Nr. 208. Sonntag, de« 6. September 1885. II. Jahrg. edinrr'Qollistilnll Organ für die Interessen der Arbeiter. 4 (Eingetragen in der Da,..Berliner Volksblatt« Abo wöchentlich 35 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10! Pof�eitungSpreiSlist« für 1885 unter Nr. 746.) Jnfertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle« Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Irr llltotnontantsimis mii dir Arbeiter. Auf dem Katholikentag zu Münster hat man sich mehr- fach mit der Arbeiterfrage beschäftigt, wie das nun- ... bei allen Parteim Mode geworden ist. Wir bedauern keineswegs, denn je mehr die Arbeiterfrage diskutirt ptod, desto mehr Interesse für die öffentlichen Angelegen- •Wen wird unter den Arbeitern wach werde«. Allein wir Men den nothwendigen Unterschied zu machen und wir fiuden«z ganz genau heraus, ob man ernsthaft bestrebt ist, klne Besserstellung des Arbeiters herbeizuführen oder ob die »Arbeiterfreundlichkeit" nur ein Mittel zu anderen Zwecken Bei den Ultramontanen ist das letztere zweifellos »er Fall. .. Auf dem Katholikentag hat man abermals betont, daß ?' e Kirche allein im Stande fei, die richtige Lösung der '" sehr auf Alle herandrängenden soziale« Fragen anzu- jubahnen und durchzuführen. Aehnliche Aeußerunge» sind ichon oft gethan worden; leider konnte man nur bis ?eute nie erfahren, wie die Kirche die Sache an- l�gen will. Oder soll diese„Lösung" darin bestehen, daß 5�» der Kirche möglichst viele Güter zuwendet, während dem armen Mann die„E a t s a g u n g" überläßt, die Reichstage schon so oft von Stimmführera des ZenttumS �' worden ist? Diese schöne Theorie von der„Ent- zu soll er denn noch verzichten? Die„Entsagun ?urbe sich viel besser ausnehmen, wenn jene Herren sie so oft predigen, näm- », kapitalistischen mio\3nviigiunvvc|»£ci, vi. u» der Spitze der "WrumSpartei stehen. Aber da kommen wir schön an, 3 wahr, ihr Herren von Franckenstein, Graf Galen, Graf n�estrem und Genossen! ES ist viel angenehmer, anderen Tagung predigen, als sie selbst zu üben. ., Wenn heute die Z e s u i t e n h a tz wieder losginge, wir .'Üben sie gewiß nicht mitmachen. Daß aber auf demKatholike« . 9' mebrfadb betont würde, die deutschen Verhältnisse könnter ! Mehrfach betont würde, die deutschen Verhältnisse könnten JJ? dann gebessert werden, wenn die Jesuiten wieder im Lande jpen. das zeigt denn doch so recht, mit wem man eS zu thun hat. en ?n«en populären Popanz zu habe», auf den man(w "ie. Und wenn die Jesuiten mit ihrer MaulwurfSarbeit ii.i..*• wen» vi. j.|uii.« ui» 'hren Jntrigum wieder da wären— daraus sollte das .Mtschx Volk einen Vortheil ziehen? Man weise uns doch Mal«ach, was die Jesuiten unS für Nutzen gebracht habe«, S*« NtWOL] IeuMeton. D«s Mormonenmadche«. Amerikanffche Erzählung von Balduin Möllhaufeu. .--egenheiten betrifft, wenigsten« sehr ordnungsliebend CT«* sein muß. es würde mir sonst schwerl.ch gelungen »3 mich so leicht und schnell zwischen allen diesen Gull'»ist das Eurige, sobald Ihr meine Nichte Hertha die hj-i$e nennt, und das andere soll an demselben Tage, an in Euch das Mädchen angetraut wird, zur Verwaltung ex �o'msten's Hände niedergelegt werden, vorbehaltlich, daß ihn? die Vormundschaft über den Knaben zugesteht und Zk-J? Eurer Familie erziehen läßt; wir sind Hertha diese acht schuldig.» G.K/'Etliot nickte zustimmend; seine Blicke hafteten an dem »nd' Tesches das seinige werden sollte, seine Lippen bebten, eigenthümliches Feuer sprühte aus seinen, von de« schMon Brauen fast verdeckten Augen. Doch wäre es dieW tLU mitscheiden gewesen, ob seme Phantasie sich m hes�Augenblicke mehr.mit den ihm zugesagten Schätzen wTU'tzte, als mit dem jungen, anmuthigen Mädchen, stcitfii Mnerhalb kurzer Zeit ihm al« Gattin in feine Häus- zu folgen bestimmt war. 3ete/�a.6t Ihr schon den Tag festgesetzt, an welchem die hlick�'e vollzogen werde« soll?' ftagte er, ohne aufzu- fow' offenbar, um Jansen nicht die innere Aufregung aus "/"gen herauslesen zu lassen. % Tag habe ich nicht bestimmt," antwortete dieser "orschütterlicher Ruhe,„allein mein Wunsch ist, das 1 nachdem sie Jahrhunderte Zest gehabt, in Deutschland«ach Herzenslust zu wühlen! Kurz, ihr Herren, die Jesuiten interessiren ua, nicht, wenn wir auch Gegner der Maigesetzgebung sind. Die Entsagung und die Jesuiten! Zwei herrliche Geschenke für den armen Mann! Indessen wissen die Herren Windthorst und Schorlemer- Alst denn doch auch, daß der arme Mann von heute nicht mehr der arme Mann von ehedem ist, auf dessen Kosten sich die geistliche» Herren des Mittelalters dies irdische Dasei» so behaglich eingerichtet hatten. So muß denn die etwas sehr abgestandene Pille, die man den Ar- beitern mit Entsagung und Jesuiten zu schlucken giebt, einigermaßen modern verzuckert und aufgefrischt werden. Und darum hat der Katholikentag auch eine Resolution„zu Gunsten der Arbeiter» gefaßt. Daß man die Sonntagsruhe befürwortet, ist ganz gut und wir wollen auch nach den Motiven, die ganz andere sind, als die unseren, gar nicht fragen. Dann aber empfiehlt die Katholikenversammlung auch den„ B e- fähigungSnachweiS" für die Handwerker und„die Verleihung wirkungsvoller Vorrechte an die Innungen". Das ist also der Ackermann'sche Standpunkt, der zu bekannt ist, als daß wir»öthig hätten, ihn hier noch- malS zu charakteresire«. Wenn die Vertreter der Kirche, die auf dem Katholikentag so großspurig auftraten, nichts Anderes wissen, um dem Handwerk zu helfen, als die Rezepte deS Herrn Ackermann, dann ist ihre sozialpolitische Weisheit bei den denkende« Arbeitern schon gerichtet. Die Resolution verspricht„neben der Fürsorge für kranke Invaliden(!) auch ein S ch u tz g e s e tz für den ge- sunden Arbeiter." Nun, das Wort„Schutzgesetz" haben sich nunmehr sämmtliche Parteien angeeignet, aber mit Ausnahme der Arbeiterpartei hat keine einzige ein Schutz- gesetz ausgearbeitet. Man wird doch nicht jene wenigen und vagen Bestimmungen, die das Zentrum aus demagogischen Gründen eiligst und in oberflächlichster Form zu Papier ge- bracht hatte, im Ernste für ein Arbeiterschutzgesetz ansehen wollen! Die alten Parteien, das Zentrum nicht ausge- schlössen, täuschen sich sämmtlich über die Arbeiter. Sie halten die Arbeiter immer noch für eine völlig denkunfähige Masse, die ihrer Ansicht nach nicht unterscheiden kann, was in ihrem Interesse liegt und was nicht. Deshalb glaubt man denn anch, wenn man den Arbeitern das Wort„Ar- beiterschutzgesetz" so oberflächlich hinwerfe, so seien die Ar- beiter damit schon völlig befriedigt und im Uebrigen könne Alles so bleiben wie es ist. Da fällt Einem unwillkürlich das Jahr 1848 ein mit seinen vielen neuen Parteibildungen. Damals hieß es auch in jedem neuen Programm:„Schutz der Arbeit!" Allein Mädchen, welches ich liebe, als wäre es meine eigene Tochter, sobald als möglich der Fürsorge eines braven Gatten anzu- vertrauen. Wer vermag in die Zukunft zu blicken, wer das Ende des Krieges vorher zu bestimmen? Die Verhältnisse mögen mir eine Trennung von Hertha gebieten, und beruhigt ziehe ich hin, wohin es auch immer sei, wenn ich ihr Loos nicht nur auf Erven, sondern auch im künftigen Leben ge- sichert weiß. Außerdem ist auch von einer anderen Seite Eile geboten, denn lange wird sie, trotz ihrer Kindlichkeit, nicht in der jetzigen Umgebung weile» können, ohne das zu erfahren, was wir uns bis jetzt immer bestrebten geheim vor ihr zu halten. Ihrer selbst wegen wünsche ich daher, daß ihr die nicht zu vermeidenden Eröffnungen erst dann gemacht werden, wenn sie mit unauflöslichen Banden an Euch ge- fesselt ist. Sie wird das, was sie augenblicklich vielleicht noch mit zu entschuldigendem Entsetzen erfüllt, bei dem vor- geschlagenen Verfahren leichter überwinden und sich mit doppelter Hingebung der Religion in die Arme werfen. O, sie ist und war immer ei« gutes Kind; möget Ihr das nie vergessen und ihr in Eurem Hausstande eine Stellung ein- räumen, in welcher ihr Kränkungen und Kummer, die leider „____ ,.D-___ 7, entgegnete Elliot, indem er sich mühte, seiner harten, leidenschaftlich erregte» Physiognomie einen milderen Ausdruck zu verleihen-„ich habe Hertha auf der Reise vom Rio Virgin hierher schätzen und— verehre« gelernt, und lieber verlöre ich meine rechte Hand, ehe ich ihr freundliches Gesicht durch Kummer entstellt, oder ihren frischen Jugendmuth gebrochen sehen möchte. Uebri- ens darf ich mit Recht behaupten, daß mich das Glück Se«s darf ich mit Recht behaupten, daß mich das mente 10 bis 15 Verwunde in das Garnisonsspital transpottitt werden mußten, darunter drei Echwerverwundete und einer mit 30 Stichwunden. Wie Viele von dem czechischen Regimentc„gefallen" find, war nicht zu erfahren. DerStreit begann deshalb, weil einer der deutschen Soldaten die anwesenden Ezcchen, welche der deutschenSprache mächtig waren, auffordettc, deutsch zu sprechen, da manche seiner Kollegen die czechische Sprache nicht verstehen, also von der Unterhaltung ausgeschlossen wären. Die Auffor- dcrung wurde von einem ver czechischen Waffenbrüder mit einem Bierglase beantwottet, das er dem Deutschen an den Kopf warf. Damit war aber auch das Signal zum Kampfe gegeben, jetzt fuhren auch die übrigen czechischen Soldaten auf und über die Deutschen her, und eS entwickelte fich, da dir letzteren endlich auch loshieben, eine großattige Rauferei. Hiernach scheint es fast, als ob die Deutschen wieder die Up Heber der Affaire gewesen find, da darauf gepocht wurde, daß der Czeche deutsch sprechen sollte.— Aus einem anderen Orte Böhmens, Chrudim wird ebenfalls ein derattiger Krawall ge» meldet, daselbst sollen Deutsche zwei Czechen erstochen haben- In Wien soll steh ein Ministerrath mit den Vorgängen be» schäftigt und beschloffen haben, den Behörden anzubefehlen, weitere Ausschreitungen zu hindern, aber vorläufig noch keine außerordentlichen Maßregeln anzuordnen. — In Pest geht das Gerücht, daß die in Berlin wohnen- den Oesterreicher nnd Ungarn ausgewiesen werden sollen. D# „Pest. Lloyd" bringt sogar einen heftigen Drohattikel, worin er Represfivmaßregeln ankündigt und behauptet, daß man am jeden ausgewiesenen Oesterreicher oder Ungarn zw« Preußen ausweisen könnte, da sehr viele Preußen in Oesterreich und Ungarn ihr Brod verdienen. Bis jetzt hat fich das Gerücht rn keiner Weise bestätigt. wendig ist es daher, Dich mit Deiner ganzen Lage bekannt und vertraut zu machen, um Dich zu befähigen, schlimmsten Falls selbstständig handeln und Deine Bestimmungen treffe» zu können." „Sprich nicht so, lieber Onkel," antwortete Hertha, ihre Arme zärtlich um Zansen'S Hals schlingend;„sprich nicht so; mein Wohl und Wehe ruht in Deinen Händen besser und sicherer, als in den meinigen, und wenn der arme RynoldS von einem schrecklichen und so furchtbaren Ge- schick ereilt wurde, so ist damit doch nicht gesagt, daß auch über Deinem Haupte eine unbekannte Gefahr schweben muß. O, mein theuerster Onkel, beschwöre doch nicht mehr böse Ahnungen und Besorgnisse herauf, als mich jetzt schon quälen!" „Komm, sei verständig," entgegnete Jansen, indem# Hertha an den Tisch führte, wo Beide einander gegenüber auf niedrigen Bretterstühlen Platz nahmen;„der Krieg M vor der Thür, jeden Äugenblick können wir Kunde von dem ersten Blutvergießen erhalten. Ist eS doch kaum zu bezwei» feln, daß RynoldS' von umherstreifenden feindlichen Spione« hinterlistig erschlage« wurde, warum sollte daher nicht au« ich in der Vettheioigung unserer heiligen Lehre, zur Ehre des Erlösers und zum Frommen unserer Gemeinde, mein Lebe» auf den Altar des Herrn niederlegen müssen? Be denke das, mein Kind, und Du wirst gerechtfertigt finde», daß ich mich auf alle nur möglichen Fälle vorbereite und r» erster Reihe mich der Pflichten gegen Dich als Onkel und Vormund entledige." Bei diesen Motten blickte Hertha mit ängstlicher Spannung, aber ergeben zu Jansen empor. Sie wußte, daß, wenn# Onkel sich in dieser Weise äußette, jeder weitere Wider» spruch vergeblich sei. Ein von im gefaßter Entschluß mach?� ihn unbeugsam bis zur Hätte, ja bis zur Grausamkeit, kannte seinen eisernen Charakter, der durch religiöse Grübeleien gleichsam gestählt worden war, und eine seltsame Beklemmung bemächtigte sich ihrer, als sie deutlicher, als jemals,"U seinem feierliche« Wesen herauslas, daß er betreffs wirklich zu irgend einer geheimen, aber endgiltigen Em scheidung gelangt sei. (Fortsetzung folgt.) Holland. Unruhen überall, ein Zeichen, daß wir in einer Zeit leben, die Gemüther sehr zur Erregung hinneigen. Wundem Wien sich darüber nur die Alltagsmenschen, der denkende Mch wird keinen Augenblick im Zweifel sein, auf welche Wochen die allgemeine Erregung zurückzuführen ist.— Kaum W» die Unruhen in Amsterdam beendet, so werden schon Uer neue aus Harlem und Zwolle berichtet. In Harlem Mte am 2. September ein Gartenbesitzer einen Burschen beim fehlen von Birnen betroffen und ihn so derb gezüchtigt, daß « vom Platze getragen werden mußte. In der Stadt ver- Mtete sich darauf daS Gerücht, der Knabe sei gestorben. Abend sammelten sich Menschcnmaffcn vor dem Hause Oes Gartenbesitzers und bombardirten es mit Steinen. Die �lchc konnte erst hergestellt werden, nachdem Militär requirirt Mben war. In Zwolle kam es gelegentlich eines Aufzugs M Militärs zu einem Krawall, der ebenfalls erst durch Hilfe Militärs beendet werden konnte. Der Bürgermeister erließ «ne Proklamation, worin er vor Ansammlungen wamte °lle totale um 9 Uhr Abends zu schließen Belgien. Jen sieht in seinen Grenzen Kongreß auf Kongreß IST''aum ist der eine beendet, so beginnt ein anderer. In Merpen hat soeben wieder der medizinische Kongreß seine ?'0«ten beendet. Die Verhandlungen waren sehr interessant, N hauptsächlich das Praktische ins Auge gefaßt wurde. Dr. Mnadel's vorgeschlagener Antrag wurde in folgender WUNg angenommen:„Im gegenwärtigen Zustande der Be> Mungen zwischen den Völlern Zentral Europas stnd Land- Mantänrn und sanitäre Kordons unnütze und sogar ge- Wliche Maßregeln; das Durchräuchem von Briefen ist anutz." Die Mehrheit des Kongreffes war für die Beibehal- J 8«er See Quärantänen in Seehäfen und an Flußmün- iSe,nv Solche Quarantänen wurden auch als in Belgien fihrdar und wirksam erklärt. Der folgende Beschluß ge« »Me ebenfalls zur Annahme:„Die Gesundheitspflege in J�ten und Landgemeinden durch Reinlichkeit zwingt sich vor S Anderen den Nationen als Widerstandsmittel gegen den «NNich ansteckender Krankheiten auf. Zur Erreichung eines jullats drückt der Kongreß den Wunsch aus, daß die Lei- »J der sanitärischen Maßregeln in den Händen der Zentral- Mknäten liege."— Der sechste �Jntemationale Pharmazeu« Kongre' '.%(( sechste_ wurde am 31. v. Mts. in dem Hauptsaale des Ij.-'�en Akademie- Palastes von dem Minister der auswär- f« n Angelegenheiten. den eine Anzahl hoher Regierungsbe- iJen begleiteten, eröffnet. Die Mitglieder des Kongresses toj!1 stch zahlreich eingefunden. Der Minister bewillkommnete LoP? Ansprache den Kongreß, deffen Arbeiten, wie er sagte, li. �erung mit der größten Aufmerksamkeit verfolgen würde. k?agcn betreffs des Trinkwassers und der Fälschung von Msmrtteln seien von der größten Wichtigkeit für das Volk, Praktische Resultate auf diesem Gebiete im Interesse des Ge- SWenS zu wünschen. Nachdem das Bureau konstituirt war, L,% der Präsident, daß die Frage des Trinkwassers wegen �brze der Zeit vor allen Änderen eine eingehende Be- i-Mng verlange. Die Abcheilungen werden sich mit den iiCnP«n Fragen beschäftigen: Professionelle Fragen, vhar- k�bsche, theoretische und praktische Fragen, Fragen der in Bezug auf die öffentliche Gesundheitspflege und (®n' welche sich auf allgemeine oder angewendete biologische C1'6 beziehen. Die Kongreß-Mitglieder wurden später vom �einderath im Rathhaus empfangen. Der Schöffe Wal- iinhlnä bewillkommnete sie in Abwesenheit des Bürgermeisters Dankte für die Wahl Brüssels als Kongreßfitz. Die Brüsseler kJ'ndeverwallung habe sich stets mit den Fragen der Ver- der Fälschung von Lebensmitteln und der Be- "Ng guten � von Trinkwassers ernstlich beschäftigt. Franreeich. iwfjn Beflcchungsversuch beschäftigt augenblicklich die öffent- A.Meinung in Hohem Maße. Nachdem schon so oft über kWiingcn oder über Handlungen, die auf dasselbe hinaus- IjrfÄ bei staatlichen Unternehmungen allerlei an die Oeffent- gedmngen ist, handelt es sich diesmal um einen Be- C"�versuch, welcher speziell Pariser Angelegenheiten be- �, Der„Voss. Ztg." wird darüber folgendes mitg-theilt: des Gemeinderaths, Michelin, steht auf der ».��sozialistischen Kandidatenliste des Eeinedepartements jetzt der O«ffentlichkeit mehrere Schriftstücke übergeben, »JW schon fast einen Monat all find. Damals erhielt Michelin f.J'ver Frau Rattazzi eine Anweisung auf 300 000 Fr. nebst worin cs heißt:„Herr Michelin wird siebeten, % Anweisung anzunehmen, deren Betrag nach Eicht ge« , b, wenn Herr Michelin den Herren Labruaiere und die Genehmigung zur Durchlegung des Boulevard i JffiNwn verschafft. Diese Herren haben ein Angebot von Whi!'• gemacht; wenn sie 26 oder 25 Mill. erhallen können, G, sie einverstanden sein w" Der Brief war von Frau Ä,�azzi unterzeichnet. Herr Michelin hat Brief und An- sofort dem Staatsanwalt übergeben, welcher eine taJUmmirt bestreiten den das __________________________ Dies tt hs-�wesentlich, der"Vorgang leg? die Frage nahe, ob man '8 x., mit einem vereinzelten Fall zu thun hat und da giebt böstn Zungen genug, dre behaupten, daß solche Be- .*N nichts Ungewöhnliches feien und in ähnlichen Fällen !«rÄ"unden haben und noch stattfinden. So ist der Fall be- !fJ a'r°a6 bei einer Eisenbahnkonzcsfion in Algier vor 8 oder M� en ver Ministerpräsident 600 000 Frcs. erhielt. Die � Personen, welche unter dem Kaiserreich auf diese !? bereichert haben, soll Legion sein. Und sellher ist geworden. Wer ist aber diese Frau Rattazzi, M«, �«als Vermittlerin auftritt? Sie ist ebenfalls eme &»fyv Personen, welche von ihrem Geschäft lebt. Sie ist eines Arztes in Rcnnes, welcher zu den Freunden Kin gehörte. Dadurch hatte sie Zutritt zu Thiers, war m,t pie,'TOmilic befreundet und verkehrte viel in deren Haus. diese Freundschaft, um bei Thiers, natürlich so Stft„Wer etwas zu gewähren vermochte, alle möglichen Per- Angelegenheiten zu befürworten. Dadurch wurde S mr"et gewichtigen Persönlichkeit. Bei Thiers lernte sie «, j W und deffen jetzigen Schwiegersohn Wilson kennen, Zither gar heimisch im Elisöe geworden. Sie hat % j). vnpcn mit allen möglichen offiziellen Per; onlichketten, ksi stball» wandten fi z�"en�die Kon �"�.viel schaden."' Frau" Rattazzi dürfte voraussichtlich ?'�erin lerner ihr sehr einträgliches Geschäft als Ver- %i�,und Fürsprecherin treiben können.— Wirklich nette 91 n% I n# b» ben Russen ihr Kaiserhaus kostet, kann man aus SnQJüt ihr ganzes Leben jahrliche Geldeinkünite oder eine .Die Söhne eines Kaisers erhalten bis zu ihrer Voll- ioo 000 Rubel(1 Rubel— zum mindesten ...... 500 000 Rubel, : bis zur Voll- t«' M NWI jährlich; die Fürsten kaiserlichen Blutes erst von der Voll- jährigkeit ab je 50 000 Rubel jährlich. 2) Die Personen weib- lichen Geschlechtes erhalten bis zu ihrer Verheirathung einen Jahresgehalt und bei ihrer Verheirathung ein- für allemal eine Mitgift aus der Staatskasse, und zwar erhallen die Töchter und Enkelinnen des Kaisers je eine Million Rubel, die Urenkelinnen und Ururenkclinnen je 300 000 Rubel, die weiteren absteigenden Nachkommen weiblichen Ge- schlechtes je 100000 Rubel. 3) die verwittweten Kaiserinnen, Großfürstinnen und Fürstinnen kaiserlichen Blutes erhalten eine lebenlängliche Geldpenfion. Die Kaiserin bezieht als Wittwe natürlich denselben Jahresbetrag, wie zu Lebzeiten des Kaisers, ihres Gemahls: 600 000 Rubel jährlich und den Unterhalt ihres Hofes; wenn sie ins Ausland reist die Hälfte. Die verwittwete Gemahlin des Thronfolgers erhält jährlich 300 000 Rubel und den Unterhalt des Hofes' wenn sie Ruß- land verläßt, bezieht sie die Hälfte. Die Gemahlinnen der Söhne und Enkel erhalten 60 000 Rubel Pension, der Urenkel 30000 Rubel, der Ururenkel 15000 Rubel, der Prinzen kaiser- lichen Blutes 10 000 Rubel; die Wittwen von Großfürsten und Prinzen kaiserlichen Blutes erhalten, wenn fie Rußland verlassen, nur ein Dritttheil ihrer Pension, und wenn fie eine neue Ehe eingehen, verlieren fie dieselbe ganz. Eine weitere Versorgung der Angehörigen des Kaiserhauses hängt von dem Ermessen des Kaisers und dem Stande der Apanagen ab. — Ueber Massenverhaftungen in Odessa wird der „N. Fr. P." aus Odessa vom 30. August geschrieben: Anläßlich der Reife des russischen Kaiserpaares nach Kiew wurden von der hiesigen politischen Behörde, namentlich von Seiten der Gendarmerie die umfassendsten Maßregeln ergriffen, um die noch immer scheel angesehene Studentenschaft und die andere politisch verdächtige Jugend während der kaiserlichen Reise über unsere benachbarte Bahnlinie unschädlich zu machen. Zu diesem BeHufe wurden in der Nacht vom 25. August, während die kaiserliche Familie noch in Kremfier wellte, in etwa 150 Wohnungen, wo Studenten und andere junge Leute sich aufhielten, Hausdurchsuchungen vorgenommen und bei der Auffindung irgend eines verdächtigen BucheS oder von Briefen die Besitzer derselben bei Nacht und Nebel mitgenommen und verhastet. Ein großer Theil der Verhasteten ist erst vorgestern wieder in Freiheit gesetzt worden. Eine große Zahl von jungen Leuten und Madchen wird aber noch immer in Haft behalten, weil, wie eS heißt, eine neuerliche Verschwörung derselben gegen daS Vaterland und den Kaiser entdeckt worden sein soll. In der Stadt herrscht in Folge dieser Ver- Haftungen eine begreifliche Panik. Daß in mancher Wohnung aufregende Szenen stattgefunden haben, ist erklärlich. Auch ein heiteres Quiproquo hat sich während dieser Massenverhastunaen ereignet. Zwei Gendarm erie-Offiziere begaben sich in Be» gleitung von 8 Gendarmen gegen 10 Uhr Abends nach der außerhalb der Stadt gelegenen Villa Arschawsky, woselbst mehrere politisch verdächtige Studenten wohnten, um daselbst ebenfalls Haussuchung abzuhalten. Da die Gendarmen von Niemandem auf dem Wege bemerkt werden wollten, so hüllten fie sich sämmtlich in dunkle Mäntel und gingen durch Seiten- gaffen, woselbst fie von einem aus der Stadt heimkehrenden Wächter der Villa bemerkt wurden. Dieser hielt fie für Ein- brecher. und da er auS der Ferne die Villa seines Herrn aus dem Munde eines Gendarmen nennen hörte, so eilte er schleunigst in die Stadt zurück und holte von dort einige Polizisten zur Ergreifung der vermeintlich auf Raub oder Diebstahl ausgehenden Bande. Einige berittene Polizisten eilten alsbald zu der Villa, woselbst sie vie in Mäntel gehüllten Gendarmen im Hofe umzingelten und festnehmen wollten. Die Sache klärte sich natürlich rasch auf, und die Hausdurch- suchung fiel nun um so schärfer aus. Es sollen sogar der Fußboden im Zimmer der Studenten und das Trottoir vor dem Fenster aufgerissen und unter demselben gesucht worden sein. Grotzbritannien. Die englische Regierung hat extra einen Diplomaten nach Konstantinopel geschickt, um mit der türkischen Regierung eine Uebereinkunft in Betreff Egyptens zu erzielen. Der kranke Mann scheint indeß wenig Lust zu haben, sich mit den Eng- ländern einzulassen; die Erfahrung hat ihn klug gemacht, er weiß, daß bei einem Bündniß mit England die Türkei das Pferd sein wird und England der Reiter. Die türkische Re« gierung fordert in erster Linie den unverzüglichen Rückzug der Engländer aus Egypten, um letzteres wieder unter das türkische Zepter zurückzubringen. Russische Jntriguen erschweren eben- falls das Zustandekommen einer Einigung. Dazu kommt für die türkische Regierung die Ungewißheit, ob das jetzige Tory- Kabinet in England die Neuwahlen überleben wird. Eine Folge der feierlichen Audienz, welche der englische Abgesandte am Sonnabend beim Sultan hatte, ist, wie das Wolff'sche Telegraphenbureau aus Konstantinpel meldet, ein kaiserliches Jrade, welches den Minister des Auswärtigen, Assym Pascha, und dm Minister der den Moscheen und Stiftungen gehörenden Güter, Kiamil Pascha, beaufttagt, mit Wolff zu verhandeln. Die englischen liberalen Blätter find der Anficht, daß ein greif- barcS Resultat nicht erzielt wird. Amerika. Trotzdem die Einwanderung von chinesischen Arbeitern in Kalifornien verboten ist, wissen die Untemehmi rgesellschaften doch durch allerlei Ränke oem Gesetze ein Schnippchen zu schlagen und sich diese bescheidenen Söhne deS himmlischen Reiches zu verschaffen. Was ist ihnen Gesetz, was Wohlergehen der Staatsangehörigen? Prosit und nochmals Profit, daS ist ihre Loosung und sollte selbst dabei die ganze Gesellschaft zu Grunde gehen. Eo haben auch die großm Bergwerksgesellschaften, welche im Befitze der Kohlengruben von Rocksprings und Wyoming stnd, gedacht, indem fie an Stelle ihrer stteikenden Arbeiter Chinesen einstellten. Die amerikanischen Arbeiter da- durch gereizt, griffen die Chinesen an, tödteten 15 derselben, brannten 80 Häuser nieder und trieben gegen 500 Chinesen in die Berge, wo dieselben nun umkommen müssen, wenn ihnen keine Nahrungsmittel geschickt werden. Soziales und Arbeiterbewegung. Tritt eine Verringerung der Arbeitslöhne bei Ein» führung der Sonntagsruhe ein oder nicht? Ueber diese Frage wird soviel jetzt hin- und hergestritten, daß man nicht fehl mit der Annahme geht, daß fie auch den Hauptangelpunkt bei Berathung der Eonntaasaroeit in der nächsten Session deS Reichstags abgeben wird. W i r haben diese Frage immer ver- neint und unsere Ansichten noch in dem Leitartikel„Wunder- liche Heilige" Ul. in Nr. 206 deS Näheren ausgeführt. Hören wir, was die von uns in letzter Zeit oft zttirte Münchener Allgemeine Zeitung" darüber sagt:„Die Ueberzeugung, daß die Aufhebung der Sonntagsarbeit in den Betrieben, wo solche bisher üblich war, für den Arbeiter einen dem Zeitmaß ent- sprechenden Lohnausfall zur Folge haben werde, wurde bekannt- lich mit besonderer Lebhaftigkeit vom Reichskanzler verfochten. Dagegen haben, soweit sich Arbeiter in Versammlungen bisher hören ließen, diese stch ausnahmslos für die obligatorische Sonn- tagsruhe erklärt und mehr oder weniger dirett ausgesprochen, daß dieselbe eine Lohnreduktion nicht zur Folge haben werde. Einen sicheren Beweis, welche Anficht richtig ist, wird auch die Zukunft nicht erbringen, denn es wird sich, angenommen z. B. der Lohn sinkt nach Einführung der strengen Sonntagsruhe in einzelnen Betrieben, immer noch fragen, ob eS durch dieselbe oder nur nach derselben geschehen ist. Wahrscheinlich liegt die Wabrbeit in der Mitte. Zunächst wird wohl der Lohn, welcher für die Sonntagsarbeit gezahlt wurde, einfach gestrichen werden; ic mebr aber der nun verbleibende Lohn dem Existenzminimum sich nähert oder gar unter dasselbe herabgeht, desto eher ist an- zunehmen, daß der Lohn für die frühere Sonntagsarbeit zum größeren oder geringeren Theile den Taglöhnen wieder zu» wachsen, die Gesammtlöhne also keinen großen Ausfall erleiden werden. Auch wenn ein Ausfall übrig bleibt, so wird derselbe theilweise aufgewogen durch anderweitige nützliche Arbeiten, die am Sonntag vorgenommen werden können, z. B. durch Haus» Haltungsarbeiten der Fabrikarbeiterin, und schließlich ist der sanitäre Werth des Feiems am Sonntag ein kleines Opfer an Arbeitslohn werth. Jedenfalls kann, falls die Arbeiter mit großer Uebereinstimmung die Sonntagsruhe fordem, trotzdem vaß fie vor dem Ausfalle des Lohnes gewarnt worden find, späteren bezüglichen Klagen mit der Erwiderung: Ihr habts- gewollt, entgegengetreten werden."— Momentan also kann und wird der Lohn, wenn die SonntagSarbeit verboten wird, etwas geringer werden, dann aber tritt, wie hier auch die „Allg. Ztg." zugiebt, das sogenannte„eheme ökonomische Lohn» gesetz" in Kraft, welches nicht leidet, daß der Lohn dauernd unter das gewohnheitsmäßige Existenzminimum herabgeht, ebenso wenig, als der Lohn dauernd über dasselbe hinausgehen kann. Man sieht aber, daß die ökonomischen Wahrheiten sich. immermehr Bahn brechen. Das„Volkswohl", Organ des„Zentralvereins für das Wohl der arbeitenden Klaffen", sagt in einem Artikel:„Wo die Arbeiter schlecht gelohnt werden, schlecht essen, schlecht wohnen, schlecht gekleidet find, da werden sie in der Regel der Branntweinschenke verfallen, während fie bei auskömmlichen Löhnen in der Regel, Ausnahmen abgerechnet, vor diesem Schicksal bewahrt bleiben. Jeder wird in seinem Kreise die Belege für diese Thatsache finden und in Bezug auf die Leistungsfähigkeit der einen und der anderen Arbeiter seine Schlüsse ziehen können."— Hierzu bemerkt der„Korrespondent" recht zutreffend: Richtig! Aber wenn man die Ursachen er» kannt bat, sollte man auch zur Beseitigung derselben mehr als durch Vorschlag von Palliativmitteln beitragen. So lange jede Arbeiterverbindung, die sich die Besserung der materiellen Lage ihrer Angehörigen zum Ziele gesetzt hat, als„verdächtig" an- gesehen wird und demzufolge ihr allerlei Hindernisse bereitet werden, so lange kann von einer Besserung in dieser Beziehung keine Rede sein. Die„christliche Barmherzigkeit", auf welche man sich vielfach bei der Lösung der sozialen Frage beruft, wird nur sehr selten ausgeübt. Im Gegentheil treten immer mehr Fälle hervor, wo drese Barmherzigkeit gerade von den berufenen Personen nicht geübt wird. Hier em schlagendes Beispiel: Der 18jährige Dachdecker Louis Händel aus Ellrich hat wegen Dieb- stahls in Salzwedel Strafe verbüßt, ist erkrankt und erblindet. Die Prooinzial-Verwaltung hat seine Aufnahme in eine Pro» vinzial-Bltnoen-Anstalt mrt Rücksicht auf dessen Bescholtenbeit abgelehnt, und so ist der Stadtbehörde von Ellrich nichts weiter übrig geblieben, als den Händel vorläufig in Privatpfleg» unter» zubringen. Die Stadt stellte an den Kreistag das Anfinnen, die Kosten für die Unterbringung des Händel in die Äugen» Klinik zu Halle aus dem Kreiskommunalfonds zu bewilligen. Mittlerweile ist Händel gestorben.— Also es begeht ein jugend» Itcher Mensch unter 18 Jahren einen Diebstahl, er wird ver» urtheilt und verbüßt seine Strafe. Nach breser Buße erblindet er. Die Verwaltung der Provinzial-Blinden-Anstalt versagt diesem unglückliche� jungen Menschen die Aufnahme, nach einer Augen-Klinik wird er auch nicht gebracht und stirbt nun in sogenannter Privatpflege! Himmel über diese christliche Barm- bcrzigleit, über diese Behandlung eines„verlorenen Sohnes"! Uno so will man soziale Schäden heilen, so will man die Kluft überbrücken zwischen den Armen und Elenden und den Reichen,. den Herrschenden? Die Harmonie zwischen Unternehmern und Arbeitern zeigt sich auch bei dem Tischlerstreik zu Dessau, der noch nicht beendet ist, in vollem Glänze. Die Tischlermeister haben nämlich beschlossen, in keinem Punkte den Forderungen der Gesellen nachzugeben,„um für alle Zeiten den Streiks vorzu« beugen". Die unverheiratheten Gesellen haben die Stadt ver» lassen. Die verheiratheten aber, die in Dessau wohnen, kommen, wenn der Zuzug nicht fern gehalten wird, in arge Roth, da die Meister ferner beschlossen haben, keinen der stteikenden Ge- sellen wieder in Arbeit zu nehmen. Die Erbitterung über diesen Beschluß ist groß. Der Wirkerverband zn Apolda bereitet eine Petition an den Reichstag vor, in welcher um Abschaffung der Sttäf- lingsarbeit in den Ettafanstalten ersucht wird. Eine gleiche Petition ist schon von der großherzoglichen Etaatsregieruna abschläglich beschieden worden. Es handelt stch bei diesen Petitionen hauptsächlsch um die Strafanstalt Ichtershausen. Dort beschäftigt auch eine Berliner Firma eine Anzahl von Ettickmaschinen. Ueberstunden. Die von schweizerischen Industriellen in einer Untersuchung über Arbeilewerhältniffe und Arbeiter- leistungen geäußerte Anficht:„daß bei Ueberstunden oder Nachtarbeit nichts herauskomme, daß die Leute zuweilen am Tage absichtlich schlechter und langsamer arbeiten, um nur Ueberstunden zu haben und daß auch Heizungs- und Beleuch- tungskosten dabei in Anschlag zu bringen seien", wird dem „Volkswohl" auch von anderen Seiten bestätigt. Leute, welche wissen, daß Ueberstunden in einem Hause oder einer Fabrik üblich find, richten ihre Arbeit am Tage einfach danach ein. Aufmerksame Hausfrauen haben schon längst beobachtet, daß Scheuerfrauen, welche über den Feierabend hinaus arbeiten sollm und dafür Vergütung erhalten, gewöhnlich in den letzten Stunden die Arbeit so hinauszuzögern wissen, daß gewiß noch Ueberstunden übrig bleiben. Weit rascher und besser pflegt überall da gearbeitet zu werden, wo eine feste kürzere Arbeits- ze,t üblich ist und wo eventuell bei rechtzeitiger Beendigung größerer Arbeiten den Betheiligten noch ein Zuschuß in Aus» ficht gestellt wird, den der Arbeitgeber sonst unter beständigem Aeraer über die Langsamkeit der Leute auf Ueberstunden ver» wendet."— Im Allgemeinen ist diese Anschauung bei Scheuer» frauen u. s. w. wohl richtig. Bei dem regelrechten Fabrikbetrieb aber trifft sie nicht zu. Die Ueberstunden find aber deshalb für die Arbeiter so gefährlich, weil fie die Arbeits- kraft schneller vernichten und weil eine Anzahl tüchtiger Arbeits- kräste dadurch auf die Straße geworfen werden. Ueberstunden helfen die Vagabondage schaffen. Aus Warschau wird mitgetheitt, daß auf dem Gebiete der Fabrikindustrie sich die Lage zu bessern beginnt. In Lodz haben die Fabrikanten derartig bedeutende Bestellungen von den russischen Händlern erhalten, daß fie nicht nur vollauf be- schästigt sind, sondern auch weitere Bestellungen nicht anneb- men können. In Folge dessen find die Preise gewisser Manu- fatturwaaren- Gattungen gestiegen. Auch die Tuchfabriken haben gesteigerten Absatz, da sie in Folge billigen Wolleinkaufs die Preise besonders für geringe Gattungen herabsetzen.— Durck hohe. Schutzzölle, in diesem Falle Kampfzölle, hält die russische Regierung die deutschen Fabrikate von ihren Grenzen fern und KMW T," langst befürchtete Streik in der Maschinenfabrik von Armstrong in Elswich— nicht zu verwechseln mit der Kanonenfabrik, wo auch gestreift wird— ist ausgebrochen; 5000 Arbeiter haben die Arbeit niedergelegt. Als Grund wird angegeben, daß die höheren Angestellten die Arbeiter inhuman behandelten und Einrichtungen zum Schaden der Arbeiter ge» troffen hatten. Theater. Opernhau». Heute: Die lustigen Weiber von Windsor. Morgen: Flick und Flock. Schauspielhau». Heute: Der Wintelschreider. Morgen: Der Waise von Lowood. Deutsche« Theater. Heute: Prinz von Homburg. Morgen: Der Hexenmeister. Kriedrtch.WilheltnstSdttsche« Theater. Heute: Der Arohmogul. Morgen dieselbe Vorstellung. Restdenz-Theater. Heute: Theodora. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Wallner-Theater. Heute: Papaaeno. Morgen: Dieselbe Vorstellung. velle-Alltauee-Theater. Heute: Mädchen-Allufionen. Morgen dieselbe Vorstellung. Walhalla-Operetteu-Theater. Heute: Die Glocken von Comeville. Morgen dieselbe Vorstellung. Central-Theater. Alte Jakobstraße 37. Direktion: Adolph Emst. Hnite: Zum 36. Male: Die wilde Katze. Gesangiposse in 4 Akten von W. Mannstädt, Mustk von G. Steffen«. Louisenstädtische« Theater. Direktion: Jos. Firman«. Heute: Die Jüdin. Morgen: Das Nachtlager von Granada. Ostend'Theater. Heute: Kabale und Liebe. Morgen: Egmont. Viktoria-Theater. mte: Meffalina. orgen: Dieselbe Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße Nr. 15. Sonntag, den 6. September 1885: Zum 1. Male: Dtt SMmßkus ll«i> sei»e Kapelle. Volksstück mit Gesang in 5 Akten von R. Kneisel. Entree 30 Pf. Bon« haben GUttgkeit.[2076 Morgen zum Wiegenfeste wünschen H. Richtern wir daS Best«. Die Kollegen von W.Böhme, wo er fich ausschließt ganz alleene. Lege ab nun diesen Zwang und sei in Zukunft mang uns mang. Allen Freunden und Bekannten und meiner werthen Nach» BU.''««dAairisch.Merk-kaü Herrn liiewal«, Frankfurter Allee 143. älUii Freunden und SeKanuteu, besonders meiner werthen Nachbarschaft empfehle mein He» stlUtstlons-l,ol£sl, verb. mit Frühstücksstube und' Billard. 2074] Zahlstelle der Drechsler-Kranken- und Eterbekaffe. A. Mönch, Alexanderstr. 25, nahe der Blumenstr. Nach allen Leiden habe ich mein Restaurant nach der Reichenbergerstraße 2 verlegt. Ww. Conrad«.[2077 Zur bevorstehenden Wintersaisou empfehle meine vorjuglicher Az-, Double.:. Holzschuhe. Pautiue« iiÄe« Sröjje».[2m G. Geyer, so., Mariannenstraße 10, SO. IColi-Taliak. 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Eevtember Ein offizielles Telegramm von •kn Jßh'lippinen meldet die Ankunft des Dampfesan Quin- jn daselbst, welcher von der Insel Aap kam und die Nachricht uberb-achte, daß der Dampfer„Manila" am 24. August Abends r* Besetzung der Insel vorbereitete, als ein deutsches Kanonen- «oot eintrat, Adenbs 7 Ubr deS genannten TageS Mann- Masten ausschiffte, die deutsche Flagge aufhißte und die Insel w Namen des Deutschen Reiches besetzte. Angestchts dieser Sfitiachen legten die Kommandanten der spanischen Kriegs- Wffe P lotist ein.— Der spanische Marineminister hat tele- Phisch den Gouvemeur von Aap, Capriles, sowie den »Mandanten der spanischen Kriegsschiffe abgesetzt und den ieß gegen sie angeordnet. L.— Madrid, 4. Sept. Heute Abend 10 Uhr wurde auf T bekannt ge cordene Flaggenhissung auf der Insel Uap durch �» deutsche- Schiff die deutsche Gesandtschaft durch Volks- A?ffen angegriffen, Fenster eingeworfen, das Wappen zerstört. � Polizei war zu schwach und mußte einen Gefangenen wieder herausgeben.— Einer späteren Nachricht zufolge fanden w-hrere Verhaftungen statt. v Ein feineres Telegramm vom 5. September meldet: In % Provinz Cadix rottete stch aestem ein Hause von etwa r" Sozialisten unter bem Befehl des Schmugglers Tucrta zu» wmmen und rief:„Es lebe Zorilla!" Nach sechs Stunden Mren die Anführer genöthigt, vor der feindlichen Haltung der ?ei>ölkerung zurückzuweichen.— Nach unserem Wiffen ist Zorilla mn Soziallst und es läßt fich daher kaum annehmen, daß es �szialisten waren, welche für ihn�aufgetreten find. I..... der Zioilliste des Königs und über die Frage verhandelt ?urde, ob und in welcher Form die Angelegenheit vor den «ndtag gebracht werden könne. Ein Beschluß scheint nicht »Kaßt worden zu sein. Die Besprechungen der Minister seien ° � Könige selbst veranlaßt worden. Der Landtag ist offiziell ™ Dienstag, 29. September, einberufen. g.Frankfurt a. M., 4. September. Einer der verhaftetm Mländer, der Anwalt Wragg, hat auf den Rath des engli- Mr Botschafters in Berlin nach einer Unterredung mit dem- Mi» am 28. August seine Erlebnisse in der vom englischen Zesrtz vorgeschriebenen Form vor dem Konsul in Frankfurt zu Protokoll gegeben und beschworen. Diese Deklaration ist dem Nwärltgen Amte in Berlin sofort zugestellt worden. Dazu »Merkt dre„Franks. Ztg.": Wir gehen wohl nicht fehl in der ZMahme, daß wir die jetzt vorliegende Darstellung der hiefigen «oiizei auf eine Anweisung von Berlin aus, fich über die Mroerde und Deklaration der Engländer zu äußern, rühren. Dann hätte die Polizei nicht dem eigenen Triebe, einem anderen Umstände gehorchend, endlich das Wort G r o tz b r i t a n u i e«. Jn der bereits erwähnten Angclegenbeit über die angeb- iC i p» y. w— i oe � rCti�c�. QT 4«*«»»4»v»- augenblicklich ähi'i�Unbelwoß), Mittwoch Abend. Die Verhaftung der Jarret ist ein ähnliches Stückchen, wie die amtliche fcMgung der Zeitungsverkäufer in den Straßen durch den �»»fflolt. Ich bin allein verantwortlich. Rebekka Jarret Sj.�ur meine unwillige Agentin. Ich kehre mit dem ersten qZNiuge zurück, um die alleinige Verantwortlichkeit für die Äij./'roe Entführung zu beanspruchen und, wenn verurtheilt, % Bestrafung zu fordern. Inzwischen freue ich mich iich»ble mir in dieser Weise gebotene Gelegenheit, um öffent- � Vorgehen der geheimen Kommisfion zu rechtfertigen." bttr Ji. klingt ganz gut, aber unerklärlich ist uns, warum der Stead das Madchen chloroformiren ließ. War denn das Kerliner Kottvtagsplattderei. Sobald der Stralauer Fischzug vorüber ist, be- .lUr den Berliner der Herbst. Hiergegen giebt es kein [3« jeder Hinweis auf die chronologischen Einrichtungen ch Senders ist vergeblich, mag die Sonne nach so freund- �°>n blauen Himmel herabsehen, es hilft nichts, nach � Fischzug beginnt der Herbst, und jeder Spree- ls wird den sogenannten„Altenweibersommer" zwar Z, angenehme Beigabe betrachten, aber zum wirklichen gehört derselbe ebensowenig wie ein Festesien zum et 1 Z. wenn es nun wenigstens einen Altenweibersommer �.«ber der Herr, dem die ordnungsmäßige Vertheilung �'che AAzs�berttagen ist, scheint sich eine �geradezu , cv e8 Sommers betrügen. 1•dftzet'em Söhre scheinen wir wirklich um den Spät» •ahn üf,�U �mmen, denn eine einzige Fahrt mit der Stadt- �erbs..erzeugt uns davon, daß wir uns schon tüchtig im � rm�nden. UcberaU färbt sich da- Laub .W es vor sich her über die Stopp«,».v»,.... Wochen wird es dauern, und die rothea V.---- v._ j_ iu,. bereits gelb, n, ° werden in ihre Remisen ge,. ?ihr �"sauren Zungfrauen werden kein edles Naß Q,"wtt" und„ohne" verschänken, sie werden chlixs, sie es nicht vorziehen, ihre Buden gänzlich zu �- eivii» k nTJain„uf h«, mehr«nfFim�nhin«, mie nothwendigen wie ' �wzig und allein auf de» mehr äi� yesiungso erkauf beschränken. ' thun ,w>t allerdings werde« sie ja vor der Hand genug e». Täglich sehen wir hier in Berlin neue � erfttk," Entstehen, ein wahres Wettlaufen unter allen Fitten ln n„ Leuten findet statt, Zeder ist bestrebt, dem /Mn w n.9ian9 abzulaufen. Aber wie auf allen Ge- «>» b«. �wthschaftlichen Leben» die übertriebene Schnellig- �ch hler"ng dem Produkt selbst nur schadet, so ist für die moralischen Zwecke, die Herr Stead angeblich verfolgt, nothwendig? Die Geschichte ist sehr dunkel! ßakale». r. Der Kampf gegen da» Louitthum. Eine der merk- würdigsten Erscheinungen auf dem Gebiete der Rechtspflege ist die Interpretation gewisser allgemein rechtlicher Bestimmungen beim Hervortreten einzelner oder mehrerer zeitweiliger Erschei- nungen, die als eine Belästigung, eine Rohyeit, oder als wider die guten Sitten verstoßend, dezeichnet werden. Der Straf. richter wird angerufen, der Staatsanwalt bringt eine geistreiche Interpretation irgend eines Ettafgesetzes- Paragraphen, die Strafkammer aber kann fich zu dem kühnen staarsanwaltlichen Ideenflüge nicht erheben, fie spricht frei; die Sache geht an's Reichsgericht, und hier findet die staatsanwaltliche Auslegung des Gesetzes volle Anerkennung: ein Präjudiz ist geschaffen, das zwar nicht mit der gleichen Bedeutung, aber mit der vollen strafrechtlichen Wirkung wie daS Etrasgesetz ausgestattet ist. Derartige Erscheinungen haben fich im Laufe der letzten Jahre gerade m Berlin in größerer Anzahl gezeigt, und die neueste derselben ist die Stellungnahme des Reichsgerichts in dem so- enannten Kampfe gegen daS Louisthum. Seit längerer Zeit on hatte der„Deutsche Verein zur Hebung der öffentlichen Sittlichkeit" eine gesetzliche Bestimmung angestrebt, mittelst deren es ermöglicht werden sollte, den Zuhältern entschiedener, als dies bisher möglich war, straftechtlich entgegen zu treten. Man wird wohl annehmen dürfen, daß ern solcher Verein die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen auf das Ein- gehendste prüft und jede seinen Zwecken dienende Auslegung versucht. Die bestehenden Vorschriften deS Strafgesetzbuches schienen nach der Meinung des Vereins keine genügende Hand- habe gegen daS Zuhälterthum zu gewähren und namentlich die Strafbestimmungen gegen daS Verbrechen und Vergehen der »ÜB! ----'— n k.. r.«...___ klar und beutlich gegen bas Zuhälterthum gerichtet wäre, so würde es dieser rmmerhin etwas künstlichen Interpretation des Kuppelei- Paragraphen durch das Reichsgericht nicht bedurft haben.— Daß das gefährliche Zu- Hälterthum an fich von uns ebenso entschieden verurtheilt wird, als von irgend einer andem Seite, brauchen wie wohl nicht noch zu verfichern, wenn auch unsere Anfichten über dessen Entstehung und Ausrottung andere sein mögen, als die der Herren vom Reichsgericht und vom deutschen Ver- ein zur Hebung der öffentlichen Sittlichkeit. Was für uns aber in dieser Sache ganz besonders interessant ist, daS ist die Stellung der Strafgerichte in dieser Frage, die es keiner Partei recht machen. Es zeigt stch hier die ganze Gefährlichkeit einer Rechtspflege, die zufällige, zeitweilige und lokale Erscheinungen unter die allgemeinen Gestchtspunkte zu subsumiren sucht, bei deren Feststellung kein Mensch eine solche Anwendung ahnen konnte. Durch diese Art der Rechtspflege setzen fich unsere Gerichte im höchsten Maße der Gefahr aus, in das Fahrwasser einzusehen..________ gegen unsere Justiz nach dieser Richtung hin, und angestchts der Reformbestrebungen auf dem Gebiete der Justizgesetzgebung, schien uns die Stellungnahme der Justiz im Kampfe gegen das Louisthum ganz besonders erwähnenSwerth. i. Ein eigenthiimliches Mittel, seinem Sohn den un- erlaubten Theaterbesuch zu verleiden, hat ein in der Chaussee- straße wohnender Fabrikbefitzer angewendet. Der Sohn, ein hoffnungsvoller Sekundaner, fühlte, durch Romanlektüre und durch fernen Hang zur Schwärmerei veranlaßt, seit einiger Zeit iu etwas Höherem in fich, und wollte durchaus illen seiner Eltern, und obwohl er ganz ohne den Drang gegen den u Talente war, Schauspieler werden. Durch Der Konkurrenzneid allerding« spornt gewisse Leute zu unerhörten Anstrengungen an, und wer heute die Spalten der Tageszeitungen ernsthaft auf ihren Inhalt prüft, der wird ohne besondere Schwierigkeiten bemerken, daß neben dem professionsmäßigen literarischen Diebstahl nur noch der höhere Blödsinn kultioirt wird. Doch das ist nicht bei allen den neugegründeten Blättern der Fall. Man weiß, daß hier eine Zeitung entstanden ist unter der Aegide deS ManveS, den Be» kanntlich eine gußeiserne Sttrn ziert, der sich aber feige duckt, wen« er zur Rechenschaft gezogen wer- den soll. Vv|v*w*(«- v»•» wy--- I/ I/—-——/ tölbelhafte Grobheit, durch flegelhaste Rüpelei und allerdings — in dieser Beziehung macht eS seinem Herrn und Meister alle Ehre. ene Eigen, ltzllsl vuru,»«rvrn zu,|V ronnte vom Geschmack überhaupt füglicher Weise Abstand genommen werden. ES geht auch ohne diese«, und wo man nichts mehr zu sagen weiß, wird man einfach lümmelhaft. DaS ist probat. Wie wenig aber da« Erscheine» einer so gespannt er- warteten Zeitung trotz de« klägliche« FiaSkoS auf das Leben Einfluß ist, ersieht man am besten dar- 1er sich mit altgewo n oes ,, JTCTCU y----— f—-—-------- derselben Aufmerksamkeit dem papiernen Ungethüm folgen, wie die ehrbaren Besucher der Moore'schen„Musik-Akademie" dem Gesänge d a;— r.a-— Pigantelli laus che» Thatsache|_—, wichtig ist eS, daß heute der„billige" Sonntag im zoolo- gischen Garten ist, denn demjenigen, der seine Menschen- kenntniß erweitern will, bietet diese» Institut ein reiches Studienfeld. Die Bettachtung eines noch in den Flegel- eine» Freundes war eS ihm gelungen, bei einem hiefigen Theater als Statist mitzuwirken, und anstatt seine Freunde zu besuchen, wie er allabendlich vorgab, mimte er auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Sein üppig-S Lockenhaar bot dem Theaterfriseur zu den seltensten Fnsuren stets Veranlassung. Zum Gelächter seiner Schulkameraden erschien Max B. gestern plötzlich vollständig kahlköpfig in seiner Klaffe. Der eranmmte Vater hatte, als er hinter die Schliche seines Sohnes gekommen, zu einem probaten Mittel gegriffen und dem jungen Helden vie Haare bis auf die Wurzel abschneiden lassen. Mit Frisur und Spiel soll eS vorläufig vorbei sein. th. Unkenntnist der Gesetze schützt bekanntlich nicht vor Strafe und eS ist demzufolge wohl nur eine billige Forderung, von einem gewissen Zertpunkte ab die Gesetzeskunoe zum Lehr- gegenstände in den Schulen zu machen, damit die in das öffent- liche Leben tretenden jungen Staatsbürger, ausgerüstet mit der für das praktische Leben nothwendigsten Kenntmß der Gesetze, einerseits gewissermaßen auf ihrem ersten Lebensgange nicht gleich in unliebsamen Konflikt mit den bestehenden Gesetzen kommen, andererseits aber auch in der Lage find, fich gegen ungesetzliche Uebergriffe in die ihnen zustehenden Rechte zu schützen. Das ganze öffentliche Leben bafirt auf Rechtsverhält. nissen und das allgemeinste, jeden Einzelnen berührende, ist das Miethsverhältniß, d. h. das Verhältniß zwischen Ver- miether und Miether resp. Astermiether, über welches noch viel- fach Unklarheit herrscht. Um den Vermiether vor betrügerischen Manipulationen resp. vor Verlusten zu schützen, ist rhm be- kanntlich das Retentionsrecht, d. h. das Pfand- oder Faustrecht an den eingebrachten Sachen des Miethers gewährleistet. Der Miether haftet demzufolge für die ganze Dauer des abge- schloffenen Miethsvertrages für die Forderungen deS Ver- miethers mit seinen eingebrachten Sachen, jedoch nur mit denen, k.?. w,!__»1-2 rc.'---- ir« w W«r"'--— sondern das der Ehemann auch verpfänden und selbst ver- äußem kann. Ausgenommen hiervon ist jedoch das vorbehaltene Vermögen der Frau(Kleider, Wäsche und Schmuckgegenstände oder sonstige durch Ehekontrakte bestimmte Objekte), welches auch nicht dem Pfandrecht des Vermiethers unterliegt. Das Pfandrecht beginnt mit dem Augenblicke wo die Sachen in das Haus des Vermiethers gelangen und erlischt, sobald fich die Sachen nicht mehr auf dem Grundstücke befinden. Das Ent- fernen der Sachen gegen den Willen des Vermiethers, das sogenannte„Rücken" ist eine strafbare Handlung, welche ge. richtlicher Ähndung unterliegt. Das Pfandrecht kann nur geltend gemacht werden für Forderungen, welche aus dem Miethsvcrtrage entstehen, also für Miethe, Ersatz für Beschädt- gungcn u. d. m., nicht aber für anderweitige Forderungen, eine Bestimmung, die besonders wichtig für Vermiether an Chambregarnisten und Schlafburschen ist, in welchen Fällen ____.—,— tfchi—-,... häufig das Logis zugleich mit Kost, Aufwartung und Wäsche vermrethet wird. Das Gesetz trennt aber die Miethsforderung von den anderen Forderungen, für welche das Pfandrecht nicht geltend gemacht werden kann. Ein wichtiger Punkt ist der, wie weit das Pfandrecht ausgedehnt werden darf, und bestimmt daS s.r. CY)——---- 1"— r.**.*■*. Belang ist, bei kleinen Wohnungen indessen, die oft kaum das Notwendigste enthalten, selten in Betracht kommt. Jedoch spielt hier die Frage mit hinern, was unter„Noth. wendigstes", was nach dem Allgememen Landrechte von der gnicht 1 die Anficht vertritt. d(g der Mieyec dem Vermrethcr achen haftbar ist, indem es in wmmm --------,------ V• V VV die Benutzung der Wohnung nicht verweigem, es sei denn auf Grund einer zu seinen Gunsten entschiedenen Exmissionsklage. Die Peräußerung der gepfändeten Gegenstände kann selbst- jähren stehenden Gorilla gehört zum Instruktivsten, was sich denken läßt. Daß die gütige Nawr in ihrem Schönheit«- dränge auch zu massiven Scherzen ausholt, davon legt das Rhinozeros Zeugniß ab. Sein Blick ist gramvoll, e« sehnt sich wohl auch in die Ferne, nach den zarten Fesseln zurück, in denen e« dort geschmachtet; welches Ungeheuer man auch im Leben geworden, einmal ist man doch jung gewesen. Dasselbe gilt auch von den Schlangen. Es muß übrigens der Wahrheit gemäß konstatirt werden, daß dieselben keine Kostgänger de« Rep- tilienfondS sind. Zedermann kann auch einer Fütterung der Raubthiere beiwohnen, deren Gesammteindruck entschieden effektvoller ist als der einer Stadtverordnetensitzung. Es haben nunmehr auch die Tempel der Kunst, in denen man da« menschliche Leben mit seinen Fehlern und Schwächen zur Darstellung bringt, ihre Pforten geöffnet. Möglich, daß das für solche Leute ein Ereigniß ist, die ihre Abende nicht bester hinzubringen verstehen, andere Leute bemerken im wirklichen Leben Komödien und Tragödien genug, man braucht ihnen dieselben wahrhaftig nicht erst noch mit Hilfe von Schminke und dergl. vorführen. Eine Komödie ist e« entschieden, wenn ein Herr, wie der Stadtverordnete Pickenbach behauptet, er wolle dasselbe wie die Vertreter der Arbeiterpartei: wer muß nicht herzlich über einen solchen Zrrwahn lächeln? E« ist das entschieden einer der besten Witze, an denen der Vorsitzende de« D. A. B. sonst doch so arm ist. Und eine Tragödie? Nun deren giebt eS genug, wir brauchen solche hier gewiß nicht aufzuzählen. Unter daS Tragikomische ließe sich gewiß der herbstliche Sport des MenschenanschießenS unserer Sonntagsjäger rechnen. Die vergangene Woche hat es wieder einmal bewiesen, daß diese Menschenfreunde nicht im Stande sind, eine Bauernfrau von einem Rebhuhn zu unterscheiden. So lange das Unter- scheidungSvermögen dieser Leute nicht besser ausgebildet ist, sollte man dieselben überhaupt nicht auf das Feld lassen, oder es müßte wenigstens freistehen, die Güte der Gewehre jener Herren'an deren eigenem werthen Hintertheile zu er- probe«. verständlich nicht ohne Weiteres erfolgen, sondern erst nach stattgehabter Einklagung der Forderung auf Grund eines richterlichen ErkenntniffcS. ?. Zu den Erinnerungen über die alte Mühlenanlage zwischen der Post- und Breite straße wird uns noch geschrieben: Die Mühlen gehörten zu den ältesten der Stadt. Urspiünglich waren fie Eigenthum der Landesherrschaft, von der ste im 14. Jahrhundert der Rath von Berlin erwarb. Kurfürst Friedrich il. nahm ste aber dem Rathe wegen einer Widersetzlichkeit im Jahre 1448 wieder ab. Zur Verwaltung der Mühlen und ihrer Ge- fälle wurden Wohnungen eingerichtet, woraus der Mühlenhof bestand, auf dem für den Hof das nöthige Bier gebraut, die Viebmast, Schlächterei und Bäckerei betrieben wurde. Die Mühlenhauptleute übten eine gewisse Jurisdiktton über das zum Mühlenhof gehörige Territorium, die Mühlenbauten und die Spree, und später über auswärtige, dem Mühlenhofe beigelegte Befitzungen, woraus stch endlich das Justiz- und Rentamt Mühlenhof bildete, das Anfangs stch in der Hand eines einzigen Beamten, des markgräflichen Küchenmeisters, befand. t. Die Wirkungen der Zucfer-Krifis machen stch nun auch in den weiteren Kreisen des Publikums bemerkbar. In vielen kleineren Kaufläden wird ein ganz entsetzliches Zeug als Stückzucker verkauft, das weder im Kaffee noch in anderen heißen Getränken löslich ist und von dem man das Vierfache der üblichen Quantität braucht, um die gewöhnliche Süßigkeit zu erzielen. Andere Sorten Zucker enthalten einen widerlichen, Uebclkeit erregenden Beigeschmack, der den Trinkenden lebhaft daran erinnert, daß bei der Zucker- Raffinerie Knochenmehl verwendet wird. Womöglich noch schlimmer fiehts mit dem Koch- zucker aus. Die betteffenden Herren Fabrikanten scheinen zu der Devise: ,, Billig und schlecht", als zu dem letzten Aus- fluchtsmittel ihre Zuflucht genommen zu haben. Im Reichstage drängten die Herren stets, die Regierung möge Bedacht nehmen, den Zuckerkonsum zu vermehren. Eine bessere Methode aber, den Konsum zu vermindern, kann es gar nicht geben, als diese Schundfabrikation. Erfahrungsgemäß ist für Berlin seit einer längeren Reihe von Jahren der Monat Juli für die Sterblichkeit der Kinder der gefährlichste, und zwar einerseits, weil die Durch- schnittswärme im Juli gewöhnlich die größte und diese speziell auf das Vorkommen von Darmkatarrhen und Brechdurchfällen vom größten Einflüsse ist, andererseits weil gleichzeitig verschie- dene andere Schädlichkeiten(wie unreifes Obst, durch die Hitze verdorbene und gcsundheitsgcfährlich gewordene Gettänke k.) gerade im Juli sehr häufige Veranlassungen zu Eterbefällen aller Art gewähren, die dann die hohe Sterblichkeit mit be- dingen helfen. Und zwar steigt fast immer die Sterblichkeit derart, daß um die Mitte des Monats der Kulminationspunkt der Sterblichkeit erreicht wird, der alsdann in der ersten Woche der zweiten Monatshälste meistens auf einer Höhe stehen bleibt und dann langsam herabstntt. Auch in dem diesmaligen Juli trat diese Erscheinung deutlich zu Tage. Bis um die Hälfte des Monats nahm vre Sterblichkeit zu, hielt sich bis zum 22. fast auf ihrem Maximum und sank dann, in diesem Jahre wegen der anhaltend kühleren Temperatur der letzten Julitage, welche die normale erheblich hinter stch ließ, sogar auffallend rasch, so daß fie zu Ende des Monats die normale Sterblich- keit nur relativ wenig überstieg. Es war deshalb die Säug- lingssterblichkeit auch in dem diesjährigen Juli eine etwas kleinere, als in dem Juli des vergangenen Jahres. Denn während in dem Juli d. I. im Ganzen 4050 Personen, darunter 2447 Kinder unter 1 Jahr— 60,4 pCt. starben, war das Verhältniß im Juli 1884 derartig, daß von insgesammt 4013 Gestorbenen 2498---- 62,3 pCt. im Alter von noch nicht 1 Jahr standen. Von diesen 2447 Säuglingen gingen in dem diesjährigen Juli 1799— 44,4 pCt. an den Sommerdiarrhöen zu Grunde, während die Zahl derselben im Juli vorigen Jcidres 1694— 42,3 pCt. der insgesammt gestorbenen Kinder ausmachte. Wie sehr die hohen Temperaturen der Luft das Auftreten dieser Diarrhöen und namentlich Brechdurchfälle beeinflussen, ist durch die Wetterbeobach- tung in diesem Jahre wiederum recht auffallend zu Tage getreten. Am 20. Juli stieg die Temperatur bis auf 29° C. und wies als Minimum die Temperatur von 17,1 Grad C. auf. Den 21. sank die Temperatur, das Maximum kam nur bis auf 21 Gr. C. Das Minimum sank bis auf 14,7 Gr. E. Am 22. sank die Temperatur des Morgens bis zu 9,7 Grad und hob stch Mittags bis zu 20,7 Grad C. Während nun am 20. und 21. 168 bezw. 152 Personen, darunter an jedem dieser Tage 104 Säuglinge starben, sank die Gesammtzahl der Ge- storbenen am 22.(der dem heißen Tage folgende Tag ist für die Todesfälle erst der Ausschlag gebende) auf 122, die der Säuglinge auf 69 und hielt sich mit geringen Schwankungen auf dieser Höhe bis zum 27. und sank dann, da die Temperatur in allen diesen Tagen bis zu Ende des Monats nicht mehr wesentlich anstieg, bald so, daß am 31. Juli nur noch 97 Todesfälle im Ganzen vorkamen, von denen nur noch 56 auf Kinder unter ein Jahr fielen. Es bleibt nur noch zu kon- staliren übrig, daß auch in diesem Monat die größte Sterb- Hchkeit wieder auf das Skalauer Viertel, die Rosenthaler Vor- Ein fliegexte Hotel. Wir befinden uns in einem allerliebsten Speisesaal, der mit dem vornehmsten Geschmack eingerichtet ist. Schwere türkische Teppiche bedecken den Boden und dämpfen den Schritt der geschäftig eilenden Diener. An den hohen Glas- wänden stehen zierliche Tischchen, die ein klassisches Ensemble von feinem Porzellanschüffeln, silbernen Aufsätzen und krystallenen Karaffen tragen. An diesen Tischchen, in kleine Gruppen aufgelöst, sitzt eine Gesellschaft, die mit sichtlicher Erwartung den kommenden Ereignissen entgegensieht. Der freundliche Herr, der neben dem mächtigen Kredenzttsche sein Hauptquartier aufgeschlagen hat, giebt den Dienern ein Zeichen. Sie verschwinden hinter einer Spiegelthür und kehren beladen mit den appetitlichsten Lasten zurück. Mit der gemessenen Behendigkeit von GarconS, die zu repräsen- tiren haben, serviren sie das Diner. Ein Menu, das offen- bar von einem wohlerzogenen Koch konzipirt wurde, zieht an uns vorüber. Das Diner ist keineswegs reich an unge- wohnlichen Genüssen; Alles aber, was unS geboten wird, trägt den Stempel der echtesten Provenienz und der ge- schmackvollsten Bereitung. Nach einer halben Stunde— denn man servirt mit systematischer Präzision— ist das Diner beendet. Ein Theil der Gesellschaft zieht sich in den Nebensalon zurück, wo geraucht und gespielt wird. Andere gehen um eine Thür weiter und finden einen mit FauteuilS und Divans reich versehenen Raum, wo sie ruhen können. Es würde uns schwer fallen, schreibt die„Wiener Presse", mit Genauigkeit anzugeben, wo sich das menschen- freundliche Institut, von dem wir eben gesprochen haben, in diesem Augenblicke befindet; denn wie schon der Titel unserer Beschreibung sagt, handelt es sich um eine Anstalt, die kein festes Domizil hat, sondern jahraus jahrein durch die schön- sten Städte Europas fliegt. Diese Anstalt hat den Namen: „Restaurationswagen der Internationalen Schlafwagen- Kompagnie." Seit einigen Tagen verkehrt dieser Wagen auch auf zweifeln nicht, daß die neue Einrichtung eme kleine Um- stadt und auf die Louisenstadt diesseits der Spree entfällt, während Berlin-Kölln-Dorotheenstadt und die Friedrichstadt die geringste Sterblichkeit hatten, denen sich die Schöneberger Vor- stadt und das Spandauer Viertel anschlössen. Ueber die Entzündlichkeit des Petroleums. Bekannt lich enthalten gewisse Petroleumsorten Bestandtheile, deren Vor- handem'ein gerade in der letzten Zeit viel Unglück verursacht bat. Der Gehalt an solchen Gasen ist in verschiedenen Staa- ten, als Frankreich, England, Oesterreich, Italien u. s. w., bereits durch Verordnungen geregelt. Im deutschen Reichsgesetze wurde im Jahre 1883 festgesetzt, daß Petroleum als feuerge- fährlich zu betrachten sei, wenn es bei 760 Mm- Barometerstand schon durch eine Erwärmung von unter 21 Grad Celsius entzündlich ist. Das Petroleum besteht nicht nur aus einer einzigen chemischen Verbindung, sondern aus einer ganzen Reihe von Knhlenwasserstoffm, die vorwiegend der Paraffinreihe an gehören, deren erstes Glied das sogenannte Grubengas ist, dessen Gemenge mit Luft bei Entzündung die furchtbaren Ex- plostonen in Kohlenbergwerken verursacht. Je koblenstoffärmer diese Kohlenwasserstoffe find, desto leichter flüchtig find sie und desto leichter entzünden fie fich bei der Annäherung einer Flamme. Je reicher anKohlenstoff fie find, destoflüsfiger, fester und desto schwerer flüchtig weiden fie. Das Rohpetroleum muß unter allen Um- ständen, soll es als Leuchtpettoleum verwendet werden, einer Reinigung unterzogen werden, welche ihm die leichtflüchtigen Bestandtheile wegen der großen Explofionsgefahr entzieht, die festen und dickflüssigen Bestandtheile aber deshalb entfernt, weil fie wegen ihres hohen Kohlenstoffgebaltes auf Lampen gebräuchlicher Konstruttion nicht verbrannt werden können. Die Raffinirung, die sogenannte„frattionirte Destillation", liefert als Nebenprodukte: Pettoleum-Äether, Gasolin, Benzin, Putzöl. Bei einer Temperatur von 300 bis 450 Grad können Paraffin und Vaselin gewonnen werden. Durch Behandlung mit kon- zentrirter Schwefelsäure, alkalischen Laugen und Wasser wer- den noch verschiedene unreine Beimengungen beseitigt. Der „Testpunkt", der Puntt, bis zu welchem erwärmt Mineralöle, die zu Beleuchtungszwecken dienen, sich nicht entzünden dürfen, ist für das Deutsche Reich 21 Grad Celsius, für Oesterreich 30 Grad Celsius, für Frankreich 35 Grad Celsius, für Schweden und Dänemark 40 Grad Celsius, in Newyork 43.33 Grad Celsius(110 Grad Fahrenheit). Der Privatlehrer G. wurde von der Kriminalpolizei am 4. d. M. wegen versuchten Betruges festgenommen. Derselbe will eine elektro- magnetische Maschine erfunden haben, durch welche fich mittels eines kleinen Magneten auf 20 Jahre eine Kraft von 28 Pferdekräften erzeugen laßt. Um diese Erfindung zu verwerthcn und einen Gcldmann zu finden, hatte fich der- selbe Atteste, Inhalts deren ihm fabelhafte Summen zur Ver- sügung gestellt wurden, angefertigt und mittels einer Hand- druckmaschine folgende Unterschrift hergestellt:„Geheime Kanzlei des Erlauchten Kollegs der Fürsten Deutschlands." Da der fnhalt dieser Schriftstücke und das sonstige Benehmen des G. weifel an seiner geistigen Zurechnungsfahigleit erregten, so wurde derselbe durch einen Bezirks-Phyfikus untersucht, durch dessen Gutachten die Annahme geistiger Gestörtheit(Größen- mahn) bestätigt wurde. G. wurde deshalb der königl. Charit-- überwiesen. L Der phänomenale Kall, daß ein Blindgeborener zum Abiturienten- Examen zugelassen wird, dürfte fich in diesem Jahre an der Sophien-Realschule in der Eteinstraße ereignen. Allerdings handelt es stch hier um einen jungen Mann von seltenen Fähigkeiten, sodaß die ausnahmsweise Zulassung des blinden Prüflings immerhin gerechtfertigt erscheint. Wie sehr entgegenkommend fich übrigens selbst die Regierung in diesem Ausnahmsfall zeigt, geht auS einem Reskript des Kultusmi- nisters Herrn von Goßler hervor, das den in Rede stehenden Examinanden, wie natürlich, von den schriftlichen Arbeiten ent- bindet. Die gesammte Lehrerschaft der betreuenden Realschule steht dem Ausfall des Examens mit gespanntem Interesse ent- gegen und allgemein wünscht man dem„blinden Abiturienten" viel Glück! Ueber einen nichtsnutzigen Bubenstreich wird folgen- des mitgetheilt: Als am 31. Juli d. I. die in der Liesenstraße wohnende Witlwe H. die zu ihrem Hühnerstall führende Leiter betrat, zerbrach eine Sprosse, so daß die H. herunterfiel, ohne jedoch Schaden zu nehmen. Wie die Besichtigung der Letter ergab, war die Sprosse derartig eingesägt, daß ste beim Be- treten zerbrechen mnßte. Eine Woche später wurde wiederum eine Sprosse eingesägt gefunden. Wie fich jetzt herausgestellt hat, ist der nichtsnutzige Streich von einem in demselben Hause wohnenden Schlächterlehrling B. verübt worden. Der Maurer W. Moser war am 1. d. M. aus Küstrin hier angekommen, um Arbeit zu suchen. Er war früh um 8 Uhr auf dem Zentralbahnhofe an der Friedrichsttaße einge- troffen und hat fich von dort über die Weidendammer Brücke entfernt und in einer an der Friedrichstraße links abgehenden Sttaße stch nach einem Schankkeller begeben, um dort Kaffee zu trinken. Nach etwa viertelstündigem Verweilen hat Moser stch wieder entfernt, nachdem er bei dem Wnth eine Holzkiste zurückgelassen, welche sein gesammtes Handwerkszeug, seinen wälzung in den Reisegewohnhetten des Publikums nach sich ziehen wird. Denn die Benützung der Restaurationswagen ist nicht etwa das Monopol einer mit besonderen Glücks- gütern gesegneten Menschenklaffe. Jeder Reisende, welcher die Kourierzüge benützt, und nur bei solchen verkehrt der RestaurationSwagen, hat das Recht des Eintrittes. Nur wenn der Wagen überfüllt ist, haben die Reisende« erster Klaffe den Vortritt. Diejenigen, welche im RestaurattonS- wagen ihre Mahlzeiten halten, haben außer den Preisen für Speisen und Gettänke keine andere Vergütung zu leisten. Die Preise sind mäßig und übersteigen keineswegs die üblichen Preise der Bahnhof-Restaurationen(Diner mit vier Gängen und Dessert 1,50 Fl.). Wer sich aber mit den An- nehmlichkeiten begnügt, welche nur der Aufenthalt im Wagen gewährt, und wer auf die wirkliche„Restauration" verzichtet, hat ein Kouponbillet für 30 Kr. zu lösen, welches ihn be- rechtigt, eine gewisie Sttecke lang den Wagen zu benützen; ein lächerlich geringer Preis, wenn man bedenkt, daß die ganze Linie Wien-Budapest in drei Kouponstrccken getheilt ist, so daß ein Reisender zweiter Klaffe mit der Aufzahlung von 90 Kr. von Wien bis nach Budapest ununterbrochen den Restaurationswagen benützen kann. Wer viel reist, wird sich nicht lange besinnen, das kleine Opfer für die Erhöhung der Bequemlichkeit zu bringen. „Der Restaurationswagen verhält sich zum gewöhnlichen Eisenbahnwagen wie die elekttische Glühlichtlampe zur Pettoleumlam.pe", meinte ein ungarischer Kollege, der gestern mit uns den Wagen besichtigte, und der Vergleich ist treffend nach jeder Richtung hin. Der RestaurationSwagen bedeutet einen plötzlichen, aber be- deutenden Fortschritt des Eisenbahnwesens, und wenn nicht alle Anzeichea ttügen, so ist ihm eine große Zukunft beschieden. Der Reisende, der sonst mit sieben anderen Unglücksgenossen viele Stunden lang in einen engen Raum gepfercht ist, kann sich hier frei und ungezwungen in einem von Luft und Licht erfüllten Raum bewegen. Die LängSwände des Wagens be- stehen aus hohen Fenstern und gestatten nach allen Richtungen hin einen freien Ausblick. Jedes einzelne Fenster ist mit einer Klappe versehen, die geöffnet werden kann und immer wieder frische Luft dem Wagen zuführt. Die Tische sind so angebracht, daß die Reisenden, ob ste sitzen, stehen, oder Arbeitsanzug und etwas Leibwäsche enthält. Der hier vtt fremde Provinziale hat fich weder die Sttaße noch die NumM des Hauses gemerkt, in welchem der betnffende SchanueUel gelegen ist und diesen auch alles Euchens ungeachtet nw wieder auffinden können. Vielleicht ttagen diese Zeilen dazu bei, dem unvorsichtigen Manne zur Wiedererlangung seinc» Eigenthums zu verhelfen. W. Moser wohnt jetzt in Kleinen Hamburgerstraße 8 auf dem Hofe vier Treppen w Ritzel.,. r R. Verkehrt eingeseift. Es ist sonst Sitte, daß � Barbier einen Schlächtermeister einseist. Im vorlieaennen Fall! war es aber umgekehrt. Der Barbier Albert Gursch hatte von dem Schlächtermeister Roll, Alte Jakobst?. 115, einen Laden?' miethet, worin derselbe fein Geschäft betrieb. Das GesM ging schlecht, G. nahm mit dem Wirth Rücksprache, um den Laden anderweitig vermiethen zu dürfen, welches auch wahren» der Abwesenheit des G. geschah. Die Frau desselben was mittlerweile mit dem Mobiliar gezogen, und als der Mann zurückkam, fand er in seinem Geschäftslokal einen anderen Miether. Der liebenswürdige Wirth lud den G. nach fiwel Privatwohnung zur Besprechung ein, als jedoch G. in dreM eingetreten war, wurde er mit einem Ochsenziemer unter dein Bemerken des R.:„Hier werde ich Dtt die Zinsen bezahlen derart bearbeitet, daß G- zusammenbrach und nicht im Swnoe war, sich wieder zu erheben. G. mußte von hinzugekommenen Nachbaren aufgehoben und zur Charltee gebracht werden. Verletzungen waren bedeutend, das rechte Schlüsselbein ver- renkt und die Hiebe durch fingerdicke Striemen auf dem Ruae» gekennzeichnet, daß G. mehrere Wochen wegen seiner Heüuns m der königl. Charitee verbringen mußte. Nun ist die vawf der Staatsanwaltschaft angezeigt und dürfte diese unmet# liche Behandlung dem R. die gerechte Ettafe zuziehen. In der hiesigen Notzschlächterei wurden im Laufe ds» Jahres 1884 im Ganzen 5673 Pferde geschlachtet und davos 87 Stück vor und 80 Stück nach der Schlachtung als P menschlichen Nahrung ungeeignet polizeilich abgewiesen." In demselben Zeitraum wurden 5072 polizeitthierärztuw' 2011 Departements- und kreisthierärztliche Revistonen halten und außerdem 63 polizei-thierärzlliche Revistonen v» Sonntagsmärkte ausgeführt. Bei diesen Revistonen wurvs 459 Konfiskationen vorgenommen und dabei 3543,35 JW#' verdorbene, zur menschlichen Nahrung ungeeignete animaM Nahrungsmittel aus dem Verkehr gezogen. Außerdem erfoM in Privatverkaufsstellen 22 Beschlagnahmen mit 466,25 gramm; auf Bahnhöfen und in Fleischdepots 62 BesäM nahmen mit 2338 Kilogr. und auf Untersuchungsstationen Beschlagnahmen mit 2496 Kilogramm; so daß bei rnsg' ammt 631 Beschlagnahmen 8844,20 Kilogr. verdorbene, r menschlichm Nahrung nicht geeignete animalische NahruM mittel polizeilich auS dem Verkehr gezogen wurden.... Eine grosse Zahl von Kindern aus den umliegenve Ortschaften besucht jetzt auf Kosten ihrer Ortsbehörde v hiesigen Gemcindeschulen. Der von den Kommunalbehorv' festgesetzte Schulgeldbeitrag beläuft stch auf 2 M. für®. Monat. Nach dem Bericht der Schuldeputation an den Maß#, find davon aus dem Gutsbezirk Plötzensce 41 Kinder, Weißensee und Neu Weißensee zusammen 43, aus Rixdorf i"j aus Rummelsburg 52, aus Charlottenburg 68, aus Lichten«� und Friedrichsberg 102, aus Reinickendorf 68 und Stralau 46, zusammen 524 Schulkinder. In einem Schreiben des Polizei-PrüfidiumS an Asphalt-Fabrikanten heißt es der„Post" zufolge: Die von* Fabrikanten angeführten Gründe könnten das Polizeiprasw' nicht bestimmen, die Uebelstände fortbestehen zu lassen, wtt® durch die Zubereitung von Asphalt für Paffanten K. Straßen und der Rachbarschaft herbeigeführt würden. der von der Maschinenbau-Änstalt„Eckert" entworfene Asp� Transportwagen unzweckmäßig sei, so schließe dies den v„ eines Wagens, welcher allen Anforderungen entspreche, � aus. Um indeß in der Zwischenzeit das Thunliche zur ÄtO* losstellung der durch das Asphaltkochen auf den Straßen lästigten zu veranlassen, hat das Polizei-Prästdium angeogL daß die Heizung der Kessel Zwecks der Asphaltirung von die Heizung im Allgemeinen � ., a bewirkt werden darf, welche»ev 7 Rauch verursachen. Auf die Durchführung werden die Pv� nur auf diesen selbst und...................... mit solchen Brennmaterialien bewirkt werden darf, welche Exckutivbcamten strengstens halten...„.„fl Berliner Asylverein für Obdachlose. Im Monat liaten im Männer- As»l 9228 Personen, davon bao. nächtigten im Männer> Asyl 9228 Personen, 1807�Personen, imIrauen-Asyl 1508�Personen, davon 134 Personen.— Der Vorstand des Vereins hat einen Ard� Nachweis eingerichtet und bittet dringend, von Vakanzen> Art, männliche Arbeiter betteffend, dem Hausvater des M«/" 7, Asyls, Büfchingstt. 4, weibliche Arbeiter betreffend, der vL mutter des Frauen- Asyls, Füstlierftr. 5, Kcnntniß zu?.jj damit eine Zusendung der qualifizirten Personen unoerzu« erfolgen kann... jü Auf der schwedischen Eisbahn wird heute, Sonnt#. für Amsterdam engagirte Alaska-Truppe, 5 imitirte Jndf m eine Bärenjagd arrangiren, die in dem ewigen Einerlei gehen, sich immer leicht und ungezwungen bewegen Ein breiter Mittelgang verbindet die beiden Thüren � Wagens und führt zu gedeckten KommunikationS#»« welche einen Wagen mit dem andern verbin � Man kann hier stundenlang promeniren, ohne nur die geringste Erfchütterung wahrzunehmen. Der A», ist mit einer der besten Federn- Konstruktionen sehen; er holpert nicht über die Schienen, sondern ij? Li über ihnen, und wenn man ein LiqueurgläSchen, da» L auf dem Tische steht, zu füllen versucht, so geht kew 3*' verloren. W, Eine Abtheilung des Wagens, die alle AuSsich' eine Sehenswürdigkeit für das reisende Publikum Su ist die Küche. Der Raum, in welchem der und die Schränke für Geräthe und Eßwaareo. � gebracht wurden, ist nicht viel größer als ein O» � meter. Aber es giebt hier kein Fleckchen von � Größe eines Kreuzers, das nicht ausgenützt � eine Wand nimmt der Kochherd ein, die andere em« jjt der wieder hundert Kästchen und Lädchen in sich Kücheageräthe hängen von der Decke herab, das voui � Speiseservice für 60 Personen ruht unterttdtt?/.�» Souterrain des Wagens. Und mitten in dieser' � Welt von Pfannen und Bratspießen, von Zuckerhule � Gurkentöpfen steht der Koch mit dem KüchenjuNgro versieht seinen heißen Dienst... j#' Der Restaurationswagon ist das Eigenthurn v nationalen Schlafwagen-Kompagnie; der Direkto Instituts, Herr Nagelmakers, war es, der vor Iahren in Belgien den Versuch machte, solche-z�ier>' einzuführen, ein Versuch, der im Auslände gelungen ist und nun in Oesterreich � werden soll. Der neue RestaurationSwagen, Ataatt' nun an auf den genannten Linien der österreichisch�.he c' bahn verkehrt, übertrifft seine Vorgänger im A« Eleganz der Einrichtung. Er ist in Paris hergesteu.. w und kostet die Kleinigkeit von 50 000 Franks. aMd'l' sich von der Pracht, mit welcher der Wage« auSg. i' eine Vorstellung machen, wenn man hört, daß die vr.p" welche von der Decke herabhängen, 2500 F�ani haben. Muhe» Vergnügungen eine deachtenswerthe Abwechselung zu «nngen verspricht. Die Truppe soll hervorragendes leisten, und namentlich Indianer Tänze und-Kämpfe höchst drastisch �.Darstellung bringen. Die Ausdehnung der schwedischen t-isbahn dürfte diesem Schauspiel sehr günstig sein. Schwarzer Adler in Schöneberg. Trotz der Konkur- renz der überall eröffneten Winter-Vorstellungen übt vorge- Mntes Etablissement noch immer eine große Zugkraft aus. hier gastircnden Spezialitäten verdienen diese Gunst des Mü'ums auch in jedem Maße und dürfen durchweg als «unstler ersten Ranges bezeichnet werden. So vermochte der Universal- Komiker Herr Thcod. Zierrath das große Publikum W�nd der ganzen Saison zu feffesn, ein Erfolg, wie selten ein Kunstler' zu erringen vermag. Die übrigen Spezialitäten «7 ebenso ausgezerchnet und hat namentlich der junge Schlangenmensch Bellini durch seine ans fabelhafte grenzende Gelenkigkeit Sensation erregt. Wer dem Tanz-Vergnllgen hul- will, findet hier eine selten günstige Gelegenheit Der Mächtige Tanzsaal bietet denn auch stets ein Bild ganz beson- währt' Nichttänzern vielseitige Abwechselungen ge- _ Projekttrtes Repertoire der Königlichen Schauspiele 5. September 1885. Im Opernhause. Sonn- ??: Die lustigen Weiber von Windsor; Montag den pliik und Flock* Dienstag den 8.: Die Königin von Saba; Wavoch den 9.; Carmen(Frl. Renard als Gast); Donnerstag V*': Don Juan i Freitag den 11., neu einstudirt: Lucretia Lans, stets bestrebt, dernt Publikum reichhaltige Abwechselung M bieten, stellt uns für die nächste Woche außerordentlich viel j?muffe in Ausficht. Auf dem Repettoir stehen folgende �"n:„Postillon von Lonjumeau".—„Fra Diavolo".— JIM" und«Lucia von Lammermoor". Am Montag wird ein g"or Sänger seine Feuerprobe an dieser Bühne bestehen. Herr dixt' welchem ein guter Ruf vorangeht, wird in der melo- oien und reizenden Spicloper„Das Nachtlager von Granada" »jureten.— Herr Direktor Firmans scheint durch das ständige ■Erführen neuer Kräfte die Unerschöpflichkett seiner ihm zur StB Verfügung stehenden Größen demonstriren zu wollen. o Polizei- Bericht. Am 2. d. M Nachts entstand in der Konfitüren- Fabttk von Rieding und Taegner, Danzigerstt. 1, Ueberhcizen eines eisernen Ofens Feuer, welches in den Morvorr�then, welche in großen Mengen vorhanden waren, 'chliche Nahrung fand und großen Schaden anrichtete, obgleich b lertens der erschienenen Feuerwehr sehr bald gelöscht wurde. M 3. d. M. Nachmittags wurde ver Arbeiter Büttner, n- brend er beim Umpflastem ves Etraßendammes am Alexander« beschäftig war, von einem Arbeitswagen überfahren und ß.." einen Bruch des rechten Schlüsselbeins. Er wurde nach zl? Chantee gebracht.— Am 4. d. M. Morgens machte ein in in tzxr Krautsstraße den Bettuch, fich mittelst Revolvers „„�schießen. Die Kugel ttaf jedoch nur den linken Unterarm fünf �letzte ihn anscheinend nicht bedeutend.— Einige Zeit ftr/vs wurde in der Spree hinter dem Grundstücke Köpnicker- tinue- 5 die Leiche eines unbekannten, etwa 50 Jahre alten, Ickm inend dem Arbeiterstande angehörenden Mannes ange- s�wmt und nach dem Obduktionshausc gebracht.— Um die- W» �oit wurde ein Mann in seiner Unter den Linden de- Men Wohnung in einer Blutlache liegend und mit einem llmiV" Jn den Kopf todt aufgefunden. Nach den vorgefundenen "Nistanden liegt Selbstmord vor. Gerichts-Zeitung. vom Bergehen gegen da« lsogenannte Dynamitgesetz des c?' �uni 18M beschäftigte gestern die zweite Strafkammer den.nndgettchts l. Bei dem Kaufmann Heinrich Fischer war- Iii! verbstc des Jahres 1884 1500 Stück Zündhütchen bel°„ eschlag delegt, welche derselbe in seiner, in der Grünstraße da« Wohnung in seinem Schreibpulte aufbewahrte. Da in norbenannte Gesetz eine Aufbewahrung von Sprengstoffen oM« Schlichen Wohnungen verbietet, so wurde gegen Fischer die„"yflage erhoben. Derselbe behauptete im Termine, daß r-ckn."' Zündhütchen überhaupt nicht zu den Sprengstoffen zu >u"e.n fein, denn es seien nur die Mittel, um die Eprengstoffe fefW?�en. Er habe früher im Harz ein Kupferbergwerk de« C? � in diesem seien die Zündhütchen verwendet worden. bevor jenes Gesetz in Kraft getreten, habe er dieselben als �/"iuellen VerweNhung mit in seine Wohnung genommen, Aiit v Betrieb in seinem Kupferbergwerk eingestellt wurde. Sjt kewfelben Rechte könne man die Knallbonbons als Ernr�ioffe betrachten, welche ebenso wie die Zündhütchen als di»e Knallquccksilber enthielten- Der Sachverstan« Tchj, A.B. Bischof wollte die Zündhütchen deshalb nicht als subs,A?'itel, welche nicht unter dem bewußten Paragraphen lich,%�en, betrachtet wissen, weil der in denselben befind- in w?�onsstoff- 0,2 in jedem Hütchen, also 30 Gramm guna-beschlagnahmten Menge— im Stande sei, eine Spren« rigen-> oinem geschlossenen Räume herbeizuführen. Im vo- er i� �sinine bewirke der Angeklagte eine Vertagung, well vo»)-?8ensatze zu dem Gutachten des Dr. Bischof solche für Gen Autoritäten beizubringen sich erbot, welche eine eine„ Künstige Aufnahme vertraten und find denn auch vetfon ianäe Reihe Gutachten, sowohl von Privat» Es wie von Polizeibehörden eingeholl worden. Wfct m solche von der Hamburger, Beuthener und Düffel- ZündkuiA �'behörde verlesen und alle gipfelten darin, daß die «taaW?" als„Sprengstoffe" nicht zu bezeichnen find. Der fchen n>bGalt hielt aber dennoch auf Grund des Dr. Bischof An».»,"tachtens die Anklaae aufrecht und beantragte, weil dei Rechtsanwalt Fritz Kaufmann führte aus, daß der nach dem Gesetze»om 9.Juni 1884 gefaßte Bundesrathsbeschluß, welcher die Zündhütchen zu den Sprenggeschossen rechnet, zur Zeit der inkriminitten Thal des Angeklagten noch nicht existute und schon deshalb, abgesehen von den ihm günstigen Urtheilen der Sach- verständigen, müßte die Freisprechung des Angeklagten ettolgen. Eventuell beantrage er die Ladung anderer Sachverständlaer und Chemiker, welche sich mit den Ansichten des Dr. Bischof im Widerspruche befänden. Der Staatsanwalt he- antragte dagegen, eventuell vom Ministerium des Jnnem ein Obergutachtachten zu erbitten. Der Angeklagte, der das letzte Wott erhielt, führte noch an, daß der Magistrat zu Goslar noch im Anfange dieses Jahres den Verkauf und die Äufbe- wahrung der Zündhütchen unbeanstandet genehmigt habe und auch andere Polizeibehörden hätten in gleichem Sinne ent- schieden. Der Gerichtshof äußette sich zunächst dahin, daß die Zündhütchen unbedingt als Sprengstoffe anzusehen seien. Es sei dem Angeklagten aber zu glauben, daß er sie derzeit, als er fie in Verwahrung nahm, nicht als solche angesehen habe und müsse deshalb wegen mangelnden Dolus seine Freisprechung eftolgen. —7. Der Redakteur der hier erscheinenden Militär« anwärter-Zeitung, Dr. Wilhelm Emil Wangenstein, stand gestern unter der Anklage der Beleidigung des Ministers für öffentliche Arbeiten Maybach, vor den Schranken der 2. Straf- kammer des Landgerichts 1. Jnkriminirt war ein Attikel in der Nr. 17 vom 26. April 1885, in welchem unter der Spitzmarle: �Nochmals die Einrangiruna der älteren Staatsbeamten" die Stellung ver Eisenbahn- Subaltern-Beamten nach der Verstaat- lichung der Eisenbahnen besprochen wurde. Es wurde de- hauptet, daß die Anciennität der in den Staatsdienst über« nommenen Beamten nicht genügend berückstchtigt worden wäre und daß alle die bezüglichen Beschwerden keinen Ettolg gehabt hätten. Folgender Passus gab dem fich dadurch oeleidigt fühlenden Minister Veranlassung, den Straf- Antrag zu stellen: Die bei dem Herrn Minister vorgeschriebenen Normen bestehen zwar auf dem Papier, es scheint aber der Königl. Eisenbahn-Direktion überlassen zu bleiben, zu schalten und zu walten wie fie will und scheint fie der Billigung des Ministers gewiß zu sein. Der Staatsanwalt erblickte hierin den Vorwutt, daß ver Minister ein falsches Spiel treibe und beantragte eine Geldstrafe von 800 M., während der Vettheidiger, Rechtsan- wall Stadthagen, für Freisprechung plaidirte, da eine Beleidi- gung in dem Attikel überhaupt nicht zu finden sei und der Angeklagte in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hätte. Der Gerichtshof adoptitte aber vie Anschauungen des Staats- anwalts, erkannte auf 300 M. event. 30 Tage Gefängniß und Publikattonsbefugniß für den Beleidigten. — y. Ein sqwererlUnglücksfall unterlag gestem der Prüfung der zweiten Ferienstrafkammer des Landgerichts l. Am 20. Juni d. I. zwischen 8 und 9 Uhr Abends tobte in Berlin ein heftiges Unwetter. Der Regen goß in Strömen nieder und wer fich im Freien befand, beeilte fich, das schützende Dach zn erreichen. So erging es auch der 45jährigen Arbeiterfrau Willer, welche, den Kopf mittels eines TucheS fest verhüllt, so schnell es ihr möglich war, nach Hause ging. In der Nähe der Kastanien-Allee überschritt fie den Fahrdamm der Schwedter- straße, als in demselben Augenblick ein Post- Packetwagen in schattem Trabe um die Ecke gebogen kam. Ob die Frau in dem Toben der Elemente den Anruf des Postlllons ebensowenig gehött hat, wie das Rollen des herankommenden Wagens selbst — das Kopftuch mag ihr Gehörvermögen auch bedeutend be- einträchttgt haben— hat sich nicht feststellen lassen. Im nächsten Moment lag die Frau unterm Wagen und die Räder gingen ihr über den Kopf und Oberkörper. Sie erlitt schwere Verletzungen und ist im Kiankenhause vetttorben, ohne zur Be- finnung gelangt zu sein. Der Führer des Wagens, der ehe- malige Postillon August Dieckow, hatte fich gestern wegen fahr« läsfiger Tödtung zu verantwotten. Da er jedenfalls den groben Fehler begangen, in schlankem Trabe um eine spitze Ecke zu fahren, wodurch es der Passantin kaum möglich gewesen, recht- zeitig auszuweichen, so hielt der Staatsanwalt dies Belastungs- moment schon für genügend und beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnißsttafe von neun Monaten. Der Gerichts- Hof erhob diesen Änttag zum Erkenntnisse. Gegen den Herausgeber und Redakteur der offiziösen „Berliner Politische Nachrichten" Viktor Schweinburg wurde gestern vor der sechsten Ferienflrafkammer hiefigen Landgerichts l die bereits früher erwähnte Beleidigungsklage des Freiherrn v. d. Bussche-Streithorst, Mitglied des preußischen Herren- Hauses, in der Berufungsinstanz verhandelt. Jnkriminitt ist der erste Attikel von Nr. 294 der gedachten Korrespondenz vom 6. Dezember pr., in welchem über das Welfenthum der Stab gebrochen wurde; namentlich war er gegen den Adel der Pro- vinz Hannover gerichtet. U. A. heißt es in dem Artikel:„Diesen Adel kann man als den Hauptträger jener kaiser- und reichs- feindlichen Agitation betrachten, welcher den von Natur kerndeutsch gesinnten niedersächfischen Volksstamm mittels ebenso frivoler als trügerischer Vorspiegelungen für ihre selbst- süchtigen Privatzweckc auszunutzen sich angelegen sein läßt. Für die welfischen Staatsherren als bloßer Hof- und Thron- adel wiegt das Bewußtsein der Solidarität mit den Interessen, mit dem Wohl und Wehe der engem Heimath, wie des großen deutschen Gcsammtvaterlandes äußerst leicht. Ein seltsames Gefühl beschleicht den heutigen Durchblätterer des königl. west- fälischen Hof- und Staatskalenders vom Jahre 1813, wenn er unter den Reihen Jeromistischer Hofschranzen, welche um die Gunst des Emporkömmlings buhlten, die Träger gerade solcher hannoveischen Ädelsnamen in stattlicher Zahl vorfindet, deren gegenwärtige Nachkommen einen prononzirten Platz in der welfischen Propaganda einnehmen. Der in Rede stehende Kalender zählt beiläufig unter den Kammerjunkem der Krone die Barone v. d.Bussche. Mit welchen Gefühlen kann man heute auf die Enkel jener Renegaten blicken, wenn nicht mit dem Gefühl des tief- sten Mißtrauens in die Sorte von„Patriotismus", die ihnen frischweg gestattet, im Dienste eines reichsfeindlichen Präten- denten zu arbeiten. Der nicht der Welfenpattei angehörige Privatkläger fühlte sich durch diesen Artilel auf das Schwerste beleidigt. Das hiesige Schöffengericht erkannte dies auch an und vemttheilte deshalb den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 300 M., wobei als strafmildernv der Umstand in die Wagschale fiel, daß der inkriminitte Artikel aus patriotischer Entrüstung entsprungen sei; sonst hätte bei der Schwere der Beleidigungen auf Gefängniß erkannt werden müssen. — Gegen das erste Uttherl hatte der Angeklagte Benr- fung eingelegt, und führte derselbe zu deren Begründung in nahezu einstündiger Rede aus, daß er es als freiwilliger Gouvernementaler— denn seine Korrespondenz be- ziehe keine Subvention irgend welcher Art— als seine heiligste Pflicht erachtet habe, auf die reichsfeindliche Agitation des welfischen Adels hinzuweisen, eines Adels, von welchem der Herr Reichskanzler im Reichstage mit Beziehung auf Herrn p. d. Decken geäußert habe:„Was Sie treiben, ist Landes- verrath, ist Reichsverrath!" Es sei die Aufgabe der gesammten patriotischen Presse, das Weifenthum zu entlarven. Etwas Weiteres habe er nicht gethan, und habe es ihm ganz fem liegen müssen, den gar nicht zur Welfenpartei gehörenden Pri- valkiäaer beleidigen zu wollen. Er stelle es übrigens ent- schieden in Abrede, daß derselbe ein Nachkomme des im Ar- tikel genannten Baron v. d. Bussche sei, wie dies auch aus dem Gothaer Hofkalendcr zu ersehen sei. Der Vettheidiger des Angeklagten Justizrath Fleck betont in seinem Plardoyer, NnK der ganze Artikel offenbar nur den welfischen, nicht hJ: Ad-l der Provinz Hannover im Allgemeinen, zu dem ja i wandte der Vertreter des Privatklägcrs, Rechtsanwalt Munckel u. A. die bekannte Anekdote mit der Ohrfeige, die Neumann zugedacht und ein Anderer erhalten hatte, an, um darzuthun, daß sein Mandant auch im Rechte ist, eine Rechenschast für die ihm ertheilte, wiewohl nicht zugedachte, moralische Ohtteige zu fordern. Die patriotische Gesinnung, welche dem Angeklagten bei Abfassung des Artikels geleitet hat, könne nur strafmildernd wirken, und sei auf diesen Umstand im ersten Uttheil auch genügend Rückficht genommen. Auf die Höhe der Strafe kommt es ihm nicht an, nur daß eine Ausschreitung, wie fie hier offenbar vorliegt, nicht ungesühnt bleibe. Der Gerichtshof unter dem Vorfitz ves Landgerichtsraths Freytag erkannte auf Bestätigung des ettten UrtheUs mit der Maßgabe, daß die er- kannte Strafe auf 100 Marl event. 10 Tagen Haft zu ermäßigen sei. Im Allgemeinen habe der Gerichtshof die Aus- führungen des Rechtsanwalts Munckel und des ersten Richters getheilr und namentlich die Beleidigung des Privatklägers in seiner Nichtausnahme von den gemeinten v. d. Bussche's, wozu Angeklagter umsomehr verpflichtet war, als er den Gothaischen Hofkalender besaß, gefunden. Vereine und Versammlungen. Die Lohnkommisfion der Berliner Schmiede hatte am Mittwoch, den 2. September, in Keller's Salon eine öffent- liehe Versammlung einberufen, um über die Frage zu verhau» dein:„Welchen Nutzen bringt uns die Lohnkommission?" Der Referent Herr Mitan erläuterte zunächst, wie die Schmiede seiner Zeit im schweren Kampfe die Abschaffung der Sonntags- arbeit errungen hätten, welche Errungenschaft leider von vielen Kollegen wieder preisgegeben wurde, indem fie jetzt wieder Sonntags arbeiten; es sei darum nothwendig, daß die Kom» misston dagegen einschreitet, denn diese Kollegen schädigen fich selbst und ihre anderen Kollegen mit. Die Lohnkommission aber könne durchaus nichts ausrichten, wenn ihr nicht eine feste geschlossene Organisation zur Seite steht und sie mit materieller Hilfe unterstützt. Redner führt ferner an, daß vom Polizei» Präsidium Fragebogen ausgeschickt seien, welche den Zweit haben, festzustellen, ob es möglich sei, die Sonntagsarbeit ab- zuschaffen. Es sei aber dadurch kein günstiges Resultat zu er- warten, weil die Arbeiter vielfach gezwungen würden, die Fragen nach dem Willen der Arbeitgeber zu beantworten, eS müsse darum jeder Kollege eifrigst bestrebt sein, fich an der Or» ganisation zu betheiligen. Die Schmiede hätten fich ja noch weitere Forderungen gestellt, außer der Verkürzung der Arbeits» zeit und Erhöhung des Lohnes. Wenn fie aber nicht im Stande seien, das Errungene festzuhallen, so könnten fie auch keine weiteren Forderungen mit Ausstcht auf Erfolg stellen. Redner ermahn! die Kollegen, der Kommisston treu zur Seite zu stehen und fie redlich zu unterstützen. Zur Dlslusston. sprachen mehrere Redner im Sinne des Referenten. Herr Drewitz ermahnte die Kommisfion, den in der Viktoria- Brauerei gefaßten Beschluß, die Errichtung von Zahlstellen und Adhal- tung von Bezirksversammlungen zur Geltung zur bringen, wo- rauf H. Baumann bekannt machte, daß die Zahlstellen bereits XL-l � �-.....-flp.----- nrw 1* w dämm 17; Baumert, Langestr. 20 und Gramsch, Prenzlauer Allee 6. Der Louisenstädtische Bezirksverein„Vorwärts", hielt am Mittwoch, den 2. September, eine Vereinsversammlung ab. Es entspann sich zunächst eine Diskusfion über kommunale An- qelegenheiten, in welcher besonders Herr Kreutz den Antrag des Magistrats, zu dem Festessen zu Ehren der Mitglieder des internationalen Telegraphen-Kongrcsses 15 000 M. zu bewilligen, kritistrte. Redner führte aus, daß es Pflicht der Stadtver- waltvng sei, mit den Geldern der Kommune, zu deren Auf- bringung auch der arbeitslose Familienvater beitragen müsse, haushälterischer zu sein. Folgende Resolution wurde darauf einstimmig angenommen:„Der Louisenstädtische Bezirksverein Vorwärts spricht über den Antrag des Magistrats, zu dem Festessen zu Ehren der Mitglieder des internationalen Tele- graphcn-KongresseS 15 000 M. zu bewilligen, seine Mißbilligung aus." Diese Resolution wurde auf Beschluß der Versammlung dem Stadtv. Herrn Görcki mit dem Ersuchen eingehändigt, dieselbe in der Stadtverordneten-Versammlung vorzulegen unv zu motiviren. Hierauf hielt Herr Dr. Lütgenau einen sehe interessanten Vortrag über„Sprache und Sprachen" in welchem Referent die Entstehung und Entwickelung der verschiedenen Sprachen klarlegte und darauf hinwies, daß auch die Ent- Wickelung der Sprache eines Volles mit ein Maßstab für die Kulturentwickelung desselben sei. Konarest deutscher Köche. Auch die Vertreter der beut« sehen Kochkunst haben fich im vorigen Herbst in Dresden zu» sammenqethan, es hat sich ein„Verband deutscher Köche" ge- bildet, der sich neben materieller und moralischer Hebung seiner Mitglieder durch Unterstützungskassen besonders die Pflege der deutschen Kochkunst, der bürgerlichen wie der höheren gastrono- mischen, zur Aufgabe stellt. Der diesjährige Kongreß findet vom 8. bis 10. September im Etablissement„Zum Rosenthal" zu Leipzig statt. Außer den internen Angelegenheiten soll die Gründung einer Verbands-Invaliden- und Wittwenkasse, zu der bereits ein ansehnlicher Fonds vorhanden ist, sowie die Lehrlingsfrage besprochen werden. Zweifellos werden auch all- gemeine volkswirthschaftliche Fragen berührt werden. Arbeiter-Beztrksverein der Oranienburger Vorstadt und des Wedding. Montag, den 7. September, Abends 8 Uhr, Versammlung im Wedding-Park, Älillerslraße 173. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Liefländer über: „Der wirthschaftliche Entwickelungsgang der Gesellschaft". 2. Diskusfion. 3. Wahl von Vertrauensmännern. 4. Ver- schiedenes. 5. Fragekasten.— Gäste haben Zutritt.— Neue Mit- glieder werden aufgenommen. Monatlicher Beitrag 20 Pf.— Die Benutzung der Vereins-Bibliothek sowie die Bitte, nach Kräften dahin zu wirken, daß dieselbe vergrößert wird, sei jedem Mitgliede ans Herz gelegt.— Die Petition an den Reichstag, betreffend das Arbelterfchutzgesetz, lugt zum Einzeichnen auf. Gleichfalls werden die Mitglieder sowohl als auch die Be- wohner oben genannter Bezirke ersucht, für die größtmöglichste Verbreitung der Listen Sorge tragen zu wollen. Jeder Arbeiter muß es fich zur Pflicht machen, so viel wie irgend möglich Unterschriften zu sammeln, damit die Petition mit taufenden von Namen bedeckt an den Reichstag gelangen kann. In Empfang können dieselben genommen werden bei: Kunkel. Schulstraße 44 I, Hensel, Hochsttaße 32a II, Sillier, Trift- straße 46a prt., Zachau, Müllerstraße 24» II, Rickoff, Seller- straße 6», Hof prt. r., Raschle, Reinickendorferstraße 52, Hof prt., Jakobey, Colbergerstraße 10 IV, in den Zigarrcnhandlungen von Pfannluch, Chausseestraße 37 und Bernstein, Bergstr. 67. Eecfeldt, Moabit, Stromstraße 30. Die öffentliche Versammlung der Buchbinder vom vongen Sonntag beschloß, eine weitere Versammlung in der Angelegenheit der Sonntags- und Ueberfeierabendarbeit ein«,- berufen. Dieselbe findet morgen(Montag) Abends 8'/- Uhr bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, statt. Sa amtliche Buchbinder- meiner sowie Fabrikanten find zu dieser Versammlung eingeladen. die Buchdmder-Jnnung ganz besonders, um über die Forde- rungen der Arbeiter ihre Meinung kund zu geben. Es steht also zu hoffen, daß in dieser Weise eine Einigung zu Stande kommt. Besondere Pflicht eines jeden Arbeiters im Buchbinder- gewerbe ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Berliner Wirkergesellen« Verband. Montag, den 7. September, Abends 8 Uhr, Landwehrstr. 11, General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung; 2. Wahl des 1. Schriftführers; 3. Wahl eines Delegirten zu der vom Polizei- Präfidium festgesetzten Verhandlung am 16. September> 4. Verschiedenes. Große Aommuvalwähler- Bersammlug am Sonntag, dm K. Eeptember, Vormittags 10 Uhr, in der„N«um Walhalla", Schönhauser Allee 156. Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Kommunalwahlen. Referent: Stadtverordneter Singer. 2.Dis» lusfion. Zu dieser Versammlung find die Herren Stadtverord« neten Dr. Böhme(32. Bezirk), Wiese(34. Bezirk), Wallich (38. Bezirk) und Gehricke(40. Bezirk) eingeladen. Kachverein der Drechsler, Knopfarbeiter und Berufs- genofien. Dienstag, den 8. September, im Königstädtischen Kasino, Frankfurter sttaße 77, Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag. 3. Wahl eines Dele« girten zur mündlichen Vernehmung in Betteff der Sonntags- ruhe. Wahl der Revisoren. 5. Anttag Hoffmann gegen Jul. Müller. 6. Verschiedenes und Fragekastm. Gästesstnd wrlllommen. Oeffentliche Arbeiterinnen-Versammlung. Dienstag, den 8. September, Abends 8'/, Uhr, im Salon„Zum Deutschen Kaiser", Lothringerstraße 37.(Näheres durch Inserat in der nächsten Nummer.) t Bezirksverei« des werkthätigen Volkes der Schön« lhauier Vorstadt. Dienstag, den 8. d. Mts., AbdS. 8V, Uhr, in Meister's Lokal, Schönhauser Allee 161, Versammlung. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Die Mitglieder werden auf§ 5 des Statuts aufmerksam ge- macht. Petittonslisten zum Arbeiterschutzgesetz liegen auS. (Tagesordnung stehe Inserat.) Unterstützungsverein deutscher Schuhmacher. Mon- tag, den 7. d. M., Abends 8>/- Uhr, in Nieft's Saal, Kom- mandantenstr. 71—72. Mitglieder-Versammlung. Mitgliedsbuch legitimirt._ Kleine Mittheilungen. Stettin, 4. September. Wegen Verbreitimg der»Pall Mall Gazette"- Enthüllungen ist, wie die„Neue Stettiner Zeitung" meldet, gegen fünf hiefige Buchhändler die Anklage erhoben worden._ �_,..., Mainz. 2. September. Betreffs des DoppelmordeS haben sich nachträglich Momente ergeben, die es als fast unzweifelhaft erscheinen laffen, daß die Frau Wothe erst nach der Ermordung des bis jetzt noch uubekannten Mannes umgebracht worden ist, ja daß sie höchst wahrscheinlich bei deffm Zerlegung hilfreiche Hand geleistet hat. Es find nämlich im Innern des Aermels ihres Kleides starke Spuren von Menschenblut entdeckt worden, die fich noch über das Unterkleid ausdehnen, von keiner eigenen Verletzung, auch nicht von ihrer Ermordung, sondern vom Ein- lauf von Blut in den Aermel herrühren. Sie scheint die Ex- tremitäten des Ermordeten gehalten zu haben, indeffm fie der Herbst vom Rumpfe abtrennte. Ferner ist auch der Saum ihres Kleides in einer Weise mit Blut befleckt, die darauf schließen läßt, daß fich dieses Weib bei oder nach der Ab- schlachtung deS ManneS in dem mit Blut getränkten Zimmer bewegt hat. Da nun diese Frau Wothe am Abend vor der That im vertrauten Gespräch mit dem Herbst im Witthshaus geseffen hat, und da fie ferner in dessen Begleitung in später Abendstunde in der Nähe des Fischthores gesehen wurde, ist anzunehmen, daß Herbst im Einverständniß mit Frau Wothe den Mann umgebracht und mit deren Hilfe den verstüm- Mellen Körper in den Rhein geschafft hat, daß fie dann später selbst von dem Herbst, der vielleicht von ihr eine Entdeckung fürchtete, in ihrer Wohnung erschlagen worden ist. Es wäre damit ein weiterer Grund zu der Annahme gegeben, daß der ermordete Mann kein anderer als der Schuhmacher Wothe ist, der seit seiner Verheirathung mit Herbst verschiedene Streitig- keiten gehabt haben soll. AuS Rheinheffen, 2. September. In Waldülbersheim (Kreis Oppenheim) winde am verflossenen Sonntag ein grauen- hafte? Verbrechen verübt, das auf religiösen Fanatismus zurück- zuführen ist. Eine aus 7 Personen bestehende, der Mcnnoniten- gemeinde angehörmde Familie, Stallmann mit Namen, hat nämlich in einem ihrer Angehörigen, einem Mädchen von 24 Jahren, den Teufel erblickt und um letzteren auszurotten da? Mädchen ermordet und den Leichnam in eine Pfuhlgrube geworfen. Als fie später die Leiche verscharren wollten, wurde die That entdeckt. Wie die„N. W. Z." und die.Landeskrone" melden, ist die ganze Famflie in daS Irrenhaus gebracht worden. Leipzig, 3. September. Ueber ein trauriges Vorkommnis, welches wieder beweist, wie überaus nothwendig in Menagerien, zoologische., Gärten jc. die größte Vorficht bei der Verwahrung der wilden Thiere ist, wird folgendes geschrieben: Ein gräß- liches Unglück ereignete fich am letztvergangen Mittwoch bei dem Abends 6 Uhr von Dresden. Zieustadt nach Leipzig ver- kehrenden Personenzuge. In Dresden-Neustadt war ein von Dittersbach in Schlefien gekommener Mcnageriewagcn in den genannten Zug eingestellt worden, um nach Lommatzsch Be- sörderung zu finden. In dem Wagen bei den in Käfigen be- findlichen Thieren befand fich der kränkliche Befitzer und dessen Sohn, ein noch kleiner Knabe, während die Frau und eine erwachsene Tochter in einem Koupee des Zuges Platz ge- nommen hatten. Während der Fahrt zwischen Dresden und Niederau war es nun einem Wolfe gelungen, fich aus dem Käfige zu befteien und wüthend stürzte fich daS Thier auf den in Folge seiner Krankheit nahezu wehrlosen Mann, demselben die Brust vollständig zerfleiscbend, so daß der Unglückliche als bald seinen Geist aufgab. Dem Knaben war es gelungen, durch ein oben im Wagen befindliches Fenster hindurchzu- kriechen und das Fahrpersonal aufmerksam zu machen; kurz vor dem Niederauer Tunnel wurde der Zug zum Stillstand gebracht und nach Feststellung des ThatbestandeS bis Prieste- witz weitergeführt. In Priestewitz wurde der Wagen aus dem Zuge gesetzt, und nachdem das wüthende Thier durch die Bahnhofsbeamten getödtet worden war, mit der Leiche M unglücklichen Besttzers behufS amllicher Aufhebung verfiegelt Wien, 4. September. Ueber den Massenmord, von welche« wir schon in Nr. 205 des„Berliner Volksblatt" berichtete», wird der„N. fr. Pr." auS Tluste(Czortkower Bezirk) tele- graphirt: Vorgestem Nacht find in der Ortschaft Glembol» neben Juden, Inwohner der Dorfschänke, in grauenhaft« Weise ermordet worden. Der Bezirkshauptmann Lachowski und eine Genchtskommisston haben fich auf die Nachricht von diese« Massenmorde unverzüglich nach Glemboka begeben, wo das Ei- forderliche zur Einleitung der Recherchen angeordnet wurde. Vi«' zehn Gendarmen verfolgten die Spuren der Verbrecher; vier der' selben wurden noch gestern eruirt und festgenommen.— Eine heute Abends eingelangte Depesche berichtet folgende Details, die in der dottigen Amtszeitung vorliegen: Ermordet wurden der Echankwirth Max Roller, seine Frau Golde, die Todjt« der beiden, Pepi, der Sohn Moriz, die Nichte Anna Hall« und der Diener Leo Borau. Den zweiten Sohn Roller» Wilhelm, fand man schrecklich verstümmelt und in bewußtlose« Zustande im Winkel des Zimmers, in welchem die Missethät« gehaust hatten. Es ist keine AuSficht vorhanden, ihn a« Leben zu erhalten. Der Schankwitth Max Roller wurde«» Äxthieben und Messerstichen fürchterlich zugerichtet, st« Geficht ist bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet und st« Körper mit zahllosen Wunden bedeckt. In ebenso unmens«' licher Weise find die Angehörigen Rollers gemordet worden. Die Wüiheriche plündetten sodann sämmtliche in der Wohnung des jüdischen Schatikwirthes befindlichen Werthgegenstände, Von der Familie Rollers blieben nur noch ein sechs Monate altes Kind und zwei Mädchen im Alter von 10 und 13 Jahr«> am Leben. Während deS grauenhaften Maffakres hatten»( fich in den Betten unter Polstern und Decken versteckt. Auf Grund der Schilderungen der geretteten Kinder wurden vi« Bauern, die in den benachbarten Dörfern ihren Wohnfitz haben, als der That verdächtig festgenommen; weitere Recherchen find im Zuge._ Kriefkasten der Redaktion. Zentralkrankenkasse der Goldarbeiter. Der Ortsvor- stand wird ersucht, eine Adresse anzugeben, wo fich Person« zur Aufnahme in die Kasse melden können. Es ist bei uns darnach gefragt worden. R. B. 21. Da Sie den Austritt nicht schriftlich angeM haben, wie es das Statut vorschreibt, und die Zeitung an> nahmen, so müssen Sie zahlen. K. Sch. Der Spruch lautete:„Schafft hier das Leb« gut und schön, kein Jenseits giebt's, kein Wiedersehn... B. 37. Sie find dort wahlberechtigt, wo sie zur Z«- als die Wählerlisten aufgestellt wurden, gewohnt haben. Arh.-Kts.-Dll. der Rosech. Korfi. Montag, den 7. Septbr., Abend« 8 Uhr, in Kurzmann's Salon, Bergstraße 68: Wermammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Verschiedenes 3. Fragekasten. Mitgliedskarte legitimirt. Gäste, durch Mitglieder ernge- geführt, haben Zutritt!- Die Petition für das Arbeiterschutz. gesetz liegt zum Einzeichnen aus, ebenso können Listen für das» selbe in Empfang genommen werden.(2100 DerVorstand. Wezirksverein des werkthätigen Wolkes der Schönhauser Dorstadt. Dienstag, den 8. September, Abends 8Vi Uhr. in Meister's Lokal, Schönhauser Allee Nr. 161: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vottrag des Herrn Paul Singer. 2. Wahl von Vertrauensmännern. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten.— Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden auf- genommen.___ 12085 KtckKsverel« d. itbfll Knöltin-ig d. SW. KerÜ«. Versammlung Montag, den 7. Sept., Abends 3 Uhr, im Restaurant Wilhelmshöhe, Lichterfelderstt. 7-8, nahe Tivoli. Tagesordnung: 1. Statutenänderung. 2. Vottrag des Herrn Krohm über Kommunalwahlen. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen.____ 12080 Freireligiöse Gemeinde. Vormittags 10 Uhr Rosenthalerstraße 38: Vottrag des Herrn Schäfer. t 2066 Die Versammlung der Plah-DepMe« der Zimmnleutt Berlins und Umgegend findet am Dienstag, den 8. d. Mts., Abends 8'/- Uhr, in vratweil's Bterhallen, Kommandantenstraße 77/79, oberer Saal, statt. Siehe Montag Eäulenanschlag. Die Kameraden sämmtlicher Platze werden ersucht, einen Deyulwm 1«,--». � w-WW. Oeffentliche KMMNlWhItt'NttjlllMllwg Montag, den 7. Sept.. Abends 8'/, Uhr, in Giünder's Salon, Schwmnstr. 26. Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Kommunalwahlen. Referent: Herr Stadtverordneter Fritz Görcki.— 2. Diskussion.[2079 DaS Wahlkomitee. Montag, den 7. d. Mts., Abends 8 Uhr, findet in Keller's Salon, Andreasstr. 21, eine öffentliche Versammlung der WÄtel-NShemiikll Anl'ms statt.— Gäste haben Zutritt.— Zur Deckung der Kosten Enttee nach Belieben. Die Etnberuferin. 2029] Fr. Rosa Büge, Metzerstt. 7. Oeffentliche Versammlung der Stuckateure Serltus Notbwendigkeit einer strengen Organisation. 2. Verschiedenes. Arbeitsmarkt. Eine Aufwärteri« für den Vormittag wird verlanat Kleine Frankfutterstr. 24._[2088 pionuepeagt. Schwedische Eisbahn. Aonmjiraße. Heute Sonntag: Auftreten der Jndianertruppe Alasco. GrvHe Bärenjagd Indianer-Tänze, Spiele, Kämpfe und dergleichen. Von 4 Uhr ab Konzert.— Eintrittspreis 10 Pf.— Kinder frei. [2091 Schöneberg. Sonntag, den 6, September: Schwarzer Adler. Schöneberg, Sonntag, den 6. September: MilitärConcert des Mustk-Korps des 1. Garde- Feld- Artillerie> Regiments unter Leitung des Mus.-Direkt. Herrn E. Baumaarten. Cavalier-Ball. SEterratli! Frau Clara ZlerratU. 2093] Volksbelustigungen. 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Gäste haben Zutritt.— Die Petition betreffs des Arbciterschutz-Gesetzes liegt zur Unterzeichnung auS und ist es Pflicht eines Jeden, dafür zu sorgen, daß dieselbe mit taufenden von Unter- schristen bedeckt wird. Der Vorstand. Große öffentliche Veraanmnmlnng der Buchbinder und Berufsgenof sen Montag, den 7. September, Abends 8V, Uhr, im lUPurftut Itinjlein, Alte Zakobste. 75. Tages-Ordnung: Wie verhalten fich die Arbeitgeber zu der Forderung der Buchbinder, betreffmd die Sonntags- und Ueberfeieravend- Arbeit? Refermt: Herr F. M e h n e r t.[2072 Alle Arbeitgeber find hierdurch höflichst eingeladen. Berfstmmlung des Vereins zurWahrung der Jnteress en der faprairw Montag, den 7.«eptember, Abends 8 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstt.77/79. Tages-Ordnung: 1. Der gegenwärtige Lohnkampf. 2. Vereins-Angelegenheiten.[2076 Der Zutritt steht jedem Tapezirer frei. Kottbuser- Sanssouci Sonntag und Montag: Leipziger Sänger nf. 7 Uhr. Entrce 50 Pf. I Abschie Sonntag Ans. 7 Uhr." 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