: Nr. 239. Dienstag, de« 13. Oktober 1885. II. Jahrg. MerVAsdli. Drgan für die Interessen der Arbeiter. Da,„Berliner Vottsdlatt» Festtage«. AoonnementSpreiz' ________ tlich 1,35 Mark, wöchentlich 35! wnera 4 Zva. Emzetne Ztr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10! (Eingetragen m ver PostzeitungSpreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Znsertiousgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerftraße 44, sowie von allen Annonce«» Bureaux, ohne Erhöhung de« Preises, angenommen. üam R-d-Ktion: Keuthstr-ß- 2.— Grp-ditio«: Jimm-rftrah- 44. StillK-Tkmxekkilzltt tu der Sihllriz. Es scheint fast, als ob die lärmende Agitation des so» genannte» TempcrenzlerthumS in Amerika, die dem Genuß geistiger Getränke überhaupt entgegentritt, ihre Wirkungen brs nach Europa ausgedehnt hätte. In einer Reihe von Ländern tritt ei« liberal-konservativeS Muckerthum auf, das behauptet, alle« Uebel in der Welt käme vom Alkohol. Wir haben uns über die Wirkungen des Alkohol, über die Ursachen seines häufigen Konsums und seine Bedeutung überhaupt w diesen Blättern schon zu häufig ausgesprochen, als daß wrr nöthig hätten, nochmals darauf zurückzukommen. Wrr nehmen die sogenannten Mäßigkeitsbestrebungen auch gm nicht ernst. Wenn in England die fromme Aristokratie sich beschwert, daß die„unteren" Volksklafien durch den Alkoholgenuß ruinirt werden/ so kann man ja fragen, wo- her es kommt, daß in den vornehmen englischen Kreisen,»a> mentlich in der SportSwelt und bei gewissen aristokratischen Damen, der Alkohol solche Verheerungen anrichtet. Wenn ein pommerscher Junker, der selbst SchnapS brennt, über den ÄlkoholiSmuS herzieht, so kommt unS dies aber so komisch vor, wie wenn es ein nationalliberaler HandelSkammersekretär thut, der seinen wohlgefüllten Weinkeller hat. Hand auf's Herz, all ihr Herren: Was ist überhaupt„Trunksucht"? Wenn man diesen Begriff auf alle in dem Maße ausdehnen will, wie man e« gegenüber den Arbeitern beabsichtigt hat, wer würde da nicht alles davon betroffen? Wenn in diesem Falle, bezüglich der Bestrafung der„Trunksucht", wie sie verlangt wird, Gleichheit vor dem Gesetz herrschen sollte, so wären die Arbeiter damit sicherlich nicht am härtesten ge- straft. Und wer ist„Gewohnheitstrinker"? Wenn alle, die im Deutschen Reiche wirklich unter diesen Begriff fallen, in jeder Stadt einmal öffentlich aufmarschiren sollten, so würde Mancher vor Erstaunen de« Mund nicht mehr zubringen. Von der ganzen Muckerei, die in der einseitigen Agitation gegen den ÄlkoholiSmuS liegt, hat sich nun auch ein Theil der herrschenden Kreise in der Schweiz mit fort- reißen lassen. Wir begreifen das. Die Agitation, die den Alkoholismus als das Grundübel unserer Zustände be- zeichnet, entspringt aus der Rathlosigkeit und Unwissenheit gegenüber unseren sozialen Erscheinungen von heute. Man sieht die Verarmung der Massen, die man bis vor Kurzem noch zu leugnen sich erdreistete; man sieht ihre schlechte Er- niihrung und wie sie unter dem Druck dieser Zustände physisch Herabkommen. Aus gewissen Gegenden kommen jede« Jahr kleinere und schwächere Rekruten. Die frucht- losen Steuer- Exekutionen mehren sich. Die Arbeitslosigkeit vermehrt sich, auch die Vergehen uud Verbrechen wachsen an Zahl. Wer de« wahre« Ursachen dieser Zustände nachforscht und sich nicht selbst täuschen will, terboitn.] Die Hand der Uemefts. i] Roma» von Ewald August König. Die Familie v. Stuckmann. „Ich habe Dir das oft gesagt, Siegfried, und heute sage ich es noch einmal, daß die Laufbahn, die Du gewählt hast, keineswegs meinen Beifall hat. Ich gab damals nur mit Widerstrebe« meine Zustimmung, aber ich gab sie; Du hattest Deine Wahl getroffen und ich wollte Dir nicht ent- gegentreten." .. junge Herr, an den diese Worte gerichtet waren, W t* e,net Ecke des DivanS und blickte sinnend den Rauch» wolkchm ferner Zigarre nach. Eine frische, jugendliche Er» fchernung, war er da« getreue Ebenbild seines Vaters, des pensiomrten Oberst Georg v. Stuckman«, der in dem ein- fach, aber geschmackvoll ausgestattete« Zimmer', aufsund nieder wanderte. „Die Familie v. Stuckmann hat bisher ihre Söhne stet« zur Armee gegeben, fuhr der Oberst fort,„Du bist der Erste, der eine Ausnahme macht. Eine glänzende Karriere hast Du nicht gewählt, Siegftied, und überdies ist das Amt eine« Richters mühsam und wenig einträglich." „Jedes Amt hat seine Last und seine Mühe, Papa, und in der Hauptsache kommt es wohl darauf an, ob mau sei« Amt mit Lust und Liebe verwaltet," schaltete Siegfried ei«, und aus seine» dunklen Augen leuchtete eine ehrliche und unerschütterliche Willenskraft.„Bis zum Assessor habe rch es schon gebracht, und ich bin keineswegs gesonnen, das Amt eine« Richters als Abschluß meiner Karriere zu be- trachte«, im Gegentheil gedenke ich schon binnem Kurzem die diplomatische Laufbahn zu betreten. Wozu auch hätte ich Staatswissenschaft studirt, wenn ich dieses Feld nicht be- bauen wollte? In den maßgebenden Kreisen kommt man mit Wohlwollen meinen Wünsche» entgegen, Protektionen der gelangt dahin, für diese Zustände jene wirrhschaftS-poli- tische Richtung verantwortlich zu machen, die bisher eine ge- sunde und energische wirthschastliche Gesetzgebung verhindert hat. An dieser Schuld hat der Liberalismus gleichen An- theil wie der Ultramontanismus und die konservative Reaktion. Der Unterschied ist nur, daß die eine Nuanze mehr„volkS- fteundliche" Phrasen losgelassen hat als die andere. So sehr sich diese Richtungen politisch bekämpfen— auf wirth- schaftlichem Gebiete kenne» ste alle nur ihre Sonder- intercssen. Daß man dort keine Selbstanklage erheben will, ist er- klärlich, obschon die Ultramontanen und Konservative« als gute Christen doch auch einmal an ihre Brust schlage« und sich sündig finden könnien. Allein da ist ja der bequeme Allerweltssünder, der Alkohol, der läßt sich für Alles verant- wortlich machen, und um so mehr, als er sich ja nicht selbst ver- theidigen kann. Wir möchte» seine Vcrtheidigung auch nicht übernehmen; wir vertheidigen nur den Armen, der ab und u einen Schluck SchnapS trinkt, weil er nichts Besseres at.— Auf dem geschilderten Wege mögen auch die schweizeri- schen Staatsmänner dazu gekommen sein, eine„Alkohol- frage" aufzuwerfen. Die Sache wurde ursprünglich von einer sogenannten gemeinnützigen Gesellschaft der Schweiz bei der Bundesversammlung angeregt und eS erging an den Bundesrath die Anfrage,„ob eS nicht angezeigt und vom verfassungsmäßigen Standpunkte aus zulässig sei, um die Konsumenten vor gefälschten oder gesundheitsschädliche« Ge- tränken zu schützen."— Man sieht, diese republikanischen Staatsmänner in den schweizerischen Alpen sehen mit recht großväterlicher Miene auf ihr freies Schweizervolk herab. Schutz gegen gefälschte Getränke finden wir ganz in der Ordnung; wenn aber unter den gesundheitsgefähr- lichen Getränken sich auch der Branntwein befindet, dann ist diese staatSväterliche Fürsorge wirklich rührend. Der BundeSrath als Großvater sagt zu den Nach» kommen der Stauffacher und Tell:„Liebe Kinder, wir müssen dafür sorgen, daß ihr nicht zu viel SchnapS trinkt; eS könnte eurer Gesundheit schaden!" Und was schlägt man als Mittel vor zur Rettung vor der Gefahr des AlkoholiS» muS? Die Einschränkung der Schankgerechtigkeit! Eine sehr madig und wurmstichig gewordene Weisheit. Die radikale, demokratische und sozialistische Presse der Schweiz hat unermüdlich gegen die Bestrebungen der Bundes- väter, da« Land durch Einschränkung des BranntweinschankS aus seinen Kalamitäten retten zu wollen, angekämpft; allein wie eS scheint, nicht mit dem erwarteten Erfolge. Wie mit- getheilt wird, hat die Alkoholvorlage Aussicht, angenommen zu werden und die StaatS-Temperenzler in der Bundes- Hauptstadt Bern werden wohl ihren Willen haben. muß man heutigen TageS habe», wenn man vorwärts kommen will, und ich weiß, sie fehle» mir nicht." Der Oberst war stehen geblieben, er drehte an den Spitzen seines Schnurrbarts und nickte leicht mit dem Kopfe, als ob er seine Uebereinstimmung mit diesen An- schauunge« und Hoffnungen ausdrücke« wolle. „Ich hätte Dich lieber an der Spitze eine« Regiments gesehen," sagte er;„aber wer den Degen trage« will, der muß auch mit Leib und Seele Soldat sein, und ich glaube, ein guter Soldat wärest Du nicht geworden. Und im Gmnde genommen liegt jetzt auch weniger daran, seitdem die alten Traditionen unseres Hauses so frevelhaft in den Staub getreten wurden; ich kann das meinem Bruder nie vergeben und vergessen." �, Siegfried blickte den Vater betroffen a«, der hoch aufgerichtet, in militärisch strammer Haltung vor ihm fianv.— „Und was ist die Veranlassung zu diesem Groll, der .... über das Grab hinausreicht?" fragte er.„Als ich �ella v. Stuckmann, meine schöne Kousine, im vergangenen Winter kenne» lernte, als ich Dir sagte, Tante Adelaide habe sich nach Dir erkundigt und ihr Beftemden darüber geäußert, daß der Bruder ihres verstorbene» Gatten sie keines Besuches, nicht einmal eines freundliche« Wortes würdige, da, ich will es Dir offenherzig gestehen, überraschte und verletzte mich Deine Antwort, daß eS zwischen der Generalin und Dir so bleiben werde und bleiben müsse, --..~» habe da« me so recht be- .r Tante liegt kaum eine �«vu.... und keiner von unS Beiden ist, so weit ich zurückdenken kann, ie ,n ihrem Hause ge- �°Da» Antlitz des alten Herr« hatte eine» harte« und strenge« Ausdruck angenommen, ein bitterer, feindseliger Zug umzuckte seine Lippe«._„.„„ Ich hätte längst me,ne Gründe Dir nennen sollen", erwiderte er,„aber eS fehlt- mir bisher an einer passenden Geleaenheit dazu, und überdies war eS mir immer peinlich, über diesen dunklen Punkt in unseren Familien. Annalen zu reden." Ein einflußreiche« demokratisches Blatt hat sich bemüht, nachzuweisen, der Alkoholismus sei nicht Ursache von Aimuth, Elend und Verkommenheit, sondern deren Wir- kung. Wirthschastliche Reforme», so sagte ganz richtig jene« Blatt, welche eine bessere Lebenshaltung, bessere Er- nährung, mehr freie Zeit zur Ausbildung und mehr Behag- lichkeit gewähren würden, schafften den ÄlkoholiSmuS ganz von selbst aus der Welt. Wie wahr ist dies! Aber welch ein seltsames Jahr- hundert, in dem eS ein ständiger Fehler in den Anschauungen der Staatsmänner geworden zu sein scheint, Ursache» mit Wirkungen zu verwechseln und umgekehrt. Polittschr Urberstcht. Zur preußischen Unterricht«- Statistik. Die Entwickelung der höheren Lehranstalten Preußens, speziell der Gymnasien, bietet einen anziehenden Belag für die fortschreitende Zunahme— des Gelehrtenproletariats. Man betrachte folgende Uebcrstcht. Es gab im Jahre 1868/69 227 Gymnasien, 1873/74 247, 1875/76-, 1878/79 277, 1880/81 285, 1881/82 286, 1882/83 289 und 1883/84 289 Gymnasien. Es kamen auf 1 Gymnasium 1868/69 106 167 Einwohner, 1873/74 103 239, 1875/76-, 1878/79 95 595, 1880/81 95789 1881/82 96 648, 1882/83 96 218 und 1883/84 96 791 Ein- wohner. ES kamen auf 100 000 Einwohner 1863/69 280 Gymnasial- schül-r, 1873/74 301, 1875/76-, 1878/79 226, 1880/81 320, 1881/82 326, 1882/83 331 und 1883/84 332 Gymnasial schülcr. , Diese letzte Tabelle zeigt ganz drastisch das Wachsthum der Gelehrlenschüler. Nur find nachweislich die sog. liberalen Berufe, d. h. diejenigen, welche Gymnafialbildung beziehungs- weise akademische Bildung erheischen, fast durchweg überfüllt. Der preußische Referendarius und der unbesoldete Assessor wissen ein Lied davon zu singen, und von Zeit zu Zeit ver- nimmt man auch offiziöse Preßstimmen, die auf die Mißstände der juristischen Laufbahn hinweisen. Die ärztliche Branche hat an ähnlichen Kalamitäten zu leiden, die Philologen werden trotz der Schönhauser Stiftung nicht die llebcrproduttion los. «ttrennen um den Besuch der höheren Schulen bildet nur ein Moment in diesem Drama. welches" i� Allgemeinen� bismarckische/ ist�alsRismarck�bst' bringt aus der Feder eines Deutschen, der sich in Süd-Afrika aufhalt, einen längeren Artikel, an dessen Schluß es folgender- Er trat an den Tisch, nahm aus dem zierlichen Eben- Holzkästchen eine Zigarre und zündete sie an, dann ließ er sich in einen Sessel nieder, und eine leichte Falte zeigte sich zwischen seinen buschigen Brauen, unter denen die Augen noch in jugendlichem Feuer blitzten. „Mein Bruder Konrad war etwa fünfzehn Jahre älter als ich," begann er,„meine übrigen Geschwister starben in früher Zugend, wir Beide waren die einzigen Erben, al« unser guter Vater das Zeitliche segnete. Konrad erbte das Stammschloß, welches jetzt noch die Generalin bewohnt, ich, der jüngere Sohn wurde mit einer Geldsumme abgefunden, die Besitzung sollte auf mich übergehen, wenn mein Bruder vor mir starb und bei seinem Tode keinen Erben hinterließ. Die Hoffnung, daß dieser letztere Fall eintreten werde, hatte ich nie gehegt, ich war gewohnt, mit sicheren Faktoren zu rechnen. Der Sold eines Offiziers war damals noch sehr gering, und die Zinsen meines kleinen Vermögens reichten nicht hin, den Ausfall zwischen Einnahme und Ausgabe zu decken. Schulden wollte ich nicht machen und Deine Mutter war auch unbemittelt, so kam es, daß da« Kapital ange- griffen wurde, und wenn man fich einmal auf dieser ab- schüssigen Bahn befindet, dann versucht man umsonst, Ein- halt zu gebieten. Ich will dabei auch offenherzig bekenne», daß ich nie ein guter Rechner gewesen bin, und daß eS mich selbst überraschte, als ich eines TageS den Verlust meines Vermögens entdeckte. Na, ich war zur Zeit dieser unan- genehmen Entdeckung bereits Major, und da unsere Bedürf- nisse fich in bescheidenen Schranken hielte», so konnte ich mit meinem Solde auskommen. Konrad hatte als General den Abschied genommen, er war, wie gesagt, fünfzehn Jahre älter als ich und während seines ganzen Lebens vom Glück begünstigt worden. Die Einkünfte aus der Verwaltung des Gutes hatte er zu SpekulationS-Geschäften benutzt, die in«- gefammt von dem glücklichsten Erfolg begleitet gewesen waren; ich billigte freilich diese Geschäfte nicht, aber was lag ihm an meinem Urtheil— er ging seinen eigenen Weg, und seine Anschauungen stimmten in vielen Dingen mit den meinigen nicht überein. So hatte er sein Vermögen ver- mehrt, und er war darüber ein alter Mann geworden, so daß jetzt wohl die Hoffnung auf das Erbe meinerseits be- maßen heißt:„In AnaraPequenahat man bis dato mit der Forschung nach Metallen noch keine günstigen Resultate erwlt. Doch was nicht ist, kann noch werden, mit einem Hieb fällt kein Baum. Von den für Lüderitzland geworbenen sächsischen Bergleuten gehen drei nach der Heimath zurück, trotzdem man denselben 50 M. Zulage per Monat, also 7 Lstrl. 10 Eh.—. 150 M. bei freier Station gebotm."— Wenn man bis jetzt keine Metalle in Angra-Pequena gefunden hat, so dürften auch in der Zukunft leine günstigen Resultate erzielt werden— im Sand wachsen gewöhnlich leine Metalle. Und wenn die fächfischen Bergleute, die in ihrer Heimath es wahrlich nicht desonvtrs gut haben, das„gesegnete" Kolonial- land, trotzdem man ihnen, natürlich ausnahmsweise, sehr hohe Löhne zahlt, wieder verlassen, so muß daS Ding doch wohl seinen Haken haben. Schlechtes Klima, Angst vor dem Fieber, Ausfichtslostgkeit auf dauemden Erwerb werden unsere deutschen Landsleute aus jenen Gegenden zurückgetrieben haben yind hoffentlich auch, was jedenfalls noch viel besser ist, ferner rückhalten. „Ein Tag aus dem Leben eines Arbeiters" lautet' die Uedersckrifi eines Artikels im„Berliner Tagebl.", den wir feiner zutreffenden Schilderungen wegen hier folgen lassen: „Wenn der fleißige Arbeiter fich des Morgens früh aus seinem Bett, deffen Holz mit einem Eingangszoll von 0,50 bis 6 Mark pro 100 Kilogramm belegt ist, erhebt, so ist das erste, daß er fich mit Seife, deren Herstellung durch die Verzollung der Rohmaterialien mit 1,50-2,50 Mark pro 100 Kilogramm erschwert ist, wäscht und ssch dann mit einem leinenen Hand- tuch— Etngangszoll 24—60 Mark pro Kilogramm— abtrocknet. Darauf zieht er fich ein reines Hemd— mit gleichem Eingangszoll, oder, falls es aus Baumwollenstoff gefertigt, mit einem Eingangszoll von 100 Mark pro 100 Kilogramm— an, darauf seine Stiesel— Eingangszoll 36 Mark pro 100 Kilogramm beim Sohlleder und 18 Mark beim Oberleder— dann die wollenen Kleider(Rock, Hose und Weste)— Eingangszoll 135—220 Mark pro 100 Kilogramm— und nun setzt er fich an seinen Kaffeetisch. Auf diesem und dem Stuhl lastet der- selbe Eingangszoll wie auf seinem Bett, auf dem Kaffee ein Etngangszoll von 40 Mark, auf dem Weiß- oder Schwarz brod, welcher er dazu genießt, ein Zoll von 3 Mark pro 1 Kilogramm und wenn er fich den Luxus der Butter gestattet, so zahlt diese 20 Mark Eingangszoll. Wenn er dann zur Arbeit geht, und nimmt fich sein Früh- stück mit, so z> Hit das Brod 3 Mark, die Butter 20 Marf das Schmalz 10 Mark pro 1000 Kilogramm, daS Fleisch, mit dem ihm seine Frau das Butterbrod belegt, je nach der Gattung, 6-30 Mark, oder der Käse 20 Mark pro 100 Kilogramm. Nun hat er bis Mittag vor der Steuer Ruhe, es müßte denn sein, daß er die Frühstückspause benutzt, um eine Zeitung zu lesen, in welchem Falle das Papier derselben einen Ein- gangszoll von 10 Mark, die Maschine zum Druck einen Eingangszoll von 5 Mark pro 100 Kilogramm zahlen. Kommt er Mittags nach Hause, so ißt er Suppe, die auS Fleisch, welches Etngangszoll zahlt, bereitet ist, darauf ein Ge- müse, welches, wenn es aus Reis besteht, 4 Mark, wenn aus Makkaroni 10 Mark, wenn aus Gries und dergl. 7,50 Mark Eingangszoll zahlt, schließlich wieder besteuertes Fleisch und Brod dazu. Trinkt er ein Glas Bier, so zahlt dreS 4 Mark, trinkt er ein Glas Branntwein, so zahlt derselbe 80 Mark EingangSzoll. und auf dem Nachmittagskaffee lastet derselbe Zoll, wie auf dem Morgenkaffee. Raucht er auf dem Wege zur Fabrik eine Zigarre,' so kostet dieselbe 45 Mark Steuer oder 85 Mark Eingangszoll und der gleiche Zoll lastet auf der Pfeile. Abends hat er wieder das Vergnügen, bei dem Abendessen den gleichen Zoll wie beim Mittagessen an den Staat zu zah- len; brennt er, was im Winter dock wohl nothwendig ist, eine Lampe, so zahlt das Petroleum 6 Mark EinganqSzoll, und für das Glas Bier und die Zigarre, welche seinen einzigen LuxuS bildet, zahlt er die oben angegebenen Steuer. Liest er cm gutes Buch, so ist das Papier durch einen Zoll von 10 Mark, der Druck durch den Maschinenzoll von 5 Mark vertheuert, und selbst beim Zubettgehen muß er noch seiner Verpflichtungen gegen den Staat eingedenk sein, denn auf dem Strefelknecht, welchen er beim Ausziehen braucht, lastet ein Eingangszoll von 3 Mark pro 100 Kilogramm. Nur im Schlaf ist er zollstei, denn die Träume find noch nicht mit einem Etngangszoll oder einer Steuer belegt. Viel- leicht findet ein findiger Kopf aber auch hierfür noch erne Form, denn weshalb soll die Nacht steuerfrei sein?" Auf Grund des Sozialistengesetzes verbietet derjjroß- herzogliche badische Landeskommiffar zu Mannheim ...._„_______..... den Wahl- ausrut des sozioldemokratischen Wahl-Komitecs, beginnend mit den Worten:„Mitbürger! Landtagswähler! Noch in letzter Stunde fühlen wir uns gezwungen, einen Wahlkampf zu de- ginnen", unterzeichnet:„DaS sozialdemokratische Wohl- komitec". Der„Reichsanzeiger" publizirt nachstehende Verordnung, betreffend die Zuständigkeit der Verwaltungsgerichte und den Jnstanzenzug für Streitigkeiten, welche nach reichsgesetzlicher Vorschrift im Verwallun gsstreitverfah ren zu entscheiden find rechtigt gewesen wäre. Aber ich wiederhole, daß ich nie- malS, oder ich sage besser: damals nicht daran gedacht habe, daß also auch nicht der Groll über eine vernichtete Hoffnung den spätere« Bruch mit meinem Bruder herbeigeführt hat. Die Ursache war eine andere. Der Mann, welcher da« Vermögen Konrads verwaltete und auch die Spekulation«- Geschäfte leitete, war ein Advokat Rabe, ein verschmitzter Jurist, der seinen Vortheil in jeder Hinsicht zu wahren wußte. Und Adelaide Rabe, seine Tochter, war, ich gebe da« neidlo« zu, eine schöne, imponirende Erscheinung, die mit ihrer Liebenswürdigkeit, und daneben wohl auch die Künste der Koketterie nicht verschmähend, den alte« General fesselte und bestrickte. Und so erhielt ich denn eine« Tage» die Nachricht, daß der General von Stuckmann sich mit Fräulein Adelaide Rabe verlobt habe. Es war mir un- möglich, an die Wahrhett dieser Nachricht zu glauben. Ei« Stuckmann sollte sich zu einer solchen Mesallranze erniedri- gen können? Wir durften auf unsere« Stammbaum stolz sein, kein Flecken ruhte auf unserem Wappen, und nun wollte dieser alte Mann, dessen Haar schon ergraut war, unserer Familie diese Schmach anthun! Ich mußte darüber persönlich mit ihm reden, so viel wie möglich wollte ich e< vermeiden, bitter zu werden, der Bruch mit dem Bruder lag meiner Absicht zu fern." Der Oberst stützte da« Haupt auf den Arm und blickte i» finsterem Schweigen lange vor sich hin, und Siegfried wagte nicht eine Frage an den Vater zu richten, er begriff und ehrte de« Schmerz, den die Erinnerung an jene Ereig- nisse in der Seele de« adelstolzen und von den Vorur- theilen seine« Standes tief durchdrungene« Manne« geweckt hatte. Georg von Stuckmann zündete nach einer geraumen Weile die erloschene Zigarre wieder an, und ein Zug der Verachtung umspielte dabei seine Lippe«. „Ich stand ihm gegenüber," nahm er den abgerissenen Fade« wieder auf,„und er hörte schweigend an, wa» ich ihm sagte, was ich ihm im Hinblick auf die Ehre unsere« Hauses sagen mußte. Und als ich damit fertig war und alle meme Gründe ihm klar vorgelegt hatte, schleuderte er mir den Vorwurf ins Gesicht, da» Testament unsere« Vater« Vom 12. September 1885. Wir Wilhelm, von Goltes Gnaden König von Preußen:c. verordnen auf Grund des Gesetzes vom 27. April 1885 zur Ergänzung des§ 7 des Gesetzes über die allgemeine Lmdesverwaltung vom 30. Juli 1883(Gesetz Samml. S. 187), was folgt: § 1. Die nach§ 58 Absatz 2,§ 65 Absatz 5,§ 72 Absatz 4, § 73 de« Reichsgesetzes, betreffend die Krankcnverficherung der Arbeiter, vom 15. Juni 1883(Reichs-Gesetzbl. E. 73),§ 5 Absatz 8 des Unfallverficherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 (Reichs-Gesetzbl. S. 69) und§ 16 Absatz 3 des Reichsgesetzes über die Ausdehnung der Unfall- und Krankenverficherung vom 28. Mai 1885(Rercks Gesetzblatt S. 159) im Verwaltungs- ftreitoerfahren zu entscheidenden Streitigkeiten unterliegen der Entscheidung des Bezirksausschusses. Gegen die Entscheidung de« Bezirksausschusses ist nur daS Rechtsmittel der Revision zulässtg. § 2. In den Provinzen Posen, Schleswig-Holstein. Hessen- Nassau, Westfalen und in der Rheinprovinz ttitt diese Ver- irdnung gleichzeitig mit dem Gesetze über die allgemeine «Verwaltung vom 30. Juli 1883(Gesetz-Samml. S. 195) in Matt. Urkundlich it. Z» de» Ausweisungen von Ausländern wird aus Königsberg berichtet:„Der russische Minister von Giers, der in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend hier übernachtete, hat mehreren Blättem zufolge in einer Unterredung mit einem Königsberger Banquier geäußert, Rußland würde die durch die AuSweisungsmaßregeln betroffenen rusfischen Unterthanen „besonders entgegenkommend" behandeln."— Bis jetzt ist das nach allen hierher gelangten Berichten sicherlich nicht der Fall gewesen und auch die höfliche Verficherung deS Herrn v. Giers (riebt nar schwache Hoffnung, daß es in Zukunft besser werde. Es ttMt fich eben nur, was man in Rußland unter„deson- entgegenkommend" versteht. Frankfurt a. M,. 9. Oftober. In der gestrigen Sitzung tadtverordneten. Versammlung gelangte der Magistrats vortrug bezüglich der Vorfälle aus dem Frankfurter Friedhofe am 22. 1 all d. I. zur Vorlage.(Der Magistrat fand bekannt- lich, wie er dem Reichstags-Abgeordneten Herrn Sabor mitge- theilt hat, keinen Anlaß, gegen die Friedhofsbeamten einzu- schreiten.) Dr. Hold heim bemängelte zunächst, daß der Versammlung überhaupt nichts mitgetheilt worden sei. Dann sage der Magistrat in dem Brief an Herrn Sabor, daß die Zeugenaussagen sich widersprochen hätten. Die Zeugen seien aber alle unbeeidigt vernommen worden; es bleive nichts übrig, als zu einer wirklichen Untersuchung überzugehen und das einzige Mittel herbeizuführen, durch welches man der Wahrheit auf die Spur kommen könne, indem man einzelne Personen eidlich vernehme. Das könne nur im Wege der Un- tersuchung geschehen, und da eine ganze Reihe gravirender Thatsachen konstatirt sei, scheine es allerdings angebracht zu sein, daß hier eine Disziplinaruntersuchung gegen die Beamten erössnet werde. Im Interesse der Beamten selber liege es, von dem Vorwurf entlastet zu werden, daß fie fich an den Exzessen bctheiligten. Besonders spiele die Episode des S ch ließens der Thore eine Hauptrolle. Die Friedhofs- kommisfion sage, eine Jnstruftion existire nicht weiter, al« daß in der Friedhofsordnung festgestellt worden, wann geöffnet und wann geschlossen werde. Was in der Zwischenzeit geschehe, sei lediglich dem Ermessen des Verwalters überlassen. Nun sei die Verpflichtung des Verwalters, daß bei allen Leichenbegängnissen sämmtliche Thore offen bleiben. Davon sei der Verwalter Gramm merkwürdiger Weise an diesem Tage abgegangen, und zwar nicht auf Grund eigenen Ermessen«, sondern auf An- Weisung de« Polrzeikommissär« Meyer. Von vomhercin scheine es klar, daß man gerade, wenn eine größere Menschenmenge in den Friedhof hineinsttöme, sämmtliche Ein- gänge offen halten müsse, damit bei der Zurückkunft kein Un- glück entstehe. Das Schließen der beiden Thore sei eine Kopf- lofigkeit, involvire mindestens eine Fahrlässigkeit. Gramm sei gar nicht berechtigt gewesen, den Anordnungen des Polizeikom- missärs zu folgen, er habe eventuell nur der Gewalt weichen dürfen, aber nicht als städtischer Beamter der Polizei die Hand reichen. Daß unsere Beamten ihrer Pflicht nicht ein- gedenk gewesen, gehe aus dem Benehmen des Schuch hervor, der mit den Schlüsseln der verschlossenen Thore in der Hand statt zu öffnen, die Schutzleute herbeiwinlte. Auch das ser ein Handlangerdienst für die Polizei gewesen, wofür wir unsere städtischen Beamten nicht haben. Er beantrage, den Magistrat zu ersuchen, die Disziplinar Untersuchung gegen die Betheilig- ten zu eröffnen. Stadtrath Dr. Knopf hat durchaus nichts gegen eine nochmalige Untersuchung, glaubt aber nicht, daß die Beamten fich vergangen hätten. Einem einzigen Zeugen, der gesehen haben wolle, daß einer der Friedhofsaufseher einer Frau auf den Rücken gestoßen und gesagt habe:„Hinaus mit Euch!" stünden sechs oder acht entgegen, die ihm widersprechen. Was nun das Schließen des Thores anbelange, so stehe aller- dinas der Verwalter nicht auf dem juristischen Standpunfte. wie Vorredner. An dem Faktum aber würde nichts geändert sei die alleinige Veranlassung zu diesem Auftreten, dessen Berechtigung er in keiner Weise anerkennen könne. Er habe seine« Entschluß reiflich erwogen und nun stehe der- selbe unerschütterlich fest, Niemand könne ihm einen Vor- wurf darau« machen, daß er der Stimme seine« Herzen« folge, und über vie veralteten Vorurtheile seine« Stande« sei er hinau«! Ich bat und beschwor ihn, unser Wappen rein zu halten, aber immer wieder traf mich derselbe Vor- wurf, und damtt war der Bruch vollzogen. „Und seitdem hast Du ihn nicht wiedergesehe«? fragte der Assessor. „Nein. Bald darauf wurde die Hochzeit in aller Stille gefeiert, die Neuvermählten reiste« nach Italien, und alS fie zurückkehrten, fand sich der Bruder der junge» Frau ein, der Beide tyrannisirte. Vielleicht hätte ich später die Hand der Versöhnung angenommen, die mir auf indirektem Wege geboten wurde, wenn auch mein Urtheil über die Heirath trotzdem dasselbe geblieben wäre, aber der Gedanke an jene« manvais snjet hielt mich stet« zurück." „Allerding«, und man hat mir gesagt, er sei dort der allein befehlende und unumschränkt herrschende Gebieter. Willibald Rabe war schon damals, zur Zeit der Heirath seiner Schwester, wie ich berett« bemerkte, ein manvaU sryet, ein Mensch, der vielleicht Viele«, aber diese« Viele nur oberflächlich gelernt hatte, eine problematische Natur, die sich zu einer geordneten Lebensweise nicht bequemen konnte. Energie und eine zäh ausdauernde Willentkraft will ich ihm keineswegs absprechen, er hat beide bewiesen, und ich glaube, e« liegt viel von jenem Gaunertalent in rhm, welches vor dem Verbrechen nicht zurückschreckt, wenn e« keinen anderen Weg zur Erreichung seine« Zrele« findet. Daß er ein leidenschaftlicher Hazardspreler sein soll, glaube ich gerne, und wenn die Generalin fich von einem solchen Manne beherrschen und tyrannisiren läßt, dann—" -.Dann, Papa, wäre e« ein gute» Werk, wenn man ihr die Augen öffnete und sie au« dieser Tyrannei befteite!" fiel Siegfried ihm mit unverkennbarer Enttüstung in die Rede. Der Oberst sah seine» Sohn betroffen an und seine Brauen zogen sich leicht zusammen. worden sein, da, wenn er nicht das Seitenthor geschl«' gliedert, hätte, cs einfach von der Polizei geschehen wäre. D«l sich noch hauptung, das Portal sei geschlossen gewesen, wird von> Tage vo derer Seite direkt widersprochen. Dr. Geiger meint, man» Vereine> doch erst das Resultat des Strafverfahrens gegen den t Arme r lizeikommissär Meyer abwarten. Wenn nichts M gezogen> den Verwalter vorliege, als das Schließen des Thf und nick so würde leine Behörde ein Vergehen daraut> fluß und struiren können. Dr. Holdheim genügt die ZeitunM breit zu wegen einer Ettafuntersuchung nicht; offiziell sei ihm» nicht für davon bekannt. Bürgermeister Dr. Hcussenstamm beruft«cht die auf die Notorität dieser Thatsache. Ein gegründeter �nnen, i zur Disziplinaruntersuchung liege übrigens nicht vor, Gebrldeü Polizeikommiffär sei als Exekutivbeamter anwesend und i» stnd bei Lage gewesen, seinen Anordnungen Nachdruck zu geben, ven, und der Verwalter nicht verpflichtet gewesen wäre, der Änordn Folge zu leisten, lasse er dahin gestellt. Er glaube, des f. Regierung auf einen Antrag des Magistrats auf Einim einer Disziplinaruntersuchung dieserhalb nicht eingehen v» Trotz nochmaliger Befiftwortung des Dr. Holdheim» deffen Anttag abgelehnt.. — Wie von anderer Seite zu der Friedhofs-Affaire» können. theilt wird, ist die Untersuchung gegen den Polizeikom» Meyer und einigen anderen Polizeibeamten nunmelt schloffen und find dre Akten zur Erhebung der Ank9 an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden. Lüben. Die von konservativer Seite bestrittene Waij bekanntlich wegen Majestätsbeleidigung bestrasten Fabrikbck Richter- Mühlrädliy zum Abgeordneten des Lübener* tages für die Landgemeinden ist, wie der„Neue Görl.' meldet, vom Oberverwaltungsgericht in Berlin als gi- anerkannt worden. Bromberg, 10. Oktober. Vor dem hiesigen Schöffeng« wurde vorgestern gegen den Konditor und Bäckermeister> wegen Uebertretung der bekannten polizeilichen Verordnu» züglich der B�rod tax en verhandelt. Der Staat sann» äntragte die Bestätigung de« polizeilichen Strafmandats 3 M. Der Gerichtshof erkannte, der„Ostd. Pr." zufolgt Freisprechung, weil die in Rede stehende Polizei» nung mit der Gewerbegeseygebung nicht im Einftange fi sondern derselben geradezu zuwiderlaufend sei. Das seif von der Strafkammer des Landgerichts hier ausgesprock den und, wie der Vorfitzende hervorhob, sogar in ein analogen Falle vom Reichsgericht in seiner Entscheidu 8. Januar 1883. Trotzdem wird diese von den Gerick wiederholt für gesetzwidrig erklärte Verordnung, welche werbetreibenden nutzlos belästigt, noch immer gehandhab Holland. Die„Köln. Ztg." bringt eine Korrespondenz, in welck freilich von ihrem reaktionären Standpunfte aus, ab sachlich recht belehrend, die Zunahme der sozialdemoli Bewegung in den Niederlanden bespricht:„Der Stillstand im Handel, die seit Jahren auf dem chronisch gewordene Krise hat, wie überall so auch arbeitenden Klaffen schwere Zetten bereitet. Ungeheure i in Werthpapieren, besonders in amerikanischen Effekt welchen große Vermögen verloren worden find, der SM der namentlich in den Kolonien früher so blühenden- industrie, die fortwährende Erhöhung der Staat«- u> meindesteuern, das starke Sinken des Grundbesitz» zwangen einen großen Theil der wohlhabenden Bevölkerst Beschränkung der bisherigen Ausgaben, und der Rückscb» Ladengeschäfte, auf das Kleingewerbe uns die Arbei» machte sich alsbald fühlbar. Massenhaft wurden die entlassen, auf den Siaden, wo früher fich tausend i Hände regten, ward es still, dutzendweise lagen Echisstz Häfen, und die Roth in ihrer gräßlichsten Gestalt fiel» ein. Da in diesen Kreisen die Vorficht bei der Gründu»l eigenen Herdes noch für lange Zeit in das Gebiet W des vori wen, unerfüllbaren Wünsche gehören wird, so mußl. zur menf den Wohlthätigkeitsfinn sehr hohe Anforderungen geftclk Grunde den, aber trotz der reichlichsten Spenden(wie rübrenv f;' 7 Kälb« der Zustand des Volkes derselbe.(Welch ein Wunder Thtere. welchen Opfern fich im vorigen Winter einzelne G« entschlossen, zeigt das Bild Amsterdams, wo Erdarbei» geführt wurden und wo der Kubikmeter Erde, der s» etwa V, Gulden zu stehen kommt, volle drei Gulden Derartigen Ausgaben wird auch die wohlhabendste w auf die Dauer nicht gewachsen sein, ganz abgesehen da» dadurch nur vorübergehende Hilfe geschafft werden kai» Verdienstlofigkeit, die schon während der Sommermo» bis jetzt noch nicht erlebte war, wird im Winter noch a Umfang annehmen, und die Ereignisse, auf welche man ss zubereiten hat, entziehen fich natürlich jeder Berechnung-� solchen Umständen ist es begreiflich, wenn daS Ohr leidenden Arbeiters, namentlich wenn er in seiner Wohlstand und Reichthum sieht, jeder Stimme zuga welche ihm die Ausficht auf die Verbesserung seiner- öffnet. Schon sett einer Reihe von Jahren bestehen� Städten die verschiedensten Vereine von meistens nach Berufsklassen und Jndustriezv am „Und wer wollte ihr diese» Ritterdienst fragte er scharf. „Ich, Papa!" „Du? E« wäre entehrend, oder doch wenig , WW» E für Dich, wolltest Du Dich in die inneren Angeles)? n un«'' Tochter dieser Leute einmischen. Wa» kümmern denn un« kommen de« Advokaten Rabe?" „Arabella von Swckmann ist die Bruder«." „Und die Enkelm eine« Advokaten," sagte der Od» verächtlichem Achselzucken.„Zu derselben Nacht,* gebore« wurde, starb mein Bruder." „In derselben Nacht?"* „Ja. Ich erhielt beide Nachrichten zugleich- neral war seit einigen Tagen leidend gewesen, abri � Ende dachte Niemand. Zn jener Nacht soll ihu W; gerührt haben." Der Oberst war von seinem Sitz aufgefia. Arme auf der Brust gekreuzt, stand er am F�fi? Nachdenke« versunke«, schaute er mit finsterem Bi>» Straße hinunter., „Du sagst da« in einem seltsame» To««, Siegfried, in dessen Züge» eine erwartungsvolle sich ausdrückte.„Schwebt vielleicht ei« gehee Dunkel über dem Tode de« Onkels? War Will' in jener Nacht im Schlosse?" Der alte Herr strich mit der Hand leicht runzelte Stine, e« schien fast, al« ob er einen Verdacht beschwören und zurückdränge« wolle. „3a, er war anwesend," erwiderte er; ficht, ihn in irgend einer Weise verdächtigen liegt mir ferne. Ein Ereigniß iodeß mußte au' befremdlich erscheinen, und die« um so mehr, mal« aufgeklärt worden ist. Der Arzt, welcher v« und dessen Gattin in jener Nacht behandelte, anderen Morgen, al« er sich auf dem Heimrm schoflen. Man fand einige Stunden später M*' der Mörder ist nie entdeckt worden."* „Da« ist allerdings seltsam und auffallen� f „Man hat damals angenommen, e« sei � Vflichtun Oberst e Rochier; keine An änderen . Auj nehmen umwölkt. muth, di "Ul Mutter. Der flammen! ' «« iliedert, und in der letzten Zeit hat diese Organisatwn Der> nch noch erweitert, so daß bei der Knndgebuna im Haag am rd vo»> Tage vor der Eröffnung der Kammern über yundert solcher , man» Vereine vertreten waren. Wahr ist es ferner, daß der en den 1 Arme und Unbemittelte zum Militärdienst heran- chts M gezogen wird, während der Reiche sich loskaust, es TP und nicht weniger wahr ist eS, daß der Verwandtschaftsein- iraus i stuß und Klüngel fich noch in manchen Kreisen in einer Weise :itung» breit zu machen wissen, die man in einem modernen Staate ihm nicht für möglich halten sollte, aber ob das allgemeine Wahl- beruft«cht die Quelle dieser Mißstände so rasch wird verstopfen eter% können, ist eine andere Frage, die von einem großen Theil der t vor,! Gebildeten im Augenblick noch unbedingt verneint wird. Doch find bei der Bewegung verschiedene Richtungen zu unterschei- den, und mit Sicherheit kann man annehmen. daß, wenn das bis jetzt von Allen gemeinschaftlich erstrebte Ziel, das allge- mnne Wahlrecht, erreicht ist, fie fich auch in mehr als einer Hinficht in diametralem Gegensatz zu einander befinden wer- den."— Die„Kölnische Zig." und ihr Korrespondent mm fich beruhigen, die holländischen Arbeiter werden ficherlich wifi was fie mit dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht eireil können. Berichtigung. In der Sonnabend-Nummer unseres Blattes —- befindet fich in dieser Rubrik eine Korrespondenz aus So- Ann lin gen, welche folgendermaßen beginnt: ®jj,»Wenn auch bei hiestgen Sozialisten fich unverkenn- a» bar das Bestreben geltend macht, die in der Stahlwaaren-Jn- »drild» dustrie vorherrschende HauSarbeit durch die Fabrikarbeit zu ver- >ener P drangen---" Jörl.' Der Druckfehlerteufel hat hier aus dem Worte Kapitalisten �allsten gemacht, es muß demnach heißen: „Wenn auch bei hiestgen Kapitalisten---" umere Leser werden den richtigen Sinn trotz dieses ent- stellenden Fehlers wohl herausgefunden haben. Kommunales. _ Im Arbeitspause befanden fich am 30. Juni 1885 De« tlrnrte, Obdachlose, Kranke und Polizeigefangene zc. 1157 Per- sonen. Der Zugang betrug in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September er. 283 Personen. Der Abgang betrug in demsel- den Zeiträume 443 Personen, so daß am 30. September d. I. ein Bestand von 997 Personen war.- Im Lazareth der An- statt wurden am 30. September d. I. 127 Personen verpflegt und in der Schule erhrelten an demselben Tage 20 jugendliche Hauslmge Unterricht. Kleidungsstücken und Bezahlung der nsten Miethe wurden bei ihrer Entlassung in der Zeit vom 1. �utt bis 30. September er. 168 Personen mit 1108,71 Mark und 195 Familien, aus 688 Personen bestehend, mit 2607,00 Mark unterstützt, so daß hierfür überhaupt 3715,71 M. gezahlt worden find. Im Hospital des Arbeitshauses befanden fich am 30. September 1885— 395 Personen und im Asyl für obdachlose Fa» mitten 273 Personen. 3m Friedrich-WilhelmS-HoSvital(einschließlich der Frliat- Anstalt) befanden fich am 30. Juni 1885 51 Domestiken und 557 Hospitaliten. Aufgenommen wurden vom 1. Juli bis ult. September d. I. 8 Domestiken und 25 Hospitaliten. — Durch Tod und Entlassung schieden in demselben Zeitraum aus 8 Domestiken und 31 Hospitaliten, so daß am 30. September AbendS in beiden Anstalten ein Bestand fich ergab von 51 Domestiken und 551 Hospitaliten(230 Männer, 321 Frauen). Zentral-Biehhof. In den öffentlichen Schlachthäusern des städtischen Zentral-Schlachthofes find in den Monaten Juli, August und September d. I. geschlachtet worden: 23,871 Rinder, 18,495 Kälber, 53,784 Schafe und 63,931 Schweine, zusammen 160,081 Thiere(gegen 149,072 in derselben Zeit des vorigen Jahres.)— Von den geschlachteten Thicren find zur menschlichen Nahrung ungeeignet befunden und aus diesem Grunde zurückgewiesen und beanstandet worden: 20 Rinder. 7 Kälber, 10 Schafe und 849 Schweine; zusammen Thiere. In der Krauen- Siechen- Anstalt befanden fich am 1. Juli 1885 18 Domestiken und 166 Sieche. Der Zugang betrug im Quartal Juli bis September d. I. 2 Domestiken und 33 Sieche. Der Abgang durch Tod oder Entlassung betrug 2 Domestiken und 42 Sieche. Demnach betrug der Bestand am 30. September er. 18 Domestiken und 157 Siecke. In der Männer-Siechen-Anstalt war ein Bestand am 1. Juli 1885 von 18 Domestiken und 76 Siechen. Es wurden aufgenommen in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1885 4 Domestiken und 16 Sieche. Durch Tod und Entlassung schieden in demselben Zeittaum aus 4 Domestiken und 3 Sieche, | so daß fich ult. September er. 18 Domestilen und 84 Sieche I in der Anstalt befanden. Verlegung von Standesämtern. Der Magistrat macht bekannt, daß das Standesamt Viil in das Kommunalhaus Georgenkirchstraße 2 und das Standesamt X X in das Kom munalhaus Zehdenickerstraße 16—18 verlegt worden ist. Ol# 5 J lönlicher Rache gewesen, alle Nachforschungen blieben fruchi los, und die Untersuchungsakte« mußten endlich geschlossen werden."" „Auf den Bruder der Generalin ist also kein Verdacht gefallen?" „So viel ich weiß, nein!" Der junge Herr athmete tief auf, diese Antwort schien ihm eine Last von der Seele genommen zu haben. „Wenn Tante Adelaide in ihrer Zugend so schön war, wie ihre Tochter es ist, dann finde ich e» begreiflich, daß fie den General bezauberte," sagte er leise, wie mit fich selbst redend. Der Oberst wandte sich hastig um, in seinen blitzenden Augen spiegelte fich ein ernster, strenger Vor« wurf. »Aeußere Schönheit sollte nie bei der Wahl der künfti- gen Lebensgefährtin entscheiden," antwortete er in herbem Zone.„Hat Arabella v. Stuckmann auch die Schönheit ihrer Mutter geerbt, so soll, wie man behauptet, dies in Bezug auf de» Geist nicht der Fall sein. Fräulein von Stuckmann soll in dieser Beziehung von der Natur ziemlich stiefmütterlich bedacht worden sein." „Und wer will das behaupten?" „Namen thun nichts zur Sache—" „Ei könnte eine absichtliche Verleumdung sein, Papa, und in diesem Falle „Würde diese Verleumdung Dir keineswegs die Ver- Pflichtung auferlegen, Rechenschaft zu fordern," sagte der Oberst ernst.„Ich wünsche, daß die Generalin sammt ihrer Tochter und ihrem Bruder u«S fern bleiben möge, ich suche keine Annäherung, und einem solchen Versuch von der anderen Seite würde ich entschieden entgegentteten." Auf den Assessor schienen diese Worte einen unange nehmen Eindruck gemacht zu haben, ein dunkler Schatten umwölkte seine Stirne, während seine Hand, wie im Un- muth, die Cigarre im Aschenbecher zerstieß. t r., „Und was kann Kousine Arabella dafür, daß ihre Mutter eine Bürgerliche ist?" fragte er. Der Oberst zog die Brauen hoch hinauf, der auf flammende Zorn blitzte aus seinen Auge«. Im Depot für ans hiestgen Heilanstalten entlassene Obdachlose war der Bestand am 1. Juli d. I. 2 Domestiken und 30 Sieche. In der Zeit vom 1. Juli bis 30. September wurden aufgenommen 2 Domestiken und 41 Sieche. Durch Tod und Entlassung schieden in demselben Zeitraum auS 2 Domestiken und 43 Sieche. Der Bestand am 30. September war 2 Domestiken und 28 Sieche. Auf dem städtischen Fletschschanamte find im Monat September d. I. 24,190 Schweine auf Trichinen untersucht und darunter 17 trichinöse und 248 finnige ermittelt worden, welche als zur menschlichen Nahrung ungeeignet verworfen worden find. Zokales. gerichtlichen Sachverständigen. In seinem . gegen den Prof. Graes hat der Staatsanwaty Herr ....emann, mit einer flüchtigen Handbewegung sozusagen die achverständigen, welche die HauptdelastungSzeugin, die Anna Rother, für dlövstnnig erklärten— und fie war Zeugin im Sinne der Anklage, trotzdem fie auch auf der Anklagebank saß — bei Seite geschoben.„Die Sachverständigen— darauf kommt sein Unheil heraus— haben fich geint. Sie find"— so sagte er den Geschworenen—„an ihre Aussagen nicht ge- Kunden." Die drei Männer, bemerkt die„Breil. Morgenztg." hierzu mit Recht, denen hier der Vorwurf gemacht wurde, daß sie fich geirrt haben, find im Dienst ergraute Autoritäten. Wie haben fie fich ihr Urtheil gebildet? Viele Monate lang haben sie, jeder für fich, vollständig unabhängig von einander die Anna Rother beobachtet. Sie wird bei Tag und bei Nacht überwacht. Die Wärterinnen erstatten umständlichen Bericht über Krankheitsanfälle. Jeder der Sachverständigen studirt die Geschichte ihrer Jugend; es werden die eingehendsten Exa- mina mit ihr vorgenommen, nicht einmal, sondern zehnmal. Eme Blüthenlese ihr-r Antworten liegt vor. Als die 3 Sachverständigen zuletzt miteinander konferirten, stellte fich bei ihnen eine von mir schon früher höchst selten beobachtete vorkommende Ueber- einstimmung heraus. Doch damit hörte ihre Aufgabe nicht auf. Zehn Tage lang find fie im Gerichtssaale anwesend. Auf An« ordnung ves Präfidentcn setzen fie fich so, daß fie die Anna Rother beobachten können. Und am Schlüsse der Verhandlungen find fie der Anficht, daß Anna Rother schwachfinnig ist, in weit erhöhterem Maße als früher. Indem Herr Staatsanwalt Heine- mann über dieses Urtheil seinerseits ein wegwerfendes Urtheil fällte, hat er etwas gethan, was der dösen Presse im Allge- meinen zum Vorwurf gemacht zu werden pflegt. Er hat den Autoritätsglauben erschüttert, er hat erschüttern wollen den Glauben an die Zuverläsfigkeit der Sachverständigen und hat in Wahrheit fich als nicht unbefangen hingestellt. Daß diese Frage in den Prozeß Gräf hineinspielt, ist rein nebensächlich und zufällig. Es könnte gerade so gut ein Prozeß Müller oder Schultze fern. Oder wollte Herr Heinemann sagen, daß diese drei gerichtlichen, vereidigten Sachverständigen, deren Auswahl der Vertbeidiauna nicht zustand, auch voreingenommen gewesen find zu Gunsten Gräs's, weil er ein angesehener Künstler war? Soll etwa die Ehrlichkeit der Sachve: ständigen in Zweifel ge- zogen werden? Gewiß nicht. Was also denn? Ihre Gewissenhaftigkeit? Sie würden dagegen mit Ent- rüstung Protest erheben. Also nur ihre Urtheils fähiglert. Nun denn, wenn in der einen Wagschale die wtffenschafllichen, sechsstündigen, auf lange Beobachtungen ge- stützten Wahrnehmungen der drei belehrten Sachverständigen liegen und auf anderer Seite die Ansicht deS Herrn Heine- mann, der die Anna Rother im Termin überhaupt zum ersten Male gesehen, dann wird seine Seite thurmhoch in die Höhe S Mellen. Herr Heinemann hat es zu verantworten, wenn die nficht Platz greifen sollte, vie gerichtlichen Sachverständigen seien eine Institution, mit der die Staatsanwaltschaft nach Belieben Fangeball spielt. Wie die betreffenden drei Herren fich persönlich damit abfinden werden, ist ihre Sache. Aber Sache des Volkes— in diesem Falle der Presse— ist es, unzweideutig auszusprechen, daß die Anklagebehöide und spe- ziell Herr Heincmann dem Rechtsbewußtsein des Volkes durch diese Mißachtung der gerichtlichen Sachverständigen tiefe Wunden geschlagen hat. Und da nun einmal das Institut der Sachverständigen von einem Thelle des Gerichts selbst als angreifbar hingestellt worden, wird es gut sein, jenen Tadel auf seine berechtigte Ausführung zurückzuführen, ihn aber anderseits nach einer anderen Richtung auszudehnen, welche schon oft öffentlich berührt worden ist. Es stnv damit die Schreib- Sachverständigen gemeint. In vielen Prozessen spielen fie eine große Aolle. Oft stützt sich die Anklage auf sie ganz allein. Unter den unschuldig Veruttheiltcn befindet fich ein großer Prozentsatz derer. die fast ausschließlich auf das Zeugniß von Schreib- Sachverständigen ihre Strafe er- hielten. Aber indem die Schreib- Sachverständigen hier ange- griffen werden, muß doch betont werden, daß sie ihre Legrti« mation zum Führen dieses Titels erst nachzuweisen haben. Worauf stützt sich der Anspruch eines Echreib-Sachverständigen zu diesem Amte? Zumeist, sagen wir es offen, auf seine eigene gute Handschrift, die ihm zu einer Stelle im Bureau, dann zu „Ich will hoffe», daß Du diese Frage nicht reiflich überlegt, nicht in vollem Ernst an mich gerichtet hast," sagte er.„Es ist dieselbe Frage, die damals mein Bruder in Bezug auf Adelaide Rabe an mich richtete, und in der ich nur eine Verhöhnung meiner Anschauungen erblicken konnte. Wir wollen nicht weiter darüber reden, Siegfried, Du mußt ja meine Ansichten über die Mckfichten, die wir unserem Stande schulden, kennen. Genug, übergenug da- von, ich habe Dich in die Verhältnisse unserer Familie ein- geweiht und erwarte mit Zuversicht, daß der Weg, den ich bisher verfolgte, auch für Dich maßgebend sein wird." Er zog nach diesen Worten an der Glockenschnur, die neben der Thüre hing, und der Affeffor erhob sich jetzt von seinem Sitze. „Du gehst in die rothe Traube?" fragte der alte Herr. „Ja wohl, und wenn Du nach der Parade hinkomme« willst—" „Dahin? Nein!" erwiderte der Oberst lebhaft.„Ich war einmal dort, und die Gesellschaft gefiel mir nicht, im Kreise von Gerichtsherren und Advokaten fühle ich mich nicht heimisch." Ein kleiner hagerer Mann in einer verschossenen, faden- scheinigen Livree trat in diesem Augenblicke ei», um dem Oberst bei der Toilette behilflich zu sein. „Ich werde heute bei dem schönen Wetter den grauen Anzug tragen, William," sagte der Oberst in herablassendem Tone,„geh' nur inS Nebenzimmer und lege Alles bereit. Wir werden uns also im Anker an der Tafel wieder sehen," wandte er sich zu seinem Sohne, der vor dem Spiegel stand und mit dem Taschenbürstchen bald über das gelockte Haar. bald über de» dichten schwarzen Vollbart strich.„Ich werde wie gewöhnlich zur Parade gehen und dort mit de» alten RegimentS-Kameraden ei« Stündchen verplaudern. Wie schade, daß Du nicht Offizier geworden bist!" Das war der stete Reftain, mit dem in der Regel jede Unterredung zwischen dem alten Herrn und seinem Sohne endete; Siegfried hatte anfangs sich darüber geärgert, jetzt achtete er nicht mehr darauf, es war eine Schwäche, die er dem Vater zu gut halten mußte. dem Titel Kanzleirath oder dergleichen verholfen hat. Bedarf er irgend welcher Vorbildung? Bewahre, er kann Untero fizter aewsen sein. Muß er seine Anficht begründen, d. h. wissen- schaftlich begründen? Das kann er nicht, denn es giebt noch keine Wissenschaft der Schreibkunst und was in manchen Blattern in der Deutung des Charatters aus der Handschrift geleistet worden, gehört mehr in das Gebiet der.Spielerei als ernster Behandlung. Bei den Echreib-Sachverständigen also hat man es nur mit Vermuthungen und Anfichten zu thun, und doch hat man noch niemals gehört, daß ein Staatsanwalt den Ge« schworenZL'das Gutachten eines Schreib- Sachverständigen in so dü-Mi Motten als nicht maßgebend hingestellt hätte, wie Tik Gutachten der Herren Geheimräthe Liman, Simon Wolff. Zwölf Gebote für Arbeiter. Noch vielfach haften den Ar- beitern, ob organistrt oder nicht organisttt, so manche Fehler an, die (eignet find, jede Vereinigung unter ihnen zu verhindere. Selbst in den bestehenden Organisationen find viele dieser Fehler die Ursache, daß dieselben an ihrer Weiterentwickelung gehindett werden, häufig tragen fie auch dazu bei, eine Organa sation vollständig zu untergraben. Sollen aber diese Fehler beseitigt werden, so müssen alle die Arbeiter, welche ernst. lich gewillt find, für ihre nächstliegenden Interessen einzutreten, es für ihre heiligste Pflicht halten, die Aufgaben zu erfüllen. welche wir in folgenden zwölf Geboten anführen werden: 1) Du sollst nicht glauben, daß eine Gewerkschaft nur zum Streiken da ist, sondern stets eingedenk sein, daß dieselbe auch noch andere Aufgaben hat. 2) Du sollst nicht meinen, daß eine Gewerkschaft deshalb nichts werth sei, weil Deine Idee nicht gleich oder nicht immer Anklang findet. 3) Du sollst nicht ermatten, daß Dein Lohn schon gleich fich um ein Bedeu« tendes hebt, wenn Du einige Zeit Derne Beiträge an die Ge« werkschaft gezablt hast. 4) Du sollst Dir nicht einbilden, daß man mit niedttgen Gewerksschaftsbeiträgen fich hohe Löhne er» ringen kann, denn mit wenigen Opfern wird selten etwaS Großes erreicht. 5) Du sollst nicht denken,„es geht auch ohne mich in der Versammlung", denn wenn jeder Arbeiter so den« ken wollte, wie es leider häufig der Fall ist, dann ist eS überhaupt mit der Gewerkschaft schlecht bestellt. 6) Du sollst nickt bei einer Versammlung Dich vorzeitig drücken. 7) Du sollst nicht bei einer Versammlung aar zu viel und über Alles sprechen. Bedenke, daß es auch nn schönsten Mufilstück Pausen geben muß. 8) Du sollst nicht kapitalistische Zettungen kaufen, so lange Arbeiterzeitungen umihre Existenz zu kämpfen haben. 9) Du sollst Dich nicht ein„Gewer!« schaftsmitglied" nennen, wenn Du nicht wenigstens ein Ar- beiterblatt hältst und mebr als eins, falls es Dir möglich ist. 10) Du sollst nicht vergessen, daß Arbeiterblätter, nachdem man fie gelesen, weiter gegeben werden sollen, damit auch Andere fie lesen. Arbeiterblätter find für unsere Sache zu wetthvoll, um zum Einwickeln benutzt zu werden, namentlich, bevor man fie gelesen. 11) Du sollst nicht Bücher und Schttften, welche Dich in Bezug auf die sozialen Verhältnisse aufklären und Dir den Weg zur Besserung Deiner Klassenlage zeigen können, un« beachtet lassen, um dafür erfundene Geschichten— oft recht dumm erfundene!— zu lesen. Die soziale Wissenschaft, von den Arbeitern verstanden, wird die sozialen Verhältnisse der- selben um ein Bedeutendes besser gestalten. 12) Du sollst nicht— das Obige vergessen! Ja, wenn alle Arbeiter das Vorhergesagte nicht vergessen, sondern wohl beherzigen und streng darnach handeln wollten, dann wäre die Möglichkeit vorhanden, sehr leicht gute und starke Organisationen zu bil- den, mit welchen es möglich ist, den Stürmen, welche auf witthschaftlichem Gebiete ihnen entgegen treten, erfolgreich Widerstand zu leisten. Eine wunderbare Nachricht komm auS Potsdam. Dort hat in einer VettrauenSmänner-Versammlung der Kon- servativen der bekannte Freikonservative und Schutzzöllner Lohren an Stelle des Herrn v. Rauchhaupt, der den KreiS jetzt vertritt, Herrn v. Bennigsen als Kandidaten vorae- schlagen. Das war kein Scherz, denn Herr Lohren, so ziemlich der nervöseste und aufgeregteste Volksvettreter, scherzt überhaupt nicht. Aber anders als sonst in Menschenköpfen, malt sich in diesem Kopf die Welt. Herr Lohren hat, eine Ratttät tn der jetzigen Zeit, außerhalb der schutzzöllnettsch- konservativen Schablone eigene Gedanken. Er ist damit im Reichstage und im Abgeordnetenhause seinen Patteigenossen oft schon recht un- bequem geworden, namentlich in der Steuerpolitik und in der Währungsfrage. Denn er pflegt am energischsten und er- reatesten zu sprechen, wenn er von seiner Partei bissen- tirt. Diesem selbstständigen Kopfe hat es offenbar die„staats. männische" Rede Bennigsens in Hannover angethan und er beschloß, ihn auf den Schild zu heben. Der Vorschlag wurde natürlich einstimmig abgelehnt. Die„Kreu,-Zeitung" ist über Herrn Lohren sehr verstimmt und will wissen, ob er nur als Franktireur oder unter Zustimmung der freikonserva- tiven Patteileitung gehandelt habe. Das letztere ist gewiß nicht der Fall. Wenn etwas den Streit zwischen gemäßigten und extremen Konservativen zum hellen Ausbruch bttngen könnte, so wäre es eine von den ersteren begünstigte Kandidatur Ben» Siegfried hatte nie für den Soldatenstand geschwärmt, er war ein tüchtiger, talentvoller Zunft, und er fühlte sich glücklich in seinem Berufe, wenn auch sei» bisheriges Ein- kommen den früher gehegten Erwartungen nicht entsprach. Arabella von Stuckman» hatte er im vergangenen Winter auf einem Balle kennen gelernt, auf dem sein Vater nicht anwesend gewesen war. Der Liebreiz des schönen Mädchens, verbunden mit einer imponirenden Erscheinung und einem natürlichen, von Koketterie freien Wesen, hatte auf ihn einen tiefen und nachhaltigen Eindruck gemacht. Die Generalin, die auch jetzt noch und selbst an der Seite ihrer Tochter eine bestechend schöne Erscheinung genannt werden durfte, war ihm mit herzgewinnender Freundlichkeit entgegengekommen, sie hatte sich bitter darüber beschwert, daß der Oberst ihr nie die Ehre eines Besuches erzeigt habe und beim Abschied ihn eingeladen, sie recht bald und recht oft zu besuchen. Siegfried hatte, da auch die schönen Augen Arabella'« die Bitte der Mutter unterstützte», das Versprechen gegebe», dasselbe aber bis jetzt noch nicht eingelöst, weil die Abneigung seines Vaters gegen die Generalin ihn Vorwürfe befürchten ließ, denen er sich nicht aussetzen wollte. Er war dann den beiden Damen-och einmal im Kon« zertsaale begegnet, sie hatten seine Entschuldigung kühl auf« genommen, und und er fühlte selbst, daß seine Ehre die Einlösung des gegebene« Versprechens fordette. Vielleicht würde der Oberst dagegen nichts einzuwende» gefunden haben, wenn Siegfried ihn mit ehrlicher Offenheit von der Sachlage unterrichtet hätte, aber der Assessor wagte das nicht, er kannte nur zu gut das aufbrausende Tempera» ment seines Vaters, und es war ja auch nicht nöthig, daß der alte Herr von dem Besuch etwas erfuhr. Siegfried ging über diesen Punkt etwas zu leichtfertig hinweg, aber Gründe zwangen ihn gewissermaßen dazu. Die Erössnungen, die sein Vater ihm über den Bruder der Generalin gemacht hatte, befestigten in ihm den Ent- schluß, das Versprechen in den nächsten Tagen einzulösen. (Fortsetzung folgt.) «igsens. Einige Dutzend Nationalliberale lassen stch die Ron seroativen gefallen, denn sie wissen, wie ungefährlich fie find; nur nicht den Staatsmann z. D. v. Bennigsen. Ihn fürchten fie, weil er als Anwärter auf die Erbschaft Bismarcks ihnen in Zukunft acfähriich werden kann. Man wird an Herrn v. Rauch» Haupt festhalten. „Aus den Geheimnissen eines Maler-AtelierS" hieß jene Bioschure, welche der Verlagshändler G. Preuße nicht zu publizircn versprach, falls stch Herr Prof. Graes dazu verstehe, 1500 M. zu zahlen. Wie wir bereits mittheilten, war Prof. Graes wenige Stunden nach seiner Freisprechung durchaus nicht in der Laune, den zartfühlmden Geschäftsmann gegen ein Miß- lingen der buchhändlerischen Spekulation ficher zu stellen und wies dem Herrn die Thür. Wenn wir recht berichtet find, so machte Preuße einen Versuch, durch den Straßenverkauf seiner Broschüre auf die Kosten zu kommen. Die Polizei aber ver- eitelte durch Beschlagnahme derselben dag Geschäft. Die Bücher« bestcllkarte, durch welche P'.euße seine Broschüre dm Buch- bändlern anbot, hat, der„Volks-Zeitung" zufolge, folgmden Wortlaut: !! Der Prozeß gegen den Maler Gräf!! Sofort nach dem Urtheilsspruch, also wahrscheinlich am 9. Oktober, erscheint: Aus den Geheimnissen eines Maler-Ateliers. Prozeß gegen den Maler Professor Gräf. Mit Illustration: Portrait der Bertha Rother. 8°. ca. 6 Bog. Ordin. 50 Pfg., netto 35 Pfg. 10 Expl mit 40% Rabatt. 100 Expl. mit 40% u. 10 Freiexpl. 500 Expl. mit 50% Rabatt. Ich kann nur baar liefem. Bei dem intensivm Interesse, welches dieser mit orößter Spannung erwartete Prozeß in allen Schichten der Bevölkerung hervorgerufen hat, können Sie mit den ersten authentischen Darstellungen, die obige Broschüre bietet, mit leichter Mühe einen Massenabsatz erzielen. Ich bitte, womöglich direkt zu verlangen. Die Be- stellungen werden genau nach der Reihmfolge ihres Eingangs effektuirt. Auf ein Fünskilopacket gehen 70 Exemplare. Achtungsvoll Berlin 8W. Gustav Preuße, .Fciedrichftr. 16. Verlagshandlung. Eine schmerzliche Enttäuschung dürfte Manchem durch die kürzlich angekündigte„Braut-Zeitung" bereitet wordm sein. Nicht, als ob gegm die Idee der Begründung eines solchen Blattes etwas einzuwenden wäre' im Gegmtheil muß man stch wundern, daß deren Verwirklichung so lange bat auf sich warten lassen. Jeder reputirliche Stand hat heute seine eigene Zeitung, vom kopfschmückendm Friseur- und Hut- macher- bis zum fußbekleidenden Strumpfwirker- und Schuh- wacher- Gewerbe, und so ist eS nur natürlich, daß der schönste aller Stände, der Brautstand. ebenfalls sein eigenes Organ befitzt. Eine„Braut- Zeitung",— wie liedlich mag manche scküchterne junge Maid, manch kühner Jüngling fich das Ding vorgestellt haben: oben eine schöne Titelvignette, Kupido, den treffstchern Schützen dar- stellend, ein Paar Tutteltauben, vom grünen Myrtenkranz um- schlössen, oder sonst eine angenehme Allegorie, welche dem Ge- müthe wohl thut. Dahinter dann feurige Gesänge zum Preise der Allbezwingettn Liebe, weiterhin für Solche, denen der große Wurf gelungen, gute Rathschläge, das Glück festzuhalten, vor Allem aber für jene Jungfrauen und Knaben, die noch allein mit ungeftilllcm Verlangen in der Welt umherirren, praktische Finzerzeige, wie diesem beklagenswerthen Verhättniß ein möglichst schnelles Ende zu bereiten sei. WaS aber war von allem dem in dem neuen Braut- Organ zu finden? Ach. wer in hoffnungsfroher Ermattung dafür den Obolus geopfert, er wird nachher dem theilnehmend forschenden Freunde mit den Motten des Dichters bekannt haben:„Ich erschrak heftig über diese Zeitung!" Von einem EinlcitungSgedichte und etlichen lehrhaften Attikeln abgesehen, enthä t drejelbe nichts, gar nichts für's Herz, desto mehr aber für das Geschäft, d. h. Annonzen von Gewerbtreibenden. Du lieber Gott, wenn ein junges Paar erst so weit ist, daß es davon Gebrauch machen kann, wenn es fich um Beschaffung der Ausstattung, um den Schmuck deS zukünftigen Heims handelt, dann bedarf es keines besonderen Fachblattes mehr, dann ttttt schon die Fürsorge der lieben Eltern ein, oder die Verlobten brauchen nur durch die bekannten Läden zu wandern, um ihre Wahl ganz nach Ge- schmack und Mitgift zu treffen. DaS Hauptgewicht aber hätte ein« rechtschaffene Braut-Zeitung nicht auf dreses offenkundige, über jeden Zweifel erhabene Verhättniß legen müssen, sondern auf den unficheren Zustand vor der Erklärung und der süßen Gewährung, auf jenes Hin- und Herschwanken der Gefühle, jenen Taumel von seligster Hoffnung bis zu düsterer Verzweif« lung, oder um diesen unbeschreiblichen Widerstreit der Empfin- düngen nach der Anschauung schon älterer, vom bitteren Ernst des Lebens angehauchter Jungfrauen mit deutlicheren Motten aus- zudrücken: Wird er endlich Erntt machen, oder ist es diesmal wieder nichts?! In so qualvollen Zweifeln bedarf selbst ein starkes, gestähltes Herz der Stütze, und eine solche würde fich in einer sorgfällig redigirten Braut-Zeitung darbieten. Natür- lich wäre es hrerfür durchaus nöthig, wie die „Vosfische Zeitung" vottchlägt, daß in dem Redakttons- personal fich kampfaeübte Personen befänden, die aus dem reichen Schatze eigener Erfahrung die wünschenswetthen Anleitungen geben,— selbstverständlich nicht gewissenlose männliche Individuen, die nach dem verruchten Beispiel Onkel Brästg'S mormonenartig auf den Brautfang ausgehen, sondem kluge Mitschwestern der goldentthronendcn Aphrodite, welche erprobt find in den Künsten der„listenerstnnenden Tochter des ZeuS." Freilich würde wegen der Mannig- faltigkeit der Fälle eine allgemeine Behandlung des Themas nicht räthlich sein, dafür aber böte der Bttefkasten eine freundliche Zuflucht aller Rathlosen. Sähe man nicht schon den Schimmer neuer Hoffnung blinken, wenn eS dort hieße: „Versuchen Sie es noch einmal mtt der Philharmonie; außer- dem bleibt Ihnen ja der Ausstellungsvark für den nächsten Sommer!" Oder klänge es nicht schon wie Zuverficht des Sieges, wenn die Pythta des Btteflastens beföhle:„Nehmen Sie ein Abonnement im Zoologischen! Der Seelöwe soll in der letzten Saison Zeuge von fieden Verlobungen gewesen sein!" lieber allem dem hätte indessen die echte und rechte Braut- Zeitung nicht das männliche Geschlecht zu vergessen, schon aus dem Grunde, weil eine Braut eigentlich nur etwaS Halbes ist, zu dessen Vervollständigung notdwendig der Bräutigam gehört. Man nehme der verklätten Jdealaestalt diese reale Hälfte, und die Braut existirt nicht mehr. Lewer find heutigen Tages die jungen Männer allzu matettell gesinnt, und eine Braut-Zeitung, welche fich eines erfolgreichen Wirkens rühmen möchte, müßte diesem Zuge der Zeit schon Rechnung tragen. Deshalb dürste es nicht an Ähren darüber fehlen, auS welchen An- zeichen fich berechtigte Schlüffe auf die Höhe der Mitgift ziehen lassen, durch welche Mittel leichttettige Schwiegerväter von ge- wagten Börsenspekulationen abzuschrecken, verwittwete Schwieger mütter vor den Gefahren einer zweiten Ehe zu fichern seien, und was dergleichen wichttge Fragen mehr find. Andererseits wären wiederum die Braut und ihre treuen Hüter vor allzu hohen Ansprüchen an die heutige Männerwelt zu wamen. Es wäre nachdrücklich zu bttonen, daß der Hang zum Skat nicht immer auf das Laster des Spiels. daS Rauchm impottitter Zigarren nicht durchaus auf Verschwendung schließen lasse, und daß ein gut ausgebildeter Durst nicht in jedem Falle den verwmfenen Witthshausbruder verrathe, sondern bisweilen auch auf einem der sonsttgen Gesundheit nicht schädlichen orga- nischen Fehler beruhen könne. Alle diese Gefichtspunlte und noch viele andere, deren Aufzählung zu weit führen würde, hätte die echte und rechte„Braut Zeitung" ins Auge zu fassen und natürlich ncht in dem liockenen Tone, wie es hier ge- schehen, sondern, dem Name-- entsprechend, mit bräutlicher Frische zu behandeln. Es muß nur so grünen und blühen, wie im Herzen der jungen Braut, so daß, wer fie aufschlüge, die„Braut Zeitung", fich gewaltsam erfaßt fühlte und selbst der sprödeste Junggeselle des Euripides Wort an fich erfüllt sähe:„Denn aller Schranken spottet, wenn fie brausend naht, die mächtige Kypris." Warnung für Klavierspieler. Der„Menesttel" ver- öffentlichte jüngst eine Mittheilung. daß Klavierspieler die Be- weglichkeit des Goldfingers und Mittelfingers durch eine leicht und schmerzlos auszuführende Sehnenoperation erhöhen könnten, welche in England sehr oft vollzogen werde. Nun wird der „Franks. Ztg. von Prof. Sachs in Frankfurt geschneben: „Gestatten Sie, im Interesse der vielen pianospielenden Leser und Lesettnnen ein wamendes Beispiel zu zitiren in Betreff der in Ihrem Morgenblatte der Nr. 255 erwähnten Durch- schneidung des dritten und vietten Fingers behufs rascher und präziser zu erreichenden Unabhängigkeit dieser Finger. Ich hatte vor längerer Zeit einen Schüler, der viele Stunden des Tages übte und alle großen Klavierstücke der klasfischen und neuesten(Liszt'schen) Schule vortrefflich spielte. Er war jedoch untröstlich, daß seine schlimmen(!) Finger noch immer nicht absolut nachgiebig seien und sprach mir verschiedene Male davon, sich von einem Arzt die diese beiden Finger verbinden- den Sehnen durchschneiden zu lassen. Auf meine jedesmalige energische Abmahnung unterließ es jener Herr in diesen Fällen. Als ich jedoch einmal mehrere Wochen lang von hier abwesend war und nach meiner Rückkehr wieder zu Herrn v. A..., Attachö der franzöfischen Gesandtschaft beim Bundestage(denn dieser war jener Spieler) kam, sagte mir derselbe mit großer Restgnation, daß er trotz meines Abrathens fich von Herrn Dr. Fabttcius habe opettren lassen, daß aber jetzt die beiden Finger vollkommen steif geworden seien und er das Piano jetzt „an den Nagel hängen müsse". Es war wittlich ein Jammer, so viel Zeit, Mühe und Ausdauer verschwendet zu haben, um durch ein solches Experiment fich um den Gewinn zu bringen." Auf originelle Weise hat es eine Diebin verstanden, eine sorglose Provtnzialin zu bestehlen. Als vorgestem in der Mittagsstunde eine rn der Umgegend von Berlin wohnhaste Frau die Spandauerstraße pasfirte, um Einkäufe zu machen, wurde fie in der Nähe des Rathhauses von einem in der Mitte der zwanziger Jahre stehenden Frauenzimmer angeredet und ihr mitgetheilt, daß fich am Hinteren Theil ihrcS Kleides Speichel befinde. Um denselben zu entfernen erbat fich die Unbekannte ein Stück Papier, welches ihr auch gereicht wurde. Sofott nach der Reinigung des Kleides vermißte die Frau ihr Potte- monnaie, welches fie in der Kleidettasche trug. Diesen Dieb- stahl kann nur die Unbekannte auSgefühtt haben, da die Be- stohlene mit keiner anderen Person vorher zusammen gekom« mm ist. Prämien-Ziehung von. Mode und Haus". Am 10. d. Mts. fand in den Bureau- Räumen von John Schwettn's Verlag, Aktien- Gesellschaft Hierselbst unter notatteller Leitung die auf das Prämien- Räthsel von„Mode und Haus"(prak- tische illusttttte Frauenzettung) bezughabende Prämien-Ziehung statt. Es hatten fich ca. 150 Abonnentinnen der Zeitschrift in der angenehmen Erwartung eingefunden, ihren Namen als glückliche Gewinnenn der in einem eleganten Kostüm im Ein- kaufSpreise von 300 Mk. bestehenden Prämie proklamitt zu börm. Der Gewinn fiel aber nicht nach Berlin, sondem nach Flamersbeim in der Rheinprovinz auf den Namen der Frau Dr. Clasen- ES waren nach dem notanellen Protokoll 1756 richtige Lösungen eingegangen. Wasserstand der Spree in der Woche vom 27. Sep- tember bis 3. Oktober.(Angabe in Metern.) Soziale«««k Arbeiterbewegung. Zur Akkordarbeit. Daß alle diejenigen Recht haben, welche Akkordarbeit Mordarbeit nennen, und auch diejenigen, welche erklären, daß der Akkordlohn stch nicht nach der Leistung, sondem wie der Tagelohn nach Uebereinkunft ttchtet, welcher Uebereinkunft der ottsübliche Tagelohn ju Grunde gelegt wird, das beweist äußettt schlagend ein Schreiben, welches der Fa- bnkberr Karl Krause bei Gelegenheit des Leipziger Former- streiks an das„üeipz. Tgbl." gerichtet hat. Dieses äußerst be- _. itet:■ zeichnende Schreiben lau; „Ihre so sachlich und klar gehaltene Besprechung des„FormetttreikS" in der gestrigen Ausgabe JhreS ge- schätzten Blattes yiebt mir zu der Mittheilung Veran lassuna, daß mern Gießermeister die viel besprochene ve' Kalanverwand in Gegcnwatt meiner 38 Former und Gießerei Ardeiter ohne jede Beihilfe in 16 Stunden geformt hat. Es wird dieses Faktum wohl jeden Unde- fangenen überzeugen, daß meine Reduttion des Akkord- satzes für dieses Modell von 15,60 Mk. auf 12,48 Mk. gerechtfertigt und meine Schätzung der Arbeitszeit auf 2 Tage die richtige war. Hochachtungsvoll So! Der Fabrilherr hat einen Akkordsatz� mmlSt Mark 60 Pf. vereinbart. Er merkt später, daß er dabei nicht zu wenig verdient, aber daß die Arbeiter im Verhältniß zu der aufgewandten Arbeitszeit zu viel verdienen. Zum Beweise läßt er einen Gießermeister, der sich natürlich liefig anstrengt, zirla jroer Tage lang arbeiten, einen Mann, der besonders große Geschicklichkeit hat und der bei außerordentlichen und geschonten Kräften ist, die Akkordarbeit verrichtm. Die Arbeitszeit wird mtt dem Prodult verglichen— man steht, daß der Akkord- arbeiter früher mehr verdient hat, wie der Zertardeiter und fein Lohn wird um 20 Prozent herabgesetzt. Er wird genau wie der Zeilc.rbeiter abgelohnt. Höchstens verlangt man von ihm. daß er mehr leisten soll; und diese Mehrleistung, die durch Uederanstrengung hervorgerufen ist, wird ihm gewisser- maßen durch einen Lohnzusatz bezahlt, wie dem Zeriarbeiler die Ueberstunden. Also eS bleibt dabei: Akkordarbeit ist Mordarbeit. Weitere Dividenden. Berliner Maschinenfabrik 8'/, pCt. — Westfälische Union 6pCt.— Deutsche Vellagcanstalt Stuttgart 14 pCt.— Rheinische Stahlwerke 20 pEt?— Baierische Brerbrauerei- Aktiengesellschaft 5'/. vCt.- Maschinenanstalt Golzem(Sachsen) 11 pCt.— Patent Papierfabrik zu Pönig m Sachsen 7'/, pCt.— Chemnitzer Papierfabrik 9'/, pCt.— Braunschweiger Jute- Jndustriegesellscbaft 11 pCt.- Zucker» raffinrne Brunonia in Braunschweig 12 pCt.— Dabei haben mele Abschreibungen stattgefunden und femer haben die Vor- äsk? Ä Zolltarif hieß es immer: allerdings hohe Dividenden, aber aet bohe Arbeitslöhne.— In katholischen Landen gie'' es rt Sprüchwott, daS heißt:„Wer das Kreuz hat, segnet fich zunt' — Diesem Sprüchwott entsprechend haben aber in der Tß auch die Herren Fabrikanten gehandelt. Schlimmer als Sklaverei, tk dieser Ucberffr? findet fich in in der zu Omaha erscheinenden„Nebraska- TriM eine Darstellung der Lohn- und Lebensverhältnisse der Bell arbeiter in Pen njsylvanien, die deutlich und Ms genug ist, als daß wt. noch Bemerkungen daran zu(n&A- hätten. Hören wir also: Die gegenwättigen Löhne der p«> sylvanischen Kohlen- und Eisenbergwerker(die übrigens � WVo Stück berechnet werden) belaufen stch auf 14—35 Dollar& Monat. 35 Dollar monatlich ist das höchste, was die gewiß liehen Eisenerzgräber verdienen könnten. Damit ist aber n: lange nicht die ganze Wahrheit gesagt. Die Zeit, wo Arbeiter de» ganzen Monat über zu thun hatten, ist Iä«l vorüber. Günstigen Falles wird 20 Tage jeden Monat> De: arbeitet— oft genug aber nur 15 oder 10 Tage. DoM sinkt der Lohn thatsächlich noch viel tiefer herunter und ko in vielen Fällen nicht über 40 Cents den Tag. Die me dieser Arbeiter find verheirathet; wenn man— was eine bescheidene Schätzung ist— auf jede Familie 4 Köpfe rec so kommen also auf ven Kopf 10 Cents täglich! Dafür ml die Wohnung, daS Essen, die Kleider, die Medizinen, ki Alles, wnS zur Lebensnothdurft gehött. bezahlt werden. die Wohnungspreise find durchaus nicht so besonders nti Ein Mann, der 10 Dollar monatlich verdient, zahlt mindej 4 Dollar Monatsmiethe. Etwas besser Gestellte bezahl deutend mehr; die Preise gehen bis zu 30 Dollar. Das Elend, welches stch unter diesen Verbältnissen ent vermag die Feder kaum zu beschreibm. Die„Wohnungen" Leute find meist den allererbärmlichsten„gbantiea"(Hütten) unij Großstädte an die Seite zu stellen; dabei find fie noch entschßl ungesunder als diese. Dicker Kohlenstaub schwärzt die W§j bedeckt die Sttaße und ettüllt allenthalben vre Luft.> Schmutz ist so groß, daß Jedem der Muth vergehen muß, zwischen genv einen Reinigungsversuch zu machen. Es giebt Aus««odex de men von dieser Regel, jedoch sehr seltm. Getüncht werde»«enmscb Häuser niemals. Die unglücklichen Familien müssen fich türlich an die allerdilligsten und schlecktesten Speisen h«.. Das gewöhnliche Mittagessen besteht auS Kartoffeln und cT Diejenigen, welche es ermöglichen können, pachten sich Stückchen Boden, ziehen die Kattoffeln und das Kraut*..wbe und halten fich außerdem ein Schwein; dann haben fie w stens für den Winter ein Fäßchen Sauettraut und ein chen Schweinefleisch. Die Meisten aber müssen Alles, w« brauchen, in kleinen Quantitäten kauten— und werden noch furchtbar übers Ohr gehauen. Wehe dem gewöhr Kohlen- und Eisenbergwerker, der eine Lohnerhöhung zu langen wagt, oder fich gar in den Kovf setzt, zu streiken! j fort find zwei Andere bereit, seinen Platz einzunehmen,. zwar womöglich für noch schlechterenjLohn; denn fast Grund 1 Verfaffu werden. Zeppelin reich Wi , Di« für ihre Ztg." z ronserval hochkonh Verfahre Kodex j angewen größere Volke un allen Se zwischen Sittlickke doppelte Ansehen zur Mor> für fix w andere G Bürger. anlagung mildernde »U-U- iuuuiubuu) IUI iiuui ,uucu)icicii>i;uv'i, wenn mu fcerart bi ganzen pennsylvanischen Bergwerksgegend kommen gegen* L�deln auf einen beschäftigten Arbeiter zwei müßige. DiejZ=% Klassen von Eisen stänt und— überlassen die Andern ruhig�ihrem Schicksale. 6? Schau einer wirklichen Ausbildung und Geschicklichkeit bedürfen, ß stzndi» allerdinas Gemerksihatten nrrnnnlRrf hpffimm-n hii- S'nb*.-.t— i" allerdings Gewerkschaften organifitt,'bestimmen die Löh*, überbaunt Höhepunkt hat das pcnnsylvanische Arbeiterelend eireicW, zz o lks st die Bergwerksbefitzer Schaaren von Polen, Ungarn und' machten u garen impottirt haben.---- Allerlei Industrielles. Das bedeutendste Montanwerk, Gesellschaft John Corkevill in Eeraing, eine Dividende von 7 pCt. Der Netto-Uebettckuß 1 110210 Franks. Die Gesellschaft, die mit einem ein. Kapital von 15 Millionen Franks arbeitet, stellt in Bericht die Geschäftslage als eine günstige hin. Nu bekanntlich die ganze Metallindustrie an einer chronische! Daß trotzdem solche Profite erzielt werden, dafür muß beiter Haare lassen. Die Löhne werden herabgesti Zahl der Arbeiter wird vermindert. Das Werk be Jahre 1885 blas 10345 Arbeiter gegen 10 3 67 Ar> ftts das köstliche� Geschenk: verlängerter Arbeitstag. A4 uuo luiuituc vs/uuiciu. veilangerier Aroensrag. �** Belgien das Paradies der KapitalistenNaffe. da eS jegl'Ä 4. setzttchen Einschränkung des„freien Spiels der Kräfte"«wk v. d. h. die schrankenlose Ausdeutung der Arbeit d Kapital in jeder Form gestattet. Wie nützlich die Proletarier ist, beweist der Umstand, daß von belgischen Ardeiterfamilien über 200 000 auf der A' stehen, daß nach den Mittheilungen des früheren direktors deS Gefängnisses, deS Herrn Ducpeteaux, daS einer besser fituitten Arbeiterfamilie schlechtere Ernähr Hältnisse aufweist, als dasjenige eines— Gefangenes denke ferner an die blutigen Zusammenstöße der W Kohlcnarbciter mit dem zum„Schutze des Kapitals" k? ditten Militär, z. B. beim Streik von Charleroi 186«- ist die Kehtteite der Medaille.— Die Jute- Spinn«" Weberei Kassel zahlt 6 pCt. Dividende.— Tie* Wolzfabrik in Schkeuditz giebt 13 pCt. Dividende, sächsische Kammgarnspinnerei zu Harlhau zahlt 6*/# pß'- dende gegen 4 pCt. im Vorjahre. Kluft und Volk über «anz ande! und konser Offizii „Eich schen Proz vorgekomn solchen Un setzgebung mrnisterrun Gerichte u Die 1 welche dek Audienz b d. M.. Kosciels! in Betreff demselben Kreises Je olle ländli Landwirths ergeben, bi Die@ Das bulga zur vollstä, einigung S Zwecke wir Zankow na land rüsten Literarisches. Von der„Zeitschrift der Zimmerkunst"«ff Nr. 4 vom 3. Jahrgang erschienen. Inhalt: Von den> Die liegenden Kehldalkendachstühle. Anlage und der Treppen, halbkreisförmige Treppen. Nationalm*� 791 Studien. Auflösung von Aufgaben. DaS Unfalls Gesetz(Höhe der Entschädigungen ac.). J« gerne: Theil: Gewerkschaftliche Organisation. Einfluß de« schaften auf die sozialen Verhältnisse, Ucber daS Uns rungsgesetz und seine Ausführungen. Korresponl Köln a/Rh., Lüdeck, Ohlau, Osnabrück, Mannheim, Schwerin i. M., Erfurt, LudwigShafen a/RH., Hamd> lin. Rostock. Mühlheim a/RH. Briefkasten. Als» rechnung über Einnahme und Ausgabe bei dem gimmerleute in Bochum, GoSlar, Kaiserslautem, snabrück. Ihre Stromes. leichtesten, die Felsen waren sie und reißen Hand oder Gespr Zweifelhaft Waffe dem oben auf d Von dem illustritten Unterhaltunasblatt„Die f liefer hina! Hamburg. Verlag von I. H. W. D i e tz, ist des elften Jahrgdngs erschienen. Inhalt: Vom Stamm gerissen. Roman vo» ger.(Fortsetzung.) lieber Gebirge und ihre Ent Wilh. Bios.— Aus der Kinderstube- Psycholog sche Plaudereien mit einer jungen Mutter. Von deck-— Zur Charakteristik unserer modemgelchrtev Zertstudre von einem Eingeweihten.(Schluß) es etwas z Gedanken< x die vie teurer in d . Unauf Jahreswende. Erzählung von Dr. Max�Vogler. ��� �om — Der Emfluß der Wohnung auf die GesundheU. �— schen. Vom Bautechniker F. Webcrhcinz.—»um lese; Es werde Licht! Von Hans Arnold.— Ums-, tionen: Nemesis. Gerichtliche Obduktion. «3 gang.— Für unsere Hausfrauen: Winterpflanzell�>. rium. Schmal, berettung. Grüne Gurken für de«,- zubewabren. Trüber Wein. DaS Kochen von* Elektro-Technifches: Elektrische Beleuchtung von einem Punkte aus. Anwendung der elektrischen — Vermischtes: Die Rolle der Winde in der Petersburger Eeelanal. Weltzeit. Eine ausgeze«? Räthsel.— Rebus.— Aerztlicher��, «hm" enfck Politur. Verantwortlicher Redakteur«. Cronhetm in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin 8W., Beuthfttaße 2 äsäätjä-'45- ei«' «ner neckif kolossalen( 1« stützen f Leuchti Hier,« t, aber ai! eV es i AÄ Ucbersi� !a-TrW )er Seif und W zu(nüf■■■ w«.Ä Ur- 2B9. Dollar d Beilage zum Berliner BolNlutt. Dienstag, den 13. Oktober 1883. IL Jahrg. die aewöt> t aoerg 1 wo.. ist M Monat Politische Ueberstcht. m-i x?** Reichsanzeiger publizirt die Besugnisie. welche dem i. Da» Statthalter von Elsatz.Lothringen, Fürsten Hohenlohe, auf und koiXZrund des§ 1 deS Gesetzes vom 4. Juli 1879, betreffend die Die mei«ersaffuna und Verwatrung Elsaß. Lothringens, verliehen as eine I werden. Ferner enthält derselbe die Ernennung des Grafen von öpfe ttifc SWJelin jum Bevollmächtigten im Bundesrath für das König- )afür rnÄ>«ich Württemberg. Die liberale Presse fruktifizirt den Prozeß Graes 5'bre Zwecke- so beginnt ein Artikel der„Nordd. Allg. ig. Die„Nordd." scheint übersehen zu haben, daß auch dre nffervativen Blatter dieses nicht minder thun. So schrieb die hochkonservative„Post" vor einigen Tagen: »In den Kodex bürgerlicher Sittlichkeit läßt fich das ganze herfahren des Herrn Prof. Graes nicht einpaffen, aber dieser Kodex kann aus ihn in seiner�Eigenschaft als Künstler nicht angewendet werden.... Muß man aber dem Künstler eine größere Freiheit lassen, für deren Gebrauch er Gott, seinem tju-, Bolle und der Geschichte verantwortlich ist, so wild man auf Luft. I allen Serien auch vorfichtig in der Beobachtung der Grenze en muß, zwischen dem Strefgesetzbuch und jenem von uns sogenannten ebt Aus« Kodex der bürgerlichen Sittlichkeit sein müssen, weil aus einer werde»«terrmschunq derselben immer Unheil entsteht." ffen fich Dazu bemerkt die„Franks. Ztg." sehr treffend: mmsm r Ä? 5.Ä Bürger. Nach Lage des Falles, nicht nach der geistigen Per- �.Wung der Person hat fie zu richten, selbst bei der Frage mildernder Umstände für eine Strafthat gilt dies und zwar verart, daß die individuelle höhere Veranlagung für schlechtes Handeln eher als erschwerender Umstand ins Gewicht zu ren, kl rden ers nb 1 mindl bezahle» tn entwiß mgen" tf itlen) un» '.ri Kraut n fie« nd ein lles, w« verden gewöhn una z» [reiten Ehmen, fast s egenB ihrer*; »ürfen, C ie LöhZ « rn und % fallen hat." de »C Wir schließen uns dieser Anficht der„Franks. Zta/ konservative Presse Berlins hat voll- standig an. Die liberale und_________________________ überhaupt bei Gelegenheit dieses Prozesses ein Gebahren zur Schau getragen, das gar seltsam mit der wirklichen V o l k s stimmunng kontrastirt. Zwischen der künstlich ge- machten und der wirklichen öffentlichen Meinung ist eine weite Kluft und wir können mit Genugtbuung konstatiren, daß das Volk über den Prozeß, sowie über den Ausgang desselben eine Oanz andere Meinung hat, als wie es fie nach den liberalen und konservativen Blättern haben soll. Offiziös wird noch zu dieser Angelegenheit geschrieben: „Sicherem Vernehmen nach finden aus Anlaß des Graes- schcn Prozesses über einzelne in ner mündlichen Verhandlung vorgekommene Unzuträglichkeiten, sowie über die Mittel, wie solchen Unzuträglichkeiten auf dem Boden der bestehenden Ge« setzgebung vorgebeugt werden kann, Konferenzen im Justiz- Ministerium statt, an welchen auch die Präfidenten der hiefigen Gerichte und Beamte der Staatsanwaltschaft Theil nehmen." Die polnische Deputation aus dem Kreise Jnowrazlaw, welche bekanntlich in Angelegenheit der Ausweisungen eine Audienz beim Minister des Jnnem gehabt, hat unter dem 4. d. M. z. H. des Herrenhaus Mitgliedes, Riltergutsbefitzer v. Koscielski, den Bescheid auf die damals gemachte Vorstellung in Betreff der Ausweisung ländlicher Arbeiter erhalten. In demselben erklärt der Oberprästdent: er habe den Landrath des Kreises Jnowrazlaw ermächtigt, den Ausweisungstermin für alle ländlichen Ardeiter, deren Verbleiben im Interesse der Landwtrthschaft liegt, wenn vies die betreffenden Untersuchungen ergeben, bis zum 1. April 1886 zu verlängern. Die Situation in Bulgarien hat sich wenig verändert. Das bulgarische Kabinet bemüht fich augenscheinlich, die Pforte zur vollständigen Anerkennung der faktisch vollzogenen Ver- einigung Bulgariens mit Ostrumelicn zu bewegen. Zu diesem Zwecke wird fich eine Kommisston unter Führung des Ministers Zanlow nach Konstantin opel begeben. Serbien und Griechen- Die land rüsten flott weiter, ohne die Warnungen der Mächte zu >ste ing. schuß n(ingC llt in N«"» nischefl muß � Arbe ßScf| it d! lich von >er 9 ren :, da» inäbr»s igentt» Fsl Vpilwt? enden plst. mtMo.) rJi «jÄ» 79 1 IeuMeton. 9«« Wormo«e«mädcheA. Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhaufeu, lFortsetzung.j � Ihre Straße lag fast beständig in der Mitte de» llverfW Stromes. Sie konnten dort, dem Hauptkanal folgend, am werkst� leichtesten verhüten, auf der einen oder andern Seite gegen i, R/rf Felsen geschleudert zu werden. Geschah die» dennoch, so sie rettungslos verloren; das Wasser war zu tief % und reißend, und nirgends boten die schroffen Mauern der dawdu-z 9°� oder dem Fuß einen sichern Halt. a SeiW fflPwy** wurde nur wenig, denn Zeder war sich des ein 5� Zweifelhaften femer Lage z» �hr bewußt; aber bald auf rn, 1 dem Wasserspiegel, bald auf den Seitenwänden, bald hoch oben auf dem Streifen Sonnenschein, der allmälig immer tiefer hinabglitt, ruhten die erstaunten Blicke. Ueberall gab soebe" es etwas zu sehen, uberall etwas zu bewundern, was die Gedanken an die Gefahren verdrängte und gewissermaßen ,._ für die vielen Widerwärttakeiten belohnte, welchen die Aben- ntflc�teurer in der letzte« Zeit begegnet waren. 0«%% Unaufhaltsam wie der Pfeil, wenn er die straffe Sehne Ihrlc» Vogens verlassen, schoß da« leichte Fahrzeug mit seiner b) � Ä�st nach vorn; hasttß folgte eS den Windungen, in welchen t(sto�der Strom fich immer mehr nach Westen drängte, hastig und hell,!!? von kundigen Händen geführt, ohne daß es seinerseits sich tum die mancherlei wunderbaren Szenerien gekümmert ! hätte, welche-u beiden Seiten feinen Weg begleiteten und oi sisi�htn gleichsam die freundlichsten Grüße an andere, dem Menschen zugänglichere Regionen mit auf die Reise gaben. Eilig flog es vorbei an wunderbaren Schlössern mit kühn lporragenden Zinnen, vorbei an zerfallenden Thürmen mit un- tegelmäßigen Fenster- und Thüröffnungen, welche ihr Entstehe» iner neckischen Laune der Natur verdankten; vorbei an kolossalen Strebepfeilern, welche die überhängenden Wände I* stützen schienen.. Leuchtthurmartige Obelisken und massive Pyramide», beachten. Recht interessant ist der Wortlaut einer Resolution, welche von verschiedenen Meetings in Athen angenommen wurde. Es heißt in derselben:_. „Das griechische Volk erblickt in dem Anschlage der Bul- garen, durch welchen der von den europäischen Großmächten auf der Balkan-Halbinsel geschaffene Zustand der Dinge auf- gehoben, griechische Gebiete und Rechte mit Füßen getreten wurden, als eine äußerste Gefahr für den Hellenismus. In der Erwägung, daß vie bulgarische Bewegung den Beginn der Ausführung eines vorgefaßten Planes zur Vernichtung des hellenischen Volkes und Entäußerung anderer seiner Gebiets- theile bedeutet, spricht es die Uederzeugung aus, daß die grie- chische Regierung mit oder ohne Unterstützung der Mächte energisch und erfolgreich für die Aufrechthaltung ver griechischen Rechte eintteten werde. Die griechische Regierung möge fich überzeugt halten, daß fie bei jeder darauf abzielenden Aktton das griechische Volk zu jedem Opfer dereit finden werde." Es liegen zu dieser Angelegenheit noch solgende Tele- gramme vor:, � m, Konstantinopel, 11. Oktober. Dem Vernehmen nach hat die Pforte ein neues Rundschreiben an die Mächte gerichtet, welches hervorhebt, daß die Pforte durch die Haltung Serbiens und Griechenlands zu neuen großen Rüstungen ge. nöthigt gewesen sei, daß diese Rüstungen aber jetzt nahezu be- endet seien, und daß die Pforte nur eine Mittheilung über die Abstchten der Mächte erwarte, um den Bestimmungen des Berliner Vettrages Geltung zu verschaffen.— Nach einer der Pforte zugegangenen Nachricht hätte in Haökeni in Rumelien eine Revolte stattgefunden; die bulgarischen Bauern sollen die Waffen fortgewor'en und verlangt haben, nach ihrer Hcimath zurückkehren zu dürfen. Athen, 12. Oktober. Gestern fand hier eine Demon- stration statt, an welcher besonders Abgesandte der griechischen Kolonien in der Türkei theilnahmcn, und wobei die Forderung der Mobilmachung erhoben wurde. Delyannis hielt eine An- spräche an die Volksmenge, worin er auf den Ernst der Lage hinwies, welche Griechenland zur Mobilmachung der Truppen zwinge; der Ministerprästdent lehnte jedoch ab, über die Ab- sichten der Regierung Mittheilung zu machen. Oesterreich Ungar»». Agram, 10. Oktober. Der Landtag hat heute be- schloffen, über die Anträge der Abgeordneten Tuskan und Mazzura betreffend die Auslieferung von Archivakten zur Tagesordnung überzugehen.— Einer neueren Nachricht zu- folge stimmte derselbe der vom Jmmunitätsausschuß bean- tragten Auslieferung der Deputirten Etarcsevics und Grzanics an die Gerichte mit 62 gegen 24 Stimmen zu. Die nächste Sitzung des Landtages nndet am 27. d. M. statt. Damit bürste den Asten vorläufig der Verbleib in Ungarn gefichert sein- Me Tage des jetzigen Bonus dürsten dennoch gezählt sein, da inzwischen andere unzufriedene Elemente austauchen. So ist derselbe von dem Grafen Jellacic, dem Bruder des früheren Bonus, gefordert worden, weil er fich dahin geäußert haben soll, daß die Asten nicht im redlichen Besttz Kroatiens waren. Hierüber aufgebracht, verlangte der Graf Satisfaktion für seinen beleidigten Bruder. Bis jetzt ist noch nicht bekannt, ob das Duell stattfinden wird. Schweiz. Der der sozialistischen Partei angehörende Reichstags- Abgeordnete für Zwickau- Krimmitzschau, Stolle, ist gegen. wartig auf einer Rundreise dura, die Schweiz begriffen und hat vor einigen Tagen in einer vor den Serner Sozialdemokraten veranstalteten Volksversammlung einen Vortrag gehalten über das im Reichstage eingebrachte Arbeiterschutzgesetz, über die Roth- wendigkeit eines internationalen Normalarbeitstages und über die deutsche Kolonialvolitik. Der vom Redner geleistete Nach» weis, daß eine Verbesserung der Lebensverhältnisse der Arbeiter nur auf dem Wege einer stiedlichen gesetzgeberischen Reform, an welcher fich auch die Arbeiter unablässig detheiligen müßten, zu erlangen sei, wurde, wie der„Post" geschrieben wird, sehr günstig aufgenommen. Die Versammlung verlief in bester Ordnung. Herr Stolle sammelt auf seiner Reise an Ort und Stelle die Eifahrungen, die in den verschiedenen Produk- tionszweigen mit dem eidgenösfischen Fabrikgesetz gemacht wor- den find. — Zürich, 7. Oktober. Advokat Dr. E. Curti hat in Sachen ver„Heilsarmee" gegen den regierungsräthlichen Erlaß hier die letzten Ueberrefie des fortgespülten Urgesteins, dort bestehend aus niedergestürzte» Theilen de« Hochplateau«, stellten sich dem schwachen Binsenfloß �allerwärtS entgegen, wie um es sammt seiner Bemannung an den unerschütter- lichen Grundstützeo zerschellen zu lassen; doch die Strömung zeigte ihm einen sichern Weg, und vorbei trieb es auch an diesen, ohne anzustoßen. Im weite« Bogen zog es herum, die merkwürdigen Naturbauwerke gleichsam neugierig von allen Seiten betrachtend; ein flüchtiger Blick darauf war ihm vergönnt, und weiter glitt eS mit Windeseile. Was eben noch da« Auge fesselte, das wurde in der nächsten Minute schon wieder durch eine neidische Felswand aus dem Gesichtskreise gerückt. Aberneue Wunderwerke tauchten vor dem grünen Fahrzeuge auf, und neue Hindernisse, vor welchen e« auf seiner Hut sein mußte. Doch nicht immer durfte eS sich sorglos der Führung de» Wassers überlasse», denn dasselbe war hinterlistig, und an Stellen, auf welchen es die glatteste Oberfläche zeigte, da verbarg es oft tückisch die gefährlichsten Untiefen. Auch hätte e» von dem nimmer rastenden Fluthandrange leicht in irgend eine weite Höhle hineingerissen werde» können, um gleich darauf wieder stückweise hinausgeschleudert zu werden.. „Hu! das waren fürchterliche Stellen! Schon von weitem an dem dumpfen Getöse erkennbar, schienen sie trotzdem noch Guthmüthigkeit genug zu besitzen, das herbeischießende Floß vor der Gefahr zu warnen. Und wie dann die Männer ar- betteten, und wie das brückenähnliche Fahrzeug schwankte und mit Schlangenbewegunge» ,auS der Strömung hinaus« zukommen suchte'!. Es waren aber auch gar zu bose und erschreckliche Stellen. Zahrtausende hindurch hatten die Fluthen sich ab- gemüht, im heftigen Anprall solche Höhlen auszubohren, und jetzt, da sie fertig waren, schlürfte der Felsen, wie e,ne durstige Charvbdis, ganze Wasserberge et», um sie an beiden Seiten aus den Winkeln seines gähnenden Rachen» wieder hervorsckäumen zu lassen; denn der Rachen war wie ein Sack gestaltet, und was hineinströmte, das mußte noth- gedrungen auf demselben Wege wieder an'« Tageslicht be- fördert werden. vom 12. August, wodurch den Salutisten die Abhaltung öffent- licher Versammlungen untersagt wurde, den Rekurs an da? Bundesgericht eingereicht. Rekurrenten find laut„Vaterland" Stabshauptmann Schaaf und neunzehn Kantonsbürger. Die- selben verlangen Aufhebung des Verbots und stützen ihre Be« schwerdc auf die Verletzung des in Art. 3 der zürcherischen Kantonsverfaffung gewährleisteten Versammlungsrechts und auf die Verletzung der tn Art. 63 der zürcherischen Kantonsverfaffung und tn Art. 49, Absatz 1, und Art. 50, Absatz 50 ga- rantttien Glaubens- und Kustusfreiheit. — Bern, 7. Oktober. Die Alkoholvorlage, welche Sonntag, 25. Oktober, zur Volksabstimmung gelangt, ist in der Presse und in Versammlungen Gegenstand lebhafter Be- rathungen. Man bezweckt angeblich mit der Vorlage hauptsäch« lich der ungesunden Vermehrung der Wirthschaften entgegenzu- treten, welche fich seit der von Art. 31 der Bundesveifassung verbürgten Handels- und Gewerbefreiheit bis Ende 1884 auf 21 633 oder auf 7t/io pro 1000 Einwohner der Schweiz ge- boben haben, was man als Hauptursache der in so schrecklicher Weise um fich greifenden Trunksucht betrachtet.— In wie weit diese Auffassung Anspruch auf Richtigkeit hat, mögen unsere Leser aus dem heutigen Leitartikel ersehen. Frankreich. Die Pariser Wahlergebnisse find jetzt bekannt. Gewählt wurden im ersten Mahlgang nur 4 Kandidaten, und zwar: Lockroy, FloqueS, de la Forge und Brisson. Der bekannte Chauvinist und Vorfitzende der Pattiotenliga, Dsroulede. erhielt nur 60 150 Stimmen und ist mithin nicht gewählt. Die vier Gewählten erhielten 272 000 bis 215 000 Stimmen- Die Gam- dettisten in Paris wollen im zweiten Mahlgang für die Radi- kalen stimmen, letztere dürften 160—170 Sitze in der Kammer erlangen. Es find für Paris resp. im Seinedepartement noch 34 Abgeordnete zu wählen. Die Pariser Wahlresultate find für die Opportunisten um so empfindlicher, als ihre Koryphäen Ranc und Spuller fich nicht unter den 34 befinden, welche die meisten Stimmen vereinigen, sonach also nach der jetzt ausge- gebenen republikanischen Wahldisziplin bei den Ballotagcn gar nicht zur Wahl kommen können. Epuller steht wenigstens noch in der Provinz zur Stichwahl, Ranc müßte jedoch auf irgend einer anderen Liste untergebracht werden. In Anbetracht der sehr bedeutenden erlangten Stimmenzahl hoffen die Monarchisten zuverfichtlich mit einigen der Ihrigen im zweiten Wahlgange auch in Paris durchzudringen. Femer wenden die Monarchisten alle Kraft auf, um den Herzog von Broglie bei der Stichwahl im Eure-Departemmt durchzudringen. Eine Versammlung der Mitglieder der Patriotenliga beschloß, D�rouledes Kandidatur als unabhängige und nationale aufrechtzuerhalten. Mauer- anschlage laden zu einer öffentlichen Versammlung im Sommer» zttkus ein, um über Dörouleves Kandidatur und über die Mittel, Propaganda dafür zu machen, zu berathen. Fast die gcsammte Piesse verhält fich bis jetzt zu dieser Kandidatur noch völlig passiv.— Die von mehreren Blättem der Regierung zugeschriebene Abstcht, einen Plan unmittelbarer oder pro- gresstver Räumung von Tongking vorzubereiten, wird offiziöser- seits dementirt.— Prästdent Grevy wird wieder als Kandidat für den Präfidentenfitz auftreten, er dürfte aller Vorausficht nach auch wieder gewählt werden. Die Wahl wird bekanntlich vom Kongresse, welcher von der Deputirtenkammer und dem Senat gebildet wird, vollzogen werden. Beide Körperschaften geben zusammen 884 Stimmen ab, von denen Herr Grevy sicher über 600 erhalten wird. Paris, 11. Oktober. Am 4. Oktober find nach den jetzt vorliegenden vollständigen Feststellungen bei den Wahlen für die Deputirtenkammer 127 republikanische und 177 konservative Kanditaten gewählt worden. Außerdem find 270 Stichwahlen erforderlich. Ein Mann, der sich als Führer der Boulevard- Slandalmacher geberdet hatte und verhaftet wurde, soll als royaltsttscher Agent entlamt sein; er wäre vom„Gaulois" selbst bezahlt worden, um am Dienstag und Mittwoch Abend Wieder. holungen der Kundgebung zu organifiren, die blas am Montag spontan gewesen sei. Türkei. Dem englischen Unterhändler Wolff scheint eS gelungen zu fem, em für England günstiges Uebereinkommen mit der Türkei zu erttelen. John Bull möchte aar zu gerne die Folgen deS egyptischen Feldzuges auf die Türkei abwälzen und mit einigem Anstand fich aus der Sackgaffe, in welche er fich durch die Wenn daS Floß aber glücklich solche Stellen überwunden hatte, und es schwamm wieder auf ruhigem Wasser, wie schien ihm dann so wohl und leicht ums Herz zu sein. Und doch hatte es selbst sich nicht im geringsten angestrengt' während die Männer, welche eS trug, sich ganz außer Athem arbeiteten und fich kaum die Zeit nahmen, noch einen trium- phrrenden Blick nach dem überwundenen Hinderniß zurück- zusenden. Dann ging e» auch wohl über Stromschnellen, wo da» Wasser über einen breiten Damm von Geröll don« nerte und auf der andern Seite des Dammes in Taufen- de» von schäumenden Strudeln seiner Wege in einer Weise weiter zog, als habe es sich über die Unverschämt- hett der Steine und Felsblöcke gar nicht wieder beruhigen können. Das Floß dagegen fürchtete sich nicht vor den Strom« schnellen; es ließ sich gemächlich von den watenden Män« »er» nach einem geeigneten UebergangSpunkt hinschleppen, und noch gemächlicher über die gefährlichen Steine fort- heben. Fiel dann der Eine oder der Andere bis unter die Arme in'« Wasser, oder wurde er gar gezwungen zu schwimmen, und nur durch rechtzeitigen Beistand seiner Ge- fährten vor dem Ertrinken gerettet, so folgte es so gleichgiltig und schwerfällig den hebenden und sich senkenden Bewegungen der aufgeregten Futhen, al« wenn es wirkliches Bewußtsein besessen und schon vorher Gleiches mit Gleichem habe ver- gelten wollen. Und gewiß war es nicht edel, daß die Menschen, so lange sie seiner bedurften, das arme Floß mit der größten Vorsicht behandelten und bewachten, um eS demnächst, so bald fie nur wieder festen Boden unter ihren Füßen fühlte», seinem Schicksal kaltblütig zu über» lasse». Ferner schoß er auch auf Wasserfällen hinunter, die aber glücklicherweise nicht sehr tief waren und sogar, hart am unterspülten Ufer, von Abstufungen begrenzt wurden, auf welchen eS mit vieler Mühe wohlbehalten hinuntergeschafft werden konnte. Und wenn e« unterhalb derselben auch wirk« lich eine Zett lang kreiste, ihm die alte Richtung zu geben. Hatte eS sich aber erst wieder von den Folgen des Schwin- dels erholt, so ließ es sich, wie im tollen Walzer, fester und eftyptische Politik verrannt hat, entschlüpfen. Der kranke Mann ist auf den Leim gegangen, er wird die eingebrockte Suppe ausessen. Türkische und englische Kommissare sollen demnächst nach Egypten reisen, um vereint die Einigungsbeschlüsse zur Ausführung zu bringen. Aus Konstantinopcl wird darüber folgendes telegravhirt: In Folge mehrerer Konferenzen zwischen Drumond Wolff, dem Großvezicr Kiamil Pascha und dem Präfidenten des Staatsraths Aarifi Pascha ist nunmehr die allgemeine Grund- läge für eine Verständigung zwischen der Türkei und England gewonnen worden, nach welcher die ganze bürgerliche, militä- rische und finanzielle Verwaltung Egyptens in eine solche Ver- fassung gebracht werden soll, daß die egyptische Regierung im Stande sein wird, auf eigenen Füßen zu stehen und mit den Sudanesen ein für Egypten vortheilhastes Arrangement zu treffen. Diese Grundlage der Verständigung schließt die Sen> duna von von türkischen Truppen nach Egypten aus und stellt als Prinzip die Räumung Egyptens von den englischen Truppen auf, sobald es möglich sein wird, solche auszuführen.— Ferner meldet ein Telegramm, daß der Sultan dem Khedive einen Orden übersandt habe. Dem Anschein nach hat fich also der Sultan mit demselben ausgesöhnt. Amerika. Montreal(Kanada), 7. Oktober. Gestern Abend fand hier eine kurze Wiederholung des Krawalls statt. Ungefähr 300 Personen griffen die Truppen an, welche die Ausstellungs- Anlagen bewachen, und vertrieb dieselben, wobei 3 Soldaten verwundet wurden. Gestern Mitternacht wurde die Ruhe wiederum hergestellt. Gestern unterlagen 24 Personen der Pockcnseuche und 72 neue Erkrankungen wurden angemeldet. Heute starben 41 Personen. Asie«. Shanghai, 4. Oktober. Eine wichtige geheime Denk- schrift ist dem Kaiser von dem früheren Vizekönig Tso über« reicht worden, welche den Bau von Eisenbahnen im ganzen Reiche, sowie die Gründung von Lehranstalten nach dem euro- päischen System für das Studium wissenschaftlicher Gegenstände angelegentlich empfiehlt. Gerichts-Zeitung. In grosser Gefahr befand fich am Abend des 18. April d I. der gegen 12 Uhr vom Bahnhof„Alexanderplatz" nach dem Bahnhof„Friedrichstraße" abgelassene Vorortzug Nr. 948, und ist es lediglich der Geistesgegenwart zweier Streckenwärter zuzuschreiben, daß ein verhängnißvoller Unfall verhütet worden rst. Wegen Herbeiführung der Gefährdung dieses Eisenbahn- transports hatte fich der Lorarbeiter Bartolomäus Weiermann vor der dritten Strafkammer hiefigen Landgerichts I zu ver- antworten. An dem genannten Abend war demselben von seinem vorgesetzten Bahnmeister der Auftrag geworden, nach Abgang des letzten Zuges einen Materialientransport auf dem Femgeleise vom Alexanderplay nach der Friedrichstraße zu befördcm. Bis zum 1. April ging ver letzte Vorortzug vom Alexanderplatz um 11 Uhr 46 Min. ab, nach dieser Zeit war ein neuer Zug eingelegt worden, der diesen Bahnhof erst um 12 Uhr Nachts verließ. In den den Beamten und Vorarbeitern zugetheilten Fahrplänen war dieser neue Zug bereits am 4. April nachgetragen worden, der Ange- klagte hatte aber dm Fahrplan nicht weiter studirt, auch von der Einlegung des neuen Zuges keine Kenntniß erlangt. Von dieser.Unkenntniß scheint auch der diensthabmde Etationsbeamte defangen gewesen zu sein; denn er hat es zugelassen, daß der Angeklagte mit seinem Transport um etwa 1 1 Uhr 55 Minuten den Bahnhof verließ. Hierbei war unterlassen worden, den letzten Materialienwagen mit einer roth geblendeten Schluß- lateme zu versehen, wie dies das Bahnpoltzei-Reglement für jeden zur Abendzeit die Bahn pasfirenden Transport vorschreibt. Der Angeklagte behauptet, auch hierzu die Genehmigung des Stationsbeamten gehabt zu haben, und meint, daß die Anbringung der rotben Lateme auch nicht nothwendig gewesen wäre, da das Nachfolgen eines Zuges überhaupt nicht mehr zu erwarten war. Diese Annahme er- wies sich, wie die Thatsache des Hinterdreinfahrens des Vor- ortzuges Nr. 948 bewies, als irrig, und in der That war der- selbe nahe daran, auf den unerleuchteten fich langsam vor- wärtsbewegenden Materialientransport aufzufahren, wenn nicht im letzten Moment 2 Streckenwärter, deren einer dem Lokomotivführer des erstem Trains das Zeichen gab, schneller zu fahren, und deren anderer das Haltesignal vor dem Bahnhof„Börse" einschlug, die große Gefahr des Zusammenstoßes abgewendet hätten. Es gelang nämlich noch dem Führer des Vorortzuges, denselben rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Dem Angeklagten wird nun zur Last gelegt, als zur Beförderung von Eismbahn- transporten Angestellter die ihm obliegendm Pflichtm, den Fahrplan zu studiren und die rothe Laterne am Schluß des Zuges anzubringen, vernachlästgt und vadurch den Transport ' Gefahr gesetzt zu haben. Der Sachverständige, Betriebs- m inspektor Golle, erachtet dies Nichtstudium des für einen Ar- sicherer von den dahinjagenden Fluthen umschlingen, und vorwärts ging es, als ob der alte Flußgott selbst hinter ihm gestanden und das Wasser in eine wilde Flucht hinein ge- ängstigt und gegeißelt hätte. Auch an gefährlichen Treibholzklippen flog das arme, unschuldige Floß vorbei, an Treibholzklippen, an welchen der unbändige Strom seit vielen Zahren gebaut und wozu er da? Material hoch oben im Norden den Urwäldern auf den westlichen Abhängen der Rocky Mountains ent« nommen. Zwischen den Zacken und Aesten aber schäumte und tobte es gar grausig; und die alten Bäume, welche das Wasser und die Atmosphäre so weiß gebleicht hatten, daß sie aussahen wie lauter sauber präparirte Skelette, die reckte» ihre dürren Arme flehendlich ge» Himmel, während sie hintlrlistig andere Zweige unter dem Wasser fortsendeten, um das ohne Arg über sie hingleitende Floß zu zerreißen und die von demselben getragene Last erbarmungslos eine leichte Beute der Wogen werden zu lassen. Aber Kairuk, der stattliche Mohavehäuptling, war zu vertraut mit dieser Art von Riffen. Wie ein Meergott stand er vorn auf der äußersten Spitze des Fahrzeugs, seine gabelförmige Stange zum schnellen Gebrauch bereit halte�.jne Ritzten nach alle» Richtungen hin über die bewegliche Wasserfläche, und schon auf weite Entfernungen erkannte er die Stellen, wo unter dem scheinbar harmlosen Spiegel drohende Gefahren verborgen waren. Durch ein Zeichen gab er dem Schwarzen Biber seine Warnung zu verstehen, Jim Rast wiederholte des Delawaren Kommando mit einem aufmunternden„Ahoi", die Pfähle und Ruderholzer schlugen klatschend und spritzend mS Wasser, das grüne Floß gab nach einigem Widerstreben dem auf es aufgeübten Druck nach, und hohnlächelnd deutete der riefen- hafte braune Pilot im Vorbeifahren auf die Stellen, welche ihnen verderblich hätte» werden können. Nicht minder Hohn- lächelnd wie« er aber auch auf die schwankeren Bestandtheile der Holrklippen, welche, für die Gewalt der Strömung nicht fest genug, mit der Regelmäßigkeit einer von Dampf ge- triebenen Säge fich neigte» und verbeugten, al« wenn sie beiter schwer zu entziffernden Fahrplans als verzeihlich, nicht aber die unterlaffene Anbringung der Laterne. Der Gerichtshof verurtheilte deshalb den Angeklagten nach dem Antrag des Staatsanwalts zu einer Wocke Gefängniß und bemaß die Strafe nur deshalb so hoch, weil ein in seinen Folgen un> übersehbarer Unglücksfall nur durch einen reinen Zufall abge- wendet worden ist. Einer der in der Leipzigerstrasse belegenen Fünfzig- pfennigbazare wurde von dem Kommis Adolf Bernhardt, wer- cher in demselben als Verkäufer fungirte, in der unverschäm- testen Weise bestohlen. Der Gesammtwcrth der gestohlenen Sachen wird auf nicht weniger als 130 Mark geschätzt. Der ungetreue Kommis brachte dieselben nach einer in der Zimmer- straße belegenen Stehbierhalle, welche ein beliebter Zusammen- kunftsort für Diebe und Hehler zu sein scheint, denn Bernhardt fand dort in den Handelsleuten Meyer, Jglisch und Fuchs stets willig- Abnehmer. Natürlich wurden die Gegenstände für einen Spottpreis losgeschlagen. Gestern standen Dieb und Hehler vor der 88. Äbtheilung des Schöffengerichts, um ihr Urtheil zu empfangen. Sämmtliche der Hehlerei Angeklagte find bereits wegen desselben Vergehens sowie wegen Diebstahls vorbestraft und mußten sie deswegen energisch bestrast werden. Fuchs wurde mit einem Jahre, Meyer mit fieben und Jglisch mit zwei Monaten Gefängniß belegt, Meyer, der einzige der Gesellschaft, der fich auf freiem Fuß befand, auch sofort in Haft genommen. Bernhardt, der noch keine Vorstrafe erlitten, kam mit einer sechswöchigen Gefängnißstrafe davon. Ein schlauer Franzose, der Tcppichhäddlcr Colali auS Paris, beschäftigte gestern die 87. Abtheilung des Schöffengerichts, da derselbe fich eines Vergebens gegen das Wander- lagergcsetz durch Hinterziehung der Steuer schuldig gemacht haben sollte. Im Dezember 1884 kam der Angeklagte mit einer reichen Kollektion Teppichen nach Berlin, die er auf dem Packhofe lagern ließ Er wußte vom betreffenden Steuer- Inspektor die Erlaubniß zu erwirken, die Teppiche auf dem Packhofe besichtigen zu lassen. Es blieb aber keineswegs bei der Besichtigung, sondern der Franzose setzte ohne Weiteres einen Theil seiner Waare an hiefige Kaufleute ab. Als der Auffichtsbeamte dies bemerfte, fragte er den Angeklagten, ob er denn auch seine Waaren zur Versteuerung angemeldet habe, erhielt aber unter verschmitztem Lächeln eine ausweichende Ant- wort. Am nächsten Tage war der Franzose mit den unver« kauften Teppichen wieder nach Paris abgedampft. Er wurde aber dennoch vom Arme des Gesetzes erreicht, durch die deutsche Botschaft in Paris wurde ihm die Anklage und Vorladung zum gestrigen Termine zugestellt. Ter Angeklagte hatte eS vorgezogen, nicht persönlich zu erscheinen, sondem fich durch den Rechtsanwalt Dorn vertreten zu lassen und endete die Verhandlung mit der Verurtheilung des Angeklagten zu 338 Mark. Gleiwitz, 6. Oktober. Ein hochinteressanter Meineids- vrozeß gelangt den 15. und 16. d. M. vor dem hiefigen Schwurgericht zur Verhandlung. Im vorigen Jahre stand ein Einlieger aus dem Plesser Kreise und dessen Sohn unter der Anschuldigung der vorsätzlichen Brandstiftung vor den Ge- schworenen. Die damalige Verhandlung ergab indeß, daß die Sanze Beschuldigung erne frivole, von der Einliegerfrau atharina Suchara aus Jdaweiche erfunden war. Ein ganzes Komplot, deren Haupt die Suchaia war, hatte fich gebildet, um die beiden Angeklagten ins Unglück zu stürzen. Nach be- endeter Beweisaufnahme trat der gewiß seltene Fall ein, daß die Staatsanwaltschaft fast sämmtliche Belastungszeugen unter dem Verdachte des wissentlichen Meineids und der Anstiftung hierzu verhaften ließ. Die Angeklagten wurden damals natürlich freigesprochen. Gegen die Suchaia und fünf Genoffen wird nun am 15. und 16. v. M. verhandelt werden. Man steht dem Ausgange der Verhandlung, zu welcher gegen 40 Zeugen geladen find, mit Spannung entgegen. Uerewe mtd Persammimtgen. In einer Kommnnalwähler-Versammlung, welche am Sonntag, den 11. Oktober, bei Mohrmann's, Gr. Frankfurterstraße 117, unter Vorsitz des Herrn Tabbert tagte, referirte der Stadtverordnete.Herr Fritz Görcki über die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Als wir vor 2 Jahren in den Wahllampf eintraten— so begann Redner— hoben unsere Gegner stets hervor, daß die Arbeiter ja doch keine Zeit hätten und ihre Stellung es nicht ermögliche, daß fie an den Sitzungen theil nehmen könnten. Bald jedoch sah man ein, daß man fich geint hatte, denn als nach den Wahlen 5 Ar- bertervertreter in das rothe Haus mit einzogen und an den Debatten rege fich betheillgten, als fie ferner mit prattischen Anträgen kamen, lärmten die Gegner in der Presse darüber in der heftigsten Weise. Man konnte nicht einsehen, wie die Arbeiter dazu kämen, derartige Forderungen zu stellen, wie z. B. das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht für die Kommune. Redner geht sodann auf die Besprechung der Miethssteuer ein, er bezeichnet dieselbe als die ungerechteste aller städtischen Steuern, da selbst der Aermste der Armen, wel- cher im dunstigen Keller wohne, einen eben so hohen Prozent- die Fremdlinge hätten einladen wollen, näher heranzu- kommen. Der Häuptling ließ sich indessen durch dergleichen Höf- lichkeitSformen nicht täuschen. Weit ab lenkte er daS Floß, soweit ab, daß die weißen Reiher, die hin und wieder einen alten gesttandeten Treibholzstamm zu ihrem Ruhesitz gewählt hatte», sich gar nicht die Mühe gaben, aufzufliegen. Aber neugierig schauten sie zu der ungewohnten Erscheinung hin- über, ebenso neugierig wie ihre Kameraden, die hoch oben auf Vorsprüngen und Abflachungen horsteten und, um besser zu sehen, auch wohl ihre luftige Häuslichkeit verließen und dem fliehenden Fahrzeug mit de» vielen Menschen eine Strecke vachfolgten. Nur selten, äußerst selten waren die Seitenwände der bald höheren, bald niedrigeren Schlucht durchbrochen, einen kurzen Blick in eine daselbst mündendeSeitenschlucht gewährend. Weit- hin zeichneten sich dieselben aus durch einige verkrüppelte grüne Pappelweiden, oder kleine Binsen- und Grasflächen, welche in dem bankartig niedergeschwemmten Erdreich ihre noth- dürftige Nahrung fanden. Ach, die heitere grüne Farbe schillerte in diesem Chao« von Felsmassen und Wasserwirbeln so freundlich und ein- ladend, daß man sie hätte mit Diamanten im Wüstensande vergleichen mögen. Von jeder dieser winzige« Oasen glaubten und hofften Weatherton und Falk, daß sie ihr Ziel sei. Aber unerbitt- lich ließ Kairuk fie vorüberziehen, wobei er durch eine ver- neinende Geberde zu verstehe» gab, daß hinter denselben unvermeidliches Verderben verborgen sei. Und so flog daS Fahrzeug dahin, und mit ihm eilte die Zeit. Der Sonnenschein war an der einen Felswand hinuntergeglitten; es näherte sich die Stunde, in welcher die eine Hälfte der Schlucht bis zur Mitte de« Wasserspiegel« in greller Beleuchtung schwamm, während die andere noch im Schatten lag. ES näherte sich die Zeit, in welcher kaum ein Winkel in dem offenen Gewölbe von den fast senkrecht fallenden Sonnenstrahlen unberührt blieb. Doch mochte die Atmcsphäre oben zwischen dem erhitzten Gestein glühen, nahe dem Wasser, wo Alle« nur wenige Stunden von der Sonne beschienen wurde, da herrschte eine angenehme Kühle satz seiner Wohnungsmiethe an Steuer zahlen müsse, wie> Reiche für seine Luxuswohnung. Bei der Steuererhebß stellen fich die Herren mit dem Arbeiter auf eine Stufe,(J anders sei es jedoch bei der Verwendung der Steuer.» ein Antrag einging auf Erhöhung der ArbeitslÄ der städtischen Arbeiter, lehnten die Herren Libew denselben ab, als aber ein Antrag gestellt wurde,> Stadt- und Geheimräthen den G.Halt von 9000 M-• 12000 M. zu erhöhen, erklärten fie fich damit einverstai» Die beschlossene Kanalisation eines Theiles Charlottenda werfe auch ein eigenthümliches Licht auf unsere Stadtväter; Moabit und der Prenzlauer Allee, wo die Miethskaseo stehen, ist man nicht so eilig mit der Kanalisation, wäh« doch die sanitären Verhältnisse dies eber erforderten, all Charlottenburg. Dem Antrage wegen Errichtung gewerb» Schiedsgerichte, so fährt Redner fort, hat die Majorität 0 stimmt, um auch einmal zu zeigen, daß fie etwas für den> beiter thut. Dieser Antrag war sehr nöthig, da die KW über das jetzige Gewerbegericht immer zahlreicher würb Auf die Bürgerpartei will Referent nicht erst näher eingck wenngleich fie der Arbeiterpartei im 25. und 26. Komm» Wahlbezirk gegenüber stehe. Bei reger Agitation—» Redner— würde man fie in beiden Bezirken aus dem« schlagen. Die liberale Partei habe den Arbeiter-Stadtverord» den Vorwurf gemacht, fie hätten die Politik in die Etadto�v sammlung hineingettagen, dies seiabernicht der Fall. Die Liberi führten stets die schönsten Freiheitsphrasen im Munde j jetzt, wo fie sehen, die Arbeiteroertreter meinen es ernst mit' Freiheit, wollen fie ihnen Vorwürfe darüber machen. T« würden fich aber die Vertreter der Arbeiter nicht kehren,? mehr würden fie unentwegt jür die wahre Freiheit und# berechtigung eintreten.(Anhaltender Beifall.)— Nach» maliger Frage des Vorfitzenden, ob Gegner daS Wort wünji meldete fich Niemand. Zum Punkt II der TagesorlB nimmt Herr Flatow das Wort und empfiehlt Herrn St Franke als Kandidaten für den 25. und Herrn Tischler für den 26. Bezirk. Beide wurden einstimmig von der sammlung anerkannt. Nachdem beide Herren erklärt ha die Kandidatur anzunehmen, und fie ferner verfichert ha falls fie gewählt werden, stets an dem Programm der Arb« partei festzuhalten, wurden zwei Resolutionen einstimmig genommen. Die eine von Herrn Lehmann g# lautet:„Die heute in Mohrmann's Salon versama» Kommunalwähler des 25. unv 26. Kommunalwahlbezirls er» fich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden! verpflichten fich, bei den bevorstehenden Kommunalwahlen' allen Kräften dahin zu wirken, daß nur solche Kandidaten: wählt werden, welche das Arbeiterprogramm vertreten."! andere, von Herrn Berndt eingebrachte Resolution geht» nur für die vorgeschlagenen Kandidaten Franke und Vogt! zutreten. In seinem Schlußwort empfiehlt der Referent i falls beide vorgeschlagene Kandidaten, da er fie nur als» werthe und tüchtige Genossen kenne. Mit einem Hoch a»? Arbeiterpartei, in welches die ganze Versammlung beg» einstimmte, schloß der Vorfitzende die Versammlung. H-n. Die Versammlung im Eiskeller, welches Aufstellung eines Kandidaten für den 38. Wahlbesil Sonntag stattfand, war verhältnißmäßig recht gut besucht.! Stadtverordneter Singer hatte das einleitende Referat? nommen und wußte seine Zuhörer durch eine sehr intere? sowie lehrreiche Rede zu fesseln. Wir beschränken uns W Bekanntes in Kürze anzudeuten und wenden uns mit gl» Ausführlichkeit den Momenten zu, durch die Herr wiederum� seinem Vortrage ein neues Relief zu geben g wies der Referent darauf hin, daf ett jzelommen Jet, in welcher jeder überzeugungstreue genösse, seine Pflicht als Agitator im Haufe, in' der im Keller und in der Mansarde zu thun habe. Nur ein Erfolg zum Segen der werkthätigen Bevölkerung zu' ten, wenn jeder Bürger seine volle Schuldigkeit thue.? Sie, meine Herren, so sprach Herr Singer, die wirthscha Differenzen auch in der Stadtgemeinde befestigt oder> stcnS gemildert wiffen, so sorgen Sie ernstlich dafür,>. Vertretelschaft der Arbeiterpartei im Rathhause um ei». deutendes verstärft wird. Je größer unsere Zahl, desto' gewinnen wir an Einfluß; deshalb muß es Ihr ganzes 3 ten und Bestreben sein, bei der bevorstehenden% verordnetenwahl mit allem Nachdruck dafür Sorge zu A daß uns wenigen bisherigen Vertretern bald die Frel�j reitet wird, möglichst viele Parteigenossen als Kolleg_______ Rathhause begrüßen zu können. Redner beleuchtete Wfl treter des gehend die einzelnen Forderungen der Arbeiterpartei. Diskusstor zuerst auf die wichtigste und heiligste Forderung des� Punkte, tt meinen gleichen, geheimen und direkten Wahlrechtes zu sss, und meinte mit Recht, die Höhe deS Besitzes dürfe nick»« zun. Thei bisher, ein Maßstab für den Grad der Theilnahme tur das 0 städtischen Verwaltung bilden. Die Arbeiterpartei hat'am auf t gramm auf den Satz bastrt:„Gleichheit alles Menschenantlitz trägt," weshalb die Partei im EinoerstA mit der übergroßen Majorität des Volkes die bezeichnete?? rung des Wahlrechts bis zur endlichen Realifirung bek� ' drückte, zu welche zur Nacht wieder in empfindliche Kälte überz» versprach. Mittag war vorüber; wie das warme Licht seinen Weg niederwärts gefunden hatte, so folgte K demselben Wege der Schatten nach, und bald beza»* wieder eine duftige Dämmerung auf den Strom zu � Bis jetzt waren den Reisenden die Stunden im ssM strichen; bei dem immerwährenden Arbeiten und bei der» nung, in welcher ihre stets wechselnde Naturumgebung JJ ständig hielt, hatten sie das Enteilen der Zeit nicht � und kaum bemerkt. Als fie aber durch die zuneh�.... Schatten an den Abend erinnert wurden, da bega«»" k/it �n auch wieder Besorgnisse einzustellen. J anhaltend. Nachdem indessen die Hälfte de« Nachmittag« des Kandi war, ohne daß ein andere« Wort, als höchsten« kurze* rungen betreffs der Handhabung des Fahrzeug«, � schwierige Stellen zu überwinden galt, gewechselt � wären, wurde ihre Geduld keiner langen Probe mehk worfen. Wie fie am frühen Morgen die kesselförnuß� Windung verlassen hatten, so traten sie bei eiu�J Biegung plötzlich und ganz unerwartet in ei« Amphitheater ein. Doch verlor der Sttom sich zusammen hängenden■- J wie am Morgen, m einem sondern er eilte einer wild und phantastisch bis Basen ausgezackten Bergkette zu, zwischen deren Pfeilern hindurch ihnen aus, weiter Fern« jJ kannten violetten und hellblauen Plateaus �. schimmerten. jA Der Sonnenschein, dem sie nunmehr wieder � � -■wv» wt/uiivuiufv»*», wu«»luumtw», wiv--, flr r*uuiuimfr waren, und die kleinen grünen Binsenfelder, welch J kandidaten -------- überaus'( melken. weise den Strom einfaßten, übten einen uoer»-' lichen Eindruck auf die Reisenden au«. Derselbe w" � noch auf da« angenehmste gesteigert, al« Kairuk w �! phirender Miene auf da« westliche Thalende. mehrere Male hintereinander die Worte wiederholt»' — schlafen— nicht mehr Kolorado." (Fortsetzung folgt.) br. Z waren am hagen'sckie, den Frühj Herr Seiy begründete pro Stunk fe, wie> tiererhek» Stufe, ß teuer. 1 »rbeitsl» i Libei°> Durde,> 00 M i nverstan» rlottenbi« adtväter, ethskasni n, wählt den, cü gewerb« jorität j«j für beul die KI°l ler wü» 1er einga KommB in— 0 is dem? foerotb» Stabto/J Dieiitbefl Kunbe> ruft mit1 jcn.£' kehren.» und W Na»- >lt wunil igesori- m S4M :tf»Iet% on bet; Ilärt W »ert M der Arbä iftimmitj n lerfamw (trfö er« standen> ilwahlo» ndidateni A efere ir als doch ng' g- Deiche W hlbezii! besucht] eferal' inierei uns V- mit gw In äur Durchführung erstreben werbe.(Lebhafter Beifall.) ?an amermaltung zu verwerfen und im Gesammtinteresse nur die «rln« l Im W« v-'e �iadt zu akzeptiren sei.(Lebhaftes iwi?"'�i r 5-e � i J? Gesammtheit, alles durch die Gesammt- D�eh drene den Arbeitervertretern in allen ihren Handlungen stets zur Richtschnur.(Beifall.) Durch die von der WUUMW ßMWOZZ -ls 4 . utr« inzes i. übetji zS kurz� & örmifl' fS bis Er wies darauf hin, daß während des Maurerstreiks von den Arbeitgebern vielfach geäußert worden sei, daß den Zimmer- I leuten eher als den Maurern ein Stundenlohn von 50 Pf. bewilligt werden könne. Die Forderung des 9stündigen Ar- beitstageS betreffend legte er dar, daß Verkürzung der Arbeits- zeit in dem Maße, in welchem durch die Vervoll- kommnung des Maschinenwesens menschliche Arbeit über- flüssig gemacht werde, herbeigeführt werden müsse und daß die Verkürzung der Arbeitszeit des Hauptmittel sei, die Lage der Arbeiter zu verbessern. Am Schlüsse wies er darauf hin, daß auch die Forderung des Ostünbigen Arbeitstages leicht durchzusetzen sein werde, wenn die Kollegen in ihrer Mehrheit dem Verbände deutscher Zimmerleute bei- treten und zu dem Generalfonds beisteuern. In der Diskusfion traten die Herren Elsholz, Klemm, Langner, Darge, Plötz, Krause und Loß mit Entschiedenheit für Sie beiden von dem Referenten begründeten Forderungen ein. Herr Meißner sprach stch auch für die Ostündiae Arbeitszeit aus; in Betreff des Lohnes aber schlug er vor, daß man nicht 50, sondern nur 45 Pfennig pro Stunde als Minimum fordern möge. Die Herren Unversehrt, Peschmann, Hintze, Gruse, Sembit?, Altern und .........■ W......._ V.»«s-. aßieberkehr ermöglichen. Die Bierstcuer sei keine Luxussteuer, wie es überhaupt falsch sei, stets dem Arbeiter gegenüber von reden, da nach seiner Meinung diejenigen Völker, die höhere Bedürfnisse hätten, auch auf einer bedeutend höheren Kulturstufe, ständen. Jede indirekte Steuer, das müsse er wiederholen, müsse ein Jeder, welcher vrinzipientreu handeln wolle, entschieden verwerfen.(Beifall.) Von besonderem lokalen Interesse waren die Aeußerungen, welche Herr Singer mit Be- zug auf die Dammmühlen- Vorlage des Magistrats that. Er äußerte stch etwa wie folgt: Ich bin vollständig damit einver- standen, daß der Osten mit dem Westen Berlins eine bessere Verbindung erhalten soll. aber deshalb allein ist diese Magi- stratsvorlage noch nicht für uns annehmbar. Der Fiskus, dem bis zum Jahre 1873 verschiedene Grundstücke gehörten, hat die- selben in Privatbesttz übergehen lassen. Wir Arbeitervertreter S"ne"""n' daß es durchaus nicht angebracht war, diese urkSei- Gmvdstücke zu verkaufen und daß dieselben hätten dem Fiskus ??er dem Staate belassen werden müssen, wenn man eine 33er« theuerung der Grundstücke vermeiden wollte. Außerdem find mehrere sehr erschwerend in's Gewicht fallende Befitzrechte und Baubeschrankungen vom FiSkus auf die jetzigen Privatbefitzer oder Aktiengesellschaften übertragen worden und betragen Sie Kosten weit über zwei Millionen Mark. Fallen die ange- deuteten Beschränkungen, so wird stck ja über das ganze Projekt reden lassen, im gegenwärtigen Stadium ist es für uns unannehmbar." Unter stets steigendem Beifall kam Herr Singer dann unter Anderem auch noch auf die weitere Vor läge des Magistrats, betreffend die Ausdehnung der Kanalisation auf Charlottenburg, zu sprechen und präzifirte Den Standpunkt der Albeitervertreter dahin, daß so lange von einem Anschluß der Nachbargemeinde keine Rede sein könne, als bis sämmtliche Straßen Berlins mit der Kanalisation ver- sehen seien. Leider habe die Majorität der Stadtverordneten im gegentheiligen Sinne beschlossen. Redner streifte dann noch die Maurerstreikangelegenheit und zeichnete mit Bezug hierauf ein treffendes Bild der in dieser Sache deutlich an den Tag getretenen Arbeitgeberfreundlichkeit des Magistrats. Der Schluß der anderthalbstündigen Rede war folgender: Wo es stch da- rum handelt, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, stehen wir Arbeitervertreter beiden gegnerischen Parteien, der konser- vativen wie der liberalen Partei, schroff gegenüber, da keine dieser Parteien gewillt ist, dem Arbeiter ernstlich zu helfen. Darum möchte ich Sie, meine Herren, dringend ersuchen, recht rege in die Wahlagitation einzutreten, damit der heute von Ihnen zu nominirende Kandidat auch gewählt wird. Be- denken Sie, daß auf den Schultern der Arbeiter das Gesammtwohl des Volkes ruht. Dieses so erhebende Be> wußtsein muß Sie im bevorstehenden Wahlkamvfe stählen, in diesem Bewußtsein und der daraus für jeden denkenden Arbeiter resultirenden moralischen Verpflichtung, das Eeimge zur Vergrößerung der Partei der Arbeiter beitragen zu müssen, werden und müssen Sie einen glänzenden Sieg erringen. (Stürmischer Beifall.)- Der Vorsitzende der Versammlung, KollelFl Herr Robert Schnitze, konstatirt nun, daß der bisherige Ver- te da-, treter des Bezirkes, Herr Wallich, nicht erschienen ist. In der iei. Diskusfion sprach zunächst Herr Maler Nikolai und streifte die > des n Punkte, welche der Referent bereits ausführlich erörtert hatte. s zu"| Dann sprach Herr Stiller über die an der Peripherie Berlins e niA'i sun. Thcil noch sehr mangelhafte Beleuchtung und trat warm hme*108 Gewerbeschiedsgerichtsprojckt ein. Herr Maurer Weise (,„1#' kam auf das„Submissionsunwesen", wie er fich treffend aus- i jefseftl drückte, zu sprechen und bob dabei mit ganz besonderem Nach- [nverftg drucke hervor, wie niedrig die Löhne an der nahen neuen chnettg Dankeskirche gewesen wären.(Hört, hört!)— Herr Etadt- na dem verordnetet Singer knüpfte in seinem Schlußworte an die letzte Aeußerung des letzten Redners an und führte aus, daß alle städtischen Arbeiten nur dann in Submission vergeben weiden sollten, wenn den Arbeitern vorher ein auskömmlicher Lohn gefichert werde. Meine Herren, so beendete Herr Singer sein zu Herzen gehendes Referat, gehen Sie Schulter an Schulter. Mann für Mann verein! m den Kampf; agitiren Sie in jeder Werkstatt, an jeder Hobelbank, damit Sie nach vollbrachter segensreicher Arbeit mit gerechtem Stolz und Freude sagen können t Der Norden Berlins ist rehabilirt, die vor zwei Jahren erhaltene Niederlage hat der Bezirk in diesem Jahre wieder gut gemacht. Die Arbeiterschaft von ganz Berlin er- wartet dieses Mal besonders Ihren Sieg! Darum thun Sie mit allem Mutbe, aller Energie Ihre Schuldigkeit, damit es am Abend des Wahltages in aller Munde heißt; Im Norden ist wieder Licht geworden, im Norden ist der wirklichen Frei- hrtt em unvergängliches Denkmal gesetzt worden.(Lang- anhaltender Beifall.)- Es findet nunmehr die Aufstellung des Kandidaten statt und wurde einem Vorschlage aus der Mi"« der Versammlung gemäß Herr Schuhmacher- merster Woyack einstimmm gewählt und demgemäß als Kandidat der Arbeiterpartei des Bezirks proklamirt. Herr Wonach der übrigens allsertm den besten Eindruck machte, erklärte fich dankend bereit, die Kandidatur annehmen zu wollen. In kurzer aber recht guter Rede betonte er besonders, stets treu und fest nach den Grundsätzen der Arbeiterpartei handeln zu wollen. Er könne nur überzeugungsvoll und voll und ganz das unter- schreiben, was Herr Einger heute so klar und deutlich dargelegt habe und könne auch er nicht genug an den freudigen Opfer- muth der Parteigenossen appelliien. Nicht seiner Person gelte rs, sondern der gerechten Sache, welche et nach Kräften ver- treten wolle. Sem Sieg werde, wie der Sieg bei der Reichs- tagswahl, ein Sieg des Prinzips, der Humanität und der Gc- (fl- rechtigkit sein und darum gehe ein Jeder in den gewiß nicht leichten Kampf mit dem schönen Ruf:„Emer für Alle, Alle für Einen!"(Jubelnder, lang anhaltender Beifall.) Mit stürmischen Hochrufen aus Herrn Paul Singer und den Arbeiter- kandidaten Herrn Woyack trennten fich darauf die Versam- melken. br. Die Zimmerleute Berlins und der Umgegend waren am Sonntag, wohl über 1200 Mann stark, im Buggen. hagen'schen Saale versammelt, um lr Betreff der im kommen- den Frühjahre zu stellenden Lohnforderung Beschluß zu fassen. 1 Herr Seitz wurde zum Vorsitrnd?« gewählt. Herr Lebmann j begründete die Forderung eines Minimallohnes von 50 Pf. I pro Stunde und eines Maximalarbettstages von 3 Stunden. ; bertszert w,,..•..........—-. zehnstündige Arbeitszeit und einen Stundenlohn von 50 Pf. Das Ergebniß der Verhandlung war, daß mit allen gegen 10 Stimmen die folgende Resolution angenommen wurde:„Die Versammelten erklären fich mit den Ausführungen des Refe- renken einverstanden und find gewillt, im nächsten Frühjahr für den Ostündigen Arbeitstag mit einem Minimallohn von 50 Pfennig pro Stunde einzutreten; und fie beauftragen die Lohnkommisfion, den Arbeitgebern diesen Beschluß mitzutheilen." Nachdem der Vorfiyende noch darauf hingewiesen, daß nach Annahme der Resolution es für jeden Kollegen Pflicht fei, zu dem Generalfonds beizusteuern und dem Verbände der deut« schen Zimmerleute beizutreten, erfolgte der Schluß der Ver- sammlung. br. Die öffentliche Versammlung der Tapezirer, welche am Sonnabend, Niederwallstr. 11, unter Vorsitz des Herrn Wildberger stattfand, hat der Lohnbewegung, die vor etwa vier Wochen zu dem Zweck eingeleitet wurde, einen Minimallohn- tanf, einen Minimallohn von 22,50 Mark wöchentlich und einen 9 stündigen Arbeitstag durchzusetzen, einen vorläufigen Abschluß gegeben. Herr Sander äußerte fich dahin, daß zwar nicht viel erreicht sei, daß er aber mit dem, was erreicht ist, zufrieden sei. Nachdem er die Werkstätten verlesen, in welchen die Forderungen bis jetzt bewilligt find, wur« den aus der Mitte der Versammlung Mittheilungen über die Verhältnisse mehrerer Werkstätten gemacht, beliufs Feststellung, ob den Forderungen Genüge geleistet und ob da, wo die Arbeit eingestellt worden, dies mit Recht geschehen sei. Herr Sander konnte den Vorwurf, der ihm unS der Lohnkommisfion von mehreren Rednern gemacht wurde, daß fie nicht mit der nöthigen Konsequenz für die Forderungen eingetreten seien und daß fie die in den öffentlichen Versammlungen gefaßten Beschlüsse garnicht oder nicht genügend ausgeführt haben, nicht widerlegen; er führte zu feiner Entschuldigung an,• daß in der Praxis eine konsequente Durchsetzung der gestellten Forderungen sich ihm bald als unmöglich erwiesen und daß eS ihm an Zeit gefehlt habe. Als Herr Seydel ihm nun den Vorwurf machte, daß er die Lohnbewegung in den Koth gezogen habe, wurde er fo leidenschaftlich erregt, daß der Vorfiyende stch veranlaßt fand, ihm das Wort zu entziehen. Der Vorfitzende erklärte, daß auch er der Anficht sei. daß Herr Sander, nachdem er zu der Hebet- zeugung von der Undmchführbarkeit der Forderungen gekommen, sein Amt hätte niederlegen müssen; wer die Beschlüsse der Generalversammlung iavorire. stehe nicht auf demokratischem Boden und sei in der Lohnbewegung nicht zu gebrauchen. bfa. Zur Drechslerlohnbewegung fand am Sonntag in den Gratweil'schen Bierhallen eine zahlreich besuchte Drechs- lerversammlung statt, in welcher Herr Sündermann übet die seitherigen Erfolge in der Drechslerbewegung sprach. Der Redner wies unter Anderem aus die in jüngster Zeit ausgebroche- nen Arbeitseinstellungen bei Schwarze, Walter und Rose hin. von denen die in der letztgenanten Werkstätte mit Ausstcht auf vollständigen Erfolg noch fortdauert, während die in den bei- den erstgenannten mit einem Lohnaufschlag von 15 pCt. beigelegt werden konnten. In Folge des Versammlungsbeschlusses vom 7. d. M. sei am 8. d. M. in den meisten hiesigen Werk- stätten mit der Minimallohnforderung von 18 Mk. bei 10 stündiger Maximalarbeitszeit, sowie mit der Forderung der Ein- führung der einem Minirnalwochenverdienst vom 18 Mk. für den sogenannten„schwachen Arbeiter" entsprechenden Minimal» Stücklohntarife für Bau- und Tischlerarbeit vorgegangen wor- den und auch bereits am Sonnabend in vielen Werkstätten die Bewilligungen der Forderungen erfolgt, in anderen Werkstätten jedoch die Entscheidung bis zum Montag, den 12. d. M., ver- tagt. Schließlich empfahl Referent, in allen Werkstätten am Mon- tag mit allem Nachdrucke die Forderungen geltend zu machen und im Falle der Nichtbewilligung die Arbeit niederzulegen. Da sich für die Galanteriewaarenbranche, wegen der großen Anzahl der vorkommenden verschiedenen Stückarbeiten ein geeigneter Normal- Minimaltarif in so kurzer Zeit nicht habe ausstellen lassen, mögen die betreffenden Werkstätten entweder nur mit der Minimallohnforderung von 18 M. oder mit dementsprechend von ihnen selbst zu entwerfenden Stücklohn-Minimaltanfen werkstättenweise vorgehen. Hieran schloß fich eine lebhafte Diskusfion. Herr Grunow empfahl, den Streik bis zum nächsten Frühjahr zu vertagen, damit fich die Meister bei der sogenannten Musterzeit hinfichtlich ihrer Waarenpreise darauf einrichten könnten, fand aber damit nirgends Anklang. Herr Rinneberg machte darauf aufmerksam, daß man in manchen Werkstätten, woselbst einzelne Stückarbeiten schon jetzt besser bezahlt würden, als es nach den aufgestellten Minimal- tarifen zu geschehen, anstatt mit den Minimaltarifen mit einer prozentualen Lohnaufschlags- Forderung vor- gehen müsse. So werden z. B. in der Pfaff'schen Möbelfabrik 25 pCt. Lokalzuschlag verlangt. Ein Drcchslermerster aus Rix- darf theilte mit. daß fich dort Meister und Gesellen über den Tarif geeinigt und die Tischlermeister, an die man herangetreten sei, mit wenigen Ausnahmen den Tarif bewilligt hatten. Im Anschluß hieran forderte der Redner die hiefigen Drechsler- meister auf, von den betreffenden Rixdorfer Tischlermeistern, die nicht nach dem Tarif bezahlen, keim Arbeiten zu übernehmen. Herr Schräder beantragte, daß alle Werkstatten ,hre Tarife so schnell als möglich an die Lohnkommisfion einsenden und einen Werkstätten- Dclegirten wählen., Beide Anträge wurden ein- stimmig angenommen. Schließlich nahm die Versammlung einstimmig zwei fast gleichlautende Resolutronen an, von denen erstere lautet:„Die heutige Versammlung der Drechsler erklärt fich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verpflichtet fich, voll und ganz für die Re- solution vom 3. Oktober einzutreten und am Montag, den 12. d. Mts. in allen Werkstätten die Arbeit einzustellen. wo- selbst die Forderung von 18 Mk. Mmimallohn ber einer ääs? m&mm (bei Leut) anwesend find, um alle auf vre Bewegung bezüg. lichen Mitthcilungen entgegen zu nehmen, sowie daß vre erste Kontrolversammlung der Streikenden am Dienstag, den 13. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, bei Gratweil(Kommandanten straße) stattfindet. Herr Gustav Rödel, in seine, Eigenschaft als„Vertretern %er Kommission Berliner Tischler", fordert von uns wieder einmal die Aufnahme eine feiner bekannten„Berichtigungen". Nach dieser„Berichtigung" ist natürlich Alles, was von den Tischlein Berlins über Herrn Rödel und feine Aufführung gesagt wird, einfach unwahr. Wir lassen hier zu?!utz und Frommen aller Derjenigen, welche an der Rödel'schcn Affaire überhaupt ein Interesse haben, zunächst die„Berichtigung" wortgetreu folgen. Herr Rödel schreibt:„Berichtigung. In Nr. 233 des„Berliner Volksblatt" ist ein Artikel enthalten, beginnend mit den Worten:„Eine öffentliche Versammlung sämmtlicher Tischler", welcher eine Anzahl Unrichtigkeiten ent«. hält. Es heißt darin:„Ein mysteriöses Dunkel umhülle aber das Markensystem, dessen Verwaltung allein in Rödels Hand lag". Dies ist unwahr, weder das Marlensystem, noch die Ver» waltung desselben lag allein in meiner Hand, zur„Ver- waltung des Markensystems" waren und find noch heute ein Hauptkasfirer, ein Äarkenkasfirer und 8 Hilfskasstrer von der Kommisfion der Berliner Tischler angestellt. Es ist femer unwahr, daß, wie in dem Artikel behauptet, der Hamburger Fabrikant bei jeder erfolgten Sendung Marlen, je einen Gratisbogen, 400 Marlen enthaltend, beigelegt hat; bei einzelnen Sendungen ist nicht einmal die volle Zahl der bestellten Marken eingetroffen, ferner ist die Zahl der in einem Bogen enthaltenen Marken nicht immer 400. Eine weitere Unwahrheit enthält der nächste Satz: die 3600 Marken, welche als Ersatzmaterial dienen sollten, seien vollwerthig verwendet wor- den. 3600 Marken find weder als Ersatzmaterial eingegangen, noch vollwerthig verwendet worden. Es ist ferner unwahr, wenn es weiter heißt: die VerwaltungSkosten beliefen fich auf 30 bis 35 pCt. Laut Abrechnung des vorigen Jahres betrugen die Verwaltungskosten ca. 5 pCt., laut diesjähriger Abrechnung ca. 7 pCt. Unwahr ist weiter die nächste Behauptung:„Rödel ist verurtheilt, weil er die 30 Marl unterschlagen hat." Weder bin ich verurtheilt, nock habe ich 30 Mark unterschlagen, da seitens der königlichen Staatsanwaltschaft meine Freisprechung beantragt wurde und von Seiten des königlichen Schöffen- gerichts ohne jede Vorberathung die sofortige Freisprechung erfolgte. Weiter ist unwahr, daß„Niemand weiß, wie viel Billets für die Matinee in der Philharmie angefertigt worden find." Jedes Kommisstonsmitglied und auch die Revisoren haben vor der Ausgabe der Billets diese gesehen, somit, da die Billets fortlaufend vom Buchdrucker numerirt waren, auch gewußt, welche Zahl gedruckt worden ist. Unrichtig ist ferner, wenn behauptet wurde von Herrn Zubeil, er(Zubeil) habe gebeten, von dem Ueberschuffe der Matinee auch der Wittwe Goldacker etwas zukommen zu lassen; der Kommisfion als Veran» stalterin der Matinäc ist davon nichts bekannt. Güstau Rödel, Neue Königstraße 13, Vertreter der Kommission der Berliner Tischler." Soweit Herr Rödel. Die„Berichtigungen" des Herrn Rödel beschränken fich hauptsächlich, wie unsere Leser wohl wissen werden, auf Wortklaubereien. Namentlich ist die Sache mit seiner Freisprechung wegen der 30 Mark doch wohl nicht so ganz klar, wie es Herr Rödel gern darstellen möchte. Die Anklage ist von der Staatsanwaltschaft fallen gelassen worden, weil eine direkt geschädigte Person nicht nachzuweisen war. Es ist aber sehr leicht möglich, daß eine solche noch aufgefunden werden kann, und dann dürfte die Sache wohl nicht so glatt ablaufen. Aus der von uns veröffentlichten Gerichtsverhandlung gerade über diesen Gegenstand der Rödel'schen„Berichtigung" ging übrigens deutlich hervor, daß die Anklage- behörde durchaus nicht mit der Art und Weise der Verwendung anvertrauter Gelder einverstanden war, wie sie von Herrn Rödel beliebt wurde. Es gewinnt immer mehr den Anschein, als ob Herr Rödel den nicht mehr ungewöhnlichen Weg der Berichtigungen wählt, um überhaupt noch von fich reden zu machen. Das ist der Anfang vom Ende. Zu dem Bericht über die Arbeiterinnen- Versammlung in Nr. 235 unseres Blattes wird uns mitgetheilt, daß fich daselbst einige Ungenauigkeiten eingeschlichen haben. ES muß daselbst Zeile 26 heißen:„Maler Nicolai: Es sei er- freust», daß die Versammlung zahlreich besucht sei und noch erfreulicher wäre es, wenn die nächste Versammlung noch be» deutend zahlreicher besucht würde."— Zeile 32 folgendermaßen- „Der arbeitende Mann heirathe deshalb nicht, um aus der Frau eine Fabrikarbeiterin zu machen."— Zeile 46:„©chrif stellet Vaake: Das Arbeiterschutzgesetz bessere nichts, sondern die jetzigen Zustände würden dadurch nur verlängert. Er war gegen die Beschränkung der Frauenarbeit und sagte, die Frauen könnten m der Industrie nicht entbehrt werden, die Frau müsse arbeiten um vor dem Manne ökonomisch frei dazustehen. Dadurch ent» spann fich eine lebhafte Debatte zwischen dem Schriftsteller Vaake einerseits und dem Schriftsetzer Kunkel und Maler Nikolai andererseits. Kunkel und Nicolai traten für Beschränkung der Frauenarbeit und für das Arbeiterschutzgesetz sehr lebhaft ein. An die Drechsler und Berufsgenossen Berlins. DaS Bureau der Lohnkommisfion befindet sich Alexanderstraße 25 bei Mönch; sämmtliche Meldungen werden dorthin erbeten, auch von den Werkstätten, wo die Forderung bewilligt worden ist.— Die Versammlung findet am Dienstag, den 13. Oktober, Vormittags 9 Uhr, bei Gratweil, Kommandantenstraße 77—79, statt. Tagesordnung: Bekanntmachung des Resultats und Kontrole der Streikenden. Große Kommunalwähler-Versammlung Mittwoch. den 14. Ottober, Abends 81, Uhr, in Vettin's Salon, Brunnen- straße 34. Tagesordnung- Die bevorstehenden Kommunal- wählen. Referent: Etadto. Tutzauer. Diskussion. Aufstelluno des Kandidaten für den 34. Kommunal-Wahlbezirk in unserer letzten Sonntagsnummer enthaltene Bericht Über die am 9. d.M. stattgehabte Versamm- lung des„Vereins Berliner Droschkenkutscher" enthält durch Auslassung emer Zeile, einen sinnentstellenden Fehler. Es muß Zeile 19 heißen:„Er(der Syndikus des Vereins) empfahl, beim Polrzei-Prastdlum betr. Umänderung des§ 21 des Fahr. reglewents vorstellig zu werden und zwar dahingehend, die Entziehung des Fahrscheins eintreten zu lassen nach erfolgter einmaliger BestrafungmitGefängniß, doch er st nach mehrmaliger Derurtheilung zu Geldstrafen." Kriefkasten der Redaktion. 5��estr. Zu Ihrer Beruhigung sei Ihnen mitgetherlt, daß die Sachen bereits am Sonnabend zum Druck gegeben waren und nur zufällig zurückgeblieben find. Im Uebugen muß der Redaktion die Entscheidung überlassen biet- ben, ob eine Sache dringend ist oder ob dieselbe einen Tag zurückgestellt werden kann. Ab. Gr. Frankfurterstr. 1) Jedes durch 4 ohne Rest theilbare Jahr ist ein Schaltjahr von 366 Tagen, diejenigen Säkularjahre ausgenommen, welche nicht durch 40i> ohne Rest getheilt werden können. So find die Jahre 1700, 1800, 1900, 2100, 2200 je. gemeine Jahre von 365 Tagen, dagegen die Jahre 1600, 2000, 2400, 2800, 3200 ic. Schaltjahre von 366 Tagen. 2. Im 19. Jahrhundert hatte der Februar nur in den Jahren 1824, 1852 und 1880 fünf Sonntage. F. T. In nächster Nummer. W. L. Lausitzerstr. Wenn auch nicht gerade strafbar, so doch höchst unmoralisch. H. W.. Oppelnerstr. 21. Sie fragen, wie viel Häuser in Berlin stehen, die über hundert Jahre alt find. Wir wissen das nicht, und können, nur um Ihre Neugierde zu befriedigen, in dieser Richtung auch kerne Recherchen anstellen. Die Re- dattion einer Zeitung ist nicht allwissend, im Uebrigen beant- warten wir auch nur Fragen, die von allgemeinem Interesse-. find.— Theater. Opernhau«. Heute: Der Trompeter von Säkkingen. Schansptelhau«. Heute. Minna von Barnhelm, oder: Das Soldatenglück. Deutsche« Theater. Heute: Ein Tropfen Gift. Friedrich-Wtlhelmktädttsche» Theater. Heute: Offenbach- Cyclus. Orpheus in der Unterwelt. Restdeuz-Theater. Heute: Theodora. Wallner-Theater. Heute: Sie weiß etwas. Hierauf: Papageno. Belle-Alltauee-Theater. Heute: Die Leibrente. Walhalla-Operetteu-Theater. Heute: Don Cesar. Viktoria-Theater. Heute: Meffalina. Central-Theater. Alte Jakobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Zum 74. Male: Die wilde Katze. Gesangspoffe in i Akten von W. Itannstädt, MufÜ von G. Steffens. LoutsenstädtischeS Theater. Direktion: Jos. Finnans. Heute: Der Waffenschmied. Ofteud-Theater. Heute: Berliner in Kamerun. _ �, Konigftädtisches Theater. Heute: Gastspiel der Liliputaner. Die kleine Baronin. __... M Theater der Reichshallen. Täglich: Aufteten sämmtlicher Spezialitäten. ...... American-Theater. Täglich: Austreten sämmtlicher Spezialitäten. Kaufmaun's Vmrleeä Täglich: Große Epezialitäten-Vorstellung. Konkordia. Täglich: Austreten sämmllicher Spezialitäten und theatralisch« Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute zum 3. Male: In Leid und Freud. Lebensbild mit Gesang in 4 Asten von A. Slottlo. Vor der Vorstellung: Großes Konzert der HauSkapelle. Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Bons haben Wochentags Giltigkeit. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Möbel-, Sopha- und Matratzen-Fabrik A. Schulz, 34 Waffcrthorstraße 84 tauch Theillahluna». Möbel-, Spiegel- u. Polstertvaaren-Magazin von A. Franke, 4« Wasserthorstrasse 46, emvsteblt nur reelle, gediegene Arbeit. Eigene Werkstatt. Solide Preise. I Treppe. Geöffnet von 9 Uhr Morg. bis 10 Uhr Ab- Kaiser Panorama. Diese Woche: Eine Reise durch Oesterreich. Eine be» Meme Wanderung�durch Rom. Hertha-Reise. Karolinen. a Reise 20 Pf., Kinder 10 Pf 12450 Bn der vor einiger Zeit in der„Urania" stattgehabten Gasexplofion bin ich in äußerst schmerzhafter und gefährlicher Werse verletzt worden. Ich bin daher erwerbsunfähig und bnte cdeldenkende Menschen, mich in meinem Unglück zu unter- stütze»:_ Otto Milde. Manteuffelstt. 21. Mitglieder Iersammlnug des Fachvereius der Drechsler, Knopfarbeiter und verwandten Lerufsgeuosseu am Dienstag, den l3. d. Mts., Abends 8 Uhr, Andreasstratze 21(Keller's kleiner Saal). Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau. 3. Diskusfion. 4. Bericht über die mündliche Verhandlung in Betreff der Sonntagsruhe. 5. Wahl des 1. Kasfirers und 2. Schriftführers- 6. Verschiedenes und Fragckasten.[2431 __ Der Vorstand. Mitglieder-Bersammlung des Arbeiterinnenvereins Berlins Dienstag, den 13. d. M., Abends 8V, Uhr, i« Silo» z»« Dkstslhe» Siiftt, iothrt-gerstr. 87 Tagesordnung: Vortrag. Diskusfion. Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. Nur Berichterstatter haben Zuttitt._[2431 Große KmulUWluiWlr- Wommlmig Mittwoch, den 14. Oktober, Abends 8V, Uhr, in Vettiu's Salon, Brunneustraße 34. Tage». Ordnung: 1. Die bevorstehenden Kommunal-Wahlen. Ref.: Stadtv. Auch Theilzahlung. Möbelpolirer.' schlaft Ihr denn? in reichster Auswahl auf'Lager und nach Maß jj kürzester Zeit au« den gediegensten Stoffen: 8, 9. W 12 und la Thlr., Anzüge: 8, 10, 12, 15 und 18 T" Hosen: 2, 3, 4, 5 und 6 Thlr. G. Dilssner, Schneider für Herren. 46. Alezandrinenstrasge 46, Onergebäude 1 Treppe._ «scheint Berlin i Hostabo, Franz T u tz a u e r. Diskuss Bezirk. [2430 Im 2. Diskusfion- 3. Aufstellung des Kandidaten für den 34 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Das W a h l-K o m i t e e. Zeichen-Uiiterrftclit« Ein neuer Kursus in der Projektion slehre beginnt am 14. d. M. in den Abendstunden von 8—10 Uhr.[2429 _ O. Krause, Zeichenlehrer, Gitschinerstraße 3. erh. Kindertrage-M. bill. r._[2434 1 fast neuer Kinderw. u. eine g. zu verk. Oranienstr. 186, vorn 3 Tr- [2169 Einzelne Sopha-Bezüge in Rips, Damast und bunten Stoffen, von 3V: bis 4V, Meter lang, fßr die Hälfte. 500 Stück echt englische Tüll-Gardinen mit Band eingefaßt, 2 Ellen breit, Elle 45 Pf. Emil Eefevrfe, Berlin 8 Oranienstr 15» K •O- OD i s' ----IP P« 04 iß Ol hO 3 SS & •§ ■|;|Sssll|s ■ 7-b®...... 55•:L M g � �-a" � Ig PI .W ______'JÄ |........ II 'S : � O «Ä k- I|: o p ö prs dl . a r .a- «Ii % m l s Ol sl gi « 00 Z- Sls o o. 00�.6 all ■o je v ¥ is « ui 8 § «a « 0) mo I; o.� 8 Den stehen} in die S dürft, nommen. Nur Art von tagswahl Deshalb Eine möbl. Stube für ältere Herren Bernauerstr.83,v.I.l.[-� Daj Grüner Weg 105, Ouergeb. parl. r. b. Winkler,'eine! wohlfahr Schläfst, sep. für 1 Herrn.\ii tst wohl Eine fr. Schla'tt. Briverstr.'Itr. 3 in b. Reifurth.[2tz freisinnig Fr-Schlfst.fH-,sep.Eing.,Louis.nstl.66.H-3.Seitenfl.l.b.Wambck für d e zieher praktische dieser i der übt schließlist Zn Pelgübet; Freisinns Eatlastm und für stzstem si progressi heißen i den indi dann ist Militär« weise vo trag bes nothweni die tapfe Sie zest." 1 Ardettsmnrkt. Kernmacher, Bestoßer verlangt Gerichtsstraße 21/22. ß Einen tüchtigen Gesellen ans gute Tifl verlangt M. Lindberg, Dresdenerstraße 109. Eine Frau wünscht noch einige Waschstellen anzune Näheres bei Lattermann, Thaerstr. 14, Hof, im Keller. 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D< h crnande Siegst S raschen, dre m, gegenül D dem ur für ihn hauptu, Verantwortlicher Redakteur R. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin 8W., Beuthstraße 2.