Nr. 231. Sonnabend, den B Oktober 1888. II. Jahrg. MerMMW Brgsn für die Interessen der Ardeiter. 4 Da»„Berliner Volksblatt" Morgen» außer nach Sonn- und Festtagen. AdonnernentSprei» 1 li» frei st Hau» vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 s Postadonnement 4 M. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10! (Eingetragen in der Postzeitu»g»preiSlist« für 1885 unter Nr. 746.) Jasertioasgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei nrößeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bi» 4... Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Anno««»- Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße S.— Grpedttio«: Zimmerstraße 44. 3» Der heutigen Nummer liegt für unsere auswärtige« Abonneute« die Nummer 44 des„Jüustrirtes Sonn- tagsblatt" bei. Im blllzmschtil Katastriiphk. Der offiziöse Telegraph hat in der bulgarischen Ange- legenheit die Rolle eine« Diplomaten übernommen; ein BeschwichtigungStelegramm jagt da» andere. Wollte man Alle«, was nunmehr aus St. Petersburg, aus Konstan- tinopel, aus Sofia, aus Bukarest und aus Belgrad tele» graphirt wird, für baare Münze nehmen, so müßt« man die ganze bulgarische Angelegenheit als einen„unglücklichen Zufall" betrachte», deffen unheilvolle Wirkungen in gemüth- licher Arbeit an den grünen Tischen der Diplomatie besei- tigt werden können. Der König Milan von Serbien hat die friedlichsten Absichten, allein er rüstet. Griechenland, im Sej T« nicht �9. daß man jede Agitation für einen Aufstand in Makedonien kriegsrechtlich bestrafen werde, ein Versprechen, das um so intereffanter ist, al« es von de« Leuten ausgeht, die soeben den Umsturz in Oitrumelie« bewirkt und de« auf Grund des Berliner Vertrags eingesetzten Gouverneur gegen das Völkerrecht verhastet haben. Zn Rußland erfolgt das Verbot der Theilnahme russischer Offiziere und Freiwilliger an der bulgurischen Bewegung und dennoch strömen russische Offiziere und Freiwillige in Maffe nach Bulgarien. Sie werden sich wohl denken, daß fi« wegen Uebertretung des Verbots nicht allzu hart bestrast werden dürfen. Auch auf Kandia regt es sich— man sieht, der europäische Orient ist wieder zu einem brodelnden Hexenkessel geworden und die Pforte soll auSessen, was darm gekocht wird. Und das Alles ist nur„zufällig" ge- kommen; da« heilige Rußland ist an all diesen Dingen so unschuldig wie ei» kleines Kmd. Die Versicherungen de« offiziösen Telegraphen finden in ganz Europa keinen Glauben mehr; laut und deutlich sprechen ei alle Blätter, die sich nur noch einen Schatten von Unabhängigkeit bewahrt haben, aus, daß es sich hier um eiue» wohlvorbereiteten russischen Koup handelt. Die Presse hat bei solchen Gelegenkeiten auch die Auf- gäbe, da» Publikum nicht durch ei» solche« Gaukel- spiel täuschen zu lassen, wie es die offiziösen Telegramme au« dem Oriente aufgeführt haben. Kein Mensch im zivilisirten Europa wird leugnen wolle», daß die nun mehr als vierhundertjährige Herrfchaft der OSmane« auf der Balkanhalbiasel für die dort wohnen- den Volksstämme unheilvoll gewesen ist. Die Paschawirth- 711 IeuMeton. 9«* Worvumenmadche». Amerikanisch« Erzählung von valbui» MSllhaufe». (Fortsetzung.) „Dieselben enthalte« de« Befehl für mich, nicht nur die Feindseligkeiten nicht zu eröffne«, sondern auch bald« möglichst eine bestimmte Person unter Eskorte nach der Salzsee- Stadt zu sende«. Diese ist nämlich beauftragt, bem Gouverneur Aoung mitzutheilen:„daß die Re- gierung der Vereinigte« Staaten sich dafür ent« schiede» habe, auf die Vorschläge der Mormonen einzu- gehen, auf Grund deffen die Truppen au» der Nähe des Mormonen gebiet» zurückzuziehen und fernere Frieden»- Unterhandlungen anzuknüpfen. „Zhr sehet daraus, meine liebe Miß, und auch Ihr, meine Herren, eine Auswechselung der Gefangenen, deren die Macht, im Fall man sich darauf stützen sollte, daß der junge abenteuernde SchifsS�ieutenant sich auf seine eigene Hand zum Gefangenen mache» ließ, ihn mit Gewalt zu be« freien, und so thöricht werde« die Mormonen hoffentlich nicht sein, sich um eine» einz'gen Menschen willen in einen WUMM schaft ist im Ganzen heute noch so schmählich wie sonst und das Alttürkenthum erstarrt und verhärtet in de« Satzunge« muhamedanischer Glaubenssätze, ist für einen zeitgemäße« Fortschritt immer noch unzugänglich. Wären dem unter- nehmenden Midhat Pascha und seinen Genossen seine kühnen Pläne gelungen, die Türkei zu einem wirklichen modernen Staatswesen zu machen, so wäre die Wirkung davon auf die gesammten Stämme des Balkans zurückgefallen und das Verhältniß aller dieser Stämme zur Pforte wäre ei« an- dereS, der Zeit angemesseneres geworden. Darin lag aber auch die einzige Möglichkeit, die Situation auf der Balkanhalbinsel erträglicher zu gestalte«. Innere Re« forme« an Stelle der politischen äußerlichen Veränderungen da» war die große Zdee Midhat Pascha». Dai Alttürke«- thum widersetzte sich dem kühnen Neuerer und führte seinen Sturz herbei. Diese Verblenduna hat da« Alttürkenthum schwer zu bezahlen; möglicher Weise damit, daß der Halb- mond auf der Sophicnkirche zu Konstantmopel durch das russische Kreuz ersetzt wird. Die Pforte handelt mit vieler Mäßigung. Hätte sie wirklich, wie gemeldet wurde, den bekannten General Muk- thar Pascha mit einem Heere nach Bulgarien' gesandt, so wäre es den„Revolutionäre« von Oden" in Ostrumelie» wahrscheinlich sehr schlimm ergangen, denn Mukthar Pascha ist kein Mann, der viel Feder leseiiS zu machen gewohnt ist; er pflegt solche„gordische Knoten", wie die bulgarische Frage einer ist, einfach mit seinem krummen Säbel zu zerhauen. Aber die Pforte ist nicht mehr so thatkrästig wie ftüher und sie hat ihre guten Gründe dazu. Wie die„All- gemeine Zeitung" in einer Korrespondenz aus Konstantin opel ganz treffend sagt, hält sich da» offizielle Rußland von der Theilnahme an dem bulgarischen Konflikt zurück; um so thätiger ist das offiziöse Rußland, die zweite Seele de« Riesenkörpers. Das offiziöse Rußland eilt dem Bulgarenfürsten ganz offen zu Hilf« und daraus kann mau wohl den Schluß ziehen, daß der besiegte Battenberger von Rußland nicht im Stiche gelassen werden würde. Ohnehin gilt der neue türkische Unterstaatssekretär de» Aeußeren für eine russische Kreatur. Was käme dann, wenn die Bulgaren von den Türken besiegt wären? Dann käme die russische Intervention; e» würde wieder eine Konferenz zusammentreten und über da» Schicksal der streitigen Provinzen entscheiden. 1878 hat die von Ruß- land erst indirekt, dann direkt angegriffene Türkei die Zeche für das Ganze zahlen müsse«. Würde e« diesmal anders werden? Schwerlich! Unserer unmaßgeblichen Meinung «ach wird die Türkei Ostrumelie« nicht wieder kriegen, ob es nun mit dem nördliche« Bulgarien vereinigt bleibt oder ob man ihm eine neue äußere Gestaltung�erleihen wird. Daran über den Lieutenant Weatherton, von welchem ja Niemand etwas wußte, zum größten Dank verpflichtet. Doch die Nacht rückt immer weiter vor, und nach Eurem Aeußern zu schließen, wollt Zhr gewiß nach Eurem eigene» Lager zurückkehre«, welche» natürlich nicht weit von hier entfernt sein kaun. Morgen früh gegen zehn Uhr werde ich die betreffenden Papiere, nachdem ich mit Rücksicht auf Euer» Gefangene« das Erforderliche hinzugefügt habe, absenden, und, wenn Zhr um diese Zeit an ver Mündung des Passe« sein wollt, so könntet Zhr selbst mit zu de» Ersten gehören, welche die Nachricht von einem hoffentlich dauernde« Frieden im Thale des großen Salzsee« verbreiten." Bei diesen Worten reichte er Hertha mit steundlichem Nicken die Hand, worauf er sich dem Missionär zuwendete und ihn fragte, worin er ihm dienen könne. Ohne näher auf das Verhältniß einzugehen, in welchem Ediths und Hertha zu einander standen, bat der Geistliche für eine Dame und ihr Kind, welche den Gatten und Vater verloren, daß ihnen eine Reisegelegenheit nach den Ver- einigten Staaten, vorläufig aber nur nach dem nur wenige Tagereisen weit entfernten HaadelSposten Fort Bridger, ge- stattet sein möge. ES war nämlich zwischen Zansen und dem Geistlichen verabredet worden, daß letzterer die junge Frau und ihr Kind nach Fort Bridger begleite», dort aber so lange mit denselben harren solle, bi« entweder Nachricht von Hertha oder auch diese selbst bei ihnen eingetroffen sei. Der Missionär wollte dann wieder an den Columbia-Fluß zurück- kehren, während die Schwester» unter dem Schutze irgend eine« Militärkommando» ihre Reise nach dem Osten fortzu- fetzen gedachte». Der General ging sogleich auf das Ersuchen de« Missionärs ein und stellte ihm frei, unter den fast täglich nach dem Missouri aufbrechenden Wagenzügen nach eigenem Er- messen eine geeignete Reisegelegenheit für seine Schutzbefohle- nen auszuwählen. Außerdem fügte er die Versicherung hin- zu, wie gern er bereit fei, dieselbe««och mit EmpfehlungS- briefen an einflußreiche Personen zu versehenen, um ihnen nicht nur eine steundliche Aufnahme, sondern auch verläß- liche Rathschläge für ihr weiteres Fortkommen zu sichern. kann auch ei« siegreicher Vorstoß eine» türkischen Heere» gegen Bulgarien nicht« mehr ändern. Daß der offiziöse Telegraph und gewisse Blätter die Aufgabe haben, diefe Aussicht möglichst zu verschleiern, liegt auf der Hand. Erst wenn man vor der vollendeten Thatsache steht, werden die Koulissen weggeschoben. Wer bei dieser Sache nur sehen und hören will, der kann es. Rußland läßt sich durch solche Abmachungen, wie der Berliner Vertrag eine ist, absolut nicht darin stören, seine Pläne gegen Konstantinopel zu verfolgen. Wir finden dies so gefährlich, nicht weil e< gerade die Türken sind, denen die Jntriguen und Machinationen des heiligen Rußland gelte«, sondern weil in der bulgarische« Kata- strophe der Beweis enthalten ist, daß mit dem großen Friedensstörer im Osten eben kein Frieden zu machen ist, daß das heilige Rußland durchaus rücksichtslos seine länder» süchtigen Pläne verfolgt, allen Verträgen zum Trotz. Darin liegt auch das Charakteristische der dreiviertels- asiatische» Macht, die in Europa die Vorherrschaft zu er- reichen strebt. Staaten, die als zivilisirt gelten wolle», müssen sich doch für verpflichtet erachten, große StaatSver- träge ernsthaft aufzufassen und zu halten; für die Staats- männer in St. Petersburg aber scheinen noch immer jene Anschauungen maßgebend zu sein, auf Grund deren einst in wilden Zeiten die Häuptlinge der Mongolen und der Tar- taren gegen den Westen vorzubrechen pflegten. So wird ein Stück vom„Testament Peter« des Großen" nach dem andern verwirklicht. Katharina 11. ließ einst am Schwarzen Meer eine Tafel anbringen mit der Inschrift: „Weg nach Konstantinopel!" Wenn man den Ruffe« erst möglich gemacht hat, sich in Konstantinopel festzusetzen, wie wird dann wohl die Znschrist auf dem polstischen Wegweiser lauten, den sie dort aufstellen? Dem._. gcfetz widmet v.* o»ö. v„iw. in dem sie sich am Schluß folgendermaßen ausläßt:„Gerade heute(am 1. Oktober) aber, wo das zuerst in Angriff ge« nommene Werk der Sozialrekorm gleichsam seinen Abschluß erreicht hat. wo wir mit Befriedigung auf die Zeit des Kampfens und Ringens zurückblicken können, haben wir uns auch zu erinnern, daß weitere Schritte auf dem Gebiete dieser Reform noch vor uns liegen. Nachdem aber bei diesen ersten Schritten der prinzipielle Widerstand überwunden, der geistige Kampf um die Ziele ausgekämpft ist, giebt die heute erreichte Ueberführung dieses wichtigen Schrittes in daS Leben des Arbeiters die Hoffnung, daß ohne die Kämpfe von gleicher Hefttaktit die werteren Ziele der allerhöchsten Botschaft vom 17. November 1881 eri eicht werden können, und daß eS unserem greisen Kaiserlichen Herrn noch vergönnt sein werde, Hertha und der Missionär sprachen dem General ihre« Dank in warmen Worten aus. Jansen dagegen schwieg, während seine Stirn sich in sinnende Falten legte Hatte ei zuerst in seinem Plane gelegen, sich Fort Bridger von seinen beiden Nichten auf i» ewig U------- D"..' V' �»vv»» vvivyltu UUj tunu LSE-ÄÄXr« L Sr denen Täuschungen zu suchen, so brachten de« Generals Worte ihn auf andere Gedanken. Es verwundete sein natürliches Gefühl, die beiden Schwester» von fremden Men. fchen an ftemde Menschen empfohlen zu wissen, und um diesem vorzubeugen, faßte er den Entschluß, nicht eher von ihrer Seite zu weiche», als bis sie zur Reise nach ihrem nordischen Heimathslande sich in New-Nork an Bord eines sichern und schnellen Schiffe« begeben habe« würden. Zufrieden mit dem Erfolg ihres Besuche« bei dem Gr- und allerseits heiterer gestimmt über die Nachricht der friedlichen Ausgleichung der zwischen den Vereinigten Staaten und den Mormone« auSgebrochenen MißHelligkeiten, trafen sie erst nach Mitternacht wieder in dem Lager des Missio- närS ein, wo sie von Editha Holmsten aufs freudigste em- pfangen wurden. Nach kurzer nächtlicher Ruhe waren sie indessen schon wieder m Bewegung, um sich zum baldigen Aufbruch zu rüsten. Der Missionär schlug die geradeste Richtung mitten durch da« Feldlager ein, um sich langsam nach Fort Bridger hin- zubegeben. Zansen und Hertha dagegen trafen zur bestimm- te« Stunde m dem Engpaß ei«, wo sie sich, wie verabredet w«, der nach dem Salzsee bestimmten Kavallerie-Abtheiluna anschlössen.* Sie beabsichtigten, den Ueberbringer der Depeschen zu- erst nach der Salzsee- Stadt zu begleite», dort von dem Gou- verneur noch eine besondere Ordre für Weatherton's äugen- blickliche Freilassung zu erwirken, und auf dem nächsten Wege Fort Utah zuzueilen. wilete Früchte heranreifen zu sehen, für die ferne Sorge um die Wohlfahrt und den sozialen Frieden seines Volkes mrt väterlicher Hand die Saat gestreut und den Acker bestellt hat."— Nun, wir wollen annehmen, daß weitere Schritte auf dem Gebiete der Sozialreform geplant find. Aber tS drängt sich uns denn doch die Frage auf, welcher Art find diese Schritte? DaS von der offiziösen„Nordd-" so sehr gepriesene Unfallver. ficherungsgesetz hat neben den Vortheilen, welche ei dem Ar- beiter bietet, doch sebr dunkle Schattenseiten. Die Festsetzung der Karenzzeit auf 13 Wochen belastet die Arbeiter in koloffalem Maße und gestattet dem Unternehmer die weitaus größere An- zahl der Unfälle auf die Schultern der Arbeiter abzuwälzen. Wie wir schon so oft betont haben, muß das Bestreben einer wirklichen Sozialreform dahin gerichtet sein, Vorbeugungsmaß. regeln zu treffen. Einrichtungen zu schaffen, die den Arbeiter vor allzu starker Ausnutzung schützen. Ueberansttengung, un. gesunde Arbeitsräume, sowie das Hsntiren mit Stoffen, welche der Gesundheit oft äußerst nachtheilig find, bilden die Haupt- veranlaffung zu Erkrankungen und Unfällen, diese gilt es also zunächst zu beseitigen. Und das kann nur geschehen, wenn man den Forderungen der Arbeiter nach einem wirksamen Schutzgesetz Rechnung trägt. Ein zeitgemäßer MaximalarbeitS- tag hat für die gesammten Arbeiter einen viel höheren Werth, als ein halbe? Dutzend Unfallverstcherungsgefetze, die fich auf der BastS VeS jetzt in Kraft getretenen bewegen. * Ein interessantes Zugeständniß hat auf der im September in Bremen abgehaltmen Versammlung deutscher Armenpfleger der Polizeirath I a g i e l s k r (Königsberg i. Pr.) gemacht, welche über„den Arbeitsnachweis ils Mittel vorbeugender Armenpflege" referirte. Derselbe führte auS, daß„nach seiner Wahrnehmung die weitaus größte Mehrzahl der Verbrechen aus Roth begangen werde. Dieser letztere Uebelstand sei aber nicht durch Armenunterstützung, sondern dauernd nur durch Nachweis von geordneter und lohnender Beschäftigung zu de- eitigm." Wenn aber die Arbeiterdlätter solche Sätze auf- stellen, erhebt der offiziöse Choms ein wüsteS Geschrei und rührt alS„Ursachen" der Verbrechen die„Entchristltchung" und Zhnliche schöne Tinge an. Daß die Vorschläge des Herrn Jagielski keine irgendwie erhebliche Aenderung herbeiführen können, liegt in der Natur der Sache. Er beantragte nämlich zu beschließen: „Der Kongreß erklärt: 1. Die Beschaffung von Arbeit ist daS allein wirksame und absolut nothwendige Mittel, um der Verwahrlosung und dem Anheimfallen der Armenpflege vorzu- oeugen. 2. Die Arbett muß gewährt werden je nach der Be- schaffenheit der in Frage kommenden Personen, und zwar: a. Kinder im Alter von 2 bis zu 6 Jahren solcher Eltern, welche dieselben nicht selbst zu beauffichtigen im Stande find, ind in Volkskindergärten zu beschäftigen, Kinver chulpflichtigen Alrers in„Knaben-" und„Mädchen» horten", d. Erwachsenen arbeitsfähigen Personen ist, wenn möglich, lohnende Arbeit nachzuweisen und in Er- mangelung solcher Notharbeit event. in eigens dazu bestimmten Arbeus' oder ErwcrbSanstalten zu überweisen, c. Beschränkt erwerbsfähigen Personen ist bei event. Uebernahme der Woh- nungsmiethe und Beschaffung von Erwerbsmitteln paffende leichte Arbeit zu vermitteln. 3. Die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß geeigete Einrichtungen vorhanden find, um durch Zuweisung von Beschäftigung der Verwahrlosung und dem Anheimfallen der Armenpflege vorzubeugen, liegt jedem Armenverbande für seinen Bezirk ob und erfordert es das wohlverstandene eigene Interesse, diese Aufgabe in der zweckmäßigsten Weise zu erfüllen. 4. In diesen Bestrebungen find die Armenverbande durch die Gesellschaft zu unterstützen. liur bei umfassender Mitwirkung der Gesellschaft ist daS erstrebte Ziel, durch Gewährung von Beschäftigung und Zu- Weisung von Arbeit der Verwahrlosung und dem Anheimfallen der Armenpflege vorzubeugen, zu erreichen." Alles recht gut. aber wie will Herr Jagielski unter der unbeschränkten Herrschaft der kapitalistischen Produktionsweise diese Einrichtungen durchführen? Die Wörtchen„ist zu" wie „wenn möglich", die wir in seinem Antrage finden, lassen tief blicken. Auf dem Wege freier Vereinbarung ist nichts oder nicht viel zu erreichen. Die industrielle Reservearmee, der Pauperismus find nicht aus der Welt zu schaffen mit frommen Wünschen. Dazu gehört eine tüchtige Arbeiterschutz« g e s e tzg e b u n g. Dieselbe würde die Bahn für eine gesün- oere Entwickelung unseres WirthschaftSlebenS frei machen. Wer bürgt übrigens dafür, daß die„eigenS bestimmten Ar- beilsanstallen"(vergl. Puntt 2 d) fich nicht zu den wunder» baren Arbeitshäusern nach berühmtem englischen Muster auS- wachsen? Die Erfahrungen der Vergangenheit machen mißtrauisch gegen alle solche Vorschläge.— Der bekannte demokratische Stadtralh Flesch«Frankfurt a. M.) stellte folgenden praktischen Zusayantrag:„Es ist Sorge zu tragen, daß die beschaffte Arbeit der selbstgesuchten möglichst geringe Kon- kurrenz mache, ganz besonders, daß ste nicht zu Lohnsätzen ge- währt werde, die geringer find, als die sonst ortsüblichen und daß das Arbeitsprodukt nicht zu geringeren Preisen verwertbet werde, als die sonst im fnien Verkehr erhälllich find."— Die Die Utg alt«. Ueber den Charakter und die südliche Ausdehnung der felsigen Hochplateau» von Neumexiko ist schon in einem früheren Kapitel gesprochen worden. Dieselben erstrecken sich mit wenigen Ausnahmen so weit nach Norden, daß sie von der südlichen Spitze de» Utahgebiets innerhalb acht Tagen erreicht werden können, vorausgesetzt, daß man dieselben eben zu seinem Ziele ge- wählt hat und eS nicht vorzieht, der alten Emigrantenstraße zu folgen, welche westlich an diese« furchtbaren Terrttorien vorbeifahrt und in dem südlichen Kalifornien im Kajon-Paß mündet.— E» giebt wohl nur wenig, sehr wenig Menschen, welche sich in ihrer Phantasie ein nur annähernd richtige« Bild von jenem zerklüfteten Hochlande zu entwerfen vermöge»; «och weniger aber, welche e» wagten, in diese» abgeschlossene, furchtbar schöne und erhabene Reich einzudringen, rn welchem ihnen bei jedem Schritt der Tod in seinen schrecklichste« Ge- stalten entgegengrinste. Wo e» gilt, den wilden Bestren rm Kampfe auf Tod und Lebe« zu begegnen- wo es gilt, den eben so wilde« Eingeborenen auszuweichen oder, wo kein anderer Ausweg fich zeigt, ihnen Auge in Aua« gegenüber zu tteten, da steht dem Manne der angeborene Math zur Seite, und bi« zum letzte« Augenblick verläßt er fich auf die Waffen, welche er der menschlichen Kunst verdankt, und auf die Waffen, welche ihm in Form höherer geistiger Begabung verliehen wurden. Wo aber die Natur selbst ihm Hindernisse in den Weg legte, wo die Elemente sich vereinigt zu haben scheine», dem Sterblichen den Zutritt in die geheimsten Erdenwinkel zu verwehren und den Verwegenen, der de» Sieg über die er» habenen SchöpfungSwerke davonzutragen meint, mit Unter» gang und Verderben bedräue», da ist da» Eisen in der Faust de« Manne» nicht mehr werth, al« der Strohhalm m der Hand eine« spielenden Kinde», die hohe geistige Be- gabung nicht weiter reichend, al» die luftigen Traumgebilde eine» träge« Schläfer«. Der unter Gefahren verhärtete und»ach Abenteuern durstende Pelzjager, und der Forscher, der darnach strebt, Versammlung überwies beide Anträge„als schätzbares Material" mit dem MaximalarbeitStag! * Die körperliche Züchtigung der Schulkinder ist ein Uebelstand, der dem Grundsatze der Menschlichkeit und den Prinzipien einer gesunden Pädagogik zuwiderläuft. Besser wäre e» ficherlich, den Ursachen auf den Grund zu gehen, als die Prügelstrafe zu reglementiren. Die Regierung zu Ä r n s« b e r g hat unterm 17. September an die Kreisschulinspektoren eine Verfügung erlassen, i» welcher den Lehrern und Lehre- rinnen folgende Bestimmungen eingeschärft werden: „1. Die körperliche Züchtigung darf nur in Fällen ganz ungebührlichen Verhalten», zu welchen offenbare Widersetzlich» keit, freches Lügen, roheS und unzüchtige» Bettagen, muthwillige Beschädigung der Utenfilien und fremden Eigenthums, beharr- liche Traghert und Gleichgiltigkeit, Verhöhnung älterer oder gebrechlicher Personen und dergleichen zu rechnen find, ange- wendet werden, und zwar in der Regel erst nach voraus- Gesundheitszustand der Kinder find, wenn körperliche Strafen zur Anwendung kommen müssen, thunlichst zu berückfichtigen und bei Kindern unter acht Jahren, sowie bei Mädchen ist die körperliche Züchtigung möglichst zu vermeiden. 3. Die Züch- tigung darf nur in den freien Gängen des Schulzimmers voll- zogen werden, und zwar in der Regel erst am Schlüsse der Unterrichtsstunde, jedoch im Beisein der übrigen Kinder der Klaffe. 4. Als Züchtigungimittel darf bei Kindern unter acht Jahren nur eine aus dünnen Reisern bestehende Ruche, bei älteren Kindern, insbesondere bei Knaben, ein biegsamer glatter Stock von der Stärke eines Zentimeters gebraucht werden. DaS Schlagen mit einem stärkeren oder knotigen Stocke, mit einem Lineal oder Violinbogen, mit der Hand oder Faust ist durchaus unstatthaft. 5. Bei Mädchen darf die Züchtigung nur auf den Rücken und den linken Oberarm, bei Knaben auf den Rücken und das Gesäß vollzogen «erden. DaS Schlagen auf den Kopf oder ins Geficht, auf die flache Hand oder die Fingerspitzen, das Reißen an den Haaren, Obren oder anderen Kö.pertheilen, sowie das Stoßen auf den Rücken oder wider die Brust werden als Ueberschrei- tungen des Züchtigungsrcchtes betrachtet werden. 6. Was den Grad der körperlichen Strafen bettifst, so sollen dieselben nie- mals zu hart sein, fordern in den Grenzen einer verständigen mütterlichen Zucht fich halten, damit das Ehrgefühl der Kinder nicht abgestumpft und denselben nicht die Lust und Liebe zur Eckule benommen werde. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen werden nach Maßgabe der allerhöchsten Kabi» netsordre vom 14. Mai 1825 durch angemessene Disziplinarstrafen und event. durch zettweilige Entziehung deS Züchtigungsrechtes geahndet werden." Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei nochmals festgestellt, daß dieser Erlaß auS dem Jahre des Heils— 1885 stammt. Wenn man über die Verwilderung der Jugend klagt, so soll man bedenken, daß die große Masse des arbeitenden Volke» nicht in der Lage rst, den Kmdern eine gute Erziehung zu Thetl werden zu lassen. Mann und Frau gehen in die Fa- brik, das Kind wachst unbcauffichtigt auf, oder aber es wird schon im zartesten Alter zu harter Arbeit gepreßt. Daß unter solchen Umständen, unter dem Druck härtester Entbehrungen, oft inmitten einer nichts weniger alS fittigenden Umgebung, da» Gemüth deS Kinde» leicht verroht wird, liegt auf der Hand. ES ist nun ein gutes Zeichen für die innere Trefflich- keit des Proletariats, daß es in seinem Kern doch so gesund bleibt. Man schaffe bessere Lebensbedingungen für die große Masse, anstatt solche pädagogische Maßregel zu treiben. Das wird, das muß helfen. Die„Augusta" wird nun auch offiziell als verloren bettachtet. Die Admiralität veröffentlicht jetzt im„Reichs- anzeiger" eine nähere Darstellung von dem Schiff, der Fahrt desselben und den bisher unternommenen Nachforschungen. Danach verließ die„Augusta" in der Nacht vom 1. zum 2. Juni Perim mit der Bestimmung nach Alban«(Australien). Es ist wahrscheinlich, daß das Schiff in einem Zy Ion, welcher dasselbe im Golf von Aden getroffen hat, untergegangen ist. Die durch das Kommando des ostafrikanischen Geschwaders und die Konsulate der HaupchandelSplätze des indischen Ozeans angestellten Nachforschungen nach dem Verbleid der Korvette find ebenso resultatloS geblieben, als die durch einen englischen Dampfer am 14. September auf den ChagoS-Jnseln erhobenen Nach- fragen. Da ferner seit dem Tage, an welchem die Korvette Perim verließ, 4 Monate vergangen find, eine Zeit, welche für die Korvette mehr als genügend gewesen wäre, selbst bei ein» getretenem Kohlenmangel oder havarirter Maschine einen Hafen zu erreichen, so ist kerne Hoffnung mehr vorhanden, daß das Schiff noch schwimmt, die Besatzung noch am Leben ifi. Eine Anlage enthätt das Veqeichniß der an Bord der„Augusta" eingeschifft gewesenen Personen. Es find 223 Mann, darunter sein Wissen zu bereichern, find wohl die Einzigen, welche, mit einem verlockenden Ziele vor Auge», alle übrigen Rück- sichten leichtsinnig vergessen und gerade da am eifrigsten vorzudringen versuchen, wo sich ihnen die größten und am schwersten zu überwindenden Hindernisse entgegenstellen. Sie dringen vor, ohne zu überlegen, ob es ihnen auch vergönnt sein wttd, jederzeit den Rückweg einzuschlagen, und nur zu oft bezahlen sie die Genüsse, nach welchen sie haschten, mit den schrecklichsten Entbehrungen und Leiden, und zuweilen sogar mit ihrem Leben. Dergestalt ist also da« Hochland von Neumexiko. Ganz besonders schwer wiegende Gründe müssen daher vorhanden sei», sollen Leute, dre fich auf der alten Emigrantenstraße befinden, von dieser abbiegen und sich zu einer Wanderung durch die verworrenen Klüfte und tief in die Erde hinein- reichenden Schluchten entschließen.— E« war am zehnten Tage nach jener Nacht, in welcher Weatherton und Rast Fort Utah verlassen hatten. Sengend brannte die Mittagssonne auf die massiven GesteinSlagen nieder, welche, sich, fast horizontal, über da« ganze Hochland erstrecken, und mit wellenförmigen Bewegungen zitterte die erhitzte Annosphäre nahe dem Erdboden. Große blauschwänzige Eidechsen und zierliche Horn» ftösche lagen regungslos auf den glühenden Steinen, mit weit geöffnetem Rachen wollüstig die heiße Luft einschlürfend. Kaum beachteten sie die schönen, goldglän, enden Fliegen, welche sich ihnen zuweilen mit unglaublicher Kühnheit gerade auf den Kopf setzten und von dort aus mit übermüthiger Haltung auf der schuppigen Straße bi» an die äußerste Spitze de« Schwänze» spazierten, auch wohl auf demselben Wege wieder bi» an die Nasenspitze zurückkehrten, wo sie dann nicht selten nach einer blitzschnellen Bewegung de« unter ihnen befindlichen trügerischen Boden» spurlos in dem fürchterliche» Rachen verschwanden. Langbehaarte Tarantel« kauerten eben so regungslos wie die Eidechsen in ihren schwer bemerkbaren Höhlen; die sinnreich befestigte» kleinen Fallthürm lehnten auf'ihren Kopsen, den übrigen Theil de« Körper» vollständig ver- bergend. So lagen sie da, scheinbar mtt dem Gestein ver» wachsen, jedoch ungeduldig harrend, daß andere Insekten 9 Offiziere, 153 Mannschaften der Mattosendiviston, 55 Mann» schaften der Werftdivifion, 3 Mann vom Eeebataillon und 3 tontrattlich engagirte Bediensteten. Ueber die Schulbildung der in die deutsche Armee und Marine eingestellten Rekrute« enthätt das August. Heft der Monatshefte zur Statistik des Deutschen Reiches in- teressante Aufschlüsse. Nach diesen betrug die Zahl Derjenigen, welche weder lesen noch ihren Namen schreiben konnten: 1884/85 1851 oder 1,21 pCt. aller Eingestellten, 132"" Jfö* H n H ::: ::: U 5;: Greift man die Bezttke, welche den bedeutendsten Prozent- satz von Analphabeten lieferten, herau» und stellt für dieselben das erste dem letzten Jahre der Periode 1875—76—84—85 gegenüber, so betrugen die Analphabeten von der Gesammtzahl der Rekruten: 1883/84 1882,83 1881/82 1880/81 1879/80 1878/79 1877/78 1876/77 1875/76 1923 1992 2332 2406 217 2574 2476 2975 3311 im Reg.-Bez. Posen... „„ Marienwerder 1875/76 15,26 pCt. 11,90„ 11,30„ #: 1884/85 8,59 pCt. 9,10 8,47 7,36 3,13 3,48 5,18 0,75 P Bromberg „„ Gumbinnen „„ Danzig. „„ Oppeln. „„ Königsberg in Elsaß-Lothringen....„ v,,u„ Hiernach wäre eine bedeutende Abnahme der Analphabeten, namentlich in Posen, Danzig, Oppeln und Elsaß-Lothringen zu konstatiren. Für die vorzunehmende« Neuwahle« znm Abgeord- netenhause hat der Minister des Innern nach einer Bekannt» machung im„Reichsanzeiger" als den Wabltermin für die Wahl der Wahlmänner den 28. Oktober d. I., für die Wahl der Abgeordneten den 5. November d. I. festgesetzt. Die Polizeiverwaltnng in Coran veröffentlicht, der „Schlefischen Zeitung" zufolge, eine Bekanntmachung, welche die Eorauer sowie diejenigen auswärtigen Bäcker und Ver- käufer von Backwaaren, welche solche zum Verkaufe ausstellen, verpflichtet, vom 1. Oktober d. I. ab die Preise und das Ge- wicht ihrer verschiedenen Backwaaren durch einen von außen fichtbaren Anschlag am Verkaufslokale zur Kenntniß de» ublikums zu bringen und Waagen mtt dm erforderlichen Gewichten zum Nachwiegm der verkauften Waaren aufzu- stellen. Au« Schlesien berichtet die„Neiffer Ztg.", daß fich bei der Vernehmung zahlreicher Arbeiter au» den Kreisen Neisse, Falkenberg und Neustadt alle Arbeiter für den völligm Weg» fall der Sonntagsarbeit ausgesprochm hadm. Im Regierungsbezirk Oppeln erklärte fich ebenfalls auch nicht ein Ein- ziger der vernommenen Arbeiter für die Sonntagsarbeit. München, 30. September, hier ist wieder eine Person wegm Zugehörigkeit zur sozialdemottatischen Partei au»» gewiesen worden• das Ministerium des Innern hat angeordnet, daß der aus Innsbruck gedürttge Schneider Flöckingcr das Königreich verlassen müsse,„nachdem dessen fortgesetzte agitatorische Wirksamkeit für die gemeingefährlichen Bestredun- gen der Sozialvemokratte festgestellt ist." Flöcklnger war— wie der„Bayerische Landbote" berichtet— seit April hier und hielt fich früher in Württemberg auf. Die Frau des Ausg«. wiesmm liegt schwer krank damieder; er selbst ist brustttank und kaum im Stande, den Lebensunterhall für beide und ein vierjähriges Kind zu erschwingen. Die„agitatorische" Thätig» kett soll derselbe in Württemberg ausgeübt haben; hier ist er in Arbeiterkreisen unbekannt, ausgenommen seine Berufsge« nossm. die ihn schon mehrfach unterstützt haben. Zur Krise in den Balkanländern find keine Thatsachm von Belang zu melden. Die Rüstungen werden in allen Balkanstaaten mtt großem Eifer betrieben, namentlich ist die Haltung Serbiens eine sehr kriegettsche. Die Beförderung von Reisenden wird eingestellt werden. Die Bahnzüge befördern täglich 3000 Mann Truppen. Die Mobttifirung dürfte in zehn Tagen beendet sein. Tie Verbindung zwischen Nisch und Vranja dürfe in einigm Tagen fertig gestellt sein. Die Truppm werden dann diS auf etwa 70 Km. über Nisch hinaus befördert werden. Nicht minder kriegerisch steht e» in Griechenland au»: Die Kammer ist auf den 17. Oktober einberufen worden. Die Re» gierung hat Pferdekäufe angeordnet. Die ersten Truppen« scndungen find an der Grenze angelangt. Die in Athen wohn» haften Makedonier organifiren ein Freikorps Wie verlautet, hätten die Krettnser die Äbficht, die Verewigung Kretas mit Grrechenland zu prollamiren, wenn der»tarne qno im Orient geändert wird. Durch einen Tagesbefehl des Fürsten von Bulgarien find die Führer der Truppen und Milizen angewiesen worden. vorüberkommen würden, um fich mit grimmiger Wuth auf dieselben zu stürzen. Auch häßliche Klapperschlange« hatte« ihre Schlupf. wmkel verlassen, um de« heißen Tag so recht nach Herzenslust zu genreßen. Lang ausgestreckt ruhten sie im vollen Sonnen» schern, und nur dann ließen sie ein kurze» leise« Rassel« ver» nehmen, wenn eine naseweise Heuschrecke, ihren Körper für einen alten verwitterte» Zedernast ansehend, auf den- selben hinaufhüpfte, und lustig mit ihren gezahnten Beinche» an den Flügeldecken zu reiben und schnarrend die winzige« Trommelsellchen zu rühre« begann. Za, Heuschr«cke«. Klapperschlange«, Tarantel», Fliegen und Edechse», und hin und wieder ein verdrossener Skorpion, da« schien das ganz« Leben dort oben zu sem. Alle« übrige war massive« Gestein, Geröll und Sonnenschein, und entsproßten auch wirklich hier eine Gruppe verkrüppelter und kränkelnder Zederbüsche, dort wreder emige feine Grashalm« oder auch stachelig« Kakteen dem dünen Erdreich, so sahen dieselbe« doch so nredergeschlagen au», al« ob sie den folgende« Tag nicht mehr erleben würden. Wenn nun eine tödtliche Einsamkeit und Oed« da» Hochland charakterifirte und, außer dem Schwirre« der 3«« selten, kein anderer Ton die tiefe Stille unterbrach, so mußte e» doppelt überrasche», daß fich auf einem mächtigen, wall« ähnlichen, von drei Sette» durch furchtbare Schluchten be» grenzten Vorsprung ein einzelnes menschliche» Wesen zeigt«. Obgleich, sowett da» Auge reichte, nicht» fichtbar, wa» et* auffallende« Benehmen rechtfertigte, so schlich diese mensch« liche Gestalt doch so langsam und vorsichtig unter dem äußersten Rand« de« östlichen AbHange« dahin, daß man den schwarzbehaarten Kopf, der nur zur Hälfte über die Oberfläche de« Plateau« emporragte, au« der Ferne eben so gut hätte für«in kleine« Raubthier halten könne«, welches ausgegangen, um ttgend einer zwischen dem Gestein verbor« genen Beute nachzustellen. Da« Plateau bildete oben eine scheinbar ununterbrochevk Ebene. Diese« sowohl, wie alle anderen mehr oder minder abgesonderte», welche sich nach allen Richtungen hin erhob� waren dadurch entstanden, daß die au« dem Weste« dem jeden Kampf zu vermeiden, über die Sicherheit der Einwohner zu wachen und den Uebertritt Bewaffneter über die Grenzen zu verhindern. Ferner ist angekündigt, daß Zuwiderhandelnd« mit äußerster Strenge bestrast werden würden, aber es ist nicht auigeschloffen. daß die auf'« Höchste gesteigerte Aufregungstch nach irgend einer Seite hin Lust macht. Es soll nach Mel» düngen aus Bukarest die Disziplin der bulgarischen Truppen stark gelockert sein. Nach in Bukarest eingegangenen Nach- richten aus Bulgarien sollen bei Küstendil an der Grenze etwa 2500 Mann türkischer Truppen flehen. Gegen 3000 bulgarische Freiwillige seien dorthin dirigirt. Die Bulgaren haben eine Kommission an den Kaiser von Rußland abgesandt. Väterchen soll helfen, was ihm jedenfalls recht erwünscht ist. Die Deputation besteht auS dem Erzbischof Clement, Etaatsrath Guerdjicoff, Bankgouverneur Gueschoff, Advokat Demeter Tutschcff und Kaufmann Demeter Pappazoff. Die Kommission ist bereits biS Kopenhagen gekommen. AuS Konstantin opel wird unterm 1. Ostober berichtet: Im hrutigen Ministerrath wurde ein kaiserlicher Jrade ver- lesen, welcher eine starke Truppenkonzentrirung an der rume- lischen Grenze nach Makedonien anordnet.— Ein ferneres Telegramm vom 1. Ottober meldet: Der deutsche Botschafter v. Radow!? ist gestern gelandet. Die Pforte requirirte die Bahnlinien Fsmrd Haider(Kleinafien) und Konstantinopel- Adrianopel zum Truppentransport.— Die Botschafter find bei dem Dopen, Graf Corti, zu einer vorläufigen Besprechung sammengetrrten. Die diplomatische ANion hat also gönnen. iU- Zokales. Unter dem Titel„Das Gedächtniß vor Gericht" macht die„Volls-Zeitung" auf einen Uebelstand unseres Straf- Verfahrens aufmerksam, der wie in früheren Fällen auch in dem " zeffe Graes sich gellend macht.„Auch in diesem Prozesse," Ii schreibt die„Bolls- Ztg.",.handelt es sich in einem, wie wir annehmen, dem schwersten Punve der Anklage, um die Frage: Was hat der Angeklagte in einem früheren Prozesse beschworen? Seine Aussage ist nicht protokollirt; die Anklage des Meineids stützt sich vielmehr auf das Gedächtniß der Zeugen. Nun er- giebt sich aber die an sich gar nicht wunderbare, für ein Ge- richtsverfahren aber doch höchst bedenstiche Erscheinung, daß nicht nm die Ansicht des Angeklagten über das, was er be- schworen, mit der Behauptung der Anklage in unlösbarem Wrderspruch steht, sondern auch, daß die aufgerufenen Zeugen dre gewünschte Lösung nicht herbeizuführen vermögen, im Gegentheil den Widerspruch noch verschärfen. Ja, die Zeugen widersprechen sich einander nicht nur in Bezug auf den Wort- laut der verhängnißvollen Frage, sondern sie widersprechen sich auch in Bezug darauf, wer von ihnen die Frage an den Zeugen gelichtet habe. Und eS find dieS nicht Zeugen, wenn wir so sagen dürfen, gewöhnlichen Schlage», sondern eS sind Z'ugen, zu denen man sich ganz besonderer Zuverlässig« keit versehen darf: es ist ein ganzer Gerichtshof ein- schließlich eines Rechtsanwaltes. Der Präsident dieses Gerichtshofes behauptet unter seinem Eide, er sei es gewesen, der dem Zeugen jene Fragen vorgelegt, der Rcchtsanwast, welcher als Anwalt der dem Zeugen gegen- überstehenden Partei die Frage formulirt hatte, erklärt auf seinen Eid hin, er sei es, der sie dem Zeugen unterbreitet. Noch weiter geben die Ansichten über den Wortlaut der Frage auseinander. Jeder der drei Richter hat sie in anderer Form im Gedächtniß aufbewahrt und wieder in anderer Form der Rechtsanwalt. Die Aussage des derzeitigen Angeklagten, da« maligen Zeugen, und die des damaligen Vertheidigers der Gegenpartei stimmen überein, ihnen aber steht die Angabe deS damaligen Gerichtspräsidenten ausdrücklich gegenüber. So viel Köpfe, so viel abweichende Aussagen! Dadurch entsteht eine RechtSunficherheit der bedenklichsten Art. Ein Mißverständniß über die Bedeutung, über die richtige Auslegung der Frage kann unter Umständen ausreichen, die allcrbedcnklichsten Folgen nach sich zu ziehen. Wäre es nicht weit einfacher, sicherer und zweckmäßiger, auch im Interesse der Würde der Richter, ge- wesen, wenn die Aussagen damals protokollarisch fixirt worden wärm, als daß sie heute aus widersprechmden Zeugnissen wiederherzustellen versucht werden! Es giebt doch nur hwei Wege: entweder man hält gewisse ZeuaenauSsagm für so irre- levant, daß sie einer schriftlrchm Aufnahme nicht werth find— dann soll man aber auch nachher so glnchgillige Aussagen nicht zum Gegenstände eine« MeidSprozesses oder sonstigen gericht- lichen Verfahrens machen. Erscheint die Aussage dagegen nach irgend einer Richtung hin, sei eS dem Gerichtshof, ser es dem Staatsanwalt oder oem Vertheidiger, v»n Bedeutung, dann 'oll man sie auch so fixiren, daß über ihren Wortlaut und hre Bedeutung nachträglich keine Zweifel aufkommen können." Der Kaiser hat genehmigt, daß der im Zuge der Hohen- zollemsttaße über den Schifffahrts-Kanal nach dem Lützower Ufer führenden Fußgängerbrücke der Name Lützowbrücke, der »wischen der Burgstraße und der Heiligegeiststraße vorlängs deS Anbaues am Börsengebäude neu angelegten Verbindungsstraße der Name St. Wolsgangssttaße, der Straße Nr. 3 der Ab- Kolorado zuströmenden Wasser im Lause der Jahrtausende ihre ursprünglichen Rinnen immer tiefer ausgewühlt und all- mälig zu Schluchten von der unglaublichsten Ausdehnung erweitert hatten. Die gigantischen Ueberreste de« Hochlan« des glichen daher kolossalen, thurmähnlichen Bauwerken, die künstlich mit senkrechten Wänden au« der Tiefe aufgeführt worden. Zugänglich konnte man die au« massiven rothen Sandsteinfeldern bestehenden Tiefen kaum nennen, denn wäre man auch den, da« Hochland wie ein Geäder durchschneidende« Schluchten von ihrem ersten Beginn an nachgefolgt, so würde man doch sehr bald an Stellen gelangt sein, an welchen plötzliche Abgründe von hundert bi« zu fünfhundert Fuß Tiefe jede« weitere Vordringen unmöglich machten. Nur da, wo die zeitweise gewaltig niederbrausenden Wasser in ihrem unwiderstehlichen Anprall Ecken oder Winkel der stehen ge- bliebenen Felsmassen unterwühlt und dadurch einen Berg- stürz veranlaßt hatten, unterbrachen schroffe Geröllanhäufun- gen die farbenreichen senkrechten Wände, dem Bergschaf noth« dürftige Haltepunkte für den sichern Fuß gewährend, wenn e« mederwärt« zum Wasser eilte, oder bedächtig die Höhen erklomm, um dort oben nach süßen Tra«büscheln zu �%och wenn der schwergehörnte Argali, gleichsam schwe- eges*##,# »» , Und wa«"hätte er auf der»the« Sandsteinfläche ge« funden? Neue Wasserinnen, neue Schluchten, die immer Mer in den Schooß der Erde hineinführten; Schluchten, theilung n. des Bebauungsplans von den Umgebungen Berlins der Name Jahnstraße, der Straße Nr. 10 der Abtheilung IV. des Bebauungsplanes zwischen der Potsdamer- und der Maaßen- strafe der Name Winterseldrstraße, der Ettaße Nr. 33 der Ablheilung XII. des Bebauungsplanes der Name Colmarer« straße, der Straße Nr. 33- der Name Mühlhausenerstraße und der Straße Rr. 34 der Name Diedenhofenerstraß« betgelegt wer'"' Die Straßennamen Berlin«, betitelt sich da« von Her- mann Vogt, Mitglied de« Verein« für die Geschichte Berlin«, verfaßte XXU. Heft der von dem Verein herausgegebenen Schriften.„Die Geschichte der Straßen ist die Geschichte der Stadt!" Mit diesem zutreffenden Motto weist der Verfasser in seiner„Einleitung" darauf hin, daß Berlin, trotzdem es bezüglich seines Wachsthums und der heutigen Ausdehnung nach eigentlich eine neue Stadt zu nennen ist, in den alten Stadt« theilen den Stempel der Ursprünglichkeit bewahrt hat; sowohl nach den Erwerbszweigen, als auch nach den Kirchen, Hospi- tälern, Bischofs, und Propsthäusern, serner nach den alten Städten und Ortschaften, wohin die Heerwege oder Landstraßen führten. Bei der weiteren Bevölkerungszunahme und der da« durch erforderlich gewordenen Ausdehnung der Stadt wurden die Gänge neben oen mst der Giebelseite der Ettaße zuge- kehrten Häusern als joaenannte„Gaten"(Gassen) ausgebaut, welche ihre Namen meist nach den Eigenthümern der Eckhäuser erhielten und mit diesen wechselten. So die„Jdens", spätere „Reezen Gaffe",„Hoffmanns-Gäßlein",„Maueimanns-Gasse", „Joachim Beling'S Gäßlein",„Berchem'S", später„Bankow's Gaffe", jetzt Klerne Poststraße. Die Todtengaffen führte ihre Namen nach den Kirchhöfen, die Scheunengaffen bekundeten eine lebhaste Landwirthschaft im Mittelalter. Weitere Be« Nennungen gab die von 1658 bi» 83 angelegte Befestigung Berlins, wahrend die„Schieß-" und„Schüycnaasie" an die vor Einführung der stehenden Heere zur Vertheidigung der Stadt errichteten Dchützengilden erinnern, und die ersten 1683 in die Stadt gelegten Soldaten(die Derfflinaerschen Dragoner) der„Dragonergasse" ihren Namen gaben. Eine Rolle in dieser NamenSbezeichnung spielten auch der BödelLoder Büttel, der Heidereiter und Hascnheger, der Stallschreiber, Hirte und Weinmeister»c. Die Benennungen nach sürstlichen Personen wurden dagegen erst nach Bebauung der Fricdrichstadt ringe- führt. Nicolai weist im Jahre 1786 die Anzahl von 263 Straßen und Plätzen nach; heute hat sich diese Zahl bis auf 700 vermehrt, welche sich in folgender Weise zusammenstellt: 519 Straßen, 56 Plätze, 23 Gassen, 7 Märkte, 24 Ufer, neun Alleen, 8 Höfe, 1 Kommunikation, 5 Gräben, 6 Brücken, drei Kirchen, 5 Wege, 5 Dämme, je 2 Berge und Kirchhöfe, sowie je 1 Bahn, Gracht, Hain, Gießbau», Haide, Tisch, Bad, Mauer, Krögel, Linden. Lustgarttn, Promenade, Waffer, Hafen, Ober- bäum, Bahnhof, Schleuse, Freiheit, Stechbahn, Thor, Urban, Höhe, Zeughaus und Zelten. Im Jahre 1861 zählte Berlin noch 47 Gaffen, jetzt noch deren 23. Was die Bezeichnungen der Straßen anbetrrfft, so find nach sürstlichen und berühmten Personen 221, nach Städten 159, nach Ländern 14, nach Kirchen 36, nach militärischen Bezeichnungen 27 und nach Schlachten 22 benannt; die übrigen 220 haben verschiedene, unter vorstehende Kategorien nicht zu bringende Benennungen, und eine Straße ist noch namenlos— zwischen der Niederlagstraße und Schinkel- platz. Zu bemerken ist bierbei, daß das Werl Anfangs Juli abgeschlossen ist, die seitdem erfolgten Straßenbenennungen mithin nicht berücksichtigt werden konnten Leider ist es vis jetzt nicht gelungen, diese Benennungen in den einzelnen neuen Stadtvierteln in ein bestimmtes Epstem zu bringen und so bei der immer wachsenden Zahl die Auffindung einer Straße leicht zu machen. Ebenso müssen leicht zu verwechselnde Bezeich« nungen, wie: Lichttrfelder und Lichtenberger, Friedrichsfelder und Fiicdrichsberger Sttaße vermieden werden.(Wir fügen noch die Roß-, Voß» und Poststraße hinzu!) Jedenfalls, so schließt der Verfasser, gelingt es dem zeittgen Kommissar für die Straßenbenennungen Ordnung in das Chaos der Sttaßennamen ,u bringen. In dem nun folgenden, 104 Seiten umfassenden Ver- zeichniß find die Namen sämmtlicher Sttaßen ic., nach den feststehen« den Thatsachen und nach Urkunden erklärt, außerdem auch ist die Zeit ihrer Entstehung nachgewiesen. Wir können aus dem nannt, hieß ursprünglich nach dem Koppe'schen Armenhaufe (auch Thürmchenj, welches 1708 zur Aufbewahrung der Körper verunglückter Personen erbaut war,„Armesünder-Gasse". Nach der Anficht Ferdinand Meyers ist jedoch(wie eS in der bei- gegebenen Note heißt) dieser Name dadurch entstanden, daß sich von den Jahren 1701—1718 hier, und zwar auf den Heu- tigen Grundstücken Nr. 69 und 70, auf einem Sandhügel dai Hochgericht befunden habe. Anno 1723 hatte die Straße den Namen„Armem Gaffe" und dann„Hospitalfttaße". Die„Kleine Auguststraße" hieß zuerst„Frischensgasse" nach dem Direktor des Berlinischen Gstmnafiums, welcher 1708 hier zuerst daS HauS Nr. 13 baute. Später bekam fie den Namen „KirchhofSgaffe" und sodann„Fledermaus. Gasse", wegen der daselbst wohnhaften lüderlichen Fraumzimmer welche, von oben gesehen, nur als dunklere Schattirungen und Ädern in dem Gestein erschienen, in der Thai aber un- übersteiglich und noch weniger zugänglich, in labyrinthischen Windungen endlich an den noch viel, viel tiefer gelegenen Kolorado hinabführten. Die mächtigen Plateau«, die in ihrer äußern Beschaffen- heit eine gewisse Aehnlichkeit zeigten, bald al« lange Reihen gleichmäßig geformter Thürme geradlinig laufende Schluchten einfaßten, bald mit wunderbarer Genauigkeit amphi« theattalisch ausgewaschene Felsenkessel umschlossen, waren auf den oberste» dreihundert Fuß abgestumpft, etwa wie sauber aufgeführte Festung«wälle. Lose«, verwitterte« Gestein war dort durch atmo- sphärische Einflüsse niedergespült worden, jedoch nur bi« dahin, wo eine weniger nachgiebige Felsenschicht der weiteren Zerstörung einen festeren Damm entgegenstellte und zugleich den unteren Lage« eine Art von Schutz ge- währte. So weit da« Auge reichte, und überall, wo sich immer neu« Thürme und Wälle in den Gesichtskreis schoben, war diese Schicht, wie ei« fortlaufende« Land, zu unterscheiden, und von dieser führten dann, al« sei fie die Rinne eine« Dache« gewesen, die Abhänge, immer genau in demselben Winkel, nach der Oberfläche der Plateau« hin- auf.— Auf einem solchen AbHange schlich also der Besitzer de» schwarzbehaarttn Kopfe» dahin, und zwar mit einer Behut- famkeit, al« habe von seinen Bewegungen nicht nur sei« Leben abgehangen, sondern al« wäre auch die kleinste Un- Vorsichtigkeit genügend gewesen, alle Plateau«, Geröllan- Häufungen und Klüfte zusammenzustürzen und in ei« einzige« wilde«, unentwnrbare« Chao« zu verwandeln. Zu- weilen stand die geheimnißvolle Erscheinung auch wohl still und reckte sich etwa« empor, um eine« Blick über die vor ihr liegende Ebene zu gewinnen, und dann zeigte fie die ernsten Züge Kattuk'« de« Mobave-HäupilingS, der, um weniger bemerkbar zu fei», den bunten Tnrban von feinem Haupte entfernt und fein Gesicht nur mit einem einzigen ziegelfarbrgen Längsstrich geschmückt hatte. In der linke« Hand trug er seinen langen Bogen und (Fledermäuse genannt). Endlich noch wurde ihr die Benennung„WildenhanS-Gaffe", nach einem Mehlwäger diese« Namen« zu Theil, welcher da« Eckhaus Nr. 8 erbaute. Der Gendarmen- Markt, zuerst eine ESplanade, führte später den Namen.Linden-", dann„Mittel-", noch später„Neuer Morst" und auch„Gendarmen- Martt", sowie„Stall Platz", weil da? Regiment GendarmeS seine Ställe und Hauptwache hier hatte. Sert 1799 heißt er allein„Gendarmen> Morst", welche Benennung um die Mitte unseres Jahrhunderts zu ZeitungS« arttkeln und„Eingesandts" vielfach Veranlassung gab. Schließlich wollen wir noch bei der„Kl. Rosevthalerftraße" ver- weilen. Sie hieß zuerst„Todtengasse im Spandauer Revier". als Zugang zu den unter Friedrich Wilhelm l. angelegten Gar- nison- Kirchhöfen. Durch Kadinetsordre vom 17. Mal 1826 wurde dann für fie der Vorschlag eines paffenden RamenS erwartet und hierfür„dritte Weinbergsgasse" als am angemessensten erachtet. Die Stadtverordneten schlugen dagegen den Ramm„Weinbergstraße" vor. Nachdem dann vom König die Bezeichnung„Weinbergsgasse" genehmigt worden, beschwerttn stch die Bewohner bejm Magistrat, daß die„Todtengasse", welche ste zur Sttaße wollten erhoben haben, nicht Weinbergs- Straße sondern-Gaffe heiße,„wobei jeder Fremde, uns in Nahrung setzen wollender, diese benannte Gasse als außerhalb dem Thorr liegende sich denken muß." Schließlich waren fie noch so frei, anzufragen, ob nicht der Herr Stadtverordnete Eselbach hierbei ein Versehen gemacht habe. Zwar befür- wartete der Magistrat beim Ministerium die Erhöhung der Gaffe zu einer Slraße, indem stch darin zwei Wagen, wie eS bei den Gassen gewöhnlich nicht der Fall ist, ohne Schwierig« leiten ausweichen könnten, indessen verblieb es bei der„Gaffe. Erst durch Kadinetsordre vom 5. Juli 1862 wurde, auf den erneuten Antrag der Bewohner, die„Gasse" zur heutigen Kleinen Rosenthaler Straße umgewandelt. r. Der Schulbuchhandel steht gegenwärtig in schönster Blüthe; von der stolzen„Buchhandlung und Antiquarial" mit reichhaltigem Globen- und Atlanten-Lager bis zur bescheidenen Papier- und Posamentierwaarenhandlung werden überall die Bände in großem und kleinem Format seilgebottn, aus denen die heranwachsende Generation ihre geistige Nahrung schöpft. Daß viele dieser Bücher bei einer schauderbasten Beschaffenheit in Papier und Einband geradezu unverschämt theuer find, ist eine beständige Klage, die jeder Vater schulp flick tiger Kinder oftmals wiederholt, aber der Junge(oder das Mädchen) ist ja versetzt und die Freude über oies„Ereigniß"— und zu einem solchen wird leider in Berlin das Aufrücken der Schüler in eine höhere Klasse immer mehr— läßt die paar Groschen ver- schmerzen. Geradezu unerhört aber ist die Geldschneiderei ein- zelner kleinerer Schulbuchhandlungen beim Einkauf gebrauchter Schulbücher. Für eine Partie Bücher, die im Einkauf 15 Mark gekostet hat, und die nach einem einjährigen oder nur halb» jährigen Gebrauch durch den Schüler noch gut erhalten sein müssen, zahlt der Händler 1,50 M. bis 2 M., heimst aber beim Wiederverkauf ficherlich 8 bis 10 M. ein; dabei wählt er vor- fichtig beim Einkauf nur solche Bücher aus, von denen eine neue Auflage noch nicht erschienen ist. Es wäre wohl wünschenSwerth, wenn die Gelegenheit zur weiteren Verwendung gebrauchter Bücher in den Schulen selbst angeregt würde, da auch der Verkauf gebrauchter Schulbücher nach einer anderen Richtung hin bedenklich ist. In einer der oberen Klassen einer diesigen höheren Lebranstatt kamen den Schülern mehrfach Bücher abhanden. Als einer der Schüler auf diese Weise ge- nothiat wurde, ein besttmmteS Buch wieder anzuschaffen und em solches alt zu kaufen suchte, wurde ihm in einer nahe bei der betreffenden Schulanstalt belegenen Schulbuchhandlung— stm eigenes abhanden gekommenes Buch zum Kauf angeboten. Em Kommentar hierzu ist wohl übe: flüssig. Zu bemerken ist nur noch, daß Kaufgeschäfte, die solche Buchhändler mit un- mündigen Knaben abschließen, ungiltig find und von den Eltern n�t verfäumcnTüten™�"-erden können, was diese zu thun SKe Iä ongmellen Mann, der In weiten Kreisen der Bevölkerung wohl bekannt und gelitten war. dahingerafft. Der Stummes mm mmmm 6" kornZto, �" 0Uf ber vorspringenden Schicht ang" Prüfend bettachtete er, indem et um die Ecke der hin. burÄ.ben»bgrund beirren zu lassen, der hart an seinen Füße« über zweitausend Fuß tief hinabführte, trat er um die wCI6 .., Wäre er ein kleiner, schmächttger Mann gewesen, so würde diese Wandlung weniger Schwierigkeit für ihn gehabt haben, so aber war er zu den größten Vorsichtsmaßregel« gezwungen, wenn es überhaupt möglich für ihn fein sollte. an der oftmals förmlich überhängenoen Felswand vorbeizu» gelangen. Er nahm daher alle Waffen in die linke Hand, und mtt steifer Haltung zuerst den einen und dann den andern Fuß emporhebend streifte er vor allen Dingen die Sandalen ab. Nachdem er diese vorsichtig in seinen. au» emer einfachen Bastschnur bestehende» Gürtel geschoben, nahm er ferne Waffen wieder in die rechte Hand, und seine« linke« Arm rückwärts ausstreckend und leise an die Felswand drückend, bewegte er sich Schritt vor Schritt vorwärts. (Fortsetzung folgt.) Umfange d«r Tournüre der Reisenden überrascht, doch er war »in tluger Mann und wußte, daß die Tournüren wie die Schulden von Tag zu Tag größer werden- Sr half der schwer« älligen Dame— nebenbei sei demerkt, der Besitzerin eineS her« orragenden DaMN-KonfektionsgeschäfteS— in den Waggon, dabei streifte er aber die Tournüre, wo eS sich im nächsten luqendlicke unheimlich zu regen begann und— ein leise» (sieben ertönte. Der Kondukteur erschrak und die Dame nicht minder. Sie wagte nicht ins Koupee zu steigen, denn daS tsiebell in ihrer Rückfront wurde immer lauterund dem dravm .kondukteur schien es, uls ob da hinten ein Hund bellen würde. Die Damen im Koupee begannen zu kichern, die Frau mit der Tournüre spielte alle Farben, der Kondukteur aber bat, daß die Dame wieder aussteigen möge.... Sie that es mit Würde und Hoheit.„Was wollen Sie?" fragte die Dame.— Ich.. üb... ich habe.. stotterte der Kondukteur...„ich habe in Ihrer Tournüre etwas gehört..—„Sie Unverschämter!" schrie die Frau, denn eS war thatsächlich still ringS umher. -Der Stationschef kam herbei und nachdem ihm der Kondukteur >en Fall erzählte, wurde die Dame aufgefordert, ihre Toumüre untersuchen m lassen. Die Gattin des Portiers zog sich mit rhr in die Garderobe zurück und kam nach einigen Sekunden mit der Tournüre wieder. In dem Gehäuse einer so- .renannten„Helm-TournÜre" steckte ein kleines Sckiooßhündchen, l as freudig bellte, als es daS Licht der Welt wieder sah. Der Hund wurde entfernt, die Tournüre wieder zurückgestellt und mit Zurücklaffung deS Hündchens und zwei Gulden Strafe(denn Hunde dürfen nicht in die Koupees mit« genommen werden), durste die Dame ihren Platz im Koupe« wieder einnehmen, worauf der Zug erleichtert seinen Weg nach Wien antrat. Die Tournüre alS Thierkäfig auf Reisen— oa» kann doch als Gipfel der Hinterlist einer Frau bezeichnet werden.. Warum Männer Schnurrbärte tragen. Ueber drese Frage wurde jüngst am Stammtisch eine» hiesigen Restaurant» lebhast diskutirt. Schließlich einigte man sich nach lebhasten Debatten zu folgender Resolution. Von hundert Männern au» xm Zivil, welche Schnurrbärte tragen, verzieren sich mit diesem Artikel: 5, um das lästige Rafiren zu vermeiden; 5, weil sie noch keinen Backenbart haben; 3, um den Gymnasial Direktor zu ennuyiren; 8, um schlechte Zähne zu verbergen, einer Warze wegen oder um die lange Nase weniger hervorragend erscheinen zu lassen; 1, weil er beim Stottern zu viele Grimassen macht; 11, um wie Künstler auszusehen; 1, um für keinen Künstler gehalten zu werden; 6, schwacher Lungen, sowie sonstiger ge« sundbeitlichen Rücksichten wegen; 2, damit man nicht zu sehr oen Schnupftabak auf der Oberlippe sebe; 7,(kein Korpsbursch �hne Schnurrwichs!); 1, weil es die Frau wünscht; 6, weil es die Frauen nicht wollen; 30, um ber jungen Damen Essest .u machen; 8, ihrem früheren Militärstande zu Gefallen; 3, (sämmllich Hagestolze), um der Gefahr übcrhsben zusein, kleine Kinder küssen zu müssen; 1 der Ehre des Mannes wegen(sehr ruppiges Exemplar); 1 wegen eines Steckbriefes; 1, weil ihm Oer Schnurrbart wirklich unvergleichlich steht. Unter dem Verdachte der vorsätzlichen Brandstiftung ist gestern früh der Gastwirtb C. Grahtow mit seiner Ehestau verhaftet worden. Derselbe hatte fest etwa zwei Jahren den Große Hamburgerstraße 28 belegenen„Gasthof zur deutschen Krone" in Pacht, welcher gleich dem benachbarten„Gasthof zum Hamburger Wappen" zu den älteren Gasthäusern Berlin» ge« liört unv noch die altvaterische Ueberschrift„Ausspannung und Fremdenlogis" führt. Beide Gasthöfe gehören, wie das „Berl. Tgvl." berichtet, zu den fünf von der Eophien-Kirchen« gemeinde angekauften Grundstücken in der Großen Hamburger- stoße, welche seinerzeit zu öffentlichen Besprechungen mehrfach Unlaß gegeben hatten. Beim Ankauf der Grundstücke war lem Grahtow kontrattmäßig zum 1. Ottober gekündigt worden. Am 15. September versicherte Grahlow fem Mobiliar für 3100 M. bei der Feuer-VerficherunaS-Gesellschast„Union". Am selben Tage verkaufte er einen Tyetl deS Mobiliars an seine bei ihm wohnende Schwägerin. Viele Möbel, Einrichtungs- ,egenstände jc. wurden auch in den letzten Tagen fortgebracht. Sine an eine andere Familie abvermiethete Dachwohnung mußte vorher geräumt werden; ein Speditionsgeschäft, das auf dem Hofe Räumlichkeiten inne hatte und auch von Grah- low ein Zimmer als Komptoir abgemicthet hatte, zog ebenfalls vor dem Termin aus; der Hausknecht wurde in der vergan- genen Woche entlassen, so daß das ganze Grundstück nur noch von Grahlow allein bewohnt war. Einkehrende Gäste, welche in dem Gasthof übernachten wollten, wurden in den letzten Tagen nicht mehr angenommen, sondern nach dem benachbarten „Hamburger Wappen" gewiesen. Gestern stüh sollte Grahlow ausziehen, da die Räumlichkeiten schon an einen andern Gast- witth vermiethet waren. Plötzlich brach in der Nacht zum Don- nerstag gegen 2 Uhr in der Grahlow'schen Wohnung Feuer aus, da» mit rasender Schnelligkeit um sich griff und bald durch den Dachstuhl deS nur einstöckigen Gebäude S emporschlug. Die von einem Bewohner de» Nachbarhauses alar- mirte Feuerwehr erschien sofort mit einer Dampfspritze auf der Brandstätte und löschte ohne Schwierigkeiten den Brand in kurzer Zeit ab. Bei den AustäumungSarbeiten hatte die Feuer« wehr mit einem erstickenden Qualm zu kämpfen, dessen Ursache indeß bald gefunden wurde. ES hatte w einem nach der Straße zu belegenen großen Gastimmer, in einer Wohnstube und einer Kammer zu gleicher Zeit gebrannt, Fußboden und Wände fanden sich mit Petroleum begossen. In einem als Fremdenzimmer Nr. 1 bezeichneten, auf dem Hofe belegenen Zimmer war eine ganze Pyramide aus alten Betten, Mastatzen, Strohsäcken, Etrohbünden jc. aufgebaut und mit Pestoleum begossen, allein Feuer hatte dieselbe noch nicht gefangen. Unter diesen gravirenden Umständen wurden Grahlow und seine Frau vorgstern gegen 41» Uhr Morgen» auf der Brandstätte verhaftet._ Soziales und Arvettervemegnng. An die Drechsler und verwandte» vernfsgenosseu. Kollegen! In der am Sonntag, den 27. September abgehaltenen öffentlichen Versammlung ist die Nothwendigkeit der For» derung einer Lohnerhöhung anerkannt worden, und wurde dementsprechend eine Kommisston von 4 Mitgliedern gewählt mit dem bestimmten Mandate, das weitere in dieser Sache zu veranlassen, sowie spätestens in acht Tagen eine öffentliche Versammlung einzuberufen zur definitiven Beschlußfassung über die Forderung einer Lohnerhöhung. Demgemäß hat die Kom« missson zu Sonnabend, den 3. Oktober, Abends 8 Uhr, in Keller's Salon, Andreasstraße 21, eine össenttiche Verjammlung einberufen mit der Tagesordnung:„Beschlußfassung über die in der öffentlichen Versammlung am 27. September stattge« fundene Verhandlung in der Ssteikangelegenheit." Kollegen! Wir geben in Nachstehendem das Programm der Bewegung, wie solches in der Versammlung vom Sonntag, sowohl von dem Referenten wie den einzelnen Rednern, protlamirt worden ist: Wir fordern einen Minimallohn von 18 Mk. pro Woche bei täglich lOstiwdiger Arbeitszeit, sodann Beseitigung der Ueberstunden- und der Sonntagsardeit! Wir richten demnach an Euch den dringenden Mahrus, in der am Eonnabend stattfin« dendenVersammlung zahlreich zu erscheinen. Um die gestellteForde« rung zu erreichen, giedt es nur zwei Wege: 1. die Wahl einer Fachkommission zur Ausarbeitung von Minimal Akkord- und Lohntarifen, und nachdem dieser Tarif von einer öffentlichen Ver- sammlung angenommen worden ist, Proklamirung deS Streiks in allen den Werkstätten, wo dieser Tarif nicht gezahlt wird. Der zweite Weg wäre folgender: Jeder einzelne Kollege tritt an einem noch zu bestimmenden Tage an den Meister resp. Fabrikanten heran und«klärt, daß bis zu einem genau fest« gestellten Termin, der für die Gesammtheit gleichlautend ist, der Lohn in der Höhe unserer Forderung erhöht werden muß, und bei Ablehnung dieser Forderung wird, nachdem die Kom- Mission einen Ausgleich versucht hat, der Esteik in den Werl- stätten prottamirt, wo ein Ausgleich nicht möglich war.— Kollegen! Wir wollen keinen aussichtslosen Streik vom Zaune brechen, aber wir müssen entschieden einmal vorgehen gegen derart niedrige Löhne, wie sie in unserem Gewerkt gezahlt werden. Sollte bei diesem Vorgehen ein Streik unvermeidlich sein, so ist derselbe gerechtfertigt!— Die Kollegen werden um weiteste Verbreitung dieses Aufrufs ersucht! Mit kollegialischem Gruß Die Vierer Kommission. NB. Alle arbeiterfreundlichen Zeitungen werden um Auf- nähme des Obigen ersucht. Von Herrn Bernhard Fuha, hier, erhalten wir mit der Bitte um Aufnahme folgendes Schreiben:„In Folge deS Aufrufs der Lohnkommission der Kisten- und Koffermacher Berlin» in Nr. 230 Ihre» geschätzten Blattes bitte ich ergebenst, Folgendes in Ihrem werthen Blatte aufnehmen zu wollen. Es rst nicht wahr, daß die Ardeiter bei mir nur 20 Pf. per Stunde verdienen, sondern ist bei mir Keiner unter 22 Mark angestellt. Es steigen die Löhne bis 27 Mark. Die Kisten- mach«»«dienen permanent M- 27—30, während die KreiS- sägenschneider 30—37 M per Woche verdienen. Hochachtungsvoll Bernhard Fubg. Lindenstr. 35. Die Kommission der Kistenmacher v«öffentlicht fol« gendes: Sämmtlichen Kollegen hiermit zur Nachricht, daß Herr Fuhg Willens ist, den Bedarf an Kisten, welchen er in Folge des Streiks nicht selbst liefern kann, bei and«en Fabri- kanten anfertigen zu lassen. Wir erwarten daher von den Kollegen jener Fabriken, daß sie die Arbeit sofort nied«legm, wenn derartige Forderungen an fie gestellt w«den, andernfalls könnte d« Strerk sehr leicht verloren werden. Wir bitten die Kollegen, etwaige nnkommende Geld« Holzmarktgasse Nr. 3 abzuliefern. Jede Gabe ist willkommen und wenn fie noch so llern ist. W« schnell giebt, giebt doppelt. Zur Enquete über die SonntagSarbeit kommt au» Dessau die überaus komische Nachricht, daß man auch die Inhaber von Restaurants und die Hotelbesitzer zu einer Be- sprechung über vie Sonntagsarbeit auf aas Polizeibureau ein« geladen hat. Daß diese Herren sich gegen die Sonntagsruhe auesprechen, ist ja selbstvei ständlich; hat Idoch.ebenso selbst- verständlich der von den Arbeiterabgeoroneten eingebrachte Arbcitnschutzgesetzentwurf eine solche Sonntagsruhe gar nicht ge« fordert. Ein Hotelbesitzer«klärte humoristisch, daß er seine SonntagSarbeit als Verpflichtung ansehe, solange am Sonntag die Eisenbahnen den Fremdenverkehr förderten. So ein armer Geschäftsreisender müsse doch Sonntags auch essen, trinken und schlafen.— Man sieht, zu welcher Komik polizeilicher Uebneifer führen kann. Zur Frage der SonntagSarbeit wird der national- Iib«al-fabrrkantlichen„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" aus dem Siegerlande geschrieben:„Bei der gegenwärtigen Enquete üb« die Sonntagsarbeit dürste es zeitgemäß erscheinen, die- jenigen Fälle zu besprechen, in welchen die Arbeit an Sonn- tagen ohne Schädigung d« Industrie beseittgt werden könnte. Im hiesigen Industrie bezirke wird den Arbeitern auf mehreren Walzwerken die Sonntagsruhe dadurch genommen, daß anstatt Montag Morgen der Betrieb' schon Sonntag Abends (6 Uhr) wieder aufgenommen wird. Der Grund, weshalb die betr. Werke diese Praxis eingeführt, liegt lediglich darin, die Generalkosten zu verringern. Da jedoch zur Zeit in den Walz- Werksfabrikaten eine große Ueberproduktion besteht, so dürfte der Nutzen dies« Maßregel heute nur ein scheinbarer sein, well durch das größere Angebot die Preise imm« mehr h«« untergedrückt werden. Auf den großen Eisenwerken deS rheinisch. westtälischen Jndustricbezirtü sollen vielfach ähnliche V«- Hältnisse vorliegen, sogar noch in schlimmerem Maße, indem daselbst oft fast den ganzen Sonntag durchgearbeitet wird. Wenn in dieser Beziehung nicht auf gesetzlichem Wege Abhilfe geschaffen wird, so ist bei dem heutigen Kampf ums Da- sein die natürliche Folge, daß auch diejenigen Werke, welche bish« ihren Arbeitern noch die volle Sonntagsruhe gewährt haben, schließlich, um durch größere Produktion ihre General- tosten zu veningern, dazu übergehen müssen, den Betrieb schon am Sonntag Abend zu deginnen. DaS allgemeine Interesse d« Werke wird dadurch aber immer mehr geschädigt, denn die Ueberproduttion wird dann nur eine neue Stetgerung n» fahren."— Ein Zugeständniß, daS werth ist, festgehalten zu werden. Au» Wilhelmshafe« wird derichtet, daß den staatlichen Werstbetrieden die Weisung zugegangen sei, mit den vorhan« denen Geldern möglichst sparsam umzugehen und alle wohl wünschenswerthen, ab« nicht g«ade dringend nothwcndigen Arbeiten und Reparaturen zu unterlassen, damit die für das Etatsjahr 1885/86 für den Werftbctricd bewilligten Mittel ausreichen, eventuell noch ein Theil derselben an die Admi- ralität zurückgeführt w«den könne. Darauf hin, so meint da» in Bremen nschnnende„Norddeutsche Wochenblatt", ist in der Malerwerkstätte d« tais«lichen Werst am Eonnabend voriger Woche angekündigt worden, daß umfassende Arbeiterentlassungen bevorstehen und Jed« sich darauf vorberellen möge. Hierzu bemerkt das genannte Blatt:„Es gewinnt nun den Anschein, als ob man mit dem Eparen wiwer, wie gewöhnlich, am untnstcn Ende ansangen will, trotzdem es oben recht viel zu sparen giebt.— Außerdem wäre es gerade in dem obm ge- nannten Betriebe eine besondere Rücksichtslosigkeit gegen die Arbeller, wenn man dieselben, nachdem fie den ganzen Sommer bei niedrigem Lohne der Werst ihre Dienste geleistet haben in der sicheren Hoffnung, wie gewöhnlich so auch in diesem Jahre feste Wmterarbeit zu haben, jetzt mit d« klaren Voraussicht enlläßt, den bevorstehmden Winter über die Landstraße zu bevölkern, da bei der vorgerückten Jahreszeit für fie durchaus keine Ausficht auf anderweite Arbeit vorhanden ist."— Man sieht hier eine eigenthümliche Illustration zur vielgepriesenen Sozialreform und dem„Recht auf Arbeit, welche» d« Reich»« kanzl« vor all« Welt verkündigte. Und dazu in einer Staat»« Werkstatt! Ueber die Handweberei im Rheinland, speziell in Viersen läßt sich dre uns«« neuen Zoll- und Wtrthschaftspolittk buldigende„Elb«f. Ztg." aus dem genannten Industrie« städtchen folgendes schreiben:„Diese segensreiche HauS- mdustrie, von d« in jüngster Zeit wenig« die Rede war, geht in viel rasch«em Temvo, als man v!sh« geglaubt, ihrem Untergänge entgegen. Da helfen keine Jnnungs- und Zunft« maßregeln, sondern nur intensive Ansttengungen, dieser Haus- industrie den mechanischen Betrieb zu«schließen. Die großen mechanischen Webtteien, welche frellich gegenwärtig schon, bei der flauen Konjunktur der Sammet- und Seidenoranche, dm Betrieb einschränken, produziren auf einem Webstuhle da» fünfzehnfache eine» HandstubleS, und die Löhne d« Hand« gewebe sind bereits auf ein Minimum gesunken. D« Mangel an Arbeit erzeugt bittere Roth und großes Elend. In unser« Umgebung gehen AbendS schon traurige Gestalten umher, sich eine Unterstützung«ibittend. WaS wird das diesen Winter wnden? rufm unsere Bürg« jammernd au». Für neue Er- w«dSzweige muß gesorgt wnden. Dazu gehört ab« vor Allem ein gesunder Untnnehmungsgeist unserer hiefigm Kavi- talisten und an diesem fehtt eS leider noch immer sehr. Wir müssen in dies« Hinficht vie Industriellen d« bergischen Lande un» alS Vorbild« dimm laffm. Mäßige Etaatsunterftützungen bei Einführring neu« Industriezweige dürften auch wirksam sein. Gerade die Vielseitigkeit d« Industrie schützt gegen all« gemeine Arbeitslosigkeit. Für die Hausweberei ab« wäre die Einführung eines mechanischen Stuhles mit Handbetrieb et- wünsch!"— Also überall Roth und Jamm«! Wir haben zu d«„Einführung eines mechanischen Stuhles mit Handbetried" nur zu bemerken, daß die» im sächsischen Voiatlande längst ge« schehm ist, und eine Zeit lang eine gewisse Blüthe in der In- dustrie h«vorgebracht hat. Aber schon längst find die guten Zeiten vorüber, ungemeine Ueberproduttion ist eingetreten und die mechanischm Stühle flehm still od« sind meisi ihrm Be« fitzem abaepfändet worden. Man schaffe durch eine höhere Lebenshaltung d« Arbeit« mehr Absatz! Da liegt die Lösung der Frage, rncht in der«höhten Produktion. Für da» Wach»th«m de» geschäftlichen Verkehr» ist es bezeichnmd, daß die Zahl der angekommenen Briefe in Leipzig, dieser großen Handelsstadt, von 14,2 Millionen im Jahre 1883 auf 17,3 Millionen, im ganzen Bezirk der Leip- ziger Handelskamm« von 18,1 auf 21 Millionen gestiegen ist. Die Maschtnenanstalte» zu Braunschweig und Augs« bürg bezahlen Dividenden von 10 und 177» pCt.! Die armen Aktionäre. Au» Pari» wird mttgethellt, daß die Versammlung d« männlichen und weiblichen Vorsitzenden der Lokalausschüsse zur Ueberwachung der Kinderarbeit in den Fabriken an den Han- delsministn den Wunsch gerichtet bat, daß die Kinderarbeit in den ungesunden und gefährlichen Industrien schlechthin untn- sagt werde. Der Obngewerberath hat indessen gegen diesen Wunsch den Einwand erhoben, daß er dem Dekret vom 14. Mai 1875 üb« diese Industrien zuwiderlaufe, deren viele ohne Beschäftigung von Kindern überhaupt gar nicht besteben könn- ten. Auf Grund diese» Gutachtens hat der Minister den Wunsch abschlägig beschieden, jedoch dabei erklärt, wenn ihm ein Mißbrauch bezüglich ein« bestimmten Industrie angezeigt werde, so werde er es für seine Pflicht erachten, die Beschäl« tigung von Kindern in derselben zu vnbieten. Die Tabaksindustrie in den vereinigten Staate«. Die dem TabakSbau in den Vereinigten Staaten gewidmete Bodenfläche hat sich von 638,841 Morgen in 1880 auf 700,000 Morgen gegenwärtig vergrößert, während die Produttion von 472,661,000 Pfund auf 600,000,000 Pfund gestiegen ist. Bis 1870 führte Virginia den Reigen alS Tabak bauend« Staat, aber im laufenden Jahre hat ihm Kentucky den Rang abge« laufen. Die letzte Ernte diese» Staates ist die größte, die je dagewesen, ausgenommen die von 1877, in welchem Jahre da» Ernteerträgniß 181,484,000 Pfund betrug. Die hohen Preise deS heimischen TabakS haben ausländischen Sotten zur Einfuhr verholfen. Beträchtliche Massen von Havanna« und Sumatra- Tabak find in den amettkanischen Häfen angekommen, um den Ausfall im Jnlande zu decken. In Louisville wurden in den dortigen elf großen Waarenhäusem im vorigen Jahre 88,900 Orb oft verkauft. D« Zigarren- und Tabakskonsum ist mit erstaunlich« Schnelligkeit gewachsen. In 1863 betrug die Zahl der fabttzitten Zigarren 200,000,000, in 1884 nicht wenig« alS 3.861,645,910 oder neunzehmal soviel. In 1�66 betrug die Tabaksproduttion 23,852,387 Pfund, in 1884 150,361,558 Pfund od« siebeneinhalbmal so viel. Uerewe«nd Versammlungen. br. Eine öffentliche Schneider-Versammlung tagte am Mittwoch bei Gratweil. Auf dn Tagesordnung stand:„DaS Ref«at des Herrn FenSke im Louisenstädtischen Konznthause und die Antwott darauf." In seinem Referat beleuchtete H«r Pfeiff« zunächst das Vorgehen der Sudkommisfion. Dasselbe sei entschieden vatteiisch; Herr Forste habe zuerst das Manko auf 60 bis 70 Mark, dann auf 192, zuletzt auf 314 Mark auSge« rechnet. Die Eubkommission habe richtige Quittungen, die« l Redner) präsentirt, nicht anerkannt und ihm die Einficht in die Büch« verweigett, dieselbe wolle das von einer öffentlichen Versammlung gewählte Schiedsgericht nicht anerkennen und dem Beschlüsse, welchem zufolge sie mit d« Lohnkommisston in Anwesenheit de» Schiedsgericht» arbeiten soll, nicht nachkam« men. Das von Herrn FenSke erstattete Referat betreffend sühtte Redn« an, daß die Angaben, mittelst d«en Herr F. da» Manko bis auf die Hohe von 314 Matt gebracht hat. Unwahrheiten find, und daß, wenn wittlich ein Manko vor- handen ist, der Kasstrn Marock, nicht ab««, d« Vorfitzende der Lohn-Kommisfion, dafür v«antwottlich zu machen ist. In d« Diskussion nahm Herr Tafforke zu dem Zwecke daS Wort, sich und die Lohnkommisston zu veitheidigen. Nachdem He« Krasst konstatitt hatte, daß bei d« Beschaffenheit d« Büch«, die d« Kasstr« Marocke geführt, es nicht möglich ist, jetzt noch die Höhe des Manko'» festzustellen und glaubhast nachzuweisen, daß außn dem Kasstr«, der die Möglichkeit eine» Manko'» von 60 bis 70 Mk. zugegeben und sich bereit«Nätt hat, dasselbe zu decken, auch Herr Pfeiffer dieses Manko mit ver- schuldet habe, und nachdem die Henen Thomä, Taeterow u. A. im Sinne des Herrn Pf. sich ausgesprochen, wurde mit allen Stimmen gegen eine die folgende Resolution angenommen: „Die V«sammlung«kennt wiederholt an, daß, wenn eine Rege« lung in Sachen der Lohnkommisfion und der Eubkommission stattfinden soll, die Eubkommission dem gewählten Schicds« gettcht Einficht in die Bücher zu geben und unter den Augen derselben zu arbetten hat. und daß. so lange dies nicht ge- schiebt und die Eubkommission sich weig«t, über alle von d« Eubkommission einberufenen Versammlungen zur Tagesordnung überzugehen ist." Darauf wurde beschloffen, die Sudkom« Mission ihreS Amte» zu entheben und Herrn FenSke aufzufordern, die Büch« v« Lohnkommisfion dem Echiedsgenckt auszuliefern, damit daS Schiedsg«icht im Verein mit d« Lohnkommisfion die Sache untersuche und das Resultat den Berlin« Schneid«« durch die Zeitungen bekannt mache. �.Der Fachverein sämmtlicher im Drechslergewerbe beschäftigten GewerkSgeuossen hiell am Montag, den 28. Septemd«, Avalbertstr. 21 eine Wanderversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag üb« die Schäden der Akkordarbeit. Hierzu hatte d« Schriftführ« des VneinS daS Referat üb«nommen. Ref«ent hob hervor, daß diejenigen, welche nrcht begreifen können, daß die Akkordarbeit den un« ausbleiblichen Ruin dn Gesundheit des Arbeit«» herbeiführt, weniger unter den Arbeitern selbst zu suchen find, sondern vor allen in den Kreisen der Großfabrikanten; man glaubt indem man dem Arbeiter daS Trugbild von dem großen Vortheil der Akkordarbeit in den schönsten Farben zeigt, ein große» Werk gethan zu haben für die Vnbefferung ver Lage de» Arbeit«- stände». Wenn jedoch d« Arbeit« zu der Ueber, eugung ge« kommen ist, daß die Attordarbeit nur zu seinem eigene» Scha- den von den Fabrikanten protegirt, und demnach die Beseiti« gung dieser Arbeitsweise»«langt, dann wirst man dem Arbetter einlach vor, n wäre träge und verlange durch die Einführung der Lohnarbeit eine Prämie auf seine Faulheil Dem gegenüb« sei e» Pflicht d« Aibeit«. welche eikani haben, daß die Alkordarbert dem Arbeiter nicht zum Votthe gereicht, daß fie vielmehr mit Schuld daran ist, daß d« Werl d« Arbeitskrast immer mehr und mehr herunterfintt, dahin z streben, diesem System, der Akkordarbeit, rin„bis hier un N'cht werter" entgegenzurufen. Nach reg« Diskusston für un und« wurde beschlossen, diese Sache in einer spät«en Ve sammlung zur Erledigung zu bringen. Unter Verschiedene» ri e:„Sind parttelle oder allgemeine Streiks ein«~ Mikschaft für die Arbeiter von größerem VottheU f ein. lebhafte Diskussion hervor, welche da» Resultat«gab, daß Arten des Streiks, je nachdem wie eS die V«hällniffe bedii gen, einen Vottheil h«beiführen können, jedoch ein dauernden Erfolg zur Vnbefferung d« materiellen Lage d Arbeit« können nur die ständigen Organisationen, die Arbeite .rachvereine herbeiführen.(?) Sodann wurde bekannt gemalt daß am 14. November im Louisenstädtischen Thcat« von de V«ein eine Festlichkeit veranstaltet wird, bestehend au» groß Lvern-Vorstellung und Tanz-Kränzchen. Billets find zu* mäßigten Preisen bei sämmtlichen Vorstandsmitglkvern«J auf den ArbeitS-Nachweise-Bureaus de» V«einS, Mo"? markt 7, IV, bei Gromoll, und Gitschinnstraße 61, l,® R. Sündermann zu haben. Da der Ueberschuß des Fest�,�' UntnstützungSkassen de« VneinS zufließt, so ist eine rege The' nähme erwünscht. Vnantwottlich« Redatteur«. Eronheim in Berlin. Druck und Verlag von Rar Babing in B«lin 9W., Beuthstraße 2. Hier,» eine Beilage- zum Berliner Volksblatt Ar. 231. Potttische Ueberstcht. ' Die königliche Steuerdircltion für Berlin nläßt im �Zieicks Anzeiger" folgende Bekanntmachung: Der Herr Fi- nanz-Minifter hat durch Erlaß vom 12. August er. in ent» sprechender Abänderung der Borschrift im Art. 25 der Aus- ivhrungSanweisung vom 15. September 1879 zur Verordnung über das VenvallungszwangSverfahren vom 7. Septbr. 1879 bestimmt, daß fortan die fämmtlichen bei den königlichm Steuer- und streiskaffen beschäftigten Vollziehungsbeamtm bei der Aus- fügruna von Pfändungen stets zur Annahme der vollen beuu- treibenden Beträge ermächtigt find. Dieie Bestimmung wird hierdurch mit dem Hinzufügen zur öffentlichen ftenntniß gebracht, daß fich die Ermächiigung der VollzichungSbcamten bei der hiefigen königlichen Eteuerkasse zur Annahme der vollen beizuireibenden Beträge nur auf die Ausführung von Pfän- düngen erstreckt, und daß im Uebrigcn, insbesondere auch bei Mahnungen und Zustellungen, den Vollziehungsbeamten die Annahme von Zahlungen nach wie vor unbedingt unter- sagt ist. Verbot der Ein- und Durchfuhr vo« Schweinen. Die Rcgierungivräfidenten von Aachen und Düsseldorf erlassen im Retchsanzeiger für ihren Bezirk folgendes:§ 1. Die Ein« und Durchfuhr von Schweinen aus Rußland sowie dm Hinter- ländem von Oesterreich Unaam wird vom 15. Oktober d. F. ab wieder verboten.§ 2. Vom gleichen Zeitpunkt ab werden Schweine aus Oesterreich Ungarn nur gegen Vorlegung eines den Ursprung der Thiere aus diesem Staate bezeugenden amtlichen Attestes über die Landesgrenze eingelassen. Zu den Ausweisungen meldet man aus Schlefien: Vierhundert böhmischen Arbeitern der Flachsspinnerei Erd- mannsdorf wurde zum ersten April die Ausweisung ange- kündigt. Afrikanisches. Eine Depesche auS Madeira, 2. d. M., enthält folgende fast unglaublich klingend Meldung:„Zufolge Nachrichten, die durch den afrikanischen Postdampfer„Elmina" hier eingegangen find, war am 8. d. in Whydah ein Gerücht in Umlauf, daß die portugiefische Regierung von dem König von Dabomey 1200 Sklaven gekauft habe, die nach der Insel San Thomas gesandt werden solltm, um in den dortigen Kaffee- Plantagen zu arbeiten. Ein portugiefisches Kanonmboot war dort gewesen, um die nöthigen Anordnungen tu treffen. In der Nacht fuhr die„Elmina", welche vor Whydah geankert hatte, bei einem Dampfer vorüber, der für daS Kanonenboot gehalten wurde, da er die ihm gemachtm Signale nicht beantwortete." Der Kongoftaat wird am I. Januar 1886 in den Welt- Postverein treten. wodurch das Porto per 15 Gramm- Brief von 75 auf 25 ZentimeS herabgesetzt wird. Die AuSarbei- tung�des Gesetzbuches für den Staat macht angeblich Fort- Oesterreich Ungarn. Die Ausweisungen aus Preußen kommen im österreichi- fchen Abgeordnetenhause zur Sprache. Ein Privattelegramm aas Wien meldet, daß der Polenklub beschlossen hat, wegen dieser Angelegenheit eine Interpellation an die Regierung zu lichten.— Das Kreis gericht von Trient ersuchte das Präfidrum deS Abgeordnetenhauses um Ausfolgung eines bei den Wahlen in Trient abgegebenen Stimmzettels, weil derselbe das Per- brechen deS Hochverraths(!) begründe; der Stimmzettel wird auSgefolgt.— Die österreichische Regierung erließ an die Tele- fraphenamter den Auftrag, ZustimmungS- Telegramme nach lulgarien und Serbien nicht zu befördern. Fraukreich. Die gegenwärtige Wahlbewegung für die am Sonntag in Frankreich stattfindende Erneuerung der Deputinenkammer erhält dadurch eine erhöhte Bedeutung, daß im Iahte 1886 die Befugnisse des Präfidenten der Republik ablaufen. Eine olfiztöse Korrespondenz der„Agence Havas" aus dem Jura- Departement verstchert unter Anführung von Einzelheiten, daß Jules Grövy geistig und körperlich fich in frischem und rüsti- gem Zustand« definde. Hieran wird die Mittheilung geknüpft, biß JuleS Grsvy bereit sein werde, eine Wiederwayl anzu- nehmen. Morgen(Sonntag) finden die Wahlen in Frankreich statt, doch dürfte für viele Bezitke erst der 18. Oktober, an welchem die Stichwahlen stattfinden, entscheidend sein. Die„V er- einigung der radikalen Presse" erläßt ein Wahl- manifest, wottn eS heißt: ES gilt nicht die Wiederherstellung der Monarchie zu verhindern, dafür find wir immer stark genug, es Alt die Republik zu gründen und zu organifiien. Wenn das Volk in seinen Erwartungen noch länger getäuscht wird, muß es zm Gleichgiltigkeit und zum Zorne gelangen. Die Opportunisten, seit 1879 beständig im Machtbefitze, haben die Geschäfte der Republik schlecht gefühlt. Im Innern keine Re- formen, autorttäre Bevormundung des Landes, im Aeußern eine Abenteuerpolik, welche in schlecht ersonnenen und schlecht ge- führten Expeditionen eine falsche Revanche sucht und dadurch unsere Sicherheit gefährdet und unsere Finanzen zu Grunde richtet. Wir erwarten den Einfluß Frankreich« in der Welt dlos vom friedlichen Fottschritt und der Ausbreitung der Ge- danken. Wir lassen den Krieg nur für die Landesverthei- digung gelten. Im Inneren ist die soziale Gerechtigkeit unser einziges Ziel. Wer heute kein Sozialist ist, der ist kein Re- tzuolikaner. Die„Bataille" veröffentlicht ihre„revolutionäre Liste" für die Pariser Wahlen. An der Spitze steht der Geograph Elisöe RecluS, ganz am Ende der Fürst Krapotkin, polttischer Ge- fangener. Nummer 2 und 3 find die ehnnrligen Kommune- Mitglieder Gambon und Vaillant, denen fich Henri Rochefort und Joffcrn unmittelbar anschließen. Dann folgen: der ehe- mal ige General der Kommune Eudes, B. Malon, Clement, Prolot, Camclinot, Direktor der Münze unter der Kommune, der Tapezircrgehülfe Fen«, Bruder des hingerichteten Gabriel FrrrS' ferner dann noch die Publizisten JuleS Guesde, Lissa« oarav,' Vaugban, Longuet. ein Schwiegersohn von Karl Marx, Deville Bnffae K. Tire Arbeiterpartei ist im Ganzm durch Gemeinderath Chabert.__ lokales. W5WSAWSZ ySn Folge Restilp'» v»------------- *!• d. 3x. haben wir zu den in diesem Jahre Wahlen zum Hause der Abgeordneten gemäß Verordnung vom 30. Mai 1849 im! 5. 49 des Reichs. Militärgesetzes »ollziehenden i 15 der Wahl« 1849»Vife ÄV" �.. chS- Ivttttlargeirpc» vom______ Urwahlbezirk ein Verzerchniß sämmtlicher stimmberechtigen lechl« aufgestellt und darin der jedem einzelnen Namen Berechnung kommenden Steuerbetrag angegeben, rve�-" Urwähler zu entrichten hat. Diese Urwählerlrsten find welchen nach Sonnabend, den 3. Oktober 1883. den durch das Gesetz vom 27. Juni 1860 bestimmten vier Wahlbezirken der Stadt Berlin zusammengestellt und werden gemäß § 4 deS Reglements vom 4. September 1882 drei Tage lang: am Montag, den 5. Oktober, am Dienstag, den 6. Oktober, und am Mittwoch,.den 7. Oktober d. I., von Vormittags 9 bis Nachmittags 3 Ubr öffentlich zur Einficht ausliegen, und zwar: a) in der Turnhalle der 27./44. Gemein» deschule, Wilhelmstr. 117, für den L Wa hlbe- z tr k, bestehend auS den Stadtbezirken 6 bis 73, 283 und 284, beziehentlich den daraus gebildeten llrwahlbezirkcn Nr. 18 bis 195 und 729 bis 731 einschließlich; h) in der Turnhalle der 62. Gemeindeschule, Schmidstraße 38, für den It. Wahlbezirk, bestehend aus den Stadtbezirken 1 bis 5 und 74 bis 144, mit Ausschluß der Häuser Alexanderstraße 18(Stadtbezirk 3), Kleine Präfivenlensttaße 6 und 7 und Neue Promenade 9 und 10 (Stadtbezirk 5), beziehentlich den Urwahldeziiken Nr. 1 bis 17 und 196 bis 382 einschließlich: e) in der Turnhalle der 67. Gemeindeschule, Ackerstraße 28a, für den in. Wahlbezirk, bestehendZ aus den Stadtbezirken 211 bis 282 und 285 bis 326, beziehentlich den Urwahl- bezirken Nr. 551 bis 728 und 732 bis 795 einschließlich; ck) in der Turnhalle der 23. Gemeindeschule, Straußdergerstr. 9, für den IV. W ahlbezirk» bestehend aus den Stadtbezirken 145 bis 210 und von Stadtbezirk 3: Alexanderstr. 18, von Stadtbezirk 5: Kleine Präfi- dentcnstr. 6 und 7 und Neue Promenade 9 und 10, beziehentlich den Urwahlbezirken Nr. 283 bis 550 einschließlich. Innerhalb der genannten drei Tage steht eS Jedem srei, gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Listen seine Einwendungen schrifttich bei unS oder zu Protokoll in dm obm bezeichneten vier Loknlen bei den dort anwesenden Deputirten anzubringen. Für die Legitimation ist durch Vorlegung der Steuerquittung für das letzte Vierteljahr, oder einer polizeilich bescheinigten Anmeldung für die anzugebende Wohnung, oder auf emoere glaubwürdige Weise zu sorgen. Indem wir dies zur össmt- lechen Kennlniß bringen, bemerken, wir, daß das Tableau der für die hiefigen Wahlbezirke gebildeten Urwahlbczlrke nach ihrer räumlichen Abgrenzung und mit Angabe der zu wählendm Wahlmänner von unS aufgestellt ist und gleichzeitig mit dm Urwählerlisten in den genannten Tmn hallen, sowie auch bei den Herren Bezirksvorstehern währmd ver von denselben für dienstliche Angelegenheiten festgesetzten Sprechstunden eingesehen werden kann. Die Urwähler haben in denjenigen Bezirken zu wählen, in dmen fie zur Zeit der Aufstellung der Urwähler- listm, d. i. Anfangs September d. I., gewohnt haben. Unter Theilnahme des Oberbürgermeisters vo« Berlin und einer Reihe von ReichstagSadgeordneten, Fabri- kanten, Kaufleutm und Banquicrs ist ein Komitee in der Bil- dung begriffen, welches die Ansammlung eineS Fonds bezweckt, der zur Unterstützung der Hinterbliebmen der„Augusta" de- stimmt ist. Es ist vorgeschlagen, diesen Fonds zugleich dahin zu verallgemeinem, daß er auch in solchen Fällen aushelfend eintreten kann, wo Einzelunglücksfälle stattfinden. Unter der Mannschaft deS verschollenen Schiffes „Augusta" befanden fich 3 geborene Berliner und 1 Charlottenburger. Es find dieS: I. Matrose Hermann Otto Ernst Werder, geb. 1. 9. 65 zu Berlin. 2. Ober-Heizer Wilhelm Karl Friedrich Pose, geb. 6-12.60 »u Berlin. 3. Koch Günther Emil Albin Franchon, geb. 18. 8. 50 zu Berlin. 4. Matrose Gustav Ferdinand Eomund Schön selber geb. 13. 2. 67 zu Charlottenburg. Ueber einen Mordversuch geht uns folgmde Mitthei- lung zu: Die im Hause Bergsttaße Nr. 40 a wohnhafte eheverlassene Näherin Michaelis halte mit der unverehelichten Marie Kliest, einer Person, die früher unter fittenpolizeilicher Kontrole gestanden, seit einiger Zeit ein Freundschaftsverhält niß unterhalten und war am 30. vorigen Monats von letz- terer besucht worden. Beide begaben fich in ein in der Elsasserstraße belegenes Tanzlokal, dann in ein Cafs und schließlich nach 2 Uhr Nachts m die Wohnung der Michaelis, woselbst fich letztere, die sehr ermündet war, halb angekleidet auf das Bett legte, während die Kliest am Tische fitzmd in einem Roman taS und die Erlaubniß erhielt, noch ein wmig verweilen zu dürfen. Die Michaelis schlief ein, erwachte aber bald wieder durch ein Ge- fühl des Kitzels am Kehlkopf, und sah ihre Freundin, die vorher auf dem Sopha gesessen, jetzt auf ihrem Bett fitzen. Auf die Frage cl.Marie, Du willst mich wohl erwürgen V" erhielt fie zur Antwort:„Ich träumte soeben, daS rch einen alten Mann erwürgte." Die Michaelis schlief hierauf wieder ein. Als fie nach kurzer Zeit aufwachte, sah fie ihr Bett in Flammen stehen und nahm gleichzeitig eine um ihren Hals liegende, zum Zuschnüren hergerichtere Schlinge wahr. Die Freundin war verschwunden, Vre Thür von Außen verschloffen und daS Fenster, welches vorher offen gestanden Halle, gleichfalls geschlossen. Es gelang der Michaelis, den Brand zu loschen und durch das Fenster Beistand herbeizurufen- Eine Besichtigung des Zimmers ergab, das die auf den Tisch niedergelegten Wertsachen, worunter eine Uhr und ein Medaillon, fehlten. Die Kliest, bei welcher die geraubten Wetthsachen fich vorfanden, wurde am andem Morgen festgenommen und wegen ver- suchten Mordes und Raubes verhastet. Bei ihrer Bemehmung gab fie zu, die Werthsachen entwendet zu haben, leugnet auch nicht, daß ihr in der Wohnung der Michaeli? der Gedanke ge« kommen sei, dieselbe zu ermorden, nachdem fie zwei Goldstücke in dem Portemonnaie der letzteren gesehen hatte. Dagegen bestreitet fi-, der Michaelis die Schlinge um den Hals gelegt und daS Bett derselben in Brand gesetzt zu haben. Ihre Thäterschaft ist aber um so weniger zweifelyaft, als die Bett« stücke nach Petroleum rochen und das vorher mit Petroleum gefüllt gewesene Basstn der Lampe nach VerÜbung der That leer gefunden wurde. Nach Mittheilung des statistische« Amts der Stadt Berlin find bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 20. bis inkl. 26. September er. zur Anmeldung gekommen: 307 Eheschließungen, 915 Lebendgeborene, 33 Todtgeborene, 495 Eterbefälle. Kran Anua Kreutz, Skaliyerstt. 28, bittet unS zu kon- statüen, daß fie nicht zu der in der letzten Mantelnäherinnen- Versammlung gewählten Lohn kommisfion gehören will, son- dem daß fie fich nur als Mitglied einer Fachkommisfion der Mantel Branche betrachtet. Frau Kreutz ist im Prinzip gegen jede Lohnkommisfion. Poltzei-Bericht. Am 30. v. MtS. war die unverehelichte Kliest zu der verehelichten Michaelis in deren Wohnung Gartenstraße Nr. 40 zum Besuch gekommen und bei ihr über Nackt geblieben. Gegen Morgen wurde die Michaelis durch ein knisterndes Geräusch wach, sah, daß ihr Bett in Flammen stand, fand gleichzeitig eine dünne Schnur um ihren Hals ge II. Jahrg. schlungen und bemerkte auch sofort, daß die Kliest nicht mehr anwesend war. Sie eille nach der Thür, fand dieselbe jedoch von außen verschlossen, löschte nun zuvördelst daS Feuer und öffnete demnächst mit einem Reserveschlüssel die Thür. Beim Durchsehen ihrer Sachen fehlten eine goldene Damenuhr nebst Kette, sowie ein Portemonnaie mit 20 Mark. Die je. Kliest wurde wegen versuchten Raubmordes verhastet und bei ihr auch die vorbenannten Gegenstände vorgefunden.— Am 1. dieses Monats, Mittags, stieß der auf dem Dache deS Neubaues Große Hamburgerstraße Nr. 20 beschäftigte Zimmermmann Lenz aus Versehen gegen ein Beil. Dasselbe fiel in Folge dessen vom Dache herab und in eine gerade vorüberfahrmde, mtt einem Fahrgast besetzte Droschke, glücklicher Weise ohne den Fahrgast oder den Kutscher zu treffen.— Einige Stunden später fiel der Arbeiter Steffen beim Verkitten eines Schaufensters an dem Hause Prinzen- straße 45 von der Leiter und brach dabei den Hüfiknochm an der rechten Seite, so daß er mittelst Droschke nach Bethanien gebracht werden mußte.— An demselben Nachmittage stürzte der Kutscher Voigt in der Einfahrt zum Grundstück Bergmann- straße 102 aus eigener Unvorsichtigkeit von srinem mit Brettern beladenen Wagen herab, wurde überfahren und auf der Stelle getödtet. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft. — An demselben Tage Abends wurde ein Mann in seiner in der Krausenstraße belegenen Wohnung erhängt vorgesunden. Die Leiche wurde ebenfalls nach dem Odduktionshause geschafft. — Um dieselbe Zeit fiel ein Laufbursche beim Uederschreiten des Fahrdammes in der Rosenthalersti aße über die Pferdedahn» schienen und erlitt dabei so erhebliche Verletzungen am linken Arme, döß er nach dem Hedwigs-Krankenhause gebracht werden mußt«. - Oerichts-Zeitung. DaS„Kleine Journal" vor Gericht. Die vor den Gerichtsferien bereits einmal verhandelte und damals vertagte Privatklaaesache der hiefigen GerichtSderichterstatter gegen den Redatteur des„Kleinen Journals" Julius Svitz beichästigte heute wiederum die 100. Abtheilung des hiefigen Schöffen- gettchts. In dem Berichte über den bekannten Erpressungs- Prozeß gegen den Mandolinenspieler Gargiulo war aus Takt- gefühl die Nennung des Namens der Hauptzeugin unterlaffen worden. Einige der Kläger hatten den betreffenden Namen ibren Redaktionen genannt, die übrigen hatten in der Annahme, daß der Name an dieser Stelle bekannt sei, deren Nennung nicht für erforderlich erachtet. Das„Kl. Journal" veröffentlichte im Anschluß an diese Berichte in seiner Nummer 15 vom 13. steril c. ein gegen die Kläger gerichtetes Raisonnement, inwmkfbm denselben in ironischer Form der schimpfliche Vor» wurf gemacht wurde, daß fie fich für die Verschwei- gung deS betreffenden Namens haben bestechen lassen. Hier- gegen e. ließen die Angegriffenen in den hiesigen Zei» langen eine Erklärung, in der fie fich gegen den ihnen ge- machten Vorwurf auf das Entschiedenste verwahrten und durchleuchten ließen, daß wohl der Verfasser in dergleichen Dingen besser Bescheid wissen werde. Bezüglich dieser Erkärung war im vorigen Termin seitens deS Angeklagten die Widerklage erhoben und auf die Klage der Beweis angeboten worden, daß einzelne Reporter, namentlich die Herren M. A. Waaener und L. Lerzuert, fich für daS Verschweigen von Verhatmungeff stfid Namen Bezahlung gewähren ließen. Außerdem war unter Berufung auf das Zeugniß des E bemanns der Zeugin im Gargiulo- Prozesse, deren Namen nicht genannt war, die Be- hauvtung aufgestellt, daß dieser tür das Verschweigen Zahlung geleistet yabe. Die Kläger gaben ohne Weiteres zu, daß die angerufenen Zeugen W. und L. der Bestechung zugänglich waren; aber deshalb hätten fie eS fich angelegen sein lassen, dieselben auszumerzen und ihren Stand vor solchen Elementen rein zu halten. Im Uebrigen schloffen fie fich dem Antrage auf Vemehmung aller Zeugen an, da eine Klarstellung der Sache nur in ihrem Interesse ii gen könne. Bezüglich der Wahrheit ihrer Behauptung� welche zur Widerklage Veranlassung gegeben hat, beriefen fich die Kläger auf das Zeugniß des Schriftstellers KlauSmann. Der Gerichtshof beschloß damals die Ladung des erstem und de« letzteren Zeugen; die von W. und L. lehnte er ab, weil deren Geschäftshandhabung als gerichtsnotorisch zu verachten sei und eS darauf vorliegend gar nicht ankomme. Im heutigen Termin waren für die Kläger die Rechtsanwälte Dr. Salomon, Dr. Strantz, Dr. Flatau und Wronker, der Angeklagte war in Begleitung seines Vertheidigers Rechtsanwals I. Cohn er« schienen. Herr R. bekundete, daß weder er, noch seines Wissens seine Freunde, für die Nichtnennung des Namens seiner Ehe- stau etwas bezahlt haben. Schriftsteller KlauSmann vermochte nur zu bekunden, daß der**««, klagte einen Aufsatz über das Grand Hotel gegen Bezahlung zum Abdruck grtzrnnyTwFf, obwohl er vorher ein dem Unternehmer ungünstiges Raisonnement veröffentlicht hatte. Die Rechtsanwälte Wronker und Dr. Salomon beanttagten, über diesen Punkt noch den Dr. Vogelsang zu vernehmen, doch erachtete der Gerichtshof diesen Beweisantrag für unerheblich. Die klägerischen Vertreter bezeichneten in ihren Plaidoqers die gegen ihre Mandanten geschleuderten durch nichts begründeten Vorwürfe als eine Infamie, die nur mit einer Freiheitsstrafe gesübnt werden könnten. Auf die Wider- anklage beanttagten fie die Freisprechung der Widerangeklagten, die lediglich in der beiechtigten Abwehr gehandelt haben.— R.-A. Cohn trat für eine Kompensation der beiderseitigen Be- leidiqungen unter Theilung der Kosten ein.— Der Gerichts- Hof verurthellte den Angeklagten zu 150 M. ev. 15 Tagen Haft und sprach den Beleidigten die PublikationSbefugniß im „Kl. Joum." zu. Die Kläger und Widerangeklagten wurden aus den von den Vertheidigem vorgebrachten Gründen freigesprochen und dem AngeNagten sämmtliche Kosten auferlegt. DT! CUafe sei nur um deshalb so niedrig bemessen worden, weil die bona fidea deS Angeklagten nicht auszuschließen sei. indem ja unter dm Berichrerstatttm wunde Elemente existirt habm. Prozeß Graes. Fünfter Tag. Die heutige Sitzung deginnt erst um 12'/, Uhr Mittag?. Einer der Zeugen, Herr Pawisch, der mit der Anna Rother in einem intimen Verhällniß steht, hatte gestern angezeigt, daß er KrankheitS halber nicht petsönlich erscheinen könne. ES hat deshalb unter Leitung des Landrichters Friedmthal eine kom- miffarische Vernehmung angeordnet werden müssen, welche heute Vormittag unter Assistenz deS Jufiizraths Simson stattgefunden hat.— Unter dm Zeugen fehlt Helme Hammermann, die nach einer Mittheilung ihres VatciS an der DipbtheritiS erkrankt und nach dem Krankcnhause gebracht worden ist. Bei Beginn der Sitzung rcklifizitt LandgcrichtSrath Johl eine falsche Auffassung in einem Theiie der Presse dahin, daß 6 ine Andeutung üb« die Art, in welcher die Prozedur bei der Vernehmung der Anna Rother stattgefunden hat, falsch darge- stellt worden ist. � � Hier anschließend bemertt Vorfitzender Landgenchtsdrrettor Müller in längerer Ausführung:„Dasjenige. waS der Herr Landaeiichtsrath Johl soeben gesagt hat, giebt wir Vnanlassung. an Sie, meine Herren Geschworenen, die recht dringende Bitte zu richten, daß Sie lediglich den Wahrspruch fällen auf Gnmd Dessen, was vor Ihnen verhandelt wird. Ich bitte Sie, auf dasjenige, was in der Preffe schon jetzt, nicht nur in Referaten, sondern in aburtheilenden, resumirenden Arttkeln, gebracht wird, nickt, in keiner Weise zu rückfichtigen. Sie haben allein auf Grund der Totalität der Verhandlungen Ihr Urtheil ab« zugeben. Es wäre höchst voreilig und ungerechtfertigt, schon jetzt, nachdem ein Theil der Verhandlungen stattgefunden hat, nachdrm Ihnen vom Henn Staatsanwalt noch nicht gesagt worden ist, worauf Sie zu achten haben, und nachdem von den Herren Vnlheidigern die Ausführungen noch nicht gemacht find— wenn Sie da schon wollten ein voreiliges Urtheil fällen. Wenn andere Leute glauben dies verantworten hu können, dann ist dieS im höchsten Grade unrecht und em frivoles Unternehmen, wenn schon jjetzt resumirende Urtheile und Artikel gebracht werden. Ich habe weit« anzuführen, daß mir berichtet worden ist— ich habe selbst nicht die Zeit die Berichte nachzulesen— aber es ist mir von den verschieden- sten richterlichen Seiten gesagt worden, daß leider sich die Presse nicht korrekt hält, nicht objektiv ref«irt, daß sie nament- lich durch Hervorheben einseitiger Beobachtungen und Ver- schweigen anderer, welche zu einem objektiven Urtheile noth- wendig sind, ein solches nicht erscheinen lasse. Es werden so- gar falsche Thatsachen angegeben, wie eS z. B. bei der Bekun« Dung des Herren Landgcnchtsrath Johl d« Fall gewesen ist. Es ist mir heute ein Referat gezeigt worden über eine Vernehmung, welche ich selbst vorgenommen habe mit der Klara Adler. Diese Vnnehmung wird nicht nur unrichtig geschildert, sondern dahin dargestellt, als ob ich die Zeugin zar nicht erst vernommen hätte und zu eigener Aussage zuge- äffen hätte, sondern, als ob nur das Protokoll genommen und vorgelesen worden wäre, und als ob die Zeugin nichts an- zugaben gewußt hätte. Das ist unwahr, das können nur die Bmchterstattcr verantworten. ES ist von mir in sorgsamster Weise versucht worden, die Zeugin zu eigener Aussage zu veranlassen, wobei ich von der königlichen Staatsanwaltschaft unterstützt wurde. Erst alS die Zeugin schlechterdings nicht sich auslassen konnte ob« wollte, dann erst bin ich Dazu geschritten, wozu ich durch das Gesetz verpflichtet bin, ihr ihre früheren Aussagen vorzuhalten, da sie sich nicht zu erinnern vermochte. So ab« werden die V«hand- lungen entstellt; dieS bedauere ich außerordentlich. Es ist für die gegenwärtigen Verhandlnngen die Oeffentlichkeit aus- geschlossen worden. Als dies geschehen sollte, habe ich mich geprüft, ob ich einzelnen Personen, wie es daS Gesetz gestattet, Die Gegenwart genehmigen darf, namentlich ob ich sie der Preffe genehmigen solle. Ich Hab« in einem früb«en Falle mit Rigorosität auch die Preffe ausgeschlossen' es ist aber von ander« Seite auck gesagt worden, daß die Anwesenheit der Vertreter der Presse«wünscht sei, damit nichts Unrichtiges über die VeihanDlungen in die Oeffentlichkeit dringe, damit, natürlich unt« Weglaffung anstößiger Stellen auch wortgetreu berichtet werde. Ich habe mich dem Zutreffenden Dies« Gründe nicht verschließen können und mich entschlossen, die Presse und ein anderes Publitum zuzulassen. Aber ich hatte dabei darauf gerechnet, daß die Presse objektive und wahrheitsgetreue Berichte bringen würde. Und es soll gar nicht in Abrede gestellt werden, daß ein Theil der Preffe diesem Erforderniß nachkommt, aber ein ander« Theil thut es nicht; es wird zum Theil mit offenbarer Färbung gearbeitet. Ich habe, bevor ich Den Entschluß faßte, die Preffe zuzulassen, erwogen, daß im Publikum die verschiedenartigsten Erzählungen über den Gegen- stand des Prozesses kurflrten. Es wurde auf der einen Seite aufgebauscht zu unendlich schw«ercn Anklagen, als vorliegen, andererseits wurde eS dargestellt, alS ob ein genügendes Material zur Anklage gefehlt habe. Dies ist auch in den letzten Wochen vor dem Termin d« Fall gewesen und geltend ge- macht worden. Diese Momente haben mich bestimmt, damit das Wahre und die Wahrheit nicht verschlossen bleibe, die Theil- nahm« zum Theil auch zu nichtöffentlichen Sitzungen zuzu- lassen. Wenn eS nun ab« in dieser Weise wie bish« fort- gehen, und ich leider die Wahrnehmung machen sollte, Daß die Berichte nicht objektiv find, wie es bei einigen,— ich sage ausdrücklich, nicht allen,— leid« bei einigen uns«« sonst ehienwerthesten, hochgeachtetsten Zeitungen d«Fall ist,— wenn dieS weiter der Fall sein würde, dann würde ich in d« Lage sein, zu prüfen, ob ich nicht besser thäte, die Presse ganz aus« zuschlreßen, ob der Schaden, der durch die Ausschließung ent« steht, nicht ein geringerer ist, als wenn durch sie die öffent- licke Meinung in einer oder d« anderen Richtung beeinflußt würde. Ich sage Ihnen dieses Alles, meine Herren Geschwo« renen, um deswillen, weil ich dringend wünsche, daß Sie sich durch solche unrichtige Darstellungen nicht beeinflussen lassen. ES ist sehr wohl möglich, daß Sie sich in einzelnen Punkten nicht genau erinnern und glauben, weil es gedruckt steht, wird es auch wahr sein und sich auch so verhalten. Wollen Sie sich dies beherzigen: ich bitte recht dringend, nicht vorschnell zu urtheilen, namenttich sich nicht durch irgend welche Pr.ß- darstillungen, welche der Wahrheit nicht entsprechen, bestimmen zu lassen. Hierauf wird in die eigentliche Verhandlung eingetreten. Geh. Sanitätsrath Lervin macht auf eine nach seiner Meinung herrschende Differenz zwischen den Aussagen des Landgerichts« raths Johl und dessen Protokollführer Ref«endar Eschke be- züglich der während der Voruntnsuchung gemachten Wahr« nehmungen über die Geistesschwachheit oder Beschränktheit d« Anna Rother aufmerksam. Es wird festgestellt, daß Landgerichts- rath Johl nach seinen Betrachtungen die Anna Rolher von Anfang an nicht für geistesschwach gehalten hat.— Frau Rother: Wie soll man es denn anders nennen als geiftes. schwach, wenn ein Mensch von Jug-md an Krämpfen leidet, so Daß er nicht die Schule besuchen kann. Meine Tochter weiß keine Hausnumm«, kann nicht rechnen, kennt keine Zahl, weiß feinen Monatstag. Bitte, überzeugen Sie sich selbst.— Zeuge Stellmacher Kühnle hat einige Zeit bei Rothns gewohnt unD bekundet: daß Bertha Rother ein Verhältniß mit Prof. Graes halte, hat mir Frau Roth« selbst erzähtt. Sie hat mir eines Tages mitgetheilt, daß d« Professor, welcher ein Mädchen angefaßt habe, Furcht habe und sie hat mich sodann nach der Franseckisttaße geschickt, um mich zu erkundigen, ob Frau Hammermann ans dem Gefängniß ist. Ich habe nichts erfahren können und erst bei einem zweiten Male habe ich ge- hört, daß die Frau noch nicht aus dem Gefängniß heraus ist. Ich habe dies der Frau Rother mitgetheilt, dieselbe gab mir eine Mark für den Gang, ich habe ab« eine Quittung über 20 M. ausgestellt, welche Fi au Roth« dem Professor vorlegen wollte. Am folgenden Tage hat mir Frau Rocher erzählt, daß sie von dem Professor sogar 30 M. erhalten zabe.— Präs.: Angekl. Graes, welches Jntnesse hatten Sie denn daran, d« Frau Roth« einen solchen Auftrag zu geben und dafür 20 Mark ,u bezahlen.— AngeN. Graes: Ten Auftrag habe ihr auch gar nicht ertheilt, sie hat das mehr aus eigenem Antriebe gethan und hat mich dann be« wogen, ihr 20 Mark zu geben, weil sie behauptete, mehrere Gänge und Auslagen gehabt zu haben.— Angell. Frau Rocher: Es ist nicht richtig, daß ich den Kühnle direkt nach der Franseckistiaße zu Hammnmann'S geschickt habe: derselbe hat für mich vielmehr eine Wohnung gesucht und bei dieser Gelegen« heit auch nach Hammermann's«fragt.— Präs.: Haben Sie ich denn von Prof. Graes 20 Mark geben lassen?— Angekl.: Das weiß ich nicht mehr genau. Nach ein« Weile sucht die Angekl. diesen Umstand dahin aufzuklären, daß d« Kühnle sie immer um Geld angegangen sei und sie denselben auf alle Weise unterstützt habe. Sie habe nun dm Weg der Aus- stellung ein« Quittung üb« 20 Mark gewählt, um das Geld an Kühnle zu überreichm.— Präs.: Haben Sie ihm denn nun daS Geld gegebm?— Angekl.: Nein.— Präs.: Dann wird wird man an ihre edle Absicht wohl nicht recht glauben.— Der Zeuge seinerseits erklärt diese Darstellung für erlogen.— Zeuge Kühnle giebt fern« an, daß er einmal von der Mutter und der Anna Rother zur Bertha geschickt wordm ist, um 10 M. zu holen und als« damit aus d« Pritzwalkerstraße wieder heimkehrte, habe man ihn ge- fragt,„was macht das Raubthier?" Er habe von der Bertha selbst gehört, daß jedes Stück, welches im Geschäft der Mutt« sei, ihr gehöre. Zeuge ist auch gerade nach der mehr- fach dercgten Zankszene in das Rotherssche Haus gekommen. Er hat dabei gehört, wie Bertha Rüther in voller Wuth sagte: Sie nennen mich Professorenh... und haben einm Meineid geschworm. Ich werde sie an den Galgen bringen. Aus der ferneren Aussage dieses Zeugm geht hervor, daß« später mit Hammermann in Verbindung getreten ist. Er giebt an, daß er lediglich aus Aerger darüber, daß in Folge eines Meineids eine unschuldige Frau bestraft worden, sich in die Sache ein« gemischt habe. Er habe schließlich dem Hammermann gesagt: „Wenn Sie dm Professor nicht denunziren, dann thue ich es jetzt!"— Eine Anfrage des Vertheidigns, R-Ä. Kleinholz, ob der Zeuge von Hammermann Geld oder Versprechungen «halten habe, bestreitet Zeuge ganz energisch. Er habe kerne selbstsüchtigm Zwecke verfolgt, sondern lediglich einem inneren Drange Folge geleistet.— R. Ä. Kleinbolz: Ich habe ein Interesse daran, zu«fahren, auf welche Weise der Zeuge in den Besitz d« Briefe deS Prof. Graes gelangt ist, die« an Hammermann ausgeliefert hat?— Zeuge: Ick verweigere darüber die Aussage, weil ich fürchte, mich einer strafrechtlichen Verfolgung auszusetzen, wenn ich die Wahrheit sage. Der nächste Zeuge ist der Kutscher Ihlow, welch« etwas schwankenden Schrittes dm Saal betritt.— Präs.: Hören Sie, Zeuge, es kommt mir so vor, als ob Ihr Schritt sehr unstch« ist. Haben Sie etwa stark getrunken?— Zeuge: Nein, He« Gerichtshof, einen Schnaps habe ich ja getrunken. — Präs.: Nur einm? und wie viel Bier?— Zeuge: Ein Glas. Ich habe Draußen gesessen und bin eingeschlafen ge- wesen.— Angekl. Frau Rother: Dm Mann nehme ich als Zeugen nicht an.— Präsident: Wamm denn nicht?— Angeklagte: Ich betrachte den Mann als meinm Mann, denn ich habe so mit ihm gelebt.— Präsident: Gott sei Dank, haben wir doch noch nicht solche Zustände, daß Jeder, d« mit einem andern in Konkubinat lebt, als deren Mann zu betrachten ist.— D« Zeuge giebt zu, mit der Frau Roth« in Konkubinat zu leben, wird aber in seinen Aussagm so schw«fällig, daß der Vorsitzende ihn doch nicht für ganz dispofitionssäyig hält. Er entläßt den Zeugm deshalb vor- läufig ins Zeugmzimmer,«mahnt ihn aber, nichts zu trinken. Die Zeugin unverehelichte Staub war Dimstmädchen bei d« Bertha Roth« in der Pritzwalk«straße. Sie bezeugt, daß die von einem Referendar L. ausgestattete Wohnung d«selben recht luxuriös war und daß Bertha Rother auch eine sehr schöne Garderobe hatte. Bertha Roth« hatte ein Konto auf der Deutschen Bank und ließ sich fast regelmäßig alle 14 Tage auf einen Check Geld aus der Bank holen, 50 Mark, 100 Mark und einmal 1000 Mark. Das meiste Geld davon erhielt ge- wohnlich die Schneiderin. Wo das viele Geld herkommt, hat ihr Bertha Rother nie gesagt. Sie habe nur einmal angedeutet, daß dieS ihre Ersparnisse aus der Schuspielerei seien. In der Wohnung sei manchmal der Vater Roth« gewesen, ebenso ein- mal die Anna Roth«, fem« der Referendar L., der aber mit dm Familimgliedem nicht zusammentraf, sein«seits ab« wohl einmal einen Freund mitgebracht hat. Ändere H«ren hat sie nicht gesehen, wenn auch manchmal Henen dieselbe aus dem Theat« bis an ihre HauSthür brachten. Sie hat zweimal einen Brief von der Bertha an den Prof. Graes üb«bracht und von demselben den Bescheid erhallen, daß er eine direkte Antwort ertheilen werde. Ob diese Besorgung der Briefe nach der Vernehmung der Anna Roth« rn der Hammer- mann'schen Sache stattgefunden hat, weiß die Zeugin nicht, dagegen erinnert sie sich, daß eines TageS bei einem Besuche, den Anna Rother mit ihrem Bräutigam Lawisch der Bnlha machte, zwischen dm Schwestern von ein« Vernehmung die Rede war. Anna Roth«, welche manchmal zu der H«tha kam und von derselben auch Geldunterstützungen erhielt, war vorher länge« Zeit nicht da gewesen. Bertha hatte ihr ge« sagt, sie brauche nicht zu kommen, weil sie sie immer an- pumpe. Es folgt die Verlesung des Protokolls über die heut früh stattgefundene Vernehmung des Zeugen Lawisch. Dnselbe hat ausgesagt, daß« die Anna Roth« im Jahre 1880 kennen gelernt und sich mit ihr verlobt habe, als sie 17 Jahre alt war. Im November v. I. ist das Verlöbniß wieder aufgehoben wordm. Zeuge hat Graes zweimal im Rother'ichen Hause ge- sehen, indeß ist ihm von einem Veihäitniß der Bertha mit Gr. aus eigener Wahmehmuna nichts bekannt. Er hat die Anna zum polizeilichen Termin begleitet und ihr, da er wußte, daß sie zur Unwahrhastigleit neigte, ernste Vorhaltungen gemacht, daß sie streng bei der Wahrheit zu bleiben habe. D« Zeuge schildert dann weit« den Verlauf deS Termins vom 6. Juni und giebt an, daß, als Bertha nach Ablauf des Termins von demselben hörte, sie in hohe Aufregung gerathen sei, woraus er ersehen, daß Bertha von dem Termin und AnnaS Ladung vorher nichts gewußt haben müsse. Anna sei lügenhaft, unzuver- lässig, gerathe oft in Wuth und zwar ganz ohne Grund, tobe, schimpfe, zerreiße, waS ihr in die Hand komme, werfe sich dann aufs Sopha und kühle sich mit einem nassen Lappen die Stirn. Mal« Carl Etauffer hat die Anna Rother als Modell ge- braucht und als dieselbe v«haftet wurde, hat er d«en Sachen in Verwahrung genommen, damit dieselben nicht gestohlen wurden. Ihr habe die Anna gelegentlich von einem Verhält- niß ihr« Schwest« Bertha zu Prof. Graes etwas gesprochm, da aber d«artiger Mod-llklalsch schon mehrfach kolportirt wor- den war und die Anna Rocher gcwohnheitsmäßrg, zwecklos und dumm zu lügen pflege, so habe« diesen Dingen keine Bedeutung beigelegt. Nach dem Termin in der Hammer- mann'schen Sache hat ihm die Anna erzählt, daß sie in dem Termin Entlastungszeugin gewesen und beschworen habe, daß ,hr von einem intimen Verhältniß ihrer Schwester Bertha zu Rother nichts bekannt sei und daß sie selbst mit Prof. Graes nichts zu chun gehabt habe. Ferner hat ihm die Anna Roth« erzählt, sie sei im Termine gefragt worden, ob ihr von dem Vergehen Äraef's gegen die Helene Hammnmann etwas be« könnt sei. Da habe sie gesagt, daß sie selbst zugegen gewesen sei, als die Helene Hammermann sich als Modell bef Prof. Graes präsentirte und Prof. Graes habe dem Mädchen sofort zugnufen:„Ziehen Sie sich nur schleunigst wiedn an, Sie sehen ja auS, wie ein Spatz!"— Präs.: Dann haben Sie doch gelogen, Anna Rother, denn Sie find weder in dem Termin Danach gefragt worden, noch in dem Graef'schen Ateli« zugegen gewesen, als Helene Hammermann dort war.—.Die Angeklagte schweigt dazu.— Auf Befragen der gerichtlichen Sachv«ständigen«klärt der Zeuge dann noch, daß die Anna Roth« wirklich gern, ober recht dumm zu lügen pflege und nicht sehr logisch denke, daß sie aber entschreden— wenn auch schlecht— schreiben könne. Der Zeuge L., welcher für Bertha Roth« die Wohnung in der Pritzwalkerstraße hergnichtet hat, hat mit derselben vom Septemb« 1883 bis zu ihrer Verhaftung im intimen Verhält- mß gestanden. Er habe, so bekundet«, dieselbe iir Burg bei Magdeburg kennen gelernt, wo sie eine ganz allgemein ver- ehrte und geachtete Schauspielerin war und ein anständiges zurückgezogenes Leben führte. Alle jungen Leute in Burg hätten sich um ihn Gunst bemüht und chm selbst sei es sehr schwer geworden, ihre Bekanntschast zu machen. Er habe sie nach ihrem ganzen Austreten für ein moralisch intaktes Mädchen gehalten, die auf ihn einen vorzüglichen Eindruck machte und welch« er sich ohne alle Nebengedanken näherte. Er gestehe offen, daß er für sie sodann nicht blas Interesse, sondern große Liebe hegte. Auf seine V«anlassung habe sie Burg verlassen und habe sich nach Berlin begehen. Er habe zunächst mit ihr Ko«espondenzen unterhalten und sei dann selbst nach d« Nähe von B«lin versetzt worden.— Präs.: Ist Ihnen denn nickt aufgefallen, daß die Schrift eigentlich auf eine ungebildete Person schließen ließ; daß eS mit ihr« Schreib« kunst doch etwas problematisch aussah.— Zeuge: Sie schrieb schlecht, aber Styl und Orthographie waren ganz ko«ekt.— D« Zeuge erzählt weit«, daß« hi« in Berlin in nähere Be- ziehungen zu Bertha R. getreten sei. Als er die Familien« v«hällniffe derselben kennen gelernt, habe er sofort Sorge ge- tragen, daß sie aus diesem Kreise entfernt wurde und habe ehr gerade DesKalb eine eigene Wohnung in der Pritzwalker- straße gemiethet, welche« allerdings mit seinem Gelde ausstattete. Er habe sie vollkommen erhalten und reichlich mit Mitteln ausgestattet. Wie viel er für dieselbe im Ganzen ausgegeben, könne« annähernd nicht sagen, mehrere Tausend Mark seien es aber gewiß gewesen. Er habe hi« und da ein« mal einen Freund mit in die Wohnung genommen, andere Mann« aber haben dort nicht verkehrt, namentlich keine Ossi- zi«e. Von ihrem Verhältniß zu Prof. Graes habe sie ihm nur das erzählt, daß sie demselben Modell gestanden und daß Prof. Graes sie habe ausbilden lassen, doch habe ihm aus ihren Er« zählungen es nur immer so geschienen, als ob nur«n väterliches Verhältniß obwaltete. Später habe« einmal gehört, daß ein intimeres Verhältniß stattgefunden habe und als er die Bertha Rother darüber befragte, habe dieselbe ganz indig- nirt gesagt;„Es ist dock schändlich, daß man nun auch Dir schon so etwas in die Ohren bläst!" Der Zeuge erklärt fern«, daß er von Korrespondenzen zwischen Bertha und Graes dirett nichts gehört habe, doch habe ihm dieselbe erzählt, daß sie in dn Familie des Prof. Graes ganz gern gesehen sei.— Ange« klagler Graes: Ich habe meine Familie vis jetzt nicht in diese Verhandlung hineingebracht. Ich muß jetzt ab« doch bemerken, daß Bertha Rother in mein« Familie in der That gern ge- sehen war und daß sie Jeder kannte. Ich habe ihr gestattet, meiner locht« kleine Geburtstagsgeschenke zu wachen. Ich habe ihr gesagt, wenn sie eine tüchtige Schauspiel«in würde und sich gut halte, sie dahin kommen rönne, daß ich mich nicht geniren würde, sie in meine Familie einzuführen.— Präs.: Herr Zeuge, haben Sie für die Bertha Roth« Anweisung auf die Deutsche Bank gegeben?— Zeuge: Nein, doch kann eS möglich sein, daß Bertha R. von dem, was ich ihr gab, ohne mein Wissen etwas bei der Deutschen Bank einzahlte.— Präs.: Kann dies bis zu 1000 M- herangehen?— Zeuge: Ja.— Bertha Rolher erklärt hi«zu, daß sie schon lange vorher 2500 M. auf der Sparkasse gehabt habe.— Auf wertere Frage des Präfidenten erklärt d« Zeuge, daß Bertha Reim, welche in der Wohnung verkehrte, seines Wissens nach nicht mit B«tha R. befreundet war, sondern sich mehr an dieselbe herangedrängt habe. Schließlich verwahrt sich der Zeuge gegen die in den Akten enthaltene Darstellung, als ob in d« Wohnung unt« sein« Leitung Hazardspiel be- trieben worden sei. Rechleanwalt Dr. Holz: Welchen Eindruck hat die Bertha Rother auf den Zeuaen nach dem Termin vom K.Juni gemacht? — Zeuge: Ich bin Bei der Haussuchung zugegen gewesen und ruhig verhalten habe. muß sagen, daß sich die Bertha ganz AlS die Anna R. ihr« Schwester die V -Otlobung zum Termin gezeigt habe, sei Bertha höchst erregt geworden und habe daS Papier auf den Boden geworfen; eS habe ganz den Eindruck gemacht, als ob sie von der ganzen Sache garnichtS wüßte. Als dann Anna Rother unter dem Verdachte deS Meineid» verhaftet worden war, habe er sie«nstlich und eingehendst da« bin inquirirt, ob sie irgendwie auf ihre Schwest« eingewirkt habe. Sie habe dies aber entschieden abgelehnt und hinzugefügt, daß man der Anna schwerlich etwas anhaben könne, da dieselbe unzurechnungsfähig sei. D« Staatsanwalt Heinemann legt nun einen Theater« zetttl vom WilhelmStheater aus dem Jahre 1882 vor, wo Fräulein Rother als eine Nichte deS regi«enden Fürsten d« Hölle aufgeführt steht. Er bitte den damaligen Direktor Roth« schild darüber zu vernehmen, daß Bntha Rother beim Theater im Ganzen nur eine Äolontair-Rolle eingenommen habe und daß in Theaterkreisea allgemein bekannt war, daß sie mit einem Professor ein Verhältniß habe. Die Art der Rollen lasse es nicht wahrscheinlich«scheinen, daß sie aus ihrem Theat«, Honorar so viel«sparen konnte.— Professor Graes: Der Herr Staatsanwalt spricht hier von ein« Zeit, wo Bntha noch ganz im Anfange ihrer Theat«, Engagements war. Sie wurde damals erst in ganz kleinen Rollen beschäftigt und ich habe damals noch alles Geld für sie gegeben.— Auf Einspruch d« Vertheidig« zieht d« Staatsanwalt seinen Antrag zurück. Eine Beantwortung d« Frage, unter welchem Namen sie sonst im Theat« aufgetreten, lehnt Bertha Roth« aber« mals ab. Nach kurzer Pause wird die jetzige Buchhalterin Marie Reim vernommen. Dieselbe hat zwei Jahre bei Rother's ge« wohnt und sich dort nützlich gemacht, weil sie pekuniär der Frau Rother nicht lohnen konnte. Sie hat sich theilweise auch davon«nährt, daß sie Prof. Graes in seinem Atelier, währen» derselbe an den Kleidern u. dergl. seines Portraits arbeitete» oft Stunden lang vorla», ihm auch hi« und da einmal Modell stand. Nach ihrer Behauptung ist sie nicht durch Roth«'», sondern durch eine andere Frau mit Graes bekannt geworden. See ist, wie sie zugiebt, der B«tha freundschaftlich nahe ge« . Bat mehrfach mit derselben Reisen gema wofür Bertha die Kosten bezahlte. So ist sie nach Bremen, nach Burg und von Berlin über Köln, Calais, Boulogne, nach London gereist. In Boulogne haben sie an der Table d'hote Prof. Graef getroffen, sie wohnten in dem« selben Hotel und hatten 3 Zimm« inne, von denen Professor Graes das mittelste inne hatte. Nach lOtägigem Aufenthall in Boulogne trafen sie mit Graes in London wieder zusammen und wohnten in gleich« Weise. Von London ging die Reise nach drei Tagen nach Brighton, und von dort nach einem Aufenthalt von drei Tagen wird« zurück nach London. Dort wurde Bertha krank und Graef begleitete die Damen bis Dov«. Ihre Mitnahme nach London erklärt die Zeugin da« durch, daß sie etwas Französisch konnte. Heber den Verkehr Graesis im Rolher'schen Hause bekundet die Zeugin, daß der- selbe sehr oft, gewöhnlich Nachmtttags zwischen 4 und 6 Nist oder nach 10 Uhr kam. Sie habe zuerst auch geglaubt, es handle sich um einen Verkehr im schlimmen Sinne, brs ihr Berlha einmal auf ihre direkte Frage antwortete, daß sie ihr Verhällniß N dem Professor ganz falsch auffasse. Wenn er kam, waren oft auch die übrigen Familienglied« zugegen;« küßte ihr die Hand od« auch die Stirn, mitunter auch wohl auf den Mund. Daß« sie ge liebkost hätte, weiß die Zeugin nicht, höchstens könnte es am Geburtstage geschehen sein. Prof. Graef habe Bertha geduzt, diese ab« hat„Sie" gesagt und nannte ihej „Herr Professor"» mitunter auch wohl„Profefforchen". D» Trennung zwischen den beiden habe ihren Grund darin, da» Prof. Graef DieS und Jenes über Bertha erfahren und ge« merkt hatte, daß sie nicht so fleißig studirte, wie« wünsch'�' Sie bekundet fern«, daß sie den Prof. Graef einmal selbst befragt habe, ob ein Verhältniß zwischen ihm und Bertis cxistire. Darauf habe derselbe ab« geantwortet, ba» ich ganz falsche Anschauungen von seinen Beziehungen Kf dem Mädchen habe. Dasselbe habe ihm Modell gestanben, � habe ein großes Jntnesse für dieselbe gehabt und sie auSbllven lasitn, weil es ihm leid that, daß ein solch talentvolles Mädchen in den bösen Veihältnifscn bleiben sollte. Er würde selbst dar- über hinwegsehen, wenn fick Bertha einen Schatz anschaffte, wenn fie ihren Ruf bewahne. Zärtlichleiten hat die Zeugin auch auf den Reisen nicht bemerkt, dagegen weiß fie, daß G-aef einen Schlüffel zur R.'schen Wohnung hatte und zwar hatte man ihr gesagt, daß er Alles wiffen wolle, was im Hause vorging; trotzdem habe derselbe zumeist gellingelt. Ebenso weis! die Zeugin, daß das Geld für die Familie Rother sehr reichlich floß, daß Frau Rocher den Profeffor bei jeder Gelegenheit angezapft hat und dafür Schuldscheine ausstellte. Auch der Zeugin bat Gr. Unterstützungen gewährt, einmal 50 M., das andere Mal 250 M., doch hat ihr die letztere Summe sofort Frau Rother wieder abgenommen. Bezüglich deS Verkehrs in Bertha'S Wohnung bekunoet die Zeugin nach dem Hörensagen, daß, wenn Herr L. verreist war, auch andere Herren, namentlich Schauspieler und Offiziere bei Bertha R. in der Pritzwalker- straßc vorsprachen.— Präs.: Sie haben ja eine deffere Er« ziehuna genoffen. hat Sie denn das Treiben in der Rocher- schen Familie nicht angeekelt?— Zeugin schweigt verlegen.— Die Anna Rother schildert die Zeugen als eme beschränkte, geistig schwach bestellte Person, die gar nichts recht begriff. Auch war fie verlegen und wußte oft am nächsten Tage nicht, was Tags vorher vorgegangen. Als die Haussuchung bei Frau Rother abgehalten wurde, bei welcher Briefe und Gedichte Graef's mugenommen wurden, haben einige Papiere im Ofen gesteckt, die nachher verbrannt worden find. Gleich nach der Haussuchung ist die Zeugin mit einer Droschke zu Prof. Graes gefahren und hat ihm Mit- theilung von dem Geschehenen gemacht, worauf Prof. Graes erwiderte:„soeben sei bei ihm dafielbe geschehen." Derselbe habe ihr alsdann 20 Mark gegeben, worauf fie zu Anna Rother und dann zu Bertha Rother gefahren sei und ihr auch Mit- theilung gemacht habe. Bertha Rother habe darauf sehr ärger- ltch gesagt:„Wie kann man aber auch so dumm fem, solche .. haften aufzubewahren. Bei mir hat man nichts, aber auch gar nichts gefunden\" Nach der Behauptung der Zeugin Siefert soll die Reim ihr gegenüber fich dahin geäußert haben, daß daß qu. Verhältniß ein schimpfliches sei, doch bleibt die Reim dabei, daß fie nach Allem, was fie gehört und selbst gesehen, daffelbe nicht so auffaffm konnte.— Bertha Rother betont zu dieser Zeugenaussage noch. daß die Herren, welche fie wäbrmd der Rerse L.'S besucht haben, ganz genaue Be- kannte desselben waren.- R.-A. Dr. Holz betont, daß Bertha R. die Briefe jedesmal nach ihrem Empfang, nicht aber alle auf einmal verbrannt habe. Der nun wieder herein gerufene Kutscher Ihlow erklärt, daß fich der Herr Professor in der Rother'schen Familie„stets anständig7gezeigt habe."— Im Uebrigen will der Zeuge trotz seines intimen Verkehrs mit Frau Rocher nicht viel wiffen, behauptet aber, daß er in der Familie und namentlich von Anna Rocher gehört habe, daß zwischen Bertha und Professor Gr. ein Verhältniß bestehe.— Anna Rother bestreitet eine solche Aeußerung, der Zeuge bleibt jedoch dabei. Es folgt die Vernehmung des Prof. Ewald, welchem Justizrach Simson die Frage vorlegt: Ob ein Künstler, welcher das Glück hat, ein Modell zu finden, das den künstlerischen Gedanken, der in ihm lebt, voll und ganz zum lebendigen Ausdruck bringt, namentlich wenn dieser Künstler fich schon im höheren Lebensalter befindet, nicht in der Lage ist, für ein solches Modell Unsummen Geldes herzugeben.— Zeuge: Ich bin ganz außer Stande, darauf zu antworten, ich meine, das muß jedem Einzelnen üderlaffen bleiben.— Rechtsanwalt Klcinho'z: Kommt es vor, daß ein Künstler ein solches Modell lange Zeit an fich zu fesseln sucht?— Zeuge: Ja!— Professor Gussow bekundet, daß es in Rom und Paris Maler gebe, welche fich ihre Modelle allein halten und dieselben so bedenken, daß fie eben nur ihnen dienen. Es komme wohl vor, daß Künstler an Modelle sehr Geschenke geben, bestimmte Fälle aber, in denen «träge zu vielen Tausenden gegeben worden, find ihm nicht bekannt. Die Anna Rother, welche ihm auch als Modell ge- dient hat, habe er immer für ein Mädchen nicht hellen Geistes gehalten.— Prof. Dr. JuliuS Lesstng ist mit dem Prof. Graes seit 20 Jahren bekannt und hat ihn alS einen hochehrenwerthen Mann schätzen gelernt; er yiebt in längerer Darstellung, die den Angeklagten Graes wiederholt tief ergreift, ein Bild von dem künstlerischen Sntwickelungsgang desselben. seinen Leistungen und den Idealen, die ihm vorschweben. Er zeigte, wie es demselben trotz seiner großen Erfolge nie genügte, Portraitmaler zu sein und daß er immer von dem Gedanken erfaßt war, die Höhe der Kunst nur er» reichen zu können, wenn er ideale Gestalten malte. AlS er dann dre höhere Meisterschaft erreicht hatte, bedauerte er stets, daß dieS nicht zu Gunsten der idealen Richtung geschehen war und erfüllt von dem Gedanken, daß die berühmtesten Schöpfungen der Renaissanze auch nichts waren, als idealistrte Portraits, glaubte er, daß, wenn es ihm möglich wäre, anleh- nend an die Natur ideale Einzelfiauren zu schaffen, er fich zur idealen Arbeit herausarbeiten könnte. Wenn ein Maler 13 Jahre lang portraitirt hat, kann er fich dieser Aufgabe nur an der Hand eines Modells zuwenden. Mit frcuvigsler Be- geisterung habe ihm Graes eines Tages erzählt, daß er das große Glück gehabt, endlich ein Modell zu finden, mit welchem er im Stande sein dürste, derartige ideale Schöpfungen zu bilden. Es ist seine Schwäche, daß er bei Personen, für die er fich interesfirt, leicht festfitzt. Er klam- werte fich an diese Person, die Bertha Rother, um das in seinem Geiste schwebende Bild zu verwirklichen, er ging auch deshalb mit ihr nach BinS, um fie in Schilf und in freier Natur zu malen. Zeuge hat ihm damals gesagt, man würde gewiß eine böse Geschichte daraus machen, er hat aber alle Einwendungen als gleichgiltig zurückgewiesen. Bei der Rich- tung, die Graes mit dieser Person einschlug, handelte es fich keineswegs um ein einzelnes Bild, sondern daraus konntm eine ganze Reihe von Bildern entstehen, genau so wie RubenS seiner Zeit aus dem Bilde ferner Frau eine ganze Reihe idealer Schöpfungen habe entstehen lassen. Es sei sehr erklärlich, daß aus der fortwährenden dell könne man deshalb auch nicht die Anzahl der Sitzungs- stunden aufrechnen, sondern müsse daran denken, daß daffclb« für die künstlensche Richtung, welche Graes einschlagen wollte, ein Bedürfniß war.— Der nächste Zeuge ist Prof. Wolff, welcher von der EtaatSannmltschaft geladen ist, weil er bekunden sollte, daß er fich mißbilligend über die Eidesleistung Graef'S ausgesprochen hat. Er bekundet daS Gegentheil und erklärt, daß er Graes nur als eyrenbaften Mann kennen gelernt habe, den er des Meineids nicht für sahig halte-— Hotelier Popen- dach aus Bins, bei welchem Graes mit Bertha R. während te W'SZ-.AS"«MAS ÖK Uhr. � gu«e hatt, bekannilich angeblich außerhalb der Stadt in freiem Felde vergraden. Am Tage nach der That sei er mit den beiden„Genoffen" in Darmstadt zusammengekommen. Die in Folge dieser Aus- sagen angestellten umfassenden Nachforschungen blieben biS jetzt resultatlos. Soziales««d Arveitervewegnng. Aufruf a« alle Klavierarbeiter(Meckaniken-Klaviatur), sowie sämmtliche Tischler Berlins. Ardeiter! Kollegen! Wie ja allgemein bekannt ist, haben vor 14 Tagen die Arbeiter der Pianofabrik von Klingmann u. Co. wegen Lohnabzüge die Arbeit eingestellt. So viel bis jetzt bekannt ist, ist es den Fabrikanten noch nicht gelungen, tüchtige ArbeitSkraste zu er« halten, denn diejenigen Elemente, welche während des Streiks dort Arbeit genommen haben, etwa 7 oder 9 Mann, find ja unter den meisten Tischlem wohl bekannt. Darum, Kollegen, fordern wir Euch im Interesse Aller auf, in nächster Zell den Zuzug von oben genannter Fabrik fern zu halten. Zeigen wir Arbeiter alle insgesammt, daß wir nicht gewillt find, die streikenden Kollegen der Willkür des Fabrikanten preiszugeben.. Darum, Arveiter, Kollegen, richten Unterzeichnete an Euch Alle die Bitte, die streikenden Arbeiter aus der Pianofabrik von Klinamann u. Co., Köpnicker- straße 175, auf jede Weise zu unterstützen; denn lassen wir die Kollegen untergehen, so werden andere Fabrikanten bald dem gegebenen Beispiel folgen. H. Nöske. K. Riediger. Fr. Schmalofski. Die Zahlstellen der Streikenden befinden fich Skalitzerstraße 18 bei Stramm und Kl. Andreasstraße 6 bei Rebaum. Der Töpferstreik i« Velten ist beendigt, die dortige Lohnkommisflon veröffentlicht folgendes:„Also der Kampf ist zu Ende. Wir find besiegt! Webe den Befiegten!* rufen jetzt die Meister. Am Freitag, den 25. September, war die ent- scheidende Versammlung. Der Vorfitzende, Kollege Mertens, legte klar, wie Zuzug und Abfall unS geschwächt haben und daß die Zersplitterung noch weiter gehen würde, wenn wir dem Kampf nicht ein vorläufiges Ende machen. Die in Arbeit bei den nicht vereinigten Meistern stehenden Kollegen erkärten, auch ferner nach Kräften für die Kollegen eintreten zu wollen, die ohne Arbeit bleiben oder gemaßregelt werden, für daS Weiter- streiken könnten fie aber auch nicht mehr stimmen. Die ge- Heime Abstimmung ergab 102 Stimmen für Schluß des Streiks und 83 für Weiterstreiken. Somit proklamirte Herr Mertens, daß der Ausstand„aufgeschoben" ist. Es wird uns nun sehr schwer gemacht, wieder in Arbeit zu kommen. Melden bei dem Altmeister und allerlei andere Demüthigungen müssen wir uns von den Siegern auflegen lassen. Die Kommisstonsmitglieder und noch manche andere sollen überhaupt nicht wieder Arbeit erhalten. Wir werden auch daran nicht zu Grunde gehen, und werden Mittel und Wege finden, uns fortzuhelfen. Euch, Kollegen in Deutschland, sagen wir bcrzlichen Dank für die vielen und großen Opfer, die Ihr für uns gebracht habt. Wir find Eurer nicht unwürdig gewesen! 21 Wochen haben wir auSgehalten und— vielleicht geht es hier doch noch einmal los! Nun bitten wir, uns besonders Arbeitsplätze nachzuweisen, damit die Gemaßrcgelten bald unterkommen. Laßt unS den Much nicht verlieren. Wenn wir auch nicht ganz unser Ziel erreicht haben, die Bewegung, die durch den Veltener Aus- stand in das Gewerk gekommen ist, wird heilsam fortwirken. Wir werden jevt die Abrechnung anfertigen, und dieselbe dem« nächst oeröffentlichen. Pereme und i Der Fachverei« der« Versammlung am Montag, ab. Auf der Tagesordnung Versammlungen. -tellmacher hielt eine General- den 28. September, Jnselftr. 10, „ stand: 1. Kassenbericht. 2. Sta- tutenberachung. 3. Vorstandswahl. 4. Wahl von 5 Kom- misfionsmilglreder zur Arbeitsausgabe. 5. Verschiedenes. 6. Fragekaste». Den Kassenbericht erstattete der Kasstrer Herr Hering; demnach betrug die Einnahme inkl. Bestand vom vorigen Quartal 85,28 M. Die Ausgabe 38,95 M. Bleibt ein Kassen bestand von 46,33 M. Die Revisoren konstatiren, daß fie die Kafle geprüft und für richtig befunden hätten. Darauf wurde dem Kasstrer die Decharge erthellt. Bei der Statutenberalbung wurde der Antrag des Herrn Groth, aus § 2 des Statuts den Satz„mit Ausschluß aller politischen und religiösen Fragen" zu streichen, abgelehnt, da die Ver- sammlung die Statuten m ihrer jetzigen Fassung für gut be- fand. In dm Vorstaud wurden neu resp. wiedergewählt die Herren Einger und Schröder zu Vorfitzmdm(der bisherige Vorsitzende Herr Heider lehnte seine eventuelle Wieder- wähl ab), Elein und Damke zu jSchriftfübrern, Hering und Bochow zu Kasfirern, und Böhm, Drier und Danke zu Revisoren. In die Kommisfion zur ArbtitSausgabe wurden gewählt: Gehlhar, Radke, Schröder, Hirte, Elein, Mentzel und Barthel. Zu„Verschiedenes" spricht Herr Mentzel seine Beftiedigung darüber aus, daß die Versammlung ver hältnißmäßig stärker besucht sei. als die früheren. Er legt der Versammlung die Sache der Stellmacher warm ans Herz und fordert die Kollegen auf, die gemeinsamen Interessen der Stell« macher nach Kräften zu fördem, damit, wenn die Stellmacher mit ihren gerechten Forderungen hervortreten, dieselben voll und ganz zur Annahme gelangm. Noch theilte Redner mit, daß am Montag. den 12. Oklober, Herr Dr. Zadeck einen wissmschastlichen Vortrag halten wird, und fordert er die Ver- sammlung auf, fich an diesem Tage besonders zahlreich in der Versammlung einzufinden. Der Vorstand des Bezirksveretns des werkthätige« Volkes der Echonssauser Vorstadt richtet an die Bezirks- genossen einen Aufruf zum Eintritt in gmanntm Verein. Derselbe bezweckt das Wohl seiner Mitbürger auf sozial-wirth« schafllichem Gebiete, sowie in fittlicher und geistiger Beziehung durch gegenseitige Belehrung und Vorträge Über politische, kommunale, sanitäre und gewerbliche Angelegenheitm, sowie durch Pflege der Geselligkeit und Wohlthätigkert unter dm Mit« gliedern und ihren Familien zu fördem. Mitglied kann jeder Einwohner der Schönhauser Vorstadt werden, welcher im Befitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist, und das 21. Lebensjahr überschritten bat. Der monatl. Beitrag beträgt 20 Pf., die Aufnahmegebühr 30 Pf. Es ist Pflicht eines jeden Arbeiters, dem es emst ist, an den Bcsttebungen zur Verbesserung seiner Lage theilzu- nehmen, fich unserer Vereinigung anzuschließen, denn nur ver« einigt find wir im Stande, unsere Lage zu verbessem, nur durch Vereinigung sind wir im Stande, unsere Prinzipien zur Geltung ,u bringen! Bezirksgenossen! Werft Euren Jndiffe- rmtismus über Bord, bedenkt, es handelt fich um Euer Wohl, um das Wohl Eurer Familien. Tretet ein in unsere Vereint- gung und beltt, daß unser Verein groß und stark werde; ver« einzelt find wir nichts, vereinigt eine Macht. Die nächste Ver sammlung findet am 6. Oktober er, Abends 8'/» Uhr, in Meister'S Salon, Schönhauser Allee 161, statt. Tagesordnung stehe morgen im Jnseratmtheil des BlatteS. Achtung! Sämmtliche Klavierarbeiter, welche der hiesigen Ortskrankentasse angehören, werdm gedetm, ihre Adressen im Laufe des heutigen Tages bei Stramm, Skalitzerstr. 18, behufs Feststellung der Delegirtenliste abzugeben, da eine Versammlung derjenigen Ortskassenmitglieder, welche beim Kasstrer König ihre Beiträge zahlen, beretts morgen(Sonntag) Vormittag auf„Tivoli" stattfindet. ES wird gebeten, bei der Adressenangabe ebenfalls zu bemerken, bei welchem Kasstrer die betreffenden Mitglieder ihre Beiträge zahlen. Der Fachverei« der Tischler HStt heute(Sonnabend) Abend 3'/» Uhr in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28, eine Versammlung ab, in welcher Herr Prediger ewer. Kendziora einen Vortrag halten wird über das Thema:„Was ist Wahr« hett?"(Die Versammlung wird präzis 8'/, Uhr eröffnet.) Vercinsmilglieder, welche unter den bekannten Bedingungen an dem Unterricht in der Handwerkerschule theilnehmm wollen, >aben fich unter Vorzeigung der vom Direktor der Handwerker- chule ausgestellten Karte m der Versammlung zu melden. Spätere Meldungen können nicht berücksichtigt werden. Mit- glieder, welche fich zur Theilnahme an dem Unterricht noch nicht angemeldet haben, müssen fich spätestens Eonnabend, den 3. Oktober, Abends von 6 bis 8 Uhr, in der Handwerkerschule, kurstr. 52, melden. Der Untenicht beginnt am Sonntag, den 4. Oktober. Sämmtliche Vereinsmitglieder, welche der„Orts- kranlenkasse der Tischler und Pianofortearbeiter" angehören, werden ersucht, ihre Quittungsdücher der Ortskaffe in die Vereinsversammlung mitzubringen. Ortskrankenkasse der Tischler und Pianoforte- Arbeiter. Die Wahl von 34 Vertretern zur General-Ver- ammlung für diejenigen Mitglieder, welche in dem Bezirk des KasfirerS König arbetten oder als freiwillige Mitglieder ihre Beiträge an denselben zahlen, findet am Sonntag, den 4. Oktober ct., Vormittags 10 Uhr, im Saale der Tivoli Brauerei tatt Wahlberechtigt und wählbar find nur diejenigen Mit« glieder, welche großjährig und im Befitz der bürgerlichen Ehren« rechte find. Der Zutritt ist nur gegen Vorzeigung deS neuen Guittungsbuches gestattet. Da dies seit dem Bestehen der Kasse die eiste Mitgliederversammlung ist, so ist es dringend nothwendig, daß die Mitglieder recht zahlreich erscheinen. Oeffentliche Versammlung sämmtlicher Tischler und Klavierarbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, den 4. Ottoder, Vormittags 10 einhalb Uhr, im Konzerthause Sans- ouci, Kottbuserstraße 4a. Tagesordnung: Bericht über die »isherige Thätigkett der Revistonskommisfion und die Erfolge. Referent: Herr Heinr. Schaar. Herr Rödel und Genossen find fierdurch eingeladen, auch alle diejenigen, welche die damalige Lohnkommisston unterstützt haben. Der Fachverein der Metallarbeiter in GaS-, Wasser- und Dampt-Armaturen hält eine Mitgliederversammlung heute Abend 8 Uhr in den Gratweil'schen Bierhallen, Kommandantenstraße 77—79, ad. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bohn über Witterungswechsel. 2. Diskusfion. 3. Abrech- nung vom Stiftungsfest. 4. Wahl der Fachkommisfion. 5. Verschiedenes und Fraaekasten. Ausgabe der Billets zum Kränzchen am 31. Onober in dem Bürgersaale, früher Vauxhall. Generalversammlung des Vereins der Einsetzer verlins, Sonntag, den 4. Ottober, Vormittags 10 Uhr, im Vereinslokal, Neue Friedrichstt. 44. Verein sämmtlicher verufsklassen, Berlin in.(E H.) heute Abend 3'/> Uhr, Versammlung bei Kummer, Acker« straße 13. Oeffentliche Versammlung sämmtlicher Dachdecker Berlins, Sonntag, den 4. Oktober er., Vormittags 10V, Uhr, im Restaurant Weick, Alexanderstt. 31. Tagesordnung: 1. Zweck und Nutzen der Fachvercine und die Nothwendigkeit einer Zentralisation. Referent: Hm I. Neumann aus Ham- bürg. 2. Bericht der Lohnkommisston. 3. Das Ardeiterschutz- gesetz. Referent: Herr I. Neumann. Sämmtliche Delegirte des Dachdecker- Kongresses find in dieser Versammlung an» wesend. Verein der Berliner Bauanschläger. Sonntag, den - Ottober, Vormittags 10 Uhr, Generalversammlung bei Preuß, Oramenstraße 51. Eine öffentliche Versammlung der Drechsler findet beute Abend in Keller's Salon. Andreassttaße 21, statt. (Näheres stehe unter„Soziales und Ardeiterbewegung.") Eine öffentliche Generalversammlung der Kisten« und Koffermacher Berlins findet Sonntag, den 4. Oktober, Vor- mittags 10 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstr. 20, statt. Tagesordnung; Bericht über die Wertstellen von Fuhg, Vallentin und Alterthum. Die Streikkommisfion ersucht alle Kollegen, in der Versammlung recht zahlreich zu erscheinen und dre ca. 60 streckenden Kollegen in jeder Hinstcht kräftigst zu unterstützen. Zentral- Kranken, und Sterbe-Kaffe der Fabrik- ffUMMSSZ 6l/i— 71/« Uhr neue Mitglieder auf. Urrmischtr». m zeigen, wie alle jene so"beliebten Marttn'�von�Konr�un? tzUGKW MSUMAS-- b'wet Spnt, wovon die Gallone(3% Liter) etwa 1,25 Dollar» (4,50 Mark) kostet. Hierzu kommt Färbestosi, Z wetschensaft, Neu-Sngland-Rum und Perlöl. Die Gallone dieses Gemisches kommt auf ca. 0,75—1,25 Dollars zu stehen. Das sogenannte Perlöl selbst ist eine liebliche Mischung von Schwefelsäure, Süßmandelöl und Ammoniak. Diese Stoffe haben bekanntlich die Wirkung, daß fie selbst bei starker Verdünnung die Zähne angreifen und bei längerem Gebrauche die Verdauunasorgane zerstören. Zur Herstellung der billigeren Sorten von Roggen- und sogenanntem Bourbonbranntwew bedient man sich deS Roggen- und Bourbonöles. Letzteres wird aus einer Mischung von Fuselöl, esfigsaurem Kalisalz. Schwefelsäure, schwefel- saurem Kuvferoxydul, Oxalat von Ammonium und schwarzem Manganoxyd destillirt. Ersteres dagegen besteht auS einer nicht minder anmuthenden Zusammensetzung von Fuselöl, önantbischem Aether, Chloroform, Schwefelsäure und Chlorat von Potasche. Von diesen„Grundstoffen" ist Kupferoxydul ein lebensgefährliches Gift, während Fuselöl diejenigen Verdauungs- und Nervenleiden hervormst, welche mit dem gewohnheits- mäßigen Genuß alkoholischer Getränke verbunden find. Bei dem sogenannten Kognak find die Hauptbestandtheile wiederum Sprit und Kognaköl, gewonnen aus Kokosnuß öl, Schwefelsäure und Alkohol mit einem Kostenaufwand von etwa 1,25 Dollars pro Gallone, während die Gallone echten importirten Kognaks, als welcher die Mischung verkauft wird, im Einkaufsprers auf 5,50—10,50 Dollars in den Vereinigten Staaten zu stehen kommt. Nur bei den besseren und theueren Sorten wird etwas echter Kognak beigegeben, schottischer Whisky wird aus Sprit und Birkenöl nebst einer Kleinigkeit ersten Whiskys fabriziit; der Preis einer Gallone stellt fich auf nicht ganz 1,50 Dollars. Die Stoffe, mittelst deren Svrit in Apfel- branntwein„verwandelt" wird, find: Fuselöl, Schwefel-, Bal- drian- und Esfigsäure sowie Bittermanoelöl, letzteres steht dem tyankali an Wirkung kaum nach, während Baldriansäure die Tätigkeit des HerzenS schwächt und schließlich Lähmung her- beiführt. Wenn wir nun noch hinzufügen, daß Salzsäure an- gewandt wird um Rotbwein, oder Bittermandelöl um Maras> chino darzustellen, so glauben wir, unseren Lesern genug aus dem reichen Inhalt des belehrenden WerkchenS mitgetherlt zu haben. Derselbe spricht nicht für die Wirkungen der gepriesenen freien Konkurrenz, welche nicht nur zu solchen Praklrken führt, sondem auch das geschäftliche Gewissen allmälig so weit macht, daß über derartige Usancen ganz offen durch Bücher Belehrung ertheilt werden kann, ohne daß die öffentliche Meinung nach Abhilfe dieser Mißstände schreit. Gelungen übersetzt. Lehrer:„So, Mylord, bevor wir heute mit dem fünften AN von Wilhelm Tell beginnen, lesen Sie gefälligst nochmals den Schluß des vierten."— Mylord: Barmherzige Brüder: Rasch tritt der Tod den Menschen an; es ist ihm keine Frist gegeben, u. s. w."— Lehrer:„Recht gut, Mylord. Ihre Aussprache beffert fich sehr. Haben Sie auch verstanden, was Sie gelesen haben?"— Mylord:„0 yes, ich haben verständen sehr: Das Mensch muß sterben rasch, wenn ihm nicht gegeben wird, was es frißt!" Kriefkaste« der Redaktio». _ Von jetzt ab ist da«„Berliue» VolkSblatt" in allen Trinkhallen für 5 Pf. käuflich. I» den nächsten Tagen beginne« wir mit der ver« öffentlichung des Roman«„Die Hand der Remest«" von Ewald August König. R. B. 1 T. Da« Vereinsgesetz erfordert eine Anzeige bei der Ortspolizeibehörde für diejemgen Versammlungen, in wel- cher öffentliche Angelegenheiten erörtert und berathcn werden sollen. Die Versammlungen der Mitglieder einer eingeschriebenen HllfSkaffe, in denen Kaffenangeleaenhetten zur Besprechung kommen, bedürfen nicht der polizeilichen Anmeldung, da die Kassenangelegenhetten nur die Verhättniffe der Mttglieder als solche betreffen und nicht zu dm öffmtlichm Angelegenheitei lunstrsch zu rechnen find. C. H. Der Abzug ist nicht in vollem Umfange gerecht- fertigt. Der Ardeitgeber hat nur das Recht, die Beiträge, welche dem Arbeiter obliegen, bei jeder regelmäßigen Lohn- Zahlung in Abzug zu bringen und zwar soweit die Betträae auf drese Lohnzahlunasperiode mtfallen. Höben Abzüge machen den Arbettgeber nach§ 82. 53 des Ges. von 15. Juni strafbar. . O. L. Teltow. Sofern der Inhalt der Statuten richtig wrevergegeben ist, so scheiden diejenigen Mitglieder, welche ms zwer Wochen Beittägm im Rückstände find, aus der Kaffe aut Um die Mitgliedschaft von Neuem zu erwerben, bedarf es so« dann einer besonderm Aufnahme. Vieweg. Ein Ehescheidungsgrund ist nur dann gcgedert mrtn irr,**____ w__ o"... wenn der Ehemann trotz richterlicher Verfügung der Frau de« Unterhalt beharrlich versagt. Ihre Mittheilungen legen eine» Ehescheidungsgrund mcht klar. Abonnent. Sie haben keinen Anspruch auf Krankengelb. No. 100. a) 370. b) 30. e) 10. C. 8. 88. 1. Die Beschlagnahme des Lohnes ist unzu- läsfig. 2. Auf Antrag haben Sie den OffenbarungSeid go leistet. 3. Diese Frage ist nicht klar gestellt. Rh. Der Exekutor mußte Sie auf Ihr Verlangen bei da Zwangsvollstreckung zuziehen. Zeigen Sie Ihren Schuldns wegen Beiseiteschaffung von Sachen bei drohender Exekutiv« bei der Staatsanwaltschaft an. H. S. Sie müssen spätestens am 15. Ottober kündige« und können zum 1. November ziehen. F. K. Um die Frage zu beantwortm, wollen Sie uni das Verwandschaftsoerhältniß der Erben zum Erblasser mit theilen. P. 2. Sie find nicht verpflichtet die Wohnung zu übe« nehmen. Mater. Opernhaus. Heute: Keine Vorstellung. Schauspielhan«. Heut«: König Heinrich der Vierte. _ Deutsche« Theater. Heute: Maria Magdalena. Krtedrich-Wilhelmstädttsche« Theater. Heute: Die Fledermaus. Restdenz-Theater. Heute: Theodora. Wallner-Theater. Heute: Sie weiß etwas. Hierauf: Papageno. Belle-Alliance-Theater. Hrute: Die Leibrente. Walhalla-Operetten-Theater. Heut«: Don Cesar. Biktoria-Theater. Heute: Messalina. Eentral-Thcater. Alle Jakobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heut«: Zum 65. Male: Die wilde Katze. GesangSposse in 4 Atten von W. Mannstädt, Mufik von G. Steffens. Loutsenstädtische« Theater. Direttion: Jos. FirmanS. Heute: Normo. Osteud-Theater. Heute: Berliner in Kamerun. Königstädtische« Theater. Heute: Gastspiel der Liliputaner. Die kleine Baronin. Theater der ReichShallen. Täglich: Aufreten sämmtlicher Spezialitätm. Ameriean-Theater. Täglich: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Kaufmann'« Variete Täglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. Konkordia. Täglich: Auftreten sämmtticher Spezialitäten und theatralisch« Vorstellung._ Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Verl. Sonntaasschwärmer. Posse mtt Gesang in 3 Akten und 6 Bildern. Vor der Vorstellung- Großes Konzert der HauSkapelle. Schwedische Eisbahn 1 E. O. Müller s Hyppodrom! Täglich Borstellungen! Zu recht zahlreichem Besuch ladet ergeben#«in[2269 E. O. JHiiKler. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß fich vom 5. Oktober an meine_ AeMatio». Weiß- und Wairisch-Mer'Lokal im Rebenhause. Wienerstraste 27. befindet. Die Zahlstelle der Central-Krankenkaffe für Tischler und BerufSgenoffen de- findet fich von dem Tage an ebenfalls dort. 22901_ Achtungsvoll J. M«y. IM© Uhrenfabrik von Max Busse, Ilumiukll Sr. 15? Invalldenatraase Ufr. 15? m zwischen Brunnen- und Ackerstraße empfiehlt sein reichba'.ttae« Lager, sowie seine Reparmtai�WerkWaM. 806 Das Elend der Philosophie. Antwort auf ProudhonS„Philosophie des Elends". Von Karl Marx. Mtt einem Vorwort von Friedrich Engels. #sr Prela Marli 3,50.„ Zu bnleden durch die Exvedttion Zimmerstraße 44. Tie von Mitgliedern des FachveremS der Schneider gegründete Produktiv- n. Rohstoff- Genossenschaft der Schneider ZU Berlin Mngetrageue Genossenschaft) No. 30 ZIMMER• STE.Ä SSE No. 30 emvfiehll ihr Lager fertiger Herrcn-Garderobe, sowie ibr reichhaltiges Lager in- und ausländischer Stoffe, edensall« gutta Borte und Knöpfe.=©(WÖetOW# Att tMih Sftdill angefertigt Reelle Arbeit. 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Wahlberechtigt und wählbar find nur großjährige Kassen- Mitglieder. Der Zutritt ist nur gegen Vorzeigung des neuen QulttungSbuches gestattet.[2328 Der Vorstand. Oeffentliche Geueral.Versammlung der Kisten- u. Koffermacher Berlins Sonntag, den 4. Oktbr., Vormittag« 10 Uhr, in den„Armtnhallen", Kommandanten- Straße 20. Tages-Ordnung: Bericht der Kommisfion über die Werlstellen von Fubg. V a l l e n t i n und A l t e r t h u m.[2334 Es ist Ehrensache jedes Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen, sowie die Streikenden nach Kräften zu unterstützen. 2334]_ Die Kommission. Arbeiter-BeMsverew der Oranienburger Vorstadt und des Wedding. Große öffentl. Versammlung am Montag, den 5. Oktober er.. Abend« 8 Uhr, im Wedding-Park, Müllerstraste 178. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Herrn au l Singer über die bevorstehenden Stadtverordneten- ahlen. 2. DiSkusfion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Jedermann bat Zutritt.— Zur Deckung der Unkosten Enttee nach Belleben.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht 2336|_ Der Vorstand. Fachverein der Metallarbeiter in Gas-, Waffer- u. Dampf-Armawreu. Mitglieder-Herstlmmkung heute, Sonnabend, de« 8. Oktober. Abend« 8 Uhr, in Sratweil's Bierhalle«. Kommandantenstraste 77/79 TageS-Ordnung: 1. Vorttag des Herrn Dr. Bohn über Witterungswechsel. 2. Diskusfion. 3. Ilbrechnung vom Stiftungsfest. 4. Wahl der Fachkommission. 5. Verschiedenes und Fragekasten.. Ausgabe der Billets zum Kränzchen am 31. Oktober m den Bürgersalen(früher Vauxhall)._ Eine Schlafstelle für Herren Müllerstr. 30-, vorn 3 Tr.. Gorn. 45 Wassenhoratrasse 46, emvfieblt nur reelle, gediegene Arbeit. Eigene Werkstatt. Solide Preise. Auch Theilzablung. Ortskrankenkasse der Tischler «nd Pianosorte-Arbeiter. Die Wahl von 33 Vertretern zur General-Versammlung für diejenigen Kassenmitglieder, welche in dem Bezirk des Kasstrer« Greiner arbeiten oder als freiwillige Mitglieder ihre Beiträge an denselben zahlen, sowie für die freiwilligen 21" am Sonntag, den 4. Oktober, Vormittag« 10 Uhr.. im NorothttflMifchtu Kafino, floroijitnflrife# Tages-Ordnung: Die bevorstehenden Stadtverordneten- Wahlen. Referent: Herr Stadtverordneter Paul Einger. Alle Wähler der dritten Abtheilung find eingeladen verpflichtet, zu erscheinen.[3# Im Auftrage des Arbeiter Wahlkomttees: _ Der Einberufer._ Geaeral-versammlung des Vereins der Einsetzer Werlini Sonntag, den 4. Oktober, Vormittag« 10 Uhr, im Vereins-Lokal, Neue Friedrtchstraste 44. Tagesordnung: 1. Publikation der gestrichenen Mitglied« 2. Kassen- und Revifionsdericht. 3. Innere Vereins-Angeleaö heiten. 4. Verschiedenes.[23» Der Vorstand. I. A.: Friedlich Richter, Oranienstr. 65� Lemuer Lühnenardeiter u. Lerüfsgeuofftt Versammlnng am Sonntag, den 4. Oktober er.. Vormittag« 10'/, Utz in den tssraiweit'schen Bierhallen, Kam Mandanten ssr. 77/7 Tagesordnung: Vortrag, Statutenvorlegung, Verschiedenes Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufer: F. Jürgens- Zur Deckung der Unkosten Entree nach Belieben.|2* Große öffentliche Former-Versammlung Sonntag Vormittag 10 Uhr, in Niest's Salon, Komlnandantenstr.7l!7- Tages-Ordnung: 1. Die Wichtigkeit der Organisation der Former. 2. Verschiedenes. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2333] Der Einberufer. Allen Freunden und Bekannten empfehle mein Schmbwaarern Gernchäft von selbst gefertigten Herren-, Damen- und Kinder- Sttefeln l den billigsten Preisen. Bestellungen nach Maaß, besonders fj Fußleidende, sowie Reparaturen jeder Art werden sauber& dr iu mww. Für 8 Thlr. Preßkohlen."'°°°� 2130]_ A. Schenk, Muskauerstraße 2& Mein Bureau habe ich von Chausseestraß« 7 nach Wallstraste 7«nd 8, nahe am Spittelmarktt verlegt. Berlin, den 30. 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