nannte cchung kannte. alisten« en. - Vor» :derver» lbestand nedenes Die n ergab irnbusch nsamm» ommen. rd noch i Ernste idet ju Glacee»; Somit«; runnen»! einge»! ik- u«b hält aw eltower» bnung: i noch» ik» und )resden, Süd-- Abendt eine in jcdet ahl von en un» wohin r Rom«! 3V. Uh' in oben Kr. 236. Freitag» de« 9 Oktober 1885. t MerVÄMll. Drgsn für die Interessen der Arbeiter. a alle« r V er» iS" vo» Mir dir Kohr um iim heilen ßrti, so schleicht sich Dr. Max Hirsch um alle brennenden Punkte der sozialen Frage herum, wie bisher, so auch jetzt, nur mit dem Unterschiede, daß er diese Punkte nunmehr «liebet der Gewerkvereine, unter denen es ja eine arößere Anzahl braver und tüchtiger Arbeiter giebt, zwingen ihn zu solchem Verhalten. 0 Wir haben schon kurz über die Versammlung sämmt- licher OrtSvereine in Berlin berichtet, die am vorigen Sonn- tage stattfand; doch wollen wir noch einmal darauf zurück- kommen, um den Schwerpunkt der dortigen Verhandlungen und Beschlüsse herauszuschälen. Dem Herrn Hirsch und seinen Gehilfen ist es immer recht unangenehm gewesen, wenn er auf die Forderungen, welche die Arbeiter an die heutige Gesetzgebung stellen, ein- )« gehen mußte. Mit süß-saurem Lächeln steht er auch dem Arbeiterschutzgesetz gegenüber, doch konnte er sich der großartigen Petitionsbewegung, die nun einmal unter den Arbeitern Deutschlands bezüglich des Arbeiterschutz- gesetzeS losgebrochen ist, nicht mehr entziehen; des- halb die Versammlung, deshalb die Petition an den Reichstag. Daß dieselbe aus lauter Halbheiten besteht, ist ja bei dem Herrn, der noch tief in den Manchesterschuhen steckt, nicht zu verwundern. Dr. Max Hirsch hat sich deshalb auch ein zwar etwas bedingtes Lob seines intimen Feindes, des grimmen Manchestermanns Eugen Richter m der ,, Freist Ztg." zugezogen. Doch hören wir zuerst die Petition selbst: 1. Verbot jeder gewerblichen Arbeit von Kinder« unter 14 Jahren; 2. Verbot der Sonntags- und Nacht» arbeit, sowie der Arbeit in besonders gesundheitsschäd- lichen Betrieben, und Festsetzung einer höchstens 10 stündigen Arbeitszeit für jugendliche Arbeiter unter 18 Jahren in Fabriken; 3. dieselben Vorschriften für Arbeiterinnen; möglichste Trennung der Geschlechter; frühere Entlassung verheiratheter Frauen und Verbot der Beschäftigung während insgesamt 8 Wochen vor und nach der Entbindung; 4. schleunigen Erlaß allgemein bindender Vorschriften zum Schutz für Leben und Gesundheit der Arbeiter, gemäß § 120 der Gewerbeordnung; 5. wesentliche Vermehrung der Fabriken- Inspektoren, welchen ständige Ausschüsse, aus Unternehmern und Arbeitern in gleicher Zahl bestehend, zur Seite zu setzen sind; 6. die Vorschrift, daß Fabrik-, Werk- und Arbeits- ll IeuMeton. ?«» MormoiteUmädche«. Amerikanssche Erzählung 76] von valdui» Möllhause«. (Fortsetzung.) Sie richtete» sich empor, und nachdem sie eine kurze Zeit hindurch sehr eifrig mit einander berathe», bei welcher Gelegenheit Kairuk zahlreiche Aufschlüsse zu ertheilea schien, weckten sie ihre übrigen Genossen. Ohne zu zögern oder sich in nutzlosen Fragen zu er- gehen, rüsteten diese sich sogleich zum Aufbruch. Einige Bissen gedörrtes Fleisch und ei» Trunk aus einer mit lühlem Regeawasser angefüllten Felsenvertiefung vertraten die Stelle des Frühmals, und dann belud sich Jeder mit seinen geringen Habseligkeiten, worauf sich Alle vorsichtig in der alte« Ordnung der Stelle näherten, an welcher Sikoto- maker den Felsblock in die Tiefe hinabgeMrzt hatte. Aufmerksam spähte« sie nach dem Rande des Plateaus hinauf. Nichts war daselbst zu erblicken, was Verdacht hätte «rreaen können. Sie vernahmen nicht einmal das Murmel« von Stimmen, obwohl sie mcht bezweifelten, daß ihre Ver- folger auf ihrer alten Lagerstat e Zuflucht und Schutz gegen de« nächtliche« Gewittersturm gesucht hatte« und nicht säume» würde», sie, im Fall einer Entdeckung, von oben herab mit lMZMKW immer Zeit genug, denselben«ach der einen oder der an» deren Sette hin auszuweichen. Behutsam öffnete Kairuk auf ei« Zeichen von dem Schwarzen Biber de« Zug. Da« Wasser rieselte«och nnmer in einem schmale» Bächlem vor ihnen nieder, und indem e« bald nach recht«, bald«ach links, von Vorsprung zu Vor« sprung, wie auf den Stufe« einer Treppe hinabsprang, be« ordnungen nur nach Anhörung der Arbeiter und mit Ge- nehmigung der Fabriken-Jnspektore« erlassen und abgeändert werden dürfe«; 7. das Verbot der Herstellung gewerblicher Erzeugnisse für den Privatbedarf in Straf- unds ähnlichen Anstalten. Alle diese gesetzlichen ZwangSbesttmmunge» halten wir aber für ungenügend, wenn nicht einerseits durch Erleich- terung der übermäßigen und ungerechten Steuern, und andererseits durch Normativgesetze für die BerufSoereini- gungen zur Wahrung der Rechte und Interessen der Be- theiligten die materielle Lage und die eigene genossenschaft- liche Thätigkeit der Arbeiter in vertrauensvollem nnd ver- söhnendem Sinne gefördert werden." Nr. 1 steht im Arbeiterschutzgesetz, welche« die Arbeiter- partei im Reichstage eingebracht hat; Nr. 7 gleichfalls, nur etwa« präziser. Die in 4, 5 und 6 verlangte» Vorschriften und Ein« richtungen werden durch die in dem Arbeiterschutzgesetz- Entwurf geforderte Organisatto» der Arbeiter durch Ar- beiterkammern und AibeltSämter weitaus und in viel ver- ständlicherer Form gestellt; dasselbe gilt von dem Nachsatz hinter Nr. 7. Bleiben also die Nummern 2 und 3, welche da« Verbot der SonntagSarbeit nur auf jugendliche Ar- bettet und Arbeiterinnen ausgedehnt wissen wollen, während für die erwachsenen Arbeiter die Sonntag»- ruhe durch das Gesetz nicht gefordert wird. Während Herr Richter, wie gesagt, im Allgemeinen mit der oben abgedruckten Petitton einverstanden ist, da ja die Forderung des von den Manchestriern so gehaßten gesetz- lichen MaximalarbettStagS in derselben nicht enthalten ist, ist er ungehalten über die Nr. 2, welche von dem Verbot der SonntagSarbett handelt. DaS Richter'sche Blatt schreibt nämlich: „In Bezug auf SonntagSarbeit und anderartige Be- schränkungen scheint UNS der Wortlaut der Reso- lution im Widerspruche zu stehen mit der Begründung. Denn während die Begründung die persönliche und Arbeits- Freiheit als Grundlage der Volks- wohlfahrt gewahrt wissen will, fordert die Resolution zum Beispiel ohne weitere Begründung kategorisch und absolut daS Verbot der SonntagSarbeit." Herr Hirsch hatte nämlich in seiner Begründung aesa>.. daß bei den jugendlichen Arbeitern der Anfang mit der Sonn» tagSruhe gemacht werden müsse, während man bei den er» wachfenen Arbeiter« die Frage der Sonntagsruhe und der Arbeitszeit überhaupt der freim Vereinbarung überlassen müsse. Hier liegt jedenfalls ei« drolliges Mißverständniß des Herrn Richter vor, der doch eigentlich längst wissen mußte, daß Herr Dr. Max Hirsch immer mit der deutschen Sprache, zeichnete es aewipermapen i Flucht beizubehalten hatten. Das Gurgeln und Plätschern, mit welchem daS Wasser von den Steinen abprallte, oder auch unter diese« durch und um sie herum sprudelte, kam ihnen übrigens sehr zu statten; denn bei aller Vorsicht konnte« sie nicht gänzlich vermeiden, hin und wieder durch das Weichen einzelner Geröllstücke Geräusch zu erzeugen, wodurch ohne Zweifel die Aufmerksamkeit der oben Befindlichen auf sie hingelenkt werden mußte. So aber übertönte das Rauschen de» Baches da« Knirsche» und Klappern der Steine, weshalb sie sich der festen Hoffnung auf ein glückliche« Entkommen Hingabe». Ehe der Schwarze Biber dem Mohave nachfolgte, trat er noch einmal seitwärt» gerade auf die Stelle hin, auf welcher am vorigen Abend der Fetsblock niedergeschlagen war. Er erwartete, von dort au« eine bessere Aussicht auf den fast senkrecht über ihm liegenden Rand der Felsspalte zu gewinnen. Niemand besorgte jetzt schon von irgend einer Seite Verrath. Um so mehr überraschte es daher die ganze Ge» sellschaft, als der Schwarze Biber plötzlich mtt Gedanken- schnelligkeit die Büchse an die Schulter riß und, indem er aufwärts zielte, zugleich mit der linken Hand nach der- selben Richtung hin em beruhigendes, aber entschiedenes Zeichen gab. Alle drängte« sich vor, um dem Delaware« im Fall eines Kampfes zur Seite zu stehen und als sie dann nach oben blickte», gewahrten sie La Bataille, den verrätherische« Schlangen-Jndianer, wie derselbe etwa zehnkFuß tief unter- halb des oberste« Rande« auf einem Felsblock mehr hing als faß und, nicht weniger überrascht, al» sie selbst, zu ihnen niederschaute. Derselbe, gelockt durch Holmsten'S Versprechungen, hatte nämlich gehofft, eine geößere Belohnung beanspruche« zu dürfen, wenn e« ihm ohne ftemde Hilfe gelänge, die Flücht- linge ausfindig zu machen. Berett» am vorhergehenden Abend hatte er, geleitet theilS durch die Ueberreste der die Richtung, welche sie auf ihrer tödteten Argalis, theil« durch die noch glimmenden Kohlen unter dem kleine« Aschenhäufchen errathea, daß sie keinen besonders aber mit der Satzkonstruktton in grimmer Fehde liegt. So auch hier. Der Wortlaut, die Satzkonstruktion der Nummer 2 verbietet die Sonntags- und Nachtarbeit allerdings im Allgemeinen, also für Jedermann. Max Hirsch aber will dies Verbot nur auf die jugendlichen Arbeiter beschränken, da er aber kein Deutsch kann, setzt er in Nr. 2 hinter„Betrieben" ein Komma und da« Wörtchen„und", sodaß sich die jugendlichen Arbeiter nur noch auf die zehn- stündige Arbeitszeit beziehen. Deshalb kann sich Herr Richter beruhigen: Die Peti- tion will die gesetzliche Sonntagsruhe für die erwachsenen Ar- beiter nicht, sie hat sich in diesem Punkte nur ver- sprochen.——— Außer bei den Arbeiterkammern und Arbeitsämtern, wo die gewerkvereinliche Petttion den Vorschlag be« vielgenannten Arbeiterschutz-Gesetzentwurfes total verwässert, erklärt sich dieselbe, wenn auch nicht direkt, sondern in den Mottven gegen eine gesetzliche allgemeine Sonn- tagSruhe und gegen d en g esetzli ch en Nor- malarbeitStag. DaS sind aber mit die Hauptforderungen, oder sagen wir es geradeheraus, der MaximalarbeitStag ist neben den Arbeiterorganisationen die Hauptforderung des Arbeiterschutz» gesetzeS. So wird dasselbe also durch Herrn Dr. Max Hirsch und seine Gehilfen nicht unterstützt, sondern geradezu bekämpft. Die Sonntagsruhe und die Feststellung der Arbeitszeit soll auf dem Wege der Vereinbarung zwi- schen Arbeitern und Arbeitgebern festgestellt werden und zwar wird eine Arbeitszeit von täglich zehn Stunde» von de« Gewerkvereinlern verlangt. Die Arbeitszeit ist dieselbe, wie sie im Arbeiterschutz-Gesetz festgestellt wird. Aber die freie Vereinbarung zwischen Ar- beitern und Arbeitgebern? Entsteht daraus nicht ein wilde« Chaos? Sprechen da nicht immer von Fall zu Fall die sogenannten Geschäftskonjunkturen, die Saisonarbeite», der Konkurrenzkampf, und wie all die schlimmen Worte in unserem heutigen wirthschaftlichen Leben heißen mögen, m erster Linie mit. Und dann erst kommen die einzelnen Arbeitgeber und in letzter Linie die Arbester! Und au« diesem Chaos entsteht ein fortwährender Kampf; Streiks und ArbeitSauSschlüsse werden entbrennen und ist heute eine Position erobert, wird sie morgen, ganz wie bei den Lohnkämpfen, wieder verloren. Daß von einer Anbahnung eines Minimallohnes in der Hirsch'schen Petition auch keine Rede ist, ist ja selbstverständlich.--- Herr Max Hirsch geht bei allen wichtigen gewerk» schastliche« Fragen der Gesetzgebung ängstlich au« dem anderen Weg, als den vor ihm liegenden eingeschlagen haben könnten. In Folge dessen war der Entschluß in ihm gereift, die früheste Morgenstunde, wenn die Genosse» ihn noch nicht stören würden, zum Kundschaften zu be- nutze« und wo möglich daS Versteck der Entflohenen aus» zuspähen. Das Rausche» des Wassers hatte ihn verhindert, irgend etwas von der sich nähernden Gesellschaft zu vernehmen, wie auch der voranschreitende Mohave-Häupiling durch die Deckschicht der Höhle seinen Augen entzogen blieb. Furcht» loS war er daher gerade bis dahin geklettert, von wo au« man früher auf die verschwundene Platte hinabspringen tnujste. Aufmerksam spähte er nach-- einer Fortsetzung deS alten Wildpfades umher, al» plötzlich zu seinem Schrecken der Schwarze Biber in seinen Gesichtskreis trat und fast gleichzeitig die Mündung seiner Büchse auf ihn richtete. Er hielt sich für verloren, denn wollte er wirklich zu- rückweichen, so gebrauchte er doch Minuten, um ganz nach dem Plateau hinauf zu gelangen, und seine eigenen Waffe» hatte er, um auf dem gefährlichen Boden nicht im Gebrauch seiner Hände behindert zu sein, so auf seinem Körper be- festigt, daß an ei« Widerstandleisten schon gar nicht mehr zu denken war. Da bemerkte er das Zeichen de« Delaware«, und das» selbe richtig deutend, rührte er sich nicht von der Stelle. Er verstand, daß die geringste Bewegung von seiner Seite mit einer Kugel bezahlt werden würde. I« solcher Stellung befanden sich also der Schwarze Biber und La Bataille einander gegenüber, als John zu ersterem heranglstt und, mehr mit ruhiger Ueberlegung als Ueberraschung den Schlangen-Jndianer bettachtete. Da flüsterte ihm der Biber einige Worte zu. John nickte mit dem Kopfe,' und gemäß seiner Anordnung setzte stimmten Zwischenräumen Einer hinter dem Andern her» kletternd, an, und langsam und mit größter Vorficht schlichen sie niederwärts. Während dieser-ganze« Zest hielt der Schwarze Biber Wege; nur bei untergeordneten Fragen macht er derselben Konzessionen, weil er von seinen Anhängern dazu gedrängt wird. Sonst ist er, ebenso wie Herr Engen Richter, ein eingefleischter, wenn unklarer Manchestrier geblieben. Und ein echter Manche st ermann ist auch immer ein echter Streikbrnder! Politische Ileher ficht. Zur tsharakteristit der deutschen Rrptrlienpresse liefert die Haltung einer stattlichen Reihe von Zeitungen in Bezug auf die Vermittlerrolle des Papstes überaus drastische Belege. So schrieben z. B. die„Hamb. Nachr." v o r Emofang des Berliner Waschzettels: „In Deutschland wiid stch schwerlich Jemand finden, der die Verfion, betreffend das Schiedsamt des Papstes, ernst nimmt, obwohl dieselbe jetzt auch in eng- lischen Blastem auftaucht. Das fehlle noch, auf solche Weise den Papst indirekt als Herrn der Welt anzuer- kennen!" Nach Empfang des Berliner Waschzettels: „Auch in diesem taktischen Zuge würde fich nur die Eigenart der diplomatischen Kunst wieder offenbaren, die den Weltruf des Fürsten Bismarck begründet hat: fie überrascht durch ihre Kühnhett, aber Niemand ver- mag bei ruhiger Ueberlegenheit gegen die Vernunft und Zweckmäßigkeit derselben schlagende Argumente beizu- bringen." Genanntes Blatt ist eines der angesehensten Organe der nationalliberalen Partei. Die ultramontane„Grr> mania" verspricht die schmeichelhaften Urtheile über des Papstes Weisheit u.s. w. in Blättern obigen Kalibers anzunageln, um f. Z. daran erinnem zu können, wenn der Wind aus einem anderen Loche bläst. Zur braunschweiger Negentenwahl druckt die„Nordd. Allg. Ztg." folgende Mttlheilung der„Braunschw. Landesztg." ab: Zum 19. Oktober soll dem Vemchmen nach der braun- schweigische Landtag einberufen werden und es steht zweifellos zu erwarten, daß die Wahl eines Regenten dessen Aufgabe sein wild. Einen folgenschwereren Beschluß hat noch kein Landtag zu fassen gehabt, und es ist nur natürlich, daß eine bange Erwartung m diesen, der Entscheidung vorhergehenden Tagen das Land durchzittert. Wenn auch an der Erhaltung der Selbstständigkeit unseres Herzogthums nach dem gegebenen Kaiseiworte nicht zu zweifeln ist, so hängt doch von der jetzt zu treffenden Entscheidung unendlich viel für das Heil unseres Landes ab. Wie uns von wohlunterrichteter Seite aus Berlin berichtet wird, haben die zwischen dem Regentschaftsrathe und der Reichs! egierung gepflogenen Verhandlungen dahin Geführt, daß mit Zustimmung des Kaisers Prinz Albrecht von Preußen dem braunschweigischen Landtage zum Regenten vorgeschlagen werden soll. Für die sozialistischen Wahlkandidaten Frankreichs übersandten, dem„Hamb. Corr." zufolge, die Hamburger Sozial- demokraten eine zweite Rate von 800 M. Für die Feuerbestattung macht man jetzt auch im ober- schlefischen Jnvustriebezirt Propaganda. In Gleiwitz kurstrt eine Petition, welche an den Reichstag gerichtet ist und in der um Einführung wenigstens der fakuttatioen Feuerbestattung ge- beten wird. Der„C Sinz" glaubt, daß die Petilion im ober- schlefischen Jndustriebezirk eine stattliche Zahl von Unterschriften finden dürfte. Bei der ungemein dichten Bevölkerung dessel- ben, bei den vielfachen Slerbefällen dauere es gar nicht lange, bis ein neu angelegter Kirchhof vollständig belegt sei. Em Beispiel dafür sei die Stadt Kattowiy, wo in dem kurzen Zeiträume von kaum zwanzig Jahren der katholische Kirchhof erst erweitert und schon wieder ein neuer eröffnet werden � Die Kosten der ärztlichen Untersuchung von Bernr- theilten, welche gerichtsseitig angeordnet wird, um festzustellen, od eine erkannte Freiheitsstrafe vollstreckt werden kann, fallen nach einem Erlaß der Minister des Innern und der Justiz dem Kriminalfonds, vorbehaltlich der Wiedereinziehung von dem Vemrtheilten, zur Last. Hat aber der letztere nur aus Grün- den privaten Charakters die Aussetzung der Strafvollstteckung beantragt, so find von ihm auch die Kosten deS zur Unterstützung seines Anttages etwa erforderlichen Attestes zu tragen, bezw. vorzuschießen. Wer ist verhflichtet, die Wahl als unbesoldetes Magtstratsmitalied anzunehmen? Der Minister des Innern hat in einem Spezialfall konstatirt, daß fich durch die bisherige Praxis ein bestimmter Grundsatz in Betreff der Frage, od ein stimmfähiger Bürger, welcher Mitglied einer ooer mehrerer mit wesentlichen Funktionen der Gemeinde- Verwaltung betrauten städtischen Verwaltungs-Deputattonen ist(§ 59 der Stävteordnung vom 30. Mai 1353), für verpflichtet erachtet werden muß, die Stelle eines unbesoldeten Magisttats-Mit- gliedes gemäß§ 74 dieses Gesetzes anzunehmen, oder ob er sich darauf berufen kann, daß er bereits eine unbesoldete Stelle in der Gemeindeverwaltung(ein öffentliches Amt) bekleide und seine gespannte Büchse auf La Bataille gerichtet, der nun- mehr seine ganze Kaltblütigkeit wiedergewonnen hatte und so ruhig aus da« Treiben unter sich schaute, als habe er nicht im Entferntesten in einer Beziehung zu demselben gestanden. „La Bataille! La Bataille! Wo steckt der Schurke?" schallte es plötzlich von dem Plateau unter der Felsenüber- dachung hervor. La Bataille rührte sich nicht; aus seinen Augen da- gegen leuchtete die wilde Hoffnung, daß seine Genoffen bi» an den Rand des Plateaus vortreten und die Verfolgten bemerken würden, und noch befanden sich ja sogar die Vordersien derselben in sicherer Schußweite. Für sich selbst fürchtete er jetzt nicht mehr, denn er wußte, daß der Dela- wäre, so lange er sich ruhig verhielt, am allerwenigsten durch einen Schuß die Aufmerksamkett der Utahs und Mormonen auf sich lenken würde. Als der Ruf nach dem Schlangen-Zndianer zum zweiten Male wiederholt wurde, hob der schon tiefer hinabgekletterte Zohn seine Büchse empor, den Kopf La Bataille's zu seinem Ziel wählend, worauf der Schwarze Biber absetzte und mit leichten und gewandten Bewegungen den vorangeeilten Ge- fähiten nachfolgte. „La Bataille! Schurke! Wo steckst Du?" ließ Holm- sten« Summe sich vom Rande des Plateaus her vernehmen. Er stand indeß zu weit seitwärt», seine Blicke reichten nicht biS in die röhrenförmige Rinne, deren Settenwände die Flüchtlinge vor seinen Augen verbargen. Der Schlangen-Indianer stellte sich, al« gehe ihn der Ruf nicht« an. Der Schwarze Biber dagegen, der unter- dessen etwa zwanzig Fuß tiefer eine» andern Punkt erreicht hatte, von wo au« er La Bataille's ganze Gestalt genau im Auge behalten konnte, zielte nunmehr seinerseits wieder auf diesen, worauf John sich beeilte, an ihm vorbeizukommen und ihn von einer tiefer gelegenen und geeigneten Stelle aus abzulösen. Nachdem sie dieses Wechseln der Rollen viermal wie« derholt hatten, waren sie so tief hinabaelangt, daß La Ba- taille jede weitere Vorsicht für überflüssig hielt, zumal seine Feinde fast senkrecht hätten emporschießen müssen, was unter deshalb in Ansehung der Verpflichtung zur Uebernahme der Stelle eines unbesoldeten Magistrats- Mitgliedes als entschuldigt anzunehmen sei, nicht herausgebildet hat. Die Mehrzahl der dem Minister vorliegenden gutachtlichen Äeußerungen der Ober Präfidenten und Regierungs Präfidenten neige sich jedoch der letzteren Alternative zu. Entscheidend dürfte sein, daß, wie auch durch die Judikatur anerkannt sei, die in Rede stehenden städtischen Verwaltungs-Dcputationen fich als öffent- liche Behörden darstellten, daß ein stimmfähiger Bürger, welcher Mitglied einer solchen Deputation sei, die durch den § 74 der Städte- Oidnung begründete Verpflichtung zur Uebernahme einer unbesoldeten Stelle in der Gemeinde- Verwaltung bezw.-Vertretung erfülle, und daß das Gesetz eine Verpflichtung zur gleichzeitigen Uebernahme mehrerer derartiger Stellen nicht vorschreibe. Der betreffende Gemeindebürger habe also nicht einmal nöthig, fich auf den Entschuldigungsgrund aus Z-ffer 5 des Absatzes 2 deS§ 74 cit. zu berufen. Eventuell treffe aber auch die letztere Gesetzesstelle zu. Denn nach derselben brauche der zu einer unbesoldeten Stelle in der Ge- mcindeverwaltung oder- Vertretung gewählte Bürger diese nicht anzunehmen, wenn er schon ein anderes öffentliches Amt be- kleide. Da die Mitgliedschaft einer Verwaltungs-Deputation als öffentliches Amt anerkannt sei, so befreie dieselbe von der Uebernahme einer neuen unbesoldeten Stelle in der städtischen Verwaltung. Mit dem Ausdruck„öffentliches Amt" könne nicht etwa nur ein unmittelbares Staatsamt gemeint sein, denn sonst hätte es bestimmt ausgesprochen werden müssen, wie dies beispielsweise aus§ 8 Abs. 2 Ziffer 4 der Kreisordnung vom 13. Dezember 1872 folge. Nebenbei komme in Bettacht, daß die stäolischen Behö.vcn nach§ 75 der Städteordnung stets in der Lage seien, einen als Mitglied einer Verwaltungs-De- putation fungirenden Bürger von diesem Amt zu entbinden und ihn dadurch in die Nothwendiakeit zu versetzen, die Stelle eines unbesoldeten Magistratsmitgliedes anzunehmen, wenn er nicht eventuell die im§ 74 angedrohten Nachtheile gewärtigen wolle. Die Vereinigung OstrnmelienS mit Bulgarien soll neueren Nachrichten zufolge von der Türkei anerkannt worden sein. Doch wird der Sultan die Oberhoheit über das ver- einigte Bulgarien behalten. Die„Polit. Korresp." meldet aus bulgarischer Quelle aus Philippopel: Die Nachricht, daß der Sultan bereit sei, den Fürsten Alexander als General- Gouverneur von Ost Rumelien anzuerkennen, wurde hier sehr dankbar aufgenommen. Der Anschauung maßgebender bul- garischer Kreise zufolge bleibe jedoch als Bedingung festzuhalten, daß das organische Statut Ostrumelims außer Kraft gesetzt und die große Nationaloersammlung einberufen werde, um die Verfassung zu revidiren, ein gleichmäßiges Regierungssystem für beide Länder einzuführen und die erforderlichm Kredite zur Bezahlung des Tributs und der rückständigen Schulden an die Pforte zu genehmigen.— Die bulgarische D e p u- tatton, welche gestern von Kopenhagm abgereist ist, hat nach Philippopel telegraphirt, daß fie vom Zar huldvollst empfangen worden sei. Trotz der friedlichen Depeschen dauem die Rüstungen in Bulgarien und Ofttumelien fort. Und mehr noch als in diesen beiden Ländern wird in Serbien gerüstet. Auch von türkischen Rüstungen wird auS Konstantinopel ge- meldet. Die Pforte soll bereits soviel Stteitkräste an die Grenze dirigirt haben, daß dieselben jeder Eventualität gewachsen find. Von Bulgarien wird ein weiteres Uebergreifm nicht er- wartet, wohl aber von Serbien und Griechenland. Oesterreich-Ungarn. Das Dynamitattentat auf die Bierhalle in D u x ist, so« wohl was den Thäter wie was die Motive betrifft, noch ganz unaufgeklärt. Das Gebäude wird fast durchgängig von tschechischen Handwerkern und Arbeitern besucht und in einem Extrazimmer hat auch die Rcsmestnika Beseda ihren Sitz. Es ist unter diesen Umständen erklärlich, daß die tschechischen Blätter sehr schnell mit der Behauptung bei der Hand waren, das Attentat sei ein Racheatt der Deutschnationalcn gegen die Tschechen. Bis jetzt liegt aber noch nicht der Schatten eines Beweises für die Richtigkeit dieser Anschuldigung vor. Eher ist die That auf einen Bubenstreich zurückzuführen. — Die Opposition im kroatischen Landtag hat am Montag Szenen herbeigeführt, welche selbst in jenem an Ekan- dale gewöhnten Parlament bisher noch unerhört warm. Anlaß dazu gab eine Bemerkung des Lanus Grafen Khuen, welcher erklätte, das Land sei nicht im„rechtlichen" Besitze der viel« berufenen Kameralakten gewesen. Bekanntlich verhall fich die Sache so, daß diese aus der Zeit der kroatischen Autonomie stammenden Akten im Jahre 1849 im Auftrage des Höchstkommandirendm in Ungarn, Fürsten Windischarätz. aus dem Zentralarchiv in Pest, wo fie auf Besehl Kaiser Joseph Ii. untergebracht worden waren, in das Landesarchiv in Agram überführt worden find. Nach Herstellung der Ruhe in Ungarn hatten die verschiedenen österreichischm und ungarischen Re- gieiungcn wiederholt die Zurücklieferuna der Dokumente ge« fordert, die aber mit dem Hinweis auf technische Schwierig- ketten stets aufgeschoben worden war. Graf Khum, der solche Hindernisse nicht mehr vorfand, expediite die Akten inS Pester Zmttalarchiv zurück, behielt aber die Rechte Kroattens auf alle allen Umständen nicht ohne störendm Einfluß auf die ge- wohnte Sicherheit ihrer Hand geblieben wäre. Er scheute sich daher nicht, die mittelst eines Riemms an seinem Halse befestigte Bückse herunterzureißen, dieselbe mit einem lauten, durchdringen den Gellen anzulegen, und im nächsten Augenblick donnerte auch der Schuß in die Tiefe hinab. Doch dieselben Schwierigkette«, welche eS für die Dela- warm gehabt hätte, einm hoch über ihnen befindlichm Men- schen zu treffen, stellten sich dem Schlangm-Jndianer in noch erhöhtem Grade entgegen. Außerdem waren seine Hände und sein Auge bei weitem nicht so geübt, wie die der Delawaren; kein Wunder also, daß seine Kugel weit über ihr Ziel fortflog und erst tief unten, in der Nähe der vordersten Mohave«, klatschend auf einm Stein aufschlug. Sobald der Schuß gefallen war, bettachtetm die Dela- warm den Schlangm-Jndianer al» zu ungefährlich, um seinetwegen, ohne die Gewißhett, ihn zu treffen, noch eine Kugel zu verschwmden. Sie warfm daher ihre Büchsm über die Schulter, und so schnell, al« der ungangbare Bodm e« gestattete, suchten sie sich wieder mit ihren Freunden und Gefährten zu vereinigm. Bald darauf gelangten sie nicht nur aus der weitesten Schußlinie, sondern es drängten sich auch schroffe FelSvorsprünge und Geröllanhäufungm derge- statt zwischen sie und ihre Verfolger, daß diese nur hin und wieder einen flüchtigen Blick auf die eine oder die andere niederwärts gleitende Gestalt erhaschten. Auf das Gellen und dm Schuß La Bataille'« warm sowohl die Mormonm, wie auch die Utah« herbeigeeilt. In ihrem Eifer achteten sie nicht auf das, wa« La Bataille ihnen zurief, sie fahm nur, daß diejmigm, welche sie in ihren Händen zu hatten glaubten, im Begriff standen, zu entschlüpfen, und wie eine Meute grimmiger Schweißhunde, geführt von grausamm, blutdürstigen Jägem, begannen alle an dem Abhänge niederzuklettern. Erst al« die Vordersten bei La Bataille einttafm, über- zmgte man sich, daß die Flüchtlinge auf diesem Wege uner- reichbar seien, und nach allm Ruhtungen hin zerstreute sich die wüthende Bande, um den verborgenen Pfad zu entdecken, autonomen Ressorts angehörige Akten vor. Nun läßt da« kroatische Wort„rechtlich", welches Graf Khum anwendete, fich auch mit„ehrlich" übersetzen, und daran klammerte fich Etarcevics. lieber die nun folgenden Szenen berichtet der «Pester Lloyd": Etarcevic fiel dem Banus in die Rede, indem er rief: „Der Rebell beleidigt die Nation und den König! Schämt euch mtt einem solchen Banus!"(Großer Lärm. Der Präsident läutet.) Starcevic, Grzanic und Kum'cic springen mit drohend geballten Fäusten gegen den Banus gewendet und rufen:„Unser Land ist ehrlich, aber uns hat man beraubt' das ist illoyal! Der König hat uns die Schriften ausgefolgt; das ist eine Majestäts- Beleidigung!" Durch sein Toben, in welches Kamenar einstimmte, ermuthigt, fiel dann die Oppofition ein, die anfangs gar nicht wußte, � was Starcevic beanstandet hatte, besonders, als der Prästdent Starcevics Ausschließung beantragte. Kamenar(zum Präsidenten):„Rügen Sie diesen Mmschm"(den Banus)!— Nachdem die Prästdentenglocke ein wenig Ruhe geschafft, bean« tragt der Präsident die Ausschließung David Starcevic' aus vierzig Sitzungen.— Der Banus will weite: sprechen, die Oppo« fition läßt ihn nicht zu Worte kommen. Er soll widerrufen. er hat König und Natton beleidigt. Die gesammt Linke erhebt fich:„Wir wollen ihn nicht hören! Widerrufen! Wir besttzen nichts unredlich, ihr seid Räuber, die Alles nehmen, was un« gehört!"— Kumicic:„Er sagt, daß Fürst Windischgrätz, der Alter ego des Königs, ein Lump sei." Die Glocke des Präsi« denten sucht vergebens den ungeheueren Lärm zu übertönen. Da fällt das Wort:„Hinaus mit ihm! Er ist nicht würdig den Banusfitz einzunehmen." Graf Khum, einsehmd, daß er seine Rede nicht fortsetzen könne, verläßt dm Eitz, um fich aus dem Saale in's anstoßende Klubzimmer zu begeben. Nun erreicht der Skandal seinen Höhepunkt. Starcevic drängt den vor ihm fitzenden Grzanic aus der Bank, und während der Banus an der Linkm vorbeischreitet, stürzen fich unter un« deschreiblichem Lärm einige Abgeordnete derselben auf ihn! gleichzeitig drängen fich aber auch einige Abgeordnelt' der Majorität zum Schutze des Banus herum. Es cnt- wickelt fich eine unbeschreiblich wüste Szene. In eine» Knäuel zusammengeballt, schieben, stoßen und drängen fich die Abgeordneten mit Händen und Füßen. Von den Bericht«. erstattertischen aus läßt fich nichts Bestimmtes wahrnehmen, doch steht man, daß in dem Saalwinkel, welcher an das Klub« »immer anstößt, ein Handgemenge stattfindet. Crukovic verläßt den Eitzungssaal und ruft die Gmsdarmm herbei, welche mit blanker Waffe erscheinen, aber auf die Rufe Starcevic':„Sperrt den Banus ein, welcher die Nation und den König beleidigte!" wieder hinausgehen. Als der Banus aus dem Saale war. be« mächtigte fich der Oppofition ein förmlicher Freudmtaumel. Kumicic, schreit, gegen die Galerie gewendet:„Volk, der Dieb ist hinausgeworfen!" Im Saale bttden fich Gruppen. Di« beiden Pejacsevich suchen beruhigend einzuwirken; endlich legt fich der betäubende Lärm. Neben der disziplinarischen Ettafe, welche, wie telegraphisä gemeldet, der Präfidmt des Landtags über eine Reihe vo« Mitgliedern der Oppofition verhängt hat. ist gegen diese auck die kriminalgerichtliche Anzeige erstattet worden. Auf de* andern Seite hat die Opposition beschloffen, den Anttag am Erlaffung einer Adresse an den König einzubringen, wori» egen den Banus Grafen Khuen-Hedervaiy Beschwerde flf " irt wird. Frankreich. Das Resullat der Pariser Wahlen liegt noch immer niw vollständig vor. Bis gestern Nachmittag war in Paris W Wahlergebniß auS 728 Sektionen bekannt, daß Stimmenven hältniß bleibt unverändert. Bei Lockroy, Floquet, de la Forgs- A?' tfillain TargS, Clemenccau und RaSpc� variirt die Stimmenzahl von 233 000 bis 174000. Röchest kommt als 28. mit 113 000, Spuller als 38. mit 89000, da»« Ranc und Vre Spitze der konservativen Liste. Prästdent wollte gestern Nachmittag Brisson und Allain-Targö empfang? und heute einem Ministerrathe präfidiren. Bis gestern Ade� hatte noch kein Minister seine Entlassung gegeben, die entgege"' gesetzte Nachricht bestätigt sich also nicht. Die Wahlen find im Allgemeinen, selbst in Paris, ruhfi verlaufen, nur eine unbedeutende Ruhestörung fand statt, da« monarchistische Journal„GaulolS" aus Freude über** große Anzahl der Stimmen für die Monarchist* die Front seines Redattionslokales illuminirte. der Fa�ade dieses Hauses, welches am Boulevard des Jtalie� liegt, prangte die Inschrift:„175 monarchische Deputir» — es lebe Frankreich!" Zugleich hatte man den Hahn, v-' bekannte gallische Wappenthier, welchen fich das Blatt anftf eignet hat, an der Front des HauseS anbringen lassen. Zutf* begnügte fich die Menge, das Haus anzustaunen, dann crtM ten Rufe:„Nieder mtt dem Hahn! Es lebe die Republik- worauf Andere mit Hochrufen auf den König antwortete* Dabei ließ man es natürlich nicht bewenden, eS kam zuPstist* zum Gedränge, schließlich zu einigen Steinwürfen in Fenster der RedaklionsdurcauS, welche Herr Arthur Mchss eigens bestellt haben dürfte, denn er befand fich zufällig dfl* auf welchem nach ihrer Meinung ihre Opfer an dem schro Absätze vorbeigelangt waren. Nach Verlauf einer Stunde wurde endlich ein M** mone an zusammengeknüpften Riemen hinabgelaffen, uv auS den Spuren, welche der niedergebrochene Felsblock rückgelaffen hatte, sowie auS dem losgesprengten Stück 60% stein enttäthselte derselbe, auf welche Weise sie überlii* worden waren. Wieder auf dem Plateau vereinigt, ttaten sie dah� Alle in eine ernste Berathung zusammen. Der Vorfchlef einen Theil der Bande mit Hilfe der Zurückbleibe»� auf die Fährte der Entflohenen zu setzen, sogleich wieder verworfen, indem sie ihre Kräfte zu r. splittern fürchteten. Außerdem unterlag eS kaum ei»? Zweifel, daß dieselben, unter der Führung der Delawar? zwischen den Schluchzen und verworrenen Waffen i»� nicht nur eine feste, unangreifbare Stellung ein nehm sondern auch aus irgend einem verborgenen Hinterhalt viele ihrer Verfolger niederschießen würden, um den mit der blanken Waffe in der Faust ihrerfettS über und vernichten zu können. La Bataille und mehrere Utahs, die sich früheren Jagdzügen eine verläßliche Kenntniß di TheileS des Hochlandes verschafft hatten, gaben endlich Ausschlag. Dieselben erklärten nämlich, daß nur ein einziger auS diesem Labyrinth von Schluchten führe, und indem � den gewundenen Lauf des Kolorado genau bezeichne? hoben sie hervor, daß ihre eigenen zurückgelassene» PMZ zusammen mit den aufgefundenen der Flüchtlinge, ihn«-». Mittel zum schnellen Fortkommen gewährten. Die welche sie an diesen Umstand knüpften, schilderten und-L theidigten sie sodann mit einer solchen überzeugenden% redtsamkeit, daß man sich allerseits willig ihrer 1*%% Führung überließ und den Entschluß faßte, ohne � zur weiteren Verfolgung aufzubrechen. Die Mehrzahl der Mormonen entschied sich wohl da. die Flüchtlinge ihrem Schicksal zu überlassen und»«>? J Salzsee-Thal zurückzukehren, wo ihre Kräfte bei dein. � leicht schon ausgekrochenen Kriege besser zu verwende» i (lüfte: % sinn wa« Umfa: hinauj seinen tausch i I ll da» e. sich - fich it d« rief: -chämt >std«nt ohend und man zrifte« Durch rthiat. Änt PcSfi, %!- bcon» c' auf Oppo« N 'esttze» s uns der räfi» tönen. Dürbifl Beben. Drängt rhrend er un» f ihn: irbneK !s enteine» ich die iericht» Ehmen, s aunteL rDiÜ und nahm die Gelegenheit wahr, zu dem versammelten Volle sprechen zu wollen. Er wurde aber von der„Marseillaise" übertönt und von einem Polizeikommisiar unsanft, so unsanft, daß er fich heute darüber beschwert, zur Ruhe gewiesen. Einige Personen werden verhaftet, unter denselben vefand fich auch der radikale Gemeinderath Dr. Hubard. Die intranfigenten Blätter find der Meinung, daß die royalistische Polizei den Krakehl gegen die Republikaner angestiftet habe. — Auf Madagaskar haben die franzöfischen Expeditions» truppen entschieden Pech. Aus Tamatave, der Hauptstadt dieses Landes wird dem engl.„Standard" vom 2. d. M. telegraphirt:„Avmiral Mist griff am 10. Sept. mit einer Streitkraft von 1500 Mann Farafate an. Er stieß aber auf einen höchst entschlossenen Widerstand seitens der Hovas, die eine stark verschanzte Stellung einnahmen. Nach vierstündigem Kampfe wurden die Franzosen mit schweren Verlusten zurück- geschlagen. Auf dem Rückzüge wurden fie von den Hovas verfolgt, die auch seitdem allnachllich Angriffe auf Tamatave machen und Bomben in die Stadt werfen. Die Franzosen stellten ihren Angriff gegen die HovaS nur als eine Sgypte«. Ein Telegramm Markovoli Reys aus Asmara vom 29. v. M. an den Lberst Chermfide bestätigt, daß die Abysfinier einen großen Sieg über die Aufständischen unter Osman Digma errungen haben und daß die Aufständischen 3000 Mann gut Sduacfttfcllje ließen. Unter den Todten befinde fich Digma selber, dessen Leiche identifizirt worden sei. Die Abysfinier hätten gleichfalls schwere Verluste erlitten. „.—. Aus Kairo wird gemeldet: Etwa 1000 Derwische rücken tn nördlicher Richtung längs des Nilthales vor und fie sollen Hafir, einen nur 80 Meilen von den britischen Vor- Posten entfernten Punkt erreicht haben. In der Nachbarschaft von Wady Halfa haben bereits einige Scharmützel stattge- sunden- Es wurde der Belehl ertheilt, fünf Dampfer in Bereit- schaft zu halten, um nothigenfalls 1200 Mann Truppen den Nil hinauf zu befördern. Der Nil ist jetzt etwa 3 Fuß niedriger, als er zur nämlichen Zeit im Jahre 1334 war, und die Gewäffer fallen noch immer. .ch k| :aphisä ,e va» se au« uf d.- a« wort» de r Kokales. Nach Vorschrift deS§ 51 de» Unfallversicherungs- Gesetzes ist von jedem in einem versicherten Betriebe vorkom- wenden Unfall, durch welchen eine in demselben beschäftigte Person gelodtet wird oder eine Körperverletzung erleidet, welche eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen, oder den Tod zur Folge hat, binnen zwei Tagen von dem Betriebs- Unter- nehmer bezw.dem Betriebsleiter bei der Ortspolizeibehörde mittels eines vom Reichsverstcherungsamt festgestellten Formulars An- zeige zu e> statten. Zur Entgegennahme der Unfall- Anzeigen fino in Berlin die Polizei Revrere ermächtigt worden. Gleichzeitig macht das Königl- Polizei- Präfidium bekannt, daß bei letzteren das vorgeschriebene Formular eingesehen werden kann. Dasselbe ist gegenwärtig in der Buchhandlung von A. Ascher und Co., Unter den Linden 5, und in der Berlagsbuchhand 42, während außerhalb dieser Zeit 60 Fälle zur Behandlung kamen. Unter diesen fielen 49 Fälle in der Zeit von 6—10 Uhr Abends, so daß die Anwesenheit eines ArzteS für diese Stunden in Erwägung gezogen ist. Der bisherige Kostenauf- wand beträgt: für Einrichtungszwecke 1030 M., für September exkl. 3 M. Wasser und Miethssteuer etwa 465 M., wobei das Honorar für 3 Aerzte, 3 Heilgehilfen inbegriffen ist. Mit der Anstellung eines vierten Arztes dürften sich die Unkosten auf 600 M. pro Monat belaufen, wofür die weitgehensten An- sprüche des Publikums bestritten werden können. Dem stehen etwa 4000 M. Jahreseinkommen entgegen, die großtentheils durch freiwillige Beiträge aufgebracht werden. Zum Besten deS DispofitionSfonds soll am 19. d. M. im Konzerthauh Sanssouci ein großes Konzert, verbunden mit Ball, stattfinde zu dem schon jetzt die Billets vom Polizeihauptmam Stutterheim ausgegeben werden. Um den segensreichen( dieser neuen Sanitätsstation nicht zu beeinträchtigen, find der- artige Mittel zur Forderung der Sache nöthig und ist des guten Zweckes wegen eine zahlreiche Betheiligung des Publi- kums erwünscht. r.„Lauter sprechen!" Das ist ein oftmals wiederholter Zuruf der Lehrer und Lehrerinnen an ihre Zöglinge, mit dem natürlich nur die gesunde Entwickelung der Sprachorgane be- zweckt wird. Nun macht aber der laute Ton beim Sprechen auf den Znhörer oftmals einen ganz besonderen Eindruck; ein Kind, das fich mit lauter Stimme gegen eine Beschuldigung vertheidigt, kann dem Zuhörer als leidenschaftlich sehr erregt erscheinen und ein zungenfertiges Mädchen mit solchem künst- lich geforderten, lauten Organ ist im Wortkampfe, wie man zu sagen pflegt, garnicht tobt zu kriegen.— Es wäre g wenn man auch den Ton in der Rede unterstreichen k' fo sagte jüngst der Reichskanzler dem Abg. Windthorst;_ man unterscheide einmal bei einem größeren Mädchen den lauten Ton in einer Antwort als das Resultat einer von der Lehrerin gegebenen Anordnung oder als den Ausdruck eines versteckten Trotzes; eine solche Unterscheidung ist ebenso schwierig, wie fie dringend nöthig für den Erzieher ist. Jung gewohnt, alt gethan! Giebt's etwas Widerwärtigeres als den großen Mund einer Frauensperson bei irgend einer Ausein- andersetzung, gleichviel ob diese zwischen Fremden, zwischen Verwandten oder zwischen Eheleuten stattfindet.? Eine be- scheidene Schüchternheit, die jedes Mädchen ziert, wird zerstört, renen 1,7, die Sterbefälle 22,3 pro Mille der fortgeschriebenen Bevölkerungszahl(1 282 187).@8 wurden 2975 Zugezogene. 1656 Weggezogene gemeldet, so daß fich die Bevölkerung mit Einrechnung der nachträglich gemeldeten Geborenen um 1485 vermehrt hat' die Bevöllerungszahl beziffert fich sonach am Schlüsse der Berichtswoche auf 1 283 672. Die Zahl der in der Woche vom 20. bis 26. v. MS. zur Meldung gekommenen Jnfektions- Erkrankungsfälle betrug an Tydhus 26, Masern 44, ' rlach 82, Diphthentis 203, Kindbett fieber 5. Die größten En unter diesen Erkrankungen entfallen auf Standesamt VII '59, X mit 47, V mit 40, VI mit 38 Fällen. Geburten und Todesfälle in Berlin 1709—1870: Periode. Geburten. Todesf. 1709-20 23 714 23 686 27 910 34111 33 957 40161 39 711 42379 49 265 1721-30 1731-40 1741-50 1751-60 1761-70 1771-80 1781-90 27407 36 785 36 526 47109 43 290 52751 52075 ist in ig, und wird in ormular- Maga- @te«l "gg itgegt» »1 irchiskjj a oortet�' m« tn j y lung von Fr. Kortkampf, Lützowstr 61, vorräth kürzester Zeit in allen Buchhandlungen und zinen zu erhalten sein. g. lieber die Eheschließungen in Berlin nach Berufs- klaffen im Laufe des vergangenen Jahres enthält der nunmehr vorliegende Bericht des statrstischen Amtes der Stadt Berlin eine interessante Aufstellung, welcher zu entnehmen ist, daß im vergangenen Jahre Hierselbst fich 13 314 Männer verheirathet haben. Von diesen gehörten, nach Berufsklaffen geordnet, an: dem Arbeiterstande(ohne nähere Angabe) 1733, dem Handel 1582, dem Baugewei be 1196, der Bekleidung und Reinigung 1176, dem Hol,- und Schnittwaarenhandel 1243, der Metallverarbeitung 1296, der persönlichen Dienstleistung 895, dem NahrungS- und Genußmittelverkehr 611, dem Landverkehr 435, untere Justiz- und Verwaltungsbeamte 428, dem Buch-, Kunstdruck und künstlichen Betriebe re. 404, dem Papier- und Leder- gewerbe 385, der Kunst, Wissenschaft, dem Gottesdienst 372, der Gastwirthschast 368, dem Maschinenbau 325, der Texlil- Jndustrie 177, der Gärtnerei, Forst- und Landwirthschaft 143, Mannschaften der Armee und Flotte 89, Rentiers und Penfio- näre 88, der Gesundheitspflege 82, Personen ohne Berufsangabe 79, Offiziere der Armee und Flotte 53, höhere Justiz- und Verwaltungsbeamte 53, dem Bergbau, der Stein- und Erdbearbeituna 43, der chemischen Industrie:c. 32, der Schiff- fahrt 18, der Fischerei 2, und— als interessanter Abschluß— 1 Almosenempfänger. Die neue Sanitätswache im Gebäude des Görlitzer Bahnhofe« hat im ersten Monat ihres Bestehens die unver» hältnißmäßlg hohe Anzahl von 156 Krankheits- resp. Unglücksfällen zu behandeln gehabt. Abweichend von der bisher üb- lichen Praxis der Sanitätswachen hat fich dieselbe als Hilfs- und Rettungsstation, die auch am Tage ärztliche HUfe gewährt, etablirt. In der Zeit von 10 Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nach- mittags kamen 54, in den nächtlichen Wochenstunden der Aerzte schroff� n m en, flock ckSar» überli� ie bo4J orschl» [etbntW »UP flarvak- erhalt Ä# & Jfl Lüi und »den � AS -hl"K »ach*5 Periode Geburten. Todesf. 1791-1800 58 776 55983 1801-10 60286 67375 1811-20 63 046 36 339 1821-30 80020 65 566 1831-40 95412 86 744 1841-50 125 857 102 518 1851-60 159 865 120 569 1861-70 259 999 207 764 Wie man steht, ist in unserer Zelt das Uebergewicht der Geburtenjiber die Todesfälle eine ganz regelmäßige Crschei» nn ferner die Bevölkerung Berlins allein von Ge- ld Todesfällen abhängig gewesen wäre, so hätte sie die jetzige Hohe erreicht. Sie hat auf diese Weise in Jahren um reichlich 100000 Menschen gewonnen. Zur Geschichte der Postkarte. In dem kurzen Zeit, räum von 15 Jahren ist die neueste Erfindung auf dem Ge» biete der Korrespondenz, die Postkarte, für den gesammten Ver- lehr geradezu unentbehrlich geworden. Die Zahl der in Europa versandten Karten beträgt jetzt in einem Jahre durchschnittlich 350 Millionen: in den Vereinigten Staaten beziffert fich ihr Verbrauch im Jahre auf 250 Millionen. Um den riefigen Be« darf an Postkarten zu decken, liefert die Reichsdruckerei in Berlin durchschnittlich täglich 400000 Formulare im Gewicht von 1360 Kilogramm; bei ihrer Herstellung find nicht weniger als 28 Personen, 3 Schnellpressen und 2 Dampfschneide» Maschinen thätig. Im Jahre 1865 tagte in Karlsruhe— Baden— die fünfte deutsche Postkonferenz. Auf derselben unterbrettete der damalige Geh. Postrath Heinrich Stephan eine interessant� Denkschrift, welche den Vorschlag auf Ein» Sie wurden indessen überstimmt durch Holmsten, der mit auffallender Aengstlichkeit auf die weitere Verfolgung der „Mörder" und gefährlichen Spione drang, und endlich nicht weniger durch La Bataille und die Utahs, welche durch Holmsten's Versprechungen und die Ueberzeuguvg, daß ihnen kein einziges ihrer Opfer lebendig zu ent- rinnen vermöge, noch unbändiger und beutebegieriger ge- worden waren. Man einigte sich daher. Die Utahs verzehrten noch die Ueberreste der beiden Argalis, die sie in der Nähe der Felsüberdachung vorgefunden hatten, und eine halbe Stunde später, als das abgekühlte feuchte Plateau wieder zu trocknen und sich unter der hoher steigenden Sonne zu erwärmen begann, da war es dort oben und einsam, als habe noch nie ein mensch- licheS Wesen seinen Weg bis in diese schreckliche Wildniß gefunden. Allmälig schlüpften auch die blauschwänzige» Eidechsen und Hornfrösche wieder an's Tageslicht, die Taranteln be- gaben sich an dre Arbeit, die Verwüstungen, welche das Wasser an ihren finsteren Wohnungen angerichtet, wieder auszubessern, die Klapperschlangen schoben ihre häßlichen breiten Köpfe und demnächst ihre regelmäßig gezeichneten Körper ttäge in den warmen Sonnenschein hinaus, und lustig prüften die goldglänzenden Fliegen ihre hauchähnlichen Flügel, während die Heuschrecken ihre Trommelsellchen probe- weise rührten und untersuchten, ob dreselben auch wohl bei dem Unwetter gelitten hätten. �„ Hoch oben aber, im blauen Aether, da segelte auf breiten, sicheren Schwingen majestätisch der weißköpfige R Er sah die erbitterten Verfolger, er sah die auf ihren Scharfsinn vertrauenden Flüchtlinge; doch ihn kümmerte ntchW, was nicht zu den ihm tributpflichtigen Geschöpfen gehone. Umfangreicher wurden die Kreise, welche er beschrieb, hoher hinauf trugen ihn seine starken Schwingen, als hätte er seinen Aufenhalt auf der Erde mit dem auf der Sonne ver» taufchen wollen.— ändere Weise sorgen. Jedenfalls ist'die Frage des„lauten Sprechens" beim Mädchen- Unterricht für eine eingehende päda- gogische Prüfung wichtig genug. Mittheilungen über die Bewegung der Bevölkerung der Stadt Berlin. In der Woche vom 13. bis 19. v. M- fanden 193 Eheschließungen statt. Lebend geboren wurden 888 Kinder, darunter 114 außerehelich. Todtgeboren waren 41 mit 3 außerehelichen. Die Zahl der Sterblichieitsfälle betrug 548. Von den Gestorbenen erlagen an den Masern 2, Schar- lach 17, Diphthentis 32, Kindbettfleber 3, Typhus 6, Ruhr 2, Syphilis 2, Allersschwäche 14, Gehirnschlag 16, Bräune 2, Keuchhusten 7, Lungenentzündung 32, Lungenschwindsucht 89, Diarrhoe 18, Brechdurchfall 28, Magendarmkatarrh 11. Durch Vergiftung kamen 3 Personen um, hiervon 2 durch Selbstmord, 1 durch Alkoholvergiftung(Delirrnm tremens). Eines gewaltsamen Todes starben 9 Personen, und zwar durch UeberfaHren 2, Sturz oder Schlag 2, Erschießen 1, Erhängen 2, Ertrinken 1, andere gewaltsame Todesursachen 1. Hierunter find 5 Todesfälle durch Unglücksfälle, 4 durch Selbst- mord herbeigeführt. Unter den Gestorbenen find 270 inklusive 43 außereheliche Kinder unter 5 Jahren, also 49,3 pCt. Im Alter von 5 bis 15 Jahren starben 34, 15 bis 20 Jahren 7, 20 bis 30 Jahren 39, 30 bis 40 Jahren 53, 40 bis 60 Jahren 74, 60 bis 80 Jahren 62, über 80 Jahre 9 Personen. Im ersten Lebensjahre starben 158 eheliche, 36 uneheliche, zusammen 194 Kinder, und zwar im 1. Monat 61, 2. Monat 20, 3. Monat 28, 4. Monat 17, 5. Monat 10, 6. Monat 7, 7. Monat 8, 8. Monat 10, 9. Monat 9, 10. bis 12. Monat 24. Davon waren ernährt mit Muttermilch 35, Ammenmilch 1, Thiermilch 93, Milchsurrogaten 4, gemischter Nahrung 34, nicht angegebener Nahrung 27. In hiesigen Krankenhäusern starben 128, einschließlich 17 Auswärtige, welche zur Behandlung hierher gebracht waren, und zwar: im Elisabeth Krankenhaus 9, Elisabeth Kinderhospital 2, Bethanien 6, Friedrichshain 29, Hedwigs- Krankenhaus 8, Jüdisches Krankenhaus 4, Klinikum 7, Universttäts- Frauenklinik 3, Augusta- Hospital 2, Lazarus- Krankenhaus 7, Militär-Lazareth 1, Städtisches Krankenhaus Moabit 9, Charitee 42. Auf die 13 Standesämter vertheilen fich die Todesfälle folgender- maßen: Berlin- Köln- Dorotheenstadt 22, Friedrichstadt 21, Friedrich, und Schöneberger Vorstadt 30, Friedrich- und Tempelhofer Vorstadt 51, Louisenstadt jenseits 65, Louisenstadt diesseits und Neu-Köln 51, Stralauer Viertel 86, Königstadt 36, Spandauer Viertel 29, Rosenthaler Vorstadt 61, Oranienburger Vorstadt 30, Friedrich- Wilhelmstadt und Moabit 29, Wedding 37. Die Lebendgeborenen find 36,1, die Todtgebo» Weatherton und Alle, die ihn seit seiner Flucht von Fort Utah begleitet hatten, waren unterdessen wohl- behalten unten in der Schlucht angekommen. Nachdem der erste Schuß gefallen, glaubten sie, daß eine ganze Salve nachfolgen oder eine Anzahl schwerer Felsblöcke auf sie niederrollen würde. Zhre Befürchtungen ttafen aber nicht ein, sie blieben unbelästigt, und als sie dann endlich von dem rothen Sandsternboden der Schlucht aus ihre Blicke zu der schwindelnden Höhe emporsandten, 1 da vermochten sie kaum«och die menschlichen Gestalten zu unterscheiden, die zuweilen an den Rand des Abgrundes traten und sich spähend auf demselben hin und her be- wegte». Sie selbst konnten von dort aus nicht so leicht bemerkt werden, indem ihre Gestalten zwischen den gigan» ttschen Felsblöcken zu sehr verschwanden und die Blicke hundertmal über sie hinglitten, ehe sie vielleicht einmal auf den winzig und regungslos erscheinenden Gegenständen hafte» gebliebe» wären. Ob man sie überhaupt noch weiter beobachtete, gaben sie sich keine Mühe mehr festzustellen. EineStheils hatten sie einen zu großen Vorsprung gewonnen, anderentheilS umgab —- �——--- ir._ je—- cm. r& kttjj eine unter Einfachheit und Kürze gewähre. Die Einfachheit nicht, weil Auswahl und Falten des Briefbogens, An» Wendung des Kouveris. des Verschlusses, Aufkleben der Marke». Umständlichkeiten verursachen; und die Kürze nicht, weil, wenn einmal ein förmlicher Brief geschrieben werde, die Höflichkeit erheische, fich nicht auf die nackte Mittheilung zu beschränken. Die Weitläufigkeiten treffen den Absender wie den Empfänger. Nun habe zwar daS Telegramm eine Gattung von Kurzbriefen geschaffen, indem man nicht fetten telegraphire, um die Um» ständlichleit des Schreibens und die Anfertigung eines Briefe» zu ersparen, auch die Uebersendung einer Vifitenkarte rc. er» setze für verschiedene Gelegenheiten einen förmlichen Verkehr — aber es müsse noch eine gründlichere Reform eintreten. Stephan schlägt daher die Postkarte vor, die er Postblatt nennt. Ein solches Formular habe die Maße eines gewöhnlichen Brief» kouverts größerer Art und bestehe auS steifem Papier, ent» spreche mithin etwa nach Maß und Beschaffenheit den in einigen deutschen Postbeztrken neuerdings eingesührten Postanweisungen. Die Vorderseite würde oben als Ueverschrist die Benennung des Postbezirks und eine entsprechende Vignette(Landes» wappen tc.) tragen, links einen markirten Raum zum Abdruck des Post« Aufgabestempels, rechts die Post» freimarke gleich in daS Formular hineingestempeltr Dann ein Raum zur Adresse— wie bei den Postanweisungen — mit dem Vordruck:„An",„Bestimmungsort" und„Wohnung deS Empfängers"; sowie die vorgedruckte Notiz:„Die Rückseite kann zu schriftlichen Mittheilungen benutzt werden; dieselben können gleich wie die Adresse mit Tinte, Bleifeder, farbigem Stift u. s. w. geschrieben sein; indeß dürfe bei Ver- wendung von Bleistift rc. der Deutlichkeit und Dauerhaftigkett der Schriftzüge, namentlich auf der Adresse, nicht Eintrag ge- schehen. Der Portobettag würde möglichst niedrig festzustellen sein, etwa auf 1 Silbergroschen, ohne Unterschied der Ent- fernung; für das Formular würde nichts entrichtet. Dem Publikum, meinte der Antragsteller, dürfte die Einrichtung, zumal wenn die anfängliche Scheu vor ossenen Mittheilungen bei näherer Einsicht von der Sache überwunden sein wird, für viele Gelegenheiten und Verhältnisse willkommen sein. Der Vorschlag Stephan's interesfirte die Konferenz zwar in hohem Grade, aber er wurde nicht angenommen. Desto freudiger faßte diesen Gedanken der Vertreter Oesterreichs, Sektionsrath Kolbensteiner, der nachmalige General-Post- und Telegraphen- direktor, auf. Er erkannte sogleich, wie wesentlich das neu dargebotene Verkehrsmittel den familiären und fteunvschastlichen Gedankenaustausch zu erleichtern, den wi~ schäftlichen Verkehr zu begünstigen geeignet ffenschastlichen und ge- sei; wie wichtig dasselbe sie eine so merkwürdig durchbrochene Bodengcstalwng. selbst Raft darüber entzückt war und auf mehr als kastellartige Felserhöhung hinwies, von welcher er wiederholten. sehr derben SeemannSbetheuerunaen behauptete, daß sie sich an Bord derselben eben so sicher be» sinden würde», wie hinter der Schanzverkleidung des Leo- parken. Selbstverständlich aerieth er dabei in die kriegerischste Stimmung, in Folge dessen seine Narbe in den mannich- falttgsten Schatttrungen spielte und er oft unbewußt seinen Kuilaß, welche» er, seit die Lederscheide verloren gegangen, beständig in der Hand führte, mit pfeifendem Tone durch die Luft sausen ließ. Zm Uebrigen ertrug er seine Lage ohne Murren- das Gehen war allerdings eine ungewohnte Arbeit, doch befand er sich besser dabei, als auf dem Rücken eines Pferdes, dessen Steuer, ganz entgegengesetzt wie bei jedem anderen Fahrzeug, immer dahin gedrückt werden mußte, wohin es seinen Kurs nehmen sollte. An die Bewegung des SchlingernS und Stampfens hatte er sich jjwar schon etwas gewöhnt, ebenso durfte er e«, wo schwierigeres Manövrnen, Umlegen und Laviren in Aussicht stand, ohne Furcht vor Kentern und Havarie, seinem geduldigen Pferde überlassen, sich im Fahrwasser seiner Kameraden zu halten; bei alledem ge- währte es ihm aber doch eine große Befriedigung, enduch wieder auf seine eigenen Füße angewiesen zu sein. That er es auch den MohaveS nicht im Laufen zuvor, so kam er doch immer mit, und wenn e» an'S Klettern ging, dann zeigte er sich als eine so gewandte Theerjacke, wie nur je eine bei hoher See die Segel reffte.— Der Weg, welchen die Flüchtlinge verfolgten, war ver« hältnißmäßig bequem, wenn auch viel anders, als es vo« oben gesehen geschienen hatte. Der ganze Boden in den breiten Schluchten und kessel- ähnlichen Erweiterungen bestand aus einer einzigen zusammenhängenden rothen Sandsteinmasse. Wie der obere, nachgiebigere Theil des Hochlandes durch atmosphärische Ein- flüsse zerrissen worden war, so hatten die dem Kolorado zu- strömenden Wasser die bloßaelegte Sandsteinebene in ähn» licher Weise, nur nicht in so ausgedehntem Maßstabe, zer- klüftet und gespalten;»nd wie die Adern in einem thierischen Körper, je näher dem Herze«, sich zu immer größeren Blutgefäßen vereinigen, so vereinigen sich hier die Hunderte und Tausende von Rinnen zu Hauptkanälen, welche dann in unmittelbarer Verbindung mtt dem Kolorado standen. Um in einen solchen Hauptkanal zu gelangen, war Kairuk in die erste Rinne, auf welche er stieß, eingebogen. Dieselbe führte, wie alle übrige», noch immer einen letzte» Rest von dem nächtlichen Regen. Er brauchte daher nur dem Lauf des hurtig eilenden Wassers zu folgen, um end- lich da« Ziel zu erreichen, welches er nach einer flüchttge« Berathung mit den Delaware» ausgewählt hatte, und wo, wie er behauptete, ihre Rettung lag. (Fortsetzung folgt.) deZhalb fich für die Hebung des BriefverkehrS erweisen werde Es bedurste daher nur eines erneuten Anstoßes, den der Mi- nisterialrath Dr. Hermann, damaliger Profeffor der National Skonomie an der Militär- Akademie zu Wiener- Neustadt, unterm 26. Januar 1869 durch einen Artikel in der„N. Fr. Pr." gab, um die Postverwaltung zu veranlassen, den Gedanken der Einführung der Postkarten zu verwiiklichen- Die neuen Karten entsprachen völlig dem von ihrem Erfinder 1865 in der Denk schrift niedergelegten Gedanken. Die erste Ausgabe der nord deutschen Postkarten fand in Berlin am 25. Juni 1870 statt. Welche Sensation die Neuerung hervorrief, ersteht man daraus, daß die Zahl der allein an diesem einen Tage in Berlin ab- gesetzten Exemplare fich auf 45 467 Stück delief. Die von der Geheimen Oberhofbuchdruckerei zuerst an dieOberpostdirektionen versandten zwei Millionen Karten waren in noch nicht zwei Monaten ausgegeben. Die Befürchtung, daß durch Postkarten Indiskretionen verübt werden könnten, hat fich mit der Zeit gelegt, denn welcher Postbeamte, zumal bei einer größeren Verkehrsanstalt, fände heutzutage Zeit und trüge das Ver langen, Postkarten durchzulesen, von denen allein innerhalb des deutschen ReichSpostgebietes gegenwärtig jährlich etwa 130 Millionen Stück befördert werden? rf. In der„Ersten Berliner Sanitätswache", Brüder- straße 22/23 wurden im Monat September 54 Fälle gegen 55 Fälle im Vorjahre behandelt. Von diesen betrafen 15 innere Krankheiten(1884; 22), wie: Diphtheritis, Asthma, Brech durchfall, Angina%. und 39 äußere Krankheiten(1884: 33), wie: Verstauchungen, Verrenkungen, Schnitt- und Stich wmr den, starke Blutungen rc. Auf der Wache wurden 37 Fälle erledigt(1884: 44), während in 17 Fällen ein Besuch des Arztes im Hause der Patienten stattfand. Sofortige Zahlung wurde in 16 Fällen mit 33 M. geleistet. In dem verflossenen Vierteljahr Juli— September wurden 176 Fälle behandelt und zwar 70 innere und 106 äußere Krankheiten. Auf der Wache fanden 127 Fälle ihre Erledigung, während in 49 Fällen ein Besuch des Arztes im Hause der Erkrankten nothwendig war. Sofortige Zahlung für geleistete Hilfe wurde in 59 Fällen mit 105 M. geleistet. Seil dem 1. Oktober ist die Wache von Abends 10 bis Morgens 6'/, Uhr und Sonntags von Nach- mittags 6 Uhr an geöffnet. r. Auf ein leises Anklopfen an ihre Küchenthür öffnete am Sonnabend in der Duntelstunde die Ehefrau des Schlossermeisters Z. in der Manteuffelstraße, als fie fich plötzlich mit irgend einem Schmeichelnamen angeredet hörte, von zwei kräftigen Armen umfaßt wurde und ebenso plötzlich einen herz- hasten Kuß bekam. Als die junge Frau zu erfahren wünschte, von wem ihr diese liebenswürdige Begrüßung zu Thell würde, machte fich der Fremde schleunigst davon, wurde aber auf die lauten Zurufe verfolgt und von herbeigeeilten Hausbewohnern im Hofe festgehalten, und unter großem Halloh zur Wache ge- bracht. Die ganze Stadtgegend war in kurzer Zeit voll von dem Gerücht eines versuchten Einbruchs, nebst versuchtem Todt- schlage und anderen entsetzlichen Verbrechens. Versuchen. Auf der Wache freilich stellte fich die Sache sehr harmlos heraus. Ein Nähmaschinenarbetter hatte die am 2. d. Mts. verzogene Köchin der Frau Z. besuchen wollen und in der Dunkelheit diese sür jene gehalten und behandelt. Seine Angaben wurden durch die verzogene und schnell herbeizitirte Köchin durchaus bestätigt, deren neuen Aufentbatt auf diese Weise der irrege« gangene Liebhaber erfuhr. Wegen des an die unrechte Adresse gerathmen Kusses entschuldigte sich der abendliche Besucher und meinte, er habe bei demselben gleich gemerkt, daß er keine Köchin vor fich habe. Die junge Schlofferfrau wird mit diesem Kompliment— ein solches soll es doch wohl sein— als Ge- nugthuuna zufrieden sein müssen, denn den Kuß für ihre frühere Köchin hat fie nun mal weg. Eine Uebernschnng. Der Kaufmann Pretzel,.Führer der Pofitiven in der Sophiengemeinde und eifriger Bckampfer der dortigen liberalen Partei, der auch in weiteren Kreisen be- kannt geworden ist durch den Ankauf eines Grundstücks in der Hamburgerstraße für seine Rechnung anstatt für Rechnung seines Auftraggebers, des Kirchenraths von Sophim, hatte, wie seiner Zeit mitgethellt, wegen dieser letzteren Angelegenheit rm April d. I. daS längere Zeit verwaltete Amt eines Aeltesten der Sophiengemeinde niedergelegt, war aber demnach zum Ge- meindevertreter gewählt worden. In Folge dieser letzteren Wahl war bei dem Vorstand der Kreissynode Berlin ll der Antrag gestellt worden, Pretzel wegen grober Pflichtwidriakeit dieses Amtes zu entheben. Während nun dieses Verfahren noch schwebt, hat der Kirchenrath in den letzten Tagen be- schloffen, den Pretzel aus der Wählerliste zu streichen, weil... er garnicht zur evangelischen Landeskirche gehört, sondern seit etwa 20 Jahren Disfident ist!, �_ wurdest vo?gchem'Ucnd flcVnYoV, U? in un?«schämW aungen durch eiliges Fortgehen entziehen wollten, lief der freche Patron ihnen nach und drohte den Damm, sie durch einen Schutzmann nach der Pollzerwache fisttrm zu lassen, in- dem er behauptete, daß fie ihn angesprochen hatten. Lecher war weder ein Schutzmann noch em Nachtwächter zur Stelle, und auch unter den Passanten fand fich niemand, welcher den Damen beistand. Einen Ausweg fanden fie schließlich in einem vorbeifahrendm Pferdebahnwagen, welchen fie bestiegen und fich so den weiteren Verfolgungen entzogen. g. Im Eisenbahnbetriebe verunglückte gestern früh ein Passagier auf der Etation Tempelhof der Ringbahn in Folge einer Leichtfinnigkeit. auf welche wiederholt in der Presse hingewiesm wordm ist. Der betreffende Passagier hatte die Finger der linken Hand durch Unvorfichtigkeit zwischen die Koupeethüre gesteckt, so daß, als der Schaffner die Thür schloß, ihm die Fwaer in schmerzbaftcster Weise gequetscht wurdm. Der Verunglückte erhielt die erforderliche Hilfe in der Sanitätswache in der Maikgrafenstraße. Im Alhambrti-Zcheater haben bereits seit Mitte voriger Woche die Probm sür die am Sonntag stattfindmde erste Auf- führung einer Novität von A. Elottko„In Leid und Freud" begonnen. Das so beifällig aufgmommene Volksstück„Ber- liner Sonntagsschwärmer" geht am Sonnabend zum 18. und letzten Mal in Szene. Gerichts-Zeiwng. o. k. Die Reichstag»• Abgeordneten v. Bollmar, Bebel nnd Genossen wegen Theilnahme an einer geheimen Berbindnng vor Gericht. Chemnitz, dm 7. Ottoder 1385. Vierter Tag der Verhandlung. Trotz eines heftigen Unwetters hat fich heute, wo daS Urtheil gefällt werden soll, ein sehr zahlreiches Publikum ein- gefundm. Die Vertheidiger und Angeklagten find nicht er- schienen. G«jen 4 Uhr Nachmittags erscheint der Gerichtshof. Prä- fidmt Brückner eröffnet die Sitzung mit den Worten: Ehe ich daS Urtheil verlese, richte ich die eigentlich selbstverständliche Mahnung an daS Publikum, fich bei der Urtheilsverkündigung jeder Beifalls- oder Mißfallsbezmgung zu enthalten. Sollte Lies dennoch in irgmd einer Weise geschehen, dann werde ich sofort die üblichen Disziplinarstrafen eintreten lassen. Ich verlese nun das Urtheil: Im Namen des König» hat der Ge- richtShof für Recht erkannt, daß in der Anklagesache von Vollmar und 8 Genossen sämmtliche Angeklagten steizusprechm und die Kostm deS Verfahrms der Staatskasse aufzuerlegen Die Gründe find im Wesentlichen folgende: Die An- klage behauptet: die sozialdemokrattsche Partei habe im Sinne der§§ 128 und 129 des Strafgesetzbuches eine Verbindung unterhatten und zwar: 1. deren Dasein, Verfassung oder Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werdm soll; 2. zu deren Zwecken und Beschäftigungen gehört, Maßregeln der Verwaltung zu verhindern, oder die Dollziehung von Gesetzen durch ungesetzliche Mittel zu ent» kästen und 3. daß die Angeklagten an dieser Verbindung theil- gmommm haben. Der Gerichtshof hat durch die Beweisauf- nähme nicht die Ueberzeugung erlangen können, daß eine Ver- bindung im Sinne des Gesetzes vorliegt. Die Angeklagten haben allerdings selbst zugegeben, daß bis zum Erlaß des Gesetzes vom 21. Ottober 1878 gegen die gemeingefährlichen Besttedungen der Sozialdemokratie eine bestimmte Verbindung der sozialdemokratischen Pattei bestanden habe, daß letztere mit dem Inkrafttreten des erwähnten Gesetzes fich jedoch aufgelöst babe und nur die Partei als solche fortexistire. Die königliche Oberstaatsanwaltschaft behauptet nun: diese Verbindung sei wohl nach Erlaß des Sozialistengesetzes von der äußerm Bildfläche verschwunden, im Geheimen habe fie jedoch fort- existirt. Der Gerichtshof ist zunächst der Meinung, daß Partei und Verbindung nicht Begriffe find, die fich decken, sondern, daß zu einer Verbindung laut Entscheidung des Reichsgerichts äußere Merkmale vorhanden fem müssen, insbesondere, daß die einzelnen Mttglieder durch ibren speziellen Beitritt erklären, daß fie fich dem Willen der Gesammtheit unterordnen. Daß dies seitens der sozialdemokratischen Partei geschehen, ist je- doch durch die Beweisaufnahme nicht dargethan worden. Die Anklage hat dirette Beweise für ihre Behauptungen nicht er- bracht, sondern stützt fich lediglich auf Indizien. Sre behauptet: die sozialdemokrattsche Pattei habe eine Parteileitung, verschiedene Fonds, ein Parteiarchiv; fie besaß ferner besoldete Beamte, Vettrauensmänner, ein eigenes Preß organ, eine eigene Druckern, es bestanden Mit- gliedschaften, Gruppen, es wurden Landesversammlungen Provinziallandtage, Kongresse abgehalten u. s. w. Als Beweis hierfür hat die Staatsanwaltschaft eine Anzahl Artikel aus dem in Züttch erscheinenden„Sozialdemokrat", sowie die Protokolle über den Wydcner und Kopenhagenn Kongreß angefühtt. Da jedoch die wenigsten Artikel von den Angeklagten oder auch nur einem Einzelnen derselben unterzeichnet waren, die Ange- klagten aber die Verantwortung für den Inhalt des„Sozial- demokrat" mit Ausnahme der von ihnen unterzeichneten Artikel ablehnten, ein Beweis für die Verantwortung der anderen im „Eozialdemottat" enthaltenen Attikel aber nicht geführt ist, so können die Attikel des„Sozialdemokrat" nicht als vollgiltige Beweise erachtet werden. Die Angettagten geben zu, daß der „Sozialdemokrat wohl das offizielle Parteiorgan sei, daß der- selbe aber allen Patteigenoffen freie Meinungsäußerung gestatte und die Parteileitung keineswegs einen unumschränkten Einfluß auf die Redaktion des genannten Blattes ausübe. DaS Gegentheil ist den Angettagten nickt nachgewiesen worden. Es ist nun in einigen Artikeln des„Sozialdemokrat" von besoldeten Beamten die Rede. Der Angeklagte Bebel be- hauptet, daß fich dies auf Beamte bezog, die vor dem Sozia- listengesetz fungitt haben. Da der Anikel im Pettektum ge- halten war, so ist diese Behauptung nicht unglaublich. Auch daß Patteisteuern erhoben worden find, ist ein Beweis nicht geführt worden. Auf dem Wydener Kongreß find allerdings dahingehende Anträge gestellt worden. Die Angeklagten de- haupten jedoch, daß alle diese Anträge abgelehnt wurden. Das Gegentheil dieser Behauptung ist nicht bewiesen worden. Daß die Partei eine eigene Druckerei gehabt, ist durch die Beisaufnahme auch nicht festaestellt worden. Daß ein Partei- Archiv bestanden, stellen die Angeklagten nicht in Abrede, dieS bedingt jedoch noch keine Verbindung im Sinne der ange- zognien Gesetzes-Paragraphen. Die Angeklagten haben in Abrede gestellt, daß Gruppen, Patteibezirke rc. bestanden daben, eS waren die? eigentlich Wahlbezirke, während Mitgliedschaften nur in der Schweiz bestanden haben- Tai Gegenrheil ist nicht bewiesen worden. Ebenso wenig ist der Beweis geführt, daß eine Patteidisziplin in dem Sinne bestanden hal, daß jeder Varteiangehörige die Zuachöttgkeit zur Pattei nur durch die Erklärung der eigenen Willensbesäiränkung zu Gunsten der Gesammlheit bewirken konnte. Das Fortbestehen einer Organi- sation der sozialdemokratischen Pattei ist wohl in verschiedenen Artikeln des„Sozialdemokrat", auf den Kongressen und viel- fach im Reichstage von sozialdemokratischen Abgeordneten zu- gegeben worden, es ist jedoch nicht der Beweis geführt worden, daß diese Organisation eine Verbindung im Sinne der§§ 128 und 129 des Ettaf-Gesetzduches gewesen ist. Auch daß die jeweiligen sozialdemokratischen Reichstags- Abgeordneten die Leitung der Pattei geführt haben, läßt nicht auf eine der- artige Verbindung schließen. Wenn dieser Parteileitung auch die Befugniß zustand, arteigenoffen, wie z. B. die Adgg. Rittinghausen, Most und .affelmann von der ReichsiagSfraktion auszuschließen, so spricht dies ebenfalls nicht für eine Verbindung im Sinne des Ge- setze?. Die jeweiligen Reichstagsabgeordneten find, auch bei jeder anderen politischen Partei, die natürlichen Vertreter einer Partei. Auch der Umstand, daß die Partei Kongresse adae- halten, beweist nichts, da derartige Versammlungen zu Wahl- zwecken wohl von allen polittschen Parteien abgehalten werden, ohne daß diese eine feste Verbindung unterhalten. Außerdem ist nicht außer Acht zu lassen, daß der Aufruf zur Beschickung des Kongresses an alle Parteigenossen gerichtet und darin nicht ausgesprochen war: es sollen nur solche Dele- girte gewählt werden, die innerhalb der Verbindung stehen., Was die Vertrauensleute anlangt, so haben die Angettagten zugegeben, daß solche existirt haben, fie behaupten jedoch, diese würden nicht gewählt, bestanden auch nicht in Permanenz, sondern waren ältere Parteigenossen, die von selbst entstanden, da fie das Vertrauen der einzelnen Parteigenossen hatten und somit über lokale Verhältnisse Auskunft geben konnten. Das Gegentbeil dieser Behauptung ist durch die VerHand« lung nicht dargethan worden. Aber auch die Abhaltung von Provinzialtagen, Landesversammlungen, die alle anderen Par-; teien ebenfalls unternehmen, spricht nicht sür eine spezielle Der-, bindung, ebenso wenig das Vorhandensein von Fonds, die Herausgabe von Flugschriften und die Anerkennung des „Sozialdemokrat" als offizielles Parteiorgan. Es find dies I Alles Erscheinungen, die in jeder anderen Partei ebenfalls zu> Tage treten, ohne daß deshalb auf eine festgeschloffene Ver- s bindung gefolgert werdm kann. Es ist kein Zweifel, daß die Angeklagten zu den Anhängern der sozialdemokratischen Partei- gehören, es ist denselben aber in keiner Weise nachgewiesen worden, daß dieselbm einer Vereinigung beigetreten, vre einen bcstimmten Eitz, Vorstand, Statuten u. s. w. hat und deren Mitglieder die Erklärungen abgeben müssen, daß fie ihre Meinung der Gesammtheit unterordnen. Wollte man nicht etwa so weit gehen, daß man sagt: das Fortbestehen einer sozialdemokratischen Partei bedingt auch vas Fortbestehen einer geschlossenen Verbindung, dann kann nicht ange- nommen werden, daß eine Verbindung im Sinne des§ 128 des Straf Gesetzbuches bestanden hat. Wenn auch den Parteigmoffen in allen Dingen Vorficht und Verschwiegenheit anempfohlen wurde und gewisse Schriften ausdrücklich nur für Parteiangehörige bestimmt waren, so mußten fich die Angettagtm jedoch sagen, daß es der Staats- regrerung ein Leichtes sei. fich in den Befitz dieser Schriften u. s. w. zu setzen. Es kann somit nicht angenommen werden, daß die sozialdemokratische Partei eine Verbindung unterhielt, deren Dasein. Verfassung oder Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden sollte. Ebmsowenig hat die Beweis- aufnähme irgend etwas ergeben, daß die Verbindung becwecye, Maßregeln der Verwaltung oder die Vollziehung von Gesetzen durch ungesetzliche Mittel zu verhindem oder zu entkräften- Es ist allerdings mehrfach eine Geringichätzung des Gesetze» ausgesprochen worden, so z. B.:„Wir pfeifen auf das Gesetz". allein bestimmte Thatsachen, daß die Bei bindung den voret» i wähnten Zweck verfolgte, hat die Beweisaufnahme nicht er« aeben. Wenn auch notorisch viele verbotene Druckschristen»er« breitet worden seien, eine Handlung, die eine Entkrästung des Sozialisten-Gesetzes ja zweifellos zum Zwecke hat, so ist in leiner Weise der Nachweis geführt worden, daß dies seitens der Angeklagten, oder der Parteileitung geschehen sei. Der Gerichtshof hat aus allen diesen Gründen die Ange« Nagten freigesprochen und die Kosten des Verfahrms der Staatskasse auferlegt. Die Sitzung ist geschloffen. Das Urtheil wu-de vom Publikum mit gespanntester Auf' merksam'eit und lauttoser Stille angehört. Vereine nnd Versammlungen. Kachverein der Steinmetzen Berlins. Sonntag, de« 11. Oktober, im VereinSlokal, Sophienstr. 34, außerordentliche ver-iwirpiiaicir ver �.agceoronung i)t vas Erschein, n oU" Kollegen erforderlich, speztell find die Kollegen aus Fiav« furt a.M. und dem Fichtelgebirge, welche am Reichstagsba»� arbeiten, eingeladen. Orts-Kranken- und Beorabniftfoffe für Frauen nn> Mädchen in Deutschland(E. H. Nr. 26, Offen dach), SonntojVJ den 11. Oktober, Nachmittag 3 Uhr, Kommandantenstraße 7U (Buldermanns Salon), Hauptversammlung. Tagesordnung!! Vierteijahres- Abrechnung- Wahl einer Beifitzerin. Velschl� denes. Mitgliedsbuch legitimirt. j An die Drechsler und verwandten Berufsgenossen! 33*; ersuchen den Zuzug von den Werkstätten: Rose, Adalbertstraß«! Nr. 20 und Walter, Marimdorferstr.:0 und Walter, Marter' dorferstr. 13, fernzubalten. Die nächste Versammlung find am Sonntag, den 11. Oktober, statt. Das Lokal wird no« bekannt gemacht. Die Lohn-Kommisfion. 2. Ziehung d. 1. Klasse 173. Königs. Preuß. Lotterie. ZIedunz vom s. O ctobor lg$5. Nur die«ewton« über 60 Start stnv oen betreffenden Nummern In Pnrenthefe beigefügt. cOhne Oiemäbe.) H 35 70 156 210 38 64 361 98 478 80 624 706 833 89 910 33 1041 52 190) 57 124 96 212 38 70(901 76 412 66 190] 62 81(90! 518 81 83 93 657 95(1201 703 66£1501 981 97«021 26 28 56 124 43[90J 49 90 203 326 48 63 86 97 462 I ' 609 13 797 890 966 86 8031 32 1 101 230 462 619 612 81 63 66 68 69 sl20s814'904 9 13 66"ÜB �4 02!) 81 "yiO 65 241 44 304 41 87 438 66 80 502 627 706[160] 829 68 66 5018 83 118 269[1201 94 379 406(901 30(901 618 32 46 664 712 30 62 947 53 61 91 96«037 71 116 48 1901 89 202 18 326 67 77 84 416 49 56 544(120) 773 86 96 843 9.16 7020 9 t 96 215 25(901 52 86 403(90) 18 63 63 71 97 501 75 633 78 93 723 56 816 71 937 45 62 74 8000(120) 7 11201 13 14 68 69 149 288 360 77 400 46 73 79 641 609 15 19 32 86 749 864 908 9 63 9068 77 188 91 267 347(1601 413 506 16(901 29 61 76(160] 653 73 81 831 91 921 10000 3 23 66 72 115 21 38 63 220 85(901 864 83(90) 438 97 546 98 627 66 796 818(901 79 96 901 19 28 78 11201 1 1024 26 87 192 203 13 17 68 316 41(90] 416 29 78 87 615 649 82 779 868 1901 900 98 12068 115 79 237 324 663 747 51 810 25 933 45 77 93 13026 220 57 362 80 414 667 703 44 802(901 64 70 1 4021 61 106 24 57 64 331 51 632 77 738 46 65 74 1901 803 34 57 59[1201 70 15001 14 69 67 131 66 269 329 30 432 65 632 88 92 99 609 37 43 83 703 81(160) 800(1501 44 87 947 71 74 87 I«046 102 70 226 323 61 (901 67 96 504 85 644 67 788 865 97 989 1 7002 13 39(1201 209[1201 62 326 72 419 70 82 87[1501 611 40 63 78 622(90) 66 782 865 900 13 63 18039 127 79 220|9j| 27 41 67 440 89 638 614 729 63 867 1*010 24 38 112 62 271 346 458 98(901 638 604 64 96 774 77 86 94 810(1801 29(1501 40 52 89 939(901 62 .«Ou42 74[90. 124 209 324 32 64 466 71 99 620 82 626 73 82 708 807 10 190) 44 93 190) 917«1001 48 52 1901 61 89 259 73 303 33 620 1120) 26 73(1201 82(2001 622 28 759 77 827 97 934««103 25 84(901 244 92 313 40 42 404(901 600 16 96 606 21 86(901 708(2001 67 870 929 (90)«»084 106 37 87(90) 237 332 46 414 61 524 49(90) 68 621(150) 723 33 827(1201 35 87 947«4015 29 72 169 248 302 86 97(901 400 49 63 98 535(1501 96 009(1801 68 76 709 16 28 46 74 915 72 «5029 51 1 8 93 98 211 13 37 86 308 10 56 409 53 715 20 29 49 50 63 70 837 42 190! 989«»127 1901 124 11201 71 75 89 242 80 308[90] 97 432 93 99 500 11601 27 28 32 39 023 42 706 26 40 19'Jl 61(3001 78 92 813 970«7000 137 201 24 67 357 506 12 35(30001 59 92 677(1201 81 .44 815 190) 20 38 39 48 49 83 86 942 47 281.50 227 61[90] 92 397(9«l| 412 522 39 56 89 613|90) 15 91 790 824 942 46 85«1»'80 119 80 225 400 58 78 407 54 I90J 66 665 83 636(1201 71 708 68 78 80 916 »«0U446 70 122 77 248 81 332 38 44 57 406 56 508 50 77 83 611 >8 llgOl 86 99 748 63 876J120J 94 95 966 11201»1037 40 100 37 210 o 302 460 95 544 81 88[901 947 818 33 55 905 41 43(120) 62 95(90) M.'MMffZ aa.ww.m«»«» ES 86 037 712 42[1801 822 30 58 973(1201 636 43 190] 57 718 61 70 800 64(90) 68 974 47030 178 213 46 60 S 663 68 614 68 76 78 778 79 83 818 1901 24(1201 91 905 64 48022 32' 104 47 90 348 67 71 407 96(901 620 49(90) 57 81 610 34 41 78 94 7 66 70 94 834 901 23 28 60 64 91 4*090 92 III(901 66 83 243 340' 626(901 92 620 69 69 76 81 725(90) 46(901 60(901 866 96 997 60066 76 127 32 44 63 73 319 40 60 66 72 488 1901 514 33 89 I 41 66 82 735 81 816 911(1201 46 51012 37 39 142 86 89 90 335� 91 427 69 623 69 91(90) 696 859 190 84 966 87»«092 3 119 67(* | M.K Ii«'«-«?«««» M If h i si izm «5025 80 190 97 316 69 492 643 777 935 51««003 67 77 260 s! 465[90] 86(120| 513 19 665 750(901 871|90J 79 918 1901 20«7006, 112 37 41 98 223 91 306 97 430 66 505 84[901 94(901 633 84 86 99' 190] 77 914 43 76 79«8041 46 63 187 294 320 47 65[901 499 687 ß 026(1201 40 708 23 77 839(1201 81 904 44(901 66(90) 58«*<.59 l' 216 190) 321 69 516 57 65 88 656 86 734 75 871 956(300) 60 7*011 21 41 71 123(901 90 206 87 93(901 353 65(1501 75 98 f 3* 87 500 25 95 725 29 45 818 28 40 11201 940>-6 710 1 41 53 1 201 14 85 344 520 612 90 751 75 904 94(180| 7«033 54 68 69 81% 232 56 93 308 LI 14 74(90) 404(150) 41& 683 92 798 803 937 7* 99 402 73 508 27 28 32 85 608 60 83 725 48 86 99(90) 816 60 68' 26 33 46 68_«o« **029 55 116 19 48 57 76 92 244 62(90) 317 29 405 68 589'g j 84 924 46 75 96 916 18(120) 92 HI 003 72 83(90| 85(901 95 133%( 213 49(90; 59 313 72 73 78 91 407 82 529 o7 60 67 680 83 723 60 818 69 85 901[901 33 50 87*«09- 138 64 225 60 461 84 « B8t wwn tw.wuww* 303(901 I!7 84 416 98 591 639 61 7-1 94 815 19 939 112)1„ HaOU 69 107 9 70 263 346 414 16 1180) 550 655 59 768 ß S!» S N.II 66 815 64 93 912*#089(901 104 43 85 201 19 58|90| 354 493-'- 78 635 92 758 1901 61(1801 80 94 848 74[901 81 86 190) 934 50<4. ff ÄW& w&wa i swS Mfelv 930 80 94(1500)»«017 80 225 88 380 469 507 72 611 19 45«i'! 713 86 76 82 804 83 74 913 44(9)1 52 76(90)*»006 IS'! 36 7» 44 48 369 96 411(90) 54 506 16 30 36 608 W 800 15 947 61 8««5) 1 120! 2v5 8 49 U2Q| 66 68 338 42 73 463(1201 63 93(300) bJ** v 0 Verantwortlich« Redakteur«. Granheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Badtng in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beil-'' _ Beilage zum Berliner Bolksblatt Gr. 236. ♦ Freitag, den 9. Oktober 1886. IL Jahrg. Kommunales. .an* Sba* Stadlverordneten-Bersammlung. Sitzung vom 8. Ottober. Der Stadtverordneten- Vmstehe» Herr Dr. Etraßmann eröffnet die Sitzung um 57, Uhr mit geschäftlichen Mit- thetlungen. Von dem Arbeiter-BezirtSverein„Süd-Ost" ist eine Resolution an die Eladtverordneten-Velsammlung eingelaufen, welche fich gegen bi; erfolgte Bewilligung von 15,000 M. für ein Festessen zu Ehren der Telegraphen-Konserenz ausspricht. (Unruhe.) ., Etadtv. Epinola und Genoffen fragen an, ob es in Hurficht aus die türzlich erfolgte Exvlofion eines Gasmotors i eleitrischen Beleuchtung im Rathhause nicht rathsam wäre, im Rathskeller neben der elektrischen Beleuchtung eine Roth- Gasbeleuchtung einzurichten. Die Anfrage wird im Verlauf «'düng vom Magistrat beantwortet werden. Nach Eintritt in die Tagesordnung werden zunächst eine Anzahl Naturalisationsgesuche erledigt. Ankauf der Dammmühlen-Grundstücke. Der Ausschuh empfiehlt durch seinen Berichterstatter Etadtv. Wieck die Annahme deS Magistrats- Antrags: Den Ankauf der Grund st ücke seitens der Stadt zu einem Preise von 27« Million Mark. Durch den Anlauf werde zu- nächst die nothwendige Regulirung des Mühlendammes, die Durchführung der Pferdedahn von dem Epitielmarkt zum Molkenmarkt, ermöglicht und damit sei eine Verkehrs- steigerung, eine Erhöhung der Einnahmen der Pferdebahn fand somit die Erhöhung der prozentualen Abgabe der ferdebahn an die Stadt emgeschloffen. Es werde ferner ein inpuh auf die Projekte der Staatsregierung, den Hochwaffer- stan. der Spree zu senken und dadurch die Schwankung des Grund wafferstandes zu verringem ausgeübt und die Durch- führung des Projektes näher gerückt und drittens der Hauptarm der Spree für den durchgehenden Schifffahrtsverkehr freigelegt. Diese Vortheile seien durch ein Opfer von 7, Million zu er- langen, der übrige Theil deS Betrages werde durch den Werth des BauterrainS gedeckt. Die Grundstücke, Poststr. 16, Breite- str 23 und die Mühlengebäude in der Mitte würden erhalten bleiben, der Verlust an Bauterrain werde durch die Werths> steigerung ausgeglichen; der Preis für 4907 Kubikmeter sei nicht zu hoch. Etadtv. Dr. S t r y k bemängelt die Höhe des Preises, der keineswegs gezahlt zu werden brauche. Sobald das Polizei- Piästdialgebäude am Alexanderplatz vollendet sei, werde die Polizeibehörde darauf verzichten, für die bis jetzt inne gehaltenen Buieauräume im Dammmühlengrundstück eine so unver- hältnißmähig hohe Miethe zu zahlen. Die Verhältnisse für die Befitzer der Grundstücke waren von Jahr zu Jahr schlechter geworden und die Etadtverordneten-Versammlung habe am 18. Januar 1877 den Ankauf für den Preis von 200000 M. damals bereits abgelehnt. Er beantrage im Jntereffe der Sparsamkeit dm Preis auf 2000600 M. festzusetzen. Auberdcm solle man vor dem Ankauf die be- stimmte Erklärung der StaatSregierung einholen, daß die- selbe auf die auf dem Dammmühlen Grundstücken ruhenden be- schränkmden Baubestimmungen verzichten werde. Oberbürgermeister Dr. von Forckenbeck ersucht den Antrag Etryk abzulehnen, da die Annahme deffelben gleich- bedeutend mit der Ablehnung deS Ankaufes überhaupt sei. Bis zum 10. Oktober, den letzten Termin, welchen die Jmmo- bilien-Aktienbank als Verkäuferin festgesetzt habe, sei es un- möglich, eine bestimmte formelle Erklärung der Regierung ein- zuholen. Er könne aber die Erklärung abgeben, daß die Re« gierung ficherlich, wie ihm aus den Besprechungen, die er persönlich mit einflußreichen Personen gepflogen habe, hervorgehe, auf die Baubesch, änlungen verzichten werde. Für 2 Millionen werde die Jmmobilienbank niemals gütlich die Grundstücke verkaufen; auch erscheine es sehr zweifelhaft, ob etwa im Ent- eignungiverfahren ein wesentlich niedriger Preis erzielt wer- dm werde, abgesehen von den Schwierigkeiten des Verfahrens überhaupt.— Der Redner giebt noch einmal eine eingehende Dailegung aller Gründe, welche für den Ankauf sprechen, widerlegt die Befürchtung, als werde die Kommune Berlin durch den Ankauf in ihrer freien DiSposttion der gesammten Spree-Regulirungsfrage gegenüber beschränkt und ersucht zum Schluß, den Aueschußantrag unverändert unter Ablehnung aller Amendements anzunehmen. Stadto. Ealge schließt fich mit seinen Ausführungen dm Anfichten deS Oberbürgermeisters an. Etadtdaurath H o b r e ch t bittet besonders im Jntereffe der Förderung des öffentlichen Verkehrswesens, den Ankauf nach dem Antrage des Ausschusses zu beschließm. Etadtv. K a r st e n will den Preis nicht bemängeln, hält aber trotz der Ausführungen des Oberbürgermeisters sie Frage, ob die Baubeschränkungm bestehen bleiben oder nicht, für so wichtig, daß er sagm müsse, mit den Beschrän- kungen seien die Grundstücke nicht zu nehmen, weil diese Beschränkungen die Stadt an der freien Verfügung hindern würden. Er sei nicht so Vertrauens« stlig, daß er dem Fiskus so ohne weiteres die Aufgabe von Rechten zutrauen könne. Sei die Löschung aber, wie der Oberbürgermeister sage, so sicher und leicht, so könne dieselbe 1* leicht vonder bisherigen Besitzerin zu beschaffen sein. Sei daS unmöglich, so wäre dann die Erpropriation noch vorzu- ziehen- t Oberbürgermeister Dr. von Forckenbeck wiederholt seine bereits abgegebene Erklärung und fügt hinzu, daß ja auch die Expropriation nicht den Fortfall der Baubeschränkungen zur Folge habe. Etadtv. Löwe wünscht die Bewilligung des Ankaufe? ohne Bedingungen; man befinde sich in eurer Zwangslage, die ein aufschiebendes Votum unmöglich mache. Ein Schlußantrag wird angenommen. Der Antrag Strpk wird ju_ Gunsten eines Antrages Karsten, der den Preis rncht bemangelt, aber die Bedingung stellt, daß spätcstms bei der Auflassung die Löschung der auf dem Grundstücke hastenden Baubeschranlungen bewrrkt sein Bei" der�Slb�immung wird der Antrag Karstm mit ge- ordneten._>°lgt.) Lokale». Nachträgliches zum Prozeß«raef. Wenige Mm nach ein Uhr in der vergangmen Nacht öffneten fich Vre fängnißthürm der Angella sich von der Rathenower Sohne, in einem schon Herr Profeffor Graes begab Straße aus, depkitet von seinem lange wartenden Wagen nach seiner Wohnung, an deren Schwelle wir Halt zu machm haben. Bertha Rother, die von ihren Freundinnen mit RiesmbouquetS empfangen wurde, fand bei einer derselben vorübergehende Aufnahme und wird, wie man hört, Berlin sofort verlaffen, um unter ihrem bisher sorgsam verschwiegenen Theaternamen ein Engagement bei einer auswärtigen Bühne anzutreten, für welches fich eine bekannte Theateragentur schon jetzt ledhast interesstrt. — DaS große Kriminalgerichtsgebäude lag gestern Vormittag verhältnißmäßig verödet da. Nur die Zeugen hatten fich eingesunden, ihre Gebühren fich zahlen zu lassen. Die besser Situirten verzichteten darauf. Aber unter den Anderen gab fich eine allgemeine Unzufriedenheit kund und es dürste des- halb noch zu Reklamationen kommen. So erhielt die Franziska Lehmann, jene Nichte Hammermanns, welche die falsche eides- stattliche Verficherung abgegeben, 50 Pfennig, pro Tag, für 9 Tage 4 Mk. 50 Pf.— ein etwas geringer Betraa, wenn man bedenkt, daß ste gezwungen war, davon die „Kosten der Reise"— die Fahrt nach Moabit und die Beköstigung zu bestrerten.— Der Prozeß hat übrigens auck ein Opfer aus den Reihen der Zeugen gefordert. Marie Reim, jenes Mädchen welches so sehr zur Entlastung Graef's und Bertha Rothers bei- trug, war bis jetzt Kasfirerin und Buchhalterin in einem Kon- fektionsgeschäft in der Jerusalemerstraße. Dort ist fie ohne Kündigung Knall und Fall entlassen worden, weil das Be- kanntwerden ihrer stüheren Beziehungen zu der Rother'schen Familie dort Aussehen machte. Frau Rother hat übrigens von ihrem früheren Befitze nichts mehr vorgefunden. Unmittelbar nach ihrer Verhaftung machte fich ihr sogenannter Mann, der Kutscher Ihlow daran, das Geschäft zu verfilbem. Es war ein ganz schöner Befitzstand: Acht Pferde, drei Droschken erster Klasse, zwei Möbelwagen. Mit den Pferden eilte Ihlow nach Weißensee auf den Pferdemartt. Als man Bertha Rother, die fich noch auf freiem Fuße befand, davon sofort benachrichtigte, eilte fie ihm nach, nahm zur Hilfe die Kutscher mit fich, rcquirirte draufien einen Gendarm und setzte es in der That durch, daß das Eigenlhum der Mutter wieder zurückgebracht wurde. Am nächsten Tage begab fie sich dann »um Untersuchungslichter, um in einer von ihm zu erbittenden Begegnung mit ihrer Mutter fich von dieser eine General- Vollmacht ausstellen zu lassen. Sie wurde auf den nächsten Tag wieder hinbestellt. Als fie dorthin gegangen, wurde fie selbst verhastet. Und nun stürzten fich die Gläubiger auf den Befitzstand, und Alles, was zum Hause und zum Geschäft gehörte, flatterte in alle vier Winde.— Zum Schluß hat die„Nat.-Ztg." noch einer unliebsamen Episode zu erwähnen, die sich während der Berathung der Geschworenen im Korridor des GerichtSgebäudes vor Hunderten abspielte. Der Präsident hatte Ordre gegeben, daß nur mit Karten versehene Personen Zutritt zum Gebäude haben sollten, eine Anordnung, die fich übrigens nicht durch- führen ließ- Unter den Hunderten, die trotzdem Zutritt fanden, war auch Herr Rechtsanwalt Quenstädt, der von einem Wacht- meister aufgefordert, das Haus zu verlassen, fich auf seine Qualifikation als Rechtsanwatt berief und betonte, daß er im Zimmer der Rechtsanwälte eine Besprechung mit einem Kollegen zu haben wünsche. Wie immer der Anfang eines DiSputeS gewesen sein mag, es entwickelte fich daraus ein heftiger Wortwechsel, der zunächst damit endete, daß Herr Quenstädt in das Anwaltszimmer ging, während der Wachtmeister die Intervention des Prä- fidenten anrief. Darauf erschien Herr Müller. Vor einer Ko« rona von hundert Zuhörern kam es nun im Anwaltszimmer zu heftigen Szenen. Herr Quenstädt bestand vor dem Ein- treten in jede weitere Verhandlung auf dem Schließen der Thülen und als dies endlich geschehen, drang das Gewirr fich überschreiender Stimmen hinaus, aus denen nur soviel er- hellte, daß Herr Quenstädt dem Präfidenten in heftiger Weise das Recht besttitt, in diesem Zimmer, auf das fich seine Kam- petenz nicht erstrecke, ihm Vorschriften zu machm. Zunächst endete die Sache damit, daß Herr Direktor Müller ging und Herr Quenstädt blieb. Ob sie definitiv damit erledigt ist, wird in Anwaltskreisen bezweifelt. i. Das Urtheil der Geschworenen-Gerichte betreffend erzählte gestern im Gerichtsgebäude ein Kaufmann folgenden interessanten Fall: Der Kaufmann war Geschworener im voii- gm Winter, wurde jedoch ausgeloost. Da der vorliegende Fall, ein Diebstahl, äußerst merkwürdig war, so blieben die 13 aus- geloosten Gcschworznen als Zuschauer im Gerichtssaal zurück und folgten der Verhandlung mit Aufmerksamkeit. Als sich die richtigen Geschworenen zur Berathung zurückzogen, traten die 13 Äusgeloostcn zusammen, begaben fich in em in der Nähe befindliches Restaurant und fälltm dort für sich ihr Privat Verdikt. Von den 12 abgegebenen Stimmen erkannten 11 auf Freisprechung, einer auf Verurtheilung. Hierauf be- Saben fie fich in den Gerichtssaal zurück; als die richtigen Ge- hworenen zurückkehrten, verkündigte der Obmann„schuldig mit mehr als fiebm Stimmen!" Wer hatte Recht? b. Wahrsagerin wunderbar. Eine Frau in der Reinickendorferstraße hatte ihr Mobiliar zur Verficherung bei einer Feuer VerficherungS- Gesellschaft aufnehmen lassen. Als ihr aber der Agmt dieser Tage die Polize überbrachte, erklärte fie ihm. daß fie sich eines Anderen besonnen habe. Sie sei bei einer Wahrsagerin gewesen und diese habe ihr aus den Karten die Ankunft eines großen Geldbriefes geweissagt. Sie warte nun denselbm blos ab, um nach Amerika zu gehen- eine Verficherung ihres Mobiliars hätte also weiter keinen Zweck. Der Agent sah ein. daß gegen einen solchen Felsenglauben nichts ju thun sei, empfahl sich und bemertte nur, er werde fich in 14 Tagen erlauben, wieder anzufragen, ob der Geldbrief ein- getroffen sei. Der hier in Arbeit stehende Bäckergeselle K. aus einer kleinen Provinzialstadt hatte In Erfahrung gebracht, daß ein Landsmann von ihm, der ebenfalls hier beschäftigte Bäcker- geselle L-, Geld aus seiner Heimath zu erwarten habe, und baute darauf den Plan, fich in den Besitz des Geldes zu setzen, dessen Ausführung ihm auf folgende Weise gelang. Er schrieb im Namen des L., mit dessen Verhältnissen er genau bekannt war, einen Brief an die Mutter deffelben und bat um Heber- sendung von 600 M. zur Begründung eines Geschäfts. Das Geld wurde am 24. v. Mts. von der Mutter des L. an die von K. angegebene Adresse, d. h. die Arbeitsstelle des letzteren, abgesandt. K. hatte fich vorher dem Geldbriefttäger des be- treffenden Postamts als der Bäckergeselle L. vorgestellt und denselben ersucht, für den Fall eine Geldsendung an ihn ein- gehen würde, ihn in einer bezeichneten Destillation aufzusuchen, wo er fich öfters aufhalte. Von dem Eingang des Geldes er- hielt er auch bald Nachricht und nahm dasselbe, nachdem er die Postanweisung mit L. quittirt hatte, von dem Briefttäger im Postamt in Empfang. L- erfuhr gestern von einem dritten Bekannten den Aufenthalt des K. und ließ ihn festnehmen. Derselbe wurde wegm schwerer Urkundenfälschung zur Hast bracht. Die hiefige Kriminalpolizei beschäftigt fich— wie eine hiesige Korrespondenz meldet— augenblicklich auf Antrag der Staatsanwaltschaft mit einer großen Wucher-Affaire, die vor« ausfichtlich noch vor Neujahr m Alt-Moabit ihren gerichtlichen Abschluß erhalten dürste. Angeschuldigt find nicht weniger» als fünfzehn unserer bekanntesten„Geldleute"; darunter befindet fich ein Amerikaner, welcher dergleichen„Geschäfte" hier nach überseeischer Manier betriebe» zu haben scheint. Der be« treffende Strafantraa ging diesmal nicht von Piivatpersonen auS, sondern von einem yiefigen Ministerium, dessen Beamte zum Theil von dem Angeschuldigten auf geradezu unerhörte Weise„geschröpft" worden find. Ein Wechsel, der ursprüng» lich auf 300 Mark lautete, ist beispielsweise binnen zwei Jahren durch Prolonairungen ic. auf 1500 Mark gebracht worden. Der betreffende Prozeß verspricht recht interessante Enthüllungen. In die Räder einer Maschine gcrieth gestern Mittag der in einer Dampfschleifanstalt in der Alexanderstraße be« schäftigte 19jährige Schleifer Gustav L., wodurch ihm beide Beine buchstäblich zermalmt wurden. Auf ärztliche Anordnung wurde L- mittelst Krankenwagens nach dem städtischen Kranken- Hause befördert; man zweifelt an seinem Aufkommen. Wegen dringenden Verdacht« der Unterschlagung amtlich anvertrauter Gelder wurde gestem der seit dem 1. d. M. penfionirte Küster B. auf dem Stettiner Bahnhofe festgenom- men, als er im Begriff stand, seiner nach Rügen bereits ver- zogenen Familie nachzureisen. Derselbe wurde heute der Staats« anwaltschaft vorgeführt. Eine Spettalistin, welche Kinder auf der Stiaße anlockt und denselbm Geld oder Werthsachen abnimmt unter dem Vor- wände, durch Einschlagen in Papier einem Verlust vorzubeugen» ist gestem in der Person der unverehelichten Mittelmeyer» welche bis 15. v. Mts. in Steglitz gedient hatte, festgenommen worden. Bei ihrer Vernehmung hat fie zugestanden, derartige Diebstähle seit dem 19. v. Mts. in der Köpnicker-, Manteuffel-, Pückler-, Eisenbahn- und Wrangelsttaße täglich ausgeführt zu haben. Polizeibericht. Am 6. d. M. Nachmittags fiel dem acht Jahre alten Knaben Bielecke, Demminerstr. Nr. 60 wohnhaft, beim Spielen auf dem Felde unweit der elterlichen Wohnung ein Brett auf die Beine, so daß er einen doppelten Bruch des rechten Schienbeins erlitt.— In der darauf folgenden Nacht wurde in der Wienersttaße ein obdachloser Arbeiter finnlos be- trunkm auf der Straße liegend aufgefunden und zur AuSnüch- terung nach der Wache des 70. Polizeireviers gebracht. Hier verstarb er nach einigen Stunden in Folge von Alkohol-Vergif« tung, ohne vorher zur Besinnung gelangt zu sein.— In derselben Nacht wurde ein Mann vor einem Schanklolal in der Köpnickerstraße mit gebrochenem Bein an der Erde liegend auf- gefunden und nach der nächsten Sanitätswache im Görlitzer Bahnhofsgebäude, demnächst aber nach Bethanien gebracht. Wie festgestellt worden ist, war er kurz vorher wegen unange- meffenen Benehmen? aus dem Schanklolal entfemt worden und dabei möglicherweise durch einen Stoß zur Erde gefallen.— Am 7. d. stich wurde in dem Zimmer eines Hotels im Osten der Stadt ein etwa 30 Jahre alter Mann, welcher fich dortselbst unter dem Namen Paul Riehl einlogirt hatte, todt aufgefunden. Derselbe hat fich anscheinend mittels Zuckersäure vergiftet.— Am 7. d. Mts., Vormittags, wurde ein fünf Jahre altes Mädchen beim Ueberschreiten des Fahrdammes in der Köpnicker- straße vor dem Hause Nr. 93 von einer Droschke überfahren und erlitt dabei einen Beinbruch, so daß es nach Bethanien gebracht werden mußte— An demselben Tage, Mittags, wurde der in der Nickelblechfabrik von Obernick, Alexanderstr. 26, be- schäftigte Schleifer Lange in Folge eigener Unvorsichtigkeit von dem Treibriemen der Dampfmaschine erfaßt und gegen die Decke und die Wand geschleudert, so daß er mehrere Bein- brüche und schwere innere Verletzungen erlitt und mittels Krankenwagens nach dem Krankenhause im Friedrichshain ge- bracht werden mußte.- Einige Zeit später wurde ein Mann im Humboldtharn erhängt vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft.— An demselben Nach- Mittage fiel der Arbeiter Stelling in der Anhaltstraße zur Erde und erlitt dabei eine so schwere Verletzung an der Stirn, daß er nach Anlegung eines Nothverbandes nach der Charitee ge- bracht werden mußte. Gerichts-Zeitung. Eine Vergeßlichkeit, welche sehr leicht schwere und un« berechenbare Folgen hätte nach fich ziehen können, lag einer Anklage wegen fahrläsfiger Brandstiftung zu Grunde, die am Dienstag vor der zweiten Strafkammer deS Laudgerichts I verbandest wmde und fich gegen die 13jährige Dienstmagd Bettha Lemke richtete. Die Angeklagte stand in den Diensten deS «3%%%% zu bringen. Die Lampe pflegte bei dem schlafenden Kinde bleiben. RS dessen Eltern fich nach Schluß des Ge- schaftes in die eine Treppe höher belegene Wohnung begaben. "'U �ibende des 2. Juli cr. war der Angeklagten eine Lampe nicht sofort zur Hand und benutzte fie deshalb beim Zubett« bringen des Kindes einen offenen Wachsstock, den fie auf die Kommode neben dem Bette stellte und in brennendem Zustande auch stehen ließ, als fie fich entfernte. Zwei Stunden später be- useikten Passanten, wie plötzlich die Flammen aus dem Fenster der P. schen Wohnung hervorschluaen, man eilte hinauf und gelang � glücklicherweise noch, den Brand im Entstehen zu löschen. Die Kommode und ein Theil der holzgetäselten Wand waren verkohlt und hatte daS Feuer dann auch die leicht brennbaren Gardrnen erfaßt und im Nu verzehrt. Es stellte fich heraus. daß der herabgebrannte Wachsstock das Schadenfeuer verursacht und wurde die Magd, welche ihre Absicht, den Wachsstock durch eine Lampe zu ersetzen, auszuführen vergessen hatte, dieserhalb zur Verantwortung gezogen. Die Angeklagte versuchte fich durch die Behauptung zu-Yalpiren, daß ste in Folge langjähttgen Leidens an der englischen Krankheit mit einer auffallenden Gedächtnißschwache behaftet sei, auch ihre frühere Herrschaft unterstützte fie in dieser Beziehung. Der Gerichtshof hielt die Nachlässigkeit aber für eine zu grobe, um die Angeklagte straffrei ausgehen lassen zu können und erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts auf 20 M. event. 4 Tage Ge« fangniß, Wie der Restaurateur Witt„Exportbter" fabrizirt. Wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz war derzeit der in der Oranienstraße wohnhafte Restaurateur Friedr. Witt vom Schöffengerichte zu 50 M. ev. 5 Tagen Gefängniß ver« uttheilt worden. Auf Grund fernes eigenen Geständnisses und der Beweisaufnahme war festgestellt worden, daß er gewöhn- liches Bier von der hieflgen Bockbrauerei mit„Dungbier" (wner Kohlensaure entwickelnden Eigenschaften im Volksleben MÄ' ÄSÄÄS Kn?» eine Flasche unvermischten BiereS aus der Bockbrauerei im Lokale des Angeklagten 15 Pfennig kostete, nahm derselbe für daS von ihm in ver dezeichneten Weise hergestellte„Exportbier" den hoppelten Preis und hierin erblickte die Anklagebehörde sowohl wie der Gerichtshof die Kriterien des Betruges. Der Verur- theilte legte die Berufung ein, indem er den Direktor der Bock- fcrauerei, Herrn HSnel, als Zeugen darüber vorschlug, daß es hier in Berlin eine allgemein verbreitete Sitte sei, derartig pro» parittes Bier als„Expottbier" zu verschänken und daß vie dadurch entstehenden Unkosten einen Preis von 30 Pf. pro Masche wohl gerechtfertigt erscheinen ließen. Direktor Hänel erklärte aber im Beru'ungstermine vor der fünften Strafkammer des Landgerichts>, daß in den Restaurationen dritten und vierten Ranges— der Angeklagte hat ein Lokal mit Damenbedienung— mit der Bezeichnung„Exportbier" ein ähnlicher Mißbrauch getrieben würde, mie mit den söge« nannten„echten" Bieren, wirkliches, eigens für den Export gebrautes Bier komme hier in Berlin nur in Ausnahmefällen zum Ausschank. Dagegen sei der vom Angeklagten festgesetzte Preis von 30 Pf. pro Flasche als ein übertrieben hoher nicht zu betrachten, denn abgesehen von der Arbeit und den Mehr- kosten durch das Abziehen, entstände ein Verlust, wenn das Gemi'ch nickt binnen wenigen Tagen abgesetzt sei, da seine Halibarleit sich nur auf einige Tage erstrecke. Der Gerichts- Hof hielt die Manipulation des Angeklagten immerhin für eine betrügerische, ermäßigte aber die von der ersten Instanz arditrirte Strafe auf 20 M eventuell 2 Tage Gefängniß. Gegen den Amtsgerichtsrath Heegewaldt aus Freienwalde wurde vor einigen Tagen vor dem Schöffengericht zu Edeiswalde eine Piivatklage des Rittergutsbesitzers Abraham- son zu Bikmarckhöbe verhandelt. Der Kläger war durch den Rechtsanwalt Dr. Flatau aus Berlin, der Beklagte durch den Rechtsanwalt Dr. Sello vertreten. Am 4. Februar er. hatte in der Strafsache gegen den Mostrichfabrikanten Lange aus Frcienwalde vor der Strafkammer zu Ederswalde wegen Be- leidigung des jetzigen Beklagten und des Gerichtssekretärs Fantke Termin angestanden, in welchem auch der Beleidigte als Zeuge vernommen worden ist. Im Laufe seiner Vernehmung sollte der Zeuge über eine verschiedenartige Behandlung zweier Arrestgesuche Auskunst geben, und äußerte er fich unbe- stritten hierüber in folgenden Worten:„Der eine Antrag- stellet war der mir bekannte Antragsteller Lange, der andere so ein Berliner Jude, von dem ich Kaution einzu- fordern für nöthig hielt." Das zweite Gesuch rührte nämlich von dem Privatkläger her, der sich durck die von dem Zeugen gebrauchten Ausdrücke beleidigt fühlt. Sein Vertreter. Rechts« Anwalt Dr. Flatau, plaidirte auf Verurtdeilung deS Beklagten, da aus der gebrauchten Form„so ein Berliner Jude", deren fich ein preußischer Richter nie bedienen dürfe, auf die Abficht der Ehr- nkränkung des also Bezeichneten geschlossen werden müsse. Rechtsanwalt Dr. Sello giedt zu, daß das Wort „Jude" im Munde unverständiger Leute ein Schimpfwort sein könne; wenn es aber ein gebildeter Mann in berech- tigtcr Aufregung darüber, daß er fich über eine Amts- Handlung verantworten solle, anwendet, so lasse fich daraus umsoweniger auf eine beleidigende Abficht schließen, als sein Mandant den Kläger persönlich gar nicht kennt, und als derselbe, wie er unter Berufung auf das Zeug- niß des Synagogenoorstehers Simon nachweisen will, den Juden stets mit Wohlwollen begegnet sei. Nach kurzer Replik und Duplik der Anwälte erkannte der Gerichtshof aus Frei- sprechung deS Angeklagten. Die inkriminirte Aeußerung sei zwar als eine taktlose und ungeschickte zu bezeichnen, aber die Abstckt, dadurch den Kläger moralisch herabzusetzen, könne in derselben nickt gefunden werden. Es sei vielmehr anzunehmen, daß in der Erregung dem Beklagten der gerügte Ausdruck ent- schlüpft sei. Das hinzugesetzte„so" klinge ja, als wenn damit eine Herabsetzung beabstchtigt gewesen sein könnte, aus der vom Bellagten gegebenen Ausklarung ergebe fich, daß auch in diesem Zusätze eine Beleidigung nicht beadfichtigl war. P. Wegen unbefugten Gebrauchs des kaiserliche« Reichsadlers war vor einiger Zeit gegen den Befitzer des „Amerrcain-TheaterS", Direnor Reiff, Anklage erhoben werden. Ein an den Litiaß-Eäulen angebrachtes Plakat, enthastend eine Ankündigung des Zug Stückes„Unsere Marine", trug, um daS- selbe möglichst auffällig zu machen, eine kolorirte Abbildung der deutschen Marim flagge nebst Reichsadler. Die Anklage- hehörde nahm hieraus Veranlassung, gegen Herrn Reiff wegen Vergehens gegen§ 360 Absatz 7 einzuschreiten. In erster In« stanz war nun ein freisprechendes Urtheil gefällt, ebenso, nach- dem seitens der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, hatte die Stra'kammer des Landgerichts Ii das Uitheil bestäligt. In der Reoistoneinstanz erkannte nächstdem das Kammergericht auf Verweisung der Sache an die Strafkammer des Landgerichts II zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung. Vor diesem Gerichtshofe nun erhob der Vertheidiger des Angeklagten, Herr Justizrath Dr.Horwiy, den Einwand, daß die von seinem Klienten benutzte Abbildung des Reichsadlers der offiznllen durchaus nickt gleiche, wie solches aus dem berühmten beialdischen Werk des Ober- Hot- und Zeremonien- Meisters Graf Etillfricd Rattowitz von Alkantara zur Evi- Venz hervorgehe.— Der Gerichtshof, auf einen diesbezüglichen Beweis Antrag des Vertheidigers eingehend, hatte in einem früheren Termin die Sache, behufs weiterer Erhebung, ver« tagt. Im gestrigen Audienz-Termin erachtete nun die Straf- kammer den Ausführungen des Vertbeidigcrs entsprechend, daß gier Reicks Adler auf dem Marine Plakat dem im kaiserlichen ippen geführten nicht entspräche und als eine Abbildung desselben nicht anzusehen sei. Das Urthcil lautete demgemäß auf Beftästaung des steisprcchenden Urtheils. P. Wiederum war ein Sittlichkeits- Attentat der Gegenstand einer gestern vor dem Schwurgericht des Land- gerichrs Ii verhandelten Anklagesache. Am Himmetfakrtstage dieses Jahres überfiel der Arbeiter Heinrich Tusche aus Treuen- Hof bei Straußberg ein in einer dortigen Ziegelei beschäftigtes Mädchen und machte dasselbe zum Opfer seiner unreinen Begierde. Drei andere wüste Gesellen leisteten ihm Beihilfe. Der Bräutigam des Mädchens brachte den Vorfall zur Kenntniß der Behörden. Dieser halb angeklagt erschienen vor den Geschwo- renen: 1. der obgenannte Tusche, 2. der Knecht Hermann Gorgatz, 3. der Schlächteigeselle Christian Friedrich Hoffmann, sowie 4. der Eckäfer Wilhelm Rau.— Auf Befragen des Herrn Vorstyenden bekannte nur Tusche fich für schuldig, die anderen Angeklagten versuchten durch Leugnen fich aus der Schlinge zu ziehen. Die Aussage des dedauernswctthen, von den Angeklagten gemißbrauckten Mädchens belastete alle Vier. Die Geschworenen bejahten die Schuldfragen. Der Gerichtshof erkannte demgemäß gegen Tusche und Hoffmann auf 1 Jahr Gefängniß; Gorgatz und Rau, die auf Grund der Beweisauf- nähme mu der belastet erschienen, kamen mit je 9 Monat Gefängniß davon. Ein erschütternder Unglücksfall, der am Nachmittage deS 6. August d. I. in der Reichcnbcrgerstraße stattfand unterlag gestern mit Bezug auf die Urheberschaft der Prüfung der dntten Strafkammer des Landgerichts I. Der tahrläsfigen Tödtung beschuldigt, befand fich der Kutscher Gottlieb Scklomdach aus der Anklagebank- Zur bezeichneten Zeit pasfirte der Angeklagte mit seinem, schwer mit Schult deladen en Fuhrwerk die Reickenbergerstraße. Vor dem Hause Nr. 4 hielt ein Bierwagen und diesen war der Angeklagte gerade im Begriffe zu passtren, als vor demselben fich ein zweijähriger Knabe auf die Bülte des Etraßendammes hinauswagte und somit gerade vor die Pfcide des Angeklagten gerieih. Eine Frau, welche Augenzeugin der gefährlichen Situation war, schrie entsetzt: Kutscher, das Kind! DrS Kind! Der Angeklagte blickte fich nach der Ruserin um, anstatt den Fahidamm vor seinen Pfer- den im Auge zu behalten und im nächsten Augenblick war das Unglück geschehen. DaS Kind war von den Pfer- den deS Angeklagten zu Boden gestoßen worden, ein Hinterrad des Wagens war ihm über den Ober- köiper gegangen und halte auf der Stelle den Tod herbei- gefühtt. Da der Angeklagte im Schritt fuhr, so hätte er möglicherweile das Kind noch bemerkt und seine Pferde herum- reißen können, wenn er fich beim Anrufen der Frau nicht um- geblickt hätte und war es ein eigenthümliches Verhängniß, daß gerade der Wamungsruf jener Frau, der das Kind retten sollte, die entgegengesetzte Wirkung ausübte und vielleicht das Unglück he- beiführte. Denn im Verhandlungstermine gelangte der Gerichtshof auf Grund der Beweisaufnahme zu der Ueber- zeugung, daß dem Angeklagten der Vorwurf der Unvorfichttg- reit nicht gemacht werden könne und entgegen den Aus- führungen oes Staatsanwalts, welcher eine Fahrläsfigkeit des Angeklagten darin erblickte, daß derselbe fich bei dem Anrufe um>ah, anstatt auf den Fahrdamm vor fich zu achten, erkannte der Gerichtshof auf Freisprechung, während der Staatsanwalt einen Monat Gefängniß beantragt hatte. Unter der Anklage der Beamtenbeletdignng stand gestern der Kaufmann Simon Jolowicz vor der ersten Straf- kammer des Landgerichts l. Der hiestge Rechtsanwatt, Justiz- rath Krebs, hatte als Mandatar für mehrere Gläubiger des Angeklagten gegen den letzteren einige Wechselklagen mit Er- folg durchgeführt. Das rechtskräftige Uttheil konnte aber auf dem Wege der Exekution nicht vollstreckt werden, denn der An- geklagte präsentirte dem Gerichtsvollzieher einen Kaufvertrag, wonach sämmtlichcs in seiner Wohnung befindliche Mobiliar das Eigenthum seiner Witthschasterin geworden war und zwar auf Grund einer Forderung von über 800 M., welche angeblich aus rückständigem Lohn resultirle. Dem Justizrath KrebS wurde mitgetheill, daß dieser Kaufpreis auf Eimuttation de- ruhe und zwischen dem Angeklagten und seiner Konkubine ledig- lich ins Werk gesetzt worden sei, um die Gläubiger zu schädigen. Bei einer demnächst wiederum gegen den Angeklagten anzustrengenden Privatklage machte Justizrath Krebs von diesen Miitheilungen Gebrauch und zog fich dadurch die Feindschaft seines Gegners zu. Der letztere stellte Straf- anirag über Stafantrag wegen Beleidigung, wurde aber stets abgewiesen, da einestheils Justizrath Krebs in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt hatte, anderntheils dre von ihm aufgestellten Behauptungen das Gepräge der Wahrheit an der Stirn trugen. Nun richtete der Angeklagte eine geharnischte Beschweideschrist an den Vorfitzenden des Gerichts- Hofes und gebrauchte darin u. A. den Passus, daß eS scheine, als versuchten der Kläger und sein Anwalt wieder durch un- anständige Manöver, durch Verdächtigungen und unwahre Be- hauptunaen das Uttheil der Richter zu irntiren. Dieser Passus bildete die Grundlage der Anklage wegen Beamten- deleidigung. Der Angeklagte wollte auch für fich den§ 193 des El.'Ä- B, in Anspruch genommen wissen, der Gerichtshof konnte ihm diesen Entschuldigungsgrund aber nicht zubilligen, sondern erkannte bei der Schwere der Beleidigung auf eine Geldstrafe von 150 M., welche im Nichtzahlungsfalle durch eine lötägige Gesängnißstrafe zu substituiren find. Wie leicht man einen Verstoß gegen das Sozialistengesetz begehen kann, das hat der Sattlergeselle Otto Zerbe erfahren müssen, der gestern unter der Anklage des verbotenen Waffen- tragens vor der vierten Strafkammer des Landgenchts l stand. In der Nacht zum 26. Juli traf der Angeklagte mit einem ihm bekannten Hausgenossen, einem Schutzmanne, zusammen und als fie stch trennten, wurde er von dem Beamten gebeten, ihm seinen Säbel mit nach Hause zu nehmen. Der Schutz- mann, dessen Dienst zu Ende, wollte in Zivil eine Frühpattre unternehmen. Bereitwilligst übernahm der Angeklagte die Be- sorgung, schnallte fich den Säbel um und stolziite heimwätts. Er hatte aber das Malheur, unterwegs einen Wachtmeister zu treffen, mußte mit zur Wache, wo man ihm die Waffe ab- nahm und seine Persönlichkeit feststellte. Sodann wurde obige Anklage gegen ihn erhoben. Vergebens betheuette der erst zwanzigjährige Angeklagte, daß er fich einer strafbaren Hand- lung durchaus nicht bewußt gewesen und führlc.aus, daß dem Schutzmanne wohl eigentlich der weitaus größte Theil der Schuld zuzuschreiben ser. Der Staatsanwalt wollte das Ver- gehen mrt einer Geldstrafe von 60 M. eventl. 12 Tage Gefängniß gesühnt wissen. Der GenchtShof hielt in diesem Falle aber das niedrigste Strafmaß am Platze und erkannte nur auf eine Geldstrafe von 3 M. Auf eben so geringfügigen Ursachen bafitte eine An- klage wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz, dessen fich der Schmicdegeselle Kibbert schuldig gemacht haben sollte. An einem Juniabende hatte er an einer Versammlung Theil ge- nommen, die der Auflösung anheimfiel. Er folgte wie die übrigen der Aufforderung des Polizellieutenants, den Saal zu verlassen, bemerkte aber draußen, daß er seinen Schirm ver- Jessen hatte. Er kehrte wieder in den Saal zurück, um ihn zu olen und verging nch dadurch gegen das Vereinsgesetz, wel- cheS ein nochmaliges Betteten eines polizeilich geräumten Saales verbietet. Ter Gerichtshof erkannte auf 15 M. Geldstrafe._ Vereine nnd Versammlungen. In einer gut besuchten Versammlung des Fachvereins der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Dampf-Armaturen, welche am Sonnabend bei Gratweil stattfand, hielt Herr Dr. Bohn einen sehr interessanten und lehrreichen Vottrag über Witterungswechsel, welcher von den Anwesenden mit großer Aufmerksamkeit angehört und mit großem Beifall auf- genommen wurde. An derDiskusfion betherligte fich Niemand, jedoch wurde von Herrn Pttntz eine Frage gestellt, warum nur Nordpol- Forschungen und nicht solche nach dem Südpol stattfinden. Diese Frage wurde von dem Herrn Vottragenden sehr verständlich beantwottet. Dann wurden mehrere Vereins- angelegen heilen erledigt; zur Wahl einer Fachkommisfion kam es aber nicht, da in Betreff dieses Punktes eine falsche Auf- fassung des Vorstandes vorlag. Die anwesenden Tele- gitten hielten fich an das Zirkular, welches an die Werkstätten geschickt war und wottn es heißt: Die Wahl einer Fachkommisfion müsse von den Delegitten vorgenommen werden und müssen dieselben vorher zu einer bestimmten Ver- sammlung einberufen werden. Der Vorfitzende, Herr Sünder- mann, wurde von Herrn Tasche darin unterstützt, daß die Wahl vorgenommen werden müsse, wogegen die Herren Printz, Wurche und Zeidler fich dahin äußetten, daß dies ganz wider- finnig und gegen den Beschluß der vongen Versammlung sei. Die Absttmmung ergab sofortige Wahl der Fachkommission. Da aber sämmtliche Vorgeschlagene die Wahl ablehnten, wurde dieser Punkt von der Tagesordnung abgesetzt. Herr Sünder« mann legte dann sein Amt als Vorsitzender nieder, worauf der stellvertretende Vorfitzende, Herr Strenge, die Versammlung weiter leitete. Im Fragekasten befand fich folgende Frage:..Ist ein Arbeitgeber berechtigt, für das Zuspätkom- men, Fehlen u. s. w. außer den Einbußen an Lohn noch extra Etlaiabzüge zu machen?" Ein Mitglied gab den Kollegen den Rath, fich die Abzüge genau aufzuschreiben, resp. den Lohn- zettel aufzuheben, um später, wenn fie abgehen oder entlassen werden, das Geld zurückfordern resp. klagbar werden zu können. bka. Zur Lohnbewegung der Drechsler fand am Mittwoch Abend im Lokal„Sanssouci" wieder eine Ver- sammlung statt, die von ca. 500 bis 600 Theilnehmern besucht war, um fich mit den in der Drechsler-Versammlung am 3. d. M. beschlossenen Forderungen mit einem inzwischen auSge« arbeiteten Minimal-Stücklohntarif für Bau» und Tischlerei- Arbeit, sowie mit dem Verhalten der Fabrikanten und Meister zu diesen Forderungen der Gesellen zu beschäftigen. Von den oeShalb gleichfalls hierzu eingeladenen Unternehmern(Fadri- kanten und Meistern) hatte fich zwar eine Anzahl eingefunden, doch betheiligte fich mit Ausnahme deS Drcchslermeisiers Kühn Niemand an der Debatte. Zum Leiter der Versammlung wurde Herr Prause gewählt. Wie wir gleich hier voraus- schicken wollen, verfiel dieselbe schließlich dem Geschick polhc licher Auflösung auf Grund des Sozialisten Gesetze Tie Auflösung erfolgte, als ein Redner, Herr Prause, fich üb gewisse„Meister" in der Schundfabrikation äußerte. Gleich b« auf verließen sodann alle Anwesenden in musterhafter Ordnu» das Lokal. Was die vorausgegangenen Verhandlungen bettiji so ist hauptsächlich hervorzuheben, daß der Referent der& sammlung, Herr Robert Sündermann, nachdem er über dc aus den früheren Versammlungsberichten bekannten Verls und Charakter der Bewegung berichtet und die beiden Mi» malstücklohntanfe für Bau- und Tischlerei- Arbeit verlesen HÄ die letzteren dahin erläutert, daß fie einem Lohnausschlage« 50 bis 75 pCt. entsprechen und einen Minimalwochen verdia von 18 Mk. ermöglichen sollen, während bisher bie Minim» wochenlöhne 9, 10 und 12 Mk. betragen hätten. In der mcd stündigen sehr animitten Diskusfion wurde zur Illustration> seithengen Stücklohnsätze in einigen sogenannten„Schundbuda und der durch Einführung der Minimal- Tarife zu erzielen" Lohnaufbesserung beispielsweise angefühtt, daß für das Du« sogenannter Nachtspinde-(Nachttischchen) Säulen nur 75 gezahlt wurden, wobei man höchstens 12 Mk. wöchentlich dienen konnte, und deshalb der Tarifsatz für diese Stücka auf 2 M. 25 Pfg. pro Dutzend erhöht werden mußte, um Minimalwochenverdienst von 18 M. zu ermöglichen. Das suttat der Versammlung war die einstimmig erfolgte unverän Annahme der beiden Tattfe und die ebenso einstimmig> schlossene Aufrechthaltung der am 3. d. Mts. gefaßten Rci lutton, durch welche man stch verpflichtete, mit der Forde einer Lohnerhöhung und der Anerkennung der Mimmal- rife am Donnerstag, den 8. d. Mts., in allen Werkstätten u» zugehen und überall, wo die Tattfe, bez. ttn Minimal Wach« lohn von 18 Mk. bei einer 10 stündigen MaximalarbeiÄ bis zum nächsten Eonnabend(10. d. Mts.) nicht bewilss worden sein sollten, am kommenden Montag(12. d. Mts.)* Arbeit einzustellen."— Mitgeteilt wurde, daß die nächs öffentliche Generalversammlung der Drechsler am Sonn« (den 11. d. Mts.), Vormittags, und die erste„Kontrol M sammlung" derselben am Montag(den 12. d. Mts.), Abens stattfinden wird. Der Fachverein der Tischler hielt Eonnabend,& 3. Oktober, seine regelmäßige Mitgliederversammlung R" Grünstr. 28 in JordanS Salon ab. Herr Prediger ein« Kendziora hielt einen Vottrag über das Thema:„Was> Wahrheit." Der Vortragende legte in ausführlicher Mi klar, daß das Streben nach Wahrheit und die Wiffensbildtf in den sogenannten besseren Ständen immer mehr rüchwÄ ginge, während in den Arbeiterkreisen mehr denn je mit En« für Wahrheit und Aufklärung gekämpft würde. Der Refei bekräftigte sodann seine Angaben mit Beispielen aus der 5 gangenheit und Gegenwart. So sei im Jahre 1524 von Lu an Dorf« und Kirchlehrer ein Schrttben gettchtet worden,� welchem denselben besonders empfohlen wurde, ihre mit den Klassikern der gtteckischen und römischen Sprache{ kannt zu machen. Minister Raumer dagegen habe im Jc 1854 durch ein Regulativ oben genannte Lehrgegcnstände u» sagt. Also nach fast 350 Jahren ttn solches Verbot, und* ohne irgend Anstoß zu erregen. Die Gegenwatt meinte ReW1 habe Dunkelmänner aufzuzeigen, welche Wahrheit und% klämng zurück zu drängen suchen, doch seien solche von v«" herein von den Arbeitern verurteilt worden. Der SRefeJ beschäfttgte fich sodann mit den Geistesheroen Schiller, Klopstock und Kant. Besonders des letzteren Wirken f Schaffen beleuchtete er mit warmen Motten und einfg den Arbtttern dessen Schttften. Auch heute gebe es P vorragende Größen der Wissenschaft, jedoch hätten dieses! arbeitenden Klassen begangen werden könnte. Gerade den Arbeitern gebe es genug Männer, die fich nicht zu f(W brauchten und fich auch nicht scheuten— wie die Aibe� bewegung zeigt— mit hervorragenden Prozessoren Schranken zu ttcten. Aber die Gleichgiltigkeit dieser: die fich nicht die Mühe nehmen, die Zeitverhältniffe der. watt zu beobachten und kennen zulernen, zeitige solche sali Ansichten. Der Kopf allein mache übrigens den nicht, denn es habe zu allen Zeiten Männer mit auSg.�—, Bildung und Intelligenz gegeben, die fich jedoch als die worfensten Charaktere entpuppt hätten und führte sstefSj hierzu den Diplomaten Jenz unter dem österreichischen NürP* Metternich als Beispiel an. Nur Energie, Kraft und zum Schaffen und Witten auf dem Wege der Wahrheit,' allein mache den Menschen, das stähle den Charakters Stürmischer Beifall folgte dem Vortrage.— Nach der dar» folgenden Diskusfion wurde beschlossen, die Vereins- Versag lunaen im Zentrum Berlins vom 19. Oktober ab am Mo»' nach dem 1. und 15. jeden Monats abzuhalten. Die Ortskrankenkasse der Tischler und Pianofor» Arbeiter hielt am Sonntag, den 4 Oktober, im Saale j Tivoli-Brauerei eine Versammlung derjenigen Mitglieder j welche in dem Bezirk deS Kasfirers König arbeiten, oder' freiwillige Mitglieder ihre Beiträge an denselben zwj Zweck der von ca. 500 Personen besuchten Versammlung 4 die Wahl von 34 Vettretem zur Generalversammlung.' wurden in der Versammlung 56 Personen in Vorschlag j bracht und davon die folgenden 34 Mitglieder per AkklamoP gewählt: Anders, Albrecht, Veter, Vlümke, Franke, Geissj Gerlich, Häbnel, Heise, Hencke, Heise, Jdler, Karp, Kr' Lehmann, Major, Mende, Merkel, Nähring, Otriler, Q» Reichhardt, Rcbakowsky, Rogge, Schäfer, Schäffer, E lowSky, Schütze, Strelow, C. Tix, Trapp, Tutzauer, Voß Zimmermann. Am nächsten Sonntag, den 11. Oktober, 2? mittags 10 Uhr, findet im Saale des Berliner Handr Vereins, Sophienstraße 15, eine Versammlung betjenj Kassenmitglieder statt, welche in dem Bezirke des Käst Greiner arbeiten, oder alS freiwillige Mitglieder ihre Ben an denselben zahlen, sowie für die freiwilligen Mitglt welche ihre Bttträge direkt an die Kasse zahlen. In% Versammlung sollen 33 Vertreter zur Generalversammlung� wählt werden. Wahlberechtigt und wählbar find nur jährige Kaffenmitglieder. Der Zutritt ist nur gegen Vorze des neuen Quittungsbuches gestattet. hfs. Der erste Kongreß der deutsche« Dachd« Gesellen fand am 4. d. Mts unter Leitung des zum< Vorfitzenden gerählten Herrn C.Matz, Berlin, statt. Verl waren: Berlin durch 12, Hamburg durch 2, Barmen, Bl Burg b. Magdeburg. Elberfeld, Essen, Flensburg, Gera, bürg, Kiel, Leipzig, Magdeburg, Nordhausen und Groß-L leben durch je 1 Telcgirten. Den Kongreßverhandlungen am Vormittag ttne zahlreich besuchte öffentliche Versan" der hiestgen Dachdeckergesellen voraus, in welcher Herr Ne aus Hamburg als Referent über„Zweck und Nutzen der vereine und die Nothwendigkett einer gewerkschaftlichen lisation der deutschen Dackdecker-Vereiniaunaen." einen hielt. Heute: Vor Anfang t Nachdem der Redner die bekannten Ssutgaben und Z� der Fachvereine eröttett hatte, plaiditte er für die Herstellung'S Zentralisation der Fachoerttne der deutschen Dachdeckergel' Eine solche sei unbedingt nothwendig zur Ermöglichung wirksamen Ausübung des gewerblichen Koalitionsrccht»� Arbeiter. In der Diskusfion war man zwar prinzipiell j/ mein mit dem Referenten einverstanden, äußerte aber do«( Gründen der Praxis mancherlei Bedenken hinfichilick sprießlichen Durchführbarkeit einer zentralifirten Lrgawl»�» Von ttner Beschlußfassung wurde Abstand genommen. ersten Kongreßverhandlung s- Gegenstand bildete die nähme ver Dachdeckergesellen Deutschlands zu dem resp. Ziegel- und Schieferdecker-Jnnungs-Verdand". dieser Angelegenheit pflichtete der Kongreß einstimm'g Dies mteressan Inseln. , Dem feste ttn «ackett, , All« stur(eat Herrn P Grabe sa Berl Witt! «atf'in voli? St ichd« ldmo beteif et& der k % a# ige« erdi- r tmf ion> ibuba elend Du 75 ü n tbj )aS A rönW mia» Etanbpuntte des Referenten Neumann- Hamburg bei, welcher empfahl, die Innung zu ignoriren und sich an den Wablen zu den �Gesellen-Ausschüffen" nicht zu betheiligen.— Ter zweite Punkt der Tagesordnung:„Errichtung eines Veibandes der deutschen Dachdecker Gesellen", wurde zugleich mit der Fach» Gewerkschafts- Organ Frage behandelt. Als Referent hierüber befürwortete Herr May-Berlin, vorerst auf die Errichtung eines allgemeinen deutschen Dachdeckergesellen Verbandes zu ver- zrchten und bis auf Weiteres nur durch möglichst zahlreiche Lokal- �rganrsatronen zu wirken, außerdem aber— durch sein gemeinsames gewerkschaftliches Fachorgan und eine gemeinsame Kontiolkommisfion, so weit als möglich, Ersatz für das momentan Uneneichbare zu schaffen. Nahezu einstimmig faßten die Delegirten nach längerer Diskussion einen dementsprechenden Beschluß, wonach als Fachorgan„Der Bauhandwerker" gelten und der Eitz der aus 5 Mitgliedern zusammengesetzten Kontrolkommrsston in Hamburg sein soll.— Ueber den Ar- beiterschutzgesetzentwurf der sozialdemokratischen Reichstags- J'P1 eingehend Herr Neumann-Hamburg, um schließlich die Petition der deutschen Dachdecker an den Reichs- tag um Annahme des Entwurts zur Unterschrift zu empfehlen. Räch einer längeren, dem Referenten zustimmenden Debatte erhob der Kongreß einstimmig eine dementsprechende Resolution zum Beschluß. Den Schluß der Verhandlungen bildete die C- m5-r«%r&en Berlin beleuchtete als Referent o der Orts-Krankenkassen und der freien Hilfs« ' u.t1� Sterbekasse der Dachdecker Deutschlands, ie Pnnztp.ellen und praktischen Vortheile der letzteren PmuM«A.klarlegte. Der gefaßte Beschluß l?..?l.!lch mit Einstimmigkeit zu Gunsten der freien Hilfs- t.der Berliner Stuckateure tagte am Sa llhr, in Nieft's Salon, Kummandanten- ftraße 71/72. Es wurden m den Vorstand gewählt die Herren J- Vorfitzender. Schuchardt. 2. Vorfitzender, Brasch. Mrer. Siebenbach und Grüneberg zu Schriftführern. Man beschloß darauf, behufs Zentralisation einen Aufruf in den Zeitungen zu erlassen und selbigen den Kollegen in den Werk- UZMSilai «BW« erotfl, d. h. sie ist stets gewesen und wird in alle Ewigkeit sein. Die Lehre von ihrer Erschaffung durch höhere, menschenähnliche Wesen aus ein N chtS, ist irrig. Es giebt kein Nichts. Jede vor- handene Gestall, Stern, Pflanze, Thier oder Mensch, selbst die Nichtgestalt, die Luft, der Aether, besteht aus etwas, aus Stoff. Der wichtigste im Weltall verbreitete Tlägstoff ist Eisen. Alle Sterne, Pflanzen und Thiere bestehen zum größeren Theile aus Eisen. Ohne dieses wären fie außer Stande, sich zu be- wegen, weil Magnetas und Elektras, die beiden Regstoffe, Lebensgeister, das Eisen allen übrigen Elementen vorziehen, ihnen einzig zustreben. Ohne Eisen leine willkürliche, pflanz- liche und thierische Bewegung. Die wichtigsten übrigen Stoffe, welche zur Gestaltung der Steine, Pflanzen und Thiere bei- tragen, find Kalk, Kali, Natron, Stickstoff, Kohlenstoff, Waffer- stoff und Sauerstoff. Der Sauerstoff befitzt die Fähigkeit, das Eisen aufzulösen, seine Gestalten wieder zu zerstören, fie in ge- staltliche Wesenheiten, Flüssigkeiten und Gase umzuwandeln, keineswegs aber die Zauberkunst, es gänzlich zu vernichten, es zu einem wirklichen, leeren Nichts zu machen- Die Lehre, daß die einst durch die Götter aus Nichts geschaffene Well auch wiederum in ein Nichts zerfallen würde, ist deshalb ebenfalls irrig. Redner schloß mit den Worten: Die Welt ist ewig, fie war von Ewigkeit her und wird in alle Ewigkeit weiter sein und bleiben. hr. Eine Versammlung der Platzdeputirte« der Zimmerleute fand am Dienstag bei Gratweil unter dem Vorfitze des Herrn Seitzt zu dem Zwecke statt, für die auf Sonntag, den 11. Oktober, bei Buggenhagen am Moriyvlatz anberaumte Generalversammlung, in welcher ein endgiltiger Beschluß über die Lohnforderung für den nächsten Sommer gefaßt werden soll, der Lohnkommisfion in Betreff der zu machenden Vorlage die nöthigen Informationen zu geben. Herr Lehmann wies in einem kurzen Referate darauf hin, daß die Generalversammlung vom 20. September für die Forderungen eines Lohnes von 50 Pf. pro Stunde und eines östündigen Arbeftstages gestimmt hat. In Bezug auf die zwefte For- derung sprach er fick dahin aus, daß dreselbe wichtiger als die erste fei, aber zur Zeit noch nicht werde durchgesetzt werden können. Herr Darge begründete eingehend beide Forderungen. In Betreff der zweiten wies er darauf hin, daß eine Verkür- zung der Arbeitszeit eine Steigerung deS Lohnes zur Folge baden müffe, daß auch bei 9stündigcr Arbeit fich bald ein Tagesverdienst von 5 M. ergeben werde. Zum Beweise dafür, daß die Arbeitgeber bei einer Verringerung ihres Gewinnes nicht zu Grunde gehen werden, führte er ernen Fall vor, in welchem eiy Arbeitgeber bei 135,25 M., die er zwei Arbeitern in dreizehn Tagen an Löhnen gezahlt, für fich einen Hebet- fchuß von 277,35 M. gehabt. Am Schluß seiner Rede sprach er fich dahin aus. daß der Lokalverband der Zimmerleute, wenn seine Mitgliederzahl 3000 wäre, mit Leichtigkeit viel weiter- gehende Forderungen, als die in Rede stehenden, würde durch- setzen können. Von den vielen Platzdeputirten, die noch das Wort nahmen, erklärten fast alle, daß fie für ihre Person auch mft der Forderung des 9 ständigen Arbeitstages einverstanden seien, daß aber die große Mehrheit ihrer Kameraden gegen diese Forderung sei. Herr Darge theilte noch mit, daß er an die Kollegen in 18 großen Städten die Anfrage gerichtet habe, ob die Berliner Zimmerleute für den Fall, daß fie den Kampf zur Durchsetzung der beiden Forderungen unternehmen, auf ihre Unterstützung durch Geldsendungen rechnen dürfen. Die Antworten werde er in der Generalversammlung am nächsten Sonntag mitthellen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeiter(E. H. Hamburg 29) Filiale l Berlin. Monatsver- sammlung am Sonnabend, den 10. Oktober, Abends 8'/, Uhr, bei Rothacker, Teltowerstr. 3. Zentral-Kranken- und Sterbetaffe der Drechler und verw. Berussgenossen Deuischlands(E. H. Nr. 48) Hamburg, örtliche Verwaltungsstelle Bezirk A. Die Zahlstellen des Be- zirkes definden fich 1) Naunynstraße 78 bei Krone, 2) Langestraße 34 bei Blüthgen, 3) Köpnickerstraße 171 bei Gseyl, 4) Weberstraße 34 bei Gaide, 5, Gr. Frankfurterstraße 1 bei Doß, 5 a) Alexanderstraße 25 bei Mönch. Tie Zahlstellen find geöffnet des Sonnabends von 8 bis 10 Uhr Abends. Neue Mitglieder werden daselbst aufgenommen. In dringenden Fällen zu jeder Tageszeit beim Bevollmächtigten, Herrn Friedrich Schräder, Franzstr., vorn 4 Treppen, beim Ortskasfirer, Herrn Alfred Mönch, Adalbertstraße 26, vorn 4 Tr. und in Zahlstelle Alexanderstr. 25. Heute Freitag Mitglieder-Versammlung der Zen- tralkranken- und Sterbekasse der Fabrik- und Handar- better(E. H. Dresden) für den Osten, Abends 8'/, Uhr, in Malitz's Salon, Andreasstr. 26. T.-O.; Telegirtenwahl und Verschiedenes. Verein Berliner Droschkenkutscher. Heute, Abends 10 Uhr, Mitgliederversammlung im Saale des Handwerker- Vereins, Eophienstraße 15. Verein siimmtltcher Berufsklassen, Berlin l,(Einge- schriebene Hilfskasse Nr. 2). Versammlung, Sonnabend, den 10. d. Mts., Abends 8 Uhr, Münzstraße 5. Die Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Fabrik- und Handarbeiter beiderlei Geschlechts(E- H. 35 Dresden), Filiale Berlin Nord-West, hält Freitag, den 9. Oktober, 9 Uhr Abends, Bandelstt. 35 eine Mitglieder- Versammlung ab. Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Fabrik» und Handarbeiter beiderlei Geschlechts(E. H. Tresden) Filiale Berlin West. Mitglieder- Versammlung heute Abend 8 Uhr in der Viktoria-Brauerei, Lützowstr. 112—113. Kriefkasten der Redaktion. Wasserthorstr. 4. Es liegt lein Ehehinderniß vor. O. S. Sie können wegen Beleidigung die PrivaMage erheben. Ä Ref-Z % er da» Lersa» , gW Theater. Schauspielhau«. Heute: Minna von Barnhelm, oder: DaS Soldatenglück. Deutsche« Theater. Heute: Jungbrunnen. Friedrich-Wilhelmftädtische« Theater Heute: Offenbach- Cyclus. Hochzeit bei Laternenschein. Hier« auf: Die Zaubergeige. Zum Schluß: Monsieur und Ma- dame Denis. . � � � Restdenz-Theater. Heute: Theodora. . �, Walluer-Theater. feeute: Sie weiß etwas. Hierauf: Papageno. W: klkT"''"""'""""' Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Don Cesar. Viktoria-Theater. Heute: Messaltna. Centrat-Theater. Alle Jakobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heut«: Zum 70. Male: Die wilde Katze. GesangSpoffe in 4 Akten von W. Mannstädt, Mufik von G. Steffens. Louisenstädtisches Theater. .,. Direttion: Jos. Firmans. Heute: Der Troubadour. Ofteud-Theater. Heute: Berliner in Kamerun. GesangSvorträge. Das erste Mittagessen. Königstädtisches Theater. Heute: Gastspiel der Liliputaner. Tie kleine Baronin. Theater der Reichshallen. Täglich: Aufteten sämmtlicher Spezialitäten. ..„ Ameriean-Theater. � Täglich: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. ___ Kaufmann'« Varlet«. Täglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. _ Kontordia. Taglich; Austreten sämmtlicher Spezialitäten und theatralisch« Vorstellung._ Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Verl. SonntaasschwäMer. ~ roit Gesang in 3 Alten und 6 Bildem. «,Ä« ÄÄ ÄÄä To KT""- lUTjra_ Bons haben Wochentags Giltigkeit._ ]0n Ji, Passage I Treppe» achd-L Geöffnet von 9 Uhr Morg. bis 10 Uhr»b. 'M Kaiser Panorama. ., Bieg Diese Woche: Eine Reise durch Portugal. Rom u. seine «""fc",- Dem �erm Joachim Bock zu seinem heutigen Wiegen. teste ein dreimal donnemdes Hoch, daß die ganze Werkstelle packest._[2392]__ Die Kollegen. Danksagung. Allen, welche meinem verstorbenen Mann, dem Restaura- '*'-■-...... die letzte Ehre erwiesen, sowie dem "er für die trostreichen Worte am ...................... innigsten Dank. Berlin, 8. Oktober 1885.„[2393 Witttot Hemmerling nebst Kindern, Manteuffelstr. 21. Wir machen hierdurch die ergebene Mittheilung, daß wir in der von uns Invaltdenftraste 18 in Betrieb gesetzten Brauerei vom Freitag, den 9. Oktober er., ab täglich Frischbier(Weiß-, Braun- und Bitterbier), ä Liter 15 Pf., verkaufen. Für dm Süd-Oft-Bezirk baden wir bei Herrn Max Kreutz, Admiralstr. 40(Alte Linde), eine Serfnufssttlle für Frischbier eingerichtet und wird daselbst das Frischbier täglich in gleicher Güte und zu gleichen Preisen literweise abgegeben. Berl. Weißbier-Brauerei„Nordstern", _______ Jnvalidenstraße 18._ Augrust Herold Berlin SO, 113 Skalitzerstrasse 112. Mbel-, Spiegel« tuul{tarfkronaren jUagap Bgene Fabrik. Solid» Preise« Prompte Bedlenang. [2382 iredst9 dir _______ :n._ Klagen, Eingaben, Bittgesuche, Briefe, juristische« in allen Sachen(auch brieflich).[ml Da*y Eltsabethstraße 44, pari. r.(Pollak). jSX STar 1 Mark. Tischler- V er ein« Generalmrsammlung Sonnabend, 10. Okt.. Abends 8'/, Uhr, Kottbuserstr. 4a. T.-O.: Kassen- und Revifionsbericht, sowie wichtige Ver- einsangelegenheiten.— Die Wohnung deS Kasfirers Herrn B a r e s e I, befindet fich vom 1. Okt. ab Wienerstr. 20, H. 1 Tr. 2389] Der Vorstand. Oeffentliche Arbeiterinnen> Versammlung Freitag, den 9. d. M.. AbendS 8V. Uhr,__ w Silo«}sn zitlllslht« Kiiser, Zothrtugerstr. 37 Tagesordnung: Vortrag, Diskusston, Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. Männer haben Zutritt. 2394]___ Frau P ö t t i n g. Mitglieder- Versammlung des Nktkius der Srrlwtr Maurer am Sonntag, den 11. Oktober, Vormittags 10 Uhr. l« ÄcUer'j Lokal, Andreasstraße Nr. 21. Vortrag des Herrn Predigers K e n d z i o r a über:„Die Entwickelung der Völker-Stämme".[2391 _ C. Vehr end. Vernu der Saltler u. Mzeuoffeu. Sonnabend, den 10. Oktober, Abend« 8V, Uhr. w«rattoetl'S Bierhallen. Kommandantenstraße 77/79, Hmeral-Aersammluug. Tagesordnung: 1. Vierteljahrsbericht. 2. Abrechnung. 3. Wahl der Arbeitsvermtttelungs-Kommisston. 4. Wahl der Revisoren. 5. Verschiedenes.- Mitgliedsbuch legltimirt. 2390]__ Der Vorstand. Köpnickerstr. 160(Ecke Manteuffelstr.). vorn 3 Tr. links st eine möblirte Stube an 1 oder 2 Herren zu veim.[2«b U Aufforderung. Die Mitglieder des Ärbeiter-Lestrks.vereiue„Süd- werdm hierdurch ergebenst gebeten, die noch zirkulirenden Petit»onslisten zum Arbeiterschutz-Gesetz bis spätestens den 1. November d. I. beim Vorsitzenden W. Werner, Manteuffelstr. 71, lli., sowie im Zigarrengeschäft von Fritz G o r ck i, Admiralstr. 40, abzuliefern. J2396 Diejenigen Mitglieder, welche gmeigt find, die Haus- Agitation für daS Arbeiter schütz Gesetz für den 12. und 14.» 13. und 16. Kommunalwahlbezirk zu vetreiben, werden gebeten» fich Sonntag, den 11. d. Mts., früh 8 Uhr. im Restaurant Stramm, Skalitzerstr. 18, pünkllich einzufinden. Meinen Freunden und Bekanntm zur gefälligen Nachricht, daß ich mein Zigarren-Geschäft von der Bergstr. 67 nach der Rosenthalerstr 71, nahe dem Rosenthaler Thor, verlegt habe und empfehle in bekannter Güte meine Zigarren, nnr eigenes Fabrikat, sowie Ziaarretten, Rauch-, Kau- und Schnupf- Tabake, Spezialität: Echt Hanetoacker Prtemtabak. Um gütigen Zuspruch bittet[2375 Moritz Bernstein, 71 Rosenthalerstr. 71, nahe dem Rosenthaler Thor. Allen Freundm und Bekannten empfehle mein Schnhwaarea«eaebän von selbst gefertigten Herren-, Damm- und Kinder. Stiefeln zu den billigsten Preism. Bestellungen nach Maaß, besonders für Fußleidende, sowie Reparaturen jeder Art werden sauber und gediegen zu solidm Preism ausgeführt. 2316s_ A. Wohack, Müllerstraße 12a. Arbeitsmarkt. Korbmacher gesucht. schafttgung, bei freier Reise.[2395 P. Hatzoid, Korbtoaaren-Geschäft. 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Tricot-Toillen in ttditt Farben, mit Fächer- Schooß, a Stück 3,50, 4,00, 4 50, 5,00, 6,00, do. mit eingewrrltem Futter 6,50, 7,00, 8,00, 8,50. U Wollene gehäkelte Binder. Sleidcheu. & Stück 2,50, 3,50, 4,00, 4,50, 5,00, 5,50, 6,00. Ütnder Tricots. Baumwollene a Stück 80, 90, 1.00, 1,10, 1,20 k. Vigogne„„ 80. 90, 1,00, 1 10, 1,20 jc. Wollene„„ 1,50, 1,75, 2,00, 2,25, 2,50%. Ur� n i K c $ 8 f 8 8 § N n 8? 3 p 8 Cn O OS �1 tn 00 o c o t>s v i & 8 * i Ä W ilR verzweis Drittelr Nationo Drittel ventSmi daß die denen, Drittel" Bürger mit Kar der Kon folgende mung g und fühi betta's, i völlig zu die erste geheure ringere 'ogenani aner" r schieden- MahonS ES «Utscheid Strömui anti-rep, Minister und wir »arüber >aß es i Wand c in die System Di. ersehen, bettasch. Wir sin! Listenslr lebe», ie alte Über da der fran über schi Ding sii 3 p e 8 P ß» ß» s A Z K» Damen- nno Llnder-Westen. Für Kinder a Stück 1,00, 1,25, 1.50, 1,75. « Damen„„ 1,25, 1,50, 2,00, 2,50, 3,00, 3,50 ic. A ß 77] Wi der Rm mälig; »auihoh gänzlich von de» Tiefe hi Di. Swrz z »er Um akter. |« entdc Und ein bümmei glatt ge, u»d mu L 3e deaus e, Teröllbl We enfte,, Sanbste licht w. Deiche< Di Iterhin inet urchtba vlgte« 'aute ache z Verantwortlicher Redaktem«.«r-utzeim w Berlin. Druck und Verlag von Max Vadiug�Berlin SWjeeulbwTT