Ur. 24% Freitag, de« 16. Oktober 1883. IL Jahrg. tlimerMMI. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Da«„Berliner VoUsblatt« Abomlementtprei« wöchentlich 35 Mark. (»l«it Mark. caa ment 4 M. Emzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 i (Eingetragen in der PostzeitungSpreiSlist« für 1885 unter Nr. 746.) Jnfertioasgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Ks Redaktion: Kenthstraße S.— Expedition: Zimmerstraße 44. Die Knfis am Bnllma. ... scheint sich am Balkan so zu gestalten, wir wir be- »urchtet ein blutiger Kampf wird kaum zu vermeide» fenn Wenn man de» russischen offiziösen Blättern glauben wollte, so müßte man annehmen, in ein paar Wochen werde Alles wieder in schönster Ordnung und Alles befriedigt sein. geben, ge- den vim- Ä wähl !Nt il. k.. IgsTJ•» Krönung UND Aues vesrlevlgl 1 braucht sich aber gar keine besondere Mühe zu ge! um zu erkennen, daß die russische Diplomatie wieder ihr wohnteS Schaukelspiel treibt und daß sie bemüht ist, sich »nschem der„Friedensliebe" zu geben. Die Verlogenheit dieser Diplomatie ist indessen in der ganzen Welt zu sehr dekannt, alt daß irgend ein Denkeader ihre FriedenSver- sicherungen ernst nehmen könnte. In einem Athem will diese Diplomatie sich als Hüter des Berliner Vertrages auf- werfen und doch sucht sie auch dem Fürsten Alexander den durch seine„Revolution" eroberten Gebietsstand zu erhalte«. Was das bedeutet, ist klar. Die Türkei, zu deren Ungunsten der Bruch des Berliner Vertrage« durch den Fürsten Alexander, resp. dessen ostrumelische Anhänger geschah, soll einen Sack voll Kam- limenten und schönen Phrasen, Alexander aber die Provinz )strumelien haben. Ob sich die Türkei damit zufrieden iebt? Wir glauben kaum, und ohnehin find ja auch Serbien, Griechenland und Albanien in Bewegung. Wir haben gleich zu Anfang betont, daß man bei der Abwicklung dieser Katastrophe einen Faktor nicht übersehen 4 dürfe, nämlich die Agitatoren und Verschwörer in Ost- i!l5l�tumelien selbst, und daß diese sich nicht so leicht beruhigen k-Klassen würden, auch wenn Alexander selbst sich scheinbar oder wirklich einem Beschlüsse der Signaturmächte fügen 'ollte. Die Selbstständigkeitsbestrebungen der Bulgaren— t wiederholen wir— kann kein Billigdenkender als un- erechtigt betrachten; sie bekommen aber sofort einen anderen Charakter, wenn sie in russischem Interesse thätig ~nd. Und soll man etwa Anderes erwarten von einem taatSwesen, daS unter russischen Auspizien gegründet und für das von russischen Diplomaten sogar eine Verfassung Itttll entworfen wurde? Alexander 1. ist ein russischer Vasall; "dal wird denen, die es nicht einsehen >eVerlauf der bulgarischen KrisiS noch fffss perden. k" Aus dem neuers chieoene» Organ der bü «Mvartei erfahren wir denn auch ohne Umf *'"in Philippopel, resp. in Ostrumelien au t! ii hl, die russischen Diplomaten , 33, sprechen dürfen oder auch jagen die Verschwörer von wollen, aus hinlänglich dem klar en National- weife, was man >un gedenkt. Was in St. Petersburg nicht aus- nicht aussprechen wollen, daS Philippopel ganz unverblümt. Sie befinden sich in demselben Verhältniß zur St. PeterS Mtrger Diplomatie, wie einst die Znsurgenten in der Herze- �gowina. Nur daß das„bischen Bulganen" schon als eine Jeuilleton. Die Hand der Uemests. Roma» von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Sie waren damals nicht in diesen Verhältnissen, und ne konnten auch nicht mit Sicherheit voraussehe«, daß Sie "iben auf einen grünen Zweig kommen würden, die Fälle, in ten die« dem völlig unbemittelten Auswanderer gelingt. ind sehr selten. Was veranlaßte Sie zur Auswanderung?" Der Amenkaner schlug vor dem forschenden Bltcke ��ÄlegftredS dre Augen nieder. »Meine Armuth," erwiderte er. IBOIWW„Sk hatte« genügende Beschäftigung, der Verwalter . e« Gutes sorgte dafür, und sie konnten nicht wissen, ob 1« 5ie drüben etwaS Besseres finden würden." «*' Ferdinand Halm zuckte geringschätzend die Achseln. »So lange man jung ist, glaubt man gerne, was man >SD. �«sst," sagte er,„und meme Frau war in dieser Beziehung mups"'�och muthiger als ich. Wir Habens gewagt, mein armes eib ist leider de» Strapaze« erlegen, und dies ist der izkge Vorwurf, den ich mir mache, so oft ich darüber«ach- � wie et wohl sein könnte, wenn ich nicht ausgewandert »Und wer gab Ihnen derzeit die Mittel, die Sie Bestreitung der Reisekosten bedurften?" fragte Sieg- "Mir hatte» uns etwa« erspart." „Wie groß waren diese Ersparnisse?" So genau weiß ich das jetzt nicht mehr, e« mögen wohl zig Thaler gewesen sein." nd damit wollen Sie die Koste« für zwei Personen ten haben? So niedrig waren damals die Passagier- ts« nicht." Der Amerikaner bemühte sich, die Verlegenheit zu ver- - in die dieser Einwurf ihn setzte. bedenkliche und gefährliche Konsequenz von dem einstigen „bischen Herzegowina" erscheint. DaS Organ der National- partei zu Philippopel sagt wörtlich: „Wir müssen Alle von dem Gedanken durchdrungen sein, daß unsere heilige Sache ganz ausgekämpft werden muß. Wir werden kein Kompromiß eingehen, selbst wenn der Ausgang unserer Sache nur ein blutiger sein könnte. Die Worte„Ostrumelien",„Generalgouver- nement",»Organische» Statut",„Personal- union" und ähnliche müssen aus dem bulgarischen Wörterbuche gestrichen werden. Unter dem Herrscherstab Alexanders 1. vereinigt bleiben oder Vernichtung eines Volkes von drei Millionen Seele«, das muß unsere endgiltige Forderung sei». Daran giebt es nichts zu drehen und zu deuteln. Der Berliner Vertrag ist diesen Leuten verhaßt— sie wolle« kein Ostrumelien, sie wollen ein Stück vom gesammten Bul- arien sein. Daraus mag man ersehen, daß der Berliner tongreß die„bulgarische Frage" so ungenügend als nur möglich gelöst hat. Aber auch von»Personalunion" wollen die loyalen Revolutionäre in Philippopel nicht« wissen. In den offiziösen russischen Blättern hatte man diese Lösung der Frage vorgeschlagen und sich geberdet, als ob damit Jedermann zufrieden sein könne. Der Aufruf der National- partei von Philippopel beweist un«, daß auch die„Personal- union" der beiden Theile von Bulgarien nur eine Spiegel- fechterei der russischen Diplomatie gewesen ist. Man kann sagen, daß die Herren in Philippopel den Mund tüchtig voll nehmen. Woher bekommen aber der Dr. StranSky und Genossen, die den Umsturz in Ostrumelien bewirkt haben, die Kühnheit, sozusagen allen euro- päischen Mächten den Krieg zu erklären in einer Art und Weise, als ob es sich um eine Balgerei unter Gleichen handelte? Sie sagen zwar:„Besonnenheit und Selbstvertrauen sind unsere einzigen Hilfsgenossen in den gegenwärtigen kritische« Augenblicken!"— ES wäre doch eine Unbesonnenheit sonder gleichen, wenn die StranSky und Genossen ohne alle„Hilfsgenossen" so losschlagen wollten. Aber sie wissen, daß sie nicht ohne Rückhalt sind. Sie sagen in dem erwähnten Aufruf:„Fürst Alexander ist unser Held", und weiter heißt es: »E« verlautet und scheint leider wahr zu sein, daß ge- wisse Diplomaten ganz einfach von ihren Kanzeleien auS den Thron des Bulgaren-Fürsten umzustoßen gedenken; aber sagen Sie denselben, daß unser Heldenvolk ihn zu vertheidigen wissen wird. Das ganze Bulgaren- Volk, von ihm an die LandeSgrenzen gestellt, umringt ihn, und wird auch alle' diplomatischen Ränke zu Schanden machen. Was kann man uns s« anhaben? Will man uns tödten? Versuche man e»! Alle rechtschaffenen „DaS Uebrige habe ich von der Frau Generaliu von Stuckmann erhalten," erwiderte er. „Die Frau Generalin war in jenen Tage» krank!" „Ganz recht, ihr Bruder, Herr Rabe, gab mir da» Geld." „Und was veranlaßte ihn dazu?" **„Die Hütte war mein Eigenthum, die Generalin hatte oft den Wunsch geäußert, sie zu befitzen, um sie niederreißen zu lassen, ich verkaufte sie ihr, und ihr Bruder schloß daS Geschäft mit mir ab." „Davon sinde ich in den Akten nicht»," sagte Siegfried, während er in den Papieren blätterte, sollte jener Punkt damals nicht zur Sprache gekommen sein?" „ZedenfallS," antwortete der Staatsanwalt,„und soweit ich mich erinnere, habe« wir keinen Aufschluß darüber er- halten. Die Frage blieb vollständig ungelöst/' „Wie viel erhielten Sie von Herrn Rabe für d,e Hütte?" „Dreihundert Thaler."_ „Ein schriftlicher Kaufvertrag wurde wohl nicht abge- �l0„New. Das wäre ja auch überflüssig gewesen. Zch habe eine Quittung über das Geld ausgestellt, damit war die Sache geordnet."..... ,,.„ „Die Hütte ist später wirklich medergensse« worden," schaltete der Staatsanwalt ein... r„ „Sie entschlossen sich plötzlich zu dieser AuSwan- derung," sagte Siegfried.„Ihre Frau war kurz zuvor niedergekommen, und es muß auffallend erscheinen, daß E»e der Frau, ehe sie ihre volle Kraft wieder erlangt hatte, die weite Reise zumutheten.". Nach dem Tode unsere« Kinde« verlangte meine Frau ää Äl.sÄfÄ lange gehegt."._ „Da« Kind lebt« nur zwei Tage?" „Jawohl." „Woran starb e«? � "ete werde* doch die Krankheit Ihres eigene« Kinde« Leute find auf unserer Seite, und sollten die Diplomaten etwa entscheiden, uns ganz ohne Fürsten zu lassen, das heißt Bulgarien in einen Freistaat zu verwandeln, so wüßten wir uns dennoch zu helfen: wir würden unser« Fürsten zum Präsidenten desselben wählen." Die Furcht, die europäische Diplomatie beabsichtige aus Bulgarien eine Republik zu machen, dürfte gämltch unbegründet sei»; für diese Staatsform hat man an den grüne» Tischen noch nie eine besondere Vorliebe an den Tag gelegt. Aber e» geht auS dem Aufruf hervor, daß man dem Fürsteu Alerander bestimmte Versprechungen gegeben und auch solche erhalte» hat. Hinter dem Dr. Stransky steht der Fürst Alexander und hinter dem Fürsten Alexander steht das ganze„offiziöse" Rußland, wenn auch das„offizielle" Rußland dies noch abzuleugnen bemüht ist. Die Rückkehr russischer Offiziere, die in bulgarischen Diensten standen, kann uns darüber nicht täuschen; in dieser oder jener Form wird die russische Unterstützung schon zu Tage trete«. Mögen die offiziösen russischen Blätter fort- fahren, ganze Bündel von abgeschmackten Lüge» in die Welt zu streuen; der Einfältigen, die diesen Lügen Glauben schenken, werden doch nur sehr wenige sei». Man streitet sich immer noch darüber herum, ob der Berliner Vertrag gebrochen ist und ob er aufrecht erhalte« werden soll. Nun, wenn der ganze Bruch de» Vertrages nur von dem kleinen Bulgarien ausginge und wenn Nie- mand anders dahinter steckte, so befänden sich längst die Truppen der Pforte in Bulgarien, um den statu» quo nach den Bestimmungen des Vertrage« wiederherzustellen. Aber die Pforte ist über die Situatton sehr wohl unterrichtet und deshalb zögert man mit einem Angriff gegen Philippopel. Man hat seine guten Gründe, Wir sind in der glückliche» Lage, gegenüber gewissen anderen Preßorganen, weder russische noch türkische Interessen verfechten zu müssen. Wir wenden un» nur übereinstlmmend geschlossene Friedensvertrag durch russische Machinationen gebrochen und damit durch dieselben Machi- Nationen die Kriegsgefahr für Europa in Permanenz er- klart wird. Potttische Ueverstcht. Beschrankungen der Eheschließung werden in der letzten Zeit wieder vielfach von allerhand Reaktionären gefordert, um dadurch sittlichere Zustände zu schaffen. Mcistentheils sind diese Weltverbesserer sogenannte„fromme Leute". Wenn man bei gekannt haben? Zogen Sie den» keinen Arzt zu Rathe?" „Nein." „Sie wandte» sich ja an den Doktor Wieland!" „Doktor Wieland war ein Grobian und die reiche« Patienten gingen ihm vor." „Hat er Ihnen auch eine grobe Antwort gegeben?" ftagte Siegsried, und wieder heftete er den Blick durch- dringend auf das sonnverbrannte Antlitz de« hageren Mannes. „Ich habe mich der Gefahr, eine solche Antwort zu er- halten, nicht ausgesetzt." »Und dennoch haben Sie einem Zeugen gegenüber die Drohung ausgesprochen, Sie wollten dem groben Doktor einen Denkzettel geben, de« er sei« ganzes Leben lang nicht vergessen sollte!" „Wer hat da« behauptet?" ftagte Halm entrüstet. „Ein Zeuge, dessen Glaubwürdigkeit nicht bezweifelt werden kann." „Stellen Sie ihn mir gegenüber, und ich werde ihm in« Gesicht sagen, daß er eine Lüge behauptet hat. E« kann sein, daß ich über die bekannte Grobheit de« Doktor« mein Urtheil ausgesprochen habe, das hat gewiß Mancher gethan, ohne etwa« Schlimme« dabei zu denken." „Sie leugnen also, mit dem Doktor eine» Wortwechsel ' i« haben?" anz entschieden!" „Erinnern Sie sich noch der Nacht, in welcher der General v. Stuckman» gestorben ist?" Der Amerikaner stützte sich auf die Lehne eine» Stuhles, seine Kräfte schienen zu schwinden, die Ruhe, die er bisher gezeigt hatte, war wohl nur' eine Maske ge- wesen. „Wie könnte ich sie vergessen, da ich in jener Nacht mein Kind verlor?" erwiderte er. „Wo waren Sie am Morgen nach jener Nacht?" „Zn meiner Wohnung." „Wissen Sie das ganz gewiß?" „Zch weiß, daß ich be, meiner Frau war und mit ihr über die bevorstehende Reise sprach." „Wie kommt's dann, daß sie in der Morgenftühe in denselben irgendwie voraussetzen könnte, daß sie die Tragweite ihrer Forderung bemessen könnten, so hätten wir die eifrigsten systematischen Förderer der„freien Liebe" vor uns. Da aber „Frömmigkeit" meist sehr nahe mit der Unwissenheit verwandt ist, so glauben wir, daß die Eheverbinderer nicht wissen, daß bei der Beschränkung der Ehe die Zahl der unehelichen Kinder wächst. Over sollte ein solcher Zustand den Herren ein natllr- licherer und„gottgefälligerer" sein? Uebrigens ist die Reaktion durchweg mit der Unmoralität verwandt. Man braucht nur an die Prügelstrafe zu denken, welche hochadliae, reaktionäre Herren 'genbändig an 14 bis 16 jährigen Mädchen verübt habew )ie so heiß ersehnten patriarchalischen Verhältnisse dürsten auch wobl zum Theil auf das Vergnügen der patriarchalischen Un« fittlichkeit, z. B. des„Rechtes der ersten Nacht" zurückzuführen sein. Doch unsere Zustände, so schlechtste sonst auch sein mögen, lassen derartigen Unfug nicht mehr zu und gestatten überhaupt nicht, daß die reaktionären Bäume in den Himmel wachsen. AlS«ngefähm Tag der RcichstagSeröffuung wird der 20. November bezeichnet. Ferdinand Lassalle ist gewiß oft genug von seinen Geg- nern auch nach seinem Tode noch in der nichtswürdigsten Weise geichmäht worden. Aber selbst Thersttes> Richter muß hier zurückstehen gegen den national-liberal- konservativen Land. lagskandidaten im Obettaunuskreis, Herrn Dekan Deißmann, welwer in einer Wahlrede den Oberhofprediger S t ö ck e r mit Laffalle verglichen hat. Daseist allerdings eine Schmach, die dem großen Todtcn angethan worden ist, wie niemals zuvor. Ein katholisches Urtheil über die deutsche Kolonial- Politik. Der bekannte österreichische Feudalsozialist, Freiherr von V o g e l s a n g schreibt in seiner„Wochenschrift für christ« liche Sozialreform"(3. Heft, 1885):„Deutschland ist nun auch in die Reihe der Kolonie- Staaten eingetteten. Der Hauptzweck der ganzen überseeischen Politik ist eingestandenermaßen die Er« Werbung rcsp. Sicherung neuer Absatzgebiete für unsere In- dustrieprodutte. Es ist auch ein chaiakteristisches Zeichen der Zeit, daß alle Kulturstaaten jetzt bei den wilden Völkern Ab- satzmächte zu etabliren suchen, weil die einheimische Bevölkerung in Folge der verkehrten Wirthschaftsordnung nicht mehr kauf- kräftig ist. Wir meinen, daß die Millionenen deutscher Ar« bester, wenn deren Konsumtionskraft gehoben würde, ganz an- dere Abnehmer der industriellen und agrarischen Produtte sein würden, als die wilden Zieger Zentralafrikas. Erklärlich ist es allerdingt, daß, nachdem die alten Kulturländer durch die ka- pitalistische Wirthschast ausgeplündert worden, man jetzt auS- zieht, um den Negern und anderen wilden Völkern mit Hinter« ladern den Segen des Kapitalismus einzuprägen. Wird unserer falschen kapitalistischen Produttionsform nicht bald Einhalt ge- than und den Exzessen des Kapitalismus keine Schranken ae- zogen, so ist der allgemeine materielle Bankerott nur noch eine Frage der Zeit. Der moralische Bankerott ist bereits jetzt in allen kapitalistischen Kulturstaaten evident." Das Urtheil ist gerecht. Nur find wir allerdings anderer Anficht, als der Herr Freiherr über die Heilmittel. Er will die Rückkehr zum Mittel- alter, wir aber den sozialen Fortschritt auf der Grundlage der modernen Entwickelung. Das„warme Herz" für die Arbeiter schlägt bekannt« lich besonders laut in den sogenannten höheren und auch in den Rcgierungskreisen. Wie reimt fich aber dazu folgende Mittheilung aus Mainz, die das„Offenbacher Tagebl." macht: „Die vereinigten Fachvercine, welche am vorigen Sonntage in der Etadthalle ein Fest abhielten, hätten beinahe keine Mufik erhalten, da am Sonnabend den hiefigcn Milstärkapellen seitens des Gouvernements der strikte Befehl zuging, bei dem Feste nicht zu spielen. Herr Restaurateur Riedel, der vorher die Ver« pflichtung übernommen hatte, für Mufik zu sorgen, konnte trotz aUer>Bemühungen das Verbot nicht rückgängig machen, doch gelang ßlrch, in Wiesbaden eine klerne Zivilkapelle für es ihm schließt.......----------- � r,..,,_ beregten Zweck zu engagiren und der Mufiknoth einigermaßen abzuhelfen.— Schon bei dem letzten derartigen Fest konnten die Fachvereine hier keine Militärmufik erhalten und spielte damals die Darmstädter Dragoner. Kapelle." Die Fachvereine find unpolitische Arbeitervereine. Vor Bourgeois spielen die Mainzer Militärkapellen für Geld, vor Arbeitern dürfen fi« es nicht. Ss etwas soll nun das arbeitende Volk versöhnen?! Dem Bundesrathe ist eine Vorlage gemacht, in welcher deantragt wird, die im laufenden ersten Vierteljahre des In« krafttrctens des Unfallversicherungsgesetzes von der Postoerwaltung vorschußweise ausgezahlten Beträge erst mit den im kommenden Rechnungsjahre 1886 zur Auszahlung gelangenden Entschädigungen zur Verrechnung zu bringen. Die Genossenschaften werden daher im Jahre 1887 die Vorschüsse für fünf Vierteljahre zu erstatten haben. Für die Ge« noffenschaften hat diese Fristverlängerung eine besondere Be- deutung dadurch, daß fie hinreichende Zeit gewinnen, um die Gejahrenklaffen-Tarifc gründlich durcharbeiten zu können. — Auf Grund des§ 47 des Unfallversicherungs Gesetzes und der§§ 1, 3, 6 des Gesetzes über die Ausdehnung der Unfall- und Krankenverficherung ist, wie uns berichtet wird, durch Reskript des Ministers des Innern vom 4. d. M. der Regierungsrath Poschmann zum Vorfitzenden der 26 in Berlin der Nähe de« Schlosses gesehen wurden?" fragte Siegfried, der noch immer in dem Aktenstoß blätterte und mit seinem scharfen, erfahrene» Blick sich rasch in den Zeugenaussagen zurecht fand. Der hagere Mann strich mit der Hand über die Augen, als ob er feine Gedanken sammeln wolle. „Ich weiß das nicht," antwortete er nach einer Pause. „Waren Sie in jener Nacht im Schlosse?" „Nein." „Oder in dem Gehölz auf dem Wege vom Schlosse zur Stadt?" „Ich war in meiner Wohnung, und ich weiß wirklich nicht, was Sie mit allen diesen seltsamen Fragen be« zwecken." „Erinnern Sie sich noch, daß in jener Nacht der Doktor Wieland erschossen wurde?" fragte Siegfried, während er intl dem Staatsanwalt einen bedeutsamen Blick wechselte. Auf den Amerikaner schienen diese Worte einen furchtbaren Eindruck zu mache«, Bestürzung, Entsetzen und eine namenlose Angst spiegelten fich in den plötzlich ent- stellten Zügen. „Er wurde in dem Gehölz erschossen," fügte der Assessor hinzu.„Sollten Sie sich jenes Verbrechen« nicht mehr, er« mnern 1 „Doch, doch," erwiderte Halm rasch, während er mit der Hand den Schweiß von der nassen Stirn strich,„die Leiche wurde von einigen Arbeiter», die aus der Stadt kamen, gefunden, und gleich darauf fanden die Gericht«. Herren sich ein." „Wann haben Sie den Doktor zuletzt gesehen?" „Am Abend vorher, als er vor dem Schloß vom Pferde „Später nicht mehr?" „Nein." „Und wa« dachte» Sie, als Sie die Ermordung de« Doktor« erfuhren?" „Was sollte ich denken? Beliebt war der Doktor nicht-" t„ „Erlauben Sie, da« war er doch," sagte der Staat«« anwalt rasch,„und ei» Raubmord war e« auch nicht, also domizilirten Schiedsgerichte der einzelnen Berufsgenossenschattm ernannt worden. Da letztere sämmtliche Kosten für die Ein- richtung und die Thätigkeit der Schiedsgerichte mit Ausnahme der Remunerirung des Vorfitzenden zu tragen haben, so ist durck diese Anordnung der preußischen Lande?- Zentralbehörde die Möglich!- it gegeben, daß für sämmtliche 26 Schiedsgerichte eine gemeinsame Verwaltung von dem Vorfitzenden der letzteren und den Genossenschafts- und Sektionsoorständm der Berufs- genossenschafter eingeführt werden kann. Die Sozialdemokraten haben am Sonntag in Nürnberg ein Flugblatt verbreitet, dessen Inhalt lediglich die gesetzlichen Bestimmungen über die Landtagswahlen enthielt und zur Be> achtung dieser Besttmmungen aufforderte. Die Zeitungen, welche von dieser Verbreitung Notiz nahmen, fügten als be« sonders bemerkenswerth hinzu, daß die Verbreiter der Flug« schritt von der Polizei nicht behelligt wurden. Diese ausdrückliche Erwäbnung charakterifirt unsere Rechts- zustände. Man hat fich schon daran gewöhnt, daß die Sozial- dcmokraten bei Flugblatt- Vertheilungen immer behelligt werden, also auch dann, wenn fie das Volk nur zur Befolgung der bestehenden Gesetze„aufwiegeln" Zur BalkankrifiS. Die KriegSpartei scheint am goldenen Horn gefiegt zu haben, denn den neuesten Nachrichten zufolg« ist die Pforte entschlossen, jede weitere Zerstückelung ihres Ge« bietes energisch zu bekämpfen. Truppen, Geschütze und Pferde gehen unabläsfig, bei Tag und bei Nacht nach Adrianopel ad. Die neu ausgehobenen türkischen Rekruten legen angeblich großen militärischen Enthufiasmus an den Tag. Man glaubt, daß die Pforte mit England einen Verirag abgeschlossen habe, nach welchem der Türkei nöthiamfalls Schutz gegen fernere Zerstückelung ihres Besitzes zu Theil werden soll. Das pan- slawisttsche Organ„Ruß" fordert die russische Regierung auf, ein Truppenkorps in Varna auszuschiffen, es würde, meint das Blatt, von den Bulgaren mit Begeisterung empfangen werden.— Dem griechis che n Kriegsministerium find laut einem Telegramme aus Athen vom 14. Ottober dem Vernehmen nach 11 Millionen Franks zum Ankauf von Kriegsmaterial überwiesen worden. Der„RSpublique Francaise" gehen aus Athen Nachrichten zu, nach welchen die griechische Regierung entschlossen ist, in die türkischen Nachbarprovinzen einzudringen. Inzwischen scheint auch auf der Insel Kreta eine Erhebung stattgefunden zu haben, welche den Zweck hat, das türkische Regieme mit dem griechischen zu vertauschen. Ein diesbezüg- liches Telegramm lautet: Athen, 14. Ottober, Abends. Die hiefigen Abend- Zeitungen melden, daß die Kretenser die Vereinigung Kretas mit Griechenland proklamirt hätten. Eine offizielle Bestätigung dieser Nachricht liegt noch nicht vor. Oe st erreich Ungar»». * Die Auflösung des K le i n g r undb e sitz e S in Ungarn macht reißende Fortschritte. Nach einer im Laufe des Jahres 1884 angestellten statistischen Probe beläust fich die Belastung der kleinsten Grundbefitze bis zu 10 Joch auf durchschnittlich 60,18 fl. pro Joch; die der folgenden Ka- tegorien der Kleingrundbefiyer bis zu 20 Joch beträgt 26,66 fl. pro Joch. Eine annähernde Belastung zeigen nur noch die mittleren Grundbefitze(200—1000 Joch), wo das Joch durch- schnittlich mit 22,90 fl. belastet ist. Diese übermäßige Be« lastung deS Klein- und Mittelgrundbesttzes sührt zur Zersetzung und Vernichtung. Der Rückgang in der ackerbautreibenden Bevölkerung von 1870 bis 1880 beträgt 748457 Individuen, oder 23 pCt.; während nämlich im Jahre 1870 die agrikolare Bevölkerung 4417 574 Köpfe, oder 32,57 pEt. der Gesammt- bevölkerung ausmachte, war fie im Jahre 1880 auf 3 669 117 Köpfe, oder 26 74 pCt. der Bevölkerung gefallen. Die wach- sende AuswanderungSziffer beleuchtet diesen Vorgang vortress- lich. Seit dem Jahre 1877—1883 find au8 Ungarn 40 000 Personen nach Nordamerika ausgewandert. Daneben geht die Auswanderung in die österreichischen Provinzen, ferner nach Serbien, Rumänien u. f. w. ruhig fort, sodaß in der katholisch« sozialen„Monatsschrift für chrisiliche Eozialreform" die jähr- liche Auswanderung au« Ungarn auf 20 000 Köpfe geschätzt wird. Stieg doch bie Auswanderung nach Amerika allein von 540 Personen des Jahres 1877 auf 12 308 Personen deS Iah« res 1883!! Die Bauern sinken herab ins Proletaiiat. Auch Ungarn hat seine soziale Frage. Frankreich. Der Minister des Innern richtete an die Präfekten der- jenigen Departements, in denen Stichwahlen stattfinden, ein Rundschreiben, in weichem er dieselben auffordert, falsche Nach- richten in Betreff der Wahlen dementiren zu lassen, keine in- korrette Haltung der Beamten zu dulden und ihm alle lügen- haften, von reaklionärer Seite ausgehenden Behauptungen zu melden. Gutem Vernehmen nach wird der Minister die Ab- setzung derjenigen Munizipalbeamten verfügen, welche eine feindselige Haltung gegen die Regierung gezergt haben. R u l a« d. Der Finanzminister hat an alle Vorstände der Akzise Ver- waltung ein Zirkular erlassen, welches fich über den Sinn des mit dem 1. Januar 1886 in Kraft tretenden neuen Gesetzes muß er einen persönliche« Feind gehabt haben, ohne daß er vielleicht selbst eine Ahnung davon hatte." „Ich weiß da« nicht," erwiderte der Amerikaner, der die erschütterte Fassung allmälig wieder zu finden schien. Siegfried gab dem Aktuar einen Wink, der Sekretär erhob sich und verließ da« Zimmer. „Dachte» Sie nie daran, daß Ihre plötzliche AuS- Wanderung nach diesem geheimnißvollen Verbrechen Sie in einen schlimmen Verdacht bringen könne," fragte der Staats- anwalt. „Und worauf hätte dieser Verdacht sich stütze» sollen?" erwiderte Halm. „Auf die Drohungen, die Sie ausgestoßen haben. Der Doktor hatte Ihnen seinen Rath und Beistand versagt, und Ihr Kind starb, war e« nicht natürlich, daß Sie dem Arzt« den Tod de« Kinde« in die Schuhe schoben, und daß der wildauflodernde Haß Ihnen die Besinnung raubte?" „Da« sind Voraussetzungen, deren Richtigkeit ich nicht anerkennen kann," versetzte ver Amerikaner, dessen Lippen ein trotziger Zug umzuckte.„Zch habe keinen Streit mit dem Doktor gehabt, also lag auch für mich kein Grund vor, ihn zu hassen." „Die Aussage« eines glaubwürdige« Zeugen, die da- malS bald nach der That zu Protokoll gegebe« wurden, trete» Ihren Behauptungen entschieden entgegen." Der Aktuar kehrte ,« diesem Augenblick zurück, Sieg« fried nahm dir Büchse und hielt fie dem Amerikaner vor die Augen. „Kennen Sie diese Waffe?" fragte er scharf. Ferdinand Halm war sichtbar bestürzt einen Schritt zurückgetreten, sein Blick ruhte starr auf der Büchse: die Ahnung, daß sie als Beweismittel gegen ihn dienen sollte, mußte za sofort in ihm aufsteigen. „l>ch erkenne sie als mein früheres Eigenthum an," er« widerte er. „Als Ihr frühere« Eigenthum? Haben Sie die Waffe vor Ihrer Abreise verkauft oder verschenkt?" „Sie ging mit dem ganzen Znventar meine« Hause« t« den Besitz der Frau Generali» über." „Und wissen Sie, wo man die Waffe gefunden hat?" über den Handel mit Spirituosen verbreitet. Das 9i» schreiben hebt hervor, daß die neuen Bestimmungen gaiz sonders gegen die Trunksucht gerichtet find und in Folget« eine durchgreifende Einschränkung des Kleinhand- ls mit& tuosen bezwecken. Nach Abstcht der Regierungtkreise soll» Anwendung der Ausführungs Bestimmungen etwa w Echankstätten gänzlich geschloffen und den lokalen BehÄ weitgehende Befugnisse zur Beaufstchtigung der WirthV n demselben Sinne verliehen werden. Dänemark. In Kopenhagen fand am 11. d. M. wieder eine 1$ politische Demonstration statt. Tie Veranlassung gab di! reise der beiden Hofdefitzer Noes und Nielsen, die Mi" klagten des Präsidenten Berg in der Holstebrosache, nach monatlicher Untersuchungshaft nach ihrer Heimath in Ii Schon von 6 Uhr Morgens an sammelten fich in der deS Zentralbahnhofcs tausend« von Menschen, während Reiche tagsabgeordnete mit Präsident Berg an der SM auf dem Perron des Bahnhofes versammelt hatten; w. Tausende standen längs des GeleiseS der Bahn. Als der! um 7 Uhr nach Korsör abging, erschollen donnernde Leb«» auf dem Perron und aus allen dichtgefüllten Wartesälen welche die Volksmenge draußen und längs der Bahn lck einstimmte. Nach im Laufe des gestrigen Nachmittags hin1 gegangenen telegraphischen Meldungen find Noes und fast auf allen Bahnstationen sympathisch begrüßt nw Bei ihrer Ankunft in Kolding wurden fie von tausend«»| Menschen am Bahnhofe begrüßt und ein imposanter M Fahnen und Mufik geleitete dieselben zu dem Hoäß gebäude, wo ihnen zu Ehren eine solenne Festlichkeit» fand. Die Provinzen haben fich hiermit dem UrthH HauptstM über das Verfahren der Regierung in der Hol? stände, w fache angeschloffen. Rf$(**. England scheint die Zeit für günstig zu halten, sein« seeischen Besitzungen zu vergrößern. Sein Augenmerk ist mal auf Birma in Indien gerichtet. Gründe zum Ann« find bekanntlich leicht zu finden und nach den vorlies Telegrammen zu mtbeilen, ist der gesuchte Grund au» gefunden worden. Dieselben lauten wie folgt: Kalkutta, 14. Ottober.„Der König von Birtfa eine anmaßende und beleidigende Antwort auf ein neue» von dem Oder-Kommissar von British- Birma nach Mo» gesandtes Schreiben, welches fich auf einen Streit zwisckck Regierung von Birma und der Bombay- Burma- 1" Assoziation bezog, gegeben. Der König verweigert jede zesfion und lehnt es ab, auf die Frage nochmals zuzückz oder diesen Gegenstand mit der indischen Regierung zu Der Lberkommissar bat vor Absendung eines Ultima� Mandaley um 8000 Mann Truppen." Man muß hierbei bedenken, daß das Telegram» englischer Quelle stammt, und sicher den englischen ä* entsprechend abgefaßt ist. Eine fernere Depesche lautet: Rangoon, 14. Oktober. Die Birmanen verstän» Grenztruppen. Amerika. Der Mormonen- Bischof John Sharp, ein Licht Kirche und sonst hoch angesehen(er ist u. Ä. auch rirnL der Union- Pazifik-Eisenbahn), erschien unlängst vor � und erklärte fich der Vielweiberei schuldig. Als milbfl Umstand machte er geltend, daß er sich mehr als ei»)' ha e antrauen lassen, bevor die Polygamie geh boten war, und zwar aus religiöser Ueberzeugung Einklang mit der Lehre seiner Kirche. Allein, er W gegen die Gesetze de« Lande« verstoßen und werde nur noch mit einer Frau zusammenleben. Der Rb urtheilte ihn zu einer Buße von 300 Dollars, die er erlegte. Lokales. r. Welche praktische Bedeutung mitunter de» zeugmssen beizulegen ist, darüber geben folgende Vor Aufklärung. Der Sohn eines hiefigen Schmiedemri zwölfjähriger Knabe, ist etwas schwer von Begrisien rn der Schule memalS recht forikommen. Seine K> den einzelnen Lehrgegenständen werden oft als unge seine Aufmerksamkeit als matt in den SchuUeugnisse Und doch besorgt der Knabe die kleine Buchführung VaterS, macht die Eintragungen korrett, zieht die aus und seine Aufrechnungen find meist richtig. gleich alte Sohn eines Schlächters bringt stets gute 6� niffe mit nach Hause, die für die meisten Untenichts""� das Prädikat„gut" aufweisen. Nachdem die bei einmal gelegentlich über ihre Söhne unterhalten der Schlächtermeister den Versuch, seinen Sohn, der Schmiedemeister, für die Besorgung kleiner Rechnungssachen zu verwenden, denn er nahm an, nach dem Schulzeugnisse weit tüchtigerer Sohn diese, ebenso gut besorgen müsse, wie jener. Allein hierin hatte»,' gel! „Nein." „Unter den Dielen ZhreS Fußbodens." „Das kann sein, ich bewahrte sie dort auf." i „Sie werden zugebe«, daß dies ein seltsamer wahrunqSort ist." j „Meine Frau wünschte e«. Die Büchse war? und ich mochte sie nicht abfeuern, weil ich nicht uw" lange der Schuß im Laufe saß und wie stark die war. Meine Frau aber fürchtete immer, die geladene könne einmal Veranlassung zu einem Unglück gebe«, kam ich, um fie zu beruhigen, auf die Zdee, die unter den Fußboden zu legen." „Zn der That sehr seltsam," sagte der', anwalt ironisch.„Wann haben Sie die Büch!' gelegt?" J „Es kann ein Vierteljahr vor der Ermorde Doktors gewesen sein." „Und außer Ihnen und Ihrer Frau wußte etwas davon?" fragte Siegfried. „So viel mir bekannt ist, nein." „War die Waffe, als Sie dieselbe fo laden?" „Zawohl." „Vielleicht mit dieser Kugel?"..w Der Amerikaner bettachtete lange daS Stü-W welches Siegfried ihm überreicht hatte. „Mit Sicherheit kann ich da« nicht b(L gegegnete er,„eine Kugel gleicht ja der anders"' � verstehe von Waffen zu wenig, als daß ich m«* erlauben dürfte." Kl „Nehmen Sie die Büchse und Vergleiches� Kugel mit dem Kaliber," sagte der Assessor i#T l» Tone,.Sie werden alsdann wohl zugeben müsse»' Kugel au« diesem Lauf geschoflen worden ist." „Zch will da« ja nicht bestreiten."«T „Werl Sie nur ,u wohl wissen, daß leugnen können! Diese Kugel hat den Doktor � Der hagere Man» sah die Blicke Aller m'U: Spannung auf fich geheftet. Zeder wollt« de» D-S» Im »<* WirthV M gründlich geirrt. Zwar ist sein Knabe von schneller Auf- fassung, aber flüchtig, wie Kinder meistens stnd, und von seinen �technungsarbeiten für das vctierliche Geschäft war eine größere seiten richtig. Der Vater kann nicht begreifen, wie solche Fehler von einem vchüler gemacht werden können, der im Rechnen das Zeuqnrß„gut" hat und mit Stolz von seinen schwierigen Regel- de>tri-Exempeln spricht. Die Sache erkört fich aber wohl sehr 40— 60 Schülern in einer Klasse zeichnen fich die lebhaften, schnell begreifenden zunächst dem Lehrer gegen» |".der aus; stille, in fich gekehrte Naturen können dieser schnellen .■"Uffaffung nicht immer folgen und fühlen fich zurückgesetzt, ob- ""(jn fie meistens viel gründlicher, weil ruhiger, denken als ihre lebhasten Mitschüler, und während diese ebenso schnell vergessen, die Mi» wie fie begriffen haben, bleibt bei jenen das einmal Erfaßte aJ! lest im Gedanken fitzen. Es wäre gewiß wünschenswerth, wenn ) ,'n S"? �sbrer nicht blas in dem Zeugnisse fich über die Leistungen m der I des Schülers, sondern auch über seine natürliche Beanlagung vahrenb' äußern müßte; dadurch bekämen die Zeugnisse eine ganz andere er SM«edeutung und würden in zahlreichen Fällen ihren verletzenden tten; �aralter und die fich daran knüpfenden üblen Folgen für den Als d«! Schüler und für die Eltem verlieren. �i.�?oc>-����usteuer-Veranlagung für das Etats» Jo m juuß laut ministerieller Bestimmung bereits am i i0!?1? 9- begonnen werden. Obgleich die Stufen La„ mC Klassensteuer nicht zur Erhebung gelangen, find .h. r Betsonen, welche in die 1. und 2. Stufe gehören, ha!.L?f».w Aktiengesellschaft— unter dem Namen „Wolff'sches Telegraphen� Bureau" in der ganzen Welt bekannt — sowie Postamt und Rohrpostamt fich befinden. Im östlichen Theil der Zimmerstraße hat man angefangen, daS Haus Nr. 60 niederzulegen; an dieser Stelle soll ein vierstöckiges, im Par« tcrre für Geschäftslokalitäten bestimmtes Gebäude errichtet wer- den. In dem Hause Nr. 60, welches nicht weniger als acht Fenster Front hat, befand fich eine Destillation, d,e nicht im- mer von den lautersten Elementen frequentirt war,- und hinter einzelnen Fenstern, welche Abends durch diskrete Rouleaux ver« hüllt waren, tauchten am Tage zuweilen zweifelhaste Mielhe« rinnen in weißen Kamisols, mit schwarzummalten Augen auf, welche den Passanten zulächelten. Jedenfalls machte das ganze Haus einen wenig erfreulichen Eindruck, und es kann der Zim- merstraße nur von Nutzen sein, daß auch in dieses verdächtige Gemäuer Bresche gelegt wird. Der in weiten Kreisen bekannte Konkursmassen» Verwalter G. Werner hat fich am Dienstag in seiner Woh- nung erschossen. Nach dem Selbstmorde hat sich leider heraus« gestellt, daß fich derselbe seit längerer Zeit bereits fort und fort größere Unterschlagungen an den ihm anvertrauten Geldern von Konkursmassen Hai zu Schulden kommen lassen, deren Höhe durch eine angeordnete Gerichtskommisfion auf etwa 97 000 M. festgestellt worden ist. Werner war Dienstag früh noch mit emsigen Arbeiten in seinem Bureau beschäftigt, als gegen 9'/, Uhn Vormittags ein Schuß erdröhnte, der die Dienstboten und Simeiber desselben in das Bureau ihres Chefs eilen ließ, um dort nur noch den Tod desselben konstatiren zu können. Der Selbstmörder hatte eine Befitzung in Französisch Buchholz, die er auf das eleganteste und komfortabelste eingerichtet hatte, welche aber viele Geldopfer erforderte, so daß Werner zum „Wechselmachen" seine Zuflucht nehmen mußte, das heißt, Gelder fich auf seine Akzepte schaffte, und so nach und nach mehr und mehr in Schulden gerieth. Werner hatte seitens des Gerichts augenblicklich 17 Konkurse unter seiner Verwaltung. Sofott nach dem Tode desselben eilte einer seiner Angestellten auf das Konkursgcricht und machte Meldung von der That. Das Richter-Kollegium des Amtsgerichts l zu Berlin (Abtheilungcn 48, 49, 50) trat sofott zusammen, deputitte' einen seiner Kollegen nebst Sekretär, um die nöthigen Anordnun .------- � i"---- v._ sm-cr._ j„ h.j stimmung der alten Konkursordnung aufgehoben hat, wonach die Konkursverwalter der strengen Konttole der Konkurs- kommissare unterworfen waren und diesen allwöchmtlich den Nachweis liefern mußten, daß die bei ihnen eingegangenen Gelder zum Gettchtsdcpot abgeliefett waren, unter welcher Maßregel es kaum möglich war, daß den Gläubigern der Kon» kursmaffen irgend welcher Schaden an diesen zugefügt werden konnte.— Von anderer Seite wird die Festnahme eines •-»| einen icimv nuucHcu iicuii vctitiu»,»„>«,«........... Sj gen betreffs der Sicherstellung der Massen in der Wohnung des eit 1 Selbstmörders vorzunehmen, wobei fich alsbald die Ursache deS Selbstmordes W e r n e r'S in den bedeutenden Kassendefetten und zerrütteten Vermögensverhältnissen desselben ergab. Das Amtsgettcht l unter Vorsitz deS Amtsgettchtsraths B e n n e ck e (Abtheilungen 48, 49, 50) verfügte nach Feststellung des Thatbe» standeS sofort, daß der Konkursverwalter Kaufmann B r i n ck- m e ge r, Potsdamerstr. 122a, bis zur Abhaltung der unver» züglich anzuberaumenden Gläubigcrversammlungen zum Ver- walter der Massen in sämmtlichen von dem Verstorbenen beim Genchte verwalteten Konkursen zu ernennen sei.— Begreiflicher Weise macht dieser Fall großes Aufsehen in richterlichen und in den Anwaltskreisen, wie in den Kreisen aller derer, die als Gläubiger der von Werner verwalteten Konkursmassen durch dessen Unredlichkeiten ihr Geld verlieren. Sicher nehmen die meisten Gläubiger aller Konkurse an, daß die Gelder der Masse zwar unter Verwaltung der Massenverwalter, aber trotz- dem unter Schutz und Garantie der Gerichte stehen- dem ist' jedoch nicht so, die Gelder und Sachen der Masse stehen einzig und allein unter Obhut und Verantwortlichkeit der Verwalter, nicht unter Verantwottlichkeit resp. Ecsatzpflicht der Gettchte. — Eine Aenderung der Gesetzgebung herbeizuführen deratt, daß in Zukunft die Gerichte selbst die Gelder ic. der Konkursmassen in Depot zu halten und den Gläubigern für diese auf- I zukommen haben, soll nunmehr seitens der Kaufmannschaft auch angeregt werden.— Wie weiter verlautet, wird das Ge- richt über das nachgelassene Vermögen WernerS, wozu außer der Besitzung bei Französisch- Buchholz auch ein Haus in der Krautstraße gehören soll, den Konkurs eröffnen, zu welchem Zwecke das Amtsgettcht l bereits zum Montag sämmtliche Gläubiger der von dem Verstorbenen verwalteten Massen zu einer Versammlung an Gerichtsstelle einberufen hat.— Bedauert wird allgemein, daß die neue Konkursordnung die Be- +VIIII4V* v%»-------- v, Bureaubeamten Werner's gemeldet. Als dieser am Dienstag Vormittag in dem Hause Oranienburgersttaße 8, wo fich die Wohnung des Konkursmassen-Verwalters Werner befindet, durch einen Schutzmann nach der Polizeirevierwache fistitt werden sollte (er befand fick gerade in ttnem Restaurant), wußte er von dem gewaltsam erfolgten Tode Werner's noch nichts, und als er davon Kmntniß erhielt, äußette er ganz bestürzt:„Daß das gerade jetzt pasfiren muh!" Die Gattin Werner's, welche von den mißlichen Verhältnissen ihreS Mannes keine Ahnung zu haben schien, ist durch den Tod ihres Gatten derattig in ihrem Gesundheitszustände erschüttett worden, daß fie schwerkrank daniederliegt. Außer der Wittwe hinterläßt der Verstorbene nur noch einen unerwachsenen Sohn. Hebt man auf der Haide eine» Stein auf, so dauert es eine ganze Weile, bis das Gewürm, das darunter genistet hat, fich entschließt, ein neues Versteck zu suchen. Aehnltch geht es jetzt mit der Umgebung der Königsmauer. Auch der Strolch hat sein Heimathsaefühl, stärker vielleicht als der Angesessene, auf den ein Kündigungsbrief wenig Eindruck mehr macht. Was bisher noch in den wenigen bewohnten Häusern der Königsmauer und einigen nunmehr auch dem Abbruch verfal- lenen Verbrecherkneipen der Nachbarschaft einen Schlupfwinkel fand, das sammelt fich jetzt in den Nachmittags- und Abend« stunden unter dem Stadtbahnviadukt vor dem Stadtbahnhofe Alexanderplatz. Es stnd dies zumeist stellenlose Zuhälter, die Sh vom Gelegenheits, besonders vom Kollidiebstahl ernähren. ufgedunsene, oft zerschlagene und zerkratzte Gesichter, schmie- rige Mützen, zerrissene Kleider, Stiefel ohne Sohlen bilden die Signatur dieser Individuen. Das Lied ihrer Heldenthaten hat schon mehrmals der Polizei-Bericht gebracht. Anrempe- jungen find an der Tagesordnung, anständigen Frauen werden unflätige Redensatten zugeschleudett. Die Kriminalpolizei holt sich zwar bald diesen, bald jenen fott, aber die entstandenen Lücken füllen flch bald von Neuem. Jetzt wird der„Vosstschen Zeitung" wieder ein bezeichnender Vorfall gemeldet. Am Dienstag Nachmittag gegen 5 Uhr, also am hellen Tage, kamen zwei Herren ruhig ihres Weges daher und bemerkten nicht die Annäherung zweier Strolche. Einer derselben rannte den einen Herrn an, daß dieser gegen eine Gaslaterne tau- melte, der andere Strolch schlug mit seinem Stock den anderen Herrn über den Hut. Dann, als wäre gar nichts vorgefallen, gesellten fich die Ettolche zu einer Gruppe von Kollegen. Die beiden Angefallenen holten von der Ecke der Neuen Fttedttch- straße einen Schutzmann herbei und dieser arretitte die Thäter. Bis in die Klostersttaße gingen die Arrestanten ruhig mit, dott aber, gerade am Eingange zur Sieberstraße, wurde der Transvott von fünf bis sechs anderen, mit Knitteln versehenen Strolchen eingeholt. Jetzt weigetten fich die Arrestanten, zur Wache zu folgen, der Schutzmann wollte Gewalt gebrauchen, wurde aber umringt und thätlich angegttffcn. Währenddem rief der verhaftete Schläger:„Adje Sie!" und suchte durch die Sieberstraße zu entkommen. Der Schutzmann aber riß fich von seinen Angreifern los und holte mit wenigen Sprüngen den Flüchtigen wieder ein. Auf der Wache des 21. Reviers wurde nun festgestellt, daß derselbe nach vielfachen Vorstrafen zuletzt neun Monate im Korrekttonshause gesessen hatte und erst Tags zuvor entlassen worden war. Der zweite Strolch stellte sich bald darauf freiwillig, wahrscheinlich um ein Unter» kommen zu finden. Das wird den Brüdern ja auch gewährt werden. Aber es ist doch hart, daß anständige Leute vorher noch darum leiden müssen. rmo» s* obachten, den diese Worte machen mußten. Die Anklage gegen ihn war klar und deutlich in diesen Wotte» auSge- sprachen, Ferdinand Halm konnte darüber jetzt keine Zweifel mehr hegen. Wieder umspielte jener trotzige Zug seine Lippen, der eher auf ein Schuldbewußtsein, denn auf gekränkte Un- schulv deutete. „Zch weiß das nicht," sagte er,„wie überhaupt jener Vorfall mir ganz ftemd ist." „Und glauben Sie damit den Verdacht widerlegen zu können, der auf Sie und nur Sie allein hindeutet?" fragte der Staatsanwalt mit scharfer Betonung.„Sind auch seit jenem Ereiqniß neunzehn Zahr verstttchen, so hat doch die damalige Untersuchung Beweise genug gegen Sie geliefert, und auf Grund dieser Beweise muß die Untersuchung jetzt wieder aufgenommen werde». Sie glaubten vielleicht, die Sache sei längst vergessen oder damals sei keine Spur entdeckt worden; diese Annahme war ein Jrtthum, und Sie können jetzt nichts Bessere« thun, als der Wahrheit die Ehre zu geben. Nur in diesem Falle wird das Gericht bereit sein, zu erwägen, ob der That mildernde Gründe zur Seite stehen." Ferdinand Halm hatte das Haupt zurückgeworfen, hoch aufgerichtet stand er den GerichtSherren gegenüber und jeder Äug in seinem hagere« Gesichte vertteth, daß er entschlossen | war, dem Sturme kühn die Stirne zu bieten. Ztüdi)**„Verdacht sowohl wie Anklage beruhen auf falschen Vor. , aussetzuvgen," erwidette er mit fester Stimme.„Ich habe lxiiiP�U! die Frage, die an mich gerichtet wurde, die Wahrheit * Antwortet. Weshalb hat man nicht derzett mrch verhaftet? »Wäre die Büchse vor Ihrer Abreise aufgefunden worden, so würden wir keinen Augenblick mit der Verhaftung gezögert haben," unterbrach der Staatsanwalt ihn. Als wir die Beweise entdeckten, war es zu spät, Sie hatten Europa schon verlassen und drüben konnten wir Sie mcht verfolgen." „Und wäre ich zurückgekehtt, wen« ich mich schuldig wüßte?" „Diese Frage kann für un» nicht in die Wagschale r*- rilff#' fallen," sagte Siegfried,„wir haben fie nicht zu unter- suchen. Sie bleiben also bei der Behauptung, daß die Büchse geladen war, als Sie dieselbe unter die Dielen de» Fußbodens legten?" „Zawohl, ich weiß das zu bestimmt." „Können Sie mir dann vielleicht erklären, wer sie ab- gefeuert hat? Als sie gefunden wurde, war kein Schuß mehr im Laufe, und das Urtheil der Sachverständigen lautete dahin, daß sie vor Kurzem abgeschossen sein müsse." „Zch kann darüber keine Auskunft geben." „Dann muß ich Sie noch einmal fragen: war es nur Ihnen und Ihrer Frau bekannt, wo die Büchse lag?" „So viel ich weiß, ja!" Siegfried blickte den Staatsanwalt ftagead an, da» Verhör war nach seiner Ansicht erschöpft. „Ich berufe mich noch einmal darauf, daß ich ameri» kanischer Bürger bin," sagte der hagere Man» mit erhobener Sttmme. „Dieser Protest soll in da« Protokoll aufgenommen werden," erwidette der Staatsanwalt,„aber ich glaube, Sie werden selbst einsehen, daß er keine Giltigkett hat. Das Verbrechen ist hier begangen worden, und Sie waren da- malS deutscher Unterthan, Sie haben sich durch die Flucht der Bestrafung entzogen und die Erwerbung des amett- konischen Bürgerrechts bietet Ihnen in diesem Falle gar keinen Schutz." „Haben Sie noch eine Frage an de« Beschuldigten zu richten?" wandte Siegftted sich zu dem Kollegen. „In diesem Augenblick nicht." „Dann schließe ich das Protokoll, indem ich zugleich die Verhaftung des Angeklagten anordne." Hatte Ferdinand Halm diese Verhaftung wirklich nicht erwartet? Da» Entsetzen, welches bei den letzten Worten Sieg- fneds in feinen Zügen sich spiegelte, ließ erkennen, daß er auf diesen Schlag nicht vorbereitet war. Er blickte bald den Assessor, bald den Staatsanwalt an, als ob er fragen wollte, was fie zu dieser Verhaftung berechttgte, und als jetzt der Aftuar mrt der Verlesung de« Ein Berichterstatter der„Boss. Ztg." meldet, zum Nachfolger Herrn von Keßler's als Chef der politischen Polizei sei Herr Regierungsrath Schütte bestimmt. Herr Schütte ge- hört schon seit mehreren Jahren diesem Amte an. Herr v. Keßler wird die Leitung der Kasseler Polizei im nächsten Monat übernehmen. Ein Bubenstück wurde in einer der letzten Nächte an den Firmenschildern des BardierS Höpner in der Wallstr. 14 verübt. Herr Höpner hatte seinen Laden erst jetzt vergrößern und demenssprechend auch drei große Glat firmen im Werthe von ca. 100 M. vor demselben anbringen lassen, welche erst am Eonnabend fertiggestellt waren. Als Herr Höpner am Eonn- tag früh seinen Laden aufmachte, sah er zu seinem Schreck seine neuen Glasschilder in Scherben zertrümmert. Im Alhambra-Theater wird vor stets gut besuchtem Hause Slottlo's vieraktiges Lebensbild„In Leid und Freud" gegeben. Inzwischen haben seit Anfang dieser Woche die Bühnen-Proben zu dem dreiaktigen Stück von Reichenbach „Der Sohn des Seiltänzers" begonnen- Regisseur Seefeld setzt dasselbe in Szene, und die nächste Woche schon soll die erste Aufführung bringen. Protokolls begann, widmete er diesem Aktenstück nur eine getheilte Aufmerksamkeit. Mechanisch nahm er aus der Hand Siegftteds die Feder, um das Protokoll zu unterschreiben, und als er die» gethan hatte, schien er seine volle Fassung wiedergefunden zu haben. „Ich habe für einen Wagen Sorge getragen," sagte der Staatsanwalt,„und der Beamte, der Sie begleiten soll, wartet unten; Sie werden ja selbst wünschen, daß jede» Aufsehen vermieden wird, und ich darf wohl darauf ver» trauen, daß Sie keinen Fluchtversuch machen." „Thäte ich da», so würde man dann einen überzeugen« den Beweis meiner Schuld erblicken," erwidette der Ameri» kaner,„und ich schwöre Ihnen vor Gott und meinem Gewissen, daß ich schuldlos bin. Zch will Ihnen keine Vorwürfe machen, meine Herren, ich muß ja annehme», daß Sie durch Scheinbeweise sich irre führen ließen, aber ich vettraue darauf, daß eine unparteiische Untersuchung meine Schuldlosigkeit ermitteln wird. Man wird mir wohl erlauben, daß ich den amettkanischen Konsul von meiner Verhaftung in Kenntniß setze?" „Gewiß!" antwortete Siegfried.„Sie können da» schriftlich abmachen und den Bttef mir übergeben; ich werde ihn sofort an seine Adresse gelangen lassen. Daß alle Bttefe, welche Sie empfangen oder absenden, durch meine Hände gehen müssen, so lange Sie sich in Untersuchung»» hast befinden, wird Ihnen bekannt sein." Der hagere Mann nickte schweigend und schloß seinen Koffer zu. „Und nun noch eine Frage," fuhr Siegftied fort.„Sie sind gestern Abend hier angekommen; haben Sie in dieser allerdings kurze« Zeit einen Bekannten aufgesucht?" „Nein," erwidette Halm,„aber ich traf heute Morgen zufällig den Bruder der Generalin von Stuckman» in einer Weinschenke, und wenn ich nicht irre, habe ich auch Sie dort gesehen." „Sprachen Sie mit Herrn Rabe?" „Zawohl." (Fottsetzung folgt.) o Tf E Q I Ä N- /c« Vit StMgm- mi> Strumpfwaarrn-Fchrik .. Theodor Fricke,... 1T4 Oranienstraße 174 Berlin SO., 174 Oranienftrahe 174 Ü e § JOt s i sA e e? I » ö O O TjT o !M CO CO o b- g c» o i ef wo Ä N» 'd c w# Q I l « 8 o 8 I » Wollene Herren-Westen. Preis für 1 Stück 8,50, 4,00, 4,50, 5,50, 6,00, extra feine Qualität bis 10,00, 12,00 Mk. Wollene Taillen-Tücher. empfiehlt zu festen Preisen: Gesundheits-Hemden. In Sommer- Vigogne»75 Pf.. 1.00, 1,25 1.50, 175 Mk. 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Druck und Verlag von Max vadtag w Berlin 8W, Beuchstraße 1 Httr," ei-« Beilage zum Berliner Bolksblatt. Gr» 24S Freitag, de« 16. Oktober 188». II. Jahrg. p -S 1 cn (P s -J ü1 5 1 s f I K I s I Kllerln üder die Kilmisaliiii Wipmläiidtni. ß s s L % V % ..Wo Für unsere Kolonialschwärmer dürste folgendes «nes guten Kenners der afrikanischen Verdältnisse, des Fischer, der lange Zeit als Arzt in Sanfidar gelelri «sonders erhebend sein. Derselbe sagt kurz und klar:' es in Afrika fruchtbar ist, da ist es ungesund. und wo es gesund ist, da ist es unfruchtbar." Dieser durch dm Tod Nachtigal's bekräftigte Ausspruch er- öffnet die verlockendsten Perspektiven für die Leute, denen nicht zu helfen ist. Wer mir aller Gewalt sich in kurzer Zeit vorn Leben zum Tode bringen will, der fiedle fich als Acker- i�ukolonist im dunklen Erdtheil an, . V irchow hat im Reichstag an die Ergebnisse der west- mdrschm Volkszählung erinnert; die Zahl der Weissen betrug u> den fünfziger Fahren noch 5 pCt. der Bevölkerung. 1871 «och 2, 58, in 1881 nur 2,48 pCt,. hat also in dreissig Jahren um die Hälfte abgmommm, obgleich fie immer aus den Reihen der Mischlinge(der Ouadroncn und Quintronen) verstärkt wird, und das in einer Gegend, die noch nicht zu der schlimmstm gehört, und in der ein grosser Theil der Weissen Spanier find, me das Tropmklima wert besser aushalten, als die germanischen Jiaffen. theiü mit, dass in Cochinchina, das Frankreich bererts länger als hundert Jahre in engster Ver« yrüa T&t e' � 1825 Franzosen wohnen. Obwohl dort dlos solche Soldaten stationrrt find, die sich in Algier bereits etwas akklimatistrt haben, beträgt die Sterblichkeit in" der Armee dennoch 9 bis 10 pCt., und in der europäischen Kolonie e,', UllM III VU tUIUVUl(ltl4l dVM.VIl.V auf «"SUN kommen auf 46 Geburten 102 Todesfälle! Auf Sle Union, das seit 1638 französisch ist und für gesund gilt, wmmen bei der weissen Bevölkerung auf 449 Geburten doch «och 657 Todesfälle. Unheimliche Resultate aber erhält man, sobald man in Gebiete kommt, die mit den neuen deutschen Kolonien bezüglich der Ge> sundheitsverhältnisse ungefähr auf einer «rnre stehen. In Eenegambicn kommen, abgesehen von Der Gelbfleberepidemie, die 40 pCt. der weissen Bevölkerung wegfegte, auf 100 Geburten 391 Todesfälle, in der Strafanstalt von Et. Augustin in Capenna(auch Kamerun erhält ein Gefängniß!) belief fich die Sterblichkeit auf 44 pCt., und von 379 in Cayenne geborenm Kindern erreichten nur 141 das siebente Lebensjahr. Ebenso ungünstig find die Ergebnisse in den tropischen Kolonien anderer Nationen. In den vierziger Jahren fiedelten die Holländer arme Bauern in Surinam an, um dost Tabak im großen zu bauen. Im Mai 1843 ging eine Anzahl t Milien aus Gelderland dorthin ab, in 1845 folgten noch 50 Milien nach, lauter ausgewählte Leute, unter Führung eines östlichen. Am 1. Januar 1846 lebten von 379 Auswanderein noch 195, und diese waren meist so heruntergekommen, dass fie in die Heimath zurückgebracht werden muhten. In dem englischen Lagos starben im Zeiträume von sechs Jahren von 80 angefiedelten Weissen 48. Selbst in dem durchschnittlich nicht ungesunden Vorderindien beträgt die englische Zivilbevölkerung noch nicht 30,000, und auch die Mischlinge von Engländern und Jndierinnen scheinen nicht zu gedeihen, denn es will nicht gelingen, aus den Soldatenkindern auch nur die Mufikbanden zu erganzen.... � „Gegen diese Zahlen, sagt Dr. Kobelt im Oktoberhest des „Humboldt" können die begeistertsten Tiraden nichts aus- richtm.... Nach allen Diskusfionen und Forschungen muss als feststehender Satz angenommen werden, dass Menschen der weissen Rasse wohl recht gut als Besitzer oder selbst Aufseher von Ackerbauunternehmungen und Plantagen in den Tropen eine Anzahl von Jahren leben könne, dass aber die schwere Ardelt in diesen Klimaten nur durch Menschen der dunklen Raffe, durch Neger, Papuas. Vtalayen und Chinesen, verrichtet werden kann." Das lässt tief blicken. Es ist eben nicht zu leugnen, dass wer Ausbeutungskolonien zu erwarten haben, in denen das Kulithum der Eingeborenen systematifirt wird. Und dies ist eine mehr oder weniger verhüllte Form der Leibeigenschaft, Der Versklavung. Den Vortheil hätten die grosskapstalistischen Unternehmer und Unternehmerverbände. ..utsche Volk hat also leine Veranlassung, fich >lonialpolftik zu erwärmen. Mrt*taL] JeuMeton. WornumeitmSdche«. K2j »merikamsche Erzählung von valdnt» Möllhause», f «S (Fortsetzung.) Wohl begriffe« sie, daß sie, um unterhalb des Felsenthors zu landen, schon zu weit hinuntergetrieben waren, und die Strecke zwischen ihnen und dem Wasserfall zu kurz sei, um noch einmal nach der anderen Seite des reißenden Kanals hinüber zu rudern und von dort aus wieder halb mit der Strömung quer durch denselben zurück zu steuern. Sie hielten sich indessen für gerettet, und die Freude, ihre schlauen Feinde überlistet zu haben, stimmte sie zu heiter, als daß sie noch werter über die nächste Zukunft hinaus hätten«achdenken möge«. Anders war es mit den Delaware» und den drei Weißen. Nachdem sie da« Floß ganz in die Höhle hinein- geschafft hatten, beeilten sie fich vor alle» Dinge», de» Charakter ihrer Umgebung kennen zu lernen und demnächst ihre Pläne zum weiter« Entkommen zn entwerfen und zu derathen. Daß ihnen auf dem Wasserwege die Flucht so gut wie abgeschnitten sei, bezweifelten auch sie kaum noch, und einen andern Ausweg aus ihrer Lage vermochten sie wieder nicht zu entdecken.. Die Höhle führte nämlich als eiü brertes Thor gegen #« Fuß tief in den Felsen hinein, erweiterte sich dort aber stromaufwärts und stromabwärts zu einem langen ge- räumigen Gange. Ursprünglich aus Mergelerde bestehend, war derselbe allmälig von dem eindringenden Wasser ausgespült worden, und nur dadurch wurde er in seiner ganzen Länge von der freien Luft getrennt, daß die untere Kante der von Nordwesten nach Süd- oste« fich stark senkende« Deckschicht über die Höhle fort bis in den Strom hineinreichte. Zur Höhle abgeschlossen wurde diese lange und regelmäßige Ausspülung also nur durch da» Waffer, von dessen Stand natürlich auch ihre Geräumigkett Fokale». er. Die„Freisinnige Zeitung", mit der wir uns schon öfter beschäftigen mutzten, kann es nicht lassen, gelegentlich in ihren durch unzählige Rubriken verunstalteten Spalten recht gehäsfig verlogene Nachrichten in die Oeffentlichkeit einzu- schmuggeln. Selbstverständlich ist dem gesammten Freifinn die überaus rührige und geschickt geleitete Agitation der Ar- betterpaftei zu den bevorstehenven Kommunalwahlen ein Dorn im Auge, wenn es irgend anginge, möchte man gern einen Keil in diese Agitatian hineintteiben, um auf diese Weise besser im Trüben fischen zu können. Auf ehrlichem Wege gelingt das den Freifinnigen nicht, ihr böses Gewissen sagt ihnen ganz un- zweideutig, dass ihre Anschauungen bei der Arbeiterschaft in den bösartigsten Mißkredit gerathen sind, man wählt daher den Schleichweg, die Lüge. Gerade in dieser Beziehung marschirt die„Freifinnige" an der Spitze der Freifinnigen, das Blatt, welches die unbedeutendsten Provinzialblättcken bis auf die letzte Annonze durchstöbert, übersteht in anderen Zeitungen gestiffent- lich wichtige Nachrichten, um eben— lügen zu können. So schreibt die„Freisinnige" in ihrer gestrigen Nummer: „Das sozialistische Arbeiter-Wahl- komitee für die Berliner Etadtverordnctenwahlen bat die Kandidatenliste in den einzelnen Kommunal- Wahlbezirken endgiltig aufgestellt. In einem und demselben Wahlbezirk werden sich zwei Arbeiterkandidaten bekämpfen. Der de- kannte Tischlermeister Mitan war nämlich auch als Kandidat in Vorschlag gebracht worden. Das Arbeiter- Wahlkomitce hat aber„aus triftigen Gründen" ein- stimmig die Kandidatur des Herrn Mitan abgelehnt. Herr Mitan ist aber entschloffen, seine Kandidatur trotz- dem ausrecht zu erhalten." Bis auf die Aufstellung der Kandidatenlisten ist die ganze Nachricht einfach unwahr. Ein hier unter dem Ausschluss der Oeffenttichkeit wöchentlich erscheinendes Jobberblättchen brachte eine ähnliche Notiz allerdings bereits am vergangenen Montag, wir glaubten jedoch auf dieselbe deshalb lein Gewicht legen zu sollen, weil wir es überhaupt vermeiden, die Mittheilungen derartiger Organe richtig zu stellen. Aus dieser mehr als um sauberen Quelle muss die„Freifinnige" aber ihre Weisheit geschöpft haben, und es erscheint das um so befremdlicher, als die„Freifinnige" fich bereits in der Mittwochs- Nummer des„Berliner Volksblatt" über die Aufstellung des Herrn Mitan hätte informiren können. Das that vre„Freistnnige" ober nicht, sie kolvertirt lieber falsche Nachrichten. Herr Tischlermeister Mitan wurde in einer großen Kommunalwähler-Versammluna unter allgemeiner Begeisterung als alleiniger Kandidat der Arbeiter- partei im 14. Kommunal-Wahlbezirke aufgestellt, das scheint der„Freifinnigen", die in ihrer Bescheidenheit sonst so ziemlich Alles wissen will, entgangen zu sein. Wir kon- statiren hiermit auf das Formellste, dass die Nachricht der „Frs. Ztg." unwahr ist. Auch die hämische Freude, mit der die„Freifinnige" die vagen Gerüchte, die von unberufenen Leuten über Herrn Mitan in Umlauf gesetzt waren, erwähnt, müssen wir dem Organ des vortefeuilldlüsternen grossen Mannes verderben,— die Sache ist in dem Wahl- Komitee der Arbeiterpartei, vielleicht zum grossen Leidwesen der ganzen freifinnigen Presse in der einfachsten Weise beigelegt worden, es hat fich eben heraus- gestellt, daß Herr Mitan ein Ehrenmann ist, der dm müssigen Redereien irgend eines Stammtisches zum Opfer gefallen ist. Das Alles hätte die„Freifinniae Zeitung" bei einigem guten Willen aus dem„Berliner Volrsblatt" ersehen können. Wahr« scheinlich wollte man das aber nicht. Anstrich auf Zementputz, Es ist in technischen Zeit schriften wiederholt hervorgehoben worden, dass Oelfarbenan- strich auf ftischem Zementputz unhaltbar ist, weil die nach längerer Zeit nach Erhärtung des Putzes stattfindenden Aus- scherdungen von Wasser und Kalk die Oelfarbe zerstören. Ge- legentlich ist auch angegeben worden, daß mindestens 3 bis 4 Monate nach Herstellung des Putzes vergehen müßten, ehe ein Oelfarbenanstrich vorgenommen werden dürse. Diese Zelt ist indess nach anderwärts gemachten Erfahrungen zu kurz be- abhing. Wäre der Spiegel des Stromes vielleicht um drei oder vier Fuß niedriger gewesen, so hätten die Flüchtlinge wahrscheinlich nur eine lange schräge Bedachung gefunden, ähnlich der, i» welcher sie vor einigen Tagen die schreckliche Gewitternacht zubrachten. Daher erklärte eS sich auch, daß sie hart an der Innenseite der gegen zehn Fuß breiten Höhle aufrecht siehe» konnten, während auf der entgegengesetzten Seite die Decke in einm beinahe rechten Winkel mit dem Wasserspiegel zusammenstieß. Da» Thor nun endlich war durch das Niederbrechm eines Theils der Deckschicht entstanden, deren Trümmer dann den untern Raum so hoch ausgefüllt hatten, daß nicht nur die Ankersteine daselbst einen Anhalt, sondern auch die MohaveS festen Grund für ihre Füße fanden. Die Deckschicht reichte übrigens nur wenig, stellenweise keine« halben Fuß ttef in daS Wasser hinein. In Folge dessen machte sich in der Höhle nicht nur eine schwache, kreisende Strömung bemerkbar, sondern eS drang auch von unten ei» gedämpftes Licht durch das Wasser ein, welches zwar keine große Helligkeit verbreitete, jedoch gestattete, auf größere Entfernungen die Gegenstände mit ziemlicher Ge- vauigkeit zu unterscheiden. Ob sich die Höhle noch weit über den Winkel hinaus erstreckte, vermochte man von dem Eingange aus nicht zu erkenne», doch erschallte von dorther ein heftiges Sprudeln und Gurgeln, woraus die Flüchtlinge entnahmen, daß es nicht rathsam sei, fich über jenen Punkt hinaus zu wagen, wo sie von der unter den Felsen hindurch- dringende» senkrechten und deshalb doppelt mächtigen Brandung der Fluthen des Schlimmste zu befürchten hatte«. Es wurde daher beschlossen, die Höhle zuerst stromauf- wärt» zu untersuche«, eineStheilS weil dort das Ende der- selbe» nicht abzusehen war, anderntheilS weil sie weiter ober- halb mehrere Lichtftteifen gewahrten, welche augenscheinlich durch Spalten im Gestein direkt von Außen hereinfielen. Behutsam lenkte» sie also ihr Fahrzeug nach der ange- deuteten Richtung hin. Die Strömung, obgleich durch die in« Wasser hängenden Felsen schon gebrochen, erschwerte ihnen die Arbeit; da sie sich aber ringsum mit den Händen an das Gestein stützen konnten, so gelangten sie verhälwrß- mäßig schnell vorwärts, und sehr bald erreichte« sie die messen. Die auf die Oelfarbe zerstörend wirkenden AuSscbei- düngen aus dem Zementputz dauern ein diS zwei Jahre lang, und es sollte als Regel gelten, dass vor Ablauf Des zweiten, auf die Anfertigung des PutzeS folgenden Frühjahrs niemals ein Oelfarbenanstrich aufgebracht wird. Allerdings muss, wie das„Zentralblatt der Bauverwaltung" bemerkt, zugegeben werden, dass es nicht schön aussteht, wenn eine Putzfassade zwei Jahre lang in dem schmutzig gelbbraunen Naturtone des Zements steht. Dem ist aber leicht durch einen einfachen Ze- mentfarbenanstrich abzuhelfen, welcher den Ausscheidungen aus dem Zementputze freien Durchzug gestattet. Die Farbe zu diesem Anstrich wird entweder nur aus Zement und Wasser mit etwaS Zusatz von Schwarz bereitet, oder es wird, um fie haltbarer und fester zu machen, statt des Wassers Wasserglas verwendet und so das Material für den sogenannten Zement- filikatanstrich gewonnen. Beide Arten des Anstriches können sofort nach erfolgtem Trocknen des Putzes aufgebracht werden und nehmen einen schönen grauen Ton an. Bei einigermaßen sorgfälliger Anfertigung dieses Anstriches kann derselbe durch« aus gleichfarbig und fleckenlos hergestellt werden; bei Anwendung von Wasserglas bleibt Vre Farbe jahrelang unver» ändert. Auch farbige Omamente aus Wasserglassarben lassen fich auf solchem Anstriche anbringen und find meistens auf der besonders günstigen grauen Grundfarbe von guter Wirkung. Wenn nach Verlauf der zum vollständigen Austrocknen des Zementputzes erforderlichen Zeit die Herstellung eines Oel- farbenanstrichcs noch beliebt wird, so steht dem weder ein vorhandener Zementfarbenanstrich noch ein Zementstlikatanstrich in irgend welcher Weise hindernd entgegen. r. Eine Demonstration in der Karolinen-Angelegen- heil» und vielleicht eine sehr zutreffende, hat ein Hänvler Unter den Linden in seinem Schaufenster angebracht. Ueber eine ganze Anzahl wunderlicher kleiner Figuren von Affen und an- deren fratzenhaften Geschöpfen hat er die Aufschrist„Bewohner der Karolinen Inseln" angebracht. Das Publikum gehl weiter und— lacht. Besser als durch diesen Scherz lässt sich die wahre Volksstimmung bei uns in dieser überseeischen Angelegen- heit garnicht charakterifiren, und eine passendere Antwort auf die Pöbelszenen in der Hauptstrasse von Madrid könnte den heißblütigen Spaniern von Berlin aus kaum ertheilt werden. Was mag wohl aus den ZuluS geworden sein, die vor einem Halden Jahre in EasWs Panoptikum ihre Schaustellungen gaben und fich so grossen Zulaufs erfreuten? Nun, sie find nicht alle zu den hermathlichen Kraals zurückgekehrt. Der arme Häuptling Jnkomo schlummert mit Schild und Speer und allen ihm gehörigen Geräthschaften, welche seine abergläubischen Stammesgenoffen nach dem Tode Jnkomo's nicht mehr zu berühren wagten, in deutscher Erde. Die schöne- Prinzessin Amazula hält fich mit ihrem Söhnchen Ungane in. London auf, wo fie in der Pcincess-Street neben dem Aquarium wohnt, und nur Umsula und Josefino find nach Afrika zurück- gekehrt. Alle Bitten und Liebesschwüre Amazula's vermochten nicht, den von Heimweh verzehrten Medizinmann Umsula in der nebligen Tbemsestadt zurückzuhalten. Amazula, die fich ein paar tausend Franks erspart hat, will den klugen Knaben Ungane in Pflege geben und ihn später in eine englische Lehr- anstalt schicken. Sre selbst gedenkt in London eine drink-hall zu eröffnen; eine Zuluprinzesstn, die mit dem schimmernden Goldreif im schwarzaekräuselten Haar lächelnd hinter der Bar rhront— das ist ein Zugmittel, welches in London sicherlich seine Wirkung nicht verfehlen wird. In einem Brief, welchen fie an ihren Manager Mr. Dawe von London aus hat schreiben lassen, erklärt Amazula übrigens, daß fie gerne wieder nach Berlin zurückkehren würde, wo es ihr sehr gut gefallen habe. Die Zulus haben Mitte September auf ernem englischen Steamer Hamburg verlassen. Von dem Tode Jnkomo s an waren die Zulus wie umgewandelt. Sie wurden störrisch, träge und schliesslich brach bei ihnen offene Widersetz- lrchkert gegen ihre Managers aus. Zu förmlichem Aufruhr kam es ,m Dresdener Feldschlößchen an einem Sonntag Nachmittag. Die Zulus befanden sich auf der Bühne im Saal, sollten abnr wegen des furchtbaren Andranges und weil prächtiges Wetter war, im Garten gezeigt werden. Als ihr Manager fie nun auf- forderte, mit ihm in den Gasten hinunterzusteigen, verweigerten fie den Gehorsam und nahmen eine so drohende Miene an, dass Mr. Dawe erst, als er zu seinem Revolver griff und ein Messer aus der Tasche hervorzog, ihrer Herr werden konnte. Schliesslich fand die Vorstellung im Gasten statt; im Herzen erste Spalte, durch welche ihnen ein Blick ins Freie ver» gönnt war. Dieselbe war indessen kaum einen Zoll breit; sie sahen daher nichts als einen schmalen Streifen des Kolorado und einen Theil des auf dem jenseitigen Ufer sieh erhebenden, aus massive« GesteinSlagen bestehenden Thorflügels, und langsam setzten sie sich wieder in Bewegung. Die MohaveS versuchten eS, im Wasser zu waten und das Floß hinter fich her zu schleppen; doch gaben sie eS sogleich wieder auf, als sie entdeckten, daß, wie die Bedachung. sich dem Wasser zusenkte, der Boden ganz in demselben Grade abschüssig sei, wodurch fie Gefahr liefen, bei einem zufälligen Ausgleite» auf der andern Seite der schützenden Felswand, also im offenen Strome wieder zum Vorschein zu kommen. Es wurde darauf in der alten Weise fortgefahren, und Fuß nach Fuß legten sie auf dem unterirdischen Wasser zurück. Nach einiger Zeit glaubten sie zu bemerke», daß ihre Straße sich etwas erwertere, denn wenn sie zu Anfang nur mit genauer Noth das Floß zwischen den beide« Wänden durchzuzwängen vermochten, so stieß ei, nachdem sie ungefähr fünfzig Schritte vorgerückt waren, kaum »och an. Trotz der sich verlängernden Schatten des Abends drang, in demselben Maße, in welchem sie sich vorwärts bewegten, immer mehr Lrcht durch das Wasser zu ihnen herein, und an manchen Stellen, wo der Rand des in den Strom hineinragenden Felsens etwas ausgebrochen war, schoß ihnen sogar zeitweise, je nachdem die spielenden Wellen die kleinen Oeffnunaea frei machten oder wieder verstopfen, ein feiner Lichtstrahl entgegen. Ihre Arbeit wurde dadurch bedeutend erleichtert, und da auch die Strömung sich immer mehr vermindeste, so fanden sie zuletzt kaum«och Schwierig- keit, sich ganz nach Willkür zu bewegen. Nach ihrer Berechnung waren sie unterhalb de» Punkte» eingetroffen, auf welchem der Schwarze Biber de» Schlangen- Indianer entdeckte, und von wo herab sie später den nach- geahmten Ruf des Reihers vernahmen. Wie die aus dem Fluß emporragende Felswand dort Umfula'ä ob« war tödtlich« Haß gtgen den Manager entsian- den und er äußerte zu seinem Gefährten, et werde am Abend während der Vorstellung Mr. Dawe den Afsegai durch den Leib rennen. Glücklich« Weise hörte dies der die Trupp« begleitende englische Diener. Mr. Dawe traf sofort alle nöthigen Vorfichti- maßregeln. 4 Beamte von der Polizei faßten am Abend neben der Bühne Posta und der Manag« hielt während der ganzen Vorführung der Zulus den gesvannten Revolv« in der Hand. Einige Tage zuvor war es m Dresden bereits zu ein« fürchterlichen Szene zwischen Umsula und der eifersüchtigen Amazula gekommen. Der Zulu hatte zum Affegai gegriffen und die Prinzessin in ihrem Zom ein Meff« geschwungen? Als der Wirth herbeieilte und die Kämpfenden trennen wollte, erging es ihm sehr böse- Amazula biß ihn nämlich so tief in den Oberarm, daß fich ihre Zähne förmlich eingruben. Da nach alledem die Managers einsahen, daß mit den Zulus, die gar nicht mehr zu bändigen waren, unmöglich die Tournee fort- gesetzt w«den konnte, so willigten ste in ihre Entlassung und brachten fie bis nach Hamburg. ES mag wohl die Sehnsucht nach dem Vaterland gewesen sein, welche die beiden bisher stets so zutraulichen, fast kindlich treuen Söhne Afrikas plötzlich in solche Raserei versetzte.— Also kurz und gut, die Leute find, wie fast alle andnen vor ihnen gezeigten und wie wilde Thiere herumgeschleppten Leidensgefährten keineswegs glücklich geworden, sondern fie haben nur dazu gedient, ihren Herren „Managers" in kurzer Zeit die Taschen zu füllen, und hiernach läßt man fie eben laufen. Die Luther- Modelle. Bekanntlich übt d« Berlin« Muttnwitz seine Phantafie nirgends lieber, als an den öffentlichen Denkmäl«n, und wed« die Würde dcS dargestellten Manne S noch die Bedeutung des darstellenden Künstlers ist ihm beilig. Wir wiffen, daß auf dem Leipziger Platze Wrangel ohne Unter- laß„Rechts fahren" ruft und daß sein gleichgesonnenes Gegen« über nun schon seit Jahrzehnten fich zu überzeugen sucht, ob es denn wirklich angefangen hat zu regnen. Außer dem unan» tastbaren Schäfer'schen Göthebild bleibt höchstens noch Ziethen auf dem Wilhelmsplatz ungeschoren, denn dieser Haudegen hält ja erst die Hand am Kinn, um zu prüfen, ob es mit dem Ra- fieren schon Zeit sei. Wenn man jetzt im Innern d« alten Stadt, aus dem Neuen Markte, mit der Vorderseite nach der projeltirten Kaiser Wilhelmstraße hin ein Lutherstandbild er- richten will, so bieten die ausgestellten Entwürfe dazu eine reichliche Gelegenheit, den Berlin« Witz auf's glänzende zu erproben; und es ist nicht zu leugnen, daß der«ste Eindruck, welchen die Ausstellung hnvorrust- ein vorwiegend humoristi- scher ist. Man glaubt zunächst, wenn man Vre Figuren auf dem Sockel betrachtet, fich in ein« Synode zu befinden, wo fich von ihren fetten Pfründen hier hauptsächlich Landpastoren ein- gefunden haben, welche für einige Zell ihr bequemes Etillleben unterbrechend, in der Hauptstadt glauben ein Uebriges thun zu müssen, wo ste entweder, wenn fie sprechen, die Rechte extatisch zum Himmel strecken oder mit erhobenem Zeigefinger vor den Schrecken des jüngsten Tages warnen. Sieht man genau hin, so merkt man freilich, daß all diese gipsernen Hochwürden gar nicht so schlimm find, wie ste aussehen, daß fie fich nur ein wenig spreizen und zi«en, um unter den übrigen Amtsbrüdcrn gut zu bestehen. Andern freilich scheint die Konfistoriatemiene angeboren und Ein« gleicht dem Lesstng'schen Patriarchen von Jnusalem so auf's Haar, daß man von seinen geschwollenen Lippen den Spruch„Thut nichts u. s. w." abzulesen glaubt. Eine Fabrik„warmer Wiener", wie solche auf den hiefigen Straßen zum Kauf angeboten wnden, ist am Sonntag in dem nahen Rixdorf von d« Behörde mit Beschlag belegt, die Inhaber derselben ab«, ein Schlacht« und zwei Arbeit«, zur Haft gebracht worden. In dem Geschäftslokal in der Her- mannstraße««sammelte fich allnächtlich eine Anzahl Händl«, welche die Waare ganz frisch in Empfang nahmen, um fie noch während der Nacht weit« abzusetzm. In d« Gegend der Fabrik waren fast sämmtliche Hunde und Katzen spurlos verschwunden; doch wurden die zarten Würstchen in d« Regel von Pferdefleisch, wie der Polizei mitgetheilt worden war, her- gestellt. ES wurde bei der Beschlagnahme eine größ«e Ouan- tität Pferdefleisch vorgefunden und mit der fertigen Waare und den drei Geschästsinhabem nach dem Amtshause gebracht. Wie die letzteren angegeben, sollte die f«tige Waare auf einem in der Umgegend stattfindenden Jahrmarkt umgesetzt werden. Ein Theil der Würste war der Konservirung wegen in Esfig gelegt, duftete dessen ungeachtet aber dnartig, daß ohne eine starke Portion Mostrich ihr Genuß nicht gut möglich ge- wesen wäre. Das Bestehlen der Kinder, wenn dieselben von den Eltern fortgeschickt w«den, um Maaren zu holen, scheint noch immer von gewissenlosen Menschen systematisch betrieben zu werden. So wird uns heute folgender Fall gemeldet: Die Frau des Schlossers Eck. in der Eisenbahnstraße schickte ihre beiden Söhne, welche fich im Alter von 11 resp. 6',« Jahr befinden, zu ihr« in d« Kottbuserstraße wohnenden Schwägnin, um von dies« einige Lebensmittel, u. A. ein Brot zu holen. Einige Stunden später wurde die Mutter benach- richtigt, daß fich ihre Kinder auf der Polizeiwache befänden und von dort abgeholt werden könnten. in einen stumpfen Winkel zurücktrat, so bog auch die Höhle in derselben Richtung hier plötzlich etwas landeinwärts, und sie«schraken fast, als sie, ihr Floß um die Ecke herumschiebend, die Höhle hell««leuchtet, als auf d« ganzen übrigen Strecke sahen, zugleich ab« auch gewahrten, daß dieselbe, kaum fünfundzwanzig Schritte weit« ob«halb, senkrecht abge- schlosien war. Nachdem sie sich üb«zeugt, daß d« vermehrte Licht- glänz theils unter dem nur wenige Zoll ins Wass« ragen- den Felsenraade hindurch, theils durch eine größ«e Spalte am Ende d« Höhle in den abgefchlosienen Raum eindran?, schoben sie ihr Floß wied« langsam vorwärt«, und nicht eh« hielten sie inne, al« bis b« Bord«theil ihres Fahrzeugs an die schroff aus dem Waff« emporsteigende Schlußwand anstieß. Hi« nun entdeckten fie eine handbreite Spalte in der sie überdeckenden Felsenlage, welche genau mit d« Fläche d« sich ihnen in den Weg stellenden Wand zusammenfiel und, sich nach oben v«engead, nach unten aber«weiternd, ihnen eine Aussicht, nicht nur aus densStrom, sond«n auch seitwärts auf einen schmalen Theil de« sich im Bogen gegen Norde» v«lSngernden diesseitigen Ufer««öffnete. Sie de- fanden sich also nur noch eine kurze Strecke von dem nördlichen Ende de« Thorflügels entfnnt und, wie sie beut- lich gewahrten, ganz aus dem Bneich d« Strömung. Der Plateaurest war nämlich durch irgend eine Erd- «schütterung in sein« ganzen Breite qun durchgespalten worden. Denselben Ursachen aber, welche diesen Bruch v«- anlaßt hatten, war eS zuzuschreiben, daß die nördliche kleinere Hälfte de« damals vielleicht noch unznstörten Pla- teiuS gegen zehn Fuß tief« sank, die südliche dagegen ihre alte Lage beibehielt. Durch diese Verschiebung also waren Schichte« vor einand« zu stehen gekommen, die ernand« vollständig ftemd waren, und deren Fortsetzung man von Süden aus zehn Fuß tief«, von Noden au« zehn Fuß höher zu suchen hatte. E« konnte daher nicht überraschen, daß die Fortsetzung d« ausgewaschenen Mergelschicht tief uvt« demWaffetspiegel lag, die Höhle dagegen plötzlich durch festes hellfarbiges Gestein begrenzt wurde. Nun stellte fich heraus, daß die Kind« beim Nachhausegehen von einem Frauenzimmer beaustragt wurden, ihr von einer in einem Hause der Mariannenstraße 4 Treppen wohnenden Frau ein Packet zu holen. Da besagtes Frauenzimmer den Kinoern ein Geschenk anbot und selbst eine Trevpe mit hinaufstieg, so ließen fich die Kinder dazu bewegen, den Korb mit den Ehwaarm bis zu ihrer Zurückkunst der P«son zu überlassen. Natürlich wußte die 3 Treppen wohnende Frau nichts von einem Packete und als die Kinder wieder zurückkehrten, war das Frauen- zimmer mit Korb und Eßwaaren verschwunden. Ein Schutzmann brachte die weinenden Kinder nach dem Polizeibureau, wo fie dann nach erfolgter Aufforderung von d« Mutter abgeholt wurden. D« an und für fich kleine V«lust traf die Familie sehr hart, weil der Vater schon seit Wochen außer Arbeit ist und im Hause kein Stückchen Brod vorhanden war. In der äußersten Noth hatte die Frau zu d« Verwandten geschickt und nun wurde auch noch diese Liebesgabe gestohlen. Der Korb ist ein weißer Weidenkorb(Weinkorb), er enthielt außer dem Brod noch'/, Pfund Schmalz und Vi Pfund Kaffee. Vielleicht tragen diese Zeilen mit dazu bei, daß die Diebin entdeckt wird. Der Buchhändler Gustav Preuß, über dessen gegen den Prof. Graes ausgeführten Erpreffungsversuch wir berichtet haben, ist unmittelbar nach V«übung der That aus Berlin geflüchtet. Die Broschüre, deren Druck die Firma S. Anfangs übernommen, später aber abgelehnt hatte, enthält lediglich einen abgekürzten Bericht über die Hauptoerhandlung des Prozesses. Selbstmord eines Bankier?. Vorgestern Nachmittag zwischen vier und fünf Uhr erschoß fich in der Näche des Bahn- Hofs Grunewald auf dem Wege nach Echildhorn der Bann« Karl v. Zimmermann aus Berlin, Inhaber der Firma Zim- mermann und Gierth. D« Selbstmörder hatte fich durch die linke Schläfe geschossen und die Pulsadern d« linken Hand durchschnitten. Man fand bei der Leiche des etwa in der Mitte der dreißiger Jahre stehenden Mannes außer Visttenkarten eine Börse-mit einem Inhalt von fünf Mark dreißig Pfennig, gol- dene Uhr und eine schriftliche Aufforderung an den, welcher ihn zuerst auffinden würde, seine in d« Kaiserin Äugustastraße wohnende Frau zu benachrichtigen. Die Mtttheilung über den Selbstmord des Schülers Julius P. ist durch folgendes zu ergänzen, resp. zu berich- ugen: P. gehörte nicht dem Dorotheenstädtischen Realgymna- fium an, sondern wurde privattm unterrichtet. Die Ursache seines Selbstmordes ist also auch nicht darin, daß er daS Nach« examen nicht bestanden hat, sondern in Familien Vnhältnissen zu suchen. P. war der Liebling seiner Eltern, welche ihn in jed« Beziehung vnzärteltea; vor kurzem aber wurde er von ein« Echulanstalt relegirt und nunmehr trat an Stelle der früheren Verzärtelung seitens des Vaters rigorose Strenge. Bei einer derartigen Szene war P. vor wemgen Tagen der Züchtigung dadurch entgangen, daß er aus dem Fenst« sprang. Zu wrederholten Malen hatte er deshalb gedroht,« werde fich das Leben nehmen, wenn fich die Behandlung nicht ändere. Sein Taschengeld, welches ihm von dn Großmutter reichlich zufloß, benutzte er dazu, um fich einen Revolver zu kaufen, mit welchem er durch einen Schuß in die Schläfe sein L>ben beendete. Ein wenig erfreulicher Anblick wurde gestern in dm Morgenstunden den Passanten der Kottbuserbrücke zu Theil. Dort hatte man die Leiche eines dem Arbeiterstande angehören- den Mannes aus dem Wasser gezogen und dieselbe auf dem untem Absatz der doit befindlichen Wassertreppe so niedergelegt, daß fie jedem Vorübergehenden in die Augen fallen mußte, ohne dieselbe, wie es schicklich gewesen wäre, zu bedecken. Zwar hatte man einen Schutzmannsposten an der Brücke auf- gestellt, der jedoch nickt verhindern konnte, daß fich eine Menge Neugieriger sowohl auf der Brücke wie an dem Geländer des Kanals ansammelte. Etikette im„Deutschen Theater". Direstor L'Arronge hat im Berlin«„Deutschen Theater" eine Neuerung so sonder- dar« Art eingeführt, daß Ben Akiba wohl endlich einmal ge- schlagen sein dürste. Die„Pos. Ztg." berichtet hinüber: Bekanntlich herrscht bei vielen sich eng«, freundschaftlicher an- einander schließenden Mitgliedern eines Theaters die Sitte, fich zu„duzen". Dies hält Herr L'Arronge in den geheiligten Räumen des„Deutschen TbeaterS" für zu profan und er hat verfügt, daß seine Künstler sich im Lebm mit„Sie" anzureden haben. Daß diese Anordnung den Humor aufs Aeußerste ge- reizt hat, darf nicht Wunder nehmen. Da es schwer fällt, doS gewohnte„Du" zu bannm, habm die Künstler eine vermit- telnde Unt«hattungsform gefunden und reden fich vorläufig mtt„Euer Hochwohlgeboren" an. Die bisherigen Vorstellungen von„Orpheus i« der Unterwelt" haben fich eineS so kolossalen Besuches zu n- freuen— das Friedrich- Wilhelmstädti'che Theater ist jeden Abend fast ausv«kauft— daß die Direktion beschlossen hat, die Aufführungen dieser Operette mit dem morgigm Sonn- abend nicht zu unterbrechen, sondern die tolle Burleske noch an den nächsten Abenden auf dem Repertoire zu lassm, so daß auch morgen(Sonnabend) und Sonntag Wiederholungen von „Orpheus" stattfinden. Die Verlagsfirma hat mit Rückficht Für die Zndian« hatte dies.' seltsame, in dortige« Regionen aber vielfach wiednkehrende Formation durchaus nichts Ueberraschendes, weil sie nicht gewohnt waren, über irgend eine derartige, nach ihren Begriffen selbstverständliche Natur«scheinung nachzudenken, wie Weathnton und Falk wied« nicht» Ungewöhnliche« darin sahen, weil fie sich den Prozeß, welchem diese Unregelmäßigkeit ihr Entstehen v«- dankte, genau zu«klären wußten. Nur Rast, d« ungefähr die Mitte zwischen de« halb- zivilisirtea Delaware« und den beiden hochgebildeten Freun« den hielt, erblickte hi« mebr, al«« zu begreifen im Stand« war. E« offenbarte sich diese« schon allein in d« Art und Weise, in welch« er sich darüber aussprach. „'S ist originell," hob« kopfschüttelnd an, nachdem auch« durch die Spalte einen Blick in« Freie geworfen;„sollte man nicht glaube«, die Indianer hätten diese Höhle ausschließlich für uns ausgemeißelt und wären hi« von ihr« Arbeit verjagt worden? Bei Gott! wäre die Fuge um etwa« breit«, ich glaube, wir gelangten auf diesem Wege unangefochten an'« Tageslicht." „Brett, sehr breit." versetzte der Bib«, die Spalte sinnend betrachtend,„fürchte, beinah' zu brett—, Hier brach « kurz ab, und seinen Gefährten ein Zeichen gebend, ford«te er sie auf, zu schweige« und zu lauschen. Alle blickten gespannt auf de» Delaware«, der, seine Aiigen halb schließend, alle seine Geisteskräfte gleichsam in s«nem Gehör zusammengezogen hatte. Niemand vernahm einen Laut; selbst der Schwarze Biber glaubte sich getäuscht zu haben, al» plötzlich einige kleine Steme und Proben von vnwitterten Felsen in der Spalte zu raffeln begannen und gleich darauf plätschnnd «üb«5r in � 2ßa,let' t�iI< da» Floß Der Bib« brachte seine Augen vor den ob««* Theil __ g in eine Verlängerung* schreiten> Termins, bis*u_ welchem der Offen dach- Zyklus beendet st fich tnNo auf den ungeahnt großen Erfolg soll, gewilligt. Ende nächster Woche dürfte als dritter Ab» unglückliä „Die schöne Helena" an die Reihe kommen. fi« bald z Belle-Alliance-Theater. In d« für Montag anaelö gemacht v diäten Novität„Lug und Trug" find außer Herrn Dncl» wollte es Theodor Lebrun die Damen Carlsen, Schmidt, Cramm 0 gewohnhei Lettun und die Herren Kurz, Alexander, Wagner und Tyckoo mann Jol in den Hauptpartien beschäftigt. Heute geht daselbst* vand, w« Moser'sche Schwank:„Tie Leibrente", zum letzten Male I J®« ohne Szene, während morgen und übermorgen Herr Direstor Theo»»ann ihm Lebrun seine Meistcrleistung„Dottor Ferdinand KlauS" st ÄT�cn i vorführt.,-nirten Bn Auf Grund des Sozialistengesetzes find mehrere P hüw0 � Weisungen aus den um B«lin benachbarten Dörfern erfsts®,er�e£S®! von den Ausweisungen ist, wie hiesige Bläst« berichten,«•' C®en � der Arbeiter Etaniszewski in Lichtenberg und der EteinttV r', Carl Böttcher in Reinickendorf betroffen worden. auf dem Polizeibertcht. Am 12. d. MtS. Vormittags war*"ich Schlosser Adolph auf dem Kuppeldache des Haupt- Ausstellmst Gebäude« am Lehrt« Bahnhofe beschäftigt. Als dabei» Leit«, auf welcher« stand, auf dem nassen Dache au»« Mafien w schlug er mit dem rechten Arm in eine Glasscheibe und mußten w dadurch so bedeutende Schnittwunden, daß er nach der 6U,... gebracht werden mußte.— An demselben Tage Abends venn ein Arbeiter auf dem Neubau Burgsttaße Nr. 22 etwa 2 JW unv_ f tief in den Keller hinab und«lttt einen Bruch des reÄ> � in M Unterarmes.— Am 14. d. M Vormittags«schoß fich eins in sein« in der Dessau«sttaße belegenen Wohnung. Die Ä mstst 75? wurde nach dem Obdustionshause geschafft.— An demsu» �twa auf' Tage Nachmitt«gS wurde ein 5 Jahre altes Mädchen in] nicht ein i Köpnickerstraße von einem Rollwagen überfahren und ig der Staat einen Knochenbruch am rechten Fuße.— Auf dieselbe geschzft.1, verunglückte eine Frau in der Alcxanderstraße, indem ste» baaren M � �»[•i-uijVf iisvvui 1»» v vClClj,Cn lyl einem Geschäftswagen überfahren wurde und solche V«leyu» Eiaentbum am linken Knöchelgelenk«litt, daß fie mittelst Droschke st er dann dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht werden mvßst die er st -: rechnete e Gerichts Zeitung. I BW Eine Beschwerdeschrift die der Auftionator Ptof••- winr Vrimwrrorilyrrrr vre 0« Auiironaror ay- David Böhm an den Präsidenten des Landgerichts 1, ist tr - v> eine Anklage eck"'"r Bardeleben, richtete, zog dem Verfasser eine-lnuaae n»j gQ Pf„„i Beamtenbeleidiaung zu, welche gestern vor der 88 AbtW des Schöffengenchts v«handelt wurde. Der Angeklagte,@4 noch ein<* mit dem Gerichtsvollzieher Kitzerow in Differenzen geratheZk w meite machte üb« denselben in sein« Beschweideschrift folgende?. maraie uoer oenzewen in, einer«etcyweioezcyrisl roigcnot �-ichf>>„6 theilungen; Am 27. April habe Kitzerow eine Aultwn J fönn'en 3 halten, in welcher auch ein Pianino v«steigcrt wurde.' Uns w' das Gebot die Höhe von 270 Mark erreicht hatte und v® jU � Gebote nicht erfolgten, habe der Ausruf« dem Kitzeroi- Namen eines Mannes zugerufen, der übnhaupt im Auw lokale nicht anwesend war und dies« W Käufer sei dann von Kitzerow ins A Protokoll eingetragen worden. Einige Tage habe der letztere das in Rede stehende Pianino noch unt« den Hammer gebracht und hierbei einen Kaust 300 M-«zielt.„ES stehe somit fest, daß d«.. Vollzieher Kitzerow das Aultionsprotokoll gefälscht habe,»Jjfl das Schöff durch unlautere Manipulationen einen persönlichen M? in eine St Monaten I «kennung „Der: Anficht, d. Wurstwaar Liqueuten h>lb letzter Amt anzur von 30 M zu verschaffen." Mit diesem Passus Beschwndefuqrer und diese bestimmte Bezichtigun« Kitznow bewirkte, daß der Gerichtshof den Angeklagi" urtheilen mußte. Die Beiveisaufnahme ergab in der T die Annahme des Angeklagten in vielen Punkten auf! beruhte und hätte derselbe anstatt der pofitiven nur eine Vermuthung ausgesprochen, so wäre« fchroerlii urtheilt worden. Durch die Beweisausnahme und hau durch die AuSsage des Zeugen Kitzerow ergab sich.M selbe thatsächlich bei der ersten Auktion einen flngirten ins Auftionsrcgist« eingetragen. Der Zeuge«klärte, dieS gethan, werl ihm von einem Piivatmanne das Piani — tl ömmen, dl in der Wil Liqueure 1 schöffengeri gestern in 96 Mark. Auch nächst der einen Man Hause macl gungsklage ;So;ia Willen küß ..........................|........._ die Lage g der ausdrücklichen Bedingung zur Versteigerung übn� Kuß auf d wurde, daß es einen Kaufpreis von nicht unt« 300 harmloser< zielte. Es seien nur 270 Mark darauf geboten worden ss doch in Ar um nicht die fehlenden 30 Mark aus fein« Tasche zulesP müssen, habe«, anstatt dem letzten Biet« den Zuschlag I, t heilen, einen flngirten Käufer, von dem er wußte, daß auf daS Pianino keinen Anspruch erheben werde, vorge Noch einigen Tagen habe er für das Pianino 293 M erzieh wahren Käuf« in'S Protokoll eina. tragen und den seinem Austrazgeb« zugestellt. Der Gerichtshof konstalittil formt von einer widerrechtlichen Aneignung seitens des keine Rede sein könne, mißbilligte aber desien vorsteht»- schilderte Handlungsweise, au« welcher der Angeklagte leicht zu dem Schlüsse kommen konnte, Kitzerow verfolge' eigennützige Abfichten. Aus diesem Grunde billigte richtshof dem Angeklagten mildernde Umstände zu und nur auf eine Geldstrafe von 20 M. eoent. 4 Tage Gel? ™ Ein edler Mens�enfreund mußte gestern und geräuschlos au« dem nächsten Bereich d« Spaltt zu lassen., Er hatte bemerkt, daß sich von Außen die»' großen Zehen eine« Manne« in die Spalten einklen"»' offenbar um einen Niedersteigenden vor dem Falle»}u wahren. AI«« die Zehen, die er sogleich für die eine« dian«S«kannte, zuerst entdeckte, befand fich die beirel" P«sonlichkeit kaum noch acht Fuß von dem Wassers?! entfernt. Er konnte freilich nicht wissen, daß auf J etjten Strecke die au« dem Wass« aussteigenden Fest'' schroff sein, um einem Kletternden»och fernnhia eine» zu bieten. Jedenfalls«schien e« ihm sehr mögl'?- d«selbe auf den Gedanke« v«fallea könne, die SpflI,< nau« zu untersuchen. Befand fich dann ab« auch Binse de« Flosse« in dem Gesichtskreise de« Spc dann durste man fich« darauf rechne», daß sie den indi Augen nicht entgehen und ihr Versteck sogleich verralh" würde.° m ,S«t 1 BcrufSgeno laut der ai beit in all gestellten F Nach den< Nachmittag folgendrs: Gesellen t» bis 75 pCt Wir warne statten: Hi "raße 24. öcberstr. 1 furterstr. 9! Körner, Bl Georgenkm Brunnenstr Waltenberk -,.,'-I----- pmnoc u« nur durch eme kaum zwei Fuß dicke Felsenlage vo- getrennt wurde. „Kannst Du nicht um die Ecke herumluge» k durch die Entfnnung und die dazwrsche» »tterftr. 1 bergerstt. 9 Brandenbu Kollegen! Resultat ur ewerksger mal beg igt. W andern der Hegen e ngen. ft reiten au t und n �.nd an Em A�nds, qpp, Hilfe auch dei uDrechsl� »»Der■ h eme III f orver«- Gesteiasmassen gedämpfte Sttmme, welche Delawaren sogleich für die Holmstea'S, de« dererkannten. »NA sehe» um Ecke." antwortete La Ba'-' listige Schlangen. Zndian«:„ich sehe» ab« and«»/ wnt unten- Menschen nicht da sein, sie gefalle»"j nicht mehr h«auSkommen, Alle tobt, Ihr bezahle» «a Bataille." »ttB. All?. e arbeit, blgen ersu Webet n. Defsa rrkulär ve bermeistei fesigen Ti sammen, erren der . ollen, we eben bei 9 Hegen 01 urde ab« flfion, je (Fortsetzung folgt.) ngerunö beendki tl schreiten und was hatte er gethan? Armen Bedrängten, die beendet M sich in Roth befanden, ein Darlchn gereicht. Daß er dabei den niter Ate unglücklichen Schuldnern die Halsbinde so fest zugezogen, daß ste bald zu Grunde gegangen wären, wird ihm zum-Lorwurf tag anaev gemacht und er meinte es doch so gut— nur schade, man errn Mrei» sollte es nicht anerkennen und stellte ihn wegen gcwerbs- und Cramm 0 gewohnheitsmäßigen Wuchers unter Anklage. Der Handels- nd Tnckoot mann Johann Heinrich Paul Hühne hatte immer eine offene daselbst> Hand, wenn ihn Jemand um Geld ansprach. Daß er dieses en Male I aber ohne jede Sicherheit und Vorficht nicht hingeben wollte, ektor Tbeotl kann ihm Keiner verdenken, um so weniger, da er fast nur mit Klaus" 0 Aperen Leuten in Verbindung trat; Personen, die sich den Biffen Brod im Schweiße ihres Angefichts sauer verdienen mußten Zhi und doch vor dem Borgen so lange zurückschreckten, bis die Roth, fj uie Verzweiflung fie zwang, den schweren Weg anzutreten. Aus richten, u.« Sachen Ständen waren denn die Zeugen in diesem Prozeß? c SteintrV, waren meist Frauen von Arbeitern, deren Männer auf dem Krankenlager seufzten, weil ste krank und elend nicht im Stande waren, das tägliche Brod zu verdienen. Es warm Frauen, deren Kinder daheim in der Fiedergluth hmstechten, die für die Erhaltung dieser ihrer Lieblinge Geld schaffen wollten und mußten, und doch gingen fie nicht eher, bevor fie nicht ihr letztes geopfert, bevor fie nicht befürchten mußwr wegen rückständiger Miethe mit ihren Pfleglingen auf die Straße geworfen zu werden. Alles das wußte Hühne, denn dre Aermsten theilten es ihm in ihrer Herzensangst mit . Htchne half. Zuerst besah und schätzte er den Haus- stand der Bittenden; war dies geschehen, dann lichtete er das % Wh dieser Schätzung und gab das Geld, beispiels« 15- Mark, für die er fich 90 Mark verschreiben ließ, nicht %a auf Wechsel, sondern auf Schuldschein hin, denn er wollte nrcht ein derartiges gewöhnliches Geschäft, dabei kann einen ifLSi?8an,n)®"'u deicht fassen; er wollte nur ein Kauf» 'iie>l 5�waft eingehen und deshalb ließ er fich vor Hergabe der -«in« �tinze die gesammte Hauswirthschaft schriftlich als eyiW Eigenthum übertragen. Unter solchen Umständen bewilligte '- tx bann auch zur Abtragung der Schuld Ratenzahlungen, nehrere rfern ers> lgs war Ausstell !S dabei ache aui »e und h der E ibends etwa 2 » des fich ein Die fin de rvchm in en und neselbe »dem Verb Drosch den felbft abholte. Für jeden solchen Gang de- er noch extra eine Mark, die er auch begehrte, lator ichls l. Ä firWafL;; rP, WIiy ver ncann yaile oen mmq, oem �)e- die er rechnete Kr®™! te tiA b'e Raten in der verabredeten Höhe nicht pünkt- JfiA liw' i s"" la|,et wohl auch durch die Finger, nur daß fin Wf% � r£A lebte nden Thaler eine Abstandssumme von '- h�..£A%l ilnd der Mann hatte den Much, dem Ge 3 noch ' de» � r____ v[irT|ir[| viv �>iW|WV„ WU, ttuf/ion'al l,a�tr wohlbeleibte Herr Hühne hätte hindurchschlüpfen wurde.':°"neA. Der Gerichtehof fand eS unerhört, auS dem Elend : und Ritzet o» im A , 'age noch„ itaufpre» der habe, chm s sch chtigu! leklaat )er T auf l«ep chwerlr hau! Ich. gittern arte._ ! Pianil� a über wählt, mit den Meistern verhandeln soll. Wir gingen nun hin und freuten uns, daß die Sache ihrem Ende naht und wir unseren Kollegen, welche uns in unserer bedrängten Lage unter- stützen, die Last abnehmen können; doch weit gefehlt, es hatte gamicht dm Anschein, als ob man unterhandeln wollte, sondern die Herren wollten nur ihrem Herzen Lust machen und fich mit uns herumstteiten. Unter anderem wurdm uns Vorwürfe gemacht über unser extremes Handeln, weil wir ihrem Wunsche nicht nachgekommen find. Es kam zu heftigen Auseinander- setzungen und währte der Alt zwei volle Stunden; dann ließ man fich herab, uns zu fragen was wir für Forderungen stellm. Wir erklärten folgendes: Zurücknahme der jetzigen Werkstatt-Lrdnung, Einführung einer lOstündigen Arbeitszeit und Verzichtleistung auf Maßregelung von Seiten der Merster. Bei dem Worte Maßregelung wur- den die Herren stutzig und fragte man uns, was dies sei. Wir hatten dann diesbezüglich der Frage den Herren ein klares Bild vor Augen geführt, was Maßregelung zu bedeuten hat und äußerte selbst der Obermeister, das habe ich noch nicht ge» wüßt. Unserer Zusammenkunft zufolge wurde in einer der letzten Meister-Versammlung die lOstündige Arbeitszeit einge- führt. Also man fängt schon an zu bewilligen, den Gesellen gegenüber wollen fie fich nicht die Blöße aeben, sondern es soll den Anschein haben, als thun fie eS aus Humanität. Hassent- lich werden wir ste noch dazu zwingen können, auch die anderen Forderungen zu bewilligen. Kollegen! Es kommen seit kürzerer Zeit täglich eine Masse Fremde, auch Verbandsmitglieder, und giebt es oft genug große Schwierigkeiten, selbige weiter zu de- fördern. Wir bitten dämm, haltet streng Zuzug fern. Wir find fest überzeugt, daß es bei unseren Kollegen eines Weiteren nicht bedarf. Mtt lollegialischem Gmß: DreZKommisfion der Tischler in Dessau. Briefe und Anfragen find zu richten an A. Wagner, Amalienstr. 29. Geldsendungen an Karl Gendri' ASkanische Str. 8. Lohndrücker überall 1 Die„Elberfelder ZeitungÄ�aßt fich„Von der Lippischen Grenze" folgendes schreibe»?'„Die Tage vom 10. bis 20. Oktober find brcr gewöhnlüß�vie Zeit, wo eine Art Zugvögel, die Lippeschen ZiegelarbeitM� räch Hause zurückkehren. Großes Leben herrscht jetzt bei AnWrft der Züge von allen Seiten auf den Badnhöfen zu Herford und Bielefeld. Frauen und Kinder find erschienen, um ihre von der schweren pommerarbeit zurückkehrenden Angehörigen in Empfang zu nehmen, welche mit Kisten und Säcken laut jubelnd ausstergen. Da giebt es rührende und komische Szenen des Wiedersehens. 10, bis 12 000 Arbeiter wandern Jahr aus, Jahr ein aus dem kleinen Lippeschen Lande fort nach allen Weltgegenden, bis nach Polen. Ueberall werden fie als geschickte und fleißige Arbeiter -.............. 250 Mark wieder Maschen doch I gern gesehen. Durchschnittlich bringt jeder und der Roth seiner Mitmenschen in so niedriger Weise Vor- therl zu ziehen und vemrtheilte den Menschenfreund zu sechs Monaten Gefängniß, zur Zahlung von 1000 M. und"" erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 1 Jahr. Der Delikateßwaarenhändler C. H. Tödter war der Anficht, daß die Konzesston auf Delikatessen-, Fleisch- und Wurstwaaren auch die Berechtigung zum Kleinhandel mit Liqueuren und Weinen in fich schlösse und legte er fich des» halb letztere Waaren zu, ohne dieselben beim Gewerbesteuer- Amt anzumelden. Er wurde aber eines Anderen belehrt, als das Schöffengericht, nachdem Anklage wider ihn erhoben, ihn in eine Strafe von 48 M.— den doppelten Betrag der Jahres» steuer— nahm. Da dem Staatsanwalt aber zu Ohren ge» kommen, daß der Vemrtheilte vor Kurzem noch ein 2. Geschäft in der Wichmannsstraße eröffnet und in demselben ebenfalls Liqueure unv Wein geführt hatte, so legte er gegen das schöffengerichtliche Erkenntniß die Bemfung ein und beantragte gestern in der zweiten Instanz das Doppelte der Strafe— 96 Mark. Der Gerichtshof entsprach diesem Antrage. _ Auch ein Beletdigungs-Prozeß. In Gotha wird dem- nächst der Jnjuriemichter darüber zu befinden haben, ob es einen Mann beleidigt, wenn ein Mädchen ihn ohne seinen Willen küßt. Ein dortiger Rentner ist beim Skat neulich in die Lage gerathen, daß eine Kellnerin im Uebermuth ihm einen Kuß auf vie Wange gab. Obwohl allseitig die Sache als ein harmloser Scherz aufgefaßt wurde, so hat der biedere Rentner doch in Anbetracht der Szene, die ibm seine bessere Hälfte zu Hause machte, als fie von der Geschichte erfuhr, die Beleidi- uschlvg Äj gungsklage gegen die kußlustige Hebe angestrengt. und Arbeiterbewegung. , den#4|»"r Eohnbetoeguna der Drechsler und verwandter mstatirto j® erufs genossen Berlins. Am Montag, den 12. Ottober, sollte ZA fc'-K»Ä'rÄ*£ DO.!»« uM aessellten iUnrNpiimnim W IMnlnftnn„lA* bewilligt worden roorbte >e zuleg» -klagt« [folg* ligte % Zgerrch» üe ew«i »ie betr«" Mass !estellten Forderungen der Resolution nicht_____________ !ach den auf dem Bureau der Lohnkommission bis Donnerstag Nachmittags eingegangenen Berichten ist das bisherige Resultat folgendes: Die Forderung ist in 40 Werkstätten mit 160 Gesellen bewilligt. Die bewilligte Lohnerhöhung beträgt 15 bis 75 pCt., in der größeren Anzahl dieser Werkstätten 25 pCt. Wie warnen dringend vor Zuzug in den folgenden Werk- statten: Hmsching, Rcichenbcrgerstr. 50. Lorenz, Prinzessinnen» strafte 24. Hoffmann, Tischlerei, Kl. Markusstr. 24. Reimann, Weberstr. 16. Husche, Wrangelstr. 112. Paulsen, Gr. Frank- furterstr. 95. Holzapfel u. Hrlaers. Külger, Wasserthorstt. 24. Körner, Blumen str. 38. Oeferverg, Skalitzerstr. 104. Hübner, Georgenkirchstraße 57. Räbiger. Waldemarstraße 66. Fest, Bmnnenstr. 136. A. Scholz, Tischlerei. Reinickendorferstr. 49. Waltenberg, Rixdorf, Bergstr. 9. Stolzmann, Schmidlstr. 31. atharias, Manteusfelstr. 77. Krusch, Waldemarstr. 15. Weber. Jnnllx- n114-., Stahl, Cbristinenstr. 24. König, Friedrichs» k Brandt, Tischlerei, Reichenbergerstr. 18. Grauel, •!i50- Streik befinden fich ca. 120 Gesellen. Kollegen! Arbeiter! Wir geben Jn Obigem das bisherige »t» e'°" möglw 'ü SP' n inbtfl* oerra'he' _ r t' � Iv? k III Vtll» St Sft? k k Kampfe, denn unsere Forderung ist gerecht» m �reik nicht vom Zaune gebrochen, ondern derselbe ist nothwendrg, um auch unseren schwachen ollegen ein ermgemraßen menschenwürdiges Dasein zu er- Ingen. Kollegen! Genossen! Laßt uns ernmüthig vorwärts- schreiten auf dem emmal betretenen Wege. Mit Entschieden- eit und ruhiger Besonnenheit werden wir den Sieg erringen, �. nd an Euch. Kollegen und Arbeiter Berlins und ganz Deutsch- nt„ J Airnds, appelliren wir, daß Ihr unsere gerechte Sache unterstützt, Alle-soweit es in Euren Kräften steht. Vor Allem sendet uns mate». fuß w�.Fielle Hilfe und dann haltet jeden Zuzug fern!„Unser Sieg (flauer Myst auch Eurige! Also nochmals, vergeßt Eure Hilseleistung - vo»'�sisiht!„Mit lollegialischem Gruße: Die Lohnkommisfion der .Drechsler und verwandten Berussgenoffen zu Berlin. I. A Vorfitzende: Robert Sündcrmann, Grtschinerstr. 61, i. "SS""lle Geldsendungen find an den obigen zu senden; sämmt- .?e!a�v ardeiterfreundlichen Zeitungen werden um Aufnahme des ... ac obigen ersucht. dermeisters traten am 25. September der Vorstand der iefigen Tischler-Jnnung und die Kommisston der Streikenden '(lammen, um Unterhandlungen zu pflegen; doch äußerten die erren den Wunsch, nur mit Streikenden unterhandeln zu . ollen, weil von der Kommisfion jetzt zwei Mitglieder der- (eben der Nichtinnungsmeistem arbeiten. Wir stellten unseren Kollegen vor, ob wir diesem Wunsche Folge leisten sollen, es SS* ober verneint und einstimmig beschloffen, daß die Kom> mrsfion, wie ste in der öffentlichen Tischler-Versammlung ge- mit zurück, so daß fich um diese Zeit ein großer Glückssegen über das kleine Land ergießt, indem erst in neuerer Zeit einige Fabriken erstanden find und daher der Verdienst gering ist. )er Befitz bleibt jedoch nicht lange in den Händen der Arbeiter, denn ein Theil muß gleich bezahlt werden, da die zurückgeblie- bene Familie auf Borg gelebt hat. Nun wird lustig gewirth- schaftet. Sonntags ertönt Tanzmufik überall im Lande. Das geht so bis Weihnachten, wo man anfangen muß, fich große Beschränkungen aufzuerlegen. Dieser Wandertrieb der Lipper hat natürlich auch seine großen Schattenseiten. Daß in moralischer Beziehung fich manche Uebelstände zeigen, ist leicht erklärlich, besonders in neuerer Zeit, wo die Jugend häufig gleich am Tage nach der Konfirmation auf die Wanderschaft geht. Früyer suchte man fast nur die kräftigen Leute; jetzt, wo man schon mancherlei Maschinen anwendet, kann man auch die noch in der Ent- Wickelung begriffenen jungen Leute gebrauchen, allerdings auf Kosten ver Gesundheit, so daß bei den militärischen Aus- Hebungen die Klagen über das schwächlicher werdende Geschlecht immer häufiger werden. Manche Dörfer im Lippeschen sind im Sommer fast wie ausgestorben; eS fehlt die ganze männ- liche Bevölkerung. Aber während der Lipper nun nach Polen wandert, verwendet man beim Rübenbau für die neue Zucker- fabrik in Lage polnische Arbeiter. Vom wirthschaftlichen Ge- fichtspuntte muß man doch solche Verhältnisse für nicht wünschens- werth erklären."— Ganz gewiß find solche Verhältnisse nicht wünschenswerth! Dieselben führen erst recht zum Pauperismus, fie lösen das Familienleben auf und befördern die Ver- dummung. Diese wandernden Arbeiter find während des Sommers, wo fie strenge zu arbeiten müssen, sehr dedürfnißlos; Brod, Speck und Schnaps, natürlich alles schlecht, bilden ihre Nahrung und ihren ganzen Genuß. Im Schmutz begraben, in Erdhöhlen schlafend, so duseln die Leute den ganzen Eom- mer dahin. Kein Buch, kein Zeitungsblatt bekommen sie zu sehen, Kartenspiel und schlechte Spähe find ihr Sonntags» vergnügen und die ganze Gegend wird unstcher gemacht. Frau und Kinder kargen dabei zu Hause. Des Winters einige Wochen Schlemmerei und dann Vorbereitungen zum nächsten Sommerfeldzug. Natürlich existiren solche nomadischen Zu- stände in unserem Kulturstaat nur zur höheren Ehre Gott Mammons. Lohnreduktio«. Die bekannte Guanofabrik von Ohlen dorff auf Steinwärder bei Hamburg hat durch einfache Ver kündigung auf Plakaten die Löhne sämmtlicher Arbeiter um 16V, pCt. gekürzt. Wer da weiß, welche schreckliche Arbett die in solchen Fabriken geleistete ist, wer da weiß, daß ein gesun- der Mann höchstens 7-9 Jahre in einer Guanofabrik thätig sein kann, wenn er nicht dem baldigen Tode verfallen tvill, wer also weiß, daß ein solcher Arbeiter auch gut leben muß, um fich einigermaßen bei Kräften zu erhalten, der kann den Schrecken und die Entrüstung ermessen, von denen die armen Arbeiter beim Lesen der Plakate ergriffen wurden. Aus Dortmund kommt jetzt jede Woche in den Handels berichten die stereotype Nachricht:„Die Lage des Eisengeschäfts ist unverändert geblieben." Nun ist dieselbe aber eine recht schlechte und je länger fie recht schlecht bleibt, desto schlechter wird es. Dieses„unverändert" bedeutet für die Sir, bester immer größere Roth und in der That find gegenwärtig die Zustände in den westfälischen Kohlen- und Ersenrevieren recht traurige. Glücklicherweise! ist die Kartoffelemte in West falen eine ungemein ergiebige gewesen, so daß der Zentner Kartoffeln mit 1 Mark 20 Pf!- 1 Mark 50 Pf. bezahlt wird Auf die Dauer thun'S aber billige Kartoffeln auch nicht, nach dem bekannten Bonmot„Waffer thut's freilich nicht!" Die Berichte aus dem Elsaß über die dortigen wirth schafttichen Zustände lauten fortwahrend ungünstiger. Die Kammwollindustrie liegt schwer damieder. Verschiedene Fa. driken stehm still, in fast allen find Arbeitszeit und Löhne re- duzirt. Auch die übrigen Manufatturindustricn haben geringen Absatz. Die Lage der Eisenindustrie, welche sich in der letzten Zeit noch verschlimmert hat. wird als recht schlecht bezeichnet. Der Verbrauch hat sehr erheblich abgenommen, und da die Produktion kaum vermindert ist, so ist eine Ueberladung deS Marktes und ein so bedeutender Preisrückgang eingetreten, daß manche Werke mst Verlust arbeiten müssen. Dre Maschinen» fabrik zu Grafenstaden, welche noch 1400 Mann beschäftigt bat seit Beginn des JahreS die Arbeitszeit von 11 auf r Stunden herabgesetzt. Dank einem rm Jahre 1880 abge schloffenen Veitrage mst franzöfischen Eisendahngesellschasten war das Werk durch bedeutende Lolomotivlieferungen be. günstigt, von denen die letzten nur effettuirt find. Zur Zeit sind dre Geschäfte mit Frankreich erschöpft, und man hat in diesem Lande, welches«rne ha-nackrge industrrelleKrifizdurch. macht, zum großen Nachtherl für die elsasfi chen Werke die Anordnung getroffen, von dem zum Betriebe der Eisenbahn nöthigen Material so wenig als nur möglich außerhalb des franzöfischen Territoriums ausführen zu laffen.. Der Verlust dieses Absatzgebietes droht der elsasfischen Industrie verHang. nißvoll zu werden, denn der deutsche Markt, bearbeitet durch eine furchtbare Konkunenz, ist nur schwer zugänglich. Montanindustrie in England. Nach den Mittheilungen der Bergwerls-Verwaltung des vereinigten Königreichs Groß« britannien und Irland über die Vroduttion der Montan« Industrie im Jahre 1884 wird der Gesammtwertb der gewon- neuen Mineralien auf 61 232 023 Pfd. Sterl. geschätzt. Hiervon entfallen auf die Kohlen 43 446 183 Pfd. Sterl. und auf daS Eisenerz 4 463 275 Pfd. Steil. Aus letzteren war für 13 644 612 Pfd. Sterl. Eisen hergestellt. Die Kohlenproduttion zeigte eine ehr erhebliche Zunahme. ES wurden nämlich gefördert: 1860 80 042 698 Tons. 1865 98 150 587 TonS. 1870 110431 192 Tons, 1875 131 867105 Tons, 1880 146 818 622 Tons. 1884 160 757 779 Tons. Die Förderung hat fich also seit 1860 verdoppelt. Dieselbe erfolgte 1884 in 3554 Kohlengruden. In Großbritannien überschreitet die Kohlenförderung jetzt bei Wei« tem den einheimischen Bedarf; fie ließ im Jahre 1884 22 354 474 Tons im Werthe von 10 255 448 Pfd. Sterl. zur Ausführung übrig, während im Jahre 1379 nur 16442295 Tons im Werthe von 7 206 799 Pfd. Sterl. exportirt wurden. Die wichtigsten Importländer englischer Kohle find Frankreich und Deutschland: es wurden 1884 nämlich verschifft nach Frankreich 4 239 072 Tons im Werthe von 1 763 309 Pfd. Sterl., Deutschland 2 442203 TonS im Werthe von 918083 Pfd. Sterl., Italien 2 197 560 Tons im Werthe von 939 739 Pfd. Sterl., Rußland 1 463 069 Tons im Werthe von 646 145 Pfg. Eterl. Die gesammte Roheisenproduktion deS Vereinigten Königreichs HMef fich auf 7811 727 Tons, wozu 18 387 505 Tons Eisenerze und 16077 800 Tons Kohlen gebraucht wurden. Die 198 Mrke besaßen zusammen 908 Hochöfen, die gesammte RoheismiDarstellung bestand aus 5 222 745 Tons gewöhnlichem Rohchsen, 2 362 697 Tons Hämatiteisen und 226 285 Tons geleisen._ Vereine und Versammlungen. Berichtigung. Von Herrn Vaake erhatten wir folgende? Schreiben:„Die in Nr. 239 des„Berliner Volksblatt' ent« haltene„Berichtigung einiger Ungenauigkestm des Berichtes ider die Arbeiterinnen-Versammlung in Nr. 235 desselben Blattes" legt mir Aeußerungen in den Mund, welche meinen Anschauungen durchaus widersprechen und die niemals von mir gebraucht worden find: 1) Ich habe nicht gesagt:„Das Arbeiterschutzgesetz besser« nichts, sondern die jetzigen Zu« stände würden dadurch nur verlängert", sondern ich habe nur davor gewarnt, von der Einführung des MaximalarbeitstagcS zu viel zu erwarten; vor Allem vertrat ich gegen Herrn Kunkel die Anficht, daß der Maximalarbeitstag eine Steige« r u n g der Arbeitslöhne nicht herbeiführen werde, weil selbst bei vermindertem Angebot von Arbeitskräften doch durch die dann nothwendig eintretende Vermehrung des konstanten Ka« pitals(Maschinen. Werkzeuge) auf Kosten des veritabeln Kapi» tals das eherne Lohngesetz seine Richtigkeit beweisen würde. Im Allgemeinen ging ich in meinen Ausführungen von dem Standpuntte aus, daß durch Fabrikgesetze die kapttalisttsche Pro» duktionsweise niemals getroffen und die Klassengegensätze niemals beseitigt werden könnten, ich erkannte aber durchaus an, daß das Arbeiterschutzgesetz eine weitere Herabdrückung der Lebenshaltung der Arbeitet verhindern und eine langsame Er- höhung derselben herbeiführen werde, vorausgesetzt, daß Reichs» tag und Regierung eS annehmen würden, woran zu zweifeln ich mir allerdings erlaubte. Gegen daS Arbeiterschutzgesetz zu sprechen konnte mir niemnls in den Sinn kommen; daß ich aus einem anderen Gefichtspuntte heraus für lebhafte Agitation und Petition an den Reichstag um Einführung desselben eintrete, als alle diejenigen, welche so naiv find zu glauben, diese Agi« tation würde die henschenden Klassen zu namhaften Konzessionen veranlassen, wird mir kein überzeugungstreuer Arbeiter zum Vorwurf machen. 2. Ich war und bin nicht gegen die Be- schränkung der Frauenarbeit, sondern gegen das Ver« bot derselben. Der Unterschied dürfte klar sein. Ein vollkommenes Verbot der Frauen< Arbeit, wie eS die ultramontane aber niemals die sozialdemottatische iartei gefordert hat.— ist eine Utopie, solange die deutsche ndustrie für den Weltmartt arbeiten will, und abgesehen da« von, waS viel schlimmer ist, eine Ungerechtigkeit gegen die Frau selbst, deren Entmündigung dann für alle Zeit desteaelt wäre. Nur die ökonomisch selbstständige Frau kann politische und rechtliche Gleichstellung mst dem Manne erlangen. Die heutige Gestaltung der industtiellen Frauenarbeit beweist wohl sehr viel gegen die privatwirthschaftliche Gestaltung der Lohn« arbett an fich, deren krasseste Form fie ist. aber nichts gegen dre Frauenarbeit übei Haupt. Erne Beschränkung der Frauen» arbeit hingegen in dem Maße, wie das Arbeiterschutzgesetz eS verlangt, liegt selber im Interesse der arbeitenden Frau- es avap ÄfrÄSir». tigungen, welche aus jener einen Versammlung entstanden find. nun definitiv abgeschlossen. *. m nr. �brtk- und Handarbeiter Berlins richtet der Vorstand des Vereins zur Wahrung der materiellen Jn- tereffen der Fabrik und Handarbeiter folgenden Aufruf: Ar- bester! Kollegen! Wiederum steten wir mit der Aufforderung an Euch heran: Sammelt Euch zur Wahrung Eurer Jnter« essen! Täglich hört man klagen über die jetzigen Verhältnisse, welche uns nicht ermöglichen, ein menschmwüiviges Dasein zu führen. Ueberall entstehen und bestehen Fachvereine, welche berufen find, für das Wohl der Berufsgenossen einzutreten, die Interessen derselben zu fördern und zu wahren. Selbst die Frauen der Arbeiter haben fich aufgerafft und Vereine gegrün» bei. um mitzuarbeiten rn dem geistigen Kampfe zum Wohle des Einzelnen wre der Gesammtheit. Sollen wir hinter den Frauen zurückstehen, wollen wir uns durch diese beschämen laffen s Dre Antwort. Kollegen, könnt Ihr Euch selbst geben. Erwacht aus dem geistigen Schlafe und ermannt Euch, tretet ein für Eure Rechte, denn an Euch selbst liegt es. wenn Eure Lage verbessert werden soll. Der Verein zur Wahrung der materiellen Interessen der Fabrik- und Handarbeiter Berlin? bat es fich zur Aufgabe gemacht, für die Interessen der Fabrik- und Handarbeiter einzusteten, für Euch, die Ihr keine destimmte Profesficn erlernt habt. Schließt Euch dem Ver« eine an, Mann für Mann, dann wird auch etwas Ersprieß« liches für Euch geschaffen werden können. Am Sonntag, den 18. Oktober, Vormittags 10 Uhr, findet eine große Versamm- lung der Fabrik- und Handarbeiter Berlins statt im Lokale Sanssouci, Kottbuserstraße 4a. Tagesordnung: Das Unfall« verstcherungsgesey. Der Referent wird an den Anschlagsäulen bekannt gemacht. Fehle also Niemand, erscheint zahlreich in dieser Versammlung. Alle Arbeiter ohne Unterschied find zu dieser Versammlung eingeladen. Frankfurt a./M., 13. Ottober. Der Wollapostel Prof. Dr. Jäger hielt gestern hier im Saale deS Kaufmännischen Vereins einen eiwa zweistündigen Vortrag, in welchem er wiederum eifrig Propaganda für das„Wollregime" machte, aber wesentlich neue Argumente für seine Anfichten nicht vor« brachte. Jn nicht uninteressanter Weise» so berichtet die „Franks. Zeitung", setzte er auseinander, was ihn auf die Nützlichkeit des Wollregimes geführt habe. Die an Turnern und Soldaten gemachten Beobachtungen, unterstützt durch die Ergebnisse der Militärstatistik, hätten unwiderleglich bewiesen, daß die sogenannte Abhärtung des Körpers, d. h. die Aus« scheidung von Fett und Wasser zu Gunsten des Eiweiß und der Salze, denselben widerstandsfähiger gegen Krank- heiten, namentlich gegen die Einflüsse der Witterung und die daraus entstehenden Erkättungskrankheiten mache. Nun sei aber eine solche Ausscheidung und damit die Ab- Härtung durch Gymnastik nur so lange vorhanden, als die Gymnastik getrieben werde und mit ihrer Aussetzung stelle fich auch wieder die Verwetchelung ein. Die Wollklndung unterhalte jedoch diese Ausscheidung von Waffer und Fett aus dem Rßrptt stetig, fie Härte dadurch den Körper ab und sei deshalb ein Schutzmittel gegen Erkältungskrankheiten, ja sogar ein Mittel der Heilung von denselben. Herr Jäger eizäblte seine eigene Krankheitsgeschichte als Bestätigung setner Theorie. Er sei, alS er vor sieben Jahren begann, wollene Kleivuna zu tragen und unter wollenen Deckm bei offenem Fenster zu schlafen, asthma- tisch gewesen, habe an Sodbrennen, Hämorrhoiden, Krampfadern gelitten, sei grau gewesen, während er heute als 35 jähriger Mann gesunder sei alS zu seiner Studentenzeit und es, was Widerstandsfähigkeit anlange, mit jedem Pferde aufnehme. Auf« fällig war es jedenfalls, daß Herr Jäger, welcher so vollwarm für sein Regime eintrat und es als Schutzmittel gegen Erkältungen pries, während deS Vortrags öfters hüstelte. Hatte er sich erkältet, weil er dem guten Ton die Konzesfion gemacht hatte, im Frack am Rednerpult zu erscheinen?— Doch nein: es war ja ein Wollfrack, über der Brust zweireihig zugeknöpft, um den Hals fest an- schließend und drall wie Trikot auf dem Körper fitzend, aber kleidsamer alS der sonst übliche Schwalbenschwanz war er ge- wifj nicht, und man darf doch dahingehende Anforderungen an Herrn Profeffor Jäger'S Kleidung stellen, da er nach seinen Auseinandersetzungen unsere Tracht nicht nur in gesundheit- licher, sondern auch in schönhettlicher Beziehung reformiren will. AlS Herr Profeffor Jäger auf seine Theorie von den Selbst- giften und Selbstarzneien, welche der Mensch an der Hautober« fläche produzire, zu sprechen kam, setzte er seine Ansichten in oft sehr drastischer Weise auseinander und gebrauchte häufig Bezeichnungen, welche die Grenze des Schicklichen in einer Ver- sammlung, m welcher auch Damen anwesend find, hart berührten. Herr Jäger wiederholte, wie er ausfindig gemacht, daß der Mensch moschusartige Wohlgerüche namentlich an den Haardrüsen produzire, daß dieser Haardust eine sanitäre Wirkung habe, und fuhr in seiner Auseinandersetzung fort:„Als ich im vorigen Jahre anfing, diesen Stoff auf Flaschen zu ziehen, um ihn für die Menschheit nutzbar zu machen, da ging ein Haupthalloh los und überall hieß eS, der Wolljäger sei nun gar verrückt!" — Daß auch im Saale auf diese Worte ein„Haupthalloh" folgte, ist kaum zu verwundern, und daß Mancher unter den Anwesenden der letzterwähnten Anficht zustimmte, darf ihm vielleicht auch nicht Übel genommen werden. Herr Jäger meinte zwar,„die Sache ließe fich jedem Schafskopf beweisen." Er knüpfte hieran eine Einladung nach der alldeutschen Trink- stube, wo er den Beweis antreten wolle; die ganze Bersamm« lung war fteundlich geladen; wir find neugierig, ob Viele fich an diesem Anthropinkügelchen.Frühschoppen beldeiligt haben. Herr Jäger scheint dank seiner Theorie und— Praxis genug in der Wolle zu fitzen, um gastftei im großen Stile sein zu können. Auch als er seinen Vortrag geendigt hatte, ließ er es fich nicht nehmen, die Anwesenden zu einer gemüthlichen Kneiperei im Saale einzuladen. Die meisten der Zuhörer aber gingen nach Hause. München, den 13. Oktober. In einer sehr zahlreich be- suchten öffentlichen Versammlung der Metallarbeiter sprach der Reichstagsabgeordnete Herr Grillenberger über:„Die Lage der Metallarbeiter Deutschlands und über den Nutzen der gewerk« schaftlichen Organisation". Die vortreffliche Krittk der be» stehenden ökonomischen Verhältnisse, die auf statistischem Material bafirende Darstellung der Arbeiterfrage und der Lage der Metallarbeiter insbesondere, wurde mit großem Beifall aufgenommen. �.« Zentral« Kranken- und Begräbnihkasse der Buch« binder. Sonnabend, den 17. Oktober, Abends 9 Uhr, rn Gratweil' s Bierhallen, Kommandantenstr. 77—79, Hauptversammlung. Tagesordnung: Die Abrechnung pro 3. Quartal, sowie Stellungnahme zur ordentlichen Generalversammlung. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen sollte kein Mrtglied in dieser Versammlung fehlen. Der Verein der Berliner Bauanschlager veranstaltet am Sonnabend, den 17. d. M., in Orschel's Salon. Sebastian- siraße 39, ein Kränzchen. BilletS find zu haben der Herrn ZentrallKra!nk'en- und Sterbekasse der Drechsler und verw. Berufsgenoffen,(E. H.), Verwaltungsstelle Berlm v. Mater. Opernhaus. Heute: Der Freischütz. Schauspielhaus. Heute: Was ihr wollt! Deutsches Theater. Heute: Der Weg zum Herzen. Frtedrich-Wtlhelmktädtisches Theater. Heute: Offenbach« Cyclus. OrpheuS in der Unterwelt. »testden,-Theater. Heute: Theodora. Wallner-Theater. Heute: Sie weiß etwas. Hierauf: Papageno. Velle-Sllltanee-Theater. Hmte: Die Leibrente. Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Don Cesar. Viktoria-Theater. Heute: Meffalina. «entral-Theater. Alle Jakobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heut«: Zum 77. Male: Die wilde Katze. GesangSposse in 4 Akten von W. Mannstädt, MufU von G. Steffens. Louisenstädtische« Theater. Direktion: Jos. Firmans. Heute: Der Maskenball. Osteud-Theater. Heut«: Gastspiel der Liliputaner. Die kleine Baronin. Theater der Steichshallen. Täglich: Aufreten sämmtlicher Spezialitäten. Ameriean-Theater. Täglich: Auftreten sämmrlicher Spezialitäten. Kaufmann's Vnrlet�. Täglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. Konkordta. Täglich: Auftreten sämmllicher Spezialitäten und theatralische Vorstellung._ Alhambra-Theater. Wallnertheatersiraße 15. Heute zum 6. Male: In Leid und Freud. Lebensbild mtt Gesang in 4 Akten von A. Elottko. Vor der Vorstellung: Großes Konzert der Hauekapelle. Anfang deS Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Bons haben Wochentags Gittigkeit. Morgen: Dieselbe Vorstellung.__ Passage I Treppe. Geöffuet von 9 Uhr Morg. bis 10 Uhr Ab- Kaiser Panorama. Diese Woche: Eine Reise durch Oesterreich. Sine be« nueme Wanderung durch Rom. Sertha-Reise. Karolinen. Inseln» Reise 20 Pf.. Kinder 10 Pf. 12450 ort», Nordost und Nordwest). Sonntag, den 18. Oktober, ormittaas 10 Uhr, Versammlung in Woltag'S Lokal, Loth- ringerstraße 59. Tagesordnung: Quartalsabrechnung. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Retallar- beiter(E. H. 29. Hamburg) Filiale Berlin 8. Gesundbrunnen, Mitgli-der-Versammlung, Sonnabend, d. 17. Oktober, Abends 7Va Uhr, in Weimann's Volkszarten, Badstr. 54—56. Tagesordnung: 1. Kassenbericht pr. September. 2. Die Erhöhung der Beiträge. 3. Wahl eines stellvertretenden Kasfirers. 4. Verschiedene?. Die Zahlstelle Stettinerstr. 19 bei Kupsch ist aufgehoben. Die Versammlung des Arbeiterinnen Vereins konnte am Donnerstag nicht stattfinden. Dieselbe ist nun für Dienstag festgesetzt. Verein sämmtlicher BernfSklasse«. Berlin 4(Einge- schriebene Hilfskaffe). Sonnabend, den 17. Ollober, Abends 8'/» Uhr, Mitglieder-Versammlung. Flottwellstraße bei Kuß. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Töpfer und Berufsgenossen Deutschlands(Oertliche Verwaltung Berlin, Eingeschr. Hilfskasse 39). Freitag, den 16. d. M., Abends 7 Uhr, bei Herrn Seefeld, Grenadierstr. 33: Mitglieder-Versammlung. Quittungsbuch lcgitimirt. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Korb- macher feiert morgen, Sonnabenv, den 17. Oktober, sein Stiftungsfest in der„Urania" Wrangelstraße 9 und 10. Anfang Abends 8V» Uhr. Vereinigung deutscher Schmiede. Sonnabend, den 17. Oktober, AhenvS 8'/- Uhr, Miiglieder-Versammlung. Nur Mitglieder und solche Kollegen, welche dem Verein beitreten wollen, haben Zutritt._ Kleine Mittheilnngen. Hamburg, 14. Oktober. Die Kunde von einem schreck- lichen Unglücksfalle durcheilte in den ersten Abendstunden un- sere Stadl. Noch ist der vor ca. 2 Jahren pasfirte Häuserein« stürz in der Rostocker Straße nicht vergessen, bei dem aller- dings nur 3 Häuser, aber kein Menschenleben vernichtet wurde, und schon wieder ist über ein ähnliches trauriges Vorkommniß, diesmal freilich mit schlimmerem Ausgange, zu berichten. An der Ecke der Kaffamacherreihe und des Svecksplatzes wurde ein großer vierstöckiger Neubau aufgeführt, der schon bis zum Dache gediehen und am letzten Sonntage gerichtet war. Dieser stürzte heute Abend gegen 5 Uhr, kurz vor Feierabend, mit donnerähnlichem Gelöse zusammen und begrub mehrere Menschen unter seinen Trümmem. Wie viele Arbeiter verunglückt find, ist noch nicht festzustellen. Herausgeschafft wurden bisjetzt2Todteund 2 Schwerverletzte, unter den Trümmern sollen fich aber noch sechs Handwerker befinden, die wohl sämmtlich mit diesem Leben abgeschloffen haben werden. Wie so oft in ähnlichen Fällen, so ist auch hier wieder von einigen wunderbaren Ret- tungen zu berichten. Zwei Klemxnergehilfen, die oben am Dache an dem vorspringenden Thurm beschäftigt waren, ge- langten, vom Brettergerüst getragen, abgesehen von einigen leichten Wunden, von schwindelnder Höhe glücklich zur Erde. Ein Kind, welches auf dem vor dem Bau liegenden Sand- Haufen spielte, wurde knapp eine Minute vorher von der Mutter in die gegenüber befindliche Wohnung aeholt. AlS die Mutter gleich darauf ein donnerähnliches Geräusch vernahm, eilte fie bestürzt wieder auf die Straße und erblickte zu ihrem Schrecken das große Haus nicht mehr. Die Feuerwehr eilte sofort auf die Unglücksstätte und ist jetzt mit den Abräumungs- arbeiten beschäfttgt, die aber nicht ungefährlich find, da auch ein Nebenhaus gefährdet ist. Frankfurt a./M., 13. Okiober. Der Zentral-Verband der deutschen Gastwirthe verfolgt noch immer das Ziel, daß die Berechtigung zum Ausschänken von Branntwein keinem Wirthe vorenthalten werden soll. Einstweilen Helsen fich jedoch die Wirthe in anderer Weise und verschaffen sich Hotel- Konzcsfionen, welche den Nachweis von drei Logir-Zimmern bedingen. Um fich ein Bild zu machen, in welchem Umfange von diesem Auskunftsmittel Gebrauch gemacht wird, theilt die „Kleine Presse" folgende Zahlen mit. Ende 1884 bestand Frankfurt 77 Hotels; in diesem Jahre find bereits 134 Konzessionen ertheill. Ist der Wirth im Besitz der. Konzesfion, so kann ihm das Ausschänken von Spirituosen» mehr untersagt werden. München, 13. Oktober. Das Militärverbot für Kolosseums- Bierhalle wird demnächst wieder aufgehob der Restaurateur Herr Götzensberger das Versprechen die Lokale künftig nicht nicht mehr für politische Versammli abzutreten. So wird daS dem Volke gesetzlich garanttrte! sammlungsrecht illusorisch gemacht. Altona, 13. Oktober. Ein Geständniß hat der Mordes und Mordversuchs an den Eheleuten Stephan Nienstedten an der Stecknitz vom letzten Schwurgericht f Tode verurtheilte Anbauer Pöhls dem UntersuchungSri» gegenüber gemacht, nachdem von Leipzig die Verwerfung? eingelegten Revision eingegangen ist. Pöhls gesteht zu.' Tod der Eheleute veranlaßt zu haben, will indessen diese HS lung nicht mitUeberlegung ausgeführt haben. Nach demGeständ will er von Stephan beschimpft und angegriffen worden sein» hierüber in Wuth gerathen, den alten Mann bis zum M deS Todes mit dem Koos gegen den Boden geschlagen W Ebenso will er erst durch den Angriff der Frau, die mitcjj Beile zur Verlheidigung ihres Mannes herbeieilte, zum»- gehen gegen diese gereist sein und dadurch deren Tod bs» geführt haben. Da in der betreffenden Gerichtsverhandl» von sämmtlichen Zeugen bekundet worden ist, daß der> storbene Stephan ein intriguanter, streitsüchtiger Mensch* der fich nicht einmal mit seinem eigenen Schwiegersohn> tragen konnte, so ist anzunehmen, daß, wenn PöhlS W Geständniß vor der Gerichtsverhandlung abgel Straftbat in milderem Sinne, als Todtschlag, den wäre. qualisizirt* Uermischtes. Ein poetischer Erguß. In der„Breslauer Ztg."' 13. d. findet fich— zwischen den Sinzeigen des Standtt« und der Bekanntmachung eines Krankenhospitals— ein* an Professor Graes, das so packend und rührend ist, dat' es unfern Lesern nicht vorenthalten dürfen. Es lautet: J 1) Warst ein großer Maler,- 1 Ruhm umstrahlt Dich hell, Stakst voll idealer Träume, Kunst Gesell! 2) Doch zu dem Gerichte Zente man Dich roh, Dich und Deine Gedichte: Meintest Du es so? 3) Deiner Kunst Berather Dir ein Mädchen war— Du ihm nur ein Vater, 4) Hast ja weißes Haar. Keusch n war'n Deine Triebe Gleich von Anfang an; Doch es schmäht dre Liebe Der Modellstehmann. 5) Kunst, lordeerbelaubte, Wie wardst Du gekränkt, Ach! auf Deinem Haupte, Ward der Kranz versengt. 6) Doch des Volks Gerichte Sprachen ja Dich ftei.— F eck der Weltgeschichte! Gut, daß eS vorbei. � Gut, daß es vorbei! dachten nach der Lektüre det Strophen auch wir. Unterzeichnet ist das herzbewege" dicht Fr. K. und es stammt also wohl aus der Feder kannten Dichtenn, die mit den Erzeugniffen ihrer Mu fach einen riestgen, nur leider nicht gewollten Heite' davongetragen hat. August Herold Berlin SO, IIS Skalitzerstrasse IIS. Möbel-, Spiegel- mul Posjlemaarm Magazin U ___ Eigen» Fabri». 8oM» fr«!««. Prompt» Bedienung— Möbclpolirer! Rüstet Euch zur Neu< Organisation! Central-Kranken-... Sterbekaffe der Drechsler und verw. Berufsgenoffen Deutschlands iE. H. Nr. 48, Hamburg), örtliche Verwaltungsstelle Berti« B Mitglieder-Versammlung Sonntag, den 18. Oktober. Vormittag» 10 Uhr, Martannenstraße 31/32(Jndustriehallen). Tagesordnung: 1. Geschäftliche». 2. Raffen« Bericht. 3. Verschiedenes.[2459 Die Zahlstellen befinden fich: l. Reichenbergerstr. Nr. 24 bei S ch r ö d e r; u. Skaliyerstr. Nr. 65 bei M u n s k e; Hl. �Ncueingerichtet) Prinzen- und Ännenstraßen-Ecke Außerdem wird für die Mitglieder, welche in Rixdorf wohnen, daselbst vom 1. November ab auch noch eine Zahl- stelle errichtet werden, über welche in der Versammlung nähere» bekannt gemacht wird. Ueberall werden die Beiträge nur Sonnabends von 8—10 Uhr Abends in Empfang ge« nommen. Kranken und Medizinscheine werden nur ausgestellt bei Herrn Aug. Holefleisch, Manteusselstr. 44 vom 4 Treppm und nur Wochentags Abimds von'/,8— V,9 Uhr. Central-Kranken- u. Begräbnisskasse der Buchbinder(E. H.). Sonnabend, den 17. Oktober d. I, Slbends 9 Uhr, in lÄialWtil's Bioihaäeu, Kommandantenstr.77/79, Haupt-Bersammlung. Tagesordnung: Kassen- und Geschäftsbericht pro 3. Quartal. Stellungnahme zur außerordmllichen Generalversammlung. Quittungsbuch legitimirt. 2460)_ Der Vorstand. Ein Stand neuer Betten bill. z. vk. Waldemarstr. 67. 4 Tr. l. Fachvereln der Tischler Montag, den 19. Oktober. Abends SVi Uhk» in Jordan's Salon. Neue Grünstr. 28, Ocdeatliche General- versammluoS' Tagesordnung: 1. Kaffenbcricht. 2. Bericht des der Bevollmächtigten und ArbeitSoermittler. 3. Ersatz!� Vorstandes und der Aibeitsvermittelungs Kommission, tg misfionsbe richte. 5. Antrag auf Abänderung des böhung der Beiträge und Zahlung einer Unterstük-Z Arbeitslose). 6. Verschiedenes._ Der Vor Der Arbeitsnachweis des Vereins zur Wah Interessen der Klavterarbeiter befindet fich naw Skalitzerstraße 18 bei Stramm. Allen Freunden und Bekannten empfehle mein Sehnhwrnarea Genchäf« von selbst gefertigten Herren-, Damm- und Kinder-i dm hilligsten Preism. Bestellungen nach Maaß, Fußlcivcnde, sowie Reparaturen jeder Art werden i® aetneaen zu soliden Preism ausgeführt. i 23161__«. Wotiack, Müllerstk-5> VSss" Flöten-August spielt jetzt WienerstraßeJ� A. Fricke. Rechtskonsulent. Berlin 0., Blu-Ntt� 5] Ardettsmarkt. � Gin im Maschinenbau und Werkzeugmachen «chiosser, welcher auch an der Drehbank gut wünscht passende Beschäftigung. Gute Zeugnisse ß% selben zur Verfügung. Gefällige Slnfragen wolle f Schubert, Eisenbahnstraße 30, richten._____ _ Ein junger Mensch, der fich auf Röcke cinai�f findet Beschäftigung Grünauerstraße 9. Ein junger Mmsch� der fich auf Röcke n Tüchttge Strickmaschinen auf Westen»erlangt -Arbeiter oder Ar�e� Grautzow. Alexander-S�� stt-5� Dienstboten erh. gute Stellm Ackerstr. 133,��1 Gesellen a. Möbel in FliedrichSberg. Blumenlhal�� 2452 2? wei tüchtige Verantwortluher Redakteur R. Crouheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading[w Berlin SW., Beuthstraße 2.