Nr. 246. Mittivoch» deu 21 Oktober 1883. II. Jahrg. Ihr: lu«! crliiurMblilall Krgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 9 t fiii» J"j ifgtnjj iM iUhr. [ftr.): ibnettf i oei» omi1' fatk* Pcrfc4 letia� cmftj. Jasertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pt, Bei größere» Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Anno»««- Bureaux, ohne Erhöhung de« Preises, angenommen. Kriwlitiim: Kenchstrxße s.— Grpein«»»: Zimm-rstraße 44. llntinnnllilitrnlc Spiezelfechtcreieu. Man kann sich denken, daß die N"' r"~ »eilen das Bedürfniß haben, sich vor dl verde», als ob sie wirklich„liberal" ir die Nationalliberale» zudem Publikum zu ge» »t» uv i«, wumu, im guten Sinne des «Sorte« seien.„Liberal" bedeutete ursprünglich„fteisinnig"; Ii* an" �ationalliberalismu« aber ist dies einst volksthüm- Rr(«*f rt f0» Verruf gekommen, daß man in weitere« Alle« darunter versteht, was politisch unangenehm, :*nJ)asti«, unzuverlässig und inhaltslos ist. Wenn heute hftfi �inen politischen Charakter damit bezeichnen will, *® � sagt:„Ich bin liberal!" so wendet man sich ab und rf:„Da« heißt gar nicht«!" ES ist den Nationallibera- f. f.* boch nicht angenehm, die Achtung weiter Volks« "�sse eingebüßt zu haben, wa« der Fall ist, seitdem diese Part« sich gu einer bedingungslosen Gefolgschaft eine« jeden yerrschendea Systems gemacht hat, gleichviel, ob dieses System ltderal oder konservativ ist. Deshalb macht diese Partei —----..... m« r_____ WOKl lÜIl|ClÜUilÜ l|A. v»v(v zeiweise den Versuch, wieder in dieser oder jener Besiehung al«„fteisinnig" zu erscheinen. Daß diese Versuche mit poli» tischer Heuchelei eng verknüpft sind und daß die National- T 1 f w I" m.• m» /-x» |»HV—..V vwp V.» liberalen damit egoistische Zwecke verfolge», versteht sich ganz »on selbst. Man erinnert sich noch, daß während der letzten Wahl- bewegung die„Kölnische Zeitung" mit einem Male sich da- hin aussprach, es fei an der Zeit, zu untersuche«, ob man da« Eosialistengesetz nicht entbehren könne. E» gab auch Leute, die das emsthaft auffaßten. Allein zu Köln befanden sich damals die Nationalliberalen in einer Stichwahl mit den Ultramontanen und mit den erwähnten Andeutungen in Bezug auf das Sozialistengesetz sollten die Stimme» der Arbeiter für den nationalliberalen Kandidaten eingefangen werden. Die Arbeiter aber merkten den Braten und gingen auf die nationalliberalen Liebenswürdigkeiten nicht ein. Als die Wahl zu Ungunsten der Nationalliberalen ausgefallen war, rächte sich die„Kölnische Zeitung" nachher da- durch, daß sie strenge Anwendung des Sozialistengesetzes empfahl. Das hätte sie allerdings auch gethan, wenn die Arbeiter auf de» Leim gegangen wären und für den nationalliberalen Kandidaten gestimmt hätten. Eine ähnliche Leimruthe wird gegenwärtig wieder von deu Nationalliberale« ausgesteckt. Der famose Professor ??»ist,„der Mann, der AlleS beweisen kann", ist bei den «tzten Wahlen in Schlesien durchgefalle«, möchte aber gem 0"°» in den Reichstag. Da er nun im Hirschberger TT'* bei der Nachwahl als Kandidat der Nationalliberalen werden soll, so glaubte er seine nicht sonderlich -ahlauSfichten zu verstärke», wenn er eine»„wahr- liberalen" Ausspruch that. Er meinte deshalb in einer r y Ii .... V« oer-Jtacyroaqi 0 aufgestellt werden soll. s° großen WahlauSstchten zu.. t 8] -S' V S Jeuilleton. Die Hand der Uemefts. Roma« von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Haben Sie ihm das vorgehalten V fragte er. „Zawohl." „Und wa» antwortete er darauf?"_.... habe." � keine« Wortstreit mit dem Doktor gehabt ?MsMN d« Ueberlegung. und ich habe Halm stets für eme» ruhigen unb vernünftigen Mann gehalten." ....„Ruhe und Vemunft kommen dem Menschen in Augen- °«cken aufwallender Leidenschaft oft abhanden," erwiderte wa lent Zeugenaussage unterstützen." »Und worin bestehen dieselben?" i„3n der Waffe, mit welcher der Mord verübt wor- * lsi." , Der Gutsbesitzer iheiluna ichim ihm im die Brauen empor, diese Mit- ien Trade zu überraschen. F'»-?? Si7Z.« ÄL SR»: "W 9"w oder wenigsten« die in demselben enthaltenen Bestimmungen über die Presse fortfalle» zu lassen. Als ob es irgend Jemand gäbe, der glaubt, daß eS dem Herrn Professor damit ernst sei! Aber die Natioaalliberalen fanden diesen„Tedanken" ihre« Führers sehr fein und sofort ging das nationalliberale Preßbureau an die Arbeit, das von dem Herrn Professor so schön begonnene Spiel weiter zu führen. Man sandte Ar- tikel an alle nationalliberalen Organe, in denen es hieß, eS sei endlich Zeit, zu erwägen, ob man das Sozialisten- isetz nicht fallen lassen könne; dabei wurde behauptet, in ..egierungSkreisen habe sich die Anschauung Bahn gebrochen, eine abermalige Verlängerung des Sozialistengesetze« sei nicht mehr zeitgemäß. Der Zweck dieser Manöver ist nicht zu verkennen. Die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause sind nahe und die Herren Nationalliberalen glauben ihre WahlauSsichtwk u erhöhen, wenn sie sich„liberal"— im guten Sinn�ves Worte«— stellen. Sie haben dabei nur die Nennung ohne den Wirth gemacht. Von denen, die an die National» liberale Spiegelfechterei glauben sollen, glaubt eben kem Mensch daran. Man hat diese Kunststückchen schon zu oft aufführen sehen und man weiß auch ganz gut, daß die Nationalliberalen die L e tz t e n sind, die auf das Sozialisten» gesetz verzichte«. Einige ofsiziöse Korrespondenten haben sich beeilt, zu er- klären, die nationalliberalen Auslassungen seien unwahr und die Regierung denke gar nicht daran, auf die Verlängerung des Sozialistengesetzes zu verzichten. Speziell der Herr Reichskanzler wolle das Sozialsten gesetz mindestens so lange haben, bis„das sozialpolitische Programm der Regierung" durchgeführt sei. Diese Erklärung war überflüssig. Daß die Regieru« so leicht nicht auf das Sozialistengesetz verzichten wird, weif Jeder, der ihre Taktik bei solchen Fragen mit nur einiger Aufmerksamkeit beobachtet hat. Wie die Nationalliberalen wirklich zur Frage de« Sozialistengesetzes stehen, da« ist auch kein Teheimniß. Man darf dabei nur an die Karlsruher Wahlen erinnern. Der frühere Reichstagsabgeordnete für Karlsruhe, ein Banquier Schneider, stand 1881 in der Stichwahl gegen einen Konservativen. Er versprach, nicht für das Sozialistengesetz zu stimmen und so gaben ihm dre Arbeiter ihre Stimmen, wodurch der konservative Kandidat unterlag. Herr Schneider hielt sein Wort, so sehr ihm seine politischen Freunde auch drängten, es zu brechen. Gewiß ein seltener Fall unter den Nationalliberalen! Unseres Wissen« fehlte Schneider ab- sichtlich bei der entscheidenden Abstimmung über die letzte Verlängerung de« Sozialistengesetzes. Seine Parteigenossen konnten ihm aber nicht so leicht verzeihen, daß er sein Wort sein. Die Büchse, aus der die Kugel abgefeuert wurde, ist in der Hütte de» Verhasteten seiner Zeit gefunden worden." Rabe hatte sich von seinem Sitze erhoben, um da« Feuerzeug zu holen, welche» auf einer Etagere stand. Er zündete die erloschene Zigarre wieder an, und wäh- rend er die« that, ruhte sein stechender Blick forschend auf dem Antlitze des Assessors. „Ist es in der That dieselbe Büchse?" ftagte er. „Die Sachverständige» haben ihr Gutachten dahin ab- gegeben, daß die Kugel, welche den Doktor getödtet habe, genau in den Lauf der Büchse passe." „Sollte sie nicht ebenso wohl in den Lauf emer anderen Büchse passen? Die Gewehrfabriken arbeiten nach der Schablone, sie liefern Tausende von Waffen, die dasselbe Kaliber haben!" „Aber diese Büchse war kurz zuvor abgeschossen wor» de», und man fand sie unter den Dielen de« Fußboden«. Sie werden zugeben, daß dies ein sehr seltsamer Aufbewah- rungSort ist." „Gewiß, aber darüber kann ja Zeder seine eigene An ficht habe». Halm mird leugnen, daß diese Büchse fem Eigenthum war." „Er hat die« bereits zugestanden." „Wirklich? Ohne jede Bedingung?" „Er hat gesagt, er erkenne sie al« sein Eiaenthum an, mit dem Hause und dessen Inventar sei sie in Ihren Besitz übergegangen." „Mit dem Hause und dessen Inventar?" ftagte Rabe, der diese Worte nicht zu verstehen schien. „Er behauptet, da« HauS mit Allem, was eS enthielt, Ihnen verkauft zu haben, um sich die Mittel zur Bestreitung der Reisekosten zu verschaffen." „Ja so, aber er hat e« ja nicht mir, sonder» meiner Schwester, der Frau Generali», verkauft." „Sie vermittelten da« Geschäft?" „Allerdings, weil meine Schwester erkrankt war. Von einer Büchse war aber dabei keine Rede." „Da« behauptet Halm auch nicht," erwiderte Siegfried, „und e« ist ja sehr wahrscheinlich, daß er in dem Augen- gehalten hatte— bei der nächsten Wahl, im Jahre 1885, wurde ein anderer nationalliberaler Kandidat aufgestellt, dessen„Gesinnungstüchtigkeit" dafür bürge« konnte, daß er für da» Gesetz stimmen werde. Wenn deshalb ein Nationalliberaler sagt, er werde gegen das Sozialistengesetz stimme«, so lacht man ihm laut in« Angesicht. Der einzige Fall, in dem eine solche Ver» sicherung glaubwürdig wäre, würde dann einttete«, wenn die Regierung selbst gegen da« Gesetz wäre und nur dre Konservativen eS auftecht erhalten wollte«. Dieser Fall wird wohl schwerlich eintreten. Unbulfteiflich ist nur, wie die Nationalliberale» glauben können/Ao plumpe Manöver seien geeignet, ihre Chanze« fü�K nächsten Wahlen zu erhöhen. Die lemlfpoi" und der Schnaps. Die Herren Pastoren und ihr Anhang find wieder tf wT Tt______* C--- W- f-........--" wie je seinen Umgang und suchet, wen er verderben!ann. AIS Mittel zu seinen Zwecken bedient er fich der Schnaps- flasche, mit deren Hilfe er die Menschheit fort und fort auf die Bahn des Lasters führt. Die Gesundheit und das Familien- leben werden durch den übermäßigen Branntweingenuß aufs Tiefste untergraben. In diesem Tone unterhielten fich die frommen Herren auf der General-Synode und schließlich wur- den fie dahin einig, daß die Gesetzgebung gegenüber dem Laster der Trunkenheit viel zu nachsichtig sei. Dieser Laxbett sei es zuzuschreiben, daß die Trunksucht immer größere Di- menfionen annehme und daher müffen schärfere Bestimmungen in die Gesetzgebung aufgenommen werden. Und nun formu- lirten die Herren folgende Vorschläge: hockwürdige Synode wolle beschließen, den evang. Ober- Kirchen-Rath zu ersuchen, bei der königl. Etaatsregierung dahin vorstellig zu werden, daß 1) Personen, die in trunkenem Zustande auf der Straße oder im WirthShause angetroffen, für straffällig erklärt werden; 2. daß diejenigen Wirthe, die Trunkene in ihrem Lokale dulden oder an Trunkene geistige Gr tränke verabreichm, be- straft werden' 3. daß Gewohnheitstrinker auf Anttag der zuständigen Behörde in einem Asyl untergebracht werden; 4. daß die Gesetze zur Bekämpfung der Trunksucht mit aller Strenge gehandhabt werden; 5. daß der Verkauf de» Branntweins durch Erhebung einer hohen Steuer beschränkt und 6. daß die Trunkenheit bei begangenen Verbrechen nicht ferner als MilderungSgrund gelte." Als letztes Mittel, wenn kein anderes mehr verfängt, soll dann noch„eine umfaffende Seelsorge" angewendet werden. Jnbetreff der ersten 5 Puntte herrschte volle Einigkeit, nur blicke, in welchem da« Geschäft abgeschlossen wurde, an jene Waffe nicht gedacht hat. Sie ist gefunden worden, al» die Hütte abgebrochen wurde, erinnern Sie sich dessen nicht mehr?" Nein." %Da«« wurde Ihnen vielleicht nicht« davon mitgetheilt," sagte Siegfried, indem er aufstand.„Die Büchse war, wie ich bereits bemerkte, abgeschossen, und die Kugel, die im Schädel des Ermordeten gefunden wurde, paßte in den Lauf derselben. Der Verhaftete leugnet allerdings, den Schuß abgefeuert zu haben, aber daneben behauptet er auch, daß außer ihm und seiner Frau Niemand von der Existenz dieser Waffe Kenntniß gehabt habe. Daß diese beiden Behaup» tungen sich entschiede« widersprechen, scheint er nicht de» greifen zu können, er giebt sich wenigsten» nicht die mindeste Mühe, den Widerspruch zu erklären oder zu beseitige«. Wenn ich nicht irre, sprachen Sie gestern Morgen mit tfon* Der Gutsbesitzer strich mit der Hand über die Stirne, die letzte Bemerkung schien ihn unangenehm berührt zu **'(& redete mich an," erwiderte er,„und e« mußte mich natürlich überraschen, in dem anständig gekleidete» und anscheinend vermögenden Manne de» Tagelöhner von damal« wieder zu erkennen. Ich habe nur wenige Worte mit ihm gesprochen, jetzt aber, Herr Assessor, wäre e« mir interessant, eine längere Unterhaltung mit ihm zu führen. Ich könnte Ihnen vielleicht damit einen Dienst leisten, insofern, al« ich mir Mühe geben würde, ihn über jene« geheimnißvolle Ver- brechen auszuforschen." „Er ist jetzt Untersuchungsgefangener." „Aber Sie könne« mir die Erlaubniß ertheilen, ihn i» seiner Zelle zu besuchen." „Ich darf diese Erlaubrnß nicht geben," erwiderte ��Hindert ein persönliche« Mißtrauen Sie daran?" ftagte Rabe, dessen mühsam verhaltener Groll sich plötzlich eine Bahn breche« zu wollen schien. „Nein, ich richte mich streng nach de» Vorschriften, die da« Gesetz mir macht. De» Besuch eine« Untersuchung«- ter 6. forderte eine lebhaftere Diskussion heraus, in welkber schließlich die Geaner dieser BeRimmung Eieaer blieben. Be- merkenswerth ist oie Acußcrung eines Herrn Superintendenten Meinbold aus Cammin in Hinterpommern: Er sei dafür, daß die Trunkenheit nicht nur nicht als Milderungsgrund, sondern als Verschärfungsgrund bei begangenen Verbrechen angesehen werden müsse. Er sei aber der Meinung, daß eine wesmtliche Aufgabe in dieser Be« Ziehung der Kirche zufalle. ES werde daher sehr wenig nützen, wenn die Sonntagsruhe gesetzlich eingesührl werde und nicht gleichzeitig die Sonntagsfeier. Was nützt ei— so etwa fuhr der Redner fort— wenn die Arbeiter nicht zur Arbeit, aber auch nicht zur Kirche gehen. Allerdings erachte ich ei für noth- wendig, nicht blos daS Branntweinsaufen der niederen Klaffen, sondern auch daS viele Bier« und Weinsaufen der besseren «lassen zu bekämpfen. Noch vor Kurzem habe ich bei einer silbernen Hochzeit die Wahrnehmung gemacht, daß vor jedem Kouvert 8 Weingläser standen.(Heiterkeit.) Ja, meine Herren, wo soll denn daS hinführen. Außerdem möchte ich an meine Kollegen vom geistlichen Amt die Mahnung richten, dafür zu wirken, daß die Predigten der Geistlichen möglichst interessant werden. Wir wollen es uns nicht verhehlen, daß jetzt die Pre< digten vielfach sehr langweilig find.(Heiterkeit.) Ja, meine Herren, darüber kann man lachen, noch mehr aber ist Ursache vorhanden, daß man darüber weint. Wenn der Pastor langweilig in seiner Predigt ist, dann können wir uns nicht wundern, wenn die Leute, anstatt in die Kirche, lieber ins Wirthshaus gehen. Ter Herr Superintendent giebt also zu, daß auch von den besseren Klassen viel..gesoffen" wird, eine Thatsache, die längst öffentliches Geheimniß ist. Aber ist es denn nicht recht merk« würdig, daß man der Hauptsache nach nur immer vom B r a n n t« weingenuß spricht? Auch Punkt 5 der Vorschläge will nur, daß dem Branntwein zu Leibe gerückt werde und zwar mittelst einer recht hohen Steuer, die von dem Verkäufer erhoben werden soll. Auffallend ist es auch, daß die frommen Svno- dalen beim Erwähnen der vielen Weingläser in eine heitere Stimmung geriethen, vielleicht hatte mancher von ihnen schon öfter Gelegenheit, mehr Weingläser beisammen zu— sehen. Wenn nun aber der Herr Superintendent weiß, daß auch die besseren Klaffen viel saufen, so kann ihm andererseits wohl kaum entgangen sein, daß dieselben viel leichter ihrm Rausch verbergen können, als die minder Wohlhabenden. Wenn die Arbeiter oder Handwerker einen zuviel getrunken haben, so heißt es, sie find„besoffen", während dem Herrn Gutsbesitzer oder Fabrikanten„unwohl" geworden ist. Und selten wird eS vorkommen, daß die Letzteren im Zustande deS„Unwohlseins" sich zu Fuß auf die Straße begeben, da fie in der Regel in der glücklichen Lage find, ein Gefährt benutzen zu können. Ebenso wenig find derartige Leute in den g e w ö d n l i ch e n WirthShäusern anzutreffen. Und wer möchte es riskiren, einen hochgestellten Mann aus der befferen Gesellschaft als„ G e« woynheitStrinker" zu bezeichnen oder gar eine Unter« bringung in ein Trinkerasql zu beantragen? Sicherlich Nie- manv, auch der Herr Superintendent und seine Genoffen würden daS schwerlich wagen. Die von den ftommen Leuten verlangten scharfen Bestrafungen treffen daher fast ausschließlich den sogen. gemeinen Mann deffen Dasein fich ohnehin schon freudelos genug gestallet. Und haben denn die Herren Pastoren auch einmal an die Ursachen gedacht, welche Schuld tragen an der Ausbreitung deS Lasters der Trunksucht? Sind es nicht in den meisten Fällen Noth und Verzweiflung, welche den armen Mann zur Schnapsflasche greifen lassen? Und wenn das der Fall, ist es dann nicht um so verwerflicher, zu beantragen, daß die Trunken» heit als Verschärfungsgrund bei Vergehen gelten soll? Erfolg werden die Herren übrigen? fchwerlich selbst von ihren Mitteln erwarten, denn was wird erreicht, wenn der Branntwein verkauf mit einer hohen Steuer belegt wird, der Branntwein b r e n n e r aber ruhig weiter fadriziren darf? Nur eine Verschlechterung des Fusels, weiter nichts! Merkwürdig, daß die frommen Herren dem Schnaps nicht an der Quelle zu Leibe gehen wollen; warum verlangen fie nicht einfach, daß die SchnapSbrenner eine recht hohe Steuer von jedem Hekto« liter zahlen sollen? Ader mit diesen scheinen es die Herren Pastoren nicht verderben zu wollen. Und doch wäre eine solche Steuer ficherlich viel gerechter, als die Besteuerung beim Verkauf. Kommt noch hinzu, daß die Bestrebungen dieser ftommen Leute noch niemals dahin gingen, dem Volke ein nahrhaftes Glas Bier zugänglich zu machen. ES kann ihnen doch nicht unbekannt sein, wie sehr der Schnapskonsum überall dort abnimmt, wo auch der arme Mann in der Lage ist, fich ein guteS Glas Bier zu beschaffen. Doch von solchem Streben keine Spur, im Gegemheil findet man, daß diese Herren mit ihrem Anhange immer dabei find, wenn es gUt, das Bier resp. die zu demselben gehörigen Surrogate mit neuen oder höheren Steuern zu delegen und somit dem Branntwein- genuß indirett Vorschub leisten. Zum Schluß berührt dann der Herr Superintendent noch die Sonntagsruhe:„WaS nützt die Sonntagsruhe, wenn nicht gleichzeitig die Sonntagsfeier eingeführt wird!" so ruft er be« gefangenen darf ich nur dann erlauben, wen» ich hoffen dmft durch denselben wesentliche, für die Untersuchung wich» »ige Ermittelungen zu machen." „Und ist das hier nicht der Fall? erwiderte der Gutsbesitzer rasch.„Ich biete Ihne» meine Unterstützung an—." „Aber Sie zweifeln dabei an der Schuld des Verhasteten." „Za, so lange, bis ich überzeugende Beweise für die« selbe gefunden habe. Und diese Beweise hoffe ich in der Unterredung mit dem Angeklagten zu finden." Siegfried schüttelte ablehnend das Haupt; die frühere Äbneiqung war wieder mächtig in ihm erwacht, er konnte dem Verdacht nicht gebieten, daß besondere, ihm unbekannte Beziehungen zwischen dem Gutsbesitzer und dem Verhafteten obwalten mußten. „Zch kann nicht glauben, daß Sie diese Beweise er- halten werden," erwiderte er,„im Tegentheil muß ich an« nehmen, daß eine Unterredung de» Angeklagten mtt Ihnen nur die Untersuchung erschweren, und de« ersteien veranlassen würde, bei seinem Leugnen zu be- harren. Damit will ich keineswegs ei« persönliches Miß- ttauen gegen Sie ausgesprochen habe», dasselbe wäre ja durch nichts begründet, ich habe als Untersuchungsrichter die Erfahrung gemacht, daß eine strenge, einsame Hast das wirk- samste Mittel ist, den Trotz eine« verstockten Verbrecher« zu beugen." „Sie wenden also auch die geistige Tortur an?" „In gewissen Fällen bin ich dazu gezwungen, Herr Rabe, e« wäre Thorheit, solche Leute mit Glacehandschuhen anfasse« zu wolle«. Zch muß Sie bitten, mich jetzt zu ent- schuldigen, meine Amtspflichten rufen mich, ich habe ftine Minute mehr zu verlieren." Der Gutsbesitzer hatte die Braue« finster zusammen- gezogen,«in stechender, feindseliger Blick traf de« junge« Man«, der rasch auf die Thüre zuschritt. „Zch richtete dte Bitte an Sie, um Zhnen einen Ge- fallen zu erzeigen, die Untersuchung Zhnen zu erleichtern," sagte er,„denn an dem Verhafteten nehme ich persönlich durchaus kein Zntetesse. Aber wie Sie wollen, Herr von trübt aus, indem er seinen Kollegen zugleich den Rath ertheilt, doch nicht so langweilig zu predigen, daß die Leute lieber ins WirthShaui als in die Kirche gehen. Ein recht intereffantes Eingeständnis, daß die Predigten der Herren Geistlichen so langweilig find. Der Herr Superintendent wird doch gewiß nicht übertreiben. Uns ist daS ganz nklärlich, eS rührt daher, daß diese Herren vielfach nur sehr geringe Kenntniffe von dem eigentlichen Volksleben haben, deshalb auch das Monotone in ihren Reden, deshalb auch das unpassende Verhalten auf den Synoden. Der Wunsch, daß daS Volk gesetzlich gezwungen werden soll, in die Kirche zu wandern, wird natürlich ein frommer Wunsch bleiben und den fteiwilligen Besuchern dürften die Vorgänge auf der Synode doch etwas die Äugen öffnen. Auch den Indifferentesten muß schließlich klar werden, welchen Zielen diese Herren zusteuern. politische Hebet ficht. „Ein Gespräch über dte soziale Frage" lautet der Titel einer Broschüre, welche den Beifall der„Nordd. Allg. Ztg." gefunden hat. Aus den bandwurmarttgen Auszügen, die fich in der„Nordd." definden, ist ersichtlich, daß dem Ver- faffer der Schrift daran liegt, die sozialdemokratischen Forde- rungen als utopifttsche zu charatterifiren. Dies dürste ihm bei den Lesern de» offiziösen BlatleS auch wohl gelingen, da die- selben ohnehin auf dem Standpunkt des Vertaffers stehen. Im Uebrigen aber ist kaum anzunehmen, daß solche Schriftstücke ge« eignet find, auch nur einen Sozialdemokraten von seiner Ueberzeugung abzubringen. Da die Sozialdemokraten als solche sich nicht in eine Polemik einlassen können, weil ihnen das Ausnahmegesetz den bekannten Maulkord vorgeschrieben hat, so wiid sowohl die„Nordd.", als auch der Verleger dar« auf verzichten müffen, daß der in der Broschüre abgelagerte „Quark sozialdemokrattscherseits angerührt wird. Ueber den Herrn Gnetst urtheilte die„Köln. Ztg." schon im Jahre 1874 folgendermaßen:„Der Mann ist wegen Uederscharffinn in praktischen Dingen gar nicht zu gebrauchen und bewegt fich in beständigen Widersprüchen. Wir baden schon oft erklärt, daß»ir auf die Unterstützung des Herrn Gneist gar keinen Werth mehr legten, da man niemals ficker sei, daß er nicht binnen vierundzwanzig Stunden gerade das Umgekehrte behaupte. Herr Gneist gehört zu gar keiner politt« schen Partei, gehört gar keiner destimmten Farbe an, sondern schillert wie der Opal in allen möglichen Farben. Kein Mensch versteht ihn, und er versteht fich selbst nicht.— Eo ein n a t i o- nalliberales Blatt! Ein Mord soll mit Hilfe eines Maftosen von der kor- vette„Gneisenau" in Kapstadt verübt woiden sein. Die Vor« tige Regierung wollte denselben verhaften, was jedoch von dem Kapitän der„Gneisenau" und dem deutschen Konsul nicht zu- gelassen wurde. Die Angelegenheit ist zur Kenntniß der beut« schen Regierung gebracht worden und wird die Behörde in Kapstadt zunächst deren Bescheid abwarten, bevor fie weitere Maßregeln ergreift. Zur braunschweiger Regentenwahl verlautet, daß der Staatsminister Görtz. Wrisberg in der heutigen Sitzung des Landtags im Namen des Regcntschafterathes den offiziellen Vorschlag zur Regentenwahl machen wird. Die Regentenwahl selbst erfolgt jedoch erst am Mittwoch, den 21. d., und zwar ebenfalls in öffentlicher Sitzung. Die preußische Generalsynode, welche gegenwärtig in Berlin tagt, bat trotz des Widerspiuchs des Präsidenten Des Oberkirchenrath ihre früher schon erhobenen Aniviflche auf Mitwirkung bei der Besetzung der kirchenregimentlichen Aemter und der evangelisch theologischen Professuren wiederholt. Die Red- ner der Synodalmebrheit begründeten die Beschlüffe damtt, daß dieselben von der„Freibeit" und„Selbstständigteit" der Kirche erfordert würden; in Wahrheit bezwecken fie, alle Freiheit in der Kirche— soweit solche überhaupt vorhanden ist— vermittelst unbegrenzter Selbstständigkeit der dii Synode beHerr- schenden extremen Minderheit zu unterdiücken. Dem Anspruch betreffs der Professuren fehlt vollends auch jede scheinbare theoretische Begründung, denn es find Professuren an Staats- anstalten, mit welchen letzteren die Synode gar nichts zu schaffen hat. Ueber die GehaltSregelung der Volksschullehrer auf der Grundlage der Festsetzung eines Dmtfcschnittsatzes hat fich der Unterrichtsminister in einem Erlcffe b> stimmt ausgesprochen. Auf Grund der Feststellung eines Durchschnitte satzes muß eine Bestimmung deS Höchst- und Mindestgehalts und eine Ab- stufung der Besoldungen von der mindesten biS zur höchsten stattfinoen. Der Mindestsatz wird zwischen 66'/« und 70 vom Hundert, der Höchstsatz zwischen 133'/, und 130 des Durchschnittsatzes dergestalt festzusetzen sein, daß eine Steigerung von dem niedrigsten bis zum höchsten Satze um 100 beziehungsweise 85,7 vom yundert eintritt. Daneben wird em- pfodlen, zugleich ergänzende AmtSalterszulagen für die Fälle in Ausficht zu nehmen, in welchen Lehrer, obwohl nach ihrer gesammten Dienstführung und nach ihren Leistungen einer Be- förderung und Verbesserung im AmtSeinkommen würdig, nach Zurücklegung gewisser Amtszeilabschnitte seit ihrer ersten end- giftigen Anstellung nach dem gewöhnlichen, durch Ecledipkommen, di isstuft»»ui eintretenden Aufsteigen in die höheren Besoldunpsstuferkulaiiftifchn noch nicht zum Genüsse eines bestimmten, ihrer Amtsze' Aus N Sluckmann! Vielleicht werden Sie später einmal meiner Warnung fich erinnern." Siegstied verbeugte sich schweigend und ging hinau«, ohne ihm eine Antwort zu geben, und Rabe vergaß in der Aufregung deS Augenblick« sogar da« Geleite, welche« die Gastfreundlichkeit ihm zur Pflicht machte. Ein höhnische«, verächtliches Lächeln umspielte seine Lippe«, während er mtt verschränkten Armen am Fenster stand und dem Assessor nachschaute, der mit raschen Schritten von banne« wanderte. „Weshalb auch mußte er zurückkehren?" sagte er leise. „Er hätte drüben bleiben sollen!" Er wanderte einige Male auf und nieder, dann ging er durch mehrere mit fürstlicher Pracht ausgestattete Zimmer in den Seitenflügel des Schlosse«, in welchem das Boudoir seiner Schwester lag. Die dicken Teppiche, die überall die Fußböden bedeckte», dämpften den Schall der Schritte; vor einer nur zur Hälfte zugezogenen Portiere blieb Rabe stehen. Sein Blick fiel in da« trauliche, mtt Pflanzen der �ropenzone reich geschmückte Boudott der Generalin. ... �öne Frau saß auf dem Divan, ihr Arm hielt Arabella umschlungen, und ihr Blick ruht voll mütter- licher Liebe und Besorgniß auf dem erglühenden Antlitz des Mädchens. »Liebst Du ihn wirklich?" ftagte fie mit leise zittern- der Sttmme. „Mama, wenn es wahr ist, daß die Liebe plötzlich im Menschenherze« erwachen kann, daß ei» Blick, ein Wort ge- nügt, um de« schlummernden Funken zu hellauflodernder Gluth anzufachen, dann muß ich da« Gefühl, welches beseli- gend muh durchströmt, Liebe nennen," erwiderte Arabella die leuchtenden Augen aufschlagend.„Frage mich nicht, wie das möglich sei. ich weiß e» ja selbst nicht, und zürne mir ZMZMM spiechenden Antheilssatzes des Durchscbnitts-Besoldunzftung alle Z In ähnlicher Weise wird, wo-und Uaigeg haben gelangen können... rinnen angestellt find, auch für diese die GehaftSieS�lnnee. auf der Grundlage der Festsetzung eines Dm ch schnittt „ Im Si fo« Adula, Jtgma eine schaffung sei geborenen z �aletta. O llaffauah g »iampini ui nach Kufit. Tobte befint verwundet, dnnselden., der Besoldung für eine Lehrerinnenstelle zu erfolgen Dieser Durchschnittssatz wird angemessenerwcise auf 75 vom Hundert des DurchschnittssatzeS einer Lehrerstelle setzen sein. Viele der aus vreußen Ausgewiesene« find in überaus mißliche Lage gekommen, daß die rufst Behörden ihnen wegen nicht genügender Legitimai' Eintritt nicht gewähren wollen. Sie haben ihre l Arbeitsstellen in Preußen aufgeben müssen, und kö ihre Stellen zum großen Therl bereits anderweitig beb jetzt zum Winter keine anderen Stellen bekommen. � diese Aermsten zum Theil verheiratbet, so daß fie sa>—. Familien zum Winter der bittersten Noth ausgesetzt ffnd.'l'-'" soll, O Verhältnisse werden fich, wie die„Pos. Ztg." bemerkt,»Lstben ist. Martini(11. November) besonders in Westvreußen oerscht� a�rn als da dort an diesem Tage in üblicher Weise die löis Dienstkontratte ablaufen und nun zu defürchten ist, dfl Arbeitgeber zu diesem Termine an Stelle der Z Ausweisung bedrohten Dienstleute andere Leute. Der„S werden. � Unfallo Su der vo« der Regierung projektirteu Erri»«versehen sck ewerbekammern wir offiziös geschrieben:„Pst'tv*«ne Ba der Regierung, unter Mitwirkung der Provinzen Avmyren, um kammern, welche eine organifirte Gesammtvertrctung J�uausführ, Erwerbsleben thätigen Bevölkerung bestimmter Land?"ihmen und darstellen, in's Leben zu rufen, ist noch nicht vollstäosi füt st� wirklicht Eine Minderheit der Provinzen deziehungSit* Baugew diesen gleichstehenden kommunalen Körperschaften hat* vei solch ihr in dieser Hinsicht gemachten Vorschlägen gegenüber at? � diese B verhalten; insbesondere trifft dies für die Provinzen„'"Mg fin land, Posen und Schleswig- Holstein zu. Mr eirnc" Provinzen, Schlesien und Sachsen, steht die Besch! noch aus, doch ist, nachdem die Provinzialausschüsse stimmend entschieden haben, die Annahme der Regst schlüge zu erhoffen. In denjenigen LandeStheilen, deren ablehnende Beschlüsse der Prooinziallandtage werden Gewerbe, Landwirthschaft und Handel einer ei den Vertretung nicht ganz entbehren, wohl aber fich gerinqwerthigeren Organisation begnügen müssen nämlich nicht« übrig bleiben, als für diese Lanl Stelle der geschlossenen und festen Organisation der kammern die losere Einrichtung gewerblicher Konftv__ Sitze der höheren Verwaltungsbehörde treten zu lasse» der memo» Konferenzen stehen zu den Gewerbekammern etwa in JJ von hältniß, wie die technischen Konferenzen bei den ßj* lacken in Direktionen zu den an ihrer Stelle eingeführten BeM derart nrm* babnräthen." eine oberfläck Zur Balkan-Krise liegt jetzt eine offiziöse Ku« aufklären mu in der„Nordd. Allg. Ztg." vor. Das Auswärtige" unreinigt. 3 theilt den„struppigen K' einen" folgende Vermahnurgi weniger als Die Vorgänge, welche uns über die von den Bo» fand fich reii der Berliner Signaturmächt« in Konstantinopel untern* konnte. Schritte berichtet werden, geben in erfreulicher Weist Die Er schluß dieser Mächte, den unter ihnen bestehenden IÄ Avisen des stand auftecht zu erhalten, einen unzweifelhaften? Pee� und 4 Die Beschlüsse der Botschafter sind von der geineinsij Areopag in ebenso bestimmter wie feierlicher dem berechtigten oder unberechtigten Ehrgeiz Stämme auf der Balkanhalbinsel nicht die zugestanden werden könne, den Frieden*4 Mächte nach ihrem Belieben in Gefahr zu br. fie untereinander oder mit der Türkei Händel anst dabei, entweder abstchtlich oder unabfichtlich, außer daß die Folgen ihrer theilS selbstsüchtigen, theils Politik die Großmächte nöthigen könnten, in den< areifen und ihren sonst so sorgsam behüteten Frieden Ein solches Unterfangen der kleinen BalkanstaateN Recht die ernsteste Zurückweisung durch ganz Europa An dem Frieden der Großmächte find derm sämnw" 1""Slücken, ol Wfctlich,. MK Baugewerbei nr Di« m arbeiten. D Wer Andeut der Angetlag waft Heinemi W er übrige Mstizministe bat auch die »auertc, wert S&IZ", hörigen in einer Zahl von mehr' als"3Öo' Millionen% gjfjH Lebe erbten und Bulgarien rf,: �'wr. welck % Ledc iöalena,: f mit tzt M an J zevnte xyeti nicht einmal der herrichenven Dkauoiu»-� der n oört. Es ist jedenfalls eine unbillige Zumuthung-, Mutb w t1 Millionen Europäer fich der Gefahr aussetzen Munft!' während Griechenland, Serbien und Bulgarien' rumelien zusammen höchstens 6 Millionen Einwobns'g phi�n?* von denen in jedem einzelnen dieser Staatsaebilde WS T,,„— H~a-n« Millionen Europäer fich der Gefahr aussetzen soll**/ Munft w A Wohlthat eineS nach dem Stande ihrer Zivilisation�% fürchten Friedens verzichten zu müffen, weil drei kleine ä3a% a s?T);nr: � von kaum 6 Millionen Bewohnern plötzlich auf den ............... lJ möchte ich Dich darauf aufmerksam machen, daß� Es kon träumte Glück vielleicht nichts weiter als eine Generali» d gana ist. Weißt Du denn, ob Deine Liebe ,a� erhielt findet? Za, kannst Du mit Sicherheit behaupten,« Siegfri Gefühl wirklich und wahrhaftig die echte wahre j der Kammer die freudig jeden Kampf mit allen jhr feindliche",-oofe im Ve aufnimmt und jede« Opfer, da« von ihr Und b muthiq bringen kann?". � M* Eilige Arabella wiegte sinnend das goldblonde Kcr„ cv.'"Koch „Du richtest da Fraqen an mich, die ich � JWi, worten kann." erwiderte sie tief aufathmeod, i Marian darüber vachdenke«, damit ich selbst Klarhen un» u auf � »halte- Zst c« Dir nicht aufgefallen, daß ßT 2% e sehr unfreundlich gegen den jungen Herrn»"L#„„f U*' ..Er iß bn« non-n«IT»«.rfnneN, 1,1 All«, I verachtet wp Daß bj uni „Er ist das gegen alle stemden Personen, ihm eingeführt worden find." »Aber nicht in dieser geradezu verletz endk» � ü DQI «So scharf dürfen wir das nicht auffasse"' � toar „So scharf dürfen wir das nicht auffasse", kann, müssen wir ia Wn-in;* c.x.»». �?ie; Diese kann, müssen wir ja begreiflich finde».', #0## b-S ist �%% Awen. Erledigikommen, daß ihr lokales„Gleichgewicht", das heißt ihr parti iasstuse>»ulal istischer Ehrgeiz, in Frage gestellt sei. . 3.«je st 1.. � l C Im~___ C•__.. I AmlsW sold' d, wo ehaltil chs ien ....H? tn Serbien roiÄ telegravhirt, daß die Regie- mh n ausgewiesen hat. In Nisch "rmte«findet fich das Hauptquartier der serbischen timw ihre ' M, ig des Egypten. «im. vJ" �udan beginnen wieder kriegerische Verwickelungen. auf 7b'Ras Adula, der abesfinische General, hat neulich über Oiman irstelt«»vlMa einen Sieg davon getragen, ist aber nun wegen Fort- Ichaffung seiner Verwundeten in Verlegenheit, da ihn die Ein» find dsgedorenen zu überfallen drohen. Er bat daher an den Obersten russil�aletta, Oberkommandanten der italienischen Truppen in -»assauah geschrieben und um Aerzte gebeten. Die Doktoren -tampini und Leonardi find in Folge deffen mit starker Eskorte mch Kufit, der Wahlstatt, abgegangen, woselbst fich noch 400 in«■Tm. k befinden sollen. Rat Adula selbst ist an der Schuster r. x-lDverwundet, ist aber sehr defriedigt über seinen Sieg, da in t sammt'�ewselben, wie durch aufgefundme Kleidungsstücke festgestellt tzt find.'feln soll, Osman Digma in der Schlacht wirklich getödtet merkt, sL«ben ist. Die Rachricht wird von mehreren arabischen verschlis�wttern als glaubwürdig bezeichnet. vie l°«*- M Lokales. ute w. Der„Bauhandwerker" macht auf eine Eigenthümlichkeit Unfallveificherungsgesetzet aufmerksam, die man häufig zu ErrMbersehm scheint. Hier rn Berlin giebt es nicht wenige Personen, „DjS,>e erne Baustelle erwerben und darauf für fich ein HauS auf» ' �bren, um es später gelegenstich zu verkaufen und welche die .Bauausführung selbst leiten, selbst Polier und Gesellen an- { Jörnen und den Arbeitern selbst auszahlen. Da diese Personen I?ut für fich selbst bauen, so find fie nicht Gewerbetreibende !«es Baugewerbes. DaS Blatt macht die Gesellen und Arbeiter, solchen Bauherren arbeiten, darauf aufmerksam, daß über ad*®u' diese Baubetriede das UnfallverficherungSgeseg keine An- " Personen, die bei solchen Bauten ver- ung erhalten. ES sei dringend ________ im Zweifel sei, ob der Unter- chüffe liegie ag'e' � �ugewerbeS ist. ier entik �feNahruugsmitttlkontrole in Berlin für den Monat . fich 0(2%' �Knckte fich auf 323 Proben im offenen Ankauf be- ''l"*«n'-----.■„ jl m)__..g fen. ««WWMM ' gsUaen,. � �& a-schW �forderlich, wo man irgendwie :■ ,5»Sää""6"" frei. Unter 9 äffert. Die Refuttate '' in 5rf CIl �wurzunreriuwunacn riguvr» bei Safran neue Atten nrn fiifl j Verfälschungen mit Sandelholzpulver, Thonerdefarbstoff» m,,iA ä. en ,n enormen Zusätzen. Einzelne Gritsproben wimmelten ' vcratt von Mehlmilben, die nesterweise angefiedelt waren, daß . �.» oberflächliche Prüfung über die widerliche Unreinlichkeit |c Auo? aufklären mußte. Auch einzelne Mehlproben waren stark ver» irtige" rinreinigt. Milch wurde als Vollmilch verkauft, obgleich fie «.„.ma.. taeninrr nia f. nßi. 5telt entbielt. unter den Butterproben be» den Verkäufern bekannt fein .hnujflj weniger als 2 pCt. Fett enthielt, en Bon fand fich reine Kunstbutter, waS anternZ konnte. meist v, Die Erregung, welche der Prozeß Graes in weiten >,n ist* Kreisen de« Publikum« hervorgerufeu, scheint in unserem f Preß« unv Vereinswesen noch lange nachzittem zu sollen. Lei- rrin� der wird die Diskussion nicht auf allen Seiten mit der Sach- mieaeÄ! lichkeit geführt, die in den Streitschriften des Staatsanwalts imtmÄ Keinemann und Karl Frenzel'S wohlthuend berührt hat. Die ln di»' bloße Andeutung der„Kreuzzeitung", daß Professor Graes an- es Üblich von jüdischer Abstammung sei, hat für dre Antisemiten icke idas Signal gegeben, den Prozeß in ihrer wüsten Weise zu be- ler Aff farberten. Das Komische dabei ist, daß der„Kreuzzeitung" bei -aeiz i i"1" Andeutung offenbar eine Verwechslung unterlief: nicht die i � Angeklagte Graf, sondern sein Ankläger, der Staatsan- v«l' walt Heinemann, ist jüdischer Abstammung, eine Eigenschaft, fobj*! die er übrigens bekanntlich mit seinem obersten Chef, dem aniifA Dustizminister Friedberg, tbeilt. Außer der„Kreuzzeitung" hat auch die ulti amontane Presse, besonders der Provinzen, *nc sehr aufreizende Sprache gefühtt. Wagte doch der„West« vhal. Merk." zu sagen, die Berliner Presse, die den Prozeß be- dauerte, werde von„LouiS" redtgirt. Die„Germania" plaidirt j A?fur, in den Museen eadioet» seceet» einzurichten, in die alle fuWp*? �fuditäten verwiesen werden sollen Da hinein sollen alle immlliZ. �uver, welche die Vmus zum Gegenstände haben, aber auch ionen*5 So* Vw8{ �sdaS, SemeleS. die keusche Susanna und die büßende das Urtheil des Paris und die Sttafe des Aktäon, der Potiphar u. f. w., u. f. w. Mtt direkter Apostro- »S chung. i gP,,» begehen, der gegenüber der TageSmeinung zuerst den , o." 5 h°t, sein Museum zu säubem und aus dem Tempel der >'»«unft h.««j----- Ji.—1 st.«n«,rt.K»lt ,u bannen." Wir hüllen und halbes Zeigen, durch ein albernes Kokettiren mit altjüngferlicher Prüderie eher geweckt als zurückgedrängt werden. Die„Germania" scheint'gar nicht zu merken, wie sehr fie mtt ihrer banaufischen Schmähung der Kunst die besten Traditionen der großen Päpste verketzert, unter deren verständnißvoller Förderung die innere Wiedergeburt der Antike fich vollzogen hat. Alle Bilder, welche daS fromme Blatt in eine Art Kabrnet für Wüstlinge verbannen möchte, find von katholischen Meistern gemalt, die in noch ganz anderer Weise als sogar die Redakteure moderner ultramontaner Blätter in ihrer ganzen Lebensführung am Gängelbande der Kirche ein- hergingen. Damals freilich war der Katholizismus vernünftig genug, der Kunst ihr eigenes freies Äachsthum zu lassen, heute aber ist der Bruch zwischen dem Ullramontanismus und der ganzen Gefühls- und Denkweise der Nation ein so radikaler, daß nickt einmal mehr die Kunst eine Brücke zu schlagen vermag. Natürlich zieht die lutherische Otthodoxie mit den Klerikalen am selben Strange. Es wäre sehr oberflächlich, alle diese Fragen in das Gebiet deS Geschmacks zu verweisen, fie stehen vielmehr mit den politischen Strömungen im denkbar engsten Zusammenhange. Auch hier wird ein Kampf der Frei- hell des Gedankens gegen die geistige Knechtung ausgetragen, und die falschen Tugendwächter find die nämlichen Leute, welche unsere Klassiker aus den Volksschulen und den Lehrer- seminaren verbannen möchten. Bös genug find bereits die Verwüstungen, welche der Teutonismus in vielen Köpfen an- gerichtet hat. AIS vor einem Dutzend Jahren Frau Adelheid ». Mühler, die Gattin des verstorbenen Kultusministers, eS durchgesetzt hatte, daß SchlöffeiJs„Anadyomene", eine nackte Idealfigur, von der Berliner Kunstausstellung ausgeschlossen wurde, war der Sturm des allgemeinen Unwillens lebhast genug, um die Stellung deS Ministers unrettbar zu erschüttern. Heute werden weit ernsthaftere Attentate auf die Kunst mit einer Unverfrorenheit erörtert, als ob man gewiß wäre, dm Sieg schon in der Tasche zu haben. Die Universität belebt sich täglich, ja stündlich wieder mehr und mehr. Von nah und fern strömt die Jugmd wieder ihrer alw» water mit ihren traulichen Hörsälen zu, theilS voller Hoffnungsfreude und Lust, theils wehmütdig„von wegen der vielen Kollegia und des schwerm Studiums". Pünktlich ist der„FuchS" zur Stelle, dem als„muln," zu Hause der Bodm unter dm Füßen brennt, und der natürlich so bald als möglich ein rechter Bruder Studio werden will. Gewöhnlich etwas gehobener Stimmung, stolzirt er in die Säulenhalle hinein, zuerst zum„schwarzen Brett", von dem er auf dem heimatblichen Gymnasium, oder wie eS wenig poetisch im studentischm Jargon heißt, der„Pmne"(von Pennal), so viel bat reden hören, und daS ihm von je mit einem mystischen l Zauber umhüllt war. Nun liest er die wappmreichen Anschläge von„Freien Burschenschaften, Reformburschenschasten, Korps, Verbindungen mit und ohne Kouleur, von Kneipen, Stipendien" u. s. w., der Himmel deS studentischen LebtnS geht ihm mit einem Schlage auf, zwar noch etwas schleierhast erscheint ihm daS Ganze, aber, wenn der Muth in der Brust seine Spann- krast übt, setzt fich das sonst befangme Gemüth des FuchseS bald in die richtige Position. Und wenn er einen Bekannten trifft, der schon einige Semester hinter fich hat, kann man mit Sicherheit auf die mtt bewußtem Selbstgefühle vorgebrachte Frage schließen: find dmn die„Bierverhältniffe" hier?! Nicht selten aber '''-...'----- O------ Cn„_ rien lwohnes Ilde �r® � b®(Haft der MMMsS * verachtet wurde.....- set Gesmdestube ve- ts � man durch die Befehle der Henschal mm alte Görtaer mdrt beugte Gestalt richtete stch empor, un tliiie[lllw vnm v.v, v«,.v.»«......—.. findet man auch in seiner Begleitung den gestrengen„Herrn Papa", der den Herrn Sohn recht würdig und sorgsam in die neuen Verhältnisse einführen will, oder die„Frau Mama", die in berechtigtem Mutter stolze am Arme des Einzigen oder Jüngsten hängt und gar genau sehen will, daß das Bett des Muttersöhnchens auch gute Sprungfedern habe und er bei recht„soliden und anständigen" Leuten einquartirt sei. Sie unterzieht fich mit großer Selbstaufopferung den Mühen deS ZimmermiethenS und reist erst ab, wenn fie das Söhnchen überall recht wohl gefichert weiß und nicht ohne die ehrbarsten Mahnungen vor den Verführungen des großstädttschen und deS studentischen Lebens. Der Herr Sohn weiß seinerseits dem Herrn Papa und der Frau Mama großen Respekt vor dem „theuren Leben" in Berlin und von den„himmelviel Kolle- gien", die er alle hören müsse, beizubringen, damit der Po- sttllon, wenn er nach dem alten Etudentenliede zur rechten Zeit„von der Höh'" kommt, wohl gespickte Briefe und Packete dringt. In den Hörsälen ist es Vre ganze Woche über noch still. Die meisten Vorlesungen beginnen erst am 26. d. M., andere am 2. November. In den übrigen Hochschulen Berlins haben fie theils schon begonnen, wie an der Kunstakademie, am Polytechnikum, theils halten fie gleichen Schritt mit der Universttät. r. Auf den Schulhöfen unserer Kommunalschulen steht man bei der gegenwärtigen naßkalten Witterung die Kinder in den Pausen m dichten Reihen aufgestellt, fich lang» sam auf dem Hofe bewegen. Diese Art des Aufenthalts im Freien ist entschlieden schädlich. Kinder, die ein oder ein paar Stunden im geschloffenen Räume eng zusammen gesoffen haben, müssen fich frei und schnell bewegen, wenn fie plötzlich an die kältere Lust inS Freie gebracht werden. Zwar find die Schulhöfe nur klein und reichen für solche Bewegung aller Schüler der Anstatt zu gleicher Zeit nicht aus; diesem Uebel» stände könnte durch eine verschiedene Zeitbestimmung für die Pausen leicht abgeholfen werden. Verbietet man den Kindern die schnelle Bewegung aus den Sckulhöfen. oder macht man fie ihnen fast unmöglich, so find die Pausen für fie eher eine An» strengung als eme Erholung, wie man daS aus den vielen blau gefrorenen Gefichtern der Kinder deutlich lesen kann. Herr Stöcke» wird wohl jetzt in den von ihm gegen Journalisten angestrengten Beleidigungspro, essen ein Haar ge» sundm haben, und wenn der jetzt tn Siegen schwebende Prozeß beendet sein wird, werden wir von Stöckerprozessen sobald nichts mehr hören. Der fromme Mann hat bis jetzt, vielleicht verführt durch die Bereitwilligkeit, mit der die Staatsanwälte auf seine Anträge im öffentlichen Interesse eingingen— an» deren Parlamentariern gegenüber find fie bekanntlrch viel fchwieriger— seiner Rachsucht in ganz ungewöhnhchcr Weise die Zügel schießen lassen. Die Zahl der Verurthcilungen wegen Stöcker-Beleidigung ist eine ganz bedeutende. Nachdem aber der Staatsanwalt in Siegen erklärt hat, daß der Vorwurf, Etöcker sei oft von der Wahrheit abgewichen, keine Beleidigung enthalte, da dieser Mangel an Wahrheitstteue gerichtlich fest- stehe, so wird der Herr Hofprediger, dem seine Gegner noch nie so Schlimmes nachgesagt haben, wie er ihnen, gezwungen zu der Praxis übergehen, die fast alle anderen politisch thätigen Männer langst steiwillig üben, nämlich nicht wegen jedeS scharfen Wortes gleich den Staatsanwalt zu behelligen. Da« Osterfest fällt im Jahre 1886 ungewöhnlich spät, nämlich auf den 25. April. Den hierdurch für den Unterrichts- betrieb an den höheren Schulen entstehenden Mißständen und Schwierigkeiten sollte ursprünglich dadurch abgeholfen werden, daß an die Stelle der vierzeyntägigen Osterferien auSnahms» weise eine zweifache Unterbrechung des Unterrichts, jede von der Dauer einer Woche, gesetzt wird. Jndeß find von einzelnen Provinzial Schulkollegien gegen diese ausnahmsweise Maßregel Bedenken erhoben worden, welche die Annahme gerechtfertrgt erscheinen lassen, daß die hieraus fich ergebenden Uebelstände in manchen Beziehungen doch erheblicher sein dürsten, als die aus der regelmäßigen Einrichtung erwachsenden. Infolge dessen hat der Kultusminister bestimmt, daß auch im Jahre 1886, ungeachtet des späten Fallens des Osterfestes, rn der Fest- stellung der Osterferien an den höberm Schulen die sonst in dieser Hinficht maßgebenden Grundsätze eingehalten werden. Hiernach ist der Anfang des Eommersemesters möglichst nahe an das Osterfest zu rücken, d. h. auf den Donnerstag nach dem Osterfeste, den 29. April zu setzen. Der Schluß des Schul- jahreS fällt demgemäß auf den Mittwoch vor Palmarum, den 14. April. Von mehreren Seiten ist in Anregung gebracht, eS möge mit Rückficht auf die ungewöhnlich späte Lage des Oster- festes daS Schuljahr bereits am 10. April geschlossen und die daraus fich ergebende Erweiterung der Osterferien um eine halbe Woche durch entsprechende Verkürzung der Michaelis- ferien ausgeglichen werden. Der Kultusminister hat seinerfeitS hiergegen nichts einzuwenden und überläßt eS den einzelnen Provin�ial- Schulkollegien, für ihren Amtsbereich festzustellen, ob die Osterferien in der regelmäßigen Ausdehnung vom 15.— 28. April oder unter entsprechender Verkürzung der Michaelisferien vom 11—28. April dauern sollen. Im Uebrigen ist darauf zu hallen, daß in allen denjenigen Fällen, wo einzelne Aditurien- ten bereits zum 1. April bezw. zum 20. März im Befitze ihrer Reifezeugnisse sein müssen, ein rechtzeitiger Termin für die mündliche Prüfung angesetzt weide-, demgemäß wird auch der Termin früher angesetzt werden dürfen, als dieS nach den be- stehenden Bestimmungen sonst zulässig sein würde. Denjenigen Schülern,, welche ohne Reifezeugnisse in einen anderen Beruf übergehen, in welchen fie bereits am 1. April eintreten müssen, ist das Abaangszeuaniß unter dem 31. März in der Weise auszustellen, als wenn fie daS Schuljahr abfolvirt hätten. r. Da« edle Waidwerk übt bekanntlich eine ganz be- sondere Anziehungskraft aus auf solche ältere Herren, die es dazu haben, in Ruhe und Gemüthlichkelt zu leben, aber doch noch hin und wieder den Drang nach Thaten in fich fühlen; rtgt dann ein guter Freund noch das stattliche Geweih eines Hirsches, den er angeblich selbst erlegt, dann hilft Muttern? Abreden nicht mehr; ein Jagdschein wird gelöst, und wohl- ausgerüstet zieht der korpulente alte Herr in fröhlicher Gefell- schast zur Jagd. ES waren ihrer vier, die vor einigen Tagen mit der Stemner Bahn davon fuhren und von denen drei den vierten, einen ältlichen Herrn, eifrig in den Künsten der Jägerei unterrichteten. Die Reise ging brs Angermünde und von da noch einige Meilen zu Wagen; dann aß man zwar etwaS spät, aber sehr gut zu Mittag und mit einbrechender Dunkelheit gingS auf den Anstand. Am Rande des WaldeS waren in zweckmäßigen Entfernungen vier Gruben errichtet, von denen jede einen der Jäger aufnahm. Alle machten fich's in diesen Löchern mittelst der mitgebrachten Decken so bequem wie mög- lich und warteten mit Sehnsucht auf die Hirsche, die hier aus dem Walde herauskommen und zur Tränke gehen sollten. Auch der dicke Herr machte stchs bequem, aber so ein Hirsch ist ein sonderbares Thier, das oft stundenlang vergebens auf fich Gesicht glitt ein Lächeln der Genugthuung, als er die Blicke aller Anwesenden voll fieberhafter Erwartung auf sich ge- richtet sah. „Daß der Halm e» gethan haben soll, da« habe ich nie geglaubt, und ich glaub'« auch jetzt«och nicht," er» widerte er. „Dann wäre er nicht verhaftet worden," schaltete Jo- seph ein.. „Alberne« Geschwätz!' brummte der Kutscher.„Zm Gefängniß hat schon Mancher schuldlos gesessen; aber wa« j versieht der Bauer vom Gurkensalat!" „Selbst Bauer!" fuhr Joseph zornig auf, aber Ma- rianne gebot energisch Ruhe, und ihrem Befehle wagte ma« nicht zu trotzen. „Wie war's in jener Nacht, Georg?" ftagte Marianne. „Da« gnädige Fräulein kam zur Welt, und in derselben Stunde starb der alte General." „Und dann ritt der Doktor fort, und am andere» Morgen war er erschossen," fügte Franziska hinzu.„Eine (irausige Geschichte, bei der Einem angst und bange werden önnte!" „Wenn Ihnen das Gespenst des Doktor» erscheine« sollte, dann flüchten Sie nur zu mir, Fränzchen," sagte Joseph scherzend. „Dann käm' sie aus dem Rege« in die Traufe," er- widerte der Kutscher spöttisch.„Ueber Gespenster soll man nicht spotten!" „Sie glauben wohl daran?" ftagte Joseph höhnisch. „Ja, da« thu ich, und wenn Ihnen passirte, was mir passirt ist, dann würden Sie die lose Zunge nicht mehr so leichtsinnig spazieren führen, Ihre paar Haare wäre« schnee- { weiß geworden." „Das klingt ja außerordentlich graulich— haben Sie einmal im Rausch ein Handtuch für ein Gespenst ange- sehen?" „Mit Narren und Dummköpfen läßt fich nicht strei- ten," erwiderte der Kutscher achselzuckend.„Und jetzt halte« Sie gefälligst den Mund, damit der alte Georg erzählen kann." Der Gärtner fuhr, als er seine» Namen nennen hörte wie aus einem Traume empor. „Ein Anderer hat's gethan," sagte er,„aber wer kann'S beweifen? Die Herren vom Gericht brachten nicht» heraus, und ich hatte keine Lust, mir die Finger zu verbrennen. Ja, der General war gestorben, und ich wurde gerufen, weil der Kammerdiener allein de» schweren Mann nicht in'S Bett bringen konnte. Ja seinem Sessel war der General gestorben, und außer dem Doktor kümmerte sich Niemand um die Leiche. Die gnädige Frau konnte e« natürlich nicht, sie war kurz vorher entbunden worden, und Herr Rabe be- fand fich in seinem eigenen Zimmer, wohin nachher auch der Doktor ging. Uns Allen war streng befohlen worden, über den Tod des Generals nicht zu sprechen, die Leiche mußte später in aller Sülle aus dem Schlosse geschafft wer- den, damit die gnädige Frau nichts erfuhr. Man fürchtete für ihr Leben, und es hat nachher auch lange gedauert, bis sie sich wieder ganz erholt hatte." „Aber wer war denn der Andere, der den Mord be- gangen haben soll?" ftagte Marianne. „Wer?" rief der alte Mann fast heftig.„DaS weiß ich selbst nicht. Und jetzt sollte man die Geschichte ruhe« lassen, eS ist längst Gras darüber gewachsen." „Vergossenes Blut schreit gen Himmel," sagte der Kutscher kopfschüttelnd,„und der Tobte findet nicht eher rm Grabe Ruhe, bis die Schuld gesühnt ist. Da» verstehen Sie wohl auch nicht, Joseph?" „Ich glaube nicht an den Unsinn!" erwiderte der Kammerdiener, die Oberlippe spöttisch aufwerfend, indeß au» den listigen Fuchsaugen ein Blick der Verachtung den Rosse- lenker traf.„Um daS verstehen zu können, muß man einen Pferdeverstand haben, und jetzt begreife ich, weshalb e« manchmal bei dem Braunen rappelt. Dem werden Sie wohl den tollen Blödsinn erzählen, wenn Sie nichts Besseres zu thun haben." „Laßt ihn spotten, Franz," sagte Marianne beruhi- gend, als der Kutscher heftig auffahren wollte.„Jeder »rtheilt, wie er'S versteht. Es war wohl eine böse Nacht, (Roiwa (Fortsetzung folgt.) «arten läßt, und wie eS immer später und finsterer wurde und drei von den Jägern in lautlosester Stille ihre Augen an« strengten um den Hirsch zu sehen, ließ stch plötzlich jene lräf« tige Athembewegung vernehmen, die man als Schnarchen be« zeichnet und die von dem dicken Herrn ausging, der sanft mit dem Kopf zurückgesunken, den Schlaf des Gerechten schlief, -zur großen Verzweiflung der anderen Jäger, denen er auf diese Weise die Hirsche verschnarchte; denn daß diese von dem leisesten Geräusch verjagt werden, ist jedem Jäger bekannt. Sn dieser Situation unternahm es einer der Jäger, den chnarcher anzurufen; nach mehrmaligem Anruf fuhr dieser aus dem Schlafe auf, ergriff seine Büchse und feuerte in die Jorst hinein. Fluchend und ärgerlich krochen nun die anderen Häger auS ihren Löchern, denn nun war an ein Hervorkommen des Wiwes nicht mehr zu denken. Der dicke Herr fuhr noch an demselben Abend nach Berlin zurück. Von dem Aufenthalt in dem Erdloche hat er eine heftige Erkältung und Heiserkeit mitgebracht und als ihm später seine Jagdkameraden Vorwürfe wegen seines Einschlafens machten, entgegnete er mit heiserer Stimme:„Von 7 bis 12 habe ick gewartet; wo kann ick denn denken, det en Hirsch so lange durschten kann!" Die Sprengung der Schornsteine auf dem Kunheim« schen Terrain hat den Pionieren in der That Gelegenheit zu werthvollen Beobachtungen gegeben, namentlich in Bezug auf die Wirkung der Schießbaumwolle. Der größte Schornstein war 44 Meter hoch und hatte am Fuß 9 Meter Durchmesser bei 0,63 Meter lichter Weite. Er erhielt 5 Ladungen von zusammen 23 Kilo, drei nach der Feldseite zu, je eine auf den Seiten. Die Schießbaumwolle aber drückte die Sockelwände so gleichmäßig nach außen, daß der Schornstein fast senkrecht in stch zusammenstürzte, statt nach der Feldseite zu fallen. Der Mörtel zerstäubte, während die Ziegel ganz unversehrt blieben. Auch wirkte das Sprengmittel nur auf ganz kurze Entfernung. Ein recht trübes Bild boten die am Montag stattge« habten fünf Gläubigerversammlungen vor dem hiefigen Amts- gericht l in Sachen oeS Konkursverwalters Wemer dar. Die „Staatsb. Ztg."berichtet hierüber:„Den Reigen der Versamm- jungen eröffnete der Konturs des Kaufmanns Rudolf Dahlen- bürg, hier, Grüner Weg 86.— Der einstweilige an Stelle Werner's sofort berufene Verwalter Brinckmeyer erklärte, diesen Konkurs wegen Ueberhäufung mit Geschäften nicht beibehalten zu können und demzufolge wurde von den Gläubigern Kauf- mann Conradi als Verwalter der Masse ernannt. Herr Brinck- meyer konstatirte, daß den Passtven dieser Maffe von 15 000 M., 3945 M. bereits realisirte Aktiva in baar vorhanden gegenüber- standen, welche nach Abzug aller bevorrechtigten Forderungen den nicht bevorrechtigten Gläubigern eine Dividende von 11 pCt. sicherte. Leider gehen durch das bei dem verstorbenen Wemer vorgefundene Kassenmanko von nind 97 000 M. diese 11 pCt. den nichtbevorrechtigten Gläubigern vollständig ver- koren, ebenso dürfte für die bevorrechtigten Gläubiger wenig oder nichts übrig bleiben, da vorläufig nur die eine Hoffnung für die Maffengläubiger vorhanden ist, daß aus der dem Gerichte gestellten Gesammtkaution Wemer'S als Konkursverwalters in Höhe von 9000 Mark 10 pCt. auf jede Masse etwa entfallen dürste, auf diese Masse würden davon 390 M entfallen. Es würde daher vorausstchtlich, falls der Gemeinschuldner leine Akkordanträge stellt, der Konkurs mangels an Masse aufgehoben werden müssen. Der Konkurs- richter, Amtigerichtsrath Willmanns, stagte den erschienenen Krtdar, ob er beabsichtige, einen Akkord zu machen. Mit von Thränen erstickter Stimme erwiderte derselbe„Ja", worauf AmtsgerichtSrath WillmannS wörtlich etwa folgendes erwiderte: „Es muß Jedermann leid thun, zu sehen, in welche Lage Sie durch diesen trüben Vorfall gerathen find, und es dürfte wohl das Mitleid Ihrer Gläubiger hier am Platze sein, da das Un- glück, das Sie nunmehr betroffen, sehr bedauerlich ist, und eS nicht anders aufgefaßt werden kann, als wenn Sie um Ihre Masse hestohlen worden find. ES wäre seitens Ihrer Gläubiger hier gerecht und recht, bei Ihrem Akkord Gnade für Recht walten zu lassen. Auffallend bleibt es, daß keiner der Gemein« schuldner und keiner der Herren Gläubiger jemals von ihrem Recht Gebrauch machten und in ihrem eigenen Interesse den Verstorbenen kontrolirten. es mußte doch Verdacht gegen den- selben geschöpft werden; doch leider scheint dieses nirgends zum Ausdruck gekommen zu sein."— Die zweite stattgehabte ......""* Kaufmanns die nicht bevorrechtigten Gläubiger lagen 7 pCt. in der Masse, doch wird auch hier für diese, wie für die bevorrechtigten Gläubiger, nicht ein Pfennig zur Auszahlung kommen, da die wenigen Mark, die aus der Wernerschen Masse fließen werden, durch die Kosten deS Verfahrens verschlungen werden. Als Verwalter dieser Maffe wurde Kaufmann Rosenbach von den Gläubigern erwählt.— In der dritten Konkurssache der Han- delsgesellschaft Lißmann u. Ciyns hier, Kottbuser Ufer 57/58, spielte stch ganz dasselbe Bilo, wie in den Vorkonkursen ab. Es betrugen hier die Passiva 31 213 M., denen eine Dividende für die nicht bevorrechtigten Gläubiger von 27 pCt. gegenüber stand und bar vorhanden war. Auch diese Divi- dende ist vollständig verloren, bis auf 6 pCt., die noch durch anderweitige Außenstände, die bisher nicht eingeaangcn find, für die Gläubiger gerettet werden. Konkursverwalter Conrad» wurde als Verwalrer dieser Masse von den Gläubigern er- wählt.— In der Konkurssache des Kaufmanns Emst Paul Richard Engel, alleiniger Inhaber der Handlung Engel u. Kropff, lagen für die Gläubiger bei einer Pajstomasse von 84 600 M. noch 3'/, pCt. baar in der Masse, nachdem die Gläubiger 8 pC». bereits ausgezahlt erhalten hatten; diese 3'/, pCt. find denselben ebenfalls verloren. Diese Masse befitzt einen Gläubiger-Ausschuß. Als Ver» «alter wählten die Gläubiger den Konkursverwalter Fischer.— In der Konkursmasse deS Kaufmanns Reinhard Eelega wähl- ten die Gläubiger zum Verwalter den Kaufmann Conradi. Die Passtva betrugen 21 300 Mk., denen für die Gläubiger ein Prozentsatz von 5 pCt. als Aktiva gegenüberstand. Auch dieser Prozentsatz ist verloren, und zwar so, daß für die Gläu- biger nur ein Prozentsatz von etwa 3 pCt. übrig bleibt, da f lckltcherweise in diesem Konkurse die Waarenbestände durch emer noch nicht verkaust waren und so nur etwa 450 Ml- baar, die vorhanden waren, feblen.— Endlich wurde im Konkurse des Schirmfabrikanten Berthold Doktor, in Firma Berthold Doktor u. Co., der Kaufmann Brinckmeyer zum Ver- «alter erwählt. Die Passtva in diesem Konkurse benagen 98 734 Mk-, welchen eine Dividmde von 11'/« vCt. gegenüber- stand, während jetzt den Gläubigem in Folge der Unterschla- gungen Wemer'S nur eine Dividende von IVio pCt. in Aussicht steht. Das bereits in der Masse vo.handen gewesene Baarvermögm von über 12000 Mk für d,e Gläubiger hat Wemer ebenfalls, wie alle anderen Barbestände, die in seinen Händen waren, unterschlagen. Der Verbleib der 97 000 Mk., die in dessen Kasse fehlen, ist bis letzt noch nicht aufgeklärt, man kann eben nur das Fehlen derselben kon- statiren." I« London, so hat die Erfahrung gelehrt, ist der Monat 'er d-r Monat der Selbstmorde. Wen November d-r Monat der Selbstmorde. Wenn die ttüben Tage hereinbrechen mit dm erdrückenden Nebeln und der stickigen Luft, die sich schwer auf Kopf und Lungen legt, dann ergreift die Engländer eine Verdrossenheit, die sich der mcht ganz sattelfesten Köpfen zu hochgradiger Melancholie steigert und zum Selbstmord führt. Hat das trübe, dabei doch wimer warme, außergewöhnliche Wetter der vergangenen Woche auch bei unS solche Folgen gehabt? Oder ist dre schnelle Aufern� anderfolge von Selbstmorden in den besseren Kreisen auf andere Gründe zurückzuführen? Die Liste ist geradezu er- schreckend, ein Fall jagt den anderm, noch hat man sich von dem Stauneu über die neueste That nicht erholt, so folgt die allerneueste. Den Anfang machte ein Schüler, der seine Nichtversetzung nicht überwinden konnte und fich angesichts der Lehrer in der Aula der Schule erschoß. Ihm folgte bald ein anderer Knabe, der eine Rüge des Vaters und die Verweigerung von Taschengeld verdrießt. Ein Bankier scheidet arS oem Leben, angeblich auS Lebensüberdruß; ein Beamler, weil er fich gewaltige Veruntreuungen hat zu Schulden komm.» lassen; ein Kaufmann glaubt fich von unheilbarem Leiden befallen; ein Ingenieur trauert um die Trennung von seiner Frau, ein Referendar aus Furcht vor dem Examen. So verschiedenartig auch die Motive zu den unseligen Thatcn find, zwei Dinge find all' diesen Fällen ge- mein; in allen Fällen haben die Unglücklichen zu einem Revolver gegriffen, und in allen Fällen befanden fich die Selbst- mörder in guten Verhältniffm. Den Fall Werner scheiden wir aus. Hier liegt nichts Räthselhastes vor. Daß Jemand, der seit Jahren dem Moment entgegensehen mußte, rn welchem ihn das Verhängniß ereilen würde, es vorzog, Hand an fich zu legen, statt ins Zuchthaus zu gehen, ist naheliegend. Ader für alle die anderen Fälle fehlt jede Spur einer Erklärung. Sie find zu verschiedenartig, um fich generalifiren zu lassen. Daß etwas wie Ansteckung die späteren Fälle veranlaßt hat, scheint indessen unzweifelhaft zu sein. Die Erfahrung hat ge- lehrt, daß es auch auf diesem traurigen Gebiete Epidemien giebt. Hoffen wir, daß der Höhepunkt nun überschrittm ist, daß die beginnende Woche uns eine freundlichere Pflicht auf« erlegen wird, als die Verzweiflungölhaten zu registriren, die der vergangenen ihre Signatur aufgedrückt haben. g. Recht verhängnißvoll wurde eine neue Heil- Methode für die Familie eines in der Lindenstraße wohnenden Restaurateurs E. In derselben erkrankte am 10. d. M. das 10 Jahre alte Töchterchen, so daß die besorgten Eltern sofort einen in derselben Straße wohnenden Arzt zu Rothe zogen. Derselbe stellte die Diagnose und verschrieb alsdann ein Rezept, nach welchem dem kranken Kinde zw.»mal täglich ein Lösset mit gereinigtem Terpentin zu verabreichen war. Hierbei be- merkte der Arzt, daß rieses energische Mittel als eine neue erfolgreiche Heilmethode anerkannt worden sei und vielfach mit großem Erfolge Anwendung gefunden habe. Von dem Tage ab verschlimmerte fich der Zustand deS Kindes, welches am 17. d. M. seinen Leiden erlag. Wenn die bestimmte Annahme der durch den Tod ihres Kindes tiefbettübter Eltern richtig ist, daß dem Kinde das vorgedachte Medikament nur vom Nachtheil gewesen und die Krankheit bezw. den Tod beschleunigt hat, so dürfte der traurige Vorfall als Warnung dienen, diese neue Heilmetbode fernerhin anzuwenden. R. Verunglückt. Der in der Ledemann'schen Fabrik, Manteuffelstr. 116, beschäftigte Gürtlergeselle Kessel, gerieth Montag Vormittag mit dem rechten Arm in ein Zahnrad, wodurch er schwere Verletzungen erhielt, sodaß er sofort auf der Eanitätswache Hilfe suchen mußte. Das neueste„Marineverordnungsblatt" bringt die amtliche Bekanntmachung des Chefs der Admiralität, wonach die Kreuzerkorvette„Augusta" vom 1. Ottober d. I. als ver« schollen zu betrachten ist. Poltzeibericht. Am 19. d. Mts., Morgens, sprang ein Dienstmädchen hinter dem Grundstück Gitschinerstraße Nr. 1 in selbstmörderischer Abficht in den Landwehr- Kanal, wurde jedoch gerettet und noch lebend nach der Charitee gebracht.— Um dreselbe Zeit wurde ein Mann in einem Hause in der Lindenstraße am Treppenpfosten erhängt vorgefunden. Seine Leiche wurde nach dem Obduttionshause geschafft.— Um dieselbe Zeit und auf gleiche Weise machte ein Mann in seiner in der Weißenburgerstraße belegenen Wohnung seinem Leben ein Ende, nachdem er vorher den Versuch gemacht hatte, fich mittels Revolvers zu erschießen.— Am Vormittage desselben Tages machte ein 14 Jahre alter ArdeitSbursche einen Selbstmordver- fuch, indem er fich auf dem Bahnhof Älexanderplatz vor einen einlaufenden Zug warf. Er wurde von dem Räumer der Maschine erfaßt und von demselben etwa 20 Schritte weiter fortgeschoben, ehe der Zug zum Stehen gebracht wer» den konnte. Er hat anscheinend nur leichte Ver- letzungen davongettagen.— An demselben Tage, Nach- mittags, wurde eine Arbeiterfrau in ihrer in der Britzer« straße belegenen Wohnung erhängt vorgefunden.— Zu derselben Zeit machte ein Dienstmädchen in der Louisenstraße den Versuch, fich mittelst Oleums zu vergiften. Dasselbe wurde noch lebend nach der Charitee gebracht.— An demselben Nachmittage wurde ein vor mehreren Tagen in einem Hotel ange- kommener Gast im Bette liegend todt aufgefunden. Derselbe scheint in der vorhergegangenen Nacht am Schlagflusse verstor- ben zu sein, da nach dem Befunde der Leiche ein Selbstmord nicht wahrscheinlich ist.— Am Abend desselben Tages erschoß fich ein Mann in seiner in der Müllersttaße belegenen Woh- nung mittelst einer alten Flinte.— Um dieselbe Zeit wurde hinter der Mühlenstraße dre Leiche eines etwa 45 Jahre alten Mannes, nach einem bei derselben vorgefundenen Steuerzettel anscheinend die des Arbeiters Eiewert, in der Spree ange- schwemmt und nach dem Obduttionshause geschafft.— Am 20. d. M früh sprang eine Frau in selbstmörderischer Abficht von der Lberbaumsbrücke in die Spree, hielt sich jedoch hilferufend an einem Pfeiler fest. Sie wurde ans Land geholt, nach der Wache des 45. Polizei-Reviers gebracht uyd dort ihrem Ehe- manne übergeben. Sie gab Krankhett als Veranlassung zum Selbstmordversuch an._ Gerichts-Zeitung. Nürnberg, 17. Ottober. Ein interessanter Prozeß kommt nächsten Montag, Vormittags halb 11 Uhr, vor dem hiefigen Schöffengericht zur Verhandlung. Der RcichstagSabgeordnete Grillenberger hat in seiner Eigenschaft als Prokurist der Ver- lagsfirma Wörlein und Komp. gelegentlich der bezirksamtlichen Konfiskation der Broschüre„Der Jungfrauenttibut im moder- nen Babylon" gegen diese Maßregel persönlich Beschwerde ge- führt und dabei fich erlaubt, einen PassuS in der famosen„Be- gründung", die Herr Assessor v. Andrian losgelassen, als ten- denziös und gehässig zu bezeichnen. Dieserhald fühlte fich der Herr Assessor in seiner Berufsehre aekräntt und hat Beleidigungs- klage gestellt. Grillenberger erhob hierauf Widerklage wegen zweier Beleidigungen, die ihm von dem Beamten zugefügt worden. Herr v. Andrian, der Widerbeklagte, ist als Zeuge gegen den Erstbellagten geladen, da die gegenseitigen„Beleidr- gungen", unter vier Augen verübt wurden. Entweder darf nur dieser Zeuge, der zugleich Beklagter ist, nicht vereidigt wer- dm, oder es muß auch der Beklagte Grillenberger in seiner Klage als beeidigter Zeuge zugelassen wer- dm. Es ist nicht ausgeschloffen, daß, je nachdem das Urtheil ausfällt, auch die höhere Instanz und eventuell das ReichSge- richt fich mit dem cigmthümlichen Fall zu beschäftigen haben wird. Osnabrück, 18. Oktober. Nach fünftägigen VerHand- lungen bei Doppelfitzungen ist gestern Abend gegen 9 Uhr endlich der Prozeß Rößler beendet. Bekanntlich wurde Rößler vor etwa einem halben Jahre zu 1'/« Jahr Gefängniß ver- urtheilt, wogegm sowohl er wie auch dre Staatsanwaltschaft die Reviston einlegte. Der gestern gefällte Urtheilsspruch lautet auf zwei Jahre Gefängniß. Der Verlhcidiger Rechtsanwalt Wellcnkamp bemühte fick in dreistündiger Rede, die vom Staatsanwalt Spengler in nahezu ebenso langer Rede he- gründete und mit einem Strafantrag auf fünf Jahre Zucht« liaus schließmde Anklage»u entkräften, doch gelang es ihm nicht, die Richter von der Unschuld seines Klientm zu üherzeugm, nämlich zu der Annahme zu bestimmm, daß die von dem Taubstummendirettor Rößler mit dm ihm anvertrauten un- glücklickm Kindern lange Jahre hindurch vollzogenen unstit- lichen Handlungen als Ausfluß einer„absolut nolhwendigcn Lehrmethode" anzusehen seien. Der össentlicken Mein» mit dieser Verurtheiluna die erwartete Gmugttmii« geben; denn mag man die Motive Rößlerts, welche ihn c tich bei seinen mkriminirten Handlungen geleitet W urtheilen wie man will, sogar im Sinne seiner Entschuld soviel ist indeß klar, daß, würde die von ihm vertrete» praktisch geübte Theorie in allen Taubstummenanstalt!» Methode und Praxis, eS mit der Moral dieser Anstel! Ende wäre und kein rechllicher Vater seine Kinder/ Instituten übergeben dürfte. Da für Rößler 12 000■ Kaution gestellt find, so hat man ihn schon gleich«» endigung des ersten Prozesses auf freien Fuß gesetzt,» er fich auch jetzt noch bis zum Eintritt der Rechtskraft d kenntnisseS defindet. Die ungeheuren Kostm des ff fallen der Staatskasse zur Last, da Rößler bekanntlia während seiner Untersuchungshaft die eheliche Güteri» schaft ausgeschloffen hat und kein eigenes Vermögt»- Die Verhandlungen fanden bei verschlossenen Thür«» Indeß hat dieser Prozeß schon jetzt ein trauriges 3p im Gefolge. Die eidlichen Zeugmaussaqen im Rößl� sollen ergeben haben, daß ein früherer Lehrer der hiesig» s i».$ litt „_ Die in lleidung de statt, Mehring, jetzt Direktor der Taubstummenanstalt!• während seiner Thätigkeit dahier fich ganz gleicher!».™0n Vergehen schuldig gemacht habe, als fem damals vdi tLavIrchen, Direktor. Er war zu dm Verhandlungen nach hier? und wurde gerade als er gestern Abend 11 Uhr im v stand, nach Zeitz zurückzurersen, auf dem Bahnhofe und inS UntersuchungSgefängniß abgeführt. Der VoW allgemeines Aufsehen. Vereine und Versammlungl be. Polizeilich aufgelost wurde die gutbesueb», munalwählerversammlung, welche am Montag, den 13.v im Luisenstädtischen Konzerthause unter Vorfiv det Krause stattfand. Der Stadtverordnete Herr Görcki» über„Die Stellung der Arbeiter zu den beoorstehendck munalwahlen". Nachdem er daS Verhalten der„Ii* Majorität der Stadtverordnetenversammlung gegenü» Reformvorschlägen zur Miethssteuer einer Krrtik u# hatte, lenkte er die Aufmerksamkeit auf die Höhe einig«' im StadthaushaltSetat, die der Kommune— nach A»!» Redners— nicht dm geringsten Nutzen brächten.& z, B. jährlich eine Summe von 1200 M. zur SpeM Mitglieder der RekrutenauShebungskommisfion verwandt-! wurde der Repräsentationsfonds sehr oft überschritten,? in diesem Jahre durch die Bewilligung der 15 000? Festmahl zu Ehren der Mitglieder der Telegraphen�» Einen neuen Beweis von der Arbeiterfreundlichkeit d» munalbehörde gab eine Vorlage, die für die' Sitzung zur Berathung gestellt wordm sei, dah?k über eine Petition, Volksbadeanstalten zu errichten, zi»! ordnung überzugehen. Bei derartigem Verhallen sei Wunder, daß die liberale Partei fortwährend an SW verliere. Die Verbesserungen, welche die Stadtoer? Versammlung auf Beschluß ihrer Majorität wirklich' habe, wären nur eine Folge der Verhältnisse gewesen' sei nicht richtig, fich hiermit besonders brüstm zu wolle»- man better sammenhan heitswidria uivischer% waffer- uns einiger Z?i fitzt so schi nutze, wer! definden in hüllte er- und einige wollene un tsagcne Lei tottung in Äö �ntmicfclui �Der fl 5� von Dooe i? Ftühjabr t und Schi, tefi S&. wi welcher< Allgemein dem Wind U,, 1»", v-vm,,» WIVlIVtLS gu wv»—„ Und wenn stch nun, was dmn die Bürgerpartei Gutes für? Unlauf gel «»K« geschaffen habe, so käme man zu demselben 3? Thorheit v Wenn es fich darum gehandelt habe, die Löhne der stft wandes m Arbeiter zu bestem, da habe sie, innig verbunden mu. altehrwürd sonst so verhaßten liberalen Partei, dahinzielende Fok°? stets abgelehnt. Daran müssen die Arbeiter erkennen, mit aller Energie dafür eintreten müssm, daß Piännrt' werden, welche die berechtigten Interessen der Arbeit«» wegt vertreten.(Lebhafter Beifall.) Es wurden stimmig für den 19. Kommunal. Wahlbezirk Herr 3uM für dm 21. Herr Herzfeld als Kandidaten pro Folgende Resolution wurde wurde einstimmig an?«"'* „Die heute im Louisenstädtischen Konzerthause tag# munalwähler-Versammlung erklärt stch mit den Aussü!» des Referenten einverstanden und verspricht, bei SfiL stehenden Kommunalwahlen mit allen ihr zu Gebote' gesetzlichen Mitteln nur für solche Kandidaten wollen, welche voll und ganz auf dem Boden der g der Arbeiterpartei stehen." Hierauf erhielt Herr Wort:„Ich erkläre," so begann er,„daß ich vollkoi»? dem Programm der sozialdemokratischen Arbeiter»!»� und"...... bei diesen Worten erhob fich der über? Beamte und löste die Versammlung auf Grund de»> Sozialistengesetzes auf. In der Versammlung de» Fachvereins der * �____ ms ui» a welche am 18. d. M. in Mundt's"Salon, Köpnilke? Autorität i genommen, Hautbekleil ich sie nie gewöhnen.' Um zi Kleidung r Rechtwarm schließlich i man stch ii Ofens hin nämlich da der Strahl stch giebt. achten, da sondern da unsere nat IfeiS der Ausdü % 86] tagte und stark besucht war, wurde die Errichtung einer? H," � Unterstützungskasse beschloffen. Nach dem von derJL fai(fn' a lung genehmigten Etatut. welches bereits am 19. QJ Luftfif.;*«1 Kraft getreten ist. soll jedem wandernden Töpferaefi?"K-cht fich als soleber genügend legitimirt, innerhalb 3 Mo»%-- n mal eine Reiseunterstützung gezahlt werden. Die L Unterstützung beträgt für Fachvereinsmitglicder 75" Nichtmitglteder 50 Pf. Mitglieder eines Fachven' fich an dem Orte, wo fie zuletzt Mitglieder waren, nungsgemäß abgemeldet haben, erhalten ebenfalls% Unterstützung. Die Zahlstelle der Wander- Unterstütz? befindet stch für Berlin bei Herrn Bormann, Bntz� Daselbst befindet fich auch der Arbeitsnachweis. noch einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt derte Herr Thieme die Mitglieder der Zentral-K#»> Sterbekaffe der Töpfer auf, in der am 26. Oktober, fellit's Lokal, Grcnadierstr. 33, stattfindenden VÄz recht zahlreich zu erscheinen. Hierauf erfolgte der � Versammlung.. j vezirksverei« des werkthätigen Volkes d# hauser Vorstadt. Mtttwoch, den 21. d. M.. Uhr, in Mrtster's Lokal, Schönhauser Allee 161, sammlung. T-O.: 1. Vortrag des Abgeordneten Singer. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. � kommen. Neue Mitglieder werden ausgenommen-' glieder werden auf§ 5 des Statuts aufmerksam ersucht, die Petitionsltsten, betr. Arbeiterschutzgesetz, mit Unterschriften zu versehen und bei den Vorstand» abzugeben. Der Kachverein der Tischler hält heute straße 68 in Kurz»~ann's Lokal eine Versammlung Tagesordnung: 1) Bericht des Bevollmächtigte»' lesung des Kaffendeiichts vom III. Quartal. 3) und Fragekasten.— Gäste find willkommen; Fluthen q neueM werden aufgenommen. Billets zu dem am 14. Ng»«!w findenden Tanzkränzchen des Vereins find in der M zu haben. Oeffentliche Versammlung der Metall,. Facondreher und BerufSgenossen. Mittwoch, Abends ä Uhr, Manteuffelstr. 9. Tagesordnung! noch, als und Brus blick blieb beckt zu n Haaren, u n>elchen ei , Er u zweite ««Ii Gest ®chto ausgearbeiteten Minimal. Losntarifs. Der R(fei%,%: t Versammlung tukannt�gemacht werden. Bei der�W�» stch Tagesordnung ist eS Idte Pflicht eines jeden. Versammlung zu erscheinen und bitten wir unser« für die weiteste Verbreitung dieser Bekanntmacht» tragen zu wollen. Briefkasten der Kedaktio� zigkeite« zu vermeide«.«%„? Verantwortlich« Redakteur R.«ronhei« in Berlin. Druck und Verlag von Rax vadtng in Btrlin 8W, veuthstraße 2 Um Urtregelmäßit....... �_________. Annonzen für da»„Berliner Volksdlatt"«»». Expedition, Zimmerstr. 44, aufzugeben. Vkdliö S S . t Mit indem er Hier,» n Meine xuatiwuK ilche ihn c Itet �>b5 Entschuld. vertrete« ranstalten LI v'i-. gleich«" ekanntlm ! Güter«- leint ofl««1 # >er hiestS- anftoll jj leicher Iß. nals vor? ck hi-rf ihr im k mhofe? :r Vorfa« lungl utbesuM den 13.0 S?- F°ß e einig� ach W" ten.& r 6p«N crroaniM hritten,? 15 000% ravhenv« ichkeit W, !& zä i an Ans tadtoerr« lirklich» Sewtl« r wollerr- tes für' den m«' de For�. kennen i. Beilage zum Berliner Bolksblall. Kr»$46. Mittwoch, de« 2L Oktoder 1885» II. Jßchrg« is3;s ■II Zedote m n der Z sa leiten"1-. er über? md des- 18 der � löpnii iß einer,. rs'cs iSÄ z 2K01 Die Ver'5, chverern». '•»I eiS.-' i0t Zur hWrimschw Klniimirilumz. Von Dr. P. Niemeyer. (Nachdruck verboten.) Die in der ärztlichen Berathunpsstunde jetzt übliche Eit» lleidung des Heilbedürftigen behufs Untersuchung seines Körper- inneren führt namentlich da, wo fich's um Brustleidende han- delt, schon bevor die letzte Hülle fällt, zur Entdeckung von schädlichen, zur Schwere des Leidens in unmitlelbarem Zu- sammenhange stehenden Lebensgewohnheiten, nämlich gesund- Herls ividnacr Art der Bekleidung. Beispielsweise kam ein poli- llinischer Patient, dem wegen katarrhalischer Hustenbeschwerde waffer- und luftfreundliches Ergehen verordnet worden, nach mniger Zeit mit der Klage wieder: trotzdem er bade und das ntzt so schöne, warme Wetter zu fleißigem Spazierengehen aus- iiutze, werde der Husten doch nicht besser und sein Allgemein- definden immer hinsälliger. Geheißen, fich zu entkleiden, ent- hüllte er— an einem Tage mit windstillem Wetter von 20 und einigen Graden Wärme— nicht weniger als drei halb- wollene unter dem Leinenhemde, der Weste und dem Rocke ae> wagene Leibjacken!—„Sich recht warm halten und vor Er- kaltung ii. Acht nehmen", so hatte er schon von seiner Frau Muhme gelernt,„sei bei Neigung zum Husten die Hauptsache". Jtatl und warum vom bygiernischen Standtpunkte just diese dichte Einhüllung des Oberkörpers als Ursache der angeblichen -Verschlimmerung beschuldigt werden mußte, möge aus folgender �dtwickelung klar werden. „. Der Zw ck der Bekleidung geht, abgesehen von ästhetischen w?..,dergl. Gestchtspunkten. dahin, unseren Leib einerseits vor - ü, andererseits aber auch vor Erhitzung zu bewahren, unv to hat die Praxis ganz besonders unter unseren heimischen, Dove als„daS beständige Aprilwetter der ganzen Welt" «n �zeichneten Klimaverhältniffen fich von der gedankenlosen /f'dde zu befreien, welche, wenn nun einmal Winter im stand, den Bukskinüberzieher unentwegt bis zum Srühjahr trägt, gleichgillig, ob draußen schon Blumen sprießen und Schmeiterlmge umherfliegen. Andererseits fällt zur Sommerszeit das Thermometer manchmal so tief, daß Schwäch- "tige im bloßen Sommeranzuge entschieden zu geringen Schutz Genießen. Am gesundheitswidrigsten handeln die, welche, was Leibwäsche betrifft, jahraus jahrein dieselbe dichte Hülle tragen, m welcher ste aus Schnupfen und Errältung nicht herauskommen. Allgemein gesprochen: man soll stets Rock und Mantel„nach dem Winde, oder auch, wenn er nicht bläst, gar nicht tragen und wenn ich hiermit den durch einen falschen Apostel in Unlauf gebrachten Spruch:„Wer weise, wählt Wolle," als Thorheit verwerfe, so bedarfs zur Begründung gar keines Auf- wandes meinerseits, sondern nur der Berufung auf unseren altehr aürdigen, ja auch von Herrn Jäger fortwährend als Autorität angerufenen Hufeland, welcher erklärt:„Im Ganzen genommen, glaube ich, daß es nicht gut wäre, wenn die wollene Hautbekleivung allgemein eingeführt würde. Wenigstens würde ich fie nie einem gesunden Kinde oder jungen Menschen an- gewöhnen." Um zu begreifen, daß und warum wir uns in dichter Kleidung viel eher zu erkälten Gefahr laufen als das gewünschte Rechtwarmhalten erzielen, ja daß letzteres auf diesem Wege schließlich nicht einmal mehr vom Pelzkleide geleistet wird, muß man fich in die Eigenart unseres Körpers als eines lebenden Ofens hineindenken. Vom leblosen Ofen unterscheidet er fich nämlich dadurch, daß er Wärme nicht blos auf dem einen Wege der Strahlung, sondern zweitens auch durch Ausdünstung von fich giebt. Von der Beziehung der Kleidung ist femer zu be- Güten, daß nicht das Gewand als solches uns„warmhält", sondem daß es nur mittelbar Verwerthung findet: wie schon unsere natürliche Oberhaut nach Art der Glasur am Kachelofen jähe Entweichen der im Jnnem entwickelten Wärme auf« M. so kommt unsere Kleidung als eine Art Hilfshaut hinzu, � aber gleichzeitig einen Theil der bereits ausgetretenen Wärme Nischen fich und unserer Hautfläche, zumal wenn fie nicht um widrig eng anliegt, festhält. Einerseits also lassen wir, fril,. ,! Meister Pettenkofer zu reden„unsere Kleidung für uns flin!' andererseits kann die Kleidung diese Aufgabe erst er- iW%.."wbdem wir selbst fie und die von ihr eingeschlossene Luftschicht„geheizt" haben. h,. af0ti der anderen Form der körperlichen Wärmeabgabe, " Ausdünstung, merken wir, weil bei ruhigem Verhalten in SSäteW! wtlrtaLj JeuMeton. 86J i«» WormoneNmädche«. Amerikanisch« Erzählung von «aldui» Möllhause«. (Fortsetzung.) An die Oberwelt. sU% ilung m 19 etftBfS s» nat mm °i« dahin, wo er festen Fuß zu faste« vermochte, zu er Neigen. Mit Hilfe de, Mohave« gelangte er leicht hwauf. und indem er etwa» zur Seite trat, schaffte er so viel Raum, elastisch-flüssiger Gestalt erfolgend, unter gewöhnlichen Um- ständen nick» viel. Deutlich ficht man ste aber als Dampfsäule im kühlen Brauseraume der Badeanstalt aus den Poren aus- strömm und in strenger Kälte gefriert, wie Nordpolfahrer erzählen, die im Freien abgelegte Rockkleidung von den darin angehäuften Dünsten fest wie Blech. Bei uns zu Lande braucht man nur einmal einen Gummimantel bei lebha'ter Bewegung zu tragen und sehr bald wird man seine Innenfläche mit dem tropfbar-flüsfigen Niederschlage bedeckt finden. Auw mitwolle- ner Unterleibwäsche fühlt man ost genug solchen Niederschlag auf Rücken und Brust erfolgen und kann fich davon, wenn man nicht sogleich trockene anzieht, bestens erkälten. Wenn das nicht, so fühlt man fich doch überhaupt beklommen und verfällt unwillkürlich darauf, durch Lüftung der Kleidungsstücke Befreiung zü schaffen. Wer an der Hand dieser naturgeschichtlichen Erläuterung das Verhalten der geschlossenen Binrenraum bei Versammlungen aller Art Ueberzicher ausharrenden Gesellschaft prüft, wird fich einej deren Vers darauf machen, wenn er anderen Tages zr dekommt, man habe fich„auf dem Nachhausewege vom � Konzerle rc. in der„bösen Nachtluft" erkältet!— rheater, „Die luftdurchläsfigste Kleidung hält am wärmsten!" dieser Pettenkoser'sche Lehrsatz, in welchem man vor den zwei letzten Worten„weil trocken" einschalten könnte, hat auch der ihn viel- leicht mit ungläubiger Miene Lesende unbewußt schon am eigenen Leide bestätigt gefunden, als er z. B. einen neuwattir- ten Ueberzieher oder Schlafrock anlegte und nun„mollige" Wärme empfand, welche dem ursprünglich ebenso gut gefütter- ten abgelegten Stücke abhanden gekommen. Nun wohl! Dieser Unterschied erklärt fich also: frische, locker liegende Watte führt in ihren Zwischenräumen so viel mehr Luft, als alte zusammen« gedrückte, daß fie— nach physikalischen Versuchen— um 40 pCt. wärmer hält! Nur Unverstand kann, wie's geschehen, diese Lehre so auS- legen, als hielte die dünnste Kleidung am wärmsten; begreiflicher Weise handelt fich's zunächst um den Stoff, von dem man nun je nach Witterung und Bedürfniß zwei, drei und mehr Lagen anthun mag. In Bezug auf den Schnitt erklärt fich die Hygieine, besonders was männliche Bekleidung betrifft, gegen das Rockfuteral und für den von den Frauen betbehal- tenen Mantelschuitt(Toga) des Alterthums, welcher, wett- schichtig anliegend, nach Bedarf sogleich mehr oder weniger ge« lüftet, oder ganz abgelegt werden kann. Als Stelle, wo daS Ganze zu schließen, schuf die Natur im und am Schulter- gürtel nicht blos den geeigneten Träger, sondem auch den Theil des lebenden O�ens, der ganz eigentlich der— Ofenklappe des leblosen entspricht. Die nach dem Gesetz des„aufsteigenden Stromes" entweichende Dunstwärme drängt nämlich am bekleideten Körper nach Art des„ZugeS da hinaus, wo der Kragen leicht offen steht und darum Empfindliche so leicht frieren. Verhütet wird dies, überhaupt die„Klappe" richtig geschlossen, dadurch, daß man ein dreieckiges Tuch nicht, wie Männer pflegen, zusammengelegt umwurstelt, sondem nach Mädchen- art am Nacken herab glatt umhängt. Als weiterer, im größeren Umkreise die Wärme zusammenhaltender Ver- schluß kommt nöthigenfalls der altmodische Mantel oder noch besser der in allen Richtungen fügsame und weit- schichtige Plaid hinzu, und zwar aus Wollenstoff, unter dem Kränkliche oder Genesende als zweite Schicht den mit Watte oder auch wohl mit Daunen gefütterten Stepprock tragen mögen. Auch den von Jäger fabrizirten, dem württemberger Schlltzenrock nachgebildeten Wollenrock mag, wer am Schnitte Gefallen findet, als zweite oder dritte Schicht darum wählen, weil er besser als der Plaid berufliche Hantierung gestattet. Unter allen Umständen aber weg mit der Wolle alS Leib- wasche!— Vollends gesundheitswidrig handeln die, welche über wollene Unterjacken noch die ganz luftundurchlässtge, weil gestärkte Hemdbrust, einen wahren Blechpanzer, tragen! Bei aller Anerkennung für die Mühe, welche fie sich mit Wringen, Stärken, Blauen, Plätten dabei geben, glaube ich doch unseren trefflichen Hausfrauen auch für ihren Theil eine Erleichterung anzubieten, wenn ich hiermit Beseitigung dieser die hygieinisch gewöhnte Männerbrust wie ein Alp drückenden Chemisette-Tracht beantrage. Als gesunde und reinliche Leibwäsche empfahl ebenfalls schon Hufeland unge« stärkte Leinwand oder Baumwolle(Shirting). Hat fich aber Jemand nun einmal an's Tragen von Unterjacken gewöhnt, daß«och mehrere Personen neben ihm auf dem schmale« Felsenrande Platz fände«. Der Häuptling war so lange keinen Zollbreit von seiner zuerst eingenommenen Stelle gewichen; sobald er aber den Delawaren oben sah, neigte er sich der Spalte zu, einen kurzen Laut in dieselbe hrneinsendend. Alsbald ließ sich ein reibendes Geräusch in derselbe« vernehmen, und im nächsten Augenblick streckte er seine Hand au«, um zuerst des Schwarze« Bibers Büchse und demnächst seine eigenen Waffen in Empfang zu nehmen. Nachdem er dem Delawaren Beides hinaufgereicht, gab er wieder ein Zeichen hinein, ein kurzes Plätschern folgte, und gleich darauf tauchte neben ihm der lange Bootsmann empor. Derselbe hatte es verschmäht, sich zu entkleiden; es schien ihm diese Vorsicht zu tief unter der Würde eine, Seemannes zu stehen. Er war aber nicht nur voll- ständig bekleidet, sondern in dem Lederriemen, der sein Zeug nothdürftig über den Hüften zusammenhielt, steckte auch sein unzertrennlicher Freund, der blank geschliffene Kullaß. Nur wenige Sekunden gebrauchte er, um das Wasser auS seinen Augen zu reiben und sich von der Lage der Lerne zu überzeugen. Schnell fuhr er dann mit der Hand so tief in die Spalte hinein, als er mit seiner knochigen Faust nur kommen konnte, und vorsichtig zog er seinen Revolver und sein an denselben geknüpftes seidenes Halstuch hervor. Mit raschem Griff befestigte er die Waffe, um sie gegen Feuch- tigkeit zu schützen, an seinem Halse, und dann nahm er in derselben Weise den ihm dargereichten zerknitterten Theerhut in Empfang. Nachdem er denselben gerade gebogen und auf sei« Haupt gestülpt, ergriff er die Leine, und ohne auf Kairuk'« Hilfe zu warten, zog er sich, nur seine Arme gebrauchend, mit einer solchen Leichttgkett zu dem Delawaren hinauf, daß dieser, der sich noch nie an Bord eine« Seeschiffe, befunden hatte und daher die auf denselben herrschenden Gebräuche nicht kannte, auf's höchste darüber erstaunte. Letzterer hatte fich nämlich nur schwer dazu entschlossen, den Boot, mann mit auf seine gefährliche Expedition zu weil ihm das von Ausdünstung durchtränkte Leinenhemd un- zuträglich, so wähle er behufs langsamer Entwöhnung„hy- groskopisck rascher arbeitende" Stoffe: die bereits weltbe- rannten Freiburger auS Baumwolle oder Seide neygeknoteten Filetjacken oder die höchst angenehme und dabei sehr haltbare, in Basel und Zofingen gefertigte Kreppseide; mag bei einer Bewegung das Leinenhemve feucht werden, der Korper selbst bleibt trocken und behaglich. Im übrigen darf vom hygieinischen Standpunkte durch das einmal feststehende Rezept eines„Regimes" ebenso wenig Zwang geübt�berden, wie dies Vernünftige schon von der Mode nicht-nnehr haben wollen, sondern wenn irgendwo, so trifft hij�ver Satz zu:„Eines schickt fich nicht für Alle." lk SrniiiiMuljk r« dm Form dn pcHschm&nrritl-5i|nok Auf der Tagesordnung steht als erster Gegenstand die Berichterstattung über die vorliegenden Anträge, betreffend die Sonntagsruhe. Referent Prof. Dr. Förster(Halle) äußerte fich hierzu folgendermaßen: Die Frage der Sonntagsruhe sei eine sehr brennende und dringende, namentlich aber in der Provinz Sachsen, wo nach der Zurücknahme der bekannten Verfügung über die Sonntagsruhe ein Zustand der Unklar- heit eingetreten ist, der auf die Dauer unhaltbar ist. Es müsse unter allen Umständen in dieser Frage ein Definitivum ge- schaffen werden. Daß das Bedürfniß nach einer Regelung der Sonntagsfrage in weite Kreise gedrungen ist, beweisen die auS den verschiedenen Provinzen eingegangenen Anträge, namentlich die aus der Provinz Sachsen, Brandenburg und die der Berliner Stadtsynode. Wenn die Generalsynode in dieser Frage ein einmüthiges, klares Votum abgebe, dann weroe fie eine That vollbringen, welche noch größer erscheine, als manche andere dieser Versammlung. Aus den vielen vorliegenden Eingaben geht u. A. hervor, daß in einem Falle ein Kirchenbeamter, ein Küster, gezwungen worden ist, an einem Sonntage zu einem Termine in einer Unter- suchungsfache nach der Kreisstadt zu fahren. Der Richter habe zwar gesagt, daß es eine dringende, unaufschiebbare Sache sei, indessen andere dieS doch nichts an dieser Angelegenheit. Ebenso müsse dahin gewirft werden, daß durch eine Aenderung der Ferienordnung das Ab- und Zureisen der Schüler abae- schafft werde. Er bitte dringend, daß die Synode das ihrige thun und dem Staate nun überlasse, das seinige zu thun. ÄuS diesem Gesichtspunkte empfehle er Namens der Kommisston zu beschließen:„An den Ev. Ober-Kirchen-Rath das Ersuchen zu stellen, bei dem Königlichen Staatsministerium, und durch dasselbe bei dem Bundesrath des Deutschen Reichs, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß durch eine einheitliche Gesetzgebung, sowie durch Anordnungen der Verwal- tungsdehorden die Eonntagsordnung mehr, als bisher zur Durchführung gebracht werde, so daß 1-1 die Organe des Staates rückfichtlich ihrer eigenen Thätigkeit, wie rückfichtlich der von ihnen ausgehenden Maßnahmen sich ihr unterordnen;— 2. die Beamten der öffentlichen wie der privaten Verkehrsanstalten ebenfalls ihren Sonntag haben;— 3. die landrvirthschaftlichen Arbeiten und die gewerblichen Ar- betten in Fabriten, Werkstätten und bei Bauten nur stattfinden dürfen, wenn dieselben ihrer Natur nach keinen Aufschub oder keine Unterbrechung erlauben, oder wenn ein besonderer Um- stand fie erfordert;— 4. auch die sonstige gewerbliche Arbeit und der Geschäftsverkehr, wie in Verkaufsläden, Komloiren, auf daS dringendste Bedürfniß eingeschränkt werde;— 5. durch strenge Ueberwachung der Vergnügungslokale und Schau- ftcllungen die überwuchernde Völleret und die unfittlichen Ein- flüffe von den sonntäglichen Erholungen unseres Volles und seiner Jugend ferngehalten werde. Ferner wolle die Generalsynode beschließen: an die ihr zugehörenden General- Superintendenten das Ersuchen zu stellen, zur Weckung und Belebung„emsten Sonntagsfinnes und heiliger Sonntagsfreude" einen Hirtenbrief an die Ge- meinden der ihnen zugewiesenen betreffenden Provinzen richten zu wollen. Korreferent Syn. Stöcker(Berlin) degründet die einzelnen Sätze dieser Anträge durch die schon an vielen anderen ktrch- nehme«, indem er sich von dessen geräuschvollem Wesen de wo e« indianische Ohren zu täuschen galt, nicht viel Gute versprach. Derselbe bestand indessen so eigensinnig auf seine Absicht; dem verrätherischen Schlangen-Zndianer den Schädt zu spalten, daß weder Falk'S Bitten, noch Weatherton's Be fehle etwas über ihn vermochten. Er schwor hoch un' theuer, daß sie sich nicht an Bord eines Kriegsschiffes be fände«, wo er sich in die Disziplin zu fügen habe, und daj er lieber für seine Insubordination gehangen sein, als dein Enter« zurückbleibe» wolle. Nachdem man ihm eingeschärft hatte, daß daS leisest Geräusch ihrer Aller Verderben herbeiführen würde, lies man ihm endlich seinen Willen, und er bekundete sein 'Vorsicht und Ueberlegung, zu de. Schwarzen Bibers Beru higung, von vornherein schon dadurch, daß er die Schuh von seinen Füße» streifte, um nicht härter als eine Katz aufzutreten. Der Delaware wartete nur noch so lange, bis sich John Kairuk und noch ein zweiter Mohave zu ihm gesellt hatten worauf er sich an der Leine behutsam aufwärts zu bewege: begann. Gleich hinter ihm kam Raft, an diesen schlössen sid die MohaveS an, und ganz zuletzt endlich folgte Zohn, der weniger ehrgeizig, als der Bootsmann, der ruhige» Ueber zeugung lebte, daß e» überall etwa» für ihn zu thun gebe, würde. Langsam schlich der geheimnißvolle Zug an dem steiler Abhang hin. E» war vielleicht ein Glück, oaß La Batailll und einzelne Utah» daselbst hinunter- und hinaufgekletter waren und bei dieser Gelegenheit die losen Steine au, den Pfade, theil, absichtlich, theil» unabsichtlich entfernt hatte« Es würde ihnen sonst nicht so leicht geworden sein, unent deckt die Stelle zu erreichen, wo die Leine um den Fels block geschlungen war, und wo der Boden, weniger ab schüssig, freiere Bewegungen gestattete. Sie befanden sich dort nur noch gegen dreißig Schritt weit von den Utahs entfernt. Sie hätten dieselben, inden das Feuer die zusammen gekauerten Gestalten mehr oder min der beleuchtete, ganz bequem erschießen können; da sie abe befürchte» mußten, daß ein entkommener Utah, oder aus Itchen und nicht kirchlichen Stellen vorgebrachten Motive. Ein Volk könne nur so viel Religion haben, als eS Sonntagsruhe und Sonntagsfrieden habe. Die Sonntagsruhe sei die unter- läge zur Sonntagsheiligung und letztere sei die fittlich> religiöse Ordnung, auf welcher der soziale Bau aufgeführt werden muß. Dankbar anzuerkennen sei es, daß auf mehreren Gebieten der Verwaltung schon verschiedene Maßnahmen im Interesse der Sonntagsruhe getroffen oder noch in der Vorbereitung begriffen find, dankenswerth sei namentlich die im Gange befindliche Enquete. Trotz der letzteren habe die Generalsynode doch daS Recht und die Pflicht, ihren Standpunkt in dieser wichtigen Frage klar zu erkennm zu geben und bestimmte Vorschläge zu machen. Letztere seien dann selbst ein Stück der Enquete. Geheimer Kommerzienrath Stumm(Halberg bei Saar- brücken) schließt stck den vorliegenden Anträgen durchaus an und betont die Nothwendigkeit und praktische Durchführbarkeit der Sonntagsruhe auf dem gewerblichen und industriellen Gebiete. Alle Welt sei in ihrer Anficht über die Sonntagsruhe, alle Welt sei ferner darüber einig, daß man keinen englischen Sonntag haben wolle, daß Ausnahmen statthaft sein sollen, daß der Ochse, der in den Brunnen gefallen ist, auch am Sonntage Herausgeholt werden müsse. Einige Aeußerungen des Fürsten Bismarck zu dieser Frage seien ficker mißver- standen worden. Es sei ganz begreiflich, daß Fürst Bismarck, der dem Handel und der Industrie die kräftigste Stütze ver- lieben hat, in dieser Frage äußerst vorfichtig zu Werke gehe; daß er aber ein Herz für die Sonntagsruhe hat, zeige die große Sorgfalt, mit welcher die Enquete ausgeführt werde und wenn fich aus derselben ergebe, daß durch die Sonntagsruhe Handel und Gewerbe nicht geschädigt werde, so werde er bereit sein, auch der Durchführung dieser Frage seinen starken Arm zu leihen. Der christliche Staat könne fich seinen Verpflichtungen bezüglich der Eonntagsiuhe nicht entziehen und nur eine ein- heithche gesetzliche Regelung könne zum erwünschten Ziele führen. Der Sonntag müsse nicht nur für den Arbeiter, son- dem auch von dem Arbeiter geschätzt werden. Redner verweist auf seinen im Jahre 1878 ausgearbeiteten Gesetzentwurf, welcher alle Vorurtheile zu zerstreuen geeignet ge- wesen sei, da er dem Maße der erlaubten Sonn- tagsarbeit durchaus zweckmäßige Grenzen steckte. Der VerHand deutscher Industrieller habe leider ein wesentlich negatives Votum abgegeben, aber die vorliegenden Anträge finv auch für diesen annehmbar, denn die„wechselnden Fragen der Technik", welche demselben so arge Pein gemacht, seien in diesen Anträgen gar nicht berührt, sondern gehören in die Ausführunasbestimmungen, die Enquete werde gewiß ergeben, daß die gesetzliche Regelung keiner großen Schwierigkeit unter- liegt, daß aber die Uebelstände der NichtzEonntagsardeit. in der Großindustrie keineswegs so groß find, wie in dem Hand- werk. Aus den günstigen Erfahrungen auf dem spruchreifen Gebiete der Großindustrie würde man sehr gut auf das Handwerk exemplifiziren und manche Vorurtheile daselbst zerstreuen. Für das spruchreife Gebiet der Großindustrie empfehle fich schon jetzt eine gesetzliche Regelung; für das Gebiet der Werk- statt ic. könne man vorläufig noch mit polizeilichen Verord- nungcn auskommen.(Beifall.) Syn. von Klerst-Retzow betont nochmals die Unzu« träglichkctten der Sonntagswettrennen und der skandalösen Sonn» tags Vicbzüge und führt aus, daß leider die Frage dcS„Profits" bei der Sonntagsfrage immer noch zu sehr in den Vordergrund gestellt werde. Redner hält eS wohl für möglich, daß zu den turbulenten öffentlichen Vergnügungen vom Sonnabend zum Sonntag keine Konzesfion ertheilt werde und wenn er Truppen« Kommandant wäre, dann würde er seine Mannschaften an- treten lassen und ihnen verbieten, Sonntag für Sonntag zum Tanzvergnügen zu'gehen. Die Anregung und Ausführung der Sonntagsruhe müsse von den gebildeten Klassen ausgehen und wie ein Sonnenschein von den Bergen in die Herzen des ganzen Volkes dringen. Heifall.)— Bei der Abstimmung werden die Anträge deS Referenten einstimmig angenommen und die vorliegenden Petitionen und Anträge einzelner Pro- vinzialsynoden damit für erledigt erklärt. Politische Ueberstcht. Eine internationale Konferenz soll nun über die Wirren am Balkan endgiltig entscheiden. Die englische „Moiningpost" erfährt, daß die Kabinette von Berlin, Wien und Petersburg die Abhaltung der Konferenz vereinbarten, die wahrscheinlich in Konstantinopel zusammentreten und den Zweck haben wird, den Berliner Vertrag in der Weise zu modifiziren, daß einer Wiederkehr von Vorgängen, welche den europäischen Frieden zu stören geeignet find, auf der Balkanhalbinsel vor- gebeugt werde. England hat seinen Beitritt zum Ueberein- kommen der Kaisermächte davon abhängig gemacht, daß der »tatvs quo ante nicht in Lstrumelien wieder hergestellt wird. Ueber die letzte deutsche Note in der Karolinenfrage wird der offiziösen Wiener„Pol. Korr." gemelvet: Die Rote bestreitet von neuem die spanische Souveränität über die Ka« rolineninseln, geht auf die Frage der Befitzergreifung der nur der Knall eines Gewehrs die ganze Bande ihrer Ver» folger auf ihre Fährte bringen würde, so entwarfen sie auch demgemäß ihren ganzen Angriffsplan. Die Utahs dachte» augenscheinlich an nichts weniger, als an die Nähe oder auch nur die Möglichkeit einer Gefahr, denn sie lachte« und plauderten noch immer in ihrer wider- wärtigen Weife, wobei sie dichter um ihr Feuerchen zufam- menkrochen. Legten sie sich aber wirklich zum Schlaf nieder, und spähten sie vorher noch einmal in der nächsten Um» Sebung des Feuers umher, so war doch nicht anzunehmen, aß sie ihre Forschungen diS dahin ausdehnen würden, wo ihre Feinde verborgen waren. Diese hatten sich nämlich von einander getrennt und so hinter verschiedenen FelSblöcken versteckt, daß sie die Be- wegungen der Utahs genau überwachen konnten, deren Blicke dagegen, selbst wenn sie näher herantraten, achtlos über sie hingleiten mußten. Nur Zohn, der sich«ach dem Bade, gleich dem Schwar» zen Biber, noch nicht wieder bekleidet hatte, war heimlich und geräuschlos davon geschlichen und gleich«ach ihrer An- kunft auf der Höhe in der Dankelhett verschwunden. Wohin er seine Schritte lenkte, wußte nur der Biber; daß aber nach einem wohlüberlegten Plan gehandelt wurde, erhellte daraus, daß letzterer, nach dessen Bewegung die Mohave« und Raft ihr eigene» Verfahren abmessen sollten, regungslos hinter seinem Stein auf weitere Zeichen von Zohn harrte. Eine Viertelstunde verrann; bei den Utahs hatte sich noch nichts geändert, und auch die vier lauernde» Männer befanden sich noch immer auf ihrer alte» Stelle. Raft, den Kutlaß in der rechten Faust und den ihm verhaßten Schlangen-Zndianer im Auge, begann schon ungeduldig zu werden, und nur das Versprechen, welche» er Weatherton und dem Schwarzen Biber gegeben, hielt ihn ab, sich mit der blanken Waffe auf die Feinde zu stürzen und im Hand- gemenge mit diesen sich der durch seine nassen Kleider er- zeugten Kälte zu erwehren. Da sollte ein Stein von oben herab zwischen die plaudernden Utahs. Sie sprangen empor und griffen nach ihren Waffen, Insel Aap wegen Mangels authentischer Aufklärungen über die dortigen Vorgänge nicht näher ein und stellt, in der Vorausficht, daß Spanien fich zu den Anschauungen Deutsch- lands über die bisherige Herrenlofigkeit der Inselgruppe nicht b lehren dürste, dem spanischen Kabmet anheim, nunmehr die Veim'ttelung des Papstes in Anspruch zu nehmen. Magdeburg, 19. Oktober. Eine auf heute Abend in der „Flora" einberufene Versammlung, in welcher der sozialdemo- kratische Reichstags-Abgeordnete Paul Einger aus Berlin über„Das Arbeiterschuypesetz" und über„Gewerbeschiedsgerichte" sprechen wollte, ist auf Grund des Sozialisten-Gesetzcs ver» boten worden. Braunschweig, 20. Oktober. In der heutigen Sitzung der braunschweigischen Landesoersammiung wurde ern Schreiben des StaatsministeriumS vom 25. August d. I. vorgelegt, in welchem dem Herzog von Cumberland von dem bekannten Bundesrathsbeschlusse und dem Beschlüsse der braunschweigi- schen Landesvcrsammlung vom 30. Juni d. I. Mitthetlung gemacht wird. Alsdann schlug der Staatsminister Graf Görtz- Wrisberg im Namen des Regentschaftsraths den Prinzen Älbrecht von Preußen zum Regenten vor. Die Wahl wrrd morgen stattfinden. Aus Bielefeld. 19. Oktober, wird der„Voss. Ztg." ge- schrieben: Vor etwa 8 Tagen ist auf der hiesigen Güter-Expe- dition eine große Kiste, von Aachen kommend, durch die hiesige Polizeibehörde beschlagnahmt worden. Dieselbe soll über 2000 Exemplare von der Zeitschrift„Der Sozialdemokrat" und eine Menge Broschüren sozialdemokratischen Inhalts ent- halten haben. Oesterreich-Ungarn. Der Ministerpräfident Graf Taaffe beantwortete gestern die Interpellation über die nationalen Exzesse in Böhmen sehr aus« führlich dahin, die Regierung bedauere aufs Lebhafteste die Ausschreitungen, welche indeß nur vereinzelte Ausbrüche natio- naler Erregung wären. Die Behörden bätten bei denselben vollständig rhre Pflicht gethan. Grak Taaffe zählt die einzelnen Exzesse auf und giebt die Bestrafung der Schuldigen an. Sollten fernerhin noch Exzesse vorkommen, so werde die Regie- rung rücksichtslose Strenge anwenden. Die Regierung hoffe jedoch, beide Nationen würden endlich die Nothwmdigkeit eines friedlichen Zusammenlebens einsehen. Kategorisch bestritt Graf Taaffe, daß der nationale Hader in der Armee Eingang ge« funden habe. Taaffe's Antwort rief mehrfach Beifall rechts und Widerspruch links hervor.— Im weiteren Verlauf der Sitzung kam es zu erregten Szenen. Der Abg. Knotz bestritt die Behauptung deS Ministers, daß der Nationalitätenbader noch nicht rn die Armee eingedrungen sei, und zitirte einige Fälle von Schlägereien zwischen deutschen und czechischen Soldaten, um das Gegentheil zu beweisen. GrafTaaffe erklärt dies für einen Angriff gegen die Armee. Die Opposttion protcstirt gegen diese Aeußerung. Graf Taaffe wiederholt noch energischer, was er gesagt hat. Der Abg. Plener fordert den Minister zur Zurück- nähme seiner verletzenden Bemerkung auf und erneuert den Protest gegen diese unbegründete Unterstellung. Graf Taaffe revozirt nicht. Die Opposttion ist in großer Erregung und beab- fichtigt, die Sache morgen neuerdings zur Sprache zu bringen. Franrreich. Sämmtliche Wahlresultate liegen nunmehr vor. Im Gan- zen waren 268 Wahlen zu vollziehen. Gewählt wurden 243 Republikaner und 25 Monarchisten. In Paris wurde kein Monarchist gewählt, die Liste der 34 Republikaner ging glatt durch. Der Minister des Innern, Goblet, ist im zweiten Wahlgange gewählt, so daß also nur die Minister deS Handels und des Ackerbaues, welche bereits am 4. Ottober unterlagen, aus dem Kabinet ausscheiden müssen. Hervorgehoben zu werben verdient, daß die Zahl der monarchisttschen Abgeordneten im Hinblick auf die große Ziffer der abgegebenen Stimmen ver- bältnißmäßig gering ist. So find für sämmtliche radikalen Abgeordneten beim ersten Wahkgange nur etwa 900000 Etim- men abgegeben worden, während sie nunmehr 115 Mandate erhalten, im Gegensätze zu den 202 Konservativen, die auf mehr als 3000000 Stimmen beruhen.— Zweimal gewählt find folgende fieben Abgeordnete: Brisson, Paul Bert, Cle- menceau, Floquet, Henri Maret, Madier de Montjau, Georges Perin. Unbekannt find nur noch die Wahlergebnisse der Ko- lonien, doch werden diese ausschließlich Republikaner wählen, da Konservative dort gar nicht kandivirten. Die Kammer wird also aus 202 Monarchisten und 382 Republikanern bestehen. Wie fich die beiden großen Parteien in Unterabtheilungen aruppiren werden, ist noch nicht abzusehen. In Paris wrrd Deroul-de bei den erforderlichen Nachwahlen wreder kan- didiren. Die Wahlbetheiligung war etwas schwächer als bei der Hauptwahl. G r o ß b r i t a«« i e«« Der Krieg gegen Birma ist bereits beschlossene Sache. DaS Expeditionskorps gegen Birma soll aus 8000 Mann be- stehen. Der britische Kommissar in Rangun ist angewiesen worden, eine kategorische Antwort auf das englische Ultimatum binnen vier Tagen vom Empfang desselben seitens des Königs von Birma zu verlangen.— König Thibo von Birma zieht aber ebenso schnell kauerten sie sich wieder um ihr Feuer, als sie daS gurgelnde Lachen eines anderen Utahs ver- nahmen, der fich in der Richtung von dem andern Lager her näherte. Raft fluchte innerlich und verwünschte die Langsamkeit und übermäßige Vorsicht deS Schwarzen Biber», der mit seinem Angriff so lange gezögert hatte, bi« die vor ihnen sitzenden Utahs durch einen oder mehrere Gefährten verstärkt worden waren. Zähneknirschend blickte er zu dem nur zwei Schritte von ihm entfernten Delaware« hinüber; derselbe lag noch immer auf seiner alten Stelle und verhielt sich so ruhig, daß nur der ihn von dem schwarzen Gestein zu unter- scheiden vermochte, der seine Stellung genau kannte. Die Utah» hatten unterdessen im wilden Durcheinander an den vermeintlichen, noch immer nicht sichtbaren Stammes» genossen Fragen gerichtet, jedoch von diesem keine andere Antwort erhalten, als daß er sein häßliche» Lache« wiederholte und lärmend zwischen den klappernden Stemm niederstieg. Ihre Aufmerksamkeit wurde dadurch ausschließlich auf ihn hingelenkt, und wenn sie schon vorher sich in geräusch- voller Weise unterhaltm hatten, so brachm sie jetzt in ein so anhaltende» lebhaftes Geschnatter aus, daß ihre Stimmm gar nicht mehr von einander zu unter- scheidm waren. Diesen Zeitpunkt nun hatte der Schwarze Biber er- wartet; dmn kaum bemerkte er, daß alle Blicke abwärt« gerichtet waren, so erhob er sich leise, und wie der Blitz flog seine Büchse in die linke Hand, während seine rechte sich mit dem Tomahawk bewaffnete. Eben so schnell, wie er selbst, hattm sich aber auch Rast und die beidm Mohave» kampsbereit gemacht, und wie Tigerkatzen standen sie zum Sprunge bereit, auf das Signal zum Angriff harrmd. Endlich fiel ein schwacher Schein des Feuers auf eine braune nackte Gestalt, die kaum noch zehn Schritte weit von den Utahs stehen blieb und dann wieder, in das eigen thüm- liche Lachm ausbrechend, um unerkannt zu bleiben, sich auf die Erde niedersetzte.' � (Forssetzung folgt.) inzwischen an der Grenze große Truppenmaffen zuseie welche jeden Ausländer zurückweisen sollen. Man beW die Kriegserklärung würde das Zeichen für eine allgi« Niedermctzelung der Europäer werden. , Kon mr tag d Friedl ichj eleganten überfüllt Lokals an und der Die Errichtung der Stelle eines besol» schreibegel städtischen Sanitätsbeamten, deren Inhaber Mitgiiä Laim un Magistrats sein sollte, war bekanntlich von der StadtsS Raumlich netenversammlung beabfichtigt. Der Magistrat hat in; ein Plaka gestern abgehaltenen außerordentlichen Sitzung beschlossen, Aureau ii Errichtung dieser Stelle abzulehnen.,, Vormittag w. Zu den Stadverordneten-Wahlen. Für diej«"e fich w Kommunales. 1. Januar 1886 ausscheidenden Stadtverordneten hat W' �ühunger gistrat für die Wahlen zur regelmäßigen Ergänzung der?*0", wie verordneten Versammlung folgende Tage bestimmt: 1.%«morgen! III. Abtheilung Dienstag, den 24. Novembrr d. I., vo« oufgemach mittags 9 Uhr bis Nachmittags 4 Uhr; 2. für die ß"aU Jrtn theilnng Mittwoch, den 25. November d. I., von Vorfl» y_ Weg 10 Uhr bis Nachmittags 3 Uhr; 3. für die l. Adibs» d'yelben Donnerstag, den 26. November d. I., von Vormittags 9' A�bmer( bis Nachmittags 2 Uhr. In der dritten Abtheilung wir»<9? Wohl dies bei der letzten Stadtverordneten wähl der Fall, r""s 9 -------"' l Andä»ehrenden ist, um ein starkes den Wahlatt störendes der Wähler zu verhindern, in jedem Bezirke die 33* oSfen' zwei getrennten Lokalen abgehatten werden Bezirke die WgMen.« wird der Magistrat die Stadtverordneten- Versammlung c,;. für die zu vollziehenden Wahlen in den Bezirken der l>i. Mhx tm i je 4 Beisitzer und 4 Stellvertreter und für jeden Wad»° 9cn> Der Haft 8« j ÄR der II. und I. Abtheilung 2 Beisitzer und 2 Stellveitrelf,- zuordnen. Nach der öffentlichen Bekanntmachung n# Wahl der Stadtverordneten auf Grund der bestimmungts' lold im Juli d. I. berichtigten und öffentlich ausgelegt gell» LJ;, J Gemeindewählerlisten erfolgen, welche 191 839 Wahl«® zwar I. Abtheilung 3194, in n. Abtheilung 16 023 uff Q" D III. Abtheilung 172 622 Wähler enthält. Die I. Ablh» besteht aus Wähler«, welche mindestens einen Steuei»„ Rati von 1530,80 M. zahlen, die II. Abtheilung beginnt mit' gtem�en Steuerbettage von 1530,70 M. und endigt mit 331,80 grobe � dem Namen mit der Änsangsfilbe Par, während die einen mjl theilung mit dem letztgenannten Eteuerbetrage und � wolliaez< fangsfilde Pas beginnt. Damit die gesetzlich vorgesäl? �- Zahl von tzauSbefftzern in der Versammlung erbalteni muß die Wahl in folgenden durch das Laos bestimmten« bezirken Nr. 3, 28 und 38 der III. und Nr. 3 und 9 Ii. Abtheilung auf Hausbesttzer gelentt werden._ Die Tagesordnung für die Sitzung der St«* ordneten» Versammlung am Donnerstag, den 22. C* leichten Nachmittags 5 Uhr, ist folgende: Vier NaturalisationsS? Bewequn» — Vorschläge des Ausschusses für Petitionen.— 33*, so daß Pa Zivilmitglteder der beiden Ersatz> Kommisstonen für du Thier- Hebungsbezirke I A und II A.— Berichterstattung über W läge, betr. die Erwerbung des an der Georgenkirchstt«» an der Friedenstraße belegenen, früher Eametzkr'schen Z stückS, sowie die Abänderung der Baufluchtlinie der Sl» (an der Bartholomäus- Kirche).— Berichterstattung ve� schusseS für Rechnungssachen.— Vorlage, betr. den eines hinter der Elbrngerstraße belegmen Grundstiitf�vie gestern plexes— desgl., betr. die erfolgte Bauabnahme des Verhandln am Rinderstall C III d auf dem Zentral-Schlachthofe-'com Profe betr. die Einfriedigung des Vorgartenterrains verantworten. Grundstück des Krankenhauses Moabit im Zuge der* Grunde, d straße— deSgl., betr. die Erwerbung eines auf dem M P I6.„f." Grundstücke Rochftt. 4 mit Genehmigung deS VorWim chnsthc von einem Miether erbauten Stalloedäudes— ,et über di< betr. die Herstellung von Bureauräumen im Pülz'ilbeu Nach diesen tungshause, Breiteste. 10— Vorlaaen. betr. den RluMn noch sch einer Gemeinde-Doppelschule in der Reichenbergerstrofr.>des Talmr Demminerfttaße und in der Gubenerstraße— stWWhaHm Ben akteu Str die Verlängerung der Giltigkeitsdauer des Nachtra�pderöffentlili Instruktionen für die Verwaltung des städtischen schiedene — desgl., betr. die erfolgte Bauabnahme des neuen G'* wurde dies schulbauses in der Zehdenickerstraße 16—18— desgl-.barauf im die Bertheilung der diesjährigen Zinsen des Hetzcrsschen'iammlung — desgl., betr. den Verlauf der Baulichkeiten auf �5'�s vers Freilegung der Vorkstraße erworbenen Theile deS Giffs»".Talmi wvrocnrn.tiicue ucs w,«, ornstraße 25 zum Abbruch— Etat der Sublevationsl*, seitlehens. ..------ bet Vorspannvcrwaltung pZL.Ä'U-gu 1. April 1886- 87— Etat der �oripannverwanu»» — Vorlage, betr. die Ausführung von PlanirungSarbea? otfetg je der Blücherstraße und in dem angrenzenden Theile Vf.• ttQriPauI< straße— deSgl, best, die Errichtung einer Güterverl*- ß H, bei 9rrnnfenh,irft nn her 9W!n. ßXfnhnhn 1 I bei Blankenburg an der Berlin-Stettiner Eisenbahn Rechnungen—"Vorlage, betr. die Neuwahl eines Büchs? snL wutt tirten für die Armen-Direktion— Eine Unterstützung"� Lokales. Bandwurm mit Kopf. Da« königliche Pol1)", dem dium erläßt folgende Bekanntmachung:„Der Karlciubs� lichcm Alp damals au gesundheitsraih erläßt folgende Warnung:„Durch Annoncen und Zirkulare erbietet fich vre„Deutsche j, l® o" heitS-Kompagnie" in Berlin, Kranken verschiedenster l W und Arzneien zu vermitteln. Die„Deutsche GefundHeffL Plök-nk-« pagnie" besteht auS dem bekannten Kurpfuscher JgfctntU* Mohrmann und dem Echristfteller Bernhardt, dem 0%""°■ »u nn und dem Schrrttsteller Bernhardr, dem om�ltifirt des Jugendsptegels. Vor Richard Mohrma�stebräisch-n i verschiedentlich gewamt. Derselbe war erklärte bi. Verfasser wir schon verschiedentlich gewamt. Derselbe war stnsMrklär�'L', macher, dann Photographen-Gehilfe; bis vor Kurzem.idies�| sein Gewerbe als Bandwurmdoktor im Umher, ieben a»und beton/ betteidt, seitdem letzteres durch die Gewerbeordnungen»�-- worven, das Geschäft auf brieflichem Wege. Die oo«j!§tt verabfolgten Mittel wurden Uriheilz er 1 zu 1,20 M. zubereitet un ternUn 7 mann gegen Bandwurm der Apotheke zu Nossen Mohnnann für 10 M. verkauft. D Jugendspiegel" verheißt Hilfe gegen ciW � und dergl. Ihr offenbarer Zweck ist, solcd��leytere rich fich durch Ausschweifung die Gesundheit«A�nselben 1 haben, in Angst zu versetzen, um sie zur geldlichen �»ves Doktor tung vorzubereiten. Nach Capaun-Carlowa(M'vizin-.Ltrr fich den litäten) und Wittstein(Tascherbuch der Geheimonü�lvcrfität besteht das Bernhardi'sche Mittel auS zwei Flasche", �'»athung be wasser im Werthe von 0,50 Mark. Der Preis dett«S�»e de» Kl Einer Persönlichkeit, die fich von hier aus an vie.-schütteten. T Gesundheits-Kompagnie" um Rath wandte, wurde Wunsch£ der Bedingung zugesagt, daß fich der Patient zuvor lung eines Honorars von 100 Mark verpflichte" merkt daS Polizei- Piäfidium. baf Gesundherts-Kompagnie" vorgcschri.......... W. einem Arzte noch sonst irgend einer MedizinalpersM'. ausnabmSIoS von einem Mitglied- der fraglichen C dem Schriftsteller Bernhardt hierselbst. Nostzstraß-.� M'Ä eit» vor dem unlauteren _...................• auf das Ernsteste gewamt. Berlin, den 16. 1? Rede Königl. Polizei Präfldium. I. V.: Friedbeim., habe 1 tm g..... Mar'lw::,1 Bttf ständen auch diesseitsWWU.... „Deutschen GesundheitS-Kompaonie",... des Richard Mohrmann Hierselbst, Lindensttaße 1« . Ein Kasseudefekt in Höhe bon 2000%«fon einer der städti'chen Gewerbe Deputation zugegange"' KllHLrn ehrer bei der am 13. d. M. abgehaltenen Reoifion der Wi der Kasse der Schuhmacher- Innung fich heraus fl'" wegei Es handelt fich, wie verlautet, um W.rthprpicre Mir�würfe � äsä%« is verpfändet worden find. An die Gewerbe Depuko''�' als Ausfichtsbehörde daS Ersuchen gerichtet worden. legenhert amtlich näher zu treten. beutender äffen jufon«. Konkursgerichtlich geschlossen wurde vorgestern Nach- Man beW wrtag das„Große Berliner Dicnstvermiethungs Institut", eine aOgt*»rrreduchstr. 178. Da eben Hauptgeschäftszeit war und die �kganten Räume von Dicnstsuchenden wie von Herrschaften udersüllt waren, machte das Erscheinen des zum Verlassen des �olals auffordernden Gerichtsvollziehers gewallige Sensation, und der Abzug, namentlich der Dienstsuchenden, die ihr Ein- es besoi* nhrerbegeld bereits entrichtet hatten, ging nicht ohne großen er Mitgiii� t�rm und ärgerliche Szenen vorüber. Gestern waren die er StadWs Raumlidlkeiten geschloffen und die Thüren gerichtlich verstcgelt; t hat in#"n Plakat besagt, daß die Beletage— in dieser hatte sich das beschloffeiil �ureau installirt gehabt— sofort zu vermiethen sei. Gestern . vormittag noch lamm zahlreiche Dienstsuchmde oder solche, . Für Vit! v'e sich nach dem Erfolg der ihrerseits bereits honorirten Be- en hat den muhungen des Instituts erkundigen wollten. Diesm wurde ,ung der?*0", wie es scheint, dazu defignirten Personen der Bescheid imt: 1. m«morgen Nachmittag" würde das Bureau wahrscheinlich wieder z. I., von' aufgemacht sein. Wir glauben aber schwerlich, daß das der für die W«W fern wird. von Borns Wegen schweren Diebstahls wurden gestern die wegen e I. Adibs 5!lUlben Verbrechens bereits vorbestraften Schloffer Bock und mittags st A�detter Gatzke verhastet. Sie hatten am Sonntag Nachmittag ilung"le Wohnung eines Weichenstellers in der Ekalitzerstraße : Fall fll?'ltels Nachschlüssels geöffnet und wurden von der heim- »es Andrs»ehrenden Ehefrau bei der Ausführung deS Diebstahls be- die Al» o?"en' warfen letztere, die einen der Diebe festgehalten und RückftchlP- t�m gemacht hatte, zur Erde und ergriffen die Flucht. Einer nmlung ��elben wurde jedoch bald, der Andere, der sich auf dem «rill Ab$ tm Kloset versteckt hatte, nach einer halben Stunde er- cdcn ��2- itellveltrel«. Der Zoologische Garten befitzt in seinem neuen Affen- Huna will* T e,nt Sammlung von Individuen einer Spezialität, wie timmuniB?„."I solcher Reichhaltigkeit in Europa wohl nicht wieder an- eleat aeiÄ �."ffen sein dürste. Es ist dies eine Kollektion von Lemuren, jn g;r;hlrt: v'a'lä oder Halbaffen, deren Vaterland die fruchtreichen Wal« 16 023 od Jun8'n Ost-Afrikas und namentlich der Inseln, besonders Ma- > i Ablhd Moskars, ist. Diese Thieir gehörm noch zu den problemati- en Steues denn es ist ebenso schwer, ein allgemeines Bild rinnt miM»" �nen zu entwerfen, als— namentlich von weiblichm �---—"„"molaren— die Art derselben zu bestimmen. Alle befitzen ein?-! run,)e Augen, einen spitzen Kopf, sehr entwickelte Ohren wnn? als körperlangen Schwanz und ein weiches, ost «..."ffNs Haar. Unter der ganzen Sammlung fällt unzweifel- 331,30 tzf end die# und vorgeh erhalten hast d« Kn. so tzen-Maki(Lemar catta) am meisten auf, und zwar die Zierlichkeit seiner Formen, als auch Zeichnung, sowie den vorzugsweise Dämme« »www wen so wöbl durch die Zierlichkeit sei stimmten? durch die Schönheit seiner Färbung und 3 und st gmngelten Schwanz. Alle Lemuren find äl .. wr% !g über W mkirchsM» tzkt'schen e der GL ttung re» :tr. d-n undstül� ne des hthofe ains vor uge dtt dem nl Des Bor> des I Jm ahnend ist," vor dem Käfige dieser seltenen felstündchen zu verbringen. Oerichts-Zeiwng. in letzterer Zeit vielgenannte Doktor und akteur Simon May hatte gegen den Professor Dr. Her. m Strack eine Prioatklage wegen Beleidigung angestrengt, gestern vor der Abtheilung 100 deS Schöffengerichts zur erhandlung gelangte, hatte fich aber gleichzeitig wegen der >m Professor Strack wider ihn erhobenen Widerklage zu ver« antworten. Es liegt den Klagen jene bekannte Polemik zu ö runde, die fich zwischen den Pasteten über das jüdische„Kol idere" entspann. Hosprediger Stöcker hatte Ende Apstl d. I. m christlich, sozialen Verein einen Vostrag gehalten, in welchem »er über die erwähnte jüdische Eidesformel zu Felde zog und Pülz'llbrn nach diesem Redner hatte Herr May das Aost ergriffen und den Nist ln noch schästerer Wstst eine absprechende Ksttik über die Lehren msm stock seine Anhänger )es GlU? �".Talmud häufiger in den Fingern gehabt, als Prof. S vationsstlr. Zeitlebens. Auch äußeste Herr May in scharfen Wösten s lltung ns' �.Ä �igung darüber, daß Prof. Strack, der ein AnHä»»« ungsarbcm.�wlkns sein wolle und eigentlich als evangelischer Theologe «ZK«»V ls° 11�?lof. 3 oufel* holt. W find Äts«» dir A-ußlrungen dcSDr- May. SÄäS"». 3%% ». o, tC]p.—~ m.n//— öüte idahn_ res Bü stützuw .______.... liberalen Presse Gelegenheit � habe, Stöcker in den Staub zu ziehen. wurde hieran die Jnfinuation geknüpft, daß ch aus Furcht vor den Juden auf deren Seite ,t Poll starle, ü Dutd) *Mwmm vor fünf oder sechs Jahren in ...... We verbüßte. klämng autoElemente der ihm nur darum zu thun ifuscher dem a> _ I'---,\ .-iuÄWW.,� "Uich zu____ ,........ J P n. ..... daß May damals nicht einmal die � �hrma�Heb�ischen Grammatik ordentlich gekannt habe. var frülMNarte diese Behauptungen für unm-'" � Kurze l3»,est�n �em znieilen inkstminii ldlicdeu sie vi, in. (heilM M. stand Professor ' Der an . Führung agte nn, daß »er fich den«. mme und räumte der Befragre nn, oag >ie den der Genchtshof, in eine Beweisaufnahme über Allagen ,,,(Ur.t«.he Fieftenhen Thntfftffeen aarnicüt ein Strack, daß Dr. May gesessen, eine falsche ge- habe nur eine Strafe wegen WÄ«» -n�TstilMyte�ch/' denn' der letztere""�-� n. WWWWB i erwägen, daß Stellung sowohl und Moral ein ann von der orveN- Vergangenhstt des Dr. May mußte fich wohl hüten, einen Mann wie Prof. Sstack in der Weise, wie geschehen, anzu- greifen. Der letztere verwahrte fich in längerem, bisweilen höchst erregtem Vostrage gegen alle ihm von gegnestscher Seite Semachten Vorwürfe und wurde dersellbe mehrmals vom Vor- tzenden, Assessor Fuchs, um Mäßigung ersucht. Folgende, vom Prof. Sstack besonders gegen den Hofprediger Etöcker ge- richtetete Erklärung halten wir für charakteristisch und von einer so bedeutenden Tragweite, daß wir dieselbe wörtlich wiedergeben:«Durch die theilS direkt, theils indirekt bis in die unmittelbare Gegenwart, ja bis in den Gestchtssaal hinein dauernden Angriffe von Anhängern deS Herrn Hofpredigers Stöcker, insonderheit die Angriffe deS„Reichsboten" werde ich seit 5'/, Monaten in meiner Ebre als pofitiv chststlicher Theologe gekräntt, in meinem akademischm Wisten wie in meiner Thaligkeit für die Judenkommisfion geschädigt und in dem mir zu wissenschaftlichen Arbeiten«forderlichen Frieden gestört. Da ich mich somit für mich selbst und den mir von Gott gegebenen Beruf im Stande der Nothwehr befinde, erkläre ich, zwar mtt schmerzlichem Bedauern, aber mit gutem Gewissen öffentlich und feierlich vor Gestcht wie folgt: In meinem ganzem Verhalten zu dem Hofprediger Etöcker habe ich bis zum Aeußestten, so weit, daß ich sogar in der Oeffentlichkeit ven Schein gegen mich sein ließ, dem Fsteden und der Ver- meidung öffentlichen Aergernisses nachgejagt. Der Herr Hof- Prediger Etöcker hat fich aber mir gegenüber verartig benommen, daß vas königliche Landgencht I, wenn ihm bei dem Prozesse gegen die„Freie Zettung" diejenigen Aeußerungen Stöcker's, welche ich beweisen kann, bekannt gewesen wären— daß, sage ich, das königliche Landgencht l dann die Ast, in der der Herr Hofprediger Stöcker mit seinem Worte umgegangen ist, mit einem schärferen Ausdruck als„leichtfestig" bezeichnet haben würde." --- Hier unterbrach der Vorfitzende den Redner und erkläste die Erösterung dieses Themas als nicht zur Sache ge« höstg. Nach geschlossener Verhandlung erkannte der Gestchts- Hof dabin, daß der Beklagte Prof. Sstack der Beleidigung in einem Falle(wegen Publikation der Vorstrafe des May) schuldig, aber für straffrei zu erklären, weil die Beleidigungen egenseitig gefallen wären. Dagegen seien die Beleidigungen .es Klägers ungleich gröberer Natur, derselbe daher mit 30 M. eventuell 3 Tagen Haft und den Prozeßkosten zu belegen. Der Expedient und Herausgeber des„Bau Hand- werker" Herr Wille wurde am 3. Aug. er., als er eine Maurerver- sammlung verließ, von einigen Personen begleitet, die ihm aus einem Packet einzelner Nummern deS„Bauhandwerkers", die er unter dem Arme stug, einige Exemplare herauszogen. Zwei Schutzleute sahen dastn eine sstafbare Handlung und hielten Herrn Wille fest. Ein hinzukommender Polizerlieute- nant befahl, den so Festgehaltenen zur Wache zu führen, wo Herr Wille dreiviestel Stunden lang blieb und dann entlassen wurde. Er erhielt in Folge dieses Vostalles ein Strafmandat in Höhe von 3 M., gegen welches Berufung eingelegt wurde. Die GerichtSvei Handlung fand am 6. d. M. statt und endete mit Freisprechung, die der Amtsanwalt selbst beanstagte, da die Zeugen nicht bekunden konnten, daß Herr W. die Druck- jchstften vesthestt hatte. Die außergewöhnlichen Kosten der Vestbeidigung blieben aber zu Lasten des Herrn Wilke, weil der GestchtShof annahm, einige Schuld würde er doch wohl haben! Eine eigenartige Anklage wegen Sachbeschädigung gelangte gestern vor der 87. Abtheilung deS Schöffengerichts zur Verhandlung. Eine Frau Röhl war beschuldigt, einen ihr nicht gehörigen Hund vergiftet zu haben. ES war eine ziem- lich verwickelte Geschichte. Die Angeklagte befitzt eine Hündin und ist in der Lage, alljährlich sechs bis acht junge Hunde zu verschenken. So erhielt der Fuhrherr Damke im Frühjahre ebenfalls einen solchen, entledigte fich deS Thieres aber wieder durch Weitergabe an einen Restaurateur. Auch diesem machte der junge Hund, zu dessen Tugenden Reinlichkeit nicht ge- hone, wemg Freude und er bat seinen Schwager, ihn von dem Danasrgeschenk zu befreien. Der Schwager brachte den Hund zu einem Produktenhändler, der in dem Ge- ruche stand, ein Freund von Hundebraten zu sein, aber zufälligerweise war ein Bekannter der Angc- klagten bei dieser neuen Schenkung zugegen und machte der letzteren davon Mittheilung. Dieser that das Voraussicht- liche Geschick des Thieres leid und durch List wußte fie fich wieder in den Befitz desselben zu setzen, so daß der Unglücks- löter nun wieder an dem Ausgangspunkte seiner Wanderung angelangt war. Als der Produktenhändler den Hund bei der Angeklagten rellamirte, erwideste ihm dieselbe, fie habe ihn ver« giftet und auf die Denunziation des um den Braten gekom- menen Produktenhändlers hin wurde gegen Frau Röhl obige Anklage erhoben. Sie betheueste unter reichlichem Thränen- erguß, daß der Hund ihr entlaufen und nicht vergiftet worden ser. fie habe den Vorwand nur gebraucht, um den braten- lüsternen Händler los zu werden. Da durch die Beweisauf- nähme daS Gegentheil dieser Behauptung nicht erwiesen werden konnte, so mußte die Angeklagte freigesprochen werden. Vereine und Versammlungen. H. e. Eine öffentliche Kommunalwähler-Versammlung tagte am Montag Abend in Donath'« Salon in Moabit, dehufS Aufstellung eines Kandidaten für den 40. Kommunal- Wahlbezirk. Die Versammlung war gut besucht und hielt Herr Tischler Voigt das Referat. Der Redner kam nach ein- gehender Klarlegung der Forderungen und Programmpunkte der Arbeiterpartei besonders aus die verschiedenen Parteien zu sprechen und traf, nachdem er die liberale„freifinnige" Partei als eine Partei, welche vor den Wahlen viel versprochen und nachher wenig oder gar nichts gehalten, treffend gekennzeichnet hatte, mit völlig zutreffender vernichtender Kritik die konser- vative oder sogen. Bürgerpartei. Beide Parteien, sowohl die manchesterliche freifinnige, wie die konservative Partei seien für die intelligenteren Arbeiter längst abgethan und wenn beson- dcrs die konservative Partei meine, dadurch in Arbeiterfreund- lichkeit machen zu können, daß fie verschiedene Punkte in ihrem Programm aufweise, welche eine gewisse Aehnlichkeit mit denen der Arbeiterpartei haben, so sei dieselbe durch diese„Vorspiege- lungen" vollständig gerichtet. Die betreffenden Programm- punrte seien einfach den längst bekannten Forderungen der Arbeiter- Partei entlehnt worden.(Sehr richtig.) Eine Partei, welche, wie die konservative Par- tei, die nothwendigen Lebensmittel durch Bewilligung neuer Steuern und Zölle veftheuere, sei doch ganz entschieden nicht arbeiterfreundlich- Das wisse bald jedes Arbeiterkind! Pitt der dringenden Bitte an die Wähler, durch unermüdliche, energische Agitaiion von Haus zu Haus, die wirtliche Bürger- partei, die Arbeiterpartei, welche daS Gesammtwohl aller Men- scheu anstrebe, dadurch zu stärken, daß auch dieser Bezirk den zu nomirenden Kandidaten in daS städtische Parlament als Stadtverordneten entsende. schloß Redner seinen sehr beifällig und oft vom lebhaftesten Beifall unterbrochenen Vortrag. Der Vorfitzende, Herr Bley, nahm nunmehr, da fich Gegner nicht zum Worte meldeten, Kandidatenvorschläge entgegen und war das Resultat die einstimmige Annahme der Kandidatur des Herrn Otto Ballmüller. Herr Ballmüller nahm die Kandidatur dankend an, versprach in beredten Worten stets und immerdar seine volle Schuldigkeit, treu und fest auf dem Boden der Ar- beiterpartei stehend, thun zu wollen und schloß mit einem vom Herzen kommenden und zum Herzen gehenden regen Appell an die Versammelten, daß nun auch ein Jeder ohne Zögern und mit Aufwendung aller Energie und Kraft seine Schuldigkeit thun möge. Nicht der Person, sondern der gerechten Sache, der wir ja alle mit Lust und Liebe angehören, gelte eS und deshalb sage er nochmals: Auf zum Kampfe gegen die Reaktionäre zur Rechten und zur Linken! Auf zum Geistes- kämpfe für die Prinzipien unserer Partei, für Wahrheit, Gleichheit und Gerechtigkeit! Tdue ein Jeder seine volle Schuldigkeit, damit nach beendigter Wahl auch em freudiger Siegesmf die Arbeiterschaft Berlins durcheile. Mögen d»e Moabiter Wähler, die Ardeiter, zeigen, daß auch fie verstehen, den Anforderungen, welche der Zeitgeist an fie stellt, gerecht zu werden. In diesem Sinne rufe ich Ihnen zu: Gehen Sie lebhaften Hochrufen auf die Arbeiterpartei und Herrn Ball- müller gingen die Anwesenden auseinander. hr. Eine öffentliche Versammlung der Drechsler und Beruksgenoffen fand am Dienstag im Saale„Zum Deutschen Kaiser" statt. Zum Vorfitzenden wählte, die Versamm- lung Herrn Schmävecke. Herr Sündermann referirte über die bisherigen„Erfolge er Lohnbewegung". Nachdem er vre von der Lohnkommisfion zunächst durchzusetzende Forderung:„Mrni- mallohn von 18 M. wöchentlich bei emem MarimalarbeitSlage von 10 Stunden" erläutert und gerechtfertigt hatte, theilte er mit, daß es der Lohnkommisfion in der kurzen Zeit seit Sep- tember gelungen sei, die Forderung in 66 Werkstatten mrt 275 Gesellen zur Geltung zu bringen. Der Preisaufschlag, der biermit durchgesetzt sei, betrage im Durchschnitt 25 bis 30 pCt. In 18 IWerkstätten mit zusammen 40 Gesellen wird zur Zeit noch gestreikt. Dte Zahl der„Schundbuden mit 1 und 2 Gesellen, in denen die Forderung noch nicht an die Meister gestellt worden ist, obwohl hier die Ge- seilen nur 8 d,s 10 Mark verdienen, gab Referent auf ca. 150 an. Er gab dann zu bedenken, ob es nicht zweck- mäßig sein würde, gegen die Meister, welche bis zum 26. Ok- tober die Forderung nicht bewilligt hätten, mit Verhängung der Werkstättensperre vorzugehen. Am Schluß wies er darauf hin, daß in der letzten öffentlichen Versammlung die 12 anwesenden JnnungSmeister durch„beredtes Schweigen" die feindselige Stellung der Innung zur Lohnbewegung der Ge» sellen zu erkennen gegeben haben. Dies könne nicht beftemden, da vorzugsweise Jnnungsmeister es seien, die zum Schaden der Gesellen und des Gewerbes mit Lehrlingen, die von ihnen gezüchtet werden, Schundproduktion betreiben. In der sehr leb- haften Diskussion, an welcher die Herren Dümmler, Weiß, Hildebrandt, Schräder, Pindrick, Beyersdorf, Liebettaut, Köppen und Andere sich belheiligten, wurden die Aus- führungen des Referenten durch Mittheilungen über Hohn- Verhältnisse, Vorkommnisse und Zustände in einzelnen Werkstätten bestätigt. Mehrere von den Rednern wiesen auf die?tothwendigkeit des Anschlusses an einen der beiden bestehenden Fachvereine hin. Ein von Herrn Möwald gestellter Antrag, dahin gehend, daß die Lohnkommisfion in nächster Zeit die in der Schirm- und Etockbranche beschäftigten Arbeiter, besonders die zu Hause arbeitenden Meister zu erner Versammlung einladen solle, wurde angenommen. Das weitere Ergebniß der Verhandlungen war die einstweilige Annahme folgender Resolutionen: 1. Die Versammlung erklärt fich mit den Ausführungen deS Referenten einverstanden. Weiter er- klärt fie, daß die Ardeitssperre von einzelnen Werkstätten die Gewähr giebt, voll unv ganz einen Erfolg zu erreichen und wird die Kommisfion beauftragt, das Weitere zu veranlassen und der Versammlung am Sonntag Bericht zu erstatten. 2. Die Versammelten verpflichten fich, fich den bestehenden Drechsler» Organisationen anzuschließen, damit die Drechsler aller Branchm im Stande find, im Frühjahr mit aller Kraft ihre Forderungen zur Durchführung zu bringen. An die in der Spiegel- und vilderrahmen-Braoche beschäftigten Arbeiter, sowie an die Arbeitgeber dieser Branche. Berufsgenossen! Der immer fühlbarer werdende Rückgang der Arbeitsverhältnisse in unserer Branche fordert gebieterisch, daß wir uns ernstlich mit der Frage beschäftigen:„Durch welche Mittel und auf welchem Wege können wir eine Verbesserung unserer Erwerbsverhältnisse herbeiführen?" Durch die in un» serem Gewerbe immer mehr um fich greifende„Schmutz» konkurrenz" werden nicht nur die Arbeitslöhne, sondern auch die Preise unserer Arbeüsprodukte mehr und mehr herabgedrückt und dadurch die Interessen der Arbeiter sowohl als auch die der reellen Arbeitgeber arg geschädigt. Nur ein Mittel giebt es, um eine den heutigen Verhältnissen entsprechende Auf- besserung unserer Lage herbei zu führen, dieses ist die Grün- dung eines Fachvereins zur Wahrung und Förderung unserer gewerblichen Interessen.— Jedes reelle Geschäft, jeder Arbeit. Seber, dem an guter Arbeit und tüchtigen Arbeitern gelegen t, wird auf unserer Seite stehen. Stehen wir also nicht länger zurück, gehen wir- die Intelligentesten voran,— energisch mit der Begründung einer gewerkschaftlichen Vereinigung vor, welche nicht nur für den Arbeiter, sondern auch für den Arbeitgeber von großem Nutzen sein wird. Jedem edeldenkenden Ardeitgeber und Arbeiter muß daran gelegen sein, die Schund- und Schleuderfabrikation zu beseitigen; dies ist aber nur durch ein einmüthiges Zusammenhallen, durch eine Organisation zu erreichen. Alle Arbeitgeber und Arbeiter der Spiegel- und Bilderrahmenbranche, welche gesonnen find, fich dem zu begründenden Fachverein als Mitglieder anzu« schließen, werden ersucht, ihre Adresse dem Unterzeichneten mit- theilen zu wollen. Erst dann, wenn durch zahlreiche Beitritts« erklärungen ein Mißlingen deS angedeuteten Vorhabens auS» geschlossen ist, soll mtt aller Kraft an die Schaffung einer Organisation herangetreten werden. Darum auf, Berufs- genossen, sendet spätestens bis Ende Ottober Eure Adressen ein. I. BrandeS, Tischler, Mariannenstr. 17 3 Tr. links. Kranken- und Begräbnißkasse kür die im Berliner Gürtler, und Bronzeurgewerbe beschäftigten Personen fältiger i Mittwoch, den 21. Oktober er.. ÄbendS' Ä �ür m K ui�z m a nn' s Lokal, Bergstraße Wagner) Fachverein der Tlsc Z Versammlung. Tagesordnung: 1. VierteljahrSberichte. 2. w,.,[ 3. Witz, schrieben i Dir schrieben !det�j�°Kene»{ S. 5 ff-: i j__ v t( u v&& Ii* Schön- und gchntHfch�gjSi�i Unterricht: Sama � JL.�1 rn M r> an�rl™( t KB'i. Unserm Jnbetriebsetzungs-Jnspektor zu seinem Heutigen Tage ein donnemdes Hoch, daß die ganzen Riemen reißen.[2521 «. W. C. B. C. S. H. R. R. A. C. H. Unserem gemüthlichen Zechert zu seinem heutigen Tage ein donnerndes Hoch![2524 Der Vor st and des Arb.-Bez.-Vereins d. Rosenthaler Vorst. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, sowie den Herren Chefs und Kollegen der K a n o w' schen Fabrik, und den Mitgliedern deS Arb..Bez.- Vereins„Vorwärts" sage ich meinen wärmsten Dank für die ehrende und rege Betheiligung bei der Be> erdigung meines unvergeßlichen Mannes.[2520 Die trauernde Wittwe Kretzer. Zur bevorstehenden Wintersaison empfehle meine Wdk»erzuMn iilj-, jo-dle.> Kolfslhulje. ebenso„_ ynttin ii iln Stifn. i2082 G. Geyer, so,, 10, so. ..... ■ i i«• a» es •.«• I II I|...... h r">» SWWWRMZ («astav 2286] Kalligraph und Schreiblehrer. StegO�T"'" Cigarren und Tabaks Pfeifen and Cigarren-Spitzen in größter** M Meyer,. Koppenstraße 66, zweites Hau« na« Leihhans-AnsverW 72 Jägerstrasse q, � Kanonier- und Mauerstrabc-. ftrena rnnher«» in— SO streng modern ff. Stoffe von 10— M!5J|hit 8000 compl. Rock- u. IM o a aa__ Az�ria Mädchen-Mäntel, 3000 hoche'eg.*>u" Knaden-An,.. 5000 Röcke, ff. schwarze An,.. Leibr., JaguctS. Uhren, dw. Golds., Kaiser# Hausbienerjaden, sollen spottbillig für den& ßMMKA sondern achte genau auf obige Firma. %en. Polizei!, conc. Krbettsmsrkt. E'N tüchtiger und energischer t WerkfUhrer _®int �»1«, Kouvert-Ärbeiterill� Jtjsdune wird verlangt Alexanderstraße 40. r--- S..I« SW,