Kr. 222. Mittwoch, de» 23. September 1883. II. Jahrg. Jl trlinrrDollistiliill riian für die Jntereffen der Arbeiter. 4 Das„Berliner Volksblatt" Postaboauement 4 lütt. Cmzel (Eingetragen in der Postzeiwngspreisliste für 1885 unter Nr. 74G,) Jasertioasgebühr beträgt_ für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. KedaKtio«: Keuthstraße 2.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. Abonnements�(EmWung. Zum bevorstcbenden Vierteljahrswechsel erlauben wir uns, alle Arbeiter Berlins zum Abonnement auf das „Kerliner Kolksvlatt" mit der Gratisbeilage „JUastrirtes Soaatagsblatt" einzuladen. Wer der Sache der Arbeiter dienen will, helfe ein Unter. nehmen befestigen, welches bestimmt ist, die berechtigten For. derungen und Wünsche der Arbeiter zum Ausdruck zu bnngen. Suche ein jeder von unseren bisherigen Anhängern, rn dem Kreise seiner Freunde und Bekannten das„Berliner Volks- blast" zu verbreiten und sehe darauf, daß jeder neu gefundene Gefinnungsgenosie sein Versprechen, zu abonniren, auch wirk- lich tI)etbcn jj�,. hxMht sein, den Inhalt deS Blattes immer reichhaltiger zu gestalten. �'.Berliner Volksblatt" Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspcditeuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstr. 44, ent« gcgengenommen._ Ar außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für das nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark entgegen. Die Redaktion und Expedition des„Berliner Volksblatt" Die konservative Republik. Herr C l e m e c e a u hat in einer seiner Wahlreden— zu Draguigare— die er unter freiem Himmel hielt, den Satz aufgestellt, daß die französische Republik konservasto sei Der Abgeordnete von Montmartre hat Recht; sie ist in den fünf,ehn Jahren ihres Bestandes nur allzu konser- vattv gewesen. Mit Ausnahme erner gewrssen Preßfrerhert, die übrigens erst in den letzte« Jahren zur Thatfache ge- worden ist, sind die inneren Zustände Frankrerch» fast noch genau so, wie sie unter Napoleon III. waren. Clemenceau hatte Recht, als er darauf hinwies, er verletze das Gesetz schon dadurch, daß er unter freiem Hrmmel spreche, und in der That verbietet eine Verordnung aus der Zelt de# Staatsstreich#, die man kaltblütig hat werter bestehen lasten, die Versammlungen außerhalb geschlossener Lokale. Im Heere machen sich anrüchige bona- «.Ä»'4 getraut sich nicht, an dem Konkordat, da# emst Napoleon 1. 62 JeuMeton. 9«« MormlmenmSdche«. Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhause«. (Fortsetzung.) WSW Übt»°HI, unb auf W-wf-h-»»w % ÄtKÄÄ«5 wehr sagen, allein die Delaware« drängten rhn nach den schwinden sah:„vielleicht dort oben, wenn eS überhaupt Dortoben gieb," fügte er zögernd hmzu, und sinnend k'eß er das Haupt auf die Brust sinken.— „Ja, auf Wiedersehen dort oben! wrederholte er, als W vor der Thür des GefängnisieS faß und fem ganzes ver- stangenes Leben vor seiner toeele vorüberrollen ließ. „Z;'Ä.W Uvd Lehrern, welche, mit Vorbedacht fernen Hochmuth und sträfliche Vorurtheile weckend, daS erste, unverstlgbare Gift als Konsul mit dem römischen Stuhl abgeschlossen hat, auch nur ein Titelchen zu ändern und unseres Wissens besteht das Gesetz gegen die Arbeiter-Assoziationen, das in reaktio- nären Epochen der Bureaukratie so oft als wuchtige Waffe gedient hat und das aus dem Jahre 1791 stammt, immer noch. In der That, diese Republik ist sehr konservativ; sie ist sogar so konservativ, daß sie ohne fortwährende Kriege nicht bestehen zu können scheint. Herr Thiers, dieser Staatsmann der fpießbürger« lichen AfterweiShcit, hat einmal de» Ausspruch gethan: „Die Republik wird konservativ sein oder sie wird nicht sein!" Tiefster Unsinn des Jahrhunderts! Aber dieser Un- sinn war und ist noch von schwerwiegender Bedeutung, denn er kam aus dem Munde jenes pfifsigen MännleinS, dessen balanzirendc und schaukelnde Staatskunst von allen Politikern Frankreichs, die keine eigene« Ideen hatten, als die Quintessenz aller politischen Weisheit betrachtet wurde und noch wird. Von Dufaure und JuleS Simon bis zu Gambetta, Ferry und Brissoa sind die leitenden französischen Polittker immer noch nicht über den beschränkten JdeentreiS des Herrn Thiers hinausgekommen und sein Ausspruch von der konservative» Republik hat für sie wie eine Devise gewirkt. Man er- innert sich doch noch, mit welchen Erwartungen die Fran- zosen dem Ministerium Gambetta entgegen sahen und dieser 1870 noch so wilde Stürmer that nichts, als daß er alle Kraft einsetzte, um Frankreich in Afrika in kriegerische Kon- flikte zu verwickeln, eine Sache, die Herr Ollivier oder Herr Rouher sicherlich ebenso gut oder noch besser hätten besorgen könne«. Herr Clemenceau meinte, der Wahlkampf drehe sich um Reformen. Wir wünschen nur, daß die# richtig ist. Allein Herr Clemenceau stellte als Programm das der Radikalen von 1869 auf, das damals auch von Brisson gebilligt wurde. Der Schachzug, die Regierung zur Verwirklichung für ein vor sechszehn Jahren von ihrem Chef vertretenes Programm aufzufordern, ist an sich kein ungeschickter. Aber dem steht entgegen, daß Herr Brision innerhalb sechszehn Jahren seine Ansichten sehr geändert haben kann, und be- kanntlich ändern sich bei ehemaligen Oppositionsmännern, wenn sie in die Regierung einsteten, die Ansqauu»gen oft in erstaunlich kurzer Zeit; e# sind dazu oft keine 24 Stun- den erforderlich. Mag Herr Biisso» aber seine' Ansichten inzwischen geändert haben oder nicht— auf jeden Fall paßt das Programm von 1 869 nicht in die gegenwärtige Situation hinein. Die Radikalen von 1869 betrachteten als die Haupt- fache den Sturz des Napoleonischea Regiments; heute aber steht die französische Demokratie vor einer ganz anderen Aufgabe. Ihr Bestand hängt von der Frage ab, ob sie fähig ist, dem Lande entsprechende und zeitgemäße wirth- in sein Leben streuten. Er sah sich heranwachsen und die gleißenden Früchte zur Reife gelangen, zu welchen man einst mit widerwärtiger Selbstgefälligkeit dre Keime in das noch unverdorbene Gemüth des Kindes legte. Er sah sich als Mann, verhärtet im Laster, welches ihm allmählich zur Gewohnheit geworden, mit Füßen treten du heiligsten Rechte der Menschen, leichtsinnig zerreißen die eigenen Familien- bände, und wiederum auSssteuen den üppig wuchernden Giftsamen unter jüngere Gefährten, um spät« über sei» teuflisches Werk zu hohnlachen und mit seinem maßgeben- den Einfluß frech zu prahlen. Er sah sich sinken von Stufe zu Stufe, bis ihm zuletzt nichts übrig blieb, als das Weite zu suchen. „Gott, mein Gott, habe ich es verschuldet, daß ich hier als ein so erbärmlicher Nachkomme stolzer Ahnen elendiglich verderbe, oder diejenigen, die mich auf den rechten Weg hätten führen sollen, es aber unterließen, weil sie es für nicht entsprechend den ehemaligen Wünschen und Neigungen ihrer modernden Vorfahren hielten?" so fragte er sich traurig und niedergeschlagen, während die geknebelten Ge- fangenen ein unheimliches Lied zu seinen Bettachtungen stöhnten. „Mein Leben war ein verfehltes," sagte er, plötzlich emporspringend und sich schüttelnd, als wenn er die Er- innerung an die Vergangenheit hätte von sich abstreifen wollen.„Ja, ein verfehltes, von Anfang an," wiederholte er noch einmal mit festerer Stimme, und dann begann er eilfertig vor dem Gefängniß, wie eine Schildwache, auf und ab zu schreiten.— Eine Stunde verstrich, der Osten erhielt den röthlichen Schimmer, welcher lange vorher den Aufgang der Sonne verkündigt, und noch immer setzte der Graf seinen Spazier- gang vor dem Gefängniß fort. Hin und wieder hatte er wohl das Rufen der sich r» der Nähe des Forts umhertreibenden Utahs vernommen, doch was kümmerten ihn jetzt noch die Utahs? Er hielt es nicht einmal der Mühe werth, die schlafende Wache deS Postens davon in Kenntniß zu setzen. Da erschallte plötzlich der Galopp mehrerer Pferde. welche sich schnell der Einfahrt näherten. Bald darauf schaftliche Reformen zu geben. Vermag sie die# -.. W„ gev« nicht, so wird ihre Herrschast von keiner Dauer sein. Es ist charakteristisch, daß man unter der Republik noch nicht einmal den Versuch gemacht hat, ei» populäre# und die Massen nicht so sehr wie die gegenwärtigen Institutionen belastende# Steuersystem zu schaffen. Die alte demokratische Forderung der direkten progressiven Einkommensteuer und der Beseitigung der indirekten Auflagen ist von den Gambetta und Ferry sofort bei Seite geschoben worden, als diese ehemaligen„Radikalen von 1869 die Regierungssessel besttegen. Keine Spur von einer einschneidenden Fabrik- gesetzgebung. Man ist über das todte Dekret von 1848, das den zwölffiündigen(!) Normalarbeitstag für ganz ankreich festsetzte und da# nichts als ein interessante# istorische# Aktenstück vorstellt, nicht hinausgekommen. Trotz er vielversprechenden Reden von Paul Bert über eine radikale Reform deS Unterrichts ist man auch auf diesem Gebiete so ziemlich beim Alten geblieben. Ja, ja, die Republik ist sehr konservativ und es ist, als schwebte der Schatte» Thiers' noch über ihr. Und Herr Clömenceau selbst scheint konservativ angekränkelt zu sein, indem er nicht neue Reformen verlangt, nicht mit neuen Ideen hervortritt, sondern auf ein alte# Programm zurück- greift. Freilich wäre es auch die Pflicht der französischen Arbeiter, selbst ihre Forderungen in einem Resorm- Programm zu formuliren und sich in Masse um die» Programm zu schaaren, um zeitgemäße und einschneidende wirthschaftliche Resormen herbeizuführen. Vielleicht wären solche wirthschaftliche» Reformen sür die ftanzösischen Ar- heiter, wenn sie sich auf ein entsprechendes Programm hin zusammenschlössen, leichter zu erreichen als irgend anderswo. Ader die ftanzösischen Arbeiter scheinen die Situation nicht ausnutzen zu wollen. Politische Ueverstcht. Zum Jnnungswesen. Durch Verfügung des Regie- rungspräfidenten zu Breslau find unter dem 2. d. M. die Vor- auSsctzungen näher bezeichnet, unter denen„bewährten Jnnun- gen" die im§ lOOe der Gewerbeordnung vorgesehenen beson» deren Rechte verliehen werden können. Diese Verfügung besagt: „Vorbehaltlich der Berücksichtigung der besonderen Ver- Hältnisse deS einzelnen Falles werden an diejenigen Innungen, welche zu ihren Gunsten den Erlaß solcher Anordnungen be- antragen, folgende Anforderungen zu stellen sein: t. Was zunächst die organischen, im Statut vorzusehenden Einrichtungen der Innungen bestisst, so werden dieselben eine Sicherheit dafür bieten müssen, daß die Jnnunasmcister selbst sich im Besitz derjenigen Kenntnisse und Fähigkeiten befinden, welche dem Entwickelungsstande des. betreffenden Handwerks verstummte da# Geräusch und e# entspann sich eine kurze Unterhaltung zwischen den eingetroffenen Reitern und einigen Männern, die bei deren Ankunft vor die Thür ge- eilt waren. Der Graf lauschte. „Rynolds' Mörder müssen im Laufe dieser Nacht hier vorbeigekommen sein oder sich noch in der Nähe des Forts aufhalten," ließ sich eine Stimme vernehmen;„habt Ihr nichts bemerkt?" „Nichts," lautete die Antwort,„vielleicht aber kann die Wache vor dem Gefängniß Auskunft geben." „Wo ist da« Gefängniß?" fragte die erste Stimme wieder. „Ich werde Euch begleiten." Die Pferde setzten sich wieder in Bewegung und kamen auf da# Gefängniß zu. Kaum aber bemerkte die# der Graf, so schritt er ihnen entgegen, au# Beforgniß, daß die ivimmernden Töne der Gefesselten zu den Reitern dringen würden. „We, da?" rief er ihnen zu, als sie ihn in der Dunkel- hett nicht gleich bemerkten. Ihr die Waide hier?" hieß es zurück, und als der Graf du« bejahte, wurden drefelben Fragen" an ihn ge- stellt, die schon m der Einfahrt de# Hofe# gethan worden waren. „Ich selbst habe nicht# vernommen, die beiden Käme- raden aber, du sich mrt mir in der Wache theilten, glaubten den Galopp flüchtiger Pferde gehört zu haben, welche in einiger Entfernung vorübereilte»," entgegnete der Graf mit gewichtigem Nachdruck. � „Nach welcher Richtung?" „Auf die östlichen Gebirge zu." „Wie ich dachte," versetzte der Mormone.„Wo sind Eure Kameraden?" ftagte er gleich darauf. „Sie schöpften Verdacht und gingen dem Ge- räusch nach." „Wie lange ist da# her?" „Ungefähr eine halbe Stunde." „Sie können also nicht weit hinter den Flüchtlingen zurück sein," wendete der Mormone sich zu seinen Gefährte», entsprechen. ES wird daher zu fordern sein, daß das Innung?- statut eine diese Sicherheit bietende Meisterprüf ana als Aus- nahmebedingung vorschreibt. Ebenso wird eine Innung auf dem Gebiete des Lehrlinaswesens nur dann sich bewahren können, wenn das Statut derselben Mrsorge dafür trifft, daß die Lehrlinge bei den Jnnungsmeistern eine dem Stande des Handwerks entsprechende Ausvildung erhalten, und wenn das« selbe zu diesem Zweck Festsetzungen über die Dauer der Lehr« zeit, die Form(Schriftlichkeit) und den Inhalt deS Lehrvertrages enthält, durch welche die wesentlichsten Seiten des Lehr- Verhältniffes befriedigend geregelt werden. Dahin gehört namentlich, daß a) eine ordnungsmäßige technische und gewerbliche Ausbildung gefichert und zu diesem BeHufe in den Lehr« Vertrag die Verpflichtung der Lehrlinge zum Besuche der Fach- und Fortbildungsschulen, sowie die Bedingung aufgenommen wird, daß der Lehrling be« stimmte Arbeiten seiner gesammten Profesfion unbedingt er- lernen müsse und daß, sofern ein Meister der betreffenden Innung ihm diese Gelegenheit nicht zu bieten vermag, er auf entsprechende Zeit einem anderen Meister derselben Innung zur Ausbildung zu überweisen ist; b) daß auch für die fittliche Zucht der Lehrlinge Sorge getragen, insbesondere im Lebrver- trage festgesetzt wird, daß Verstöße der Lehrlinge in dieser Hinficht nach dem Ermeffen des Jnnunasvorstandes mit Verlängerung der mindestens auf drei Jahre zu normirend «n Lehrzeit bestraft werden können.— Endlich wird das Etatut Vorschriften über die Prüfung, welche die Lehrzeit abzuschließen hat, und die Ertheilung eines Lehrbriefes enthalten müffen. Ii. Die Innung wird möglichst Meister aller Branchen der in derselben vertretenen Handwerker umfassen(z. B. eine Tischlerinnung Meister der Möbel-, Parquet-, Bautischlerei) und durch die Zahl und Tüchtigkeit ihrer Mitglieder die Sicher- heit bieten müssen, daß ihr neben dem Willen auch die Kraft innewohnt, das gesammte Lehrlingswesen ihres Gewerbes in dem Bezirke zu leiten. Anträgen auf Gewährung der Rechte aus§ 100e der Gewerbeordnung wird deshalb keine Folge ge- geben werden können, wenn der Innung nicht mindestens zwei Drittel der im Bezirke der Innung wohnenden, zur Aufnahme in dieselbe fähigen Arbettgcber bereits angehören oder deren Meister einschließlich der eigenen Personen nicht mindestens drei Viertel der sämmtlichen Profesfionisten des JnnungSbe- zirks beschäftigten, wenn die Abficht zu Tage tritt, durch Entziehung des Rechts, Lehrlinge zu halten oder bei AuS- dilduna derselben nach eigenem Ermessen zu verfahren, solche Gewerbetreibende zu schädigen, für welche der Ein- tritt in die Innung aus irgend welchen Gründen unthunlich ist. Eelstbverständlich muß die Innung bereits er- kennbare Erfolge aufzuweisen haben, welche zu dem Urtheile berechtigen, daß fie fich auf dem Gebiete des Lebrlingswesens bewährt habe. Mithin können die ftaglichen Vorrechte erst dann verliehen werden, nachdem Lehrlinge durch Jnnungs- meister vollständig ausgebildet und durch den Jnnungsvorstand geprüft worden find, also erst nach einem längeren Bestehen � �"""Hne Innung, welche verschiedene mit einander nicht verwandte Gewerbe in fich vereinigt, wird in der Regel kaum befähigt erscheinen, die Leitung des Lehrlingswesens über den Kreis ihrer Mitglieder hinaus zu übernehmen. Rur in seltenen Ausnahmefällen werden Innungen dieser Art den erforderlichen inneren Zusammenhalt und die Fähigkeit besitzen, den mannia» faltigen Interessen der in ihr vertretenen Gewerbe, soweit drcse Interessen sich auf die Ausbildung der Lehrlinge beziehen, in vollem Umfange gerecht zu werden. In den gedachten Fällen werden die fraglichen Berechtigungen im Allgemeinen ledrglrch unter der Bedingung zu ertheilen sein, daß die Lehrlinge nur in einem Gewerbe auszubilden lind» und daß dieS tn dem Lehrvertraae ausdrücklich festgesetzt wird._,_ IV.« Bei der Begrenzung der Befugnisse, welche den In- nungen durch die auf Grund des§ lOOe zu treffenden Anordnungen beigelegt werden, wird in jedem einzelnen Falle Vor« sorge getroffen werden müssen, daß die Ausbildung von Lehr- lingen oder eine zweckmäßige Regelung des LehrlingsverbaltniffeS solchen größeren Betrieben nicht unmöglich gemacht werde, welche zwar demselben Gewerbe angehören, deren Unternehmer aber nach Lage der gewerblichen Verhältnisse rhres Bettrebes, ohne der natürlichen Regelung der letzteren Zwang anzuthun, nicht füglich genöthigt werden können, Mrtglreder der Innung zu werden." Zum Arbeiterschutzgesetz. Aus R ürnbe rg schreibt der deutsch-freifinnige„Fränk. Kour.": In unserer Gegend ist nun fast kein einziges Dorf, tn welchem nicht in letzter Zeit von Serten der Sozialdemokraten eine Versammlung abgehal- ten wurde, in welcher über das Arbeiterschutzgesetz und eine Petition an den Reichstag gesprochen wird. Es, st übrigens dezeichnend, daß selbst in Gegenden, die bisher die Ultramon- tanen als ihre ausschließliche Domain- betrachteten. � man der sozialdemokratischen Agitation nicht mehr so geringschätzend ge- genübeistebt. Nachdem jüngst der sozialdemokratische Reichs. tagsabgeordnete Grillcnberaer eine Versammlung im Stadt- chen Ncumarlt i. d. Oberpfalz abgehalten hat, hielt es jetzt der „verlieren wir also keine Zett: gelangen sie mit einem zu großen Vorsprunge in die Schluchten, so ist unsere Mühe vergeblich gewesen.". Die anderen Reiter pflichteten ihm bei, und ihre Pferde wendend, ritte« sie«ach kurzem Gruß wieder von dem Hofe hinunter._, Draußen aber lockten sie ihre Utah-Späher zusammen, und ohne die Stelle zu berühren, wo Weatherton mit seinen Begleitern in den Fluß hinabgerttten war, eilten sie in der von dem Grafen mit vieler Genauigkert angege- denen Richtung davon, welche der von den MohaveS e,n- geschlagenen allerdings fast entgegengesetzt lief. Als das Geräusch der Nachsetzenden in der Ferne ver- siummte und auch in der kleinen Wachhütte die alte Ruhe eingetreten war, nahm der Graf seine« unterbrochenen Spaziergang wieder auf., Soll mich wundern, was daraus werden wird!" sagte er bitter vor fich hin..Werden mich vielleicht als Spion und Verräther behandeln; gleichviel— giebt's jetzt doch wenigsten« Einen auf Erden, der mich noch für ein Stück von einem Ehrenmann hält." Dann verfiel er wieder in sein trübes Sinnen, welches tx hin und wieder durch leises, unheimliches Lachen, oder auch durch einzelne unverständlich hingemurmelte Worte unterbrach.. Die Zeit verrann, der rothe Schein im Osten er- bleichte immer mehr zur Helle de« Tages, und deutlicher hoben sich die Umrisse der Gebirgszüge von dem Firmament ab. Der Graf schien das Schwinden der Nacht nicht zu bemerken. � Ställen und auf den Querbalken unter der Plattform krähten, die Schwalben, welche behag- lich ihre Köpfchen aus der engen Nestöffnung steckten, be« oannen ihr Morgenlied zu zwtschern, und verdrießlich und ä?%%%% §####= Vertreter des dortigen Wahlkreises, Etadtpfarrer Gleißner, für nothwendig, fich seinen Wählern vorzustellen und namentlich die sozialdemokratischen Grundsätze zu bekämpfen. Zu den Ausweisungen schreibt die„Pos. Ztg.":„Di- Deputation aus dem Kreise Jnowrazlaw, welche beim Herrn Minister in Angelegenheit der Ausweisungen, wie schon mit- getheilt, eine Audienz gehabt hatte, kehrte am 13. d. M. aus Berlin hierher zurück. Sie hat dem Herrn Minister die traurige Lage der Ausgewiesenen dargestellt, namentlich derjenigen von ihnen, welche nach längerem Aufenthatt in Preußen mit Schwierigkeit Legitimationsbeweise beibringen oder fich über- Haupt durch solche nicht ausweisen können, und aus diesem Grunde häufig in ihrem Heimathlande nicht aufgenommen werden. Aus Rückficht auf die ihm dargestellten Umstände versprach der Minister, diese Kategorie der der Ausweisung Unter« liegenden einer näheren Erwägung zu unterziehen, und machte einige Hoffnung, daß von der Strenge der Äusweisungs- Verfügung diejenigen fremden volnischen Untetthanen vielleicht ausgeschloffen werden, welche sich im preußischen Staate länger als 10 Jahre aufhalten; diese Frage werde jedoch erst in Zu- kunft endgiltig entschieden werden.(Bis jetzt unterliegen der Ausweisung nur diejenigen Ausländer nicht, welche vor dem Jahre 1843, also vor 42 Jahren, nach Preußen gekommen find.)" Aus Reichenbach in Schlesten wird mitgecheilt:„Unter den Mitgliedern der hiesigen jüdischen Gemeinde zirkulirt auf Veranlassung des Vorstandes derselben eine Liste zur Auf- zeichnung des Geburtsorts und des früheren Aufenthalts der Gemeindemitglieder. Der Vorstand läßt diese Liste zirkuliren auf Grund einer Aufforderung des Landrathsamtes." Eine Plenarsitzung de« Bundesrathe« wird in dieser Woche erst am Freitag stattfinden, da biS dahin die Aus- fchüsse beschäftigt find, u. A. um fich über die zollamtliche Be- Handlung der Petroleumfässer rc. schlüssig zu machen. Es sollen bis zum 1. Oktober noch mehrere Plenarsttzungen statt- finden. Ob sodann eine ununterbrochene Fortsetzung der Ar- deiten des Plenums oder eine stillschweigende Vertagung statt- finden wird, steht noch dahin. Da« Prinzip der Staatthilfe bricht fich immer mehr Bahn. So wird auS Italien berichtet, daß bezüglich der am Bau der Eisenbahn Parma- Epezia beschäftigten Arbeiter, 2000 an der Zahl, unter denen einige Cholerafälle vorgekommen find, beschlossen worden ist, die von einigen Blättern gefor- derte Einstellung der Arbeiten als ökonomisch und sanitärisch bedenklich nicht eintreten zu lassen, dagegen durch umfangreiche Echutzmaßregeln und staatliche Zuschüsse zur Ver- pflegung der Arbeiter dem Umfichgreifen der Krank- heit entgegenzutreten. Diejenigen, welche die Arbeit zu ver- lassen wünschen, wird man gehen lassen, aber bei der Ankunft in den Heimathsorten ärztlich beaufsichtigen.— Da wird fich wohl manchem alten Manchestrier das Herz im Leibe umdre- hen. Schadet aber nichts! Der Herzog von Cumberland weigert fich bekanntlich, in Braunschweig Erbschaftssteuer zu zahlen. Als Landesherr habe er das nicht nöthig.— Wir wissen nicht, ob diese Weige- rung rechtlich begründet ist, da die Landesherrlichkeit des Herzogs von Cumberland doch einigermaßen in der Luft schwebt. Unter allen Umständen muß es einen eigenthümlichen Eindruck machen, daß die hochgeborenen Herren ihre Geldprivilcgien mit dem gleichen Eifer vertheidigen wie ihr Gottesanadenthum. Wenn fie selbst keinen Unterschied erkennen lassen bei der Ver- fechtung dieser und jener, so dürfen fie fich nicht wundem, wenn Andere auch auf den Gedanken kommen, den Respekt vor dem Gottesgnadcnthum zu bemessen nach dem Respekt, welchen fie den materiellen Bevorzugungen schuldig zu sein glauben. Hat die thatsächliche Souveränität aufgehört, so sollten doch auch die begleitenden Nutznießungen aushören. Wie die Zeiten sich ändern! Wie vte„Baugewerk- Zeitung" schreibt, ist der bekannte Maurer Körner Mitarbeiter an der Richter'schen„Freis. Ztg." geworden. Es ist noch aar nicht lange her, daß die Herren Richter und Genoffen die ' erren Kömer und Finn mit den lieblichen Namen„Polizei- lemokraten" oder„Polizei-Sozialisten" belegten— und jetzt Mitarbeiter! DaS obengenannte Blatt der Maurer sagt nämlich:„Eine Autorität der Richter'schen„Freifinnigcn Zeitung" ist der Maurerpolier Wilhelm Kömer. Derselbe hat für fich einen Rellamearttkel verfaßt oder verfassen lassen, in welchem er, entgegen allen übrigen Sachverständigen, die Akkordarbeit, wenn er fie leitet, als die solidere gegenüber der Taglohnsarbeit im Baufache bezeichnet. Dieser Artikel hat Gnade vor dem urmanchesterlichcn Blatte gefunden. Vielleicht beweist nun noch Herr Zimmerpolier Finn für dasselbe Blatt die Nothw'endigkeit des 18 stündigen Arbeitstages zum Wohle der arbeitenden Klassen."— Man steht, Herr Richter ist, wenn er gegen die Arbeiterinteresscn loszieht, nicht gerade wählerisch bei seinen Mitstreitem. Die„Freisinnige Zeitung" belügt ihre Leser, wenn fie sagt, daß die vom demokratischen Verein in Hamburg einbe- mfene große Volksversammlung„durch Sozialisten ge- sprengt" worden sei. In keinem einzigen der Hamburger Blätter, die sämmtlich Berichterstatter in jene Versammlung „Nur zwei Stunden Vorsprung glaubten sie zu be- dürfen," sprach er vor sich-hin,„und jetzt sind deren we- nigstens drei verstrichen Hm, vielleicht vergeht noch eine Stunde, bis ihre Flncht entdeckt wird, und ich darf an- nehmen, daß sie gerettet sind." Da bewegte sich ganz leise die angelehnte Thür der Gefängnißhütte. Wenn der Graf, anstatt vor sich auf den Boden zu starren, einen Blick auf dieselbe geworfen hätte, so würde er bei dem unbestimmten Dämmerlicht die von Blut besudelten gräßliche« Züge de« Schlange«- Indianers bemerkt haben, wie derselbe mtt dem Ausdruck eine« Tigers seine glühenden Blicke auf ihn gehestet hielt und die kleinste seiner Bewegungen aufmerksam verfolgte. Der Graf näherte sich jetzt wieder der Thür. La Bataille verschwand im Hintergrunde de« Flurs, und al« der Graf vorbei war, lugte statt seiner der Mormone durch die schmale Spalte. Letzterer war ebenfalls von La Bataille, der unter der größten Mühe und den schmerzhaftesten An- strengungen die Banden von seinen Gliedern gestreift hatte, befreit worden. Bot nun die Physiognomie de« Indianer«, der in der Hütte Gelegenheit gesunden, sich mit einem Messer zu be- waffnen, das Bild einer unauslöschlichen Rachsucht und de» bittersten Hasses, so sprachen derartige Gefühle nicht minder deutlich in den verzerrten Zügen des ergrimmten Mormonen. Er gestand sich, daß die beiden Gefangenen, auf welche Elliot eine so große Wichtigkeit legte, nie hätten entspringen können, wenn der Graf ihnen bei der Flucht nicht behilflich gewesen wäre. Und daß sogar die Mohave« sich an dem Komplot betheiligt, ihn selbst aber auf de« Delaware« An- rathen so unbarmherzig geknebelt hatten, da« schrieb er nicht minder der Verrätherei de« Grafen zu, der, nach seiner Ueberzeugung, Alle« aufgewendet haben mußte, die eben erst getauften wilden Krieger zu besteche« und für seine Pläne zu gewinnen. Wiederum schritt der Graf an der angelehnten Thür vorüber, ohne nach recht« oder links zu schauen. Zwei Ellen weit mochte er von derselbe« entfernt sein, da vernahm er ein leise« Knarren der rostige« Thürangela hinter sich. Schnell kehrte er fich um; ehe er aber noch entsendet hatten und mehr oder weniger ausführliche Berichte gebracht haben, ist so etwas zu lesen. Herrn Eugen Richter allein ist es gelungen, eine solche Freveltat zu entdecken und in die Welt zu posaunen. Wenn das so weiter geht, so wird es wohl nicht lange dauern, bis das Richter'sche Blatt in seinem eigenen Lügendunst ei stickt. Wir gratuliren! Vermehrung der chinesischen Flotte. Die chinesische Gesandtschaft hat dem Vulkan in Stettin den Bau von zwei Panzerdeckloroetten überttagen. Grotzbrttauuien. London, 18. September. Von konservativer und liberaler Seite find die Wahlreden jetzt in vollem Gange, und beide Theile wetteifern darin, den Iren und den Pächtern, resp. Kleingrundbefitzern Berücksichtigung ihrer gerechten Beschwerden zu verheißen. Dabei kommt aber die gegenseitige Polemik nicht zu kurz; die Konservativen verhöhnen die Liberalen hauptsäch« lich wegen ihrer Uneinigkeit, und diese hinwiederum reoanchiren fich, indem fie den Konseivativen vorrücken, die letzteren führen in Afghanistan und in Egypten lediglich das aus, was fie, so lange fie in der Opposition waren, aufs Aeußerste bekämpft haben. Oesterreich-Ungarn. Ein Erlaß des Unterrichtsministers an die Statthalter von Böhmen und Mähren weist auf Zeitungsmeldungen hin, wo» nach in einzelnen Gemeinden, in welchen Volksschulen mtt böhmischer und solche mit deutscher Unterrichtssprache bestehen. betreffs des Besuches der einen oder der anderen Schule ein Druck ausgeübt worden sei, und fordert die Statthalter auf, das diesbezügliche freie Eeldstdestimmungsrecht der Eltern kräf» tia zu wahren, bereits vorgenommene Einschreibungen aufzu» heben und über etwaige Vorkommnisse und Verfügungen auf das Schleunigste zu berichten. Das Wiener„Fremdenblatt" äußert fich über die Ereig» nisse in Ostrumelim wie folgt: Die unioniftischen Tendenzen der Bevölkerung Bulgarim« und OstrumelienS gaben wiederholt Anlaß, die Aufmerksamkeit der politischen Kreise Europas in ernster Weise zu beschäftigen. Nichtsdestoweniger kam der Ausbruch der gewaltsamen Be- wegung, durch welche die bulgarische Union unter Führung des Fürsten von Bulgarien proklamirt wurde, um so uncrwar- teter, als der Wunsch nach voller Aufrechterhaltung und Ach- tung der Verttäge seitens der Großmächte fortgesetzt gehegt wurde und noch in jüngster Zeit unzweideutigen Ausdruck erhalten hatte. Das Vorgehen des Fürsten Alexander, der fich eigenmächtig mit einer Armee an die Spitze der Erhebung stellt, bezeichnet nicht nur eine schwere Verletzung des Völker« rechts, sondern müßte, falls es fich bestätigen sollte, daß bul« garisrte Truppen an die türkische Grenze dirigirt werden, als eine Herausforderung der Türkei betrachtet werden. Europa kann nicht ohne Weiteres eine Jnfraktion in die Bestimmungen des europäischen VertragSrechts legittmiren, welche zugleich eine Verschiebung des im Vertrage von Berlin festgestellten Gleich- aewichts der nationalen und polittschen Kräfte auf der Balkan- Halbinsel zum ausschließlichen Vortbeil eines einzigen Balkan- staates nach fich ziehen würde. Die Ereignisse drängten fich zu rasch und find in ihrem Zusammenhange noch zu wenig zu überblicken, als daß heute schon Bestimmteres über die gemein» same Aktion der Mächte bekannt sein könnte. Allein es ist bei den freundschaftlichen Beziehungen der europäischen Rcgierun« gen und bei dem allseitigen Wunsche einmüthigen Zusammen» wirkens mtt Zuverficht zu erwarten, daß Vorsorge getroffen werden wird, um die Bewegung in möglichst engen Schranken zu erhalten und damit die Grundlage für eine wirksame, so« wohl dem höchsten Entscheidungsrechte Europas als den Jnter» essen aller Balkanoölker entsprechende Einwirkung auf die Eni» Wickelung der Ereignisse zu gewinnen. Frau?r«ich. AuS dem betäubenden Lärm der Wahlversammlungen, Wahlreden und Wahlmanifeste lassen fich für den Außenstehen» den nur einzelne hervorstechende Momente herausheben. Be»' merkenSwerth war die Rede Spullers, weil er der Vertraute Gambetta's war. Epuller, der für die Vereinigung aller Re« publikaner eintritt, erklärte kühn, auf den Zug nach TuniS könne die Republik stolz sein. Für den tonkinesischen Zug sei der 24. Mai(Broglie) verantwortlich. Gambetta habe den Besttz von Tonkin nicht gering angeschlagen, i aber er habe nur dorthin gehen wollen, wenn er mtt den nothwendigen Mitteln ausgerüstet sei. Epuller prophezeit dann für die nächste Kam» mer eine Regierungsmehrheit, die das �Ministerium nicht durch fortwährende Interpellation schwächen und seine Thätigkeit lahmlegen werde. Auch er tritt für das Tolain'sche Programm (der republikanischen Allianz) ein und bemerkt, daß die Tren- nung der Kirche vom Staat die Krönung der Verweltlichung der französtschen Demokratie sein müsse. Die gegenwärtigen Verhältnisse gestatten aber noch nicht, das Konkordat aufzu» kündigen, und auch die Botschaft beim Vatikan will er au« Gründen der äußern Politik aufrechterhalten wissen. Von der Aufhebung des Kulturbudgcts, die doch auch zu dieser „Trennung" gehören würde, finden wir in der Rede nichts. Auch Alain- Targ« schob in einer heute das, was dort vorging, zu unterscheiden vermochte, ergriff ihn eine nervige Faust im Genick, während eine andere Hand ihm mit unwiderstehlicher Gewalt die Kehle zuschnürte. „Verfluchter Verräther!" donnerte ihm des Mormonen Stimme in das Ohr,„also Deine Kameraden befinden fich auf der Verfolgung der entflohenen Spione? Aber Du sollst mir büßen. Du Mitglied einer verfluchten, ungläubige» Nation!" und indem er so sprach, preßte er schäumend vor Wuth seine Hände zusammen, al« wenn er den Grafen augenblicklich hätte erdrosseln wolle«. Dieser nun, von der Natur mit geringeren körperlichen Kräften begabt, erkannte nicht so bald den Schließer und den Indianer, die er beide noch gefesselt und geknebelt Slaubte, so wußte er auch, daß es um ihn geschehen sei. iu sprechen oder zu rufen vermochte er nicht, denn sein er» bitterter Feind drückte seine Luftröhre so fest zusammen, daß ihm alles Blut nach dem Kopfe trat und feine Schläfen zu zersprengen drohten; die Liebe zum Leben trieb ihn aber, da« letzte Mittel zur Selbsterhaltung zu versuchen. Seine Hand fuhr nach der in seinem Gurt steckenden Revolver- pistole, schnell wie der Blitz riß«dieselbe h«auS, d«Hah» knackte, doch schnell« noch, al« die Mündung sich auf seine» Gegner hob, fuhr das Mess« des Indianer« ihm von der Seite bis an da« Heft in die Brust. Die Pistole entfiel seiner Hand, seine Kniet««mochte» den erschlaffenden Körp« nicht mehr zu tragen und bogen sich unt« ihm, und d« Mormone, dem die Last dadurch zu schw« wurde, ließ ihn vor fich auf den Boden sinken. „Wer hieß Dich ihn schon hi« um'« Leben bringen?" ftagte letzt««, sich«schreckt zu La Bataille wendend,„er hätte vor ein Kriegsgericht gehört, um verurtheilt und von Rechtswegen«schoflen zu w«den!" „Nicht wissen, was Kriegsgericht und Rechtswegen/ antwortete kaltblütig d« Zndian«. indem« das Messer an seinen Ledngamaschen von dem Blut reinigte,„ich sehe», Gentile meinen Mormonenbrud« wollen Kugel in'« Letv schießen; ich denken, lieb« todtsteche« Genttle;« schuld, La Bataille nicht treffen Amerikaner, schuld, La Bataiu� nicht»«dienen zwei rothe Decken,« schuld, Delawaren-Has" fesseln großen Schlangenhäuptling wie kleines Kind." „Siglo futuro", er« kui zwei Parteien, gehaltenen politischen Banketrede dem konservativen Regime die Verantwoitung für die Kolonialpolitik zu, und erklärte, daß die Regierung das Buch über diese Politik schließen und die Thatsachen, die durch die Ereignisse in Tonkin zu einer Nothwcndigkeit geworden seien, nicht zu einem förmlichen «System machen wolle. Schließen wird fich dies Buch nun freilich kaum nach dem Belieben der Regierung lassen, so lange Madagaskar noch eine offene Wunde bleibt. Clemenceau hat fich besonders den Süden als Feld seiner Thätigkeit ge- wählt. Tagtäglich hält er Wahlversammlungen ab, welche an Zwischenfällen reich zu sein pflegen. In Toulon war Cle- menccau trotz des Beistandes, welchen der Bürgermeister Tu- testa von Toulon leistete, nicht im Stande, den Beifall der versammelten Wähler zu erringen. Während seiner Rede wurde der Widerspruch so groß, daß der Redner nicht zu Ende ge- langen konnte und unter dem Tumult der Versammelten fich zurückzog. Nickt viel besser war der Erfolg in Dole, wo Cle- menceau am 17. d. M. im Hofe des Hotel de Paris sprechen mußte, weil kein Versammlungslokal beschafft werden konnte. Auch hier wurde ihm sehr lebhaft opponirt, und als er auf die Angriffe eines Redners antworten wollte, durch Lärm das Wort abgeschnitten. In Sous- le- Eaulnier, wo Clemenceau Tags darauf sprechen wollte, ging es noch schlimmer zu. Die Versammlung war von Andegmn an so tumultuarisch, daß es gar nicht einmal möglich wurde, einen Vorstand zu bilden. Man schrie und tobte so lange, bis Clemenceau verschwand, welcher kein Wort geredet hatte. Spante«« Das Hauptorgan der Karlisten, der klärt, daß es seines Wissens in Spanien nämlich Karlisten und Republikaner gebe. An dm Straßendemonstrationen in verschiedenen Städten gegen Deutschland betheiligtm fich nach dem genanntm Blatt die Bischöfe von Ossuna, von Lvicdo, von Placencia und, von seinem gesammten Klerus umgeben, der Bischof von Burgo de Osma, welche vom Balkon ihrer Paläste herab den Tumul- tuanten den kirchlichen Segen„mit heiligem Eifer und wahrem EnthustaSmus" ertheilten. Der Bischof von Burgo de Osma schloß— demselben Blatte zufolge— seine fanatische Anrede „an daS Volk" mit den Wortm:„Es lebe das spanische Heer! ES lebe unsere Marine! Krieg gegen Deutschland!" Der„Siglo futuro" stellt ver deutschen ultramontanm Presse folgendes Zeugniß aus:„Die katholische Presse Deutsch- lands, welche seit Beginn des Karolinen-Konflikts unsere Rechte auf den Befitz jener Inseln mit Eifer vertheidigt hat, fährt unbeirrt und fest in ihrer Kampagne gegen die aosorbirenden Tendenzen des Fürsten Bismarck fort." Holland. Die Bewegung zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts ist in Holland rm fortwährenden Wachsen begriffm. Am ver- gangenen Sonntag fand eine Kundgebung im Haag, der Re- fidenz des Königs, statt. Gegen Mittag begaben fich etwa 1500 Personen, unter ihnen sämmtliche Delegirten der Sek- tioncn de» Vereins für das allgemeine Stimmrecht, der allge- meinen Arbeiterliga und der sozialdemokratischm Liga, im Ganzen etwa 100 Städte vertretend, in geordnetem Zuge mit Bannern und Fahnen auS dem Zentrum der Stadt nach dem Saale im Kunstgebäüde, wo unter Theilnahme von etwa 3000 Personen ein Meeting abgehalten wurde. Nach Verlesung mehrerer aus Brüssel und Paris eingegangener Zustimmungs- und Sympathieadressen traten mehrere Redner auf, von denen hauptsächlich hervorgehoben wurde, daß es das letzte Mal sei, daß man der Regierung die Wünsche des Volks in dieser ge- setzlichen Weise zur Kenntniß bringe und daß die Regierung selber die Folgen zu tragen habe, wenn fie dem Volke das all- gemeine Stimmrecht nicht zugestehe. Hierauf wurde einstimmig «rne bezügliche Resolution angenommen, welche den Präfiden- ten der Kammern und dem Minister des Innern morgen über- reicht werden soll. Wie weiter gemeldet wird, empfing Minister HeemSkerk die Deputation der Vereine, welche die am Sonntag ange- nommene Resolution bezüglich des allgemeinen Stimmrechts überreichte. Der Minister bestritt den Vereinen das Recht, von ihrer Versammlung als einer Nationalversammlung zu sprechen, und stellte in Abrede, daß die gegenwärtige soziale und wirthschaftliche Lage sich durch Emführung des allgemeinen Stimmrechts bessern würde. Andernfalls würde er auf Seiten der Deputation stehen. Die Regierung lege bereits Gesetzent- würfe zur Ausdehnung des Stimmrechts vor, deren Resultat man abwarten müsse.— Viel wird dabei wohl nicht heraus« kommen. Rußland. Die russische Kabrikgesetzgebuna. Herr Franz von Sponer, Vize Konsul und Gerant des österreichischen General- Konsulates in Warschau, meldet hierüber in seinem Juli-Be« richte: Mehr einer ökonomischen Nothwendigkeit als Rücksichten der Humanität ist die jüngst von der Regierung ergriffene Maßregel zur Einschränkung der Nachtarbeit bei Frauen und Kindern in Fabriken entflossen. Der am 3. und 15. Juli laufenden Jahres auf die Dauer von 3 Jahren, gerechnet vom „Ja, ja,'S ist vielleicht besser so," versetzte der Mormone, «och immer etwas verwirrt, denn es hatte in der That nicht in seinem Willen gelegen, den Grafen ohne Verhör tödten zu lassen, noch weniger aber, selbst hilfreiche Hand dabei zu leisten;„komm jetzt," fuhr er gleich darauf fort, der Hofernfahrt zuschreitend,„wir wollen Leute herbeiholen, um sogleich die nöthigen Schritte zur Verfolgung der Flücht- linge einzuleiten." »Weiße Frau finge« hübsche« Lied," bemerkte der In- dianer mit einem teuflischen Lachen, als das Wimmern der Gouvernante sich eben wieder erneuerte. Der Mormone stand einen Augenblick zweifelnd still, Überlegend, ob er die unglückliche Person und den Baron aus ihrer qualvollen Lage befteien solle oder nicht. „Laß sie nur,' sagte er dann, sich wieder in Bewegung setzend,„haben fie schon so lange in ihrer jetzigen Lage zu- gebracht, wird eine Viertelstunde mehr ihnen wohl kernen Schaden bringe«. E« ist besser, ihre Entfesselung findet vor Zeugen statt." Der Indianer nickte grinsend und folgte dem Mor« wonen nach. Ihm war ei gleichgiltig, wann und ob man überhaupt den Geknebelten Hilfe leistete. Sie hatten die Wachhütte noch nicht erreicht, da schlug i>er Graf«och einmal die Augen auf. Die Wirkung de« Erwürgen« war durch de» starken Blutverlust beseitigt worden, dafür aber entströmte um so schneller das Leben seiner geöffneten Brust. „So bald?" flüsterte er mit den Schatte« des Todes auf seinen fahlen Zügen,„o, wer hätte ei geglaubt?— Ich sterbe— sterbe allein, ohne ein Wort de« Drostes— man wird mich vergessen— von mir sprechen wie— von einem Verschollenen. Doch er, er, den ich schmachvoll hinterging— er gedenkt meiner vielleicht milde T» find meine letzten Minuten— darum will ich denen "'cht fluchen— die mit ihren Lehren und ihrem �eispiel mein ganze« Lebe« vergifteten— und mich bi» h'erher— gebracht haben.— Ich vergebe ihnen— ich ver« 8*6« meinen starren, stolzen Ahnen— ha ha ha! ihre Ge- derne— was find sie ander«, als Staub— Staub wie die Gebeine der armen Leute, von deren Schweiß sie sich nährten 1. Oktober 1885, die Nachtarbeit in Baumwoll-, Leinen- und Wollfabriken zu verbieten, wobei es dem Finanzminister über- lassen bleibt, nach gegenseitiger Verständigung mit dem Minitter des Innern, diese Maßregel auch auf andere Jndusttie-Eta- blissements auszudehnen, nachdem die Fabrikanten bis zum Ter« min üblicher Engagements von Arbeitern im Vorhinein benach- richtigt werden. Diese Maßregel entspricht der Abficht der Re« gierung, der Ueberproduktion zu steuern, ihr gewissermaßen einen Dämpfer aufzusetzm. Sie soll verhindern, daß, wie dieS unvermeidlich schien, einzelne, mit geringem Kapital und Kredit arbeitende Fabriken der Krise unterliegen und durch die Macht der Verhältnisse gezwungen die Arbeit ganz einzustellen. Da- durch wäre die Produktion allerding« auch vermindert worden, allein diese naturgemäße Eelbsttegulirung von Angebot und Nachfragt würde zu viele Opfer verlangen, um ohne bedenk- liche Krise vor fich gehen zu können. ES soll somit die nun- mehr unvermeidlich gewordene Einschränkung der Produktion auf die sämmtliche« Jndusttiezweige ausgedehnt und gewisser- maßen örtlich und zeitlich gleichmäßig verthcilt werden, wodurch, wenn auch nicht die gänzlrche Behebung des Uebels, so doch eine wesentliche Schwächung desselben erzielt wird. Der Grund der vorläufigen Beschränkung dieser Maßregel auf das Gebiet der Baumwollen-, Leinen- und Wollenindustrie ist darin zu suchen, daß diese Jndusttiezweige von der Krists am meisten heimgesucht find. Wie tief solche Maßregeln in die Industrie« thätigkeit und den Geschäftsverkehr im Allgemeinen eingreifen, geht schon daraus hervor, daß zur Zeit viele Fabrikanten den einzugehenden Lieferungsvcrträgen die Klausel beisetzen:„wenn die Nachtarbeit nicht verboten wird". Ali charakteristisch ver- dient der Umstand erwähnt zu werden, daß die Initiative hierzu von Seite der Fabrikanten selbst(und zwar von Petersburg) ausgegangen ist. Bulgarien. Zu den Wirren in Osttumelien wird aus Philippopel ge« meldet, daß die Bewegung der Bevölkerung schon am 16. Sep- tember begonnen hat und der Generalgouverncur an diesem Tage schon gestürzt worden ist. Der Haupturheber der Um« wälzung, Dr. Sttansky, ist zum Präfidenten der National- regierung ausgerufen worden. Von den Behörden und Ge« meinden OstrumelienS, welche von dem Regierungswechsel telegraphisch verständigt wurden, liefen alsbald Anzeigen ein, daß sie dem Beispiel der Hauptstadt folgten. Eine Massen» aushebung, welche alle Männer von 18 bis 40 Jahren umfaßt, ist angeordnet worden; alle Kommunikationen mit Konstan- tinopel find durch bulgarische Offiziere und die ofttumelische Miliz zerstört. Gaoril Pascha ist nach Comprichtizza, 12 Stun- den von Philippopel entfernt, in fichere Verwahrung gebracht, Truppen, Milizen und Freiwillige find zur Besetzung der wichtigeren Punkte der türkischen Grenze entsendet worden. Man verechnet. daß Bulgarien und Ostrumelien vereint 50000 Mann ohne Freiwillige ins Feld stellen können. Die an- wesendcn Vertreter der Mächte nehmen eine reservirte Haltung ein. Der englische Militärattache Major Trotter und der englische Konsul Fawcett aus Konstantinopel befinden sich Beide derzeit in Philippopel. Der Fürst von Bulgarien hat folgende Proklamation er- lassen: Wir, Alexander, Fürst von Nord- und Süd�Bulga- tten durch den Willen des allmächtigen Gottes uud des Vol« keS, geben unserem Volke bekannt, daß die Bevölkerung von Ost Rumelien am 18. September, nachvcm fie ihre Regierung gestürzt und eine provisorische Regierung einsetzt hat, Uns ein- stimmrg zum Fürsten der Provinz proklamirte. Dem Wunsche des Volkes, beide Bulgarenländer in eins zu vereiniam und derart sein Ideal zu erfüllen, nachkommend, erkennen Wir die Union als vollzogene Thatsache an und nehmen den Titel eines Fürsten von Nord- und Süd-Bulgarien an. Wir über- nehmen die Regierung der Provinz und erklären, daß wir das Leben, die Frcrheit und das Eigenthum aller ftiedlichcn Bür- ger ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität schützen werden." Das Manifest erklärt femer, alle Maßre- geln seien ergriffen, die Ruhe de« Landes ficher zu stellen; Alle würden strenge verfolgt werden, welche gegen dieselben han- dein sollten. Das Manifest fährt fort:„Ich hoffe, daß Mein geliebtes Volk beider Bulgarienländer, welches das große Ereig- niß enthustastisch degrüßt, der Konsolidirung des heiligen Aktes der Vereinigung beider Bulgarien seine Unterstützung leihen und bereit sein wird, für die Vertheidiaung der Union und der Unabhängigkeit unseres theuren Vaterlandes alle' Opfer zu bringen. Gott stehe uns in diesem schwierigen Untemehmen bei." Die franzöfische Presse weist übereinstimmend darauf hin, daß der Berliner Vertrag durch dm Etaatsstteich in Rumelim eine ernste Verletzung erfahren habe. Nicht ohne Mißtraum gegen die drei Kaisermächte wird auf die frühere Reise des Fürsten von Bulgarien nach Wim, sowie nach Franzensbad zum Nlsstschm Minister des Auswärtigen hingewiesen. Was das Verhalten Frankreichs betrifft, so führt das„Journal des Döbats" aus:„Bei den orientalischen Angelegenheiten, von Egypten abgesehen, minder direkt betheiligt, kann und darf unser Land sich doch nicht für unintercsfirt halten. Fest entschlossen, fich in keinerlei Abenteurr zustürzen, vergißt es doch und auf welche sie— geringschätzig niederblickten— ihre Sünden räche« sich furchtbar an mir, einem ihrer würdigen Nachkommen.— Ob ich sie wohl im andere« Lebm wieder» sehe und ihre persönliche Bekanntschaft machen werde? Ha ha ha! Schümm sich dort drüben vielleicht meiner, weil mir da« Geld fehlte, gleich ihnen meine Rolle mit Ehrm zu Ende zu führen." Seine Augen schlossm fich, seine Athemzüge wurden tiefer und leiser, oftmal« ganz und gar stockend. Die Brust arbeitete aber noch heftig; dmn schwer und ungem trennte sich die Seele von der Hülle, welche sie so lange bewohnt hatte. Ein bitterer Hohn ruhte auf dem bleiche« Antlitz, auf welchem sich die scharfen Züge de« Todes immer deutlicher ausprägten, ein Hohn, so entsetzlich, und doch auch wieder so Mitleid erregmd, daß seine bittersten Feinde und die vielm Opfer seiner sträflichen Leidenschaften durch seinen Anblick hätten ver- söhnt werdm müssen. Sprach doch au« dmselbm seine ganze Verachtung der letzten TodeSschmerzm, die Ver- achtung gegm sich selbst, die er beim flüchtigen Rückblick auf seine Vergangenheit empfand, die Verachtung gegm diejenigen, welche im blindm Wahn grundsätzlich die edleren Gefühle schon zu einer Zeit in seiner Brust er- stickten, als er das Recht noch nicht vom Unrecht zu unter- scheiden vermochte. „Stolze Ahnen— auf Ehre— leerer Klang," flüsterte er, kaum noch verständlich, ohne die Augen zu öffnen;„der Tod macht— Alle« gleich.— Ehre— hohe« Wort auf der Zunge eines— eine«———" hier verschwand plötzlich ver Ausdruck der Verachtung und de« Hohnes, und an dessen Stelle trat eine wehmüthige Zufriedenheit. „Herr Kamerad,— Sie wenigstens fprechm mir nicht dm letzte« Funken von wirklicher— Ehre ab— auf Wieder- sehm—' fügte er noch lispelnd hinzu, und zwar in dem- selben Tone, in welchem er von Weatherton Abschied ge- nommm, und dann war er tobt. Von dem Menschen, der einst im Scheinglanze seiner eingebildetm irdischm Größe sich berechtigt glaubte, de« Werth seiner Mitmmschm nach nichtSsagmden Aeußerlichkeitm bemessen zu dürfm, von ihm war weiter nichts geblieben, nicht, daß alle orientalischen Fragen rm Zusammenhan« stehen, und daß es ihm ziemt, mit Wachsamkeit dem Verlaufe der Krifis zu folgen, die soeben am Fuße des Balkan zum Ausbruche gelangte." Afrika. Nachrichten aus Sansibar zufolge haben englische Kriegs- schiffe jüngst mehrere Sklavenschiffe gekapert und einer großen Menge von Sklaven die Freiheit wiedergegeben. Lokales. r, Da? Vutter-Etnkaufen auf einem BerlinerWochen« markt hat seine Schwierigkeiten, von denen fich mancher, der sein Butterbrod mit Muße und Behaglichkeit verzehrt, nichts träumen läßt. Vor einigen Tagen wurde ein Schuhmacher- meister von seiner am Ausgehen behinderten Ehefrau gebeten, bei seinem Vorüberkommen auf dem Oranienplatze von dem Wochenmarkte daselbst ein Pfund Butter mitzubringen. Der Beauftragte stürzte fich denn auch mit der ganzen Beflissenheit eines guten Ehemannes in daS aufgetragene Geschäft und trat muthig an den Stand einer Händlerin, um welchen fich zahl» reiche Kauflustige herum versammelt hatten, woraus unser Meister schloß, daß die Butter hier gut sein müsse. Sei eS nun, daß sein Blick, mit dem er allerdings ganz überflüssiger Weise die ausgelegte Waare musterte, der Verkäuferin zu sehr sachkundig erschien, oder sei eS, daß diese in dem Kaufgesuche des Mannes nach einer anderen Richtung hin Unrath wetterte, genug, als der Meister sein Pfund Butter forderte und nach dem Preise fragte, wurde ihm im schönsten Marktdialekt die Antwort:„Ne, Ihnen verkoofe ick überhaupt keene Butter nich." Um den Zungenschlag der Verkäuferin nicht noch mehr zu reizen und um sich den auf ihn gerichteten Btickcn der Kauf- lustigen zu entziehen, verließ unser Meister schleunigst die Bude, konnte aber doch nicht umhin, einem Schutzmann den Fall vor« zuttagcn; dieser glaubte die Sache nur so erklären zu können, daß die Hökerin fich in der Person des Kauflustigen geirrt habe; seit einiger Zeit werden nämlich, um den zahlreichen Butterverfälschungen auf die Spur zu kommen, von der Poli- zeidehörde diskrete Einkäufe von Butter bei verdächtigen Händ- lern veranlaßt, wovon höchst wahrscheinlich auch die Händler und'Händlerinnen unterrichtet find; der künstlich zur Schau ge- ttagene Butterverstand unseres Meisters hat nun vermuthlrch den Argwohn der Händlerin erweckt und diese mag fich nicht wenig darauf eingebildet haben, daß, nach ihrer Ueberzeugung» ein Geheimer bei ihr abgefallen war. Die„PreuHisch-Lrttauische Zeitung" schreibt:„Nach- dem Herr Richter die„freifinniae Parter" gegründet hatte, glaubte er nun auch noch eine„Freifinnige Zeitung" gründen zu müssen. Eine Gründung schcrnt aber ebenso verkracht zu sein, wie die andere. Mit eiserner Ruhe ignoriren sämmtliche fortschrittliche Blätter den neuen Eindringling in ihre Reihen, was einen neuen Beweis dafür bildet, daß Herrn Eugen Richter das Ruder des ParteischiffcS bereits entglitten ist. Die neue „Freifinnige Zeitung" macht krampfhafte Versuche, ihre Existenz zu erhalten, scheint aber damit kein Glück zu haben. Wenn in Nr. 15 des Blattes die Expedition bereits ankündigt, daß fie„Fünfzig Pfennig für jeden durch eingesandte Postqutttuna nachgewiesenen Postabonnenten auf die„Freifinnige Zeitung" pro 4. Quartal vergütet"— so kann man fich einen Vers da- rauf machen, wie oie Ausfichten des Blattes stehen und wie wenig von der ausposanten Abonncntenziffer richtig sein mag. Wenn man schon Proviston für die Beschaffung eines Abon- nenten bieten muß, so ist das Ende nicht mehr weit. Der große pekuniäre Verlust, der mit dem Zusammenbruche einer im größeren Style geplanten hauptstädtischen Zeitung unauS- weislich verknüpft ist, düfte dem Fasse den Boden vollends auS» stoßen. Sie transit gloria rnnndi." Die zahlreichen beklagenSwerthen Unfälle, welche in frevelhaft leichtsinniger Weise durch Versendung von Feuer- «erkSkörpern mittelst der Post oder Eisenbahn, herbeigeführt werden dadurch, daß aus purer Bequemlichkeit oder, um die bestehenden gesetzlichen Vorschriften zu umgehen, die Bczeich- nung des gefährlichen Inhaltes der Sendungen geflissentlich unterlassen wird, haben dem kaiserlichen Ober-Postdirektor Ver- anlassung gegeben, fich neuerdings an die Ober- Staatsanwalt- schatten mit dem Ersuchen zu wenden, zur Verhütung der ge- rügten Uebelftände auf eine möglichst strenge Bestrafung jeder Uevcrtretung der in§ 10 der Postordnung vom 8. März 1879 für die Versendung von Fcucrwerlskörpem tc. gegebenen Vorschriften nach Maßgabe des§ 367 Nr. 5 des Strafgesetzbuchs hinzuwirken. Der Oberstaatsanwalt deS königl. Kammergerichts hat den ihm unterstellten Beamten der Staatsanwaltschaft auch demgemäße Anweisung ertheilt. Der§ 367 Nr. 5 Str.-G. B. bestraft mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder Haft(und zwar gemäß§ 18 Str.-G-B. Haft bis zu sechs Wochen) denjenigen, welcher bei der Aufbewahrung oder bei der Besör- verung von Giftwaarcn, Schießpulver oder Feuerwerken, oder bei der Aufbewahrung, Beförderung, Verausgabung oder Ver» wendung von Sprengstoffen oder anderen exvlodirenden Stoffen, oder bei Ausübung der Befugniß zur Zubereitung oder Feilhaltung dieser Gegenstände.. vre deshalb ergangenen al« ein starrer, blutiger Leichnam. Er war verschollen und vergesse«, kein Wort der Trauer, noch weniger eine Thräne begleitete ihn, als er weit abwärts in fremder Erde einge- scharrt wurde; kein Kreuz oder Leichenstein bezeichnete ferne letzte Ruhestätte. Fast gleichzeitig mit den aus der Wachhütte herbeige- rufenen Leuten trafen auch die berittenen Mormonen mit ihre« Utah-Spähern, nachdem sie entdeckt hatten, daß sie irregeleitet worden waren, bei dem Gefävgniß ein. Der Baron, den man für unschuldig hielt, und der, angesichts der blutigen Ueberreste feine« alten Kamerade«, keine Neigung verspürte, die Mormonen eines Andern zu belehren, wurde seiner Banden entledigt; ebenso erlöste man die von Krämpfen und einem heftigen Fieber befallene Gouvernante. Allein vergeblich bemühte man sich, von dem Einen oder dem Andern genauere Auskunft über die von den Flüchtlingen eingeschlagene Richtung zu erhalte«. Man vermuthete allerdings, da die Spuren alle in den Fluß hinein standen, daß sie stromabwärts gegangen feien, doch konnten sie eben so gut die entgegengesetzte Richtung, dem Wahsatch-Gebirge zu, gewählt haben. I« beiden Fällen aber hatten sie eine» zu große» Vorsprung gewonnen, um noch darauf rechnen zu dürfen, sie, ohne vorher umfassendere Vorkehrungen getroffen zu haben, auf einer, vielleicht wochenlangen Verfolgung einzuholen. Außerdem bildeten sie auch, nach ihrer Vereinigung mit den Mohaves, eine zu ansehnliche Macht für die auf dem Fort befindlichen Streitkräfte, zumal man sie alle scharf bewaffnet und sogar mit Lebensmitteln nothdürftig ausge- rüstet wußte. Diqenigen aber, welche den Delaware» so lange nachgespürt hatten, waren von den vielen vergebliche» Umwegen erschöpft, und die wenigen auf dem Fort zurück» gebliebene« Männer durften ihren Posten nicht verlasse«, sollte die Station nicht gänzlich von allem Schutz entblößt werden. Nach einer längern Berathung entschied man fich dafür, vor der Rückkehr des Kommandanten nichts zu unternehmen. (Fortsetzung folgt.) Verordnungen nicht befolgt. Diese Verordnungen find in§ 10 der Postordnung vom 3. März 1878 so toi; in den neulich von unS bei Gelegenheit deS Tchnamitgeseyes erwähnten Polizei- Verordnung der Minister für Handel und Gewerbe und deS Innern vom 29. August 1879(Amtsblatt 1879. E. 397) bezüglich der Versendung explodircnder Stoffe enthalten, und nur weisen alle, welche mit Versendung derartiger Stoffe zu thun haben, darauf hin, im Interesse, ihrer Mitmenschen und in ihrem eigenem Interesse, diese Vorschriften zu be- achten, da zu erwarten steht, daß seitens der Staatsanwalt- schaftcn mrt unnachfichtlicher Strenge gegen die Uebertreter vorgegangen werden wird. Da in einigen Fällen sogar Todes- fälle und schwerere Körperverletzungen dadurch vorgekommen find, daß den mit den Packeten befaßten Postbeamten die Gefährlichkeit der Sendung, weil undeklarirt, nicht bekannt war und fie deshalb die nöthige Vorficht nicht anwendeten, so steht sogar zu erwarten, daß sich die Absender derartiger Packete wegen fahrläsfiger Tödtung respettive Körperver- letzung noch vor dem Straflichter zu verantworten haben werden. Zur Triukgelderfrage nimmt die„Volks-Ztg." wie fie selbst sagt, zum unwiderruflich allerletzten Male das Wort und gicbl folgende launige Ausführungen:„In der naheliegenden Erinnerung an das Schiller'sche Wort: Leicht bei einander wohnen die Gedanken, Doch hart im Räume stoßen fich die Sachen, suchten wir nachzuweisen, daß das Streben nach einer unbe- dingten, strikten Durchführung der von Jhering entwickelten Grundsätze an dem Egoismus des Publikums scheitem würde, einem Egoismus, zu dem uns offen selbst zu bekennen wir keinen Anstand nehmen. Daß dieser Egoismus kostspielig ist, und daß der Trinkgelder- Etat eines leidlich gut sttuirten „Stammgastes" im Jahre mindestens 120 Mark beträgt, kann dabei ohne Weiteres zugegeben werden. Inzwischen ist es in allen diesen Fragen zweckmäßig, seine Weisheit direkt an der Quelle zu schöpfen, und so lenkten wir unsere Schritte aus« nahmsweise schon Vormittags nach dem Stammlokal und be- riefen Franz und Hugo, Fritz und Max zu einem vertraulichen Kolloquium über die ihre wichtigsten Interessen berührende Frage. Dasselbe ergab folgendes Resultat. Franz als der älteste und verständigste greinte:„Lieber wär'S mir natürlich, wenn ich das Geld, das ich mir von den Gästen groschen- weise zusammenläppern muß, vom„Alten"— das ist die offizielle Titulatur des Wirthes— als festes Gehalt bezöge. Ader soviel wie ich jetzt verdiene, kann er mir doch nicht geben, und ich stehe mich so besser. Und da mir der Arzt jetzt echtes Bier und guten Rothwcin verordnet hat, kann ich mich der Agitation gegen Trinkgelder fürs erste nicht anschließen. Außerdem genire ich mich gar nicht, von den Gästen Trrnk- Selder anzunehmen, ich sehe daraus, daß fie mit mir zufrieden nd, und das freut mich." Wir nahmen diese Aussage zu Prototoll und zitirtcn Hugo, gesprochen Hujo, der wie ge« wöhnlich in die Lektüre des„Reuen Blattes" vertieft war. Hugo faßte die Sache, wir bedauem es sagen zu müssen, einigermaßen frivol auf.„Wissen Sie, Herr Doktor, wenn ich Abends nach dem Geschäft noch zu Jost oder zu Schindler gehe, dann gebe ich der Mary und der Anna auch Trinkgeld. Ich sehe also gar nicht ein, weshalb ich selber keins kriegen soll. Ich rackre mich genug ab für die Gäste.„Hugo" hinten und„Hugo" vome, so geht das bis spät in die Nacht, warum soll man für die Hetzerei nicht ein Trinkgeld nehmen?!" Der dicke Fritz war ähnlicher Anficht.„Wer zweihundcrtfünfzig Pfund rumschlevpen muß, wie ich, der müßte eigentlich immer ein doppeltes Trinkgeld kriegen. Die anderen Windhunde haben gut reden. Was meinen Sie wohl, Herr Doktor, was man hier den Tag über zu rennen hat! Und dabei der ver- fluchte Podagra! Nützen thun mir die Trinkgeloer freilich überhaupt nicht viel, ich verliere doch alles wieder im Skat. Ich habe zuviel Pech beim Toumüren." Zum Schlüsse er- scheint der Knabe Max, der den Ueberschuß an Trinkgeldern in zwölf weißen Westen angelegt hat. Max ist, was der Berliner einen„hellen Kopp" nennt, und trifft gleich den Kem der Sache.„Ra, wollen Sie mir denn kein Trinkgeld mehr geben, Herr Doktor?"„Bewahre Max, natürlich, immerzu!" „Na, so lange Sie mir welches geben, nehm' ich's auch. Haben Sie die„Fliegenden" schon gelesen?" Und er bringt fie.— Und dabei wird es denn wohl sein Bewenden haben:—„So lange Sie mir welches geben, nehm' ich's auch." Der Inhaber einer hiesigen Kunsthandlung versendet an daS Publikum gedruckte Einladungen zur Erlangung von guten und dilligen Photographien gegen Theilzahlung oder wöchentliche Abzahlung von 50 Pfennig an, in denen eS am Schlüsse heißt:„Sobald die fortlaufend geleisteten Zahlungen die Hälfte des Preises einer Bestellung eneicht haben, wird das Bild schon angefertigt." Bei den Bestellern wird hier- durch vielfach der Jrrthum erweckt, daß sie nach Zahlung der Hälfte des Preises auch in den Befitz des Bildes gelangen. Dies geschieht jedoch nicht; denn der Kunsthändler hält die angefertigten Bilder so lange an sich, bis er durch Raten- Zahlungen vollständig gedeckt ist und dürfte formell hierzu auch verechtigt sein. Dem Publikum aber kann nur dringend em- pfohlen werden, Anpreisungen ähnlichen Inhalts recht sorg- fällig durchzulesen. �. Die Verhandlungen gegen den Maler Graes, welche für den 28. September und die folgenden Tage angesetzt waren, werden vorausfichtlich eine abermalige Vertagung ei fahren, weil der als Entlastungszeuge vorgeladene Professor Kretschmann durch eine Reise am Erscheinen behindert ist. Die Anklage gegen Graes lautet auf Meineid und Verleitung zum Meineio. Mitangellagt find die drei Schwestern Fraulein Rother, während eine Anklage wegen Kuppelei gegen deren Mutter nicht erhoben ist. Dre zu vernebmenden Belastungs- zeugen beziffern fich auf gegen 50. Wie die„Nat-Ztg." hört, wird die Staatsanwaltschaft nur einen Indizienbeweis führen können, da direkte Zeugen für die von Graes und den Mit- angeklagten in Abrede gestellten Vorgänge nrckt vorhanden find. Von Rechtsanwälten, die rn dem Prozesse betheiligt find, nennt man Justizrath Simson, Munckel, Friedmann, doch find noch andere Anwälte herangezogen. In der Berliner „Gesellschaft" fleht man dem Verlaufe des Prozesses mit großer Spannung entgegen. hg. Die Männergesangvereine„Germania".„Lreder- kränz",„Echo I.".„Brunonia" und„Ceres" hatten am Sonn- abend unter Leitung ihres Dirigenten Herrn A. Rohr rm Konzerthaus„Sanssouci" ein Konzert veranstaltet, welches glänzend verlief. Die vorgetragenen Chöre von Znnssig, Silcher, Handwerg. Tschirch, Röhr, Jsenmann und Schmidt zeigten, daß die„Röhr'sche Gruppe" zu fingen versteht und daß fie es ernst mit der Kunst nimmt. Die Aussprache und Intonation ist überall lobenswerth; uns gefiel ganz besonders das vor- treffliche„piano" und daS Zu- und Abnehmen. Halten uns schon die Chöre so manches Bravo entlockt, so wurden wir von ver im zweiten Theile aufgcsührten phantastischen Operette „DeS Sängers Fluch", Text von Quidde und Röhr, Musik von R- Thiele, geradezu überrascht. Das war keine Dilettanten- Aufführung! Die Damen und Herren— nur Vereinsmitglieder — bewegten fich mit einer solchen Sicherheit auf den so heißen Brettern, daß wir ganz erstaunt waren. Kein Männergesana- verein in ganz Berlin ist im Stande, eine solche abgerundete Overetten-Aufsührung zu veranstalten! Wir haben weniastens Aehnliches hier noch me gehört. Die Handlung spielt in Afrika und ist recht unterhaltend. Da giebteS„Eingeborene Neger und Negerinnen, deutsche Kauflcute, Matrosen und Soldaten". Jedes Bild brachte Neues und Vre verschiedenen, wohl von Herrn Röhr besonders eingelegten Chore, wirkten prächtig. Die Solisten waren voll und gan, am Platze; keiner fiel durch. Frau R.. eine wundervolle Bühnenerschelnung- jeder Zoll «ne Königin- sang und spielte dre afrikanische Königin vor- Beianlworilicher Redaktem> trefflich. Der König und einer der beiden Sänger glänzten durch hübsche Stimmen. Zwei Neger, Herr H. und Cl-, hatten — trotzdem fie stumm sein mußten— stets die Lacher aus ihrer Seite. Ein echter Berliner Junge hat dieser Tage sein ange- borenes und anerzogenes Talent der Findigkeit auf reckt ori- ginelle Art oerwerthet. In einem Omnibus der Linie Frank- turter Linden— Potsdamer-Brücke fand fich, wie das„Berliner Tageblatt" erzählt, gleich bei der Abfahrt von der Frankfurter- straße ein etwa 4jähriges Mädchen im Wagen, das fich be- scheiden in die hinterste Ecke drückte und reglementmäßig „leinen besonderm Platz einnahm". Der Wagen war von An> fang an ziemlich gefüllt— es regnete gerade— und das Kind wuide weder vom Kondukteur noch von den Passagieren de- achtet. Jeder glaubte eben, es werde zu einem der Passagiere gehören, weshalb auch nicht nach dem Fahrgelde für die Kleine gefragt wurde. Die Paffagiere wechselten ein paar Male, der Wagen leerte fich an den Theilstrecken und füllte fich von Neuem— das kleine Mädchen blieb unentwegt und wenig be- achtet in seiner Ecke stehen. Wieder glaubte Jeder, das stille, artige Mädchen gehöre eben einem der Mitfahrenden. Endlich war die Schlußstation Potsdamer-Brücke erreicht, Alles stieg aus, nur das artige Kind stand immer noch in seiner Ecke. Nun wurde natürlich der Kondukteur aufmerksam und fragte die Kleine, mit wem fie denn gefahren sei und öb Vater oder Mutter sie vergessen hätten. Das Kind wußte keinen Bescheid zu geben, sah fich forschend nach allen Seiten um und fing endlich an zu weinen. ES wollte zu seinem Bruder, und den konnte es nirgends entdecken. Während die Kutscher und Kondul- teure auf dem Omnibus- Halteplatze fich noch bemühten, waS mit dem Würmchen anzufangen sei, kam athemloS und hochge- rötheten Antlitzes ein zehnjähriger Junge angelaufen, auf den die Kleine sofort freudig zueilte. Es war der gesuchte Bruder, der gleichfalls hocherfreut schien, das seiner Obhut anvertraute Schwesterchen wieder zu sehen. Von den Kondukteuren ins Gebet genommen, gestand der pfiffige Junge, daß er mit seiner Schwester zusammen im Potsdamer Vicrtek eine Besorgung, aber kein Geld zur Omnibusfahrt hatte. Da es nun regnete und er den weiten Weg mit der Kleinen nicht gut zu Fuß zurücklegen konnte, so hatte er das Mädchen mit der größten Unbefangenheit am Halteplatz in der Frankfucterstraße in den Omnibus geschoben in der Voraussetzung, daß der Kondukteur den kleinen blinden Fahrgast als Anhängsel irgend eines er- wachsenen Fahrgastes betrachten und unbeachtet lassen werde. Er selbst aber Hatte fich in Galopp gesetzt und die weite Strecke in einem für seine Kräfte recht erheblichen Dauerlauf durch- messen- Anfangs hielt er mit dem Gefährt wacker Schritt, später aber vermochte er nicht mehr zu folgen, und so traf er erst etwa stehen Minuten nach dem Wagen an der Endstation ein. Dem findigen Jungen wurde sein kleiner Geniestreich natürlich nicht weiter nachgetragen, und frohgemuth zog daS treue Gcschwisterpaar aus dem Frankfurter Viertel seines Weges. NaearrnHa hob saut tarpla(Das Natürliche ist nicht bäßltch)— diese alte Sentenz vorausschickend, wollm wir unseren Lesern hiermit eine heitere Geschichte von einer Er- findung erzählen, bei der es fich um die Beseitigung jener animal-vegetabllischen Erzeugnisse in Apfelform handelt, welche, wie es der Volkswitz derb und munter zugleich ausdruckt, schöne raus sind, weil der Sperling auf ihre Zerstreuung bedacht ist und schließlich noch der Stadtrath für ihr Fortkommen sorgt. Ein Herr Buzer in Halle hat, wie„Der Fuhrhalter" berichtet, eine Erfindung gemacht, die er Dünger-Auffang-Apparat nennt, und deren Zweck sehr löblich ist. Er hatte einen Apparat kon- struirt, um den Unrath unmittelbar am Pferde aufzufangen, so daß er die Straße gar nicht mehr berührt. Der frische und verrottete Pferdekoth bildet, wie ein Zirkular deS Erfinders darlegt, etwa 75 bis 90 Prozent des EtraßenschmutzeS, und daß derselbe eine Plage ist, ja gesundheitsschädliche Folgen haben kann, bedürfte keines Nachweises. Herr Buzer hatte nun für letzten Sonntag Vormittag in Dresden eine ansehnliche Versammlung von Beamten eingeladen, um im Hofe des städtischen Marstalles seinen Pferdeäpfel- Auffang- Apparat praktisch vorzuführen- Es waren ein Militär Roßarzt, königliche und städtische Beamte erschienenen, der Vorstand des Mar- stalles, Herr Stadtrath Lingke, zeigte sich mit einer Anzahl Stadt- verordneter. Die Probe begann. Jeder der den städtischen Hafer verzehrenden Vierfüßler hatte unter seinem Schwänze das geheimnißvolle Etwas aufgeschnallt, daS künflig die Straßen reinzuhalten destimmt ist. Die hochansehnliche Versammlung mattete nun, bis die geehrten Pferde des städtischen Marstallcs ins Gefecht eingriffen. Hin und wieder erhob ein Brauner wohl seinen Schweif, aber das ersehnte Produkt erschien nicht. Es verging Viertelstunde auf Vienelstunde. Man konnte den Thieren nicht gut begreiflich machen, welcherlei Leistungen man von ihnen für das gute Futter erwarte; ge benahmen fich absolut taktvoll. Man setzte fie darauf in schnellere Bewegung; vielleicht füllt das Rütteln allmälig die klingelbcutelattig ge- öffneten Apparate. Umsonst! Die Pferde waren und blieben „stät'sch". War eö nun die Nähe der hochansehnlichen Prüfungs- kommission, was die Pferde bewog, den gebührenden Respekt nicht außer Augen zu lassen, oder, was wahrscheinlicher ist: waren fie durch die unter ihrem Schweife baumelnde Toumüre genirt— binnen einer ganzen Stunde verweigetten die Thiers hartnäckig ihre Mitwirkung. Der Kommission kam es nun zuletzt selbst als zu starke Zumuthung vor, auf die Jmpro- visattonen der Pferde zu matten. Eine Kommisfion, die eine Stunde vergebens auf den Stoffwechsel der Pferde mattet, das ist wohl noch nicht dagewesen! Uebrigens soll der Versuch bei den Marstallpserden fottgesetzt werden. Nicht uninteressant dürfte folgende Zusammenstellung der seitens des statistischen Amtes der Siadt Dresden no- litten Wochenmatttspreise einiger Früchte sein. ES galten Mitte September im Jahre: 1881 1882 1883 1884 1885 Preise in Pfennigen. 1 Gurte 5-10 10 5- 20 5-25 3-15 1 Liter Aepfel 20-30 30 10-20 30- 35 10 1 Liter Birnen 10-20 20-30 10-25 20-40 4-12 1 Liter Pflaumen 20-30 20- 30 15-20 20-25 8-10 1 Stück Pfirsiche 5-10 10 5-10 10-20 0,6-5 1 Liter Preißelbeeren 13 18 25 30 20 1 Kilo Weintrauben 80-100 70-60 60-100 100-120 60-80 Hiernach ist das Jahr 1885 von dem letzten Jahrfünft das ergiebigste hinfichtlich der voraufgesührten Früchte mtt Ausnahme der Preißelbeeren gewesen, die im Jahre 1881 am billigsten waren. Am nächsten kommt das Jahr 1885 dem Jahie 1883, dagegen ist es zum Vorjahr 1384 rn gar keinen Vergleich zu bringen, wie es überhaupt das theuerste vom letzten Jahrzehnt genannt werden muß. r I« unserem zoologischen Garten macht fich gegen- wättig der Uebelstand b- merkbar, daß die Bezeichnung der Thiere an zahlreichen Käfigen fehlt, wodurch der Besuch des Gartens vielfach nutzlos und jedenfalls in seinem unterrich- tenden Wetthe gettngcr wird; namentlich fehlen zahlreiche Eckilder am Antilopenhause, am Hirschgehege und an der Hühnervoliere, auch noch an vielen anderen Käfigen. Wenn es auch richtig ist, daß die Hauptaufmerksamkeit der Gatten- besucher bisher stets dem neckenden farbigen Menschenfleisch zu- gewendet war, das sich auf dem Räume zwischen dem Affen- haus und Raubthierkäfig präsentitte und manchmal sogar eine erstaunliche Anziehungskraft auf junge Damen ausübte, so sollte die Gartenverwaltung doch das Eine thun und das An- dere nicht lassen. Während der zoologische Reichtdum des Gartens durch Nubier-, Singhalesen- und andere Menschen- racen vervollständigt wird, könnte den weniger organisttten Geschöpsen wenigstens ihre korrekte Bezeichung gefickert werden, wobei es ganz dahingestellt bleiben kann, ob der Anblick un« G»«Uh(i» w Berlin. Druck und Verlag von Mag vadtng serer farbigen Menschmbrüder und ihrer oft recht sehr natür- lichen Gewohnheiten auch immer veredelnd oder auch nur be- lehrend auf die zuschauende große Menge der weißen Race wirkt. Jedenfalls werden die Asiaten und Afnkaner höchlich erbaut sein von der zarten Nachficht, welche unsere Damen mit ihren unkultivirten Gewohnheiten hatten und in Berlin dürfte mancher Gelehrte erstaunt sein über die Energie seiner Gattin, die von Natur so zatt besaitet ist, daß fie vom Ge« ruch einer TabakSwolke ohnmächtig wird, während fie im zoo- logischen Gatten standhaft der primitiven Prozedur dcr Nasensäuberung eineS Singhalesen zusah. Man erinnert sich noch der sonderbaren Ltedestra- gödie zwischen einer Frau Rickmers, der Gattin eineS Schiffs- rhcdets und dem italienischen Sänger Garguilo, die damit endete, daß der unwiderstehliche Barde wegen Erpressung ins Gefängniß wanderte, während seine Verführerin von ihrem Manne geschieden wurde. ES scheint, daß diese Schicksalswen« dung in den Empfindungen, wenigstens der Heldin dieses Dramas keine Aendemng hervorgerufen hat. Man theilt unS mit, daß fie von Verona aus, wohin sie sich begeben, von dem nach dem kalten und empfindungslosen Norden verschlagenen Sohn des sonnigen Südens Bttefe voll überschwänglicker Be- theuerungen ttchtet, die nicht selten in gebundener Sprache Klagen darüber enthalten, daß ihre materielle Lage ihr nicht gestattet, seine Lage zu erleichtern. So wenigstens benchtet man uns. Ob Garguilo nach den von ihm gemachten Ettah- rungen unmittelbar nach seiner Haftentlassung ein Eilzugbillet gerade nach Verona nehmen wird, mag jedoch billig bezweifelt werden. Er soll jetzt merklich abgekühlt sein und kein Verlan- gen nach der Fortsetzung seines Abenteuers haben. g. Vermißt wird zur nicht geringen Angst seiner Ange« Höngen der in der vierten Etage des Hauses Templinerstr. 15 wohnhafte Handelsmann Markus Traub., welcher fich am 15. d M. aus seiner Wohnung entfernt hat, um eine anderweitige Wohnung zu mtethen. Da T. seitdem zu seinen Angehörigen weder zurückgekehrt ist, noch sonst ein Lebenszeichen von fich gegeben hat, wird befürchtet, daß ihm ein Unglück zugestoßen est. Der Vermißte ist von untersetzter Statur, hager, hat blonden Vollbart und war mit schwarzem Anzug bekleidet. Gerichts-Zeitung. Der fingirte Raubanfall tn der Mittenwalderstraße, dessen Bekanntwerden s. Z. die Bürgerschaft Berlins einiger« maßen beunruhigte, beschäftigte vorgestern die I. Strafkammer hiesigen Landgenchts I., und zwar hatte fich die kühne Er« findettn jenes„Kriminalfalles", die Wittwe Auguste Marie Hotzel wegen wiederholter Unterschlagung und Diebstahls zu verantworten. Es war am 22. Juli, als die Bewohner des HauseS Mittenwalderstraße 51 aus der Wohnung der Ange« klagten Hilferufe vernahmen und auf ihre Nachforschung die Wrttwe Hotzel in ihier Wohnung am Boden liegend fanden. Sie erzählte mit allen Zeichen der Angst eine romantische Geschichte von einem fremden Menschen, der an ihrer Thür geklingelt, fie mit einem Instrument so heftig gegen den Kopf geschlagen habe, daß fie bewußtlos zusammengebrochen sei, und es ergab fich, daß aus dem Zylinderbureau mittels Nach» schlüffels fast 2000 Mark gestohlen worden waren. Der Kriminalpolizei kam die ganze Erzählung höchst verdächtig vor und dieser Verdacht verstärkte fich namenllich aus Grund der gutachtlichen Aeußerung des ArzteS über die Ver- letzungen, welche die angeblich Ueberfallene erlitten hatte. Nach kurzen Bemühungen hatte die Kriminalpolizei auch die Angeklagte zu dem Geständniß gebracht, daß sie die ganze Raudergeschichte nur erfunden hatte, um begangene Unterschlagungen zu verdecken. Die Angeklagte ist nämlich seit 3 Jahren Verwalterin des dem Holzhändler Grothe aus EberS« walde gehörigen HauseS Mittenwalderstr. 51 und ist geständig, von den eingezogenen Miethen in der Zeit vom Mai bis Juli die Summe von 1965 Mark unterschlagen zu haben. Bei einer Haussuchung wurde in einem Kcllerverichlage in einer Büchse noch die Summe von 910 Mark aufgefunden, gleichzeitig fand man aber auch noch eine Busennadel und ein Petschaft, welche Gegenstände zweien bei der Angeklagten wohnhaften Einjährig« Freiwilligen gehörten. Die Angeklagte hatte diese Sachen gleichfalls beseitigt, um auf diese Weise den Raubanfall noch wahrscheinlicher zu machen. Der Effekt dieser Manipulation war die Anklage wegen Diebstahls. Die Angeklagte gab die Veruntreuungen zu und behauptete, daß fie durch eine große Schuldenlast und durch Widerwärtigkeiten aller Art zu dem Versuche bewogen worden sei, fich auf diese theatralische Weise Gelder zu verschaffen. Der Staatsanwalt beantragte 1 Jahr Gefängniß, das Uttheil lautete auf 10 Monate Gefängniß und 1 Jabr Ehrverlust. Haag, 20. September. Auch bei den PlaidoyerS in dem Prozeß gegen Jeanne Marie Lorette war dieselbe ausgewählte Gesellschaft im Eitzungssaale erschienen, wie bei dm VerHand« lungen. Der General-Staatsanwalt hielt die Klage in ihrem ganzen Umfange aufiecht, erachtete den Mord als vorüberlegt und als einen Ueberfall, will aber mit Rücksicht auf die Jugend der Angeklagten— fie ist 21 Jahre alt— mildernde Umstände zubilligen und deantragt 10 Jahre Zwangsarbeit. Der Ver« theidiger Anwalt Haas sprach vier Stunden, erklärte vorweg. daß er die Vettheidigung in diesem Liebesdrama nur als „nobile otficinrn" unentgeltlich angenommen habe, denn es handle fich um ein beschimpftes, nicht um ein schuldiges Weib, um ein Ovfer sder hohen Gesellschaft. Zuerst habe eine der höchstgestellten Persönlichkeiten Belgiens sie verführt und rhr, obwohl er verheirathet gewesen, die Ehe zugesagt, jetzt habe die Angeklagte die Verbindung mit Sakurada ergriffen, um ihre und ihrer Familie Ehre wieder herzustellen; fie sei in dem Glauben gehalten worden, detselbe sei uv verheirathet, er werde fie heirathcn— von Seiten Sakuradas nichts als Lüge! Er beleuchtete das Vorleben der Angeklngten, ihre Führung in Scheventngen, die Erregtheit, durch Selbstmordgedanken ge« steigert, in jener Nacht, beitritt energisch die vorbedachte Ueber- legung und forderte Freisprechung. Er hob hervor, daß die Angeklagte in ihrem Lande, da dort Geschworene richten, sicher freigesprochen worden wäre. Auch hier hoffe er es, die Richter werden auf Ehre und Gewissen die Angeklagte freisprechen, und schloß zu ihr selbst gewandt mit den Worten:„Jeanne Lorette, Sie dürfen den Saal mit dem Bewußtsein verlassen, daß es in den Niederlanden Richter giebt". Das ganze Audi- torium klatschte stürmisch Beifall, den der Präsident„selbst nach einer so beredten Rede, wie fie der Vertheidiger gehalten", streng rügte. Jeanne, zum Schlußwort zugelassen, sagte-„Jcb habe mich nur veitheidigt, um meine Ehre zu retten." Der Präsident setzte die Urtheilsverkündiaung auf den 24. d. Mts„ Nachmittags 3 Uhr an. Auf der Straße wurde der Wagen des Vettheidigers von Hunderten, die laut ihren Beifall be« zeugten, eskottitt._ Uermischtes. Ihr Landaufenthalt. Die Abende und Nächte verbringt fie in einem mit Marmor getäfelten Räume, der die Hitze nicht zuläßt. An schönen Tagen promenitt fie im saftigen Grün, auf den schattigsten Wiesen, wenn im gettngsten ein« Abnahme der Temperatur wahrzunehmen, bttngen geschäftige Diener feine wollene Hüllen für sie. Täglich besucht fie etn Arzt, um nach ihrem Befinden zu fragen, ein halbes Dutzend Diener ist mit ihrer Pflege betraut. Von Zeit zu Zeit empfängt fie Besuche, die ihr in schwungvollen Worten ihre Bewunde« rung ausdrücken. Im Hintergrunde des Gatten?, in einer Felsengrotte, pflegt fie zu baden, dock muß vorher das Wasser strenge geprüft werden, um fie keiner Gefahr auszusetzen. D-» also Gepflegte und Gehütete ist die Stute„Blossom, der Stern des—„Epsom-Rennens."— Glückliches Thier! r«erlin SW, Beuthstraße 8. Hierin eine»eifc«'* M Berliner Volksblatt Mr. SSS Mittwochs de« 23. September 1883. II. Jahrg. Dn Uelftlfmiiis. Die jährlich«« Ueberschllsse des von der preußischen Regie- rung verwalteten sog. Welfcnfonds betragen bekanntlich mehr als IV, Millionen Man. Ale Ueberschuß wird dasjenige aus dem Lermögen der vormaligen hannoverschen Königsfamilie ange- sehen, was nicht zur Unterhaltung der derselben vorbehaltenen Schlösser verwendet werden muß. Insbesondere sequestrirt ist die der vormaligen Königsfamilie unter dem 28. Februar 1867 «währte Ausgleichssumme von 16 Millionen Thalern in 4'/,vrozentigen preußischen Staatspapieren. Nachdem im lau- senden Jahre der Zinsfuß dieser Etaatspapiere wie aller sonsti- r4V,prozkntigen EtaatSpapiere auf 4 Prozent herabgesetzt ergiebt diese Auegleichssumme immer noch eine jährliche Zinseinnahme von 1 920 000 Mark. Nach dem Gesetz vom 2. März 1868 find diese Uederschüsse zu verwenden„zur Ueberwachung und Abwehr der gegen Preußen gerichteten Unter- Nehmunaen des Königs Georg und seiner Agenten." König Georg ist todt, kann also auch keine Agenten mehr unterhalten und eS ist sonach mindestens fraglich, ob nicht über die nun- mehrige Verwendung der Ueberschiisse dieses bedeutenden Fonds anderweite gesetzliche Bestimmungen erlassen werden müßten. Aber nehmen wir auch an, das Gesetz ließe fich dahin inter- »vetiren, daß die erwähnten Gelder auch zur Ueberwachung der Nachkommen des Königs Georg und der von diesen unterhalte- nen Agenten verwendet werden könnten, so liegt immerhin zur Zeit ein Anlaß zu einer solchen Ueberwachung nicht mehr vor. Der Herzog von Cumberland denkt jedenfalls nicht an Unter- nehmungen gegen Preußen und unterhält auch keine solchen Zwecken dienende Agenten. Die ursprüngliche und durch das Gesetz vorgesehene Ver« Wendung des Welfenfonds besteht also nur noch— in jenem alten Gesetz. Nun hat aber die preußische Regierung eine ziemlich plaustble Erklärung dahin abgegeben, daß es dem Sinne jenes Gesetzes entspreche, wenn mit dem Welfenfonds die Gemüther der Hannoveraner für Preußen erwärmt wür- den. Fürst Bismarck behauptete einmal gelegentlich einer Par- lamentsdebatte über den Welfenfonds, daß aus demselben reich- liehe Mittel flössen zu allerlei Miliorationen in der Provinz Hannover. Wieviel von der kolossalen jährlich zur Verfügung stedcnden Summe zu derartigen Zwecken verwendet wurde, wissen wir allerdings nicht, es ist aber eine allgemeine und von keiner Seite ernstlich bestrittene Annahme, daß der Haupt- thell der Uederschüsse des Welfenfonds zur Speisung der der Regierung dienstbaren Presse verwendet wird, weshalb auch dieser Fonds den allgemein gebräuchlichen Namen„Reptilien- fonds" erhalten hat. Die Anfocderungen, welche von dieser Seite an den Fonds gestellt werden, scheinen fich mehr und mehr zu vergrößern, so daß für andere Zwecke kaum noch etwas übrig bleibt. Wenig- stens geht zur Zeit eine Notiz durch die Presse, nach welcher Fürst Bismarck das Gesuch des Museumsvcreins für den Land- droftetbezirk Osnabrück um Gewährung einer Beihilfe aus dem sogenannten Wefensonds zur Abtragung der durch den Ankauf der Bolzmann'schen Vogelsammlung dem Museum erwachsenen Schuldenlast adschläglich beschieden hat, da zu dem Zwecke ge- eignete Fonds nicht zur Verfügung ständen. Daß die jetzige Verwendung der Ueberschiisse des Weifen» fonds den Intentionen des Gesetzes vom Jahre 1868 nicht ent- spricht, wird fich kaum bestreiten lassen. Außer etwa in Han» «over hat die Presse auch nicht die geringste Veranlassung, die „Unternehmungen" des Königs Georg resp. seines Erben„ab» »uwehren". Die Reptilienprcsse fristet aber ihr Dasein in allen Gegenden Preußens. Ja, es sollte uns gar nicht wundern, wenn dieS oder jenes aus dem Reptilienfonds gespeiste Blättchen «US Unkenntniß der Sachlage einmal für die Aufrechterhaltung des Legitimitätsprinzips auch gegenüber dem Herzog von Cumberland eingetreten wäre. Doch das nur nebenber. Die Hauptsache ist, daß nicht die subventionirte, sondern vorwie» gend die unabhängige Presse stets mit Eifer gegen irgend welche Aspirationen des Königs Georg und ckes Herzogs von Cumberland eingetrelm ist, und daß dieses Moment daher für die Subventionirung gar nicht in Betracht kommen kann. Thatsächlich dient ja die von der Regierung subventionirte Presse auch nur dazu, die opposttionelle Presse zu bekämpfen Der Dumps bei Lmlschii. Erinnerung au« dem letzten russisch-türkischen Kriege. Von Alexander Wereschtschagin. („Frkftr. Ztg.") (Fortsetzung.) Wie ich auf dem Hügel bin, da liegen die Positionen dar mir, da find auch unsere Truppen. Skobelew und •Wretinsky mit ihrer Begleitung reiten mir entgegen. Pastow und Charanow reiten ebenfalls dort und schauen 1% zuftieden au«. Lächelnd grüßen sie a»S der Ferne drrt der Hand.„Guten Tag Wereschtschagin, ruft Skobe- mir die Hand reichend, begleiten Sie uns, Väterchen, tom Berge, wo Sie Nachts die Geschütze plazirten." Mit Pefriediaung sprenge ich voran, schwenke recht« von der .Chaussee und reite den bekannten Pfad entlang. Am Tage 'chrint die Gegend ganz verändert. Das Maisfeld nebenan Zar in der Nacht nicht zu sehen; da irgend ein Häuschen, Flittchen. Von den anderen gefolgt, reite ich den Berg J�nan, schon hatten wir beinahe den Gipfel erreicht, als ?ivbelew uns im Galopp überholt und momentan auf Bergspitze neben dem Geschütz Halt macht. Alle ßügen vom Pferde. Rechts und links donnern die Ka- wne«. .,„Die zweite," kommandirt ein erröthender junger Offizier £1* Brille, ein Binokle iu der Hand, und eilt zur Seile, r* Flug de« Geschosses zu folgen. Hinter ihm der Richt- t�ssier und einige von der Bedienungsmannschaft. Ein Mubender Ton, Gebrüll— als sollte die Stärke unserer 7%en erprobt werden. Ich berühre mein Ohr, ob eS nicht geworden; nein, es kitzelt nur ein wenig. Das dumpfe a�se nimmt allmälig ab. Der Offizier und die Leute .�hen noch immer wie angenagelt und blicke« hin,„wo sie v �iren wird". Sie beugen sich beständig und blicken unter kvr Rauch hinweg, der die feindlichen Posten immer mehr "b, wehr umfängt. DaS Geschoß krepirte, ohne sein Ziel °'cht zu haben. ... Skobelew steht vorne, neben Zmeretinsky, auf den Säbel ; sein Auge sieht mit Hilfe eines BmokleS die feind- Batterien. Die bergige Gegend wird hier allmälig �her. Etwa zwei Werst entfernt windet sich gleich einem und für die Absichten der Regierung im Lande Stimmung zu machen. Der sogenannte Welfenfonds ist eine Erscheinung, wie fie kein anderes Land aufzuweisen hat, ist eine seltsame Anomalie, die aber mindestens noch so lange ihr Dasein fristen wird, als wir eine konservative Regierung haben. Immerhin ist es nütz- lich, von Zeit zu Zeit an seine Existenz zu erinnem und dazu bot der oben erwähnte Fall einen passenden Anlaß. Wir zwei- feln nicht, daß auch das Abgeordnetenhaus in seiner nächsten Sesfion fich wieder eingehend mit dieser intercssanten Frage beschäftigen wird. Kommunales. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordne- ten-Versammlung am Donnerstag, oen 24. September er., Nachmittags 5 Uhr.— Zwei Naturalisationsgesuche.— Berichterstattung über die Vorlage, betr. die Beschaffung von vier neuen Löschzügen für die Feuerwehr.— Desgl. über die Vor- läge, betr. die Festsetzung von Baufluchtlinien für das Terrain an der Herkulesbrücke und für eine Straße südlich der Stadt- bahn.— Vorlage, betr. die definitive Bewilligung der Kosten für dm Bau eines Todtengräberhauses auf vem Gemeinde- friedhofe zu Friedrichsfelde.— Desgl., betr. die Unterhaltung des GrabeS res BaronS v. Kottwitz auf dem alten Georgen- kirckbof.— Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betr. die Uebemahme der bestehenden Sanitätswachen in die städti- sche Verwaltung.— Vorlage, betr. den Verkauf eines am Kottbuser Damm und an der Lachmannstraße belegenen Grund- stücks.— Vorlage, betr. die Anfrage von Mitgliedern der Ver« sammlung in Bezug auf die Reform der MiethSsteuer.— Desgl., betr. die Erwerbung des Bürgersteig-Terrains vor dem Grundstück Ackerstraße 235.— Desgl, betr. die Freilegung der Straße 8(hinter den Zelten)— Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betr. die Nichtbeantwortung der Anfrage wegen des Maurerstreiks.— Vorlage, betr. dm Verkauf eines zum Rieselgute Blankenburg gehörigen Gärtnereigrundstücks.— Desgr, betr. eine bei der Etatsberathung in Bezug auf daS Grundstück Neue Friedrichstr. 35 gefaßte Resolution.— Desgl., betr. eine Offerte zur Deckung einer unficheren Forderung.— Desgl., betr. die Vertheilung der diesjährigen Zinsen des Ver- mächtnisscs Sr. Majestät Friedrich Wilhelm III.— Finalabschluß des Zentral-Viehmarktes, des Zentral- Schlachthofes und der Fleischschau pro 1. April 1884/85.— Fünf Rechnungen. — Vorlage, betr. die Bewillung einer persönlichen Gehaltszu- läge.— Zwei Unterstützungssachen.— Vorlage, betr. die Neuwahl eines Bürgerdeputirten für die Armendirektion. w. Für die Bietungstermine bei Verpachtung von städtischen Grundstücken besteht das Prinzip, daß der Bietuugs- termin streng innegehalten wird und müssen die Bieter persön- lich erscheinen, wo alsdann dem Meistbietenden die Pacht des Grundstücks zuerkannt wird. Es find indessen vielfach Fälle vorgekommen, daß die alten Pächter der Grundstücke zum Bie- tungstermtne nicht erschienen waren, hinterher aber ein etwas höheres Gebot machten, als der letzte Bieter im Termine und ist ihnen alSdann ausnahmsweise die Pachtung der Grund» stücke wieder überlassen wordm. Diese Ausnahmen haben in» dessen zu Unzuträglichkeiten geführt, weshalb die Grundeigen- thumS-Deputation am Dienstag beschloffen hat, in Zukunft unter allen Umständen an dem erwähnten Prinzive festzuhal- ten und nur dem Meistbietenden im Termine die Pachtung der Grundstücke zuzuerkmnen. w. Neue Straße. Auf einem Theile des nördlich vom Botanischen Garten belegenen Bauquartiers, welches einerseits von der an den Botanischen Garten grenzenden Verlängerung der Goebenstraße und von der Winterfeldstraße, andererseits aber von der Potsdamerstraße und der Verlängerung der Maaßenstraße begrenzt wird, beabsichtigt ein dortiger G-und» besitzer, eine neue 20 m breite Straße anzulegen, welche von der Verlängerung der Goebmstraße(Straße 11) in ca. 100 m Länge nach Norden geführt werden und ihre weitere Richtung im rechten Winkel nach der Verlängerung der Maaßenstraße, also nach Echöneberger Terrain nehmen soll. Der Antrag auf Feststellung von Baufluchtlinien für diese neue Straße ist dem Magistrat bereits überreicht wordm. blauen Bande da« Flüßchm OSma. Dicht hinter ihm blickt das weiße Lowtscha hervor. Rechts von der Stad», nicht weiter als eine Werft, sind zwei starke feindliche Redoutm auf einer Ebme sichtbar.„Da... da sind sie, und gleich zwei auf einmal!" redm die Artilleristen unter einander. Gleich einem Blitz, leuchtet eS in der zunächst liegenden Redoute auf, dann noch einmal. Darauf fliegen zwei weiße Rauchwolken hervor und wie im Zweifel, wo die Geschosse blieben, steigen sie langsam, nachdenklich in die Höhe. Noch vermochten sie nicht, sich zu verziehen, als die Geschosse un« zur Seite niederfallm und mit dumpfem Geräusch krepirm. DaS Artilleriefmer nimmt zu. Der Feind scheint wenig Ge- schütze zu haben- offmbar kann er nicht gegen un« auf- kommen.—„Herr Offizier, wendet sich Skobelew an den jungen Offizier in seiner eigmartigm Aussprache des Buch- stabms„r", welche Distanz bestimmen Sie?"—„Fetzt nehmen wir 1200 Faden, Ew. Exzellenz", lautet die ver- legene und fast erschreckte Antwort.—„Mit einer.Kartätschen-Granate?"—„Mit einer gewöhnlichen, Ew. Exzellmz!"—„Geht eS nicht mit einer Kartätschen- Granate?", der General hatte eine besondere Vorliebe für diese.—„Eine Kartätschm-Granate!" rief der Offizier und stürzte über Hal« und Kopf zum Geschütz, glücklich, daß er einen Wunsch deS Generals erfüllm konnte. Und dort oben ist der Richtmeister aus Leibeskräften bemüht, sich nicht zum zweitm Mal vor dem Chef zu blamirm. Schwitzmd, das Auge auf da« Vifirkom gerichtet, springt er blos mit dem Sitztheil bald ein wmig nach rechts, bald nach links, winkt leicht mit der Faust und springt endlich ganz zur Seite. Auf einen Moment springt der Offizier hinzu, prüft und springt zurück.—„Drittes Geschütz.... Feuer!" Bu-u-u— u— löst eS sich mit Getöse loS. Alle entfliehen dem Rauch, um zu verfolgen, wo die Bombe krepirt.— „DaS ist gewandt!".. sehr gut, gerade in die Mitte! Ach, wie sie entzwei ging!" riefen die Artilleristen froh und liefen in freudiger Erregung auf's Neue zum Geschütz. Skobelew besteigt sein Pferd und reitet auf demselben Wege auf die Chaussee. Er reitet zu den vorderen Positionen. Zmeretinsky verweilt noch ein wenig. Zmmer häufiger begegnen wir Verwundeten. Dort, zur Seite, steht ein Infanterist, zwei Flinten auf der Schulter, einen Kameraden unterm Arm. Wie ein Kind schluchzend, bewegt Dem Verwaltungsberichte der städtischen Bau- deputation Abth. n. für die Zeit vom 1. April 1884/85 entnehmen wir folgendes: Der aesundheitsgefährliche Einfluß der Panke auf die angrenzenden Bezirke hat schon seit Fahren nur dadurch paralyfirt werden können, daß dieselbe jährlich mehrere Male gereinigt wurde. Diese Reinigung geschah seitens der Stadt nur vor den angrenzenden Kommunalgrundstücken auf Anordnung der Polizei, während die Privatadjazenten diese Reinigung selbst ausführten. Im Jahre 1884 ist aber in Folge einer, aus Veranlassung des Widerspruches eines Adja- zenten gegen die von ihm polizeilich geforderte Räumung ergangenen Entscheidung des Ober- Verwaltungsgerichts die Räumung der ganzen Panke durch die Baudeputation Abtheilung U. ausgeführt worden; zur Zeit schweben noch Verhandlungen, ob und in welcher Weise die Privatbesitzer zu den Räumungskosten heranzuziehen find.— Zur Verbreiterung und Anlegung von Straßen und Plätzen find in dcm Berichtsjahre im Ganzen 104 760 Quadratmeter Land abgetreten worden; hiervon wurden unentgeltlich 71 658 Quadratmeter abgetreten, während 33 102 Quadratmeter gegen Entschädigung. theilS freihänvig, theils im Wege des Ent» eignungSoerfahrens, erworben werden mußten: gezahlt für dieselben wurde die Summe von 1 805 233,25 M.— Das Pflaster Berlins besteht zur Zeit aus drei verschiedenen Materialien: Asphalt, Holz und Stein; mit einem vierten Material, dem Eisenpflaster, find nur 440 Quadratmeter belegt, und zwar probeweise aus Kosten des Unternehmers. Nack dem Berichte waren am 1. April 1885 mit Asphaltpflaster 322 042 Quadratmeter belegt, von denen 100 864 Quadratmeter von der Stadt unl> 221 178 Quadratmeter von den Pserdebahngesellschatten zu unter- halten find; Holzpflaster war zur selben Zeit 42 480 Quadratmeter vorhanden, von denen die Stadtgemeinde nur 4632 Quadratmeter zu unterhalten hat, während die übrigen von den Pferdebahn Gesellschaften unterhalten werden. Trotz der großen Ausdehnung, die die sogenannten geräuschlosen Pflaster» arten, Asphalt und Holz bis jetzt gewonnen haben, ist und bleibt das Hauptpflastermaterial für Berlin doch der Granit- stein. Es sind in dem Veiwaltungsjahre 1884/85 wieder 128 164 Quadratmeter Pflaster steine beschafft worden, für welche 1565 529 Mk. gezahlt wurden. Neugepflastert wurden für Rechnung der Stadt 10 949 Quadratmeter, für Rechnung der Pferdebahn- Gesellschaften 7345 Quadratmeter und von Privaten ausgeführt 5416 Quadratmeter. Außer diesen Neupflasterungen sind 73 809 Quadratmeter Asphalt, 6225 Quadratmeter Holz- und 51 038 Quadratmeter Steinpflaster umgepflastert worden. Es find hierin indessen nicht mitenthalten die Pflasterungen kleinerer Strecken, die Anlegung von Zufluchtinseln und die Herstellung von sogenannten Baucrndämmen. Wie groß diese Flächen find, giebt der Verwaltungsbericht nicht an. Lokales. Der Eisenbahnverkehr in Berlin. Neuerdings be- ginnt neben den durch Pjerdekraft betriebenen öffentlichen Ver- kehrsmitteln auch die Dampfkraft im städtischen Personenverkehr eine hervorragende Rolle zu spielen. Einestheils ist am 7. Februar 1882 die Stadt- und Ringbahn für den Otts- verkehr eröffnet worden, andcrntheils nimmt das Wohnen in den mit den Bahnen bequem zu erreichenden Vororten mit der zunehmenden Ausdehnung der Stadt und mit dem dadurch hervorgerufenen Steigen der Gebäude- und MiethSpreise immer mehr zu. Die Geschichte der Berliner Stadtbahn ist bekannt. Die Bahn wurde sofott viergeleifig gebaut; zwei Geleise dienen ausschließlich dem Ortsverkehr, während die beiden anderen ge- wissermaßen einen großen Zentralbahnhof für alle Züge in vie nähere Umgebung Berlins wie in die weitere Feine darstellen� das eine Ende bildet der umgebaute Niedcrschlefisch- Märkische Bahnhof im äußersten Osten der Stadt, daS andere Endet der neue Bahnhof bei Charlolteuburg im Westen. Innerhalb dieser Strecke, die zum größten Theile aus einem 8 km langen, mindestens 4,4 m hohen massiven Viadukt besteht und die Stadt Berlin in mehreren großen Bogen durchschnei- det, befinden sich nicht weniger denn zehn Bahnhöfe und Halte» stellen, von denen fünf dem Fernverkehr dienen, d. h. Halte- punkte für sämmtliche nach Westen und Osten fahrende «mm a— mm* sich dieser kaum vorwäits. Oh,— o— o— oi— oi, stöhnt er, hält die verwundete Hand mit der gesunden. Allerlei Lappen umhüllen die kranke Hand; er schaukelt sie, wie die Mutter ihr kleine« Kind.„Gesund, ihr Braven?" begrüßt sie der General, etwas anhaltend.„Bist Du an der Hand ver- wundet?"—„So ist eS, Ew. Exzellenz," ettönt die Ant» wort des Verwundeten mit zitternder Stimme. Seine Lippen sind trocken und er feuchtet sie mit der Zunge an. —„Hier, an dieser Stelle, ist sie zerschmettert, Ew. Ex- zellenz," fügt der Führer schnell hinzu und weist auf seinen Arm über dem Handgelenk—— doch der General hört nicht mehr.— Zn der Ferne zeigte sich ein Bataillon, mit dem er sich noch nicht begrüßte. Den Weg überschreitend, lösen sich vie Reihen, sie marschiren langsam und ungleich- mäßig.„Gesund, Brüder! Habt Dank für Euren Dienst!" ruft der General herangaloppirend. Den Chef bemerkend, überhasten sich die Soldaten, drängen und beeilen sich zu ordnen.„Wir sind froh, uns zu bemühen, Ew. Exzellenz!" tönt es aus den Reihen. Skobelew wendet sich an Kuropatkin mit den Worten:„Welch' ein Gesindel! Wie sie sich aufgelöst haben, vollständig unähnlich den Türke- stanzen"(Soldaten aus Turkestan). Wir wenden uns links und reiten läng« den Batterien. Das Feuer ist auf den in einer Entfernung von etwa zwei Werst sichtbaren„Rothen Berg" gerichtet, der von dem seine Höhe bedeckenden rothen Sande seinen Namen erhielt. Hmter den Batterien, in den Weingärten, herrscht Stille. Kein Ge- spräch in der Jnfanterie-Bedeckung, als fürchteten die Leute, durch jedes unnütze Wort das Feuer auf sich zu lenken. Bald hier, bald dort fallen Bomben jeden Augenblick mit Krachen nieder, zerplatzen mit noch lauterem Krachen und bewerfen die sich aneinanderschmiegenden Soldaten mit Erde und Splittern. Wir halten auf dem Hügel vor einem Hohlweg, hinter welchem in der Entfernung einer halben Werst unsere letzte Halbbatterie zu sehen ist. Zhr, als dem Feinde am nächsten, fällt mehr als den Anderen zu, obgleich sie auch nicht schlummert.„Wereschtschagin!" wendet sich der General vom Pferde steigend und da« Binokle an's Auge haltend, an mich,„sehen Sie dort das weiße Häuschen am Geschütz? — Geben Sie Ordre, eS schnell zu demoliren!" Schnell steig' ich vom Pferde und begebe mich dahin. Je näher zu den Geschützen, um so zahlreicher fallen die Granaten. Dort Schnellzüge find. Die Züge durcheilen die ganze Strecke in 30 Minuten, nur die Schnellzüge gebrauchen trotz der Hälfte der Haltestellen 40 bis 42 Minuten, da fie auf den Bahn- Höfen für die Fahrgäste und die Beförderung des Gepäcks eine längere Haltezeit haben. Die Züge, die dem Ortsverkehr aus- schlreßlich dienen, folgen fich in der Regel von Morgens 4,50 bis Nachts 12,10 alle 10 Minuten. Diese sowie die auf der Ringbahn und im Vorortsverkehr bis nach Potsdam, Werder und Erkner fahrenden Züge führen nur Wagen II. und ill. Klasse, von den erstem sogar meist nur einen einzigen. Die Fahrscheine sind schon beim Betreten der Perrons zur Koupi- rung vorzuzeigen und beim Verlassen des Zuges wieder abzugeben. Eine Vorzeigung während der Fahrt findet rn der Regel nichi statt, wie denn überhaupt jeder Zug nur einen Echassner als Zugführer mit fich führt und es jedem Fahrgast überlassen wird, seinen Platz zu suchen, wo er ihn findet. Die Züge fahren mit voller Fahrgeschwindigkeit in die Bahnhofe ein, werden plötzlich ge- bremst und kürzen ihren Aufenthalt bei jeder Haltestelle auf das knappste Maß ab. Wie sehr die Einführung dieser Züge eine Lücke im Ortsverkehr ausfüllte, beweist schon die Tbat- fache, daß im ersten Betriebsjahr nicht weniger denn 7>/> Millionen Fahrgäste die Bahn denutzten, eine Zahl, die in- zwischen, also in drei Jahren, auf 11'/- Millionen gestiegen ist. Zweckmäßiger würde es vielleicht sein, die Unterscheidung von 2. und 3. Klasse fallen zu lassen und nur eine nach dem Muster der Berliner Pferdebahnen eingerichtete Klaffe einzu- führen. Die jetzige Zweitheilung hat, wie die geringe Be- Nutzung der 2. Klasse beweist, keine große Bedeutung, während daS einheitliche Pferdebahn> System in Berlin bei allen Volksschichten fick einer großen Beliebt- beit erfreut.— An die Stadtbahn reiht fich die Ringbahn, die in einem weiten Bogm die Reichs- Hauptstadt umzieht und mit der Stadtbahn an beiden Enden, in Charlottenburg und im Schlefischen Bahnhof, dermaßen ver- bunden ist, daß der Betrieb die Ringbahn von selbst in zwei Hälften theilt, in einen Nordring und einen Südrina. Die Züge, die den Nordring befahren, beginnen also beispielsweise an je einem Endpunkt der Stadtbahn, fahrm über die ganze Strecke des Nordringes, kehren auf dem entgegengesetzten End- punkt der Stadtbahn auf diese zurück und durchfahren fie bis zum Ausgangspunkte. Alle diese Züge durchfahren den Nord- ring sowohl wie den Südring allstllndlich' fie haben auf bei- den 20 Bahnhöfe und durchfahren den Nordring in etwa 1 Stunde und 18 Minuten, den Südring, bei dem fie auch den in der Mitte der Stadt belegenen Potsdamer Bahnhof berüh- ren, in 1'/, Etundm. Diese Züge haben dieselben Einrichtungen wie die Etadtbahnzüge und gleichfalls nur II. und III. Klasse. Doch ist nicht zu leugnen, daß ihr Betrieb manches zu wünschen übrig läßt, daß vor Allem die allstündlichcn Fahrten rn zu großen Zwischenräumen stattfinden und bedeutend vermehrt werden müssen. Auch ist ein wesentlicher Uebelstand, daß eine große Zahl der Bahnhöfe gar zu weit von den Orten abliegt, die fie bedienen sollen, was namentlich für Charlottenburg und die Mehrzahl der Bahnhöfe des Nordrings in einer fast lächerlichen Weise zu Tage tritt. Bei dem außerordentlichen Wachsthum der Reichshauptstadt, das neuerdings auch die Vororte in er- freulichste Mitleidenschaft zieht, ist übrigens vorauszusehen, daß jene Unvollkommenheiten bald beseitigt werden und daß auch der Ringbahnverkehr fich schnell eine gleich große Bedeutung verschaffen wird, wie fie schon jetzt für die Beförderung inner- halb der Stadt dem Stadtbahnoerkehr zukommt. Zur Zeit werden auf der Ringbahn jährlich etwa 3 Millionen Menschen befördert. Wie sehr in den letzten Jahren einzelne der Bahn- Höfe fich entwickelt haben, beweisen folgende Zahlen. Die Zahl der von den Stationen Echöneberg, Friedenau und Tempelhof abfahrenden Personen betrug vor zwei Jahren annähernd 75000, 20 000, 32000; fie ist im letzten Jahre schon auf 186 000, 102000 und 114000 gestiegen. Hier wird es für die Verwaltung eine wichtige Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß fie nicht hinter den vorhandenen Verkehrsbedürfnissen zurückbleibt, sondern ihnen voraneilt und fie durch großes Entgegenkommen belebt und vermehrt.— Die Aedeutung der Stadtbahn als Zentralbahnhof für den Fernmrkehr, für die Reisenden nach Königsberg und Rußland, nach Breslau und Oderberg, nach dem Westen und Nordwesten, von Frankfurt am Main und Metz bis Köln, Aachen, Bremen und Hamburg liegt außerhalb des Rahmens des Ortsverkehrs, dagegen soll der Vorortsverkehr der Stadtbahn und der übrigen Bahnen, die jetzt sämmtlich unter Staatsverwaltung stehen, noch kurz erwähnt werden. Der Vorortsverkehr der Stadtbahn erstreckt fich theils nach der Oberspree bis nach Erlner und berührt dort neben der Stadt Köpenick eine Reihe sehr besuchter Volksbe« lustigungsorte, vor allem daS durch seinen Fischzug berühmte Stralau, sowie Eadowa, Friedrichshagen u. s. w., theils nach der Havel und dem Grunewald, vor allem nach Potsdam, Neubabelsbcrg und der wunderbar schön gelegenen Villenko- lonie Wannsee. Doch nehmen für den Verkehr nach diesen fliegt eine heran, näher, näher zischt sie, schu— schi— schi— schi... Mein Herz ist dem Stillstehe» nahe. Es drängt aiederzu- sitzen, sich zur Seite zu drücken, um nicht getödtet zu werden. An diesem Moment blitzt der Gedanke auf: Und wenn der Aeneral es sieht... was wird er sagen: Ist ängstlich, feige! Auch die Kameraden blicken sicherlich hierher, sehen, wie ich gehe, ob ich mich bücke. Einige Schritte von mir platzt eine andere Bombe. Zch bleibe unwillkürlich stehen, drücke die Augen fest zu und mache�mich zum Sterben be- reit... Fr— r— r— r schnurrt ein Splitter an meinem Ohr vorbei, gleich einer jungen Waldschnepfe, die aus ihrem warmen Nest aufgescheucht wird.„Laufe, Laufe," flüstert'S mir heimlich in'S Ohr.„Laufe nicht, es wird gesehn," flüstert es gleichzeitig ins andere...3a den Beinen wird Schwäche fühlbar, ich beginne über die geringsten Uneben- besten des Weges zu stolpern. Mich aus allen Kräften zu- sammennehmend, um gerade zu gehen, komme ich bis zur Jnfanterie-Bedeckung. Hinter ihr, auf einem Hügel, sieht man durch den Rauch die rauchgeschwärzten Gesichter der Artilleristen. 2hr Kommando wird vernehmbar:„Laden!" „Feuer!"„Zum Geschütz!" u. s. w. Ich schreite durch die Infanterie. Aneinandergedrückt, den Leinwandsack um die Schulter, die Flinte in der Hand, sitzen die Soldaten in Er- regung, als dächten sie:„Wer von uns wird nun geholt, wenn die Kugel in unsere Kompagnie fällt?" Um das allge- meine Stillschweigen nicht zu unterbreche«, frage ich halb- laut nach dem Kompagniechef.„Hier!" Und dieser, ein rothhaariger, hoher, sonnverbrannter, schnunbärtiger Stabs- kapitän, erhebt sich nur ungern und macht einige Schritte vorwärts, mir entgegen. Nachdem er mich angehört, ruft er halblaut:„Feldwebel!"„Feldwebel,"„Feldwebel," ruft ei» Soldat vorsichtig dem andern zu, der flinke Feldwebel springt kühn vor und eilt, leicht ge- beugt, als fürchtete er mit dem Kopf anzustoßen, zum Kommandeur, den Säbel an die Seite drückend.„Be- ordre schnell so ein zehn Mann mit Beilen, das Hüttchen dort zu demoliren!" befiehlt der Stabskapitän finster, grüßt sodann milstärisch und entfernt sich unbemerkt zu seinem früheren Platz, wo er wohlbehalten seit dem Morgen saß und daher, wie mir schien, überzeugt war, dort sei e« unge« fährlicher. Da sein Platz durch nichts geschützt ist und die gleiche» Bedingungen wie alle Plätze ringsum hat, so gleicht seine Zuverficht in Wahrheit nichts anderem als Aderglauben. wesentlichen Vergnügungsorten hin die Lolalzüge der Pots- damer Bahn eine nocv hervorragendere Stelle ein; auf dieser fahren planmäßig alltäglich 34 Züge hin und 34 Züge zurück, von denen allein 13 auf der Strecke zwischen Berlin und Pots- dam nicht an den Zwischenstationen halten; daneben kommen noch je 15 Lolalzüge zwischen Berlin und Zehlendorf an dieser Strecke rn Betracht. Trotzdem halten die ge- troffenen Vorkehrungen dem gewaltigen Verkehrsandrange gegenüber nicht immer Stand. An schönen Sommerabenden steht der Andrang der Heimkehrenden an den Hauptausflugs- orten Steglitz und Wannsee nicht im Einklang mit der Rück- fahrtgeleaenheit, eine Erscheinung, die fich hauptsächlich dadurch erklärt, daß neben einer großen Schwerfälligkeit in der Ein- stellung von Sondcrzügen an Wochentagen schon bei der Ab- fahrt von Berlin eine thunliche Ersparnrß in der Einstellung von Wagen in die einzelnen Züge erstrebt wird. Was un- bedingt verboten sein müßte, daß Fahrgäste schon auf dem Berliner Bahnhofe nicht die ihrem Fahrschein entsprechende, sondern eine Höhere Klaffe angewiesen erhalten(ein Beweis, daß man nicht genug Wagen selbst dort einstellt, wo fie bei einigermaßen zweckmäßigen Einrichtungen jederzeit zur Hand sein müßten), das ist z. B. auf dem Potsdamer Bahnhofe gar nichts Außergewöhnliches. Dazu kommt, daß die Nothwendig« (est, nachträglich noch einige Wagen an einen Zug anzuhängen, nicht selten erfl dann bemerkt wird, wenn der Zug überfüllt und die Abfahrtszeit herangerückt ist, was gewiß nicht dazu beiträgt, an schönen Sommertagen die Stimmung vergnügungssüchtiger Ausflügler zu Gunsten der Eisenbahnverwaltung zu beem- flussen. Eine gründliche Aenderung dieser Unzuträglrchkeiten. die der Entwickelung des Berliner Vorortsverkehrs nicht Rech- nung tragen, fie sogar nicht unbedeutend geschädigt haben, wird erst dann zu erzielen sein, wenn die Eisenbahnverwaltung auch auf dieser Strecke den regelmäßigen, dem Stadtbahnoerkehr nachgebildeten Omnibusverkehr einzuführen fich entschließt. Es liegt in der Tyat im allseitigen Interesse, der Verwaltung, der Vororte wie der Hauptstadt, daß etwa alle 10 Minuten auf den Lokalgeleisen der viergeleifigen Berlin, Potsdamer Eisenbahn ein je nach Bedürfniß größerer oder kleinerer Omnibuszug ab- gelassen werde, der an allen Stationen zwischen Berlin und Potsdam halten und etwa mit der Schnelligkeit der Stadtbahn- züge fahren müßte. Erst dann würden jene Vororte ihre wahre Bedeutung und Entwickelung finden, die für die gesundheitlichen und wirthschastlichen Verhältnisse der weniger bemittelten Klassen der Rcichshauptstadt von unbezahlbarem Wcrthc wäre. Auch für diese Züge dürfte die Einstellung einer einzigen, an- ständig eingerichteten Wagenklasse vollkommen ausreichen. Die Sittlichkeitsverbrechen nehmen leider noch nicht ad. Außer einer Anzahl von Zuhältern, von denen jetzt schon mehr als 150 in das gerichtliche Untersuchungsgesängniß abgeliefert worden find, hat die Kriminalpolizei heut die Frauenspersonen wegen Vergehens gegen§ 218 St. G. B. und drei Männer, einen Buchbinder, einen Tischler und einen Arbeiter, wegen Vergehens gegen§ 176 St. G. B. der Staatsanwaltschaft vor« Die Unsicherheit in der westlichen Umgegend Berlins ist in letzterer Zeit mehrfach illustrirt worden. So wurden vor« gestern der Student Gr. und der Gymnasiast Pl. aus der Großbeerenstraße, als fie harmlos ihres Weges von Wilmcrs- darf kommend, in der Kaiserstraße fich befanden, von vier Strolchen überfallen, die mit Knütteln und schweren Steinen auf die Ahnungslosen einbieben, so daß sich Letztere nur durch die schleunigste Flucht in das Dorf zurückrettcn konnten. Der Gymnasiast Pl. erhielt einen schweren Steinwurf in den Nacken. In dem einen der Angreifer wurde ein Viehhändler ermittelt. Die Angelegenheit ist der Staatsanwaltschaft übergeben worden- Die Unsicherheit im Westen Berlins ist theilweise in den lokalen Verhältnissen begründet. Tie Funktionen der Berliner Schutz- Mannschaft mit ihrer straffen Organisation haben am botanischen Garten ihr Ende erreicht. Schöneberger, Wilmersdorfer und Charlottenburger Verwaltungen stoßen hier zusammen und die Grenzen zwischen den einzelnen Grundstücken, Straßen jc. sind nur kundigen Leuten bekannt. Da die Funktionen der Polizei jedoch nur lokale sind, so haben dieselben an den einzelnen Grenzpemarkungen ihr Ende. Die Erekutive ist bier eben in den verschiedenen.Händen von Berliner Schutzmann, Polizeidiener und Gendarm und Charlottenburger Schutzmann, die sämmtlich ge- trenntenVerwaltungen angehören. Es liegt aufderHand.daß unrer diesen Verhältnissen die Handhabung der Polizei gegen va- astendes Gesindel und Strolchthum eine viel schwiengere ist, Auf den Berliner macht es stets einen komischen Eindruck, daß einige der volkreichsten Straßen der Stadt zu verschiedenen Kommunen gehören, z. B. die Hälfte der Kurfürstensstaße zu Charlottenburg, und während im vorigen Jahre während der Charlottenburger Hundesperre die Hunde auf einer Seite der Pferdebahn in der Kurfürstenstraße an der Leine geführt wer- den mußten, konnten fie auf der anderen Seite der Schienen frei umherlaufen! Ebenso gehört die volkreiche Zietenstraße in einer Hälfte zu Schöneberg und in der anderen Hälfte zu Man denkt an einen Spieler, der nach mehrmaligem Ver- lust auf einer Karte doch bis zum Schluß des Spiels auf sie setzt.„Du, Timofajew, Bobrow, Anissemow!" wählt der Feldwebel die nächsten Soldaten aus und berührt sie leicht und eilig an der Schulter.„Marsch, schnell, mit Beilen, dort daS Hüttchen niederzureißen! Se. Wohlgeboren geht mit Euch!" Der Feldwebel beeilt sich, ihn zieht es offenbar auch zu seinem früheren Platz, wo er sich wie sei« Kommandeur allem Anschein nach sicher fühlt. Die Soldaten springen auf und laufen, die Beile schwingend, zusammen davon. DaS Häuschen erweist sich aus Holz, auf Pfählen ge- baut. Von außen ist es mit Kalk beworfen. Hell glänzt es in der Sonne und giebt ein vortreffliches Ziel für die feindlichen Geschütze ab. Treffen die Geschosse nicht daS Häuschen, so dringen sie nebenan in die Batterie. Klirrend dringen die Beile in daS Holz und erschüttern daS Häuschen. Wie eS eben zusammenbrechen will, fällt eine Bombe hinein und explodirt. Eine dichte hohe Rauchsäule mit Sand und Erde gemische steigt vor uns ans: gleichzeitig ertönt ein durchdringender Schrei:„Tragbaren her!— Alexejew ifl erschlagen!" DaS Häuschen ist niedergerissen. Die Sol- baten eilen, über Ackerfelder und Gesträuch springend, ihre Kompagnie zu erreichen. Auch ich kehre zurück. Hinter mir, fast im Laufschritt, tragen sie Alexejew. Der Rückweg ist noch schlimmer; man wird von jeden Augenblick explodirenden Geschossen verfolgt. Nur der Anblick des Generals, der noch immer auf demselben Hügel sammt seiner Suite steht, hält mich vom Lausen ab. Die Granaten werden seltener, seltener, nun sind wir außerhalb der Schußlinie.„Ew. Exzellenz, das Häuschen ist niedergerissen," melde ich mich sammelnd, bemüht, möglichst ruhig zu erscheinen.„Nur ein Soldat ist verwundet.— Ich zeige auf die Tragbahre.— „Wozu belästigen Sie mich mit Albernheiten?" fährt er plötzlich auf.„Geberr Sie Befehl, den Verwundeten weiter von den Truppen zu tragen, damit er kernen schlechten Eindruck hervorrufe." Wie ich wieder zu Pferde sitze, ruft er mir kapriziös nach:„Wie konnten Sie nicht selbst darauf komme«!" „Da hast du den Dank, denke ich fortreitend.„Wai für ei« Thor ich bin. Bemühe mich nach Kräften, werde beinahe getödtet und er schimpft noch. Im Regiment wäre es viel ruhiger; dort schimpft Niemand und bestimmt bekäme Berlin. In einer Kneipe mit weiblicher Bedienung mußte pünktlich um 11 Uhr auf Berliner Terrain geschlossen werden. Die Gäste gingen einfach über die Straße in ein Lokal von gleicher Tendenz, das für die ganze Nacht xleiv pouvoir hatte. Solche Zustände in einer Weltstadt müssen selbstverständlich zu Inkonsequenzen in der Rcchtsauffassung führen. Es würde daher nur von Vortheil sein, wenn die Idee, wie vor Jahre-r bereits, die Vororte Berlins in den Rayon des Berliner Po- lizei-Präfldiums einfach hineinzuziehen, realistrt würde. ar. Ein Zeitungsverkäufer mit akademischer Bildung ist gewiß ein Unikum, über dessen Existenz selbst Ben Akiba verwundert den Kopf schütteln würde. Am Brandenburger Thor hat bekanntlich ein Zeitungshändler seinen ständigen Platz, der durch seine salbungsvolle Sprache und die in seltsamem Gegensatz dazu stehenden humoristischen Bemerkungen wohl oft schon das Aufsehen der Passanten erregt hat. Jenes eigen- thümliche Pathos hat der Mann noch von seiner früheren Thätigkeit fich bewahrt, aus jener Zeit, da er noch als Pastor der reformirten Gemeinde zu Köpenick fungirte. Er hat sogar noch Anspruch auf Pcnfion von feiner seelsorgerischen Stellung her, die er aber in auffallendem Stolze verschmäht. Auch Ver» wandte besitzt er, welche angesehene Aemter betleiden; ein Vetter von ihm ist zum Beispiel Amtsrichter.— Auch unter unseren Dienstleuten find sehr viele, die früher bessere Tage gesehen haben, find von adliger Herkunft; ein Dienstmann, der seinen Standort an der Ecke der Dorotheen- und Friedrichsstraße hat, darf sogar rite auf den Titel eines Grafen Anspruch erHeden. Auch frühere Kaufleute und Beamte gehören unter den Dienst- leuten nicht zu den Seitenheiten. ar. Am Schalter Nr. 10 des Bahnhofes Alexander- Platz ist dieser Tage ein frecher Diebstahl verübt worden. Während die Billetverkäuferin Frl. Virgin nur für einen Augen- blick ihren Platz verließ, wurden ihr aus ihrer Kassette 70 M. gestohlen, welche die junge Dame nun aus ihrer eigenen Tasche zu ersetzen hat. Bisher ist es leider noch nicht gelungen, des DiebcS habhaft zu weiden, der jedenfalls mit den Lokal- Ver« hällnissen des Bahnhofes sehr vertraut sein muß. Wahr« schcinlich ist es derselbe, der vor einiger Zeit dem Portier aus dessen Stube eine filberne Zylinderuhr gestohlen bat. Ein Spezialist, der mit Vorliebe in Wetßbierkrnken arbeitet, wurde gestern bei seiner Thätigkeit abgefaßt und heute der Staatsanwaltschaft vorgeführt. Es ist dies der mehr« fach bestrafte obdachlose Büchsenmacher Walter, welcher einer Schankwirthin in der MarkuSstraße zwei Bierkruken überreichte und fich dafür 40 Pf., die er als Pfand hinterlegt haben wollte, geben ließ. Nach seiner Entfernung bemerkte die Frau, daß die Kruken entzwei und vollständig werthlos waren. Inzwischen war W. in ein in der Nähe befindliches Lumpengeschäft ge- gangen und hatte sich für die erhaltenen 40 Pf. neun Stück andere Bierkruken gekauft, um diese wieder anderweitig mit Vortheil umzusetzen. Die obigen zwei Kruken hatte er aus dem Felde an der Landsberger Chaussee auf einem Schutthaufen gefunden und zusammengelittet. g. Ein hieflger Destillateur I., welcher seit 19 Jahren in Berlin mit Hilfe seiner Ehefrau unermüdlich thäig ge- wescn, für sein Alter ein kleines Vermögen aufzusparen, setzte fich vor ca. IV« Jahren zur Ruhe, um das Leben in beschau- licher Weise zu beschließen. Ein halbes Jahr lang behagte ihm daS Nichtsthun; dann wurde er animirt, für die Ver- mehrung seines Kapitals durch Anlauf von Spekulationseffekten Sorge zu tragen und er fand auch durch den wechselnden Ge- winn und Verlust einen so angenehmen Zeitvertreib, daß er nach und nach mit 5 oder 6 Bankiers zugleich Disserenzgc- schäfte betrieb. Von dem verhängnißvollen Treiben hatte er feiner Frau nur zum geringen Theil Mittheilung gemacht. Vor einigen Tagen überraschte der Ehemann fie mit der Nach» licht, daß er im Begriff sei, eine Destillation zu erwerben, da unglückliche Spekulationen das Vermögen auf wenige Hundert Thaler reduzirt hätten. Den Schreck der armen Frau kann fich wohl ein Jeder ausmalen. g. Ueber einen bedauerlichen Unglücksfall, welcher fich am Sonntag in dem beim Restaurant„Zum Etemecker" belegenen Weißensee'er See zugetragen hat, wird uns folgende Mitlheilung gemacht. Am Nachmittag des gedachten Tages vertrieben fich drei junge Leute, darunter einer aus Charlotten- bürg, die Zeit mit Booffahren. Gerade an einer sehr tiefen Stelle des Sees kenterte das Boot und sämmtliche drei In- fassen stürzten ins Wasser. Den schleunigst herbeigeeilten Per- fönen gelang es trotz aller Anstrengungen, nur zwei der mit den Wellen ringenden jungen Leute zu retten, während der dritte Herr, jener aus Charlottenburg, verschwunden blieb. Bis gestern Nachmittag war es trotz eifrigen Suchens nicht ge« lungen, die Leiche des bedauemswerthen jungen Mannes auf« zufinden. Als die Frttu eines in der Fürbringerstraße wohnhaften Beamten am 14. d. M. Nachmittags ohne Begleitung auf dem Bürgelsteige am Tempelhofer Ufer entlang ging, begegnete ihr kurz vor der Großbeerenstraße ein unbekannter Mann, der ich dort dieselben Belohnungen." In dieser Stimmung be« schließe ich, sofort nach der Schlacht um meine Zuzählung zu meinem Regiment nachzusuchen. Schon stelle ich mir daS verwunderte Gesicht des Generals vor, wenn er Kuro- patkin fragt:„Warum wünscht Wereschtschagin zum Regi- ment zurückzukehren? Dummes Zeug, er soll bleiben!� Doch gleichzeitig stelle ich mir auch vor, wie er, den Rapport lesend, Kuropatkin zuruft:„Wereschtschagin will zum Regiment, nun, hol' ihn der Teufel, mag er zieh«; er ist mir schon lästig!"„Mehr nach rechts, mehr vom Wege ab!" rufe ich den Trägern der Tragbahre zu.„Der General befiehlt so zu tragen, daß die Truppen nichts davo« sehen."„Wohin ihn tragen?" brummen diese unwillig. Von ihren Gesichtern konnte man den Gedanke» ablesen: „Auch sterben läßt man ihn nicht in Ruhe." Sie tragen den Verwundeten auf einem Nebenwege, der unbequem ist, über Hohlwege, Gräben. Zu Pferde kann man kaum folge». Wir machen Halt, um auszuruhen.—„Lebt er?" Zch beuge mich über den Verwundeten und erblicke ein tobten« bleiches Antlitz, umrahmt von schwarzen Haaren, dazwischen die zusammengepreßten bläulichen Lippen, aus denen sich schaumiger Speichel zwängt; gierig drängen sich die Fliegen heran. Die Augenlider sind halb geschlossen, die trüben Augen sind zu sehen; ab und zu hebt sich konvul- sivisch die Brust.„Der stirbt, wie ei scheint, gleich!" be- merke ich den Soldaten.„Noch athmet er," antworten sie, dem Sterbenden in's Gesicht blickend.„Ew. Wohlgeboren, können wir nun auf den Weg zurückkehren?"„Gut, geht!' Zch folge ihnen langsam, mein Pferd am Zügel führend- Wenige Minuten später holt uns Skobelew mit seiner Suite ein. „Wereschtschagin! Entschuldigen Sie, Väterchen, ich war ein wenig hitzig.'Sie sind eine brave Haut, nehmen Sie meinen Dank!" Freundschaftlich drückt er meine Hand- Obgleich ich an die Aufrichtigkeit seiner Worte auch nich� ganz glaube, so schwindet dennoch mein Aerger ei« wenig, rch vergesse und, voll Entzücken über den General, folge dem Verwundeten. Zch leiste keinem Befehl Folge, sonder» gehe, weil ich mich für den unfreiwilligen Urheber der Bc wundung halte und die Leiden des Verwundete« möglich! schnell minder» möchte. (Schluß folgt.) wahrend des Vorübergehens ohne die geringste Veranlaffung ihr ins Geficht spie, indem er ihr die Worte zurief:„Sie denken wohl, weil fie einen guten Rock anhaben". Die s�rau ließ den Unbekannten durch einen Schutzmann zur Feststellung seiner Persönlichkeit zur nächsten Polizeiwache ststiren, wo in setner Person der Ardeiter H. ermittelt wurde. Derselbe dürfte auf Grund des gestellten Strafantrages eine sehr empfindliche Strafe wegen thätlicher Beleidigung zu erwarten haben. Ein umfangreicher Dachstuhlbrand wüthete in der vergangenen Nacht auf dem Köllnischen Fischmarkt Nr. 1—2. Hausbewohnern war schon vorgestern Abend ein brandiger Geruch aufgefallen. Als man der Ursache nachforschte, schlugen bereits die hellen Flammen aus dem Dach heraus. Es wurde sofort die Feuerwehr rcquirirt, welche bald darauf mit Dampf- spritzen, mehreren Handdruckspritzen auf der Brandstätte ein- traf. Von Seiten der Feuerwehr wurden sofort die Schläuche zweier Dampfspritzen gegen die entfeffelten Elemente gerichtet, doch schien es zunächst, als ob das Feuer eher zu- als abnahm. Erst nach IV, stündiger angestrengter Thätigkeit, nachdem der ganze Dachstuhl ein Raub der Flammen geworden war, ge- rang es, das Feuer zu löschen. Auch hier hatte man Gelegen- heil, die Brauchbarkeit der neuen Maschinenleiter zu beob- achten. Die Aufräumungsarbeiten zogen fich bis gegen Morgen hin. Erwähnenswerth erscheint es, daß es in kurzer Zeit an derselben Stelle bereits zum dritten Male gebrannt hat. Ein in der Swinemstnderstraße wohnhafter Korb» machermeister schickte am 20. d. M. Nachmittags seine elfjährige Tochter mit einem Kleidergestell zur Ablieferung an einen Korbmacher in der Friedrichstraße. Als das Mädchen in Begleitung einer gleickalterigen Freundin mit den für das Ge- stell erhaltenen fünf Mark heimgrng, gesellte fich in der Nähe der Elsaffer- und Ackerstraße eine unbekannte Frauensperson zu den Kindem und schickte die Tochter des Korbmachers, die das Geld in der Hand trug, nach dem Hause Ackerstr. 1, um von einem angeblich dort wohnenden Fräulein Fuchs 10 Mark für Fräulein Anna zu holen. Damit das Geld nicht verwechselt weide, veranlaß» fie das Mädchen, die 5 Mark ihrer Be- gleiterin zu übergeben. Während erstere den Austrag aus- führte, nahm die Unbekannte der letzteren die 5 Mail ab, in- dem sie zu ihr sagte, daß fie dafür die 10 Mark behalten könne, die ihre Begleiterin bringen würde, und entfernte fich, nachdem fie dem Mädchen 10 Pf. geschenkt hatte, um sich Cho- kolade zu laufen. Die Unbekannte ist etwa 20 Fahre alt, hat blond gekräuseltes Haar, trug ein gelbes Kleid und war ohne Kopsbeveckung. Ein vier Meter langes, schweres Brett stürzte heute Vormittag vom Neubau Charlotten- und Zimmerstraßen-Ecke mit sausender Wucht von der Höhe des vierten Stockwerks herab auf das Trottoir, und zwar dicht vor die Füße des eben vorübergebendenden Laternen-Anzünders B. Der zu Tode er- schrockene Mann wäre um ein Haar eine Leiche gewesen, und man kann es ihm wirklich nickt verargen, daß er fich sofort »ur Polizei verfügte, um den Thatbestand feststellen und den- jenigen zur Rechenschast ziehen zu laffen, durch dessen Ver- schulven solch eine lebensgefährliche Situation geschaffen wurde. Aus diesem Anlaß sei wiederholt auf die dringende Nothwendig- keit hingewiesen, bei Bauten und Reparaturen genügende Schutzvorrichtungen für die Passanten zu schaffen und die behördliche Kontrole dieser Vorrichtungen aufs schärfste zu Hand» haben. Zur Beachtung für Krankenkassenmitglieder. Nach den§§. 58., 65., 73. des Reichsgesetze« vom 15. Juni 1883, *'----- cj.r � W.«*« /C yy» r---------------. �----- betteffend die Krankcnverfichcrung der Arbeiter, find Streitige leiten, welche zwischen den auf Grund dieses Gesetzes zu ver. fichemden Personen oder ihren Arbeitgebern einerseits und den hier domizrlirten Ottskrankenkassen, Betriebs-(Fabrik.) und Fnnungs-Krankcnkaffen andererseits über die Verpflichtung zur Leistung oder Einzahlnng von Beiträgen oder über Unter- stützungsansprüche entstehen, in erster Instanz von der Gewer- be-Deputation des hiesigen Magistrats zu entscheiden. Wieder- holt nun find Remonstrationen gegen derartige Entscheidungen bei der Gewerbe. Deputation eingegangen, mußten aber von dieser stets ohne Weiteres zurückgewiesen werden. Denn nach —-<-> r\ re.___ jr_"— fiellung derselben die Berufung auf den Rechtsweg mittelst Erhebung der Klage statt. Die Klage aber ist lediglich und direkt bc, dem zuständigen Zivilgericht(also hier meist dem kgl. AmtSgettcht I). anzustrengen und muß binnen der gesetzlichen Frist nicht nur dem Gettcht eingereicht, sondem auch dem Gegner zugestellt sein; denn erst nach erfolgter Zustellung gilt nach§. 230. der Zivilprozeßordnung die Klage als erhoben. In Folge der zwecklosen Einreichung von Remonstrationen bei der Gewerbe-Dcputatton oder auch bei anderen VerwaltungS- deHörden kann sehr leicht die ohnehin kurzbemessene Frist ver- säumt und dadurch den Betheiligtcn jede Möglichkeit einer Abänderung der erstinstanzlichen Entscheidung genommen Werden. „ Die Aufnahme älterer Operetten in's Repertoir hat sich im Fttedüch-Wilhelmstädtischen Theater so erfolgreich er- wiesen, daß die Dircstion fich entschlossen hat, auS ihrem reichen Repertoirschaye noch kurz vor demLffenbach.Zyklus zu welchem die eifrigsten Proben abgehalten werden, einige der wetthvoll- »en und beliebtesten Zugstücke zu bringen. Fn den nächsten Tagen kommt Karl Millöcker mit seinen zugkräftigsten Stücken an die Reihe. Heute(Mittwoch) nacht der feit Jahresfrist nicht gegebene„Bettelstudent" mit seiner 328. Aufführung den Anfang und wird morgen und Sonnabend wiederholt. Freitag findet eine Wiederholung der„Fledermaus" statt. Belle-Alliance-Ttirater. Das Ensemble-Gastspiel der Mitglieder des Wallner- Theaters bringt am Sonnabend eine A'eu-Einstudirung deS Moscr'schen Schwankes„Tie Leibrente", iu welchem— dem Rathe der Presse folgend— die Direktion Neue Kouplcts hat schreiben lassen und in der Herr Emil Thomas nach einem Urlaub wieder aufttttt. Von der Ge- langsposse„Ein weißer Rabe" finden dann nur noch 3 Auf- 'uhnmgen statt. Polizei» Bericht. Am 21. d. M. Vormittags machte ein iert längerer Zeit in einem Hotel in der Charlottenstraße wflirender Herr dm Versuch fick mittelst Strychnin zu ver- Sjfften. Er wurde noch lebend nach der Charitee geblacht.— An demselben Tage Nachmittags fiel der ein Jahr alte Sohn deS Arbeiters Hoherz, als er sich einen Augenblick unbewacht allein befand, auS dem Küchcnfenster der Fruchtstr. 41 vier Heppen hoch belegcnm Wohnung auf den Hof hinab und ver- strrb auf der Stelle.— Am Abend dcsselbm Tages wurde ttne Frau am Heinttchsplatz von dem durchgehenden Pferde k-neS Gefchäftswagens umgerannt und überfahren. Dieselbe "litt hierbei mehrere schwere Verletzungm und mußte nach der dachsten SanitätSwache und von dort nach Bethanien gebracht werden.— Um dieselbe Zeit schoß fich ein unbekannter Mann Zuf dem Hofe deS Grundstücks Alcxanderftr. 57 mittelst eines Revolvers in die Arust. Die Leiche wurde nach dem Obduk- «onshause geschafft.— Zu derselben Zeit entstand auf dem �oden des Hauses Köllnischer Fischmarkt 1 und 2 auf bisher ♦"»tmiiieHe Weise Feuer, durch welches der ganze Dachstuhl SLRott wurde. Die Feuerwehr war zur Stelle und mit zwei Schläuchen der Gas- und Tampfsptttze in Thätigkeit. Gerichts-Zeitttng. O,. Die schon einmal vertagte Verhandlung in der F-wat-Klagesache des GymnafiallehrerS Dr. Schneider in «„1 r Se«en den Redakteur der«Kreuzzeitung", Freiherrn li., Hammerftein, beschäftigte beute von Neuem die 98. Ab- a lung hiesigen Schöffengerichts. In der Nummer 145 der "�reuzzeitung" vom 24. Juni v. I. befand fich eine Kor- rcsvondenz aus Küstrin, welche die Störung ktttifitte, welche fich in der Küstriner Stadtverordnetenversammlung gegen den dottigen Bürgermeister Detlefsen geltend machte. Es wurde ausgeführt, daß der Grund dieser Opposition ursprünglich wohl die konservative Gesinnung desselben gewesen ist, spater aber vorwiegend die Stellung oeS Bürgermeisters in den gesell- schaftlichen Kreisen, welche für die Führer der Stadtverordneten verschlossen bleiben. Die feindliche und gehässige Sttömung werde vorwiegend geleitet durch einen Juristen und einen Philologen. Des letzteren Haltung sei um so unbegreiflicher, als er zuerst doch wohl verpflichtet gewesen wäre, seinem näch- sten Berufe als Lehrer vollständig Genüge zu leisten, anstatt fich um städtische Angelegenheiten zu bekümmem. Der Attikel ließ dann durchblicken, daß Dr. Schneider der Verfasser einiger im„Oder-Blatt" gegen den Bürgermeister gerichteten Gedichte gewesen sei und er fühtte zum Schluß aus, daß fich ein solches Verhalten schwerlich mit den Pflichten eines Lehrers verträgt, welcher seinen Schülern zuerst das Beispiel geben soll, die nächste Obliegenheit gewissenhaft zu erfüllen und fich der Zu- fnedenheit serner Vorgesetzten zu versichern. Das Halten von Reden, Mitgliedfchast des liberalen Wahlkomitees seien schwer- lich Erfordernisse für einen Schulmann.— Dr. Schneider, auf welchen diese Angriffe fich bezogen, fühlte fich durch den Artikel beleidigt, da derfelbe ihm Verletzung und Hintansetzung seiner Amtspflichten zum Vorwurf machte. Dr. Schneider stellte in Folge dessen den Sttafantrag bei der Staatsanwaltschaft, er wurde aber beschieden, daß die Erhebung der Anklage nicht in öffentlichem Interesse liege. Der Attikel der„Neuen Preußischen Zeitung" sei nur eine Abwehr gegen die beleidigenden Gedichte im„Oder-Blatt", und daß Dr. Schneider der Verfasser der letzteren sei, erscheine um deshalb wahrscheinlich, weil derselbe sein Zeugniß über die Autorschaft abgelehnt hatte. Die gegen diesen ablehnenden Bescheid bei der Oder Staatsanwaltschaft und fchließlich beim Justizministera naebrachte Beschwerde hatte keinen Erfolg und so betrat Dr. Schneider den Weg der Pttvatklage. In dem ersten Termin hatte der Beklagte unter Berufung auf das Zeugniß des Direktors des Küsttiner Gymnafiums, sowie zweier Schulräthe und des Stadtschulrathes Fürstenau den Beweis dafür angeboten, daß der Kläger schon mehrfach disziplinattsch bestraft worden sei, wie auch die Per- sonalalten des Klägers erweisen könnten. Das Provinzial- Schulkollegium hat zunächst darauf geantwortet, daß Personal- alten über Lehrer nur angelegt werden, wenn gegen dieselben disziplinattsche Verhandlungen geführt worden find und daß über Dr. Schneider derartrge Personalakten nicht vorhanden sind. Im Uebriaen hat sowohl der Direktor des Gymnafiums, sowie die betreffenden Schulräthe nicht die Erlaubnis von Seiten des Provinzial-Schulkollegiums erhalten, über Dinge, die ihnen aus ihrer amtlichen Stellung bekannt sein könnten, Zeugniß vor Gericht abzulehnen. Es war daher heute nur der Redakteur des„Oder-Blattes" Adler, zur Stelle, welcher über die Autorschaft der qu. Gedichte vernommen wer- den sollte. DaS Gettcht lehnte diese Vernehmung aber als thatsächlich unerheblich ab.— Rechtsanwalt Munckel beantragt die Bestrafung des Angeklagten, da der injuttöse Charakter des Attikels auf der Hand liege. Der Attikel sei in einem Tone geschii'ben, wie ihn selbst ein Vorgesetzter deS Klägers diesem gegenüber fich nicht gestatten dürste, und es offenbare fich ein maßloses Quantum von Hoffahrt, wie es dem Redatteur eines auch noch so großen Blattes nicht ansteht.— Rechtsanwalt Wolff-Fürstenwalde plaiditte dagegen auf Frei- sp.echung, da eine beleidigende Abficht nicht zu erkennen sei und der Schutz des§ 193 Platz greife, weil die„Kreuzzeitung" für„Kirche, Schule und innere Mifston" im Ganzen eine be- sondere Aufmerksamkeit habe.— Rechtsanwalt Munckel erwiderte, daß diese gemeinsame Behandlung jener drei Zweige den Schutz des§ 193 doch nickt begründen könne und daß es viele andere Leute gebe, welche diese gemeinsame Behandlung gar nicht wünschen.— Das Schöffenaettcht hatte an der be- leidigenden Abstcht deS Artikels keinen Zweifel und veruttbeilte deshalb den Angeklagten zu 50 Mk. Geldbuße event. 5 Tage Gefänaniß, sprach auch dem Angeklagten die Publikations- befugnrß in der„Kreuzzeitung" zu. Wegen ganz unerhörter Schamlosigkeiten hatte fich der Konditor Louis Warmke gestern vor der 93. Abtheilung deS Schöffengerichts zu verantworten. Der Angeklagte hatte in der Zimmerstraße ein Zimmer inne und gefiel sich dattn, fich in vollständig adamitischem Kostüme vor dem offen stehen- den Fenster zu bewegen, wodurch er bei den gegenüber wohnen- den Leuten nicht geringes Aergemiß erregte. Schließlich ver- anlaßte ein vi»-a-vis wohnender Hauseigenthümer, der von einer Miethettn auf das empörende Treiben aufmerksam ge- macht wurde, die Verhaftung des sauberen Patrons. Es stellte fich ferner heraus, daß der Angeklagte einem im letzteren.Hause wohnenden jungen Manne unsaubere Anträge gemacht hatte. Allerdings stell» er dies entschieden in Abrede, er wurde aber überführt durch einen Brief, den er kurz vorher an das Polizei- dureau gerichtet hatte und in welchem er über einen, in dem von ihm bewohnten Hause stattgehabten Krawall Beschwerde fühtte. Beide Bttefe waren entschieden von ein und derselben Hand geschtteden. Der Gerichtshof diktirte dem Angeklagten eine exemplarische Strafe— zwei Monate Gefängniß zu. Am 14. Oktober kommt vor der Strafkammer des Amts- gerichts in Siegen ver dtttte Prozeß Stöcker zur Verhandlung. Die Staatsanwaltschaft hat öffentliche Anklage wegen Beleidi- guna des Hofprediger Stöcker gegen den Redatteur Bommert zu Siegen erhoben. Die Anklage stützt fich auf die Verbreitung des bekannten rochen Flugblattes bei den Reichstags- wählen von 1884. Heber den Inhalt dieses Flugblattes ist auch bereits in dem zweiten Prozeß Etöcker im Juli d. I. die Rede gewesen. Im zweiten Prozeß Stöcker wurde Stöcker be- kanntlrch wegen Beleidigung des treifinnigen Reichstagskandi- daten für Siegen, Fabttkanten Reinhardt Schmidt, in Geld- büße genommen._ Soziales nnb Arbeitervemegnng. Billige Arbeitskräfte— daS ist jetzt die Losung aller Fabrikanten, um aus der Klemme, in die fie durch das Kon- kurrenzspiel gekommen find, herauszugelangen. Und doch ist daS der unseligste Ausweg, auf den fie versallen können. Der niedrige Lohn drückt die Kauffähigkeit des Volkes noch tiefer herab und die Krifis dauert nur noch länger. Wir haben schon oft nachgewiesen, daß es ein Vergehen an der Station und an der Kulturentwickelung unseres Landes ist, wenn die Fabttkan- ten dillige, fremde Arbeitskräfte ins Land ziehen, aber ebenso schlimm ist es, wenn deutsche Fabrikanten ihre Fabriken über die Grenze legen, um dort mit billigen Arbeitskräften fabttziren zu können. Auch fiedeln manche Fabttkherren auf das platte Land über, um dort billige Arbeitskräfte ausnutzen können, während dessen die städtischen Arbeitskräfte feiern. Im Fürfteuthum Waldeck find bedeutende Lager feinstem Alabaster entdeckt worden, die große Ausbeute sprechen. Auf dem Kongreß deS deutsche« BereinS für Armen» pflege und Wohlthängkeit, der in Bremen getagt hat, erstattete Professor Böhmer Bettcht über Armen-Etattstik und führte aus, die Statistik erstrecke fich auf 77 Verbände, die eine Gesammtbevölkerung von über 4 Millionen in fich schließe. Trotz aller Verschiedenheiten spreche fich in den Armenziffem eine gewisse Regelmäßigkeit aus. Auf 100 Einwohner entfallen in den Städten bis 20000 Einwohner 4,75 Unterstützte, in den Städten über 20000 bis 50000 Einwohner 5,02, in den Städten über 50 000 bis 100000 Einwohner 6,39 in den etäbten über 100 000 Einwohner 6,51 Unterstützle. Die größte Stadt des Reiches, Berlin, zähle schon in der offenen Pflege allein über 6 Unterstützte auf 100 Einwohner. Die Stadt zu von ver- Berlin zeige in der offenen Pflege 76.06 Prozent dauernd und 23,94 Prozent vorübergehend Unterstützte. Dre wertaus größte Zahl der Selbstimterstützten bestehe aus Erwachsenen, und»war -— größten Theile aus eheverlassenen und geschiedenen ff iUM Frauen. Die Statistik habe ergeben, daß in den niederen Kreisen die Zahl der eheverlassenen Frauen eine ganz unendlich große sei. Die Arbeitsscheu, Strafverbüßung, Trunksucht deS Ernährers u. s. w. seien außerdem sehr häufig die Ursache deS Anheimfallens an die öffentliche Armenpflege. Die Statistik ergebe, daß die Trunksucht in Deutschland zu recht ernsten Be- soraniffen Veranlassung biete.— Von einer Debatte und Be- schlußfassung über diesen Gegenstand wurde Abstand ge- nommen. Die Bertheilung der Selbstmorde auf die einzelne« Wochentage ist von Guerry untersucht worden. Derselbe hatte als Beobachtungsmatettal 6587 Selbstmorde und erhielt folgendes Resultat: Montag. Dienstag. Mittwoch. Donnerstag Freitag. Sonnabend Sonntag._„ Die Bertheilung von 1000 Selbstmorden auf die einzelnen Jahres, ttten zeigt folgende Ueberficht: 15.2 pCt. i\ 136 Jahreszeit Januar— März. Avril— Juni.. Juli— September Oktober— Dezember Dänemark 1861-75 1966 3282 2817 1935 Italien 1875-77 2214 3407 2544 1835 gefährlichsten. Wien 1859-78 2191 2926 2504 2379 Die warme Jahreszeit ist also am................. Die WaarenverschleuderuM auf dem oberschlesische» Eisenmarkte ist jetzt in hohem Maße eingetreten. Man wird dadurch auch nicht viel erlangen. Ob die Waaren deim Fabri» kanten oder beim Händler ruhen, ist so ziemlich gleichgilttg. Ein flotteres Geschäft ist erst dann wieder zu ermatten, brs die Folgen der momentanen Ueberproduttion vollständig über» wunden find. Dann aber droht bei der planlosen Produktion wieder Ueberproduttion und Krifis und so geht es in einem fort bis eine gesetzliche Regelung der Produttion eingetreten sein wird. Zur SonntagSarbeit. Dem Verbot der SonntagSarbeit wird entgegengeworfm, daß die Arbeiter selbst darunter leiden würden, da der Lohn fich vermindere. Dahingegen sagt ein konservatives sächfisches Blatt wörtlich:„Es ist eine bekannte Thatsache, daß in denjenigen Etablissements, in welchen die meiste SonntagSarbeit herrscht und sogenannte„Ueberstunden" als beinahe regelmäßige Einrichtung bestehen, die Löhne dann noch niedriger zu sein pflegen, als in solchen Fabriken, in welchen eine genau geregelte Wochenarbeit eingeführt und die Sonntagsarbeit nur eine seltene Ausnahme ist.— Damit ist doch auch anerkannt, ganz abgesehen von theoretischen volks- witthschastlichen Lebren, daß das Verbot der Sonntagsarbeit eher eine steigende Tendenz auf den Lohn ausübt, als eine drückende. Zur Beachtung für Drechsler. Die Arbeiter der Werkstatt von Göldner, Skalitzerstr. 60, haben, soweit fie mit ihren Arbeiten fettig waren, die Arbeit seinaestellt und bitten, den Zuzug streng fern zu halten. Die Arbeiter verlangen: 1. Besseres Material als bisher. 2. Für zweizöllige Trarllen 25 Pf., für zweieinhalbzöllige SO Pf. Bisher erhielten fie für zweizöllige 20 Pf. und für zweieinhalbzöllige 25 Pf. Uereme und Versammlungen. br. In der Bereinigung der deutschen Schmiede(bei Gratweil) hielt am Montag Herr Baake ernen Vortrag über die Bauernkriege. Zur Diökusfion nahm nur der Vorfitzende, Herr Drewitz, das Wort, um aus dem Umstände, daß die Kämpfe, zu denen damals die Bauern fich erhoben, um ihre Lage zu verbessem, ihren Zweck verfehlten, weil fie von un» organrfirten vereinzelten Haufen unternommen wurden, für die friedlichen Kämpfe, durch welche gegenwärtig die arbeitenden Volksklassen eine Besserung ihrer Lage herbeiführen wollen, die Nutzanwendung zu ziehen, daß fie zunächst von dem ihnen zu- erkannten Koalitionsrechte den ausgiebigsten Gebrauch machen und fich zu möglichst großen festen Organisationen zusammen- schließen müssen. Er schloß mit dem Hinweise auf die Pflicht, die jeder Berufsgenosse habe, der neugegründeten„Vereinigung der deutschen Schmiede" beizutreten. Herr Drewitz be- ttchtete sehr eingehend über die die SonntagSarbeit betreffende Konferenz auf dem Polizeipräsidium, welcher er als Ver- treter des„Fachvereins der Schmiede" beigewohnt hat. Die Frage, ob das Verbot der Sonntagsarbeit durchführbar fei, ist auf dieser Konferenz für die Drechsler, Knopfmacher, Gelb- gießer, Gürtler, Sattler, Stellmacher, Lackirer, Metalldteher und Schmiede mit Ja beantwortet worden; nur der Vertreter der Innung der Gelbgießer hat die Frage verneint.— Es wurde dann beschloffen, daß zum Besten der Vereinskaffe ein Wintervergnügen veranstaltet werden soll. Schließlich theilte der Vorfitzende noch einen Bescheid mit, der ihm seitens deS Polizeipräfidiums auf die Anfrage zugegangen, ob es dem Ver- eine gestattet sein würde, zu einer von rhm veranstalteten Ver- sammlung mit geeignetem wissenschaftlichen Vortrage, auch die Frauen zuzulassen. In dem Bescheide wrrd darauf hingewiesen, daß laut§ 8a des Vereinsgesetzes Frauen der Zuttttt zu den Versammlungen politischer Vereine verboten ist. Herr Drewitz sprach seine Verwunderung darüber aus, daß in diesem Bescheide die„Vereinigung der deutschen Schmiede" zu einem politischen Verein gemacht wird. Er meinte, daß der Bescheid auf das Äißoerständniß eines Unter» beamten zurückzuführen sei. Daß der Hcn Polizei Präfident die„Vereinigung der deutschen Schmiede" nicht als einen politischen Verein ansehe, gehe daraus hervor, daß er das Etatut der Vereinigung genehmigt habe, obwohl in demselben ein Verkehr der Lokalvereine mit einander vorgesehen sei. politischen Vereinen sei der Verkehr miteinander verboten. Die Erklärung des Herrn Drewitz, daß er über den Bescheid per- sönlich beim Herrn Polizei- Präfidenten Beschwerde führen werde, wurde mit Beifall aufgenommen. Die öffentliche Versammlung sämmtltcher Metallar» beiter in Gas-, Waffer- und Dampf-Armaturen, welche vom Fach verein dieser Branche am Sonntag, den 22. d. M, nach Sanssouci, Kottbuserstraße 4a. einberufen war, beschäftigte fich mit der Tagesordnung: 1. Unsere Stellung zur Frage der Sonntagsruhe und zum Arbeiterschutzgesetz. 2 Diskusston. 8. Verschiedenes. Herr Mar Kreutz als Referent sprach in fach- licher und erschöpfender Weise über daS Verbot der Sonntags» arbeit und den Arbeiterschutzgesetz Entwurf, wofür ihm großer Beifall zu Theil wurde. Er empfahl allen Anwesenden da» Arbeiterschutzgesetz und forderte auf, die für Annahme desselben an den Rerchstag gehende Petition zu unterschreiben, damit, wenn der Gesetzentwurf wieder eingebracht wird, derselbe durch Millionen von Unterschriften unterstützt wird. Folgende Re- solution wurde einstimmig angenommen: Die heutiae öffentliche Versammlung der Metallarbeiter in Gas, Waffer- u. Damvfarma» turen erklärt fich vollkommen einverstanden mit Abschaffung der If nnh-------- L« w.w.—j:-' rchtheile gen sich ..........——.-..iHtm cTOvernonoen mu»oicyanur.- fSÄtS."Ä'T t f f SS»1$ f* viele Redner und sprechen fich alle im jS inne des Referenten rn,- ar-c t.- a— ___......... W#»»v| V+Vlltvil aus. Bei„Verschiedenes" kam noch „rn zur Sprache und wurde dieselbe von allen Rednem'wr'Pttnzi? vollkommen anerkannt, doch waren die Meisten dafür, daß unter den heuttgen Verhalinissm die lokalen Fachorganisonen das einzig Praktische seien und erst wenn es gelungen, die Kollegen in diese Organisationen zu- sammen zu bringen, möge man zur Zentralisation schreiten. Sämmtliche Redner forderten zum Beitritt in den ssachverein auf und ließen sich auch viele Kollegen gleich als Mitglieder aufnehmen. Herr Kreutz forderte noch auf, den indifferenten Kollegen ja nicht schroff gegenllberzutreten, denn nur durch gütige Belehrung seien dieselben aus ihrer Unthätigkest heraus- zubringen. Der Vorsitzende theilt mit, daß der Fachverein seine nächste Versammlung am Sonnabend, den 3. Oktober, Abends 8 Uhr, bei Gratweil, Kommandantenstraße 77—79, abhält und mit der Bitte, recht zahlreich zu erscheinen, schließt er hierauf die Versammlung. Der Fachverein der Korbmacher hielt am 20. d. M. eine Versammlung ab, in welcher der Vorfitzende Herr Carl über den Streik der Hamburger Korbmacher berichtete. Der Streik sei zu Ungunsten der Streikenden ausgefallen und sämmtliche Gesellen hätten die Arbeit für den alten Preis wieder aufgenommen. ES wurde dann von der Versammlung beschlossen, den in Aussicht gestellten Delegirtentag wegen der vorgerückten Zeit bis auf weiteres zu vertagen und nur mit den verschiedenen Städten die den Delegirtentag beschicken wollten, in brieflichem Verkehr zu bleiben. Es wurde dann für das Arbeitsnachweisbureau Herr Frd. Jungnickel und als Stellvertreter Herr Julius Fechner und zum Kontroleur Herr wählt. Rendsburg, den 19. September. Mittwoch Abend tagte in Simons Salon eine önentliche Volksversammlung, in welcher der Reichstagsabgeordnete Hasenclever über das Arbeiter- schutzgcsetz und die damit verbundene Sonntagsruhe referirte. Schon längst vor der angesetzten Zeit war der kleine Salon überfüllt, so daß hunderte Personen umkehren mußten und mochten annähernd 500 Personen anwesend sein. Nachdem die geschäftlichen Angelegenheiten erledigt, erhielt Herr Hasenclever das Wort, welcher das Arbeiterschutzgesctz in allen fernen Punkten zur Zufriedenheit der Anwesenden erörterte und nach- wies, daß von keiner Seite bestritten werden kann, daß das arbeitende Volk an sosialen Uebelständen zu leiden habe. Daher müßten die Arbeiter sich koalifiren und sich durch Ar- beitervereinigungen rc. selbst helfen. Die Vertreter der Arbeiter« vartei im Rerchstage haben zur Heilung dieser sozialen Uebelstände ein Arbeiterschutzgesctz ausgearbeitet und dem Reichstag vorgelegt. Derselbe habe jedoch durch Schluß der Session dasselbe, anstatt zu erledigen, in den Papierkorb geworfen. Trotzdem werde dasselbe bei Be- ginn der nächsten Reichstagssesfion wieder eingebracht und müsse daher von den Arbeitern ein wahrer Petitionssturm inszenirt werden. Nach 1'/, stündigem Referat wurde der Redner mit enthusiastischen Beifallsbezeugungen belohnt. Bei Eröffnung der Diskusston erhielt ein Herr Jöhnk das Wort, welcher jedoch nicht aussprechen konnte, da der überwachende Polizeimeister die Versammlung aufzulösen für gut befand. Auf Grund welches Gesetzes die Auflösung erfolgte, wurde nicht angegeben. Tie Anwesenden bedauerten solches, da man allgemein glaubte, daß der anwesende Herr Stephan Heinzel aus Kiel noch in die Diskusfion eingreifen werde. Auf Veranlassung des Vorsttzcn- den verließen die Versammelten in aller Ruhe das Lokal, so daß der Polizei in keiner Weise Gelegenheit geboten wurde, einzugreifen. Auffällig erschien es, daß in der Versammlung 10 Polizerbeamte zugegen waren, darunter 8 bewaffnete. Trotz Versammlungsgesetz vom 11. März 1850§ 4, welcher bestimm;, daß nur 2 Polizeibeamte in Versammlungen zulässtg find.— In dem benachbarten Neumünster fand Tags zuvor eine Versammlung statt, die von den Tuchmachern einberufen worden war. Dieselbe verfiel der Auflösung, als sich Herr Heinzel auS Kiel zum Wort meldete. Eine auf denselben Tag anberaumte Volks- Versammlung, in welcher der Abg. Hasenclever sprechen sollte, war schon rm Voraus verboten worden. Das„Rendsburger Wochenblatt" macht, dazu folgende Bemerkung:„Durch das Verbot der zuerst angemeldeten Versammlung und durch die Auflösung der zweiten aber haben die Führer der sozialistischen Partei erreicht, was unserer Anficht nach ihre Abficht war, nämlich neue Bewegung, frisch pulfirendes Leben in die Ar- beitern, äffen für die sozialistischen Bestrebungen und Tendenzen zu bringen." Sollen die Sanitätswachen von der Stadt über- nommen werden? Diese hochwichtige Frage gelangt zur Besprechung in der heute(Mittwoch) im großen Festsaale deS nb«" Grand-Hotel Alexander platz stattfindenden Versammlung des Bezirksvereins im Stralauer Stadtviertel. Die Verhandlungen versprechen besonders interessant zu werden, da Stadtverordnete aller Parteien, sowie die Vorstände sämmtl cher Berliner Sanitätswachen ersucht worden find, der Sitzung beizuwohnen. Referent ist der Vorfitzende der ältesten Sanitätswache Herr I. Rothenberg. Verein Berliner Mechaniker. Donnerstag, den 24. September 1885, Abends 8 Vi Uhr, im großen Saale des Herrn Menck, Alte Jakobstr. 128, Vortrag des Herrn Dr. phil. A. Leman über die Beleuchtungscimichtungen an astronomi- schcn Instrumenten. Gäste willkommen. Große Versammlung sämmtliche» Klavierarbeiter» Tischler und Berufsgenossen am Mittwoch Abend 8'/, Uhr, im Konzerthaus Sansouci, Kottbuserstr. 4a. T.-O.: Die Arbeitseinstellung sämmtlicher Arbeiter in der Pianofabrik von Klingmann u. Co., Kövnickerstr. 175, wegen Lohnabzüge von o—v/z pCt. Sämmtliche Kollegen find der wichtigen Tages- ordnung wegen verpflichtet, in der Versammlung zu erscheinen. Die Glacee-Handschuhmacher Berlins halten am Sonn- tag den 27. September, Vormittags 9 Uhr, im Saale des „Universum", Brunnenstr. 29, eine große öffentliche Versamm- lung ab, um die so wichtige Existenzfrage zu besprechen. Wir wünschen, daß dieselbe recht zchhlreich besucht werde, da, wie uns versichert wird, die Arbeiter dieser Branche nur bei einer Arbeitszeit von 12—15 Stunden soviel verdienen, um noth- wendig existiren zu können. Eine öffentliche Versammlung der Hausdiener Berlins findet am Donnerstag, den 24. September, Abends 9 Uhr, im großen Saale der„Berliner Ressource"(früher Kolosseum), Kommandantenstraße 57, statt. Tagesordnung: 1. Das Krankenkassengesetz. 2. Die Sonntagsruhe im kauf« männischen Gewerbe. 3. Freie Diskusfion. Referent: Herr Georg Lcdebour. Berichtigung. In unserer gestrigen Nummer find die Berichte über Versammlungen des Fachvereins der Schlosser und Berufsgenossen und der Zimmerleute falsch umbrochen worden. Unsere Leser werden das Versehen entschulbigen. Von Zeile 14 des Berichtes über die Schlosserversammlung muß der Satz unter der Zimmerer- Versammlung stehen, und von Zeile 1K der Zimmerer-Versammlung gehört der Satz unter die Schlosser- Versammlung| Zrieflmsten der Redaktion. O- K., Wollinerstr. 11. Wenn es in den Statuten steht, ja, sonst nicht. Zwei Wettende, Johanniterstraße. Das wissen wir mcht. Wenden Sie sich an den Magistrat. Abonnent Strelttzerstr. 58. Derartige Fragen beant- warten wir nicht. H. G..... Wir wollen die Sache ruhen lassen. Becker, Brunnenstraßr. Julius Gcrickc, Viktoriastr. 2. Velten. Theater. Opernhaus. Heute: Die Jüdin. Schauspielhaus. Heute: Die Geyer-Wally. Deutsches Theater. Heute: Des Meeres und der Liebe Wellen. Friedrich-WilhelmstädttscheS Theater. Heute: Der Bettelstudent. Restdenz-Theater. Heute: Theodora. Walluer-Theater. Heute: Sie weiß etwas. Belle-Alliauee-Theater. Heute: Ein weißer Rabe. Walhalla-Operetteu-Theater. Heute: Don Cesar. Viktoria-Theater. Alte Jakobstraße 37. Direktion: Adolph Emst. Haute: Zum 55. Male: Die wilde Katze. GesangSpoffe in 4 Akten von W. Mannstädt. Musik von®. Steffens. Louisenstädtisches Theater. Direttion: Jos. Firmans. Heute: Der Postillon von Lonjumeau. Osteud-Theater. Heute: Bummelfritze._ Königstädtisches Theater. Heute: Gastspiel der Liliputaner. Die kleine Baronin. Theater der Reichshalle«. Täglich: Austeten sämmtlicher Spezialllätm. Ameriean-Theater. Täglich: Aufsteten sämmtlicher Spezialitäten. Kaufmann'» Varl««. Täglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. Täglich: Aufsteten sämmllicher Spezialitäten und theastalische Vorstellung.__ Albambra-Theater. Zum 4. Male, mit durchweg Neuen Dekorattonen: Ueber Land und Meer. Amerikanisches Volksstück mit Gesang und Tan, in 3 Asten und 8 Bildern von Finte und Linderer. Dekorastonen auS dem Atelier der Herren Hartwig und Hintze. 1198] Zur bevorstehenden Wmtersaison empfehle meine Fabrik v-rjLgWr Filh Doublt. S-Wuht. cbßafo rorvöo Pa,tw- i« alle« 6iö)st««[208- G. Geyer, so., Mariannenstraße 10. Allen Freunden und Bekannten empfehle ich meine Wasch- und Bleich-Austalt für jede Ast Wäsche m Adlershof be, Köpenick und bitte um zahlreichen Zusomch. Auftrage per Post- taste an A. Welsch. Adlershof Nr. 3 b. Köpenick.[2261 [Einzelne Sopha-Bezüge in Rips, Damast und bunten Stoffen, von 3'/- bis 4'/, Meter lang, für die Hälfte. [2169 lEroll 1-effevre, Drechsler! halten pioniecScage. Schwedische Eisbahn. L-l-Mi-l«. Mittwoch, den 28. September 1885, Nachmittags 4 Uhr:___ Gr» Concert, Pferderennen und Wettlaufen« Entree 10 Pf. Kinder in Begleitung Erwachsener frei. KarousselS! Schaukeln! Schau- und Würfelbuden! Nevolverbtllard! Kasperle-Theater k. 2280]__ schnearelsberer. Möbel-, Sopha- und Matratzen-Fabrik A. Schulz, 34 Wafferthorstraße 34(auch Theilzahluna». 12124 Heute! Srch jftsaiilMj sämmllicher Uamerarbeiter, TiMer und Berufsgenoffen Mittwoch Abend 8% Uhr: im Concerthanse Sanssouci, Aottbuserstraße 4a. Tagesordnung: Die Arbeitseinstellung sämmtlicher Arbeiter der Piano-Fabrik von Klingmann& Co., Köpnickerstr. 175, wegm Lohnabzüge von 5—7� pCt. Sämmtliche Kollegen sind verpflichtet, in der Versammlung zu erscheinen. Zur Deckung der Unkosten ein Eutree nach Belieben. 2243]_ Der Eiuberufer. Eine Herren-Echlafst. b- I. Apelt, Belle-Alliance-Str. 61, 4Tr. Herein znr Vertretung ller Interessen ller Arbeiterinnen. Donnerstag, den 24., Abends 8 Uhr, Gratweil's Bierhallen, Kommaudantenstrahe 77/79. 1. Vortrag des Naturarztes Herrn Kanitz über Zweck und Ziele der Nalurheilkunde. 2. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenom- men. Die Petitionslistcn betreffs Einführung der Sonntags- ruhe liegen zur Unterschrift aus. Der Vorstand. NS. Der unentgeltliche Arbeitsnachweis aller Branchen befindet sich bei Frau Kreutz, Skalitzerstr. 28, und Fräulein Seeger, Prenzlauerstr. 39._[2244 Hermann Krämer. Stptstttr nnfc Dekorateur. »w, Ltnden-Straiise Wo. 107, empfiehtt sich zur Anfestigung aller in dieses Fach einschlagenden _ Arbeiten. Matratzen 5 Mk., Svphas 6 MI.[2137 Arbettsvmrkt. Ein junger anständiger Manu sucht Stellung al» Komptoir- oder Hausdiener. Adressen werden erbeten unter K S. in der Expedition dieses Blatte».[2242 Tapezier-Gehilfen, tüchtige Arbeiter, Polsterer, Dekorateure und Kleber für Velour« tapeten, finden dauernde Beschäftigung bei 12262 _ Heinr. Kuhlen, Potodamerstraße 20. Tüchtiger Ausarbeiter ianofabrik gesucht. Bedingung: korrektes Ausarbeiten von für das Magazin einer rcnomm. Flügeln und Pianlnos, sauberes Stimmen, gewandtes Wesen, da der Betreffende auch selbstständig verkaufen muß. Adressen mit Zeugnißabschstft und Lohnforderung»üb Hr. 333 5 oft- lagernd Postamt 12, Berlin.__[2235 Ein Mädchen für Alles verlangt 2241] Zimmerstraße 44, im Restaurant. Verantwortlicher Redakteur N. Tranhei« i» Berlin. Druck und Verlag von Map Babing in Berlin 8W„ Beuthstraße 2.