Donnerstag, den 39. Oktober 1883. II. Iatzrg« ntags anofort� (rinurMsbloll Krgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Dat„Berliner Volksblatt" en eingel� ben Zu>n� rz, Ablmnementtprei« für "" 35 Pf. wöchentlich 35 nnent 4 M. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nunnner mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen w der PostzeitungSpreiZliste für 1885 unter Nr. 746.) Jafertioasgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bis 4 llht Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce«� Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. l. ttachmM' \ der Eil'; ©dien«'1 n am" Der ad einem erstickt. kten am für eint SA Redaktion: Kenthstraße 3.— Expedition: Zimmerstraße 44. ton. : nicht ab Ucbergabl lag« weg>l Ä öonnement«-®infadung. . Jftit den Monat November eröffnen wir ein neues Abon» auf das »berliner Uolksblatt" � Gratisbeilage „Illustrirtes Konntagsblatt" zz M ins Haus kostet dasselbe 1 Mark 35 Pf. pro Monat, gm,:»ro Woche. Bestellungen werden von sämmtlichen U��st>editeuren, sowie von der Expedition, Zimmerstr. 44, fijj außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements i jny' Monate November und Dezember gegen Zahlung von b? Pf. entgegen. „Beilmer Volksblatt" hat fich die Sympathie der land�' W i MonM nur im m Mit' und( lellen 2- vie Jnti cgenüber' ie für und enden s Pubv> land. E onalen� bringt et viet Jcutsthett', 1342» det flau des werthätigen Volkes bestanden. Es ist daher _«neä jeden Aibeiters, namentlich im Hinblick auf die �Erstehenden Kommunalwahlen, unser Blatt zu unterstützen. w. n jeder Abonnent nur einen zweiten wirbt, so hat er Pflicht gelhan. ir unsererseits werden nicht nachlassen, jedem berechtigten UNsche unserer Abonnenten nachzukommen. ie Redaktion und Expedition des„Berliner Volksblatt". Die„xerftiiliche Freiheit." Von der sozialökonomischen Weisheit der„Nord- «utschen Allgemeinen Zeitung" haben wir nals große Stücke gehalten, denn es sind in den Spalten Je# hochoffiziösen Blatte« schon nationalökonomische Pro= Wen erschienen, denen das ABC grade der Wissenschaft, , sie zu repräsentiren vorgaben, unzweifelhaft gefehlt hat. Evessen hatte die.Norddeutsche Allgemeine" sich oft mit wßer Heftigkeit gegen das Manchesterthum gewendet, und z>,dtag Leute genug gegeben haben, die glaubten, eS sei dem �ite mit seinen Angriffen heiliger Ernst. Diese werden CMt enttäuscht sein, denn in ihrer letzten großen Ab- Miung über die Sonntagsruhe kommt die„Norddeutsche Meine" ganz und gar auf das Niveau de« und seichtesten Manchesterthums. Da» Blatt staatlicher Zwang zur Unterlassung jeglicher Er- penA�keit am Sonntag fei ein Eingriff in die Msfc JiMche Freiheit des Arbeiter«. Man d'e Arbeiter selbst darüber hören. sönlÄ abgeschmackte Phrase vom„Eingriff in die per- m Freiheit» die man schon tausend und aber tausend � den Manchestermänvern gehört hat, wird diesmal esitio» ! 6, paf|> Aeuillelon. Die Hand der Uemefis. Roma« von Ewald August Köutg. (Fortsetzung.) -Äas verlangen Sie von mir?" ftagte er. .»tonnt Ihr mir keine Unterredung mit einem®e» 8> verschaffen?" ■«enn Sie keine schriftliche Erlaubniß haben—" »Pch kann sie nicht bekommen«." "5° schwer ist e» nicht, sie zu erhalten." | Mann ist Untersuchungsgefangener." R. dann kann ich'« nicht, ich wüßte nicht, wie et ***" A wäre." .' PffeaunT Gutsbesitzer machte eine Ioö j�iien' K schien diesen Widerstand m DcdiäW ungeduldige Be- nicht erwartet zu "�bt e» sich gar nicht ermöglichen?" fragte er. »Wer ist her Gefangene?" »Un Amerikaner, er ist gester« verhaftet worden." fytidf erwiderte der Schließer mit einem lauernden � Quj das Gesicht Rabe'«.„Er ist des Morde« be» /tSfl."!�°ch ist er schuldlo«." J lagen Alle, wenn sie hinter Schloß und Riegel dann werden au* 8 da« so sicher behaupte«, da —% u ll8"' wer den Mord begangen hat." ftn diese Behauptung weckte Besorgnisse ft» %, 8 8r bisher noch nicht gedacht hatte. 18.weiß e« nicht," erwiderte er,„über der ya weiß...."" Dunkel, welche« wohl nie gelichtet wird. .Jm' der Verhaftete die That«ich* begange» zlndre-� 1 für so wichtig gehalten, daß sie vom offiziösen Telegraphen weiter verbreitet wird, weil sie im„freiwilligen" Regierung«- organ gestanden hat. Der Werth der Phrase wird aber da- durch schwerlich gesteigert werde». Es hat sich im Laufe der Zahre, seitdem wir in Deutschland eine selbstständige Arbeiterbewegung haben, ge- wiß schon sehr oft um die persönliche Freiheit der Arbeiter gehandelt. Man kann diese Freiheit gewiß nicht besser fördern, als wen» man bestrebt ist, den Arbeitern volle Freiheit in der Presse und der Diskussion überhaupt zu ver- schaffen und vor allen Dingen ihm ei» unbeschränkte« Koalitionsrecht zu gewährleisten. Hat der Arbeiter in Deutschland diese Freiheiten und Rechte für sich gewähr- leistet? Doch nur im allerbeschränktesten Maße; selbst da, wo der Arbeiter sich nicht mit politischen Dingen beschäftigt, können die Behörden einschreiten, wenn Versammlungen ab- gehalten und gewerkliche Vereinigungen gebildet werden. Zn Hunderten und taufenden von Kundgebungen haben die Arbeiter thr Verlangen nach persönlicher Freiheit zum Aus- druck gebracht; et wird sich aber Niemand erinnern können, daß die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" auch nur ein einziges Mal sich zur Förderung diese« Verlangen« bereit erklärt hätte. Jetzt, wo et sich gar nicht um persönliche Freiheit handelt, wird diese Phrase zum Vorwand genommen, sich gegen die Beseitigung der über- flüssigen SonntagSarbeit auszusprechen. Wir sagen ausdrücklich:„überflüssige" Sonn- tagSarbeit, denn eS giebt, wie wir in diesen Blättern schon oft dargethan haben, eine Reihe von Verrichtungen und Arbeite«, die auch am Sonntag unerläßlich sind. Aver die von den Arbeitern ausgehende Bewegung gegen die SonntagSarbeit hat in Wirklichkeit den Zweck, für alle Ar- better nach sechs Arbeitstagen einen vollen Ruhe rungen der Arbeiter sich gerade Bestrebungen unterscheiden, die Sonntag» Heiligung gerichtet tag nach sechs Arbeitstagen aber Arbeiter beschaffe» und ist eines jeden verständigen Arbeiters. Die manchesterlichen Liberalen, tag zu schaffen, wobei eS gar nicht darauf ankommt,' ob dieser Ruhetag immer auf einen Sonntag fällt oder nicht. Wir habe« schon einmal daraus hingewiesen, daß die Forde- < davurch von jenen ausschließlich auf sind. Ein Ruhe- läßt sich für jeden auch der Wunsch jede« Eingriff der jede« Preis Sonntag«- m. Arbeitskräfte auszunützen und durch lange Arbeitszeit den Preis der Arbeit zu drücken. I» ihre Fußtapfe« tritt nun am die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", wa» un« freili nicht sonderlich verwunder» kann, denn wir habe« die „Weshalb wollen Sie mit ihm reden?" fragte der Schließer rasch. „Da« kann Euch nicht kümmern." „Sie wollen ihn befreien." „Auf dem gesetzlichen Wege." „Wa« heißt das?" „Er darf nicht verurtheilt werden!" „Ich glaube, diese Sorge könne« Sie dem Gericht überlassen. Wenn er nicht schuldig ist, wird er auch nicht verurtheilt werden. Und der Vertheidiger wird ja auch dafür sorge«. Ich kann Ihre« Wunsch nicht erfüllen." „Aber Ihr könnt dem Gefangenen heimlich eine« Brief bringen, oder habt Ihr auch dazu nicht den Muth?" „E« ist gegen die Instruktion!" „Na, dann laßt Weib und Kind verhungern," sagte Rabe ärgerlich.„Gegen die Instruktion! Es ist wohl auch gegen vie Instruktion, daß Ihr in die Kneipe geht—» „Herr, das sind meine Sachen!" braust« der Schließer auf, während er eine« scheuen Blick auf seine kranke Frau warf, zu der die Kinder, wohl aus Furcht vor dem Fremden, sich geflüchtet hatten.„Wenn ich ei» Almosen von Ihnen forderte, dann dürften Sie mir diesen Vorwurf machen—" „Sei höflich, Robert," bat die Frau,„der Herr will un» ja helfen, weshalb sollten wir da« nicht annehmen? Und er fordert ja nicht« Schlimme« von Dir, de« Brief kannst Du dem Gefangenen geben, ohne daß Jemand e« erfährt." Der Gutsbesitzer griff in die Tasche und warf ein Gold» stück auf den Tisch, und bei dem hellen Klang de« Golde« fuhr der Schließer zusammen, al« ob er auf eine Schlange getreten habe. „Hier ist der Brief," sagte Rabe, indem er da« Schrift» stück dem Schließer vor die Augen hielt,„Sie werden ihn dem Gefangenen geben und auch die Antwort vermittel», darf, so ist für Sie gar reine tNetayr oaoet, over genie?en Sie bei Ihren Vorgesetzten und Kollegen kein Vertrauen?" Der Schließer schüttelte, in Sinne« versunke», da» „Freundschaft" dieses Blattes für die Arbeiter immer nur für Verstellung gehalten. Man klammert sich bei der Frage der Sonntagsarbett an das Wort„S o n n t a g" und sucht die Sache so darzustellen, als sei nichts zu thun, weil eine Reihe von Arbeiten am Sonntag unerläßlich sind.„Sollen wir denn Sonntags keine Suppe habe»?" fragte un« einmal ein gerne schmausender Manchester- licher Parlamentarier, der sofort die„Freiheit" seiner Köchin bedroht sah, al» er von Abschaffung der SonntagSarbett sprechen hörte. Durch ein geeignetes Ablösungssystem könnte aber ohne Schwierigkeiten bewirkt werden, daß alle Arbeiter nach sechs Arbeitstagen den vollen Ruhetag hätte«, der ihnen gebührt, ohne daß deshalb die am Sonntag un- erläßlichen Arbeiten unterbrochen werden müssen. Allerdings könnte in gewissen Fällen dadurch den Unternehmern eine erhöhte Ausgabe an Arbeitslose erwachsen und das ist, was den Widerstand der Unternehmer so hartnäckig macht. Man rede uns nicht von einem„Eingriff in die per- sönliche Freiheit". Dem Mensche» gehört sei» voller Ruhe- tag«ach sechs Arbeitstagen aus alle« möglichen materielle« und moralischen Gründen. Die ihm diesen Ruhetag ver- weigern wolle», haben nie gewußt, wa« Humanität ist. Politische Ueberficht. Die deutsche Volkspartei, mit welcher die demokra» tische Partei einen Bund schließen wollte, ist selbst nicht mehr bündnißfähig. Auf einer außerordentlichen General- Versammlung der Partei, die in Hanau vor ein paar Tagen stattfand, fehlten die Schwaben. Herr Payer hatte der Partei einen Absagebrief geschrieben und ist an der Seite deS yerrn Meyer und Dreyer u. s. w. nach rechts abgeschwenkt. So haben wir denn nunmehr zirka 4-6 demokratisch. zolkSparteiliche Parteien. Fangen wir von links an. Da ist zuerst in H a m- d u r g eine demokratische Partei, welche den Normalarbeitstaa alS„conditio sine qua von" hinstellt' dann kommt die Leipziger Hauptpartn ohne Normalarbeitstag, der stch einige Herren in Berlin und Elberfeld und auch noch einige in Hamburg anschließen; femer haben wir in Elberfeld einen abgesprengten GilleS-Flügel, der allerdings noch weniger zu bedeuten hat. Dann folgt die„ S o n n e m ä n n e r e i". sä ä";äi ÄÄÄÄ l Ä ÄÄ't&l eSchwaben- jeder Zoll ein Spießbürger. Also sechs ver- iedene Richtungen find seit Jahresfrist entstanden, und dabei lg man fich mit stolzen Einigungsgedanken! Der Termin für die Berufung des Reichstages ist nunmehr festgestellt, der Reichstag wird am 19. November zu. sammentreten. Der Bundesrath ist mit dem Reichshaushalts- etat beschäftigt, dessen Feststellung bis dahin leicht zu Haupt, seine Stim runzelte sich, und die wulstigen Lippe« preßten sich fest aufeinander, es schien ihm schwer zu falle». einen Entschluß zu fassen. „Sie spioniren Alle," erwiderte er nach einer Pause „und wen» sie mir wa» anhaben könne», dann thun sie'S gewiß." „Um so vorsichtiger müßt Ihr sein." „Und giebt man dem Teufel den kleine» Finger, dann will er auch die ganze Hand Haben." „Ihr seid zu ängstlich!" „Ich habe eine Familie zu ernähren." „Und wenn Ihr entlassen würdet wegen dieser Ueber» schreitung Eurer Instruktion, dann sorge ich für Euch, damit könnt Ihr wohl zufrieden sein." „Ich meine das auch Robert," sagte die Frau.„Wenn der Herr nichts Schlimmeres von Dir fordert—" «Nicht» Schlimmeres?" schnitt der Schließer ihr da» Wort ab.„Da« wird später auch schon komme». Wen» ich dem Gefangenen den Brief gebe« soll, muß ich'» i» der Nacht thun, wenn ich die Nachtwache habe, am Tage kann ich nicht zu ihm gehe«, bei de« Untersuchungsgefangenen ist ei» anderer Schließer." „Und wann habt Ihr die Nachtwache?" ftagte Rabe. „In dieser Nacht." „Um welche Zeit beginnt sie?" „Um zehn Uhr" „Dann kann der Brief»och vor Mitternacht i» de» Händen de« Gefangenen sein. Wie gesagt, Ihr wagt dabei wenig oder gar nicht», und wenn Ihr dennoch j» Verlust kommen solltet, so entschädige ich Euch. Wenn der Ge- fangen« kein Schreibmaterial hat, so sorgt Ihr wohl dafür, ich ersetze Euch die Auslage« und mit dem Lohn für Eure Bemühungen sollt Ihr zufrieden sein." Der Schließer warf eine« lüsternen Blick auf da» Goldstück, dann nahm er zögernd den Brief, man sah ihm an, daß nur sei» Elend ihn zu dieser Pflichtverletzung be- wegen konnte." »Und wann kann ich die Antwort haben?» ftagte Rabe. „Wohin soll ich sie bringen?" I ermöglichen ist. Außerdem dürsten bald nach dem Zusammentritt des Reichstage? auch die noch im Rückstände befindlichen, auf das UnfallverficherungSgesetz bezüglichen Ent- würfe vorgelegt werden. DaS Gerücht, nach welchem eine Vermebrung der Loose für die preußische Klaffenlotterie vorgesehen sei, dürste sich nicht bestätigen. Offiziös wird dazu geschrieben:„Die Gründe, aus denen die Regierung es bei der letzten Etatsberathung ablehnte, sowohl selbst mit dem Vorschlage einer Vermehrung der Loose hervorzutreten, als durch eine entschiedene Erklärung zu Gunsten der Maßregel die nach dieser Richtung gestillten Anträge zu unterstützen, find bekannt; sie werden durch die Thalsache verstärkt, daß, seitdem das Abgeordnetenhaus nicht nur die Vermehrung der Loose verworfen, sondern sich auch für die Herbeiführung der gänzlichen Aufhebung der Staats- lotterien im Reiche ausgesprochen hat. Obwohl dieser letztere Beschluß ohne praktische Wirkung aus dem Grunde bleiben wird, weil weder das Reich noch die Rachbarstaaten Preußen? insbesondere Sachsen, Braunschweig, Hamburg, fich zu Schrit- ten in der Richtung bereit finden lasten würden, so liegt es auf der Hand, daß die Regierung, ohne fich einer bedenklichen Inkonsequenz schuldig zu machen, jetzt nach einem die Ver» ieloose ablehnenden Votum der Landesver« mehrung der Lotterie!....., tretung nicht füglich mit einem Vorschlage hervortreten kann, von dem aus tristigen Gründen abgesehen ist, als in Bezug auf die Stellung der Landesvertretuna noch res wtsgr» vor- lag. Jene auf dem ethischen Gebiete liegenden Motive schrei« ben vielmehr der Regierung jetzt eine um so größere Zurück« Haltung vor. Spricht fich vre öffentliche Meinung in der That mit solcher Bestimmtheit für die Vermehrung der Lotterieloose aus, wie behauptet wird, so wird eS Sache der Freunde dieser Maßregel sein, dieses durch einen entsprechenden Beschluß der Landesvertretung zum Ausdruck zu bringen. Die Regierung würde wahrscheinlich dann nicht verfehlen, einem etwaigen Beschluffe der gesetzgebenden Körperschaften in der Richtung ag der Lotterieloose die gebührende Berückfich» der Permehruni W>_____ tigung zu Therl weiden zu laffen: so lange aber ein solcher nrcht vorliegt, vielmehr daS letzte Votum auf Ablehnung der Vermehrung der Loose fich behauptet, fehlt eS an jedem An« laffe, eine Abänderung der seiner Zeit zu der Frage einge» nommenen Stellung in Erwägung zu ziehen." Unfälle waren auf den deutschen Eisenbahne« im Monat August d. I.(ausschließlich Bayerns) zu verzeichnen: 4 Entgleisungen und 1 Zusammenstoß auf freier Bahn, 12 Entgleisungen und 9 Zusammenstöße in Etationen und 107 sonstige Unfälle. Es verunglückten dabei 125 Personen und 25 Eisenbahnfahrzeuge wurden erheblich und 43 unerheblich be- schädigt. Es wurden von den 24 766 780 überhaupt beförderten Reisenden 2 getödtet, 1 verletzt, von Bahnbeamten und Arbeitem im Dienst beim eigenllichen Eisenbahnbetriebe 16 getödtet und 66 verletzt, und bei Rebendeschäftigungen 7 verletzt, von Steuer- ,c. Beamten 1 getödtet, 1 verletzt, von fremden Personen 11 getödtet und 8 verletzt bei Selbstmordversuchen 9 Personen getödtet und 3 verletzt. Ein Zurückgewiesener. Ein Einwohner Posens, welcher gleichfalls aufgefordert worden war, die preußischen Lande zu verlosten, hatte zwar eine Verlängerung der ihm gestellten Frrst erhalten, beschloß jedoch, fich schon jetzt nach Rusfisch-Polen, von wo er vor 20 Jahren hierher gekommen war, zurückzu- begeben. Mit dem von der Posener Polizeidirektion auigc- stellten Zeugnisse reiste er vor einer Woche nach Alexandrowo ab, wo ihm von dem Gendarmerie-Oberst erklärt wurde, daß er in Rußland nicht aufgenommen werden könne, da er bereits vor zwanzig Jahren Rußland verlassen, und demnach daS russtsche Unterlhanenrecht verloren habe; er werde daher mit dem nächsten Zuge nach Preußeu zurückgeschickt werden. Wie gesagt, so geschehen: er wurde nach Preußen zurückgeschickt und ist jetzt wieder in Posen eingettoffen. WaS nun? Hirschberg, 27. Oktober. Gestern fand hier die Reichs« tagsersatzwahl an Stelle des Herrn von Bunsen statt. So weit fich bis jetzt das Resultat übersehen läßt, ist auch diesmal der liberale Kandidat Sieger geblieben. Zwar fehlen bis jetzt von den 87 Wahlkreisen noch o2 mit ihrem Resultat, doch können dieselben, wenn fie selbst wider Erwarten un« günstig ausfielen, an dem Gesammtresultat nichts ändern. Herr Barth gilt als ficher gewählt. Von den bis jetzt bekannten 5888 Stimmen fallen auf ihn 4111, während der konservative LandgertchtSrath Göring 1147, der Zentrumskandidat Porsch 119 und der Sozialdemokrat Fläschel, Zigarrenmacher in Brei« lau, 511 Stimmen erhielten. Im Gesammtresultat ist wieder ein Anwachsen der Sozialdemokraten zu konstatiren. Kräcker hatte im vorigen Jahre im Ganzen nur 333 Stimmen, wäh- rend Fläschel jetzt schon 511 hat.— Die Betheiligung war im Allgemeinen eine weit schwächere als bei der letzten Wahl. Neustadt O. S.. 26. Ottober. Bei der heut stattgehabten Ersatzwahl für den Reichstag erhielt nach der„Echles. Mfg." der Kandidat der ZentrumSpartei, Graf Etrackwitz« ierevors, von 1143 Hierselbst abgegebenen Stimmen 1077. Wahl des Grafen Etrachwitz ist aefichert. Aus Hamburg wird berichtet: Der Redatteur der„Bür- rn-Zeitung", Herr Wedde Hierselbst, ist nunmehr von den „Ich hole sie hier ab." ist mir nicht lieb, wen« ei» so vornehmer Herr oft zu mir kommt." „Hm, Ihr seid vorsichtiger, als rch glaubte; gern komme ich auch nicht, also wann und wo kann ich Euch tteffe»?" „Ich will morgen Abend puakt acht Uhr an der Andreaskirche sein." „Tut, ich werde kommen," nickte Rabe.„Sagt dem Ge- fangenen, er müsse mir unter jeder Bedingung antworten, Zm übrigen könne er sich auf mich verlassen. Und wa» Euch betrifft, so—" „Ich werde schweigen," fiel der Schließer ihm in'S Wort,„ich muß eS ja meiner selbst wegen." Der Tutsbesitzer sah ihn scharf an; es lag eine furcht» bare Drohung in diesem Blick. „Wer und was ich bin, darum kümmert Euch weiter nicht," sagte er,„Euch kann eS gleichgiltig sein. Ich habe die Mittel, Euch au« Eurem Elend zu befreien und auch die Macht, Euch zu vernichte», da» vergeßt nicht und dient mi, Er nickte ihm noch einmal zu, dann ging er hinaus, und eine halbe Stunde später saß er wieder im Sattel, um den Heimweg anzutteten. Er hatte es verschmäht, den Zustizrath m der Wein- schenke aufzusuchen, ttotzdem er mtt Sicherheit erwarten durfte, ihn dort zu finden. Die Bemerkungen de« alten Herrn über da« Testament des General« hatten ihn geärgert, er wußte in der That von einem solchen Testament nicht«, und nach seinem Dafürhalte« war es kindisch, zu glauben, daß der General ein Testament zu Gunsten seines Bruder« hinterlasse» haben könne. Vorbote« de« Sturme». Siegftied war in der heitersten Stimmung von seinem ersten Besuche bei der Generalin zurückgekehrt. Die feindselige Stellung, die ihr Bruder so ganz unmotivirt und geradezu herausfordernd ihm gegenüber em« genommen hatte, konnte diese Heiterkeit nicht trüben, Willi- weniger ts„ferne r. Stern „Demokraten" in Acht und Aberacht gethan worden. Der famose Dr. Stern— die„Doktoren" scheinen häufig der Par- teien Unstern!— hat es herausgebracht, daß Herr Wedde den Hamburger Parteitag„im Interesse der Sozialdemokratie habe mißbrauchen wollen, was er daraus deduzirt, daß der Abg. Hasencleoer in der bewußten öffentlichen Volksversammlung nach Schluß des Parteitags, die n»ch dem Zeugniß des Stull- garter Beobachter" von 4990 Sozialdemokraten und 10 Demokraten besucht war, fich erlaubt hatte, die unvernünftigen Beschläffe des Kongresses zu kritifiren. Herr Wedde, dem die „Demokratischen Blätter" die Aufnahme einer Entgegnung ver- weigerten, läßt hierauf in seinem Blatte dem Dr. Stern eine ausgezeichnete Abfertigung zu Theil werden, die leider zu für einen vollständigen Abdruck in unserem Blatte ist. konstatirt, daß die Ablehnung des Normalarbeilsta „Schlag ins Geficht für die deutschen Arbeiter" Herr Dr. Stern ein Eintreten für diesen aber als etwas„Sozialdemokratisches" denunziren dürfb. eigene Partei diese Forderung akzeptirt hat. Herr hat also eigentlich gar nichts gemeint, schließt Herr Wedde. „Und doch hat er etwas bewiesen— bewiesen, daß den viel- fach hervortretenden Liebäugeteien zwischen Volkspaitei und Eugen Richter nicht nur gemeinsame Gedanken zu Grunde liegen, sondern oft auch Sympathien des CharatterS. Für mich und meine näheren politischen Freunde ist die Erbringung dieses Beweises ein recht angenehmes Ereigniß, denn fie liefert die glänzendste Bestätigung für die Richtigkeit unseres Verbal- tens, als wir uns das Einsteigen in das neue Parteischiff gründlich leid werden ließen, sobald wir erkannt, nach wct- chen Leitsternen die Piloten desselben den Kurs zu bestimmen suchen." Mannheim, 27. Ottober. Bei der gestern Vormittag stattgefundenen LandtagSwahl für den" hiefigen Wahlkreis wurden von den Wahlmännern 241 Stimmen abgegeben. Davon erhielten der Landgerichtsdirektor Baffermann(national- liberal) 157, Stadtrath Dreesbach(soziald.) 67. 5 Stimmen zersplitterten fich, außerdem wurden 12 weiße Zettel abgegeben. Das Ergebniß überraschte nach verschiedenen Seiten. Von den Nationalliberalen fehlten nur zwei Wahlmänuer, die durch Krankheit entschuldigt waren, dagegen fehlten sehr viele Demokraten und von den Erschienenen dürften die weißen Zettel herrühren. Aber auch die Sozialdemokraten dürften Ursache haben, mit ihren Wahlmännern theilweise unzuftieden zu sein, denn es fielen verschiedene um und ist dies ein Beweis, daß die Besuche Hoher Herren, die sonst nicht gern in das Viertel der Proletarier gehen, von Erfolg begleitet waren. Jetzt ist die Wahl vorbei und hat hiermit auch die Freund- schaft mit der Unterstadt ein Ende bis— zur nächsten Wahl. Unbegreiflich ist, daß es trotz der vielen Täuschungen immer noch Leute giebt, die fich durch schöne Worte herumbringen l°ss°n-, Frankreich. Aus Lyon wird dem„Gaulois" telegraphirt:„Die Lage der Arbeiter ist äußerst ernst geworden. Alle Fabrikanten haben Befehl erhalten, ihre Werkstätten zu schließen. Die Fa- brilation ist eingestellt. Der Präfett hat zwei Unternehmer gewarnt, daß fie(von den Arbeitern) zum Tode verurtheilt seien und fich in Acht nehmen sollten." Die„Pakte" meldet: „Die ganze Polizei ist auf den Beinen. Die Truppen find bereit gehalten." Da« Journal„Misstons catholiques" veröffentlichen ein Schreiben, welches der Misfionär P. Geoffrey an den Direktor des Misfionshauses in Paris aus Cochinchina gerichtet bat und in dem man eine Bestätigung der Nachricht über die Mafien- morde der einheimischen Christen findet. Diese Morde be- gannen am 2. Juli, wurden bis zum 17 Ottober fortgesetzt und kosteten, so viel man jetzt weiß, etwa 30000 Christen das Leben.— Mit diesen Ermo dungen der Christen hat e« seine eigene Bewandniß. Die Eingeborenen betrachten ihre zum Cyristenthum bekehrten Landsleute al« Renegaten und Franzosenfreunde und deshalb, nicht weil fie Chnsten find, werden fie von ihnen erschlagen. Dänemark. Kopenhagen, 27. Ottober. Von dem StaatSrathe ist ein provisorisches Gesetz erlassen worden über die Bildung einer milttärisch organifirten, unter dem Kriegsministerium stehenden Gendarmerie, sowie ein weiteres provisorisches Gesetz, durch welches die Ermächtigung ausgesprochen wird, den Kommunen für außerordenttiche Polrzeiausgaben einen Staatszusckuß zu bewilligen. In den Motiven zu dem Gesetz über die Bildung einer militärisch organifirten Gendarmerie heißt es: Dabei den jetzigen Verhältnissen zu erwarten sei, daß die Zivtldehördcn militärische Beihilfe in größerem Umfange beanspruchen, als eS der Militärdienst gestatte, so habe der König es für dringend nothwendig befunden, ein Gendarmeriekorps zu errichten, das die Zioilbehörden im ganzen Lande bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit der öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung, sowie bei der Handhabung der bestehenden Gesetze unterstützen solle.— Die Ausführung der beiden provisorischen Gesetze erfordert recht bedeutende Summen, im Staatsschatz ist bald Rabe war ihm nach dieser Seite hin eine»u unbedeu« tende Persönlichkeit. Das freundliche und herzliche Entgegenkommen der liebenswürdigen Tante hatte sofort sein Herz gewonnen, und auch in de» schönen, strahlenden Augen Bella'S glaubte er die Erfüllung jene« süßen Wunsches gelesen zu haben, der sich in seiner Seele leise»u regen begann. f Er war entschlossen, der freundlichen Einladung bald wieder Folge zu leisten, das verwandtschaftliche Band, welche« sein adelsstolzer Vater gelockert hatte, fester zu knüpfen und unverzagt nach dem herrlichen Ziele zu skebe», welches ver- lockend rn der Ferne ihm winkte. Der Verdacht, den er ansang» gegen Rabe gehegt hatte, war geschwunden, eS boten sich für denselben kerne Anhalts- punkte. Daß der General in jener auftegende» Nacht plötzlich von einem Schlazfluß gettoffen worden war, mußte Zeder erklärlich finden; der Oberst ging m seinen Vermuthuogen doch zu weit, wenn er daran zweifelte. Seltsam war e« freilich, daß Rabe an die Schuld Halm'» nicht glauben wollte, daß er sogar ihn so hartnäckig vertheidigte, indeß entsprang da« vielleicht auch nur der per- sönlichen Abneigung gegen den Untersuchungsrichter, und in diesem Falle konnte man mit ihm nicht darüber rechten. Was kümmerten ihn denn überhaupt die Ansichten Rabe'«! Die Untersuchung ging ihren vorgeschriebenen Weg, sie mußte ja den Thatbestand feststellen. Wie die Dinge jetzt lagen, konnte Siegfried die Schuld de» Verhafteten kaum noch bezweifeln. Der Amerikaner hatte freilich auch im zweiten Verhör eigensinnig geleugnet, aber Siegfried wollte bemerkt haben, daß diesem Eigensinn eine Kotzige Verstocktheit zu Grunde lag, und diese Entdeckung konnte dem Angeklagten nur schaden. Zm Allgemeine« waren e« dieselben Frage« und die- selben Antworten gewesen; einen Widerspruch hatte Siea, fti-d in keiner Weise herausfinde« können 0 Daß die Büchse sein Eigenthum gewesen sei, leugnete Ferdmand Halm auch ,etzt mcht, er gab auch zu, daß die verhangntßvolle Kugel aus diesem Laufe abgefeuert sein ja Geld zu finden und das Ministerium ertheilt fich mächtigung zu jeglichen Ausgaben. Die Genehmigungs jedoch keine provisorische, das Geld wird definitiv verauiN Das nächste provisorische Gesetz wird fich, wie man enng gegen die Presse richten und beweisen, daß der Much> vorhabe, nicht der Wahrheit, weil ich sofort nach Em?» des bezüglichen Schreibens geantwortet habe, daß ich deir anderwerte Verpflichtungen für Montag Abend übernofl* hätte und zu meinem Bedauern nicht erscheinen könnte. über der Behauptung, daß meine Firma„ganz d e s o niedrige" Löhne zahle, habe ich zu konstatiren, daß tß vor längerer Zeit, als diese Behauptung zum ersten Male» tauchte, ein Mitglied der Damenmantel- Schneider dem alle Bücher u. s. w. bereitwilligst zur VerfiA gestellt wurden, fich von der„Unwahrheit"? Behauptung überzeugte und im Gegentbeil feststellte, M. verschiedene Genres höhere Löhne, alS in anderen üblich, gezahlt werden. Daß ich auf die Lügen und tigungen, die einzelne Redner in der Versammlung gegen vorbrachten, nicht antworte, werden Sie begreiflich finden. die von mir vertretene und dort so heftig angeg» auf Erhöhung der Arbeitslöhne gerichtete Beat der Mäntelnäherinnen verlangt gebieterisch die' stellung der Frage meinerseits. Ich behaupte, daß die Forderung nach höheren, berechtigt ist, weil eine Arbeiterin mit einem Verdien? 9—10 Ml. pro Woche nicht auskommen kann und bei ferner, daß nur durch geschlossenes, einmüthiges und bewußtes Vorgehen der Ardeiterinnen es gelingen wird, für den Lebensunterhalt genügenden Lohnsatz zu erziele». Od den Schneidermeistern dies r Weg gefällt, ist mir g. wenn er nur dazu führt, den vielen tausend Fr ädchen einen besseren Verdienst zu schaffen. Wenn durch Zahlung höherer Löhne an die Arbeit die Meister naturgemäß veranlaßt werden, ihrerseits n die Anfertigung zu verlangen, so kann dem genügt aß ohne daß die Industrie deshalb leistungsunfähig würde fich nicht auf dem Weltmarkte behaupten könnte. Lächerlich ist es nur, von dem Einzelnen, der unter Banne der Konkurrenz steht, zu verlangen, de allein diesen Weg beschreiten soll, er würde erbarmungSi rieben werden, und sein Untergang würde dem Geg willkommener Anlaß sein, um die Unmöglichleit einer rung der heut herrschenden wirthschaftlichen Zustände z» theidigm. Deshalb ist auch auf diesem Gebiete eine wiillild< besserung nur auf dem Wege der gesetzlichen EinfübrnZ MaximalardeitstageS in Verbindung mit der Fest� eines Minimalarbeitslohnes zu erreichen, wowii schrankenlosen Herrschaft der sogenannten freie« kurrenz ein wirksamer Tamm entgegengesetzt�. der Ausnutzung der ArbeitSlofigkeit und der wrrthsch� Roth gesteuert wird. Nur so und nicht anders kann die Lage der näherinnen verbessert werden; der Zorn und die Wuth Meister, die zu lügnerischen Verleumdungen greifen, daran nichts und ich werde, unbekümmert um vre Ge'" wie vor unenlwegt dafür eintreten, daß die Arbeitcrii rhre Sache in dre Hand nebmen und fich nicht auf gegenkommen Anderer verlassen., Paul Sint' ebenso fich« jt*. Es jy Mige Rei °st wie mk würden, m «togucnae Migen R« seilen dazi » Ei» s «-»gen der im Keller. m-rster He, Kie Arbeit D° fich de «ollständig und werden erner Sven . Ein f m-ine g lcher Be dies das ei Kaffenboier und entwii «ft Äffi ch-inury Dp gp «Ä i 1 jfe'i Von ärztlicher Seite erhält der„B. C." folg> merkenSwerthe Zuschrift: Wir halten es für geboten,� hinzuweisen, welche bedeutende Dimenstonen seit Kurs' Erkrankung in Berlin angenommen, die nur der gr? achtsamkeit gewisser Kreise ihre Verbreitung verdankt. E' augenblicklich hier die Bartflechte in einem so erstaun 0»,' U n'ange, daß Nirmand davor ficher ist, dieselbe fich nick' Tag aus der Barbierftube mit heimzubringen. Es mwj gisch betont werden, daß nur dre Unachtsamkeit, um r sagen, Lätfi akeit der Barbiere an der Weiteroer breitung, Urbels die Schuld trägt Seitdem es feststeht, daß die tragung di(er Krankheit nur durch Vermittlung von. (Trichophyton tonsurans) stattfindet, haben wir zUfl'KI Mittel an der Hand, der Verbreitung derselben pro»» durch sorgfältige Desinfettion entgegen zu treten.\ den Untersuchungen unseres berühmten Cholera-Forfck fessor Koch steht eS fest, daß das Sublimat selbst�. starken Verdünnung— für unsere Zwecke etwa 1: 10# onnern i "lindeste ns Jener Mär BN ganz Dollinerstr desselben h ienutzt, um Als der M- n-llungen> L- verlassen Ms-s Unt gtoche in i 2 Hauswi W Grund 1 *5% könne, aber wer sie abgefeuert hatte, behauptete er wissen. Die ihn beschuldigende Aussage de« Zeuge«. als eine Unwahrheit mit Entschiedenheit zurück, und y jetzt schwer zu ermittel», ob der Zeuge damals dl- heit oder eine Lüge ausgesprochen halte, man muß' den Zeugen selbst zu ermitteln suchen, der sich H Zahre» nicht mehr in der Gegend befand. dad �°-> "'cht Wenn man über die Ereignisse jener Nachi, � Ermordung des Doktor« vorhergegangen waren,-. sprach, so wurde der Angeklagte verwirrt, manch- o™ Sw e antwortete er ausweichend, e« war offenbar, daß zu verheimlichen suchte, was vielleicht die Lösung de? � erleichtert hätte. M Mit besonderer Vorliebe dagegen sprach er v. y Erlebnisse in Amerika, er kam immer wieder darau', und wenn da», wa« er erzählte. Wahrheit war, s.i» »der seil W er ver rn 1« williger gen % 'Sc- t B U»d d Ja6. »«Ä % . wa« er erzählte, Wahrheit— man rhm da« ehrende Zeugniß eine« muthigen,■ ManneS geben, der in den schwierigsten Verhält?. � Kopf oben gehalten und den eingeschlagenen schrecken verfolgt hatte. Auf die Vergangenheit konnte da« freilich wnlung habe», e« zeugte sogar eher für, al« g � Schuld, denn die amerikanischen Erlebnisse bewzefe»' etnen entschlossenen Charakter und eine eiserne W' besaß, und von diesem Manne durfte man daß er einen einmal gefaßte« Entschluß ausführte» Drohung auch die That folge« ließ. juh MÄKMNM dte Untersuchungsakte» einzusehen. tflunt C > i er ßezetgt. °ch h( Die Nachricht, daß Rabe dem Zustizrath trag gegeben hatte, überraschte Siegfried, aber* sollte freigesprochen j kk" d Ol haben mußte. Der Angeklagte [t sich Die' lehmigung o eeroi' man trt Kuth nit der ß er Die»S ijten fiepe NZ ach ötitp® aß ich>>«t überpo»� nn(e.@ef besond� en Male« f'$m m! D°°t»anwattschast Angelegenheiten keine Auskunft ertherle, M Herr Cohn, Monbijouplatz, nunmehr persönlich wegen fernes % bei der Katastrophe umgekommenen KindeS wegen fahr- Unser Tödtung bei der Staatsanwaltschaft denunzirt und vre �«rasung der Schuldigen gefordert. Außerdem wird Herr Cohn Vvnlich zunächst mit einem kleinen Theil seiner privatrechtlichen Adeniersatz, Ansprüche etwa in Höhe von 50 Ml. klagbar Me». und im Falle eines obstegenden Erkenntniffes, deffen !Wng übrigens in Anwaltskreisen bezweifelt wird, sollen elle Interessenten zusammen wegen ihrer Schadensersatz« Sche den Weg der Privatklage beschreiten. Man hat stch ' 1 für dies Verfahren emschloffen, um im Falle deS des Prozesses nicht die wegen Der Größe Des Ge« .-Schadenodjektes ganz bedeutenden Gerichtskosten opfern r. süssen.— UebrigenS befindet stch bei Herrn Cohn. Mon- Mt- Platz 17, noch immer ein Ueberzieher, der der dem Un- ?!Uu dem unbekannten Eigenthümer abhanDen gekommen und "er noch nickt abaebolt ist. K?'d noch nicht abgeholt ist. '• Das, der Diebstahl eines Ehegatten ,.- V»»«»vitutjt gegen den »Uderen sttaffrei bleibt, ist eine Bestimmung unseres Straf« Mti, die gewiß schon mancher Mann und manche Frau in Berlin deklagt hat-, werden doch hier leider nur zu viele Ehen aus Spekulation auf daS Eigenthum Des anderen Ehegatten Mloffen und dos„Rücken" verheiratheter Frauen von ihren Männern unter Mitnehmen der Habseligkeiten derselben kommt mindestens ebenso oft vor, wie das Eindringen heruntergekom« Mener Männer bei ihren Frauen, die von ihnen getrennt leben. Ein ganz besonders böser Streich ist aber einem in der AZollinerstraße wohnenden Maurer pasfitt. Die junge Frau Desselben hatte die tägliche Abwesenheit ihreS Mannes dazu Denutzt, um stch allein und nach ihrem Geschmack zu amüfiren. )Ua h», OD--- t,------- r,...— ,.■.-- 1 1— t"........—......«„v* rnitzunehrnen» jeses unternehmen, das in den letzten Tagen der vorigen ytoche in Szene gesetzt wurde, glückte aber nur zum Thell, da "tt Hauswirth die noch nicht auS dem Hause geschafften Sachen U Grund seines MiethSkontrattes einbehielt und ste dem am jJDwid zurückkehrenden und nicht wenig überraschten Mann ar �?.°uf kurze Zeit seine Wohnung verließ, um einige Er- ZwA�n herbeizuholen. Diese Zert benutzten Die sauberen ReW'"' um sämmtliche Schmucksachen, Die in einer offen- mit ,ntn Kommode stch befanden, an stch zu nehmen und Da- ...... Unter allerdings Frau gehörige, und Den fottgenommenen Sachen auch einige Der fortge- k.••o~'—tD es dürfte unter diesen mindestens zweifelhaft sein, ob die der Staats- hehrer 5$ erstattete Anzeige zu einer Bestrafung der Theil- lein b-,'Men wird, da diesen Der Nachweis von dem Bewußt- A��ncchtswidrigkeit ihrer Handlung nur schwer zu führen Nj-�, dadurch dem Untersuchungsrichter eine empfindliche -b# bereiten. hugen unb als bit ' mufjU f /ich W» %chl, M Iren, un1 "che H baJ ng bei t'* i er übf borauf" war, fe en, ßn> mtniff«, en I* lanbnjg?eite standen. Er gab dem Zustizrath die Er« «Der I' mit dem Gefangenen zu reden, jetzt noch nicht, seien■"frsprach, ihm später, sobald die Akten geschlossen 3v e' �eise entgegenzukommen. miUiftL16'81 unerwartete Widerstand reizte de» eigene reich,, m Zustizrath, und gerade durch Hftr_%h( das, was et_ wünschte; ihn der et« _____.....__ alte fljll U"« jetzt entschlossen, die Vertheidi'gung des Ange- ZU übernehme» und ihr seine ganze Kraft zu gej J�gftUb hatte von dem gereizten Herrn einige unan- did,., Bemerkungen hinnehmen müssen, die er keiner Er- De,, ,ä"8 würdigte, die aber nichtsdestoweniger eine» trüben- schatten auf seine Stimmung warfen. e. Und dieser Schatten war noch nicht geschwunden, als jtßsel�„ Stunde später nebe» seinem Vater an der Z% A 0f •jA lvert�' Jal- »ickt � �tte jetzt am liebsten das Amt eines UntersuchungS- Y ltt die Hände eine« Anderen niedergelegt, er sah vor- 'ttten �rade dieser Fall ihm»och manche« Aerger be« faunt L."V1"1!4 wUl ueux«viufuus»«nur» "»d, sprach mit seinem Sohne fast kein Wott gezeigt. �atte 61«och beim FrühMck die heiterste Stirne Der Oberst sprach war heute Mittag mit seinem Sohne ebenfalls fast kein mißge« Wott ein« 1 e,ne Frage, die ei» Fremder an ihn richtete, gab hei, s° grobe Antwort, daß sogar Die, welche seine Grob- rhu befremdet anblickten. . r. meiste- eEprsse» schienen ihm auch nicht zu munden, die nl*! c»*-#«——.--»— V. j Imv.Aj w habe äderst in solcher Sttrnmung noch mcht gesehe» der» wagte nicht, eine darauf bezügliche Frage a« a�r zu richte«, eine dunkle Ahnung stteg rn rhm auf, sein Dürfte; ste werden vorausfichilich behaupten, im Auftrage Der Frau nur Deren Sachen geholt zu haben. Jedenfalls mahnt dies S Vorkommniß alle in ähnlicher Lage Befindlichen zur größten Vorficht. r. Da» Umgehe« mit dem Häkelzeuge» dieser beliebten Handarbeit jüngerer Mädchen, erfordert mehr Vorficht, als ihm gewöhnlich zu Theil wird. Eine elfjährige Schülerin der Ge- meindeschule in der Rüdersdorferstraße hatte ihr Häkelzeug während des Turnunterrichts in die Kleidertasche gesteckt; nach Beendigung desselben hatte fie dies wohl vergessen und als fie mit heftiger Bewegung fich auf ihren Platz niedersetzte, drang der stählerne Theil des Häkelhakens völlig in daS Fleisch des Beine« ein. Versuche, die von der Lehrerin angestellt wurden, den Hakm zu entfernen, waren vergeblich, da der Widerhaken ein Herausziehen verhinderte; ste fuhr sofort mtt dem Mädchen zur Königlichen Klinik, wo nach vorheriger Betäubung des Kindes der Haken auf operativem Wege beseitigt wurde. We- niger gefahrvoll verlief ein anderer Unfall eines Mädchens, die, dm Häkelhaken im Munde haltend, von zwei rennendm Knaben so heftig angelaufen wurde, daß ihr der Haken durch die Backe drang. Man brachte das Kind zu einem am Hein« ricksplatz wohnenden Arzte, der einfach von dem Haken dm an dessen Spitze befindlichen Widerhaken abbrach, worauf das Herausziehen nur noch wmig Mühe und Schmerzen machte. g. Et« seltsames Zusammentreffe«. Ein hiefiger Kaufmann, welcher ein gutgehendes Delikateßwaarengeschäft befitzt, war bis vor etwa 3 Monaten mtt der Tochter eines hiefigen HauSwirtheS verlobt rdie Verlobung ging aber zurück, weil der Kaufmann über die Mitgift zu hohe Ansprüche machte. Beide hatten fich nach der Trennung vorgenommen, für's Erste nicht wieder an's Heirathen zu denken. Vor einigen Tagen nun, so wird unS mitgetheitt, hatten die ehemaligen Liebes- leute eine recht peinliche Begegnung: in dem Augenblick, als die junge Dame eine in der zweiten Etage der B. Straße be- legene Wohnung verlassen wollte, betrat unser Kaufmann die- selbe. Dort wohnte eine bekannte— Heirathsvermittlerin. Unsere Leser mögen fich die Verlegmheit Beider selbst auS« malen. g. Aus dem Zerstöre« vo« Vogelnestern, welche jetzt durch das Abfallen des Laubes in den Gebüschen und Zwei- gen der Bäume leicht aufzustndm find, machen fich nichts- nutzige Burschen jetzt ein ganz besonderes Vergnügen. Da es den Beamten in unseren öffmtlichen Parkanlagen nicht immer möglich ist, überallhin ihre Aufmerksamkeit zu lmken, so müßte es Sache deS Publikums sein, Aufficht über ein derartiges straffälliges Trerben zu üben. Gerichts-Zeitung. ReichsgettchtS-Entscheidung. Leipzig, den 26. Oktober. Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete August Heine in Halberstadt war am 27. August d. I. vom dortrgen Land« gerickte von der Anklage der Fortsetzung einer verbotenen pe« riodischen Druckschrist(§ 19 deS Sozialistengesetzes) freigesprochen worden. Er hatte in den Jahren 1883 unD 1884 die„Halberstädter Sonntagszeitung", welche bei A. Vogel u. Co. in Braunschweig gedruckt wurde, als Verleger herausgegeben und zwar zu dem vierteljährlichen Abonnementspreise von 40 Pf. Dieses Blatt, welches, wie der Angeklagte einräumte, sozial- demokratische Tendenzen verfolgte, wurde am 12. März 1884 vom Regierungspräfidenten in Magdeburg verboten. Am 25. März tauchte in Halberstadt ein neueS Blatt auf, welches Den Titel„Harzer Post" führte, alle Sonntage erscheinen und vierteljahrlich 30 Pf kosten sollte. Die„Harzer Post" war eine besondere Ausgabe Des Wochenblattes der in München von dem '-.ebenen„Süd. Mderstädter Lokal« I W>*-....—,—------ war August Heine rn Halberftadt als Expedient genannt. Er war nun beschuldigt, die verbotene„Halberstädter Sonntags. Zeitung" durch die „Harzer Post" fortgesetzt zu haben, aber daS Landgericht kam auf Grund folgender Erwägungen zu einer Freisprechung. Es spricht nichts dafür, daß dre neue Zeitung objektiv eine Fort- sctzung der verbotenen bilden sollte, wenngleich daS Erscheinen binnen 13 Tagen nack dem Verbote die augenscheinliche Gleich- heit hinstchtlick deS Preises, der Ausstattung und daS Er« scheinen am Sonntage sowie die gleichmäßige Berückfichtigung Der Halberstädter Lokalnachrichten und Inserate darauf hindeute. Die Tendenz ist auch dieselbe und der Kolporteur, Zigarren- arbeiter Giebel, hat mehreren Abonnenten, ohne daß fie eine neue Bestellung aufgegeben hätten, das neue Blatt inS Haus gebracht. Durch alles dieses ist aber die Thäter- schaft de» Angeklagten hinfichtlich der ihm zur Last gelegten Uebertretung des§ 19 des Sozialistengesetzes in keiner Weise festgestellt. Für die Annahme, daß der Angeklagte an der „Harzer Post" betbeiligt gewesen, wurde nur folgendes als er- wiesen erachtet: Er hatte als Verleger der„Sonntags- Ztg." ein Interesse an der Fortsetzung derselben, welches er bei den Verhandlungen über die Rückerstattung der Abonnementsbe- träge an den Tag legte. Er erklärte nämlich bei dieser Ge« legenheit, er werde an Stelle der drei nicht gelieferten Num« daß das drohende Gewitter sich über seinem eigenen Haupte zusammenzog, da war eS rathsamer, den Aus« bruch desselben geduldig zu erwarten, als ihn zu be« schleunigen. Endlich wurde die Tafel aufgehoben, aber vo» der ge- wohnte» Plauderstunde bei der Tasse Kaffee war heute keine Rede; der Oberst erhob sich, gab seinem Sohne eine» Wink und verließ, von ihm begleitet, de« Gasthof. Al» die Beide« in ihrer Wohnung angelangt waren, warf der Oberst einen Brief auf den Tisch. „Lie» de» Wisch," sagte er,„es ist freilich ein anonymer Brief und ich würde gar kein Gewicht darauf legen, wen« er nicht in dem flegelhaft höhnischen Tone ver« faßt wäre. Wüßte ich, wo rch de« Schreiber suchen dürfte, so würde ich ihm die Antwort mtt der Reitpeitsche geben." Betroffen entfaltete Siegfried das Schriftstück, et ent» hielt nur die wenigen Zeilen: „Herr Oberst! Zch gratulire Ihnen zu der nahe bevorstehenden Verbindung Ihres Sohnes mit Fräulei» Arabella von Stuckmann, die gestern durch eine» Besuch DeS Herr« Assessors eingeleitet worden ist. Die alte Feind- schaft wird dadurch getilgt und da» verrostete Wappen kann neu vergoldet werde». So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe." Dem Asseflor war das Blut in die Wange« geschossen, seine Pulse pochten fieberhaft. „Das ist ein Bubenstück!" sagte er empört. Der Oberst hatte die Arme auf der Brust gekreuzt, er ging mit große« Schritten auf und nieder. „Em Bubenstück allerding»," wiederholte er mit er- »wunaener Ruhe, aber die zitternde Sttmme verrieth die furchtbare Erregung, die in seinem Innern tobte.„Ich frage Dich, Siegfried, hast Du dem Schreiber Veranlassung dazu gegeben?" „Inwiefern könnte ich—" „Hast Du die Generalin besucht?" ,3a." mern eine andere Zeitung liefern. Er zeigte Dem Postamte an, Daß er ohne Nachzahlung an Stelle Der„Eonntags-Ztg." Die„Post" liefern werde, dann erklärte er wieder beim Post« amte, er wolle eine Montagszeitung und zwar als Fortsetzung Der„Eonntagsztg." erscheinen lassen. Diese Erklärung nahm er aber noch am selben Tage mündlich zurück. Am 29. März schrieb er dann an das Postamt, er ziehe die Anmeldung zu« rück und werde für das verbotene Blatt keinen Ersatz ohne Abonnenten gewähren. Die A onncmentebettäge zahle er so» dann durch Vermittlung des Postamtes zurück. Dafür, daß Heine der finanzielle Unternehmer der„Harzer Post" war, sprechen allerdings einige Umstände. Das Packet mit den fer- tigen Zeitungen kam aus München unter der Adreue des An- geklagten postlagernd an und in den Büchern Vierecks, welche rn München mit Beschlag belegt wurden, war auch Heine'« Name als Schuldner eingettage». Der Angeklagte machte aber hiergegen geltend, daß der Kolporteur Giebel(derselbe ist in» zwischen verstorben) der Unternehmer gewesen sei. Derselbe habe durch DaS Verbot der Sonntagszertung eine Einbuße er- Ittten unD, um den Schaden zu ersetzen, die Herausgabe der „Post" in München veranlaßt. Ta ader Giebel vermögenslos war, habe man einen Bürgen für ihn verlangt und er, der Angeklagte habe stch dazu hergegeben. Deshalb amh habe wohl Viereck ihn als Schuld- ner in sein Buch eingettagen. W'nngleich— so heißt eS im Urtheile weiter— an dieser Erklärung manches un- wahrscheinlich ist, so ist doch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß es fich so verhält. Giebel hat vor seinem Tode noch be« stättgt, daß er aus eigenem Antriebe nach München geschrieben habe. Schließlich ist noch zu bemerken, daß der Angeklagte die Meinung aussprach, sein Name könne nur aus Jrrthum als Herausgeber auf das neue Blatt gekommen sein. Aus allen diesen Umständen kam das Gericht zu einer Freisprechung. — Die Revision des Staatsanwaltes, welche am 26. Oktober vor dem ersten Ettafsenate des Reichsgerichts zur Verhandlung kam, suchte auszuführen, daß der Angeklagte, wenn er für Giebel Bürgschaft leistete, dadurch erst die Herausgabe der „Post" ermöglichte, also bei der Herausgabe mitgewirkt habe und demnach als Mitthäter oder Gehilfe zu bestrafen gewesen wäre. Ferner wurde gerügt, daß das Protokoll der VerHand- lung nicht von dem mitunterzeichneten Gerichtsschreider, son- dern von dem Vorfitzenden Nebelung verfaßt sei. Zu dem letzteren Punkte bemerkte der Reichs- Anwalt, daß die gesetzlichen Bestimmungen vollständig gewahrt seien, und daß es auf die Handschrist nicht ankomme. Was die materielle Rüge betrifft, sagte er weiter, so verneinte der erste Richter nicht die VerDachtsmomente, welche in der Bürgschaftsüdemahme liegen, er erachtet fie aber nicht für aus- reichend, um eine Thäterschast festzustellen, namentlich sagt er, eS sei ein genügender Nachweis, daß der Angeklagte der finanzielle Träger gewesen sei, nicht erbracht. Nach der konkreten Sachlage war der erste Richter zur Annahme einer Thäter» schaft nicht gezwungen, sodass der Gesichtspunkt der Mitthäter- schaft von selbst wegfällt. WaS die Gehilfenschaft betrifft, so war das Gericht ohnehin nicht verpflichtet, fich darüber im Ur« theile auszusprechen.— Dem Antrage des Reichsanwaltes, die Reviston des Staatsanwaltes zu verwerfen, entsprach das Reichs- Stricht, und so hat es bei der Freisprechung Heine's, was diesen lall betrifft, sein Bewenden. Gar traurige Erfahrungen hat eine Frau Rießler machen müssen, als fie trotz ihrer 54 Jahre, trotz ihrer fieben Kinder und trotzdem ihre erste Ehe erne so unglückliche war, daß dieselbe gerichtlich geschieden werden mußte, wiederum von der Lust zum Heirathen ergriffen wurde. Vor zwei Jahren lernte fie in einem Vergnügungslokal in Dalldorf den 40 jährt» gen Wärter an der dortigen Irrenanstalt, Franz Guntermann, kennen. Bald darauf kündigte derselbe seine Stellung und nahm Wohnung bei der Rießler, die inzwischen seine Braut geworden. Guntermann beschloß, eine Stehbierhalle zu eröffnen und erhielt dazu nicht nur die vollkommene Einwilligung sei» ner Braut, sondern auch deren Vermögen im Bettage von 1200 Mark. Bald darauf war Der Plan realistrt, in der Kott- buserstr. 10 wurde das neue Geschäft etablirt, Frau Rießler zog mit ihrem sämmtlichen Mobiliar zum Bräutigam und Dieser begab fich zum Standesamt, um die ersten einleiten- den Schritte zu der ehelichen Verbindung zu thun. Nach kurzer Zeit brach aber zwischen dem Paar eine von der Frau R. hervorgerufene Eifersuchtsszene aus. die fich darauf fast täglich wiederholte. Frau R. erhielt schon vor der Ehe Prügel und eines schönen Tages ging fie auf und davon. Guntermann wirthschaftete ein Zeitlang nllelne, aber so schlecht und unglücklich, daß er bald vor dem Ruin stch befand. Um noch zu retten, was zu retten war, verkaufte er sch'ießlich das Geschäft für 150 M., nachdem die von d.r Frau Rießler bei ihm zurückgelassenen Sachen bereits nach und nach verfilbert worden waren. Die so arg geschädigte Frau R. erstattete gegen Guntermann nun Anzeige wegen wiederholten BetmgeS, indem fie behauptete, derselbe habe ihr die Heirath nur vorge- spiegelt, um in den Befltz ihres Vermögens zu gelangen; ferner beschuldigte fie ihn der Unterschlagung, weil er über ihre Sachen widerrechtlich verfügte und der Untreue, well er Z« den Augen des alten Herrn blitzte es jäh auf, aber er bezwang sich noch immer. „Wann?" fragte er. „Testern Vormittag." „WaS bewog Dich dazu?" „Die Untersuchung gegen de» Mörder deS Doktor» Wieland." „Sei offen, Sieaftied, sage mir die volle Wahrheit." „Ich will nicht leugnen, daß ich den Damen diese« Besuch gewissermaßen versprochen hatte. Ich begegnete ihnen im vergangenen Winter zwei mal, Du weißt das ja, ich habe Dir nicht verschwiegen, daß fie mich einluden." „Und Du nahmst die Einladung an?" „Den Damen gegenüber konnte ich sie nicht ablehnen." „Ein gegebene« Wort muß man einlösen," sagte der Oberst.„Du hättest das längst thun sollen. War eS wirk- lich nur ein Konvenienz- Besuch, oder hattest Du eine be- sondere Absicht dabei? Sage mir Alles, ich muß klar sehe» und wissen, wie die Dinge liegen, denn ich fürchte, daß diesem unverschämten Angriff weitere folgen werden." „Und woraus glaubst Du diese» Schluß ziehe» zu strüssen?" fragte Siegfried, zu dem Vater aufschauend, der vor ihm stehen geblieben war. „Woraus? Liest Du denn nicht ebenfalls zwischen de« Zeilen, daß der boshafteste Neid diesen Brief dikttrt hat? Welch' anderer Grund könnte den Schreiber bewogen haben, mir diese erbärmlichen Sottisen zu sagen? Zch bin mir nicht bewußt, emen Feind zu haben, der zu solcher Gemeinheit fähig wäre! Und nun frage ich Dich noch einmal, bist Du der Generalin und ihrer Tochter in irgend einer Weise näher getreten?" „Nein, Papa. Zch wurde mit liebenSwürdiner Freund« lichkeit empfangen, und ich leugne nicht, daß alle Vorurtheile, die ich gegen diese Damen hegte, geschwunden find, aber es ist weder auf der einen, noch auf der andern Seite ei» Wort gefallen, welches zu solchen Vermuthunge» be« rechtigte." Der Oberst schüttelte den Kopf, und die Falte» auf semer Sttrn bewiese«, daß diese Antwort ihn keineswegs befrieDigte.(Fortsetzung folgt.) daS von ihrem Oelde eingerichtete Geschäft für einen Sooft» preis wieder losgeschlagen und diesen in seine Tasche gesteckt hatte. Gestern stand Gunter mann wegen dieser Vergehen vor der ersten Strafkammer des Landgerichts l und seine ehemalige Braut trat als Belastungszeugin auf. Der Angeklagte de» hauptete, daß eS mit der versprochenen Heirath sein voller Emst gewesen und dies konnte ihm, da er rhatsächlich die ein- leitenden Schritte gethan, nicht widerlegt werden. Es fielen somit die Kennzeichen des Betruges. Aber auch die Unfteue deS Angeklagten konnte der Staatsanwalt nicht für erwiesen erachten, denn zweifellos war ihm das Geld zu eigen gegeben worden und das Geschäft das seinige. Er konnte somit nach freiem Ermessen darüber verfügen. Nur die Anklage wegen Unterschlagung wurde aufrecht erhalten und hierfür dem An- geklagten nach dem Antrage des Staatsanwalts eine drei- wöchige Gcfängnißsftafe zuditttrt. Ein nächtliches Renkontre zwischen einem Studenten und einem Offizier der Ronde lag einer Verhandlung zu Grunde, die gestern vor der ersten Strafkammer des Land- gerichts l stattfand. Der staä. med. Moritz Hirschberg hatte fich wegen Beleidigung deS Sckondelieutenants von Wülsten zu verantworten. In der Nacht zum 27. Mai, dem dritten Pfingstfeiertage, kehrte der Angeklagte in etwaS bezechtem Zu- stände aus seiner Kneipe heim. An der Friedrichsbrücke wurde er von dem Lieutenant v. Wülsten eingeholt und gefiel es dem Bruder Studio, dicht an dm Lieutmant heranzutreten und denselben mit herausfordemden Blickm zu mustem. Dieser zog es vor, keine Notiz von dem auffälligen Benehmen des Stu- denten zu nehmen, er ging ruhig weiter. Der Angeklagte folgte ihm aber im wahrm Sinne deS Wortes auf dem Fuße uno fuchtelte dabei in provozirender Weise mit dem Stock in der Luft umher. Schließlich wurde es dem Lieutenant zu arg, er stellte seinen unliebsamen Begleiter zur Rede und verbat fich dessen Nähe. Dieser schien nur_ auf eine Anrede gewartet zu babm, denn_ er replizirte sofort in herausforderndem Vorschriften zu machen habe. Disput rieß dem Lieutenant Tone, daß ihm Niemand Nach kurzem aber heftigem die Geduld, er nahm seinm Gegner beim Kragm und übergab ihn dem in der Nähe be- findlichen Posten am Lustgarten, der den Studentm solange im Schilderhause aufbewahrte, bis die vom Limtenant requirirte Patrouille denselben abholte und zur Wache über- führte. Auch hier benahm der Angeklagte fich in höchst inkorrekter Weise. Es hafte dies nächtliche Abenteuer zunächst zur Folge, daß der Angeklagte wegen groben Unfugs mit einem Strafmandat in Höhe von 30 M. bedacht und dann auch obige Anklage gegen ihn erhoben wurde. Derselbe wollte so betrunken gewesen sein, daß ihm bestimmte Einzelheiten der Affaire völlig aus dem Gedächtnisse geschwunden wären. Der Staatsanwalt faßte die Sache um so schlimmer auf, als der Angeklagte als Einjähriger und zwar bei demselben Regiment wie der Lieutenant v. W. gedient hatte, er beantragte eine Geldstrafe von 300 M. event. entsprechende Freiheitsstrafe. Der Gerichtshof glaubte die Ausschreitung des akademischen Bürgers aber milder ansehen zu müssen und erkannte nur auf 100 M. Geldbuße._ Soziales und Arveiterdemegung. „Billig und schlecht"?! Wenngleich, wie wir schon mehrfach bemerkten, bei der deutschen Industrie im Allgemeinen daS Reulcaux'sche Wort nicht mehr zutrifft, so entnehmen wir doch aus den Klagen, welche die Schuhfabrikation anstimmt, daß in diesem Arbeitszweige vorzugsweise noch außerordentlich viel schlechte Waare geliefert wird. Vorzugsweise wenden sich die Klagen gegen den hohen Einfuhrzoll auf ausländische Lederabfälle, wodurch die sogenannten englischen„Bäuche und Hälse" derart veitheuert würden, daß der Geschäftsertrag ein allzu geringer würde. Nun muß man bedenken, daß auch an den deutschen Häuten„Bäuche und Hälse"(die schlechtesten Theile der Häute, durch welche daS Wasser widerstandslos ein- dringt) fich definden, die von der deutschen Schuhfabrikation verwendet werden. Kommen dazu auch noch die schlechten Ledertheile vom Ausland in solchen Massen, daß davon die Schuhfabrikation förmlich abhängt, so kann man ermessen, welche Waare geliefert wird. Natürlich ist das Alles für den deutschen Arbeiter gut genug und ein bischen Wasser schadet nichts— es kommt ja nur bis auf die Haut. Wenn man somit weiß, welche Ledersorten unsere Echuhfabrikation Haupt- sächlich verbraucht, dann kann man fich auch nicht mehr über die Schleuderpreise wundein, aber auch nicht darüber, daß die Schuhe so schnell verichleißen. Die deutsche Grnndkreditbank, die leider keine eigent- lichen Lohnarbeiter beschäftigt, hat einen vernünftigen Anfang gemacht, indem sie die Entschädigungen der Auffichtsrathsmit- « lieder herabsetzte. DaS sollten sämmtliche Aktiengesellschaften »un und natürlich auch die Gehälter für die Direktoren, die Tantiemen u. s. w. erniedrigen, dann würden nicht immer die Lohnkürzungen so große Dimenfionen annehmen. Aber anstatt oben zu kürzen, beschneidet man denen noch die Decke, die schon eine viel zu kurze haben. Aber daS ist nun einmal bei dm heutigen wirthschaftlichen Zuständm so üblich und so lange diese bleibm, werden immer die Arbeiter tibervortheift «erden. Weitere Dividenden. Württ. Kaftunmanufattur 15 pCt; Zeitzer Eisengießerei 13'/, vCt.; Vereinigte Gummiwaarenfabrik Harburg-Wien 20 pCt.; Sächsische Webstuhlfabrik 10 pCt. ic. Und dennoch fortwährendes Lammto. Die Attionäre aber können fich in der That nicht sonderlich über den„Rückgang" be» Ilagen; für dieselben sorgen schon die„Dividendenmacher". Aber die Arbeiter haben die Zeche zu bezahlen. Der Malzverbrauch der Münchener Brauereien nimmt seit Jahren fortgesetzt zu. Auch in diesem Jahre ist derselbe wieder sehr bedeutend gesttegen; er betrug in den ersten 9 Monatm 1885 über 817 000 Hektoliter gegen 670 000 in dergleichen Zeit des Vorjahres. Das ist eine Steigerung von 22 Prozent. Wir halten dies für ein gutes Zeichen der aufstrebenden Kultur. Die Wahnsinns- Statistik in den Vereinigten Staaten von Nordamerika zeigt, daß gegenwärtig auf 550 Einwohner ein Wahnsinniger kommt, gewiß ein sehr hoher Prozentsatz. Nach Anficht des Dr. Fletscher ist diese Zu- nähme nur eine scheinbare. Derselbe behauptet nämlich, daß die größere Anzahl der Wahnfinnsfälle, die jährlich bekannt werden, damit zu erklären sei, daß fich in der Bevölkerung ein vollständiger Wechsel der Anficht über die Behandluna der Wahnfinnigen seitens ihrer Verwandten Bahn gebrochen habe. Vor 50 Jahren hielten es die Familien, welche wahnfinnige Mitglieder haften, für eine ebenso große Schande, diese in ein Irrenhaus zu geben, wie wenn ein Familien- Angehönger ins Zuchtshaus kommen würde. Heute ist eS ganz anders. In Folge dieser veränderten Anschauung behält man Geisteskranke nicht mehr zu Hause, sondem schickt fie in Irrenanstalten, wo- durch der Statistik möglich gemacht wird, von einer größeren Anzahl von Jrrstnnsfällen zu erfahrm. Dr. Fleischer ist auch der Anficht, daß die jetzige Unterrichtsweise nicht zur Vermeh- rung der Zahl der Wahnfinnsfälle beitrage; er weist vielmehr darauf hin, daß die Mehrzahl der Wahnfinnigen aus den Reihen ver Unwissenden komme. Femer erklärt er, daß alko- bolische Getränke und narkotische Genüsse keine bedeutende Rolle unter den Ursachm des Wahnfinns spielm. Uereine und Versammlungen. «ine gut besuchte Kommunalwähler-Versammlung für den 14. Kommunal- Wahlbezirk fand am Montag in der „Urania", Wrangelstr. 9/10, statt. Der Kandidat dieses Wahl- dezirkS, Herr Tischlermeister Milan, hatte das Referat über- nommen. Derselbe führte etwa Folgendes auS: Als vor 2 Jahren die Arbeiter nicht etwa zum ersten Male, wohl aber mit der ganzen ihnen innewohnenden Kraft in die Wahl- agitation eintraten, hatte man nur ein höhnisches Lachen auf der gegnerischen Seite. Niemand glaubte von den Gegnern im Emst, daß die Arbeiter einen ihrer Kandidaten durchbringen konnten. Als nun aber 5 Vertreter der Albeiter im rothen Hause ihren Etnzug hielten, da mußte dies Lachen allerdings verschwinden, und trat an Stelle dessen die Bestürzung. Durch Anregung vieler hochwichtiger Fragen halten fich die 5 Ardeiter-Vertreter sehr bald dre gebührende Achtung verschafft. Man warf ihnen zwar vor, sie hätten die Politik in die K mmunal-Ve.tretung verpflanzt, aber es ist haarklein nachzuweisen, daß von ganz anderer Seite schon vor langer Zeit die Politik dorthin verpstanzt worden ist, nnd es ist ja auch eine Thatsache.daß die politischeFrage von der wirthschaftlichen gar nicht zu trennen ist. Man kann sich da/ . das Eine ohne das Andere gar nicht denken.— Man sprach schon vor langer Zeit von einem ge- schloffen en Ring in der Stadtverordneten-Versammlung und wer sich jetzt vre Zeit nimmt, Donnerstags den Sitzungen der Stadtverordneten- Versammlung beizuwohnen, wird zu der Ueberzeugung kommen, daß dieser Ring heute noch existitt, denn auch dem blödesten Auge wird es klar, daß AlleS schon vorher fix und fertig ist, ehe blas die betreffende Sache in der Versammlung zur Sprache kommt.— Auf einzelne Punkte, welche von dm Vertretern der Arbeiter vor allen Dingen ins Auge gefaßt wurden, näher eingehend, berührt Redner zuerst die Frage der Miethssteuer. Trotzdem diese Frage durch das Eingreifen unserer Vertteter in Fluß gebracht worden ist, wurde ihnm doch von der Majorität entgegengehalten, daß die Miethssieuerfrage schon vor dem Erscheinen der Arbeiter« Stadtverordneten in der Kommunal-Vertretung behandelt morden ist. Ist dies richtig, so muß fich doch Jeder fragen, wie es kommt, daß bis heute noch nichts in dieser Frage ge- schehen ist. Es erhellt daraus, daß überhaupt der Majorität der Wille fehlt, mit Lust und Liebe dieser Frage näher zu treten. Trotzdem er(Redner) für vollständige Abschaffung der Miethssteuer und Einführung einer progresstven Einkommensteuer ist, so müsse man fich angefichts der nicht zu verkennenden Schwierig- keitm vorerst mit einer Reform der Miethssteuer begnügm und Sache der Arbeiter-Vertteter wird es sein, immer und immer wieder diese Frage auf die Tagesordnung zu bringen. Damtt aber endlich etwas Pofittves geschaffen wird, muß es Sache der Wähler sein, dafür zu sorgen, daß bald mehr Ar- beiter-Stadtverordnete ihre Stimme im rothen Hause erhebm können, um für das Recht des kleinen Mannes einzutreten.— Nachdem Referent die Privat-Untemehmungen— Pferdebahn jc.— und die Stellung der Majorität der Etadtverord- netenversammlung zu denselben einer kurzen Erörterung unter- zogen, dann den Bau des neuen Viehhofes und die„Basm- und Vettemschaft" lrttifirt, geht er aus die Schule ein und spricht der Kommunal-Vertretung in diesem Punkte das Recht ab, fich mit der Einführung des unentgeltlichen Schul- untenichts zu brüsten. Schon zur Zeit als Redner in die Schule ging, genoß er in dem kleinen Städtchen Biesenthal unentgeltlichen Schulunterricht. Hier in Berlin halten die Stadtoäter es für eine ganz besondere Heldenthat, etwas eingeführt zu haben, was man in kleinen Orten schon vor 50 Jahren nicht anders kannte. Nachdem Redner mehrere beim Schulwesen vornehmlich ins Auge springende U-belstände näher detaillirt hat, kommt er zu dem Schluß, daß es unbe- dingt nothwendig sei, einen Arbeiter- Vertreter in der Schul- deputation zu haben. In den Deputationen liegt der Schwer- pnntt der städtischen Verwaltung und dahinein gehören auch unsere Vertteter, um erst voll und ganz wirken zu können. Nur in einer, in der Gewerbedeputation, ist es gelungen, einen Arbeiter als Bürgerdeputirten zu entsenden. Wenn unser Prinzip dort zum Durchbruch kommt, daß die GewerbeschtedS» gerichte zur Hälfte aus Arbeitgebern und zur Hälfte auS Arbeitnehmern bestehen, werden auch die Rechts- sprüche vielleicht anders ausfallen, alS dies jetzt der Fall ist. Der Arbeiter wird mit mehr Vertrauen fich an die Gewerbegerichte wenden, sobald er weiß, daß ein Fachmann dort mitzusprechen habe. Heute kommt in den meisten Fällen erst der Arbeiter vor dem ordentlichen Gericht zu seinem Recht. Redner geht auf den Wahlmodus für die unbesoldeten Kommunalbeamten ein und erläutert denselben in eingehender Weise, kommt dann auf die Armendirektion zu sprechen und verlangt auch für diese einen Ardeitervertteter.— Wundem müsse man sich, wenn man selbst unter den Armen noch einen Unterschied macht, wenn man diese noch in 2 Kategorien theilt, in verschämte(Rufe: unverschämte) Arme und gewöhnliche Arme. Leute, denen es früher einmal besser ging, nennt man verschämte Arme. AuS den ganzen Verhältnissen, wie fie in der Kommune obwalten und wre fie von der liberalen Majo- rität geschaffen find, sehe man klar, daß eine wirk- same Vertretung der Interessen der Arbeiter durch die Liberalen nicht zu erwarten sei, trotzdem so oft betont werde, daß diese unS politisch am nächsten ständen. Aber auch die Bürgerpartei steht unS diametral gegenüber. Redner bespricht hierauf den Maurerstreik und die Anfrage des Stadtv. Einger an den Magisttat, sowie die Verweigerung der Antwort des Magistrats auf diese Frage. In dieser Frage bade auch die Bürgerpartei gezeigt, daß fie einen krummen Buckel machen und fich zu ducken versteht. Da wäre doch der Minister v. Bötticher zu loben, der dm Reichstagsbau von den 50 polnischen Maurern säuberte, die dort im Keller hausten. WaS ein konservativer Minister kann, sollte nicht ein liberaler Bürgermeister können?— Redner kritistrt in seinm weiteren Ausführungen die Bewilligung der 15000 M.zu einem Festessen. Er kommt dann auf den Wahlmodus zur Kvmmunalwabl zu sprechen. Bei gleicher und geheimer Wahl würde die Ver- tretung der Stadt auS anderm Männern zusammengesetzt sein, aber dieS wisse man nur zu gut, deshalb sttäude man sich auch gegm ein solches Wahlsystem.— Zum Schluß erklärt R., daß auf vielen Gebietm der Stadtverwaltung Aenderungen ein- treten müssen zum Wohle der Gesammtheit. Auf das Gelächter der Majorität im rothen Hause gegenüber den Ausführungen unserer Vertreter, welches indirekt den Wählern gelte, müsse am- 24. November von dm Arbeitem die allein richtige Ant- wort gegeben werden.(Lebhafter Beifall.) An der Diskussion betbeiltgte fich der Stadtv. Herr Görcki und schließt fich derselbe in seinen Ausfübrungen dem Referenten in ergänzender Weise an. Nachdem eine Resolution, für den Kandidaten deS 14. Wahlbezirks mit aller Kraft einzutreten, einstimmig angenommen worden, schließt der Vorfitzende Herr Zubeil die Versammlung um 10'/, Uhr. tb. Vor einer zahlreich besuchten Kommnnalwähler- Versammlung des 34. Kommunalwahlbezirks sprach am 27. d. M. in Meyer's Veretnshaus, Ackerstraße 63, unter großem Beifalle der Kandidat der dritten Abtheilung, Herr Vergolder Emil Böhl. In kurzm Zügen die RcattionSepoche skizzwmd, der es gelang, das Dreiklassenwahlsystem einzuführen, schilderte Redner in fesselnder Weise, wie sich währmd der langen Jahre die Verhältnisse derartig unerträglich gestaltet hätten unter dem Regimente der liberalen Partei, daß es eine unbedingte Roth- wmdigkeit war, daß die Arbeiterpartei selbsisiändig in die Arena trat zur Verfechtung ihrer heiligsten Rechte und so wurde vor zwei Jahren der erste Versuch gemacht, Bresche zu legen in die manchesterliche Verwaltung der Stadt. Dieser Versuch war von einem guten Erfolge gekrönt, einen Erfolg, die Gegner mit danger Furcht vor dem Verlust langjährig okkupirtm Sitze in der Stadtverordneten- der ihrer ttressen, zur Wahrung von Freiheit und Recht. Wurde tlt Wahlkampf vor zwei Jahren unter ungünstigen Vorbedingun- s gen aufgenommen, so hätten fich die Veihältnisse jetzt güi# gestaltet, denn die arbeitende Bevölkerung Berlins habe# lerweile voll und ganz begriffen, daß eine selbstständige kc tretung in der städtischen Verwallung eine unbedingte p wendigkeit ist und vor Allem eingesehen, daß mit verer? Kräften auch etwas zu erreichen sei und diesmal um so# � als die für die Arbeiter so hinderliche Bestimmung der 6# ordnung, welche eine gewisse Anzahl von Hausbesitzern_ Stadtverordnete vorschreibe, diesmal weniger in Belli»~ komme. Mit Ernst und Eifer müßte daher jeder Einztlne® lg* aj allen Kräften dahin wirken, daß die bisherige Zahl der 9 V** bester- Stadtverordneten um ein Bedeutendes vermehtt Namentlich der Norden Berlins solle es fich angelegen(j lassen, fich für den Mißerfolg bei der vorigen Kommunale diesmal glänzend zu revanchrren. Der Norden, dies StieP der städtischen Verwaltung, bedürfe am meisten einer energil�~, Vertretung im rothen Hause. Handwerker und Geschäft;-.«etre müßten alle ihre Kräfte aufbieten, um Männer in die verordnetenversammlung zu entsenden, welche fich die hob«„ JP511?1 gäbe gestellt hätten, die Interessen der ärmeren Bevöll�I«.- auf das Nachdrücklichste zu vertreten. In eingehender W � a, im entwick-lte Redner sodann sein Programm, beleuchtete ,�ufe gründete die einzelnen Forderungen der Arbeiterpartei o" licher Weise und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß au4* m,/?"3 jetzige„liberale" Majorität ebenso wie die„Bürgerpartei", � fie der Wahrheit die Ehre geben würden, die Gerechtigkeit gj;,. pen Forderungen anerkennen müßten. Sollte er als Stadtva� � im- neter gewählt werden, so würde es sein eifrigstes Bestreden p Der Z die Interessen seiner Wähler jederzeit zu verfechten und fürjj dttloren. Durchführung der vorgeführten Forderungen mit allen Kräfte»?? ml seiner zutreten. Doch ebenso, wie er bereit sei, der guten Sacht ff Mordnet, wedes Opker zu bringen, so dürfe auch jeder Einzelne ß gesim bezc Opfer scheuen, und wenn ein Jeder in dem bevorstehe�«listen aus Wahlkampfe seine Schuldigkeit thue, dann werde auch der � Ents liche Sieg nicht ausbleiben. Lebhafter Beifall lohnte s* Redner für seinen beherstgenswerthen Vorttag. Nach � lebhaften Diskussion im Sinne des Referenten, an der ji® hervorragender Weise die Herren Becker, Robert Schultze, und Ballmüller betheiligten, faßte die Versammlung erns folgende Resolution:„Die heut tagende Kommunalwähler- sammlung 3. Abtheilung des 34. Kommunal- Wabldezrrst kennt die Forderungen des Referenten Herrn Böhl für ständig gerechtfertigt und im Interesse der arbeitenden kerung lregend und verspricht, zur Verwirklichung dieser rungen für die Wahl Bohl's einzutreten. Der Bot Herr Kerlin schloß hierauf die Versammlung mit einem genden Appell an die Wähler, ihre Schuldigkeit zu thu» einem Hoch auf den Arbeiterkandidaten des 34. Koirinn» Wahlbezirks. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Töpfer Berufsgenossen Deutschlands. Die Zahlstelle Froben- Bülowstraßen-Ecke ist nach der Flottwellstraße 5 bei» verlegt worden. M Männer-Gesangverein„St- Urban". Heute* Buckowerstr. 9 Uedungsstunde. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Maler venv. Berufsgenoffen(E. H. Nr. 71). Der Voistand' die Mitglieder darauf aufmerksam, daß Niemand übtt Wochen mit seinen Beiträgen imjRückstand bleiben darf- An i P !°.d" „tj bes 5 ÄA-lver 14 tn bleich, Beschluß der Mitgliederversammlung vom 13. Oktober O-l der Kasstrer die strenge Weisung, jeden zu streichm,[»« 8 Wochen Beiträge restirt. Die Kassenstunden sind jj»n Komi! tags von 6—8 Uhr Abends und Sonntags von 9—1 iW'y mittags, Alte Jakodsttaße 86 im Lokal. Die Zablstellc» � finden sich: Andreasstr. 34 bei Göttel; Bcunnenstt- L "i Leber Loren, und Blumenthalstr. 5 bei Schmar. Die Gest den der Zahlstellen find Montag Abends von 8—10. Uermischtes. �lkllschaft S sollen ß? ist die eren St Die Anzahl der auf der ganzen Welt erfch�Ttf Journale beträgt rund 35 000. Im Jahre 1826 muff., erst 3168, im Jahre 1866 12 500. In englischer Em� scheinen jetzt 16 000, in franzöfischer Sprache 6 800Zeitsä Die ersten politischen Zeitungen gab Ende des 16. Jahrh der Senat von Venedig heraus.*a Gin Jäger in Aengsten. Ziemlich unangenehm"ü wie dem„Nordh. Cour." mitgetheilt wird, an einem der vorigen Woche einem Schützen aus dem bena Harzdorf Breitenstein ergangen. Er hatte unbesonnener� einen Keiler angeschossen, ohne einen zweiten Schuß Flinte zu haben. Das angeschossene Unthier wandte m zur Flucht, sondern seinem Feinde ,u. Letzterer sah fi? nöthigt, Reißaus nach dem nahen Walde zu nehmen un sein Nachtquartier auf einer schlanken Fichte zu nehmen- nde Kt hering's ®rafilian die .durch d Pt,uIa«o, Kriefkasten der Kedaktio«. Um Unregelmäßigkeiten zu vermeiden, ersuch Annonzen für das„Berliner Volksblatt" nur i» W..... m., Expedition, Zimmerstr. 44, aufzugeben. I �Mates' Alter Abonnent 35. Nein.. Iw, Befotiti Treuer Abonnent 109. Es muß auf ZahllM» N den n. Summe geklagt werden... ü, M Ärn.,' 6. Moritz. Sofern Sie im Befitze des Testament»� ,1« welchen Sie fich an den Rechtsanwalt Freudenthal, �(niR.r* markt 11. Derselbe wird Ihnen die nöthige Auskunst wn SR. S. Die Geschenke können nur innerhalb� Jahres seit Aufhebung des VerlöbnißvertrageS zurück werden.% 5m. �lke. 1) Das Gericht bestellt den Vormunds, Mutter hat die Verpflichtung, dem VormundschastSg-r>a i Su'arMiÄ-< "°f w w-l schaft genckt anzeigen. 2. Ja. � «*% baben 10 Mark Krankengeld zubeavl? 1°; '»tu zum vollmdeken !<%•. �DttSchew �behält Tür Sie immer ReichSta?wählba?� � � � Landtag als Worten. N. N. Frage >halt' & m ljod e SW: enndl -.voraus- C?" nach sprechen. sinnt ®r Die Arbeftcrpartei hat leine� Vach _«t vü' M v 3* VerantworUicher Redakteur St. Grönheim in Berlin. Dmck und Verlag von Max»adiug in Berlin 8W Seuthftt jf Hier,« ctzt flüttW s habe B tändige k? dingte M mit verew« um so«i' I der S» Ä' Einzclne !»hl der mehrt M W-- Beilage|um Bcrliaer BaWlatt. 233 DonnerKag, de« 29. Oktober 1883. II. Jahrg. «gelegen� mmunalwi ies StM r enerM——-------' tusung de« RetqstagS enthält mde Verordnung vom'27. d. M. ... bohe���uyklm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser. König Bevöllev�.? Preußen»c. verorvnen auf Grund des Artikels l2 der Ver- zenver Wo'N!"'.«' im Namen des Reichs, was folgt: Der Reichstag itete und �°rrufen, am 19. N o v e m b e r d. I. in Berlin zusammen. irtei in G.t n'nUnl) beauftragen Wir den Reichskan,ler mit den zu M m*». SocbeHitu«0eii......... VolMsche Zleberstcht. SelchäD-- k- �treffeud die Einberufung de« Reichstag n die Wirm'�r �"beiger" folgende >ie m � oon Gottes Giro n der hülfe, TA Urkundlich unter und D°! wloren.� Da/ Land den erste« seiner Diäten-Prozesse —~..... Das Landgericht in Halle bat beute den Fiskus n Kräfte»- Mt semer Klage gegen den sozialdemokratischen Reichstags» von "~* ja aV jviuae v®ain» l* bÄ0?61'" Hasenclever auf Herauszahlung der Zinzeloe� em bezogenen Parteidiäten abgewies n und dem Fiskus die tinw Die Angelegenheit ist zunäch't mit dieser Nl� dn"Entsendung nicht erledigt— meint die„Nat.-Ztg."—. I lOQnK' 3 wQTf»rt w-e.?— w---, s.------- 1------ m—? jla. Na».?? ttsitt ig einstig, ilwähler� chld-rrlS öbl m :nden W dieser W rVmM n p einem zu thun- ......... nv»u man eine«nmme zur-lleriyeioigung ocs»jor- P* der Regierung erhoben hat, sehr unwahrscheinlich ist. der Fiskus durchweg und endgiltig. so wird er, da % Anwaltskn»..n. fnmnM di,-iaen-n ftl« dl» h»r(H»nn»r lind»i- �Eskosten, sowohl die eigenen als die der Gegner, u,"Uqe Nebenkosten baar zu leisten hat, zu Ehren des über- Juristen, welcher die Anstrengung dieser Prozesse durch lick� händigen Rathschläge veranlagt hat, ein ganz erkleck- sSS«limmchen zu zahlen haben. Von der moralischen der Staatsgewalt, zu welcher die finanzielle de« föpfer fTn Maler i stand- nv% i darf. ktober Sai, als Nebensache hinzukommt, in diesem Stadium der � to nicht zu reden. bn einen neuen Kolontsationsversuch lesen wir in Ztg.":„Unlängst wurde berichtet, daß auf Anre- , Hauvtvcreins der Zweigvcrein Berlin des Deutschen Mutalvereins aus seinen Mitteln die Aufwendung von � � L. L. I— W— F»tw.C.''liöJX _ � Vereins aus seinen Mitteln die«uiwcnuu .. M u Reichsmark gemacht habe, um in der südbrasi :cu Iii?.»?, Provinz Rio Grande do Sul von zwei in «Udlien bereits lange Zeit ansäsfigen, zuverläsfigen Deutschen .V- uhering und Regierungsieldmeffer v. Kahlden) die Vor» Mten zu einem größeren kolonisatorischen Unternehmen auf- .'wen zu lassen. Diesem Schritte des Deutschen Kolonial- ist ein zweiter gefolgt. Am 24. d. MW. find in den Mästsräumen des Kolonialvereins eine Anzahl im öffent- Uen Leben wohlbekannte Persönlichkeiten zu einem provisori» iblstcll-/. lenßr. H Sei' ■10. |jeft Komitee zusammengetreten, um eine Kolonisations Gesell- Säst für Südamerika zu begründen� Das Grundkapital dieser IUI i�uwumctuu au vcmuiivcri. väJrunuiapiiai Oie]Cr i. frllschaft wurde füt jetzt auf 1 000 000 Reichsmark normirt, , der Höhe dieses Bettages werden Antheil- He zu 1000 Mail ausgegeben werden, zur Einzah- L?». sollen vorläufig 25 pCt. herangezogen werden. Im übri» M ,st hie Beschlußfassung über die Form der Gesellschaft einer Miren Sitzung vorbehalten. Dankt auch die demnächst im �"erftändniß mit dem Deutschen Kolonialverein ins Leben *1« u ajjbe Kolonisationsgescllschaft ihr Entstehen speziell den = ,4"(.-.Wring'fchen Kolomsationsprojekten für gewisse Gebiete der \ o■wirf? Ä�Eanitchen Provinz Rio Grande do Sul, so wird fich Ißt vi, Wirkungskreis doch für die Dauer nicht auf dieses eine Jahrh» �l�nehmen beschränken, sondern wird und soll intern Maße, 1 fj�eottjeuaung von oer ciauifluautu oe,nmm>cr ,uoameri- Mcher, besonders südbrafilianischer Landgebiete für deutsche N"isation erworben wird, zweckentsprechende Ausdehnung Mtl."__ uns ist nicht recht...... lenehw mem' bew ZTj 1557 nen u lehmen klar, weshalb diese Gesellschaft fttJ'&r mit Kolonisationkprojekten abmüht. Doch soviel ---' aus Menschenliebe oder zum Vergnügen der Ein- f ficher, aus Menschenliebe oder zum geschieht es nicht. Wo gegründet wird," soll auch Profit ;en werden und da fragt es fich, ob &0WSlimfl dieser Gesellschaft nach Brasilien aus mal Sn.»,. st* nnmi»„»hnffcn ist. bafi ibnen das Land I l»tt. irsuchi? r in ll" �peküiau�amit' geholfen ist, daß ihnen das Land du? o on einiger Geldmänner noch vertheuert wird. ' nniger laeivmuiHKt„vu, � Ü �konalstattstik der 1882 83 in preußische ,WU m,K eingelieferten Verbrecher liefert die von uns 'Htarea srnac& äitirte«Zeitschrist des k. pr. stat. Bur." sehr 1%, Material. Zahl""» M den interessant ist eine Zusammenstellung, die fich „,z fs r SBroiinV°chen der Verurtheilung beschäftigt und stamenv� in �rbaltniß der am meisten vorkommenden Verhol' ästen d mit ö{n'eni0en*te Jahres 1881/82 vergleicht. m Jeuilleton. 9w Wer«s»e««a>che«- Amerikanische Erzählung von «aldut« Möllhams-n. (Fortsetzung.) zurückgebliebenen Indianer waren bereit« an dem vorbei und näherten sich im Galopp der alten 34, wohin die glühenden Blicke der Delawaren sie i � ihren Bewegungen verfolgten, als La Batallle, der .ilnlge Schritte voraus befand, plötzlich fern Pferd so /A zum Siehen brachte, daß dessen Hinterfüße während J 4 hoch aufbäumte, sich tief in den Sand bohrten. Begleiter hielten ebenfalls ihre Pferde an, und mit .erkennbarem Mißtrauen beobachteten sie da« Benehme« «Äl [»[(„".'�'fteeiltett Reitertrupps, der, anstatt am Ende des n�ss-ls ihrer' üb- Ä( teile,'"7 V1« zu harren oder um die Biegung herum- �ge«.„1 J* den nächsten Kessel hineinzuspähen, einen " biefp. �, der südlichen Felswand hinüber beschrieb und wi-b«. K- m.. ,ttud« zurückkam. t � ib i'ac90ein La Bataille die Bewegungen der Mormonen 'eile c gleich Hunden, vor ihnen herspürenden Utahs eine * t_j w. v im r.! Jf. i. t»» A Ct_ «l��d betrachtet, bezweifelte er nicht, daß die Flücht- noch vezweifeim» I.iuy., vup • Senua � verborgen seien, und vielleicht >„!. 8- m �h« mit der Kugel zu erreiche«. Er hielt zunächst für geboten, zu biingen und dann n» v,». a, V"•»»» UHU uunn seine eigene Person in erst wieder an die Fort- im Kreise an de« Felsen- ***•»*.*** «•« zrfn Richtung seiner Auge«, bis dasselbe wieder dem Kolorado zugewendet hatte. Er troz. aller mit Zuchthaus» rafen belegten Verbrecher 1881/82 1882/83 Diebstahl und Unterschlagung... 68,25 66,73 Verbrechen gegen die Sittlichkeit.. 6,83 7,83 Meineid........... 6,56 7,33 Betrug, Untreue, Urkundenfälschung, Bankerutt........ 4,04 3,87 Brandstiftung......... 3,08 3,16 Raub und Erpressung...... 2,15 2,46 Hehlerei........... 1,94 2,22 Körperverletzung........ 1,81 1,34 Mord............ 0,70 0,91 Kindesmord......... 0,20 0,32 Eine Vermehrung ist also eingetragen in den rela- tiven Zahlen der Verbrechen gegen die Sittlichkeit um 1 pCt., zu diesen stellen nachweislich die sog. gebildeten, d. h. defiyen. den Klassen ein großes Kontingent, wie auch der konservative Moralfiatistiker Dettingen festgestellt hat, des Meineids um 0,77 pCt.. der Brandstiftung um 0,08 pCt., des Raubes und der Erpressung um 0,31«Et., der Hehlerei um 0,28 pCt., des Mordes um 0,21 pCt. und des Kindesmordes um 0,12 pCt. Dagegen zeigt fich eine Abnahme in den Verurtheilungen wegen Diebstahls und Unterschlagung um 1,52 pCt., wegen Betruges, Untreue u. s. w. um 0,17 pCt. und wegen Körper- Verletzung um 0,47 pCt. Fassen wir die Ursachen zum Verbrechen nach ihrem Größenverhältniß ins Auge, so erkennen wir sofort, daß die Verbrechen gegen das Eiaenthum die überwiegenden find. Das heißt, aus dem Moralstatistischen ins Deutsche übersetzt, die sozialeNoth, daSMassenelend und die Volksarmuth sind die Haupttriebfedern zum Verbrechen. Mit Zuchthausstrafen aber schafft man die Zuchthäusler nicht aus der Welt; man gebe der großen Masse günstigen Lebensbedingungen, man schaffe ihnen Albeit und Brod man hebe durch soziale Reformen die nationale Lebenshaltung, und die Strafanstalten werden nicht mehr solch schreckenerregende Ziffern aufweisen. Welche Ausfichten hat ein aus dem Gefängniß, vor allem aber ein aus dem Zuchthaus Entlassener, auf einen ehrlichen Ledens- unterhalt. Abgesehen davon, daß der Arbeitsmangel unter den bestehenden wirthschaftlichen Verhältnissen eine stehende Er- scheinung ist, thürmcn fich für die Zuchthäusler, die zum größten Tberl unter Polizeiaufsicht kommen, denen die bürgerlichen Ehrenrechte abgesprochen find, geradezu unüberwindliche Hinder- visse auf. Der zehnte Meister oder sonstige Unternehmer nimmt solche Menschen nicht auf. Er hat sein Handwerk jahrelang n cht getn-ben. er ist ungeschickt geworden, ist dafür aber auf die„hohe Schule« des Verbrechens, ins Zuchthaus, gekommm. U c Zuchthäusler frei, so steht er auf der Straße, mittellos, obdachlos, durch Polizei- Kontrole gebrandmarkt. Sein gerader Weg führt wieder auf- die Heerstraße des Verbrechens. Wen kann es deshalb wundern, daß von den 8693 Zucht- häuslem des Jahres 1882/83 nicht weniger als 6897(5846 Männer und 1041 Weiber), d. h. 79,90 PCt. der Zugegangenen vorbestraft waren, während im Vorjahre 1881/82, die Zahl der Vorbestraften fich erst aus 78,95 vCt. belief. Unter diesen wegen Vergehen oder Verbrechen Vorbestraften waren 1146 einmal, 1018 zweimal, 1028 dreimal, 878 viermal, 709 fünf. mal und 2126 sechsmal und noch öfters bestraft. Das ist ge- radezu furchtbar. Man höre aber nun, welche Zeit zwischen der Entlassung aus der Strafhaft und demjenigen Ver- brechen lag, das die gegenwärtige Verurtheilung nach fich zog.„Es ergab fick," heißt es in nnserer amtlichen Quelle, daß 2583 Personen oder 37,52 vCt. der be- reit« früher Bestraften im EntlassungSjahre, 2488 Personen oder 36,07 pCt. innerhalb der darauf folgenden zwei Jahre, im Ganzen also über 73 p Ct. in den ersten Jahren rückfällig geworden waren, die übrigen erst nach einer längeren Zwischenzeit." Das ist der beste Beweis für unsere oben entwickelte An- ficht, diese Thatsache zeigt, wie der entlassene Verbrecher sein Asyl im Zuchthaus findet, weil er draußen in der Gesellschaft Ausgestoßener ist. Man braucht keinen mystischen Hang zum�Wchrbicchen anzunehmen, um dies Phänomen zu erklären. Der Emlassene ist frei, er kämpft so lange er kann ehrlich um's Dasein, er kann fich nicht halsen, er strauchelt, und das Zuchthaus hat ihn wieder. Kommt weiter dazu die sittlich geistige und leiblichen Entattuna des Ge- fängnißlebens, die Wirkungen des Verkehrs der Verbrecher untereinander, die Abstumpfung durch Gewohnheit, durch Hunger und Schnaps, die Vererbung, ein nicht zu unter- hoffte das Versteck der Flüchtlinge zu entdecken; doch Felsblock reihte sich an Felsblock, Spalte folgte auf Spalte, ohne daß dieser oder jener Punkt sich vor de« anderen ausgezeichnet hätte. Ueberall konnten die Feinde fich ver- borgen haben, hinter jeder Unregelmäßigkeit der Felswand hervok eine Büchse auf ihn gerichtet sein. Nur das schien ihm außer aller Frage, daß sie sich nicht auf dem westlichen Ende de« FelsenbeckenS in Hinterhalt gelegt hatten. Befand er sich wirklich im Bereich der Büchsen der Delaware«, dann vermochte ihn nur die größte Kaltblüttg- keit zu retten; er fühlte, er wußte zu genau, daß sie ihn nach seine« vielfache» Verräthereien nicht wieder entkommen lassen würden. 3« seinem Aeußeren verrieth sich indessen nicht im geringsten daS Bewußtsein einer nahen Gefahr, im Gegen- theil, er schien dadurch noch ruhiger und sorgloser geworden zu sein. Den Kopf geneigt und die Blicke auf den Boden ge- heftet, als ob er die Spure» im Sande noch einmal habe prüfen wollen, ritt er zu seinen Gefährten zurück. Nach- dem er diese sodann angewiesen, daselbst auf seine Rückkehr zu harren, bewegte er sich Schritt vor Schritt, bald auf der einen, vald auf der andere» Seite seines Pferdes vtederschauead, dem bekannten Vorsprung zu, hinter welchem er sein Leben gesichert hielt. Dabei blitzten seine Auge« aber verstohlen«ach der südlichen Fels- wand hinüber, sich in jede« verborgenen Winkel gleichsam einbohrend. Endlich traf er dem Felsblock gegenüber ein, hinter welchem die Flüchtlinge lauerten. Die verdeckte Spalte schien ihm ganz besonders verdächtig, und ohne die Gang- art seine« PferveS zu ändern, wendete er seine Augen nicht mehr von derselben ab. Kaum hundert Schritt trennten ihn noch von dem Vorsprung; da bemerkte er plötzlich, daß ein Büchsenlauf sich leise hinter dem Felsblock hervorschob. Er schätzendes Prinzip in der Beurtheilung der Kriminalität; hat man doch ganze Verdrechergenerationen. Das Hauptmotiv aber ist und bleibt die Notb, und dei- halb wird man nicht eher dem Ueb.I beikommen können, als vis man die Kardinalursache deS Verbrechens, die w i r t h- schaftlichen Mißstände beseitigt. Hier ist Rhodas, hier tanze! Franrreich. Die Pariser Theater-Zensur-Kommisfion hat die Aufführung des Drama's„Germinal", welches dem gleichnamigen Roman Zola's entlehnt ist, verboten. Das Verbot wird damit moti- vtrt, daß in dem Stücke der blutige Kampf der Truppen oegen die im Streik befindlichen Bergleute dargestellt werden sollte. Die Regierung glaubt, daß ein solcher Vorgang, auf der Bühne dargestellt, aufreizend wirken könnte. Kommunales. Die Wählerlisten für die bevorstehenden Stadtver- ordneten-Wahlen liegen für die Wähler der HI Adiheilung des 34. Kommunal Wahlbezirks zur Einficht aus in der Zigarrenhandlung von Ballmüller und Eteinicke, Veteranen- straße 28. Die Wählerlisten für den 38. Kommunal-Wahlbe» zirk liegen von heute ab bei R.Kunkel, Chauffeestr. 36,37, im Zigarrengeschäft, zur Einficht aus. n. Von der Pferdebahn. Vor Kurzem brachten wir die Mittheilung über die Höhe der von der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn Aktien Gesellschaft für dieses Jahr voraus« fichtlich zu zahlenden prozentualen Abgabe. Es dürfte nicht un- interessant sein, zu sehen, wie fich diese Abgabe zu der Länge der Geleise stellt. Die Abgabe für 1882 betrug 359 985 87 MI. bei einer Gesammtlänge von 150 884,42 m(20,12 deutsche Meilen), also etwas über 2,30 Mk. auf das Meter. Im J»hce 1863 betrug die Abgabe 389 099,73 MI. bei 160914,67 m (21,47 deutsche Meilen) Geleiselänge, also für einen Meter etwas über 2,41 Mk Im Jahre 1884 betrug die Abgabe 479 101,22 Mk. bei 163 380,47 m(22,45 deutsche Meilen) Geleiselänge, also pro Meter etwas über 284 Mk. w. Neue Schmuckanlagen. Bei Gelegenheit der in der letzten Deputation� Sitzung der städtischen Park- und Garten- Verwaltung stattgehabten Berathung des Etats dieser Verwal- 4.... �..... 4 A* 40CV>/0rf\PL c f JL* ff------ w.,--» � c tung pro 1. April 1886/87 ist beschloffen�worden, im Laufe dieses Etatsjahrcs die Ausführung von Schmuckanlagen für folgende Plätze und Straßen zu bewirken und die betreffende Summe in den Etat aufzunehmen: für den Nettelbeck Platz, Wörther-, Wedding-, Pappel-, Wassefthor- Platz und den Platz an de: Jobanniterstraße und Planufer Ecke. Für die Herstel- lung von Baumpflanzungen in den Straßen sind in Ausficht genommen: die Friedenstraßc dem Friedrichshain gegenüber, Großbeerenstraße, Kloster, Ritter- und Wienerstraße. Hierbei wollen wir erwähnen, daß in Bezug auf die vielen Petitionen über die Schmuckanlagen des Wörther-Platzes, welche dahin auseinander gingen, daß die Einen ihn zum Spielplatz für Kinder, Andere wieder ihn ausschließlich zum Schmuckplatz ein« gerichtet wissen wollten, die Parkveputalion beschloffen hat, um allen Theflen Rechnung zu tragen, denselben nach dem von den Kommunalbehörden früher genehmigten Projekt auszu- führen, indem der Platz tbeilS und hauptsächlich als Schmuck-, theils für die Kinder als Spielplatz eingerichtet werden soll. Kokales. Der Streit, der unter den hiesigen Tischlern wegen der Rädel'schen Angelegenheit ausgebrochen ist. wird nun endlich seine Erledigung vor Gericht finden. Nachdem am Sonntag wieder die öffentliche Tischlerversammlung, welche die Lohnkommisfion einberufen hatte, in höchst tumultuarischer Weise verlaufen ist, hatte Herr Rödel zu gestern Abend eine Versammlung der Werkstätten- Delegirten nach dem Louisen- städtischen Konzerthause einberufen, um fich aus dem allgemeinen Fonds der Tischler die Kosten zur Durchführung einer Reihe von Verleumdungs- und Beleidigungsvrozessen bewilligen zu QitewW ketko****** iU**•***•* O'irjc.t— i------------ . rr---~----""O-——----o-ri------v.w«*.«. o** lassen. Zuerst habe man ihn vervachtigt, die Tisch lerbewegung wollen, dann ihn als Gewerk- ins konservative Lager führen zu----..,.„» vereinler verschrieen, und als dies nicht zog, habe man seine persönliche Ehre angetastet, ihn der Veruntreuung beschuldigt und moralisch verunglimpft. Man möge ihm deshalb die Mittel bewilligen, die bereits anhängig gemachten Klagen gegen die Tischler Schmitz und Schaar, gegen die Berichterstatter Friedländer und Thiele n und gegen die verantwortlichen Redakteure des„Berliner Volksblatt" und der„Volks- Zeitung" durchführen zu können, damit vor Gericht konstatitt werde, wußte, wem es galt; sein Pferd emporreißend und zu einem mächtigen Satze zwingend, suchte er daher als letztes Ret» tungSmittel sich durch die schnelle Bewegung zu einem un» sichern Ziel zu machen und in offener Flucht den Schutz der Felswand zu erreichen. Das auf schmerzhafte Weise emporgeschreckte Pferd setzte mit Aufbietung aller Kraft zum Sprunge an und kam in weitem Bogen wieder auf den Boden zu stehen; ehe es aber dieselbe Bewegung zum zweiten Mal wiederholte, knallte es hinter dem Felsblock hervor, und fast zu gleicher Zeit erschallte ein wilde« Hohngelächter durch die Schlucht. De« Knall mochte La Bataille»och vernommen haben, das Lachen dagegen nicht mehr. John's Kugel war ihm durch den Kopf gefahren und hatte seiner Verrätherei auf ewige Zeiten ein Ende gemacht. DaS Pferd bäumte sich noch einmal unter dem krampf» haften Griff des Sterbenden hoch auf, und al« dann sei« Reiter leblos»eben ihm auf den Boden sank, blieb eS schnaubend und keuchend bei ihm stehen. Trotz aller An» strengung vermochte eS nicht, die Zügel von der erstarrte« Faust zu befreien. „Gut," sagte der Schwarze Biber zu seinem Ge» fährten, als dieser unter den lauten Beifallsbezeugungen Rafl's seine Büchse wieder lud;„gut, ehe die übrige« Utah« eintreffe«, haben wir von dort unten her nichlS zu befürchten." John begab sich darauf ebenfalls nach dem westliche« Ausgange hin, um sich nach den Begleitern de« gefallene» Schlangen-JndianerS umzusehen. Diese aber, nachdem sie fich überzeugt, daß der Weg nach dem Kolorado zu verlegt sei, hatte« keinen Augenblick gesäumt und waren in wilder Hast zu de« Mormonen hin» geflohen, die im ersten Schrecken nicht wußten, wohin fie sich zunächst wende« sollten, und sich in einen wirren Haufen zusammendrängten.(Fortsetzung folgt.) waS an den Verleumdungen wahr sei. Nach längerer Debatte wurden Herrn Rödel von den 55 erschienenen Delegirten die erforderlichen Posten bewilligt, sechs, die sich in der Debatte als Gegner der Lohnlommiifion kennzeichneten, stimmten dagegen. Gegen die secks Ruhestörer, welche am Sonntag auf den Antrag der Kommisfion von der Polizei fistirt resp. notirt wurden, rst bereits der Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt.— Wir entnehmen diesen Bericht der„Post", woselbst derselbe unter einem in Arbeiter- kreise» übel bekannten Korrespondenzzeichen Fi. steht. Andere Berichterstatter scheinen in den Versammlungen des Herrn Rödel überhaupt keinen Zutritt mehr zu finden. Dem verant- wortlichm Redatteur unseres Blattes rst übrigens gestern die Vorladung zu der am 26. November stattfindenden Hauptverhandlung wegen Nichtaufnahme einer Berichtigung zugestellt worden. Hoffentlich wird die Sache einen solchen Ausgang nehmen, daß den Delegirten die Lust vergehen wird, in Zu- fünft diejenigen Prozeffe des Herrn Rödel mit den Arbetter- groschm zu bezahlen, die er nur deswegen entrirt, um den eigentlichen Toatbestand zu verschleiern. Es will uns scheinen, als ob Herrn Rödel die Bewilligung der Gelber jetzt schon unangenehm ist; wären ihm dieselben nicht bewilligt worden, so hätte er getrost sagen können, daß er seine Gegner gericht- lick belangt hätte, wenn ihm die nöthigen Mittel zu Gebote gestanden Hätten. Herr Pastor Fallot aus Paris hat als Vertreter der allgemeinen Asaoei»tion internationale zur Hebung der Litt- lichkeit dieser Tage hier einen ZykluS von Vorttägen in fran« zöfischer Sprache gehalten, welche von dem Berliner Zweig- verein des deutschen Kulturbundes im Architettenhause veran- staltet worden waren. In diesen Vorttägen, die sämmtlich die Unfittlichkeit zu bekämpfen suchten, lernten wir Herrn Fallot als einen ausgezeichneten Redner kennen, der seinen Gegen- stand vollständig beherrscht und ihn mit fittlichem Emst be- handelt. Voll Eifer für die von ihm verttetene Sache, sprach der Vortragende mit wahrhaft hinreißender Beredtsamkeit, die um so überzeugender wiikte, als fie selbst innerster Ueberzeu- gung entsprang. Und so hat denn wohl Jeder, der den Redner ganz verstanden, aus diesen Vo trägen einen tiefen und nach- haltigen Eindruck mit fich davongetragen. Am ersten Abend sprach Herr Fallot insonderheit über die Ursachen der Unfitt- lichkeit, die er hauptsächlich in der falschen Erziehung der Kinder erblickt. Statt zu nützlichen Mitgliedem der mensch- ltchen Gesellschaft, würden die Mädchen gar oft zu Mode- puppen erzogen, zu schwachen, oberflächlichen Geschöpfen, die später im Leben den Schicksalsschlägen haltlos gegenüberständen. Andererseits würden die Mädchen schon von ihren halber- wachsenen Brüdem nicht selten als untergeordnete Wesen an- gesehen, zumal ja von jeder die falsche Anficht herrsche, daß das Weib tief unter dem Mann stehe. Diese Stellung der Frau, oder vielmehr die Knechtschaft bcs Weibes, wie Herr Fallot berichtigend bemerkte, bildete das Thema deS gestrigen Vortrages. Auf die Materie näher eingehend, konnte Redner nicht vermeiden, Dinge zu berühren, die ebenso beklagmswerth wie heikel zu besprechen find. Aber er that dies mrt solchem Takt, daß in dem zumeist aus Damen bestehenden Auditorium Niemand daran Anstoß nehmen konnte, wobei ihm freilich die bekannte Feinheit und Geschmeidigkeit der franzöfischen Sprache wesentlich zu Hilfe kam. Mit einem Hinweis auf die Stel- lung der Frau in den Vereinigten Staaten von Amerika und in England, wo das die Frau erniedrigende gesetzliche Sitten« reglement nicht besteht, ging Redner zu einer Untersuchung der Ursachen über, denen die Herabsetzung der Frau zuzu- schreiben ist. Er erblickt dieselben sowohl in den Gesetzen, wie in den Sitten, zwischen denen man jedoch unterscheiden müffe, da schlechte Gesetze gewöhnlich schlechte Sitten vrovoziren. Dies könne man so recht deutlich an dem Code Napoleon sehen, den er haffe, wie seine» Urbeber, jenen Verächter der ganzen Menschheit und besonders des weiblichen Geschlechts, welcher aus der Frau eine Sache deS ManneS (une cbose dn war!) mache. Dieser Kodex habe überall, wo er zu Recht bestehe, die Sitten beeinflußt und die Frau zur Sklavin herabgewürdigt. Die Frau aber sei nicht zur Sklavin des Mannes, sondern zu seiner Gefährtin bestimmt. Sie befitzc ihre Rechte, welche die Gesetzgebung anzuerkennen und zu schützen habe. In der Achtung der Frau liege der konkrete Ausdruck der Sittlichkeit. Die Frau habe jedoch nicht nur das Recht auf Achtung, sondem auch die Fähigkeit und die Pflicht, ffch selbst Achtung zu verschaffen. Im Weiteren spricht Redner von der Stellung der Frau in den verschiede- nen Gesellschaftsklassen. Die rerche Frau sei nicht minder be- tlagenswerth als die arme, denn ihr Leben, immer unter dem Zwang der Formen, sei ein ewiges Komödienspiel. Anders die Leiden der armen, die fich den Tag über gequält und dann Abends das bekümmerte Gestcht ihres Mannes steht, oder wohl gar dessen Trunksucht und andere Laster zu be- weinen hat. Femer die schlecht bezahlten Laden- demoiselleS, die fich elegant kleiden sollen und, wenn fie hübsch find, nicht selttn durch Andeutungen ihrer Prinzipale auf schlechte Wege gewiesen werden Und endlich die große Zahl der allein dastehenden Arbeiterinnen, die nicht genug verdienen, um ihre Existenz fristen ,u können. Diese letzteren haben gewöhnlich nur die dreifache Alternative: leiden, das heißt langsam dahinsterben, Selbstmord oder— fallen. Ueberall Märlyrerthum! DaS junge Mädchen, namentlich in Frankreich, wo es oft im Kloster erzogen wird, erwartet von der Ehe die Realifirung eines schönen Jugendtraumes. Es Kerlmer Hhmtcr. Deutsches Theater. Gracchus, der Volkstribun. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Adolf Wilbravdt. ß C. Furcht und Mitleid solle« die Gefühle sein, welche un« ergreifen müssen, wenn unS ei» berufener Dichter ein wirkliches Trauerspiel vorführt. Wir sollen Furcht davor empfinden, u»S mit einer ähnlichen Schuld zu belasten wie derjenige, der im Trauerspiel zu Grunde geht, aber dennoch soll die That nicht derjenigen Motive entbehren, welche dazu angethan sind, die rein menschliche Empfindung des Mitleid« in unserem Herzen wachzurufen. Da« sind die Grundbe- dingungen, ohne welche eine echte Tragödie überhaupt un- denkbar ist. Unzweifelhaft steht nun dem Dichter die poetische Freiheit zu, seine Gestalten und Charaktere, die er der Ge- schichte entnimmt, mit eigenem, schöpferischen Geiste zu ver- kläre», ihnen Motive und Handlungen unterzulegen, welche die wahre Geschichte nicht kennt; e« ist der Beruf des Dichters, nach jeder Richtung hin zu idealisire», denn nur für ideale Menschen allein— ganz gleich ob in gutem oder bösem Sinne— können wir un« wahrhaft und rein be- geistern. Gewiß hat auch der Realismus in der Poesie feine Berechtigung, ob er jedoch im Stande ist, auf die Dauer irgend wie veredelnd und hesiernd zu wirken, mag hier vor- läufig dahingestellt bleiben. Jedenfalls ist es in dem Trauerspiel Gracchu«, der Volkstribun, von Adolf Wilbravdt, welches vorgestern im Deutsche» Theater aufgeführt wurde, dem Dichter nicht ganz gelungen, den An- forderungen, welche unter allm Umständen an ein Trauerspiel gestellt werden müssen, gerecht zu werden. Z» keinem Falle hat es der Verfasser vermocht, uns die Gracchi- schen Reformkämpfe, da« tragische Vorspiel eine« hundert- kennt die Männer nicht, hält jeden für gut und nimmt in der Regel den ersten besten, welcher ihm vorgeschlagen wird. Ist es aber verheirathet: welche Enttäuschungen! Einige verlieren den Verstand, andere werden frivol und noch andere schicken fich innerlich gebrochen, in ihre Lage. Immer wieder kommt Redner darauf zurück, daß die Frau fich Achtung verschaffen müsse. Aber fie muß auch das Recht auf Achtung haben. Und dieses Ziel erstrebe in Deutschland der Kulturbund, den nach Kräften zu unterstützen Redner zum Schlüsse auffordert. Von diesem hier nur skizzirten Vortrage, in welchem Redner fich von allen religiösen und politischen Fragen fern gehalten hatte, gab Herr Prediger Neßler später ein ResumS in deutscher Sprache. Ueber ein fatales Reiseabenteuer, das eine Berlinerin. Fräulein Minna L., in der Nacht zum 6. September d. I. auf dem Bahnhof zu Königsberg i. Pr. zu bestehen hatte, haben wir vor einiger Zeit, nach dem„B. T", unseren Lesern ausführliche Mittheilung gemacht. Wie vielleicht noch erinnerlich, wurde die Dame nebst rbrer Reisebegleitung von einem Polizei- beamten in Zivil, der fie mit einer kriminell gesuchten Person verwechselte, zum Aussteigen aus dem bereits im Gang befind- lichen Zuge genöthigt und noch einer Reihe anderer Belästi- gungen ausgesetzt. Auf die von der Dame nach ihrer Rückkehr nach Berlin an das Polizei Präfidium zu Königsberg gerichtete Beschwerde hat dieselbe nunmehr nachstehenden Bescheid erhalten: Königsberg, den 21. Ottober 1885. Die in Folge Ihrer ge- fälligen Eingabe vom 23. v. M. diesseits angestellten näheren Ermittelungen bezüglich der Jbnen in der Nacht vom 5. zum 6. September d. I. auf dem hiesigen Bahnhofe widerfahrenen polizeilichen Eistirung haben ergeben, daß der betreffende Be- amtt durch große Uebereinstimmung des Signalements einer ihm zur Verfolgung aufgegebenen Person mit dem Ihrigen zu dieser Eistirung veranlaßt worden ist. Das Polizeiprästdium, welches diesen Vorfall lebhaft dedauert, verfehlt nicht, Sie wegen der Ihnen daraus erwachsenen empfindlichen Belästigungen um Entschuldigung zu bitten, und bemeitt, daß der hanvelnde Beamte der Kriminal'chutzmann I. gewesen ist. Demselben ist eine nachttägliche Rektifikation zu Tyeil gewor- den, daß er nach Ausklärung seines Jrrihums nicht sogleich Alles aufaeboten hat, um Jbnen die durch denselben herbeige- führten Belästigungen und Schwierigkeiten zu erleichtern. Zu- gleich hat derselbe die Aufforderung erhalten, Sie mit Ihrem Entschädigungsanspruche zum Betrage von 20 Mark zu besrie- digen. Königliches Polizei- Präfidium- Gleichzeitig mit diesem Bescheide ging der Dame ein sehr devot gehaltener Entschuldi« gungsbrief des in Rede stehenden Kriminalschutzmanns zu, worin er wiederholt um Verzeihung bittet und dringlichst ersucht, die Dame möge fich doch mit ferner Abbitte zufrreden aeben und von weiteren Schritten gegen ihn Abstand nehmen. Die Dame hat dieser Bittt auch willfahrt und großmüthiger Weise sogar noch ein Uebriges gethan, indem fie mit Rücksicht auf die Fa- milienverhältniffe und die kranke Frau des Beamten auf die Zahlung der zugesprochenen zwanzig Mark verzichtete. Wir nehmen von dem zufriedenstellenden Ausgang dieser Affaire mit um so größerer Genugtbuung Alt, als es nicht allzu häufig vorkommt, daß polizeiliche Mißgriffe so rückhaltlos eingestanden und so loyal gesühnt werden. Der Roman einer Kellnerin. Eine merkwürdige Kar- riere hat eine ehemalige Berliner Kellnerin kürzlich gemacht. Dieselbe kam vor ungefähr zehn Jahrtn als junges unerfahre- nes Ding aus ihrem oderschlefischen GebirgSdorf, als ehrsame Tochter eines Obersteigers dort, hierher nach Berlin, um fich eine Stellung zu suchen.— Die bekannten hilfreichen Stellet« Vermittlerinnen vei schafften ihr in dem Restaurant von C. in der Markgrafenstraße eine Stellung al« Bierhebe Das Re- staurant war damals stark von der akademischen Jugend be- sucht und wird noch jetzt von einem anderen Studenttnwirthe, welcher seiner Zeit daS Lokal übernahm, in derselben Weise fortgeführt. Lina P., eine blonde Schönheit von üppiger Figur, hing fich mit der Ursprünßlichkeit ihres ftischcn unver- doibenen Herzens damals an einen jungen Bauakademiker, mit dem fie die Reize der Residenz in vollen Zügen genoß. Wie Alles im Leben, so nahm auch dies Ver- hältniß bald ein Ende. Der Bau-Akademiker Paul H. fiel durch das Examen und ging nach Rußland, woselbst er bei der Kjäsan als Geometer eine Anstellung fand. Nur hin und wieder erfuhr Lina von Paul's früheren Kommilitonen etwas von ihrem früheren Schatz; schließlich wußten auch diese nichts mehr und er galt von der Zeit an als verschollen. Ein Brief an seine Ellern, die in Ostpreußen ein kleines Landgütchen besaßen, blieb unbeantwortet. Lina tröstete fich mit Energie im Laufe der Jahre über ihren ungetreuen Geliebten und avamirte inzwischen zu einer der tüchtigsten und routinirtesten Bierheben der Residenz In allen den von der Berliner jennesee dorfee srequenttrten Lokalen in der Charlottensttaße bei K-, Markgrafenstraße bei S. und zuletzt in der Anhaltsttaße bei Neander war Lina eine der be« liebtesten und bravsten Bierspenderinnen. Für Jeden hatte fie ein freundliches Wort; sauder, fleißig und aufmerksam war fie mit allen Gästen bekannt und vertraut, aber nicht ver- traulich; mit den älteren Semestern hatte fich wohl auch schon bereits ein auf Duz- Komment bastrendes freundschaftliches Verhältniß herausgebildet und bei den Füchsen war es Brauch, daß die„akademische Lina", wie fie genannt wurde, die Blume des Schoppens trank. Durch Fleiß und Sparsamkeit hatte Lina im Laufe der Jahre ein Kapital von 1800 Thalern in« jährigen Bürgerkrieges, in welchem der Bode» der römischen Republik mit dem Blute der eigenen Kinder ärger al« je zuvor mit dem Blute der Feinde getränkt und in welchem der Republik selbst schließlich das Grab be- reitet wurde, irgendwie greifbar zur Anschauung zu bringen.» Um die mehrfachen Fehler, die sich der Autor hat zu Schulde« kommen lassen, richtig zu verstehen, ist eS noth- wendig, einen kurzen Blick auf die polttifche Entwickelung der damaligen römischen Verhältnisse zu werfe«. Selten wohl ist ein Werk sozialer Reform so sehr der Verunglimpfung und der falschen Beurtheilung ausgesetzt gewesen, al« da« der Gracchen. Selbst Cicero, dessen sin- liche Anschauungen über da« Eigenthum— und dieses allem trafen die Gracch'schen Reformvorschläge— im All- gemeinen fich denen de«Plato nähern, nahm dem Ackergesetz der Gracchen gegenüber so sehr den Standpunkt de« ein- fettigen, materiellen Interesse« ein, daß er jene« Gesetz un- billig und ungerecht nannte. Eine LandauStheilung, sowie auch die Aufhebung der Schuldforderungen und Hypotheken hieß damals und vielleicht auch heute noch nicht« andere», al» von dem auf diese Weise Gewonnenen Geschenke au«- thcilen und die Gläubiger um ihr Geld bringen. Man weiß, daß da« Gesetz de« älteren Gracchu«, welche« da« soziale Gleichgewicht wieder einigermaßen herstellen sollte, darin gipfelte, daß Niemand mehr als 500 Morgen für sich und 250 Morgen für jeden seiner Söhne von dem Staat«- acker in Besitz haben sollte, da» Mehr sollte gegen eine au« dem Staatsschatz zu gewährende Entschädigung an die armen Bürger äbgetteten werden. Man wird e« leicht verstehen, daß namentlich die römische Aristokratie und der mtt ihr verbündete Senat sich derartige« Vorschlägen mtt aller Kraft widersetzte», dennoch wurde da« Gesetz vo» der Volksversammlung, an welcher tlustve einer eigenen Wirthschast fich erspart, so daß süf zur Ruhe setzen wollte, um fich alS Loais- Wirthin in* Carlstraße eine Wohnung einzurichten. Da wurde vor u? fähr 2 Jahren die damals 27 jährige noch immer blühende» üppige Scklefierin von der Liebe Allgewalt noch einmal 1 griffen. Diesmal war es ein junger Mufiker, 2 Jahre j# als fie, an den fie ihr Herz verlor. Der angebende Pag«» ging nach Rußland auf eine Tournee. Trotz des A brutto ihrer hiestgen Freunde verfilbeite fie ihr Hab und Gut und m ihm in das Land"wS weißen Adlers, um— in Riga von» verlassen zu weiden, nachdem er fie ziemlich ausgebeutet w Mit den Trümmern ihrer geringen Habe ging fie ungetol an Selbstbewußtsein nach Petersburg, um sich dort in#- deutschen Wirtbschaft zu verdingen. Für ihre Berliner? kannten war fie seit zwei Jahren verschollen. Vorgeste»' nun an ihre frühere Wilthin in der Möckernstraße ein N angelangt mit einer Heirathsanzeige, in welcher Lina mitibc- daß fie ihren ersten Gelieben Paul H. in Petei sburg getroffen habe und seit drei Wochen seine glückliche Gattin* Paul H. hatte Glück in Rußland gehabt; er hatte als Geometer«� Eisenbadn und Brückenbau ein hübsches Stück Geld verdient� eine große Brauerei in Odessa erbaut und lebt seit ew Jahren, nachdem er fich hat naturalistrm lassen, in PeterM woselbst er bei den sogenannten Inseln eine hübsche 33#. ß&f Frni CfVarinlHKl'- Max «r zu®i «SS % fe dienet Ki tn einer v-reins st die aufge « sich r Gosewich Zur aufg worden, U lWWMEWW m Gatten, der inzwischen aus dem schlanken Bau Akadem#? behäbiger Philister geworden sei, Weihnachten nach% kommen werde, um ihre jrlten Bekannten aufzusuchen, r. Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme", schließt fit� Brief mit Emphase. Dem Schreiben ist eine Photogtaphir< 1 C. u-...? f.-____ XX-..VI* P•' l � ♦ i L.»., M ihr und ihrem Gatten beigefügt. Unter den früheren. lichen Bekannten von Lina H., meistens ehemalige genofstnncn, herrscht seit vorgestem in Russen Hausse! Ein entsetzlicher Eisenbahn-UnglückSfall. de», Berlinerin zum Opfer fiel, hat fich gestern Abend gegen«k auf dem Bahnhofe Fütstenwalde zugetiagen. Die in. wohnhafte Handelsfrau Hase aus der vkalitzerstraße, die! eines penfionirten Polizeiwachtmeisters, hatte mit ihrem n den Jahrmarkt in dem genannten Städtchen belogen und in Begleitung ihres fünfzehnjährigen Sohnes nach BeeM des Marktes auf.der Eisenbahn wieder heimfahren. gegen»/«6 Uhr auf dem Bahnhofe anlangte, gerieth Fm° in demselben Moment auf daS Geleise, in welchem d« Frankfurt a. O. kommende Zug heranbrai-ste. Die Frau W von der Lokomotive erfaßt, nredergeossen und so urflj überfahren, daß ihr die Räder den Schädel bis zu den buchstäblich zermalmten. Selbstverständlich war der Tod! eingetreten. Der Sohn entging, wie das„B. T" nur dadurch dem sicheren Tode, daß er in Folge eines i anfalls gelähmt ist und deshalb der Mutter nicht so sät» folgen vermochtt. Die entsetzlich verstümmelte Leiche' zunächst in das Stationsbüreau geschafft und von WJ Fürstcnwalde zurückgebracht, woselbst fie fick noch Frau Hase hinterläßt außer dem erwähnten 15jährigen noch zwei ältere Söhne und eine jüngere Tochter., Polizei-Bericht. Am 24. d. M. Nachmittags Almosen Empfänger Pein au in der Rcichcnbergerstmiy einem großen Hunde umaerannt und erlitt durch den rül fft? pen Ve Kworene "f Fragei wegen di K°ltleib: neig Tan r#*r I «ren Mi einem großen Hunde umgerannt und erlitt durch den Erschütterung des Rückgrates und des rechten Hüftgem daß er nach seiner Wohnung und zwei Tage später Krankenwagen« nach dem städtischen Krankenhaust drichshain gebracht werden mußte.— Um dieselbe osihjtf "«/#»«>***■ CtnifA*** W— I unglückte der Kutscher Schulte in der Et. Woltgan# Xrvf*»v frrtrn m>v* mm... f-t_______..V.JlA durch, daß er beim Tragen einer�schwere� Gerust�SU� dieser gegen einen vorüberfahrenden Wagen stieß uS'iK —f__ c r r_ w.t it__ w•. er i.....-- r J u v v>v|v» n%nv>*»»»»| Mv/vvitwu-cvwißvit i* cg sg niederfiel, so daß ihm die Stange über den Leib undV, ficht rollte und ihm so erhebliche Verletzung�, fügte, daß er fich mittelst Droschke nach der begeben mußte.— Am 26. d. Mts. Ziach mittags stürzte f* dem Neubau Birkensttaße 13b beschäftigte Maurer. von der Rüstung des eisten Stock 8 herab und erlitt am». schwere innere Verletzungen, so daß er mittelst Drofa'y seiner Wohnung gebracht werden mußte.— Als am*'-4 Nachmittags der Ku! scher Gens einen Wagen voll ss Dung vom Zentral Viehhofe abfuhr, löste fich plov Voiverschütze los, fiel ihm in den Rücken und warf w über vom Wagen herab z vischen die Pferde. Gen« welchen fich der flüssige Dünger ergoß, erlitt hierbei ein* renkuna der rechten Schulter und mußte nach dem g Hause rm Friedrichs Hain gebracht werden.— An de� Tage Nachmittag» machte ein 18 Jahre altes Thiergarten den Versuch, fich mittelst Oleums Daffelde wurde noch lebend aufgefunden und nach der> gebracht.— Zu derselben Zeit wurde vor dem Gel® � Oswald Nier in der Wallstraße die große Transparen umgefahren und zertrümmert. Hierbei wuHe ein untere> ßs z�ußtse vbwesei - Dte l vand". «ttaßbur jnrina S Mime, d Vertreter wiarkensck vnd mein mrrenz. wann her Hie bekla Urtheil, d erwähnte �rtheilsvi 'erl V str. S hw, fcrttfanb, die ei, % 5t « seiner Tochter vorübergehender blinder Mann troffen und dedeutend verletzt und brach außerdem � auf das Steinpflaster das linke Kniegelenk, so da» Bethanien gebracht werden muhte. Z U ....... v....oui� uuutm. ajas woir leovuz Gesetz und ernannte den älteren Gracchu», um r jw* heit zu geben, über die Ausführung der gettoift" aJtB munge« besser wache« zu können, auf ein' ßtf Tin— cm 01 ItchjU Wuth und schrieen über Hochverrath um SÄ 0txnun8- E- kam zum Aufruhr -ildemS OracAuÄ mMtAr;***____�.x__ u-11———7'- g"----«—1 j 0 bic Tribun. Darüber � geriethen die Aristokraten � "passen &*'< 5N ,........„»»»». Vi» lam zum RUIIUY" Tiberiu« Gracchu« meuchlings ermordet wurde. Da« Reformwerk gerieth nun felbstversta" � SW," ert------------- 35 nitnmi ....... gerrery nun jelvstverim �r, Zeit in« Stocken. De« Gemordeten jünger« ,, w Gracchus, nahm dasselbe mtt Glück wieder a u gesitz wurde ungeachtet de« Widerstande« wieder durchgeführt, außerdem ein andere«.,,*! die Verabfolgung von Getreide au« den j, zu ermäßigtem Preise und im Nothfalle fei i � btt 1 destimmte. Im Uebrigen sah Caju« Gracch � gjny Wanderung nach den eroberte« außeritalttcy# v' Mittet gegen die Verarmung und deshalb f trag, auf dem Boden Karthago'» eine' gründen. Die Aristokratie verstand jedoch Antrage« die Popularität de« Caju« zu u ließ durch den vo« ihr bestochene«\ Drusu» dem Volke die Anlegung«a", '« 3>alie» selbst versprechen. Tie» M � j«/ Volk war blind genug, dem traurige« SP ßy, e« verließ den edlen Caju« und überu* seinen geschworenen Feinden, um zwar baw,> spät, einzusehen, wie schmählich e« betrog � von der Aristokratie in die Acht erklart, de« Volke« verzweifelnd, ließ sich durch er« de» Tod geben. ,>hist� �5 6% sr g'iQ, KS ßf M xwv geoen., tif Da« ist in großen Züge« der politrsch'' daß fiei rthin in>l de vor M ilühende/ i einmal' Sabre M ide PaglB es AbrM ut und Wf Higa vvtvz ebcutet W" fie ungeW dort in Berlin«% BorfltfWj jcomeler� od dient, M : seitens n PeteM ck- 9#k 2ttnni»{; eder 6 erzählt� X fonW? als mei-s e mit# fabcimlrt? nach% suchen, n ließt% f tograPF'l W--S usse! ll. de« j m i ihrem? en und � h BeeiW ren.-W äi, Fl°M hem dS ,'Ä( T" be4 eines I so fcW Leilbe roch fef hrigcn& mäßl? nt-!-< i ander«, v*. M Gerichts Zeiwng. . Magdeburg. Am 13. Juni d. I., Adenvs 9 Uhr, hielt der zu Groß Ottersleben bestehende„Fachoerein für verschieden: BerufSgenoffm für Groß OtterSleben und Umgegend" eine -Versammlung ab. Der Gendarm Nitsch aus Wanzleben löste die Versammlung, da ihm der Nachweis, daß dieselbe bei der Polizei angemeldet sei. nicht geführt werden konnte, auf; trotzdem verblieb ein Theil der Versammelten, beleidigende Redensarten führend, im Eaal, weshalb Nitsch und Amts- diener Köcks denselben räumten. An demselben Abende fand m einer Restauration in Beneckenbeck ein Fest des Landwehr« Vereins statt, und da Nitsch dem Gedanken Raum gab, daß du aufgelöste Versammlung dort weiter tagen könnte, so begab sich mit Stöcke dorthin. Der Gendarmerie Wachtmeister iNosewich begleitete die Beamten. Kaum waren diese von den zur aufgelösten Versammlung gehörigen Personen bemerkt worden, so wurden herausfordernde Reden- arten und von �rm gewissen Wald sogar die Worte:„Nobiling, der Atten- iater Nobiling lebe" mehrmals gebraucht. In Folge dessen wurde zur Verhaftung des rc. Wald geschritten; dies war da? Signal zum Angriffe gegen die Sicherheitsbeamten. ?"i großen Steinen wurde geworfen, und es gelang den �Werfenden, Wald zu befreien. Um sich zu retten, rennrten die Beamten in die Strumpf'sche Restauration, aber »um waren fie hier angelangt, als auch schon ein Hagel von «lernen ihnen nach gegen daß Lokal flog. Trotz dieser Gefahr wagten es die Beamten nochmals, auf oie Straße zu treten Md zum verlassen deS Platzes aufzufordern. Der Gendarm Mch wurde wieder angegriffen, geschlagen und ihm sogar der Zerbrochen. Nur durch einen Revolverschuß gelang es M, die Menge zu zerstreuen. Eämmtliche Sicherheilsbeamte aaven Verletzungen, Nitsch die meisten, davon getragen. In «rtzung des Schwurgerichts am 26. d. M. wurde gegen H der hierbei betheiligten Personen verhandelt. Den Ge- iQnjotencn wurden mit Einschluß der Hilfs- und Nedenfragen r»ragen zur Beantwortung vorgelegt; nachdem die Frage wegen de? Aufruhrs bei den Angeklagten Wald und der MtUib verneint worden, wurden diese in dieser Beziehung 'gesprochen. Bei den übrigen Angeklagten wurden, der rr- 3." zufolge, die Fragen theils wegen einfachen, theils 'sei schweren Aufruhrs und theils unter Bejahung, theils Verneinung der Frage nach mildernden Umständen, ebenso der Majestätsbeleidigung bei Wald bejaht. Es er- sÄ: Wald 6 Monate Gefängniß, A. Wunderling, F. , Sterling je 9 Monate, Koßmann, Luther und Preiß je Gefängniß, Schadenberg 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus, A. Koch und Nitze je 1 Jahr Zuchthaus. ig, Dienstag, 27. Oktober. Vor der hiefigen Straf- r�ner fand heute der Prozeß gegen 42 Ausländer statt, S? Mitstimmen am 28. Oktober v. I. die Reichstagswahl -Mtig gemacht hatte. Die Anklage lautete auf Wahl- Ha* Un0- Gegen 3 Theflnehmer war die Anklage vom Ge« M abgelehnt worden, die 34 Angeklagten, welche heute vor %"'ch( erschienen, wurden sämmtlrch freigesprochen, weil das ?iwußtsein der Widerrechtlichkeit ausgeschlossen erscheine. Gegen svwesende Angeklagte wurde das Verfahren vertagt. . Die Straßburaer Tabakmanufaktur und die„schwarze Land". Am 23. o. M. fand die Gerichtsverhandlung in «naßburg darüber statt, ob der Tabakmanufaktur oder der jurma Schuller u. Bergmann in Straßburg das Recht zu- !°Mme, die„schwarze Hand" als Schutzmarke zu führen. Der Kttreter der Manufaktur behauptete, daß ihm neben dem �iarkenschutzgesctz Art. 1382 des Code civil zur Seite stehe, Und meinte, daß nach französtschem Recht der„illoyalen Kon- 'urrenz. wie fie im Verfahren der Firma Schuller und Berg- Aann hervortrete, mit Erfolg entgegentreten werden könne." Die beklagte Firma wendete, gestützt auf ein Reichsgerichts- urtheil, dagegen ein, daß das Markenschutzgesetz und der oben erwähnte Artikel des Code civil hier nicht zuträfen. Die ürtheilsverkündigung wurde auf acht Tage ausgesetzt. Jmitw und Uersammlunge«. . hr. In der Mitglieder-Versammlung des Vereins 7/r Arbeiterinnen, welche am Dienstag Lothringerstraße 37 Wand, wurde zunächst der von Frau Walter gestellte An- K«. die Kaffenrevifion vom 23. d. M. für ungiltig zu er« Wn, einstimmig angenommen. Es hatte fich nämlich heraus- daß Frau Neumann zur Zeit, als sie zur Revisorm ge- SÄ wurde, noch nicht Mitglied des Vereins war. Frau ?umann rechtfertigte fich durch die Mittheilung, daß fie ge- kT1� hätte, damals schon durch die Vermittlung der Frau Mitglied des Vereins geworden zu sein.— Die Vor- Frau Vötting, machte dann die Mittheilung, daß der WU» beschloffen habe, den Eintritt in die Lohnbewegung S Aar fey«bemranFCür jede Branche?oll°we Vertretettn 1% werden. Die Vertreterinnen der Branchen werden zu ' zus.?Agitations. Komitee unter dem Vorfitze der Vorfitzenden DSN-SMMK wnb de« vorliegenden Trauerspiels. Es ist möglich, daß Darstellung in manchen Punkten erheblich von der i,Mufigen Methode, Geschichte zu fabnzire», abweicht, aeN»'st trotzdem der Gegenstand für eine Tragödie wre a'Wen. v;...Adolf Wilbrandt Hai e« nun durchaus nicht verstanden, t* Uef einschneidende sozial-politische Wirkung der Gracchi- 2* Gesetze irgendwie zum Ausdruck zu bringen. Er greift i,. unsicherer Hand aus dem vielleicht interessantesten und Reichsten Theile der römischen Geschichte Figuren heraus, & Ulwnrt ihnen die historische Größe und Bedeutung und �»pelt sie zu Agitatoren ganz gewöhnlichen Genres. Jener s. un, der selbst einem altadligen, römischen Geschlecht ent- �Mn. mit allen Traditionen bricht, sich furchtlos einer tW'Wchti{1en kapitalistischen Masse, welche über den ganzen der dekannten Erdkreis gebietet, entgegenstellt, wird unter vbr."�der diese« Autor» zu einem Schwätzer, der mit J?,'�hasten Schlagworten um sich wirft und für die Ver- persönlicher Rachegelüste auf die unberechenbaren '"ebe einer urtheilslosen Menge spekulirt. Daran liegt H.�uch, daß es dem Dichter nicht gelingt, für seinen stck VV'ne wirkliche tragische Schuld zu finden, obgleich dX �stlbe wohl mit Leichtigkeit aus dem historischen That- . ergeben hätte. Casus Gracchus hätte nicht an zu rn fachen Mißverständniß, sondern an einem Umstand «eu„Ü.?»chen müssen, der mit zwingender Nothwendig. �.�.seinen Handlungen hätte eintreten müssen. Em tzch�Wsel, den er in der Volksversammlung mit seinem ttacbiJ8*. AfricanuS hat, von welchem beide Theile �«rr®,estehen. daß sie sich in der Uebereilung, im Zäh- Vicht..�.haete Worte gesagt haben, genügt doch wohl Sirrii'g.�? den Tod der beiden Hauptpersonen deS Stückes W motiviren. Fernerhin ist der CajuS Gracchus �ttttienk i r-0'6" meht rachedürstender Bruder als re» rnver Staatsmann. Er kann es der Senatorenpartei fie ein Schreiben mit, in welchem eine Arbeiterin die für An- fertigung von Knabenanzügen gezahlten Hungerlöhne angiebt und den Verein bittet, iür die Arbeiterinnen ur dieser Branche baldigst thatkrättig eintreten zu wollen.— Herr Dr. Lütgenau legte in einem kurzen Referate die Nothwendigkeit einer Lohn- statistil für die in Ausficht genommene Lohnbewegung dar» gab Erläuterungen zu den Fragen des Frage- bogens und Anweisungen zur Beantwortung der den Verdienst und die Arbeitszeit betteffenden Fragen und hob hervor, daß mit der Lohnbewegung in den- jenigen Branchen der Anfang werde zu machen sein, in welchen die Zahl der Arbeitgeber die geringste und für die betreffende Arbeit eine längere Vorbildung erforderlich ist.— Frau Pötting verlas darauf den Bericht über Einnahmen und Ausgaben seit Gründung deS Vereins und über die früheren Teller- sammlungen und die aus diesen gemachten Ausgaben. In Bezug auf zwei aus dieser Kasse an zwei Mitglieder gegebene Darlehne bat fie die Versammlung um nachträgliche Genehmi« gung. Dieselbe wurde ertheilt, nachdem fie die Erklärung ab- gegeben, daß der Vorstand ohne vorhergegangene Ge- nehmigung einer Mitglieder Versammlung in Zukunft nicht wieder so etwas thun werde. Die Wahl einer Revisorin wurde mit Rücksicht darauf, daß die Versammlung weniger zahlreich besucht war als sonst, auf die nächste Versammlung vertagt. Nachdem die Vorfitzende noch in Bezug darauf, daß die zwei letzten öffentlichen Versammlungen mit polizeilicher Auflösung geendet haben, die Erklärung abgegeben, daß der Verein als solcher mit den öffentlichen Versammlungen und mit Politik nichts zu thun habe, erklärte fie die Versammlung für ge- schloffen. Der Fachverein der Kisten- und Koffennacher hielt am Zliontag, den 26. Oftober, eine Mitgliederversammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. lieber» gäbe des Vorstandes. 3. Beschlußfassung über die Petition an den Magistrat, das Gewerbeschiedsgericht betteffend. 4. Ver- schiedenes. Die beiden Kasfirer Seidel und Simon erstatteten den Kassenbericht, welcher von den Revisoren als richtig aner- kannt wurde; darauf wurde nach langer Debatte beschlossen, die seit I V, Jahren bestehende steiwillige Krankenunterstützungs- Kaffe am 1. November d. I. aufzulösen. Hiemach verlas Herr Tschernig den Inhalt der Petition an den Magisttat wegen Errichtung eines Gewerbe- Schiedsgerichts. Dreselbe wurde von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommen und der Vorstand beauftragt, dieselbe im Namen des Vereins zu unterzeichnen und dem Mag-sttat zu übersenden. Unter Anderem beschäftigte fich die Versammlung noch mit der schon vielfach erörterten Bibliothekfrage und kam zu dem Beschluß, daß die Bibliothek vorläufig vom Vorstand verwaltet werden soll, bis die neuen Statuten ausgearbeitet find, wo alsdann ein Bibliothekar gewählt werden soll. Zum Schluß machte Herr Kaufhold bekannt, daß die Mitiheilung, wonach von den streikenden Arbeitern der Fuhg'schen Fabrik die Herren Putzbach und Lindemann daselbst die Arbeit wieder aufge- nommen haben, auf einem Jrrthum beruht; Herr Martin sei dort wieder in Arbeit getreten. Die Kartonnagenarbeiter hielten am Montag, den 26. d. MlS., im Restaurant EberSbach, Blumenstraße 56, eine öffentliche Versammlung ab. Der Referent Herr Jost erläuterte in semem mtt großem Beifall aufgenommmen Referate, daß der Geist und der Muth, den die Kartonarbeiter dem Vereine gegenüber besttzen, ein sehr reger und guter sei. Er spornte die Anwesenden an, dafür Sorge zu tragen, daß die Kollegen, welche der Orgamsatton noch fern stehen, herangezogen werden. w'rllich unter aller Würde, wie manche Arbeitgeber die Löhne �V�berters drückten. DaS beste Mittel, eine Befferung der Zustande herbeizuführen, sei, daß die Kartonarbeiter Hand in Hand vorgehen, um beffere Löhne zu erzielen. Es sei traurig, daß die Arbeiter, wenn fie um geringe Lohnverbefferung fordern, von den Prinzipalen schnöde zurückgewiesen werden, wie man es schon bei so vielen Gewerkschaften erlebt habe, welche dann zum Streike haben greifen müssen. In der da- rauf folgenden Diskusfion sprachen fich sämmtliche Redner im Sinne des Referenten aus, und nachdem die Anwesenden vom Vor fitzenden befragt, in welcher Fabrik fie arbeiten und wie viele derselben Vereinsmitglieder seien, wurde die Anwesenheit von 110 Personen festgestellt, wovon 50—56 Vereinsmttglieder waren. Es wurde als jedes Mitgliedes größte Aufgabe be- zeichnet, die übrigen Kollegen in den Verein zu bringen. Im Verlaufe der Versammlung wurde folgende Resolution ein- stimmig angenommen: Die am 26. Öftober im Restaurant Ebersbach, Blumensttaße 56, tagende Versammlung der Kar- tonnagenardeiter Berlins erklärt, fich mit den Ausführungen des Referenten, wie auch der verschiedenen Redner vollständig einverstanden; fie erklärt auch ferner nach Kräften dahin zu zu wirken, daß die Prinzipien des Unterstützungsvereins auch von den Kartonarbeitern stets aufreckt erhatten werden. Die Former Berlins und Umgegend hielten Montag Abend in Niest's Salon, Kommandantenstraße, eine öffentliche Versammlung ab. Die Kommisfion unterbreitete die Statuten, welche mit kleinen Ausnahmen sämmtlich einstimmig angenom- men wurden. Dieselben sollen sofort der Behörde eingereicht werden, um so schnell wie möglich zum Ziele zu gelangen. Hierauf wurde ein aus 9 Personen bestehender Vorstand auf die Dauer eines halben Jahres gewählt. Die Wahl fiel auf folgende Herren: August Müller, 1. Vorfitzender; Körsten, nicht vergessen, daß man seinen Bruder ohne Recht und Gesetz erschlug, nur deshalb erklärt er den besitzenden Klassen den Krieg; immer und immer wieder ist es der Hinweis auf jenen Mord, der, als zündendes Schlagwort in die Massen geworfen, ihm die Beifallssalven derselben einbringt. Vrelleicht war es kluge Berechnung deS Ver- fasserS, über die gewattigen wirihschaftlichen Kämpfe der damaligen Zeitepoche mit leichter Hand hinwegzugleiten, vielleicht sind ihm dieselben überhaupt entgangen, von größerem Werths selbst für das Publikum des Deutschen Theaters wäre es entschieden gewesen, den Kampf jenes aus- gesogenen, niedergetretenen Proletariat« gegen seine Bedrücker zu schildern. So aber bleibt der Held de« Stückes unverständlich, seine große Gestalt, die der Ge> schichte angehört, wird zum stutzermäßigen Schönredner,— ein Zerrbild de« wahrhaften VolkSmanne«. Hierin muß auch der Grund dafür gesucht werden, daß andere Personen verzeichnet sind und lange nicht in dem Maße zur Geltung kommen, wie eS nothwendig gewesen wäre. Cornelia, die Mutter der Gracchen, ist hier einzig bangende und sorgende Mutter, die nur recht vereinzelt einen Anlauf zu der antiken, ehernen Größe nimmt, welche die Geschichte dieser seltmen Frau nachsagt. Leichter verständ- lich ist eS, daß Licinnia, die Frau des Gracchus, nach den Umrissen, welche diesem vom Dichter gegeben sind, nichts ist als ein liebendes Weib, das nur weinen kann. Ebenso ist die Rolle de» Scipio AfticanuS nur sehr schwach durchge- arbeitet. Dagegen sind eS zwei Figuren, die geschickt und schneidig durchgeführt sind: Luciu» OpimiuS, der Führer der Senats- Partei, und PubliuS LätoriuS, der junge Plebejer, der den Scipio AfricanuS ermordet. Lucius OpimiuS ist der stahlharte, kaltherzige römische Senator mit dem eisigen Blick, der so scharf geschliffen ist, wie der Dolch, von dem er bei passender Gelegenheit so 1. Kasfirer; Jost, 1. Schriftführer. Als Stellvertreter gingen aus der Wahl hervor die Herren Schulz, Stoppsack und Leh- mann. Zu Revisoren wurden die Herren Möwes, Schräder und Stein gewählt. Alsdann erhielt Herr Michelsen das Wort zu einem Vorttage. Referent erläuterte, wie nöthig es für jeden B-rufsgenossen sei, fich der Vereinigung anzuschließen. Die intelligenteren Arbeiter müßten die ersten sein, die fich an der großen Sache betheiligen; doch sei es Pflicht, auch den in« differenten Arbeiter heranzuziehen und aufzuklären; das sei die Hauptbedingung des Vereins. Nur dann sei es möglich, für die Folge etwas auszurichten, wenn alle, Mann für Mann, Schulter an Schulter geschloffen auf dem Boden des Gesetzes vorgehen. Redner empfahl den Anwesenden, fich sofort dem Verein anzuschließen und kräftig für denselben zu agitiren. Langanhaltender Beifall wurde dem Redner gezollt. Der Fachverein der Rohrleger tagte am Sonntag, den 25. Ottober, im Lokale von Wolf und Klüger, Ekalitzerstr. 126. Nachdem daS Protokoll und der Kassenbericht verlesen und beides angenommen war, hielt Herr Dr. Sturm einen Vor- ttag über„Blei- und Queckfilber-Veraiftung". Er erläuterte die Entstehung dieser Krankheiten sowie die Behandlung derselben. Der Vortragende hatte zu diesem intereffanten Vottrage eine bildliche Dastellung im Vereinslokale ausgelegt, um den An» wesendm die fürchterlichen Verheerungen dieser Krankheit vor Augen zu führen. Nach dem einstündigen Vorttage meldeten fich mehrere Kollegen, welche von dieser Krankheit schon befallen waren oder noch daran leiden, zum Wott. Die« selben pflichteten den Ausführungen des Referenten vollstän- dig bei. Dann wurden noch einige interne Vereinsangelegen- betten erledigt und mitgetheitt, daß am 21. November ein Winterveranügen des Vereins in Ficbig's Salon, Gr. Frank- futterstr. 27—28 stattfindet. Der Ueberschuß ist zum Besten der Vereinskaffe bestimmt. Billets find zu haben bei: Müller, Andreasstr. 35; Köppe, Ettaußbergerstt. 42; Kupplich, Mitten« walderstt. 28; Krebs, Chausseestt. 72; Glowe, Kastanien-Allee 57. Die nächste General- Versammlung findet am 15. Novbr. statt. Näheres durch Inserate. �—- Der Arbeiter-Bezirksverein der Rosenthaler Vorstadt hielt am Montag, den 26. d. M, eine Versammlung in der Neuen Walhalla ab. Herr Prediger Kendziotta hielt einen Vottrag über„Kulturgeschichtliches aus der Reformationszeit". Referent äußerte fich dahin, daß die Reformation als auch die Bauernbewegung mcht so rapide geworden wäre, wären nicht die Buchdruckerlunst, Sprachwissenschaft, als auch die Ent» deckung Amettka's nnd Ostindiens gewesen. Die Rolle, die Luther in der Bauernbewegung gespielt hat. sei eine zwei- deutige; während derselbe die Bauern aufforderte, in fttedlicher Weise mit den Fürsten zu verhandeln, forderte er 5 Jahre später in ganz energischer Weise auf, die Bewegung der Bauern mit Gewalt zu unterdrücken. Ihm sei Thomas Münzer Grunoe Opfermuth und wahre Nächstenliebe erkennen; selbst Luther nannte ihn und seine Genoffen die„himmlischen Propheten". Der Fottschtttt der heutigen Arbeiterbewegung gegenüber den Vorkommniffen von 1525 und 1789 sei dann zu suchen, daß die Arbeiter aus der Geschichte gelernt haben, daß, soll Ersptteß- liches für fie geschaffen werden, dies nur durch die Gesetz- gebung zu erreichen sei. An dieser müßten fich die Arbeiter mehr und mehr betheiligen. Durch diese Erkenntniß habe auch die Arbeiterbewegung einen so felsenfesten Bo- den unter ihren Füßen erlangt.(Lebhafter Beifall.) Hierauf erhielt der Kandidat des 34. Kommunal-Wahl-Bezirks, Vergolder Herr Emil Böhl, zu einer Ansprache das Wott: Als vor zwei Jahren die Arbeiter Berlins fich an der Kommunal- wähl betheiligten, waren selbst unter den eigenen Genoffen noch viele Gegner zu finden, weil dieselben glaubten, daß für die Arbeiter bei einer Klaffen wähl nicht viel zu erobern sei. Die öffentliche Abstimmung sei ja dazu angethan, daß fich viele Arbeiter ihrer abhängigen Stellung wegen an der Wahl nicht de- therligen. Diese Voruttheile seien jedoch nach und nach so ziemlich geschwunden. Redner fordette sodann energisch auf. dafür einzutreten, daß den städtischen Arbeitern beffere Löhne MMBM Kandidaten ein und empfahlen denselben als atten und tüch. «" 9'%. Der Fachverein der Korbmacher hielt am 25. Ottober ##### wählt. Zu Kontto euren wurden die Herren Borchardt. Franke und Kanrnpa gewählt." fttaße 9, eine öffentliche Versammlung, in welcher Frau Hedwig wie Herren, haben freien Zutritt und können sich an der Dis» msfion oethnligen. erbarmungslos Gebrauch machen läßt. Es ist der herrsch» süchtige, unduldsame alttömisch-konservative Patrizier der für jede Neuerung, die die Machtbefugnisse des Senats schmälern konnte, nur den Tod kennt, gleichviel ob durch das Gesetz oder durch den Meuchelmörder. Jedes Mittel um zu semem Ziel zu gelangen, ist ihm recht, er dingt den feilen Morder mtt derselben Berechnung wie er seinem Todfeinde mit gleißnerifcher Freundlichkeit die Hand schüttelt. Ebenso glücklich hat es der Dichter verstanden dem jungen LätormS wirkliches Leben einzuhauchen. Der jugendliche Thatendrang, die feurige Begeisterung, das voll» ständige bedingungslose Aufgehen in seine politischen Ideale entspricht ,n der That einer Zeitperiode,„in welcher der Mord umgeht." ES ist durchaus begreiflich, baß er um seinem Abgott Gracchus einen Dienst zu erweisen, in über- hastetem Uebereifer den vermeintlichen Feind desselben niedermacht und seinem Herrn und Meister dadurch ver- derblich wird. Im Uebngen ist das Siück jedoch außerordentlich reich an gehaltlosen Theaterfiguren, nur die durchgeistigte Sprache die sich leider an manchen Stellen allzusehr dem Phrasen- haften nähert und die vorzügliche Darstellung vermochten hierüber hinweg zu täuschen und dem Trauerspiel einen Er» folg zu sichern Der geistige Gehalt, die klare, ideale Auf» fassung iener bedeutsamen Zettepoche, ein Konflikt sich wider- IÄÄÄ M, Ä Ä« Seth??" Tragödie dauernden Werth zu Theater. Heute: Heute: Heute: Heute: Overuhau«. Heut«: Die lustigen Weiber von Winds«. Echausptelhau». Heute: Nathan der Weise. Deutsche« Theater. Heute: Gracchus, der Volkstribun. Kriedrich.WtlhelmstSdttsche« Theater. Offenbach- Cyclus. OrpheuS in der Unterwelt. Stestden,-Theater. Theodora. Walluer-Theater. Herr und Frau HippokrateS. Velle-Alltauce-Theater. Heut«: Villa FriedelSruh. Walhalla-Operetteu-Theater. Don Cesar. Viktoria-Theater. Heute: Meffalina. Ceutral-Theater. Alte Fakobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Zum 90. Male: Die wilde Katze. GesangSpoff« 4 Akten von W. MannstAit, Mufik von T. Eteffen«. Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmani. Heute: Das Testament des Herzogs. Oftend-Theater. Heute: Modelle. KöniastädtischeS Theater. Heute: Gastspiel der ihlip utaner. Die kleine Baronin. Theater der Reichshalle«. Täglich: Aufteten sämmtlicher Spezialitäten. Ameriean-Theater. Täglich: Auftreten sämmtlicher Spezialitaten. in Täglich: Große Spez «anftnann'S Varlet*. ialität litäten-Vmstellung. Konkordia. Täglich: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten und theatralisch, Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheatersftaße 15. Heute zum 5. Male: Des Seiltänzers Sohn. chensbild mit Gesang in 3 Alten und 7 Bildern i Lebensbild------ A. Reichenbach V« der Vorstellung:,—„„------— Ansang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Sonntags 6 resp. 71/« Uhr. Bons haben Wochentags Giltigkeit. von Musik von W. Wetterhan. Großes Konzert der HauSkavelle. Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bis 10 U. Ab. "'s e r- Kaiser-Panorama. Eine Reise durch die malerische Schweiz. Neu Versailles, Pariser Welt Ausstellung. Hochinter- effante Hertha-Rcise. Karolinen- Inseln k. a Reise 30 Pf.. Kinder nur 10 Pf.[2450 Den Mitgliedem der fteien Krankenkaffe der Schuhmacher zur Nachricht, daß das Mitglied Wilhelm SchwintowSky am 26. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 29., Nachmittags 3'/- Uhr, von der Charilee auS statt. 2607| Der Vorstand. Ntltimgullg der dtllische» Amicde. Sonnabend, den 31. Oktober, AbendS 8'/, Uhr: Bersatttmlitng im oberen Saale der Gratweil'schen Bierhalleu, Kommandantensttaße 77/79. Tagesordnung: Vorttag über: Die Naturheilkunde und ihr praktischer Werth für die Familie.— Wegen des gemeinnützigen Vortrages werden die Mitglieder ersucht, in Beglei- tung ihrer Frauen zu erscheinen.[2605 Der Vorstand. üecein zur Oettrefung der lntece|fen der Äcßeifetinnen. Freitag, den 30. Oktober, AbendS 8 Uhr, tu Sratweil's Bierhallen, Kommandantenftraße V er»ammlangf, sordnung: 1. Vortrag. lReferent wttv i 77/79: Tagesordnung: 1. Vortrag.(Referent i sammlung bekannt gemacht.) 2. DiSkusfion. 3. Besprechung in der Ver- ________ Jig bekannt gemacht.) 2. DiSkusfion. 3. über die für Frauen und Mädchen empfehlenewerthesten Kranken- kaffen. 4. Verschiedenes. 5. Fragekasten.— Gäste find willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Vorstand deS 1. Arbeiterinnen-VereinS. NB. Der unentgeltliche Arbeitsnachweis aller Branchen be« findet fich bei Frau Kreutz, Skalitzerstraße 28, und Frl. Se�er, Prenzlauerstraße 39. 08 Bekanntmachung. 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