spyc Nr. 216. Mittwoch, den 16. September 1885. II. Jahrg. weiter ng. airer. ung: der Sept., Mits ffton, Stif Ver mufges [ 2124 Thr, 2. Vers zabl 12167 gte. [ 1982 Berliner Volksblatt. Criar Organ für die Intereffen der Arbeiter. Das Berliner Volksblatt 99 fcheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Boftabonnement 4 Mr. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags- Nummer mit illustr. Beilage 10 f. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) hild Redaktion: Beuthstraße 2. Reformvorschläge in England. In England mehren sich die Anzeichen, als ob die alten und stabilen Parteiorganisationen, die bisher abwech selnd die Herrschaft über die britische Insel und damit zulinks. sleich über das ganze ungeheure britische Reich ausgeübt haben, neueren und zeitgemäßeren Parteibildungen sollten weichen müssen. Von vielen Seiten fommen neue Gebanen, neue Programme, und es scheint uns nur eine Frage ber Zeit zu sein, daß das erlösende Wort einmal ausgesprochen, ein neues Programm einmal von einer glücklichen Band stizzirt wird, das die Massen des englischen Voltes zu einem tieferen Verständniß für sozialpolitische Fragen zurückführt. 15. Ilen 112. erlangt [ 2165 Deinen ng der wie vor [ 1711 eifenftr. Q. II. I. wieber balb Lords alle Insertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 thr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW, Bimmerstraße 44, sowie von allen Annoncess dsdson Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Expedition: Bimmerstraße 44. der That zutreffen, daß man hier es mit jener gewöhnlichen Erscheinung zu thun hat, wonach liberale Parteiführer die Grundeigenthumsgesetzgebung zu Ungunsten der konservativen Grundeigenthumsgesetzgebung zu Ungunsten der konservativen Landlords zu verändern suchen, wogegen die Landen dann bereit find, revanche zu jeder die Hand zu Verschärfung der Fabrikgesetzgebung die Bei diesem Kampf zwischen Grundbesitz und mobilem Besitz haben die englischen Arbeiter schon Einiges provitirt und es fann ohnehin nichts schaden, wenn die beiden Systeme sich so scharf als möglich fritifiren. bieten. olno Sozia Deutschland nicht 3eter und Mordio genug schreien kann, wenn nur der zehn stündige Normalarbeitstag verlangt wird. Da möge Dr. Max Hirsch denn doch wahrlich einmal aufhören, die englischen Gewerkvereine als seine Vorbilder zu bezeichnen, denn nach seiner Auffassung ist ja der Normalarbeitstag überhaupt eine Beschränkung der persönlichen Freiheit des Arbeiters". Ueber diese bornirte Auffassung werden die englischen Arbeiter nicht weniger lachen als wir. " Es ist für die Arbeiter aller Kulturländer feineswegs gleichgiltig, was die Arbeiter in einem industriell und tom merziell so vorgeschrittenen Lande wie England thun. Dessen mögen sich aber auch die englischen Arbeiter bewußt sein. Sie haben nun lange Jahre hindurch ruhig zugesehen, wie Tories und Whigs die Politik als ihr Monopol betrachteten und haben sich vielfach von beiden als Gefolgschaft benutzen laffen. Aber sie müssen nun endlich darauf bedacht sein, selbstständig Politik zu treiben, und vor Allem eine selbstständige Sozialpolitik. Je eher fie dies thun, desto näher steht ihnen auch die Aussicht, daß sich die wirthschaftlichen Verhältnisse Englands günstiger für die Arbeiter gestalten. Politische Uebersicht. Gegenüber den so vagen Vorschlägen des Herrn Chamberlain hat sich aus den Kreisen der organisirten Arbeiter in England eine ganz andere Stimme vernehmen laffen. Auf dem letzten Kongresse der englischen Gewerk Da ist zunächst Herr Chamberlain, der Ermini vereine hielt der Vorsigende eine Rede- wir haben schon fter, mit einen Programm aufzutreten. Man weiß, daß die in Nr. 214 unseres Blattes derselben Erwähnung gethanEnglischen Minister außerhalb des Amtes immer in welcher er auf die gegenwärtige Stockung und Krisis in bebeutend ,, radikaler" zu sein pflegen, als im den englischen Geschäfts- und Arbeitsverhältnissen hinwies. of 1.mte; wir wir haben hervorragende Beispiele davon Als Mittel zur Abhilfe schlug er den achtstündigen in John Bright und Charles Dille. Man kann sich des Normalarbeitstag vor. Auch auf die Grund- und einigermaßen erstaunt fragen, warum Herr Chamberlain Bodenfrage kam der Vorsißende zu sprechen und verlangte für seine Anschauungen nicht mehr eingetreten ist, als er in eine durchgreifende Reform der Bodengeseze, die er allerder Regierung saß. Er verlangt nunmehr unentgeltlichen dings auch nicht näher definirt hat, als Herr Chamberlain Unterricht und eine allgemeine progressive Vermögenssteuer; feinen Vorschlag, nur daß der Präsident des Kongresses würde allerdings besser sagen: Einkommensteuer. Leider noch die Aufhebung des Landmonopols als Forderung stellte. ift auch nicht gesagt, ob dadurch die sämmtlichen indirekten Man sieht, auch in den Reihen der Gewerkvereine bricht sich Steuern fortfallen follen. Mit dem unentgeltlichen Schul die Anschauung immer mehr Bahn, daß die Verkürzung der Unterricht hatte Herr Chamberlain sicherlich recht; er führte Arbeitszeit momentan die einzige Zuflucht gegen Sinken der , daß die Arbeiter oft ihren Kindern die Nahrung Löhne und Arbeitslosigkeit ist. Eine solche Reform wird in mälern müssen, um Schulgeld und Lehrmittel bezahlen England, auf Grund von dessen bisheriger Fabrik- Gesetz tönnen. Allein so unbestimmt sich Herr Chamberlain gebung, leichter durchzusetzen sein als anderwärts und daher aber Steuerfrage ausgedrückt hat- womöglich noch un geht man auch ohne Verzug zur Forderung des Achtstunden bestimmter that er es in der Grund- und Bodenfrage. Arbeitstages über. Diese Kundgebungen scheinen denn doch verlangt einfach:„ Berbesserung der Grundeigenthumsgefeße". Vorzeichen zu sein, daß man in England unter den organiJa, was ist damit gesagt? Wir können gar nicht genug sirten Arbeitern daran denkt, die bisherige Theilnahmslosig betonen, daß man sich endlich abgewöhnen möge, in wirth- feit gegenüber den politischen und sozialpolitischen Fragen zu dem sich die bekannten Koryphäen der Partei zahlreich einhaftspolitischen Fragen so allgemeine und unbestimmte aufzugeben. Es wäre auch endlich Zeit dazu, daß diese so Ausdrücke eine Besserung" und dergleichen anzuwenden. zahlreich organisirten Arbeiter für sich das allgemeine und Man fage doch, wie und wodurch die Besserung" einge- gleiche Wahlrecht verlangten und von dem ihnen künstlich beglücken, welche sich aber nur in dem alten Geleise bewegte führt werden soll. Dann wird kein Mißverständniß möglich beigebrachten Wahn, als hätten sie es nicht nöthig, . Füssen und schwarzen Rollen. 25, Fauteuils mit schwarzen Rollen Demistühle mit schwarzen Relien 100 120 cm. 1,15 Mk. 06'0 Marquisen- Leinewand. Breite per Mtr. 0,75 84 " Er zu Die Telegraphenkonferenz hielt gestern abermals eine Plenarsizung, in welcher die zweite Lesung des ReglementsEntwurfs zu Ende geführt wurde. Die Bedingungen, an welche Brasilien seine Ermäßigung der Telegraphiegebühren gefnüpft hatte, wurden angenommen. Eine längere und vorläufig noch resultatlose Debatte verursachten die Tranfittarife Indiens und die Terminaltarife der Türkei, doch hofft man, in der für heute anberaumten Sigung auch hierüber zu einer Verständigung zu gelangen. Der Geschäftsführung des internationalen Bureaus wurde unter einstimmiger Anerkennung der Dienste desselben und mit Dankesvotum für die schweizerische Verwaltung Decharge ertheilt. Die Deutschfreisinnigen" der Provinz Schlesien haben in Breslau am Sonnabend einen Parteitag abgehalten, gefunden hatten. Die Herren Alexander Mieyer, Träger, Belle und Rickert hielten längere Reden, namentlich hatte Herr Meyer die Aufgabe, die Schlester mit einer großen Rede zu und nichts Neues zu Tage förderte. 11 Prozesse gegen 18 Angeklagte der sozialdemo kratischen Fraktion schweben augenblicklich. In den bekannten Chemnizer Monftreprozeß find 6 Abgeordnete- Bebel, Dieß, verwickelt. Singer hat eine Untersuchung wegen Verstoßes gegen das preußische Vereinsdes Kommerzienraths Volgel und der Frankfurter Polizei noch zu verantworten hat. Gegen Heine, Hasenclever und Kräder schweben die Diätenklagen des Fistus; Herrn Kräcker ist die Druckerei versiegelt und er hat außerdem noch einen Prozeß auf Grund der§§ 128 und 129. Liebknecht muß eine Strafe und Niemand versucht sein, hinter jenen Phrasen zu Zwecken politischen hinter jenen Phrasen die Vereinigungen bilden, Beuchelei zu suchen. einmal abzugehen. Bei dieser Gelegenheit sei doch auch Herrn Chamberlain fann man ungefähr mit unseren daran erinnert, daß Dr. Mar Hirsch, wenn er von deutschen Fortschrittlern vergleichen; seine Anschauungen seinen" Gewerkvereinen spricht, gewöhnlich auf die engli Frohme, Viereck, Auer, Vollmarvage und einseitig. Existirt für ihn denn in der eng- schen trades unions hinweist, und seine Zuhörer mit Schillischen Industrie gur fein Mißstand, daß er davon gar derungen von der Macht und dem Einfluß dieser englischen gesez, eben so Viereck, der außerdem sich wegen Beleidigung tight spricht und gar feinen Vorschlag zu machen hat, der Arbeiterverbindungen unterhält, um dahinter die Schwäche auf Abstellung von Uebelſtänden in der Industrie be- und Unbedeutendheit seiner eigenen Leistungen zu verstecken. eht? Herr Chamberlain ist allerdings selbst Industrieller Und nun verlangen diese Engländer den achtstündigen nb es fonnte, wie die Konservativen auch behaupten, in Normalarbeitstag, während der unglückselige Harmoniedoktor in find ster 15-30 MK. Ganz besonders mache ich auf einen Schweizer Mull- und Tüll- Gardinen, abgepasst und nach Maas in jeder Qualität. 561 end verboten.] Feuilleton. Das Mormonenmädchen. Amerikanische Erzählung DON Balduin Möllhausen. Juin( Forthegung.) whafteten seine Blide noch längere 3eit mit einem ungewöhnlich milden, ja weichen Ausdruck auf der dünnen Scheidemand, hinter welcher sie verschwunden war. ,, O, Rynolds, Rynolds!" murmelte er vorwurfsvoll, ahast Du mir immer recht gerathen, als Du mir die größte Strenge und einen unerschütterlichen Ernst diesem edelherzigen, lieben guten Rinde gegenüber anempfahlft? Hast Du mir recht gerathen, als Du darauf bestandest, der Religion und deren Lehren jedes fanftere Gefühl zum Opfer zu bringen? Armes Wesen; ihre Frömmigkeit, ihre Ergebenheit der Allmächtige den Kampf, den sie noch zu bestehen hat, um eine wahre Rechtgläubige zu werden, einen kurzen sein flären, und zugleich zu verstehen zu geben, daß sie gekommen sei', um Abschied von ihnen zu nehmen, war ihre erste Aufgabe. Kairul und Ireteba, die beiden scharfsinnigsten der Ge sellschaft, die mehr als die übrigen Mohaves von der Sprache und Ausdrucksweise der Amerikaner gelernt hatten, begriffen leicht, was Hertha bezweckte, und eine tiefe Traurigkeit verbreitete sich über ihre braunen, zum Theil wild bemalten Physiognomien, als sie ihren Gefährten Hertha's Mitthei lungen verdolmetschten, und dann auch diese trübfelig zu Bohl, meine geliebte Tochter," antwortete Jansen, nachdem er feiner ersten Ueberraschung wieder Herr gewors machen sie mit jedem Tage meinem Herzen theurer; möge dem jungen Mädchen emporschauten. ben mar, Du sollst mich begleiten; ich bringe nicht in Dich, mir mitzutheilen, mas Dich so tief zu bewegen scheint, aber Rod einmal wiederhole ich, daß wir die Reise nicht anders lassen. O, Weatherton, an Deinen strengen Begriffen von als von sechs bis acht Tagen bedürfen, um unsere Aufgabe zu zu Pferde zurücklegen fönnen und wohl eines Beitraums Bollenben" um stre " Und sollte ich zu Fuß wandern müssen, so würde ich Ehre, an Deinem starren Festhalten des angestammten Glaubens ist das irdische Glück diefes Engels gescheitert." So sprach Jansen, indem er sich umwendete und der andern, nach seiner eigenen Wohnung führenden Thür lang Hätte er sich etwas mehr beeilt, so würde er wahrnicht davor zurückschrecken," erwiderte Hertha mit Enthusias sam zuschritt. mus, ich erfülle durch diese Reise eine heilige Pflicht, und vor seinem Eintreten in den zwischen seinem und Hertha's Nachdem Hertha eine Weile bald die wilden Krieger mit eigenthümlicher Theilnahme betrachtet, bald ihre Blicke besorgnißvoll über den dunkeln Hof hatte hinschweifen lassen, als ob sie unschlüssig gewesen sei, welchen Weg fie nunmehr einzuschlagen habe, beugte sie sich plötzlich zu Kairuk nieder, und indem sie ihn leise an der Schulter berührte, wies fie mit der andern Hand nach dem spärlich erleuchteten Fenster des Gefängnisses hinüber. ,, Ein guter Amerikaner," flüsterte fie mit ängstlicher verstanden zu werden. hon jetzt empfinde ich eine innere Befriedigung bei dem scheinlich noch die Gouvernante entdeckt haben, die sich, furz Spannung dem Häuptling zu, denn sie befürchtete, nicht Bebanten: Manches wieder gut zu machen, was von meinen Blaubensgenoffen in blindem Eifer gefehlt und übertrieben Wohngemache liegenden Gang, durch die gegenüberliegende burbe." kab Bebauern betrachtend. " 001 Ein Blitz des Verständnisses zuckte über Rairuts Gesicht, als er seine glänzend schwarzen Augen nach der angedeuteten Richtung hinwendete, und mit seiner tiefen, wohltönenden Stimme wiederholte er mehrere Male: Guter Amerikaner, gefangen, nicht gut, Mormonentaube sagen: Amerikaner frei sein, wie Mohaves." 24 Thür nach seiner Wohnstube entfernte und demnächst Sanfen, feine Nichte mit einem Gemisch von Wohlgefallen glitt. " Morgen in aller Frühe brechen wir auf," versette aus dieser, mit der Gewandtheit einer Razze, in's Freie Glühend vor triumphirender Aufregung, eilte fie nach Sage heute Abend, Onkel, und ich bin bereit." ader Blockhütte hinüber, in welcher Holmften eingekehrt war mein Rind, unsere Reise führt nach unserer heiligen Salzfee ,, Nein, morgen in aller Frühe, und merke Dir wohl und wo sie diesen und Elliot gerade anwesend wußte. Später als gewöhnlich begab sich Hertha an diesem Stabt, wenn Jemand Dich fragen sollte." Abend zu den Mohave- Indianern, um ihnen zum letzten freundlich zunickend; dann aber nahm sie den Knaben auf kleine Geschenke und Andenken zu überbringen. Sie selbst verstand. " Nach der Salzsee- Stadt," wiederholte Hertha, ihm mal einige forgfältiger zubereitete Speisen und mit diesen sollte ja am folgenden Morgen schon vor Tagesanbruch die Den Arm, um sogleich mit ihm nach der andern Seite des H Ja, guter Rairut, ich wünschte wohl, daß er frei wäre," sagte fie, einen traurigen Blick nach dem Gefängniß hinübersendend, ohne zu bedenken, daß der Indianer wohl einzelne Worte, aber nicht ihre zusammenhängende Rebe Amerikaner frei, sehr frei achotta," versette Rairuk, " Er ist aber nicht frei, und wer weiß, wie lange er dort nach Freiheit wird schmachten müssen," fuhr diese in derselben Weise fort, nun aber wieder ihre ganze Aufmerk samkeit dem Häuptling zuwendend. ,, Kairuk Freund von der Mormonentaube, Kairuk und Mohaves Freunde von Baufes hinüberzueilen und ihn dort der Obhut der jungen beabsichtigte Reise gegen Norden antreten, und wenn sie von Hertha freundlich zunickend. nen, für die Dauer ihrer Abwesenheit auf das Wärmste anGrau, bie ber Rnabe ja schon gewohnt war, Mutter zu nen Selbst als die Thür sich schon hinter ihr geschlossen hatte, Sansen schaute ihr sinnend nach, als sie sich entfernte. Wüstenstromes. empfehlen. ihrem Ausfluge zurückkehrte, dann waren die Mohaves bereits getauft und befanden fich vielleicht schon auf dem Wege nach ihrer Heimath im Thale des Kolorado, des großen Dieses den über ihre Güte entzückten Wilden zu er wegen Beleidigung abbüßen, Heine sitzt wegen Beleidigung in Sachen der Arbeiterkolonie Sayda und muß noch abwarten, ob das Reichsgericht seine neuliche Freisprechung betreffs der „Harzer Post" estätigen wird. Auf Grund des Sozialistenaeseaes wird die in neckischer Sprache in New- Kork erscheinende Druckschrift: „Proletar"' verboten. Die Landfrage in Frankreich ist eines der intereffan- testen Kapitel der Wirthschaftsgeschichte. Während drüben in England der Großbetrieb in der Landwirthschaft vorherrscht, ist Frankreich das Land der Parzellenbauern, der Eitz des Klein- detriebs. Nun giebt es auch bei uns in Deutschland Leute genug, die in rührender, kindlicher Naivität an die idyllische Wohlständigkeit des französischen Kleinbauernthums glauben und sich reizende Bilder von dem behäbigen Dahinleben der rvürdigen Landleute ausmalen. Leider sind diese Gemälde Schöpfungen der Phantasie, die vor der Statistik nickt Stich halten. Thatsächlich ist das Parzellenbaucrnthum nichts an- deres, als die moderne Hausindustrie des Acker- baues; daffelbe unterliegt dem zersetzenden Einflüsse des Kapitalismus, und die Zustände bei den französischen Land- leuten sind grauenerregend. Bereits im Jahre 1851 betrugen die auf dem Grundbesitze haftenden Hypothekenschulden zehn Milliarden Franken. Vielleicht 50 Prozent der Grundbesitzer in Frankreich find so verarmt, daß sie keine persönlichen Steuern bezahlen können. Nach dem Zensus von 1851 bereits hatten 346000 Bauernwobnungen keine andere Oeffnung als die Thüre. und 1 817 535 nur ein einziges Fenster. Und diese Mißstände haben sich von Jahr zu Jahr verschlimmert. Das Parzellensystem entvölkert Frankreich, kraft deS Zweikindersystems, es pauperifift Frankreich, da der Bauer, an- gewiesen auf die veraltete Klein-Produftion, ohne mo- derne Technik, ohne zweckentsprechende Maschinen, ohne Kapital zu arbeiten gezwungen ist. Er treibt Raubbau am Boden und Raubbau an sich durch die erschöpfendste Arbeit. Daß die Unzufriedenheit, die soziale Roth, immer fühlbarer wird, dafür ist ein trefflicher Beleg vorhanden. Die Auswanderung vom Lande in die Städte nimmt immer mehr zu. Nach dem„Journal d'agricnltnre pratique" vermehrte sich die Bevölkerung der Städte mit mehr als 10000 Einwohnern von 1861 bis 1881 um 28.96 Prozent, die Bevölkerung von Paris um 33.76 Prozent, wogegen diejenige der Gemeinden mtt weniger als 10000 Bewohnem sich in derselben Zeit um 0.28 Prozent verringerte; die Gesammtbevöllcrung nahm um 5.13 Prozent zu. Im Jahre 1861 wohnten überhaupt 82.7 Prozent der Einwohner Frankreichs in den kleineren Gemeinden mit weniger als 10000 Bewohnern. 1881 nur noch 78.5 Prozent. Diese Verminderung der ländlichen und Zunahme der stadti- schen Bevölkerung hat sich in Frankreich schon seit 30 Jahren stetig gezeigt, wie folgende Uederficht erweist. ES lebten von 10000 Bewohnern Frankreichs im Jahre auf dem platten Lande in Städten ... 7448 2552 1851 1856 1861 1866 1872 1876 1881 7269 7114 6954 6888 6756 6524 2731 2886 3046 3112 3244 3476 Während also vor 30 Jahren die französischen Städte nur von 25.52 Prozent der Gesammtbevölkerung bewohnt wurden, ent- fielen 1881 schon 34.76 Prozent der Einwohner Frankreichs auf dieselben� � der Zeit ist nicht zu verkennen. Die länd- lichen Arbeiter, ohne Solidaritätsgefühl, ohne Klassenbewußt- sein, dressirt auf die äußerste Bedürfnißlofigkeit. dringen m Werkstatt und Fabrik, unterbieten in Großindustrie und Hand- werk den städtischen Arbeiter, drücken die Löhne, verlängem dre Arbeitszeit und vermehren die industrielle Reservearmee. Bc- ständig fluthen neue Menschenwellen vom Baucmdorf in dre Städte, jede Krifis schleudert Tausende anf'S Pflaster, die zum Theil in den Städten, zum Theil auf's Land zurückkehren und die Roth vermehren helfen. Das find traurige Ausfichten. Wer aber noch für Parzellenbauern schwärmt, nachdem er Vre ohen gegebenen Ziffern kennen gelernt hat, der muß stch mst dem famosen Grunde für die Auswanderung aus der Schlmge ziehen, daß die Bauern in die Stadt gehen aus— Wohlhaben- heit. Wer's nicht glaubt, zahlt einen Thaler. Aus Kiel wird der„Nat. Zeit." geschrieben: Die hiesige SSÄsÄÄÄÄSÄÄÄ bei Eckernförde auf Grund gerathen»st und daß an Bord des abzuwarten. Uebcr den Zusammenstoß der beiden Vulkanbote am vergangenen Dienstag verlautet, daß die Kollision durch ein falsch ausgeführtes Kommando seitens eines Obermatrosen veranlaßt sein soll Das unverletzte Boot ist auf der hiesigen Werft eingetroffen. dem Amerikaner," sagte sie dann, mit Vorbedacht nur solche Worte«ähleno, von welchen sie wußte, daß die Mohaves dieselben schon theils früher, theils von ihr selbst gelernt hatten�reund � Amerikaner, Kairuk sehr Freund, Freund, Freund von Mormonentaube," bekräftigte der Häuptling unter dem zustimmenden„Achotka" seiner denn, braver Kairuk," versetzte Hertha, trübe lächelnd über die Art, in welcher der Indianer ihr be- areiflich machte, daß er sie bevorzuge DaS Lächeln schwand mdesien schnell wieder spurlos, als sie Miene machte, weiter zu ��2monen wollen tobten Amerikaner," sagte sie langsam und ausdrucksvoll, wobei sie sich entfärbte. KairukS Augen leuchteten bei dieser Nachricht in wildem, drohendem Feuer auf.„Amerikaner gut. Mar- monen nicht tödten Amerikaner," versetzte er, wie um sich selbst zu beruhigen. Hertha sank der Muth, sie bezweifelte, daß eS ihr ge- lingen würde, dem Mohave ihre Absichten zu ver- deutlichen. „Aber sie werden ihn tödten, wenn er nicht beschützt wird," sagte sie so dringend und angstvoll, daß Kairuk emporschnellte und, wie um eine unbekannte Gefahr von ihr abzuhalten, an ihre Seite trat;„ja, guter Häuptling," wiederholte sie, und die Besorgniß schien ihren eigenen Scharfsinn zu erhöhen;„Kairuk zwei Augen, Kairuk kann viel sehen!" „Kairuk viel, viel sehen, sehen in Nacht," bemerkte der Häuptling wohlgefällig. Kairuk sehen den Amerikaner, wenn sehen Mormonen ihn tödten; Kairuk sagen: nein, nicht tödten Amerikaner," TU� der Mohave, zum Zeichen, daß Ar aur reich. Vor Kurzem wurde von Seiten der Pattiotenliga der Vorschlag gemacht, in Paris bei den bevorstehenden Wahlen zwei elsaß-lothringische Kandidaten auszustellen um damit einen Protest gegen die Annexion dieses Landes auszudrücken. Jetzt ist man jedoch von diesem Vorhaben zurückgekommen. Das Wahlkomitee erklärt, daß angesichts der Haltung gewisser offiziöser deutscher Blätter, welche jene Kandidaturen zum Vor- wandc genommen haben, um strenge Maßregeln in Elsaß- Lothringen zu verlangen, die patriottsche Pflicht gebiete, diese Kandidaturen wieder fallen zu lassen. — In Anam ist vom französischen Befehlshaber wieder ein neuer König eingesetzt worden, derselbe hat einem Telegramm aus Hue zufolge bereits seinen Einzug in das Palais gehalten. Ohan-Nong, so heißt der Glückliche, hatte das Vergnügen, daß ihm zu Ehren 21 Kanonenschüsse gelöst und die anamitische Fahne aufgezogen wurde. Wie lange das Vergnügen mit ihm dauern wird, ist fteilich noch nicht abzusehen; lange aber kaum.— Tie Cholera fordert unter der Bevölkerung in Anam zahlreiche Opfer. Spanten. Das Ausbleiben aller Nachrichten aus Spanien ist zumeist auf das Konto der überaus strengen Zensur zu schreiben, wel- cher alle Telegramme sowie die Presse unterworfen sind. Die Aufregung dauert immer noch fort, wie das aus den Korre- spondenzen hervorgeht, welche ausländischen, namentlich franzö- fischen Blättern zugehen. So wird dem„Figaro" unter'm 11. September aus Madrid geschrieben:„Die Stadt ist ruhig, d.h. die Kundgebungen find gestern Abend ausgeblieben. Nichts desto weniger hielten die Polizei und Gendarmen an der Puerta del Sol und Umgebung Wache. Von 9 Uhr an gehen Poli- zisten ziemlich zahlreich m den Straßen auf und ab, die Läden sind geschlossen, das Volk und die Bürgersleute spazieren unter den Soldaten, wie die Chöre einer komischen Oper. Die Lffent- liehe Meinung ist unverändert, die Ueberreizuna geräuschlos, aber beharrlich anhaltend. Man weiß, daß die Diplomaten gemächlich an einem Ausgleiche arbeiten, man ist der Lösung gewärtig, welche nach der Meinung der Madrilenen nur demü- lhigend sein kann, und schweigt für den Augenblick, um später wieder anzufangen. Die Regierung ihrerseits schont Niemand. Ungefähr zweihundert Manifestanten find verhaftet worden, nicht wegen ihrer Hochrufe auf Spanien, sondern wegen ihrer Drohungen gegen die Behörden. Etwa ein Dutzend Blätter werden gmchUich verfolgt, die Telegramme und Briefe einer scharfen Zensur unterzogen. Gegen seine Gewohnheit besuchte Alfonso XII. am Sonnabend nicht den Gottesdienst in der Basilika von Äntocha. Gestern aber fuhr er allein, nur von dem Herzog von Sasto begleitet, aus und kutschirte selbst. In der Alkala- Straße wurde bemerft, daß viel weniger Hüte vor ihm abgezogen wurden als sonst. Man spricht viel von den Gefangenen. Die Hetz- jagd gegen die hervorragenden Persönlichkeiten der Opposition und Demokratie habe begonnen, sagt man. Im Ministerium des Jnuern wird eine Avtheilung Guardas ciyiles verborgen gehalten. Die Kaffeehäuser, Restaurants, Läden, armen und reichen Behausungen, Kasernen und Sakristeien wiederhallen von unablässigen, lebhaften Kommentaren und man steht ge- spannt den Beschlüssen der Fufionisten und der Linken ent- gegen. In den letzten Tagen find allerlei bemerkenswerthe Einzelheiten vorgekommen, von denen die folgende bedeutsam genug ist. Bekanntlich war zur Zeit des Generals Martinez Campos die militärische Kopfbedeckung die sogenannte Leopol- dina, eine Mütze» welcher der Marschall O'Donnel. ihr Ersin- der, seinen Namen gegeben hatte. Der General Campos aber führte den preußischen Helm reglementarisch ein und jetzt muß es auffallen, daß der Marschall Concha, Marquis de la Ha bana, einer der sechs Marschälle der spanischen Armee, dem König seine Aufwartung in der spanischen Mütze macht. Eben so hatte der General Pavia, als er an der Spitze der Truppen der Gamison auszog, um den Ruhestörungen entgegenzutreten, keinen Helm aufgeietzt." In der heutigen Lage find zwei ganz verschiedene Dinge, die nur aus nächster Nähe beurtheilt werden können, in Betracht zu ziehen: die vorsichtige, gouverne- mentale Haltung des Ministeriums, ja des Thrones selbst und das kriegerische Fieber, welches die Madrider Bevölkerung beherrscht. Man glaubte hier nicht eine solche Enrwickelung der republikanischen Elemente zu finden; denn Niemand zweifelt, daß der anschwellende Strom bald durch demokratische Ausbrüche getrübt werden wird. In Europa glaubt man, daß man sich nach den ausgetauschten Erklärungen oder einem schiedsrichterlichen Spruche hier wieder beruhigen wird. Man kennt eben nicht den spanischen Charatter und scheint nicht zu ahnen, daß nur der Gedanke an eine Begrüßung der deutschen Fahnen als Sühne für das Autodafe der letzten Woche das Blut aller Madrilenen ins Sieden bringt. Der Zweikampf ist also auf- geschoben, aber nicht aufgehoben. Die Regierung kann sich nicht durch die Volksmeinung zwingen lassen, nacbdem sie die oberste Stimme der Nation, der zu befolgenden Politik Ausdruck gegeben hat.„Die Zeit und ich gegen Alle", sagie Karl V.; vielleicht denkt chas Kabinet Canovas ebenso. Jndeß feiern die daß Hertha sich kaum einer gewissen Scheu zu erwehren ver- mochte. Die Leidenschaften des Urwllden waren geweckt und alle milderen Gefühle wie bei einem gezähmte» Löwen, der frisches, warmes Blut auf der Zunge fühlt, weit zurück- gedrängt worden. Er hatte das junge Mädchen, welchem zu Gefallen er mtt Triumphgeheul das ganze Fort Utah niedergebrannt haben würde, mißverstanden und glaubte, daß sie von ihm verlange, Weatherton mit List oder Gewalt seinen Feinden zu entreißen. Ruhig schaute er daher nach dem in Dunkel gehüllten Gefängnisse hinüber, und indem er in hohlen Gurgeltönen zu seinen Gefährten sprach, waren seine ungetheilten geistigen Kräfte bereits mit der Ausführung der schwierigen Aufgabe beschäftigt, welche Hertha ihm, ohne es zu wollen oder zu ahnen, auferlegt hatte. Das fortgesetzte Schweigen gegen sie selbst, sowie das gänzlich veränderte Wesen der sonst so friedlich er- scheinenden Indianer begann Hertha allmälitz Besorgniß einzuflößen. Sie befürchtete, dieselben durch irgend etwas beleidigt und gereizt zu haben, und wünschte sie daher, ehe sie sich von ihnen trennte, wieder freundlicher zu stimmen. „Kairuk und alle Mohaves sind gut," hob sie mit kindlich flehender Stimme an, ihre großen unschuldvollen Augen schüchtern zu dem riesenhaften Krieger empor- schlagend, der mtt seinen glühenden Blicken die von dem niederbrennenden Feuer schwach beleuchtete anmuthige Gestalt gleichsam verschlang;„Kairuk und alle Mohaves lieben die Mormonentaube, lieben den Amerikaner dort drüben; Kairuk und Mohaves nicht sehen Amerikaner tödten, wachen über den Amerikaner Tag und Nacht, bi» die Mormonentaube zurückkehrt und ihnen wieder Speisen bringt." „Kairuk lieben Mormonentaube," wiederHolle der Häuptling, sich mit einer Würde emporrichtend, die eine Heldenrolle auf der Bühne geziert habe» würde.„Mor- monentaube schlafen in Fort Utah eine Nacht, Mohaves schlafen in Fort Utah eine, noch eine, noch eine Nacht, dann MohaveS gehen, gehen fort, wett fort, sehen nicht Geschäfte, der Handel ist gelähmt, der Madrilene, der so gm» jede Gelegenheit ergreift, seine Zeit zu verpatzen, weiß seit acht Tagen nichts anderes zu thun, als über die Deutschen zu schimpfen, und mit der Unwissenheit, die unser Volk kennzeichnet, glaubt ein Jeder, die Franzosen warteten nur auf einen Anlaß, sich mit uns zu verbünden. Zur Abwechslung organifirt man Subskriptionen für Kriegsschiffe: ein sehr populäres Blatt hat schon zehntausend Franks für ein solches aufgebracht. Das ist gewiß sehr hübsch; aber wer weiß, was ein Panzerschiff kostet, muß darüber lächeln. So hat Dank dem Gefühl, der Ein- bildungskraft, der Romanphantaste ein Handel, der sonst überall ohne bedenkliche Folgen vorübergegangen wäre, in einen inneren Konflikt ausarten können, der sehr ernster Natur und fast un- vermeidlich ist." R u tz l a« d. Aus Warschau meldet man der„Pos. Zeit.": In hiesigen industriellen und landwirthschaftlichen Kreisen wird ein Antrag an die Petersburger„Gesellschaft zur Förderung der russischen Industrie und deS Handels" vorbereitet wegen Erlasses eines Gesetzes zur Beschränkung der Beschäftigung von Ausländern, speziell Deutscher in dem Fabrik- und Jndustriewesen der west- lichen Gouvernements." — Die Bürgermeister von Riga und Reval sollen nun- mehr wegen ihrer Weigerung, die russische Sprache als allein maßgebende anzuerkennen, vor Gericht gestellt werden, was bei den Stockmffen große Freude hervornift. Ein Moskauer Blatt, die„Soivr. Jzw.", äußert ganz unverhohlen, daß die Begeiste- rung derjenigen gleicht, welche allerorts beim Bekanntwerden der Schlacht bei Kuscht zum Ausdruck kam. Andere erblicken darin eine richtige Antwort auf die Maßregelungen, welchen die mssischen Staatsangehörigen in Preußen ausgesetzt werden, und meinen, daß wenn dort alle Mittel zur Geimanisirung der slavischen Provinzen angewandt werden, so darf auch Ruf' land mit eben solchem Rechte bei sich zu Hause eine möglichst starke Homogenität anstteben und durchführen. Dafür, meint die hiesige Presse, müsse die Regierung nunmehr energisch aut der eingeschlageuen Bahn fortschreiten und sich nicht damit be- gnügen, die rusfische Sprache als offizielle bei den Behörden>n den baltischen Provinzen einzuführen, wie es zum Thell schn» § eschchen ist, sondern energisch an die Reorganisation der lorpater Universität, dieses Herdes der Germarnsation heran- gehen. Dänemark. Wie eS allen Anschein gewinnt, ist die dänische Regierung wegen der Anwesenheit der vielen deutschen Kriegsschiffe in den dänischen Gewässem in nicht geringe Unruhe gerathen, denn am Mittwoch erhielt das ganze dänische Uebungsgeschwadtt den Befehl, nach dem großen Bett abzugehen. Dies Geschwader besteht aus drei Panzerbatterien, vier Torpedobooten und einigen Kanonenbooten, kam am Freitag Nachmittag na« dem Aggersösund, wo es in kurzer Entfernung von den da- selbst bereits liegenden sechs deutschen Torpedobooten Anker ging; letztere haben dann bald darauf den Sund vtt- lassen. Außer dieser Demonstration des dänischen Uebungt- geschwaders bringt aber auch noch die öffiziöse„Nat.-Tid."'Ü ihrer letzten Nummer unter der Ueberschrift„deutsche Spione einen scharfen Artikel gegen die Art der Bewegungen dn deutschen Kriegsschiffe an der dänischen Küste. Grohbritanuien. In England hat gestern, obwohl die Wahlen erst in dd* letzten Tagen des November bevorstehen, bereits die Revifia» der Wahllisten begonnen, die Aufstellung der Kandidaten'st im Gange und hier und da beginnt der Kampf, vorläufig nur in Gestalt von Wahlreden, immerhin aber schon% genug, um zu zeigen, daß es im November heiß Herges wird._ Kommunales. Der Magistrat hat beschlossen, den Darstellern in Wildenbruch'schen Festspiel„Electra",— welches bei der M lichkeit zu Ehren der Mitglieder des internationalen% graphen-Kongresses im Rathhause aufgeführt wurde~ s", Ehrengeschenk zu überreichen. Diese hatten nämlich Bezahl»™ abgelehnt und dem Magisttat nahe gelegt, die dafür besiiww'. Summe der„Bühnengenoffenschaft" zuzuwenden. Demgcw°° hat der Magistrat dieser Körperschaft 1000 M. überwiesen% für die Künstler mtt Monogramm und Widmung gez'sfl, Albums mtt photographischen Darstellungen der inneren u" äußeren Architektur des Rathhauses bestellt. w. Der Verein der Kaufleute und Industrielle beabsichtigt zum 1. Ottober er. eine Schule zur Fortbildlw- von Handlungolchrlingen und Kommis zu begründen. Hj selbe hatte sich an den Magistrat wegen Ueberlassung gecign� Räumlichkeiten zur Unterbringung der Schule gewendet. städtische Grundeigenthums- Deputation, welcher diese legenheit zur Entscheidung übergeben wurde, hat nunmehr schloffen, dem Verein einige Klaffen des früheren Werder f® Gymnasiums, wo sich gegenwärtig eine städtische Gemew schule befindet, die aber zum h Oktober er. nach dernst mehr gute Mormonentaube. Sagen aber guten Monno"� taube: Mormonen tödten auch Amerikaner, tödten* Kairuk, Zreteba, MohaveS," und indem er dies sagte, er mit der Faust auf seine hohe Brust, daß es dröhnte. „Guter Häuptling, wenn ich Dich recht verstehe, Du de« Amerikaners Leben mit dem Deinigen vertheidlsp- versetzte Hertha sinnend. � „Achotka, achotka," antwortete Kairuk, unter � zustimmenden„Hagh" seiner Gefährten, obwohl»e � von ihnen den Sinn von Hertha'« Rede so recht griffen hatte; doch wie sie da« junge freundliche kannten, hielten sie es für selbstverständlich, da«, jedes ihrer Aeußerungen unbedingt das einzige „Achotka" passe..u Kairul'S Versicherung, über Weatherton wachest wollen, wie Hertha seine Zeichen und Worte auslegte. nicht wenig dazu bei, ihr von Besorguiß eifülltes 0�, zu beruhigen, und leichteren Herzen«, als sie gekommen reichte sie den auf der Erde kauernden Kriegern die zum Abschied. „Lebe wohl, Kairuk," sagte sie zuletzt zu dem@# ling, der wie eine Eiche, welche eben die Zeit ihrer W(t sten Kraft erreichte, vor ihr stand;«möge Gott D'ch' j* und segnen für die Anhänglichkeit, die Du mir jeder! � wahrtest, und möge es Dir vergönnt sein, dereinst und Wahrheit, wozu in Deiner Brust hier schon der � gepflanzt wird, unter Deinen armen StammeSgenost verbreiten."_ Während Hertha noch sprach, legten deS In Finger sich immer fester um ihre zartgeformte Hand, sy � seine durch rohe Kunst entstellten Züge, als ob der 4 � herzlich und süß klingenden Stimme ihm den Int;.xli'- Rede verrathen hätte, eine» unbeschreiblich wehmüth'g den Ausdruck annahmen. ,,.�jß'' Er hätte gewiß gern zu ihr gesprochen,'hr» � d> gern mitgetheilt, wie zugethan er ihr sei, allein r tz Unmöglichkeit ein, sich verständlich zu machen, und l wenigen Worte, die er im Laufe der Zeit erlernt ha- er plötzlich vergessen zu haben. o gern it acht hen zu eichnet, Anlaß, t man att hat Das ift toftet, er Ein überall Enneren aft uns Siefigen Antrag ffischen eines indern, er wefts n nun S allein vas bei Blatt, Begeiste werden rblicken welchen werden, nifirung ch Ruß öglicht meint isch auf mit be rden in il schon con der herangierung in den , denn chwaber es Ges obooten ag nach den das en vor and ver ebung Spione" Cib." in gen ber in den Revifion Daten ift fig swa n scharf bergeben in bem Der Feft n Tele ein ezahlung mgemäß eftimmte fen und Bezierte ten und triellen tbildung Ders geeigneter e Ange mehr be der'schen Gemeinde Det. Die Dem new ormonens en auch ce, fchlug es laut fo willf eidigen, ter bem I feiner recht be bak auf Mädchen eWort achen u trugen Gemüth men wat Die Hand Häupt er üppig Lohnen erzeit bes nft Light Der Reim offen zu Indianers während Ton, ber halt ber 3 lächeln gewiß fo fab bie fogar bie tte, fchien errichteten Schulgebäude in der Niederwallstraße übersiedelt, nebst den darin befindlichen Schulutensilien gegen eine ange meffene Entschädigung zu überlassen. w. Dem zum Gemeindebezirk Nixdorf und zum Postbezirk Berlin SD. gehörigen südöstlichen Theile des Blazes am Rottbuser Damm beziehungsweise Rollfrug, welcher bisher bie Benennung Rottbuser Damm" führte, ist der Name Hermann- Play" beigelegt worden. Vor Die Verhaftungen von Dirnen- Zuhältern nehmen immer größere Dimensionen an, und unter dieser gefährlichen Menschenspesies hat neuestens eine förmliche Banit Platz gegriffen. Wenn es irgend angeht, nehmen die von dem Schid. fal der Verhaftung oder fich bedroht Glaubenden schleunigst Reißaus und verlegen den Schauplaß ihrer wenig fauberen Thätigkeit nach anderen großen Städten. Aber auch dort dürfen fie fich nicht allzu sicher fühlen; denn das energische Vorgehen der Berliner Behörden hat, wenn der Ausdruck gestattet ist, ,, Schule gemacht", und man beginnt in anderen Großstädten den verdienstvollen Reinigungsprozeß der Berliner Polizei nachzuahmen. Eine sehr brauchbare Handhabe zur verschärften Anwendung der einschlägigen Gefeßesbestimmungen bietet in Dieser Richtung eine unlängst ergangene Reichsgerichts. Entscheidung, welche den Paragraph 180 des Reichsstrafgeseps scheidung, welche den Paragraph 180 des Reichsstrafgeseß buches( Kuppelei betreffend) in erweitertem Sinne interpretirt. Nach dieser Entscheidung macht sich nämlich nicht nur Derjenige der Kuppelei schuldig, welcher gewohnheitsmäßig oder aus Eigen nuß durch Vermittelung oder Gewährung von Gelegenheit der Unzucht Vorschub leistet, sondern auch Derjenige, der durch schüßende Begleitung der Prostituirten oder durch Warnung Derselben bei Annäherung der Polizeibeamten die Ausübung der Sittenpolizei erschwert oder illusorisch macht. Geftüßt auf diese Entscheidung sind bekanntlich in jüngster Zeit auch schon mehrfach Verurtheilungen solcher Spanne", wie der Kunstausdruck lautet,( d. h. Aufpasser und Warner vor der Annäherung der Polizei) zu Gefängnißftrafe bis zu vier Monaten erfolgt. Somit dürfen wir uns wohl der angenehmen Hoffnung hingeben, daß die Landplage der Louis" wenigstens aus der Deffentlichkeit des Berliner Lebens, wo sie sich in jüngster Beit nur allzu bemerkbar machte, bald verschwunden sein wird. Tagesordnung für die Sigung der StadtverordnetenBersammlung am Donnerstag, den 17. September cr., Nach mittags 5 Uhr. Vorlage, betreffend die Verleihung eines Bene fiziums der Wunderlich- Stiftung.- Vorschläge des Ausschusses für die Wahlen von unbesoldeten Gemeindebeamten. Vier Naturalisationsgefuche. Wahl eines Mitgliedes für die BauWahl eines Mitgliedes für die BauDeputation. Wahl eines Bürger Deputirten für die Ge werbe Deputation.- Vorlage, betreffend den Ankauf der soge. nannten Dammmühlen. Grundstücke. Berichterstattung über die Vorlage, betr. die Errichtung einer Kleineren Schweinehalle auf dem Bentralviehhofe. Antrag des Stadtv. Singer und Genossen in Bezug auf eine Anfrage von Mitgliedern der Ver sammlung, betreffend den Streit der Maurergesellen. Vorlage, betr. die Beschwerden über die Sentgruben des Krankenhauses Moabit, sowie über die Ausdünstungen des Kanals an der Ede der Thurm- und Stromstraße. Desgl., betreffend den Neubau einer Fußgängerbrücke über den Louisenstädtischen Kanal im Zuge der Melchiorstraße. Desgl., betr. die stattDesgl., betr. die stattgefundene Ausloosung des am 1. Januar 1886 ausscheidenden Drittheils der Stadtverordneten- Versammlung. Desgl., betreffend die Beibehaltung des Kuratoriums für hypothefarische Beleihung von Grundstücken aus Stiftungsfonds. Desgl., betr die. Ausführung baulicher Veränderungen auf dem Feuer wehrgrundstüde an der Ede der Mauer und Kronenstraße. Desgl., betr. die Gewährung einer Beihilfe für die Zwecke des Auch eine Bergbesteigung. Also den Ortler haben Sie Vereins deutscher Lehrerinnen in England.- Eine RechnungsEine Rechnungsgemacht"? Was das überhaupt für eine Ausdrucksweise ist! fache. Und auf dem Piz Bernina find Sie auch gewesen? Kann Vorlage, betr. das gegen den Finalabschluß der Haupts mir's denken. Sie sind aus einem Wirthshaus in das andere laffe der städtischen Werte über die Kanalisations- Verwaltung pro 1. April 1883/84 gezogene Notat. Zwei Unterstüßungs gekrochen und haben Veltliner getrunken" Erlauben Sie, fachen. es gab überall vorzügliches Münchener Löwenbräu."„ Na, um Vorlage, betr. die Bewilligung einer persönlichen Bulage. so schlimmer, dann haben Sie sich um so fester gesetzt. Sie sollten mal sehen, wenn ich in die Schweiz fäme; ich sage Ihnen, ich nehme das Matterhorn im Sturm!" Sie? Mit Thren 250 Pfund? Sie kommen ja nicht mal auf den Kreuzberg rauf!" st auch nicht nöthig. Was thu ich mit dem Kreuzberg. Aber ich fann famos marschiren! Wetten daß?" Schön, morgen ist Sonntag. Wie wär's mit einer fleinen Partie in die Müggelberge? Das Matterhorn ist zwar etwas höher, aber für den Anfang ,, Abgemacht Sela! Wann Lokales. " Am Sonnabend Abend machten sich auf dem hiesigen Potsdamer Bahnhof, furz vor Abgang des um 5 Uhr 55 Min. nach Belzig und Nordhausen fahrenden Buges, einige höchst bedauerliche Mißstände bemerkbar. Bahlreiche Arbeiter, die Billets vierter Klaffe gelöst hatten, weigerten fich, in die ihnen angewiesenen, bereits überfüllten Waggons einzusteigen. Wir find doch kein Vieh", Wir wollen uns nicht todt drücken laffen", so und ähnlich hörte man die Leute rufen. Der Schaffner versuchte vergebens die fich sträubenden Baffagiere hineinzuschieben, fie blieben unbeweglich auf den Trittbrettern ftehen und erklärten, teinen Platz mehr in dem Wagen zu finden. Aber der herbeigerufene Zugführer dachte anders, er theilte die im Innern gedrängt stehenden Passagiere auseinander und ließ die noch draußen Stehenden gleichfalls in Die überfüllten Wagen einsteigen. Hinter dem Suge standen noch einige leere Waggons vierter Klaffe, aber es wurde feiner derfelben angehängt; die Koupés dritter Klaffe waren auch nicht dicht gefüllt, aber die Reisenden vierter Klaffe Arbeiter mußten fich die fürchterliche Enge gefallen lassen. arme " folls losgehen?" Nun, wenn wir nach Grünau gehen wollen. Unfinn, wer wird nach Grünau geben; dazu ist ja die Eisenbahn da, das fehlte grade!" Dann ist es das Gescheidteste, wenn wir uns um Drei auf dem Görliger Bahnhof treffen. Aber webe Ihnen, wenn Sie sich drücken!", wo werd' ich denn. Schlag drei Uhr bin ich da. Guten Morgen, meine Herren!" Guten Morgen, Herr Mampe!" So leitet die Volts: 3tg." die folgende launige_Plauderei ein. Das 3wiegespräch spielte fich am Sonnabend an einem der Paepte'schen Stammtische zwischen dem Rentier Mampe und einen eben von der Sommerreise zurück. gelehrten Freunde ab, der die ungeheuerlichsten Geschichten von feinen Bergbesteigungen erzählte und offenbar das Blaue vom Himmel herunterlog. Eine fabelhafte Menge von Edelweiß, Das er zur Unterstüßung seiner Behauptungen aus allen Rods taschen hervortramte, vermochte die am Stammtisch fich leise regenden Zweifel nur oberflächlich zu unterdrücken; für jetzt richtete fich indeß das Hauptinteresse auf die geplante Berg besteigung des würdigen Mampe, an deren Verwirklichung Niemand recht glauben mochte. Andern Tags fand sich die Gesellschaft pünktlich 3 Uhr auf dem Görlißer Bahnhof zufammen; 20 Minuten später sollte der Bug abgehen. Freund Mampe war natürlich noch nicht da, und es verging beinahe eine Viertelstunde, ehe er sich mühsam aus einer Droschfe zweiter Güte herauswälzte. Wo bleiben Sie denn, es ist die höchste Eisenbahn!" schallte es ihm allseitig entgegen. Man fachte in'n Sand ich mußte doch erst bei Mosolf ein paar Schoppen nehmen, denn hier auf dem Bahnhof ist das Bier doch zu schlecht."" Das ist nicht wahr; während wir auf Sie warteten, haben wir eben ein vortreffliches Echtes getrunken." So? Ist noch Beit? Gewiß, fünf Minuten! Muß ich gleich noch mal einen heben. Besorgt mir mein Billet mit" und damit vers schwand er in den Restaurationssaal.„ Das Bier war wirklich gut, Kinder," sagte er, nachdem er sich etwas außer Athem im Koupee niedergelassen hatte, schade, ich hätte gerne noch einen getrunken. Na, nu man vorwärts." Eine halbe Stunde später hielt der Bug in Grünau und die Gesellschaft schickte sich zum kurzen Gange durch den Wald an. Wo ist Mampe?" hieß es auf einmal. Er war verschwunden. Nach einer geraumen Weile tam er an. Warum seid Ihr denn nicht voraufgegangen? Ich wollte blos mal schnell das Bier probiren, und im Gesellschaftshaus hätte ich Euch doch gefunden?" Ja, wollen wir denn im Gesellschaftshaus bleiben?" Na, wir müssen doch was zu uns nehmen, und am Waffer fist es sich ia sehr schön. g. Ueber die Kost in unseren Krautenhäusern giebt der nunmehr vorliegende Verwaltungsbericht des städtischen Allgemeinen Krankenhauses im Friedrichshain pro 1884/85 einen interessanten Aufschluß. An den 365 Tagen des verflossenen Verwaltungsjahres sind nach dem Speise- Regulativ für Kranke folgende Hauptmahlzeiten Mittagessen in Wechselfolge und den Jahreszeiten entsprechend verabreicht worden: 26 Mal weiße Bohnen mit Kartoffeln und Rindfleisch, 20 Mal grüne Bohnen mit Kartoffeln und Hammelfleisch, 5 Mal Erbsen mit Schweine fleisch, 26 Mal Erbsen mit Kartoffeln und Rindfleisch, 2 Mal grüne Erbsen mit Mohrrüben und Hammelfleisch, 1 Mal feine Braupen, 4 Mal feine Graupen mit Kartoffeln und Hammel fleisch, 29 Mal Brühlartoffeln mit Rindfleisch, 6 Mal gesäuerte Kartoffeln mit Rindfleisch, 37 Mal Kartoffeln mit Mostrich, Härings, Rosinen- oder Zwiebelsauce mit Rind- oder Hammelfleisch, 48 Mal Kartoffeln mit Kalbsbraten, 11 Mal Rohlrabi mit Kartoffeln und Hammelfleisch, 13 Mal Rohlrüben mit Kartoffeln und Hammelfleisch, 18 Mal Linsen mit Kartoffeln und Rindfleisch, 28 Mal Mohrrüben mit Kartoffeln und Sammelfleisch, 43 Mal Brühreis mit Rindfleisch, 7 Mal Milch reis mit Ralbsbraten oder Bratwurst, 2 Mal Sauerkraut mit Rartoffeln und Rindfleisch, 12 Mal Weißtohl mit Kartoffeln und Hammelfleisch, 10 Mal Rothfohl mit Kartoffeln und Sammelfleisch, 10 Mal Wirfinglohl mit Kartoffeln und Hammelfleisch, 2 Mal frisches Obst mit Klößen und durchwachsenem Spect und 5 Mal Badobst mit Klößen und durchwachsenem Spec. Aus vorstehendem Verzeichniß ist also zu ersehen, daß besondere Nährstoffe neben Gemüsen häufige Mahlzeiten von Hülsenfrüchten vorzuziehen find. als oder eine kleine Niederlassung zu stoßen, wo sie auf alle Fälle eine gaftliche Aufnahme fanden. Selbst in den wil Also vorwärts." Der Weg bis ins Dorf war schnell zurüc gelegt und der Einzug ins Gesellschaftshaus erfolgte. Aha, da ist ja der frühere Kellner vom dicken Wilhelm aus der Landsbergerstraße na, Ferdinand, wie stehts mit Euren Bierverhältnissen?" Vorzüglich, Herr Doftor!" Also schnell, awei vier sechs Schoppen, und mir bringen Sie eine Stulle mit rohem Schinken und eine mit Schweizertäse. Sie wissen schon nicht zu dünn geschnittenes Brot und dafür lieber etwas mehr Schinken so, wollen wir uns hier unter die Linde seßen?" Das Bier fam und wurde für gut befunden. Bei einem tommt man nicht recht hinter den Geschmack," meinte Mampe. Bringen Sie mir schnell noch eins, Ferdinand. Donners wetter, ist der Schinken salzig, na, ich werde der Vorsicht wegen nachher schnell am Büffet noch eins schmettern. Ihr trinkt ja doch nichts mehr." D, ich trinke schon noch einen mit," meinte Büfede hr könnt inzwischen für das Boot sorgen." Nach furzer Ueberfahrt begann die Wanderung durch den im schönsten Herbstschmuck prangenden Wald. Die Gesellschaft schritt rüstig vorwärts, während fich Mampe in allmählich sich erweiterndem Abstand langsam aber sicher hinterher bewegte. Unweit der Müggelberge, wo der Pfad längs der Fichtenschonung rechts abbiegt, erwarteten ihn die Uebrigen. Ihr habt's ja verdammt eilig, brummte er. Na, Du schleichst aber auch wie eine Schnecke!" Dho, ich gehe sehr schön, und ehe ich nicht da bin, geht's doch nicht los."" Nun wollen wir aber machen, daß wir auf den Berg kommen, vorwärts." Die Gesellschaft schlug fich nach rechts, während Mampe unentwegt geradeaus wanderte. hierher! Wo wollen Sie denn hin?", a, glaubt Ihr denn, ich werde dort durch den Sand frareln?" Aber das ist ja die Hauptsache, wie sollen wir auf den Berg kommen?" Was geht mich der dämliche Berg an ich gehe hier unten herum zum Teufelssee. Das ist viel schöner." Na, Sie sind mir vier ſchöner. ein netter Bergbesteiger das Matterhorn läßt Sie grüßen." Ich werde mich schön hüten, soll ich mir Schaden thun?" murmelte Mampe in den Bart und wandelte für baß. Als die Anderen dreiviertel Stunden ſpäter zum Teufelssee tamen, saß er schon bei der zweiten Weißen. Geben Sie mir noch einen Kümmel mit Gewehr über, Herr Wirth. Haben Sie denn auch Lagerbier? Ja? Na, das wollen wir nachher versuchen." Der gegenwärtig stark in die Brüche gegangene Stammtisch des Teufelssees wendete Mampe den Rüden zu und beschäftigte sich mit reelleren Dingen, bis gegen sechs Uhr der Aufbruch nach dem Müggelschlößchen erfolgte. Ich habe also awei Weißen, zwei Kümmel mit Rum und drei Schoppen. Außerdem eine Jauersche und einmal Kubläse. Blacht 1,70 Mark." Hier! Für das Uebrige kaufen Sie sich ein Rittergut. So, Kinder, nun wollen wir machen, daß wir nach dem Müggelschlößchen lommen und etwas Vernünftiges zu effen triegen, ich habe einen fürchterlichen Hunger." Nach halbstündiger Wanderung stöhnte Mampe: Man sollte gar nicht glauben, wie breit so ein See ist; find wir denn noch gehen können!"" Ja wohl, das sagen Sie! Wir sind ja schon den nicht da?" Herrgott, Sie werden doch mal' ne halbe Stunde ganzen Tag auf den Beinen! Na, da ist ja der Thurm! Hier wer ben Fische gegessen!" Der grüne al mit Gurten- Salat will schwimmen, und über Mangel an Spielraum wird er sich nicht zu beklagen gehabt haben. So, nun bin ich satt." fagte Mampe nach einer langdauernden Eßpause, nun wollen wir uns sachte nach dem Bahnhofe durchtrinken." Um acht Uhr saß die Gesellschaft im Koupee. In Bad Bellevue ist das Bier wirklich eben so gut wie in der Brauerei, aber hier am Bahnhof hat's mir heute gar nicht geschmeckt. Der erste Schoppen ging, aber der zweite war sehr matt na, bei Siechen können wir uns nachher entschädigen."" Sie wollen noch nach Siechen, Mampe?" Natürlich; wir werden doch nicht direkt ins Hofbräu gehen, dazu ist es noch zu früh!" Na, Thieme," damit wandte er sich, am Biele angekommen, zu dem altbewährten Kellner, heute wollen wir uns mal ordentlich dahinterseen, heute haben wir es verdient!", err Doktor haben wohl eine Landpartie gemacht?"" Gewiß, wir find auf den Müggelbergen gewesen; denken Sie, ich, mit meinen 250 Pfund. Ah, das schmeckt! Vor zwölfen gehe ich heute ficher nicht ins Hofbräu! Proft, meine Herren!" Das war die Müggelfahrt des Rentiers Mampe. Sterblichkeits- und Gesundheitsverhältnisse. Gemäß den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamtes find in der Beit vom 30. August bis 5. September cr. von je 1000 Lebenden aufs Jahr berechnet als gestorben gemeldet: in Berlin 21,4, in Breslau 27,1, in Königsberg 22,8, in Köln 25,1, in Frankfurt a. M. 26,8, in Hannover 17,7, in Raffel 21,0, in Magdeburg 24,8, in Stettin 22,4, in Altona 23,8, in Straß burg 30,0, in Met 19,4, in München 27,7, in Nürnberg 26,2, in Augsburg 24,2, in Dresden 22,6, in Leipzig 21,5, in Stutt gart 17,8, in Karlsruhe 21,2, Braunschweig 29,2, in Ham burg 25,4, in Wien 22,4, in Budapest 24,6, in Prag 22,5, in Triest, in Krakau 33,1, in Basel 24,1, in Brüffel 24,9, in Amsterdam 19,0, in Paris 20,4, in London 15,8, in Glas gow 24,2, in Liverpool 23,9, in Dublin 22,8, in Edinburg 15,4, in Kopenhagen 18,9, in Stockholm 20,8, in Chriftiania 16,9, in Petersburg 27,1, in Warschau 30,7, in Odessa 37,7, in Rom 30,9, in Turin in Bukarest in Madrid Die Taufe. Obgleich die Rüstungen der Mormonen ihren ununter Achotta, Mormonentaube," wiederholte er mehrere Male, indem er Hertha leise und schmeichelnd über den Arm, welchen er hielt, strich und ihr dabei so recht freund- den Gebirgspässen brauchte Jansen nicht wegen mancher Be brochenen Fortgang nahmen und Jeder nach seinen besten lich und harmlos in die großen Augen schaute;" Achotka, Mormonentaube, Kairut, schlechter, armer Indianer." Dann eine Schnur kleiner weißer Muscheln von seinem Halse löNiden dar; Mormonentaube Mohavehäuptling," fagte er, send, reichte er ihr dieselbe mit freundlichem, zutraulichem als er bemerkte, daß Hertha das dargebotene Geschenk mit einer der Gabe entsprechenden Freude hinnahm, und nachdem er dann noch einmal schmeichelnd die Hand auf ihr Haupt gelegt, ließ er sich mit ernster Miene im Kreise seiner Krieger nieber.quemlichkeiten für die muthige Hertha zu fürchten, weil sie voraussichtlich eine ganze Reihe von kleinen stehenden Laihnen unterwegs teine Hindernisse in den Weg legen oder fie mit Fragen belästigen würde, dafür bürgte Jansen's Ansehen; denn wenn auch erst wenige Bewohner des SalzseeThales ihn persönlich kannten, so war doch sein Nuf und der Ruf seiner Nichte ihm schon längst voraufgeeilt, und es bedurfte von seiner Seite nur der Mühe, sich über seine Person auszuweisen, um von allen Seiten der zuvorkommendsten Begegnung gewärtig zu sein. Der Einzige, der ihnen Schwierigkeiten hätte bereiten können, war Elliot, welcher durch die treulose Gouvernante von ihren Plänen auf's genaueste unterrichtet worden war. Unbeachtet gelangte Hertha wieder in ihr Gemach zufie im Gespräch mit den Indianern bemerkt; ihre Scheu vor rück. Demoiselle Corbillon hatte ihr wohl nachgespäht und ben wilden Kriegern hielt fie indessen ab, sich nahe genug heranzuwagen, um die gewechselten Worte zu vernehmen. Derselbe hatte indeffen nicht nur keine Einwendungen erhoben, als gleichen schrecklichen Geschöpfen Wichtiges zu verhandeln vermocht? Jansen ihn von dem beabsichtigten Ausfiuge nach dem Norden in Renntniß sette, sondern sich sogar vollkommen einverstanden damit erklärt und nur bedauert, daß Hertha bei der Taufe der Mohave- Indianer nicht zugegen sein würde. Kräften dazu beitrug, den Heiligen der letzten Tage den Sieg erringen und sichern zu helfen, so wurde doch nichts verab säumt, was die Glaubensstarken hätte erbauen, die Baghaf ten und Wankelmüthigen dagegen zuversichtlicher und hine gebender machen können. Es fehlte nicht an Predigten und öffentlichen Ermah nungen, vor allen Dingen aber sorgte man auch für die gelegentliche Wiederholung der mehr in die Augen fallenden Beremonie des Taufens, die ganz darauf berechnet war, eben so wohl auf die Gemüther der eigenen Gemeinde, als auch auf die wilden eingeborenen Stämme, welche man als Vers bündete mit in den Krieg hineinzuziehen wünschte, einen bleibenden Eindruck auszuüben. So war denn auch der Tag herangekommen, an welchem die Mohaves in den Fluthen des Jordan die heis lige Taufe empfangen follten. Man hatte ben Jorban ge wählt, einestheils, um der feierlichen Handlung einen gewissen Nimbus zu verleihen, dann aber auch, weil der bestimmte Punkt fich nahe der Fort Utah mit der Salzfee Stadt verbindenden Landstraße befand, mithin, wenn auch nicht genau in der Mitte zwischen diesen beiden Orten lie gend, doch von ersterem aus in einem halben Tage, von der Hauptstadt dagegen in einem starken Tagemarsche erreicht ba brang von der Plattform her noch immer das Murmeln Die Bewohner von Fort Utah schliefen schon längs, von Stimmen durch die nächtliche Stille. Es rührte von lich mit den Füßen, sondern mit dem Kopf dem kleinen Feuer zugekehrt, und über dasselbe hinweg berathschlagten daß Weatherton innerhalb kurzer 3eit aus seiner traurigen werden konnte. fie in ihrer wenig auffallenden Weise. Auf sein dringendes Verlangen erhielt er denn auch das Was ihre Unterhaltung betraf, hätte nur Hertha JanTroßdem die beiden Reisenden sehr früh aufbrachen, hatte er sich doch nicht nehmen lassen, fie noch eine Strecke zu begleiten, und als sie sich dann von einander trennten, erwähnte er als einer abgemachten und feststehenden Sache, Lage entlassen werden würde. sen, der freundliche Schußengel, ahnen können; aber auch Gegenversprechen von Hertha, sich in das Unabänderliche fie ihn faum fennen gelernt, nun wieder auf unbestimmte Beit trennen sollte. Während nun diejenigen Bewohner der Salzsee- Stadt, welche sich bei der Feierlichkeit zu betheiligen wünschten, schon am vorhergehenden Tage aufgebrochen waren, hatten die Be funten. Sie träumte vielleicht einzig und allein von dem firchlichen Oberhauptes, den an sie gestellten Forderungen fich erst in der Frühe desselben Tages in einer großen Ras fchönen blondlodigen Rnaben, von welchem sie fich, nachdem feinen Widerstand entgegenseßen zu wollen. Sie sagte dies mit ruhiger Rälte, obgleich ihr das Herz dabei zu brechen drohte, und nur der Gedanke an Weather Morgen traten Jansen und seine Nichte ton und das Kind gab ihr die Kraft, einen neuen Ausbruch der grenzenlosesten Verzweiflung niederzukämpfen. Am folgenden zu Pferde und ohne alle Begleitung die Reise nach dem Norden an. Sie durften wagen, allein zu reisen, weil sie in dem verhältnißmäßig schon dicht bevölkerten Mormonengebiete darauf rechnen konnten, allabendlich auf eine Farm ravane zu Roß und zu Wagen auf den Weg begeben. Da es sich indeffen nicht allein um die Taufe handelte, welche in den Nachmittagsstunden stattfinden sollte, sondern auch um den gesellschaftlichen Verkehr mit weit hergekommenen Verwandten und Freunden, so war die Heimkehr erst auf ben folgenden Abend festgesetzt worden. dol ( Fortsetzung folgt.) in Alexandrien—. Ferner in der Zeit vom 8. August bis 15. Aua. cr.; in New- Kork 24,9, in Philadelphia 25,7, in Balti- more 21,7, m San Franziska—, in Kalkutta 26,3, in Bombay 28,0, in Madras 34,6.— Die andauernde kühle Witterung, die in der Berichtswoche in Berlin vorherrschte(das Thermometer sank in der ersten Hälfte der Woche zu wiederholten Malen bis unter 6 Gr. C.), übte einen weiteren günstigen Einfluß auf die sanitären Ver Hältnisse aus. Insbesondere haben Darmkatarrhe und Breche durchfälle der Kinder eine weitere Abnahme erfahren, so daß letztere nur in 31 Fällen zum Tode führten und die für Berlin gewöhnliche Zahl nahezu erreichten. Von den Infektion skrank« heiten zeigte fich Ruhr nur in wenigen Fällen; Masern und Scharlach vcranlaßten wohl etwas mehr Erkrankungen als in der Vorwoche, traten jedoch in keinem Stadttheile in größerer Ausdehnung auf. Diphtherie und Kroup riefen dagegen wie- der erheblich mehr Erkrankungen hervor, besonders war das Vorkommen derselben im Stralauer Viertel ein zahlreiches. Erkrankungen an Unterleibstyphus zeigten gegen die Vorwoche einen kleinen Rückgang(von 68 auf 64) und traten in der dicffeitigen.Louisenstadt und im Etralauer Viertel am häufigsten zu Tage. Der Keuchhusten blieb in mäßiger Ausdehnung, akute Entzündungen der Athmungsorgane wurden jedoch häufi- ger. Auch zwei Erkrankungen an Pocken kamen zur Anzeige. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut und Wechselfieber gelangten häufiger zur ärztlichen Behandlung; Erkrankungen an Kindbettfieber dagegen nur in einzelnen Fällen. Gesteigert waren aber rheumatische Beschwerde der Muskeln, während akute Gelenkrheumatismen nur in wenigen Fällen zur Beobachtung gelangten._ Gerichw-Ieitung. „Alleus, wat unrecht is, umn ick nich leiden, det liegt nu'mal so in mir, un jejen seine Natur kann keen Mensch nich. Natierlich, et riebt ja noch'ne Sorte Menschen, die keen Herz und keen Jewrssen int Leib haben un von menschlichet Jefiehl nischt kennen; zu die Sorte jehöre ick aber nich," so antwortete in selbstgefälligem Tone der„Arbeiter" Rudolf Wilhelm Maaß, welcher wegen Mißhandlung auf der Anklagebank fich befand, dem Vorfitzenden, als derselbe ihn fragte, ob er fich schuldig dekenne.— Vors.: Angeklagter, machen Sie doch nicht so viele unnütze Redensarten; Sie wissen ja, wie es vor Gericht zu« geht. Sie wollen doch damit sagen, daß Sie unschuldig find: aber es ist doch auffallend, daß Sie, obgleich Sie erst 32 Jahre alt find, bereits neun Mal wegen ähnlicher Strafthaten wie die jetzt vorliegende destraft worden find.— Angekl.: Det is mir ooch uffällrg jcnung jewesen; aber wenn ick Schöffe jewesen were, wer weeß, wie't jekommen were.— Vors.: Zu dieser Ehre werden Sie wohl nie kommen. Aber wir wollen zur Sache übergehen. Sie sollen am Nachmittage des 14. Juni den Schankwirth Müller in der Tegelerstraße ins Geficht ge- schlagen haben, als er Ihnen, wozu er berechtigt war, die Thür wies; ist das richtig?— Angeklagter: Det is uf eene Art richtig, un uf'ne andere Art dhut et mir lced, det er nich noch eene jekriegt bat; denn verdient hatte er jut un jerne'n paar sone Dinger. Muß ick mir denn vor sämtliche Jäste an de Ehre jreifen lassen? Vors.: Nun, erzählen Sie den Vorfall, aber ohne Umschweife, sonst entziehe ich Ihnen das Wort.— Angekl.: Bon, schöneken, don, ick were mir zusammennehmen. Also et war'n Sonntag Nachmittag, un ick jehe mit meinen Schwager seinen kleenen Jungen nach Tejel, wo sein Vater wohnen dhut, un wo wir det Sonntags Nachmittags immer son kleenen Schafskopp machen dhun. Denn wir Maaßen, wir halten alle zusammen, un alle arbeeten wir bei't Abfuhrjeschäst, un alle find wir von't Milletär losjckommen, un alle-- Vors.; Angeklagter, kommen Sie zur Sache.— Angekl.: Ja so, also wie wir in de Jejend von Müllern seine olle verfluchtije Plansch- Aptheke kommen, da sage ick zu meinen Schwager seinen Jun« gen, Emil, sage ick, jeh'mal'n bisken vorweg, ick komme jleich nach; denn sone Kinder brauchen nich allens zu missen, HerrJcrichts- hof, un ick will bloß bei Müllern'mal nachsehen, wat de Uhr is. Na, ick denn nu ooch'rin. Juten Dag, sage ick; aber meenen Se, det mir eener danken dhat? Nich in de Hand! Der Budiker fitzt in eene Ecke und spielt mit noch zwce andere Skat, wat ick vor'n jewöhnlichm Budiker überhaupt nich vor 'n paßlichet Spiel halten dhue; kann der nich Schafskopp spie- len wie unser eener?— Vors.: Wenn Sie nun noch einmal abschweifen, entziehe ich Ihnen das Wcnt.— Angekl.: Nu bin ick jerade bei'n Knotenpunkt. Also ick jehe an'n Ladendisch un sehe mir det schwarze Mächen aus Kamerun an, wat mit 'n Schnaps un'n Matrosen an de Wand hung, un als der Wirth zu't Ufstehen zu bequem is, da kloppe ick mit den Sechser uf'n Disch und sage:'n kleenen Nordlicht mit Morjenroth. Wollen Sie den da aus'n Disch kloppen? fragt mir der Wirth, steht aber nich uf; denn er spielt jerade'n Trumpf aus. So, denke ick in meinen Sinn, det is wenigstens'n Wirth, wo Verstand drin jehören dhut, den möchte ick mir abschreiben, oder uf'n Feifenkopp haben, un will mir mit mein Jeld schon wieder zurückziehen, denn dafor krieje ick ieberall Ware, als er lang« fam ufstehen dhut un hinter'n Disch geht. Er schenkt mir denn eenen in, un ick schmeiße den Fünffennijer uf'n Disch un drinke ihn aus. Aber Jott soll mir'n Dhaler schenken, wie wurde mir denach zu Mute! Jrien un Jelb wurde mir vor meine sämmtliche Ojen' ick denke, Nieren un Leber soll aus'nanderplatzen, un det Waffer lief mir in'n Mund zu- sammen. Mann! sage ick, is det Nordlicht mit Morjenrot, wat jedet Kind kennen dhut, un wat'ne janz jewöhnliche Be« deitung vor Nordhäuser mit Himbeer is? Det is woll Hammer- schlag mit Fiktriol? frage ick un muß natierlich spucken. Nu kommt er aber ooch schon vor'n Ladendisch'raus un sagte, ick sollte ihn de Stube nich vollspucken, un macht de Dhiere uf un sagt: Raus! Wo mir denn da de Hand ausjerutscht is. Vorfitzender: Nun find Sie wohl zu Ende, und wir können 'mal den Wirth hören.— Angeklagter: Herr Jerichtshof, een renziget Wort noch, der Mann hat, wahrscheinlich damit det recht jefährlich aussehen soll, ne große Salfiette um 'n Kopp jebunden; det det man nich noch von die Backfeife von vor drei Monate find soll. Der Zeuge Müller erzählt den Vorfall im wesentlichen wie der Angeklagte. Er räumt ein, daß er den Gast nicht sofort bedient hat, will ihm aber das Gewünschte verabfolgt haben.„Und meine Ware is jut, Herr Präfivcnt; ick bin schon fufzehn Jahre bei det Fach. Aber wat de Maaßens find, die haben alle'n Pick uf mir, weil ick ihn'n det Lakal verboten habe. Die Maaßen, die ick kenne,— un ick kenne se alle, wie se jebacken find,— die saufen ooch, wat woll zum Theil in ihre Beschäftijung zu entschuldijen is. Det se nich in'n besten Jeruch stehen, rann man fich denken, un keener von de Wirthe hat se jerne als Jäste. Dieser Willem Maaß da, det is eejenllich der Schlimmste. Er wollte mir doch bloß ärjern, als er so spucken dhat un immer„Pfui Deibel!" sagte. Wat sollten da meine anderen Jäste von mir denken. Ick also mache die Dhiere uf un sage, er soll fich draußen ausspucken, un er jeht ooch; denn er is zu schlau, um'n Hausfriedensbruch zu hejeben; als cr aber so uf de erste Stufe draußen steht, un ick de Dhiere zumachen will, da haut er mir mit een Mal mit de Faust int Feficht, det det Blut man jleich so rausspntzen dhut, un denn heidi de Straße 'runter. Von Einholen war natierlich keene Rede mehr, un da habe ick denn Änzeije jemacht. 71 Vorst: Nun, Angeklagter, das klingt doch anders; danach hatten Sie den Streit vom Zaune gebrochen.— Angekl.: Der kann mir ville erzählen, ehe mir wat jefällt, wenn ick in de Sonntagskluft bei ihn kommen dhue, rieche ick jerade sohlt wie er selber, un wat er sagt, det de Maaßens alle Saufbruder find, det's allens erstunken und jelogen. Wenn alle Budiker son Suff hatten, wie der ihn zusammenstellen duht, denn jabe det ieberhaupt keene Saufbrieder mehr; denn wenn ick bloß an die Sorte denken dhue, denn wnd mir jleich andersch, aber nich besser- Ick denke, ick krieje meine Frau un meine Kinder nie nich mehr zu sehn, als ick den int Leib hatte.— Der Gerichtshof billigte dem Angellagten noch einmal mildernde Umstände zu, als er demselben eine fünftägige Gefängnißstrafe zudiktirte. („Ger.-Ztg") Soziales und Arbeiterbewegung. Die Einfuhr und Ausfuhr Deutschlands. Die Werth- bercchnuna für Deutschlands Handel mit dem Auslande im Jahre 1884, welche das jetzt ausgegebene Hauptwerk unserer Handelsstatistik enthält, bringt manche interessante Zahlen- angaben über die Ein- und Ausfuhrverhältnisse auf den ver- schiedenen Gebieten unseres wirtschaftlichen Lebens. Die vom Statistischen Amt aufgestellten Waarenllassen ergeben zunächst folgende Uebcrficht- Einfuhr Ausfuhr in Millionen Mark 1) Vieh und andere lebende Thiere 2) Nahrungs- und Genußmittel 3) Sämereien und Gewächse 4) Düngemittel und Abfälle 5) Brennstoffe 6) Rohstoffe und Fabrikate der chemischen Industrie 7) Desgl. der Thon«, Stein- und Glas- Industrie 8) Desgl. der Mctall-Jndustrie 9) Desgl. der Holz-, Schnitz- und Fett- Industrie 10) Desgl. der Papier-Industrie 11) Desgl. der Leder- und Rauchwaaren- Industrie 12) Desgl. der Textil- und Filz-Jndustrie 13) Desgl. der Kautschuk- und Wachstuch- Industrie 14) Eisenbahnfahrzeuge, Wagen und Möbel 15) Maschinen, Instrumente und Apparate 16) Kurzwaaren und Schmuck 17) Literarische und Kunstgegenstände 18) Verschiedene Maaren_ 184.0 862.0 90.7 72.3 41.9 391.0 47.8 130.7 127.9 13.5 189.6 1022.1 27.1 0.6 47.4 14.4 21.9 153.0 466.9 25.7 19.2 76.7 268.3 118.3 407.7 103.6 83.4 254.9 973.3 22.1 3.9 136.7 99.4 55.5 0.8 3284.9 3266.4 Die erste Stelle in der Einfuhr wie in der Ausfuhr nimmt dann die Textilindustrie ein; in beiden Verkehrsrichtungen entfällt nahezu ein Drittel des Gesammthandels auf ihre Roh« stoffe und ihre Erzeugnisse. Bei der Einfuhr machen die Spinnstoffe fast ein Sechstel und die Garne mehr als ein Zehntel des Gesammtimportes aus; bei der Ausfuhr stehen die Fabrikate mit mehr als einem Fünftel des Gesammtimportes (21,78 pCt.) voran. Daß der gesammte Verkehr in diesem wichtigsten Industriezweige noch immer mit einem Ucberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr abschließt, wird den Bestrebungen neue Nahrung geben, welche die Einfuhr von Flachs und Wolle durch neue Zölle und die Einfuhr von Garnen durch neue Zollerhöhungen erschweren wollen. Nächst der Textilindustrie bilden die wichtigste Klasse die Nahrungs- und Genußmittel, welche nicht nur Getteide und Fleisch, Kolonialwaaren und Tabak, sondern auch die Erzeugnisse der Müllerei, der Brauerei und der Brennerei umfassen. In dieser Klasse überwiegt fast durchweg die Einfuhr. Bei Kolonialwaaren stehen 134,6 Mill. M. Einfuhr nur 3,8 Mill. M. Ausfuhr gegenüber; ebenso bei Getteide 399,6 Mill., gegen 23,1 Mill.. bei Fleisch, Schmalz w. 134,7 Mill., gegen 55,7 Mill.. bei Tabak 59,8 Mill., gegen 8.9 Mill. Bei gegohrenen Gettänken(Wein, Bier, Brannt« wein) ist dagegen die Ausfuhr(79.5 Mill.) größer als die Ein- führ(61.5 Mill.). ebenso bei Mehl. 39.5 Mill. gegen 19.3 Mill., und vollends bei Zucker, 192.3 Mill. gegen 2.2 Mill. Unter den anderen Waarenklassen ragen noch oesonders die chemische und die Metallindustrie hervor. In der ersteren ist das Ueberwiegen der Einfuhr auf den starken Bezug von Roh- stoffew zurückzuführen tSalpeter 40.1 Mill., Indigo 24.2 Mill., Farbhölzer 9 Mill., Chinarinde 12.9 Mill., Petroleum 69.4 Mill.). In der Metallindustrie ist ein Ueberschuß der Einfuhr nur bei Eczen zu verzeichnen(Einfuhr 36.2 Mill., Ausfuhr 10.3 Mill.); bei allen anderen Artikeln überwiegt die Ausfuhr. In den übrigen Waarenklassen ergiebt fich ein Ueberschuß der Einfuhr nur bei solchen, welche im wesentlichen Urprodukte um« fassen, wie Sämereien, Vieh, Holz. Das Ueberwiegen des Exports wird umgekehrt um so größer, je mehr der Werth des Rohstoffs zurücktritt hinter dem Werth der auf die Herstellung des Fabrikats verwendeten Arbeit. Es zeigt fich dies deutlich in der Glasindusttie, in der Papierindustrie, in der Maschinen« industrie, bei Eisenbahnfahrzeugen und Möbeln, bei Kurz- waaren und Kunstgegenständen. Ueber die Hausarbeit in der Lederwaarenfabrikation, ihre üblen Folgen und die Frage, wie find selbige zu beseitigen, entnehmen wir der„Buchbinder- Zeitung" folgendes:„Wenn man heute von der Hausarbeit in der Lederwaarenbranchc spricht, so geschieht ei wohl meist in dem Sinne, daß dieselbe als ein Uebel für diesen Fabrikationszweig hingestellt wird. Und nicht mit Unrecht. Denn fie, oder richtiger gesagt, die Handhabung derselben ist es, welche einen niederdrückenden Einfluß auf die Lohnverhältnisse der gesammten Branche ausübt. Die Haus- arbeit an und für fich wäre wohl nicht im Stande, diese Wir« kung zu äußern, wenn fie nicht zu einem Ausbeutungssystcm der schlimmsten Art herabgesunken wäre. Nicht genug damit, daß der Hausarbeittr verschiedene Zulhaten zu seiner Arbeit dazu giebt und obendrein noch billiger arbeitet, als seine Kol« legen in der Wcrkstube, nein, er zieht noch seine Familienglieder mit zur Arbeit heran und hält fich womöglich noch Gesellen und Lehrlinge, die er dann mit einem Hungerlohn abspeist. Man steht bei dieser Einrichtung wieder so recht, wie verschiedene soziale Schäden in einander greifen, um einen ganzen Erwerbszweig herunter zu bringen. Durch die Lehrlingszüchterei der Großfabrikanten werden Arbeiter geschaffen, denen es nicht möglich ist, in einer guten Fabrik oder Werkstube Arbeit zu erhalten; dieselben fallen sodann den Hausarbeitern, den sogenannten„Dach- stubenmeistern" in die Hände und werden dort auf's Aeußerste ausgenutzt, und nicht genug damit, diese Hausarbeiter halten fich selbst noch Lehrlinge, welchen in den meisten Fällen eine noch mangelhaftere Ausbildung zu Theil wird, als den vorhin erwähnten, wenn selbiges überhaupt noch möglich ist, und so mehrt fich die Zahl dieser Unglücklichen und wächst von Tag zu Tag bis ins Unendliche. Für die Hausarbetter und über« Haupt für die ganze Branche wäre es am besten, wenn selbige (die Hausarbeirer) fich aller Hilfskräfte entledigen und zu einer Organisation zusammen thäten oder fich einer bestehenden an- schössen und dann mit aller Energie auf die Verbesserung ihrer Lage hinwirkten. Hier werden wohl die Herren Philister aus- rufen, daß fie das noch gar nicht nöthig haben und daß fie noch immer einen ganz guten Verdienst erzielen. Wenn nun auch viele derselben fich augenblicklich noch pekuniär besser stehen, als ihre Kollegen in den Werkstuben, so er« reichen fie diesen VorthcU nur durch übermäßig lange Arbeitszeit, durch das Heranziehm von Frau und Kind ur Arbeit und durch ihr verderbliches Ausbeutungs- system, welches fie denjenigen Kollegen gegenüber anwenden, die gezwungen find, fich unter ihre Oberhoheit zu stellen. Dieser scheinbare Vorthell jedoch, denn ein scheinbarer ist eS auf jeden Fall, da er ja nur durch Ueberansttengung und eine schimpfliche Arbeitsmethode(Kolonnenwesen) errungen wird, ist schon jetzt im Sinken begriffen. Die Arbeitgeber wissen ganz genau, daß der Hausarbeiter machtlos dasteht und drücken ihn bis aufS Aeußerste, und die Hausarbeiter, fie suchen, anstatt fich zu organifiren, den Ausfall durch übermäßige Arbeitszeit und durch noch stärkeren Druck auf ihre Untergebenen wieder quitt zu machen. So geht die tolle Jagd immer weiter, rast« los weiter, bis wir zuletzt am Ende, an dem Ruin unseres JndustiiezweigeS angelangt sein werden. Schon vielfach kann man jetzt die Bemerkung machen, daß in solchen Fabriken oder Werkstuben, wo die Kollegen einig unter fich find, die schlech' test bezahlten Nummern außer dem Hause angefertigt werden, da die Arbeiter in der Werkstude fich einmüthlg weigern, die- selben zu machen. So fällt dann das Uebel auf ihre Urheber zurück und diese werden, wenn fie nicht bald an eine Umkehr denken» darin versumpfen und untergehen. Diese Produttions- weise rächt fich an fich selbst und die Hausarbeittr, welche fich als willenlose Werkzeuge derselben hingeben, werden, wenn fie nicht bald ihren egoistischen Standpunkt aufgeben und fich or« ganistren, ihr zum Opfer fallen. — Frankfurt a. O., 14. September.(Schriftsetzerstreik in der hiestgen Königl. Hofbuchdruckerei Trowitzsch und Sohn.) Wie die Deutsch-Freifiunigen in Arbeiterfteundlichkeit„machen", davon legt der Streik der Schriftsetzer in der„Frankfurter Oder-Zeitung", der am vorigen Freilag eingetreten ist, ein treffliches Zeugniß ab. Da derselbe auch für Ihre Leser, speziell für die Berliner Buchdrucker, von Interesse ist, so gestatten Sie mir, Ihnen den Hergang kurz mitzutheilen. Schon seit länger denn einem Jahre waren die hiestgen Schriftsetzer(Ver- einsmitglieder) bemüht, den allgemeinen deutschen Buchdrucker- Tarif auch in der obengenannten Offizin, in der in Bezug auf den Tarif trostlose Zustände herrschten und die Setzer der Willkür der Geschäftsleitung völlig preisgegeben waren, ein- zuführen. Im vorigen Herbst ermannten fich die Kollegen zu einem gemeinsamen Vorgehen und baten den Chef in einem höflichen Schreiben um Einführung des zwischen Prinzipalen und Gehilfen vereinbarten Tarifs. Da zeigte es fich denn, daß letzterer keine blaffe Ahnung von der Existenz eines solchen Tarifes hatte und fich daher zunächst ein Exemplar desselben auebat. Anfänglich schien es, als sei der Herr geneigt, seine liberalen Anfichten praktisch zu bewahrheiten, indem Hoffnung vorhanden war, unsere Forderungen anerkannt zu sehen; doch die Hoffnung war ohne den Geschäftsführer gemacht. Dieser sah seine Jahres-Tantisme, die er neben seinem sehr glänzenden Gehalt bezog, durch die Mehrausgabe an Lohn beschränkt und bot seinen ganzen arbeiterfrcundlichen Einfluß, den er während 25 Jahren kultivirt, auf, den Chef, der Millionär ist, zu bestimmen, auf keinen Fall zu bewilligen. Letzterer konnte den„wohlgemeinten" Rathschlägen seines „treuen Dieners" nicht widerstehen und lehnte die Forderung ab, indem er den Setzem erklärte, er ließe fich durchaus von seinen Arbeitem keine Vorschriften machen, denn was solle er von fich denken, wenn er vor dem Spiegel stände und fi» sagen müßte: Trowitzsch, du hast deinen Arbeitern nachgegeben? Nimmermehr könne cr fich solcher peinlichen Situation aus- setzen. Und dabei gerieth er in blinden Zorn und machte den Setzern so recht seinen manchesterlichen Standpunkt klar. Er bezeichnete den Tarif als ein elendes Machwerk. Für das Minimum des Lohnes, so meinte Tr. naiv,„pachte" er fich die Arbeitskraft und könne fie zu seinem Belieben ausnutzen. (0 sancta sirnplicitas!) 14 Mann reichten, nachdem keine Einigung erzielt wurde, ihre Kündigung ein. Dies änderte die Sachlage. Jedenfalls wollte der liberale Herr so kurz vor der Reichstagswabl keinen für die deutsch freistnnige Sache unliebsamen Zwischenfall eintreten sehen und er bewilligte den sämmtlichen Setzern ein gewisses Geld; theils gerade das Mi' nimum, theils etwas darüber. Gleichzeitig gab er das Versprechen ab, über>kurz oder lang die tarifmäßige Berechnung ein- zuführen. Sei es nun, daß Herr Trowitzsch meinte, seinen Arbeitem gegenüber brauche er sein gegebenes Wort nicht zu halten, oder sei es, daß er meinte, er käme bei dem„gewissen Gelde" besser weg, genug, ein volles Jahr verging, ohne daß Herr Tr. fich seines Verbrechens er< innerte. Inzwischen wurden 6 betheiligte Kollegen, darunter 2, die 8 bezw. 5 Jahre im Geschäft thätig waren, unter nich' tigen Gründen entlassen. Bei der Entlassung der beiden letz' teren wurden die Mitglieder wiederum vorstellig bei dem Chc>- erinnerten ihn an sein gegebenes Wort und machten gegen die Maßregelung der beiden Kollegen Front. Doch da kamen ssc schön an. Wie konnten fich die Arbeiter dieses Herrn so etwas herausnehmen? Das war im höchsten Grade beleidigend flh seinen Stolz und zornsprühend kam cr in den Sctzersaal und forderte von jedem Einzelnen die persönliche Abbitte der„W- teidigung"; wer der Aufforderung nicht nachkomme, müsst binnen einer Stunde das Geschäft verlassen. Die Stunde ver- floß und statt abzubitten, kehrten elf Kollegen dem Geschäft den Rücken, den Chef beim Gewerbegericht auf Auszahlung des vierzehntägigen Lohnes verklagend. Leider besaßen die vereinsmitglleder und auch ein Mitglied nicht so viel Soli- daritätsgefühl, fich den für die Verbesserung der Existenz Ein» tretenden anzuschließen. Nachträglich erfahre ich noch, daß Tr- jetzt Nichtoereinsmitglieder zu tarifmäßiger Bezahlung suw'- wodurch er seinen Charakter selbst am besten kennzeichnet. Dieser Etteik diene den Berliner Kollegen als Fingerzeig, da genannter Herr die Abstcht hat, dort ein Geschäft zu erwerben- Uerelne mh Uersammwngen. bfs. Im Verein zur Wahrung der Interessen der Berliner Dachdecker referirte Herr Matz am Sonntag über- „Die Nothwendigkeit einer Organisation der Dachdecker Deuti»' lands". Er empfahl den Anschluß an den„Allgemeinen deut- schen Dachdecker- Verband". Ferner wies Redner auf das By streben des Obermeisters der Innung, Herm Keller, hin, wet- ches dahin gerichtet fei, möglichst viele Arbeitskräfte nach Berlin ,u locken. Bei der mündlichen Vemehmung über die Ah schaffung der SonntaaSarbeit habe fich Herr Keller jedoch davln geäußert, daß Mangel an Arbeitskraft im hiesigen Dachdecker gewerbe niemals vorhanden sei. Hierauf schritt die Versamw kung zur Wahl von 2 Delegirten zum deutschen Dachdecker- Kongreß, welcher im Laufe deS künftigen Monats statthnde» wird, um fich mit der Zenttalisation zu befchästigen. Die Wahl fiel auf die Herren Matz und Wieysch. Ferner beschloß ott Versammlung, beim hiesigen Polizeiprästdium um künstige Em- Hebung der Tachdeckergesellen von jeglicher Verantwortung die angebrachte Hängerüstung zu petitioniren, damit die Eie sellen nicht ferner ohne Verschulden bestraft werden. Stuttgart, 13. September. Nach langer und uncrmuv licher Agitation durch Flugfchriftm und Artikel in den Fa? zeitschrificn, hat es endlich der Stuttgarter Mechaniker-Vere» fertig gebracht, in den Kreisen der Feinmechaniker und Opt'» Deutschlands den Geist der Kollegialität und Solidarität z wecken. Der hiefige Verein will eine zentralistrte Organisati schafien nach dem Muster des„Deutschen Buchdrucker-Veroan- des" und haben fich bis jetzt für Gründung eines„unl stützungs- Verbandes deutscher Mechaniker, Optiker und v wandter Berufsgcnossen" zirka 600 deutsche Kollegen du NamenSunterschnft verpflichtet. Dieselben vertheilen fi« 10 folgende Städte: Aachen 15, Berlin 174, Breslau 8, Zelle Chemnitz 32, Dresden 14, Hamburg 20, Hannover 8, Zerw! Köln 40, Leivzig 8,~~ 62, Wetzlar 23. 2 Deutschlands ihrer____________ Mann dem Verbände beitreten. am Eonnabend, den 19 zum„Deutschen Kaiser", 1. DaS Ausscheiden aus heiten. 3. Verschiedenes. Mitglieder. Kranken- und Sterbt-Unterstatzungs-Kasse liner Hausdiener. Außerordentliche General-Versamm ....... vvv 11�—---»> � 4. Fragekastm. 5. Aufnahme Perantnvtlicher Redakteur«. is Berlin. Druck und Verlag von M« vadtug in verlin BW, Beuthstraße 8. Hierzu eine Veila«s. Nr. 316 Mittwoch» den 16. September 1883. II. Jahrg. Akkoritarbeit— Morilarlteit! ,awL„Die Sozialdemokratie hat neuerdings eine [wnafte Agitation gegen die Akkordarbeit bcziebungs« Mse den Stücklohn ins Werk gesetzt— so schreibt das Organ GrosinvustrieUe, die„Magd. Zeitung." Und weiter �°uptet das Blatt:„Man strebt ein gesetzliches Verbot Lohnform an.„„Akkordarbeit— Mordarbeit"" ist ein Wugelies Wort aus der letzten Arbeitseinstellung der Berliner Murer. Nun ist ja nicht zu bestreiten, daß das System der .«tiotbat beil manche Schattenseiten hat. Dem steht gegenüber der große Vorth eil, daß der Arbeiter nur dieser Lohnform die Früchte seines Fleißes und seiner �Ichuklichkeil voll genießen kann, und weiter der allgemeine �»kswirth schaftliche Nutzen, daß mit einem gegebenen Quantum von Arbeitskraft die größtmögliche Leistung erzielt itp. Eine verständige Behandlung der Sache würde recht . ohl die Wahrnehmung dieses Vortheils und zugleich die Ver- ?„ung jener Nachtheile ermöglichen.— Betreffs der Arbeiten ffiü' r reichen der Stücklohn möglich ist, wird zunächst im JMncn zu erwägen sein, ob die Anwendung desselben volks- N'thschaitlich zweckmäßig sein würde Wenn z. B. von der Goldarbeit eine die B rauch bar keit des herzustellenden �Senstanves beeinträchtigende Wirkung zu befürchten wäre, so �urde dieselbe zweifellos nicht für nützlich gehalten werden können. JT Uebuall da aber, wo Bedenken wegen der Qualität Z �sbcit nicht obwalten, ist die Zulassung des Stücklohnes 5� einfache Forderung der Gcrcchligkeit; denn Niemandem "lt5, es einleuchten, daß der Fleißige rmd Geschickte nicht mehr "ttdrenen dürfe, als der Faule und Ungeschickte. Man will ».Fleißigen gegen sich selbst, gegen eine übermäßige beutung seiner Arbeitskraft schützen. W i r glauben im», � der deutsche Arbeiter auf der Bildungsstufe, die er �allgemeinen einnimmt, fich eine derartige Bevormundung Mallen lassen würde; man wird die Beurtheilung der Grenze Wer Leistungsfähigkeit seinem eigenen Verstände Massen müssen. Man will ferner die..wirthschastlich schwachen", d. h. in diesem Falle die minder Befähigten, vor Mn Erdrücktwcrden bewahren. Das ist allerdings bis zu Vem gewissen Grade Christenpflicht, kann aber auf andere '«eife geschehen, als daß man die Thatkraft der besser Ver- sagten in Fesseln schlägt. Lediglich die Faulheit ein unleugbares Interesse an der Be» j.tfißung des Akkordlohnes. Sollte der Staat sich Zrrllich berufen glauben, ihr zu Liebe eine gesetzgeberische Maßregel zu ergreifen, welche Streben und Fortschritt auf Mcn Gebieten der wirthschastlichen Thätigkeit geradezu er- Men müßte? Es ist uns doch sehr zweifelhaft, ob der Appell M Sozialdemokratie an die Trägheit in der deutschen Ar- "ilterwelt überhaupt Erfolg haben wird." Soweit die Magdeburgerin. � Zunächst wollen wir konstatiren, daß nach unserem Wissen N Sozialdemokratie keine„lebhaste Agitation" gegen die Mordaroeit ins Werk gesetzt hat; wohl aber mag hier und da Ke solche von einzelnen Anhängern dieser Partei in ihrem grellen Gewerbe entfaltet worden sein. Es ist ja heute Mode forden, alle Opponenten gegen das bestehende wirthschaftliche politische System den Sozialdemokraten zuzurechnen, ob l* hytei en Ursache haben, fich über diese Praxis zu beklagen» 5 hier nicht näher erörtert werden. Wir wollen unS vielmehr Äis beschränken, die vorstehenden Argumente der„Magd. <%" etwas näher zu bettackten. «-.Das Blatt gicbt selbst zu, daß die Akkordarbeit Schattenseiten hat, findet aber diese Schattenseiten nur -�solcher Arbeit, deren Ausübung mit einer besonderen Ge- �tflichlni verknüpft ist; nur wo die Brauchbarkeit des stellenden Gegenstandes durch die Akkordarbeit„beein- t>gt" werden konnte, würde dieselbe nicht für nützlich ge- N werden können.— Damit ist aber schon zugegeben, daß Akkordarbeit nicht mit der sonst üblichen Gründlichkeit zu woraus wiederum folgt, daß die in «irordarbeit nicht immer Produkte von geringerer Quhlttät find, als litt fottiiiiBtt DMtioe. Von Dr. Fr. Müller (Schluß.) Ho* hat mich hierhergelockt?" ftagte Berton imi � denn es half ihm doch nicht», hier Erregung � war so frei, mein werther Herr Spion," versetzte de» Hauses,„und ich will Ihnen auch sagen warum. üL Jahren wurde meine Mutter wegen verschiedener klül m � der Südsee deportirt, die in den Augen der »bx.'hergehen gegen die sogenannte Gesellschaft sein sollen, >!z»?Ats waren, al» ein Ausgleich der ungerecht vertheil- .®'e waren der Veranlasser des Unglücks meiner �steten'�� dieselbe in einer vornehmen Gesellschaft tjh"Entsinnen Sie sich des NamenS Fanny Ashton? Ich »Iz J?' Camille de Vermont, sondern Cäcilie Ashton und *tth.% Mutter eingeschifft wurde, schwor ich Ihnen de» ��.«ach �chS Jahren werde ich Zeugin der Voll- L"S eines UrtheilS sein und werde nie ein glücklicheren �piv»- Huben. Und nun vorwärts, Freunde, schafft den mjort, daß unser Souper nicht verdorben werde." !d>»in in schwieg; die Banditen hoben ihn auf und tn ein unter dem Keller des weitläufigen Hauses '°uch«s Gewölbe. Hb'evf et könnt Ihr nun bis morgen über Eure Erfolge M sSrR» mein werther Freund und Gönner", rief ihm H dp««?ison P'«ich will Euch auch sagen, wo Ihr % j. v" heraus kommt Ihr doch nicht wieder, als bis der nxir7het�e geworfen werdet. Seht, hier seid Ihr ,?Mea Nähe des Justizpalastes, auf der Rückseite, m h"" Schritte beträgt die Entfernung; Ihr ,�n i,„t 8ett beinahe Eure Kameraden um Euch schluchzen � es m � solch' einen tüchtigen Mann verlieren sollen: �?wal nicht anders, ei ist uns auch öfters so H- Eigentlich seid Ihr hier auf amtlichem Grund �chkeit v.' denn das Haus bewohnte früher Seine Herr» '»ohj ec oberste Polizeigott selbst; und nun schlaft in �l die Thür ins Schloß und der Gefangene � Nach«�Dunkelheit auf feuchten Fliesen. Lange grübelte �seme hoffnungslose Lage; er konnte nicht an- B oet der schnellen Fahrt vom Theater hierher die in Lohn angefertigten. Mag dies nun bei einer Arbeit mehr, bei der anoeren weniger hervortreten, an dieser Thatsache ist nicht zu rütteln. Ader auf diesen Umstand wollen wir weniger Gewicht legen, obwohl die deutsche Industrie gewiß alle Ursache hätte, etwas mehr auf die Qualität der hergestellten Waaren zu sehen, da der Ausspruch des Professor Reuleaux:„Schund und billig" auch heute leider noch vielfach auf deutsche Fabrikate paßt. Wichtiger ist uns die Behauptung des Blattes, daß die Akkord- arbeit ein großer Vortheil für den Arbeiter sei, da er nur unter dieser Lohnform die Früchte seines Fleißes und seiner Geschicklichkeit voll genießen könne. Wenn der Schreiber des Artikels nur eine Ahnung von den wirklichen Arbeitsverhältnissen hätte, so müßte er wissen, daß gerade die Akkordarbeit es ist, welche dem Arbeiter die Geschicklichkeit raubt, gerade der geschickte Arbeiter kommt oft bei derartiger in der Hast zu verrichtenden Arbeit am schlcch- testen weg, weil er eben geschickte Arbeit verrichtet und deshalb langsamer arbeitet, bis er schließlich mit der Zeit sich an die Schundarbeit gewöhnt und zu seinem eigenen Schaden Iseine Geschicklichkeit eingebüßt hat. Nun kommt aber weiter in Betracht, daß die Akkordarbeit ein wesentlicher Faktor zur Lohnherabsetzung wird, und fie trägt dazu in doppelter Weise bei. Wählen wir ein Beispiel. Ein Fabrikarbeiter fertigt in der Stunde 100 Schrauben an und erhält pro Stunde 30 Pf. Lohn. Nun bietet ihm der Unternehmer die Arbett in Akkord an und legt der Berechnung 100 Schrauben pro Stunde zu Grunde. Der Arbeiter strengt seine Kräfte über die Maßen an: der Zufall ist ihm günstig, das Material ist gut, der Dampf geht flott und es gelingt ihm jetzt, in der Stunde 125 Schrauben anzufertigen. Hatte der Arbeiter früher nur einen Verdienst von 18 Mark bei 10 stündiger Arbeitszeit in der Woche, so stellt fich derselbe nun, da er für 100 Stück 30 Pf. erhält, auf 22 Mark 50 Pf.— Der Unternehmer hat jetzt gesehen, was der Arbeiter leisten kann, er steht fich das ein Weilchen, vielleicht einige Wochen an, dann aber— und hierzu treibt ihn schon die Konkurrenz, da andere es ebenso machen— wird er einfach erklären, daß er nicht mehr 30, sondern nur noch 25 Pf. für 100 Schrauben geben könne. Der Arbeiter wird zwar mißmuthig, aber an der Niederlegung der Arbeit hindert ihn die Thatsache, daß draußen vor der Fabrik- thür bereits andere auf Arbeit harren und so ist er gezwungen, auf das Anerbieten einzugehen. Er strengt feine Kräfte doppelt an und es gelingt ihm, den vorigen Verdienst von 22,50 Ml. nahezu oder ganz wieder zu erreichen. Nach kurzer Zeit wieder» holt sich das Spiel, bis schließlich der Arbeiter ausgenutzt einer frischen, womöglich jugendlichen Kraft Platz macht, der es später nicht besser ergeht. Und geht es in vorstehender Weise nicht zu machen, so weiß ein„geriebener" Unternehmer andere, probatere Mittel. Er läßt zwei oder mehr Arbeiter, jeden für fich, ein und dieselbe Arbeit in Akkord verrichten, in der leider meist zutteffenden Voraus- setzung. daß nun eine„wilde Jagd" beginnen wird. Während nun die Arbeiter mit Aufbietung aller Kräfte fich die Wage zu hallen suchen, lalkulirt der Unternehmer mit der Uhr in der Hand, und nach Ablauf der Woche oder beim zweiten Akkcrd legt er der Berechnung das Arbeitspensum desjenigen Arbeiters zu Grunde, der fich am heftigsten abgerackert hat. Doch das ist nicht Alles. Nehmen wir an, daß 12 Arbeiter in der Fabrik thätig find und daß jeder im Lohn pro Stunde 100, pro Tag(10 Stunden) 1000 Schrauben fertig stellt. Nun läßt fie der Fabrikant in Akkord arbeiten und sie liefetn in der Stunde 125, pro Tag 1250 Schrauben. Während im ersteren Falle ein Arbeiter in der Woche 6000 und alle 12 zusammen 72 000 Schrauben lieferten, stellen fie jetzt zusammen 90000 fertig, mithin 18000 mehr. Zur Anfertigung dieser 18 000 Schrauben würden aber, falls die Arbeit in Lohn zu verrichten wäre, fast 3 Arbeiter mehr erforderlich gewesen sein, während jetzt ebensoviel überflüsfig werden. Nun denke man fich— und so ist es heute thatsächlrch— dieses Verhält« niß ausgedehnt auf Tausende und Abertausende von Fabriken und— wer begreifen will, der muß den Arbeitern irgend ein Agent der Polizei hätte folgen können und jetzt Rettung im letzten Augenblicke brächte, und nach und nach faßte eine dumpfe Resignation den sonst so muthigen Beamten der fich dem sicheren Tode von der Hand wutherfüllter Ver» breche? preisgegeben sah. Mehr als zwei Stunden lag er schon am Boden- da war es ihm plötzlich, als wenn die Steine sich in seiner Nähe bewegten; er lauschte, deutlich hörte er seinen Namen rufen. „Wer ist da?" flüsterte er gedämpft, mit Spannung den unheimlichen Besuch erwartend, der au» der Erde zu steigen schien. Wo könnte derselbe herkommen? Wohl mußte er, daß sehr viele Häuser London» Eingänge zu den unter- irdischen Kloaken hatten und daß man durch dieselben ein- dringen und verschwinden konnte; der Polizei waren diese Zugänge bekannt, den Verbrechern aber auch. Wer konnte nun dieser Ankömmlung sein? Letzterer riß ihn sofort aus dem Nachsinnen, indem er in das Gewölbe trat, seine Blend- laterne hervorzog und die Parole der geheimen Polizei flüsterte. Berton erkannte den Kollegen sofort und rief ver- wundert: „Aber wie seid Ihr denn hergekommen? Wie wußtet Ihr-?" „Nun," versellte der Andere, während er schnell die Stricke des Gefangenen durchschnitt und demselben aufhalf, „da» Hereinkomme« war nicht so schwierig; seht nur, hier führt die Treppe unter der verschiebbaren Steinplatte hinab; das kennt Ihr ja so genau wie ich selber; aber hört: Euer Glück war es, daß der Chef von Eurem Abenteuer wußte und seit Eurem Weggehen in Sorgen blieb; mich schickte er hinter Euch drein und al» Ihr mit dem Wagen hierher führet, saß ich hintenauf in der Kleidung eines Feuerzeug- Händlers. In der Nähe sprang ich ab, als der Wagen langsamer fuhr und versteckte mich. Dann stellte ich einen Kamerade« her und eilte zum Chef, der sich entsann, daß er dies �aus vor Jahren selbst bewohnt und deßhalb gemiethet hatte'weil er vermittels des Ganges leicht Zugang zum »n'tttvalaste hatte. Als Ihr nun nicht wieder herauskamt, in die Themse geschafft und deshalb ist auch der ganze Gang bewa�n sann nach, dann theilte er semem Kollegen einen Recht geben, wenn fie fich gegen die Akkordarbeit erklären. Die durch die Akkordarbeit überflüsfig gewordenen Kräfte drücken durch ihr Angebot den Lohn uno den Atkordoreis immer weiter herab und somit wird die Akkordarbeit mit Veranlassung, daß fich die Lage der Arbeiter fortdauernd verschlechtert. Und gerade die Bauhandwcrkcr haben Ursache genug, gegen die Akkordarbeit zu sein, selbst wenn der einzelne Maurer nur 10 Steine pro Tag in Akkord mehr vermauert wie in Lohn, so würden 10000 Maurer doch schon täglich in Akkord 100000 Steine mehr vermauern. Schließt man hieraus auf die Woche und weiter auf die Bauzeit, so ergiebt fich, daß durch Einführung der Akkordarbeit ein großer Theil der Maurer arbeitslos werden müßte. So naiv wird aber wohl kaum ein Redakteur der„Magdeburger-" oder„Nordd. Allg. Ztg." sein, zu glauben, daß der„Bauherr" aus reiner Liebe seinen Arbeitern einen höheren Lohn zahlen wird, wenn auf der Straße die durch die Akkordarbeit brodlos gewordenen Gesellen stehen, um sich anzubieten.— Der volks wirthschaftliche Nutzen der Akkordarbeit sputt also nur im Gehirn unwissender Zeitungsschreiber, die von den Arbeitsverhältnissen absolut nichts verstehen. Nun kommt noch hinzu, daß die Akkordarbeit die Kräfte deS Arbeiters in viel höherein Grade konsumirt, wie die Lohn- arbeit, und daß sie ferner die Veranlassung wird zu vielen Unglücksfällen, denn in der Hast wird viel leichter ein Fehllrllt oder ein Mißgriff gemacht, als bei ruhigerer Arbeitsweise. Unter diesen Umständen nimmt fich die Phrase, daß der Fleißige durch die Akkordarbeit gegen übermäßige Ausbeutung geschützt werden solle, und daß es nur eine Forderung der „Gerechtigkeit" sei, wenn er mehr verdiene als der Faule, recht jämmerlich aus. Niemand wiro etwas dagegen einzuwenden haben, wenn ein Unternehmer den„fleißigen" Arbeiter besser bezahlen will, kein verständiger Mensch kann es den Arbeitern aber verdenken, wenn fie einen Minimallohn fest- gestellt wissen wollen, unter welchen in der Branche nicht gearbeitet werden soll. Ein solcher ist so berechnet, daß er gerade genügt, auch den langsameren Arbeiter, dessen Kräfte dem Unternehmer schon zu Gute gekommen find, zu erhalten. Nicht also der Förderung der Trägheit gilt die Agitation gegen die Akkordarbeit, fie resultirt vielmehr aus dem „eigenen Verstände" der Arbeiter, aus der Erkenntniß, daß die Akkordarbeit der gesammten Arbeiterwelt nicht zum Nutzen, wohl aber zum Schaden gereicht. Die Akkordarbeit ist auch am allerwenigsten geeignet, dem Arbeiter die Fesseln ab- zunehmen, vielmehr wirkt fie, wie das aus dem Angeführten hervorgeht, darauf hin, die Fesseln straffer anzuziehen und somit hat das Sprüchwort in allen Punkten seine Be- rechtigung: Akkordarbeit ist Mordarbctt! Volitischr lleberstcht. Wahlnachrichten aus Sachsen. Gewählt wurden nach den bis jetzt vorliegenden Nachrichten: Im 4. Wahlkreise Kaden(Soziald.), im 1. W etzlich(konserm), im 5. Bartholomäus(konserv.), Dresden(Land) B ramsch (kons.) gewählt. Zwickau(Land) Stolle(Soz.) gewählt. Chemnitz Claus 3651, Liebknecht 1661, Möbius 1003, Geyer 1680. Zur Karolinen-Affaire. Der erwartete Kourier, welcher die spanische Antwortsnote hierher überbringen sollte, ist am Sonntag Abend angelangt. Gestern Nachmrltag wurde die Note durch den spanischen Gesandten, Grafen Benomar, im Auswärttgen Amte überreicht. Mit begreiflicher Spannung sieht man verläßlichen Äittheilungen über den Inhalt der Note entgegen. Inzwischen scheint man es für gut befunden zu haben, nach Paris wieder einmal einen kalten Wasserstrahl zu dirigirm. Die„Kölnische Zeitung" polemifirt nämlich in einer offiziösen Auslassung scharf gegen die franzöfische Presse, namentlich gegen die«Agence Havas", bei deren offiziösem Charakter man er- „und laßt und dann mir Euer führt da» heißt, nur anscheinend," sagte er, Feuerzeug und die Laterne hier Uebrige aus." Der Retter verschwand wie er gekommen, die Platte schloß sich wieder und Berton legte sich ruhig zum Schlafen auf dieselbe nieder. Der folgende Abend kam endlich heran, es war gegen elf Uhr, als die Thür des Gewölbes sich öffnete und Dixon eintrat; augenblicklich erlosch sein mitgebrachtes Licht wieder, doch rief er lachend: „Na, kommt nur Freunde, ich habe Feuerzeug bei mir, helfen könnt Ihr nicht, macht nur die Thüre fest zu und tretet mir unser« Freund Berton nicht zu Tode. Nun, wo seid Ihr, Berton, habt doch Euren zarten Geist noch nicht aufgegeben? Wartet, ich will Euch leuchten." Er bemühte sich, das Licht wieder anzuzünden, aber ei« heftiger Säbelhieb auf den Arm verhinderte es und ließ ihn laut aufheulen. Im nämlichen Augenblick ertönte ein Pfiff und viele Laternen erhellten das Gewölbe. Die Bande sah sich einer vielfach überlegenen Anzahl Soldaten und Polizisten gegenüber, die mit angeschlagenen Gewehren dastanden, in ihrer Mitte Berton mit flammendem Blick, gekreuzten Armen und einem höhnischen Lächeln auf den Lippen. „Nun lieber Freund Dixon, Madame de Vermont, Ihr liebe alte Bekannte, wa» meint Ihr? Soll ich Euch zusammenschießen lassen, oder wollt Ihr ohne Widerstand mit mir in die Hölle spazieren, wohin ich spedirt werden sollte?" Die Banditen starrten ihn mit weit hervortretenden Augen und gesträubten Haaren wie ein Gespenst an. „Ihr müßt mit der Hölle im Bunde stehen," murmelte der Anführer Dixon, erdfahle Blässe auf seinem Gesicht. „Nun, dann kommt und folgte meinen infernalischen Genossen nach oben. Ein Souper will ich Euch schon ver» schaffen, wenn auch nicht so gut wie mein gestriges bei Euch. Madame de Vermont-Ashton, ich bedauere unendlich, heute wieder nicht mit Ihnen speisen zu können," sagte er mit lächeldem Hohne und dann setzte fich die Gesellschaft in Marsch, um von einer zweiten Abtheilung Wachen in die schon bereft stehenden Wagen geschafft und zum Gefängniß transportirt zu werden. Die ganze Bande wurde zu lebenslänglicher Deportation verurtheilt- Berton blieb unvermählt, er traute keinem Weibe mehr. kenne, daß trotz der friedliebenden Politik der französischen Republik rn der Regierung einzelne Elemente seien, welche einen entgegengesetzten Einfluß unkontrolirbar auszuüben ver- ständen. Man werfe Deutschland vor, sagt das Blatt, eS beabsichtigte, den französischen Einfluß in oen Pyrenäen zu unterdrücken, während doch Deutschland das politische Schicksal Spaniens ganz gleichgiltig sein könne und es auch niemals gegen eine sp anis ch- fran z ösisch e Fusion Ein- spruch erheben würde. Man sehe aber, D�roulSdes Bemühungen hätten Wurzel geschlagen, und die Republik sei wohl nicht mehr im Stande, oem Revanchestrom Einhalt zu gebieten. Das sei im Interesse des dauernden Friedens wenig trostreich, und allmählich dränge sich bei der deutschen Regierung die Ueberzcugung auf, daß die jahrelangen Bemühungen der deut- schen Politik, auf die Bahn der Versöhnung einzulenken, ver- lorene Mühe waren. Während die meisten hiesigen Blätter eine baldige Bei- legung des deutsch spanischen Konfliktes in Aussicht stellen, be- richten ausländische Zeitungen, daß die Aufregung in Spanien noch immer fortdauert. Der italienische„Secolo" bringt fol- gende Telegramme vom 11. d. M.: Madrid, 21. September. Die Ausregung gegen Deutschland, die sich schon etwas gelegt hatte, rst wieder im Wachsen. Meldungen von neuen Kundgebungen laufen ein aus Vigo, Zarragossa, Alcala und Valencia.— Die oisiziosen Blätter drohen mit Verhängung des Belagerungszustandes, wenn die Unruhen nicht aufhörten. Madrid, 11. September, Abends. Die Note Bis- marck's hat den schlechtesten Eindruck gemacht. Der Gedanke an ein Schiedsgericht wird mit Entrüstung zurückgewiesen. Die meisten liberalen und demokratischen Blatter sprechen für die Ablehnung einer Genugthuung für die Vorkommnisse in Valencia und Madrid. Ein Versuch zu einer großen Kund- gebung gegen den Palast des Ministerpräsidenten wurde unter- drückt. Die Unrube war auf die Nachricht hin entstanden, daß das Kadinct eine Entschuldigungsnote an Deutschland abfasse. — Es muß freilich dahin gestellt bleiben, ob diese Nachrichten ans Wahrheit beruhm. Zur Enquete über die Sonntaasarbeit. Wie die „Franks. Ztg." erfährt, hat das Berliner Polizeipräsidium auch die Gewerbedeputation des Magistrates zu einem Gutachten betreffs deS Verbotes der Sonntagsarbert aufge- fordert und letztere ein solches dahin erstattet, daß Sonntagsarbeit in größerem Umfange und regelmäßig in folgenden vier Kategorien von Betrieben statt- finde: 1. in solchen Gewerben, deren Natur eine regelmäßige Unterbrechung des Betriebes nicht gestattet, z. B. in Gasanstalten, Pozellansabriken, gewissen chemischen Fabriken, Dampfmühlen, Bäckereien, den Verkehrsgewerben einschließlich der Gastwirthschaft, sowie in der Gärtnerei-, 2. in solchen Ge- werben, in denen sich die Arbeiten in bestimmten Jahreszeiten besonders anhäufen, d. h., um es kurz, wenn auch nicht er- schöpfend auszudrücken, in denen Saisonartikel hergestellt wer- den; 3. in solchen Gewerben, bei welchen, wie bei den Bar- bieren. der Sonntagsdienst unentbehrlich erscheint, oder wie in der Mscherei die Witterung maßgebend ist; endlich 4. in sol> chen Betrieben, in denen die Sonntage für Reparaturen und Reinigungen benutzt werden müssen-— Im Uebrigen glaubt die Gewerbedeputation, welche die gcsammten Handelsgcwerbe nicht berücksichtigt hat, betonen zu dürfen, daß an Sonntagen nur selten und nur im Bedarfsfalle gearbeitet wird; daß heute Sonntags weitaus nicht mehr so viel gearbeitet wird, als es früher üblich gewesen ist, und daß in dieser Beziehung die beiden letzten Jahrzehnte eine nicht zu verkennende Besserung gebracht haben. Dies zeige sich auch darin, daß in der Regel die Sonntagsarbeit wert besser bezahlt werde, als die Arberr an Wochentagen, manchmal mit einem um 50 pCt. höheren Lohnsatze pro Stunde. Die Deputation betrachtet diese Besserung als Folge der in§ 105 der Gewerbeordnung getroffenen Bestimmung und des fichtbar hervorgctre- tenen Strebens der Arbeiter nach einer besseren Lebenshaltung. Die Gewerbedeputation ist der Ansicht, daß ein unbedingtes Verbot der Sonntagsarbeit vielen Arbeitern große wirth« schaftliche Einbußen und mehr Nachtheile als Vor« theile dringen werde» und faßt das Ergebniß ihrer VerHand- lungen schließlich dahin zusammen, daß sie den§ 105 der Gewerbeordnung in Verbindung mit den bestehenden Polizei- Verordnungen über die Sonntagsruhe für vollkommen aus- reichend halte.— Offen gestanden, wir haben von der hiesigen Gewerbedeputation kein anderes Urtheil erwartet. Dasselbe legt ein treffliches Zeugniß ab von der Kenntniß, welche diese Herren von den gewerblichen Verhältnissen besitzen. — Welchen Werth die jetzige Enquete über die Sonntags- arbeit hat, zeigt folgendes Zirkular: „Verein derJ ndustriellen deSRegierungs- beztrkes Köln. Ereng vertraulich! An die Mitgleder des Vereines. Da bei der bereits inszenirten Enquete betreffend die Sonntagsarbeit auch Arberter vernommen werden sollen, und wir vermuthen dürfen, daß die Regierung, ohne Kenntniß geeigneter Personen, es nicht unliebsam aufnehmen wird, wenn seitens der Industriellen solche Personen namhaft gemacht werden, so beehre ich mich, an Sie das Ersuchen zu richten, Der Kners. Von W. F. N i e d e r m a n n. Zwischen der Thüre nach der Bühne mit der Auf- schrrft„Verbotener Eingang für das Publikum" und dem hintersten auSrangirten Prospekt regiere» andere Genien als außerhalb dieser nur von künstlichem Licht erhellte« Räume. Wer hat noch Emil Devrient gesehen oder vielmehr gehört? Da» Auge konnte übersättigt werden,— da« Ohr trank nie genug des GlockentoneS seiner wunderherrlichen, auf'« Vollendste geschulten Stimme. Emil Devrient, der gefeierte Mime, steht als Uriel draußen, er hält die tausend Herzen, die dem einen braven, blutenden Gutzkow- Accosta- Herzen zuschlagen, als Herrscher mit seinem Zauberauge, mit seiaem Engelstone fest,— selbst der Athemzug stockt, im Parerrre wie hinter den Koulissen. Da schleicht sich ein verhaltenes Schluchzen, erschrocken über den eigenen Ton, durch die Stille. Draußen jubelt der Beifall; dem bescheiden gekleideten Manne hinter der zweiten Koulisse neben dem Sammetfauteuil perlt eine Thräne über die Wangen. Devrient taumelt in die Koulisse, sinkt auf den Swhl, der Mann wirst ihm einen Mantel über, hält ihm ein Flaco« unter die Nase und knöpft ihm ein paar Haken am Kollet auf. Wie todt liegt der Künstler eine halbe Minute. Plötzlich schießt er auf:„Sie Esel!"...." Er flüstert es nur, um oaS Organ»u schone».„Wie faß die Perrücke wieder? Und der Gurt brückte mich! Der Diener kriegt einen Stoß vor die Brust, daß er taumelt. Nach einer neuen Ruhe» pause führt er den Erschöpften in die Garderobe, unter- wegS kriegt er eine Ohrfeige, er hat den Künstler auf die Sammtschuhe getreten; in der Garderobe hört man eine Reihe von Flüchen und Scheltworten. Der alte Devrient war schwer zu deHandeln, außerordentlich schwer! . Zn der Herrengarderobe kämpfen zwei Stimmen mit einander. Der Direktor ist gerufen worden, weil Hugo Müller sich den Schnurrbart bei den„Karlsschüler«"»ich/ mir solche Personen auS Ihrem Arbeiterstande namhaft zu machen, welchen Sie ein Urthci! über die Frage zutrauen. Mit Hochachtung der Vorfitzende Eugen Lanzen." Die„Germania" bewerft dazu:„DiesZirkular überrascht uns in keiner Weise, denn es ist lediglich eine Bestätigung dessen, was wir ftüher gesagt. Da glauben aber die Offiziösen noch, der öffentlichen Meinung zu imponiren, wenn sie das Ergebniß der Enquete heraus strerchen. Wir haben neulich schon auf eine solche Aeußerung der„Köln. Ztg." hingewiesen und jetzt lesen wir in der„Mageb. Ztg.": Wenn man die Stellung der Reichsregierung zur Frage der Sonntagsarbeit nach dem Eindruck beurtheilen soll, den die Ergebnisse der Erhebungen bis jetzt hervorgebracht haben, so ist man zu der Annahme berechtigt, daß es zu weiteren gesetzlichen Schritten bezüglich des Verbots ver Sonntagsarbeit nicht kommt, sondern bei den jetzigen Vorschriften sein Bewenden haben wird. Sollte die Regierung eine Veröffentlichung des Gesammtergebnisses der Erhebung oder eine auszügliche Ueber- ficht über die erstatteten Gutachten verfügen, so würde sich greifbar herausstellen, daß ein weiteres gesetzgeberisches Verbot Gewerbe und Handel so wie öffentlichen Verkehr entschieden benachtheiligen würde. Wenn man nur nicht so flunkern wollte? Glaubt denn die„Magdcb- Ztg.", die Vertreter der Sonntagsruhe ließen fich mit solchen Vorstoß Artikeln über die Art und Weise, wie die Enquete gemacht wurde, hinwegtäuschen? Der„ReichSanzeiger" veröffentlicht folgenden Erlaß: Auf den Antrag des evangelischen Oberkirchenraths bestimme ich in Gemäßheit des§ 24 der General-Synodalordnung vom 20. Januar 1876, daß die zweite ordentliche Generalsynode für die evangelische Landeskirche der neun älteren Provinzen der Monarchie am 10. Oftober 1835 in Berlin zusammen zu treten hat. Der evangelische Oberkirchenrath wird mit der Ausführung dieses Erlasses beauftragt. Berlin, den 7. September 1885. Wilhelm. Der frühere Finanzminister Bitter ist Hierselbst am Sonnabend gestorben. Derselbe war im Jahre 1877 zum Unter-Staatssekretär im Ministerum des Innern und im Juli 1879 zum Finanzministcr ernannt worden, aus welcher Stellung er im Julr 1882 ausschied. Die bisher erschienenen Angaben über die Wahl- termine für den preußischen Landtag erweisen fich bis auf eine kleine Ungenauigkeit als zutreffend. Es liegt, wie offiziös verbreitet wird, in der Absicht, die Wahlen der Wahlmänner am 5. und jene der Abgeordneten am 12. November stattfinden zu lassen. Jndeß bedürfen diese Festsetzungen noch der cnd- giftigen Genehmigung. Lokales. Die Partei Stöcker- Cremer- Wagner hat fich von jeher darin gefallen, fich als die besonders staatsrettende und staatserhaltende hinzustellen. Mit Vorliebe thaten die Herren immer so, als ob sie„von oben herab" fich geheimer Sym- pathien zu erfreuen hätten, als ob man ihre Bestrebungen be- sonders protegire. Zu ihrem großen Leidwesen müssen sie nun erfahren, daß dem doch nicht ganz so ist, denn die„Nordd. Allg. Ztg." läßt in ihrem gestrigen Leitartikel die„Christlich- Sozialen in folgender Weise abfallen: „Die„Christlich-Eozialen" haben ihrer Agitation eine spezifische Richtung gegeben, welche sich mit konser- vativen Tendenzen im reinsten und besten Sinne des Wortes nickt in Uedereinstimmung bringen läßt. Die „Christlich. Sozialen" haben zwar den Antisemitismus nicht in Szene gesetzt, aber sie baben ihm eine nutzbare Verwendung zu geben gesucht. In wiefein? Der An- tisemitismus zielt auf ein bestimmtes Ziel ab, welches im Bereiche des politisch-praktischen Lebens auf dem Wege friedlicher Reform nicht wohl erreichbar erscheint. Es ist eines der sichersten Ergebnisse der polftischen Ent- Wickelung, daß die bürgerlichen Rechte der Staatsanae- hörigen durch den Unterschied des Religionsbekenntnisses nicht alterirt werden; und selbst eine Politik des Fanatis- mus, welche dem Antisemitismus zu Hilfe kommen wollte, würde die Möglichkeit kaum finden, weil der Antisemi- tismus nicht klar erkennen läßt, ob er fich gegen die Religion, gegen die Nationalität oder nur gegen die Gcschäftsgewohnheit richtet. Insofern also die„Christ- lich-Sozialen" sich solidarisch mit dem Antisemitismus erklären wollten, würden sie nur als eine Ägitations- partei in Betracht kommen können, welcher ebenso wie der Sozialdemokratie die Agitation Selbstzweck i st." Also Herr Stöcker muß fich mit den„ S o z i a l d e m o- (raten" auf eine Stufe stellen lassen! Bei den„Sozialdemo« traten" wird man über diesen Zuwachs gerade nicht sehr er- baut sein, aber für den Hofprediger ist diese Klasfifizirung so kurz vor den Landtagswahlen auch nicht gerade besonder» er- muthigend, wahrscheinlich fängt der„Knabe Karl" an, fürchter- lich zu werden, und man sorgt bei Zeiten dafür, ihn überall abzuschütteln. Ob er nach dieser durchaus deullichen Desavoui- wollte abschneiden lassen.„Seien Sie versichert, ich schminke die paar Härchen ganz pompös weg."—„Aber Herr Dok- tor, Sie werden dadurch eine dicke Lippe kriegen, die Sie eher einem Bacchus als einem Schiller ähnlich macht." Nützt nichts! Er sich seinen eleganten Schnurrbart nehmen lassen, dies Bijou, das alle Damen entzückt, das wie Gold auf dem feinen Munde leuchtete, wenn er promenirte! Der Direktor hatte begonnen, sich seinerfeit« die Haare auSzu- reißen. Plötzlich hält er inne. Ein boshafte« Lächeln um- spielt seinen Mund. Er geht. Auf der noch dunkeln Bühne flüstert er bald darauf heftig und schnell:„Ich sage Ihnen, die Folgen kommen auf mich, ich garantire Ihnen. Thun Sie es aber nicht, so erinnern Sie sich, daß Meier ein sehr geschickter Koiffeur ist und längst auf die Stelle lauert." Dann war der Theaterfriseur mit todtenblassem Gesicht wie- der in die Garderobe gehuscht. Bevor das Schminken be- gann, ließ sich Hugo Müller stet« auf's Penibelste die Haare um den Mund mit Ausschluß de«„Goldigen" wegrasiren. „Herr, Sie zittern ja so!" herrschte er heute den Friseur an. Er, der entzückende Bonvivant, der Meister de« ele- anten Wortes, konnte heillos grob fein.„Ach Gott! Sie aben mich gestoßen— ich bin nicht Schuld!" entfuhr e« dem Haarkünstler und zugleich flog er drei Schritte rückwärts an die Wand, der Mime vorwärts zum Spiegel. Entsetz- lich! Die eine Hälfte war weg, ein Zug des Messers hatte sie schnöde ausgetilgt. Das Bijou hing nur noch halb über den Lippen. Rieger'S Degen lag neben dem Platze Müller'S. Er flog aus der Scheide, die Augen des Künstlers rollten— der Friseur stak unter dem Tische lautlos— die Kollegen kannten und schonten de» ersten Liebhabers Heftig- keit, aber dieser stumme Grimm verkündete Ernst, sie hielten ihn fest, bis da» Opfer sich gerettet hatte. Natürlich da der Mantel weg war, mußte der Herzog nach und schließlich wurde eben doch gespielt— ohne! Allein Müller war zu- gleich Regisseur und er ließ es nun die Theaterarbeiter ent- gelten. Zn selbiger Aufführung der Karlsschüler vernahmen die Zuschauer einen dumpfen Lärm hinter dem Vorhang. Dort hinten hatten sich die zur Verzweiflung getriebenen rung der„Nordd. Allg. Ztg." noch irgendwo einen Unterschlu»! finden wird, erscheint überaus ftaglich. Das soeben erschienene„rothe Buch" giebt Auskunft über 18 700 Personen, welche im Berliner Gcmetndedienst und in den kommunalen Institutionen und Verwaltungen beschA- ttgt find. Berlin zählt jetzt 5 Ehrenbürger, und zwar Ftoft Bismarck, Graf v. Moltke, den Rentier Kochhann, Dr. Schliß mann und den Wirkt. Geh. Rath Dr. v. Ranke, fem«" Stadtälteste: Stadtrath Hagen, Stadträthe a. D. Geseniut Roth, Krug, Friedberg, Prof. Dr. Hofmann und Stadtbamaü a. D- Rospatt. Das Magistratskollegium besteht aus 2 Lür- germeistern, 15 besoldeten und 16 unbesoldeten Stadträthe» die Stadtverordneten-Versammlung aus 126 Mitgliedern, au Bürgerdeputirte fitzen 73 Personen in den verschiedenen Kura- toricn und Verwaltungsdeputationen. In den 213 Arme» kommissionen find 1756 Personen beschäftigt, abgesehen von 40 Armenärzten und 41 Spezialärzten, welche sich für die Armen zur Verfügung gestellt haben. In den 213 Gemeinde- Waisenräthen find 1334 männliche und weibliche Personen thätig, in den 136 Schulkommisfionen amtiren 1528 Person«. In den 326 Stadtbezirken funklioniren 592 Personen als Varsteher reip. Stellvertreter, 646 Personen stehen den Ei» schätzungskommisstonen vor, 512 Personen stehen im Am» eines Schiedsmannes resp. Stellvertreters. An den 20 höher« Lehranstalten für das männliche Geschlecht unterrichten 20 Direktoren, 163 Oberlehrer, 205 ordentliche Lehrer, 55 Vorschul' und 40 technische Lehrer; an den vier höheren Lehranstalt« für das weibliche Geschlecht find angestellt: 4 Direktoren,» Oberlehrer, 35 ordentliche Lehrer, 38 ordentliche Lehrerinue» 5 technische Lehrer und 4 technische Lehrerinnen. An den 1" Gemeindeschulen unterrichteten ebenso viele Rettoren und unge- fähr 3000 Lehrer und Lehrerinnen. Mit den Hayward'schen Handgranaten wurde v» gestern Abend auf dein Grützmacher eine interessante abgehalten. Inmitten des Platzes waren, der„Post" zusolga die Brandobjelte aufgebaut worden, an denen die Probe v>» genommen werden sollte. Zunächst wurde eine!'/< lange und'/- Meter breite und!'/> Meter hohe Kiste«j» 3 Ztm. dicken Fichtenholzbrettern mit etwas erhöhter Rückw«»- die mit Hobelspähnen, Petroleum und Theer gefüllt war,* Brand gesetzt. Nachdem fich die Flammen entwickelt hau«- wurden 6 Granaten kurz hinter einander in die Gluth i" warfen und bereits nach zwei Minuten waren die Flamm« vollständig erstickt. Bei einem zweiten Versuch mit d« selben neu in Brand gesteckten Kiste reichten V* Granaten vollständig zur Ablöschung aus. Der na# Versuch wurde mit einer 2V: Meter hohen gedeckt« Bretterbude angestellt, in der man ein ganz gewaltig« Feuer fich entwickeln ließ. Auch hier wurde mit 2 Granat« ein erstaunliches Resultat erreicht. Der Umstand, daß Bude gedeckt war, begünstigte die Probe allerdings in so W als die Gase, die fich deim Zerplatzen der Granaten bilden u» denen die Hauptaufgabe bei der Löschung zufällt, nicht leicht entweichen konnten. Bei einer großen offenen Brett«' bude waren daher auch drei Granaten zur Ablöschung nötbf Es folgten dann noch Feuerproben mit Versuchsobjekten, � mit der feuerfesten Anstrichmasse„Cyanit" getüncht waren;? waren dies eine Tannenholztreppe, eine Fichtenholzkiste und«J gedecktes Wärterhäuschen. Die Treppe wurde 14 Minut« lang einem starken Feuer ausgesetzt und tonnte selbst W dieser Zeit noch ungefährdet begangen werden. Das Wärt«' Häuschen und ebenso die Kiste waren nach 25 Minuten n« intakt, nur an den Astlöchern, in welche die Anstrichmaffe nia' eindringen kann, kamen die Flammen etwas durch. Im U« rigen befriedigte die Probe allseitig. Ein junger Mann betrat gestern Vormittag den Lad« einer Buchhandlung an der Schloßfreiheit und fragte nach ein« Buch:„Der perfette Engländer". Während der Buchhänd» fich nach d-m Hinteren Tbeile des Ladens begab, um das v« langte Buch zu holen, blieb der Unbekannte allein. Nach sein« Entfernung vermißte der Buchhändler den ersten Theil des a« zwei Bändm bestehenden Werkes:„Der Kongo" von Stanl« Das Buch, welches im Buchhandel 17,50 Mk. kostet, ist« blauem Halbiranzdeckcl elegant eingebunden. Auf dem R% des Bandes befindet fich in Golddruck ein Neger, eine FaM mit einem Stern haltend. Sollte dasselbe irgendwo zum As? angeboten werden, so wird ersucht, der Kriminalpolizei 9� therlung hiervon zu machen. Ein diebischer Bräutigam. Der Kriminalpolizei 1#% vorgestern Vormittag ein Echneidergeselle aus Hamburg K Feststellung seiner Persönlichkeit zugeführt, der Legitimation' Papiere auf verschiedene Namen besaß und nicht genügt»« Auskunft über den Erwerb des in Schuhen und Taschen borgenen Geldes im Betrage von 313 M. geben konnte. eine telegraphische Anfrage bei der Polizeibehörde in HarnM traf die Nachricht ein, daß der Festgenommene von dort ist. Derselbe hatte seiner Verlobten, einer Köchin, 460 M- Gold und eine silberne Damenuhr gestohlen., Durch das unachtsame Fortwerfen von Obstrest« auf den Bürgersteig ist gestern Vormittag wieder eine in der Aleranderstraße verunglückt. Dieselbe glitt vor% Hause Nr. 52 aus und erlitt durch den Fall zur Erde ein«. ei hebliche Verstauchung des linken Armes, daß fie n»»«' Droschke nach ihrer Wohnung gebracht werden mußte. Theaterarbeiter mit Latten aufgesiellt und erwarteten@4% als er sich Laura's Armen entwunden hatte. Wieder nmp' der Direktor ins Mittel treten und Schiller zu seiner Sicksv heit in den Kerker sperren, aus dem ihn dann Koch � fünften Akt befreit. So pflegt es auf den großen Theatern zu bei den„Meerschweinchen"-Bühnen liegt über(o% Vorkommnissen ein Zug der Wehmuth oder der Reiz Humors. Freilich, hier giebt« auch noch Originale. Der„Striefe" in Schönthan'S„Raub der Sabinerin»*« ist die getreue Kopie eine« sächsischen Direktors, dem° Tradition fteilich alle guten und schlechten Witze f*. geschrieben hat. Allein eS bleibt noch genug Thatsächlich** Wer den Revers jener Schönthan'schen Malerei kennt,»e» krampst sich daS Herz zusammen bei gewissen Erinnerung** Der geschätzte Komiker Eichholz hätte ein Lied davon auS«» serer nächsten Nähe singen können, aber am schlimmsten und steht es noch in Sachsen, wo ganze„Meerschweinch" Generattonen existiren. Der oder die Kleine mußte rollen spielen; es folgten die Pagen; dem erwachsene« schen wurden Dümmlmge und Naturburschen anvertraut«» so lernte er nichts, konnte nichts al«„Komödie" spiele«!*? Lebtag. Und wenn unsere Dilettanten im Ochse« Sternen den Vorhang zum letztenmal fallen sahen.«!! jubelnd zum Schmaus und Tanz eilen, so fahren jene„K«»L ler" cm O chsen und Sternen auf die Direktorin zu,«J*„ hinter emer Koulisse da« Geld zählt, dazwischen den M»» ermahnend, ja schnell die Lichter auszulöschen. Dan« ginnt der Kampf dieser Proletarier mit dem„Kam_ Dann reißen sie der Frau die paar Pfennige unter den Händen weg und eine„gute" Einnahme � höchstens von ihr durch das Schreckwort gerettet werde«,. Wirth gebe die gepfändeten Waldkoulissen zur ohne n an, hafte Abzahlung nicht mehr heraus. Die® � jene« Urbildes von Striese erfüllte nicht nur ihre& als Künstlerin, Garderobiere und Kassiererin aufS®.* artigste, sie war auch nur darauf bedacht, ihr Geschlcch' Ueberfallen wurde in der Nacht vom 5. zum 6. d. M. «n Friedrichshain in der Nähe der Georgenkirchstraße auf der dortigen Promenade ein Mann von mehreren Strolchen und demselben aus der Billettasche seines Rockes ein Geldbetrag von 18 bis 19 Mark sowie eine silberne Remontoir-Uhr entwendet. Als der That dringend verdächtig ist ein mehrfach vorbestrafter Verbrecher, der„Arbeiter" Seeaer, festgenommen worden, jedoch sehlt über den Verbleib der Uhr bis jetzt jede Spur und werden Mittheilungen hierüber auf dem Kriminal- Kommissariat, Zimmer 75», entgegen genommen. Wegen Urkundenfälschung wurde heute der in einer Shawl- und Teppichweberei am Grünen Weg beschäftigte Buch- Halter W. oerhaftet. Derselbe hatte den Auftrag, die außer- halb der Fabrik bearbeiteten Waaren an Frauen zum Weben und Spulen aufzugeben und nach Zurück!, eferung der Arbeit den verdient«, Lohn wochenweise auszuzahlen, wofür für jede Arbeiterin ein Spezialkonto geführt wird. Bei Vergleichung emes solchen Arbeitsbuches mrt dem Hauptkonto stell, e es stch heraus, daß W. in acht Fällen größere Beträge als Wochen- verdienst im Hauptkonto eingetragen hatte, als die Frau in Wirk- Ilchkeit verdient hatte. K Ein schwerer Unglücksfall wird gemeldet, der fich ßcstern Nachmittag auf einem Neubau in der Königin Augusta- maße 7 ereignete. Der auf dem genannten Bau beschäftigte Maurerpolier B wollte um die angegebene Zeit fich von der zweiten nach der dritten Etage begeben, trat hierbei fehl und stürzte kopfüber zur Erde herab. Mit anscheinend schweren inneren Verletzungen wurde B- nach dem Elisabeth-Hospital in der Lützowstraße gebracht. Gegen eine in der Chausseestraste wohnhafte Nestau- rateurfrau ist eine Anzeige wegen Körperverletzung resp. Ge- fahrdung der Gesundheit bei der Kriminalpolizei gemacht wor- den. Dieselbe hat am 9. d. M. zwei Knaben im Alter von 9 und 7 Jahren, welche für die Gesellen einer in demselben Hause belegenen Tischlerei Branntwein holten, Spirituosen zu trmken gegeben und die Kinder derartig betrunken gemacht, daß einer der Knaben, als er in seine Wohnung gehen wollte, die Treppe hinunter fiel und dabei nicht unerhebliche Ver- lctzungen erlitt, während der andere Knabe m Folge des Branntweingenusses mehrere Tage krank zu Bette gelegen hat N. Sturz in einen Brunnenkessel. Beim Bau eines Brunnens ereignete fich gestern auf einem Grundstück in der alten Hochstraße ein recht schwerer Unglücksfall. Ein bei diesen Arbeiten beschäftigter Arbeiter Ferdinand M hatte dort nämlich am Rande der Baugrube das Unglück, auszugleiten und so kopfüber in den bereits 6 Meter tiefen Brunnenkeffel zu stürzen. M. der sich bei dem Fall neben äußeren Verletzungen auch noch mehrere Rippenbrüche zugezogen, konnte nur mit großer Mühe aus dem Brunnenloch gezogen, um dann per Droschke nach der königlichen Charitee geschafft zu werden. L. Schwedische Eisbahn. Trotz des schlechten WetterS atte das Pferderennen und Wettlaufen eine ungeheure Menschenmenge daselbst versammelt, welche bei dem gewiß billigen Entree von 10 Pf. stch köstlich amüfirten: das Arrangement war ja auch derartig, daß man sagen konnte, für heute find wir vollkommen zufnedengestellt. Diese neueren Rennen und Wettlaufen scheinen auf das Publikum den günstigsten Eindruck auszuüben.— Wie wir soeben erfahren, veranstalten die Pächter nächsten Sonntag nochmals ein großes internationales Rennscst mit Wettlaufen. Polizeibericht. Am 14. d. M. Morgens wurde auf einer Bank am Goldfischteich im Thiergarten die Leiche eines unbekannten Mannes im Alter von etwa 30 bis 40 Jahren mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe aufgefunden und nach dem Obduklionshause geschafft.— Um dieselbe Zeit cnt- stand auf dem Boden des Hauses Schamhorststraße 3 Feuer, welches den größten Theil des Dachstuhles zerstörte und die Thangkett der Feuerwehr mehrere Stunden in Anspruch nahm. — Am Vormittage desselben Tages trank ein Mann in einer Werlstatt in der Veteranenstraße in selbstmörderischer Abficht Salzsäure und erlitt dadurch solche Verletzungen, daß er bald darauf im Lazarus-Krankenhause, wohin er gebracht worden war, verstarb.— Zu derselben Zeit fiel eine Frau in der Alexanderstraßc in Folge Ausgleitens auf fortgeworfenen Obst- resten zur Erde und erlitt dadurch eine bedeutende Verstauchung des linken Armes.— An demselben Tage Nachmittags fiel bei auf dem Neubau Linlstraße 29 beschäftigte Maurerpolier Schmidtke beim Nachlothen eines Fensters aus einer Höhe von etwa 4 Metem herab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach dem Elisabeth-Krankenhause gebracht werden mußte. Gerichts-Zeitung. P. Ein hochbetagter Greis, angeklagt wegen Verbrechens wcher die Sittlichkeit und Verletzung der Echamhafttgkeit, �schien gestem vor der Feiienstrafkammer des Landgerichts Ii. Der Angeklagte, Nachtwächter August Rüscher auS Schönow � Kreise Teltow, bekleidete ncbenoei das Amt eines Tobten» *'aberS. In dieser Eigenschaft hatte der Angeklagte vielfach Gelegenheit, mit den Besuchem deS Kirchhofs, zu denen ffawentlich zahlreiche Schulkinder gehörten, zu verkehren und seines gebrechlichen Kö'.per- Zustandes ließ fich der GreiS °azu verleiten, die Stätte des Todes zum Schauplatz seines unsittlichen Treibens zu machen. Durch die unverblümten Ver- Aussterben zu lassen und beschenkte ihren Gatten während ?ner Reihe von Iahten mit Sprößlingen von würdiget ungenkrast. Man kann sich denke», wie die Vaierfteuden |Ust dem Repertoire in Kollision kamen, da die Frau Direk- �rin als Grethchen, als Regimentstochter, Genofeva, Käth- 7.°«. Louise unübertrefflich war. Weil die sächsische , swüthljchkeit bekanntlich nicht« weniger als mtt Einfallig- gepaart ist, verfiel Ur-Sttiese einmal auf dre Zdee, sich L» doppelter Gevatterschaft zu verhelfen. Er ließ an zwei �ten das Würmchen taufen. Das brachte ansehn- �ls liefen auch die bescheidensten Mitglieder aus dem E». &!« fiib die verwickelten Stricke lösten. Dann kletterte er rubia binab. ES ward still im Saal. Man spielte weiter und die schlichten Leute, meist Fabrikarbeiter und klein« Bürger, gingen bewegt nach Hause. einer Bibliothek, durch Verbreitung von Fachschnften, durch wissenschaftliche Vorträge»c. gesorgt werden. Außerdem wird unentgeltlicher Rechtsschutz und Arbeitsnachweis sowie Reiseunterstützung gewährt. Ebenso soll bei Ardeitseinstellunk oder-Ausschluß Abhilfe durch den Verein geschaffen werden. Das Eintrittsgeld beträgt 25 Pf., der wöchentliche Beitrag 10 Pf.— In der Generaldiskusffon bemerkte zunächst Herr Nctzband, daß er eine Unterstützungskasse für Arbeitslose ver- misse.— Nachdem von verschiedenen Seiten erwidert worden war, daß dazu eine Kasse für sich mit einem bedeutenden Fond« nöthig wäre, und vor allem, daß die Behörde diesen Paragraphen, wie es bereits in ähnlichen Fällen vorgekommen, streichen werde, wurde dieser Puntt außer Acht gelassen. Herr Netz» band verlangte ferner die Errichtung einer Herberge für Metall« arbeitet, da die Klagen von Wandernden über die„christliche Herberge zur Heimath" von Tag zu Tag größer würden. Auch dieser Punkt mußte fallen, da daraus hingewiesen wurde, welche bedeutende Mittel zu einem solchen Institut erforderlich wären. In der Spezial> Diskussion gab zunächst der Ausdruck „zeitgemäßer Arbeitstag" zu Debatten Anlaß. ES wurde „Maximalarbeitstag" vorgeschlagen, da jener Begriff zu dehnbar wäre. Man blieb aber bei der ersten Fassung. Eine Aenderung wurde in Bezug auf die Reiseunterstützung herbeigeführt; ein Anttag, fie ganz aufzugeben, abgelehnt, doch wurde folgend« Fassung angenommen: Es soll nach Maßgabe der Kassen- Verhältnisse für Metallarbeiter, die mindestens schon acht Wochen einer Vereinigung angehören, eine Reiserunterstützung gewährt werden.— Nachdem noch die Etatutenberathungs- Kommission mit den weiteren Schritten an die Behörde beauftragt worden war, wurde die Versammlung um V«12 Uhr geschlossen. be. Eine öffentliche Schuhmacher-Versammlung tagte am Montag Abend Elsassersttaße 10. Herr Laste referirte über das Arbeiterschutzgesetz. Er erörterte die einzelnen Punkte deS Gesetzentwurfes, der allein im Stande wäre, die soziale Roth zu lindern und schloß mit der Aufforderung, fich zahlreich in die ausgelegten Petitionslisten einzuttagen. Herr Runge zeigte, wie nothwendig für das Schuhmachergewerbe die Annahme des Arbeiterschutzgefetzes sei. Besonders das Verbot der Gefängniß- arbeit sei dringend erforderlich. Die Firma L. Cohn u. Sohn l- Mamburg z. B., die über die„Arbeitskräfte" deS Zuchthauses _5lückstadt verfüge, zahle pro Mann und Tag 45 Pfennig. Daß unter solchen Verhättnissen ein tüchtiger Echubmacher- geselle bei 16—18 stündiger täglicher Arbeitszeit einen Wochen- lohn von 9—10 Mark verdiene, fei sehr erklärlich.— Nach einem Schlußwort des Referenten gelangte folgende Resolution zur Annahme:„Die Versammlung erklärt fich mit den AuS- führungen des Herrn Referenten emverstanden und verpflichtet sich, mit aller Energie das im Reichstage eingebrachte Arbeiter» fchutzgesetz durch Unterschreiben der Petition zu unterstützen." Herr Baginski forderte zum Anschluß an den Unterstützungs- bund deutscher Schuhmacher, Filiale Berlin auf. Scharfe Entgegnung fand ein Herr Knappe, der sich bemühte, die Schuhmacher von der Arbeiterfreundlichkett der Konservativen zu überzeugen. Die„Nationale Kranken- und Begräbnißkaffe der deutschen Gold- und Silberarbeiter und verwandten Be- rufsgenossen" hat ihren Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Jahr veröffentlicht.— Wir halten einen kurzen Auszug auS demselben um so mehr für angebracht, als noch viele Arbeiter in Berlin vorhanden find, welche in dieser Kasse ein schützende« Heim finden können. Die„Nationale Krankenkasse"— mit dem Sitze in Schwäbisch-Gmünd— hatte im abgelaufen Jahre eine Einnahme von 61 652 M. 44 Pf. aufzuweisen, ausgegeben wurden im gleichen Zeitraum an: Krankenrmterftützung 24 818 M. 72 Pf.. Sterbegeld 540 M.. Arztkosten 4390 3)1. 45 Pf. Die Mitgliederzahl ftteg von 1872 auf 6053, und das Gesammtvermögen von 14 709 M. 99 Pf. auf 37 231 M. 41 Pf. In die Kasse können außer den Gold- und Silberarbeitern aufgenommen werden folgende verwandte Berufsgenossen: "uweliere, Graveure, Ziseleure, Guillocheure, Emailleure, .Üattgoldfchläger, Güttler, Metalldreher und-Drucker, Etuis- arbeitcr, Feinmechaniker, Kleinuhrmacher, Kunstgießer und , Former, Präger, Feinschleifer, Stein- und Diamantschleifer vom 14. bis 45. Lebensjahre. Die Kasse zerfällt in vier Klassen und bettagen die Beiträge: Unterstützung: Sterbegeld: pr. Woche pr. Woche 1. Klasse 50 Pf. 20 M. 120 M. I:: i:: L:%; 4.„ 10„ 4„ 30„ Die Krankenunterstützung wird 52 Wochen lang voll ausbe- zahlt. Da die„Nationale Krankenkasse" über ganz Deutsch- land ausgedehnt ist, so bleibt derjenige, welcher der Kasse ein» mal beigetreten, ohne weiteres Mitglied, gleichviel an welchem Ott er fich aufhält. Für Berlin werden Beitrittöerkläiungen angenommen bei dem Vorfitzenden Herrn Holtkamp, Prm« zeffinnensttaße 16; beim Kaffirer Herrn Lindemann, Gamm- straße 39, Hof in. Mittags von 12— l'/iUhr und Abends von "-8 Uhr. Die Zahlstellen befinden fich in dm Restaurants iifrtmprftr Q im ih 00 CTvi-r-m—" � .Dieselben find geöffnet »m Monat von 8 Uhr Zenschke, Oranienstr. 165, oeehrter Herr Redakteur! ganz ergebenst mit- Bukowerstt. 9 und Sophienstr. 22. jeden ersten und dtttten Montag Abends an. Bon Herrn Schneidermeister erhalten wir folgende Zuschrift: Erlauben Sie mir, Ihnen zur Bena,»*»,�...........,----- zuthcilen, daß die in dem Referat über die Mäntelnähettnnen- Versammlung vom 7. d. Mts. in der mir soeben zu Gestchte gekommenm Nr. 210 Ihres geschätzten Zeitung wiedergegebenen Aeußerungen der Frau Büge, insoweit fie meme Person dabei betreffen, Unrichtigkeiten enthalten. Denn eö ist unwahr, daß ich schlechte Löhne zahle, da ich nachweislich reichlich zwei Drittheile des Preises, welchen ich selbst für Fettigung eineS Mantels erhalte, an die betteffende Näherin abgebe, während eine solche anderwätt« oft nur die Hälfte deS dem Meister ge» zahlten Betrages erhält. Mir bleibt nun also noch nicht em- mal ein volles Drittheil der Herstellungskostm, von welchem Rest ich obenein die erheblichen Kosten für die Vorhaltung von Arbcitsräumen, für Feuerung, Licht, Transpottkosten und der« gleichen bestreiten muß. Die Preise für die Fertigung der Mäntel find natürlich grundverschieden und richten sich je nach der Kostbatteit des Stückes, insbesondere darnach, ob viel oder wenig daran zu thun, und ob die Arbeit schwerer oder ver« häitmßmäßig leicht ist. ES haben nachweislich meiner Bücher einzelne Arbeiterinnen bei mir für eine Woche bis zu 23'/, M. verdient, waS wohl nicht möglich wäre, wenn ich nicht reell bezahlte. Daß natürlich eine weniger fleißige oder noch unge- übte Näherin weniger verdienen muß, ist selbsttedend. Was endlich die unhöfliche Behandlung, welche mir von Frau Büge angedichtet wird, anbelangt, so wird stch darüber wohl keine Arbeiterin, welche fich nicht etwa selbst ungebührlich deträgt, zu beklagen haben. Indem ich mir gegen die Urheberinnen der Verleumdungen gegen mich weitere Schritte vorbehalte, gestatte ich mir, Sie um gefällige Veröffentlichung dieser Zuschrift, behufS Steuer der Wahrheit und Zwecks der Berichtigung ganz ergebmft zu ersuchen. Hochachtungsvoll Henschke, Schnei- dermeister, Oranienstr. 165, III. Der Fachverein der Stellmacher hielt am 14. dss. Mts. seine regelmäßige Versammlung im Vereinslokal Jnselstr. 10, ab mit der Tagesordnung: 1. Vorberathung zur Gründung einer Fachschule; 2. Anträge zur Generalversammlung betreffs Statutenänderung; 3. Verschiedenes; 4. Fragekasten. Da der Referent, Herr Schmidt, nicht erschienen war. so wurde der 2. Punkt der Tagesordnung zuerst erledigt. Herr Graack stellte den Antrag, aus§ 2 deS Statuts den Satz:„mit AuS- fchluß aller politischen, sowie religiösen Fragen" zu streichen. Nach kurzer Depatte wurde der Antrag der Generalversammlung überwiesen. Zu Verschiedenem wurde Hr. Mcntzel aufgefordert der Versammlung Mittheilung über die stattgehabte mündliche Vernehmung beim Köngl. Polizeipräfidium m Bezug auf die Sonntagsruhe zu machen. Herr M. kam dieser Aufforderung nach und erklarte, daß sämmtliche Arbeitsnehmer, die mit ihm an demselben Tage vernommen wurden, sich übereinstim- mend, für das Verbot der Sonntagsarbeit ausgesprochen haben. Herr Hering giebt seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß der Vor styende am Geburtstage des Fachvereins nicht für einen anregenden Vortrag Sorge getragen habe. Es wurde mit« getheilt, daß zu der am 28. dss Mts. stattfindenden General. Versammlung die Mitglieder besonders eingeladen werden und daß das Stiftungsfest des Vereins am Sonnabend den 26. September in Fiebig'S Salon, Große Frankfurterstr. 27/28 stattfindet. Karten find bei sämmtlichcn Komiteemitglreder so- wie im Verein zu haben. he. Im Fachverein der Sattler und Berufsgenoffen sprach am Sonnabend, den 12. d. M. Herr Kendziora über: „Natur und Kultur". Die Ausführungen des Vortragenden, der reichen Beifall fand, gipfelten in dem Nachweis, daß Natur und Kultur nicht Gegensatze, sondern ein und daffelbe seien und daß deshalb, wenn man versuche, Natur von Kultur zu trennen, dies nur zur Unkultur und Unnatur, zur modemen Barbarei, führen könne.— Die Versammlung beschloß darauf, zu Gunsten eines verunglückten Kollegen ein Vergnügen zu ver« anstalten. Der Fabrikant, der bisher 8 M. pro Woche Unterstützung an den Verunglückten zahlte, hat gedroht, diese Untere ÄnZ.."____ nun.-(f.n ör**» währt, beschritten werden, und wie ein Redner, der in der betr. Fabrik gearbeitet hat, hervorhob, ist die Vemrtheilung zweifellos. Herr Tapezirer Sander ersuchte die Mitglieder des Vereins, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß nicht, wie es bereits geschehen sei, Sattler in denjenigen Werlstellen, welche die streikenden Tapezirer als geschloffen bezeichnet haben, die Arbeit aufnehmen und es dadurch den Tapezrrem unmöglich machten, ihre gerechte Sache zum Siege zu führen.— In der Werkstatt von W. Schild, Dresdenerstr. 37, Fabrik für Rciseartikel, haben die Arbeiter in Folge von Lohndifferenzen die Arbeit nreder« gelegt. ES wird ersucht, den Zuzug fem zu hallen. Eine öffentliche Versammlung der Steindrucker. Lithographen und Berufsgenoffen, welche am Sonntag, den 13. September, im Palmen-Saal, unter dem Vorfitz des Herm Schulz tagte, nahm einen sehr ledhaften Verlauf. Als ersten Punkt kamen die von der am 30. August gewählten Kommisston entworfenen Statuten zur Verlesung, welche mit einigen kleinen Aenderungen einstimmig angenommen wurden, alsdann erhielt Herr Fritz Görcki das Wort zu einen Vortrage über daS jetzige Lehrlingswesen und seine Schäden. Referent wies zu. nächst auf die verschiedenen Mängel und Schäden hin, welche dem heutigen Lchrlingswesen anhasten. Es seien ihm im Laufe dieser Woche MtllHttltmgen gemacht worden, wonach manche Austaltcn 3 bis 10 mal mehr Lehrlinge beschäftigen alS Gehilfen. Die Ausgelernten würden einfach vor die Thüre gesetzt, weil fie nichts lernten. Die Anhäufung von Lehrlingen sei eine drückende Konkurrenz, je mehr Lehrlinge eingestellt werden, desto mehr wird der Lohn stnken. Alsdann knlifirte Referent das Verhalten l-es Abg. Ackermann gegenüber der Lehrlings« frage. Nur Jnnungsmeister sollten demnach das Recht haben, Lehrlinge zu halten. Die Lchrltngsfrage sei eine brennende, es müffen gesetzliche Besttmmungen getroffen werden, daß kein Meister mehr Lehrlinge beschäftigen darf, als auf je zwA bis drei Gehilfm einen. Wir müffen den Lehrling schützen— meint der Redner— und dafür sorgen, daß er zu keiner anderen Arbeit herangezogen wird, als zu seiner Ausbildung nothwendig. auch muß demselben Zeit ge- geben werden zur weiteren Ausbildung in den Fachschulen. Zum Schluß forderte Referent noch auf zur thatkrästigen Be- theiligung an den Fachvcrein, denn gerade dieser wrrd Vrcles zur Regelung der Lehrlingsfrage beitragen können. Hierauf gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme. Die heute tagende Versammlung der Steindrucker, Lithographen und Berufsgenossen Berlins erklärt fich mit dem von der Kom- misfion vorgelegten Statuten- Entwurf sowie mit den Aus- führungen des Referenten vollständig einverstanden. Sie erblickt in einem festen Zusammenhalten der gesammten Kollegen die Möglich« keit ihre materiellen wie ideeellen Verhältnisse zu bessern und macht es jeden Kollegen zur Pflicht, fich dem Fachverein anzuschließen. Hierauf folgte eine sehr lebhafte Diskusfion an der fich mehrere Redner im Sinne des Referenten be- theiligten- Zum Schluß wurde eine Tellersammlung für die streikenden Töpfer m Vellen veranstaltet, welche 30 M. 61 Pf. ergab. Ueber die Aufgaben der Gewerttchaftsvereine hielt Herr Grillenberger in einer öffentlichen Metallarbeiterversamm- lung zu Fürth einen Vortrag, dessen Gedankengang wir im Wesentlichen hier wiedergeben wollen.— Es ist eine eigen- thümlich auffallende Erscheinung— begann Redner— daß in Deutschland die gewerkschaftliche Bewegung niemals recht festen Fuß fassen konnte. Es ist dieses um so auffallender, als doch in Deutschland die Ardeiterbewegung im Allgemeinen in den letzten zwanzig Jahren eine ziemliche Ausdehnung genommen, bei Wahlen und dergleichen ganz respektable Stimmenzahlen für die Arbeiterpartei abgegeben wurden. Diese Ursachen zu erforschen, sei um so notbwcndiger, als die gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter nicht nur unentbehrlich in der Gegenwart zum Schutze der nächstliegenden Interessen der Arbeiter seien, sondern auch in der Zukunft eine große Auf- gäbe zu lösen haben. Wenn wir die verschiedenen Phasen, welche die gewerkschaftliche Bewegung in Deutschland durch- laufen hat, einer näheren Betrachtung unterziehen, so finden wir, daß dm ersten ernsthaften Anlauf zur modernen gewerk- schastlichen Bewegung die Nachfolger Lassalle's mit dem allge- meinen deutschen Gewerkschaftsvereine gemacht haben. Diese Organisationen waren hauptsächlich Etreikvereine, denen es allerdings gelungen ist, momentan, wenn irgendwo ein Streik in Ausficht stand, große Massen zusammenzutrommeln, die aber größtentheils wieder auseinandergingen, wenn der Streik vor« über war. Auf einer entschieden besseren Grundlage deruhten schon die sogenannten internationalen Gewerkschaften, die neben der Unterstützung bei Streiks auch Reiseunterstützung, Rechts- schütz u. s. w. gewährten. D?ch gelang es auch diesen Gewerk« schaften nicht, die Massen anzuziehen, Beweis genug hierfür, daß z. B. die Metallarbeitergewcrkfchast in ihrer Blüthezeit in den 70er Jahren es nicht höher als auf etwas über 4000 Mitglieder brachte. Wenn man diese Resultate vergleiche mit denen anderer Länder, wie Amerika, Frankreich oder gar Eng- land, so müßte der Vergleich für die deutschen Arbeiter be- schämend ausfallen, wollte man nicht die zu Grunde liegenden Verhältnisse in Betracht ziehen. Was die bedeutendsten ge- werkschaftlichm Organisatronen Europas, die englischen Gewerk- vereine anbelangt, so find diese hervorgegangen aus Zünften. Nach Auflösung der Zünfte haben sofort die Engländer Ar« beiterorganisationen geschaffen, die, aufgewachsen mit der Industrie, jene Ausdehnung erlangt haben, die wir heute in dm Tradea Unions erblicken. Bei uns liegen die Verhältvisse anders, man war nicht so praktisch wie die Engländer. Mit Auflösung der Zünfte hat nian Alles hinweggefegt, hat die Arbeiter schutzlos dem fich mächtig entwickeln- den Kapital gegenübergestellt, hat das Alte beseitigt, ohne etwas Besseres an seine Stelle zu setzen. Die mglischm Gcwerkoereine habm somit eine nahezu 150jährige Erfahrung hinter fich, die den deutschen Gewerkschaften fehlt. Ein weiteres Hinderniß der deutschen Gewerkschaften find die reaktionären Vereinsgesetze, die eS jeder Polizeibehörde möglich machen, mit einem Federstrich die blühendsten Vereinigungen zu zerstören. Die mglischm Gewerkvereine verfügen seit langen Jahren über eine unbeschränkte Koalitionsfreiheit. Das dürsten zwei wesentliche Punkte sein, die es erklärlich erscheinen lassen, wenn die deutschen Gewerkschaften nicht jene Ausdehnung ge« nommen, nicht jmm Einfluß gewonnen haben, wie die gewerb- lichen Organisationen der englischen Arbeiter. Unstreitig aber ist mll der Gründung unserer Gewerkschaften auch fehlerhaft verfahren worden und diese Fehler zu vermeiden, sei Haupt- aufgäbe der jetzt ausblühmden Fachvereinsbewegung. Wenn es fich zunächst um die Form handle, so sei wohl die der lokalm Fachvereine zu empfehlen, da von zen- tralistrten Organisationen, bei den Metall- Arbeitem wenigstens, in der nächsten Zeit keine Rede sein könne. Jedoch dürften in diesen, namentlich in großen Jndustriestädtm wie Nümberg, Leipzig, Chemnitz-c., nicht alle Metallarbeiter in eine Organisation zusammengevfercht werden, denn dieses sei von Nachthcil. Da von jeder Branche Hunderte oder Taufende vorhanden seien, da empfehle es fich unter allen Umständm» Branchenvereine zu gründen. Man muß die Verhältnisse nehmen wie fie find, der kameradschaftliche Geist, das Solidaritätsgefühl, es läßt fich leichter pflegen unter Berufs- genossen ver gleichen Branchen. Dagegen müssen in allen kleineren Städten, wie z. B. auch in Fürth, wo von einer Branche nicht so viele Arbeiter vorhandm find, Vereine für Metallarbeiter aller Branchen gegründet werden, um eine Zersplitterung der Kräfte zu vermeiden; aber auch da muß dem Selastbestimmungsrccht der ein- zelnen Branchen so viel als möglich Rechnung ge- tragen werden. In diesem Rahmen muß über das ganze Rerck ein Netz von Fachvereinen gezogen werden; allüberall wo Metallarbeiter fich befinden, muß der Versuch gemacht wer- den, Fachvereine ins Leben zu rufen. Diese müssm durch Berichte über Lohn« und Arbeitsverhältnisse-c. in den einzel« nen Orten, die in den Fachzeitungcn und sonsttgm den Ar« beitern offen stehenden Blättern zum Abdruck gelangm, das gegenseitige Interesse wacherhalten und die Gesammtycit über den Stand des Arbeitsmarktes informiren. Was die weitere Aufgabe der Fackvereine anbelangt, so muß diese eine möglichst vielseitige sein, denn die Charaktere find verschieden. Der eine verlangt unter allen Umständen von dem Fachvercine mindestens einmal im Jahre ein Tänzchen und es schadet dem Fachvereine nichts, wenn er dem Rechnung trägt, denn dadurch werden namentlich junge Leute herbeigezogen, die ernsten Fragen nicht immer gleich Geschmack abgewinnen können. Der Andere will durch fachgewcrblichcn Unterricht seinen primitiven Geschäfts- und Elementarkenntnissen nachhelfen und es wird dem Fachoerein gewiß nicht zum Nachtherl gereichen, wenn er diesen Wunsch befriedigen kann. Eine sorgfältig aus« gewählte Bibliothek und gediegene Fachschriften sind in jedem Fachvereine nothwendig. Der Fachverein hat aber auch noch andere Aufgaben. Unterstützung der Berufsgenossm bei Lohn- kämpfen, Rechtsschutz, Reiseunterstützung, Errichtung von Her« bergen und Arbeits-Nachweisebureaus und Unterstützung der Arbeitslosen. Besonders letztere wäre eine Einnchtung, die des Schweißes der Edlen wcrth wäre und wenn fich dieses auch nicht so mir nichts dir nichts durchführen läßt, so sollte man dieser Frage doch überall nähertreten; bei der Metallarbeiterunion in Wien, die leider dem Anarchistengesetz zum Opfer gefallen ist, hat fich die Arbeitslosen-Unterstützung vor« züglich bewährt. Wenn die Fachvercine in dieser Weise operiren, so sei nicht daran zu zweifeln, daß sie zu mächtigen Organisationen heranwachsen werden, mit denen gerechnet werden muß. Arbetter-Bezirksverein Süd-Ost. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die ordentliche Mitglieder- Versammlung am Mittwoch in Folge der Gasexplosion in der„Urania" nicht stattfinden kann. Die Versammlung findet am Donnerstag, den 17. September, in Wohlhaupt's Salon, Manteuffelstr. 9. statt. Tagesordnung stehe im Jnseratentheil der heutigen Nummer unseres Blattes. Theater. Opernhaus. Heute: Der Wildschütz. Schauspielhaus. Heute: Die Frau ohne Geist. Deutsches Theater. Heute: Der Prinz von Homburg. Kriedrich-Wilhelmttädtisches Theater. Heute: Eine Nacht in Venedig. Restdenz-Theater. Heute: Theodora. Walluer-Theater. Heute: Sie weiß etwas. velle-Zllltauce-Theater. Heute: Ein weißer Rabe. Walhalla-Operetteu-Theater. Heute: Die Glocken von Comeville. Btktorta-Theater. Alte Jakobstraße 37. Direktion: Adolph Ernst. Hout«: Zum 47. Male: Die wilde Katze. Gesangsvoffe w 4 Akten von W. Mannstädt, Mufik von G. Sreffens. Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmans. � �-»Md.!»».-.. Heute: Graupenmüller. Königstädtisches Theater. Heute: Gastspiel der Lrltputaner. Die kleine Baronin. Theater der SteichShallen. Täglich: Aufteten sämmtlicher Spezialitäten. American-Theater. Täglich: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Kaufurann'S Variete Täglich: Große Spezialitäten-Vmstellung. Konkordia. Täglich: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten und theatralische _ Vorstellung.____ Zur bevorstehenden Wmtersaisou empfehle meine jtdrik vorsöglilhn Mblt-» Kchschllhe, JJflittofo j« afltn ÄtUjfe«.[->082 G. Geyer, so,, Marianneustraße 10, SO. germama Krämer, Tepesirer itrt Newatesr. 8W., Lilndeii-Strttss« Ufo. 107, Arbettsmmkt. Ges. Sohl. Blt. Ausd. Veteranenstraße 12. [2170 » Mode und Haus." öllllä'trtl 1 monatlich 2 Nummern(je 16 Seiten Text), verkörpert die prak« tische, bietet, Fesselndes und repräsentirt eine Jlluftrirte Zeitung"(Beiträge erster Schriftsteller). I Rabattverkehr! Prämienr äthsel! Ersterer ermöglicht Hunderte von Mark Ersparniß, letztere eine« Gewinn im Werthe von 800 Mark. Inkasso des Abonnemctsgeldes von 1 Mark pro Quartal bei Einhändigung des Nabattbuches. Abonnements bei allen Postanstalten(Postkatalog Nr. 3384, 14. Nachtrag), Buchhandlungen und der unter« zeichneten[2199 Berum w., Expedition von„Mode und Haus" (John Schwerin'« Verlar«• Aktien• Cieneilschart.) Behren-Straße 22. Möbel, Sopha- und Matratzen-Fabrik Schulz, 34 Wasserthorstraße 84(auch Theilzahlung). _ A._ Arb.-Vei. Verein„Süd-Ost". Die ordentliche Mitglieder-Versammlung findet heute nicht statt. Dafür morgen, Donnerstag, den 17. d., Abends 8'/- Uhr, in Wohlhaupt's Salon, Manteuffelstr. 9. Tages Ordnung: WaS ist Wahrheit? Referent: Prediger emer. Kendziora. Verschiedenes. Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenom- men. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht 2171] Der Vorstand. Eine öffealltche Versammlung der Mäntel- Näherinnen findet Donnerstag, de« 17. d. MtS., Abends 8 Uhr. im Kouzerthaufe Sanssouci, statt, wozu alle Mäntel-Nähcrinnen in ihrem eigenen Interesse eingeladen werden. Nur die bctbeiligten Herren Schneider- merster haben als Gäste Zutritt. Zur Deckung der Kosten ein Enttee nach Belieben.[2173 Die Unternehmerin: Frau Rosa Büge, Metzersttaße 7. Einzelne Sopha-Bezüge in Rips, Damast und bunten Stoffen, von 3V: bis 41/j Meter lang,[2169 bbhb für die Hälfte, gaati Emil JLefi'vre, Ct?ÄV |2124 2 Handwagen find zu verkaufen.[2172 F. B a r tz, Plan-Ufer 95. Cochems in schwerer Qualität, Elle 6 Sgr., 7% u. 10 Sgr.! Schwarze rein wollene Double-Cachemirs, doppeltvreit, Elle i2% Sgr.! 15 Sgr.! 22% Sgr.! Schwarze 41-, 51„ 61-, 7'I, Thlr.I ß 1 Heue KegemiläM j I in größter Auswahl[2099» z« bekannt Preisen. ■ Sielmann& Bosenberg, I I Kommandantenstraße. Ellit Alldfllstcllße. I Verantwortlicher Redaltem». Cronhei« t» Berlin. Druck und Verlag von Mar vading in Berlin Beuthstraße 2.