Kr. 223. Donnerstag, den 24 Keptemder 1883. II. Jahrg. Jl crlintrDolbsülall Organ für die Interessen der Arbeiter. 4 ..Rerliner Bolksblatt- (Eingetragen beträgt für die� 3 gespaltene Petitzeile oder deren Rcmm 40 Pf. m■ ArbeitSma�t 10 Set größeren Auftragen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Nachmittags in der Expedition, Berlin SW.( Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce«» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Alionnements-Einladttrrg. Mit dem 1. Oktober eröffnen wir ein neues Abonnement auf das „Berliner Volksblatt" mit der Gratisbeilage „JWrirtes Sonntagsötuft". Unser Blatt, daS Blatt der Arbeiter, welches die Interessen der Arbeiter treu und fest gewahrt hat und ferner auch wahren wird, steht nunmehr auf anderthalb Jahre seines Bestehens zurück. CVf. ntPier �eil UUUCIl lUlL IIIUIILUC tgf&IWW&WMW»v.v v.vv......r vwn V..MVVV ♦♦Miyv.vw»[.f V.W»»V.» �vvv.. Mtt|vv v.v �vvvn.vv efetit und dieses Vertrauen ist nicht getäuscht worden. Zahlreiche Freunde hat das„Berliner Volksblatt" sich in der Zeil seines Bestehens erworben, und die Arbeiter sehen ein, daß wir ihre — w w f i OTTX- PT-—*« aa W—» 'än dieser Zeit haben wir manche Erfahrung gesammelt, wir haben erkannt, daß unsere Aufgabe nicht leicht ist, aber wir haben unser ganzes Vertrauen auf die Berliner Arbeiterwelt --—'"'cht getauscht worden. Zahlreiche Freunde hat das„Berliner Volksblatt" sich in der Zeil seines Bestehens erworben, und die Arbeiter sehen ein, daß .......—------- J nach bestem Können vertreten. Unser Programm ist bekannt, wir brauchen es hier nur kurz anzudeuten. rrr». i i.........•• j. fi r/t— /.TT Afoirf\tiS htrß Abschaffung der nimalardeitslohnes. S setzt, und vreses'�erirauen ,,, mau griaumj» wuivm. ntereffen nach bestem Wissen und nach bestem Können vertteten Unser Programm ist bekannt, wir brauchen es hier Wir treten zunächst ein für politische Freiheit, allgemeines gleiches direktes Wahlrecht für Reich, Staat und Gemeinde, Vereins« und Versammlungsfreiheit, Preßfreihest, gleiches Recht für Sebrnm mr� � pojitj�en Freiheit kämpfen wir für soziale Gleichberechtigung. Diese wird angebahnt durch Ersttebung höherer Löhne, Verkürzung der Arbeitszeit, Sonntags- und Kinderarbeit, Regelung der Gefängnißarbeit, Beschränkung der Frauenarbeit und Einführung einer Maximalarbeitszeit und in Verbindung damit auch eines Mini, Polittsche Freiheit, soziale Gleichberechtigung, das ist unsere Parole. Arbeiter, Handwerker Lerlius! Die Kommunalwahlen nahen heran, und wenn in der Kommunal� Verwaltung etwas in unserem Sinne erreicht werden soll, dann dürft Ihr auch Euer Organ nicht veraessen. welches Euch im Wahlkampf gegen Heuchelei und Reaktion kräftig zur Seite stehen wird. Im nächsten Quartal werden wir im Feuilleton des Hauptblattcs den spannenden Roman .Die Hand der NemefiS"--- Gwald August König veröffentlichen. Der Name des Verfassers giedt hinlängliche Bürgschaft für den Werth des Werkes. Eine besondere Sorgfalt wird unserer illustrirten Gratisbeilage zugewendet werden, wir dringen zunächst den Roman„Sünden der Väter". Der Roman schildert in fesselnder Weise die politischen und sozialen Zustände Rußlands. Von aufrichtiger Wahrheitsliebe beseelt, entrollt der Verfasser ein ergreifendes Bild des von den wildesten Leidenschaften zerrissenen Nachbarreiches. Die zweite Novelle:„Frau Therese�, von dem liebenswürdigen Erzähler Erckmann» Chatriau, wird allen unseren Lesern gleichfalls einen hohen Genuß bereiten. Keiner dürfte die Novelle, ohne ernste Anregung und Belehrung empfangen zu haben, auS der Hand legen. Das „Berliner Volksblatt u mit der Gratisbeilage „Iltufirirtes Sonntagsbtatt" Maße 44, entWengmommen" F�AußerL�MWen D0" fammtIicöen Zeitungs-Spediteuren, sowie von der Expedition, Zimmer- ZÄhl"sind wir der" festen Ueberzeugung, auch bis jetzt schon unsere Schuldigkeit gethan zu haben, aber immer noch mehr soll es unsere Aufgabe sein, unserem Berufe, die Interessen de? arbeitenden Voltes wahrzunehmen, gerecht zu werden. Der heutigen Nummer liegt ein Bestellzettel bei, wir bitten, recht ergiebigen Gebrauch von demselben zu machen. Die$tMUon des„gctlintt plhsbUU". KerMm m f tun. Die orientalische Frage ist wieder da und der alte Knäuel von Katastrophen und Verwickelungen ist in den Vordergrund alles öffentlichen Interesses gerollt. Die durch den Berliner Vertrag getrennten Bulgaren haben sich ver- einigt und der Battenberger, der Fürst von Bulgarien, hat sich an die Spitze dieser Umwälzung gestellt. Ostrumelien, das sich im Aufstande befindet, war rm Berliner Vertrag von 1878 als selbstständige Provinz mit christlicher Ver- waltung unter türkischer Oberhoheit konstituirt worden. Nun hat sich die ganze Provinz von der Pforte losgelöst, und sich an das Fürstenthum Bulgarien angeschlossen. Der Battenberger hat natürlich diesen Zuwachs seines Reichs nnt Freude begrüßt. Allerdings fragt sich nun, was kommen wird, denn was geschehen, ist nur der erste Akt eine« Drama'«. Man könnte glauben, der russische Rubel befinde sich wieder auf Reisen, wenn man die großen Journale liest. Sie betheuer« sämmtlich, Rußland habe mit der Revo- lution in Rumelien gar nichts zu thun; sie betheuern es mit so rührender Einstimmigkeit, daß man es fast glauben möchte. Leider aber weiß man nur zu genau, daß die ganzen Veränderungen auf der Balkanhalbinsel, die seit einem Jahrzehnt vor sich gegangen, genau auf dieselbe Weise bewirkt worden sind. In der Herzegowina, in Bosnien, in Serbien und in Albanien hat der russische Rubel zur Erregung von Aufständen gegen die Pforte sein Möglichste« gethan nnd die Insurgenten haben sich öffentlich für die russische Hilfe bedankt. Der Fürst von Montenegro ist einfach ein russischer Agent und als Rußland ihm einen Hafen am adriatifchen Meere verschaffte, hatte es feine eigenen Vorposten bis dahin vorgeschoben. Es ist lächerlich, die Welt über die Rolle des heiligen Rußland auf der Balkanhalbinsel täuschen zu wollen. Man kann die wüh« lende Hand Rußlands in den Wirren jener Halbinsel deut- lich erkennen. Nun könnte eS uns im Allgemeinen ja gleichgiltig sein, waS dort am Balkan vor sich geht. Die Türken haben so viel und so wenig ein Recht auf die Oberherrschaft am Balkan wie Andere und jene Völker sind befugt, sich selbstständig zu konstttuiren, in welcher Form sie immer wollen. Wenn damit die Sache abgethan wäre, so wär'« gut, aber so einfach liegt sie eben nicht. Aus Wien wird berichtet, die Mächte, die den Berliner Vertrag unterzeichnet haben, feien gegen das Vorgehen de« Battenoerger», der mit feiner Revolution den Berliner Vertrag durchlöchert hat. Wenn das sich so verhält, wird doch ein blutiger Kampf zwischen den Bulgaren und der Pforte kaum zu vermeiden sein, denn man wird dann zulassen müssen, daß sich die Pforte Ostrumelien wieder zurückerobert. Auf dem Wege des Verttags wird diese Rücknahme schwerlich zu bewirken sein, denn die Bulgaren in Osttumelie» sind, wie sich zeigt, bereit, für ihre Unab« hängigkeit von der Türkei zu kämpfen. Aber wenn auch die Mächte mit dem Vorgehen des Battenbergcr'S einverstanden wären, so wäre damit der Friede auf der Balkanhalbinfel doch nicht gesichert. Wenn die Veränderung, die Alexander von Bul- aarien bewirkt hat, anerkannt wird, dann ist der ganze Berliner Vertrag zerrissen und der gähnende Schlund der orienta- lichen Frage klafft wieder in seinem ganzen Umfang auf. Dann sind wir wieder so weit, wie in San Stefano. So ist e« möglich, daß die herrlichen Rosenthäler de« Balkan wieder mit einem anderen Roth gefärbt werden, al« mit dem Roth ihrer Blumen: mit dem Roth de« in den Schlachten fließenden Blutes. Rußland wird sich natürlich so stellen, als bedauere es diese Vorfälle. Die offiziösen Petersburger Blätter werden in jenem heuchlerischen Tone, den sie bei solchen Gelegen- heiten anzuschlagen pflegen, der Welt betheuern, daß man in Petersburg nur den Frieden wolle. Wenn aber die gegen die Bulgaren sendet, so wird wie Rußland den letzteren den Rücken Heer sehen, Pforte ein man gleich deckt. Wir halten ein Meisterstück den Berliner Vertrag nicht für diplomatischer Kunst. Man hätte wissen können, daß die Provinz Ostrumelien in jener Verfassung, die ihr der Berliner Vertrag gab, nicht lange blerben werde. Aber der Berliner Vertrag war doch immer- hin ein Versuch, die orientalische Frage auf friedlichem Wege zu lösen. Rußland machte den Versuch mit und hat nunmehr den Verttag wieder gesprengt. Ganz entsprechend dm Traditionen und Gewohnheiten dieser famosen russischen Diplomatie. Die Gefahr eines curopäischm Krieges scheint in der Wagschale der Bedenken bei dicsm Herren von gar keinem Gewicht zu sein. Sie haben einmal ihr Ziel: den Sturz der Pforte und die Aufpflanzung der russischen Fahnen am Bosporus. 1878, als schon die Kosacken vor den Mauern Konstantinopels standen, gab das gesammte übrige diplomatische Europa den Russen doch deutlich genug zu verstehen, daß man die russische Herrschaft am Bosporus nicht w olle. Rußland gab sich fcheinbar zufriedm. Diejenigen, die damals die russische Friedensliebe ernst nahmen, dürften nunmehr wohl hinreichend enttäuscht sein. Man sieht, der große Störenfried im Osten läßt nicht nach. Mitten im Friedm werdm weitteichende Verschwö- rungen angezettelt und Umwälzungen bewirkt, die den mro- päischen Frieden auf'« Aeußerste gefährdm. Man sollte doch glauben, in solchen Momenten müßte überall die Ein» ficht zum Durchbruch kommen, daß die Staatm in West- und Mitteleuropa das dringendste Interesse haben, sich gegen den großen Störenfried im Osten zu verbindm, denn die» ist der einzige Weg, um ihm sein Handwerk zu legen. Nur wmn er eine geschlossene Koalition gegen sich hat, werden seine Wühlereim und Jntrigum erfolglos bleiben. Wir bleiben damit eine Stimme in der Wüste, das wissen wir. Aber wir halten es nicht für unmöglich, daß mit der Zeit das Interesse des Westens, sich gegm die russi- schm FriedmSstörungm zu schützm, gebieterisch zum Durch» bruch kommen wird. Und je eher da« geschieht, desto besser ist'S. Sgiimfchrr Knegchiliitismii!. Deutschland hat— aus dieser Ueberzeugung haben wir vom Anfang an kein Hehl gemacht— einen schweren politischen Fehler begangen, als es, der leidigm Kolonialpolitik zu Liebe, Besitz ergriff von den Karolinen, einer nahezu ganz werthlosen Inselgruppe. Allerdings glauben wir, daß die Reichsregieruna diesen Schritt nicht in der Absicht that, um mit Spanien Händel anzufangen. Ein solcher Schritt wäre ja absolut finnlos. Auch ist anzuerkennen, daß sie in dem entbrannten Streite seither eine durchaus korrekte Haltung, berechnet auf gütliche Beilegung des Konflittes, beobachtet hat. Um so abstoßmder ist der Eindruck, den der so gänzlich unmotivirte spanische Kriegsfanatismus auf uns macht. Jeder Vernünftige wird zugeben, daß ein Krieg mit Spanien wegen der getrennten Lage der Länder physisch unmöglich ist; er ist auch moralisch unmöglich, weil er eine Lächerlichkeit wäre. Hätten die Spanier— so bemerkte kürzlich die„Franks. Ztg." — eine Ahnung davon, wie arotesk sie in ihrer Kriegswuth aussehen, die nur die einzige Wirkung hat, daß sie uns an die spanischen Landeleute Don Quichotte von der Mancha und seinen Knappen Sancho Pausa erinnert, so würden sie wohl etwas bedächtiger und ernster auftreten. Es macht einen tragikomischen Eindruck, in spanischen Zeitungen jetzt Beschreibungen zu finden über die Lage in Deutschland, die den Spaniern klar darthun, wie es nur einer Aufforderung von Madrid aus bedarf, damit alle Heere Europas gegen Berlin in Marsch gesetzt werden, so daß die spanische Armee noch ruhig zu Hause bleiben könnte. Dabei werdm sich, erzählt man dem spanischm Publikum, gleichzeitig alle Parteien in Deutschland erheben, Sozial- demokraten, Ultramontane und Weifen, die Könige und Fürsten des Reiches werden nach der Gelegenheit greifen, ihre völlige Unabhängigkeit wieder zu erringen, kurz die spanische Phan- taste hat in ein paar Absätzen in solcher Weise mit Deutsch- land aufgeräumt, daß von dem Reich, seiner Regierung, seinem Heer und seiner Flotte kaum noch soviel bleibt, um den Sieg Spaniens zu einem besonders ehrenvollen zu machen. Kein Märchen ist zu toll, daß es nicht in dieser Richtung Glauben finden sollte. Die spanischen Blätter, die verfichern, daß Deutschland noch leidlich zusammenhalte, daß es nicht ohne Hilfsmittel sei, werden halb als Verräther behandelt, von dem Kopfschütteln der öffentlichen Meinung Europas über das Verhalten der Spanier bekommen nur wenige Bewohner der iberischm Halbinsel etwaS zu wissen. Die„National- Zeitung" meint:„Vielleicht der einzige Spanier, der die ganze Tragweite der Sache übersteht, ist König Alfons; sein Leben im Auslände hat ihm einen klareren Begriff von den Machtverhältnissen und der Lage Europas gegeben, als es den spanischen Lokalpolitikern eigen ist." Eines ist natürlich ber dieser ganzen Entrüstungsbewe- gung nicht aus den Augen zu lassen, nämlich: daß dieselbe sich mindestens eben so sehr gegen den König Alfons, wie gegen Deutschland richtet. Ein Madrider Korrespondent des ..Berliner Tageblatt" glaubt konstatiren zu können, daß die Bewegung durchaus volksthümlich ist und ganz direkt aus den niederen Schichten Hervorgeht.„Es ist— heißt es wörtlich in der betr. Korrespondenz— jene vielköpfige Masse, die in größeren Revolutionen schon oft eine Rolle gespielt hat und die jetzt, im Laufe der letzten zehn Jahre politisch ein wenig geschult, auf die nächste Gelegenheit wartet, die be- stehenden Verhältnisse zu beseitigen, die Monarchie zu stürzen und das Loos der niedersten Klassen des Volkes zu ver- bessern. Es ist dies eine Masse, die wir überhaupt keiner Partei zuzählen dürfen, sondern die, dem politischen Leben der Parteien völlig fremd, aus eigene Hand operirt oder die Sache derjenigen Partei zu unterstützen geneigt ist, welche die sozialistischen, nihilistischen oder überhaupt die republi- konischen Ideale zu verwirklichen bcabfichtigt und verspricht. Es find jene Massen, mit denen Ruiz Zorilla und Don Karlos rechnen und deren fich jeder zukünftige plastische Re- volutionär zu bedienen haben wird. Ich wiederhole: Diese Bewegung rst nicht eine scheinbare, nicht eine nur in der revo- lutionären Presse fich wiederspicgelnde, imaginäre; hinter ihr stehen vielmehr robuste Gestalten, wie wir fie in den Karlisten« und Bürgerkriegen kennen gelernt haben."— Der Mann kann Recht haben. Politische Urbrrstcht. Die„Allgemeine Zeitung" in München läßt fich aus Berlin schreiben:„Auf dem Kongresse der englischen Ge» werkvereine wurde von einem Redner der achtstündige Normal« arbeitstag veilangt. Das hiefige Arbeiterblatt benützt die Gc» legenheit, den organifirtcn englischen Arbeitern den Rath zu geben, die bisherige Theilnahmslofigkeit an den politischen Fra- gen fallen zu lassen, das allgemeine gleiche Wahlrecht zu ver- langen und„von dem ihnen künstlich beigelegten Wahn, als hätten fie es nicht nöthig. Vereinigungen zu politischen Zwecken zu bilden," abzugehen. Dieser Rath rst außerordentlich bezeich- nend. Unsere Gewerkvereinsbewegung liegt nicht zuletzt des« halb so im Argen, weil fie mit radikal politischen Tendenzen verquickt worden ist. Die Trades Unions haben ihre große Bedeutung nur behaupten können, weil fie rein wirthschaftliche Organasationen der Selbsthilfe geblieben find. Die deutsche Arbeiterbewegung könnte von ihnen lernen, nicht umgekehrt." Wir ersuchen den geehrten Herrn Korrespondenten, die Sache doch nicht so zu verdrehen. Wir haben den Gcwerk- vereinen nicht vorgeschlagen, als solche fich an den politischen Agitationen zu bethetligen, sondern wir meinten, die in den Gewcrkvereinen ornanistrten Arbeiter sollten fich nicht abhalten lassen, Vereinigungen zu politischen Zwecken lalso andere, geehrter Herr!) zu bilden. Daß der geehrte Herr Korrespon- oent deshalb solch ein Geschrei erhebt, ist„außerordentlich be« zeichnend." Zur Diätenfrage? Die„Rhein. Wests. Ztg. schreibt aus Essen:„In den letzten Tagen wurde hier für den ultramontanen Reichstags«Abgeordneten Herm Stötzel eine Haus-Kollekte vorgenommen. Der Kollektant führt ein Notiz« buch bei fich, in welches die Geber ihren Namen und den ge« zahlten Betrag selbst eintragen können. Derselbe betreibt die Sammlung wenig geheim, indem er nicht allein bei den An« hängern der christlich-sozialen Partei(ultramontaner Färbung) anklopft, sondern auch bei solchen Personen sein Anliegen vor« bringt, die fich für die politische Richtung des Herrn Stötzel nicht begeistern können. Der Ertrag der Kolleste im Wahl- kreise wird übrigens ein sehr bedeutender sein, da auch mancher Bürger, der bei der Wahl einem anderen Kandidaten seine Stimme gegeben oder fich der Wahl enthalten bat, aus ge- schäftlichen oder aus sonstigen Ruckfichten seinen Beitrag nicht zurückhalten wird."— Fiskus herbei! Es giebt etwas zu fischen. .«**«-] �euifrcfon. Da» Mormoaeamadche« Amerikanische Erzählung 63, von valdui» Möllhause». (Fortsetzung.) La Bataille wurde uni erdessen de» TimpanogaS hinabge- sendet, um die von den Flüchtlingen eingeschlagene Richtung auszukundschaften, während ein berittener Mormone sich zu demselben Zwecke stromaufwärts begab, und ein anderer so- K' ich an den Zordan eilte, um Elliot von dem Vorgefal- en zu benachrichttgen und zur schleunigen Heimkehr zu bewege«. Die drei abgesendeten Boten verließen fast gleichzeitig Fort Utah. Die Sonne entstieg gerade den östlichen Höhen, zauberisch vergoldend die beschneiten Gipfel der umliegenden Gebirgszüge, welche die Wärme des Früh« sommers noch nicht ganz ihres winzigen Schmuckes entkleidet hatte.— Es war ein prachtvoller Sonnenaufgang. Weatherton, Falk, Rast und ihre indianischen Gefährten beobachteten den- selben von dem FelSplateau aus, welches die südliche Ver- längerung des UtahseeS begrenzt. Sie hatten sich am Fuße desselben an einer Quelle erquickt, und waren dann auf schmalen Wildpfaden hinaufgestiegen, um dort oben, von wo sie fast daS ganze Thal des Sees zu überblicken vermochten, sich selbst einige Stunden Rast, den Pferden dagegen eine Mahlzeit von den spärlich zerstreuten, aber süßen und nahr- haften Grasbüscheln zu aönnen. Einen langen und scharfen Marsch hatten sie von der Mündung des TimpanogaS, immer an dem See herum, zurückgelegt. Der bequemeren, aus dem Süden herauf« kommenden Emigranten-Sttaße wagten sie noch nicht nach- zufolqen, weil dieselbe mehrfach Ansiedelungen berührte, doch beschlossen sie, am äußersten Ende des Thales in dieselbe einzubiegen, und dann mit möglichster Eile ihre Flucht gegen Süden fortzusetzen. Die sozialdemokratischen Mitglieder des Reichstages werden, wie aus guter Quelle mitgetheilt wird, in den gegen fie angestrengten Prozessen des Fiskus auf Herausgabe der aus privaten Parteifonds an fie gezahlten Diäten sämmtlich zuge- stehen, daß fie die Diäten empfangen haben, aber prinzipiell auf Grund der Reichsoerfassung dm Ansprucb des Fiskus be- streiten und nöthigenfalls die Entscheidung der Rechtsfrage durch daS Reichsgericht herbeiführen. Der Kultusminister läßt einen merkwürdigen Bescheid an einen Volksschullehrer veröffentlichen. Es heißt in dem- selben:„Bei Rücksendung der Anlagen u. s. w. erwidere ich Ihnen, daß es im allgemeinen nicht gebräuchlich erscheint, da- von abzusehen, daß da, wo es gebräuchlich ist, Vorrichtungen zur Säuberung und Reinhaltung der Klassenzimmer, soweit Schulkinder dazu befähigt find, durch letztere unter Aufficht des Lehrers ausgeführt werden. Im vorliegenden Falle ist der Schuloorstand damit einverstanden, das Reinigen und Kehren des Abortes, sowie das gründliche Abputzen der Fenster einmal wöchentlich, das gründliche Scheuem und Waschen der Fenster einmal monatlich durch Erwachsene ausführen zu lassen, so daß das Abputzen der Fenster, soweit es täglich erforderlich ist und das tägliche Kehn n des Fußbodens nebst Säuberung der Schul- utenstlien vom Staube durch die Schulkinder zu erfolgen hat. Ihre Pflicht bleibt es, das Reinigungsgeschäft zu deauffichtigen, gleichviel, wer es ausführt." Die Vermehrung der Loose der preußischen Staats« lotterte bildet gegenwärtig den Gegenstand eingehender Er- örterungen im Staatsministerum. Von dem Ergebniß dieser Erörterungen dürfte es abhängen, ob der Landtag in seiner nächsten Session fich mit dieser Frage von neuem zu befassen haben wird. Offenbar ist es der Regierung bei ihrem Vor- gehen darum zu thun, zunächst noch die öffentliche Meinung in dieser Richtunglzu sondiren, die jasim allgemeinen einem solchm Vorhaben nicht abgeneigt erscheint. Von der deutschen Marine. Heber den Unfall des Panzerschiffs„Baiem" wird folgendes Nähere bekannte Die Kreuzerkorvette„Sophie" war unweit Korsör auf Grund ge- rathen und„Baiem" hatte Austrag, dieselbe abzuschleppen. Bei dieser Gelegenheit lief das Panzerschiff selbst auf einen Stein auf und zog fich das Leck zu.— Es verlautet heute mit Bestimmtheit, daß die Korvette„Olga" im Oktober eine größere zweijährige Reise antritt. Als Ziel derselben wird zunächst Afrika angegeben, doch ist Näheres noch nicht zu ermitteln. Der Kommandant und der größte Theil der Offiziere werden gewechselt. Der Termin der Wahle« zum preußischen Landtage wurde von der„Nordd. Allg.Ztg." m folgender seltsamen Form bekannt gemacht:„Wie uns von auswärts telegravhirt wird, find im letzten Ministerrath am Dienstag die Wahlen zum Ad- geordnetenhause auf den 29. Ottober, bezw. auf den 5. November anberaumt worden." Wozu erst dieser Umweg? Der baierische Landtag wird in den nächsten Tagen eröffnet werden.— Was die zukünftige Thätigkeit der Land« boten ausmachen wird, davon erfährt man herzlich wenig. Die „N. N." melden heute, daß die Absicht, ein verändertes Malz« aufschlaggesetz, von der viel gesprochen wurde, vor die Kammer zu bringen, im Finanzministerium aufgegeben sei. Für Uni- versttätszwecke, namentlich für Erbauung eines physikalischen Instituts in München und eines zoologischen in Würzburg, sollen erhebliche Mehrforderungen zu erwarten sein. Von etwaigen Forderungen für die kgl. Zivilliste ist es zur Zeit still gewordm. Ein Fühler, der kürzlich in mehreren Zeitungen ausgestreckt wurde, wurde in der Presse nicht sehr fteundlich aufgenommen. Auch im Publikum stößt der Gedanke einer Erhöhung der Zivilliste auf nicht geringen Widerspruch. Die Schwierigkeiten, in welchen sich die Kabinetskasse befindet, werden am ersten erwiesen durch die Thatsache, daß der neue tzoftheaterkasfirer, der allerdings aus dem Interimistikum nicht herausgekommen war, wirklich so„krank" ist, daß er nicht mehr mitthun kann. Er scheint den Ariadnefaden, der aus diesem Labyrinth führt, eben auch nicht haben finden können. Sein präsumptioer Nachfolger ist der Hauptmann a I» ernte Friedrich Schubert, der fich auch als Dramatiker versucht bat. Sein Drama„Florian Geyer" ist im vorigen Jahre am hie- figen Hoftheatcr gegeben worden. Ob der Herr auch Finanz- künstler ist, weiß man nicht, aber all seine Kunst dürfte schwer- lich geeignet sein, Ordnung zu schaffen.— Ultramontane Blätter melden, daß im Laufe der Woche ein Ministerrath stattfinden wird, der fich wiederholt mit der Frage der Rege- lung der Verhältnisse der Zivilliste befassen soll. Damit tritt auch die ultramontane Presse aus der bisherigen Reserve heraus. Ueber die Herren Stöcker und Wagner äußert sich der konservative„oamb. Korrespondent folgendermaßen:„Die ab- fälligen Bemerkungen, welche die„Nordd. Allg. Ztg." kürzlich über die christlich-soziale Partei gemacht hat, find so ziemlich überall als ein Versuch angesehen worden, Herrn Stöcker ab- zuschütteln, um einem konservativ-nationalen Wahlkompromiß die Wege zu bahnen. Herr Stöcker selbst scheint die Sache nicht anders aufgefaßt zu haben, da er eine Versammlung be- rufen hat, lediglich zu dem Zweck, den Schlag, den die„Nord- Die MohaveS, mit welchen die Delaware« sich schnell verständigen lernten, versprachen, daß sie innerhalb weniger Tage ihnen bekannte Gegenden erreichen würden, wohin ihnen die Mormonen schwerlich nachzufolgen vermöchten, und daß, einmal am Kolorado, ihnen ein bequemer Weg nach dem nahe der Mündung des Stromes gelegenen Fort Zuma offen stände. Weatherton konnte sich nur schwer mit dem Gedanken vertraut machen, so weit hinab zu gehen. Doch blieb ihm vorläufig keine andere Wahl. Er gab indessen die Hoffnung nicht auf, mit Hilfe der beiden Delaware« jäger auf einem Umwege in das Lager der gegen die Mormonen aufge- stellten Truppen zu gelangen, um von dort aus noch einmal Alles aufzubieten, Hertha, und fei es mit Gewalt, dem ihr drohenden Geschick zu entteißen. Seit seiner Unterredung mtt Jansen war er nämlich wie umgewandelt. Der strenge Mormone hatte, freilich be- dingungSweise, ei» liebliches, verlockendes Bild vor ihn hin- gezaubert unb dasselbe, als er die Bedingungen verwarf, eben so schnell und unerbittlich wieder vernichtet. Doch war gerabe dadurch seinen Wünschen eine andere und be- flimmtere Form verliehe» worden. Denn wie ihn früher, nach seiner Ueberzeugung, nur eine warme, aber uneigen- nützige Theilnahme für daS Mormonenmädchen bei allen seine« Handlungen leitete, so war er sich zetzt eigentlich erst so recht bewußt geworden, daß seiue Wünsche und Hoff- nungen viel, viel wetter reichten. Zansen'S Geständniß aber, daß er bei Hertha auf mehr als eine bloße herzliche Freund- schaft rechnen dürfe, diente gewiß nicht dazu, den Gedanken an den endlichen Besitz im Keime zu ersticken. Die Erinnerung, daß Hertha dem Mormonenthum mit unerschütterlicher Frömmigkeit ergeben sei, drängte sich wohl feindlich, wie ein übelwollender Schatten, zwischen ihn und seine erwachenden Hoffnungen, doch indem sein heißes Verlangen von Tag zu Tag wuchs, erschien es ihm auch möglicher, daß sie, nachdem sie einen klaren Einblick in die Vorschriften des neuen Glaubens gewonnen, demselben wieder gern entsagen and so die letzte Scheidewand selbst niederreißen würde. Es war daher erklärlich, daß er mit Widerstreben vom deutsche" geführt hatte, zu pariren. Daß ihm das bei seinen Getreuen von der ckristlich-sozialen Partei gelungen, ist selbst« verständlich, in weiteren Kreisen aber werden die Ausführun- gen, mit denen der Herr Hofprediger die„Norddeutsche" zu widerlegen versuchte, die Bedenken gegen seine Art der politt- schen Propaganda nur noch gesteigert haben. Namentlich ist seine Antwort auf die Aufforderung des gen. Blattes, fich von der politischen Agitation zurückzuziehen und seine Kraft der inneren Misston zuzuwenden, in hohem Grade charakteristisch. „Schaffe man", sagt« er,„die Sonntagsruhe, schließe man die Börsen, die Wiener Cafss u. s. w, dann erreicht man damit mehr als mit 1000 Jahren Misfionsthätigkeit." In dem Munde eines politischen Agitators würden diese Phrasen nicht weiter auffallen, aber ein Hofprediger sollte von der Wirksam- keit seines eigenen Berufes doch eine höhere Auffassung haben, um zu sagen, daß er einige polizeiliche Maßregeln oder eine schärfere Handhabung der Strafgesetze für bedeutungsvoller hält, als Alles, was er und seine Nachfolger in absehbarer Zeit auf dem Gebiete der fitllichen Verbesserung wirken können. Herr Professor Wagner, der Herrn Stöcker sehr lebhaft sekundirte, hat fich die Widerlegung der„Norddeutschen" viel leichter gemacht. Er bezweifelt, daß der Artikel des offiziösen Blattes die Bedeutung habe, welche ibm von den Gegnern beigelegt werde. Die„Nordd. Allgem. Ztg.", meint er, habe einmal ihr eigenes Roß erprobt und werde kopfscheu geworden sein, als fie den Beifall der Oppofitionspresse vernommen habe. Da die„N. A. Z." fich beeilt hat, einen Bericht über die Versammlung abzudrucken, und sich die Besprechung derselben vorbehält, so wird Herr Professor Wagner wohl bald Gelegen- heit haben, zu erfahren, daß die„N. A. Z." nicht so ängstlich ist, wie er glaubt. Uebrigens bezeichnet er es ja als bekannt, daß die antisemitische Bewegung im innersten Kabinet des Ministerhotels nicht ganz gebilligt werde' danach hätte also die auf eigene Faust operirende„N. A. Z." genau das ausge- sprochen, was man im innersten Kabinet des Ministerhotels denkt. In der That läuft denn auch die ganze Position, welche Herr Wagner einnahm, auf eine offene Opposition gegen die Regierung hinaus, der er indirekt vorwirft, fie wolle auf hal- dem Wege stehen bleiben, obgleich er in demselben Athem ver- sichert,„ich bin Regierungsmann vom Scheitel bis zur Sohle". Diese eigenthümlichen Erklärungen des Herrn Wagner enthalten vielleicht auch die Lösuna des Räthsels, weshalb der Professor seinerseits bereits den Entschluß gefaßt hat, ein Mandat nicht wieder anzunehmen und fich von dem politischen Gebiet, auf dem er allerdings wenig Lorbeeren gepflückt hat, zurückzuziehen, um fich ganz seiner Wissenschaft zu widmen. Herr Wagner verfichert, was ihn dazu bestimme, sei die Wahrnehmung, daß er nicht so starke Nerven habe, wie Herr Stöcker. Herr Pro- fessor Wagner scheint aber auch auf eine Wiederaufstellung in dem Wahlkreise Osthavelland(Potsdam), in dem er einmal ins Abgeordnetenhaus gewählt worden ist, endgiltig verzichtet zu haben, da dort ein anderer konservativer Kandidat aufge- stellt ist. Herr v. Bennigsen hat wieder einmal von sich hören lassen. Auf dem am 20. d. M. abgehaltenen Parteitage der „National-Liberalen" der Provinz Hannover hielt Bennigsen die Hauptrede, worin er sich für die entschiedenste Bekämpfung des Zentrums und der extremen Konservativen und für ein Zusammengehen mit den Gemäßigt- Konservativen und Frei- konservativen aussprach, doch dürften die Nationalliberalen nie vergessen, daß fie eine liberale Partei seien. Bennigsen pries ferner Bismarcks sozial-politische Initiative, hob die Wichtigkeit der Agrarfrage hervor und empfahl für Preußen die Parzelli- rung der Domänen der Ostseeprovinzen als innere Kolonisation, zumal in tropischen Kolonien deutsche Ackerbauer nicht fort- kommen könnten. Ueber den Sklavenhandel in Sansibar wird der„Boss. Ztg." von einem der Verhältnisse kundigen Seemanne ge« schrieben:„Trotz aller Ueberwachungen durch englische Kriegs- schiffe und durch die von der englischen Regierung an der oft- afrikanischen Küste eingerichteten Konsulate ist es bisher nicht möglich gewesen, den Sklavenhandel nach Sanstbar und Pemba gänzlich zu unterdrücken. Namentlich zur Zeit der Nelkenernte blühe dieser Handel, und wennschon die beiden in Sanstbar stationirten englischen Kriegsschiffe unausgesetzt an der Küste kreuzen und alle verdächtigen Fahrzeuge untersuchen, so ge- langen doch noch eine beträchtliche Zahl von Sklavenschiffe un- angefochten an die Pemba- und Sanfibarküste, wo dem Ver- kauf dieser lebenden Waare selbst durch die englischen Autoritäten kein Hinderniß mehr in den Weg gelegt werden kann, denn sowohl der Sultan von Sansibar sowre die reichen Plantagenbefitzer halten Sklaven ganz offen und ver- miethen fie zu irgend welchen Arbeitsleistungen an Euro- päer, auch an Engländer. Uebrigens ist der Dienst der englischen Kriegsschiffe zur Verhinderung des Sklaven- Handels ein recht lukrativer, da die Kommandanten sowie die Besatzung dieser Schiffe für jedes eingebrachte Sklavenfahr- zeug ganz bedeutende Geldsummen empfangen. Diese Prä- miirung geschieht entweder der Anzahl der befreiten Sklaven entsprechend oder unter Berücksichtigung der Größe des Fahr- zeuges und die Wahl der Prämiirung ist ganz dem Ermessen Salzsee-Thal schied, und eine Reise den Kolorado hinunter weniger semen Plänen und Wünschen entsprach, als die Rückkehr in das Lager der Vereinigte Staaten-Armee. Dergleichen Gedanken beschäftigten also seinen Geist, als er das weite Thal mit dem glänzenden Wafferfpiegel und der wilden Einfaffuna überschaute, und mit dem neben ihm sitzenden Falk die Berichte ihrer verschiedenen Erleb- nisie austauschte. Hier erhielt er auch die ersten Aufschlüsse, warum jener und die Delaware» für Rynolds' Mörder gehalten und als solche wie flüchtiges Wild von einem Ende des Mormonengebieis nach dem andern gehetzt und verfolgt worden waren. Die Beschreibung deS Mordes selbst erfüllte ihn mit Entsetzen und Abscheu gegen Holmsten, und daS Herz sank ihm in der Brust, indem er sich vergegenwärtigte, daß in den Händen solcher Menschen ein entscheidender Einfluß auf Hertha's Geschick ruhe. Der Eindruck, welchen Falk durch seine Schilderungen bei ihm hervorrief, war ein so überwältigender, daß er leicht die letzte Scheu überwand, welche er hegte, die geheimsten Satten seines Herzens vor ihm aufzudecken.— Als sie einige Stunden später sich zur Weiterreise rüsteten, da hatte er dem Maler Alles mitgetheilt, was dieser freilich schon längst aus eigener Beobachtung wußte, aber auch das, was ihn selbst dazu berechtigte, die letzte Hoffnung auf einen glücklichen EndauSgang nicht sinken zu lassen, und sogar sein Leben an die Verwirklichung seiner Träume zu setzen.— Erst in den späten Nachmittagsstunden kehrten Elliot, Holmsten und eine größere Anzahl berittener Männer vom Zordan zurück. Auf dre Nachricht von dem Entweichen der Gefangenen waren sie den übrigen Bewohnern deS Forts vorausgeeilt, um sogleich die nöthiaen Anstalten zur schleuntgsten Verfolgung zu treffen; denn wurden auch Beide von verschiedenen Beweggründen geleitet, so bargen sie doch ganz denselben Haß und Rachedurst in ihrem Innern; und wie Elliot kein Opfer scheute, den Gegen- stand seiner wilde« Eifersucht zu verderben, so bot Holm- sten Alles auf. Diejenigen aus dem Wege zu räumen, welche als Rynolds' Mörder darzustellen und zu brand- des Kommandanten überlasse», der natürlich bei kleinen voll- geladenen Sklavenschiffen sich die Kopfzahl bezahlen läßt, größere Fahrzeuge mit weniger Sklaven aber lieber nach der Länge von Steven zu Steven taxirt Da die Konsuln an der Küste meist frühere englische Seeoffiziere find, die zum größten Theil selbst derartige Kommandos gehabt haben, so besteht eine unausgesetzte Verbindung zwischen ihnen und den Echiffskom- mandos und es kommt daher selten vor, daß ein englisches Kriegsschiff am Ende seiner achttägigen Kreuztour ohne wenig» stens ein größeres Sklavenfahrzeug zurückkehrt Die befreiten Sklaven werden dann gewöhnlich nach Mombassa übergeführt, wo ihnen freies Land zur Bebauung und Anfiedelung von der englischen Misfionsgesellschaft übergeben wird, während die Besatzungen der Sklavenschiffe in Ketten geschmiedet und im Fort von Sanfibar internirt werden, von wo fie als Sklaven des Sultans jedwede Zwangsarbeit verrichten müssen. Die Fahrzeuge selbst wurden früher verbrannt, heute zu Tage wer- den fie aber auf Land geschleppt und mitten auseinander ge- schnitten, so daß ihre Zusammensetzung wieder möglich ist. Die einzelnen Theile werden dann natürlich möglichst vortheilhast verkauft und liefern so einen weiteren nicht unbeträchtlichen Gewinn. Man geht nicht zu weit fehl, wenn man die auS diesem Dienst erwachsenden Zulagen für den Kommandanten eines solchen englischen Kriegsschiffes auf zirka 500 Lstrl. pro Jahr derechnet. Jeden'alls wird der Eifer hierdurch an» gespornt." Oesterreich'Uugar«. Aus Reichenberg(Böhmen) wird gemeldet: In der Nacht von Sonntag auf Montach wurden in den Straßen, sowie auf einzelnen Häusern und Fabriken anarchistische Flugschriften in czechischer Sprache aufgefunden. Dieselben erweisen fich als Exemplare des„Swoboda". des Organs der czechisch slavischen Anarchisten. Als Druckort ist New Uork angegeben. Der In- halt ist eine Verherrlichung der Mörder Kammerer und Stell- macher. — Wemstadt(Nordböhmen), 21. September. Zur Natio- nalitätenhetze. Heute Nacht fand ein Zusammenstoß zwischen deutschen und czechischen Arbeitern statt. Die Czechen hatten, als ein deutsches Lied gesungen worden war, durch Schiwpf- reden den Streit provozirt und die Messer gezogen. ES fanden mehrere starke Verwundungen statt. Die Deutschen waren schließlich in einem Gasthause internirt, da die Czechen auf der Straße drohend warteten. Bcmerkenswerth ist, daß hierbei zum erstenmale eine Gruppirung der Arbeiter nach den Nationalitäten stattfand, welche Erscheinung früher memalS fich geltend machte. — Wie man aus Wien mitthellt, werden die polnischen Abgeordneten fich darüber verständigen, in welcher Form die Frage der Ausweisungen aus Preußen anzuregen sei; einTheil der Deputirten dringt darauf, man solle vorerst den Grafen Taaffe und die Landsmann-Minister in außerparlamentarischer Weise um Aufklärungen angehen. Spanien. Aus Madrid wird gemeldet: Die Untersuchung gegen fiebzehn der Theilnahme an dem gewaltsamen Angriffe auf die deutsche Gesandtschaft beschuldigte Personen ist nahezu beendet, und werden dieselben binnen Kurzem unter der doppelten An- klage: das Haus und die Flagge des Vertteters einer de- freundeten Macht beschimpft und ferner durch ihre Gewalt- Handlungen das Land der Gefahr eines Krieges mit einem fremden Staate ausgesetzt zu haben, vor Gericht erscheinen. Die Strafe des erstercn Verbrechens ist Zuchthaus, die des zweiten Zwangsarbeit im Bagno. In Euba soll große knegerische Begeisterung herrschen, namhafte Kausleute hätten der spanischen Regierung dritthalb Millionen Franken angeboten und den Abbruch aller Handelsbeziehungen zu Deutschland beschlossen. Von den Gerichtshöfen wurden neun Provinzblätter mit , Beschlag belegt und zwei Zeilungsherausgeder, in Cadix und i in Santander, in Haft genommen. Sechs Madrider Blätter, darunter die„Jllustiacion Espanola", ein Blatt, das seit seiner Gründung niemals gerichtlich verfolgt worden war, verfielen demselben Schicksal der Konfiskation. Bei der„Jillusttacion" erfolgte dieselbe wegen eines Bildes, das auf die jüngsten Er- eignisse Bezug hatte. Der„Corres" theilt seinen Lesern mit, daß zwei Telegramme seines Londoner Korrespondenten von der Madrider Zensur inhibirt wurden, und erklärt gleichzeittg mit dem„Globo" und anderen Blättern, daß rhnen schon scrt mehreren Tagen keine auswärtigen Blätter mehr zugegan- """""■ StalU«. Rom. 21. September. Um die Bevölkerung von Palermo Zu beruhigen, hat der dortige Allgemeine Arbciterverem ernen Aufruf erlassen, in welchem die Leute beschworen werden. Er- krankungen an der Cholera sofort anzumelden und nicht an die Märchen von vergifteten Brunnen und von der Verbrertung der Seuche durch die Aerzte zu glauben. Da zahlreiche Pa- trouillen die Stadt durchstreifen, find Unordnungen nicht mehr vorgekommen. Vom 10. d. Mitternachts bis zum 20. Mittags find 53 Todesfälle in Folge der Cholera vorgekommen. Die Marken er sich mit auffallender, ihn fast verrathender Aengfi- kichkeit bemühie..._„, Wurden die Flüchtlinge ereilt und ,m offenen Kampfe »etödtet, so durfte Elliot ohne Furcht vor ihn treffenden Vorwürfen vor Hertha erscheinen und sie an ihr Versprechen Zinnern, während Holmsten in diesem Falle von der Ve- korgniß befreit war, daß der Verdacht de« begangenen Ver- brecheaS dennoch durch irgend einen unvorhergesehenen Um- stand auf ihn gelenkt werden könne. Er lebte ja der ihn Unausgesetzt marternden Ueberzeugung, daß die drei Neuer, die vor ihrer Flucht nach der Antilopen-Znsel den tobten {korper aus dem Fluß gezogen und auf die Brücke gelegt hatten, ihn auch belauschten und seiner Zell als Ankläger Und Zeugen gegen ihn auftteten würde». Der unerwartete Tod des Grafen kam namentlich Elliot gelegen, obgleich er sich mißbilligend über das Zn- d>anerS rasches Verfahren aussprach und den Verlust eines 1° guten Soldaten scheinbar beklagte. Den Baron dagegen, der immer mehr die Erinnerung an die Vergangenheit i« d-rn ihm statt Soldes verabreichten Branntwein zu er- sänken suchte, fürchtete er nicht weiter, weil er sich nie in *ine vertraulichere Unterhaltung mit ihm eingelassen, und daher die demselben von dem Grafen gemachten etwaigen Mittheilungen als böswillige Verleumdungen zurückzuweisen PNnochte.— xv Fast gleichzeitig mit Elliot und Holmsten war auch der Ichlangen-Zndianer eingetroffen. Derselbe hatte m der Nähe des UtahsecS die von den Entflohenen eingeschlagene Dichtung wirklich ausgekundschaftet. ... Es blieb daher nur noch übrig, d,e zur Verfolgung be- U'nimte Abtheilung mit allem zu einer längeren Abwesen- Vtt Nothwendigen zu versehen und sie dann sogleich ,n auS- Eichender Stärke aufbrechen zu lassen. „ Holmsten zeigte sich bei diesen Vorbereitungen vorzugS- geschäftig, und er legte einen so hohen Werth auf ?en guten Erfolg der auszusendenden Expedition, daß eS 61 ihm nur kurzer Ueberlegung bedurfte, sich derselben � Zuschließen und den Posten eines Befehlshabers zu über- �hnien. Seine Gesellschaft bestand aus siebenundzwanzig Mit- »ttedern, von welchen zwanzig wohl bewaffnete und im Ge- Zahl der Erkrankungen kann noch nicht angegeben werden, da das Volk dieselben nicht anmeldet. D änemar k. Die am 5. Oktober beginnende neue Reichstagssesfion wird anscheinend in gleicher Weise beginnen, wie ihre Vorgängerinnen aufgehört haben. Wie ein Provinzialblatt wissen will, hegt die Linkenpartei die Absicht, sofort nach Eröffnung der Session die Einsetzung einer parlamentarischen Kommission zu bean- tragen, welche eine Untersuchung der Verwaltung und Rechts- pflege vornehmen soll. Holland. Aus Amsterdam wird der„Franks. Ztg." telegraphirt: Im Prozesse des Sozialisten van Ommeren, welcher hochvelrätberische Plakate angeschlagen hatte, ist der Angeklagte zu 2 Jahren Einzelhaft verurtyeilt worden. Türkei. Ucber die Verhaftung des Generalgouverneurs von Ost- rumelien werden der„Times" über Bukarest folgende Einzel- hciten gemeldet: Die Umstände den Absetzung Gavril Paschas glichen sehr denjenigen, unter welchen Cusa in Bukarest im Jahre 1866 gestürzt wurde. Keine Gewalt wurde angewendet und Gavril leistete nicht Widerstand. Er hatte gefrühstückt und schellte nach seinem Diener, damit er abräume. Da trat statt des Dieners Oberst Eedlowitsch und 6 Soldaten ein, präsentirten und erklärten dem Gouverneur, daß er Gefangener sei. Gavril sah zum Fenster hinaus und bemerkte, daß sein Garten voll Soldaten war. Er wandte fich darauf zu Sedlowitsch und sagte:„Das ist plötzlich, aber ich muß Ihnen einen schriftlichen Protest überreichen." Der Oberst erklärte, daß er keinen Pro« test entgegen nehmen könne, aber S. Exzellenz in Arrest setzen müsse. Etwas später versammelte fich die Miliz vor dem Pa- lastej Stranskp verlas die Proklamation der provisorischen Regierung und forderte die Miliz auf, dem Fürsten Alexander den Eid zu leisten. Dies thaten denn auch die Milizen, in- dem fie ihre Gewehre schwenkten und einige Minuten lang jauchzten. Es war eine Szene großer Aufregung, allein die Ordnung wurde weder damals noch später in der Stadt ge» stört. Die einzigen Gewaltthätigkeiten, welche verübt wurden, bestanden in dem Herunterreißen der Embleme der türkischen Souveränetät. — Aus Philippopel wird dem„Hamb. C." telegraphirt: Alle Pässe der Balkanhalbinsel find in Händen des bulgari» schen Militärs. Bei Chaskow ist ein größeres Korps zur Ver» Hinderung türkischer Einfälle konzentrirt. Die bulgari- schen Ministerial-Kanzleien begeben fich schleunigst von Sofia nach Philippopel. Amerika. Eine Depesche aus Guatemala vom 19. d. M. meldet, daß eine Revolution dort ausgebrochen sei. Es wurde in Folge dessen der Belagerungszustand erklärt, während mehrere Heroorragende Offiziere verhaftet und zwei ehemalige Minister verbannt wurden. Man glaubt, die Bewegung sei bereits ver- eitelt worden. Der Indianerhäuptling Big Bear, Riel's Bundesgenosse in dem jüngsten Aufstände im Nordwesten von Kanada, ist vom kanadischen Gerichtshofe zu drei Jahren Kerker verurtheilt worden. Afrika. Kairo, 19. September. Die egvptischcn Behörden empfangen fortgesetzt Berichte, welche die Meldung, daß Osman Digma todt sei, bestätigen. Derselbe wurde, wie es scheint, nach einer vernichtenden Niederlage, welche seiner aus 3000 Hadendauas bestehenden Streitmacht von der Garnison von Kassala und den freundlich gesinnten Stämmen beigebracht worden, getödtet. Letztere sandten unverzüglich nach dem Siege vollauf Lebensmittel und Vieh nach Kassala. zokales. g. Bei den gegenwärtig stattfindenden Abbruchs- Arbeiten am sogenannten Bullcnwinkel in der Taubenstraße hat man auch die Zufluchtsstätte einer Anzahl jener Unglück- lichen entdeckt, welchen ein Obdach für die Nacht fehlt. Man kann diesen Zufluchtsort, der sich auf dem überbauten Terrain des zugeschütteten Grünen GrabenS befindet und nach der Jägerstraße zu belegen ist, ein wahres Peunbiuder-Jdlill nennen. Denn an dieser geschützten Stelle find ordentliche Lauben eingerichtet, welche recht mollig ausstaffirt find. Um der Zugluft den Eintritt zu verwehren, hat man eine Wand von altem Mauerrohr gebildet, dieselbe mit Lumpen und altem Papier gedichtet und fie vor die offene Seite der überbauten Stelle aufgestellt. Rührend soll der Anblick sein, wie fich hier Alles eng aneinander schmiegt und fich ergeben in sein trauriges Schicksal findet. Binnen Kurzem wird auch diese Stätte der bittersten Armuth beseitigt sein. Wo dann diese Unglücklichen kampiren werden, wer weiß es. lieber die Wiener Cas<-s schreibt der Berliner Korre- spondent der„Bresl. Morg.-Ztg." folgendes!„Was die Wiener brauch der Büchse geübte Utah-Zndianer waren. Er selbst und seine sechs weißen Gefährten waren beritten, und dabei hatten sie sich so gekleidet, daß sie in der Feme ebenfall« für eingeborene Krieger gehalten werden mußten. Ungefähr eine Stunde vor Sonnmuntergang waren endlich Alle reisefertig, und begleitet von dm besten Wün- schm brach man aus. Nach der Mündung des TimpanogaS begab man sich nicht mehr hin; es wäre überflüssig gewesen, da die Flüchtlinge nur durch dm Südpaß aus dem Thale mtwichm sein konnten, und indem man gleich von Fort Utah aus die obm erwähnten Felsplateaus zum nächstm Ziel wählte, wurde ein oedeutmder Umweg abgeschnittm. Elliot gab dem seiner Bande in einiger Entfemung nachfolgenden Holmsten noch eine Strecke das Geleit. Sie sprachen viel und sehr ernst mit einander, und als sie dann Abschied von einander nahmm, da geschah es unter den UN- heimlichstm Versicherungen und Warnungen, und namentlich unter Hinweisung auf den listigm Schlangen- Indianer, welcher die Expeditton als Führer begleitete. Ein Entkommm ihrer Opfer hieltm sie kaum noch für möglich. La Bataille'S Rachsucht, der Utahs Raub- und Mordlust, und endlich der Fanatismus der erbitterten Mormone« waren drei zu mächtige BundeSgmoffm. Auf der Ostseite des WahsatchgbirgeS. Seltsam fügt es oft der Zufall, daß sich in einer und derselben Stunde Begebenheiten von dm weittragendsten Folge« ereignen, welche, obgleich durch große Zwischen- räume geschiedm, dmnoch in enger Beziehung zu einander stehm, aber eine geradezu entgegengesetzte Wirkung auS- üben. So geschah es auch an jenem Nachmittage, als die Bande der Utahs zu Weatherton's Verfolgung das Fort verließ; denn fast gleichzeitig lenkten Jansen und Hertha ihre ermüdeten Pferde aus dem letzten Engpaß des WahsatchgebirgeS in die Ebene, in welcher in weitem Halb- kreise und in lang gerecktm Linim die Feuer der daselbst gelagerten Vereinigte Staatm-Truppen ihre bläulichen Rauch- säulm in die stille Atmosphäre emporsandten. CafSS betrifft, so halte ich ihre pilzartige Vermehrung für einen großen Schaden. Das Ueberwuchcrn der Wiener Cafös hängt innig zusammen mit der Trinkgeldfrage. Jeder neue Besitzer eines Wiener Cafss ist Zahlkellner in einem etwas älteren ge» wefen. Gemeinhin genügt eine zwei- bis dreijährige Thätig- keit, um ihn in den Besitz eines Vermögens zu bringen, mit dem er fich selbst dann ein Haus einrichten kann. Die Trink- Selber allein machen den Mann allerdings nicht reich. Man at es mir verrathen, wie große Summen sehr schnell verdient werden. Im Wiener Cafs sitzt Nachts— denn nur Nachts ist dort Leben— der Fremde.„Kellner, zahlen!" ruft er. Jean kommt, rechnet zusammen, verrechnet sich wohl auch,— nie zu Gunsten des Gastes— heimst mit je nach der Höhe der Trinkgelder lautem oder leisem„Dank' schön!" sein Trinkgeld ein, als eine jmer Damen, die in der Nähe fitzt und vielleicht ein Wort mit dem Gaste gewechselt hat, ihn recht sehr bittet, doch auch ihre Zeche mitzubezahlcn— ein Bier oder ein Pik- kolo und ein Liqueur. Es ist nicht viel, und der Gast thut es unter hundert Fällen achtzig Mal. In Wahrheit aber hat Fräu» lein Melinda gar nichts zu bezahlen. Sie stellt das Ansinnen in jeder Nacht, so oft fie kann, an Fremde, und da ein halbes Hundert Melindas bei dem schnell wechselnden Publikum die» selbe Strategie verfolgt, so läßt fich der Ueberschuß herausrech- nen, den so ein Zählkellner am Schluß des Tages hat. Warum die Huldinnen das thun? Weil sie gar leicht aus dem Lokal gewiesen werden können und es ihnen darauf ankommt, die Machthaber in gnädiger Stimmung zu erhalten. Der Zahl- kellner braucht davon gar nichts zu wisse»! er braucht es nur zu ahnen. Er fordert nichts; er nimmt nur, was ihm als Be» zahlung freiwillig geboten wird. Das ist das Geheimniß des schnellen Entstehens der Wiener Cafes. Aber fie unterscheiden fich wesentlich von denen in Wien. Hier find sie am Tage menschenleer, das Leben beginnt erst in den Nachtstunden. Und es sei offen gesagt, daß sie dirett von bösem Einfluß auf un- sere Jugend find. Nachtstunden, die der Erholung gehören, werden m mehr als zweifelhafter Umgebung dem Schlafe ge- raubt. Während man dem Gesindel den Krieg bis auf's Messer erklärt, werden ihm hier immer neue Sammelplätze geschaffen. Konzessionen werden vom Stadtausschuß vorschriftsmäßig nach der Tcdürfnißftage entschieden. Es wäre an der Zeit, daß man die Bedürfmßfrage fortan sehr ernstlich prüfte." R. Seinen wohlverdienten Bescheid erhielt gestern Abend ein sogenannter Stutzer von den Passagieren eines Pferdebahnwagens an der Weidendammcrbrücke. Der Wagen war eben im Begriff, die Fahrt nach Tejjel anzutreten, die kam aber sofort wieder herunter, mit der Erklärung„zwischen die Sorte Menschen könne fich kein anständiger Mensch setzen, er wünsche unten stehen zu bleiben." Der Kondukteur forderte ganz bescheiden den anmaßenden Herrn auf, wenn ihm der Platz auf dem Deck nicht passe, den nächstfolgenden Wagen zu benutzen. Als der Stutzer aber seine Ausdrücke wiederholte, die oben fitzenden Arbeiter„gemeines Volk und Kanaille" nannte, da brach der Sturm allgemeiner Entrüstung von Seiten aller Passagiere über den Unverschämten los und er mußte kleinlaut und beschämt fich beeilen, daS Feld zu räumen, sonst wäre es stcher zum Lynchen gekommen. Das Haus Breitestrafie 22 gehört zu jenen noch vorhandenen Gebäuden Berlins, dessen Erbauung bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht. Der jetzige Besitzer hat das Haus jetzt renoviren lassen und dem Innern einen prachtvollen Schmuck durch Anbringung altdeutscher Bilder und schöner Sinnsprüche in altdeutscher Schrift gegeben. Gleich unten im Hausflur find die bisherigen Befitzer des Gebäudes bis ins 17. Jahrhundert verzeichnet. Bei dieser Gelegenheit sei be- merkt, daß die in Rede stehende Straße im 17. Jahrhundert die„Große Sttaße" hieß und erst seit dem Anfange des vori- gen Jahrhunderts ihr heutiger Name allgemein wurde. Wenig bekannt dürfte es sein, daß die Musen eine Zeitlang ihren Wohnste mit den für den Marstall in der Brcitenstraße be- stimmten Gebäuden getheilt haben, indem in Sälen des Mar- stallgebäudes die ersten Theatervorstellungen stattfanden, welche in Berlin seitens des Hofes veranstaltet worden find. Die Breitestraße gehörte schon in früheren Zeiten zu den lebhafte» sten Gegenden für den Handel. Vornehmlich diente sie dem Buchhandel, den Seidenwaarenläaern, Putzläden und großen Magazinen für die reichsten Modewaaren und dergl. zur Gerichts-Zeltung. Eine auf Straßenraub lautende Anklage beschäfttgte gestern das Schwurgericht hiefigen Landgerichts I. Angeklagt waren der Arbeiter Friedrich Mader und der Maurer Bern- bard Hauchzwei wegen Eigenthumsvergehen bereits vorbe» strafte Menschen. Am 2. August Morgens gegen 2'/. Uhr ging der Tischlergeselle Grunzke allein die Köppenstraße ent» lang. In der Gegend des Schlestschen Bahnhofes sah er auf den Treppenstufen eines Hauses zwei anscheinend schlafende Die Reisenden hatten den Weg von Fort Utah bis hierher ,n vier Tagen zurückgelegt. E« war ihnen dies eben nur dadurch möglich geworden, daß sie, anstatt die„Große Salzseestadt" zu berühren, die Hauptemigrantenstraße in der nächsten gangbaren Richtung zu gewinnen trachteten. Dieser folgend, fanden sie vielfach Gelegenheit, bei den dort statio» nirten SlcherheitSposten zu rasten und fich zu erfrischen, oder auch, je nachdem sie eintrafen, auf verhältnißmäßig bequeme Weise zu übernachten. Bei dem äußersten befesttgten Mormonenposten, von welchem aus die Mündung des Paffes mit wenig Aufwand an Leuten und Mitteln vertheidigt werden konnte, waren sie zum letzten Mal eingekehrt, um daselbst, ihrer ermüdeten Pferde wegen, einige Stunden zuzubringen. Jansen schlug seiner Nichte vor, bis zum nächsten Mor- gen zu warten und sich erst dann in das etwa eine englische Meile weit entfernte feindliche Lager zu begeben. Er be- fürchtete, daß die Anstrengungen zuletzt dennoch die Kräfte des jungen Mädchens, trotzdem es von der früher» Reise her an die Beschwerden eines Rittes durch die Wüsten ge- wohnt war, übersteigen würden. Hertha dagegen wie« diese aus freundl'cher M» sorge entspringende Zumuthuna mit Entschiedenheit zurück. Sie wollte noch an demselben Abend die Gewißheit e, langen, ob der kommandirende General aus das Anerbieten ihres Onkels eingehe, um dann ohne Ver» zug schon am folgenden Tage die Rückreise wieder antteten SURIWWSL unnennbare Angst, wenn sie Elliot'S gedachte und sich dabei vergegenwärtigte, daß Weatherton's Schicksal der Willkür desselben preisgegeben fei. Sie glaubte ihn, der sich nur ihretwegen allein in diese mißliche Lage gestürzt hatte, nicht eher als gerettet betrachten zu dürfen, als bis er die Grenzen des Mormonenstaates überschritten habe, und um dieses zu beschleunigen, trieb sie ihren Onkel beständig zur Eile, während dieser, erfüllt von wehmüthiger Theilnahme und vaterlicher Besorgniß, sie vor Ueberansttengungen zu be- wahren suchte. (Fortschung folgt.) Personen fitzen. Als er an ihnen vorüberging, sprangen beide plötzlich auf ihn los; der Eine, welcher später als der Ange- schuldigte Hauck rekognoszirt wurde, ergriff ihn an den Beinen und warf ihn rücklings zu Boden, ihn zugleich an der Kehle packend, so daß er nicht schreien konnte. Gleichzeitig griff der andere Wegelagerer dem Grunzke in die Hosentasche und entwendete ihm aus derselben sein Portemonnaie mit 15 Mark Inhalt. Grunzke war durch den plötzlichen Angriff, durch den festen Griff des Hauck und durch den Sturz zu Boden derartig betäubt und wehrlos gemacht, daß er nicht um Hilfe rufen konnte. Als jedoch die Ange- klagten fich seines Portemonnaies bemächtigt und ihn selbst losgelaffen hatten, erhob er fich sofort, schrie um Hilfe und verfolgte die Angeklagten, welche die Flucht ergriffen hatten. Während der Verfolgung sah er, daß Mader etwas fortwarf und rhatsächlich wurde von einem Arbeiter Morgens 4 Uhr das Portemonnaie des Grunzke vorgefunden. Dem liebet fallenen gelang es, den Mader an der AndrcaSkirche festzu nehmen, während Hauck von Grunzke weiter verfolgt und an der Schillingsbrückr von Passanten ergriffen wurde. Er hatte bei seiner Ergreifung sofort gerufen:„Ich habe das Portemonnaie nicht, vielleicht hat es mein Kollege!" Bei Mader wurde allerdings ein Portemonnaie auch nicht aufgefunden, dagegen brachte man aus seiner Hosentasche genau solche Geldstücke zu Tage, wie fich in jenem Portemonnaie befunden. Beide An> geklagte legten fich auf's Leugnm, das Beweismaterial belastete fie aber dermaßen, daß die Geschworenen die Schuldfragen un- ter Ausschluß der mildernden Umstände bejahten. Demgemäß verurtheilte der Gerichtshof den Ängekl. Mader zu 6 Jahren Zuchthaus, den Hauck zu 5 Jahren Zuchthaus, den üblichen Nebenstrafen und Stellung unter Polizeiausficht. Bedürfen Mitglieder einer uniformirten Schützen- aemetnschaft zum Tragen von Waffen eines besonder« Waffenscheins? Mit der Prüfung dieser Frage war gestern die dritte Strafkammer hiefigen Landgerichts I befaßt. Der Schneidermeister Christian Friedrich Stock gehört dem Verein der Berliner Freischützen an, welcher im Frühjahr des JahrcS 1880 nach Genehmigung seiner Etatuten seitens des hiefigen Polizei. Präfidiums seine Wirksamkeit begann. Am 18. Febr. er. begab fich Stock mit seinem Schützengewehr nach dem Schieß- platz seines Vereins und wurde unterwegs von einem Schutz« mann angehalten und, da er einen Waffenschein nicht besaß, nach der Wache fistirt. Dort legitimitte er fich durch seine Vereinsmitgliedkarte. Die Staatsanwaltaschft erachtete diese nicht als einen Ersatz für den Waffenschein und erhob deshalb Anklage gegen Stock wegen unbefugten Waffentragens. Der Angeklagte behauptete, daß er in früherer Zeit den Re- gierungsrath Schmidt befragt habe, ob seine Mitgliedskarte wohl als genügende Legitimation von den Schutzleuten werde angesehen werden, worauf derselbe erklärt hätte, die Vorzeigung dieser Karte werde wohl seine Sistüung zur Wache nicht ver- hindern, auf dieser aber als ausreichende Legitimation aner- kannt werden. Der genannte Beamte deponirte, daß er fich zwar dieser Unterhaltung nicht mehr erinnere, daß er fie aber als möglich zugeben müsse. Seiner Anficht nach könne aber die Mitgliedschaft zu einem Echützenverein den nothwendigen Waffenschein nicht ersetzen. Der Gerichtshof veruttheilte unter Bejahung der obigen Frage den Angeklagten zu 5 Mark«vcnt. 1 Tag Haft, indem dessen rechtlicher Jrrthum die Etrafbarkeit nicht ausschließe._. P, ph. Wie die Nachtwächter den Dieben von der Zunft Konkurrenz zu machen vermögen, zeigte eine gestern Mittwoch vor dem Charlottenburger Schöffengericht wegen Diebstahls verhandelte Anllagesache gegen die städtischen Nacht- Wächter Herrmann Grothe, August Wetzt! I und den Laternen- Anzünder Julius Weber. In der Nacht vom 9. zum 10. August d. I. bemerkte Grothe auf seinem Patrouillen. Gange in dem Vorgarten des John'schen Restaurations-Lokals ein Fäßchen stehen, welches mit echtem Nürnberger Bräu gefüllt, von dem Personal des Lokals anscheinend vergessen worden war. Die Nacht war sommerlich schön, aber schwül und daher der Wunsch des Wächters, den Fund einer näheren mündlichen Prüfung zu unterziehen, sehr begreiflich. Beim Probircn aber wuchs jedoch der Durst und pflichtvergessen ttank der Wächter Zug um Zug, bis er zur Genüge hatte und in freudig gehobener Stimmung beerlte Grothe fich, seinem Kollegen Wctzel I von dem Funde Mit- theilung zu machen. Bcwe tranken, bis die Hähne der Acker« bürger den nahenden Tag verkündeten und der Laternen- Anzünder Weber im Morgengrauen auftauchte. Auch dieser erhielt seinen Antheil an der Beute, das Faß mit dem Rest- Inhalt überließen die tteulosen Hüter fremden EigenthumS bereitwilligst dem Weber, um daS edle Naß nicht verderben zu fassen, und dieser zog das edle Bier in Flaschen ab. Der Eigenthümer des Fäßchens forschte jedoch an dem nächst- folgenden Tage nach dem Verbleib, die vorhandenen Umstände wiesm auf die durstigen Wächter, und diese sowie der Laternen« anzünder erschienen gestern vor den Schöffen. Die Ange- klagten versuchten im Audienztermin, den Folgen ihres bösen Beispiels durch Vorbringung spitzfindiger Ausflüchte zu entgehen; dies hals aber nichts, Venn selbst der Bruder des Angellagtcn Wetze!, der Wächter Wetze! II, belastete mit seiner Aussage die Angeklagten. Nachdem fie infolge geaen fie eingeleiteten Disziplinar- Verfahrens ihrer Aemter enthoben, mußten die Pfleger des Gesetzes ihre ungesetzlichen Handlungen büßen. Der Amtsanwalt beantragte mit Rücksicht darauf, daß der Diebstahl im Amte begangen, gegen Grothe und Wetzel l eine Woche Gefängniß und gegen Weber, dem Hehler, 5 Tage Gefängniß. Das Urtheil lautete demgemäß. Untergegangen. Der Echrislsteller(?) Hans Viktor Püchler, welcher gestern der dritten Strafkammer des Land- gerichts l vorgeführt wurde, hat den Gerichten schon viel zu schaffen gemacht. Der jetzt 32jährige Mann stammt aus an- Jändigcr Familie— sein Bruder und Schwager nehmen acht- are Stellungen ein— und selbst nach einer Reihe von in selbstverschuldetem Elend durchlebten Jahren macht er in seinem Aeußern und in seinem Auftreten immer noch den Eindruck eines gebildeten Mannes. Seit einer vor etwa 10 Jahren erfolgten Verurtheilung wegen Unterschlagung ist es schnell mit ihm bergab gegangen' eine Bestrafung folgte der andern auf dem Fuße, zuletzt verbüßte er eine zweijähnge Zuchthausstrafe wegen Wechselfälschung. Seine Familie hat sich längst von ihm losgesagt. Sofort nach seiner Entlassung hat er wieder die Bahn des Verbrechens betreten, denn er steht jetzt unter der Anklage des wiederholten Diebstahls, des Betruges und der Erpressung. Der Angeklagte verkehrte viel in der Wohnung einer Wittwe Simon, einer armen Wäscherin. Sie hatte ihn eines TageS für eine kurze Zeit allein in ihrer Stube gelassen und bei ihrer Rückkehr war der Angeklagte und mit ihm eine silberne Zylinder- Uhr verschwunden. Anstatt der letzteren lag ein Zettel auf dem Tische, in welchem der Angeklagte um Entschuldigung bat, daß er fich die Uhr geliehen. Ende März d. I. miethete er fich bei einem Fräulein Echmitzdorf ein Zimmer, auch hier verduftete er plötzlich. Erst 14 Tage nach seinem heimlichen Weggange bat Frl S. entdeckt, daß ihr aus einer Ledertasche, die sich in einer verschlossenen Kommode befand, eine Summe von etwa 100 Mark entwendet worden und nimmt die An« klage an, daß auch in diesem Falle der Angeklagte der Thäter ist. Die Betrügereien soll er dadurch verübt haben, daß er unter der falschen Vorspiegelung, er habe eine Erbschaft zu ermatten, fich Darlehne zu verschassen wußte. Nicht ohne einen romantischen Hintergrund ist die von dem Angeklagten in Szene gesetzte Erpressung. Er lernte im Apttl d. I. die von rhrcm Ehemann getrennt lebende Frau Kuvner kennen und versprach dieselbe zu Heirathen, sobald fie geschieden sei. Frau K. erhiett eines Tags den Besuch der Wirtyschafterin ihres Onkels, eines in Schlesien wohnenden katholrschenPfar- rerS. Dieselbe hiell fich hier drei bis vier Tage auf. Wenige Tage nach ihrer Rückkehr erschien plötzlich der Angeklagte bei dem Pfarrer, stellte fich als der Bräutigam seiner Nichte, der Frau K. vor und bat ihn um ein beträchtliches Darlehn, um damit ein Geschäft gründen zu können. Als der Pfarrer dies Ansinnen entschieden ablehnte, da spannte der Besucher andere Saiten auf, er behauptete nämlich, es seien mit der Wirthschaftettn des Pfarrers hier in Berlin unter Zuhilfenhhme einer Hebeamme Dinge vorgenommen worden, welche das Gesetz mit Zuchthaus de- straft, er forderte nunmehr das Geld für seine Verschwiegen- heit. Der Pfarrer wies ihm die Thür, wurde nun aber von dem Angeklagten mit einer Anzahl von Briefen behelligt, in welchen die Forderung wiederholt wurde. Sodann reiste der Angeklagte noch einmal nach Schlesien, wandte diesmal aber andere Mittel an, um Geld zu erzielen: als reuiger Mensch warf er fich dem Pfarrer zu Füßen und drohte, fich vor seinen Augen erschießen zu wollen, wenn er nicht ein Darlehn von 90 M. erhalte. Um endlich Ruhe zu bekommen, gab der Pfarrer das Geld her, machte aber Anzeige, als die Er- vreffungsversuche ttotzdem wiederholt wurden.— Der Angeklagte bestritt sämmtliche ihm zur Last gelelegte Sttafthaten, resp. die betrügettsche Abflcht. Er blieb auch im Termine dabei, daß die Geschichte von des Pfarrers Köchin aus Wahrheit beruhe, jedoch behauptete Frau Kutzner unter ihrem Eide, daß ihr Besuch fich nur Vergnügens halber in Berlin aufgehalten. Der Beweis in Betreff des schweren Diebstahls bei Fräulein Echmitzdorf konnte nur auf Indizien hin geführt werden, doch hielt der Staatsanwalt deren für genügend erbracht, um den Angeklagten auch in diesem Falle für überfühtt zu erachten, er beantragte eine Gesammtstrafe von IV, Jahren Zuchthausund 2 Jahren Ehrverlust. Der Gencktshof schloß fich aber den Ausführungen des Vettheidigers, Rechtsanwalt Dr. Flatau an, erkannte den Angeklagten des schweren Diebstahls für nicht- schuldig und vcrurtheüte ihn wegen der übrigen Strasthaten zu 1 Jahr Gefängniß und 2 Jahren Ehrverlust. Soziales und Arbeiterbewegung. Die Wahrheit bohrt fich durch. Auch die immer doch in erster Linie auf den sabrikantlichen Standpunkt fich befin- dende„Elberf. Ztg." erklärt fich mit folgenden Worten gegen den Akkordlohn:„Der auch von wissenschaftlicher Seite als berechtigt zugegebene Haupteinwand der Arbeiter gegen die Neueinführung von Stücklöbnung besteht darin, daß der Stück- lohn zur Steigerung der Arbertsleiftung, mitbin zur Ver- mehrung der Arbeitslofigkeit mit folgendem Druck auf den Lohnsatz führen kann."— Ganz recht, das erhöhte Angebot von Ärbertshänden drückt den Lohn herab. Wenn nun das genannte Blatt aber den Vottheil der Akkordarbeit dattn er- blickt, daß der einzelne Arbeiter andern Arbeitcm gegenüber einen höheren Gewinn erzielen könne, so ist das doch nur momentan und nur so lange von Bedeutung, ehe die allge- meine Akkordarbeit die Löhne im Allgemeinen vernngett hat. Denn der Erste unter den Hungernden steht sich doch sicherlich schlechter, als der Letzte unter den Satten. Ueber die Frage der Sonntagsruhe äußett fich der Jahresbericht der Handelskammer für den Kreis Siegen pro 1884 in folgender Weise:„Diese Frage, welche in letzter Zeit öfters zur Verhandlung stand, hat für unsern Bezirk ein er« bebliches Interesse, weil in demselben eine ganze Anzahl von Gewerben vertteten ist, welche die Sonntagsardeit nicht ent- behrcn können. Fast sämmtliche Zweige der Eisenindustrie und die Gerbereim lassen Sonntags arbeiten, soweit die Roth- wendigkeit dies unbedingt erfordett. Ein Weiteres geschieht hier nicht...... Im Uebriaen find wir der Anficht, daß der Sonntag des Menschen halber und nicht der Mensch des Sonntags halber gemacht ist und daß ein etwaiger Versuch, in Dmtschland eine puritanische Sonntagsfeier einzuführen, unerwattet starken Widerstand finden würde."— Diese Sprache mag in Bezug auf den Reichstags- Abgeordneten für Siegen Herrn Stöcker am Platze sein; die Arbeiter selbst verlangen keine puntanische Sonntagsfeier. Auch fie meinen, daß der Sonntag des Menschen halber gemacht ist— deshalb ebm wollen sie am Sonntage nicht arbeiten. Die Frauen- und Kinderarbeit in Fabriken wird auch auf der gegenwärttg in Etraßburg tagenden Versammlung der Naturforscher und Aerzte einer wissenschaftlichen hygiem- schen Untersuchung unterworfen werden. Medizinalrath Dr. Köttnitz aus Greiz wird das Referat übernehmen und hat fol- gende Thesen für die Debatte aufgestellt: 1. der Ueberbürdung der Arbeiterinnen und Kinder in den Fabriken muß durch ge« eignete Gesetzesbestimmungen entgegengetreten werden. 2. Aus hygimischm Gründen ist zu verlangen, daß Arbeiterinnen vor vollendetem achtzehnten Lebensjahre in Fabriken nicht beschäftigt werden. 3. Schwangere Arbeiterinnen find von der Arbeit in Fabriken auszuschließen. 4. Wöchnerinnen dürfen vor Ablauf von vier Wochen nach der Entbindung in Fabriken nicht wieder zur Arbeit herangezogen werden. 5. Für solche in Fabttken arbeitende Vlüttcr, welche noch unerzogene Kinder zu Hause haben, ist eine mehrstündige Mittagspause und am Abend ein früherer Schluß der Arbeit zu verlangen. 6. Bezüglich der in Fabttken beschäftigten Kinder erweisen fich die derzeitigen reichs- gesetzlichm Bestimmungen als ungenügend.— Wir werden über die Verhandlungen dcttchten. Wegen Beschäftigung jugendlicher Arbeiter über das gesetzliche Mast hinaus wurde vor einigen Tagen ein Fabttlbefiver zu Mühlhausm in Thüringen mit 20 Mark, sage und schreibe zwanzig Mark Geldbuße bestraft! Hier liegt eventuell eine Körperschädigung für das ganze Lebm vor— wer sonst einekKörperverletzung veiübt, und wenn fie auch schon in wenigen Wochen vollständig überwunden wird, bekommt ge- meiniglich Gefängniß. Der Rückgang der englischen Hauptindustrie, der Eisen« und der Textilbranche ist nicht mehr fortzudisputiren. Für die Eisenproduktion geht dies deutlich aus dem Werke Sir I. L. Bells:„Eisen und Stahl" hervor, in welchem die Roheisenerzeug Großbritanniens und der anderen Kulturstaaten (die Ver. Staaten eingeschlossen) dargestellt ist. Die Roheiscnprodultion Antheil betrug in 1000 Tonnen an der Produftion in Großbtttann. d. übr. Staaken, �nim' � Staaten pCt. pC. 1871 6627 1875 6366 1879 6009 1881 8377 1883 8490 6399 6 776 7 759 10 598 12 484 55V« 48V, 44V, 44'/. 40V, 44V« 51V, 55V, 55V« 59V, Das Wettrennen der übrigen Staaten mit John Bull zeigt uns die üderaschendc Thatsache, daß der letztere überflügelt wirb- Ganz ähnlich erging es mit der Textilindusttte. Von der den Spinnereien der Welt zugefühtten Baumwolle verarbeitete Großbtttannien im Jahre 1860 noch 49,4 pCt.; im Jahre 1870 nur 47,9 pCt.; im Jahre 1880 war die Verbältnißziffer auf 39,5 pCt. und im Jahre 1883 gar auf 35,4 pCt. gesunken. Diese Zahlen sind ein beredter Kommentar zu den chroni- schen Kttsen und Arbeiterausständen, zu dem Wachsthum des Riesenrcichthums und der Maffenarmuth in England. Aus Brüssel wird gemeldet, daß drei große Zwimfabtt- ken in Alost einer bedeutenden Kttsts verfallen find. Zwei derselben lassen nur noch die Hälfte der Zeit arbttten, während die dritte die Arbeit ganz ttngestellt hat. Diese hat nun ihren Betrieb nach Otternbcrg in der Rheinprovinz verlegt, wo fie theilweise billigere Arbeitskräste zu erlangen hofft. 250 Arbeiter find brodlos geworden, während über 600 auf die Halste des Lohns gesetzt wurden. Auch in Rußland macht fich die industrielle Kttsts viel- fach bemerklich. So hat eine Baumwollenfabrik in Tammerd- fors in Finnland über 100 Arbeiter entlassen. Gleichfalls ha- den unsere Papierfabttken ihr Arbeiterpersonal reduzirt. Vereine und Versammlungen. br. Mit polizeilicher Auflösung endete nach zweistün- diger Dauer die außerordentliche Schneider- Versammlung» welche am Dienstag im Konzerthause, Alte Jakobstr. 37, zum Zwecke der Berichterstattung der Subkommisfion über die Kassenführung der Lohnkommisston stattfand. Schon bei der Wahl des Bureaus zeigte es sich, daß in der nur schwach be- suchten Versammlung(etwa 150 Personen waren anwesend) zwei Patteien einander gegenüber standen. Es gingen aus der Wahl hervor: Herr Fenske als erster, Herr Horn als zweiter Vorsitzender, Herr Reichert als Echriftlührer. Herr Fenske, der Vorfitzende der Subkommisfion, leitete seinen Bettcht mit der Bemerkung ein, daß das Resultat, welches fich aus der Re- vifion der Bücher ergeben, kein ettreuliches sei, indem sich herausgestellt habe, daß die an die Spitze der Lohnkommilfion gestellten Herren das ihnen von den Kollegen geschenkte Per- trauen gemißbraucht haben. Als er dann die Einnahmeposten verlesen hatte, die fich aus den Sammlungen in den Werk» statten ergeben haben und in Bezug auf die Einzahlungen einzelner Kollegen tadelnd bemertte, daß die Namen der Ein« zahlet nur mtt den Anfangsbuchstaben angedeutet seien, nahm Herr Pfeiffer, der Vorsitzende der Lohnkommisfion, das Wott, um zu erklären, daß viele Einzahler nicht haben genannt werden wollen, um gegen die Aeußerung deS Herrn F„ daß er(Redner) das Vettrauen der Kollegen gemißbraucht habe, energisch zu protestiren und um der Subkommisfion die Berechtigung zur Einberufung der gegenwättigen Versammlung abzusprechen, da dieselbe gemäß dem Beschlüsse der letzten öffentlichen Versammlung zuvor eine Sitzung mit der Lohnkommilfion in Gegenwart des Schiedsgerichts hätte abhatten müssen. Herr Fenske suchte sein Vorgehen zu rechtfettigen. Als er Dabei äußette, er würde fich als Vorfitzender der Lohnkommisfion nicht soviel haben zu Schulden kommen lassen, erhob fich ein so chaotischer Lärm, daß der Vorfitzende es für gut fand, die Versammlung auf fünf Minuten zu vettagen. Nach Wiedereröffnung der Versammlung kam zunächst ein Antrag zur Verlesung, dahin ge- hend, die Herren Pfeiffer, Taeterow und Thomä auszuschlie- ßen und drei Ordner zur Aufrechterhaltung der Oidnung zu wählen. Ueber diesen Antrag erhob fich abermals ein wüster Lärm. Nachdem in großer Erregung Herr Jost für, Herr Taeterow gegen den Antrag gesprochen, erboten sich vier Herren zur Uebernahme deS Amts der Ordner. Trotzdem dau- ette es noch lange, bis die Ruhe soweit hergestellt war, daß Herr Fenske den Bettcht sottsetzen konnte. Dem Berichte zu« folge haben die auS den Büchem fich ergebenden Ge« fammteinnahmen 506,65 Mail betrogen, die Gesammt- Ausgaben 347,85 Mark, so daß der Bestand 158,80 Mark sein soll. Da nur 70 Mark vorhanden find(in der Sparkasse), so ergiebt fich ein Manko von 138,80 Mark. Zu diesem Manko kommen noch hinzu: 16,45 Mark, die Herr Pfeiffer einge- standenermaßen der Kasse schuldet, 30 Mark, die er von der Sparkasse abgehoben hat, und 29 Mark, über deren Peraus- gabung er. keinen Nachweis geben kann.— Herr Fenske schloß seinen Bericht mit der Bitte an die Versammelten, daß fie Herrn Pfeiffer auch die großen Opfer an Zeit und Mühe, die er für die Sache der Lohnbewegung gebracht, anrechnen und ein möglichst gelindes Urtheil fällen möchten. Er verlas dann noch einen langen Brief des jetzt in Straßburg weilenden Kasfirers der Lohnkommisfion, Herrn Marocke, in welchem dieser zuaiebt, daß seine Kassenführung keine korrekte gewesen, daß ein Manko vorhanden sein müsse, da Herr Pfeiffer wobl noch nicht alle Einnahmen werde abgeliefert haben. Es wurde dann eine von den Herren Reiching und Utoff ein- gebrachte Resolution verlesen, in welcher die Versammlung fich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärt, die Auflösung der Lohnkommisfion beschließt, die Subkommisfion beauftragt, die Ergebnisse ihrer Revision zu verössentsichcn, das Schiedsgericht wegen seiner Verdächiigungen gegen die Sud« kommisfion veruttheilt und der Subkommisfion ihre Aner- kennung auSspiicht. Da der Vorsitzende über diese Resolution sofort abstimmen lassen will, erhebt fich tumultuarischer Wider« svruch: die Herren Taeterow und Stanislowski werden mit Gewalt aus dem Saale hinausgebracht; der Vorsitzende müht fich vergeblich ab, die Ordnung wieder herzustellen. Der über- wachende Polizeibeamte erklärte die Versammlung für auf- gelöst. Der Fachverein der Rohrleger hält am Sonntag, den 27. September, im Lokale von Wolf u. Krüger eine Versammlung ab. Näheres durch Zeitungsrnserate und Säulcnanschlag. Perantw-rtlicher Redakteur R. t« Berlin. Druck und Verlag von Vk«»adtng in«erlin SW., Beuthstraf« 8. Vermischtes. So ißt man in einem Dorfe. In einem Dorfe waren Dragoner einquartiert. Einer trat in einem Bauernhause ziemlich herrisch auf. Der Bauer spielte den Gleichgiltigen. Als sie sich zum Mittagstisch setzten, zieht der Soldat den Säbel aus der Scheide und legt denselben neben fich auf den Tislb hin. Der Bauer stutzt und geht, ohne ein Wott zu sagen, aus der Stube hinaus. Nach einigen Minuten kehrt er mit einet großen Mistgabel zurück und legt dieselbe, fich an den Tisch setzend, gleichfalls neben fich nieder.„Was soll das bedeuten? fährt der KriegSmann den Bauern an.„O nichts", erwiderte der Bauer,„so ißt man bei uns im Dorfe, zu einem große» Messer gehört auch eine große Gabel." Dafür hat daS reiche England kein Geld. Die Za! der Schlachtopfer vom Biß giftiger Schlangen in Britisch. Os indien ist übergroß. In der Regentschaft Bengalen allein be- trägt die Zahl dieser Unglücklichen 11 600, und der Perfone», iveiche in Englisch-Jndien diesem Tode alljährlich erliegen» 45 000, also mehr als 109 pro Tag. Seit einigen Jahren hatte die Regierung kleine Prämien für das Fangen unV Tödte» giftiger Schlangen ausgeschrieben, ist aber davon zurück ge- kommen, weil Vre zu zahlende Summe zu groß war. In der» kleinen Distrikt Bankora wurden täglich über 12000 giftige Schlangen eingebracht und obgleich Vre Prämie nur3— 6Pence betrug, kostete Dies doch in zwei Monaten ca. 10 000 Pfd. St- Das unbebaute Land nimmt bei der steigenden VerelendunS immer mehr zu. Ein Herenprozeß, welcher fich, der„Emd. Ztg." zufolge» vor dem Schöffengericht in Emden abgespielt hat, giedt eine» betrübenden Beweis von dem wüsten Averglauben, welcher t\oä zuweilm in unserer ländlichen Bevölkerung anzutreffen ist Angeklagt war ein junges Arbeiter- Ehepaar aus GttmerfuM» Klägerin eine alte Frau Ech. von dort, welche von jenem als angebliche Hexe in üblen Gemch gebracht worden war. Di* Verhandlungen entrollten ein Bild des kindischsten, zugleich aucv traurigsten Wahnglaubens; Frau Sch.— behauptet jenes Ehe* paar— habe nichr nur ihren eigenen 23 jährigen Sohn dura Hexerei zu Tode gebracht, sondern auch in ihrem(der Eheleute Haushalt allerlei Unfug durch Zauberkünste angerichtet; so P fie in Gestalt einer Taube durch den Gossenstein geschlüpft uno Sabe aus dem Schränk Geld geholt, sei als Ratte im Hinter- ause herumgelaufen, habe Milch und Vreh durch Hexerei de- schädigt' mit thränenden Augen und zitternder Simme vrt riechen fie vor Gericht ihre Herzensangst vor weiteren Behexungen durch Frau Sch.:„Sie thut— sie thut uns doch nock an!" Wegen aufrichtigen Glaubens an ihre kindischen Wahn Vorstellungen war die Strafe des Gerichts milde. Hier»» eine»eiWs- Vellage zum Berliner Volksblatt. Hr.%%3 Donnerstag, den 24. September 1883. II. Jahrg. Der lungfrautnlriliut in Drntslhlnnil. D«r ruhige Beobachter mußte über den„Tugendraptus" der deutschen„guten Gesellschaft" lächeln, die über die be- kannten Enthüllungen der„Poll Mall Gazette" geradezu aus dem Häuschen gerieth. So etwas kommt bei uns nicht vor, hieß eS. Die volksthümliche Presse wies auf die Analogie der sozialen Verhältnisse in den„Kultur"stallten hin und zeigte, daß auch in Deutschland der Krebsschaden der Prostitution auf's Ueppigste wucherte. Man bestritt dies. Jetzt kommt das Organ der rheinischen Unternehmer, die nationalliberale„Rheinisch-Westfälische Zeitung", und läßt fich aus Nordhausen folgendes schreiben: „Die Enthüllungen der„Pall Mall Gazette" haben auch in Deutschland berechtigtes Aufsehen erregt, wenig bekannt aber dürfte sein, daß auch in Tbüringen Zustände cristiren, welche mit den in der„Pall Mall Gazette" in mehr als einer Beziehung Aehnlichkeit haben. Zur Kenntniß dieser Zustände gelangte ich durch Recherchen, deren Veranlassung ein hier verhandelter Prozeß gegen den Gastwirth Karl Wiegleb von hier, Befitzer der Gastwirthschaft„Zur Grafschaft vohenstein" wegen Kuppelei war. Meine Recherchen führten mich zu dem Resultat, daß Herr Wiegleb und andere ihren Bedarf an Kellnerinnen meist durch eine Dame in Braunschweig, bekannt unter dem Namen „Tante Meier", bezogen, welche ein ausgedehntes Geschäft dieser Art hat. Nicht selten wird von den bezeichneten Wirtden das englische System verfolgt. Dasselbe besteht darin, daß die Wrrthe durch Gewährung von Vorschüssen und Anrechnung ganz enormer Preise für Garderobe und Pension die Mädchen in ein AbhängigkeitSverhältniß bringen, aus welchem sie fich nicht anders wieder herausarbeiten können, als indem sie fich auf den Weg der Schande begeben, wozu die Wirthe und deren Frauen fie fortgesetzt zu überreden suchen. Haben die Bedauemswerthen diesen Weg erst betreten, so giebt es keine Rettung mehr, fie sinken von Stufe zu Stufe, bis fie schließlich im Spital enden. Die Wirthe beanspruchen einen direkten Antheil an dem Sünvenlohn der Mädchen nicht, wie dies in England geschieht; fie finden ihren Vortheil dadurch, daß fie fich von den Besuchern der Mädchen schlechten Wein zu hohen Preisen bezahlen lassen. Meist wird dieser Wein gar nicht getrunken. Der Hauptunterschicd zwischen deurschen und englischen Verhältnissen liegt darin, daß die diesbczüg- liehen Gesetze bei uns viel strenger find. Während in England die Verführung von Mädchen über 13 Jahre straflos ist, wird fie bei Mädchen bis zu 14 Jahren in Deutschland ohne wei- teres, bei Mädchen von 14—16 Jahren auf Antrag der hierzu Berechtigten bestraft. Was aber noch mehr in das Gewicht fällt, ist, daß bei uns die Polizei auf das Eifrigste besttebt ist, derartige Verbrechen an das Tageslicht zu ziehen, während in England die Polizei mit den Mädchenhändlem und Kupp- lern unter einer Decke steckt und gegen gute Bezahlung deren ererben direkt unterstützt. Bei uns würden viel häufiger Verurthei- lungen derartiger Wirthe vorkommen, wenn es nicht immer große Schwierigkeiten hätte, den Beweis zu führen, daß die Wirthe von dem Treiben der Kellnerinnen Kenntniß hatten, resp. das- selbe veranlaßten. Auch in dem in Rede stehenden Falle ge- lang dies nur unter großen Schwierigkeiten, der Prozeß hatte zur Folge die Verurtheilung des Angeklagten zu 6 Monaten Gesängniß und 2 Jahr Ehrverlust. Diese Strafe ist sicherlich nicht zu hoch bemessen, wenn man bedenkt, daß sehr viel junge Leute, auch Schüler, bei Wiegleb verkehrten und die Mittel zu diesem sie an Leib und Seele ruinirenden, kostspieligen Besuch des Lokals wohl nicht immer auf redliche Weise erworben. Ein Schüler hat an einem Abende 66 M. bezahlt! Auch hat Wiegleb wiederhast die Polizei in rasfinirtester Weise getäuscht. Beispielsweise waren an einem Abend mehrere Damm aus Nordhausen dort, welche natürlich tödlich erschraken, als die Polizei an die verschlossene Hauschür klopfte. Eine Zestlang war alles still, auf einmal thut sich nach wiederholtem Klopfen die Thür auf und ein Mann stürzt heraus und läuft die Chaussee hinauf. Der Polizeibeamte läuft hinterher und holt endlich den Flüchtigen ein, in dem er Wiegleb erkennt, der fich ganz verwundert stellt, daß man ihn hindert, fich Bewegung zu Der Dninns dei tmlschn. Erinnerung au» dem letzten russisch-türkischm Kriege. Von Alerander Wereschtschagin. („Frkftr. Zeitung".) (Schluß.) Auf dem Verbandplatz angelangt, stellen wir die Tragbahre beim Zelt.„Schaum Sie um Himmelswillen nach—" bitte ich den Doktor, der, über andere Traabahrm gebeugt, den Kopf eines Verwundeten bettachtete. Warmes Wasser verlangte der Arzt, einen Schwamm anfeuchten und das Wasser auf die verklebte Wunde drücke». Die Haare sind angeklebt und hindern die Untersuchung. „Eine Scheere her!" Em elend ausschauender, er- schöpfter Feldscheer mit Sommersprossen im lsesicht, dicken Lippm und plattgedrückter Nase, reicht dem Arzt pflegmatisch die Scheere. Ich fahre fort dm Arzt zu bitte», daß er «inm Augmblick nach meinem Verwundetm sehen soll.„Soll ich denn dm im Stich lassm?" entgegnete der Arzt, die zusammcngeklebtm Haare beschneidend.„Wo ist Zhr Kranker?"„Hier liegt er."„Sacharow! Scheeren Sie die Haare an der Wunde und waschm Sie sie, ich komme gleich wieder. Nun, gehen wir schnell. Wo? Dieser?" Er faßt die Hand meines Alexejew.„Was schleppen Sie sich, Väterchen, mit Todten!"„Wie, ist er tobt"— „Fühlen Sie selbst." Er reicht mir den Puls des Todten, tch kann mich nicht entschließm. Durch die geöffnete Uniform sieht man an der Seite eine tiefe Wunde. Etwas Weißes dringt aus der Mitte. Mich überläuft es kalt. „Smd Sie nun überzeugt, zuftieden?" Mit dem Kopf nickend, geht der Arzt eilends davon. Noch einige Zeit stehm die Soldaten unentschlossen, dann nehmen sie, nach kurzem Gespräch, die Mützen ab, bekreuzigen sich, kratzen sich den Kopf, setzm wieder die Mützen auf und gehen ihres Weges, indem sie mir Glück für die Zukunft wünschm. Ich rette zurück. ES ist Mittagzett und heiß. Der General hat sich im Schattm eine« Baumes plazirt, unwett smeS klemm Hügels, bei dm Offizierm de« Kasan'schm machen. Inzwischen waren natürlich die Damen und ihre Lied- haber längst entwichen!" So etwas kommt also auch bei uns vor. Wir haben nie daran gezweifelt. Und Nordhausm ist eine Mittelstadt, industrie- und schnapsreich. Wie steht es erst in den Großstädten aus? Moralische Indignation hilft hier nichts. Polizeimaßregeln richten gleichfalls nichts Besonderes aus. Die Ursache der Prostitution, die soziale Noch, muß gehoben werden. Man gebe dem Volk Brot, nicht Steine. Man schaffe soziale Reformen, man betrachte die Frauenftage als in- tegrirenden Bestandtheil der sozialen Frage. Das ist des Pudels Kern; andere Mittel find so erfolg- los, wie etwa der Versuch, einem Krautjunker Sozialpolitik bei- zubringen. Ihr Herren Gesetzgeber, geht an die Arbeit! Kommunales. W. Weltstädtischer Parlamentarismus. Zu dem An- trage des Stadtverordneten Singer u. Genoffen an die Stadt- verordneten Versammlung, betreffend den Maurerstreik, bat der Stadtv. Dr. Kürten u. Genossen den Uebergang zur Tages- orvnung bei der Versammlung beantragt. W. Die Stadtverordneten der Arbeiterpartei, unter- stützt von dem Stadtv. Sct iegnitz, haben bekanntlich beantragt: Die Stadtverordneten Versammlung möge beschließen, den Magistrat zu ersuchen, in gemischter Deputation mit der Stadt- verordneten-Versammlung die Uebernahme der bestehenden Sanitätswachen in städtische Verwaltung zu berathen.— Hier- zu hat jetzt der Stadtv. Limprccht u. Genossen(Bürgerpartei) folgenden Antrag angebracht: Die Versammlung wolle be- schließen, den Magistrat zu ersuchen: Ueber die Wirksamkeit der bestehenden Sanitätswochen eingehende Untersuchungen an- stellen zu lassen, dabei der Frage näher zu treten, ob es fich empiehlen dürfte, das Samtätswesen in städtische Verwaltung zu übernehmen, und derjVersammlung von dem Ergebnisse der Untersuchung Kenntniß zu geben. Lokales. Bauansführungen in der Gründerzeit. In einem abgelegenen Winkel politischer Zeitungen findet sich wie der „Äauhanvwerker" treffend schreibt, ein Ritter, der für die Bauausführungen der Gründerzeit eine Lanze versticht. Daß Berlin durch die Umstände, welche das Gründerthum, diesen Giftpilz des sozialen Lebens, hervorriefen, an Größe und Glanz gewann, wird dem Gründerthum gut geschrieben. Dies ist so richtig, als ob man dem Fliegenpilz das Wachsthum des Wal- des zuschreibt, dessen Schatten ihn ausbrütet. Damals find freilich ganze Stadtviertel entstanden, leider aber legen fie noch heut Zeuaniß dafür ab, wie das Gründerthum dem Bedürfniß entgegenkam. Der traurige Ritter des Gründertbums will so- gar anerkennen, daß hie und da mangelhaft, ab und zu un- solide gearbeitet wurde. Wie gnädig. Daß solche Geister diese traurige Schwindelcpoche eine Zeit„außerordentlichen wirth- schaftlichen Aufschwunges" nennen, ist erklärlich. Mögen wir vor solchem wirthschaftlichen Aufschwung ferner bewahrt bleiben. Doch diese Betrachtungen find nicht der eigentliche Grund, weshalb wir uns mit der Korrespondenz beschäftigen, eS handelt fich um ein anderes Mißverständniß zu beseitigen, das sich in dieser Zeitungsnotiz vorfindet. Es wird bestritten, daß der Hauseinsturz am 13. Ottober 1865 in der Wasserthorstraße als ein Beweis für mangelhafte Bauausführung zu betrachten sei, in einer Zeit, als eS noch gar keine„Pfuscher", sondern nur ge« prüfte Bau-, Maurer- und Zimmermeister gab. Wir meinen, gewiß ist dieser Hauseinsturz als ein Zeichen für mangelhafte Bauausführung in jener Zeit zu betrachten. Es hatte sich da- mals, wie jedem mit den Verhältnissen einigermaßen Verstauten hinreichend bekannt ist, ein System der Pfuscharbeit entwickett, das durch diesen HauSeinsturz charakterifirt wurde. Es war dies das Echutzmeistersystem. Freilich mußte für jeden Bau ein geprüfter Bau-, Maurer- oder Zimmermeister die formale Verantwortlichkeit übernehmen, eS fanden fich dazu aber söge- nannte„Schutzmeister", geprüfte Zunftmeister, gerne bereit, die ihre Namen für ein dilliges Geld auf die Zeichnungen setzten, Regiment«. Einige Schritte davon spielt die Regiments- musik. Nicht selten fallen feindliche Geschosse ganz in dcr Nähe nieder und bewerfen die Musikanten mit Erde. Einem von ihnen ist aus Schreck das Instrument aus der Hand geglitten; zaghaft auf die Voraefetzten blickend, hebt er es vom Boden auf.„Wieviel Uhr ist es, meine Herren/ ruft Skobelew. Wer eine Uhr hat, zieht sie unwillkürlich hervor, sieht auf sie und bemüht sich, dem General zu be- weisen, daß sie am richtigsten gehe. Es ist halb ein». „Nun, meine Herren, wenn Dobrowolski mit feiner Brigade nach einer halben Stunde nicht erscheint, so führe ich Sie selbst zu einer Attaque auf den„Rothen Berg"." Bei diesen Worten reibt er sich, des ihm bevorstehenden Vergnügens wegen, selbstzuftieden die Hände, dann streicht er hitzig seinen dichten röthlichen Backenbart zurecht, al« wolle er ihn entzwei reißen. Eine halbe Stunde verging und Dobrowolski war nicht da.„Nun, mit Gott, meine Herren! Oberst Tebjakin! geben Sie Ordre zur Ausstellung. Die SapeurS voran!" kommandirt Skobelew,„die Fahnen entfalten!" Die Ba- taillonS- und Kompagnie-Kommandeure beeile» sich, den Befehl zn erfüllen. Die unwett liegenden Soldaten rühren sich, erheben und bekreuzen sich, umarmen einander, nehmen Abschied und stellen sich in Reih und Glied. Die Kom- pagnie-Kommandeure stellen sich zu ihren Kompagnien und entblößen den Säbel.„Die Fahne zum dritten Bataillon!" ergänzt Skobelew.„Die Musik voran." Lautlos dehnt sich das Regiment au». Von seiner Suite umgeben, blickt Skobelew nervös gegen den„Rothen Berg". Mehrere Ordonnanzen sind schon abgesandt, ein verstärktes Artilleriefeuer gegen diesen Punkt anzunehmen. Ich warte, daß auch ich gleich ent- sandt werde. Der General blickt in der That um sich, wen er mit dem gleichen Befehl noch schicken könnte.„Reiten Sie schnell längs den Batterien," ruft er,„befehlen Sie da» Feuer auf den„Rothen Berg" möglichst zu verstärken, sagen Sie, daß wir ihn attaquiren." Sehr ungern setzte ich mich in Bewegung: mit meiner Hoffnung, bei Skobelew zu sein und zu sehe», wie er persönlich das Regiment zum Anariff führt, ist e« nun vorbei.„Gewehr über!" tönt es schwach aus den vorderen Kompagnien. und fich um den Bau, dcr von einem Pfuscher ausgeführt wurde, gar nicht kümmerten. Trat ein Unglück ein, dann wurde freilich dieser Schutzmeister, der häufig gar nicht wußte, wo der Bau lag, für den er verantwortlich war, zur Rechen- schast gezogen und der eigentliche Ucbelthäter ging straflos aus, ja war oft noch Entlastungszeuge. Es war das dasselbe System, das die Presse einst mit den„Brummredakteuren" befolgte. Daß dabei die Bauausführung eine höchst unsolide werden mußte, wenn der eigentliche Schwindler immer straffrei blieb, ist wohl selbsttedend, und so ist der Hauseinsturz in der Äasserthorstraße, dem übrigens wenige Zeit vorher ein anderer ohne Schaden für Menschen vorangegangen war, wirklich ein Zeichen für die Unsolidität der Bauausführung eines ganzen Zeitabschnittes. Wir gehen jetzt einer Zeit des Akkordbau« schwindels entgegen, die ficher erhebliche Blüthen zeitigen wird, wenn nicht die solidere Meisterschaft hier mit dem bessern Theil der Gesellen Hand in Hand einen Riegel vorschiebt. Ein Nothschrei. Seit Jahren schon veröffentlichten die Zeitungen immer und immer wieder SchmerzenSrufe der Be- wohner der Kreuchergstraße,.jenes Stiefkindes stadtväterlicher Fürsorge, dessen Acutzeres an die schmutzigsten Dorfstraßen der Umgegend erinnert. Wie viele Rtale schon ist auf jenen be- rüchliglen Engpaß an einer Stelle dieser Straße zwischen der Großbeeren- und Möckernstraße aufmerksam gemacht worden, wo die Häuser und Vorgärten schluchtenartig fich nähern und der Passant in die Lage kommen kann, die Rolle eines leben« dig Geschundenen zu spielen. Der Volksmund hat eine Steve an der bekanntlich schon manches Menschenleben in ernste Ge- f.C-____ it...-ri. � �— • 1, fj—--,---- � � straße, wie oft auf den unergründlichen Morast auf dem Damme und auf die beiden zu Seiten des letzteren aufgehäuft ten wallartigen Erhöhungen aus Straßenkehricht, wie oft auf die mangelhafte Petroleumbeleuchtung und andere Uebelstände aufmerksam gemacht worden! Aber freilich, wer hört heutzu- tage noch auf den Nothschrei eines StadttheilS? ES wird vielleicht Mancher denken: Hätte nur Jemand im Sommer 1883 während der Hyaiene-Ausstellung jene schauderhaften Zustände zur Sprache gebracht: vielleicht würde damals die Haupt- städtische Verwaltung rn Gegenwart so vieler berühmter Gäste des In- und Auslandes den berechtigten Klagen abgeholfen haben. Weit gefehlt! Jene Zustände wurden damals der Welt im rofiasten Lichte gezeigt. Es erschien im Austrage der Berliner städtischen Behörden ein glänzend ausgestatteter„Hygienischer Führer durch Berlin". Diese Festschrift war mit zahlreichen Illustrationen und Plänen ausgestattet. Welch' herrliches Bild verkündete in diesem Buche der beigegebene„Plan von Berlin" von dem südwestlichen Winkel der Stadt, von der Gegend am Kreuzberge! Da giebt es— auf dem Papier— eine schön regulcrte Kreuzbergstraße, die in sanfter Biegung fich nach einer Atonumentenstraße herumschwingt, die stolz und kühn— auf dem Papier— von Schöneberg direkt nach unserem National- denkmal hinführt. Da steigt die Großbeerenstraße prächtig und breit— auf dem Papier— den Kreuzberg hinauf bis zum Fuß der großen Freitreppe; da legt sich, breiter noch als unsere via triumphalis Unter den Linden, die Bülow- straße— auf dem Papier— quer über das Schienengewirr der Potsdamer und Anhalter Eisenbahn. Diese wahrheits- getreuen offiziellen Angaben des„Hygienischen Führers durch Berlin" resp. seiner Karte, sollten, wie es in der Vorrede hieß, die„Pittglieder des Deutschen Pereins für öffentliche Gesund- heitspflege", sowie die„Mitglieder des Vereins für Gesund- heitstechnik", welche damals ihre Jahresversammlung zum ersten Mal in Berlin abhielten,„in die hygienischen Zustände und Einrichtungen Berlins einführen und ihnen ein dauerndes Erinnerungszeichen an Berlin bleiben." Für diese Publikation bewilligten damals, wie in der Vorrede rühmend hervorgehoben wird, die städtischen Behörden„eine dedeutenve materielle Unterstützung". Erinnert jene zauberhast schnelle Besetzung dcS StadttheilS am Kreuzberg mrt regulirtm Sttaßen, Ueber- gängen w. nicht an den berühmten Triumpf des Potemkin, der auch aus wüsten Feldern Paläste, Dörfer und Städte schuf, als seine Kaiserin Katharina Ii. im Jahre 1737 Tauften bereiste? Wie aber liegen die Dinge in Wirklichkeit? Man vergleiche die Angaben des hygienischen Führers durch Berlin Wie ich mich umsehe, steigt die TSte bergab und verschwindet im Grün. Einige Soldaten blieben zurück: sie zupfen die Kleider zurecht, werfen das Gewehr über dre Schulter, be- kreuzigen sich und holen im Laufe die Ihrigen em.„Ver- stärken Sie das Feuer auf den„Rothen Berg", rufe ich an der Battefte vorübcrfprengend den Offizieren zu.„Der General selbst führt die Kasan'schen zum Angriff."„Wir hören, hören!" tönt eS von dort, sie machen Zetchen, daß sie schon benachnchtigt sind. Auf den folgenden Battefte« genau dasselbe. Unterdessen rückt daS Regiment vorwärts. Von der Position der Batteften hat man eine gute Aussicht: da ftlt da» erste Bataillon im Laufe hinab, hinter ihm da« zweite, das dfttte. Zhr„Hurrah" ist kaum hörbar. Die türkische Infanterie ist nicht zu unterscheiden. Die Kasan» schen laufen den Berg hinan. Unsere Geschosse fallen um sie her.„Ein Malheur," muß ich unterwegs denken,„wir tobten die Unsrigen. Da» sind unsere," ftef ich, mein Pferd nach Möglichkeit anspornend, dem Batterie- Kom- mandeur zu.„Stellen Sie das Feuer ein— dort auf dem Berge sind die Unsrigen!"„Ich glaubte eS auch," erwidert der,„doch was machen? Wo Brod— giebt eS auch Brodsamen." In diesem Moment fällt ein Geschoß in die Mitte unsere« Bataillons und explodirt; ob es Todte gab, konnte ich nicht sehe«. Hinter mir sprengt Kuropatkin: „Feuer einstellen, die Unsftgen sind auf dem„Rothen Berge",„schreit er athemloS..." Wereschtschagin, eilen Sie, e» den anderen Batterien zu melden." Das Feuer verstummte schon. Der Angriff ist beendet, dcr Berg in unseren Händen. Die Verluste scheinen nicht groß. Ich reite auf der Chaussee. Hier kommen mir Verwundete«nt- gegen. Unweit, zur Seite, unter einem Baum auf einer Tragbahre dem Anschein nach ei« Offizier; einige Personen laufen um ihn geschäftig hin und her.„Guten Tag, Ssotnik!" grüßt mich ein bekannter Kompagnie-Kommandeur mit schwacher Stimme, leicht das Haupt neigend.„Was ist» mit ihnen? wo sind Sie verwundet? leicht?"„Ja, sehen Sie, hier irgendwo!" Mit Mühe zeigt er um die Schulter und wendet sich finster ab.„Nicht stehen bleiben, forttragen! Fort mit Gott I" drängt ein Offizier, der Käme« rad des Verwundeten. Noch eine Werst weiter, vor dem Punkt, wo die Chaussee mit dem Bebauungsplan von Berlin und man wird er- staunen, welche Unterschiede zwischen beiden find. Da findet man noch überall vorspiingende Straßentheile und hemmende Zäune, der berüchtigte Engpaß ist da noch ganz genau angegeben, da gicbt es nur eine punktirte Verlängerung der Großdeerenstraße, da giebt es keine Monumenten straße bis zum Denkmal und nur eine ganz schmale, überall durch Zäune versperrte Bülowstraßen-Linie. An vielen Stellen ist. wie der Berliner zu sagen pflegt, die Welt mit Brettern vernagelt; krirz, jene ganze heutige Misere des Stadttheilcs am Kreurverg teilt uns im grellsten Widerspruch mit den Angaben des Planes des hygienischen Führers durch Berlin vor Augen. Die Roth. rufe der Bewohner des unrcgulirtcn Theiles der Kreuzberg- straße an die städtischen Behörden haben nicht aufgehört zu erschallen, und es ist auch schon manch' kleiner Thcclöffel voll Abhilfe geschaffen worden. Die Straßenreinigung hat fich schon manchmal bemerkbar gemacht, es ist ferner eine Schaar von drei neuen Petroleumlampen aufgestellt worden, ja, man hat sogar eine Regulirung der Kreuzbergstraße für das Jahr 1886 in„Ausficht" genomimn und es find zu diesem Zwecke die er- forderlichen Terrains von der Mehrzahl der Adjazentcn un> entgelllich an die Etadtgcmeinde abgetreten worden. Sonst aber ist Alles beim Allen geblieben! In einem uns vor- liegenden Aktenstücke, welches eine Reihe von Schreiben zwischen den Adja, errten und dem Magistrat enthält, befindet fich ein sehr merkwürdigen Bescheid. In diesem Schriftstück wird die Angelegenheit der Regulirung der Kreuzbergstraße plötzlich in ein anderes Fahrwasser gelockt, indem fie abhängig gemacht wird von der Ausführung eines anderen großartigen Projektes, das vielleicht niemals, vielleicht erst nach vielen Jahren zu Stande kommen wird. Plan staune: Erst wenn die langwierigen Ver- Handlungen zwischen dem Staate und der Stadtgemeinve wegen Anlegung des vorausfichtlich Millionen kostenden Kreuzberg- parkes zu gewissem Abschluffe gediehen sein werden, dann erst wird es möglich sein, jenen dringenden Nothständen der Kreuz- bergstraße abzuhelfen. Wie nun aber dann, wenn überhaupt jene Verhandlungen, wie leider zu befürchten steht, zu keinem Abschlüsse gelangen? Dann bleibt die Kreuzdergfiraße wohl für ewig urrregulirt? Was haben denn überhaupt diese beiden Angelegenheiten mit einander zu schaffen? Was hat die von Kloaken verpestete Luft, die Schmutzmaffen des Straßendammes, die mcnschenschindende Schlucht mit jenem vomehmen, groß- artigen Plan zu thun, der unserem Nationalvenkmal auf der Spitze des Berges eine würdige Umgebung verschaffen will? Hängen beide Projekte etwa darum zusammen, weil zur Regu- lirung der Kreuzbergstraße einige wenige Quadratmeter fiskalischen Terrains erworben werden müßten? Run gut, so erwerbe man fie doch! Wie ein mächtiger Keil schiebt fich daS Schienengewirr der Potsdamer- und Anhalter Eisenbahn von Südwesten er bis tief in die bewohnten Stadttheile Berlins hinein, und emmt den Verkehr zweier Stadttheile untereinander mit nahezu 200 000 Einwohnern. Auf einer Strecke, die viel länger ist, als die Entfernung vom Brandenburger Thor nach dem Alexanderplatz, bildet dieses Schiencnnetz zwischen dem Westen und Südwesten von Berlin eine chinefische Mauer, die nur am Kanal eine Durchlaßstelle befltzt. Den zweiten Verkehrsweg zwischen beiden Stadtlhcilcn bildet die unreaulirte Kreuzdergstraße. Freilich tonnten die Väter der Stadt ein- wenden, daß ja auf dem Papiere noch die schöne breite Blücher- straße als dritte Verbindung verzeichnet stehe. Wie aber sagt in einem Gedichte von Fritz Reuter ein Lehrjunge, der fich über das schlechte Essen belchwert hatte, als sein Meister die Richter entrüstet fragte, ob Rindfleisch und Pflaumen nicht ein schönes Gericht sei? Er sagte:„Rindfleisch un Plumen sind een schön Jericht, blas mine Herr'n, ick kriegt man nich!" Es könnte Jemand endlich denken, daß die allseitig anerkannten Rothstände der Kreuzbeigstraße nur aus dem Grunde noch nicht gehoben worden find, weil hierzu sehr bedeutende Kapi- talien erforderlich seien. Dies ist jedoch durchaus nicht der Fall; denn die Stadt befitzt bereits fast das ganze zur Regu- lirung nöthige Straßenterrain, und würde auch, da die Straße sofort ganz bebaut würde, die Auslagen für Freilegung, erste Einrichtung, Pflasterung und Entwässerung sofort von den Ad- jazcnten zurückerstattet erhalten. Man begreift demnach wirklich nickt, warum die Väter der Stadt so lange mit der endlichen Reauliruna zögern, ebenso wenig wie fich die gewaltsame und künstliche Vermischung dieser Frage mit dem Schmuckprojekt oben auf dem Kreuzberg begreifen läßt. Vom 1. Oktober an wird bekanntlich die Görlitzer Bahn an die Stadtbahn angeschlossen sein. Die königliche Eisen- bahndirektion Berlin erläßt soeben die dahin zielende Bekannt- machung. Von allen Berliner Bahnen sind nun nur die An- Hairer und die Stettiner noch nicht in den durchgehenden Verkehr hineingezogen. Auf die Entwickelung der Vororte im Südosten Berlins wird dieses Anschließen an die ins Herz Berlins führende Bahn von unberechenbarem Nutzen sein. Der Görlitzer Bahnhof war zu sehr entfernt von den Geschäfts- Zentren— es giebt schon mehrere derselben in Berlin— um irgendwie ernsthaft in Frage zu kommen, wenn es fich um dauemde Ueberfiedelung in Vororte handelte. fich nach Lo watsch senkt, reite ich auf einen Berg. Die uns zugekehrte Seite bedecken Logements, Tranchen und kleine Gräben. Vom Fuße des Berges an überall feindliche Leichen; besonders groß ist ihre Zahl auf dem Gipfel, wo die Geschütze standen.„Schau, wie sie diesem die Fratze zugerichtet haben! Den ganzen Backenknochen fortgerissen ..." bemerken die Soldaten, die Leichen bewachtend. Ein schwarzer bärtiger Türke liegt da, das Gesicht in den Sand gedrückt, die Hände ausgestreckt. Einer der Soldaten wendet ihm den Kopf mit der Stiefelspitze um. Alle sehen zu, machen Bemerkungen, spucken au« und gehen weiter. Von hier sieht man deutlich die Stadt. Hinter ihr auch die Re- douten. Es ist vier Uhr. Das Kleingewehrfeuer wird stärker, der allgemeine Angriff beginnt. Auf dieser Seite der Osma drängen sich die Soldaten längs dem Ufer und suchen eine Furth. Dort weiter sind ebenfall« Unsrige. Noch weiter— ebenfalls... ho ho! In wie großer Zahl die Unsrigen sich hier sammeln?„Ew. Wohlgeboren! Der Ge- neral ist ungehalten, daß Niemand mit ihm ist, alle fort» geritten", so meldet mir ein im Galopp den Berg hinan reitender Kosak.„Wo ist der General?„Er ritt dort- hin, der Sradt zu." Ich reite weiter. Am Fuße des Berges läuft die Chaussee in einem breiten Streifen und senkt sich dann der Stadt zu. Rechts eröffnet sich ein Blick auf die feindlichen Redouten. Gegen sie operirten bereits acht Geschütze mit Erbitterung. Bald hier bald dort verstummt ein Geschütz auf einen Moment; Rauch ringsum.„Nicht den General gesehen?' ftage ich einen Artilleristen.„Er ritt eben mit einem Kosaken vorüber, wohl in die Stadt." „Ist die Stadt besetzt?".Infanterie ging schon vor einiger Zeit dorthin ab." Ich setze nach. Unten am Berge stößt die Chaussee an die Brücke. Zu ihren Seiten stehen halbzerstörte Buden, die Stadt ganz leer. Die Häuser geplündert, die Scheiben zerschlagen, die Thüren sperrweit oflen. Ueberall Kupfer-, Holz- und Thon- gesäße, Kissen, Decken, Kleider, Kasten, Bücher und ganze Berge von Tabak Von der Hauptstraße komme ich auf den Begräbnrßplatz, hinter dem die Stadt sich noch fort- setzt In der Milte des BegräbnißplatzeS sehe rch Skobelew und Kuropaikin im Gespräche. Alexej Ntkolaiewitsch reitet in kurzem Galopp irgend wohin, sein �oäbel schlenkert von Auch die Ausflüge nach der Oberspree, die bis jetzt aus- schließlich ver Dampfer gemacht wurden, werden eine ungeahnte Ausdehnung gewinnen und fürs erste hoffentlich ein wenig zur Entlastung des Riesenverkehrs auf dem Potsdamer Bahnhof beitragen. Die Obcrspree hat übrigens den jetzt ein- getretenen Zeitpunkt theilweise cskomptirt. Die Entwickelung ist schon in den letzten Jahren eine beschleunigtere gewesen und man ist in den Vororten des Südostens auf Zuzug ge- rüstet. Der Bahnhof Frievrichstraße allerdings wird neue Auf- gaben an fich herantreten sehen. Man sollte kaum glauben, so schreibt die„Nat. Ztg.", daß er eine Steigerung seines Ver- kehrs noch vertragen könnte. Und dennoch wird er auch mit den neuen durch ihn pasfircnden Zügen mit spielender Lcichtia- keit fertig werden. Das Berliner Publikum ist so außerordent- lich gut geschult und hat so schnell gelernt, mit den Minuten zu rechnen, daß in dem kolossalen Getriebe dieses Welt Kno- tenpunktes fich das Expediren der Kommenden und Gehenden schneller vollzieht, als auf den abseits liegenden Nebenstationen mit unbedeutendem Verkehr. Der Hausvoigtetplatz wird schon im Oktober mit der Taudenstraße durch eine breite Straße statt des berüchtigten jetzigen„Bullcnwinkelgangcs" verbünde» sein. Die jetzt noch stehenden zwei Häuser müssen bis zum 1. Ostober niedergerissen sein und dann soll sofort der Uebergang der Straße über den schon halb verschütteten„Grünen Graben" durch die Auf- maucnmg eines festen Grundes bewerkstelligt werden. Von den alten Gebäuden des Hausvoigteiplatzcs bleiben alsdann nur noch vier(vorläufig) stehen. g. Seitens der Marktpolizei wird jetzt auf das Strengste darauf geachtet, daß vor den Ständen der Gemüsehändler keinerlei Gemüseabfälle auf die Fußsteige fallen oder liegen bleiben, da hierdurch wiederholt Unglücksfälle entstanden find und die Passage gefährdet wird. Kontraventionen ziehen eine Strafe von 3 Mark nach fich. bfs. Zum Kapitel vom kaufmännischen Lehrlings- Wesen theilt„Der Handlungsgehilfe", das hiefige Fachorgan für konditionirende Kaufleute, mit, daß ein Berliner Haus der Seidenwaarenbranche(nahe dem Hausvogtciplatzc), welches seine Lehrlinge mit großen Paqueten beladen durch die Straßen zu schicken pflegt, unlängst behufs Erledigung einer größeren Kommission für ein bedeutendes Konfektions. Geschäft, wahr- scheinlich in Ermangelung eineS Hausdieners, zwei seiner Lehr- linge, junge Leute von schwächlicher Körperkonstitution, mit einem beladenen Handwagen zu dem betr. Hause sandte. Kom- mentar überflüssig. i. Eine vereitelte Hochzeitsfreude hatte gestern der Klempnergeselle B. Derselbe wohnte hier in Berlin in der Fliedrichstraße mit einem Schuhmachergesellen zusammen in Schlafstelle. Mit einem Lichterfeldcr Hausmädchen war B. schon längere Zeit verlobt und sollte am 1. Oktober d. I. die Hochzeit sein, zu welcher Zeit fich B. auch in Lichterfelde an- säsfig machen wollte. Schon seit Jahren hatte er unter allen möglichen Entbehrungen zu seiner Hochzeit gespart und für das sauer erworbene Geld jetzt angesichts seiner bevorstehen- den Verehclichung Wäsche, Betten und Geräthschaften zur Ausrüstung seiner Wirthschaft eingekauft; diese Sachen sowohl, wie auch baares Geld verwahrte er in einem mächtigen Koffer auf in seiner Wohnung. Als B. gestern von Lichtcrfeldc nach Hause zurückkehrte, war dieser Koster verschwunden, auf dem Tisch aber lag ein Zettel mit den Worten:„Ich danke bestens für die schönen Sachen, die kann ich famos gebrauchen! Adieu— Sie!„Zugleich mit dem Koffer war auch der Schuh- machcrgeselle auf Nimmerwiedersehen verschwunden und hat die bisher vorgenommene Verfolgung des frechen Diebes leider noch kein Resultat ergeben. Die wegen Kindesmordes erfolgte Verhaftung eines jungen Mädchens hat im benachbarten Steglitz die Gemüther in hohem Grade erregt. Die Verhaftete ist die 21 Jabre alte Lina K-, ein sehr hübsches Mädchen, die Tochter eines Schloß- beamten in Mecklenburg, die vor einiger Zeit nach Berlin ge- kommen war und hier rn einer achtbaren Familie eine Stellung als Gesellschafterin bekleidete. In dieser Stellung lernte sie im vorigen Jahre den wohlhabenden Kaufmann B. kennen. Das Verhältniß blieb nicht ohne Folgen, und Lina K. verließ in Folge dessen ihre Stellung und bezog eine von ihrem Lieb- Haber aemiethete Privatwohnung in der Jnvalidensttaße, wo- selbst sie Unterricht in fremden Sprachen rc. erthcilte. Später suchte sie durch ein Zeitungsinserat zum Zweck ihrer Entbin- dung Aufenthalt und Pflege in einer diskreten Familie. Auf diese Annonze meldete fich der pcnfionirte Rittmeister L. in Steglitz, bei welchem Lina K. im Juli d. I. Wohnung nahm, und vor 14 Tagen einem Kinde das Leben gab. In voriger Woche starb das Kind und vor der Beerdigung äußerte die Mutter zu ihrer Wirthin:„Die Leute reden zwar, das Kind hat so merlwürdig verzerrte Züge, indcß ist es besser, daß das Kind jetzt mit verzerrten Zügen beerdigt wird, als daß es mit dem Makel der Unehelichkeit an der Stirn umherläuft." In der letzten Woche kränkelte Lina K. mehrfach an dm Folgen der Entbindung, und als in der Nacht am Freitag ihr Zu- stand fich verschlimmerte, glaubte fie, ihr letztes Slündlein sei einer Seite auf die andere und berührt hin und wieder de» Rücke« des PserdeS. Hinter ihm versucht ein donischer Kosak, ohne Pike, in dm Steigbügeln stehend, vorgebogen, ihm im Trab zu folgen. Der General reitet zu mir heran und ruft gereizt:„Begeben Sie sich sofort zum Fürstm Jmeretinsky, bringen Sie mir um jeden Preis Verstärkung, nicht wmiger als zwei Betaillone. Und nun vorwärts, schnell!"—.Ew. Exzellmz, wo treffe ich Sie?"—„Hier, auf diesem Platz."—„Zu Befehl!" Ich fliege davon. Das Flintenfeuer erreichte eine furchtbare Stärke und ver- schmolz zu einem ununterbrochmen Getöse, wie ich weder früher noch später hörte. Es war etwas Unglaubliches, das daher rührte, daß in eben dem Augenblick 8000 Feinde dicht bei den Redoutm mit 20 000 der Unsrigen zusammenstießen. Der Kanonendonner war vestummt, nur das Kleingewehrfmer knatterte. Allahrufe und Hurrah er- töntm. Alles das ging auf dem Raum etwa einer Quadrat- werft vor sich. Jmeretinsky mit seinem Stabe fand ich auf dein „Rothen Berge", von dessen Gipfel er den Gang der Attaque beobachtete,„Ew. Durchlaucht, General Skobelew verlangt Verstärkung," meldete ich ihm.—„Oberst Parenzow," wendet fleh der Fürst an den Stabschef,„was habm wir noch in der Reserve?"—„Das E----'sche Regiment, Durchlaucht."—„Nun, so gebm Sie ein Bataillon." —„Ich habe dm Befehl, Durchlaucht, nicht ohne zwei Bataillone wiederzukommen," wiederholte ich hartnäckig.— „Nun, wie dann?.. So nehmm Sie zwei." Fragend wandte sich der Fürst an Parenzow.„Oberst G... w befehlen Sie, zwei Bataillone zu formiren. Ssotnik Weresch- tschagin wird sie führen," erklärt der Stabschef dem RegimmtS- Kommandeur, einem kleinen, schnurrbärtigm Oberst mit iinem sehr sympathischen Gesicht. Der Kommandeur ruft: „Erstes und zweites Bataillon unter'S Gewehr!" Dann schreitet er zu seinem Pferde. Einige Minuten später, nachdem wir Jmeretinski gegrüßt, setzen wir uns in Be- wegung. Auf den Redouten waren wir bemerkt worden' Obgleich bis dahin mindestens drei Werst waren, begannen > doch die Kugel» um unS zu pfeifm. Neben mir ritten ernst | der Regimentskommandeur und die BataillonSkomrnandeure. Ab und zu fragten sie, wohin ich sie führe, wo der General gekommen und verlangte nach einem Geistlichen. Gleichzeitig erzählte die Grängstete ihrm Wirthsleuten und auch der Hebe» ammc, daß fie ihr Kind vergiftet habe. In Folge dieses offe- nen und wiederholten Geständnisses wurde der Behörde An- zeige erstattet und Lina K- wurde verhaftet uud vorgestern nach dem Untersuchungsgefängniß in Moabit überführt. Vor dem Untersuchungsrichter hat fie bei ihrem ersten Verhör ihre An- gaben widerrufen, so daß die Exhumirung der Leiche angeordnet worden ist. Der hier ergriffene Halsbandschlosser Wilke ist den Tranr porteuren, die ihn in die Jrren-Anstalt nach Sorau zu- rückbringen sollten, gestern Nachmittag auf dem Bahnhofe Alexanderplatz wieder entsprungen. Grober Unfug wurde vor mehreren Tagen gegen eine in der Zossenerstraße wohnhafte Beamtenfrau dadurch verübt, daß zwei unbekannte Frauenspersonen eine Hebeamme und einen Arzt der Frau unier der Angabe zuschickten, daß letztere deren Hilfe benöthigte. was indeß keineswegs der Fall war. Antisemitische Streiflichter. Durch die Zeitungen ohne Unterschied der Parteistellung geht folgende Notiz über den „Nutzen der Annonren: Rudolf Hertzog. der bekannte Mode- waarenhändler in Berlin, giebt für seine Gcschäftsanzeigen in den Zeitungen jetzt 400 000 M. aus.„Als ich nicht insirirte," sagte er jüngst im Kreise seiner Freunde,„hätte ich so geringen Umsatz, daß ich besser gethan hatte, das Geschäft zu schließen. Dann begann ich zu inseriren. Ich wendete im ersten Jahre 1000 M. daran, und mein Umsatz stieg auf 30000 M.; im dritten Jabre verwendete ich 10000 M. auf Inserate, mein Umsatz bezifferte fich auf Hunderttausende, und jetzt beträgt er Millionen und mein Gewinn steht im Verhältniß dazu. Alles, was ich habe, mein Weltname, mein Millionengeschäft ver- danke ich nicht allein der Reellität der Geschäftsfubrung, son- dem zu"/ioo der Macht der Zeitungsanzeigen. Ich bin zu der Gewißheit gekommen, daß heutzutage kein Geschäft ohne die Macht der Zeitungsannoncen in die Höhe kommen und gewinnbringend sein kann. So machen eS die Juden! muß doch hier jeder ehrsame Zünftler und Antisemit ausrufen- Herr Hctzog ist aber selbst Führer der Antisemiien in Berlin und hat für dieselben bereits vielleicht an 100,000 Mk. geopfert. Aus der Mittheilung des Herrn Hertzog scheint ersichtlich, daß er ebenso angefangen hat, wie die anderen Kleider-, Bänder, Spitzen Juden(ob getauft oder ungetauft, bleibt fich gleich); der Groß-Jude, gleichviel welcher Konfesfion, nimmt mit den erworbenen Millionen den nobel- aristokratischen Anstrich an, zu dem auch etwas Antisemitisches gehört. Den Unterschied macht nur die Rivalität zwischen den christlich getauften Juden und den jüdischbesch— Juden. Wenn Hertzog keinen jüdischen Kommis bei fich duldet, so giebt eS auch Juden, die in ihrem Geschäft und Komptoir keinen Kom- mis mögen, dessen Nase einen gewissen Typus trägt. Der Marchese Gumpelino, den Heine vor 60 Jahren schilderte, und die gleichfalls von Heine skizzirte Gräfin Gudel von Gudels- feld können auch heu'e noch als Spiegelbild für manche Ber- liner Größen gelten. Natürlich können die großgewordenen Juden, die fich zum Freiherm und Baron aufgeschwungen ha- den, fich nicht den Vortheil des Antisemitismus zu eigen ma- chen. Sie haben auch keinen Schaden von der Antisemiten- Hetze; die Rothschild, Äleichröder u. s. w. gehören der lonser» vativen Partei an und die Salons der Berliner Finanzgrößen werden von Fürsten und Grafen nickt verschmäht. Die Judenhetze ist aus sehr gemischten Gründen entstanden. Die Haupt-Antiscmiten hassen in den Juden die Heine, Böme u. s. w., welche die Geister revolutioniren hatten, und möchten ihnen gerne den ganzen Mühlendamm überlassen; da fie aber wenig Anhang im Volke gewinnen würden, wenn fie die Juden wegen des„zersetzenden" Geistes jener Mit» kämpfer am Fortschritt denunziren würden, so setzen sie ihren Hebel am Mühlendamm an. Da finden fie dann, abgesehen von dem Neid und der Mißgunst der Konkurrenz, in dem mehr und mehr gefühlten Druck des kleinen Geschäftsmannes und Hand- werkers durch die Macht des Kapitals, die fich ihm vornehm- lich auffällig in der Person des Juden repräscntirt, einen Bundesgenossen. Der Kampf und die Hetze gegen das„jüdische" Kapital dient dann auch zur Ablenkung von der Bewegung gegen die Käpitalsherrschaft überhaupt. Uebcr das Wesen der von Leuten& la Hofprediger Elöcker, von den orthodoxen und junkerliche feudalen Reaktionären betriebenen Sozialreform zu Gunsten des Handwerkers werden den Handwerksmeistern, wenn es noch nicht bereits geschehen, doch recht bald die Augen aufgehen. Die großen Juden, die man seiner Zeit als Wau- Wau zur Hetze benutzte, stehen beute noch höher da wie sonst und werden auch von den Antisemiten jetzt verschont gelassen. Der Kampf gegen die allgemeine bürgerliche Freiheit hüllt fich in der Zeit der neuen Reichsherrlichkeit in alle möglichen Masken, so daß man fich wirklich nur wundem muß, daß sich Leute noch von diesen täuschen lassen. Die technische Kommisflon für Seeschifffahrt tritt am 5. Oktober hier zusammen, um den Entwurf des Unfallver- ficherungsgesetzes für Seeleute einer begutachtenden Berathung zu unterziehen. sei. Wir passiren die Brücke, marschiren durch die Straße und nähern unS schon dem bestimmten Ort. Da ereignete sich etwas ganz Unerwartetes. Während wir durch die Straßen ziehen, geht alles gut, der Feind sieht uns nicht, selten pfeifen verirrte Kugeln. Schon liegt der Begräbnißplatz vor unS. Doch wo ist Skobelew? Er ist nicht zu sehen. Kaum zeigt sich unsere Tete auf dem Platz, als der Feind ein so mörderisches Feuer auf uns eröffnete, daß die Be- wegung sofort aushört. Was auf dem Platz, ist todt oder verwundet. Wirbelartig fallen die Kugel» auf die Lehm- zäune und Wände der Häuser. Die vorderen Reihen der Soldaten machen Kehrt und drängen auf die hinteren; diese dringen nach vorne. Vollständigste Verwirrung herrscht. Der Oberst und die Bataillonskommandeure springen von den Pferden und eilen um die Ecke, Deckung suchend; ich hinter ihnen. Todte sperren den Weg und hindern die Be- wegung. Auf den Knieen kriechen die Verwundeten, Rettung suchend. Ja diesem Moment erscheint von der entgegengesetzte« Seite des BegräbnißplatzeS, aus einer Straße, Skobelew, ohne zu eilen und vollständig ruhig langsamen Schrittes. Noch ahnt er unsere Unordnuug nicht. Im Moment bin ich auf dem Pferde, sprenge zu ihm... Wo blieb die Furcht? .Die Bataillone flnd hier!"„Warum führten Sie dieselben hierher?" ruft er aus und nimmt plötzlich wahr, was vor- geht... Fast gerieth er in Wuth.„Was geht hier vor? Ordnung, Ordnung? Ich mache Euch nieder, Kanaillen!" Mit entblößtem Säbel sprengt er zu den Soldaten.„Wo sind die Offiziere, wo die Bataillonskommandeure? Kehrt, führen Sie sie auf Umwegen zurück!" Kaum zwei Minuten vergingen, als alles den früheren Anblick gewinnt: Die Bataillone ziehen in Ordnung, in gleichem Schritt durch dieselbe Straße und verlassen auf einem Umweg die Stadt. Eine Werst hinter uns erheben sich die feindlichen Re- douten. Doch waren wir kaum hundert Faden weit marschirt, so sprengt der Lieutenant Karandejew mit einer Meldung an den General.„Die Türken flnd auf der Flucht, Ew. Exzellenz, die Kosaken setzen ihnen nach." Der Kampf en> dete um sechs Uhr Abends. In Sachen der projektirte« Arbeiter-Abends- und Äonntagssaiule(Geschichte, Voltswirthschaft, Sprache) find Alle, welche fich dafür mterdfiren, zu einer Besprechung heute, Donnerstag, Abends, bei M. Kreutz, Admiralstraße, sowie morgen, Freitag, Abends, in einem Lokal, welches in der nächsten Nummer dieser Zeitung genannt werden wird, freundlichst eingeladen. g. Unsere gewohnheitsmäßigen Etspachter scheinen auf einen»ruhen und recht strengen Winter zu rechnen, denn schon jetzt suchen fie mit den Befitzern großer und frei belegener Plätze für ste günstige Verträge für die Winterkampagne zu schließen. Wunderbarer Weise find fie trotz der theilweise großen Verluste im vorigen Jahre nicht entmuthigt. Nur wenige von ihnen haben ern nennenswerthes Geschäft gemacht. Das Pachten einer Eisbahn ist ein reines Glücksspiel; wenn ein nur wochenlang andauernder Frost herrscht, haben sie ihr Schäfchen ins Trockene geführt. Ein Besuch des Humboldthain ist gegenwärtig für Freunde der Natur sehr lohnend. Derselbe bietet die reichste Mannigfaltigkeit in seinen Bäumen und Sträuchern für den finnigen Beschauer. Besonders in dem Oval vor dem Direk- tionshause findet man verschiedene seltenere Arten, zu denen auch der Papiermaulbecrbaum, Lrovssovetia papjrifera �..gehört. Schon diese Blätter zeichnen fich durch die denkbar größte Verschiedenheit ihrer Formen aus. von denen zwar die unten an den Zweigen stehendm in der Regel eirund mit herz- förmigem Grund und ziemlich langer Spitze versehen; aber die späteren und besonders an den Tircbspitzen zeigen das Wechsel« vollste Formenspiel, das man fich nur denken kann. Doch das ist es nicht, was heute vorzugsweise unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, sondern die Flüchte defielben. Die Blüthen find getrennten Geschlechts,'o daß die Blüthen mit Staubgesäßen und die mit Fruchtknoten als desondere Individuen dastehen. Die Exemplare mitfruchttragcndenBlüthenständen find imAllgemeinen lehr selten, so daß Prof. Karl Koch in seiner umfangreichen Dendrologie(Baumflora) sagt, weibliche Exemplare habe er noch nicht gesehen, obgleich derselbe duich seine amtliche Stcl- lung nicht nur alle bedeutende Gärten und Baumschulen Englands, sondern auch des europäischen Festlands zu sehen G.legcnheit hatte. Auch der Inspektor des weltberühmten Äluskauer Gartens sagt in seinem höchst schätzbaren Werke: „Arboretnm Mnscavievse;„Bisher haben wir männliche Exem- plarc." Ter tzumboldthain enthält aber in dem Oval vier weibliche Exemplare, deren scharlachrothe Früchte auf dem kirschen großen, kugelrunden Fruchtbrden einen höchst lieblichen Anblick gewähren. Die Hcimath dieses Gewächses ist China, Und Japan. In letzterem Lande wird aus den Rindenfasern sin sehr feines Papier bereitet, das besonders zum Zeichnen Verwendung findet. Zwei Exemplare stehen am Ost- und zwei am Nordeingange: außerdem aber noch mehrere ohne Früchte, nämlich männliche Sttäucher. Bestrafter Uebermnth. Ob fich ein strchhaltrger psycho- logischer Grund dafür finden ließe, weshalb Musensöhne, ein- Ural„im Brand", brennende Straßenlaternen so gern zu Objck- ten ihres Uebermutbes machen? So vergnügten fich in ver- gangener Nacht widerum 5 angeheiterte Studenten damit, die Laternen in der Brunnenstraße auszulöschen. Eben hatte einer von ihnen wieder einen Laternenpfahl erklommen, als der Nacht- Wächter an diesen herantritt. Vor Schreck stürzte der unbe- fugte Lat-rnenauslöscher herab und zog fich eine nicht unbe- deutende Verwundung am Hinterkopfe zu. i. Wegen Vogelfanges macht ein Berlmer Rentier und Besitzer von drei Häusern, der augenblicklich auch in Lichterfelde eine Vina baut, der dortigen Polizei sehr viel zu schaffen. Obwohl wiederholt abgefaßt, angezeigt und bestraft, setzt er doch konsequent dieses unsaubere Gewerbe fort und verkauft trotz seiner Wohlhabenheit die Vögel auch an Händler. Er stellte Posten aus, um fich beim Herannahen der Gendarmerie rechtzeitig warnen»u laffen. Namentlich hat er seine Netze \ und Ruthen nach Nachtigallen gestellt und den größten Theil dieser beliebten Sänger in diesem Sommer dort wegge- fangen. N. Mit einer schweren Stichwunde in der Brust wurde heute der Schlächtergesclle Karl B. in die königliche Charitee eingeliefert. Derselbe wollte gestern Abend auf dem alten Viehhof ein fettes Schwein in den Stall treiben, dieses erwies sich renitent und machte vor dem Stalle plötzlich Kehrt. Hierbei rannte es den B. um. Bei dem Falle löste fich ein in der Seitentasche des B. befindliches Meffer und fuhr ihm tief in die Brust. Nack der in seiner Wohnung erfolgten ärztlichen Untersuchung der Wunde stellte fich heraus daß der gefahr- volle Zustand des Patienten seine Ueberführung in das gc- stürzte fich im lÄf s durch dauernde Arbeitslofigleit hervorgerufene Nahrungssorgen MW im Vrand gerieth._ Kereine und Rersammwnge«. HSNOM WLKWWW? MM-MW N»en Kaffenmitglieder entsprechend ausgefallen fem soll. "Uwe erinnerlich, faßte die Gewerbedeputatron des Maglstrat., als zuständige Aufsichtsbehörde der Kaffe, eine vom Ober- Präsidium der Provinz Brandenburg in Sachen des neuen Krankenkaffcngesetzes erlassene Ausführungsverordnung dahin auf, daß vom 1. Dezember 1884 an auch der 209 000 M. bettagende Fonds der alten(ortsstatutarischen) Eterbekasse der Maschinenbauarbeiter in das Eigenthum der Ortskrankenkasse übergehe, während die Kassenverwaltung und Kassenmitglieder dagegen protestirten und fich über die Verordnung der Gewerbe- deputation bei der Regierung beschwerten, welche letztere dann auch die magisttatische Auffichtsbehörde anwies, mit der Kassen- Verwaltung in Ausgleichsoerhandlungen zu tteten. Da jedoch diese Verhandlungen— wie Redner ausführte— selbst nach mehreren Wochen noch zu keinem irgend befriedigenden Re- sultate geführt hätten und der Sterbekaffenfonds in immer größere Gefahr gekommen sei, zur Deckung des fich stetig vergrößernden Defizits der Ortskrankenkasse ver« wendet und allmälig ganz verschlungen zu werden, so habe er(Referent), der als Vorsitzender der be- kannten Protest-Kommisfion die Ardgabe übernommen hatte, den Mitgliedern der alten Eterbekasse zum Rechte zu verhelfen und ihren Kassenfonds zu retten, fich veranlaßt gesehen, sofort persönlich die Initiative zu ergreifen und bei der höchsten ent- scheidenden Instanz, dem Fürsten� Reichskanzler, in seiner Eigen- schast als Minister für Handel und Gewerbe, vorstellig zu werden. Unter Einsendung des Protokolls der letzten Kassen- Delegirten-Generalversammlung vom 3. Juli d. I., sowie des gesammten früheren, auf die Kassenverwaltung und den Sterbe- kaffenfonds bezüglichen Materials habe er an den Fürsten Bismarck die Bitte gerichtet, die Angelegenheit zu Gunsten der Mitglieder entscheiden und—. wenn erforderlich— eine kommissarische Bcrathung der Sache unter Zuziehung von Ver- tretcrn der Kassenmitglieder anordnen zu wollen. Welchen über- aus günstigen Erfolg dieser Schritt gehabt habe, gehe aus der an ihn gerichteten amtlichen Mitthcilung hervor, die der Redner hierauf zur Verlesung brachte. Dieselbe lautet wie folgt: Die Protest- Kommission der ehemaligen Kranken- und Slerbekasse der Maschincnbauarbeiter benachrichtige ich auf die an den He>rn Handclsministcr gerichtete Vorstellung vom 13. August 1885, daß der Herr Minister durch Erlaß vom 8. Septb. d. I. entschieden hat, daß die ehemalige Kranken- lasse, jetzige Ortskran kenkasse der Äaschinenbauarbeiter, und die Sterbekasse der Maschinenbauarbeiter zwei für fich be- stehende Rechtsobjckte find und daß die Umformung, welcher das Statut vom 29. Dezember 1868 refp. 9. Januar 1869 unterzogen worden, nur die Organisation der Krankenkasse zum Gegenstande gehabt, so daß das Statut vom 29. Dezbr. 1868 refp. 9 Jan. 1869 in seinen auf die Sterbekaffe bezüglichen Theilen gegenwärtig noch in Kraft steht. Demgemäß hat der Herr Minister eine kommissarische Berathung der Sache unter Zuziehung von Vertretern der Kaffenmitglieoern rc. nicht mehr für erforderlich erachtet. Der Magistrar ist dementsprechend mit Nachricht versehen worden. Der Oberpräfident, Staats- minister Achenbach."— Mit dieser Entscheidung sei, so fügte der Redner noch erläuternd hinzu, vollständig erreicht, was man gegenüber den Verfügungen des Stadtsyndikus Ebetty, resp. der Gewerbe Deputation, gewollt habe. Der Fonds, von den sonstigen Geldern der Ortskrankenkasse wieder getrennt, sei ge- rettet und jedes ältere Mitglied der Sterbekasse wieder im Voll« besitz seiner früheren statutarischen Ansprüche, je nachdem dasselbe bereits 6, 4 oder 2 Jahre vor dem 1. Dezember 1884 der Eterbekasse angehörte, erhöhe fich dadurch der Sterbegeldbe- trag um 150, bezw. 120 und 90 Mk. über die nach dem Orts- krankenkassen-Statut zustehenden 100 Mk., beziffern fich also auf 250, 220 und 190 Mk.— Nachdem Redner hierauf noch dem Verwaltungsrat hsmitgliede Herrn Wittig seinen befände« ren Dank für die kräftige Unterstützung ausgesprochen, die ihm derselbe bei seinen Bestrebungen im Interesse der Kassenmit- glieder habe angedeihen lassen, erklärte er, die von ihm über- nommene Aufgabe vorläufig für deendet anzusehen und des- halb die ganze Angelegenheit vertrauensvoll in die Hände der jetzigen Verwaltung zu legen, von der er überzeugt sei, daß ste ihrem Versprechen, die Rechte und Interessen der Mitglieder energisch vertreten und wahren zu wollen, auch nachkommen werde. In der sich hieran anschließenden Diskussion gab das Mitglied des Verwaltungsrathes Herr Wittig seiner Freunde darüber Ausdruck, daß das Versprechen, welches man fich gegenseitig gegeben, von den Rechten der Sterbekasse nichts verloren gehen zu lassen, nun doch von Erfolg gekrönt worden sei. Zwar tappe gewissermaßen augenblicklich die Verwaltung noch im dunkeln, da ihr bis jetzt seitens der Auffichtsbehörde noch keine Benachrichtigung und Anweisung hinsicktlich der neuen Sach- läge zugegangen sei; doch könne er(Redner) schon jetzt im Namen der Verwaltung die Verficherung abgeben, daß dieselbe nicht versäumen werde, den Interessen der Kassenmitglieder bestens Rechnung zu tragen. Auch die jetzt dem Vorstande angehörenden Arbeitgeber stimmten darin mit den übrigen Mitgliedern der Verwaltung voll- ständig überein. Bezüglich der jetzt zutteffenden Anordnungen der Verwaltung möge man fich einstweilen noch gedulden, die betreffenden Bekanntmachungen in den Zeitungen rc., wie z. B. hinstchtlich der nachträglichen Einziehung der 17 000 zehnmonatlichen Beiträge zur Slerbekasse(von pro Kopf insgesammt 2 M. 50 Pf.) u. s. w., würden so bald wie mög- lich erlassen werden.(Als offizielle Publilationsorgane der Kasse wurden später das„Berliner Volksblatt", die„Berliner Zeitung" und„Volkse Zeitung" bezeichnet.) Auch sei man im Kassenvorstande bereits privatim dahin übereingekommen, jene Restbeiträge von(2,50 M.) eventuell ratenweise einzuziehen. Eine ähnliche Erklärung gab auch das VerwaltungsrathSmit- glied Herr Meter(Arbeitgeber) ab. Derselbe ersuchte die Mit- glieder der Ortslrankenkasse, jetzt nicht gleich aus der Kasse auszuscheiden, da sich ihre Verhältnisse sicherlich bis jetzt bald wieder günstiger gestalten würden. Herr Simon dantte im Namen der versammelten Kassenmitglieder besonders Herrn A. Meyer und den früheren Mitgliedern der Protest-Kommisfion für ihr ausdauerndes Wirken, worauf alle Anwesenden unter stürmischen Beifallsdemonsttationen fich von den Sitzen erhoben. Herr Guthcit toastete auf den endlichen Sieg des Rechtes, dem er ein dreifaches Hoch ausbrachte, in welches die Versammlung begeistert einstimmte. Nachdem dann noch eine Reihe auf die Kasscnverhältnisse bezügliche Fragen einzelner Mitglieder ihre Beantwortung gefunden und Herr A. Meyer aufgefordert hatte, jetzt alle unangenehmen Erinnerungen der letzten Zeit zu ver- gessen und darnach zu trachten, daß die Kasse wieder, wie früher, eine„Musterkasse" werde, wurde die Versammlung ge- schlössen. Der Fachverein der Tischler hielt Sonnabend, den 19. September, seine regelmäßige Mitglieder-Versammlung Neue Grünstt. Nr. 38 in Jordans Salon ab. Herr Dr. Baumgart hielt daselbst einen beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Die Todesfeierlichkeiten der verschiedenen Völker der Erde." Der Referent leitete seinen Vortrag damit ein, indem er jedem Menschen, gleichviel welchem Völkerstamme er angehöre, bei Eintreten eines Todesfalles einer ihm nahe- stehenden Person daS Ucberkommen trauriger und nieder- schlagender Gefühle zuschrieb. Daß diese Gefühle fich, bei der Mannigfaltigkeit der Religionen, verschiedenartig ausdrücken, sei wohl Jedem einleuchtend. Während in den Ländern christlicher Religion die Leidtragenden ruhig hinter der Leiche einher- zögen und durch Tbränenerguß fich Erleichterung verschaffen, sei es bei den Jndiem, Hottentotten und Patagoniern ge- bräuchlich, zu lärmen und fich auf Brust und Arme zu schlagen: die Bewohner der Südsee-Jnseln ritzen fich mit scharfen Sternen Kopf und andere Theile wund und die Chinesen lassen fich, als Zeichen der Trauer, Kopf- und Barthaar scheeren. Die Griechen und Römer des Alterthums mietheten fich, bei Ab- leben eines Verwandten, sog. Klageweiber, die um die Leiche hock- ten, sich die Haare rauften und beständig Klagelieder sangen. Ebenso wie die Gebräuche seien auch die Farben der Kleider bei Trauerfe ierlichleiien verschieden. So sei in der Türkei, Japan und Egypten die blaue Farbe vorherrschend; auch im katholischen Deutschland tragen bei Leichenbegängnissen die Frauen blaue Schürzen, dagegen trugen die allen Kelten und Bretagner und verschiedene Völker Asiens gelbe Kleider bei derartigen Feierlichkeiten.— Es wurde sodann in eine Dis- kusfion über den Vortrag eingetteten. an der fich verschiedene Mitglieder betbeiligten. Herr Voigt stellte dann eine Frage an den Vorstand betreffs Errichtung der Herberge, und entspann fich hierüber eine lebhafte Debatte, die aber, da keine Beschlüsse in der Versammlung in dieser Sache gefaßt werden konnten. da die Versammlung eine offene war, abgebrochen wurde.— DaS nächste Vereinsvergnügen findet den 17. Oktober im Kolosseum statt. Billets hierzu find zu haben bei folgenden Herren: Schulz, Mcmelerstr. 83; Walther, Stallschreiberstr. 18, II- Böhm, Johanniterstr. 10; Thierbach, Königstr. 72, Q.-G HL: Wedekind, Gartcnstr. 145. Die nächste Vereinsversammlung im Zentrum findet Eonnabend, den 3. Oktober, in Jordan'S Salon statt. Der Verein der Berliner Arbeiterinnen hatte vor- gestern im„Salon zum Deutschen Kaiser" nochmals eine öffent- liche Versammlung veranstaltet, die wieder ungemein stark. namentlich auch von Männern, besucht war. In längerem Vortrage begründete Frau Cantius die Nothwendigkeit der ge» setzlichen Beschränkung der Arbeit der Frauen, welche heiligere Pflichten nr erfüllen hätten, als fich der Industrie zu opfern und den Mann aus der Arbeit zu vertreiben.— Schneidermeister Weicheling:„Meine Herren!(Zuruf:„und Damen") Sre müssen daS nicht so genau nehmen, ich spreche das erste Mal in so gemischter Gesellschaft.(„Oho". Heiterkeit.) Aber nehmen Sie die Sache doch ernst, wir find hier doch nicht im Theater.(Beifall.) Unter den Berliner Frauen herrscht ge» radezu modemes Sllavenleben, aber die Frauen haben jetzt gezeigt, daß fie mehr Muthhaben als die Männer.(Beifall.) Die trostlose Lage der Mäntelnäherinnen erkenne ich an, aber nicht die Schneider allein tragen die Schuld. fie werden von oben gedrückt. Ein guter Freund von mir erhielt für einen Mantel, der unter Brüdern 4,50 M. werth ist, von einer bekannten Firma nur 2,50 M. (Zuruf:„Firma nennen".) Es find Gebrüder Singer.(Leb- hafte Unruhe.) Arbeiten Sie nicht bei einem Manne, der Ihre Arbeit rncht zu schätzen weiß."(Beifall, Unruhe.) Schneider Neukrantz:„Der einzige Weg ist, über die schlechten Geschäfte dre Spene verfügen. Das Singer'sche gehört aber nicht dazu. denn Singer würde der Erste sein, der die Erhöhung der Löhne unterstützt aber allein kann er nichts machen."(Beifall und Widerspruch.) Frau Krankemann: Die Sperre kann uns nicht» nützen, wir müssen allgemein streiken. Auf der linken Seite des Saales entsteht plötzlich Unruhe, aus welcher heraus der Ruf laut wird:„Hier will ein Herr seinen Stuhl nicht her- geben!" Vorsitzende Frau Pötting:„Na, dann setzen Sie fich ihm auf den Schooß!"(Heiterkeit.) Unter allgemeinem Halloh befolgt eine Dame diesen Rath, worauf der Herr entrüstet dm Platz verläßt. Frau Pötting erklärt, daß fie die Aufforderung selbstverständlich nicht ernsthaft gemeint habe, und führt dann aus:„Wir müssen mit den Schneidern Hand in Hand gehen, denn durch das einseiiige Vorgehen der Frau Büge wird nur der Welttuf der Berliner Mäntelbranche untergraben. Es gilt zunächst, einen Fachvercin zu begründen, aus demdannFachschulen hervorgehen. Ehe wir an Streiks denken können, müssen wir eine Stteifkasse haben." Frau Pillosch:„Viele Mäntelnäherinnen, dre nichts können, betteln noch um einen Tagelohn von 50 Pf. und mehr verdienen fie eigentlich auch nicht."(Unruhe. Die Rednerin muß abbrechen.) Herr Nikolai:„Es ist eine Schande für Männer, hier solchen Lärm zu machen und fich in den Augen der Frauen so herabzuwürdigen."(Beifall.) Schneider Weicheling:„Wenn die Frauen mit den Meistem Hand in Hand gehen wollen, ist das ebenso, als wollte das Schaf mit dem Wolf spazieren gehen." Frl. Cohn weist mit Entrüstung einen von einer Rednerin gebrauchten, hier nicht wiederzugebenden Ausdiuck zurück und fährt fort:«Die Fabrik ist keine Stätte der Unstttlichkeit, da finde ich jene verheirathete Frau dort, die fich einem fremden Mann aus den Schooß setzen kann, viel unsittlicher. Was würden wohl die Kinder dieser Mutter für einen Begriff von Sitte bekommen, wenn fie das zesehen hätten."(Stürmischer Beifall.) Die betreffende Dame iürzt fich auf Frl. Cohn und versucht, fich sehr energisch mit hr auseinander zu setzen. Nach einem Schlußwort der Frau Cantius wird alsdann die Versammlung mit der Mittheilung geschloffen, daß eine Versammlung von Mäntelnäherinnen, die aber als solche sich ausweisen müssen, im Laufe der nächsten Woche stattfinden werde. Antisemiten- Versammlung. Einen stürmischen Ver- lauf nahm eine öffentliche Versammlung des Deutschen Anti- semitcn- Bundes, die Montag Abend im Saale des Gesell- schaftshauses„Ostend", Rüdersdorferstr. 45, stattfand und an jene berüchtigte Versammlung erinnerte, welche Cremer vor zwei Jahren während des Kommunalwahlkampfes in demselben Lokal abhielt. Vorgestern wie damals war es die öffentliche Denunziation, daß einige anwesende Arbeiter beim Hoch des Vorfitzenden auf den Kaiser fitzen geblieben und die Be» schimpfung der Arbeiter als„Schandduben", welche zu einem Tumult Veranlassung gab, der am Montag nur durch die Besonnenheit der Ardeiter, die sämmtlich den Saal ver- ließen, nicht in einen Faustkampf überging. Nachdem unter lebhaften Unterbrechungen und Protesten seitens der anwesenden Ardeiter Pickenbach und Genoffen den Ausflußkanal ihrer üblichen Schmähungen und Verdäch- tigungen geöffnet, erhob fich schließlich zur Erwide- ning Tischler Klinger. Er sagte:„Wir wahren daS gleiche Recht für Alle. Auf Ihrem Programm haben Sie das auch stehen, aber Sie wahren Ihr Programm nicht."(Rufe: Pfui! Raus!)— Der Redner wird zur Ordnung gerufen und muß abtteten. Ein Antisemit beschwichtigt inzwischen die Versamm» lung. Tischler Klinger dann fonsahrend:„Aus der Versamm- lung in dm Rcichshallcn, wo der nunmehr ausgewiesene Ewald sprach, werden Sie wohl erfahren haben, daß wir keinen Racenhaß wollen. Sie werden uns nimmer dahin bringen, wo Sie durch Ihre antisemitischen Hetzereien die armen Ar- bester Hinterpommerns hingebracht haben, die für Ihre Frevel- thatm hinter den Gefängnrßmauem schmachten müssen. Sie wollen sagen, daß wir unehrlich find?(Rufe: Nein, daS hat Niemand gesagt.) Sie haben aber unsere Sache als eine un- ehrliche bezeichnet. Das ist dasselbe.(Furchtbarer Lärm.) Redner ruft durch den Lärm:„Sie wollen die Wahrheit nicht hören wenn Sie die verttagen könnten, würden Sie in unsere Vecsamm� Lärm. Einige Heißsporne dringen wüthend auf die Arbeiter ß'HMMW Versammlung muß vertagt werden und gestaltet fich im Hinter- gründe zu einem wirren Knäuel, aus welchem fich die Arbester tn geschlossener Kolonne loslösen und unter Hochrufen auf Singer und mit dem Rufe:„Ehrlose Denunzianten!" dm Saal verlassen. Em Trupp Antisemiten mit leeren Bierseideln in der Hand hinterher, doch schienen ihnen die kräftigen Ar- beitergestalten den Muth zu thätlichcn Ausschreitungen völlig zu benehmen. Nach kurzem Wortgefecht kehrten sie in den Saal zurück, wo der Spektakel noch etwa eine halbe Stunde lang sortgesetzt wurde. Im allgemeinen Arbeiterverein zu Friedrichshage« und Umgegend hielt am Sonnabend, den 19. September, Herr Laake einen Vortrag über den Ursprung der Familie. Er sprach in eingehendster Weise über das Familienleben der un« zivilisirten Völker und ging dann auf das Eheleben der Kulturvölker bis zur Jetztzeit über. Reicher Beifall lohnte den Red- ner für seinen intereffanten Vortrag. Beim zweiten Punkt der Tagesordnung, Vereinsangelegenhcrten, sprach der Vorfitzende sein Bedauern über den schwachen Besuch der Versammlung aus und legte den Mitgliedern ans Herz, recht rege unter ihren Bekannten für den Verein zu wirken, da für den geringen Bei- trag von monatlich 30 Pf. doch Jeder in der Lage sei, fich dem Verein anschließen zu können. Durch die Vorträge und Be- sprechungen im Verein könne jeder Arbeiter seine Kenntnisse erweitern. Mit der Aufforderung, recht zahlreich auf das „Berliner Volksblatt" zu abonnsten, wozu Litten Leonbardt auslägen. Der Arbeiterverein dm 19. September, im Luimc wc» �icumumi, straße 41, zu Friedrichsberg. Herr Prediger Kendziora hielt einen oft mit Beifall unterbrochenen Vortrag„über öffentliche und private Moral". Redner sagte im Laufe seines Vortrages, daß die Kirche das Vertrauen des Volkes verloren habe, somit auch nicht den genügenden Einfluß auf die Moralität befitze. Die Vertreter der Kirche schimpfen wohl über die Vcrderbllicit der Mmschen, hauptsächlich über das Trinken spirituöser Ge« tränke, ohne den eigentlichen Grund dieses Uebels zu.suchen. Listen bei Herrn dem Arbeiter das Nöthigste zu seiner Erhaltung entziehe, er zu dem Branntwein greifen müßte, um dem Körper auf künstliche cm-lf- S.1.«<* M/1*-«»mS*r\ia navKtvturhfom Weise die nöthigeMastizität zu verschaffen und die verbrauchten Kräfte wieder anzustacheln. Ueber die Sittlichkeit äußerte fich Redner dahin, das es hierin in den sogenanntm„besseren Kreisen" weit schlimmer aussehe, wie in den Kreisen der Ar- beiter, weil diesen einfach der Much wie auch die Mittel zur Bestreitung außergewöhnlicher Bedürfnisse fehlen. Auch hob Redner hervor, daß die Verbrecher nicht, wie gewöhnlich gesagt wird, aus den Kreisen der Arbeiter stammen, sondern aus jenen indifferenten Massen, welche fich um nichts weiter als um ihr eigenes Ich bekümmerten und auch hauptsächlich aus dm heutigen Staats- und Gesellschaftseinrichtungm hervorgingen. An die Schloffer und Berufsgenossen Berlins! Kollegen! Wiederum tteten wir an Euch mit der erneutm Mahnung heran, Euch an den Versammlungen angesichts der brennenden Tagesfragm reger zu betheiligm, Euch fest zusam- mm zu schließen, denn nur Einigkeit macht stark. Allüberall, in jeder Branche bricht sich das Bestteben der Arbeiter Bahn. ihre materielle Lage zu verbessern und ihre Arbeitskraft gegen die Ausdeutung der Kapitalisten zu schützen. Schon rn einer Versammlung ver Maurer am 2. August d. I. wurde die Akkordarbeit als der Mord der Arbeitskraft bezeichnet und wir können diesen Ausspruch voll und ganz unterschreiben. Weil wir erkannt haben, daß durch die Akkordarbeit unsere Gesund- heit geschädigt, der Lohn heruntergedrückt, die Arbettslofigkeit vergrößert und die Ausbildung der Lehrlinge gehemmt wrrd, so wollen wir dies Thema öffentlich diskutlren, damlt d:e Schädm und Mängel des Akkordverfahrens und Kolonnen- systems blosgestellt werden, aber auch die Fürsprecher dessclbm ihre Gründe vorbringen können. Zu diesem Zwecke sindet am Sonnabend, den 26. September, Abends 81/« Uhr, bei Grat- --•-----' tliche(Sei weil's, Kommanvantenstr'. 77/79,' eine öffentliche General- Ver- sammlung statt, zu der wir alle Kollegen einladen. Gleichzeitig machen wir hinsichtlich der Zahlung von Beitragen auf die lsn machen. Zahlstellen aufmerksam, welche durch folgende Herren besetzt find: Nr. 1: Hüther. Rüdersdorferstr. 8, v. Hl. Nr. 2; Quotke, Admiralstr. 32, v. HI. Nr. 3: Ledertheil, Echleier- macherstr. 6. Nr. 4: Günther, Bülowstr. 60, Quergeb. III. l. Nr. 5: Hartmann, Dorotheenstr. 32, v. Hl. Nr. 6: Kube, Zionskirchstr. 55. Nr. 7: Krüger, Weinstr. 31, v. IV. Nr. 8: Rogatt, Eophienstr. 28/29, Quergeb. im Keller. Nr. 9: ElieS, Klein-Beerenstr. 25.— Auch ersuchen wir alle bisherigen De- legirtm, welche noch als solche thätig find, fich beim Vor- fitzenden der Lohnlommisston zu melden, und daß die Kollegen, in derm Werkstätten kein Delegirter ist, fich einen solchen wählen; dieselben haben fich dann ebmfalls zu melden behufs Registrirung und demnächstiger Einberufung einer Delegirten- Versammlung. Mit kollegialischem Gruß die Lohnlommisston der Schlosser Berlins. An die Drechsler und verwandten Berufsgenossen Berlins. Am Sonntag, den 27. September, Vormittags 10 Uhr, findet eine öffentliche Versammlung bei Gratweil, Korn- mandantenstraße 77—79, statt. Tagesordnung: 1. Das Ar- beiterschutzgesetz(Referent wird noch bekannt gemacht). 2. Die Nothwendigkeit der Forderung einer Lohn« höhung, und wie erreichen wir dieselbe resp. würde eine etwaige nothwendige Arbeitseinstellung bei den zur Zeit günstigen Arbeitsgelegen- heiten für uns zum Vortheil durchgeführt werden können In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung, ist es Ehrenpflicht eines jeden Gewerksgenossen zu erscheinen.— Hiermit zugleich werden die Meister und Fabrikanten höflichst eingeladen. Der Veret« sämmtltcher Berufsklasse«(Berlin i Nr. 2). Sonnabend, den 26. d. M., Abends 8 Uhr, Wrangelstraße 5, Versammlung._ Kleine Wittheilungen. Aus Frankfurt a. M. wird gemeldet: Achtzehn hiesige Tischler haben fich in einer Eingabe an die Stadtverordneten über die Leichen-Kommissare und die Beamten der Friedhofs- Kommisston beschwert, weil dieselben sich gestatten, den Hinter- bliebenen Verstorbener bestimmte Sarg-Magazine zu empfehlen „und zwar aus gewissen Gründen". Du Tischler ersuchen die Stadtverordneten- Versammlung anordnen zu wollen, daß die Herren Beamten der Friedhofs-Kommisfion, so- wie die Leichen- Kommissare den Angehöngen Ver- storbener gar Niemanden empfehlen dürfen, sondern es dem Publikum zu überlassen haben, hinzugehen, wohin es will. Die Stadtverordneten haben die Eingabe dem Magisttat über« wiesen. Stendal, 21. September. Das„Altm. Jrrt./- bis 4'/, Meter lang, ffir die Hälfte. 500 Stück echt eugtifche Tüll-Gardinen mit Band eingefaßt, 2 Ellen breit. Elle 45 Pf. Knill lieffeTre, cÄ'X'is». Möbel, Sopha- und Matratzen-Fabrik A. Schulz, 34 Wasserthorftraße 34(auch TheilzahlunA). [2124 Möbel-, Spiegel- u. Polsterlvaaren-Magazin von A. Franke, 46 Wassenhorstrasse 46, empfieblt nur reelle, gediegene Arbeit. Eigene Werkstatt. Solide Preise. Auch Theilzahlung. [2176 Ortstrantentaffe der Böttcher Berlins. Mittwoch, den 30. September cr„ Abends 8'/, Uhr, findet in Heise'» Salon, Lichtenbergerstt. 21, eine General- Versammlung statt, zu welcher die Vettreter der Kasscnmitglieder hiermit ein- geladen werden. Tagesordnung: 1. Wahl des Vorstandes. 2. Erhöhung der Betträge jc. resp. Beschlußnahme über Auf« lösung der Kasse.[2238 A. Seemann. Fach-Verew der Bau- u. Fabrikarbeiter zu Köpenick. General-Versammlung am Sonnabend, den 26. September, AbendS 8'/, Uhr, im Schützenhause. Tagesordnung: Vottrag des Predigers Herrn Kendziora über:„Kulturzustand Deutschlands zur Zeit der Reformation". Aufnahme neuer Mitglieder.— Mitgliedsbuch legitimitt.[2249 _ Der Vorstand. mmmm—m Telephon-Anschluß 4481. Wir haben einige 100 Fenster unsauber gewordener Tüll-Gardinen mit 3/i breiter Borde, verkaufen diese durchweg & Fenster 1 Mr. 1 Posten Salon-Teppiche mit unmerklich kl. Farbenfehlem, 6 Ell. lang, 5 Ell. br., durchweg Stück 7 Thlr. 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Großer Mittags tislli für 600 Pnstse». ä Portion 25 Pfennig. _■■■* Gute Hausmannskost, mmmm[1982 Wallstraase IQ,(»W lms. Arbewmnrkt. Ein äußerst tüchtiger Grundirer, mit dem Feilen der Eisen genau verttaut. I. F. Carlsen, Spandau.[2248 Ein junger anständiger Mann sucht Stellung alS Komptoir- oder Hausdiener. Adressen werden erbeten unter K S. in der Etzpedition dieses Blattes.[2242 Tüchtiger AuSarbeiter für das Magazin einer renomm- Zianofabttt gesucht. Bedingung: korrektes Ausarbeiten von Flügeln und Pianinos, saubere» Stimmen, gewandtes Wesen, da der Betteffende auch selbstständig verkaufen muß. Adressen mit Zeugnißabschnst und Lohnforderung«ud Br. 333 postlagernd Postamt 12, Berlin.[2235 en gros. Cigarreii- u. Tabak-Handlung awi Fritz Goercki Berlin SO., Admiralstraße 40(frühere„Linde.") »M" Import echter Havanna, Lager aller Sorten Bauch- und Schnupftabake,"## «eich»ssortirte« Lager echt türkis«�, rutflfüe* und amerikanischer Ltgarretteu und Tabake. Verantwortticher Redakteur«. Traabet» tu Berlin. Druck und Verlag von«tax vadtug in Berlin SW, Beuthstraße 2.