age de Deit um its ere tes Bur Cer en, ng be. and ihn auf m= be. ang tei. nd ale Len, im ma Ins im inren ber er= Der peuft Sen um gen er, men men gen In vie zu ern Für er, gen er me er. n! men fo er och en, Den nts ner Die oh= oh ffe, at, 124 176 Be 178 180 190 170 1 086 I. Nr. 218. Freitag, den 18. September 1885. II. Jahrg. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das Berliner Volksblatt scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 f. Boftabonnement 4 M. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags- Nummer mit illuftr. Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Redaktion: Beuthstraße 2. Die Staatenbildung im Osten. Man sagt nicht zu viel, wenn man Rußland als den Hauptträger aller reaktionären Bestrebungen und Prinzipien bezeichnet. Wir sind heute zwar frei von jener findischen Angstmichelei der zwanziger und dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts, die überall russische Spione witterte und in jebem reaktionären, mit der Knute liebäugelnden Schriftsteller einen Söldling Rußlands sah. Ohnehin haben wir das Rofadenthum genug unter uns, das nicht von Rußland gefauft zu werden braucht. Aber der russische Despotismus steht immer drohend im Hintergrund, bereit, Händel anzuzetteln und im Trüben zu fischen oder mit voller Gewalt gegen den Westen vorzubrechen. Europa büßt heute schwer den Unters gang Polens; es wird auch den vorauszusehenden Untergang der Türkei zu büßen haben. Nicht daß wir für den zerfallenden despotischen Organismus der Türkei irgend welche Sympathie hegten. Aber mit der Auflösung der Türkei wird Rußland rüdenfrei und wenn einmal die russischen Fahnen am Bosporus wehen, dann dürfte der europäische Friede nur noch ein der Geschichte angehörender Begriff sein. Man tann das russische Bolt in seiner großen Masse leider nicht von dem despotischen System trennen, durch das jenes ungeheure Ronglomerat von Staaten zusammengehalten wird. Dieses Volt, unter primitiven Gesellschafts- Einrichtungen lebend, hat keine Ahnung von den sozialen Kämpfen, welche die vorgeschritteneren Völker des Westens heute durchzumachen haben. Während im Westen eine ganz neue Ideenwelt sich erschlossen hat, während Alles, was ideal denkt und strebt, thätig ist, die Lage der Massen zu verbessern und während das Verständniß der Massen für die Beitfragen von Tag zu Tag wächst, lebt die ungeheure Mehrzahl des russischen Volkes in stumpfer Gleichgiltigkeit dahin. Der herrschende Despotismus, der die aufstrebenden Geister einfach nach den Einöden Sibiriens sendet, hält von dieser Volksmasse die nothwendigsten Bildungsmittel fern und hat von ihr auch keine Kritik seiner Handlungen zu be fürchten. Daher tommt es auch, daß die russische Politik im Anwenden Wenn ihrer Mittel gar nicht wählerisch zu sein braucht. die Geschichte der russischen Eroberungen einmal ungeschminkt und ohne Rücksicht dargestellt würde, die gebildete Welt würde erstaunen über diese endlose Reihe von Treubrüchen und Gewaltthaten. Aber das russische Volk würde diese Dinge nicht verstehen dafür haben alle russischen Regierungen vortrefflich gesorgt. Man verfolge nur einmal genau die diplomatischen und militärischen Aktionen, durch welche Rußland von der Türkei ein Stüd nach dem anderen abgerissen und sich einverleibt hat. Wir sind wahrlich keine Verehrer jenes brutalen Chend verboten.] 58 Feuilleton. Das Mormonenmädchen. Amerikanische Erzählung DON Balduin Möllhausen. ( Fortsetzung.) Insertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 the Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., 3immerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Expedition: Zimmerstraße 44. Seldschutenstammes, der in den Gebieten der einstigen hellenischen Kultur die Ueberreste der einst so hochentwickelten antiken Gesellschaft so schonungslos niedergetreten hat. Allein wenn wir in der Lage wären, zwischen einer russischen und türkischen Herrschaft zu wählen, diese Wahl würde uns sehr wehe thun. Ob der Baschi Bozuk oder der Kosack eine geschmac vollere Erscheinung ist, das zu entscheiden ist für den Kultur. menschen eine faum zu fnackende Nuß. Sehr interessant ist für uns, die neue Staatenbildung zu beobachten, die zur Beit in 3entralasien vor sich geht und über kurz oder lang einen Kampf zwischen Eng land und Rußland hervorrufen muß. Die Philosophen des Westens haben gewiß viel über die Prinzipien der Staaten. bildung nachgedacht und die Resultate ihres Nachdenkens niedergeschrieben. Die russischen Generale, welche die neue Staatenbildung in Bentralasien vorzunehmen haben, dürften freilich weder Philosophie noch Staatsrecht studirt haben; fie befinden sich in dem Glauben, in ihren Säbelscheiden sei mehr enthalten, als in den dicksten Büchern. Den staatsrechtlichen und philosophischen Theil dieser neuen Staaten bildung besorgen die russischen Diplomaten. Und wie bes sorgen sie ihn! Am 24. April 1884 anerkennt z. B. der russische Staatskanzler Giers ausdrücklich, daß die Dafen von Bulatan und Pendjeh afghanisches Gebiet seien; am 21. Juni 1884 erklärt er, Pendjeh habe nie unter Afgha. nistan gestanden! Wenn das ein Pröbchen russischer staatsrechtlicher" Anschauungen ist, so wollen wir dazu auch ein Pröbchen russischer Staatsphilosophie geben. Im Juni 1884 ließ die russische Regierung in London erklären: Die Saryt Turkmenen, welche in Bendjeh wohnen, seien stammverwandt mit den Saryks, welche in Bulatan fizen; diese hätten Rußland gehuldigt, und nun müssen auch jene als russische Unterthanen anges sehen werden, denn Rußland könne nicht dulden, daß die Weiden dieser Stämme auseinander gerissen würden. Bendjeh und Bulatan liegen 140 Kilometer auseinander. Die Stammesverwandtschaft zweier durch weite 3wischenräume getrennter Völkerschaften sell darnach genügen, die über einen Theil erworbene Souveränetät auch auf ben andern auszubehnen. Rußland hat Bendjeh thatsächlich erworben und wird es um so weniger wieder hergeben, weil dieses Gebiet die direkte Straße von Merw nach Herat beherrscht. H Nun werden unsere Weißbierphilister sagen: Ja, was geht denn uns der Krakehl zwischen Russen und Turkmenen weit hinten in Sentralaften an? Allerdings werben wir direkt dadurch nicht berührt. Aber wenn Rußland mit folchen Argumenten so schöne Erfolge erringt, wer bürgt benn dafür, daß nicht eines Tages in Europa in irgend einem Staate eine Diplomatie ersteht, welche den von den lingen bis über die Hüften, während ihre Köpfe sich in gleicher Höhe mit den Knieen des Apostels befanden, es hätte also tein günstigerer Punkt zu solchem 3weck gefunden werben können. Während diese Vorbereitungen getroffen wurden, ents stand ringsum eine lautlose Stille; nur von dem äußersten Rande des Lagers her drang, wie das Summen in einem wohlgefüllten Bienenkorbe, das Geräusch der sprechenden Frauen und der spielenden Rinder herüber. Der Herr ist Euch gnädig gewesen!" begann der Apostel endlich, nachdem er einige verzückte Blicke zuerst auf die verlegen lachenden Mohaves und demnächst im HalbNach allen Richtungen hin stieg der Rauch von Lagerfeuern in den klaren, sonnigen Aether empor, und zwi fchen allem Diesem bewegten sich Hunderte von Männern, Weibern und Kindern im buntesten Gemisch durcheinkreise auf die Versammlung geworfen und dadurch die Spanander. Bei allem Gewirre entdeckte man indessen leicht, daß ber größere Theil der Anwesenden, namentlich die Männer, nach dem Ufer des Stromes zu drängten, wo der aus der Salzfee Stadt herbeigekommene Apostel sich zu der bevorftehen den feierlichen Handlung vorbereitete. Er hatte eine kleine Abflachung des Ufers zur Ausübung seines Amtes gewählt, und zwar eine Stelle, wo der Strom dicht vor seinen Füßen fich tief in das Erdreich hins eingewühlt hatte. In seiner Nähe tauerten die Mohaves auf dem Boben. Dieselben schauten fröhlich und guten Muthes um sich und wechselten mit dem glücklichsten Ausdruck der Welt Worte und bezeichnende Blicke mit einander. Man sah ihnen an, wie wenig sie den Sinn der mit ihnen borzunehmenden Beremonie verstanden, und daß es sie im höchsten Grabe ergößte, sich als Mittelpunkt und die Hauptpersonen einer so zahlreichen Versammlung von weißen Menschen betrachten zu dürfen. Der Apostel hatte seine Taufrede beendigt; dieselbe bar ben Mohaves immer stückweise von einem ihrer Sprache fundigen Utah- Indianer verdolmetscht worden, und es follte nunmehr zu der heiligen Handlung selbst geschritten werden. nung noch gesteigert hatte; er war Euch gnädig, indem er Euch zusammenführte mit seinen Auserwählten, mit den Hei ligen ber letzten Tage, die dazu berufen sind, das neue Zion auf Erden zu gründen. Wer und was seid Ihr?" fragte er mit gellender Stimme, die Indianer mit seinen fanatischen Blicken gleich jam durchbohrend, o, o, o! Ihr seid Mormonen seit dem ersten Anbeginn! Ihr, in gerader Linie die Nachkommen von den einst verloren gegangenen Stämmen, Ihr, die Ihr geirrt habt seit Jahrtausenden in der Wüste, die Ihr wieder aufgefunden seid, ähnlich den beiden wieder aufgefundenen goldenen Gefeßestafeln, nach welchen unser erhabener Prophet die einzig echte Religion gründete und mit seinem Märtyrtode besiegelte, ja, Ihr seid Mormonen, bei welchen das Licht der Wahrheit nur im Lauf der Jahrhunderte ver geffen wurde und allmälig erlosch! Doch nein! nein! unb tausendmal nein! Das Licht ist wohl vergessen, es hat wohl den hellen Schein verloren, aber es ist nicht er loschen! Tief unter der Asche glimmt noch ein Funke, und ich bin gesegnet, diesen Funken zu einer weithin leuchtenden Flamme anzufachen und zu Euch zu sagen: Nun gehet hin und taufet und lehret, gleichwie ich Euch getaufet und gelehret habe!" Hier hielt der Apostel einige Minuten inne, um dem Dolmetscher Zeit zu geben, den Täuflingen einzelne Auf ein Beichen von dem Apostel stiegen die Mohaves in den Strom und stellten sich so auf, daß er seine Hände bequem auf ihre Häupter legen konnte, ohne selbst in das Waffer treten zu müssen. Die Fluthen reichten den Täuf- Hauptpunkte seiner Anrede zu verdeutlichen. In wie weit, Russen in 3entralaften aufgestellten Vorwand für die Annexion fremden Staatsgetriebs geltend macht? Eine geradezu babylonische Verwirrung müßte dann in Europa entstehen. Wenn die Stammesverwandtschaft so ausgenutzt werden soll, was müßte dann wohl aus der Schweiz werden? Ein Schweizer Blatt fühlt dies denn auch ganz deutlich heraus und sagt, die die Schweiz umgebenden Länder fönnten eines Tags mit gleichem Recht, wie Rußland gegenüber den Turkmenen, auch gegenüber der Schweiz behaupten: weil die unter ihrer Souveränität stehenden Alemannen, Burgunder, Longobarden, Rhätier stammverwandte Vettern befizen, die zwischen Inn und Rhone, Rhein und Tessin wohnen, so gehöre jedem von ihnen ein Stück des Landes im Quellgebiete dieser Flüsse." So schlimm steht es nun bei uns glücklicher Weise vorläufig noch nicht. Allein ist es eine Unmöglichkeit, daß die Zukunft in Europa irgend eine Gewalt bringt, die es unternimmt, russisches Staatsrecht" nach dem Westen zu verpflanzen? Und wird Rußland selbst dafür nicht sein Möglichstes thun? Bei alledem ist es merkwürdig, daß die großen Staaten des Kontinents sich so sehr um die Freundschaft Rußlands bewerben. Nichts wäre natürlicher, als ein Bund der Westmächte, um den Einfluß jener dreiviertelasiatischen Macht auch gebührend auf Asien zu beschränken. Statt deffen sehen wir die russischen Grenzlinien immer weiter nach Westen vorrücken. Man betrachte einmal, wieweit sie innerhalb hundert Jahren vorgerückt find! Allerdings sind wir keine Turkmenen. Aber eben des halb hat auch ganz Europa das lebhafteste Interesse, die russische Art der Staatenbildung" im Osten zu perhorresziren. Politische Uebersicht. Die Nationalliberalen in Schleswig- Holstein wollen am nächsten Sonntag nun auch einen Barteitag abhalten. Derselbe soll in Neumünster stattfinden. Vor diesem Parteinationalliberalen Vereins abgehalten werden, wo voraussichtlich tage soll jedoch erst in Kiel eine Busammenkunft des dortigen im engeren Kreise die Haupthähne die Rollen austheilen werden. Man erwartet große Betheiligung, weil es fich um die bevorstehenden Landtagswahlen handelt. Voraussichtlich werden fich also alle mandatshungrigen Seelen einfinden. Zu den sächsischen Landtagswahlen. Wie wir schon gestern erwähnten, wird der sächsische Landtag fast genau seine Rammer ihren Einzug halten 50 Konservative, 16 Freifinnige, bisherige Phyfiognomie behalten. Es werden in die zweite Nationalliberale, 5 Sozialdemokraten. Die letteren haben einen Sig gewonnen. Die Hauptstadt Dresden entsendet zum ersten Male auch einen Sozialdemokraten. Ebenfalls in Dresden 9 und ob es diesem überhaupt gelang, durch seine Uebersetzung den religiösen zündenden Funken in die für dergleichen nicht allzu empfänglichen Gemüther der Mohaves zu schleudern, ließ sich nicht errathen. Jedenfalls aber mußte das, was er ihnen mittheilte, sie höchlichst ergößen, denn sie schauten sich gegenseitig verwundert an und brachen dann in ein so herzliches Lachen aus, daß der Apostel sich genöthigt sah, um demselben Einhalt zu thun, seine Rede schnell wieder aufzunehmen. ,, Wenn ich mit Menschen und Engelzungen spräche," fuhr er, seine Hände über die Indianer ausbreitend fort, so würde ich dennoch zu schwach sein, Euch würdig genug zum Dank gegen den Erlöser zu ermahnen, daß er Euch gerade jetzt zu Euern Mormonenbrüdern führte. Krieg und Noth bedrohen unser Volt, Krieg und Noth werden Eure Stämme bebrohen, sobald es ruchbar geworden, daß Ihr, schon lange vorher, ehe die große Republik gegründet wurde, lange vorher, ehe die goldenen Tafeln durch Joseph Smith wieder an das Tageslicht gezogen wurden, Mormonen waret und daher, ehe Ihr uns und ehe wir Euch gesehen, mit uns verbrüdert gewesen seid! Eure Haut ist braun und die unsrige ist weiß; doch was ist die Farbe vor dem Herrn der Welten? Ihr seid unsere Brüder, und als solche fühlen wir uns verpflichtet, Euch mit Gut und Blut, mit Rath und That zur Seite zur stehen, im Falle die Amerikaner es wagen sollten, wie sie es schon vielfach bei anderen Stämmen gethan, sich an Eurem Grund und Boden zu vergreifen." Wiederum ließ der Apostel eine Pause eintreten und auf seinen ausdrücklichen Wunsch übersezte der Dolmetscher das zuletzt Gefagte. Die Mohaves schauten nach diesen freundschaftlichen Ers öffnungen verwundert zu dem Apostel empor; ihre behaglichen Physignomien drückten aber doch leise 3weifel aus, als wenn sie nicht so ganz davon überzeugt wären, daß die Mormonen ihre Brüderlichkeit wirklich bis zu einem thätigen Beiftande in den Zeiten der Gefahr ausdehnen würden. Sie gaben indessen ihre Zufriedenheit durch mehrfaches ,, Achotka" zu erkennen, und der Apostel fuhr fort: Indem ich nun, meine Brüder, die Taufe an Euch verdrängten die Konservativen einen Freifinnigen. Die Zählung der Natronalliberalen und Freifinnigen schwankt. Es existiren nämlich auch in Sachsen Sezcsfionisten, welche von beiden Seiten als Parteigenossen beansprucht werden.(Ein Unterschied ist auch wirklich nickt vorhanden.) Da die sächfische Kammer 80 Sitze zählt, so haben die Konservativen für fich allein die überwiegende Majorität. Unsere afrikanischen Brüder werden jetzt bald der Zivi- lisation zugänglich gemacht werden. Von verschiedenen Seiten bemüht man fich, ihnen Mund- und Ziehharmonikas zu übermitteln; es wird also nicht mehr lange dauern, bis jeder schwarze Mann eine gute Kolonialmustk machen kann. Auch hundert nagelneue Fahnen soll der Gouvemeur von Kamerun destellt haben. Somit wären Musik und Fahnen zur Stelle, es fehlen nur noch Kolonien mit Kolonisten, die fich aber sicher- lich auch bald da einstellen werden, wo es an musikalischen Genüssen nicht mangelt. Ueber die Verlängerung des Belagerungszustandes hat fich der Bundcsrath noch nicht schlüssig gemacht. Im offi- ziellen Bericht über die letzte Bundesrathsfiyung befindet fich über diesen Gegenstand kein Wort. Dagegen wird dem kon- servativen„Hamb. Korresp." aus Berlin telegraphirt: Der Bund-srath behielt fich den Beschluß über die Verlängerung des Belagerungszustandes in Hamburg vor. Kein Geld? Fürst Bismarck hat das Gesuch des Museums- Vereins für den Landdrosteibezirl Osnabrück um Gewährung einer Beihilfe aus dem sogenannten Welfenfonds zur Abtragung der durch den Ankauf der Bolzmann'schen Vogel- sammlung dem Museum erwachsenen Schuldenlast abschläglich beschieden, da zu dem Zwecke geeignete Fonds nicht zur Ver- fügung ständen.— Der Welsen- oder Reptilienfonds stammt bekanntlich aus Hannover, er enthält die Zinsen von dem seque- starten Vermögen der früheren hannövcrschen Königsfamilie, namentlich die Zinsen von der Ausglcichssumme, welche der Königsfamilie gewährt werden sollte! Die letztere beträgt 48 Millionen Mark und erzielt eine Zinssumme von 1 920 000 Mk. jährlich. Als Ueberschuß gelten die Summen, welche nach dem Bestreiten der Unterhaltungskosten für die der Königsfamilie rescrvirten Schlösser noch verbleiben. Der verbleibende Ueber- schuß dürfte sich auf ungefähr l'A Millionen Mark beziffern. Derselbe ist bis jetzt verwendet worden zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung und zu verschiedenen nützlichen Anlagen im Bereich der Provinz Hannover. Es scheint nach obiger Mit- theilung, als ob jetzt die ganze Summe für Preßzwecke ver- wendet werden soll._ Vom demokrutischen Parteitag haben wrr noch zu de- richten, daß der unter Punkt 2 der Tagesordnuna zur Debatte gestellte Entwurf eines Organisations- Statut der Partei, nach- dem Herr K o h n(Dortmund) für Annahme desselben ge- sprachen hatte, mit einigen unwesentlichen Aendemngen akzeprirt wurde. Nr. 3 der Tagesordnung, Konstituirung der Partei, wird durch Beitritt der Anwesenden zur Partei erledigt und die Partei für konstituirt erklärt-— Zum Vorort wird sodann Berlin, dann Leipzig, Elberfeld und Dortmund vorgeschlagen und Leipzig gewählt. Zu Mitgliedern des weiteren Ausschusses werden die Herren Kämpffer-Leipzia, Dr. Türckheim-Hamburg, ...... Ledcbour Berlm, R.-Ä. Kohn-Dortmund, Hellmann Elberfeld,>. R. A. Melos-Leipzig. Richter- Mühlredlitz erwählt und Hr. Kämpffer zum Vorsitzenden des engeren Ausschusses ernannt. Die Reichs» Schulkommisflon wird dieses Jahr in Stuttgart zusammentreten. Sie wird ihre Sitzungen am Freitag in den Räumen des neuen Realgymnafiums beginnen. Die Reichs. Schulkommisfion besteht z.Z. aus folgenden Herren: Geh. Ober-Regierungsrath Dr. Bonitz aus Berlin, Geh. Rath Dr. von Giesebrecht aus München, Geh. Echulrath Dr. von Schlömilch aus Sachsen, Ober- Studienrath Dr. von Dorn aus Stuttgart. Geh. Ober-Sckulrath von Becker aus Hessen, Direktor Dr. Kühne von Altenburq. � Wan« tritt das Unfallversicherungsgesetz in Kraft? Mit Rückficht darauf, daß bei der Beschlußfassung über daS Unfalloersicherungsgesetz der Zeitpunkt, bis zu welchem die Brl- dung und Konstituirung der Berufsgenossenschaften durchgeführt sein werde, nicht berechnet werden konnte, wurde es einer Ver- ordnung vorbehalten, den Tag des Inkrafttretens des Gesetzes zu bestimmen. Dem Bundesrath ist am 15. d. der Entwurf einer solchen Verordnung vorgelegt worden, über welchen die Beschlußfassung in einer der nächsten Sitzungen stattfinden soll. Nach früheren Erklärungen des Staatssekretärs v. Bötticher war der 1. Oktober d. I. als Tag des Inkrafttretens des Unfall- verficherungsgesetzeS vom 9. Juli 1884 in Ausficht genommen. Zur Vorbereitung der deutsch-nationalen Gewerbe- Ausstellung hat fich aus Kreisen der Industriellen eine freie Vereinigung gebildet, welche jetzt ein längeres Rundschreiben an alle Industriellen Deutschlands erläßt. In diesem Schreiben heißt es u. A.: Es kann fich in dem gegenwärtigen Stadium der Angelegenheit natürlich noch nicht um irgendwie verbind- liche Erklärungen, die Ausstellung zu beschicken, handeln, son- dem wir bitten Sie. durch Unterzeichnung und Absendung der angeschlossenen Postkarte an die aufgedruckte Adresse lediglrch Ihre Zustimmung zu der Veranstaltung der„Deutsch- natio- nalen Gewerbe-Äusstellung" zu bekunden. vollziehe, scheide ich Euch von den Heiden, den Feinden un- sere» Glaubens und unseres Volkes, ich nehme Euch auf als wahre Brüder, die in den Stunden der Gefahr auch zu uns stehen müssen. Zch gebe Euch da» Recht, die Taufe allen Mitgliedern Eurer Familien und Eures Stammes zu Theil werde« zu lassen und sie auf die Segnungen vorzubereiten, welche ihnen in nächster Zeit bevorstehen. Za, meine Brü- der, taufet mit dem Wasser des Kolorado, wie ich Euch in den Fluthen des Jordan taufe, auf das unsere Jünger, wenn wir sie zu Euch hinabsenden, um Euch im Glauben zn unterrichten, Euch z« kleiden und über die Erzeugung besserer und nahrhafterer Speisen zu belehren, nur auf Mor- monen und allein auf Mormonen stoßen mögen." Hier gab der Apostel dem Dolmetscher wieder Zeit, den MohaveS das Gesagte zu erlästern, wodurch dieselben aber- malS zur geräuschvollen Fröhlichkeit gestimmt wurden. Trotz- dem das lange Stehen in dem kalten Wasser selbst für ihr« abgehärteten Glieder keine angenehme Aufgabe sein konnte, so hielten sie doch ohne ein Zeichen von Ungeduld aus. Der Drang, in die Reihe der Heiligen der letzten Tage auf« genommen zu werden, mochte indessen weniger dazu bei- tragen, als die für sie bestimmten Vorräthe von farbigen Decken, buntem Kalikot, Glasperlen, kleinen Hand« spiegeln und Messern, die nahe bei auf dem Ufer lagen und über welche ihre verlangenden Blicke gele gmtlich hm- fireiftm. Die sie umstehenden Gemeindemitglieder dagegen, und unter diesm Elliot und Holmsten, wendetm ihre Augen nicht von ihnm, und während der Apostel sich in seiner klug ge» wählten Weise über die Segnungm aussprach, welche daS Mormonenthum für die armen Wildm im Gefolge haben würde, sah man hin und wieder die ernsten und düsteren Physiognomien sich erhellen und sich m'st glühmdem, fanatischem Ausdruck gen Himmel richten, als ob sie von dort her das Blühen ihrer neu gegründeten Kirche, und Haß, Rache nnd Elend gegen ihre Feinde hätten herabflehm wolle«. So tretet denn näher, meine wiedergefundenm Brüder," begann der Apostel mdl.ch wieder, indem er die Nach der vorläufigen Feststellung der Zölle und Verbrauchssteuern, welche die zum Zollgebiete des Deutschen Reiches gehörigen Staaten für das 1. Quartal des gegenwärtigen Etatsjahres an die Rcichs'asse abzuführen haben, ergaben die Zölle in diesem Zeitraum 47 397 090 M, die Tabaksteuer 1 217 924 M, die Rübenzuckersteuer 24491250 M., die Salz- steuer 9 004 532 M. Die Einnahmen, an welchen sämmtliche Bundesstaaten theilnahmen, beliefen fich somit auf 31 810 796 M. Die Einnahme aus der Branntweinsteuer und der Uebergangs- abgäbe von Branntwein, an welcher Bayern, Württemberg und Baden keinen Tbeil haben, betrug 10586 633 M., dazu ein Aversum von 1835 M. und die Einnahme aus der Brausteuer und der Uedergangsabgabe von Bier, woran Bayern, Württem- berg, Baden und Elsaß» Lothringen keinen Theil haben, 4 596 329 M dazu ein Aversum von 333 M. Die Gesammt- einnahme aus Zöllen und Verbrauchssteuern betrug demnach 96 996 426 M., wozu noch 617 M. Nachsteuer bei den Zöllen kommen. Der Spielkartenstempel ergab in dem gedachten Zeit- räum einen Zugang zur Reichskaffe von 261 127 M., und die Reichsstempelabgabe für Werthpapiere, Schlußnoten, Rechnun- gen und Lotterieloose einen Betrag von 2 502 322 M. Hiervon fallen auf Wertbvapiere 754 780 M., auf Schlußnoten und Rechnungen 508 778 M., auf Lotterieloose von Staatslotterien 1 039 582 M., von Privatlotterien 159 182 M. Die Einnahme für verkaufte Wechselstempelmarken und gestempelte Btankets betrugen 1 670 537 M. 60 Pf., wovon nach Abzug des den Landesregierungen zufallenden Antheils von 2 Prozent 1 637 126 M. 60 Pf. der Reichskaffe verbleiben. Der Ertrag aus Einnahmen für verkaufte Etempelmaterialien zur Entrich- tung für statistische Gebühr bezifferte sich auf 71 769 M. Endlich find 1529 M. von der Reichskasse an die Bundesstaaten als Kosten zu erstatten, welche denselben durch die Statistik deS Waarenverkehrs mit dem Auslande im 1. Quartal des gegenwärtigen Etatsjahres erwachsen find. Aus der Provinz Sachsen, 15. September. Das Kon- fistorium hat neuerdings die Geistlichen angewiesen, durch seel- sorgerijche Einwirkung auf Eltern und Kinder, letztere während der Zeit, in welcher fie den Konfirmandenunterricht besuchen, vom Tanzunterricht zurückzuhalten. Falls seelsorgerische Abmahnung nicht zum Ziele führt, werden die Geistlichen er- nächtigt, den im letzten UnterrichtSjahre stehenden Konfirmanden geeigneten Falls die Zurücksetzung von der Einsegnung anzu- drohen und bei beharrlicher Fortsetzung des Tanzunterrichts, die Drohung zu verwirklichen. Gleichzeitig werden die Geist- lichen auf die in der Provinz Sachsen bestehende Polizeiver- ordnung vom 17. Dezember 1880 verwiesen, in deren Z 4 es heißt: Kindern, welche zur Konfirmation vorbereitet werden, darf während der VorbereitungSzeit im letzten Jahre Tanz- Unterricht in öffentlichen Lokalen überhaupt nicht ertheilt wer- den.— Wir wissen wirklich nicht, was den Kindern der Tanz- Unterricht schaden sollte. Tanzen ist ein ganz unschulviges Vergnügen und ein solches wird die Seele des Kindes gewiß nicht verschlechtem. Uebrigens würden die Kinder ja auch ohne Konfirmationen zu vollgiltigen Staatsbürgern oder Bürgerinnen heranwachsen. Der Ems-Jade-Kanal gebt nunmehr seiner Vollendung entgegen. Auf der Strecke von Aurich bis Wilhelmshaven find die Arbeiten zum größten Theil beendet«nd die Wetterführung des Kanals von Aurich bis Emden wird auch bald zum Ab- schluß gelangt sein, nachdem neuerdings die Verhandlungen über die damit in Verbindung stehenden Fragen, betreffend die Hafenverhältnisse und Kanalisation in der Stadt Emden einen günstigen Verlauf genommen haben. Der Ausbau des Kanals auf preußischem Gebiete erfolgt auf Rechnung deS preußischen Staates, während der Ausbau auf oldenburgisckem resp. Reichsgebiete von Reichswegen bewerkstelligt wird. Die Gcsammtlänge des Kanals beträgt 74 KUometer, davon liegen rund 63 Kilometer auf preußischem und rund 11 Kilometer auf oldenburgischem bezw. Reichsgebiete. Nachdem für den Ems- Vechtekanal. zu welchem der erste Spatenstich von den fran- zöstschen Kriegsgefangenen gemacht wurde, die vom September 1870 bis April 1871 in einer Anzahl von 2000 und später 3000 in Hanekenfähr in Baracken untergebracht waren, etwa 12 Millionen Mark ausgegeben worden, läßt die Regierung den Süd-Nordkanal der Vollendung in einem Tempo ent- gegengehen, welches dem ArbeitSbedürfniß in jener Gegend entspricht. Auch soll dort eine Arbeiterkolonie angelegt werden, von welcher man ebenfalls eine Förderung der Moorkolonisation erwartet. Wiek a. Wittow(Insel Rügen), 14. September. ES wird in den nächsten Tagen von hier aus eine Petition wegin des hier herrschenden Hautaueschlages(Pockenkrankheit) unter den Kindern an das königliche Ministerium für geistliche und Medizinal-Angelegenheiten k. abgesandt werden. In der Pe- tition wird, wie wir der„Ostsee- Ztg." entnehmen, hauptsächlich hervorgehoben, daß durch die Impfung Hunderte von Kin- dern fich eine schreckliche Krankheit zugezogen haben und daß das Ende und die Folgen der letzteren garnicht abzusehen find, da namentlich in den ärmeren Kreisen wenig oder gamichtS zur Heilung der Kinder gethan wird(den armen Leuten wer« den die Mittel fehlen) und man überhaupt auch nicht weiß, MohaveS, um ihrem Verständniß zu Hilfe zu kommen, mit der Hand zu sich heranwinkte. Die Indianer leisteten der an sie ergangenen Auf- forderung Folge, und der Apostel bückte sich zuerst zu dem auf dem einen Flügel stehenden Häuptling nieder. Bedächtig legte er sodann seine Hände auf deS Kriegers Haupt, und einen verklärten Blick gen Himmel sendend, rief er au»:„Mein Bruder, ich taufe Dich und nehme Dich auf in die Gemeinschaft der Heiligen der letzten Tage! Ich taufe Dich mit dem Wasser deS Jordan, welches alle Sünden von Dir abwaschen möge; ich taufe Dich im Namen des Vaters, de« allmächtigen Schöpfer» des Himmels und der Erde! Amen!"„Amen!" wiederholte die ganze Verfamm- lung. Kairuk aber schnellte wie ein Blitz nach dem Ufer hinauf, wo er sich halb lachend, halb zornig wie ein Hund schüttelte, denn der Apostel hatte ihn bei den letzten Worten dreimal hinter einander mit dem Kopfe untergetaucht, was ihm in seiner erhöhten Stellung natürlich ohne großen Kraft- aufwand gelang. Die übrige«»och im Wasser befindlichen MohaveS scheuten fich nicht, ihr Ergötzen durch lautes Lachen an den Tag zu legen, in welches Kairuk, nachdem er sich überzeugt, daß die Frisur seiner langen, in dicke Strähnen zusammengeklebten Haare nicht sonderlich gelitten hatte, aus vollem Herzen mit einstimmte. Als er aber bemerkte, daß feine Gefährten, trotz des Zurückhaltens des Apostels, Miene machten, dem Bade zu entschlüpfen, um ihren Stolz, nämlich ihren wunderbar starken und sorgfältig gepflegten Haarschmuck nicht benetzen zu lasse«, da erhob er ernsten Einspruch. Offenbar wollte er nicht der einzige bleiben, der von seinen StammeSgeaosse» verlacht wurde, und da er zugleich auf die nach ihren Begriffen reichen Ge- schenke deutete, deren sie im Weigerungssalle für verlustig erklärt werden würden, so verstanden sich dieselben endlich zu dem ganzen Verfahren, nur daß sie vorher ihre dicken Haarsträhnen wie eine» Turban um ihr Haupt schlangen. Die Taufe wurde darauf ohne weitere störende Zwischen- fälle vollzogen. Die Mormonen sprachen jedesmal ihr an- dächtiges„Amen", die Indianer begrüßten jedes neue Unter- womit der Krankheit Einhalt gethan bez. wodurch dieselbe de« seitigt werden soll. Es wird daher das genannte Ministerium dringend ersucht, hierin schleunigst zu helfen und einen in Be- zug auf diese Krankheit erfahrenen Arzt hierher zu senden, um die mit derselben befallenen Personen auf Kosten des Staate? zu heilen. Frankfurt a. M. Im hiefigen Gerichts- Gefängnisse be- finden fich— wie die„Franks. Zeit." mittheilt— schon seit drei Wochen die Brüder Adolf und Friedrich Lautermeister, welche die Verübung hochverrätherischer Unternehmungen beab- fichtigt haben sollen. Man will festgestellt haben, daß die beiden Gefangenen(fie find etwa 19 und 25 Jahre alt) Most'» sche Emissäre seien, welche einen Mainzer Polizeirath mit Droh- bliesen geängstigt. Die Gefangenen geben an, fie seien Harm- lose Reisende; gegen ihre Verhaftung haben fie auch Beschwerde erhoben, aber— wie es scheint— vergeblich. Der deutsch-spanische Konflikt befindet fich noch immer im alte» Stadium. Den„Times" zufolge hat die englische Re« gierung dem Madrider Kadinet mitgetheilt, daß fie noch an ihrem Proteste von 1875 gegen die Souveränetät Spaniens über die Karolinen festhalte, aber nichts dagegen einzuwenden habe, wenn die Frage, wem die Inseln thatsächlich gehören, durch ein Schiedsgericht erledigt werde.— Die„Times" erfahren weiter, daß Italien, Oesterreich und Rußland auf Spanien zu Gunsten der Annahme des deutschen Schieds- gerichtsvorschlags Einfluß üben werden. Die in Berlin wieder eingetroffenen Bevollmächtigten zum Bundeirath haben Veranlassung genommen, alsbald fich auf dem auswärtigen Amte über den Stand des deutsch- spanischen Streitfalles zu informiren. Aeußerem Vernehmen nach ist ihnen bei der Gelegenheit auf das Bündigste versichert worden, daß alle in der Presse aufgetauchten Nachrichten über die Mög« lichkeii einer wenn auch noch so partiellen Mobilmachung völlig unbegründet seien. Wie ein Artikel der„Allg. Ztg." noch besonders hervor» hebt, hat gerade Deutschland auch nach 1875 mehrfach Gelegenheit genommen, seine Anschauung Spanien gegenüber zu be- künden, so daß die Regiemnaen dieses Landes seit jener Zeit im Stande waren, das Hoheitsrecht Spaniens über jene Inseln in einer nicht zu � beanstandenden Weise zu sichern. Wenn Spanien nichts that, die von ihm beanspruchten Besitzungen in Gemäßheit der modernen internationalen Äechtsanschauungen zu sichern, so verzichtete es damit stillschweigend auf das Besitz- recht und es stand jeder anderen Macht frei, dieses verlassene „Gut" zu ergreifen. Die spanische Regierund hatte bei dem letzten offiziellen Besuch des deutschen Botschafters, Grafen Solms, eine bedeu» tende Militärmacht zum Schutz desselben aufgeboten, was den liberalen und republikanischen Organen Anlaß giebt, fich tadelnd über diese Maßregel zu äußern. Die Truppen der Bürgergarde und Polizisten bildeten Spalier von dem Bot« schaftsgebäude bis zum Palast. Die unabhängigen Blätter äußern fich hierüber folgendermaßen:„Da Graf Solms fich früher sowohl zu Wagen, wie zu Fuß ohne die geringste Belästigung in den Straßen bewegt hatte, so lenkten diese scheinbaren Vorstchtsmaßregeln nur die öffentliche Aufmerksam» keit auf den Besuch des Grafen und verursachten einen An« drang von Menschen aus den unteren Theilen der Stadt. Es hätten dort umfassende Vorfichtsmaßreaeln ergriffen werden sollen, wo Diejenigen, welche dem Empfange anwohnten, ihre Equipagen verließen und später wiederum bestiegen. Dies scheint nicht der Fall gewesen zu sein, denn ein aufgeregter Republikaner war im Stande, eine kurze Ansprache an den Grafen SolmS zu richten, als dieser in seine Equipage stieg, um aus dem Palast zuiückzukehren. Der Republikaner soll ge- sagt haben, daß die Botschafter aller Nationen heilig seien, daß aber die Spanier fich von Deutschland abwenden und dessen Anstrengungen zur Befitzergreifung von spanischem Grund und Boden Trotz bieten. Graf Solms fuhr ruhig foit, und der Zwischenfall hat keine Folgen gehabt." Der Madrider Korrespondent deS englischen„Stan- darb" meldet u. A.:„Als General Salamanca jüngst be« schlössen hatte, seinen deutschen Orden zurückzusenden, schickte er seinen Brief nicht etwa direkt an den Kronprinzen, wie zuerst ausgesprengt wurde, sondern er schrieb an den General von Los, den Chef seines Militärkabinets, der den Prinzen 1883 nach Spanien begleitet hatte, und beauftragte jenen Offizier, als seinen persönlichtn Freund, den Prinzen von seinem Ent« schlusse zu benachrichtigen. General v. Los hat jetzt seinen eigenen Adjutanten gesandt, um dem General Salamanca mit« zutheilen, er könne, nach den in Deutschland bestehenden Re» geln der Disziplin und der Etiquette, die Misston, dem Prinzen eine so ungewöhnliche Mittheilung zu übermachen, nicht an- nehmen. Nach verschiedenen Unterredungen mit dem General Salamanca reiste der deutsche Oberst gestern(13. d.) nach Beilin ab und General Salamanca wird nunmehr seinen Orden an das deutsche oder an das spanische KiiegSministerirun zurücksenden, da er bei seiner Abficht der Rückgabe beharrt. Die Hartnäckigkeit des Generals soll indessen bei Hofe und der Regierung so sehr mißfallen, daß das Gerücht geht, er werde tauchen mit schallendem Gelächter, waS indessen von keiner Seite übel aufgenommen wurde, und als dann endlich der letzte der neu bekehrten Krieger nach dem Ufer hinaufsprang und die ibm dargereichten Geschenke in Empfang»ahm, da löste sich die erbaute Versammlung auf, um in geselligen» Verkehr die Zeit bis zum Abend zu verbringen und sich ge» wissermaßen auf die religiösen und politischen Vorträge vor» zubereiten, welche, namentlich mit Rücksicht auf die gegen» wältige Lage des MormoventhumS, von einigen namhafe« Rednern gehalten werden sollten. Die MohaveS packten unterdessen ihre Geschenke in Bündel zusammen, und nachdem sie sich durch einige Worte und Zeichen unter einander verständigt, mischte« sie sich unter die verschiedenen Gesellschaften, um mit Jedem, der sich ihnen näherte und sie mit theilnehmen- den oder neugierigen Blicken betrachtete, Händedrücke und einzelne, auf ewige Brüderschaft bezügliche Worte auS- zutauschen. Wenn nun die fünf MohaveS, so lange sie zusammen» blieben, eine hervorragende Gruppe bildeten, so verloren f»e sich einzeln fast in dem lebhasten Gewühl, nnd da man sich überall sehr bald in ernste Gespräche vertiefte, hier sich»* Aeußerungen der Freude über ein endliche» Widersehe« nach langer Trennung erging, dort Befürchtungen über de« Ausgang des Kriege» laut werden ließ, so waren die Täuflinge bald vergesse«, und diesen gelang es, sich einzeln und ohne Aufsehen zu errege» aus der Versammlung 8" entfernen. Hinter einer Reihe von KieShügeln, welche, das An» steigen des Bodens bekundend, die von Hunderten vo« Menschen belebte Wicsenniederuag begrenzten, trafen P wieder zusammen. Die dicken ledernen Sandalen, welche sie gewöhnlich- um sie ihrer Kostbarkeit wegen zu schonen, im Gürtel ttu» gen, hatten sie an ihre Füße geschnürt, ihre Bündel den Geschenken auf sinnige Art auf ihren Schulter« festigt, so daß sie in den Händen weiter nichts als den fünf Fuß langen Bogen, ei« Bündel scharfer Rohrpfeile und d> kurze, hammerähnliche Keule trugen. Der muthwillige Au»* druck, der während ver Zeremonie auf ihren bemalten /'U3 be rium Be um mates e bes feit ister, Seab bie loft's Oroh arm werde mer Re 5 an miens nden ören, ers auf iebszum auf ichen ift rden, Nögs öllig roors gens be Beit nfeln Benn n in ngen Befig ffene ellen deu den fich der Bot Hätter 3 fich diese ngfte jam Un Es erden thre Dies regter flieg, Iden I ge daß Deffen und oder Stan bes tte er querft von 1883 fisier, Ent einen mits Res cinzen an eneral nach einen erium harrt. d der werde feiner der prang , da Tigem ge vors gegens hafen fe in einige Schten mit men und aus nmen en fie an fich ich in fehen er den mbie inzeln ng zu An von en fie hnlich, el trus Imit n be n fünf nd bie e Ausa Bügen fein gegenwärtiges Kommando verlieren und auf Halbsold gestellt werden. Die vom Madrider ,, El Correo" gegebenen Mittheilungen über die wahrscheinliche definitive Lösung der Karolinen- Angelegenheit finden in Paris vielen Glauben. Darnach würde die Ronvention zwischen Deutschland und England vom März 1885 betreffs der Suluinseln zur Grundlage der zwischen Deutsch land und Spanien abzuschließenden Konvention betreffs der Karolinen dienen. Somit würde deutscherseits die Souveräs netät Spaniens über die Karolinen anerkannt und dagegen spanischerseits Deutschland ausgedehnte Handels- und Schiff fahrtsfreiheit im Karolinen Archipel eingeräumt werden. In Folge dessen habe auch bereits England, welches von diesem Brojekte Kenntniß bekommen habe, sich beeilt, in Madrid Schritte zu thun und unter Betonung, daß England schon seit 1875 die Auffassung Deutschlands über die Karolinenfrage voll tommen theile, nachdrücklich verlangt, zur Theilnahme an den Handels. Vergünstigungen jeder eventuellen Konvention zuge laffen zu werden, und sich gleichzeitig zur Anerkennung der Souveränetät Spaniens verpflichtet. Einer neuerdings eingetroffenen Depesche zufolge läßt die spanische Regierung die Chaffarinen- Inseln an der maroffani. schen Küste befestigen. Nach einem Telegramm aus San Sebastian erhielt der Kommandant von Guipuzcoa Befehl, die Arbeiten an den Festungswerken, welche die Hafeneinfahrten beherrschen, zu beschleunigen. Türkei. Nach einem der Pol. Korr." aus Konstantinopel zugeTommenen Berichte haben daselbst aufgetauchte Gerüchte von Bestechungen, die beim Abschlusse der Geschüßlieferungs- Verträge zwischen der Pforte und Krupp vorgekommen sein sollen, den Sultan zur Anordnung einer strengen Untersuchung vers anlaßt. Es steht, so schreibt man der genannten Korrespondenz, indessen fest, daß die Unternehmung Krupp keinerlei Bestechung verübt hat, und die Sache scheint sich überhaupt darauf zu reduziren, daß Bwischenpersonen ohne offiziellen Charakter den Glauben zu weden versuchten, als müßten zur Sicherung der Verträge Bestechungen vorgenommen werden, wobei fie fich allerdings die Miene gaben, im Namen offizieller Persönlich. feiten zu sprechen. Bur Mission des englischen Spezial- Gesandten Sir Henry Drummond Wolff berichtet der Konstantinopeler Korrespondent der ,, Daily News" folgendes: Dem Vernehmen nach afzeptirt die Pforte im Prinzip das Zusammengehen mit England in der Lösung der egyptischen Schwierigkeit. Man bersichert mir, daß die Türkei auf folgender Bafts der Unter handlungen bestehen werde: 1. daß ein Termin festgesezt wird, innerhalb dessen England Egypten räumen soll; und 2. daß der Firman und der Vertrag von 1841 den Garanties mächten unterbreitet werden soll, um von denselben genehmigt zu werden. Letterer Vorschlag scheint anzudeuten, daß es des Sultans Wunsch ist, die 1867 und 1873 vorgenommenen Abänderungen dieser Afte, durch welche u. A. der Modus der Thronfolge verändert wurde, bei Seite zu ſezen. Es würde dadurch auch das Recht Egyptens, Handelsverträge unabhängig von der Pforte zu schließen, eingeschränkt werden. Man glaubt, daß Sir Henry Wolff angesichts dieser Forderung fich In ftruktionen aus London erbeten habe. Deutschland und Rußland folgen dem Vernehmen nach den Unterhandlungen ohne Hengstlichkeit; Frankreich jedoch, während es von denselben fich fern hält, hat eine Haltung der Wachsamkeit angenommen und eine Verbalnote an die Pforte gerichtet, worin sie die Hoffnung ausdrückt, daß französische Interessen in feiner Weise beeinträchtigt werden würden." Derselbe Korrespondent meldet: Die von Jsmail Pascha nachgesuchte Ermächtigung, Konstantinopel zu besuchen, ist peremptorisch verweigert worden." • Großbritannien. In Oldham, woselbst die Spinnereiarbeiter seit längerer Beit streiten, hatten die Fabrikanten am 14. d. M. ihre Fa brifen geöffnet, um den Arbeitern Gelegenheit zur Wieders tufnahme der Arbeit bei einer 10prozentigen Lohnherabsetzung geben. Bei den größeren Fabriken hatten fich große Menschenmengen zusammengerottet, die der Dinge harrten, welche fommen sollten. Man befürchtete ernste Ruheſtörungen, enn Arbeiter die Spinnereien betreten sollten, aber dies that Niemand. Der Beschluß der Arbeiter, die Bedingungen der Fabritherren nicht anzunehmen, ist unerschütterlich, wenngleich fich eine Neigung zur Annahme einer 5prozentigen Rebuftion bemerkbar macht. Wahrscheinlich wird in Kurzem ein Versuch u einem Kompromiß gemacht werden. Amerika. Schon seit längerer Zeit hatte sich herausgestellt, daß das auf die Einwanderung von sog.„ Paupers", d. h. von mittelbezügliche Bundesgefeß in gewiffer Hinsicht mangelhaft war. Bombeamten in verschiedenen Hafenplägen hatten die Regierung auf die Nothwendigkeit ergänzender Bestimmungen zu dem betreffenden Gesetze aufmerksam gemacht und hat der FinanzI minister in Folge dessen mehrere, neue diesbezügliche Regula tionen aufgestellt. Die eine derselben enthält, der Newy. H.3tg." zufolge, die nachstehenden Bestimmungen: Alle in den Häfen der Vereinigten Staaten eintreffende Einwanderer sollen nicht als wirklich gelandet betrachtet werden, so lange sie nicht von den Einwanderungs Kommissären oder deren Vertretern inspizirt worden sind, oder so lange ste fich unter Ueberwachung seitens dieser Beamten befinden. Die Fortschaffung von Baupers" von Bord des Schiffes nach dem Inspektionsorte oder bem Plage, woselbst sie von den betreffenden Beamten temporär in Obhut genommen zu werden pflegen, soll nicht als Landung im Sinne des Gesetzes betrachtet werden, so lange die betref= fenden Einwanderer nicht von den sie überwachenden Beamten entlassen worden find. Durch eine andere Regel werden die Newyorker Einwanderungs Kommissäre oder deren Agenten autorifirt und angewiesen, fich an Bord aller aus fremden Häfen im Hafen von Newyork eintreffenden Fahrzeuge zu begeben und alle fich auf demselben befindliche Einwanderer bebufs Inspektion nach Castle Garden zu bringen, sowie Arrangements zur Rücksendung derjenigen Personen zu treffen, welche den Bestimmungen des Einwanderungsgefeßes gemäß nicht zum Landen berechtigt find. Die Bolltollettoren find in struirt, der Einwanderungs- Kommissären bei Durchführung dieser Regulation alle nothwendige Unterstügung zu gewähren. -Das in Philadelphia erscheinende Anarchistenblatt Die Bus funft" hat, der Amerit. Korr." zufolge, sein Erscheinen eingestellt. S Lokales. Die Ungerechtigkeiten der Miethssteuer spielen auch diesmal wieder bei den Agitationen für die bevorstehenden Kommunalwahlen eine Rolle. Folgende Angaben dürften daher nicht ohne Interesse sein. Nach den von der Steuerdeputation geführten Liſten gab es im ersten Quartal d. J. in Berlin 310 673 Wohnungen und Gelaffe, welche einen Miethswerth von 187 832 331 M. repräsentirten. Davon waren nicht weniger als 23 093 mit einem Miethswerth von 12 986 326 M. ganz und 25 829 mit einem Miethswerth von 5 442 604 M. theilweise befreit. Dauernd befreit von der Zahlung der MiethsSteuer wegen Armuth der Bewohner waren 11 108 Wohnungen mit einem Miethswerthe von 1769 689 M., ferner waren wegen Armuth zeitweise befreit 8190 mit einem Miethswerth von 1451 095 M. und dazu treten nach als theilweise befreite 4053 Wohnungen und Gelaffe mit einem Miethswerthe von 573 027 M. Unter den übrigen von der Miethsteuer befreiten Personen befinden fich 1693 Militärs und Militärbeamte(+ 46 theilweise befreite), 119 Gesandte und Gesandtschaftspersonal(+7), 100 Geistliche(+25), 775 Elementarlehrer(+ 626), 60 Beamte, Lehrer an höheren Lehranstalten und Benfionäre(+ 21 065, Lehrer an höheren Lehranstalten und Benfionäre(+ 21 065, die theilweise befreit find), endlich 1052 als Behörden und Institute. r. Ein schönes Stück Arbeit scheint für die betr ffenden Herren Juristen die Ausarbeitung des Entwurfes zu einem bürgerlichen Gesetzbuch zu sein. Seit 1874 ist diese aus den gelehrtesten Herren zusammengesette Kommission bei dieser Arbeit thätig, die darin besteht, auf Grund der drei gegenwärtig in Deutschland herrschenden Rechtssysteme, nämlich des preußis schen Landrechts, des rheinisch französischen Rechts und des gemeinen Rechtes ein gemeinsames deutsches Recht in der Geftalt eines bürgerlichen Geseßbuchs zu formuliren, oder vielmehr den Entwurf zu diesem Gesetzbuch zu liefern. Man hat die ganze zu bearbeitende Materie in fünf Abschnitte getheilt: 1. Obligationen-( Forderungs-) Recht, 2. Sachen Recht, 3. Vor mundschafts- Recht, 4. Familien- Recht und 5. Erbrecht. Von diesen fünf Hauptabschnitten sind die unter 1 bis 3 erwähnten gegenwärtig fertiggestellt, und es fehlt somit noch die Bearbeitung des Familien- und Erbrechts; ob die Fertigstellung Dieser beiden Theile noch in diesem Jahrzehnt möglich sein wird, scheint bei der großen Schwierigkeit, mit denen man namentlich bei der Vielgestaltigkeit des Erbrechtes in Preußen und Deutschland zu kämpfen haben wird, mindestens zweifelhaft; außerdem bleiben dann noch mehrere fleinere Einführungsgefeße und Novellen zu bestehenden Gesezen zu bearbeiten. Es wird nun in neuerer Zeit mit Recht die Frage diskutirt, ob es sich unter den obwaltenden Umständen nicht empfiehlt, die einzelnen fertig gestellten Abschnitte des bürgerlichen Gesetzbuches zu veröffentlichen und fte se zur öffentlichen Diskussion zu stellen. Wer die Strömung unserer Beit und namentlich die soziale Bewegung recht versteht, wird diese Forderung nur dringend unterstüßen fönnen. Die niedergesezte Kommission leistet tros des großen Verbrauches von Gelehrsamkeit und Zeit doch gewissermaßen nur eine rein mechanische Arbeit, die an sich nicht geeignet ist, die vor anderthalb tausend Jahren firirten Säße des gemeinen Rechts für moderne Verhältnisse passend zu machen; ebenso haben sich die thatsächlichen Verhältnisse, auf denen die Gesetzgebungen Friedrichs II. und Napoleon I. begründet find, die allereingreifendsten politischen und sozialen Aenderungen erfahren, die von den Herren Fach- Juristen( der frühere fonservative Abgeordnete v. Meyer- Arnswalde pflegte zu sagen Vollblutgeruht hatte, und der sie, wie die prächtigen Kolorados Stämme überhaupt, vor allen anderen Eingeborenen des Schatten dehnten sich über das einsame Thal aus, und weiße amerikanischen Rontinents auszeichnete charakterisirte, war verschwunden; statt dessen aber zeigten sie einen so tiefen männlichen Ernst und ein so entschlossenes hartes Wesen, baß ein einzelner ihnen zufällig Begegnender sich gewiß veranlaßt gefühlt hätte, ihnen scheu auszuweichen. Nach einer furzen Besprechung, welche augenscheinlich Juristen") allein nicht so genügend beurtheilt werden können, um daraus alle für moderne Verhältnisse nöthigen Rechtss bestimmungen herzuleiten. Das kann nur im Wege der öffent lichen Distuffton geschehen. Ohne die Aufnahme folcher, durch unsere moderne Verkehrs- und Wirthschaftsgestaltung bedingten neuen Rechtsgrundsäße, die einer weiteren Entwickelung fähig sein müssen, wird die ganze auf das bürgerliche Gesetzbuch vers wendete Arbeit ein unfruchtbarer akademischer Versuch, ein juristischer Eiertanz zwischen den bestehenden drei Rechtssystemen sein; niemals aber würde eine solche Arbeit Antlang in den weiten Schichten der Bevölkerung finden, die unter diesen Bestimmungen leben und nach demselben alle Lebensverhältnisse regeln soll. Namentlich in das Recht der Forderungen wie auch in das Sachenrecht greifen die Neuges ftaltungen unseres sozialen Lebens tief ein und bei diesen Rechtsmaterien wird man ganz besonders Bedacht darauf nehmen müssen, diejenigen neuen Rechtsgrundsäße, die in unserem modernen Gesellschaftsleben wurzeln, in entwicklungsfähiger Form zum Ausdruck zu bringen. Das ist aber nur möglich. wenn die betreffenden Theile des Gesammt Entwurfs rechts zeitig veröffentlicht werden. Was die Dauer der Arbeitszeit betrifft, die bisher auf diese Arbeit verwendet worden ist, so dürfte es um unser öffentliches Leben schelcht bestellt sein, wenn selbst ganz neue Rechtsentwickelungen sich in der Gesezgebung in demselben langsamen Tempo vollzögen, wie hier die einheitliche Formulirung der bestehenden Rechtssysteme. Schließung von Märkten. Nach der Nat. 8tg." hat der Bezirksausschuß jezt über den Antrag auf Schließung der offenen Märkte auf dem Alexanderplat, Neuen Markt, Gen barmenmarkt, Dönhofsplay, Leipziger Play, Belleallianceplaß, Karlstraße und Dranienburger Thor entschieden. Es ist vom Bezirksausschuß beschloffen worden, daß diese Märkte sämmtlich gleichzeitig an dem Tage geschloffen werden, an dem die Stadts gemeinde die ersten vier Markthallen eröffnen will. Der Tag, an welchem die Schließung durchzuführen ist, wird nach einem Bericht des Magistrats, in welchem genau angegeben wird, wann die vier Markthallen eröffnet werden können, noch fest gestellt werden. Vor der Faffung des Schließungsbeschluffes hat der Bezirksausschuß noch mit dem Polizeipräsidium vers handelt; daffelbe hat ausgesprochen, daß seinerseits Bedenken gegen die Schließung der acht offenen Märkte nicht zu erheben feien, da die vier ersten Markthallen( Bentral- Markthalle in der Neuen Friedrichstraße und Markthalle zwischen Linden- und Friedrichstraße, Bimmer- und Mauerstraße, Dorotheenstraße und Reichstagsufer) das vorhandene Bedürfniß vollständig bes friedigen tönnten. Der Streit mit den sogenannten Sechserbarbieren bat jest auch innerhalb der Jnnung sehr scharfe Formen anges nommen. In einer am Dienstag Abend in Brauers Salon, Frankfurterstraße 72, stattgehabten Versammlung der Innungs mitglieder, welcher als Vertreter der städtischen Gewerbe Deputation Herr Stadtverordneter Langenbucher beiwohnte, bildete der Antrag, die Mitglieder der Jnnung, welche für 5 Pf. rafiren, mit dem 15 fachen Jahresbeitrage als Strafe zu be legen, den Gegenstand sehr erregter Debatten, da ein Theil der Mitglieder eine solche Beschränkung des Geschäftsbetriebes dann doch nicht als einen besonderen Segen anzuerkennen vermag und die Thätigkeit der Innung nach dieser Richtung hin als bedenklich bezeichnete. Vom Obermeister Herrn Wollschläger wurde mitgetheilt, daß nach wiederholten Bemühungen Aussicht vorhanden sei, die Bustimmung der Polizeibehörden zu einer so tief in das Interesse der einzelnen Arbeitgeber einschneidenden Maßregel zu erlangen.(!) Von einem dahin zielenden Beschluffe mußte indeffen für heute Abstand genommen werden, weil der Vertreter der städtischen Behörden darauf hinwies, daß die zu einem solchen Beschlusse statutenmäßig vorgeschriebene Mehrheit der Innungsmitglieder nicht anwesend war. Am 5. Dktober wird deshalb eine zweite Versammlung, die unter allen Umständen dann beschlußfähig ist, den Gegenstand zur Erledigung bringen. r. Der Aichstrich in den Biergläsern und anderen Schank gefäßen macht unseren Restaurateuren gegenwärtig viel Kopfschmerzen. In den westpreußischen Landestheilen haben einige Staatsanwälte eine öffentliche Bekanntmachung dahin erlassen, daß mit der bloßen Anbringung des Aichstrichs in den Gläsern der Schankwirth seine Pflicht noch keineswegs erfüllt habe, daß er fich vielmehr auch dann strafbar macht, wenn er die ge aichten Gefäße nicht bis zum Aichstriche füllt. Zwar find ges richtliche Verurtheilungen auf Grund dieser Rechtsauffaffung noch nicht vorgekommen, aber man kann sich vorstellen, daß die Situation der Restaurateure unter diesen Umständen eine äußerst unangenehme und unbehagliche ist. Wird das Gericht dieser Rechtsauffaffung beitreten oder nicht? Das ist die für alle Restaurateure Deutschlands wichtige Frage, denn das Aichgesetz ist ein Reichsgesetz und was in der westpreußischen Justiz recht ist, muß für alle anderen Landestheile des Reichs billig sein. Haben die betreffenden Herren Staatsanwalte mit ihren Anfichten recht, dann muß jedes Quantum eines Getränkes in einem Gefäße geschänkt werden, dessen Füllstrich von dem Getränk bedeckt wird; die Konsequenzen einer folchen Auffaffung sind für die praktische Schantwirthschaft unganzen Verfahren hervor, daß ihre Reise nach Fort Utah in Beziehung zu der Abwesenheit der Bewohner des selben ftand. Ehe die Mohaves ihren Lauf antraten, hatten die Die Sonne versant hinter den westlichen Bergen, lange Nebel entstiegen dem See und den angrenzenden moraftigen Niederungen; die fünf Hünengestalten aber verfolgten uner müdlich ihren Weg auf Fort Utah zu. Nächtliche Dunkelheit verdrängte die Schatten der Dämmerung, und wie gespenstige Wesen strichen die stillen Mohaves über die Ebene. Ihre Gestalten schienen zu wachsen, ihre Augen, wie bei einem edlen Renner, sich immer mehr zu beleben, und seitwärts gegen vollen Zügen die von dem See her wehende fühle Nachtluft einzuschlürfen. Ja, das waren Menschen; sie kannten nicht den Nutzen Eine furze Strede legten fie noch mit langen Schritten zurück, dann aber verfielen fie in einen kurzen Trab, der der Pferde und Laftthiere, aber die Gelenkigkeit, Ausdauer indessen immer schneller und schneller wurde, und zwar mehr und Kraft von solchen hatte die Natur ihnen verliehen. Und so ging es denn fort und fort; ihre Kniee bogen fich, dadurch, daß fie größere Säße nahmen, als daß sie den Salt, in welchem die harten Sandalen klappernd auf den als hätten sich stählerne Federn statt der Sehnen in den festen und steinigen Boden fielen, beschleunigt hätten. 3u- selben befunden, und leicht und elastisch fielen die durch in dem Bett des Flüßchens bis ganz dicht an das Fort legt bewegten fie fich so schnell von der Stelle, daß ein dickes Leder geschützten Füße auf den Erdboden. Die Wölfe, herangeschlichen waren. die Richtung ihres Weges und den Stand der Sonne bes traf, stellte Kairut sich an die Spize; Ireteba trat sogleich Westen wendeten sie die gespreizten Nasenflügel, um mit hinter ihn ihn, und an diesen schlossen sich dann die anderen drei Krieger in bestimmten Zwischenräumen an. ihnen zu halten, ungeachtet der sich vielfach wiederholenden und beutegierig das Thal durchstreiften, brachen mitten in breiten Regenfurchen und der aus Gestrüpp und scharfem ihrem unheimlichen Geheul ab, wenn sie die fünf drohenden Reiter schon einen bedeutenden Vorsprung gewonnen, und da fie sich vorzugsweise in den Niederungen hielten, so war es keinem von beiden Theilen möglich gewesen, den andern zu entdecken. Als sie sich aber endlich kurz vor Mitternacht dem in tiefer Stille baliegenden Fort von fast entgegengesetzten Seiten näherten, da hätten wohl noch schärfere Augen als die der Indianer dazu gehört, die Dunkelheit auf eine Entfernung von mehreren hundert Schritten mit den Blicken zu durchdringen, und zu hören waren die Reiter eben so wenig, als die Mohaves, seit sie, eine Strede oberhalb der ersten Gebäude, ihre Pferde auf bene dem Ufer des Timpanogas zwischen einer Gruppe von Weidenbäumen untergebracht und angebunden hatten, und demnächst Die Flucht. Weatherton hatte lange Wochen in seiner GefangenGeftein bestehenden Hindernisse, über welche sie, um ihre Gestalten erblickten, und weit abwärts sprengten die Anti- schaft zugebracht; doch beim Rückblick auf die Vergangenheit nodten Blieber nicht zu verlegen, mit der Gewandtheit und lopen, aus Furcht, im wilden Wettlauf ums Leben eingeholt erschien ihm diese Beit bei weitem nicht so träge verronnen Sicherheit von verfolgten Hirschen hinwegsprangen. zu werden. Die Mohaves dagegen kümmerten sich weber um die zu fein, wie die wenigen Stunden, seitdem ihm mitgetheilt worden war, daß er unter ben Mormonen theilnehmende der die ihm sogar bei seiner Flucht behilflich Seine Aufregung stieg in demselben Grade, in welchem bestimmte Zeitpunkt näher rückte, und nur auf bringenes für nöthig befanden, zuweilen frische Luft zu schöpfen. Wölfe, noch um die Antilopen; sie schauten nur auf den Hinauf und hinunter ging es die Hügel, ohne daß sie Sie schienen in der That die Lungen des Wildes zu be- Weg vor sich und nach der Richtung hinüber, in welcher fie fein wollten. figen benn legten fie auch Meile für Meile mit unge- ihr Ziel, Fort Utah, wußten. ichmächter Eile zurück, so entwand sich der Athem ihrer Fast eben so schnell wie die Mohaves, allein mehr nach Bruft doch langsam und regelmäßig, wie bei einem trägen den Abhängen der Berge hin, näherte sich ganz zu derselben des Bureben seines Freundes Raft gewann er es über sich, Wanderer, der planlos auf bequemer Landstraße einherzieht. Seit noch eine andere Gesellschaft dem Fort. Dieselbe einige Speisen zu fich zu nehmen, um zu dem nächtlichen die sich von dem Wahsatch- Gebirge dem Utah- See zuschläns ihren Bewegungen waren diese geheimnißvollen Reisenden rüstet zu sein. Nur wenn sie zuweilen einen der eiskalten Bäche erreichten, bestand aus drei Reitern und zwei losen Pferden. In Ritt, der ihm nach seiner Meinung bevorstand, besser ge gelten, warfen sie sich nieber, um sich durch einen langen äußerst vorsichtig, und selbst als die Dunkelheit eingetreten, Trunk zu erquicken. In der nächsten Minute hatten sie fich machten sie große Umwege, wenn sie an einem schwachen Er so wenig wie der Bootsmann hatten eine Ahnung davon, wie die Flucht in's Werk gesetzt werden sollte. Dies wem eigentlich der ihm geleistete Beistand herrühre. ( Fortsetzung folgt.) aber schon wieder emporgerichtet, und von Neuem begannen Lichtschimmer die Nähe einer einsamen Farm oder größeren verursachte ihm indeß weniger Sorge, als die Frage, von fie ihren Lauf, als wären sie die legten Nachzügler der wil- Ansiedelung erkannten. ben Jagd gewesen, welche sie durch irgend eine unfreiwillige Bogerung aus den Augen verloren. Das Lager der Mormonen am Jordan hatten sie von einer Höhe aus genau beobachtet, und es ging aus ihrem übersehbar; bei unserem Bierausschank würde der sogenannte| Schnitt" eine Alenderung erfahren müssen, denn es ist dann nicht mehr zulässig, ein nicht bis zum Aichstrich gefülltes Glas den Gästen vorzuseßen und auf den für das Getränk gezahlten Preis tömmt es dabei nicht an. Auch die Stammseidelfrage tömmt dann wieder in erneuerter und verbesserter Gestalt zum Vorschein. Der Stammgaft darf aus seinem Stammseidel dann feinen Schnitt mehr trinken, wenn sein Glas nicht mit einem so niedrigen Aichstrich versehen ist, daß das Bier denselben bes deckt. Genug, den Wirthen und den Gäften drohen aus den verschiedenen Rechtsauffaffungen eine endlose Menge von Schwierigkeiten, und die bestehende Verwirrung wird dadurch nicht geringer, daß einige Rechtsanwalte die vorerwähnte staatsanwaltliche Auffassung für unzutreffend balten. Wie sich die Dinge in großen Schankwirthschaften in der Praxis gestalten würden, wenn z B. ein Kellner mit 12 bis 15 Seideln in den Händen den Inhalt eines oder einiger derselben bis unter den Aichstrich durch Unvorsichtigkeit verschüttet, und ob der Wirth für diese Unvorsichtigkeit verantwortlich ist, das find Fragen, die sämmtlich eng mit der hier in Rede stehenden Rechtsauf faffung zusammenhängen, und ein weites Gebiet für allerlei Chitane gegen einen Wirth durch misgünstige Gäste eröffnen. i. Vorsicht beim Fischeffen. Durch einen unglücklichen Big hat die fleine Tochter des Kanzlei- Inspektors Meinecke fich am gestrigen Tage eine nicht unerhebliche Verlegung zugezogen. Die Söhne der Familie hatten am vorgeftrigen Tage bei Treptow geangelt und hatten den nicht unerheblichen Fischvor rath in der Küche abgeliefert. Das junge Mädchen, welches dem Gerichte bei Tisch tapfer zusprach, stieß plöglich einen leb. haften Schrei aus und zeigte auf den Mund ohne im Stande zu sein, sprechen zu können. Bei sofortiger Untersuchung zeigte es fich, daß fie einen abgebrochenen Angelhalen fich tief in den Unterfiefer eingebissen hatte. Mit Mühe gelang es nur einem schnell herbeigerufenen Arzt, den Widerhaken aus dem Munde des für diese schmerzhafte Prozedur chloroformirten jungen Mädchens zu entfernen. Wie fich ergab, hatten die Angler nach üblichem Brauch", eine barbarische Handlungsweise, die mit Recht für Thierquälerei zu bestrafen wäre, den Thieren die Angelhafen einfach in den Klemen fizen lassen, sobald sie nicht fich leicht herauslösen wollten. r. Das Füttern angespannter Pferde aus hölzernen oder blechernen Gefäßen, das so vielfach beobachtet wird, ist eine mit unserem lebhaften Straßenverkehr nicht zu verein barende Gewohnheit vieler Kutscher. Am Mittwoch in der Mittagstunde schlug ein vor einem Steinfuhrwerke in der Wallftraße haltendes Pferd, dem ein solcher hölzerner Kübel vor das Maul gebunden war, mit einer plöglichen Seitenbewegung des Kopfes einem gerade vorübergehenden Schüler den Holzfübel ins Gesicht, so daß dieser mit blutüberströmtem Gefichte zu Boden stürzte; eine Dame, die dem Knaben zu Hilfe sprang, entging dem gleichen Schicksal nur durch ein rechtzeitiges Aus biegen und bie Puffe, die der herbeieilende Rutscher dem freffenden Gaul zu seiner Mahlzeit zusezte, hatten auch keinen vernünftigen 8wed. Diese Art des Futterns eingespannter Pferde sollte nur mittelst der Futtersäcke gestattet sein, während man bei der Anwendung blecherner und hölzerner Gefäße bei der Fütterung verlangen muß, daß diese entweder an der Wagendeichsel oder sonst in geeigneter Weise unbeweglich be feftigt werden. deffelben brach. Obwohl die Passagiere des Wagens einen sehr starken Rud verspürten und das Gemüthliche auf der Pferdebahn" in diesem Moment nicht empfunden haben wer den, so tam glücklicherweise eine Verlegung von Personen nicht ben, so lam glücklicherweise eine Verlegung von Personen nicht vor. Von dem Depot aus der Brandenburgstraße wurde nun ein Arbeitswagen requirirt, worauf der verunglückte Wagen mittelft Hebewerke auf denselben verladen und das Verkehrshinderniß wieder beseitigt wurde. Mehrfache in letter Zeit bei der Polizei eingegangene Anzeigen über Beläftigungen, welchen das Publikum burch die gewerbsmäßigen Betteleien ausgesezt ist, veranlassen uns, nähere Mittheilungen über zwei Persönlichkeiten zu machen, die fich hauptsächlich damit befaffen. Da beide gerichtlich für blödfinnig erklärt worden sind, und fie für ihre Handlungs. weise aus diesem Grunde nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können, so empfiehlt es sich, ihrem Treiben Durch Veröffentlichung in der Presse Einhalt zu thun. Einer derselben ist der ehemalige Baumeister Traeger, welcher sich nur zeitweise hier unangemeldet aufhält. Dieser hat mehrfach durch Beitungs Annonzen für die Unternehmungen, welche er angeb Beitungs Annonzen für die Unternehmungen, welche er angeblich unter hoher Protektion begründen will, Stellungen aus. geboten und hohe Kautionen gesucht, außerdem aber den Namen des Oberst- Lieutenants v. K. gemißbraucht, indem er höhere Offiziere und Bankiers in Briefen, welche nicht nur mit der Namensunterschrift v. K. versehen waren, sondern auch am linten oberen Rand diesen Namen gedruckt zeigten, um Unterftügung einer armen Offizierstochter- nämlich seiner eigenen Frau bat. Der zweite profeffionirte Bettler ist der ehe malige Feldwebel und Schußmann Leopold Powis, Langes straße 45 wohnhaft. Derselbe erscheint einigermaßen gut ge tleidet, trägt eine Beamtenmüße und führt eine Mappe mit fich, in welcher sich Abschriften seiner Papiere, Gesuche und Driginal- Liften befinden, in denen die erhaltenen Geschenke, die er für eine verunglückte Familie von sieben Personen sammelt, verzeichnet sind. Mit der lezteren bezeichnet er auf Befragen feine eigene Familie, und versucht durch die bei sich führenden Papiere die angesprochenen Personen zu überzeugen, daß er unschuldiger Weise aus dem Dienste entlaffen und seinen fort. währenden Petitionen auf Wiederanstellung fein Gehör geschenkt wird. Wenn diese Angaben erfolglos find, so erwähnt er noch schließlich, daß er für geistestrant erklärt worden ist, worauf man ihm, um ihn nur los zu werden, ein Geschenk verabreicht. Die Tournüre. Wie überall, und vielleicht noch in höherem Maße, hat hier in Berlin die übertriebene Tournüre der jegigen Damenmode vielfach Anstoß und sogar eine Bes wegung hervorgerufen, die so weit gediehen ist, daß die Bildung eines Antitournüre Klubs im Werle ist. In seiner amüsanten Weise berichtet darüber Paul v. Schönthan in den Hamb. Nachr.": In dem Saal eines bekannten Restaurants in der Kommandantenstraße versammelten fich fürzlich Nachmittags in Folge eines Eingesandt", das in einer hiesigen Zeitung ers schienen war, etwa fünfzig Damen, welche die Absicht haben, fich zu einem ,, Antitournüre Klub" zu vereinigen. Mit Aus. nahme des Kellners, der Bestellungen auf Kaffee entgegennahm, war jedem männlichen Wesen der Zutritt und die Beugenschaft versagt. Die Damen waren vollständig unter fich. Es versteht fich von selbst, daß die Mitglieder dieser Versammlung das Badfisch- Alter überschritten hatten; das, was man beim weib lichen Geschlecht die Jugend nennt, war naturgemäß nur spärlich vertreten. Diejenige, welche die Versamm lung einberufen hatte, eine hagere Dame mit furzgeschnittenem Haar, eröffnet dieselbe mit einem ästhetisch moralischen Rüdblic" auf den Cul, der, wie sie meinte, leider in alle Kreise gedrungen, und gleichsam in Palast und Hütte zu Hause ist." Sogar die Dienstmädchen in Berlin machen die abs scheuliche Mode mit sagte die Rednerin und ehe fie auf die Straße gehen, um Milch oder Semmeln zu holen, eilen ste noch in ihre Rammer, und flugs wird noch eine schmußige Schürze und was Anderes zusammengerollt und unter dem Rod befestigt." Rednerin verkehrt in ihrer Eigenschaft als Lehrerin in einem Hause, in welchem fich die 20jährige Tochter, weil ihr die Mutter den Cul abschlägt, heimlich vor ihrem Ausgang mit der Schlummerrolle umgürtet. Sind das nicht Die Symptome einer wahren Manie!"( Beifall.) Eine zweite minder geübte Rednerin erklärt sich zunächst als Gegnerin jeder Künstlichen Unterstüßung der Formen", die Schamröthe sei ihr in's Geficht gestiegen, als fie vor einigen Tagen in einem renommirten Gummiwaarenladen der Friedrichstraße eine ,, Tour nüre zum Aufblasen" im Schaufenster liegen sah, neben Reise tiffen und Galoschen. Was soll die Männerwelt von uns benten, ruft die Rednerin mit Emphase aus, aber fie verschluckt den Nachsap, da soeben der Kellner leise den Saal betritt. So dann fährt fie fort: Wer sich seines weiblichen Werthes bewußt ist, braucht fie nicht und wird fie verachten, diese niedlichste aller Moden!" Rednerin verbesserte fich und ruft: Diese niedrigste $ Gerichts- Zeitung. er Gabriele Rommission trat am 9. Juli behufs einer planmäßigen Agita tion zur Neukonstituirung zusammen und nannte fich auf Be schluß obiger Generalversammlung Komitee für den Unter fügungsverband deutscher Mechaniter, Optiker und verwandte Berufsgenoffen". In der Zeit des Bestehens des Komitees hielt daffelbe 15 Sigungen, in welchen die Geschäfte für den Verband geregelt wurden und welchen der Vorfizende des hiesigen Mechanikervereins zum größten Theil anwohnte. Außer dem oben genannten Aufruf und drei Inseraten in der Bentralzeitung für Optik und Mechanik expedirte das Komitee 122 Briefe und sonstige Postsendungen mit 1500 Aufrufen, 500 Statuten, 50 hettographirten Briefen, und empfing deren 51 Briefe und Sendungen. Die Resultate der angestrengten Thätigkeit finden Sie am Schluß dieses Berichts; die Kosten für die Agitation, 90 M., brachten die Kollegen des Stutt garter Vereins mit dankenswerther Aufopferung auf, und fühlen wir uns verpflichtet, denselben für ihre uneigennüßige und thatkräftige Unterstüßung für den Verband den innigsten und wärmsten Dant auszusprechen. Wie groß auch die Sym pathien find, die man uns aus den meisten Städten Deutsch lands entgegenbringt und selbst aus fremden Ländern die Kollegen unser Vorhaben begrüßen, worüber wir zahlreiche Anerkennungsschreiben haben, so müssen wir doch auch beklagen, daß Städte, die wir mit Agitationsmaterial hinreichend vers sehen haben und in welchen die Kollegen zahlreich vertreten find, uns nicht einmal einer Antwort gewürdigt haben, und wenn solche je erfolgte mehr betrübend als erfreulich war. Es zeigt dies, wie indifferent noch die Kollegen find, doch hoffen wir, daß dieser Bericht dieselben aus ihrer Letargie aufraffen wird. Uns follte es zur größten Freude gereichen, wenn wir auf einem deutschen Mechanitertag dieselben zahlreich vertreten vorfinden wür den. Werthe Kollegen! Nach dem hier mitgetheilten ersehen Sie, daß die Liebe zum Verband, der Eifer zur Verbrüderung der deutschen Kollegen in uns rege find, um so mehr sollten die selben auch die Säumigen, Baghaften heranziehen, bis der Samen zur Reife gebracht ist und die sämmtlichen deutschen Kollegen in den Verband gezogen find. Denn unser Wahl spruch soll und muß sein: Einer für Alle, Alle für Einen". Ist unserer Brust ist nur das Solidaritätsgefühl, das Bewußt sein der großen Sache, die Verbrüderung unserer deutschen Kollegen. Andere Gedanken, andere Motive find uns fern. Deshalb, Kollegen, bitten wir Euch, uns nach Kräften zu unter ftügen, bedenken Sie, welche Opfer der hiesige Verein brachte für Sie, für die gute Sache; diese sollte ein Ansporn zu ver einter Thätigkeit sein. Wir brauchen wohl nicht zu versichern, daß die Agitation Geld, Geld und nochmals Geld erfordert, zumal die nächsten Tage solches erfordern, wenn wir mit Ihnen in Verbindung bleiben wollen und in der Sache nach wie vor teinerlei Verzögerung eintreten soll. Deshalb, Kollegen, trage jeder sein Schärflein zum Gelingen des Ganzen bei. Schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe; was an uns liegt, für die gute Sache einzutreten, das soll geschehen; deffen dürfen Sie gewiß sein. Mit doppeltem Muth und erneuerter Begeisterung werden wir eintreten, wenn wir des Beweises Ihrer thätigen Mithilfe ficher find. Gleichzeitig fonstatiren wir hiermit, daß auch unsere Kollegen in Köln a. R. thatkräftig in die Agitation einge griffen haben und zum Gelingen des Ganzen viel mit dazu beitrugen. Dieses, Kollegen, sei in Kürze unser Bericht, den zu geben wir verpflichtet halten, ob er Thre Anerkennung findet, wissen wir nicht, glauben aber nach bestem Wissen und Gewissen im Interesse der großen Sache gehandelt zu haben. An Ihnen soll es nun liegen, die von uns gemachten Fehler und Mängel zu bes seitigen durch thatkräftige Unterstügung, so daß wir nicht mehr auf unsere schwachen Kräfte allein angewiesen sind, darum er greifen Sie die dargereichte Hand und treten Sie zu uns in den Unterstüßungs. Verband deutscher Mechaniker, Optiler und verw. Berufsgenossen. Stuttgart, im September 1885. Mit follegialischem Gruß: Das Komitee für den Unterstügungsver band deutscher Mechaniter, Optifer und verw. Berufsgenossen. Etwaige Unterstügungen wolle man richten an den Kaffirer des Stuttgarter Mechaniker- Vereins, Heinrich Grobe, Calwer straße 43. Troppau, 14. September.( Eine Mutter, die ihr Kind lebend begräbt.) Am 25. Juni I. J. wurde die 28 Jahre alte ledige Fabriksarbeiterin Gabriele Müller aus Johnsdorf bei Römerstadt in Mähren wegen Verdachtes des Kindesmordes gefänglich eingezogen. Gleich im ersten Verhöre legte Gabriele Müller ein Geständniß ab und erzählte, fie habe ihr am 30. April 1. J. unehelich geborenes Kind Anna am 21. Juni in dem Walde nächst Breitenau bei Würbenthal lebendig begraben. Heute fand vor dem hiesigen Schwurgerichte die Verhandlung gegen die Verbrecherin unter dem Vorfize des Landgerichts Präsidenten Brotsch statt. Die Anflage schildert den Sachverhalt in folgender Weise: Seit dem 27. Juli 1884 war der Fabritsarbeiter Joseph Poppe mit der Fabriksarbeiterin Gabriele Müller bekannt und trat mit ihr in intimen Verkehr, indem mit ihr in der Kolonie Kunau bei Jägerndorf gemeinsam wohnte. Die Folge dieses Verhältnisses war, daß Gabriele Müller am 30. April 1. J. ein Kind weiblichen Geschlechtes gebar. Da dieselbe nach den gepflogenen Erhebungen ganz vermögenslos ist und nur auf thren täglichen Fabritslohn per 50 fr. angewiesen war, so machte ihr die Ernährung des Kindes große Schwierigkeiten, zumal ihr der Vater des Kindes, Joseph Poppe, der gleichfalls nur auf einen Tagelohn von 50 bis 60 fr. angewiesen war, nicht regelmäßig Unterstügung zukommen ließ. Müller brachte ihr Kind am 6. Juni laufenden Jahres bei der verwittweten Näherin Theresia Wagner in Alt Vogelseifen unter, konnte aber zum Wochenschluß nicht den vereinbarten Betrag von 1 fl. 20 fr. bezahlen, sondern mußte darauf 55 fr. schuldig bleiben, weil Joseph Poppe seinen Beitrag nicht geleistet hatte. Am 15. Juni 1. J. nahm Gabriele Müller ihr Kind von der Theresia Wagner weg und behielt dasselbe bei fich. Als nun Sonntag, den 21. Juni 1. J., Joseph Poppe feinen Beitrag wieder nicht brachte, faßte Gabriele Müller ben Entschluß, das ihr läftige Kind zu tödten. Sie begab fich daher gegen Abend felben Tages in den auf Breitenauer Gebiet gelegenen Wald, grub in der Nacht etwa fechzig Schritte vom Wege eine Grube, legte das lebende Kind hinein und bedeckte dasselbe mit einer etwa einen Zoll dicken Lehmschichte und mit einer etwa vier Zoll diden Schichte Buchenlaub. Hierauf entfernte fie fich und legte sich, ohne fich durch das Wimmern des Kindes, das sie noch dreißig Schritte Dom Thatorte entfernt vernahm, rühren zu laffen, im Walde zum Schlafen nieder. Morgens 4 Uhr, das ist am 22. Juni, ging fie wieder in die Arbeit und traf da mit ihrem Geliebten Joseph Poppe zusammen, der fie sogleich nach dem Verbleib des Kindes befragte. Gabriele Müller antwortete, fte habe das Kind zu ihrem Vater nach Römerstadt getragen. Diese Angabe erschien dem Joseph Poppe nicht glaubwürdig, und er erstattete hiervon bei dem Gendarmerieposten in Freudenthal Die Anzeige. Der Poftenführer Franz Haude nahm noch am felben Tage die Gabriele Müller ins Verhör, und dieselbe legte nach längerem Leugnen das Geständniß ab. Die Kindesleiche wurde auch an der von der Angeklagten bezeichneten Stelle ausgegraben, und alle Angaben der Gabriele Müller erwiesen fich als richtig. Die Angeklagte Müller ist völlig geständig und wurde zum Tode durch den Strang vers urtheilt. uns Leipzig, 15. September. Die Buchbinder des Brockhaus' schen Etablissements haben, wie die„ Voff. 3tg." meldet, die Arbeit niedergelegt, und da die übrigen Buchbinder fich bereits verpflichtet haben, für gesperrte Werkstätten teine Arbeit zu übernehmen, so steht demnächst ein allgemeiner Buchbinderstreit bevor. Vermischtes. aller loben!!" Bleichzeitig entſteht unter den Versammelten Soziales und Arbeiterbewegung. wie kommen Sie denn daher?" herrschte ihn der Oberlondulteur eine Bewegung, in deren Mittelpunkt eine flachgescheitelte, ziemlich forpulente Dame fich befindet. Dieselbe hat sich gegen bie lant gewordene grollende Bumuthung zu wehren, daß fie selbst jener Modethorheit unterthan ist. Sie betheuert, daß fie auf den Gebrauch der sogenannten Tournüre verzichten zu dürfen glaubte, und dieser Toilettengegenstand vergeblich bei ihr gesucht werden würde. Die Zunächststebenden überzeugen fich von der Wahrheit dieser ehrlichen Versicherungen und die erregten Gemüther beruhigen fich. Zu einem pofitiven Reful tat ist man indeß bei dieser Versammlung nicht gelangt; die einen meinen: die Bekämpfung dieser scheußlichen Mode sei Sache der Mütter( Rufe: Die tragen fie selber!"), die Andern behaupteten, es sei die Aufgabe der Männer, dagegen anzu Tämpfen, eine dritte richtete einen leider ungehört verhallenden Appell an Deutschlands Töchter", auch die Breffe" wird als Verbündete in dem Kampf gegen den Hinterkissen Teufel" an gerufen. Ein Vorschlag geht dahin, die Tournüre Trägerinnen Durch die Zuflüsterungen: Fräulein, Sie verlieren Ihren Cul!" auf den Straßen in Schrecken zu verseßen und so zur Able. gung dieses entstellenden Anhängsels beizutragen, aber eine Einigung fonnte nicht erzielt werden, und nach etwa einstün, bigem Beiſammensein lebrten die Damen dem Drt der Ver fammlung ihren durch keine künstlichen Mittel verunzierten Rüden zu. " Ein verirrter Kondukteur und ein verirrter Orden. Daß die Wege der Vorsehung manchmal auch recht launige find, geht aus der nachfolgenden Geschichte hervor, die fich während der Kremfierer Tage zugetragen und als heiterer Nach trag hier ihren Play finden mag. Der Hofzug, welcher den Baren führte, hatte eben die ruffiche Grenzstation verlassen und rollte auf österreichischem Boden weiter, als fich etwas ganz Sonderbares ereignete. Ein Kondukteur der Karl Ludwigs Bahn, welcher mit dem Zuge absolut nichts zu thun hatte denn derselbe fuhr auf der Strecke der Nordbahn, hatte durch irgend einen Bufall oder vielleicht in einer Anwandlung von Sinnesverwirrung den Bug bestiegen und bei der Abfahrt deffelben unglücklicherweise den Abstieg versäumt. Dem armen Manne blieb in seiner verzweifelten Situation nichts Anderes übrig, als die Trittbrette entlang fich zu einem Wagon zu schleichen, wo fich der Oberkondukteur be fand. Dieser hatte den Unglücksmenschen schon früher in Sicht befommen und über die sonderbare Erscheinung, welche in angstvollen Säßen immer näher rüdte, fich allerlei unan genehme Gedanken gemacht. Endlich war die Erscheinung ba huschte in den Wagen und präsentirte fich als Kondukteur der wildfremden Karl Ludwigs Bahn. Sie Unglüdlicher, Auch die Mechaniter Deutschlands wollen fich organis an und zog die Augenbrauen gewaltig in die Höhe. Der firen, wie wir aus nachstehendem Birkular, welches von fremde Kondukteur tonnte vor Angst laum sprechen; endlich Stuttgart aus zur Versendung gelangt, ersehen: Werthe ermannte er sich und legte vor dem Generalfommandirenden Kollegen! Den vielfach an uns ergangenen Anfragen, wie stoßweise und in abgebrochenen Säßen eine Beichte ab. weit die Verbandsidee Plaz gegriffen, zu entsprechen, geben Nun, Sie fönnen fich freuen", sagte der Führer des Zuges, wir in Rürze einen Bericht über unsere Thätigteit einerseits" iegt schreiben Sie mir gefälligst hier Ihren Namen auf!" und die Resultate derselben andererseits. Seit dem 1. Dezember Der arme Kondufteur frigelte zähnellappernd seinen Namen vorigen Jahres besteht zwischen den Mechaniter- Vereinen zu Papier, und bei jedem Buchstaben, den er niederschrieb, Stuttgart und Köln a. R. ein Kartellvertrag behufs Unterwar ihm zu Muthe, als ob er sein eigenes Todesurtheil ftügung der beiderseitigen Mitglieder. Diesen Vertrag auch oder zum mindesten eine fürchterliche Disziplinarstrafe bestätigen würde. Nachdem dieses geschehen, lauerte er sich in bie auf die Vereine anderer Städte auszudehnen, war das Be ftreben der beiden Vereine. Diese Jdee zu verwirklichen erließ entferntefte Ece des Wagens, während der Oberlondulteur Die gewählte Kommiffion von Stuttgart einen Aufruf in 1000 den Bettel zu den übrigen dienstlichen Papieren des Exemplaren, worin wir die Kollegen unter der Kennzeichnung Hofzuges legte. Ueberflüssig zu sagen, daß der unglüdliche der Lage unseres Gewerbes zur gegenseitigen Annährung an feuerten, ohne jedoch irgend welche Resultate zu erzielen. Des. halb trat der hiesige Mechaniker Verein der Verbands Jdee näher und wurde von der aus 3 Mitgliedern bestehenden Kartellvertragskommission das Ihnen vorgelegte Statut ausge arbeitet. So unvollkommen daffelbe ist, so sollte es doch der erste Schritt sein, den man braucht, um ins Leben zu treten, und wollen wir in wenigen Tagen mit einer neuen Ausarbeitung deffelben heraustreten. Dieses Statut wurde von den beiden Vereinen Stuttgart- Köln im Prinzip ge nehmigt angenommen. In Der Generalver fammlung vom 7. Juli 1885 beschloß der hiesige Verein, welcher die Angelegenheit bis dahin geleitet hatte, die Kartellver trags- Rommission von 3 auf 5 Mitglieder zu erhöhen und mit einem nochmaligen Aufrufe hervorzutreten, wie Sie solchen in der Nr. 17 der Bentralzeitung für Optik und Mechanik finden und den 0 Kondufteur in der nächsten Station mit einem vorläufigen Vers weis abgesezt und seinem ziemlich unsicheren Schicksale erbar mungslos überlassen wurde. Die nächsten Tage und wohl auch die Nächte waren für den bedauernswerthen Menschen von der Karl Ludwigs Bahn von unendlich peinlichen Vor stellungen über allerlei Schreckniffe, die sich mit seiner Person nunmehr zweifellos ereignen müßten, erfüllt. Wer schildert jedoch seine grenzenlose Freude und Verwunderung, als ihm vor wenigen Tagen die amtliche Verständigung zu Theil wurde, seine Dienstleistungen am Hofzug des Baren eine russische Ver dienst- Medaille verliehen wurden sei. Man wird sofort errathen haben, welches Spiel des Zufalles dem Manne zu dieser Aus o.k. Eine größere Verkehrsstörung verursachte am gestrigen Vormittag der Achselbruch eines großen Pferdebahnwagens der Linie Dönhofsplay- Kreuzberg. Der Pferdebahn. wagen, der sehr stark und auch auf dem Verdeck befest war, wollte von der Lindenstraße kommend, nach dem Belle- Alliance zur eventuellen Disziplinaranzeige notirt wurde, war unter die Namen der zur Auszeichnung vorgeschlagenen Rondutteure ge Blas einbiegen, um auf das wegen der Neupflasterung des Belle Alliance Plages gelegte Nothgeleise zu gelangen, als und wie solcher in 9 deutschen Zeitungen in einer gesammten rathen, und so ist einmal ein Mensch für einen ausgestandenen Auflage von 30 000 Exemplaren erschienen ist. Die verstärkte Schrecken glanzvoll belohnt worden. plöslich der Wagen schwankte und die zollstarke eiserne Achse Berantwortlicher Rebatteur R. Gronbeim in Berlin. Drud und Verlag von Mar Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 8 as S di in al ag Do no N at al be St m De A BOAST PASTAS VEEORADENSE 39ESEMBRE 2 R ( 8 St fü K De fä eb th in ge zm hi pu fe au na J SI zei üb m zu T b 110 er Do De BREADS T in ift De ge m To m bu ar Lu G bi Sp 10 Ste HERRETES STORE ETHER: THESE CO au be be ne 3. un ri ti G Sieran eine Beilag lum Berliner Bolksblatt s> Kr. 218 MulNcnsllnz auf Drooislon! (Glauchauer„Beobachter/�) „In der Welt geschehen Wunderdinge!" Die Zeit der Wunder ist noch mchl vorüber. Ein alter Freund ergänzte diesen Sa? sehr häufig damit, daß er sagte:„Aus Raupen werden Schmetterlinge, jene allerliebsten Thierchen, welche im Glänze der Sonne von Blume zu Blume flattern und von den duftenden Kindern der Flur ihre Lebensexistenz holen. Daß in politischen Dingen bisweilen Wunderbares fich ereignet, ist alhu bekannt, und Ueberraschungen giebt es die Menge. Daß agrttrt wird angefichts der Wahlen, erregt heute nrcht mehr das Staunen der Welt. Daß fich Leute finden, welche bisher noch nicht in der politischen Arena erschienen sind, aber mit Nachdruck Erfolge wünschen, kann man oft genug sehen. Neu aber dürfte es sein, daß man Mandate zu Landlagcn ansteht als Erbstücke, welche vom Vater auf den Sohn übergehen, wie Anwesen oder Staatspapiere. Geschehen ist dies im Jahre des HeilS 1885, als in Sachsen Ergänzunaswahlen zur zweiten Kammer für den 15. Tag des Monats September anberaumt waren. Da ist in der Oderlaufitz, in jener gesegneten Gegend des engeren sächsischen Vaterlandes, wo die Wenden seßhaft sind, der Sohn eines langjährigen Landtagsabgcordneten, der außer dem ansehnlichen Erbe auch den Stuhl m dem großen Saale der Landhausstraße zu Dresden überkommen zu haben glaubte und seinen konservativen Freunden zum Aerger unter den Kandidaten seines Wahlkreises erschien. Drei konservative Kandidaten waren doch wohl des Guten zu viel. Aehnliches ereignete fich im 40. ländlichen Wahlkreise (Zwickau-Land). Hier zeigte fich auf der Bildfläche auch ein Kandidat, dessen Herr Vater vor langen Jahren ein Mandat für die 2. Kammer in Dresden erhalten hatte. Der Herr Gutsbesitzer Barth v. Stenn wollte zeigen, daß er ein würdiger Nachfolger der Barths sei und kandidirte. Was diese Kanoi- JfiX-.....-•— V;™.�6,- — i— ri---,..— ngs mjiv�.v*»»*'■-»~——, datur Alles gezeitigt, ist öffentlich bekannt und heute im ar.�. Ganzen nicht mehr(Gegenstand der Diskusston. Aber ein Akren- tilck müssen wir aus dem Dunkel des Geheimen an den hellen ag der Oeffentlichkeit bringen, weil es ein Unikum in seiner Art ist und den Beinamen„llasfisch" in der höchsten Potenz verdient. Es ist folgendes durch den Hektographen verviel- fältigte und sehr belehrende Rundschreiben: P. P. Da zugleich beim Austragen der Stimmzettel eine ebenso große Anzahl von gedruckten Programms nicht zu ver- theilen»st, der Inhalt dieses Programms jedoch nicht zu bald in die Lcffentlichkeii gelangen soll, so werden Sie Ihre Stimm- zettel nebst Programms erst von Montag ftüh in der Zeit zwischen'/,6 bis V-3 in Ihre Wohnung zugeschickt erhalten. Wir Komiteemitglieder für Herrn Ernst Barth bitten auch hierdurch nochmals, die Austragung recht gewissenhaft und pünktlich zu versorgen und sollten Sie am Montag nicht ganz fertig werden, dieselben bis allerspätestens Dienstag'/,1V Uhr auszutragen. Das Komitee wird Sie gut entschädigen nnd hauptsächlich nach der Zahl der für Herrn Barth abgegebenen Stimmen Ihnen noch eine besondere Prozentvergütung gewähren. Wollen Sie fich auch für alle Fälle einen Stellvertreter recht» ittg stchern, damit, wenn Sie plötzlich durch irgend einen Imstand behindert sein sollten, Sie sofort eS dem Stellvertreter — V— nnn ßfiCpn unseres Ko- Krettag, de« 18. September 1885. den Agitatoren für die Wahl deS Herrn Barth, als auch den Wählern Zumuthungen stellt, welche ihrer geradezu unwür- dig find. Bisher hat man angenommen, daß die Agitatoren für die Wahlen ihrer Kandidaten aus reiner mnerer Ueberzeugung in den Wahlkamps einzutreten haben und daß man ihnen nur die für die Cache gemachten daaren Verläge und sonstige Unkosten vergüten dürfe. Aber denselben eine Provision in Aussicht stellen und nach der erlangten Stimmentahl diese zu bemessen, das heißt denn doch die Wahlkämpfer zu Cowmi» voyattenra, zu Provifionsreisenden für irgend eine verläufliche Waare stempeln. Das ist unerhört bisher gewesen! Wenn dies, wie im 40. ländlichen Wahlkeis, noch dazu dort geschieht, wo der überwiegendste Theil der Wahlberechtigten Arbeiter find, so kann man ungescheut aussprechen, daß das Prozentversprechcn sehr, sehr tief blicken läßt. Aber die Arbeiter besitzen soviel politische» Ehrgefühl, daß sie der- artige unerhörte Zumuthungen m,t allem Fug und Recht entrüstet zurückweisen. Das Zentralkomitee dessen Zentrum in dem durch diese Neuerung im Stirn- menfang zur Weltberühmtheit erhobenen Dorf Stenn liegt, hat jedenfalls dem schon hier seit Jahren existirenden . Neugeborenen Kindlein", einer ergiebigen Zeche, ein„neuestes Kindiein" politischer Weisheit beifügen wollen, wehe, wenn allmälig eine ganze Familie solcher letztgenannten Nachkommen die Wett sehen müßte. An einer andern Stelle*) der heutigen Nummer des „Beobachter" ist ersichtlich, welche Erfolge dieses Prozentver- versprechen für den Herrn Kandidaten Barth hatte. Ganze 65 Stimmen krochen aus der Wahlurne in Stenn für denselben heraus; die Gegenkandidaten, die Herren Stolle und Leonhardt, hatten zusammen 68 und in dem nahen Thauhof hatte fich nicht ein Stimmzettel für Herrn Barth in die Urne verlaufen. Das läßt tief blicken, ist aber mit dem ganzen kläglichen Ergedniß der Wahl für den Kandidaten des„Zentral- Komitee'» von Stenn" ein erfreuliches Zeichen dafür, daß in politischen Dingen die Arbeiter und insbesondere die im Wahlkreise Zwickau Land so überaus zahlreich velttetenen Bergarbeiter genau wissen, was sie zu thun haben und wenn fie in anderen Dingen bisweilen eine anerkennenswerthe Nachsicht üben, in Sachen ihrer politi- schen Ehre lassen fie fich nicht irre machen. Wer aus voller Ueberzeugung seinem politischen Glaubens- bekenntniß Ausdruck giebt, der verdient die Achtung auch des Gegners. Wer aber meint, daß die Stimmen der Wahl- berechtigten wie eine auf Lager befindliche gewöhnliche Waare erschachert werden können, versteht die Zeit nicht, und wer hinter ihrem fortrollenden Rade weit, weit zurückgeblieben ist, der mag nur ganz ruhig sieben bleiben und abwarten, bis ihn das Ge- schick ganz in die Rumpelkammer des Alten und Abgcthanen wirst._ Kommunales. Stadtverordneten- Versammlung. fi _. IOUICII, Wlt|V|V44 VV------------ übergeben rönnen, ü# werden auch von Seiten unseres Ko- mitees ab und zu Mitglieder in den Dörfern kontroliren, um |u sehen, ob es gewissenhaft versorgt und werden wir. wie er- wähnt, dann noch besondere Vergütungen gewähren. Also bette nochmals, fich für Montag früh pünktlich bereit zu halten. Das Zentralkomitee: Christtan Möckel in Stenn." Wer lacht da?— Niemand hat das Recht, in so überaus ernster Sache auch nur leise den einen oder anderen Mund- Winkel zu verziehen. Provrfionen für das Persuadiren! Die ■■ o. Sehen mukten, stimmen nur au? oen------------- Vergütung wird da sehr mager ausfallen! Man weiß wirklich nicht, was man von dem ehrenwerthen »Zentralkomitee" denken soll. Das aber ist ein nicht wegzu- " � M* so überaus wichtige Wahl ------ Ailche-Zibilw« im Krieg«i Medei, * �.. m x. nhe. s« milde« Fndianer f•• �- fl Baucroft in seinem Buche über„die wilden Indianer- llamme" zählt die NavajoeS, ComancheS und fast alle an- ****, meisten» seit Iahten bezähmten und mehr oder weni- «ir zivilisirten Zndianerstämme von Arizona, Texa», Neu- wexiko und Sonora unter die Nation der Apachen. Der Ertliche Apachenstamm ist ein durchaus eigenartiger, der JW den übrigen Stämmen nur eine äußerliche Verwandt- hat. Wir entnehmen einem Aufsatz im„Glo- 7«" von Z. A. Spring in Arizona, der schon 19 Zahre der Apachengrenze lebt, nachstehende nähere Mitthei- "«gen; (j»Der Stamm der Apachen besteht au» den ChiricahuaS, �vhotero«, MeScalero», Tonto» und Mohave« oder Mojave», r* nur mit unbedeutenden Unterschieden dieselbe Sprache inv., lidoch als Stamm keinen Häuptling anerkennen, L»S? na� Belieben unter sich einen Führer wählen, wenn J Jessen zu einem gewissen Zweck bedürfen; so kam eS i,,,;, häufig vor, daß jede der erwähnten Uaterabtheilungen r** ihrer Mitte einen durch seine Klugheit und Tapferkeit �.»«'zeichneten~------- ! einen vurry jeme v.—... ftZyrw*"" Krieger zum Anführer in einem geplanten «"»ifzuge erkor, nach dessen Ausführung der gewählte «JL�pfcnann seine zeitweilige Macht wieder abtrat. Es er- daraus, daß die politischen Verhältnisse der Apachen ��rvkratischer Natur sind. .. Ausnahmsweise kam es wohl vor, daß ein Häuptling Rnem oder mehreren Ueberfällen sich dermaßen auszeich- , 4' kajj ihm seine Würde längere Zeit verblieb; so u».?-»« ein gewisser Cacheese von 1854 bis 1874 der Cischränkte Herrscher oder Diktator der Chiricahua- jachen und wußte es in letzterem Jahre auch so einzu- ti? en' daß ihm und seinem Stamme eine eigene Reserva- Sa« �etheilt wurde, während alle anderen Stämme die Witte« Reservation beziehen mußten. Von seiner von V» �en �hmcahuabergea und nahe an der Grenze -"»exiko liegenden Felsenfestung unternahm Cacheese mit Ordentliche Sitzung am 17. September. Der Stadtverordneten-VorsteherStellvertt. Herr Büchtemann eröffnet die Versammlung um 5 Uhr mit geschäftlichen Mit- theilungen. 3 Ausschüsse haben fich konstituirt; der eine zur Vorberathung der Vorloge betreffend das Projekt zum Neubau einer höheren Bürgerschule auf den Grundstücken Alexandrinen- straße 5, 6 und 11; der zweite zur Vorberathung der Vorlage, betreffend die Erwerbung des an der Georgennrchsttaße und an der Friedenstraße belegenen, früher Sametzki'schen Grund- stücks, sowie der Abänderung der Baufluchtlinie der Straße 35 (bei der Bartholomäus-Kirche) und der dritte zur Vorberaihung der Vorlage, betreffend die Weiterführung der Charlottenstraße von der Georgenstraße bis zum Waidendamm. Zur Bei- wohnung der Prüfung der Zöglinge des Waisenhauses in Rummelsburg find 4 Stadtverordnete deputirt, darunter der Stadtv. Singer. Der Staatssekretär Stephan bedankt sich in einem Schreiben im Namen der Theilnehmer der internationalen Telegraphen- Konferenz bei der Stadt für„das wohl- gelungene Fest in den schönen Räumen deS RathhnuseS."— Nach Eintritt in die Tages- Ordnung wird zunächst *) Es erhielten Stimmen: Stolle 1570, Leonhardt 861, Barth 263. Mithin Stolle(Soz.-D.) gewählt. seinen wilden Kriegern häufige Stteifzüge nach allen Rich- tungen hin, mordete und plünderte nach Herzeutlust, bis der Tod ihn im Zahre 1878 abrief; sein Stamm führte das- selbe Leben fort, bi« vor 2 Jahren der Regierung der Ge- duldfaden riß und General Crook abgesandt wurde, um den Stamm entweder zu unterjochen oder zu vertilgen. Da die angrenzenden mexikanischen Staaten wenigsten» eben so viel von diesen Räubereien zu leide« gehabt, wurde ein vorläu- figer Vertrag zwischen de« beiden Republiken gemacht, in Folge dessen ihre Truppen sich gegenseitig unterstützten, und unseren Truppen erlaubt wurde, mexikanische» Gebiet zu be- steten. General Crook drang bis zur Sierra Madre, tief im Innern des Staate» Sonora vor, verfolgst auf unweg- samen Felsenpfaden die rothen Räuber und brachte dieselben nach Arizona, wo sie auf der allgemeinen Apache- Reservation San Carlos internirt wurden(1883). Wir müssen jedoch vorerst in die Zeit zurückkehren, da der Apache noch frei und ungehindert seinen wilden Mord- und Raubgelüsten nachging. Arizona ist ein Land, wo jede Straße, jeder Pfad von einem teuflischen Hinterhalte, von rücklings ermordeten Reisenden, von höllischen Marterquale» der Opfer erzählen kann. E« liegen stattstische Beweise vor, daß in diesem spärlich bevölkerten Territorium(jetzt etwa 30 000 Seelen) in den Zahren 1854 bi» 1875 eintausend Menschen von den Apachen ermordet worden sind; meine Aufzeichnungen für die Zahre 1867 bis 1870, während deren ich häufige Expeditionen gegen die Indianer mitmachte, und in welcher Periode Cacheese auf seinem Höhepunkte stand, ergeben, daß in einem Umkreise von bloß hundert englischen Meilen Durch- messet einhundert und acht Menschen, und zwar meistens Chiricahua Apachen zum Opfer fielen._ Daß die mächtige Regierung der Vereinigten Staaten solche« geschehen ließ, hatte zwei Gründe: der erste ist rein «nlmscher Natur, und wir haben damit nichts zu thun; der -weite wohl mächtigere, sind die fast unabsehbaren Schmie- Tb-kei/en die sich in diesem Lande einer erfolgreichen Expe- II. Jahrg. die Verleihung eines Benefiziums aus der Wunderlich. Stiftung genehmigt und eine Anzahl Naturalisationsgesuche � Zum Mitglied für die Bau-Deputation wird der Stadtv. Winklet nnt 63 Stimmen gewählt. Zum Mitglied für dieGewerbe-Deputation (Bürger-Deputirter) find gemeldet der Klemvnergeselle Steuer, Neue Friedrichsst. 7 und der Klempner Adolf Netzband, Ritterstr. 123. Gewählt wird mit 80 Stimmen von 85 der Klempnergeselle Steuer; Netzband erhielt 5 Stimmen. Es folgt die Berathung der Vorlage betr. den Ankauf der sogenannten Dammmühlen-Grundstücke. Der Magistrat beantragt:„Die Stadtverordneten- Ver« sammlung erklärt fich einverstanden mit dem Ankaufe der Grundstücke Poststr. 16, Mühlendamm 1-11 und Breitestr. 2$ für den Preis von 2250 000 M., welche zunächst aus den be- reitesten Mitteln der Stadt- Hauptkasse zu entnehmen find." Nach kurzer Diskussion wird trotz Widerspruchs des Stadtkämmerers Runge der Antrag wegen der Wichtigkeit der Angelegenheit einem Ausschuß von 15 Mitgliedern zur Vorberathung überwiesen. Die Versammlung genehmigt die Ernchtung einer kleineren Schweinehalle auf dem Zentral-Viebhofe mit der Maßgabe, daß diese in ihrer Eintheilung der bereits vorhandenen Schweine- Halle angepaßt, sowie daß zwischen den beiden Hallen ein bedeckter Uebergang hergestellt werde. Die hierzu erforderlichen Mittel in Höhe von 130 000 M. werden aus dem Erneuerungs- ic. Fonds des Viehmarls bewilligt. Es folgl der Antrag des Stadtv. Singer und Genossen in Bezug auf seine Anfrage, betreffend den Streik der Maurer- gesellen. Von dem Magistrat ist hierauf unterm 15. September d. I. eine Antwort eingelaufen, welche der Stadtverordneten- Versammlung als Vorlage— zur Kennt uißnahme — zugegangen ist. Die Antwort lautet:„Die Stadtverordneten- Versammlung hat uns mittels Schreidens vom 25. Juni ct. die Anfrage des Stadtv. Singer und Genossen:„„Beruht die in der Bürgerschaft und auch durch die Presse verbreitete Mit- theilung auf Wahrheit, daß, in» Hinblick auf den in Berlin ausgebrochenen Streik der Maurergesellen, den Baumeistern, welche städtische Bauten übernommen haben, seitens des Magistrats oder der Bau Deputation eine Verlängerung der Baufristen, wie es heißt auf 6 Wochen, zugebilligt worden ist?"" mit dem Ersuchen um Auskunft, ob und wann wir die- selbe beantworten würden, mitgetheilt. Wir erwidern darauf, daß es bei der gegenwärtigen Sachlage uns nicht zweck- mäßig erscheint, in eine Beantwortung dieser Anfrage einzutreten." Der Stadtvcrordneten-Vorsteher- Stellvertreter Dr.B ü ch t e-> mann erklärt, daß er laut Geschäftsordnung§§ 32 und 33. hiermit die Angelegenheit als erledigt betrachte und daß eine Debatte über tue Vorlage, es sei denn, daß ein diesbezüglicher Antrag von 15 Mitglredern unterstützt wird, nicht stattzu» finden habe. Diese Erklärung ruft eine ausgedehnte GeschäftSordnungs» Debatte hervor. Stadtv. Singer kann fich mit der vorgeschlagenen Ge» schäftsführung nichts einverstanden erklären. Aus dem 4D| 4*4�44**'�«,»**,» v.t»vvv|.v«i.w.» v***----...-----..... Umstand, daß die Vorlage des Magistrat zur K e n n t i ß- nähme der Versammlung gebracht sei, folge nach der Ge- schästsordnung, daß eine Besprechung stattzufinden habe. Die Stadtverordneten. Versammlung werde fich die Theorie vom be- schränkten Unterthanverstand nicht zu eigen machen wollen, fie könne damit nicht einverstanden sein, daß Vorlagen des Ma- gistrats mit ehrfurchtsvollem Schweigen aufgenommen werden. Jede vom Magistrat der Versammlung zugehende Vorlage sei auch zu diskutiren. Um Uebrigen glaube er sicher sern zu können, daß fich 15 Mitglieder in dieser Versammlung finden werden, die bei der Wichtigkeit des Gegenstandes auch eine Besprechung wünschen würden. Der Stadtverordneten-Vor st eher- Stell- Vertreter macht darauf aufmerksam, daß laut Geschäfts- Ordnung jede Vorlage mindestens zwei Tage vorher zur Kenntniß ver Mitglieder gebracht worden sein müsse, be- vor fie zur Verhandlung gelange. Vorlage und Vorlage sei noch lange nicht dasselbe. Die Antwort des Magistrats enthalte nur eine ablehnende Erklärung; eine Diskussion habe daher nicht stattzufinden. Ausnahme einer Ecke im Südwesten, wo die Pima«, Mari- copa» und Aumas, Erzfeinde der Apachen, wohnen, stand das ganze Land diesen wilden Horden offen. Es besteht au» sandigen Hochebenen, zackigen Bergen und wenigen, spärlich bewässerten, engen Thälern. Die Rancherien oder Wohn» platze der wilden Apachen befanden sich in irgend einem fel- sigen Schlupfwmkel, von wo aus sie die Aussicht auf die Heerstraßen hatten, ohne selbst sichtbar zu sein. Von weitem sahen sie die müde, durstige Karawane der Auswanderer den sandigen Weg verfolgen, die Heerde grasen, die plumpen, mit Mehl und Getreide bepackten Karren der mexikanischen Mischlinge daherschleichen. In günstigem Hinterhalte wurde den Opfern aufgepaßt; ein Schwirren der Pfeile, einige Schüsse von Gewehren, wenige Lanzenstiche und Alle» war vorbei. E« ist fast unglaublich, mit welchem Talente der Assi- milatton von Farben diese Wilden begabt sind. Vermitteist grauer Decken, abgeschnittenen Grases, auf ihren Körper ge- strichener Eide, dorniger Blätter und Büsche verstehen sie es, sich vollständig das Aussehen eine» Felsblocke», einer Staude, eines Busches, einer Aukka oder anderer zweckentsprechender Gegenstände zu geben. Wenn sie von ihrem felsigen Schlupfwinkel au» das Opfer erkoren, die Zeit und den Ort des Ueberfall« be- stimmt haben, begeben fie sich meist in kleinen Abtheilungen von zwei oder drei dahin, tteffen ihre Dispositionen und erwarten die Wanderer mit der größten Geduld. Stets lassen sie die zu Ueberfallenden einige Schritte vorbeigehen und fallen ihnen dann in den Rücken. Die Männer werden getödtet, die Frauen und Kinder in die Gefangenschaft ge- schleppt; wenn jedoch ein Weib fich heftig wehrt und Gefahr im Anzug« ist, wird auch seiner nicht geschont, und eine barmherzige Lanze macht seiner Drangsal auf einmal ein Ende. Wenn die Indianer sich sicher glauben und die An- zahl der Ueberfällen en nur eine geringe ist, nehmen sie auch die männlichen, nicht im Augenblick de» Ueberfall» getödtete« Opfer gefangen. Wehe ihnen! denn sie sinv zum Marrer» tode bestimmt. Es ist kaum glaublich, mit welcher Kraft und Ge- nauizkeit der Apache seinen Bogen handhabt; dieser ist ge- Stadtkammerer Runge weist darauf hin, daß nur die Praxis, jede Vorlaae entweder als zur Kenntnißnahme oder als zur Beschlußfassung der Versammlung vorgelegt zu be- zeichnen, die Wahl des Ausdrucks„zur Kenntnißnahme" her- vorgerufen habe. Stadtv. Dr. Jrmcr würde einen Antrag auf Besprechung der Angelegenheit nicht unterstützen, ist aber der Ansicht, daß eine Besprechung der Vorlage ohne Weiteres zu erfolgen habe. Alle Gegenstände, die auf der Tagesordnung stehen, seien auch zu besprechen.(Gelächter.) Weshalb würden sie fönst über- Haupt auf die Tagesordnung gesetzt werden. Stadtv, Singer: Wir können uns durchaus nicht dar« uni kümmem, ob der Magistrat sich bei der Beantwortung der Anfrage etwas anderes als eine Vorlage zur Kenntniß- nähme gedacht habe. Laut Geschäftsordnung haben wir eine Besprechung zu verlangen; wenn die ordnungsmäßige Frist nicht eingehalten rst, so muß der Gegenstand aus die Tages« ordnung der nächsten Versammlung gesetzt werden. Stadtv. Dr. A. Meyer meint, daß ein Jrrthum in der äußeren Form an der Sache nichts ändere. Hier handle es sich nicht um eine Vorlage, sondern nur um eine Antwort. Die Gcschäftsordnungsdebaite wird geschloffen. Der Antrag des Stadtv. Singer auf sofortige Bespre« chung findet Unterstützung nur von 7 Mitgliedern- Eine Besprechung tritt demnach nicht ein; Stadtverordneter Dr. Armer meldet sich zur Geschäftsordnung.(Lärm.) Der Vorsteher verweigert das Wort, da die Geschäfts- ordnungsdebatte geschlossen sei. Stadtv. Dr. Jrmer findet eine derartige Behandlung un« parlamentarisch.(Lärm.) Der Stadtverordneten-Vorsteher ersucht dringend eine derartige Kritik zu unterlassen. Stadtv. Dr. Jrmer bittet ums Wort zur Geschäftsordnung zu der Bemerkung des Vorfitzenden. Das Wort wird ver« weigert... � Dr. Jrmer macht eine Bemerkung, die rn dem fich er- hebenden Lärm und Rufen: Zur Ordnung! zur Ordnung! verloren geht. Der Gegenstand wird verlassen. Es folgt die rasche Erledigung einer Reihe unwesentlicher Magistratsvorlagen. �„ Der Neubau einer Fußgängerbrücke über den Louisen« städtischen Kanal im Zuge der Melchiorstraße beschloffen. Genehmigt wird die Ausführung baulicher Veränderungen auf dem Feuerwehrgrundstücke an ver Ecke der Mauer- und Kronenstraße. Die Tagesordnung ist hiermit erledigt. Schluß 7 Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. zokftles. ad Zur Magdeburger Messe hat das Kgl. Eisenbahn- Betriebsamt Berlin-Magdeburg 2 Extrazüge eingelegt, welche am Sonntag, den 20. und 27. September, von Berlin Morgens 5 Uhr 20 Min. ausgehen, in Potsdam. Brandenburg, Genthin, Burg hallen und in Magdeburg um 8 Uhr 15 Min. eintreffen. Die Rückfahrt kann mit allen Personenzügen erfolgen. g. Als Betrug kann der Handel mit Pilzen qualisizirt werden, welcher gerade jetzt auf den Wochenmärkten in Berlin ziemlich schwunghaft betrieben wird. Große Vorliebe haben unsere Hausfrauen für den wohlschmeckenden Steinpilz und namentlich die minder bemittelte Frau kaust ihn, weil er ihr und ihrer Familie das theure Fleisch ersetzt. Nicht gering ist nun der Verdruß der Käuferinnen, wenn fie in ihrer Woh- nung beim Zubereiten des PilzeS die Entdeckung machen, daß kaum der vierte Theil des erworbenen Quantums gebraucht werden kann, weil der übrige Theil der Pilze durch und durch mit kleinen weißen lebenden Würmern gefüllt ist. Der Betrug ist hier darin zu erblicken, daß die Pilzensammler die Schadhaftigkeit der Pilze genau kennen und ste für durchaus brauchbar auf den Markt bringen. Geradeso, wie Vorkehrungen gegen den Verkauf ungenießbaren Fleisches bestehen, könnte die Marktpolizei auch Maßnahmen treffen, daß ein Nahrungs- mittes des kleinen Mannes nicht zum Betrug ausgenutzt wird, wie dies beim Verkauf der PUze der Fall ist. g Die Erkrankungen an Ruhr und Brechdurchfall haben in der letzten Woche auffallend nachgelassen und wird diese Erscheinung von den Aerztcn der Aenderung in der Wit- terung einerseits und zweitens dem Umstände zugeschrieben, daß das Obst, welches jetzt zum Verkauf gelangt, vollständig reif ist, während das Obst— namentlich die Pflaumen— welches bisher verkauft wurde, zum Theil noch unreif war. Dagegen treten Scharlach und Diphtherttis ziemlich stark auf. Nanu? Wir lesen im„B. B. C.":_ „Die Singhalesen der diesjährraen Haaenbeck'schen Karawane find zum Theil gar keine Singhalesen— da» ist die überraschende Mitthetlung, die uns von Ver- trauen erweckender Seite mgeht. Als nämlich vor kur- zem ein Herr, ein Fabrikant G., der lange Jahre in Indien gelebt hat, fich an einige Mitglieder der Singha- wohnlich vier bi» fünf Fuß lang, au» Boi» d'Arc, Weiden- oder Eschenholz, mit Rehsehnen umwickelt und beklebt; die Sehne ist ebenfalls dem Reh entnommen. Am linken Arm trägt der Apache ein ledernes Gelenkband, um seinen Arm gegen den Anschlag der Bogensehne zu schützen; seine Pfeile sind drei bis vier Fuß lang und bestehen au« zwei Stücken; da» erste längere, aus halbzölligem Schilfrohr bestehende macht etwa dreiviertel des Pfeiles au»; das zweite, in dem Rohre befestigte ist au» schwererem Holze verfertigt und enthält in seinem einen Ende die gewöhnlich au» Eisen ver- ferligte Pfeilspitze. Vergiftete Pfeile haben die Apachm meines Wissens nie gebraucht, dessen ungeachtet erzeugen sie gefährliche und peinliche Wunden, indem der feine Bast, der die Spitze im Holze festhält, durch da» Blut de» Verwundeten gelockert wird und der Pfeil beim Heraus- ziehen meisten» die Spitze in der gewöhnlich sehr tiefen Wunde läßt. Ihre Pfeile tragen die Apachen in einem Köcher au» verschiedenen Thierfellen auf dem Rücke», so zwar, daß die Oeffnuna de» Köchers mit den befiederten Pfeil Enden ihre linke Schulter etwa» überragt, so daß sie, mit der rechnen Hand vornüber langend, den Pfeil gleich in die richtige Lage auf den Boge« bringen könne». Auf diese Weise verwundete ein von un» angeschossener Apache, dem die Kugel da» Bei» zerschmettert hatte, drei Soldaten und zwei Pferde, bevor wir ihn tödten konnten; wir hatten allerdings damals noch keine Hinterlader. Die Pfeilfedern, meistens von Falkenarten, sind in einer Länge von 4 bis 5 Zoll auf drei Seiten angebracht; bloß die Tontos ge- brauchen deren vier. Wenn der Köcher aus dem Felle der wilven Katze besteht, wird gewöhnlich deren Schwanz zur Verzierung daran gelassen. Die Kraft der abgeschossenen Pfeile muß Jedermanns Erstaunen erregen; im Jahre 1867 begleitete ich einen Kaufmann, der mit vier Wagen durch da» Santa Cruz-That reiste; da die Apachen nur höchst selten des Nachts und dann bloß bei Hellem Mondscheine einen Ueberfall wagen, reisten wrr gewöhnlich während der Nachtstunden und hüteten während des Tages die Zugthiere; in einem sandigen Flußbette angekommen, wo die Thiere %%% lesen-Truppe in dem Dialekt der Insel Ceylon wandte, stellte es sich heraus, daß die Angeredeten diesen Dialekt gar nicht beherrschten. Sie gestanden dem Herrn schließlich, daß fie aar nicht von der Insel Ceylon, sondem aus der Prästdentschaft Madras gebürtig und auch in der Hauptstadt Madras von dem Manager zu der euro- päischen Tournee engagirt worden seien. Es dürfte von Interesse sein, zu erfahren, in wie weit diese Angaben der braunen Burschen auf Wahrheit beruhen. Herr Hagen- deck hat das Wort!" Also Talmi, genau so wie das vorige Mal, als fich die famosen Sttaußenreiter in ihren fulminantm Leistungen pro- duzirten. Herr Professor Virchow scheint gegen die Echthett der Hagenbeck'schen wilden Männer auch etwas mißtrauisch ge- worden zu sein, wenigstens hat man nicht gelesen, daß dieser gelehrte Herr auch diesmal die kaffeebraunen Herren als aus- gezeichnete Repräsentanten ihrer Raffe bezeichnet hätte. Herr Hagcnbeck giebt die Leute im zoologischen Garten einfach als „Singhalesen" auS, wie man fich täglich durch einen Blick auf die Anschlagsäulen überzeugen kann. Hieran ändert auch die lendenlahme Erklärung, die Herr Hagenbeck gestern Abend— man höre und staune— im„Berliner Jntelligenzblatt" los- läßt, absolut nichts. Herr Hagenbeck giebt seinen„Jrtthum" in der folgenden, überaus geschraubten Berichtigung in- direkt zu: „Die 51 bei der diesjährigen Karawane befindlichen Einwohner der Insel Ceylon find nach gesetzlichen Be- griffen sämmtlich Staatsangehörige der Insel Ceylon. Die Leute wobnten bei ihren Engagements, wie dies vom englischen Gouvernement in Colombo de- stätigt ist, in nachfolgenden Ortschaften: Kandy, Kanlugastota, Wattegama, Allewuttegama, Angodde, Wellawatte, Pamancodde, Bentota und Vehangodde, sämmtlich auf der Insel Ceylon gelegen; daß fich unter diesen Leutm Tamiks, d. h. Einwohner Ceylons, die vor Jahrzehnten resp. vor Menschenalter nach Ceylon eingewandert und dort heimathsberechtigt find, befinden, ist von Anfang an stets mitgetheilt und in fast sämmt- lichcn Berliner Zeitungen, auch im„Berliner Börsen- Kourier" vom 2. September klar und deutlich zu lesen gewesen. Diese Leute, die auf Ceylon hcimatb- berechtigt, unter fich aber den Tamil-Dialelt sprechen, nicht als Singhalesen bezeichnen zu wollen, wäre ebenso ungerecht, wie irgend einen Ausländer, der in Deutschland das Bürgerrecht erworben, nicht als Deutschen bezeichnen zu wollen. Die Behauptung, daß einzelne Leute in Madras engagirt find, ist einfach als unwahr zu bezeichnen." Jedenfalls wird hierdurch das Mißtrauen, welches gegen die Hagenbeck'schen Expeditionen erwacht ist, absolut nicht ab- geschwächt. Man wird niemals einem Berliner einreden kön- nen, daß Singhalesen, die kein„Singhalesisch" verstehen, wirk- lich Singhalesen find, wenn man auch noch so viele Ortschaf- ten mit noch so vielen überaus barbarisch klingenden Namen angiebt, um die Echtheit der zur Schau gestellten Leute zu be- weisen. Jeder ist nicht in der Lage, um sich von der Existenz der angeführten Ortschaften zu überführen, eine Landpartie nach Ceylon zu machen, und so lange es sich herausstellt, daß die von Herrn Hagenbeck impottirten Fremdlinge nicht einmal ihre eigene Muttersprache verstehen, weiden wir wenigstens allen jenen Expeditionen mit unüberwindlichem Skeptizismus gegen- überstehen. Für die Herren Zeitungs-Mitarbeiter. Daß in den weiteren Kreisen der schriftstellerischen Welt wie in den engeren der berufsmäßigen und gelegentlichen Zeitungs Korrespondenten die Neigung für kalligraphische Leistungen besonders ausge- prägt hervortrete, wird schwerlich noch ein Wissender zu be- haupten wagen. Ein etwaiger Andersdenkender jedoch wird von seinem Wahne nicht schneller geheilt werden können, als durch ein genaues Studium der Tagesblätter, deren Mitarbeiter fich gar manchmal wegen eines in irgend welchem ihrer Artikel sich spreizenden Druckfehlers unangenehm berührt zeigen, ohne zu bedenken, daß derselbe in zehn Fällen neunmal ihnen selbst, o. h. ihrer schlechten Handschrift, seine Existenz zu danken hat. In der That erfreuen sich gar viele in die Redaktion gelangende Manuskripte eineS Exterieurs von so be- unruhigender Nonchalance, daß dem vielgeplogten Redakteur und dem nicht minder geplagten häufig darob die Haare zu Berge stehen. Wir entledigen uns daher nur einer moralischen Verpflichtung» wenn wir die im Folgenden gegebenen Winke, namentlich dengelegentlichen aus Privatkreisen sich rekrutiren- den Zeitungs-Mltarbeitern zu genauer Beachtung empfehlen: Die Hauptjache dürfte sein, für ein Zeitungs-Manuskript stets nur solches Papier zu verwenden, welches in Folge längerer Benutzung zu wichtigeren Dingen, z. B. zum Einwickeln, eine möglichst reiche Dosis von Kniffen und Riffen aufweist. Auf die in diesen schallhast versteckt liegenden Buchstabenreihen eine längere Treibjagd abzuhalten ist den Setzern stets eine angenehme Abwechselung in dem ewigen Einerlei ihrer auf schnellem Arbeiten bastrten Thätigkcit. Erlauben es die Umstände, das Manuskript einige Tage hindurch lose in der Hosentasche mit fich Pfeilen, theil» auS Kugeln bestehend; ganz merkwürdiger Weise wurde keiner der neben den Zugthieren gehenden Fuhrleute verletzt; wir hielten sogleich an und feuerten mit den Karabiner» in die Büsche und hörten deutlich, wie die Indianer von ihren Felsblöcken hinunter sprangen und flüchteten; zwei Zugthiere, starke amerikanische Maulesel, waren schwer verwunoet; beiden waren die Pseile im dicksten Theile de» Bauches so tief eingedrungen, daß die Spitzen auf der entgegengesetzten Seite hervorragten. Diejenigen Pfeile, die da» Holzwerk der Wagen getrosten, waren über einen Zoll tief eingedrungen; die Distanz mochte etwa 50 Meter betragen. Wenn die Apachm es auf den Raub von grasenden Thieren abgesehen haben, stürzten sie plötzlich aus einer der vielen unzählige« Schluchten hervor, stoßen ein markdurchdringendes Geheul au» und feuern eine Salve auf die wenigen Hüter ab; die überraschten Thiere ergreift ein wilder Schreck; im Nu springen die Indianer auf die Rücken der Pferde und im wilden Galopp saust die ganze Heerde davon. Die Geschwindigkeit dieser Indianer, die meistens zu Fuß sind und stet« zu Fuß ihre Ueberfälle machen, ist eben- falls ganz erstaunenSwerth, so wie auch ihre Ausdauer. Wir haben sie oft auf guten Pferden verfolgt, wenn siege- miß nicht über sechs Stunden Vorsprung hatten und nur selten habe» wir sie nach scharfem viertägigen Ritte ein- holen können. Sie haben unter sich sehr wohl organisilte Signale, bei Tage durch Rauch, bei Nacht durch Feuer und besonders eignet sich dazu der Riefen-Kaktus(Cereas gigan- ten»), dessen massenhafte Stacheln eine harzige Substanz enthalten, die auch trotz des ganz frifchm und grünen Zu- standes der Pflanze sogleich anbrennt und den hohen Stamm im Nu in eine Feuersäule verwandelt. Aber auch durch andere Zeichen wissm diese Wüstensöhne mit einander zu reden; ein Führer mit Namen Marigildo hat mir oft er- zählt, wie einige auf gewisse Art gelegte Steine auf einem Pfade, einige abgebrochene Aefie und andere Kleinigkeiten, die keinem Menschen auffallen würde», für sie ein ganzes telegraphisches Alphabet enthalte». (Schluß folgt.) zu schleppen, so rathen wir dem Artikelschreiber, diesen Vortheil der namentlich bei einem mit Bleistift geschriebenen Aitikel un- geahnte Dimensionen anzunehmen pflegt, ja wahrzunetmcn. Ucberhaupt schreibe man. wo irgend möglich, nur mit einem möglichst ungespitzten Bleistift, da ein mit Dinte gefertigtes Manussript leicht ein zu leserliches Ansehen gewinnen und so ein Enathen der einzelnen Worte— anerkanntermafen wegen ihrer aeistschälfendcn Tendenz eine Lieblingebeschäftigung des Redakteurs— unnöthig machen könnte. Ist jedoch zwingen- der Umstände wegen der Gebrauch der Dinte absolut nicht zu vermeiden, so gebe man durch eine gehörige Anzahl geschickt vertheilter Kleckse dem Redakteur(und Setzer) dennoch Gelegen- heit, sich der obigen Lieblingsbeschäftigung hingeben zu können. Er wird dem Mitarbeiter für solche Rücksichten stets noch nach Jahrcn Dank wissen. Daß eine deutliche oder gar schöne Handschrist den Schreiber in den fatalen Verdacht bringen muß, seine ganze Bildung einer Gemeindeschule zu ver- danken, daran brauchen wrr wohl kaum zu eiinnern. Wer etwas auf fich hält, übt fich bei Zeiten eine möglichst unleser- liche Handschrift ein; gar viele Gelehrte pflegen überhaupt nur dadurch ihre Gelehrsamkeit zu beweisen. Außerdem wird jeder« männiglich von der Anwendung einer guten Schrift schon des- halb gern abstehen, weil ein leicht lesbare» Manuskript selbst- redend die Aufmerksamkeit deS Redakteurs nicht genügend fesseln würde. Man nützt also durch schlechtes Schreiben eben so wohl seinem guten Rnfe, wie seinen materiellen Interessen. Vor allen Dingen vergesse man nicht, stets beide Seiten des be- treffenden Papierbogens zu beschreiben. Falls diese zur Be- wältigung deS Stoffs noch nicht ausreichen, empfiehlt es fich, das Uebiige auf die acht Ecken des Blattes zu vertheilen und im Bedürsnißfalle die weiteren Zeilen quer über die anderen zu setzen; dieses Arrangement erhöht die Originalität des Manuskripts ungemein. Ein solche? Manuffript ist daher ein Gegenstand leidenschaftlicher Verehrung bei den Setzern. Wir find selbst öfter schon Zeuge gewesen, wie einige Setzer, nachdem fie fich etwa zwanzig Minuten mit den ersten Zeilen herumgebalgt, unter häufigen liebkosenden Interjektionen das Manuskript zerknitterten, es zur weiteren Arbeit wieder glätteten und mit den Füßen dazu kampelten, was bei ihnen der Ausdruck höchster Zufriedenheit ist. Zuweilen, freilich nicht gar oft, haben wir mit Indignation bemerken müssen, daß fich ein Korrespondent s» weit vergessen konnte, diesen und jenen Personennamen oder Fremdausdruck mit einer so aufdringlichen Deutlichkeit zu schreiben, daß jede Möglichkeit einer interessanten Kontroverse mit unserm Kollegen über einige Dutzend X, die der Konespondent unS für ein U gemacht haben könnte rc. rc., für uns ausgeschlossen blieb. Solchen übereifrigen Herren diene zur Nachricht, daß jeder Redakteur, namentlich aber auch jeder Setzer die Pflicht hat, sämmtliche Personennamen der alten und neuen Welt bis zu denen der sechswöchigen Säuglinge herunter auswendig zu wissen und daß ferner bei beiden die souveränste Beherrschung aller lebenden und todten Sprachen Hauptbedingung für das Engagement ist. Man ver- meide also nach Kräften, in die Fußtapfen jener michelhaften Deutsckthümler zu treten, welche der deutschen Sprache den zier- lichen Schmuck der Fremdwörter zu rauben kachten, und gebe den Setzern durch möglichst ausgedehnte Anwendung solcher Wörter die selbstredend erwünschte Gelegenheit, ihre Sprachkennt- nisse zu dokumentiren resp. zu fördern. Sollen wir noch hinzu- fügen, daß die Interpunktion auch von besseren Echriftstellem schon längst in die Acht erklärt ist, daß also irgend welche Rück- fichtnahme auf diesen veralteten Brauch den Schreiber unrett« bar zu einem trübseligen Pedanten stempeln würde? Einem solchen würden wir jedenfalls rathen, fich dann wenigstens nicht noch durch den Gebrauch eines großen Anfangsbuchstabens nach einem Puntte einer ExKa-Lächerlichkeit auszusetzen; auch über diese Schwäche hat die Neuzeit beieits seit Langem den Stab gebrochen.— Hiermit schließen wir einstweilen die Reihe unserer wohlgemeinten Rathschläge mit der Vcrficherung, daß bei strifter Befolgung derselben den Herren Zeitungs Mitor- bestem die Lektüre ihrer respektive« Arttkel eine ganz eigen« artige Freude bereiten wird. g. Der in der Lindenstraße wohnende Molkereibefitzer P. kam in der Nacht zum Mittwoch mit zwei frischmelkenden Kühen angefahren, um dieselben seiner Molkerei einzuverleiben. Als er den vorher angehaltenen Wagen wieder besteigen wollte, glitt er aus und gerieth so unglücklich unter dm Wagen, daß ihm die Räder deS in Bewegung befindlichen Fuhrwerks über die Brust gingen. Außer einemBruch mehrerer Rippen scheint P. keine weiteren Verletzungen erhalten zu haben. Ein in der Markgrafmsttaße wohnmder Arzt, Dr. C., leistete dem Ver« unglückten die nachgesuchte Hilfe. Bei den heutigen Verhält- niffen müßte es öffentlich anerkannt werden, wenn ein Arzt während der Nachtzeit unverwandt dem Rufe nach Hilfe an Ott und Stelle nachkommt. Vor dem Schießen mit dem Teschinggewehr in Zimmern und Gättm muß dttngend gewarnt werden, da die große Tragweite der Geschosse, welche oft ohne Absicht des Schießenden dm Weg durch daS Fmster nehmen, ernste Ge- fahrm für die Gesundheit Änderer herbei zu führen geeignet ist. Vor einigen Tagen drang nach einer der Polizeibehörde erstattetm Anzeige die Kugel einer anscheinend aus eine« 80 Meter entfernt liegenden Komtoir Gebäude abgefeuerten Teschinas durch da» Fmster in die Wohnung eines Beamten in der Greifswaldersttaße, in der fich glücklicher Weise zur Zeit Niemand defand. Ein bereit« viermal wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt bestrafter Maurer W. wurde gestern verhaftet, weil er in der veraangmcn Nacht ein unter fittcnpolizeilicher Kontrole stehendes Mädchen in der Potsdamersttaße auf die roheste Art gemißhandell hatte, indem er fie unter Anderen mit Füßen trat. lieber die Ausführung eine« neuen Schwindels wird unS folgendes mitgetheilt: Vor etwa 10 Tagen erschien pi einem Damen- Konfektionsgeschäft in der Rosenthalerstraße ein fein gekleideter Herr in Begleitung einer Dame, die ein« MoirS-Schärpe zum Preise von 15 Mark mit der Aufforderung bestellte, dieselbe am andern Tage nach ihrer Wohnung in der Baruthcrsttaße zu schickm, woselbst Zahlung erfolgm würde- Am anderen Tage, kurz nach Fettigstellung der Schärpe, fubc derselbe Herr, diesmal ohne Begleitung, in einer Droschke 1. Klasse bei dem Geschäft vor und nahm die Schärpe mit dein Auftrage in Empfang, am folgendm Tage eine Partie Morgen- röcke nach der oben angegeben Wohnung zur Auswahl(P schicken, woselbst er gleichzeitig die Schärpe bezahlen würde- Der seine Henr und die Dame wurden aber in der bezeichneten Wohnung gar nicht gefunden. Ein schauerlicher Vorfall ereignete fich gestern früh# dem Hause Mittenwaldcrstraße 24. Dort wohnt cm Destillateur, der sein biShettaes Geschäft in der Zoffenersttaße am Abend vorher verkauft hatte und fich zur Ruhe setzen wollte. Sein* Frau, die früher einmal in Dalldorf gewesen, ist von dott vu- zwei Jahren als geheilt entlassen worden und hat die gaN) Zeit hindurch still ihre Arbeitm erfüllt. Ob Zwistigkeitcn w der Famrlie, von denen die„Rat. Ztg." spricht, den Irrsinn von Neuem zum Ausbruch gebracht haben, wird eist fcstgesteu werden müssen. Genug, gestern früh erhob fie fich, zündete«n Herde Feuer an, brachte einen großen Kübel Waffer zum den und goß ihn dann ihrem schlafenden Manne über Kopi und Körper. Der Unglückliche befindet sich in schrecklichem ö. stände in der Charitee; die Frau mußte mit Gewalt nach Da»- doft gebracht werden. m Polizei* Bericht. Am 14. d. M. Nachmittags W, beim Brunnenbau auf dem Grundstück Hocdstr. 33 der J bester Meinicke in Folge FehltretenS etwa 6 Meter tief in Brunnen hinab und erlitt dadurch so schwere Verletzung, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— AM 1, genden Tage Abends fiel der Molkereibesttzer Perner, aw theil un men. inem igtes 5 so egen des genit zu chickt gen nen. nach höne ngen vers Wer lefer= nur eders Des elbft effeln wohl Vor be= Be ftch, und Deren Des ift den inige rften onen Heder hnen nicht fich fenen lichen anten Die C. 2C., erren aber amen higen r bei obten t vers aften ziers gebe olcher ennt inzu ichon Rüd nrett Cinem ftens abens auch ben Rethe daß Ritar eigen fizzer enden eiben. wollte, daß über cheint n der Vers rhält Arzt fe an rin a die Des Ge eignet hörde einem uerten mten Beit bie aftet, licher f die Deren wird ensin Se ein eine erung n Der Dürde. fubr ofchte Sürde. dem orgens Skozu neten üh in nteur, bend Seine ct por ganze en in crfinn eftellt ete im Sie Ropf n Zus Dall Kirste Ar 1 Den ngen, fol Is e in der Gartenstraße einen Vieh- Transportwagen während der Fahrt besteigen wollte, von demselben wieder herab, wurde überfahren und erlitt mehrfache Rippenbrüche und andere innere Verlegungen, so daß er zunächst nach seiner Wohnung und am nächsten Tage nach der fönigl. Alinit gebracht werden mußte. Am 16. d. M. Morgens wurde ein pensionirter Beamter, in der Mittenwalderstraße wohnhaft, als er noch im Bette lag, von seiner zeitweise an Geiftesgestörtheit leidenden Chefrau plöglich mit einem Topf voll siedenden Waffers übergoffen und im Geficht und am Oberkörper bedeutend verbrüht; die Ehefrau wurde nach der Charitee gebracht. Zu derselben Beit entstand in der Nähmaschinenfabrit von Böttcher, Stallschreiberstr. 59, auf bis jest unermittelte Weise Feuer, welches so schnell um fich griff, daß fast alle Stockwerte zugleich brannten. Die Feuerwehr war über 2 Stunden in Thätigkeit. 9 An demselben Tage Abends wurde ein Mann vor dem Hause Fruchtstr. 69 liegend angetroffen und nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht. Er gab an, auf einem Holzplage am Oftbahnhof verunglückt zu sein, konnte jedoch über die näheren Umstände keine Angaben machen. madnud madan Gerichts- Zeitung. Sad valok Der Stadtrath Krause ist bekanntlich vor einigen Monaten wegen fahrlässiger Körperverlegung durch Nichtbeleuchtung eines Treppenflurs seines Hauses vom hiesigen Schöffengericht zu vierzehn Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Auf die von dem Angeklagten eingelegte Berufung gelangte heute die Sache vor der sechsten Straftammer hiesigen Landgerichts I zur erneuten Verhandlung. Der in der Oranienstraße wohnhafte Angeklagte besigt das Grundstück Reichenbergerstr. 24, in welchem als Berwalter der Vizewirth Graf eingesezt ist. Als im Mai D. J. die Polizeibehörde von dem legtern die Beleuchtung der Flure und Treppen auch während der Sommermonate vers langte, begab fich Graf zum Angeklagten, welcher ihn anwies, auch seinerseits die vorhandenen Gasflammen anzuzünden. Anfangs Juni cr. erschien Graf wiederum bei dem Angeklagten, um demselben mitzutheilen, daß sich bei den hellen Abenden die Beleuchtung der Treppen als überflüffig erweise und daß auch die Nachbarn nicht weiter beleuchteten. Hierauf ordnete Herr Krause an, die Beleuchtung auf so lange einzustellen, als fie nicht nothwendig sei. Am Abend des 12. Juni v. J. nach 9 hr betrat der Wäschefabrikant Angreß den Flur des Seitengebäudes des dem Angeklagten gehörenden Grundstücks, um einen seiner in der vierten Etage wohnhaften Arbeiter zu besuchen. Etwa 2 Schritt vom Eingange befindet sich die nach dem Keller führende Treppe und links davon die nach den oberen Etagen führende. Bei der bereits herrschenden Dunkelheit zündete Angreß, langsam vorwärts schreitend, ein Streichhölzchen an und stürzte während deffen die 8 Stufen Der Kellertreppe hinab. Hierbei erlitt er einen schweren Bruch des linken Arms, dessen Heilung über 3 Monate in Anspruch nahm. Justizrath Gerth begründete die Berufung dahin, daß eine Rechtspflicht zur Treppenbeleuchtung für den Hauswirth nicht bestehe und daß nach der ganzen Sachlage sein Klient die ihm obliegende Sorgfalt genügend beobachtet habe. Even tuell sei eine Geldstrafe eine ausreichende Sühne. Der Gerichtshof bestätigte das erste Urtheil mit der Maßgabe, daß die Sache auf 200 m. event. 14 Tagen Gefängniß zu bemessen fei, und zwar sei die Fahrlässigkeit des Angeklagten nicht in der unterlassenen Treppenbeleuchtung, sondern in der mangelhaften Verschließung der gefährlichen Treppenanlage zu finden. ihrer Kontrakte, die bis zum Jahre 1893 reichten, angewendek werde. Ebenso möge die Stadt, welche allein für das Feuerlöschwesen zu sorgen habe, auch eine städtische Mobiliarverficherungssozietät ins Leben rufen. Das vor kurzen aufgetauchte Projekt, eine Steuer auf fremde Biere zu legen, sei durchaus zu verwerfen. Man müsse im Prinzip gegen indirekte Steuern fein; daneben würde die Biersteuer viele Unzuträglichkeiten mit fich bringen, fte werde die Einstellung eines Heeres von Be= amten erforderlich machen und schwer werde sich feststellen laffen, welches auswärtige Bier als echtes" und welches als leichteres zu gelten habe. Es sei auch nicht abzusehen, weshalb nicht andere Städte in Deutschland zu ähnlichen Steuern auf Berliner Erzeugnisse kommen sollten und würden die Zollbäume wieder im eignen Lande errichtet werden. Von solchen„ Kräh winkeleien" follte man absehen. Das städtische Sube missionswesen müsse in der Weise abgeändert werden, daß ein Minimallohn für die bei städtischen Bauten beschäftigten Arbeiter festgesetzt werde und daßendie Ausführung städtischer Bauten an Arbeiter Rorporationen vera geben werde. Der erste Grundfaz bei der städtischen Verwal tung folle heißen: Zuerst das Nothwendige, dann das Nüßliche, zuletzt das Angenehme. So lange nun( laut d. statist. Jahrb. d. St. Berlin) noch wie im Jahre 1882-83 180 850 Personen mit einem jährlichen Einkommen unter 420 Mart in Berlin vorhanden wären, so lange noch wie im Jahre 1880 128 959 Personen im Asyl des Vereins für Obdachslose be herbergt würden, könnte kein Geld für Feste vorhanden sein. Nachdem der Redner noch für das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht für die Wahlen zur Stadtvertretung sich ausgesprochen hatte, schloß er in der Hoffnung, daß der bevor stebende Wahlkampf ein neues Lorbeerblatt dem Ruhmestranze der Berliner Arbeiterpartei bringen werde.( Lebhafter Beifall.) An der Diskussion betheiligten fich die Herrn Sigmann, Berndt und Voigt. Ein Herr, der es unternahm, auf die Verdienste der Mitbürger Pickenbach und Limprecht aufmerksam zu machen, fand genügende Abfertigung. Bur Charakterifirung der Mittel, mit denen diese Herren arbeiten, theilte Herr Voigt mit, daß ein Lotal( der Neustädtische Voltsgarten), das er für eine Kommunalwähler Versammlung im Wahlkreise des Herrn Limprecht von dem Bächter des Lokais bereits gemiethet hatte, auf Veranlassung des tonservativen Befipers( eines Herrn Westphal) ihm wieder entzogen worden wäre. Damit schloß die Versammlung. tro leger auf und taum ist ein zu bearbeitender Roman im Drud erschienen, so geht auch die Buffe'sche Bearbeitung ,,, frei nach bem Verfaffer" über die Bretter und es ist besonders das Ostend Theater, welches sich dieser Novitäten annimmt. In diesem Falle handelt es sich um einen Roman von E. Werner( Fräul. Bürstenbinder), welcher im Juni 1884 im Schorer'schen Fa milienblatte erschien und troß des Vermerks Alle Rechte vor behalten" im Juli bereits unter demselben Titel: Ein Gottes urtheil" als Sensationsdrama im Ostend Theater zur Aufführung gelangte. Gegen die beiden Angeklagten als Ver faffer und Verleger wurde Anklage wegen Nachoruds erhoben und trat die geschädigte Schriftstellerin E. Werner, welche fich im Termine durch den Rechtsanwalt Dr. Friedmann vertreten ließ, als Klägerin gegen den ersten Angeklagten auf. Der literarische Sachverständigen Verein hat das Buffe Böhm'sche Machwerk in der denkbar abfälligsten Weise beurtheilt, es ist in derselben Weise fabrizirt, wie deren frühere Dramen. In diesem Falle machten die Angeklagten andere Einwendungen zu ihrer Entschuldigung wie in den früheren Anklagesachen. Während Busse früher stets behauptete, ſeine Umarbeitung verdiene die Bezeichnung eines selbstständigen geistigen Erzeugniffes, erklärte er in diesem Falle, er habe den Mitangeklagten Böhm ohne Entgelt nur diejenigen Ausschnitte des sulzessive erscheinenden Romans übersandt, welche zu einer Dramatifirung geeignet seien und diese set von Böhm selbst bewerkstelligt worden. Dementsprechend nahm auch dieser die Unterschrift für sich in Anspruch. Interessante Enthüllungen bot die Verlesung einer Anzahl bei Böhm beschlagnahmter Kor respondenzen. Wer baldowert die guten Romane aus? Sch" schreibt ihm Herr Busse. Lassen Sie nur teine Stecknadeln fallen. Sie werden sonst nicht flug daraus."„ Ich habe die Werner erst berühmt gemacht." Warum feine Rezension über das Gottesurtheil? Das ist das Loos des Schönen auf der Erbe!" Diese und ähnliche Stellen aus den Buffe'schen Briefen erregten beim Gerichtshofe nicht geringe Heiterfeit. Es ging aus der Korrespondenz ferner hervor, daß Buß in der Weise bei dem Unternehmen petuniär betheiligt war, daß er von der Einnahme bei den Aufführungen des Gottesurtheils einen be stimmten Prozentsaz erhielt. Nachdem durch Verlesung der Umfang des Nachdrucks fonstatirt war, beantragte der StaatsUmfang des Nachoruds fonstatirt war, beantragte der Staatsanwalt für jeden der Angeklagten eine Strafe von 300 Mart, der Vertreter der Beschädigten Dr. Friedmann forderte aber noch eine Buße von je 30 M., da das Stück wohl dreißigmal gegeben worden und aus jeder Aufführung den Autoren" gewiß eine Tantieme von fe 1 Mart geblieben sein dürfte. Der Gerichtshof verurtheilte jeden der Angeklagten zu 500 M. Geldstrafe und zu einer Buße von je 30 Mart. Eisenach, 16. September. Der abscheuliche Unfug anonymer Verleumdungen hat in einem heute dem hiesigen Landgericht zur Aburtheilung vorgelegenen Falle eine gerechte Sühne gericht zur Aburtheilung vorgelegenen Falle eine gerechte Sühne empfangen. Gegen einen nach Berlin als Stadtschulinspektor berufenen, allgemein hochgeachteten Schulinspektor in Dermbach hatte die Frau eines dortigen Rechnungsbeamten eine ganz hatte die Frau eines dortigen Rechnungsbeamten eine ganz abscheuliche Verleumdung an das Provinzial- Schulkollegium gerichtet und dieselbe mit Mehrere Gemeindevorstände des Bezirks Dermbach" unterzeichnet. Durch die eingeleitete UnterDer Gesuchung wurde die anonyme Verleumderin entdeckt, die schließlich geftändig war und heute zu sechs Monaten Gefängniß und Tragung der Kosten verurtheilt wurde. Im Ausstellungsparke wurde am Nachmittage des 21. Juni ein Taschendieb in flagranti ertappt. Derselbe gab über seine Person so verdächtige und widersprechende Auskunft, daß man mit Recht vermuthet, einen besonderen Fang gethan zu haben. Er nannte sich Markus Herzstein, Kaufmann aus Wien, hatte im Fremdenbuche des Hotels fich aber als aus Weimar tommend eingetragen. Man fand bei Durchsuchung feiner Person eine größere Menge deutscher Freimarken bei ihm vor und da Tags zuvor im Ausstellungsparte ein Taschendiebstahl begangen worden, bei dem der Bestohlene auch ein Quantum Freimarken einbüßte, so lag der Verdacht nahe, daß auch dieser Diebstahl von Herzstein ausgeführt wurde. Der felbe wollte tros der erdrückenden Belastungsmomente aber nur des einen nicht abzuleugnenden Diebstahls schuldig sein und bat es der hiesigen Kriminalpolizei viel Mühe gemacht, endlich festzustellen, wes geistes Kind der Verhaftete war. Aus Budapest ist die Auskunft eingelaufen, daß der Angeklagte zwar nie auf einem Taschendiebstahl ertappt worden ist, es sei aber mit Sicherheit anzunehmen, daß er einer ungarischen internationalen Diebesbande angehöre, welche unter der Maske von Handelsleuten die ganze Welt durchstreifen, um lediglich dem Taschen Diebstahle obzuliegen. Da es fich ferner ergab, daß der Verbaftete furz vorher von London über Köln nach Berlin gereift und nicht, wie dieser angab, aus Breslau oder Weimar gefommen war, so nahm das Schöffengericht an, daß man hier einen internationalen Taschendieb vor sich habe und belegte ihn mit schwerer Strafe, nämlich einem Jahre Gefängniß. Da der Berurtheilte hiergegen Berufung einlegte, so wurde die Ange legenheit noch einmal der Prüfung der Straflammer unter worfen, welche fich auf Grund der Beweisaufnahme aber nicht veranlaßt fand, das erste Urtheil absuändern. DICK 291100 Hamburg, 15. September. In der Nummer 163 der Hamburger Bürger- Beitung" vom 23. Dezember vor. Jahres befand sich im Tagesbericht eine Besprechung der von dem Kaufmann Draat verfaßten Eine Heßjagd auf Menschen" betitelten Broschüre, die ja bekanntlich hier öffentlich verkauft wurde. In der Besprechung befand sich am Schluß etwa foldender Sat: Dr. Wallichs fordert ihn( Draat) mittelst offener Bofilarte einen fremden Herrn! zu einer Unterredung auf, um seinen Geistes justand zu untersuchen und erklärte es für eine Verrücktheit, daß Draak dieser Aufforderung nicht Folge leistet: Und solche Narren haben das Recht, andere Leute ins Narrenhaus zu sperren." Nachdem der Kreisphyfikus Dr. Wallichs in Altona wegen dieses Artikels Strafantrag wegen Beleidigung gestellt, wurde gegen den Redakteur der Bürger- 8tg.", Johannes Wedde, Antlage erhoben, die heute zur Verhandlung gelangte. Der Angeklagte erklärte, die Ver antwortung für den inkriminirten Artikel übernehmen zu wollen, erblickt in demselben aber eine erlaubte Kritik. Der Amtsanwalt fieht das inkriminirte Wort Narren" als eine offenbare Beleidigung des Dr. Wallichs an und beantragt, den Angeflagten zu 10 Tagen Haft zu verurtheilen. Der Vertheidiger Dr. Türkheim ist der Ansicht, daß das Wort Narren" nicht auf Dr. Wallichs bezogen werden kann, da dann in der Ein zahl hätte gesprochen werden müffen und beantragt, da im Uebrigen auch Verjährung eingetreten ist, die Freisprechung. Das Gericht verurtheilt den Angeklagten wegen Bergehens gegen§ 21 des Preßgefeßes zu 20 D. Strafe, ev. 4 Tagen Gefängniß. 71 42 d and late mi 1 In der Versammlung des Arbeiter- Bezirksvereins des Westen Berlins, welche am Montag in Gründers Salon, Schwerinstr. 26, stattfand, hielt Herr Stadtverordneter Tupauer einen Vortrag über: Die Errichtung eines Gewerbe Schieds gerichts in Berlin." Die bevorstehenden Kommunalwahlen geben den Arbeiterbezirksvereinen Veranlassung, fich vorzugs weise mit Kommunal- Angelegenheiten zu beschäftigen. Von diesem diesem habe gegenwärtig die Frage der Errichtung eines Gewerbeschiedsgerichts in Berlin für alle Arbeiter Berlins das höchfte Interesse. Die Gewerbeordnung ertheile den Stadtbehörden das Recht, Gewerbeschiedsgerichte zu er richten. Es sei zu bewundern, daß bis jetzt von keiner Seite eine Anregung zur Errichtung eines Gewerbeschiedsgerichtes. gemacht worden sei. Die Vertreter der Arbeiterpartei haben nun in der Stadtverordneten Versammlung den Antrag auf Errichtung eines solchen Schiedsgerichts in Berlin gestellt. Der Antrag habe keine Oppofition hervorgerufen. Es sei eine Kommissionvon miffion von 10 Stadtverordneten und 5 Mitgliedern des Magistrats zusammengesezt, um die Errichtung eines solchen Schiedsgerichts in die Hand zu nehmen.. An den Arbeitern liegees jest, Vorschläge zus machen, auf welche Weise die Schiedsgerichte am awedmäßig sten zusammengesetzt würden. Nachdem Redner die in vers schiedenen Städten errichteten Gewerbeschiedsgerichte fritifirt: hatte, tam er auf die Zusammensetzung derselben zu sprechen. Nach einer kurzen Uebersicht auf die bei der jeßigen Gewerbedeputation erledigten und unerledigten Fälle schloß der Vor tragende seinen mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag Eine an die Stadtverordneten Versammlung in dieser Ange legenheit gerichtete Petition wurde vom Vorstand verlesen und von der Versammlung angenommen; da noch einige kleine Ab änderungen vorgenommen werden, wird dieselbe in der Ver sammlung am 28. September nochmals verlesen werden. = Vereine und Versammlungen. hat man in etlichen Fabriten Kolonnen angeſtellt, die einander be. In der Kommunalwähler- Versammlung, welche am Mittwoch, den 16. d., in Kellers Salon, Andreasstraße, unter Vorfiz des Herrn H. Voigt stattfand, sprach Herr W. ſprach Here 2. Liefländer über die bevorstehenden Kommunalwahlen und unternahm es, eine Anzahl wesentlich neuer Forderungen und Gefichtspunkte dem bekannten Programm der Arbeiter hinzuzufügen. Bunächst erklärte er sich entschieden gegen jede indirekte Steuer, verlangte die Abschaffung der Miethssteuer und die Einführung verlangte die Abschaffung der Miethssteuer und die Einführung einer progressiven Einkommensteuer, zum mindesten aber an Stelle der bisherigen Einschäßungsfommiffion, öffentlich in jedem Bezirk von den Bürgern gewählte Kommiffionen. Auf das Schulwesen Ein betrübender Unglücksfall, der den Tod eines Menschen zur Folge hatte, unterlag gestern der Prüfung der vierten Straflammer des Landgerichts I. Der Klempnermeiſter Mar Paul Fr. Misch hatte es übernommen, die Gas- und Wasserrohrlegung auf dem Grundstücke Husfitenstraße 4 fertig zustellen. Am 12. Mai d. J. war er mit mehreren Arbeitern beim Ausschachten des hierzu erforderlichen Kanals beschäftigt und war dieser Theil der Arbeit fast vollendet, als die KataHephe eintrat. In der zwei Meter tiefen Grube ſtehend, rear unter fich begrub. Frogbem bie Augenzeugen eine fieberbafte Thätigkeit entwidelten, um den Verschütteten von der auf ihm lagernden Erdmasse zu befreien, gelang dieses leider erst, nachdem der Tod eingetreten war. Die Anklage- Behörde macht den Mischals Unternehmer nun deshalb für weil an dieser ein bat den Unglücksfall verantwortlich, früheres Absteifen der Erdwand hätte anordnen müssen und gegen ihn Anklage, wegen fahrläffiger Tödtung erhoben. unglückten, welcher wiederholt versichert hatte, mit derartigen Arbeiten vertraut zu sein, zu verschiedenen Malen ein früheres Gefängniß nueien übergeben, Lehranstalt einen bedeutend größeren Schüler seitens der Stadt verlange als ein Gemeindeschüler Bnschuß stand, der zu beseitigen jet. Obenjo jei pie Giner ein Bu mehr Lehrkräften für die Gemeindeschulen erforderlich, da ein Gemeindeschullehrer einer zu großen Anzahl von Schülern Unterricht ertheilen müsse. Es empfehle fich ferner für die Schulen Die Anlage von Schulgärten nach dem Vorgange der Schweiz, um den Kindern praktische Kenntnisse beizubringen und neben der Vermehrung der Vollsbadeanstalten überhaupt die Ein richtung von Badebassins in jeder Schule, wie fie in Göttingen bereits vorhanden sei. Die Ferienkolonienseien nicht der Privatwohlthätigteit allein anheimzustellen, sondern die Kommune habe die Pflicht für eine systematische Organisation derselben Sorge zu fragen, damit die fegensreichen Wirkungen eines Sommeraufenthaltes in gesunder Luft womöglich allen Die Armenpflege sei gleichfalls in die Hände einer frei von Bürgern gewählten Kommiffion zu legen und wenn die embernaltung allein nicht im Stande jei, in genügender Stadtverwaltung, Weise für Zufluchtsstätten für das Alter, für Asyle für arme Greise zu sorgen, so habe hier der Staat einzugreifen und die Kommune in der Lösung dieser nothwendigen Aufgabe zu unterstügen. Das städtische Arbeitshaus in Rummelsburg fei nicht dazu da, Privatunternehmern Profit( machen zu helfen. Jede Gefängnißarbeit ſei zu verbieten, die dem freien Arbeiter Jebe Gefängnißarbeit sei zu verbieten, die dem freien Arbeiter Der Fach- Verein der Tischler tagte am Mittwoch, den 16. September, in Kurzmanns Salon, Bergstr. 68, mit der Tages Ordnung: Vortrag, Verschiedenes und Fragekasten. Herr Leffer, Kand. der Chemie, sprach über: Die BapierFabrikation". Er bemerkte, daß wohl in feiner Branche eine fo mannigfaltige Theilung der Rohstoffe nöthig fei, als in der Papier Fabritation. 60 verschiedene Arten von Lumpen gebe es, die von einander fortirt werden müssen. Diese Arbeit sei zwar keine schwierige, aber eine der Gesundheit oft sehr nach theilige, dennoch ließe man dieselbe von Frauen und Kindern verrichten. Bei der Papier Fabritation tämen aber auch sehr schwere Arbeiten vor, welche von vielen Arbeitern kaum dret Jahre lang verrichtet werden könnten. Aus diesem Grunde ablösen, dort würden die Arbeiter, falls fie erkranken, auf Kosten der Fabrit furirt. Diese vortheilhafte Einrichtung sei aber leider nicht in allen Fabriten vorhanden. Redner weist darauf hin, wie schwierig es in früherer Zeit, wo es noch kein Bapier gab, war, Gedanken oder Mittheilungen der Nachwelt zu hinterlassen. Die Erfindung des Papiers fei von hoher Bedeutung für die Kultur gewesen und hätten wir derselben viel in Bezug auf die heutige Entwickelung zu verdanten. In früheren Beiten fonnten sich nur Bemittelte Schriften und Bücher anschaffen, welche viel zur Aufklärung des Volles bei getragen haben. Der Vortragende wies ferner auf das Verhalten der Chinesen hin, welche den Deutschen in mancher Hin ficht weit voran sind und streng darauf halten, daß ihre Lei stungen nicht in anderen Ländern nachgeahmt werden. Hätten fich erstere nicht allzusehr von den anderen Kulturvölkern abgeschloffen, so wären wir vielleicht schon viel weiter in der Kulturentwidlung. Auch die Lumpensammler so bemerkte Red ner weiter tragen ihr Theil mit bei zur Entwickelung unserer modernen Kultur, dieses würde aber nur von Wenigen beachtet. In der nächsten Versammlung am 7. Ottober wird Herr Leffer mit Apparaten die Bereitung des Papiers vor führen. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufge nommen. Im Fachverein der Bau- und Fabrikarbeiter zu Köpenick referirte Herr Nöste aus Berlin am Sonnabend, den 12. d. M., über das Reichs- Krankenkaffengeset". Referent hob hervor, daß ihm das Gesetz nicht weit genug ginge und fritisirte besonders die Bestimmungen des§ 26 deffelben, welcher nach Ansicht des Redners durchaus nicht für die deutsche Ar beiterwelt paffe. Darauf erläuterte der der freien Hilfstaſſen gegenüber ben referent die Bortheile Gemeinde geworden, das Erdreich sei fest genug und die Steifen hinderten Kindern unbemittelter Eltern zu Gute tämen. ſtändigen begutachteten, daß der Angeklagte als ausführender Meister dennoch auf eine frühere Absteifung hätte beſtehen müffen, so erachtete der Gerichtshoft dafür, daß derselbe fich einer Fahrlässigkeit schuldig gemacht, faßte die Sache aber milder auf, als der Staatsanwalt, welcher sechs Monate Ges fängniß beantragt hatte, und erkannte nur auf einen Monat Der Schriftsteller Hugo Busse und der Theateragent Martin Böhm, diese famosen Fabrikanten von soge Straffammer des Landgerichts I unter der Anklage des Nach für Rettungsanstalten sei Sorge zu tragen; ein städtisches Findel drucks. Die Angeklagten find dem Gericht sowohl wie dem Publikum wegen ähnlicher Arbeiten, wie die, welche sie jetzt Sanitätswachen sei mit größtem Nachdruck zu verlangen. Mittel auf die Anklagebank führen, recht unvortheilhaft bekannt; fie für diese neuen aber unaufschiebbaren Aufgaben feien, abgesehen sollte hierselbst eine Versammlung stattfinden, in welcher Herr haus sei unbedingt nothwendig; die Kommunalisirung der find schon wegen ähnlicher literarischer Freibeutereien bestraft Toorden, fo u. 21. auch, als fie den Noman der Frau v. Sillern Die Geyer Wally" ausschlachteten und mittels Scheere, städtischen Betrieb. Mit dem Vorschlag, die englische Gas Kleistertopf und Stecknadeln für die Bühne zurechtfiußten. Der Angeklagte Buffe pflegt die Autorschaft dieser Werke" für sich in Anspruch zu nehmen, Herr Böhm fritt als Vervon der progreffiven Einkommensteuer, herbeizuschaffen durch llebernahme der Pferdebahnen und des Beleuchtungswesens in gesellschaft durch Erhebung einer Gassteuer zur Aufgabe ihrer Privilegien zu zwingen, sei er( Redner) nicht einverstanden. Er verlange vielmehr, daß ein radikales Mittel, die Kündigung und Fabrillaffen und empfahl die Hilfskaffen, weil dort jedes Mitglied das Selbstbestimmungsrecht hätte, welches in den Bwangskaffen nicht vorhanden wäre. Der Vortrag wurde beifällig aufgenommen. fällig aufgenommen. Die nächste Versammlung findet am 26. September im Schüßenhause statt. Die Petition für bas Arbeiterschußgefez liegt aus bei den Herren: Weinert, Alter Markt 58a( Reſtaurant Kamerun): 21. Delb, Grlinſtrate A. Grünstraße . Stup, Schloßstraße; W. Joch, Gliniderstraße und im Schüßenhause bei F. Engelhart. Burg bei Magdeburg, 15. September. Gestern Abend F. Ewald aus Brandenburg über den Arbeiterschutzgeset Entwurf" referiren wollte. Die Bersammlung wurde jedoch auf Grund des allbekannten§ 9 des Sozialistengefeges ver boten. Nun, die hiesigen Arbeiter werden auch ohne Abhaltung einer Versammlung eine respektable Anzahl von Unterschriften für die Petition an den Reichstag zu sammeln wissen, schon an dem Abende, an welchem die Versammlung stattfinden sollte, wurde die Petition mit mehreren hundert Unterschriften dedeckt. Wismar, 15. September. Gestern Abend wurde im �Lindenhof" unter Vorfitz des Schuhmachers Laffen eine sehr zahlreich besuchte öffentliche Versammlung abgehalten, in welcher der Reichstagsabgeordnete Auer über„die Erhebungen über die Eonntagsarbeit" etwa folgendes ausführte: Das dritte Gebot fordere schon die Sonntagsruhe, eine Forderung, die man am Schlüsse des 19. Jahrhunderts wieder erhebe. Die soiialen Reformen bildeten eine Aufgabe der heutigen Gesetz- gebung. In Folge der von der ZentrumSvartei eingebrachten Resolution, detreffend Sonntagsarbeit, habe ein Wettrennen aller Parteien stattgefunden, die alle etwas für den Arbeiter thun wollten. Ein Entwurf über Sonntagsarbeit fei von der Arbeiterpartei vorgelegt worden, und die Kommisston habe fich in 19 Sitzungen mit der Frage der Sonn- tagsarbeit beschäftigt. Der§ 105 der Gewerbe> Ordnung ver- biete, den Arbeiter zur Sonntagsarbeit zu zwingen, man babe aber nicht bedacht, daß der Arbeiter die wirthschaftlich schwächere von den beiden Parteien sei und daher dem Wunsche des Arbeitgebers folgen müsse. Die jetzige Bewegung gegen die Sonntagsarbeit habe einen religiösen und einen sozial- politischen Grund. Die Landesgesetzgebung fordere Sonntags- Heiligung; die neue Bewegung gegen die Sonntagsarbeit kenne nur eine Sonntagsruhe. Die Landesgesetzgebung ver- biete die lärmenden Beschäftigungen, damit kein Acrgerniß ge« aeben werde, die Arbeiterpartei wolle dem Ardeiter emen freien Tag verschaffen, an dem er ruhen könne. Wie derselbe den Tag hinbringe, ob in der Kirche, ob in der Familie oder in der freien Natur, das sei ihm gleickgiltig. An absolute Sonn- tagsheiligung, wie in England, hätten fie nie gedacht. Redner verlas nun den Vorschlag der Kommission und die neue Faffung von§ 105a, sowie die Vorschläge der Arbeiterpartei und wandte fich dann gegen die Gründe, welche man gegen die Einschränkung der Sonntagsarbeit anführe. Man sage, an eine Einschränkung der Sonntagsarbeit könne nicht gedacht werden, ohne die Industrie schwer zu schädigen. Femer ftage man:„wollen die Arbeiter die Sonntagsruhe und können sie ven Ausfall an Lohn ertragen?" Schon in Handwerker« kreisen höre man, man müffe am Sonntag arbeiten. Barbiere hätten gar keinen Sonntag und in vielen anderen Geschäften werde vis Sonntag Mittag gearbeitet. Das sei eine Gewohn- heit, die fich in Norddeutschland mehr eingebürgert habe, als in Süddeutschland. Man müffe fich gewöhnen, seine Bestel« lungen nicht am letzten Wochentage zu machen. Da man aber mit der eingewurzelten Gewohnheit nicht so leicht brechen könne, müsse das Gesetz zu Hilfe kommen. Ebenso sei eS in den Fabriken. Die Spielwaaren-Arbetter bei Sonneberg hätten im Sommer nichts zu thun; vom August ab aber müßten alle Hausgenossen bis zum vierjährigen Kmde arbetten, und nur die völlige Erschlaffung gebiete Ruhepause. Die Be- stcllungen müßten auch hier früher gemacht werden und die Großhändler Lager halten. Durch dre Sonntagsruhe sei der Arbeiter befähigt, eine nach Beschaffenheit bessere Arbeit zu liefern, weil er leistungsfähiger sei. England habe die»oll- ständige Sonntagsruhe und liefere ausgezeichnete Arbeit. Im Wupperthale werde am Sonntage geruht und die Arbeiten aui dortiger Gegend wären gesuchter als dieselben Arbetten aus dem Voigtlande, welches keine Sonntagsruhe kenne. Den Arbeitern werde aber kein Nachtheil am Lohn entstehen; denn werde weniger gearbeitet, so werde eine Nachfrage nach Ar- beitern kommen und daher der Lohn steigen, ganz davon abge- sehen, daß die bessere Arbeit auch besser bezahlt werde. AlS Beispiel diene England, welches höhere Löhne zahle und doch mit seinen Waaren den Weltmarkt beherrscht, daß fich andere Völker gegen dies Uebergewicht durch Zölle schützen müßten. Für die nächste Reichstagssesfion sei kaum auf Annahme eines Gesetzes, betr. Eonntagsarbeit, zu hoffen, aber die Bewegung sei im Flusse und werde dem Arbeiter die Sonntagsruhe bringen. Lauter Beifall lohnte dem Redner nach Schluß seines Vortrages. München, 15. Sept. Gestern sprach der Reichstagsabg. W. Bock in einer großen öffentlichen Schuhmacherversammlung über die Lage der Schuhmacher und über die Mittel zur Hebung derselben. Sein Referat fand reichen Beifall. Er empfahl Masseneintrit in den Unterstützungsverein deutscher Schuhmacher. Von Fräulein M. Picard erhalten wir folgende Berichtigung: In Ihrem Berichte über die Arbeiterinnen- Versammlung vom 15. d. M., bitte ich zu berichtigen, daß ich nicht— wie in dem Bericht steht— gesagt haoe, die Ar- bettcrin bekäme jetzt 65 Pf. für das Dutzend Kragen, sondern 30-35 Pf, während bei einer einigermaßen anständigen Existenz 60- 65 Pf. pro Dutzend nothwendig wären. Gauverein der Maler. Dienstag, den 22. September, Abends 8'/» Uhr, Alte Jakobstr. 83: Generalversammlung. Tagesordnung:„Wichtige Vereinsangelegenbeiten."(Siehe Inserat in der Sonntagsnummer». Nur Mitglieder haben Zutritt gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte. Einsetzer-Berein. Sonntag, den 20. September, Vormittags 10 Uhr, Neue Friedrichstraße 44. Außerordentliche General Versammlung. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Allgemeine deutsche Kranken- und Begräbnistkasse für Wirker, Weber, Spinner, Färber u. s. w. iE. H. Nr. 67). Sonnabend, den 19. d. Mts., Abends 8 Uhr, bei Büß, Fianlsurterstr. 87: Großer Ball nebst humoristischer Unterhaltung. Verein sämmtlicher Berufsklassen. Berlin 4(Ein- geschriebene Hiltslasse). Sonnabend, den 19. Septbr., Abends 8'/» Uhr, Mitglieder-Versammlung, Flottwellstraße und Karls- bad-Ecke bei Kuß. Mitglieder werden daselbst oder beim Kasfirer O. Zopff, Steqlitzerstraße 92, Abends vom 8—9% und Sonntags von 1—3 Uhr ausgenommen. Arbeiter-Bezirksverein der Oranienburger Vorstadt und des Wedding. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Versammlung nicht am Montag, sondern Dienstag, den 22. d., Abends 8 Uhr, im Wedding Park stattfindet. Die Tages- ordnung lautet: 1. V orttag des Herrn Vaake über„Bauern- kriege". 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Die Mitglieder werden schon jetzt auf die Versammlung aufmerksam gemacht und ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. In der freireligiösen Gemeinde, Roscnthalerstraße 38, spricht am Sonntag, Vorm. 10 Uhr, Herr Schäfer über die Verant- wortlichkeit vor dem Recht und der Gesellschaft. Zutritt steht jedem frei.— Am Montag Abend 8'/, Uhr findet Niederwall- straße 20 eine beschließende Versammlung der Mitglieder statt. Mitglieder der Ortstrankenkassen der Maschinenbau- Arbeiter und verw. Berussgenoffen zu Berlin: Äußerordent- liche Generalversammlung am Sonntag, den 20. September, Vormittags 10 Uhr, im Louisenstädtischen Theater, Dresdener- straße 72—73. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. P. 8. In Angelegenheit der Sterbekasse find wir siegreich aus dem Streit hervorgegangen, denn die 209000 Mark find gerettet. Es wird daher drese Versamm- lung für uns Alle ein Freudenfest sein, sorgt daher für ein volles Haus. A. Meyer, Skalitzerstr. 144. Kleine Mittheilnngen. Aus Thüringen, 13. September. Die zu einem Zucht- hause umgewandelte ehemalige Beste Plassenburg in Franken ist am letzten Augusttage der Schauplatz eines Mordes und einei Selbstmordes gewesen, worüber Näheres erst jetzt bekannt wird. Am 31. Augnst begab fich der als Wollhaspeler be- schästigt gewesene Sräfling Röder nach dem Abort, wohin ihm der wegen Raubes und Mordversuchs zu 15 Jahren Zuchthaus veruttheilte Sträfling Oettinger, welcher eben- falls im Wollsaale beschäftigt war und mit dem mordeten Röder schon längere Zeit in einem unfried- lichen Verhältnisse lebte, folgte, um fich alsbald aus sein Opfer»u stürzen und dasselbe wie ein Schwein abzustechen. Auf das Geschrei des Gestochenen eilte ein Auf- scher berbei, der dem Mörder drei Säbelhiebe auf die Schulter versetzte. Letzterer aber svrang mit dem blutigen Messer in den Saal und schrie:„Den ersten, der herkommt, steche ich nieder!" Durch zwei bewaffnete Aufseher endlich in Arrest gebracht, gab Oettinger vor, daß er fich selbst verletzt habe, und so sollte er durch einen Ausseher in das Spital gebracht werden. Aus dem Wege dorthin, so wird dem„Goth. Tagebl." geschrieben, schwang fich der Mörder plötzlich auf die Brüstung des Ganges und stürzte fich in die Tiefe, wo er mit zerschmettertem Kople und zerbrochenem Bein liegen blieb. Beim Sprung erfaßle ihn der Aufseher noch am Beine, um ihn zu halten, allein er mußte ihn sogleich wieder loslassen, weil er sonst mit herab- gerissen worden wäre. Tarnowitz, 10. September. Im August d. I. wurde die Frau des Gärtners und Vekturanten L. in Sowitz von einem Knaben entbunden; einige Tage nach der Geburt kam der Vater des Kindes auS dem Wirthshause nach Haus, ergriff das neugeborene Kind an den Beinchen und schleuderte dasselbe mit so großer Vehemenz an die Wand, daß der Schädel des Kindes zertrümmerte. Am anderen Tage begab fich der Mörder des Kindes zum Standesbeamten und meldete den Tod seines Kindes an; unbeanstandet erfolgte die Beerdigung und es wäre wohl die fürchterliche That nie an das Tageslicht ge- kommen, wenn nicht die bedauernswerthe Mutter des bei jener Gelegenheit arg mißhandelt Personen gegenüber Andeutungen über gemacht hätte. Die Sache wurde �.... es erfolgte die Ausgrabung und Sektion des Kindes, welche die sofortige Verhaftung des unnatürlichen Vaters zur Folge hatte. Im Lause der Unter' suchung müssen wohl Vorgange aus früheren Jahren zur Kenntniß des Gerichts gelangt sein, denn gestern fand aus dem Kirchhof in Alt-Tarnowitz im Beisein des ersten Staats» anwalls aus Beuthen und einer Gerichts� Kommission aus Tarnowitz erneute Ausgrabungen von Leichen der vor zw» und drei Jahren gestorbenen Kinder des angeschuldigten L- statt. Das Resultat ist nicht bekannt geworden, es find bei den Ausgrabungen große Schwierigkeiten dadurch entstanden, weil die Gräber der zu cxhumirenden Leichen selbst mit Hilfe des Todtengräbers nicht ermittelt werden konnten; erst nach langein Suchen und vergeblichem Aufgraben gelang es, eine der ge- suchten Leichen zu finden, die auch sofort von den anwesenden Gerichtsärzten sezirt wurde. Die zweite Leiche wurde nicht auf- gefunden. Es geht daS Gerücht, daß L. fich seiner Kind.r da- durch entledigte, daß er fie einige Tage nach der Geburt en scblug und dem Standesbeamten oie Anzeige machte, als(# das Kind auf natürliche Weise gestorben. Ungemüthliches aus Sachsen. Wie die„Dresdener Nachr." schreiben, ist vom 1. September für die Stadt Königs- brück, sowie für die Ortschaften Gräfenhain, Höckendorf, Laußnitz und Stenz mit Glauschnitz ein von der Kgl. Amts- hauptmannschaft in Kamenz bestätigtes Regulativ, betreffend die Ausschließung säumiger Abgabenrestanten von dem Besuch« öffentlicher Vergnügungsorte, in Kraft getreten. Kindes, welche wurde, dritten das Verbrechen weiter ruchbar, Kriefkasten der Redaktion. Burg. Eine Frist ist nicht bestimmt. Sie können die Petitton beim Zusammentritt des Reichstags an das Burc-u desselben senden. A. St. Die Zeitung verttitt die Interessen der„national« liberalen" Partei. I. M. Da können wir nichts thun, interpelliren S* den Herrn in einer Versammlung. Theater. Opernhaus. Heute: Die Hochzett des Figaro. Schauspielhaus. Heute: Undine. Deutsches Theater. Heute: Die Welt, in der man fich langweilt. Krtedrich-Wilhelmstädttsches Theater. Heute: Der Großmogul. Refideuz-Theater. Heute: Theodora. Wallner-Theater. Heute: Sie weiß etwas. Belle-Alliauee-Theater. Heut«: Ein weißer Rabe. Walhalla-Operetteu-Theater. Heut«: Die Glocken von Comeville. Viktorta-Theater. Heute: Messalina. Central-Theater. � r r � � Alte Jakobstraße 37. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Zum 45. Male: Die wilde Katze. GesangSposse in 4 Wen von W. Mannstädt, Mufik von G. Steffen«. LontsenstädtischeS Theater. Dlrellion: Jos. Firmans. Heute: DaS Glöckchen des Eremiten. Oftend-Theater. Heute: Die Schule des Lebens. Kdntgstädtisches Theater. Heute: Gastspiel der Liliputaner. Die kleine Baronin. Theater der Reichshallen. Täglich: Aufreten sämmtlicher Spezialitäten. Ameriean-Theater. Täglich: Austreten sämmtlicher Spezialitätm. Kaufmann'« VrnrleM. Täglich; Große Spezialitäten-Vorstellung. Konkordta. Täglich: Austreten sämmtticher Spezialttäten und theatralisch« Vorstellung. Arbettsmsrkt. Ein Sohn anständiger Eltern, der Lust hat. Mechaniker und Metalldreher zu lernen, sowie ein tücht. Gürtler, der an der Drehbank firm ist, werden verlangt. P. Roack, Schön- hauser Allee 158._(2194 Korbmachergesellen auf Rohrkiepen verlangt 2182! Holze. Manteuffelsttaße 65. KorbmacberecRellen rlangt C. Sch ulz, Prinzenstraße Nr. 46. [2190 Ges. Sohl. Blt. Ausb. Veteranenstraße 12.[2170 schle�Handwerkz. z. verk. Genthinerstr. 42 u. Gerlach. eberstraße 22. 2188 Volksversammlung für Reinickendorf und Umgegend Sonntaq Vormittag 10% Übt im Mülier'schen Lokal, Tegeler Chaussee 14. Tagesordnung:„Arbeiterschutzgesetz und Sonntagsruhe." Referent Reichstagsabgeordneter PaulSinger. 2183 Oeffentl. Volksversammlung für Rummelsburg und Umgegend Sonntag, den 20. September, Vormilttags 11% Uhr, im Lokal des Herrn Ballwien(früher Werner), Rummelsburg. Tagesordnung:„Arbeiterschutzgesetz und Sonntagsruhe". Referenr Herr L a s k e. 2184 Sonnabend Abend 8% Uhr findet eine Uttfamluitg der ffatlonatbtiler k. Große Frankfurter straße 11 statt. Tagesordnung: Die Organisation der Cartonarbeiter jc. Es ist unbedingt Pflicht eines jeden Cartonarbeiters, in dieser Versammlung zu erscheinen.[2192 Die Lohn-Kommission. Eine allgemeine öffentliche General-Versammlung sämmtlicher Zimmerleute Berlins und Umgegend findet am Sonntag, den 20. Sept., Bormitt. pünktlich 10 Uhr, in der Tonhalle, Friednchstr. 112, statt. Tages-Ordnung: Die Stellung der Zimmerleute Berlins zu einer Lohn- Erhöhung im nächsten Frühjahre.[2186 Nur allein von der Betheiliguna an dieser Versammlung wird es abhängen, diesbezügliche Beschlüsse zu fassen. Die Herren Arbeitgeber find zu dieser Versammlung Höf- lichst eingeladen. Die Lohn-Kommisston. I. A.: I. Settzt, Bmnnenstraße 33. Fachvereln der Tischler. Sonnabend, b. 19. September, Abends 8'/, Uhr, in Jordan'« Salon, Reue Grünstr. 28, Vereins Ver sawmlnng. Tages-Ordnung: Vortrag de» Herrn Dr. phil. Max Baumgart über:„Die Trauer um die Todten bei den ver- schiedenen Völkern der Erde." Diskusfion. Fragekasten.— Gäste willkommen.[2185] Der Vorstand. Eine fteundl. Schlafstelle Fürstenstr. 1 bei Wollenweber. 2187 Versammlung des Fachver.t. Schlosser u.Berufsg. Eonnabend, d. 19. Sept., Abends 8% Uhr, bei Gratweil, Kommandantenftraße 77—79, oberer«aal. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Canitz:„Wesen und Werth der Naturheilkunde". 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Wahl eines Arbeitsnachweis- Kommisstons'Mttgliedcs. 4. Verschiedenes und Fragelasten.[2191 Die Mitglieder werden auf den Vortrag besonders auf» merksam gemacht. Der Vorstand. _ G. Teste. Der Zentral- Arbeit»- Wachweis des Fachvereins der Tischler befindet fich Mit Zakodstraße 38. Die Ausgabe der Adressen findet statt an Wochentagen (mit Ausnahme des Sonnabend) von 8%— 9% Uhr Abends- An Sonntagen von 9—11 Uhr Vormittags. 2036 Der Vor stand. 38. Kommunal-Wahlbezirk. Diejenigen, welche gewillt find, bei der Vertheilung der Flugblätter zur Stadtoerordnetenwahl mit thätig zu fein, mögen fich melden bei Woyak, Schuhmachermeister, Müllerstraße 12. 1 Ladentisch, 2 Meter lang, mit 20 Schubkästen, 1 Repo- fitorium mit 12 Schubkästen und Fächer und 1 gutes Billard billig Wienerstraße Nr. 40 bei Q u e d n o w.|2193 Möbel-, Spiegel- u. Polsterwaaren-Magazin von A. Franke, 46 Wasserthorstrasse 46, empfiehlt nur reelle, gediegene Arbeit. Eigene Werkstatt. Solide Preise. Auch Theilzahlung.[2176 59 Verantwortlicher Redakteur R. Tronbet» in»erlin. Druck und»erlag von Max vadtng w Berlin 8W„ Beuthstraße 2. 1