Freitag, den 11. September 1883. II. Jahrg. erlimMÄlii» Drgan für öie Interessen der Ardeiter. 4 Da,..Berliaer Bolksblatt« (Eingetragen in ver PostzeitungSpreiSlist« für 1885 unter Nr. 746.) Jafertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bi, 4 Uhs Nachmittags m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce«» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstratze 2.— Gepedition: Zimmerstraße 44. Zohu Kult und Pddlj. Die jüngsten Kundgebungen des Herrn P a r n e l l, M Führers der englischen Landliga, dürften nunmehr der �kuen englischen Regierung deutlich genug angezeigt haben, *4 sie gegenüber der irischen Selbstständigkeitsbewegung nch genau in derselben Lage befindet, wie alle vorhergehen- de« Regierungen. Jene so sorgfältig verklausulirten Maß- Wmen des Herrn Gladstone, die man als„Reformen" zu Gunsten Irlands bezeichnete und die so verworren waren, N das dieselben berathende englische Parlament manchmal wußte, um was es sich handelte, haben, wie voraus- iusehen, an dem Berhältniß Englands zu Irland im Ganze» Wchts geändert. Man kann das wirthschaftliche Programm �r Herren Parnell und Genossen zwar auch nur als durch- ungenügend betrachte«, denn diese Herren geberden sich, als ob es in Irland nur eine einzige«othleidende Bevölke- drngsklasie, die Pächter, gäbe. Wenn man, wie Herr Par- aell, mit einem Nationalgeschenk von 40,000 Pfund Sterl. (800,000 Mark) dotirt worden ist, so könnte man dafür sich Wo« Zeit und Mühe nehmen, die wirthschaftlichen Verhältnisse des Landes etwas tiefer zu studiren. Dazu icheinen die Herren aber keine Lust zu haben. Und dennoch ' N;'..... [cheto-._. handelt es sich, wenn der offenbare Niedergang der irischen Bevölkerung aufgehalten werden soll, nicht um die Pächter £siein, sondern um das gesammte arbeitende Volk der grünen Insel. Das Ideal des Herrn Parnell scheint kaum über ftb« ein„unabhängiges" Parzellenbauernthum hinauszugehen, wobei man nur vergißt, daß die„Unabhängigkeit" des Parzellen- und Schollenbesitzers nur eine scheinbare ist, wo ne vorkommt. In den meisten Staaten des Kontinents ist �ber auch der Schein einer solchen �Unabhängigkeit" ver- ichwunden oder im Verschwinden begriffen. Im Uebrigen halten die Zrländer mit einer beachtenS- �trthen Zähigkeit an dem Ziel einer schrittweise zu erringen- *tn Unabhängigkeit von England fest. Die gewaltsamen «ersuche, Irland eine Selbstständigkeit zu geben, sind ge- Heilert; theils weil die Engländer zu mächtig, theils weil «st Iren zu entnervt waren. Die Erhebung zu Ende des �°rigen Jahrhunderts wurde von den Franzosen nur schwach Unterstützt und von den Engländern um so grausamer nieder- Lischlagen; auch die Fenier-Verschwörung hat zu einem positiven Resultat nicht geführt, trotz der vielen Aufregung, sie hervorrief. . Parnell bewegt sich im Allgemeinen in den Bahnen 0% bekannten Agitators O'C 0 n n e l. Diese Bahn mag sthr ausgefahrene Geleise haben; man wird indessen zuge- fsthen müssen, daß die nunmehr in Irland bestehende Orga- Ulsation, kräftiger ist, als jene, welche einst O'Connel ge- Waffen hatte. Dieser riß zwar durch seine gewaltige Redner« �eutrfcfon. 9«* Mormonenmakche«. Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhansen. (Fortsetzung.) �„Wir verfüge» nicht über viele Leute, um die in unser Aal führenden Pässe besetzt zu halten, den innerhalb unseres Gebietes umherschleichenden Mördern bis m ihre Schlupf- Kinkel nachzuspüren und unsere Niederlassungen und Familie« nächtlichen Ueberfällen zu behüten. Der Grund des Jstbels muß gehoben werden, und ist der gehoben, dann bstrsen wir unsere ungetheilte Aufmerksamkeit wieder den iigen uns heranrückenden Feinden zuwenden.— _„Durch Zufall ist eS mir gelungen, zu entdecken, daß dte vreunde unserer Gefangenen, dieselben also, welche Rynolds �nordeten, auf mir unbegreifliche Weise noch immer t» ?irbindung mit letzteren stehen und ein Komplot zu deren Befreiung geschmiedet haben. Dieses zu hintertreiben, soll ftjrn Eure Aufgabe sein. Doch versteht mich recht, eS kommt �cht darauf an, die Gefangenen zurückzuhalten, sonder» loseren Feinden eine Probe unserer Wachsamkeit zu liefern gerechtfertigte Art das Urtheil an den beiden Spionen zu vollsttecken.". „Was so viel heißt, ich soll sie hinterrücks wie Hunde stuffchreße«/' bemerkte der Graf. �„Mögt Ihr das halten, wie Ihr wollt," versetzte der Hormone, den diese Antwort verdroß;„es herrscht jetzt der Zuegszustand an und um den großen Salzsee; wir ver- lagen nicht über den hundertsten Theil der Mittel, wie Unsere Feinde, aber die Mittel, welche wir besitzen, müssen ?st auf alle nur denkbare Weise benutzen und ausbeuten. -%« ertheilt Euch also zum Beispiel den Befehl, einen jstwiss.n Punkt dieses Forts genau zu überwachen; man � Euch gesagt, daß auf diesem Punkte zwcr Spione Uangen gehalten werden; man bezeichnet Euch ferner öle Siunde, zu welcher dieselben mit Hilfe ihrer Helfers- abe die Masse» mit sich fort und machte einen ungeheueren ärm mit seinen Massenversammlungen. Heute aber ist die irische Nationalliga in etwa 1100 Zweigvereinen organisirt und die Bewegung hat noch einen anderen Faktor für ihre Unierstützung heranzuziehen gewußt, den O'Connel wenig beachtet hat, nämlich die im Ausland lebenden Iren. Diese sind in Amerika, in Australien und den englischen Kolonien gleichfalls organisirt und unterstützen die heimische Bcwe- wegung mit erheblichen Geldsummen. So stellt diese Be- wegung eine Macht dar, die in einem kritischen Moment ausschlaggebend für das Schicksal Britanniens werden kann. Die Jrländer verlangen ein eigenes Parlament und wer möchte ihnen es verdenken, wenn sie diese Forderung mit solchem Nachdruck erheben, wie eS jüngst Herr Parnell gethan hat! Seit Jahrhunderten sind die Iren von den englischen LordS und von der großen Kaufmannschaft Englands einfach ausgeplündert worden und mancher Ire mag heute noch mit Wehmuth und Entrüstung auf die Fluren blicken, von denen er weiß, daß sie einst seinen Großeltern oder gar Eltern gehört haben, diese» aber ohne Umstände von den habsüchtigen Engländern weggenommen worden sind. Hat man doch jeden niedergeschlagenen Putsch in Irland be- nutzt, daS irische Volk auf's Neue zu berauben und die eng- lischen Parlamente haben zu diesen Gewaltthaten bereitwilligst Ja und Amen gesagt. So haben die Iren nach und nach alles Vertrauen zu den englischen Parlamenten verlieren müssen und da sie in diesen Versammlungen die Majorität nicht erlangen können, so hat sich ihnen das Verlangen nach einem eigenen Parlament ganz von selbst aufgedrängt. Darum werden sie von der Forderung einer eigenen Volks- Vertretung auch schwerlich jemals wieder ablassen. Wenn die England beherrschenden Lords und großen Kaufleute klüger wären als sie sind, so würden sie diese so naheliegende und einfache Forderung längst akzeptirt haben. Befitzen ja doch ferne englische Kolonien ihre eigenen Par- lamente. Aber es scheint, als ob es ein Erbübel dieser eng- lischen Großgrundbesitzer und Kaufleute sei, sich von ihrer Habsucht und ihren persönlichen In- teressen in einem ganz unerhörten Maße ver- blenden zu lassen. ES ist doch keineswegs ausgeschlossen, daß England wieder einmal in eine kritische Lage kommt. Früher beherrschte eS die Meere; heute giebt es Seemächte, denen gegenüber ein englisches Uebergewicht auf dem Meere denn doch erst erkämpft werden müßte. Unterläge England in einem solchen Kampfe, so würden sich die Iren sicherlich mit dem siegreichen Feinde verbinden. Dann könnte Eng- land leicht eine Invasion erleben, wie die der Normannen im Jahre 1066. Was die herrschende englische Aristokratie und Groß- krämerschaft verhindert, dem Lande Erin's eine„legislative Helfer ausbrechen, was nun können wir von Euch in einem solche« Falle erwarten? Bedenkt aber wohl, eS sind Rücksichten zu nehmen, zuerst aus unsere Feinde und dann auf die durch den jüngst verübten Mord aufgeregten Ge- müther unseres Volkes." „Eure Fraae ist nicht schwer zu beantworten," er- widerte der Graf in fast wegwerfendem Tone;„ich werde in den Leib stoßen zu können. „Oder selbst einen guten Me sserstich i tolütig sei in Empfang zu meine Schuldigkeit als Soldat thun; ich werde den ent- springenden Gefangenen zurufen, still zu stehen, und wenn sie meiner Aufforderung nicht augenblicklich Folge leisten, so feuere ich auf sie. Treffe ich sie nicht, so ist es nicht meine Schuld, zumal sie zum Ausbrechen wohl nur die nächtliche Dunkelheit gewählt haben dürften." „Gemäß der mir zugekommenen Angaben werdet Ihr Euch nahe genug bei ihnen befinden, um ihnen ein Messer „)bet nehmen," unterbrach der Graf kaltblütig seinen Gefährten. „Eben darum seid auf Eurer Hut," fuhr Elliot fort, „kommt ihnen zuvor, und ibr leistet uns nicht nur einen roßen Dienst, sondern Ihr leistet ihn auch in einer Weise, die nicht ohne erheblichen Einfluß auf Eure ganze Zukunft bleiben wird. Ich würde die Euch vorgeschlagene Rolle gern selbst übernehmen, wenn eS sich mit meiner Stellung als Befehlshaber dieses Postens vereinigen ließe, und sonst befindet sich Niemand hier, dem ich, der äugen- blicklich herrschenden blinden Erbitterung wegen, die Sache anvertrauen dürfte." „Von meiner Zukunft sprecht Ihr?" fragte der Graf hohnlachend„meine Zukunft macht mir keine große Sorge, seit meine Vergangenheit nicht mehr zu ändern ist. Doch verzeiht, meine Vergangenheit kann kein Interesse für Euch haben, ich streifte"ab von der Gegenwart, ich hätte Euch einfach mein Wort darauf geben sollen, daß ich den mir angewiesenen Posten vollständig ausfüllen werde." „Ihr wollt ihn auch so auSstillen, daß uns von Seiten unserer Feinde kein Vorwurf treffen kann?" „Ich verspreche eS auf mein Ehrenwort." „Auch die Sache geheim zu halten?" „Auch die Sache geheim zu halten." Selbstständigkeit" zu geben, das sind die ungeheuren Vor« theile, welche sie aus den Ländereien ziehen, die sie in Jr« land an sich gerissen haben. Diese Herren lassen sich'S wohl sein; sie bestreiten den Aufwand eines luxuriösen Lebens mit den Erträgnisse» ihrer Güter in Irland. Dafür sind Pächter und Tagelöhner in Irland in eine grauenerregende Lage gerathen und drs von Natur reiche und schöne Land läßt auf diese Weise seine eigenen Bewohner darben, während seine Erträgnisse hinüber wandern nach der benachbarten und beherrschenden Insel der Briten. Ein solcher Zustand gerade in dieser Form ist in keinem anderen Kulturland vorhanden. Die irische Be- völkerung nimmt ab und droht im Elend und unter den verheerenden Wirkungen des Alkohols, als steten Begleiters der äußersten Armuth, zu verkommen. Die Lords aber wissen, daß ein selbstständiges irisches Parlament es als seine erste Aufgabe betrachten müßte, diesem Zustande zu steuern. Das könnte nur auf Kosten ihrer Renten geschehen und da- her der Widerstand gegen ernsthafte Reformen in Irland, der kaum zu erschüttern zu sein scheint. Dieser Zustand, der ein ewiger Schandfleck auf dem englischen Namen sein wird, dürfte denn wahrscheinlich auch so lange dauern, bis man in England sich selbst die Frage ernsthaft vorlegen wird, ob denn ein unseres Jahrhunderts würdiges Vechältniß zu Irland für Großbritannien nicht wichtiger ist, al» die Renten einiger LordS und einiger Kaufleute. Vielleicht ist die Zeit, da diese Frage ernst- Haft gestellt wird, nicht mehr so fern, als Manche glauben. PolMsche Ueberstcht. Zum Unfallverstcherungsgesetz. Die Ortsbchörden sind darauf hingewiesen worden, daß dieselben nach dem Unfall- Versicherungsgesetze jeden in einem versicherten Betriebe des Bezirks vorkomnienden Unfall zu untersuchen haben, durch welchen eine versicherte Person getödtet ist oder eine Körper» Verletzung erlitten hat, die voraussichtlich den Tod oder eine Erwerbsunfähigkeit von mehr als 13 Wochen zur Folge haben wird. Ein weiterer Hinweis geht dahin, daß an den Unter- suchungs-Verhandlungen Theil nehmen können: Vertreter der bet heiligten Genossenschaft, der von dem Vorstande der Kranken- lasse, welcher der Getödtcte oder Verletzte zur Zeit des Unfalls angehört hat, gewählte Bevollmächtigte der Betriebsunternehmer in Person oder durch einen Vertreter. Der Mohr kann gehen! Ein Artikel der„Nordd. Allg. Zeitung" gegen das Stöcker'sche Anhängsel der Berliner Konservativen deutet an, daß höheren Ortes der Antisemitismus für Berlin als erfolglos für Wahlen, dagegen ein Wahl» bündniß zwischen Konservativen und Nationallioeralen für sehr ausfichtsvoll angesehen wird.— Ob die wachgerufenen Geister nunmehr gutwillig gehen werden? Es ist kaum anzunehmen, daß sie sich so leicht von den Rockschößen der Konservativen schütteln lassen, ohne von diesen ein gut Stück mitzunehmen. „Wohlan denn, Euer Wort ist mir mehr werth, als ehntausend Eurer Eide und schriftlicher Versprechungen. �rstcres habt Ihr vielleicht noch nie gebrochen, letztere da- egen dutzendweise, oder Ihr hättet Eurem Vaterlande 'werlich den Rücken gekehrt." „Mein Wort brach ich nie," antwortete der Graf, der nicht übel Lust hatte, den Beleidigten zu spielen, sich aber schnell eines Besseren besann-„habe ich meine Verpflich- tungen zuweilen nicht bis auf's Jota gelöst, so lag das mehr in den unglücklichen Verhältnissen, als in meinem Willen. Uebrigens, mein Herr, wenn alle Diejenigen immer aus» wandern sollten, welche hin und wieder einen Juden prellten oder Wechsel ausstellten, die etwas über ihre Kräfte gingen, so möchte wohl ein großer Theil der Blüthe der europä- ischen Nationen für dort verloren sein und Euer Heer einen beträchtlichen Zuwachs von muthigen und militärisch ge» bildeten jungen Leuten erhalten." „Bah!" antwortete der Mormone geringschätzig,„wir gebrauchen Männer, und keine Marionetten. Aber hier ist das Gefängniß," fügte er mit leiserer Stimme hinzu, auf die schwarze, von keiner Fensteröffnung unterbrochene Rück- wand des bezeichneten Blockhauses deutend.„Ich weiß noch nicht genau, wie sie ihre Flucht bewerkstelligen wollen, jedenfalls aber wißt Ihr, wohin Ihr Euch auf ein Zeiche» von mir zu begeben habt."— Er wollte noch weiter sprechen, die Worte erstarben ihm aber auf der Zunge, als er plötzlich durch die von Balken her- gestellte Wand, deren Fugen an manchen Stellen nur sehr spärlich mit Lehm verkittet waren, den Ton einer kannten Stimme vernahm, und zwar noch immer deutlich genug, um bei schärferem Lauschen die Worte sogar ver» stehen zu können. Einen Augenblick blieb er unentschlossen, dann aber bat er den Grafen noch einmal, sich die Stelle genau zu merken, worauf er ihn, unter dem Vorwande, den Spazier» gang ganz allein weiter fortsetzen zu wollen, mit kalten und sehr wenig höflichen Worten entließ. „Schandmenschen, diese Mormonen," murmelte der Graf im Davonschrciten,„zwar muthig wie die Löwen, aber keine Formen, keine Lebensart. Durchschaue den bäuerische» Die? sogenannte„nationale Begeisterung", „Nordd. Allg. Ztg." in Poefie und Prosa gefeiert., gerade das Kunstwerk der Stöcker'schen Agitation, und der welche von der wurde, ist zweite Luther weiß ganz genau, daß mit dem Einreißen dieser Säule auch der Stützpunkt des Konservatismus in Berlin ver- schwindet. Die feindlichen Brüder werden fich also wohl noch besinnen, bevor sie fich, wie weiland die beiden Löwen, gegen- seitig auffreffen. Ein Bündniß zwischen Konservative und Natronalliberale bleibt lediglich ein frommer Wunsch der „Nordd.", da letztere Partei in Berlin nur in den Köpfen einiger Großbörflaner cxistirt. Die Sozialisten in Apolda haben bei den Wahlen zum weimarschen Landtage einen großen Sieg errungen. In der Stadt haben fie bis jetzt 34 Wahlmänner erHauen, die Libe- ralen 1 Wahlmann. Vier Bezirke stehen zwar noch aus und auch einige Außenbezirke. Dieselben können aber an dem Resultat nichts mehr ändern. So zieht also zum ersten Mal ein Sozialdemokrat auch in den Großherzoglich sächfischen Landtag. Ein Urtheil des Herrn von Bismarck. Das„Recht auf Arbeit" veröffentlicht nachstehenden Paffus aus einer Rede des Herrn von Bismarck in der preußischen 2. Kammer vom 18. Oktober 1849:„Der Schutzzoll und Zunftzwang legen einen Thcil der Bevölkerung zum Vortheil des andern Opfer auf, nämlich die Verpflichtung, die Waaren theurer zu bezahlen, als sonst, um den andern Theil im Brod zu erhalten und zu schützen. Der Schutzzoll hat dabei noch den Nachtheil im Ver- gleich, daß er im Wesentlichen nur einzelne Fabrikbe- sitzer bereichert. Das ist aber auch sein einziges Re> sultat, denn ich habe nie gesehen, daß die Fabrikarbeiter große Kapitalien zurückgelegt oder fich bereichert hätten.... Und gerade die Schutzzöllner, die von unserm Gelde leben, welches der Fiskus uns abfordert, damit fie es in die Tasche stecken können, sollten doch recht bereit sein, den Handwerkern gleiche Vortheile in Bezug auf ihre eigenen Taschen einzu- räumen."— Jetzt behauptet Fürst Bismarck das genaue Gegen« theil! * Der Chauvinismus in der zünftigen Wissenschaft hat fich auf dem jüngsten Anthropologen-Kongreß, auf dem die bekannten„Koryphäen, Leuch'.en, Lehrer, Mäcener u. s. w. der Wissenschaft" vertreten waren, gar herrlich offen- bart. Hält da ein Herr Dr. Wils er einen Vortrag über die„Herkunft der Deutschen", die er nach dem skandinavischen Norden verlegt, und nicht nach Ostasten, wie andere Forscher das thun. Der gelahrte Herr schloß seine Rede mit dem wuch- tigen Argument, daß„schon unser Nationalgefühl eine Einwanderung von Norden her wünschen lasse!" Also in der wissenschaftlichen Forschung, auf einer Versammlung von Fachmännern appellirt man mcht an Ver- nunft und Wissenschast, man stützt fich nicht einzig und allein auf Thatsachen, sondem man spricht„warm und patriotisch", man kitzelt die Nationaleilelkeit, die darin besteht, fich als Autochthonen, als Urcingcborene zu fühlen. Als ob es darauf ankäme, ob die Deutschen in Ästen oder in Skandinavien ihre Wiege haben, wenn sie blos ihre Kulturmisston erfüllen, die darin besteht, Hand in Hand mit den anderen Nationen zu kämpfen für die Lösung der sozialen Frage. Dieser Wilser ist nur Einer unter Vielen, er ist Chauvinist, eine Menschenklasse, die in Neudeutschland vielleicht noch viel üppiger und unver- frorener gedeiht, als bei dem sogenannten„Erbfeind". Ein neuer Unfall ist der deutschen Marine zugestoßen. Nach aus Kiel hier eingegangener Meldung ist das Torpedo- boot v. 3 in Folge einer Kollifion mit dem Torpedoboot V. 8 im Langeland Bett, 3 Seemeilen 8SW. vom Vengeance- Grund, in 16 Meter Waffer gesunken, wobei der Maschinistenmaat Dorpitz ertrank. Die Schiffe„Blücher" und„Ulan" find mit Prähmen von Kiel abgegangen, um Hebeversuche vorzunehmen. — An dem Untergange der„Augusta" wird— wie die „Magd. Ztg." hört— jetzt auch in Marinekreisen nicht mehr gezweifelt und rm Marineministerium ist man bereits damit beschäftigt, die nothwendig werdenden Unterstützungen festzu- stellen und zur Auszahlung bereit zu stellen. Zu den vielfachen Warnungen vor Auswanderung nach Nordamerika hat fich in allerletzter Zeit noch eine von dem Gesandten der Vereinigten Staaten in England, Mr. Phelps, gesellt. Man kann von einem Amerikaner natürlich nicht erwarten, daß er die wirthschaftlichen Zustände seines Heimathlandes grau in grau schildere, und so entwarf denn auch Mr. Phelps vor seiner, zumeist aus Arbeitern bestehenden Zuhörerschaft ein imposantes Bild von den großartigen Hilfs- Mitteln und Erwerbschancen der transatlantischen Republik. Desto auffallender muß es erscheinen, wenn er, statt zur Aus- Wanderung zu ermuthigen, den englischen Arbeitem im Gegen- theil auf das bestimmteste abrieth. Wer strebsam, fleißig, nüch- tern, willensstark und charakterfest ist, kann unter Umständen nach Är. Phelps es in Amerika mit schwerer Arbeit zu etwas bringen, wird aber ungleich sicherer vorwärts kommen, wenn er dieselben Eigenschaften in seinen heimischen Verhältnissen be- thätigt. Die Warnung richtet fich speziell zwar an die Adresse der englischen Arbeiter, paßt aber wohl auch für unsere Deut- Wicht; will den Gefangenen aus dem Wege geräumt haben, und besitzt selbst nicht den Muih, den aus einer solchen Thai entspringende« Folgen mit kühner Stirn zu be- qegnen. Der reine Plebejer, trotz seines imponirenden Wesens. Kann'S indessen nicht mit ihm verderben und muß mich der Aufgabe nothgedrungen unterziehen. Vielleicht besser, daß ich es übernehme, als ein Anderer. Rufe die Kerle an, schieße hinter ihnen her, wobei ich hoch genug halte, um sie nicht zu gefährden, und sind sie fort, so sind sie fort, und mich kann weiter kein Vorwurf treffen. Habe schon einmal, ohne die Folgen zu ahnen, meine Hand zum Verderben eines harmlosen, vertrauenden Mitmenschen geliehen— hu, schrecklich! könnte ich doch nur daS Bild des schändlich gemordeten jungen Mannes auS meinem Gedächt- niß verbannen!"_ Unwillkürlich beschleunigte er seine Schritte, wie um seinem erwachenden Gewissen und den ihn folternden Schreck- bildein zu entrinnen. Elliot hatte sich unterdessen der Rückwand des Block- Hauses, welche mit den die Häuser verbindenden Pallisaden eine fortlaufende Linie bildete, genähert. Behutsam über die roh behauenen Balken hintastend, entdeckte er bald eine Stelle, an welcher er mit Leichtigkeit und ohne störendes Geräusch zu erzeugen, den Lehmkitt sammt dem Heu aus einer breiteren Fuge entfernen konnte. Da er ein langes Bowiemesser bei sich führte, so gelang es ihm mittelst dieses sehr bald, die Fuge so weit zu öffnen, bis ihm das Durchschimmern von schwachen Lichtstrahlen durch die schmalen Ritzen des inwendig ge- borstenen Lehmüberzugcs gebot, mit seiner Arbeit inne zu halten. Gern hätte er auch einen Blick in daS Gemach ge- worfen, allein er mußte befürchten, durch das Niederfallen der zerbröckelnden Lehmtheile nach innen eine Entdeckung herbeizuführen. Außerdem hatte er auch während seiner Arbeit einige Worte erhascht, welche ihn in solche Spannung versetzten, daß er jetzt nur noch daran dachte, auf das zu horchen und zu lauschen, wa» in dem Gefängniß verhandelt brachte daher sein Ohr in die Nähe der geöffneten Fuge, und da tiefe Dunkelheit Alles verhüllte, er selbst I schen.— Wir können dem noch hinzufügen, daß der Auswan derer nicht nur in Nordamerika schlechte wirthschastliche Verl hältniffe vorfindet, sondern auch in Südamerika und in allen Ländern, in welche der Auswanderunasstrom sich in den letzten Jahrzehnten mehr oder weniger ergoffen hat. Nordamerika hat den meisten überseeischen Staaten noch voraus, daß seine poli tischen und Rechtsverhältnisse besser find und daß die persö« licht Sicherheit im Lande zunimmt. Hingegen findet der Aus- Wanderer in dem südlicheren Amer-ka oft nicht einmal ein Ge »icht, an daS er fich wenden kann, wenn man ihm Gewalt an gethan hat und nicht selten kommt es vor, daß er hilflos und verlassen einer Krankheit unterliegen muß, weil ärztliche Hilfe und Medizin soweit entfernt find, daß fie nicht herbeigeschaft werden können. Roch eine vismarckstiftung wird aus Bamberg gemeldet Das Bamberger Komitee zur Sammlung einer Ehrengabe zum. 70. Geburtstage des Fürsten Bismarck hatte 6170 M. gesammelt. Als damals daS Zentralkomitee mit der Abficht hervor- trat, nicht den ganzen Ertrag zur Errichtung von Stiftungen, sondern mehr als die Hälfte zur persönlichen Dotirung des Fürsten Bismarck durch Ankauf des Gutes Schönhausen zu verwenden, lieferte das Bamberger Komitee, das diese Verwen- dung als im Widerspruch mit der Absicht der Geber stehend ansah, die Gelder nicht ab, sondern beschkoß, mit den 6170 M eine örtliche Wohlthätigkcitsstiftung für bedürftige Handwerker- und Arbeiterfamilien zu gründen. Dies« Stiftung ist nun unter dem Titel:„Fürst Otto von Bismarck-Stiftung" landes- herrlich bestätigt worden. In Betreff der Karolinen-Affaire liegen keine wesent« lichen Mittheilungen vor. Die Berge, welche in Spanien ge- rreist haben und noch kreisen, dürften wohl wieder eine Maus in Gestalt eines„liberalen" Ministeriums zum Vorschein brin- gen. Die„Agence Havas" meldet unterm 8. September auS Madrid: Das Ministerium, die Zeitungen und die ganze Nation lehnen es einstimmig ab, fich einem Schiedsgericht zu unterwerfen, da die Frage Spaniens Ehre berührt. Nachrich- ten vom„Valesco", der am 25. August mit dem Befehle ab- fuhr, wieder Lefitz von Aap zu machen, werden ängstlich in Madrid erwartet. In Folge der Kundgebung gegen die deut- sche Nation in Valenzia riß eine Schaar das Schrld des deut- schen Konsulats herunter und zerbrach die Fahnenstange. In Saragossa kam es gestern Abend an der Puerto del Sol zu einer leichten Unordnung, die durch Polizei beseitigt wurde. In Barcelona erhob der Gemeinderath Einspruch gegen eutschlands Vorgehen gegen Spanien. Die Verhandlungen haben einen sehr freundlichen Fortgang! es wird eine Note zur Beantwortung der deutschen Note ausgearbeitet. Das deutsche Kanonenboot„Iltis" ließ auf Aap kern Personal, be- rührte Manila und fuhr in der Richtung nach Singapore weiter. Man glaubt, das von Deutschland vorgeschlagene Schiedsgericht werde übcrflüsfig werden. Von den Gassen- buben der Puerto del Sol wurden 24 Schreier in verwichener Nacht festgenommen. Die öffentliche Stimmung beruhigt fich. — Von anderer Seite wird gemeldet, daß die Führer der Li- beralen heschlossen haben, das konservative Ministerium zu stürzen und auf ein Ministerium Sagasta hinzuwirken. Zu den Ausweisungen. Die Legitimationen, welche die aus Preußen Ausgewiesenen mit sich führen, werden von den russischen Behörden oft nicht für ausreichend erachtet, wodurch dann die davon bettoffenen Ausgewiesenen in eine recht miß- liche Lage kommen, indem die rusfischen Behörden ihnen den Einlaß verweigern. Die rusfischen Behörden verlangen näm- lich, daß in Betreff jedes Ausgewiesenen von der preußischen Behörde eine besondere Korrespondenz mit ihnen geführt werde, und erklären, daß fie dem Ausgewiesenen erst dann den Ein- laß gewähren, wenn eine derartige Korrespondenz wegen des- selben geführt ist und die preußische Behörde fich im Befitze der rusfischen Erklärung befindet, daß der betreffende Ausge- wiesen« nach Rußland zurückkehren darf.— Am Montag rst hier in Berlin die Deputation des Hilfskomitees für den Kreis Jnowraclaw angekommen, die beim Minister des Innern und eventuell beim Kaiser selbst gegen die Ausweisungsmaßregeln vorstellig werden wollte. Auch ein Grund zur Auflösung der Versammlung. In einer Bauernversammlung in Nottleben(Kreis Erfurt) hielt ein Herr Wiffer einen Vorttag über die Besttebungen des all- gemeinen deutschen Bauemvereins. Landrath v. Müffling, welcher mit mehreren AmtSvorstehem und Gendarmen erschienen war, leitete die polizeiliche Ueberwachung der Versammlung in eigener Person. Herr Wisser führte aus, daß solche Vorgänge, wie die Behinderung der Stadtverwaltung in Stettin, Bäume zu fällen, zur Genüge bewiesen, daß unter dem System Putt- lamer wenig Ersprießliches auf dem Gebiete der Selbstverwal- tung zu erwarten sei. Bei dem Worte„Puttkamer" stampfte der Herr Landrath mit dem Regenschirm auf und erklärte die Versammlung für aufgelöst. Ueber Kranken- Versicherung wird aus Detmold der„Rhein.> Westf. Ztg." geschrieben:„Die Einführung des Reichsgesetzes über die Kranken- Versicherung bei der lipprschcn Ziegelindusttie hat insofern Unzuttäglichkeiten im Gefolge ge- aber, wie er an die Wand geschmiegt dastand, noch um so viel weniger bemerkt werden konnte, so gab er sich, ohne Besorgniß vor Entdeckung, gänzlich der Aufgabe hin, die ihn in den Besitz von so wichtigen Geheimnissen bringen sollte. Als Elliot's Aufmerksamkeit zuerst durch Zanscn'S Stimme gefesselt wurde, war dieser eben erst bei Weather- ton eingetteten und hatte, nachdem der Wächter und Rast hinausgegangen waren, sich vorläufig erkundigt, ob man es ihm und seinem Gefährten in ihrer Haft an nichts fehlen lasse. Weatherton, der stets den feinen Anstand beobachtete, welcher ihn als einen Mann von der sorgfältigsten Er- ziehung auszeichnete, war Jansen einige Schritte entgegen- gegangen. Kalt, aber höflich erwiderte er die Begrüßung, und auf die in anffallend zweifelndem Tone hervorgebrachte Frage antwortete er eben so höflich, daß Jemand, den man seiner Freiheit beraubt habe und ohne Aussicht auf ein Verhör oder einen endgrltigen Urtheilsfpruch gefangen halte, nicht erwarte« könne, alle diejenigen Äequemlich- reiten zu finden, die er sich im freien Zustande vielleicht selbst verschaffen würde. Er klage indessen nicht und sei, dm ihm auferlegte« Zwang abgerechnet, mit seiner Lage vollkommen zufrieden. „Ich komme eigentlich nicht, um mich nur nach Eurem Befinden zu erkundigm," versetzte Jansen auf Weaiherton's Erklärung, indem er das kleine Fenster schloß und dann auf einem der beidm Holzschemel Platz nahm-„andere Beweg- gründe sind eS, welche mich zu diesem Besuch veranlassen. Vor allen Dingen aber betrachtet mich als Euer« Freund und laßt Euch an meiner Seite nieder, damit wir unsere Stimmm dämpfen könnm. Ich wünsche nicht, daß außer Euch noch Jemand meine Worte höre." „Mein Freund?" fragte Weatherton bestemdet, und die Erinnerung an seine Erlebnisse in New-Bork gab seiner Stimme einen ironischen Ausdruck;„ich denke, es war kein Zeichen von übergroßer Freundschaft, daß man mich in eine Falle lockte, um welche Ihr unbedingt gewußt habt." „Sprechm wir nicht davon," versetzte der Mormone kalt, denn er war auf eine solche Anklage vorbereitet.„Ge- habt, als die Ziegler nicht bei einer einheitlichen in Lipitfsi- stehenden Kasse zu versichern find, sondern an denjenigen BM des Deutschen Reiches, wo fie jedesmal im Sommer i# Aufenthalt nehmen. Infolgedessen find die Ziegler einem«' ständigen Kassenwechsel unterworfen und im Winter, wo ße t» der Heimath weilen, meistens gar nicht versichert, wöhnnd W außerhalb des Deutschen Reiches weilenden Zicgelarbeiter W" den Vorthellen des so wohlthätigen Gesetzes ganz auM schloffen find. In Anbetracht dieser Uebelstände Hai der W' sche Ziealervercin zu Anfang des vorigen Jahres eine PetiW an den Bundesrath des Deutschen Reiches abgesandt, in welltil eine Erweiterung deS Kranken- Verfichcrungsgesetzes beantiag' wird, dergestalt, daß das lippische Ziegler> Gewerbe unter eine allgemeine, das ganze Gewerbe umfassende Kasse ges"w werden möchte. Von welcher Bedeutung das Z eglerge ver» übrigens für das lippiscde Land ist, dürfte aus de» Berufs' Zählung vom 5. Juni 1882 hervorgehen; danach betrug W Gesammtzahl der bei diesem Gewerbe beschäftigten Personen® Lippe inkl. Angehörigen ca. 30000, das ist 25 pCt. der ga»' zen Bevölkerung des LandeS, während die Zahl rür das ge' sammte Deutsche Reich 896 823 betrug. Der im Fürsten W herrschende allgemeine Wohlstand ist nicht zum geringen Ii# dem Fleiß« und der Sparsamkeit der Ziegler zuzusckreidcn- und können letztere den Arbeitem der Kohlen- und Eisen'»' dustrie in Bezug auf sittliche Führung, Friedfertigkeit uitf Mäßigkeit dreist als Muster gelten." Interessant ist diese Kritik des Krankenkassengesetzes � einem nationalliberalen Blatte, interessant ist auch die ssoM rung einer Zentralkasse. Warum aber regt man nicht»» Gründung einer Arbeiter zentralkasse nach dem Muster z.� der Tischlerzentralkasse an, eines durch die Arbeiter selbst walteten Instituts? Charakteristisch ist der Lobgesang auf s* bedürfnißlosen Ziegler. Dieselben find Repräsentanten des,'» England namentlich in der Landwirthschaft florirenden,®»»f, system. Die lippischen Ziegler begeben fich in jedem FriiW in kleinen Gruppen auf Wandergänge bis zum Ural, fie in einem degradirenden Abhängigleitsverhältniffe von Gangmeister, der seine Gruppe an den oder jenen UnttrnehE verpachtet. Lohnverhältnisse: erbärmlich, Wochenlobn 11«?■' 18, 20 Mf., Arbeitszeit: unendlich lang, bis in die Nacht d» ein bei Beleuchtung, 16, 18, 20 Stunden. Saison: 6—8 W nate. In der übngen Zeit: Reduttion des Existenzminimum Wir verstehen, daß die Herren der sabrilantlichcn„Rb'jr Ztg." solche Muster der Enthaltsamkeit den rheinischen Ar»? tem empfehlen. Die Arbeiter werden fich hüten, in die W tapfen der livpischcn Ziegeleiarbeiter zu treten. Eine neue Auflage der Massenausweisungen säs� fich, nach der„N. Fr. Pr", mit dem Amtsantritt des F% Hohenlohe in Elsaß-Lothringen vorbereiten zu sollen. TßW? seines Straßburger Aufenthaltes hat der Fürst mit dem sekretär von Hofmann gewisse Vereinbarungen getroffen, die mögliche Rückwirkung der Wahlagitation in Frankreich»s Elsaß-Lothringen im Äuge haben. Sollten nämlich in P»? aus Ansaß der Wahlen deutschseindliche Manifestationen»? kommen, so würde Herr von Hofmann, als Vertreter des&)»? Halters, im Interesse der Sicherheit der Reichslande das Asj"! haben, gegen die dort wohnenden Franzosen, insbeso»»? wenn fie mit der Patrioten- Liga oder mit anderen deutP feindlichen Vereinen in Verbindung stehen, Ausweisungen■ verfügen. Schweiz. I0. Der Bundesrath hat die Ausweisung von fünf Anarch'?' beschlossen. Alle fünf find Oesterreich«. Sie find schuldig? funden worden, am 20. August in Glarus und am 23. 24. August in Lausanne Flugblätter verbreitet und verschim� haben, welche„zur Ermordung behördlicher Personen und n gesammten Ausbeuterbande" aufforderten. Montenegro. Zwischen Montenegro und Oesterreich hat fich ein Zwischenfall ereignet, welcher namenllich in Oesterreich viel fich reden macht. Kürzlich war ein herzegowinischer surgent", d. h. ein Räuber Namens Mifirlics ermorde;«#5 und der Fürst von Montenegro hatte für die Festnahme? Mörders eine Prämie von 300 Dukaten und die Verleib»': der Tapfcrkeits-Medaille ass Preis ausgesetzt. Das Begräd») des ermordettn Insurgenten, der in dem amtlichen Organe»y montenegrinischen Regierung als ein Märtyrer hingestellt t den war, wurde zu einer nationalen Trauerfeier gestaltet!\ Bevölkerung wurde offiziell zur Trauerfeier aufgefordert.� der Sarg von fürstlichen Leibgarden gettagen. Der% wird zwei Individuen zugeschrieben, von denen eines /y Montenegriner, Namens Bosnjat, ist, der in Folge«»% wiesen« Betheiligung an Einbrüchen in d« Herzegowina°, österreichisch-ungarische Reklamation seiner Zeit im GeW rnsse von Cettinje internirt worden war. Deshalb müßtfiv seltsam erscheinen, wie er den Mord an Mifirlics haben könnte, wenn er fich in dem Gefängniß befinden Die österreichische Regierung hatte wiederholt die Ausliefe»»., des Mifirlics verlangt und auch mitgetheilt, wo er fich best» nüge Euch die Versicherung, daß von meiner Seite nie Anschlag auf Eu« Leben gebilligt worden wäre und weniger' unternommen wurde, wenn ich auch hier rnn � see offen mit Denjenigen stimmte, die Euch als Spion handelt und erschossen wissen wollen. Alles das liegt unS; die Vereinigten Staaten sind uns an Hilfs hund«t- und tausendfach übnlegen, und wo uns die fehlt, da sind wir gezwungen, zu den äußersten j unsere Zuflucht zu nehmen. Als man Euch in Ne«'�-, nachstellte, beabsichtigte man einer Durchsuchung des Da™? booteS und der Entdeckung einer bedeutenden Masse Kriegsmaterial vorzubeugen. Es wurden dazu Wege«eiva»! die vielleicht nicht mit den Gesetzen deS geselligen übereinstimmen, die aber zwischen zwei Krieg führenden ten vollständig am rechten Orte find. D« beabsichtigte 3*� ist erreicht worden, Ihr dagegen seid dem N«derben», rönnen, wozu ich Euch jetzt von ganzem Hetzen® wünsche." Die Erklärung deS sonst so ernsten und undur lichen Mormonen ftang so aufrichtig und wohlwollend- Weatherton, seltsam dadurch berührt, keinen Augenblt-� ■. WM......._________ ÄuZenblickZ seinen Worten zweifelte und die dargereichte Hand m» ihm angeborenen Edelmuth«griff und drückte. „Sprechen wir also nicht weit« üb« längst gesch»?� Dinge," sagte er mir mit ein« Anwandlung von jug»"° � ftöhlicher Laune,„ich bin hi«, und zwar wohlbehalten, ich meinem Freunde Rast zu danken habe. In der J» Derjenigen ab«, die mir zu meiner Rettung Glück wünl�� stehe ich selbst ganz gewiß obenan, und wäre ich gerettet worden, um hl«, gegen alles Völkerecht, auf Iäch«lichen V«dacht hin erschossen zu werden." L � „Wollte man Euch erschießen, so fänden sich andere � triftigere Gründe dazu," antwortete Jansen_ bedeutung»� „es läge zum Beispiel die auf Euer» Wunsch und ausgestellte DurchsuchungSordre gegen Euch vor—" Mi .Welche niemals und bei keinem Volke der Er»» Hinrichtung rechtfertigen würde," unterbrach Weatherton � Mormonen trotzig, um einen Anflug von Besorgniß bergen. Er entsann sich nämlich, daß ihm die betrell � Ordre in New-Bork entwendet worden war, und m>t . flttein die montenegrinische Regierung erklärte stets, von dem Gesuchten nichts zu wissen, selbst als derselbe nach einer Ver- wundung, die er bei einem Uebersall erlitten, in das Spital von Cettinje gebracht worden war. Dort ist er auf das Sorg- samste gcvflegr worden und hat auch die Besuche hochgestellter Persönuchkeiten des Fürstenthums erhalten. Erst nach der am 18. August d. I. erfolgten Ermordung des MifirlicS erklärte «ie montenegrinische Regierung, daß sie ihn ausgeltefert haben würde, wenn er bei seinen Räubereien ergriffen worden wäre; allein das Attentat auf MifirlicS habe die Bevölkerung in Montenegro so aufgeregt, daß eine Auslieferung unmöglich er« schien. Hierauf folgte die schon erwähnte Art des Begräbnisses dieses Straßenräubers und die Feier desselben als Märtyrers. --Vielleicht gelingt es noch einem frommen Mann, das Grab des Räuders zu einem Wallfahrts Orte zu machen. Wie aus Cettinje weiter gemeldet wird, trifft Fürst Nikolaus von Montenegro Anstalten, das in seinem Lande bisher bestandene Milizcn-System allmälig in das eines stehen- «n Heeres zu verwandeln. Vorläufig ist der Befehl erlassen, die Kadres für ein größeres Truppcnkorps in der Weise zu formiren, daß 520 junge Montenegriner aus den AllerSklaffen 1860—1865 affentirt und nach den besten, bei anderen euro- Väschen Heeren üblichen Reglements eingeübt werden. Es besteht die Abstcht, dieser Elttetmppe später Jnstruktoren für alle NahijeN'Abtheilungen zu entnehmen, so daß im Verlaufe von zwei bis drei Jahren daS Fürstenthum über eine gut ge- schulte, wenn auch verhältnißmäßig kleine Armee zu verfügen hätte. Selbstverständlich sollen dann auch die anderen Waffen« Battungen, namentlich die Artillerie, eine zeitgemäße Fort- bildung und Entwickelung erfahren.— Also auch Montenegro bemüht fich,„zeitgemäß'" den Gipfelpunkt der Zivilisation zu erklimmen. Amerika. Die New-Uorker Einwanderungs-Kommissäre haben dem Finanz»Minister einen in Bezug auf die Einwanderung von »Paupers"(Armen) interessanten Fall unterbreitet. In New- Vork trafen mit dem französtschen Dampfer„Chateau Leoville" sechzig Zigeuner ein, welche von den Einwanderungs-Kom- Missarien nach erfolgter Untersuchung für„Paupers" erklärt und auf den Dampfer zurückgebracht wurden, um nach ihrem Abfahrtsorte zurückbefördert zu werden. Bald darauf wurde die Einwanderungs-Kommission benachrichtigt, daß ungefähr fünfzig dieser Zigeuner über Kanada in Vermot eingetroffen seien und von dort aus fich nach dem Süden begeben hätten. Man nimmt an, daß die betreffenden Zigeuner in Halifax ge- landet worden find und daß dieselben vom„Chateau Leoville" auf ein anderes nach Halifax bestimmtes Fahrzeug versetzt worden find. Die Einwanderungs-Kommisston meldete diese Thatsache dem Finanz-Minister und ersuchte denselben um diesbezügliche Instruktionen. Es wurde ihr darauf die Ant- wort zu Theil, die Regierung könne nichts in der Angelegen- heit thun; das die Einwanderung von„PauperS" verbietende Gesetz verhindere das Landen aller mittelst eines Schiffes ge- brachten„Pauper-Einwanderer", enthalte indessen keine Be- stimmungen hinstchtlich solcher„Paupers", welche zu Lande >n die Vereinigten Staaten einwanderten. Der Finanz-Mi- nister wird in Folge dieser mangelhaften Gesetzgebung die Aufmerksamkeit des nächsten Kongresses auf die Angelegenheit lenken und denselben zu veranlassen suchen, Vorkehrungen zur Abstellung dieses Fehlers in dem betreffenden Gesetz zu treffen. Iokales. Der zweite Tag der Sonntagsarbeits-Konferenz gab ein total anderes Brld als der erste. Die Ansichten gingen völlig auseinander, und zu einer gemeinsamen Resolution kam es nrcht. Vertteten waren der Verein der Berliner Gasthofs- befitzer, der Kellner- Bund, der Bezirksverein der Berliner ein- geschriebenen Hilfskaffen, die Gärtner, die Droschkenkutscher und die neue Gastwirths- Innung. Die Droschken- Unternehmer hatten ihr Votum schriftlich eingesandt; sie brauchen den Sonn- tag zu ihrer Existenz dringend. Ueber verschiedene Geschäfts- betriebe gab es interessante Enthüllungen. Zunächst erklärten bie Hilfstassen, daß sie den Sonntag zum Geschäftsbetriebe Mehr oder weniger brauchten. Die Gastwirthe konstatirten, daß eine Beschränkung des Sonntags den Ruin vieler Kollegen bedeuten würde. Die Gärtner glaubten, es könne fich ein Ab- wechseln im Sonntagsdienst ermöglichen lassen, die Hoteliers, jeden zweiten Sonntag ließe fich bei ihnen ein halber Tag frei Machen, bei den Gastwirthen nur ein halber Tag in der Woche. Die Droschkenkutscher hingegen erklärten es für wünschcnswerth, daß Sonntags nur die Hälfte der Droschken in Dienst gestellt würde. Sie würden davon im Einkommen keinen Schaden erleiden und die Befitzer auch nicht. Sonntags verlangten ste vom Kutscher unter allen Umständen sechs Mark, während er oft nur fünf einnehme; auch bekomme er Sonntags nur em Pferd, da die übrigen zu Chaisen»c. gebraucht werden.— Die drei Branchen der Gärtnerei erklärten, fie brauchten zu Zeiten den Sonntag höchst nöthig. Die Kellner schloffen fich den Gastwirthen an; ohne die Sonntags- Einnahme konnten fie Nicht existiren. Wo es ein Gehalt gebe, sei es noch so niedrig befürchtete er, daß ein solcher Beweis in den Händen er- bitterter und fanatisirter Feinde diesen einen genügenden Grund biete, mit den allersttengsten Maßregeln vorzugehen. „Die Ansichten darüber sind verschieden," erwiderte Jansen:..ich glaube nicht, daß sich zehn Mormonen, und !war zivilisirte Mormonen, am Salzsee befinden, die nrcht Mit ruhigem Gewissen, auf diese Anklage hin, Euer Todes- Urlheil unterschreiben würden." ,„So mögen sie e« thun," versetzte Weatherton kalt- blütig. doch ich verspreche Euch, die Vereinigte Staaten- Regierung wird die Mormonen dafür zur Rechenschast Ziehen."_ „Aber nicht, wenn man Euch als den überführten Ge- Missen und Helfershelfer von Mördern verurtheilte!" „Was wollt Zhr damit sagen?" a„Wetter nichts, als daß Eure Freunde, welche sich eine M lang auf der Antilopeninsel verborgen hielten, ent- weder au, Rache oder zum Zweck Eurer Befreiung Rynolds �schlage« haben.".,, „Das ist unmöglich!" rief Weatherton erbleichend aus, mdem er mit einer schnelle» Bewegung emporsprang. „Nicht nur möglich, sondern sogar erwiesen," ant- wartete Jansen mit unerschütterlicher Ruhe, wöbe, er bkn jungen Offizier aufmerksam beobachtete, um °US dxsse„ Benehmen zu errathen, in wie weit j* mit den vermeintlichen Mördern in Verbindung uohe;„sie kamen auf drei Pferden von der Antilopeninsel Mich der Salzsee-Stadt, tödteten dort einen Hund, lockten Rynolds auf irgend eine Art aus der Stadt, legten ihn, Nachdem sie ihn ermordet, zum Hohn mitten auf die Brücke Und schlugen dann wieder die Richtung nach der bekannten �nsel ein. .„„Alles dieses wurde durch unsere besten Utah-Späher Zugestellt, doch ist es ihnen bi» jetzt noch nicht gelungen, °en Schlupfwinkel der verborgenen Feinde zu entdecken. Es Zussen sich ganz hervorragende indianische Führer IN ihrer Begleitung befinden, denn einem Anderen wäre es kaum woglich, sich der Wachsamkeit unserer Kundschafter zu ent- — zehn Mark—, daß fie auf die Trinkgelder angewiesen seien, und da sei ein guter Sonntag die Hauptsache.— Vorgestern war die Textilbranche an der Reihe. Mit dem Wachsthum als Großstadt hat Berlin, so schreibt die„Volksztg.", fast alles von dem eingebüßt, was noch vor Jahrzehnten der Stolz der mit Spreewasser Getauften ge- wesen ist und noch heute in diesen Gemüthern ein Gefühl er- weckt, wie es den bejahrten Mann bei dem Gedanken an die längst entschwundene fröhliche Knabenzeit mit ihren Leiden und Freuden, ihren thörichten und lustigen Streichen erfaßt, nach- dem er gesetzt geworden und des Lebens Ernst den Blüthen- staub goldener Jugendtage, selbst wenn fie bei trockmem Brot und sonst unter ungünstigen Verhältnissen verbracht werden mußten, verwischt hat. Der Reiz der Romantik ist geblieben, und dem alten Berliner hastet heute das Gefühl deS Fremdseins an, das er früher, bevor fich der Riese in gewaltiger Weise gereckt, nicht empfand, denn damals kannte er ganz Berlin in allen seinen Theilen, während er heute seine liebe Roth hat, die Nummer seines Stadtbezirks, seines Kommunalwahlbezirks, des Landtags- und ReichstagSkreises zu behalten, in welche ihn das Schicksal verschlagen hat. Er fühlt sich nicht mehr heimisch in der Vaterstadt zwischen Kilometern und Millimetem, Hettolitern und Hektaren, und dann fehlen ihm die urwüchsigen Gestalten, die Originale seiner Jugendzett, welche Berlin und den Ber« linem den eigenartigen Ruhm verschafften, dessen fie fich noch heute, ob mit Recht oder mtt Unrecht bleibe dahingestellt, in den Kreisen aller Nichtberliner erfteuen. Zwar läßt die be- kannte schneidige Schlagfertigkeit im Wortspiel, der kemige Vollshumor auch heute noch nichts zu wünschen übrig, und ein Besuch an offener Gerichtsstätte, auf den Volksfesten und den Orten des öffentlichen Vergnügens giebt noch heute reich- lich Gelegenheit, diese berechtigte Cigenthümlichkeit ves Urber- liners zu bewundern. Aber es fehlen die alten Gestalten, die Originale, welche der Volksmund als Vertreter des echten un- verfälschten Berliner Humors bezeichnet hat und wie sie in der That in mehr oder minder großer Anzahl existirten. Es fehlen heute überhaupt alle diejenigen Figuren, die Berlin trotz seiner Eigenschaft als Haupt« und Residenzstadt vor seiner Er- Hebung in den Adelsstand der Welt- und Reichshauptstädte, den Charakter einer gemüthlichen Provinzialstadt bewahrt hatten, welche jeder Berliner kannte und jeder Einge- wanderte schon in den ersten vier Wochen seine? Auf- entHalts kennen zu lemen Gelegenheit hatte. Der alte Berliner Eckensteher mit rother Nase und schwan- kendem Tritt, der als„Nante Strumpf" seiner Zeit die volksthümlichste Figur deS alten vormärzlichen Berlins ge- wesen und dessen Ideal die„Destille" und höchsten Lebensgenuß„Kümmel mit fein'n Bittern" war, ist heute nur noch Cr- innerung, und es ist dem besten Willen nicht möglich, sich eine von den Figuren, welche heute die„Plantschaptele" umlagern, als Vertreter für den Berliner Eckensteher zu denken, der vor Jahrzehnten eine weltbekannte typische Figur des Berliner Lebens gebildet hat. Und der Berliner Schusterjunge, der In- begriff alles Volkshumors und satirischer Schärfe, das bestge- diehene Pflanzenexemplar, das märkischer Sand je hervorge- bracht? Wie ein Märchen aus längst verklungenen Zeiten hören sich heute die Erzählungen von den humorvollen uud muth- willigen Streichen der jugendlichen Vertteter der Kunst des heiligen Crispin an, deren Nachkommen nur noch die schmutzige, zerisscne Schürze und die schlechten Pantoffeln mit diesen Ge- stalten gemein haben, die nach der Tradition selbst Friedrich dem Großen im schlagfeitigen Wortspiel über waren. Sie mtt sammt ihrem„Meister Knieriem" und der keifenden„Frau Meesterin" hat die Weltstadt vollständig hinweggeschwemmt, und die nächste Generation wird Mühe haben, sich ihrer noch zu erinnem. Aber auch spätere Originalfiguren des Berliner Slraßenlebens find nicht nur spurlos aus demselben ver« schwunden, sondern sie können auch heute im großstädtischen Getriebe gar nicht mehr aufkommen, nicht mehr gedeihen. Noch vor 30 Jahren konnte„Pietsch" ein ganzes Stadtviertel in Bewegung setzen, und die Jungen sangen: Weg, Jungens, Pietsch kommt, Pietsch ist kreuzstdele, Pietsch hat einen kleenen Spitz, der fitzt ihm in der Kehle" mit demselben Lungenauf- wand und patriotischer Begeisterung, wie heute„Die Wacht am Rhein" oder„Deutschland, Deutschland über alles", und selbst für die Alten war das Erscheinen dieses Urbildes aller Trunkenboldenhaftigkeit, des unglücklichen Opfers eines un- löschbaren Durstes, immer wieder ein Ereigniß von mindestens derselben Bedeutung, als die Erscheinung einer Fürstin als Künstlerin in einem höheren Tingeltangel. Auch die„Por- zellan- Fee" war damals eine der originellen Typen Berliner Straßenromantik, wie fie heute absolut unmöglich er- scheint. Eine wirkliche echte deutsche Gräfin mit be- kanntem Namen, gab diese unglückliche Gestalt, die regel- mäßig die Straßen der Königstavt abwanderte, immer neuen Stoff zur Unterhaltung, wenn auch Jung und Alt ihre Ge« schichte und ste selbst so genau kannte, als heute die Geschichte von Robinson Crusoe. Mit einer riestgen Pompadourtasche versehen, in welcher fich jahraus jahrein ein porzellanenes — Nachtgeschirr befand, zog diese Unglückliche nicht bettelnd, sondern stets und bei jeder Jahreszeit und Witterung Strümpfe ziehen. Aber um auf Euch zurückzukommen- man hat Euch in der Gesellschaft von zwei Indianern gefunden, und es unterliegt wohl kaum noch einem Zweifel, daß diese, in Verbindung mtt einem Weißen, darauf ausgehen, Euch zu befreien und den ihnen in den Weg tretenden Rynolds ihrer eigenen Sicherheit wegen ermordet haben. So lange nun die eigentlichen Mörder noch nicht einge- fangen sind, wird man sich natürlich an Euch halten, und ob unter solchen Umständen Eure Lage eine gefahrlose ist, werdet Zhr selbst so gut wie ich ermessen." Die Nachricht von Rynolds' Ermordung, und der Glaube, daß die That wirklich von Falk und den beiden Delaware» ausgeführt worden fei, wirkten zu erschütternd auf Weatherton ein, als daß er die Aufregung, in welche er gerathen war, schnell zu besiegen vermocht hätte. „Mr. Jansen!" rief er aus, und zwar so laut, daß der Mormone, um ihn zu warnen, den Finger auf den Mund legte.„Zhr kennt mich lange genug, um beurtheilen zu können, ob ich, selbst wenn mein Leben auf dem Spiele stände, zu einer entwürdigenden Lüge meine Zuflucht nehmen würde. Zch räume Euch gegenüber daher offen ein: daß Freunde von mir in der Nähe des Salz- see'S weilen; wenn aber Jemand ermordet worden ist, so sind sie die Letzten, von denen ein solche That er- wartet werden darf, sie müßten denn in der Vertheidiguna ihres Lebens gehandelt haben. Weitere Nachforschungen, ich bezweifle es keinen Augenblick, werden ergeben, daß fie so unschuldig find, wie ich selbst, und Rynold'S Mörder ganz wo anders zu suchen sind, als unter friedlichen Zägern, welche mit nichts weniger als feindlichen Absichten Euer Thal betraten." „Sei dem, wie ihm wolle," entgegnete Jansen, mit kalten Blicken, aber innerem Wohlgefallen Weaterthon's hohe kräftige Gestalt messend," mich führte nicht die Ab- ficht hierher, Euch einem Verhör zu unterwerfen, oder alle nur denkbaren Fälle mit Euch zu erwägen; im Geaentheil, ich wünschte Euch auf die Gefahren auf- merksam zu machen, welche Euch umringen und bedrohen, ehe ich näher auf den eigentlichen Zweck meines Be- strickend von Straße zu Straße, angethan mit Lumpen und behangen mit allerlei seidenen Läppchen und Bändchen, welche fie irgendwo gefunden oder geschenkt erhalten. Ein durch eigene Schuld gelöstes Liebesverhältniß war die Ursache einer Geistes- gestörtheit und des Zerfalles mit der eigenen Familie geworden und hatte die Unglückliche zu dem gemacht, was fie ein Menschenalter hindurch gewesen ist, ein Bestandtheil der Ber« liner Lokalchronik, wie sie nur zu jener„guten alten Zeit" ge- dacht werden kann. Heute würde Dalldorf der Unglücklichen ein Asyl geboten haben, ohne daß fie nöthig hätte, zur Ge» winnung ihres Lebensunterhalts die Dienstmädchen der König- stadt mit„Kniestrümpfen" zu versehen. So ist eine nach der anderen von den Figuren, welche die Charakteristik deS Berliner Straßenlebens bildeten, von der Bildfläche verschwunden.„Schmalzadam", der seiner Dicke wegen seinen theuren Korpus nur mit Hilfe eines sehr solid gebauten Wagens fortschaffen konnte, ist zu seinen Vätern versammelt;„Wilhelm mit's Hackebrett", der den alten Berlinern so lange vorgesungen:„Ich bin der Schuster Strampelbeen, mach' alle Stiebeln groß und kleen" hat seine letzte Saite auf seinem Klimperkasten schon längst verklingen lassen, und auch der„alte Grothe", wie ihn Alt und Jung titulirte, der als Belohnung für seine dem Vaterlande bei Leipzig und Waterloo geleisteten Dienste die Erlaubniß erhalten hatte, einen alten Leierkasten herumzu- schleppen, der stets nur:„puiep" hervorbrachte, ist längst zur großen Armee eingegangen und mit ihm so ziemlich Alles, was aus der Zeit vor dem„tollen Jahr" noch an typischen Gestalten Berlins vorhanden war. In den letzten Monaten hat auch „Echimmelfreitag", bei welchem es nur zweifelhaft war, ob er oder sein Roß mehr Volksthümlichkeit unter den alten Ber- linern besessen, das Zeitliche gesegnet, und mit ihm ist wohl so ziemlich das letzte Stück BcrlinerVolksoriginalität in die Gruft gesenkt. DaS Alte stürzt, aber so großartig auch neues Leben sich entwickelt, so wenig bietet es den älteren Berlinern Ersatz für die Gemüthlichkeit des Volkslebens früherer Tage. Der Portier. Der Portier ist für die Großstadt eine so wichtige, ja fast unentbehrliche Persönlichkeit, daß ohne ihn in der Gesellschaft eine Lücke entstehen würde. Seine Deszendenz ist unzweifelhafter Natur, er stammt väterlicherseits von dem Urbild aller Pförtner, dem altgriechischen dreiköpfigen Cerberus ab, während seine Mutter alle Eigenschaften ves färben- wechselnden Chamäleons besaß. Von beiden Theilen erbte er die Haupteigenschaften, mit denen er fich im Kampfe um das Dasein eine feste Pofitton errungen hat. Um die Natur- geschichte des Portiers zu klären, giebt die„Auasb. Post-Ztg." folgende Schilderung: Der Haus Portier. Derselbe kommt am häufigsten vor. Laut Forderung der meisten Hauseigen- thümer muß er kinderlos sein. In seiner am Eingange be- legenen Wohnung treibt er ein kleines Handwerk und schaut durch die Fensterscheibe seiner Thür nach dem Eintretenden, vorausgesetzt nämlich, daß er zu Hause ist und nicht auswärts gerade als Maurer seines Amtes waltet. Er befitzt ein mehr oder weniger scharfes Auge auf Bettler und andere zweifelhafte Personen. Gegen ein anscheinend mit Widerstreben ge« nommenes Trinkgeld klopft er Teppiche, rückt Möbel zurecht, schlägt Nägel e»n und hilft beim„Ausklopfen" der Möbel ebenso gerne, wie beim„Einstauben" derselben, was gewöhn- lich dann vor fich geht, wenn die sorgsame Hausfrau Vor- bereitungen trifft, um„auf's Land" zu ziehen. Kehren die Hausbewohner aus der Sommerfrische zurück, so versäumt er nie, ihre Thüren mit billigem Grün und einem Willkommgruß zu zieren. Am Neujahrstage ist er einer der ersten unter den Gratulanten mit verschämter Miene. Nicht selten ist die Wohnung des„Hausmeisters" das Brutnest großartiger Klatschereien, allgemeiner Mißstimmung, Auflehnung und Un« zuftiedenheit. Denn hier versammeln sich in der Dämmerstunde die Dienstboten des Hauses und behandeln unter dem Präsidium der mitfühlenden Frau HauSmeisterin die Lohn-, Essen-, Ge- schenk- und Ausgeh-Frage. Der Geschäfts- Portier. Viele troße Kaufhäuser und Modebazare stellen einen besonderen sortier an, welchem die Pflicht obliegt, dem Publikum die Ladenthür zu öffnen und die Pakete nach dem Wagen zu tragen. Er ist meist eine stattliche, in LivrS gekleidete Per- sönlichkeit, mit verbindlichem Gefichte und ein Meister in Bück- lingen, deren Qualität fich selbstverständlich nach der Kleidung, dem Range und Stande der Käuferinnen und Käufer richtet. Mit geübtem Blick weiß er unter den Kundinnen die Spreu von dem Weizen genau zu unterscheiden und dem Geschäfts- personale die Ladendiebinnen zu fignalifiren. Verdächtige mustert er beim Verlassen des Verkaufslokales wie der tüch- tigste Kriminalbeamte, er wittert versteckte Pakete, wie der österreichische Zöllner an der Grenze Havanna-Zigarren. Er« fahrene Portiers der Gattung find denn auch für das HauS ein wahrer Schatz und werden dementsprechend bezahlt.— Der Instituts- Portier. Cr haust an der Eingangspforte der Aka» demien und Gymnafien, der öffentlichen Sammtungen, Hoch- schulen und Verwaltungsgebäude, beim Gericht und bei der Post, im Vorhofe von Gefängnissen, von Krankenhäusem und Turnhallen. Von den verbindlichen Formen eines Geschäfts- Portters hat er wenig oder gar nichts. Die hinter ihm liegende sucheS eingehe. Zch sagte Euch bereits, Ihr hättet mich in diesem Augenblicke als Euer» Freund»u betrachten," fuhr er fort, als Weatherton, noch immer bestürmt von dm widerstreitendstm Gefühlen, wieder Platz genommen hatte, «um so mehr noch als Euern Freund, weil Zhr, vielleicht ohne es zu wissen, mir einen Beweis Eurer achwngs- werthen Gesinnungen gegeben habt. Ihr sähet meine Nichte Hertha und unterhieltet Euch längere Zeit mtt ihr?" fragte er dann, plötzlich von seiner Erklärung abspringend. „Einen glücklichm Zufall nenne ich eS, der mich am gestrigen Abend mit Miß Jansen zusammenführte," antwortete Weatherton etwas befangen, jedoch Zansen'S durchbohrmdm Blick ebenso fest erwidernd. „Kein arger Zufall, wenn man Tausende von Meilm gereist ist, um Jemandem zu begegnen," versetzte der Mor» mone mit halb beifälligem Nicken. „Zch kann nicht leugnen, die Reise unternahm ich nur, um Eure Nichte wiederzusehm, weil ich—" .Weil Ihr sie leidenschaftlich liebt und weil Ihr sie für Euch zu gewinnen hofftet," unterbrach ihn Jansen voll« ständig ruhig. „Ob ich die junge Dame liebe, ist eine Frage, die Nie- mand ein Recht hat an mich zu stellen," erwiderte Weather» ton nicht ohne einige Verwirrung, denn er hätte von dem strengen Mormonen alles Andere eher erwartet, als eine solche Erklärung;„jedenfalls verdient sie einen höheren Grad von Liebe und Rücksicht, als ihr, wenn ich mich nicht täusche, von allen Seiten erzeigt wird. Beruhigt Euch in- dessen; mögen meine Gefühle für Hertha Jansen noch so ttef und innig fem. ich kam nicht in der Hoffnung, fie für mich zu gewinnen, sondern aus Theilnahme für sie, um das ihr drohende Geschick vielleicht noch von ihr abzuwende». Oder wollt Zhr etwa auch mir gegenüber die unter den Mormone» herrschende Sitte der Vielweiberei ab- leugnen?" (Fortsetzung folgt.) langjährige Militär- Dienstzeit hat alle Blüthen seiner Freund lichkeit abgestreift. Da er auf Lebenszeit" im Befit der Stelle ist, was scheert ihn das Publikum? Seine Antworten find fachlich, kurz und hart. Buweilen fann er auch grob oder, was eine Steigerung dieser Eigenschaft bedeutet ,,, logengrob" wer den. Einige dieser Gattung haben im Lauf der Jahre von den in ihrem Institut getriebenen Wissenschaften und Künsten profitirt, erfreuen sich eines gewissen Rufes und entwideln als geistige Handlanger eine vielseitige Thätigkeit. Das gilt namentlich von den Gymnasial- und Universitäts- Portieren. Der Hotel Portier. Seine Thätigkeit erstrect fich weni ger auf das Deffnen einer Thür, als vielmehr den Empfang und die Unterbringung der Fremden. Er ist der Vermittler zwischen den letzteren und der Außenwelt. Von großer Menschen, Welt und auch Sprachkenntniß, Intelligenz und ges wiffen Talenten, weiß er überall Bescheid, sei es in Vergnü gungs- oder Geschäftsfragen, stets giebt er höfliche Antworten und entwickelt oft in seiner Buvorkommenheit eine staunens werthe Fähigkeit als Gedankenleser, weit über Cumberland hinaus, die auf den Gast den wohlthuendsten Eindruck macht. An seinen Rodschößen hängen Kommissionäre und Agenten, aus seinen Aermeln fallen die für andere Sterbliche unerreich baren besten Theater- Billets, Dienstleute und Kutscher lieb äugeln mit ihm, er ist das lebendige Kursbuch und der lebendige Adreßkalender. Wenn der Hotel- Portier fich zum Schrift steller erniedrigen wollte, würde er die interessantesten naturalistischen Romane schreiben. Aber wozu? Er hat es Gott sei Dant nicht nöthig. Der Theater- Bortier. Er kennt wie Alexander seine Soldaten, die Mitwirkenden seines Theaters, und zählten fie nach Hunderten, auf das genaueste nach Namen, Alter und Wohnung, aber auch Frauen, Kinder und Kindestinder derselben find ihm nicht fremd. Seine Loge ist das Lokal des allgemeinen Depofitums für Freibillets, fleine Sendungen und Briefe, auch giebt es hie und da einen frischen Trunt. In einzelnen Theatern find die Taschen des Portiers die nur Eingeweihten befannte Fundgrube für gute Pläge; Nachfrage und Angebot geschehen meistens auf dem ungewohnten Wege des Augenzwinkerns. In den Theaterstunden appellirt mit unter ein junger Galan an seine Liebenswürdigkeit und bittet ihn, ein Billet- dour an die Garderobe dieser oder jener Dame vom Theater" zu befördern, was er natürlich unter Be seitigung aller Schwierigkeiten" besorgt. Der EisenbahnPortier. Er ist eigentlich mehr Aufseher als Pförtner. Auf der Brust einige Kriegsdenkmünzen, redet er in dem bekannten schnarrenden Tone, den er sich beim Ausrufen" der Büge angewöhnt hat. Seine Büge tennt er bis auf die Minute. Für die Reisenden, denen er Auskunft giebt und beren Gepad er in Verwahrung nimmt, ist er eine unentbehr liche Persönlichkeit. Nicht ohne Stolz ruft er die Abgangszeit der Züge in die wartende Menge, weiß er doch, daß noch Niemand der Aufforderung, einzusteigen, Widerstand entgegens gefeßt. Der Gesandtschafts- und Minifter Portier. Ein feiner Mann mit diplomatischem Gesicht, weißer Binde, rothem Kragen und Militärmüße. Wenn er in Gala" ist, imponirt er in nicht geringem Maße. Er trägt dann einen filberbordirten Bweispit, einen langen Rod mit Silberknöpfen, im Winter einen Belz mit foloffalem Kragen, in der Rechten den Portier stab mit dem versilberten Knopf. Er ist vom Kopf bis zur Bebe Vertrauensperson, ein Schweiger wie Moltke, ein großer Politiker, der die Beitungen seines Chefs liest und von den Anschauungen desselben nicht um eines Haaresbreite abweicht. Betenten wenden sich gern zuerst an ihn, gegen einen verstärkten Händebruck entwickelt er den Instanzengang, giebt Rathschläge über den besten Zeitpunkt der Sprechstunden, Instruktionen über Anrede und Adreffen. Der Restaurations, beziehungs, weife Café Portier. Hierzu werden nur die stärksten Männer gewählt, denn in vorkommenden Fällen müssen fte HerkulesArbeiten verrichten und Löwen, Schlangen, Eber, Stiere und Hirschkühe in Menschengestalt entfernen. Das ist oft eine wahre Haustnechts- Arbeit." Mit dem mythologischen Cerberus hat er viele Eigenschaften gemein, oft genügt nur ein Blick seines funkelnden Auges oder ein Wint seines furchtbaren Armes, die in mitternächtlicher Stunde gestörte Ruhe wieder herzustellen. Während des Festessens, welches der Magistrat den Mitgliedern des internationalen Telegraphen- Kongresses in den Festräumen des Rathhauses gab, sind, wie die Voff. 3tg." hört, seitens der zur Bedienung beorderten Personen solche Ausschreitungen vorgekommen, daß für nöthig befunden wurde, eine amtliche Untersuchung einzuleiten. Die Beiseiteschaffung von Speisen und namentlich von Getränken soll ganz unerhörte Dimenfionen angenommen haben. In den Korridoren follen viele nicht geladene Personen in der weinseligsten Laune betroffen worden sein. r. Die alljährlichen Gänse- Transporte, welche von Ostpreußen und Bosen nach der hiesigen Gegend stattfinden, haben bereits begonnen und scheinen in diesem Jahre beson ders umfangreich auszufallen. Bahlreiche Waggons mit ma geren Gänsen, deren Geschrei wohl eine halbe Stunde weit Sie Luft erfüllt, halten auf dem Bahnhof Rummelsburg an der Verbindungsbahn und werden dort ausgeladen und die Gänse von Händlern auf die benachbarten Märkte und Dörfer gebracht, wo die Aderbefizer dies Geflügel zur Aufzucht und Mästung kaufen, wobei dann die anderweit nicht verwerthbaren Abgänge aus dem Erntegewinn am besten verwendet werden. Ist die Gans dann bis Weihnachten herangefüttert, Gerichtshof schenkte aber den Angaben der Angeklagten, das ihnen jede böswillige Absicht ferngelegen habe, vollen Glauben und sprach fie deshalb bei dem Mangel des Requisits der Bös willigkeit fret. Eine wichtige Entscheidung in Beziehung auf die Verpflichtung der Vorstände der freien Hilfskaffen zur Anmeldung ärztlicher Hilfsstellen fällte heute die sechste Straf fammer hiesigen Landgerichts I. Nach§ 19a des Gesezes, be treffend die freien Hilfskaffen, vom 7. April 1876 liegt den Kaffen die Verpflichtung zur Anmeldung örtlicher Hilfskaffen binnen 14 Tagen ob, und nach§ 34e werden die Mitglieder des Vorstandes, welche dieser Bestimmung zuwiderhandeln, mit des Vorstandes, welche dieser Bestimmung zuwiderhandeln, mit einer Geldstrafe bis zu 300 Mt. bedroht. Seitens der biefigen Hilfsstelle der freien Hilfskaffe der Maschinenbauer und Metall arbeiter war im vorigen Jahre eine vorgeschriebene Anmeldung unterlaffen worden, und wurden in Folge deffen sämmtliche 10 Mitglieder des Vorstandes unter Anklage gestellt. Die 87. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichts verurtheilte als für die unterlassene Anmeldung verantwortlich nur zwei der Angeklagten zu je 10 Mart eventuell je 1 Tag Haft und sprach Gegen acht Angeklagten frei. Dieses die übrigen joweit es die Freisprechung der letteren be Urtheil, trifft, hat die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, und beantragte deren Vertreter im Termin, Staatsanwalt Thiedemann, unter der Ausführung, daß der Gesammtvorstand die Klasse vertritt und somit auch deren sämmtliche Mitglieder für unters laffene Meldungen verantwortlich find, Aufhebung des ersten Urtheils und Verurtheilung auch der 8 übrigen Vorstandsmitglieder zu je 10 Mart. Justizrath Gerth führte demgegen über aus, daß aus der Fassung des§ 34c des angezogenen Gesezes hervorgehe, daß nur die Vorstandsmitglieder, nicht der Gesammtvorstand verantwortlich seien. Welche Mitglieder dies find, bezeichne das Kaffenstatut, und nach diesem find die zur Anmeldung Verpflichteten die beiden bereits verurtheilten Vors standsmitglieder. Er beantrage daher, die von der Staatsbe hörde eingelegte Berufung zu verwerfen. Der Gerichtshof trat aber der Auffaffung des Staatsanwalts durchweg bei, hob daher das erste Urtheil auf und verurtheilte die angeklagten acht Vorstandsmitglieder zu je 3 Mark ev. je 1 Tag Haft. " London, 8. September. Die Kriminalprozedur gegen die der Entführung der dreizehnjährigen Eliza Armstrong und Miß brauchs derselben zu verbrecherischen Zweden angeklagten Frau Rebetta Jarrett alias Mrs. Sullivan wurde gestern Nachmit tag im Buchtpolizeigericht in Bow- street fortgesezt. Gleichzeitig tag im Buchtpolizeigericht in Bow- street fortgesetzt. Gleichzeitig waren die übrigen Mitangeklagten erschienen, nämlich Mr. Wm. T. Stead, Redakteur der Pall Mall Gazette" und Vorfigen der der von diesem Blatte niedergefeßten geheimen Unter fuchungskommiffion in Sachen des Jungfrauenhandels; Mr. Sampson Jacques, Mitarbeiter der Ball Mall Gazette"; Frau Combe, ein Mitglied der Heilsarmee, nach deren Haus das Kind geführt wurde; Mr. Bramwell Booth von der Heilsarmee, der um die Entführung wußte und das Kind vor seinen Eltern verbergen half; und endlich Madame Louise Mourez, eine französische Hebeamme. Der Andrang des Publikums zu der Verhandlung war ein massenhafter. Fast jede Londoner Beis tung war durch einige Stenographen und Berichterstatter vertreten. Der Staatsanwalt, Mr. Poland, begründete die wider Stead und Konsorten erhobene Anklage in einer längeren Rede, die er mit der Bemerkung schloß, daß, obwohl der Eliza Armstrong feine Gewalt angethan und fte gütig behandelt wurde, die Angeklagten sich eines Vergehens schuldig gemacht hätten, welches das Gesetz streng bestrafe. Herr Stead habe erklärt, er sei allein verantwortlich; aber nach englischem Geseze könne Niemand die Verantwortlichkeit für von Anderen begangene verbrecherische Handlungen übernehmen. Sodann wurde zur Vernehmung der Belastungszeugen geschritten. Buerft wurde Eliza Armstrong verhört. Das Kind erzählte, wie es am 3. Juni von Rebetta Jarrett von seinen Eltern weggeführt, am nächsten Tage untersucht und sodann nach Paris in das dortige Hauptquartier der Heilsarmee, später aber nach Loriol im Departement Drome geschickt wurde. In Paris half Eliza in Gesellschaft anderer weiblicher Salutisten das Organ der Heilsarmee, den ,, War Cry", in den Straßen verkaufen. Als fie nach London zurückgebracht wurde, versuchte Mr. Stead fie zu bewegen, eine Stelle als Dienstmädchen zu suchen. Sie zog es jedoch vor, in das elterliche Haus zurüdzulehren. Der nächste Beuge war die Mutter des Mädchens, welche erflärte, daß sie es nur ungern gesehen, daß ihre Tochter fie verlassen, um angeblich in die Dienste der Jarrett zu treten. Sie habe schließlich unter der Bedingung eingewilligt, daß Eliza eine Woche auf Probe gehen sollte, und wenn sie es als dann vorziehe, länger zu bleiben, wöchentlich einmal an ste schreiben müsse, und daß sie ihr Kind im Monat einmal sehen müßte. Ihr Mann war, als er Abends nach Hause kam, sehr erzürnt darüber, daß Eliza das Elternhaus verlassen habe. Frau Armstrong betheuerte schließlich, daß fie von der Jarrett feinen Pfennig Geld empfangen habe. Die weitere Verhandlung wurde schließlich bis Dienstag vertagt und sämmtliche Ange flagten wurden inzwischen gegen Kautionsstellung auf freiem Fuß belaffen. Als dieselben den Gerichtshof verließen, wur den fie von der draußen versammelten großen Vollsmenge mit Bischen und Geheul begrüßt. bann erſcheint für fie die ſchöne Zeit, wo fie in der verklärten Soziales und Arbeiterbewegung. Gestalt des weihnachtlichen Gänsebratens auf dem Tische ers scheint und zu diesem Zwecke, meist wohl als Leiche, den Weg nach Berlin antritt. Der Thierschuß für diese schmackhaften Vögel scheint noch zu wünschen übrig zu laffen, denn zahlreiche Exemplare werden auf dem Bahnhofe für billigen Preis ver fauft, weil fie auf der Fahrt und wahrscheinlich in Folge des starten Einpferchens so bedenklich beschädigt find, daß ihr Weis tertransport nicht zweckmäßig erscheint. Aufsehen und Heiterteit erregte am gestrigen Nach mittage Unter den Linden ein Mann, welcher auf dem Rüden ein großes Plakat mit der Aufschrift trug: Diese Figur darf nicht angerührt werden." teimenden Wegen Kuppelei resp. Vernichtung keimenden Lebens wurden vorgestern früh die Frau des in der Seydel straße wohnhaften Schloffers B., sowie deren Schwester Frau Gr. verhaftet. Ein schwerer Unglüdsfall ereignete fich vorgestern Nach mittag auf dem Neubau Möckernstraße 105. In demselben Augenblic, als ein auf dem Bau beschäftigter Steinträger Johann Kaufhold zu ebener Erde mit dem Aufladen von Steinen zu thun hatte, fiel aus der fünften Etage ein Mauers stein herab und dem K. so unglücklich auf den Kopf, daß der Betroffene bewußtlos zusammenbrach. Kaufhold, welcher anscheinend einen Schädelbruch erlitten, mußte nach der Königlichen Charitee geschafft werden. Sein Zustand wurde dort als hoff nungslos bezeichnet. Gerichts- Zeitung. Wegen böswilligen Abreißens eines behördlichen Plakats von einer Anschlagsäule batten fich gestern zwei jugendliche Handlungskommis vor der 90. Abtheilung des hiefigen Schöffengerichts zu verantworten. Die beiden Angellag ten tamen in der Nacht zum 22. Juli cr. über den Hackeschen Markt und schlugen in übermüthiger Stimmung mit ihren Stöden nach der Anschlagsäule. Dabei zerstörten fie grade das rothe Platat des Kgl. Polizeipräsidiums, betreffend das Verbot eines Aufzuges bei der Beerdigung des Maurergesellen Fassel. Beide Angeklagte find der That geständig, fie behaupten aber, daß fie gar nicht gewußt hätten, nach welchem Blakat fte geSchlagen haben. Der Staatsanwalt beantragt mit Rücksicht darauf, daß blos ein gröblicher Unfug vorliege, je 6 Mart, der Die Aufsaugung des landwirthschaftlichen Kleinbetriebs durch den Großbetrieb macht auch in Deutschland größere Fortschritte. Der Kleingrundbefizer, der Bauer find nicht im Stande, den Wettbewerb mit dem großkapitalistischen Grundbefizer auszuhalten, der über alle Mittel der modernen Technik verfügt, der die Maschine, die Chemie, furz, die sämmtlichen Fortschritte der Agrifultur fich nußbar und dienstbar macht. Der Kleinbauer fält über furz oder lang dem Wucherer in die Hände, die Hypothekenlast erdrückt ihn, und eines Tages tommt er von Haus und Hof, sein Befit wird ausgeschlachtet", die Parzellen werden allmählich von den Latifundien aufgesogen, es werden die fleineren Grundstücke zu einem größeren Komplex zusammengeschlagen. Der Gang der Entwidelung ist am besten in England zu verfolgen, laufende Jahr noch verschlimmert. Die Flachsspinnerei hat sich sehr günstiger Verhältnisse zu erfreuen gehabt. Dagegen flöt der geringe Ausfall der legtjährigen Flachsernte in Rußland einige Besorgnisse für den Fall ein, daß die diesjährige Ernte kein besseres Ergebniß haben werde. Die Wollspinnerei war wenig lohnend und hat ihre Produktion einschränken müffen. Die Weißweberei litt in allen ihren Artikeln in Folge starten Angebots an unlohnenden, theilweise sogar verlustbringenden Preisen. Die Buntweberei hat auch nur ein mäßiges Er gebnis aufzuweisen, während das laufende Jahr bereits eine Verminderung der Produktion burch Abkürzung der Arbeitszeit nothwendig gemacht hat. Die Leinenweberei war voll und mit günstigen Absatzverhältnissen beschäftigt. Die Seiden- und Sammet Industrie hat in allen Zweigen ein ungünstiges Jahr zu verzeichnen, und ist für eine baldige Befferung noch wenig Aussicht vorhanden. Durch die Ungunst der Verhältnisse in der Sammet und Seiden- Industrie sind die Arbeiter sowohl auf mechanischen als auf Handstühlen in erheblichem Maße in Mitleidenschaft gezogen worden. Während im ersten Halbjahr noch volle Beschäftigung mit guten Löhnen gewährt werden tonnte, fanden für die Handweberei von September ab zahl reiche Entlaffungen statt, während die mechanischen Webereien im Oktober und November mit der Reduktion der Arbeitszeit folgten. Im Handstuhlbetriebe fielen die Löhne für Sammet und Sammetband um durchschnittlich 25 pet. und famen über ein Drittel der Stühle außer Betrieb, während die übrigen mit bedeutender Verminderung der Arbeitszeit beschäftigt waren. Es ist danach anzunehmen, daß am Schlusse des Jahres 1884 die Hälfte an Arbeit und Verdienft gegen den Anfang des Jahres vorhanden gewesen ist. In der mechanischen Stüd Sammet Weberei fielen die Löhne um 10 pCt. und reduzirten die meisten Webereien überdieß die Arbeitszeit; in der Sammetband Weberet arbeiteten nur noch ein Drittel der Stühle und diese ebenfalls unter Verminderung der Arbeitszeit. Die Bucker Industrie hatte unter der allgemeinen Kriftis ihres Zweiges schwer zu leiden. Die Hilfs induftrien der Textilindustrie, Druderei, Färberei und Appretur, Maschinenfabriken u. a. waren in voller Thätigkeit mit günsti gen Ergebnissen. Der wirthschaftliche Erfolg der gewerblichen Thätigkeit unseres Bezirks ist daher nach den einzelnen Bweigen derselben ein verschiedener. Jm großen und ganzen darf aber eine wirthschaftliche Kräftigung, wenn auch in mäßigem Umfange für das Jahr 1884 anzunehmen sein." Also überall Rüd gang der Produktion, das heißt, Freiseßung" zahlreicher Arbeits fräfte, Lohnsenfung, d. h. Verschlechterung der wirthschaftlichen Lebenshaltung des Arbeiters, furz, man erkennt den Fortschritt der Maffenarmuth. Nichtsdestoweniger nimmt der Bericht eine wirthschaftliche Kräftigung in mäßigem Umfang an. Wenn dieselbe thatsächlich sich eingestellt hat, so bedeutet fte eine Stärkung des Kapitalismus, eine Verbesserung der Lage der Unternehmer. Ein ähnliches Bild wie in Stuttgart, wo die armen Aktionäre", wie wir vor Kurzem nachgewiesen haben, ja froß der schlechten Beiten auch fette Dividenden eingestrichen haben. Es geht dem Arbeiter nicht immer gut, wenn die Fabrikanten fich recht wohl befinden. % Vereine und Versammlungen. hfs. Eine öffentliche Versammlung der Buchbinder und Berufsgenossen tagte am Montag Abend Alte Jakobftraße 75. Auf der Tagesordnung stand: Wie verhalten sich die Arbeitgeber zu der Forderung der Buchbinder, betreffend die Sonntags- und Ueberfeierabend Arbeit?" Referent Mehnen erörterte eingehend die aus der Ueberfeierabend und Sonntag Arbeit entspringenden Mißstände, um schließlich an den nungsvorstand das Ersuchen zu richten, derselbe möge mit dem Unterstügungsverein der Buchbinder behufs Beseitigung jene Uebels Hand in hand gehen. Für Ueberfeierabend Arbei müsse, wo sie unvermeidlich, mindestens ein Lohnzuschlag vo 20 pCt., für ausnahmsweise Sonntagsarbeit ein solcher vo 33% pet. gewährt werden, nachdem bekanntlich diese Forde rungen den Leipziger und Stuttgarter Gehilfen bereits bewillig seien. Die Herren Obermeister Pietsch und Hoppenworth e flärten fich im Großen und Ganzen" mit diesen Forderungen der Gehilfen einverstanden. Letterer wünschte sogar die Ab schaffung der Sonntagsarbeit durch gesetzliche Regelung und versprach, die betreffenden Gehilfenforderungen auf die Tages ordnung der nächsten Jnnungs Quartalversammlung zu ſeßen hiergegen wurde jedoch von Seiten verschiedener Redner der Gehilfenschaft das Bedenken ausgesprochen, daß diefe Termin als verspätet zu betrachten. Herr Freudenreich richte an den Junungsvorstand die Bitte, für die Sache schon einer in 8 Tagen einzuberufenden öffentlichen Versammlung der Arbeitgeber wirken zu wollen. Als nun aber Herr Hoppen worth die Erklärung abgab, daß er hierzu außer Stande se sahen sich einzelne Redner zu scharfen Angriffen auf die Innung veranlaßt, worauf alle anwesenden Innungsmeiste demonstrativ den Saal verließen, in welchem indeffen die Ver handlungen ungestört ihren Fortgang nahmen. Der Vorfigende theilte mit, daß ihm von Seiten des Innungsvorstandes da Versprechen gegegeben wurde, der Vorstand des Buchbinder Unterstüßungsvereins werde zur nächsten Quartalsversamm lung der Innung eingeladen werden. Schließlich nahm die Versammlung folgende Resolution an: heutige Versammlung erklärt, die Ueberfeieraben ift Sonntagsarbeit Hauptgrund der brückten Lage der Buchbinder Berlins. Sämmtliche anwesende Meister und Gehilfen erklären, ihr Bestreben dahin zu richte die Ueberfeierabend und Sonntagsarbeit zu beseitigen. B zur Erreichung dieses Bieles fordern die Gehilfen für Ueber stunden bis 10 Uhr 25 pCt., nach 10 Uhr und für Sonntag arbeit 33% pet. Lohnzuschlag. und ein in Die Bis hfs. Die Wahl des„ Gehilfeu- Ausschusses" der Tape zirer- Innung, die vor einigen Tagen in einer vom Obe meister Briem einberufenen General Versammlung der Tape zirergehilfen vollzogen wurde, dürfte wohl als ein unitum ihre Art zu bezeichnen sein. Bekanntlich enthalten wohl sämmtliche nungsstatuten so auch die der Tapezirer Jnnung nungsstatuten treff der Wahlberechtigung und Wählbarkeit zum„ Gehilfen in Be und die tapitalistischen Pächter auf der einen, lich, daß zur Wahl oder zur Wählbarkeit nur solche Gehilfen Latifundienwirthschaft, die Großgrund Ausschuß" gewiffe einschränkende Bestimmungen, so nament 100 bereits die herren Die Bei uns vollzieht der Berbröckelungsprozeß, wie gesagt, fich bereits lebhaft genug. Im pommerschen Kreise Neustettin waren Ur. Was D den S priesen tamme daß a Stelle entgeg bericht 1883 grade Schwi leinste dabei aber frieges Statisti Statis To zuf felben 22-2 denen ben h Turren ber W und S ben v fich d nahme Die C flächli Scheine Versa Anga zu Kl werth rischer Streng duſtri Balan Hand streng auf d durch Burüc wird, Dieses ist de ben i produ Linie Nach berg ausge barun Jahre Mr. Jahre Bebe Deut und Sonn Repre Staat Bollto Nord stärkt. angez Ausl Böllen werde Bollfa fabrer Brei feinen aber ber g eget Laub ber mir e mir 1 gebor Scha Indi hören ber Thür bie Lehrzeit durchgemacht oder so und so lange bei einem solchen gear beitet haben. Im hies. ,, Verein zur Wahrung der Intereffen von den bei Regulirung des Befizes vorhanden gewesenen Tapezirer" war man dieser statutarischen Bestimmungen wegen 2402 spannfähigen Bauernhöfen im Jahre 1878 nur noch übrig dahin übereingekommen, die Wahl eines Gehilfen Ausschusses mit allen gefeßlichen Mitteln zu hintertreiben, sobald irgend eine diefe Einschränkungsbestimmungen bei der Wahl Geltung behalten sollte, andernfalls dagegen, wenn nicht die betreffende Wähler General Versammlung der Gehilfen anders beschließen sollte fich an der Wahl zu betheiligen. Zum Erstaunen aller in der 1031 öfe; 1306 waren zerstückelt und 65 von benachbarten Rittergütern aufgesaugt worden. In der Proving Schlesien find nach einem Berichte des Ober- Präsidenten zwischen 1850 und 1880 verschwunden 4923 Bauerngüter mit einem Areal Don 194 855 Settar. Und so fort mit Grazie! In der Eisengießerei von Meyer u. Weichelt in LindeTei war ( Unt Stens ½ S Gerä 2 Aus über Da Du Dieser Streit steht jedensfalls mit der Lohnbewegung der For- tigte Tapezirergehilfe wahlberechtigt sein solle. Der Gehilfe mer in Verbindung. * Zur Aera des wirthschaftlichen Aufschwungs liefert der Jahresbericht der Handelstammer München Gladbach für 1884 einen interessanten Bei 3 น find im allgemeinen nicht so günstig wie die des Vorjahres und theilweise sehr unbefriedigend gewesen. Mit Ausnahme der Seiden und Sammet- Industrie ist zwar in allen gewerb. Herr Seidel bekämpfte die Wahl des Gehilfen schuffes, da letterer wie die ganze Innung haupt teinerlei ernsthafter Bedeutung sei. Don solle oder nicht. Dabei stimmten 81 für, 69 gegen allges die Versammlung dem Redner lebhaften Beifall gezollt batte trag. Es heißt in demselben:„ Die Ergebnisse des Jahres 1884 wurde, bevor man zur Wahl schritt, erst noch im Prinzip dar über abgestimmt, ob man fich allgemein an der Wahl betheiligen meine Wahlbetheiligung. Aus dem hierauf vorgenommenen lichen Zweigen eine lebhafte Thätigkeit entwidelt worden; in Wahlakte selbst gingen sämmtliche vom Verein zur Wahrung der Baumwollenspinnerei waren alle Spindeln beschäftigt, aber baten als gewählt hervor. Von denselben soll lein einziges vieler Hinsicht ergab sich dieselbe aber als wenig lohnend. In der Intereffen der Tapezirer Berlins" aufgestellten 9 Rand den in den gedachten Paragraphen des Innungsstatuts enthal sowohl die Water als die Mule- und Cops- Spinnerei hat sich wenig lohnend gestaltet, und haben sich die Aussichten für das tenen Bestimmungen entsprechen. Verantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Irud und Verlag von Mar Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Bella finge linte einen woll es m mir beffe mir Klei um Berliner Bottsblutt Nr. 212. Freitag, de« 11. Septemder 1883. II. Jahrg. i Vis ein HnndelÄnimer Kmcht erzählt. (Hamb. Bürger, eituna".) Die„Aera des wirthschastlichen Aufschwungs" wird von «n Schuv, öllnern und ihren Skribenten auf das Feurigste ge- Mesen. Die„Norddeutsche Allgemeine" versteht es, Handels- kammerben chte so wunderbar aufzustutzen und zu verbeffern, W an Stelle dunkler Schatten das belle Sonnenlicht, an Tlelle drückender Kälte der paradiesische Frühling Italiens uns «ttgegenlächelt. Was sagt das verchrliche Blatt zu dem Jahres- bmch: der Handels- und Gewerbekammer zu Sonneberg pro WS3 und 1884, in dem es u. A. heißt: ---„Unsere Industrie und unser Handel hatten grade in dm letzten Jahren mit großen, außerordentlichen vchaneligkeiten zu kämpfen, Schwierigkeiten, welche nur zum kltmstm Theil in den Geschäftsverhällntffen selbst und in den dabei unvermeidlichen Schwankungen liegen, in der Hauptsache aber ihren letzten Grund in den Folgen des entbrannten Zoll- krieges sinden. Diese nachtheiligen Folgen find leider durch statrstisches Zahlenmaterial nicht nachzuweisen, weil eben die Statistik des Deutschen Reichs„Spielwaaren" als solche nicht fo zusammenfaßt, daß ein Gesammtbild entstände, sondern die- stlben trotz unserer häufigen Anregung hiezu immer noch in £2—24 Ernzelpofitionen vertheilt. Durch die in den verschie- denen Berichten über die einzelnen Länder erwähnte und unter den hier obwaltenden Verhältniffen sich immer steigernde Kon- «rrenz, ist in den letzten Jahren leider eine große Entwerthung der Waarm eingetreten, so daß der Nutzen, welcher Fabrikanten Und Kaufleuten bleibt, nicht mehr entfernt im Verhältniß zu dm vielen Mühen und Schwierigkeiten steht, die an und für sich das Spielwaarengeschäft mit sich bnngt. Einige Aus- «ahmen mag es auch hierbei geben, doch können dielelbm für die Gesammtverhältniffe nicht maßgebend sein. Bei ober- flachlicher Beobachtung möchte es Fcrnerstehenden vielleicht er- Meinen, als wenn bei der großen Menge der alljährlich zum Bersandt gelangenden Kisten und bei den mit den früheren Angaben ziemlich gleichen Gewichtsmengcn das hiesige Geschäft iu Klagen nicht Veranlassung gebe; allein bei der großen Ent- werthung der Waarm würde ein solcher Schluß ein trüge- nscher fern. Ueberhaupt ist es nur durch außerordentliche An- flrrngungen und durch Einführen und Emporheben neuer In- dustnezweige— wir erwähnen nur gekleidete Puppm, Holz- Galanteriewaaren, Farbkasten— ermöglicht worden, Sonnebergs Handel auf seiner bisherigen Höhe zu erhalten. Solche An- strmgungen und die angespannteste Rührigkeit vermögen aber «uf die Dauer einem Rückgang nicht vorzubeugen, wenn nicht durch Handelsverträge und ein durch drese herbeizuführendes Zurückgehen auf die alten Zollsätze die Möglichkeit geboten wird, die verlorenen Absatzgebiete wieder zu gewinnen/" Eonneberg, die Kreisstadt des meininger Oberlandes, dieses Hauvtsitzes der deutschen Spielwaaren- Hausindustrie, ist der Zmtralpunkt, der Handels- und Stapelplatz für die von dm in jämmerlichsten Verhältnissen lebenden Hausindustriellen produzirtm Spielwaaren. Der Handel Eonnebergs ist in erster «rne Exporthandel. Das Hauptabsatzgebiet bildet gegenwärtig Nordamerika. Nach den Regtstrirunaen deS Ver. Staaten- Konsulats in Sonne- derg wurden 1876/7? aus Thüringen nach den Ver. Staaten ausgeführt an Puppen und Spielwaaren für Mt. 1 377 446, darunter aus Sonneberg allein Mk. 713 694; in den folgenden Jahren 1877/78, 1878/79, 1879 80 hob sich der Export auf Mk. 1302 996, Mk. 1859 320, Mk. 2 662 068, also binnen drei Iahren bis auf das Doppelte. Als Importland fast von gleicher Bedeutung wie die Ver. Staaten reiht dann England sich an, Deutschland und die übrigen Länder kommen erst in dritter Und vierter Reihe in Betracht. Schon seit Jahren klagt die Sonneberger Handlung über die Schutzzollpolitik, welche als Repression gegen die deutsche Schutzzöllnerei in den meisten Staaten zum Durchbruch kommt. Oesterreich. Ungam hat seinen Zolllarif erhöht, Frankreich ist nachgefolgt, Rußland, Spanien, Nordamerika haben ihre hoben Zölle behalten oder noch ver- stärkt. Und je straffer im Deutschen Reiche die Zollschraube «igezogen wird, um so energischer ist die Retorfion des Auslanves. Man darf nicht vergessen, wer von den Spielwaaren- s«llm am meistm geschädigt wird. Exporteur und Importeur werden in ihren Transallionen vielfach gehemmt und bei hohen Zollsätzen vielleicht gezwungen, einen Thcil ihres Gewinnes kahren zu lassen, aber in ihren Händen liegt durchgängig die Preisbestimmung, zwar nicht gcgmüber dem Publikum, das Wnen LuxuSvervrauch an Spielwaaren einschränken kann, wohl Obr gegenüber dem kleinen Haus industriellen, •er genölhigt ist, um jeden Preis seine Waare loszuschlagen, «-exekutirt vom Hunger". In der Regel dürfte ein mäßiger ■�ii i--------- Gesängen bei ben slnmM Indinnern., Sorglol saß ich im Sommer 1876, so erzähl! Emil «Mbuch in der Ä. H. Z., in meinem Häuschen im Süden »er Provinz Buenos-AireS bei offener Thür und klimperte Air einige altspauische Melodien auf der Tuitarre vor, um Air die Zeit zu vertteiben. Mein einziger Gefährte, ein ein- Lborener Knecht, war in den Camp geritten, um meine Schafe und Pferde zu hüten. Ohne auch nur das Geringste von einem beabsichtigten Ändianereinfall zu vermuthen und ohne Pferdegettappel zu 'ren, sah ich plötzlich einen Haufen Indianer vor meiner litte. Im Augenblick lag meine Guitarre am Boden und '• in einer Ecke stehende geladene Martini-Hemy-Büchse Aar in meiner Hand... „Schieße nicht, ergieb Dich nur," rief mir ein Kazike illnterhäuptling) zu. _ Ich trat vor die Thür und sah mein HauS von wenig« stkn« 500 Indianern umringt. Dieselben waren über einen Kilometer entfernt liegenden Hügel defilirt und ohne Geräusch langsam beim Hause angekommen. �„Du kannst Guitarre spielen," sagte der Kazike,„kannst ~u auch dies machen?" und dabei machte er>nit dem Zeige- stuger der Rechten das Zeichen des Schreibens auf seiner ttnken Hand.„Gut, Namuncur�(der Oberhäuptling) braucht Anen Schreiber, komm her, steig zu Pferde." Mein eigenes Pferd stand vor der Thür gesattelt, doch Aollten die Indianer mich dasselbe nicht besteigen lassen, da � wir zum Ausreißen hätte dienen können, sondern gaben einen alten Gaul, den ich satteln mußte. Während Assen waren die Indianer in mein Hau» gedrungen, hatten ??* die Guitarre auf's Pferd gereicht, einen Koffer mit Widern, amtlichen Papieren und Briefschaften, welche ich die Zoll vom Arbeiter allein getragen werden, wohingegen ein starker Zoll auf Arbeiter und Händler zugleich fällt, da er den Export der Waare bedeutend vermindert, wo nicht überhaupt unmöglich macht. So lange eS irgend angeht, den Zoll auf den Arbiter überzuwälzen, bemerkt der tteffliche Geschichts- schreibcr der thüringischen Hausindustrie, Emanuel Eax*"), vereinigen sich gleichmäßig die Interessen von Konsument und Händler, diese Wirkung herbeizuführen; der Konsument will dillig kaufen, der Händler billig, d. h. massenhaft verkaufen. Erst wenn es absolut nicht angeht, den Waarenpreis beim Spielwaarenmacher tiefer zu drücken— weil das Minimum vielleicht schon erreicht oder gar unterschritten ist— erst dann werden Exporteur und Importeur versucht sein, die Zollerhöhung dem Publikum aufzuhalsen. Um auf das Gesagte zu exemplifiziren, belegt der französische Tarif vom 8. Mar 1881 die Bimbeloterie(Spielzeug) aller Art mit einem Ge> wichtszoll von 60 Franks für 100 Kilo, d. i. bei besserer Waare vas 4—6 fache, bei gröberer das 8— 10 fache des bisherigen Werthzolles von 10 pCt. Für mindere Spielwaaren kommt dies einem Einfuhrverbote nahezu gleich, denn es ist unmöglich, die bei dieser Sorte von Spiet- zeug ohnedies üblichen Hungerpreise dem Arbeiter wesentlich zu reduziren; eS müßte also der riesige Zoll von 80—100 pCt. fast gänzlich vom Kaufmann getragen werden. Bei feinerer Waare wird vor Allem eine Preisreduktion gegenübee dem Arbeiter, dem Sonnebcrger Bosfirer und Täuflingsmacher eintreten, in einzelnen Fällen werden vielleicht Sonneberger Exporteure und französische Importeure sich mit minderem Ge- winn bescheiden müssen. Von einer Preiserhöhung gegenüber dem französischen Konsumenten kann bei der starken Pariser Konkurrenz und bei der Eigenthümlichkeit des Spielwaaren- Marktes kaum die Rede sein. Die Spielwaaren werden dort in Bazars verkauft zu 2, 6, 13, 27 oder 29 Sous; der Bazar- inhaber bietet dem Publikum möglichst ansehnliche, in die Augen fallende Gegenstände an; je höher der Preis, um so eklatanter die Waare. Mit Rücksicht auf Geschmack und Kauf- kraft seines Publikums und auf die eigenen Gestehungskosten reiht er die Bimbeloterie in die verschiedenen Preisgruppen und wird selten im Stande sein, bei veränderten Gestehungs- kosten eine Verschiebung in der Preisskala nach oben vorzu- nehmen. Wie groß die Exportziffer von deutschen Spielwaaren ist, läßt sich bei dem auch im oben zitirten Jahresbericht der Sonne« berger Handelskammer gerügten Umstände, daß in dem amtlichen Waarenverzeichniß der Artikel„Spielwaaren" in eine ganze Anzahl Waarenklaffen vertheilt ist, leider nicht genau bestimmen. Doch wird von sachverständiger Seite der mittlere Jahres- Umsatz in Sonneberger Spielwaaren auf Mk. 10 bis 12 Mill. geschätzt. Die Eonneberger Handelsherren plaidiren natürlich in ihrem Bericht, in ihren Klagen über die chinesische Schutzzoll- mauer Deutschlands und über den Zollkrieg in erster, zweiter und dritter Linie für sich. Wir find nicht die Anwälte der fünfzig Eonneberger Großhändler und Millionäre, in deren Händen das Spielwaarengeschäft vereinigt ist. Wir treten für die Tausende von Arbeitern und deren Familien in die Schranken, die in drückendster Roth, unter den unsäglichsten Entbehrungen ihr Dasein fristen— bei günstiger Geschäftslage. Das meininger Oberland ist der Sitz einer Hausindustrie, deren Zustände typisch sind für die Wirkungen dieser WirthschaftSform überhaupt. Beschäftigung und zwar tollste Ueberarbeit während der Saison, dann wochen- und monatelang gezwungenes Feiern und Hungern, enorm langer Arbeitsiaa, 14, 16, 18, 20 Stunden, crbämlrchste Löhne, Woh- nungSveryältnisse, wie sie grauenhafter in dem Urproletarier- viertel Londons, in East-env, nicht gefunden werden können, erschreckend große Morbilität und Sterblichkeit, unerhörteste Ausnutzung der Frauen« und Kinderarbeit. Nur einige Belege wollen wir anführen. Im Durchschnitt der 5 Jahre 1873—1877 waren von je 100 Gestorbenen im Alter unter 6 Monaten im Kreise Sonne- berg 22,42, im Kreise Meiningen**) 15,07, in allen 4 Kreisen des Herzogthums 18,74. In derselben Periode entfielen auf je 100 Lebenvgeborene vor vollendetem 1. Lebensjahr gestorbene Kinder im Kreise Eonneberg 18,2, im Kreise Meiningen 14 2, im Herzogthum 16,2. Es betrug die allgemeine Sterbeziffer auf je 1000 Bewohner im Kreise Sonneberg 25,2, in der Stadt 23,7; im Kreise Meiningen 23,4, in der Stadt 21,32; im Herzogthum 23,4. Fast Vre Hälfte aller im Alter von über 15 *) E. Sax, die thüringische Hausindustrie, I. Theil; Das meininger Oderland, E. 29/30. *♦) Statistik des Herz. S-Meiningen. 7. Die Kindersterb- lichkeit. 1881, S. 222. bald vom Winde in alle Richtungen zustreut sah, aufgebrochen, meinen Proviant hinausgeschleppt und einen angezündeten Fettlappen unter daS Strohdach gesteckt. Wir waren noch nicht einen halben Kilometer davon- geritten, als auch schon daS Haus in hellen Flammen stand, und ich zu Pferde die Tuitarre dazu spielen mußte. Die Indianer waren bereits von einem Einfalle auf Umwegen zurückgekehrt, also auf dem Heimweg begriffen und als wir an meiner Heerde, die ich nie mehr wieder- sehen sollte, vorbeiritte», fiel es ihnen ein, noch etwa 100 Schafen da» Fell der Wolle halber abzuziehen und auf Last- thiere zu laden, was in Zeit von einer Viertelstunde vor sich ging. Mein Schäfer hatte sich, wie ich später erfuhr, noch gerade rechtzeitig aus dem Staube gemacht. Fort ging es direkt auf eine Pulperie(Landschenke) loS, die einem Italiener Namens Trotta gehörte. Die Thüren derselben standen sperrwett offen. Als Christ wurde ich vor- angeschickt, um so sehen, ob nicht Verrätherei hinter den Thüren im Spiele war. Alles jedoch blieb ruhig, die Zn- dianer langten an und stiegen ab. Durstig und begierig nach geistigen Getränken, zwangen sie mich, Kognak, Absinth, Mermuth, Genever, Kanja(brasilianischen Rum), französischen, spanischen Wein und andere Gettänke ihnen vorzutrinken, da dieselben hätten vergiftet sein können, was schon öfters passirt war, um Indianer zu tödten' jedoch kannte ich sofort an den Korken und Kapseln, daß nicht» von dergleichen Dingen vor- gefallen war. Der Eigenthümer konnte übrigens nicht weit sein, wie die Indianer richtig annahmen, weshalb sie sofort alle Räumlichketten untersuchten und den Herrn Trotta auch ganz gemüthlich in seinem Waarenlager in einem leeren Wein- fasse versteckt vorfanden. Unter Hohngelächter zogen sie ihn nach dem Laden, ihn mit Lob überhäufend, wobei sie hervor- hoben, daß er ein sehr guter Mann wäre, der für die armen Indianer arbeite. Demnächst forderten sie ihn spöt- Jahren Sterbenden geht an Lungenkrankheiten, dem Proletarier leiden, zu Grunde. Nach Sax starben in Eonneberg im Alter von über 15 Jahren: davon an Lungenkrankheiten m. 19 23 15 17 26 100 w. 21 14 13 6 20 74 zu1. 40 37 28 23 46 174 in pCt. 43.78 45,68 38,35 32.85 50,55 43,83 Das Hauptkontingent zu dieser entsetzlichen Menge Lungen» kranker liefern die Bosfirer und Drücker. Bei der Bereitung der PapiermachS aus Lumpen, Schlemmkreide u. s. w., beim Trocknen der Figuren, beim Abraspeln der VerbindungSnäthe und beim Putzen entwickelt sich so viel mineralische Bestand- theile enthaltender Staub und Gestank, daß Lungenkatarrhe und Lungenschwindsucht als Lohn der Arbeit sicher find. Wen können diese erschreckenden Ziffem in Verwunderung setzen, der nur ein wenig daS Treiben der Hausindustrie kennt! In der kurzen Zeit von 3—4 Monaten, in der„Sai- son", soll der Unterhall für das ganze Jahr geschafft werden' man arbeitet monatelang oft 18—20 Stunden täglich, und zwar in Räumen, niedrig, eng, schmutzig, unventilirt, die als Arbeirs-, Wohn-, Schlafzimmer und als Küche zugleich, öfters nicht blos für eine, sondern für zwei Familien dienen. Und die Nahrung? Aus Eonneberg stammt der charalte» ristische Spruch: „Kartoffeln in der Früh', „DeS Mittags in der Brüh', „Des Abends mitsammt dem Kleid, „Kartoffeln in alle Ewigkeit!" Die Entartung, die physische und geistige, deS Arbeiters, der von zarter Jugend, oft vom dritten Lebensjahre an, in das Joch gespannt wird, ist dadurch leicht erklärlich. Die Löhne find, wie bereits erwähnt, kaum hinreichend, um ein Vegetiren— denn Leben ist dies nicht— möglich zu machen. Der Wochenverdienst eines vollbeschäftigten Bosstrcrs mit Weib und Kind stellt sich auf M. 12—15, der eines Drückers auf M. 7—9. Und wohlverstanden, die Arbeit ist an die 3—4 Monate der Saison gebunden, dann kommt die lange Periode der Arbeitslosigkeit oder der mangelhaften Beschäftr- gung. Schulze-Delitzsch und ihr anderen Harmonicapostel, ist das nicht musterhattes Sparen? Sax berichtet von einem Schachtelmacher, der, wie die Ar- beiter dieser Branche durchgängig, das Holz selbst kaufen muß. Derselbe hatte für M. 140,60 13 Meter Holz erstanden. Daran haben gearbeitet: 2 Männer, ein Jüngling von 23 Jahren» ein Mädchen von 17 Jahren, außerdem mehrere kleine Kinder. Das Holz war aufgebraucht in 168 Arbeitstagen, der Arbeitstag für die Erwachsenen betrug durchschnittlich 17 Stunden (Essenszeit abgerechnet). Es wurden aus dem Holze Schachteln in verschiedenen Größen und Sorten gefertigt. Der Gesammt- erlös betrug M. 525,70. Davon ist abzurechnen: für Holz............... M. 140,60 für Beschaffung des Holzes vom Wald inS HauS.„ 30,— für Leim...............„ 12,— für Beleuchtung............„ 8,40 Summa: M. 191,— Es verbleiben demnach als Verdienst Mk. 525,70— 191 = 334,70, oder auf den Kopf der Erwachsenen Mk. 83,7. DaS macht bei siebenzehnstündiger Arbeitszeit einen Tagesverdienst von noch nicht 50 Pf. Wir glauben, diese skizzenhaften Bemerkungen genügen zur Kennzeichnung der Lage der Arbeiter im Kreise Sonneberg. Die deutsche Schutzzollpolitik, die das Ausland zu Kampf- zollen und Zollkämpfen Direkt herausfordert, hat die unmittek- bare Folge, die wirthschaftliche Lebenshaltung dieser Armen noch tiefer herabzudrücken. Wir haben oben gezeigt, daß der Schutzzoll vor Allem und am härtesten den Arbeiter trifft. Der Unternehmer entschädigt sich auf Kosten des Hausindustriellen, und macht sogar dabei noch Extraprofite. Nun ist aber die «- T______ rr»».»»•-—--•- Lage der Sonneberger Arbeiter eine so klägliche" daß , Standard of Life" derselben noch tiefer herabdrücken, o den viel „'Stunvarv v, tue oeriewen nocy neter yeraddrücken, so viel bedeutet, als dieselben völlig pauperifiren, verthieren, dem jähen Untergang zuführen. Man bedenke ferner, daß eine organistrte Arbeiterbewegung dort so gut wie gar nicht existirt» daß die Arbeiter zersplittert, isolirt den Angriffen des übermächtigen Kapitals und des mit diesem alliirten Zolltarifs aus» gesetzt sind. Und doch Schutzzölle! Wer es gut meint mit dem Volk, der stimme ein in den Ruf: Fort mit solchen Schutzzöllen! der tisch auf, gütigst den Verkauf der gewünschten Artikel selbst zu übernehmen und Rechnung darüber zu führen. Zeder verlangte nun, was er wollte, und Trotta mußte nolens volens anschreiben; als ihm dies jedoch schließlich überflüssig erschien, gab ihm ein Indianer ein paar Rippenstöße und sagte, er tauge nicht zum Kaufmann, er(der Indianer) wolle selbst Rechnung führen und fing auch wirklich an, wunder- volle Hahnenfüße auf's Papier zn malen. Der arme Trotta versteckte sich wieder irgendwo und wir zogen, reich beladen mit dem Raub, wieder ab, ohne da» HauS weiter zu belästige«. DaS ist nämlich In dian ermanier; wo dieselben ohne Wider- stand genügend stehlen können, sind sie großmüthig, sie wün» schen, daß der Herr für eine andere Gelegenheit wieder sich etwas für sie erworben haben möchte. Da unser Maisch mit Lastthiere« im Ganzen langsam vor sich ging, so wurden Leichtberittene in allen Richtungen vorausgesaadt, um bi» dahin nicht durchsuchte Häuser zu unter« suchen, und dieselben langten bald mit gefangenen christ- lichen Frauen und Kindern an. DaS ist bei solch m Ein» fällen vielleicht der größte Jammer, der selbst ein steinerne« Herz erweichen kann. Tag und Nacht ging der Marsch im Trott und Galopp vorwärt« gegen Westen; am zweitfolgea- den Tage spät kamen wir in den Wäldern an, wo das Zelt- lager der Indianer war und wir wurden mit Jubelgeschrei von Seiten der Jndianerstauen empfangen. Die Zelte sind von ausgespannten und zusammen- genähten Pferdehäuten gemacht. Vier Pfähle mit Querbalken darüber bilden die ganze Baukonstruktion. Ein Dach untt eine Wand, die je nach dem Winde umgesetzt wird, bilden das Zelt. Der Oberhäuptling hatte indessen eine Reihe von zu- sammenhängenden Zelten, die man schon mehr Räume mit spanischen Wänden nennen konnte. Namuncura war als Knabe auf Regierungskosten in Buenos-AireS erzogen und trete ein in den Kampf für eine gesunde, durchgreifende Arbeiter- � �Der�eser jfeljt aber daraus, was ein Handelskammerbcricht erzählt._ Lokales. Gleiche Brüder, gleiche Kappen. Für den Unbethei- ligten ist es immer ein seltsames Schauspiel, wenn zwei Ha- dernde fich gegenseitig ihre Sünden vorwerfen.„Haust Du meinen v. Schlieben, bau ich Deinen Rosenbaum"— so beißt es jetzt zwischen der„Staatsbürger- Zeitung" und dem„Ber- liner Tageblatt", und wahrlich, Erbaulichkeiten sind es gerade nicht, Vre bei diesem Streit zu Tage treten. Die„Staats- bürger« Zeitung" rüffelt das„Berlmer Tageblatt" in ihrer gestrigen Nummer in folgender Weise ad: „Wer im Glashause fitzt, soll nicht mit Steinen werfen, das hätte das„Berl. Tagebl." beherzigen sollen, che es fich ebenfalls in die Entrüstungspofitur betreffs der Affaire Lerche in Nordhauscn warf. Dasselbe beginnt nämlich eine Note hierüber folgendermaßen:„Mit wel- cher Sorte von Ehrenmännern liberale Männer fich oft- mals herumzuschlagen genöthigt find, lehren die Ver- unglimpfungen, deren fich der deutschfreifinnige Abge- ordnete, Amtsgerichtsrath Lerche in Nordhausen i. Th. zu erwehren hat. Dieser als Mensch und Bürger wie als pflichttreuer Beamter und überzeugungs- voller Politiker gleich hochgeachtete Abgeordnete war seit einiger Zeit ver Gegenstand der schmutzigsten Ver- unglimpfungen von selten eines Herrn Rich. v. Schlieben, den gewisse hohe Gönner in die Redaktion des kon- servativen„Nordhauser Kouriers" hineinbugfirt hatten." Dann berichtet das genannte Blatt die bereits in der letzten Nummer von uns mitgetheilte Affaire und schließt hieran die Mittheiluna der„Nordh. Ztg.", daß der ge- nannte Herr von Schlieben in seiner früheren Eigen- schaft als Postbeamter und Telegraphist durch Erkennt- niß des Kreisgerichts zu Kroffen vom 20. Juni 1876 wegen wiederholter Unterschlagung ihm amtlich anver- trauter Gelder und Sachen zu 1 Jahr 6 Monaten Ge- fängniß und Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von 2 Jahren rechtskräftig ver- urtheilt worden sei.— Letzteres ist richtig, und nachdem dies jetzt bekannt geworden,— bisher hat man selbst in den Herrn von Schlieben näherstehenden Kreisen keine Ähnung davon gehabt,— ist Herr v. Schlieben sowohl aus der Revaktion des„Nordh. Kourier" wie aus dem konservativen Vereine zu Nordhausen entfernt worden. Wie aber grade das„Berl. Tageblatt" dazu kommt, hierüber so entrüstet zu thun, muß füglich Erstaunen erregen. Oder erinnert fich das„B. Tgbl." vielleicht nicht mehr, daß es jahrelang einen Mitarbeiter hatte, von dem es wußte, daß er mit Zuchthaus be- straft war? Findet das„Berl. Tagebl." vielleicht nicht bei genauerem Nachlesen, daß auch ihm eine Person nicht fem steht, welche mit v. Schlieben ein ganz ähnliches Schicksal theilt? Weiß endlich das„Berl. Tgbl." gar- nicht, wer der Verfasser des Schmähartilels gegen Heim Stöcker in der„Freien Zeitung" war? oder müssen wir das„Berl. Tagebl." vielleicht erst an einen gewissen Dr. Rosenbaum erinnern, gegen den das„Berl. Tgbl." selbst seinerzeit fulminante Artikel losließ, weil er eine sogenannte Doktorfabrik besessen, und dem es so stark zusetzte, daß sogar eine Beleidigungsklage zwischen diesem Dr. Rosenbaum und dem Redakteur des„Berl. Tgbl.", Herrn Perl, daraus entstand, die aber mit der Eini- gung der Parteien und merkwürdigerweise sogar damit endete, daß derselbe Dr. Rosenbaum, ein gefinnungs- tüchtiger Fortschritlsmann, in der Redaktion des„Ber- liner Tageblatt" Beschäftigung fand V Kennt das„Berl. Tagebl." vielleicht auch nicht den Ausgang des zu der- selben Zeit spielenden Beleidigungsprozesses desselben Dr. Rosenbaum gegen den Oberlehrer Dr. Oberbreyer in Magdeburg, den Dr. Rosenbaum aus demselben Grunde angestrengt hatte, wie den gegen Herrn Perl, der aber nicht zu einer Einigung der Parteien führte, sondem damit endete, daß der Kläger Dr. Rosenbaum kostenpflichtig abgewiesen, der Beklagte Dr. Oberbreyer aber wegen seines energischen Vorgehens belobt wurde? Hat das„Berl. Tagebl." ein so kurzes Gedächtniß, daß ihm alle d'ese Vorgänge, die doch sein eigenstes Jnter- esse so tief berührt haben, entfallen sein sollten? Ist dies der Fall, so möge es sein Gedächtniß etwas auf» frischen, dann aber die Welt mit seiner Talmi- Entrüstung verschonen; fie steht ihm zu schlecht an." Schmeichelhast find diese„Enthüllungen" für beide Theile ge- rade nicht, Verde hätten jedenfalls besser gethan, ihre Partei- männer ruhig in die Tasche zu stecken und zu schweigen. Man ficht aber, daß fich Konservative sowohl wie Deutschfreifinnige nicht viel vorzuwerfen haben, fie scheinen über die gleiche An- zahl ähnlicher Ehrenmänner zu verfügen. Die eine Partei hängt der anderen einen amtliche Gelder unterschlagenden Postbeamten an die Rockschöße, flugs spielt die andere dagegen einen ehemaligen Zuchthäusler und einen— nun, oben steht es ja,— wir haben den anderen Herrn, der übrigens Chef- redakteur der„Freien Zeitung" ist, unseren Lesern ja schon früher in einem ähnlichen Lichte gezeigt. Dessenungeachtet— Ehrenmänner find fie Alle! sprach ziemlich gutes Spanisch. Derselbe war vor uns an- gelangt, empfing mich freundlich und sagte, er brauche einen Sekretär, da sein eigener, ein Spanier, gestorben war, weS- halb ich nun diese Stelle ausfüllen müsse, wenn er mit Grenzkommandanten oder RegierungS-Kommissarien unter- handelte. Auch sollte ich ihm bisweilen etwas auf der Gui- tarre vorspielen. Gleichzeitig wieS er mir eines seiner Zelte zur Wohnung an.. Das war nun ein äußerst langwelliges Leben; doch sollte ich bald Gesellschaft haben. Um einen Christen be, sich zu gewöhnen, pflegen die Indianer ihm eine Indianerin zur Frau zu geben. So geschah es auch schon am zweiten Tage nach meiner Ankunft, daß mein hoher Gönner mir seine vier- zehnjährige Nichte als meine Frau vorstellte, und wir beide, ohne Protest zu wagen, unser Zelt bezogen. Dieselbe war, wie Namuncura, von jener araukanischen Rasse, von geradem Wuchs, mittelgroß für eine Frau, bläßlich weißer Hautfarbe, hellen wassergrünen Augen und sehr langen blondem Haar, das aber beinahe die Dicke von Roßhaar hatte und in zwei langen breiten losen Zöpfen über den Rücken hing. Das Mädchen war, wie alle Zndianerfrauen, an unbedingten Ge- horsam gewöhnt und sehr ftoh, mit einem Christen leben zu dürfen, da die Indianer ihre Frauen wegen der geringsten Kleinigkeit mißhandeln. Vorher hatte die Arme jedoch eine grausame Prozedur zu bestehen, die mit allen jungen Mädchen bei einer ge- wissen Gelegenheit vorgenommen wird. Zwei Reiter, beide nahe Verwandte des Mädchens, fasten sie jeder an -MMOWG b. Am dritten Tage der Sonntags- Konferenzen i kamen schon vielfach die Großbetriebe und der Export in Frage. Die Antworten lauteten auch demgemäß; Wenn keine Auf- träge da find, kann man den Sonntag entbehren, sonst nicht! Beitreten waren die verschiedenen Vereinigungen und Gruppen der Schneider, die Kürschner, Weißgerber, Sck rhmacher, Hand- schuhmacher, Hutmacher, Seiler und die Wäschezuschneider. Die Schneider konstatirten, daß bei ihnen die Sonntagsarbeit größtentheils üblich sei, die Kürschner, daß fie in den verschiede- nen Saisons betrieben werde. Die Gerber könnten fie ent- behren, die Hutmacher haben fie nur im Verkanfslokale nöthig, bei den Seilern ist fie nicht üblich. Von den Schuhmachern arbeitet etwa der vierte Theil Sonntags nicht, verschiedene andere den halben und auch den ganzen Sonntag. Die Ge- ncralfrage beantworteten die Vertreter dahin, daß es wohl ohne Sonntaasarbeit im Allgemeinen ginge. Die Kürschner erklärten allerdings, dann die Arbeits- zeit in der Woche verlängern zu müssen. Die Gerber würden Sonntags nur eine Stunde von 6-7 Uhr nöthig haben, bei den Handschuhmachern müßte eine Lohnerhöhung eintreten, die Wäschebranche müsse Sonntags arbeiten, wenn Exportaufträge vorlägen, besonders die Plätterinnen. Bei den Schuhmachern sei im Großbetrieb die Maschinen- Reinigung am Sonntag üblich. Die Majorität der Konferenz Mitglieder war der Anficht, daß ein allgemeines Verbot der Sonntagsarbeit den ganzen Gewerbestand heben würde. Nur in der Ueber- gangsperiode würde eine scheinbare Schädigung eintreten. d. Zu den Nachklänge« des Rathhausfestes zu Ehren der internationalen Telegraphen- Konferenz wird fich außer dem anderen Fall, der oben gemeldet ist, auch eine Untersuchung gegen den Traiteur wegen Einschmuggelung deutschen Cham- pagncrs statt franzöfischcn richten. Verschiedene Stadtverord- neie sind dem Feste fern geblieben, well fie ihr Kouvert nicht bezahlen durften.> Auch der Magistrat hat nunmehr, wie die„Nat. Hagen, Gymnasiallehrer Eickhoff- Schleswig, Super- intcndent Huckzermeier- Schilderesche, Fabttkant Hüttenhain- Haardt a. d. Sieg, Pfarrer Schloffer-Frankfutt a. M., Pfarrer SchmalenbachMennighüffcn, Direktor Tietz-Hannover und Lic. Weber-Gladbach. Zur Frage der Retourbillets. Die Thatsache daß vor einigen Tagen ein Kaufmann aus Stettin von dem Schöffen- gettcht zu Frankfutt a. M. deshalb wegen versuchten Betruges verurtheilt worden ist, weil er zur Reise von Frankfutt nach Wiesbaden fich eines von einer Privatperson käuflick erstandenen, zur Hinfahrt von einem Dritten benutzten Retourbillets bedient hat, ist für das reisende Publikum von der größten Tragweite, vorausgesetzt, daß dieses Straferkcnntniß in den höheren In' stanzen bestätigt wird. Letzteres dürfte indessen im Hinblia auf die der„Post" im Orrginal vorliegenden Verhandlungen der Eisenbabnverwaltungen zu dieser Frage schwieng fem. Für dre 1883er(Wiener) Generalversammlung des Vereins deutscher Eisenbahn Verwaltungen, in welcher die Vorschrift der„Um übertragbarkeit" der Retourbillets beschloffen wurde, hatte die Kommisfion für Angelegenheiten des Personenverkehrs einen„Budapest, i6. Juli 1883" datirtcn Bericht erstattet, in dem es u. A. wöttlich folgendermaßen heißt:„Die geschäfts' führende Direktion richtete an die hohen Regierungen der irn Vereinsgebiete vertretenen Staaten mit Schreiben vom 4. zember 1882 Nr. 5293 unter ausführlicher Darstellung der bs' Hufs Abstellung von Mißbräuchen im Retour- und Billtt» Verkehr im Vereine vorgebrachten Anträge, der hierüber stam gefundenen Debatten und der hiernach gefaßten Beschlüsse da» Ersuchen, in die einzelnen staatlichen Bettiebsreglements eine Bestimmung aufzunehmen, nach weicher ein mit einer Fahrpreis» Ermäßigung verbundenes Retour- rc. Billet zur Rück- bezlv- Weiterreise nur für diejenige Person giltig ist, welche mit dein» selben die Reise begonnen hat. Dieser Antrag hatte jedoa keinen Erfolg. Das Reichs-Eisenbahnamt demente, daß, na«' dem von der General- Versammlung nach den stattgehabten Verhandlungen hauptsächlich Gewicht auf den bloßen „moralischen Effekt" der beschlossenen Maßnahmen(bei 1382 er Versammlung) gelegt worden sei, für die Erreichung dieses Zweckes es genügend erscheine, wenn auf die Billets der beabfichtigte Vermerk„Nicht übettragbar" aufgedruckt werde. Weiter bemerkte das Reichs-Eisenbahnamt, daß, na«' dem unter diesen Umständen eine Ergänzung des Betnebö' Reglements, zur Zeit wenigstens, nicht als erforderlich erack»' werden könne, eine solche an fich aber auch nicht ganz unse deuklich erscheine, es sich für jetzt nicht in der Lage sehe,% der gewünschten Aenderung des Betncbs-Reglemcnts daS er» Thierquälerei muß ich dabei Erwähnung thun. Einem a« Boden gefesselten Pferde öffnet ein Indianer dem Hers, gegenüber mit einem Schnitt den Brustkasten, zwängt st"!' Hand zwischen die Rippen, reißt das Herz heraus und laß dasselbe wie ein Schild an den Aterien hängen. Die Fefst"; werden im Nu gelöst, und da« Pferd springt auf und ren» im Kreise umher, bis es ohnmächtig zusammensinkt und st>�■ Währenddessen tanzen die Indianer einen Rundreigen°. furchtbarem Geschrer und Geheul. WaS dies zu bedeu>e" hatte, konnte ich nie erfahren. Von Anfang an konnte mir das Lebe» nicht giL wie man sich denken kann. Ich mattete nur auf eine®, legen heit, davon zu kommen. Zu einem großen Einfall, 0 dem ich Briefe an Grenzkommandanten behufs Unteihan lungen zu schreiben hatte, wurde ich endlich nach zwei lang Jahren mitgenommen. Wir waren etwa 5 Meilen von° kleinen Grenzfestung Carhue entfernt. Wir ritten Tirailleurlinie zu Zweien mit 150 Meter Distanz, h*'L bereits früh Morgens eine Pulperie ausgeplündett, nnd Indianer waren ziemlich in dulei jabilo. Ich selbst fnU als Vorschub dienen und wohl oder übel allerlei Getran hinunterwürgen müssen. Die Gegend kannte ich wir an einem bekannten Landsee entlang ritten, an spitzem Ende daS Fott lag. Da stieg plötzlich ein Nebel auf, via- _,,....______ so dicht, daß nicht zehn Schritte wett sehen konnte.„Jetzt oder A sagte ich zu mir selbst, schlug meinen betrunkenen Beg �, mit dem von mir selbst aus hattem Holz gefertigtenPe»'?� "b" den Kopf, daß er ohnmächtig wie ew Stück vom Pferde fiel, und jagte so schnell mein Pferd.* konnte und ohne von den Indianern bemerkt wer können, der Grenzfestung zu, wo ich denn auch nach halb Stunden glücklich anlangte. Damit endete mem fangenschaft. I ,, ver mmen en wir nt. Es Fach diesem - Dies in dem Frauennfelben Beitg." rläffige mt das Derhält Eer läßt t nicht nlichen 5 einen en für hterung " Dors On der t, beigt elseitige Deren tterung theilt Stöder Schrift fentlich at, eine finden. nd mit heidene Kapital elliften einzus er von Freiherr Graf Engel tung”). erungs uthardt er Dr. ptopff spettor Super enhain Bfarrer and Lic. Daß vor chöffen etruges rt nach benen, bebient gweite, en In Sinblid lungen 7. Für eutscher Un batte ertebra ttet, in fchäfts Der im 4. De Der bes Billet r ftatt ffe bas to eine rpreis bezw. it dem jedoch ehabten bloßen nach ( der eichung Cets ber , nach etriebs erachtet unbe megen as Weis em am Herzen t feine nb läßt Feffeln Orennt bftirbt. en bei edeuten me Ge efallen, all, bei er hands langen on der en in hatten und bie batte Getränke au, ba deffen ß man er nie, egleiter itschens Holz Laufen ben zu andert ne Ge tere in die Wege zu leiten; daffelbe glaube vielmehr, daß es fich empfehlen werde, zunächst abzuwarten, ob und welche Wir lung die übrigen von dem Vereine vorgeschlagenen Maßnah men zur Behebung der in Rede stehenden Mißbräuche haben würden, und auf die angeregte Frage zurückzukommen, sobald in dieser Beziehung nach der einen oder der anderen Richtung Erfahrungen vorliegen. In gleicher Weise hat sich auch der laiserlichtöniglich österreichische Herr Handelsminister ausgesprochen. Die Kommission hat deshalb allseitig analannt, daß mit den beschlossenen Maßnahmen in ihrer Wesent lichkeit allerdings nur ein moralischer Effett beabsichtigt worden ist, der nämlich, den anständigeren Theil des reisenden Publi lums auf das Unerlaubie der Betheiligung an dem An- und Verlauf der Retour- c. Billets aufmerksam zu machen." Hieraus erhellt zur Evidenz, daß die staatlichen Behörden, welche fich fogar weigerten, eine derartige Unübertragbarkeits- Bestim mung als rechtlich nicht unbedenkliche" in das Betriebs- Reglement aufzunehmen, die strafrechtliche Verfolgbarkeit vorliegend für gänzlich ausgefchloffen erachten. Hieran ändert auch der Umstand nichts, daß die obengenannte Fach- Kommission schließlich, fich der Hoffnung hingeben zu dürfen glaubte, daß von Dem Richter in der mißbräuchlichen Benugung eines Retour- ac. Billets die Kriterien des zu ahnenden Betruges würden ge funden werden". Derartige Hoffnungen" 2c. vermögen bestehende Rechte nicht aus der Welt zu schaffen. " Bei den Kommunalwahlen wollen die Antisemiten nur dann mit der Bürgerpartei" Hand in Hand geben, wenn diese ihnen eine Stärte des D. A. B. entsprechende Anzahl Size zu weift. Wie vorgestern in einer Versammlung der Antisemiten bei Faustmann( Invalidenstraße) mitgetheilt wurde, steht der Borstand des D. A. B. mit dem C. C. E. schon in Unterhand. lung darüber. Der Kaiser hat der im Zuge der Hohenzollernstraße über ben Schifffahrtskanal nach dem Lügower- Ufer führenden Fußgängerbrüde den Namen Lügowbrüde, der zwischen der Burgtraße und der Heiligegeiftstraße vorlängs des Anbaues am Börsengebäude neu angelegten Verbindungsstraße den Namen St. Wolfgangsstraße, der Straße Nr. 3 der Abtheilung II des Bebauungsplanes von den Umgebungen Berlins den Namen Jahn- Straße, der Straße Nr. 10 der Abtheilung IV des Bebauungsplanes zwischen der Potsdamer und der Maaßenstraße Den Namen Winterfeldt Straße, der Straße Nr. 33 der Ab theilung XII des Bebauungsplanes den Namen Kolmarertraße, der Straße Nr. 33a den Namen Mühlhausenerstraße und der Straße Nr. 34 den Namen Diedenhofenerstraße beigelegt. Ueber die Behandlung und Besoldung der Bediensteten der Allgemeinen Berliner Omnibus Gesellschaft wird uns von einem solchen folgendes mitgetheilt: Sehen wir uns einen Kutscher an. Bei einem Gehalt von 78 M. monatlich hat der= felbe einen Dienst von Morgens 5 Uhr bis Abends 11 Uhr ohne Unterbrechung, denn Baufen zum Effen giebt es nicht, oder man müßte die 7 bis 8 Minuten Zwischenzeit als solche ansehen. Will der Kutscher einmal einen Tag seine müden Glieder ruhen, so wird ihm der Tag vom Gehalt abgezogen. Fernerhin haftet er für sämmtliche Schäden, die an seinem 6. Gehalt weniger, aus dem einfachen Grunde, weil nobler. weise auf die 5 Pfg. Trinkgeld gerechnet wird, die von manchen Baffagieren gespendet werden. Außerdem muß der Kondukteur werden können, wenn er auch nur das geringste Versehen macht. Kondukteur sowohl wie Kutscher können ohne Kündi gung jeden Augenblick entlassen werden, während fte 14 Tage borher fündigen müssen. Nimmt der Kondukteur einmal einen Tag Urlaub, welcher ihm natürlich ebenfalls vom Gehalt abs Bezogen wird, so hat er das Vergnügen, mit der Kaffe nach dem Bureau zu gehen, wofür er nichts bekömmt. Weigert er Rich, so heißt es gleich, tommt so etwas noch einmal vor, dann Schmeiße ich Euch raus! Man bekommt dort überhaupt bisweilen recht sonderbare Schmeicheleien zu hören. Hat man enig Kaffe, so heißt es einfach:„ Sie betrügen wohl!" Wenn Unglück paffirt, daß er sich einen Schmußfled an seinen Das ein Busammentreffen in einem Theater, mit der anderen in einem befferen Konzertlokal, mit einer dritten in einer Konditorei verabredet und so fort, ditorei verabredet und so fort, furzum, es gab teine Beit, teinen Ort in Berlin mehr, der nicht bereits zu einem Rendezvous auserwählt worden war. Diese Heirathssuche" foſtete viel, sehr viel Geld, und es würde die schönen Leserinnen verlegen, wollten wir nur einige der Urtheile über die gemachten Erfahrungen des besagten Herrn hier wiedergeben. Es möge genügen, daß er trotz des großen Afsortiments" nicht fand, was er suchte. Schließlich war er aber auch bei den heiraths. luftigen Damen als ein„ Quärulant" bekannt geworden, sodaß bald seine angebotenen Rendezvous unberücksichtigt blieben. Der Heirathskandidat hat keineswegs die Absicht aufgegeben, doch noch seine Wünsche erfüllt zu sehen, nur will er sein Glück in einer großen Stadt der Provinz versuchen. Allerdings für unsere Berliner Damenwelt ein vielleicht nicht günstiges Beugniß. Beim Transport eines Geldschrankes ereignete fich geftern Vormittag im Hause Jägerstr. Nr. 14 ein Unglüdsfall. Vier Mann waren, dem B. L." zufolge, damit beschäftigt, das eiserne Ungethüm, das etwa 12 Bentner wiegt, die Treppe hinaufzuschleppen, als eines der Gurtbänder, mit denen die Leute den Transport bewirkten, plöglich riß, wodurch der Schrank außer halt gerieth und im Niederkrachen einem der Transporteure das rechte Bein vollständig zermalmte. Von einem schleunig hinzugeholten Arzt wurde dem Verwundeten ein Nothverband angelegt, und sodann erfolgte mittels Droschke die Ueberführung nach seiner Wohnung, da er sich entschieden weigerte, Unterkunft in einem Krankenhause zu nehmen. Der Schrank wurde später an Ledergurten in die erste Etage an seinen Platz geschafft. Giftiges Suppenkraut. Am 7. d. Mts. erkrankte die Familie des Arbeiters Sch. in der Alten Jakobstraße, und zwar der Ehemann, dessen Frau und vier Kinder, nachdem fie Brühkartoffeln gegessen hatten. Wahrscheinlich haben sich unter dem zur Bereitung der Mahlzeit verwendeten Grünkraut giftige Kräuter befunden. g. Wie start der Nachtfrost in der Umgebung Berlins bereits gewesen, beweist die uns gemeldete Thatsache, daß in Groß- Machnow bei Mittenwalde, von wo die größte Gurkens aufuhr nach den Berliner Wochenmärkten stattfindet, fast sämmt. liche im Freien liegende Gurken in einer der letzten Nächte erfroren find. Bt. Schwedische Eisbahn. Wenn man die Pionierstraße nach der Hasenhaide entlang geht und auf der schwedischen Eisbahn das geschäftige Leben und Treiben sieht, so muß man sich unwillkürlich fragen: Was geht da vor?" Wer sich nun an einen der dort Anwesenden wendet, erhält die Antwort: ,, Die Vogelwiese wird am Sonntag wieder neu eröffnet, diesmal aber mit Bier- Ausschant." Diese Nachricht befriedigt aber nicht Jeden; ein wohlbeleibter Herr frug z B.:,,Kommt denn auch ein Zirtus, ein Panorama 2c. 2c.?" worauf er die Antwort betam: Nanu, is doch selbstverständlich!" und so erfährt man denn schließlich, daß sich die Unternehmer des Etablissements die größte Mühe gegeben haben, um dem Berliner Publikum eine noch nie hier gesehene Vogelwiese à la Dresden" vor Augen zu führen. Zu diesem Unternehmen wünschen wir den Pächtern des Etablissements sowohl wie auch den daselbst be findlichen Geschäftsinhabern einen recht befriedigten Abschluß und was die Hauptsache ist gutes Wetter! Den dritten und legten Abend des Straußjubiläums im Friedrich- Wilhelmstädt. Theater bildet Donnerstag, den 17., die 400. Aufführung der Fledermaus", jener Operette, welche den Weltruf des Meisters begründet hat. Wie teinem Werke find gerade dieser Operette die Sympathien des Theaterjubiläums treu geblieben, fie haben sich sogar im Laufe der Jahre vergrößert. So wird sich voraussichtlich die 400. Aufführung ebenso glänzend gestalten wie die Première in der Schumannstraße am 6. Juli 1874, umſomehr als die Jubiläumsbesetzung die besten Kräfte aufweist. Die Rosalinde fingt Frl. Wrada, die Adele Frl. Koch, den Orlofsky Frl. Stein, die Jda spielt Frl. von Sastaly; vom männlichen Personal ist beschäftigt Herr Szita als Eisenstein, Herr Binda als Ge als Frosch", Herr Broda als Blind. Kleidungsstücken macht, dem begegnet man mit Schimpfworten, fängnißdirektor, Herr Weidmann als Dr. Falt, Herr Hambrock die ich aus Anstandsgefühl hier nicht wieder geben fann." feinen Auslaffungen zu zweifeln, dieselben genügen jedenfalls auch ohne Kommentar. Drz faum an Das Belle Alliance Theater beschließt die Sommersaison mit 3 Extra- Vorstellungen zu halben Kassenpreisen und zwar am Sonnabend, Montag und Dienstag. Am Mittwoch wird die diesjährige Wintersaison durch das Ensemble- Gast spiel der Mitglieder des Wallner- Theaters mit der Gesangs= poffe„ Ein weißer Rabe" von Jacobson und Girndt eröffnet. Diese Posse ist von den Autoren durchweg neu bearbeitet und mit neuen Kuplets versehen. = th. Einen interessanten Einblick in die Geheimnisse Rouliffenwelt gewährt das Depot der Königl. Theater in der Französischen Straße. Ist es auch nur Eingeweihten ge stattet, tiefer einzudringen in diese Märchenwelt, in das Reich Bauber so manchem Laien gefährlich wird, so genügt doch ein Polizei Bericht. In der Nacht zum 9. d. M. fiel unBlid in dieses Dekorations- Arsenal, um ihn in jähem Sturze weit des Kreuzungspunktes der Mauer und Leipzigerstraße aus dem Himmel seiner Illuftonen in die nackte reale Wirts das Pferd einer Droschte mit den Vorderfüßen in eine behufs lich feit fallen zu laffen. Alles, was das Auge im magischen Legung eines Telegraphen Kabels auf dem Fahrdamm ausge hobene Grube, und auf den in derselben beschäftigten Arbeiter diefischen Gärten, deren Blumenfülle einen berauschenden Duft Meßing, so daß dieser nicht unerheblich am Kopf verlegt wurde auszuathmen scheinen, zwischen denen Genien und Feen ver führerisch umherschweben; die stolzen Paläste, deren Pracht Gipfel ewiger Schnee bedeckt, erfaffen ist, die herrlichen Berge, die Wollenregionen, welche aus ihrem geöffneten Innern holde Engelein Buchstaben versehen, mit peinlichster Genauigkeit im Inven- Kopf und am rechten Bein nicht unerheblich verlegt, so daß tarium Register verzeichnet und gewinnt unter den Händen der Theaterarbeiter ein ganz anderes Ansehen. Beim hellen Tages und Sonnenlichte blickt das erschrockene Auge auf die entlaroten Truggebilde einer gereizten Phantafie, auf die großen Leinmanditüde, auf welche der Pinsel eines Malers ein Chaos von Farben geflert, die im magischen Lampenlicht einen so berücken- gebracht. зи Deren den Bauber ausgeübt; zusammengeschrumpft zu verblichener Malerei ist die altehrwürdige Pracht stolzer Ahnensäle, alle die Herrlicht iten, welche die Bühnenwelt verschönten, präsentiren fich hier in ihrem primitiven Dasein. Was mögen die weiten – " furzen Kritik der Bürgerpartei fam Redner auf die angeregte Biersteuer. Dieselbe sei eine Lurussteuer und feine indirekte(??), wie die Berliner Zeitung" ausgeführt habe, das beweise die geringe Einfuhr von echten Bieren; in Baiern tomme der Liter 22 bis 30 Bf., so hoch stellten sich doch die Transportloften nicht, daß hier mit 60 Pf. der Liter bezahlt werden müsse. Dies sei der beste Beweis für die wahnsinnige Profits muth. Bum Schluß bemerkte Redner, daß man sich die Gegenkandidaten noch genauer ansehen werde und den 8. Kommunalwahlbezirk bei reger Agitation wohl erobern werde. Reicher Beifall folgte diesen Worten. Zur Dis fuffion sprachen die Herren Carv, Wilschke, Klein, Dettweiler. Folgende Resolution wurde dann einstimmig an genommen: Die heutige Kommunalwählerversammlung erklärt fich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verpflichtet sich, mit allen gefeßlichen Mitteln dafür einzutreten, daß bei der bevorstehenden Kommunalwahl im 8. Wahlbezirk ein Vertreter der Arbeiterpartei gewählt wird. Nach einem furzen Schlußwort des Referenten wurde mitgetheilt das Herr Bickenbach einen konservativen Gegen Kandidaten erhalten werde, welcher vom Verein Bismarc" aufgestellt werden solle. Der Arbeiter- Bezirksverein der Rosenthaler Vor stadt hielt am Montag in Kurzmann's Salon eine Versamm lung ab, in welcher der Schriftsteller Herr Baate einen Vors trag über die deutschen Bauerntriege hielt. Redner besprachy zunächst die wirthschaftlichen Verhältnisse des 14. und 15. Jahr hunderts, wo an Stelle der feudalen ländlichen Lokalindustrie der zünftige Gewerbebetrieb der Städte getreten war, der für die weiteren Kreise und selbst für ferne Märkte produzirte. Die Weberei von groben Wollentüchern und Leinwand war ein weitverbreiteter Industriezweig, auch Seidenstoffe wurden schon damals in Augsburg verfertigt. Eine Reihe von Ere findungen, hauptsächlich die Buchdruckerkunst, hatten zur Hebung der Gewerbe wesentlich beigetragen. Der Handel ging mit der Industrie gleichen Schrift und war Augsburg der Stapel plag für italienische Seidenzeuge und indische Gewürze. Der Adel und die Geistlichkeit verstanden es sehr gut, die große Maffe des Voltes im tiefsten Elend und Noth zu lassen und waren die Bauern die am meisten bedrückteste Klaffe. Die Geistlichen hatten es verstanden, das Privileg der ,, Wissenschaft" zu ihren Gunsten zu verwenden, bis ein Gutenberg erstand, durch dessen Erfindung für die fernere Zeit in dieser Beziehung eine Aenderung eintrat. Die Gerichtsbarkeit war in Händen des Adels und ebenso sämmtliche öffentlichen Aemter. Die Stellenjägerei und das„ Basensystem" war vorherrschend. Die bedeutendsten Kämpen der Bauernbewegung waren aus dem Proletariat erstanden und sind dies Thomas Münzer und Florian Geier. Ersterer war an Intelligenz selbst einem Luther voraus. Die Bauernbewegung wurde jedoch unterdrückt und so verfielen die Bauern in das alte Joch wieder zurück. Diese Lehre solle für alle Zeiten ein Denkstein sein. An der Diskussion betheiligten sich hauptsächlich die Herren Kendziora und Ballmüller. Nachdem der Vorsitzende noch für die weitefte Verbreitung der Betition für das ArbeiterSchußgeses aufgefordert und die Mitglieder ermahnt hatte, dem Bezirksverein immer mehr neue Mitglieder zuzuführen, wurde die Versammlung geschlossen. Eine öffentliche Versammlung sämmtlicher Stell macher Berlins, mit der Tagesordnung: 1. Das Arbeiter schußgesez, 2. Anträge der Kommission, 3. Verschiedenes, tagte am Dienstag, den 8. September, Abends 8 Uhr, in Mohr mann's Salon, Große Frankfurterstr. 117, unter Vorfiz des. Herrn Singert. Herr Laste referirte und äußerte sich wie folgt: Der Arbeiterschutzgesetz Entwurf, eingebracht von den Abgeordneten Grillenberger und Genoffen, sei selbst von konser vativen und liberalen Blättern als ein ganz vernünftiger Ges banke bezeichnet worden, doch könne man auf solche Aeußerungen feinen Werth legen. Darum müßten die Arbeiter durch Massens Petitionen an den Reichstag dafür eintreten. Auch meinte Redner, daß man viel zu schnell mit der angeordneten Enquete fertig geworden sei. Dann schilderte er das Verderb liche der Gefängnißarbeit, durch welche dem rechtlich denkenden Fabrikanten eine unheilvolle Konkurrenz bereitet würde... Die Gefängnißarbeit müsse dringend reformirt werden. Die Löhne, die in dieser Anstalt gezahlt werden, seien sehr ge ring. Auch das Bestreben der Sträflinge recht viel Arbeit zu liefern, um einige Pfennige Ueberschuß zu erhalten, mache die Arbeit zu einer Schundwaare. Das Gefängniß dürfe nur für die Bedürfnisse der Anstalt arbeiten. Dadurch würde dann 100 000 Arbeitern die Gelegenheit geboten, sich eine sichere Eristenz zu schaffen. Auch die Frauenarbeit müsse geregelt und die Kinderarbeit unter allen Umständen beseitigt werden. Herr Baumbach habe zwar im Reichstage gesagt, daß die Kinder ein Vergnügen daran fänden, in der Fabrit zu arbeiten, anstatt fich im Freien zu tummeln. R. fnüpft hieran die Frage, ob Herr B. Kinder hat. Schlechte Lebensweise und Ueberanstren gung legen schon in frühester Jugend den Keim zum Siech thum, darum müsse hier die Gefeßgebung ein donnerndes Halt gebieten. Auch die Frauen werden nur, weil sie bedeutend billiger arbeiten verlangt. Am 9. Mai 1885 machte der Reichs tanzler geltend, er müsse erst die Stimme der Arbeiter hören diese werden antworten. Gewiß würden dann die Fabrikanten durch das Arbeiterschußgefeß und die dadurch entstehende Nach= frage nach Arbeitern höhere Löhne zahlen müssen. Die Fabritanten, deren Geschäft eine solche Bafis habe, daß eine event. Lohnerhöhung ihren Bankerott herbeiführen würde, könne man getroft,( wie man es in der Pastoral Konferenz mit den fogen. Vagabunden vorhatte) nach Afrika und Kamerun senden. Reicher Beifall belohnte den Referenten. In der darauf fol genden Diskussion nahm Herr Mengel das Wort und schilderte in eingehender Weise die Trägheit und den Indifferentismus der Stellmacher; die Mehrzahl derselben sei noch gar nicht zum Bewußtsein ihrer traurigen Lage gekommen. Herr Klein sprach fich tadelnd gegen die Herren Mitglieder der Pastoral- Konferenz aus, welche die arbeitslosen, bemitleidenswerthen, von den Herren mit Vorliebe als Vagabonden bezeichneten Menschen Verbrechern gleich zur Deportation nach den afrikanischen KoIonien verurtheilten. Nachdem die Herren Böhm, Glaubig und Heider sich im Sinne des Referenten ausgesprochen hatten, wurde nach einem Schlußwort des Referenten zum zweiten Punkt der Tagesordnung übergegangen. Von Herrn Menzel wurde mitgetheilt, daß er sich genöthigt sehe, fein Amt nieder zulegen und hoffe er, daß sich eine andere Person an seiner Stelle finden werde. Der Vorsitzende ersuchte Herrn Mengel, sein Amt beizubehalten und diese Sache einer anderen Ver rere Herren im Einverständniß mit der Versammlung sich mit der Geschäftsführung des Hrn. M. einverstanden erklärt hatten, zog auch Herr M. seinen Antrag vorläufig zurück. Herr Böhm dann gewählt die Herren Dammte und Bedürftig. Herr Graad und mittelst Droschke nach der in der Brüderstraße befindlichen Sanitätswache und von dort nach Anlegung eines Verbandes nach seiner Wohnung gebracht werden mußte. Am 9. d. M. Vormittags wurde der Knabe Eichhorn, als er vor dem Hause Invalidenstr. 43 den Fahrdamm überschreiten wollte, in Folge eigener Unvorsichtigkeit von einer Droschte überfahren und am ihm in der Sanitätswache in der Invalidenstraße ein Verband angelegt werden mußte. An demselben Tage Abends wurde beim Ausräumen der Abtrittsgrube auf dem Grundstück Friedenstraße 85 in derselben die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden und nach dem Obduktionshause Vereine und Versammlungen. Eine Kommunal- Wählerversammlung, vom ArbeiterRäume, dieses Depots für Herrlichkeiten und Schäße bergen! Wahlkomitee einberufen, tagte am Montag Abend in Gründer's Wie viel Dörfer, Städte, Paläste, Gärten, Wälder, Berge, Salon, Schwerinstr. 26, unter Vorfis des Herrn Dennier. Meere und Wolfen mögen hier friedlich neben einander ruhen, bis die bedürfende Hand sie ihrer Versunkenheit entreißt, dem Herr Stadto. Gördi hielt einen Vortrag über die bevorstehen Den Kommunalwahlen. Bei diesen Wahlen, so begann Reschiedenheit für die Wahl von Arbeiter Kandidaten einzutreten. Zu dem Budget der Stadt übergehend kam Redner auf die Dunkel ihres Daseins entführt und in das Reich des Lichts ferent, sei es heiligste Pflicht jedes Arbeiters, mit aller Ent perfekt! Wie eng verknüpft mögen Prospekte, Koulissen und Bersagstüde, welche die Bretter, die die Welt bedeuten, mit trügerischer Pracht umgeben, sein mit dem Leben und Wirken Miethssteuer zu sprechen. Die Arbeitervertreter in der Stadtder Darstellenden Künstler; auf wie viele Stunden stolzen verordnetenversammlung seien für die Reform der Miethssteuer Triumphes und berauschenden Glückes, auf wie viele Momente eingetreten, um diese nach unten drückende Steuer zu beseitigen. sammlung zur Entscheidung zu überlassen. Nachdem noch meh der Enttäuschung und demüthigender Niederlagen mögen fie Jeßt sei nun erst vom Magiftrat eine Eingabe an den Ober geblickt haben, wie oft Zeugen gewesen sein des höchsten präsidenten gemacht, um dessen Ansicht über die Reform der Schmerzlichsten Thränen! D wenn sie erzählen könnten, die Mart aufzubringen, welche durch Beseitigung der Miethssteuer legte sein Amt Familienverhältnisse wegen nieder und wurden stummen Rollen, die hier hinter falten Mauern, hinter Schloß bei den kleinen Wohnungen bis 600 Mart ausfielen, doch und Riegel in Gefangenschaft schmachten, von den Rollen, die Welt. Miethssteuer zu hören. Es sei ja schwierig, die zwei Millonen dürfte es gelingen dieselben durch Erhöhung der fie in jener Welt gespielt, sie würden interessante Auf Einkommensteuer und durch höhere Besteuerung der größeren vereins der Stellmacher am Sonnabend, den 26. September, schlüsse geben können über die Geheimnisse der Koulissen- Wohnungen aufzubringen. Bei den Verkehrsmitteln sei es bringend nothwendig, Verkehrserleichterungen für die arbeitenden Klaffen einzuführen. Die jetzt auf den verschiedenen Pferde Das Unternehmen, auf dem nicht mehr ungewöhnin Fiebig's Salon, Gr. Frankfurterstraße, stattfindet. Billets find zu haben bei allen Komitee Mitgliedern und im Fach verein. 5 hat einem hiesigen ehemaligen Militär nicht nur ein ansehn forderungen in feiner Weise. Derartige Institutionen für die besteht ein Verein, welcher bestrebt ist, die Interessen der Arliches Stüd Geld geloftet, sondern er ist auch durch seine sons Allgemeinheit müßten sich in Händen der Kommune befinden, derlichen Wünsche unter den heirathsluftigen Damen derartig be- rühmt geworden, daß er die Hoffnung aufgeben mußte, in Berlin überhaupt noch eine Frau mit respektablem Vermögen zu bekommen. Befagter Herr hatte durch immer wiederholtes Annonziren gegen 100 Offerten heiratheluftiger Damen erhalten Fluch für die heutigen Bustände seien. und da er, wie bereits erwähnt, ganz besondere Ansprüche an eine Frau stellte, fo galt es, mit den Damen in nähere perEigenschaften fennen zu lernen. Mit der einen Dame wurde nur dann können sie segensreich wirken. Aehnlich sei es mit der englischen Gasgesellschaft, dieselbe mache der Stadt eine enorme Ronkurrenz, infolge ihrer mit der Stadt abgeschloffenen Redner Verträge, die vielleicht früher ein Segen, jezt aber ein Schulwesen und die Sanitätsbesprach dann von Volksbädern und ver wachen, die Einführung weilte längere Zeit bei der Bewilligung der 15 000 Mart zum Festeffen zu Ehren des Telegraphenfongresses. Nach einer das beiter zu fördern und zu wahren. Aber wenn man bedenkt, mit welchen Opfern, mit welcher Mühe und Arbeit man diesen Verein ins Leben gerufen, so ist es um so schmerzlicher, wenn man fieht, daß von den vielen tausend Arbeitern, welche in Berlin beschäftigt find, nur so Wenige fich diesem Verein an gefchloffen haben. Arbeiter, Kollegen! An Euch liegt es, wenn Ihr Eure Lage verbessern wollt; Ihr seid es Euch und Eurer Familie schuldig, mit zu arbeiten an dem Werke, welches unter so schweren Opfern begonnen. Ueberall bestehen Fachvereine und alle erfreuen sich einer regen Theilnahme. Nur Shr, die Ihr keine bestimmte Profeffion gelernt, Thr, die Ihr am meisten den Wechselfällen ausgefeßt seid, haltet Euch zurüd, wo selbst die Frauen fich aufraffen und zu der Einsicht ge tommen, in dieser traurigen Lage nicht mehr weiter verharren zu können. Darum tretet zusammen, dann werden auch wir Siege zum Wohle der Arbeiter erzielen. Am Sonntag, den 13. September, Vormittags 10%, Uhr, findet in Sanssouci, Rottbuserstraße 4a, eine große Versammlung der Arbeiter Berlins statt. Tagesordnung:„ Der Arbeiterschußgefeß Entwurf." Referent Herr Paul Singer. Korreferent Herr Mar Kreuß. Um zahlreichen Besuch bittet: 2. Ahlfeldt, Memelerstr. 80. Fachverein der Rohrleger. Sonntag, den 13. b. M., Versammlung im Lotale von Wolf und Krüger, Stalizers straße 126. Näheres Säulenanschlag und Inserat. Eine öffentliche Versammlung der Buchbinder findet am Sonnabend, den 12. September, Abends 8 Uhr, in Feuerstein's Lokal, Alte Jakobftr. 75, statt. In derselben sollen die Leistungen der drei hier bestehenden Krankenkassen bes sprochen werden und find dazu sämmtliche Vorstandsmitglieder dieser Kaffen eingeladen worden. Der wichtigen Tagesords nung wegen ist der Besuch der Versammlung jedem Buchbinder dringend zu empfehlen. Den Riften- und Koffermachern zur Nachricht, daß die regelmäßige Mitgliederversammlung des Vereins zur Wahrung der Intereffen der Kisten- und Koffermacher Berlins am Mons tag, den 14. September, Abends 8% Uhr, im Lokale Armin hallen, Kommandantenstr. 20, stattfindet. T.D.: 1. Vortrag des Herrn Meßner über gewerbliches Schiedsgericht. 2. Be richt der Streit- Kommission. 3. Besprechung über das Stiftungsfest am 10. Oktober. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. " 1 Berichtigung. Herr Rödel ersucht uns unter Bezug nahme auf das Preßgefet in seiner Eigenschaft als ,, Hauptfaffirer und Vertreter der Zentral Lohnfommission der Ber liner Tischler, Geschäftsführer der Werkstatt für Ge maßregelte", um Aufnahme folgender folgender Berichtigung: Der in Nummer 211 des ,, Berliner Volksblatt" ent haltene, mit den Worten Eine öffentliche General Versammlung der Tischler" beginnende Bericht, ents hält folgende auf meine Person, und der von mir vertretenen Sache Bezug habende, Unrichtigkeiten. Ein Manto der Mars tengelder in Höhe von 300-400 Mart," wie Sie berichten, ist nie vorhanden gewesen. Ferner ist die Delegirtenvers sammlung in welcher die Wahl der zweiten Herrn Rödel genehmeren Revisionskommission stattfand", nicht von 98 Personen", wie in dem Bericht angegeben, besucht gewesen, sondern nach Ausweis der Kontrolliste von einer weit größeren Bahl Delegirten besucht. Eine weitere Unrichtigkeit ist die Behauptung, Roedel habe auf eigene Faust Marken brucken laffen, die Marken sind stets auf Beschluß der Kom mission angefertigt worden. Die weitere Mittheilung, Roedel, der Vorsitzende und Kassirer, der Diktator der Berliner Tischler gebe an, für 86 Mart Marken verloren zu haben, ist unrichtig, ich habe weder Marken verloren, noch jemals eine derartige Mittheilung an Jemand gemacht. Die weitere Bes hauptung, Rödel habe ferner vor dem Untersuchungsrichter zugegeben, daß er nicht 30 Mart im Bentral- Hotel gezahlt habe, ist eine neue Unrichtigkeit, da ich nie vom Untersuchungsrichter vernommen worden bin. Unwahr ist ferner, daß ich die Revision der Bücher stets zu verschieben wußte, die Revisionen haben stets an den von der Kommission festgesetzten Tagen stattgefunden. Unrichtig ist ferner, daß ich die bei Keller" gewählte Revisionskommission anerkannt habe, ich habe den Herren, welche als angebliche Revisionskommiffion bei mir erschienen, mitgetheilt, daßlich denselben ebenso, wie jedem anberen betheiligten Tischler Einsicht in meine Bücher geftatte. Gustav Roedel." Kleine Mittheilungen. Lübben i. d. Laufig. Der Förster Walther aus Halbe traf am 3. September im Walde fünf Wilderer", welche er aufforderte, stillzustehen und die Gewehre niederzulegen. Darauf legte einer von den Wilddieben, ein 19 jähriger junger Mensch, auf den Förster an und schoß sein Gewehr ab, er hatte jedoch schlecht gezielt, nur wenige Schrootkörner hatten das rechte Bein des Försters verlegt. Der Förster gab nun auch Feuer und traf den Wilddieb in die linke Seite. Unter heftigem Wehklagen lief er davon und entschwand den Blicken des Försters.( Seine vier Kameraden hatten schon vorher die Flucht ergriffen.) Eine ausgesandte Patrouille fand den Schwerverletzten, der fich seiner eigenen Angabe nach selbst noch einen Schuß in die Backe und einen Schnitt mit seinem Nid fänger in den Hals beigebracht hatte, um sich selbst zu ents Heute: Lucrezia Borgia. Heute: Der Leibarzt. Theater. Opernhaus. Schauspielhaus. and Deutsches Theater. Heute: Der Herenmeister. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. ndo beute: Der Großmogul. Residenz- Theater. Heute: Theodora. Wallner- Theater. Beute: Papageno. Belle- Alliance- Theater. Deute: Mädchen- Illufionen. Walhalla- Operetten- Theater. Heute: Die Gloden von Corneville. Heute: Meffalina. Viktoria- Theater. Central- Theater. Alte Jakobftraße 37. Direttion: Adolph Ernst. Bum 42. Male: Die wilde Rape. Gesangspoffe in 4 Aften von W. Mannstädt, Mufit von G. Steffens. brute: Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmans. Heute: Alessandro Stradella. Oftend- Theater. Heute: Graupenmüller. Konigstädtisches Theater. o dum 204 Heute: Gastspiel der Liliputaner. Die lleine Baronin. Theater der Reichshallen. Heute: Aufreten sämmtlicher Spezialitäten. lisd American- Theater., ni Heute: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. i dont Kaufmann's Varieté. Heute: Große Spezialitäten- Vorstellung.dung Konkordia. | leiben, gegen 4 Uhr Morgens in einem Didicht vor. Es ist Hoffnung auf seine Erhaltung vorhanden. Seine Komplizen haben ihn jedenfalls für erschoffen gehalten, sonst hätten sie ihn vorher in Sicherheit gebracht. Hoyerswerda, 8. September.( Selbstmord durch Feuer.) Der Halbhüfner Kerstan, ein seit Jahren dem Trunke ergebener junger Mann, hatte den ganzen Tag über mit den Seinigen umbergetobt und sie wiederholt mit dem Tode bedroht; der. selbe hat inwendig seine Wohnung selbst angezündet und ist dann mit verbrannt. Neisse, 7. September. Am 4. d. Mts., Abends, begab fich eine Fleischersfrau aus Glumpinglau( in der Nähe unserer Stadt) von Heidenau zurück nach ihrem Heimathsort. Sie mußte dabei mittelst einer Fähre die Neiffe paffiren. Während fie die Fähre erwartet, hörte fie Schüffe, ging dem Geräusch derselben nach und fand einen Mann an der Erde liegend, der durch Schrot im Unterleib, an einem Arm und an einer Hand verwundet war. Der Verwundete theilte mit, ein Bauer habe nach ihm geschoffen, vermuthlich in der Meinung, er habe ihm Ruthen, die er bei sich führte, gestohlen, was indeß nicht der Fall sei. Da die Frau den Verwundeten allein nicht fortbringen konnte, fuhr fte zunächst über die Neiffe, wobei ste wieder einen Schuß vernahm, und ging dann eiligst nach ihrem Dorfe, um Hilfe herbeizuholen. Als diese kam, wurde der Verwundete nicht mehr gefunden und ist auch bis jetzt nicht ermittelt. Man vermuthet, daß der betreffende Mörder, während die Frau über den Fluß fuhr, den Verwundeten vollends erschossen und dann irgendwo in der Neisse versenkt hat, um die Spuren seiner That nach Möglichkeit zu vernichten. Vermischtes. " Eine Gratisfahrt. Aus Triest wird dem Pest. Lloyd" gemeldet: Auf dem Lloyd- Dampfer Venus", der am Freitag voriger Woche hier anlangte, befand sich auch ein gewiffer Albrecht R. Heizer aus Rendsburg in Schleswig- Holstein, der die Fahrt von Korfu hierher gratis mitzumachen versucht hatte. Er war längere Zeit beschäftigungslos gewesen und nicht im Stande das Reisegeld zu bezahlen; er schlich sich daher in einem unbewachten Augenblick auf das Schiff, wo er fich im Waarenraume versteckte. Nachdem das Schiff Korfu ver laffen hatte, fehlte ihm der Muth, seine Anwesenheit durch Klopfen bekannt zu geben, und wäre der arme Teufel in dem dunkeln, luftleeren Waarenraum ficherlich umgekommen, wenn nicht ein Matrose nach zwei Tagen zufällig hätte hinuntersteigen müffen, der den Unglücklichen vom Hunger ganz ent fräftet auf dem Boden liegend fand. Der arme GratisBaffagier wird sich wegen Betrugs, begangen durch Nichtzahlung des Fahrgeldes, vor dem hiesigen Gerichte zu verant worten haben. Gattenmord. In der Nacht zum 24. v. M. war der Wolgadampfer Kurjer" der Schauplatz folgenden geheimnißvollen Familiendramas. Unter den Baffagieren befand sich ein junges, seinen Honigmonat verlebendes Ehepaar, der Junker der 40. Infanterie Division Schegubatom mit seiner Frau. Die jungen Leute fielen durch ihr gegenseitig zärtliches Benehmen auf. Nach dem Abendessen zog sich die junge Frau in die Damen Kajüte zurück, während die Herren ihre Pläße am Tisch allmälig auch zu verlassen begannen. Schegubatow, welcher sich unter ihnen befand, hatte fich während des Soupers vom Kellner ein scharfes" Kellner ein scharfes" Meffer reichen lassen und nahm dasselbe mit fich, als er vom Tisch aufstand. In der Nacht wurden die Passagiere durch flägliches Stöhnen in der Damenkajüte aufgeschreckt. Als sie geöffnet wurde, trat ihnen der Junker im Nachtgewande entgegen, der ihnen mit verstörtem Angesicht zurief, ihn zu verhaften. Auf der Diele der Kajüte lag die junge Frau, aus mehreren Wunden an Kopf, Rücken und Armen blutend. Die Verlegungen find gefährlicher Natur. Die Verwundete offenbart eine gewisse Verstörtheit des Geistes, u. a. fonnte sie nur ihren Vornamen Nastia" angeben, als sie nach ihren Personalien befragt wurde. Eine Schreckensthat. Die Passagiere des Eilzuges, welcher am 21. August von den westlich gelegenen Sommerfrischen nach New- York fuhr, hatten feine Ahnung, welch' grauenhafte Fahrt fie eben luftig zurücklegten. Beim Ver laffen der Endstation bemerkte der Heizer plößlich einen eigenthümlich starren Bug in den Mienen des Lokomotivführers James Smith, und als er ihn befragte, ob ihm etwas fehle, begann dieser plößlich höhnisch zu lachen und laut zu rufen: Es unterhält mich, daß all' die Hunderte nicht wissen, daß ich wieder einmal verrückt geworden und sie jetzt ficher in den nächsten Abgrund hineinführe." Der Heizer wollte erst den Wahnsinnigen, der sich sofort an der Maschine zu schaffen machte, durch gütliches Bureden entfernen; der Zug brauste immer schneller und schneller, der Abgrund kam näher; da " 1 Große öffentl. Versammlung der Steindrucker, Lithographen und Berufsgenoffen am Sonntag, den 13. d., Vormittags 10 Uhr, im Palmen Saal, Nene Schönhauserstraße 20. Tagesordnung: 1. Statutenberathung. 2. Das jepige Lehrlingswesen und feine Folgen. Referent: Stadtv. Fr. Gördi. 3. Diskussion. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es dringend nothwendig, daß alle Kollegen erscheinen. 2114] Die Kommission. J. A.: C. Linsener. Versammlung des stime!! Fachvereins der Rohrleger und Berufsgenossen Sonntag, den 13. September, Vormittags 10 Uhr, sid bei Wolf u. Krüger, Staligerstr. 126. do Tagesordnung: 1. Vortrag. Referent: Herr M. Kreuz. 2. Kaffenbericht. Freie Distuffton. Aufnahme neuer Mit glieder. Es ist Pflicht jedes Rohrlegers, pünktlich zu erscheinen. 21100 Der Vorstand. | faßte der Heizer einen verzweifelten Entschluß und schlug mit der Feuerzange den Wahnsinnigen zu Boden. Der Schwer verlegte wurde einem Irrenhause übergeben; die Baffagiere aber haben für den Heizer, den man wegen Mordversuches in's Gefängniß gebracht, eine bedeutende Geldsumme deponirt. lod Eine abenteuerliche Geschichte wird der„ St. Fr. Pr." aus Serajewo mitgetheilt. Vor einiger Beit brachten die Blätter die Nachricht, daß der berüchtigte bosnische Räuber Milan Nikolic, auf deffen Kopf in Summa ein Preis von 800 Dutaten ausgefeßt worden war, erschossen worden sei. 13 glücklicher Schüße meldete fich unter Vorweisung des dem Räuber abgeschnittenen Kopfes ein Deserteur der bosnischen Traintruppe, Namens Bavic, ein Genoffe des Nikolic, indem er angab, daß er nur deshalb desertirt und ein Verbündeter des Räubers geworden sei, um denselben endlich unschädlich zu machen und fich die ausgeschriebene Taglia zu verdienen, da es auf andere Weise nicht möglich gewesen wäre, sich des Räubers zu bemächtigen. In Folge dieser Aussage und im Hinblick auf das große Verdienst, welches sich der Mann um die Sicherheit im Lande erworben hatte, wurde er mit Rüd ficht behandelt und die Untersuchung gegen ihn auf freiem Fuß geführt. Der Betrag von 800 Dukaten war bereits angewiesen und sollte demnächst zur Auszahlung gelangen, als Bavic mit einem Male abermals spurlos verschwunden war und alle Unternehmungen, seiner wieder habhaft zu werden, blieben fruchtlos. In Tulza und Umgebung ist nunmehr das Gerücht verbreitet, daß der von Bavic überbrachte Kopf ein falscher war, daß der Räuber Nikolic noch am Leben sei, und daß das Ganze nichts anderes als ein von diesem selbst in Szene ge fester Streich gewesen sei, um den auf seine Habhaftwerdung ausgesezten Betrag selbst einzustecken. Bavic mochte aber Angst bekommen haben, daß man seiner Betrügerei auf die Spur gekommen sei, in welchem Falle ihm allerdings de Galgen ficher gewesen wäre, und soll deshalb neuerdings bit Flucht ergriffen haben. Weltsprache. Es besteht bekanntlich die Absicht, eint Weltsprache einzuführen. Ein Pfarrer Schlager hat das sog. Bolapük" erfunden, und ein Herr P. Steiner hat im Gegens faz dazu eine Elementargrammatit geschrieben, welche von eine anderen Weltsprache handelt, die er" Bafilingua" nennt. Die meisten Stämme hat er dem Englischen entnommen; für die Bildung der Wortformen hat er sich dagegen mehr an das Lateinische, Französische und Deutsche gehalten. Man bör wie einfach fich diese Wortformen bilden laffen. Substantive welche z. B. lonkrete Gegenstände bezeichnen, haben die Gn dungen o( männlich), e( weiblich), a und ia( sächlich). Dazu die Artikel to, te, ta. Infolgedessen heißt es: to homino( det Mann), te femine( die Frau), ta cita( die Stadt). Substan tive, die abftratte Dinge bezeichnen, erhalten die schöne Endung u oder iu, z. B. ta hausiu( die häuslichkeit). Da wir einmal dabei find, mögen noch einige hübsche Substantive hier Plat finden: ta cantatu( das Gesungene), te little( die Kleine), to jungo( der Junge), ta denkaru( das Denten). Eine wah haft geniale Erfindung ist nun aber das Anhängen der Pro nomina il, el, al( er, fie, es) an die Substantive, die dadur - man höre!- den Begriff des Verächtlichen" erhalten So heißt to hominil der verächtliche Mann, to jangil der erbärmliche Junge, te kingel= die verächtliche Königin ta pasilingual wird also wohl die erbärmliche Weltfprade bedeuten. Der erste Vers des Heine'schen Liedes: weiß nicht, was soll es bedeuten" würde in der Bastlingus heißen: = Mi ignorar quan signifare, Quod ere mi ita tristo, GhTas wordas de una legenda Non quittar min sensis sorro. Ur eriche Berli Bosto ร Mbon tagsb fcheine Erheb fein u gefam halten Sonn fagt nur u fall tüz Rör über behal ld Röl sein! die betan baß legt. wie glaub Bebe theil Son fel torpo Spe belst fr Hand Diese Bafilingua aber flingt, wie die ,, Weser 8tg." meint, ein Märchen aus allerneuester Beit, das uns wahrscheinli schon sehr bald wieder aus dem Sinn kommen wird. Plattdeutscher Sprachreichthum. Die„ Kiel. 8tg." eine fleine Sammlung der Redensarten gemacht, mit de die plattdeutsche Bunge ausdrückt, daß Jemand betrunken he is voll. He is anschaaten. He hätt en Strich. hätt en beten to veel. He is benebelt. Kopp. He hätt genog. He hätt en Haarbüdel. hätt en Glas to veel drunken. Glas teken. He hätt wat in He hätt to depp He is illuminert. De Tung is em He kann nich mehr up de Been stahn. Se hätt He is ferdig. He is selig. De Kopp is swar. Spiß. swar. wadelt. is pudeldick. He is bavn nich richtig. He früzt. laden. He is dick und dun. He hätt Glesogn. He hätt fit de Näs begaaten. He fann fuhm lallen. int He fann nich na'n Stri gah'n. He is unnern Disch.- Das Verzeichniß ließe fi noch bedeutend vervollständigen, es genügt aber. Sach tamm die v trage ift m He hätt fin' Ladung. Seift He hätt fin' Del. He segelt för volle Segel Inter He is fchee richte häufi fett, botir bes S belst tamm Ansch Single Große öffentliche Versammlung der Buchbinder. Sonnabend, den 12. d. Mts., Abends 8½ Uhr, in Feuerstein's Salon, Alte Jakobftr. 75. Tagesordnung: Besprechung der Leistungen der Hilf Unter Hinweis auf die Wichtigkeit der Verhandlung ladet sämmtliche Kollegen freund lichst ein [ 2115] Paul Linte, Wilhelmstr. 3. Dringende Bitte! Am 31. August stürzte mein Mann von der vierten Etag des Neubaues Hackescher Markt Nr. 1 herunter und verftar in Folge der Verlegungen. Er hinterläßt mich schwache Fra mit vier fleinen Kindern in der bittersten Noth. Zwei meiner Kinder liegen am Scharlach frank darnieder. Bum 1. Oktober muß ich ziehen. Das legte Geld habe ich zum Begräbniß für die nothwendigen Auslagen ausgegeben. Ich bitte deshalb wohlthätige Herzen, mich in dieser Lage zu unterstüßen. Jebe Gabe, so flein sie ist, hilft mir in meiner Noth. Berlin, den 7. September 1885. sloth unb Juliane Daebel, Wittwe Andreasstr. 34, Hof 4 Tr. Arbeitsmarkt. Mädchen auf Strohtaschen verlangt Berger, Neue Grünftraße 23. Farbigmacher Verein der Sattler u. Fachgenoffen. verlangen Stubit& Imberg, Laufigerſtraße 43. od Sonnabend, den 12. Septbr., Abends 8 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Pred. emer. Kendziora über Natur und Kultur". 2. Verschiedenes. [ 2117 Gäste find willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Vorstand. ning is dated 3. Fragelasten. Heute: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten und theatralische Vorstellung. Allen Freunden und Bekannten und meiner werthen Nach barschaft empfehle mein 2084 Beiß und Bairisch- Bierlokal. Herm. Liewald, Frantfurter Allee 143. Avis. werden verlangt Tischlergesellen 53] Euch verm imme Mor Mor in& Laffer mein bem gebel To if ( 2116 je v ( 2126 Alte Jakobstraße 38. Arbeitsnachweis Abends von 812-9 Uhr. Ein Cigaretten- Arbeiter und ein Lehrmädchen verlangt Alexandrinenstraße 57. es, bei ermo recht nicht [ 2118 nach boff [ 212 fluß mät Be uns alle Glü entm er i feine ben es e Geübte Stuhlflechterinnen werden für dauernde schäftigung in und außer dem Hause verlangt bei 2106] Fertau, Naunynstraße 86, Hof IV. Cigarren eigener Fabrik, Der Arbeitsnachweis des Vereins zur Wahrung der sowie alle Sorten Rauch, Kau- u. Schnupftabate empfiehlt Intereffen der Klavierarbeiter befindet sich nach wie vor Staligerstraße 18 bei Stramm. [ 1711 1243 A. Kunze, Forsterstraße 2. Verantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Drud und Verlag von Mar Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2.