Kr. S3S. Ksntttag, den 4. Oktober 1885. ji crlimVmsdlck ßt$m für die Interessen der Arbeiter. Asthewt — tSglich—.o— �pV..—,-----— ü-i—„ Berlm frei m l Haut vierteljährlich 4 Marl, monatlich 1,35 Marl, wöchentlich 35 Psstaboimemeat 4 Ml. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illuf (Tingetrage» in der Pofheitungtpreitlifie für 1885 unter Nr Da»„Berliner Volksblatt' Morgent außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementtpreit !ummer mit illustr. Beilage 10' ~ 746.) Jnfertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeittmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bi» 4 Nachmittag» m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce«- Bureaux, ohne Erhöhung de» Preises, angenommen. Kedaktiou: Kenchstraße!i»— Krprdition: Iimmerstraße 44. Die L»lli>tiiz5»iihlkll bringe« nur geringe Bewegung im politischen Lebe« hervor, 'wie wir die« schon einmal an dieser Stelle angedeutet haben. War aber bi» jetzt die Agitation nüchtern, ja man könnte sagen. ledern, so ist sie e« nunmehr erst recht geworden, nachdem die Parteien ihre Wahlproklama- t i o n e n veröffentlichen. Da» Zentrum hat allerding» in gewohntem Patho» ferne Glaubenssätze zum Beste» gegeben, doch ist der Wahl- auftuf derselben noch allgemeiner gehalten worden, wie früher. Zm Uebrige» athmet er von Zuversicht und einem gewissen SiegeSstolz— beatl snnt poBHidente«! Ja, die erren haben ihre sichern Sitze, aus denen sie nicht heraus» "'' den im Konserva- B rüder", die Herren von Schorlemer und Wiodthorst stehen übrigens an der Spitze des Aufrufs friedlich«eben einander. '72' Amerikanische Erzählung von valdui« Möllhause«. (Fortsetzung.) Beiden ReichStagSwahlen ist das allerdings ander», da breche» alte welfisch-ultramontane Burgen, aber allein nur vor dem Ansturm der Arbeiterpartei zu- sammen— so Hannover und München.— Der Wahlaufruf der National-Liberalen nimmt den Mund recht voll. Er verspricht alle» Mögliche, Iwmii es von der Partei grundsätzlich nicht gehalten werde. Dm Handwerkern werdm eine gute Ausbildung der Lehrlinge und wirksame Korporationm vorgegaukelt, den Katholiken Aufgabe deS Kulturkampfs, natürlich, wenn» Bismarck erlaubt, die Jntereffm der Landwirthschaft wer- dm hervoraehobm— nur von den A r b e i t e r n, dm Lohnarbeitern schweigt man. Die Arbeiterstimmen habm ja auch bei dm LandtagSwahlm nichts zu sagen; desto mehr aber wird man die Arbeiter der den nächsten ReichStagSwahlen wieder umbuhlm. Komisch in der That aber klingt e», wmn die National» liberalm in ihrem Auftuf sagm, sie würdm— wie bisher —„der Entwicklung und Befesttgung deutscher G e d a»- ken- und Gewissen«heit die Bah« ebnm." Da« Sozialistengesetz und der Kultur« kämpf sind redmde Zeugm nationalliberaler Gedankm- und Gewiffmtfteiheit l E» muß einm anwidern, daß sich die Herren«och liberal nmnm; thätm sie da« nicht, änderte« sie dm Parteititel in national-reaktionär, dann wären ß wmigstm» ehrlich und man könnte ihnen auch cht« trauen. So aber muß man beim Lesm eines nationalliberalm Programm« immer sich sage«:„Die Herren Ieuitteton. Da» Mormoaeamadche«. Die Blicke hatte er niederwärt« gerichtet, um vorher den Boden zu prüfm, der die Last seines Körper» tragm sollte, und wenn sie auch übet dm Pfad hinausstreiften, wo sie sich b der bodenlose« Tiefe verlorm, so übte das 0Jlbetn Eindruck auf ihn au«, al« habe er sich am Rande eine« langsam fließenden Strome« befunden, dessen Fluthen er seinm Körper jederzeit hätte««verträum dürftn. töst« sich unter seinm Füßm. Erschreckt stand er stm, doch nicht, al» ob er eine Gefahr für sich erkannt hätte, sondern weil et befürchtete, durch das unabsichtlich erzeugte Geräusch seine Gegenwart verrathen zu habm....... Der Stein schlug mdefsm nirgmds an; schneller und schneller sank er niederwärt», bl« er endlich in der Tiefe mit dumpfem Getöse in Tausmde von Splittern zersprang. Da« Echo spielte«och m dm verworrmm Gängm mit dem Schall, da hatte Kairuk sich schon wieder w Bewegung gesetzt, aber wo möglich«och aufmerksamer nach vorn Buschend, wo ihm eine weitere Aussicht durch d,e Windungm de« P�deS und der denselben berührenden Felswand ent- SBährmd er au« geduldig und m st einem Gefühl der geriffe«, wurde e» auf dem Plateau belebter. . Es tauchtm nämlich nach verschiedmm Richwngm hm, ledoch westlich von der Linie, in welcher Kairuk sich befand, vier andere schwarz behaarte Köpfe auf, denen wdeffm d*« so schnell lange braune Gestaltm folgten, und fast versprechen dem Volke lediglich wieder einmal etwa», um ihr Versprechm nicht zu haltm. Da« ist bei dieser Partei Prinzip geworden."-- Die freikonservative Partei ist in ihrem Programm, wie immer, unbestimmt. Klein und schwach, wie sie ist, besitzt sie auch im Lande kein Verständniß. Dt« einzelnm Abgeordr etm dieser Partei werdm immer gewählt von einem Misch-Masch konservativer und»atioaalltberaler Wähler, wenn dieselben au« irgend welchm Tiündm leinen xigenen»äffenden Kandidaten ffnhen können. Deshalb spricht auch daS'Programm viel von Mittel- parteie», die so oft verleumdet würdm, aber doch die allerbestm, staatSerhaltmdm feie«. Als wmn es in Dmtschland irgend eine Partei gäbe, die dm Staat nicht erhalten wollte. Wir kmnm keine. ES handelt sich auch gar nicht um dm Staat, sondern um die jeweili Mittelparteim um j dem z. B. Herr von angehört, trotzdem er ein Ultrakonservativer ist, wird er gerade von den Mittelparteim bei seinm Bestrebungm getreulich unterstützt. Und wenn Herr Stöcker einmal Kultusminister durch des Fürstm Bismarck« Fürsprache würde, so würde Herr Stöcker selbstverständlich von dm Mittelparteien auf dm Schild gehobm, derselbe Herr Stöcker, der jetzt von denselben angefeindet wird. Schon deshalb habm die sogmannten„Programme" der nationalliberalm und fteikonseroatiom Parterm kein sonderliche» Interesse, weil sie die in dmselbm angeführten Programmpunkte nur dann aufrecht erhaltm, wenn e« die Regierung erlaubt. Wärm die Vorstände dieser Parteim ehrlich, so würdm sie von jedem Wahl- auftuf Abstand nehmm und einfach sagen: „Wähler! Wir stimmm, wie die Regierung will— ist Euch das recht, so gebt unserm Kandidatm Eure Stimmm. E» lebe Knobloch!" Und leider ist Aussicht vorhandm, daß in dm nächstm preußischen Landtag durch die Mittelparteim, ver- stärkt durch dm größten Theil der Dmtschkonservativm, die „Partei Knobloch" die herschende sein wird.--- Desto mehr muß da« arbeitende Volk sich anstrengm, durch unermüdliche Agitation dahin zu wirkm, daß der deutsche Reichstag vor einem ähnliche» Schicksal bewahrt bleibt. Politisch- Urberstcht. Die Frage: Wer trägt de« Zoll? wird nach der „Nordd. Allg.Ztg." vom Journal des rusfischm Finanzministers gleichzeitig traten dieselbe« einen Wettlauf an, zu dessm Ziel sie sich eine hart am Rande de« Plateaus stehmde Gruppe von verkrüppeltm Zederbüschen gewählt zu habm schienm. Doch nur der eine dieser wilden Jäger, der sich dem Rande der Ebene am nächstm befand, eilte mit lan- gen Sprüngm den Abhang hinab, um sich auf dm Pfad zu begebm, auf welchem ihm, wie er wußte, Kairuk ent- gegmkam. Dieser letztere war kaum verschwundm und die drei andere« MohaveS hatten wohl noch gegm hundert Schritte bis zu dem Zederngebüsch zurückzulegm, da mtstand plötz- lich eine lebhafte Bewegung hinter demselbm, und em in einer Weise ziffcrmaßig Händlern nicht gefallen dürfte. russische G l a n d während 1. Aua 7_ Mehrbetrag, den das russische Getreide an der deutschen Grenze hat entrichten müssen, auf 1 085 533 Metalllübel. und setzt Rudel von acht bi» zehn Argali«, ein mächtiger, unglaublich stark gehörnter Bock an der Spitze, sprang nach der Ebene hinauf. Kaum gewahrten die scheue« Thiere die drei auf sie einstürmende« Jäger, die bei ihrem Anblick in ein laute« Gehml ausbrachen und ihnen dm Weg verlegte«, so eilten sie in weitem Bogm wieder dm Abhang hinab, um auf dem unteren Felsmrande ihre Flucht fortzusetzen. Ohne zu zögern wendetm sie sich sogleich westlich, aber noch keine fünfzig Schritte hatte» sie im schnellen Laufe durch- messen, da stießen sie auf Jreteba, der sie ebenfalls mit durchdringendem Geschrei empfing und zugleich einm Pfeil auf die Sehne seine« Bogm« legte. Wiederum pralltm die geängstigtm Thiere zurück, und wie im Fluge ging ti«ach dem AbHange hinauf. Ihre Bewegungen warm blitzschnell, doch nicht schnell genug, um der Gefahr unangefochtm zu mtrinnm, dmn al« das letzte Mitglied de« flüchtigm Rudels, ei« junge« Schaf, auf we- «ige Schritte an Jreteba vorüberschoß, zog dieser die Sehne mit dem befiederten Schaft an« Ohr, und im nächstm Augen- blick haftete das tödtliche Geschoß ttef in dm Weichm de« unglücklichm Opfer». Die Vorderstm der kleinm Heerde hatten untcrdessm dm obersten Rand de« Plateau««reicht; fast gleichzeitig mit ihnm warm ab« auch die drei MohaveS eingetroffen, und abermals wurden sie durch wildes Gellm und schwinmde Pfeile zur Umkehr gezwungm. Jetzt nur»och einm einzige« beantwortet, welche unseren Frei In seinem Ausweise üb« die etreide-Ausfuhr nach Deutsch- des Zeitraums vom 1. August 1884 bis ust 1885 berechnet nämlich das genannte Blatt deiz. i», daß dies nur die Folge der mittlerweile rhöhung d« deutschen Getteidezölle ge- ......'" ii ausdrücklich eingetretenen. wesen sei. Da nun bekannterweise der GetreidepreiS diesseitigen Verkehr während des gleichen Zeitraums nicht nur nicht gestiegen, sondern sogar noch weiter gesunken ist, so geht daraus klar hervor, daß der Freihandelsdoktrin zuwider, jedk«! alls der deutsche Konsument ven erhöhten Zoll nickt trägt.— . lso das Ausland, unsere liebenswürdigen Nachbarn kragen den Zoll? Wmn das richtig ist, so sind die Russen doch recht dumm, warum legen sie denn nicht einen recht hohen Zoll auf die Gegenstände, welche von Deutschland üb« die russische Grenze geschickt werden? Das offiziöse Blatt eröffnet eine herrliche Perspeklive! Nach dieser Logik giebt es für daS deutsche Volk ja ein ganz probates Mittel, aus dem„Dalles" zu kommen, es ist nur nöthig, den Zoll auf Mehl und Getreide zu v«- zehnfachen und— nicht nur die Staatskassen, sondern auch die Taschen d« Steuerzahler w«den sich füllen. Nicht wahr, liebe „Norddeutsche"? Oder sollte die Sache doch wohl einm Hakm haben? Der Wahltermi» für die Wahl der Wahlmänner zum Abgeordnetmhause ist auf den 2S.(nicht, wie gestern irr« thümlich gesagt, 28.) Oktober angesetzt wordm. Im Uebrigen kann es unS so ziemlich gleichgiltig sein, wann die sogmannte Wahl stattfindet, da die Arbeiter wohl Besseres zu thun habm, als für einm liberalen oder konserativen Kandidaten die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Mögen die Herren den Rummel unter sich abmachen. Zur Krise in� den Baltanlandern. liegen auch hmte Ittel'~ ... z in Konstantinopel. von den Mächten angewiesen worden, die Berathung zu be- keine wesentlichen Thatsachen vor. Die Mitglied« der Bot- schafter�-Konferenz in Konstantinopel find wiederholt schleunigen und dafür zu sorgm, so bald wie möglich ge- schloffme Thatsachen zu schaffen. Dieser Weisung wrrd ent- sprochen werden, bevor Serbien seine Aktion begonnen haben möchte. Die Mächte widerstteben angeblich sämmtlich mehr als je in diesem Augenblick einem neuen orientalischen Kriege. Ob ein solcher indessen trotz alledem wird vermieden werden kön- nen, das ist eine Frage, die heute Niemand beantworten kann, da die Lösung fast ausschließlich dem Zufall anheimgegeben ist. — Während verschiedene Blätter behaupten, daß die Türkei fich auf alle möglichen Eventualitätm rüstet, wird von and«m jedwede Rüstung derselben in Abrede gestellt. Warum denn Krieg führen wegen Ostmmelien?— so fragen fich die türki« schen Führer,— wir haben ja so wie so nichts von Ostrumelien, als den jährlichen Tribut von 180000 türkischen Pfunden. Und bekommen wir denn wenigstens die 180000 Pfund? Nein, auch nicht, denn wir haben dieses Einkommen unseren Gläubigem, dm BondholderS, verschrieben. Folglich haben AuSweg vor fich sehmd, stürzten sie in schräg« Richtung dm Abhang hinunt« auf dm schmalm Psad zu, d« auß«- halb d« schroffm Felswand an dieser hinsührte, und auf welchem Kairuk ihnen langsam entgegenrückte. Nur das verwundete Thier, getrrebm von Schmttz und Todesangst, suchte zwischen den drei MohaveS durchzubrechen, jedoch zu seinem Verd«bm, dmn bei dem V«such«hielt es von den geübten Hände« noch zwei and«e Pfeilschüsse, die seine Kraft so sehr lähmten, daß e« den schnellfüßigm Burschm nicht schw« wurde,«ach kurzem Lauf ihre Beute einzuholen. Während sich dieses oben auf dem Plateau zutrug, hatte Kairuk seine ganze Gewandtheit aufgeboten, um mtweder das Ende de« Pfade« zu«reichm, oder auch an eine solche Stelle zu gelangen, wo e« ihm möglich gewesen wäre, dm Thittm auszuweichen und zugleich von seinm Waffm Ge- brauch zu machm. Allein wie sehr«sich auch beeilen mochte, so erweiterte d« Pfad sich doch nirgends, und seine ganze Hoffnung beruhte jetzt nur noch darauf, daß die He«de die Reihe sein« Gefährten durchbrechm und dann mtfliehm würde. Die Jagd hatte nämlich um einige Minntm zu ftüh begonnen, wodurch seine ursprüngliche Absicht, dem aufge- störtm Wilde die Flucht üb« dm schmalm Felsmpfad zu v«legm, vtteitelt wordm war. Er vemahm das wiederholte Gellm d« aufgeregtm Jäg«, er vemahm da« Klappern der niederwärts rollmdm Steine, al« die Thi«e dm Abhang hinaufeiltm,«sah sogar die Ecke d« Felswand vor sich, bis zu welcher er nur noch vorzudringm brauchte, um fich selbst gesichert zu wissm und die Argali» angreifen und zurückscheuchm zu können, gleich darauf unt«schied« ab« auch, daß die gehetzten Thi«e fich mit rasmd« Geschwindigkeit nähertm, und ihm also keine Zeit mehr, wed« zum Vorwärts- noch zum Rückwärt«- schrettm blieb. Vorfichttg ließ« sich dah« auf seine Kniee nied«, und sich mit den Händen auf die schmale Fläche stützend, schob er seinm Körp« so weit nach hintm, bi« derselbe der Länge nach auf dem Pfade ruhte. Seine Waffen dagegen hatte« unt« sich gelegt, so daß sie von dm Hufen d« wir gar kein Interesse an Lstrumelien, sondern nur die Bond- I holders. mögen diese Krieg führen! Die überseeische Auswanderung Deutscher über deutsche Hafen und Antwkiven betrug in den ersten acht Monaten dieses Jahre- 79 933 Personen, in demselben Zeitraum deS Vorjahres III 253.»_ ,, Da« Gesetz über da» Auswandernngswesen, welche« der Hamdura'sche Senat der Bürgerschaft vorgelegt hat, enthält nach dem Hamb. Fremden blatt" auch eine Bestrmmung. wo- nach den Auswanderern nicht kontraktlich die Verpflichtung auferlept weide, soll, einen Tbeil des Passagepreise« oder Vorschüsse nach Ankunft am Bestimmungsort abzuzahlen oder abzuverdienen; auch dürfen fie in der Wahl ihres Aufentballeo tcS und der Beschäftigung nicht beschränkt wer- den. Di.se Bestimmung soll dem Treiben der Werbeagenten entgegenwirken, welche die Auswanderer durch billige Passage- preise anlocken und fie jenseits des Meeres einem förmlichen Sklavmlebcn preisgeben. Aeeniu proTocateura, oder: Wie fängt man Sozialdemokraten? Unter dieser Siichmarke erzählt der„Dan- ziger Kurier" in seiner letzten Sonntagsnummer folgendes: Ein hiesiger achtbarer Bürger, der das„Verbrechen" be> geht, Sozialdemokrat zu sein, stellte fich auf unserer Redaktion vor und gab unS folgenden Brief zur Einficht. Herrn N. N., Wohlgeboren hier. Da ich in Erfahrung gebracht, daß Sie einer der Führer der Sozialisten Partei find, so erlaube Sie darauf �aufmerksam zu machen, daß wenn dem deutschen Volk die Mängel-- ------------ im hellsten Lichte vor Augen gestellt weiden, dieses fich wohl dazu entschließen würde Die Folgerung dieses ist, daß wenn wir die Zügel in Händen haben und das deutsche Volk durch Milde zur Unterwerfung Sebracht ist, die Macht haben, alle unsere Gegner bei Seite zu gasten., � t Um alio kurz zu schließen— frage ergebenst an, ob Sie geneigt wären, mich in Ihre Verbindung aufzunehmen? Ihrem gefälligen Bescheide unter Chiffre M. v. K. postlagernd Danzig entgegensehend, zeichne mit Hochachtung ergebenst M. v. K. Die durch Striche bezeichneten Stellen enthalten eine hoch- verrätderische Aufforderung, und da wir— so schreibt die Hamburger„Bürgerzeirung"— nicht das Bedürfniß fühlen, mit der Staatsanwaltschaft in Konflikt zu kommen, so wird eS uns Rierr and verdenken, wenn wir dieselbe auch nicht einmal als Kuriosum veröffentlichen. Aus dem Briefe ist zweierlei zu ersehen. Erstens(wenn man annimmt, derselbe sei ernst ge- meint): Welch' merkwürdige Anschauung gewisse Leute von dem Wesen und den Zielen der Sozialdemokratie haben, oder zweitens(wenn er, was wir in der That glauben, eine plumpe Falle ist): Für wie dumm man unsere Sozialdemokraten hält! Wir entbalten uns jeder Veimuthung über den Schreiber— jedenfalls ist er ein seltsamer Kauz, auf den das geflügelte Wort paßt:„Herrgott, wie groß ist dein zoologischer Garten!"— Ueber den verstorbenen Professor der Nationalöko- nomte Alfons Thun läßt fich die„Weserzeitung" aus Berlin schreiben: Wie die Zeitungen melden, ist am 25. d. M. zu Freiburg im Breisgau der Professor für Volkswirthjchast Alfons Thun im 31. Lebensjahre verschieden. Die Nachricht hat in der hiefigen Gelehrtenwelt lebhaftes Bedauern hervor- gerufen, denn trotz seiner jungen Jahre zählte Thun bereits zu den hervorragenden Kapazitäten auf dem Gebiete der Volks- wirthschaft. Freilich mußte man auf ein frühes Dahinscheiden des jungen Gelehrten gernßt sein. Bereits bei seiner Ankunft in Deutschland— Thun gehörte zu der nicht unbeträchUichen Zahl von Gelehrten, die durch ibr Wirken in Deutschland wett zu machen suchten, was unsere Vorfahren fich an Verdiensten um ihr Heimathsland, die deutsch-russtschen Ostseeprovinzen, vor- einst erworben hatten— trug er den Keim einer unheilbaren Krankheit in fich, und der rastlose Ei'er. mit dem er fich in Deutschland der Weiterführung seiner Studien hingab, hat wohl nicht wenig mit dazu beigetragen, den Krankheitsprozeß zu beschleunigen. Wer zu Beginn der 80 er Jabre im Bibliothekssaal des hiefigen königlichen statistischen Bureaus verkehrte, vor Allem die Theilnehmer an den von Engel geleiteten statistischen Kursen und die Genoffen der jugendfioben Tafelrunde, die fich allwöchentlich einmal hier praeside Engel nach bekannter Arbeit in einer rheinischen Weinstube zu vereinigen pflegten, fie werden fich gern deS blassen, liebenswürdig bescheidenen Geiähiten er- tnnem, der mit einer Reihe von Landsleuten— wir nennen von denselben nur noch den in den letzten Zeiten viel erwähn- ten Baron von Heyking— vom fernen Osten her zum deutschen Mutterlande gekommen war, um hier die in Rußland be- gonnenen Studien zu einem würdigen Abschluß zu bringen. Thier« nicht berührt werden konnten, und den rechten Arm über den Abgrund hinausschiebend, stützte er sich mit der Hand an der platten Seitenwand, wodurch es ihm gelang, seinen breiten Körper, von dem nur zwei Drititheile auf dem Pfade Platz fanden, im Gleichgewicht zu halten. Alles dieses war das Werk weniger Sekunden, und noch suchte die rechte Hand vergeblich nach einem besseren Stützpunkte, da wurden auch die breit gewundenen Hörner des Führer» der Heerde hinter der Ecke der Felswand fichtbar. De« Kopf feitSwärt« neigend, um nicht mit dem rechte« Horn die Wand zu scharf zu streifen oder gar hinter einer Unebenheit haften zu bleibe«, näherte fich da« prachtvolle Thier mit kurzen, vorsichtigen Sprüngen, und hinter dem- selben folgten, halb trabend, halb schreitend, die übrigen Mit- glieder der Familie. Die in seinem Wege liegende Gestalt hatte der Leiter auf den ersten Blick bemerkt. Durch ein ängstlick es Sqnau- den gab er es zu erkennen. Allein wen» er auch nicht die Feinde hinter fich gewußt hätte, würde er doch nicht mehr im Stande gewesen sein, umzukehren. Der Pfad war zu schmal, und heftig drängten die Letzte« de« Zuge« nach, die nicht« weniger ahnte«, al« daß ihnen auch vorn«och eine Gefahr drohe. Er mußte also vorwärts. E» sprach die« au« seinen glühenden, diamantklaren Augen, e« sprach au« seinem ängstlichen Schnauben und au« der Art, in welcher er, zum Angriff bereit, de« Kopf etwa« senkte. Schnell kam er heran. Kairuk hatte seine Blicke fest auf ihn gebestet und berechnete gespannt die Länge der Sprünge, die auf dem unsicher» Bode» verhältnißmäßig nur sehr kurz wäre«.._ Jetzt war da« Thier, welche» dre Verzweiflung su ernem furchtbare«, wüthende« Feinde machte, nur noch einige Fuß von ihm entfernt; im nächsten Augenblick mußte e« ihn er- reichen. Da hob Kairuk den Kopf etwa« empor, und indem er einen kurzen, durchdringenden Schrei ausstieß, bewegte er zugleich feine Füße. Der Argali fuhr nicht zurück, noch verrieth er Zweifel über das, was ihm zu thun übrig bleibe, aber ei« kurzer Damali bereits hatte fich Thun, wenn wir nicht irren, mit einer Arbeit über Landwirthschast und Gewerde in Mittelruß- land seit Aufhebung der Leibeigenschast hervoigethan, und da- mal« bereits wurde ihm im Kreise von näheren Freunden und Bekannten ein glänzendes Prognostikon gestellt. Die Arbeiten indessen, die in der Gelebrtenwelt seinen Ruf begründet und denen er auch im Jahre 1881 seinen Ruf als Professor für Volkswirthschaft an die Universität Basel zu verdanken hatte, find auf deutschem Boden entstanden. Wir heben aus den- selben in erster Linie das bedeutsame Werk:„Die In» dustrie am Niederrhein und die Lage ihrer Arbeiter" bervor, das in zwei Bänden bei Duncker und Humblot erschienen ist, ein Werk, dessen Be- deutung fich besonders in der sozialpolitischen Bewegung unserer Tage geltend macht, weil eS mit gewissenhaster Gründlichkeit die Lage der Arbeiter in der Klein- und der Hausindustrie zur Darstellung gebracht und gewissermaßen den Anstoß gegeben hat zu den in gleicher Richtung gehenden Arbeiten von Eax über die Thüringer Industrie und von I. Einger über die sozialen Zustände in den Fabrikbezirken des nördlichen Böh- men. In den letzten Jahren, insbesondere seit seiner Ueber- fiedelung an die Hcchschule in Freidurg, hatte Thun der so- zialen und politischen Bewegung seines russischen Vaterlandes wieder besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Eine Reihe in dieser Zeit erschienener Schriften Thun's legt Zeugniß ab von diesen Arbeiten, und noch im vorletzten Hefte des Schmoller« schen Jahrbuchs für Gesetzgebung u. s. w., an dem Thun seit seiner Ankunft in Deutschland eifrig mitgearbeitet hatte, findet fich von ihm eine Besprechung in rusfiscder Sprache erschienener Schriften über die gleiche Frage vor. Die deutsche Gelehrten- weit wird den Schlag, den sie erfahren, um so schmerzlicher empfinden, als gerade auf dem Gebiete der Volkswirthschaft der Tod in der letzten Zeit fich die aufsteigenden Größen zum Opfer erkoren hat. Wie Held, so ist auch jetzt Thun wieder noch an der Schwelle des Mannesalteis abgefordert worden. — Wir fügen diesen Ausführungen noch hinzu, daß auch die deutsche Arbeiterwelt dem Verstorbenen zu Dank verpflichtet ist, weil er mit sicherer Sonde das Elend und die Roth im Ar- beiterstande Mos legte und so wenigstens mit half, das große soziale Ucbel der Wett zu zeigen. Nur wenn eine Wunde blos gelegt worden ist, kann an ihre Heilung gegangen werden. Oesterreich Ungar». DaS österreichische Abgeordnetenhaus, zu dessen Präfidenten, wie schon gemeldet, Smolka wiedergewählt ist, wählte im wer- teren Verlaufe zum ersten Lizevrästdenten den Grafen Richard Clam-Martiniy mit 181 von 322 Stimmen, zum zweiten Vize- präfidenten Chlumecky mit 223 von 283 Stimmen. Ter Antrag, die Thronrede durch eine Adresse zu beantworten und einen Adreßausschuß von 24 Mitgliedern zu wählen, wurde angenommen, zahlreiche Initiativanträge wurden eingebracht. Grocholsk, unterstützt von 135 Dcputirten, brachte eine Jnter« pellation ein wegen der Ausweisung von österreichisch-ungari« schen Unterthanen aus Preußen. Frankreich. Heute wird während der Wahlen, wie man aus Paris schreibt, die ganze dortige Garnison zum Eingreifen bereit gehalten werden, da man in Folge der Spaltungen unter den Republikanern ernstliche Ruhestörungen befürchtet. Bis jetzt herrscht nicht die geringste Aufregung unter den Wählern, da man allgemein vorausyeht, daß der 4. Oktober eine endgiltige Entscheidung nickt herbersühren wird, der Schwerpunk, vielmehr in den am 18. Ottober stattfindenden Stichwahlen zu suchen ist. Unter starkem Zudrang zu den Bürgermeistereien begann die Vertheilung der Wählerkarten, so daß diesmal eine große Betbeiligung an den Wahlen zu erwarten ist. Die jüngsten Wahlversammlungen in Paris waren ohne allen Belang, und auck aus der Provinz ist nichts Wichtiges zu verzeichnen. An« läßlich der Wahlen bleiben alle Telegraphenämter zur Mit- theilung der Wahlergebnisse sowohl für den amtlichen, als für den Privatverkehr geöffnet. Die Frage der Herstellung eines Kanals zwischen dem At- lantischen und dem Mittelländischen Meere scheint wieder auf die Tagesordnung kommen zu sollen. Der Kanal soll von Bordeaux ausgehen und über Toulouse nach Narbonne führen, und eine Länge von 450 KU. haben. Der Kanal wäre in militärischer, kommerzieller, argrilultureller und industrieller Hinficht von Nuyen. Indem Torpedo- Flottillen diesen Kanal pasfiren könnten, würde die Bedeutung Gibraltar« sinken und die marittme Mackt Frankreich« würde nahezu verdoppelt wer» den. In wirthschafttrcher Beziehung würde die Handelsströ- mung in bedeutendem Maße von Gibraltar abgelentt werden. UeberdieS könnten infizirte Weinberge leicht unter Wasser ge- setzt werden. Spanten. Die Furcht der spanischen Regierung vor inneren Kon- flitten steigt mtt jedem Augenblick. Sie hat überdies von Por- tugal der Winke erhalten, die fie sehr beunruhigen; die spanischen Emigranten, die fich dort aufhatten, rührten sich sehr stark. Man fürchtet eine kombinirte Aktion der in Portugal Sprung brachte ihn bi« dicht vor die ausgestreckte Hand Kairuk'«, und dann mtt allen vier Füße« zugleich empor- schnellend, setzte er leicht und ohne ihn zu berühren über denselben fort, worauf er hinter der nächsten Biegung wie ein flüchtiger Schatten verschwand. Der Häuptling, der in jeder andern Lage oder Stellung von dem durch die geräuschvolle Verfolgung gereizten Thiere, welche« einem starken Hirsch an Schwere gleichkam, in die Tiefe hinabgeschleudert worden wäre, durfte sich jetzt al« gerettet bettachten, denn nachdem erst da« zweite in der Reihe über ihn weggesprunge» war, nahmen sich die nach- folgenden schon gar nicht mehr die Zeit, daß in ihrem Wege befindliche Hinderniß genauer zu prüfen. Sie sprangen, weil der Vordermann gesprungen war, und nicht nur von derselbe« Sielle au«, sondern auch ganz genau so weit und hoch, gerade so, wie sie ei gewohnt waren, wenn ihr Weg von Klippe zu Klippe führte. Kairuk verhiett sich während der ganzen Zeit so still und regungslos, als wäre er mit dem Felsen verwachsen ge- wesen; doch konnte er, trotz seiner gefährliche» Lage, nicht umhin, zedem einzelne« Thiere, wenn e« vor ihm zum Sprunge ansetzte, einen verlangenden Blick zu schenken aus welchem zualeich ei» tiefes Bedauern sprach, der werthvolle« Jagdbeute so nahe zu sein, ohne auch nur einen Finger zu ihrer Habhaflwerdung ausstrecken zu dürfen. Al« er dann endlich den Weg vor sich wieder frei sah, erhob er fich eben so behutsam, wie er fich vorher niederge- lassen hatte, und ohne Unfall legte er die kurze Sttecke bi« an da« Ende der Felsenwavd zurück. Schnell stieg er dann nach dem Plateau hinauf, um sich MISS und in Frankreich lebenden und an der Grenze konzentrirten Revolutionäre. Man scheint in den obersten Kreisen sehr un« ruhig bezüglich des Heeres zu sein; die Affaire Ealamanca, dann die beabsichtigte Schließung deS Centto MUitor haben sehr böses Blut gemacht, und im Fall einer Revolution ist auf das Heer durchaus nicht mit der Sicherheit zu rechnen. Dt« Spionage wird mtt außerordentlichem Eifer besonder« in den höheren Offizieiskreisen betrieben, vollends werden die zum Republikanismus Neigenden sehr genau beobachtet. DaS find Maßnahmen, die hinlänglich beweisen, daß man in den leiten- den Kreisen kein zu großes Vertrauen in das Heer setzt. Italien. Wie allbekannt, befindet fich die große Mehrheit der Bc« völterung Italiens nicht nur materiell, sondern auch geistig in der denkbar schlechtesten Lage. Tiesem Umstände ist es auch zuzuschreiben, daß die Maßnahmen der Regierung gegen das Umfickgreifm der Cholera den lebhaftesten Wiederstand finden.' Auf Sizilien ist es anläßlich solcher Maßregeln zu derarttgen Ausschreitungen gekommen, daß größere Truppenmaffen nach dorthin abgesandt werden mußtm, um die Ruhe wieder her« zustellen. In Alessandria della Äocca wurden die Quartieren der Karabinieri angezündet, die Telegraphendrähte durch- schnitten, die Eisenbahnschienen losgerissen und der Polizei« Vorsteher in seinem eigenen Hause eingesperrt. In Licata ver- suchte ein Vollshaufe, die Züge am Einlaufen in den Bahn« Hof zu verhindern, es kam dabei zu Zusammenstößen mit der Polizei und zwei Menschen wurden getödtet. Der Aberglaube und das Mißtrauen der Bevölkerung find unglaublich, die Leute meinen, man wolle fie vergiften und die Vorräthe, welche zur Entseuchung herbeigeschafft find, müssen militärisch bewacht werden, weil das Volk droht, fie anzuzünden. Dänemark. Das offiziöse dänische Blatt„Rat. Tid" fährt fort, unter der Ueberschrift„Deutsche Spione" gegen die Unternehunge« der deutschen Marine in dänischen Gewässern zu polemtfiren- Das Blatt schreibt:„Deutsche Kriegsschiffe fahren beständig einzeln, sondern im Geschwader; fie nehmen feste Etation ii> unseren Buchten und nehmen Terrain- Untersuchungen vor! fie lotsen und untersuchen das Fahrwasser in allen Einzelheiten; fie nehmen in jeder Art Kenntniß vom Lande, ja st schicken verkleidete Offiziere anS Land, um Beobachtungen an« zustellen, und um besonders die Stellen zu wählen, die vo« der dänischen Regierung und Volksvertretung als solche k zeichnet find, die für die Vertheivigung deS Landes vorwieget Bedeutung haben." Die„Nat.- Tidende" wundert fich seif darüber, daß die deutsche Kriegsmacht nicht verstehen kanil. „mtt welchen Gefühlen die Dänen die deutschen Kriegsschist überall in unseren Fahrwaffem" sehen und fie erlaubt st» dann die Frage:„Od die deutsche Flotte„auf höhere Ordre es wagen werde, ihre Uebungen an den finnischen Kütten vorzunehmen, um fich darin zu üben, einer rusfischen Flotte erit- gegenzutreten, wenn fie von Kronstadt ausläuft, oder Manöv» derselben Art vor Portsmouth zu hatten? Oder würde d» deutsche Regierung fich geduldig darin fügen, daß eine W" zöfische Flotte in ver Wesermünvung manöorirte? Man wir» uns eine Vorlesung über Völkerrecht halten, aber wtt werde* dann die Erklärung geben, daß es immer Gebrauch gewei» ist, auf diplomatischem Wege die Ankunft eines Geschwader- in einem fremden Seeterritorium anzukündigen. Diese Ru°' ficht nimmt unser mächtiger Nachbar nicht auf un«." Grotzbri taunie». Sir Michael Beach, der Schaykanzler und Führer de! Konservativen im Hause der Gemeinen, wohnte gestern eine* konservattven Meeting in Salisbury bei und hielt eine A» spräche, in welcher er fich über die Vorgänge in Ostrumelp folgendermaßen äußerte:„Diese Revolte dürste leicht 0*1*2 und ernstere Dinge als die Frage der Vereinigung von CP mmelien mit Bulgarien auf das Tapet bringen. Die f# schwersten und ernstesten Fragen dürsten zu leicht entsteht nicht nur zwischen den nedenduhlerischen Staaten der Balkan Halbinsel, sondem Mischen den Großmächten Europas.«"J lönnten möglicher Weise selbst die Existenz des britischen Reicst' berühren. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß ein unst»" vozirter Bruch eine« feierlichen Vertrages, wie der, mtW stattgefunden hat. ein sehr gefährliches Beispiel für aiiW* Personen ist. Wir werden gemeinschaftlich mit den übri(P europäischen Mächten versuchen, die Fläche irgend welch M liehet Ruhestörung einzuschränken und eine solche Lösung herbz zuführen, die am besten vereinbar ist mit Gerechtigkeit und f dem. was von höchstem Interesse für England ist. nämlick* AufrechthaUung de« europäischen Friedens." Zur irischen Fl«i übergehend, bedauerte Sir Michael Beach daS Ueberhandneh� des BoycottirmS in Irland und bemerkte, daß. falls die getfj wärtigen Mittel zur Unterdrückung desselben unzureichend(«* die Regierung zur Aufrechterhaltung de« Gesetzes strengt Maßregeln ergreifen werde. — Michael Davitt, der allbeliebte und in ganz Jrip fie dahin, al« hätte« sie, neben ihren sicheren Füße«, noch die Schwinge« des Adlers besessen. Hier lösten sich unter ihren flüchtigen Hufe» Steines rm Niederwärtsrollen ganze Ladungen von leichterem 9 rolle, Kies und vorweltlichen Muscheln hinabgerissen � mit diesen in wetten Sprüngen al« dichte« Schauer& da« Felsengesimse hinausflogen, dort brach sogar ei» t wttterter, lose haftender Felsblock au« dem Gesimse um nach langer geräuschloser Fahrt durch wette � Räume endlich tief unten mtt donnerndem Getöse zu f schelle». Doch mochte» Steine rollen und FelSblöck«* ihren morschen Fugen weichen, die Argali«, diese wundes schonen Thiere, in welchen sich Stärke und Gewa-iW so gesällig mit Aamuth paare», flohen dahin, al« gäbe sür sie kei« Hinderniß, keine Gefahr, außer derie-V welche ihnen die Mensche» bereiteten. Wo ei« StettM rollen begann, da war der leichte Fuß schon wieder* entsernt, ehe er eine einzige Drehung autgeführt hatte;? der trügerische Bode« unter der ungewohnten Last � gab, da schössen sie schon wieder davon,«och,-, der betreffende Felsblock sein tausendjähriges Lager verl-P hatte.„ Mit wachsender Geschwindigkeit sanken Kie« und M b» Tiefe hrnab, doch schneller noch stürmten die 3% siuf d« Außenseite de« PlateauS herum. Schnell erre>� sie die ostliche Rundung, wo der Abgrund schon einet Tiefe von dreitausend Fuß zugenommen hatte.% ofcr kümmerten die Bewohnerinnen luftiger, bi« M dw Wolken hinausragender Höhe» Tiefe« und Abgrü*. Siß ttlrtrevr» Vax* Sil Sie waren nicht schwindelig, dazu besaßen sie ei« «uge. einen zu sicher» Fuß; fie wußten, daß sie 1'iLf die Gaben, welche die Natur ihnen verliehe«, vollfi verlassen durfte«._ ayen ciuucn. t> Hui! wie e« dahin ging! Kie« und Steine blauschwänziaen Eidechsen und die mtt Stachel« J Hornftösche fuhren erschreckt i» die Feltspaften, uo° J muthig ließen die Taranteln, indem sie einen wärt« t Halen, die leichten Fallthüren w die Fug-' (Fortsetzung folgt.) hochgeehrte volksthümliche Agitator, will fich jetzt wieder in Irland niederlaffen, nachdem er seit einigen Jahren in Eng- land seinen Wohnfitz hatte. Zwischm DavUt und P a r n e l l besteht eine große prinzipielle Gegnerschaft, da erstcrer dafür eintritt, daß der Grund und Boden dem gesammten Volle ge hören soll, während Parnell nm will, daß den irischen Pächtern zunächst Erleichterungen und dann das gepachtete Land als Eigenthum werde. Parnell fühll fich mit seinen Forderungen nicht mehr recht ficher, er glaubt— und wodl nicht mit Unrecht — daß die Anficht Daoitt's schließlich die Oberhand gewinnen wird. Deshalb hat er bereits eine große Generaloersammlung der irischen Nationalliga auSgeschneben, der Delegirte aus England, Amerika und Australien beiwohnen sollen, um von ihr durch eine feierliche Erklärung das Prinzip der Land- nationalifirung verurtheilen und das des bäuerlichen Eigen- thums sanktioniren zu laffcn. Die Hauptstütze für seinen Ein- fluß glaubt er aber zu finden in seiner und seiner Genossen eigener parlamentarischer Thätigkeit. Amerika. Philadelphia» 30. September. In Seattle, Washington Territorium, fand gestern eine Versammlung von Delewrten verschiedener Albeitervereine statt, um gegen die Ausbreitung der Chinesen an der Pacificküste zu beratyschlagen. Resolutionen wurden mtt großer Mehrheit angenommen, worin alle Bürger aufgefordert werden, die in ihren Diensten stehenden Chinesen M entlassen, um dai Land von dem Druck der chinefischen Sklavenarbeit zu befreien. Die Einwohner aller Städte werden aufgefordett, Versammlungen betteffs Beratbung über diese wichtige Frage abzuhalten und gemeinsam mit dem Zentral- Komite in Seattle vorzugehen. Die heutigen Telegramme melden, daß die in den Kohlengruben bei Seattle beschafttgten Chinesen sämmtlich entlassen find und fich schnell entfernen, und daß ferner zahlreiche Mühlen ihre Chinesen durch weiße Arbeiter ersetzen. — Das farbige Element des Landes, welches Anfangs durchaus nichts von der demokratischen Administtation wissen wollte, da es befürchtete, daß ihm nicht dieselbe Beachtung im öffentlichen Leben zu Theil werden würde, wie unter republika' nischer Verwaltung, hat fich bereits mit dem Regierungswechsel ausgesöhnt, da fich seine Befürchtungen nicht realifiet haben. Herr Cleveland hat mehrfach bei der Besetzung von Aemtern die Farbigen berückfichtigt, was ihm dieselben sehr hoch ange- rechnet haben, obwohl ein solches Vorgehen doch ganz selbst. verstandlich ist und im Emklange mit dem Geist der Vcr- fassung des Landes steht. Ferner haben Farbige gute Stellen rm Generalposlamt und im Finanzministerium erhalten und viele der unteren Stellen in den verschiedenen Regierungs- departements find ebenfalls in Händen von Negern. — Aus Kanada wird gemeldet, daß der Gerichtshof in Battteford, im nordwestlichen Territorium, über mehrere Indianer wegen deren Betheiligung an der Rebellion sein Urtheil gefällt hat. Big Bear und acht andere Häuptlinge erhielten eine dreijährige Gefängnißstrafe, wäbrend 16 andere für Brandstiftungin und Pferdidierstähle mit.Gefängnißsttafen von 2 bis 17 Jahren belegt wurden. Vier Häuptlinge— Waudering Spirit, Mong-and, Diessyman und Charlebois— !lnd wegen Mordes zum Tode verurtheilt worden und Brigh- eyes erhielt wegen Todschlags eine Gefängnißstrafe von 20 Jahren. Lokales. Die„Arbeiter-AbendS- und Sonntagsschule" soll, nachdem am vorigen Dienstag(in der Versammlung in den Jndustriehallen, Mariannenstrahe 33) das Projekt allgemein Billigung gefunden hat, noch einmal auf die Tagesordnung einer in ernem anderen Stadttheile abzuhaltendenden Ver« sammlung gesetzt werden. Letztere ist auf Montag, den 5. Oktober, nach dem Lokale von Eeefeld, Grenadiersttaße, einbe- rufen.(S. Inserat.) CS fehlt hier der Raum, um daS Prin- zipielle und Geschäftliche des Unternehmens ausführlich zu ent« wickeln. In letzterer Beziehung sei nur gesagt, daß die Theil- nähme fich ganz billig stellt(1 Mark pro Monat) und der be- stimmt� zu erwartende Ueberschuß nicht einem Privatunternehmer zufällt, sondern der Schule gehört und zur Anschaffung einer Bibliothek und sonstigen geeigneten Zwecken verwandt werden soll. Zur Auskunft im Einzelnen find folgende das prooiso- rische Kuratorium bildende Herren berett: F. Berndt, Palltsaden- straße 35, Bruns, Reichenbergerstraße 105, Hamm, Dieffenbach- straße 67, Kirchner, Neuenburgerstraße 17 Ritzlaff, Friedrich Karlstraße(in FriedrichSderg) 24, R. Richter, Grüner Weg 30, G. Schöller, Landsbeiger Allee 148, K Schöppler, Fürstenstraße 2, O. Sillier, Admiralsttaße 12.— Selbstverständlich hat zu der Versammlung am Montage Jedermann Zutritt. * Der Berliner Berkehrs-Berein veranstaltet, wie früher, im Laufe dieses Winters Versammlungen, in denen instruftrve, gemeinnützige Vorträge gehalten werden sollen. Zunächst wird Herr Direktor Gellen ein Bild Berlins aus der Geschichte des letzten Jahrhunderts entwerfen. In weiteren Vorträgen wer- den auf Veranlassung des Vereins die zukünftigen Berliner Verkehrsverhättnisse erörtert werden. Ferner wird beabfichtigt, verschiedene zur Zeit noch bestehende Uebelstände im Verkehr der Reichshauptstadt demnächst durch praktische Maßregeln zu beseitigen. Eine Eintagsfliege. Unter dem Titel„Spandauer Tageblatt" erschien vorgestem in Spandau eine konservative Zeitung. Sie war in ihrem politischen Theil ein Auszug auS dem„Deutschen Tageblatt"; der lokale Theil sollte in Spandau hergestellt werden. Das neue Blatt gab fick selbst das Zeug- niß, eine wider Erwarten günstige Aufnahme gefunden zu haben. In Wirklichkeit war aber die Zahl der Abonnenten so gering, daß eine weitere Nummer nicht ausgegeben wurde. Die eingelaufenen Abonnementsgelder find theilweise zurück- gezahlt worden. An Eifer für das Unternehmen hat man eS auf jener Seite nicht fehlen lassm; selbst Behörden legten fich ins Mittel. So wurde, wie der„Anz. f. d. H." zu berichten weiß, um nur ein Beispiel, aber ein markantes zu geben durch Kommandantur- Parolenotiz vom 16. September bekannt gegeben, daß im Kommandanturbüreau eine Liste zur Einzeich- nung von Abonnements ausliege, und der Vorsteher des BüreauS erklärte fich gern bereit, ihm schriftlich zugehende AbonnementSaufftäge in diese Liste aufzunehmen. Ja die Parole Empfänger führten an jenem Tage eine Probenummer deS Blattes behufs Abgabe an die Truppcntheile und Institute bei fich.— Ob«S der„hilfreichen Unterstützung aller Wohl- Sefinnten", an welch« das Blatt appellirte, gelingen wird, das mternehmen noch zu retten, bleibt abzuwarten. Eine interessante Rechnung. Unsere Vorfahren waren ■I Achtern auf 6 Tage------ Her. und Hinreise.! nchtung der Execution» Tag ivel. lau uno«»">-»»» %% öäää ss ös 3 beim Setzen des Scheiterhaufens und 1 Tag bei der Execntion a dito 16 Gr. fac. 4 Thlr. Zwei Schölt tgroße starke Nagel zur Bevestigung derer Latten 10 Gr. Drey Mandel Bund gutes, gerades Stroh a 1 Thlr. 8 Gr.— 4 Thlr. Dasselbe nach der Gerichts-Stäte zu fahren 8 Gr. Dem Seilermeister Unger für gebrauchte Materialien laut Rechnung bezahlt 8 Thlr. 7 Gr. N. ß. Da mir kein trocken tzoltz geliefert worden, so babe noch 1 Stein Pech,'/« Tonne Theer und zwei alte Theertonnen zum entzweischlagen, um fie mit im Scheiter- Haufen zu setzen, und des Strassen ZHolyes wegen desto ge- schwinder zu befördern, mehr nehmen müssen, als angefetzet worden: dieses alles aus der Stadt nach der Gerichtsstelle zu fahren— 8 Gr. 6 Pfund gezogenen Schwefel als zwei Pfund mehr wie angesetzt find des nassen HoltzeS halber a 2 Gr. 12 Gr. Dem Eckmiede Meister Jaencker für Eisen« geräthschasten bezahlt laut Rechnung 17 Thlr. 22 Gr. Einen Nagelbohr l Gr. Die Stangen in der Krücke und Feuer- haaken in der Spacke(?) zu machen, habe einen Tage- löhner überhaupt bezahlt 8 Gr. Einen Helm und Stiel in der Axt und dem Hammer zu machen 4 Gr. Einen kleinen Schemel, wo Jnouifit drauf fitzen müssen, 6 Gr., zwei Leitern, so zum setzen des Scheiterhaufens gebraucht, a 16 Gr.= 1 Thlr. 8 Gr. Dem Böttchermeister Hartz für die Waffetthiene dezahlt laut Rechnung 3 Thlr. 18 Gr. Selibge aus der Stadt nach der Gerichtsstelle zu fahren 8 Gr. Zwei Fuhren Waffer, eine in benannte Thiene zum Abkühlen der Krücke und der Feuer- haaken bei der Exekution, dre andere das übrige Feuer auf den Abend zu Verhütung alleS Schadens bei entstehenden Sturmwinde mit auszugießen, nach der Gerichtsstelle zu fahren& 6 Gr.— 12 Gr,"— Außerdem ist in der vom 13. September 1786 datirten Rechnung noch eine nicht speztfizirte Schlofferrechnung mit 7 Thlr. 14 Gr., so daß die vom Scharfrichter Brand quittirte Rechnung vom 19. September fich auf 56 Thlr. 6 Gr. beläuft. Doch der Malefikant Höpner kostet der guten Stadt Berlin ein erhebliches Stück Geld mehr, wie wir aus Rechnungen ersehen, die dieselbe Exekution betreffen. Es liqui- dirt der Fuhrmann Friedrich Bocker„für Wafferholen auS der Panckow" 4 Thlr. Fuhrmann Krämer„Bretter und Latten nachs Gericht zu fahren" 1 Thlr., Friedrich Meverhoff für Latten und Bretter 5 Thlr. 16 Gr., Fuhrmann Sensecke 5 Thlr. 4 Gr. Fuhrlohn,„den Herrn Commrssarii Wilcke zu verschiede- nen Malen nach der Richtstätte hinaus zu fahren", Förster Leh- mann für eine junge Eiche, 14 Fuß lang. 1V> Fuß dick, zum Brandpfahl 3 Thlr., Förster Schrauke liefert für 27 Thr. Holz zum Scheiterhaufen. Die Exekution kostete, soweit auS den Belegen hervorging, alles in allem 104 Thlr. 6 Gr., und wenn man den Werth des Geldes zu damaliger Zeit in Be- stacht zieht, so kann man, wie die„Staatsbrg. Ztg," meint, mtt Recht sagen, daß die Verbrennung eines MissethäterS ein theurer Akt der Justiz war. Belle- Allianee- Theater. Am Mittwoch feiert der Schwank„Die Leidrente" von G. v. Moser daS Jubiläum seiner 50. Aufführung; von den Kouvlet- Einlagen, die von Herrn Emil Thomas und Frl. Deckmann mit ganz beson- derer Verve vorgetragen werden, find einige schon sehr populär, und so hat der lustige Schwank die berechtigte Ausstcht, auch sein 100. Jubiläum zu feiern. Gerichts-Zeitung. Prozeß Graes. Sechster Tag. Landgerichtsdirektor Müller eröffnet die Sitzung um 10 Uhr. Bei Beginn der Sitzung präzifirt Prof. Thumaun sein früheres Zeugniß dahin: Er habe, als Prof. Graes den Eid geleistet hatte, f. Z. ursprünglich denselben für etwas bedenklich gehalten. AlS er dann aber später in der bekannten Reisegeldfrage mit Prof. Graes konferirte, habe er demselben seine Anficht direkt ausgedrückt, Prof. Graes habe aber geantwortet: ein Verhält- niß in dem Sinne, welchen die Welt diesem Worte unterlegt, besteht zwischm mir und dem Mädchm nicht. ES wäre ja be- quemer gewesen, den Eid zu verweigem, ich würde aber damit in ein ganz falsches Licht gekommen sein und gerade im Interesse der Wahrheit war ich verpflichtet, den Eid zu leisten." Der ge fetzt hinzu, daß er seitdem die Sittenreinheit Graefs Zeuge allm Bekannten gegenüber betont hat. Angekl. Prof. Graes be- stätigt diese Darstellung.— Hieran schließt fich die Vereidigung der noch nicht vereidigten Zeugen: Hammermann und Krischen, Marie Reim, Prof. Kretzschmer und Ihlow. Der Präfident ermahnt namentlich die Zeugin Reim emdringlichst, fich noch einmal sorgfältig zu prüfen, ob fie alle ihre Belundigungen be« schwörm könne, namentlich ob fie beeidigen wolle, daß stotz ihres langen Verkehrs mit der Bertha ihr nie etwas von in- ttmen Beziehungen zwischen Graes und der Bertha auS eigener Wahmehmung bekannt geworden fei. Trotzdem bleibt die Zeugin dabei, daß fie nie etwas Anstößiges gesehen habe. Auf Wunsch deS Staatsanwalts tritt der Hotelier Popenberg aus Binz nochmals vor und erzählt, daß zwei Dienstmädchen von rhm einmal Mittheilung davon ge- macht haben, daß fie an der Thür deS Zimmers, in welchem der Professor Graes wohnte, gelauscht und deutlich die Worte der Angeklagten Bertha R. gehört habm:„Aber Herr Professor, das kitzelt so!"— Prof. Graes: Die Sache erklärt fich sehr einfach damit, daß Bertha Rother damals am Halse litt, so daß sie bei dem schlechten Wetter im Freien nicht Modell stehen konnte, daß ich deshalb in meinem Zimmer mehrfach arbeiten mußte und der von dem Dienstmädchen ge- hörte Ausdruck fich nur auf die Halsptnselungen beziehen konnte, die er an der Bertha Rother vornehmen mußte. Mein Tagebuch, welches in den Händen des Präfidmten ist, muß ja volle Aufklärung darüber bringen, auch muß ja daS Rezept noch beschafft werden können.— Zeuge Popenberg erklärt weiter, daß er kurz nack jener Mitthellung der Dienstmädchen in dem Zimmer des Professors eine Modellskizze vorgefunden habe, aus welcher er erst ersah, daß die Dame Modell stehe. Als er hier nach Berlin zum Termin reiste, habe er von mehreren Ortteinwohnem gehört, daß einzelne eingesessene Personen wahrscheinlich mehr wie er bekunden könnten.— Der Staats- anwalt läßt fich infolge dessen die Namen dieser Zeugen nennen und beantragt die Ladung derselben.— Der Präfident verliest zunächst aus dem Tagebuch deS Angekl. Graes die Notizen über seinen Aufenthall in Binz, ES geht daraus hervor, daß in der That in der ersten Zeit das Wetter sehr schlecht war und ein Arbeiten im Freien verbot, ferner daß Bertha Rother halsleidend war und daß in der Apotheke Medizin gemacht werden mußte.— Rechtsanwalt Holz: Ist die Familie des Herrn Prof. Graes von Saßnitz aus auch nach Binz gekommen?— Zeuge: Jawohl.— R.>A. Holz: Hat dabei Bertha Rother nicht auch mit der Fannlie an demselben Tische gesessen?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— Der Zeuge bestätigt schließlich, daß Bertha R. damals allerdings hals- leidend war und daß er Medizin aus der Apotheke holen mußte. — Der Gerichtshof beschließt, die angegebenen Zeugen auS Binz refp. Prora telegraphisch zu laden.— R.-A. Kleinholz: Die Verthcidigung beantragt nun auch noch die Ladung zweier Juristen, die in dem Prozesse Hammermann zugegen waren. Diese beiden Herren, Referendar Jsaac und Dr. Salomonson, werden in Uebereinstimmung mit dem Rechtsanwalt Dr. Bernstein bekunden, daß die Fragen bezüglich deS„VerhättniffeS" nicht vom Direttor Bachmann, sondern vom Vertheidiger Dr. Bernstein gestellt seien und daß fie nicht im Perfektum, son- dem im Präsens gelautet haben.— Auch diese Zeugen sollen geladen werden. Der Präfident schreitet nunmehr zur Verlesung verfchie- dener Schriftstücke. Dahin gehören zuerst die Tausscheine der beiden Schwestern und die Akten der Sittenpolizei. ES ergiebt fich daraus, daß Bertha R. schon im Iahte 1878 aufgeschneden wurde, weil fie fich in der Friedrichsttaße mtt bestimmt erkenn- barer Abficht umhertrieb, daß darauf mehrfache Verwarnungen folgten, fie dann unter fittmpolizeiliche Kontrole gestM wurde, aber nach einiger Zeit wieder entlassen worden ist. Es folgten dann wieder einige Denunziationen, Vorladungen, Ver« wamungen«. und es heißt in den Akten, daß fich Bertha R.(zu der Zeit, als fie schon allein wohnte) aus dem Belle-Alliance-Theater wegen auffälligen Betragens hinausgewiesen worden ist, in der Ausstellung ein auffälliges Be- nehmen zur Schau getragen hat, vielfach Unter den Linden flanire, namenttich bei den Offizieren des Gardekorps bekannt sei. oft dm ZirkuS besuche«. k.— Angekl. Graes: In dm polizeilichen Atten steht auch, daß Bertha eine fürstlich einge- richtete Wohnung befitze. Das kann unmöglich zu meiner Zeit gewesen sein. Damals hatte die Familie die einfachsten Möbel» sogar mit zerrissenen Bezügen, und wenn das Gegenthell in dm Atten steht, so wäre dies eine Unwahrheit.— Präs.: Es steht allerdings in den Atten.— Angekl. Graes(mit Nachdruck): Ich glaube doch, daß fich bis jetzt alle meine Angaben bestättgt haben.— Präs.: Das zu beurtheilen, ist Sache der Geschworenen.— Aus den weiteren Polizeiakten geht hervor, daß auch Anna Rother im Jahre 1880 polizeilich verwarnt worden ist.— Ein Geschworener wünscht noch näheres über dre Ausstattung der Wohnung zu wiffm und namentlich, wie viel Zimmer Bertha R. inne hatte. Räch der Darstellung der Zeugin Reuter bestand die Wohnung aus drei Stuben und Küche. Zwei Stuben nach vorn standen zumeist der Bertha zu Gebote, doch verkebrtm auch die übrigen Wohnunasbewohner darin. DaS eine Vorderzimmer, welches ein Himmelbett enthielt, diente als Schlafzimmer für Bertha R., in dem anderen Zimmer war eine Garnitur von grünem Rips.— Angekl. Graes: Ich möchte aber doch noch einmal den Gedanken nicht auf- kommen lassm, als ob ich der Bertha eine Wohnung fürst- lich hergerichtet hätte.— Präs,: Die Begriffe Darüber find verschieden- Der Polizeibeamte hielt die Einrichtung bei einem Töpfergesellen wahrscheinlich für fürstlich. Nun, Angekl. Bertha Rother, ist denn das richtig, daß Sie zwei Vorderzimmer und ein Himmelbett befitzen und die ganze übrige Gesellschaft in einem Hinterzimmer kampirm muß?— Angett. Bertha R., welche während dieser gart tot Auseinandersetzungen mit gesenktem Kopfe dasttzt, bricht hier plötzlich in ein länger andauerndes krampfhaftes Schluchzen auS, so daß ihr der Bote mit einem Glase Wasser beispringm muß-— ES folgen mehrere Briefe, die bei der Haussuchung bei Frau Rother— theilweise im Ofen— vorgefunden worden find. Dieselben betreffen zunächst Geldangelegenheiten und bestätigen, daß von Seiten der Frau Rother fortgesetzt immer nme Geldfordeiungm an Graes gestellt worden find; bald war es zur Miethe, bald zur Begleichung anderer Verlegmhettm. So heißt es in einzelnen verselbm: „Jetzt kann ich unmöglich helfen, suchen Sie sich anders )u helfen! Verkaufen und versetzen Sie die Möbel, warum schaffen fie sich auch ein Instrument an, ohne mich zu fragm." Fn einem Brief aus London heißt eS:„Eben Ihren Brief er« alten und ich schicke Jhnm 150 M. Die 20 M. werden Sie ich noch dazu schaffen. Ich danke Lieschm für ihren Brief; S) will Jynen gerne helfen und Lieschm soll es so ansehm, als ob die 150 M. gleichzeitig ein Geburtstagsgeschenk für fie und zur Miethe für die Mutter find. Geben Sie durch Bertha Nachricht." Aus den ferneren Briefen geht hervor, daß Prof. Graes immer und immer wieder fich gegm die unmäßigen Geldanforderungen der Frau Rother verwahrt, dann aber immer wieder neue Summen gegeben hat. Er schreibt immer wieder:„Ich habe nichts mehr 1"„Ich kann nichts mehr geben." „Ich bin ein Mann von 60 Jahren und muß jetzt für meineFamilie sorgen",„Die schönen Zeiten, wo ich große Gelder ver« diente, find vorüber",„Die kolossalm Ausgaben, welche ich für Sie und die Ihrigen gemacht habe, müssm meine Familie ruiniren",„Sie verlangen immer und immer Geld, ohne mir auch nm zu danken",„In vier Monaten habe ich für Sie und Bertha wieder über 7000 Mark gezahlt", ,�Jch kann nichts dafür, daß Sie nicht vorwärts kommen",„Ich habe für all meinen guten Willen nm sehr wenig Freude gehabt, dagegen immer nm Geld und wieder Geld%. ic. In den Briefen kommen auch mehrfach Stellen vor, welche auffällig und ver« dächtig erscheinen, auf Vorhaltung derselben durch den Präfi» deuten sucht fie aber der Angekl. Graes durchweg in ziemlich unbefangenem Tone auf natürliche und unverdächtige Weise zu erläutern. Die Phrase mit den 7000 Mark habe er ge- schrieben, weil er glaubte, mit einiger Uebertteibreibung mehr abzuschrecken. Die Familie habe nie gewußt, waS fie eigenttich im Ganzen erhalten, denn er habe die Gelder immer nur in kleineren Raten gegeben.— Hierauf läßt der Präfident eine Pause eintreten.(Forts, folgt.) P. Wegen LandfriedensbruchS angeklagt erschienen gestern vor den Schranken der 2. Strafkammer des Landge- richts Ii: 1. der Arbeiter Karl Friedrich Eichhorn, 2. Arbeiter August Friedrich Fleischer und 3. der Arbeiter Karl Brandt— sämmtlich in Spandau wohnhaft. Ein Vorgang an letzterem Orte, am Abend des 25. April, lag der Anvage zu Grunde.— Der Angeklagte Brandt und verschiedene andere, bei dem Maurermeister Richter auf einem Bau in Charlottenburg be- schäfttgte Maurer und Eteinträger hatten an jenem Tage ver- aebenS bis Abends 7 Uhr auf die Auszahlung ihrer Löhne ge- harrt und dampften dann nach Spandau, um dort von dem Meister, der, wie fie vermutheten, bei seinem Schwiegervater, dem Brauereibesttzer Schulte, fich aufhielt. Gelb zu erhalten. Die Arbeiterkolonnen sammelten fich nun in der Breftenstraße vor der Schulte schen Brauerei. Neugierige, denen die vor der Thür des Schutte'schen Restauratrons Lokales harren- den Bauarberter einen willkommenen Zettvertreib boten, blieben stehen und schließlich staute fich in der Straße die Menschen- menge. Als nun aber gar die harrenden Arbeiter gewahr wurden, daß fie den weiten Weg von Charlotten bürg umsonst gemacht, denn Richter war überhaupt nicht in Spandau, da machten fie ihrer Erregung in nicht gerade schmeichelhaften Worte Luft. Durch die unberufene Einmischung einiger Span- dauer, welche nichts mit der Sache selbst zu thun hatten, nahm der Auflauf derartige Dimenfionen an, daß nunmehr der an- wesende Polizei- Sergeant Hausmann die fich hin und her- schiebende Menschenmenge zum Auseinandergehen aufforderte. Die Charlottenburger, welche gekommen waren ihren Lohn zu holen, wollten begreiflicherwerse nicht weichen und wur- in diesem durch verschiedene zustimmende Rufe aus dem Volkshaufen hestärtt. Die Polizei- Beamten schritten, nachdem die dreimalige Aufforderung an die Menge zum Nach- hausegebcn fruchtlos geblieben war, zur Verhaftung der Angeklagten Eichham und Brandt. Dieselben sollten zur RathbauS- Wache gebracht werden. Auf dem Wege dahin gelang es ihnen zu mtflrehen. Der Angeklagte Fleischer soll, als die Vo hafteten abgeführt wurden, den Alarmruf„Feuer!" ausgestoßen und: „Haut ihn!" gemfen haben. Die AvklagcbRiörde hatte in diesen Aeußoungen eine Bedrohung der Pollzei-Beamten erblickt und Fleischer und Brandt hatten fich außer wegen Landfriedens- brucheS noch wegen Widerstandes gegm die Be» amtot vor Gericht zu verantworten.— Im Audienz- Termin entschuldigt fich Eichham mit dem Ein- wand, daß er die Aufforderung nicht vemommen- Polizei- sergeant HauSmann bekundet auf die hierauf bezügliche Frage des Staatsanwalts, daß er, Hausmann, diese Aufforderung nicht gerufm, sondern„gebrüllt" habe. Der Staatsanwalt beantragt auf Gmnd des§116 bezw.§ III R St.-G B. gegen Fleischer und Brandt 4 Wochm und 14 Tage Gefängniß, gegen Eichham 1 Woche Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte gegen Eichhom dem Antrage des Staatsanwalts gemäß, gegen Fleischer und Brandt lautete das Urtheil auf je 4 Wochm Ge» sängniß. Heute: Lucrezia Borgia. liderspän Theater. OperuhavS. Morgen: Der Widerspänstigen Zähmung. Schauspielhaus. Heute: Minna von Barnhelm. Morg-n: Nar,i� Heute: Jungbrunnen. Morgen: Der Hüttenbesttzer. Krtedrich.WtlhelmftädttscheS Theater. Heute: Der Bettelstudent. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Refidenz-Theater. Heute: Tbeodora. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Wallner-Theater. Heute: Sie weih etwas. Hierauf: Papageno. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Belle-Alltauee-Theater. H-ute! Die Leibrente. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Walhalla-Operetteu-Theater. Heute: Don Cesar. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Viktoria-Theater. Heute: Meffalina. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Central-Theater. Me Jakobstrahe 32. Direktion: Adolph Ernst. Schön- und Schnellschreib-Nuterricht: Drei Verschiedeue Schriften für nur 6 Mark lehrt der Unterzeichnete in den neu eröffneten Schreib-Kursen in der o. Idct_ 7".~'' r~," Betheiligung. letbUe, Kalligraph und Schreiblehrer, Steglitzerftrahe 65. DreSdenerstraße 10. Der Unterricht findet jeden Dienstag und Freitag Abends von 8% bis 10% Uhr� statt. 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Wir meinen uns nicht zu täuschen, wenn wir sagen, daß die hohen Erwartungen, die von vielen Seiten an die vorausgesetzten„Enthüllungen" des Prozesses geknüpft wurden, fich nicht erfüllt haben; alles was durch die eingeben- den Verhandlungen festgestellt wurde, waren Dinge, die kun> digcn Beobachtern der sozialistischen Bewegung langst bekannt find. Es ist nichts, gar nichts aufgedeckt worden, wrs bisher daS Licht deS Tages gescheut hätte. Die Anklage stützt fich auf ,wei Paragraphen des Straf- aesetzduches. welche die Zugehörigkeit zu einer geheimen Ver- bindung, die auf ungesetzliche Zwecke abzielt, mit Gefängniß- hast bedrohen. Die Frage also, um welche fich das ganze Verfahren drehte, ging dahin, ob die sozialdemokratische Partei in irgendwelcher geheimen Weise organifirt ist. Das hohe Interesse dieser Frage liegt auf der Hand. Es könnte nicht nur mit ernsten Gefabren für die öffentliche Sicherheit im äußerlichen Sinne deS Wortes verbunden sein, wenn eine über eine halbe Million Wähler zählende Partei sich in den Formen einer geheimen Verschwörung bewegte und entwickelte, sondern eS müßte namentlich mit den schwersten Besorgnissen für die öffentliche Sittlichkeit erfüllen, wenn fich in den arbeitenden Klaffen eine Geheimbündelei einnistete, die nach allen Er- fahrungen, welche namentlich mit den Geheimbünden der ro- manischen Völker in diesem Jahrhundert gemacht worden find, auf Charakter und Geist der Theilnehmer äußerst verderblich einzuwirken pflegt. Diese Gefahr besteht glücklicherweise für Deutschland nicht und den betreffenden Nachweis mit aller Gründlichkeit geführt zu haben, ist derjenige Umstand, welcher dem Chemnitzer Prozeß seine zeitgeschichtliche Bedeutung giebt. WaS derselbe ans Tageslicht gefördert hat. find, wie gesagt, durchaus bekannte Dmge, welche jeder Politiker kannte, der die proletarische Bewegung aufmerksam verfolgte und über- Haupt jeder Politiker kennen konnte, der fie aufmerksam ver- folgen wollte. Es ist vollkommen richtig: seit dem Erlaß deS Sozialisten- aesetzeS bestand eine gewisse„Organisation" der sozialdemokra- tischen Partei und fie besteht heute auch noch. Ob und inwle- ....."""-------- v!- genannten Paragraphen des Des Richterspruchs, dem wir gedenken, wenngleich wir heute schon kaum irgend einen Zweifel darüber hegen, wie er lauten wird. Aber diese„Organisation" ist sehr weit entkernt von gewissermaßen _ Erzeugniß der einzelner Personen. Eine so starke Partei wie die sozialdemokratische läßt fich eben nickt einfach weablasen, selbst durch das schärfste Gesetzt nicht; so lange fie Über mehrere hunderttausend Mitglieder verfügt, wird fie auch über einen gewissen geistigen Zusammenhang verfügen, und es kann nicht ausbleiben, daß dieser geistige Zusammenhang "giebt, indem man fich ge- decken und zu schützen sucht, as ist aber keine Geheim- dündelei, sondern eine sehr menschliche und natürliche Sache, und man sollte fich unseres Erachtens davor hüten, den Bogen allzu straff zu spannen. Hat man fich das Sozialisten aesetz ge- schaffen, um jede formelle Organisation der sozialdemokratischen Partei zu zertrümmem und jede Ermannung derselben im Keime zu ersticken, dann will es unS nicht als billig erscheinen, nun noch mtt dem gemeinen Strafrecht gegen jenen geistigen Zusammenhang vorzurücken, der nun doch einmal nicht zu ver- Nichten ist. Vom geschichtlichen und moralischen Standpunkte aus wild daS Uttheil über die sozialdemokratische Agitation dadurch nicht strenger, sondern milder, daß fie von Beginn deS Sozialistengesetzes bis auf diesen Tag jede Geheimbündelei ver- ßmäht hat, aber daß ihre Genoffen in der Roth treu zusammen- lten. Von diesem Standpunkt- aus können wir nicht umhin, unser Bedauern darüber auszusprechen, daß die Anklage in Chemnitz überhaupt erhoben worden ist. Inzwischen, da eS einmal geschehen ist, müssen wir wenig- Kerliner Sonntagsplauderei. E.G. Mit gerollten Achselklappen ist der Reservist nach der Heimath entlassen, die lustigen Manövermärsche sind verklungen und der junge Mann, der noch vor wenigen Tagen hoch zu Roß oder stolz zu Fuß mit den Dorfschönen feurige Liebesblicke wechselte, ist seinem bürgerlichen Beruf wiedergegeben. Schaarenweise kamen sie in Berlin an, die Gwrnison von Berlin selbst ließ ein bedeutendes Kontingent derjenigen Leute zurück, die jetzt noch unter den Stellen- suchenden zu erkennen sind, die tagtäglich mit brennender Sehnsucht die Ausgabe des ZntelligenzblatteS er- watten. Wer jener männlichen Beschäftigung, die der Unter« osfizier mtt dem Kunstauidruck„Griffe kloppen" bezeichnet, jemals obgelegen hat, der kennt auch das Gefühl der Beängstigung, welches den jungen Mann überkommt, der »ach Abfolvirung seiner Dienstzeit nunmehr wieder selbst- ständig für seine Bedürfniffe sorgen soll. Wird er, der ur- plötzlich dem Strudel de» Lebens preisgegeben ist, einen Treffer oder eine Niete ziehen in der großen Lotterie, die unser ganze» Lebe» darstellt, wird er das wieder erringen, SÜ". Ä0Ä ÄÄ ä äti WMK 8 Die Wogen des Lebens schlagen in dem Getriebe der Weltstadt über dem Einzelnen zusammen, eS ,st 1« nur «mer, ei» Einzelner- das bedeuttt nicht«! Alle» geht seinen gewöhnlichen Gang. Der 0 »wiug ,st größtenteils vorüber, am eigentsichen Zrehtage MZUWMHWiM Italien, Spanien von jeher so sehr verbitterte, nochmals in feierlichsten Formen bestätigt und zur allgemeinsten Kenntmß gebracht haben._ PolMsche Ueberstcht. letreff der Karolinen-Frage streiten f I« Betreff en Blätter noch darum, .„, fich die hie- ob der Papst nur vermitteln oder direkt als Schiedsrichter fungiren soll. Inzwischen veröffent- licht die englische„Centtal-Rews" folgende Miltheilung: „Deutschland hat die spanische Okkupatton der Insel Uap aner- kannt. Spanien hat Deutschland freie Schifffahtt und«reirn Handel, sowie das Recht, eine Koblenstation auf den Karolinen- Inseln anzulegen, gewährleistet. Die Vermiltelung des PapsteS ist nunmehr nicht mehr nothwendia, da die Ange« leaenheit geordnet ist."— Die Richtigkeit dieser Nachricht muß abgewartet werden. Zur Unfallversicherung macht der„Reichs� Anzeiger" die Ausführungsvorschriften zur Durchführung derselben im Be« reich der preußischen Hecresverwaliung bekannt. Die Bestim- mungen lauten folgendermaßen: Zu§ 1- Betriebe der Heeres- verwaltung im Sinne dieses Gesetzes find nur solche, in denen bürgerliche Arbeiter oder Arbeiterinnen beschäftigt werden. Zu § 2. Die Befugnisse und Obliegenheiten der Ausführungs- behörden werden durch die KorpS- Intendanturen wahr- genommen.— Der Geschäftsbereich jcder Ausführungsbehörde erstreckt fich auf alle zum Tertttottalbezirk des b-rreffenden Armee-Korps gehörigen Betriebe. Zu§ 4. Die Berficherungs- pflicht wird auck erstreckt auf alle Betriebsbeamte mit einem 2000 Mark übersteigenden JahreSarbeitsverdienst, welche in den unter Ziffer 1 erwähnten Betrieben ohne festes Gebalt und Penfions berechtigung angestellt find(§ 2 des Unfallverfiche- rungsgesetzes vom 6. Juli 1884, R.-G.-Bl. S. 69 ff.). Zu § 6. Für den Geschäftsbereich jeder Ausführunasbedörde— Korps-Intendantur— wird bis auf Weiteres ein Schieds- gericht errichtet, dessen Sitz von den zuständigen Behörden— § 46 des Gesetzes vom 6. Juli 1884— bestimmt werden wild- Zu§ 7. Die Feststellung der Entschädigungen für die durch Unfall Verletzten und für dielHinterbliebenen der durch Unfall Getödteten—§§ 57/59, 61, 63,65 des Gesetzes vom 6. Juli 1884— erfolgt vurch die KorpS-Jntendanturen. Vorstehenve Ausführungs Vorschriften werden mit dem Hin- zufügen bekannt gemacht, daß auf Grund des§ 109 des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 für den Bereich der preußischen Heeresverwaltung die in den§§ 45, 51—56 a. a. 0- den Orts-Polizeibehörden zugewiesenen Verrichtungen denjenigen örtlichen Verwaltungsbehörden der genannten Heeresverwaltun übertragen worden find, in deren Dienstbereich fich der Unfa! ereignet hat. Die Maffenpetitton schlesischer Kommunalbeamte« um Errichtung einer Kasse zur Versorgung der Hinterbliebenen von Kommunalbeamtcn wird, wie der„Oberschles. Anz." hört, einen direkten Erfolg nicht haben, well die schlefische Provin» zialverwaltung ermattet, daß zunächst die Städte selbst die Angelegenheit in die Hand nehmen. Die Zahl der Petenten ist auf 885 gestiegen und die Petenten haben fich auch an die Kreisausschüsse mit der Bitte um Unterstützung deS Gesuches bei der Provinz gewendet. Zur sog. bulgarischen„Revolution" liegt die Nach- richt vor, daß die bulgarische Deputation vom russischen Kaiser in Fredensborg(Dänemark) empfangen wurde. Weiter wird aus N i s ch in Serbien berichtet, daß König Milan die außerordentliche Sesfion der Skupschtina mit einer längeren Tbromede eröffnete, in welcher es unter A. folgendermaßen beißt: Der Berliner Verttag habe einen harten Schlag erlitten, das Gleichgewicht auf der Balkanhalbinsel sei erschüttert, die Garantie ftir die politische Existenz Serbiens bedroht. In diesem ernsten Momente betrachte es der König als seine Pflicht, die Volksrettreter um fich zu sammeln und ihnen und der Nation zu sagen, daß Serbien auf der Hut sein müsse. Wie bisher wünsche Serbien auch heute den Frieden zu weiterer Kulturarbeit, deshalb wolle eS aber seine vitalsten Interessen, die bedroht seien, für die Zukunft stchern. Der König und seine Regierung seien bemüht, die bestehenden Zu- stände zu erhalten, oder zu ermöglichen, daß das erforderliche erlitt der„kleine Mann" durch Regengüsse einen erheblichen Schaden an seiner beweglichen Habe, eS geschieht ihm Rech», weshalb miethet er auch keinen komfortablen Möbelwagen, weshalb zieht er mit dem lumpigen Hundefuhrwerk oder mit dem erbärmlichen Schubkarren, den er in höchsteigener Person schiebt, während„Mutter" zieht?! Alles ist an diesem Ziehtage gewesen, wie e« schon von Alter» her war. Die Zeitungen, um bescheidener Weise gleich mit uns selbst anzufangen, wärmten mtt Hilfe findiger Reporter die Be- richte älterer Jahrgänge wieder auf, der Miether, der eine neue Wohnung genommen hatte, fand, wie schon zu OlimS Zeiten, daß er sich verschlechtert habe, die„Herren Hau»- besitzet" schimpfen auf daS Pack, welches zieht, und blicken mißtrauisch auf die neu einziehenden Nomaden, und taxiren an den mitgebrachten Sachen, wie lange der neue Miether wohl wohnen bleiben wird. Nach acht Tagen weiß Niemand mehr so recht, daß er gezogen ist. Das ist gewiß doch auch ein Fortschritt in unserer schnellpulsirenden Zett. Fortschritt überall, wohin wir blicke». Selbst die weltbedeutenden Bretter werden allmählich morsch, e» wankt der dramatische Grund, auf welchen der Heldenvater baute, die geheimnißvollen Schauer, in welche unS ein mächtiger Chor versetzte, schwinden. Niemand will mehr etwas au«- geben für gebundene oder ungebundene Poesie. Am Horizont tauchen neue Ideale auf, theilweife find sie sogar schon in die Wttklichkeit übernommen; animalische Kunstbesirebungen treten in den Vordergrund. Der Ochse hatte schon vor länaerer Zeit seinen Einzug in die Arena gehalten, e« fehlte« ihm bloS noch die Weste und Halsbinde: Hund und Affe erzwangen sich siegreich den «WM r•» r£>• i t:_____ evr.Jt L.____ Gleichgewicht zur Wahrung der Interessen der verschiedenen Nationen auf der Balkanhalbinsel hergestellt werde. Die Regie- rung werde durch eine der Skupschtina zu unterbreitende Vorlage dieMittel zur Bestreitung der augenblicklichen Bedürfnisse schaffen. Der König hoffe, von vem Patriotismus deS serbischen Volkes überzeugt, auf ein bereitwilliges Entgegenkomm-n. Die Thron- rede wurde wiederholt und namentlich am Schluß mit leb- haftem Beifall aufg'nommen.— Die Kommission der Skupschtina nahm das Tabaksmonopol und den Gesetzentwurf, betreffend eine Anleihe von 25 Millionen, an.— Belgrader Nachrichten zufolge werde die Skupschtina dem Könige bts zur Klärung der gegenwärttgen Ettuation die formelle Diktatur übertragen. Aus Athen(Griechenland) wird mitgethcilt: DaS amt- liche Blatt enthält eine Verfügung, betreffend die Einführung des ZwangSkurses.— Die Nationalbank macht der Regierung ein Darlehn von 12 Millionen in Baar und dürfte, soweit die Bedürfnisse der Regierung eS erfordern, noch weitere Darlehne in Papier gewähren. Oesterreich-Uugarn. Pest, Sonnabend, 3. Oktober. Abgeordnetenhaus. Ministerpräsident Tisza beantwortete heute die Interpellation in Betreff der Vorgänge in Bulgarien und Rumelien. Er erklärte: Die Enttevue in Kremfier sei als Folge der Skiernie- wicer Kaiser-Bcgegnung ein bloßer Höflichkeitsalt, eine Erneue- rung der persönlichen Freundschaft bewer Monarchen; von einer Anexion Bosniens oder von einer Union Bulgariens und Rumeliens war in Kremfier keine Rede. Daß eine auf die Union abzielende Agitation bestand, war bekannt; der Ausbruch der Verschwörung überraschte jedoch sämmtliche Kabinette Europas. Die Regierung habe keine Kenntniß, ob irgend eine Macht mit Waffengewalt zu intervenircn beabsichtige, sie wisse jedoch, daß alle Mächte die Auftcchterhaltung des Berliner Vertrages und des»rata, quo wünschen. Niemand hindere die Türkei an der Geltendmachung ihrer Rechte. Der Vorschlag einer Botschaster-Konferenz stimme mit den Wünschen des Sultans, betreffend eine freundschaftliche Intervention der Mächte über» ein. Von einer Annexon Bosniens und der Herzegowina sei, wie der Minister wiederholte, keine Rede, noch weniger beab« fichtige Oesterreich Ungarn eine Vermehrung der Komplikation durch etwaige Besetzung türkischen Gebiets. Die Regierung müsse jedoch erklären— was auch begreiflich sei— falls jedes Be- mühen scheitern sollte und die vitalen Interessen der Monarchie gefährdet würden, werde Oesterreich-Ungam die Freiheit seiner Entschließungen wahren.— Die Antwort wurde zur Kenntniß genommen. Damit dürfte die Sache abgethan sein. Jedenfalls find die Herren Deputitten nicht klüger aus der Sitzung ge» kommen, als wie sie hineingegangen find, denn aus der ge- drechselten Rede des Herrn Präsidenten läßt sich alles Mögliche schlußfolgern. Fra»rreich. Während der Wahlperiode wurden in Frankreich 402 neue Blätter meii zur Vertheidigung bestimmter Kandidaturen ge- gründet.— Rochefort erklärte einem Besucher, er habe erne Kandidatur blas angenommen, damit in der Kammer endlich Jemand sei, der Fem), welchen man bisher immer mit„Herr Ministerpräfident" traltirte, ins Geficht„Mörder" nenne. R u h l a« d. Aus Warschau meldet man dem„Dziennik PoznanSkt": In der Nacht vom 1. zum 2. wurden in verschiedenen Stadt- theilen strenge Haussuchungen vorgenommen; 40 Personen find verhastet, darunter der Universiläts Professor Dr. Habszewicz und Archangielski, sowie viele Studenten. Grund: lihilistische Umtriebe. In der Stadt herrscht angeblich große Aufregung. CT).**»*.T 7'.. Ski----" miß ....vw. v wv. w»uw«tinuzi angronm große aujremrng. Pon glaubwürdiger Serie wird der„Thorner Ofid. Ztg. «ÄMWO ---- v--------- SÄtfiKTKrjä» entronnen und unter die Artisten gegangen. Gewiß wird eS nicht mehr lange dauern, bis ein findiger Unternehmer junge Seehunde zum Kinderwiegen abrichtet. Haben einmal diese andringende« jungen Kräfte das Gebiet der Kunst erobert, tracht. Höchst wahrscheinlich stehen ihnen jetzt billigere Kräfte zur Verfügung und deshalb entlassen fie die Deutschen. Dasi Deutschen. Daß werden fie auch die Grenzen der Literatur überschreiten. WaS aus uns armen Staatsbürgern endlich wird, sagt Keiner voraus,— sicher ist einstweilen nur, daß das Vieh eine Zukunft hat. Doch weshalb schon vor der Zeit verzweifeln, die Welt ist sd groß und der Existenzmittel giebt es so viele. Früher sagte man wohl:„Wenn alle Stricke reißen, nun, so hänge ich mich auf"— in der sicheren Voraussicht, daß man bei reißenden Stricken nicht viel für Leben und Gesundhett zu fürchten habe, heute kann man„nach berühmten Mustern" sagen:„Wenn nichts mehr geht, stehe ich Modell" und wenn dieses zarte Wort den rosigen Lippen einer schönen Jung- frau entschlüpft, so heißt e» einfach: ich stehe„Akt!" Berlin ist seines Rufes als Weltstadt würdig,— wa» haben beispielsweise die Londoner mtt ihren armseligen„Eni- hüllungen" vor un« vorau»? Nichts, absolut nicht», jede« lokalpatriotische Herz muß vor jubelnder Freude aufjauchze« in dem Gedanken, daß„unser Graes" in seinem Spezial» fache Alles bisher Dagewesene rief in den Schatten stellt. Der Laie hat recht, wenn er in frommer Scheu vor de« geheiligten Werkstätten der Kunst vorübergeht,— was hier von dem schöpferischen Geiste der begnadeten Künstler- seel« geschaffen wird, darf kein profane» Auge erblicken, es könnte erblinden von dem strahlenden Glänze, der das wttk- liche Künstlerherz erfüllt. Lauter und rein sind die ehr» würdige« Männer mit dem patriarchalischen Geficht und dem Prosefforentitel,kein unkeuscher Gedanke bringt ihr künstlerische» Blut in Wallung, sie stehen hoch erhaben über allem Irdischen. Nur der Unverständige, dessen Fuß nie in den erhabene» Halle« der Kunst gewandelt hat, wird sagen können, daß auch ein Künsiler einen Meineid schwören kann, daß er grober Sinnlichkeit fröhnt, und daß vielleicht Jemand seiaet- wegen unschuldig im Gefängniß fitzt. Da» Drama, welches sich augenblicklich im Moabiter Justizpalast abspielt, wird ihm unzweideutig zeigen, daß in manchen Maler- Ateliers nur die Kunst— und höchstens noch etwas gepflegt wird. r- die letzteren in der Fabrik mit Erfolg gewirkt und dieselbe zur •ohen Blutbe gebracht haben, glauben wir recht gern; der Mohr hat nun seine Schuldigkeit gethan und kann gehen, Dänemark. Kopenhagen, Eonnabend, 3. Oktober. Der Präsident des Follething, Berg, kehrte gestern Abend nach seiner Verur. Iheilnng nach Kopenhagen zurück. Eine große Menschenmenge halte sich zu seinem Empfange eingefunden. Die Soziallsten(?) spannten unter Gesang ihres Kampfliedes daS Pferd von seinem Wagen und zogen ihn nach Hause, woselbst er eine längere Ansprache an die Versammelten hielt. Zokales. Herr Polizei-Präsident von Madai ist von seiner Ur» laubireise zurückgekehrt, hat aber die körperliche Kräftigung, die er von dem letzten Erholungs Aufenthalt im Taunus sich ver- sprach, nicht in dem erhofften Maße gefunden. Das Fußlet- den. welches dem Polizei- Präsidenten schon früher zeitweise die Wahrnehmung seiner Dienstobliegenheiten erschwerte, hat sich derartig verschlimmert, daß Herr von Madai die Ueberzeugung gewonnen hat, den Anforderungen seines Amtes nicht mehr Genüge leisten zu können. Er hat deshalb, wie das„Berl. Tgbl. von bestunterrichteter Seite hören will, bereits von Königstein aus an den Kaiser die Bitte gerichtet, ihm den Ab- schied aus dem Staatsdienst zu bewrlligen, und bis zum Zeitpunkt seines Eintritts in den Ruhestand ihm Urlaub zu ertheilen. Wieder ist ein Stück altes Verlin dahingegangen — diese jetzt in den Tagesblättern zur stehenden Titelüder- schrift gewordene Wendung kann man mit bestem Recht auch auf„Mutter Tauienhahn" anwenden, die vorgestern in der Chiaritee gestoiben ist. Die würdige Obsthändlerin an der Ecke des Neuen Museums gehörte zu den sogenannten„Originalen" Berlins, zu jenen mit dem Berliner öffentlichen Leben verwach- senen Figuren, die Jeder kannte und von der jedes Berliner Kind bestimmte Geschichten zu erzählen wußte. Die mythen- bildende Kraft des Volkes hatte eine Episode aus der Jugend- geschickte der Verstorbenen als Ausgangspunkt zu einem ganzen Sagen, yklus genommen, dessen Einzelheiten— wie dem„B. T." ein alter Berliner berichtet— in unserer Jugend mit ge- heimnibvollem Schauer gehört und weitererzähst wurdm. Es hieß, Mutter Tautenhahn's Mutter habe ihren Gatten er- schlagen und fie, die eben Gestorbene, habe als kleines Kind bei der grausigen Mordthat„das Licht gehalten". Sie soll auch mit rn die Untersuchung verwickelt gewesen sein, man habe ihr aber, ihrer Jugend wegen, nichts anhaben könnm. Parallel mit der romantrschcn Mythenbildung des kleinen Volkes über Mutter Tautenhahn ging aber auch die erfinderische Bosheit der Studenten, die an dem kleinen grünen Bretterhäuschen der um- fangreichen Obsthändlerin vorübe, mußten. Die pietätlosen Stu- diosen hatten das Märchen aufgebracht, Mutter Tautenhahn habe schon bei Ledzeiten ihre umfangreiche Körperlichkeit gegen eine Summe von fünfzig Thalern der Anatomie verkauft, dort würde fie als besonders für Fettbildung interessantes Präparat noch nach idrcm Tode in Sprritus prangen. Die Schuljungen hatten verschiedene Mameren erfunden, Mutter Tautenhahn mit dieser Geschickte zu ärgern. Die gebräuchlichste war die folgende: Sie gingen zu Fünfen oder Sechsen vorüber und sagten möglichst laut im Chor das Einmaleins mit der Fünf her: einmal fünf ist fünf, zweimal fünf find zehn u. s. w. Und so wie fie an„zehnmal fünf ist fünfzig" kamen, schrie die Rotte ihr die..fünfzig" überlaut ins Geficht und lief dann rasch da- von. Aber mancher„nicht ganz neuer" Apfel, manche„mudickc" Virne, aus Mutter Tautenbahn's kräftiger Faust geschleudert, flog den Spöltem um die Ohren.— In der früheren engen Bude sab die korpulente Dame noch dicker aus als in den letzten Jahren, wo fie sich ein elegantes Häuschen» In Trinkhalle errichtet hatte Auch war ehedem fast immer ein kürper- licher Gegensatz zu ihr an der Ecke vorhanden: ein kleines, dünnes Männchen von schneiderhafter Magerkeit- ob er ihr Gatte war, vermögen wir nicht zu sagen. Nun ist„Mutter Tautenhahn", die rn den letzten Jahren übrigens bedeutend magerer geworden war, auch dahin gegangen. Daß fie noch eitel war, ist aus ihrer Anmeldung bei der Ciraritee zu ersehen: sie hatte sich als im Jahre 1829 geboren ausgegeben, hat aber schon zehn Jahre früher das Licht der West erblickt. Mutter Tautenhahn ist an einem chronischen Lungenleiden in Verbindung mit Altersschwäche gestorben. Der Tod der„Mutter Tautenhahn" ruft übrigens die Erin- nerung an zwei andere volksthümliche Nguren, die vor dem Berliner Museum ihren Platz hatten, wach, die einst mit der „Dicken" Freud' und Leid getheilt und schon vor einigen Iah en das Zeitliche gesegnet haben. Es find daS der „Echlangenbändiger" und der„öffentliche Erklärer". Der ersterc harte bis ,ur Mitte der sechsziger Jahre neben der Obstdude seine Käfige aufgestellt, in denen er Blindschleichen, Salamander, Eidechsen. Laubfrösche und andere Amphibien f-ildot. Ott stand die Berliner Schuljugend vor der Miniatur- Menagerie, der gutmüthige Alte erklärte den Neugierigen die Art der Tbiere. und zum Dank dafür nannte ihn die erfin- derische Jugend den„Schlangenbändiger". Schließlich verbot ihm die Polizei, fernerhin seine Tbiere öffentlich auszustellen, und grollend zog fich der Aste zurück. Sein Freund war der „öffentliche Erklärer", der auf der Treppe vor dem Museum den Schaulustigen von den Thaten des Theseus und Herkules erzählte und alle ringsum fichlbaren Denkwürdigkeiten genau erklärte Sein Publikum bestand gewöhnlich aus Landleuten und steinen Handwerkern, die ihm willig für seine Bemühun- gen einige Groschen und Sechser opferten. Der Mann machte immer einen feinen Eindruck, trug ein Monokle und sprach sehr gewählt. Es war ein originelles Stück des alten Berlin dies würdige Dreiblatt: die„Tautenhahn", der„Schlangen- bändige," und der„öffentliche Erklärer". r Gelegenheit macht Diebe I und der Umzugstag am Donnerstag mit seinem Regenwetter am Abend war eine solche prächttge Gelegenheit für unsere Herren Langfinger. Von den zahlreichen, kleinen, verdeckiosen Möbelwagen, suchte man überall die Sachen so schnell als möglich ins Trockene zu bringen und hier lagen und standen dann Möbel und Paquete so bunt durcheinander, daß ein unberufener Liebhaber in einem unbe- wachten Augenblicke nur zufassen brauchte. Auf dem Trottoir am Heiniichsplatz stand ein Kleiderspinde und»war mit der Vorderseite gegen den heftig herniedergchenden Regen- Das so gemißhanoelte Möbel lockte denn auch bald einen Sachkenner an, der bei näherer Betrachtung entdeckte, daß beim Trane port in Folge des Druckes der im Innern befindlichen Garderobe die Tbüren aufgesprungen waren.„IbcUnehmend", wie solide Leute find, machte fich der Fremde dabei, den In» halt des Schlankes auf offener Straße auszuräumen, wurde aber hierbei von der Eigentdümerin desselben überrascht, der er ganz dreist erwiderte, er habe die Sachen nur inS Trockene bringen wollen. Auf der Polizei konnte fich der hilfsbereite Mann über seine Person wenigstens soweit ausweisen, daß von seiner sofortigen Verhaftung Abstand genommen wurde. Welche Meinung da» Gericht von der Sache haben wird bleib' noch abzuwarten. Projettirte» Repertoire der Aöniglrchen Schauspiele vom 4. bis 11. Ostoder 1885. Im Opernhause. Sonntag, den 4.: Lucretia Boraia, Wiener Walzer; Montag, den 3.: Der Wiedersprnstigen Zähmung; Dienstag, den 6.: Tann- häuser(Herr Niemann); Mittwoch, den 7: DaS goldene Kreuz, Wiener Walzer; Donnerstag, den 8.: Die Stumme von Por- tici: Freitag, den 9.: Moi�ano; Sonnabend, den 10.: Tie Walküre(Herr Niemann); Sonniag, den 11.: Carmen.— Im Schauspielhaust. Sonntag, den 4.: Minna von Barn- Helm; Montag, den 5.: Narziß; Dienstag, den 6.: Ein Schritt vom Wege: Mittwoch, den 7.: Faust: Donnerstag, den 8.: Der zerbrochene Krug, Der beste Ton; Freitag, den 9.: Minna von Barnhelm; Sonnabend, den 10.; Echtes Gold wird klar im Feuer, Der Winkelschreiber; Sonntag, den 11.: Egmont. Das Residenz-Theater sollte nach einer am Freitag Vormittag um 9 Uhr auf den Feuerwachen eintreffenden Mel- dung in Feuersgefahr schweben. Die sofort mtt dem umfang- reichsten Loschapparat auf der vermeintlichen Brandstelle erschie- nene Feuerwehr konnte nur konstatiren, daß es fich um einen blinden Feuerlärm, veranlaßt durch eine ruchlose Jnbetrieb- sctzung des gegenüber dem genannten Theater befindlichen öffentlichen Feuermelders, handelte. Der grobe Unfug soll, wie Augenzeugen berichten, von einem halbwüchsigen Burschen aus- geübt wordm sein, der fich aber durch eine schleunige Flucht einer Feststellung seiner Persönlichkeit entzog. ----„Die Frau Stadträthtn", ein zeitgemäßes Lustspiel in drei Asten von Gustav Dahms und M. v. Eteinborn ge- langt im Laufe dieses Winters im hiefigen Wallner-Theater zur Aufführung. Im Deutschen Theater geht als nächste Novität am Sonnabend, 10. d. Mts.„Ein Tropfen Gift" Schauspiel in 4 Aufzügen von Oskar Blumenthal zum ersten Mal in Szene. Heute, Sonntag, wird„Jungbrunnen" und morgen, Montag, „Der Hüttenbesttzer" gegeben. Außerdem bringt das Repertoire dieser Woche Aufführungen von„Romeo und Julia",„Die große Glocke",„Jungbrunnen" und„Des Meeres und der Liebe Wellen." Polizei-Bericht. Am 29. v. Ms., Nachmittags, fiel der 9 Jabre alte Knabe Fischer auS dem Fenster der im 3. Stocke des Hauses Stralsundersttaße Nr. 15 a belegenen ellerlichen Wohnung auf den Hof hinab, erlitt dabei jedoch nur eine Verstauchung der linken Hüfte-— Am 1. d. Mts., Abends, stürzte ein Mann in der Potsdamerstraße von seinem Geschäfts» wagen und erlitt dabei eine Verrenkung des linken Arms.— Um dieselbe Zeit fiel eine 62 Jahre alte Frau auf dem Grund- stück Müllersttaße Nr. 161 in eine Grube und brach ein Bein. — Am 2. d. Mts., Vormittags, stürzte der Arbeiter Hartwig beim Ausladen von Spiriwssäffern aus einem Kahn nach dem Vittoriaspeicher, in der Köpnickersttaße, von der Krahnvlatte auf das etwa zwei Meter tiefer liegende Kahnverdeck hinab und er- litt dabei anscheinend eine äußerst schwere Gehirn- erschütterung. Er wurde nach Bethanien gebracht.— An demselben Tage, Mittags, fiel ein Schutzmann in der Müllerstraße beim Verlaffen eines Pferdebahn wagens zur Erde, so daß er befinnungslos liegen blieb und, nachdem er fich wie- der erholt hatte, nach seiner Wohnung gebracht werden mußte. Er hatte Verletzungen im Geficht und an der Schulter davon- getragen.— Einige Zeit später wurde in der Rhcinsbergerstr. ein fünf Jahre aller Knabe von einem Bierwagen Übersahren und erlitt dabei einen Knöcheldruch.— An demselben Nachmittage stürzte der auf dem Neubau Holzmarvstraße 49 be- schüft, gte Zimmermann Buck beim Balkenlegen aus dem 4. Stock auf das Schutzdach und, dieses durchbrechend, auf den Bürgersteig hinab. Er erlitt hierbei so schwere Verletzungen, daß er mittelst Krankenwagens nach dem Krankenhause im Friednchshain gebracht werven mußte.— Um dieselbe Zeit wurde eine Frau in der Oranienburgersttaße von einem Möbel- wagen überfahren und, anscheinend lebensgefährlich verletzt, nach dem Katholischen Krankenhause gebracht. Oerichts-Zeitiing. Prozeß Graes. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Bei Wiederaufnahme der Sitzung wird in der Verlesung der Schriftstücke fortgefahren. Da ist zunächst ein Brief an Graes, der mtt schlechter Handschrist geschrieben ist und von dem Vater der Äother herrührt. Derselbe klagt darin über das„schlechte Frauenzimmer", die Bertha, verräth, daß er k-ine Miethe zahlen kann und bittet um Geld. Die Charakteristik, welche der Vater von seiner Tochter Bertha entwirft, ist die denkbar schlechteste. Der Brief ist bei Frau Rother gefunden worden. Ebenso ein anderer Brief des I. Rother, welcher Drohungen enthält und damtt schließt:„Ein Wort ein Brief und mit Eurer Herrlichkeit ist es zu Ende." Ein Bleisliftbrief des Ehemannes an seine Frau lautet:„Ich, der Herr Rother, verabschiede mir von merner gewesenen Frau Rother. Ich wünsche Ihnen viel Glück, denn ein so gemeines Frauen« , Immer wie Sie, giebt es unter Gottes Erdboden nicht mehr. Fräulein Bertha giebt Feten mit ihrem Strolch und der Vater muß halb verhungern. Hütet Euch vor mir, als vor Eurem Feind!"— Dann folgt ein langer, hoch poetischer und mtt vielen poetischen Arabesken versehener Brief der Frau Rother an ihre Tochter Bertha, welcher, wie fich herausstellt, nach ihrem Distat von dem früheren Dienstmädchen Adler geschrieben worden ist. Es geht aus dem Briefe hervor, daß Bertha etwas sehr Böses über ihre Mutter gesagt haben muß, denn diese überhäuft dieselbe mit dm größten Vorwürfen und erzählt, daß fie in ihr Kämmerlein gegangm sei und ihre Tochter, die so etwas gegen ihreßMutter ausspräche, verflucht habe. In dem Briefe kommt auch der Satz vor:„Der alte Mann, der uns Allen mit Rath und That zur Seite gestanden und uns Allen aufgeholfen hat, der Gelb und immer wieder Geld Hergegeden hat, er hat jetzt gewiß mit uns Allen abgeschlossen. Abkr desbald ihn zu verdammen, das kann ich nicht. Er lebt jetzt in einer schreck- lichen Lage und muß für all seine Gutmüthigkeit und all' sein Wohllhun offen vor Gerichte hintreten und fich von Ge- sirrdcl vernehmen laffen. Aber eh« er unfern Ruf geschändet hätte, wäre er wohl in den Tod gegangen."— Der Vorfitzende macht die Geschworenen darauf aufmerksam, daß dieser Brief drei Tage nach dem Termin in der Hammermann'schcn Sache geschrieben ist. Frau Rother behauptet, der Brief sei nur des- basb geschrieben worden, wett Bertha von ihr behauptet habe, fie sei von der Mutter einmal mit einem Juden ein- geschloffen worden. Dm Schlußpassus erklärt die Ange- klagte in etwas schwankender und fich widersprechen- der Weise dahin, daß eS ihr leid that, daß Profeffor Graes um ibre Familie schließlich auch noch aufS Gericht und fich öffentlich blosstellen mußte. Der Präfident erklärt, daß er es den Geschworenen überlassen müsse, dm Schlußpaffus so zu deuten, wie fie es für richtig halten.— Der Vorfitzende ver- liest sodann 40 Quittungen über Gelder, welche Frau Rocher vom Prof. Graes erhalten hat. Dieselben beziffern fich auf 32 995 Mark.— Prof. Graes: Ich selbst habe von Anfang an zugegeben, daß ich etwa 35000 Mark hergegeben habe. Ich habe alle diese Gelder nicht gern gegeben, indessen man hat es verstanden, mich immer wieder»ur Hergabe derselben zu be- wegen. Die größeren Summen beziffern fich auf die Zert, wo Frau Rocher ein Mlchgeschäft und dann ein Fuhrgeschäft einrichtete und die Schuldscheine lauten immer aus eine Verzinsung w 4 pCt. und Rückgabe in einer bestimmten Zeit.— Bettha Rother weist darauf hin, daß in diesm Summen stck auch all' die Honorare befinden, welche fie durch die Jahre Modellstehen zu fordern hatte.— Angekl. Graes be statigt dies. Als die Geldsummen zu groß wurdm, habe er darauf gedrungen, daß auch all' diese Honorare in die Schuld summe mit hinein genommen wurden. Der Präsident macht darauf aufmerksam, daß diese Version mtt den Echuldscheinm dock nrcht übereinstimmt, da diese von einer Rückgabe d«S Geldes sprrchm. Es folgen dann einige Packet«, welche von dem aeklagtm Graes für seine Söhne bestimmt warm. Es btts die Outttungm der Frau Rother. ferner ein Packet %% srs,« An find mit Präfident: Wie find Sic denn dazu gekommen, diese Gedichte gerade dem Testamente und der Ansprache an Ihre Söhne beizulegen?— Angekl.: Meine Söhne und meine Fa- milie wußten ja alle von dm Beziehungen, die ich zu Bertha hatte. Es drängte mich, für den Fall meines Todes noch ein- mal die Bedeutung dieses Verhältnifies und seinen wahren Charakter klar zu legen und ihnen zu überlassen, die Gedichte zu lesen oder nicht— Präs.: Damit stimmt doch aber nicht die Aufschrift, daß fie ihre Söhne bittm, das Packet ungelesen zu öffnen.— Angekl. Graes bleibt dabei, daß seine Söhne, wenn fie die Quittungen fanden, die er unter allen Umständen aufbewahren wollte, fie zugleich damtt auch die Gedichte gelesen oder das Ganze verbrennm solltm. Die zur Verlesung gebrachten Gedichte find voll poetischen Schwunges und zeugen von einem tiefen, warmen Empfinden und haben eine seltene Formvollmdung. Die Gedickte be« ginnen mit einem unter dem Titel„Zuspruch". Dasselbe fängt folgendermaßen an: Ruh nur an dem Herzen, Kind, des Freundes aus, Schütt' ihm alle Echmerzm, Alle Sorgen aus:c. ic. Im wetteren Verlauf des Gedichts kommm Stellen vor, wie: „Schmieg Dich, wilde Rose, an den alten Stamm, Blüh' zu stolzer Freude mir noch manches Jahr":c. ic. Dann folgt ein Gedicht, welches einen eigenthüm« lichen Ursprung hat. Bertha Rother hatte nämlich ein Gedicht unv mit dem Titel„Verlorene Liebe" verfaßt, welches fich auf einen Schatz bezog, dm fie vamals hatte. Es fängt an: Durch dm stillm Wald rauscht der Wind so sacht Und das Herz es blutet und das Auge weint schmerzlich durch die Nacht, und endet: Well' ich auch im fernen Lande, Dann ist mein Herz bei ihm, Und weil' ich auch am feinen Strande, Dann denk' ich immer nur an ihn. Während der Verlesung dieses und der anderm Ge- dichte hält Bertha Rother verschämt das Taschentuch vor das Geficht, kichert aber fortgesetzt unter demselben hervor. Professor Graes hatte, wie er bekundet das Gedicht von Bertha Rother zufällig gefunden» eingesteckt und ein Jahr nachher den Inhalt dieses Gedichtes formgerecht hergestellt und es Bertha Rother überschickt. Dann folgt ein Akrostichon Graef'S auf Bertha, welches wie folgt lautet: Blühendblondes Kind, herein!— Einzig blaues Augenpaar, Reizend winkt Dem froher Schein, Tief Hineinschaun bringt Gefahr, Heißen Wunsch, von vollen Lippm Äck. nur einm Kuß zu nippen. Rose, schlanke, wilde Rose, Oeffne Deine frische Biüthe! Thau aus Deinem jungen Schooße taucht mir Jugmd in'S Gemüthe' s durchströmt mich Lieb' und Lust, Rose, blüh' an meiner Brust! Der Angeklagte Graes macht darauf aufmerksam, daß be» allen poetischen Ergüssen selbstverständliche die Phantafie eine große Rolle spielt. Er bitte, eventuell Sachverständige darüber zu laden, daß Jemand, der poetische Dinge auf's Papier bringt in phantastischer Weise kleine wahre Begebmheiten zu über« treiben und auszumalen pflegt. In allm femerm Gedichten, die von hoher poetischer Schönheit find, spielt die Rose eine Hauptrolle. Der Angeklagte nennt die Bertha mit Vorliebe „wilde Rose",„meine Rose",„dufttge Rose" und verweist darauf, daß er diese Rose unter Unkraut ent» deckt und ihre Vorzüge schätzen gelernt habe. Das nächste<3? dicht beginnt: „Sah einen wilden Rosenstrauch Im Feld am Wege blühen 1 es schildert dann, wie jeder Vorübergehmde einen Zweig, est» Blatt und eine Knospe abbrach, bis er ganz zerzaust war und endet dann wehmüthig: »So blieb der Strauch am Wege stehen, Beraubt wohl seiner Zier, So Hab ich wieder ihn gesehen!" Ein weiteres Gedicht ist„an einen Ring" gerichtet und tftt diesem Ring ist Berha Rother gleichfalls gemeint. Es schildert einen Ring, dessen Fassung zwar etwas verletzt ist, dessen Feuer aber für denjenigen, der etwas davon versteht, immer noch echt und köstlich erscheint und der Poet schließt: „An meinem Finger ist für ihn kein Platz, Drum berg' ich ihn in meines Herzens Schatz. Einzelne Stellen in diesen Liedern hält der Präsident de» AngeNagten Graes vor, derselbe weist aber wiederholt daral» hin, und bittet event. den im Saale anwesenden Paul Linda« als Sachverständigen zu vernehmen, daß in der Poefie dir Phantafie viel weiter gebt, als die Wirklichkeit und daß ma« aus Poefien nicht auf Thatsachen schließen kann. Ein anderes Gedicht schließt mtt der Sttoph«: „Beim Wein ist man sonst wohl gern zu Zwei'n, Doch dies trink' ich allein, dies Faß. Der edelste Wein, der bleibt mir nicht rein, Trinft ein anderer davon nur ein Glas. Ich vergeude mein Gut und trinke mich krank, Eeel' und Leib mir verloren find, Schenkst einem Andern vom süßesten Trank Einen Tropfen, Du reizendes Kind." Graes erklärt, daß dies Gedicht an eine andere Bersoi» gerichtet war, daß er dasselbe aber auch an Bertha R- gt" geben habe. Ein anderes Gedicht tragt die Ueberschrist: Braunschweis- nach der Oper Carmen". Es beginnt: „Nun führt' in des Theaters Bau Voll Stolz ich Dich an meinem Arm;". s schildert, wie Männer und Frauen verwundert fragten, tcv das für ein merkwürdig Paar sein könnte, der alte rveißbaari� Mann und daS blühende Mädchen und eS ttiumphirt van»- „Mein süß Geheimniß in der Brust Hab ich doch ganz allein gewußt!" Der Angekl. Graes erklart vieS mit lächelnder Miene d» hin, daß es einen gewissen romantischen Reiz für ihn hol* ein solch hübsches jungeS Mädchen ins Theater zu fübre"' von dem wohl Niemand ahnte, daß es bei ihm Modell i* standen. Ein anderes Gedicht ist an einm Falken gerichtet � hat folgende Strophe: Ich hatt' einen Falken gefangen Trug ihn auf meiner Hand Sein Herr war fortgegangen, Fort in ein fernes Land. Bald wirst Du von mir weichen, Doch daß Du mir warst hold Am Schnabel ttägst Du das Zeichen An der Kralle den Reif von Gold. Angekl. Graes giebt hierzu die wenig romantische Erläuterv� daß er die» Gedicht einmal in übermüthiger Laune auf Modell gemacht habe, welches fich auf seine Kosten ein f«1'® Gebiß hatte machen lassen. Die Zahl der Gedichte ist eine sehr große und es be�a fich manche Perlen darunter. Als das Examen über die* Deutung einzelner poetischer Varianten fort und fort flkbü s" eisten Mal in der ganzen Verhandlung vollständig seine sonstige Ruhe. Sehr erregt und unter nervösem Zucken der Gesichts- muskeln erklärte er heftig:„Jawohl, ich bin ein stnnlicher Mensch, denn ohne Sinnlichkeit ist nach meiner Meinung ein Künstler überhaupt nicht zu denken. Ich habe aber meine Sinnlichkeit immer zu beherrschen gewußt und die Gedichte zeugen von einer in der Phantaste gebliebenen Sinnlichkeit: Mir dem Gürtel mit dem Schleier reißt der schöne Wahn entzwei! Was diese Gedichte enthalten, sind Phantafiegebilde, die auf kleinen Anlasten beruhen. Ein Mädchen, welches ich unfitllich benutze, weide ich doch nicht in schwärmerischen Liedern bcfingen!" Die Worte hatten den Angeklagten in solche Erregung gebracht, daß er die Akten, die er rn der Hand hielt, mit Nachdruck auf den Tisch warf, wie verzweifelt die Hände rang und um ein Glas Waffer bat. Sein Gestcht war dabei Ircideweiß geworden. Der Prästdent vermahnt ihn zur Ruhe und ließ iym einen Stuhl bringen. Schließlich ist ein Gedicht unter der Ueberschrist„Märchen". Dasselbe lautet: Du hast mir ja, o Kunst, gegeben Des Lebens Bilder schön zu schauen, Mrch dem Gemeinen zu entheben Die Himmelsleiter mir zu bauen. Mich hebend auf der Tauschung Schwingen, Treibt mich die Macht der Phantaste, Auch die dem Staube zu entringen Die meinem Brld das Antlitz lieh. Sie möge fich so hoch erheben, Wie meine Phantaste fie trägt, Dem Bilde wird fie wiedergeben Was ich in ste heineingelegt. D möchte noch der Zauber walten, Blieb noch so lang der schöne Schein, Bis ich zu Bilde mag gestalten Das Märchen, daS ich sah so rein. Fand unter Unkrauts wilden Ranken Manch schönen Trieb doch tief versteckt Nun streben sorgend die Gedanken Bis ich zur Reife fie geweckt. Ist ja zum Guten, wie zum Bösen In jede Brust gelegt der Keim-, Vom Uebel möcht ich fie erlösen, Die durch's Geschick mir fiel anheim. Zwei Wege liegen da zu wandern: Könnt' ich doch wählen ihre Wahl Zu gehen den, zu flieh'n den andern, Zu fliehn der Reue ew'ge Qual. Ist einmal so das Loos geiallm, Dann kennet fie nicht mehr mein Herz, Denn ich muß strebend weiter wallen Mit hehrem Blicke himmelwärts. Zur Verlesung gelangt dann die testamentarische Ansprache des Prof. Graes an seine Söhne. Es heißt in derselben u. A. etwa:„Meine Phantaste hat das Mädchen, welches die An> regung zu meinem„Märchen" gegeben, idealifirt und die näheren Beziehungen, in welche ich zu demselben getreten, haben mir immer neue Anregungen zum Schaffen gegeben. Es find mir aus diesem Verhäliniß oft schwere Sorgen und große Geldopfcr entstanden, ich habe fie aber gebracht, denn wenn ich das Mädchen mir nicht erhielt, mußte fie ficher einem Anderen anheimfallen, war also für mich und meine Zwecke verloren. Ich bin Eurer Mutter deshalb nicht untreu gewesen, sondem habe fie immerdar hoch und in Ehren gehalten. Mein verhältnißmäßig jugendlich erregbares Herz bedurfte ab und zu einer Anregung zum Schaffen und Streben bei dem durch die Kränklichkert Eurer Multer entstandenen zeitweise melancholische Wesen, welches mich mit niederdrückte. Ich mußte mich frisch erhalten. Die Ideale lassen fich im Leben nicht erreichen, es hat uns aber auch das Leben gelehrt, daß fich eine stre- bcnde Natur, die nicht unterliegen mag, da, wo die Verhält- nisse lückenhaft werden, den Ersatz zu schaffen sucht. Dies that ich;— ich habe dies Verhältniß unterhalten, nicht auS Frivolität, sondem um höherer Zwecke willen und dämm glaube ich, daß Ihr mich, wie früher, stets in Ehren hatten werdet." Schließlich wird eine vorgefundene schriftliche Ansprache an Bertha Rother verlesen. Professor Graes schreibt darin dem Mädchen, daß er 12 700 Mark in einer gewissen Zeit auf Schuldscheine ihren Eltem zur Begründung der Geschäfte gegeben habe und daß diese Summe auf Erfordcm im Nothfall zurückzugeben sei. Die Summe von 700 M., welche er vorher schon gegeben, würde er, als einmal gescbentt, nie zurückfordem. Es folgen dann dringende Ermahnungen an Bertha. Er habe fie näher kennen gelemt und freue fich beigetragen zu haben haben, daß fie in der Welt fortkam. Wenn fie einem Manne sich anschließen würde, den fie wirklich von Herzen lieb hat, würde er ihr trotzdem auch fernerhin seine alte Freundschaft bewahren, wenn fie dagegen nur aus Hang zum Luxus oder aus Laune mit einem Manne in Verbindung trete, dann würde er fich entschieden auf immer von ihr wenden, müsse aber dann darauf bestehen, daß er auch sein Geld zurückerhalte. „Nur in der Voraussetzung, daß Du Dich nicht emiedrigst, habe ich alle die großen Opfer gebracht. Wenn Du also in Versuchung bist, dann lies diese Worte und prüfe Dich, ob Dir die Erfüllung eines leichtmüthigen Wunsches mehr werth ist, als das Festhalten an Deinem treuen und stets hilfs- bereiten Freund."— Mit der Verlesung dieses Schriftstückes schließt die Sitzung um 4'/, Uhr. Koziales unh Arbeiterbewegung. . jwm Streik der Fuhg'schen Kittenfabrik. Da Herr Fuhg die angefühlten Tbatsachen für Unwahrheit erklärt hat, fühlen wir uns veranlaßt, zu dem in unserem Aufrufe in Nummer 230 dieses BlatteS angeführten Behauptungen noch einige Bemerkungen als Berichtigung hinzuzufügen. 1. Das dei Herrn Fuhg thatsächlich Löhne von 10, 12, 15 Mark verdient werden, und zwar von Klstenmachem, von denen Herr Fuhg behauptet, daß selbige 27—30 M. verdienen. 2. Auch find Kreissagenschneider bei Herrn Fuhg weit unter 20 Mark beschäftigt, von welchen behauptet wird, daß fie 30 biS 37 M. verdienen. 3. Tritt noch eine wesentliche Verminderung der Löhne ein, sobald die jetzige Saison vorüber ist, wo von 6 Uhr früh bis 8, auch HB pv» Uhr Abends gearbeitet wird, welches später alles weg fallt und die Arbeitszeit nur von 6 bis 7 Uhr dauert, welches zwar noch lange genug ist, aber die Löbne pro Woche auf 25 pCt. crnudrigt. Der Lohn erleidet "rfe ä»*»M5 nach dem Genuß deS Branntweins nur erne scheinbare, fie wirkt etwa so wie ein Peitschenschlag auf ein ü�üdetes Pferd, welches auch noch durch denselben zu neuen Leistungen angespornt wird. Die medizinische Wiffenschast hat festgestellt. «aß der augenblicklichen Belebung eine um so größere Er« schlaffung der Nerven folgt und daß namentlich die Wider- standsfäbigkeit des Körpers auf die Dauer vermindert und der- selbe schädlichen Einflüssen immer zugänglicher gemacht wird. Die in den Bergwerken, namentlich in den Kohlenzechen be- schäftigten Arbeiter, trinken meist sett ihrer frühesten Jugend nach der Arbeit ihren Schnaps in der Meinung, fich dadurch gegen die schlimmen Folgen der eingeathmeten schlechten Lust und des Kohlenstaubes zu schützen und machen gerade dadurch ihren Körper frühzeitig erschlaffen. Wir find der festen Ueber- zeugung, daß die bei vielen Bergleuten schon im frühen Alter eintretende allgemeine Körperschwäche eine Folge des Schnaps- genuffes ist. Es ist allerdings wahr, daß die Arbeit in den Gruben äußerst anstrengend und aufreibend ist, aber der Kör- per würde die täglichen Strapazen viel leichter und länger er- tragen, wenn er nicht durch regelmäßiges Branntweintrinken aufgerieben würde. Gerade die Bergleute und andere in Shn- lichen Beschäftigungen thätigen Arbeiter dürften zu ihrem eige- nen Besten eigentlich aar keinen Schnaps trinken; gerade fie müßten einen großen Theil des entbehrlichen Geldes für eine gute Nahrung verwenden, um fich nachhaltig zu kräftigen gegen die Wirkungen der schädlichen Lust und angreifenden Arbeit Sicherlich würde ein Versuch, der mtt der Brannt- weinenthaltung gemacht würde, segensreiche Folgm haben und die Arbeiter selbst zu der Ueberzeugung bringen, daß es ohne Schnaps geht und viel Keffer geht. Die Landleute im Han- noverschen. von denen fich viele seit Jahren deS Echnapsge- nusses enthalten, baden in einem auS den vierziger Jahren stammenden MäßigleitSliede ihre Anschauungen niedergelegt. Daffelbe lautet: „Wir Bauern rings um Osnabrück Thun männtglich zu wissen: Der Fusel brachte niemals Glück, Auch kann man ihn wohl missen. Nur Böses ist es, was er thut, D'rum haben wir mit frischem Muth, Dm Buddel weggeschmiffen. Wir ackem, ernten ohne ihn, Wir holzen, fahren, bauen. Wir können unsem Strang wohl zieh'n Und unsrer Krast vertrauen. Wir find zur Arbeit stark und ftisch, Wir fitzen ganz vergnügt bei Tisch Und können gut verdaum." Hoffmtlich finden diese Worte einige Beachtung zum Besten unserer arbeitenden Bevölkerung." Solch' ein unverfrorener Jesuitismus ist eben nur möglich in einem Blatt vom Schlage der„Rh. W. Ztg." Es wird die Schädlichkeit des Schnapstrinkens für den Organismus aus- drücklich anerkannt, es wird die schwere Arbeit der Bergleute hervorgehoben, und es wird den Bergleuten gute Nahrung em- pfohlen. Ader gerade deshalb, weil die Ernährung der Ärbei« ter eine unzureichende ist. weil ste nicht genügt, die zur Arbeit nöthigm Kräfte wieder herzustellen, deshalb greist der Arbeiter zu dem Reizmittel des Branntweins. JustuS von Liebig, der berühmte Chemiker, hat recht, wenn er sagt: DaS Schnaps- trinken ist nicht die Ursache, sondem es ist die Folge der sozialm Roth. Geradezu unbegreiflich ist es also, wenn die „RH.-W. Ztg." den Vergarbeitern Rathschläge giebt, derm Ausführung, wie ste wohl weiß, für diese armen Leuten ganz unmöglich ist. Wären die Löhne der Bergarbeiter nicht so niedrig, wärm die Arbeitsbedingungen günstigere, wäre die Arbeitszeit kürzer, so würde der Schnaps bald durch Besseres und Gesünderes verdrängt werden. So lange aber die Lebens- Haltung eines großen ProzmtsatzeS der Arbeiterklaffe eine so gedrückte ist, so lange wird auch der Alkoholismus seine Wir- kung ausüben, er wird nicht blos die jetzige, sondem auch die kommende Generation körperlich und geistig schädigen. AnS Erdmannsdorf(Schlesien) wird gemeldet, daß vier» hundert böhmischen Arbeitem angekündigt ist, daß fie am 1 April ausgewiesen werden. Dit einzelnen Arbeiter können uns leid thun; da die böhmischen Arbeiter aber überhaupt zu den„Lohndrückern" gehören, werden unsere schlefischen Arbeiter aufathmen und die Maßregel als eine in ihrem Interesse ge- ttoffene ansehen._ Vereine mh Versammlungen. An die Metallschrauben-, Faeondreher und Berufs- genoffen Berlins. Kollegen! Üeberall sehen wir— nicht allein in Berlin— sondem in allen Gauen Deutschlands, daß die Arbeiter aller Branchen, welche fich vereinigt haben, bestrebt Snd, die materielle Besserst« llung ihrer Mitglieder zu erringen. überall sehen wir energische Mittel anwenden, um die Jnter» essen der Arbeiter den Fabrikanten gegenüber zu wahren. Die Interessen unserer Kollegen zu wahrm, ist auch Zweck unserer Vereinigung. Wir find durch die fich fortwährend steigernde Rcduzirung des Arbeitsverdienstes auf der einen Seite, auf der anderen Seite dagegen durch die steiig steigenden Preise für die nothwmdigsten LebmSbedürfnisse veranlaßt worden, einen Minimallohntarif für unseren Branche auszuarbeiten. Bei Bearbeitung desselben ist der leitende Ge- danke der gewesen, daß es erforderlich sei, zunächst unsere am ungünstigsten gestellten Kollegen dmselben Lohnsatz zu fichem, wie solcher in den sogenannten besseren Werkstättm gezahlt wird. Nicht mit Unrecht wurde angmommm, daß der setzt rn vielen Fabriken gezahlte Lohn nicht annähemd genügt zur Erhaltung eines Arbeiters, noch viel weniger aber zur Erhaltung einer Familie. Dadurch, daß die Arbeitgeber, welche schlechtere Löhne zahlen, ihre Produkie zu einem niedrigeren Preise abgeben können, wird ein Druck auf die übrigen Fabrikanten ausgeübt, und diese gezwungen, für niedrigere Presse ebenfalls Liefemngen anzu- nehmen.DieFabrikantmversuchennun.diesenDmckaufdenArbeiter abzuwälzen und die Folge davon ist, daß die Löhne auf das äußerste reduzirt werden. Diese ungesunden Zustände, soweit solches in unserer Macht liegt, auf gesetzlichem Wege zu besei- tigen, soll unsere Hauptaufgabe fem. Um sämmrlichen Kol- legen den Minimal-Lohntarif unterbreiten zu können, haben wrr zu Sonntag, den 4. d. MS., Vormittags lO'/i Uhr, im Lokale Manteuffelstt. 9 eine öffentliche Versammlung der Me- tallschrauben-, Faeondreher und BemfSgenossen Berlins einbe- rufen, mit der Tagesordnung: 1) Vorlage des Minimal- LohntarifS der Metallschrauben-, Faeondreher und Berufsge« Nossen. Referent: Herr W. Liefländer. 2. Verschiedenes. Kollegen, besucht Mann für Mann diese Versammlung; fort mtt allen persönlichen Nörgeleien. Bedenkt, daß derjenige, welcher nicht säet auch nicht ernten kann. Tretet ein in unsere Vereinigung, denn unsere Sache ist Eure Sache; erklärt Euch solidarisch mit uns und laßt„Einigkeit" die Parole sein. Wir sprechen die Hoffnung aus, daß die der Vereinigung noch femstehenden Kollgen fich entschließen werden, mit ihren in der Bewegung stehenden Kollegen Schulter an Schulter für die matenelle Befferstellung zu wirken und dem Verein beizutreten. Mit kollegialischem Gruß der Vorstand des Fachvereins der Metallschrauben-, Faeondreher und Bemfsgenoffm Berlins. I. A.: Gustav Stimme!, Pallisadmstt. 22. In der Versammlung des Kachvereins der Schneider, welche am Montag, den 28. September, in Gratweil'B Bier- hallen stattfand, hielt Herr Prediger ower. Kmdziora einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über das Thema:„WaS lehren uns Nationalökonomie und die Moral vom Eigenthum?" Nach dem Vorttage, an welchen flch eine Diskusffon nicht an- schloß, wurde ein Vergnügunaskomitee für daS am 11. Oktober stattfindend« 3. Stiftungsfest deS Vereins gewählt. Verein zur Wahrung der Interessen der Tischler. Montag, den 5. Oftober, Abends 8 einhalb Uhr, Naunynstraße Nr. 44 Tagesordnung: Vierteljahrs-Abrechnung und Verschiedenes. Unterstützungsverein deutscher Schuhmacher.(Male Berlin). Montag, den 5. Ottober, in Niefts Salon, Komman- dantenstr. 71— 72. Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Diskusston über Enichtung einer Fachschule. Mitgliedsbuch legitimirt. Oeffentliche Versammlung sämmtlicher Tischler und Klavterarbeiter Berlins und Umgegend. Heute, Vormittags 10'/, Uhr, im Konzerthause Sanssouci, Kottbuserstraße 4a. Tagesordnung: Bericht über die bisherige Thätigkeit der Re- vifions-Komisfion und die Erfolge. Referent: Herr Heinrich Schaar. Herr Rödel und Genossen find hierdurch eingeladen, auch alle diejenigen, welche die damalige Lohnkommisfion unterstützt haben. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Fabrik- und Handarbeiter(E. H. Dresden) ärztliche Verwaltungsstelle Berlin Osten. Die Zahlstellm befinden fich Andreasstr. 3 und Gr. Frankfurterstr. 127. Jeden Sonnabend von 8—10 Uhr Abmds werden dort Beittäge entgegen genommen und neue Mitglieder aufgenommen. Arbeiter-Bezirksverein der Rosenthaler Vorstadt. Montag, den 5. Ottober, Abends 8 Uhr, Gartenstraße 123, bei Krüger. Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: I.Viertel« jährlicher Kassenbericht. 2. Innere Vereinsangeleamheiten. 3. Fragekasten. Auch findet in der Versamlung vre Eröffnung der Vereinsbibliothek statt. Die Mitglieder werden ersuchr» recht zahlreich zu erscheinen. Der Fachverein der Möbelpolirer auf Kastenarbeit hält am 5. d. M., Abends 8 Uhr, eine Monatsversammlung bei Seeger, Grüner Weg 29, mit folgender Tagesordnung ab. 1. Zweck und Ziel des Fachvereins; waS haben wir erreicht und was wollen wir noch erreichen. 2. Einiges über die Sonntagsruhe. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Verein Berliner Hausdiener. In der am 18. September abgehaltenen außerordentlichen Generaloersammlung behufs Neuwahl des Vorstandes wurden folgende Herren ge- wählt: O. Grauer, 1. Vorfitzender; C. Richter, 2. Vorfitzender; C. Ruhst, 1. Schriftführer' Klonniger, 2. Schriftführer; W. Bändel, Kasfirer; C. Heller, 1. Fahnenträger; A. Lenz, 2. Fahnenträger. Arbeiter-Bezirksverein der Oranienburger Vorstadt und deS Weddina. Große öffentliche Versammlung am Montag, den 5 Oktober, Abends 8 Uhr, im Weddtng Park, Müllerstr. 178. Tagesordnung: 1) Vortrag des Stadtverordneten Herrn Singer über die bevorstehenden Etadtverord» netenwahlen. 2) Drskusfion. 3) Verschiedenes. 4) Frage» kästen. Jedermann hat Zutritt. Fachverein der Berliner Kürschner. Montag, den 5. Oktober, Abends 8 Uhr, Generalversammlung im Saale des Herrn Seefeld, Grenadierstraße 33. Oeffentliche Btldhauer-Versammlung am Montag, den 5. Oktober l8s5, Abends 8 Ubr, in den Gratweil'schen Bier- hallen, Kommandantenstt. 77/79. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Freudenthal über:„Rechtsschutz und Geweibeschiedsgerichte". 2. Sind die Prinzipale mit der Be» seitigung der Sonntags- und Ueberstundenarbeit einverstanden, und wollen ste diese Forderung der Gehilfen unterstützen? 3. Verschiedenes. Berliner Wirkergesellen-Verband. Montag, den 5. d. Mts., Abends 8 Uhr, in Gütling's Lokal, Landwchrstraße 11, Versammlung. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung. 2. Bericht der Verhandlung über die Sonntagsruhe. 3. Verschiede» nes. Das zweite Stifwngsfest findet am 10. Ottober in Mohr- mann s Salon, Große Frankfurterstr. 117, statt. Billets find zu haben im Verbandslokal, Andreasstr. Nr. 37. Ein Ttschlerherberae und Verkehrslokal für Tischler wird am 15. Ottober er. Blumenstr. 56 eröffnet. In demselben Lokal befindet fich vom 1. November ab auch der„Zentral» Arbeitsnachweis des Fachvereins der Tischler." Verein zur Wahrung der Interessen der Kisten» und Koffermacher. Montag, den 5. Oktober, in den„Armin» hallen", Kommandantensttaße 20, geschlossene Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Vorstandswahl, Verschiedenes und Fragekasten. DaS Quittungsbuch legitimirt. Neue Mit- glieder werden aufgenommen. Das Stiftungsfest deS Verein? Kassenangelegenheiten mcht statt. Der Vorstand ersucht die Niltglleder, fich recht rege an der Sammlung zum Unterstützungs» fonds zu betheittgen. Die gesammelten Gelder und Eammel- listen werden Sonntags von 10-12 Uhr Vormittags im Re» staurant von Fntz Ebel, Skalltzerstr. 43, bis auf Writeres von Herrn Rennthaler entgegen genommen. Urrmischte». KM-ZZMZ WUM-MM » sn£ v lf if" We Oelung zu empfangen und da« Abendmahl zu nehmen, und als er auf ihre Wünsche nicht einging, drohten ste, ihn allein liegen zu lassen und ließen ihn UUSW-MLS fi™l«ÄerLen.'"den Händen und begannen Litaneien W � � m Grquälte. Die Frau schrieb den bereits heimlich begraben laffen und die Wittwe kennt nicht einmal seine Ruhestätte. Kriefkosse« der Nedadtion. XrtnlTAiWt'LfS!'""""" __ 3« de« nächsten Tagen beginne« wir mit der Ber- Sffentttchnng des Romans„Die Hand der RemefiS" von Ewald August König. Arb.-Kez.-Vcrtm f. d. Gkev Kerlins. Dienstag, de« k. Oktober, Abends 8V- Uhr, Versammlung in Kelter's Lokal, Andreasstraße Nr. 21. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag des Herrn Dr. med. Thristeller über:„WuNdheilUNg" S. Diskussion. 4. Verschiedenes. 5. Fragelasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zu- tritt.— Die Petition zum Arbeiterschutz Gesetz liegt zur Unter- zeichnung aus. Die Mitglieder, welche Petitionen zum Sammeln von Unterschriften entnommen habe«, werden gebeten, für baldige Ablieferung Sorge tragen z« wollen.[2352 Im SechtW! ssässä gegengenommen bei den Herren Zaacke, Küstriner-Platz 8, und Berger, Etraußbergerstraße 27 Ii., sowie in der Vereins- Versammlung beim Kasfirer. Der Vorstand. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher[2301 Tapezirer Montag, den 5. d. MtS., Abends 8'/, Uhr, t« Lonifenstädtifelien Konzerthause. Alte Jakobstr. 37. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Feststellung der Werkstatt-Resultate behufS Einführung der Mintmal-Sätze für Lohn, Stück und Arbeitszeit. Die vereiusversamluug fällt aus. Arb.-Kez.-Ntt. der iJoffnth. Korst. Montag, den 5. Oktober, Abends 8 Uhr, Mitglieder- Versammlung bei Krüger, Gartenstraße 123. Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Fragekasten. 2369 Die Ei Öffnung der Bibliothek findet in der Versammlung statt. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Große öffentliche Albm- Arbeiter- Kechmnilmig am Montag, den 5. d. M, Abends 8'/, Ubr, in Itllnstti»'s Sil--. Alte ZMbstr. 75. Tages-Ordnung: 1. Die Organisation der Album- Ardeiter. Referent Herr Mahnert. 2. Wie verhalten fich die Album arbeiter zu dem von der Buchbinderinnung gefaßten Beschluß, betreffend die Abschaffung res?, die Ertravergütung der Ueberzeit- und Sonntaasarbeit. Referent Herr Freudenreich. DaS Erscheinen eines jeden Arbeiters wird zur Pflicht gemacht. 2370_ Die Lohnkommisfion. General-Versammlung d«S Fachvereins sämmtl. an HolzbearbeitnngS-Maschine« beschäftigten Arbeiter am 7. d. M., in der Kopnickerstraße 151 bei Herrn Bötcher. T.-O.: Rechenschaftsbericht. Ersatzwahl des Vorstandes. Be- richt von der Prinzipalversammlung. Verschiedenes und Frage- kästen. Um zahlreichen Besuch bittet 2367|_ Der Vorstand. Oesfentliche Versammlung am Montag, den 5. Oktober er., Abends 8'/, Uhr, im Lokale des Herrn S e e f e l d, Grenadterstraße 33. Tagesordnung: Zweck der Arbeiter- Abend- und SonntagSschule. Referent: Herr Dr. L ü t g e n a u. 2341]_ Der Einberufer. Geueralversammlung der sttle« und � Hevm�euerstetn. Alte Jakobstraße 79. statt. Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. In- nere Angelegenheiten. 3. Verschiedenes.— Quittungsbuch legitimirt NB. DaS Stiftungsfest findet Montag, den 9. November. im obigen Lokale statt.[2340 __ Der Vorstand. Sämmtliche Klavierarbeiter. Tischler und Berussgenossen werden gebeten, den Zuzug von der Piano-Fabrik von Klingmann n. Co., Köuickerstr. 175, wegen Lohnabzüge von 5 und 7� pCt. fernzuhalten. 12330 Die streikenden Arbeiter«lenannter Fabrik. DaS @. Stifmagsfest deS Fachvereins der Schneider findet Sonntag, den 11. Oktober d. J., in den fifgeilsitlUn(flöher Namha»), Dreswersttch 96, statt. »nie«» find zu haben Krausenstraße 11(Herberge), in der Genossenschaft, Zimmerstraße 30, bei Frenzel, Klosterstraße 49. bei Zilm, Waldemarstraße 19, und in allen mit Plakaten belegten Handlungen. Um zahlreichen Besuch ersucht � m Der Vorstand. Auch machen wir auf unseren am 13. Oktober d. I. be> 6nn Zusclmeide-Kursus aufmerksam. Meldungen werden beim Zuschneidekehrer Herrn Mallwitz, Deutsche Schneider. Akademie, Krausenstraße 41, entaeaengenommen. DaS Honorar bettägt für die Mitglieder des Verems 15 Man.[2330 Reichhaltiger Abendttsch. Zu jeder Tageszeit: KönigSberger Fleck ä Portion 25 Pf. Einem geehrten Publikum empfehle mein_....... —.._ Reichhaltiger kalter und warmer Frühstücks-, sowie MtttagStisch v. 12—2 Uhr» — Arbei«»Bacl»wels für Klavlerarbelter.>»» ä Äouoert 50Pf. Achtungsvoll Hermann Stramm, veftauratenr, Äkalitzerstraße 18. Einern ßceorten Puvlnum rmpreplc metn Weiß-& Kairislk-Km-Lokal. � Schah- n. Stiefelwaaren- Fabrik von CJnstav Schnitze, Mulimaifiecmeißcc, Oranienstraße 5. Zur schlanken 5.__ Empfehle meine seit 25 Jahren von dem größten Theil der Bevölkerung Berlins anerkannten, besttenommirten Fabrikate zu den solidesten Preisen und bitte alle Freunde und Bekannte, sowie eine werthe Nachbarschaft um ihren werthen Besuch. Bestellungen nach Maust, sowie Reparaturen wcrdm s ch n e l l st e n s und billig ausgeführt. Bitte, auf vollen Namen zu achten. M»[2365 Versammlung der PlllwpMtkii der Zimerleute Berlins und Umgegend am Dien st ag, den 6. d. Mts., Abends 8'/, U h r, w«ratwetl's vierhallen. Kommandantenstraste 77/79, im unteren Saal. Sämmtliche Plätze werden ersucht, Deputirte zu schicken. 2371 1 DieLobn- Kommission. ■_ I. A.: I. Eeitzt, Schönholzerstt. 10». AezirKsverein des werkthätigm Walkes der Schönhauser Worffadt. Dienstag, den 6. Oktober, A b end s 3'/> U h r, in Meister'S Lokal, Schönhanfer Allee Nr. 161: Ter»ammlang:« Tagesordnung: 1. Kaffenb-richt. 2. Wahl eines Revisoren. 3. Vortrag des Herrn Dr. Stahn über:»Die Un« erschaffenhett und die Unvernichtbarkeit der Welt'. 4. Ver- schiedenes. 5. Fragekasten.— Gäste willkommen.— Neue Mitglieder werden aufgenommen.— Die Mitglieder werden auf§ 5 des Statuts aufmerksam gemacht._[2344 Gesseutliche Versammlung sämmtlicher Tischler und Klavierarbeiter Berlins und Umgegend Sonntag, den 4. Oktbr., Vormittags 10'/- Uhr, im Kouzerthause Sanssouci, Tages-Ordnung: Bericht über die bisherige Thätigkeil der Revifions>Kom- misfion und die Erfolge. Referent: Herr feein r. Schaar. Herr Rödel und Genossen find hierdurch eingeladen, auch alle diejenigen, welche die damalige Lohn-Kommisfion unter. stützt haben.[2330 Die Revrsions-Kommissron. KtzirslSverriu I. atbtil Kevölkeruig d. SW. Krrlius. zur Zeit der Reformation. Referent: Herr Kendziora. 2) Ver- schiedeneS. Gäste willkommen._[2353 AoH-Habak. Größte Auswahl sämmtlicher in> und ausländischer Sorten. sowie guten[2363 Sumatra-Schnitt zu billigsten Preisen Brunnen-Straße 141142, Heinrich Franck. Oeslkäfis Aerlegung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich mit dem heutigen Tage mein Zigarrengeschäft von der Frucht- ftratze 86a nach der„„_ W Koppen-Straße 66 verlegt habe und bitte bei Bedarf fich meiner zu erinnern. Hochachtend 2366 M. Meyer. Allen Freunden und Bekannten und meiner werthen Nach- barschaft, besonders den Mitgliedern der Arbeiter-Bezirksvereine „Hoffnung" und„für den Osten" �empfehle mein[2153 Weiß- und Wainsch-Arerkokal. Herrn. Llewaia. Frankfurter Allee 143. KkM-MilM n größtn Im# zu reMbilligm Preisen! I ex bei Sielmann& Besenberg, Kommandantenstraßy, g Ecke Liudenstraße. m Passage I Treppe. Geöffnet von 9 Uhr Morg. bis 10 Uhr Ab. Kaiser Panorama. . i Diese Woche: Eine Reise durch Portugal, Rom u. seine interessanten Sehenswürdigkeiten. Hertha-Reise. 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