Kr. 233. Dienstag, den U Oktober 1883. n.J*irj. MerVMW Organ für die Interessen der Arbeiter. 4 «schewt täglich Morgen« Äerlm frei in'» Postabonnement Da«„Berliner Volksblatt� außer nach Sonn- und Festtage«. ZlbonnementSprei« Hau« vierteljährlich 4 Marl, monatlich 1,35 Marl� wöchentlich 35 Pf. �- rn ,,"»Tf, ment 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf (Eingetragen in der PostzeiwagSpreiSlist« für 1885 unter Nr. 746.) Jafertiousgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmackt 10 Bei größere« Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi« 4 Nachmittag« m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Anno««» Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. am KedaKtum: Keuthstraße 2.— Gepeditio«: Zimmerstraste 44. X Jedkr und] jmw|atra! Kürzlich wurde gemeldet, der Reichskanzler sei einem Gesetze, welche« die Leichenverbrennung zulasse, nicht abgeneigt, wenn diese Art der Bestattung der Todten von kompetenter Seite verlangt werden sollte. Bi« jetzt ist dieser Nachricht nicht widersprochen worden und wir nehmen an, daß sie richtig ist. Freilich wissen wir nicht, was man unter„kompetenter Seite" in dieser Angelegenheit versteht. Hoffentlich nicht die Geistlichkeit, denn sonst wäre die Sache von vornherein begraben. Versteht man aber darunter die Kapazitäten der Wissenschaft, so wollen wir hoffen, daß diese den Muth haben, für die Feuerbestattung einzutreten. Von Herrn Virchow setzen wir es voraus; ob die Herren Dubois- Reymond, Helmholtz u. A. die Feuer- bestattung als nothwendig oder zulässig anerkennen, wissen wir nicht; wenn eS aber der Fall ist, so mögen sie ihrer Meinung so kräftig wie möglich Ausdruck geben. Wir richten diesen Appell ausdrücklich dahin, weil man in Deutschlaud leider so häufig die Erfahrung macht, daß das Gelehrten- thum, weitgehend und muthig in seinen Theorien, ängstlich vor jeder praktischen Konsequenz derselben zurückweicht. Man denke nur an den kläglichen Rückzug deS Darwinisten H ä ck e l, der für seine �radikalen" Anwandlungen vor dem �Publikum förmlich Abbitte geleistet hat. Daß wir der Feuerbestattung voll und ganz zustimmen, ja sie für nothwendig halten, brauchen wir nicht erst de« Näheren auseinander zu setzen. Wir sind all den Bestre- bungen, die Feuerbestattung einzuführen, immer sympathisch gegenüber gestanden und haben namentlich die Thätigkeit deS Berliner Vereins für Feuerbestattung und seines energi- schen Organs—„Die Flamme"— mit Interesse verfolgt. Daß die Feuerbestattung obligatorisch eingeführt würde, können auch wir nicht wünschen, unserer Meinung nach müßte eS einem jeden freigestellt sein, ob er verbrannt oder auf die bisher gebräuchliche Weise begraben sein will. Sicherlich giebt e« eine Menge von Leute», die gegen da» Verbranntwerden nach dem Tode eine unüberwindliche Abneigung haben. Diesen würde daS Be- wußtsein, nach dem Tode verbrannt zu werden, da» Leben verbittern. Wir sind aber für fakultative Feuer« bestattung, doch so, daß sie Niemanden, der sie wünscht, aus irgend einem Grunde verweigert werden kann. Bekanntlich ist die Feuerbestattum macht die Sw .._ bis jetzt nur in Gotha zulässig und dies macht die Sache theuer, wen» die .u verbrennenden Körper von weither dorthin geschafft wer- >ea müssen. Das zu erlassende Gesetz müßte also anordnen, daß in jeder größeren Gemeinde eine Anstalt behufs Ver- brennung der Leichen von solchen, die es gewünscht haben, M&n« MllOtOL] 731 JeuMeton. D«« MonmmeitMadche«. Amerikanssche Erzählung von Balduin Möllhauseu. .........[che.._______.,„..... lrche, nach Westen führende, offenbar um eine Stelle zu erreichen, auf welcher sie ihre Flucht in die Tiefe hinab würden fortsetzen können. Der ziegelfarbige Boden der Schlucht rückte ihnen schnell näher, und wenn sie auch häufiger über kleine Neben- schluchten fortsetzen mußten und die Tiefe des Abgrundes kaum noch tausend Fuß betrug, so zeigte sich doch noch immer keine Stelle, die sie zum Niedersteigen al» Leiter hätten benutzen können. und Schneewasser ä»» eine©m gerissen und in die Tiefe hinabgestürzt hatten. w«« war ihnen bekannt, mit langen Sprüngen eilten sie über die Abflachung fort; die Spalte in welcher der Weg WW Einen Augenblick herrschte«ach dem Schuß dt- Stille de« Grabe«, dann aber begann e«« de» chaotisch w einander laufenden Schluchten zu donnern, als habe d,e Erde sich öffne« wollen, um daS ganze Hochland zu ver- schlinge«; bald ganz nahe, bald in weiter Ferne; bald aus zu errichte« ist. Die Kosten dafür wären sicherlich auf- � Ar gehören voll und ganz zu Jenen, die der An- schauung sind, die Verbrennung der todten Körper sei ästhett- scher, als die langsame Verwesung. Eine Urne mit der Asche erscheint uns weit zeitgemäßer als ei» Grab, nach der heute gebräuchlichen Art, auch wenn eS noch so reich mit Blumenschmuck versehen ist. Diejenigen, die daS Bedürfniß haben, ihren verstorbenen Angehörige» kostbare Denkmäler zu setzen, sind durch die Feuerbestattung nicht daran ge- hindert. Wir möchten in dieser Angelegenheit alle Pietät geschont wissen. Wenn man nur endlich auf der anderen Seite sich auch entschließen könnte, Toleranz zu üben und den Mitbürgern die Wahl freizugeben, sich verbrannt oder unverbrannt bestatten zu lassen! Für das letztere ist leider wenig Aussicht, denn man kennt die fanattsche Zähigkeit, mit der gewisse Kreise an dem Hergebrachten festhalten. Weder die Resultate wissen- schaftlicher Forschungen noch das unbestteitbare Recht ihrer Mitbürger auf Selbstbestimmung können den starren Sinn jener Kreise ändern, die leider in vielen Fällen einflußreich genug sind, ihren Willen durchzusetzen. Wir meinen aber, daß es eine der ersten Aufgaben der Gesetzgebung sei, Einseitigkeiten zu vermeiden. Deshalb müßte sie sich für verpflichtet erachten, die fakultative Feuerbestattung zuzulassen. Wie sieht eS nun im Reichstage damit aus? Wenn die Regierung einen Gesetzentwurf, betteffend die Feuerbestattung, nach Zustimmung der bezüglichen wissen- schaftlichen Autoritäten wirklich einbringen und fakultative Zulassung der Feuerbestattung verlangen sollte, so würden zunächst die Nattonalliberalen dafür sei«, weil sie eS mit einer Regierungsvorlage zu thun hätten. Wen» Herr Virchow al« wissenschaftliche Kapazität die Sache befürworten würde, so fände sich sicherlich auch in der freisinigen Partei Nie- mand mehr, der gegen die Feuerbestattung votircn würde. Sozialisten und Demokraten wären von vornherein dafür. Unter den Deutsch-Konservativen dürften sich nur Wenige finden, die für die Feuerbestattung eintrete». Herr von Kleist-Retzow würde sicherlich dagegen donnern und Herr Stöcker würde au« leicht begreifliche« Gründen die Sache unzulässig finden. Dagegen würde, wenn der Vor- schlag zur fakultativen Einführung der Feuerbestattung von der Regierung ausginge, wahrscheinlich die freikonservative Partei zustimmen. Wenn wir recht wissen, hat ein unlängst verstorbenes Bundesrathsmitglied in seinem Testament die Feuerbestattung für sich angeordnet und ist seinem letzten Willen auch entsprochen worden; man sieht also, daß in den der Regierung nahestehenden Kreisen die Feuerbestattu auch Anklang findet. Die heftigste Opposition auch j/sie« die fakultative Feuerbestattung wird von Herr« Wmdthorst der einen, bald auf der andern Seite, aber immer gedämpft, wie hohles unterirdisches Getöse oder ferner Schlachtenlärm, wiederholte sich da« Rollen. Wenn es schien, als ob der Lärm verstummt sei, dann hob er in weiter Ferne wieder an, zuerst leise, dann lauter und wieder leiser, bi« er zuletzt mit unregelmäßigen Schwingungen, wie ein von der Erde auSgestoßener tiefer Seufzer in einem der amphitheatralisch geformten kolossalen Felsenkessel erstarb. „Bei Gott, das ist originell," sagte Rast, der mit einem weichen und sehr feinen Sandstein die Klinge seine» Kutlasse» putzte, und mit dieser, nach seiner seemännische» Ansicht, sehr wichtigen Arbeit so lange inne gehalten hatte, bi« das wunderbare Echo verstummt war. „Mehr als originell, es ist bezaubernd!" rief Falk enthusiastisch aus, indem er seine Büchse wieder lud.„ES war ein glücklicher Schuß," fuhr er fort, indem er zuerst Weatherton, und dann die beiden Delaware« der Reihe nach ttiumphirend ansah,„ein glücklicher Schuß, wie ich in mei- nem Leben noch keinen bessern gemacht habe. Ferner ei« Argali, wie er wahrscheinlich nicht schöner inmitten dieser versteinerten Höllen aufgetrieben werden kann, und wie er sich gerade dazu eignet, uns in nächster Zeit gegen Roth zu schützen, und drittens, ein Echo, wie eS wohl kaum ei» zwei- te» auf dem Erdball giebt. Schade, daß sich das Echo nicht malen läßt." „Es war in der That bezaubernd," bekräftigte Weather« ton, nicht weniger entzückt;„ich hätte einen so lang anhal» tenden und sich so oft wiederholenden Wiederhall kaum für möglich gehalten." „Möglich ist eS schon in einem Ländchen, wie da» vor un» liegende," versetzte Falk, der während seine« fortgesetzten UmherstreifenS mit den beide» Delaware« in seinem Wesen viel von der unverwüstlich heitern Sorglosigkeit der Jäger des Westens angenommen hatte,„sind diese feuerfarbigen Schlünde und Kessel mit ihren in einander laufenden Gän- gen doch geräumig und tief genug, um die ganze Schweiz mit ihren Alpen darin verbergen zu können, voraus- gesetzt, dieselben ließen sich wie Heringe oder Tabaksblätter verpacken." „Aber lange nicht geräumig und tief genug, um auch und seiner Gefolgschaft zu erwarten sein und dürfte von dieser Seite alle die antiquirten Gemein plätze gegen die Feuerbestattung zu hören bekommen. Darübertwollen wir uns nicht herumstteiten. Wir finden e« ästhettscher, wenn ein todter Leib zu Asche verbrannt, al« langsam von Würmern verzehrt wird, und wir erblicke« in der Feuerbestattung den einzig zuverlässigen Schutz gegen da« immer noch häufig vorkommende Lebendigbegrabenwerden mit seinem über die Maßen qualvollen Tod. Zu dieser Sache bemerkt die„Flamme" sehr treffend: „Wollte Jemand einwende», daß da« Unglück, lebendig begraben zu werde», eine sehr große Seltenheit sei, so nehme er die Zeitungen der letzten sechs Wochen zur Hand, in denen nicht weniger als drei solcher Fälle aus drei ver- schiedenen Staaten gemeldet werden. Wir wollen indeß einmal annehmen, daß nur solcher Fall auf eine Million Beerdigungen käme: dann denke der Leser sich diesen einen Fall genau durch, und erwäge, daß die Möglichkeit für Alle gleich ist, von denen vorausgesetzt wird, sie seien eine« natürlichen Tode« gestorben." Ganz richtig!— Wenn man die Regierung dazu be- wegen könnte, einen Gesetzentwurf für fakultative Zu- lassung der Feuerbestattung vorzulegen, so hätte derselbe im Reichstage die beste Aussicht, durchzugehen. Es wird Auf- gäbe der Presse sein, die Regierung zu einem solchen Vor- gehen aufzufordern, damit das berühmte Wort de» alte« Fritz, daß„Jeder nach seiner Faqon" selig werden solle, in dieser Sache wenigstens zur Wahrheit werde. Politische Ueverstcht. Die Einigung mit Spanien in Betreff der Karolinen- Inseln ist noch nicht erfolgt. Das„W. T. B." bringt folgen- des Dementi:„Die verschiedentlich verbreitete Nachncht, daß eine Einigung zwischen Deutschland und Spanien in der Ka- rolinenftage bereits erzielt und eine Vermittelung demnach über- flüssig sei, entbehrt jeder Begründung. Die Antwort Deutsch- landi auf die letzte Note der spanischen Regierung liegt zur Zeit noch Seiner Majestät dem Kaiser zur Genehmigung vor." Zur Unfallversicherung wird geschrieben: Alle die Be- triebtunternehmer, welche ihre Betriebe noch nicht nach Mast- gäbe des Unfallverficherungs-Gesetzes angemeldet haben, sein, in ihrem eigenem Interesse darauf aufmerksam gemacht, daß sie WS schleumast be, den unteren Verwaltungsbehörden, in deren BezirJ ihr Betrieb ge egen ist. nachholen, weil sie sich sonst der Gefabr aussetzen in eine Ordnungsstrafe bis zu 399 M. genom- mcn/ffU werden. �Die Jmpffrage ist eine noch unentschiedene. Das bisher statischen M�aterissl sst noch nicht hinreichend, um vom en Gefichspunlte sagen zu können, ob die Impfung ist oder nicht. Gegenüber den Angaben der impf« .reundlichen Presse ,st es vielleicht nicht unangebracht, auch ein- mal eine zahlenmäßige Darstellung mitzutheilen, die von Keller heilsam fr nur den hundertste» Theil deS atlantischen OzeanS darin weg. zustauen," bemerkte Rast, einen verächtlichen Blick über das Gewirre von Schluchten, Mauern, Thünnen und Wällen werfend. „Das wohl nicht, Freund Rast," entgegnete der Maler achend,„aber wenn Ihr doch so sehr auf das Wasser ver- sessen seid—" «Salzwasser, Herr, Salzwasser. wenn'S beliebt," unter- brach der Bootsmann ihn halb höflich, halb verdrossen und halb zutraulich. „Also auf das Salzwasser versessen seid," wiederholte jener gutmuthig,„so muß es Euch mit Zufriedenheit er- füllen, zu vernehmen, daß es gerade das Wasser gewesen ist. welches alle diese kleinen Rinnen und Löcher bildete." Rast schaute eine Weile ungläubig zu Falk empor. ger Achtung behandelte, am allerwenigsten aber sich auf seine Kosten belustigte. Er fühlte sich daher veranlaßt, des Kunst- lers Worte» blindlings Glauben beizumessen, und legte seine Verwunderung durch ein langsam ausgesprochene«„'S ist ori. g,nell" an den Tag, worauf er sich wieder über seine Klinge neigte und eifttg an einige» alte» Rostflecken zu reiben und zu poliren begann. Fall hatte unterdessen seine Büchse wieder geladen und an den Felsen gelehnt, und sich dann an Rast und die bei- de« Delawaren wendend, bat er sie, ihm beim Herbeischaffen deS Argali behilflich zu sein, um im Schatten der Felsplatte da» Fleisch ,n glatte Streifen zu schneiden und demnächst auf den heißen Steine» und in der Gluth der Sonne zu dörren.„Ihr seht, Freund Biber, ich habe schon Vieles von Euch gelernt, und wenn wir noch länger beisammen bleiben, dann werdet Ihr erleben, daß ein Weißer es manchem ein- geborenen Jäger zuvorthut." Rast hatte sich bei Falk'« Aufforderung sogleich erHobe«, da die Delawaren sich aber geberdeten, al» ob die Aufforde- rung sie gar nicht beträfe, so blieb auch er noch im Schat- ten stehen, doch sandte er de« Indianern einen grimmigen� auf Grund von Erfahmngen am österreichischen Eisenbahn. personel gesammelt worden ist. Folgende kleine Tabelle giebt an, wie viel Prozent der von den Pocken Ergriffenen in den Jahren 1872—73 starben: Unter Jahre Geimpfte 57 52 34 22 24 19 6 6 7 15 18 35 64 Ungeimpste 44 39 18 17 14 8 12 7 9 16 17 33 40 icu vuvBtltVti» vvw Tpitugtu/ w id seine Rechtsansprüche auf die ., Braunschweig geltend zu machen den Beschlüffen des Bundesraths entgegenzutreten. In sehr umfangreichen Schriftstück werden die sämmtlichen Alter 1 1-2 : II „ 10-15 „ 15-20 „ 20-30 „ 30-40 „ 40-50 „ 50-60 „ 60-70„ Nach dieser Ucberficht ist in fast allen Altersgruppen die Sterblichkeit der Unvakzinirten eine bei weitem geringere, als diejenige der Bakzinirten. Wir wissen wohl, daß andere Sta« tistiken zu Gunsten der Impfung sprechen. Aber ficherlich ist die Sache noch nicht spruchreif, und dies wollten wir bloS fest« gestellt wissen. Der Herzog von Cumberland soll, der ,Löln. Ztg." zufolge, unterm 22. September auS Gmunden ein Schreiben an die deutschen Bundesstaaten(abgesehen von Preußen) er« lassen haben, um noch einmal''~..... Regentschast im Herzogthum und dem......._______ P Beweismittel, welche der Herzog für seine Ansprüche anderweit zeltend gemacht hat, wiederholt und betont, daß der von ihm 'estgehaltene Anspruch auf die Krone Hannovers mit der Reichsverfassung nicht im Widerspruch stehe und seine volle Anerkennung derselben nicht ausschließe. Es ist bisher nicht bekannt geworden, daß das Schreiben eine Beantwortung er- jähren habe. Von Herrn Lenzman« wurde in verschiedenen Zeitungen »ehauptct, daß er der„Demokratischen Partei" den Rücken kehren wolle. Dazu bemerken nun die„Demokratischen Blätter":.Mir würden diese Absurdität schon der unlauteren Quelle halber, der fie entstammt, keiner Beachtung würdigen, wenn nicht leider ein sonst vorfichtiges Organ, die frei- konservative„Post", ihr Verbreitung verschafft hätte. Wir beschränken uns darauf, zu versichern, daß fie ganz und gar auS der Lust gegriffen ist, da Herr Lenzmann voraussichtlich noch Seranlassung nehmen wird, persönlich sich gegen eine derartige »rivole Behauptung zu verwahren." Zu den Ausweisungen von Ausländern wird auS Breslau ein sonderbarer Fall gemeldet. Ein Bezirks-Feld« webel, der am 1. Oktober seine zwölfjährige Dienstzeit beendete, hatte angesichts seiner bevorstehenden Dienstentlassung beim Polizeipräsidium um eine Zioil-Anstellung sich beworben. Vor einigen Tagen erhielt er— sein Auswetsungs-Dekret, weil er in Rusfisch-Polen geboren und bisher noch nicht nawralisirt sei. Ein köstlicher Lapsus ist der nattonalliberalen„Rheinisch- Westfälischen Zeitung" unterlaufen. Sie bringt einen Ber- iner Bericht zur Wahlbewegung, der über eine die Deutsch- Freifinnigen behandelnde Broschüre Mittheilumen macht. In diesem heißt es nun u. a.:„... Nun ging Richter auf seine Wanderung und sammelte seine Anhänger, die er zu seiner „Fraktion" umbildete und der er durch die Gründung der Freisinnigen Zeitung" am 1. September ein Panier auswarf. Obwohl die andern fortschrittlichen Zeitungen keine gute Miene dazu machten und ihm theilweise energisch entgegentraten, so sucht die„Neue Z ei tu n g" doch fortwährend durch Re« ilamen aller Art sich krampfhaft auf der Höhe zu halten."— Wie ergötzlich, daß der Schreib« oder Druckfehlerteufel die na« tionallioerale„Neue Zeitung" an Stelle deS Richter'schen Papiers gesetzt hat. Wir unterschreiben übrigens daö Urtheil für daS fortschrittliche, wie für das nationalltberale Organ ohne Zögern. „Denn es will uns schier bedünken, „Daß der Richter wie der Miquel, „Daß fie alle beide"— für eine verlorene Sache kämpfen. * Die Ultramontanen der bayerischen Kammer haben jetzt auch ihren Konflitt. Dr. Rittler einer der wenigen lopfe der Fraktion, ist aus dem„patriotischen" Klub ausae- irrten, weil er nicht wieder in den Frattionsvorstand gewählt worden ist. Rittler gehörte zuerst zu den„Extremen." d. b. denjenigen ulttamontanen Landboten, die eine polittsch radi- kalere Richtung verfolgen. Als strebsamer Mann ging er zu den gemäßigten, in der Kammer die Mehrhett bildenden„Pa« trioten" über, um fie jetzt wieder zu verlassen. In dem ganzen Streit sind nicht etwa prinzipielle GefichtSpuntte, sondern persönliche Rankünen, Eifersüchteleien und ähnliche Beweggründe nie treibenden Kräfte. Die Herren beziehen übrigens ihre Diäten während der ganzen Session, ganz gleich ob Sitzungen vorwurfsvollen Blick für ihre grobe Vernachlässigung der � Der schwarze Biber ließ sich indessen nicht in seiner Ruhe iöre«, nur daß er sei» gelbbraunes leidendes Gesicht zu einem geringschätzenden Lächeln verzog und den Maler eine Weile fragend anschaute. „Habt viel gelernt," hob er dann endlich an, indem er zustimmend mit dem Kopfe nickte,„wird aber«och lange dauern, ehe Ihr einem.Delawaren-Zäger gleichkommt. Fehlt Euch ein kaltes Herz und langsames Blut. Kommt über« Haupt nicht viel dabei heraus, mit Weiße« zusammen zu reise». Drei Weiße haben sechs verschiedene Ansichten und zuletzt hat keiner recht." „Ihr fangt wohl wieder an auf Eure Art zu philo- sophiren?" fragte Falk mit sorglosem Lachen, denn er wußte, daß nunmehr eine Strafpredigt für irgend eine von ihm be« gangene Sünde folgen werde. „Weiß nicht, was philofophiren ist," antwortete der Delaware ruhig,„weiß nur, daß wir uns längst aus dem Bereich der Utahs und Mormonen befänden, wenn ich auf meinen Wille« bestand, anstatt Euerm Freunde zu Gefallen den Rückweg nach dem Lager der Amerikaner einzuschlagen. Unsere Pferde sind verloren—" „Die ich Euch ersetzen werde, sobald wir im Lager ein- treffen," schaltete Weatherto» mißmuthig ein. „Unsere Decke», Pelze und sonsttgen Gegenstände," fuhr der Delaware fort, ohne di« Unterbrechung zu be« achten. „Und meine Skizzenbücher," fiel ihm Falk aber gleich darauf wieder in die Rede. „Gut, auch Eure Skizzenbücher liegen weit au« unserm Wege, wenn ich auch nicht glaube, daß unser« Verfolger da« Grab deS auf der Landstraße gestorbene« Mormonen« emigranten nach unserem verborgenen Eigenthum durch- wühlen werden." „Rem, gewiß nicht," pflichtete Falk bei,„der Hügel sieht au«, als hätte außer den Wölfen noch kein lebende« Wesen denselben berührt, und selstst wen» auf dem Pfahl, statt de« Namen« des Verstorbenen, alle die Gegenstände verzeichnet wären, welche wir dort vergraben haben, so stattfinden oder ob man sich auf längere oder kürzere Zeit ver« tagt hat. Der diesmalige Landtag ist ein Budget landtag, und wenn die jetzt dominirende ultramontane Mehrheit nicht so viel Ueberfluß an Vorficht besäße, so würde die traurige Lage der königlichen Zivilliste gründlich kritistrt worden sein. Oesterreich Ungar r». Die Interpellation wegen der Ausweisung österreichischer Unterlhanen aus Preußen zählt 135 Unterschriften von Abgeordneten der Rechte. Die Linke unterzeichnete nicht, weil die Zeit zu kurz ist, um die Klubbcschlüffe einzuholen. — In Innsbruck wurde die zur Wasserleitung führende Brücke über den Sttllfluß durch Dynamit in die Luft gesprengt. Die Brücken find größten Theils, die Wasserleitung ist völlig zerstört. Die Verbrecher find bisher noch nicht entdeckt. Holland. Mit der Trockenlegung der Zuidersee scheint man es jetzt ernst nehmen zu wollen. Die Provinzialstaaten von Uttecht, Gelderland und Groningen, wie auch eine Reihe von Städten, welche an der Zuidersee liegen, haben sich für daS Unternehmen günstig ausgesprochen und ein Ingenieur ist damit beauftragt, die Kostenberechnung zu machen. Schon im Jahre 1874, als Heemskerk ebenfalls Minister war, kam der Plan zur Sprache, und erstercr war nicht abgeneigt, die nöthi« gen Summen für die Untersuchung des Bodens auszuwerfen; allein die Sache kam über das Stadium vorläufiger Bcsprechun- gen nicht hinaus und gerieth bald in vollständige Vergessenheit. Durch die Trockenlegung würde das Königreich um eine Pro« vinz reicher werden, für welche man deretts den Namen„Wil- Helmsland" gefunden hat und deren Flächeninhalt etwa zwei mal so groß sein würde, als der Utrechts. Sollte der Plan wirklich zur Ausführung kommen, dann wäre für die Arbeiter- bevölkerung auf Jahre hinaus gesorgt, und vielleicht wird dieser Umstand gerade dazu beitragen, um die Inangriffnahme nicht nur zu ermöglichen, sondem zu beschleunigen. Frankreich. Angesichts der jetzigen Wahlen dürften folgende Daten von Interesse sein. Die alte Kammer bestand aus 557 Mit« gliedern; davon waren 33 zu Senatoren gewählt, 15 find gestorben, 41 haben fich nicht mehr aufstellen lassen, das find zusammen 89 vakante Sitze. Außerdem hat das Listenwahl- gesetz die Zahl der Eitze um 27 vermehrt; die Kämmer wird also aus 584 Mitgliedern bestehen, so daß, da 468 frühere Deputirte wieder kandidiren, die Kammer mindestens 116 neue Männer zählen wird. Von den 584 Sitzen kommen 570 auf die Departements Frankreichs, die übrigen auf die Kolonien Algier(3 Deport.), Guadeloupe, Martinique und Guyana(je 1 Deport.). Kandidaten find aufgestellt: Opportunistische 596, Konservative 551, Radikale 440, Sozialisten 167, Ardeiter 144, Unabhängige 103. Der Gewählte muß bei der ersten Wahl nicht blos die absolute Majorität der abgegebenen Stim- men, sondern auch den vierten Theil der eingeschriebenen Wähler auf fich vereinigen. Bei der Stichwahl entscheidet die relative Majorität; eS können daher alle Kandidaten fich wieder stellen und sogar noch neue auftreten. Eigentlich ist das also keine Stichwahl, wie es z. B. in Deutschland der Fall ist, wo nur die zwei Höchstbestimmten zur engeren Wahl gelangen. WaS Paris betrifft, so find bei 2 606 283 Einwohnen 568 924 Wähler eingeschrieben, die in 689 BüreauS wählen. Da jeder Wähler eine Liste von 38 Namen in die Urne legt, so dürste die Zusammen« stellung des Wablresultets etwas auf fich warten lassen. Bei der Wahl von 1881 wurden zusammen folgende Sttmmen ab- gegeben: 130 600 republikanische(gemäßigte und opportunistische), 190000 �radikale und 26000 reaktionäre; 155 200 Wähler haben fich der Abstimmung enthalten. Wer jetzt gewählt sein will, der muß den vierten Theil der eingeschriebenen Wähler, also 142 000 Stimmen erhalten; eS folgt daraus, daß, wenn die Parteiverhättniffe fich nicht verschoben haben, definitiv nur einige Radikale gewählt sein werden, darunter an erster Stelle diejenigen, die, wie Floquet und Lockroy, auf zwei ausfichtsvollen Listen stehen.— Für die nöthigen Utensilien— Federn, Tinte, Papier u. s. w., sodann für die Urnen, femer für eventuelle Heizung der Lokale und für Speisen und Getränke, deren die von Morgens 3 bis Abends 6 Uhr beschäftigten Skrutatorm u. s. w., sehr bedürfen ist die nette Summe von 500 000 Franken ausgesetzt worden. Doch dürfte diese Summe noch bedeutend überschritten werden. Zum Ueberfluß ist in letzter Stunde auch noch ein Mani« fest von einem sogenannten legitimistischen„Volkskomitee" er- schienen, welches am Schluß lautet:„Wir verlangen die WiederhersreUung der legitimen und christlichen Monarchie. Zurück mit der Revolution! Klammern wir uns an das Recht, dessen Verletzung die Quelle aller unserer heutigen Hebel ist! Zurück ganz besonders mit dem Orleanismus und seinm An- Hangern, welche jeder Zeit waren, find und jeder Zeit sein werden: Die Feinde des Königs, die Feinde des Volkes, die Feinde Frankreichs! Enkel Ludwig XIV., ältester Prinz der Bourbonen aus dem Hause Anjou, einziger rechtmäßiger Nach- folger Heinrichs, die christlichen und royalisttschen �Arbeiter von Paris, deren Dolmetscher zu sein die Ehre haben, fie ge« loben Dir laut Gehorsam und Treue. Sie rufen aus tiefstem würde e« dennoch Niemand einfallen, die ewige Ruhe des arme» Mormonen zu stören." „Gut, gut," versetzte der Schwarze Biber mit einem verschmitzten Lächeln,„die Sachen sind dort sicher aufge- hoben, und es wird sich auch Gelegenheit bieten, dieselben wieder anS Tageslicht zu holen. Daß wir die Pferde zu- rücklassen mußten, war nicht zu ändern, sie wären hier oben verhungert und hätten außerdem mit ihren Hufeisen den Utahs den Weg gezeigt. Haben sie erst einige Tage ver- geblich nach uns geforscht, dann biegen wir nördlich von ihnen wieder in die Emigrantenstraße ein, und ehe sie ihren Zrrthum eingesehen, wandern wir, nachdem wir das Grab deS Mormonen aufgedeckt, mit allen Sachen, die wir zu schleppen vermögen, dem großen Salzsee zu, um auf irgend einem verborgenen Pfade auf die andere Seite des Wahsatch» gebirgeS zu gelangen. „Alle« wäre also ganz gut und m der Ordnung, aber nicht gut ist, daß Zhr unsere Verfolger herbeigerufen habt. Denke,«S wird ein paar Kugeln kosten, oder gar eine lustige Fahrt auf dem Kolorado werden." �Herbeigerufen?" fragte Falk zerstört, und alle Blicke richteten sich auf den Delaware«, der sinnend vor sich auf den Boden schaute, wo er mit einem Stäbchen formlose Figuren in die dünne Sandlage zeichnete. „Die Utahs können höchsten« vier bi« sechs Meilen von un« entfernt fein," erklärte der Biber,„fie wußten bi« jetzt nicht, wo wir stecke«. Jetzt aber ist eS ihnen rund ge- worden, denn der Knall Eurer Büchse läuft bei ruhigem Wetter wenigsten« acht Meilen weit durch die Schluchten." „Ich war ei» Esel," versetzte Falk heftig, indem er sich mit der Hand vor die Stirn schlug,„aber zum Teufel, warum habt Ihr mir da« nicht vorhergesag; oder mich zurück- gehalten?" „Ich dachte, ei» Weißer, der so lange mit Delaware«- Jägern verkehrte, käme einem Indianer an Schlauheit gleich," antwortete der Biber mit einem schadenfrohen Lächeln,„und zurückhalten? haltet die Kugel in ihrem Fluge zurück, wenn sie da« Rohr verlassen hat." „Biber, Ihr habt recht," entgegnete Falk klemlaut, Herzensgründe die Gottesstunde herbei, die Stunde, da der König Frankreichs seine Rechte und die seines Volkes zurück- fordern wird. Es lebe der König! Es lebe Frankreich! Es lebe die weiße Fahne! Zu welcher Sötte diese„Arbeiter" gehören, dürfte leicht zu errathen sein. Der Bericht an die Enquete-Kommisston über die Pattser Arb eiterkrise wurde am letzten Tag des Bestandes der Kammer(3. Ottober) den Deputitten ausgetheitt. Der Bericht- erstatter, Herr Spul l er, hat dafür gesorgt, daß die wichtige Angelegenheit nicht mehr zur Sprache gekommen ist. Es wäre den Herren auch recht ungelegen gewesen, gerade vor der Neu- wähl über solche heitte Dinge sprechen zu müssen. Spanteru Zwischen der spanischen und englischen Regierung ist ein Konflitt ausgebrochen, der dadurch hervorgerufen worden ist, daß die englische Gesandtschast in Madttd mit einer Steuer belegt werden soll. Der Thatbestand ist folgender: Anfangs September oder Ende August wurde von der btttischen Ge- sandtschast die Zahlung der Gebäudesteuer für sechs Monate verlangt. Da die Zahlung von Steuern von den Vertretern fremder Mächte, insbesondere, wenn fie Gebäude bewohnen, welche das Eigenthum ihrer Regierungen find, in der Regel nicht gefordert wird, wurde die Zahlung verweigert. Trotz i der Vorstellungen, welche der englische Gesandte dem spanischen Minister für auswättige Angelegenheiten mündlich und schüft-: lich machte, wurde dre Zahlung der Gebäudesteuer von der j britischen Legation wiederholt verlangt, und eines Tages er- schien ein Beamter des Finanzministeriums, um eine Pfändung des Mobiliars des britischen Gesandten in"""" Höhe von 30 Pfo. der geforderten Steuer, vorzunehmen. wurde sofort aus dem Hause gewiesen. Angelegenheit noch ein diplomatisches Sterl., dem Betrage Der spanische Beamte Jedenfalls wird die Nachspiel haben. Mit der Depeschen-Zensur allein hat die spanische Regie-' rung den Zweck vollständiger Absperrung mißliebiger Nach- üchten nicht erreichen können, fie ist deshalb einen Schütt i weiter gegangen. Ein Londoner Püvattelegramm meldet der „Nat. Ztg.":„Wie die„Times" erfahren, find die hauptsäch-' lichsten fremden Zeitungs-Korrespondenten in Madttd mit Aus- Weisung aus Spanien mnerhalb der nächsten 24 Stunden be- i droht. Die Frage wird gegenwättig vom Kabinetsrath i debattirt." Die„Times" begleiten diese Drohung mit der Bemerkung: „Einen Mann, der keines Verbrechens angeklagt ist, und der eine öffentliche Pflicht erfüllt, mit summarischer Ausweisung zu bedrohen, ist eher eines ottentalischen Despotismus würdig, als eines Staates, der fich einen hohen Platz unter zivilifitten Gemeinden anmaßt. Spanien wird seiner selbst wegen gut daran thun, der halsstarrigen bösen Laune deS Ministeriums Canovas, die nicht ein Symptom von Energie und Much, sondern von hilfloser und verrückter Furcht ist, Zügel anzu- legen."— Sehr gut! Die„Times" mögen fich aber bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß solche Ausweisungen nicht nur in Spanien vorkommen. Rußland. Wie der„Fttf. Ztg." auS Petersburg berichtet wird, er- hrelten sämmtliche Zeitungen ein Zittular der Oberpreßver« wattung, welches densechen auf das schärfste jeden Attikel ver- bietet, der auf das bevorstehende Jubiläum der Aufhebung der Leibeigenschast hindeuttt. Dänemark. Die Arbeitsaus st ellung der Schmiede in Kopenhagen dauert fort und die Sammlungen für die Feiernden nehmen ihren Fortgang. Die Radikalen und Linken- männer haben fich in diesem ArbeitSausschluß ganz auf Seite« der Arbeiter gestellt und mtt in Folge dessen find für letztere bereits über 100000 Kronen gesammelt worden. Zwischen der steinen Zahl Arbetter, welche fich den Forderungen der Fabü« kanten gefügt und der großen Majorität der Schmiede, welche auf ihrem Programm verharren, ist es wiederholt zu blutige» Szenen gekommen, so daß die Polizei einschreiten mußte. Die Arbeiter gedenken nun selbst eine Fabrik zu gründen, ein Ge- bäude ist bereits gekauft und seit etlichen Tagen werden Auf« rufe zur Aktienzeichnung erlassen. Die Anschaffung der erfor- derlicken Maschinen und Werkzeuge soll mittelst dieser Gelder geschehen, während das Fabrikgebäude selbst der bekannte De- mokrat Albetti für die Arbeiter gekaust hat. Die Verkündigung des Ütthrils in der sogenannten Holstebrosache, oder die Anklage wider den Hofbesttzer Roes, den Redatter Nielsen und den Folkethingspräsidenten Berg wegen gewaltsamen Benehmens gegen den Polizeimeistec in Holstebro resp. wegen Thettnahme daran, hatte— wie der „Voss. Ztg." auS Kopenhagen geschneden wird— eine große Volksmenge nach dem Gerichtsgebäude gelockt, die in höchster' Spannung dem Ausgange dieser Sache entgegensah. Der Thatbestand, welcher dieser mtt außerordentlichem Eklat in Szene gesetzten Anklage zu Grunde liegt, ist kurz folgender. Am 16. Juni d. I. wurde in der Nähe von Holstebro eine von dem Vorstände deS dottigen liberalen Wählervereins ver« indem er sich verlegen umschaute,„beging ich de» dummen Stteich, so ist e« an Euch, Rath zu schaffen. Vielleicht hörten sie den Schuß noch gar nicht; übriegen« würde ich ganz gewiß nicht geschossen haben, hätte sich der Mangel an Lebensmitteln nicht bereits fühlbar gemacht." „Das Fleisch ist gut," versetzte der Delaware, eine« verlangenden Blick zu dem Argali hinübersendend,„ist aber Sache der MohaveS, für Fleisch zu sorge». Bogen und Pfeile sprechen nicht so laut. Läßt sich aber nicht mehr ändern, die Utahs haben aller Wahrscheinlichkeit' nach den Schuß vernommen, und wir müsse« auf unserer Hut sein." Falk, den e« schwer bedrückte, durch eine übereilte Hand« lung neue Gefahren heraufbeschworen zu haben, blickte be- dauernd auf Weatherton, wie um ihn zu bitten, ihn mit recht herben Vorwürfen zu überhäufen. Dieser dagegen ant« wortete durch ein neckisches Lächeln und indem er darauf hinwies, daß er selbst die Schuld trage, wenn sie mit ihren unermüdlichen Verfolgern zusammenttäfen, und sie längst außer dem Bereich aller Gefahr fich befände», wäre nicht auf seinen dringenden Wunsch die Richtung der Flucht ver- ändert worden. Bei diesen Motten mochte er des Beweggrundes g«- denken, der ihn i» feinen Wünschen bestimmte, denn er wurde plötzlich ernst, und mtt dem Ausdruck aufrichtigster Freundschaft reichte er Falk die Hand, welche dieser mit den« selben opferwilligen Gefühle« drückte. Nach diesen Erörterungen stand Falk eben im Begriff, seine Aufforderung zum Herbeischaffen des Argali zu er' neuern, als John, der während der ganzen Zeit schweigen- und scheinbar theilnahmlo« dagesessen hatte, emporschnellte, und mit der Gewandthett eines Panthers«ach der ihnen Schutz gewährenden Felsplatte hinaufsprang. Kaum zwei Minuten blieb er dott oben, sorgsam ;ch spähend, und indem er dann latz zurückkehrte, bemerkte er, wie nur drei MohaveS entdeckt habe und licheS der Trennung der fünf Küeger müsse. Das Geräusch der heimkehrenden Jäger drang I auf seinen altt» beiläusig, daß* etwa« Ungewöh» zu Grunde liegen endlich anstaltete Versammlung unter offenem Himmel abgehalten, wo- von dem Polizetmrister Anzeige erstattet war. Auf besondere Einladung waren die Folkethings- Abgeordneten Hansen, Berg, Larsen und Holm in der gegen 3000 Theilnehmer zählenden Versammlung erschienen, um einige An- sprachen zu halten. Nach dem bisherigen Gebrauch bei Vollsversammlungen nehmen das Bureau und die Vortragenden auf einer Tribüne Platz, während dem über- wachenven Polzeibcamten ein Platz dicht neben derselben eingeräumt wird. Gleich nach dem VerfaffungSbruch hatte aber das Justizministerium, in der richtigen Voraussicht, daß sich die tiefgehende Erbitterung des VolkeS in den Wählerversamm- lungen Luft machen werde, an alle Polizeimeister eine In- strultion erlaffen, nach welcher eS ihnen zur Pflicht gemacht wurde, den stattsindenden Verhandlungen genau zu folgen und alle strafbaren Aeußerungen zu dmunziren. Gestützt auf diese Instruktion hatte der Polizeimcister für fich und zwei andere Polizeifunttionäre Platz auf der Tribüne angewiesen verlangt, jedoch davon Abstand genommen, als ihm entgegnet wurde, oah dann die eingeladenen Redner nicht sprechen würden. Bei Eröffnung der Versammlung fand fich aber doch der Polizei- meister auf der Tribüne ein, und räumte ihm sogar ein Vor- standsmitglied in augenblicklicher Fassungslosigkeit seinen Platz ein. Als nun dre Redner fich weigerten, die Tribüne zu be- steigen und rn der unruhig gewordenen Versammlung der Ruf erscholl:„Herunter mit ihm!" gingen Roes und Nielsen zum Polizeimeister, ersuchten ihn, gutwillig hinabzugehen und setzten ihn dann, als er protestirte, mit vereinten Kräften von fernem erhabenen Standpunkte sanft zur Erde herunter. Gleich darauf betrat dann Präsident Berg die Tribüne und sprach seine Billigung über die Entfernung des Polizei- SjeistttS aus, dessen Auftreten er als ungesetzlich bezeichnete. Auf Grund dieser Thatsachen wurde die Untersuchung an Ort und Stelle eingeleftet, aber das Resultat muh wohl, besonders mrt Beziehung auf Präsident Berg, nicht so ganz denWünschcn des Estrup'schen Regiments entsprochen haben, denn unterm 1. August erhieften die Assessoren im Kopenhagener Kriminal- und Polizeigericht Jpsen und Lassen die Ordre, die Sache „fernerweit zu untersuchen" und in derselben zu urtbeilen. An eine Freisprechung durch diesen außerordentlichen Gerichtshof glaubte schon im Voraus Niemand, aber ein solches Urthcil hatte man doch nicht erwartet. Nach unendlich langer Moti- virung kommt das Gericht zu dem Schlüsse, daß NoeS und Nielsen wegen thallichen Angriffs auf einen Polizeibeamten. und Präsident Berg wegen Theilnahme an diesem Vergehen je mrt K Monaten Gefangniß bei gewöhnlicher Gefangenkoft zu vcrurtherlen find und alle Kosten zu tragen haben. Die Ver- uAeilten werdm natürlich appelliren, aber heute prophezeit die offiziöse„Nat. Tid." schon, daß keine Milderung des Urtheils ,u erwarten ist. G r o tz b r i t a n« i e u. Der Earl(Graf) von Sbaftesbury, ein bekannter Phi- lantrop, ist am 1. d. M. in Folkestone gestorben. Derselbe hat fich mit seinen Bestrebungen, die Frauen- und Kinderarbeit einzuschränken, sehr verdient gemacht. Seit wenigen Jahren dem Parlamente angehörig, nahm er 1883 die Sache der Kinderarbeit in den Fabriken durch Verdeffcrungsvorschläge und durch persönliche Untersuchung der im Lande herrschenden Zustände in Angriff. Seine Bemühungen um gesetzlichr Re- aelung der Kinderarbeit hatten zunächst keinen Erfolg. Fünf Jahre später machte er einen neu>n Versuch. Er führte den Nachweis, daß die Arbeiter in den Fabriken zu 55 pEt. auS Frauen beständen, daß in den Fabrikdiftritten eben so viele Personen verhältnißmäßig unter 20 Jahre stürben wie unter 40 in anderen T heilen, daß in Manchester die Hälfte aller Kinder unter 3 Jahren stürben u. s. w. Aber wieder war sein Bemühen umsonst. Erst im Jahre 1840 setzte er durch, daß eine Kommisfion zur Untersuchung der Beschäftigung der Frauen und Kinder in Bergwerken und Kohlengruben nieder- gesetzt wurde. Auf Vorschlag Lord Ashley's(wie damals der Verstorbene alS ältester Sohn seines noch lebenden Vaters hieß) wurde denn auch ein Gesetz angenommen, welches die Frauenarbeit in allen Bergwerken und Kohlengruben verbot und auch Knaben unter 13 Jahren davon ausschloß. Das so- genannte Zehnstundengesetz, welches die Arbeit von Frauen und sindern in den Fabriken auf 10 Tagesstunden beschränkte, erlangte indeß erst im Jahre 1850 Gesetzeskraft. 1853 wurde es noch durch einen Zusatz verbessert, welcher die Arbeitszeit für Kinder in die Frist zwischen 6 Uhr Morgens und 6 Uhr Abends verlegte. Diese Gesetze waren die Hauptarbeit von Lord Shaftesbury's Leben. Außerdem hat er aber noch andere humanitäre Bestrebungen gefördert. Amerika. In Montreal(Kanada) fanden weitere der Einführung des Impfzwanges statt. street sammelte fich ein Volkshaufen, um ein Nonnenkloster anzugreifen, weit die Nonnen die Häuser mit Pockenkranken be sucht und dem GesundhettSrathe die Pockenfälle zur Anzeige gebracht hatten. Kaum war indessen der erste Stein geworfen worden, als die Polizei eingriff und sechs der Führer ver- Exzesse anläßlich In der St. Catharine auch zu den Ohren der übrigen Mitglieder der kleinen Ge« sellschaft, und gleich darauf erschien Kairuk mit zweien seiner Krieger, jeder beschwert mit einem Theil des von ihnen er- legten Bergschafes. Sie bemerkte» sogleich den Letter der Heerde, welcher von Falk'S Kugel ereilt worden war, doch äußerten sie keine Verwunderung darüber. Nachdem sie ihre Beute unter der Felsplatte nieder gelegt hatten, wollien sie auch den Bock noch herbeiholen, um sogleich mit dem Zubereite» und Dörren des Fleisches zu beginnen, al» sie von dem Schwarzen Biber daran ge- hindert wurden. Derselbe forschte sie nämlich auS und überzeugte sich leicht, daß der Schuß mit seinem donnernden Echo auch bei ihnen Besorgnisse erweckt habe. Zn Folge dessen waren zwei von ihnen aufgebrochen, um von einer westlich gelegenen Anhöhe au« in die Ferne zu spähen und, im Fall die Utahs der Richtung de» verrätherischen Schalles nachfolgen sollte», ihre Freunde rechtzeitig von deren Annäherung in Kenntniß zu setze«. Dieselben batten sich mit rohem Fleisch ver- sehen und zugleich angedeutet, daß sie, wenn nicht besondere Umstände eS erheischten, nicht vor Abend zurückzukehren ge- � Auf deS Bibers Frage, wofür Kairuk sich in ihrer ietziaen aefährdete» Lage entscheide, antwortete der Häupt- : S% hk Svä>t» wurden., Der größte Theil des Nachmittags ging mtt dieser Be- hastete. Die Menge folgte bis zur Polizeistation und drohte dieselbe zu zerstören, aber fie zerstreute fich, als die Ver- hafteten unter starker Bewachung nach dem Stadthause abge- führt wurden. Am nächsten Morgen wurden fie vor Gericht gestellt und ein jeder zu vier Monaten Gefängniß verurtbeüt. Die Stadt ist ruhig und es werden keine weiteren AuS- schreitungen erwartet. Doch hat der Bürgermeister beschloffen, vorläufig zwei Regimenter unter Waffen zu halten. General Middleton ist angekommen und wird nötigenfalls den Befehl über die Miliz übernehmen. Der Einfluß des römisch- katholischen Klerus soll angerufen werden, um daS Vorurtheil der Unwissenden gegen die Impfung zu beseitigen; es wird beabfichtigt, in gewissen Quartieren öffenttiche Versammlungen zu halten, bei denen Priester Ansprachen halten sollen. In einem Holzhofe zogen es 50 Arbeiter vor zu streiken, anstatt sich der von ihren Prinzipalen angeordneten Impfung zu unter- ziehen. Die Sterblichkert an Pocken hat fich wesentlich ver« mindert.— Die katholische Hierarchie hat für nächflen Sonn- tag eine ungeheure Prozesflon aller römisch- katholischen Vereine angeordnet, um die„heilige Jungfrau" um ihren Schutz zu bitten- Die Polizei bat die Prozesston verboten und wird deshalb von der ftanzöstschm Presse heftig ange- griffen._ Kommunales. Im Arbeitshause befanden fich am 1. September cr. 34 Familien mit 117 Personen. Am 1. Oktober war der Be- stand 61 Familien mit 235 Personen. DaS Asyl für nächtliche Obdachlose benutzten im Laufe des Monats September 4918 Personen, und zwar 4539 Männer und 379 Frauen. Von diesen Personen wurden 2 zur CharitS befördert, 1 dem Krankenhause Friedrichshain, 47 dem Kranken« Hause Moabtt überwiesen und 274 der Polizei vorgeführt. Wegen Durchlegung der Lietzmannstraße nach der Landsberger straße haben 3 Bezirksveretne bei der Etadtver- ordneten. Versammlung petitionirt. Städtische Fortbildungsanstalten. In dem bevor- stehenden Winter werden in den folgenden höheren Lehran« stalten für Personen, die in einem praktischen Berufe stehen, Fortbildungskurse im Deutschen, Franzöfischen, Englischen, im kaufmännischen Rechnen und in der Buchführung gehalten wer« den: 1. In der Friedrich-Werder'schen Obcrrcalschule, Nieder- wallstraße 12, Herr Direktor Gallenkamp. 2. Im Friedrichs« Gymnasium, Friedrichstraße 126, Herr Direktor Kempf. In dieser Anstatt wird auch im Zeichnen und in der Mathematik unterrichtet. 3. In der Louisenstädttschen Lberrealschule, DreSdenerstraße 113, Herr Direktor Dr. Bandow. In dieser Anstalt wird auch im Zeichnen unterrichtet.— Der Unterricht wird an den Abenden der Wochentage und am Vormittag des Sonntags ertheilt und zwar von Sonntag, den 11. Oktober, bis Sonntag, den 13. Dezember d. I., und Montag, den 4. Januar t. I., bis Sonnabend, den 20. März k. I.— Das halbjährliche Schulgeld beträgt für jeden zweistündigen Kursus 2 Mark, für jeden vierstündigen Kursus 4 Mark. Meldungen werden von den Herren Direktoren entgegengenommm. Zokales. Eine seltsame Krankheitserscheinung, die allen Müttern junger Kinder zur Warnung und Belehrung dienen sollte, hat, wie das„B. T" erzählt, dieser Tage ein hiesiger Arzt beob« achtet. Derselbe wurde in der vergangenen Woche zu einer Familie in der Potsdamerstraße gerufen, woselbst daS jüngste drei Monate alte Kind an einer eigentümlichen Affettion der Zehen erkrankt war. Drei Zehen des linken Fußes waren stark entzündet und angeschwollen und zeigten eine haarfeine, ring förmige Einschnürung, welche bei zwei Zehen die äußere Haut durchschnitten, bei der dritten Zehe sogar schon daS Fußgelenk durchttennt hatte. Diese ganz eigenthümliche Verletzung ver- anlaßte den Arzt zu näheren Nachforschungen nach der Ursache derselben, er konstatirte, daß die Verletzung nur von einem fest um die Zehen geschlungenen Haare herrühren könne, und es gelang ihm auch, aus den Wunden ein langes feine? Wollhaar herauszuwickeln. Weitere Nachfragen ergaben, daß Mutter und Wärterin des Kindes die Gewohnheit hatten, sobald das« selbe unruhig wurde, es auS der Wiege zu nehmen, in ein großes oickwollenes Umschlagetuch zu drillen und so im Zemmer umherzutragen. Dabei pflegte fich indessen das Kindchen nicht gleich zu beruhigen, sondem strampelte noch eine Weile mtt den Füßchen in dem Umschlagetuch, und dabei kann es nur gekommen sein, daß eine Wollfaser aus dem dicken Tuche fich um die kleinen Zehen schlang und durch die fortgesetzten unruhigen Bewegungen der Beinchen sich immer fester anschmiegte. Vermöge ihrer Elastizität hat fich dann die Wollfaser wieder zusammengezogen, die Zehen noch fester um- schnürt und so in den weichen, nachgiebigen Hautgeweben des Kindes die bis an daS Gelenk reichende Durchschneidung be. wirft. Durch sofort eingeleitete antiseptische Behandlung konnte das Fortschreiten der Entzündung und der drohende Brand hintangehalten werden, und der Arzt hofft, durch Anlegung schäftigung hin, und die Sonne stand»och ziemlich hoch über der westlichen Ebene, da packten sie die steinhart ge- trockneten Fleischstreife« m Bündel zusammen, so daß auf Jeden der Gesellschaft eins fiel, für dessen Beförderung die entsprechende Person Sorge zu tragen hatte. ES bedurfte daher nur eines Zeichens für sie, um augenblicklich nach jeder beliebigen Richtung aufzubrechen. Da» Gewitter. Nicht klar und strahlend, wie am vorhergehenden Abend, ging die Sonne zur Rüste, sondern hinter einer drohenden schwarzen Wolkenschicht, welche wie eine thurm. hohe Uferbank den Westen begrenzte. Den ganzen Tag über hatte eine drückende Hitze ge« herrscht, so daß man selbst im Schatten der überhängende« Felsen nicht von dem unbehaglichen Gefühl befteit wurde, welche« eine mit Elektrizttät überfüllte Atmosphäre gewöhnlich bei dem Mensche» erzeugt. Schon nachdem die Sonne eben de« Zentth überschritten hatte, verlor der Himmel seine lieblich blaue Farbe, und an deren Stelle trat jener dustige Nebelschleier, der de« Glanz der Sonne selbst wohl etwas mildert, die Wirkung der Strahlen indeß keineswegs schwächt, im Gegentheil noch glühender und sengender zu machen scheint. Ze näher zum Abend hin, um so klarer wurde auch wieder der Himmel, dafür verdichteten fich aber ringsum die Dunstmassen zu massivem Gewölk, welche« der Linie deS Horizonts in den bizarrste« Formen zu entquelle« schien. Anfänglich trug dasselbe eine so helle Farbe, daß die Blicke, ohne es zu bemerken, darüber hingeglitten wäre«, wenn die Sonne nicht dessen obere wulsttge Ränder so wunderbar schön beleuchtet und bald mit dem glänzendsten Gold, bald mtt dem mattesten, fich tnS Violette abstufenden Rosa eingesäumt hätte. Im Westen dagegen waren, wie schon bemerkt, die Wolke« zu emer einzigen grauschwarzen Mauer zusammen- gerückt, die sich dadurch von einer harmlosen Nebelschicht unterschied, daß auch sie nach oben hin die massiven AuS- wüchse zeigte, die zuweilen die größte Aehnlichkeit mit schwerfällige», ungestalteten Drachen trugen, oder auch mit der Knorpelnaht die halb abgelöste Zehe noch erhalten zir können.— Ohne Zweifel sind Derartige Fälle, wie der hier erzählte, gar nicht so selten, da die Sitte, kleine Kinder in Umschaactüchern umherzutragen, weit verbreitet ist. Eine sorg« fältige Untersuchung hat aber jetzt erst den wahren Grund zu Tage gefördert, der allen Müttern zur Beherzigung em» pfohlen sei. Berlin wimmelt zur Zeit wieder von„Speziali- täten". Riesen und Zwerge lassen fich sehen, Künstler des Seiles, deS Recks und des Trapezes wetteifern mit einander in den Proben erstaunlicher Kühnheit und Gewandtheit, Roll- schuhläwer und Wasserköniginnen, Jongleure, Eskamoteure und Balanzeure, Equilidristen und Pantomimisten suchen einander die Palme des Ruhmes streitig zu mach n, und neben diesen Künstlein auS der Gattung domo sapiens können wir noch die Konkurrenten aus der Thierwelt bewundern. Meist erfolgt die Ankündigung der staunenswetthen Produttionen mit dem Ver« merk, daß dergleichen noch niemals gesehen worden, daß etwas nie Dagewesenes dem verehtten Publikum geboten werde. Dennoch haben wir es, wie die„Vosstsche Zeitung" berichtet, in den weitaus meisten Fällen mit Wiederholungen alter, längst bekannter Dinge zu thun, wie uns ein Büchlein lehrt, daS in den Jahren 1773—1787 in Paris erschien:„Lea spectacles des foires et des Boulevards". Sollte man es glauben, daß in diesem Almanach, der speziell den Sehenswürdigkeiten der Pariser Messen und Jahrmärtte gewidmet war, bereits ein Urahn jener klugen Seehunde genannt wird, die Mr. Woodward in den Reichshallen vorführt?„Er hat sanften, mensch- lichen Blick", heißt es von diesem Vorläufer seehündischen Künstletthums,„ist sehr gelehrig, gehorcht auf Kommando, aiedt Pfötchen, grüßt, wirst Kußhändchen und hat eine be- sondere Vorliebe für Musik." Auch die gelehrten Hirsche, wie sie fich bisweilen bei uns im Zirkus präsentsten, finden wir damals bereits vertreten durch einen überaus gescheidten Edel« Hirsch, der Karten spielen konnte, durch Reifen sprang, eine Kanone abfeuerte, wie ein Soldat marschitte, Lichter ausputzte, Taschentücher appottstte und in der Zuschauermenge die schönste Dame und den verliebtesten jungen Mann zu bezeichnen wußte. Noch merkwürdiger als dieser Hirsch erschien eine Seiltänzergesellschast, die ganz aus Ratten bestand, an ihrer Spitze ein mächttger Kerl, dessen stattlichen Schnauzbart man auf das Schönste adonifirt hatte. Das Alles aber wurde in den Schatten gestellt durch einen Affen, Turco mit Namen, den Nicolet, einer der berühmtesten Künstler des Boulevard du Temple, sehen ließ. Dieser geniale Affe ver» richtete Dinge, wie fie großattiger selbst deS seligen Brockmann Tmppe uns nicht gezeigt i waS aber Turco über alle seine Standesgenossen der Vergangenheit und Zukunft erhob, das war seine Beliebtheit bei den Damen. Wie auch heutigen Tages hochgestellte Personen bisweilen berühmte Künstler in ihre Loge entbieten, fich bei ihnen für den künstlettschen Genuß zu bedanken und ihnen ein schönes Kadeau zu verehren, so ward damals Turco zu den eleganten Modedamen beschieden, nur mit dem abgekürzten Verfahren, daß er einfach von der Bühne zu ihnen hinüber kletterte, um fich stteicheln und füttern zu lassen. Das Uebermaß zärtlicher Liebe richtete den Künstler zu Grunde; in dem blühenden Alter von 4 Jahren erlag er einer Indigestion, die er fich durch den übermäßigen Genuß von Zuckerwerk zugezogen hatte. Große Trauer erhob fich um Sn, und sogar Grabschriften wurden auf ihn gedichtet, deren ne fich etwa folgendermaßen wiedergeben läßt: Gefällt im Vollglanz seines Ruhmes, Der Damen Lieblina, hold und süß, Des ganzen großen Affenthumes Mit Recht gepriesener Narziß, Hier ruht er sanft! O, weint mit mir: Ach, warum ruht er jetzt schon hier? Es läßt fich nicht verkennen, daß diese Glanzzeit der Speziali- taten vorüber ist. Man dichtet keine Verse mehr auf gelehrte Thiere, und die vomehmsten Vertreter des Faches, die Zauber- künstler, werden nicht mehr, wie es dem berühmten Comus geschah, der im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts Parts durch seine phyfikalrschen Ueberraschungen entzückte. ,u Lehrern der königlichen Prinzen ernannt. Wenn fie es uns nur nicht verübeln, die modernen Priester der höheren Magie, daß wrr fie in einem Athem mit den Künstlern der Thierwett nennen! Aber ganz lassen sie fich von diesen nicht trennen; geboren doch Kanarienvögel, Tauben. Kaninchen, Meerschwein� che? und wer weiß was Alles für aefiedette und bepelzte Ge« eerns&ms IS S; Är«a tÄ«; mangelte es ihm nicht an Zulauf. Zu Reichthum gelangt, er« ä! z korpulenten alten Herren, denen die Beine fehlte», oder mit wohlgenährten Engeln, die nicht nur an den Schultern sondern auch an den Ellenbogen und auf der Brust mit großen und kleinen Schmetterlings- und Papageienflügeln geschmückt waren. D'" Je näher nun die Sonne an diese Wolkenmassen heran. trat, um so ungestalteter und formloser wurden die«us- WMZZZU üpprg hervorquillt. 0'' Als die Sonne sich dann endlich hinter der schwarze« Wolkenbank verbarg und nn Scheiden die obersten Ränder derselben noch einmal mit ihren allerschönsten Goldsäumen "SU%% schwär, und drohend aus, al« wenn das Weltall wieder in ein Chaos hätte zusammengeschleudert werden sollen. um machen""'" iener �uternden Feuerprozesse durchzu- Selbst der Schwarze Biber ließ seine Blicke argwöh- msch auf der Lmre des Honzonts herumschweifen, und in. dem er den Kopf bedachtig schüttelte, meinte er, daß wohl etwa« mehr als em gewöhnliches Gewitier im Anzüge fem Obschon eS wohl noch eine halbe Stunde bis zum Untergang der Sonne dauerte, so war nach deren Ver. schwinden doch sogleich die Atmosphäre so sehr verfinstert � 68 n'ie e,ne durch mächtige Fenersbrünste er- hellte Dämmerung auf der unabsehbaren Landschaft ruhte. Weatherton, Falk und die ganze übrige Gesellschaft hatten sich unter der Felsplatte ntedergelassen, wo sie glaubten, von dem drohenden Wetter nicht berührt zu werden Die Mohaves schliefen mtt dem Ausdruck der größte« Behagltchkert, die Delaware« unterhielten sich im flüsternde» Tone, wobei sie zuweilen ängstliche Blicke auf die Gewitter. wölken, als de» Sitz des großen gute» Geiste«, warfen. (Fortsetzung folgt.) Dieses Beispiel erscheint unS freilich wenig nachahmenswerth, denn eine gute gemästete Gans ist eine„Spezialität", die selbst durch einen Zauberkünstler ihrem angestammten Berufe nicht entfremdet werden sollte._ � ,, g. Ei« junge«, mittelloses Mädchen ist am Freitag Mittag von einem für fie recht herben Verlust betroffen wor- den. Derselben ist ein Geldbetrag in Höhe von 306 Mark zur Bezahlung� übergeben worden, welchen fie um die gedachte Zeit auf dem Wege vom Epittelmarkt nach dem Moritzplatz ver- loren hat, ohne denselben wiederzufinden. Zur Erlangung des Geldbetrages ist eine Belohnung von 50 Mark ausgesetzt, welche der Finder bei Ablieferung der oben gedachten Summe durch das Polizei-Bureau am Spittelmarkt 4 erhält. Der erste Abend des Offenbach-Zyklus im Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater am Donnerstag, den 8. d. M. bringt die Aufführung dreier Einakter, welche zu den besten gehören, die Offenbach geschrieben. Dm Anfang macht„Hochzeit bei Laternenschein", mit den Damen WradojKatharina), Drucker, sFanchette). Fehl(Denise) und Herm Weidmann(Pierre) in den Hauptrollm. Daran schließt fich„Die Zaubergeige", welche von den Damm Stein(Antoinette), Koch(Georgette) und Herrn Szika(Mathieu) in den Hauvtrollen dargestellt wird. Den Schluß deS Abends bildet„Mr. und Mme. Denise" in den tauptrollen mit den Damen Wrada(Lucie), Koch(Zianette), tein(Gaston) und Herm Stein(Belleron). Freitag werden die drei Einakter wiederholt. Sonnabend, den 10. d., findet, als zweiter Abend im Zyklus, die erste Aufführung von„Orpheus in der Unterwelt" statt, dessen Text Ed. Jacobson neu be- arbeitet hat. Als Orpheus tritt an diesem Abend Herr Ed. Steinberger sein Engagement an. Die übrigen Partien de« Inden fich in den Händen der Damm Elise Schmidt Kuno), Wrada(Eurydtce), Stein(öffentliche Meinung), Koch(Diana), Fehl(Cupido) und der Herren Binder(Jupiter), Weidmann (Arist-us) und Wellhof(Slyx). Belle-Alliance> Theater.„Die Leibrente", der über- müthige Schwank Gustav v. Moser's, fand am Sonntag Abend vor ausverkauftem Hause wieder die beifälligste Aufnahme. Morgen findet bereits die fünfzigste Ausführung desselben statt. Wasserstand der Spree in der Woche vom 20. brS 26. September.(Angabe in Metern.) Polizei-Bericht. Am 2. d. Nachmittags gerieth eine Ar- beiterin in der Wäschefabrik von Gebrüder Ritter, Chauffee- ittaße 99, mit der rechten Hand zwischen die Walzen einer Wringmaschine, so daß der Zeigefinger zermalmt wurde. Die Verletzte wurde nach der königl. Klinrk gebracht.— Am 3. d. M. Nachmittags verunglückte der Arbeiter Tbielemann auf dem Neubau des Naturhistorischen Museums, Jnvalidenstt. 43, dadurch, daß das Kreuzband einer daselbst aufgestellten Dampf- winde riß und in Folge dessen die herabstürzende Ladung seine Sand traf und den kleinen Finger der rechten Hand zerquetschte. r fand im Augusta Hospital Aufnahme.— Um dieselbe Zeit fiel der Kutscher Weißt vor dem Grundstückl Bergmannstt. 30 beim Abspringen von einem in der Fahrt befindlichen beladenm Ardettswagen zur Erde und wurde überfahren, so daß er eine starke Quetschung des linken Fußes erlitt. Er wurde nach der königl. Charitee gebracht.— An demselben Tage, Nachmittags, sprang der Kaufmann Müller von einem in der Fahrt befindlichen Pferdebahnwagen und erlitt dabei cme Ver- |Ä"| der in der Wagenremise auf dem Grundstuck Bulowstraße 94 beschäftigte Maler Neitzel von einem Schemel und brach dabei den Arm. Nach Anlegung eines Nothverbandes wurde er nach seiner Wohnung gebracht.- An demselben Tage, Nachmittags, fiel der Oekonomiehandwerker Giebel vom Garde-Füstlier-Regi- ment beim Ueberschreiten des Eisenbahn> Ueberganges in der Liesenstraße in Folge Ausgleitung mit solcher Gewalt rücklrngs zu Boden, daß er befinnungslos liegen blieb. Er wurde nach der Kaserne seines Regiments gebracht und hat anscheinend eine Gehirnerschütterung erlitten. Gerichts-Zeiwng. Prozetz Graes. Siebenter Tag. Vorfitzender Landgcrrchts-Direktor Müller eröffnet die Sitzung um 9Vj Uhr. Zwei Zeugen, welche bei dem Aufruf nicht zur Stelle find, werden auf Antrag der Staatsanwalts in eine Ordnungsstrafe von je 20 M. event. 4 Tagen Haft genommen. Eine ausgebliebene Zeugin soll sofort polizeilich gestellt werdm. Vom R.-A. Dr. Holz ist noch der Schrift- steller Ludwig Pietsch als Entlastungszeuge geladen worden. Derselbe soll über dasselbe Thema vernonimen werden, über welches Prof. Jul. Lesfing fich ausgesprochen hat. Die Beweisaufnahme geht nochmals auf die Erörterung der Frage zurück, wer in dem Haupttermin des Prozesses Hammermann die bezüglichen Fragen an den Prof. Graes ge- richte! hat und wie dreselben achallen waren. Zu dieser Frage wird zunächst der von der Vertheidigung vorgeschlagene Re- ferendarius Jsaac vemommen. Derselbe schickt voraus, daß er als Substitut des Rechtsanwalts Holz s. Z. einmal der kom- -niffarischen Vernehmung der Elisabeth Rother beigewohnt habe. Er ist s. Z. auch in dem Hammermann'schen Termin zugegen gewesen und bekundet, daß es ihm so vorschwebe, als od da» .nals nicht der Vorfitzende, sondern der Vertheidiger Bernstein die bezüglichen Fragen gestellt habe. Der Zeuge kann in dieser Beziehung irgend welche pofitioe Bekundungen nicht ________..______ machen. In Folge dessen verzichtet die Vertheidigung auf den anderen über dieses Thema nachträglich rorgeschlagenen Zeugen, Refe- rendarius Dr. Salomonsohn._ �, Eine von der Auguste Rothcr vorgeschlagene Entlastungs» zeugin Edel, welche in der Marlow! ka'schcn Anklagesache verhaftet worden war und auch zu drei Monaten Gefänaniß oerurtheilt worden ist, hat im Gefängniß einmal die Anna Rother gesprochen. Bei dieser Gelegenheit habe dieselbe ihr zugestanden, daß fie nur aus Wuth die Bezichtigung gegen ihre Schwester und den Prof. Graes gerichtet habe, thatsächlich sei fie aber von demselben nicht zum Meineide angestiftet worden. Bei der Vernehmung dieser Zeugin, die im Gefängniß auch mit der Mutter Rother zusammengetroffen war, im Uebrigen aber sich aller Einzelheiten der Gespräche nicht mehr erinnert, greift die Angeklagte Auguste Rother wiederholt sehr dreist in d,e Frage- stellung ein und muß mehifach vom Volfitzenden in die ehr gebübl enden Schranken zurückgewiesen weiden.— Auf Anfrage des Rechtsanwalt Cassel bestätigt die Zeugin, l ._____ � daß Anna Rother ihr gegenüber auch gesagt habe, daß fie selbst keinen Meineid geleistet habe. Die Mutter Rother behauptet noch, von der Zeugin gehört zu haben, daß Anna mitgetheilt, die Bertha werde von ihrer Mutter immer bevorzugt und deshalb möchte fie am liebsten die Bertha und den Professor Graes ins Ge- fängniß bringen. Einer solchen Aeußerung entfinnt fich die Zeugin jedoch nicht. Es folgt nunmehr die Vernehmung der ärztlichen Sach. verständigen über den Gemüthszustand der Anna Rother. Der Gefängnrßarzt Geh. Eanitätsrath Lewin giebt nach seinen eigenen Beobachtungen im Gefängniß und nach denjenigen, sorgfältig von ihm notirten Bekundungen einzelner Zeugen sein Gutachten ab. Sie ist am 24. März ins Gefängnrß eingeliefert worden und waS dort an ihr bemerkt worden ist, stimmt mit demjenigen überein, was die einwandsfreien Zeugen mitge- theilt haben. Anna Rother lag in Einzelbaft. Sie lenkte die Aufmerksamkeit zunächst Mitte April auf fich; eine Nachtaufseherin, die ihre Zelle beobachtete, bemertte, daß Anna Rother im krampfhaften Weinen lag und als man hinzutrat, lag fie in konvulsivischen Zuckungen. Als man ihr Wasser ins Ge- ficht spritzte, hat Anna Rothcr Bewegungen gemacht, welche die Aufseherinnen zu der Ueberzeugung brachten, daß fie eine Si-. mulantin vor fich hatten. Ein anderes Mal hat die A: seherin durch das Observationsloch beobachtet, hat aber_ bemerkt: dagegen glaubt fie. daß Anna Rother fie benv habe. Bald nachher gab es in der Zelle der Anna Rot einen Fall und man traf fie dann wieder in einem solchen_ stand. Als der erste Termin in dieser Angeklagesache anges war, hat die Oberausseherin die Anna in das Lazareth legen müff weil oieselbe fieberte und u. A. fortgesetzt ausrief: Man n mich köpfen! Der Sachverständige hat dann ihre Ueberführu in die gemeinsame Haft angeordnet und eine verständige P son damtt beauftragt, fie m kleinen Handarbeiten zu untl_ richten, da es bis dahin unmöglich war, fie irgendwie zu be schästigen. Es hat fich dabei gezeigt, daß fie ein Pensum, welches ein Kind in 14 Tagen avsolvirt. in 3 Wochen nur nothdürftig erreichte. Des Nachts schlief fie sehr unruhig, schluchzte häufig und wenn man fie dann weckte, wußte fie von nichts. Eines Nachts weinte fie sehr heftig und als man fie aufweckte, erklärte fie:„Ich habe eben gehört, wie die Ober- aufseherin auf dem Korridor zu der Aufseherin sagte, meine Mutter ist gestorben und ich soll mir Trauerkleider anlegen. Der Sachverständige giebt nun eine genaue Darstellung seiner überaus sorgfättig angestellten Beobachtungen und der Fragen und Antworten, wie fie bei seinen Unterhaltungen mit der Gefangenen gestellt resp. gefallen find. Der Sachverständige taxirt das intellettuelle Vermögen der Angeklagten sehr gering, namentlich hat er festgestellt, daß ihr Gedächtniß außerordent- lich schwach ist. Sie konnte nicht rechnen, wußte fich eben erst geschehener Dinge nicht zu erinnern, machte über ihre Aus- sagen in den Terminen die verschiedensten Angaben, verlegte Pfingsten in den September, und sprach von ihrer Schwester immer„meine Bertha!" Als fie aufgefordert wurde, ein Ge- dicht aus der Schulzeit herzusagen, sprach fie ein Dank- und Bittgebet zu Gott. Was ein Meineid ist, wußte fie, denn fie antwortete,„ein falscher Schwur", dagegen erklärte fie, nicht zu wissen, was ein Schwur ist. Sie klagt über permanenten Kopfschmerz in der rechten Seite und zeigte fich bei allen ihren Vernehmungen in der größtm Apathie, nur wenn der Name ihrer Mutter genannt wurde, verzog fie spöttisch den Mund. Aus allen seinen Beobachtungen, die der Sachverständige gemacht hat und die durch die Vorgänge in dieser Hauptverhandlung noch bekräftigt worden find, zieht derselbe den Schluß, daß Anna Rolher an einer Krankheit des Geistes leidet, die phychiatrisch als denvatia bezeichnet werden muß. Es sei be- kannt, daß, wenn nicht ostenfidle Zeichen vorliegen, die Laien geneigt find, Leute nicht für geistesgestört zu halten, von denen die Sachverständigen behaupten, daß fie unzurechnungsfähig find. Geh. Rath Lewin erzählt in dieser Beziehung einzelne interessante Fälle aus seiner Praxis, darunter einen Fall, wo ein viel beschäftigter Arzt, zu dem seine Klienten das vollste Zuttauen hatten, in die Irrenanstalt übergeführt werden mußte, weil fich unzweifelhaft ergeben hatte, daß derselbe geisteskrank war. Derselhe schreibt die vernünftigsten Briefe aus der Irren- Anstatt heraus, er studirt neuere Sprachen in derselben und trotzdem kann den wieder- holten Anträgen der Verwandten auf Entlassung nicht entsprochen werden, weil derselbe tbatsächlich noch immer geisteskrank ist. Es sei feststehend, daß Epileptische sehr zum Lügen neigen und eine solche Virtuofität, um epileptische Anfälle zu heucheln und damit die Aerzte zu täuschen, befitze die Angeklagte nicht. Ihr ganzes Auftreten im Gefängniß, ihre Widersprüche, ihr Benehmen vor Gericht haben den Sach- verständigen nach gewissenhafter Prüfung zu dem Endurtheil gebracht, daß Anna Rother nicht fimulirt, sondern daß fie jetzt und früher an einer auf Epilepsie beruhenden krankhaften Störung des Geistes leidet. Sie ist keine Idiotin oder voll- ständig Blödfinnige, sondem kann bei genchtlichen Vemeh- mungen:c. ganz klar bei Verstände gewesen sein, wobei aber immer nicht außer Acht zu lassen ist, daß Epileptiker gewohn- heitsmäßig lügen. Auf direktes Befragen de? Vorfitzenden erklärt der Sachverständige, daß derartige Leute aller- dingS vollständig klare und zweifelfreie Momente haben, daß nach den Protokollen die Anna Rother in dem Moment, als fie dem Untersuchungsrichter ein Ge- ständniß ablegte, klar bei Verstände war, doch müsse immer als Bafis daran festgehalten werden, daß fie vom ärztlichen Stand- puntte aus als eine Geisteskranke zu betrachten ist.— R.-A. Kleinholz: Ebenso gut, wie fich annehmen läßt, daß Anna Rother bei Gelegenheit ihres Geständnisses bei klarem Ver« stände die Wahrheit gesagt hat, ist doch wohl auch die Mög« lichkeit nicht ausgeschlossen, daß ihr. die Sie eben eine zum Lügen neigende epileptische Person ist, in dem Momente ihres Geständnisses etwas als Wahrheit vorschwebte, was thatsächlich eine Lüge war V— Geh. Rath Lewin: Ja, das ist wohl möglich. Der zweite Sachverständige, Geh. Medizinalrath Wolff, schließt fich auf Grund seiner Beobachtungen diesem Gutachten an und erwähnt noch, daß unter hundert Fällen die Epilepste bei zweiundsechzig gleichzeitig eine Alteration der Fähigkeiten zu beobachten rst. Bei Anna Rother liegt ein erheblicher Schwachsinn vor und es ist eine mangelhaste Entwickelungsfähigkeit bei ihr von Anfang an vorhanden ge- wesen. DaS notorische Lügen derselben ist ein lrankhafter Trieb, der ihr nicht zugerechnet werdm kann, da er eben bei Eplleptrkem oft beobachtet wird. Die Möglichkeit, daß fie mit ihrem Geständniß die Wahrheit gesagt habe, lasse fich nicht in Abrede stellen, dagegen müsse dabei gleichzeitig daran gedacht werden, daß eben ihre Darstellungm überhaupt höchst unzu- verlässtg find. Das Endurtheil diefcs Sachverständigen geht hiemach dahin: Die Anna Rother ist eine an epileptischen Krämpfen leidende, in hohem Grade schwachsinnige Person, welche möglicherweise bei ihrem Geständnisse die Wahrheit ge- sagt haben kann, bei welcher aber die Koirektheit" ._.. ihrer Angaben überhaupt nrcht hoch anzuschlagen ist. Auf direktes Befragen des Vorfitzenden erklärt der Zeuge dann noch: 1. Ich halte Anna Rother für eine so schwachfinnige Person, daß man bei ihr jederzeit eine freie Willensdestrmmung als ausgeschlossen erachten muß. 2. Ich bin der Meinung, daß Anna Rother nicht im Stande ist, den Verhandlungen in dem Maße zu folgen, wie eine gesunde Person und daß fie fich auch nicht so vertheidigen kann, wie eine gesunde Person.— Staats- anmalt Heinemann: Die Angeklagte soll gesagt haben, fie habe die falsche Anschuldigung nur aus Wuth und Rache er- hoben. Da die Angeklagte nun aber sehr zum Lügen neigt, so frage ich den Sachveisiändigen: Ist es nicht möglich, daß die Anna Rother gerade bei dieser Erklärung gelogen hat?— Geh. Rath Wolff: Diese Möglichkeit kann ich nicht bestreitm. — Staatsanwalt Heinemann; Ich frage den Herrn Sachverständigen ferner: Kommt es häufiger vor, daß Epileptiker mit so geringem geistigen Defekt, wie er bei der Angeklagten vorhanden ist, den April in den Herbst oder Pffngsten in den September verlegen?— Rechtsanwalt Kleinholz bittet, da der Vorfitzende die Frage für eminent wichtig hält, um einen Gerichtsbeschluß.— Justizrath Simson monirt die Kritik deS Staatsanwalts, daß der geistige Defett ein verhältnißmäßig geringer sei.— Der Gerichtsbeschluß geht dahin, daß die Frage zweifellos zuläsfig sei.— Geh. Rath Wolff beantwortet die Frage nunmehr dahin, daß derartige Verwechselungen allerdings häufig vorkommen und daß bei Epileptikern immer gewisse Fluk- tuationen in ihrer geistigen Klarheit zu beobachten find.— R.>A. Cassel: Gegenüber der Auffassung des Staatsanwalls über den Grad des geistigen Defetts frage ich doch den Herrn Sachverständigen, ob er nicht sein Gutachten dahin ahgegeben hat, daß gerade ein hoher Grad von krankhafter Störung des Geistes vorliegt.— Geh. Rath Wolss bestätigt dies.— Hierauf '"ie Mittagspause ein. _ U Borgel selbe Bugge ist. di thums tation der W Leset weiter denken' Vere Moxin Unann noch v gebung rungen der soz Vonntl selbe 1 unerhö der Ar treten. solchen Sollte Arbeite Nachtr, well er wenig namhas 8 69 d seinem dieHaf der Ar Sttafbl selbe v, _ U. Eteinl enthält gaben. stand, l hat fich in 188: demnact auSgefa verfahr! beiden bei Nel ozmles und Arbeiterbewegung. Ar. Herr Weigert, der Berliner Textilindustrielle und „praklische Volkswirth" hat auf dem Nürnberger Kongreß den wunderbaren Ausspruch vom Stapel gelassen:„Die Arbeit in der Textilindusttie ist ja die reine Spielerei!" Herr Weigert betonte, daß in seinem Etablissement die Handarbeit vorherrsche. Wie leicht und die Gesundheit sördemd ist die Handweberei, von welcher der dekannte Hygienller Professor Hirt derichtet, daß z. B. in einigen Weberbezirken der preußischen Oberlaufiy '/» der Kinder im ersten Jahre sterben. Aber die Arbeit ist doch nur eine Spielerei für den— Fabrikanten. Hochherzig!? Die konservativen„Dresdener Nachrichten" schreiben:„Einen hochherzigen Entschluß hat Herr Fabrikbesitzer Heinrich Dietel aus Wilkau bei Zwickau gefaßt. In dem Fabrikorte Sosnowice, an der Warschau-Wiener Eisenbahn gelegen, in welchem viele deutsche Arbeiter beschäftigt find, fehtt es gänzlich an einer Kirche; nur von Zeit zu Zeit kommt ein Gerftlicher dorthin und hält in primitivster Weise in einer Schulstude einen Gottesdrenst ad. Da will nun obiger Herr gründlich helfen und auf eigene Kosten eine Kirche bauen. Mir Auftrag dazu ist bereiis Baumeister Altendorff in Leipzig betraut worden. Im Frühjahr nächsten Jahres wird der Bau beginnen und soll die Kirche im romanischen Stil aus Back- steinen und Holz ausgeführt werden. Es wird dies dort in weitem Umkreise die erste deutsche protestantische Kirche sein." — Wenn der Herr Fabrikbefitzer für die Arbeiter hätte gesunde Wohnungen bauen lassen, so wäre das viel hochherziger und verständiger gewesen, da dieselben in geradezu jämmerlichen und ungesunden Baracken hausen müssen. Natürlich macht es mehr Aussehen, eine Kirche zu bauen, in welcher der Priester der« einst noch den Namen Dietel der Nachwelt alS Gründer ver- kündet. Jawohl, hochherzig? Aus Hamburg wird berichtet:„Gegen hohen ameri- konischen Lohn" werden hier durch Zeitungsannonzen gegen- wärtig 500 Zigarren- Arbeiter und-Arbeiterinnen gefucht, für die Firma S- Davids und Sons in Montreal(Kanada), wie eingezogene Erkundigungen ergeben haben. Nach allen in Europa eingetroffenen Berichten ist indeß die Geschäftslage in der Zigarrendranche Nordamerika's keineswegs günstig, so dot von einem wirklichen Bedürfniß vermehrter Arbeitskraft doff nicht die Rede sein kann. Wenn in diese Verhältnisse 500 deutsche Arbeiter und Arbeiterinnen hineingeworfen werden sollen, die noch dazu mindestens ein Jahr sich kontraktlich binden sollen, so würden fie nur die Reservearmee dortiger unbe« schäftigter Arbeiter vermehren helfen. Es wird daher mit Recht in der„Bürgerzeitung" gewarnt, fich durch jene Annonze nicht verlocken zu lassen. Die armen Aktionäre. Die Aktiengesellschaft für Gas- beleuchtung in Lindau zahlt dies Jahr 9 pCt. Dividende gegen 8'/» pCt. im Vorjahr.— Die Braunschweigische Maschinen« bau-Anstalt� oertheilt lOpCt. Dividende. Einigen Aktionären war dieser Satz zu niedrig, fie beanspruchten einen„Entbehrung«"- lohn von 15 pCt. Bei den schlechten Zeiten mußten sich die unglücklichen Dulder aber mit Zehn von Hundert begnügen.— Die Baroper Maschinenbau-Attiengesellschaft wird vorausficht- lick für 1884/85 eine 5 pro,. Divivende geben.— Die Zucker- raffinerie Braunschweig zahlt 3pCt. Dividende— Der Auf- fichtsrath der Posener Sprit-Aktiengesellschaft beschloß, für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Divivende von 5 gegen 2,/i pCt- im Vorjahre vorzuschlagen.— Die Zuckerf abrrk Wag Häusel durfte 6 pCt. geben.- Die Mannheimer Verficheruna�csetl- schast zahlt 20 vCt. Dividende.— Die Sächsische Kammgarn spinnerei zu Harthau zahlt diesmal 6 pCt. gegen 4 pCt- in 1883/84.— Die Speyerer Aktien-Dampfziegeler, Speyer, giebt 9 pCt. Dividende.— Die Zuckerraffinerie Magdeburg, Aktien- gesellschaft, zahlt an Dividende 6'/, pEt. für die Stammaktien und 7l/t pCt. für die Stamm-Prioritätsaktien.— Die Aktiengesellschaft für Lederfabrikation in München löst den aar 15. Lltoher fälligen Koupon mit 90 Mk. pro Aktie i 1000 Gulden ein.— Die Tuchfabrik Eßlingen zahlt 25 Mk. am die Vollattie, 5 Mk. auf die Tbeilaktie.— Die Zuckerfabrik Heilbronn verthcilt 10 pCt. Dividende.— Die Barczek Maschinenbau-Aktiengesellschaft wird 5 pCt., die Pommersche Eisengießerei ebensoviel zahlen.— Der Ausfichtsrath der Rofitzer Braunkohlenwerke schlägt 4pCt Dividende vor." Die Maschinenfabrik Augsburg zahlt 17'/, pCt. Dividende. — Wir hoffen, unsere Leser bedauern die armen Aktionäre.!. Weibliche Geschäftsreisende werden jetzt auch schon ver- �eutS s wandt. Dieselben sollenj gute Geschäfte machen. Besonders rs find für KonsektionSartikel find dieselben geeignet, doch dürft« s'lcht fe] manchem jungen Reisenden, der jetzt seine Kolleginnen mit tmren Freuden im Gasthofe begrüßt, bald schon himmelangst vor der dPten r vernichtenden Konkurrenz werden. Denn die Damen werde» es viel billiger machen, alS die Herren. Kür die Krone der geplanten Sozial-Reform habe» wir oft das Altersversorgungsgesctz erklärt. Krankenkassen gab es vorher schon zahlreiche, und an Stelle des Unfallverstcherungs- gesctzes trat in vielen Fällen das Haftpflichtgesetz. Wenn»et. gegenwärtige Zustand auch ein etwas besserer ist, als der frühere/ PeterSb: so kann man doch nicht von einer hilfreichen Sozialreforr» düngen sprechen. Da muß erst ein Altersversorgungsgesetz eintreten, Zutolge welches von den Mängeln, die dem Kranlenkaffm- und Unfall- Erkundi verficherungsgesetz anhaften, befreit bleibt. Besonders müßte» lander( dabei die Arbeiter von den Beiträgen verschont werden. D» Gcsammtheit müßte eintteten, das Reich. Eine progresst>» Reichs Einkommmensteuer— aber nicht eine solche, wo vi« ganze Progresston vom ärmsten Steuerzahler bis zum reichste» zirka 2 Prozent beträgt— müßten an Stelle der indirekte» Steuern treten, damit die Arbeiter nicht selbst di: Staatshilst zu leisten hätten, dann, aber auch nur dann kann eine Alters- etnbegni Versorgung für die Ardeiter von Nutzen sein. Alle dah>» zielenden Organisationen haben womöglich größeren Schade» als Nutzen. Die Regierung aber scheint selbst vor dem st„. pomphaft und wiederholt angekündigten AltersversorgungSgestl nicht ers Angst bekommen zu haben, da noch nicht einmal die von der bereitunaen zu einem solchen in Angriff genommen word-» find. Uebngens erscheint auch unS daS bis jetzt aufgebaut sozralreformatonsche Gebäude so schwach zu sein, daß es nW>' gut eine Krone tragen kann. . Unter den 25 000 in Oldham streikenden Weber». herrscht das größte Elend; in vielen Häusern ist jedes HauSgerath versetzt und nur daS Bett bildet daS ganze W. {Mar. In»rolge dieses NothstandeS bekunden die feiernd� Weder ffkergung, fich eine Lohnheradsetzung von 5 pCt Zu lassen. ES wird jedoch nicht erwartet, daß«nge,. Nothlage der Arbeiter die Spinnereibefitzer dieses Zuge annehmen werden; fie werden vielmehr auf 10 pCt. I Der Streik hat jetzt 10 Wochen gedauert und dem W bände bereits über 600 000 M. getostet. 4 Pf.- und mc daß die Da Gestern Bellet i sollen> Explosu Uel richten i Wähler, vativen Eitz. 4 Gablet nicht üb D« ang de i> Einnähe selben, 337467 vorigen 140 De, großen i garische Kriefkaste» der Kedaktio». Von jetzt ab ist das„verliner Volksblatt" in Trinkhallen für 5 Pf. käustich. all� I« den nächsten Tagen beginnen wir mit der öffentlichung des Roman«„Die Hand der Remest« Ewald Augnst König._ Au »wer F> l'ven im und ma effante« ..Das C als wär Einmütl diese Or Bildfläs oder Jr arbeiten *reis mc {Jort ma Bolksbei treten. Verantwortlicher Redakteur R. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW., Leuth ftraße 2. Hierzu eine Seil-S� eilage mm Berliner Volksblatt Ar. 233 Dienstag, den 6. Oktober 1883. IL Jahrg. Politische Ueverstcht. Unerhört 1 so lönnte man ausrufen, im Hinblick auf das Borgehen des bekannten Hannoniedoktors Max Hirsch. Der- selbe hatte am Sonntag seine Gewerlvereine nach dem Buagenhagen'schen Saale zusammentrommeln lassen, um der Welt wieder einmal zu zeigen, wie wunderbar es ihm gelungen ist, diese Arbeiter in die versumpften Wege des Manchester- thums zu lenken. Es hatten fich denn auch nach reger Agi- tation anderthalb Hundert Personen zusammengefunden, um der Weisheit des Herrn Hirsch über das Arbeiterschutz- gesetz zu lauschen. Und was kam zum Vorschein? Nichts weiter als vre alten Gemeinplätze und Phrasen, welche jedem denkenden Menschen nachgerade anekeln. Durch die„freie Verernbarung" sollten die Arbeiter fich den 10 stündigen Maxrmalarbeitstng erringen, ein gesetzlicher Zwang würde große Unannehmlichkeiten(etwa für Herrn Hirsch?) haben. Was sonst noch von dem Herrn vorgebracht wurde und wozu er die Gesetz- gedung in Anspruch nehmen will, find ganz minimale Forde- rungen. Nicht einmal die gesetzliche Sonntagsruhe verlangt der soziale Doktor, nur für den jugendlichen Arbeiter soll dre Sonntagsarbeit verboten werden, dcr erwachsene kann fich die- selbe durch die derühmte„Selsthilfe" verschaffen. Ja, unerhört ist es, daß ein Mann, der angeblich für die Interessen der Arbeiter eintritt, der sein Gehalt von Arbeitern bezieht, daß ein solcher Mann die Stirn hat, heute noch, im Jahre 188S, in Berlin mit solchen Phrasen vor die Arbeiter zu treten. Wird denn Herr Hirsch nicht schamroth, wenn er solchen Unsinn öffentlich ausspricht? Und die Arbeiter? Sollte man es für möglich halten, daß es sogar noch in Berlin Ardeiter grebt, welche solche Worte für baare Münze nehmen? _ Zeugnißzwana. Der Redakteur der Münchener./Neuesten Nachrichten, Herr Boshart, wurde gestern in Haft genommen, rotu er fich weigerte, den Einsender eines Artikels über die wenig günstigen Ergebnisse der staatlichen Hagelverficherung Jwmhaft zu machen. Die Verhaftung erfolgte auf Grund des ?, Strafprozeß-Ordnung. Dieser Paragraph lautet in seinem Absatz 2:„Auch kann zur Erzwingung des Zeugnisses vre Haft angeordnet werden." Bemerkt mag noch werden, daß der Artikel— wie der Richter ausdrücklich anerkannte, nichts Strafbares enthält. Man scheint der Anficht zu sein, daß der- selbe von einem Beamten verfaßt worden ist. Ueder die Arbeiterverhältnisse auf den königlichen Eteinkohlenaruben bei Saarbrücken im Jahre 1884, 8S enthält der Saarbrückener„Bergmannsfreund" detaillirte An- gaben. In denselben finden wir folgende Daten über den Lohn» stand. Der durchschnittliche Jahresverdienst eines Bergarbeiters hat fich im Jahre 1884,85 auf 938 M. gestellt gegen 963 M. In 1883/84 und gegen 929 M. in 1882/83. Der Verdienst ist demnach in 1884/85 gegen das Vorjahr um 25 M. geringer ausgefallen. Der durchschnittliche Nettolohn für eine wirklich verfahrene Arbeitsschicht betrug im Jahre 1884,85 1883/84 1882/83 1881/82 bei den Gedingslöhnen M. 3.32 3,40 3,32 3,21 bei Nebenarbeiten„ 2,87 2,83 2,82 2,80 Wir sehen demnach einen Rückgang der Löhne um 8 resp. 4 Pf.— AngefichtS solcher Thatsachen behaupten die offiziösen und manchesterlichen Organe noch immer mit edler Dreistigkeit, daß die Löhne der Arberter wesentlich gestiegen seien. Belgien. Das„Berk. Tagebl." läßt fich aus Brüssel tclegraphiren: Gestern Nacht flog das Haus des Kohlenbergwerks- Direktors Bellet in Paturages in die Luft. Während ves letzten Streiks sollen die Arbeiter das Haus unterminirt haben.(?) Die Explosion erfolgte eist jetzt. Der Fall erregt großes Aufsehen. Franrreich. lieber den Ausfall der Wahlen liegen nur wenig Nach- richten vor. Bis heute Vormittag 9 Uhr waren die endgiltiaen Wahlergebnisse aus 22 Departements bekannt. Die Konser- vativen gewinnen in denselben 35 Sitze und verlieren einen Eitz. 42 Stichwahlen find erforderlich. Die Minister Le Grand, Govlet und Herve-Mangon find nicht wiedergewählt. — Paris, 5. Oktober. In der Mehrzahl aller Departe- ments siegten die Wahllisten der Opportunisten und Radikalen, es find aber sehr viel Stichwahlen nothwendig, auch ist noch nicht festgestellt, ob die Kandidaten der äußersten Rechten und Linken der opportunistischen Majorität nicht das Gleichgewicht halten werden. Ferru wurde in dem Departement des Vosges wiedergewählt. Die Wahlergebnisse von Paris lassen fich noch nicht übersehen. Rußland. Der„Petersburger Wedomosti" zufolge gilt der Ueber« gang der Eisenbahnen der großen russischen Eisenbahn-Gesell- schaft in die Verwaltung der Krone als fest beschlossen— Petersburger Zeitungen enthalten entschieden sensationelle Mel» düngen über militärrsche Maßnahmen Englands in H e r a t. tulolge in Askhabad an authentischer Stelle eingegangener �rkundigungen ist daran nur richtig, daß in Herat durch Eng- länder geleitete Befestigungsarbeiten vorgenommen werden. — Das russische Reichsbudget weist per 1. Juli d. I. an Einnahmen 325 157459 gegen 299 159 928 Rubel für den- Wben Zeilraum des vorigen Jahres und an Ausgaben 337467 143 gegen 320470 I II Rudel im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres auf. In der diesjährigen Ausgabeziffer find ca. 14 000 000 Rubel für Operationen zum Loskauf der Bauern einbegriffen � Dänemark. Der Reichstag, st von dem Ministerpräfidenten gestern im großen Saale der Umverfität eröffnet worden. Die Linke war nicht erschienen. Das auf den König aus gebrachte Hoch wurde , von der Rechten mrt Enthufiasmus aufgenommen. Die bulgarische Deputation wohnte der EröffnungSfeicrfflhjxit bei. Lokales. 1 oder Inner. Man arbeitet gern,- aber immer ohne Erfolg - arbeiten kann man als anständiger Mensch mcbt. Im 4. Wahl- | lreii mag Inner mit seinen Genossen die Majorität haben, dort mag er sehen, wie er fertig wird— in der allgemeinen i Volksbewegung können wir mit diesem„Popanz nicht auf- treten. Von vielen Konservativen ist mir darin zugestimmt worden, daß eS an Verrücktheit grenzt, wenn ein Vereins- Vorstand fich den Namen C. C. C. beilegt. Wir haben rund dreißig Vereine in Berlin, von welchen zwanzig, also die Zwei- drittel-Majoiität, mit Inner und Genossen nicht einverstanden find. Wie kommen jene Herren dazu, einen Aufruf zu Geld- sammlungen zu erlassen. Das ist ja die reine Beutelschneiderei. Es muß vem Publikum mitgetheilt werden, daß hier ein schwach- voller Mißbrauch vorliegt, und ich bin der Anficht, daß die Vorfitzenden der Vereine fich sofort an die konservative Presse wenden und unter Darlegung der Verhältnisse betonen, daß sie mit dieser Beutelschnerderei nicht einverstanden find und entschieden dagegen find, daß man diesen Herren Gelder in die Finger giebt. Wir find Bürger von Berlin und wollen uns nicht von denen auf der Nase tanzen lassen, die gerade Lust dazu haben. Im l. Wahlkreis ist es sehr unangenehm be« merkt worden, daß Stöcker fich mit Jimer eingelassen und wieder Hand in Hand mit ihm geht. Das hat vielfach ver- letzt. Der Wahlverein im i. Wahlkreise hat deshalb auch an Etöcker geschrieben. Etöcker hat auch sofort erklärt, die Verbindung abzubrechen. Möge fich dieses C. C. C. doch noch zwei„Zehen" zulegen, damit man weiß, an welchem Fuße es eigentlich fitze.(Gelächter) Die Aussichten für uns sind günstig; deshalb ist es nothwendig, daß die Wahlvereine selbstständig auftreten und ihre Kandidaten nominiren, erst da- durch wird der Erfolg gesichert. Von der Bürgerpartei und den Bürgerpartei-Kanvivaten haben wir genug rn der Stadt- verr.dneren. Versammlung. Wir wollen uns nicht überall ehr- geizige Schulmeister oktroyiren lassen. Herr Cremer erklärte schließlich, daß, wenn nicht Wandel eintritt, er persönlich in den ihm zugänglichen Zeitungen eine Darlegung dcr Verhältnisse geben wird. Er habe dre Beweise in den Händen, daß man fich in den C. C. C. Kreisen mit.Stöcker und Waaner gern wieder vertragen will, er(Cremer) aber soll an die Wand ge- drückt werden. Er habe aber, so lange er noch das Vertrauen Senießt, keine Lust zum„quietschen".(Stürmische Heiterkeit.) lositiv will er verfichern, daß er in Beilin keine Kandidatur annehmen wird, weil für ihn die Ausfichten im Teltower Kreise günstig find, und er fich einer Doppelwahl nicht aussetzen will. Der Verein faßte schließlich folgende Resolution:„Der Wahlverein der Konservativen im II. Landtagswahlkrcise erklärt, seldstständig in die Wahlagitation einzutreten und seine sonst vom C. C. C. ernannten Kandidaten selbst zu nominiren. Er ersucht die Gefinnunqsgenossen, die Gelder für die Wahl- aaitation durch den Verein einnehmen zu lassen und andere Äeldsammlungen zu ignoriren." Der C. C. C., d h. die Partei der Schulmeister, erhält übrigens in der folgenden Erklärung, die der Stöcker'sche „Reichsbote" gestern Abend veröffentlichte, offiziell den Todes- stoß. Die Erklärung lautet:„Nothgedrungene Erklärung! AuS Anlaß des Aufrufs eines„sogenannten" Konservativen Zentral-Komitees(C. C. C.), unterzeichnet Dr. Inner, v. Bre- dow, Gerold, zu Geldsammlungen für die Berliner Landtags- wählen hat der Gesammtvorstand des Konservativen Wahlaus schusses für den dritten Landtagswahlkreis in seiner heutigen Sitzung einstimmig beschlossen, folgendes öffentlich zu erklären: Für den dritten Londtagswahlkrers konstituirte sich durch die Initiative der Vorstände von neun großen Bürgervereinen bereits vor den großen Ferien der Konservative Wahlausschuß auf Grundlage polizeilich genehmigten Statuts(1. Vorsitzender Etadtv. Dopp, 2. Vors. Rath Engelke, 3. Vors. Jnsp. T. Altnordhoff, 1. Echristführer Lehrer Kolbe, Bergftr. 8. Mit Ausnahme des Gesundbrunnens und Moabits hat der Wahlausschuß über den ganzen Wahlkreis eine Organisation von Vertrauensmännern mit Distriktsleitem (Obmännern) für die einzelnen Stadtbezirke und Urwablbezirke geschaffen und fand die erste Versammlung von ca. 175 Vertrauensmännern bereits vor 14 Tagen statt, in welcher ein- müthige Beschlüsse gefaßt wurden, ähnlich denjenigen der selbst« ständigen konservativen Wahlausschüsse des ersten und zweiten LandtagswswahlkreiseS.— Den Herren aus Moabit, Gesund- brunnen und der Stadtbezirke 167 bis 170 ist der Zutritt offengelassen, ohne daß deren Stellung zu dem Dr. Jrmer'schen Zentral-Wahlvcrein oder wie er fich neuerdings nennt, C. C. C., dabei irgendwie in Betracht kommt. Mit dem Zentral- Wahlverein(Konservatives Zentral-Komitee) hat der Wahl- Ausschuß des dritten Landtags Wahlkreises weder jetzt noch für die Zukunft etwas zu thun und deshalb werden Gelder zur Unterstützung der konservativen Wahlen des dritten Land- tags-Wahlkreises von dem ersten Vorfitzenden, Stadtverord- ncten und Fabrikbesitzer Dopp, N. Eichend orffstr. 20 und dem ersten Schriftführer, städtischen Lehrer Kolbe, N. Bergstr. 8, entgegengenommen und an die Wahlkreise abgeführt. Große Parteiversammlungen find beschlossen und werden nächstens stattfinden. Näheres darüber wird z. Z. mitgetheilt. Berlin, den 3. Oktober 1885. Der Vorstand des konfervativen Wahl- Ausschuffes für den dritten Landtags- Wahlkreis. F. Dopp, erster Vorfitzender. Im Anschluß hieran steht fich das fromme Blatt zu Mittheilungen veranlaßt, welche seinen Herrn und Meister von dem Verdacht reinigen sollen, daß er vielleicht mit denjenigen Leuten Beziehungen unter- halte, die jetzt zu unterliegen im Begriff find. Man weiß ohnedies, daß es Herrn Stöcker so leicht nicht einfallen würde, mit Leuten, die augenblicklich nicht die Macht befitzen, überhaupt zu verkehren. Nach den bitteren Erfahrungen der letzten Tage wird Herrn Stöcker nichts übrig bleiben, als immer mit dem großen Haufen zu marschiren. Eine besondere Ueder- Windung lostet ihn das stcher nicht. Herr Stöcker wimmelt seine ehemaligen Freunde und Verfechter in folgenden geschraubten Erklärungen des„Reichsboten" ab:„Bezüglich einiger Mitthei- lungen, welche in den letzten Tagen über das Verhältniß des Herrn Hofprediger Stöcker zu Herrn Dr. Jrmer bezw. zum„Konservativen Wahlverein' hier und da gemacht worden find, erfahren wir von zuverläsfiger Seite folgendes: Hofpre- diger Stöcker hat kein anderes Ziel vor Augen als die Wieder« Herstellung der Einigkeit in der Berliner Bewegung, er hat deshalb den Wahlverein, der diese Einigkeit dauernd bedroht, von Anfang an bekämpft; er mißbilligt es, daß der Vorstand des Wahloereins fich als C. C. C. hinstellt und unter diesem itel sammelt, aber er hält es für richtig, mit dem Wahlverein, derselbe fich lediglich als einen Theil der Berliner Be- wegk»g ansteht und benimmt, Fühlung zu halten und gemein» sam zu agiliren. In diesem Sinne hat fich Hofprediger Etöcker bemüht und glaubt, darin recht gehandelt zu haben. In irgend einer Verbindung mit dem Wahlverein steht Hofprediger Stöcker nicht."— Also wie gewöhnlich: was der Vordersatz behauptet, nimmt der Nachsatz wieder zurück: man kann ja niemals wissen, wie die Sache überhaupt enden wird und unter solchen Umständen muß für den Herrn Hofprediger stets ein Hintetthllrchen offen bleiben, durch welches er bei paffender Gelegenheit schlüpfen und fich mit seinen augenblicklichen Gegnern von der Echulmeisterpattei in christlich germanischer Weise die Hände schütteln kann. Augenblicklich jedoch haben es die Herren Jrmer und Brecher mit ihren Geflnnungsgenossen verdorben, fie stehen vereinzelt da, und unter diesen Verhält- niffen wäre es den christlich-sozialen Anschauungen doch direkt zuwider, mit solchen Leuten auf politisch freundschaftlichem Fuß zu stehen. Vielleicht ist aber auch der Tag nicht allzufern, wo man ebenfalls dem Herrn Hofprediger und seiner Sippe die Wege weisen wird. Als voraussichtlichen Nachfolger auf dem Berliner f räfidentenpoften nennt man der„Nat. Ztg." zufolge Prinz andjerp, Regierungpräsident in Liegnitz, den Polizeiprastventen in Posen, v. Colmar(Mitglied des deutschen Reichstages), und den Ober-Regieruvgsrath Dr. Friedheim.— Herr von Madai bat sein Amt am längsten(15 Jahre) bekleidet. Der erste Präfident war ein Major a. D. v. Esebeck, diesem folgte v. Arnim, welcher nach kurzer Amtszeit zurückttat, weil, wie man damals erzählte, gegen seinen Einspruch der an der Cholera (1331) verstorbene Philosoph Hegel nicht auf dem für Cholera» leichen errichteten Sonderbegräbnißplatze beerdigt worden war. Auf Arnim folgte Gerlach, welcher von hier als Präsident nach Köln versetzt und 1840 geadett wurde. Nach Gerlach kam v. Puttkamer, welcher von hier aus Präfident der Regierung in Frankfurt a. O-, demnächst Direktor im Ministerium des Innern und schließlich Oberpräfident wurde. Dann kam die kurze Amtsführung v. Minutoli's, der 1848 zur Disposition gestellt, später als Ministerrestdent in Perfien starb. Ebenfalls nur kurze Zeit war von Bardeleben, jetzt Oberprästdeni der Rhein- Provinz, Polizeipräsident. Ihm folgte von tzinckeldey. welcher im März 1856 im Zweikampfe mit von Rochow-Plessow fiel. Der nächste Präfident war Frhr. v. Zedlitz, der im vorigen Jahre als Präfident der Regierung von Liegnitz seinen Abschied nahm. Nach Zedlitz kamen: v. Winter(jetzt Oberbürgermeister von Danzig), v. Bernuth, der im vorigen Jahre seinen Abschied alS Präfident der Regierung in Köln nach einer Auslassung des Reichskanzlers genommen hat. v. Wurmb, jetzt Regierungs» präfident in Wiesbaden, und v. Madai. Eine der häßlichsten Erscheinungen, welche der in Moabit verhandelte Prozeß gezeitigt hat, ist die müßige Neu- gierde, welche fich der„Hauptheldin" desselben zuwendet. Fast könnte man glauben, daß hier auch in den Reihen des Publi» kums ein Stück Pariser Leben Platz gegriffen hat. Es ist schon belichtet worden, daß ein Verehrer der Bertha Rother nachdem Schluß der Vormittagsfitzung auf dem Korridor einen Rosen- strauß zustecken konnte. Es ist eine Thalsache, daß an die Be- fitzer einer Einlaßkarte das Anfinnen gestellt worden ist, die» selbe für kurze Zeit und gegen sehr bettächtliche Gratifikation an Andere zu überlassen. In den Kunsthandlungen ist das Bild„Das Märchen" schon seit einigen Tagen vergriffen. Auch Graef's„Felicia" ist in starke Aufnahme gekommen. Jetzt aber finden fich in einer Reihe von Kunsthandlungen auch die Bilder nicht allein Professor Graef's— dagegen ließe sich kaum etwas sagen— sondern auch die Photographien der Bertha Rother in verschiedenen Formaten. Die schlechte Re- tauche zeigt, wie eilig dieselben hergestellt find, beweisen, daß dre Nachfrage eme kolossale ist, wie es auch von den Besitzern der Kunstläden bestätigt wird. Ein Hanswirth in der Holzmarktstraße ist, um fttaf» los die Treppenbeleuchtung zu sparen, auf den Gedanken ge- kommen, am Aufgang der Treppe eine Tafel mit der Auf. schrift anzubringen, daß er nur während einer gewissen Jahres. zeit und dann auch nur in den Abendstunden von 6—10 Uhr den Trcppenflur beleuchte und deshalb den Paffanten der Treppe anheimgeben müsse, fich selbst mit Leuchtmaterial zu versehen, da er für Unglücksfälle keinerlei Verantwortung über» nehmen könne. Wir glauben kaum, daß das Gericht bei vor- kommenden Unglücksfällen fich«üm den Anschlag kümmern würde, da doch schon eine Beleuchtung nothwendig sein würde. um den Anschlag Abends leien zu können. »-S ä nehmen, indem es vor dem Hause Schiffbauerdamm Nr. 2 in dre Spree sprang. Nachdem die Lebensmüde durch zwei hinzu- gekommene Manner mittels Handkabns noch lebend aus dem Wasser gezogen worden war, gab fie an, daß fie wegen eines Muttermals im Geficht fortgesetzt geneckt worden sei und diese Neckerei nicht langer habe ertragen wollen. Die neun Jahr alte Stieftochter eines in der Kleinen eingetroffen, und vermuthen dieselben, daß es fich umhertreibt. Es ist jedoch auch nicht ausgeschloffen, daß das Mädchen ver» unglückt ist. Bekeidet war dasselbe mit einem grünen Rock mit schwarzer Taille, schwarzer Schürze und dunklen Strümpfen in den nächsten Tagen aus dem Krankenhause entlassen werden. WMW-M-M Bischoff zur Begutachtung übergeben worden. In der Woh- """a der Verhafteten ist ein Fläschchen mit Gift gleichfalls richtet Herrn Landgenchtsraih Asche angesetzter Termin, zu dem alle Zeugen geladen find, an Ort und Stelle in Steglitz statt WMWZM Schlächter u. a. m. Die Leute versprechen fich von Soldaten- Pferden immer manches, was meist nicht zutrifft, denn einen Knacks haben die ausrangirten Pferde alle weg. Dies Mal besonders sahen die Pferde recht sttapazirt aus und viele zeig- ten Wunden, erns sogar einen blutenden Krebsschaden. Die Preise variirtm von 47 bis über 300 Ml. Die Rappen be- legten s-mmtlrch die Leichmfuhrgeschäfte mit Beschlag. Die ammilte Kaufer. Gesellschaft erfüllte die sonst so ernsten Ka- semenhöfe mrt lautem Lärm. Schadenfrohes Gejohle erhob ftcb, so oft einem Käufer das erstandene Pferd ausriß und mächtig ausschlagend nach seinem Stall zurückgaloppitte. Ein flotter KÄÄ.L ÄÄ nem Profit los. Ein beliebtes Kunststück derselben ist es auch. a teinpo zu bieten und den Mitbieter durch Einschüchterunä >ur Zahlung eines Abstandsgeldes zu bewegen. Beim Pferde» landel wird eben gemacht. waS gemacht werden kann. m ,"ö- Ein«erltne? Lustspieldtchter sandte kürzlich, wie Paul Lrndenbeig erzahlt, ernen vieraktigen Schwank an den Thcaterdirektor rn einer Stadt von 25 000 Einwohnern und erhielt bald darauf eine abschlägige Antwort, in der es u. A. wörtlich heißt;„Ihr Stück ist sehr hübsch, aber es stehen der Aufführung mancherlei Schwierigkeiten im Wege. So bean- spiuchcn Sie für den einen Mitspielenden einen hellgrauen Jäger Normal-Anzug. Nun, in einer Saison ist der Vertreter dieser Rolle ein kleiner Mann, in der andern ist es ein dicker Herr oder ein schlanker! Auf diese Weise könnte man jede Saison einen neuen Anzug anfertigen lassen und das geht nicht\"— Der Lustspieldichter soll beabfichtigcn, dem Theater. direltor bald ein neues Stück zu überreichen, das im— Pa» radiese spielt! Als Pendant mag eine Ziffer aus dem Etat einer Berliner Bühne gegenübergestellt werden: Das Viktoria- Theater hatte für sein Ballet„Messalina" bereits 140 000 M. Unkosten gehabt, ehe der Vorhang zur Premiere aufrollte. Gerichts-Zeitung. Prozeß Graes. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Nach der Pause giebt Geh. Rath Liman sein Gutachten ab. Daffelde steht ganz auf dem Standpunkte der übrigm. Es steht außer Frage, daß Anna Rvther eine epileptisch Kranke ist und es steht eben so außer Frage, daß diese schreckliche Krankheit auf den Geisteszustand von vier Fünfteln dieser Kran- len einen störenden Einfluß ausübt. Freilich hat es auch zu jeder Zeit Epileptiker gegeben, wie Cäsar, Napoleon, Muhamev, die mit der seltenen Energie des Willens, die ihnen zu eigen war, diese störenden Wirkungen paralystrt haben; dies kann man bei Anna in keiner Weise behaupten. Das ganze Verhalten der Angeklagten in der Verhandlung, ihre vollständige Apathie bei wichtigen Momenten und ihr Schluchzen bei weniger!be« deutsamen stimme durchaus mit denjenigen Wirkungen zusam- men, welche die Epilepste auszuüben pflegt. Die Ange- klagte ist gedächtnißschwach, ebenso schlecht rst es mit ihrem Urtheil bestellt und man kann sagen, daß fie nicht im Stande ist, eine Hypothese zu fassen, daß fie voll- kommen von einer unrichtigen Auffassung der Verhältnisse bc- fangen ist. Als der Inspektor ihr die Vorladung zum Termin übergab, antwortete sie: er möge fie morgen hinrichten. Die Angeklagte lügt weniger, als fie unbewußt die Unwahrheit sagt, weil fie unfähig ist, Erlebtes wiederzugeben. Sie ist nicht Idiotin oder blödsinnig, aber Schwachfinn sei ebenfalls eine Form der Geisteskrankheit, bei welcher die freie Willensbestim« mung ausgeschlossen erscheint. Im Gegensatz zum Landgerichts- rath Johl, der zweifellos ein mit scharfer Beobachtungsgabe ausgerüsteter Untersuchungsrichter sei, behaupte er, daß die Anna Rother keine Simulantin ist. Richter und Laien seien begreiflicher Weise immer sehr geneigt, bei auftretender Störung der geistigen Funktionen an Simulation zu glauben; thatsäch- lich sei aber festgestellt, daß Simulationen überhaupt sehr selten find. Ein französtscher Arzt fand unter 63 000 Gefangenen in 54 Jahren 264 Geisteskranke und darunter nur einen Simulanten. Bei der Hemmung der GeisteS träste, welche bei der Anna Rother obwaltet, kann man nicht voraussetzen, daß dieselbe im Stande war, voll und ganz die Schwere des Vorwurfs zu begreifen, der ihr gemacht wird und den straf- gesetzlichen Begrrff des Meineids in seiner Abgrenzung flch klar zu machen. Ueber die Frage, ob auf Grund dieser Beobach- tungcn das Resultat dahin zu gehen habe, daß eine freie Willensbestimmung bei der Angeklagten ausgeschlossen erscheint, tnthalte er fich jedes Urtheils, vielmehr überlasse er die Schluß- folgerung aus seinen ärztlichen Feststellungen den Geschworenen. — Präs.: Sind die Herren Sachverständigen der Meinung, daß auch Irre, trotz ihres Irrsinns, die schlauesten Kombi- Nationen zu machen rm Stande find V— Die Sachverständigen bejahen dies.— Präs.: Kommt dies nun auch bei Schwachfinnigen vor?— Geh. Rath Dr. Lewin: Das kann vorkommen.— Präs.: Nun hat die Angeklagte Anna Rother bei ihrer Vernehmung ganz genau erzählt, daß fie nach ihrem polizellichen Verhör zu Graes gegangen sei und ihm das Re- iultat desselben mitgetheilt habe, daß dann Graes fie gebeten habe, fie nicht im Termin zu dlamiren, weil viele Kollegen von ihm im Saale seien rc. Nun frage ich Sie: halten Sie die Geistesstärke von Anna Rother für eine derartige, daß dieselbe im Stande wäre, ganz aus fich heraus fich so etwas zu„er- finden" und eine derartige doch scyvn bei geistig intakten Per- sonen wunderbare Kombination einfach aus der Luft zu greifen. — Die Geh. Rathe Lewin und Liman erklären die Geistes- stärke der Anna nicht für so groß, daß fie aus fich selbst heraus zu diesen Kombinationen gekommen sein könnte, viel- mehr müssen diese dann von dritter Seite an sie heran ge- bracht worden sein.— Geh. Rath Wolff hält die Kombina- tionsfähiakeit der Anna Rsther in dem angedeuteten Sinne für möglich, da dieselbe eben ihre Tage hatte.— Rechts- rnwalt Cassel: Meine Frage an den Geheimen Rath Lewin geht nun dahin: Wenn nun eine dritte Person in irgend einer Weise zur Anna Rother etwas von einer event. Blamage des Prof. Graes geäußeit haben sollte— halten Sie eS dann für möglich, daß nach solchen Anregungen die Anna Rotber doch eine derartige Kombination angestellt haben könnte. - Bei Gelegenheit dieser Erörterungen bemerkt der Vorfitzende gegenüber einer Aeußerung der Vertbeidiaung, welch, mehr auf das Gebiet der Deduktion hinübergriff:„Ich kann hier nichts weiter thun, als einfache Thatsachen feststellen. Ich würde es für ein Verbrechen halten, wollte ich hier nach irgend einer Richtung hin meine eigene Anschauung durchblicken lassen. Ich habe nur die Aufgabe, die Wahrheit an den Tag zu bringen und den Anforderungen, welche nach dieser Richtung hin von der Staatsanwaltschaft wie von der Vertheidigung an mich gestellt werden, möglichst gerecht zu werden." Staatsanwalt Heinemann läßt nun einzelne Stellen aus Graes's Tagebuch verlesen, aus denen hervorgehen soll, daß Bertha direkt fich um Geld an ihn gewandt hatte. Ferner wird das Protokoll über die Vernehmung Graes's bei dem Untersuchungsrichter Landgerichtsrath Johl verlesen. Ueber die Art dieser Vernehmung, die Art der Protokollirung und die Bedeutung der Fragen, die ihm vorgelegt worden, herrschen mehr acke Differenzen zwischen dem Anaekl. Prof. Graes, dem Landgerichlsrath Johl und deffem Protokollführer Referendarius Eschker. R. A. Kleinholz benutzt die Gelegenheit, um zu kon. statu en, daß Pros. Graes fich in der ganzen Verhandlung noch nirgends versprochen und ihm noch nirgends ein Abweichen von der Wahrheit nachgewiesen worden sei.— Der Präsident bemerkt, daß das Urtheil da- über den Geschworenen überlassen werden müsse.— Auf Antrag des Justizraths Eimson konstatirt der Vorsitzende, daß in dem Tagebuche des Angekl. Graes an einer Stelle die Bemerkung fich findet: Helene Hammermann hat fich heute einer wahnstnnigen Verdächtigung gegen mich fchulvig gewacht: ich muß meinen Rechtsbeistand darüber be- fragen.— Ferner wird aus dem Tagebuch konstatirt, daß die Einnahmen Graes's im Jahre 1881 31 656 MI., 1882 61280 Mk. und 1883 30 612 Mk. betrugen.— Damit ist die Beweis- ausnähme bezüglich des Verhältnisses zwischen Graes und Bertha Rolher vorläufig beendet...... Als adminikulirmbes Beiwerk folgt nun die Beweis- aufnähme über das Verhältniß des Professor Graes zu der jüngsten Rother'schen Tochter, Lieschen Rotber. In dieser Beziehung ist eine Anklage gegen Prof. Graes nicht erhoben, dagegen steht Frau Rother dieserbalb unter der Anklage der schweren Kuppelei. Angeklagter Graes bestreitet, wie schon früher, daß er bezüglich Lieschcn's irgendwie ein böses Ge- wissen habe. Es sei durchaus richtig, daß er das Mädchen schon früher freundlich behandelt und rhr auch öfter kleine Ge« schenke mrtgebracht habe. Als Bertha Rother nicht mehr im foruse ihrer Mutter war, habe fich die letztere an ihn mit der Bitte gewandt, doch Lieschen als Modell zu benutzen. Er habe deshalb nochmals den Körper des Mädchens angesehen," alle wetteren Beschuldigungen seien aber aus der Luft gegriffen. Auf Vorhalten des Präfidenten, weihalb er denn mehrfach diese Befichtigung vorgenommen, obgleich er fich schon beim ersten Mal davon überzeugt hatte, daß das Mädchen zum Modell noch zu unentwickelt war, erklärt Pro- fessor Graes: Mein Gott, ich bin eben Maler und die Darstellung weiblicher Körper ist mein Spezialfach, und wie ein Schlachtenmaler die Soldatm nicht in seinem Atelier aufstellen kann, so kann ich mich zur Ausfüllung meines Spezialfaches nicht auf mein Atelier beschränken. Jeder Sach- verständige wird mir zugeben, daß der Körper eines Mädchens der Entwickelung sehr fähig ist und einmaliger Augenschein die Frage nicht entscheiden kann, ob fich das Mädchen zu einem Modell eignet. Frau Rother bestreitet, daß jbei diesen Besuchen des Graes irgend etwas Bedenkliches vorgekommen. — Zur Verlesung gelangt ein Brief des Angeklagten Graes an das Mädchen, in welcher er daS Gesuch, der Mutter 300 Mark zu schicken, ablehnt, ferner ein in der Wohnung der Frau Rother vorgefundener, von fremder Hand geschriebener Brief des MädchenS an Graes, in welchem dieselbe fälschlicher Weise angiebt, daß fie 15'/: Jahre alt sei und um die Hilfe des Professors bittet, damit fie fich der theatralischen Karriere zuwenden könne. Ein Dritter nur in Ab- schrist vorhandener Brief enthält wieder ein Gesuch um Geld für die Mutter; er trägt die Ueberschrift „liebes Profefforchen!" und schließt:„mit vielen Grüßen und Küssen."— Lieschen Rother, welche schwer krank damieder liegt, hat bei ihrer kommissarischm Vernehmung bestritten, daß fich Graes ihr gegenüber irgend welche Zärtlichkeiten oder Un- anständigkeiten erlaubt habe. Die Einzelheiten dieser Aussage entziehen fich der Oeffentlichkeit. Zu bemerken ist, daß Lieschen Rother erklärt hat, fie habe den Brief, in welchem ihr Alter auf 15V: Jahre angegeben ist, nicht geschrieben, wisse auch nicht, wer ihn geschrieben habe. Bezüglich des nur in Absckrift vorhandenen Brieses giebt Lieschen R. zu, daß fie möglicher Weise denselben mit der Phrase geendet bade:„Mit vielen Grüßen und Küssen!"— Professor Graes erklärt be- züglich des Briefes, der von der Theaterlust Lieschens spricht und daran erinnert, daß der Adressat auch an Bertha viel gethan habe: er erinnere fich dunkel, daß ihm einmal einen solchm Brief Frau Rother vorgezeigt habe.— Die Zeugin Marie Reim hat keine Vertraulichkeiten und Zärtlichkeiten gemerkt; fie habe einmal gehört, daß Prof. Graes zu Frau Rother gesagt: er könne und werde an Lieschen nicht soviel thun, wre an Bertha; das habe ihm zu viel Geld gekostet. Den Theaterbrief hat die Zeugin gleichfalls geschrieben, behauptet aber, daß derselbe gar nicht an Prof. Graes gerichtet war, sondern an einen andern Herrn.— Präs.: An wen war er denn gerichtet?— Zeugin(zögernd): Muß ich den Namen hier nennen?— Präs.: Sie dürfen hier nichts verschweigen. — Zeugin: Nun denn, an Herrn Hertzog.— Präs.: An welchen Herrn Hertzog?— Zeugin; An Herrn Rudolph Hertzog in der Breirenstraße.— Präs.: In dem Briefe wird doch daran erinnert, daß der Adressat so viel auch an Berthalgethan habe. Hat denn Herr Hertzog so viel an Bertha gethan?— Zeugin: Wie viel, weiß Ich nicht.— Präs.: HaW Sie denn den Brief selbst verfaßt?— Zeugin: Nein, ich habe ihn nach dem Diktat der Frau Rother geschrieben.— Präs.: Wie kommt es denn, daß in dem Briefe fälschlich steht:„ich bin 15'/, Jahre alt." Thatsächlich ist doch Lieschen Rother heute noch nicht einmal so alt.— Zeugin: Jedenfalls war es nur damals so gesagt worden und jedenfalls sollte auch der Adressat dadurch mehr Zutrauen zu den Fähigkeiten von Lieschen gewinnen.— Frau Rother giebt zu, daß fie der Zeugin fälschlicher Welse gesagt habe, der Brief sei für Hertzog, that- fächlich sei er aber für Prof. Graes bestimmt gewesen.— Der Präsident hält ihr dagegen vor, daß es dann doch auf- fällig sei, warum in dem Brref ein ganz anderer Ton ange- schlagen worden sei und warum denn dem Prof. Graes, der doch mit den Verhältnissen ganz vertraut gewesen, das falsche Alter angegeben worden sei.— Die Zeugin Reim giebt sodann die Möglichkeit zu, daß Frau Rother ihr den Wunsch ausge- drückt habe, daß Prof. Graes in ein Verhältniß zu Lieschen treten möchte. Daß dies ein geschlechtliches sein sollte, habe sie fich nicht denken können.— Der Vorfitzende ermahnt die Zeugin wiederholt eindringlichst zur Wahrheit und hält ihr namentlich vor, daß fie nichts verschweigen dürfe.— Staatsanwalt Heinemann: Ich bitte, daß fich Bertha Rother zu dem Fall äußett.— Bertha Rother: Als ich am Wilhelmstheater zum ersten Male auftrat, war dort ein Frl. Kopka, zu welcher Herr Rudolf Hertzog in Beziehung stand; er hat mich damals auch kennen gelernt, ob er mir aber damals eine Aufmerksam- keit erwiesen hat, weiß ich nicht.— Staatsanwall Heinemann erklärt seinerseits die Aussage der Zeugin für unwahr, ebenso hält er es für erfunden, daß der Brief an Rudolf Hertzog ge- richtet gewesen sei. Zeugin Reim erklärt dem gegenüber, daß sie sogar einmal einen Brief an Herrn Hertzog geschrieben, adreffirt und auf die Post getragen habe.— Staatsanwalt Heinemann: Ich behaupte, daß.Herr Hertzog nie in irgend welchen Beziehungen zur Familie Rother gestanden hat.— Die Zeugin bleibt dabei und bemerkt noch: in jenem Briefe war auch darauf hingewiesen worden, daß Herr Hertzog, der doch so viel für Schauspielerinnen thue, doch auch für L»eschen, welche Talent habe, etwas thun möge. Den Brief sollte Lieschen abschreiben, es sei jedoch nicht dazu gekommen. — Nach einigen Fragen des Beisttzers Dr. Fricdenthal an die Zeugin beantragt der Staatsanwalt die Vorladung des Herrn Rudolph Hertzog als Zeuge.— Die Vertheidiger Justizrath Simson und R. A. Kleinholz protestiren gegen diese Ladung. Das Zeugniß des Herrn Hertzog sei ganz irrelevant, denn eS könne event. nicht die Tharsache aus der Welt bringen, daß die Mutter Rother die betr. Mittheilung an die Zeugin gemacht haben kann.— R.> A.Cassel schließt fich diesem Prorest an. Die Sache müsse doch nun mal endlich zu Ende geführt werden und nachdem auf Antrag des Staatsanwalts nun schon Zeugen aus Rügen geladen worden find, weil deren Väter einmal fich geäußert haben, ihre Kinder könnten am Ende mehr wissen, bitte er doch dringend, die Beweiserhebung nicht ins Unendliche auszudehnen.— Der Gerichtshof beschließt, die Ladung deS Herrn V"hnrrfl als Zeugen zu morgen früh. Damit wird die Sitzung rNN-5 Uhr vertagt. Soziales««d Arbeiterbewegung. Den Drechslern und Berufsgenoffen zur Nachricht, daß in der Werkstadt des Herrn O. Schwarz. Mariannenstt. 18, von den dort arbeitenden Kollegen die Arbeit eingestellt worden ist. Dieselben haben eine Lohnerhöhung von 2ö pCt. gefordert, welche Herr Schwarz mit der Mottvirung ablehnte, daß er erst die verlangte Erhöhung zahlen könne, wenn die Konkurrenten ebenfalls dazu gezwungen würden. Wir ersuchen, den Zuzug fern zu halten. Die Kommisfion. I. A.: R. Eündermati-t, Gitschinerstr. 61 I. Eämmtliche Klavierarbeiter, Tischler und Berufs- genossen werden gebeten, den Zuzug von der Piano-Fabrik von Klingmann u. Ko., Köpnickerstr. 175, wegen Lohnabzüge von 5 und 7'/: pCt. fernzuhalten. Die streikenden Arbeiter ge- nannter Fabrik._ Uereine«nb Nersammlungen. bk». Die öffentliche Versammlung der Drechsler und verwandten Berufsgenossen, welche am Eonnabend, 3. d. Mts., bei Keller, Andreasstr. 21, unter Leitung des Herrn Krause stattfand, um über das Vorgehen mit einer Lohnerhöhung-for« derung definitive Beschlüsse zufassen, war zahlreich besucht. Herr Sündermann begründete als Referent der Versammlung dre bereits von der allgemeinen öffentlichm Drechsler- Per- sammlung am 27. d. Mts. einstimmig anerkannte Nothwendig- keit, mit einer solchen Forderung jetzt so schnell als möglich vorzugehen, durch den Hinweis auf die bekannte Thatsache, daß der durchschnittliche Wochenverdienst der Drechsler nur 13,50 Mk. betrage und der jetzige Zeitpunkt nach Lage des Geschäfts zu einem derartigen Vorgehen fich am besten eigne, weil momentan und bis nach Weihnacht die Nachfrage nach Arbeitskrästen am stärksten sei. Man möge, empfahl der Red- ner, die in der vorigen Versammlung gewählte Vierer- Kom- Mission auf 7 bis 11 Mitglieder beliebig ergänzen, dieselbe dann mit der schleunigsten Ausarbeitung eines Mmimal-Stück» lohn-Tarifs beauftragen und zugleich so bald als irgend mög- lich in allen hiesigen Werkstätten einen Minimal- Wochenoer- dienst von 18 Mark(also„nicht unter" 18 Marl) für den sogenannten„schwachen Arbeiter" bei einer täglichen Maximal- arbeitszeit von 10 Stunden, bezw. dre Anerkennung des auszuarbeitenden Minimal- Stücklohn- Tarifs fordern. In der fich hieran anschließenden mehrstündigen Diskusfion, an welcher besonders die Herren Pindric, Echmaedicke. Funke, Prause, E. Hildebrandt, Buchmann, Drechslermeister Kühn, Matutad, Schräder, Thun u. e- A. hervorragenden Antbeil nahmen, waren bis auf einen Redner, der behufs Ermöglichung der Ansammlung eines großen Streikunterstützungsfonds die Bewegung bis zum nächsten Jahre vertagt wissen wollte, alle übrigen mit dem Referentm in allem Wesentlichen einverstan« den. Allgemein war man der Meinung, eines größeren Fonds unter den augenblicklich günstigen Verhälniffen nicht zu bedürfen. Das Schlußresultat der Diskusston war die mit allen Stimmen gegen eine einzige erfolgte Annahme einer Resolution, durch welche fich die Versammlung mit der Forderung einer Lohner- höhung einverstanden erklärte und verpflichtete, mit derselben am Donnerstag, den 8. d. M. in allen Werkstätten vorzugehen und in denjenigen Werkstätten, in welchen die Forderung eines wöchentlichen Minimalverdienstes von 18 Mark bei einer Maximalarbeitszeit von täglich 10 Stunden bis zum Sonn- abend, den 10. d. M.. nicht bewilligt ist, am darauffolgenden Montag, den 12. d. M., die Arbeit einzustellen. Die ersten Resultate des Vorgehens sollen darauf in einer am 13. oder 14. d. M. Abends einzuberufenden öffentlichen Generalver- sammlung aller Berliner Drechsler und verwandten Berufsge- nassen bekannt gemacht werden. Derselben sollen auch die be» treffenden Minrmaltarifvorlagen zur Berathung und Beschluß- fassung unterbreitet werden. Ferner wählte dre Versammlung eine auS 11 bezw. 13 Mitgliedern bestehende Lohnkommisston, indem fie die in der letzten Versammlung gcwäblte Viererkom- misfion bestätigte und auf 11, bezw. 13 Mitglieder ergänzte. Die Lohnkommisfion besteht hiernach aus den Herren Prause,. Sündermann, Buchmann, Köppen, Matudad, Zeise, Konrad Meier, Scwnädicke, Thun, Weinhold und Schräder als Kom« misstonsMtgliedern und aus den Herren Weinert und Emil HildeWMdt als Revisoren. Eine öffentliche Versammlung sämmtlicher ler und Klavrerarbeiter Berlins und Umgegend behufs Berichterstattung der Revifionskommisfion in Sachen ödel und Genoffen am 4. d. M. in Sanssouci unter Vorfitz des Herrn Schmitz statt. Zum zweiten Male, bemerkte der Referent Herr Schaar, sehe die Revifionskommisfion fich ver« anlaßt, den Berliner Tischlem Bericht zu erstatten über ihre Thätigkeit und deren Erfolge. Die Kommisfion habe ein sehr schweres Amt. Ihre erste Aufgabe sei es gewesen, Material zu sammeln, ihre zweite, Einsicht in die Bücher zu gewinnen. Dies letztere sei erst am heutigen Tage möglich gewesen. Wie vorauszusehen, stimme in den Büchern mit den Belegen Alles überein. Ein mysteriöses Dunkel umhülle aber das Marken- system, dessen Verwaltung allein in Rödel's Hand lag. Es find zwar die erhaltenen Marken richtig eingetragen, doch ist nicht zu ersehen, wie fie verwendet wurden. Es sei nämlich ein Umstand zu Tage getreten, von dem bisher Niemand eine Ahnung hatte. Die Marken(Werthzeichen für gezahlte Gelder; behufS Konttole) wurden in Hamburg bestellt, dort verfertigt und von dort belogen. Wie jetzt durch Nachfrage bei dem Hamburger Fabrikanten ermittelt worden sei, find bei jeder er- folgten Sendung Marken je ein Gratisbogen(400 Marken) beigegeben worden, als Ersatz für etwa beim Druck oder beim Transpott unbrauchbar gewordener Matten. Neun solcher Sendungen hätten stattgefunden, mir- hin seien 3600 Marken, welche als Ettatzmaterial dienen sollten, vollwerthig verwendet worden, ohne daß darüber irgend eine Angabe gemacht sei oder daß Jemand darum gewußt hätte, da, wie Herr Rödel fich geäußett hätte, dies Vettrauens« fache sei. Von einem Leiter einer Lohnbewegung, bemerke Herr Schaar weiter, müsse man aber auch verlangenffönnen, daß er selbst über Verirauenssachen Rechnung resp. Rechenschaft ab« zulegen im Stande sei. In der Ordnung sei es ferner nicht, daß er den Posten von 30 MI.(Wintergatten) zu anderen Zwecken verwendet habe, als wozu er gebucht worden sei. Ganz unverantwottlich sei es aber, daß Herr Rödel in dem dieserhalb stattgehabten Prozeß die Arbeiter Berlin? politisch verdächtigt habe. Des Weiteren sei von Herrn Rödel eine Abrechnung über die Matinee in der Philharmonie zum Besten der verunglückten Bergleute des Camphausenschacht verlangt wor« den. Dieselbe habe bis jetzt noch nicht stattgefunden. Zeil genug wäre wohl gewesen und mit den Verunglückten würde es schlecht bestellt sein, wenn fie auf die Abrechnung hätten matten sollen. Die Verwaltungskosten beliefen fich auf 30—35 pCt. und sei dies nicht anders möglich gewesen, da die Lohnkom- misfion schaltete und waltete wie sie wollte. So seien von Kommissionsmitgliedern trotz ihrer ausreichenden Besoldung z. B. für Lokalsuchen 1,35 M, bei Bezirksvereinsoersammlungerr 6,70 Mk., 7,20 M ic. Zehrgeld erhoben worden.(Ruf: Falsche Anschuldigung). Wer fich genau hierüber unterrichten will, der möge fich in meine(des Redners) Wohnung begeben, dort weroe ich ihm genaues Matettal vorlegen. Die Delegitten hätten offenbar nicht gewußt, daß die Lohnkommisfion so witth schatte. Ein Vorwurf treffe hauptsächlich die Revisorm, welche derattige Abrechnungen für richtig befunden und unter« schtteben hätten. Ein Endresultat hätte die UntetfuchungS- kommisfion noch nicht erzielen können, doch würde fie ernstlich weiter arbeiten und später wiederum Bericht erstatten.(Beifall) Der nächste Redner war Herr Schmitz: Wenn Künzel nicht aufgetreten wäre, würden die Tischlergesellen vielleicht heute noch auf Rödel schwören. Man sei daher Künzel eigent« lich zu Dank verpflichtet, obgleich er nicht ein Haar besser sei» als Rödel und Konsorten, welche die Tischler einmal ordentlich geleimt hätten.(Oho! Bravo.) In der gemeinsten Weise seien von diesen die Führer früherer Bewegungen verdächtigt worden. Dieselben hätten jederzeit Abrechnungen gehalten. Die Lohnkommisfion ist von der Revifionskommisfion abgesetzt worden.(Sehr ttchtia.) Ist nicht Rödel unter Anklage gestellt? (Freigesprochen.)— Es entsteht auf der Galnie ein Tumult, dre Versammlung wird vertagt und einige Ruhestörer hinaus- befördett. Nach diesem Zwischenfalle fährt Schmitz fort: 8# behaupte, Rödel ist vemrtheilt, weil er die 30 M. unterschlagen hat. Kein Staatsanwalt würde die Antlage erhoben iiaben, wenn nicht ein Dolus vorhanden wäre.(Sehr richtig!) E» fehlt nur die juttstische Person, welche zur Klageführung berechtigt rst- Wir wollen aber, um dieS zu ermöglichen, nicht loviel Geld wegwetten für einen Menschen, der moralrsch todt ist.(Sehr richttg-t Niemand hat Rödel Machtvollkommenheit gegeben, mit dern Gelde der Tischler zu schalten wie er wolle, wie Herr Len> vor Gericht behauptet hat. Die Werkstatt ist nur gekauft wor» den, um versönliche Zwecke zu erreichen. Ueber kurz oder W* setzt fich Rödel hinein und wittt alle Anderen hinaus.(Sevr richtig.) Wenn Rödel schuldfrei wäre, hätte er fich nicht(st weigert, die Bücher herauszugeben. Tischler Volbett: Früher habe er manche Lanze für Rödel gebrochen. Durch%% habe er aber erkannt, auf welcher Seite der Betrug liege. müßte er ein Idiot oder ein Fanatiker sein, wollte er nolb länger die Lohnkommisston vertheidigen. Heber Stellmann, den Mephistooheles der Tischler, berrsche nur eine Meinung. Die größte Schmach sei aber, daß Rödel vor Gericht behauptet, er sei angegangen worden, Gelder für sozialistische Parteijwecke herzugeben. Ein solcher Mann sei nicht würdig, an der Spitze der Tischler zu stehen. Die Werkftätte sei keine Werkstättc für Gemaßregelte, sondem eine Penstonsanstalt für die intimen freunde Rödels. Die Lohnkommisfion sei nicht mehr im Stande, die nothwendige Bewegung wieder hoch zu bringen. Darum fort mit der Lohnkommisfion und an deren Stelle eine feste Fachorganisation. Herr Schmidt: Zu dem Vergnügen, welches s. Z. im Volksgarten(Hasenhaide) stattfinden sollte, aber verboten wurde, find vorder Billets maffenhaft verkauft worden. Wo ist das Geld hin? Niemand weiß es. Die Matinee in der Philharmonie war sehr stark besucht. Wie viel Billets ange» fertigt worden find, weiß Niemand. Eine Abrechnung ist nicht vorhanden, ebensowenig eine Quittung von den Bergleuten über erhaltene Gelder. Die Kommisston habe die Matinee für ein Privatvergnügen erklärt und einige Mitglieder hätten fich geäußert:„Wir können ja auch einmal verunglückte Bergleute spielen". Jene Herren haben dafür ge« sorgt, daß innerhalb der nächsten 5—10 Jahre mit der Lohn- bcwcgung nichts zu zu machen ist. Herr Zubeil: Er hätte ge« beten, von dem Ueberschuffe der Matinee in der Philharmonie auch der Wrttwe Goldacker etwas zukommen zu lasten. Weder diese noch die Bergleute haben etwas erhalten.(Pfui.) Herr Zubeil sowohl wie auch Herr Bog u. A. wiesen dann darauf hrn, daß die Institution der bisherigen Lohnkommisfion durch- aus veiwerflich sei, und daß an deren Stelle eine Fachorgani- sanon und eine aus dieser heraus gewähste Lohnkommisfion neten müsse; daß aber die Fachvereine auch nicht allein aus« reichten, eine dauernde Besserung zu erzielen, sondern daß diese allein das Arbeiteischutzgesetz bewirken könne, um dessen An- nähme nachdrücklichst petitionirt werden müsse. Zur Annahme gelangte schließlich folgende Resolution:„Die heutige öffentliche Versammlung der Tischler und Klavierarbeiter erklärt fich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verspricht, treu zu der jetzigen Revifionskommisfion zu halten, so lange dieselbe die Angelegenheit Rödel in der Hand hat. Die Ver- sammluna erklärt ferner, die Revifionskommisfion auf jede Art und Werse unterstützen zu wollen, sowie ihr Einverständniß mit dem Beschlüsse der RevifionS. Kommisfion. daß dre Lohn« Kommisfion abgesetzt ist." Ferner war folgender eingebracht, der ebenfalls zur Annahme gelangte. „Dre heutige Versammlung bestätigt die Revifionskommisfion gleichzeitig als Untersuchungskommisfion in Betreff der Matinee in der Philharmonie und ersucht alle betheiligten Kollegen, Namen und Wohnung behufs Anstrengung einer Klage gegen Rodel und Konsorten abzugeben."— Mchdem Herr Zubeil noch ersucht hatte, den Zuzug von der Klingmann'schen Fabrik fern zu halten, schloß Herr Schmitz die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die Fachvereinsorganisation. hft. Die Kisten- und Koffermacher waren Sonntag Vormittag sehr zahlreich unter dem Vorsitze des Herrn Kauf- bold in den„Arminhallen" versammelt, um fich mit ihren Streikangeleaenheiten zu beschäftigen. Zunächst erstattete im lliamen der Lohnkommisfion Herr Wahrmann Bericht über den Streik in der Fubg'schen Fabrik, Lindensttaße 36, und theilte unter Anderem mit, daß Herr Fuhg jede Verhandlung mit der Lohnkommisfion hartnäckig abgelehnt und bisher alles, wai in seinen Kräften stand, aufgeboten habe, um den Streik in seiner Fabrik illusorisch zu machen- So sei eS ihm denn gelungen, als Ersatz sür die Streikenden andere Arbeitskräste einzustellen. Die von der Lohnkommisfion in einer ihrer Publikationen er» wähnten Thatsachen habe Herr F. in einem an die Redattion deS„Berl. Volksbl." mit dem Ersuchen um Veröffentlichung gerichteten Schreiben für durchaus unwahr erklärt und dabei behauptet, bei ihm sei kein Arbeiter unter 22 Marl angestellt und seine Löhne stiegen bis auf 27 Mark: ferner, die Kisten« macher verdienten permanent 27 bis 30 Mark, die Kreissägenschneider 30 biS 37 Mark wöchentlich. Der Referent, sowie die an der Diskussion fich betheiligenden Redner, welche vor dem Streik bei F. beschäftigt waren, hielten jedoch alle früheren von Herrn F. bestrittenen Angaben voll« ständig aufrecht und fügten hinzu, daß in der F-Zchen Fadni die Kistenmacher Lohne von 9, 10, 12 bis lb Mark, Einzelne bei sehr verlängerter Arbeitszeit bis zu 30 M. ver> dienten, wogegen der durchschnittliche Lohn nicht über 18 M. hinausgehe. In der sich hieran anschließenden längeren Debatte wurden die angeblich dort h enschenden Mißstande, sowie besonders die wenig sanfte Behandlung der Arbeiter scharf gekennzeichnet und veruttheilt. Hen Hering beantragte „auf Wunsch der bei Fuhg beschäftigt gewesenen Kameraden eine andere Lohnkommisfion zum Zweck von Verhandlungen an Herrn F. abzusenden." Die Versammlung lehnte jedoch diesen Antrag ab und beschloß, daß der Streik so lange nicht für be« beendet erklärt werden solle, als bis Herr Fuhg fich ent« schloffen hat, mit der Lohnkommisfion zu verhandeln. bis. Der Fachverein der Putzer hielt am Sonntag Vormittag, Jnselstr. 10, eine Versammlung ab, in welcher, nach Erledigung der Abrechnung über das letzte Quartal d. I. und nach erfolgter Dechargeertyeilung an den Kasfirer die statutenmäßige Neuwahl des Vorstandes vorgenommen wurde. Zum ersten Vorfitzenden deS Vereins wählte die Versammlung neuerdings mit überwältigender Majorität Herrn Dietrich. Neuwahlen fielen auf die Herren Kracht ,um zweiten Vorfitzen« den, Köpernick zum Kasfirer, Wolf zum Schriftführer, Schmidt und Buchholz zu Revisoren.— Unter„Verschiedenes" wurde auch mitgetheilt, daß die in den Winterquartalen nach dem 1. und 15. jeden Monats regelmäßig abzuhaltenden Abendver« sammlungen mit belehrenden Votträgen demnächst wieder auf« genommen werden sollen und in der am nächsten Sonntag nach dem 15. d. M-, also am 18. d. M. Vormittags in der Jnselstr. 10 stattfindenden Mitglieder� Generalversammlung des Vereins das Nähere hierüber beschlossen werden wird. Den Schluß der Versammlung bildete die Erledigung von Unter« stutzungSangelegmheiten und die Vettagung aller anderen Pereinsangeleaenheiten, wie z. B. die Berichterstattung über die amtliche Konferenz hinsichtlich der Sonntagsruhe, bis zur nächsten Veriammlung. Die öffentliche Versammlung der Töpfer Berlins und Umgegend, welche am 29. vor. Mts. bei Gratweil's statt- fand, war nicht sehr zahlreich besucht. Auf der Tagesordnung stand:„Die Wichtigkeit unserer Organisation". Der Vorfitzende, Herr Bormann erläuterte, daß die Zeit doch längst da wäre, in seinem Stande Umschau zu halten, wie eS darin gehe und stebe Än dieser Hinficht sei daS Zusammenhatten der Gesellen das richtige Band, den Frieden zwischen Meister und Gesellen ar fem stehenden Kollegen endlich demselben anschließm. Kollege Thieme sprach im Sinne des Vottedners und hob besonders hervor, daß der Jndifferentismus noch gar zu groß sei, indem sich wohl zirka 800 Gesellen dem Fachverein angeschlossen hätten, aber bis jetzt nur 430 wirklich zahlende Mitglieder seien. Die übttgen 600 zeigen fich engherzig und nachlässig. Nachdem sich noch mehrere Kollegen in dieser Angelegenheit ausgesprochen hatten, wurde die Versammlung vom Vor fitzenden geschloffen. Der Arbeiter-Beztrksverein„Gemüthlichkeit" für Ret- nickendorf und Umgegend hielt am Sonntag, den 4. Ottober, eine Generalversammlung im Restaurant Lüdewitz ab, welche vom Vorfitzenden Herm Oesterreich um 11'/- Uhr eröffnet wurde. Der Vorfitzende sprach sein Bedauern auS, daß die Versammlung so schwach besucht wäre, da fie doch in dem „Berliner Volksblatt" bekannt gemacht sei. Femer führte der Vor fitzende an, daß der Referent Herr Laske krankheitshalber nicht erscheinen konnte und er deshalb das Referat über die bevorstehenden Landtagswahlen halten werde. Nach dem Vor- trag meldete fich Herr Knauf zum Wort und beanttagte, die Versammlung möge beschließen, daß jeden Montag nach dem 15. eine Mitgliederversammlung stattfinde und zwar um 8 Uhr Abends. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. hr. Im Fachverein der Schloffer(bei Gratweil) legte am Sonnabend Herr Petzold im Namen der betreffenden Kommission die an den Magisttat zu richtende Petition, betreffend die Ettichtung eines Gewerbe-Echiedsgerichts, vor. Die Peti- tion wurde ohne Debatte angenommen und der Vorstand be- auftragt, dieselbe dem Magistrate zuzustellen. Ein dem Vor- stände zugegangenes Gesuch, die Koffer, und Kistenmacher bei ihrem Streik pekuniär unterstützen zu wollen, wurde nach kurzer Diskusfion abgelehnt; ebenso der Antrag deS Herm Mrethe auf Veranstaltung einer Tellerlammluna für einen fich in Roth befindenden Kollegm. Hen Miethe theilte mit, daß er dem neulich gefaßten Beschluffe gemäß gegen den Kollegen, welcher Billets zu dem Eommervergnügen verlauft hat und der wiederholten Aufforderung, das Geld abzuliefern, nicht Folge gegeben, den Strafantrag wegen Unterschlagung gestellt habe. Darauf wurde auf Anlaß des Herrn Klink die Frage der Akkordarbeit. mit der fich schon die letzte öffentliche Ver- sammlung beschäftigt hatte, nun auch im Fachverein diskutirt. Mit Ausnahme des Herm Klink, welcher der Anficht ist, daß bei dem herrschend gewordenen Großbetriebe die Attordarbeit abschaffen zu wollen ein ausfichtsloscs Streben sei, sprachen alle Redner fich dahin aus, daß jeder einzelne Kollege im In- teresse der Allgemeinheit und auch im Interesse der Hebung seines Gewerbes soviel wie möglich dazu beitragen müsse, die Attordarbeit abzuschaffen. hfa. Die Maurer, beschäftigten fich in ihrer am Sonntag Vormittag in der„Tonhalle" abgehaltenen Generalversamm- lung unter dem Vorfitze des Herm Behrend hauptsächlich mit dem„Verhalten der Poliere gegen die Gesellen nach dem Streik". Der Referent. Herr Behrend, führte aus, daß die Poliere leider auch nach dem diesjährigen Streik nicht immer die Jntereffcn der Maurer im Auge behielten, vielmehr zu- weilen recht einseitig aus Egoismus in den Dienst der Unter« nehmer oder in den ihres eigenen Vortheils fich stellen und die Gesellen mehr als verzeihlich zu bedrücken pflegten. Besonders that der Redner eines Poliers S- Erwähnung, der jeden Ge« sellen auS der Arbeit entläßt, welcher fich erkühnte, auf dem Bau Sammlungen für den General- Unterstützungsfonds zu veranstalten. Auch die Attordarbeit wurde wieder, sowohl vom Re« ferenten als auch von den verschiedenen Rednem, scharf verurtheilt. In der Diskussion schloffen fich alle Redner der Anficht deS Referenten an, indem fie alle Berliner Maurer dringlich zum Beitritt in den„Verein zur Wahrung der Interessen der Berliner Maurer" auffordertm, da alle Mißstände nur mit Hilfe einer großen und mächtigen Organisation zu beseitigen seien.— In Betreff des Herrn Behrend. resp. seiner Eigen« schast als einzig noch amtirendes und besoldetes Mitglied der Lohnkommisfion, beschloß die Versammlung, demselben seinem Wunsche gemäß zu gestatten fich sofort um Arbeit zu bewer« den, ihn ledoch noch so lange zu unterstützen, bis er solche ge- runden hat. Die Erlediaung der Geschäfte der Lohnkommisfion, die erwa noch 8 bis 14 Tage die persönliche Thätigkeit eines Mitgliedes erfordern kann, wurde dem Ermeffen der Kom- misfion anheimgestellt und soll von zwei anderen KommisfionS» Mitgliedern abwechslungsweise ausgeführt werden. Die Vereinigung der deutschen Schmiede tagte am Sonnabend, den 3. Oktober, in den Gratwerlschen Bierhallen, unter Vorfitz des Herrn Drewitz. Herr Dr. Lütgenau referirte über das Thema:„Mensch und Klima." Redner legte klar, wie die Menschen- Raffen unter dem Eindruck des Klimas in fremden Zonen zu leiden hätten. Er stellte fest, daß der Be« wohner gemäßigter Zonen eher in kälteren Zonen fich ansäsfig machten könne, als in einer tropischen Gegend. Unzählige Krankheiten seien das Loos in den Tropen für dort nicht akli- matistrte Menschen. Redner führte an, wie z. B. in Algier Tausende von Europäern dahin gerafft würden und doch zögen immer neue Opfer dem„Giftpfuhl" entgegen. Im Großen und Ganzen sei Afrika für den Europäer als gesundheitsgefährlich zu bettachten. In Austtalien sei der Gegensatz zu Europa nicht so schroff. Der Tod hält dort seine Ernte nicht so schnell unter den aus Europa Eingewanderten. Redner besprach unter Anderem auch den Fall„Prof. Virchow kontra Prof. Weismann" auf dem Naturforschertag zu Straß- bürg ivE. Zu„Verschiedenes" beantragte der Vorfitzende, dem Kasfirer Herm Kibert den Rechtsschutz zu gewähren. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Auch wurden Die« jenigen, welche Zeuge des Vorfalls in der Versammlung in Mundt's Lokal, Köpnickerstraße 100, waren, aufgefordert, sich schleunigst beim Vorstand der„Vereinigung deutscher Schmiede" zu melden, zum Schluß wurde noch zum Abonnement auf die „Metallarbeiter- Zeitung" aufgefordert. An die Drechsler«nd verwandten Berufsgenossen I Kollegm! Die öffentliche Versammlnng vom Sonnabend, den 3. Oktober, hat beschlossen: am Donnerstag, den 8. Ottober, an die Meister und Fabrikanten mit der Forderung einer Lohn« erhöhung heranzutreten nnd zwar dahingehend, daß der schwache Arbeiter einen Wochenverdimst von 18 Mk. erreichen kann, bei einer Maximalarbeitszeit von täglich 10 Stunden. Demgemäß hat die Kommisfion zu Mittwoch, den 7. Oktober, Abends 8 Uhr, eine große öffentliche Versammlung in Sans- souci, Kottbuserstr. 4», einberufen mit der Tagesordnung: „Unsere Forderung und die bevorstehende Arbeitseinstellung am Montag, den 12. Oktober, und wie stellen fich die Herren Meister und Fabrikanten hierzu.— Zu dieser Versammlung laden wir sämmtliche Nieister und Fabrikantin ein. Es ist Ehrenpflicht eines jeden Gewerksgenoffen, zu erscheinen. Die Kommisfion. I. A.: R. Sündermann, Gitschinerstt. 61, I. Arbeiter- Bezirks- Verein für den Osten Berlins. Dienstag, den 6. Ottober, Abends 8'/, Uhr, Versammlung in Keller'S Lokal, Andreasstraße Nr. 21. Tages Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag des Herrn Dr. med. Christeller über:„Wundheilung". 3. Drskusston. 4. Verschiedenes. 5. Frage- kästen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt.— Die Petition zum Arbeiterschutz Gesetz liegt zur Unterzeichnung auS. Die Mitglieder, welche Petitionen zum Sammeln von Unterschriften entnommen haben, werden gebeten, für baldige Abliefemng Sorge tragen zu wollen. Zur Be- achtung! Annonzen für den neuen Vereins-Kalender werden entgegengenommen bei den Herren Zaacke, Küstriner- Platz 8, und Berger, Straußbergerstraße 27 II., sowie in der VereinS-Ver« sammlung beim Kasfirer. Der Vorstand. Unterstützungsverein der Vergolder und Berufs- genoffen. Generalversammlung am Mittwoch, den 7. Oktober, Abends 8'/, Uhr, bei Seefeld, Grenadierstr. 33. T.-O.: l.Vor- trag. 2. Kaffenbericht. 3. Wahl eines stellverttetenden Kasstrers. 4. Verschiedenes. Die Mitglieder werden gebeten zahlreich zu erscheinen. Die übrigen Kollegen find ebenfalls freundlichst ein- geladen. Auch werden neue Mitglieder in der Versammlung aufgenommen. Verein zur Wahrung der materiellen Interessen der Fabrik- und Handarbeiter. Versammlung am Diens- tag, den 6. Ottober, Abends 8'/, Uhr, bei Böttcher, Köpnicker- straße 150—151. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Herm Zubeil über„Gewerbeschiedsgerichte". 2. Monatsbericht der Revisoren. 3. Verschiedenes. Gäste find willkommen. Gauverein Berliner Bildhauer, Annenstraße 16, heute Abend 9 Uhr Delegirten Versammlung. Literarisches. Die neue Welt. Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Die erste Nummer dieses Blattes bringt auf ihrem Um- schlage folgende Ankündigung:„In ihren 11. Jahrgang tritt die„Neue Welt" mit dem 1. Ottober dieses Jahres ein. Redattion und Verlag dürfen fich sagen, daß fie ihrer Aufgabe getreu geblieben find und fich redlichst bemüht haben, mttzu« wirken an der großen Kutwraufgabe der Gegenwart, welche darin besteht, wissenschaftliche Erkenntniß mehr und mehr zum Gemeingut zu machen, sowie alle Ledensgenüffe zugänglich zu machen möglichst weiten Volkslreiscn. Nur dann wird das Volk, welches heute noch in seiner ungeheuren Mehrheit auf nichts als mechanische Arbeit beschräntt ist, eine seiner würdige Lebens« stellung fich erobert haben, wenn die moderne vorurtheilsfreie Wissenschaft freigebig das Füllhorn ihrer geistigen Nahrung über eS ausschüttet und die Kunst das öffentliche und private Leben der Äaffen verschönt und adelt' nur dann werden Wissenschaft und Kunst die ihnen gebührende Kulturhöhe er- reicht haben, wenn fie nicht mehr Monopol eines engen KreiseS Bevorzugter, sondem Gemeingut des Volkes find. Das ist unsere feste Ueberzeugung, und fie ist es, die uns die Richtschnur giebt für unser literarisches Wirken und unS den stets fich emeuemden Anttieb gewährt, aller Anfeindung, allem Mtßverständniß, selbst der Gleichgiltigkeit eines großen TheileS deS Volkes unentwegt die Stirn zu bieten. Veredelnde Unter« Haltung und anregende Belehrung in immer wachsender Mannig« faltigkeit und immer tiefer eindringender Wiffenschastlichkeit beeifern wir uns den Freunden der„Neuen Well" zu bieten, während wir, soweit es immer anging, das Gewand, in welches wir beide kleideten, so leicht, die Form so anziehend gestalteten, als eS unsere Kräfte und das Wesen der Sache jeweilig erlaubten. Den neuen Jahrgang werden wir in gewohnter Weise mit einem neuen größeren Roman—„Vom Stamm gerissen"— eröffnen, der das Menschenleben der Gegenwart in seiner ganzen ergreisenden Gewalt schildern wird. E. Langer, der Verfasser des Romans ist den Lesem der„Neuen Welt" bereits aus dem vergangenen Fahrganae durch eine freifinnige, erschütternde Novelle bekannt und befreundet. Neben dem Romane werden gleichfalls, wie bislang interessante Novellen etnhergehen, und den Reigen der populär-wissenschaftlichen Artikel eröffnet Wil« Helm Bios mit einer im Hinblick auf die sozial- politischen Fragen der Zeit besonders bedeutsamen Studie über den Chartismus in England, jene gewaltige und überaus lehr« reiche sozialrevoluiionäre Bewegung in England während der 30» Jahre! unseres Jahrhunderts. Der Redatteur der „Neuen Welt", B. Geiser, beginnt in Nr. 1 eine Reihe von Artikeln, in denen er über die neuesten Fortschritte unserer Wiffenschaften. voran der Heilkunde und Gesundheitspflege, allgemeinverständlich berichten wird. Femer hat für unsere Ztr. 1 ein Eingeweihter eine gleichfalls sehr zeitgemäße und fesselnde Studie„Zur Charakteristtk unserer modem-gelehtten Politiker" geschrieben. Im Uebrigen werden unsere Leser Humoresken und Skizzen des verschiedensten Inhalts, Gedichten und Notizen jeglicher Art und besonders gepflegt, auch der, ~ ie» wie wir zu unserer Freude oft genug erfahren,"längst'allge mein beliebt gewordenen Rubrik„Für unsere Hausfrauen" im sS-räÄ. tr Freunde interesfiren und womit wir ihnm dienen und fie fordern. können Dafür hoffen wir in ihnen nickt bloS Freunde, sondem auch recht thatkräftige Verbreiter zu finden, und das ist noth« wendig, da die„Neue Welt", um der stets wachsmden Kon- kurrenz erfolgreich die Spitze bieten zu können, einer sehr be- deutenden Vermehrung ihrer Leserzahl bedarf. Möge daher Jeder für die Verbreitung des BlatteS das Seinige thun. Also: Glückauf zum neuen Jahre, zum neuen, gemeinsamen Schaffen und Wirken! Sämmtliche Buchhandlungen und Kolporteure, sowie auch die Postanstalten nehmen Bestellungen entgegen."— So die Redattion der„Neuen Welt". Wir haben dem nur hinzuzufügen: Diese Charakteristik des tteff« lichen Familienblattes ist eine vollkommen berechtigte. Möge bald keine, nicht direkt reaktionär durchhauchte Häuslichkeit in Deutschland mehr zu finden sein, in welcher fich die„Neue Welt" nicht eingebürgert hat. Sie gehört überall auf den Familicnttsch, wo man Smn hat für die wirkliche„Neue Welt", die fich keimhaft schon regt und mehr und mehr geltend macht in der absterbenden alten. Kriefkasten der Redaktion. Treuer Abonnent. Der Phonograph giebt Gesungene» wie Gesprochenes deutlich wieder. Zu haben ist daS Jnjttu« ment in den größeren optisch> mechanischen Instituten. Der Preis variirt nach der Größe. Unwissender. Helikoniden ist eine andere Bezeichnung für Musen- Passage l Treppe, Geöffnet von 9 Uhr Rorg. bts 10 Uhr Ab. Schwedische Eisbahn l E. O. Müllers Hyppodrom! Zu-ich- �rw» �wdet'lugeb-nst-in P2SS E. O. II aller. Möbel, Sopha- und Matratzen-Fabrik A. 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Ostend-Theater. Heute: Berliner in Kamerun. KimiflstadttscheS Theater. Heute: Gastspiel der Lrliputaner. Die kleine Baronin. Theater der Reichshallen. Täglich: Aufreten fämmllicher Spezialitäten. American-Theater. Taglich: Auftreten fämmllicher Spezialitäten. Kaufmann's Variete. Täglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. Konkordia. Täglich: Auftreten fämmllicher Epeziallläten und theatralisch« Vorstellung. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß mein aeliebter Gatte, der Restauratcur Carl Hemmerling, am 4. d. M., Abends 9 Uhr, plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. d. M.. Nach- mittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des allen Thomas- Kirchhofes aus statt.[2377 Die ticfbetrübte Wittwe nebst Kindern. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Verl. SonntaasschwäMer. Voffe mll Gesang in 3 Akten und 6 Bildern. Vor der Vorstellung; Großes Konzert der Hauskapelle. Anfang des Konzetts 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Bons haben Wochentags Giltigkeit. Für die streikenden Ardeiter der Piauo- Fadrik von Aliugmanu u. Co., Zköpnickerstr. 175, find uns aus der Versammlung der Litho« graphen und Steindrucker 17 Mark übermittelt worden. Die Streik-Kommission- Meinen Freunden und Bekannten zeige ich hierdurch an, daß ich Jnvalidcnftraßc 116 ein Cigarren- und Tabak-Geschäst eröffnete und bitte um geneigten Zuspruch.[2378 Wilhelm Pfannkach. Meinen Freunden und Bekannten zur gefälligen Nachricht, daß ich mein Ziparren-Geschäft von der Bergstr. 67 nach der Rosenthalerstr 71, nahe dem Rosenthaler Thor, verlegt habe und empfehle in bekannter Güte meine Zigarren, nur eigenes Fabrikat, sowie Ziaarretten, Rauch-, Kau- und Schnupf- Tabake, Spezialität: Echt Hanewacker Prtemtabak. Um gütigen Zuspruch bittet[2375 Moritz Bern st ei«, 71 Rosenthalerstr. 71, nahe dem Rosenthaler Thor. Ich bin von der Prinzenstraße 56 nach der_ Ännenftratze Nr. 46 H Dr. J. Zadet, 2374]__ prakt. Arzt. Mein Bureau habe ich von Chaufseesttaße 7 nach Wallstraße 7 und 8, nahe am Spittelmarkt, verlegt. Berlin, den 30. September 1885. 2338] Wreselmer, ___ Rechtsanwalt. Allen Freunden und Bekannten empfehle meine wamm» Destillation und mein Bier-Lokal. 2357] Fr. Kohlmey, Weinbergsweg 15 c. Wir zeigen hierdurch an, daß unsere Fabrik mit neuem Personal vollständig wieder besetzt ist. Klingmann n. Co., Pianofabrik, Köpnickerstr. 175, FmsrilWt. gfjirfes«.„Nomärts" Mittwoch, den 7. Oktober, Abends 8 Uhr: Berfammlung in O r s ch e l' s Salon, Eebastianstraße 39. 1. Sorttag: Fr. Tuyauer über Gewerde- Schiedsgerichte. 2. DiSkusfion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. _ Der Vorstand. Ard-Bez-Verein„Söd-Ost". Mittwoch, den 7. Oktober, Abends 8'/» Uhr: V er sammlnng in der„Urania", Wrangelstr. 9 u. 10. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Stahn über„Die Diphtheritis, ihr Wesen und ihre Behandlung". 2. Geschäftliches. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Neue Milglieder werden aufgenommen. Ter Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist zahlreiches Erscheinen erwünscht. 2373] Der V o r st a n d. Oeffentliche Arbeiterinnen> Vers ammlung findet Dienstag, den 6. d. Mts., Abends 8'/, Uhr, im Wedding-Park, Müllerstraße 178, statt. Tagesordnung: Vortrag, Diskusfion, Verschiedenes, Fragekasten.— Ausnahme neuer Mitglieder.]2372 _ Frau Vötting, Straße 30. Einzelne Sopha-Eezüge in Rips, Damast und bunten Stoffen, [2169 von 3'/» bis 4'/, Meter lang, für die Hälfte. 500 Stück echt englische Tüll-Gardinen mll Band eingefaßt, 2 Ellen breit, Elle 45 Pf. Emil liefevrfe, Arbeitsmarkt. Einen Klempner für den Bau verlangt P o k o r a, Rixdorfer Bergstraße.[2376 1 Lehrling z. Maschinenbau verl. Georg Hanow, Luisen-Ufer 2a. Ein junger Mann, 18 Jahre alt, von außerhalb, wünscht eine Stelle als Hausdiener. Zu erfragen bei Besold, Bergmannstraße 96, Hof, Quergeb, parterre._[2154 Korbmacher-Gesellen auf Schönarbeit verl. Echwedlerslraße 36. SSSSSlSSg IS o o o o o" o o" o" o >«• o � O"" S O• B 3S2SS2SSSS. 1 1 I I 1 1 I I I I I � 1*5? r§ I'F I 88 f sä'\'k I'Z'\'i l'i f i s HZS86 S 8 2 � säiSlil «-WW ir a 'i"«•••«« O.«..«. O 1 i gl i i. l.>. g ssasgg � iifljla I lii-i Iii- \U... iii "im ö Eh 35 Eh PQoo ■o2 fl 6) 'K U « h!f 3 II 8 0) «w « « Zo Ii 8 I Ii .5� «Z2 I CO eK.g O—.— ■i 8 o 8 .9 cl s» II 31 o5 II i 8 ä»; « « 4« « fl) u ■ 19 I. I Sgg l.g I @4 o of ceT cT oo cT s a e (fl ä :# i J2®( iiii 5: ;f •8 e« O o o o ooo ll, ce>rs o»o SoTw-h"« 5 35: ooo aSSS- u»ß o o o 3S5- ••ä-s ■ 53 äk -aaa R £5 »C 00-4 04 04 CO. sssi jlil:" ■gssga 3�99. E-3.3.5 S g| i i fcß O == s X«H- u —« 5 •> Iii III hl l«i •ESl r* j-- 'S I s 2 iiti £* ää r 8888 o* ei CO a— «--- a I. 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