Nr. 213. Dienstag, den 13.'September 1883. II. Jahrg. idjten, durch umen- fiel n cht be- de zu Bahn- einem ringen eikung denten ion im eit auf itraßen diesei jiberie, l, das ei. Er MMIKsM Krgan sür die Interessen der Arbeiter. 4 Da»..Berliner Bolksblatt" ftschewt täglich Morgen« außer«ach Sonn- und Festtagen. ZlbonnementSprei» für Berlin frei in« Hau« vierteliährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. ?«stabo«nement 4 MI. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen m der PostzeiwngSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) ZlbonnementSprei« Jvfertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bi« 4 Äl,. Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce»« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. KedaKtio«: Keuthstraste 2.— Expedition: Zimmerstraste 44. Eine recht fantetat Erscheinung iß S, daß die bekannten offiziellen und offiziösen Regie» kungSorgane noch immer fortwährend von einem wirthschaft« lichen Aufschwung reden, wo sämmtliche Faktoren im so- iialen Leben Klagelieder anstimmen. Wohlgemerkt: diese ÄirthschaftSfaktoren beklagen sich speziell über ihre besondere schlechte Lage. So jammern die Landwirthe schon längst. Sie >?rnmerten vor der Einführung der Getreidezölle und der _________ vor-------„ Nehzölle, sie jammerten nachher, sie jammerten auch vor der Erhöhung dieser Zölle und drückten sie durch, sie jammern »ach der Erhöhung nun noch viel mehr: die Land- wirthschaft liege schwer darnieder. Und auch die landwirthschaftlichen Fabrikbetriebe, die Spiritus- und �uckerindustrie stimmten in den gesammten landwirthschaft- 'ichen Zammerruf ein. Dabei glauben aber die Vertreter der Landwirthschaf nicht, daß es bei den anderen Wirthschastsfaktoren gleichfalls schlecht steht. Oder sie wollen dies nrcht glauben. Deshalb »reifen sie de«„üppig blühenden" Handel an, sind erstauut Über die hohen Dividenden der Industrie und erklären so« »ar, daß vie Arbeitslöhne viel zu hoch seien und sehr viel dtit zum Ruine der Landwirthschaft beitrügen. Wa« nun die hohen Dividenden der industriellen Werke anbelangt, so müssen sich auch viele FabrikationSzweige gegenwärtig mit geringem Profit begnügen; die Dividenden entstehen zum Theil noch auS denjangesammelten Erträgen frühe- rer Zahre. Mit einem Worte: auch die Industrie ist »egenwärlig selbst für die Unternehmer nicht auf Rosen ge- bettet. Deshalb erklingen aber ebenso, wie aus de» Reihen b«r Landwirthschaft, auS industriellen Kreisen dieselbe» »lagen, derselbe Jammerruf über das Darniederliegen der �»dustrie. Und die Industriellen glauben nicht an die Dichtigkeit der landwirthschaftlichen Klagen, wie die Land virthe nicht an den industriellen Jammerruf glauben. Dazwischen aber hört man auch die Aeußerungen de« �'ßmuths seitens des Großhandels— auch er ist "tit der gegenwärtigen Lage recht unzufrieden. Die Schutz- iille haben da« Geschäft verdorben und was sonst noch alle, für Gründe da sind. Merkwürdig ist es «ur, daß Niemand an die Misere des Großhandels trotz b«n vielen Klagen glauben will. _ Daß der kleine Handel darniederliegt, bezweifelt rstemand, welcher weiß, daß die Arbeitslöhne sehr, sehr '»app sind. Der Arbeiter aber ist der hervorragendste Kunde Detail-Verkäufer«; dem Arbeiter fehlt jetzt in erhöhterem Mße die Kaufkraft, so daß sich dieser Mangel auch auf den Händler überträgt. Die Klagen der H a n d w e r k e r sind alt und standig. *** IeuMeton. Du« Ml»rmotte«mädche». 5j] »merikanische Erzählung von Balduin Möllhanfe». (Fortsetzung.) »j* au» denselben eine Bestätigung M- es gereichte ihr zur Beruhigung Absicht verstehend, leise nickte. M einen' M daß derselbe, ihre v(iw.vmv______.Not" dagegen schoß unbe« einen Blick so grimmigen Zorne« auf sie, daß. hätte 5*»t«, an welchen sie sowohl wie Elllot in demselben Augenblick zugleich dachten. . Holmsten hatte unterdessen da« K,»d an Hertha zurück- L»-b°n. und da diese sich sogleich wieder m,t mütterlicher 7°rgfalt mit demselben beschäftigte und ,n ihrer Zärtlichkeit Anderen um sich her vergaß, so entfernten sich Holmsten . b Elliot auS einer Lage, die ihnen drückend zu werden be- !-tt»n._ Nur Jansen, ergriffen?on einem unbestimmten .,'»wohn und erfüllt von Besorg«, ß für seine Nichte, blieb um ste aufzurichten und ihr Hoffnung für die Zu- . �achdem�eine Weile stumm auf die Szene hin- schaut, welche sich nunmehr zwischen dem Kinde und dem �»en Mädchen entspann, und die ihn offenbar in jene M ev.or, daß eine nochmalige Verlängerung nTch t(W' von"den erbündeten Regierungen verl1 vor v clangt wird. I Der deutschfreisinnige Reichstagsabg. v. Bunsett Vertreter des� 8. Liegnitzer Wahlkreises: Hirschberg- Schönau), jat fem Mandat niedergelegt. Bunsen gehörte unseren Parlamenten seit 1862 an, und zwar von 1862—1879 dem preußischen Abgeordnetenhause, ferner dem norddeutschen Reichstage sn dessen Bestehen und dem deutschen Reichstage von 1871— 1874 und nach zweijähriger Pause von 1876 bis jetzt. Beziehungen theilte, so hat Holmsten mir durch seine flüch- tigen Berichte denselben vollständig erschüttert und geraubt. Die Beweise liegen vor, und eine Abtheilung von Utah- Indianern, geführt von den besten Mormoneniagern, durch- tr.jo.x unser Gebiet und alle angrenzenden forscht au Gebirge nach den „Mag es sein, lieber Onkel; aber als Elliot zu mir von Weatherton sprach, da klang seine Stimme so sar- kastisch, so feindlich, daß ich darüber von einer unsäglichen Angst ergriffen wurde. Er hat mir zwar die Erfüllung meiner Bedingungen zugesagt und feierlich gelobt, aber glaube mir, er meint es nicht ehrlich, ich bin auf die eine oder die andere Art das Opfer einer Täuschung! Onkel! und solchem Manne, der sich nicht scheut, einen so unrechtlichen Druck auf meine Entschließungen auszu- üben, soll ich meine Hand reichen, um hinterher dennoch betrogen zu werden? O, mein Gott, mein Gott, wie ver- mag ich das zu ertragen!" „Beruhige Dich, mein Kind," sagte Jansen, nachdem er einige Male in dem Gemache auf und ab gegangen war „Du sollst nicht betrogen werden, ich, Dein Onkel, Dein Beschützer, ich verspreche e« Dir: Weatherton und sein Ge- fährte sollen befreit werden; mag Elliot auch das Gegen- theil wünschen und der Prophet selber ihn darin bestärken, nicht eher wird die so allgemein gewünschte und in der That wünschenswerthe Verbindung geschlossen, als bi« Weatherton unbehelligt die Grenzen unseres Gebietes verlassen hat Ver- vraven, evten Charakter, wie ,ch ihn liebe, wie er aber nicht sirr unsere Gemeinde passen würde, und gerade derselbe Grund, welcher Elliot vielleicht veranlaßt, feindliche Ge- suhle gegen ihn zu hegen, hat ihn meinem Herzen näher gebracht und den Entschluß gefördert, sogar mein eigene« Leben für ihn ernzusetzen." „Welcher Grund?" meht�H P................. gedämpfte und etwas zitternde Stimme verrie'th, daß er seiner letzten Unterredung mit Weatherton gedachte.„Be- Ueber den kommunalen Konflikt in Stettin läßt sich die„Nordd. Allgem. Zt?" in einem längeren Artikel aus, in welchem behauptet wird, daß die Presse den Vorgang tendenziös geschildert habe. Die offiziöse Darstellung will glauben machen, daß es sich ausschließlich frage, ob in dem Streit um die Ab- Holzung einer Allee„der Wea der polizeilichen Sistiitzng der richtige war, ob also die Polizeidirektion berechtigt war, die Ab- Holzung vorläufig zu verbieten." Das— so meint die„Nat.« Ztg."— ist durchaus nicht die Hauptsache; diese formale Frage hat der Stettiner Magistrat allerdings zunächst zur Entschei« dung der Verwaltungsgerichte gestellt. Was dezeichnend für die gegenwärtige Stellung der Remeningsorgane zur Selbstverwaltung und was daher in Wahrheit die Hauptsache ist, das ist dies: ohne irgend einen thatsächlichen Anhalt zu der Besorgniß zu haben, daß der Magistrat und die Stadtverord- neten einer großen Stadt durch die Beseitigung einer Anzahl Bäume irgend einen Nachtheil herbeizuführen im Begriff find» inhibirt der Regierungspräfident diese Maßregel lediglich auS der allgemeinen Erwägung, daß er fich erst überzeugen müsse, od der Magistrat und die Stadtverordneten bei oem Beschluß die erforderliche Urtheilsfähigkeit bewiesen haben. Es ist das Wiederaufleben des Grundsatzes vom„beschränkten Unterthanen- Verstand." Die Kommtsfion der internationale« Telegraphen- Konferenz hat fich, wie der„Times" von hier berichtet wird, über die folgenden Bestimmungen eines internationalen Telephonsystems geeinigt, die demnächst der Plenar- Versammlung vorgelegt werden sollen und, wie der Gewährs- mann glaubt, von derselben auch angenommen werden dürften. 1) Die Verwaltungen der kontrahirenden Staaten können nach Bedarf eine internationale telephonische Verbindung her- stellen, indem fie hierfür entweder besondere Drähte legen, oder die bereits vorhandenen benutzen. 2) In Ermangelung besonderer Vereinbarungen zwischen den genannten Vermal- tungcn sollen diese Drähte nach einem Telephonbureau eines Staates geleitet werden, von wo der Anschluß entweder mit den für den allgemeinen Verkehr vorhandenen Bureaus, oder mit den Privatgebäuden, Komtoirs, Fabriken u. s. w. erfolgt. 3) Die Verwaltungen werden bezüglich der Wahl der Apparate und der Einzelheiten deS Dienstes Vereinbarungen treffen und gemeinsam den Tarif für jede einzelne telephonische Verbindung feststellen. 4) Die für die Feststellung der Tarife und die Dauer der Verbindung zu Grunde zu leaende Einheit ist eine Unterhaltung von 5 Minuten Dauer. 5) Der Gebrauch des Telephons richtet fich nach der Reihenfolge der Anmeldungen. Dieselben Korrespondenten dürfen nicht mehr als zwei auf- einander folgende Unterhaltungen von je 5 Minuten Dauer miteinander führen, ausgenommen, wenn vor ihnen oder während ihrer Unterhaltung von anderer Seite nicht Anspruch auf Benutzung der telephonischen Verbindung gemacht wird. Ferner ist in der Kommisfion über Geldanweisungen das Folgende beschlossen worden: 1) Postanweisungen können zwischen Bureaus, welche fich über eine derartige Uebermittelung vereinbart haben, auf tele- graphischem Wege übersandt werden und heißen dann tele- graphische Anweisungen. 2) Telegraphische Anweisungen kosten ebenso viel und werden behandelt, wie gewöhnliche Privat- telegramme. Sie können aber unter denselben Bedingungen, wie diese, mit der Bezeichnung„dringend",„Empfang be- stätigt",„per Post oder Boten zu bestellen", befördert werden. Außer dem nachstehend verzeichneten Theil der Depesche kann dieselbe eine Privatbotschaft des Absenders an den Empfänger enthalten. 3) Telegraphische Anweisungen müssen von dem Bureau abgesandt werden, welches das Geld empfangen hat, und an dasjenige Bureau gerichtet sein, welches dasselbe be- zahlen soll. 4) Eine theilweise Wiederholung ist obligatorisch (nämlich Namen und Beträge). 5) Das die Anweisung er- haltende Bureau wird diejenigen Maßregeln treffen, welche ihm als rathsam erscheinen, damit die zum Empfang berechtigte Per« son das Geld erhält, sowie für die Einziehung der Kosten für die Beförderung über die Linien hinaus. Der„Times"-Korrespondent meint, die Konferenz werde ihre Verhandlungen in nächster Woche schließen, da die noch zu erledigenden Arbeiten nur noch einen oder zwei Tage in Anspruch nehmen dürften. Gefahr sozialistischer LandtaaSwahlen in Dresden. Unter dieser Spitzmarke schreibt die„Freifinnige Zeitung", da3 Eugen Richter'sche Organ:„Das„Leipziger Tageblatt" theitt unsere Befürchtung, daß„bei der Versumpfung der gesammten Parteiverhältnisse in Dresden" die Sozialdemokratie dort auf allen Punkten Sieger wird." Herr Eugen Richter befürchtet, daß drei Sozialdemokraten statt drei Hochkonservativer in Dresden gewählt werden. Letztere wären ihm lieber, zumal wenn fie fich dazu herbeilassen wollten, irgend einen Bezirk einem Eugen Richter'schen zu überlassen. Das ist die Denkweise des fortschrittlichen Großm— oguls. Neber die Ausführung des Gesetze? Huene wird offiziös geschrieben: „In dem§ 4 des Gesetzes vom 14. Mai 1885, betreffend die Ueberweisung von Beträgen, welche aus landwirthschaftlichen Zöllen eingehen, an die Kommunalverbände, ist einer von dem ruhige Dich indessen und lebe der Zuversicht, daß er unter allen Umständen gerettet werde« wird. Um aber auch Deine letzten Zweifel zu verscheuchen, will ich Dir so- gar den Plan mittheilen,«ach welchem ich zu Handel« ge- denke." So sprechend, rückte er einen Stuhl an Hertha'S Seite, und nachdem er einen flüchtigen Blicke auf die verschlossene Thür und die Fenster geworfen, an welchen kurz vorher De- moiselle Corbillon vorübergeschritten war, begann er mit vorsichtig gedämpfter Stimme: „Wie die Spione unserer Feinde fich in unser Thal ge- schlichen haben, um sich über unsere Absichten und Verthei- digungsmaßregeln zu unterrichten, so sind auch von unserer Seite starke Abtheilunaen gegen Osten entsendet worden, um dort nach besten Kräften in unserem Interesse zu wirken. Letztere bestehen vorzugsweise aus Eingeborenen, welchen sich aber die Muthigsten unseres Volkes angeschlossen haben, um di« Indianer, die leicht zu weit gehen, zu lenken und im Zaume zu halten. Der eigentliche Krieg ist noch nicht er- öffnet worden, es müssen daher kleine Uebervortheilunge«, die uns später zu gute kommen sollen, möglichst geheim ge- halten werden. Namentlich dürfen sie unseren Feinde« nicht als von den Mormonen ausgehend erscheinen, um nicht durch vorzeitiges Blutvergießen die letzte Hoffnung auf einen ehrenhaften Friedensschluß leichtsinnig zu zerstören. Zu solchen Zwecken haben sich die Glaubensgenossen, welche derartige Expeditionen führen, als Indianer verkleidet. „Eine dieser Expeditionen nun hat, wie ich aus der sichersten Quelle weiß, auf jener Seite des Wahsatchgebirges einen Train von siebeozig Wagen zur Nachtzeit überfallen, die schwache Eskorte verjagt, die weidenden Zugthiere nach allen Himmelsgegenden zerstreut, demnächst die Wagen, bi» auf den letzten, sammt ihrem werthvollen Inhalte verbrannt, und dann die Flucht ergriffen „Außer einigen leichten Verwundungen ist kein ernstes Blutvergießen zu beklagen gewesen; doch hatte der bedeu- tende und für die an unseren Grenzen lagernden Truppen- Massen sehr empfindliche Verlust unsere Feinde auf's äußerste ?„Sie schickten daher sogleich entsprechend starke Patrouillen Finanzminister in der betreffenden Kommisfion des Abgeordneten- Hauses gegebenen Anregung entsprechend, der Erlaß eines die Verwendungszwecke endgiltig regelnden Gesetzes aus dem Grunde vorbehalten, weil man fich der Ueberzeugung nicht verschließen konnte, daß eine zweckentsprechende, die Entlastung ge- rade von den drückensten Kommunal-Abgaben fichernde Regelung der Verwendung der Ueberweisungsbeträge fich nicht extemporiren, sondern nur nach sorgsamer Vor- bereitung gesetzgeberisch durchführen läßt. Da das bezeichnete Gesetz zum ersten Male in dem nächsten Sommer praktisch wird, würde es an fich zweckmäßig sein, mit dem Entwürfe eines solchen Gesetzes alsbald vor den Landtag zu treten. Allein es läßt fich nicht verkennen, daß die erheblichen Schwierigkeiten, welche ein solches definitives Verwendungsgesetz bietet, nicht leicht zu überwinden sein werden. Diese Schwierigkeiten liegen insbesondere in dem Umstände, daß die beiden Verwendungs- zwecke, welche der Gesetzgeber als vorzugsweise der Berück- fichiigung werth anerkannt hat, die Erleichterung der Schul- und Armenlasten, auf Gebiete führen, auf denen den Kreisen, den Trägern der Ueberweisung, eine Wirksamkeit bisher nicht obliegt. Sollen daher die Kreise die ihnen überwiesenen Beträge wirksam zur Erleichterung dieser Lasten verwenden, so wird gleichzeitig deren organische Einordnung in das System der Schul- und Armenverwaltung erfolgen müssen. Wenn daher auch in der nächsten Zeit zwischen den betheiligten Mi- nitterien eingehende Erörterungen über die an den§ 4 des bezeichneten Gesetzes fich anknüpfenden Fragen stattfinden werden, so wird wenigstens nicht mit Sicherheit auf den Abschluß deS gesetzgeberischen Theils zu rechnen sein. Es werden daher die betreffenden Erörterungen fich um so mehr auf die für daS Provisorium zu erlassenden Ausführungs- Anweisungen zu erstrecken haben. Dabei werden vornehmlich zwei Seiten der Sache inS Auge zu fassen sein. Zunächst werden mehr formelle Zweifel zu lösen sein, welche in Bezug auf die Wirkung des Gesetzes auf die bestehenden Vorschriften über die Kreis- und Gemeindebesteuerung erwachsen. Ein solcher Zweifel ist z. B. bei den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses in Bezug auf die Frage, inwieweit die durch die Ueberweisungsbeträge zu be- wirkenden Erleichterungen von KreiSabgaben den mit Präzipual- beiträgen herangezogenen Steuerträgern zu Gute rommen, auf- geworfen, aber nicht endgiltig gelöst worden. Sodann werden die Direktiven, welche den Kreis- und Gemeinde- Aufsichtsbe- Hörden bezüglich der ihnen obliegenden Prüfung der Kreis- und Gemeinde- Beschlüsse wegen Verwendung der Ueberweisungs- betrüge zur Erleichterung der Schul- und Armen- Lasten zu geben find, festzustellen sei. Bei dem Mangel eines organischen Zu- sammenhangeS der Kreise mit dem Schul- und Armenwesen wird es freilich schwer sein, geeignete Grundlagen für eine post- tive Einwirkung der AuffichtSbehörden zu gewinnen, vielmehr in der Hauptsache vorzuschreiben bleiben, in welchen Fällen fie die Genehmigung versagen sollen." Die„Nai.-Ztg." bemerkt hierzu:„Etwas kürzer ausgedrückt: man kann fich nicht verhehlen, baß das Gesetz Huene äußerst verkehrt ist, aber man weiß nichts daran zu ändern." Die Ausführungen zum Börsensteuergeseti, welche im vollen Umfang schon vor der Entscheidung des Plenums des Bundesraths bekannt geworden find, haben in Börsenkreisen eine fast noch größere Unzufriedenheit hervorgerufen, wie das Gesetz selbst. Von allen Seiten werden Beschwerdeschriften an den Bundesrath vorbereitet, worin vielfach die Nichtberückfich- tigung der Vorschläge von fachmännischer Seite lebhaft beklagt wird. Man wird fich mit Petitionen deshalb auch an den Reichstag wenden. Ueber den Zusammenstoß der beiden deutschen Torpedoboote im LangelandSsund wird der Kopenhagener ,,Nat.-Tid." unterm 11. d. von einem Augenzeugen folgendes berichtet: Am Dienstag Abend zwischen 8—9 Uhr befanden wir uns im Langelandsbelt zwischen Omö und Hou. Wir hatten gerade unsere Segel gestrichen, um die Netze auszuwerfen, als wir in ca. eine Meile Entfernung nach Süden zu mehrere Lichter bemerkten, welche wir als von anderen Heringsfänger- booten herrührend annahmen. Es war vollständig stilles Wetter, aber sehr finster. Als wir einige Netze ausgeworfen hatten, sahen wir zu unserem Erstaunen die erwähnten Lichter unS so nahe kommen, daß fie fich nur noch einige Hundert Ellen von unS befanden, und wir konnten nun sehen, daß fie von einem aus fieben Torpedobooten bestehenden Geschwader herrührten. Sämmtliche Torpedoboote gingen in Kielwasser- linie; einen Augenblick später, nachdem wir die Schiffe erblickt hatten, hörten wir, daß das vorderste Boot Signale mit seiner Dampfpfeife gab, worauf dasselbe und die beiden in der Reihe folgenden zur Seite wendeten. Die übrigen Boote setzten ihren Kurs fort. Nr. 2 war indessen ganz rund gegangen und segette nach den anderen zu, wobei es mit heftigem Krach auf Nr. 3 stieß. Laute Kommandorufe, Eignale der Dampfpfeifen und Schüsse erschollen nun durcheinander. Die fünf Boote eilten sofort ihren Kameraden zur Hilfe. Um nicht zu riskiren, übersegelt zu werden, mußten wir unsere Netze ein- ziehen und forttudem. Kurz darauf sahen wir, daß ein Torpedo- boot fich Nr. 2 zur Seite gelegt hatte, um es, da es stark be- schädigt war, inS Schlepptau zu nehmen. Als aber das Bug- zur Verfolgung der Unsrigen aus, und es gelang ihnen auch, die Flüchtlinge zu erreichen und zu zersprengen. Alle entkamen glücklich in die Schluchten der Gebirge, bis auf einige weiße Jäger, die, weniger vertraut mit den GebirgSpfaden sich den Blicken ihrer Verfolger nicht schnell genug zu entziehen ver- mochten. Dieselben leisteten grundsätzlich keine Gegenwehr; sie wurden daher gefangen genommen, und da man Weiße in ihnen entdeckte, nicht sogleich erschossen, sondern vor den kommandirenden General der Vereinigte Staaten- Armee gebracht. „Ueber ihr Herkommen befragt, besttitten sie, Mor- monen zu sein. Sie wußten, was auf dem Spiele stand und gaben sich daher für Pelzjäger aus, die sich den In- dianern angeschlossen, aber nicht Einfluß genug über die- selben besessen hätten, um sie von dem feindlichen Angriff zurückzuhalte«. „Ein Parlamentär wurde sodann nach der Salzsee-Stadt entsendet; doch hütete man sich dort wohlweislich, die ge- fangenen Frevler als Mormonen anzuerkennen. Sie wurden verleugnet, und der Parlamentär kehrte unverrichteter Sache »ach seinem Lager zurück. „Meine Absicht ist nun folgende: Ich werde morgen, ohne Jemanden weiter davon in Kenntniß zu setzen,[nach der Salzsee-Stadt aufbrechen und mich von dort aus geraden Weges m das feindliche Lager begeben. Den Kommandeur der nächsten Truppenabtheilung benachrichtigte ich, daß ein Offizier, der im Verdacht steht, als Spion in unser Thal gedrungen zu sein, sich in unserer Gewalt befinde und Gefahr laufe, erschossen zu werden. „Fürchte nichts, mein Kind," fuhr Jansen beruhigend fort, als er in den Zügen seiner Nichte einen Ausdruck der Verzweiflung gewahrte;„ich traue Weatherton nicht zu, daß er um den Mord wußte, obsthon er Rynolds schon früher kannte und wenig Ursache hatte, freundliche Gefühle gegen ihn zu hegen. Doch ich wiederhole, eS ist natürlich, daß Weatherton für das zur Rechenschaft gezogen wird, waS feine Freunde und Gefährten verbrochen haben, wenn es nicht ge- lingt, derselben bald habhaft zu werden. „Die Mormonen, die durch ihre eine Schuld in die Hände unserer Feinde gelangten, können für diese nur firen begann, schlingerte das beschädigte Boot so heftig, daß das Weiterschleppen aufgegeben werden mußte. Die fünf Torpedo- boote nahmen nun Kurs nach dem Lande zu, wo ste während der Nacht zu Anker gingen, während das beschädigte Boot nebst einem anderen auf der KollifionSstelle zu Anker gehen mußte. Der Zusammenstoß erfolgte um 9 Uhr und noch um 12'/, Uhr konnten wir die Laternen beider Schiffe sehen. Io daß anzunehmen ist, daß das beschädigte Boot nicht vor 1# Nachts gesunken ist.— Am 9. d. lagen die Dampfer„Blücher'> „Ulan" und Bugstrdampfer„Greif" mit mehreren Prähmen bei der Unglücksstelle, hatten aber bis zum 10. d. Nachmittags 3 Uhr das gesunkene Torpedoboot noch nicht gefunden. Das Wetter war dieser Arbeit nicht günstig. Offenbach. Das„Offenbacher Tageblatt" schreibt: Das Großh. Kreisamt läßt gegenwärtig durch einen Sachverständigen die Bücker und Kassen ver hieffgen freien Hilfskassen konüo- liren. Den Anfang scheint der Sachverständige mit der Zentral- kasse der Frauen gemacht zu haben, denn er erschien vorgestern Morgen ganz unvelhofst in der Wohnung des Hauptkasfirers Herrn Haustein und nahm die Prüfung der Bücher, sowie der Kasse vor. Nach mehr als dreistündiger genauer Durchficht und Vergleichung erklärte der Sachverständige, daß Bücher wie Kam fich in vorzüglichster Ordnung befänden. Ganz besonders be- friedigt war ver Beamte über die ausgezeichnete Ueberfichtli«? keit der Bücher« und Kaffenführung. Sicherlich erfüllt dies sowohl die Mitglieder der Kasse, als auch alle übrigen Ar- beiterkreise mtt Genugthuung, zeugt es doch auf's Neue davon, daß in der Arbeiterklasse zur Selbstverwaltung der eigenen Angelegenheiten hinreichend tüchtige Kräfte vorhanden finv. München, 10. September. Große Schadenfreude herrfrh unter den Gegnern unserer staatlichen Hagelverficherung. T>t Anstalt, welche in diesem?!ahre eine Versicherungssumme von 20 Millionen(gegen 11 Millionen im Vorjahr) und zw» 13 000 Versicherte(gegen früher 7000) aufweist, bat in Folge der zahlreichen Hagelschläge dieses Jahres allerdings einen ungünstigeren Rechnungsabschluß. Einer Schadenhöhe von 337 000 M. steht eine verfügbare Summe von 269 000$■ gegenüber, die fich aus den Betträgen, dem Staatszuschuß um ver gesetzlich zuläsfigen Entnahme aus dem Reservefonds M sammenaesetzt. Es bleibt also ein Schadens-Betrag vvn 67 400 M- ungedeckt, d. h. die versicherten Hagelbeschädigten erhalten um diesen Betrag(gleich zwei Zehntel) weniger. dessen geht es doch nicht an, aus dem einen Rechnungsabschluß ein sicheres Urtheil für die Zukunft zu ziehen. Ohne Zw# find unter den versicherten Hagelbeschädigten Viele, die ohne die Existenz einer vertrauenswürdigen staatlich geleiteten Anstalt aar nicht verfichert gewesen.— Der Abschluß der könim BranvverficherungSanstalt für das mit 30. September endeM Verstcherungsjahr 1884/85 soll den„N. N." zufolge ein so guter sein, daß wie in den Vorjahren, den Mitgliedern an ihren Beiträgen inSgesammt 3000000 M. nachgelassen werden können und nur ein halber Jahresbeitrag zur Einhebung# forderlich sein wird. u Rügen, 11. September. Kurz nach einer im Juni% gehabten Impfung auf der rügianischen Halbinsel Wittow M zahlreiche Erkrankungen an einem sehr ansteckenden Ausschluß vorgekommen. Die Zahl der Kranken in Wiek, dem größtes der befallenen Dörfer, beträgt allein gegen 250; in Altenkira� und Breege verhält fich die Sache ähnlich, während meu' würdiaerweise in Puttgarten, wo im Juli geimpft wurde, nu° nur kein Ausschlag aufgetteten, sondern überhaupt die JmpstÄ Mßs in tlmelntn mfnifrpn föiffcn rrfiHärriAi ist. � die Bestrebungen find, die humanifirte Lymphe immer mehr� verdrängen. Araukreich. M----- Die radital-sozialistische Presse trat am vorigen Donw zusammen, um über die im Hinblick auf die Wahlen des L- Departements zu ergreifenden Maßregeln zu berathen. treten waren dabei nachstehende Blätter: Correspondance cale, Electeur republicain, France lidre, Jntransigeant, JuM« Lanterne, Nation, Petit Ouotidien, Radical, Rappel, blique radicale. Der Direftor des Petit Paristen war sf Paris abwesend. Die vertretenen Blätter hatten mit der haftesten Sympathie die Vorschläge zur Einigung und Verses digung aufgenommen, die ihnen von dem„Zentral-Komstee� vereinigten radikalen und sozialistischen Gruppen" und% „sozialistischen Departements- Komitee" gemacht wurden.®, haben demnach die beiden Komitees eingeladen, ihnen Programme und Kandidatenlisten mitzuthetten. Die noo>> Versammlung der radikal- sozialistischen Presse sindet den 21. September, statt. Italien. � Die radikale„Capttale" theilt mit, einige ehemalige% baldinische Freischärler seien in Folge der Aussichten auf e'". Krieg zwischen Spanien und Deutschland zusammengetreten% hätten berathen, ob man für die lateinische Schwester% etwas thun könne. ES wurde beschlossen, folgenden, oon. Exkapitän Galliani verfaßten Brief an Castelar zu senbe� sehr geringe Wichtigkeit haben, indem dieselben lieber zehnfachen Tod erlitten, als ihr wirkliches Herkommen � riethen. UeberdieS liegen nicht einmal Beweise vor, T sie bei der Zerstörung de« WagenterrainS thätigen Beist� leisteten. „Aus allen diesen Gründen nun, vielleicht auch � Rücksicht auf meinen dringend ausgesprochenen Wunsch, man dort drüben gern dazu bereit sei«, die Gefangenen gif! Auslieferung Weatherton'S und dessen Gefährten auf M Fuß zu setzen. ,, „Sollte mir die augenblickliche Befreiung Weathertt". wirklich nicht gelingen, so erreiche ich doch, daß man dr#" um die Anwesenhett eines Vereinigte Staaten-Ofiziers Salzsee-Thal weiß. Man wird Nachforschungen nach\ anstellen, sich von der Wahrheit meiner Angabe überzeug und ohne Zweifel Gegenvorschläge zur Auswechselung ntflwc' was dann zunächst zur Folge hätte, daß dem Gefangen kein Haar mehr gekrümmt werden dürfte. Selbst Elliot, dessen Händen fem Leben zur Zeit liegt, dürste nicht wagen, feindlich gegen ihn aufzutreten, wollte er nicht' unauslöschliche Rachegefühl der GentileS heraufbeschwo'*' und sich durch leichtsinnig herbeigeführtes Unglück der achtung des eigenen Volkes preisgeben. Die VorÄ welche mich vielleicht für meine Handlung treffen, will gern tragen, und gewiß wird man die Heimkehr unserer v fangenen Brüder höher anschlagen, als die Ausliefert Weatherton'S und seine« alten Gefährten.„m, „Alles dieses, mein gutes Kind, unternehme ich a. L um Derne schwarzen Befürchtungen zu verscheuchen, den„ wie'ch Ellwt kenne, wird er daS Dir gegebene Wort j brechen, auch dann nicht, wenn er die Gewißheit hätte/ � Du ,hm dennoch angehören wolltest. Ich halte etnen harten Mann, dessen Härte aber eben nur aus l1- u) hemgen GlaubenSeifer entspringt; für einen Mann, dft ä, ferner angeborenen Energie Alles aus dem Wege ra»� wird, was Dir auch nur den geringsten Kummer oder � druß machen könnte. Zeigt er sich jetzt wirklich schroff und abstoßend, so bedenke, daß er Dich zu v befürchtet, und Männer in seinen Jahren, in seiner lung und zu einer so ernsten Zeit sind gewiß zu e"! »Bewegt von dem Schmerze, den ich und meine treuen Käme« raden der lateinischen Liga empfinden, beeilen wir uns, Sic und die spanischen Brüder zu benachrichtigen, daß wir bereit find, die Avantgarde der lateinischen Liga auf spanischem Boden zu bilden, um, so viel wir vermögen, zu verhindem, daß der moderne Barbarossa in den Pyrenäen seine alten Invasionen wieder unternehme. Wir werden sicher die französischen, por- iugiestschen und griechischen Brüder an unserer Seite haben. Wir wollen Alles thun, um zu verhindem, daß die Leute, welche gestem noch Barbaren genannt wurden, mit den edlen Weinen von Alicante und Valencia ihre Toaste auibringen. Mit einem Worte, illustrer Castelar, disponiren Sie über uns, und glauben Sie, daß nicht alle Vogesen< Kombattanten todt find. Rußland. Die Sprachcnfrage in den Ostseeprovinzen bietet der Ausfischen Presse noch rmmer ein ergiebiges Thema, gegen die Deutschen, speziell die Balten, zu Hetzen, was in der schmäh- uchsten Weise geschieht, und waS um so widerwärtiger ist, da d>e russischen Blätter wohl wissen, daß die Deutschen in ihren deutschen Preßorganen, die im Reiche erscheinen, sich nicht ver- theidigen können, well Zensur und Oberpreßverwaltung ihnen gestatten. In all' den schon bekannten An- �' /c' f------- w-» Vüöfr» imh «tf «fi» . v«rtV.» wo..*-. dös Wort nicht.j,...w*»..,—.—...... vrdnungen über die Einfühmng des Russischen in diese und lene Behörde und in manche Kommunal-Jnstiwtion wird jetzt noch gemeldet, daß die ganze baltische Landpolizei nach russischem Muster reorganifirt werden, d. h. die bestehende ritterschaftliche -polizei aufgehoben werden soll. Dieser Plan soll von dem Gouverneur von Esthland, dem Fürsten Schachowski, stammen, dn sich darüber beklagt, daß alle seine Ansttmgungm zur »Einbürgerung der Ordnung" an dem Widerstand der Ver- waltungsorganc der Ritterschaft scheiterten, und daß in Folge «essen mit ihnen aufgeräumt werden müsse. Dies wird über wrz oder lang wohl auch geschehen. Auch manche kleinere -önkommniffe find für die Lage bezeichnend. Eo hat km in Reval sehr bekannter Geschichtslehrer, der übrigens durch seine journalistische Thätigkeit auch in allen baltischen Provinzen sich Hohen Ansehens erfreut, jüngst von der Schule, in welcher er lange gewirkt, freiwillig seinen Ebschied genommen. Aber weil er ganz auf dem baltischen Standpunkt gegenüber der russischen Regierung steht, ist er bei den— s».(.«♦.r.rr r.rht schleckt anae- Die Hauptpunkte des ProzrammcS umfassen die Besoldung der Unterhausmitglieder von Staats wegen, die Zahlung der Wahlkosten aus dem Erträaniffe der Lokalsteuern, freien Ele- meniarunterricht auf Staatskosten und Ausdehnung des varla- mentanschen Stimmrechts aus selbstständige Frauen. Ferner faßte der Kongreß Resolutionen zu Gunsten der Reform der Landgesetze, der Kodifikatien der Kriminalgesetze, einer genü- aenden Vertretung der Arbeit im Parlament, des Rechts der Angehörigen verunglückter Bergleute, bei der Leichenschau an- wesend oder vertreten zu sein, u- s. w. Amerika. In Venzuela(Südamerika) ist die Revolution der Unitarier(Konservativen) unter dem General Venancio Pulgar schnell zu Boden geworfen. Der Dampfer der konservativen Rebellen, den der Bundespräsident General Crespo als Piraten erklätt und auf dessen Wegnahme einen Preis von 50000 Thalern ausgesetzt hatte, hat sich den Behörden der Republik Santo Domingo ergeben. Die Prästdentschaftswahlen für die nächste zweijährige Periode 1886/88 werden demnach ohne Ruhestörungen stattfinden können. Anläßlich derselben hat der frühere Präsident Guzman Blanco von London aus ein Mani- fest erlassen, in welchem er die liberale Partei ermahnt, von ihm abzusehen, und die„unwiderrufliche" Erklärung adgiebt, daß er„die Präfidentenschaft nicht annehmen werde, auch wenn einmüthig die Sympathie deS Volkes sei und er die rößte Zahl der Stimmen seiner(des Volkes) Abgesandten er« lalten sollte."_ kommunales. >�u.iuWnu v...„„yw,."------„------------ • gegenwärtigen Vertretern der letzteren recht schlecht ange- Muben und wird einigermaßen als gefährliche Persönlichreit vetrachtet, auf die man Acht haben müsse. Da er sich vielleicht eine andere deutsche Schule wenden könne, um Unterricht S» enheilen, so suchte man dem vorzubeugen, und so haben k2w die hiesigen deutschen Schulen jüngst die offizielle ge- »etme Anzeige erhalten, ihn nicht anzustellen, wenn er sich mit miem bezüglichen Gesuch an sie wenden sollte. Daß dieser seit �kgrme deS Grafen Tolstei sehr gebräuchliche Modus nun mich gegen einen deutschen Oberlehrer der baltischen Provinzen vvgewandt wird, ist jedenfalls charakteristisch. Man wird da- Vach und nach Allem, waS in der letzten Zeit in den Ostsee- Ntstien verdienter und sehr geachteter höherer deutscher Warden träger in einer der drei battischm Provinzen sich mit Motivirung von den amtlichen Geschäften zurückzog: er ?°lle nicht Scharfrichter von— land sein! Diese Aeußerung treffend die von der russischen Hetzpreffe mit so t., �vbel aufgenommenen energischen„Reformen" in den Ost- ( vkovmzen, mit denen ihnen zu erkennen gegeben werden soll, fie„zu Rußland gehören". Dänemark. .....Die Linke hat bereits eine Art von Programm für die Reichstagssesfion ausgegeben. Herr Berg veröffentticht ein Mooses Kommunique in seinem Organ, in welchem es u- A mi.l i- /'DaS Resultat der Volksversammlungen dieses Sommers itnto>? vach meiner Anficht darin zu erkennen geben, daß wir � Reichstag erklären:«Kein Finanzgesetz und keine unnöthigcn Handlungen mit diesem Kabinet." Es ist selbstverständlich . wnogach, daß das Folkething ohne irgend etwas zu verhan- ,%. zwei Monate lang zusammen bleiben kann, und deshalb Ue ich:, Leine Verhandlung, die nicht durchaus nothwendig Dieses Kommumquö ist die Wiedergabe des Inhalts ssner Rede, die Christen Berg kürzlich im Kruge zu Naesby ge« *llten hat. DaS Resultat seiner Expektorationen bestand in sivchstehender Resolution:„Die Veriammlung spricht ihr Ver- {vPen zu dem Folkething in der sicheren Erwartung aus, daß Urs mit der Stärke und Kraft, welche daS Recht verleiht, 1°» verfassungswidrige Finanzprovisorium und die übrigen PNwidrigen Maßnadmen der Regierung unterdrücken werde. %% Versammlung sichert dem Folkething ihren kräftigen Fftstand zu und ist berett, jedes etwa erforderliche Opfer zu "vngen." Großbritannien. ... Der in Southpott tagende Kongreß der britischen Gewcrk- 'mne genehmigte in seiner gestrigen Sitzung einen Auftuf, sicher anläßlich der bevorstehenden Neuwahlen an die Ge- Jf« erlassen werden soll. Derselbe skizzirt das Programm, welchem die von den Arbeiterklassen aufzustellenden Par- �ntskandidaten sich einverstanden zu erklären haben werden. wenn fie nicht immer ein das weibliche Auge und tom leibliche Gemüth bestechende» Benehmen und ei« ge- «liges Wesen zur Schau tragen." .n«Also in'» feindliche Lager willst Du hinüber, um auf c, Fälle Weatherton'S Leben sicher zu stellen?" fragte tfrr' die den Erklärungen ihre» OakelS mit der unge- Witeften Aufmerksamkeit gefolgt war und nur mechanisch dem Kinde auf ihrem Echooße, um dasselbe ruhig zu ?7.�v, Liebkosungen ausgetauscht hatte.„Du willst Dich ,.7®efahr aussetzen, dort ebenfalls wider Deinen Willen sMckgehalten zu werden?" fragte sie weiter, und ihr Ant- J röthete sich plötzlich, als sei ein kühner Entschluß vor l«n£t lSeeIe aufgetaucht und eben so schnell zur Reife ge- «Hätte man bereit« blutige Schlachten geschlagen, so vre eine derartige Gefahr nicht zu befürchten, viel weniger m.winhmina in Hertha s Die öffentliche'Prüfung der Zöglinge in der Waism- Anstalt zu Rummelsburg wird am Dienstag, den 22. September er., Vormittags von 91/, Uhr an, stattfinden. Folgende Petitionen find bei der Stadtverordneten- Versammlung eingegangen: 1. bezüglich Umpflasterung der Alten Jalobstraße zwischen der Neuenburgersttaße und den Stallungen der Garde- Kürassier- Kaserne. 2. Herstellung der Wasserleitung in der Prenzlauer Allee zwischen der Treslow- sttaße und der Wörtherstraßc. 3. Herstellung von Parkanlagen in der Umgebung der Danreskirche auf dem Wedding- Platze. Zu Zwecken der Armenunterstützung find im Monat August 1885 bei der Haupt-Stiftunaskasse eingegangen: a. an Vermächtnissen und Geschenken: 2067,10 Mk. b. aus Kollekten- Seldern: 198,25 Mk., c. aus schiedsmännischen Vergleichen, Zes- onen K. 671,06 Mk. Zusammen also: 2936,41 Mk. Zu botanischen Unterrichtszwecken werden in der Woche vom 14 bis 19. September er. in den städtischen Unterrichts- Amarant, Fuchsschwanz uni weiblicher Hopfen, b. in den höheren Schulen: Kanariengras, Svitzsame, Herbst- Zeitlose (giftig), Knöterich von der Insel Sachalin und zusammen« gewachsene Tilphie.__ Kokales. r. Die Kinder» und Frauenarbeit in de« Fabriken wird in nächster Zeit einer streng wissenschaftlichen Untersuchung vom hygienischen Standpunkte aus unterworfen werden. Dre in nächster Zeit stattfindende Versammlung deutscher Natur- forscher und Aerzte hat dies Thema auf ihre Tagesordnung gesetzt, für welches ver Medizinalrath Dr. Köttnitz in Greiz das Referat übernommen hat, der seit zwölf Jahren in Graz als Arzt thätig ist, wo mehr als 2000 Arbeiterinnen in Fabriken beschäftigt sind. Als Korreferenten fungiren die Herren Dr. Schuler in Mollis(Schweiz, Kanton GlaruS), der als schweize- rischer Fabrik-Jnspcftor eine gründliche Kenntniß der dortigen Arbeiter-Verhältnisse befitzt und der Mcdizinalrath Dr. Schwarz in Köln, der als Medizinal- Referent bei der dortigen Regierung fungirt. Interessant find die von dem Referenten für die De- datie aufgestellten, folgenden sechs Thesen: 1. der Ueberbürdung der Arbeiterinnen und Kinder in den Fabriken muß durch ge- eignete Gesetzesbestimmungen entgegengetteten werden. 2. auS hygienischen Gründen ist zu verlangen, daß Arbeiterinnen vor vollendetem achtzehnten Lebensjahre in Fabriken nicht beschäftigt werden. 3. Schwangere Arberterinnen find von der Arbeit rn Fabriken auszuschließen. 4. Wöchnerinnen dürfen vor Ablauf von vier Wochen nach der Entbindung in Fabriken nicht wieder zur Arbeit herangezogen werden. 5. Für solche in Fabriken arbeitende Mütter, welche noch unerzogene Kinder zu Hause haben, ist eine mehrstündige Mittags- Pause und am Abend ein früherer Schluß der Arbeit zu verlangen. 6. Bezüglich der in Fabriken beschäftigten Kinder erweisen sich die derzeitigen rnchsgesetzlichen Bestimmungen als «i» n, em Schutze des Völkerrecyrs; ,re.,........... vvch die äußere» VorsichlSmaßregeln dabei nicht werden." Dew, Du auch fest davon überzeugt, daß man auf Borfchläge eingeht und Dir Deine Bitte gewährt?" «Ich bm es, mein Kind." % 1 «» v»v«w. «»tt, Mädchen gewähren................. Dich zu begleiten; ich will bleiben, wo Du sei.»"''ch will wissen, daß Deine Reise keine vergebliche qe»"Siebes Kind, bedenke die beschwerliche Reise," ent- Wbe« bansen, innerlich gerührt,„und übrigens muß die» � jD�ch. schnell zurückgelegt werden, wenn e« nicht zu spät Dick.?�ne, wenn Elliot seinerseits nicht Mißtrauen gegen «�Dein gegebenes Wort fassen soll." s'Urck"? jemals geklagt auf unserer langwierigen Fahrt Osseten Jr�fen? Habe ich geklagt, wenn die Sonne auf schmeck« Scheitel brannte und nur lauwarmes, übel- nde» Wasser uns zu Gebote stand, um den ttockenen hinaus r. 5866 Schulstrafen, im Geldbettage von 37282 M. find im vergangenen Jahre in Berlin auf Grund deS bestehen» Gaumen zu erfrischen?" fragte Hertha, indem sie sich mit dem Knaben auf dem Arme erhob und dem- selben gestattete, die starken blonden Flechten, welche ihr schönes Haupt umschlangen, mit kindlicher Zutraulich- keit unbarmherzig auseinander zu zerren.„Nein!" ant« wortete sie selbst, und ihre feuchten Augen strahlten wieder einmal in dem alten schwärmerischen Feuer,„keine Klage kam über meine Lippen; im Gegentheil, ich fühlte meine Kräfte erstarken, und ein Ritt von einigen Tagen kann jetzt nur noch eme Erholung für meinen Körper, eine Erfrischung meines Geistes«ach so vielen und herben Schicksalsschlägen sein." „Aber das Kind?" ftagte Jansen, auf de« kleinen Kna- be« weisend, der seine verwunderten«nd neugierigen Blicke bald auf Hertha, bald auf deren Onkel richtete,„es sollte ja noch einige Tage Deiner alleinigen Fürsorge anvertraut bleiben." Hertha sann einen Augenblick nach; dann preßte sie den Knaben an sich, und indem sie ihn zärtlich küßte, wen- dete sie sich wieder ihrem Onkel zu.„Ich muß das Opfer bringen und mich noch einmal von diesem süßen Engel trennen," begann sie, das Kind, welches ihr zu schwer wurde, vor sich auf die Erde stellend und ihre Hand schmeichelnd auf dessen Lockenkopf legend;„mit der Bewilligung seines Vaters bleibt e» so lange unter der Obhut seiner ftühern Pflegemutter. Dieselbe liebt eS über alle Beschreibung und hat selbst eine Tochter, die mit unserm Knaben in demselben Alter stehe« muß. Du siehst, lieber Onkel, ich kann hier sehr gut entbehrt werden, und außerdem ist e« besser, wenn Du nicht so allein reisest. Denke nur die lange Ungewiß- heit, und dann ich hier unter den fremde» Menschen." „Die lange Ungewißheit," wiederholte Jansen leise, wie *u sich selbst sprechend, rndem er Hertha mit trübem Sinne rn die großen leuchtenden Augen blickte:„aber wein gutes Kind"fuhr er dann lauter fort,„wer soll während unserer Abwesenheit darüber wachen, daß unsere Gefangenen nicht eint« 3«f«» M I den Regulativs vom Jahre 1875 erlassen und alle Zeitungen sind voll des Lobes über die sttenae Handhabung des Schul- zwanges, der aus dieser Zahl der Straffestsetzungen zu folgern ist. Freilich find von den 5866 Strafverfügungen 3792 wieder aufgehoben worden, aber von den verbleibenden Straffest- setzungen wurde nur in 918 Fällen die Strafe bezahlt, während in 1083 Fällen die an Stelle der Geldstrafe festgesetzte Ge« fängnißsttafe abgebüßt worden ist: 73 Fälle harren noch der Erledigung, doch können fie im Großen und Ganzen das Ge- sammtvild von dieser Kehrseite unseres Schulzwangcs nicht ändern.— Als vor einigen Jahren ein Gesetz rm preußischen Abgeordnetenhause eingebracht wurde, durch welches die Ver« hängung von Schulstraten für die ganze Monarchie gleichmäßig geregelt werden sollte, da nannte der Abgeordnete Windthorst diese Vorlage den Exzeß des Schulzwangcs in Preußen und in der Mehrheit des Abgeordnetenhauses bezweifelte man die Nothwendtgkeit einer solchen Vorlage, die denn auch das übliche stille Begräbniß in der Kommission erfuhr. Es ist aber kaum anzunehmen, daß die Verhältnisse in Berlin durch dies Gesetz sich hätten ttauriger gestalten können, als sie heute liegen, oder giebt es vielleicht noch Leute, welche meinen, daß in Berlin 1083 Familienväter wohnen, die ihre Kinder deshalb aus der Schule behalten, damit die Väter selbst die Freuden von Perleberg auf kürzere oder längere Zeit genießen können? Spricht nicht in allen diesen Fällen die Vermuthung dafür, daß es für diese Eltern zwingende Gründe gewesen sein müssen, die fie zum Zurückbehalten der Kinder vom Unterricht veranlaßten? Die Verwaltungsbehörden haben für den Fall, daß Kinder«hne Grund vom Schulunterricht fern gehalttn werden, das Recht des unmittelbaren Zwanges, d. h. es können in solchen Fällen die Kinder zwangsweise der Schule zugeführt werden. In anderen Sachen, wenn es sich um die Schließung einer nicht konzesstonirttn Schankwirthschaft, oder um die Aus» räumung einer Müllgrube bandelt, ist man mit dem„unmittel» baren Zwange" schnell bei der Hand. Warum nicht auch bei den Schulversäumnissen? Es würde sich dann leicht heraus- stellen, ob die Versäumniß in jedem einzelnen Fall zu ent» schuldigen ist oder nicht; bei dem rein büreaukratischen Sttaf- verfahren wird dies in zahlreichen Fällen nicht festgestellt werden können. Aber es wird in unserer Zeit wegen zeder Lappalie mit der Verhängung von Freihcitssttafen vorgegangen, so daß die Gefängnisse ihren entehrenden Charakter täglich mehr ein« büßen. Andererseits macht sich in unserem öffentlichen Leben eine wahre Sucht bemerkbar, bei Jedem, der öffentlich austritt, eine alte Gefängnißsünde wieder auszugraben. Geht das Verhängen von Frerhertssttafen so fort, so kann man schon heute ausrechnen, wann der letzte preußische Staatsbürger ein bestraftes Subjekt sein wird. Bei den Schulstrafen sollte diese Sttafart unter allen Umständen wegfallm; sie ist zur Erreichung ihres Zweckes nicht geeignet und schädigt höchsten» das Ehrgefühl der Betroffenen. Da scheint es nicht ganz richtig zu sein. Dem „Fremdenbl." wird folgende erbauliche Geschichte mitgetheilt, die, falls fie auf Wahrheit beruht, bewiese, daß die„Originale" noch nicht ausgestorben find. Im Westend Berlins, so lautet dieselbe, wohnt eine reiche Hamburger Dame nebst Tochter, die in ihrem Haushalt sehr religiös find und die Frage über Sonntagsmhe in sehr prattischer Weise gelöst haben. Die Dame hat mehrere Dimstboten, die nicht nur öfter wie 14tägia frei haben, sondern noch in anderer Weise zum Genuß deS Menschendaseins geführt werden. Die Dame huldigt dem Spruche:„wer sich erniedrigt, der wird erhöhet werden" und dem Grundsatz:„daß man auch selber thun müsse, was man von Anderen verlange." Zu diesem Zwecke spielt sie zweimal im Monat ihren Dienstboten gegenüber Dienstbote; d. h. sie über» nimmt von früh an alle Funkttonen ihrer Leute und diese sitzen in dm herrschaftlichen Zimmern strickend oder lesend. An solchen Tagen werden noch andere Dienstboten geladen, so daß oft acht Personen zu Tische sind, die von der Dame mit selbsi» gekochtem Essen bedient werden. Natürlich wird daS Mahl nicht ohne Gebet eingenommen. Die Dame führt ihre Rolle so streng durch, daß sie nicht nur daS Reinigen der Küche und- des Geschirrs übernimmt, sondern auch alle übrigen Leistungm der Dienstboten an diesem Tage thut. Die Tochter war zwar bisher der Mutter folgsam in Hilfsleistungen, wie wir aber hören, folgt sie noch viel williger in den nächsten Tagm ihrem Verlobten zum Altar, da der Bräutigam diese Art der Bibel- ausleaung seitens der Mutter doch etwas wunderbar gefunden. Die sehr achtbare Frau hat obenein auch die Erfahrung machen müssen, daß die Dienstboten sich aus dem„Herrschaftspielen" gar nichs machen, denn schwer nur waren in letzter Zeit Gäste zu bekommen und noch schwerer die eigenen Leute, dieser Ruhe- tage wegen, im Dienste zu halten. Dre Dame hat sich deshalb mtschlossen, nach der Hochzeit ihrer Tochter Berlin wieder zu verlassen, da man in Hamburg religiöser denkt. Der Berichterstatter Kunzendorf hat nun die Antwort auf die Beschwerde erhalten, die er der Oberstaatsanwaltschast eingereicht hatte, weil der ablehnende Bescheid der Staats» anwaltschast in der Stöcker'schen Eidessache an ihn persönlich gerichtet worden war. Die Antwott lautet:„Berlin, 8. September 1885. Auf Ihre in der Anzeigesache wider den Hof» Hertha erbleichte und legte die Hand auf'« Herz, wie um einen heftiges Schmerz in demselben zu beschwichtigen. „So giebst Du selbst die Möglichkeit von Elliot'« Falschheit und Wortbrüchigkeit zu?" ftagte sie mit bebende» Lippen, denn sie vergegenwärtigte sich in diesem Augenblick, daß sie ihr ganzes Leben an der Seite dieses gefürchteten Mannes zu vertrauern gezwungen sei. „Das nicht," antwortete Jansen nicht ohne sichtbare Verlegenheit,„ich wollte damit nur andeuten, daß es doch auf alle Fälle gerathener sein dürfte, wenn Du hierbliebest." „So befürchtest Du etwa, ich würde mich, im Fall Weatherton seine Befreiung meinen eigenen Bemühungen verdankte, meines Versprechens für entbunden halten?" „Auch das nicht, mein gutes Kind, denn Elliot mag nun so gut und rechtlich sein, wie er will, seine Neigung zu Dir würde ihn veranlassen, noch heute von dem ihm zu- stehenden Recht als Kommandant von Fort Utah im streng» sten Sinne des Wortes Gebrauch zu machen, erneuertest Du ihm vor Deiner Abreise nicht feierlich die Versicherung, Dich auch fernerhin als an ihn gebunden zu betrachten." „Fürchte nichts, Onkel," entgegnete Hertha, und ihre Oberlippe kräuselte sich zu einem verachtenden Lach ln em- por,„Elliot'S treue Neigung zu mit und meinem Vermöge« soll nicht unbelohnt bleiben, wenn auch nur um des holde« Kindes willen." Hier schwieg sie, und halb versunken in Bettachtungen, halb beschäftigt mit dem Kinde, schaute sie fast regungslos auf dasselbe nieder. Plötzlich schoß ihr das Blut wieder in die Wangen, und indem sie zu ihrem Onkel emporschaute, strahlt« ihr liebliche» Antlitz, als wären jetzt aller Kummer und alle Besorgnrsse von ihr gewichen. „Onkel!" rief sie aus, daS Kind einen Augenblick sich setbst überlassend und ihre Arme mit einem bittenden Lächeln um seinen HalS schlingend,„ich ziehe mit Dir; eS giebt nichts mehr, was mich hier zurückhielte. Ich kenne ei« Mittel, durch welches die Gefahr von Weatherton auöh während unserer Abwesenheit fern gehalten wird; frage nicht, waS es sei, sondern verttaue mrr, und weigere Dich nicht länger, mich mit Dtt zu nehmen!"(Forts, folgt.) Prediger Stöcker am 25. Juli er. hier eingegangene Beschwerde über den Bescheid der Staatsanwaltschaft bei dem königlichen Landgericht l Hierselbst vom 25. Juni er., welcher Ihnen übrigens in Ermangelung einer von Ihnen ausgegangenen Strafanzeige irrtümlich zugestellt ist, eröffne ich Ihnen, daß Sie als„Verletzter" im Sinne des§ 170 der Strafprozeßordnung nicht anzusehen find und Ihnen aus diesem Grunde die Beschwerde gegen den gedachten Bescheid nicht zusteht. Gleichzeitig bemerke ich, daß ich mich auch nicht veranlaßt sehe, im Aufsichtswege ein Einschreiten gegen den Beschuldigten wegen Verletzung der Eidespflicht hcrbeizusühren, da die Er- wägungen des angefochtenen Bescheides der Sachlage entsprechen. Der Oberstaatsanwalt von Luck." Den Prozeß Ledersteger begleitet der Berliner Korre- spondent der„Bresl. Morg. Ztg." mit folgenden interessanten Bemerkungen:„Hochinteressant rst der Prozeß durch das Streif- licht, welches er auf die krankhafte Sucht sonst ganz vernünftiger Menschen wirft, zu Auszeichnungen zu gelangen, sei es auch auf dem nicht mehr ganz unge- wöhnlichen Wege des Kaufes, sei es auf die verhältnißmäßige Leichtigkeit, fie fich zu verschaffen. In dem vorliegenden Falle haben die beiden Reflettanten die ganze Well in Bewegung gesetzt, ihre Namen nicht öffentlich genannt zu sehen. Sie würden nach dem bekannten Sprüchwort in der That für dm Spott nicht zu sorgen haben. Der Eine hat einS der größten Modewaaren-Geschäste Berlins, einm Palast, der auch in der Provinz gut bekannt ist. Der Andere wohnt ihm gerade gegenüber, ist Fabrikant einer Spezialität, die auch ins Modcwaarengeschäft schlägt und wohl der größte seiner Art in Berlin. Um das Signalement ganz vollständig zu machen: der Eine ist Jude, der Andere Christ. kach den Aussagen Ledersteaer's, der das Geschäft, dem er flch gewidmet, für ein scbr legittmes zu haltm scheint, hat er allein in Berlin 37 Personen im Ganzen 60 verschiedme auswättige Auszeichnungen verschafft. Es muß aber auch ein sehr einträgliches Geschäft sein, dmn Ledersteger lebte auf sehr großem Fuße, ohne nachweisbare anderweite Einnahmen. Er war mit 8000 Mark eingeschätzt, hätte aber auch für das Dop- pelte Steuern zahlen dürfen. Ich kenne einen perfischen Vize- Konsul, der diesm Titel jetzt gern wieder los sein möchte und ihn fich schweres Geld kostm lreß; einen Hofpianisten— Hof» pianist des Fürsten von Monaco!— der einen klasstschen Namen trägt und mit Hilfe seines Titels fich auf der TournSe in der Provinz eine besondere Bedeutung zu geben weih. Die interessanteste Persönlichkeit in der Berliner Gemeinde der Ordensnarren aber ist ein Rath in einem preußischen Ministe- rium. Ich habe den Mann einmal besucht. Der Orden ist der Gott, zu dem er betet. Er ist von dem Hehrm und Gewal- tigen der Sterne, der Bänder und Kronen durchdrungm, und der verächttichste Mensch für ihn ist der Mann, der sein Knopf- loch verfehlt hat. Der gute Rath aber prahlt nicht mit seinen Erfolgen, und er hat derm eine ganze Menge aufzuweisen. Er hat ein Buch über alle Orden der Welt versaßt, ein Kunstwerk mtt großen lithographitten Tafeln. Je exotischer ein Staat, desto eingehender wurde er behandelt. Was der Mann in mühereichen Tagen erarbeitet, das steckte er in dies Werk wieder hinein. Selbst dm Feuerländcrn ist eine Abtheilung gewidmet. Die Monarchen, Häupllmge und Präfidenten, denen er das Werk zusendet, können nichts Gerin« geres thun, als ihm den ganzen exotischen Plunder, den er da abgemalt, schicken, und so kann er fich denn buchstäblich in Orden baden. Je kleiner ein Staat, desto größer und heraus- fordernder die Orden, desto breiter die Bänder. Er hat fich einen kleinen Salon eigens zur Ordenskammer einrichten lassen. Bis an die Decke find die Wände wie tapezirt mit diesen Dingen. Er selbst thront auf einem Kanapee, inmitten der- selben in türkischem Kostüm, ist glücklich über daS Erworbene und zermattert fich das Hirn, ob ihm noch etwas fehlt. Der Mann ist ein Original; aber in mehr oder minder abgeschwäch« ter Form giebt es eine ganze Anzahl solcher Narren, und so lange diese Geister gedeihen, werden auch die Ledersteger nicht aussterben." Durch eine Reihe fortgesetzter Unterschlagungen ist, wie hiefige Bläter melden, ein in der Kurstraße belegenes Kon- fektionsgeschäft von einem in diesem Geschäftshause seit Jahrm angestellten Kontrolbeamten in empfindlicher Weise geschädigt worden. Der betteffende Beamte, dem die Ausgabe zufiel, die zum Export bestimmten Seidenwaaren einer Konttole zu unter- werfen, hat es seit langer Zeit verstanden größere Posten Atlas, Seide und Stoffe bei Seite zu schaffen. Durch einen Zufall find die Unterschlagungm des ungetreuen Beamten durch einen Kriminal- Schutzmann entdeckt worden. Der größte Theil der Unterschlagungen ist bei einem Hehler und in der Wohnung des ungettcuen Angestellten mtt Beschlag belegt worden. Der Schuldige, sowie der Hehler find im Laufe dcS gestrigen TageS verhaftet worden. Heber die Art und Weise, wie die Unter« schlagungen durchgeführt wurden, meldet die ,JJl. Pr. Ztg.": Gewöhnlich wurden zum Absenden der rohen Seidenstoffe an die mit der Verarbeitung betrauten Schneider Dienstleute ver« wendet, die als Quittung über die richtige Ablieferung die ihnen mitgegebenen Lieferscheine von dem Empfänger unter- schrieben zurückbringen mußten. Der Beamte wußte eS nun so einzurichten, daß die Seidenwaaren in vielen Fällen nicht an die richtige Adresse gelangten, sondern von Helfershelfern in Empfang genommen wurden, um dann, nachdem er in den meisten Fällen selbst den Lieferschein unterschrieben, in die Hände der Hehler zu gelangen. Zwei Dienstleute, welche auf diese Weise unbewußt bei dem Betrüge geholfen haben, find beretts vernommen worden. Schwerer Diebstahl. Als am 5. August d. I. die in der Bernburgersttaße wohnende Frau B. ihrem Manne einen Hundertmarkschein zum Wechseln geben wollte, vermißte fie den- selben aus einem verschlossenen Schreibtisch, und als fie am 5. d. Mts. eine Rechnung bezahlen wollte, fehlte wieder auS demselben Tisch ein Hundertmarkschein. Schließlich entstand bei der Bestohlenen die Vermuthung, daß der Klavierlehrer E. aus Charloltenburg, welcher ihrer Tochter Unterricht ertheilte, daS Geld entwendet habe. Um fich zu überzeugen, legte fie gestern Abend kurz vor dem Erscheinen des E. einen Fünfzig- und drei Fünfmarkscheine, derm Nummer fie fich notirt hatte, in den Schreibtisch und verschloß denselben. E. kam und gab die gewöhnliche Unterrichtsstunde. Als diese beendet war, erschien Frau B., öffnete den Tisch und fand, daß ein Fünfmarkschein fehlte. Sie sagte dem E. den Diebstahl auf dm Kopf zu, und letzterer räumte die That auch nach anfänglichem Leugnen ein. Unter den bei E. vorgefundenen Schlüsseln befand stch einer, welcher zu dem Schreibtisch paßte. E. gestand ein, mtt diesem Schlüssel den Tisch geönnct, das Geld entwendet und in seinem Nutzen verbraucht zu haben. Der Klavierlehrer ist wegm schweren Diebstahls in drei Fällen zur Hast gebracht. r. Eine heftige Wagen-Karambolage, bei welcher eine langsam daherfahrende Droschke zweiter Klasse von einem schncllfahrenden Arbeitswagen schwer deschädigt wurde, fand am Sonnabmd Mittag zwischen dem Zeughause und dem Kastanien-Wäldchen statt. Unfälle dieser Art mehren fich täg« lich und haben augenscheinlich darin ihrm Grund, daß auf dem geräuschlosen glatten Pflaster ein schwer beladmes, in schneller Bewegung befindliches Fuhrwerk schwer zum Haltm zu bringen ist. So war es auch hrer der Fall; diese Unfälle mehren fich ssaKtagK MMNUZ-W In Bekümmerniß ist eine in der Lothringcrstr. 112 wohnende Schauspielerwittwe R. durch das Verschwinden ihrer einzigen neunzehnjährigen, sehr hübschen Tochter versetzt wor- den. Das junge Mädchen, daS fich, wie die„Etaatsb. Ztg." berichtet, am letzten Mittwoch entfernt, angeblich, um fich nach einer neuen Stelle umzusehen, ist aber bisher von diesem Wege weder zurückgekehrt, noch sonst durch alle Privatrecherchen zu ermitteln gewesen. In Folge eines aufgefundenen Briefes be- fürchtet die Mutter, daß das Mädchen einem Versucher oder Agenten in die Hände gefallen. Die Verschwundene ist mittel- groß, hat volles Geficht mit schönen regelmäßigen Gefichts zügen und bellblondes Haar. Als besonderes Merkmal wird eine kleine Narbe an der Unterlippe angegeben. Das Mädchen war bekleidet mit gestickter weißer Wäsche, gezeichnet M. R., einem olivfarbigen Kachemirkleid mit ponceau Sammetstteifen und Volants, einem olivgrünen Regenmantel und einem braunen Ettohhut mit brauner Atlaseinfassung und Goldspitzen. ic. Die Bevölkerungsverhältnisse des städtischen all- gemeinen Krankenhauses im Friedrichshain im Etatsjahre 1. April 1884/85 gestaltete fich nach dem Magistratsberichte wie folgt: Als Bestand verblieben ult. März 1884 518 Kranke. Aufgenommen wurden in dem angegebenen Zeitraum 6355 Personen(3782 m., 2573 w.) Die Summe aller Kranken bettägt mithin im Etatsjahre 1884/85 6879. Entlassen wurden in demselben Zeitraum 4816 Kranke(2911 nr., 19,05 w.), gleich 70,4 pCt., gestorben find 1483(840 m., 649 w.j, gleich 21,48 pCt., mithin verbleibt alt. März 188» ein Bestand von 574 Kranken, gleich 8,35 pCt. Die höchste Anzahl der an einem Tage im Etatsjahre 1884/85 aufgenommenen Kranken beträgt 34, der entlassenen 34, der gestorbenen 12. Am Ende des Monats März 1885 waren von den 700 Lagerstellen für Kranke 126 gegen 182 Ende März 1884 unbelegt. Unter den aufgenommenen Kranken befanden flch 203 gegen 255 des Jahres 1883/84, welche Vorschuß einzahlten,— dagegen 790 Mitglieder von Krankenkassen gegen 499 des Jahres 1883/84,— jedenfalls eine Folge des Kranken verficherungsgesetzes für Arbeiter. Von den im Berichtsjahre vorhanden gewesenen 6873 Kranken find in Summa 200186 Verpflegungstage absorbirt worden, so daß täglich in der an- gegebenen Zeit durchschnittlich 543,45 Kranke verpflegt worden find. Von den 200186 Verpflegungstagen find in der inneren und Jsolir-Abtheilung 115 359 und in der chirurgischen Ab« theilung 84827 absoroitt worden. Die Anzahl der an einem Tage vorhanden gewesenen Kranken betrug 463 als Minimum und 615 als Maximum, also mit einer Differenz von 147 Kranken. Im EtatSjahre 1834/85 find für Rechnung der Kom mune beerdigt worden 531, oder von der Gesammtsumme der verstorbenen 1483 Personen 35,81 pCt. gegen 35,85 pCt. im Jahre 1883 84. Taufhandlungen sind im Jahre 1884/85 von dem Prediger der Anstalt, Herrn Müller, vollzogen worden bei 15 Personen(9 m. und 5 w.) Die finanziellen Resultate der Anstalt pro 1884/85 stellen fich wie folgt: Die Einnahmen be- trugen 113 089,80 Mk. oder pro Tag und Kopf bei 200 186 Verpflegungstagen 0,57 Mk., die Ausgaben 545 885,20 Mark oder pro Tag und Kopf bei 200186 Verpflegungstagen 2,13 Mark, es hat demgemäß eine Mehrausgabe von 432 795,40 Mk. oder pro Tag und Kopf bei der angegebenen Anzahl von Ver- pflegungstagen 2,16 Mk. stattgefunden, die von der Stadthaupt- kaffe gedeckt werden müssen. Während des Jahres 1884,85 sind sehr wesentliche Verbesserungen in der Anstalt geschehen, denn es ist für daS leibliche Wohl und die Pflege der Kranken nicht allein durch die Einführung einer reichhaltigen Bekösti- gung gesorgt, sondern auch der Anfang mit einer bessern War- tung und Pflege der Kranken durch Einstellung von Pflege- rinnen des Viktoriahauses gemacht, für die geistliche Pflege durch Einrichtung eines Betsaales mehr wie bisher gesorgt zc. Das ärztliche Urlheil über die Leistungen der Viktoriaschwestern lautet sehr günstig, denn es heißt in dem Berichte:„Der von ernstem Willen unterstützten, oft sehr anstrengenden und aufopfernden Thättgkeit und der fleißigen und unermüdlichen Arbeit der Viktoria ichwestern ist es gelungen, viele Schwierig- leiten, die fich bei einer gewissenhaften Krankenpflege immer herausstellen, zu bewältigen, so daß nicht nur die ärztlichen Direftoren mit der auf den Pavillons eingeführten Kranken- pflege, sondern auch besonders die Kranken mit der ihnen zu Theil gewordenen Pflege und Abwartung in jeder Beziehung zufrieden gewesen find." In der mit dem Krankenhause ver- oundenen Pflegerinnen-Schul-Anstalt wurde ein vicrmonatlicher Schulkursus vom 1. Oktober 1884 an abgehalten. An den- selben nahmen 17 Schülerinnen Theil, welchen sämmtlich günsttge Zeugnisse crthcilt werden konnten. Unter denselben befanden fich sechs Schwestern des Viktoriahauses für Kranken- pflege, welche nach Bemdigung des Kursus im Dienst des Krankenhauses verblieben. Wasserstand der Spree' in der Woche vom 30. August bis 5. September.(Angabe in Metern.) Tage 4L rba Am Oberbaum Dammmühle, Oberwasser.. Dammmühle, Unterwasser. 1JT ngi 30./8.|3ly8.| iT 2,13 0,65 2,13 2,09 0,65 2/12 2,09 0,66 2,11 2,16 2,10 0,65 2,15 0,68 4./9.| 5/" TTT 2,13 0,68 2Ü? 2,11 0,65 Frl. Jenny Stubel tritt morgen, Mittwoch, am zweiten Sttauß-Adend als„Annina" in„Nacht in Venedig" im Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater auf. Die vielen Freunde dieser aus« gezeichneten Soubrette, werden es fich nicht nehmen lassen, der Künstlerin einen verdienten warmen Empfang zu bereiten. Für die Jubelvorstellung hat der Meister ein neues Balletdiver- tissement geschrieben, welches morgen durch die Damen Qualitz, Neumann und des Korps de Ballet zum ersten Male im 3. Ast getanzt wttd. Johann Straub ist gestern bei der Probe zum Lustigen Krieg" Gegenstand herzlichster Ovationen seitens der Direttion und oes Personals des Friedrich-Wilhelmstädtischen Theaters und gewesen. Beim Betteten des Orchesterraumes wurde der Meister mit einem Tusch vom Orchester und donnernden Hoch- rufen des Bühnenpersonals begrüßt. Belle- Allianee- Theater. Zum Schluß der Sommer- Saison findet beut die letzte Extra- Vorstellung„Der liebe Onkel" und„Mädchen- Illusionen" statt. Im Sommergatten treten die allbeliebten Wiener Duettistm Herren Schmutz und Katzer zum letzten Male vereint auf, um ihre Wiener G'sanaeln, die ihnen in Berlin so unendlichen Beifall gebracht, ihren Freunoen zum Abschied noch einmal zu wiederholen. Das Zentral-Theater begeht am nächsten Sonnabend wieder ein Jubiläum: den Tag der 50. Aufführung der Novität „Die wilde Katze", und der gelegentlich der Besprechung der Premiäre angedeutete Hinweis, daß Katzen ein zähes Leben haben, scheint fich bei diesem Stücke voll»u bewahrheiten, denn die bisher erzielten ausverkauften Häuser lassen noch auf weitere Jubiläen der lustigen GcsangSpoffe schließen. Gerichts-Zeiwng. Befreiung vom Militärdienst. Ein Nachspiel von dem im Jahre 1881 in Frankfurt verhandelten Monstreprozeß wegen Befreiung vom Militärdienst wurde vor dem Land- gerrcht in Altona verhandelt. Bekanntlich wurden damals die Befreiungen vom Militärdienst bei dem Oberersatzgeschäst in Altona und Kiel so zahlreich, daß in Frankfurt a. M. ein Agent Berg aus Wesel ein schwunghaftes Geschäft betneb, indem er durch Bestechung der Oberstabsärzte DreS. Liepmann und Henerke zu Wiesbaden und deS Oberstabsarztes Meyer die Befteiung seiner Klienten vom Dienst im stehenden Heere erwirkte. Der Agent Berg und Dr. Liepmann find damals flüchtig geworden, die DreS. Meyer und Henerke zu langen Freiheitsstrafen verurtheilt. Natürlich hat die Oberersatzkom- misfion später gegen diejenigen jungen Leute Anklage er- Simulation verdächtig waren. Unter den Ver- hoben, die der dächtiaen befand fich auch der Kommis Block aus St. Marie aux Chänes im Oberelsaß. Block war durch Vermittelung Liepmanns und Henettes im Ottober 1881 wegen angeblicher Erkrankung von Ischias aus 1 Jahr zurückgestellt. Er ging später nach Altona, wo ihn Dr. Meyer gegen eine Remunera- tion von 600 M. wegen Kurzfichtigkeit für dauernd unbrauchbar erklärte. Block wurde zwar verfolgt, war aber erst im April dieses JahreS aufzufinden und wurde gegen 9000 M. Kaution vorläufig auf freiem Fuß belassen. In der auf heute ande- räumten Gettchtsverhandlung wird dem Angeklagten schlagend nachgewiesen, daß er fich in 2 Fällen durch Anwendung von unerlaubten Mitteln der Wehrpflicht entzogen, den Dr. Meyer bestochen und den Dr. Liepmann zu falschen Angaben verleitet hat. Besonders interessant find die Ausführungen des als Sachverständiger vorgeladenen Stabsarztes Sellerbeck, welcher durch wissenschaftliche Versuche zur Evidenz nachweist, daß Block nichts weniger als kurzsichtig ist. Die Staatsanwallschaft tadelt in einem glänzenden Plaidoyer die Verwerflichkeit der zur Sprache gekommenen Gesetzwidrigkeiten und bedauert den Mangel an Patriotismus, welchen der Angeklagte durch den Widerwillen gegen die höchste Ehrenpflicht eines jeden Deut- schen, den Ehrenrock des Königs zu tragen, bekundet. Der Staatsanwalt findet nur in dem Umstand einen sttafmildern- den Grund, daß sämmtliche Strafthaten gewissermaßen nur eine fortgesetzte Handlung bilden, da fie aus ein und dem- selben Gedanken entsprungen find. Das Gericht erkennt auf eine Gefängnißsttafe von 1 Jahr und ver fügt wegen Flucht« Verdachts die sofortige Verhaftung. Nach verbüßter Strafe wird Block 4 Jahre im stehenden Heer zu dienen haben. Ein Ehemann, welcher seiner von ihm fortgegangenen Frau gegenüber zwar wiederholt seine Bereitwilligkeit zur Fottsetzung der Ehe äußett und fie zur Rückkehr auffordert, thatsächlich aber die zurückkehrende Frau durch sein rück- flchtsloses, widerwilliges Benehmen gleichsam moralisch wieder aus seinem Hause trerbt, kann nach einem Urtheil des Reichs« aettchts, IV. Zivllsenats, vom 25. Juni d. I., wenn die Frau sodann ihn für die Dauer verläßt, darauf nicht die Klage aus Ehescheidung wegen böslicher Verlassung gründen. Uermischtes. Ueber den Roman eines Kindes wird der„W. Allg. Ztg." aus London mitgclheilt: Eine ältliche Dame in London, Mrs. Pratt, wandte fich vor einiger Zeit direkt an den Pre- mierminister Salisbury mit folgendem Anliegen:„Im Jaüe 1870 befand ich mich in großer finanzieller Roth; die Verwandten meines Mannes wollten nichts von mir wissen, weil ich in seinem Hause alS Dienstmädchen gedient, und er mich wider den Willen seiner Familie geheirathel hatte. Mein Man» starb im Jahre 1873- er hinterließ mir ein einziges Kind; ich versuchte es einige Zeit, mich und dasselbe zu ernähren, und als dies nicht anging, verkaufte ich bald darauf mein kleines schönes Mädchen einer Seiltänzerbande. Ich habe seitdcw nichts von dem Kinde gehört; allein vor zwei Monaten ist mein Schwager gestorben und hat meiner Ellen ein Vermögen von 150000 Pfund Sterling hinterlassen; fie ist jetzt fiebzeh« Jahre att, und ich möchte um jeden Preis wissen, wo fie weilt. Auf Befehl des Premiers arbeitete die Polizei mit größter Eile und Aufmerksamkeit in dies« Angelgenheit, und es ward festgestellt, daß die junge Erbin vor einigen Jahren, als fie fich mit ihr« Truppe in Mexiko befand, während fie ihr Mittagsmahl ein« nahm, von einem jungen Manne erschossen wurde. Im schwyzerischen Amtsblatt steht folgende Warnung: „Infolge eingegangener Klagen über Obstfrevel sieht fich die unterzeichnete Amtsstelle veranlaßt, hiermit in Erinnerung si1 bringen, daß solcher Frevel gemäß dem„Lbebnesf" voi« Jahre 1414 unnachfichtlich mit entsprechender Geldbuße bestraft wird, welche im Falle der Unerhaltbarkeit in Gefängnißsttast umgewandelt werden kann. Im Bezirk Schwy, auszukünde«- Schwyz, den 27. August 1885. Das Bezirksamt." Eine i« alte, noch in Kraft bestehende Verordnung ist wohl kaum mehl in der Welt zu finden. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete fich in Preßbur» am 8. September um 10 Uhr AbendS: Nicht weniger als tt« Opfer, von welchen eines lebensgefährlich verletzt rst, hat die Katastrophe gefordett. Um die erwähnte Stunde beschäftigte« sich die Töchter des in der Klanssergasse Nr. 9 wohnhafte« FedernhändlerS Redlinger damit, in die Lampe Petroleur« einzufüllen. Das eine der Mädchen, eine achtzehnjähttge, st# hübsche Blondine, Namens Regina, leuchtete ihrer Schwester m« einem Zündhölzchen, scheint aber hierbei dem aus der Flasc# fließenden Petroleum zu nahe gekommen zu sein, denn das- selbe fing plötzlich Feuer, ergoß sich mit Blitzesschnelle über Kleider des Mädchens, welche im Verlaufe von kaum zw« Sekunden in hellen Flammen standen. Angsterfüllt schtte d» Aermste auf. Im ersten Augenblick waren alle im Zimmer a«- wesenden Personen vom Schreck förmlich gelähmt und übet- ließen das unglückliche Mädchen ihrem Schicksal. Die jüngett Schwester derselben war die Erste, welche ihre Fassung wiev« gewann uud die lichterloh brennenden Kleider mtt den Händ«« von dem Körper der Brennenden abzureißen oersuckte, fie büß» jedoch ihrBeginnen mit einiaenBrandwunden an denHänden.Da» Mädchen, welches unterdessen die furchtbarsten Schmerzen erlitt- schne um Hilfe und stürzte, als Niemand kam, mit ihren brenne«- den Kleidern hinaus auf den Gang und rannte— verzweifelt� Hilferufe ausstoßend— in die Wohnung deS nebenan wohnenden Nachbars Namens Steiner, der seinen Versuch, b« Brennenden die Kleider vom Leibe zu reißen, mit einig«« schweren Brandwunden an den Händen bezahlte. Endlich g£ lang es, durch einige auf daS Mädchm geworfene Kleidungsstücke die Flammen zu ersttcken und die verkohlten Kleider«o« dem Leibe der Unglücklichen herabzureißen. Das Mädchen � einen schrecklichen Anblick. Der Körper, von der Stirne Q«- gefangen bis hinab zum Unterleibe, war mit furchtbaren Bran« wunden bedeckt, welche für das Leben des unglücklichen M««- chens daS Aergste befürchten lassen.,. Ei« weggelassenes„s" hätte vor einigen Wochen be» nahe ein Menschenleben gekostet! Bei dem Redatteur nordamettkanischen„Plattsmouth(Nebr.) Journal", H«*« Cutright, stellst stch ein gewisser Canoll mit einer jungen vr gleitettn, Frl. Marshall, ein und verlangte eine Erklärung% eine in genanntem Blatte erschienene Personal-Notiz. Dresel? lautete:„Mr. Carroll übernachtete gestern mit Miß Matths im PerkinS Haus." Nun hatte aber die letztere nicht mit ein«« Herrn, sondern mit einer Frau Carroll ihr Zimmer getheP- V""», Mi»» vniv» üiuu viuuuu und der Skandal, der entstand, war auf die Weglaffung „s" vom Worte„Mrs." zurückzuführen. Es kam zwischen Redakteur und Carroll zum Stteit, im Laufe dessen lrtzt«? einen Revolver auf den Ersstren abschoß. Die Äerwundü?» .st nicht tödtlich. Wenn daS Blatt aber überhaupt nicht i«1' gethcilt hätte, daß die Beiden in PerkinS tzauS übernachtest? was eine sehr überflüssige Zeitungsnachttcht war, dann hätte keinen Skandal gegeben!... Wilhelmshaven, 10. September. Am Tage des laufs der„Charlotte" ereignete fich ein deklagenswerther glückifall. Beim Segelexerziren auf der„Hansa" fiel in Folg von Der Peranwvttlicher Redakteur«. TrouHet» in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin 8W, Beuthstraße 2. eines FehltttttS der Oberbootsmannsmaat Detlloff Oberbramrae auf daS Deck und brach das Genick. war ein augenblicklicher. Pest, 11. September. Die Unterdrückung der 1#� antisemitischen Krawalle war mtt einem Kostenaufwande rl 1146 fl. 12 kr. verbunden, deren Ersatz nun seitens der R«?!. gefordett wird. Der Magistrat beschloß, g-"-" b»'. erung, zu welcher die Stadt gesetzlich nicht werden könne, zu remonsttirm. Hier»« eine Beilas� verp k Beilage zum Berliner Bolksblntt »r. 315 Dienstag, den 15. September 1885. IL Jahrg. Jo» WSimmermchtstraum aus iirrFerimM (Aus„Demokratische Blätter".) Es war in der heißen Jahreszeit, als Fürst Bismarck von der Last der Staatsgeschäfte schier überwältigt, seiner Gewohn» he« gemäß für einige Zeit Erholung in seinem Tuskulum suchte. Die Ruhe, die auf dem Gebiete der auswärtigen Po> uLk eingetreten war, machte in ihm den Wunsch rege, fich während seiner Urlaubszeit von allen Staatsgeschäften zu Vis- »rnstren und da auch die Parlamente vertagt und in der in- »«en Politik nur die laufenden Geschäfte zu erledigen waren, s» konnte fich der Kanzler den Luxus eines otinm cum dignitate wohl gestalten. So erhielten denn die Reichsämter und die preußischen Ministerien den Befehl, den„Chef" während der Dauer seiner Abwesenheit von Berlin mit amtlichen Rückfragen mit Ucbersendung von Attenstücken jeder Art zu ver- schonen, selbst wenn fie auf die wichtigsten Staatsangelenheiten Bezug hätten. Die Minister und Staatssekretäre— sogar die- Witgen von ihnen, die schon länger als ein Jahr im Amte »wen— wußten fich einer ähnlichen Enthaltsamkeit des Fürsten Bismarck nicht zu erinnern; so sehr fie auch die Archive ihrer Ressorts durchsuchen mochten, fie fanden innerhalb der letzten 23 Jahre keinen Präcedenzfall, der ihnen Aufschluß über bie von ihnen unter sothanen Umständen anzunehmende Haltung Begeben hätte. Nichtsdestoweniger ergriffen fie muthig die Bügel der Regierung in dem Bewußtsein, daß ihnen ihr Herr Und Meister in der Gestalt eines neuen Rommel schon recht- heitig erscheinen würde, sobald fie eine eigene Anficht bekunden willen. Aber auch anderen Leutm war der Entschluß Sr. Durchlaucht, fich für einige Zeit der Geschäfte zu enthalten, «n Buch mit ficben Siegeln, wie die Offenbarung Johannis, h>e Angstmeier steckten verwundert die Kopfe zusammen und hte„Echneidigkeit" der Landräthe nahm in dem Maße ab, als h» Besorgniß wegen eines erneuerten reichskanzlerischen De» »isstonsgesuchcs zunahm.— Indessen dachte der Kanzler in Hiesem Äugenblick san nichts weniger als an Demisfion, er »and ja im Zenith seines Glückes. Das dankbare Volk, zu hem er seit langen Jahren nicht mehr hinabgestiegen war, hatte vor Kurzem eine opulente Lttospende für ihn gesammelt, ferne Söhne machten ihren Talenten und Verdiensten gemäß schnelle Karriere, eine molluskenartige Majontät unterstützte seine Gesetzentwürfe und Dank der Geschicklichkeit des unge- Uannten Doktors war ihm auch das körperliche Wohlbehagen Krückgegeden worden. Er verspürte mithin nicht die geringste Neigung, der Gewalt zu entsagen, denn eS war ihm unerträg- such zu denken, daß fich die Erde weiter drehen würde, selbst wenn er das Etaatsrudcr nicht mehr in der Hand hielte. Trotzdem war der Kanzler nicht glücklich. Es quälte ihn ein Gedanke— und dieser Gedanke war die Ursache, daß er »« konsequenter Selbstverleugnung in der idyllischen Einsam» "it seines Landgutes, seinem Vorsatze getreu, auf jede Thetl- *®hme an den Staatsgeschäften verzichtete. In der That war es auch nne schwere Sorge, die den allmächtigen Staatsmann *icht zur Ruhe kommen ließ. So oft er auch Reichstag und Landtag auflösen mochte, immer kehrten jene reichsschädlichen Gesichter wieder, die zum großen Verdruß aller patentitten Patrioten daS reichskanzlerische Auge beleidigten. Obgleich die loyale Mehrheit alle Maßregeln getroffen hatte, beim ersten «larmstgnal der oppositionellen Minderheit den Athem auszu- drehen, so setzte doch schon der bloße Gedanke an daS Dasein einer Opposition den Fürsten Bismarck in förmliche Extase. % Minister hatte er bereits nacheinander während seiner Amts- Periode wegen zentrifugaler Gestnnung in das Reich der Schatten hinabsteigen lassen, Reichstagsmajoritäten warm von »hm an die Wand gedrückt worden, ohne daß fie quietschten, und nun sollten ein paar Dutzend nörgelnde und negirende Parlamentarier seine volksfreundlichen Ablichten unter dem Zu- lauchzcn der Menge ungestraft krftistren dürfen? Nein, das Ktrste nicht ungerochen bleiben, jene Gestalten mußten aus Reichstag und Landtag entfernt werden!— Dieser Lieblings» ßedanke hatte schon oft den monumentalen Kopf Sr. Durch- Sjuht beschäftigt, oft schon glaubte der Kanzler am Ziele seiner Dünsche zu sein. Er hatte es mit dem Sozialistengesetz, dem Ein foiitunet Artelltior. Von Dr. Fr. Müller. p Kriminalgeschichten und Polizeiabenteuer werdm vom �sepublikum allemal mit Vergnügen und einem gewissen �Ntseln verschlungen, und die Unterhaltung mag auch wohl Wch sein, wenn man in der hequemen Sophaecke sitzt; Gruseln ist aber auch auf Seiten de« pflichtgetreue» Be- jJ�len zuweilen, und ist dann anderer Art, als da« de« Opsens. . Der Schrecklichste der Schrecken ist nach Schiller'« Aus- ipruch der Mensch, und viele Polizisten der großen Städte Tüchten wohl manchmal lieber einem Panther gegmüber» �ten, al« einem verzweifeltm Geschöpfe mit einem Mmschcn- flitze, in dem alle edleren Züge fast auf ein Nichts zu- 'Bmmengeschrumpft find. Da« Detektivhandwerk ist sicherlich eines der aller- »jährlichst««, die ti giebt, es bietet aber neben der Alltags- Ü�fahr noch seine außerordentliche Momente, in denen es sich rjfoch um Leben und Tod nach verzweifeltem Kampfe han- ?*«, wenn die Verbrecher keinen Ausweg mehr sehen und jjkjchon begangenen Thaten mit einer vielleicht noch scheuß- kröne«. von ihre in I UUIICII. jj Nicht so leichten Kaufes hat die geheime Polizei «ndon ihren Weltruf erworben; sie hat auch dafür>y> »jultate aufzuweisen und zählt unbestrittene Kapazitäten i Lren Reihen. Einer der gewiegtesten Agenten war seiner �eit Mister B ertön, ein Mann von ausgezeichnetem Schau« Wielertalent, fähig, jeden Tag, einem Proteus gleich, sich als .* Anderer zu präsentiren, selbst mit anderer Stimme, uner- Pocken bis zur Verwegenheit, schlau und ausdauernd wie Fuchs hinter feiner Beute und nicht zu ermüden, bis er ™ Ziel erreicht. _ Wer den gewöhnlich aussehenden schmächtigen Mann JJ* kannte, hätte nimmer den gefürchteten Detektive, den schrecken aller Uebelthäter in ihm vermuthet; kein Komplot, j.rn.noch so fein angelegtes Verbrechen blieb seinem Scharf- «J5 �borgen; selbstverständlich hatte ihm die ganze Diebs- nd Mordgesellschaft von England für die erste passende Eigenheit den Untergang zugeschworen. , Unzählige Male war sein Leben durch Gift und Dolch vj*oht worden, und doch entging er immer von Neuem Angriff«, seiner„guten Bekannten", die er nur um Maulorbgesetz, mit väterlichen Ermahnungen an die Beamten und die ländlichen Wähler versucht,— allein die oppofitionellen Abgeordneten kehrten bei allen Neuwahlen mit böswilliger Verbissenheit in die gesetzgebenden Körperschaften zurück. Die Landräthe verwandten rhre ganze Intelligenz auf das Studium der Wahlgeometrie und gingen vor den Wahlen mit einem Eifer an's Werk, als ob es sich um eine neue LandeSttiangu- lation handelte. Doch der Erfolg wurde von Jahr zu Jahr schlechter, die linke Seite vermehrte fich im umgekehrten Ver- hältniß zum Wohlwollen des Reichskanzlers. DaS sollte nun anders werden; der Kanzler hatte es fich bei seinem grauen Barte geschworen, die Ovpofition zu zermalmen, wie einst MoseS das goldene Kalb der Kinder Israels. Nun war dies allerdings reine leichte Aufgabe, nicht ein- mal für einen Staatsmann, der fich wenig um die öffentliche Meinung kümmette. Der Kanzler dachte hin und her, ohne zu einem Entschlüsse kommen zu können. Er hatte zwar schon früher von fortschrittlichen und sozialistischen Diäten munkeln hören, die vaterlandslose Reichstagsmitglieder von ihren Wählern beziehen sollten; aber auf Grund der Reichsverfaffung konnte der Kanzler seinen politischen Antagonisten nichts am Zeuge flicken, soviel juristischen Scharfstnn er auch auf die Jnter- pretation des Art. 32 verwandte. Ueberdies hatte er im Reichs- tage selbst zugegeben, daß die Regierung nicht in der Lage sei, den Bezug von Diäten, die durch Privatmittel aufgebracht sein, zu hindem. Und doch erschienen die Patteidiäten dem Fürsten als die solideste Waffe, mit welcher er die vergoldete Brust der Opposition durchbohren konnte. Warum sollte er, zu einer besseren Erkenntniß gelangend, nicht einmal seine staatS- männische Ueberzeugung ändern, wie so oft seine witthschaftliche, sobalv es fich um die materielle Wohlsahrt des Volles handelte? Denn es war für ihn zweifellos, daß der Diätenfond der Fortschrittsparlei die wohlhabenden Wähler nicht unerheblich belastete und daß die„Arbciteigroschen", die zur Unterstützung der Sozialisten im Reichstage dienten, dem Arbeiter ein kleines Kapital entzogen; konnte deshalb eine Regierung fürsorglicher handeln, als wenn fie eine Selbstbesteuerung der Wähler ver- bot? Eine weise Kolonial- und Steuerpolitik würde dann Mittel und Wege gefunden haben, die fortschrittlichen Ersparnisse, die sonst dem Diätenfond zuflössen, in überseeischen Untemehmungen zu engagiren und vre„Arbeitergroschen" für die Treibhauszüchiung des Kraut- und Schlotjunkerthums durch Zölle und indirette Steuern mit Beschlag zu delegen. Der Kanzler hatte also seinen Plan. Immer deutlicher krystallifirte fich aus seinen phänomenalen Ideen ein Gedanke: die Patteidiäten waren für die renttenten Volksvertieter dasselbe, was das ungeschorene Haupthaar ehemals für den Se> miten Simson gewesen war. Doch bevor der Kanzler noch seinen Plan zur Ausführung bttngen konnte, stießen ihm einige junstische Bedenken auf; seine Phantafie war nämlich mit ihm durchgegangen— es gab ja noch Richter in Berlin! Da an einem schönen Sommer- Nachmittage, als Fürst Bismarck nach Beendigung des Dejeuners seinen gewöhnlichen Spaziergang machte, wollte es der Zufall, daß fich seine Ge- danken aus seine pyramidale Laufbahn konzentnrten. Er er- innerte fich der Zeit, wo er als embiyonischer Staatsbeamter noch Gelegenheit hatte, die Rechteanschauungen des Volkes kennen zu lernen und da er just in den Reminiszenzen an seine fröhliche Referendarzeit schwelgte, so konnte er nicht verhindern, daß seine Gedanken auch auf das Allgemeine Land- recht fielen, wo fie auf dem Titel 16, Theil i desselben haften blieben. Nur einige Sekunden hatte der Kanzler zur Rekapi- tulation dieses Titels in seinem Gedächtniß gebraucht, als er wie elektttfitt seinen Krückstock schwang und einen dankbaren Blick gen Himmel sandte. Dann aber brach er in eine krampf- hafte Heiterkeit auS, denn er war freudiger erregt, als weiland Dr. Archimedes, wie er daS Gesetz der Schwere entdeckte. Der durchlauchtige Staatsmann hatte eine juttstische Entdeckung gemacht, um die ihn die gelehtten Zopfttäger, die noch mit junstischen Antiquitäten handeln, beneiden mußten; hatte er doch den gesetzlichen Stützpuntt gefunden, vermittelst dessen ihrer Mühe willen bedauerte. Trotzdem ließen dieselben aber nicht nach und setzten sogar einen Preis auf seinen Kopf, der beinahe von einer besonders gewiegten Gesellschaft verdient worden wäre. Eines TageS fchlendette der Beamte der Geheimpolizei im schwarzen GesellschaftSanzuae, auf der Fährte hinter einem selbst in de» vornehme» SalonS verkehrende« Fälscher die Oxford-Street entlang, als eine iunge Dame von außer- ordentlicher Schönheft und großer Eleganz der Erscheinung ihm entgegenkam und ihm einen langen, seltsam forschenden Blick zuwarf. Der Beamte trat in Mr. Betton einen Moment in den Hintergrund und der gewandte Weltmann, der sich nicht ettnnern konnte, die« Gesicht schon gesehe» zu haben, zog, von dem dunkelglühenden Blicke völlig gefesselt, de« Hut und wandte sich, der Dame»achzuschauen; sie war aber im Gewühl schon verschwunden. Galantette war die einzige Schwäche des Polizeimannes, die er leider nur sehr selten auszuüben Gelegenheit hatte und jetzt beschäftigte ihn die Erscheinung der Dame mehr, als er selber wollte und für seine Praxi« für gut hielt. Zedeimal, wen» er mit dem anderen Geschlechte in nicht amtliche Berührung kam, hatte er Glück, und da« war auch eben bei seiner Gewandtheit nichts Merkwürdiges; denn er war noch in den frischen Dreißig und durfte noch seinen Platz beanspruchen. Es gelang ihm nicht, da« Bild der fremden Dame loszuwerden und ohne, daß er selbst wußte, wie, befand er sich am folgenden Tage wieder zur gleichen Stunde in der Oxford-St«eet. Was er leise gehofft, traf zu; nach kaum 10 Minuten trat ihm die Dame entgegen und nickte leise lächelnd und sehr freundlich. Rasch faßte er sich ein Herz und blieb vor ihr stehen. Eine zatt melodisch klingende Stimme mit etwas französi- schen Accent flüstette ihm zu:„Reden Sie nicht, wir sind beobachtet." „Nur ein Wott, meine Gnädige, sagen Sie, wen ich das Glück habe, zu sehen und—" Die junge Dame lächelte und entgegnete: „Ei, ei, Sie sind neugierig, Herr Verton," und dabei ließ sie eine Karte in seine Hand gleiten,„kommen Sie heute Abend in die Oper, ich gehe hin, die Patti zu hören." er die Opposition aus den Angeln zu heben gedachte! Da stand eS ja schwarz auf weiß geschneben. daß die Annahme von Geldem, die dem Empfänger zur Unehre gereichte, den Fiskus zur Beanttagung der Konfiskation der empfangenen Gelder berechtigte, und und die Patteidiäten gereichten den Volksvettretern zur Un- ehre— das stand ohne Zweifel fest. Anfänglich war der Fürst über die Tiefen seines junstischen ErkennrnißvermöaenS baß erstaunt; nachdem ihm aber eingefallen war, daß die Betroffen» heit über die Tiefen der Erkenntniß nach Plato der Anfang zur Philosophie sei, erholte er fich bald, indem er eine philo- sophischc Miene annahm. Wenn es ihm gelang, eine gerichtliche Verutthcilung der opofitionellen Abgeordneten herbeizuführen, fie vielleicht gar als elende Schächcr vor den Staatsanwalt zititt zu sehen, dann hatte das opofitionelle Volksvettreten sein jähes Ende gefunden. Die Oppofition wäre vernichtet gewesen; Kautjchukmänner, die devotest den durchlauchtigen Willen ratifizirten, wären in den Parlamenten an ihre Stelle getreten; die Wähler hätten fich mit Entsetzen und Entrüstung von ihren bisherigen wegen Unmoralität abgestraften Abgeordneten abgewandi und wären mit Sack und Pack, die aeld- reichen Semiten voran, in das freiwillig-gouvemementale Lager übergegangen. Den beschäftigungslosen Volksvettretern wäre alsdann nichts weiter übrig geblieben, als eine offene Han» dclsgesellschaft unter der Firma„Dalles, Pleite u. Ko." zu etabliren. Der Kanzler schüttelte fich vor Lachen im freudigen Vor- gefühl der bevorstehenden Genugthuung, als er den FiSkus mit Instruktionen versah. Die Klageschrift war bald aufgesetzt und sobald es bekannt war, daß fich der Fiekus selten in geistige Unkosten zu stürzen pflegte, nahm niemand mehr An- stoß an der mangelhaften Begründung der Anträge. Dann sandte der Fiskus seine Boten aus, damit fie etzliche Zeugen zusammenbrächten. Als die Boten schon längere Zeit gewandert waren, stehe, da fanden fie, nach vergeblichem Suchen und Anfragen, zween Gentlemen, die nicht übel beleumundet waren: den Right Honourable Mr. Hasselmann und Se. Exzellenz den Anarchisten-General Bum Bum. Beide Bürger wurden sofort per Telephon zur Ablegung ihres Zeugnisses an dem noch näher anzuberaumenden Termine eingeladen. Nachdem so alle Anstalten fein säuberlich getroffen waren» überschaute der Kanzler noch einmal sein Werk und da es gut war, hatte er seine Lust daran und die Freudenthränen rannen ihm über die gefurchten Wangen. So aufgelegt sah man ihn gewöhnlich nur dann, wenn ein fremder Potentat ihm die Geburt eines prinzlichen Knäbleins notifizitte. Mehrere Monate nach dieser Begebenheit befand fich Fürst Bismarck in seinem Arbettskabinett auf der Wilhelmsstraße zu Berlin. Es war gerade die Zell vor den Wahlen und mit begreiflicher Ungeduld erwartete er eine Nachricht über den Ausgang des von dem Fiskus gegen die oppofitionellen Adge« ordneten angestrengten Prozesses, für dessen Verhandlung am selbigen Tage Termin anberaumt war. Endlich brachte ihm ein Diener das sehnlichst erwartete Telegramm, welches von ohngefähr folgermaßen lautete: Der Fiskus ist mit seiner Klage kostenpflichtig abgewiesen worden, weil nach Anficht der Richter die Verurtheilung der Diätenemvfänaer auf Grund der vom FiSkus angezogenen landrechtlichen Bestimmungen eine solche Schulung»n byzantinischer Akrobatik voraussetze, daß die Richter die ihnen ungewobnten Beugungen nicht vorzunehmen ver- mochten, ohne ihr Rückgrat ernstlich zu gefährden. Ja, da fitzt nun der Reichskanzler mit seinen junstischen Talenten und kann fie nicht verwetthen. Zokales. Bei der am 1. Dezember d. I«. stattfindenden Volks- zähluna werden die Militärpersonen in derselben Weise auf- genommen werden, wie die Civilpersonen. Für die mtlftättschen Anstalten— Kasernen, Militärlazarethe ic.— liegt Vre Ein- %%%%%&&% Sie blinzelte ihm zu und ging weiter; er bettachtete die Katte und las: „Camille de Vermont." „Das wäre also ein französisches Abenteuer in London," begann er sein Selbstgespräch und strich sich den Schnurr- batt, der diesmal statt der Natturfarbe schwarz betüncht war,„nun sehen wir, was aus der Geschichte wird; wtt scheinen wieder einmal Glück zu haben. Die Dame ist wirklich ein Prachtexemplar einer Französin, entzückend im höchsten Grade. Wie sie liebenswürdig lächelte, aber daß sie schon wußte, wer ich war. Nun, kein Wund«, mich kennt die halbe Stadt. Doch ich könnte»«suchen, ob man auf dem Amte vielleicht mehr von Camille de B«mont weiß." Schnell« al« gewöhnlich machte« sich zum Zenttal- bureau auf und benutzte einen Wagen der Tramway, um nur rasch an'S Ziel zu kommen; dott durchforschte« die Register auf's Genaueste, aber v«geblich. Sein Chef ließ sich die Begegnung«zählen und nickte nachdenklich mit dem Kopfe. „Zch weiß nicht recht, was ich sagen soll," meinte«, „ab« nehmen Sie sich in Acht; es wäre mir leid nm Sie, wenn—" Berton wies die Besorgnisse de» Vorgesetzten lächelnd zurück und ging, ein Liedchen pfeifend, seiner Wege, mit Ungeduld den Beginn der Op««mattend. Schon längere Zeit vor dem Anfang begab« sich auf einen Platz und bald hatte« in einer Loge die Französin allein entdeckt. Er eilte zu ihr und nun ent- faltete sie ein kindlich unbefangene«, nur etwa« verschämtes Wesen. Nach und nach erfuhr er, daß sie noch jung, doch schon Wittwe sei, reich selbstverständlich, ohne Verwandte, daß'sie schon wiederholt in London gewesen und auch ihn, Mr. Berton, öft« gesehen habe. Sein Entzücken stieg auf den Gipfel, al« fie«ach der Op« ihn einlud, sie in ihre Wohnung zu begleite« und da« Sonp« mit ihr gemeinschaftlich einzunehmen. Vor dem Theat« hielt d« elegante Wagen der Dame und führte Beide noch ziemlich langer Fahrt zu d« Frau de Vermont; der Diener riß mit tiefer V«beugung den Schlag auf und geleftete sie nach einem reich ausgestatteten kleinen Salon, wo schleunigst die Lichter mehr«« silberner Kronleucht« angezündet wurden. erforderlichen Formulare und sonstigen Mittheilungen recht« zeitig zugehen. Gestörtes Näuber-Jdyll. Vor einigen Tagen wurde an dieser Stelle bereits mitgetheilt, daß Schaukastendrebe einen an der Ecke der Prenzlauer- und Alexandcrstraße befindlichen Schaukasten erbrochen und daraus eine Menge Elfenbeinbrochen, Bernsteinbrochen rc. entwendet hätten. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß die Gegenstände nach einer in der Nähe des Friedrichshain belegenen Laube gebracht und hier unter Kür- oiffen versteckt worden seien. Die erwähnten Gegenstände wurden zwar dort nicht mehr vorgefunden; dagegen konnte die ganze Drebes- und Hehlergesellschaft— bestehend aus mehreren Männern und Frauenspersonen, welche letzteren noch die ge- stohlenen Brachen trugen— aufgehoben werden. Die Laube, aus Bohnenstangen hergestellt und mit Kürbiffen dicht umrankt, ist seit längerer Zeit als Schlupfwinkel für Diebe und Hehler benutzt worden; es wurden daselbst auch die gestohlenen Sachen unter Diebe und Hehler vertheilt. Eine„Dame" scheint bei diesen Zusammenkünften dm Vorfitz geführt zu haben, denn als die Beamten in die Nähe der Bude kamen, bemerkten sie, daß durch eine Frauensperson mehrere Male auf den Tisch ge- schlagen und Ruhe geboten wurde. Diebe und Hehler, sämmt- lich bereits vorbestraft, find in Haft genommen und der Staats- anwaltschaft vorgeführt worden. Eine„Dame der Halle" wollte vorgestern Nachmittag den Ausstellungspark besuchen und erwartete, in bestem Staat, am Brandenburger Thor die Pferdebahn. Schon waren zwei Wagen besetzt an ihr vorüber gefahren. Den dritten bestieg sie ohne Weiteres. Hinein gelangte die Tapfere nicht, noch auf dem Perron ertönte wiederum das ominöse„besetzt".„Da schlag' aber Einer lang hin!" rief sie empört und lag auch schon längelang in einer Pfütze. N. In größter Lebensgefahr von der Eisenbahn zcr- malmt zu werden, gerieth am gestrigen Sonntag ein in der Dresdenerstraße wohnender Tischler August Bartsch. Derselbe versuchte um die angcbene Zeit, trotzdem die Bariere geschloffen daS Bahngeleise der Anhalter Bahn in der Verlängerung der Groß-Görschenstraße zu überschreiten als gerade der fallige fiersonenzug die Stelle passtrte. B. wurde dabei von der okomotive erfaßt und etwa 10 Schritte weit zur Seite ge- schleudert, wo er bewußtlos auf der Erde liegen blieb. An- scheinend innerlich schwer verletzt mußte B sofort nach der königl. Charitö geschafft werden. er. Im Wallner-Theater ging am Sonnabend zum ersten Male Rudolf Kneiscl's Schwank„Sie weiß etwas" über die Bühne. Rudolf Kneisel ist rühmlich bekannt durch seinm liebenswürdigen Humor, der, ohne nach auffälligen Pikanterien zu haschen, den Zuschauer angenehm zu unterhalten bestrebt ist. Alle seine lustigen Schwänke und Volksstücke zeigen dieselben treu nach dem Leben gezeichneten Figuren, und wenn der Dialog bisweilen auch nicht vor einem Kalauer zurückschreckt, so ist man nur allzu leicht geneigt, einen solchen über der sprudelnden Fülle wirkich guten Witzes zu vergeffen. Der Schwank, der am Sonnabend zur Feier des 25 jährigen Jubiläums des Dichters aufgeführt wurde, ist luftig aufgebaut, und wenn die Idee, welche demselben zu Grunde liegt, auch gerade nicht von überraschender Neuheit ist, so entschädigt uns dafür in vollem Maße die Frische der vorgeführten Charaktere, die gediegene Durcharbeitung derselben und die lebendige Be> bandlung des Stoffes. Die beiden Hauptfiguren des Stückes, Oekonomierath Hans Möller und Rosa, seine Frau, find prächtig dargestellt. Der Oekonomierath hält fich selbst für einen un- geheuren Schwercnöther und glaubt Grund zu der Annahme zu haben, daß er bei jungen Damen durchaus noch nicht gänz- lich auf gewisse Erfolge zu verzichten habe. Diesmal freilich wird er eines Besseren oder vielmehr eines Schlechteren belehrt, er kommt mit seinen Galanterien diesmal an die Unrechte. Außer dieser Eigenschaft beseelt ihn jedoch ein wahrer Heiden- respekt vor seiner Frau, die ihrerseits wieder ein unfehlbares Mittel in Händen hat, ihren Mann stets unter dem Pantoffel zu behalten. Ihr Zauberwoft: ,FZch weiß etwas" weckt das nach ihrer Anficht in jedem Manne schlummernde böse Gewissen, durch diese Andeutung allein erringt sie von ihrem Manne Alles, sie vermag ihn zu jedem Zugeständniß. Dieses Geheimniß wird dem Oekonomierath noch zur rechten Zeit entdeckt, so daß er wenigstens nicht in die Gefahr kommt, fein eigenes Geheimniß, das der Solotänzerin gewidmete Ge- schenk, preiszugeben. Dieses Geschenk, ein Medaillon, welches der galante Oekonomierath einer in demselben Badeorte an- wesenden Solotänzerin verehrt, bildet den Kernpunkt der ganzen Handlung, es stiftet die seltsamsten Verwickelungen, bis schließ- lich Alles doch zu einem glücklichen Ende geführt wird. Das Publikum nahm den Schwank sehr beifällig auf, aber trotz seiner vielfachen Vorzüge wäre ,'er schwerlich von so durch- schlagendem Erfolge gewesen, wenn ihm nicht die geradezu vor- zügliche Darstellung zu Hilfe gekommen wäre. Herr Guthery Die Dame befahl, schnell das Souper zu reichen und wechselte einen raschen Blick mit dem Diener. Verton nahm den Sitz neben Frau von Vermont nicht an, sondern ließ sich auf einem Tabouret zu ihren Füßen nieder, mehr als iilücklich die kleine zarte Hand in der seinen haltend, während ie mit der anderen, ohne ein Wort zu sprechen, sanft über sein Haar strich und ihn lächelnd betrachtete. Nerton merkte es gar nicht, daß die Dienerschaft ein- trat und die Speisen servirte; er sah nur, daß seine reizende Wirthin winkte, sich wieder zu entfernen. Plötzlich aber wurde er rücklings ergriffen, niedergeworfen, und im nächsten Moment war er schon an Händen und Füße« ge- fesselt. DaS Zimmer hatte sich mit mehr als zwanzig Männern gefüllt, die ihn höhnisch lächelnd betrachteten und grüßten. Die Dame erhob sich und sagte: � Mein lieber Herr Berton. ,ch bedauere recht sehr, daß Sie jetzt verhindert sind, da» Souper mit mir einzunehmen. Sie werden indessen begreifen, daß Sie, der Sie sonst so klug und pfiffig waren, diesmal doch auf etwas einfache Weise sich fangen ließen. Das Weitere wird Ihnen dieser Herr sagen."___ Ein großer vierschrötiger Mann trat vor den Gebun- denen und fragte mit schlecht verhehltem Haffe: „Nun, Herr Detektive, kluger Herr Berton, bm ich Ihnen noch in der Erinnerung?" Berton verlor die Besinnung durchaus nicht; er konnte wohl nachdenklich sein, wenn er mit einem gefährlichen Un- ternehmen ernst umging, war aber die Gefahr erst da, so blieb er stets kalt und ruhig. So entgegnete er auch jetzt: „Gewiß, mein lieber Dixon, ich kenne Euch schon noch. Ihr seid einer der gefährlichsten Internationalisten, ich habe Euch oft genug gesehen, wo Ihr hättet nicht sein �„Ha, ha," lachte der Verbrecher,„da geht es Euch heute mit Euch selbst so, denn Ihr solltet Euch hier wohl auch nicht sehen und seid doch hier, zur Freude dieser meiner Freunde, die jetzt endlich die durch Euch in's Verderben ge« brachten Brüder rächen wollen und die jeder einzeln Euch Fhr hättet auch auf den Rath Eurer würdigen Kollegen hören sollen, die Euch immer zur Vorsicht mahnten. (Schluß folgt.) war vollständig in seinem Element, der etwas leichtfinnige, dabei aber doch ängstliche Oekonomierath ist eine Rolle, die für ihn wie geschaffen ist. Gleiches Lob verdient Frau Carlsen in ihrer trockenen, unnahbaren Würde. Auch Herr Alexander gab den halb übergeschnappten, pedanttschen Gelehrten mit vielem Geschick. Nur Herr Albert als Husarenlieutenant trug etwas zu stark auf, Husarenoffiziere geben fich gewöhnlich doch ganz anders. Die Damen Fräulein Kramm und Meyer spielten recht geschickt und mit Verständniß, dasselbe läßt sich aber nicht von Fräulein Lettem behaupten, die durch blendende Toiletten das ersetzen zu wollen schien, was ihrem Spiel an Anmuth abging. Regie und Ausstattung waren vorzüglich. Im Ostend-Theater ging am Sonnabend, wie bereits erwähnt, die Gesangsposse„Berliner in Kamerun" von A. I. Anders und M. Samst, für welche die Direktion, was Aus- stattung anlangt, alles Mögliche gethan, zum ersten Male in Szene. Eingeweihte sprechen der Posse eine lange Lebensdauer zu, um so mehr, da die Posse alle Ingredienzen befitzt, die zu einem Kassen- und Repertoirstück erforderlich find. Wir Ber- lincr, die wir durch Papa-, Suva- und Singalesen reichlich verwöhnt find, dürften wohl auch Ergötzen daran finden, unsere Landsleute einmal von unseren afrikanischen Brüdern als lebende Schaustücke angestaunt zu sehen, wozu uns das Ostend- Theater die erste, allerdings urkomische Gelegenheit bietet. Hoffen wir, daß Direktion und Verfasser, auf die Lachlust der Berliner spckulrrend, fich bezüglich dieser Posse nicht getäuscht haben. Polizei- Bericht. Am 13. d. M. Morgens wurde ein Mann beim Pasfiren des Geleises der Berlin Potsdamer Bahn in der Nähe des Bahnhofes Schöneberg von der Maschine eines Ringbahnzuges erfaßt und zur Seite geschleudert. Er erlitt dabei an der linken Hüfte und rechten Schulter so schwere Verletzungen, daß er nach der Charit� gebracht werden mußte. — An demselben Morgen machte ein Dienstmädchen in oer Hiftenstraße den Versuch, fich mittelst Oleums zu vergiften und erlitt dadurch so schwere Verletzungen, daß es nach dem Kran- kenhaus im Friedrichshain gebracht werden mußte.— An demselben Tage Nachmittags wurde eine Frau in ihrer Wohnung, in der Teltowerstraße erhängt vorgefunden.— Um dieselbe Zeit wurde ein Dienstmädchen im Thiergarten in der Nähe der Hopfengraben- Brücke, mit nassen Kleidern im Gebüsch sitzend, betroffen und nach der Wache des 32. Polizeireviers gebracht. Die angestellten Ermittelungen haben ergeben, daß dasselbe am Vormittag in selbstmördenscher Abficht in den Hopfengraben gesprungen, nach einer halben Stunde jedoch wieder heraus- gegangen ist, um den Abend dort abzuwarten und fich dann zu ihrer Schwester zu begeben. Gerichts-Zeiwng. Daß man neuen Bekannten gegenüber nicht zu ver- trauensselig sein darf, das haben die in der Pritz walkerstraße wohnenden Schwestem Sch. erfahren müssen. Dieselben hatten im Laufe des Winters in einem Konzertlokal ein junges Mäd- chen kennen gelernt, welches ihnen dermaßen gefiel, daß fie dasselbe aufforderter, fie in ihrer Wohnung zu besuchen. Die neue Bekannte kam dieser Einladung am 20. Juni nach und wurde freundlichst aufgenommen. Kaum hatte der Besuch sich aber entfernt, da machten die Schwestern Sch. die fatale Ent- deckung, daß mit demselben ein goldenes Armband und eine Damenuhr, welche auf dem Pianino gelegen, verschwunden war. Nur die neue Belannte konnte die Diebin sein und auf die sofort erstattete Anzeige erschien bei der- selber auch schon ein Kriminalbeamter, nachdem fie kaum ihre Wohnung betreten. Die Schwestem Sch. erhielten aber keinen geringen Schreck, als ihnen durch die Polzei die Mittheilung wurde, daß ibre neue Freundin nicht, wie diese erzählt hatte, die wohlhabende Kaufmanns- tochter, sondem die Plätterin Emma Trünke war, welche bereits dreimal wegen Diebstahls Gefängnißstrafen erlitten und außer- dem viele Male mit der Sittenpolizei in Konflikt kam. Der Beamte sagte der Verdächtigen den Diebstahl auf den Kopf zu, stieß aber auf energifches Leugnen, worauf die Trünke nach dem Molkenmarkt überführt und in ihrer Wohnung eine Durch- suchung nach den gestohlenen Gegenständen vorgenommen wurde. Diese hatte kein Resultut und auch die Leibesvisitation, welcher die Sistifte unterworfen wurde, schien erfolglos zu sein. Da fah einer der Beamten aus der blätter- und bluthenreichcn Gamitur des Hutes der Trünke, welcher im Vorzimmer lag, etwas Glänzendes hervorschimmern, er ging der Sache auf den Grund und stehe da, in wenigen Augenblicken waren Uhr so- wohl wie Armband ihrem eigenartigen Verstecke entnommen. Die raffinirte Diebin hielt es nunmehr fürs Beste einzuräumen. Gestern lag der dritten Strafkammer des Landgerichts l die Sache zur Be- und Vemrtheilung vor. Die Angeklagte rang die Hände und rief ein über das andere Mal um Erbarmen, als sie den Antrag des Staatsanwalts IV» Jahre Zuchthaus — hörte, der Gerichtshof fand fich aber nicht veranlaßt, eine besondere Milde walten zu lassen, er erkannte auf ein Jahr Zuchthaus, zwei Jahre Ehroerlust und Stellung unter Polizei- aufficht. P. Gin gemeingefährlicher Bettler erschien gestem vor der Ferienstraflammer des Landgerichts il in der Person des Lackirergesellen Ernst Friedrich Wilhelm Radtke, angeklagt wegen Vergehens gegen§176, Abth.3 Str.-G.-B. Der wegen Bettelns sowie wegen Sittlichkeits-Verbrechcns wiederholt vor- bestrafte Mensch trieb fich im vergangenen Monat bettelnd in der Nähe von Spandau umher. Auf der Hamburger Chaussee daselbst lockte der ruchlose Patton ein 9jährtges Mädchen an sich und bcwog dasselbe unter Versprechungen, ihm nach dem nahebelegenen Exerzier-Platze zu folgen. Von einer Frau, welche in der Nähe auf ihrem Acker mit Feldarbeiten be- schäftigt war und rechtzeitig herbeieilte, ward jedoch das Vor- haben des Angeklagten, der das Kind schon in ein Kornfeld geschleppt, vereitelt. Zur Haft gebracht legte Radtke, dem Ge- richts-Assessor Dr. Beyer in Spandau behufs seiner Vernch- mung vorgeführt, sofort ein Geftändniß ab. Dies widerrief er jedoch im Audienz-Termin. Durch die Beweis. Aufnahme für vollständig des Bettelns sowohl als des Verbrechens weder die Sittlichkeit für überführt erachtet, wird der Angeklagte mit Rückficht auf seine Gemeingefährlichkeit zu 5 Jahren Zuchthaus und Ehrvellust verurtheill, sowie außerdem wegen Betteln zu vier Wochen Haft und Ueberweisung an die Landcspolizei- behörde. In der, an die Hasenhaide stoßenden Rixdorfer Gemar- kung spielen fich oft eigcnthümliche Szenen ab, denn jene Gegend ist em Haupttummelplatz für lichtscheues Gestndel. Am 23. Februar stand eine Gruppe Leute hinter der Bergbrauerei in einem lebhaften Gespräch zusammen. Ein ältlicher, weißhaariger Mann verlangte von einem jüngeren, der sich in stark angc- ttunkenem Zustande befand, daß derselbe ihm ein früher ge- gebenes Darlehen zurückerstatte und der Schuldner erwiderte mit lallender Stimme, daß er keine„Plante" besttze.„Und ich weiß, daß Du Geld haben mußt," beharrte sein Gläubiger, der im Zuchthause ergraute Schuhmacher Wilhelm Trowitzsch. Der Trunkene griff in die Tasche und holte eine Hand voll Geld heraus. Einige Goldstücke fielen auf die Erde. Mit welcher Zuvorkommenheit bückten fich die Umstehenden! Der Trunkene, der Ardeiter Johann Wenzel, erhielt aber das Geld wieder zurück. Diese kleine Episode war von den Arbeitern Kopsch, Bellina und Meier beobachtet worden, welche in einiger Entfernung davon im Grase Siesta hielten. Diese erzählen die nun folgenden Vorgänge folgender- maßen: Kopsch soll zuerst auf jene Gruppe aufmerksam ge- macht haben, die hätten das viele Geld gewiß gestohlen und eigentlich müßten fie angezeigt werden. Seine Begleiter spen- Veten diesem Vorschlage Beifall und insgcsammt wandten fie sich der ersten Gruppe, aus den beiden bereits erwähnten Per« sonen, dem Schlächtergesellen Carl Schulz und dem Arbeiter Wilhelm Schulz bestehend zu.„Ihr habt gestohlen und wir werden Euch alle machen"(d. h. anzeigen) soll Kopsch ihnen zugerufen haben. Im nächsten Augenblick erhielt er einen Schlag von Trowitsch und gleich darauf waren die Messer gezogen und eine allgemeine Rauferei im Gange. Die Partei Kopsch unterlag, dieser selbst wurde nickt nur gründlich verhauen, sondern will auch seines Portemonnaies mit 1,20 M. Inhalt beraubt worden sein. Die Sieger find einige Stunden darauf sämmtlich in Rixdorf verhaftet worden und hier hat Carl Schulz aus freien Stücken das Portemonnaie des Kopsch herausgegeben, welches er auf dem Kampfplatze gefunden haben will. Fn Folge dieser Vorfälle ist gegen Trowitsch und seine Genossen Anklage wegen Körperverletzung und Raubes erhoben worden, die gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts �.verhandelt wurde. Aber dem alten Zuchthäusler Trowitsch begegnete etwas höchst sellsames, er und seine Mitangeklagten wurden sämmtlich frei- Sc sprachen. Die Ermittelungen nach der Quelle des GeldeS aben etwas Belastendes nicht ergeben und hatte die Behaup- tung der Angeklagten, daß die Gegenpartei einen Erpressungs- versuch gemacht und von dem vermeintlich gestohlenen Gelde ein 20 Markstück gefordert hatte, soviel für sich, daß der Ge- richtshof die Sachlage nicht für aufgeklärt erachtete. P. Vater und Sohn— die einander völlig ebenbürtig — traten gestern vor die Schranken der Feriensttafkammer des Landgerichts il. Beide, der Ackerpächter Traugott Eduard Löber, 40 Jahre all, aus Britz und dessen Sohn Johann, 13 Jahre alt, verübten in Gemeinschaft mit dem früheren Schlosser, jetzigen Ärbeitsmann Friedrich Nelte am 13. Dezember v. J- einen Einbruch bei dem Gärtner Theodor Wunder in Buckow. Während die Wunder'schcn Eheleute an dem genannten Tage, einem Sonnabend, zum Wochenmarft nach Berlin gefahren waren, drang das Kleeblatt in die Wunder'sche Wohnung ein. Die abgesonderte Lage des Hauses erleichterte den Dieben die Arbeit und nachdem sie mittelst Eindrückens einsr Fensterscheibe fich Eingang verschafft, verließen fie unter Mitnahme von Klei- dungsstücken, Bettwäsche, Goldsachen und 2 Mark baares Geld den Ort ihrer Thätigkeit. Der Verdacht der Wunder'schcn Ehe« leute fiel zwar sogleich nach der Wahrnehmung ihres Verlustes auf Löber, allein es fehlte vorläufig an jeglichen positiven An- halt, um dem Verdacht Worte verleihen zu dürfen. Da ttaf an einem Sonntag Morgen im Juni d. I.— also fast Dreivierteljahr später— der Bestohlene Wunder den Löber auf der Chaussee und dabei gewahrte der erstere, daß der Letztere ein Paar graue Beinkleider trug, die seit dem Tage des Diebstahls abhanden gekommen waren. Wunder machte sofort dem Orts- Gendarmen Anzeige und bei einer unverzüglich vorgenommenen Haussuchung fand man eine Bettdecke, Bettwäsche und eine Zigarrentasche, welche Gegen- stände Wunder als die seinigen bezeichnete. Löber leugnete, ebenso der als Mitthäter ebenfalls sofort verhaftete Nelte, an welchen Löber seinen Sohn Johann, den Mitangeklagten ins« geheim mit der Nachricht von der erfolgten Haussuchung gc sandt, um denselben rechtzeitig zu warnen. Inzwischen war aber auch Johann Löber nicht unthätig gewesen und hatte, der von seinem Vater erhaltenen Direktive gemäß, auf eigene Faust gehandell. Von einem vor dem Güldener'schen Gasthofe hol- tenden Wagen hatte der Junge eine Pferdedecke gestohlen und dieselbe seinem Vater gebracht. Im Audienztermrn bewies der Angeklage Nelte trotz seiner hinterlisttgen lügenhaften Ilm- schweife ein großes Maß von Unverstand. Ohne jegliche Veranlassung tischte er dem Gerichtshof eine erdichtete Geschichte auf, mittelst welcher er fich aber erst recht selbst de« lastete. Er erwähnte dabei eines Trauringes, den Löber ihm, dem Nelte, zum Verkauf übergeben haben solle; dies hatte nun zur Folge, daß die drei Angeklagten unzweifelhaft überführt wurden. Denn ein Ring, wie ihn der Angeklagte Nelte nro großer Offenherzigkeit beschrieb, war den Wunderschen Ehe- leuten gestohlen worden.— Auf Grund der übereinstimmenden Zeugenaussagon erachtete der Gerichtshof sämmtliche Ange- klagte für fchuldig; Johann Löber erhielt mit Rllckficht aus seine Jugend nur vier Monate Gefängniß. Gegen Nette lau- tete das Urthcil auf 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus, zwei Jahre Ehrverlust; Löber(der Vater) dagegen wurde mit Rücksicht auf seine Eigenschaft als Ansttifter und Hehler wegen Dieb« stahls zu vier Jahren Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht verurtheilt. Der Redakteur des„Kleinen Journal" Julius Spitz- hatte fich gestern wegen eines Verstoßes gegen das Preßgesetz vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. In der Nummer vom 29. Juni d. I. der genannten Zeitung befand fich an erster Stelle eine Wiedergabe der An- llageschrift gegen den Mörder des Polizeiraths Rumpf in Frank- furt a./M. und da dieser Prozeß erst an jenem Tage zur Haupt- Verhandlung gelangte, so war dadurch dem Preßgcsetze, welches eine vorzeitig Beröffenllichung der Anklageschrift verbietet, zu- widergehandelt worden. Herr Spitz räumte ein, daß ihm das betreffende Verbot bekannt sei, er habe aber nicht geglaubt, jj® strafbar zu machen, weil die Verhandlung in Frankfurt aJ™- zwei Stunden später stattfand, nachdem das Blatt zur Per- öffentlichung gelangt war. Es sei daher nicht denkbar, daß der inlriminirte Artikel auf den Gang der Verhandlung einen na«- theiligen Einfluß hatte ausüben rönnen. Da ihm der Aftilft in gedrucktem Zustande aus Frankfurt zugesendet worden," mußte er annehmen, daß die dortigen Zeitungen denselben ebcv- balls in der Morgennummer am Tage des Prozesses Lies" fringen würden. Der Staatsanwalt hielt diese Einwendunge» nicht für stichhaltig, sondern beantragte eine Geldstrafe voU 50 Mark cvent. 5 Tage Haft, der Gerichtshof faßte die Sacbr aber milder auf und erkannte nur auf 20 Mark eoent. 2 Zw Haft._ Uereine und Persammlungelt. Die Damen Cantius, Pötttng und Walter übersenden uns ein umfangreiches Schriftstück, in welchem wir unter-sf zugnahme auf den so vielfach gemißbrauchten§ 11 des Retcss preßgesctzes aufgefordert werden, Dinge zu„berichtigen", wir niemals behauptet haben. Wir hatten in unserem Ben»' über die Vorgänge in der letzten Frauenversammlung übn einstimmend mit allen übrigen Zeitungen mitgetheilt, daß � erst der energischen Intervention des Lokalbefitzcrs bedurfte, um die drei oben genannten Damen zum Verlassen des Saa>e° zu zwingen. Dies soll nach der uns übersandten„Berichttgwlsi nicht wahr sein, und wir wollen hier nicht verfehlen, zu'*!% statiren, daß die Aufforderung zur Räumung des SaaleS � sehr„gemülhlicher Weise" vor fich gegangen tst. Zu Nutz ur» Frommen aller Derjenigen, welche fich zu Belichtungen v? anlaßt fühlen, lassen wir hier den berühmten§ 11 des Pttß gcsetzes folgen, damit Jeder wisse, worauf fich Berichtigung� allein zu beziehen haben. Der§ 11 lautet:„Der verantivo� lichc Redakteur einer periodischen Druckschrift ist vervflubfft eine Berichtigung der in letzterer mitgetheilten Thatsachen au Verlangen einer bctbeiligten öffentlichen Behörde Privatperson ohne Einschaltungen oder Weglast� gen aufzunehmen, sofern die Berichtigung dem Einsender unterzeichnet ist, leinen strafbaren Inhalt s und fich auf thatsächliche Angaben befchränkt."L Abdruck muß in der nach Empfang ver Einsendung na»> folgenden, für den Druck nicht bereits abgeschlossenen Nutn» und zwar in demselben Theile der Druckschnft und mit selben Schritt, wie der Abdruck deS zu berichtigenden Artu geschehen. Die Aufnahme erfolgt kostenfrei, soweit nicht. Entgegnung den Raum der zu berichtigenden Mitihetlung"iVg schreitet: für die über dieses Maß Hinausgehenden Zeilen> V die üblichen Einrückungsgebühren zu entrichten." Trotz, j, aber find wir nicht abgeneigt, Erklärungen der beiden oem ügten Parteien Raum zu geben. Wic stehen dem leider aus» gebrochenen Streit vollstänoig unparteisch gegenüber, aber wir müssen doch entschieden darauf halten, daß wir nicht mit Auf- forderungen behelligt werden, denen nachzugeben wir in keiner Weise verpflichtet find. Zu der bekannte«„Berichtigung" des Herrn Rödel erhalten wir noch folgende Zuschnst, welche den Werth der Berichtigungen des Herrn Rödel in ganz eigenthümlicher Weise illustrirt.„In Nr. 212 Ihres geschätzten Blattes", so heißt es in der Zuschrift,„berichtigt Herr Rödel u. A., daß er vor dem Untersuchungsrichter nicht zugegeben habe, die m) M. für den Wintergarten nicht gezahlt zu haben, da er rom Untersuchungsrichter nicht vernommen worden sei. Ich sowie die Herren Mente, Sackwitz und Glocke wurden von dem Kriminalkommissar Herrn Trommer am 29. Juli in dieser An- gelegcnheit vernommen, und der Herr Kommissar las uns die Aussage Rödels vor, worin es hieß, daß der Wintergarten nichts koste und es die anderweitige Ver- Wendung des Geldes verschwiegen habe, damit nicht unter den Tischlern darüber gesprochen werde. Mit Hochachtung Otto Hülsenbeck, Borfigstr. 25". Herr Rödel ist also jedenfalls ver- antwortlich vernommen, daß der Referent in jener Bersamm- lung die polizeiliche Vernehmung mit der vor dem Unter- suchungsrichter verwechselte, ist wohl keine so große Sünde, daß Herr Rödel sofort unter Berufung auf das Preßgesetz unb unter Angade seines vollen Titels eine„Berichtigung" fordert. vo etwas nennt man Wortklauberei, und an der Sache wird hierdurch doch absolut nichts geändert. Der Fachverein der Steinträger hielt am Sonntag Bormittag seine ordentliche Mitgliederversammlung in Grat- wcils Bierhallen, Kommandantenftr. 77/79 ab. Der erste Ge- genstand der Tagesordnung war:„Rechnungslegung über lammtliche eingelaufenen und ausgegebenen Gelder während des Streiks," und„die Unterstützungsfrage." Hierzu ertheille der Vorsttzende Herr Rcnnthaler dem Kasstrcr der Lohnkom- wisfion Herrn Nöthina das Wort zur Berichterstattung. Die Einnahme ergab die Summe von 1826 M. 20 Pf.; die Ausgabe 550 M. 40 Pf., so daß ein Bestand von 1275 M. 80 Pf. »crblieb. Der Vorsttzende theilte darauf mit, daß man den verbleibenden Fonds anlegen werde, gleichsam als„Grundstein des Vereins". Es sei jedoch Pflicht, darnach zu ttachten, den MNds möglichst zu erhöhen, für den Fall, daß widerum ein «treik ausbrechen sollte, was immerhin leicht möglich wäre. Tann würde man nicht so hilflos dastehen, wie es bis dato der Fall gewesen. Femer schlug Redner vor, während derSommer- wonate noch einen Extra-Beittag zu erheben. Hierüber entspann nch eine längere Debatte. Die Herren Unterlauf und Nöthing weinten, man solle den angedeuteten Zweck durch wöchentliche Sammlungen bei Mitgliedern und Nichtmitgliedern des Vereins Vesser erreichen. Herr Rennthaler hieß dies einestheils für sehr gut, doch könnte der Verein dadurch geschädigt werden, weil dann viele NichtMitglieder bei einer vielleicht nur einmaligen Beisteuer von 50 Pf. dasselbe beanspruchen würden als Mit- glieder, die vielleicht 10 M. beisteuerten. Würde man seinen Borschlag annehmen, so würden noch viele Kollegen gewillt pn, dem Fachverein beizutreten, dann könnte man aber auch wgen, wer nicht Mitglied des Vereins ist, hat keine Rechte aus Unterstützung. Auch Herr Tischler Zubeil, welcher an- wesend war, bat, einige Worte darüber äußem zu dürfen. Der- leibe legte es den Versammelten ans Her,, nur im Interesse des Vereins zu handeln, er rathe nur die Mitglieder )u unterstützen, die ein Interesse an der Sache haben. Es wurde einstimmig beschlossen, daß die Mitglieder eine Beisteuer von 50 Pf. monatlich zu enttichtcn haben. Hierauf wurden �Mitglieder zur Fachlommisston, sowie 4 Revisoren gewählt. Dann sprach in Sachen der Organisation Herr Tischler Zubeil. Derselbe führte aus, daß man das Koalitionsrecht dazu benutzen müsse, feste Organisationen zu schaffen. Durch ganz Deutschend müsse der Ruf erschallen:„Arbeiter organifirt Euch" ohne Organisation keine Existenz, ssman müsse fich die englischen Arbeiter Mm Borbllve nehmen, dieselben hätten viel für ihre Mitglieder ge- lchaffen. Redner führte weiter aus, daß der Beruf der Steinträger trade der schwierigste ist, weil er vielfach von anderen rauchen abhängig sei. Jede Korporation müsse fich eine feste Verbindung schaffen, in welcher Liebe, Freude und Eintracht Unter den Mitglievem walten. Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen: Die heutige Mitgliederversammlung, des Fachvereins der Steinträger Berlins verpflichtet fich, im ullen gesetzlichen Mitteln dahm zu wirken, daß der Verein Kroß und stark werde, um durch ihn etwas Posttives zu er- Ugen. Zu Verschiedenes wurde der Antrag gestellt einem zailgliede, welches schon wochenlang krank ist, eine, Unter- Atzung zu gewähren. Derselbe wurde einstimmig angenommen Ud 20 M. bewilligt. Ferner wurden noch Iden Veltener Töpfern, die fich seit 21 Wochen im Streik bestndten 50 M. dvvilligt. . Eine öffentliche Versammlung der Fabrik- und Nndarbeiter tagte am Sonntag, den 13. September cr„ in anssouci Kottbuserstr. 4 a. Herr Reichstagsabgeordneter Paul ßpC.* V"'*'v*v*v 1—'—------------, u JvPcht wurde, haben wir uns nicht gekümmert um das laffT�n anderer Parteien, sondern haben uns nur leiten beb» unserer eigenen Uebcrzeugung. Immerhin sei es K.z uorlich, daß von den tausend und abermals taufenden von so„ itn' welche fich nach einer Erleichterung sehnen, fich ein iiöif t?" Theil von einer Verbindung mit ihren Kollegen fern ni-u �der einzelne möge bedenken, daß dieses Fernhalten tpS zu seinem Vortheil, sondern nur zu seinem Schaden ge- H,we. Redner besprach dann die einzelnen Punkte, welche in Arbeiterschutzacsetzentwurf enthalten find: Regelung der sD'°ngniß- und Zuchthausarbeit, Regelung der Frauen-, Ab- Cfmg der Kinderarbeit, Einführung veS Normalarbeits- z,?? und der Sonntagsruhe. Der Herr Referent schloß nach Ä�.uundiger Rede seinen Vortrag unter nicht endenwollendem der Versammelten. Darauf sprachen die Herren Otto h.,"' Mitan und Paul Schulz in demselben Sinne und schloß sawÄ ket Vorsitzende, Herr Ahlfeldt, diese so interessante Ver- Rth?iun9- Bicle Anwesende, welche fich noch nicht um den h!."'vrschutzgcsctzentwurf gekümmert hatten, zeichneten fich in ausgelegten Petitionslisten ein. iunb �ine öffentliche Versammlung der Buchbinder Li»?. � Sonnabend, Alte Jakobstr. 75 unter Vorsitz des Herrn fcet i uatt. Herr Kindermann referirte über„die Leistungen Z„.�'�ökaffen gegenüber der Lrtskasse." Er beleuchtete die di- �ublicklich für Buchbinder bestehenden Krankenkassen— und Alle_ 0_ Kilfskasse)- und die Allgemeine Kranken- sEina��.laffe der Buchbinder und verwandten Berufsgenossen luiifiten ne6ene HißSkaffe.) In die Ortskasse, so führte er aus. Kass-"5"e die aufgenommen werden, welche sonst in keiner ! cs wäre keine Altersgrenze, keine Prüfung der Satütoi t vorgeschrieben; in Folge dessen würde die Kasse b,»-bedeutend in Anspruch genommen und geschwächt. °on M.HilfSkassen erfolge dre Aufnahme nur nach Einbringung Die Lrtskasse gewahre ihren Kranken neben der aber!??ung freien Arzt und freie Medizin; wie hi, ffl-merfsänfe für ihre Kranken man wisse ja sorgten. Die MMWßWG WM« In der Zentralkaffe hätte allvierteljährlich eine General. und die eingeschriebene anz demokratisch. lasse leiste für einen monatlichen Beitrag von 1,50 M. freien Arzt und Medizin und eine wöchentliche Unterstützung von 9 M„ ferner ein Begräbnißgeld von 75 M. Die Zentralkasse gebe I. für einen Wochenbeilrag von 40 Pf.— 15 M. wöcheni lich, II. für einen Wochenbeitrag von 25 Pf.— 11,40 M. wöchenttich, an arbeitsfähige Kranke zahle fie per Woche 3 M. Das Begräbnißgeld betrage in der I. Klasse 70 M-, in der n. Klasse 60 M. Die Hilfskaffe Nr. 24 zahle für einen wöchent« liehen Betrag von 40 Pf.— 15 M. per Woche, für 30 Pf. - 12 M. An arbeitsfähige Kranke 4,80 resp. 3,90 M. Für einen Extrabeitrag von wöchentlich 5 oder 10 Pf.— 90 resp. 150 M. Begräbnißgeld. Was die augenblicklichen Kassenver- hältnisse anbeträfe, so bedauerte Redner, daß er über die der OrtSkasse nichts mittheilen könne, da fie wie ein Geheimniß bewahrt würden. Die Zenttalkasse habe bei 7676 Mitgliedern am 1. Juli einen Kassenbestand von 29 366 M-, also pro Mitglied 4 M. gehabt; die Kasse Nr. 24 bei 133 Mitgliedern für September auf das Mitglied sogar 18 M. Ein großer Vorzug der Hilfskassen läge noch darin, daß das kranke Mitglied seine Unterstützung auch für den Tag oer Krankmeldung erhielte. Im Anschluß an diese Auseinandersetzungen ermahnte nun der Redner die Anwesenden, aus der Lrtskasse aus zutreten und fich an die Hilfskassen anzuschließen. Die Herren Suter und Hoffmann traten für die Ortskasse ein und bemühten fich besonders, die segensreiche Einrichtung deS freien Arztes und der freien Medizin hervorzuheben. Herr Suter betonte, daß fie nur arbeitsfähige Mitglieder aufnehmen und daß die Ortskasse jetzt schon 500 Mitglieder mehr als am 1. Januar aufwiese, obwohl man ihr ein schnelles Ende prophe- zeiht hätte. Als darauf ein Herr Lindstädt ebenfalls zu Gunsten der Ortskasse sprechen wollte, wurde er von Zwischenrufen und Gelächter so unterbrochen, daß der Vorfitzende ihm daß Wort entziehen mußte. Hierauf sprach Herr Jost über die Vortheile der Hilfskassen. Seine Ausführungen gipfelten darin, daß jeder Arbeiter aus prinzipiellen Gründen, um selbstständig zu bleiben, in dieselben eintreten müßte. Nachdem fich der Referent dahin geäußert hatte, daß wer nach den heutigen Auseinandersetzungen nicht für Hilfskassen wäre, überhaupt nicht mehr»u kuriren sei, wurde folgende Resolution angenommen:„Da rm Prinzip der freien eingeschriebenen Hilfskassen den Arbeitern das Selbst- bestimmungsrecht gewahrt wird, da ferner die Gleichberechtigung der Mitglieder voll und ganz zur Geltung kommt, und da ferner in Bezug auf die Leistungen der Kassen die der Hilfs- lassen vorzuziehen find, so verpflichtet fich die Versammlung, mit allen Kräften für die Ausbreitung der freien Hilfskassen einzutreten. td. Zu einem lebhaften Meinungsaustausch zwischen dem Vertreter des 10. Kommunal-Wahlbezirks, Herrn Stadtverordneten Echeiding und einer von der Arbeiterpartei ein- berufenen Kommunalwähler-Versammlung kam es am 13. d. M. in Habel's Brauerei. Der Referent der Versammlung, Herr Medailleur Krohm, wandte fich in seinem Vorttage zuerst dem Dreiklassenwahlsystem zu und verlangte vor allen Dingen das allgemeine gleiche und direße Wahlrecht an dessen Stelle gesetzt, anführend, oaß bei den Reichstagswahlen 100 000 Wähler mehr wahlberechtigt seien, als bei den Kommunalwahlen. Diese von ihrem Wahlrecht ausgeschlosseneu Personen würden aber ver- hältnißmäßig am meisten zur Steuer herangezogen, da im All- gemeinen der Unbemittelte mehr Steuern zahle als der Be- mitteile, weshalb es fich empfehle, alle Steuern durch eine progresfive Einkommensteuer zu ersetzen. Beweis für seine Be- hauptungen sei die gleichmäßige Erhebung von 6V, pEt. Miethsstcuer. Wie unverhältnißmäßig schwer dadurch gerade der Unbemittelte belastet werde, ginge Deutlich aus den statisti> schen Angaben hervor, welche Professor Schwabe gemacht. Dar- nach bezahlten von ihrem Gesammteinkommen an Miethe: die Unbemittelten 20—25 pEt., der Mittelstand 10—15 pCt., die Bemittelten 1—5 pCt. Eine Reform der Miethsstcuer sei also dringend nothwendig. Die Einnahmen der Stadt beruhten aber nicht allein auf Steuern, sondern auch auf industriellen Unternehmungen. Je mehr diese einbrächten, desto mehr könnte die Einkommensteuer herabgesetzt werden. Es sei daher sehr wünschcnswerth, daß die reichen Einnahmen der englischen Gasgesellschaft der Stadt zufielen. Wie hoch dieselben seien, könne man daraus entnehmen, daß die englische Gasanstalt freiwillig jährlich 400,000 Mark an die Stadt zahle, für deren Verpflichtung, die Gasprerse nicht zu erniedrigen. Ebenso seien die Pferdebahnen in Händen von Privatgesellschaften, welche daraus bedeutenden Gewinn zögen: desgleichen die Be- bauung der Kaiser Wilhelmsttaße, welche die Stadt sehr wohl hätte allein ausführen lassen können. Jetzt verdiene auch hier wiederum eine Privatgesellschaft Millionen. Das vielgerühmte Sparsystem sei bei der Normirung der Gehälter für hohe Be- amte gar nicht in Betracht gezogen worden. Pflicht der neu- zuwählenden Stadtverordneten würde es vor Allem sein müssen, das finanzielle Interesse der Bürgerschaft mehr zu wahren und den Daumen fester auf dem Beutel zu halten. Auf dem Ge> biete des Schulwesens hätte die städtische Verwaltung nicht mehr gethan, als wozu fie gesetzlich verpflichtet sei. Der un- entgeltliche Schulunterricht sei ein Phantom, denn cs sei voll- ständig gleichgiltig, ob man in Form von Schulgeld, oder in Form von Miethsstcuer seine Abgaben entrichte, deshalb sollen auch die höheren Lehranstalten Unbemittelten zugänglich gemacht werden durch unentgelllichen Besuch. Die Gememdcschulen müßten Vorschulen zu den höheren Schulen und jeder Knabe gehalten sein, diese zu besuchen und durch ein Examen den Befähigungsnachweis für die höheren Lehr- anstalten zu erbringen. In sanitärer Hin ficht sei ebenfalls nichts mehr gethan worden, als die Pflicht, und diese noch nicht ein- mal vollkommen, da andere Städte Berlin voraus seien. Für Sanitätswachen und Volksbäder sei kein Geld vorhanden, wohl aber für unwichtigere Zwecke. Referent schloß seinen Vortrag mit einem Appell an die Wähler, eine möglichst große Anzahl Vertreter seiner Ansichten in das städtische Parlament zu wäh- len. In Erwiderung der Ausführungen des Referenten nahm der Stadtverordnete Scheiding das Wort. Derselbe gab seiner lebhaften Freude darüber Ausdruck, fich in einer Versammlung aussprechen zu können, in welcher, wie er vermuthete, Viele anwesend seien, welche ihm vor zwei Jahren ihre Stimme gegeben haben. Auch er würde es nur mit Freuden begrüßen, wenn noch mehr Vertreter der Arbeiterpartei in das Stadtver- ordneten-Kolleaium gewählt würden, da von den bisherigen Vertretern viele gute Anregungen ausgegangen seien, voraus- gesetzt, daß dieselben fich recht regelrecht und aktenmäßig über die Vergangenheit informiren. Betreffs der englischen Gas- anstalt würde er der Meinung des Referenten sein, wenn mit der Gesellschaft so leicht gebrochen werden könnte. Als die Gasbeleuchtung in Berlin eingeführt werden sollte, seien unsere Vorfahren sehr ängstlicher Natur gewesen und hätten das„große" Unternehmen gescheut. Natürlich hatte die englische Gesellschaft ein Privilegium für fich in Anspruch ge- nommen- Der Vertrag sei übrigens keineswegs auf ewige Zeiten abgeschlossen und würde es Sache der Bürgerschaft sein, nach Ablauf des Vertrages eine Aenderung zu treffen. Auch die angeführte Mehrbelastung des armen Mannes sei nicht zutreffend. Früher habe derselbe ebenfalls Miethsstcuer zahlen müssen und außerdem noch das unbequeme Schulgeld, welches jetzt in Wegfall gekommen sei. Mit den Gememdcschulen als Vorschulen zu den höheren Lehranstalten könne er fich nicht ein- verstanden erklären. Man könne nicht lauter akademisch gebil- dete Bürger erziehen, sondern müsse auch auf das praktische Leben Rücksicht nehmen. Er gäbe zu, daß die höheren Schulen jetzt vielfach von Unfähigen besucht würden; durch die Mittel- schulen sollten künftig die höheren Schulen entlastet werden, indem auch fie zum einjährigen Militärdienst berechtigen sollen. Daß die Miethsstcuer in ihrer jetzigen Gestalt nicht beibehalten werden könne, erkenne er an und sei bereits auch von ihm ein Antrag auf Reform der Miethsstcuer sowohl, als der gesammten städtischen Steuern gestellt worden und halte er auch er für das Beste eine progresfive Einkommensteuer mit obligatorischer Selbsteinschätzung. Während seiner dreißigjährigen Thätigkeit als Stadtverordneter habe er es sehr häufig erlebt, daß durch ocn wenigen Muth der Stadtverordneten-Versammlung, resp. durch Nichtbewilliaung einer Summe die Stadt geschävigt worden sei, z. B. Einführung der Wasserleitung, deren Errichtung die Stadt mit großen Opfern den Engländern abkaufen mußte.(8 Millionen Thaler.) Zu gewissen Zeiten müsse man fich auf den Etandpuntt stellen, erne Summe zu bewilligen, anstatt zu verweigern. Die sogenannten„produktiven Unternehmungen" hätten aber der Stadt noch keinen Vortheil gebracht, und er glaube nicht, daß die Stadt die Bebauung der Kaiser-Wilhelm- straße so ausnutzen könne, wie eine Privatgesellschaft. Ebenso sei es mit den Pferdebahnen, woraus der Stadt ganz erheb- liche Vortheile erwüchsen. Die Gesellschaften würden in hohem Maße zur Pflasterung der Straßen herangezogen, hätten der Stadt große Abgaben zu zahlen, wogegen dieser die Festsetzung der Tarife zustehe. Auch er halte ein allgemeines gleiches und direttes Wahlrecht für wünschcnswerth bei den Kommunal- wählen und sreute fich, in Arbeiterkreisen ein so reges Interesse für kommunale Andelegenheiten zu finden. Angesichts seines hohen Alters würde er sehr gern auf eine abermalige Kandi- datur verzichten, wenn, aber nur in diesem Falle, von der Arbeiterpartei ein Mann aufgestellt werden würde, welcher die Interessen der Bürgerschaft voll und ganz zu vertreten im Stande sei. Es entspann fich nunmehr eine lebhafte Dis- kusfion, in der namentlich Herr Krohm seine Ansichten ver- theidigte, sowie Herr Scheiding von verschiedenen Seiten inter- pellirt wurde- Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an:„Die beute, Sonntag, den 13. September, in Habels Brauerei tagende Kommunalwähler-Versammlung er- klärt fich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verpflichtet sich, mit allen gesetzlichen Mitteln dafür Sorge tragen zu wollen, daß im 10. Bezirk ein Vertreter der Ar- beitei Partei bei der bevorstehenden Ersatzwahl zum Stadt- verordneten gewählt wird." bk». Die öffentliche Versammlung der Manrer, welche am Sonntag in der„Tonhalle" unter dem Lorfitze des Herrn Behrend tagte, war von ca. 1400 Theilnehmern besucht. Zunächst erstatteten die Herren Geisler und Schilling, zwei der früheren Revisoren, Bericht über die stattgehabte Kassen-:c,- Revision, bei der, wie fie erklärten, bis auf Das in der vorigen Sonntagsversammlung zur Sprache gekommene Manko im Betrage von 33,80 Mr. Alles ordnungsgemäß befunden worden sei. Herr Bock, einer der jetzigen Revisoren, theilte in Bezug darauf noch mit, daß er bereits bei seimem Ämtsantritte dieses Manko mit übernommen und der Kasfirer Schulz fich dabei zur event. Deckung desselben bereit erklärt habe. Die Gesammteinnahme des General- oder Etreikuntcrstützungsfonds belaufen sich auf 41,746 M. 15 Pfg., die Ausgaben auf 29,021 M. 15 Pfg. und der jetzige Bestand auf 12,725 M.— Nachdem sodann der Vorsitzende gegen die erstgenannten beiden früheren Revi- soren wegen ihres die der Kommisston ohne jeden Grund ver- dächtigenoen Verhaltens vor acht Tagen scharf tadelnd fich ausgesprochen, ging man zum zweiten Punkt der Tages« ordnung, betteffend die Ortskrankenkasse und die freie Hilfs- Zentral Krankenkasse der Maurer rc., über. Der Referent, Vorsitzender Behrend, und die Herren Dietrich und Bock de- leuchteten die Vortheile der letztgenannten Kasse gegenüber der erstgenannten, welche schon jetztan einem Defizitvon 32, OOOM.leide. Beim dritten Punkt der Tagesordnung verlas der Vorsttzende verschiedene Notizen der„Baugcwerks-Zcitung", wonach von auswärts fortgesetzt ein starker Zuzug von Arbeitskräften nach Berlin stattfinden solle. Das möge zum Theil richtig sein, sei aber lediglich das Werk der Jnnungsmeister. Das ewige Lamento derselben, daß fich noch immer ein Mangel an Ar- beitslräften hier fühlbar mache, locke die Maurer aus der Pro« vinz hierher, wo man fie häufig gar nicht gebrauchen könne. Ob diese Leute dann hungernd fich hier herumtreiben müssen, da- rum bekümmere fich leider Niemand. Unter allen Umständen würde der Lohnkampf im nächsten April neu beginnen, wenn nicht allgemein ein täglicher Lohn von 5 M. gewährt werden sollte. — Laut Mittheilunacn einzelner Redner stehen auf einzelnen Bauten, so beim Maurermeister Noack(auf dem Bau in der Brückenstraße) und beim Maurermeister Leist(auf dem Ka- sernenbau in der Chausseestraße) Lohnherabsetzungen einerseits und Arbeitsniederlegungen andererseits bevor, weshalb an alle Maurer das dringende Ersuchen gerichtet wurde, daselbst nicht in Arbeit zu treten und allen Zuzug fernzuhalten. Von sonsti- ten Mittheilungen des Vorsitzenden ist noch zu erwähnen, daß is zu Ende dieser Woche die gedruckte Abrechnung über den Streiffonds zur Ausgabe gelangen soll. Auch empfahl er allen Berliner Maurern das Abonnement auf das„Berliner Volks- blatt" und den„Bauhandwerker". de. In der Kommunalwiihler-Versammluna. welche am Sonntag im„Weddingpark', Müllerstraße 178, unter Vorfitz des Herrn R. Schulze stattfand, referirte Herr Kunkel über die devorstehenden Stadtverordnetenwahlen. In längerer, beifällig aufgenommener Rede besprach er das Programm der Arbeiterpartei, kritifirte das Verhalten der liberalen Majorttät sowie der Stadtverordnetenversammlung den Interessen der arbeitenden Bevölkerung Berlins gegenüber und schloß mit Mahnung, auch im 28. Wahlbezirk mit aller Kraft in die Agitation einzutreten und für die Wahl von Arbeiterkandidaten zu wirken.— An der Diskusston betheiligten fich in Ueber- einstimmung mit den Ausführungen des Referenten die Herren Ballmüller, Bernstein und Nicolai. Nach einem Schlußwort des Referenten gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die heutige Kommunal-Wähler-Versammlung erklärt fich mit der Haftung des Verteters des 38. Bezirks nicht einverstanden und verpflichtet fich deshalb, in die Agitation für die Wahl eines Arbeiter-Vertreters bei der bevorstehenden Ergän- zungswahl mit allen gesetzlichen Mitteln einzutreten. Kr. In der öffentlichen Versammlung der Maler, welche am Sonnabend bei Gratwcil unter dem Vorfitze des " crrn Retzerau stattfand, berichtete Herr Schweizer über die die onntagsarbeit beireffende Vernehmung auf dem Polizei-Prä- fidium, welcher er als Vertreter des Gauvereins der Berliner Maler beigewohnt hat. Indem er einer jeden der Antworten, die er auf die vom Gewerberalh Herrn v. Stülpnagel gestellten fünf Fragen gegeben, die von dem die Innung vertretenden Meister gegebene Antwort gegenüberstellte, ergab fich, daß die Eonntagsarbeit im Malergewerbe nach der Anficht der Gehilfen 'Nr Zeit allgemein üblich und allen Gehilfen durch indirekten Zwang zur Pflicht gemacht ist, obwohl fie nicht nöthig und ein Verbot derselben ohne Einschränkung durchführbar wäre, nach der Anficht der Meister aber nur insoweit fie dringend nötbia ist, stattfindet und den Gehilfen als eine moralische Pflicht Ä.tÄ' Ämf&.ÄÄ tagsarbeit nur gute Folgen haben werde, das hat auch der Vertreter der Innung»ugegeben Das Ergedniß der an den Bericht fich anschließenden Diskusston war die einstimmige An- nähme einer Resolution, in welcher die Versammlung sich mit den vom Referenten auf dem Polizei Prästdium gegebenen Antworten vollständig einverstanden erklärt. Darauf berichtete Herr Küßner über den polizeilich konzessionirten Arbeitsnachweis, den der als Rendant der Ortskrankenkaffe mit 1350 Ml. jähr- l>ch besoldete Maler Jde betreibt. Er charaktcristrte diesen und sspdere ähnliche Arbeftsnachweise als Geschäfte, die mit den Arbeitskräften ihrer Kollegen zum Nachtheil dieser Handel treiben. Nach sehr langen und lebhaften Debatten, die durch das Auftreten eines Gefinnungsgenosscn des Herrn Jde, des Herrn Wille, provozirt wurden, nahm die Versammlung ein- stimmig eine Resolution an, in welcher das Einverständniß mit den Ausführungen des Referenten ausgesprochen, der Arbefts« Nachweis des Gauvereins der Berliner Maler für den einzig richtigen erklärt wird, und die Arbeitsnachweise der Herren Jde und Borst verurtheilt werden.— Eindringliche Aufforderungen zum Anschluß an den Gauverein seitens der Herren Retzerau und Schweizer bildeten dm Schluß der Verhandlungen. Der Louisenstädtische BezirkSveretn„Vorwärts" hält am Mittwoch, den 16. September, Abends 8 Vi Uhr, im Restaurant I. Ruff's, Dresdenerstr. 52/53(City Passage) eine Versammlung ad, in welcher Herr Dr. Bahn einen Vortrag über„Zweck und Ziele der Fach- Vereine" hält. Der wichtr« gen Tagesordnung halder ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes tn dieser Versammlung zu erscheinen; auch find Gäste freund- lichst eingeladen. Die Petition, das Arbeiterschudgesetz de- tressend, liegt zur Unterschrift aus bei den Herren W. Krause, Prinzenstr. 6, R. Sündermann Gitschinerstr. 61, 0. Eillier Admiralstr. 12, Pampe, Gitschinerstr. 93. Gauverei«„Berliner LUdhauer" heute Abend 9 Uhr Versammlung. Tagesordnung: Bibliothek- Abend und Ver« schiedenes. Fachverein der Tischler. Mittwoch Abmd 3'/, Uhr in Kurzmann's Salon, Bergstraße 68, Versammlung. Tagesordnung: 1) Vortrag des Herrn Vesser, Kand. der Chemie. 2) Verschiedmes. 2) Fragekastm.— Billets zum Vereinskränzchen am 17. Oktober m der„Berliner Ressource",(früher Coloffeum) find in der Versammlung sowie bei den Komitee- mitgliedem zu haben. Eine öffentliche Kommunalwähler- Versammlung findet am Mittwoch, den 16. September, Abends 8'/, Uhr, in Keller's Salon, Andreasstraße 21, statt. Tagesordnung: l.Die bevorstehenden Wahlen zur Stadtverordneten-Versammlung. Referent: Herr W. Liefländer. 2. Diskusfion. Das Arbeiter» Wahlkomitee bittet um zahlreichen Besuch der Versammlung. Verein zur Wahrung Heute Abend 8V- Uhr Mitgliederversammlung. der Interessen der Maurer. ,...„>erversammlung. Tagesordnung: Neuwahl des Vereinsvorstandes. Verein zur Wahrung der materiellen Interessen der Fabrik- und Handarbeiter. Heute, Dienstag, den 15. SevU Abends 8'/, Uhr, Köpnickerstraße 150—51 bei Böttcher, Mitglieder Versammlung. T.-O.:„Die Sonntagsruhe", Diskusfion, Verschiedenes. Referent: Herr I. Kreutz. Billets zum Stif» tundsfest find zu haben. sammlung eingeladen.— nommen. zerr I. Kreutz. tllle Arbeiter sind Neue Mitglieder zum_ zu dieser Ver» werden aufge» Theater. OpernhanS. Heute: Die Zauberflöte. Schauspielhaus. Heute: Die Rantzau. Deutsches Theater. Heute: Der Prophet. Friedrtch-WilhelmstädtischeS Theater. Heute: Walzergenien. Refidenz-Theater. Heute: Theodora. Wallner-Theater. Heute: Sie weiß etwas. Belle-Allianee-Theater. Heut«: Der liebe Onkel. Vorher: Mädchen-Jllufionen. Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Die Glocken von Corneville. Viktoria-Theater. Heute: Meffalina. Central-Theater. Hcute Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmans. Heute: Der Barbier von Sevilla. Ostend-Theater. Heute: Graupenmüller. Königstädtisches Theater. Heute: Gastspiel der Liliputaner. Die kleine Baronin. Theater der Reichshallen. Täglich: Austeten sämmtlicher Spezialttätm. Ameriean-Theater. Täglich: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Kaufmann'S Varlet«. Täglich: Große Epezialitäten-Vorstellung. Konkordia. Täglich: Austreten sämmtlicher Spezialitäten und theattalische Vorstellung._ Herrn Feint, der so manch' Weißbier verspeist, zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch, daß die ganzen Kruken wackeln. Ein Wassertrinker. Möbel-, Sopha- und Matratzen-Fabrik A. Schulz, 34 Wasserthorstraße 34(auch Theilzahlung). |2124 KmmMllliiiählerDtchmIllng Mittwoch, den 16. September, Abends S'/j Uhr, in Keller's Lokal, Andreasstraße Nr. 21. Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Referent: Herr L i e f l ä n d e r. 2. Diskusston. 2166] Das Wahl-Komitee. LmstnIM. KeMsv.„Nowörts." Mittwoch, den 16. September, Abends 8V- Uhr, im Restaurant I. Ruff, City-Paffage, Dresdenerstt. 52/53: Veretnö-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bohn über„Zweck und Ziele der Fachvereine". 2. Diskusston. 3. Verschiedenes und Frage- kästen.— Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 2160] Der Vorstand. Große öffentliche 2101 Arbeiterinnen• Vers ammlung Dienstag, den 15. d. M., Abends 8«/. Uhr, w Salon m NtuWeu Kaiser, Lothringerstr. 37. TageS- Ordnung: Vorstag des Frl. Persdvauer über„Die Frauen von sonst und jetzt". Diskusfion. Verschiedenes. _ Frau Vötting. HemiBB Krämer, Tapesirer nnd Aedoratenr, SW., Llndeii-Strasse Ufo. 107, empfiehlt sich zur Anfertigung aller in dieses Fach einschlagenden rbetten. Mattatzcn 5 Mk., Sophas 6 Mk.[2137 Fachverein der Tischler. Berfammlung am Mittwoch, de» 16. September, Abends 8V- Uhr, in Kurzmann's Salon, Bergstraße 68. Tagesordnung:_ 1. Vorstag des Herrn Vesser, Kandidat der Chemie. 2. Vcr» schiedenes und Fragekasten.— Gäste willkommen. Um zahl- reiches Erscheinen ersucht>2167 _ Der Bevollmächtigte.� Großer iUttngsüsdi für 600 Pnsonen. ä Portion 25 Pfennig. ___— i Gute Hausmannskost, fi983 Wallstrasse Wpwi Arbeitsmarkt. Ein Mechaniker wird gesucht 2164>_ Reichenbergstraße 34, Post 15.� 2 Gesellen auf K.-Bettftelle» 2162]_ Wrangelstraße 112._ Schuhmacher A Einen tüchtigen Bildhauer, moderner Arbeiter, und eine» Lehrling aus anst. Familie verl. Billing, Langesst. 71, Hof l- Der Arbeitsnachweis des Vereins zur Wahrung det Interesse« der Klavierarbeiter befindet sich nach wre voi S k a l i tz e r st r a ß e 13 bei Stramm.[1711 Wegen Verzugs nach außerh. ist z. 1. Ott. eine zweifensst. Stube u. Küche z. 74 Thlr- z. vm. Dieffenbachsst. 67, H. ll. l. iS' 43 S :cS tA tO*0 CO O O im lOOOOOiOtOO 1 tO I SßSgggÄ OOOOOOOO'—"O »»»»• o � vwCO l> OQ" c_ -W QQ I -.Ä g I(N uo oi CO- li*S 95 III « ja I s s»....g M •es SSCSKCtCj«) « a I SB; ........ 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