Mr. SIS. Konnabend, den 19. September 1883. II. Jahrg. Jl erlimMMIl Drgsn für die Jntereffr« der Arbeiter. 4 Da»„Berliner Volksblatt" nach Sonn- und Festtagen. Wonnementtprei» für 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Pvstabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungSpreiSlist« für 1885 unter Nr. 746.) MJ03 t» haupteten Zwickau-Land, wo Stolle an Puttrich's Stelle ge- wählt wurde, fie eroberten Dresden IV. und Chemnitz-Land, wo Kaden-Dresden resp. Geyer- Großenhain siegten. Dafür unterlag aber Liebknecht in Leipzig-Land. Die Sozialdemokratie erzielte außerdem in Dresden I. und V. sowie in Chemnitz l., Glauchau, Plauen und Tharandt-Land ansehnliche Minoritäten. In den 3 Dresdener Wahlkreisen, die diesmal in Frage kamen, entfielen bei den letzten Wahlen von 6187 abgegebenen Stimmen 2396 auf die konservative, 97 auf die national- liberale, 2134 auf die fortschrittliche und 1566 auf die sozialdemokratische Partei, während diesmal von 8218 Wählern, die ihr Wahlrecht ausübten, 3418 konservativ, 402 freikonservativ, 459 nationalltdcral, 1577 freifinnig und 2362 sozialistisch wählten. Das bedeutet einen erheblichen Rückgang der stcifinnigcn Stimmen in der Refidenz Sachsens. Da» Verfahren der Staatsanwaltschaften in ihrer Stellung als öffentliche Ankläger hat in letzter Zeit wiederholt die Kritik herausgefordert. Der„Voss. Ztg." geht folgende Zuschrift zu, in der dieS Versahren zu rechtfertigen versucht wird: Wie die„Voff. Ztg." bereits in Nr. 407 unter der Rubrik„Neueste Entscheidungen des Reichsgerichts in Strafsachen" kurz mitgetheilt hat, hat das Reichsgericht am 16. Juni 1885 gelegentlich des gegen einen Geistlichen er- hobenen Vorwurfs unmoralischen Lebenswandels entschieden, daß darin, daß ein Beamter oder Religionsdiener einer außer- dienstlichen Handlungsweise beschuldigt wird, welche, wenn die Beschuldigung wahr wäre, ihn der Berufsstellung unwürdig erscheinen lassen oder eine Bestrafung, sei es im ordentlichen Strafverfahren oder im Disziplinarverfahren, rechttertigen würde, an fich noch nicht der Thatbcstand einer„in Beziehung auf den Berus" desselben verübten Beleidigung zu finden ist, und deshalb die vorgesetzte Behörde zur Stellung eines Ettaf- anttages in derartigen Fällen auf Grund des§ 196 Str.-G-B. nicht für berechtigt zu erachtm sei. In Uebereinstimmung mit diesem Grundsatz gehen die Staatsanwaltschaften im Allgemeinen(!) von dem Grundsatze aus, daß nur solche Beleidigungen öffentlicher Beamter, welche in Beziehung auf deren Beruf geschehen find, aus Rückficht auf das öffentliche Interesse von Amtswcgen verfolgt wcrdm, daß dagegen überall da, wo die vorgesetzte Dienstbehörde gemäß obiger Ausführung zur Stellung eines Strafanttages nicht befugt sein würde, dre Strafverfolgung von Amtswegen als nicht im öffentlichen Interesse erforderlich er. achtet, und deshalb der Beleidigte gemäß§ 414—416 St-P.-O. auf den Weg der Privatllage verwiesen wird. Diese Erwä- gung dürste auch wohl dem Bescheide zu Grunde gelegen haben, durch welchen jüngst seitens der Staatsanwaltschaft zu Nordhausen die Erhebung der öffentlichen Klage wegen Be- leidigung des kgl. AmtSgerichtSrathes Lerche abgelehnt worden ist. Die Eigenschaft desselben als„Abgeordneter" könnte in gleicher Weise nur dann die Erhebung der öffentlichen Klage wegen Beleidigung desselben rechtfertigen, wenn die Beleidr- gung in Beziehung auf den Beruf als Abgeordneter erfolgt wäre, was bekanntlich nicht der Fall ist. Es läßt sich nicht verkennen, daß die in dem reichsgcrichtlichen Erkenntniß aus- gesprochene Anschauung, obgleich fie vollständig auf dem Boden des Gesetzes steht und dem Sinne der Strafprozeßordnung entspricht, mit den im Publikum herrschenden Vorstellungen nicht im Einklang steht. Letzteres ist geneigt, ein„öffentliches Interesse" im obigen Sinne überall da anzunehmen, wo einer vermöge ihrer Lebensstellung irgendwie hervorragenden Per« sönlichkeit eine Kränkung widerfährt, und hieraus erklärt fich vollkommen, weshalb jener ablehnende Bescheid der Staats- anwaltschaft zu Nordhausen im Publikum Befremden hervor- rufen konnte. Verboten in Elsaß- Lothringen wurde das in Paris erscheinende„Petit Journal". Das„Petit Journal" war die in Elsaß- Lothringen meistverbrcitete Zeitung. Die in Elsaß- Lothringen erscheinenden Blätter werden wemg von dem Verbot profitiren, vielmehr dürften die in Paris erscheinenden Zeitungen» 5 Zcntimes, wie„La Paix" k. vorerst den Leserkreis des„Petit Journal" an sich ziehen. ZünftlerischeS. Der Regierungspräsident zu Frank- furt a. O. publizirt folgenden Erlaß: Auf Grund des§,100 e Nr. 3 der Reichs- Gewerbe- Ordnung in der Fassung des Reichs- gesetzes vom 8. Dezember 1884 bestimme ich hierdurch für den Bezirk der reorganifirten Tischler-Jnnung zu Forst N.-L., unter dem Vorbehalt des Widerrufs, daß Arbeitgeber, welche daS Tischlergewerbe betreiben und selbst zur Aufnahme in die Innung fähig sein würden, gleichwohl aber der letzteren nicht angehören, vom 1. Oktober d. I ab Lehrlinge nicht mehr an- nehmen dürfen.— Sofern später innerhalb des oben bezeich« neten Bezirks für den gleichen Gewcrbszweig eine Innung neu gebildet oder eine bereits bestehende Innung reorganifln werden sollte, tritt die vorstehende Bestimmung für diezenigen Obgleich sie unangefochten auf dem gewöhnlichen Wege nach dem Hofe hinauf hätten gehen können, so mußten sie doch wohl eine Entdeckung befürchten oder wenigstens nicht für wünschenswerth halten, denn ihre Bewegungen waren so überlegt und geräuschlos, wie man e» ihrem herkulischen Körperbau schwerlich zugetraut hätte. Auch hatten sie, um in keiner Weise im Gebrauch ihrer Glieder gehindert oder beschränkt zu sein, außer ihren Waffen, Alles, selbst ihre kostbarste« Geschenke abgelegt und auf dem Ufer des Flüß- chenS zurückgelassen. Kaum war nun der letzte von ihnen auf der andern Seite der Pallrsaden verschwunden, da richtete sich in ge- ringer Entfernung eine andere, bedeutend kleinere Gestalt aus dem Grase empor, und nachdem dieselbe einen Augen- blin gelauscht, schoß sie mit der Geschwindigkeit einer Katze, welche auf ihre Beute einspringt, auf die Pallisaden zu, und zwar nach derselben Stelle hin, auf«elcher die Mohaves über dieselben hinübergestiegen waren. Dort verharrte sie wieder eine kurze Zeit lauschend, und dann die eine Hand dem Munde nähernd, stieß sie das durch- dringende Zirpen einer Mauergrille aus. Auf diese» Signal näherte sich fast augenblicklich im Schatten des Pfahlwerks, aus der Richtung von der Einfahrt her, eine zweite Gestalt, die sich dicht neben die erste hinstellte. Einige Worte wur- den sodann im leisesten Flüsterton gewechselt, worauf der zuletzt Angekommene sich schnell bückte, die Füße seines Gc- fährten umklammerte und ihn dann nach dem obern Rande der Einfriedigung hinaufhob. Leicht und gewandt, wie die MohaveS vor ihm gethan, 8 litt auch dieser in den Hof hinab. Ein leiseS Klopsen an em Holz bekundete, daß er in Sicherheit sei, worauf der Zurückgebliebene die von seinem Gefährten hinterlassene Büchse an sich«ahm, auf einem Umwege nach dem Schutz gewährenden Ufer des TimpanogaS zurückschlich und sich dort so verbarg, daß er die Rückwand des GefängniffeS beständig im Auge behielt. Mehrere Minuten hindurch herrschte jetzt ringsum eine solche Stille, als wenn nicht nur die wenigen daheim ge- bliebenen Bewohner des Forts, sondern auch die schwerfäl- ligen und zum Theil windschiefen Bauwerke selbst in einen Gewerbetreibenden, welche einer derartigen Innung beitreten, außer Kraft. — Die Schneiderinnung zu Chemnitz hatte vor einigen Tagen die Schneidergesellen zu einer Versammlung eingeladen, in welcher dieselben einen Gescllenausschuß wählen sollten. Die Gesellen erklärten jedoch, daß fie nicht gewillt seien, fich als ein Anhängsel der heutigen Innungen zu betrachten, deren Bestrebungen und Ziele ihnen vielleicht besser bekannt seien als manchem JnnungSmeister. Die Versammlung lehnte die Wahl eines Gcsellenausschuffes in Folge dessen emstimmig ab. Aus Hinterpommern, 16. September, schreibt man der „N. Stett. Z.": In köslin und in Kolberg herrscht unter den Restaurateuren eine gewisse Erregung, werl man fich in Re- giemngskreisen mit der Frage beschästigen soll, ob eS nicht raihsam sei, die Polizeistunde von 11 Uhr schon auf 10 Uhr Abends festzusetzen. Jedenfalls dürste die Maßregel dann auf den ganzen Regierungsbezirk ausgedehnt werden. Die Verordnung dürfte, abgesehen von den Winhen, für viele Ki eise von einschneidender Natur sein, da z. B. viele Geschäfts- Häuser erst spät ihr Geschäft schließen und die Inhaber wie deren junge Leute dann erst Zeit zu einem Plauderstündchen und einem Erholungsschoppen haben. Ausweisungen hüben und drüben. In diesen Tagen traf. wie der„Graudenzer Gesellige" meldet, in Briefen(Westpreußcn) ein junger Kaufmann ein, welcher zusammen mit über 100 preußischen Staatsangehörigen aus Rusfisch-Polen ausgewiesen worden ist. Nach der von ihm gemachten Mittheilung ist er gefesselt und durch Gendarmen bis nach Alexandrowo ttans- vortirt worden; der Rest seines Gehalts wurde ihm abgenommen und zu den Transportkosten verwendet. Oesterreich-Ungarn. Wie das Wiener„Fremdenbl." vernimmt, ist der Haupt- mann Baron Potier wegen des Verbrechens der Hintansetzung von Dienstvorschriften durch Mittheilung geheim zu haltender Maßregeln an Unberufene vom Militär- Obergericht zu ein- jährigem verschärften Kerker mit Entsetzung aus der Offizier- charge verurtheilt worden. Belgien. In den nächsten Tagen wird in Brüssel wiedemm ein Kongreß abgehalten werden und zwar der Kongreß für inter- nationales Handelsrecht. Fünfzehn auswärtige Regierungen und zwar: Frankreich, England, Italien, Rußland, Vereinigte Staaten, Niederlande, Spanien, Portugal, Schweiz, Türkei, Rumänien, Schweden und Norwegen, Großherwgthum Luxem- bürg, Japan, Argentinische Repudlick haben osfizrelle Vertteter angemeldet. Der Kongreß, der vom 27. d. Mts. ab im neuen Athenäum zu Antwerpen unter des Staatsministers Baron Lambermont Vorfitz tagt, zerfällt in 2 Sektionen, eine für das Wechselreckt(Vorfitzsnder Staatsminister Pirmez), eine für das Seerecht(Vorfitzender Deputirter Jacobs) mit 4 Unterabthei- lungen. Außer den zahlreichen belgischen Körperschaften nch- men folgende auswärtige Theil: Die Rcchtsfakultäten der Uni- verfitätcn Bonn, Jena, Wien, Paris, Lille, Angero, Caen, Toulouse, Ural, Lemberg, Kolozwar, Neapel, Genua, Padua; die Anwaltskammern, Lissabon, Kopenhagen, London; die Handelskammern, Patts, Havre, Äouen, Hamburg, Bremen, Lttp- zig, Genua, Venedig, Riga, Genf, Hull. Die Börsen von Petersburg, Genua, die deutsche, die französische Bank, die ita- lienische Nationalbank, das Institut der schweizerischen Juristen, die englischen Assoziationen für Eozial-Wissenschaft und inter- nationale Gesetze; alle bedeutenderen Sceverstcherunqs-Gesell- schaften, juttstische und fachwissenschoftliche Joumale. Es ist also eine Vereinigung der autorifittesten Kräfte zur Anbahnung der Unifikation des Handelsrechts. Franrreich. Neueren Nachttchten zufolge hat China gegen die von dem franzöfischen Befehlshaber erfolgte Einsetzung eines anderen Königs in Anam prolestttt.— Die vereinigten konservattven Patteien hielten im Pattser Winterzirkus eine Wählerversamm« lung ab. Dieselbe war von ungefähr 5000 Personen besucht. Jeromisten und Blanquisten verursachten Störungen, die in eine ernste Prügelei ausatteten, doch konnte die Versammlung weiter tagen. Bei Verlesung der Kandidatenliste wurde der Name Cassagnacs am meisten applauditt. Der„Jntranstgeant" kann jetzt den Wottlaut eines Bttefes wiedergeben, welchen Olivier Pain angeblich an einen Freund in Kairo geschtteben hat und der erst kürzlich durch einen Fellah in dessen Hände gelangt sein soll. Er soll mit Bleistift auf daS Blatt einer arabischen Agende geschttebcn, ohne Datum und dem Fellah in der Oase KuSkoon übergeben worden sein, wann, ist nicht klar, vielleicht im Juli oder August vor. IS. Olivier Pain schreibt: Mein lieber Freund! Ich bin auf meinen Ausgangspuntt zurückgekehtt. Ich hatte Ihnen übttgens diesen Entschluß an- gekündigt. AlleS geht vottrefflich. Auf Wiedersehen! Frttlich haben wir neue und seltsame Erlebnisse gehabt. Am 3. Juli wurden unsere Freunde von einem Schwärm Soldaten über- fallen, welche mich dott verborgen glaubten, wo ich glücklicher Weise nicht war, und die wackeren Leute beunruhigten, obwohl fie das Verbrechen, mir ein Unterkommen zu gewähren, nicht tiefen Zauberschlaf versunken gewesen wären, aus welchem nur die Posaunen de« jüngsten Gerichts sie zu wecken ver- mocht hätten. Da ettönte hinter dem Gefängniß ein leises Reiben, dadurch erzeugt, daß Rast den obersten losen Holzblock be« hutsam zu sich herein zog. Der Graf und der Baron, deren Spannung den höch- sie» Grad erreicht hatte, holten tief Athem nnd machten ihre Arme frei, um sich zur rechten Zeit auf den Flüchtling stürzen zu können. La Bataille, der vollständig entkleidet, nur einige Schritte weit von ihnen lag, umklammette fester de» Griff seines Messers, und fester hefttten sich die Augen des mit unglaublicher Gewandtheit herangeschlichenen Dela- waren John auf den vor ihm befindlichen Schlange«-Zu« dianer. Der erste Block fiel mit leisem Geräusch nach Zn- nev, worauf Rast auch den zweiten mit leichterer Mühe entfernte. Eine kurze Pause trat jetzt ein; eS war, als ob die Flüchtlinge sich zu ihrem Unternehmen hätten rüsten wollen. Bald darauf wurde in der Oeffnung da« gepreßte Ath- men eines Menschen laut, der Kopf und Schultern langsam in'S Freie schob. „Ist Alles sicher?" stagte Weatherton leise, um sich zu überzeugen, ob der ihm zugesagte Führer ihn schon hier er- matte. „Alles sicher," antwortete der Graf eben so leise. Weatherton wendete erschreckt den Kopf zur Seite, sein Argwohn schwand aber sogleich wieder, al« er die un- bestimmten Umrisse eine» zusammengekauerten Mannes un- terschied. „Reicht mir die Hand, damit ich Euch helfe," fuhr der Graf, vor Austegung kaum noch fähig zu spreche«, flüsternd sott. Weathetton streckte den Arm aus, der Graf faßte den- selben«ach einigem Umhertasten und half ihm wohl woch um einen Fuß vorwärts, dann aber warf er sich mit einer best ligen Bewegung, jedoch ohne die Hand fahren zu lasse«, begangen hatten. Um den Brutalitäten dieser Schergen vor- zudeugcn, und eine Verhaftung zu vermeiden, mußten diese wackeren FellahS 15 Lstrl. bezahlen. Wäre es Ihnen nicht möglich, diese Summe in meinem Namen zurückzuerstatten? Der Mann, der Ihnen diese Zeilen überbringen wird, verdient alles Vertrauen. Er theilte mir außerdem mit, daß der(hier «n unleserliches Wort) Brief an Zobbeir-Pascha, welcher Henri ■flochefort(Sohn) und mir auf meiner ersten Reise mitgegeben worden war und den ich als Autographen bewahrte, auf der Leiche meines Dragomans auS meinem Portefeuille gestohlen worden ist. Setzen Sie schnell Giraud davon in Kenntniß! Er soll daraus gewaltigen Lärm schlagen. Ich habe übrigens «n Gesuch aufgesetzt. Bald mehr. Olivier. Italien. Aus Neapel wird der„Voss. Ztg." unterm 15. d. M. geschrieben: Die Beunruhigung der Gcmüther wegen der Cholera ist hier immer noch sehr groß und machte sich auch geitern wieder in tumultuarischen Ausschreitunnen der niederen Volksllafscn Lust. Mehrere tausend Arbeiter und Fischer basten sich zusammengerottet und zogen unter Führung des uerikalen Arbeitervereins„Leo XIII." vor das RathhauS, wo sie von dem Syndikus Aufklärung darüber verlangten, was er angesichts der drohenden Choleragefahr zu thun gedenke, od er m der nämlichen Unlhätigkeit wie die Regierung verharren wolle. Als der Syndikus die Menge abwies, schickte sich die- selbe an, das Rathhaus in Brand zu stecken. Von allen Seiten wurden Bündel trockener Reiser herbeigeschleppt und um das Rathhaus herum aufgeschichtet. Die Polizei machte diesem Treiben natürlich sehr bald ein Ende, indem sie die Menge mit den Waffen auseinander trieb. Eine Stunde später erschien eine Verordnung der Regierung, welche nicht nur eine sieben- lägige Quarantäne für Provenienzen aus Sizilien, sondern auch eine siebentägige Quarantäne in Sizilien für Provenienzen aus dem Festlande, das verseuchte Palermo nicht ausgeschlossen, an- ordnet. Diese Maßregel hat die Demonstranten sofort beruhigt und in dieser Beziehung wenigstens ihr Gutes gethan. Im Uebrigen ist der Werth der Verordnung aber sehr zweifelhast und dieselbe erfährt eine scharfe Kritik durch die Presse, an der ffch die offiziösen Blätter lebhaft betheiligen.„Popolo Ro- mano" beispielsweise nennt die verbängte Jsolirung dumm und verderblich und wendet sich gegen die gebildeten Klassen Nea- vels, welche, anstatt die niedrigen Leidenschaften zu zähmen, sie durch die eigenen Agitationen aufstachelten und dadurch zeigten, daß sie entartete Söhne besserer Väter seien. WaS die in Sizilien auszuübende Quarantäne wirken soll, ist auch gar nicht einzusehen. — Anläßlich des bereits erwähnten Bäckerstreiks zu Parma sind der Präsident des dortigen Arbeitervereins, Qdoardo Alfieri, und acht Bäckergesellen verhaftet und unter Anklage gestellt worden. Grokbrttannie«. Je näher die Wahlen zum Unterhause heranrücken, um so radikaler geberden sich die englischen Liberalen. Namentlich ist es der Herr Chamberlain, welcher eS allen Anderen zuvor thut. Am 15. d. M. hielt er eine Ansprache an ein Massenmeeting liberaler Wähler in Glasgow, wobei er sich überaus hoffnungS- voll auf die Eiegesaussichten der„liberalen Partei" bei den bevorstehenden Neuwahlen zum Parlament äußerte. Er be- zeichnete es als einen Gegenstand von nationaler Wichtigkeit, daß bei den nächsten Wahlen die Liberalen eine solch beHerr- schende Majorität haben sollten, die sie in den Stand setzen würde, irgend«elcke Vorschläge für die Trennung Irlands von England zu verwerfen. Im weiteren Verlaufe seiner Rede befürwortete Chamberlain angelegentlich die Trennung der Kirche vom Staate. Der Staat, sagte er u. A., ist nicht befugt, eine gewisse Kirche zu unterstützen, weil er dadurch entscheidet, welche Form der Religion die rechte sei, statt es den Nienschen zu überlassen, selber darüber nachzudenken. Wenn die neuen Wähler, fuhr er fort, ihre Gewalten vollständig auS- üben, würden im ganzen Lande bald bessere Zustände vor« banden sein, und die Armen würden etwas Besseres zu erwarten haben, als das Arbeits« Haus.(Dann dürfen aber keine Liberalen gewählt werden. Das Land müsse unter gewissenBedingungen den Arbeitern zurückerstattet werden, ein besseres LokalverwallungSsystem müsse eingeführt werden, d e r Schulunterricht müsse unentgeltlich sein; dann und nicht eher würde die Nation glücklich und gedeihlich und das Volk zufrieden sein.— Bravo, vreimal Bravo! Aber warum ist der Herr Chamberlain nicht vor einigen Monaten zu dieser Erkenntniß gekommen, als er noch Minister war? — Ein weißer Rabe scheint der jetzige Führer der Kon- servativen im englischen Unterhause Sir Michael Hicks- Beach iu sein. Derselbe bat nämlich den Wunsch geäußert, künftighin einfach Sir Michael Beach genannt zu werden. Amerika. Die Vollstreckung des über LouiS Riel, den Urheber der »iigsten Rebellion im nordwestlichen Kanada, verhängten wdesurtheilS ist aufgeschoben worden, bis der Geheime Öl auf ihn, indem er den Baron aufforderte, ihm beizustehen Und ihm die Stricke zu reichen. Der Angriff geschah so plötzlich und unerwartet, daß Weatherton augenblicklich jede Gelegenheit genommen war, Widerstand zu leisten oder sich in das Gefängniß zurückzuziehen, und kaum fand er noch so viel Zeit, das Wort «Verräher!" mit lauter dringender Stimme auszurufen, als auch schon der Graf ihn niederdrückte und schwer auf seinem Tenick kniete. Wenn Weat herton mit kältestem Blute auf ein Mittel Sonnen hätte, sich schnell aus der mißlichen Lage zu be- ien, so würde ihm schwerlich gelungen sein, eins zu ent- decken, welches auch nur annähernd eine ähnliche Wirkung gehabt hätte, wie der Ausruf„Verräther", den die Ueber- Waschung und der Schrecken ihm auspreßten. Es war, als habe das Wort, welches er einst in New- �ork, als die Fallthür unter ihm wich, ganz mit demselben Ausdruck rief, hier eine eigenthümliche Zauberkraft besessen, denn noch hatten sich seine Lippen nicht wieder geschlossen, da prallten die beiden Angreifenden zu beiden Serien von ihm ivM, als seien sie von einem tödtlichen Streiche getroffen Und ihre körperlichen und geistige« Kräfte plötzlich gelähmt worden. Weatherto», gedrängt von Rast, welchen die Wuth der Verzweiflung ergriffen hatte, fand dadurch Zeit, ganz hinaus- iNkriechen und sich aufzurichten. Aber auch jetzt wäre es "och um ihn geschehen gewesen, wenn der Zufall, oder viel- wehr die da» Fort auf einen Tag entvölkernde Taufe, die '9m zum Verderben gereichen sollte, nicht auch seine Freunde Rechtzeitig herbeigeführt hätte, und zwar Freunde, bei deren Unbegreiflichem Scharfsinn e« nur eines oberflächlichen Hin- vlicks bedurfte, um alle gegen ihn eingeleiteten Umstände für '9« auszubeuten. Die Delaware« und Falk sowohl, wie die MohaveS, welche letztere ihr an Hertha gegebenes Wort einlösen woll» wn, hatten ursprünglich den Plan gebegt, einfach über die Pallisaden in den Hof einzudringen, den vor dem Gefängniß aut und der Augenlieder unter Umständen nützlich sein kann, bei Erkrankungen des innern Auges aber völlig nutzlos ist; derselbe kostet inklusive Porto 7,45 M., während er nach der Arzneitaxe aus jeder Apotheke für 1,68 M. zu beziehen wäre.— In diesem Falle, wie bei dem Geheimmittel. Unwesen im Allgemeinen verdient darauf hingewiesen zu werden, daß sich stets Apotheken finden, in denen diese Geheimmittel hergestellt werden. Die Salomon'schen Geheimmittel werden z. B. in der Apotheke„zum Greif" hergestellt. Die Apotheker sind eine mit besonderen Privilegien ausgestattete Klaffe von Gewerbetreibenden; wäre es nicht in der Ordnung, diese pri- vilegirten Herren für das Geheimmittel-Unwesen mit verant- wortlich zu machen? Ohne Beihilfe der Apotheken können überhaupt keine Geheimmittel hergestellt werden. Bezüglich der Krankenversicherung der Angestellten im Gastwirthsgewerbe hat die Gewerbe-Deputation des hiesigen Magistrats dem„Gastb." eine bemerkenswerthe Auf- kläruna zugestellt. Es find wiederholt Fälle vorgekommen, in denen Restaurateurc zc. die in ihrem Gewerbebetriebe verwen- Veten Dienstmädchen und Köchinnen bei der Ortskrankenkaffe nicht angemeldet haben, weil die Arbeitgeber in Betreff ihrer Dienstboten dem Abonnements- Verein Berliner Dienstherr« schasten beigetreten find. Nach der Mittheilung der Gewerbe- Zuerst die nach dem Flußbett hinschleichende Gestalt La Bataille'S, und später das Ausspähen der vor der ausge- sägten Oeffnung lauernden Wachen hatten die Delaware» veranlaßt, ihren eigentlichen und wohl durchdachten Plan zu ändern, während die MohaveS, welche nicht ahnten, daß außer ihnen auch noch andere Menschen die Verein- samung des Forts zu ihren Zwecken zu benutzen gedachten, ruhig auf dem von ihnen eingeschlagene« Wege weiter- schritten. DaS unerwartete Erscheinen Kairuk'S und seiner Krie- aer, und der Umstand, daß sie sich nicht auf dem gewöhn- lichen Wege in das Fort begaben, hatte die Delaware» zwar anfangs etwa» verwirrt; da sie aber die Ueberzeugung heg- ten, daß dieselben von nichts weniger als feindlichen Ab- sichten gegen Weatherton geleitet werden konnten, so ge- brauchten sie nur die Vorsicht, sich zu»rennen, so daß der Schwarze Biber, um sie zu beobachten, ihnen auf dem Fuße nachfolgte, während Zohn den Schlangen-Jndianer nicht au» seinem Bereich ließ, Falk dagegen, um nicht durch irgend ein unfreiwilliges Geräusch La Bataille seine An- Wesenheit zu verrathen, auf dem rechten Ufer des Flusse» auf weitere Zeichen und Anordnungen der Delaware« harren sollte. So standen also die Sachen, als der Graf und der Baron, durch den Ausruf Weatherton'», der noch als ein folterndes Gespenst in ihrer Erinnerung fortlebte, bis in das innerste Gewissen getroffen, zurückfuhren und vor Ent- setzen gleichsam zu Bildsäulen erstarrten. Kaum fühlte nun Weatherton sich wieder frei, sosprang er plitzschnell empor; mit ihm zugleich erhob sich aber auch der Schlangen-Zndianer. Derselbe setzte zum Sprunge an, die mit dem Messer bewaffnete Faust hob sich zum Stoß empor; in demselben Augenblick aber, in welchem er sich nach vorn bewegte, fühlte er den einen Fuß oberhalb des Knöchels fest umspannt, und mit der ganzen Gewalt, welche er bei seinem Sprunge aufzubieten gedachte, stürzte er lang »uf das Geficht nieder. Er wollte sich wieder emporrichten, der Feind aber, der ihn niederhielt, war ihm an Gewandtheit und Kraft weit überlegen, und zudem fühlte er auch, daß ihm die Deputation kann diese Vereinigung die Arbeitgeber nicht von der Anmeldung bei der Ortskrankenkaffe entbinden, wen nur die Mitgliedschaft des Dienstboten bei einer Jnnungskasse oder einer dem Kranken- Verficherungsgesetz entsprechenden ringe- schriebenen Hilfskaffe oder einer auf Grund landesrechtlrcher Vorschriften errichteten Hilfskasse von dem Eintritt in die Ortskrankenkaffe befreit. Es ist daraus zu entnehmen, daß der S 2 des Regulativs, betr. die Gemeindekrankenversicherung in Berlin, nicht auf die im Gast- und Echankwirthsckaftsbetrieb beschäftigten Personen anwendbar ist, daß dieselben demnach nicht nur berechtigt, sondern als gewerbliche Arbeiter verpflichtet find, einer der gesetzlich anerkannten Kranlenkassen beizutreten. Eine Unterlassung der Anmeldung wird am Arbeitgeber mit einer Strafe bis zu 20 M. geahndet. „Ran soll das Alter ehren"— so lehrt man der Iu- aend. Laßt uni einmal sehen, wie dies die Gesellschaft ins Praktische übersetzt. Ein Mann, der Jahre lang an einer Stelle gearbeitet hat, für einen Lohn, gerade hinreichend, um einigermaßen leben zu können, geräth durch schlechten Geschäfts» gang außer Arbeit. Er ist 58 Jahre alt, und nun steht er auf der Straße. Täglich streift er herum, um anderswo Be- schäftigung zu suchen. Er kann gute Zeugnisse vorlegen. Ueberall schüttelt man den Kopf, sobald man hört, daß er 58 Jahre alt ist. Eine Staats- oder Stadtanstelluna— daran ist nicht zu denken, denn er ist: zu alt. Und wir können es den Leuten nicht übel deuten, welche die Wahl zwischen flinken, jungen Leuten haben, daß sie diesen den Vorzug geben vor einem Manne, der seine besten Kräfte im Dienste Anderer verbraucht hat. Wo soll er hin, wenn er nicht bei seinen Kin« der» leben kann? Für ein Greisenasyl ist er zu— jung. Für eine Beschäftigung ist er zu— alt. Wo soll er hin? Er muß doch auch leben! Vergebens durchirrt er die Stadt; langsam verzehrt er seine Ersparnisse. Er fühlte sich noch stark, als er aus der alten Stellung kam; aber die Unsicherheit über die Zukunft unterminirt ihn und er kommt zurück, täglich zurück. Noch hat er ein Unterkommen, aber er sieht die Zeit nahen, wo er daraus vertrieben wird. Was bleibt ihm dann übrig? Ueber dem Haupte der bloße Himmel— das ist dann das Dach des Unglücklichen. So geht er Tag für Tag, bei Sonnenschein und Regen, bei Hagelschauer und Schneegestöber. Ein trauriges Resultat nach mehr als 35jähriger Arbeit!— Zu alt! Zu alt, um zu arbeiten. Er findet es nicht, denn er fühlt sich kräftig genug. Aber die, bei denen er vorspricht, finden es, und Niemand nimmt ihn. Was bleibt ihm übrig? Er muß stehlen oder er gebt dem Hungertode entgegen. Was geht das die Herren an? Was kann das die Gesellschaft küm- mern? Stiehlt er— nun, so ist ja das Gefängniß da. Stirbt er— so findet sich schon ein Stück Erde für ihn— daS er mit Andern theilt. Man kümmert sich um solche Dinge nicht. Eo wird das Alter geehrt! g. Den armen gefiederten Bewohnern unserer Wälder ist einmal wieder der Krieg in furchtbarer Weise erklärt worden, weil es die Laune der— Mode so haben will. Die Damen- weit hat fich für die Anbringung ganzer Vogelbälge oder auch nur von Flügelpaaren an ihre Hüte erklärt und der Etaußen- fever, welche bisher als Schmuck der Hüte dominirte, den zweiten Rang eingeräumt. So kommt es denn, daß die armen Walddewohner zu Tausenden und aber Tausenden gemordet und nach Berlin gesandt werden, wo ihr Balg kunstgerecht verarbeitet wird. Zu jenen Vögeln, welche ihr Leben in erster Reihe für die Befriedigung der Putzsucht lassen müssen, ge- hören die Lerchen, Schnepfen, Staare und Tauben. ES folgen alsdann Möven, kleine Papageien und die Kolibri's. Einen ungefähren Begriff von dem großen Umfange, welchen die Massenmorde vorgenannter Vögelgattungcn haben müssen, erhält man, wenn man die in unseren Fantastefederfabriken zur Verarbeitung kommenden Vogelbälge sieht. Zu ganzen Bergen werden die Federn entfärbt, um ihnen dann durch einen chemischen Prozeß jede beliebige Farbe zu geben. Sollte es denn hier kein Mittel geben, einer der« artig raffinirten Ausrottung wenigstens unserer deutschen Wälder ein Ziel zu setzen? Es ist rein Wunder, wenn man lauschige Waldungen und üppige Fluren betritt und nur selten den Herz und Gemüth erquickenden Gesang der Vögel ver- nimmt oder die Natur durch diese lieblichen Geschöpfe belebt sieht. Daher sollte man endlich davon abkommen, den Vögeln ihr Leben zu nehmen, um einer Laune zu genügen, die bei der weit vorgeschrittenen Kunst andere Mittel zu ihrer Befriedigung finden kann. Der„falsche" Militärarzt. Vor etwa drei Monaten kam zu dem hiesigen Jnstrumentenfabrikanten M. ein junger Mann von kleiner, untersetzter Figur, sicherem Auttreten und eleganten Manieren, stellte sich als Asfistenzarzt Dr. Winkler vom Kaiser Franz Regiment vor, bezog fich auf Aerzte, welche bei Herrn M. Konto haben, und wünschte seine chirurgischen Instrumente zu vervollständigen. Dem neuen Kunden, der die Uniform eines Militärarztes trug, wurde sofort eine Anzahl der besten Instrumente vorgelegt, aus welchen derselbe seine Aus- wähl traf mit dem Versprechen, die über 300 M. betraamde Rech- nung in Raten am 1. jedes Monats abzuzahlen. Nach einiger Zeit kam der Herr Doktor, abermals in Uniform, zu Herrn M. Spitze eines Messers in das Genick drang, mit der un« zweifelhaften Bestimmung, ihn bei der geringsten Bewegung zu durchbohren. Bis jetzt war noch kein Wort gesprochen worden, und außer dem schweren Fall, welchen La Bataille gethan, halte da» Geräusch der Ringenden kaum einen Umkreis von fünf- undzwanzig Schritten durchdrungen. Als aber Falk herbeisprang, Raft dagegen sich mit einem erbitterten„Goddam' vor der Oeffnung aufrichtete, und elfterer, den Bootsmann an der Sprache erkennend, nach Wea- therton fragte, da wußte dieser, daß er sich unter Freunden be- fand. Durch den vorhergegangenen Angriff auf seine eigene Person aber, welche er sich vergeblich bemühte, mit dem Erscheinen seiner Freunde und dem ihm eingehändigten Briefe in Zusammenhang zu bringen, war er so mißtrauisch und vorsichtig geworden, daß er Falk nur mit einigen leise geflüsterten Worten begrüßte und ihn zugleich um Aufllä» rung und Mittheilung der weiteren Pläne bat. „St, keinen Laut, Mr. Weatherton," oersetzte Zohn, der es nicht wagen durste, den unter ihm liegenden La Ba- taille loszulassen;„paßt auf," fuhr er dringend zu dem Maler gewendet fort,„schlagt Jeden zu Boden, der zu ent- fliehen sucht! Verdammt, em Wespennest! Ich sage Euch, paßt auf, da flehen sie dicht hinter Euch, zu beiden Seiten der Fuchshöhle, stoßt ihnen das Messer in den Hal», wen« sie Miene machen, zu entfliehen oder auch nur einen Laut von sich zu geben." „Aie, Nie, Herr!" antwortete Raft, der in Ermange» lung einer besseren Waffe eines der abgesägten Balkenenden mit herausgebracht hatte und jetzt, nachdem er sich von seiner erste« Verrvirrung und dem darauf folgenden Erstaunen erholt, vollständig bereit war, Zohn'S Rathschlägen sogleich Folge zu leisten. „Wir sind keine Feinde," bemerkte der Graf jetzt leise, und seine bebende Stimme rief bei Weatherton dunkle Er» innerungen wach,„wir wollen Euch eben so wenig verrathen, wie feindlich angreifen; wir hätten Beides mittelst unserer Revolver thun können, ohne daß Jemand im Stande ge» wesen wäre, uns zu hindern." (Fortsetzung folgt.) I und theilte ihm mit, daß er daS von Hause erwartete Geld noch nicht eryalten habe, jedoch am nächsten Ersten beide Raten zahlen werde. Inzwischen sei ihm das Malheur pasfirt, daß ihm die kürzlich erst gekaufte Verbandtasche gestohlen worden, und daß er daher eine andere brauche. Er suchte fich auch eine noch größere Verbandtasche aus, ließ sie mit den zu einem chirurgrschen Besteck erforderlichen Instrumenten ausstatten und vorläufig zur Anficht fich nach Hause schicken. Zahlung erfolgte indessen nicht; dagegen wurde aber Herrn M. von einem Zigarrenhändler aus der Pionierstraße mitgetheilt, daß der„Herr Doktor" die Verbandtasche bei ihm auf eine Zigarrenschuld verpfändet habe, daß derselbe gar nicht Asststenzarzt beim Kaiser Fran,- Regiment sei und die Uniform eines solchen ohne jede Berechtigung trage, da er überhaupt nicht Arzt, sondern... ein relegirter Student sei. Weitere Ermittelungen destätigen vollauf diese fatale„Enthüllung". Der aus Mitlen walde gebürtige, jetzt 25jährige Winkler hatte an der biefigen Universität Medizin studirt, im Jahre 1880 bei dem Garde Füfilier-Regiment als Einjährig- Freiwilliger ein halbes Jahr mit der Waffe gedient und war dann als Lazarethgehilfe zur Reserve entlassen worden. Die Studircndcn der Medizin dienen nämlich ein halbes Jahr mit der Waffe und das zweite Halbjahr nach Absolvirung deS ärztlichen Staatsexamens als freiwillige Unterärzte. So weit war aber Winklcr gar nicht gekommen; denn bald nach der Wiederaufnahme seines Studiums wurde er von der Univerfität relegirt und wandte fich, da seine Kaniere damit zerstört war, der ärztlichen Hochstapelei zu, in» dem er in der Uniform eines Militärarztes eine Reihe von Geschäftsleuten um größere und geringere Summen betrog. So hat er. wie wir seiner Zeit berichteten, einem Uhrmacher in der Jnvalidenstraße eine goldene Uhr entlockt, ferner— so weit bis jetzt festgestellt ist— einem zweiten Instrumenten- wacher, den vorerwähnten Zigarrenmacher, einen Wäschehändler in der Werdcrstraße und wahrscheinlich auch den Lieferanten seiner militärischen Equipirung beschwindelt. Andere Betrogene dürften fich inzwischen wohl noch melden. Gegen den ingen tösen Hochstapler ist, da weder von ihm noch von seiner in Konkurs befindlichen Mutter Schadenersatz zu erlangen ist, die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gemacht und die Unter- suchung eingeleitet worden. g. Die Arten der Fälle von Vergiftungen, welche im verflossenen Verwaltungsjahre des städtischen allgemeinen Kranken- hauseS im Friedrichshain zur Behandlung kamen, waren fol- gende: mit Schwefelsäure(5), Salzsäure(1), Axalsäure(5), Carabolsäure(1), Ammoniak(1), Phosphor(3), Morphium(3), Kohlenoxyd(2), Anilin(1), Bleivergiftung(41). i. Der Mörder Schunicht wird, wie verlautet, in den ersten Tagen der jetzt bevorstehenden Schwurgcrichtsperiode ab» geurtheilt werden- für die Verhandlungen ist nur ein Tag an» gesetzt worden. Sch. bcharrt bei seinem System des Leugnens. Bei der letzten Vernehmung, in welcher er mit dem Dienstmann, der das Sparkassenbuch verfilberte, konsrontirt wurde, äußerte er Herrn Rath Hollmann auf die Frage, weshalb er denn so energisch jetzt leugne, waS er früher zugestanden:„Dazu habe ich meme Gründe!" Bei dieser Aeußerung beharrt er permanent. DaS NeichSpostmuseum wird jetzt durch einen Erweite» rungsbau nach der Gegend des Postzeitungsamtes in der Rich- tung der Mauerstraße bedeutend erweitert. Nach Beendigung des Baues werden für die Zwecke des Postmuseums zwölf neue Zimmer geschaffen sein. Wie soll ein gutes Weib beschaffe« sein? Für die- jenigen unserer Leserinnen, welche ihrer Verehelichung noch hoffnungsvoll entgegensehen, wird folgendes kleine Register weiblicher Tugenden von Interesse sein, welches ein anspruchs- loser junger Mann alS Minimum berechtigterForderungen an seine zukünftige Ehehälfte zusammengestellt hat. Nach ihm soll ein gutes Weib sein:„Angenehm, artig, anmuthig, achtbar, aufrichtig, beschei» den, bedächtig, belesen, beliebt, beharrlich, bewährt, brav, de- müthig, dienstwillig, dankbar, ehrbar, edelmüthig, einfichtsvoll, enthaltsam, ergeben, freundlich, fleißig, fromm, fnedfertig, fehler- frei, frcimüthig, geduldig, gesprächig, gesellschaftlich, gütig, ge- fittig, gebildet, gesund, gehorsam, gefühlvoll, geistvoll, gelassen, genügsam, gewandt, gewissenhaft, heiter, häuslich, herzlich, harmlos, hold, hilfreich, innig, interessant, jung, keusch, kindlich, kräftig, liebenswürdig, liebreich, leutselig, milde, manierlich, mäßig, musterhaft, mitleidig, nachfichtig, nachgiebig, nett, ord- nungslicbend, pflichttreu, pünktlich, qualifizirt, reuend, reich, rechtlich, reinlirb, schön, standhast, sanft, scharffichtig, fittlich, sparsam, talentvoll, tugendhaft, tadellos, thätig, theilnehmend, tteu, unveränderlich, ungekünstelt, uneigennützig, verschwiegen, vernünftig, wohlwollend, weise, wohlerzogen, witthschaftlich, züchtig, zärtlich, zuvorkommend, zuttaulich und zuverlässig."— Weiter nichts? werden hoffentlich unsere Leserinnen fragen. Wegen Bandendiebstahls wurden gestern drei Haus- diener verhastet, welche fich in den letzten zwei Monaten zur fortgesetzten Ausführung von Diebstählen mit einander ver» Kunden hatten und die gestohlenen Waaren gegenseitig auS- tauschten. Die drei Spitzbuben waren in einer Kartonfabrik in der Schillingsttaße beschäftigt und hatten täglich den Auf- trag, leere Kartons in großen Ettohkörben an verschiedene Kunden abzufahren. Bei dieser Ablieferung wurden von ihnen in den verschiedenen Geschäften die Diebstähle in der Weise ausgefühtt, daß einer der Kumpane den Abnehmer der Waaren durch Zureichen von KartonS beschäftigte, während der andere, dcr mit der direkten Ablieferung nicht oettaut war, Gelegenheit fand, Sachen aus Fächem zu entwenden und unter einer mit- gebrachten Leinwanddccke zu verbergen- Die polizeilichen Er« Mittelungen nehmen großen Umfang an und werden voraus- fichtlich noch zur Enrnttelung der Hehler führen. Die Auelieferung der in Paris verhafteten Personen, die bekanntlich auch des Diebstahls in der Hamburger Reichs- bankhauptstelle verdächtig find, wird aufs Neue eine voraus- fichtlich längere Verzögerung erleiden. Nachdem bereits die Formalitäten so weit erledigt waren, daß die Auslieferung für spätestens die ersten Oktobertaae in Ausficht genommen war, find neuerdings Anhaltspunkte für die Annahme hervorgetreten, daß die Verhafteten bereits vor drei Jahn« in London und Manchester ähnliche Diebstähle verübt haben, und es wird in Folge dessen jetzt auch von England die Auslieferung verlangt. Wahrscheinlich wird dies Verlangen erfüllt werden, und es würde dann also erst die Verurtbeilung der Verdächtigen in England erfolgt sein müssen, ehe die Auslieferung an die dies- fettigen Behörden erfolgen könnte. Jedenfalls wird dieselbe auf unbestimmte Zell hinausgerückt. Sanitätswache der südostlichen Louisenstadt. Die» selbe ist nicht identisch mit der neuen Sanitätswache, welche für die äußere Peripherie bestimmt, im Görlitzer Bahnhofs- aebäudc eröffnet ist. vielmehr wird unsere Sanitätswache, die erste und älteste der Louisenstadt, welche am 1. Ottober d. I. nach der Adalbettstr. 10, nahe der Oranienstraße verlegt wird, dort den fich vermehrenden Ansprüchen der Hilfesuchenden durch verstärkte Personalanstellung entsprechen. Im Uebrigen aeivährt unsere Wache nach wie vor freie ärztliche Hilfeleistung von Abends 10 bis Morgens 7 Uhr(dieselbe ist bei Tage auch geöffnet) gegen den jährlrchen Abonnementsbetrag von 3 Mark. Der acschafle führende Ausschuß des Kuratoriums: Kondziersky, Oramenstr. 39. Hennig, Wallstr. 14, Neumann, Manteuffel- strafte 21. Buchhol», Louisen-Ufer 4— 5. Wiest, Adalbettstr. 20. Motz. Brandenburgstt. 80. �„ Allmrnbra-Ttieater. Heute(Sonnabend) findet die erste Aufführung des Finke-Linderer'schen Vollsstückes„Ueber Land und Meer statt. Die Hauvtrollen befinden fich in den Hän- ÄfS M IM fÄJIÄ stattung an Dekorationen aus dem Atelrcr der Herren Hattwig und Hintze erhalten. Uerewe mto Versammlungen. de. Die Mäntelnäherinnen-Versammlung, welche am Donnerstag, den 17. d. M, im Lokale„Sanssouci", Kottbuser- sttaße 4», unter Vorfitz der Frau Staegemann stattfand, war von 2500—3000 Personen etwa besucht, von denen V» Frauen waren. Frau Büge hatte das Referat über die„Lohnverhält- nisse dcr Mäntelnähennncn" übernommen; fie fühtte in ihrer oft vom stürmischen Beifall unterbrochenen Rede etwa folgen- de? aus: Wie ich Ihnen bereits in der vorigen Versammlung mittheilte, hatte ich mir die Aufgabe gestellt, Geschäfte der Damenmäntcl-Konfcktion zu besuchen, um mich von den wahren Preisen, welche die Schneidermeister, solche die fich nur so nennen und die Arbeitgeberinnen erhalten, zu überführen. Leider habe ich gefunden, daß gerade die beiden Letztgenannten viel Schuld an den so sehr herabgedrückten Arbeitslöhnen tragen und damit an allem Elend der Arbeiterinnen. Bei memer Rundreise in den Geschäften ist es mir oerschieden er- gangen. In den humanen und anständigen Geschäften kam man mir meist sehr bereitwillig entgegen; man nannte mir gern die verschiedenen Gattungen der Mäntel und die an die Schneider dafür gezahlten Preise, so in den Firmen: Klein, Jerusalemerstraße; Bourguin, Jerusalemerstraße; Heinrich, Königsttaße; Jülich u. Co. u. in a. m. Besonders hervorge- hoben zu werden verdient die Firma Rosenthal, Jägcrstraße 29 bis 31, ein Geschäft, das sehr Hobe und an- ständige Preise zahlt und bereitwillig Auskunst ertheilte. Rosenthal zahlt z. B. für Staubmäntel(einfache glatte Sachen) 7—9 M.; für kurze oerschnürte Paletots 14 M.; für einfache Jaquets 6—7 M.; für«attitte Sachen 15—18 M. Arbeitslohn. Im Gegensatz hierzu kam es mir wieder vor, als ob verschiedene Geschäfte Ursache hätten, die Preise zu verheimlichen, die sie den Schneidern oder den Frauen geben; denn gewisse Geschäfte scheinen Frauen mit Vorliebe zu beschäftigen, die oft genug um jeden Preis annehmen; es find entweder arme Wittwen, welche die Roth zwingt, für einen Hungcrlohn zu arbeiten, oder es find Bcamtenfrauen. Es haben mich viele Geschäfte lieber gehen denn kommen gesehen. Leere Ausflüchte aller Art wurden vorgebracht, um eine Antwott auf meine Fragen zu umgehen. So antwottete man mir bei Lamm, Jerusalemerstr. 28, folgendes: Wir werden uns hüten und gegen unsere Schneider arbeiten. Wenn Sie bei uns etwas zu erfahren glauben, find Sie sehr im Jrrthum und an die falsche Adresse gerathen; wir bezahlen unsere Schneider gut und diese ebenso ihre Arbeiterinnen. Damit war ich entlassen. Im Allgemeinen habe ich feststellen können, daß die Geschäfte ziemlich ein und dieselben gleichen Preise den Schncidem zahlen. Nur die Schundgeschäste machen eine Ausnahme und rn diese muß zuerst vorgegangen werden. Hierin bin der Unterstützung der anständigen Schneidermeister sicher. Aber bei einem Streik werden uns immer wieder die liebens- würdigen Beamtenfrauen in die Quere kommen, die in Folge ihrer besseren Verhältnisse für jeden Preis arbeiten können und wenn fie sich dafür auch nur Staat und LuxuS, komfortable Möbel oder die erwünschten Thcaterbillets verschaffen können. Sie treten hemmend und schädigend unserer Berne- gung in den Weg und ihre Arbeit muß zunächst aufhören. Möge keine Arbeiterin bei einer Bcamtenfrau Arbeit annehmen, mag die Beamtenftau allein„knippern und prickeln", dann wiro fie ja schmecken, was es heißt, Augen und Nerven, die Gesundheit für erbärmliche Löhne zu opfern. Wie ich schon vorher bemerkte, haben die billigen, sowie die besseren Sachen, ganz gleich od Mäntel, Dolmans, Jaquets oder Jacken, im Allgemeinen fast in allen Geschäften gleichlautende Preise; einige Geschäfte, wie Mannheimer, Lppenheimer:c., zahlen etwas höhere Preise, aber doch find mit von Arbeiterrnnen, deren Meister für die genannten Geschäfte arbeiten, Klagen über zu geringe Arbeitslöhne zugegangen. Gute und saubere Arbeit verlangt jeder Kaufmann, sobald es sich um gute und tbeuere Sachen handelt, das hindett aber den einen Schneider nicht, für gute und saubere Arbeit einen bedeutend genngercn Arbeitslohn zu zahlen, als der andere. Im Allgemeinen zahlen die Geschäfte folgende Preise.(Die Redncrrn giebt die Preise an, welche zwölf Firmen zahlen; durchschnittlich wird gezahlt an Stücklohn den Arbeitgebern: für die billigsten Sachen 150 bis 200 Pfennige; für Winter- Dolmans 3—7 M., für Regenpaletots 2,50—5 M., Regen- Havelocks 3—5 M., Jaquets 2—4 M., wattitte Paletots 10 bis 15 M., wattitte Dolmans 10—18 M, Pellennen-Mäntel 4—15 M. rc.) Ich bin zu der Einficht gelangt, daß es nicht immer der Schneider ist, der die Arbeiten« drückt und ausbeutet, auch die Herren Kaufleute verstehen das in vielen Fällen und der Schneider selbst ist machtlos. Deshalb muß es von unten herauf losbrechen, ein Keil treibt den anderen, die Arbeiterin muß selbst einen Minimallohn feststellen, unter dem fie nicht arbeitet. Dann werden die Schneidermeister von den Kaufleutcn höhere Preise verlangen müssen! Und wir Arbeiterinnen werden mit den anständigen Schneidermeistern zusammen Front machen gegen die Echmutzkonkurenz der Ge- schäfte, wie der Arbeitgeber. Folgenden Minimallohnsatz schlage ick vor und ich bttte denselben zu prüfen. Bei einer Normalarbeitszeit von früh 8 Uhr bis Abends 8 Uhr mit 1'/, stündiger Mittagspause muß jede tüchtige Arbeiterin mindestens täglich 2,50 M verdienen, die weniger geübte mindestens 2 M. Bei der Vielseitigkeit der Preise, die der Schneider vom Kaufmann erhält, und beiden verschiedenen Gattungen der Mäntel ist cS nicht gut möglich, einen Minimalstücklohntarif fest- zustellen. Jede einzelne Näherin muß erproben, wie lange fie für die Anfettigung eines Mantels Zeit gebraucht und danach muß fie den Preis bestimmen. Die Arbeitenn muß pro Woche 12 bis 15 Mk. ausgezahlt erhalten.— Wenn wir ruhig und de- sonnen Eine für Alle und Alle für Eine diesem Ziele zustreben, wird auch der Sieg den bedrängten Arbeiterinnen nicht aus- bleiben. Wir werden deweisen, daß wir nicht bloß die Skia- Vinnen des Kapitals sein wollen, sondern daß auch die Arbeiter« frau berechtigt ist, an das Leben Ansprüche zu machen!(Stür- mischet wiederholter Beifall.)— Zum Schluß theilt Fr. Büge noch mit, daß Herr Schneidermeister Maaß, Gneisenaustr. 10 ll, wie fie(Red.) fich selbst überzeugt, der Leiter einer muster- hasten Ärbeitsstube sei, und daß fie bedaure, falsch berichtet gewesen zu sein.— Eine lebhafte Diskussion folgte diesem Vottrage. Frl. Ottilie stimmt den Ausführungen der Rekerentin zu und fordert die Frauen auf, fich dem Verein zur Verttetung der Interessen der Arbeiterinnen anzuschließen.„Einigkeit giebt Selbstoettrauen und Thatkraft und die soll uns nrcht länger fehlen. Auch von uns soll eS beißen:„Selbst ist die Frau!" (Stürmischer Beifall.) Herr Maaß(Schneidermeister) meint, daß unter den Arbeiterinnen die sogenannten Zugvögel das Sinken der Arbeitslöhne verschuldeten.(Unruhe.) Wir In- nungemeister(Aha!) haben schon oft über das Thema ge- sprachen. Jeder Schneidermeister müßte mit dem Normal- arbeitstag einverstanden sein, wenn nicht die Mäntelnäherinnen selbst durch ihr unpünttliches Kommen und Gehen— da fie ja„freie" Aibeiteiinnen, nickt Fabnkarbeitettnnen wären(Un- ruhe)— die Einführung desselben unmöglich machten. Durch Streiks könne nichts erreicht werden, sonvein nur durch einen in allen Stadttheilen gut organifirtcn Arbeitsnachweis. Bei ihm(Redner) seien Mamsells auf 25 Mk. pro Woche gekommen; (Gelächter) allerdings hätten auch andere 9—10 Mk. verdient. (Aha!) Von Echmutzpreisen könne also gar nicht die Rede sein. (Lärm.)— Herr Zander(Bügler) entgegnet dem Vorredner, daß die Berathungen der Innungen werthloS seien, da fie hinter verschlossenen Thüren stattfinden.(Ledhafter Beifall.) Herr Liebert(Fabrikant) hält den Arbeiterinnen entgegen, daß ihre Bewegung zwecklos sei, weil die„Saison" zu Ende gehe und weil fie nicht die eigentlich maßgebenden Firmen berück- fichtigten, die sogenannte„Etapelwaare" sühtten, wre Mannheimer, Gebrüder Einger, Oppenheimer u. s. w Ueberdies liege gerade jetzt die Korfettions- Branche so sehr darnieder, daß allein Berlin einen um 4 Millionen Mark geringeren Umsatz als im Vorjahre gehabt habe. Der Normalarbeitstag sei undurchführbar, weil die Mäntelnäherinnen als freie Arbeiterinnen stch nicht wie Fabrik« arbeiterinnen p&r ordre du Mufti in ihrer freien Arbeiiszeit würden beschranken lassen wollen.(Zwischenruf: Manchester- phrase!) Die erste Hauptbedingung für bessere Löhne seien bessere Qualitäten der Arbeitettnnen.(Widerspruch.)— Frau Gubela: Die Mäntelnäherinnen gehen oft genug des Abends mit einem halben Dutzend Mäntel nach Haus, um fie in der Nacht fettig zu stellen, wie können fie da am nächsten Tage pünktlich zur Arbeit kommen?(Sehr richtig.) Und was ist der Lohn für diese Arbeit? er liegt im Begräbnißplatz von Friedricksfelde.(Bravo.) Ein Arbettsnachweis besteht bereits bei Fr. Kreutz, Skalitzerstr. 28 und bei Frl. Secger, Prenzlauer- straße 39.— Frl. Jagett: Es giebt hier Schneiderwerkstätten. die unter dem Namen„Knochenbuden" wegen schamloser Aus« beutung der Arbeiterinnen bekannt find. Die Einführung eines Normalarbeitstages ist durchaus erforderlich(Zustimmung); nur muß durch Kassen ic. dafür gesorgt werden, daß die Kinder von arbeitenden Wittwen Verpflegung und Aufficht während der Dauer der Beschäftigung der Mutter haben. Der Fort» schritt der Kultur ist abhängig von der Lösung der Frauen- frage:„Der Menschheit Würde ist in unsere Hand gegeben— Sie siegt mit uns, mit uns wird fie sich heben!"(Stürmischer Beifall.) Frl. Wabnitz spricht gleichfalls für den Normal- arbeitstag.— Herr Werner(Schneider) räch, zu dcr nächsten Versammlung Männern Zuttitt nicht zu gestatten.(Zustimmung.) Herr Heil(Odermeister der Damenschneidermeister- Innung) unternimmt es, die Innung in Schutz zu nehmen.(Unrube) Herr Grünberg(Schneidermeister) macht besonders die Be- amtenfrauen für die gedrückten Preise verantwortlich. Fräulein Jagett glaubt, daß die kleinen Beamtenfrauen bei dem niedrigen Gehalt ihrer Männer oft genug zur Arbeit ge- zwungen seien. Der Staat also soll zunächst die Gehälter seiner Sudalternbeamten erhöhen. Man dürfe nicht alle Schuld auf die Beamtenstau wälzen.(Beifall.)— Inzwischen war folgende Resolution eingelaufen und gelangte zur ein- stimmigen(nur die Frauen stimmten) Annahme:„Die heutige Versammlung der Berliner Mäntelnähennncn erklätt fich mit den Ausführungen der Fr. Büge einverstanden, verlangt die Einführung eines Normalarbeitstages und eines Minimal- lohnes und verpflichtet, fich unentwegt auf dem einmal einge- schlagcnen Wege weiterzuschreiten."— Nachdem Frau Büge noch eine Zuschrift des Schneivermeisters Henschkc, Oranien- straße 165, verlesen, worin derselbe den Vorwurf, er zahle schlechte Löhne, entschieden zurückweist, und versprochen hatte, fich persönlich von der Wahrheit dieser Angaben zu überzeugen. schloß die Vorfitzende, die mit großer Energie ihres Amtes ge- waltet hatte, gegen V:12 Uhr Nachts die bewegte und intet» essante Versammlung. de. Der Bertiner Arbeitertnnenverein hielt am Donnerstag, den 17. d.M., im„Deutschen Kaisen, Lothringer- straße 37, eine Mitgliederversammlung ab. Auf der Tages- ordnung stand die Wahl des Vorstandes, Frau Cantius ei- läuterte zunächst die Hauptvaragraphen des Statuts, fie er- mahnte zur Einigkeit und betonte, daß nur durch eine feste Organisation der Frauen das Loos derselben gebessert werden könnte. Dann schritt man zur Wahl. Gewählt wurden in den Vorstand: Frau Vötting, Frau Cantius, Frau Walter, Frl. Walter, Fräulein Casper, Frau Witzel. Als Beifitzerinnen fungiren die Damen Groihmann, Steinecke, Krieg und Stolpe. Darauf ergriff Fräulein Cohn das Wott, jene Dame, die vor 14 Tagen so scharf gegen die Arbeiter losgegangen war, wobei fie erwähnt hatte, daß ihr für 30 Pf. pro Stunde ein Arbeiter nicht Kohlen tragen wollte. Sie suchte fich jetzt zu rechtfeitigen. Wiederum wies fie darauf hin, daß es besser wäre, wenn die Männer, statt herumzulungern, für geringen Lohn arbeiteten und ihn ihrer Familie nach Haus brächten. Dann hob sie hervor, daß besonders die Nothlage der ledigen Mädchen gebessert werden müßte. Das könnte dadurch geschehen, wenn fie insgesamint die Arbeit niederlegten, welche eigentlich Männern zukäme, um- gckehtt aber dürften auch die Männer nicht Frauenarbeit ver- richten. Sie habe Mädcken Asphalt legen sehen, wäbrend Männer plätteten. Frau Cantius warf zunächst Fäulein Cohn vor, daß fie, wenn fie für zwei Männer arbeitete— wie fie behauptet hatte—, auch für Männer Lohn bekommen müßte- Die schlechten Lohnverhältniffe seien es, welche den Mann dazu trieben, Frauenarbeit zu verrichten. Frau Vötting tyeilte mit. daß fie fich mit der Schneider- Innung in Verbindung gesetzt habe, da es ihre Absicht sei, zur Hebung der Vkäntel Näherinnen- blanche eine Kommission von sieben Personen zu Stande zu bringen, bestehend aus vier Arbeiterinnen und drei Schneider- meistern oder umgekehrt. Sie wies daraus hin, daß es für eine einzelne Frau wohl eine unüberwindliche Aufgabe sei, hienn etwas Eiheblichcs zu leisten. Schwerin, 16. September. In der auf vorgestern Abend anberaumten Versammlung aller versicherungspflichtigen Personen und Mitglieder der freien Hil-skassen wurde die Gründung einer„Medizinal- Verbandskasse für die Mitglieder der zentra- lifirten Kranken- und Sterdekassen(e. H.) aller Branchen für die Stadt Schwerin" beschlossen. Aus dem vorgelegten Satzungs-Entwurf, welcher die Genehmigung der Versammlung fand, ist hervorzuheben, daß der Zweck der Kasse sein soll, de» Mitgliedern in Krankheitsfällen durch einen Sonderbeitrag stete ärztliche Behandlung durch den Kassenarzt, sowie Arzneien zu gewähren und außerdem auch freie Bäder, soweit dieselben tn Schwerin zu haben find. Ist ein krankes Mitglied bereits iu einer öffentlichen Heilanstalt untergebracht, wo ihm von anderer Seite ärztliche Behandlung und Arzneien zu Theil werden, so empfängt es aus dieser Kasse für jeden Tag mit Ausschluß des Sonntags 50 Pfg. Die Mitglieder haben ein Einttttts« geld von 50 Plg. und einen wöchentlichen Beitrag von 10 Pf- zu entrichten. In dringenden Fällen kann ein außerordentlicher Beitrag erhoben werden, der jedoch die Höhe von 50 Pfg. nickt übersteigen darf. Die Leitung der zu gründenden Verbands- kasse soll in den Händen eines aus sieben Personen zusammengesetzten Vorstandes liegen. Oeffentliche Versammlung sämmtlicher Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Dampf-Armaturen am Sonntag, den 20. September er., Vormittags 10 Uhr, in Sanssouci, Kottbuseistraße 4». Tagesordnung: 1. Unsere Stellung zur Sonntagsruhe und zum Arbeiterschutzgesetz. 2 Diskussion- 3. Verschiedenes. Kachverein der Korbmacher. Vereins-Versammluna am Sonntag, den 20. September, Vormittags 10'/- Uhr, Adalbert« straße 21 bei Otto. Tages> Ordnung: 1. Bericht über de« Hamburger Streik. 2. Wahl eines Mitgliedes für den Arbeits- Nachweis und eines Revisors. 3. Besprechung über das dritte Stiftungsfest. 4. Vercinsangelegenheiten und Fragekasten. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Fabrik- u«v Handarbeiter b. G.st nicht wohl denkbar, alS fie in solcher Weise zum Ausdruck gelangt. , Immer aufs Neue erwächst daher der Presse die Pflicht, JWne Gelegenbeit ungenützt vorübergehen zu lassen, um dieser -t-heilnahmlofigkeit entgegenzutreten, an das, was uns alle an. geht, zu erinnern und das allgemeine Interesse an den öffent- nchen Angelegenheiten zu erhöhen und bezw. da. wo es nöthig tst. immer von Neuem zu wecken. Denn diese Gleichgiltigkeit, mit welcher leider, wie gesagt, noch viele der Gestaltung rhrer «'Renen sowohl, wie der allgemeinen politischen und wirthschaft- uchen Angelegenheiten zuschauen, fie hat fich gerade in Deutsch- land schon oft bitter gerächt, fie hat jene Zeit verhängnißvollen dolitischen Rückgangs und reaktionären Zwangs ermöglichen helfen, wie man fie leider in unserem deutschen Vaterlande Mcht selten hat erleben müssen. Wir brauchen, um diese Bc- hauptung zu erhärten, nicht erst dickbändige Geschichtswerke herbeizuschaffen und die Leser mit den Fingern darauf zu vcr- weisen. Jeder, der fich auch nur einigermaßen um die innere Geschichte unseres Volkes bekümmett hat, weiß, was wir meinen und daß wir recht haben. Er weiß auch, daß es «in« Zeit, nein, mancherlei Zeitperioden gab, in denen man nicht mit Unrecht vom„deutschen Michel" sprach, den man fich ohne die Schlafmütze über die Ohren nicht denken konnte. In dieser in breiten Schichten unseres Volkes selbst jetzt noch vorhandenen Theilnahmlosigkeit erblicken wir auch eine der Hauptursachen, warum eS in Bezug auf manches, was mit den obersten Bedingungen eines angenehmen und glücklichm Daseins auf's Innigste zusammenhängt, noch immer nicht besser steht, noch immer nicht recht vorwärts will. Viele find eben schon zufrieden, wenn fie das Nöthigste für des Leibes Nahrung und Nothdurft haben; an ihr geistiges und fittliches Wohl, an alle die anderen Beziehungen zum Leben, mit denen das Wohlergehen ihrer eigenen Person und ihrer Familie fich auf's Engste berührt, denken fie nicht. Ihre Gedanken gehen ge- wöhnlich über das„Heute" und„Morgen" nicht hinaus. Kein Wunder, daß unter solchen Umständen insbesondere auch zwei der allerwichtigstm Faktoren des öffentlichen Lebens nach ihrer Bedeutung nur in geringem Grade geschätzt und gewürdigt werden,— der Parlamentarismus und die Presse, denen man vielfach noch indifferent und zweifelnd gegenüber- Der Parlamentarismus— meinte man,— was kann er uns nützen, was sollen alle die vielen Reden und Beschlüsse helfen,— es geht doch am Ende, wie eS geht, und„bezahlen" müssen wir immer. Leute, die noch so reden können, verdienten eigentlich die Par- lammte gar nicht, fie sollten nur einmal eine Zeit lang ohne ein« Volksvertrcwng leben müssm, dann würden fie sehr bald tnne werden, wie es um die politische Luft, die fie athmen dürfen, und um ihren Geldbeutel beschaffen sein würde— wenn man„oben" machen könnte, wozu man Lust hätte. Und die Presse— sagen diese Leute weiter— das viele Geschreibsel und Räsonniren nützt ebenso wenig; man kann fich allenfalls, wenn man nichts Besseres zu thun weiß, indem man «S liest, vie Zeit vertteiben, aber einen rechten Nutzen hat eS nicht. Diejenigen, die noch einen solchen Unverstand zum Aus- druck bringen können, sollten nur einmal die Zeitungen entbehren müssen, um einzusehm, wie eS dann stünde. Und in gewissen Lagen scheint man es auch recht gut zu wissen, waS eS mit dem Einfluß der Presse auf fich hat. Da kommt man dort zur Redaktion gelaufen und die gute Redaktion soll die Gefälligkeit haben, über das und das zu schreiben oder dieS und jenes zu veröffentlichen; eS handle fich da„um ein ganz dringendes öffentliches Interesse" oder— im anderen Falle— m~~ Apache Indinn« im Krirz und Friede». (Schluß.) Von Kriegsschmuck der Apachm habe ich nie etwas ge- sehen, wenigstens nicht im Kampfe; die von uns(beiläufig gesagt fehr selten) überrumpelten Indianer waren mit Aus- «ahme eines schmutzigen HüfttucheS, einer meist rothen Kopf- d nde, die ihr Haar von den Augen weghielt, und) in sel- tenea Fällen von kunstlos gearbeiteten Mokassins oder Sandalen, ganz nackt; ihre meist mageren Arme und Beine, schwarzrothe Hautfarbe, im Gesichte von rothen und blauen vertikalen Strichen unterbrochen, ihr zottiges, bi» fast auf die Schultern reichendes Haar, hervorstehende Backenknochen und breite Nasen biete« einen höchst widerlichen Anblick dar. Auch geht von ihnen ein ganz unangenehmer Geruch aus, besonders im Sommer; dessen wurde ich zum ersten Male gewahr, als ich im August 1868 fünfzehn derselben im Wachtlokale von Fort Goodwin eingeschlossen hatte. Diese waren wirkliche Hyänen der Wüste; sie hatten einen Raub- zuz unternommen, mehrere Pferde und Esel erbeutet und dieselben nach ihrer Gewohnheit sammt Eingeweiden ver- zehrt; bei diesem Schmause, der mit gebranntem Wasser au« der amerikanischen Agave gewürzt wurde, hatten sie Unsere Soldaten überrascht und gefangen nach dem Fort gebracht. Der Geruch, den sie in dem engen Gefängnisse verbreiteten, war unausstehlich. Während der Nacht ver- langten zwei von ihnen auf den Abort geführt zu wer- den; ich schickte vier Man« Wache mit; nach kaum zwei Minuten fielen Schüsse: die Wachen rapportirten, die Gefangenen hätten einen Fluchtversuch gemacht, und sie hätten pflichtgemäß gefeuert. Die zwei Ausreißer wurden todt hineingebracht; mit stoischer Ruhe betrachteten die an- deren Gefangenen ihre todten Kameraden, die am ftühen Morgen begraben wurden; doch beobachtete ich, daß die Ueberlebenden eS sorgfältig vermieden, während ihrer Ge- fangenschaft die Ecke des Gefängnisses zu betreten, wo die lobten gelegen hatten. Von eigentlichen Gefechten mit Apachen kann wohl man könne sich sonst gar nicht mehr seiner Haut wehren u. s. w. Und die gute Redattion ist so bereitwillig, die Spalten ihres Blattes aufzuthun und helfend beizuspringen. Die überängst- lichen Amtsblätter und-Blättchen freilich, die werden es nur dann thun, wenn fie fich dadurch selbst nicht zu schädigen glauben, ihre Vei treter zucken in solchen Fällen meist be- dauernd die Achseln, wenn fie nicht gar grob weiden, nur in den seltensten Fällen werden fie aus eigenem Antriebe zu einer energischen Anregung ihre Stimme erheben,— am liebsten sagen fie zu allem Ja und Amen. Desgleichen auch jede andere Sorte von Blättern und Blättchen, die lediglich aus Spekulation auf den Geldbeutel des Publikums tn's Leben gerufen werden und wie Pilze aus der Erde schießen; auch diese werden selten mit vollem Nachdruck für etwas eintreten und wäre es noch so richtig und wichtig, denn auch fie möchten es mit Niemanden verderoen und haben für ihre Per- son— d. h. für die Person ihrer Herausgeber— allzu gut den praktischen Werth der modernen Maxime schätzen gelernt: „Je mehr man fich duckt, desto besser." Solche Blätter haben denn auch wenig Einfluß auf die öffentliche Meinung; einen solchen vermag nur die wirklich unabhängige Presse auszuüben, die unbekümmert um die eigene Gefahr, unerschütterlich und in jedem Fall für Recht und Wahrheit kämpft, und nur fie auch hat ein Recht, fich mit ge- meint zu fühlen, wenn man von der Presse als„Großmacht" spricht. Sie allein auch verdient die nachhaltigste Unterstützung aller rechtschaffenen Leute. Jene Theilnahmlosen aber, wie wir fie bei unseren obigen Ansführungen im Sinne hatten, wissen weder den Parlamen- tarismus, noch die Presse recht zu würdigen und zu schätzen,— oder die letztere doch meist nur dann, wenn fie ihren Einfluß für ihre eigene Person benöthigen. Was sollte denn nun aus der menschlichen Gesellschaft werden, wenn alle in derselben Art gedankenttüa und gleichgiltig dahinlebten, wenn es nicht, obgleich in der ganz erheblichen Minderzahl, auch Andere geben würde, die über den Tag und seine nächsten Bedürfnisse hinausdenken und die zu erfüllenden höheren Aufgaben sowohl für den einzelnen Menschen, wie für die Gesammtheit fort und fort im Auge behalten? Und welchen Werth, welchen praktischen Nutzen haben an- gefichts solcher Tbeilnahmlofigkeit die Klagen über allzu sorgen- vollen Erwerb, über die allgemeinen ungünstigen Lebensver- bältnisse. wie man sie aus dem Munde Vieler so häufig hört? Wir meinen, gar kernen; denn wer nicht selbst mit Hand an- legt, um seine Lage zu verbessern und damit zugleich das all- gemeine Wohl zu fördern, der wird lange warten müssen, ehe ihm geholfen wird, und im rechten Sinne verdient er es auch nicht einmal. Da schimpft und raisonnirt man über die Höhe und unge- rechte Vertheilung der Steuern, beschwert fich über die Zurück- seyung, die man im politischen und kommunalen Leben in mannigfacher Beziehung erfährt u. s. w. Aber ist's mit diesen Beschwerden und Klagen gethan? Mit Nichten? Man muß fich selbst zu entschiedenem, ziel- bewußtem handeln aufraffen, den öffentlichen Angelegenheiten nicht minder wie den eigenen sein regeS Interesse zuwenden, die Gelegenheit, fich zu belehren und geistig anzuregen, er- greifen, die durch das Gesetz verliehenen Rechte jeder Zeit wahrnehmen, klar zu denken und zu urtheilen fich befleißigen, nur so— aber auch nur so— kann es besser werden! Und wir wagen zu hoffen, daß das alle unsere Leser in Zukunft recht beherzigen wollen...*) Kommunales. w. Wieder soll ein öffentlicher Platz bebaut werden. Der geschäftsführende Ausschuß zur Erbauung einer katholischen Kirche für die St. Sebastiansgemeinde hat an den Magistrat den Antrag gerichtet, ihm einen geeigneten Platz für die neue *) Diesen Artikel haben wir einem sächfischen Provinzial« blatt entnommen, der„Burgstädter Zeitung". Ist bei uns auch der Jndifferentismus nicht so schlimm, wie an vielen anderen Orten, so giebt es doch auch hier Viele, an deren Adresse fich der Artikel richtet. D. Red. kaum die Rede sein, eS sei denn, daß man sie unverhofft überrascht, und auch dann halte« sie bloß Stand, wenn auch der letzte Ausweg abgeschnitten ist. Im Sommer des Jahres 1868 verfolgten wir die frischen Spuren einer Räuberbande, die drei Leute in de» Sonoita-Bergen über- fallen, getödtet und beraubt hatte. Wir kamen nach fünf- tägigem Ritte nach einer am Fuße eines steilen Berges liegenden Apache-Äancheria, die au« kleinen Hütten, von Baumästen geflochten, bestand. Die Indianer hatten uns von Weitem kommen sehen und begrüßten uns von sicherer Felsenhöhe herab mit Schüssen und spöttischen Zurufen, deren Inhalt zu wiederholen mir daS Schamgefühl ver» bietet. Wir durchstöberten ihre Hütten und Höhlen, fanden viele Rehfelle, mehrere hundert Pfunde getrocknetes Fleisch und gebacken? Agave«, einige Lanzen, Bogen und Pfeile, roh gearbeitete irdene Töpfe, primittve Fuß- und Armbänder und viele— Spielkarten; d. h. e« waren dieses irdene Täfelchen mit deutlich eingekratzte« Figuren; Alles hatte den eigenthümlichen Jndianergeruch. Da sie durch ihre Mord-, Raub- und PlünderungS- züge viele Feuerwaffen an sich brachten, da ihre Wohnplätze oder Rancheria» in natürlichen Felsenfestungen sich befanden, Arizona ein sehr wasserarmes Land ist, und der Regierung die zu einem solchen Kriege«othwendigen Truppen und Pfadfinder fehlten, ist leicht zu begreifen, daß die Unter- jochung dieser Indianer der Regierung lange Zeit und große Summen kosten mußte. Im Jahre 1874 gelang es General Crook, auf der Reservation San Carlo» mehrere Unterstämme zu vereinigen und dadurch, daß er die besten und zuverlässigste« Indianer zu Soldaten machte, um ihre Stammesbrüder zu bekämpfen, errang er große Vortheile; aber erst vor zwei Jahren ge« lang es den vereinten Anstrengungen der Vereinigten Staa- ten und mexikanischen Truppen, die stet« wilden ChiricahuaS zu besiegen, und jetzt sind alle Apachen, einige unbedeu- tende Banden vielleicht ausgenommen, auf der San Carlo«- Reservation vereinigt und sollen daselbst zivilisirt werden. Dieses große Jndianerlager, da« nach der letzten Zäh- luna 5000 Männer, Weiber und Kinder beherbergt, liegt an ver nördlichen Seite des Gila-Flusses, im östlichen Theile des Territoriums Arizonas und enthält 4400 englische Kirche unentgeltlich zu übereignen- Der Magistrat hat be- schloffen, der Gemeinde einen noch näher zu vereinbarenden Theil des Gartenplatzes zu überlassen und wird hierzu die Zu- stimmung der Stadtverordneten Versammlung nachsuchen. Nach Mittheiluna des statistischen Amtes der Stadt Berlin sind bcr den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 6. September bis rnkl. 12. September er. zur Anmeldung gekommen: 171 Eheschließungen, 816 Lebendgeborene, 31 Todt- geborene, 482 Sterbefälle. w. Tarif für die Markthallen. Wie bereits mitgetheilt, hat der Bezirksausschuß aus Antrag des Magistrats beschlossen. daß die offenen Märtte auf dem Alexanderplatz, Neuen Markt, Gendarmenmartt, Dönhofsplatz. Leipziger Platz, Bellealliance- Platz, Karlstraße und Oranienburger Thor sümmtlich gleich- zeitig an dem Tage geschloffen werden, an dem die Stadt- elnde die ersten vier Markthallen eröffnen will. Das kgl. ei-Präfidium erklärte, daß seinerseits Bedenken gegen die eßung der offenen Märkte nicht zu erheben seien, va die vier ersten Markthallen(Zentral-Markthalle in der Neuen Friedrichstraße, Zimmer- und Mauerstraße, Dorotheenstraße und Reichstagsufer) das vorhandene Bedürfniß vollständig be- friedigen könnten. Dagegen hat der Bezirksausschuß die Prüfung des'vom Magistrat mit überreichten Tarissentwurfes abgelehnt. Es handelt sich hier nicht um Marttstandsgeld nach dem Begriffe des§ 1 des Gesetzes vom 26. April 1872, welche als Marktstandsgelv die Abgabe bezeichnen, welche für den Gebrauch öffentlicher Plätze und Straßen zum Feilbieten von Maaren auf Märkten und Messen gezahlt werden. Die in den Markthallen zu entrichtenden Vergütiaungen seien vielmehr Miethen, welche auf Grund gegenseitiger Vereinbarung für die Benutzung des Raumes in den Marktballen gezahlt wür- den, und dies um so mehr, als die Markthallen eigens von der Stadt zu diesem Zwecke errichtet worden find. Zokales. er. Wer hat nun Recht? Wild ist der Kampf entbrannt, zwischen Konservativen und Antisemiten, zwischen Deutschst«- finnigen und Nationalliberalcn und der Zankapfel ist der so viel umworbene, der so viel geschmähte Hofprediger Etöcker. DaS Häuflein seiner Getreuen ist in beängstigender Weise zu- sammengeschmolzen, die wenigen Antisemiten werden ihn nicht halten, und der Mann, der einst ganz Berlin zu regieren dachte, ist in der landesüblichen Weise verbraucht, er fängt an lästig zu werden und man legt ihn daher aä acta. Wird Herr Stöcker zu den Landtagswahlen im ersten Berliner Wahlkreise kandidiren oder nicht? DaS ist die große Frage, die jetzt alle Welt bewegt und Niemand ist da, der eine treffende Antwort auf die brennende Frage geben könnte. Das„Christlich- soziale Korrespondenzdlatt" vementirt einfach Alles, sein Herr und Meister ist und bleibt der Heros, der er von Ansang an war. Es läßt fich in Bezug auf die Kandidatur Stöcker folgendermaßen vernehmen: „Zur Beruhigung für den„Berliner Börsen-Courier" und verwandte Geister können wir mittheilen, daß Hofprediger Stöcker mit oder ohne Kompromiß mit den Nationalliberalen im ersten Wahlkreise selbstverständlich kandidiren wird, und zwar nicht nur auf Veranlassung „eines TheilS" der Konservativen, sondern alS nominir- ter Kandidat der gesammten vereinigten Berliner Be- wegung in diesem Wahlkreise. Wollen die National- liberalen da mitthun, so soll uns das recht sein» wir buhlen um ihre Bundesaenossenschaft nicht. meinen vielmehr, daß fie noch manches lernen, einerseits viel positiver und andererseits etwas bescheidener werden müssen, bevor an ein ersprießliches Zusammenwirken mit ihnen gedacht werden kann. Ihnen eventuell die Kan» didatur Stöcker im 1. Wahlkreise zu opfern, ist eine mehr wie naive Forderung, die fie fich nur vergehen lassen sollen." Demgegenüber nimmt fich eine Notiz der„Nordd. Alle» Ztg." von gestern Abend sehr skeptisch aus. Dre„Nordd. Alla.Ztg." hatte bekanntlich durch den unseren Lesern bereits mitgeiheilte« kalten Wasserstrahl den ersten Anlaß zur Abwimmelung Ouadratmeilen, die von fünf bis sechs kleinen Flüßchen be- wässert werden. Es befinden sich auf diesem Gebiete die schönsten Viehweiden Arizonas und etwa 50,000 Morgen des besten Ackerbaulandes. Ein schönes SchulhauS mit Schlafräumen, Badezimmern u. s. w. für dreißig der fähig» sten Apachenknaben ist daselbst errichlet worden, um diesel- den zu Lehrer« der aufwachsenden Jugend heranzubilden. Ein Jndianeragent sammt Schreibern, Schmieden, Zimmer- leuten, Schlächtern, Fuhrleuten, Dolmetschern und Farmern beaufsichtigt die Leitung der großen Familie, die sich bis jetzt meistens durch große Arbeitsscheu ausgezeichnet hat; denn wenn auch der Apache im Kriege der behendeste Lau- fer der Erde ist und mit bewundernswürdiger Energie die vielen Strapazen seine« Räuberlebens ausgehalten hat, so kann er sich doch nur ganz langsam an friedliche Arbeit gewöhnen. Es-ki-men-sin, ein früher berüchtigter Häuptling, fcht seinem Stamme mit gutem Beispiel voran. Er bebaut eit Jahren eine Farm von 160 Morgen und hat es bereits zu einem gewissen Wohlstande gebracht. Die Regierung füttert die Apachen auf der Reservation zum größten Theil noch, und der RationSauStheilungStag, der alle fünf Tage eintritt, ge- währt ein sehr interessantes Bild. Die Regierung liefert jährlich eine gewisse Anzahl von Rindern, Zugthieren, Wa- gen und Ackergeräthschaften und hofft mit der Zeit alle Apachen dahin zu bringen, daß sie sich selbst ernähren; bi« jetzt sind jedoch kaum 2000 Morgen des schönen Ackerland«« unter Anbau, trotzdem die Vereinigten Staaten den Apachen gute Lehrer im Ackerbau und der künstlichen Bewässerung gewähren. Sech« Kompagnien stehender Truppen bewache« die Reservation. Ueber die Religion des ApacheS Eingehende« zu berich- ten, ist mir unmöglich; sie sind in dieser Hinsicht sehr schweigsam; doch ist festgestellt, daß sie an einen großen Geist und an ein zukünftiges Lebe» glauben; im Uebrigen sind sie sehr abergläubisch und bestimmte Anhänger de« Spiritualismus, in welchem sie ihre Medizinmänner bcstens bestärken, um sie dadurch leicht zu beherrschen. Jeder Apache hat eine sogenannte„gute Medizin"(Talisman), bestehend in einigen Bärenklauen, einem Büschel Roßhaar, einigen bunten Lappen, einer Schlangenhaut, einem geschnitzten Stöck- che« oder einem Thierschwanze. Stöckers gegeben, sie läßt stck daher auch nicht auf die Aus- führungcn des Stöcker'schen Organs ein und sagt lakonisch: „Berliner Blätter berichten, daß das Berliner kon- scrvative Zentralkomitee(C. C.(L) am Dienstag ein- müthig beschlossen habe, von einer Wiederaufstellung des Herrn Hofpredigcr Stöcker abzusehen. Mit einigen dies- bezüglich noch renitenten Bürgervereinen solle über eine Verständigung noch unterhandelt, andernfalls aber über sie zur Tagesordnung übergegangen werden." Man darf daher wohl auf den Ausgang der Sache gesvannt sein. Herr Stöcker hielt gestern Abend bei Buggenhagen eine Versammlung ab, wahrscheinlich wird er dort ferne Ansicht darüber abgegeben haben, ob er gewillt ist, der über- aus verständlichen Weisung, von der Bildfläche zu verschwin ben, zu folgen oder ob er)em Grundsatz: Die Garde stirbt, doch sie ergiebt sich nicht?— treu bleiben will. Im Uebrigen kann uns die ganze Sache sehr glcichgiltig sein, ob Herr Stöcker oder ein Gessnnungsgenosse kandidirt, ändert für uns an der Sachlage nichts. Außerdem ist das Wahlmanöoer der„Nord- deutschen", welches in ihrem Vorgehen liegt, recht leicht durch- schaut worden: bei den Landtagswahlen handelt es sich bekannt- lich nicht um den„kleinen Mann", hier muß der Wohlhabende pousfitt werden und da ist bekanntlich Herr Stöcker gerade nicht die geeignete Persönlichkeit. Bei den Reichstagswahlen, wo die Stimme des Arbeiters ebensoviel wiegt wie die des Großgrundbesitzers ist es etwas Anderes, da ist Herr Stöcker eher zu verwerthen. In Bezug auf die Zahnheilkunde geht uns folgende bemerkenswerthe Auslassung zu:„Ein in seiner Bedeutung für das Publikum über die Fachjournale hinaus interessanter Kampf wettett gegenwättig zwischen Zahnärzten und Zahvtech- nikern. Nach dem September- Heft der„Monatsschrift für Zahnheilkunde" beherrschte derselbe auch die von 32 Mitgliedern des„Zentral Vereins deutscher Zahnärzte" besuchte, kürzlich in Nürnberg abgehaltene Jahresversammlung. Dort waren es namentlich die Herren Petermann- Franlfurt und Klenke-Han- nover, welche über das Thema referirten und gipfelten die Ausfüh- rungen natürlich in der Forderung einer Aenderung der Gewerbe- Ordnung im zahnärztlichen Interesse. Es ist charakteristisch, daß sich die Zahnärzte mit dieser Forderung von der übrigen ärztlichen Well gewaltig abheben, es ist aber auch weiterhin bezeichnend, daß die Größen dieser Agitation recht oft die Zwerge der zahnärztlichen Branche find, gerade diese find es, welche sich mtt Recht von der Konkurren, der Zahntechniker bedroht fühlen. Nicht alle Zahnärzte erwerben sich Renomce, und das Publikum hat wahrlich lein Interesse, aus Rücksichten des zahnärztlichen Standes dem Zahn- techniker zu grollen, der ihm bei anständiger Be- Handlung gegen mäßiges Honorar gute Leistungen sichert. Für die auch von Herrn Petermann angemfene Tages- presse aber ist vor Allem das Interesse des Publikums bei der Entscheidung über die angeregte Frage maßgebend. Dieses Interesse verlangt aber in erster Linie, dem größeren Publikum die Anschaffung zahntechnischer Erzeugnisse nach der pekuniären Seite hin zu erleichtern, damit beispielsweise der künstliche Zahnersatz nicht nur derjenigen geringen Minderheit zu Gute komme, welche die von zahnärztlicher Seite gestellten, oft ganz horrenden Preisbedingungen zu erfüllen im Stande sind. Zum Beweise hierfür sei ein kleiner Aus- zug der seitens des zahnärztlichen Vereins für Niedersachsen am 2. März 1884 vereinbarten Normaltaxe hier eingeschaltet: 1) Wird irgend eine zahnärztliche Operation nicht rnr Hause des Zahnarztes, sondern in der Wohnung des Patienten vor- genommen, so erhält der Zahnarzt außer dem gewöhnlichen Honorar noch 3—10 M. 2) für das Tödten eines Zahnnerven 3—6 M. 5) für interimistisches Füllen kariöser Höhlen 3 bis 10 Mark. 7) für Amalgamfüllungen pro Höhle 10 M. 9) iür das Ausziehen eines Zahnes oder einer Wurzel 3 bis 10 MI. 10) für das Reinigen der Zähne 10-20 M- 16) für einfache Konsultationen im Hause des Zahnarztes 3—5 M. 17) Ist mit der Konsultation eine Untersuchung des ganzen Mundes verbunden, um die nicht aufgeklärte Ursache eines Leidens zu— ergründen 5—12 M. 18) für das Anfertigen künstlicher Zähne und Ersatzstücke per Zahn 10—20 M. Wir glauben, dieses Beispiel allein genügt, um jedem gutmeinenden Arzte und jedem Kenner der finanziellen Leistungsfähigkeit des große- ren Publikums die Erhaltung des Zahntechniker- Standes nothwendig erscheinen zu lassen) es ist aber mit den obigen Preisen die Unvcr-frorenheit mancher Zahnärzte noch nicht erschöpft. Besonders Herrn Klenke-Hannover sei hier ern Fall mitgetheilt, der ihn schon deshalb interesstren wird, weil derselbe von einem Zahnarzt, ja sogar einem solchen mit dem Doktortitel herrührt. Ein solcher Zahnarzt hat sich nachweislich für eine mäßig gearbeitete Zahnpisce zu 6 Zähnen(mit Kaut- schukplatte) 42 Thaler--- 126 M. zahlen lassen. Bei einem ungefähren Auslag von 4 M. und einer etwa eintägigen Arbeit ist das eine Beutelschneiderei, der man im Interesse des Publikums nur die allergrößte Konkurrenz wünschen kann. Der Zahnarzt Elias hatte auf der Nürnberger Versammlung gewiß ganz recht, wenn er wünschte, die Kollegen möchten doch Auf der Reservation sind diese Indianer meist fett, -untersetzt und etwas unter mittlerer Körpergröße; ihre Augen sehen denen der mongolischen Race sehr ähnlich; sie ■sind meist klein und verschmitzt. Die Apachen wohnen in Hütten, die aus Aesten zusammengestellt, mit Gras und nasser Erde bepflastert und oft etwas unter dem Erdboden ausgehöhlt sind; sie sind sehr mit Ungeziefer behaftet, im Sommer baden sie oft und gern, im Winter jedoch kann nichts sie bewegen, der Reinlichkeit zu pflegen. Die Zagd ist da? Hauptvergnügen dieser Indianer, und sie sind fast durchgehend) geschickte, geduldige und deshalb meist erfolgreiche Jäger. Auf der Hirschjagd bedienen sie sich eine« gettockneten HirschkopfeS und eines auf dem Rücken mit gelb- rother Farbe versehenen HemdeS; so bekleidet, nähern sie sich, alle Bewegungen de« Wildes nachahmend, dem letzteren bis ■aus Schußweite, und selten entrinnt ein Reh ihrem wohl- gezielten Schusse. Außer von Wildpret nähren sie sich von der amerikanischen Aloe, der mexikanischen Agave, den kleinen fetten Nüßchen einer in dortigen Bergen große Wälder bildenden Pinie und den Bohnen des Mesquite- Baumes. Für gewisse Feste schmücken sie sich mit allerlei Tand, befederten Helmen auS Rehhaut, allerlei bunten Lappen, Schellen und Halsbändern. Ihre Tänze, von der monotonen Musik einer Schilfrohrflöte, einer primitiven Trommel und einer Klapper(ausgehöhlte mit kleine» Steinchen gefüllte Kürbisflasche) und eintönigem Gesänge begleitet, haben etwa» Plumpes, fast Täppisches an sich; sie bestehen einfach darin, daß sich abwechselnd Einer oder Mehrere im Kreise drehen, bald hüpfend, bald schleichend und mit den Händen auf die Schenkel schlagend, wobei sie eine monotone Melodie mit hoia, ha, hu, haia! unzählige Male wieder- Eigentliche Heirath giebt es bei den Apachen nicht; der eine Frau suchende Mann erwirbt dieselbe durch Ankauf von ihren Eltern, und nimmt sie einfach zu seiner Hütte mit, doch wird dazu ein Mädchen nie gezwungen. Im Falle der Untreue fordert der Apache von des Mädchens Eltern das Ankaufsgeld zurück, welches meistens aus Pferden oder Vieh besteht Bei einer Trennung der Gatten folgen gewöhnlich die vorhandenen Kinder der Mutter. Die Apachen haben mit der Diskussion der Frag' in„öffentlicher Sitzung" nicht zu viel Zeit verlieren und Herr Dr. Klenle, welcher dies monirtc, hätte gut gethan, dem statt zu geben, anstatt eine lange Rede vom Stapel zu lassen, in welcher er fick unter Anderem damit rühmte, seit 1. April d. I. 58 Strafanträge an die verschiedenen Staats- anwälte geschickt„und jetzt schon wieder elf auf Lager" zu haben. Wir glauben, es hätte die zahnleivpnde Meinschheit weit mehr interesfitt, wenn Herr Klenke in der Lage gewesen wäre, über irgend eine von ihm erfundene Neuerung auf zahntechnischem Gebiete zu berichten; Herr Professor Sauer würde ihm dann auch wahrscheinlich nicht die Redattion eines Blättckens anempfohlen, sondern möglicher Weise für seine Berufung an ein zahnärzt- liches Institut gewirkt haben. Die Zahnärzte haben es in Nürnberg leider versäumt, ihre Wünsche bezüglich der Gewer- beordnung genauer zu spezialifiren, bei ihrer anerkannten Be- scheidenhert aber würde ihnen voraussichtlich der eine Para- graph genügen: Zahntechniker, welche nicht freiwillig auf die fernere Ausübung ihres Berufs verzichten, werden vermittelst Lachgas zu Tode narkotifirt. In diesem Paragraphen würden sich wohl alle offenen und geheimen Wünsche der betr. Zahn- ärzte begegnen, denn was sie wollen, ist nichts Anderes als die Nieder-PetitionirungderZahntechniker.Es ist das unbestreitbare Verdienst der letzteren, die Erzeugnisse ihrer Branche schon jetzt den Mmder- und Unbemittelten zugänglich gemacht zu haben. Die wirklich guten Zahnärzte haben von der Konkurrenz der Zahn- technicker nichts zu fürchten, nur die Unfähigen werden in etwas gedämpft und das ist gewiß nicht zu beklagen. Eine Aenderung der Gewerbe- Ordnung nach dem Sinne der in Nürnberg geäußerten Wünsche würde nichts Anderes als die Privilegirung ernes Standes herbeiführen, in welchem das Pa- rasttenthum die besseren Kräfte diskreditiren und zum Schaden der Menschheit überwuchern würde. Das Publikum hätte die Zeche zu bezahlen und die Mehrheit der Zahnkranken wäre, wie früher, wiederum dem Zahnschlüssel des Babiers überant- wortet. Bis dahin wird es aber wohl noch gute Weile haben." Der viel beschriene„schwarze Graben", der mit seinen Miasmen nicht nur die ganze Westvorstadt, sondern auch einen Theil von Charlottenbnrg verpestet, gab am Donnerstag früh wieder Veranlassung zu einer Konferenz in Charlotten- bürg, welche von dem Ministerium des Innern anberaumt und zu der sowohl der Herr Regierungs Präsident v. Neefe als auch der Landrath des Teltowschen Kreises, Herr Stubenrauch, sowie Vertreter der sämmtlichen interesstrten Gemeinden, der Städte Berlin und Charlottenburg, der Ortschaften Wilmersdorf und Schöneberg und des Joachimsthalichen Gymnasiums eingeladen waren. Der schwarze Graben führt bekanntlich von Wrlmers- dorf und Schöneberg in Folge der dort angelegten Kanalisation nicht nur der unterhalb liegenden Gegend, Tageswasser, sondern auch einen großen Tbeil menscblicher Exkremente zu, die in der Gegend des Gymnasiums zu Tage treten, dort stagniren und die ganze Gegend verpesten. Das königliche Ministerium hat, um radikale Avhilfe, die dringend geboten ist, zu schaffen, einen Regulirungsplan und Kostenanschlag ausarbeiten lassen, um deren Vorlage es sich in der Konferenz handelte. Nach dem Kosten-Vertheilunasplan würden die Mehrzahl der Kosten der Ausführung des Projekts auf die beiden Gemeinden Wilmers- dort und Schöneberg fallen, und zwar auf die erstere mit 40000 und auf die andere mit 60 000 Thalern. Daß diese bei der Sachlage der Ausführung Schwierigkerlen entgegensetzen, liegt auf der Hand. So ist es denn auch noch nicht zu einer Beschlußfassung gekommen. ar. lieber die Schleusenverhältnisse in Berlin erhält der„Wassersport" folgendes Eingesandt:„Ich beabsichtige in den nächsten Tagen mit meiner 2 er Gig eme Tour(Berlin, Charlottenburg, Valentinswerder, Heiligensee, Tegel, Saat- winkel, Plötzensee, Nordhafen und zurück nach Berlin) zu unternehmen und habe mir der Bequemlichkeit halber die Schleusenscheine vorher besorgt. Für die Stadtschleuse(Rothes Schloß» braucht man keinen Schein, sondern wird ohne Weiteres mit zwei Kähnen mttgeschutzt; die neue Charlotten- durger Schleuse verlangt einen Zoll von 13 Pf.; das Pasfiren der Spandauer Echleufm lostet 30 Pf., desgleichen die Plötzen- see-Schleuse, d. h. wenn man sich den Schein in Spandau löst. Kommt man von Berlin durch den Schifffahrtskanal, so kostet mein Boot an der Schleuse in Plötzensee nur 5 Pf. Ferner kostet die Schleuse am Zoologischen Gatten einen Zoll von 30 Pf., weil mein Boot in vre Klasse derjenigen Fahr« zeuge gehört, welche weniger als 100 Zentner Tragfähigkeit besitzen. Es wird also für dasselbe Boot an den verschiedenen Stellen je nach Auffassung der betreffenden Beamten ein anderer Zoll erhoben; im Schifffahttskanal sogar nach Spandau 5 Pf. und von Spandau 30 Pf. Das sind in der That sehr komplizitte Verhältnisse, und eS wäre wünschenswerth, wenn für Ruderboote ein einheitlicher Schleusenzoll festgesetzt würde. Unter der Ueberschrtft„Eine Gespenstergeschichte" erzählt der Berliner parlamentattsche Korrespondent des„Bresl. selten eine zahlreiche Familie. Das Kind wird kurz nach der Geburt auf ein Brett befestigt, an dessen Kopfende ein kleiner Schirm gegen die Sonn ensttahlen angebracht ist; die Namengebung der Kinder ist stets mit vielen abergläubischen Zeremonien verbunden, doch wird der dem kleinen Kinde gegebene Name bei einem zweiten Feste, da« bei dem Eintreten von dessen Mannbarkeit statt- findet, feierlichst gegen einen anderen vertauscht. Auf dem Ritte trägt die Mutter die Kleinen entweder auf der Hüfte, oder in einer am Sattelknopfe befestigten Decke. Die Knaben werden schon in frühester Jugend im Gebrauche der Waffen unterrichtet und nur äußerst selten bestrast. Wie alle Indianer, sind auch die Apachen dem Feuer- wasser, da« sie au« der Agave selbst zu bereiten wissen, sehr zugethan und in den meisten Fällen, wo sie den Weißen in die Hände fielen, hatten sie ihr Unglück nur dieser Leiden- schaft zu verdanken. Gegen fast alle Krankheiten gebrauchen die Apachen Schwitzbäder und verschiedene, meistens von alten Weibern gesammelte und zubereitete Kräuter; gegen de» Biß der Klapperschlange machen sie Umschläge von gequetschten Blättern einer hier häufig vorkommenden Art von Euphorbia (Wolfsmilch). Die Tobten werden nicht begraben, sondern im Beisein aller Verwandten unter lautloser Stille verbrannt. Zum Zeiche« der Trauer werden den Pferden des gestorbenen Besitzers am Schwänze und an der Mähne einige Büschel Haare abgeschnitten und von den nächsten Verwandten auf- bewahrt. Zum Schluß noch eine wahre Anekdote, die beweist, wie wenig es unseren Truppen gelungen ist, den Apachen den gehörigen Respekt einzuflößen: Als der berühmte Ge- neral Sherman vor drei Jahren die Reservation in San Carlos besuchte, wurde er immer und immer wieder von bettelnden Apachen belästigt, die ihn um Patronen zum Jagen baten. Ungeduldig sagte endlich der General: „Ihr wollt wohl Patronen, um meine Soldaten todt zu machen?" „Oh nein," erwiderten die naiven Rothhäute,„Patro- nen für Cowboys(die halbwilden Vichhirten), für Deine Soldaten sind Knüppel gut genug, großer Vater!" Ztg." einen Vorgang, der, wie er sagt, vor anderen Gespenster- geschichten den'Dorzug hat, daß er auf zuverlässigem Matena! deruht und dessen Thatsächlichkeit wir bestätigen können.„Vor etwa 14 Jahren", so erzählte er,„kam dem damaligen stellver« tretenden Dittgenten des hiesigen Magistratskoüegiums, Bür- germeister Naunyn, zu Ohren, einer der Kaffcnbotm des Magistrats habe auf seinem Bureau eine Gespenstererscheinuna gehabt. Da dieses Erlebniß für einen Kassenboten nicht gerade empfehlend ist. veranlaßte er eine Untersuchang. Der vernommene Bote selbst sagt aus: Er habe sich früh Morgens um 7 Uhr in das Bureau begeben, um dasselbe zu ordnen. Da sei der Rendant der Kasse, der amtlich als krank gemeldet worden, eingetreten, habe an seinem Pulte gerüttelt, als ob er sich von dem Verschlusse desselben überzeugen wolle, und starr und schweigend vor sich hingesehen. Er, der Bote, habe gefragt, warum der Rendant in seiner Krankheit so zeitig ausgehe, habe aber keine Antwort erhalten. Er habe Furcht gehegt, daß der Mann in einem Fieberstand sich befinde, habe demselben die Hand auf die Schulter legen wollen und plötzlich in die leere Lust gegriffen. Die Erscheinung sei spurloS verschwunden gewesen, und er habe im Zimmer, auf dem Vor- flur und der Treppe sich nach ihr vergeblich umgesehen. Darauf habe ihn ein solcher Schrecken erfaßt, daß er sich habe nach Hause begeben müssen. Die Frau des Boten ettlärt: Ihr Mann sei an dem bezeichneten Tage früh ausgegangen, nach kurzer Zeit wiedergekehrt und habe ihr die Erscheinung, die er gehabt, so wie angegeben erzählt. Der Rendant erklätt: Er habe zu der angegebenen Zeit zu Hause im Bette gelegen. Der Arzt des Boten sagt aus: Der Bote sei ein durchaus gesunder Mann, der nie zuvor Vistonen gehabt; das Austreten einer Halluzination sei indessen selbst bei gesunden Personen nicht aasgeschlossen. Weiteres war nicht zu ermitteln. Die Frage, ob dem Boten zu kündigen sei, wurde in sehr emsthafte Er« wägung gezogen. Nur dem Umstände, daß gegen seine dienst- liche und außerdienstliche Führung nicht der geringste Vorwurf zu erheben war, dankte er es, daß von allen weiteren Schritten abgesehen wurde. Nach 10 Jahren starb der Bote. wie er gelebt hatte, als ein pflichttreuer, vorwurfsfreier Beamter, dem nie wieder eine Viston begegnete. Der Zwischenfall, den er erlebt, war inzwischen als interesselos völlig vergessen. Vier Jahre nach ihm starb der Rendant, und nun stellte sich heraus, daß dieser, den man bis dahin für einen ausgezeichneten Beamten gehalten, umfaffende Unter« schlagungen begangen hatte, deren Anfang just in die Zeit ge« fallen sein kann, als er als Gespenst in seiner eigenen Kasse gesehen wurde. So weit geht das, was über diesen immerhin merkwürdigen Fall als historisch sicher betrachtet werden kann. Fast alle, die an der Aufklärung desselben damals ein Interesse gehabt, sind inzwischen gestorben: der Bote, der Arzt, d« Bürgermeister Nannyn. Die Aufklärung selbst ist mit gleicher Sicherheit nicht zu geben; das Wahrscheinlichste ist, daß der Rendant, von fernem bösen Gewissen aetrieben, an jenem Tage nicht in Gkspensterform, sondern in Person auf dem Bureau anwesend war, und daß die Halluzinationen des Boten erst in dem Augenblicke ihren Anfang nahm, als er in die leere Luft zu fassen glaubte. Es ist der vrel besprochene Fall des Rendanten Gabriel, auf den sich diese Erzählung bezieht."— Mit größerer Rafstnirtheit find wohl nie Unterschlagungen ganze Jahrzehnte hindurch verübt worden, wie von dem verstorbenen Gabriel. Die ordnungsmäßigen Stiftungskaffen, die er unter sich hatte, waren stets rn bester Ordnung. Außerdem befanden sich im Verwahrsam der Stiftungskassen aber stets noch Gelder von Legaten, die der Stadt von mildthätigen Gebern zugewiesen, die aber als wirkliche Stiftungen noch nicht gebucht sind, weil sie noch erst die Prozeduren der behördlichen und allerhöchsten Genehmigungen zu durchlaufen haben. Diese Kasse war es, die dem ungetreuen Rendanten die Handhabe für seine Unterschlagungen bot. So wie eine Stiftung alle erforderlichen gesetzlichen Stadien durchlaufen hatte und nun als städtische Stiftung übernommen und gebucht wurde, so speiste er sie aus den disponiblen Geldern, die für neue Stif« tungen eingezahlt waren und stets in ansehnlicher Höhe vor- handen sind. Die Machenschaften nöthigten den Rendanten aber, niemals krank zu sein oder Urlaub zu nehmen. War er krank, so ließ er sich selbst im leidendsten Zustande in sein Bureau bringen und legte sich dott auf das Sopha, und auS demselben Grunde lehnte er seine Pensionirung ab. Alles dies trug dazu bei, daß er für den gewissenhaftesten, vflicktgetreuesten Beamten gehalten wurde, den das Berliner Rathhaus je de- sessen habe. ar. Die Momentphotograpbie im Dienste der Wissen« schaft hat in jüngster Zeit eine kaum geahnte Bedeutung er« langt. Herr Anschütz, ein einfacher Photograph aus Schweidnitz, hat das Verfahren, mikroskopische Momentbilder zu gewinnen, zu einer gewissen Vollkommenheit gebracht, wobei rhm Professor Du Bois-Reymond mit Rath und That zur Seite stand. Ge- genwättig weilt Anschütz in Berlin, um einem Ministerkollegium einen von ihm neu konstruitten Apparat vorzulegen. Der Kultus« minister hat sich von Anfang an für den Gegenstand sehr warm interesfirt und dem schlesischen Photographcn bereits vor längerer Zeit 3000 M. für seine Arbeiten bewilligt; der Minister wird sagar Herrn Anschütz demnächst noch eine weit größere Summe zuwenden. Die Momentphotographie, welche der Wissenschaft bereits Aufschluß gegeben hat über die physio« logischen Vorgänge bei allen Arten der Bewegung, wird übn- gens in den nächsten Semestern an der Berliner Universität den Gegenstand einer Vorlesung bilden, die Herr Professor Ftttsch, Assistent am Physiologischen Institut und eine Kapa- zität auf diesem Gebiete, über Mikrophotographie, d.h. Photo- graphie mikroskopischer Präparate zu halten gedenkt. Eine Frau Müller in der Schönhauser Allee war durch den Versatz verschiedener goldmer Uhren verdächtig geworden- Eine Durchsuchung der Wohnung fühtte zu dem Ausfinden von zirka 70 Pfandscheinen über versetzte goldene Damen- Uhren. Angesichts dieser UeberfübrungSstücke war die Müller geständig, sämmtliche Uhren von ernem Geschäftsreisenvcn Schund dessen Frau erhalten zu haben, welchem die Uhren wiederum zum Zwecke des Absatzes auf Leihkonttakt von einer hiesigen Firma übergeben worden waren. Die Müller und die Sch- Eheleute haben in der Weise operitt, daß sie die Uhren unter- schlugen und durch Lethkonttakte, welche auf fingitte Namen ausgestellt wurden, in der Firma den Glauben erweckten, daß der reelle Absatz der Uhren bewirkt worden sei. Von dem Gelde, welches durch Verpfändung der Uhren gelöst wurde, leisteteten sie die erste Ratenzahlung an die vertrauensseelige Firma, welche nun an den Sch. die vereinbarte Provifion zahlte. Eine im Hause Königgrätzerstraße III wohnhafte Dame traf am 14. d. M. auf dem Hausboden einen unde« kannten Mann, der ihren Bodenverschlag geöffnet hatte. Als sie denselben fragte, was er dott zu suchen habe, gab er zur Antwort:„Da müssen Sie sich an die Klempner wenden, dre da oben find, ich bin nur der Arbeiter", wobei er auf das Dach des Hauses wies. Die Dame ging nun über die Vorder- treppe zu dem Pottier, um sich bei demselben zu erkundigen, ob Klempner auf dem Dache arbeiten, und kehtte, nachdem sie erfahren hatte, daß dies nicht der Fall sei, nach dem Boden zurück. Bei ihrem Eintreffen war der Unbekannte unter Zurück- lassung eines Stemmeisens, mit dem er die Kramme aus der Bodcnthür gezogen und Koffer und Körbe aufgebrochen hattt, verschwunden, ohne den zweifellos beabsichtigten Diebstahl aus- gefühtt zu haben. Mit abgefahrenen Beine« wurde auf den Schienen des Lehtter Rangir- Bahnhofes vergangene Nacht 11'/- Uhr vec Koppelknecht Wilhelm Sch., Hinderstnstraße wohnhaft, aufge- künden. Derselbe hatte am Abend auf dem Bahnhofe ge- schäftlich zu thun gehabt und sich im trunkenen Zustande auf die Schienen zum Schlafen niedergelegt. Hierbei war er von «iner Ranairmaschine elfaßt und überfahren worden. Er wurde zur Eharitee befördert, woselbst er kotz der sofort ange- wandten sorgsamsten Pflege bald darauf unter den unsäglichsten Schmerzen verschied. Die„Fledermaus" hat unter den drei Jubiläumsvor- nellungen den Vogel abgeschlossen, in der Animirtheit der Darstellung, der Jntensttät des Beifalls und dem außerordent- «ich starken Besuch übertraf sie ihre beiden jüngeren Gcnosfinen «er Muse des Meisters. Nicht nur war das Haus komplett ausverkauft, sondern die Billetbestellungen waren derartig, daß nur ein Tdeil derselben cffcktuirt werden konnte. Um nun den vielfachen Wünschen nach der„Fledermaus" zu entsprechen, bat die Direktion des Friedrich-Wilhelmstädlischen Theater sich entschlossen, heute, Sonnabend, und morgen, Sonntag, Wieder- holungen der„Fledermaus" zu veranstalten, welche in der trefflichen von Kritik und Publikum gleich warm anerkannten Besetzung von vorigen Donnerstag von Statten gehen. Lt. Auf der Schwedischen Eisbahn findet am Sonntag em großes internationales Sport- und Rennfest, verbunden wit Milrtärkonzert, statt, wozu die umfassendsten Vorkehrungen tschon jetzt getroffen werden. Außerdem ist dem geehrten ublikum, sowie der lieben kleinen Jugend durch die vielen chau. und Verkaufsduden, Karoussels, Kasperlc-Theater rc. allerhand Abwechselung geboten. Ebenso ist für gute Speisen und Getränke nebst exquisiter Kaffeeküche Sorge getragen.— Wir wollen nicht verfehlen, unsere Leser darauf aufmerksam zu wachen, zumal es wahrscheinlich das letzte Rennfest ist, welches daselbst stattfindet. Polizei- Bericht. Am 16. d. M. Mittags wurde ein Frau in ihrer Wohnung in der Jakodsk. erhängt vorgefunden. r Am 17. d. M. erschoß sich ein Mann in den Pari Anlagen rn der Müllerstraße. Die Leiche wurde nach dem Lbduktions- Hause geschafft.— An demselben Tage Vormittags fiel ein Mann bei Benutzung des Abortcs auf dem Grundstück Köp- Nickerstraße 3—5 in die Abtrittsgrube und mußte von der her- beigcrufenen Feuerwehr herausgeholt werden.— Einige Zeit später gerieth der Schlosserlehrling Dillge in der Werkstatt seines Lehrherrn, Rüdersdorferstr. 21, mit der Hand in die Bohrmaschine, wobei ihm das Vorderglied des Mittelfingers Zerquetscht wurde. Der Verletzte wurde nach dem Krankenhause gebracht.— An demselben Tage Nachmittags wurde ein unbc- lannter dem Ardciterstande angehörender Mann im Alter von 40—45 Jahren vor dem Hause Mauerstt- 68, krank und bewußtlos auf dem Bürgersteige liegend, gefunden und nach der Charitee gebracht.— Um dieselbe Zeit wurde ein 71 Jahre alter Mann auf dem Platz am Opernhause von einem Schlächter-Fuhrwcrk überfahren und erlitt dabei bedeutende Verletzungen, so daß er sich mittelst Droschke nach seiner Wohnung begeben mußte.— Zu derselben Zeit fiel dem auf dem Neubau Oranienstr. 189 beschäftigten Arbeiter Koris aus der Höhe des 3. Stockes ein Ziegelstein auf den Kopf und verletzte ihn derartig, daß er nach Bethanien gebracht werden mußte.— An demselben Tage Abends wurde der Koppelknecht Schmidt, als er auf dem Lehrter Bahnhofe sich in der Nähe der Viehrampe zum Schlafen niedergelegt hatte, durch einen an die Rampe geschobenen Viehwagen überfahren. Hier wurden ihm der linke Ober- und beide Unterschenkel zermalmt, so daß er mittelst Kranken- Wagens nach der Charitee gebracht werden mußte.— Zu der- selben Zeit fiel der Kutscher Hinze in der Wrangelstraße in der Schlaftrunkenheit von seinem Arbeitswagen herab, wurde überfahren und derart verletzt, daß er nach Bethanien gebracht werden mußte._ Gerichts Zeitung. P. Ein wohlvorberettetes qnl pro quo entdeckte im Mai d. I. der in dem Amisgerichts-Gefängniß zu Alt-Lands- berg stationirte Gefangenwärter Blecher. Unter Vorlegung einer gerichtlichen Vorladung, die auf den Namen ihrer Echwä- gerin, verehelichte Emilie Langner, lautete, meldete sich in dem Bureau deS Gefängnisses die verehelichte Arbeiter Wilhelmine Grasse auS Rüdersdorf zum Antritt einer ihrer Schwägerin kurz zuvor zuerkannten siebentägigen Freiheitsstrafe. Die Grasse wurde nun statt ihrer Schwägerin erngelockt und schon hatte fie drei Tage verbüßt, als der Zufall die Entdeckung des Per- soncn-Tauschcs herbriführte. Für beide Thcile hatte der Per- soncn- Austausch hinterher die unangenehme Folge, daß gegen Beide wegen intellektueller Urkundenfälschung Anklage erhooen ward. Wegen dieses Vergehens angeklagt erschienen die Genannten gestern vor der zweiten Straflammer des Landgerichts II. Wie die angestellten Ermittelungen ergaben, war die Langner Zur Zeit des Vollzugs der gegen fie erkannten Gefängnißstrafc mit ihrem kaum I Jahr alten Säugling in hilfloser Lage von ihrem Ehemann„Arbeiter" Langner böswillig verlassen worden. Die Langner klagte nun der Schwägerin ihr Leid und die letztere war opferwillig be- Kit, die Strafe an ihrer Schwägerin statt zu verbüßen, ledig- sich damit dieselbe ihre Mutterpflichten dem Säugling gegen- über erfüllen konnte. Diesem in der Audienz-Verhandlung winesweges widerlegten Beweggrund ihres Thuns trug der Gerichtshof insofcm Rechnung, als derselbe den Buchstaben des Gesetzes zwar zur Geltung brachte, dagegen aber die Ucber- kktung desselben nur mit möglichster Mrloe ahndete: das Ur- sheil gegen die Grosse lautete auf nur 5 Mark, gegen die Langner auf nur 3 Mark Geldbuße. P. Wegen Buchmachens angeklagt, erschien der Kauf- Mann und Zigarrenhändlcr Theodor Engelke vor den Schranken «er Straflammer Landgerichts Ii. Dem wegen dieses Ver- Gehens und Betruges im Jahre 1882 mit 9 Monaten Ge- mrrgniß bereits vorbestraften Angeklagten wird zum Vorwurf gemacht, daß er auf der Rennbahn zu Hoppegarten «m Okiober vorigen Jahres, sowie ferner am 20. April d. I. «uf der Westend-Rmnbahn gewerbsmäßig besonders mit Offi- Kren in Uniform Wetten in Bettägen von 20,50 Mk. und Mehr abgeschlossen. Im Audienz-Termin bekannte der Ange- »agte auf Befragen des Vorfitzenden sich der obigen Anklage Lemäß für schuldig, soweit dieselbe das Buchmachen auf der Westend-Rcnnbahn betraf; dagegen stellte er in Abrede in Hoppegarten fich des gewerbsmäßigen Glückspiels schuldig ge- �acht zu haben. Nachdem bezüglich dieses von dem Angeklaa- kn bestrittenen Anklage-Punktes Beweis durch Zeugen-Lerneh- «vung erhoben, erachtet der Gerichtshof den Angeklagten für vollständig überführt. Das Urtheil lautete auf 1 Woche Ge- langniß und 150 Mk. Geldbuße eventl. noch 10 Tage Ge- 'üngniß. . Eine taubstumme Dame, das 50 jährige Frl. Kuball oatte das Unglück, am Abend des 12. Juli ct. in der Gerichts- siraße überfahren zu werden. Wie durch ein Wunder kam sie einigen leichten Hautabschürfungen davon. Der Führer «es Gefährts, der Fuhrhcrr Johann Friedrich Zettner, stand gkstern unter der Anklage der fahrläsfigen Körperverletzung vor I «. Klaffe die Gerichtsstraße„—.................. jcrobe. In einer Entfernung von etwa zehn Schritt gewahrte ",'M>ß die Kuball im Begriffestand, den Damm zu überschreiten. i». I sie wiederholt an, natürlich ohne Erfolg, und als er fich ™ Nächsten Augenblicke bemühte, seine Pferde zu pariren, da mar es bereits zu spät, die Deichsel hatte die Taubstumme «"raffen und zu Boden gestoßen. Die Anklagcbehörde nimmt 'un an, daß der Angeklagte aus dem ersten erfolglosen An- in»? ,en Schluß hätte ziehen müssen, daß die betreffende Per- v.tau6 oder gar taubstumm war und erklärt die Fahrlässigkeit bn,?"' et nicht sofort anhielt, sondern das Anrufen wieder- 3W',P,ä,c8 Zu spät war, dem Unglücke vorzubeugen. Die enpeisaufnahme konnte die Behauptung des Angeklagten, daß en..,« P Vllicht als Kutscher im weitesten Sinne des Worts i-llt habe, nicht genügend unterstützen, jedoch faßte der Gc- richtshof mit dem Staatsanwalt die Sache milde auf und er- kannte nach dessen Antrage auf eine Geldsttafe von 40 Mark eventl. 8 Tage Gefängniß. Der Strafsenat des Kammergerickts fällte laut der „Post' in seiner gestrigen Sitzung in ferner Eigenschaft als höchster Gerichtshof in Landesstrafsachen die wichtige Entschei- dung, daß religiöse Versammlungen zu denjenigen Versamm- lungen zu rechnen find, in welchen öffentliche Angelegenheiten erörtert oder bcrathen werden sollen, und daß demzufolge Ver- sammlungen von kirchlichen und religiösen Vereinen, so weit diese Korporationsrechte nicht haben, der polizeilichen Anmel- dung bedürfm. Mannheim, Freitag 18. September. Die hiesige Straf- kammer verhandelte gestern gegen die Inhaber der Firma Voltz u. Lichtenberger in Ludwigshafen am Rhein, welche im März d. I. eine Anzahl Säckchen mit Sprengstoff unter der Deklaration, daß dieselben Waldsamen enthielten, nach Temes- war gesendet hatte, wo ein Theil derselben im Postlokale explodirte und mehrere Postbeamten verletzte. Durch das beute verkündete Urtheil wurden Friedrich Lichtenberger und Voltz wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 200 Mark Geldstrafe strafe und Karl Lichtcnbergcr zu 100 Mark Geldstrafe vcr- urtheilt. Attendorn, 14. September. Eine harte Strafet wurde jüngst durch kriegsgerichtliches Urtheil gegen vier Landwehr- leute aus dem Bereich des hiesigen Bezirkskommandos verhängt. Zwei der Betreffenden find Familienväter. An ein und dem- selben Tage fand jüngst die Kontrol- Versammlung und das Musterungsgeschäft statt. Nach dem Äilitärsttafgesetzbuch hahen sich Mannschaften der Landwehr und Reserve an solchen Tagen bis Mitlernacht als Militärpersonen zu betrachten. Der Bruder eines Landmehrmannes war zur Musterung in demselben Otte anwesend, in welchem dieser zur Kontrol-Versammlung fich be- fand. Jener benahm fich ungebührlich und wurde deshalb in vorläufigen Gewahrsam genommen. Sein Bruder und noch drei andere Landwehrleute wollten dies nicht zugeben. Sie rotteten fich zusammen und beleidigten und be- drohten die Gendarmen, welche die Verhaftung vorge- nommen, und leisteten denselben Widerstand. Die Sache kam zur Anzeige und die vier Beschuldigten wurden unter der Anklage miliiärischen Aufruhrs mit Rücksicht darauf, daß fie selbst zur Zeit der strafbaren Handlung Militärpersonen und die Gendarmen ihre Vorgesetzten waren, vor ein Kriegsgericht gestellt. Das Erkenntniß dcffelhen lautete nach der„Köln. Z." gegen den Anstifter auf 5 Jahre Zuchtbaus. Von den drei anderen wurde einer zu 5 Jahren 6 Monaten, die beiden letzten zu je 5 Jahren Gefängniß vermtheilt. Der§ 106 deS Militär-Strafgesetzbuches, welcher bei diesen zur Anwendung kam, lautet:„Wenn mehrere sich zusammenrotten und mit vereinten Kräften es unternehmen, dem Vorgesetzten den Ge- horsam zu verweigern, sich ihm zu widersetzen oder eine Thät- lichleit gegen denselben zu begehen, so wird jeder, welcher an der Zusammenrottung Theil nimmt, wegen militärischen Aufruhrs mit Gefängniß nicht unter 5 Jahren bestraft." Uerewe und Versammlungen. Der Formerstreik in der Hartung'schen Gießerei ist beendet und die Streikenden sind bis auf den letzten Mann anderweitig untergebracht worden. Obwohl die Arbeiter unter- legen find, so ist dies doch nur scheinbar der Fall, denn Herr Härtung ist genöthigt, den dort beschäftigten fremden Arbeitcm alle die Forderungen zu gewähren, um die der Streik geführt wurde. 1. Ist der Abzug auf Werkzeug gefallen, 2. zieht Herr Härtung die beim Portier auf Kredit entnommenen Speisen und Getränke im Komptoir nicht mehr ab und 3 muß er, um brauchbaren Guß liefern zu können, den Preis zahlen, den die Streikenden freilich nicht für sich, aber doch für die z. Z. Beschäftigten erkämpften. Im Namen Aller sagen wir allen Genoffen den wärmsten Dank für die tbatkräftige Hilfe, die durch den Opfermuth der Kollegen den Streikenden zu Theil geworden ist und richten an alle Diejenigen, welche noch leiner Arbeiterorganisation angehören, den dringenden Appell, durch schleunigen Beitritt das Versäumte nachzuholen. Der Verein der Kisten- und Koffermacher hielt am 14. ds. Mts. in den„Arminhallcn" eine Versammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Metzncr über:„Ge- werbliche Schiedsgerichte". 2. Bericht der Streikkommisston. 3. Besprechung über das Stiftungsfest. 4. Verschiedenes und Fragekastcn. Herr Metzncr sprach über das alte Gewerbegesctz und die neue Gewerbeordnung und bedauerte ganz besonders, daß in Berlin noch kein Gewerbc-Schiedsgericht vom Magistrat errichtet wurde. Redner erläuterte in seinem Referat den Nutzen der Schiedsgerichte für den Arbeiter und-empfahl eine Petition an den Magistrat wegen Errichtung eines Gewerbeschiedsgerichts, was von der Versammlung mit lcobaftem Beifall aufgenommen wurde. Zum 2. Punkt: Die Stteikangelegenhcit in der Vogt'- schen Werkstatt, berichtete Herr Wahrmann, daß Herr Vogt fich verpflichtet bade, nach dem Preiskourant zu bezahlen.— Nun aber auch die Preise nach dem Tarif zu halten, müsse die Auf- gäbe eines jeden Kollegen sein, dann würde es nicht nöthig sein, daß fich die Kistenmachcr überall in die Werkstellen, resp. bei den Fabrikanten anbieten. Für die Mitglieder des Vereins der Kisten- und Koffermacher bestehe ja ein Arbeitsnachweis Holzmarktgasse Nr. 3 bei Decker, wo fich die Herren Fabit- tanlen hinwenden müßten. Den Kistenmachern, die noch nicht Mitglieder sind, wäre in jeder Mitgliederversammlung Gelegen- heit gegeben, fich einschreiben zu lassen. Je größer der Verein, desto mehr könne er auch für Alle Kistenmacher einstehen. Der Fachveretn der Schneider hielt am Montag Abend eine Versammlung ab in den Gratweil'schen Bierballen, Kom- mandantensttaße, wo Herr Dr. Stahn üaer„Gewerberecht" einen Vortrag hielt. Als Vorwort führt Referent den Unter- schied zwischen den Menschen und dem Thierreich an, despricht das Gehirn und die Hände in eingehender Weise. Es wäre zu wünschen, daß jeder Mensch seine Hände dazu gebrauchen möchte, um fich reell damit zu ernähren, weil er mit Gehirn und Hand weit über den Thieren stehe. Referent geht dann über zur Besprechung der Entwicklung des Handwerks und meinte, vor 2—300 Jahren wäre es doch noch besser mit dem Handwerk bestellt gewesen, wo der Handwerker noch ein größeres Recht gehabt hätte und auch mehr geschützt wurde. Heute leide das Handwerk sehr unter der Konkurrenz der Groß- industrie. Referent ermahnt zum festen Zusammenhalten, damit dadurch die Lage der Handwerker möglichst gebessert werde. In der Diskusfion sprachen fich sämmtlrche Redner im Sinne des Referenten aus. Zu„Verschiedenes" macht der Vorfitzende auf den Schreibkursus des Herrn Mieth» aufmerksam, und em- pfiehlt zum 6. Ottober d. I. den neuen Zuschneidekursus bei Herrn Mallwitz. Anmeldungen werden beim Kasfirer des Ver- eins entgegengenommen. Auch stattet Herr Frenzel Bericht ab über die bei dem Kgl. Polizei-Prästdium stattgehabte Sitzung in Sachen der Sonntagsarbeit. rb. Einen energischen Protest gegen die Arbeits- resp. Vertragsbücher erhob die am 17. d. M. m den Gratweil'schen Bierhallen tagende sehr zahlreich besuchte Konditorgehilfen- Versammlung, welcher außer einer Anzahl Prinzipale auch drei Delegirte aus Hamburg beiwohnten. Als Zweck der Ver- sammlung kündigte Herr Wever an: offene Stellungnahme zu den Vertragsbüchem! und bezog fich in seinem Referate auf die vom Herrn Kador, Verbandssekretär sclbstständiger deutscher Konditoren, auf dem zu Hamburg abgehaltenen Kongresse ge- machte Acußcrung:„Alle diejenigen Gehilfen, welche etwas gelernt haben und einen fittlichen Lebenswandel führen, nehmen die Vcrtragsbücher gerne und nennen fich mit Stolz Verbands- gehilfen." Der Verband bemühe fich schon sett 10 Jabren, die VertragSbücher einzubürgern. Daß er damit noch keine entsprechenden Erfolge errungen, habe darin seinen Grund, daß die Mehrzahl der Prinzipale, den Vettragsbüchern un- sympatisch gegenüberstehe. Die Vertragsbücher wären nur ge- eignet, die Gehilfen zu schädigen, finanziell durch den Vermerk des bezogenen Gehaltes, moralisch durch das auszustellende Zeugniß über Fleiß und Betragen. Wenn er sehe, daß den Ge- Hilfen über Betragen und Fleiß einschülerhaftesZeugnißausgestellt werde, dann üvcrkomme ihn ein Gefühl der Beschämung. Die Regierung habe den Arbeitern eine selbständigere Stellung eingeiäumt, die Prinzipäle sollten nicht zurückbleiben, denn es sei nicht anzunehmen, daß dieselben konservativer seien, als die Regierung. Nach Anficht der Meister wären die Vertragsbücher der Ordnung wegen da. Nun, auch die Gehilfen wollten Ord- nung, aber nicht auf Giund diktatorischer Gesetze, sondem auf Grund gegenseitiger Achtung. Durch die Vertragsbücher be- kämen die Prinzipale nur unlufiige und unzufriedene Gehilfen. Im Namen der Gehilfenschaft Berlins, der Gehilfenschaft ganz Deutschlands, schloß Herr Weyer sein mit stürmischem Beifall aufgenomm neS Referat, ersuche ich die Prinzipäle, die Ver» tragsbücher fallen zu lassen. In der sehr ledhaften Diskussion, in der fich alle Gehilfen und auch die Prinzipäle, Herren Leh- mann und Tadmann, gegen die Verttagsbüchcr aussprachen, verlas Herr Winkler die aus den Städten Stettin, Hamburg, Magdeburg, München, Dresden, Hannover, Stuttgart und Leipzig eingeholten Gutachten der dortigen Gehilfen, welche sämmtlich die Vertragsbücber verwarfen. Von Herrn Schütz wurde der Vorschlag gemacht, eine Kommission von Prinzipälen und Ge» Hilfen zu wählen, um eine Einigung zwischen beiden herbeizuführen, ein Vorschlag, der namentlich von Herrn Lehmann(Prinzipal) warm befürwortet wurde. Die Herren Gerlt(Vorfitzender deS Vereins selbstständiger Konditoren), Cadcr(Verbandssekretär), Pavel(Prinzipal) und Rasenack(Vorfitzender des Verbands selbstständiger deutscher Konditoren) traten für die Vertrags» bücher ein, doch bemerkte letzterer, daß an den eingeführten Arbeitsbüchern nicht zu rütteln und jede Agitation vergeblich sei. Er stelle es der Gehilfenschast anheim, auf dem nächsten, zu München stattfindenden Kongresse vorstellig zu werden, halte aber ein Vorgehen in dieser Richtung für ausstchtlos. Herr Weyer bemerkte zum Schluß, daß, wenn auch vorläufig nichts zu erreichen sei, doch die Meinung der Gehilfenschasr offen« kundig zum Ausdruck gebracht werden müsse und geschah dieS in folgender Resolution:„Die heut am 17. September tagende Versammlung der Konditorgehilfen Berlins erklärt, daß die Verttagsbüchcr, welche von dem Verband deutscher Konditoren verbreitet werden, der Stellung eines Konditorgehilfen unwürdig find und zwar aus dem Grunde, weil die Verttagsbüchcr nachForm und Inhalt nur geeignet find, die Gehilfenschaft in geschäft- licher sowohl, als als auch in moralischer Beziehung zu schädi- gen und herabzudrücken. Dagegen würde es die Gehilfenschaft gern sehen, wenn die Herren Prinzipäle die Zeugnisse in loser Form einführen würden. Diese Resolution wurde einstimmig angenommen, worauf Herr Weyer eine aus Hamburg einge- laufene Depesche zur Verlesung brachte, in welcher die Ham» burger Gehilfen den Berlinern zu dem geschilderten Vorgehen Hilfe und Beistand zusagen. Mit begeisterten Hochs auf die Hamburger Kollegen schloß die Versammlung. Der Louisenstädtische Bezirksverein„vorwärts" hielt am Mittwoch, den 16. September, in Ruff's Restaurant(City» Passage) eine Versammmlung ab, in welcher Herr Dr. Bohn einen Vortrag über„Zweck und Ziele der Fachvereine" hielt. Referent hob die bestehenden Fachvereine als die best bestehende gewerkschaftliche Vereins> Organisation hervor und kritifirte hierauf die Hirsch- Duncker'schen Gewerlvereine. An den Vor- trag schloß fich eine lebhafte Diskusston. Darauf wurde be- schlossm, einen Protest an die Stadtverordneten> Versammlung zu senden wegen des unpassenden Verhaltens vieler Mitglieder der Stadtverordneten- Versammlung bei Verlesung der Reso- lution mehrerer Arbeiter-Bezirksvereine gegen die Bewilligung der 15000 M. zur Veranstaltung einer Festlichkeit im Rath- hause. Ferner wurde beschloffen, am Sonntag eine Landpartie mit Familie zu veranstalten. Sammelplatz: Potsdamer Bahr.» Hof Nachmittags 1 Uhr. Arbeiter-Bezirksverein der Rosenthaler» Vorstadt. Die Kommisston zur Errichtung einer Vereinsbibliothek theitt den Mitgliedern hierdurch mit, daß die neu gegründete Bibliothek bis jetzt bereits 150 Bände zählt. Die Kommisfion hat bei der Auswahl der Werke darauf Bedacht genommen, daß hauptsächlich solche gewählt wurden, welche man in anderen Bibliotheken seltener vorfindet, Um so durch Güte und Zweck- Mäßigkeit zu ersetzen, waS uns an Zahl vorläufig noch mangelt. Die gewähllen Werke find hauptsächlich politischen, kuttur- geschichtlichen, nationalökonomischen, überhaupt wissenschaftlichen Inhalts. Auch der Poeste ist ihr wohlverdienter Platz einge- geräumt. In Anbetracht der Thatsache, daß Unkenntniß der Gesetze vor Strafe nicht schützt, ist der Grund zu einer Gesetz» sammlung gelegt. Sie glaubt den Grund gelegt zu haben zu einem Bau, der der Vervollkommnung wohl noch sehr be- dürftig, aber auch werth ist. Sie gicbt fich der Hoffnung hin. daß nun auch die Mitglieder ihrerseits ihr Theil durch frei- willige Gaben, an Büchern sowohl als auch an pekuniärer Unterstützung, beitragen werden, die Bibliothek immer umfang- reicher zu gestalten. Der Termin für die Eröffnung der Biblio« thel ist in die erste, im Ottober stattfindende Versammlung ver- legt. Die Besichtigung des jetzigen Bestandes der Bibliothek, als auch die Entgegennahme freiwilliger Gaben für dieselbe, kann in der am Montag, den 21. Sevtember, in Kurzmann's Salon, Bergsttaße 68 stattfindenden Versammlung geschehen. Im Auftrage der Kommission: Karl Berker. Bezirksverein deS werkthätigen Volks der Schön» hauser Vorstadt. Dienstag, den 22. d. Mts., Abends 8'/- Uhr, in Äe'sters Lokal, Schönhauser Allee 161, Versamm« lung. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Herrn Kendziora. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Gäste sind willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Listen zur Arbeiter- schutzgesetz-Petition liegen aus. Gleichzeitig werden die Mit- glieder, die noch im Besitz von Petitronslistm find, ersucht, dieselben zurückzuliefem, gleichviel ob dieselben vollständig auS- gefüllt find oder nicht.(Näheres Inserat der Sonntags- nummer.) Der Fachverein der Tischler hält heute Abend in Jor- dan's Salon, Neue Grünstr. 28, eine Versammlung ab, in wel- cher Herr Dr. phil. Max Baumgart einen Vortrag halten wird über:„Die Trauer um die Tobten bei den verschiedenen Völ- kem der Erde." Gäste haben Zuttitt. Neue Mitglieder wer- den aufgenommen. Billets zum Vereinskränzchcn, welches am Sonnabend den 17. Oktober in der Berliner Ressource(früher Kolosseum) stattfindet, find in der Versammlung zu haben. Die, zum Montag, den 21. September angekündigte Vereinsversammlung in Säger'S Lokal, Grünerweg 29, kann Lokalverbätt- nisse Halver nicht stattfinden. Fachverein der Möbelpolirer für geschweifte Arbeit. Montag, den 21. September, Abends 8 Uhr, Muskauerstr. 28, Versammlung, Tagesordnung: 1. Antrag auf Rechtsschutz. 2. Abrechnung. 3. Verschiedenes und Fragekastcn. *.®ini öffentliche Versammlung der Fabrik- und Hand- arbeitet Berlin« findet am Sonntag, den 20. September, Vor- mittags 10'/2 Uhr, in Golle's Salon. Linienstraße 30. statt. Tagesordnung:.„Der Arbeiter schutzgesetz� Entwurf". Referent Herr Tischlermeister Mitan. Der Einberufer bittet um recht zahlreichen Besuch. Volksversammlung für Neinickendorf und Umgegend Sonntag Vormittag 10'/, Uhr im Müller'schcn Lokal, Tegeler Chaussee 14. Tagesordnung:„Arbeiterschutzaesetz und Sonntagsruhe". Referent Reichstagsabgeordneter Paul Singer. Mitglieder der Ortskrankenkasse der Maschinenbau- Arbeiter und verw. Bcrufsgenossen zu Berlin: Außerordent» liche Generalversammlung am Sonntag, den 20. September, Vormittags 10 Uhr, im Louisenstädtischen Theater, Dresdener- straße 72- 73. Die Tagesordnung wird in der Versammlung. bekannt gemacht.. P. S. In Angelegenheit der Sterbelaffe find wir fiegreich aus dem Streit hervorgegangen, denn die 209000 Mark find gerettet. Es wird daher diese Versamm- lung für uns Alle ein Freudenfest sein, sorgt daher für ein volles Haus. A. Meyer, Skaliyerstr. 144. Fachverein für Schlosser und Bernssaenossen. Sonnabend, den 19. September, Abends SV» Uhr, bei Grat« weilS, Kommandantenstraße 77/79, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag(Diskusston), 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Wahl eines Mitgliedes für den Arbeitsnachweis, 4. Verschiedenes und Fragekasten. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Maurer, Grundstein zur Einigkeit(E. H.) Oertliche Verwaltungs« stelle Berlin. Versammlung am Sonntag Vormittag im Salon „Zum Deutschen Kaiser", Lothringerstraße 37. Vereinigung der deutschen Schmiede. Montag, den 21. September, Abends 8'/, Uhr, Versammlung in GratweilS Bierhallen, Kommandantenstcaße 77—79. Die Mitgliedsbücher können in Empfang genommen werden. Vermischtes. Wiener„Finanzbarone". Das Septemberheft der „Deutschen Revue" enthält einen den Wiener Finanziers ge- widmeten Artikel. Recht ergötzlich ist darin die Schilderung der Sitzung des Vcrwaltungsrathes einer Wiener Bank. Am langen Tische, auf großen Sesseln hingestreckt, mit mächtigen, geschliffenen Tintenfässern vor sich, haben sich die Weisen der Bank versammelt. Da fitzen denn, kollegialisch vereint, Seine Durchlaucht der Fürst, Seine Erlaucht der Graf, Seine Durch- laucht der Fürst, Seine Exzellenz der Herr Statthalter a. D. und so weiter herunter zu den wenigen Bankiers und Jndu- striellen, die vielleicht von dem, was vorgettagen wird, etwas verstehen. Der k. kgl. Bank- Gouverneur hat geläutet, die Sitzung beginnt. Herr Generaldirektionsraths- Etellvertteter wird aufgefordert, den vierteljährigen Geschäftsbericht zu ver- lesen, damit die Herren von demselben Kenntniß erhalten. Herr GeneraldircktiovsrathSstellvertreter bittet um die Erlaubniß, nur kurz die Haupttitel vorlesen und dann die Zahlen nennen zu dürfen, da es ja bei den in Geschäften so hoch erfahrenen Personen, die hier versammelt, nur der An« deutuna bedürfe, um das Zahlenbild klar zu machen. Der Herr Gouve neur nickt beistimmend, Seine Durchlaucht der Fürst, um seine Meinung gefragt, erklärt:„I versteh nix von der G'schicht, wenn's a long Brei machen, oder wenn's gar nix sogen; i verlaß mi ganz auf die andern". Es entsteht ein allgemeines Gelächter; die einen lachen, weil ste fich auf der Höhe der Geschättskenntniß des Fürsten fühlen, die anderen, weil fie es komisch finden und fich einbilden, fie verständen etwas mehr; die Dritten lachen nervös mit, weil es ihnen angenehm ist, daß nur Zahlen und keine Namen im Debitoren- Verzeichniß genannt werden, in welchem auch fie selbst mit großen Summen prangen. Einer oder der Andere, der doch etwas versteht, wird im Moment vom Herrn Generaldirektor mit der Durchficht irgend einer Sache dettaut, die demnächst zum Vorttag kommen wrrd und die ihm das Zuhören an der Zahlengruppirung un> möglich macht. Die Vorlesung wird beendet. Seine Durch« laucht der Graf, unterstützt von Seiner Exzellenz dem Feld« zeugmeister So und So, greifen Seiner Durchlaucht vor, glauben dessen Intentionen errathen zu können, beantragen eine protokollarische Danksagung an den Generaldirektor und die Beamten der Bank für die vortreffliche Geschäftsführung. Nachdem dies geschehen, sagte fie:„Nun werden die Herren wohl nix dagegen haben, daß wir rauchen; mi hungert rein nach einer Virginia." Eine Unterhaltungspause tritt ein, welche der frühere Statthatter dazu benützt, folgenden Speech zu hal- ten:„Ich habe freilich den Bericht gehört, auch mir eingehend die Zahlen notirt; der Dank für die Direktion ist votirt; ich möchte mir nunmehr doch die Frage, wenn fie nicht neugierig klingt, erlauben: Hat denn die Bank etwas verdient?" Die Fürst Durchlaucht fängt an zu lachen und sagt:„I wollt eigentlich auch fo Art Frag' thun. Allgemeines Lächeln, ftöhliches Lachen, man steht auf, läuft vurcheinander, man hat schon lange gesessen. Der Generaldirektor erklärt, es handle fich ja erst um den ersten Quartalsbericht; da sei noch nichts zu übersehen, aber der Statthalter- Exellenz wird im Verstauen in's Ohr geflüstert, in einem so großen Kollegium könne man derartige indiskrete Fragen nicht beantworten, er bekäme allein gelegentlich Aus- kunst. Geschmeichelt, daß ihr die persönliche Ehre zu Theil wird, beruhigt fie fich. Es find auch noch verschiedene Andere, die so dreist find, ssch nach der Existenz der Bank zu erkundigen, vielleicht bildet fich auch in irgend einer Ecke eine kleine Gruppe, in welcher der Generaldirettionsraths-Stellvertreter mit einem neuen Schwall von Zahlengruppirungen den Herren einen Vor- ttag hält. Nachdem er ihnen aber nunmehr auf diese Weise eingehend die Sache klar gemacht, wagt Keiner mehr zu ftagen; denn es will fich doch Niemand so blamiren, daß er aus der viertelstündigen Auseinandersetzung des General- direktionsraths-Stellvertreter nicht ein vollständiges klares Bild fich gemacht hat. Die deutsche Reichspost Jagdfrevlerin. Aus Düffel- dorf wird geschrieben:„Daß gegen die Post, gegen die deutsche Reichspost— borribile dictu— Anklage wegen Vergehens 8egen die Jagdschutzgesetze erhoben wird, dürfte zu dem ge- ören. woran Ben Äkiba nicht gedacht hat. Hier ist es laut der„Düsseldorfer Zeitung" pasfirt, und zwar so: Eine an einen hiesigen Herrn gelangte Sendung Hasen erwies fich als unbestellbar, weshalb die Post die Thiere, es waren drei Prachtexemvlare, zum öffentlichen Verkaufe brachte, auf welchem Wege ein Restaurateur fie erstand. Dabei übersah aber die Post, daß im diesseitigen Regierungsbezirk die Jagd auf Hasen noch nicht eröffnet und der Verkauf derselben daher noch nicht gestattet ist, und es ist nunmehr, wie gesagt, Anklage wegen Jagdschutzgesetz- Konkavention gegen fie erhoben worden. Was nicht Alles pasfirt in der Welt!" Kleine Mittheilnngen. Königsberg i. Pr. Eine nachahme nswcrthe Lösung fand hier kürzlich ein zwischen zwei hiefigen Herren allen Ern- stes beschlossenes Duell mit dreimaligem Kugelwechsel. Die Duellanten mit ihren Sekundanten trafen pünklich auf dem verabredeten Kampfplatz ein. Dort wurde der Vorschlag ge- macht und auch akzeptirt, vor dem Beginn des Duells noch einmal, wie schon so oft, mit einander einen kräftigen Trunk zu thun. Mittlerweile hatte man an einem Baum eine Scheibe angebracht, die einen Soldaten in Manneshöhe darstellte, und nach dieser, meinte der Beleidigte, wollen wir schießen. Der schlechteste Schütze sollte als besiegt betrachtet werden und eine Geldstrafe zahlen. So geschah es auch. Die schlechtesten Schüsse gab der Beleidigte ab; er zahlte frohen Muchs die verabredete Summe uno blieb dann noch mehrere Stunden mit seinem Gegner zusammen. Fürstenwalde» 17. September.-Fluchtversuch eines Raub- Mörders.) Als der gestern Nachmittag Uhr von hier in der Richtung nach Berlin abgelassene Schnellzug die erste Wärterdude pasfirt hatte, sprang ein in einem Koupee dritter Klasse befindlicher und gefesselter Raubmörder, der von Ratibor nach Münster transportirt werden sollte, plötzlich aus dem Waggon, verletzte fich aber am Kopfe so bedeutend, daß er auf der Stelle liegen blieb. Auf ein Zeichen des Transportems hielt der Zug. Ersterer stieg auS, nahm den Flüchtting wieder in Empfang und der Zug setzte die Fahrt fort. Die beiden Zurückgebliebenen fuhren dann mit dem nächsten Güterzuge nach Berlin weiter. Hamburg, 16. September.(Zur Sittengeschichte.) Die „Hamb. Nachr." berichten von der Verhaftung eines am Meß- berg wohnenden Frauenzimmers wegen Kuppelei, welches junge Mädchen im Alter von 15—17 Jahren bei sich beherbergte und dieselben zur Unfittlichkeit anhielt. Die Untersuchung scheint große Dimensionen anzunehmen. DaS verhaftete Frauen- zimmer soll ihr schändliches Gewerbe auch in der Weise be« trieben haben, daß fie hiefigen Beherbergern ganz junge Mädchen zuführte. Die Polizei, welche wiederholt davon unterrichtet wurde, nahm sowohl in der Wohnung der Kupplerin, wie in den Häusern der betreffenden Beherberger Haussuchungen vor, welche indeß, bis zu dem jüngst gemeldeten Resultat, ohne Er- folg waren. Man hatte früher beim Herannahen der Polizei stets diese zu täuschen gewußt. Wanzleben, 18. September. Gestern Abend wurde in einer der belebtesten Straßen mittelst scharf geladenen Revolvers ein Mordanfall verübt, der indessen glücklicherweise durch einen beherzten Paffanten vereitelt worden ist. Der Uederfallene, ein bier schon lange in Arbeit stehender Tischler, erhielt vor einige» Tagen den Besuch seiner früheren von ihm verlassenen Ge- liebten, der et indessen kurz und bündig den Stuhl vor die Thüre setzte. Gestern Abend nun kam die Verlassene wieder und forderte ihren Geliebten auf, herauszukommen. Auf der Straße drohte fie ihn zu erschießen, falls er fich nicht wieder mit ihr versöhnen wolle. Der Revolver wurde der Wüthenden, die einen fürchterlichen Skandal vollführte, entrissen. Als zur Polizei geschickt wurde, machte fich das„Fräulein" schleunigst aus dem Staube. Dennoch wird die Sache ein ernstes gericht- liches Nachspiel haben. Driefliasten der Redaktion. Mehrere Abonnenten. Uns find die Namen leider selbst unbekannt. Dieselben würden sonst veröffentlicht wor- den sein. G. S. Naunhnstr. 57. Ist nicht eingelaufen. Wieder« holen Sie Ihre Frage gefälligst. P. A. Palltfadenstraste. Wenn der von Ihnen an- geführte Umstand glaubhaft nachgewiesen wird, hat Niemand zu zahlen. Älter Abonnent. Sie werden durch Bleichen des Leinen- zeugeS unter Begießung mit einer schwachen Chlorkalkauflösung gute Resultate erzielen. Wenn die Flecke zu alt find, lasse» sich dieselben überhaupt nicht mehr ganz wegbringen. Nothwehr. So lange der kleine Belagerungszustand in Berlin dauert, dürfen Sie Waffen nur mit Genehmigung der Behörden tragen. I. R., Eteglitzerftr. J. H. R. hedeutet„In hoc sirrnc", zu ergänzen ist das Wort yince*. Das Ganze heißt:„Unter diesem Zeichen wirst du siegen," eine Prophezcihung, die be- kanntlich dem Kaiser Constantin zu Theil wurde. A. R. Ein Hektoliter Kohlen wiegt etwa 100 Kilo, ei» Doppclhektoliter also etwa 200 Kilo. Eine Last war etwa 1- Doppelhektolitern gleich, jetzt giebt es dieses Maaß nicht mehr, 12 Doppelheftoliter Koaks wiegen natürlich bedeutend weniger. Heute: Undine. Theater. Opernhaus. Schauspielhaus. Heute; Roderich Heller. Deutsche» Theater. Heute: Des Meeres und der Liebe Wellen. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Heute: Die Fledermaus. Restdenz-Theater. Heute: Theodora. Wallner-Theater. Heute: Sie weiß etwas. velle-Alliaaee-Theater. Heute: Ein weißer Rabe. Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Die Glocken von Comeville. Viktoria-Theater. Heute: Meffalina. Central-Theater. Alte Jakobstraße 37. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Zum 50. Male: Die wilde Katze. Gesangipoffe in 4 Mm von W. Mannstädt, Mufil von G. Steffens. Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmans. Heute: Die lustigen Weiber von Windsor. Ostend-Theater. Heute: Bummelfritze. KöniastädtischeS Theater. Heute: Gastspiel der Lrliputaner. Die steine Baronin. Theater der RetchShallen. Täglich: Aufreten sämmtlicher Spezialitätm. Ameriean-Theater. Täglich: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Kaufmann'» Täglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. Konkordta. Täglich: Austreten sämmtlicher Spezialitäten und theatralische _ Vorstellung.__ Alhambra-Theater. Sonnabend, den 19. Septbr. 1885: Eröffnung der Saison. Zum 1. Male, mit durchweg neuen Dekorationen: Ueber Land und Meer. Amerikanisches Volksstück mit Gesang und Tanz in 3 Asten und 8 Bildem von Finke und Linderer. Dekorationen auS dem Atelier der Herren Hartwig und Hintze.[2198 Allen Genossen, insbesondere den Mitgliedern deS Arbeiter» BezirkS-Verein» der Roseuth. Borftaot, sage ich bei meiner Abreise nach Altendurg iv@. herzlichstes Lebewohl.[2203 ___ Gustav E a b o r. Die Uhrenfabrik von Max Busse, lUtcmadiec Kr. 15 V iBTalideBHtraase ffr. 157-W> zwischen Biunnen- und Ackerstraße empfieblt sein reichhaltige« Lager, sowie seine ReparatBr % % % aS-.>>"■ Allen Freunden und Bekannten die ergebene Anzeige, daß ich in der Hornstr 11. #-"ISfuHb B-, üsch- B,.r- L-'-l verbunden mit RMtmnraUeB eröffnet habe. Brillante Zimmer für kleine Gesellschaften zur gefl. Benutzung. Zahlreichen Besuch mtgegmsehend zeichne AchtungsvM J ii 1 1 ii s llenke SW. Hornstr. 11. SW. 2195| nahe der Röckernstrahe. Möbel-, Sopha- und Matratzen-Fabrik A. Schulz, 34 Wasserthorstraße 34(auch Theilzahlungj._ � Möbel-, Spiegel- u. Polsterwaaren-Magazin von A. Franke» 46 Wasserthoratrasse 46, empfiehlt nur reelle, gediegene Arbeit. 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Bezirks, Stadtverordneter Gericke, emgeladen.[2220 Das Wahl-Komitee. KtMsvtttiu d. iiktii Ktvölkeriig d. SW. Ktrlios. Die Mitglieder werden ersucht, am Eonnabend, den 19. September, Abends von 8 Uhr ab, bei Lindenborn, SolmS- und Gneisenaustraßen-Ecke, ihre Beiträge zu entrichten. 2199] I. A.: Der Vorstand. 2221] SC o geS-Ordnung: Wlchtrge Kassen-Angelegenheiten. «. Pete»- Gauverein der Maler._ Dienstag, den 22. September. Abends 8'/» U P Alte Jakobstrahe 83, Henerak-Aersammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Verlesung dtt glieder. 3. Abrechnung vom Kränzchen. 4. Wahl eines 0%� sührers. 5. Verschiedenes und Fragekastm. m. sW«' Mitglieder haben Zutritt gegen Vorzeigung ihrer Verein». Der Vorstan�. Kanarienhähne, Roller, keine Schopp, u. Weidcb- Mittenwalderstraße 53, Hof Keller._____ 1�, Tischler-Handwerkz. z. verk. Genthinerstr. 42 u. Ilse 7,00, Marie 7,50 pr- 1000®* Preßkohlen. 2130] liefere frei ins Haus.,»a «. Schenk. Muskauerstraße� Arbettsmurkt. aopf""" asu., w##*. 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