Nr. 209. Dienstag, den 8. September 1885. IL Jahrg. MMIKsdiÄ Krgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 W.rHtt.r tNal?Sl»tatt � Zlbonnementspreis D irk, wöchentlich 35 Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 (Eingetragen in der PostzeitungSpreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jusertiousgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Nl Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. KedaKtio«: Keuthstraße 2.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. Zur KchrliuMijm. ZedeS Jahr zwei Mal, im Herbst und Frühjahr, be- Kkgnen wir in den Zeitungen öffentlichen Aufforderungen Azamfirter Arbetter an Eltern, Vormünder:c., worin die- Wben, unter dem Hinweise auf die große Anzahl überschüs- W Arbeitskräfte in dem betteffenden Gewerbe, gewarnt Werden, ihre der Schule entwachsenen Söhne oder Mündel w wx-r---•----------- 0-t--« geben. Für Zeutscher Buch- .—,„v.. w. w._____ Arbeiterreserve längst Won ein Graue« erfaßt hat und der seine Warnungen in dl( AWt prnphnn füfit nhpr nurfi in nielen anderen Ge» jetzt wieder folgende_.... owcins der Berliner Posamentiere und Seidenknopfmacher" « Berliner Blättern:„Anläßlich der große« Nachftage nach �hrlingen in der Posamentierwaarenbranche sehen wir uns Oeranlaßt, den Eltern und Vormünder«, die willens find, %e Söhne resp. Mündel Posamentter werden zu laffen, ssnige Erklärungen über die Handhabung de< Lehrverfahrens ? unserer Branche zu geben. Meistens werden die Lebr- von Fabrikanten eingestellt, die das Geschäft nicht im Geringsten praktisch kennen, die Lehrlinge werden dann o°» den Werkführern oder sonst dort beschäftigten Gehilfen N irgend einen Artikel angelernt, auf welche» derselbe Prinzipal am meisten einbringt, ohne Rücksicht dar- W, ob der Lehrling nach beendeter Lehrzeit als wirk- uchsr Gehilfe sein Fortkommen findet; in der Handarbeit(als �denknopfmacher) wird hier in Berlin überhaupt kein Lehr- 2*0 wehr angelernt, infolge der immer mehr zunehmenden «ädchenarbeit, wodurch die Existenz der Gehilfen vollständig «Uergraben wird, und das Resultat der ganzen Lehrlings- ist nur Ersparniß von Arbeitslohn, um konkurrenz- Mger zu sein und das Geschäft herunterzubringen, wo- ootch das Kontingent der stellenlosen Gehilfen immer Kötzer wird." Ob diese Warnung etwas nützen wird? Wir sind über- sUgt, daß dies nicht der Fall ist, und zwar aus dem ein- Nchtn Grunde, weil solche und ähnliche Zustände in einer -Nen Reihe anderer Gewerbe ebenfalls herrschen und dann, JOfsJ die Eltern heute, besonders an Orten von solch ent« Tjckelter Industrie wie in Berlin, oft nicht mehr darauf jAen können, ob ihre Söhne in einem Gewerbe vollständig «herrichtet werden, sondern nur darauf, daß der Junge «oglichst bald und viel verdient. i Die Theilung der Arbeit hat es möglich gemacht, daß ■j1 Ueberaang der Arbeiter von einem Gewerbe zum andern » einer Weise erleichtert ist, von der man früher keine «MUng hatte. Die Arbett, aufgelöst in sich ewig wieder- Skw 49] «rtrt«.] IseuMeton. Das Mormonettmädche». Amerikanische Erzählung von «aldui» Möllhauseu. l�ortlenuna.) v&ncaung sorr,_______, biI63'»der eine Theil gehört Dir, der andere Deiner Schwester, � vielmehr deren hi: ...... hinterlaffenem Sohne warum hast Du ihn nicht mit hierhergebracht," M Hertha ihren Onkel mit klagender Sttmme zu unter- Ä"'»ich sehne mich so nach dem Kinde, Du weißt eS, 0 dennoch—" »Du wirst den Knabe» sehen, Du wirst ihn längere N'Ä WWÄ tofJn zugeführt, wäre das entsetzliche Unglück nicht vor- JMen. Zch eilte hierher, in anderthalb Tage« die ganze flicke zurücklegend; das wäre kein Ritt für ein drenahme« fei:, gewesen.— Ich sprach also von dem Dir zufallend teJwl, welches Dir seiner Zeit vorgelegt und berechr Ww*511' welche« Dir seiner Zeit vor »"Oeji wird. Doch die Güter dieser< s!»'?n wird. Doch die Güter dieser Welt sind vergänglich, inik � nicht im Stande, die Zukunft eines Menschen weder W?rden, noch in der Ewigkett zu sichern. Die Stützen x.jschen Glücks und des ewigm Seelenheils sind edler vv» Uor, sie beruhen mit auf den patriarchalischen, auf den PLrV»** selbst eingesetzten Bestimmungen, laut deren der � nicht allein bleiben soll. ES ist der heilige Stand L. �he, in welchem dem Sterblichen vorzugsweise Gelegen- �.geboten wird, treue Pflichterfüllung zu üben und ein � geweihtes Leben zu führen. Abgesehen davon, daß w, jemandes bedarfst zur Verwaltung Deines Vermögens. "t-in� alle irdischen Sorgen mit Dir theilt, muß ich Je- »»,1. haben, deffen Händen ich Dich mtt ruhigem Gewiffen oauen darf und von dem ich überzeugt bin, daß er holende, mechanische Handgriffe, erfordert keine besonderen technischen Fähigkeiten, und selbst, wo solche nicht ganz ent- behrt werden können, kann sie sich der intelligente Arbeiter rasch aneigne», da es ja gewöhnlich nur eine Anzahl be- stimmter Griffe sind, die er sich einzuüben hat. So wächst denn in unseren großen Städten und In« dustriezentren ein Arbeiterstamm heran, bei dem von einer bestimmten Berufsbildung absolut keine Rede ist, den aber unsere moderne Industrie durchaus nicht entbehren kann. Denn gerade das, wa« das alte zopfige Handwerk an diesem Arbeiterstamm beklagt, macht ihn der modernen Industrie werthvoll. Wir meinen die Eigenschaft der Beweglichkeit nnd Vielseitigkeit. Man begebe sich z. B. in unsere Militäreffekten-Fabriken und man wird staunen, wie an der- selben Bank Sattler, Täschner, Schuhmacher, Säckler und Kaatonnage-Arbeiter arbeiten, alle denselben Artikel machend, heute Tornister, morgen Helme u. f. w. Wenn aber diese Fabriken ohne Arbeit sind, kann man dieselben Leute in irgend einem großen Saale cineS Hintergebäude« treffen, für einen Grossisten Filzpantoffel oder Tuchschuhe nähend. Wir haben dieser Tage den Namen eines Referenten in einer Berliner Versammlung gelesen, von dem wir wissen, daß er Mitte der 70 er Jahre im Laufe eines Jahres in folgenden Berufen thätig war. Zunächst arbeitete er in einer Militär- effekten-Fabrik, als da die Arbeit zu Ende ging, fertigte er Filzpantoffeln, später spielte er Zuschneider bei einer Weißwaaren-HauSarbeittrin, welche zirka 20 Mädchen be- schäftigte und für ein Engros-Geschäft Hemden zu liefern hatte, im Winter aber war er Portier in einem großen Vev gnügungS-Lokal. Nun denke man aber nicht, daß solche Fälle zu den Ausnahmen zählen; im Gegentheil, wer in unseren indu- striellen Städten nicht über diese Vielseitigkett verfügt und außerdem nicht im Besitze von Glücksgütern sich befindet, bei dem wird sich Schmalhans sehr häufig als Küchenmeister einstellen. Der Umstand aber, daß die Zahl derjenigen Ge- werbe, welche ihren Arbeitern dauernde Beschäftigung sichern können, immer geringer wird, andererseits der Verdienst der Eltern meist ein so knapper ist, daß sie froh sind, wenn die heranwachsenden Jungen etwas mit verdienen, macht es be- areiflich, daß eS denjenigen Arbeitgebern, welche sich Haupt« sächlich auf die LehrlingSzüchterei geworfen haben, selten oder nie an Menschenmaterial fehlt. Während der Lehrmeister, welcher den Lehrling noch nach der alten, sogenannten guten Methode auslernt, d. h. ihn, soweit dies sein Geschäft zu- läßt, in allen in dem Gewerbe vorkommenden Arbeiten unterweist, dafür meist eine Entschädigung in Gestalt eines Lehrgeldes für seine Mühe verlangt, bekommt der Lehrling in den Lehrlingsfabriken meist vom ersten Tage seiner Be- schästigung ab Lohn. Wenngleich nun der Vater einsieht, Dich auf dem Wege deS Heils leitet und lenkt bis an das Ende Deiner Tage. Hertha, Tochter meines zu früh dahin einzigen Bruders, Du sollst K eschiedenen, eirathen. schreibt es vor. mein Wille." Du sollst Dich ver- Glaubensbekenntniß deS Mormonenthums und daher ist es auch mein Wunsch und mit einem tiefen Seufzer zu dem plötzlichen Bewußtsei» ihrer Lage zu erwachen. „Onkel, ich soll Heirathen?" fragte sie flüsternd, als habe der Schrecken ihr die Sprache geraubt. „Ja, mein gutes Kind, bereite Dich vor, Du wirst hei- rathen innerhalb kurzer Zeit, und zwar hast Du den Kom- Mandanten dieses Platzes, den ehrenwerthen und würdigen Bruder Elliot fortan als denjenigen zu betrachten, dessen LebenSglück eng und unauflöslich mit dem Deinen verflochten werden wird." „Elliot? Unmöglich!" rief Hertha emporspringend mit dem Ausdruck des größten Entsetzens aus. „Beruhige Dich, Hertha, und lerne die Dinge um Dich her mit Ueberlegung betrachten," versetzte Jansen, der an- gesichtS des sich ihm entgegenstellenden Widerstandes immer ruhiger und entschlossener wurde.„Der Herr hat durch seinen auterwählten Propheten seinen Willen kund gethan, und Du wirst Dich den göttlichen Anordnungen fügen, vor welchen Dein eigener Wille ohnmächtig in den Staub zu- sammensinkt." „Onkel, guter, theurer Onkel," sagte Hertha jetzt mit rührender Zärtlichkeit, indem sie den harten Mann kindlich umschlang und ihr Haupt auf seine Schulter legte;„meine Eltern sind lange tobt, meine einzige Schwester ist ihnen nachgefolgt, deren Sohn wird mir vorenthalten, willst nun auch Du Dich von mir trennen, mich verstoßen, mich ftem- den Menschen, die ich fürchte und verabscheue, in die Arme schleudern? Nein, Onkel, Du kannst es nicht," antwortete sie auf ihre eigene Frage, jetzt nicht mehr länger im Stande, die hervorquellenden Thränen zurückzuhalten,.sage, daß Du mich hast strafen wollen, sage, daß Du Scherz daß sein Sohn in der„Lehre", wo er sich befindet, nie zr» einem ausgebildeten Handwerker heranwachsen wird, so läßt er ihn doch dort, denn nur allzu häufig trifft der Fall zu, daß der Alte an sich selbst erlebt hat, wie wenig es heute, im Zeitalter der Maschine und der Theilung der Arbeit, nützt, in seinem Gewerbe vollständig ausgelernt zu haben. Es gilt als ein Vorzug des amerikanischen Arbeiters, daß er heute hier und morgen dort zugreift, sich vor keiner Arbeit scheut, sich nicht für geschändet betrachtet, wenn er heute auf der Straße den Besen führt, während er vielleicht die Woche vorher noch in einem„Atelier als Gehilfe" ge- arbeitet hat. Nun, der Amerikaner kennt eben unser zünftiges Lehrlings- und Gesellenwesen nicht, er ist Produkt der Neuzeit und verkauft seine Arbeitskraft dort, wo sie ihm jeweilig am besten bezahlt wird. Gleiche Ursachen habe» aber gleiche Wirkungen. Das amerikanische Gewerbe und die dortige Industrie sind zu einer Zeit in Aufschwung ge- kommen, wo auch im alten Europa die alten Zunftregel» und Vorschriften längst auS dem Leime gegangen wäre» und wo der„zünftig" gelernte Geselle dem modernen Ar- beiter Platz machen mußte. Während aber der Amerikaner sich sofort in die Verhältnisse hinein fand, weil er Anderes nicht kannte, laborire« wir noch an de« Erinnerungen a» die Vergangenheit. Der Lehrling der Zunstzeit ist aber einmal mit diesem verschwunden, er ist abgelöst durch den„jugendlichen Ar- beiter". Der Konkurrenz des letzteren können sich unsere Arbeiter aber nicht dadurch erwehren, daß sie ihm de» Eintritt in die Werkstelle und die Fabriksäle zu erschwere» suchen, sondern sie müssen, indem sie thatkräftig in die Ar- beiterbewegung eingreifen, dafür Sorge tragen, daß die jugendliche Arbeitskraft nicht über ihr Vermögen in An- spruch genommen wird und zugleich müssen sie durch Ein- treten für einen gesetzlichen MaximalarbeitStaa, Beschränkung der SonntagSarbeit jc. dahin wirken, daß Raum für neue Arbeitskräfte wird. Was die Buchdrucker, Buchbinder, Tapezirer und Ps« samentirer von ihrem Gewerbe sagen, daß sie übersetzt mit Arbeitern sind, und daß die frisch herangezogenen Lehrlinge nur dazu dienen, die Konkurrenz noch mehr zu verschärfen, das gilt in gleicher Weise für alle Gewerbe und Berufs- arten. ES giebt heute keinen produktive» Beruf, der nicht mit Arbeitskräften über. füllt ist. Deshalb hilft es nichts, sich abzuschließe« und«ach deni bekannten Rezept des katholischen Bauer» zu beten: Ich Kitt' Dich, heiliger Florian, Verschon' mein HauS, zünd' andre an! sondern eS gilt, energisch einzutteten für die Forderungen der aufgeklärten Arbeiter. aber nimm zurück den grausame» auS Deinem Herzen gekommen sei» mit mir getrieben, Ausspruch, der nicht kann!" „Der Ausspruch kam auS meinem Herzen, er kam aus meinem Kopfe," antwortete Jansen, auf den Hertha'« Schmerz nicht ganz ohne Wirkung geblieben war;„Du be- trachtest jetzt allerdings die aettoffene Bestimm»« als ein böse« Verhänaniß, allein die Zeit wird kommen, in welcher Du meinen Beschluß segnest und vielleicht mitleidig lächelst beim Rückblick auf Deine jetzigen leeren Befürchtungen. Ich, dem die Wohlfahrt meiner Brudertochter am meisten am Herzen liegen muß, ich wiederhole Dir nochmals ernst und wohlmeinend: Du wirst Elliot die Hand zum Bunde für's Leben reichen, und ihn lieben und ihm unter- than sein." „Nie, niemals!" rief das geängstigte Mädchen aus, von Jansen zurückprallend, als wenn seine Berührung eS verwundet hätte,„lieber den Tod, den zehnfachen Tod, als eine Verbindung eingehen, bei welcher das Herz nicht mit- spricht. O, Onkel, es ist nicht möglich, Du kannst es nicht verlangen, daß ich unglücklich, namenlos elend werden soll' Ich habe keinen andern Wunsch gehegt, als immer bei Dir zu bleiben, und nun stößt Du mich unbarmherzig zurück. MMMUZ MKMM den Tod m seiner schrecklichsten Gestalt!" _ Nach diese bilden Ausbruch ihrer Gefühle schiene» Hertha S körperliche wie geistige Kräfte gebrochen zu sein. Sie warf sich wieder auf ihren Stuhl, und das Antlitz zwischen ihren auf dem Tische ruhenden Händen verbergend, schluchzte sie so heftig, als sei sie von Krämpfen befallen worden. Jansen beobachte sie während der ganzen Zeit mit i Die Interessen der Arbeiter sind solidarisch. Z» jedem Arbeiier, der in Folge erzielter Arbeitsverkürzung von der Straße wegkommt und Arbeit findet, verschwindet ein Kon- kurrent, und jede Mark Lohn, welche mehr bezahlt wird, trägt zur Hebung des Konsums und dadurch zur Vermehrung der Arbeisgelegenheit bei. Es ist reaktionär, der heranwachsenden Zugend die Möglichkeit zu erschweren, an der für die Gesellschaft noth- wendigen Gesammtarbeit theil zu nehmen. Für sie muß durch Verkürzung der Arbeitszeit und Steigerung der Löhne und die dadurch bedingte Hebung der Konsumtions- fähiqkeit der Massen, Arbeitsgelegenheit und Verdienst ge- schaffen werden. Nicht rückwärts, vorwärts muß der Proletarier seinen Blick richten, wenn er mitwirken will an der Neugestaltung unserer Verhältnisse, die so sehr in seinem Interesse liegt. Politische Webersicht. Dem ReichStagsabgeordneten Kräcker ist nunmehr auch die Klage des Fiskus wegen Herausgabe der empfangenen Diäten zugegangen- Herr Kräcker soll 1818 M. herausgeben, die er nach der Klage aus dem Parteidiätenfondes in der Zeit der vorigen und jetzigen Legislaturperiode erhalten haben soll. Termin rst am 11. November vor der Breslauer Zivilkammer angesetzt worden. Der Berechnung find 404 Tage und pro Tag 4 M. 50 Pf. zu Grunde gelegt. Zur Karolinen-Affaire rst von einer über London ge- kommenen Madrider Meldung Notiz zu nehmen, wonach das spanische Panzerschiff„Argon" auf mehreren Inseln der Palao- Gruppe Truppen gelandet hätte. Von Manila sollen vier Kriegsschiffe abgesegelt sein mit der Weisung, in erster Linie die Karolinen-Inseln Aap und Ponape zu besetzen; außerdem wäre es der Diskretion des Admirals überlaffen, auch andere Inseln der Karolinen- oder Valaoaruppe, die für Spanien in kommerzieller oder politischer Beziehung wichtig erscheinen, zu besetzen. Inzwischen ist nun bereits vre Nachncht eingetroffen, datz die Insel Aap ttotz des Protestes eines spanischen Kriegs- schifies deutscherseits besetzt worden ist. Die spanischen Kriegs- schiffe sollen von Madrid die Ordre erhalten haben, einen Zu- sammenstoß mit den deutschen zu vermeiden. Wie der englische„Standard" erfährt, hat Spanien end- giltig und entschieden den Vorschlag Deutschlands, die Karo- linenfrage dem Schiedsspruch einer befteundeten Macht zu unterbreiten, abgelehnt. Nach einer Depesche dagegen, die französischen Blättern von der Grenzstation Hendaye zuge» gangen ist, fordem die spanischen liberalen Blätter vom Mini- sterium die sofortige Einberufung der Kottes für den Fall, daß Deutschland dabei beharre, Spanien den freien und vollen Besitz aller Kärolineninseln zu bestreiten; man könne dann die Rechtsfrage diskutiren. Der„Franks. Ztg." geht über Paris, 5. Sept., 11 Uhr 40 Min. Abends, folgendes Telegramm zu: Infolge mehrfachen Depeschen-Ausrauschs zwischen Madrid und Berlin, der kein befriedigendes Ergebniß hatte, wurden die b e i d e r s e i» tigen Botschafter heimbeordert. König Alphons würde heute früh in Madrid aus La Granja erwartet, um einem Ministerrath zu prästdiren. Er war Mittags noch nicht angekommen."— Bis jetzt ist diese Nachricht, soweit sie die Botschafter betrifft, von anderer Seite noch nicht bestätigt worden. Die französischen Blätter halten die Lage in Spanien für sehr kritisch. Sie huldigen im Allgemeinen der Anschauung, daß, gleichviel wie der Konflikt beendet werde, die Monarchre unmöglich geworden sei.— Auch in Spanien tritt die Frage, ob jetzt nicht der richtige Moment sei, die Republik zu er- klären, mehr in den Vordergrund. Die Republikaner sollen bereits offen aussprechen, daß der Marschall Serrano sich an die Spitze der Truppen stellen und die Republik proklamiren werde. Der Marschall würde dann vorläufig den Präsidenten- sitz einnehmen. Auch Casteler läßt wieder von sich hören; er bereist das nördliche Spanien, um kriegerische und republikanische Reden zu halten. In Madrid wurden nach eine Depesche der „Jndep. Belge" republikanische Flugblätter verbreitet. Viele Deutsche, besonders Handeltreidende, beginnen Spanien zu ver- � Die„Voss. Zeit." sieht sich veranlaßt, auf das auffällig lange Ausbleiben der gestern zitirten Madrider Depeschen hin- zuweisen. Sie schreibt:„Leider hat sich damtt aber auch wieder einmal die alte Erfahrung bestätigt, daß man in London und wahrscheinlich noch an einigen anderen Plätzen des Auslandes über Ereignisse, die uns weit näher berühren, früher unterrichtet ist als in Berlin; Wolff's telegraphisches Bureau pst eine sehr schwerfallig arbeitende Maschine, wenn es sich um Nachrichtm handelt, die seiner Ansicht nach oder höherer Weisung zufolge erst der Zensur bedürfen. Die Depeschen des„W. T- B." ließen schon durch dre Angabe der Aufgabezeit erkennen, daß sie einen in solchem Falle nrcht ernster Aufmerksamkeit, ohne daß auch nur eine Muskel in feinem wettergebräunten Gesicht gezuckt hätte feine�Augen- winkel dagegen erglänzten feucht, als wenn er eine Thräne in denselben zerdückt hätte. Hertha'S Verzweiflung hatte sein Herz berührt, er bettachtete dieselbe aber, wie der Arzt eine bittere Arznei, welche, wenn auch in ihrer ersten Wirkung unangenehm, schließlich doch Heilung her- beiführt. „Höre mich ruhig an, mein Kind," sagte er endlich, sobald das krampfhafte Schluchzen etwas milder geworden war,„ich habe noch viel mit Dir zu reden, denn es ist meine Absicht, ja mein fester Wille, Dich zu überzeugen, daß ich es in der That nur aut und aufrichtig mit Dir meine. Glaube mir, theures Kind, indem ich unerfchütter- lich auf meinen eben geäußerten Vorschlägen beharre, leitet mich nicht weniger die bange Sorge um Dein irdisches Wohlergehen, als auch um Dein Seelenheil. „Du hast vielleicht schon die Gefangenen gesehen, welche auf der anderen Seite des HofeS in strenger Haft gehalten werden?" fragte er dann, plötzlich abspringend. Hertha richtete sich mit einer raschen Bewegung empor, und Jansen ihr von einer dunkeln Guth übergosseneS Antlitz zuwendend, rief sie aus: „Dm Lieutenant Weatherto»? Zch habe ihn gesehm und gesprochm, und eine Schmach ist es, daß er, dem wir zu so hohem Danke verpflichtet sind, statt die ungebundenste Gastfreundschaft zu genießen, wie ein Verbrecher im Kerker schmachten muß. Zch habe ihm meine Verwendung zugesagt, ohne daß er mich darum gebeten oder auch nur eine Klage ausgesprochen hätte, und ich erfülle eine heilige Pflicht, in- dem ich Dich jetzt bitte, Deinen ganzen Einfluß zu feiner Befreiung aufzubieten. Za, Onkel, ich bitte Dich darum. Er hat edel an uns gehandelt; wende Dich nicht von ihm ab Siehe, ich bürge dafür, der Verdacht, auf welchen hin man ihm feine Freiheit vorenthält, ist vollständig unbegrün- det und nicht im entferntesten verdient er das Mißttaum, welches Du, seit unserer ersten Bekanntschaft mit ihm, stets zu rechtfertigenden Aufenthalt erlitten hatten, und zwar schwer- lich durch Die spanischen Zensurbehörden, da diese die nach London gerichteten Depeschen unbeanstandet gelassen haben. Der Umstand, daß uns diese wichtigen und jeden Deutschen in so hohem Maße interesfirenden Nachrichten erst über London zugingen, machten uns irre an der Richtigkeit derselben. Wir konnten eS unS nicht denken, daß die Regierung eines Landes sich nicht beeilen würde oder gar hindern könnte, daß diese Vorgänge so schnell wie möglich zur Kenntniß des Landes kämm." Die offiziöse„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" läßt sich heute über die Vorgänge in Spanien folgender- maßen auS:„Es kann kaum ausbleiben, daß die Nach- richten, welche auf telegraphischem Wege über die Szenen nach Deutschland gelangt find, deren Schauplatz am Freitag Abend die Hauptstadt Spaniens, und deren Zielpuntt namentlich das Gebäude der deutschen Gesandtschast und dessen unmittelbarste Umgebung gewesen ist, eine gewisse Erregung in dem Geiste der deutschen Leser hervorrufen werden; vor Allem dürfte ein hoher Grad von Verwunderung platzgreifen, da in den Äugen jedes Unbefangenen der ganze Verlauf der Karolinen-Ange- legenheit bisher kein Moment geboten hat, aus welchem das zügellose Treiben der Madrider Tumultuanten sich erklären ließe. — Aber derlei Vorgänge wollen nicht nach den ersten Ein- drücken beurtheilt werden. Es giebt im Leben der Völler Augenblicke, in denen selbst eine kräftige Regierung, wie z. B. die preußische, sich vorübergehend außer Stande sehen könnte, Ausschreitungen, wie Brandstiftung oder Sachbeschädigung, zu verhüten. Im vorliegenden Falle wird hoffentlich, wenn nicht auf anderem Wege doch jedenfalls durch die gerichtliche Unter- suchung klargestellt werden, was für Leute eS waren und von welchen Impulsen geleitet, die zu jedem Mittel greifen, um Feindschaft zwischen Deutschland und Spanien zu stiften." Zur Lotteriefrage. Allem Anschein nach wird die Staatsregieruna aus ihrer in der Lotteriefrage eingenommenen unthätigen Haltung in der nächsten Session' > W des Hauses der Abgeordneten heraustreten und mit einer Vermehrung der Loose vorgehen. Man spricht sogar davon, daß die jetzigen 95,000 Loosnummem auf rund 200,000 gebracht werden sollen, von welchen dann die erforderliche Zahl der sogenannten Frei- loose in Abzug zu bringen wäre. Auch werden die Gewinn- betrüge mit dem bestehenden Münzsustem in Einklang gebracht werden, da die jetzigen noch daS Thalcrspstem zur Grundlage haben und neuerdings erst in der letzten Klaffe die Gewinne von 600 in 550 M. verwandelt worden find. Möglich ist es auch, daß man dann in Folge der bedeutenden Loosvermehmng wieder auf fünf Ziehungen, in welche die Ziehungen früher eingetheilt waren, zurückgeht. Nie trsnslt clorls mondl! Einer der Hauptagitatoren der konservativen Partei ist der Herr v. Hammer« stein, Gutsbesitzer in Hinterpommem. Genannter Herr war bis jetzt Landtagsabaeordneter für den Kreis Lauenburg-Etolp- Bütow, und seine Parteigenossen gehen mit der Abficht um, ihn dorten wiederum kandidiren zu lassen. Nun passirt ihm aber daS Malheur, daß sein Gut zur Zwangsversteigerung ge- langt, und somit wird jetzt von verschiedenen Seiten die Frage kommentirt, ob Herr v. Hammerstein in seinen jetzigen Ver- hältnissen noch wählbar sein wird. Nach der Praxis, die seit langen Jahren von der WahlprüfungSkommisfion rm Adgeord- netenhause geübt worden ist, gelten Personen, die sich im Kon- kurse befinden, als nicht wahlberechtigt und nicht wählbar, weil sie nicht die„Selbstständigkeit" haben, welche das Wahlgesetz verlangt. Wir wissen nicht, so wird der„Königsg. Hart. Ztg." geschrieben, ob die Zwangsversteigerung der Güter des Herrn v. Hammerstcin unter diese Vorschrift fallen wird. Jedenfalls fällt es auf, daß als Verleger der„Kreuzztg." nicht mehr wie früher Herr v. Hammerstein, sondern Herr v. Risselmann zeich- net. Sollte es sich also bei der Zwangsversteigerung um einen Konkurs handeln, dann wäre Herr v. Hammerstein bis zur Abwickelung desselben weder wahlberechtigt noch wahlfähig. Dem in der Sitzung der Internationalen Tele- graphen- Konferenz vom 3. September in letzter Lesung ge- faßten Beschluß der Annahme des einheitlichen Tanfsystems für Europa ist inzwischen auch Schweden, welches sich das Protokoll offen gehalten hatte, nunmehr definitiv beigetteten, so daß die vertragsmäßig nothwendige Einstimmigkeit nunmehr erzielt ist. Von den außereuropäischen Staaten erklärten Japan und Brasilien ihre Bereitwilligkeit, unter gewissen Bedingungen eine Ermäßigung ihrer Telegraphentarife um 25 Prozent ein- treten zu lassen. Die definitiven Erklärungen der Kabel' Gesell- schatten für den großen ozeanischen Verkehr dagegen stehen im Wesentlichen immer noch aus. Aus Schleswig-Holstein wird geschrieben: Durch das „Karolinenfieber" in Spanien wird auch ein Theil des schles- wig-bolsteinischen Geschäfts getroffen. Bekanntlich ist Schles- wig-Hotstein namentlich durch Hamburger und Kieler Ver« Mittelung in hervorragendem Maße an der Versorgung des spanischen Marktes mit Butter betheiligt. Schon Ende der vorigen Woche geschah es nun, daß, ähnlich wie aus Würzburg gemeldet, Bestellungen in dieser Hinsicht von Spanien aus zurückgezogen wurden. Nach den Berichten der dottigen Agcn« Deine Abneigun vermagst, um r! ,m Deinen Beistand angedeihen zu lassen, dann thue es wenigstens meinetwegen; ich flehe ja so in« ständig darum." Während Hertha so sprach, hatte sie sich ihrem Onkel wieder genähert, und als ob sie alles Vorhergegangene ver- gessen hätte, legte sie mit holdseligem Erröthen und schwan« kend zwischen Hoffnung und Besorgniß ihren Arm um seine Schulter. Zansen, von dem man mit Recht behaupten durfte, daß er niemals ein Wort sprach, ohne vorher überlegt zu haben, schaute noch eine Weile düster vor sich nieder, nicht beachtend die wachsende Spannung, mit welcher Hertha'S Blicke an seinem Munde hingen. Endlich ergriff er ihre auf seiner Schulter ruhende Hand, und sie sanft zurückvrängend, zwang er sie gewissermassen zum Niedersitzen.l „Also gesehen und gesprochen hast Du ihn," sagte er, beifällig nickend;„und Deinetwegen soll ich ihm zur Freiheit verhelfen. Es muß eine feste Freundschaft sein, die auf dem Schiffe zwischen Euch geschlossen wurde, eine Freundschaft, stark genug, um ihn bis hierher Dir nachzutteiben, Dich aber zu seiner warmen Fürsprecherin zu machen." „Und meinst Du, eS sei tadelnSwerth, wenn Menschen sich gegenseitig Beweise von Achtung und freundschaftlichen Gesinnungen ertheilen?" fragte Hertha, indem sie ihre großen blaue« Augen mtt einem wahren Ausdruck kindlicher Unschuld auf Zansen richtete. Sie ahnte ja nicht, daß ihr fanattscher, überlegender Onkel sie nur ausfragen und einen Blick in ihr Herz thun wollte, um sie demnächst desto leichter und sicherer seinem Willen unterwerfen zu können. „Du würdest Dich vielleicht nicht sträuben zu Heirathen, wenn Mr. Weatherto« anstatt Ellrot Kommandant von Fort Utah wäre?" fragte er dann scheinbar harmlos, aber seine forschenden Blicke durchdringend auf das geängstigte Mädchen heftend. „Onkel!" rief Hertha bettoffen aus, und in diesem ein- zigen Ausruf offenbarte sich die ganze jungftäuliche Scham und die Verwirrung, die sie über eine Frage empfand, an welche Vre selbst nie gedacht haben würde. „Gut, gut, beruhige Dich, mein Kind, und lege einer harmlosen Frage keine zu große Wichtigkeit bei," fuhr Jan- sen in seiner ernsten, gemessenen Weise fort; aber indem er ten sieht sich das betreffende Geschäft völlig lahmgelegt, urni ist jedenfalls während der Dauer der jetzigen Aufregung ad irgend welche Wiederanknüpfung der abgebrochenen Beziehungen nicht zu denken. In Hamburg lagern in Folge dessen, für Spanien bestimmt, größere Quantitäten schleswig holsteinischer Butter, welche— selbst auf die Gefahr der nicht unerheblichen Verluste durch vorläufiges Zurückhalten der Waare oder dmch Verkauf in anderer Weise— man gar nicht abzusenden gewagt hat. Ausgewiesene von den russischen Behörden zurück- gewiesen. Am 2. d. M. reisten(wie die„Posener Ztg." er- zählt) mehrere Personen, welche aus Preußen ausgewiesen waren und bisher in Thorn und Umgegend gewohnt hatten, nach Alexandrowo in Russtsch-Polen ad. Sie hatten sich vom LandrathSamte refp. der Polizeibehörde gewöhnliche Legittma- tionskarten ausstellen lassen; denn da sie sich nicht der zwangs- weisen polizeilichen Gestellung zur Grenze aussetzen wollten, beabsichtigten sie auf diese Weise selbst zu gehen und sich den russischen Behörden zu stellen. Indessen wollte die russische Behörde sie nicht annehmen und schickte sie nach Preußen zurück, die einen von Alexandrowo, die anderen von Nieszarva und Wloclawek aus, indem sie annahm, daß die gewöhnliche Legitimation nicht ausreichend sei, und daß diejenigen von ihnen, welche in Preußen länger als 16 Jahre lebten, dadurch preußische Untetthanen geworden seien resp. das russische Unter- thanenrecht verloren hätten. Die überseeische Auswanderung aus dem Deutschen Reich über deutsche Häfen und Antwerpen hat nach dem neuesten Monatshefte des Statistischen Amts im Juli er. 6815 Personen betragen gegen 10500, 11469, 12221 und 12 589 in dem entsprechenden Monat der Vorjahre bis 1881 zurück. Die gesammte Auswandemng im laufenden Jahre bis Ende Juli er. wird auf 72160 Personen angegeben geaen 100 801, 105 614, 130204 und 138 728 in den ersten 7 Monaten der Vorjahre 1884, 1883, 1882 und 1881. Die erfreuliche Abnahme der Auswanderung hält also an. Die Auswanderung aus Preußen betrug im Juli 4333- leider find die Provinzen Posen(630), Westpreußen(590), Pommem(521), Hannover (463) und Schleswig-Holstein(422) wieder am stärksten de- theiligt. Aus Pommern sind in den ersten 7 Monaten d. I- 8792, aus Posen 7768 und aus Westpreußen 7340 Personen auf dem angegebenen Wege ausgewandert. Holland. In Amsterdam fand am 4. d. M. eine sozialdemokratische Versammlung statt, in der nach längerer Diskussion der An« ttag zur Annahme gelangte, Beschwerde beim Bürgermeister über das Verhalten der Polizei bei dem Straßenkrawall zu führen. Die Versammlung verlief in der größten Ordnung. Franrveich. Der Abg. Tony Revision, Verttcter des zweiten Wahl- kreises des 20. Pariser Arrondissements, sollte gestern in einer Schule der Rue des Pyrenkes vor seinen Wählern über die Erfüllung seines Mandats berichten, Nachdem die zahlreich er« schienenen Wähler ziemlich lange auf ihn gewartet hatten, ver« las der Präsident nachstehendes Schreiben desselben:„Meine thcuren Freunde! Gestern hatte ich starke Galle-Erbrechungen, Fieber. Doch hielt ich Stand, ich wollte nach Charonne gehen, allein ich habe wieder Erbrechungen und kalten Schweiß. Ick bin ganz und gar krank. Ihr wißt, daß ich nur wenig auf mich höre. Wenn ich mich nur auftecht erhallen könnte, dann ginge ich nach der Rue de Pyrenöes. Allein ich kann nicht. Entschuldigt mich und entbietet meine Entschuldigungen der Versammlung. Ganz der Eure vom Herzen. Tony R<-villon.' — Diese Zeilen fanden nur wenig Glauben, da man von ver- schiedenen Seiten versicherte, daß der„Kranke" ganz gesund gesehen worden sei. Nachdem verschiedene Redner die von RS« villon befolgte Politik scharf getadelt, verlas der Präsident fol- aende Tagesordnung:„Die auf Einladung des Komitees Tony RSvillon in dem Saale der Rue des Pyrenees versammellcn Bürger konstatiren, daß ihr Abgeordneter die Diskussion flieht, brandmarken eine solche Haltung und bekräftigen ihre sozio- listisch-revolutionären Ueberzeugungen."— Diese Tagesordnung wurde einstimmig angenommen. — Anläßlich der bevorstehenden Wahlen hat der Minister des öffentlichen Unterrichts an die Bischöfe folgendes Rund- schreiben gerichtet: Herr Bischof! Im Augenblick der Eröffnung der Wahl- zeit glaube ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Haltung hinlenken zu müssm, die den Mitgliedern Ihrer Geistlichkeit anzuempfeh- len heute nothwendiaer rst denn je. Als Bürger und Steuer- Pflichtige haben die Diener der Kirche ficherlich, wie alle andern Bürger, volle Meinungsfteiheit in Bezug auf ihre Abstimmung- Aber der Einfluß, welchen fie durch ihr Amt auf die Bevölke- rung ausüben, die besondere Natur der Macht, die fie über die Gewissen haben, legen ihnen in der Ausübung ihrer büraer- lichen Rechte eine Zurückhaltung auf, die fie, wenn fie den öffentlichen Frieden nicht gefährden wollen, nicht vergessen —....... icht aus dürfen. Sie können bei ihren AmtSvorrichiungen nid,., der strengsten Neutralität heraustteten, nicht ihren Stand gel- tend machen, um in die Wahlkämpfe einzutreten, ohne ihre dies sagte, hatte er schon die Gewißheit gewonnen, daß Weatherton's Bild tiefer in dem Herzen seiner Nichte ein- gegraben sei, als er selbst jemals geglaubt hatte. „Du verwendest Dich übrigens so warm für ihn," be- gann er nach kurzem Nachdenken wieder.„Weißt Du auch, für wen Du Dich verwendest, und was ihm zur Last ge legt wird?" „Zch weiß es," antwortete Hertha, erschreckt über diese Frage, die eine unbestimmte Drohung zu enthalten schie«! „man will sich an ihm rächen für den Durchsuchungsbefehl, welchen er sich in New-Nork ausstelle« ließ. Aber ich habe ihn selbst darüber befragt; e« waren nur edle, unselbstsüch' tige Beweggründe, welche ihn zu solchem Verfahren veran« laßten. Ja, eS ist wahr," bekräftigte sie eifrig ihre Worte, als fie ein ungläubiges Lächeln ihres Onkels gewährte,„er ist durchaus schuldlos; er hegt nichts weniger als feindliche Absichten gegen unsere Gemeinde; er selbst hat eS mtt ver« sichert, und er ist nicht der Mann, der es vermöchte, eine Unwahrhest zu sprechen. Zch verbürge mich für ihn, Onkel, ich bürge für seine Rechtlichkeit mit meinem Lebe«!" „Du mußt ihn sehr genau kennen, um in solcher Weise für ihn aufzutteten," versetzte Zansen, mit innerer Bewun- derung daS erregte junge Mädchen bettachtend, auS dessen schwärmerischen Blicken eine unbeschreibliche Kühnheit und Entschlossenheit hervorleuchtete.„So schwer es mir auch fällt, Dtt Kummer zu bereiten, so bm ich doch gezwungen, Dich aus Deinem Zrrthum zu reißen. Höre mir auftnerksanr zu, mein liebes Kind, und unterbrich mich nicht, und sollte die freundliche Theilnahme, welche Du für den Fremdling hegst, Dir Thränen entlocken, so laß denselben fteie« Lauf! ich zürne Dir darum nicht. Zch hege die größte Achtung vor Deinem edlen Herze« und vor jedem Schmerz, welchen die Vorsehung Dir aufzuerlegen für gut befindet. Schenk aber auch Du dafür mir offenes Verttauen und setze nur keinen nutzlosen Widerstand entgegen, wenn ich Dich"U' den Weg des Heils zurückzuführen suche.". „WaS ist es, Onkel? Deine Worte deuten auf ein groß/. Unglück; o sage, was ist es!" rief Hertha, von namenloser Angst ergriffen, indem sie die Hände faltete und ihre Blick starr auf Jansen richtete. * IS l; % Ii y Wahlin einer Iber die reich er- en, ver- ..Meine Hungen, nia aus e, vann n nicht. gen der willon. >on ver- und ge- >on Rö« ent fol- es Tony nmeltcn n flieht» ee sozia- zrdnung Wahl- nlenken empseh- Steuer- andern nmung- Zevölke- liberdie büraer- fie den ergeffcn cht ar� nd gel- nt ihre Achten gegen den Staat zu verletzen und ohne ihren Charak- M und vre ihrer Bewachung anvertrauten religiösen Interessen » schavigen. Ich zögere nicht, Herr Bischof, zu glauben, daß Regierung auf Ihre Weisheit und Ihre Opferwilligkeit für T Deutliche Wohl zählen kann, um bei dieser Gelegenheit U Mitglieder Ihrer Geistlichkeit mit der Ihnen zustehenden Wt an die Richtschnur des Betragens zu erinnern, von dem w abgehen zu seben Sie ebenso wenig wünschen müssen wie Ich werde Ihnen dankbar sein, mir den Empfang der ��uwärtigen Mittheflungen anzukündigen. Genehmigen Großbritannien. V. n'e jüngsten Verfolgungen sozialistischer Vorträge durch 5«londoner Polizei- Gerichtshöfe werden von den„Daly »? diskutirt. DaS Blatt fragt, warum die Polizei nur Mm Personen vorgehe, welche sozialistische Doktrinen und sagt dann weiter:„Es ist guter Grund zu der gnnahmg vorhanden, daß Personen von Autorität fich neuer- Ä �strebt haben, unter dem Vorgeben, die Straßen frei- MÜen, Ansichten zu unterdrücken, die fie zufÄ- �?lveise nicht leiden mögen. Dies ist in der That eine sehr tili.®QC6e, die gründlich untersucht werden sollte. Wir sagen 7« über die Abgeschmacktheit der Voraussetzung, daß es Ach sei, den Umlauf von Phrasen, wie z. B. daß der Men fich-m Reichthum des Ostens, oder in dem Schweiß ».Ostens, oder in dem Blute des Ostens wälzt, zu verhtn- D'�Dies ist nicht der Ort, um ,u zeigen, daß diese stark- iWw Ausdrücke Wahrheit und Lüge rn einer sehr trügen« C,«rt und Weise vermischen. Sie find gebraucht worden, ■JlSty die Welt steht, und werden bis zum Ende der Welt Erdrauch sein. Der Punkt, welchen wir hervorzuheben Achen, ist der, daß Verfolgungen wegen Anfichten, welche dZAamten gehäsfig find, nicht gestattet werden darf, fich im. t �em Anschein einer Entfaltung von Eifer für den un- Csm �cnen Straßenverkehr zu verstecken. Redeft eiheit ist Monarchen nicht abgerungen worden, damit fie den Poll« überliefert werde." (in öL®et Generalpostmeister hat an säurmtliche Postbeamten i�ssular erlassen, welches denselben bei den bevorstehenden ?"nen Wahlen zur Richtschnur dienen soll. Er hebt her- obwohl die Beamten des Postamts nicht mehr wähl- »i 1 Ü ünd, doch von denselben als StaatSdienern erwartet ich,;°aß fie in politischen Angelegenheiten eine gewisse Zurück- W.D beobachten und fich weder auf der einen noch auf der !,.??Seite svordrängen. DiePostbeamten dürfen keinem Ausschuß jÄren, dessen Zweck es ist, die Wahl eines besonderen zu fördern oder zu verhindern. Ferner ist ihnen ' �gend einen besonderen Kandidaten durch öffentliche oder schriftlich zu unterstützen oder demselben zu oppo- w/; Postgebäude sollen für Wahlzweckc oder zur Unter- von Adressen oder Denkschriften für Parteizwecke m benutzt werden. aller Stille und o�re�daß die große Welt hierüber Erfahrung gebracht hätte, hat die englische Politik in �„irn eine kleine Schlappe erlitten. Es bestand der Plan M der Minister-Präfident Nubar Pascha war für denselben Än— anläßlich der Ankunft des englischen Spezial- Sir H. Drummond Wolff eine großartige briten- laiche Demonstration in's Werk zu setzen. Mit taufenden -.�Mterschriften bedeckte Adressen, welche Lobpreisungen des Regimes und dringende Befestigung desselben ent- sollten dem Khedive und Wolff überreicht werden. t.'_ c\Tf � am««M*m AM U.ii'�te man auch in Alexandrien und in den MudiriehS C#«r weniger freiwillige Unterschriften zu erwirken, so c.man es doch nicht zu dem gewünschten Effette bnngen. «iit jL�upthinderniß bildete die mohamedanische Geistlichkeit Marken Anhange. In einigen Moscheen von Kairo Ntm �ortrauliche Versammlungen abgehalten, welche das % Ftojekt zum Falle brachten. Das Dementi, welches eng- Mz, Matter der Nachricht, daß eine solche Adresse eristire, K bedeutet in der That g des Umstandes, daß die es ihr Werl verleugnen. Amerika« nichts Anderes als die Urheber angesichts des z------------ t'l ii. tl Anfiedler, welche längere Zeit hindurch der Regierung ichaffen machten, indem fie mit Gewalt von dem von !(ttti(1im Indianer-Territorium in Besitz genommenen Lande Klii« werden mußten, ihre Abficht, nach ihren alten An- % zurückzukehren, aufgegeben und sich zerstreut. Die Viehzüchter im haben. oomers" ?ift Jj? 5n eben nachgerade eingesehen, daß der Präsident es ? CL?,et Durchführung der Gesetze meint und unparteiisch ?Seliz. �berung des Jndianergebictes von allen dort nicht Elementen vorgeht. Denn bekanntlich war der !? bw?b der Unzufriedenheit dieser kleinen Anfiedler, daß H7» 00!? ihnen okkupute Terrain aufzugeben gezwungen ' während man den reichen Viehzüchtern gestattete, im mein Kind/ begann dieser zögernd, ein zu- IV«'altetes Papier aus der Tasche ziehend und ei ge- 4 c\ir Hertha auf den Tisch legend,„ist hier die wirk« «r.:?ee, laut deren der Lieutenant Weatherton beaustragt w' den von New-Aork abfahrenden Dampsbooten nach Sjt g?lrebande der Mormonen zu forschen. Dieser Lieu« vwron ist nun einige Monate später unter sehr 9en Umständen im Mormonengebiete gefunden und \. worden. Es läßt fich daher nicht bezweifeln, daß » nai. de« erbittertsten Feinden unseres Volkes gehört, % y /en schon jetzt in Kraft tretenden Kriegsgesetzen den i 8ic?rae.�ugel verdient hat." ' Un«2'chwieg er, um zu beobachten, welchen Eindruck üse �wartete Nachricht auf seine Nichte ausüben würde. } dj»?. verharrte regungslos in ihrer alten Stellung; S>? T letzte Spur von Farbe aus ihre» Wangen, V ,�e gefalteten Hände sich krampfhaft ineinander �«5 �£de« steht also, außer in Gottes Hand, auch ?! v des zeitigen Kommandanten von Fort Utah, iKet ra von Neuem fort,„Elliot ist der Mann, der e« £walt hat, schon morgen das Urtheil an ihm zu oder ihn sicher über die Grenze unserer Vor- 1 v; m?aus geleiten zu lassen. Hier ist der Beweis, S Wahrheit spreche und nicht zu leeren Worten ustucht nehme, um Dich in Deinen Entschlüsse« zu "nie't lügte er hinzu, das von dem Propheten unter- tH �vdesurtheil WeathertouS, auf welchem nur noch ? vnde ausgefüllt zu werden brauchte, vor seine '% Nichte ausbreitend.„Auf das Versprechen, f'% wieder einzuhändigen, verstand Elliot sich Melbe auf eine Swnde anzuveriraue«. S e' �ches Urtheil mag Dir hart uud ungerecht erscheinen," Ii Kih, Wder, als er bemerkte, daß das erschütterte Mäd- S.U voch die Kraft besaß, einen Blick auf das bezeichnete >ir*%Ten,„allein im Kampfe um unsere Existenz "'e 0-,''»»allem tm Kampfe um unfere �x�ienz ik-Äkm�ngen. zu den äußersten Mitteln zu greifen.» \L flüftm e9en ist er hier, meinetwegen geht er in den lliiinn,? bie bleichen Lippen kaum vernehmbar, und erten sich die zarten Finger in einander. Befitze der von ihnen illegaler Weise erworbenen Ländereien zu bleiben. Nachdem die„Boomers" gesehen, daß auch die reichen und mächtigen Korporationen das Jndianer-Terriiorium räumen müssen, haben fie fich zufrieden gegeben und wird die Ruhe im Jndianer-Lande von dieser Seite wohl nicht mehr gestört werden. Ob die„Vieh-Barone" ihre Weideplätze gut- willig aufgeben werden, ist noch nicht mfl Bestimmtheit zu sagen und vielfach hört man die Meinung aussprechen, daß das Vereinigte Staaten-Militär wird einschreiten müssen, um die diesbezügliche Proklamation des Präfidenten in Kraft zu setzen. — General Prestan, der Rebellenführer, der Aspinwall während der jüngsten Revolution in den Vereinigten Staaten von Kolumbien in Brand gesteckt hatte, ist zum Tode durch den Strang verurtheitt wordem Das Urtheil wurde sofort voll- streckt._ Kommunales. Die Eiadtverordnete« der Arbeiterpartei, unterstützt vom Etadtv. Herrn Schiegnitz, haben folgenden Antrag ge- stellt: Die Stadtverordneten-Versammlung wolle beschließen, den Magisttat zu ersuchen, auf die von dem Stadtv. Tutzauer und Genossen unterm 25. Juni eingebrachte Anfrage:„Beruht die in der Bürgerschaft und auch durch die Presse ver- breitete Mittheilung auf Wahrheit, daß in Hinblick auf den in Berlin ausgebrochenen Streik der Maurergesellen den Bau« meistern, welche städtische Bauten übemommen haben, seitens des Magistrats oder der Bau-Deputation eine Verlängerung der Baufristen, wie es heißt auf 6 Wochen, zugebilligt worden ist?" fich schleunigst zu äußern.— Dieser Antrag wird in der nächsten Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung zur Ver- Handlung gelangen. Zur unentgeltlichen Geburtshilfe haben fich, wie die Armen- Direktion bekannt macht, erboten: Die Herren Dr. Hirschfeld, Kleine Präfidentenstr. 4: Dr. Paprosch, Neue König- straße 47; Sanitätsrath Dr. Wolfert, Potsdamerstt. 43; Dr. Odebrecht, Köpnickersttaße 74(Herr Dr. Odebrecht hält jedoch seine Sprechstunden nur in seiner Poliklinik, Dresdenerstt. 20, von 1—2 Uhr Mittags ab): Dr. Blafius, Maadeburaerstt. 32 (für die Bezirke westlich der Potsdamer Elsenbahn): Dr. Landau, Französtschestr. 60/61; Dr. Rabuske, Lindensttaße 113, und Dr. Lesser, Weißenburgerstt. 5. Außerdem die Stadt- hebeammen: Frau Papesch, Alte Leipzigerstr. 9, und Frau Marcus?, Lüneburgerstt. 5. Im städtischen Arbeitshause befanden fich am 1. Juli er. 59 Familien mit 238 Personen. Am 1. September war der Bestand: 34 Familien mit 117 Personen. Das Asyl für nächtliche Obdachlose benutzten im Laufe des Monats August 5817 Personen, und zwar 5362 Männer und 455 Frauen. Von diesen Personen wurden 1 zur Charitee befördert, 50 dem Krankenhause Moabit, 1 dem Krankenhause Friedrichshain überwiesen und 237 der Polizei vorgeführt. Vom Zentral-Vtehhof. Im Monat August find bei dem städtischen Fleischschau-Amte auf dem Zentral-Viehhofe 21 325 Schweine auf Trichinen untersucht und darunter 8 trichinöse und 152 finnige ermittelt worden, welche als zur mensch- lichen Nahrung ungeeignet verworfen worden find. Wegen Beiseiteschaffung von Theilen einer auf dem städtischen Schlachthofe sertens der untersuchenden Thierärzte beschlagnahmte Kuh, ist ein hiefiaer Schlächtergeselle mit einem Tage Gefängniß rechtskräftig bestraft worden. Zu botanischen Unterrichtszwecken werden in der Woche vom 7. bis 12. September er. in den städtischen Untenichts- Anstalten, sowie in einigen Privatschulen von blühenden Pflan- zen voraussichtlich zur Vertheilung gelangen: A. In sämmt- lichen Schulen: Hirse, vielblüthige Aster, zurückgebogener Fuchs schwänz und Wunderbaum. B. In den höheren Schulen: Feld> treffe, Goldruthe, Zinnensaat und Wolfsmilch. fokales. olizei-Präfidium hatte bekanntlich den Magisttat ersucht, die Panke in diesem Jahre noch einmal räumen zu lassen, nachdem eine solche Räumung bereits im Frühjahre erfolgt ist. Die städtische Baudeputation hat die Nothwendigkeit der zweiten Räumung dieses Wasserlaufs als Seboten anerkannt und wird die hierzu erforderlichen Mittel hleunigst bei den Kommunalbehörden beantragen. Die Depu« tatwn ist zugleich der Anficht, daß die Beseitigung der Uebel- stände, welche durch die Panke hervorgerufen werden, nur durch die Beseittguna der an derselben belegenen Gerbereien und andern gewerblichen Anlagen erfolgen könne. Dieselbe wird in nächster Zeit eine Bereifung des PankebetteS aus- S führen, um fich an Ort und Stelle Kenntniß von den dort herrschenden thatsächlichen Verhältnissen zu verschaffen. err Eugen Richter ist äußerst erbost auf das„Berliner latt", und in dieser Bosheit ist er ganz verwirrt ge- worden. Er beklagt fich, daß wir ihn„Neidhammel",„politischen Bürstenbinder" genannt hätten und zwar bei Gelegenheit der „Es ist indessen nicht hart, nicht ungerecht," erklärte Jansen weiter, ohne Hertha'» Verzweiflung sichtbar zu be- obachten,„nein, nicht ungerecht, wenn man in Betracht zieht, daß seine Helfershelfer in unserm Thal umherschleichen, und Rynolds bereits als erste» Opfer ihrer Hinterlist und Räch- sucht gefallen ist. Lieutenant Weatherton ist also mittelbar an einer im Herzen unseres Gebiete» von seinen Gefährte« ausgeübten Mordthat betheiligt." „Es ist nicht wahr! eS ist eine schmachvolle Lüge, die man ersonnen hat, um ihn ,u verderbe»!" rief Hertha aus, indem sie emporsprang und unter Aufbietung aller Kräfte mit herausfordernder Mene ihrem Onkel gegenüberttat;„mag die schreckliche That verübt haben, wer will, Weatherton hat keine Ahnung davon; er ist unschuldig, die Freunde aber, welche ihn bis hierher begleiteten, sind nicht fähig, ein solches Verbrechen z« begehen, oder er hätte sie nie zu seinen Freunden gewählt! Nein, Onkel, er ist unschuldig, so war mir Gott helfe! Die Hand, die sich gegen sein Lehen er« hebt, giebt mir zugleich das Zeichen, den Salzsee zu ver- lassen und aller Welt zu verkünden, wie in der Gemeinde der Heiligen der letzte» Tage ein Unschuldiger kaltblütig ge- mordet wurde!" „Würdest Du dadurch das entflohene Leben zurück- rufen?" ftagte Jansen mit eisiger Kälte, denn die aus- gesprochene Drohung ließ ihm schon jetzt Hertha als eine Abtrünnige erscheinen, gegen die er sich mit der äußersten Sttenge und Unerbittlichkeit zu benehmen habe;„würdest Du über die Grenzen unseres Gebiete» hinaus gelangen, wenn Du auszögest, um Verrath an Denjenigen zu üben, mit welchen Du Dich in der heiligsten und geläutertsten Religion verbunden? in der Religion, der Du mit Leib und Seele angehörst? Hertha, Deine Eltern waren keine Mor- monen, aber ihr Zorn, ihr Fluch würde sich noch heute wMÄ& WV« ebenfalls die irdische Laufbahn dornenvoll erscheinen, b,s Du* Besprechung des Artikels ver„Freis. Ztg.", welcher fich über das Programm der Arbeiterpartei bei den Kommunalwahlen in allerdings recht alberner Weise äußert. Bei dieser Gelegenheit haben wir nicht jene Worte gebraucht, sondern in einer ener- aischen Zurückweisung, die wir dem Schmäher Lassalle'S zu Theil werden ließen. Bei dieser Schmähung hatte fich Herr Richter als ein kleinlicher„Neidhammel" gezeigt und gut ist es, immer das Ding beim richtigen Namen zu nennen. Treffender allerdings wäre noch wohl das Bild vom MopS, der den Mond anbellt, gewesen. r. Die Aufnahme von Schlafleuten ist auch in unserer Stadt durch bestimmte Polizeivorschriften geregell, in denen bezüglich der zu vermiethenden Schlafräume bestimmte gesund- berts- und stttenpolizeilichen Anforderungen gestellt werden. Obwohl die betreffende Polizei- Verordnung schon seit vielen Jahren besteht, hat fich doch in letzter Zeit nur wenig Anlaß gefunden, auf Grund derselben einzuschreiten und Polizeisttafen find auf Grund dieser Verordnung überhaupt nicht verhängt worden.— Anforderungen, welche polizeilicherseits in einzelnen Fällen an die vermietheten Echlasräume gestellt wurden, find die betreffenden Vermiether stets, ohne daß Zwangsmaßregeln nöthig wurden, nachgekommen. In neuerer Zeit ist nun die Frage in Erwähnung gezogen worden, od die Erfahrungen auf diesem Gebiete. eine Ver- schärfung der bestehenden Polizeivorschristen angezeigt er- scheinen lassen. Mit Rückficht auf die in Berlin thatsächlich bestehenden Verhältnisse haben fich die meisten Revier-Vor- stände in fast übereinstimmender Weise dahin ausgesprochen, daß für eine solche Verschärfung kein Anlaß vorliege. Das Vermiethen von Schlafleuten wird von den einzelnen Vermie- thern nur in sehr mäßigem Umfange betrieben und die frei« willig gewährten Bequemlichketten übersteigen hierbei in den weitaus meisten Fällen erheblich das Maß dessen, was durch polizeiliche Verordnung gefordert wird. Zur Unterdrückung von Uebelständen, die zur Kenntniß der Polizei kamen, hat fich die bestehende Polizei- Verordnung als völlig ausreichend erwiesen. In der Mehrzahl der Fälle entsteht schon nach kurzer Zeit zwischen den Schlafleuten und den Vermiethern ein näherer, familiärer Verkehr, der viel dazu beittägt, daß in un- serer Stadt ttotz der vielfach fich bietenden Gelegenheit der Wechsel der Schlafftellen ein verhältnißmäßig seltener ist. Da dieser Zustand im polizeilichen Interesse nur erwünscht sein kann, so dürfte zu einer Aenderung der bestehenden Polizei- Vorschriften umsoweniger Anlaß vorhanden sein. r. DaS Geheimniß deS Strickzeugs.„Entschuldigen Sre, meine Dame, ich glaube, Sie haben dieses Sttickzeug ver« loren?" Mit diesen Worten wendete sich an einem der letzten sonnigen Tage ein Herr an eine junge üppige Blondine, die in einer Damengesellschaft einen Ausflug mit der Görlitzer Bahn unternommen hatte und eben mit ihren Genossinnen bei dem wichtigen Geschäft des Kaffeetrinkens thätig war. Die Angeredete wurde beim Anblick des weißen Baumwollen- Paquets und der daraus hervorragenden Nadeln plötzlich bis unter das prächtig blonde Haar roth und mit kaum hörbarer Sttmme verneinte fie, das Strickzeug verloren zu haben. Der glückliche Finder, der seiner Sache sicher zu sein glaubte, mußte fich mit diesem Bescheide zurückziehen und an einem benach« harten Tische im Kreise feiner Freunde wurden nun Nach- forschungen an dem Strickzeug angestellt, ob dasselbe vielleicht über seine Eigenthämerin nähere Auskunft enthalte, wie man sich denken kann, ein sehr interessanter Unterhaltungsgegen- stand für eine Herrengesellschaft. Nach Entfernung einer der fünf Nadeln entrollte fich die gestrickte Hülle und es zeigte sich — nn halbfertiger Damenstrumpf: aber von welchen Formen? Der Eindruck, den diese baumwollene Architettonik hervorbrachte, hatte die Wirkung, daß an dem Herrentische über das Fund- objett nur noch leise gesprochen wurde.— AIS die Gesellschaften fich eben zu zerstreuen im Begriffe waren, wurde der Finder von einer altem Dame mit einer gewissen Verlegenheit um die Herausgabe des Sttickzeuges gebeten, die denn auch erfolgte. Am Abend?aber sah man den Sttickzeugfinder mit der blonden Dame zugleich in das Eisenbahn-Kupee steigen und rhr galant die große Ledertasche nachtragen, in deren dunkel- rother Falte fich die baumwollene Fußbekleidung verhüllt hatte, deren Faden wahrscheinlich der kleine Liebesgott abstricken wird. Es sollte uns aber gar nicht wundern, wenn nach diesem Er« eigniß noch mehrere ähnliche Ettickzeuge auf Landpartien ver» loren gehen sollten. Bewegung der Bevölkerung Berlins nach den Ver. offentlichungen des statistischen Amts der Stadt. Die fortge« schriebene Bevölkerungszahl betrug am 15. August inkl. der nachträglichen An- und Abmeldungen 1277842, hat fich dem« nach gegen die Woche vorher um 688 Seelen vermehrt. In der Woche vom 16. bis 22. August wurden polizeilich gemeldet 2653 zugezogene, 1941 fortgezoaene Personen; standesamtlich wurden 190 Ehen geschlossen. Geboren wurden 914 Kinder, und zwar lebend: 447 männliche, 424 weibliche, zusammen 871 (darunter 92 außereheliche) Kinder. Die Lebendgcborenen, aufs Jahw berechnet, bilden 35,5, die Todtgeborenen 1,8 pro Mille der»eodllMung, die außerehelich Geborenen 10,83 pCt. aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Lebendgeborenen plötzlich entdeckst, daß himmlische Ruhe und Zufriedenheit rn Dem Gemüth eingezogen sind!" „Du maast recht haben, Onkel," flehte Hertha mit herz. zerreißendem Ausdruck,„und habe ich in Worten gesündigt, so wird Gott mir vergeben um des Kummer» willen, den rch zu tragen bestimmt bin. Doch wenn ich mich auch da- durch versündige!" rief sie, ihren ganzen Muth zusammen- fassend, aus,„ich wiederhole es und werde es wiederholen, so lange der Athem mir vergönnt ist, Weatherton ist un- schuldig, unschuldig an allem und jedem Verbrechen, welches man ihm zur Last legt, dagegen begehen die Machthaber dieses Thale» ein Verbrechen, rndem sie ihn auch nur eine Stunde länger im Gefängniß schmachten lassen!" „Unschuldig, sagst Du?" entgegnete Jansen ohne Zorn oder Haß, aber so kalt und ausdruckslos, daß es in Herrha's Ohren wie der gräßlichste Hohn klang;„unschuldig, unb dennoch räumst Du ein, daß sich noch Freunde von ihm in diesem Thale befinden? Es geht daraus hervor, daß er Dir die betteffenden Mittheilunaen bereits machte, und Dich dadurch zu seiner Mitschuldigen an Rynold's Tode stempelte. Sei dem nun, wie ihm wolle," fuhr er fort ohne darauf zu achten, daß Hertha, der die Füße de» Dienst versagten, sich wieder auf ihren Stuhl warf und sprachlos vor Entsetzen und Seelenqual zu ihm hinüberschaute «sk ###:!# und Leben geschadet hat." »»Verloren, rettungslos verloren," lispelte Hertha mit bierchen Lippen,.verloren, weil er den Regungen seines 1=�? folgte. O, Onkel, habe Erbarmen mit mir! Srehe, ich halte nichts vor Dir geheim; er kam nicht in ver- ratherischer Absicht, nicht mit feindlichen Gefühlen gegen unser Volk."(Fortsetzung folgt.) 10,56, die bei den Todtgeborenen 16,28 pCt. In der königl. Charitee und Entbindungsanstalt wurden 44 Kinder geboren. Gestorben(ohne Todtgedorene) find 574, nämlich 286 männliche, 288 weibliche Personen. Von diesen waren unter 1 Jahr dt 276(inkl. 61 außereheliche), 1—5 Jahr 62(inkl. 4 außereheliche). 5-16 Jahre 34, 15-20 Jahre 62, 20-30 Jahre 29, 30-40 Jahre 49, 40-60 Jahre 62, 60-80 Jahre 48, über 80 Jahre 8. Die Sterbefälle beim Alter von 0—5 Jahren machen 58,88 pCt. sämmtlicher in dieser Woche Gestorbenen aus. Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Kindern starben 65 im ersten 43 im zweiten, 32 im dritten, 25 im vierten, 21 im fünften, 8 im sechsten, 75 im siebenten bis zwölften Lebensmonate; von denselben waren ernährt 29 mit Muttermilch, 2 mit Ammen- milch, 155 mit Thiermilch, 6 mit Milchsurrogaten, 54 mit gemischter Nahrung, von 30 war es unbekannt. Todesursachen waren besonders; Lungenschwindsucht(72), Lungenentzündung (17), Bronchialkatarrh(8), Kehlkopfentzündung(5), Krämpfe (27), Gehirnschlag(16), Gehirn- und Gehirnhautentzündung (2), Krebs(19), Altersschwäche(11), Lebensschwäche(41), Abzehrung(24), Masern(3), Scharlach(9), Diphtherie(26), Typhus(10), Diarrhöe(53), Brechdurchfall(83), an anderen Krankheiten starben 143 und durch Selbstmord 5, davon durch Erschießen 1, durch Erhängen 4. Die Sterblichkeit der Woche auf das Jahr berechnet, kommen durchschnittlich auf 1000 Be- wohner in Berlin 23,4, in Breslau 31,8, in Frankfurt a. M. 21,1, in Köln 29,5, in Dresden 21,5, in München 30,5, in Bremen 20,0, in Stuttgart 17,8, in Wien 20,6, in Paris 22,1, in London 18.8, in Liverpool 25,0. In der Woche wurden dem Polizei-Prästdium gemeldet als erkrankt an Typhus 55, an Masern 24, an Scharlach 62, an Diphtherie 186. In den 9 größeren Krankenhäusem wurden in der Berichtswoche 730 Kranke aufgenommen, davon litten an Masern 2, an Scharlach 5, an Diphthene 21, an Typhus 39, an Rose 4. Es starben III Personen oder 19,3 pCt. aller in der Woche Gestorbenen; als Bestand verblieben 3427 Kranke. Wasserstand der Spree in der Woche vom 23.-29. August. Soziales««d Arbeiterbewegung. Vor der Auswanderung nach Australien, welche auch für unsere deutschen Landsleute von Interesse ist, steht eine eindringliche und mit vielem statistischen Matered belegte Warnung auch im„Globus". Handel und Wandel in Süd« austrdien— so schreibt das genannte Blatt— liegen arg danieder und die Roth und das Elend unter den vielen Leuten, welche vergeblich Arbeit und Verdienst suchen, sind groß. Die Zahl der Bankrotte ist für die geringe Bevölkerung geradezu erschreckend. Jeder Monat liefett im Durchschnitt ferne vicrsig Bankrotte und selbst darüber. Monstre-MeetingS der Un« beschäftigten werden abgehalten, und die meisten von denen, welche die Mittel dazu aufbringen können, verlassen die Kolonie und schiffen sich gewöhnlich nach Viktoria ein. Ein Dampfer beförderte kürzlich 200 Arbetterfamilien mit Sack und Pack von Pott Adelaide nach Melbourne, wo es auch nicht viel besser ist, und kehrte dann zurück, um eine gleiche Anzahl nachzuholen. Hunderte von Arbeitern belagem das Ministettalgeväude und verlangen Arbeit. Aber die Kolonialkasse ist leer, die Kolonie tief verschuldet. Die öffentliche Schuld hatte sich durch eine neue Anleihe von 1 560 400 Pfd. Sterü am 9. Juni 1885 bereits auf 17 087 600 Pfd. Steil, oder auf 54 Pfd. Sterl. pro Kopf der Bevölkerung gesteigert, zu deren jährlicher Verzinsung über 700 000 Pfd. Sterl. erforderlich find. — Der Hauptbetrieb ist Ackerbau, aber die Grenze, bis wohin der jährlich eintretende Regenfall denselben noch zuläßt, ist längst zum Nachtheile der unglücklichen Farmer überschntten worden. Bei den häufigen Dürren find gute Ernten selten, schlechte und mittelmäßige hingegen das Gewöhnliche«. Die Ernte des JahreS 1884/»5 ergab einen durchschnittlichen Er» trag von 7V, Bushel Weizen vom Acker, d. i. 204 Kilogramm von 0,40 Hektar. Weizen ist die Hauptfrucht im südlichen Australien. Wenn die Kolonien mit ihrem eigenen Bedarfe versorgt find, fehlt es an Märkten für Absatz, und es bleibt nichts anderes übrig, als den Weizen nach England zu ver- schiffen. Die damit verbundenen Kosten lassen dem fleißigen Farmer bei einem Preise von nur 3,50 Matt pro Bushel =» 27,21 Kilogramm, sehr wenig Gewinn.— Australien empfiehlt sich überhaupt Auswanderern zur Zeit nicht. Sie werden bort schwerlich die Vortheile finden, welche fie fich versprochen haben, oder welche ihnen von bezahlten Agenten versprochen worden sind. Die Einwanderung von Deutschen war im letzten Jahre auch nur eine sehr genüge. Die Regierung der tropisch-heißen Kolonie Queensland sucht jetzt durch Gewährung freier Fahrt europäische Auswanderer für ihre Zuckerplantagen im Norden heranzuziehen. Eine Aus- Wanderung nach Kamerun halten wrr für eben so gut. An beiden Orten eignet fich das Klima für Europäer nicht und räumt mit ihnen schnell auf.— Aus Sydney, Kolonie Neu- Kdwales, schreibt man: Es wäre thöricht, fich einzubilden, man auche nur nach den australischen Kolonien auszuwandern, um seine Lage zu verbessern. Das hieße in sehr vielen Fällen so- viel als ,jmnping out cf the frying-pan into the nre"(aus der Bratpfanne ms Feuer springen).— Wie aus der City of Wellington, der Hauptstadt von Neu- Seeland, bettchtet wird, laufen dort an die Kapitäne der nach England zurückkehrenden Schiffe Gesuche von Eingewandetten in Menge ein, ihnen gegen alle möglichen Dienstleistungen freie Rückfahtt nach Eng- land zu gewährm. Vor Auswanderung nach England wird jetzt vielfach gewarnt. Wir bemerken dazu, daß es notorisch ist, daß in England keine Arbeit und besonders nicht für Deutsche vor- handm ist. Unter den Deutschen ist die Noth in London gegenwättig sehr groß; die Konsulate werden von Bittstellern förmlich überlaufm, welche die kostenfreie Rückfahtt nach Deutsch- land wünschm. Besonders kann man den Deutschen, welche in England keine Bekannte haben und nur auf gut Glück hin« ziehen wollen, davon nur dringend abrathen. Eine neue Arbeiterkolonie soll auch im Königreich Sachsen gegründet werden. Bei Berathung über dieselbe er- fuhr man, daß in den 11 bestehenden Kolonien in Deutschland zitta 8000 Ardeiter beschäftigt würden und zwar meist mit Meliorationsarbeiten und im Ackerbau. Die Zahl wäre den „200000 Vagabunden" gegenüber, von denen man faselt, ge- ring genug, doch ist die Zahl der Arbeitslosen, die auf der Landstraße fich aufhalten, viel gettnger, so daß man immerhin schon von emem gewissen Nutzen, den die Arveiterkolonien ge- bracht haben, sprechen kann. Dahingegen soll in der neuen sächfischen Kolonie industrielle Arbeit geleistet werden; dadurch wird aber gerade den sächfischm Jndustriebezirken unleidsame Konkurrenz gemacht. Eine solche Arbeiterkolonie vermindert die Bagabondage nicht, sondern zieht fie groß. Zur Industrie iu Sachsen. Die Tettilindusttie ist die bedeutendste aller� Industrien in Sachsen; fie beschäftigt mehr ds zehnmal soviel Menschen, wte der gesammte Kohlenbergbau (Stein- und Braunkohlenbergbau) mit seinen Nebengewcrben. Denn es entfallen in Sachsen auf die Textilmdusttie 227 923 Erwerbsthätige mit 245 658 Angehörigen, aus den Kohlenbergbau 19 742 Erwerbsthätige mit 45 021 Angehöngen. Schon ein Zweig der Textilindustrie, die HauSweberei, ist stärker als der gelammte Kohlenbergbau, denn er beschäftigt 59 388 Erwerbsthätige mit 88 495 Angehörigen. Die Former in Leipzig wollen die Arbeit niederlegen; in einer Gießerei ist der Streik schon ausgebrochen. Einzelnen ? formern wurde der Lohn um 1'/» Mark herabgesetzt, wogegen ämmtliche Arbeiter demonstritten. In Holland besteht ein scharfes Trunksuchtsaesetz und trotzdem ist der Branntweinkonsum dott erheblich gestiegen. In sieben Monaten des Jahres 1885 find über 2000 Hektoliter mehr versteuett worden ds in der gleichen Zeit des Jahres 1883. Gerade als ob das Trunksuchtsgesetz gegentheilig witte!? Der Wohlstand i« Frankreich ist nicht am Schwinden, wie vielfach behauptet wird. Der„Nawre" zufolge hat nämlich fich der Viehstand in Frankreich in den 10 Jahren von 1873—1883 folgendermaßen verändert: 1873 hatte Frankreich 127 Millionen Stück Rindvieh, im Jahre 1883 aber 130 Millionen, die Zahl der Schafe dagegen sank von 25000000 auf 23 700000, die der Schweine stieg von 5700000 auf 7 100 000.— Das Steigen des Rindviehs um 3 Millionen Stück und der Schweine um fast 1'/, Millionen find ebenso gut Beweise für den erhöhten Wohlstand in Frankreich, als das Sinken der Zahl der Schafe um 1'/« Millionen, da die Schafszucht nur in sogenannten mageren Gegenden getrieben wild.— Auch breitet fich die Fläche zur Bebauung deS Weiw stockes trotz Phylaxern wieder erheblich aus. Die Verminderung der Arbeitszeit wird auch in Nordamerika mit großer Energie angestrebt. Das Komitee der internationalm Vereinigung der Äewettschasten hat an alle Arbeitervereinigunaen in den Vereinigten Staaten und in Ka- nada einen Aufruf erlassen, für Einführung des achtstündigen Arbeitstages vom 1. Mai 1886 ab zu agitiren. Der Streik in der Kohlen- und Eisengrube zu Birkendead(England) ist beendet. Die Noch unter den Streikenden wurde so groß, daß dieselben in die Lohnkürzung von 3 Mark wöchentlich eingewilligt und die Arbeit wieder aufgenommen haben. Der Arbeitslohn beträgt somit nur noch 6>/z M. die Woche._ Vereine und Uersammiungen. Volksversammlung in Eharlottenbnrg. Am Sonn- abend, den 5. September, Abends 9 Uhr, fand in der Gose- Brauerei zu Charlottenburg unter Vorfitz des Herrn Gehricke eine große öffentliche von zirka 400 Personen besuchte Volksversammlung statt, in welcher Herr Krohm aus Berlin über: „Das allgemeine, gleiche und dirette Wahlrecht in Staat und Gemeinde" sprach. Derselbe begründete das gewählte Thema mit den bevorstehenden Wahlen und hält es für Pflicht eines Jeden, fich darüber schlüssig zu werden, welche Stellung die Arbeiter hierbei zu nehmen hätten. Er betonte, daß die Heu- tigen Verhältnisse nur das Produtt einer 2000jähiiaen Ver- gangenheit seien und unterzog die mittelalterlichen Zustände Der Leideigenschast, Zünfte;c. einer eingehenden Besprechung. Redner ging sodann zur Revolution in Frankreich(1789) über und bezeichnete selbige nicht nur als eine poli- tische, sondem auch als eine sozide, weil es fich hier für das Großkapital darum handelte, die feudale Produktion in Industrie und Ackerbau zu brechen. In Preußen schaffte unter Friedrich Wilhelm IN. Die Stein- Hardenberg'sche Gesetz- gebung dem Volke größere politische Freiheiten: die Städte- Ordnung mit dem geheimen und gleichen Wahlrecht, wonach zwar zwei Drittel der Stadtverordneten Hauseigenthümer sein mußten. Hiernach folgten die Feldzüge von 1813—1815 mit den bekannten Erfolgen, bis wrr unter Friedrich Wilhelm IV. die konstituttonelle Verfassung erhielten. Hierbei gedachte Redner auch des Dreiklaffm- Systems, gegen welches fich selbst Fürst Bismarck schon ausgesprochen habe. Sodann wies Referent auf das Wahlgesetz vom 30. Moi 1849, die Städte- Ordnung von 1853, die Konfliktszeit, in welcher fich die Fortschrittspartei im Jahre 1861 gründete und damit selbst den Namen„Demo- kratie" verleugnete, und auf die Gründung des Norddeutschen Bundes, welche das allgemeine gleiche, geheime und direkte Wahlrecht brachte, hin. Er beleuchtete auch die witthschaftlichen Verhältnisse in Frankreich und England. Nachdem Redner unter allgemeiner Heiterkeit noch den bekannten Meinung?- austausch der Herren Wagner und Büchtemann im Parlament zitirte, schloß derselbe mit dem Appell an die Arbeiter, bei den bevorstehenden Wahlen mit allen gesetzmäßigen Mitteln für die Kandidaten der Arbeiterpartei einzutreten.— Folgende Resolution wurde hiernach einstimmig angenommen: „Die heute im Lokde der Gose- Brauerei stattfindende öffentliche Volksversammlung erklärt fich mit den Ausführungen des Herrn Referenten einverstanden und verspricht, mit allen gesetzlichen Mitteln zu erstreben, daß das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht auch für Landtags- und Kom» mundwahlen eingeführt wird. Die Versammlung erklärt fich ferner mit dem von der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstage eingebrachten Arbeiterschutzgesetzentwurfe einver« standen und versprechen die Versammelten, die Petition für Annahme dieses Entwurfs zahlreich zu unterzeichnen." An der fich hieran anknüpfenden Drskusston betheiligten fich die Herren Gehricke, Plage und Schack, welche fich für das„allgemeine, gleiche, geheime und dirette Wahlrecht in Staat und Gemeinde" aussprachen. Nach einem Schlußwort Des Herrn Vortragenden trennte fich die lebhafte Versammlung mit einem Hoch auf die Ardetterpartei. Oessentliche Schneiderversammlung. Donnerstag, den 10. d. M., Abends 8 Uhr, bei Gratweils, Kommandanten- sttraße 77/79. Tagesordnung:.�Zerichtersiattung des Schiedsgerichts in Sachen Subkommisfion kontra Lohnkommisston." Referent Herr Jeschonnek.—(Siehe Inserat am Mittwoch.) Nationale Kranken- und Begräbnißkasse der beut- schen Gold- und Silber- Arbeiter. Die Zahlstellm find jeden ersten und dritten Montag im Monat von 8 Ahr AbendS ab geöffnet und befinden fich in den Restaurants Buckower- ftraße 9 und Eophienftr. 22. Unterftützungsverei« der Vergolder und Berufs- enosscn. Mittwoch, den 9. September, Abends 8'/, Uhr, in Den Jndustrichallen, Mariannenstr. 31—32, Versammlung. Alle Kollegen, welche im Südosten Berlins wohnen, fino freundlichst eingeladen.(Näheres stehe Inserat in der Mittwoch- Nummer.) Arbeiter-vezirksverein für den Osten Berlins. Heute Abend 3'/, Uhr in Kellers Lokal, Andreasstr. 21, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zuttitt.— Der monatliche Beitrag beträgt 20 Pf., Einschreibegeld wird nicht erhoben. Die Petition betreffs des ÄrbeiterschutzgesetzeS liegt zur Unterzeichnung aus. Den Mitgliedern wird es dringend an'S Herz gelegt, nicht nur die Pe- titton mit ihrer eigenen Unterschrift zu versehen, sondem auch in ihren Kreisen dahin zu mitten, daß dieselbe mit Tausenden von Unterschriften bedeckt an den Reichstag gelange. Listen find an den im„Berliner Volksblatt" Nr. 178 bezeichneten Stellen zu haben. Denjenigen Mttgliedem, welche Listen zum Sammeln von Unterschriften entnehmen, wird pünttliche Ablieferung zur Pflicht gemacht. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Fabrik- und Landarbeiter beiderlei Geschlechts(E. H. Dresden) Filiale Berlin. Dienstag den 8. September, Abends 8 Uhr, drei Mitglieder-Versammlungen. 1. Für die Mitglieder im Osten, Andreasstr. 26, in Mahlitz's Salon. 2. Für die Mitglieder im Zenttum, Strdauerstt. 57, in„Alt-Berlin". 3. Für die Mitglieder im Westen, Lützowftr. 112/113, in der„Viktoria- Brauerei". D-O.: 1) Vontandswahl. 2) Wahl von Beitrags. sammlem. 3) Verschiedenes. Zweck der Versamlungen Er« wonen, vag eme an diesem definduche Cisenslangr � bog. Schleunigst rief man darauf die Feuerwehr Wrg welche den Mann— es war ein Wahnsinniger-��sr ilgte und knebelte. Darauf wurde er nach dem BU'ß m geschafft. � Schöne Aussicht. Ein HandlungSreisender �% einem seiner Kunden, Herm Weinbeerl, der gerade 3% seinen Hund durchzuprügeln. Als Herr Weinbeerl v## den gewahr wird, sagte er:„Gedulden Sie fich � blick— EinS nach dem Andern." i» Berlin. Druck und Lerlag von«« vadiug in Berlin 8W, Beuthftraße s. Hierzu ei««* richtung selbstständiger Verwaltungen für die genannten@9 jirke. Oessentliche Versammlung sämmtlicher Tischler ver« lins Dienstag, den 3. September, Abends 3'/, Uhr. Kottbus«' straße 4 a„Sanssouci". Tagesordnung: Wie stellen fich»ie Berliner Tischler dem Beschluß der letzten Delegirten-Versamm- lung vom 25. August d.J. gegenüber? Referent Wilh.Echw'i- Sämmtliche Revisoren von früher und jetzt werden dringeiu> ersucht, zu erscheinen. Legittmation erforderlich. Gauverein Berliner Bildhauer, Annmstraße 1°. Heute Abend 9 Uhr Vortrag des Herrn Goldschmivt M „Staubeinathmungskrankheiten.",. Verband deutscher Zimmerleute(Lokaloerbm Berlin). Mittwoch den 9. d. M., Abends 8 Uhr, KommanM) tenstr. 20. Versammlung. Tagesordnung; 1. ein Reisebericht 2. Verschiedenes. 3. Fragetasten. Aufnahme neuer Mtghedil- Gäste haben Zutritt.. Die Sonntagsarbeit im Kaufmannsstande und m von der Reichsregierung veranstaltete Enquete, lautet die Tag� ordnung für eine heute, Dienstag, den 3. September, Abeiw» 8Vj Uhr, in Feuersteins Salon, Alte Jakobstr. 75, stattfindende öffenttiche Versammlung von Kaufleuten.— Im Hinblick»» das in dieser Frage vom Aeltesten-Kollegium der KaufmannslM gefällte, von der großen Mehrzahl der Kaufleute durchaus n®1 gebilligte Gutachten, ist es, um die öffentliche Meinung JJ® maßgebenden Ausdruck zu bringen, unbedingt erforderlich,»»» diese Versammlung recht zahlreich besucht wird. Freieste kusston ist gesichert.. Oessentliche Versammlung sämmtlicher Stellmachtt Berlins am Dienstag, den 8. Sepiemher, Abends 8 Uhr,» Wolfis Salon. Gr. Frankfurterstt. 117. Tagesordnung: Ärbeiierschutz Gesetz". Der guten Sache wegen hofft ver ß® berufet, daß ein jeder Stellmacher in der Versammlung& scheint. Zugleich werden Diejenigen, welche Listen zum v»? mein von Unterschriften haben, aufgefordert, dieselben abzulus�f Herr Rohleder schreibt uns mit Bezug auf die m � veröffentlichte Zuschrift deS Vorstandes des Vereins der anschläger, daß diesem sowie mehreren anderen Sern®' Fragebogen nicht zugesandt werden konnten, da ihm dem Adressen nicht mitgetheilt waren. Daß die Zahl der Äitglu® um mehr als das Doppelte höher, wie ihm von anderer vm berichtet, könne ihn nur freuen und habe er in seinem Ben� über die Art der Ausfüllung der Fragebogen gegen Vereinsvorstand Zensur geübt, es sei vielmehr anzuerkennen, A was die Lebhaftigkeit des Interesses für fachvereinliche Stau® betrifft, Berlin neben Hamburg an erster Stelle stehe. München, den 5. September. Mittheilung von si Rohleder's Bureau. Im August wurden bei dem Bureau K Ärbeitsangelegenheiten und Statistik weiter angemeldet Vereine mit 2873 Mitgliedern. Demnach find bisher im angemeldet 531 Fachvereine mit 43 080 Mitgliedern, T zwar aus 196 Städten. Berlin ist mit 28 Anmeldungen" theiligt._ Urrmischte«. Von dem Führer der letzten ostafrikanischen% dition, Regierungsbaumeister Hörnicke, ist in Berlin ein J*? essanter Privatbrief eingettoffen. Derselbe ist, wie die„-v/j Ztg." mittheilt, vom 6. August datirt und wurde einem per Gelegenheit zur Besorgung auf die Post in Aden geben, woselbst er am 16. August expedirt wurde. Der ist in Lamu, an der Ostküste Afrikas(unter dem 2. Grad L liehet Breite und 58. Grad östlicher Länge) geschrieben- h Expedition hatte den Austrag, am Tanafluß entlang Innere zu gehen. Hierbei harte fie, wie der Brief H. theilt, mit großen Terrainschwierigkeiten und mit Widenv»� ketten zu kämpfen, die durch die feindliche Haltung, Sultanstruppen verursacht wurden. Der Brief führt � von Beginn des Marsches an die 9% Expedition in's Innere hinein auf" wie der Tritt folgten, so daß eS ihnen gelang, allmählig zwei der schwarzen Träger H.'s zu Desertion zu veranlassen, den Tana-Fluß umgebende Land war meilenweit überschw�- und ein weiteres Vordringen in Folge dessen nicht gut m% so daß die Deserteure von dem arabischen Gouverneur � pflegt werden mußten, nachdem fie H. im Stich gelösten Der arabische Gouverneur war übrigens ein ganz rinflmgrp Mann, wie H. schreibt, und hat fich mehrfach bedankt fm y gute Haltung und Mannszucht, welche H. und die gleitenden Berliner Artillerie-Öffiziere in der undiszipb", 1 Expeditionskuppe aufrecht zu halten vermochten..� Zeichen seiner Geneigtheit wollte er jedem der Expedition beim Weitermarsch eine schwarze J&, schenken, eine Dedikation, die dankend abgelehnt% Nach vorgenommener Neurekrutirung versuchte Herr v-, f Kähnen kern Weiterkommen zu ermöglichen. Er ließ 9% waltige Baumstämme aushöhlen und schiffte fich auf� mit 55 Mann und vielem Gepäck ein. Das übersthw�- Land unter Vermeidung der statt besetzten Araberplätze" p kreuzend, gelangte er oberhalb Ngao in den Tanafluß-„ ze Reise selbst forderte übermenschliche Anstrengungen. binderten große Flächen mannshohen dichten Grases uno Stellen, dann>m Flusse die starke Strömung daS und bewirkten häufiges Umkippen der Boote. Ein von � H. aufgenommenes Flußprofil ergab bei einer Brem � 45 Meter die respektable Tiefe von 5 und 9 Meter a � Rändem und 14 Meter im Stromstrich. Die Expedit»®, während dieser Zeit namentlich von Aalen, Störchen»ir� reihern, die dort zu Tausenden da? Ufer bevölkern. D»->. der Mosauitos soll entsetzlich gewesen sein. Auch dieser Fahrt in den Booten folgte der Expedition eine Araber von etwa 100 Mann. Dieselben scheuten einen Angriff mit Rückficht auf die gute Bewaffnung der Exp Jji Beim Anlegen einiger Boote an einer Insel wurden Di durch Ueberfall 30 Neger gefangen und geHunden fortS Mit dem geringen Rest der Mannschaften ttat He«* seinen Berliner Begleitern den Rückmarsch an und unter den größten Schwierigkeiten Lamu. Während w ßi marscheS hat die Expedition fast täglich 9 Meilen zu)®, m Das Befinden des Herrn H. und seiner Begleiter gezeichnetes. In humoristischer Weise spricht H. noch Waffer des Tana, das fie fo oft getrunken und das von D kaffeebrauner Farbe ist. Die Mitglieder kehren nacht» Berlin zurück.,, Ti Eine aufregende Szene spielte fich vor eiM" in der Apostelkirche zu Köln ab. ES war gegen 8» genS, die Kirch« war von zahlreichen Leuten besu»» Diesen befand fich ein Mann, welcher zuerst ruhig in saß. Plötzlich stand er auf und begab fich an den v. schlug dort mit einem Faustschlage das große KmjlNk so daß es in Stücke brach, erfaßte dann Die Meßw tzßv, warf sie ebenfalls zu Boden. Schon hatte er den des Tabernakels ergriffen, ds ein Herr hinzueilte um Altar weglockte. Nun holte man mehrere bei den arbeiten an der Kirche beschäftigte Arbeiter herbei,® D � Menschen zu ergreifen versuchten; doch der erste, der � r nahte, wurde von ihm so unsanft gegen einen Kuw� worfen� daß eine an diesem befindliche Eisenstange n e- Nicht ,#■* äi .! > gj ** Li, " ei;' S ??' i fleh et. rs Beilage zu« Berlin« BolkMM Zlr. 209. Dienstag, den 8. September 1885. II. Jahrg. Die KllroliM'Ichlll> ?ilcht uns bislang wie alte Junaferu auf dem Erdball vor» Ä die keinen ordentlichen Frerer finden konnten, üben plötz- ,'7."och in ihren alten Tagen eine merkwürdige Anziehungs- "Ofi aus. wahrhaftig, schön find fie nicht! Das frische Blut 5"'hnen, so würde man sagen, wenn die Karolinen Menschen K:n' belebende Waffer ist auf den Inseln nicht vor» mnden, deshalb find dieselben nur wenig fruchtbar. Das Deutsche Reich zeigt einen sonderbaren Geschmack: überall halt es Nachlese— die frischen Mädchen find längst t°n anderen Heimgeführt, die alten Jungfern find fitzen ge. �»eben tn Süd-Ost- und Eüd-West-Afrika und in Polynesten »"nd zu den ältesten von ihnen gehören zweifellos die "�rönnen. tr find schon über 350 Jahre alt und haben noch immer Mn ordentlichen Mann erhalten. Verschiedene Nationen zr" mon an ihnen herumaenascht und nun sollen fie noch rs ßbnug sein für die Deutschen. Ja, man muthet den «men gar noch zu, sich mit dem allen Zuhälter der Karolinen, <�?nier, dieserhalb herumzubalgen. »»«.Derselbe halte sich nämlich lange Jahre nicht um seine !,*!?,"�'chen alten Geliebten bekümmert; doch da nun di. 3- ,!■" an denselben vergreifen will, erwacht plötzlich � alte Liebe wieder und er steht drohend mit dem Knüppel ..��üre merkwürdige Situation! Wohl kaum sehr ruhmbrin- an r PaS Deutsche Reich. ju. �kshalb wird denn eigentlich Kolonialpolitik getrieben? Vmhrer derselben sagen: um die wirthschaftlichen Zustände . �cut,chland durch Ausdehnung des Exports zu heben. Wir fogar einen Verein, der fich Verein für Kolonisation Erpott nennt. 6«,. i wollen diesen Gedanken und diesen Zweck gelten lassen, �?�>andemfallS wäre bei der deutschen Kolonialpolitik weder cmr*"'6' noch ein Zweck vorhanden. . aber der Export durch die Kolonialpolitik in der 1 ßefordert? Oder kann er gefördert werden? Die erste tefi« a unbedingt zu verneinen. Die erworbenen Kolonien »���ßkgenwärllg weder genügende Bedürfnisse, noch genü- !�auflraft. '-Was nicht ist, kann werden", wird man entgegenrufen. wir durchaus kein Vertrauen zu der Kulturentwickelung baiSL oon Deutschland mit Beschlag belegten Länderstriche oeiZÜ' wollen wir diesen Entwurf bis zu einem gewissen Grade mi. ffen. »..,ader— und hier drängt fich das böse Wort„aber" riefen- iV.u zwischen— aber werden, selbst den denkbar besten Fort- Reil vorausgesetzt, die Zukunftsvortheile für das Deutsche auf�.�walS so groß werden, daß fie die Nachtheile in Bezug tzi. ��hkchaftlichen Aufschwung, auf Export u. s. w. aufwiegen, durch unsere Kolonialpolitik jetzt und in den nächsten titufn a wuh die Kolonialpolitik nicht vollständig aus unserer " Soll, und Wirthschastspolitik losscheiden, fie ist nur eine te. ern Stück derselben. ->kch diese Gesammtp •viurf. v'ahb" Kulturnatior HL? aas amerikanische Echweincverdot, durch vre Werretvezoue, �«ner agrarische reaktionären Politik entsprungen find, haben l'ifc*. o? die große amerikanische Republik in wirthschaft- Beziehung entfremdet, so daß der Export nach jenen den!'w Verhältniß zu unserer Gesammtproduktton und zu »Sthum der dortigen Bevölkerung stetig nachläßt. P| unser„Erbfreund" im Osten erbaut noch höhere m, als wir selbst, so daß auch dorthin unser Export schj-�urch unsere Kolonialpolitik erzeugen wir aber bei ver- eitrf, n anderen Nationen Mißmuth. Und wenn derselbe nickt{tt/flen der starken Militärmacht des Deutschen Reiches scknft,?°rt zu Thaten schreitet, so wird dadurch der wirth- Kampf zwischen dem Deutschen Reiche und den w Walkern doch geschärft. Davor ist von den Gegnern �Politik immer ganz besonders gewarnt worden. fcmit, wenn es auch nur die Spanier find, die zuerst diesen �"i in fanatischer und vielleicht auch unkluger Weise er- Die„giile" Stilbe. � Gm: Skizze von Gräfin Mathilde Luckner. Ziachdruck Dttbottn.] »ij,: T?ehr<:te Wochen hielt ich mich in der kleinen Pro- * auf' um dort Chroniken, alte Kirchenbücher und Überlieferungen zu studiren, welche mir zu einem literarischen Unternehmen von Nutzen werden ieqen�°« mir, wohl schon aus Oppositionsgeist s,Qttei Fremde, wenig freundlich entgegen; ja, hie �iung"fä®6*16 man mir meine Aufgabe nach jeder ilirv�-.?ard mir von einem Freunde die gewünschte Auf- T über de« mir bisher unbegreiflichen Widerstand. iks�'O® haben wahrscheinlich," so schrieb mein alter, weit- »"und,„die erste Bedingung zum Gelingen Ihres $onDT„fjmen« außer Acht gelassen, Sie haben versäumt, den Besuch zu machen." �1« das war der Grund! "»n, Nti 3'g griff ich zu Hut und Handschuhen und ließ mir V Rio. 9�„grünen Eule," so hieß mein Gasthof,— J:»der Großen dieser kleinen Erde" geben.— Bürgermeister sind beschäftigt, bitten aber •®tu6e einzutreten" beantwortete das Dienst- (SW,!vetne Frage nach dem Vater der Stadt. wein!5�?allte ich ihrer Weisung folgen, als ein Passus llich Freundes Bnef mich erinnerte:„daß man vor- b-J �..Frauen jener wohlweise« Rathsherren zu gewinnen -Müßte!"— g�au Sürgertnetsierin?" fragte ich. .«'Wen, damit beschäftigt, in aller Eile die htieb � rl von den darauf liegenden Staubdecken zu be- 'z?urde verlegen, so weit hatte man sie nicht instruirt. ' geben Sie meine Karte auch der Frau Bürger- sagte ich. �tn«ett?ernte sich in schlürfendem Geschwindschritt, den r» dp. Haufen Staubdecken unterm Arm, ich blieb allein guten Stube. öffnen— immer bat für Deutschland auch der gegenwärtige Export nach Spanten in einem Jahre bedeutend mehr Werth, als der Export nach allen unseren Kolonien in zehn Jahren. Es lieaen augenblicklich Nachrichten aus Apolda, Clber- feld und Würzburg vor, nach welchen namhafte spanische Firmen namhaften deutschen Exportindustriellen ihre Verbin- düngen kündigen und die Waaren, welche fie bislang aus Deutschland bezogen haben, nunmehr aus England und Frank- reich beziehen. Diesen Erklärungen werden weitere folgen; die schwer er- rungenen Vortheile, welche der spanische Handelsvertrag einzelnen deutschen Industrien gebracht hat, find nun voll- ständig in Frage gestellt und Alles das wegen der alten Jungfern, der Karolinen! Ach, wenn Deutschland nur einen bessern Geschmack hätte! Da ist doch die Lüneburger Haide gegenüber diesen wankelmüthigen Karolinen noch ein braves deutsches Mädchen, welches man leider zu lange geringge- schätzt hat! WeShalb wird dieses nicht von den Kolonialschwärmern vorgezogen? Durch rationelle Bewässerung ließen sich da weite Flächen Oedlands in Wald und Ackerfeld verwandeln. Es ist nun einmal so— die Menschen lausen dem Schemen nach, während fie die reelle Wirklichkett so lercht«greifen könnten. Und dann liebt der Deutsche immer noch das Fremde über Alles— diese alten spanisch- malayischen Jungfem mit ihren fremdländischen Manieren zieht er natürlich dem allerdings etwas grobknochigen deutschen Bauemmädel vor, und wenn er dabei in der Fremde verhunaem sollte. Im Deutschen steckt auch jetzt noch ein großes Stück sentimentaler Romantik und vagabun- direnden Abenteurerthums. Während er die„Vagabunden" im Lande selbst verfolgt, wird er selbst zum Vagabunden. Wahrlich, klug thäte Michel, wenn« die dürren, alten Weibsbild«, die Karolinen, laufen ließe und als braver Familienvater sein HauS und sein Heimathland gut bestellte! Kokales. Berichtigung. In Nr. 200 unseres Blattes brachten wir einen Artikel mit der Spitzmarke:„Wie der Kanzler spricht". Ter Artikel bandelt von einem Vottrage, der im Verein„Stolze'schcr" Stenographen gehalten sein soll. ES muß statt„Stolze'schcr"„Roller'scher" Stenographen heißen. g. In den hiesigen Sanitätswachen und bei den Armen- ärzten kommen in den letzten Wochm eine große Anzahl von Brechdurchfällen und Ruhrkrankheiten zur Behandlung, deren Ursache vornehmlich das viele Obstessen ist. Besonders be- günstigen anhaltender Regen, schneller Wechsel der Luft, feuchte Morgen- und Abendnebel ihre Entstehung, weshalb auch am Ende des Sommers und zu Anfang des Herbstes die meisten Ruhrevidemien fich einstellen. Die Ruhr ist stets eine bedenk- liche Krankheit, namentlich die epidemisch austretende, obwohl viele Kranken davon geheilt werden. Können die Ursachen der Krankheit nicht im Großen beseitigt werden, so ist die Ruhr eine d« nachhaltig wirkendsten. Sie läßt stets für die nächste Zeit eine bedeutende Ermattung zurück und verursacht häufig nachfolgende Lcberlrankheiten und andere Uebel. Die BeHand- lung der Ruhr beschränkt sich in einfachen Fällen fast ganz auf eine strenge Diät und rcizabstumpfende, stärkenden Arzneien. Helfen diese Mittel nicht, so ist das Hinzuziehm eines Arztes durchaus nothwendig. Vor allen Dingen hüte man fich nach dem Genüsse von Obst Waffer oder Bier zu tttnken, da dies viel zur Entstehung d« Krankheit beiträgt. In der Agitation für Verlegung des Krankenhauses Moabit wurden auch vielfach Beschwerden über die Senkgruben des städtischen Krankenhauses und über die Ausdünstungen des Kanals an d« Ecke der Thurm- und Stromstraße geltend ge- macht. Der Magistrat hat jetzt die Verhältnisse prüfen lassen, und das Gutachten des Direktors M«ke vom städtischen Kranken- Hause, sowie des Direktors Schlosky von der Etraßenreinigung geht übereinstimmend dahin, daß die üblen Ausdünstungen nicht von der KrankenhauSentwäfferung, sond«n von der Entwässerung der benachbatten AhrenS'schen Brauerei herrühren. Das städtische statisttsche Amt, von welchem, wie in früheren Jahren, die Aufnahme zur Volkszählung in der Weise ettolgt, daß zugleich Duplikate der Zählkatten für daS königlich statistische Bureau anaefettigt w«den, wird mit dieser Volks- Zählung wiederum eine genaue statistische Aufnahme über die Thätigkeit, die Erwerbs- und Wohnungsverhältniffe d« Be- Man ließ mir Zeit, hier eingehende kulturhistonsche Studien zu machen; ich• bemühte mich auch, die« zu thun, die Gelegenheit auszunutzen, aber es ward mir schwer, nach- zudenken, zu beobachten.— Der modttge Geruch im Zimm« legte sich bleischwer auf meine Sinne. Die Fenster waren gewiß seit dem letzten Scheuer- od« Schrubbfest nicht ge- öffnet worden,— wir befanden uns im September,— also seit Juni, dem Pfingst-Monat,— ein Vietteljahr!— Kein Wund«, daß mich ein heiße« Sehnen nach frisch« Luft«faßte!— Man sah übrigens auch, daß hi« zuletzt eine festliche Stimmung gewaltet hatte, davon zeugten unter And«em die noch nicht angebrannten Stealink«zen, welche noch in ihrer ganzen Zugendftische auf den silbernen Leuchtern prangten.„Silbern",— o nein,— so hieß man sie nur in dem Glasladen von Müll« u. Co. an der Marktecke, ab« sie waren von geblasenem GlaS, mit eingegossenem Quecksilber. Als Lichtmanschetten dienten kunstreiche Häkeleien; eine Rose, aus blutroth« Wolle angefettigt, mit langen Gehängen von weißen Perlen. Von ftüh«en Zeiten her war der Steann zwischen die P«len gelaufen, und die „genaue" Frau Bürg«meisterin hätte ihre schönen Manschetten sich« gereinigt, wenn nicht die Eigenart derselben jedweden Reinigungsv«such von vornh«ein unmöglich gemacht haben würde! Ich entsaun mich beim Anblick der Leucht« ein« jüngst gehötten Vorlesung„über Zimmereinrichtung"—„zweck- entsprechend",„d« Grundidee entsprechend" waren die Stich- wotte de» Professors gewesen. Was würde« wohl zu diesen gehäkelten Rosen sage«, aus d«en Kelchen die Lichter Ä'ar�Bürgermeistenn schien diese blutdürstige Wolle en eroa gekauft zu haben,— sie begegnete mir wieder, in ähnlicher Art verwandt, auf den Gardinenhalt«n. Auch tn w« w»>,«- o.L_ dem schien die Hausfrau nachzustreben,— dieser in die Seele! völkerung Berlins verbinden. Diese spezielle statistische Auf- nähme wird fich nicht blos erstrecken auf die Familienvorstände und die einzelnen Familienmitglieder, sondern auch auf die Gehilfen, Lehrlinge, das Dienstpersonal, die Chambregarnisten, die Schlafburschen, kurz alle diejenigen Personen, welche am 1. Dezember in irgend welcher Zusammengehörigkeit zur Familie stehen. Femer wird die Aufnahme aus- gedehnt werden auf die Feststellung der Zahl derjenigen Personen, welche mit einem organischen Fehl« over sonstigen körperlichen Gebrechen behaftet, welche aus öffentlichen Mitteln Armenunterstützung beziehen, sowie derjenigen Per- soncn, welche aus irgend einem Gmnde erwerbsunfähig ge- worden find. Bezüglich der Wohnungsverhältnisse Berlins wird die Statistik die Zahl der als Wohnungen benutzten Räume, die Zahl der heiz- und nichtheizbaren Wohnzimmer, Kammem, die Zahl der Fenster der einzelnen Wohnräume, die Lage der letzteren, die Miethspreise u. s. w. umfassen, und endlich wird sich die Statistik auch mit der Größe und Zahl der zur gewerblichen Thätigkeit aller Att benutzten Räume be- schäftigen. Das aus dieser Aufnahme gewonnene Material wird später wiederum zu einem größeren statistischen Werke zusammengestellt werden. Das Vorrecht der eigenen statisti- schen Aufnahmen genießen in Preußen überhaupt nur fünf Städte, nämlich Berlin, Breslau, Köln, Altona und Frank- furt a. M.; in den übttgen, sowie auf dem platten Lande, wird die Aufnahme von dem statistischen Amte in Berlin aus geleitet. DaS Frauengefängniß in der Barnimstraße hat sich für seinen Zweck bereits als zu klein erwiesen und soll dcslialb durch einen Erweiterungsbau nach der Weinstraße zu erheblich vergrößert werden. Das düstere Gebäude dient jener über- Haupt nicht besonders bevorzugten Gegend nicht gerade zur Zierde und es läßt fich danach ermessen, daß der projektitte Neubau dort nicht mit besonderer Freude begrüßt wird, man hatte vielmehr gehofft, daß das Gefüngniß, welches eine Filiale des Stadtvoigteigefängnisses bildet, demnächst ebenfalls nach einem der Vorotte der Reichshauptstadt verlegt werden würde. Wie die Dinge jetzt liegen, ist einstweilen an eine solche V«- legung nicht zu denken. w. Der Mangel einer Fußgängerbrücke über den Luisenstädtischen Kanal am Ende der Melchiorstraße hat fich schon seit Jahren fühlbar gemacht und find seitens des Kirchen- Vorstandes der St. Thomasgemeinde, und der Hausbewohner mehrfache Petitionen dieserhalb beim Magistrat eingegangen. Das Projett zu der Brücke ist nunmehr seitens der Baudepu- tation, Abtheilung II, bearbeitet und vem Königlichen Polizei- Präsidium behufs Herbeiführung der landespolizeilichen Ge- nehmigung üderfandt worden. Sofort nach erhaltener Geneh- migung zum Bau gedenkt der Magistrat mit der Ausführung vorzugehen. Derselbe hat das Projekt der Stadtverordneten- Versammlung zur Genehmigung vorgelegt und dieselbe ersucht, die im Etat vorgesehene Summe von 20000 M. zu dieser Bauausführung zur Verfügung zu stellen. g. Für dre Unsicherheit in unseren öffentlichen Park- anlagen während der Nacht spricht wieder folgender Fall: Der in der Frankfutterstr. 66 bei seiner Mutter wohnende Ar- beiter Simson saß in der Nacht zum 6. d. M. mit seinem Freunde, dem Kutscher Weichmann, Frankfurter Allee 166, auf einer Bank im Park vor dem Frankfutter Thorr, woselbst S- eingeschlafen war. Plötzlich traten aus einem nahen Gebüsch 5 bis 6 Männer hervor, umringten die beiden auf der Bank Sitzenden und einer der finstem Gestalten drang auf S. ein und suchte dem schlafenden S. seine Uhr aus der Tasche zu reißen, deren Kette fichtbar gewesen. Weichmann sprang in demselben Moment zu, entriß dem Räuber die Uhr wieder, er- hielt aber zugleich einen Messerstich in die Brust, so daß er nach der Sanitätswache in der Blumenstraße gebracht werden mußte, woselbst ihm die erste ärzttiche Hilfe zu Theil wurde. Wie wir hören, soll es gelungen sein, einen der Strolche fest- zunehmen, wodurch auch die Ermittelung der andern Theil- nehmer an dem Ueberfall gelingen dürfte. g. Eine von schrecklichen Folgen begleitete GaSexplo- fion fand am Eonnabend Abend statt, über welche uns ein Augenzeuge folgende ausführlichen Mittheilungen macht. Die Privattheat«gesellschaft Harmonie I hatte am Sonnabend in der Urania, Wrangelstr. 9—10, eine Theatervorstellung arran- girt. Auf dem Repertoir standen„Eine Tasse Thee" und„D« Bombardi« im Feuer". Vor ca. 200 bis 300 Personen war Sich« rührte sie„ohne Ende die fleißigen Hände, den«, aus allen Ecken und Enden, von allen Stühlen und Tischen, ja sogar von den Wänden hernieder, reoeten die bunten Kinder ihr« Stickmuse von dem ihr hi««blühen- den Kultus. Auf dem Tisch, üb« dem blauen Filztuch, hatten die „fleißigen Hände" eine weiße Decke gehäkelt, in deren Palmen-Must« ein prächtig« Hirsch und eine, offenbar lahme Ente(denn sie schritt auf einem Bein) sich in lieb- lich« Reihenfolge abwechselten. Die Frangen der Decke hingen in gefährlicher Länge zur Erde, ein Knopf meines Paletots hatte sich schon gleich zu Anfang darin festgenestelt, und als ich dann eine Bewegung machte, that die Krücke meines Sonnenschirms dasselbe und es gab einen beängsti- genden Ruck,— d« Schirm zog fast die Ecke vom Tisch und zitt«nd klirrte das Geräih zusammen. Entsetzt löste ich die vnderbliche V«bindung und rückte da» gläfttne Tadlet mit der leeren Wasserflasche und den sechs Liqu«gläs«n wieder an den alten Platz; dabei wurde eine neue Industrie d« Frau Büra«meisterin sichtbar; ein runde« Bricken von aufgezogenen Kürbisk«nen. Es diente dem GlaStell« zum Untersah. Seinen eigentlichen Leben«- zweck konnte ich nicht recht einsehen, da vor etwaigen Ueb«- gießungen bereits die blaue Filzdecke, die weiße Zoologika und der GlaStell« den Tisch schützen!— Aber ich war ja üb«haupt Neuling in dieser Welt d« guten Stube— darum begriff ich sie nicht! Ich lehnte mich auf dem Sopha zurück, nicht ohne ge- Heime Angst mit seinem halben Dutzend„Schonern" in Kollision zu g«athen, wußte ich doch aus jüngst« Erfahrung, wie leicht sich diese großlöchrigen weißen Gewirke üb«all anhängen, wo sie nicht hingehören. O weh! mein armer Kopf!— DaS hatte ja die Härte des Marmors,— sollte das ein Ruhekissen sein? Ich besah eS näher, da hing es über dem Sopha an lang« Schnur, das gewisse Etwas, in Gestalt ein« Wurst und von einer Festigkeit des Matenals, um die es von dem«sten, besten Granitblock beneidet wttden konnte. Darauf stand zwischen Veilchen und Kornblumen:„aus Liebe" gestickt! das erste Stück gut von Statten gegangen. Nachdem das zweite Stück in Szene gesetzt und die in Dilettantentreisen sehr beliebte Soubrette Anna Schaff ihr Auftrittslied begonnen, er- folgte eine fürchterliche, weithin hörbare Detonation, mit dieser zugleich das Erlöschen der Gasflammen. Die Thür vom Saal zur Theatergarderobe hob sich aus ihren Angeln und fiel unter lautem Getöse unter die Zuschauer; Tische, sowie die darauf stehenden Seidel, nebst den Stühlen wurden fortgeschleudert und umgeworfen; Hilferufe und Wimmem von Verwundeten ertönten durch den Saal, kurzum es war eine schreckliche Szene- Alles suchte den Ausgang zu gewinnen, was in der Dunkel- heit und bei den umgeworfenen Tischen und Stühlen unmög- lich war. Fast sämmtliche Damen waren, soweit fie nicht be- schädigt, in Ohnmacht gefallen. Ein Kellner und die Frau des Vereinsregiffeur Tinle schwammen in Blut; der Bierzapfer sowie der Wirth selbst find ebenfalls schwer verletzt. Außerdem wurden noch 2 Personen zur Eanitäts wache und 3 Damen nach Bethanien gebracht. Ueber die Entstehungsur« fache hören wir folgendes: Schon während des ganzen Abends verspürten mehrere den Saal betretende Personen einen Gas» geruch. Ein Angestellter des Wirths erschien auch mit dem Gasanzünder, um die Gasleitung zu revidiren. Nach frucht- loser Arbeit sollen der Wirth und der Zapfer fich mit offenem Licht in den Tunnel, in welchem der Hauptgasometer steht, begeben haben, um den Gasometer zu untersuchen. Kaum hatte der Wirth, Herr Walther, den Gasometer berührt, als auch schon die Exploston erfolgte. Herr W. wurde von den Flam- men erfaßt und ihm Bart und Kopfhaar verbrannt; das ganze Ge ficht, Hände und mehrere Stellen des Körpers find mit Brandwunden bedeckt. Er liegt schwer krank darnieder. Der Zapfer wurde in die Ecke des Tunnels geschleudert und erlitt ebenfalls wesentliche Verletzungen. Durch die Explofion und die Erschütterung find fast sämmtliche Scheiben des Grund- stücks zertrümmert und der Hof zwischen dem Vorderhaus und dem Saale ist aufgerissen worden. Der nach wenigen Minuten nach der Katastrophe eintreffenden Feuerwehr gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Es wäre nur zu wün- schen, daß die Verunglückten mit dem Leben davonkommen. Das sportliebende Verlin. Der Großstädter, im allge- meinen unv speziell der Berliner, ist auch rn dem, was er unter Sommervergnügen versteht, ein ausgesprochener Gesell- schaftsvogel. Ob er im Winter in die Theater, Konzert- und Ballsäle geht oder im Sommer in das Freie, der bezeichnendste Maßstab für das Vergnügen, welches er genossen, ist ihm das Gedränge, in dem er fich befunden hat. Selbst wenn der Berliner in den Grunewald zieht mit dem besten Vorsatz, Natur zu kneipen, hält er fich niemals lange auf einsamen Waldpfaden auf; sobald ein Sommerrestaurant in Sicht kommt, in dem es beinahe ebenso voll ist, wie im Belle-Alliance« Theatergarten oder im Ausstellungspark, ist es um ihn gc- schehen. Der Berliner hat schon die sonderbarsten Sachen als Sommervergnügen angesehen: wir erinnern nur an die noch gar nicht weit zurückliegende Zeit, in der zwanzigtausend Men- schen nach einem Lokale der Hasenhaide strömten, weil ein spekulativer Kops auf die Idee gekommen war, es für einen Genuß anzugeben, wenn man einen ganzen Ochsen am Spieße braten steht. Neuerdings hat fich der Berliner als Sommer- vergnügen den Sport auserkoren. Ob Hoppegarten oder Char- lottenburg, Regatta oder Zweiradrennen, eine Ballonfahrt oder ein Schwimmfest, ob endlich Regen oder Sonnenschein,— der Berliner ist unter allen Umständen zur Stelle. Was fich nur unter dem Namen„Sport" deckt, ist einer Anziehungskraft auf die Massen gewiß, und diese Massen, die sonst so ungeduldig und schwer zu befriedigen find, harren stundenlang und lamm- fromm in einer schattenlosen Wüste, bis die Füllung des Ballons endlich beendet ist, oder bis der sudanesische Fürst sein Leib« kameel besteigt, um mit einem Droschkenlutscher erster Güte ein Wetttennen auszufechten. Man würde dem Berliner Unrecht thun, wenn man glaubte, es sei der sudanesische Fürst oderZsein Kameel, welche fem Interesse in Anspruch nehmen; kein Mensch würde fich um fie kümmern, wenn der Feldher des Rahdi fich nicht das aus langem Schlummer erwachte Eportintereffe der Spreeathener zu Nutze zu machen gewußt hätte. Die Freude fremder oder eigener Kraftäußerung, passives oder aktives an,.............„__________________... HHBBp Sportinteresse ist dem Berliner immer eigen gewesen. Renz verdankt diesem Interesse seit zwanzig Jahren seine besten Kassenresultate. Die Spczialitätenthcater Berlins, in denen Akrobaten auftteten, find allabendlich überfüllt und der lang- jährige Jnhaher des Kraftmessers in der Neuen Welt, der sen dem letzten Sommer sein sonores„Immer ran, meine Herr- schaften!" nicht mehr ertönen läßt, soll fich auf seine„Villa" in Friedrichshagen zurückgezogen haben. Der Kaufmann Reichardt wurde gestern dabei betroffen, wie er sich in ver Bade- Anstalt in der Schönhauser Allee an den Kleidern eines dort badenden Herrn zu schaffen machte und aus der Hosentasche ein Portemonnaie mit 30 M. Inhalt entwendete. Reichardt wurde festgenommen und dem Kriminal- Kommissariat zugeführt. Hier gestand derselbe ein, am 29. v. M. im Kaiser Wilhelms- Bade aus einer Zelle eine goldene Remontoir-Uhr, am 3. d. M. in der städtischen Bade- Anstalt in der Schillingsttaße aus der Brusttasche eines RockeS Diese Granitwurst mit den schottischen Bandschleifen an beiden Enden, stammte sicher von derselben Ludmilla Mond- kalb, welche ihre„Freundschaft" der geliebten Freundin in Perlen und Seide auf Papierstramei bewiesen hatte, und zum Dank dafür unter GlaS und Rahme« an jener Wand aufgehängt worden war. Gerade über der Wurst, zwischen den beiden Oeldruck« bildcrn,(rechts eine Ueberschwemmung„Bei Mondschein", links eine idyllische Familienszene„Elternglück'), deren Rahmen die sorgliche Hausfrau mit gelbem Tarlatan gegen Fliegenattentate geschützt hatte, schmückte Ludmilla Mond» kalbs Angebinde die Wand. „ES wehe» die Winde aus Ost oder Nord. Besteh' unf're Freundschaft nock immerfort. Und wenn auch gar keine Winde mehr weh'n, Soll unsere Freundschaft dennoch besteh'n," las ich durch das GlaS durch. Sollte der schwungvolle Reim auch ein Produkt Ludmillas sein? Der bescheiden links in der Ecke für staunende Kinder und Kindeskinder hineingestickte Namen ließ e» annehmen, daß man sie nicht umsonst so genial:„Ludmilla", getauft hatte. Es wehte so innig— freundschaftlich,— so zart— altjüngferlich aus diesen Liebeszeichen! Welch' ein Gegensatz zu dem Derberen,— aber kräftig — tüchtigen Erzeugnissen der Frau vom Hause! Diese kannte ich schon ganz und gar, sie und ihren tief« innerlichm Schaffensdrang! Ueberall ttat sie mir wie eine liebe Freundin entgegen— so z. B. von dort hinterm Ofen her leuchtete eS so anheimelnd oluttoth; wirklich rührend: die Pantoffel deS Vaters der Stadt— darauf ein charakteristischer Httschkopf mit fast unmöglichem Geweih, mit Augen von weißen Kalkperlen, treuherzigdumm in die gute Stube glotzend, umgeben von einem Hintergrund der en- gr0S Me gern wüßte ich den Namen der Stickerin! Sollte er denn nirgend eingenäht sein? Vergebens suchte ich ihn in dem femsäuberlich in Plüsch« blumen ausgeführten Rand des Spucknapfe«, vergebens im bestickte« Schirmhalter! eine fllbeme Zylinderuhr mit Kette und eine Brille, am 10. v. M. im Admiralsgarten- Bad aus einer Westentasche eine goldene Ankre Uhr und vor ungefähr vier Wochen in demselben Bade eine fildeme Zylinderuhr mit Etahlkette entwendet und unter falschem Namen bei Rückkaufshändlern versetzt zu haben. Durch einen bereits hänfiger gerügten Mißstand, die Ableitung von kochendem Wasser in offene Straßenrinn- steine, hat fich am Sonnabend wieder einmal ein bedauerlicher Unglücksfall ereignet. Ter 10 Jahre alte Sally Cohn, bei seinen Eltern in ver Dragonerstt. 41, wohnhaft glitt am Sonn- abend Nachmittag vor dem Grundstück Gollnowstt. 19, auf welchem fich eine Dampfschneidemühle befindet, deren Wasser aus dem Kessel nach dem Sttaßenrinnstein abgeleitet wird, auS und fiel so unglücklich in den Rinnstein, daß er sich den rechten Fuß total verbrühte. Eine im Hause Gollnowstr. 20 wohnende KaufmannSfamilie nahm den Knaben sofort bei fich auf und ließ ihm die erforderliche Behandlung zu Theil werden. Als man dem Knaben den Stiefel und den Strumpf vom Fuß zog, löste fich die ganze Haut mit ad. Bei derartigen gefährlichen Anlagen muß eS Wunder nehmen, daß der Eigenthümer der Fabrik polizeilicherseitS nicht zu Vorkehrungen herangezogen wird, welche Unglücksfälle der geschilderten Art unmöglich machen. Der rusfische Gutsbesitzer B.» welcher in einem Hotel in der Neuen Fricvrichstraße logirt, bemerkte gestern Vormittag, daß ihm aus seinem Zimmer, welches er nur auf ganz kurze Zeit verlassen hatte, seine goldene Chronometer-Uhr nebst golde- ner Kette im Wetthe von 600 Mark entwendet worden war. Der Verdacht lenkte fich sogleich auf die Handelsfrau Sttim, welche kurz vorher im Hause nach alten Kleidern gettagt hatte. Dieselbe hatte daS Haus bereits wieder verlassen, wurde aber von dem Hotelier eingeholt und zur Wache ststirt, wo denn auch die Uhr bei ihr vorgefunden wurde. Die Strim, welche bereits wiederholt wegen Vergehens gegen das Eigenthum vor« besttaft ist, ist in Hast genommen. Ueber ein abscheuliches Verbrechen geht uns folgende Mittheilung zu: Am 27. v. Mts., Abends gegen'AS Uhr, schickte die in der Luisenstraße 41 wohnende Frau W. ihre 4 jährige Tochter Bertha zu dem im Nebenhause wohnenden Kaufmann, um Bonbons zu holen. Hierbei trug das Kind ein kleines, aus Holzspähnen gearbeitetes weißes Körbchen am Arme, in welchem sich ein kleines schwarzes Portemonnaie be- fand. Da das Kind nach einiger Zeit nicht zurückgekehrt war, machte fich die besorgte Mutter auf den Weg, um es zu suchen, und erfuhr von dem Kaufmann, daß die Kleine den Laden nach Empfang der Bonbons sogleich wieder verlassen hatte. Erst am nächsten Morgen wurde das Kind von zwei Frauen am Platz vor dem Neuen Thor gefunden und der Mutter zu- geführt. Da das Kind über Schmerzen klagte, so wurde es ärztlich untersucht und hierdurch festgestellt, daß dasselbe das Opfer eines abscheulichen Verbrechens geworden ist. Die Kleine aicbt an, daß, als fie den Laden verlassen hatte,„ein alter scheußlicher Mann, welcher Locken trug", es auf den Arm ge- nommen und nach seiner in der Invaliden- oder Schamhorst« straße mehrere Treppen hoch belegenen Wohnung getragen und am nächsten Morgen wieder nach der Straße gebracht habe. Das Körbchen hat der bisher nicht ermittelte Thäter dem Kinde abgenommen und die Rückgabe wohl vergessen. Vielleicht trägt dieser Umstand zu seiner Ermittelung bei. Die Leiche eine? unbekannten ca. 30 Jahre alten Mannes von jüdischem Aussehen, mit schwarzen Haaren, schwarzem dün« nen Vollbart und hoher Stim, bekleidet mit braunem Stroff- rock, geblümter weißer PiquS-Weste und dunklen Hosen, wurde am 6. d. M., Vormittags gegen 3'/, Uhr, unterhalb der Ober- baumbrücke von der Schraube des um diese Zeit von Treptow kommenden Personen-Dampfers„Vineta" erfaßt uud von der« selben in den Schraubenbrunnen f.stgequetscht, so daß die Ma- schine des Fahrzeuges stillstand und das Schiff mittels Staken bis zur Werft geschoben werden mußte. Hier wurde die Leiche, deren Identität nicht festgestellt ist, aus dem Schraubenbrun- nen herausgeholt und nach dem Obduktionshause befördert. Polizet- Bericht. Am 20. v. M- verunglückte die 11 Jahre alte Tochter des Formers ErHardt, Ackerstr. 69 wohnhast, dadurch, daß fie auf dem Hof dieses Grundstücks auf einen Pflaumenstern trat, in Folge dessen ausglitt und das Bein brach.— Am 5. d. M. Vormittags durchschnitt ein 64 Jahre alter Mann in seiner Wohnung m der Greifswalder- straße fich in selbstmörderischer Abficht die Pulsader der linken Hand. Nach Anlegung eines Nothverdandes wurde er mittelst Krankenwagens nach dem Krankenhaus im Friedrichshain ge- bracht.— An demselben Tage Mittags erschoß fich ein Mann in seiner Wohnung in der Brückenstraße anscheinend aus Schwermuth.— Am 5. d. M. Nachmittags brach in dem Tanz- saal Vaurhall, Dresdnerstr. 96, ein daselbst aufgestelltes Stangengerüst, auf welchem die Maler Perlitt und Radtkc be- schästigt waren, zusammen. Perlitt erlttt anscheinend erhebliche innere Verletzungen und mußte mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht werden. Radtke trug nur leichte Verletzungen davon.— Zu derselben Zeit wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Wasserthoi straße an einem Halen erhängt vorgefunden.— Dort am Fenster stand im Blumentisch statt der Blumen ein Goldfischbehälter, ich bückte mich, um genauer forschen zu können, hinunter zu dem Fischer aus grünlicher Bronze, der mit in die Seite gestemmtem Arm der leeren Goldfisch- bütte als Träger diente. Sein Haarnetz kennzeichnete den Venezianer und über die rechte Schulter trug er eine Stange mit rothfilirtem Wollennetz— einen Namen fand ich nicht. Vielleicht auf dem Zylinderhütchen der großen Kugel- lampe? Dieses Mal hat die„Nimmerruhende" sich in rothen Nelken ausgetobt, von denen eine blaue Ouaste me- lancholisch herabhing. Enttäuscht wandte ich meine Blicke von der blauen Ouaste ab, der großen Fliegenklatsche zu, die in der Ecke hing. Sie war aus Leder und mit grüner Seide bestickt. Zch begab mich an da» Entziffern der etwas undeut- lichen Schrift, las dann aber teider nicht den erhofften Namen, sondern den zwar schönen, aber hier etwas ironisch angehauchten Spruch:„Was man aus Liebe thut, das geht noch mal so gut." Ich ließ enttäuscht den Kopf hängen. Mir wurde schließlich die Zeil lang. Es kam Niemand. Sollte man mich vergessen haben? Unmuthig schritt ich auf und ab; meine verzagenden Lebensgeister erfrischten sich noch eine Weile an der Be- trachwng des Glasschranks und feines Inhalts; vorzüglich ein ausgestopfter Kanarienvogel, ein Donnerkeil und ein Packet silberner Löffel(dieses Mal aber nicht von GlaS) reizten meine Beobachtungssucht. Die Löffel hingen, zierlich an einem Bändchen gebunden, hinter den Scheibe«. Das Bändchen war blau, am obersten Ringe des Schranks angenagelt und die Löffel waren kunstvoll auseinander ge- spreizt. Zch sah nach meiner Uhr,— bereits Mittag! Zn der„grünen Eule" wurde jetzt die Suppe aufge- tragen— die wollte ich nicht versäumen?"— Entschlossen zog ich den Glockenzug, welcher in Gestalt einer Glasperlenflechte herunter hing; ,ch lauschte auf das Resultat! Am 5. d. M. Abends erfolgte in dem Vergnügungs-Lolal „Urania", Wranaelsttaße 10, woselbst etwa 200 Personen einer Privat-Tbeater-Aufführung beiwohnten, anscheinend in Folze Undichtheit des Gasometers eine starke Gasexploston, wobei der Besitzer des Lokals und ein Kellner schwer und drei Personen leicht verletzt wurden.— Am 6. d. M. Vormittags wurde au! dem Schlefischen Bahnhofe bei der Reinigung eines Stadt- bahn-Waggons in einem Koupee 3. Klaffe zwischen Heizrohr und Rückwand in einer Zigarren-Kiste die Lerche eineS neuge' dorenen Kindes aufgefunden und nach dem Obdultionshause geschafft.— Um dieselbe Zeit blieb an einem von Treptow kommenden Dampfer der Berliner DampfschWahrts-Gesellschaft unweit der Oberbaumsbrücke die Schraube plötzlich stehen, so daß der Dampfer mittelst Stakens nach der in der Kövniaer- straße 3 befindlichen Werft gebracht werden mußte. Bei der sofort vorgenommenen Revision stellte fich heraus, daß die Leiche eines Mannes im Wasser von der Schraube erfaßt und in den Schraubenbrunnen hinein gepreßt war, so daß die Ma- schine nicht weiter arbeiten konnte. Die Leiche, anscheinend die eines etwa 30 Jahre alten Mannes, wurde nach dem Obdul- tionShause gebracht.— Einige Zeit später wurde der Komtoir- diener Schlese während einer Omnibusfahrt nach dem Schon- Häuser Thor von einem Schlaganfall betroffen und verstaro kurze Zeit darauf. Gerichts-Zeitung. P. Wegen roher Mißhandlung feines Kindes erschien am Montag der Dachdeckermeister Karl Köhler aus Friedrichs- felde vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts ll. Seine neunjährige Tochter Martha schickte der Angeklagte zu einun in der Nahe wohnenden Kaufmann; daS Krnd war auf dein Rückwege mit crnigen Altersgenossen zusammengettoffen und hatte beim Spielen das Nachhausekommen vergessen. D>" brachte den Angeklagten, einen gewaltthättgen Menschen, ni Zorn, mit einer von ihm eigens zu diesem Zweck angefertigten Peitsche versehen, eilte er aus seiner Wohnung nach der Sttaße, ergriff das Kind beim Genick und schlug auf das schwächliche Wesen in solch roher Weise blindlings los, daß alsbald da« Blut floß. Das Kind fiel zu Boden, aber auch dies hinderte den Angeklagten nicht, er schlug nun von oben herunter am das am Boden liegende Kind. Erst der Zuruf einiger dem Thatorte gegenüberwohnenden Leute veranlaßte den Ange- klagten, seine Mißhandlungen zu beendigen. Herbeigeeilte Nach' baren hoben nun das mit blutigen Striemen am ganze" Körper bedeckte Kind vom Erdboden auf und führte» dasselbe zu dem am Orte stationirten Gendarmen. 3» Folge dieser Anzeige hatte der unmenschliche Vater fich dm Schranken des Gerichts wegen der rohen UeberschreitunS seines Züchtigungsrechts zu verantworten. Die Ausflucht de» Angeklagten, er habe dem Kinde mit der Peitsche nur(w oder sieben Hiebe versetzt, mtlockte ven Zeuginnen ein laute»; „Ach!" Diese Zeuginnen bekunden im Gegentheil, daß die Züchtigungs-Mcthode des Angeklagten alle Begriffe übersteige und eine überaus brutale gewesen sei. Eine andere Aus«®« des Angeklagten, daß er das Kind, weil es lügmhaft, diebisch und unordentlich sei, auf keine andere Weise zur Raison bringe» könne, übte bei Beurtheilung setner Handlungsweise nur ins»' fern einen Einfluß, als daS Gericht als Milverungsgrund a»' nahm, daß er vielleicht Veranlassung gehabt haben mag, st"! Kind zu züchtigen. Jedenfalls— so erachtet der Gerichts®?! — habe der Angeklagte aber daS ihm zustehende Züchtigung� recht überschritten; das Urtheil lautete daher auf zwei Mona� Gefängniß. P. Der Schrecke« der Bauern und Marktleute, welch« am frühen Morgen vor Sonnenaufgang ihre Produtte j» Berlin zu Markte bringen, ist sett längerer Zeit eine Ban®« von Strolchen und Wegelagerern, die ihre Pennen auf Feldern der Umgegend Berlins verlassen, um die mit lanj" wirthschaftlichen Produtten beladenm Wagm der BauM? während der Fahrt auf den Chausseen zu plündern. Zj®? dieser Wegelagerer erschienen gestern vor der Ferienkammer»«» Landgerichts it. Am 15. Juli d. I. früh lurz vor 2 W pasfirte der Schlächtermeister Fischer, von Britz herkomme»� die Chaussee in der Nähe des Thomaskirchhofes in Rix®»� Er führte mit seinem Gesellen einen mit Fleisch beladen«" Wagen und war, durch die Erzählungen einiger kurz zu»? bestohlener Marttleute gewamt, wohl auf der Hut und ffij* auf seinen Wagen gut Acht. Da plötzlich ward er 0«##' daß trotz ferner Wachfamkeit ein gewichtiges Ri% viertel vom Wagen verschwunden war. Fischer®% den Gesellen beim Wagen halten und eilte einem Man"' nach der fichtlich bemüht war, fich seiner Anna®« rung durch die Flucht zu entziehen. Die schwere Vekleid»"- des Fischer hinderte ihn jedoch, sein Vorhaben auszuführen r"? des Diebes auszukundschaften, als derselbe in einem jjjjff ängstlichm Tone rief:„Was wollen Sie von mir?" und R«� aus nahm. Die nähere Besichtigung des Wagens führte i» Cr Unheimliche Stille ringsum! Ich zog stärker abermals: doch nicht», garnichtS war zu hören. � Ein wilder Verdacht veranlaßte mich, das obere der Schnur genau zu betrachten— da sah ich das Berg« liche meiner Mühen ein; es gab gar keinen Draht dort der Höhe,— die Flechte hing nur zum Putze da! Als ich mich zum Verlassen der guten Stube anschw f' hörte ich draußen Schritte, die Thür ward geöffnet, ein H« im Reiseanzug, eine Reisetasche in der Hand, trat ein"" stellte sich vor: der Vater der Stadt! j Er bedauerte keine Zeit für mich zu haben, da er Reisen müsse. Ob ich nicht warten wolle,— seine käme gleich, wäre nur bei der Toilette! Zch zog vor, mit ihm zugleich da» HauS zu anstatt zu warte«, bis die„Sorgliche" sich erst „seidene Kleid" geworfen haben würde. � Wir gingen eine Strecke nebeneinander auf Straße hin. Während der Bürgermeister mir auseina»® setzte, daß es ihm, aus Rücksichten auf Tobte und-««L dige, unmöglich sei, mir irgend welche Auskunft zu 9%, hingen sich meine wonnetrunkenen Blicke an feine g(r Reisetasche. � Dort fand ich das erlösende Wort für daS, � seit einer Stunde mein Herz bedrückte. Mitten einem dicken Vergißmeinnichtkranz stand in zollgroßea staben: »Auf ewig Deine Emma."..(Mi So wußte ich doch wenigstens den Namen der 9° mit den fleißigen Händen.. Der Mensch muß sich beschränken könne«, T"..„ßt freute ich mich des kleinen Erfolges,— wo mir der g« versagt war. . Beftiedigt kehrte ich zu meiner„Eule" schrieb, theil» auS Nachsucht gegen Bürgermeister», «m meine lieben Mitmenschen mit dem Muster � bqten Stube bekannt zu machen, diese Zeile» ti® »gute Stube". J" fflt Fischer höchst unangenehmen Entdeckung, daß außer «m Rinoer-Vicrtel noch 2 Rinder-Kämme, 2 Rinderzungen, * Lebein und 10 Pfund Rinderbraten vom Wagen herunter- Pohlen waren. Die Nachforschungen nach den diebischen strolchen blieben für den Augenblick erfolglos.— Am Nach- mittagc desselben Tages gewahrten jedoch Arbeiter auf dem -lhomaskirchhofe das verdächtige Gebahren zweier Männer in twem an den Kirchhof angrenzenden Roggenfelde. Die- leiben hantirten dort unter den aufgeschichteten Ge- teide- Mandeln mit großen Stücken Fleisch herum, als Wänden sie sich in der Feldküche eines militärischen Biwaks. «»die Arbeiter sich den beiden im Roggenfelde zu nähern Wen, flüchteten sie, indessen wurden Verde, da man sie für b>i Thäter jenes Diebstahls zu halten berechtigt war, festge- »«nmen und nach dem Amtsgeriehtsgefängniß zu Rixdorf ab- Bs'ührt. In den Arrestanten entdeckte man häufig vorbestrafte Einbrecher. Beide, wiederholt Insassen des Zuchthauses ge- Mn, entpuppten sich schließlich als der Zimmermann Emil �>hlle und der Steinsetzer Karl Wilhelm August Tallwitz und Mienen gestern wegen schweren Diebstahls vor der Ferien- Mlammer. Gohlke, der stark stottert, wurde von dem Bestoh- Wm mit Bestimmtheit rekognoszirt als diejenige Persönlichkeit, W als er eine Frage an sie genchtet, vor ihm geflüchtet, wäh- M Beide, Gohlke und Tallwitz dem Gerichtshof klar zu machen Wudjten, daß sie nur zufällig in die Affarre hineingezogen fMen seien. Sie hätten zwei Männer aus dem Kornfeld Wauskommen gesehen und wären nach deren Entfemung von �nigier getrieben in das Kornfeld getreten, um zu sehen, es dort gebe- dort hätte man sie dann unverschuldet bsi Diebe angeschen und verhaftet. Der Gerichtshof Mete jedoch m subjektiver Hinficht, die Angeklagten der �litbetheiligung an der Beraubung des Fischer'schen Wagens, '5 überführt und erkannte gegen Tallwitz auf 2 Jahre 3 Jahxx Ehrverlust und Zuläsfigkeit von Polizei- Ö-öugie vs-oibctiuii_„ lacht, und gegen Gohlke auf 4 Jahr Zuchthaus. bekannte Anttsemttenführer Schuhmacher Her- ..M. Schröder war derzeit wegen Beleidigung des Rechts- "«alts Michaelis zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt worden J. wurde gestern die Sache in zwnter Instanz verhandelt, So» i Verurtheilte die Berufung eingelegt hatte Der Prozeß -y?" ein Nachspiel zu jenem antisemischen Krawall, der im Sn 84 im Kasö Zentral stattfand und aus welchem der lSmßte wit mehreren schweren Kopfwunden hervor ging. es Betheiligten an jener Schlägerei wurden derzeit vom oü.Pngerichte in Strafe genommen und hatte in diesem Pro- m �.Rechtsanwalt Michaelis die Bertheidigung des Personals L,! Rafs Zentral übernommen, welches die Ruhestörer hinaus- vrdeft hatte. Rechtsanwalt Michaelis kam in jenem Termine wrd hielt der Angeklagte es sür angezeigt, den Rechts- - der Frechheit zu beschuldigen, weil der- �ÜMia 3b( % es wage, als Bertheidiger der Gegenpartei aufzutreten, »fjbem derselbe sich aktiv an der Schlägerei hetheiligt habe. c' der letztere später hiervon Kenntniß erhielt, stellte er den Awntrag und Schröder wurde, wie oben erwähnt, verurtheilt, P Rechtsanwalt Michaelis nachwies, daß er sich wohl in linf* vn-rj. rr- r. rf,* f P L. f* JT. ifirtLaf180"®011 uicrcyaens nacywies, oan e, Rächt im CafS Centtal befunden, sich aber entfernt hatte, .feindselige Stimmung der Gäste in einer allgemeinen Cr stch Lust machte. Der Verurtheilte und sein Verthei- Ütr.Ure�8on®ast Stein, stützten die Berufung darauf, daß ÄirfSn? jedenfalls der Meinung sein konnte, Rechtsanwalt biil% m bei der Schlägerei betheiligt gewesen und aus "■ � Grunde rechtfertige sich ein niedrigeres Strafmaß. Der >of ließ diesen Milderungsgrund gelten, indem er das ».-3 auf rne Geldstrafe von 60 Mk. ermäßigte. Gottesdienst in der St. Thomas- Interims- verIitt am zweiten Pfingstteiertage eine Störung. SOjSw des Gesanges vor der Predigt betrat ein etwa Mann die Kirche und nahm neben einer eifrig ".Dame Platz. Er belästigte dieselbe wiederholt dadurch, SL, ahne Weiteres seinen nichts weniger als fein frifirten !" das Gesangbuch seiner Nachbarin steckte und sodann 1% hervorbrachte, wodurch er zur Evidenz bewies, daß ihm �.»."gen sowohl Stimme wie Gehör fehlte. Laut "IM®aren die Töne aber. Der Gesang war zu Ende Prediger bestieg die Kanzel. Anstatt ein andächtiger tk.fP Zu sein, fuhr der schlechte Sänger in seinem auffallenden W Wnden Benehmen fort, er begleitete die Predigt - lebhaften Gestikulationen und deutlichem Murren. �idi� n seine Nachkam u. A., daß derselbe die Rede des ,äa rßet8 mit Aeußemngen wie:„Du hast ja so Recht" und k%>ut, sei man stille" höchst unpassender Weise unter- ich.'Schließlich nahm der Kirchendiener den Störenfried und führte ihn heraus, ließ ihn aber zur Wache &chr5: Man stellte seine Person als vie des mehrfach vor- ix.' W Schneiders Johann Benjamin Kuntke fest und erhob lern n Anklage wegen Störung des Gottesdienstes, die W* 001 der ersten Strafkammer des Landgerichts l ver> >" b-r Wurde. Der Angeklagte versuchte zwar, sein Gebahren che als ein völlig unbefangenes und unauffälliges Wien a en, die Zeugenvernehmung ließ an seiner Schuld aber "rufe Zweifel. Der Gerichtshof viltirtt ihm eine Gefängniß- foi 7 dritt'7 �''.'""uwnicviuiH seltener Art beschäftigte gestern »"d d-«'��afkammer hiesigen Landgerichts I. Am Spät- Nen n-�unl cr- hörte der auf einer Bank im Thier- w®er Nahe der Rousseau-Insel sitzende Schneidermeister lk �ttelö». eines sehr jugendlichen Kindes und sah W&ili l �?auf ein junges Mädchen des Weges kommen. si."Uf dieselbe zu, hielt sie am Arme fest und beschul- ?i>e-r�.?Uf den Kopf, ihr Kind ausgesetzt zu haben. Die leugnete nicht, sondern ging auf daS Verlangen . Ab Knaben, habe aus Hermann ie s ei vielmei/e....-——.-. noTT116" Freundin gekommen und auf dem geradesten len»/brer in der Veteranenstraße belegenen Wohnung "' r n- ll—»titr rtllf tinfoe jycnnuim vvvv*»sv.» V— r �—... Nie Sie sei vielmehr von einer in der Lützow St nÄn�ften NMMM nur auf einige ...i Bedr'" Verdienst Bedürfniß ,u von 10 — Näherin~ % ÄÄftÄ.« .schenkte"mit"dem"Staatsanwalt W Angeklagten nahm vielmehr für erwiesen an, daß sie ihr -''" Hierfür belegt er sechs Monaten Ge- «uöm uieimcyi jui ein h tust v Mtrhichfelt ausgesetzt hatte. "Sniß, niedrigsten �Strafmaß von und Versammlungen. �ntäc, �Kommunal-Wählerversammlung, welche am �r.�°?�Älllll-Way,erveriamm«ung, weiwe an ä SV-K: iizW>N der q?.-..?mmunalwahlen und entwickelte das Pro- "•"n? Stabt?,°msIlIun9»u nehmen. Die jüngsten Vorkommnisse über Versammlung, die Debatte und Adstim- vre 15000 M. für ein Festessen zu Ehren der intemationalen Telegraphen-Konferenz, gaben dem Redner Anlaß zu einer scharfen Kntik des Verhaltens der Majorität.„Das find die Leute", so etwa sagte er,„welche für sich das Privi- legium der Bildung und Sitte in Anspruch nehmen, statt den Gegner ruhig anzuhören, haben sie für seine sachlichen Gründe nur Toben und Gelächter!" Die beste Antwort auf dieses Ge- lächter, mit dem die gerechten Wünsche des arbeitenden Volkes, wenn sie die Vertreter desselben im städtischen Parlament aus- sprechen, aufgenommen werden, sei der feste Vorsatz, nur solche Männer als Vertreter der 3. Abtheilung zu wählen, die mit dem Arbeiter und Handwerker gleich dächten, fühlten und lebten.(Beifall.)— Hierauf forderte der Vorsitzende der Ver- sammlung zu wiederholten Malen etwaige Gegner auf, ihre gegensätzlichen Anschauungen hier öffentlich zu vettheidigen. Es meldete sich aber niemand zum Wort. Von den zu dieser Versammlung brieflich eingeladenen Stadtverordneten Doktor Böhme(32. Bez.). Wiese(34. Bez.). Wallich(38. Bez.) und Gericke(40. Bez.) hatten 2 der Herren brieflich ihr Nicht- erscheinen motivirt; Herr Wiese hatte gleichzeitig hinzugesügt, daß er nicht wieder zu landidiren gedenke, weil sein-Geschäft ihn daran hindere.— In der Diskussion sprachen im Sinne der Ausführungen des Referenten die Herren Ballmüller, Kunkel, Nicolai, Stoy und der Stadtverordnete Goercki, der in seiner drastischen Weise die Thätigkeit der Stadtverordneten-Äajorität schilderte und stürmische Heiterkeit hervorrief. Schließlich nahm die Versammlung zwei Resolutionen an, wonach sie sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärte; sich für die Wahl von Arbeiterkandidaten verpflichtete und die Bewilligung von 15 000 M. zu dem Festessen zu Ehrender Mitglieder der internationalen Telegraphen-Konferenz für verwerflich hält. bis. Die Generalversammlung der Maurer, welche am Sonntag Vormittag im Lokal„Sanssouci" in der Kott- buserstraße unter dem Vorfitze des Herm Behrend tagte, war sehr zahlreich besucht. Zunächst referitte der Vorfitzende über „die Akkordarbeit und deren Stellung zur heutigen Lohn- bewegung der Maurer Berlins", indem der die vielfachen Nach- theile der Akkordarbeit im Baufach sehr eingehend erörterte und dieselbe als gemeinschädlich verurtheilte. In der Diskussion sprachen sich viele Redner in demselben Sinne aus, nur Herr Geister vertheidigte eine angemessen bezahlte Akkordarbeit und empfahl Regelung derselben durch Ausarbeitung und allgemeine Einführung eines Akkordtarifs, wogegen der Vorfitzende unter allgemeinem Beifall einwandte, daß ein solcher Tarif unter den jetzigen Verhältnissen ja doch nicht eingehalten werden würde, da sich bekanntlich für jeden Maurer, der jetzt nicht um einen Lohn von 8 M. für das Tausend Steine in Akkord arbeiten würde, ein Dutzend andere fänden, die sich mit 7 M. begnügten. Schließlich nahm man einstimmig eine Resolution an, wonach die Versammlung erklärt, daß die Akkordarbeit zu verwerfen und mit Hilfe der Orgauisation resp. durch allge- meinen Beitritt zum Verein zur Wahrung der Interessen der Berliner Maurer zu beseitigen sei.— Im weiteren Verlaufe der Versammlung schilderte der Vorfitzende ausführlich die be- denklichen Zustände auf dem vom Maurermeister Zigra aus- geführten Bau, Friedrichstraße 218, woselbst eine größere An- zahl dort beschäftigter polnischer Maurer in einem völlig unge- deckten Raum des Rohbaues schlafen und ihr Essen aus der Volksküche beziehen, aus der es in vier großen Wasser- Eimern geholt wird. Hieran anknüpfend empfahl Herr Klinge, an das Reichs-Gesundheitsamt eine Anfrage zu richten, ob solche Ein- richtungen nicht als sanitätspolizeiwidrig zu verbieten und zu verfolgen seien, weil durch dieselben Epidemien hervorgerufen werden könnten.— Die Herren Geisler rnd Schilling waren als ehemalige, aber wegen Zuwiderhandelns gegen die General- versammlungsbeschlüffe bezüglich der Akkordarbeit ihrer Aemter enthobene Revisoren der Lohnkommisfion speziell eingeladen worden, in der Versammlung zu erscheinen, um das noch in ihren Händen befindliche Material an die Kommisston zur Er- möglichung der Abrechnung auszuliefern. Dieselben hatten zwar der an sie ergangenen Einladung Folge geleistet, erklärten aber, der betreffenden Aufforderung bezüglich der herzugebenden Attenstücke nicht eher entsprechen zu wollen, als bis die von ihnen bei ihrer Revision wahrgenommenen Rcchnungsfehler deS Kasfirers in den Büchern aufgeklärt worden wären. Die sich darüber entspinnende kurze Diskussion führte zur einstimmigen Annahme eines von Herrn Scheel gestellten Antrages, schon am Montag, den 7. d. M., unter Hinzuziehung aller(der jetzigen und früheren) Revisoren die Abrechnung zu vollziehen." Ebenso wurde einsttmmig beschloffen, die seit 18 Wochen streikenden Töpfer mit 500 Mark zu unterstützen. Sodann wurden noch ein paar Unterstützungsgesuche bewilligt, einem verun- glückten Maurer pro Woche 10 Mark und für die Familie eines erkrankten Kollegen ebenfalls 10 Mark. Ein Antrag, die Abrechnung über den Streikfonds auf die Tagesordnung der näch- sten Generalversammlung zu setzen, wurde durch die Erklärung des Vorsitzenden erledigt, daß die betreffende Abrechnung sofort nach ihrem Abschluß einem jeden Berliner Maurer, der sich am Stteik betheiligt hat, gedruckt zugesandt werden wird. Endlich wurde auch noch ein Antrag auf Vornahme der Wahl einer Kommiffion zur Ausarbeitung eines Akkordlohntarifs einstimmig abgelehnt. be. Die Generalversammlung der Tapezirer, welche am Sonnabend in der Niederwallsttaße 11 tagte, war von un- gefähr 600 Personen besucht. Der Vorfitzende, Herr Sander, führte aus, daß das Tapeziergeschäft augenblicklich im Argen liege und daß es im Interesse aller Gehilfen liege, zu dem Fonds, den vie Lohnkommission im vorigen Jahre begründet, nach Kräften beizutragen. Dann theflte er mit, daß über die Werkstätten deS Herrn Markiewicz, Friedrichstraße, Hecker, Neue Königstraße, Kruschke, Prenzlauersttaße, und Haß u. Stulvater, Mohrenstraße, die Sperre verhängt sei. Die Löhne in diesen Geschäften seien derart, daß kein anständiger Mensch dabei be- sieben könnte. Der Stteik sollte so lange anhalten, bis die be- treffenden Arbeitgeber sich mit den Forderungen der Lohn- kommiffion einverstanden erklären würden. Aus den Werk- stätten ver Herren Maikiewicz und Hecker traten Arbeiter auf und bestätigten die Worte des Vorredners, indem sie die in ihren Fabriken bis jetzt geltenden Preistarife vorlasen. Bei 40 pCt. Aufschlag würde bei einigen Stücken noch nicht der veranschlagte Preis der Lohnkommisfion erzielt werden. Herr Staudinger, der mit Herrn Hecker gesprochen, theilte mit, daß dieser erklärt habe, sich auf ein TageLlohnspstem nie einzulassen, und daß es undankbar von seinen Leuten wäre, ihn, nachdem ste soviel verdient hätten, zu ver- lassen, er würde seine verheirathetcn Arbeiter nicht wieder neh- men.— Herr Wildberger forderte seitens der Lohnkommisfion einen einhcillichen Preistarif.— Herr Glaser(Meister) nahm das Wort, um in längerer Rede den Grund des Arbeitnieder- gangcs zu beleuchten; er sah ihn in der Konkurrenz, die auf schwindelhafter Basis beruhend von Leuttn ausgeübt würde, die vom Handwerk selber nichts verständen. Er sprach sich zum Schlüsse dafür aus, daß die Meister mit der Gehilfenschaft Hand in Hand gehen müßten, nur so könnte die Magazinkon- lurrcnz beseitigt werden.— Herr Wildberger s. rach sich zu Gunsten der Gewerbcfrciheit gegen Herrn Glaser aus; es sei aleichgiltig, ob der Arbeiter der Knecht eines Möbelfabrikanten oder Meisters wäre.— Es wurde darauf nach längerer De- batte beschloffen, den Streikenden vorläufig 10 M. pro Woche »r ÄIÄ8 L Äanfi eingeräumt werden soll. Schließlich wurde «WM mit der Kommission Rücksprache genommen hat. Ferner erklärt die Versammlung, daß sie zwar nicht die Stückarbeit für prinzipiell richtig yält, aber aus praktischen Gründen und vor- läufig damit rechnet, um eine Operations-Bafis zu schaffen. br. Im Kachverein für Schlosser(bei Gratweil) kam am Sonnabend ein Schreiben des Polizei- Präsidiums zur Verlesung, in welchem dasselbe den Vorstand auffordert, sich bei den mündlichen Verhandlungen bezüglich der Sonntags- arbeit durch einen Delegrrten vertteten zu lassen. Es wurde Herr Miethe gewählt und derselbe beauftragt, für die Ab- schaffung der Sonntags- und Festtags- Arbeit ohne jede Ein- fchränkung einzutreten. Herr Kluge, der bisherige Vorfitzende theilt mit, daß er persönlicher Verhältnisse wegen(er hat eine Werfführer-Stelle in Grünau angenommen) das Amt des Vor- sitzenden niederlege. Aus der Wahl ging Herr Teske als der neue Vorfitzende des Vereins hervor. Herr Kluge gab in sei- nen Abschiedsworten dem Bedauern darüber Ausdruck, daß das Interesse für den Fachverein infolge der durch eine selbst» ständige Lohnkommisfion geleiteten Lohnbewegung im letzten Jahre abgenommen habe, und forderte die Kollegen auf, vor Allem wieder dafür zu agitiren, daß der Fachverein groß werde. Herr Miethe wies darauf hin, daß er als Leiter der Lohnkommisfion immer auch für den Anschluß an den Fach- verein agitirt habe. Daß der Fachverein der Schloffer seit einem Jahre nicht größer geworden, daran seien nur die Agi- tationen für die Vereinigung der deutschen Metallarbeiter schuld. be. Die General-Versammlung der Metallarbeiter, welche am Sonntag, den|6. d., im Louisenstädtischen Theater, Dresdenerstr72, unter Vorfitz desHerm Gutheit stattfand, war nicht in dem Maße besucht, wie es bei der Wichtigkeit der Tages- ordnung: Endgiltige Beschlußfassung über die Gründung eines allgemeinen Metallarbeiter-VereinS für Berlin hätte erwartet werden können. Die Verhandlungen nahmen daher auch nur kurze Zeit in Anspruch und führten zu dem Resultat, daß ein- stimmig die Gründung eines Metallarbeiter-Vereins für ganz Berlin beschlossen wurde. Mit der Abfassung und Berathung der Statuten wurde eine Kommission bettaut, in welche die Herren Klein, Bredow, Boitze und Fahrenwald(sen.) gewählt wurden. Der Anttag, daß diese Kommission sofort die Eta- Wien bei der Polizeibehörde einzureichen das Recht haben solle, wurde abgelehnt; die Statuten find der nächsten Versammlung vorzulegen. Die NevistonS-Kommisston der Tischler hatte zum Sonntag Vormittag nach der„Urania", Wrangelstt. 9—10, eine öffentliche Versammlung einberufen, welche mdeß nicht statt- finden konnte, weil das Lokal in Folge einer am Sonnabend daselbst stattgehabten Gasexplosion zur Abhaltung einer Ver- sammlung bis zur erfolgten Ausbesserung des angerichteten Schadens unbrauchbar geworden ist. Zentralkranken- und Cterbekasse deS„Deutschen Senefelder-Bundes", Verwaltungsstelle Berlin, Alexander» straffe 31, im Restaurant Weick, heute Abend 8 Uhr Mitglieder» und VerwaltungSversammlung. Tagesordnung: Anttag auf Einberufung einer Generalversammlung. Die Sonntagsarbeit im KaufmannSstande und die von der Reichsregierung veranstaltete Enquete", lautet die Tagesordnung für eine heute(Dienstag) Abend 8'/: Uhr in Feuersteins Salon, Alte Jakobstraße 75, stattfindende ösient» liche Versammlung von Kaufleuten. Freieste Diskussion wird zugesichert._ Vermischtes. Gerechtigkeitspflege inLMontenegro. Angesichts des Verkündigungstages am 6.(18.) v. M. um 8 Uhr Abends er- eignete sich, wie„Glas Cruogorea" berichtet, in Cettnje ein entsetzliches Verbrechen. Unmittelbar an der Residenz der Cruagora wurde ein menschlicher Körper ohne Kopf vorge« funden. Spaziergänger, die in die Stadt zurückkehrten, fan- den Blutsvuren und, diesen folgend, einen in die neben dem Wege befindliche Schlucht geworfenen Leichnam; der Kopf fehlte und war auch in der Umgebung nirgends zu finden. Die Behörde wurde sofort von dem unheimlichen Funde ver- ständigt und die Nachricht verbreitete sich mit Blitzesschnelle in der ganzen Stadt. Nachdem sich die behördlichen Organe an Ort und Stelle begeben, suchten sie sich zuerst über die Jdenti» tät des Ermordeten Gewißheit zu verschaffen, gleichzeitig die Verfolgung der Thäter einleitend. Es wurde binnen Kurzem konstatirt, daß der Geköpfte identisch mit Devis Mifirlic, einem Herzegowiner(Insurgent) sei, der kürzlich erst das Krankenhaus in Cetinje verließ, wo er von seinen bei einem meuchlerisch von gedungenen Uebelthätem(?) ausgeführten Ueberfalle erhaltenen Wunden geheilt wurde. Nach Konstatirung der Jventität fiel der Verdacht der Thäterschaft sofort auf einen Vaganten aus der Herzegowina Namens Obren Bosnjak und auf den Einwohner Risanos Jovan Jlic. Eine furchtbare Aufregung über diese That herrschte in ganz Cetinje; Alles war von dem Wunsche beseelt, die Uebelthäter je ftüher ergriffen und bestraft zu sehen. Der Knjaz, auf das Aeußcrste empört über die Misicthat, gab so- fort den sttengen Befehl, die Uebelthäter auf das Eifrigste zu verfolgen und die gesammte Grenze Montenegros vom Skuta- risee uud Crkvice und längs der österreichischen Grenze abzusperren, Niemanden ein- und auszulassen, so lange die Verbrecher nicht zu Stande gebracht wären. Wer sich derzeit in Montenegro befand, konnte mit eigenen Augen wahre Wunder über Wunder fehen. Nach kaum pei Stunden war ganz Montenegro im angegebenen Umkreise durch eine Kette von Soldaten, durch welche so zu sagen kein Vogel hätte durchfliegen können, abgesperrt. Außerdem durch» suchten innerhalb dieses Umkreises Patrouillen dre zahlreichen Höhlen, Felsenlöcher und Schluchten die ganze Nacht vom 6. auf den 7. Mehr als viertausend Leute waren die ganze Nacht auf den Beinen. Der Knjaz versprach, dem Zustande» bringer der Thäter dreihundert Dukaten sofort auszubezahlen und überdies ihm die Obilik-Äedaille zu verleihen. Die nächt» liche Suche verlief ergebnißlos. Erst am nächsten Morgen ver» breitete sich blitzartig die Nachricht in Cetinje, daß die Ver» brecher ergriffen seien. In hellen Haufen drängtt sich die Menge gegen Bajice, entgegen den Uebelthätern, welche wirklich am seiden Morgen ergriffen wurden, und zwar bei Njegns, zwischen Kukurutzfeldern: gefangen wurden sie durch die Herakoviccr Etanko Pajo Pettovic und Spiro Jakov Popovic- die Uebel» thäter wurden sofort gebunden und nach Cetinje geführt; gegen 10 Uhr Vormittags langten sie bei den Thoren an. Hier er- wartete sie eine zahllose Menge unter lauten Verwünschungen. Gebeugten Hauptes schritten die Gebundenen und wur» den ourch die Hauptstraße nach dem Platze unter den Maulbeerbaum geführt, wo ste inmitten ihrer Wächter postirt wurden, während der ganze Platz vom Voll überfüllt war. Vor den Augen des versammelten Volles ttat daS Mitglied des obersten Gerichtes, Gavro Vukovic, hervor und übergab den beiden Ergreifern der Verbrecher die 300 Dukaten. Hierauf wurden die Verbrecher nach dem Gefängnisse gebracht. Der Körper des geköpften Mifirlic wurde durch den fürstlichen Liibarzt Dr. Misetic untersucht, wobei konstattrt wurde, daß der Kopf mit einem Hiebe vom übngen Körper getrennt wurde, während sonst keine Verletzungen vorgesunden wurden. Der Kopf wurde lange in der Umgebung vergebens gesucht, bis die Verbrecher einge» standen, daß fie denselben unter dem Mantel mit fich nahmen, bis fie ihn endlich, da er ihnen schließlich zu schwer wurde, bei Dornst Kraj unweit Cetinje wegwarfen; dort wurde derselbe auch gefunden. Die„Bosnische Post" bemerkt zu diesem Benchte:„So weit es uns bekannt, war Dervis Mifirlic kein Insurgent, sondern— auch schon zu türki» scher Zeit— ein gewöhnlicher Straßenräuber, der noch vorigen Jahres einen Raausaner Kaufmann auf dem Wege zwischen Bile! und Treoinje ermordete und beraubte und sich auch sonst zahlreicher grausamer Raubthaten und Morde schuldig machte; die Stadt Trebmje allnn hatte auf seinen Kopf einen Preis von 500 Gulden ausgeseht, was für die Mörder vielleicht auch ein Motiv abgab, Mrfirlrc au köpfen, in der Hoffnung, den Preis einzuheimsen. Lehrrerch ist dieser ganze Bericht auch in so fem, als man ficht, daß Vre Montenegriner sehr praktische Leute find, und daß ihnen— wenn fie wollen— kein Uebelthäter entwischt." Die Zundhölzchenfabrik in Dillinge« iRhernprovinz) ist vollständig niedergebrannt. Ueber 200 Arherter find brodlos �Ein Beispiel christlicher Toleranz. Aus Mecklenburg. Schwerin, 4. September, wird der„Voss. Ztg. geschrreben. Aus der Stadt Wittenburg wird folgender Beitrag zur Wirr- digung christlicher und jüdischer Humanität gemeldet: Vor nner Reihe von Jahren wurde der Sohn des dortigen Kaufmanns Martens von der Konfirmation zurückgewiesen, was den Vater veranlaßte, seinen Austritt aus der Wittenburger evangelisch- lutherischen Kirchengemeinde für fich und seinen Sohn zu erklärm. Der Sohn ward später in dieselbe wieder aufgenommen, auch kon> firmitt, während derVateraußerhalbdeSGeimeindeverbandesver- blieb. Kürzlich starb der letztere, und die Wittenburger Geist- lichm sahen fich nun vor die schwierige Frage gestellt, wie es mit der Beerdigung gehalten werden solle. Nach VerHand- lung mit dem Oberkirchenrath zu Schwerin wurde verfügt, daß die Leiche an einem Orte an der Kirchhofsmauer und nicht, wie üblich, in der Lage von Osten nach Westen, sondem von Norden nach Süden beerdigt werden solle. Die Wittwe ließ fich dies noch gefallen und begehrte nur, daß ihr ein Platz neben ihrem verstorbenen Gatten auf dem Fried- Hofe gesichert werde. Ties wurde ihr jedoch verweigert und zugleich angeordnet, daß um das Grab ein Graben mit einem Walle errichtet und dadurch sowie mittelst dichter Be> Pflanzung eine gänzliche Absonderung desselben hergestellt werde. Dazu aber wollte die Familie fich nicht verstehen. In dieser Bedrängniß erhielt fie nun von der jüdischen Gemeinde das An- erbieten, der Leiche auf dem Friedhofe der letzteren eine Grab- stelle zu gewähren und neben derselben auch der Wittwe einen Platz vorzubehallen. Dies wurde mit Dank angenommen uni ein Leichengefolge, so zahlreich, wie es Wittenburg noch nw gesehen, geleitere nun den Verstorbenen zu seiner leM Ruhestätte. Auf dem Bahnhofperron. Damen: Portier, waS sollen wrr machen, i ,..... Ach Gott.% wir haben den Zug versäumt. — Portier:„Beim nächste' Zug net so lang schwätza'" Größenwahn. Tochter:„Vater, derf i' net a mal d Eäu außrtreiden, i' will net alleweil die dummen Gäns h% — Vater:„Je, de Dirn schaut's an, a große Dam' moW spielen, mit de Eäu möcht's fuct. Glei machst, daß d mu deine Gäns außikimmst!" Kriefkuften der Redaktion. G. SvZ. Der Vorfieende der nationalen Kranken- un« egräbnißkasse der Gold- und Silberarbeiter, C. HoltwM ohnt Prinzesfinnenstraße 16, der Kasstier, R. Lindemaim, rimmstt. 39, Hof 3 Treppen. Die Zahlstellen finden En# Theater. Opernhans. Heute: Die Königin von Saba. Schauspielhaus. Heute: Die Büste. Vorher: Der zerbrochene Krug. Deutsches Theater. Heute: Emilia Galotti. Kriedrich-WilhelmstädttscheS Theater. Heute: Der Großmogul. Restdenz-Theater. Hrule: Theodora. Heute: Papageno. Belle-Alltanee-Theater. Heute: Mädchen-Jllufionen. Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Die Glocken von Corneville. Central-Theater._,„„ Alte Jakobstraße 37. Direktion: Adolph Ernst. tyntt: Zum 39. Male: Die wilde Katze. Gesangspoffe 4 Akten von W. Mannstädt, Musik von G. Steffen«. Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmans. Heute: Der Freischütz. Ostend-Theater. Heute: Der Hüttenmeister. Vtktorta-Theater. Heute: Meffalina._____ Achtung. Erste Sendung aus Kamerun! Dreiviertel Jahr unterwegs. Inhalt: Ein kräftiger Staats bürger. Dies allen unfern Frei �«.�indNA�ne�st�Krau, Hollmannstr. 43, iv. in Ordentliche Migliecker-Aersammlullg des Fachvereins der Drechsler. Knopf- arbeiter und Berufsge i. d. M.. Abei �enoyen am Dienstag, den 8. d. M., Abends 8 Uhr, Im KSilMUschtu tofinu, Sroße jrMsirwflr. 77. Tages-Ordnuna: 1. Geschäftliches. 2. Wahl eines Delegirten zur münd- lichen Vernehmung betteffs der Sonntagsruhe. 3. Vottrag des Herrn Echuhmachermeisters Metzner über:„Der Sedantag und seine Bedeutung." 4. Die Petition an den Mitgl. 20971 Der hochwichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht jeden »liedes zu erscheinen. Gäste find willkommen. Der Vorstand. Oessentliche ¥ergaiiimlungr sämmtlicher Tischler Berlins am Dienstag, den 8. September, Abends 8V, Uhr, im Kouzerthause Sanssouci, TaaeS- Ordnung: Wie stellen fich die Berliner Tischler dem Beschlüsse der Delegirten-Versammlung vom 25. August er. gegenüber? Referent: Wilh. Schmitz. Eämmtliche Revisoren von früher und jetzt werden drin- gmd ersucht, zu erscheinen. Legitimation ist erforderlich. Die RevifionS-Kommisston. 2098 I. A.: I. Kreutz. Große öffentliche 2095 Arbeiterinnen'Versammlung am Dienstag, den 8. d. M., Abends 8'/- Uhr, � im Salo« zum Aeuifche« Kaiser, Zothrivgerßr. Tages. Ordnung:,, Vorttag. Diskusfion. Verschiedenes. Referent wird» der Versammlung bekannt gemacht.— Aufnahme neuer W glieder. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet 2095 Frau Pötting. Am Dienstag, de« 8. September, Abends 8'/- lth»' findet in Heise'S Salon, Lichtendergerstraße 21, eine W er Sammlung: derjenigen Arbeitgeber statt, welche Gesellen der O» Krankenkasse der Böttcher Berlins beschäftigen. Tages-Ordnung: Wahl der Deputirten zur außerordentlichen General-»!' sammlung.„ 2096 A. S e e m a n n. 2099 Arbeitsmarkt. Korbmachergesellen auf Rohrkiepen verlangt Holze, Manteuffelftt.<#- Oroker Mittagstislii für 600 pnsoyt«. ä Portion 25 Pfennig. _ amun Gute Hausmannskost,«auun Pf5 WallstrasAe 10, K-s p-rt. L «2 xt 6t - Ii Ii ä< o*oo O Dt O 5-35 S O o k II? u I «Ii ßäa 1| III -Ii! kO sj o*o P i CO 3 O CO OOOCToOOOr-iO � o o *000*00i0fc0p lO �*000��0 CO I ä m- 'S •o I in,.. a o a CO I « t t fl s- �* 2 •S cq 99 eo co o co o o t t K t K« S B* »«-2 i 25«-LZ«S-sZ-«öS S 2----° |S illifä »:' f .&»a fälllllg I Hi'4 k Ä I tu tl .•■•II ä- % "il* -«-«»rtng i' 1- »H»h 09 rH(M i—( 1 .1 CS j-o-a-a®! 1 s I I I S S S I S i a oT of-�T o oi co O ad" o" Z « Z •cn ' 0 : f •Hl t; 4 al .•|'"ZZ « CS I 9 a h'*"ki m oKofe üaoücß \Br 0 °--Zz x> m, o».5 � q � m liigli &1III rÄ Ii "i i sx# ZK äsx= ix# *§ �gx# ä �«c" o" 10 o aTö'o '«o�eotoco co us o «Xs 0 X o a 0 H 0 e a o i I I l l l I i I l US t» "Z US o l g® fs' Nr rihsT 112 1111111 'FLMLs I I 2 I i I I I I I I dliP�ÄlLLi. s sssssssasgg 5 1 a 4«: s. j lliil 1 ll£ s- miisma sslia I e is i g-O» CO 00 Iii- l"l ääK £|f|f im n 0§ M O O O to � et?»o O XO 99 99 rH CO »e o p 5551 QO ® CO o o o «00 US älll L 0 3 -0 « Z 0 u •-äl• • s• w- i Sa I Ii 'il y S CO .399 »O 00-H 99 99 CO � um S§§| glll:: Ulli "g.s.a.a s ZZZZ§ o. 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