Kr. 210 Mittwoch, de« 9. September 1883. II. Jahrg. MerWKsdlllll für die Interessen der Arbeiter. 4 Das„Berliner Volksblatt« �scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. WonnementSpreiS für Berlin frei in S HauS vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mrni, wöchentlich 35 Pf. Hostabonnement 4 M. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) Jusertiousgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redabtion: Kenthftraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. msi Sns IWiniinllilkr to nennt der Oberpfarrer Dr. MartiuS in Dommitsch den �urst der Deutschen nach geistigen Getränken. Der genannte Herr veröffentlicht seine Änschauungen über die chronische �rgfftung des Volkes durch Alkohol natürlich in einem »nservativen Blatte. i Nicht nur den Branntwein klagt er an, sondern auch Jr. Vier als größte VolkSoerderber und läßt zudem den ■t"" nicht völlig ungeschoren, obschon derselbe, wahrscheinlich Pastorengetränk und Getränk der oberen Zehntausend, °ch viel besser wegkommt. (► Zunächst macht der Herr Oberpfarrer eine sonderbare Je l'f*0" auf das wirthschaftliche Gebiet. Er zeigt unS, 90, s? Preußen jährlich zirka 572 Millionen Mark für Bier, ntl Nlillionen für Branntwein, 73 Millionen für Wein �Mben werden. Hierzu wollen wir bemerken, daß sich �Verhältniß im Deutschen Reich wesentlich anders gestaltet. und Bier bilden dann einen viel höheren Prozentsatz, tarnitwein einen bedeutend geringeren, als wenn man �ßen allein betrachtet. Der Herr Oberpfarrer meint nun, daß eS gut sei, schon -""■—* m.•„ r 1 Y r\mr\ CC(\'n'--------- �locn(9 leitt f rt|Y 2� 0................,, »tcht 5 � denkt unser priesterlicher Staatsökonom wohl wa« dann die Branntweinbrenner mit ihren L S!e\ die Bierbrauer mit ihrem zahlreichen Personal, »iit sP�dauern und Küfer, die Weinhändler und Wirthe tj, chren Kellnern, Kellnerinnen u. s. w. anfangen sollen? f Geschäftszweige überfüllt sind, so sind andere �»den arbeitslos gewordenen doch auch nicht vor- u, aber werden die Schnapsbrenner zu solchem Vor- sagen? Daran hat der Herr Oberpfarrer wohl kaum fiß Merkwürdig aber ist es, daß die Schnapsbereitung �uptsächlich in konservativen Händen befindet und daß Hast ,nei�e �chuapS in konservativen Kreisen, wo die tvirtz � doch noch den meisten Einfluß haben, getrunken ,*°rt sollten die frommen Herren zunächst einmal ihren Sehend machen, um der Branntweinpest einen srn �Segenzusetzen. bei, gMt wendet sich der fromme Herr auch gegen Pr��'ttgenuß, dem, wie obige Angaben zeigen, in »teK. Und mehr im'noch übrigen Deutschland glücklicherweise gefröhnt wird, als dem SchnapSgenuß. Das ist _ Pn schon ein bedeutender Fortschritt und es würde �«rt.»«.] IeuiLteton. Das Mormsnenmadche«. So, Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhauseu. (Fortsetzung.) pUnb"hr, Sestand mir damals in New-Nork," fuhr Hertha fort, eka»,.?.» mir hier wiederholt: er wähnte mich von un- «!? vDQrn" sahren umringt und bedroht, und fein Wunsch, mich �chrin"""d zu beschützen, bewog ihn dazu, den unseligen sechn« � unternehmen. Sollte ihm dies als Fehl ange- Won � Werden, dann hat er durch feine Gefangenschast uchst- Jv uls zu viel dafür gebüßt, und selbst der schreck- (�'flett Ä �nnte ein— ein blutiges Urtheil nicht recht- f$ nip_,- hätte ich mein friedliches Heimathland �"fler �e �ffen!" Sie legte bei diesen mit rührender, Tkfaitxj.� umme gesprochenen Worten das Haupt auf ihre . �"H�de und weinte bitterlich. blicke sie eine Weile ernst und sinnend an, und senkte sich, als ob ein Kampf in Doch wie um die milderen Gefühle religiösen Ansichten-uriickrudränge«, J",116, starren, religiösen Ansichten zuruazuorang»., �suckt- mit der Hand über sein Gesicht, worauf er �jch Mch eine leise Berührung Hertha'« Kopf wieder ISS Du bist keiner Falschheit fähig," hob er aus reiner Ueberzeugung, wenn Du be> junge Thor fei nur gekommen, um Dich zu und über Dich zu wachen. Du behauptest das, im Vertrauen auf Dein edles, nur zu weiches Doch was ist das Wort Jemandes, der �->„5 m, als Feind und Verräther auftrat? �klzg Wucherungen zerfallen den gegen ihn vorliegenden � verirr x- �weisen gegenüber t« nichts; sie werden tzittJT'L werden." habe r??nfcn eine Weile inne. Hertha dagegen, ue seine Worte nicht vernommen, verharrte in das Bier den Schnaps schon längst verdrängt haben, wenn die Roth nicht immer wieder dem Arbeiter die Schnaps flasche in die Hand drückte. Dort also ist der Hebel anzusetzen— alles Moralisiren kann nicht helfen, wenn nicht das Uebel an der Wurzel an- gefaßt, d. h. wenn nicht die Roth, die bittere Roth aus den Reihen der Arbeiter verbannt wird. Wohl ermahnt der Herr Oberpfarrer die Unternehmer, die Herrschaften, die Offiziere, die Kapitäne auf den Schiffen, mit gutem Beispiel voranzugehen, keinen Schnaps, kein Bier selbst zu trinken und auch dahin zu streben daß ihre Untergebenen davon verschont bleiben. Da hört man aber so einen alten Major a. D. wettern:„Ach was, hätte mein Bataillon vor der Schlacht von-- keinen Schluck gehabt, so wären sie nicht wie die Teufel drauf losgegangen.„Und erst der Kapitän:„Donnerwetter, wie Löwen kämpften die Burschen gegen den Sturm an— der steife Grogk hat dabei aber auch seine Dienste gethan." Und der Gutsbesitzer:„Die Kerle waren verdammt brav, sie haben noch das ganze Heu vor dem Gewitter eingebracht; der Schnaps war ttorigens gut und zur Anfeuerung schadet es nicht, manchmal so'» Fäßchen zu spendiren." So sieht man wiederum, daß der Schnaps gerade in konservativen Kreisen eine bedeutende Rolle spielt. Und wenn der Herr Oberpfarrer weiter die Bürger ermahnt, das viele Biertrinken zu unterlaffen, so haben wir auch dagegen nichts einzuwenden, nur sollten die Mahner nicht allzu parteiisch vorgehen. Die Veröffentlichung der betreffenden Artikel fand gerade vor den Sedansfeiern statt und bezieht sich auch aus das viele Biertrinken auf dem verfloffenen Turnfeste zu Dresden. Trotzdem dies Fest einen starken konservativen Hauch hatte, scheint es doch dem Herrn Oberpfarrer wohl noch zu„demokratisch" gewesen zu sein, da er dasselbe von allen Festen und Feiern als ein Fest hervorhebt, auf welchem der Völlerei geftöhnt worden fei. Uno doch lagen andere Feste viel näher, um Betrachtungen daran zu knüpfen: die Kriegerfeste, auf denen viel Schnaps und die Sedanfeiern, auf welchen über- Haupt viel und besonders Bier getrunken wird. Gegen die KriegervereinSfeste und Sedanfeiern war das deutsche Turnfest noch ein gar nüchternes Fest! Aber diese Feste erwähnt der Herr Oberpfarrer nicht. Weinräusche sollen auch nicht gerade selten vorkommen, und wenn man bedenkt, daß eS in Preußen verhältniß- mäßig sehr wenige Weintrinker giebt und daß diese wenigen jährlich für Wein über 70 Millionen Mark ausgeben, so muß von denselben ein großer Theil der Völlerei in geradezu unheilvoller Weise fröhnen! ihrer, die Außenwelt gleichsam von sich ausschließende« Stellung, nur daß zuweilen heftiges Schluchzen ihre ge- beugte Gestalt erschütterte. „Und dennoch könnte er gerettet werden," begann er dann wieder in demselben Tone. Hertha fuhr empor.„Gerettet?" rief sie aus, und ihre ganze Lebenskraft schien sich in dem einzigen Blick ihrer oßen, thränenverschleierten Augen zusammengedrängt zu ben. „Gerettet, und zwar durch," wiederholte Jansen. „Durch mich? o sage, Onkel, wie ich es zu beginnen habe!" flehte Hertha mit innigem und zugleich herzzerreißen- dem Ausdruck. „Elliot ist Kommandant dieses Platzes," fuhr Jansen, jedes einzelne Wort besonders betonend, fort,„in seiner Hand allein liegt es, in diesem Falle über Tod und Leben zu entscheiden. Das heißt, über das Leben nicht auf gesetz- lichem Wege; allein er kann ihn entfliehen und sogar heim- lich bis in das Lager unserer Feinde hinüber begleiten laffen. Doch der Preis, um welchen Elliot sich zu einer so großen Pflichtverletzung verleiten laffen wird, ist ein hoher, und ich weiß, er geht von demselben nicht ab. Hertha, mein Kind, weise ihn nicht zurück, werde seine Gattin, füge Dich mit frommer Ergebung in die göttlichen Bestim- mungen, wenn sie Dir auch gegen alles Bisherige, was Du kennen lerntest, zu verstoßen scheinen. Thue mit freudigem Herzen, waS zu thun Du zur Ehre de» Erlösers dennoch gezwungen werden würdest; reiche Elliot die Hand zum ewigen Bunde, und ich verspreche Dir, der Fremdling, der sich mit keckem Muthe, das Geschick herausfordernd, in Deinen Weg drängte, er soll gerettet, seiner Heimath und den Sei- niaen wiedergeaeben werden." ..Elliot so WKS vor sia Da sollten die Herren Geistlichen in erster Linie mahnen und— auch mit gutem Beispiele vorangehen. Die meiste Moral aber wird den Arbeitern in Be- zug aus ihren Lebenswandel gelesen. Während die Vor- nehmen eS selbst in der Hand haben, ihre Geschicke zu lenken, ihr Leben einzurichten, sind die Arbeiter von allerlei Aeußer- lichkeiten abhängig, sie werden auf dem LebenSmeere hinge- schleudert, wie ein steuerloses Schiff. Dabei wird die Roth oft groß, der Lebenszweck scheint verfehlt und durch die ewigen aussichtslosen Kämpfe gegen die Widerwärtigkeiten des Lebens schon halb demoralisirt, greift der Verzweifelnde zur Flasche. Das ist schlimm, das ist zu tadeln— aber eS ist ein- mal so! Helfe man dem Arbeiterstande eine beffere Lebenslage zu gewinnen, dann bekämpft man den Schnapsteufel viel wirksamer, als durch alle moralischen und Pastoralen Büß- predigten._ PolMsche Ueberstcht. Unter der Schutzmarke„Sozialdemokratisches" spricht der„Hannov. Kurier" sein Bedauem darüber aus, daß das Arbeiterkrankenversicherungsgesetz insofern die Ausbreitung der Sozialdemokratie begünstigt habe, als„den unter sozialdemo- kratischerLeitungthatsächlich stehenden eingeschriebenenHilfskaffen" die Möglichkeit gegeben sei, überall örtliche Verwaltungsstellen zu errichten, deren Mitgliedschaft von der Beitrittspflicht zu einer Orts-, Betriebs- oder Gemeindekrankenkasse befreit. Leider schienen auch einzelne Fabrikanten diese eingeschriebenen Hilfs- ----- w... �Mfrgnkenkassen ob- kaffen zu begünstigen, liegenden Verpflichtung um der in den 3 zur Zahlung von einem Drittel der Beiträge sich zu entziehen, ohne zu bedenken, daß sie damit der Sozialdemokratie in die Hände arbeiten. — Die freien Hilfskaffen find natürlich der ganzen reaktionären Sippe schon längst ein Gräuel, weil der Arbeiter in denselben über die von ihm gezahlten Groschen s e l b st zu bestimmen hat. Dieser Gesellschaft wäre es am liebsten, wenn die Kran- kenkassen ganz unter die väterliche Obhut der Fabrikanten ge- bracht wurden, wo dann die Arbeiter nur das Recht hätten, zu zahlen und im übrigen zu schweigen. Das Selbstbestimmungsrecht ist es, was diese Herren zu ihrem Gekrächze veranlaßt, sie wissen, daß dieses Recht mit dazu beiträgt, das Gefühl der Unmündigkeit, welches den Arbeitern fystematisch beigebracht wird, zu heben und so das selbstständige Denken und Handeln sowie den Gemeinstnn zu fördern. Deshalb das widerliche Denunziren der freien Hilfskaffen, die unter den Augen der Behörden tagen, ihre Protokolle und Abrechnungen stets zur Einficht offen halten und konform den gesetzlichen Bestimmungen, jede, nicht die Kasse betreffende Agitation aus ihren Versamm- lungen fem halten. Zur Karoltnen-Affaire. Nach den neuesten Nachrichten dauert die Aufregung in Madrid fort, trotzdem die Polizei energisch vorgeht und bereits 184 Verhaftungen vorgenommen „Gewiß, mein gutes Kind, gewiß," verschte Jansen«ach diesen weniger gesprochenen, als laut gedachten Worten. „Warum geschieht es denn nicht?" ftagte Hertha, so *t/t f T />,>(>« V\ A ICkt* V �» ä____ T.9aa- K.- JT___ wegen verabscheue? Er will nur mein Geld, ich weiß eS, ich fühle es. Dort liegt eS, gieb es ihm als Lohn für Wea- therton's Befreiung, und ich will mich glücklich fchätzen, mit meinem Erbtheil, welches mich elend zu machen droht, MlßMf oXvwiyS TaIXC------ wenigstens etwas Gutes gestiftet zu haben. Onke( hilf mrr, hilf mir!" rief Hertha letzt plötzlich aus, indem sie vor Jansen hinstürzte und tief erschüttert seine Kniee umschlang. „Du selbst fagst, seine Rettung sei möglich; so laß ihn denn gerettet werden, ohne mich dem geldgierigen Manne vor die Füße zu werfen, der mich um schnöden Gewin« und um den Preis des Lebens eines Unschuldige« erkaufen will! Rette ihn, Onkel, rette ihn, und wenn das Geld, welches ich besitze, nicht hinreicht, Elliot'S Gier zu befriedigen, so will ich ja die Seine «erden- aber Onkel, ich schwöre eS Dir auf meinen Knieen, Du verkausst nicht nur das LebenSglück Deiner Bruders- tochter, Du verkaufst auch ihr Leben! Ja, Onkel, ich will die Seine werden, um vor seinen Blicken zu sterben! O, meme armen Eltern, hätten Sie ahnen können, daß ihr Kind nur geboren sei, um namenlos elend zu werden! Aber sei es, hier liege ich vor Dir, bereit, den Todesstoß zu empfangen; mache mit mir, wa» Du willst, aber gieb mir die heilige Versicherung, daß er, er und sein treuer Gefährte gerettet werden!" Immer leiser und leiser sprechend senkte Hertha zuletzt ihr Haupt auf Jansens Kniee, und sich fest an ihn schmie- gend, suchte sie gleichsam den Schreckbildern zu entfliehe«, die unaufhörlich ihren Geist bestürmte«. Jansen schaute eine Weile auf die gebrochene Gestalt des sonst so lebenSftischen, glücklichen Wesens nieder, und wiederum begann seine hohe breite Brust mächtig zu arbeiten. „Stehe auf, mein liebes Kind," sagte er endlich, ge- waltsam ein leises Zittern seiner Stimme unterdrückend. hat. In Valenzia wurde am Sonnabend das Konsulat ange- griffen und deffen Wappenschild herabgerissen. Madrider Journale vom 6. d. M. melden, daß zwei Kreuzer kürzlich mit dem Befehl nach Aap abgegangen seien, sich nöthigenfalls mit Gewalt in den Besitz der Karolineninseln zu setzen.— Der Polizeioffizier, welchem der Schutz der deuschen Gesandtschaft oblag, wurde seines Verhaltens wegen verhaftet und vor Ge- richt gestellt. Der spanische Gesandte in Berlin theilt in einer Depesche vom 5. d. M. seiner Regierung eine Unterredung mit dem Vertreter des Auswärtigen Amtes mit, nach welcher Letzterer sich dahin geäußert habe, daß der Kapitän des deutschen Kano- nenbootes die Instruktion gehabt, d'e deutsche Flagge nicht auf« zuziehen, falls er die spanische Flagge aufgepflanzt finde. Der Zwischenfall auf Aap dürfte die Verhandlungen weder beein- flussen, noch ein gutes Resultat verhindern. Der Zischenfall und das Verfahren des deutschen Kommandanten könne die Rechtsfrage nicht präjudiziren, da Deutschland, wenn es spanische Ansprüche gekannt, jede Besitznahme bis zur Herstellung eines Arrangements verhindert hätte Die Okkupation wäre nicht erfolgt, falls eine telegraphische Verständigung möglich ge- wesen wäre. Der letzte spanische Ministerrath beschäftigte flch mit den maritimen und militärischen Hilfsquellen des Landes und den Vertheidigungszuständen der Kolonien. Die Generäle Campos und Jovellar wurden zur Berathung zugezogen. Es soll der Beschluß gefaßt worden sein, eine Note nach Berlin zu senden, welche die Zurückgabe der Karolineninseln als unerläßliche Be- dingung und als Ausgangspunkt der Unterhandlungen for- den, die Rechte Spaniens späterer Erörterung überlassend; zum Bruche solle nur geschritten werden, falls Deutschland je- des Zugeständniß verweigere. Inzwischen sollen antideutsche Kundgebungen unterdrückt werden, nöthigenfalls sogar durch Suspension der konstitutionellen Garantien(Belagerungszu- stand). Auch der Madrider Korrespondent der„Times" mel- det, das spanische Kabinet habe beschlossen, den Vorschlag, die Karolincnfrage einem Schiedsrichter zu unterbreiten, abzulehnen, aber die Unterhandlungen fortzusetzen. Die offfziöse„Nordd. Allg. Ztg." enthält heute folgende sehr versöhnlich klingende Auslassung:„Der Mangel an Be- sonnenheit, mit dem seitens der spanischen Presse und Bevöl- kerung die Thatsache der Landung deS„Iltis"(nach bisherigen Nachrichten war es die„Hyäne") auf der Insel Aap aufgefaßt worden ist, hat bei uns, wo man gewohnt ist, den Weg viplo- matischer Verhandlungen bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Regiemngcn nicht zu verlassen, wesentlich übenascht. Das Kanonenboot hatte den Auftrag, welchen es jetzt ausgeführt hat, schon vor mehreren Wochen erhalten. Niemand konnte damals erwarten, daß eine Thatsache, wie sie bei den neuer- lichen kolonialen Ausgleichungen wiederholt vorgekommen ist, die spanische öffentliche Meinung um ihre ganze Ueberlegung bringen würde. In Beziehungen mit anderen Nationen wäre ein solches Vorkommniß undenkbar. Selbst wenn die deutsche Regierung die unberechtigte Erregbarkeit der spanischen Nation aber hätte in Anrechnung bringen und auf den Karolinen res iategr-r für spätere Verhandlungen offen hatten wollen, so wäre es wegen Mangels an jeder Verbindung nicht mehr möglich gewesen, den„Iltis" noch zu erreichen. Das Kanonenboot hat seiner Zeit die Ordre erhalten, nach erfolgter Befitzcrgreifung Manila anzulaufen und mittels des spanischen Telegraphen- drahts das Veranlaßt? zu melden. Auch hieraus ist erfichtlich, daß man bei uns nicht im Entferntesten geglaubt hat, in Spanien einer Aufnahme unserer Mittheilung über die Flaggenhissung zu begegnen, wie sie jetzt dort Platz ge- Missen hat." In Sachsen stehen die L a n d t a g s w a h l e n vor der Thür und die verschiedenen Parteien rüsten aufs Aeußerste zum Wahlkampfe. Wie bei den letzten Wahlen, so suchen auch jetzt wieoer die Konservativen mit den Liberalen einen Ordnungsbund einzugehen, um sozialdemokratische Erfolge zu verhindern, was um so leichter gehen kann, als der Unterschied zwischen diesen beiden Parteien gleich Null ist. Eins der reaktionärsten sächsischen Blätter, die„Dresdener Nachrichten", forderten folgendermaßen zum Zusammengehen auf:„Wir richten an alle Ordnungsparteien in denjenigen Wahlkreisen, wo sie zum Gaudium der Sozialdemokratie fich noch feindlich verbissen haben, die dringende Bitte: den gefährlichen Luxus sog. Zählkandidaturen zn unterlassen! Die Reue kommt dann zu spät. So schroffe Gegensätze trennen in Sachsen die Konservativen, Nationalliberalen und Fortschrittler nicht von einander, als jede dieser Parteien von den Sozialdemokraten geschieden ist. Lasse man doch das Trennende vor dem Gemein- samen zurücktreten!"— So ist's richtig. Vorausfichtlich wird der Appell auch nicht wirkungslos sein, Arm in Arm werden Konservative und sog.„Fortschrittler" als Ordnungspartei die Sozialdemokratie in die Schranken fordern. Die Vundesrathsausschüsie, welche mit der Vorbera- thung der Ausführungsbestimmungen zum Börsensteuergesetze detraut waren, traten am Montag Vormittag 11 Uhr zusammen und beendeten nach mehrstündiger Berathung ihre Ar« beiten. Im Wesentlichen soll die seitens des Reichsschatzamts Hertha gab keine Antwort, aber fester drückte sie ihr Antlitz auf feine Kniee. Sanft und behutsam, als ob sie ein kleines Kind ge- wefen wäre, befreite er sich sodann von ihrem krampfhaften Griff, und nachdem er sie emporgehoben, führte er sie an sein Lager, aus welches er sie vorsichtig niederdrückte. Hertha ließ Alles ruhig mit sich geschehen, und als der heftigste AnSbruch ihres Schmerzes sich erst gelegt hatte, weinte sie still und ergeben vor sich hin. Jansen durchmaß unterdessen mtt langsamen, schweren Schritte« da« Gemach; die Arme hatte er ver- schränkt, das Kinn mit dem buschigen Bart ruhte wieder auf seiner Brust, und starr, als hätten sie die Sehkraft verloren, waren feine Augen auf den Fuß« bode» gerichtet. Nach seiner Nichte, die, überwältigt von der Last ihres Kummers, auf die Seite gesunken war, blickte er kein einziges Mal hinüber. Wenn aber zeitweise heftigeres Schluchzen zu seinen Ohren drang, dann seufzte er wohl tief auf, nnd wie um sich der weicheren Gefühle zu erwehren, ging er einige Schritte im schnelleren Takt. Die Sonne war zur Rüste gegangen, der westliche Himmel aber glühte noch bis zum Zenith hinauf in dem schönsten Purpurroth, einen schwachen Schimmer der pracht- vollen Farbe auf alle Gegensiände übertragend, die seiner unmittelbaren Beleuchtung ausgesetzt waren. Zn die Ge- mächer, deren Fenster gegen Westen lagen, drang es wie der Schein einer furchtbaren Feuersbrunst. Derselbe kontrastirte gar geheimnißvoll mtt den dunkeln Schatten in de» Winkeln und erzeugte gerade dadurch jene ver- lockende Dämmerung, welche dm Mangel einer künstlichm Beleuchtung nicht eher bemerkbar macht, als bis man, au« tiefem Nachdmken erwachend, oder am Ende einer fesseln- dm Unterhaltung, sich plötzlich von finsterer Nacht umgeben Hertha's halb sichtbare» bleichen Zügen ruhte ein rosiger Schimmer, mit welchem die Abendröthe sie durch das gegmüberliegende Fenster hindurch zauberisch schmückte. Der Schimmer wich und kam, je nachdem Jansen vorüber- schritt und auf Augenblicke das schmale Fensterchen fast ganz mit seiner breiten markigm Gestalt verdeckte. gemachte Vorlage zur Annahme gelangt sein; die meisten Ab- änderungen, die noch beschlossen wurden, sind mehr redaktioneller Natur. Der Bundesrath hat bekanntlich dem Reichskanzler die Ermächtigung ertheilt, behufs rechtzeitiger Inkraftsetzung des Zolltarifs ein provisorisches Waarcnverzetchniß neu entwerfen zu lassen, welches später durch ein definitives ersetzt werden soll. Wie die offiziösen„B. P. N" hören, tritt die aus höhe- ren Zollbeamten bestehende Kommisston, welche die definitive Feststellung des amtlichen Waarenverzeichnisses vorbereiten soll, am Mittwoch, den 9. d. M., im Reichsschatzamt zusammm. Die Kommission zur Ausarbeitung eines bürger- lichen Gesetzbuches hat ihre Beratbungcn im Juli d.J- zum Zweck der Erholung ihrer Mitglieder für mehrere Wochen unterbrochen. Am 3. d. Mts. hat sie, wie schon berichtet worden, ihre Berathungen wieder aufgenommen. Ueber den gegenwärtigen Stand der letzteren theilt der„Reichs-Anzeiger" folgendes mit:„Von den fünf Theilen, aus welchen das Gesetzbuch bestehen wird, sind nicht allein die drei ersten Theile(der allgemeine Theil, das Recht der Schuldverhältnisse und das Sachenrecht) dergestalt vollendet, daß ein von der Gesammtkommisflon genehmigter Entwurf in erster Berathung abgeschlossen vorliegt, sondern es ist auch die Berathung des Familienrechts mcht unerheblich fortgeschritten, so daß auch deren Beendigung in naher Zeit zu erwarten ist und nur noch der Entwurf des Erbrechts aufzustellen sein wird. Hiernach darf mit Sicherheit erwartet werden, daß der Zeitpunkt der Vollendung eines vollständigen zur Publikation geeigneten Entwurfes nicht weit mehr aussteht. Wenn bisher ver Abschluß des wichtigen Werkes, welches der Kommission anvertraut ist, fich verzögert hat, so find nicht allein die großen Schwierigkeiten zu würdigen, die fich der Aufstellung eines das gesammte bürgerliche Recht umfassenden, für das ganze Deutsche Reich berechneten Gesetzbuches nach der Natur der Dinge entgegenstellen, sondem es ist zugleich in Anschlag zu bringen, daß die Berathungen der Gesammtkommisflon nach Erledigung der mühevollen und zeitraubenden Vorarbeiten der zu Redakteuren bestellten und mit der Anfertigung der Vor- arbeiten beauftragten fünf Mitglieder erst im Oktober 1881 haben beginnen können, daß femer manche auf zufälligen Grün- den beruhende Hemmungen zu überwinden waren, wohin ins- besondere die aus der Erkrankung und dem Tode cmcs der Redakteure hervorgegangene Störung zu rechnen ist. Desto er- freulicher ist es, daß der gegenwärtige Stand der Dinge einen so erheblichen Fortichritt berundet." Aus Stuttgart wird der„Franks. Zeitg." geschrieben: Im Febmar vorrgen Jahres petitionirten die Arbeiter Stutt- garts aus Anlaß des Schreinerstteiks, der über dreihundert Gewerbestteitfälle im Gefolge hatte, bei dem hiesigen Gemeinde- rath um Einführung eines Gewerbeschiedsgerichts durch Orts- statut. In der demokratischen Presse wurde dieses Verlangen unterstützt, dagegen fand es bei den Gemeindevertretern wenig Anklang. Nunmehr hat der Gemeinderath doch einen diesbe- züalichen Entwurf berathen, welcher zur Einstchtnahme öffent- lich auf dem Rathhause aufliegt, und denselben in seinen Gmndzllgen angenommen. Die wichttgste Frage bei derartigen Einrichtungen, wenn sie das Vertrauen der Rechtsuchenden ge- nießen sollen, ist offenbar die Zusammensetzung. Daß die Bei- fitzer gleichmäßig aus Arbeitgebern und Arbertnehmem zu ent- nehmen find, steht durch Reichsgcsetz fest und es handelt fich nur noch um die Art und Weise, wie die Besitzer gewählt wer- densollen. Die Bestimmungen, die der neue Entwurf hierüber trifft, sind unglückliche. Die Wahl soll nämlich in der Weise erfol« gen, daß die Vorstände der mehr als 100 Mitglieder zählenden Ortskrankenkassen, der eingeschriebenen Hilfskaffen und örtlichen Verwaltungsstellen mit bestimmtem gewerblichen Charakter, der Betriebskrankenkaffcn je einen Arbeit. Geber und-Nehmer und endlich der Geweibeverein'A der auf diese Weise sich ergeben- den Personen dem Gemeinderath präsentsten, aus welchen letzterer je 25 einer der beiden Kategorien angehörige Besitzer mit möglichster Berücksichtigung der vorwiegend vertretenen Gewerbs- und Fabrikationszweige auswählt. Diese? Verfahren ist offenbar sehr komplizirt und geeignet, einseitige Resultate zu ergeben und muß daher die Unzufriedenheit der Arbeitnehmer erwecken. ES läßt fich nicht absehen, wamm nicht das allge- meine direkte Wahlrecht adoptirt worden ist, das von anderen Städten bereits mit Erfolg eingeführt worden ist. Bei der für unsere Produktionsordnung charakteristischen Gegensätzlichkeit von Arbeit- Gebern und-Nehmern ergiebt offenbar nur die beiden Richtungen offenstehende freie und direkte Wahl ein Gericht, dem fich beide Jnteressenkreise mit Vertrauen unterwerfen. Die Petition für da« Arbeiterschutzgesetz soll, wie der „Frankf. Ztg." telegraphifch mitgetheilt wird, in München 14000 Unterschriften erhalten haben. Barmen, 5. September. In Folge der Versammlung Barmer und Elberfelder Sozialdemokraten im Saale des Wirthes Bruns auf Eynern ist, wie die„Schwelm. Ztg." be- richtet, von einer Anzahl Mitglieder des Herzkamper Krieger- Vereins, der in dem Bruns schen Lokale tagt, ein Antrag „wegen Verlegung deS VereinslokaleS" eingebracht worden, Minuten verrannen; der Schimmer der Abendröthe er- hielt eine tiefere Schattirung, und dunkler wurde es in den Ecken und Winkeln. Da blieb Jansen plötzlich vor Hertha stehen.„Eine Frage beantworte mir, mein Kind," sagte er so freundlich und milde, wie es ihm bei seinem, durch langjährige Ge- wohnheit zur andern Natur gewordenen Ernst nur mög- lich war. Hertha richtete sich auf und harrte, ergeben in ihr Ge- schick, schweigend der Worte, die ihr Onkel ihr zu sagen haben würde. „Der ftemde Offizier hat mtt Dir gesprochen, wie es sonst nur zwischen den vertrautesten Freunden gebräuchlich, und wie em Gentile eigentlich nicht zu einem Mormonen- mädche« sprechen sollte. Besinne Dich genau, mein Kind, was für Gründe gab er an, die ihn veranlaßt hätten, da« malS in New-Aork von der beabsichtigten Durchsuchung deS Dampfbootes abzustehe«?" Hertha sann etwa eine Minute lang nach.„Unüber- steigliche Hindernisse hätten ihn abgehalten, unter dem Vor« wand einer gesetzliche» Durchsuchung nach mir auf dem Dampfboote zu forschen; das sind seine eigene» Worte," entgegnete sie dann, da eS ihrem Gefühl widersprach, noch irgend etwas zu verschweige» oder vor ihrem Onkel geheim zu halten. Jansen nickte beifällig und schritt noch einmal in der Stube auf und ab, worauf er wieder vor seine Nichte bin« trat.„Ist das Alles? Hat er nicht erwähnt, welcher Art die Hindernisse gewesen? Hat er nicht von Abraham, RynoldS oder von mir gesprochen? „Weder von dem Einen, noch von dem Andern," gab Hertha zur Antwort,„er ließ mich aber errathen, daß er glaube, man habe ihn absichtlich von mir fern gehalten, und daß eS ihm sehr— leid gethan, mich nicht vor meiner Ab- reise gesehen und gesprochen zu haben." „Sonst sagte er nichts?" „Wenigstens nichts, auf das Deine Frage Bezug haben könnte." „Hat er nicht geschmäht auf Rynolds, auf mich oder irgend Jemand, der Dir nahe steht?" in welchem es wörtlich heißt:„Durch die Sozialisten. Ver- sammlung am Sonntag ist unser Vereinslokal entweiht» die Kriegerfahne gehör! mit der rothen Fahne nicht unter ei» Dach." Aus Warschau kommt eine Nachricht von einem russisch- preußischen diplomatischen Konflikt. Der preußische Konsul, Baron Rechenberg, setzte eines Tages, als er vom Ober-Poluei» meister herauskam, gleich im anstoßenden Zimmer seinen Hut auf. Als der Kanzlei-Chef Miller, der den Konsul angeblich persönlich nicht kannte, dies bemerkte, rief er ihm zu, den Hut abzunehmen.„Was sagen Sie?" fragte der Konsul in deuü scher Sprache. Der russische Beamte nahm darauf dem Konsul den Hm vom Kopfe, was den Baron Rechenberg veranlaßte» dem Beamten eine thätliche Beleidigung zuzufügen. Es wurde über den Vorfall ein Protokoll aufgenommen, in dem aus« drücklich konstatirt ist, daß in dem Zimmer, wo fick das Be- richtete abspielte, ein Bild des Zars hängt. Der Warschauer Korrespondent des„Czas", welcher von diesem Vorfalle be« richtet, aber mit Vorsicht behandelt sein will, bemerkt zum Schlüsse:„Es ist nicht bekannt, welches Ende diese Ange- legenheit nehmen wird. Obwohl man hier allgemein annimmt, daß der Konsul abberufen werden wird, gestatten Sie wohl, daß ich in diesem Falle ein ungläubiger Thomas bin." Aus Elsaß-Lothringen trifft die Nachricht ein, daß der „Courier de la Moselle", welcher in Nancy gedruckt wird und in Nancy und Metz erscheint, durch Erlaß des Ministerium« in Straßburg vom 29. August provisorisch verboten ist. Man nimmt an, daß einige die Karolinen. Jnselnftage betreffend« Artikel die Veranlassung hierzu gewesen. Der„Courier" ward seit seiner Ueberfiedelung nach Nancy wenig gelesen und hatte nur noch einige hundert Abonnenten. T ■% Frankreich. Der orleanistische„Solei!" äußert sfich zu dem deutsch-spa« nischen Konflikt folgendermaßen:„Der Komg von Spanien de« findet fich augenblicklich zwischen zwei Feuern: vor ihm Deutsch- land und hinter seinem Rücken die Revolution. Weicht er zurück, so stürzt ihn die Revolution. Geht er vor und die Er- eignisse nehmen eine schlimme Wendung, dann stürzt die Revo« lution nach innen. Im ersten Falle wird man ihn anklagen, die Ehre Spaniens verrathen, im zweiten Falle die Interessen Spaniens gefährdet zu haben. Er wird nicht zurückweichen: das liegt nicht in seinem Charakter, mit Recht oder Unrecht wirft man Alfonso XII. gar Manches vor: nie aber hat man ihm noch Mangel an Energie vorgeworfen. Spanien wird daher nicht nachgeben. Wird Deutschland nachgeben? Es kann dies; es ist mächtig genug dazu. Giebt es nicht nach, so ist dies der Krieg. Der Krieg zwischen Deutschland und Spanien; der Krieg vor unseren Thoren; der Krieg zur See im Golst von Gascogne, in der Meerenge von Gibraltar, an der Küste Marokkos, zwei Schritte von Algerien. Wir sagten soeben, der König von Spanien wäre zwischen zwei Feuern; auch Frankreich wird am Tage, wo der Krieg ausbricht, zwischen zwei Feuern stehen. In dieser Lage brauchen wir viel Kalt« blütigkeit; allein wir benöthigten auch die volle und freie Ver» wendung unserer Kräfte; nicht, um uns in ein Abenteuer M stürzen, sondern um uns davor zu bewahren; nicht, um un« in den Kampf zu mengen, sondern um ihn zu überwachen. Ach, hätten wir nicht Tonkin gemacht und den Kanal der beiden Meere gebaut! Hätten wir nicht einen Theil unserer militärischen, maritimen und finanziellen Kräfte in einem Unter« nehmen ohne Nutzen und ohne Zukunft vergeudet! Und hätte» wir uns des Mittels versichert, unsere Schiye aus dem Ozea» nach dem Mittelmeere und aus dem Mittelmeere nach de« Ozean gelangen zu lassen, ohne uns um die Straße vo» Gibraltar zu kümmern! Wie wäre da unsere Lage besser! Tie bätten wir da unsere Öände freier! Mie hniien mir hn unseren einem Traume eines indo-ckinestschen Reiches, und man wacht mit einem Kriege vor den Thoren auf." In dem intransigeanten„Radikal" heißt es:„Wenn der König Alfonso XII. irgend einen dunklen und ungestehbare» monarchischen Vertrag mit Spanien abgeschlossen hat, so fällt er; wenn er es versucht, die bewunderungswürdigste Bc«e« gung des Patriotismus mit revolutionären Wühlereien zu ver« wechseln, so fällt er; wenn er zurückweicht, so fällt er; er muß Dank der Fatalität mit Spanien marschiren, an seiner Spitze, da er nun einmal dort ist, oder sein Haupt fällt; Eng« land und Frankreich haben das zu befolgende Beispiel gegebe»- Wir in Frankreich sehen aufmerksam zu! Betrachten wir in Deutschland die Aengstlichkeiten einer Tyrannei, in Spanien das Erwachen einer Nation. Und der revolutionäre„Cri du peuple" schreibt:„Zu de» Waffen! Ja, Ihr Bürger jenseits der Pyrenäen, aber t»,e die sozialistische„Bande', deren Erscheinen man in der$#« vinz von Cadix meldet, gegen Euren Ludwig XVI. und seine Montmorin ä la CanovaS. Nur durch Sicherstellung ihre? Rückens durch die Tage vom 10. August und 2. September blieb die Volksbcgeisterung bei Valmy Siegerin. 1870 h'»« gegen gerieth man in die Sackgasse von Sedan, weil ma»: „Geschmäht hat er überhaupt nicht, nur auf eine Ge- fahr wies er hin, die mir aus dem Mormonenthum selbst erwachsen könne; aber auch davon schwieg er, sobald ich ihn bat, nicht die Religion zum Gegenstand der Erörterunge» zwischen uns zu wählen." Hertha sagte dieses ohne alle äußere Erregung, aber i» dem leisen, klagenden Ton ihrer Stimme lag eine ga»� Welt voll Schmerz und Entsagung. Jansen blickte schweigend auf sie nieder. Es war sch.o" zu dunkel geworden, um seine, der durch das Fenster ein« dringenden schwachen Beleuchtung abgewendete Physiognonne noch genau zu unterscheiden. Hertha würde sonst wohl kau>» übersehen haben, daß ein ungewöhnlich milder, feierliche Ausdruck das eherne, männliche Gesicht förmlich verschönte- Der Umstand, daß er sett mehreren Tagen dem leitende» Einfluß Rynold'S entzogen gewesen, machte sich schon ft? geltend bei ihm. Die Stille des Gemachs unterbrachen nur die tieft»- regelmäßigen Athemzüge Jansen'« und das letzte krampfhaft' Aufschluchzen des jungen Mädchens, wie es wohl bei Kindel geschiebt, wenn sie sich in den Schlaf geweint habe». „Hertha, bleibe ruhig hier." sagte Jansen dann, nachdem er endlich zu einem festen Entschluß gelangt war.„Niem»»» soll Dich stören. Hoffe und vertraue auf die Allmacht des Erlösers. Sei stark, um jedem drohenden Mißgeschick>»' ruhiger Ueberlegung zu begegnen, und die Bürde«, weu? Dir zu tragen von dem Herrn zuerkannt werden, fto(»m und ohne Murren auf Dich zu nehmen. Erwarte auf dieft Stelle meine Rückkehr, und möge Gott Dich segnen,»%L liebe Tochter, Du heiliges Vermächtniß meines ehrenwert?'" Bruders und seiner braven, engelgleichen Gattin.". Bei diesen Worten neigte er sich zu Hertha nieder,» bei der Erinnerung an ihre Eltern wieder heftiger i schluchzen begonnen hatte, und drückte einen Kuß auf w Stirn. i. Leise schlich er nach der Thür hin, welche zu Hers? und der Demoiselle Corbillon Wohngemach führte. So» fältig verriegelte er dieselbe, und dann entfernte er sich so leise durch die unmittelbar auf den Hof führende Pforte. Auch diese verschloß er, um jeden Eindringlwg* !>? d. Berlin! a Berlin!" aeschrien, statt �auf die Tuilerien zu warschiren. Ueberleget, Brüder Spaniens, und machet rasch!" ...—„Angesichts der ernsten Nachrichten", schreibt die offi- fosc„Republique francaise",„die aus Madrid eintreffen und w der Diplomatie die Suche nach einer friedlichen Lösung sehr schweren, tritt an Frankreich eine gebieterische Pflicht heran: 1 oiug ganz laut seine vollständige Neutralität bezeugen. In der Mitte zwischen den beiden im Konflikte befindlichen Mäch- «n gelegen, hat es sich nur ja nicht in deren Handel zu mischen, °amlt es ihnen unmöglich werde, sich zu Lande zu begegnen, wenn sie unglückseligerwcise an einander gerathen sollten. Der *«npf würde sich so auf einen Seekrieg beschränken. Allein �genügt nicht, daß Frankreich verweigert, an den militärischen Operationen theilzunehmen, es ist sehr dringend nothwendig, ro cä nicht einmal durch seine Haltung den Anschein hat, als �muntere es einen seiner Nachbarn. Dieser Handel berührt "i nichts unsere Interessen und eine demokratische Nation hat 3 shre Interessen im Auge zu behalten, besonders wenn sie kürzlich eine schmerzliche Krifis durchgemacht hat. Wir Mundigten uns gegen das Vaterland, gegen die kommenden er, ließen wrr uns da von unserem Gefühle leiten oder ----»»vpvt» W W*♦•»*» VW VV»»\S»V|'•'" Nlkrer Leidenschaft mit fortreißen. Ziehen wir nur d:e kalte lleberlcgung zu Ratbe."— Die„Republique francarse Met ihre Mahnung besonders an die Presse und an gewrsse Gesellschaften, deren blinder patriotischer Eifer leicht Unheil �richtet. Italien. Zu dem am 16. November d. I. in Rom zusammen. Inenden internationalen Kongresse für Gefängnißwesen, der Ausstellungspalaste der schönen Künste tagen wird, haben we Entsendung amtlicher Vertreter bisher die folgenden Staaten Mesagt: Oesterreich- Ungarn, Baden, Baiern, Belgien, Bra- wsen, Dänemarl, Frankreich, Mexiko, Niederlande, Rußland, Achmeden und Norwegen, Vereinigte Staaten von Amerika, we Schweiz und Uruguay. Gleichzeitig mit dem Kongresse Md eine Ausstellung der Typen der bei den zivilifitten iationen der Welt im Gebrauche stehenden Gefängniß- Psttiund eine solche der in den Gefängnissen Italiens und Ü�d��ndes ÜOn ken Sträflingen ausgeführten Arbeiten — In Livorno streikten die Bäckergehilfen, weil ihnen eine .Erlange Arbeitszeit zugemuthet wurde. Die Meister haben �7 nun mit den Streikenden dahin geeinigt, daß die Gehilfen, O.che Nachtarbeit verrichteten, zu keiner Dienstleistung bei Tag , ,.en würden. Dagegen wird ein neuer partieller tiia m'lrei' wegen Zwistigkeiten zwischen Meistern und Gesellen 8 Parma gemeldet. Amerika. z., Nach den neuesten Nachrichten über den Angriff der weißen .weiter gegen die in den Bergwerken angestellten Chinesen ,.,.�krritorium Wyoming ist derselbe schlimmer gewesen, als Anglich angenommen wurde. Mehr als 500 Chinesen wur- „1% aus der Stadt vertrieben, 50 getödtet und 100 Häuser Rij �flebrannt Man glauht, daß viele Leichen der getödteten K, verbrannt oder unter den Trümmern begraben sind. Chinesen befinden sich jeht ohne Nahrungsmittel in einem tRiorstt im Westen der Stadt. Der Gouverneur von Myo- „.vß sst mit Eisenbahnbeamten in Rock Springs angelangt den befürchtet keinen weiteren Ausbruch. Den bungern- »?.«Wesen sollen Lebensmittel gesandt werden. Von Ge- tthl Marren sind Bundestrupven berufen worden, um die "8 aufrechtzuhalten, und sind bereits Vorbereitungen zur »ttyNg von Detachements aus den Forts Steel und Brid« '»orh" Rock Springs am nächst gelegenen Posten, getroffen "en. Lokales. k,,*- Der örtlichen Strassenbau- Polizei- Verwaltung, »JjjJwlung I, haben im Jahre 1884/85 im Ganzen 2490 Bau- ih�e vorgelegen, von denen 2299 genehmigt, während 109 13 �eise abgelehnt, theilweise zurückgezogen worden find und Schlüsse des Verwaltungsjahres noch unerledigt waren. Cr. diesen Baugesuchen befanden sich 15 Gesuche um Er- »um Ausbau von Stadtbahnbogen; nach diesen war ■L Einrichtung von 6 zusammenhängenden Bogen zu einer � uration beabsichtigt, während 12 Bogen zu Werkstätten d,. Ztmism bestimmt waren. Weitere 11 Bogen sollten nach h, Projekten zu Lager resp. Wirthschaftsräumen und einer L Aufstellung eines Dampfkessels hergerichtet werden. Es �st> ach bis jetzt im Ganzen für 124 Stadtbahnbogen Projekte zur straßenbaupolizeilichen Genehmigung vor- L&l worden. Von allgemeinem Interesse dürste noch der $(W /ein, daß, während früher gegen die Verfügung der ßr ,/,.ubniß nur die Klage beim Bezirksverwaltungsgericht WO4.mss erachtet wurde, nach dem Gesetze über" 1-andeSverwaltung vom 80. Juli 1883 nicht » lOhhorw rtiirf»(Rßf/kmorhf ttiTöfff/t ift. imb die allge- f'' � v v•.v v*»« w...—".-——.. nur vtc ?l f,';Jondem auch die Beschwerde zulässig ist, und daß jedes "unn Rechtsmittel spätestens 14 Tage nach erfolgter Zu« uer Abweisung eingereicht werden muß. W Mädchen fern zu halte«; und nachdem er de« toistfi ausgezogen und oben unter das niedrige Dach zwei Balken geschoben, begab er sich langsam und w Haupte» über den nunmehr schon ganz dunkeln Hof £Ul Gefängniß hinüber. will zu den Gefangenen hinein," sagte er zu dem tyeifA' der vor der Hausthür saß und ei« kurzes Thon« rauchte. ,%iJ?*ettr' rin wortkarger Man», nickte stumm mit dem a(' stand aber sogleich auf und schritt Jansen voran in Nlutflur hinein. dij �ach einigen Minuten kehrte der Schließer wieder zu« '°°er nicht allein, sondern Rast begleitete ihn. �W�arlich setzten sich Beide sodann auf den Holzblock Usisib"der nieder; der Bootsmann zündete ebenfallt sei« an, allein es dauerte lange, ehe sie die gegenseitige 3 so weit überwanden, daß sie zuerst einzelne - Wechselten und sich endlich in eine oberflächliche, ��eften Bemerkungen durchflochtene Unterhaltung �agsnni in den Blockhäusern war unterdessen Licht an- �. ar? forden. Die kleine» unregelmäßigen Fenster, die �»ren paarweise in derselbe« Höhe lagen, schauten, als Uen"£die glühenden Augen der einzelnen Häuschen O-c' mif__ m__.....wW ge« £Incm tiberaus friedlichen und heimathlichen l!'8* der m, den Hof hinaus, wie um da» rauchlose Feuer t�ez to. Plattform zu bettachten, um welches sich die Mo« %t. äußeren Zeiche» des Wohlbehagen« gelagert de« Gemach«, in welchem Hertha sich be- i�el h... dagegen dunkel. Die Unterhaltung mit ihrem C ste h« �schöpfend auf sie eingewirkt; sie war, nach- ,?»alaa" unaufhaltsam hervordrmgenden Thränen noch freien Lauf gelassen, eingeschlafen. Wa« sie � chätia„-Zustande ängstigte und quälte, da« hatte ein Atal?,®ch[urnntn in Vergessenheit versenkt. Noch Uiy c schluchzte sie leise auf, und dann wurde eS ganz 9et; in der That, so still, als hätten die Engel w. Die in den Straßen aufgestellten öffentlichen Brunnen werden fast ausnahmslos von den Schulkindern als willkommenes Spielzeug benutzt, wobei es häufig vorkommt, daß die Zugstangen abgebrochen, die Schlagringe von Gummi abgeschnitten und andere Beschädigungen an den Brunnen ausgeführt werden. Hierdurch entstehen der Stadtgemeinde nicht unerhebliche Kosten, welche aus dem Säckel der Steuer- zahler entnommen werden müssen. Diesem Unfuge zu steuern, bat bisher noch nicht gelingen wollen, da die wenigen städtischen Beamten anderweit mit Arbeiten überhäuft find, das Publikum aber sich vollkommen theilnahmlos dagegen verhält. Abhilfe könnte nur geschaffen werden, wenn das Publikum, das ja das größte Interesse an der El Haltung der öffentlichen Brunnen bat, selbst jedesmal eingriffe, wo solcher als Spielzeug der Kinder dient. Die städtiiche Bau-Deputation wird aber auch sowohl das königliche Polizei-Präsidium ersuchen, die Schutz- männer mit dahingehenden Anweisungen zu versehen, als auch die städtische Schuldcputation bitten, die Rektoren der städtischen Schulen zu veranlassen, daß sie belehrend auf die ihnen unter- stellten Schulen einwirken. r. Das Zinsen» Frühstück. Die in Berlin lebende Wittwe eines penfionirten Kreisgerichtsraths hat von diesem ein kleines Kapital ererbt, das einem nahe bei Berlin ange« sesscnen Grundbesitzer auf Hypothek geliehen ist und von dem er die Zinsen alljährlich im September, nach der Erndte, zu entrichten pflegte. Noch bei Lebzeiten des alten Herrn Rathes kam der Landmann zur Zinsenzahlung stets persönlich nach Berlin und wurde dann von seinem Gläubiger jedesmal mit einem opulenten Frühstück bewirthet und nach dem Tode des Gläubigers behielt auch dessen Wittwe diese Gewohnheit bei, freilich nicht ohne der Verdauungsfähigkeit des ländlichen Ma« Es ihres Schuldners Erstaunen und Verwunderung zu zollen. vorigen Jahre blieb die Zinszahlung aus; wiederholte hnunaen waren fruchtlos und da die Wittwe selbst auf den Zinsenberrag zu ihrem Unterhalte angewiesen ist, so blieb ihr kein anderes Mittel als die gerichtliche Klage, die nach Mo- nate langem Ausbleiben der Zinsenzahlung angestrengt werden mußte. Vor einigen Tagen schickte nun der Verklagte die rückständigen Zinsen, jedoch mit einem Manko von zwei Mark, was er in dem Begleitschreiben damit motivirte, daß er nach dem langen Rückstände nicht mehr wage, die Zinsen persönlich zu überbringen und für das ihm dadurch entgehende Frühstück zwei Mark von den Zinsen in Abzug bringe, da er in Geld- Verlegenheit sei und das übliche Frühstück bei der Frau Rath gewiß mit dieser Summe nicht zu hoch taxirt sei. Die Frau Rath ist mit diesem Handel sehr einverstanden. r. Einen sehr gesunden Schlaf scheint der Drechsler- meister F. in der Mariannenstraße zu haben. Als bereits vor einigen Tagen der Gerichtsvollzieher bei F. erschien, fand er die Wohnung verschlossen und auf wiederholtes Klingeln wurde nicht geöffnet. Der Beamte avifirte, wozu er gar nicht ver- pflichtet war, auf einen Zettel seinen Besuch für Montag Vor- mittag und als er auch um diese Zeit vergeblich an der F.'schen Wohnung klingelte, requirirte er einen Schutzmann, einen Schlosser und einige Hausbewohner als Zeugen, ließ die Woh- nung öffnen und drang in dieselbe ein. Hier fanden die bei dem Vollstreckungsakt Betheiligtcn den Meister F. anscheinend im tiefem Schlafe im Bette liegend, wobei allerdings der Um- stand verdächtig war, daß er noch Kleidungsstücke auf dem Körper trug, deren man sich sonst beim Zubcttcgehen zu ent« lcdigen pflegt. Der Beamte pfändete denn auch in der Wohnung einige Gegenstände wegen einer für die Verhältnisse des F. ziemlich geringfügigen Summe. F. protestirte gegen diese Pfändung als ungesetzlich, da er krank und bettlägerig sei; als aber der Gerichtsvollzieher ihm die Abholung der Pfandstücke ankündigte, stand er plötzlich aus dem Bette auf, bezahlte die beizutreivende Schuld und machte seinem Unmuth nur noch dadurch Luft, daß er den Weggehenden die Korridorthür gegen die Füße schlug, was noch unangenehme Folgen für den lange schlafenden Herren haben dürste, da der Gerichtsvollzieher über dieses Gebahren Anzeige erstattet hat. Eine interessante Sperlingsgeschichte. Die„Berl. Ztg." läßt sich folgenden Bären aufbinden: In der Michaelkirchstraße wohnt eine alleinstehende alte Dame, welche um ihrer wohl- thätigen Gesinnung willen in der ganzen Nachbarschaft bekannt ist. Illeben der Neigung, ihren Mitmenschen Gutes zu erweisen, hat Fräulein v. S. noch eine andere Vorliebe. Sie pflegt näm- lich auf ihrem nach dem Garten zu belegenen Balkon mit grvl p.___ CY1..... f■-- 1/P.l..9.14.. 1........ f � � � zv*.Y« w a/i 44« f««44ay w deren Lieblinge, denen sie die besten Bissen zuwirst. Seit Kurzem hatte nun aber ein sehr zierliches und Zutrauliches Sperlings- Exemplar ihr ganzes Herz gewonnen, denn dieser kleine Bursche war so dreist, daß er seiner Wohlthätenn»ei jeder Fütterung von selbst auf die Hand flog. Mit Recht vermuthete Fräulein von S., daß dies ein sogenannter „zahmer Sperling" sei, der sich irgendwo in der Nachbarschaft eingewöhnt hatte. Eines Tages war die Vogelfreundin wieder damit beschäftigt, ihren Spatzen das gewohnte Futter zu streuen, als der zahme Sperling wie immer aufflog und sich selbst bei ihr gewacht, um jede Störung von ihr fern zu halten und freundliche, trostreiche Bilder in ihre Träume zu verflechten. Die dargebotene Hand. Nachdem Hertha zu ihrem Onkel hineingegangen war, hatte Elliot Demoiselle Coroillo« aufgefordert, ihn auf einem kurzen Spaziergange zu begleiten. Da die hinterlistige Fran« zösin nicht weniger als er selbst ihre eigenen, allerdings leicht zu durchschauenden Pläne hegte, so kostete e« ihm keine große Mühe, sie für seine Dienste zu gewinnen und die Ausführung von Aufträgen zu erlangen, vor welchen ein wahrhaft weibliches Gemüth unter allen Verhältnissen mit Abscheu zurückgebebt wäre. In ihrer krankhaften Sehnsucht aber, sich nach langem, vergeblichem Harren endlich als den Mittelpunkt eines gemächlichen Familienlebens zu erblicken und im Kreise der Ihrigen al» würdige HauSftau weise zu schalte« und zu walten, war es ihr schnell zur Gewohnhett geworden, sich trotz ihres vorgeblich zarten Nervensystems über alle sonst gebotene» Rücksichten hinwegzusetzen und sich schon dann zu beruhigen, wenn nur die äußeren Formen beobachtet wurden. Wa» man sich scheute, Hertha offen mitzutheilen, war ihr längst kein Geheimniß mehr; dafür hatte der schlau be- rechnende Rynolds in der Heimath bereits Sorge gettagen. Die Umstände nun, welche sie damals veranlaßten, sich ohne Bedenken der Lehre de« Mormonenthums in die Arme zu werfen, die bestimmten sie jetzt, sich jeder noch so unwür- dige« Handlung zu unterziehen, wenn fle dafür eine Gelegen« heit zu entdecken glaubte, sich al« eifrige Anhängerin der ge- läuterte« Religion auszuweisen und in Folge dessen einer um so günstigeren Bestimmung hinsichtlich ihrer eigenen Person entgegensehen zu dürfen. So war sie auch schnell bereit, Elliot'S Aufforderung pünktlich nachzukommen. Sie bat ihn nur, so lange zu ,öaern bis sie sich durch da« Umhängen von wärmeren Kleidungsstücken gegen den schädlichen Einfluß w kühlen Abendluft geschützt haben würde, da e« doch möglich sei, daß der Genuß der schönen Natur sie länger, als ursprünglich beabsichtigt, im Freien zurückhalten würde. auf ihre Finger setzte. Da bemerkte Fräulein v. S. zu ihrem Erstaunen, daß der Vogel um seinen Hals einen kleinen, weißen Leinwandbeutel trug. Neugierig löste sie denselben ad, öffnete ihn und fand darin einen Zettel mit folgender Aufschrist: „Eine Künstlerfamilie, ohne Verschulden in augenblickliche dringende Noih gerathen, bittet das edle Herz der menschen- freundlichen Dame flehentlichst um eine Unterstützung von 50 Mark. In einer Woche wird das Darlehen durch denselben kleinen Booten zurückgegeben." Fräulein v. S., durch diese originelle und geheimnißvolle Art, eine Unterstützung zu suchen, Serührt, besann sich nicht lange. Sie nahm den beschwingten leberbringer des Zettels mit in ihre Stube, that dort einen Fünfzigmarkschein in den Beutel, hing diesen dem Vogel wieder um den Hals und gab das Thier» chen frei, worauf dasselbe munter fottflog. Am nächsten Tage hatte der Haussperling von Neuem einen Zettel gebracht, auf welchem nur die Worte standen:„Tausend Dank!" Seit« dem kam er zur bestimmten Futterstunde, wie gewöhnlich, alle Tage zu Fräulein v. S., aber einen Beutel trug er nicht bei sich. Da endlich, einen Monat später, als er zuerst mit dem Zettel erschienen war, flog der Sperling wieder auf die Hand der alten Dame, aber diesmal trug er den bewußten Beutel. Fräulein v. S. fand in demselben dre geliehenen 50 Mark und einen Brief, welcher in den heißesten und innigsten Dankes« worten die zurückgezahlte Schuld begleitete. Dre hochherzige Dame hat trotz eifriger, diskreter Nachforschungen bis heute noch nicht in Erfahrung bringen können, wer der Besitzer des „Haussperlings" und wie dre Familie heißt, welche durch ein Darlehn aus einer so anscheinend großen Noth befreit worden war. Seit jenem Tage aber behandelt Fräulein v. S. den kleinen Boten mit besonderer Zärtlichkeit und nennt ihn nicht anders als den gefiederten Wohlthäter. „Mode und Haus". Unter den vielen literarischen Untemehmungen, deren Erscheinen zum 1. Oktober angekündigt ist, verdient vor Allem eine in Berlin herausgegebene Zelt» schrift„Mode und Haus" die vollste Beachtung. Die Zeit« schrift ist durchaus originell redigirt und dazu berechtigt, das Interesse der Damenwelt, namentlich der praktischen Hausfrau zu fesseln. Wie wir hören, beginnt dieser Tage die Zusendung der Zeitschrift„Mode und Haus" an alle Berliner Haus- Haltungen, und dürfte eine eingehende Prüfung des Inhalts und der Ausstattung den Werth der neuen Zeitschrift am besten nachweisen. g. Im Thiergarten und in den übrigen öffentlichen Anlagen Berlin» beginnen die Blätter der Bäume trotz der noch herrschenden schönen Witterung gelb zu werden, und so hat sich denn die Thiergarten- Verwaltung veranlaßt gesehen, die Arbeitskräfte zur Beseitigung des herabfallenden Laubes aus den Gängen und gärtnerischen Anlagen zu vermehren. Ein Spaziergang durch die schönen Partien hat jetzt nament« lich des Morgens einen besonderen Reiz, wenn Nebel übel den Seen lagert und das GraS von Thau stark bedeckt ist. Von einer Vermindemng der gefiederten Bewohner unserer großen Eiholungsplätze merkt man noch nichts, ein fröhliches Zwitschern vermisch! mit oem glücklichen Lachen einer sorglosen Kinder« schaar belebt die Parke und macht den Aufenthalt daselbst dem Natur- und Menschenfreund noch zu einem recht anziehenden. g. lieber die sogenannten Passementerie-Ramscher in Berlin, welche zu jeder Saison nach Annaberg reisen und daselbst große Einkäufe machen, indem sie die armen Leute bis auf's Blut drücken, laufen fortwährend bei den hiesigen größeren Fabrikanten Klagen der dortigen Arbeiter ein. In ganz Anna» berg und Buchholz arbeiten die Leute fast ausschließlich für Berliner Fabrikanten und so beträgt die Zahl der Arbeiter ca. 36 000. Die Industrie ist Hausindustrie bei absolut durch- geführter Arbeitsthcilung. Jahr ein Jahr aus fertigt der eine Arbeiter nur Quasten, der andere nur sogenannte Bommeln u- s. w. Alles, vom Greis bis zum vier- bis fünfjährigen Kinde, arbeitet vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein und trotzdem beträgt der Verdienst einer Familie oft nur 7 hiS 8 Mark pro Woche. Jeder größere Berliner Passementeriesabrikant hat in Annaberg sein Komtoir mit einem Einkäufer. In der Mustersaison kommen dann die sogen. Ramscher aus Berlin, welche stch in Hotels einlogiren und an den Häusern große Plakate anbringen lassen, laut welchen sie Passementerieartikel kaufen. Jeder Ar« heiter kommt dann und bringt diejenigen Muster, welche der Einkäufer der Berliner Fabrikanten nicht genommen hat. Für diese Artikel zahlen die Ramscher den armen Arbeitern einen schrecklich geringen Preis, der kaum ihre Auslagen deckt. Aber was sollen sie mit den Artikeln beginnen, seufzend nehmen sie den kleinen Kaufpreis. Hier in Berlin verkaufen dann diese Ramscher die Waaren zu so niedrigenDPreisen, daß die Fabri- kanten, welche ihre Waaren unter reellen Preisen beziehen, nicht konkurriren können. Belle-Alliance-Theater. Mit dem Schlüsse der dies» jährigen Sommcr-Saison, der am Dienstag stattfindet, endet auch das Zusammenwirken der allgemein deliebten Wiener Duettisten, Herren Schmutz und Katzer, die während ihrer hie- figen 4jährigen Thätigkeit dem Berliner Publikum so manche frohe, genußreiche Abende bereitet. Am Dienstag Abend wirken Sie erschien auch wirklich schon nach einigen Minute«, doch war die Umhüllung weniger erwärmend, als glänzend. Es sei denn, daß eine Unzahl von seidenen Schleifen und Bändern, die um ihre« Kopf und überall, wo sie sich nur hatte« anbringen lassen, lustig flatterten und wehten, gute Wärmeleiter gewesen wären und die löbliche Eigenschaft be- sessen hätten, einen mehr knöchernen als zarten Körper vor Erkältung zu bewahren. Als sie auf den Flur hinaustrat, traf sie daselbst Elliot in tiefem Gespräch mit seiner ersten Gattin. Sie war zu sehr von Eifer, sich pünktlich zu zeigen, erfüllt, um den weh- müthigen Ausdruck in den noch immer schönen, aber abae» härmten Zügen z» bemerken, mit welchem diese zu Ellrot emporschaute und zugleich flüsternd zu ihm sprach. „Noch einige Tage soll ich warten, ehe ich ihn wieder» sehe?" ftagte sie leise und mit einem scheuen Seitenblick auf die herbeirauschende Französin. „Gedulde Dich, sie gehen schnell dahin," antwortete Elliot ernst, indem er ihr die Hand reichte und sich dann der Hau«» thür zuwendete. Die trauernde Muttrr seufzte tief auf und wollte sich in ihr Gemach zurückziehen; da näherte sich ihr Demoiselle Corbillon mit ihrem süßesten, herablassendsten Lächeln. t„Jch grüße Dich, meine Schwester." sagte sie, die junge 'au auf dr, Stmr küssend, und dann den mit flatternden ändern und künstlichen Blumen fast verhüllten Kopf mit jugendlichem Uebermuth zurückwerfend, beeilte sie sich an Elliot'« Seite zu gelangen. „Ein süßes, liebes Wesen, Eure Frau," sagte sie nach einer Weile, al« Elliot, der die Richtung nach dem Aus- gange des HofeS eingeschlagen hatte, noch immer keine Miene machte, die Unterhaltung zu eröffnen,„ich könnte sie lieben wie meine wirkliche Schwester, und möchte sie stets um mich sehen." (Fortsetzung folgt.) dieselben zum letzten Male vereint, um sich dann für immer zu trennen. Herr Schmutz ist für die Winter«Saison in Wien, H err Katzer nebst Frau in Chemnitz engagirt. Gerichts-Zeiwng. P. Ein unglücklicher Zufall führte das Kindermädchen Wilhelmine Sydow aus Kremmen, wegen fahrläsfiger Tödtung angeklagt, vor die Schranken der Ferienstrafkammer des Land- gmchts i. Die kaum 18jährige Angeklagte war zu Anfang d. I. von den Arbeitsmann Kluckert'schen Eheleuten, welche während des Tages ihrer Arbeit außer dem Hause nachgehen, zur Wartung der Kinder angenommen worden und hatte die ihr obliegenden Pflichten treu und zuverläsfig erfüllt bis zum 27. Mai d. I. Dieser Tag wurde für die Familie Kluckert, sowie für die Angeklagte vcrhängnißvoll. Das jüngste Kind, ein Knabe, 8 Monate alt, war unruhig geworden, um es zu bemhigcn, nahm die Angeklagte das kleine Wesen aus der Wiege und ging, dasselbe in den Armen wiegend, im Zimmer auf und ab. Hierbei stieß fie gegen eine Fußbank, welche eins der älteren Kinder unbemerkt ihr in den Weg gestellt hatte; fie strauchelte und ließ in dem Bemühen, fleh aufrecht zu erhalten, das Kind aus ihren Armen zur Erde gleiten. Das Kind fiel, auf die Fußbank so unglücklich mit dem Kopfe auf- schlagend, daß sofort aus Nase, Mund und Ohren das Blut herausfloß und binnen wenigen Augenblicken der Tod des kleinen Wesens eintrat.— Wie der ärztliche Leichenbefund ergab, war das Kind an Erstickung gestorben— die Folge eines Blut- Ergusses in's Gehim— obwohl am Halse des Kindes nur eine unbedeutende Hautabschürfung wahrzunehmen war. Zweifellos war der Fall als Todes-Ursache anzusehen und gegen die Sydow daraufhin Anklage erhoben, indem ihr der Vorwurf der Fahrläsfigkeit gemacht wurde. Im Audienz-Termin harrte die Angeklagte in erbarmenswcrther Verzweiflung des Urtheils- fie war, wie aus ihren Erklärungen hervorging, vollständig im Unklaren über den ursächlichen Zusammenhang des Unfalls und erhob nur den Einwand, daß fie vom Schreck überwältigt das Kind habe fallen lassen. Der Staatsanwalt erachtete den blinden Zufall für ausgeschlossen und erblickte in dem Verhalten der Ange- klagten fahrlässiges Handeln. Der Strafantrag lautete daher auf 4 Monate Gefängniß. Der Gerichtshof vermißte indessen auf Grund der Beweis- Aufnahme den Nachweis der Fahr- läsfigkeit und erkannte auf Freisprechung. „Jeder Zoll ein Loms!" konnte man mit Recht von dem 25jährigen Mann sagen, der auf den Ruf des Nuntius den Gerichtssaal betrat. Auf den ersten Blick sah man. daß man einen jener verächtlichen Menschen vor fich hatte, welche immer auf Kosten der„Verworfensten ihres Geschlechts" ein wahres Parafitenleben führen, und die fich demgemäß in einem steten Kampfe mit den Hütern der öffentlichen Ordnung und Sitte befinden müssen. Die stark eingefetteten, in der Mitte gescheitelten Haare bedecken die Stirn über die Hälfte, ein Shlips von auffallender Farbe ist lose um den Hals sie- schlungen, ein Hemdkrasien fehlt ganz und gar. Seine Berne stecken in einem fast hrmmelblauen Beinkleid, welches so weit über den Fuß fällt, daß kaum die Fußspitze zu sehen ist. In der Hand trägt er ein dünnes Rohrstöckchen und eine so- sienannte Ballonmütze. Bei seinem Eintritt füllt sich der Zu- Hörerraum mit einer Anzahl junger Leute, welche augenschein- lich„Berufsgenossen" und Freunde von ihm find und kichernd und schmunzelnd der Dinge harren, die da kommen sollen.— Angell,(den der Nuntius in den Zuhörerraum verweist): Also hier soll ick'rin? Na, denn man immer zu, ick wund're mir man bloß, det Ee mir nich'n Ring durch de Nase ziehn un Ketten mit'ne Kugel d'ran ant Veen schmieden dhun.— Der Nuntius verweist oen Angeklagten energisch zur Ruhe, und dieser hat augenscheinlich eine unverschämte Antwort auf der Zunge, als er durch den Eintritt des Gerichtshofes verhindert wird, fich zu äußern.— Vori.: Angeklagter, Sie heißen Edmund Paus?— Angeklager: Jawoll.— Vorfitzender: Sie find ja trotz Ihrer Jugend vielfach vorbestraft, (der Vorsttzcnde verliest eine ganze Reihe von Vorstrafen wegen der verschiedensten Vergehen,) mit Ihnen scheint es ein böses Ende nehmen zu wollen. Sie find jetzt wieder der Be- amtenbeleidisiunsi und des Widerstandes gegen die Staats- siewalt angeklagt.— Angekl.: Zu son paar lumpichte Vor- strafen da kann der Mensch heitzudage leichte zu kommen; wat will unsercener denn jejen machen, wenn er unschuldisi verknaxt wird?— Vors.: Angeklagter, ich will Ihnen doch von vornherein sagen, daß ich Sie sofort auf 24 Stunden ein- stecken lasse, wenn Sie fich hier ungebührlich betragen; Sie wissen wohl, mit Leuten Ihres Schlages macht man wenig Umstände. Verstanden?— Angekl.: Ick were mir hüten.— Vors.: Bekennen Sie fich der Ihnen zur Last gelegten Ver« gehen schuldig? Sie wissen, um was es fich handelt.— Angeklagter: Det soll woll Jacke wie Hose find, ob ick ja oder nee sage, verknaren dhun Se mir ja doch.— Vors.: Am Abend des 16. Juli pasfitten Sie mit mehreren Ihrer Kollegen die Ackcrstraßc, nicht wahr?— Angekl.: Det stimmt wie'ne böhm'sche Orjel.— Vors.: Machen Sie keine überflüsstgen Be- merkungen. Sagen Sie'mal, waS find Sie denn eigentlich? — Angekl.: Ick bin allerleihand jewesen; nu bin ick bei Muttern un helfe ihr.— Vors.: Aus den Akten ersehe ich, daß Ihre Mutter Leichenwäscherin ist, dabei können Sie doch nicht helfen?— Angekl.: Wodrum denn nich? Ick hole in, wenn se aus is, un mache zu Hause allerleihand Scharwerk; denn et jeht nischt drieber, wenn der Mensch wat gelernt hat. — Vors.; Zeigen Sie'mal Ihre Hände.— Angekl.: Hier, Seilt die Hände vor fich hin).— Vors.: Die sehen nicht aus, s wenn fie Arbeit gewöhnt wären. Na, wir wissen ja, wes Geistes Kind Sie find. Also, um auf die Anklage zurück- zukommen, Sie kamen mit ihren Freunden hinzu, als fich zwei Dirnen auf der Ettaße schlugen, und haben die Kämpfenden durch Anrufen u. s. w. angefeuert und ermuthigt. Räumen Sie das ein?— Angekl.: Ick habe bloß jesagt„Immer feste, Amuste, zieh' ihr de Pelle von't Jestchte", indem det' ne olle Bekennte von mir war.— Vors.: Natürlich hatte fich eine erhebliche Menschenmenge um dieS widerliche Schauspiel angesammelt, als zwei Schutzleute in Zivil erschienen, und während der eine die Arretirung der raufenden Frauenzimmer bewirtte, hat der andere Sie und Ihre Begleiter aufgefordert, weiter zu gehen; Ihre Begletter find anch gegangen; Sie sollen fich aber unter Höhnischen Redensarten geweigert haben. — Angekl.: Er sagte zu mir, ick sollte uf de Stelle ausenan- derjehen un mir zerstrcien, und da habe ick bloß jesagt, det Kunststück sollte er mir'mal vormachen. Un denn sagte ick zu ihn, er sollte mir man erst'mal sein Passepartout zeijen, indem sonst jeder Strolch kommen könnte un fich vor'n Beamten ausjeben. Vors.: Ich denke, der Beamte hatte fich bereits durch Vorzeigung seiner Marke legitimirt?— Angekl.: Nee, erst hernachenS hat er det Dings rausjelangt; aber da hat er mir denn ooch jleich'n Stoß jejen de Brust jejebcn, det ick in alle Fujen krachen dhat un denke, mir bleibt de Luft reene weg. Druff sageick denn, ick wollte seine Nummer haben, in- bem ick mir bei Madaien beschweren wollte, da sagt er aber: „Wat? Sie wollen fich hier noch lange widersetzen?" un jiebt mir noch'n Stoß, det ick son Ende wie von hier bis ant Fenster fliejen dhue. Aber natierlich, son Schutzmann, der derf sowat dhun. Un wre se nur Hernachens uf de Wache be« bandelt haben, det jloobt keen Mensch, Schtriemen wie'n Finger dicke habe ick uff'n Puckel zu liejen jebabt, und det Blut hat mir man immer so aus Nase un Mund'rausje- loofen. Ick bin ooch den andern Dag beim Dottor jewesen un wollte'n Attest haben; der sagte aber, dadneber könnte er keens ausstellen, indem er keene edlen The, le an mir finden könnte, wo det wat jeschadt hatte. Ick habe aber Hernachens .......... bei son P ehört, det ick jerade Zolizeidoktor'rinjefallen bin, der de Echutzleite behandeln dhut, un der denn natierlich ooch mit die halten muß.— Vors.: Wenn der Schutzmann Sie auf- fordert, zu gehen, so müssen Sie auf der Stelle gehorchen, und wenn Sie das nicht thun, dann braucht er natürlich Ge- walt, ohne langes Federlesen zu machen. Sie sollen ihn aber mit den unflätigsten Schimpfworten belegt und ihn auch mit Ihrem Regenschirm über den Kopf geschlagen haben.— An- siekl.: Der Mann der könnte mir leed thun, wo er'n Men- schen so irrthümlich uffassen kann. Ick sage zu de andern, als se weggingen:„Looft man nich so, ick will mir erst eene un- tern Bart stecken",— wo ick nämlich'ne Zigarre mit Meente, un det muß der Schutzmann woll verkehrt mißverstanden haben; denn mit een Mal kriegt er mir beim Schlung un schüttelt mir un schreit:„Wat soll ick? det were ick Ihnen anstreichen, Sie Sttolch!"— Vors.: Also so war es. Das ist ja eine nette Ausrede. Wie war es denn nun mit dem Schirm? — Angekl.: Eejentlich war det ebenso. Als er so baff, baff, bei uns hinkommt un sagt, wir sollen machen, det wir weg- kommen, da sehe ick so in'n Himmel un merke, det'n Droppen mit int Jeficht fällt, un druff sage ick denn„Nu jiebt et wat raus", wo ick natierlich meente, det et rejen dhäte, un hebe so den Schirm hoch un will ihn uffspannen, da kommt ooch schon der andere Schutzmann un faßt mir um un sagt„Sie wollen hier hauen?" wo ick doch keene Ahnung von hatte, un da lag ick natierlich in'n Wurschckessel; denn wat meine Freinde waren, die hatten Leine jezogen, als fie den Schutzmann'ran- kommen sahen.— Vors.: Aber, Angeklagter, wie können Sie glauben, daß Sie mit diesen albernen Ausreden durchkommen werden. Sie sollten Ihren Erfahrungen nach doch gewitzigter sein.— Angekl.: Natierlich, unsercener kann fich keenen stu- dirten Verteidijer halten wie de jroßen Herren, die sone halbe Million in de Tasche stecken, die andere Leite jehören dhut; wenn unsercener vor Jencht kommt, is er verratzt wie Jraf? Katze.— Die Beweisaufnahme fiel durchweg zu Ungunsten des Angeklagten aus, und hatte der Gerichtshof keine Veranlassung, mildernde Umstände walten zu lassen; das Urtheil lautete auf zwei Monate Gefängniß.„Nu bist Du doch mit Deine Kennt- nisse'rinjefallen," meinte einer der Freunde des Angeklagten mit schadenfrohem Lächeln, als die saubere Gesellschaft gemein- sam den Gerichtssaal verließ.(„Ger.-Ztg.") Soziales mh Arbeiterbewegung. „Die Nationen". Die„Voss. Ztg." läßt fich aus Belgien schreiben: Eine der ältesten und merkwürdigsten Einrichtungen Antwerpens find„die Stationen", und erst jüngst bei der Em« weihung der Quais erregte„der Festzug der Nationen" durch ihr Personal und Material das Staunen aller Ausländer. Sie stammen noch aus der Blüthezeit Antwerpens, aus dem 15. Jahrhundert, und haben seinen Fall überlebt. Die Na» tionen find geschlossene Korporationen, die das Aufladen, Ab- laden, Wiegen und Messen aller Waaren und Güter von den Quais aus besorgen und ein faktisches Monopol inne haben. Es giebt in Antwerpen 46 Nationen, von denen die meisten 20 bis 30 Assocics— das find die„Herren" der Nationen— befitzen. Die großen Nationen haben deren mehr, so zählt die „Noord Natie" 61, die„Wijnaard Natie" sogar 1500 Mitglieder. Die„Herren"(bazen) leiten die Arbeiten, stellen das Personal an und bürgen für die Ausführung. Jede Nation bildet eine korporative Gesellschaft, deren Kapital in den Pferden, Wagen und allem Zubehör besteht. Das Kapital ist be- trächtlich; das Material z. B. der„Noord Natie" hat einen Werth von über 400000 Frcs. Jedes Mitglied befitzt einen „Äntheil", den er bei seinem Eintritt, sei es von seinem Vorgänger, sei es von dessen Familie, kauft; der Werth eines solchen Äntheils schwankt zwischen 18000 und 25000 Franks; zur Aufnahme ist die Zustimmung der Hälfte aller Mitglieder erforderlich. Ist ein Mitglied„unangenehm" geworden, so kann es durch die Majorität ausgeschlossen werden und erhält seinen Ancheil zurück. An der Spitze jeder Nation steht der Doyen, der die Gencralleitung hat, auch die Börse zur Entgegennahme der Äufttäge besucht. Ihm zur Seite steht eine von allen Mit- gliedern gewählte Kommission aus sieben Mitgliedern, die alle Streitigkeiten endgiltig schlichtet. Allmonatlich wird der Kaffaabschluß gemacht; nach Abzug aller Unkosten und Zurück- legung einer Summe für schleckte Zeiten wird der meist erheb- liche Reingewinn unter die Mitglieder zu gleichen Theilen vertheilt. Die angenommenen Ardeiter erhalten nur ihr Ealair. " ede gerichtliche Klage unter Mitgliedern ist bei 200 Frcs. -träfe streng verboten. Die Nationen rekrutiren sich Haupt- sächlich aus den wohlhabenden Söhnen der Landwirthe in den Umgebungen Antwerpens und bringen somit das ländliche Element in die Stadt. In den Hafenarbciten find die Nationen allmächtig, zumal die Gerichte deren Mitglieder als„geschworene Sachverständige" anerkennen. Nicht minder ist ihr Einfluß bei den politischen Wahlen bedeutend, doch find die Mitglieder beiden Parteien zugehörig; jede Partei sucht natürlich so viele Mitglieder als möglich mit ihrem Anhange zu fich herüber zu ziehen. Die Handels- und Gewerbekammern in Deutschland haben durchwesi bei der Enquete über die Sonntagsarbeit ent- schieden, die Sache beim alten zu belassen. Das ist auch voll- ständig ihrer Stellung als Vertreter der Unternehmer und des Kapitalismus angemessen. Man konnte keine anderen Ant- motten ermatten, da die Sonntagsarbeit im Kampfe zwischen Kapital und Arbeit dem etsteren dient. Die meisten Handels- und Gewerbekammern geben sich nicht einmal die Mühe, ihre Anficht zu motiviren; fie betrachten die Frage lediglich als eine Machttrage und wetten ihre Abstimmung zu Gunsten des Kapitalismus in die Wagschale, vettrauend auf die Regierungen, welche fich mit ihnen verbünden sollen. Die Handelskammer zu Mannheim allerdings sucht ihr Votum in ein moralisches Mäntelchen zu hüllen und hat folgende Resolutton ange- nommen: 1) Nicht etwa aus bloßer Laune, oder gar behufs einseitiger Ausbeutung von Arbeitern, ebensowenig aber aus übertriebenem Geschäftshungcr, werden die Sonntage theils in größerem, theils in gettngercm Umfange in die eigentliche Arbeitszeit hereingezogen, sondern lediglich nur insofern und zugleich insoweit die Sonntagsarbeit aus ganz besonderen technischen oder witthsckaftlichen Gründen regelmäßig, oder periodisch, oder ausnahmsweise mehr oder weniger unentbehrlich ist. 2) Ganz abgesehen von den in der Reichstagskommisfion seinerzeit zur Geltung gekommenen sozialen, nationalökonomischen, religiösen, hygienischen, pädagogischen und industriell-technischen Erwägungen, ist die Sonntagsarbeit keineswegs etwas beson- ders Erstrebenswcrthes; fie ist nämlich sowohl dem Geldpreife als der Qualität nach ungleich kostspieliger als die Arbeit an Werktagen. 3) Die Gründe, welche dre Sonntagsarbeit in verschiedenen Bettieben veranlaßt haben, find fast sämmtlich fo zwingender Natur, daß das Verbot der Sanniagsarbttt oder doch eine zu enge Beschränkung entweder die Uederstunden in der Woche vermehren müßte oder zu sonstigen Umgehungen führen würde, die fich der Kontrole entzögen. 4) Was die be- abfichtigten Wirkungen der Begränzung oder des Verbots der Sonntagsarbeit betrifft, so fürchten wrr fast, nach dm Ettah- ningen einzelner Jndustttellen, daß die erhofften günstigen Wirkungen nicht eintreten werden. 5) Endlich würde gerade der jetzige Moment eines ziemlich allgemeinm geschäftlichm Niederganges der am wenigstens glückliche für Beschränkungen sein, deren Tragweite heute kaum noch ganz übersehen werben kann."— Wir wollen auf diese Resolutronen weiter nicht ein- gehen und nur bemerken, daß hier die Handelskammer einen allgemeinen geschäftlichen Niedergang konstatirt. Daß aber der- selbe fich nicht eignen soll, das Verbot der Sonntagsarbeit ein- zuführen, zeigt doch von sehr geringem Verstänoniß in der Sache. Da jetzt die Arbttt nicht so sehr drängt, kann man doch um fo leichter auf die Sonntagsarbeit verzichten. Uerewe iwfr Uersammlungett. be. Die Mäntelnähertnnen-Versammlung, welche um Montag, dm 7. d., in Keller's Salon, Ändreasstraße 21, unter Vorfitz der Frau Staegemann(Fr. Haase 2. Vorfitzende, Frau Ihrer Schttstführettn) zur Besprechung der„Lohmragc" statt' fand, war von ca. 1800 Personen, etwa 1000 Frauen, M Männer, besucht. Frau Rosa Büge hatte das einleitende Re- ferat übernommen, in dem fie etwa folgendes ausfühtte:%% Lage der Mäntelnäherinnen sei die denkbar trauttgste, die? fich den größten Jammer und das tiefste Elend berge. S't (Rednettn) selbst hätte dies kennen gelernt, fie fpreche als Leo densschwester zu den anwesenden Arbeiterinnen. So könne es aber nicht weiter gehen. Nicht länger dürfe die Gesundheit und Ehre der Frauen und Mädchen, das Wohl der Kinder aufs Spiel gesetzt werden. Zucke nicht beim Anblick der blaffen, krankhaft aussehenden Lieblinge das Herz vor Wehmuth zu- sammen bei dem Gedanken: Dein Kind leidet Hunger! Das Bild der Arbeiterinnen zeige dasselbe Elend, einen abgezehrten, abgehärmten Körper in Folge des Mangels an Nahrung,>» Folge der nächtlichm Arbeit. Nicht nur vorzeitiger körperlicher Tod, sondern auch geistiger sei dies, denn hungere man, st könne man nicht denken, folglich auch nicht leben und lernen. Auch das Glück des Familienlebens, die Häuslich' keil werde zerstött, man könne dem Manne nicht mehr die ettorderliche Ordnung und Reinlichie>> bieten. Es werde ganz und gar vergessen, daß D* Arbeiterinnen eigentlich auch Menschen seien, ja, die Arbeitt' ttnnen vergaßen es selber, daß fie doch zu etwas Besserem be- rechtigt seien, als im neunzehnten Jahrhundert das SklavenM zu tragen. Und die Mädchen, die bei solchen sozialen Verhält' nissen der Prostttution zum Opfer fallen— müßten fie w den Ursachen fluchen, die fie dazu gebracht haben?— Die Zu« lunft werde an Körper und Geist verfehlte Generationen auszuweisen haben, wenn nicht bald Hand angelegt würde, beffert Zustände zu schaffen. So lange der Kampf ums Dasein w einer so entsetzlichen Gestalt herrsche, könne nicht Friede ne°> Einttacht unter den Menschen wohnen. Nachdem die Rednew kurz das Verhältniß des Arbeitgebers zur Arbttterin beriih» hatte, der diese nur als Werkzeug betrachte, fich fo rasch möglich zu bereichem, bedauerte fie, daß ihr trotz ihrer aus- drücklichen öffentlichen Bitte Material über die Lohnverhältnifff der Mäntelnähettnnen bisher nur von Seiten der Arbeiterinnen zugegangen, daß ihr aber selbst von Seiten der„anständigen Schneidermeister, die höhere Löhne als die große Mehrsth' ihrer Berufsgenossen zahlten, keine oder nur sehr geringe Unter' stützung bis jetzt zu Theil geworden wäre. Dre Referenlw ging nun zur Verlesung des„Sündenregisters" über, das j aus den Angaben der Nähettnnen, von denen jede einzelne an Wahrheit ihrerAussagenzuvettreten bereit ist, zusammengestellt ln»- Folgende Arbeitgeber zahlen nach Angabe der Frau Büge Löhne: Bubeleber, Alerandrinenstr.74; Weiland, Elisabethufer f' Lamasch, Ritterftt. 117; Vogt, Kommandantenstr. 49(unh"' liche BeHandlungsweise der Ärb.); Sleinike, Brandenburg straße 35; Gutmann, Buckowerstr. 10(unhöfliche Behandlung Geißler, Oraniensttaße(unhöfliche Beh.); Fr. Reich, 6%% schreiberstr. 12; Knopf, Gilschinerstraße; Wolf, NaunynW (unh. Beh.); Maast, Gneifenaustraße und Zirbel, früher®'S, litzerstt. 13(unregelmäßige Bezahlung); Bold, Kuttbuserstrttg Lama, Kuttbuserstr. 1(Lehrmädchenunwesen); Hänschke, g? nienstt. 165(unh. Beh.); Fr. Doegen, Stallschreiberfiraßc g Fr. Huwcke, Waffetthorstr. 33(unh- Beh.); Preuß, Wassert�-, straße 69; Posse, Prinzenstr. 11; Groffett, Ritterstraße; Kg mann Echändler, Stein- und Rosenthalerstiaßen-Ecke; Franst' Poststt. 29; Suberski Hausvoigteiplatz 12.«Zu den ArberteN. n> n, die mehr Lohn forderten, wurde gesagt:„Wenn es vL nicht genug ist, dann immer raus mit Euch Sozialdemokraten� — Das einzige Mittel, dieser trauttgen Verhältnisse Herr � werden und fie abzuschaffen— so lauteten die Schluß� führungen der Rednett»— sei Einigkeit und Vereinigung Ein Minimal- Preistattf müsse aufgestellt werden für die schiedenen Arten der Mäntel in einer Höhe, daß Arbeitgen wie Arbttterin dabei bestehen könnten. Sie(Rednettn)®e es fich zur Aufgabe machen, den Preis für die Mäntel, � zu die Schneider von den Geschäften ausbezahlt bekommen,„ fahren, um darnach den Minimal-Preistattf, unter dem o° keine Arbeiterin arbeiten dürfe, festzustellen. In einer d � nächsttgen Versammlung werde dieser Äinimaltattf stW'' und veröffenllicht werden.(Lebhafter wiederholter BttfaUo Eine ausgedehnte Diskussion schloß sich an, in der die# L Gubela, EanziuS, Frl. Wabnitz und die Herren Zander, und Weißhuhn sprachen. Frau Gubela theilte die mO#*' � Löhne mit, die ein Arbeitgeber in der Fehrbellinerftr. w, Frau Canzius fragte nach Mitteln, wie den nur zu wo»' u schilderten Verhältnissen abgeholfen werden könnte. 8% qü, diene eine Arbeiterin mit ihrer Maschine stündlich kaum � fa, 30 Pf. aber seien nicht zu viel und daneben müßte ein arbeitstag von 10 Stunden täglich gesetzlich eingeführt fl &"%%%% rw«5% allein könne der Fabrikant nichts beginnen; er konsumne aber er produzire nicht. Nur auf die Männer sollte ma»'„ rechnen; da könnte man vielleicht noch ebenso'yi. warten wie bisher. Die Frauen sollten sich vereinigen, � hett und Ferghttt gehöre nicht mehr ins 19. Iah rhu 0 (Langdauernder, stürmischer Beifall.) Frl. Wabnitz fpw®„ in den Schaden, den die augenblickliche soziale Lage der st der Familie anttchte. Sie kenne Frauen, die im Jahr � bis viermal ihren Trauttng versetzen müßten, andere ojfa nächtlich bis 4 Uhr arbeiteten. Die Gedanken der Frau �u ganz von der Häuslichkeit abgelenkt. Daß ferner da- u.. sich so auf der Straße breit mache, daran seien allem. jjzj drückten Löhne der Frauenarbeit schuld. Drei Tinge so doch nn jeder stets vor Augen halten: Liebe. GemcinfW» Menschlichkeit. Zum Schluß regte die Rednerm et« � wahrungs- und Beauffichtigungsstätte für Kinder solch"«L# d-S Vereins an. die den ganzen Tag über beschaftsist%itg (Bravo.)— Ein Herr Siebert sagte, daß er der B � sei von vornherein sympathisch"gegenüber gestanden hätte- gistck nur der Anficht, daß bisher viel gesprochen aber wemS.s � ,» worden wäre. Die Frauen sollten mit den Meistern, v Hanl) gehen.(Zwischenruf: Manchester-Phrase. Unr"„ sich 0e' Schluß bedauert er, daß der Verein der Arbeitennnen spalten hätte und mahnt zur Einigkeit.- Im Anschluß "mahnte Frau Stägemann, fich zu tausendm dem alle' � anzuschließen, während Frau Canzius die Gründung o sttt* s&rkf, gegen 11 Uhr..„..wteio" ##### Handlungen wurde Herr R. Sündcrmann gewählt. wurde, daß PetitionSlisten btt den Vorstands � � haben find und daß in dem ArbeitsnachV-rst'��. U Vereins zur Zeit tüchtige Gesellen verlangt Bureaus für den Arbeitsnachweis definden fick 61, 4 Treppen, btt Gromoll, und Gifchinerstra» R. Sündermar.n. Perantwottlicher Redakteur«.«rouhet« d» verlin. Druck und Verla« von«« vadiu« in Berlin SW, Beuchftraße 8.«ieri» eiut jpeW* Mittwoch, den 9. September 1883. II Iichrg. k Ue Eruahrunz der arbeitelldell Klaffen. Seit den Zeiten der römischen Cäsaren, die dem arbeitenden goit urd dem nichtarbeitenden Lumpenproletariat„Brot und «mele" zu bieten beflissen waren, bat die Ernährung der sog. unteren Klaffen schon Manchem viel zu schaffen gemacht. Uno Ule jetzt movische„Sozialreform" hat natürlich auch die Frage ber Arbeiterernährung auf's Tapet gebracht. Wie aber dre ?�uze moderne Sozialreform sich dadurch auszeichnet, daß sie «as Pferd beim Schwanz aufzäumt, so wird auch die Lösung uer Ernährungsfrage am verkehrten Ort gesucht: nicht Be- Nhanung besserer Löhne, oder Sicherung eines größeren Ertrags Uer Arbeit, ist es, was die Ernährungsapostel predigen, son- ®wn Belassung der unzulänglichen Löhne und Hcrstelluug U'mgcrer Nahrung— das heißt Fortdauer der Zustänve, aus das Arbeiterelend entspringt, und scheinbare Milderung uchelben durch vegetarianische und andere billige Ernährungs- "Wk uno sog. Volksküchen. r., So hat jüngst unter dem Titel„Die Ernährung der ar- finden Klaffen" ein Herr M. P. Wolff zu Berlin im Ver- We von Julius Springer eine 144 Seiten starke Schrift ver- Mntlicbt, welche für diese Sorte von Sozialreformern recht torakteristisch ist. Diese Schrift ist in der.frankfurter Zeitung" j|ut abgethan worden. Wir lassen die Rezension nachstehend p.«Der Verfasser, früherer preußischer Hauptmann, hatte seine ??uft zunächst auf Grund von Londoner Studien, von Ein- kucken des dortigen gräßlichsten Massenelends, auf englischem ?°oen fußend und in englischer Sprache abgefaßt. Das vor- Agende Buch ist eine in den Gclvangaben auf Mark und P ennig umgerechnete, im Uebrigen an den englischen Verhält- Ilsen festhaliende deutsche Ausgabe des englischen Originals. m wird sich sofort zeigen, weshalb wir dies betonen. Der Erfasser geht von der Voraussetzung aus, die soziale Frage l.., /ine«reine Magenfrage". Sie ist dies nun freilich «W sondern sie ist eine Kulturfrage; da aber bei der UtüOß s« /x. y------.. �—---i—-——— r*— »Ttnft s|* VUIV, vu uvtv vtl VCV SoX naä> der Erlangung und Behauptung einer menschen- bin«*- �kistenz die rohe Befriedigung des Magens aller- ft.®?*»ie noth wendige Voraussetzung ist, und da ferner das dies,.-rJ unteren Klassen an manchen Orten schon soweit ge> daß sogar diese elementarste Voraussetzung in Frage «?5°du�aft des Willens zu einer organifirten Agitation WnK'T,. gekommen ist, sondern sie findet ihre Anhänger �»'sächlich in der nächst höheren Arbeiterklasse, welche «den'�geu noch leidlich befriedigen kann, welche aber 1,»-» solchem letzten Elend sich nicht herabdrücken »n d?«'."udein, über den Magen doch etwas hinausdenkend, ttii,," kulturellen Vortheilen und Genüssen der einkommens- »eil?, blassen theilnehmen will. Der Verfasser schließt nun dex,?ud seiner schiefen Voraussetzung, daß somit die Lösung »nl� en Frage vom Magen aus in Angriff genommen »«a m Hüffe. Er will dies thun durch eine Organisation JJii,., oltsküchen in größtem Stile, und zwar sollen diese WZH' t Heils um das nöthige bedeutende Anlagekapital zu Tel!ii, lheils um den Konsumenten nicht um das beschämende Melifi?eä Almosens abzuschrecken, kaufmännisch als Aktien- Sröi«."nd auf Gewinn arbeitend eingerichtet werden. Der fieivix•Mk'I des Buches ist nun dem technischen Nachweise ' daß sich für 4 Pence(Vi M.) ein ge �tnge sf?& Iüa einen Erwachsenen etne genügende ?rf„i'a�?0ff enthaltendes Speisequantum auch mit °ane ,?��'�en täglichen Abwechselung geliefert werden #l n'auwr JPtn Wolff stellt dabei, genügende Konsumenten- vE» t vorausgesetzt, ganz märchenhafte Dividenden . H, Aus ficht. Die Prüfung dieses Voranschlages in kann nicht unsere Sache sein; auch ist ®(te4np. gleichgiltig, ob 35 oder 5 pCt. Dividende heraus- %' kvenn nur letztere wirklich erzielt werden; uns in- Die Fnuim Zentral Smiitri';. �er neuesten Lieferungen des von der nieder- "%i.. 1 Sumatra- Expedition herausgegebenen Werke»: ff*.. f P I— Cm.»..■ m t*» f K L.. Als«r Expedition erforschten Gegenden vorkommen. �igeb�."Leitung zu einer shstematischen Uebersicht der »as».�len Thiere beantwortet der Verfasser die Frage, Sr0* dem" o 1' m Durchziehen der dortigen Wildniß überhaupt p/oen der Thiere zu sehen bekommt, und aus der ülich.j V ersichtlich, wie mühselig es sein muß, als Mit- �elch?** aus Europäern bestehenden Forschungs-Expedition, Hie au4n großes Gefolge von Eingeborenen mit sich führt, ng nut einigermaßen umfangreiche zoologische Samm- » Äe?» bringen. Attest v; ü,an bedenkt— sagt Snelleman— in wie vielen Mb, to. 16 Säugethiere und Vögel auf Sumatra vertreten �>Neist?»��k>iese Säugethiere, und wie prächtig gefärbt 2 Mein« Jer �ögel sind, dann wird man sehr leicht zu lest v ß kommen, daß es vor Allem diese Thiere sein IC öuf KaS wozu nöthtg\]t, daß fie sich länaere �ev —-en � größerer Anzahl auf demselben Platze auf» Mit sr'ff en selten. Ich möchte dazu rechnen die Kolonien • e soap!"' rvelche sich am Rande des Waldes erlustigen; M Plannten fliegenden Hunde, KalongS, die, nachdem sie . e M«. chre nachtlichen Mahlzeiten eingenommen, gegen r�ert?« auf ihre festen Wohnplätze in den ent- m? Zäumen zurückkehren; die weiße« Reiher, welche �%st Merk in einigen Gegenden wie mst riesigen -iitpua« w0» bedeckt erscheinen lassen die Schaaren von N ist deren lange, etwas birnenförmige Nester man Nwiitt». � an den Zweigen hängen sieht, und die großen Mn,nt® a°n Papageien, welche man vor Allem wahr- » �e' gewisse Waldfrüchte reif sind. Aber es � ra. der That schwer fallen, diesen Beispiele» *** hinzuzufügen und bemerkenSwerth ist es, tcresstrt der Vorschlag vom allgemein wiithschaftlichcn Stand- punkt aus. Wir haben oben bemerkt, daß der Verfasser zwischm dem Bodensatz des Pauperismus gewisser englischer und anderer Oertlichkeitcn und den breiten Schichten der ar- bettenden Klaffen im Allgemeinen nicht unterschieden hat und wir müssen sagen, daß der Verfasser sich täuscbt, wenn er glaubt, daß sein Projekt mit der Lösung der sozialen Frage zu- nächst etwas zu thun habe. Wir sagen zunächst, denn für's Erste würden diese Küchen ihre Kostgänger nur aus dem Elend rekrutircn; der besser gestellte Arbeiter würde sie verschmähen. In der Folge aber würden diese Anstalten sich mit der sozialen Frage allerdings infoforn kombiniren, als sie, anstatt dieselbe zu lösen, die bestehenve wirthschaftliche Unfreiheit des Arbeiters nur noch erhöhen würden. Denn die nächste Folge wäre sicher, daß in dem Bereich einer solchen großen Volksküche die Löhne der Massenarbeiter allmälig auf dasjenige Niveau sinken wür- den, welches neben Schlafstelle und Kleidung eben zu einem Wochenabonnement in der Volksküche ausreichend wäre. Der Verfasser nimmt die Lohn- und Arbeitsverhältnisse, wie sie heute liegen, als unabänderliche ewige Thatsachen entgegen und anstatt den Arbeiter wirthschaftlich zu heben, erklärt er mit seiner Küche dessen Nothlage in Permanenz, nur daß er dieselbe etwas rationeller einrichtet und dem knurrenden Magen sein Theil werden läßt. Verdeutschen wir den Vorschlag vollends, d. h. rechnen wir statt der Aktiengesellschaft den Staat, so hätten wir eine Verstaatlichung der Ernährung, wie sie gewiß selbst dem büreaukratischsten Polizeiminister niemals im Traum erschienen ist. Es klingt auf den eisten Augenblick freilich einnehmend, wenn Verfasser klagend vorrechnet, wie viel Kohlen und Zeit erspart werden könnten, wenn die unratio- nelle Familienkocherei aufhören und dafür die Familie der im Großen wohlfeiler arbeitenden Volksküche zinspflichtig würde. Wenn aber eine Verschwendung der Kohle im Privatherd statt- findet, so hielten wir dafür, den Familicnherd durch billiges Kohlen- oder Wasser- Gas rationeller zu gestalten, nicht aber die Freiheit und Selbstständigkeit der Familie in Bezug auf ihre Ernährung einem allgemeinen Küchenmoloch zu opfern. Was der Fall sein würde, wenn einmal, nachdem der Privat- Herd ein„überwundener Standpunkt" resp. ein Luxusartikel des „Bourgeois" geworden, eine solche Aktienküche durch Zufall auf einige Tage betriebsunfähig würde, verschweigt der Ver- zasser. Eine weitere Frage dieser wohlmeinend erdachten Ein- richtung wäre ferner fraglos eine Steigerung der durch die Abschaffung der Küche frei gewordenen billigen Frauenarbeit und dadurch weiterhin noch verschärfte Arbeitskonkurrcnz. Doch hat es ja damit vor der Hand noch gute Wege; die Arbeiterführer würden diese Wirkungen der Küchen alsbald erkennen und jedenfalls, was in der Macht ihrer Parteiorganisation liegt, dieselben durch Verrufserklärung lahmlegen, so daß es gewiß noch bedeutend sicherer wäre, sein Geld in Türken, als rn solchen Küchenaktien anzuleaen. Die menschliche Natur widerstrebt eben einmal und mit Recht den Heerdeneinrichtungen, welche den Stempel der modernen weißen Sklaverei an sich tragen; ein prallisches Beispiel dafür find auch z. B. die Wohnungsverhältnisse. Die riefigen Miethkasernen finden nur in der äußersten Platznoth der Großstädte ihre Bewohner' die kapitalistischen Wohnungsanlagen für Arbeiter in Industrie- bezirken wie von Krupp, Pullmann in Mühlhausen rc. kommen diesem menschlichen Selbstständigkeitstriebe entgegen, indem fie, sicilich in höchst„irralioneller" Weise, kleine Ernzelhäuser er- richten. Wer aber nur darauf aus ist, möglichst billige und möglichst ersparende Einrichtungen auszudenken, kann sich einen wahren Freund des Arbeiters nicht nennen. Daß Leben ist denn doch dazu da, um erträglich, und nicht um billig gelebt zu werden. Das Billigste wäre sonst, sich sofort begraben ,u lassen. Man hat schon scherzend gesagt, das Ueberflüsfige sei für den Menschen das Nothwendigste. Wenn nun vom reinen kapitalistischen Standpunkt aus erst bei der täglichen Bettel- suppe das Nothwendige anfängt, so hat jener Satz insofern auch hier Geltung, als die in Pfennigen nicht ausdrückbare Genugthuung über eine individuell frere Einrichtung des Pri- vatlebens wenigstens nach vollbrachtem Tagewerk zwar freilich dem Brotherrn überflüssig, aber dem Arbeiter um so wünschens- werther erscheint. Das vorliegende Projekt von großen Ab- fütterungsanstalten ganzer Arbeiterstädte krankt in seiner vor- liegenden umfangreichen Gestalt, in welcher es sich als Sozial- Heilmittel aufwirft, an völlig falschen Voraussetzungen und falschen Schlüssen; in bescheidenem Umfang und unter anderen Prätenstoncn, nämlich in der Absicht milvthätiger, palliativer Linderung des tiefsten Elends mögen solche Küchen namentlich im östlichen London viel Gutes wirken können. Von diesem Standpunkt aus können wir die ausführlichen Vorschläge und Berechnungen des Herrn Wolff nur zur Kenntnißnahme empfehlen. Die soziale Frage aber wird nicht auf dem Boden des„praktischen Christentqums", d. h. des barmherzigen Almosens, sondern nur auf dem des kategorischen Rechtes gelöst werden können. II. K." Wir können den Ausführungen H.K.'s, die sich freilich in den Spalten der„Franks. Ztg." etwas überraschend ausnehmen» im Wesentlichen nur beistimmen. Das aber, worauf es ankommt, ist: zu konstatiren, daß die Lösung der sozialen Frage durch Verbilligung der Nahrung ein ebenso utopistischer Unsinn ist, wie die Lösung der sozialen Frage durch das Sparen. Das soziale Elend kann nur dadurch beseitigt werden, daß man die Quellen desselben verstopft, die Ursachen be- seitigt. Diese sind aber in der modernen Produttion zu suchen, die dergestalt organistrt oder vielmehr nicht organistrt ist, daß der eigentlichen Arberterklasse nur ein geringer Theil des ihr gebührenden Ertrags der Arbeit zufließt. Hier ist die Wurzel des Uebels, und hier ist die Axt an- zulegen. Erhält jeder Arbeiter den ihm gebührenden Theil des Arbeitsertrages, dann, und erst dann, ist die soziale Frage gelöst. Der Rest— wie z. B- vernünftige Kocheinrichtungen u. s. w.— findet sich von selbst. daß wir uns, um dies Wenige beobachten zu können, meistens in die Nähe der Dörfer und keineswegs in die Wälder selbst begeben mußten. Es ist ein bereits wiederholt angeführtes Faktum, daß der erste Eindruck der sich uns im jungfräulichen Walde von Sumatra aufdrängt, der ist, daß in demselben die Thierwelt schwach vertreten sei. Und wenn man sich nur daS Fangen und Beobachten von Threren in gewissen Grenzen zum Zweck gemacht hat, dann ist dieser erste Eindruck gerade kein an- genehmer. Nach und nach lernten wir einsehen, daß die Manier, auf welche wir zu reisen gewohnt waren, wenig dazu angethan war, das Leben der Thiere zu beobachten; und wenn Wallace und BateS nicht bereits den wirklichen Zustand beschrieben und die Ursachen davon klargelegt hätten, dann würde hier unzweifelhaft der Platz sein, auseinander- zusetzen, warum man in den ausgedehnten und dicht be- wachsenen Terrains, die wir hier behandeln, so selten den Anblick der vielen Thiere genießt, welche dieselben bewohnen, die eben, fast niemals gestört und dadurch scheu und furcht- sam, bei dem leisesten Geräusch einen Schlupfwinkel suchen und in dem dunklen Wald auch leicht finden. Die Wege, welchen wir zu folgen hatten, waren mit wenigen Ausnahmen die gewöhnlichen Verbindungswege zwischen zwei Dörfern oder Gehöften; und stimmen diese Wege auch sehr wenig mit dem überein, was das gebildete Europa sich bei diesem Worte denkt, so mag nicht vergessen werden, daß von dem ganzen umliegenden Wald solch ein Verbindungsweg noch der besuchteste ist, denn fortwährend benutzen Eingeborene diese Pfade; und da die Thiere in ihrem Naturstande die Gegenwart von Menschen scheuen, war die Ausficht, ihnen dort zu begegnen, sehr gering. Als ungünstiger Faktor kam noch die Größe unserer Reisegesell- schaft hinzu; man kann, wie das Sprichwort sagt, mst Trommeln keine Hasen fangen. Unsere Kulis suchten, furchtsam wie sie sind, gerade auf dem einsamen Weg durch lautes Schreien sich selber zu ermuthigen und sich einer eventuellen Begegnung mit gefährlichen Bewohnern des Waldes zu erwehren. Dazu kam die große Bagage, die es f. Srtfc ht»r ntif Sem SRptf frpmpfprt� Lokale». d. Die Konferenzen über die Sonntagsruhe begannen am Montag im Polizer Präsidium unter Vorsitz des Gewerbe- rathes Herrn von Stülpnagel. Den Verhandlungen wohnten auch Ober- Regierungsrath Friedheim, ein Vertreter der städti- schen Gewerbe-Dcputation und andere offizielle Persönlichleiten bei. Zu den Verhandlungen des ersten Tages waren geladen Vertreter der Seifensieder und Berufsgenossen, des Gewerbe- Vereins der deutschen Bildhauer, der Lederzurichter, der Former, der Porzellan- und Glasarbeiter, der Zigarrenarbeiter, der Graveure, Ziseleure und Bemfsgenossen, sowie der Schlächter- Innung. Nach zweistündigen Verhandlungen einigte man sich über folgendes Resumö:„Mit Berücksichtigung der technischen und wirthschaftlichen Ausnahmen er« klären die anwesenden Vertreter, daß, wenn die Sonntagsarbeit im Allgemeinen für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber gesetzlich verboten wird, keine Nachtheile für dm Arbeiter daraus erwachsen, auch das Einkommen des Einen wie des Anderen nicht geschädigt wird, weder bei Wochenlohn, noch bei Stückarbeit, da für gewöhnlich die Arbeit am Sonn- tag resp. Feiertag doch nicht viel werth ist, die Arbeiter aber, welchen kern Sonntag vergönnt gewesen ist, dafür meistentheilS am Montag so viel später kommen.— Bei der Vielseitigkeit der Gewerde und Beschäftigungen lassen sich allgemeine Be« stimmungen nicht so leicht festsetzen und find dergleichen Anord» nungen für die einzelnen Gewerbe stets mit besonderer Rück- ficht zu behandeln."— Gestem tagte eine neue Gruppe, zu der u. A. die Gastwirthe und die Fuhrherren gehörten. b. Die Schüler-Pferdebahnmarken machen den Eltern rechte Kopfschmerzen. Wochenbillets bekommt man bei jedem Konduttcur, die Schülermarken kann man nur im Bureau um» tauschen, für die vielen Sommcrwohner eine schwere Last. Jetzt giebt es wieder eine neue Unannehmlichkeit. Die Mar» ken haben kleine Löcher zu ihrer Befestigung. Die scharfen Ränder aber schneiden jeden Faden durch und dadurch gingen häufig Marken verloren. Um dieser Möglichkeit vorzubeugen, befestrgte man fie auf einem Buche, statt an der Mappe. Eine neue Verordnung der Direktion bestimmt nun, daß Marlen nur Giltigkeit haben, wenn fie an der Mappe befestigt find. -llialves zu.*.„1 Verläßt man nun den, wenn man so sagen darf, ge- ebneten Pfad und zieht man in den Wald hinein, so werden die Umstände etwas günstiger, obwohl das Forthauen von Sträuchern und Zweigen dann erst recht seinen Anfang nimmt und auf weiten Abstand die Anwesenheit von Men- schen verräth. Aber dann kann es doch wohl vorkommen, daß man Threren begegnet, die sonst selten gesehen werden, und so geschah es denn auch, daß ich zwischen den Flüssen Durian und Hari einen Elephanten bei seinem aus jungen BambuS-Sprößlingen bestehenden Frühstück überraschte. Hier — man vergesse nicht, daß wir auf einem Platze umher- irrten, den höchst wahrscheinlich noch keines Menschen Fuß betreten hatte,— hier wurde das Terrain gut, hier war ein günstiger Ausgangspunkt, um zu untersuchen, welche Thiere und wie sie sich in diesem unbekannten Walde aufhalten. Aber um solche Nachspürungen zu unternehmen, gehe man allein, durch einen oder zwei kräftige Eingeborene begleitet, mit genügendem Lebensunterhalt und einem Minimum von anderen Reisebedürfnissen versehen— oder schließe sich Ein» geborenen an, die auf ihre Art und Weise und in eigenem Interesse Jagd auf die Thiere des Waldes zu machen. So ziehen die Elephantenjäger, die in den Padang'schen Hoch- landen schon selten werden, in die Wildniß hinein; es glückt ihnen, nach einigem Suchen die Trinkstellen der größeren Säugethiere zu finden, die Punkte am Flusse, welche sie regelmäßig aufsuchen, um ihren Durst zu löschen; dort und in der Nahe wird man sie in größeren oder kleineren Trupp» bei einander finden und die Verwunderung über die schein- bare Leere des Waldes wird der Ansicht Platz machen, daß im Innern der undurchdringlichen Wildniß noch eine zahl- reiche Thierbevölkerung lebt. Solches erwiesen uns auch die umfangreichen Spuren, welche die großen Dickhäuter in dem weichen Boden hinterlassen; aber wie willkommen diese Ein- drücke uns oftmals auch beim Erklimmen oder Absteigen steiler Höhen waren, sie sind doch nur ein trauriger Ersatz für die Erscheinung der Thiere selbst; das Geräusch der sich nähernden Reisegesellschaft machte die Thiere von Stellen flüchte«, wo wir bei stiller Annäherung Aussicht gehabt hätten, sie zu sehen. Kleinere Jagden liefern unzweifelhaft eine reiche Ouelle des Genusses, aber wer dieselben unter- nimmt, hat sich gegen eine Menge bekannter und»«vorher- gesehener Unannehmlichkeiten zu wappnen. Die Expedition hat weder den Tapir und das Rhino- s Verlieit ein Kind seine Marke, so kostet es eine Mark Strafe; außerdem muß man eine Eingabe an die Direktion macken, und in der Zwischenzeit muß das Kind für voll bezahlen. Die Gefellschaft würde im Falle eines Prozesses schwerlich ge- Winnen, denn eine bezahlte Marke hat unter allen Umständen Giltigkeit. Aber wer will fich deshalb einen Prozeß auf- halsen? Blindenvorschule. Am 1. Oktober d. I. wird, wie die „Post" berichtet, in Perbindung nnt der Königlichen Blinden- anstatt in Steglitz eine Blindenvorschule eröffnet werden. Es ist dies für die Entwickelung der Blindenbildung bei uns ein bedeutsamer Schritt. Wohl ist es ein fchwercs Unglück, in immerwährender Nacht cinherwandeln und auf alle die Freuden verzichten zu müssen, welche das Auge dem Sehenden vermit- telt. Doch ist dies der bei weitem geringere Theil des Uebels. Die eigentliche Tiefe des Unglücks der Blindheit erwächst aus dem Schaden, den der Mangel des Auges der körperlichen und geistigen Entwickelung zu bringen droht, und der lebensläng« tiche Unselbstständigkeit und Hilfsbedürftigkeit zur Folge hat, wenn nicht rechtzeitig der Einwirkung der Blindheit auf die Entwickelung des Kindes entgegen gearbeitet wird.— Da die intellektuelle Bildung überall an die Anschauung anknüpft, die Körperwelt mit dem Reichthum ihrer Formen fich dem blinden Kinde aber durch das Auge nicht erschließen kann, so bleibt es arm an Anschauungen und Vorstellungen, und ohne rechte und rechtzeitige Führung ist es in Gefahr, geistig zu verkümmern. Und derselben Gefahr der Verkümmerung unterliegen auch die Kräfte des Körpers. Das frische fröhliche Spiel mit den sehen- den Altersgenossen, das den Körper kräftigt, ist ihm versagt; zum Stillesitzen vcrurtheilt, bleiben die Gliedmaßen unbeholfen und ungelenk; mit dem Auge fehlt weiter dem blinden Kinde der Reiz der Nachahmung des Thuns Anderer, die Hände verharren in Unthätigkeit, bleiben schlaff, ungeschickt und für die einfachsten Vorrichtungen des täglichen Lebens un- brauchbar. Bedenkt man aber, daß die Hand dem Blinden mag er nun hoffen, einst als Handwerker das Brod seiner Hände zu essen, oder durch Leistungen auf musikalischem Ge- biete eine Stellung zu finden, daß die Hand ihm unter allen Umständen beides, Auge und Hand, sein muß, so ist begreiflich, daß die Ausbildung des Blinden nur dann den erhofften vollen Erfolg haben kann, wenn das Kind rechtzeitig, mit dem Beginne der Schulpflichtigkeit, also mit dem 5. oder 6. Lbens- jahre, Anstalten übergeben wird, in denen es eine Pflege, Leitung und Führung findet, die der Entwickelungsfähigkeit und Entwickelungsbedürftigkeit sowohl in geistiger wie in körperlicher Beziehung nach allen Seiten hin mit Veiständniß Rechnung zu tragen weiß. Die vorhandenen Blindenanstatten pflegen in Rücksicht auf die große Hilfsbedürstigkeit des kleinen fünf- und sechsjährigen blinden Kindes die Zöglinge meistens erst mit dem vollendeten 9. oder 10. Lebensjahre aufzunehmen. Darum find sogenannte Vorschulen nöthig, denen die Aufgabe zufällt, in der Zeit vom 5. bis zum 9. oder 10. Lebensjahre die beregten, aus der Blindheit für die geistige und körperliche Entwickelung erwachsenen schweren Schäden zu beseitigen und durch treue mütterliche Pflege, wie durch Unterricht an ent- sprechenden Lehr- und Hilfsmitteln, durch Spiel- und Leibes- Übungen und Handbeschäftigung eine naturgemäße Ent- Wickelung der Kräfte und Anlagen des Kindeszu erwirken.— Nächst einer Vorschule, die in dem Dorfe Waldhausen für die Blindenanstalt in Hannover besteht, wird die Anstalt in Steglitz die erste Blindenvorschule in der preußischen Mon- archie sein. g Wie in vielen Branchen, drängt sich auch in der Uhrenfabrikatian immer wieder das Bestreben vor, nur billige Waare zu fabriziren, wodurch es den hiesigen Fabrikanten, welche ein reelles Fabrikat in den Handel bringen, sehr schwer wird, genügenden Absatz für gute Waare zu finden. Die soli- den, aber theuren Taschenuhren der beiden deutschen Fabriken in Silberberg und Glashütte finden in Berlin kaum Käufer, dagegen wird den Genfer, wie überhaupt den schweizer Pro- dutten der Vorzug gegeben. In der Gehäusefabrikation für Stutzuhren und Regulateure leistet die Berliner Industrie in allen Gattungen, sowohl in Metall, als in Holz, in Verbindung mit Metall, Ebenbürtiges mit dem Aus- lande, aber es drängt sich auch die Neigung hervor, möglichst billig, d. h. minderwerthig zu fabriziren, und dann zieht der Käufer natürlich das Panser Gehäuse dem Berliner Fa« brikat vor. b. Die Panke, die Achillesferse Berlins, sucht man nach Möglichkeit unschädlich zu machen. Ein großer Theil des Flüßchens innerhalb der Stadt ist bereits überwölbt und mit der Ueberwölbung eines ferneren Stückes ist man jetzt be- schäftigt. Bei der Gasanstalt in der Müllerstraße wird sogar das ganze Flußbette gepflastert. Wie sauber der Fluß von Natur ist, sieh! man am Montag früh, wenn der Müller am Oberwasser seine Schützen öffnet. Dann ist das Wasser zum Trinken. Erst wenn die Gerbereien ihre Thätigkeik deginnen, fängt es an zu— riechen. zeroS, noch den malayischen Bären und die sumatraische Walvziege gesehen, von welchen wenigstens die erstgenannten doch gewiß daS Prädikat selten nicht verdienen. DaS find seit langer Zeit bekannte THAre, aber die Frage liegt auf der Hand, ob dort unten in der Wildniß nicht Thierformen leben, die man entweder noch garnicht kennt, oder deren Vorkommen an dieser Stelle nicht vermuthet wurde. Die noch junge Entdeckung der sumatraischen Hasen giebt auf diese Frage eine bejahende Antwort; und was die Vögel betrifft, so ist eS unzweifelhaft, daß mit den neuen durch diese Expedition mitgebrachten Arten daS Feld noch nicht abgejagt ist, daß ein ruhiges Durchschweifen der weilen Waldgegenden noch Vieles an'S Licht bringen wird. Snelleman giebt darauf eine Beschreibung der in seinen Besitz gekommenen Thiere. Betreffs des sog. fliegenden Hundes oder KalongS finden wir folgendes aufgezeichnet: Diese Thiere gehören zu den am häufigsten vorkommenden; in den Feldern und Wälder«, überall wo Bäume stehen, kann man darauf rechnen, hier und da KalongS zu sehen; einige Bäume sind durch den horizontalen Stand ihrer Zweige mehr als andere geeignet, zur Schlafstelle für die Riesen-Fledermäuse zu dienen. Wenn man fich einem Baum nähert, den eine solche Kolonie zum Domizil erwählt hat, scheint es, als ob die entblätterten Zweige eine dichte Reihe birnartiger Früchte trügen. Während des TageS bleiben sie in derselben Haltung ganz ruhig an den Nägeln der Hinterpfoten hängen; gegen" Abend" kommt aber Bewegung in die Kolonie. Diese Na tachtthiere machen sich auf, um auf den Fruchtbäumen ihr nächtliches Mal einzunehmen, gegen Morgen kehren sie dann an den heimathlichen Herd zurück. Die Zungen klammern sich beim Fliege« an der Mutter fest. Snelleman erzählt, daß er zu Sidjirudjung ein Exemplar mit 1,42 Meter Flügelwette schoß. Ein Schwärm von diesen Thieren wird uns so leicht nicht wieder aus dem Gedächtniß kommen; es war auf unserer Reise von Alahan Pandjang nach Makara Labu, quer durch die Wildniß. Unser Reise- genösse Veth war ganz allein von uns fortgegangen und hatte sich verirrt; wir fürchteten das Schlimmste für ihn; mit Van Haffelt faß ich in nicht sehr beneiden«- werthem Zustande vor unserer Hütte am Batang Hari, als ein Schwärm KalongS uns einigen Math emflüßte Den» nach der Behauptung der Eingeborenen entfernen diese Thiere b. Einen bösen Streich spielte in der Nacht zum Diens- tag ein Mops einem Weißwaarenhändler im Zentral-Hotel. Der Hund bleibt nämlich im Laden die Nacht über als Wächter zurück. In der Nacht zum Dienstag hatte man vergessen, das Schaufenster vom Laden aus zu schließen, und der Hund be- gann aus langer Weile die Gardinen-, Tüll- und Spitzen- Vorräthe im Schaufenster zu zerreißen. Schnell bekam er bei seiner seltsamen Arbeit eine Menge lachender Zuschauer, was ihn noch wüthender machte, so daß er nichts im Schaufenster verschonie. Und hinein in den Laden konnte Niemand, da der Inhaber anderwärts wohnt. Am nächsten Morgen besah er seinen Schaden, der etwa 200 Mark beträgt. g. Mit knapper Roth dem Tode entronnen ist gestern Morgen ein Herr von A., welcher erst vor einigen Wochen nach mehrjähriger Abwesenheit von Amerika nach Berlin zurückge- kehrt ist. Herr von A. war der Einladung eines seiner Ver- wandten, eines Berliner Professors, gefolgt, welcher neben einer reizenden Villa bei Sakrow zwei in Spottskreisen bekannte Segelboote befitzt. Die beiden Herren vergnügten fich gestern Morgen mit Angeln, wobei Herr von A. seinen Platz von einem Boot nach dem andern wechseln wollte. Als er auf das vordere Sitzbrett trat, um nach dem anderen daneben liegenden Boot zu steigen, schlug dieses über und Herr von A. stürzte kopfüber rn's Wasser und verschwand zum nicht geringen Schreck des Gastgebers, der sich im Nebenboot befand, in die Tiefe. Trotz der reißenden Strömung der bei Sakrow tiefen Havel gelang es Henn von A., einem geübten Schwimmer, fich wieder emvor- zuarbeiten und so lanae über Wasser zu haltcn, bis der Pro- fessor dem Herrn von A. ein Ruder gereicht hatte, an welchem letzterer stch an das Boot heranzog und fich so rettete. Mit welcher Unverfrorenheit manche Diebe bei Aus- Übung ihres lichtscheuen Gewerbes zu Werke gehen, davon hat ein m der Bülowsttaße wohnender Kaufmann St. am ver- aangenen Sonnlage einen recht drastischen Beweis erhalten. Der Genannte hatte sein Dienstmädchen beurlaubt und war selbst mit seiner Gattin schon Vormittags ausgegangen, um Mittags in einer Restauration zu speisen und den Nachmittag im Freien zuzubringen. Wider Erwarten kehrte das Ehepaar aber bereits bald nach Tische heim. Gegen 5 Uhr Nachmittags wurde heftig an der Klingel gezogen. Herr St. wollte fich nicht stören lassen und öffnete auch aus wiederholtes Läuten nicht. Neugierig indessen, wer der Ruhestörer sei, begab man fich in den Korndor, und gewahrte durch die Thüröffnung einen elegant gekleideten Herrn; gleichzeitig aber bemerkte man auf der zur höheren Etage führenden Treppe einen ebenso aussehenden Kavalier mit Zylinder und Glacehandschuhen an- gethan. Nochmals ertönte die Glocke, und als wieder die Thür geschlossen blieb, zog der Fremde ein Bund Dietttche hervor und versuchte die Thür zu öffnen. Schon hatte der Dieb zwei Schlösser zurückgeschoben und wollte eben an seine Arbeit die letzie Hand legen, da überkam die Frau St. ein vuocu vic vu uumum vic?yiuu tui Husten, und dieses Geräusch bewirkte, daß beide Spitzbuben mit rasender Schnelligkeit die Treppe hinabstürzten und ent- kamen. Allem Anscheine nach haben die Diebe das Haus und seine Bewohner genau gekannt, denn vor etwa drei Wochen wurde einem anderen Miether desselben Hauses aus der ver- schlossenen Wohnung sein ganzes Silberzeug im Werthe von ca. 600 M. entwendet, ohne daß es bisher gelungen ist, von den Dieben eine Spur zu entdecken. Durch eine gewaltige Detonation wurden gestern die Bewohner des Hauses Langestr. 91 erschreckt. Alles eilte ent- setzt auf den Hof, wo gewöhnlich eine Menge Kinder spielten. Ein aufregendes Bild zeigte stch dort den erregten Gemüthern. Beim Aufwinden einer Ladung Holz war in der Höhe des dritten Stockwerks der Stnck genssen und die ganze Last in die Tiefe gestürzt, hierbei eine große in der Mitte des Hofes befindliche Laterne mit massivem Sockel zerschmetternd. Den unten befindlichrn Arbeitern war es gelungen, durch einen Sprung zur Seite fich vor dem drohenden entsetzlichen Schick- sal zu retten; glücklicherweise erwiesen sich auch die Befürch- tungen, daß etwa ein Kind unter den Holzstämmen begraben sei, als grundlos. N. Unendlich komisch wirkt der Anblick einer„Warnungstafel" am Johannestisch des Inhalts:„Das Fahren und Reiten auf diesem Platz ist Unbefugten bei Strafe verboten." Vater Renz dürfte der Einzige sein, ans den diese Warnung Anwendung finden könnte, denn gewöhnlichen Sterblichen dürfte es schwer fallen, über die zwei Meter hohe Einfriedigung, hinter der bekanntlich jetzt die neue Kirche gebaut wird, yinüber- zu voltigiren, um dort unbefugt zu reiten oder zu fahren." lieber einen schweren Unglücksfall wird uns nach- träglich folgende Mrttheilung gemacht: Als am 2. d. M. die in der Grenadierstraße wohnende Frau M. einen Kessel mit kochendem Wasser von der Maschine genommen und auf den Fußboden gestellt hatte, fiel ihr dreijähttger Sohn, welcher fich in der Küche befand, rückwärts in den Kessel, wobei er sich er- heblich verbrühte, so daß seine sofortige Uebersührung nach der Königlichen Klinik erfolgen mußte. sich niemals sehr weit von bewohnten Gegenden und auch wir mußten deshalb nicht weit von solchen entfernt sein. Später ergab sich aber da« Gegentheil— nach jeder Nich- tung hin lag der erste menschliche Wohnplatz nach Tage- reisen weit. Verschiedene Reisende haben die Bemerkung gemacht, daß das Fleisch dieser Thiere sehr schmackhaft sei und in einigen Gegenden des Archipels scheint es ein von den Ein- geborenen geschätztes Nahrungsmittel zusein. Unsere Unter- suchungen m dieser Richtung lehrten uns, daß man von KalongS eine gute Suppe kochen könne. Die Begegnungen, welche die Reisenden mit Tigern hatten, waren, wie es den Anschein hat, nicht so zahlreich, wie sie gewünscht hätten. Der Tiger— so lesen wir in dem Reisebericht— gehört zu denjenigen Thieren, worüber man auf Sumatra oft sprechen hört, die man aber selten zu sehen bekommt. Die Furcht vor Tigern, mit welcher man als Neuling«ach Indien kommt, geht denn auch nach und nach verloren; man wird geneigt, das Thier als eine mythische Figur zu betrachten— bis aus dem einen oder andern benachbarten Dorf gemeldet wird, daß Si Anu oder sein Freund von einem Tiger gepackt wurde, als er Morgens früh in den Wald ging. Dann entdeckt man aber wohl die blutige Spur, welche vom Wege in die Wildniß führt, aber nicht den Mörder. Es ist wahr, man sieht wenig Tiger auf Sumatra. Als Reisender, oder wenn man als Beamter auf irgend einen Außenposten gestellt wird, hat man noch eher AnSsicht dazu, als die Bewohner eines HauptplatzeS oder einer sehr bevölkerten Gegend. Sie mag übertrieben sein, die Behauptung der KontroleurS-Frau auf Lolo(zwischen Pandjang und Muara Labu), daß es so lästig sei, jeden Morgen auf den Bänken der Galerie vor dem Hause Haare der Tiger zu finden, die des Nachts dort schliefen— gewiß ist, daß dieser Platz und seine Umgebung bekannt ist durch die große Anzahl der dort hausenden Tiger und daß die Küche, die, wie eS bei indisch-europäischen Wohnungen ge- bräuchlich, abgesondert auf dem Grundstück stand, zur Zeit unseres Besuches durch einen mit Eisengitter umzäunten Gang mit der Kontroleurswohnung verbunden war, weil die Tiger Abends über das Grundstück liefen. Tigerjäger ist selbst in den Gegenden, wo diese Thiere häufiger vorkommen, ein unbekannter Beruf. Tigerjagden wcrden, trotz der Prämie, welche die Regierung für jeden Der Musterzeichner Sch. betrat gestern Nachmittag daß auf dem Köllnischen Fischmarkt belegene Restaurant von®- ließ fich von dem servirenden Kellner Speisen und Getränke geben, verzehrte beides, spielte ferner Billard und konlrahitte auf diese Weise eine Zechschuld von 3,90 M. Als Sch. M mehrere Stunden im Lokal aufgehalten hatte, verließ er das- selbe, nachdem er seine Kopfbedeckung heimlich unter seine Kleider verborgen hatte, ohne seine Zeche beglichen zu haben. Der Kellner, welcher das Fortgehen des Eck. bemerkt hatte, lief demselben nach und veranlaßte seine Festnahme. Sch, welcher wohnungslos und ohne alle Geldmittel ist, wurde wegen Betruges in Haft genommen. Das im Friedrich-Wilhelmftädtischen Theater bevor- stehende Strauß- Jubiläum hat bereits in hohem Maße das Interesse des Theaterpublikums erregt, wie die zahlreiche« Billetbestellungen beweisen, welche schon jetzt an der Tbeater« lasse anlangen. Für den ersten der drei Festabende— Dienstag, den 15. d. M.— ist, wie bereits erwähnt, die 300. Vorstellung vom„Lustigen Krieg" bestimmt. Daß grade diese Operette den Reigen der Jubiläums- Vorstellungen eröffnet, ist um so begreiflicher, als der„Lustige Krieg" der erste große und anhaltende Erfolg war, welchen Direktor Fcitzsche in Der- lin erzielte. Von jenen Kräften, welche bei der Premisre i« der Schumannstraße am 19. Januar 1882 thätig waren, werden am Abend der 300. Aufführung nur zwei wieder dieselben Rollen spielen, welche durch ihre geniale Gestaltungskraft hier fast typisch geworden. Elise Schmidt, die Arlunisca, Rew- hold Wellhof den„Balthasar". Alle übrigen Partien find inzwischen an andere Darst- ller übergegangen, welche zum Theil ihre Rollen zum ersten Male in Berlin vorführen. So wird die„Bioletta" von Frl. Zrada und die Else von Frl. Stein gesungen werden. Die beiden Tenorpartien haben die Herre« Weidmann und Steiner inne. Um den Strauß Abenden de« Charakter von Festvorstellungen zu verleihen, find auch die kleineren Partien mii besonderer Sorgfalt besetzt worden und find dieselben von den Herren Binder, bekanntlich eben« falls einem trefflichen„Balthasar", Broda, Hambrock, Neu- mann und Rosen bereitwilligst übernommen worden. Polizei- Bericht. Am 2. d. M. verunglückte der drei Jahre alte Sohn des Drechslers Meinte, Grenadierstraße 8, dadurch, daß er in einen mit heißem Wasser gefüllten Kessel, den die Mutter unvorsichtiger Weise auf den Fußboden ge- stellt hatte, fiel. Er wurde derartig verbrüht, daß er nach der Königlichen Klinik gebracht werden mußte. Am 7. d. M. Mor- gens fiel der auf dem Neubau Bergmannstraße 29 beschäftigte Steinträger Walther, Solmsstraße 36 wohnhaft, etwa 2 Meter hoch von der Leiter und erlitt dabei außer Verletzungen am rechten Ellenbogen eine Verrenkung der Finger der linken Hand.— An demselben Tage Nachmittags wurde der Klempner- Lehrling Zastrow, Liniensttaße 125 wohnhaft, in der Oranien- burgerstraße von den Pferden eines Geschäftswagens umgf- stoßen und durch Fußtritte am Kopfe so verletzt, daß er nack dem jüdischen Kranlenhause gebracht werden mußte. Gerichts-Zeitung. Wegen verleumderischer veleidiaung einer junges Dame war der Handlungsdiener Ernst Theodor Vollgold vow Schöffengerichte zu einer harten Strafe, nämlich zu 3 Monate« Gefängrnß verurtheilt worden. Ein Fräulein M., die Tochttt des Gymnastallehrers M. zu Woilburg a. d. Lahn, war bet den Eltern des Angeklagten in Penfion gewesen und ausge- zogen, als fie eines Tages mit Frau Vollgold in Differenzc« gerathen war. Bald darauf erhielten der Vater des Frl. sowie auch deren Bruder und ein früherer Lehrer von ihr ano- nyme Postkarten, in welchen der jungen Dame Dinge nacbgt- sagt wurden, welche mit Anstand und Sitte in krassem Wider- spruche standen und wurde das jetzt von ihr bezogene Pension� als ein„unanständiges" dezeichnet. Natürlich forschte ma« nach dem Verfasser dieser anonymen Schmähschriften und ka« dem Frl. M. hierbei ein Zufall zu Hilfe. Sie hatte näinli« bei ihrem schleunigen Auszuge aus dem Vollgold'schen Haust aus Versehen ein Schreibheft des Angeklagten mitgenommf« und siel ihr die Aehnlichkeit seiner Handschrist mit derjenige des Kartenschreibers auf. Als der Schreibsachverständiflj; Kanzleirath Eeegel bestätigte, daß die Handschriften identrs« seien, wurde gegen den ehemaligen Hausgenossen des Fräulew' die obige Anklage erhoben. Allerdings bestritt derselbe energm® jede Schuld, aber außer dem belastenden Gutachten des Schrtt«- sachverständigen sprachen die Umstände gegen ihn, daß«a® Erstattung der Anzeige weitere Karten nicht eingelaufen warm und dieselben auch einen Verfasser haben mußten, der mit de« Verhältnissen der M'schen Famijie bekannt war. Wie erwäh«d wurde der Angeklagte verurtheilt, er legte aber die Berufu«? ein und nahm die gestern stattgefundene nochmalige Verhandln«« vor der fünften Berufungsstrafkammer des Landgerichts I««« fünf Stunden in Anspruch. Die Vertheidigung hatte sich mtt Gutachten des obengenannten Schreibsachverständigen d« getödteten Tiger bezahlt, nirgends abgehalten. Einer Gründe, warum ein Malaye, selbst wenn ihm empfindlich Schaden zugefügt wurde, so schwer zu einer Tigerjagd« wogen werden kann, ist der, daß er in dem Tiger ein höhkh Wesen sieht, als ein« vom Geschlechte der Katze; -tut)|*v'7*/ vviii vi/v| vi�ivvi�iv v vi uvu�v, i Ueberkieferungen und seinem Glauben nach ist der Tigers mit Sprache begabtes Wesen, das sehr gut weiß, was thut, und Niemand packt und zerreißt, der es nicht um verdient hätte. Nur nothgedrungen und meist allein, Andrängen der niederländischen Beamten, läßt der Mal«? sich herbei, eine Falle für den Tiger zu legen, und nur«' haltende Drohungen können ihn dazu bringen, dieselbe gutem Stand zu halten und fortdauernd mit dem nöth'g frischen AaS zu versehen. Die Beschwerden, die wir auf unserer Reise von diese« Thieren gehabt haben, sind, wie gesagt, sehr gcringsiig � unsere Furcht vor ihnen verringerte sich mehr und mehr,> daß schließlich beim Uebernachten unter freiem Himmel ML daS Anzünden von Wachtfeuern zum Abschrecken de«« dürstigen Raubgesindels verabsäumt wurde. Die Sumatra-Antilope kommt«ach Snelleman« dingS noch in Zenttal-Sumatra vor, das Thier ist aber» rückgetrieben zu fast unzugänglichen Plätzen, unbefteigbjL Kalkfelsen und Bergspitzen. Gesehen, sagt er, haben wir Thiere nicht, wohl aber fanden wir verschiedentlich L Spuren. Wir hatten schon einige Hoffnung, die ML � Antilopen auf den in der Nähe von Äun belegenen*- iwtvwi fi-iviv uvtä, vcrn x�uiwr' wir ihre Spuren und Ban Haffelt stellte fest, daß sie' � der Abhänge des Pic von Korintji ihre Wohnplätze b. müßten. Selbst auf der Spitze des PicS(3500™ wurden Spuren und Auswürfe der Thiere gefunden.> Wollte man darauf ausgehen, auf diese AntilopttL-�» zu machen und hätte sich zu diesem Zweck ganz als t � jäger ausgerüstet, so würde man wahrscheinlich nach.„m fafferS Ansicht dann und wann einmal eine Aniilm' Schuß bekommen. Die Beschwerden aber, welche fch£) dem Erklimmen der Berge und Abhänge verbunden dürften wohl so Manchem den Eifer merklich am � in diesen unwirthsamen Gebirgsgegenden auf die gehen. i �gnügt r sondern noch die Echreiblehrer Strahlendorff und Mffe laden und auch ein Gutachten des in Erfurt domizilirten �chreibsaebverständigen A. Zink einholen laffen. Die Ver- Midluna lieferte wieder ein eklatantes Beispiel von der Unzu- "erlässiqkcit des Schriftvergleiches; während das umfangreiche und vräzise Zink'sche Gutachten sich dahin aussprach, daß der angeklagte nicht der Schreiber der Postkarten gewesen, erklärten nch die Herren Seegel und Strahlendorff gegen den Ange- nagten und behaupteten, daß derselbe aus charakteristischen uebereinstimmungcn in den zu vergleichenden Handschriften Zweifelhaft der Schuldige sei. Der vierte Sachverständige anlärte, ein positives Gutachten sofort an Gerichtsstelle nicht abgeben zu können, da hierzu eine überaus sorgfältige Prü- lang der Handschriften erforderlich sei. Der Gerichtshof ge- langte auf Grund der belastenden Gutachten, in Verbindung m« dm außerdem gegen den Angeklagten sprechenden That- Mm zu der Ueberzeugung von oeffen Schuld, verwarf die Berufung und sah sich auch nicht veranlaßt, in Anbetracht � S»— rv», nr»■! L m-------- nr! dm Sag gelWÄ BdW und etwas an dem Strafniaß andern. Die der Verwerflichkeit der Ge- der ersten Instanz zu lLte vielfach verbreitete Unsitte, beim Abfüllen von ��gefährlichen Flüssigkeiten sich eines offenen Lichtes zu be- iifun' am Mai d. I. einen Unglückefall herbeigeführt, �uyer leicht bedeutmde Dimmfionen hätte annehmen könne«. Geschäfte des Kaufmanns Holzheimer, Zimmerstr. 28, jÜ'6 Lehrling Richard Obbarius wurde an dem genannten .Ja von dem Kommis in den Keller geschickt, um Petroleum iufüllcn. Entgegen dem strikten Verbote seines Prinzipals er anstatt einer geschlossenen Laterne ein offenes Licht rn den Keller. Der Lehrling mußte seine Arbeit unter- weil er schleunigst ernen Gang zu machen hatte. Als i.�rückkam und seine Beschäftigung wieder aufnehmen wollte, wj/r mi seinem Schrecken beim Betreten des Kellers, daß er ,2, Messinghahn des Petroleumfasses nicht vollständig jUwmssm hatte, eine mehrere Zoll hohe Schicht 'wleum bedeckte den Fußboden. Vor Schreck ließ i,,.; Licht fallen und im nächsten Moment erfolgte eine Ä Explosion. Es entstand ein bettächtliches Schadenfeuer LiP verging geraume Zeit, bevor es den Anstrengungen der Zr�Wenen Feuerwehr gelang, den Brand zu löschen. Der f.--, lsvchte Schaden betrug ungefähr 700 M. Gegen den An- StoJÄlflf8 Unglücksfalles wurde die Anklage wegen fahrlässiger lani� f g erhoben, welche gestern vor der vierten Slraf' des Landgerichts I verhandelt wurde. Der Staats- »�?" hiell die Fahrlässigkeit für eine so große, daß er einen str>,»?� �is Strafe für zu milde hielt und eine Gefängniß- öJ. von drei Tagen beantragte. Der Gerichtshof ließ es � m Anbetracht der Jugend des Angeklagten bei einem Ver- ' Pein Bewenden haben. �i�sskeiburg, 5. September. Gestern stand vor der hiesigen jjz.'Jvinmer die Frau des Gymnafialdirektors Lang in welche wegen Mißhandlung von Dienstboten von dem �tmaericht Lörrach verurtheilt wurde, jedoch die Berufung j)ij£ Strafkammer angezeigt hatte. Angeklagte hatte ihr svrn� dchen, dem sie nach 10 Jahren Dienst 2000 M. ver- ihi.f n' ia sogar die Adoption in Ausficht gestellt hat, wegen kisern-n~ �er Nähmaschine abgebrochenen Nadel mit einem i'i-uyinuymuic uvu�vwwvitvi»»»»,...... iaaJ Instrument die Zähne zum Theil eingeschlagen, die Wil ausgerissen und überhaupt das 16 jährige Mädchen er- �.�.verletzt. Diese zarte Dame vertheidigte sich selbst und Ton-(i"Vt Mundfertigkeit, daß ihr der Präsident mit den gttkA"»jetzt haben wir aber genug" ein Ziel setzte. Die An- 'htfinft �urde zu 200 M. Strafe verurtheilt und vom Ge« ».wahrscheinlich mit Rücksicht auf den Stand ihres Ge- fbei- Äsiang genommen(!) Komisch dabei ist, daß die Dame ie«,«? einem Professor K.... verhcirathet war, während leniie i Mann Praktikant an derselben Anstalt war. Sie lchn-n letztern, welcher bei ihrer ersten Trauung war, näher Wji unb ließ sich nach neunzehnjähriger Ehe von dem «ss K. scheiden, um ihren jetzigen Gemahl zu ehelichen, W-,.. cher Hcchzeit der geschiedene Ehcgemahl als Zeuge < Gewiß selten dagewesen. R�Udon.(Entbehrlichkeit der Untersuchungshaft.) Eine Frau, de» Wwen Elizabeth Ann Downing, stand dieser Tage vor Vb-i ,9" County Assisen in Exeter unter der Anklage der 'ritbii* Hung ihrer Niederkunst. Die an und für sich nicht "ittffi e.�"klage war in ihrem weiteren Verlaufe bcmerkens- gegenüber Personen, welche wegen eines Öen Ausspmch des Polizcirichters oder der ,»leise ,,,?T vor die Jura verwiesen werden, in eingehender v" Ätzern. Elizabeth Downing war durch den Aus- K ft Polizcirichters, respektive des Friedensrichters, vom '• I- vor die Assisen unter obenerwähnter Anklage K" Worten. Sie war und blieb in Haft. Erst am oüch.,5 ne vor die Assisen, und zwar zunächst vor die große �IieoPo.' welche darüber zu entscheiden hat, ob Grund su DpIJyswanben vor die kleine Jury(die Urtheils Jury) ? boüEf1�- Ungefähr scchs volle Wochen mußte �rilbtä« Untersuchungshast bleiben, Dank jener v.H'B' daß in der Provinz die Assisen durch Masten«?» Asstsenrichter nur in jedem Quartal ab- !V m ,en- Als die Sache nun endlich vor die„grand . 9. bns �Handlung gelangte, erkannte dieselbe auf„no bill", � tthek.-« derlei Grund vorliege, gegen dieselbe eine Anklage St) h.«' vvd Elizabeth Downing wurde nunmehr formell {stich,," Vorsitzenden Richter freigesprochen. Mit dieser Frei- », iftei?i,f0et Mr. Justice Hawkins folgende Anrede an zA>Ne �Brechende:„Angeklagte! Mit aufrichtigem Bedauern Men« �ssht, daß Sie oereits am 16. Juni l. I. vor die Mttae« �wiesen wurden und daß Sie daher bis zu dem lochen fvße des Wahrspruches der großen Jury sechs volle Untersuchungshaft gewesen find. Ich lonstatire ft le in% wU Bedauern, daß die erkennenden Friedensrichter d�eidu�Gstängniß geschickt haben, um in der Haft die Ehrend über die gegen Sie erhobene Anklage abzuwarten, f!?n??e�r bie große Jury verneint hat, daß Sie eine Ntthe» �stblung überhaupt begangen haben. Ern bellagens- Mein chlPw Ausgang allerdings erfreulicher Widerspruch. %»gm'Ä Tam'n WÄ-» w iwr«fi!num®unt,cn und offen erklären und kann �Nuno B?> weine Erllärung allgemeine An- äff' WS '."febS."«S Merhett.�rabe der entscheidende Punkt. Hätten Sie auch e.�issen°Moten� so wären Sie in ihren bedrängten Ver Inl�r"■ r.r-t.... Oirr�l. ÄjÄto'Ä Ä.'Ä Ä KÄAWÄ feÄ&T» eZn.? �Qt Sie dem Elend, der Peinlichkeit und der k? ben t-?? secksSwöchentlichen Untersuchungshaft preisgegeben, �ttey Gb# Aburtheiluna in einem solchen Zustande A(Qnn üew Und diese Aburtyeilung durch die Urtheils- jetzt _____________„—. W Urtheils nicht einmal stattfinden, nachdem die große ..- zurückgewiesen hat(baving«aid, tbere is no � yov), das ist ein harter Fall, hart- wie so ®»e zu meiner Kenntniß gelangt sind. Und ibete, doch habe ich keine andere Gewalt, als Ihre augenblick- liche Haftentlassung zu verfügen, und kann nichts Wei- teres thun, als hier in öffentlicher Sitzung Ihnen und der Oeffentlichkeit gegenüber mein tiefes Bedauern auszu- drücken, daß man Sie ohne Grund so lange im Gefängnisse behalten hat. Die bestehende Gesetzgebung versagt mir jedes Mittel, um Sie zum mindesten für die schuldlos erlittene Haft materiell entschädigen zu können. Allein ich hege die Hoffnung, daß Ihr Fall allgemeine Beachtung finden und als Warnung dienen möge. Ich hoffe, die verweisenden Richter werden in Zukunft eine weit größere Zahl von Personen, als es nach der jetzigen Praxis der Fall ist, gegen Sicherheiksleistung auf freiem Fuße belassen! Und wo die Verhältnisse eines Beschuldigten derart find, daß er eine Sicherheitsleistung oder einen dritten Bürgen nicht auftreiben kann, so möge man sich doch mit des Beschuldigten eigener Sicherheit, d. h. seiner schriftlichen Versicherung(tba prisoner's own rocognizance), begnügen, soweit nicht der Fall von emster Tragweite ist. Nur auf diese Weise kann die nothgedmngene ungleiche Behandlung nach dem Stande der Gesetzgebung ge- mildert werden; nur auf diese Weise wird man dahin gelangen, die Untersuchungshaft auf das äußerst nothwendige Maß ein- zuschränken. Und das bedeutet einen entschiedenen Gewinn für die Strafrechtspflege, welche durch Fälle, wie der heute kund gewordene, eine bedauerliche Einbuße erleidet." Soziales Arveiterveioegimg. Das Tabaksmonopol drängt sich wieder einmal an die Oberfläche wie ein Ungeheuer und„suchet, welchen es ver- schlinge". Nachdem die Tabakssteuer mehrfach erhöht worden ist, können die kleinen Fabrikanten nicht mehr bestehen, sie sehen ihren Tod vor Augen und möchten nun noch retten, was zu retten ist. Deshalb möchten sie gem, daß durch Einführung des Monopols ihr kleines unrentables Geschäft abgelöst werde. Die Regierung aber scheint die Krisis erst weiter abwarten zu wollen; je mehr kleine Fabrikanten zu Gmnde gehen, desto weniger braucht sie Geld zur Ablösung herzugeben. Deshalb wird jedenfalls zuerst noch eine Steuererhöhung in Szene ge« setzt werden, wodurch dann die kleinen Geschäfte den Rest er- halten. Man motivirt die neue Steuer mit der Ungerechtigkeit der alten, der puren Gcwichtssteuer, nach welcher schlechte Tabake ebenso hoch versteuert werden, als gute, und will eine Werthsteuer einführen. Wir halten ein solches Steuersystem auch für richtiger und würden demselben auch in diesem Falle zustimmen, wenn in derselben Höhe, in welcher eine Steuer- erhöhung auf gute Tabake eintritt, auch eine Steuer- Verminderung auf schlechte Tabake eingeführt würde. Aber das will man nicht. Man will alle Tabaksotten, resp. Zigarren in der Steuer erhöhen und nur die schlechteren weniger, als die besseren. Geschieht dies in der nächsten Zeit, so ist das Tabaksmonopol auch bald vorhanden, da die Tabaksindustrie eine erneute Steuererhöhung nicht mehr vertragen kann. Tritt aber die neue geplante Steuererhöhung erst in Kraft, so wird auch der Arbeitslohn, der so schon an der äußersten Grenze nach unten angekommen ist, noch tiefer sinken. Aber auch schon die Beunruhigung der Tabaksindustrie durch neue Eteuerpläne wirkt ungünstig auf den Arbeitslohn. Die Arbeiterverhältnisse Oberschlestens find durchweg ungünstig zu nennen. Nach dem Handelskammerbenchte von Oppeln sollen die Arbeitslöhne weniger von den Kalamitäten des Vorjahrs getroffen worden sein, als der Untemehmerge- winn. Nähere Daten aber werden nicht angegeben, deshalb halten wir den Bencht in diesem Punkt auch nicht für recht glaubwürdig. Der Schluß des Berichts erklärt nämlich,„daß die wirthschaftlichen Verhältniffe während des Jahres 1884 im Allgemeinen ein wenig ersteuliches Bild boten".— Da wird es wohl auch seine Rrchtigleit haben, was die Berichte aus Arbeiterkreisen melden, daß die Lohnverhältnisse dort sehr un- erfreuliche waren und noch immer stnd. AuS Glasgow(Schottland) wird unS folgendes bettch- tet: Es sind am 2. d. Mts. mehrere Fabttkanten, ein gewiffcr Brown aus Alloa und Word aus Portobello, nach Deutschland gereist, um dott Leute zu engagiren. Hieraegen wäre nichts einzuwenden, wenn diese Herren nicht, wie sie selbst sagen, die Absicht hätten, die Löhne bedeutend herunter zu setzen. Die deutschen Glasarbeiter, für diese ist diese Warnung nämlich berechnet, mögen sich daher hüten, auf ein solches Engagement einzugehen. Bei herabgesetztem Lohn ist es hier überhaupt nicht möglich, ein menschenwürdiges Dasein zu fnsten. Die Deutschen ersteuen sich hier überhaupt keiner allzugroßen Sympathien, sie werden sich, wenn sie sür die herabgesetzten Löhne arbeiten, den Haß der ganzen hiesigen Arbeiterschaft zuziehen. Uereine und Uersummlungen. Im Fachverein der Schmiede in Gratweil's Bierhallen wurde am 5. September über den Zweck und Nutzen der„Ver- einiguna der Schmiede Deutschlands" verhandelt. Der Reserent Herr Mitan, wies darauf hin, daß die lokalen Vereinigungen der Fachvereine sehr segensreich wirken, indem die Mitglieder durch wissenschaftliche und andere Vorträge ausgebildet würden. Diese Vereine seien jedoch bei Ausbruch eines Streiks nicht im Stande, den Zuzug fem zu halten, was den Kampf bedeutend erschwere, ihn womöglich illusorisch mache. Dagegen sei eine zentrale Organisation, wie die„Vereinigung der Schmiede Deutschlands" weit vottheilhafter. Käme z. B. in einer Stadt ein Streik zum Ausbruch, so wüßten dies sämmttiche Schmiede Deutschlands in kurzer Zeit; der Zuzug wird dadurch fem- gehalten und der Sieg sei leichter zu eningen. Im Uebttgen sei diese Vereinigung ganz dasselbe, wie der bishettge Fach- verein. Daß die Vereine über öffentliche und politische Fragen nicht debattiren dürfen, sei zu bedauem, femer sei es sehr schwer, eine Grenze zwischen öffentlichen, nicht öffentlichen und politischen Angelegenheiten zu finden. Sollte jedoch der Verein deshalb aufgelöst werden, so könnte man ja die Form zerbrechen, nicht aber den Geist, der die Vereinigung beherrscht. Die Arbeiter hätten ja Pflichten gegen Staat und Familie, dämm müßten sie dafür sorgen, vaß sie dieselben erfüllen können. Dre Vereinigungen seien sehr wohl im Stande, die matettelle Lage der Arbeiter zu verbessem. Redner ermahnte die Versammelten, sich alle, Mann für Mann, in den neuen Verein aufnehmen zu laffen. Herr Hoffmann machte hierauf bekannt, daß das Polizei-Präsidium den Vorstand aufgcsordert hat, einen Vettreter des Vereins am Eonnabend, den 12. September, zur mündlichen Vemehmung in Betreff der Fragen über die Sonntagsarbeit zu senden und wurde Herr Drewitz von der Versammlung einstimmig dazu gewählt. Der Ge- wählte fühtte noch an, wie sich der Fachverein seit der kurzen Zeit seines Bestehens bewähtt habe, nachdem aber erkannt sei, daß die Vereinigung sämmtlicher Schmiede Deutschlands weit vottheilhafter ist, so solle der Fachverein aufgelöst werden. Im großen Ganzen verfolge der neue Verein ganz die- selben Zwecke. Er ermahnte die Kollegen, welche noch mit Beittäaen resttren, dieselben zu entrichten. damit sie beim Einttttt in den neuen Verein sofott in ihre vollen Rechte treten können, denn die Mitglieder, welche dem �ackverein noch nicht 13 Wochen angehören oder ihre Beiträge Beniner Schmiede für aufgelöst und schloß die Versammlung um 11'/- Uhr. «n die Schmiede Berlins: Am Donnerstag, den 10. und der Umgegend statt. Auf der Tages- Ordnung steht: 1. Vortrag über zentrale oder lokale Organisation. 2. Die Gründung des Vereins„Vereinigung der deutschen Schmiede" und wie verhalten wir uns zu derselben. Sämmtliche Schmiede find eingeladen, in der Versammlung zu erscheinen. Oesfentliche Versammlung sämmtlicher Metallarbeiter Berlins Montag, den 14. September Abends 8 Uhr in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstt. 77/79. Tagesordnung: Vorlegung der Statuten des zu gründenden„Metallarbeiter» Vereins zu Berlin" durch die Sraturen-Berathungs-Kommisfion. Es ist Pflicht eines jeden Metallarbeiters zu erscheinen. Zentral-Kranken- und Bearäbnistkasse für Frauen und Mädchen Deutschlands(E. tz., Offenbach a. M.). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Sache des Kontroleurs H. Möhring, in der Vorstandsfitzung am 26. August auf der Tages- ordnungsstand, und darüber berathen wurde. Das Protokoll ist an denZentral-Vorstand abgesandt worden, weitere Erhebungen in der betreffenden Sache finden statt. Eine Mitglieder- Ver» sammlung soll endgiltig darüber entscheiden. Bisher find trotz verschiedener Besprechungen mit Personen, welche kompetent dazu sein müssen, keine näheren Aufschlüsse gegeben worden. hoffe sie aber längstens in 8 Tagen zu haben. Es gelangen zahlreiche Bttefe über den betreffenden Fall in meine Hände, ich bin aber nicht im Stande, dieselben zu beantworten, well weder Konto-Nummer noch Wohnung der Mitglieder angegeben wurde, auch würde sich ein persönliches Erscheinen in meiner Wohnung empfehlen, dann erhielte ich vielleicht wichtige Auf» schlüffe. Meine Sprechstunden find Wochentags von 8— 8 Uhr. Sonntags von 9—1 Uhr. Vom 1. Oktober ab gelangt die wöchentliche Krankenunterstützung nach dem neuen Statut in der Höhe von 9 Mark zur Auszahlung. Der Vorsitzende der Verwaltungsstelle Berlin, E. Richter, Fürstenwalderstr. IIa. vorn 3 Treppen. Die Zentral-Kranken- und Begräbnistkasse für Frauen und Mädchen(Offenbach a. M.), Verwaltungsstelle Berlin, veranstaltet zum Besten der ausgesteuetten Mitglieder Sonntag, den 13. September, in Sanssouci, Kottbuserstr. 4a, ein Vergnügen, bestehend aus Konzert, Auftreten namhafter Künstler und großem Ball, mit verschiedenen Ueberraschungen. Billets ä 25 Pfg. find zu haben bei: C. Richter, Fürsten- walderstr. IIa; G. Schießt, Wasserthorstr. 64, v. 3 Tr.; E. Möhring, Oranienstr. 14a; Fr. Schneider, Naunynstr. 60, Keller; Fr. Meier, Fehrbellincrstr. 46, v. 1 Tr., sowie in den mit Plakaten belegten Handlungen. Permi schtes. Ein eigenthümliches Seetreffen fand dieser Tage an der schottischen Küste statt. Da fast die ganze männliche Be- völkerung von Lewis von der Heimath abwesend ist und dem Häringsfange an der Ostküste obliegt, beschlossen die Männer von Uig, sich wiederum der strittigen Uiginseln zu bemächtigen, welche die Crofters als die ihrigen beanspruchen. Zu diesem Zwecke fand in voriger Woche erne große Versammlung von Grundbeamten, Gillres und Schäfern aus dem umliegenden Distrikt statt. Nachdem die zurückgebliebenen Weiber und Töchter der Crofters von der beabsichtigten Invasion Wind bekommen hatten, wurde schleunigst ein Kttegsrath einberufen, und man beschloß, auf jede Gefahr hin den Eindringlingen zu Waffer und zu Lande Widerstand zu leisten. Es wurde dem« gemäß eine große Flotte von Segelbooten in Bereitschaft ge- setzt, und als die Angreifer in Sicht kamen, waren die Weiber zur Aktion bereit. Eine jede war mit einem derben Knüttel und einer Schürze voll Steinen bewaffnet. Der Kampf begann etwa eine Meile vom Lande und dauette volle vier Stunden; aber die Weiber blieben Sieger und trieben die Eindringlinge zurück, die daran verhindert wurden, ihre Schafe zu landen. Dann hielten die Weiber einen neuen Kttegsrath. in welchem man übereinkam, bis zur Rückkehr der Männer vom Häringsfange die Insel mit Wachtposten zu besetzen. Selbst» verständlich haben mehrere der Heldinnen Verletzungen davon» getragen, dieselben sind indeß nicht erheblich. In dem Disttikt Uig derrscht große Aufregung. Mißglückte Ballonfahrt. In Dover war man am Freitag Zeuge eines gefährlichen Ballonabenteuers, dessen Theil« nehmer, Kapitän Dale, Mr. A. Crane und Mr. F. Carew, nur mit genauer Roth ihr Leben retteten. Die Auffahrt des Ballons mit den drei Herren fand um 4 Uhr Nachmittags in Folkestone statt, und eine Stunde später, als er sich auf der Höhe von Dover befand, wurde er in die See hinausgetrieben. Die Luftschiffer verloren die Kontrole über die Maschine und der Ballon stürzte aufs Waffer, wo er in rasender Eile davonttteb. Einem von St. Margarets Bay schleunigst ausgelaufenen großen Boote gelang es, in die Nähe des treibenden Ballon? zu kommen, und die nahezu erschöpften Aeronauten wurden durch ausgeworfene Leinen einem fast sicheren Tode entttssen und mit großer Schwiettakeit in das Boot geschafft. Der Ballon hatte augenscheinlich eine große Menge Gas verloren, da er bei der Annäherung des Rettungsbootes theilweise zu- sammenbrach. Aber dennoch mißglückten die Versuche zu seiner Sicherung, denn in dem Augenblicke, als die Gondel von ihren Insassen verlassen wurde, verließ der Ballon erleichtert die Wasserfläche, erhob sich zu einer beträchtlichen Höhe, und trieb dann über die Klippen hinweg in der Richtung von Ramsgate. Vor der Börse.„Die Geschäfte gehen miserabel!"— „Was Sie nicht sagen!"—„Selbst unsere Millionäre ver- armen. Neulich war ich bei Baron I. Als ich an einer halb- geöffneten Thür vorüberging, sah ich die Baronin und ihre Tochter. Denken Sie nur, die Armen spielten Beide an einem Klavier!" Nach dem Kammermustkabend. Ein Herr gähnt fürchterlich. Ein anderer sagt ihm:„Sie scheinen sich nicht sonderlich unterhalten zu haben?"—„Ganz und aar nicht!" —„Weshalb besuchen Sie dann überhaupt Konzerte?"—„Aus Vergnügungssucht. Denn nichts gleich dem Vergnügen, einen Konzettsaal verlassen zu können." Windthorst und der Frühschoppen. Bei Gelegenheit der Katholilenversammlung in Münster tagten auch dott die katholischen Studentenverbindungen. Hier hat nun Windthorst in einer Ansprache sich u. A. wie folgt geäußert.„Ich werde hier an eine wunde Stelle erinnert, an den Frühschoppen. Meine Bekämpfung des Frühschoppens werde ich mit meinem. Freunde Rcichensperger weiterführen. Ich bin zwar zum Früh« schoppen beim Reichskanzler gewesen, da wurde aber Cham- pagner getrunken; der kann nicht so gefährlich werden, nament- lich wenn dafür 100 pCt. und noch etwas darüber Zoll be- zahlt werden. Wenn das Bier entsprechend höher besteuert wird, gebe ich auch meine Opposition gegen den Frühschoppen auf. Ich werde also bei der nächste« Zolldebatte auf eine ver- mehrte Erhöhung der Steuer auf Bier dringen(Oho, oho!> — sofern es des Morgens getmnken wird; des Abends soll es vollständig von Zoll frei sein."(Bravo!) Mormonen-Answanderung. An Bord des Dampfer» „Wisconsin", der am 29. August von Liverpool nach New-Nort abgrna, befanden sich 329 Mormonen, deren Ziel die Salzsee« stadt rn Utah ist. Dies ist das vierte Kontingent, welches im laufenden Jahre Liverpool verließ und bttngt die Gesammt- zahl der ausgewanderten Mormonen auf 1331. Das gegen« wärtige Kontingent bestand aus 90 Bttten, 125 Skandinaviern und 100 Schweizern und Deutschen. Unter den zum Mormonen- thum belehrten Briten befinden sich zum ersten Male einige Jrländer, was als ein Beweis dafür anzusehen ist, daß die Propaganda der Mormonen immer kräftiger und ausge» dehnter wird. Der Muff als Geldbeutel ist das neueste auf dem Ge« biete der Kurpfuscherei. Der Pelz des Muff ist nämlich an der obern Seite zurückschlagbar, da nur angeknöpft. Anter diesem Pelze nun befindet fich der angenähte Geld« deutet. Dieselben ermöglichen den Damen nun- mehr, Geldbeutel und Muff zugleich liegen zu laffen, während fie früher doch blas das eine oder das andere ver- loren. In bester Ordnung! Der„Seligenstädter Anzeiger" schreibt:„Die heute Morgen dahier stattgefundene Alarmprobe der Feuerwehr verlief mit Ausnahme von ernigen Widersetzungen gegen die Kommandeure in bester Ordnung." Das scheint eme schöne Ordnung zu sein! Zarte Anspielung. Ein Professor wohnte auf dem Ochsenmarkt. Als nun einmal seine Schüler während der Vor- lesung aus Mutbwillen einen gewaltigen Lärm machten, sprach er sanft:„Ich bitte meine Heiren, ennnern Sie mich nicht an mein Quartier!" Sogleich war Alles ruhig. Bonmot.„Welches Verhältniß herrscht jetzt zwischen dem Zaren und seinen Unterthanen?" fragte Jemand einen rufst- schen Diplomaten.—„Ein ganz verkehrtes", entgegnete dieser, „früher hatten fie Alle Ehrfurcht vor ihm und jetzt hat Er Furcht vor ihnen!" Geistige Anstrengung schwächt. A.:„Ich verfichere Sie, geistige Anstrengung ermüdet weit mehr, als die phy- fische."— B.:„Da haben Sie vollkommen Recht; denn wenn ich Abends meine vier bis fünf Liter Wein trinke, bin ich am nächsten Morgen immer schachmatt." Diano— fort. In Dresden war der Pianofortefabri« nrurs gerathen und mit seiner Schuldenmasse von einer Million Mark spurlos verschwunden. Seitdem auf die Frage:„Was hat A. gemacht?" die Antwort: * hat sich piano— fort gemacht. Kleine Mittheilungen. Magdeburg, 7. September. In der Nacht zum Sonntag wurde auf dem Bahnkörper bei der Neustadt der vollständig verstümmelte Leichnam eines Mannes aufgefunden. Wie die angestellten Ermittelungen ergeben haben, ist die betreffende Person durch den an jenem Abend 11.15 Uhr nach Genthin abgelassenen Zug wahrscheinlich bei der Ausfahrt aus dem hiestgen Bahnhof oder bei der Stelle, wo die Bahn die Ring- strafte kreuzt, überfahren und bis zur Fundstelle mitgeschleift worden, wodurch die gräftliche Zerstücklung erfolgt ist. Die einzelnen Leichentheile sind in die Leichenhalle auf dem Neu- städter Begräbniftplatz geschafft worden. Der Verstorbene wird etwa 35 Jahre alt gewesen sein, er war kräftiger Statur, hatte einen starken blonden Schnurrbart und trug ein Bruchband; bekleidet war derselbe mit einem dunklen Anzug und einem rothbunten Shawltuch, in einer Tasche befand fich ein rothbuntes Taschentuch. Der Name der Person ist bis jetzt nicht zu er- mifteln gewesen. Bochum, 5. September. Eine schauerliche Blutthat hat fich gestem in der im hiesigen Kreise belegenen Weit- marer Mark abgespielt. Der daselbst wohnende und schon mehrmals bestrafte, dem Trünke ergebene Bergmann Holz- gräse bedrohte schon seit einigen Tagen seine Nachbarn mit Erschießen, so daft dieselben in beständiger Angst lebten. Da Holzgräse auch am heutigen Tage wieder mit einem Gewehre umherlief, riefen die Nachkam den Gendarm Mewes herbei, auf welchen Holzgräse jedoch sofort sein Gewehr richtete. Der Bergmann Pfingst, sprang herbei, um den Wüthenden am Schießen zu hindem, lud üoer dadurch den Zorn des Holzgräse auf fich, der ihn durch einen wohlgezielten Schuß niederstreckte. Pfingst war sofort eine Leiche. Zwei andere Nachbarn entrissen nun dem Mörder das Gewehr, der dann ein Dolchmesser zog und jeden, der fich ihm nahe, niederzustechen drohte. Der Bergmann Send nahm nunmehr das Gewehr und ließ den Kolben mit solcher Wucht auf das Haupt des Mörders niedersinken, daß derselbe sofort seinen Geist aushauchte. Zwei Familien find durch die Blutthat ihrer Ernährer beraubt. Pest, 7. September.(Raubmord.) Aus Naszod in Siebenbürgen melden die dortigen Joumale: In der Nacht vom 4. auf den 5. d. überfielen Räuber das Haus des Groß- grundbefitzers und Sviritus- Fabrikanten Jantel Kahan. Sie stiegen durch das Fenster in das Schlafzimmer und banden den Mann und die Frau mit Stricken. Der Mann, der sehr robust war, rang mit den Gaunern und bot ihnen auch all sein Geld an. Als er ins Nebenzimmer flüchten wollte, versetzten ihm die Räuber mehrere Stiche inS Geficht und schlugen ihn von rück- wäfts mit einer Hacke auf den Kopf, worauf Kahan tobt Boden fiel. Die Frau war indessen in ihrem Bette mit Polster« überdeckt und ihr Mund mit einem Handtuche verstopft worden, so daß fie von dem Kampfe zwischen den Räubern und ihrem Gatten nichts wahrnahm. Die Räuber kamen jedoch zu rissen fie vom Bette herunter, hielten ihr die Augen zu, bis fie vor der Kasse stand, und zwangen fie, dieselbe zu öffnen. Die Räuber nahmen dann 11 100 fl. in baarem Geld«, Pretiosen, Wechsel und Silberzeug mit fich, banden die Frau neuerdings, legten fie ins Bett zurück und entfemten fich durch die geöffneten Zimmerthüren auf den Gang. Der Korrespondent Kahans, Samuel Prager, sah durch die Glasthür seines Zimmers die fremden Männer vorübergehen, sprang aus de« Bette und rief um Hilfe. Nachbarn eilten herbei, allein die Räuber waren inzwischen verschwunden. Die Frau hatte unterdessen mit den Zähnen die ihr angelegten Bande entzweigerissen, warf die Polster von sich und suchte wehklagend ihren Mann, den sie zu ihrem Entsetzen im Nebenzimmer todt in einer Blut- lache fand. Aus dem nahegelegenen Naszod kamen Gendarmen und fanden unter dem Bette eine Pistole und einen Strul- Bis zur Stunde wurde nur ein Kutscher als verdächtig der Theilnahme an dem Verbrechen in Haft genommen. Der Fa» verursacht in der Gegend außerordentliche Aufregung. Gemeinniihiges. Das Färben von Seide und Wolle im Haushalte. Das Färben von heller Wolle(weißer) mit dunklen Farbstoffe«, sowie das Färben von Seide in kleinen Stücken(seidene Bä«' der in weiß) geschieht am besten und leichtesten mit Benzin und Anilinfarbe. Man behandelt die Wolle und Seide zuerst mit Benzin, worin man die Gegegenstände bringt; bei ersterer wird dadurch das Fett paralystrt, bei letzterer die Harztheilchen zerstört. Dann nimmt man nach einer Weste heraus, trocknet an der Luft und macht nun eine Lösung»«J Anilinfarbe mit Benzin, je nach Nuanze. In dieses Bad, M aber nicht in Eßgeschirren oder Trinkgefäßen hergestellt werde« darf, bringt man den zu färbenden Gegenstand, laßt ihn eimj* Zeit darin liegen, nimmt heraus und trocknet an der Es ist dies ein einfaches und sicheres Verfahren. Theater. Opernhaus. Heute: Carmen. Schauspielhaus. Heute: Die Braut von Mesfina. Deutsches Theater. Heute: Der Hexenmeister. Friedrich-Wilhelmstädttsches Theater. Heute: Der Großmogul. Restdenz-Theater. Heute: Theodora. Walluer-Theater. Heute: Papageno. Belle-Alliauee-Theater. Heute: Sein Steckenpferd. Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Die Glocken von Corneville. Biktorta-Theater. Heute: Messalina. Central-Theater. Alte Jakobstraße 37. Dtreftion; Adolph Ernst. Hnrfe: Zum 40. Male: Die wilde Katze. Gesangspoffe in 4 Akten von W. Mannstädt, Mustk von G. Steffens. Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmans. Heute: Das Nachtlager in Granada. Osteud-Theater. Heute: Graupenmüller. Königstädtisches Theater. Heute: Gastspiel der Liliputaner. Die kleine Baronin. Theater der Reichshalle«. Heute: Aufreten sämmtlicher Spezialitäten. American-Theater. Heute: Auftteten sämmtlicher Spezialitäten. Kaufmann'» Variete. Heute: Große Spezialitäten-Vorstellung. Konkordia. Heute: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten und theattalische Vorstellung.______ ArwitsumM. Geübte Stuhlflechterinnen werden für dauernde Be- schästigung in und außer dem Hause verlangt bei 2106) Ferkau, Naumznstraße 86, Hof IV. Korbmachersreaellen auf Rohrkiepen verlangt 2099 Holze, Manteuffelstt. 65. Große öffentliche 2102 Schneider-Vers ammlung Donnerstag, den 10., Abends 8V, Uhr, Kommandanten strafte 77/79 bei Gratweil. Berichterstattung des Schiedsgerichts Tagesordnung: Berichterstattung des Schiedsgerichts in Sachen der Subkommisfion kontra Lohnkommisston. Um zahl- °""M D.« Ech.-«.---,«.. Eeschloffeue Mitzlüder-versimmlmz des Mereins zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen Donnerstag, den 10., Abends 8 Uhr, tu Gratweil'« Bierhallen. Kommandantenstraße 77/79, oberer Saal. Tagesordnung: Innere Vereinsangelegenheiten. Listen zur Unterschrift des Ardeiterschutzgesetzentwurfes liegen aus. Mitgliedskarte legitimirt. Der Vorstand. Der Arbeitsnachweis aller Branchen befindet sich bei Frau Kreutz, Skalitzerstr. 28, und Fräulein Seeger, Prenzlauer. strafte 39. Die Vermittelung NichtMitglieder. geschieh: unentgeltlich, auch für [2104 Der Arbeitsnachweis für die Metallarbeiter Deutschlands befindet fich dort nach wie vor zu jeder Tageszeit. Einem geehrten Publikum empfehle mein >& KmiWtl-M Reichhaltiger kalter und warmerFruhstücks-, s«®" Mittagstisch von 12 bis 3 Uhr, mit Bier& Kouvert 50 V Achtungsvoll Fritz Sodtke, Ritterstraße 128. Die von Mitgliedern dcS FachveretnS der Schneider gegründete Produktiv- u. 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