Kr. 213. Kouimbend, de« 12. September 1885. IL Jahrg. (riiMMsWI Drgsn für die Intrrcffrn der Arbeiter. 4 Da«..Berliner Volksblatt« Sfchewt täglich Morgen« außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis Berlin frei in« Hau« vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Hostabonnement 4 Ml. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in oer PostzeitungSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnfertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 tth Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Kedaktio«: Keuthstraße 2.— Grpedituw: Zimmerstraße 44. _ Der heutigen Nummer liegt für unsere auswärtigen Abonnenten die Nummer 41 des„Jllustrirtes Sonn» »«»sblatt" bei. Dil Zmuttopfblit. In drei Wochen— so erfährt man durch eine an- scheinend offiziöse Not» der„Köln. Zeitung"— sollen die Erhebungen betreffs Abschaffung der Sonntagsarbeit beendet sein und man will fich an die Sichtung des maffenhaft an- gesammelten Materials machen. Nach dem rheinischen Blatte hallen sich die Gutachten für und gegen Abschaffung der �onntagsarbeit ungefähr die Wage.„Die ablehnenden", sagt die„Kölnische Zeitung",„sind vielleicht, wenn auch nur um ein Weniges, überwiegend. Sie find jeden- falls von sehr aewichtigenGründen unter- stützt und gehen von h o ch an sehn l i ch en Körperschaften au S." Wenn also„hochansehnliche Körperschaften" ein Urtheil über die Sonntagsarbeit abgeben und sich für deren Bei- beHaltung erklären, so müssen— nach der Logik der »Kölnischen Zeitung"— ihre Gründe„sehr gewichtige" sein! Diese„hochansehnlichen Körperschaften" sind offenbar die Handelskammern. Die Regierung hat zwar bei ihrem bekannten Vorgehen gegen einige Handelskammern dokumentirt, daß sie auf diese Korporationen keinen allzu hohen Werth legt. Möglich, daß man indessen auch in Regierungskreisen glaubt, gerade die Handelskammern seien berufen, über die Bedeutung und die Wirkungen der Sonntagsarbeit ein Ur- %il abzugeben, und daß man den die Abschaffung der Sonntagsarbeit befürwortenden Gutachten der Arbeiter- korporatroncn durch die gegentheiligen Gutachten der Han- delskammern ein ausschlaggebendes Gegengewicht bieten will. Nun, wir müssen gestehen, daß wir die Urtheile der Handelskammern keineswegs als ausschlaggebend in dieser Sache anzuerkenne« vermögen. Die Gutachten der Handels- kammern werden wesentlich gestützt durch das Material, das die von diesen Korporationen angestellten Sekretäre zusammen- tragen und zustutzen. Wenn man diese Sekretäre kennt, so ist man auch über den in den Handelskammern herrschenden Geist und über die dort gebräuchlichm Anschauungen über die Interessen und Forderungen der Arbeiterwelt hinreichend unter- richtet. Die Sekretärstellen bei den Handelskammern sind sehr häufig mit abgenützten liberalen Agitatoren oder Journalisten be- setzt, die sich gemäß ihrer immerhin unabhängigen und gut dotirtea Stellung gleich von vornherein auf den Standpunkt des Arbeitgebers stellen. Man braucht die von den Han- delskammersekretären verfaßten Jahresberichte der Handels« lammern nur aufmerksam zu lesen und man wird unsere Anschauung durchaus bestätigt finden. ES versteht fich auch »***1 Krtot«.] gfeutCfcf Ott» Da» Moruiouettmadche». Amerikanische Erzählung 68] von »aldni« Möllhanse«. (Fortsetzung.) „„Zunger Mann, seid nicht vorschnell in Sachen, die Euch zu fern liegen, als daß Ihr sie richtrg zu beurtheilen i.j u_____ k.u. i. CY frt.» f rtvf/JpiemSo« fA 1 T fT ►> ItOm «wrmomn und Datum wiro tu uw>»»>»" »iormonin fügen. Doch ich bin nicht gekommen, um mich i» Erörterungen über religiöse Streitfragen mit Euch emzu- lassen. Die treueste Anhänglichkeit und Liebe zu dem Kmde Weines früh verstorbenen Bruders hat mich zu einem Schritte bewogen, vor welchem ich in jedem anderen Falle zuftick- rebt wäre. Wie Ihr meine Nichte leidenschaftlich liebt, ist sie Euch nicht weniger in Liebe zugethan. Hattet Ihr le von Eurer Leidenschaft zu ihr gesprochen, so wüßte ,ch W, darauf dürft Ihr Euch verlassen, und ich wäre jetzt nicht bei Euch. Wenn ich aber Eurer gegenseitigen Zuneigung wwähne, so geschieht es eben so wohl, weil ich dazu be- rechtigt bin, als weil ich mich in meine» Beobachtungen rstcht getäuscht habe. Ich wußte es schon damals, als ich sfach unserer Trennung sie fern von Euch zu halten wünschte, hoffte aber, die Zeit und die Entfernung würden ihre« Ein- Paß auf daS noch so kindlich fromme Gcmüth de« jungen -lstädchenS nicht verfehlen. Trotz meiner Vorsorge habt Ihr Wis wieder aufzufinden gewußt, und Euer Erscheinen droht Zlle Pläne scheitern zu machen, welche ich zum irdischen Glück und zum Seelenheil des Kindes schon seit Zahren entwarf und seitdem sorgfältig hegte." Hier schwieg Jansen eine Weile. Augenscheinlich sann rr über das nach, was er zu sagen im Begriff stand, aber «tue Muskel feines eherne« Gesichts verrieth durch ihr Zucken nen Kampf, der in seiner Brust tobte. Und dennoch war 18 ein harter Kampf; ein Kampf zwischen seinem religiösen anz von selbst, daß die in den Handelskammern sitzenden ndustriellen und Kaufleute diese Körperschaften als eine Organisation betrachten, welche die Interessen der genannten Berufs- und Erwerbszweige zu wahren hat. Wir lassen uns aber nicht ausreden, daß die Frage der Abschaffung der Sonntagsarbeit im Interesse der Arbeiter aufgeworfen worden ist. Demnach können wir nicht zugeben, daß die Gutachten der Handelskammern in dieser Angelegenheit als besonders„schwerwiegend" aufgefaßt werden können. Die Handelskammern haben über die Interessen des Handels zu berathen und die Mittel zu dessen Förderung zu ergründen, sowie der Regierung Vorschläge zur Förderung der Handelsinteressen zu machen. Wir be- streiten nicht, daß sie sich in diefer Eigenschaft dem Lande nützlich machen können. Aber der Geist, der in den meisten Handelskammern herrscht, ist der Natur ihrer Zusammen- setzung gemäß ein durchaus manchesterlicher- sie haben sich bi» jetzt mit wenigen Ausnahmen sehr viele Mühe gegeben, eine den Arbeitern günstige und einschneidende Sozialgesetzgebung zu verhindern. Sie haben sich überhaupt meistens gegen das Eingreifen des Staats in die wirthschaft» lichen Verhältnisse ausgesprochen. Daß man die Abschaffung der SonntagSarbeit— eine an sich nicht hervorragende sozialgesetzgeberische Maßregel— so energisch bekämpft, ge- schieht wohl hauptsächlich auS dem Grunde, weil man ihre Konsequenzen fürchtet. Man glaubt, wenn eS den Ar- beitern gelinge, die Beseitigung der Sonntagsarbeit durchzusetzen, daß dann die Bahn für eine weiter- ehende und einschneidendere Sozialgesetzgebung zu unsten der Arbeiter gebrochen sei. Das wäre kein Un- lück für die Arbeiter, wohl aber für die Herren Handels- ämmersekretäre, die sich dann wahrlich einmal nach neuem Stoff für ihre traditionellen Deklamationen gegen die Ar- beiterbestrebungen umsehen müßten. Und daS macht viele Arbeit, während es bequemer ist, die unter den Herren Sektretären von Generation zu Generation überlieferten Phrasen alljährlich zu Markte zu bringen. Die„Kölnische Zeitung" sagt ferner, es sei zu ver- muthen,„daß die weitgehenden(!) Aenderungen bezüglich der Sonntagsarbeit keine Aussicht auf Erfüllung haben und daß, wenn überhaupt etwas, ein Mittelweg vorge- schlagen werden dürste!" Man sieht, der Gesichtskreis des großen rheinischen Blattes ist genau so eng wie der eines Handelskammer- fekretärs. Es geberdet sich, als ob die Frage der Abschaffung der SonntagSarbeit geeignet sei, die Fundamente deS fganzen Gesellschaftsgebäudes zu erschüttern. Wenn durch die Sonntagsarbeit die Nach- frage nach Arbeitskräften gesteigert wird, so geschieht dies in einem so geringen Maße, daß dadurch die Löhne nicht Fanatismus und der Liebe zu der Tochter seines Bruders; zwischen seinem Stolz und dem Wunsch, das Glück der unter seinem Schutz stehenden Waise nach deren eigenen Neigungen und Begriffe« zu begründen. Weatherton schaute unterdessen gespannt auf ihn hin, und wenn auch die Mittheilung, daß Hertha ihm mit in- niger jungfräulicher Liebe zugethan sei, in seinem Herzen gleichsam fortoibrirte, so suchte er doch vergebens zu ent- räthseln, welcher Zweck Jansen eigentlich bei seinen Er- Öffnungen leite. „Ich halte Euch für einen braven Mann," begann der Mormone endlich wieder,„für einen Mann, der allerdings bis jetzt noch als ein Feind unsere« Volkes betrachtet werden muß, dem e« aber leicht sein würde, alle ihn treffenden Vor- urtheile und Anklagen zu besiegen und niederzuschlagen. In Eurer Hand nun liegt es, das Glück meiner Nichte zu be- gründen und sie vor den gebotenen, allein leicht zu um« gehenden patriarchalischen Gebräuchen unserer Kirche zu be- wahren, die Euch bei Eurer Kurzsichtigkeit so Verdammung«- würdig erscheinen." „Ich?" fragte Weatherton erregt, während ihm alles Blut zum Herzen drang,„ich soll sie vor dem traurigen Loose, welches ihrer hier harrt, bewahren könnnen? O Mr. Jansen, glaubt meiner Versicherung, sollte mir das gelingen, dann hätte ich die heilige Aufgabe erfüllt, welche ich mir stellte, als ich mich zu der gefährlichen Reife entschloß!" lieber Zansen's Physiognomie flog ein trüber Schimmer. In Weatherton's Worten hatte etwas gelegen, was fein religiöses Gefühl verletzte und Zweifel wach rief, ob daS von ihm eingeschlagene Verfahren von Erfolg gekrönt wer- den würde. „Ich wiederhole noch einmal," hob er an, nachdem er einen langen, tiefen Blick in Weatherton's Augen gesenkt, „was ich auch immer von Euch fordern oder erbitten mag, vergeßt nicht, daß ich von der treuesten Anhänglichkeit an Hertha geleitet werde, und alle mir sonst streng gebotenen Pflichten und Rücksichten gern hinter den Wuusch zurück- stelle, sie glücklich zu sehen. Und sie verdient eS wohl, daß man ihretwegen sich zu schweren Opfern entschließt, denn sie besitzt ein edlcS, frommes Gemüth, und der Verlust ihrer in die Höhe geschnellt werden können. Das letztere kann nur durch eine Beschränkung der ganzen Arbeitszeit geschehen. Allein die Unternehmer sind so empfindlich, daß sie schon von der Abschaffung der SonntagSarbeit fürchten, dieselbe möchte den Unternehmergewinn irgendwie alteriren. Die Beseitigung der SonntagSarbeit wird aber weniger auS öko- nomischen, als aus anderen Gründen angestrebt. Man will dem Arbeiter einen völligen und ungestörten Tag der Rast und der Ruhe verschaffen. Wenn aber wirklich nur ein„Mittelweg" eingeschlagen werden soll, dann thäte man besser, sich die ganze Mühe zu ersparen. Wir betonen nochmals, daß wir die Abschaffung der SonntagSarbeit als eine im Ganzen untergeordnete Sache betrachten; sie tritt zurück neben der Forderung eines Normal- arbeitstages. Wenn man sich aber nicht entschließen kann, die Sonn« tagsarbeit— unbeschadet der unentbeh, lichen Ausnahmen— zu beseitigen und dem Arbeiter nach sechs Arbeitstagen einen ganzen Rasttag zu sichern, wozu dann der ganze Lärm? Einen„Mittelweg" haben wir gegenwärtig schon; in einem großen Theil von Betriebszweigen ist die Sonntagsruhe Thatsache; in anderen iff sie so gut wie gar nicht vorhanden; in anderen wieder nur theilweise. Freilich, wenn bei solchen Erhebungen in Sachen, die das Wohl und Wehe der Arbeiter betreffen, die Gutachten „hochansehnlicher Körperschaften" gewichtigere Gründe bilden sollen, als die Aeußerungen und Kundgebungen der Arbeiter selbst, dann wird man immer zu dem gleichen Resultat kommen._ Politische Peverftcht. Herr Dr. Hirsch giebt fich große Mühe, den Groß« industriellen in Die Hände zu arbeiten. Die Haltung seiner Gewerkvereine liefert hierfür den besten Beweis. Zahr ein, Jahr aus wird den Mitgliedern dieser Vereine in dem von Herrn Hirsch geleiteten„Gewerkverein" klipp und klar„nach- gewiesen", daß das Verbot der Sonntagsarbeit zu einem Ein- griff in die persönliche„Freiheit" des Arbeiters führen müsse. Diese Forderung, so lehrt Herr Hirsch, gehe nur von den Sozialdemokraten aus, welche das hohe Prinzip der Selbst« Hilfe nicht anerkennen wollen, weil es ihnen nur drum zuthuir sei, für ihre undurchführbaren Forderungen Propaganda zu machen. Man darf fich daher auch nicht wundern, daß es an manchen Orten noch Gewerlvereine giebt, welche die Theorie des Herrn Hirsch für durchaus richtig halten und demzufolge gegen ihre eigenen Interessen sündigen. So liegt uns ein Bericht über eine Versammlung des Ortsverbandes der Ge- werkvereine in Mannheim vor, der hierzu eine treffende Illustration bildet. In dieser Versammlung wurde über die Sonntagsarbeit dcbattirt und folgende Resolution angenommen:„Die am 5. September abgehaltene Versammlung des Ortsvereins der Maschinenbau- und Metallarbeiter Schwester ist der härteste Schlag, der sie hätte tteffe» können.— „Mr. Weatherton," fuhr er dann nach einer längeren Pause plötzlich mit heftiger Erregthett fort, indem er die eine Hand auf des Offiziers Schulter legte und mit der andern dessen Rechte ergriff,„Mr. Weatherton, ich bin alt genug, um Euer Vater sein zu können, denkt daher, daß väterliche Gefühle für Euch mich beseelen. Mr. Weatherton, tretet zum Mormonenthum über, und Hertha ist die Eurige? Unterbrecht mich nicht, unterbrecht mich nicht," rief er mit Wärme aus, als er gewahrte, daß Weatherton, wie von einem tödtlichen Schrecken befallen, die Hand abwehrend gegen ihn aushob;„hört mrch zu Ende, und dann nehmt Euch erst Zeit zum Ueberlegen, ehe Ihr eine Entscheidung trefft. Ihr als Mann habt es in Eurer Gewalt, die in unserer Glaubenslehre vorgeschriebenen und von Euch ge- mißbilligten Satzungen zu umgehen. Ihr seid nicht ge- zwunaen, mehr als eine Gattin an Euch zu fesseln, zumal Ihr Euern Aufenthalt nicht hier zu nehmen brauchtet und dort leben dürftet, wo Hertha sich am heimischsten fühlt. Ueberlegt das Alle«, mein junger Freund, vergeßt auch nicht' daß Hertha selbst eifrige Mormonin ist und lieber ihr Leben auf den Altar des Herrn niederlegt, als von ihrem Glauben läßt, daß sie dagegen an Eurer Seite das Glück finden würde, welches sie in so hohem Grade verdient, ein Glück welches ihrer ganzen DenkungSweise, ihrem Charakter so vollkommen entspricht. Ha, und Ihr? O, ich müßte nicht auf den Grund EureS Herzens geschaut haben, wollte ich noch bezweifeln, daß der Besitz des jungen Mädchens Euer irdisches Glück mehr als vervollständiate. obwobl% selbst irdisches eS hei Euern ehrenwerthen Lebensansichten vielleicht noch mcht gewagt habt, Euern Wünschen und Hoffnungen ein so fernes, Euch unerreichbar scheinendes Ziel zu stecken. Und ich, mein junger Freund? ich, der ich bis jetzt in der ge- nauen Beobachtung unserer religiösen Vorschriften meinen höchsten Seelenfrieden fand, den eS mit Stolz erfüllte, die eigenen Neigungen, ja, die Neigungen meiner Nichte dem geläuterten Glauben, so wie zur Ehre Gottes und des neu gegründeten Zion opfern zu können, mit Freudenthränen will ich Eure Bekehrung begrüßen und mit Freudenthränen en Polizctkommissar Zickel vorgenommene Auflösung einer olksversammlung beschwert. Nach verantwortlicher Venteh« mung des Polizeikommissars, nach Einficht der desfallstgen Alten und nach Untersuchung des Sachverhalts trete ich der Auffassung bei, daß in den Bestimmungen in§ 5 des Ver- einsgesetzes vom 11. März 1850 kein hinreichender Grund für jene Auflösung zu finden war, weshalb ich den genannten Kommissar in geeigneter Weise rektifizirt habe, damit das ver- faffungsmäßige Versammlungs- und Vereinsgesetz auch hier respektrrt werde. Uebrgens haben die anscheinend das Maß einer erlaubten Kritik überschreitenden scharfen Aeußerungen eines Redners über die Maigesetzgebung und speziell Las Eperrgesetz den Kommissar bestimmt, so wie geschehen zu han- deln. Ob in jenen Aeußerungen Anlaß zu einer strafrecht. lichen Verfolgung liegt, wird die königliche Staatsanwaltschaft in Aachen beurtheilen. Der Bürgermeister Mooren. Zur großen Ueberraschung des Herrn von Grand-Rp und wahrscheinlich noch mehr des Bürgermeisters traf aber schon am folgenden Tage nachstehendes Schreiben des Land- raths an den Erstgenannten ein' „Ew. Hochwohlgeboren werden hierdurch davon in Kennt- niß gesetzt, daß ich die seitens des hiesigen Bürgermeisterei- amts erlassene Entscheidung vom 4. d. Mts. über die von Ihnen erhobene Beschwerde wegen Auflösung der Hierselbst am 2. v. Mts. stattgesundenen Katholikenversammlung wegen formeller Inkompetenz unter dem heutigen Datum aufgehoben habe. Der Königl. Landrath Gülchcr." Da im Vereinsgesetz vom 11. März 1850 immer von der Ortspolizei resp. deren Abgesandten die Rede ist, so ist nach unserer Meinung auch der Bürgermeister als Leiter der Orts- Polizei kompetent, eine von seinen Untergebenen zu Unrecht er« folgte Auflösung aufzuheben resp. den Beamten zu rektifiziren. Der Herr Landrath jenes Kreises scheint eine andere Meinung zu haben. Man kann auf den weiteren Verlauf der Sache ge- spannt sein. Zu denken giebt der Vorgang genug. Am 2. August wird die Versammlung zu Unrecht aufgelöst, 4 Wochen später erfolgt endlich die Ankündigung, daß der Beamte sich „geirrt" hat und hinterher wird auch viese Entscheidung wieder aufgehoben. Es geht doch nichts über eine gewisse Geschwin- digteit! In Sachen der Karolinen-Jnseln publizirt der gestrige Reichsanzeiger mehrere Aktenstücke, aus denen hervorgeht, daß die Reichsregierung die Inseln als herrenlos betrachtete. Das erste Schriftstück datirt vom 31. v. M. und ist eine Antwort auf den Protest der spanischen Regierung gegen das Vorgehen der deutschen auf genannten Inseln. Die Note trägt die Unterschrift des Reichskanzlers und geht von der Anficht aus, daß das Vorgehen der deutschen Regierung ein vollständig korrestes sei, da derselben nicht bekannt, daß Spanien irgend welche Hoheitsrechte über die Inseln besitze. Es wird dann am Schluß darauf hingewiesen, daß die deutsche Regierung gerne bereit sei, in eine Prüfung der spanischen Ansprüche ein- zutreten.— Das zweite Schriftstück datirt vom 4. März 1875. Aus demselben acht hervor, daß die deutsche Regierung schon damals die spanische Herrschaft über genannte Inseln nicht an- erkannte, indem fle gegen die Schwierigkeiten, welche einem deutschen Schiff beim Ausladen auf diesen Inseln vom spani- schen Konsulat zu Hongkong gemacht wurden, protestirte. Diesem zweiten Ästenstück folgt dann noch ein drittes in eng- lischer Sprache, welches ebenfalls aus jener Zeit stammt. In dieser Note tritt die englische Regierung ebenfalls für die An- ficht der deutschen ein, daß die Inseln nicht alS unter spani- daS liebe, theure Wesen an Eure Brust legen. Die Freude aber, welche ich empfinde, soll nicht dem Bewußtsein gelten, dem Herrn einen neuen Streiter zugeführt zu haben, sondern aus der Ueberzeugung entspringen, das irdische Glück zweier Menschen, welches bis über das Grab hinausreicht, begründet zu haben. Ich fage Streiter des Herrn; mißversteht mich nicht, es wird nicht von Euch erwartet und gehofft, daß Ihr die Waffen in dem bevorstehenden Kampfe gegen Eure angestammte Regierung ergreifen sollt. Ihr seid Soldat und Offizier, und als solcher müßt Zhr selbst am besten wiffen, was Ihr zu thun habt; von Seiten Eurer neuen Glaubens- genoffen wird Euch am wenigsten Zwang auferlegt werden. „So, dai ist es, was ich Euch mstzutheilen hatte und weshalb ich Euch zu so später Stunde in Eurer Haft be- suchte", sagte Jansen jetzt mit ruhigerer Stimme, indem er sich zurücklehnte, als ob er durch die offene Darlegung seiner Gesinnungen erschöpft worden wäre.„Jetzt gleich erwarte ich keine Antwort von Euch. Nehmt Euch Zeil zum lieber- legen und erwägt Alles, ehe Ihr den entscheidenden Schritt thut, und möge Gott Euch erleuchten und Euer Herz zum Besten lenken." Obgleich Weatherton noch immer bleich und mit hoch- wallender Brust fast regungslos dasaß, so hatte er während des Mormonen langer Rede doch Zett genug gefunden, seine durcheinander wirbelnden Gedanken zu sammeln und neue Fassung zu gewinnen. Als Jansen geendigt, reichte er ihm mit wehmüthigem, aber freundschaftlichem Ausdruck die Hand. „Mr. Jansen", sagte er ruhig und fest,„Ihr habt mit ehrendem Vertrauen zu mir gesprochen, gestattet mir daher, daß ich Euch mit derselben rücksichtslosen Offenheit antworte, so wie es sich unter Männern geziemt. Sagt mir vor allen Dinqen, weiß Eure Nichte um Euer« Besuch und kennt sie dm Zweck, welchm Ihr verfolgt?" „Sie ahnt eS nicht und soll eS auch nie erfahre«, es sei denn, ich führe Euch als Mormonen bei ihr ein", gab habt"Recht", fuhr Weatherton leiser fort,„ich darf dann um so freier in meinen Aeußerungen sein. Ihr gewährtet mir Zeit zum Ueberlegen; dafür, sowie für Euer scker Höhest stehend gelten könnten. Es liegen heute folgende Nachrichten vor: Madrid, den 9. September, Abends. Die„Epoca" spricht sich dafür aus, daß die Regierung das Wappen der deutschen Gesandtschaft an deren Hotel freiwillig nnter dem bei solchen Anlässen üblichen Zeremoniell wieder anbringen lasse. Madrid, 10. September. Der„Korrespondencia" zu folge sollte in der heute unter Vorfitz des Königs stattfinden- den Sitzung deS Ministerrathes über die Form der für die Beleidigung der deutschen Fahnen zu gebenden Genugthuung Beschluß gefaßt werden. Der„Jndev. beige" wird aus Madrid gemeldet, daß der Mi- nisterrath den Text der Note in Antwort auf die Vorschläge Deutschlands festgestellt habe. Die Note betont nochmals die historischen Rechte Spaniens und die Priorität der Besetzung von Aap und hofft, daß Deutschland Beides anerkennen werde. DaS Schriftstück ist lang und sein Ton fest. Die Genugthuung für die Beleidigung der deutschen Gesandtschast und der deutschen Konsulate wird durch eine Note in der„Gazeta" bei dem deutschen Vertreter erfolgen. Dem Bundesrathe ist nunmehr der Antrag der Aus- schüffe betreffend die Ausfühiung des durch das Gesetz vom 29. Mai d. I. abgeänderten Reichsstempelgesetzes zugegangen. Der Antrag lautet:„Der Bundesrath wolle beschließen: dem Entwürfe A. der Ausführungsvorschriften zu dem Gesetze, be- treffend die Erhebung von Reichsstempelabgabm, B. der Bestimmungen über die Erhebung und Verrechnung der nach dem Gesetze, betreffend die Erhebung von Reichsstempelabgabcn, zu entrichtenden Abgaben, in der aus der Anlage ersichtlichen Fassung zuzustimmen." Die Telearaphen-Konferenz führte gestern in einer sechsstündigen Plenarsitzung die erste Lesung der vorliegenden Entwürfe des Reglements und der Anlagen zu Ende. Indien, Japan und Brasilien gaben ihre definitiven Erklärungen bezüg- lich der Herabsetzung der Gebühren für die überseeische Korre- spondenz ab- Die Anträge Deutschlands in Betreff des Fern- sprcchwesens wurden mit geringen Abänderungen angenommen. Die zweite und letzte Lesung wird voraussichtlich am Montag stattfinden. Für beute ist eine Separat sttzung behufs Ent- rgennahme und Diskusston der endgiltigen Erklärungen der abelgesellschasten über die Tarifermäßigungen im transozeani- schen Verkehr anberaumt. Der Spiest wird umgedreht! Nach Frankfurter Blättem soll gegen elf bekannte dortige Sozialdemokraten An- klage wegen passiven Widerstandes, verübt bei der bekannten Frredhofs-Affaire, erhoben worden sein. Ein neuer Unfall, welcher die deutsche Marine weniger betroffen hat, als durch ein Schiff derselben veranlaßt worden ist, wird durch ein Telegramm aus Kopenhagen gemeldet. Der deutsche Avisodampfer„Blitz" kollidirte in der Nacht zum Donnerstag dreiviertel Meilen vom Leuchtschiffe„Kobbergrunden" im Kattegat mit dem englischen Dampfer„Äukland", welcher sofort sank. Nach in Frederikshaven eingegangener weiterer Meldung erfolgte der Zusammenstoß des Aviso„Blitz" mit dem Dampfer, Äukland", nördlich von der Insel Laesö, in Folge falschen Manövers des„Äukland". Von der 17 Mann starken Besatzung des Dampfers konnten nur 2 Mann gerettet werden. Der Dampfer, dessen Kapitain Tose, kam, wie noch telegraphisch aus Kopenhagen gemeldet wird, von Hartlepool und befand sich auf der Fabrt mit einer Kohlcnladung nach Stockholm. Die von dem„Äukland" Geretteten, Steuermann Napier und Bootsmann Charles Batty, find in Frederikshaven gelandet worden. Der Aviso„Blitz" ist völlig unbeschädigt und Niemand verletzt. Nach einem neuerlichen Zirkularerlaß des Finanz- Ministers kommen bei der Heranziehung der Konsumvereine und Kreditgenossenschaften(Volksbanken, Vorschußvereine) zu der Gewerbesteuer folgende Grundsätze in Zukunft zur Anwen- dung: 1) Diejenigen Konsumvereine, welche ein offenes Ver- kaufslokal(Laden, Komtoir, Magazin, Bazar u. s. w.) unter- halten, find fortan regelmäßig zur Gewerbesteuer in der dem Geschäftsumfange entsprechenden Handelssteuerklasse heranzu- ziehen. Werden mehrere dergleichen Lokale von einem Vereine unterhalten, so erfolgt nach den allgemeinen Vorschriften die Besteuerung jedes einzelnen Ladens-c. nach Maßgabe des Umfanges des in demselben ausgeübten Betriebes. 2) Des- gleichen find die Vorschuß- ic. Vereine und sonstigen Kredit- genossenschasten fortan regelmäßig als gewerbesteuerpflichtig anzusehen und ist die Befreiung von der Gewerbesteuerpflicht nur solchen Kreditgenossenschaften zuzubilligen, welche ihrerseits den Nachweis führen, daß der Zweck des Erwerbs bei ihrem Geschäftsbetriebe unbedingt ausgeschlossen bleibt. Dies wird insbesondere dann anzunehmen sein, wenn der Verein sich da- rauf beschränkt, seinen Mitgliedern die ihrem Kreditbedürfniß entsprechenden Mittel zuzuführen und den erzielten Geschäfts- Überschuß ausschließlich denjenigen, welche die Kreditgewährung in Anspruch genommen haben, nach Maßgabe dieser Jnan- 'pruchnahme wieder zuwendet. Kreditgenossenschaften, welche hre Äeschäftsüberschüsse zur Vertheilung von Zinsen und Di- videnden an die Inhaber von Geschästsantheilen oder zu An- unverkennbares Wohlwollen, welches sich in jedem Eurer Worte ausprägte, sage ich Euch meinen innigsten, tief- gefühlten Dank. Ich bedarf indessen keiner Frist, um mich zu entscheiden, die Entscheidung war eben so schnell getroffen, wie Ihr Eure Vorschläge darlegtet. Es wäre thöricht, Euch gegenüber leugnen zu wollen, daß die Theilnahme, welche ich für Eure Nichte an den Tag legte, aus einer tieferen Leidenschaft entsprang, welche mir zuerst deren Anblick ein- lößte, später aber, im näheren Verkehr mit ihr, immer mehr mwuchS. Eben so thöricht wäre es aber auch gewesen, hätte auf eine Erwiderung solcher Gefühle in einer anderen Weise, als in der emer aufrichtigen Freundschaft rechnen, oder mich gar den Einwirkungen phantastischer Träume leichtsinnig hingeben wollen. Habe ich sie geliebt, so liebte ich sie innig, aufrichtig, und frei von allen eigennützigen Gedanken, frei von jeder selbstsüchtigen Hoffnung auf ihren Besitz. Wenn Ihr dagegen behauptet, daß Hertha'« Besitz mich zum Glücklichsten aller Sterblichen machen würde, so sprecht Ihr etwas aus memer Seele, was mir selbst zu ge- stehen ich nie gewagt hätte; ei« solches Ziel lag und liegt noch zu weit aus dem Bereich meiner kühnsten Hoffnungen. Wäre es mir beschieden gewesen, die Zuneigung des lieben, edelherzige« Wesens erwerben zu dürfen, wäre es mir be- schieden gewesen, das süße Gefiändniß von ihren eigenen Lippen zu vernehmen und zugleich die Gewißheit, die Ueberzeugung zu gewinnen, daß der Unterschied in der Art der beiderseittge» Gottesverehrung kein Hinderniß zu unserer Vereinigung sei, dann, ja dann hätte zu meiner irdischen Glückseligkeit nichts, aar nichts mehr gefehlt. Ob nun Mormonm, oder zurückgekehrt zu dem Glauben ihrer Vorfahren, sie wäre der holde Stern gewesen, der mir stets reundlich und beseligend vorangeleuchtet, und dessen milde Strahle» zu allen Zeiten Frieden und Segen spendend auf meine« Lebensweg gefallen wären." Weatherton, dessen Stimme allmälig leiser und inniger geworden, chwieg hier plötzlich und ließ das Haupt mit einem schmerzliche« Seufzer auf die Brust sinken. Schien es ihm doch, als ob die lieblichen Bilder, welche während des letzten Theils seiner Rede vor seinem Geiste aufgetaucht waren, nun auf ewig Abschied von ihm genommen und nur noch sammlung von Fonds für den Verein selbst verwenden, find als solche anzusehen, deren Thätigkeit regelmäßig zugleich am einen Erwerb gerichtet ist und deshalb keinen Anspruch auf Steuerbefreiung machen können. Ueber die Auflösung der zentralistrten Metallarbeiter- Fachveretne läßt sich die„Elberfelder Zeitung" folgendermaßen vei nehmen:„Dem Vorgehen Äaiems gegen die Fachvereine ist jetzt Baden mit deni Verbote der„Vereinigung der Metall» arbeiter Deutschlands", der in Mannheim seinen Sitz hatte, gefolgt. Die Wahl Mannheims als Vorort ist wahrscheinlich darum erfolgt, weil man sich in Baden vor polizeilichen Ber- folgungen verhältnißmäßig am sichersten glaubte. Der badische Landeslommiffar hat jedoch gezeigt, daß auch er das Sozialisten» gesetz zu handhaben versteht. Die Begründung des Verbotes »st freilich von keiner besonderen Beweiskraft. Es wird einfach „aus der Anwesenheit einer großen Anzahl bekannter Agitatoren der sozialdemokratischen Partei" bei dem im Dezember 1834 zu Gera abgehaltenen Kongresse der Metallarbeiter, sowie„aus dem ganzen Verlauf der Kongreßverhandlungen" geschloffen, daß es fich bei Gründung der Vereinigung um ein Unter» nehmen gehandelt habe, bei welchem von vornherein der gewerl» schaftliche Zweck gegenüber dem politisch sozialdemokratische» in den Hintergrund trete. Aber für die Auslösung konnten doch nur die Handlungen des Vereins, nicht die politischen Gefin» nun gen seiner Mitglieder in Betracht kommen. Denn wen» das letztere der Fall wäre, würden gewiß nur sehr wenige der Fachvereine Gnade vor den Augen der Polizei finden können."— Man sieht, daß das Sozialistengesetz jetzt wieder vielfach in einer Weise gehandhabt wird, daß diese Handhabung selbst in den Augen der nationalliberalen Presse leine Gnade findet. Das schließt natürlich nicht aus, daß die National» liberalen im nächsten Jahre wieder geschlossen für Verlängerung des Ausnahmegesetzes stimmen werden. Das oben genannte Blatt erklärt sich übrigens auch gegen das Verfahren der Polizei bezüglich der Schließung der Buchdruckerei des Abg- Kräcker zu Breslau. Chemnitz, 9. September. Die hiesige Polizei hat die Geldsammlungen zur Beförderung der Wahl von sozialdemolra» tischen Landtagsabgeordneten verboten. Schweiz. Nachdem bereits vor einem Jahre in Bem eine interna- tionale Konferenz zur Berathung einer Konventin, betreffend Bildung einer Union zum Schutze der Urheberrechte(literari- sches und künstlerisches Eigenthum), stattgefunden hatte, traten zu Anfang dieser Woche an demselben Orte neuerdings die Vertreter der betheiligten Staaten zusammen und die VerHand- lungen, welche vom Bundesrath Drotz geleitet werden, find zur Zeit im besten Gange. Man nimmt an, daß die Arbeite» der Konferenz folgende Staaten vertreten: das Deutsche Ret* (3), Frankreich(4), Spanien(1), England(2', Vereinigte Staaten(1), Belgien(1), Italien(2), Niederlande(1), Schweden und Norwegen(2), Haiti(1), Schweiz(2)- Andere Staaten werden fich im Laufe der Konferenz noch ver» treten lassen. Die Verhandlungen der letzteren find nicht öffentlich.— Oesterreich betheiligt sich an der Konferenz nicht. Das österreichische Justizminiftelium hatte als Deligirten an die vorjährige Konferenz den Ministerialrath Dr. Steinbach entsendet. Der Vertreter Oesterreich- Ungarns stimmte zu dem Entwurf einer Literar-Konvention und machte die Zusage, daß Oesterreich-Ungarn fich auch an der diesjähri» gen Konferenz betheiligen werde. Die Erfüllung dieser Zusagt wurde jedoch von der Voraussetzung abhängig gemacht, daß mittlerweile zwischen den beiden Reichshälften der österreichisch' ungarischen Monarchie selbst ein Uebereinkommen zum Schützt des geistigen Eigenthums der beiderseitigen Staatsangehörige» zu Stande gekommen sein werde. Diese Voraussetzung hol sich nicht erfüllt. In Folge des in Bern im vorigen Jahre z» Stande gekommenen Beschlusses wurden zwar zwischen Oester» reich und Ungarn Verhandlungen wegen Abschlusses eines Rechtsvertrages zum Schutze des geistigen Eigenthums einge» leitet, doch find dieselben noch nicht zu Ende geführt und Oesterreich kann, so lange über diese Grundsätze zwischen bei» den Reichshälften kein Einverständniß erzielt ist, der Literal» konvention nicht deitteteu. Da nun die gegenwärtige Konfe» renz in Bem hauptsächlich den Zweck hat, Vre oben erwähnte intemationale Literarkonvenlion zwischen den betheiligten Staa< ten definitiv abzuschließen und die Union zu konstituiren, so ist Oesterreich nicht in der Lage, an dieser Konferenz theilzu» nehmen. Frankreich. Das„Joumal officiel" veröffentlicht nachstehendes Dekret: Art. 1. Die Wahlkollegien der Departements sind fite den 4. Oktober einberufen, um die im Anhange an das Gesetz vom 16. Juni 1885 festgesetzte Zahl von Abgeordneten f wählen. Ärt. 2. Die Wahl wird auf Gmnd der am 31. Matt 1885 festgestellten Listen stattfinden. Die Maires der Ge» meinden, in welchen, entsprechend dem Artikel 8 des Regte' mentar-Dekrets vom 2. Februar 1852, Aenderungen an der am 31. März 1885 festgesetzten Liste vorzunehmen sind, werde» ......................... i m i i in........«TT aus duftiger Feme ihm ein letztes trauriges Lebewohl z»' gewinkt hätten. Jansen störte ihn nicht in seinen Betrachtungen. Er mochte ahnen, was in der Seele deS jungen Mannes vor» ing, und noch immer auf eine seinen Wünschen entsprechende Entscheidung hoffen, denn auf seinen Zügen ruhte eine be- sorgnißvolle Spannung, die in seltsamem Widerspruch Z" der ernsten Verschlossenheit stand, welche seine Physiognoniie gewöhnlich charakterisirte. Nach mehreren Minuten blickte Weatherton wieder aus „Mr. Jansen," begann er tiefbewegt,„Ihr habt«nr einen Blick in die irdische Seligkeit vergönnt; zugleich aber habt Ihr einen Preis gesetzt, welcher mir dieselbe in uner» reichbare Feme rückt. Ich kann nicht, ich darf nicht meine» Glauben ändern! Nehmt mir das Leben, behandelt mich als einen verächtlichen Spion, ja, als Mörder, aber dring* nicht weiter in mich, einen Schritt zu thun, der mich meiner eigenen Verachtung preisgäbe. Und Hertha, dieses edel» denkende, zartfühlmde, holde Wesen? Müßte auch sie mich nicht verachtm, wenn ich um irdischer Vortheile willen, selbst um in ihren Besitz zu gelangen, leichtsinnig die Religion, in welcher ich erzogen wurde, mit einer ander» vertauschte, deren Gebräuche meinen Ansichten von GotteS» verehmng so sehr zuwiderlaufen? Nein, Eure Nichte steh* zu hoch, ist mir zu heilig, um sie zum Gegenstand eines feilen Handels zu mache«. Ich selbst aber besitze j» viel Selbstachtung, um mich zu irgend einer Handlung hi»' reißen zu lassen, die in so krassem Widerspruch zu meine« Begriffen von Ehre und männlichem Pflichtgefühl stände, und über welche ich ihr gegenüber vor Scham erröthe» müßte." „Junger Thor!" versetzte Jansen, und sein Gesich* legte sich wieder in strenge Falten, während seine Auge»' winket noch feucht schimmerten,„ich will Euer Wort n«?' gehört haben." „Verzeiht mir," fiel Weatherton dem Mormonen>» die Rede, indem er wiederum, wie um ihn zu beschwöre», seine Hand ergriff;„eS liegt nicht in meiner Absicht, Euch zu verletzen. Wir betrachten nur Alles, was Religion betrifft, von ganz verschiedene» Standpunkte» aus. Ihr fo»»* tn fünf Taae vor dem Zusammentreten der Wäbler eine die ge- dachten Aenderungen enthaltende Tabelle veröffentlichen. . Art. 3. Der Wahlgang wird nur einen Tag dauern. Er ?lrd um acht Uhr früh eröffnet. Die Präfekten werden aber m den Gemeinden, wo es nützlich erscheint, die Stunde vor- jurücken, um den Wählern die Ausübung ihrer Rechte zu er- teichtern, in dieser Beziehung besondere Bestimmungen treffen rönnen, die sodann in jeder intercsstrten Gemeinde mindestens lünf Tage vor dem Zusammentreten der Wahlkollegien ver- Mntlicht und angeschlagen werden. In jedem Falle wird die Stimmabgabe um sechs Uhr Abends geschlossen. Die Stimmen- Zählung folgt sofort. Art. 4. Die allgemeine Stimmenzählung wird in der Dcvartements-Hauptstadt in öffentlicher Sitzung geschehen. Sie vnrd durch eine aus drei vom Präfekten bezeichneten Mitgliedern des Generalrathes bestehende Kommission vorgenommen werden. Art. 5. Der Minister des Innern ist mit der Durchfüh- rung des vorstehenden Dekrets betraut, dessen Veröffentlichung uberall, wo dies nothwendig sein wird, entsprechend den Be- pimmungen der Ordonnanzen vom 27. November 1816 und uom 18. Januar 1817 geschehen wird. — Der Kammerpräsident Floquet erstattete seinen Wählern in Verpignan Bericht über die Erfüllung seines Mandats. Etwa 3000 Personen waren im Theater, wo die Versammlung nattfand, anwesend. Herr Floquet entwickelte sein Programm, wurde aber in seiner Rede vielfach unterbrochen. Das frühere �Lahlkomitee scheint nichts mehr von ihm wissen zu wollen, denn der Präsident desselben warf ihm vor, er sei nur deshalb Plötzlich so radikal geworden, weil in Paris kandidiren wolle. .— Der Unterrichtsminister Goblet hat an die Präfekten Rundschreiben gerichtet, in welchem er sie ermahnt, bei den bevorstehenden Wahlen die strikteste Unparteilichkeit walten zu lauen. Ebenso sollen sie danach hinwirken, daß auch die ihnen Unterstellten Beamten dementsprechend handeln. In Bezug auf die Lehrer heißt es in dem Schreiben:„Als Bürger können die Lehrer frei ihre Rechte ausüben, sie find Herren ihrer «trmme. Die Regierung, welche ihnen die Erziehung der Augend anvertraut hat, könnte nicht an ihrer Ergebenhert für dre republikanischen Einrichtungen zweifeln. Allein, es ist ihre Pflicht, ihnen jeden Schritt, jede offizielle Einmischung zu ver- weten, die als Pression auf die Wähler erachtet werden inten. Die Lehrer werden stcherlich selbst begreifen, daß sie durch das Aufgeben dieser Reserve ihren rechtmäßigen Einfluß SEährden könnten und Gefahr laufm, das Vertrauen der vamilien zu verlieren, das ihnen zur Erfüllung ihrer Aufgabe Uothwendig ist. Nöthigenfalls ermangeln Sie nicht, fie zur Befolgung der Instruktionen anzuhalten." .— Aus Loon wird telegraphirt:„Herr Bartolino, Gc- w-mderath«Stadtverordneter), hatte angezeigt, daß er wegen der drn beschäftigungslosen Arbeitem zu ertheilenden Unterstützun- Lsn eine Interpellation im Gemeinderath einbringen werde. Dienstag Abend, acht Uhr, kamen an fünfhundert Arbeiter ins Stadthaus, um der öffentlichen Sitzung beizuwohnen. Herr T�artolino stellte seine Anftage. Man antwortete ihm, der mit der Sache betraute Referent warte bis die Verwaltung ihm d>e Mittel bekannt gegeben, über die fie zur Unterstützung der Unglücklichen verfügen könne. Herr Bartolino verstand diese Antwort nicht und beschimpfte seine Kollegen, die er Feiglinge Nannte. Mehrere Arbeiter klatschten Beifall und em unbe- lchreiblicher Tumult folgte. Der Maire mußte die Sitzung Ausheben und den Saal räumen lassen. Auf dem Place des Terreaux sangen die Manifestanten, die mehrere bekannte An- Nlchisten an ihrer Spitze hatten, die„Carmagnole" und riefen: "Es lebe die Kommune!" Acht Verhaftungen wurden vorge- Wommen; zwei der gedachten Anarchisten, vier Burschen von 0%(!) Jahren und zwei Weiber. Die Polizei säuberte den Pllatz und nach und nach trat wieder Ruhe ein. Der Gemein- K�ath konnte seine Sitzung um zehn Uhr wieder aufnehmen. �er Maire hielt eine Ansprache, um die Aufführung des Herrn bartolino zu tadeln und eine in diesem Sinne lautende Ta» Zesordnung wurde einstimmig nngenommen." Eine weitere Depesche aus Lyon lautet:„Heute(Mittwoch) früh, 9 Uhr, Md eine Arbciterversammlung in der Salle de ta Perle statt. Etwa sechshundert Personen waren anwesend. Die Anarchisten jlehen an der Spitze der Bewegung und die weitaus größere Mehrheit der Weber weisen jede Agitation energisch zurück. Mehrere Redner ergreifen das Wort und donnern tn heftigen Ausdrücken gegen den Gemeinderath, den Maire, die republi- Mische Presse u. s. w. Es sind die nämlichen Rädels- luhrer wie voriges Jahr. Bisher ist kein anderer Zwischenfall zu melden." Amerika. S Die vereinigten New-Uorker Gewerkschaften hielten am � d. M. eine große Arbeiter-Parade ab. 15,000 Arbeiter Aurschirten mit paffenden Bannern und Emblemen durch die �»aßen und wurden von der Volksmenge mit Enthufiasmus »Mpfangen. Eine ähnliche„ArbeitS-Parade", an welcher 8000 weiter Theil nahmen, fand in Chicago statt. j-,. N e w- N o r k, 7. September, Eine große Trupvenmacht �m�Evanfton, an der Union Pazisik-Eifenbahn, Wyomings �ure Vorschläge an mich ergehen lasse«, ohne den geringsten �orwurf auf Euch zu laden; fie sind bei Euch nicht nur �"ständig gerechtfertigt, sondern sie liefern auch den Be- SMS von Eurem warmen Herzen, von Eurer väterlichen Fürsorge für die Euch anvertraute elternlose Waise, mcht Lutger aber von Eurer Duldsamkeit gegen Fremde und Andersgläubige. Wa« Ihr frei und offen anbieten durftet, darf ich dagegen nicht annehmen, will ich mich in �uren Augen nicht herabsetzen. Mag nun mein LooS sein, Mches es wolle, mag ich hier mein Ende finden, oder das �schick noch einmal Land und Meer zwischen uns legen, ich auch immer sei, mit der aufrichtigsten Dankbarkeit G�he ich mich stets Eurer erinnern und die wohlwollenden Stühle nie veraessen, welche Euch dazu bewogen, in der �"chehenen Weise aufzutreten und an mir zu bandeln." s. Eine Weile schauteZansen»och finster vor sich nieder, dann ss5»d er auf, und dem sich ebenfalls erhebenden Weatherton t. Hand auf die Schulter legend, blickte er ihm ernst und egt in die Augen. „Weiß Gott, ich meinte es treu und redlich mit Euch b® meiner Nichte," hob er an, und seine Stimme zitterte h* verhaltener Wehmuth.„Aber Ihr möget recht haben; » Achten wir daher unsere Zusammenkunft als einen Traum, Um kenn, daß Ihr Euch eines Anderen besännet. Nicht, �.vvch weiter in Euch zu dringen, sage ich dies, sondern (SL'ch mich jetzt, namentlich, nachdem ich einen so klaren j nolick in Euren ehrenwerthen Charakter gewonnen, mich eina �""d ungern von einem Gedanken trenne, der mir als Eingebung Gottes erschien." tra,"�'�t eS denn gar keine Möglichkeit, Eure Nichte dem che» �n Loose zu entziehen, welches ihr aus den Gebräu« di"""-, nun, Ihr nennt fie ja patriarchalische—»othwen- «W�veise erwachsen muß?" fragte Weatherton mit einer * Schüchternheit. ist Mormonin," antwortete Jansen streng, seine Um"; von Weatherton'« Schulter zurückziehend; sie ist Mor- w'" und hat sich demnach den Gesetzen ihrer Religion zu Viersen. 3(h stand im Begriff, Rückficht auf ihre eigene zu nehmen, ihr eigene« Herz zu befragen; da diese« "'cht ausführbar, ohne sie zu einer Abtrünnigen zu konzentrirt, und die Eisenbahn-Gesellschaft hat ihre sämmtlichen chinesischen Arbeiter dorthin geschafft. In Rock Springs herrscht jetzt fortgesetzt Ruhe, aber alle Chinesen baben den Ort verlassen. Der Scherif hat 15 der bei dem Angriff auf die Chinesen Betheiligten unter der Anklage des Mordes und der Brandstiftung verhaftet. Die öffentliche Meinung verur« theilt die Angriffe auf die Chinesen, spricht sich aber dahin aus, daß die Maffeneinstellung chinefischer Arbeiter nicht zu billigen ist. Kokale». Die Kontrole des Schulbesuches der schulpflichtigen Kinder ist in Berlin eine sehr strenge und gewissenhafte, und die Einwirkung des im Jahre 1875 erlassenen Regulativs zur Konstatirung ves Schulbesuchs äußert fortgesetzt seine wohl- thättgen Folgen auf die Regelmäßigkeit ves Schulbesuchs. Trotz erheblicher Zunahme der die Schule besuchenden Kinder ist im vorigen Jahre die Zahl der bestraften Familienhäupter nur um 69 gestiegen, die Zahl der Strafen ist sogar noch um 278 gefallen, und die Zahl der mehr als zweimal Besttaften ist fast durchweg geringer geworden. Es find im vorigen Jahre im Ganzen 5866 Schulstrafen im Geldbeträge von 37 282 M. verfügt worden, von denen jedoch 3792 Fälle auf- gehoben wurden. Von den übrigen ist in 918 Fällen die Strafe bezahlt, in 1083 Fällen der Geldbettag durch Ge- fängniß abgebüßt worden, und 73 Fälle waren unerledigt ge- blieben. Seit Jahren befindet sich, so wird der„Voss. Ztg." ge- schrieben, auf dem Bahnhofe in Potsdam und ebenso auf den benachbarten Stationen unterhalb der Perronuhr ein Schild, welches besagt:„Die Berliner Uhr geht eine Minute vor." Da liegt doch die Frage nahe: Warum wird fie denn nicht endlich gestellt? Vermuthlich soll die Inschrift ausdrücken, daß die Berliner Zeit gegen die betr. Stationszeit um eine Minute vor ist. Wenn schon an sich diese inkorrekte Fassung einer öffentlichen Bekanntmachung, die wohl nicht von einem ganz untergeordneten Beamten herrühren kann, auffällig erscheint, so ist es auffällig, daß dieselbe sich viele Jahre lang behaupten konnte auf einem Bahnhofe wie der in Potsdam, einem Haupt« verlehrspunkte des Publikums. Ein fatales Reise-Abenteuer hat eine Berlinerin, die in Mitau(Rußland) bei Verwandten ihren geschäftlichen Ur- laub zugebracht, auf der Rückreise von dort in Königsberg zu bestehen gehabt. Die betreffeude Dame, Fräulein Minna L- schon sert Jahren im Komtoir einer hiesigen renommirten Färberei beschäftigt, kam dem„Berl. Tgbl." zu Folge am Sonnabend, den 5. d., Abends Vj6 Uhr, mit dem Zuge von Eydtkuhncn in Königsberg an und begab sich vom Bahnhof in die Wohnung der ihr befreundeten Familie eines dortigen Postbeamten. Im Kupee hatte fich die Dame an ein von Libau kommendes junges Ehepaar, einen zur Zeit hier in Berlin in der Jnvalidcnstraße wohnenden Dr. ZP. R. nebst Frau angeschlossen. Auch dieseReisenden wollten bis zum Abgange des Kunrzugcs nach Berlin(um 1 Uhr 14 Minuten Nachts) tn Königsberg verweilen und begaben fich inzwischen in ein Hotel. Främein L. blieb bis gegen 10 Uhr in der erwähnten Familie, fuhr dann zum Bahnhof zurück und saß dort mehrere Stunden allein im Wattesaal zweiter Klaffe. Gegen 12'/, Uhr traf auch das Dr. R.'sche Ehepaar wieder auf dem Bahnhofe ein, und die drei Personen tranken jetzt gemeinsam Kaffee- Da näherte sich ein Herr in Zivil dem Fräulein L. mit der Frage: „Sie find wohl Fräulein Tomatschek(oder so ähnlich) aus Danzig. Das Fräulein vemeinte und nannte ihren wirklichen Namen, worauf der Herr fich entfernte. Nach wenigen Minuten aber kam er wieder, stellte sich als Kriminalbeamter vor und verlangte den Paß der Dame, die denselben ohne ein Wort der Erwiderung ausfolgte. Auch dem Ehepaar wurden die Pässe adgefordett, eine Vergleichung der Persönlichkeiten vor- genommen und dann allen Dreien die Pässe zurückgegeben. Nachdem die drei Reisenden in einem Kupee des Berliner Zuges Platz genommen— es war etwa 10 Minuten vor Abgang desselben, wiederholte fich die Prozedur des Päffe-Abfor- dernS und-Zurückgebens seitens des Polizeibeamten, und da- mit schien die unliebsame Störung erledigt; denn schon war das dtttte Glockenzeichen gegeben und der Zug hatte fich in Be wegung gesetzt. In diesem Moment aber erschien der Polizei beamte abermals,#"'"~'"■ liehen" steigen......---------------- wurden zum Aussteigen durch Anfassen des schon erwähnten Polizeibeamten genölhigt, während ein uniformirter Beamter das Handgepäck, darunter auch den Hut, den Fräulein L. ab- gesetzt hatte, in wildem Durcheinander auf den Perron warf. Der diensthabende Stationsbeamte eilte sofort hinzu und machte dem Polizeibeamten über sein unvorsichtiges Gebühren Vor- stellungen, betonend, wie leicht die zum Aussteigen aus einem schon in der Fahtt begriffenen Zuge Genöthigten einen schweren Unfall hätten erleiden können. Der Polrzcidcamte aber hörte nicht weiter darauf, sondern geleitete die drei Sistttten unter Assistenz mehrerer Schutzleute und Zusammenlauf des machen, so bleibt sie Mormoni« im vollen Sinne des Worte). Wir bilden eine heilige Gemeinde und leben in Eintracht und Zufriedenheit; das LooS, welchem meine Nichte ent- gegensteht, kann also nie ein trauriges sein. Als treue An- hängerin der geläutetten Lehre wird sie allmälig Alles billi- gen, was ihr Anfangs vielleicht unangemessen erscheint, und nie Veranlassung finden, zu beklagen, daß eS so kam, wie es gekommen ist. Ich scheide von Euch, Mr. Weatherton, allerdings nicht so, wie ich eS bei meinem Eintritt hoffte, aber auch nicht als Euer Feind. WaS in meinen Kräften steht, Euch bald de» Eurigen wiederzugeben, da« soll ge- schehen. Doch dürft Ihr nicht blind dafür sein, daß ich für eine« neu bekehtten Mormonen Alle« vermocht hätte, wäh- rend da«, was ich für einen gefangenen Feind unseres Volkes thun kann, von nur sehr geringer Tragweite ist. Auch ich habe mich in die uns vorgeschriebenen Pflichten und Gesetze zu fügen. Wenn ich nun auch kein von mir erwünschte» Resultat erzielte, so denke ich, hat mein Besuch doch unserer gegenseitigen Achtung keinen Abbruch gethan." „Gewiß nicht," antwottete Weatherton mit Wärme. Er wollte noch die Frage hinzufügen, ob Hettha in nächster Zeit, und zwar, noch ehe sie durch unzerreißbare Bande an ihr Schicksal geknüpft sei, mit allen Vorschttften des Mor« monenthumS vettraut gemacht werden würde. Er hegte näm- lich die feste Hoffnung, daß dieser Umstand eine Aenderung in ihrer Gesinnung bewirken müsse, doch scheute er zurück vor dem finster«, verschlossenen Ausdruck, der sich be- reitS auf Jansens Gesicht gelagert hatte und kaum«och eine Antwort, wenigstens keine günstige, ermatten ließ. Mit einem kalten„gute Nacht" entfernte sich darauf der Mormone. Als Jim Raft wieder einttat, lag Weatherton auf seinen Decken, in tiefes Nachdenken versunken. Nirgends sah er einen AuSweg; wohin sich seine Gedanken auch wen- den mochten, überall tauchte das verlockende Bild des lieb- lichen Mormonenmädchens mit dem süßen Geständniß auf den Lippen vor seiner erregten Phantasie auf; daneben aber stand immer, als unerbittliches Verhängniß, die drohende Gestalt JanfenS, der ihm in krankhafter religiöser Ver- zückunq die fagenhaften goldenen Gesetzestafeln des Mor- monenthumS als unübersteiglicheS Hinderniß entgegenhielt. Perron Publikums nach dem Polizeibüreau der Eisenbahn» station. Dort sagte er dem Fräulein L. im barschesten Tone auf den Kopf zu, sie sei die Tomatschek aus Danzig, und for- bette sie aus, zu gestehen. Fräulein L. betheuerte wiederholt, fie sei diejenige, als welche ihr Paß fie legitimire, und Dr.R. forderte, unter Berufung auf seinen und setner Frau Paß, energisch Aufklärung über die unwürdige Behandlung. Dem Polizeibeamten schien allmälig die Erkenntniß seines MißgttffeS aufzudämmern: gleichwohl hatte er kein Wort der Entschuldi- gung; er meinte nur, die Herrschaften könnten fich ja be» schweren. Fräulein L- nannte nun den Namen des ihr be» kannten Postbeamten, in dessen Familie fie den Abend ver- bracht, und forderte den Beamten auf, fie rekognoszirm zu lassen. Dieser aber blätterte im Adreßbuch und erklätte, der Postbeamte sei dott gar nicht verzeichnet. Erst auf ganz ener» gische Reklamation der Dame wurde ihr gestattet, persönlich im Adreßbuch nachzusehen, wo der schon seit Jahren in Königsberg ansässige Beamte natürlich verzeichnet stand. Des Weiteren legte die Dame dem Polizeibcamten Pttvat» bttefe zur Einficht vor, aus denen ihre Identität hervorgehen mußte:— kurz und gut auch nicht der Schatten eines Ver- dachtes blieb auf den fistitten Personen hängen. Gleichwohl hatte der Polizeibeamte auch jetzt noch kein Wort der Eni- schuldigung, sondem entließ die Sistirten mit den Motten: „Gehen Sie nur einstweilen, entschlüpfen werden Sie mir doch nicht; ich finde mich zu jedem Zuge ein!" Dr. R-, dessen ganzes Vergehen dattn bestanden, daß er mit dem mit einer Verdächtigen verwechselten Fräulein L. zusammen an einem Tische gesessen hatte, beschwette fich heftig, daß er den Zug ver- säumt habe und zu übemachten gezwungen sei; er sei auf der Rückreise, verfüge nicht mehr über genügende Baarmittel zum Uebemachten und verlange, daß man ihm und seiner Frau Quartter anweise. Desgleichen bat Fräulein L., ihr wenigstens einen Polizisten mitzugeben— es war inzwischen V-3 Uhr Morgens geworden—, daß fie in der fremden Stadt nicht allein zu dem weit entfernten Hause ihrer Bekannten zu gehen gezwungen sei; die Polizei ließ fich aber auf nicht« ein, und der jourhabende Bahnbeamtc konnte, obschon er fich der Gemaßregelten warm annahm, nichts für dieselben thun, als daß er ihnen die gelösten Äillets zum nächsten Morgen- zuge prolongitte. Dann aber mußte er vorschnftsmäßig den Bahnhof schließen lassen und die Herrschaften ersuchen, fich anderweitig ein Unterkommen zu suchen. Ein Herr B. aus Pillau, der Zeuge des Vorganges gewesen, erbot fich in dieser ktttischen Situation, Fräulein L. zu ihren Bekannten zu geleiten. Dort verbrachte fie den Rest der Nacht und fuhr dann um 7 Uhr 45 Minuten früh mit dem Personenzuge nach Berlin. Auf dem Perron war der von ihr eifrig gesuchte Polizeibeamte, dessen Namen sie gerne erfahren hätte, nirgends zu sehen. Fräulein L. kam in Folge des polizeilichen Mißgnffs zu spät in Berlin an und hatte sich im Geschäft ihres Prinzipals wegen einer halbtägigen Urlaubs-Ueberschreitung zu ver- antwotten. r. Beim Regen hat die vielbesungene Gemüthlichkeit auf der Pferdebahn ein Ende; keiner der Wagen ist wasserdicht und die Situation in denselben womöglich noch unbehaglicher als draußen; es regnet durch mit allen Chikanen und dieser Uebelstand wird dadurch nicht entschuldbar, daß er die komisch- sten und lächerlichsten Situationen der Paffagiere hervorbringt. Eine Dame, die ängstlich gegen die Rückwand lehnt, um von dem vor ihr niedergehenden beständigen Tropfenfall nicht ge- troffen zu werde«, fährt plötzlich mit einem leisen Schrei zu- sammen. Unter den Plakaten an der Wagendecke murmelt ein lebendiger Quell und fließt heimlich die Rückwand entlang bi« er fich hinterrücks in der Garderobe der ängstlich zurückgeoeug« ten Dame ergießt, die diese Ueberschwemmung mcht eher de» merkt, bis fie durch ihre feuchte Kälte dem Körper in der un» zweideutigsten Weise fühlbar geworden ist. Zylinderhüte, Schulbücher, Schreibhefte und gettchtliche Zustellungen, Alle» wird ohne Ansehen der Glanzes und Papiers ein Opfer der keinesweaes sauberen Tropfen, die den Staub der Wagendecke mit fich führen, und in die dichtgefüllten Wagen während der Mittagstunde eindringen. Ist es denn so schwer, eine waffer- dichte Bekleidung der Wagendecken herzustellen und zu er» halten? In Weißensee hat vor wenigen Tagen ein Schützenfest stattgefunden. Wie sich in der Millionärstadt diese Schützen- feste gestaltet haben, ist das Schießen dabei vollständig in den Hintergrund gedrängt von der„Vogelwiese" die damit verbun- den zu sein pflegt. In Berlin find alle diese Unternehmungen fast immer verkracht oder haben zu Prozessen theils Zivilrecht» licher Natur, theils vor dem Kttminalttchter gefühtt. Auch dies» mal stehen Klagen und Widerklagen in Ausstcht. Es sollen den Pächtern der Konzettlokale und Restaurationen bestimmte Platzmiethen unter der Zusicherung abgefordett worden sein, daß von jeder Kategorie dieser Vergnügunaslokale nur eine begrenzte und zwar bestimmt angegebene Zahl zugelassen wer- den solle. Statt dessen wurde die Zahl mehr als verdoppelt. Wie dieser Prozeß endigen wird, ist für das große Publikum gleichgiltig. Bei allem Bedauern aber für die Verluste des Einzelnen wird es nur mit Genugthuung zu betrachten seien, Rast versuchte eS, mit ihm zu sprechen und ihn aufzu» heitern, doch vergeblich. Weatherton war und blieb schweig» sam. Der ehrliche Bootsmann gab endlich seine Bemühungen auf; er glaubte nicht anders, als Jansen habe die Stimmung seines Lieblings verdorben und Kummer in seiner Brust wach- gerufen. Um daher seinem Zorne Luft zu verschaffen, be- aann er in seiner alten Weise, mit auf dem Rücken zu- sammenaelegten Händen, auf und ab zu schreiten, wobei er sich in den heftigsten Schmähungen und Verwünschungen gegen das ganze Mormonenthum erging. Um diese Zeit erst entfernte Elliot sich von der Stelle, von welcher aus er Jansen's und Weatherton'S Gespräch belauscht hatte. E« war eine schwere Stunde gewesen, die er vor der geöffneten Fuge der Blockwand verbrachte; aber trotzdem alle Furien der Eifersucht, der getäuschten Hoff- nung und des Rachedurstes ihn geißelten, hatte er sich doch keinen Zoll breit von der schmalen Oeffnung ent» fernt, au« Furcht, daß eines der in dem Gemach ge» wechselten Motte seiner Aufmerksamkeit entgehen könne. Al« Jansen Weatherton auffordette, zum Mormonen- thum überzutteten, und ihm für diesen Fall Hertha, deren Herz er ja schon besaß, zusagte, da gruben die Nägel seiner rechten Hand, mit welcher er sich an die Wand stützte, vor entsetzlichem Gttmme sich förmlich in die verwitterte Rinde des Holzes ein, und in Gedanken verfluchte er Ry- nold«' Mörder, deren Hand gerade denjenigen gettoffen, der Jansen's mildere Gefühle immer so schlau in den Hinter» grund zu dränge« verstanden hatte. Er sah sich auf ein» mal des jungen Mädchens und ihrer reichen Mitgift auf eine Weise beraubt, daß er keine Einsprache dagegen er- heben durfte. Denn wenn auch der Prophet die Gewalt besaß, lenkend in die Familienverhältnisse einmgreifen und vortheilhast erscheinende Verbindungen zu befürwotten, in veremzelten Fällen sogar anzuordnen, so wußte er auf der andern Seite wieder, daß dre Politik und die gewöhnlichste Lebensklugheit es nicht rathsam für die Stimmung der Mormonenbevölkerung erscheinen ließe«, da hindernd einzu- schreiten, wo gegensettige Neigung einer von Gemeindemit- gliedern vorgeschlagenen und beabsichtigten Verbindung zu Grunde lag.(Fottsetzung folgt.) wenn die Direktoren solcher„Kunfiinstitutc", wie sie sich in Schaubuden, mechanischen Theatern, Museen, Reitbahnen zc. zu vielen Dutzenden zusammenzufinden pfleaen, davon abge« schreckt würden, Berlin zu ihrem ständigen Aufenthalt zu ma« chen. Und es ist seit einiger Zeit der Versuch gemacht worden, eine solche„Vogelwiese im Umherziehen" in Berlin zu etabli- ren. Man muß den Charakter dieser Schaustellungen und die Sorte Publikum, die sie anziehen, gesehen haben, um zu er« meffen, welcher Schaden hier in sittlicher und materieller Be- ziehung angerichtet wird. Denn wer nicht zwecklos auf solchen Plätzen umherirren will, sondern sich in die Buden begiebt, der kann hier eine sehr erkleckliche Summe loswerden. In einer Stadt, in der die Museen und die Kunstsammlungen un- entgeltlich geöffnet find, in der Zoologischer Garten, Aquarium u. s. w. für wenige Pfennige besucht werden können, bedarf es der Vogelwiesen nicht. Sie wirken hier, wo man nicht mit der Harmlosigkeit des Dorfbewohners der Sache gegenübertritt, verrohend. r. Die schöne Zeit der— braunen Fische hat nun wieder begonnen, und„Karpfen in Bier" heißt die Parole so- wohl bei der fürsorglichen Hausfrau, wie bei dem aufmerksamen Restaurateur. Leider macht sich der bläulich-gelbe Wasser« bewohner mit dem zarten Fleisch und dem sanft süßlichen, auf der Zunge zerfließenden Fett unter den großen Schuppen in diesem Jahre bei uns noch ziemlich theucr; in den zahlreichen Gewäffern des Spreewaldes, wo die Karpfen in großen Men- gen gezüchtet und zu Markt gebracht werden, stehen zwar auch in diesem Jahre bedeutende Quantitäten zum Verkaufe, doch soll, wie aus Kottbus berichtet wird, ein offener Bruch zwischen den Teichbesttzern und den Fischhändlem eingetreten sein und zwar wegen der zu zahlenden Preise. Während jene an dem vorjährigen Preise von 50—66 Mk. pro Zentner ab Teich fest- halten, wollen die Händler nur 45—60 Mk. pro Zentner franko bis zum nächsten Bahnhof des betreffenden Teichgebietes zahlen. Auf dem letzten Karpfcnmarkt, der vor einigen Tagen in Kottbus stattfand, und auf dem gegen 50 bis 60 Teichbefitzer anwesend waren, wurden keine Verkäufe abgeschlossen, weil die 30 bis 40 Händler, darunter viele Berliner, keine Annahme ihrer Mindergebote fanden, und nun ihren Bedarf in Böhmen und Mähren decken wollen. Nun ist es ja sehr löblich, wenn die Herren Hänvler für Verbilligung der Karpfen eintreten, aber hoffentlich hat auch das Publikum etwas davon. Das Pfund Karpfen kostet heute also im Einkauf für den Händler 60—66 Pfennige; der Marktpreis dürfte erheblich höher sein, und über Fracht und Einbuße an der Waare um ein hübsches Sümmchen hinausgehen.— Hoffentlich kommen die schönen Spreewalds' Karpfen nicht in Gefahr, ungegessen zu bleiben; ein Karpfen, dem das pasfirt, hätte nach der übereinstimmen- den Anficht aller Fisch Esser völlig seinen Beruf verfehlt. Es aiebt Kinderunarten, die gar nicht auszurotten find, trotz all ves Unglücks, das schon dadurch entstanden ist; so daS Herunterrutschen auf den Treppengeländern und das An- hängen hinten an den Wagen. Durch ein glückliches Da- zwischentreten Erwachsener wurde erst vorgestern Abend wieder ein kleiner Bursche in der Landsberger Allee vor schwerem Schaden, vielleicht vor dem Tode bewahrt. Er hatte sich hinten an einen Bauernwagen gehängt. In der Nähe der Elbinger« Straße stürmte ein in vollem Trabe fahrender Echlächterwagen hinterher. In diesem Moment ließ der Knabe den Bauein- wagen los und fiel zur Erde. Paffanten, die dies mit an« gesehen, fielen dem Pferde des Ecklächterwagens in die Zügel und brachten es glücklicher Weise schnell zum Stehen. Wenige Sekunden später, und der Junge wäre überfahren worden, während er so nur von dem Fall eine Beule auf dem Hinterkopf erhielt. Die Eltern können nicht genug er- innert werden, es nicht an Mahnung für die Kinder fehlen zu lassen. Schlaflostakeit.„Ich kann nicht schlafen!" Wie oft hören wir diese Klage. Jener Reiche, dem das Gold alle Freuden der Erde, die Befriedigung jeder Laune ermöglicht, er fühlt die Schrecken der Schlaflosigkeit in seinein mit allem Raffinement des Luxus ausgestatteten Schlafgemach nicht minder als der Arme auf seinem harten Lager, die Modedame im üppigm Pfühle nicht weniger grausam als ihre letzte Magd. Warum können diese Menschen nicht schlafen? Die alten Aerzte und Physiologen waren der Anficht, daß der Mensch dadurch Sehnsucht nach Ruhe und Schlaf fühle, also„schläfrig" werde, daß sein Gehirn am Abend oder überhaupt nach längerem Wachen blutreicher wird, bis diese Blutüberfüllung des Gehirns .einen gewissen Grad erreicht, bei welchem der Schlaf beginnt. Während des Schlafens bleibt das Gehirn— so muthmaßten die Alten— gleichmäßig blutreich, um beim Erwachen wieder blutleer zu werden und so während des wachen Zustandes zu verbleiben. Die Fortschritte der experimentellen Pathologie in den letzten Dezennien, welche uns über die wichtigsten Funktionen des Organismus belehrten, waren auf dem Wege des Thier-Experiments im Stande, über den Zustand des Ge« Hirns während des Schlafes Aufschlüsse zu geben. Diese Thier« versuche sowohl, als auch vereinzelte Beobachtungen an Menschen mit zufällig verletzter Schädeldecke ergaben, daß die schon aus theorettschen Gründen bekämpften Anschauungen der Alten unrichtig, ja daß das Gegentheil ihrer Anficht richtig sei. Das Gehim des Schlafenden ist blulleerer als das desselben In« divrduums im wachen Zustande. Es werden daher alle jene Momente, welche den Blutgehalt des Gehirns und seiner Hüllen vermehren und dadurch die Temperatur des Schädel- Innern sowohl an sich als auch im Vergleiche zu den übrigen Körperteilen erhöhen, Schlaflosigkeit erzeugen. Die Richtig- keit dieser Schlußfolgerung wird durch die Erfahrung täglich bestätigt. Es ist bekannt, daß Schlaflosigkeit ber jungen Menschen äußerst selten, im Mannesalter häufiger, im Greisenalter fast regelmäßig beobachtet wird. Die Ursache für die Schlaflosigkeit des Alters ist, so schreibt die„Wiener Presse", in Veränderungen gelegen, welche zumal die Blutgefäße betreffen. Diese verlieren im Greisenalter ihre Elastizität. Dadurch wird der Kreislauf ver- langsamt, die Blutvertheilung ist mangelhaft, das Gehim wird nur langsam und mühevoll vom Blute entlastet; spät stellt sich der zum Schlafe nothwendige Grad der Blutleere und damit der Schlaf selbst ein. Je blutreicher das Gehirn ist, um so schwieriger wird jener Grad der Blutleere eintreten, welcher vom Schlafe gefordert wird. Wir wissen, daß die Thntigkeit jedes Organs, also auch des Gehirns, mit einer Blutüber- füllung desselben verbunden ist, deren Größe der dem Organe zugemutheten Arbeit beiläufig entspricht. Der Magen ist während der Verdauung blutteicher als im Zustande der Ruhe- das durch geistige Arbeit angestrengte, durch Ge« müthsbewegungen jeder Art, wie Schreck, Kummer, Sorge, Freude und Erwartung in Thätigkeit ver« setzte Gehirn blutreicher als rm ruhigen Gemüths« zustande. Eine Blutüberfüllung des Gehirns kann ferner nicht nur durch erhöhte Inanspruchnahme desselben, nicht nur in Folge Altersveränderungen seiner Gefäße zu Stande kommen, fie kann auch künstlich erzeugt werden. Dies geschieht durch den Genuß gewisser Gifte; vrele derselben werden von uns täglich genossen, da sie dem Kulturmenschen zum oft unabweisbaren Bedürfnisse geworden find, so alkoholhaltige Getränke, ferner Thee, Kaffee, Tabak u. s. w. Hier spielen nun Individualität, Mer, Größe des genossenen Quantums, vor allem aber Ge- wöhnung eine große Rolle. Ihnen allen ist gemeinsam, daß ste die Temperatur des Echädel-Jnnem erhöhen, die Blutmenge deS Gehims vermehren und dadurch Schlaflofigkeit erzeugen. Anderseits kennen wir Gute, deren physiologische Wirkung eine den ebengenannten Mitteln entgegengesetzte ist. In kleinster Dosts dem Thierorganismus emvcrlerbt, haben sie rasch Blut« leere des Gehirns und seiner Haute zur Folge. Sie versetzen daher das Gehirn in jenen Zustand, in welchem cs sich während des natürlichen Schlafes befindet; fie erzeugen künstlich Schlaf. Neuere, noch nicht vollständig abge- schloffene Untersuchungen scheinen zu ergeben, daß nicht nur die Menge des im Gehirn zirkulirenden Blutes, sondern auch die Zusammensetzung desselben für das Zustandekommen des Schlafes von Wichtigkeit ist. Durch angestrengte Muskel- thätigkeit sollen nämlich dem Blute gewisse Stoffe beigemengt weiden, welche den Namen„Ermüdungssubstanzen" erhielten, weil fie durch ihren Einfluß auf das Gehirn das Gefühl der Ermüdung, der Abspannung erzeugen. Mit dieser Theorie steht nun die Erfahrung nicht im Widerspruche. Wir schlafen besser und anhaltender nach körperlichen Anstrengungen mäßigen Grades, als bei fitzender Lebensweise. Ratronelle Theilung geistiger und körperlicher Arbeit, mäßige körperliche Ansttengung zumal im Freien, Verhütung geistiger Ueberbürdung und Erregung durch ungeeignete Lektüre find sichere Bürgen� für das Gedeihen der Jugend, die des Himmelsgeschenkes des Schlafes in erhöhtem Maße bedarf. Wo aber bei einseitiger Pflege und Ausbildung des Geistes die Stärkung des Körpers vernach- läsfigt wird, wo das in Entwicklung befindliche Gehirn, durch unmäßige Inanspruchnahme seiner Thätigkeit in den Zustand dauernder Blutüberfüllung versetzt, dem Organismus die Ruhe und Erholung des natürlichen Schlafes versagt, entsteht, wenn nicht schwere Erkrankung, jener Zustand, welcher unserem Jahr- hunderte seinen Stempel aufgedrückt und stch in Nervofität, Ilnenlschlossenheit und Mangel an Selbstvertrauen äußert. Von frühester Jugend an muß Körper und Geist gleichmäßig gebildet und gepflegt werden; mit großer Sorgfalt ist eine Ueberlastung des letzteren auf Kosten des Leibes zu verhüten und darauf zu achten, daß der Ermüdung des Tages die Er- holung der Nacht ungeschmälert folge. g. Eine allgemeine„DtchteritiS" macht sich bereits geltend. Sogar der vielen Berlinern bekannte verkrüppelte Streichholzhändler und Schneider Karl Lehmann hat es ver- sucht, sein Vermögensverzeichniß in Form eines Gedichts niederzuschreiben, und hat dasselbe in dem am 3. d. Mts. vor dem Königl. Amtsgerichts I Hierselbst zur Ableistung des Offen- barungseides seinerseits angestandenen Termin dem Gerichts- schreiber überreicht. Das Gedicht hat folgenden Wortlaut: 2 Rock, 2 West, 2 Hofen, alt, Auch 1 Paletot, sollt's werden kalt; Die Wäsche ist sehr reduziret, Die 2 Paar Stiefel mjeniret. Ein einz'aer Strumpf, der ohne Spitz', Damit ich nicht so sehr drinn schwitz'. Auch ein piekfeines Kleiderspund, Das ich aus einer Kist' erfund, Beklebet mit Tapetchen. 2 Eisen und'nen Nähmaschinchen, Wofür kein Mensch 10 Mark geben will. Ein Pfandschein von'nem Ringelchen; Ein krankes Weib, 2 Kinder klem, Zum Ueberfluß taugt mir kein Bein. Der„Dichter" hat demnächst auch den Offenbarungseid ab« geleistet Eine Polizeiverordnung verbietet bekanntlich, Fuhrwerke ohne Beaufsichtigung auf offener Straße stehen zu lassen. Auf- sehen muß es daher erregen, daß häufig Kutscher von Arbeits- wagen, die flch eine kleine Kontravention zu Schulden kommen ließen, von Schutzleuten von ihrem Fuhrwerk entfernt und zur Wache mitgenommen werden, während andere Beamte sich mit dem„Aufschreiben" an Ort und Stelle begnügen. So wurde gestern der Kutscher eines Mörtelfuhrwerks an der Ecke der Koch« und Jerusalemersttaße von seinem Fuhrwerk entfernt und wegen eines Verstoßes gegen die Fahrordnung nach dem ziem- lich entfemt liegenden Polizeibureau geschafft. Sein Fuhrwerk mußte an der belebten Straßenecke geraume Zeit ohne Aufsicht stehen bleiben. Sollte, nachdem die Tournure als Depot für geschmug- gelte Spitzen, als Bouquethalter, Kassette, Mopsplateau, Klein- kinderbewahranstalt und zu verschiedenen anderen Zwecken be- nutzt worden ist, die Damenwelt anfangen, fich von diesem monströsen Erzeugnisse kühner Echneiderphantafie loszusagen? In letzter Zeit find verschiedene Fälle gemeldet worden, wo fich Damen von der Tournure„getrennt" haben. Vor einigen Tagen hing ein prachtvolles Exemplar dieser Art von Toilette- mittel an einer der auf den Perron des Potsdamer Bahnhofes führenden Thüren. Ob die Tournure fich gelöst und sanft zu Boden geglitten war, oder ob ihre Trägerin sich derselben ent- ledigt hatte, das vermochte Niemand zu sagen. Nachdem die Tournure längere Zeit in dieser exponirten Lage verblieben war, wurde sie abgenommen und an gebührender Stelle feier- lichst in Verwahrung gegeben. Wann aber„wird kommen der Tag", wo die letzte Tournure dahinstnkt?! Gerichts-Zeiwng. P. In der dem Magistrat von Berlin gehörigen Falkenberger Forst war bis vor Kurzem das Holz sehr billig und ein unbezahlter Posten von 20—30 Klaftern war von so geringer Bedeutung, daß selbst der von der städtischen Vermal- iung angestellte Stadtförster den Abgang einer derartigen Quantität nicht gewahr wurde. Wie dies möglich war, zeigte eine gestern vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts Ii gegen den Gastwirth Karl Julius Thom aus Clausdorf und den Eigenthümer Albert Wolff, ebendaher, wegen Diebstahls ver- handelte Anklagesache. Im Herbst 1882 befanden fich in der Senannten Forst mehrere Clausdorfer und Bewohner anderer )örfer beim Holz-Aufladen, und unter ihnen die Angeklagten, welche gekauftes Reifig rechtmäßig nur aufzuladen hatten. Die besinnungslose Trunkenheit des damals im Amte befindlichen Stadlförsters, welcher unfähig sich zu rühren, hinter einer Klafter lag, ermöglichte den Augeklagten die widerrechtliche Fort- schaffung von 20—30 Klaftern Holz. Erst nach Jahr und Tag kam vor einigen Monaten der Diebstahl durch einen Zufall zur Anzeige. Bei der städtischen Verwaltung war das Manko »war nicht bemerkt worden, aber gelegentlich einer im Dorf- kruge gepflogenen Unterhaltung, die einige Diebstähle in der Umgegend betraf, brachte einer den Holzdiebstahl zur Kenntniß des Gendarmen und gegen Thom und Wolff ward daraufhin Anklage erhoben. Das Schöffengericht nahm jedoch die That nicht für erwiesen an und erkannte auf Frei- sprechung des Angeklagten. Nachdem der Staatsanwalt hier- gegen Berufung eingelegt, gelangte die Sache zur nochmaligen Verhandlung vor die Ferienstrafkammer. Der Gerichtshof war indessen nach stattgehabter Beweisaufnahme von der Schuld des Angeklagten überzeugt, obwohl der als Entlastungszeuge vernommene Stadtförster von einem Abhanden gekommen fern der gestohlenen Holzes nichts wissen wollte; im Gegentheil nahm der Gerichtshof an, daß der Zeuge selbst als Begünstiger des Diebstahls anzusehen und deshalb von der Vereidigung des- selben abzusehen sei.— Das Urtheil des Berufungsgerichts lautete unter Aufhebung des freisprechenden Urtheils auf 14 Tage Gefängniß gegen Thom und 1 Woche Gefängniß gegen Wolff. Die Furcht vor der Schwiegermutter ist unter jungen Eheleuten aller Kassen bekanntlich eine stereotype, und doch dürfte in vielen Fällen der männliche Theil deS schwiegerelter« lichen Beiglücks zum jungen Eheglück weit bedenklicher sein, als der weibliche. Ein überaus zärtlicher Schwiegervater ist zweifelsohne der Zimmermann Johann Friedrich Wilhelm Metzenthm, welcher gestern auf der Anklagebank des hiesigen Schöffengerichts Platz nahm, um fich wegen Hausfriedens- bruchS, Bedrohung, Sachbeschädigung und Körperverletzung zu verantworten. Der kleine, sehr bewegliche Mann hatte fich augenscheinlich sehr viel Muth gestunken und führte seine Ver« theidigung mit drolliger Zungenfertigkeit.— Präs.; Sind Sie schon bestraft?— Anaekl.: Ick bin besstaft jenung,.det ick fo'n Schwiejersohn jekriegt habe. Sonst aberst noch me nich. — Nach den Akten find Sie in den sechsziger Jabren vorbe- straft.— Angekl.: Jilt denn des noch immer? Da wachse» ja schon Pilze druff!— Präs.: Außerdem ist aus dem Jabre 1879 eine Strafe wegen Widerstandes verzeichnet.— Angell.' Nanu? Wat is det? Halt, stille mal! Ach ja, det war die ver- rückte Jeschichte mit dem KrimmaL— Präs.: Jetzt find Sie nun wieder verschiedener Gewaltthätigkcit gegen Ihren Schwiegei- söhn, den Arbeiter Schultze, beschuldigt. Sie scheinen ein recht empfehlenswerther Schwiegervater zu sein.— Angekl.: Wenn Eener seine Kinder lieben duht, so bin ick's— dadruff können Se Jift nehmen.— Präs.: Davon haben Sie aber einen schlechten Beweis geliefert.— Singest.; Wenn cen Stier een rothes Duch sehen duht, wird er fuchswild, un wenn ick nra meinen Schwiejersohn in de Brodouille komme, denn kann>» mir nich halten.— Präs.: Was haben Sie denn gegen den Mann?— Angekl.: Ick wer' Sie det janz jenau verzählen. Sehen Se'mal, die janze Jeschichte hier brauchte jar nich�ZU find, denn ick bin der Schwiejervater, er hat von mir ne proppre Frau jekriegt, wat meine Dochter is— wodrum braucht er mir hier in den Kasten einzupressen? Da können Se scha» sehen, wat des for'ne Biele ist.— Präs.: Zu welchem Zwe« gingen Sie denn am 17. Juli in die Wohnung Ihres Schwie» gersohnes?— Angekl.: Wodrum? Erschtens hatte ick's janl fürchterlich im Leide, un meine Dochler verfiegt ieber eenen sehr jebildcten Jondelbittern, un denn wollte ick mir meine wollene Decke, meinen Schraubenzieher un de Säje abholen. - Präs.: Um diese Säge ist wohl ein Streit ent- brannt?— Angeklagter: Herr Jerichtshof, die Säje is een deiert Andenken an meinen Herrn Vater, un ick habe cen janz apartiges Jemieth un halte so wat höllisch hock-" Präs.: Während des Streites hat Ihnen nun Ihr Schwieger- söhn die Thür gewiesen?— Angekl.: Wat hat er jedabn• Rausgeschmiffen hat er mir, ohne alle Vorreden rausjeschmiffcn- Un da hatten wir den Salat: Der Mosjö Schwiejervater lag draußen un der Herr Schwiejersohn pfiff fich drin den Schun- kelwalzer un hatte meine Säje.— Präs.: Sie haben bei st« Hinauswerfen doch leinen Schaden erlitten?— Angekl.: VF Jerichtshof, mir brummte der Kopp, als wenn'n Brummtnel» drin'rumdanzte. Ick kann Ihnen sagen, wenn Schultze z» faßt, deß det man nich sachte duht, un wenn ick blos noch Linie schlimmer jefallen wäre, denn were mein jechrter W wie'n jroßer Kürbis auseinanderjejangen und ick würde av Wasserleiche uff Schultze'n sein Jewissen lasten.—%% Thatsächlich sollen Sie nun aber die Thür zur SchultzeW» Wohnung eingeschlagen und Ihren Schwiegersohn mit T# schlagen bedroht haben.— Angekl.: Wat ick in jene Stuns- erlebt hatte, hatte mir janz seekrank jemacht; ick schlug förmlichen Dusel mit de Hände nach die Beene um mir � un da könnte et ja woll find, det ick'n biM zu stark an de Füllung jekloppt habe. Man � ja, Jott sei Dank, noch de nöchige Bulljong Leibe.— Präs.; An demselben Nachmittage haben Sie»A noch einmal ein Renkontre mit ihrem Schwiegersohn gehnN- — Angekl.: Ja, Venken Se blos, Herr Jerichtshof, kommt»? Mensch wieder wie'n wahnfinniger Hering uff mir los jescholfl und schreit immer:„Warte Racker, Dir fasse ick doch noch ml»- — Präs.: Sie behaupten also, daß Sie eigentlich der Bedrot» warm?— Angekl.: Na, allemal! Und denn is des doch}ir' Sache nich for en Kind, seinen leiblichten Herren Eltern jcm über. Sehn Se mal, er kam mit'ne jroße Stampe und? konnte ja denken, der Mensch schläft mir dodt.— Präs.: was haben Sie alsdann gethan?— Angekl:: Ick habe n#S lich'n Steen jenommen un habe ihm'n stecnen Denkzettel« seinen dicken Kopp jejeben.— Die Zeugen der Veranlass� des Streites und der daraus resultirenden verwandtschaftli� Liebenswürdigkeiten schildern die Details allerdings ganz' ders und so sehr zu Ungunsten des Angeklagten, daß. i? Gerichtshof denselben zu vier Wochen Gefängniß verurtho� Der Angeklagte wirft noch einen wüthenden Blick auf W! Schwiegersohn und verläßt den Gerichtssaal mit der Ceifnff rung:„Meine Tochter is de längste Zeit seine Frau jemeP' un solchen Schwiejervater kriejt er nie wieder!" Vereine und Versammlungen hr. In der öffentlichen Schneider-Versammlo»!! welche behufs Berichteistattuna des Schiedsgerichts in 6»% der Subkommisfion kontra Lobnkommisfion am Donnerstag Gratweil unter dem Vorsitze des Herrn Jeschonnek, des{[s sitzenden des Schiedsgerichts, stattfand, theilte dieser zuA ein Schreiben des Herrn Fmske, des Vorsitzenden der% kommission mit, in welchem dieser erklärt, daß er das gericht nicht anerkenne, und wies dann auf Grund der die Herr Kraft, ein Mitglied der Subkommisfion, den siast' büchern der Lohnkommisfion entnommen und dem Schfcjj» richte zur Beifügung gestellt hat, nach, daß sich nur ein von 36,80 Marl ergebe. Dieses Manko aber werde dura„ Quittungen, welche Herr Pfeiffer, der Vorff�« der Lohnkommisfion, noch in Händen habe,"W als gedeckt. Dem gegenüber erklärte Herr%% daß er im Stande sei, ein Manko im W? f von 213 Mark nachzuweisen. In einer Versammlung,»y, in nächster Zeit einzuberufen gedenke, werde er diesen-j weis führen. Herr Kraft sprach sich dabin aus, daß die �.p führung des Kasfirers eine sehr nachlässige und inkorrettj-A wesen, daß aber, da nicht nur Einnahmen, sondern auch* y gaben un gebucht geblieben, vollständige Klarhett zu schaffi'" v» den Beweis zu führen, daß Unterschlagungen stattgefn» � haben, nicht möglich sei. Nach mehrstündigen Debatten schließlich der folgende von Herrn Stäger gestellte Antrag y genommen:„Die Versammlung erklärt, daß die EubkoMwuy m einer Sitzung unter den Augen des Schiedsgerichts un» O Lohnkommisfion zu arbeiten und zu dieser Sitzung alle tv?.s und Belege beizubringen hat." Mit dem Ausdruck der v. nung, daß die Subkommisfion diesem Beschlüsse fich daß in der nächsten öffentlichen Versammlung das S« � gericht ein definitives Urtheil werde abgeben können, W» Vorsitzende die Versammlung. Eine allgemeine Kommunalwähler- Lersam?� Perantwortlich« Redakteur R. tu Berlin. Druck und Verlag von Max vadiug in Berlin 8W, Beuthstraß«?. findet am Sonntag, den 13. September, Vormittags � in Habel's Brauerei, Bergmannstraße 5-7, statt. Of ycß treter des 10. Kommunalwahlbezirks, Herr Scheiding,. ist � lich hierzu eingeladen. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht.,.„„/st- Große öffentliche Versammlung der Steindr» N Lithographen und Berufsgenossen am Sonntag, den /fip Vormiltags 10 Uhr, im Palmen-Saal. Neue straße 20. Tagesordnung: 1. Etatutenbcrathung. jetzige Lehrlingswesen und seine Folgen. Referent: Fr- Görcki. 3. Diskussion.— Der wichtigen Tagesor � wegen ist es dringend nothwendig, daß alle Kolleg scheinen. gyj Aachverein der Rohrleger und Bernfsgen offen- tag, den 13. September, Vormittags 10 Uhr, Persann" � bei Wolf u. Krüger. Skalitzerstr. 126. Tagesordnung-'W trag. Refeient: Herr M. Kreutz. 2. Kassendeiictst- Diskusfion. Aufnahme neuer Mitglieder. Verein der Sattler und Fachgenossen. den 12. September, Abends 8'/, Uhr, in Gratw�lsW Kommandantensiraße 77/79, Versammlung. Tageso 1 Voittag des Herrn Prediger einer. Kendziora über.-- 0> und Kultur". 2. Veisichiedenes. 3. Fragekasten.„ willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Tagesordnung: Besprechung der Leistungen der W" Ortskasse gegenüber. Hterz» eine «n. feeti »toi C.�ttnii «t. 2« bii W Beilage zum Berliner VolNlalt . S13 Sonnabend, den 12. September 1883. IL Jahrg. Duchrichten über die Zdiiiie» in den Anstaliw Armßriis. Unter den Geisteskranken bildet die Idiotie oder der Jdio- Mmus eine besonders gekennzeichnete Gruppe. Die Sachver- Händigen scheinen darüber einig zu sein, daß unter der Be- mchnung„Idioten" alle geisteskranken Personen zu verstehen M, die von Geburt oder von früher Jugend an schwach, oder jw? sinnig find; zwischen den beiden Begriffen Blödstnn Motte im engeren Sinne) und Schwachsinn(Imbezillität) H die Scheidelinie jedoch je nach den individuellen Ansichten Awankend. Es wird indeß allgemein angenommen, daß Mwaidfinn einen minder hohen Grad der Idiotie ausdrückt. fw entscheidendes Kriterium dafür wird nicht die Fähigkeit «S Sprechens, sondern vielleicht die Fähigkeit zur Heranbil- einiger Intelligenz und nützlichen Thuns anzusehen sein. um acgeben'n Falle wird man darüber erst nach einer Probe- M der Ausbildung entscheiden können, wozu die vorhandenen Motenanstalten genug Gelegenheit bieten. , Da auch in Jrrenananstalten Idioten sich befinden, so Ald die Angabe nicht ohne Jntcreffe sein, daß unter allen Msteskranken in den Irren- und Jdiotenanstalten PreußenS � den Jahren'875 bis 1882 7151 Idioten, und zwar 4070 Männliche und 3081 weibliche verpflegt, worden find; sie machten, M dem Geschlcchtc nach, 10 Prozent aller Geisteskranken aus. ?Won waren 6 Prozent als Idioten im engeren Sinne und >ozent als Schwachfinnige zu bezeichnen. Bon sämmtlichen tten befanden sich 61 Prozent in Irrenanstalten und � Prozent in Jdiotenanstalten. Berückfichtigt man dagegen Ater der betreffenden schwachsinnigen Personen, so stellt N'in wesentlicher Unterschied heraus, indem von den unter ■jl Jahr allen Idioten nur 24 Prozent in Irrenanstalten und �.Prozent in Jdiotenanstalten verpflegt wurden, während von über 20 Jahr alten Jditoten 86 Prozent in Irren- und ?ur 14 Prompt in Jdiotenanstalten untergebracht waren. Für � einzelnen Geschlechter weichen diese Berhältnißzahlen nur "wesenlich von einander ab. «.In Bezug auf die Unterscheidung in Idioten und Schwach- w8' ergicbt sich, daß, während von allen Idioten 39 Prozent Wer und 61 Prozent über 20 Jahre alt waren, von 4109 Moien im engeren Sinne 53 und 47 Prozent den bezeichneten Mn Altersgruppen angehörten.— Als Imbezille waren Personen bezeichnet; dieselben vertheillen sich mit 20 und Prozent auf die beiden Altersgruppen. , Noch weitgehende Unterscheidungen der Idioten vorzu- WweN' ist äußerst schwierig, da die Individualität unter den İttn sich derartig ausprägt, daß die Aufstellung von zahl- Si in Kategorien nothwendig werden würde. Faßt man » allein die am Körper hervortretenden Abweichungen [W Normalen ins Auge, so erscheint eine Gruppenbildung ' solcher Gestalt lassen sich folgende Aufstellungen z�ioten �nraliei ... mit Amalien des »Tadels... Awalien der «.Winesorgane Amalien der Srr;. .fe"; davon in Prozenten gestorben n, � unter über unter über über- Anzahl m. w. zg J. 20 I. 20J. 20J. Haupt 282 55 45 71 353 54 46 49 566 54 46 58 328 196 » O«.») VV*/ V»V"C/ '«n im en- Sinne 4105 �ttlle... 3046 «n über- W.... 7151 58 56 60 53 42 44 50 47 71 52 53 20 57 43 39 Äf, eingehendere Berücksichtigung bestimmter tucenmaie ju den Gruppen, welche von einer Anzahl der V W8werthesn 5 Fällen das gleichzeitige Vorkommen von Kropf n ist. Bei der Aufnahme in die Anstalten standen Fe«— er! Von Hermann Heiberg. *�8*« Nachdruck oertoten.] Bewahret daS Feuer und das Licht, Daß Niemand kein Schade geschicht. Lobet Gott den Herrn! Alter Spruch. Schlüssel will nicht in'S Schloß. Die vielen Stli**'"e ringsumher sitzen, werben um eine be» Mite.�ahl vermehrt. Die unsichere Hand tastet, % ml. über Alles ist vergeblich. Nun endlich gelingt's. �'ht.? schwankt, während er den Schlüssel rm Schlosse Wo als er den Drücker der Thür erfaßt, giebt Vtm*,"ach. Ah! Richtig! Er hat vergesse«, noch % et aufzuschließen. Zweimal wird umgedreht! Jetzt ' späte Gast schreitet über den Hof eines Berliner ,? der Auguststraße und steigt im Dunkeln fünf 5 die ß/Uch in seine Wohnung. Mit dem Stocke berührt ,% fen. Dieser muß ihm das fehlende Licht er- Wtt a.,?un erreicht er einen großen, dunklen Hausboden, mex ch hier an dem Schloß und tritt endlich in sein .§1 diesem Augenblick poltert's unheimlich draußen. % Si*40R uiit dem Schwefelhölzchen in der Hand, um Rjc kntzünden, hält der Mann— es ist ein %eift-�'udent, der von einer Kneiperei heimkehrt— er« glimmen- " t in die ---- rascher uirkung geblieben. nun abermals ein Streichhölzchen an und die Kretinen im Alter von 3 bis 72 Jahren. Auf die Alters- klaffen unter und über 20 Jahren waren sie mit 40 und 60 pCt. vertheilt. Die Sterblichkeit der jüngeren Altersklaffe betrug 22, der höheren 41, der Gesammtheit 33 pCt.; für die weiblichen Kretinen war dieser Prozentsatz noch höher. Ganz besonderes Interesse erregen unter den Idioten die Mikrozephalen. Nach der von K. Vogt aufge- stellten Theorie, daß diese Unglücklichen zu einem früheren Typus zurückkehren, der atavistischen Theorie, mußten zu irgmd einer Zeit Menschen gelebt haben mit eben so wenig entwickelten Schädeln, wie die jetzigen Mikrozephalen ihn haben. Spricht nun auch für diese Theorie der Umstand, daß das Gehirn der Quadrumancn Aehnlichkeit mit dem der Mikrozephalen hat, so ist sie doch unrichtig, da die Mikrozepha- len sich nicht erhalten können, nicht fortpflanzungsfähig find. Es muß vielmehr angenommen werden, daß der Zustand der Mikrozephalie durch Krankheit hervorgerufen wird. Die Zahl der im vorgenannten Zeittaume in den preußischen Anstalten verpflegten Mikrozephalen betrug 143, darunter 45 pCt. männliche und 55pCt. weibliche; unter 20 Jahren waren alt 69, über 20 Jahren 31 pCt. Von der jüngeren Altersklaffe find 25, von der älteren 20, überhaupt aber 23 pCt. gestorben. Als in eine dritte Gruppe der Idioten gehörig verdienen sodann besondere Erwähnung die mit epileptischen Krämpfen Behafteten. Die Zahl derselben ist bedeutend größer, als die der beiden vorher besprochenen Gruppen, nämlich 643; davon gehörten 54 pCt. dem männlichen 46 pCt. dem weiblichen Ge- schlechte an. Im Alter unter 20 Jahren standen 77, im Alter über 20 Jahren nur 23 pCt. der epileptischen Idioten. Auch hier ist die Sterblichkeit hoch; sie betrug nämlich 24 pCt., und zwar im jüngeren Lebmsalter noch mehr als im höheren Alter; das weibliche Geschlecht stellt zu den Todes- fällen ein größeres Kontingent als das männliche. Schließlich ist in Bezug auf die Unterbringung der Idioten in Anstalten noch darauf hinzuweisen, daß nach der Ministe- rial-Verordnung vom 13. Dezember 1873 in den Jdiotenanstalten majorenne Idioten sich nur dann aufhalten dürfen, wenn fie vor Eireichuna der Großjährigkeit bereits in diesen Anstal- ten verpflegt worden find. Die Anzahl der Idioten- Anstal- ten beträgt übrigens zur Zeit 25, von denen nur eine aus öffentlichen Mitteln erhalten wird, das ist die Jdioten-Anstalt der Stadt Berlin zu Dalldorf, 18 Jdiotenanstalten sind mit Hilfe von Wohltbätigkeitsvereinen errichtet, 6 im Besitze von Privatpersonen. Mit Irrenanstalten find 6 und mit einem Rettungshause eine zu Echreiberhau) verbunden; die übrigen Jdiotenanstalten find sclbsiständig. Die Provinzialverbände stehen in einem bestimmten Vertragsverhältniffe zu den Idioten- anstalten und unterstützen dieselben je nach der Anzahl der Idioten, deren Unterbringung der öffentlichen Fürsorge an- heimfällt. Politische Ueberstcht. Während die Retchstagswahlen die Bevölkerung bis in die fernsten Kreise aufzurütteln pflegen, nimmt man bei den Landtags-Wahlen nichts derartiges wahr. Man kann diese beiden Wahlen nicht besser als mit einem in großem Stile arrangirten Volksfest und einem Gabelfrühstück beim Minister vergleichen. Hier das frische pulfirende Leben der Masse, dott befrackte Herren, welche ihre Auftrüge entgegennehmen. Keine Versammlungen, keine Flugblätter, nichts von alledem bekundet, daß binnen Kurzem zum Landtag gewählt werden soll. Wer sollte sich auch außer den Hauptatteuren sonderlich um die Wahlen kümmern? Das jeigentliche Volk betheiligt sich an solchen„Wahlen" nicht, nur auf dem Lande, in Hinterpommem, Posen u. f. w. wählt auf Veranlassung des Arbeitgebers auch der„gemeine" Mann. Sonst Stille, tiefe Stille ringsum, die nur ab und zu unterbrochen wird von dem Geschrei des rcaktonären Gevögels, welches sich in den Spalten einiger Tagesblätter gegenseitig Komplimente macht. Die Akteure haben lerchte Arbeit, sie brauchen sich nicht aufzu- regen, nur eins wird ihnen Schwierigkeiten machen: das Heranholen der„Wahlmänner", denn es dürsten wohl kaum soviel Wähler erscheinen, als Wählmänner zu wählen find. Aber schließlich wird sich auch dies Geschäft abwickeln lassen, Gevatter und Nachbar werden hinter dem Ofen Hervorgeholt, und richtig, am Abend der Wahl ist das schwere Wert ge« lungen, ern neuer„Lorbeer" ist erstritten, denn Hinz oder Kunz wird vorausstchttich drei Jahre zum Wohle des Vater- landes im Landtage fitzen. Wohl bekommS ihm! Auf Grund des Sozialistenaesetze« ist die ohne An- gäbe des Druckorts, des Druckers, Verlegers oder Herausgebers in der Stadt Iserlohn und einigen ländlichen Ottschaften des leuchtet mit der Kerze hinaus. Nichts! Nur eine Katze miaut und schießt an ihm vorüber. Ah! die Katze! Cr entkleidet sich, athmet einige Male auf, löscht das Licht und schläft ei».— Inzwischen schaut sich das Fünklein unter dem Fuß- boden um, ob hier wohl Nahrung sei. Schutt und grauer, dicker Staub liegen aufgeschichtet umher und sind ein schlechtes Futter. Aber nahe dem Fünklein liegt ein Spähnche», ein Rivgellöckchen, das beim Hobeln abgefallen ist, und daneben ein Stück ZeitungSpapier.„Von Staats- und gelehtten Sachen" steht darauf. Ein guter Funke kennt keine Kunst und Wissenschaft; ihm ist'S gleich, ob's ein Stück Taback- kanaster-Umhüllung ist, oder ein Blättchm aus Heine'S Buch der Lieder. Zunächst macht es sich an das Spähnchen. Wie ein nagende» Mäuschen zerrt e» an dem Rande und frißt, und das Futter schmeckt gut. Bald ist'S verzehtt. Nun bläht sich das Fünklein zu einer feinen Flamme auf. Wenn's erst gegessen hat, schwillt'S. Es legt den heißen Mund an daS ZeitungSpapier und dabei schielt'S umher, wo der gieriger werdende Schlund wohl noch mehr verschlingen könne. Sechs quer über einander liegende Strohhalme ruhen wie träge Amphibie« nicht weit ab von dem Fetzen der Vossischen Zettung. Seltsamer Anblick, wie das Fünklein speist! Es bläht das Papier schwarz auf, daß es sich krümmt, gleichsam in Schmerzen, und schickt andere eilfettiae Funke«, die rasch geboren werden, hierhin und dotthin. Wie glitzernde Stern- lein am dunklen Himmel erscheinen sie, laufen und ver- schwinden, bis sie an den äußersten Rand gelangen und sich, ausknisternd, zu einer sanften Flamme vereinigen. Im Nu sind die Strohhalme ergriffen, und da ein Flämmchen auch seine Sprache hat, knistett's in den erstorbene« Leibern der Halme, die einst auf dem Felde die„Urmutter des Feuers", die Sonne, über sich sahen, und dieser ihr Leben ver- dankten. Kreises Iserlohn verbreitete Druckschrift:„Volk, denke nach!" verboten worden. Aus Kiel wird der„Post" telearaphirt: Seit gestern durchläuft ein Gerücht die Stadt, der Dampfer„Nachtiaal" sei im Bistayischen Busen untergegangen. Nähere Nachnchten fehlen. Aus Baiern wird der„Franks. Ztg." geschrieben: Die in Augsburg zur Untersuchung der Frage der Sonntagsruhe niedergesetzte Magistrats� Kommission ist entsprechend anderen derartigen Kommissionen zu dem Beschluß gekommen, daß das Verbot der Sonntagsarbeit undurchführbar und die bestehen- den Besttmmungen durchaus genügend seim. Nach der Enquete ist in den Gewerben mit einigen(!) Ausnabmen die Sonn- tagsarbeit vollständig(!) ausgeschloffen. Der Schluß der Laden« geschäfte würde schädlich wirken. Von den 11 500 Fabrikarbeitern hätten ficherlich mehr als 11000 ihre Sonntagsruhe. Das „ficherlich" ist recht verdächtig. Auch in diesen Gutachten spielt wieder die Verordnung vom 20. Juli 1872 eine Rolle, auch hier wird wieder ausgeführt, daß für Baiern eine weitere Ver- schärfung unnöthig sei. Die Zustände mögen anderweit schlecht sein, bei uns ist Alles in Ordnung, das ist der Refrain all dieser Gutachten. Die Petition, betr. Arbeiter- schutzgesetz, und speziell Einführung der Sonntagsruhe, fand allein in München 14000 Unterschnften, aber bei uns ist Alles in Ordnung! Fr««»? eich. Die Kolonialpolitik hat dem französtschen Volle ungeheure Opfer an Blut und matettellen Gütern gekostet, ohne daß dem Lande dadurch auch nur ein nennenswerther Ersatz zu Theil geworden wäre. Und immer neue find erforderlich, um die annektirten Gebiete zu pazifiziren. Die Eingeborenen wehren sich nach Möglichkeit gegen die französtsche Herrschaft, wie das wieder aus einem Telegramm, welches der„Agence HaveS" aus Hue in Tonkin zugeht, ersichtlich ist. Dieses Telegramm meldet, der erste Regent Thuong sei am Dienstag verhaftet und nach dem Bagno von Pulocondor abgeführt worden, den Posten des ersten Regenten habe der bishenae Präfett von Hanoi übernommen. In Hue herrsche Ruhe, dagegen gehe eS in den Provinzen Quinhon und Tourane unruhig zu, dott hätten zahlreiche Maffakres stattgefunden. Thuyet befinde sich mit dem Könige noch immer in den Gebirgen von Thanhoa, wohin er vor den französtschen Truppen gestüchtet ist. Von Schwarz- flaggen werde man in Annam nichts gewahr. Die Cholera- epidemie sei im Abnehmen, gestern seien in Hue nur 24 Todes- fälle vorgekommen. Die milttänschen Operationen würden vom General Courcy geleitet, die Truppen seien vom besten Geiste beseelt.— Man steht aus dem Bericht, daß sich die Heerführer bemühen, die Zustände möglichst günstig hinzustellen, wer aber zwischen den Zeilen zu lesen versteht, der wird fich der Ueber- zeugung nicht verschließen können, daß es noch jahrelang dauern wird, bevor Ruhe und Ftteden vollständig hergestellt sein werden. Amerika. Aus Winnopea(Kanada) wird berichtet, daß der Apellhof in Manitoba das Todesuttheil gegen LouiS Riel bestätigt hat. Man glaubt, daß die Vollstreckung am 18. d. M. stattfinden wird. Kommunales. W. In welchen Kommunal- Wahlbezirken müssen Hausbesitzer gewählt werden? Die Städteordnung schreibt unter den§§ 16 und 22 vor, daß die Hälfte der von jeder Ab- thcilung zu wählenden Stadtverordneten aus Grundeigen- thümern bestehen müssen. Da nun die Stadtverordnetenver- sammlung 126 Mitglieder zählt, so müffen demgemäß überhaupt 63 Stadtverordnete oder in jeder Abtheilung 21 Hausbesitzer sein. Nach einer angestellten Ermittelung befinden fich unter den am 1. Januar 1886 im Amte verbleibenden Stadtverord- neten von den in der dritten Wahlabtheilung gewählten Stadt- verordneten 18, von der zweiten 19 und der ersten 21 Hausbesitzer. Demnach müssen bei den bevorstehenden Ersatzwahlen in den zur Wahl kommenden Wahlbezirken der dritten Abthei- lung 3 und in der zweiten Abtheilung 2 Stadtverordnete ge« wählt werden, welche Hausbesitzer find. Die Bestimmung dieser Wahlbezirke hat durch AuSloosung stattzufinden. Dieselbe ist in der heutigen Magisttatsfitzung bewirkt worden und fiel in der dritten Abtheilung auf die Wahlbezirke 3, wo der Stadt- verordnete Gerold, 28 wo der Stadtverordnete Häseke und 38 wo der Stadtverordnete Wallich ausscheidet; in der zweiten Abtheilung find die Wahlbezirke 3 und 10, wo die Stadtverordneten Herrmann und Dr. Gerstenberg ausscheiden, ausge- loost. Die Gemeindewählerliste pro 1885 zählt in der ersten Aus dem Balken schauen verschiedene, von dem Zimmer- manntbeil verschont gebliebene Splitter hervor. Ungleich sind sie; einige grob, einige zatt. Eine Spitze des feinsten Splitters faßt der rasche Funke. Beinah mißlingt's. Er packt, gleitet ab, packt von Neuem. Nun hat er die glühen- den Zähne festgemacht. Bald ist das Splitterchen verzehrt und gemächlich springt das Fünkchen auf ein anderes, stärkeres Holzfädchen. Es flammt lustig auf, und zu dem knisternden Geräusch gesellt sich— wie einst bei den Drachen der Märchen— ein glühender Athem: Es dampft in seiner befriedigten Gier und qualmt au« seinem Schlünde brennzelige« Rauch. Nachdem alle Splitter verzehrt find, geht's an den Balken. Das Flämmchen reibt zuerst seine brennenden Glieder an den Flächen, dann öffnet'S den Mund und beginnt zu züngeln, und allmählich fängt'S an zu schmauchen. Und plötzlich wird aus dem Flämmchen, wie vorher au» dem Fünkchen, ein langsam aber lustig fressender Höllengeselle. Die ganze Nacht frißt es und schwehlt wollüstig in der festen, harten Nahrung. Und der Schläfer über dem glimmenden Balken träumt von der Last deS Tage«, von einem angekommenen Wechsel, bezahlten Schulden, Mensuren, Biergelagen und berauschen- den Gesängen.—— Und immer schläft und träumt er noch, bis die Sonne am Himmel emporsteigt und der Menschen Tagewerk von Neuem beginnt. Erst gegen Mittag erholt er sich und schaut sich um. Alle« wie sonst. Er sucht nach der Uhr, ordnet seine Toilette und eilt die fünf Treppen hinab, um da» Versäumte nachzuholen. Der Balken ist inzwischen ein schwarneS Kohlengerippe geworden. Die Flamme hat, wie eine Ämeisenschaar, ab- gefressen, was ihr nur mundete. Und je mehr sie verschlingt, desto stärker wird ihr Appetit. Drüben am Endpunkt des Abtheilung 3194, in der zweiten Abtheilung 16023 und in der dritten Abtheilung 172 622, zusammen 191839 Wähler. Ein neuer Spielplatz für Kinder. Auf Veranlaffung deS Magistrats hat die städtische Grundeigenthumsdeputation in ihrer letzten Sitzung über die Verkaufsbedingungen berathen, welche für das große Bauviertel zwischen Grimm-, Dieffenbach-, Gräfe» und Urbanstraße, das die Stadt parzelliren und ver» kaufen will, festgesetzt werden sollen. Dieses große Bauviertrl soll einen hübschen Jnnenplatz mit einer zu demselben führen» den Straße erhalten, welche nur eine Zugangs-, nicht aber eine Verkehrs straße sein würde. Der Platz soll mit Bäumen besetzt werden und als Kinderspielplatz dienen können. ES wurde beschloffen, Festsetzungen zu treffen, welche daS Fort- bestehen der im Plan vorgesehenen Höfe fichem. Ferner soll die Bebauung mit Fabriken, welche Dampfmaschinen verwenden, üble Gerüche verbreiten oder großes Geräusch verursachen, ver- boten werden, und endlich soll die Errichtung von Schank- wirthschaften am Platz und an der Straße im Innern nicht ge- stattet sein._ Lokales. Die mündlichen Vernehmungen bezüglich der Ab» schaffung der Sonntagsarbeit wurden auch gestern, Freitag, fortgesetzt. Die Verhandlungen begannen Vormittags 9'/« Uhr und endeten Mittags 12 Uhr. Eingeladen waren zu denselben: der Fachverein der Tischler, der Verein zur Wahrung der In» teressen der Tischler und Berufsgenoffen, die Tischler-Jnnung, der Fachverein der Töpfer, die Töpfer-Jnnung, der Fachverein der Tapezirer, die Tapezirer-Jnnung, der Fachverein der Stein- metzer, die Steinsetzer-Jnnung. Leider waren zwei der einge- ladenen Arbeiter-Vereine, wie uns mitgetheilt wird, nicht ver- treten, nämlich der Fachverein der Töpfer und der Fachverein der Tapezirer. Die Mittheilungen, welche den hiesigen Zei- tungen über den Verlauf der Konferenzen gemacht werden, entsprechen der thatsächlichen Sachlage nicht- Wir werden daher vorläufig über die Verhandlungen nichts veröffenttichen. Die mündliche Prüfung der Abiturienten des Sopbjen- Realgymnasiums hat vorgestern unter dem Vorfitze des Pro- vinzial Schulraths Dr. Gruhl stattgefunden. Alle drei Erami- nanden erhielten das„Zeugniß der Rtife"; einer davon unter Dispens auf Grund seiner schriftlichen Arbeiten. Unter den Examinanden befand sich auch der blinde Abiturient Max Meyer aus Berlin. Derselbe hat das Realgymnasium von der Ober-Sexta ab besucht und ist regelmäßig versetzt worden. Seine schriftlichen Arbeiten hat er stets geliefert, indem er das Konzept diltirte. Auch für das Abiturienten- Examen war eine Möglichkeit der Theilnahme an den schriftlichen Arbeiten nicht aus geschloffen, jedoch wurde von dem Ministerium, nach vor- angegangenem Bericht des Lehrkollegiums an daffelbe, davon Abstand genommen und eine eingehendere, mündliche Prüfung verordnet. Bei derselben hat der Examinand in allen Fächem das Prädikat„gutt erhalten. Er dcabfichtigt nun die Uni- versität zu besuchen und sich insbesondere mit Literatur zu be- schäitigen, um später dadurch sein Brod zu erwerben. Der im Zuge der Kaiser-Wtlhelmstratze neu zu er- richtende Spreedrücke am Dom soll durch ihre eigenartige Konstruktion ein Unikum in unserem Vatcrlande werden, daS durch die besonderen Verhältnisse des Spreebettes bedingt ist. Die Brücke soll auf Grund der ungünstigen Erfahrungen über eiserne Straßenbrücken ganz massiv in Stein hergestellt werden, und zwar in einer großen Oeffnung und zwei kleineren. Da die durch die Umgebung des Terrains und den Epreewaffer- spiegel gegebene Konstruktionshöhe einen weiteren Bogen, wie den für die Mittelöffnung gewählten, wohl nicht zuläßt, mußte, um das Rormalprofil der Spree nicht einzuengen, rechts und links der Biückenpfeiler der Durchfluß dadurch erweitert werden, daß der Fluß nach dem Lande zu eine kleine Ausbauchung in Art eines Umlaufes erfährt, der bei Brücken wenigstens bisher kaum ausgeführt worden ist. Auch hierbei find noch überall Einschränkungen in den Abmessungen geboten, damit auf dem linken Ufer die Domfundamente, auf dem rechten Ufer die BauterrainS der Kaiser- Wilhelmsttaße nicht beeinttächtigt werden. Was die Domfundamente betrifft, so darf man jetzt wohl eine zu große Sorgfalt in der Konservirung derselben als überflüssig bezeichnen, da es wohl keinem Architekten heute mehr einfallen wird, den alten Plan, wie er vor 1843 bestand, so wieder aufzunehmen. Die Arbeiten an der Brücke werden sobald als thunlich auf dem rechten Ufer beginnen, damit die Eckbauten an der Burgstraße desto eher in Angriff genommen werden können.— Bezüglich der Moltkebrücke wird gemeldet, daß voraussichtlich im Frühjahr der Bau einer Jntenmsbrücke so schnell ins Werk gesetzt werden soll, daß der aus Anlaß der Jubiläums-Ausstellung zu erwartende große Verkehr eine Be- Hinderung nicht erfahren dürste. Auch die Moltkebrücke soll, wenn möglich, durch einen Massivbau ersetzt werden. Die„Freie Zeitung", das Organ der Herren Dr. Max Husch, Polle und Rosenbaum, wird, wenn wir einer uns zugehenden Mittheilung Glauben schenken dürfen, vom 1. Ottober d. I. ab rhr Erscheinen einstellen, weil die kapi- talisttschen Stützen des Blattes nicht mehr gewillt sind, ihr gutes Geld für eine verlorene Sache hinzugeben. Auch der mit so viel Aufwand von Zeit, Mühe, Geld, Papier und Druckerschwärze in Szene gesetzte Stöcker-Skandal hat nicht ver« mocht, dem Pseudo- Arbeiter- Organ auf die Beine zu helfen; ebensowenig sind die Schnorrereien des Herrn Löwe für dasselbe von irgend welchen nemienswerthen Erfolgen degleitet gewesen. Balkens sitzt ein gewaltiger Genosse— ein Querbalken. Der kommt daran mit der anbrechende» Nacht. Und diese wandert mit ihren dunklen Swnden vor- wärts, und aus den Flammen schießen hundert suchende Feuerzungen. Sie bohren sich in die Eingeweide de« Opfers und stimmen eine frohlockende Musik an. DaS fletscht und giert und prasselt und würgt, daß es eine Lust ist.— DaS Fünklein ist ein Riese geworden! Und nun giebt die Flamme, wie ein Eroberer, daS Zeichen zum Morden, Sengen und Plündern. Das prasselt nicht nrehr, das bricht und kracht und in toller Kampfgier springen die heißhungrigen Pioniere hierhin und dorthin. Hin und wieder wird die Arbeit blos einem Fünkchen an» vertraut, aber dies weiß so viel Vertrauen zu rechtfertigen. E« frißt und frißt und erobert sich langsam, aber sicher sein Feld. Was eine gute Flamme werden will, muß erst ei« Fünklein gewesen s-in.— Gegen zwei Uhr Nachts— in tiefem Schlummer liegt fast die ganze Stadt— beschließen einige Flämmchen, Rekognoszirungen vorzunehmen. Auf demselben Wege, auf dem das erste Kundschafter-Fünkchen hinabgelangte, bricht die verwegene Schaar hinauf. Aus ihren qualmen- den Mäulern dringt der Rauch in die Höhe, durch die Ritzen.— Und nun sind auch ihre dunklen Köpfe schon da; jetzt drängen sie sich hinein und legen ihre furchtbaren Schleier über den Träumer. Der Schlafgott gaukelt ihm vor, daß er daheim ist und seine Mutter ihn umfängt. Sie sinkt an seine Brust. Freudenthränen fallen auf seine Hände. Auch sein Vater eilt herzu.„Mem Zunge, mein lieber �unge!««« ��st Du, grauenhafter Geselle, der neben meinem Bater steht? Hinweg, Todtengerippe!" Ha! Nun fällts über ihn her und reißt ihm den Athem In der SanitätSwache der Schönhauser und Rosen» thaker Vorstadt. Schwedterstraße 27, wurden im Monat August 1885 41 Fälle behandelt. Von diesen betrafen 13 Fälle äußere Krankheiten und Verletzungen, 25 Fälle innere Krankheiten und 3 Fälle geburtshilfliche Operationen(2 Mal bei Fehlgeburten, 1 Mal eine Zangen- Entbindun g).— Auf der Wache selbst wurden 12 Fälle erledigt, und in 29 Fällen war der Besuch eines der 19 Acrzte der Wache erforderlich. Bei den hiestaen Standesämtern find in der Woche vom 30. August bis inkl. 5. Septbr. er. zur Anmeldung gekommen: 14ö Eheschließungen, 832 Lebendgeborene, 23 Todt- geborene, 515 Srerbefälle. Ueber die Festnahme eines jugendlichen Taschen- diebeS wird uns folgendes gemeldet! Gestern Abend gegen 7 Uhr wurde der 14 Jahre alte Bursche Johann Krüger, welcher bisher in Bromberg gewohnt hat und sich erst sen 3 Tagen hier aushält, festgenommen, weil er sich einige Tage zwecklos auf dem Echlesischen Bahnhofe umhertticb und in auffälliger Weise zwischen das abreisende Publikum mischte. Bei der vorgenommenen Vifitatton wurden zwei neue Porte- monnaics in seinen Taschen vorgefunden. Der Festgenommene gestand nach hartnäckigem Leugnen ein, daß er am 8. d. Mts. auf dem Perron des Schlefischen Bahnhofes einer Dame ein Portemonnaie, in welchem sich 22 Mark Haares Geld und ein Billet II. Klaffe defanden, ferner gestern Nachmittag einer Frau, welche den Zug besteigen wollte, ein Portemonnaie, enthaltend 1,50 M. und ein Billet IV. Klasse nach Bentschen, und gestern Abend 6 Uhr einer anderen Frau ein Portemonnaie, mit 32 Pf. Inhalt aus der Manteltasche entwendet hat. Krüger, wel- cher der Sohn einer hier in Untersuchungshaft sich befindlichen sehr berüchtigten Taschendiebin ist, Hai sich schon von der frühe- sten Jugend an mit den Manipulationen der Taschendiebe be- kannt gemacht. Er wurde in Haft genommen. Ueberfall eines Berliners in der Schweiz. Der in der Königgrätzerstraße wohnende Buchhändler L-, welcher sich zur Zeit rn der Schweiz auf Reisen befindet, hat nachstehenden Vorfall bei der hiesigen Kriminalpolizei zur Anzeige gebracht. Am Sonnabend, den 5. d. M., brach L. gegen 3 Uhr Nach- mittags von Col. de Forclaz aus, um zu Fuß und allein über den Col de Balme nach Chamonaix zu gehen. Nachdem er etwa eine Stunde gestiegen war, begegnete er auf schmalem Bergwege einem anständig aussehenden Menschen, mit dem er einige gleichgiltiae Worte wechselte. Mit den Motten„es war mir ein großes Vergnügen" empfahl sich der Fremde, während L. weiter emporstieg. In demselben Äugenblick wurde er durch einen in unmittelbarer Nähe abgefcuetten Schuß zu Boden gewor- fen. Es gelang ihm jedoch, sich wieder aufzuraffen, obwohl ihn der Angreifer in der augenscheinlichen Abficht, ihn nach dem Wegrande zu schleifen, am Fuße gefaßt hatte- Er trat nun dem Fremden entgegen, welcher mit den Worten„auch ich habe noch einen" drcr Schüsse aus einem Revolver auf L. abfeuerte, von denen, wie sich später ergab, einer die Lunge getroffen hat. Inzwischen war es aber dem L. gelungen, seinen eigenen Revolver hervor- zuholen, mit welchem er auf den langsam sich zurückziehenden Gegner eindrang. Von Blutverlust erschöpft, mußte L. die Verfolgung aufgeben, wurde bald darauf von drei den Berg heraufsteigenden Studenten aus Lyon auf einem Stein sitzend gefunden und mittelst Tragstuhls nach dem„Hotel des Alpes" in Trient gebracht. Am folgenden Tage fiedelte er nach dem Hospital in Mertigny über und befindet fich noch jetzt dott in ärzlicher Behandlung. Der Ueberfall ist bei den schweizettschen Behörden zur Anzeige gebracht und es wird hoffentlich gelin- gen, den Attentäter, welcher von mehreren Personen gesehen worden ist, und seinen Schirm bei der Begegnung zurückge- lassen hat, zu ermitteln. Die nach verbüßung einer 15jährigen Zuchthaut- strafe erst am 25. Jutr d. I. aus der Slrasanstatt entlaffene „Arbeiter" Schulz wurde gestern in der Stralauetttraße bettelnd detroffen und zur Wache fistirt. Schulz fühtte ein Bündel, enthaltend Fcnstergardinen, ein rothes Taschentuch und ein Paar Strümpfe, gez. El., welche er angeblich auf einer Bank im Fnedttchshain gefunden haben will, bei sich. Da aber auch, wie bei jedem Einbrecher, ein Stemmeisen, eine Zange und Licht in seinen Taschen gefunden wurden, so ist mit Be- stimmtheit anzunehmen, daß er die oben bezeichneten Gegen- stänoe, deren Eigenthümer noch nicht ermittelt ist. gestohlen hat. Schulz ist wegen Diebstahls und Bettelns in Haft ge- nommen. Polizei» Bericht. Am 10. d. M. früh wurde im Land- wehrkanal am Kottbuser Ufer die Leiche eines unbekannten an- scheinend dem Arbeiteistande angehörenden Mannes ange- schwemmt und nach dem Obduktionshause geschafft.— An dem- selben Tage Mittaas verunglückte der Arbeiter Wieder auf dem Neubau Wilhelmsstr. Nr. 146, indem er beim Transport von Balken einen Armbruch erlitt.— Nach Anlegung eines Noth- Verbandes wurde er nach der Charitce gebracht.— Am Nach- mtttag entstand in der GolVleistenfavttk von Werckmeister, Brunncnstr. Nr. 151—152, dadurch Feuer, daß im Kesselhause lagernde Hobelspähne durch Funken aus der Maschine in Brand gesetzt wurden. Die Feuerwehr war zur Stelle und löschte das Feuer in kurzer Zeit.— Um dieselbe Zeit wurde der Kutscher Krause auf dem Hof des Grundstücks Ackerstraße Nr. 91 beim Füttern der Pferde von einem derselben derart gegen den Leib geschlagen, daß er schwer verletzt nach dem Lazurus-Kranken- hause gebraucht werden mußte.— Zu derselben Zeit wurde ein Kaufmann an der Spandauerbrücke von einem Hunde umge- rannt und erlitt durch den Fall eine etwa 2 cm. lange Kopf- aus der Brust. Er ringt, er kämpft, er schreit, er stößt um sich,— er flucht,— er betet,— er— er— Was ist das? Er öffnet die Augen. Er vermag wirk- lich nicht zu athmen. Luft— Luft!— Er will sich er- heben, er fällt zurück. Er bohtt die Nägel in die Brust in Todesängsten. Um seine Ohren sauste», an sein Herz klopfe» tausend Hämmer— ES brennt.— Er verbrennt!— Auftecht! Aus dem Bett! Das Fenster eingestoßen— Luft— Luft!— Aber darauf haben die Teufel nur gewartet, die lauernd in den Ritzen des Fußbodens sitzen. Nun haben sie einen braven Helfershelfer, einen Kameraden— die Zugluft. Hurrah! Hurrah!— Die Flamme prasselt, sie schießt feuerlohend aus der Tiefe und wirft ihre Schlangen auf das Nachtgewand des Unglücklichen. Er schreit:„Hil— se! Hil— fe!" durch die stille Nacht, über die schlafenden Dächer und Häuser.— Und immer schrett er noch,— und draußen kreischt die Katze und wildes Halloh dringt an fein OKr. Er sucht die Flamme an seinem Gewände zu löschen und arbeitet sich an die Thür, mitten durch Rauch und sengende Hitze, athemloS, zitternd, halb schon erstickt. Aber die lauernden Pioniece m der Thür haben nur auf das Kommando, die Kameraden im Fußboden nur auf das letzte Signal gewartet! Wie flammende Schlünde brechen die Feuerwogen an allen Ecken hervor und versperren den Weg. Des Mannes Haar ist bereits versengt, unter den Sohlen glimmt'S, um seine Arme lecken die Gluthen. „Ah— 31— h! Erbar— men!— Hil— fe!— Mut- — ter! Va— ter!" Er brüllt vor Schmerz.— Aber nur vernichtender dringt der Tod an sein Herz; jetzt sinkt er zusammen.— Und wie hungrige Hyänen fallen die Feuer über ihn her, versengen seinen Körper, springen von ihm ab und wunde. Er mußte durch seine ihn begleitende Ehefrau mittel Droschke nach der Wohnung gebracht werden.— An demselbe» Tage Abends sprang ein Drenstmädchen an der Kottbuserbriial in selbstmördettscher Abficht in den Landwehr-Kanal, wurde jedoch, ohne Schaden genommen zu haben, aus dem Waßer gezogen und ihrer Dienstherrschaft wieder zugeführt. Gerichts-Zeitung. Der Baron von Ledersteger, über dessen Lrdensgeschasit schon manche Notizen in die Zeitungen gedrungen find, stand heute vor der Fettenstrafkammer hiesigen Landgettchts l, uni sich auf die Anklage des wiederholten Betruges und der Bigamie zu verantwotten. Die Persönlichkeit des Angcllaqt-n ist eine sehr intereffante und romantisch angehauchte. Pan Äloys Ledersteger ist am 19. Juni 1847 als Sohn eine1 Elementarschullehrers in Magdalenenberg in Ober-Ocsterreio geboren, besuchte 5 Jahre lang ein österreichisches Gymnasium dann das Lehrer- Seminar zu Wien. Seit 1872 hält er fi® dauernd in Berlin auf, ist seit 1874 aus der österreichische» Staatsangehöttgkett entlaffen und hat seit 1882 die kobmi!' gothaische Staatsangehörigkeit erlangt. Im Jahre 1874 W Leversteger von der Republik San Marino den Baronstw erworben und zwar soll er dafür eine Summe von 10 000 W gezahlt haben. Er ist außerdem glücklicher Besitzer fast sämind sicher Orden der Republiken San Marino, Honduras um Tunis. Hier in Berlin hat Lcdersteger nach den Ermittelungen der Staatsanwaltschaft eine feste Beschäftigung nie geW sondem nur ab und zu schttftstellettsche Arbeiten über Tag»! fragen geliefert und soll nebenbei einen schwunghaften Han?» mir Titeln und Orden betrieben haben. Er selbst soll M mehrfach damit gerühmt haben, daß er die Orden fast säinim sicher Staaten mit Ausnahme des Deutschen Reiches vermiß habe. Zur Anklage stehen zwei Fälle, in denen ihm für J» Vermittelung von Titeln Gelder gegeben worden find, l:! er dann für fich verwendet haben soll, ohne den ihm � theilten Auftrag auszuführen, resp. überhaupt ausfüjm zu können. Einem hiesigen Fabrikanten gegenüber hatte er m bereit erklärt, ihm Tttel und Orden eines dänischen Konw zu verschaffen. Er hatte darin vorgegeben, daß ein 3% Wenigen-Jngenheim die Mittelsperson sei, thatsächlich war � aber nur eine vorgeschobene Figur. Der Fabrikant mußte Summe von 6000 Mark an einen gewiffen Jsatitsch in einsenden, der das Geld dann wieder an Ledersteger zurÄ schickt hat. Aus der Neukreirung des dänischen Konsuls.'' schließlich nichts geworden und der Effett des ganzen@e(% war der, daß der Fabrikant sein Geld eingebüßt hat. Diesem» ttauttgen Erfahrungen hat ein hiesiger Inhaber eines ge# Waarcngeschäfts im Jahre 1883 machen müssen. Demf% stellte fich eines Tages eine Frau vor, welche sich als � Kundin gerate und die Mittheilung machte, daß der V# Leversteger in der Lage und bereit sei, durch seine Bekam schaft in den Hoflreisen von Koburg- Gotha demselben � Titel eines Kommerzienraths zu verschaffen. Der Kauftn»»' zeigte fich zu seinem Schaden nicht abgeneigt, auf diese C# einzugehen; er erhielt bald darauf den Besuch des Herrn% rons und dieser soll dabei wiederholt gesagt haben, daß es r --- k-------«------- 1---------5-- V.T. um den preußischen Kommerzienrathstrtel handele. valent hatte der Angeklagte eine baare Anzahlung __.. von � Mark und eine Nachzahlung von 10000 M. verlangt,% das Geschäft perfekt geworden sein würde; es war aber zeitig bestimmt worden, daß die letztgenannte Summe s meinnützige Fonds in Koburg- Gotha destimmt sein Die Baarsumme von 4500 M. hatte fich Leversteger als In freies Darlehn geben lassen, mit der Einschränkung,�, die Rückzahlung nur dann erfolgen sollte, wenn er d-n». trag nicht zur Zufriedenheit ausführen würde. Die Eventualität ist nun allerdings eingetreten, ttotzdem Kaufmann sein Geld nicht wieder erhalten. Der Änge'n- behauptet, daß er das Mißlingen des Projetts seinerseits n verschuldet habe. Er habe fich an den Kadinetsrath len% gewendet, dieser habe ihn aber zu seinem Bedauem abÄ, bescheiden müssen,„weil er mit dem preußischen Hofe.n drießlichkeiten gehabt habe", dagegen habe sich der Kabf». rath bereit erklärt, zur Erlangung des koburg- gothaD Kommerzienrathstitels behilflich zu sein. Der Kabine»� v. Tempeltey ist darüber kommissarisch vernommen Er hat erklärt, daß er fich nicht darauf besinne, mit de» geklagten in der angedeuteten Richtung unterhandell zu unmöglich sei dies aber nicht, doch sei der Angeklagte in Falle berechtigt gewesen, irgend welche bindende Versprel abzugeben.�— So weit die zur Anklage stehende Titel---y gewissen Matte Anna Witetschka getraut worden. Wie der Angeklagte behauptet, ist es d«M nicht hinausgekommen; er habe vielmehr an der HochKn«! erfahren, daß seine Braut bescholten war und habe ste Dnw sofort wieder verlassen. Am 15. März 1870 ist de» � paare auf seinen Antrag vom Landgerichte eine„3%" von Tisch und Bett" bewilligt worden, eine rcchlf Scheidung durch gerichtliches Urtheil hat jedoch � stattgefunden. Trotzdem hat fich der Angeklagt». 21. April 1872 Hierselbst abermals verheirathet, er dieser zweiten Frau noch jetzt in glücklicher Ehe und ist V eines achtjährigen Knqlben. Der Angeklagte, welcher s»''#! 17. März in Untersuchungshast fitzt und von dem R.-A L»# kehren zurück und verkohle» ihn in dem prasselnden � einander. „Feu— er!— Feu— er!— Durch die Nacht die Wagen der Feuerwehr, als ob Beelzebub sein» bauten losgelassen habe. Die leicht geschirrten, Thiere fliegen im Galopp über das Pflaster. Der»£ glühende Tropfen lecken, sprühen auf und verlöschet Dampfspritze erscheint.— Halloh,— Wirrwar,— M« — Rufen,— Fragen,— Abschirren von Pfe�&f sausende Wasserstrahlen,— helle Feuergarben,— des, ungestümes, wilde», erbarmungsloses Feuer,—£>■ Dampf, Rauch— Stille!— Dann Prasseln,— A. — Millionen Funken sprühen hinauf an den Mr. Himmel. Eilende Menschen mit Möbeln,—$a Abermals Kommando,— wieder rasche, gegen den v, wild sich aufbäumende Feuerzungen.— Feuer! 3%, Und nun— Halt!— Vorsicht!-— Jetzt!> ra— dauz! l Mit sürchterlichem Krachen stürzt der stuhl in den fünsten Stock und begräbt die 2ei! einem winzigen Fünklein!--- % (Vj >1 wtiLcibigt wird, erllärt sich in allen Fällen für nichtschuldig. Cr behauptet, daß fich unter dem Namen Wenigen-Jngenheim nne hochgestellte Persönlichkeit in Wien verberge, mit welcher er wegen einer adligen Adoption in Unterhandlung stand. Er habe gewußt, daß dieser Herr dänische Titel zu vermitteln im Stande sei und dieser habe fich bereit erklärt, für 3500 fl- den dänischen Konsul, der gerade frei gewesen sei, zu vergeben. Dänische Titel seien überhaupt nicht schwer zu haben, so könne man den Titel eines Hofjägermeisters, Kollegienrathes, Kam- merrathes auf 20—25 Jahre erhalten, wenn man jährlich eine gewisse Summe zahlt. Er habe nun diesen Konsultitel dem Berliner Fabrikanten angeboten und dieser habe fich nun bereit «klärt, 6000 Mark dafür zu geben. Da er s. Z. mit dem Prinzen Mizza Hassan Khan in Geldsachen böse Erfahrungen gemacht, habe er das Geld an Jsatitsch in Wien zahlen lassen, dieser habe ihm aber das Geld zurückgesandt und er habe es nun an den Grafen, der fich unter dem Namen v. Wenigen- Jugenheim verberge und thatsächlich der Bruder eines Mi- nisters>ei, eingeschickt. Dieser habe erklärt, daß er glaube, das Konsulat auszuwirken, später habe derselbe aber plötzlich die Effektuirung dieses Geschäfts von der Erledigung der Adop- nons- Angelegenheit abhängig gemacht.— Was den zweiten Fall, die Beschaffung des Kommerzienrathtitels, betrifft, so habe er nur gesagt, daß er vielleicht den gothaischcn Titel verschaffen könnie; der preußische Kommerzienrath-Titel würde höchstens durch die direkte Bermittelung des Herzogs von Koburg-Gotha, welcher zur Taufe des Sohnes des Prinzen Wilhelm nach Berlin kam, zu eneichen sein. Der Herzog habe aber damals noch in Nizza geweilt, er habe bestimmt ae- glaubt, daß er am Gebuttstage des Herzogs bei dresem etwas erreichen könne, habe aber auf alle Fälle mit -«-v.......— wi- /er— c.---- c... rc:*. Herzogs von Koburg zur Tragung seiner auswärtigen Orden befugt ist und daß er mit einem jährlichen Einkommen von *000 Mk. hier zur Steuer veranlagt worden ist. Bezüglich der Brgamie behauptet der Angeklagte, daß nach seiner Kenntniß l«ne erste Ehe rechtskräftig getrennt worden sei.— Die Zeugen- nuSsagen belasteten den Angeklagten nicht sonderlich. Die bnden Herren, welche bei der Erlangung der ersehnten Titel lo böse Erfahrungen gemacht haben, konnten eigentlich nicht »«geben, wodurch ste fich deschädigt fühlen sollten; in dem «nen Falle hatte der Angeklagte, nachdem er den Termin zur Beschaffung des Titels mehrfach prolongirt hatte, schließlich über den erhaltenen Bettag einen Wechsel ausgestellt. Der Betreffende hat die Anficht, daß der Angeklagte den Wechsel auch eingelöst haben würde, wenn er nicht inzwischen verhaftet " /c«-- er»? t Sa*«- i— u.iv sorgsamen Familienvater kennen ge- ttrnt, wissen, daß derselbe eine sehr einflußreiche Person für die Erlangung von Titeln und Orden sei und trauen ihm durch- weg einen Betrug nicht zu. Aus den Mittheilungen der Zeugen «eht hervor, daß der Angeklagte ein Bergwerk defitzt und daß eine Frau so bemittelt ist, daß der Angeklagte von den Zinsen leben kann. In den Händen des Angeklagten befindet Nch erne Liste von 37 Personen, denen der Angeklagte 67 Tittl und Orden besorgt hat.— Prediger Rhode von der Louisen- Nadtrschen Kirche war mit der Echmidt'schen Frmilie, welcher Iw%üu des Angeklagten angehört, s. Z. bekannt und hat den Angeklagten im Jahre 1872 getraut. Bei Gelegenheit des Aufftchots hat der Angeklagte die Frage, ob er etwa ver- verrathet sei, verneint. Der Angeklagte behauptet dem gegen» rf" nochmals, daß es fich für rite geschieden hielt; die Thal» w.•'& er geschieden sei, habe er aber nur um deshalb ver- Mlegen, weil seine Schwiegermutter wiederholt erklärt hatte, Sr* ne ihre Tochter einem geschiedenen Manne niemals zur -frau geben würde.— Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten tn beiden Fällen der Anklage für schuldig. Derselbe sei zwar als Genlleman aufgettettn, habe aber keineswegs als Gentle- Man gehandelt, namentlich geltt das von ihm be- «riebene Geschäft keineswegs alS ein gentileS; es sei eben von dort biS zum Schwindel nur ein Schritt. Die hohe Person, auf welche fich der Angeklaatt bezog, hält der Staatsanwalt nur für eine fingirte und deanttaate eine Gesammtsttafe von p/t Jahren Gefangniß.— Der Pertheidiger bestritt dagegen >ede belrügerifche Absicht auf Seite des Angeklagten. Derselbe habe thatsächlich hohe Verbindungen und vre Pflicht der Diskretion, die er fich gegenüber der hohen Person auferlegt, wnne denselben doch nicht unehrenhaft machen. Ebenso halt d« Vertheidiger den Thatbestand der Bigamie nicht für vor- negend und beantragte deshalb die gänzliche Freisprechung seines Klienten.— Der Gerichtshof konnte nicht feststellen, °aß der Angeklagte falsche Vorspiegelungen gemacht habe, ivrach ihn deshalb von der Anklage des Betruges ftei und ü«urtheilte ihn nur wegen Bigamie unter Zubilligung wildernder Umstände zu 1 Jahr Gefängniß unter Anrechnung a°n 3 Monaten auf die Untersuchunahast. «> Zwei Hüter der öffentlichen Ordnung, die städtischen Aachlwächter Anton Wolff und Karl Wauer, standen gestern unter der Anklage der gemeinsamen schweren Körperverletzung ?ar der 93. Ablbeiluna deS Schöffengerichts. Der Verletzte ist S* Fuhrherr Dietrich, Tegelerstr. 17, welcher den der Anklage zu gründe liegenden Vorfall folgendermaßen schildert: Am �Iebruar v. I. hatte ich in einer gegen die Angeklagten ge- «chteten Privatklage als Zeuge zu fungiren. Ich mußte eme w lastende Aussage machen und hatte ich deshalb, als ich nach , kür Termin mit den Angeklagten im Moabtter Rathskeller Mmmentraf, von ihrer Seite viele Sticheleien und Be« nhrmpfungcn zu erdulden. Um einem Streite vorzubeugen, jimg ich ruhig fort und begab mich auf den Heimweg. An ttnem Platze angelangt, wo die Birkenstraße in die Rathenower- Awße einmündet, hörte ich plötzlich hinter mir einen vom haschen Laufe keuchenden Menschen, ich sah mich um und da swnd der Angeklagte Wolff vor mir.„Wie können Sie es wagen, solche Aussage zu machen redete er mich an, ich ant- Aortete. er solle mich in Ruhe laffcn. da kam auch der Ange- Zagte Wauer hinzu und rief seinem Kollegen zu:„Wie kannst erst lange mit dem Menschen sprechen, gieb ihm doch eins." jlm nächsten Augenblicke erhielt ich auch-inen Schlag gegen %% 6 Sf a' es standen einige Kinder um mich hn, die ich fragte, J fk gesehen hätten, wer mich geschlagen. Dreselben sagten, i? seien zwei Männer gewesen, welche dann dre Bnkensttaße �untergelaufen wären. Meiner Ueberzeugung nach °t!nte nur einer der beiden Angeklagten� trnr den weiter Niemand _ nur einer «n'w«&a8"ersetzt haben, es ist.. ihres m gewesen. Dre Angeklagten, welche übrigens beide leat-n nü infolge dieses Vorfalles enthoben worden find, aber».einfach aufs Leugnen, einige Kinder erkannttn ste Nni wit Bestimmtheit als diejenigen Männer wieder, welche dieV I£m kurzen heftigen Zwiegespräch mit dem Damnifikaten wea'en 5. ergriffen hatten. Den eigentlichen Schlag hatte keines g&as A litirag'üiff i ftobi Gälte, wie er auch dm Angeklagten Wauer der Thcil- Ietztl?°""bt für überführt erachtete. Er beanttagte gegen den von � daher Freisprechung, gegen Wolff eine Gefangvißstrafc RärnJ Monat. Rechtsanwalt Haller, welcher als Neben- liaä? �r den Verletzten austrat, beanttagte noch, den Ange- W einer Geldbuße von 50 Mk. zu verurthetlen. Der "lchlshof erkannte gegen Wolff auf 14 Tage Gefangniß und 60 Mark Geldbuße. Der Angeklagte Wauer wurde freige» sprochm. Eine nette Gesellschaft präsentirte fich gestern der 33. Abtheilung des Schöffengerichts. Sowohl die beiden An- geklagten wie die Zeugen gehörtm dem Athletenklub an, eine Verbindung, welche nach Auekunft des Polizei-Präfidiums fich zum größten Theile aus„Louis" und bestraften Subjekten rekrutitt. In der Nacht zum 22. Februar hielt der Athleten- klub einen Maskenball in Gentz' Salon in der Elsaffersttaße ab und der Morgen graute bereits, als der Saal fich leerte und der unsaubere Inhalt fich auf die Straße ergoß. Schon im Saale war es zwischen den Gästen zu Reibereien gekommen, auf der Straße sollten die Zwistigkeiten mittels der Faust und des Messers ausgeglichen werden. Es enstand denn auch bald eine gewaltige Rauferei und das Messer that seine Schuldigkeit, denn das Blut floß in Strömen. Kreischende Frauenstimmen, gemeine Schimpfreden und Flüche tönten aus der Menge der Kämpfenden hervor, bis die Schutzleutt erschienen und der widerlichen Szene ein Ende machten. Schwere Verletzungen hatten der Handelsmann Quast und ein Kellner Huber davon- getragen und wollten dieselben von dem Gymnastiker Oskar Sutter und dem Agmten Friedrich Martin Müller mittels Messerstiche so zugerichtet sein und wurde deshalb gegm die beidm letzteren die Anklage wegen schwerer Körperverletzung erhoben, welche gestern zur Verhandlung gelangte. Der Ange- klagte Sutter erschien mit einem verbundenen Auge, er ve- hauptete, daß Quast ihm vor etwa 2 Monaten auS Rache das- selbe ausgeschlagen habe. Der letztere behauptett dagegen, das Auge sei in Folge einer Krankheit verloren gegangm. Es stellte fich zunächst heraus, daß nicht nur berve Angeklagte mehrfach vorbestraft warm, sondern auch sämmtliche Zeugen hatten Gefängniß- und zum Theile Zucht- hausstrafen erlittm. Wer von den Parteim den ersten Schlag geführt, hat fich nicht feststellen lassen, auf dem Kampfplätze hat man aber ein mit den Initialen E. C. gezeichnetes Messer ge« fundm. Quast bestritt ein solches gebraucht und verloren zu haben, ein Theil der als Zeugen vemommenen Athleten straf« ten ihn aber Lügen. Der Staatsanwalt meinte, daß Leute vom Schlage der Angeklagten eine strenge Verurtyeilung verdienten und beantragte gegm jedm eine dreimonatige Gefängniß strafe. Der Vertheidiger machte dagegen gel- tend, daß es fich hier nicht um ein Attentat gegen anständige Leute oder gegen Sicherl, eitsbcamte handele, sondern daß eine Rotte auf tief.m fittlichen Niveau stehender Menschen fich unter fich befehdete; wer hier der Unterlegene sei, wäre eigent- lich gleichgültig, denn in solchen Fällen bliebe der Unparterische stets der Sieger. Es sei aber ungerechtfertigt, unter diesen Menschen fich zwei herauszuholen und dieseldm zu bestrafen, nur weil fie moralisch defekte Personen seien und fich an der Schlägerei betheiligt hatten: ficher sei, daß sämmtliche Zeugen von Rechtswegm auch auf der Anklagebank hätten Plötz neh- men müssen. Diese Anschauung hatte auch der Gerichtshof; einen besttmmten Beweis dafür, daß die Angeklagten fich des Messers bedient, hielt er nicht für erbracht und wurdm diesel- den deshalb nur des groben Unfug s für schuldig erachtet und zu einer Geldstrafe von je 30 Ml. veruttheilt. Soziales«nd Arbeiterbemegnng. Trunksucht und Verbrechen. Wie richtig wir hatten, wenn wir in unserem Leitartikel in Nr. 210„DaS National« lastet der Deutschen" bemerkten, daß der Schnaps und das Verbrechen vorzugsweise in den ösllichm, hochkonservativen Ge- genden am meisten vorkommen, das bestätigt uns ein konser- vatives Blatt selbst.„In welch innigem Zusammenhang Trunksucht und Verbrechen stehen, geht wieder recht äugen- scheinlich aus der amtlichen Kriminalstatistik für 1883 hervor. Die östlichen preußischen Bezirke stehen am ungünstigsten. Auf 100 000 sttafmündige(über 12 I. alte Personen) kommen in den Bezirken Bromberg 2023, Posen 1875, gegen Minden mit nur 436, Münster mit 458. Elftere Bezirke treten bekanntlich auch mit hohen Ziffern des Branntweinverbrauchs auf."— Zuzusetzen brauchen wir hier nichts. Die Enauete über die SonntagSarbett nimmt ihren Fottgang. Wie schon gesagt, drücken alle Fabrikanten« Vertretungen ihre Anficht dahin aus, daß die SonntagSarbett beibehalten werden muß. In einer größeren Stadt Mittel« deutschlands erklärten sich übrigens von 28 Großindustriellen 3 für Aufhebung der Sonntagsarbeit, 12 für regelmäßige und 13 für vorübergehende oder periodische Sonntagsarbeit. Von den übrigen Gewerbctteibenden sprachen fich nur das Schuh macher- r---------------- fa r-"•-- �--t*- auch die während in Augsburg über 6000, in München gem... Unterschriften, werden fich auf den Hamburger PetttionSbogen wohl gegen 50000 Arbeiter gegen die Sonntagsarbeit aus« sprechen. Die meisten dieser Petittonen bleiben aber bekannt- lich bei diesem Verbot der SonntagSarbett nicht stehen, sondern fordern auch den Erlaß eines Arbeiterschutzgesetzes unter Hin« weis auf den dekannten sozialistischen Entwurf. Wenn das städtische Proletariat im übngen Deutschland ebenso en wasse für obige Forderungen eintritt, dann dürsten der Petenten wohl eine halbe Million werden. Die Berliner Barbier- und Friseur-Jnnung will in nächster Zeit eine Generalversammlung abhalten. Dort sollen die Paragraphen 16 und 71 der Innung folgendermaßen ge- ändert werden:„Welcher Barbier hinfüro für 10 Pf. neben dem glatten Rastren auch noch Schnurrbarthaare auszieht und das Haar glättet, der soll aus der Innung ausgeschlossen � Zum KöntgSberger Tischlerstreik. Unter dem Titel: „Die Lohnbewegung der Tischler zu Königsberg i. Pr. in den Jahren 1884—85" hat die Kommission der Tischler einen Be- richt herausgegeben, welcher den Gang der ganzen Bewegung darstellt und konstattrt, daß der Streik nach elfwöchentlicher Dauer endlich beendigt und die Besserstellung der schlechtestge« stellten Gesellen erreicht worden ist. Wenn der ursprünglich aufgestellte Lohntarif auch nicht vollständig von den Meistern angenommen worden ist, so haben diese doch insoweit Zuge- ständniffe gemacht, daß eine Besserung der Zustände dadurch herbeigeführt worden ist, und die Arbeit wieder aufgenommen werden konnte. Der Abrechnung über den Streik entnehmen wtt, daß die Einnahmen der Eireilkaffe 13,886,26 Mk. betrugen, wozu die auswärtigen Fachgenoffen 9,057,92 Mk. beige- tragen haben, darunter Kopenhagen allein 1000 Mk. Die Ausgaben im Bettage von 13,651,20 Mk. kommen der Haupt- fache nach auf Streckunterstützungen, welche fich auf 12,221,35 Pik. belaufen, das macht durchschnittlich pro Person und Woche 4,75 Mk. Die Arbeitslöhne in den baierische» Brauereien be- tragen in Niedcrbaiern 42—45 Mk. pro Monat bei freier Station für Braugesellen. Im Spatenbräu in München er« halten die Braugesellen dagegen 19—25 Mk. wöchentlich, ein Brod zu 90 Pf. wöchentlich und täglich 7 Liter Bier bei freier Wohnung in der Brauerei und JahreSttinkgelder. Noch etwas höher, nämlich 80-120 Mk., ist der MonatSlohn der Maschi- n'sten und Heizer, die gleichfalls Jahrestrinkgelder wie die Braugefellcn und täglich 7 Liter Bier erhalten. Der JahreS- konsum eines solchen Mannes in Bier beträgt also ca. 25 Hektoliter im Jahre. In Nordamerika betrogt der monatliche Durchschnittssatz des Arbeitslohnes der Arbeiterklasse im Osten 25,30 Dollars, in den Mittclftaaten 23,19 Doli., im Süden 14,29 Doli., im Westen 22,26 Doll. und in Kalifornien 38,75 Doll.— Dabei muß gegenwärtig eine ungemein große Anzahl von Arbeitern feiern. Der Lohn ist in der That für die dortigen Verhältnisse sogar ein sehr niedriger. Vereine wto Versammlungen. Der Arbeiter-Bezirks-Verein für den Osten hielt am 8. September in Kellers Lokal eine zahlreich besuchte Versamm« lung ab. Herr Robert Flatow hiett einen beifällig aufae- nommenen Vortrag. Er deleuchtete in demselben das Wirken Ferdinand Laffalle s und Dr. Johann Jakobi's und besprach die Thätigkeit der alten demokratischen Partti; kritistrte ferner Schulze-Delitzsch und die Fortschrittspartei. Zu den bevor» stehenden Stadtoerordnetenwahlcn übergehend, trat Redner für Errichtung von Sanitätswachen und Uebernahme der bestehen« den durch die Stadt ein. An der Diskusston betheiligten fich unter Anderen die Herren Berndt und Voigt in hervorragender Weise.— Ein Antrag, für ein hilfsbedürftiges Mitglied eine Tellersammlung zu veranstalten, wurde angenommen. Nächste Versammlung: Dienstag, den 22. September. tb. Eine öffentliche Versammlung der Schmiede Berlins und Umgegend tagte unttr Vorsitz des Herrn Dre« witz am 10. d. M. tn Keller's Gesellschaftshause(Andreasstt.). Herr Tischlermeister Mitan hielt einen Vorttag über das Thema:„Lokale oder zentrale Organisation?" Zweck der Organisation, meinte Referent, müsse vor allen Dingen sein, eine Verkürzung der Arbeitszeit zu erreichen. Eine konekte Rege- rung der Arbeitszeit sei allerdings nur durch gesetzlichen Zwang zu erreichen und die Arbeiter würden fich diesem Zwange gerne fügen, weil fie erkannt hätten, daß dieser Zwang zu ihrem Heile sei. Da aber ein derartiges Gesetz noch in weite Ferne gerückt sei, so wäre es nothwendig, daß die Arbeiter fich organifiren. Die lokalen Organisationen hielt Redner nicht für ausreichend, die Arbeiter wirksam zu schützen, dazu gehöre eine zentrale Organisation. Die Unzulänglichkeit der seitherigen Or- ganisatton hätten die Schmiede Gelegenheit, an fich selbst zu er« kennen. Nachdem dieselben vor kurzer Zeit die Sonntagsarbeit beseitigt hätten, so arbeiteten doch jetzt bereits wieder weit über die Hälfte der Berliner Schmiede wie vorher am Sonntage, hauptsächlich gezwungen durch die von auswärts herangezogenen Arbeitskräfte, welche nun die zielbewußten Arbeiter und Familienväter verdrängten und brotlos machten. Eine solche Zentralisation sei durchführbar, ohne gegen daS Gesetz zu ver- stoßen, denn das Gesetz erlaube, daß ein Verein fich verzweige, so weit das Gesetz Giltigkeit habe. Deshalb sollten fich alle Schmiede dem neugegründeten Zenttalverein„Vereinigung der deutschen Schmiede" anschließen. Die Versammlung er- klärte fich sodann mit dem Zw-ck und den Prinzipien der Vereinigung der deutschen Schmiede, welche Hr. Drewitz klarlegte, einverstanden und verpflichtete fich, derselben beizu- treten und für dieselbe zu agitiren. Aus dem Bestände des Unterstützungsfonds der Lohnkommisston wurden den stteikenben Formern in Leipzig 100 Mk. bewilligt, sowie zu deren Gunsten eine Tellersammlung veranstaltet und Sammellisten ausgegeben. Die Generalversammlung der Schlosser Berlins, welche am Sonntag, den 6. September, tagte, beschäftigte fich mit der Berathung über die Frage der„Beseitigung der Akkordarbeit". Herr Miethe als Referent schilderte die Schäden der Akkordarbeit in Bezug auf die Güte der Arbeit als auch für den Arbeiter selbst. Redner betont, daß es ein schwerer Kampf werden wird, die Akkordarbeit abzuschaffen, da eS so viele Kollegen gebe, welche glauben, durch dieselbe mehr zu ver« dienen. Dies sei aber nur Schein. Thatsache wäre, daß! in den Werkstätten, wo die Akkordarbeit Regel fei, die niedrigsten Löhne gezahlt würden und die längste Arbeitszeit herrsche, während dort, wo gar nicht in Akkord gearbeitet würde, die höchsten Löhne bei kurzer Arbeitszeit gezahlt werden, welches auch durch die eingelaufenen Fi agebogen bewiesen würde. Redner wies darauf hin, daß die Akkordarbeit mit dem heutigen Eubmisstonsverfahren im engsten Zusammenhang stehe, indem die Meister resp. Fabrikanten die Arbeit zu Schleuderpreisen übernehmen und nachher die Löhne und Akkordsätze auf daS möglichst niedrigste Maß herunterdrücken, um dennoch zu ihrem K l« rVi' _.... der Industrie gelangen, weil die zunehmende Arbeitslofigkeit und die fort« dauernde Reduftion der Löhne und Akkordsätze den Konsum verringert. Dies zu verhüten, muß die Aufgabe der Schloffer fein, indem ste danach stteben, die Akkordarbeit ganz»u be« fettigen und damit erreichen, daß auf die Solidität der Arbeit mehr Gewicht gelegt wird, und der Wahlspruch der deutschen Arbeit ferner nrcht heißt:„Billig und schlecht!" Die Folge davon würde eine vermehrte Nachfrage nach Arbeitskräften sein; durch diese würden fich die Löhne von selbst heben und der Arbeiter noch einen auskömmlichen Verdienst erzielen, während er jetzt seine besten Kräfte bei der Akkordarbeit ver« braucht im Interesse der Meister und Kolonnenführer. — In der Diskusfion besprachen mehrere Redner daS Verwerfliche des Kolonnen- Systems, weil dasselbe, durch den Egoismus Einzelner verschärft, eine Bedrückung der Arbeiter durch ihre eigenen Kollegen, namentlich aber für die jüngeren sehr nachtheilig sei. Beispielsweise hätte ein Kolonnenführer in einer der größten Werkstätten Berlins, bei einem großen Akkord für seine Person pro Woche 60 Thlr. erhalten, während seine Helfer mit 4'/-— 6 Thlr. abgespeist wurden. Außerdem wurden von mehreren Rednern verschiedene Meister und Kolonnenführer mit ihren„Echundpreisen" an« geführt und sollen diese in der nächsten General Versammlung öffentlich bekannt gemacht werden. Beim 3. Punkt der Tages» ordnung, Neuwahl der Revisoren, wurden die Herren Eoel- mann, Ellerich und Schwabe gewählt. Die Lohnkommisfion ersucht alle Kollegen, fich recht rege zu betheiligen und nicht nachzulassen in der Agitation, damit etwas dauernd GuteS ge» schaffen werden kann. Die Spaltung innerhalb der Arbeiterinnen- Be- wegung hat zu einer Katastrophe geführt. Frau CanziuS, Frau Pölling und Frau Waltber find vorgestem auS der Ver« fammlung deS Vereins zur Wahrung der materiellen Intel« essen der Arbeiterinnen yinausgewiesen worden. Die Ver« fammlung, die nur Frauen zugänglich war und unter Vorsitz der Frau Dr. Hoffmann im Gratweil'schen Saale stattfand, nahm zunächst einige Ergänzungswahlen vor, die durch den Rücktritt der Frau Canzius und den Ausschluß ver Frau Walther aus dem Vorstand nothwendig geworden waren. Die Wahl fiel auf Frau Müller und Frau Viereck. In längerer Ausführung unterzog sodann die Vorfitzende die Gründung deS neuen Arbeiterinnen« Vereins einer Besprechung, die in dem Antrag gipfelte, daß die gleichzeitige Mitgliedschaft in beiden Vereinen verboten sein solle. Dieser Antrag fand die Zustim« mung der Versammlung, die Mitglieder haben sich bis zur näch« sten Sitzung zu entscheiden, welchem der beiden Vereine fie femer angehören wollen. Es kam sodann ein Brief zur Verlesung, welchen der Vorstand an Frau CanziuS gerichtet hatte und in dem derselben vorgeworfen wurde, nicht ehrlich an der Arbeite- rinnensache gehandelt zu haben. Als Frau Canzius darauf antworten wollte, kam es zu lebhafter Unruhe, in Folge dessen wies die Versammlung, wie schon erwähnt, Frau Canzius und ihre beiden Freundinnen aus der Versammlung. Erst nach sehr energischer Intervention des WirtheS gelang eS jedoch, die drei Damen zum Verlassen des Saales zu bewegen.— Nach diesem Zwischenfall wurde noch angeregt, mehr Branchen« Versammlungen in Ausficht zu nehmen und u- A auch einmal eine Versammlung für Dienstmädchen zu veranstalten. Außer« dem wurde noch beschlossen, beim Magistrat um Einsetzung eines Arbeiterschiedsgerichts zu petitioniren.—(Wir bringen diesmal den Bericht, wie er übereinstimmend von gestrigen Abendzeitungen veröffentlicht wurde, da wir von unserem Be« richterstatter im Stich gelassen wurden. Red- des„Berliner Volksblatt".) Im Gegensatz zu der„Bertchtiaung". welche Herr Rödel gestern in unserem Blatte veröffentlichte, theilen uns die Herren Carl Prater, RüderSdorferstraße 19, und A. B ö l t e, Große Franlfurterftraße 129, mit, daß in der de« wußten Versammlung nicht mehr als 98 Personen anwesend waren. Von diesen 98 Personen stimmten ungefähr 15—20 gegen die Resolution Bock. Die 98 Anwesenden waren nicht einmal sämmtlich Delegirte, sondern unter ihnen befanden fich mehrere Kommisfionsmitglieder, Revisoren und Zahlstellenlasfirer. Auf verschiedene Anfragen bemerken wir hierzu noch, daß der langathmige Titel, den wir gestern dem Namen deS Herrn Rödel beifügten, von diesem selbst herrührt. Herr Rödel hatte es für nothwendig gehalten, das an nnS gerichtete Schreiben in der angedeuteten Weise zu unterzeichnen. Tischler-Berein. Heute Abend 8'/- Uhr, Kottbuserstr. 4», Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau. Ausgabe der Billets zum Stiftungsfest. Oeffentliche Versammlung der Bauanschläger, Einsetzer und Parquetbodenleger. Sonntag Vormittag 10 Uhr in Orschel's Salon, Sebastianstr. 39. Allgemeine Kranken- und Sterbekaste der Metall- arbeiter(eingeschr. Hilfskaffe Nr. 29). Filiale 9. Sonntag, den 13. September, Vormittags 9Vi Übt: Mitgliederversammlung im Saale des Herrn Donath, Alt- Moabit 90. Tagesordnung: Kassenbericht; Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Kranken- und Sterbekasse der Fabrik- und Hand- arbeiter b. G. iE. H.) Dresden, Filiale Berlin. Am Sonn- tag, den 13. September, Vorm. 10 Uhr, finden 2 Versammlungen der Mitglieder behufs Errichtung selbstständiger Filialen statt. Für die Mitglieder im Südwesten(von Auhalter Bahn bis Alexandrinenstt.) inRothackers Salon, Teltowerstr. 2. Für die Mitglieder im Süden,(von Alexandrinenstraße bis Wasserthor- straße inkl. Hasenhaide) in Konrath's Lokale, Wasserthorstr. 68. Tagesordnung: 1. Vorstandswahl. 2. Wahl von Beitragssammlern. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Fachverein sämmtlicher im Drechslergewerk de- schäftigten Gewerksgenosse« hält am Montag, den 14. Eep- tember, Abends 8 Uhr, in den Arminballen, Kommandanten- straße 20, eine Versammlung ab. Tages- Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag. 3. Bericht der Statuten- Abän- derungskommisfion; Diskusfion und Beschlußfaffuna hierzu. 4. Verschiedenes und Fragelasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen.— In dieser Versammlung findet ferner die Wahl der nach dem abgeänderten Statut vorgesehenen Fach- kommisfion behufs Ausarbeitung von„Akkord-Minimal-Lohn- tarifen" statt. Verein zur Wahrung der Interessen der Berliner Dachdecker, Sonntag, den 13. d. M-, Vormittags lOVi Uhr, im Lokal des Herrn Weick, Alexanderstr. 31, Versammlung. Tages Ordnung: 1. Die Nothwendigkeit einer gewerkschaftlichen Organisation, resp. Anschluß an den Deutschen Dachdecker- Verband. Referent Herr K. Matz. 2. Wie verhält fich der Verein der Berliner Dachdecker gegenüber der Hängerüstungs- frage in Betreff der Verantwortung. Referent Herr A. Weber. 3. Verschiedenes.— Auch Gäste haben Zutritt zu dieser so wichtigen Versammlung. Der Gauverein Berliuer Bildhauer veranstaltet morgen, Sonntag, eine Erkurfion nach dem Botanischen Gatten. Ver« sammlung daselbst um 9V, Uhr am Eingange. Der Fachverein der Tischler hält seine nächste Ver- sammlung im Osten Berlins am Montag, den 21. September, in Säger s Lokal, Grüncrweg 29, ab. Die Versammlung am Montag, den 14. September, fällt Lokalverhältnisse halber aus. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Kürsch- «er Montag, den 14. September, Abends 8 Uhr, im Salon „Zum Deutschen Kaiser", Lothringerstr. 37. Tagesordnung: 1) Bettcht über sämmtliche Ausgaben der Unterstützungskasse. 2) Geschäftliche Diskusston.. �„ v Verein zur Wahrnng der materiellen Interessen der Fabrik- und Handarbeiter(füher Fabrrk- und Bauarberter). DaS 1. Stiftungsfest des Vereins findet am Sonnabend, den 26. September in der„Urania", Wrangelstraße 9/10 statt. Billets für Herren ä 50, für Damen 25 Pf. find vorher zu haben bei den Herren: Busche, Laufitzerstr. 3, v. IV.; Krüger, Wendenstr. 4, Hof II.; Friedrich. Naunynstt. 71, Hof IV.; Rothenburg. Lübbcnerstr. 5, Hof Hl. und Löffler, Schönlem- � In � der freireligiösen Gemeinde spttcht morgen, Vor« mittags 10 Uhr, Rosenthalerstr. 33. Herr Schäfer über„Die Faktoren des Wollens und die fittliche Verantwottlrchkeit. Zuttttt steht Jedem frei. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeiter(E. H. Hamburg 29) Filiale Berlin III(äußere Louisenstadt). Sonntag, den 13. September d. I., Vor- mittag? 10 Uhr, Manteuffelstr. 90, Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Kassenbericht pro Juli und August. 2. Wahl des OttskasfirerS und eines Beittagsammlers. 3. Bettcht über das am 15. August stattgefundene Vergnügen. 4. Ver- schiedeneS. Fachverei« der Steinträaer. Sonntag, den 13. Sep- tember, Vormittags 10'/, Uhr, Versammlung in den Gratweil- schen Bierhallen, Kommandantenstraße 77—79. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung der Kommisfion über die Streik- resp. Unterstützungsfrage. 2. Wahl einer Fachkommisston. 3. Das Arbeitettchutzgesetz. Neue Mrtglicder werden aufgenommen. Verein sämmtlicher Berufsklassen Berlrn i.(Einge- schriebene Hilfskaffe). Heute Abends 8 Uhr, Münzstraße 5, Versammlung. T. O.: Vortrag. Anttäge Geschäftliches. Ausgabe der BilletS zum Kränzchen. ermischtes. Diurnisten-Fruhstück. Der gesttenge Leiter eines staatlichen Bureaus, Herr Kanzleirath Z., saß behaglich im Lehn- stuhl vor seinem Schreibtische und blätterte in einem Hefte, in welchem die Kanzleiauslagen während der letzten vier Wochen verzeichnet standen. Sein Antlitz verfinsterte fich, als er auf eine Post stieß, die ein Plus im Verglttche zu dem im vorher- gegangenen gleichen Zeiträume verbuchten Betrage aufwies. Der Rath ließ den Revisor rufen.„Herr Müller"— fragte er diesen—„wie kommt es denn, daß fich die Ausgaben für Oblaten stetig vermehren, haben denn die geschäftlichen Arbttten zugenommen?— ,�>m Gegentheil, Herr Rath" — stammelte der Gefragte—„der Oblatenverbrauch sollte eigentlich ein kleinerer sein."—„Dann geht es also nicht mit rechten Dingen zu!" brauste der Chef auf und setzte, als er die Faffungslofigkeit des Untergebenen bemertte, begütigend hinzu: Sie müssen trachten, die Ursache des auffallenden Mehrverbrauches zu erforschen." Herr Müller nahm fich vor, da? Verfahren mit den Oblaten einer verschärf- ten Ueberwachung zu unterziehen. Diese Utenfilien lagen frei auf den Kanzleitischen und dienten, wie manniglich bekannt, zum Zusammenkleben von Akten, Kouverts u. s. w. Schon nach Verlauf von 24 Stunden hatte der Revisor die Gewißheit erlangt, daß fich die auf dem Pulte des Diurnisten H. befindliche, mit Oblaten ge- füllte Schachtel merkwürdig schnell leerte. Die Aufmerksamkeit und der Verdacht lenkte sich daher vomehmlich auf diese mensch- liche Schreibmaschine. Im Verein mit zwei anderen Beamten wurde der Diurnist und die Oblatenschachtel überwacht. Nun wurde das dunkle Treiben des Hilfsbeamten entdeckt. Die Schachtel war schon eine halbe Stunde nach ihrer Füllung leer und der Revisor vor Zorn darob roth geworden. Er sprang auf den Diurnisten zu.„Sie werden sofort ihre Kleider durch- suchen lassen, denn Sie haben die Oblaten gestohlen!" Der arme Teufel war sprachlos vor Schreck und ließ alles mit fich geschehen. In seinen Taschen wurde aber außer einigen Ver- sayzetteln nichts vorgefunden.„Was haben Sie mit ven Ob- taten gethan?" schrie ihn der Ratd an, den man herbeigeholt hatte.„Herr Rath," lispelte der Diurnist,„ich habe sie aus- gegessen in Ermangelung von etwas Besserem..." Die Zunahme des Oblatenverbrauches war nun aufgeklärt. Die Auf- klärung schien dem Rathe eine genügende zu sein, denn er hat dem armen Menschen keinen Verweis ertheitt und fich vorge« nommen, die Oblaten-Quantitäten nicht mehr so genau zu konttoliren. Oel anstatt Kohle. Auch in Middlesborough find einige wichtige Versuche mit flüssigem Feuerungsmaterial für Schiffe gemacht worden. Einer der erfolgreichsten war der mit dem Dampfer„Emanuel, der mit Behältnissen zur Aufnabme des Oels versehen worden war, welches vre chemischen Werke in Middlesborough als Abfall produzirten, und soeben von einer Fahrt nach dem Mittelländischen Meere zurückgekehrt ist. Der Kapitän und der Maschinist dettchten die günstigsten Resultate. Erstens beanspruchen die Oelbehälter nur aettngen Raum, und die Kohlenräume können als weitere Ladungsräume benutzt werden, und zweitens stellen fich die Kosten für das Oel nur auf die Hälfte der Kosten für Kohlen. Die Zunahme der Bevölkerung von Nordamerika in Folge der Einwanderung aui dem Auslande während der letzten fünf Jahre, schreibt die„New D orker Handelszeitung» ist eine wabrhaft wunderbare. Trotzdem die Zahl der Emi- granten im Jahre 1884 geringer als in den vorhergehenden Jahren war, deutet Alles darauf hin, daß die Einwanderung in der Dekade 1880—1890 die größte werden wird, welche seu Gründung unserer Republik dagewesen. In den zehn Jahren zwischen 1870 und 1880 trafen in unseren Häfen im Ganzen 2 812191 Einwanderer ein, während die Anzahl der letzteren in dem Zeitraum von 1880—1885 allein 2 968 158 betrug. Mit anderen Worten, die Zunahme der Einwanderung wäy- rend der ersten Hälfte der gegenwärtigen Dekade war um 150000 Seelen größer als die ganze Einwanderung während der zehn Jahre von 1870—1880. Selbst wenn die Einwan- derung in den nächsten fünf Jahren auf ein Minimum herab- sinken sollte, bleibt immerhin die Thatsache bestehen, daß fich die Bevölkerung deS Landes in bedeutend größerem Verhältniß als in der Penode 1870—1880 vermehrt hat. Branntweinverkauf an Kinder. Die Amtshauptmann- schaff Auerbach in Sachsen hat mit ttnem an die Gemeinde- vorstände ihres Bezirkes gettchteten Erlaß den Musterentwurf einer Bekanntmachung, betr. das Verbot deS Kleinverkaufs von Branntwein und Spmtuosen an Kinder, mit der Veranlassung übersandt, nach Gehör des Gemeinderathes über diesen Erlaß Entschließung zu fassen. Nach dieser Bekanntmachung darf zu keiner Zeit in Schankstätten oder Kleinverkaufsstellen Brannt- wein und Spitttuosen an Kinder schulpflichtigen oder jüngeren Alters verabreicht werden, und zwar auch dann nicht, wenn fit solche im Auftrage ihrer Eltern oder Arbeitsgeber oder sonsti- ger Erwhchsenen kaufen wollen. Schantwirthe und Spiri- ruosenhändler, welche diesem Gebote zuwiderhandeln oder durch ihre Angehöttgen zuwiderhandeln lassen, verfallen in Geldstrafe bis zu 30 M. Ein entwendetes Theater. Der heimliche Wunsch so manchen Theaterbesuchers, der nach einer mißglückten Premiött in den Bart murmelte:„DaS Theater kann mir gestohlen werden!"... Dieser schöne Traum ist in Neapel vor Kurzem buchstäblich in Erfüllung gegangen. Daselbst ist nämlich ein ganzes Tbeater gestohlen worden. Der„Figaro" erzählt hierüber:„In der Marinesttaße hatte der Impresario Zoniqella ein kleines, leicht abzubrechendes Theater aufstellen lassen und gab darauf seit einigen Monaten Vorstellungen. Vor Kurzem mußte er Neapel auf einige Zeit verlassen, und als er zurück- kehrte, war sein Kunsttempel einfach verschwunden, er war auseinander genommen worden und die einzelnen Theile waren zu billigen Preisen als alteS Baumatettal verkaust worden. Danzig, 5. September. Der Prozeß gegen die 24 Aus- ländcr, die angeklagt find, fich an der ersten Reichstagswadl im vottgen Jahre unrechtmäßigerweise betheiligt zu haben, wird am 27. Oktober vor der Sttafkammer hiesigen Landgettchts zur Verhandlung kommen._ Kriefkasten der Redaktion. Frantewitz. Wenn Sie Ihre Adresse angeben, wird Ihnen ein schriftlicher Bescheid zugehen. E. Espe. Sie müssen die große Scheibe bezahlen. S. u. v. Admtralftraße 36. Es find über 400 Personen mit der„Cimbtta" untergegangen. Der Zeitpunkt des Unterganges der„Auqusta" ist nicht bestimmt. Auch die An- zahl der Ertrunkenen ist amtlich noch nicht festgestellt. WaS man gegen Flöhe thut? Wenn Sie immer daneben fassen, kttegen Sie nie einen Floh. Einen besseren Rath können wir Ihnen nicht erthttlen. Zeitgenossen, Biographische Skizzen von Alfred von Würzbach, Heft III, A. Harllebens Verlag, Wien, Pest, Leipzig, enthält eine Biographie Ferd. Lassalle's. Sie können das Buch in jeder Buchhandlung bestellen. Abonnent F. N. Ihre Frage läßt fich im Bttefkasten nicht beantworten. Bemühen Sie fich einmal zu uns, so wird Ihnen ausführliche Auskunft erthttlt werden. Zwei Wettende, Fürstenstr. 8. Soviel wir ermitteln konnten: Tempelhofer Chaussee. Memelerstr. 34. Ein Hauptmann hat zwei Buttchen, einen Pferdeburschen und einen Zimmerburschen. Ein Feld- webel hat nur einen. A. B. 12. In dieser Angelegenheit können wir Ihnen keinen Rath erthttlen. Nr. 100. In Berlin stehen ungefähr 3000 Personen unter fittenpolizeilicher Kontrolle. Ueber den Zusammentritt des Reichs« tages ist bisher noch nichts bekannt. Theater. Opernhaus. Der Trompeter von Säkkingen. Schauspielhaus. König Heinttch der Vierte. Deutsches Theater. Romeo und Julie. Friedrich-Wilhelmstädttsche» Theater. Der Großmogul. Restdenz-Theater. Theodora. zgalluer-Theater. Sie wttß etwaS. Belle-Alltauee-Theater. Der liebe Onkel. Vorher: Mädchen-Jllufionen. Walhalla-Operetten-Theater. Die Glocken von Corneville. Vtktoria-Theater. Messalina. ��tral-Theater. Alte Jakobstraße 37. Direktton: Adolph Ernst. Zum 43. Male: Die wilde Katze. Gesangspoffe In Akten von W. Mannstädt, Mufik von G. Steffen«. Loutseustädttsches Theater. Direktion: Jos. Firmans. Die Glocken des Eremiten. Oftend-Theater. Graupenmüller. «dnigstädtische« Theater. : Gastspiel der Liliputaner. Dre kleine Baronin. Theater der Reichshalle«. Aufreten sämmtlicher Spezialitäten. American-Theater. Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Kaufmann'S Vmrletä Große Spezialitäten-Vorstellung. Koukordia. Auftreten sämmtlicher Spezialitäten und theattalische Vorstellung.__ Herrn Ernst Reichert zu sttnem heuttgen Geburtstage die besten Glückwünsche.(2129 _ W. Thuman». Unserm Freunde Reißmann zu seinem heuttgen Wiegen- feste ein donnerndes Hoch, daß die ganzen Pullen wackeln. V. K. V. G.€>. Heute Heute Heute: Heute Heute Heute Heute Heute Heute Hatte Heute Heute Heute Heute Heute Heute Heute 2130] Möbel, Sopha- und Matratzen-Fabrik A. Sclmlz, 34 Wasserthorftraße 34(auch Theilzahlungj. |2124 Allgemeine Kmmllulmhitt-Nrlsmliililili Sonntag, den 13. September er., Vormittags 10 Uhr, in Habel's Br&uoroi, Bergmannstraße 5—7. T ageSordnung: 1. Die bevotttehenden Kommunalwahlen. 2. Diskussion. Um zahlrttcheS Erscheinen der Wähler ersucht 2128] Das Wahl-Komitee. Gr. 2127] Sonntag Vormittag 10 Uhr im Schüßenhanse, Linienstraße Nr. 5. Referent: Herr Robert Schultz e. Der Einberufer. Sonntag, den 13. September, Vormittags 10V» Uhr. KmmiliillliliähIer-VtrsiimNlllUg im Weddivg-Park, Müllerstraße 178. Tagesordnung: 1. Die bevotttehenden Stadtverordneten-Wahlen. 2. Diskusfion. Um zahlrttches Ettcheinen ersucht 2132] DaS Wahl-Komitee. Große öffentliche Versammlung sämmtl.Metallarbeiter Berlins Montag, den 14. September, Abends 8 Uhr, in Gratwetl't vierhalle«. Kommandantenstraße 77/79. Tagesordnung: 1. Vortrag und Diskusfion über das von der am 6. Sept. gewählten Kommisfion ausgearbeitete Statut. 2. Verschiedenes.— Es ist Pflicht eines jeden Metallarbeiter?, der Wichtigkttt halber zu erscheinen.[2133 Die Kommission. O. Klein. W. Bredow. E. Boitze. M. Fahrenwald. R. Bayer. Carl Keller s Gesellscliafts-Säle, Andreasstraße 2L M. dieSj. TanzknrsuS beg. Sonntag, 13. Sept.— Die Tanzstund, f. regelm. Sonnt, v. 4—6 u. Donnerst, v. 8—11 statt. Anm. i. Lokal u. i- m. Wohn.: Mattannenplatz 24. 2126] Carl Bolzmann, Tanzlehrer. Mmm dkl Kau- ll. Flldriklirbeitkr. Sonnabend, den 12. Septbr., Abends 8'/» Uhr. im Schützenhause zu Köpenick: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Tischlers Herrn Httnttd) Nöske aus Berlin. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Ver- schiedenes und Einzeichnung in die Petitions-Liste deS Arbeiter- schutzgefetzes. Um zahlrttchen Besuch bittet[2135 _ Der Vorstand.� Arbettsmsrkt. Ein Echuhmacherlehrl. w. verl. Bartel, Naunynstt. 32.[2125 Mädchen auf Strohtasche« verlangt Berger, Neue Grünstraße 23.[2116 Geübte Stuhlflechterinnen werden für dauernde Be- schäftigung in und außer dem Hause verlangt bei [06 21 Ferkau, Naunynsttaße 86, Hof IV. Eoh-Tabak. Ich nehme hiermit Veraulaesung, Freunden und Bekannten mein Rohtabakslager in angelegentlichste Erinnerung zn bringen nnd offerire: Sumatra-Decken 1 150, 200, 240, 300, 330, 290, 400— 500 Pf- Sumatra-Umblatt und Decke Ton 100— HO Pf. Jaya-Ümblatt und Einlage von 85—100 Pf. St. Felix-BrasU von 90—140 Pf. Domingo 4 95, 100, 105, 110, 1 6 Pf. Elsässer Rebüt im Preise von 65—75 Pf. Carmen 5 110 und 115 Pf. Havanna, Cuba, sowie sämmtliche in- nnd ausländischen Tabake au billigsten Preisen in guter Auswahl. H. Herholz, 2131 Berlin*, Brnnnenntr. 175 IM© Uhrenfabrik von Max Busse, UlumluKer__ MT" Mr. 157 InTalldenatrasae Kr. 157 zwischm Brunnen- und Acketttraße empfiehlt sein reichhaltiges Lager, sowie sttne Reparator-werkatatt. 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