nimmt Herr Eugen Richter in seinem Blatte selbstverständlich eine den Arbeitern feindliche Stellung ein— es ist auch nichts natürlicheres, als daß der politische Oberkannegießer den bierbankpolitifirenden Baumeistern beisteht. Da nun jetzt„der Roth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe" die„Baugewerkzcitung" für künftig gemeinschaftlache Aufstellungen der Lohnsätze mit den Gesellen an Ausfichi stellt, spricht die„Freifinnige Zeitung" von der Stellung, die der„Bauhandwerker", das Organ der S*.. aa ttü a..... X.....&- r>.—~-««»« Weiter, den Bauunternehmern gegenüber noch immer ein« nehme. Gerade als ob Herr Richter gar nicht das geradezu frivole, von allen anständigen Zeitungen verurtheilte Benehmen der Berliner Baumeister während des allgemeinen Maurer- streiks, wo fie alle Verhandlungen mit dem Gesellenkomitee ablehnten, kennte? Doch auf einige Verdrehungen kommt es diesem Herrn gar nicht an, wenn er nur seinen Zweck erreicht, bei den Berliner Baumeistern einige Abonnenten auf seine neue Zeitung zu fischen. Die Agrarier klagen immer, die landwitthschaftlichen Produkte ständen im Preise so niedrig, daß kein Verdienst für fie abfiele. Eins aber verschweigen fie dabei, nämlich, daß ihre Arbeitsinstrumente und Rohmaterialien gleichfalls äußerst billig find. So standen die Maschinen und die Geschirre selten im Preise so niedrig, wie jetzt. Vor allem aber ist der Kunst« dünger im Preise gefallen, so daß sämmtliche Fabrikanten darüber klagen, daß fie mit Schaden arbeiteten. Das kommt natürlich der Landwirthschaft zu Gute. Aber die Herren Agrarier find nimmer zufrieden. Schon taucht der Gedanke an eine nochmalige Erhöhung des Getreidezolls auf und diese ruckweise Erhöhung nennen die Herren noch gar gemüthlich; ja wohl, das ist ebenso gemüthlich, als wenn man der Katze den Schwanz stückweise abschneidet. Zum Töpferstretk in Velten wird von dort geschrieben: Man legt hier Werth auf die Berichtigung, daß die letzte Ver» sammlung, über welche auch das„Berliner Volkedlatt" kurz berichtete, keine Töpfer Versammlung, sondern eine öffentliche Arbeiter-Versammlung war, die von der Lohnkommisston be- rufen worden. In der Versammlung am 28. August zeigte sich, daß auch die verflossene Woche noch Niemanden von den Streikenden erschüttert hat. Von den 300 Töpfern, die die Arbeit niederlegten, find bis jetzt nur 6 abgefallen, die von vom herein unsicher waren. Es kostet der Ausstand unsem Kameraden hier und außerhalb viel Geld, wir können aber nicht nachgeben, ohne die Ehre des ganzen Handwerks zu ver» letzen, und diese Ehre wollen wir aufrecht erhalten. Wir müssen zeigen, daß wir, ohne förmliche Veroflichtung durch Ehrenwort und Konventionalstrafe, durch den Geist, der in unS lebt, fester zusammenhalten werden als unsere Gegner. Aus Posen, Bromberg und Graudcnz war nicht aller Zu- jua fern zu halten. Wir haben zwei Kommisfions- Mitglieder nach dieser Stadt geschickt. Es wird dort den Ge» sellen vorgeredet, fie bekommen hier 21 Mt wöchentlich. Die Gesellen, welche herkommen, find natürlich nicht gerade die besten, wir suchen fie aber zu uns heranzuziehen. Das paßt natürlich den Meistem nicht.„Sie reizen die Polen zu Gewalt- thStigkeiten gegen uns auf. Haut den Staatsbummlem in die F..... sagte ein solcher Meister, von dem man behauptet, er hätte daS Lesen und Schreiben nie recht begreifen können. Vielleicht gelingt es auch, durch solche Aufreizungen, wie es in Berlin die Untemehmer der Maurer fertiggebracht, einen Tod- schlag hervorzurufen. Grund genug zum Streit geben die herangeholten Polen, und es ist gut, daß die jüngeren Kalle- gen abgereist find, sonst würden Schlägereien nicht ausbleiben. Ein Gewertsvereinler, Karl Hennig, Ziegler von Profesfion, bat sich als Töpfer anwerben lassen. Wir werden, wenn keine Einigung bald zu Stande kommt, anfangen, uns auf andern Broderwerb zu legen, sfcst bleiben wir, denn unsere Sacke ist die Sache des ganzen Töpfergewerks und aller Arbeiter, fie ist eine gerechte Sache. DaS Gesuch der Nürnberger Bäckerinnung, ihr aus- schließlich das Recht der Lehrlingsausbildung zu verleihen,'st seitens der Regierung für Mittelfranken abschläglich beschieden worden, nachdem Magistrat und Gewerberath sich ebenfalls gegen die Gewährung des Gesuches ausgesprochen haben. Die Glasfabriken des Fichtelgebirges, die früher ihre Produkte nach allen Weltgegenden versandten, liegen jetzt auch schwer darnieder trotz unserer neuen Wirtbschaftsära. Der be- rühmten Fabrik zu Bischofsgrün, die Milliarden von Glas- perlen produzirt, geht es so schlecht, daß fie zeitweise ihre Ar- bester entläßt, die sich dann kümmerlich durch Steineklopfen zc. ernähren, bis neue Aufträge anlangen, wo fie dann wieder auf ewige Tage oder Wochen zur Fabrik gehen. Daß daraus un- leiduche Zustände für die Arbeiter entstehen, liegt auf der Hand. Die Geschäftslage in den Vereinigten Staaten von Amerika soll sich etwas auf der Besserung befinden. So schreibt man aus New-Aork vom 21. August; Es besteht kaum ein Zweifel mehr, daß sich die geschäftliche Situation des Lan- des im Allgemeinen entschieden gebessert hat und allenthalben ewe hoffnungsfreudige Stimmung für ein flotteS Herbstgeschäst vorherrscht.--- Als ein relatives Zeichen der Besserung könnte man auch die Streiks, welche in verschiedenen Branchen, so unter den hiesigen Damenschneidern und unter den Ange- {tellten der Gould'schcn Wabashbahn, unter den Nagelschmieden n Pittsburg eingetreten find, bezeichnen, da die Arbeiter ge- wöhnlich einen Moment des geschäftlichen Aufschwungs benutzen, um eine Lohnerhöhung durchzusetzen. Kerewe mh Versammlungen. An alle Metallarbeiter Berlins. Gewerksgenossen aller Branchen, von Neuem versuchen es die Unterzeichneten, einen Appell an Euch zu richten und eine Forderung an Euch «gehen zu lassen, um die Interessen der gesammten Berliner Metallarbeiterschaft vertreten zu können. Eingedenk der Devise des größten Theils unseres heutigen Fabrikantentbums „Echundproduktion verbunden mit der damit engverwachsenen Lohnreduktion" soll und muß es unsere Aufgabe sein, den all- gemeinen Uebergriffen, welche sich unsere Gegner bei jeder ihnen paffenden Gelegenheit erlauben, einen festen Damm entgegen- zusetzen. Dieses ist nur dann möglich, wenn sich alle Metall- arbester Berlins, gleichviel welcher Branche dieselben angehören, nach Tausenden zählend vereinigen. Dieses zu bewerkstelligen, haben wir es untemnmmen, am Sonntag, den 6. September, Vormittags 6 Uhr, im Louisenstädtischen Theater, Dresdner- straße 72 eine allgemeine öffentliche Versammlung der Metall- arbeiter Berlins einzuberufen mit der Tagesordnung:„Ent- Siltige Beschlußfassung über die Begründung eines allgemeinen Metallarbeiter-Vereins für Berlin resp. Wahl einer Statut- entwurfs Kommission. Wir hoffen, daß Ihr Alle Mann für Mann in dieser Versammlung zur Wahrnehmung Eurer ge- werkschastlichen Interessen erscheinen werdet. Die Kommisston: H. Kosiisku. F. Günther. A. Netzband. An die Schlosser und Berufs genossen Berlins! Kollegen! Da der erste Punkt unseres Programms, die Ivstündige Arbeitszeit, durchgeführt ist, so kommen wir zu einem andern, noch viel schlimmeren Punkt, den zu beseitigen unsere nächste Aufgabe sein muß, nämlich zu der Akkordarbeit. Ein schwerer Kampf wird es freilich werden, dieses Uebel zu beseitigen, welches so eingefleischt ist und welches leider so viele Kollegen als einen Vortheil betrachten, weil fie glauben dadurch mehr zu verdienen, aber nicht bedenken, daß gerade durch die Akkord- arbeit die heutige Produktionsweise, dre lange Arbeitszeit und die natürliche Folge davon: die Arbeitslofigkeit, hervorgerufen worden ist. Kollegen! In jedem Kampfe, er mag beißen wie er will, tritt zur gegebenen Zeit eine Pause zur Sammlung neuer Kräfte ein. So haben auch wir eine Ruhepause in der öffentlichen Bewegung eintreten lassen, um jetzt mit neuen und geeigneten Kräften daran zu gehen, diesen Krebsschaden nach Möglicheit zu be- festigen. Zu diesem Zwecke findet am Sonntag, den 6. September, Vormittags 10 Uhr, in Gratweils beiden Sälen, Kommandantenstt. 77/79, eine öffentliche Generalversammlung statt, in der die Akkordarbeit, ihr scheinbarer Nutzen, ihre Schäd- lichkeit und die Beseitigung derselben zur Diskusfion steht; ob Fürsprecher oder Gegner dieses Punktes, ganz gleich, alle find herzlich eingeladen. Gleichzeitig rufen wir allen Kollegen zu, nehmt Theil an der Organisation, wählt Werkstatt- Delegirte und haltet selbst darauf, daß eure Delegirten auch ihren Ob- liegenheiten nachkommen. Besuche wenigstens Einer aus jeder Werkstatt unsere Versammlungen und diejenigen des Fachver- eins. Dieser Eine unterrichtet wieder seine Kollegen; so gewinnt unsere Sache an Ausdehnung, die Beiträge vertheilen ssch auf eine größere Zahl von Kollegen und wird der Geldbeutel des Einzelnen nicht so hoch in Anspruch genommen. Alsdann wer- den wir alle mit der Zeit dahin gelangen, daß wir nicht blas Arbeitsmaschinen find� sondern denkende Arbeiter, welche fich ihrer Ziele und der Wege, die zum Ziele führen, bewußt sind. Mit kollegialischem Gruß die Lohnkommission der Schlosser. Fachverein sämmtlicher im Drechslergewerk beschäf- tigten Gewerksgenossen. Versammlung am Eonnabend, den 5. September, Abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandan- tenstraße 20. Tagesordnung: 1. Die Petition der Drechsler und verwandten Berufsgenoffen Deutschlands an den Reichs- tag, betreffs die Annahme des Arbeiterschutzgesetzes. 2. Die Wahl eines Delegirten, behufs Theilnahme an den am 12. September stattfindenden mündlichen Verhandlungen, betreffs der Sonntags arbeit. 3. Verschiedenes. Aufnahme neuer Mit- glieder. Gäste willkommen. Verein der Maschinisten und Heizer. Sonntag, den 6. September, Nachmittags 5 Uhr, Neue Jakobstr. 24/25, 33 et- d.«epremoer, vianjmujaga o utjr, vceue xZaroonr. Z4//Ü, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn I. Bischof über„Die Eigenschaften der Wärme"(mit Experimenten). 2. Vereinsangelegenheiten und Fragckasten.— Gäste find willkommen. General- Versammlung deS Fachvereins Berliner Kürschner, Montag, den 7. September, Abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Seeseld, Grenadiersttaße 33. Mitgliedskarte legitimirt. Der Fachverei« der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Dampfarmaturen hält am Sonnabend, den 5. September, Abends 8 Uhr. in den Giatweil'schen Bierhallen, Komman- dantensttaße 77- 79, eine Mitgliederversammlung ab. Tages- Ordnung: 1. Wichtige Vereinsmittheilung en. 2. Verschieden�. 3. Fragekasten.— Die Quiltungsbücher müssen zur Kontro» abgeliefert werden. Große öffentliche Generalversammlung der Schloff«« und Berufsgenossen Berlins am Sonntag, den 6. September, W Gratweil, Kommandantenstr. 77—79. Tagesordnung; 1. Dü Beseitigung der Akkordarbeit. 2. Diskusfion. 3. Neuwahl* Revisoren. 4. Verschiedenes. Kleine Mittheilungen. Hamburg, 30. August.(Zum Bankoicbstahle.) Die Hamburger Börsenhalle" meldet zu dem Diebstahl in W hiefigen Reichsbankhauptstelle:„Auf hier eingegangene nähn« Erkundigung wird uns mitgetheilt, daß die Verhaftung der de» Diebstahls in der hiefigen Reichsbankhauptstelle verdächtW Engländer Burton, Thompson und Wttteckir bereits am l* d. Mts. in Paris erfolgt ist. Die Verhaftung ist wesentli» den Bemühungen der nunmehr wieder hier eingetroffene» Inspektor Brockmeycr und Sergeant Hansen zu danken A* wescn, welche unermüdlich eine bereits hier aufgefundene EM verfolgten. Anderweitigen Anmeldungen gegenüber könne» wir mittheilen, daß die Auslieferung der Verhafteten in da nächsten Zeit noch■- nicht erfolgen wird. Diesels find nämlich auch verdächtig, bereits im Jahre 18% in Frankreich bedeutende Gelddrebstähle verübt zu haben, v» wird deshalb gegen fie erst in Paris die Untersuchung zu En» geführt und inzwischen müssen auch die diplomati'chen M Handlungen durchgeführt werden; dann erst können die% hafteten hierher transportirt werden. Außer den etwa 30 OW Franks, welche schon bei der Verhaftung den Verdächtigen ab genommen wurden, find inzwischen auch noch andere erkbh# Beträge wieder zur Stelle geschafft worden.„Das„Pom* Börsenblatt" meldet über dre Verhaftung ferner: Drei OTl spektoren des Sicherheitsdienstes haben vorgestern die 1«° Wochen gesuchten Diebe Thompson, Burton und Wittecka welche man des Raubes im Betrage von 200 000 Mark bei««* Hamburger Reichsbank-Filiale verdächtigt, festgenommen._ Moment der Verhaftung hatte Herr Thompson die Kleimg»» von 1500 Pfd. Sterling in englischen Banlbillets bei fich. der� Nummern mit denen von den Hamburger Behörden stgnalifin«' übereinstimmten. In den Appartements deS betreffenden M blattes, das sich seiner Verhaftung nicht ohne schwere letzung des Sergeant de Ville Pruvost widersetzt hatte, M man weitere 3800 Lstrl. in Gold und ca. 4000 Lstrl. in lem realistrbaren Ehecks. Wittecker ist seit 16 Jahren Chef eM Waaren-Kommisstonshauses auf dem Pariser Platze undschM speziell die wackere Rolle eines Hehlers übernommen zu ho««» Die beiden anderen Spießgesellen sollen in Amerika läng«» Freiheitsstrafen bereits verbüßt haben. Man verdächtigt? auch, mehrfach in der Schweiz operirt zu haben. Zweifelst* werden sie nächster Tage zur zweckentsprechenden Behandb an Deuftchland ausgeliefert werden. Die ganze Angelegt ist in Paris sehr geyeim betrieben worden und es gelangt«� erfolgte Verhaftung erst am 24. d. zur allgemeinen Kennt»? während fie am 19. bereits stattgefunden hatte. Achetnt ».Der I %% K ».Was fca � Meli tP 5?responi der Un Kriefkastrn der Redaktion. ,, O. Z... f. Ihr Inserat ist vollständig unverständig Wir bitten um Ihren Besuch. j „Bitte". Ad 1 und 2 ist nicht strafbar. Wenn Jew«? letzteres thut, kann er leicht unter Kuratel gestellt wer«" 3. Gold. tytbctt Si S? Urne W ß ö Heute: Fidelio. Heute: Die Maler. Theater. Opernhaus. Schauspielhaus. Deutsches Theater. Heute: Hamlet. Friedrich-Wilhelmstädttsches Theater. Heute: Der Großmogul. Restdeuz-Theater. Heute: Theodora. Walluer-Theater. Heute: Papageno. Belle-Alliance-Theater. Heute: Mädchen-Jllufionen. Walhalla-Operetteu-Theater. Heute: Die Glocken von Corneville. Central-Theater. Wte Jakobstraße 30. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Zum 35. Male: Die wilde Katze. Gesangsposse in 4 Akten von W. Mannstädt, Mustk von G. Steffens. LoutsenstädtischeS Theater. Direktion: Jos. Firmans. Heute: Der Troubadour. Osteud-Theater. Heute: Kabale und Liebe._ lle Freunde und Kollegen, welche noch im Besitz von Sammellisten für die streikenden Maurer find, ersuchen wir dringend, uns dieselben— gleichviel ob Beträge darauf verzeichnet ssnd oder nicht— behufs Abrechnung recht bald zusenden|�]?gtreik-Kommisston i,er Maurer Berlins, Lothringerstr. 37 im„Deutschen Kaiser". f Kreutz. Skalitzerstc. 28. Facltvereln der Tischler. Sonnabend, den 5. September Abends 8'4 Uhr in Jordan's Salon. Neue Grunstraße Nr. 28. Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Bohn über:„Vulkanismus und Erdbeben." Fragelasten. Verschiedenes. Gäste find will- kommen._ Der Vorstand. Central-Kranken- u. Begräbnißkasse für Frauen und Mädchen Deutschlands (Cingeschr. Hilfsk. 26, Offenbach a./M.). ,3. ÄtvÄÄ Mitglredern"zur Nachricht, daß Sonntag, de« Sanssouci, Kottbuserstr. 4a,) 1. Stiftungsfest »rsv x4,i Ausstellungs-Lotterie zu Görlitz. Sewilme im 19 Ziehung täglich vorn 7. bis 14. September. Original-Loose ä 1 Hark sind durch das General-Debit der Loose Carl Heintze, Berlin W., Unter den Linden 3, gegen Einsendung des Betrages(auch gegen Coupons oder Postmarken) zu beziehen. Für Frankirung der Loossendnng und Gewinnliste sind 20 Pf.(fOr Einschreiben 40 Pf.) beizufügen.[2059 , 1% 8« ifi Central-Kranken- und Sterbe-Kasse der Drechsler und verw. Berufsgenossen Deutschlands (Eingeschriebene Hilfskasse Nr. 48). Verwaitungs stelle Berlin A. Die Zahlstellen befinden fich: l. Naunynstr 78 im Lokal; N. Langestr. 34 im Lokal; ni. Köpnickerstr. 171, Ecke der Eisenbahnstraße, im Lokal des Herrn Ä. G u h l; IV. Weberstr. 84 im Lokal des Herrn Guide- V. Alexanderstr. 25 im Lokal des Herrn A. M o e n ch, und werden die Mitglieder ersucht, die Beiträge möglichst an die zunächst belegene Zahlstelle abzuführen. Sämmtliche Zahlstellen find Sonnabends von 8 bis 10 Uhr Abends geöffnet. Neue Mitglieder werden in den Zahlstellen, beim Orts- Kasfirer Herrn Alfred Moench, Adalbertstr. 26, v. IV, und beim Unterzeichneten jederzeit aufgenommen. Die Auszahlungen der Kranken- Unterstützungen finden jeden Sonntag Vormittag von 10—12 und jeden Mittwoch Abend von 8'/,— 10 Uhr in der Zahlstelle I, Naunyn- straße 78, statt.[2057 Der Bevollmächtigte. Fr. Schräder, Berlin 80., Franzstraße 5. Große allgemeine Böttchergesellen-Versammlung Sonntag, den 6. Sept.. Vormittags 10 Uhr, in Heise's Salon, Lichtenbergerstr. 21. Tagesordnung: Wie verhalten fich die Böttcher Berlins zur Lohnftage.[2061 DieLohn-Kommission. Versammlung Fachver. 1. Schlosser u. Beri# Sonnabend, den 5. September, Abends 8'A N% bei Gratweil, Kommandantenstr. 77/79, oberer S» ,«n. � Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom Sommcrfest. 2. Wahl des ersten Vorsitzenden. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekaften. Jwit Dre Mitglieder werden der wichtigen Tages-L�« Ji wegen ersucht, recht zahlreich zu erscheinen.— Gäste fiv« kommen D e r V o r st a n d.„. ,„«* I. A.: Der Schriftführer G. Ledertheil, 6#"/ Fachverein der Metallarbeiter in Gas-, Waffer- u. Dampf-Armatul Mitglieder-VersammlunS am Eonnabend, d. 5. Sept., AbendS 8 � W# Gratweil'S Bierhallen, Kommandantenstr«»?» ______„ Tagesordnung: 1. Wichtige Vereins. Angelegenheiten L M 2. Verschiedenes und Fragekaften.,, Die Quittungsbücher müssen zur Kontrole abgeliefert» Der Vor 1»\. tn «i i Gfeneral- Versammle Arbtiter-Vkrew„ioffnnng" für Friedrichsberg und Umgegend. Mitgliederversammlung Eonnabend, d. 5. September, Abends 8'/, Uhr, im Lokale des Herrn Neumann, Gürtelstr. 41. Tagesordnmlg: Vortrag des Herrn Laake über die Tagesordnung:«OTirof Bauernkriege. Verschiedenes. 2044J �errn Fragekaften. Der Vorstand. der Maurer Berlins am Sonntag, den 6. Sept., Vorm.�� in der Kottbuserstr. 4 a. 2058] Tagesordnung sehr Die Nr. 20 der humoristischen Blätter „Der wshre Jacoh"/ men und in der Expd. des„Berl. Volksbl�Jy�t ist erschienen Veranwvtlicher Redakteur IL Trnnpet» tu Berlin. Druck und Verlag von Mag vading in Berlin 8W„ B euch straße 3. -2? Korbmacherges, auf Baige verl. Schulz, Prinzenfi»-� m/jja 1 -«en Htergv eint °Nl ar »b. »De