258» Mittwoch, den 4. November 1885. II. Jahrg. erlittet WWW Krgsn für die Intkressen der Arbeiter. 4 Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmarrt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi« 4. Nachmittags m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce«- Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Crpeditio«: Zimmerstraße 44. Die Knlli»i»liz der Airdsre mit der Gstsee. r*»0» seit mehr als fünfzig Jahren hat man von der �«dmdung der Nordsee mit der Ostsee durch einen Kanal leiten Deutschlands geredet und Pläne gemacht. Die Dänen aber, in deren Besitz SchleSwig-Holstein M hatten gar lein Interesse daran, daß die deutschen Mffe den Weg durch die dänischen Gewässer, durch den /•d, oder den großen und kleinen Belt vermiede». Im AJetuhell! Dadurch, daß die deutschen Schiffe diesen und gefahrvolleren Weg von der Ostsee ins Welt- iSL.t umgekehrt mache« müssen, wird dem dänischen gedient. hat# sogenannte Eiderkanal. wie er bi» jetzt existirt niemal« größere Bedeutung erlangen, weil er Wttffl �schisse nicht befördern kann. Derselbe hat also «iniir internen Verkehr und für die Küsteasracht fahrt im s�o?u« immer nur geringen Werth, weil ihm lite.*. ��ohl bei der Einfahrt in de» Kanal ein ordent- der niva'tn �hite und besonders im Westen am Ausfluß iu tttra�r�st'�� �'e Fahrt bei Mimischer See kaum sich"un im Jahre 1848 der nationale Gedanke fächle.�idheriogthümer bemächtigt hat und dieselben that- man an» ,. Deutschland einverleibt worden sind, hätte Nords» müssen, daß nunmehr die Verbindung der schiffe t,,!™ der Ostsee durch einen Kanal, welcher See- würde kann, sofort in Angriff genommen werden all,u..��«vl.no ver megrerung qr, irr ip uno 'htetw.».?.'end. als daß es räthlich erschiene, lediglich wiSzuq�? großen Koste« für einen Nord-Ostfee-Kaoal sich Jj6* Handelsmarine halber? Nun darüber hat gemach, �'kitärstaat bi« jetzt»och wenig Kopfschmerzen tung��Ärni scheint die Sache, seitdem die Reichsregie- hör» nn"°konialpolitik macht, in Fluß zu kommen; man ko,. �"rr Vorlage, welche schon dem nächsten Reich«- de, dieser Richtung gemacht werden soll. Nach dersel- e Pnvatkonkurrenz ausgeschlossen sein, da der 1%8'($e Staat mit ReichSzuschüssen den Bau de« Kanal« " Unternehmen rpill. srnd verschiedene Linie» in Vorschlag gebracht ! für die eine, allerding« etwa» billigere Ieuilleton. Die Hand der Uernests. ig, Roma« von Ewald August König. (Fortsetzung.) in k Ü �nem Strickstrumpf in der Hand saß Marianne ? Tesindestube am Fenster, al« Franziska eintrat. du«?.,.t)em großen, geräumige» Zimmer war e« schon «inAJelbst an dem Fenster, das in de»' »Garten hinaus wurden die Schatten mit jeder Minute dickiter. I«."Sie werden sich die Auge» verderbe», Marianne," »w Franziska. k«li.• 94 wäre eine schlechte Strickerin, die nicht im Dun« dl» mv* halbes Dutzend Nadeln stricken könnte," erwiderte ,'Ahschafteria geringschätzend.„Sie werden e« freilich 4' könne»?" "Woraus vermuthen Sie da«?" B.L.»Weil man nur dann eine» Strumpf in Ihrer Hand ?- wen» Sie ihn an- oder ausziehen!" «Ich habe nicht so viele freie Zeit wie Sie!" ßebiZ � Tegeatheil, wenn Sie Alle« zusammenrechne«, Siri? unserem Herrgott mehr Zeit ab, al» ich zum "ten gebrauche." ju aCym, vielleicht liege« Ihrem Fleiße besondere Ursache« iu Grunds sagte Franziska schnippisch. »Welche?" "Sit werden wohl bald Hausfrau werden wolle«?" "«t» ich e« nicht schon?" «Jawobl, aber an fremdem Herd." de» fc,? i0 lange mir der genügt, kann ich wohl zuftie- sch�n' �''agte Marianne mit ihrer gewohnten phlegmati» dem Zif}* e«, aber Muß ist eine harte Nuß! Nach tnbt s'hnt sich jede« Menschenherz." seh, wissen Sie denn schon davon? Sie find«och welche mehr den Krieg«- und Marineioteressen de» Reich« dient, soll sich längst schon Graf Moltke entschieden habe». Diese wird auch von der preußischen Regierung dem Reiche empfohlen wurden. Eine andere Linie, welche in Bezug auf die Kriegs- und Marinezwecke der Rivalin nur wenig»achsteht, soll sich aber nebenbei sehr gut zu Bodenkulturzwecken eigne« und wird von praktischen Landwirthea jener Gegend empfoh« len, weil man durch dieselbe ein rationelles Eni» und Bewässerungssystem erzielen könne. Da sollte man doch in der That denke«, der deutschen Reichsregierung würde die Wahl nicht schwer werde«. Man redet ja jetzt immer von Kolonisation; das Wort Kanalisatton hat einen ähnlichen Klang. Wenn die Regie- rung sich für die Kanalisatton Norddeutschland und nicht allein in Bezug auf die Kriegsmarine und auf Handels- erleichterungen, fond.'rn auch m Bezug auf die Laudwirth- schaft, auf die Eni- unn Bewässerung größerer LaadeStheile und somit auf die Hebung der Kulturfähigkeit Deutschlands erwärmen würde, so könnte zum Heile des Vaterlandes eine Kolonisation im Innern stattfinden, welche reiche und dauernde Früchte trage« müßte. Jedoch richtet man jetzt bei un« mehr de« Blick auf Macht und äußern Schein. Die Erwerbung über- seeischer Kolonien springt mehr in« Auge, al« der Bau eine« Kanalnetzes über Norddeutschland. Man kann dabei mit unseren Soldaten und Mattosen prun- keo, selbst wenn für da« Volk auch gar«icht» dabei abfällt.——— • Wir habe» aber schon so oft den vermeintlichen„Segen der überseeischen Kolonisation" verurtheilt, als daß wir dies den Worten schließe«: tschland voran, Ruhmesschimmer«achzu- Kraft darauf ver- ..... aufzunehmen und zu pflege» zum Heile de« gesammten Volke«! voUtifche Wrberstcht. Da« ReichsversicherungSamt bringt nunmehr die Namen, Eitze und Bezirke der Berufsgenossenschasten, der Sektionen und der Schiedsgerichte, ferner die Namen und Wohnorte der Vorsitzenden der Genossenschasts- und EektionSl vorstände sowie der'Schiedsgerichte jur öffentlichen Kenntniß HU sowie f£ JHV EtaatSeisenbahnbetriebe eingesetzten AusführungSbehörden und n derselben find ferner vre für arine- und Heeresverwaltungen, M-, Telearaphen-, owie für die RerchS- und Schiedsgerichte, die letzteren unter Angabe der Eltze und Be- zirke, sowie der Namen der Vorfitzenden aufgeführt. „Jünger al» Sie freilich, aber doch bereits in dem Alter, in dem man mehr an die Zukunft als a« die Gegen- wart denkt." „Rappelt« bei Ihnen im Oberstübchen?" „Im Gegentheil, und ich begreife nicht, daß Sie meine Gedanken nicht vernünftig finden. Bietet mir denn die Ge- genwart so viel Angenehmes? Ich glaube nicht, daß Sie das behaupten können, trotzdem ich keine Ursache zu einer Beschwerde über die Herrschaft habe." „Warten Sie'« geduldig ab!" „Bis ich graue Haare habe?" „Na, wen« Sie dann sorgenfter leben können, dürfen Sie ganz zufrieden sein," sagte Marianne lakonisch.„Mit dem Heirathen ist e« auch nicht immer gut, das könne» Ste mir glauben! Vor der Hochzeit ttäumt man von einem Paradiese und nachher hat man dre Hölle auf Erden. Kummer, Arbeit und Sorge», Sre wlsseu noch nrcht, wa» Nahrungssorgen sind.". ,, „Ich verlange auch nicht, sie kenne» zu lemen," er- widerte die Zofe übermüthig.. "#%*%, jede' sei mit NahruagSsorge» rsssswsÄ-is«! SSasäPä bet Fra«S lachte hell auf. sie glaubte an die Warnung «icht. Dte Nachricht, daß dem Reichstage wiedemm eine An- zahl von Aktenstücken über Kolonialfragen zugehen und daß auch ein besonderes Weißbuch über die Karolinenfrage vorbe- reitet wird, welches manche bisher noch nicht veiöffentlichte Mittheilungen bringen soll, bestätigt sich. Bisher haben fich bekanntlich Debatten an die Mittheilung derartiger Aktenstücke im Reichstage nicht geknüvft; möglicherweise wird aber der Streit mit Spanien eine Diskusston hervorrufen. Die RegierungSeutwürfe über die Reform der Justiz- gefetzgebung, welche bekanmlich kurz vor Schluß der letzten RcichstagSsesfion dem Reichstage vorlagen, werden— wie man der„Rat. Ztg" mitthellt, dem Reichstage erst in späterer Zeit zugehen. Es seien auf dem betteffenden Gebiete weitere Um« fragen ergangen und Gutachten eingefordert worden, welche letztere namentlich in Betreff der Zusammensetzung der Schwur- gerichte zu Bedenken geführt haben. Man ist namentlich in Süddeutschland einer Aenderuna der Schwurgerichte auch in den Regierungskreisen nicht geneigt; im Reichstag galt dieser Theil der Vorlage als ausfichtslos und so ist es möglich, daß man einem wetteren Vorgehen vorläufig entsagt. Bet den vorjährigen Berathungen des Bundesrathes über die Schwur- |e richte begegnete die Aenderung derselben schon dort vielfachen Ei« gleichartiges Verfahren bet Festsetzung der kor- rekttonellen Nachhast soll durch eine Anweisung deS Mi. nisterS deS Innern herbeigeführt werden. ES wird in derselben besonders Darauf hingewiesen, wie sehr der Erfolg der korrek- scheidung über die Detentionszeit in Betracht werden. Bei Abkürzung der DetenttonSzeit soll stets«in mo- tivirteS Gutachten der Anstaltsbeamten eingereicht Dem Entlassenen soll die Ottspolizeibehörde bei seinem w e i- werden. teren Fortkommen mö glichst behilflich sein, da die ocm rsrunoe in oas frühere azeven zurückfallen, well fie aus eigener Kraft die mannigfachen Schwierigkeiten bei Erlangung eines redlichen Erwerbes nicht zu überwinden vermögen. Den Entlassenen sollen ihre Ueberverdienstgelder oder Arbeitsorämicn durch die Polizeibehörde nur ratenweise ausgezahlt werden, damit dieselben nicht sofort vergeudet wer- den und die Behörde dadurch ein Mittel gewinnt, um über den Enllassenen wenigstens eine Zeit lang eine gewisse Kontrole ausüben zu können.— Die Anweisung bestimmt, daß die LandeSpolizeibcbörde nach Eingang der aenchtlichen Untersuchungsakten die Dauer der korrettionelltn Nachhaft in der Weise festzusetzen hat, daß dieselbe im Falle erstmaliger angemessener Berückfichtigung der individuellen Verhält« „Von meinen Schwäger« ist einer ein Trunkenbold, der zweite ein Mensch, der nichts gelernt hat und stets in Jllu- sioae« schwebt, und der dritte kann«icht mehr arbeiten, weil er die Schwindsucht hat," fuhr Mananne in ernstem Tone fott.„Die armen Frauen müsse» arbette» wie die Last- thiere, um ihre Männer zu ernähre«—" „Weshalb habe« sie auch solche Subjekte geheirathet?" „Subjekte? Sie wissen nicht, was Sie schwätzen, bei Ihnen geht die Zunge wie ein Mühlrad, und e« wrrd mehr Unsinn zu Tage gefördert, als sonst was." „Danke verbwdlichst!" „Sie sollte« auf meine Motte hören, da« wäre ge- scheidter. Die Männer waren vor der Hochzett gesund, tüchtig und brav, fie find erst später durch Unglück und häu»- liche Sorge« so ttef herunter gekommen." „Einen Trunkenbold kann ich nie entschuldigen!" „Entschuldigen will ich ihn auch nicht, aber ich be- mitleive ihn. Es kann»icht Jeder einen starken Charakter haben, der jeder Versuchung widersteht, und hat man ein» mal dem Versucher nachgegeben, dann ist e« auch«icht Jedermann« Sache, sich wieder von ihm loszureißen, und wenn an den schwachen Man« Kummer und Sorge« heran» treten, wenn da« Schicksal«icht müde wird, ihn zu ver- folgen, wenn er nicht am Tage und in der Nacht Ruhe findet, wenn Alle«, was er beginnt, fehlschlägt und er da- heim auch kein richtiges Verständniß findet, dann findet er den Weg zum WitthShause, ohne ihn zu suchen. Entschuldi- gen will ich das gewiß nicht, der Mann soll stark bleiben und de« Kopf immer oben behalten, aber erklären kann ich eS mir, wenn aus einem sonst braven, nüchterne» Manne plötzlich ei« Trunkenbold geworden ist, und wer die« Elend in seiner eigenen Familie gehabt hat, der wirst keinen Stein auf einen solche» Unglückliche«, wenn auch alle Anderen ihn steinigen." „Und deshalb, weil ei« solche« Elend eintreten kann, soll ei» junge« Mädchen«icht heirathe» dürfen?" ftagte Franziska. „Da« habe ich«icht gesagt, ich behauptete nur, wen« ein Mädchen heirathe, so dürfe e««icht glauben, daß'eS nu« den Himmel auf Erde« habe» werde." «lsie. Der Entlassene muß den Ort angeben, in welchem er Aufenthalt zu nehmen beabstchtigt, und die Anstalts- direktion hat dann die betreffende OrtSpolizeibehörde hiervon mit dem Ersuchen in Kenntniß zu setzen, dem Entlassenen bei seinem weiteren Fortkommen behilflich zu sein und ihm nament- lich, soweit als angängig, eine seinen Kräften entsprechende Arbeit zuzuweisen, zu diesem BeHufe auch die Mitwirkung des Ortsgeistlichen sowie etwa bestehender Vereine in Anspruch zu nehmen; die von dem Detinirten ersparten Ueberverdienstgclder (Arbeitsprämien) ssnv abzüglich des erforderlichen Reise- und Zehrgeldes der Ortspolizei zur Auszahlung in angemessenen Raten zu übersenden. Die Entlassung erfolgt in der Weise, daß der Entlassene mittelst Reiseroute dem von ihm ae« wählten Aufenthaltsorte zugewiesen wird. Bei Personen, die unter 21 Jahren zur korrektionellen Nachhast gebracht werden, ist festzustellm, inwiefern an der Verwahrlosung des Betreffen- den den Vater oder Vormund ein Verschulden trifft. Nach dem Ausfall dieser Ermittelungen ist geeignetenfallS die Be- schränkung der väterlichen Gewalt in Ansehung des Erziehungs- rechts, bezw. die Bestellung eines anderen Vormundes durch die Landespolizeibebörde bei dem zuständigen Gerichte in An- trag zu bringen. Auch ist bei der Entlassung derartiger Per« sonen an den Waisenrath des gewählten Aufenthaltsortes zu berichten.—™„ Wir wollen gerne glauben, daß eS dem Minister ernst« lich darum zu thun ist, die Ärbeitshäusler zu bessern und ihnen die Rückkehr zu einem nützlichen Beruf zu erleichtem. Allein damit wird den Ursachen, welche die Füllung der Ar- beitshäuser veranlassm, wenig oder gar nicht gesteuert. Soll diesen gesteuert werden— und das muß noth wendigerweise doch geschehen— so muß dahin gewirkt werden, daß den Eltem Zeit und Mittel bleiben, um ihre Kinder aut zu erziehen, und daß die immer mehr zunehmende ErweroSlostgkeit durch ent- sprechende sozialreformatorische Maßregeln gehoben wird. Die Ausschüsse deS Bundesraths»erden heute mit den Berathungen deS ReichShaushaltsetatS beginnen und zwar soll zunächst der Etat der Zölle und Verbrauchssteuern zur Verhandlung gelangen._ Die Gesetzentwürfe, betr. den Bau eines Nordostsee« Kanals und betreffend die Unfalloerficheruna der in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen haben die Zustimmung deS Reichskanzlers erhalten und werden, dem osfl- ziösen„B. P. N." zufolge, schon in den nächsten Tagm dem Bundesrathe zugehen. Warnung vor Auswanderung nach Paraguay. Der bekannte Herr Heinrich O u i st o r p, welcher mit seinem vor einigen Jahren in Gestalt einer echten Gründung versuchten Untemehmen, Paraguay mit Deutschen zu kolonistrm, Fiasko machte, und damals mit Mühe und Roth die Mittel für eine Zwischendeckspassage behufs seiner Rückkehr nach Europa zu- sammenbrachte, hat fich demnächst in England alS Hemy Ouistorp naturalifiren lassen und betreibt jetzt von dort auS sein Werbegeschäft für Paraguay. Zu diesem Zwecke hat er mit einigen Engländem in London eine Gesellschaft gegründet, welche Auswanderungslustige nach dm Gefilden der genanntm südamerikanischen Republik locken soll. Die Gesellschaft be- schränkt fich nicht darauf, nur in England Leute anzuwerben, sondem sucht auch Deutsche unter falschen Versprechungen ein« zufangen. Die„Post" ist in der Lage, alS Wamung vor den Lockmitteln nachstehende, zu Protokoll abgegebene Erklärupg eineS der Opfer mitzutbeilen. Dieselbe lautet wie folgt: Anfangs Juli d. I. wurde ich von einem Bekannten auf die Kolonisations- Gesellschaft von Ouistorp aufmerksam ae- macht. Ich begab mich hierauf nach dem in Dulwich Land« oroft Road Nr. 132(London) befindlichen Bureau derselben. Hier wurden mir durch den daselbst als Sekretär fungirenden G. Uhlenbroich die Bedingungen, unter denen man in Paraguay auf der Quistoip angeblich gehörenden Kolonie „Villa Rica" Land unentgeltlich erhalten soll, bekannt gegeben. Uhlenbroich bemerkte hierbei, daß eigentlich nur 40 ha. Land pro Familie vergeben würden, ich aber 50 ha., sowie ein Dutzend Schweine, Sämereien, Lebensmittel bis zur ersten Ernte erhalten sollte. Damit der Kolonist nicht in Bedrängniß gerathe, wäre kein Termin zur Rückzahlung der Vorschüsse fest- gesetzt, vielmehr es im Belieben jedes einzelnen Kolonistm ge- stellt, dieselben, je nachdem fich ihm hierzu Gelegenheit biete, wiederzuerstatten. Vorstehende Angabm des:c. Uhlenbroich bestätigte einige Tage später Ouistorp selbst. Auf Veranlassung des letzterm erhielt ich nun mehrere Empfehlungsschreiben für Montevideo und BumoS AyreS, die fich jetzt bei meiner An- kunft als vollkommm nutzlos erweisen. Ouistorp brachte mich an Bord des Schiffes, auf dem ich mich bis nach Montevideo hinüderarbeitete. Von dort aus sollte ich durch daS Konsulat der Republik Paraguay in Montevideo frei nach Asuncion(der Hauptstadt von Paraguay) befördert werden. In Montevideo angekommen, meldete ich mich der Weisung gemäß auf dem Paraguay'schen Konsulat und erhielt dortselbst den Bescheid, daß von einer freien Ueberfahrt von durch Ouistorp angeworbe« nen Personen keine Rede sein könne, auch war dort von dem Unternehmen nichts bekannt. Bei meiner Abreise theitte mir der p. Uhlenbroich mit, daß demnächst noch 56 Familien unter „Und waS werde ich haben, wenn ich ledig bleibe?" „Sparen Sie und harren Sie aus! Eine alte treue Dienerin setzt man nicht so ohne Weitere» vor die Thüre—" „Aber man entläßt sie, sobald man bemerkt, daß sie alt werden." „Ohne Grund gewiß nicht." „Gründe kann man immer finden." „Aber man sucht sie nicht, wenn man keine Ursache ha», mit der Dienerin unzufrieden zu sein!" „Man sucht sie nicht?" erwiderte Franziska bitter. „Was halten Sie von unserem alte« Georg?" „Er ist ein braver Mensch. Wenn Sre da»»och nicht wissen—" „Davon rede ich nicht; ich meine, was Sie von seiner Arbeit und von seiner Treue halteu?" „Er thut seine Schuldigkeit und treuer wie er rst keiner von uns Allen." „Und trotzdem wird er entlasse« werden!" Wieder klapperten die Nadeln eifriger, aber die Dunkel- heit war schon so weit vorgeschritten, daß Franziska die Wirkung ihrer Worte in de» Zügen Marianne'» nicht stu- b,tW„@nMe«? Weshalb?" fragte die Wirthschafterin nach einer Pause. „Ich weiß eS nicht." „Wer hat eS Ihne« gesagt?« „Es find Aeußeruagen gefallen, au» denen ich es schlteß�ch aber was wirst man ihm vor?" �Ra�Sie werden� es doch wissen I" sagte Marianne scharf.„Sie hören ja jedes Wort, das im Hause ge- sproch.!iktt Gesetzgebung, Verantwortlichkeit der Volksvertreter, Äncheneigenthums, einheitliche Ehegesetzgebung Kgis�barkert der Ehe bei gegenseitiger Einwilligung unter % �le Kinder, das Recht der Bewaffnung w. Be« in w-"yty iß der Aufschwung der sozialistischen Bewegung � Während der letzte Kongreß in Baltimore vor fahren von nur 20 Sektionen durch 16 Delegirte beschickt G,' waren jetzt in Cincinnati 39 Seftionen durch 27 Dele- L, �treten. Der„Socialist", das Partei-Organ, hat heute L irpwpla« wöchentlichen Absatz, und eS wird geplant, iu vergrößern und daneben noch ein englisches gründen. An die ReichstagSabaeorvneten die Liebknecht ist, wie der„Hamb. Korresp/ mitt heilt, 8 ä" einer AgitationStour durch die Vereinigten a'tn ergangen. Die»ut, �olizeipra�dium erläßt folgende Bekanntmachung: >iaen«�..Pflegeeltern und Vormünder derjenigen impfpflich« �abrcs- �"der, welche diS zum Schlüsse deS laufenden baden J�mölfte Lebensjahr erreichen oder bereits erreicht issentlirf.. äu den im Laufe deS SommerS stattgehabten weit MwiL�IKflerminen nicht gestellt, auch sonst ihre ander« durck 9uSr Wiederimpfung oder Befreiung von derselben aus der Atteste nicht nachgewiesen haben, werden gefordert v?8 I 12 des JmpfgesetzeS vom 8. April 1874 auf« wozu qua v, Wiederimpfung ihrer impfpflichtigen Kinder, Fahren inL�fniflen gehören, welche bereits in früheren ohne Ertnt. waren, aber bisher nur ein- oder zweimal halber befrjL�wpft, oder von der Wiederimpfung Krankheit? �wpfatt-ä.! waren, schleunigst vomehmen zu lassen und die ober bis e2l Schulvorstand so bald als möglich, spätestens 5achniei, Schlüsse dieses JahreS vorzulegen. Wird dieser Eltern dahin nicht geführt, so haben die säumigen !'ober'n„k V�ltern oder Vormünder der impipflichtigen Schul« % jj) H' Trund deS§ 14 des JmpfgesetzeS Strafen biS zu Mg bis zu drei Tagen zu gewärtigen. Gleich- der jun"ö darauf aufmerksam gemacht, daß auch die Eltern jc. fltttltfjp? Kinder, welche ihre Erstimpfung noch nicht nach- «iz" L°bcn, die Impf« oder BefreiungSfcheine für dieselben iuleg-n ,�hluffe dieses JahrcS demjenigen Polizeirevier vor« Mnct ß. cn' in dessen Jmpfliste das rmpfpflichtige Kind ver« ' und von welchem sie noch besondere schriftliche Ä Hungen erhalten werden. Wird dies"----—- bie btn �5. Januar k. I. pünttlich en Nachweis unterlassenden Eltern eS diesen Anforderungen entsprochen, so haben fich selbst �uzu- tofcfe.*''—-'•...•»•••••i| w..-->-- r' r.'' w. 0�5 wenn die in der Aufforderung angedrohte Strafe i'W' Auf unseren 3«Ähämtern ist der Geschäftsverkehr Zü �«erordentltch ledhast und zwar sowohl bei der Einlösung, *isch. 01 Versatz. Dichte Gruppen drängen fich an den langen die eingelösten Pfandstücke zu empfangen; ihnen dich, in einiger Entfernung warten Andere, nicht mrnder gidrangt, um das Geld für die hinterlegten Pfandstücke tch�' Re meinten spottend, ich müsse geträumt haben, aber baS besser und ließ sie spotte». An demselben be,,?.�hfifteu wir einen Brief, in dem ein Fremder uns den, Üblichen Tod meine« Vater« anzeigte, er war mit btci» 9i e gestürzt und hatte das Genick gebrochen. Wir, ��uder und ich, �holten die Leiche, und am dritten hatte derselbe Leichenzug, den ich schon vorher gesehe« 'sm* unserem Hause vorbei." blick», e�ue schüttelte zweifelnd das Haupt, der Gärtner finnend vor sich hin. eintt'w�? da« Vorgeschichten," fuhr Franz nach wan fort,„ich könnte davon Manches erzähle«, aber ■, n"t ia doch nicht. Es ist sonderbar, die Leute Mm.!" Ulchts und fürchten sich dennoch. Würdet Ihr um »?!°$i«llein auf einen Kirchhof gehen, Marianne?" litz ß... Wirthschafterin fuhr erschreckt zusammen, ihr Ant- P plötzlich bleich geworden." dud erwiderte sie,„wozu auch? E« ist Unsinn, forden'n der Kindheit nicht so viel davon erzählt bann würden wir erst recht darüber lachen I* Kindj"f'ß e8!" erwiderte Georg leblaft.„Schon dem wird vi«» bie grausigen Geschichten erzählt und nachher andere« -und wa« hat er gesehen?" fragte Manaane rasch. Hau,�"lier und Gestalten Überall! Sie saßen vor den «C[*" unb°uf den Dächern, und dre Menschen gingen CÄ8°Swaea'w��Beide einest« xn da« Hau« eine« Bekannten, dessen Frau vor halben Zahr im Wochenbette gestorben war. Der Cttu �te � über den Verlust schon gettöstet. und er ' dmnen Ku«»». w.—»——«■— �— .____-......»«""i"»/""w" lüstia unen Kurzem die zweite Frau nehmen. Er war ükd„. ß, Tutor Dinge, aber mein Freund sprach wenig flil mir auf, daß er so oft auf die Wiege sah, in in Empfang zu nehmen. Bei der Einlösung handelt es sich meist um wärmende Kleidungsstücke, die dagegen beim Versatz wenig oder gar nicht zu bemerken find. Bei diesem lebhaften Verkehr macht fich der schon so oft gerügte Mangel einer dl« kreieren Abfertigung beim Vcrsatzgeschäft recht unangenehm bemerkbar. An dem langen Versatztisch stehen die Leute Kopf an Kopf so recht zur Musterung für alle Diejenigen, welche an dem nahen Einlösungstisch fich aufgestellt haben, und vor ihnen liegen die Pfandstücke, die der Taxator prüfen soll. Es ist in den wetten Kreisen unserer Bevölkerung noch ein gewisses Scham gefühl mit dem Erledigen eines VersatzgeschästeS verbunden und dieS Gefühl entspringt auS einer gesundem stttlichen Grund« läge, weshalb man es berücksichtigen und nicht oberflächlich darüber hingehen sollte. Wer einen Rock oder noch nöthigere Dinge für den zwanzigsten Thell ihres WertheS versetzt und dann das Darlehn noch mit 12 Prozent verzinst, der be« findet fich gewiß in drückender Roth, und den soll man nicht noch zwingen, mit seiner Roth Parade zu stehen. Die allzustrenge Ausführung polizeilicher Vorschriften betreffs der Pferdehahn wirst, wie der„Volks« Ztg." aeschriebe wird, lähmend auf den Verkehr und schädigt oaS Publil wie die Pferdebahngesellschaften in gleichem Maße. Wir Wsten am Sonnabend Gelegenheit, folgende Beobachtungen zumachen. Wir befuhren die Linie Etadthahnhof Börse-Lüyowpiatz. Vor dem Zirkus Renz füllte fich der Wagen vollständig und der Kondukteur wies nicht allein mehrere Personen ab, sondern er ließ sogar wenige Schritte von der Haltestelle Halt machen, um eine alte Dame, welche auf dem vorderen Perron überzählig war, auszuweisen. Am Königsplatz wurden wieder zwei Damen schroff zurückgewiesen, trotzdem dieselben dringend baten, man möge ihnen mitzufahren gestatten, und die Paffagiere auf dem Hinterperron dem Kondusteur begreiflich zu machen suchten, daß reichlich Raum zur Aufnahme derselben vorhanden sei. Ber der Dorotheenstraße warteten etwa sechs Personen auf den Wagen, der Kondusteur aber wieS alle ab. Mehrere Herren riefen nun zu gleicher Zeit:„Lassen Sie die Personen doch herein, an der andern Seite des Brandenburger ThoreS steigen wir auS."„Wenn Sie nicht hier aussteigen, so bleiben jene draußen," entgegnete der Konduktur barsch und gab daS Zeichen zum Weiterfahren. Jenseits des PlatzeS vor dem Branden- burger Thor verließ die Hälfte der Passagiere den Wagen, am Potsdamer Thor stiegen alle andern bis auf einen auS und so fuhr der Wagen von dieser Halte« stelle bis zum Endziel mit einer Person, während er hätte vollständig besetzt sein können. Als wir den Kondusteur auf diesen Umstand aufmerstam machten und ihm eine vernünftigere Praxis empfahlen, antwortete derselbe in zornigem Ton:„Wollen Sie auch die Ettafe zahlen, welche mir aufgebrummt wird? Ich habe gestern erst 5 Mark berappen müssen, weil die Polizei einen Passagier mehr im Wagen fand, als das Reglement ge- stattet. Unsere Gesellschaft muß auf dieser Linie fünf Wagen mehr einstellen, um der Polizeivorschrist zu genügen, trotzdem leidet daS Publikum mehr unter dem Reglement, als die Ver- kehrSanstalt, denn die vielen Personen, welche abgewiesen wer« den, müssen entweder lange in der Nachtkälte ausharren, oder fich zu einer Droschke bequemen." Der Kondusteur hatte Recht und wir hoffen, daß der neue Polizeipräsident eine mildere Praxis im Interesse des Verkehrs eintreten läßt. Wer die Pfer'debabn benützt, der macht geringere Ansprüche an Bequem- lichkeit alS der Ersenbahn- Passagier. Es handelt fich ja nicht um eine Fahrt über dm St. Gotthard, sondern um eine ganz kurze Strecke und auf dieser schädigt eine Ueberfüllung deS Wagens Niemanden. Jeder ist um sein rasches Fortkommen besorgt und läßt fich gern eine leichte Unbequemlichkeit während weniger Minuten gefallen. Eine Ueberbürdung der Zugthiere ist— falls nicht Glatteis oder Schneesall eintreten— gleichfalls ausgeschlossen, darum möge sich doch unsere Woblfahrts- Polizei der Thatsache erinnern, daß die Pferdebahn m erster Linie den Bedürfnissen des Publikums zu mtsprechm hat. Die elektrische Beleuchtung in der Leipziger Straße beginnt jeden Abend eine Viertel- bis eine halbe Stunde zu iodt, resp. erst, nachdem eine geraume Zeit ein Halbdunkel ge. Herrscht hat, welches bei dem außerordentlich lebhaften Vorkehr dieser Straße geradezu deängstigmd auf die Passanten wirst. Jeder Pferdeeiscnbahn-, O-nnrbuS-, Droschkenkutscher:c. würde bestätigen, daß diese allabendlich wiederkehrende Dunkelheit eines Theils der Hauptverkehrsader der Residenz eine hatte Prüfung für seine Augen und seine Aufmerksamkeit ist. Die Abhilfe dürste hier nicht schwer sein. i. Die vernünftige Tochter. Im Nordosten unserer Stadt geht gegenwättig folgendes interessante Geschichtchen von Mund zu Mund. Vor etwa zwei Jahren heirathete die Tochter eines dottigen Hausbesitzers einen Kaufmann, der dann in der dottigen Gegend ein Butter- und Delikateßwaaren- Geschäft etablirte. Die Tochter galt allgemein als ein klugeS und einsichtiges Mädchen und wenn behauptet wurde, daß ihre Jahre daran schuld seien, so war daS mindestens ungalant; ibr Herr Papa war immer sehr stolz auf seine„vornünfttge" Tochter und sollihrdieseiGeisteseigenschaftsbtt ihrerMitgift höher angerechnet haben als seinem Schwiegersohn lieb war. Dann, als dessen Geschäft nicht wie erwattet florirte und der Herr der das Kind lag. Als wir nachher das Hau« verlasse» hatten, sagte er mir, die todte Mutter habe an der Wiege gesessen, und er wisse bestimmt, daß sie bald da« Kind holen werde. Später ist da« auch eingetroffen, der Mann hatte kaum geheirathet, a's da» Kind starb." „Unsinn l" sagte Georg. „Ihr seid ein alter Mann," fuhr der Kutscher fort, „aber so alt Ihr seid, so dumm seid Ihr auch, wenigsten« m diesen Dingen. Habt Ihr denn noch nie gehört, daß ei« sterbende« Kind die Engel sieht, die eS holen wollen?" „Weil ihm so viel von den Engeln im Himmel erzählt worden ist," erwiderte Georg achselruckend.„Davon erzählt � �Unb U Habt Ihr selbst«och nie geträumt, daß Ihr Flügel hättet und „Ost, sehr oft," nickte Marranne. „Ist Euch noch nie eine Ahnung gekommen, daß Zhr vor diesem Leben schon einmal gelebt habt?" „Za, das ist wahr," erwiderte der Gättner;„aber was Hilft'S, ob wir darüber u«S de» Kopf zerbrechen! Wa« nach unserem Tode uns erwartet, wissen wrr«rrht,-S rst Schwiegerpapa seine pekuniäre Unterstützung verweigerte, nahm der junge Mann auf Anrathen seiner vernünftigen Frau einen Kompagnon„mit Geld" in sein Geschäft und als bald darauf alte Gläubiger drängten, schob die vernünftige Frau die Sache in der Weise, daß der neue Kompagnon Eigenthümer de« Geschäftes wurde, während ihr Mann nur noch als KommiS in demselben thätrg war. Was die Frau noch weiter für Ver» nünftigkttten verübt hat, darüber weiß man nichts Gewisses. Aber ihr Gatte ist bereits seit länger als drei Monaten ver» schwunden und neulich war die vernünftige Frau bei einem Rechtsanwalt, um fich zu ettundigen, wie lange fie matten müsse, ehe sie— �eine Ehescheidungsklage anstrengen könne. Der neue GeschäMnhaber erfreut fich noch immer der tbat» kräftigsten UntgMtzung der vernünftigen Frau in seinem Geschäft. NuwMas ist jedenfalls auch sehr vernünftig von ihr, ob'S abrtjmtch schön ist, darüber gehen die Meinungen in ihrer �Mhbarschast ein wenig auseinander. leber die Berliner und ihren Dialekt plaudett Johann „'gier in der„Wiener Allg. Ztg." Ziegler bekennt, daß er jie Berliner früher nicht gemocht habe, noch weniger ihren Dialekt.„Sein spitziger, schneidiger Klang, seine wie von geringschätzender Nachlasfigkeit geformten Motte haben für den» der nicht daran gewöhnt ist, etwas abstoßendes, undeutsches. Dazu kam noch rhr vorlautes Wesen, ihr kalter Witz, ihr ge« mütbloseS Beurtheilen aller Dinge, der höhnische Ton und daS dreiste Lachen, dann das ewige„Det is ja jarnischt feien Berlin! Da müssen Sie mal nach Berlin kommen." Marr kennt ja diese Empfindlichkeit, und wer weiß, daß dem echtm Berliner nichts größere Freude macht, als den empfindlichen Provinzialen„nu erst jrade" anzugraulen, den kann im Grunde die so lange dauernde Erkaltung deS Verhältnisses zwischen Berlin und Nicht-Berlin nicht wundern. Ziegler erklatt aber, daß in der Abneigung bei ihm wie bei einer großen Mehrzahl der Deutschen allmälrg eine Wandlung einaelreten sei. Er giebt dann einige Proben des Berliner Dialerts, die ihm be» sonders charakteristisch erscheinen. Der Witz deS Berliners hat oft einen hartherzigen Anflug; so sagt er beispielsweise:„Er hat verjnügte Beene" von dem Rückenmarkleidenden, der so geht, alS machten seine Beine ihm Vergnügen. Von Jemand» der überflüsfig wird, sagt er:„Er kann abkommen", nämlich sterben. Wenn er die Blumm auf dem Grabe seiner verstor. enen Frau begießen will, sagt er:„Ick jehe meine Olle bcjießen." Don einem Menschen mit krankem, ttnae» fallenem Geficht sagt er:„Den kann man ooch'n Vaterunser durch de Backen blasen." Einen dicken Menschen nennt er eine „Wafferleiche". Sanfter ist schon, wenn er von einem Echie- lenden sagt:«Er hat'n schenitten Blich', oder:„Er is'n bisken schüchtern uf de Ogen", von einem Venückten:„Er ist brustkrank in'n Kopp", von einem Blatternarbigen:„Der hat mit's Jestchte uf'n Rohrstuhl jesessen."— Der lebhafte Geist, die Liebe zur Arbeit und seine rastlose Gesprächigkeit sind ficher Erbstücke der Pfälzer und Franzosen. Woher er aber das An- schauliche in seinen RedenSatten hat, weiß ich nicht. Er fpttcht. darin immer in Bildern, zumeist durchaus treffenden. Von dem Augenspiel einer affettitten Schauspielettn sagt er:„Se klappett mit de Ogen." Zu einem Gecken, der fich aufspielt» sagt er:„Stoßen Se sich man keene Verzierungen ab" oder „Fallen Se man nich in't Essen." Gegen Zierereien und auf» fallende Namen ist er überhaupt unerbittlich und bat dann den ironischen Ausdruck„iS jut". Wenn zum Beispiel einer der Segler auf der Spree mit seemännischen Bezeichnungen prunkt und etwa von„Backbord" spricht, so sagt der unbefangene Berliner:„Backbord?— Backbord is jut!"— Oder: Vorgestellt wird„Herr Ejon Schulze!'— Berliner:„Sehr anje- nehm!"—(für fich):„Ejon?— Ejon is jut!" Auch gegen daS Dumme. Verschwommene ist er immer scharf geladen und mit unbarmherzigen Worten bereit.„Du kannst wohl nich davor?" daS ist,„Du bist wohl verrückt?" Dann den Ausdruck mitleidiger Verachtung:„Thu mir man blos nich leid!" Ferner die Kosenamen„Oellopp",„Thransuse",„Makulatur reden". Die Zulukaravaue, die früher im Panoptikum-u Berlin viel besucht wurde, soll gefälscht gewesen sein. Ein Berliner Korrespondent der„Bresl. Morgenztg." schreibt: Sie bestand bekanntlich auS drei Männern, einer Frau und dem kleinen drolligen Jungen Umgono. Es waren ZuluS aus dem St. Lucialande, alS solche waren fie seiner Zeit von Herrn Lüdetttz und seinen Leuten erkannt worden.„Ich selbst war im Panoptikum in Berlin anwesend", so schreibt der Bettcht» erstatter,„als daS Wiedersehen gefeiert wurde. Die Schwarzen erkannten die Afttkareisenden, sie unterhielten fich lange mit ihnen in der Zulusprache und schließlich gaben die europäischen Forscher ein Zeugniß, das die Echtheit attestitte. Und echt waren fie in der That. Nur die Prinzessin Adzomrula hatte dem Meeting nicht beigewohnt. Und fie mit sammt ihrem Sohne— die beiden„gefeiertsten" Mitglieder der Karavane — entpuppm fich jetzt als gewöhnliche Neger, die ihre Rolle vortrefflich gespielt haben. Nachdem die Gesellschaft durch den Tod deS Häuptlings in Stettin in die Brüche gegangen, ent» stand zwischen den Eigenthümern der ZuluS ein Streit, in dessen Verlauf die Wahrheit herausgekommen ist. Die Prinzessin er erst recht nicht, und über jede« verfängliche Wott, da» wir achtlos sprachen, machte er seine schlechten Witze. Na,. eines Tage« verunglückte einer von unseren Gehilfen, er war auf einen hohen Baum gestiegen, um ein Nest auszunehmen, der Ast brach unter seinen Füßen, er stürzte hinunter und blieb auf der Stelle tobt. Wir schafften dre Leiche in em leeres Gewächshaus, in dem wir unser ArbeitSgeräth aufbe- wahrten, und als fie schon im Sarge lag, kam die Rede wieder einmal auf den Gespensterglauben. Mein ungläubi- ger Kamerad lachte und spotttte, aber al« wir ihn jetzt auf- forderten, seinen Muth zu beweise», wurde er doch bleich. Jetzt spotteten wir über ihn, und das konnte er nicht ertragen, er wollte uns die Probe geben. Einer von uns forderte ihn auf, in da» Gewächshau» zu gehen und dem Tobten eine Haarlocke abzuschneiden, und richtig, er sagte zu. S» muthig, wie er scheinen wollte, war er doch nicht, da« sah ich ihm an, aber ich hatte selbst meinen Spaß daran, ich dachte, durch diese Geschichte würde ihm da» lose Maul ge» stopft werden. Er nahm eine Scheere und ging sott; ein Licht brauchte er nicht, denn der Mond schien tageshell in das Gewächshaus. Aber das Mondlicht, mag e» auch noch so hell sein, hat doch immer etwas Unheimliche», wenn e» in einen geschlossene« Raum fällt, ich habe da» oft an mir selbst erfahren." „Da« ist wahr," nickte Mananne,„mich macht'S immer melancholisch." „DaS thun die Geister, die überall schweben, wo nur ein Mondstrahl hinfällt," erwidette der Kutscher..Wen» der Mond auf em Grab scheint, dann muß der Geist de» Todte«, der unter dem Hügel ruht, die Hülle, die er auf Erde« getragen hat, besuchen—" Mit einem zornflammenden Blick auf den Kammerdiener brach er ab, da« schallende Hohagelächter Joseph'« erlaubte ihm nicht, den Satz zu vollenden. „Er war fottgegangen und wir Anderen blieben zmück und warteten," fuhr Georg fort.„Aufrichtig gesagt, war e« un« Allen doch unheimlich geworden, wir bereuten die Sache schon, aber der ungläubige Thomas hatte e« ja nicht anders gewollt." (Fortsetzung folgt.) Adzomrula ist also nicht eine Tochter Cetewayo'S, sondern die Tochter einer Jiländerin und eines NegerS in Liverpool, eine Mulattin. Ihr richtiger Name ist Lizzie Grant und ibre Heimath die Suffollstreet in Liverpool, wo fie auch jetzt ist, wenn ste nicht ihren Plan ausgeführt hat, in London ein Kaffeehaus zu eröffnen. Derartige Fälschungen gehören fav dessen durchaus nicht zu den Seltenheiten. Vor einer Reihe von Jahren erregte eine Indianerin, Nala Damaiante, eine Schlangenbeschworerin. in Berlin Aufsehen, eine fremdartige Erscheinung, als ob fie eben aus irgend einem orientalischen Märchen herausgesprungen sei. Durch Zufall war ich einmal Zeuge, wie fie an Stelle des gebrochenen Englisch mit ihrem Manager sehr fließend ftanzöfisch sprach. Wer war es? Aus Marseille gebürtig, war ste jung nach Indien gerathen und hatte fich nach abenteuerlichen Fahrten schließlich mit Hilfe von Färbemitteln und Brenneisen in eine eingeborene Schlangen- tönigin verwandelt. Lotterie. Der magische Reiz, der im Klange des Wortes liegt, hat überall und jedcrzett seine Wirkung geübt. Der kühler temperirte Stimmungsgehatt des Nordens treibt allerdings nicht so wunderliche Blasen wie dort, wo der allgemein menschliche Zug der Erregbarkeit durch die Lockung plötzlichen Gewinnes eine starke Beimischung südlichen Tcmveraments und religiösen Aderglaubens enthält. Deshalb bleibt das wirksamste Argument, daS die Anhänger des LotteriespiclS von Staats- wegen in's Feld zu führen genöthigt find, der Hinweis auf die unausrottbare Neigung der Menschennatur,„etwas zu fürchten, zu wagen und zu hoffen." Gefühlvoller gestimmte Seelen füaen diesem argumentum ad horninem gern noch eine Joe tische Arabeske hinzu, nämlich den Hinweis auf den idealen !ug, der so zu sagen einen Schimmer der Verklärung selbst in die hoffnungsloseste Existenz hinein strahlt, wenn ihm die Möglichkeit bleibt, durch eine Schwingung des Glücksrades wie mittelst eines Zaubers der drückenden Erdennoth entrückt >u werden. Der Skepttker wird freilich dabei bleiben, daß wer einmal Glück haben solle, deshalb nicht in die Lotterte zu setzen brauche. Aber diese Zweifelsucht ist im Grunde auch nur eine gewandelte Form des Köhlerglaubens. Und jenes atte Mütterchen hätte schließlich doch Recht, daS jahraus jahrein zu Seeger— dem seiner Zeit größten Ber- liner Lotterie-Kollekteur in der Alten Leipzigerstraße— kam und nach beendigter Ziehung fich erkundigte, ob fie nichts ge- wonnen habe. Als fie aber nach ihrer Nummer geftagt wurde, stellte eS fich heraus, daß die gute Baucis gar kem Loos hatte. Sie ließ aber von ihrer Gepflogenheit nicht ad und der joviale Seeger, dem die Sache schließlich Spaß machte, ordnete an, daß fie bei einem von dem Geschäft selbst gespielten Loose be- theiligt werden solle. Die blinde Glücksgöttin hatte diesmal ein vernünftiges Einsehen, fie ließ die wunderliche Alte ge- Winnen, zu ihrer und der Mitspieler heiteren Genugthuung. Nun werde fie aber doch ein Loos nehmen, nachdem ihr daS Glück so freundlich zugelächelt?— I Gott dewahre, wozu denn, wehrte fich die alte Philosophin, der handgreifliche Be- weis liege ja vor, daß man nicht nöthig habe, ein LooS zu nehmen, wenn man in der Lotterie gewinnen solle. Wie viele von den im Zuschauerraum des LotteriegebäudeS in der Mark- grafenstraße heute Anwesenden fich zu dieser theoretischen Auf- faffung von dem Wesen des Lotteriespiels bekennen mochten, ist nicht leicht zu schätzen. Ob fie wirkliche„titulirte" Befitzer eines Looses a 5 Mark waren, oder Theflhaber eines solchen: ob fie eS vielleicht gar nur auf einen Tag oder Stunde geliehen,— denn so mannigfach find die Formen des Geschäfts— aus ihrem äußern Habitus war es unmöglich zu erkennen. Dicht gedrängt wie eine zusammengeschweißte Maffe standen fie vom ersten bis zum letzten Augenblick, lautlos, regungslos, in einer Haltung, die man ehrfurchtbietend nennen mochte, wenn man nch vergegenwärtigt, wie der angenehme Mitbürger fich zu ge- Verden pflegt, wo er, so zu sagen, unter fich ist oder al» Gattung auftritt. Hier handelte es fich freilich um Anderes, als um die Gegensätze, welche für die stteitenden Parteien den willkommenen Anlaß bieten, einander„mit Redensarten zu beschädigen." Hier galt es nur, die mit eintöniger Stimme aus- gerufenen Nummern und Gewinne in ihren leisesten Echwin- gungen so deutlich zu vernehmen, daß jeder Jrrthum ausae- schloffen blieb- DaS System der Verdeutlichung wird, wie die „Nat. Ztg." bemerkt, von dm Beamten der lönglichen General- Lotterie, Direktion so konsequent durchgeführt, daß zur Vermei- dung jedes irreführmden Gleichklanges die Ziffern eins und zwe» niemals anders als„eens" und„zwee" ausgesprochen werden. In etwas über drei Stunden wurden von den 250000 Loosen, welche dem Zenttal-Komitee des Preußischen Verein? zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krie- ger auszugeben gestattet worden, zweitausend Nummern erledigt, und da die Anzahl der Gewinne überhaupt 3569 beträgt, so blieben für den Dienstag noch 1569 Gewinnhoffnungen, denen freilich im Nummemrade 248000 Antwartschajtm gegenüber. stehen. Aber waS thutS! Die Jnszmirung der ganzen Auf- führung läßt die blinde Hand des Zufalls erkennen, ein kluger Regiffeur hätte seine Trümpfe nicht so überaus schnell ausae- spielt. Gleich in der erstm haldm Stunde sprang der zweite Hauptgewinn von 75000 Marl, bald darauf der erste von 150000 Mark und der dritte von 30000 Mark aus dem zu machm. Ruhia und gleichmaßig nehmm die Beamten den Waismknaden die»einen Stteifm ab, in die fich dre auS dm Rädem gmommenm Röllchen verwandeln, ruhig und gleichmäßig werden die Nummem und der darauf fallende Gewinn auSgeruien, nur wenn e» fich um mehr als den niedrig- sten von 50 Mark handelt, wird die Ettmme um ciiuge Schwingungen erhobm und der sicheren Konttole wcgm die Nummer wiederhott. Aber paufirt wird nicht. Nur nach ie hundert Nummem erfolgt ein kleiner Absatz, die Räder werdm geschlossen, einigemal umgedreht, waS dem anwesenden Publi- »W« Beobachtung aller Förmlichkeiten des Verfahrens� fest. — Wenn eS nur auch Jemandem gäbe, der in diese erstickende Atmosphäre einige Kubikmeter Ozon hrnernleite e! ES ist un- rn# WWW daß Müller stets eine Uhr traae, und auf diese hatte er eS ao. gesehen. Auf dem Wege zu ihm begegnet er auf der Treppe einem Manne, der ihm auf die Frage nach Müller's Wohnung richtig„eine Treppe höher!" antwortet Oden angelangt wird der Gerichtsvollzieher von der Frau mit der Bemerkung em- pfanam:„Mein Mann muß Ihnen auf der Treppe begegnet sein. Schnell kehrt jetzt der Gerichtsvollzieher um, die Treppe hinunter, dem fliehenden M. nach über den Hof in dm Garten, wo dieser, um die gefährdete Taschenuhr zu rettm, einen Apfelbaum er klettert. Kein Bitten, kein Drohm ver- mögen den Hartnäckigen zum Heruntersteigen zu bewegen, selbst die Sttahlm einer Gartenspritze, mittelst welcher der Beamte seinm Befehlen größerm Nachdruck zu verleihen sucht, bleiben wirkungslos. Von Wasser triefend behauptet Müller seinen Platz, bis der Gerichtsvollzieher die Geduld verliert und die Belagerung aufgtebt. Einen kühne« Luftfprung, um fich der Verhaftung zu aiehm, machte in der vergangenen Woche eine in Britz nende Wittwe Z. Dieselbe war zu einer Haftstrafe ver> eist, verspürte aber wenig Lust, dieselbe anzutreten, so daß ein Gendarm mit der Verhaftung beauftragt wurde. Als der Beamte fich der Wohnung näherte und von der Frau Z. be- merkt wurde, verschloß ste die Thür und verweigerte hartnäckig zu öffnen, so daß der Beamte dies durch einen Schloffer be- sorgm lassen mußte. Als die Thür geöffnet worden war, fand man indessen daS Nest leer, die Gesuchte war unbemerkt aus dem eine Treppe hoch belegenen Wohnunasfenster auf einen unter dem Fenster befindlichen Düngerhaufen gesprungen, dem Beamtm das Nachsehen lassend. Die kühne Springerin war bereits vor kurzem, als fie von einem berittmen Gendarm verfolgt wurde, in einen tiefen Wassergraben gesprungen, um an das jenseitige Ufer zu gelangen. Sie hatte fich dadurch ebenfalls ihrer Verhaftung entzogen, da der Gendarm mtt seinem Pferde den Sprung nicht riskierte. R. Zwei Schüler des Dorotheenstädttschm Real- Gym- nafiums, der Tertianer Schlödt und der Quartaner Vonhoff, hatten fich vergangene Woche während der Pause auf dem Schulhofe entzweit und ertheilten fich gegenseitig Püffe und Stöße. Da keiner von Beiden nachgeben wollte, s» wurde be- schloffen, den Kampf Nachmittags im Thiergarten fortzusetzen. Während der Quartaner nun pünktlich ganz allein auf dem Kampfplatz erschien, kam der Terttaner nicht nur mit zirka 20 Kameraden und zwei Hunden, sondern hatte fich auch mit einem sogenannten„Strolchkitzler" bewaffnet und bearbeitete seinen Gegner unter Mithilfe der mitgebrachten Genossen der- artig, daß der Quartaner mit mehreren Löchem und Wunden am Kopfe u. s. w. fich zu Hause verbinden lassen und den Schulbesuch einstweilen einstellen mußte. Gerichts-Ieiwng. Et« Opfer des BörsenfptelS ist der städttsche Lehrer Karl Robert Rieffenstahl geworden. Derselbe wurde vor einigen Monaten vom Schöffengerichte zu neun Monaten Gefängniß ver- urtheilt, weil er durch dre Beweisaufnahme für überführt erachtet wurde, fich im Sinne der Anklage eines groben Betruges und Vertrauensbruche» schuldig gemacht zu Häven Am 21. Dezbr. 1883 kam der Angeklagte zu der Wrttwe Pichtler um den Bei- trag für ein LotterielooS einzukasfiren. Im Laufe der Unter- Haltung klagte fie dem Angeklagten ibre Roch, daß es chr schwer falle, mit den Zinsen veS rhr zu Gebote stehenden kleinen Kapitals fich und ihre vier Kinder zu ernähren. Räch der Be- »auptung der Frau Pichller hat der Angeklagte ste durch Ueber- redung zu bestimmen gewußt, ihm ein Kapital von 1000 M. anzuvertrauen, mit dem er Papiere kaufen wollte, die höhere Zinsen ttügen wie Staatspapiere. Der Angeklagte soll dabei erzählt haben, daß er ein sehr glücklicher Börsen« spekulant sei, der schon 13000 Thaler gewonnen habe. Die Befürchtung der Frau Pichller, ob eventuell denn nicht die ganze Summe verloren gehen könne, wußte der Angeklagte urch die Verficherung niederzuschlagen, daß im unglücklichsten Falle nur wenige Mark verloren werden würden. Nach Ver- lauf eines halben JahreS begab fich Frau Pichtler zum Ange- klagten, um fich die in Ausficht gestellten hohen Zinsen zu holen und um fich nach dem Stande ihrer Geldangelegenheiten zu erkundigen. Ihr Schreck war groß, als der Angeklagte ihr erklärte, daß das ganze Kapital verloren gegangen, verspekulirt sei. Wohl versuchte fie auf dem Wege der Klage von dem Angeklagten Ersatz zu erhalten, erstritt auch ein rechtskräftiges Urtbeil, erreichte aber dadurch nichts, denn die Exekutwn fiel fruchtlos aus. ES stellte fich herauS, daß der Angeklagte, anstatt Gewinn zu ernten, sein ganzeS Vermögen durch gewagte Börfenspekula- tionen verlorm hatte und fich in äußerst mißlicher Vermögens- läge defand. Nach der Anklage hatte Rieffenstahl daS von der Pichtler erschwindelte Geld zur Deckung eines Wechsels benutzt, derselbe bestrttt daS aber entschieden und wollte die ganze Summe an schweizer Eisenbahn-Obligationen verloren haben. Der Angeklagte legte gegen daS erste Erkenntniß die Berufung ein, indem er die falschen Vorspiegelungen bestritt und lediglich er Wittwe Pichtler in einem Verhältniß stehen wollte, zu der wie ein Schuldner zur Gläudigerin. Aber auch der Gerichts- bof der fünften Strafkammer ves Landgerichts l gelangte zur Uederzeugung von der Schuld deS Angeklagten, zog aber die bisherige Unbescholtenheit desselben mildernd in Bettacht, indem er die zu erkennende Sttafe auf 4 Monate ermäßigte, dem Angeklagten auch die Ehrenrechte, welche in erster Instanz eben- falls auf die Dauer eines JahreS aberkannt worden, beließ. Soziales mh Arveiterbewegung. Die sämmtltchen Strumpfwirker in T h u m und Um- gebung(Königreich Sachsen), die fich bislang am öffentlichen Leben gerade nicht hervorragend detheiligten, haben eine Pe- tition an den Reichstag vor derettet, in welcher fie die Besei i- der ZuchthauSarbeUSkonkurrenz, der Frauen- und Kinder- t und die Einführung eines Maximalarbeitstages fordern. ar Zugleich erklären fich die Strumpfwirker mit dem im Reichs, tage von der Arbeiterpartei eingebrachten Entwürfe eines Ar- betterschutzgesetzes einverstanden. Der BerwaltungSrathSbericht des„vergischen Gru- den- und HüttenveretnS" zu Hochdahl theilt mit, daß im Laufe des letzten JahreS von den drei Hochofm zwei aus- geblasen worden find. Auch habe man eine größere Anzahl rbetter entlassen müssen und bei dm übrig geblrebenen Ar- beitern sei der Durchschntttsverdienst um 38 M. für daS Jahr zurückgegangm.— Nach dm Reden, die im Reichstage von konservativer Seite bei Beratbung deS Zolltarifs gehalten worden find, sollten die Löhne der Arbeiter, besonders jn der Eisenindustrie, bekanntlich noch Einführung des Zolltarifs steigen und nicht fallm, aber— trau, schau, wem? Ob die Gemetndekrankenverstcherung für Remscheid außer Kraft treten könne— diese Frage soll auf Beschluß der Stadtverordnetenversammlung genannter Stadt an die Regie- rung zu Düsseldorf aesttllt werom. Die Gemeindekrankmkasse macht dm braven Stadtvätem viele Kopfschmerzen. Eine Er- höhung der Unterstützungssätze ist dringend nöthig, doch weiß man nicht, woher man die Mittel nehmen soll. Motivirt wird die Anfrage an die Düsseldorfer Regierung damit,„daß in Remscheid die KmnkmverficherungS.Angelegenheit den örtlichen Verhältnissen entsprechend geordnet sei.'— DaS ist ziemlich dunkel! Im Uebrigen aber ist eS erfreulich, daß die Behördm selbst keine Frmde an den Gemeindekassm haben. AuS Schwerin wird der Hamburger„Bürgerzeitung" vom 19. v. Ä. geschrieben: Der Neubau unseres HoftbeaterS, der, nebenbei bemerkt, bereits so wett vorgeschritten ist, daß mit Beginn der nächsten Heldstsaison die Vorstellungen darin beginnen werdm, scheint eine wahre UnglückSstätte für die da- ber beschäftigten arbeitet zu sein. Den seit Beginn des Baues bereit» erfolgten außerordentlich zahlreichen Unglücks- S fällen schloß fich gestern wieder ein neuer an, indw ArbeitSmann B. aus dec ersten Etage heruntirstü zte,-rode fich am Kopf erheblich verletzte, und da er über Schmerz» der Brust klagte, fich wahrscheinlich auch innere Verletzt« zuzog. Nicht ohne Interesse fü- wettere Kreise dürfte de anschließend vielleicht die Notiz sein, daß das hiefige geles» Tageblatt, die„Mecklenburgische Zeitung", fich weigert,' auf dem Theaterbau weiter vorkommenden Unglücksfällen � zu nehmen und zwar deshalb, weil die Bauleitung der 9W tion jedes Mal, sobald der Bericht in untergeordneten nicht ganz der Sachlage entsprach, mtt zwecklosen Rest« tionen auf den Leib rückte. Ob die Bauleitung nicht thäte, durch zweckmäßige VorfichtSmaßregeln den Ungli vorzubeugen? Offenbach, 2. Nov. Heute Morgen legte das 9% der„Morgmzeitung"(bis auf einen, der nicht dem angehört) die Arbeit nieder, weil eS fich einen Versut.! Reduktion der Löhne bezw. heabfichtigten Einstellung Die Fre Arbeitskräste" nicht gefallen lassen wollte und konnte. des He Herren von der„Morgenzeitung" hatten es bei ihrem c&men direkt darauf abgesehen, dem„Unterstützungsverein Wywl) ohne l Buchdrucker" einS zu versetzen. Die Verbandsmitglieder w.% hatte(i entfernt und Nichtverbondsmitglieder eingestellt werden.* Mte die die Arbeiter für diese Art von Arbeitersreundlichkeit�«« ist nun Verständniß haben, liegt auf der Hand; ste wehrten fich Mwer drin AuS dem Königreich Sachsen läßt fich die„Volks-Z«itikel: % schreiben: Wie seiner Zeit gemeldet wurde, hat d..~ der Strafanstalt für weibliche Gefangene zu Hoheneck% Arbeit in der Spinnerei Wiesenbad detachirtt lingsabtheilung zurückgezogen, weil gegen eine solche" tigung von Strafgefangenen in gewewerdlichen und kreisen eine lebhafte Agitation in Szene gesetzt wurde. mehr hat die Spinnerei, an übermäßig billige Arb« gewöhnt, nachdem fie versucht hatte, anstatt der Strafgefl "Herr Ei ortiül "Wj s nun die Ausrede, daß fie keine einheimischen Arbeitsd� vii.musi.cvc,«ob nr rerne ernyermriwrn awu»"-., genügender Anzahl hätte erhalten können; daS ist nicht s- fie konnte zu so niedrigem Preise, wie fie den Sträflinfr zahlt hat und dm czechischen Arbeiterinnm zahlt, ss? wachsme heimische Arbeiterinnen erhalten. Ätt den liehen Arbeiterinnen schlug daS Experiment fehl, well P* lernen derselben die Zeit ver Spinnerei zu lang erschind. Direktion der Fabrik soll übrigms Anhängerin der Reform" sein, die Art und Weise aber, wie fie dieselbe ist jedmfalls eine höchst sonderbare, auch vom n a t i Standpunkte aus bettachtet. Massenuervosttät.„Luststeuert' nennt der Gn Dr. Kraft-Ebing die Miethssteuer in großen „Luftsteuer" für das arme Volk. Die Zltietbskasernen er für Krankheitsherde, die auch geeignet find, nef schlechten, viel verfälschten Nahrung auf di« sonst i« meinen unverdorbenen Nerven des arbeitendm Volkes wrrkm. Daneben der Kampf umS Dasein, das rastWj Massennervosttäl; bei den sogenannten� s„Karrieremadjcfl•( W W Cffd vor «ch�nfinn QW(b, -Uz Gesellschasts schichten besorge dies das„�cuiucccu»"--�»» rapch zunehmende Verschlechterung der NeromkonstiW erde fich auf dre kommenden Geschlechter und mache hff verkommener. Symptome der heutigen Nervofität% vor dem Blrtzschlaa, vor tollen Hunden u. s. w. fA Dr. Kraft ,u der lieber, eugung.„daß die moderne% emem moralischen und phystschm Ruin zusteuere. K flür-fttge Bedingungen eintreten, um Zustände J" ßM welche die Kulturmtwickelung in ruhigere und be%� bringen, dem Geist und Körper mehr Ruh« un».% 1 ang-deihm lassen, edlere und fittlichere soziale Z�K°./ fein» eröffnen".— Der Arzt hat Recht— aber wird angebahnt durch eine gesetzliche Regelung der ßf durch Einführung der Arbetterschutzgesetze, durch Lebmsstellung der Arbeiter. i W i Kleine Mittheilungen. � Von der preußisch-waldecktsche» Srenze, �* (Ein grauenhaftes Blutbad.) Auf der Landflraßr Bredelar und MarSberg(KreiS Brilon) spielten fi*, die.Hessische Morgenzeitung" ihre'chier ans grenzende Erzählung, arst Tage deS ViehmarkteS'L. Stadt grauenhafte Szenen ad. Zvei Burschen, fl'V/ Rosebeck, welche jetzt in Bredelar in Dienst stehew% und mißhandelten auf» Grausamste die vom MarW�' Heerren Heimkehrenden, aber auch alle, welche � daher gezogen kamen. Am Wege, im lauerten fie, und als fie zwei ihre Heerde« Schäfer erblickten, schlichen fie hinterrücks heran uno' dann, der eine mit einem schweren Todtschläger, mit einer Pflugschippe bewaffnet, aus die Ahnung schlugen fie zu Boden. Dann rannten fie weiter!„j; entgegenkam, wurde niedergeschmettert und aufs II", mißhandelt. Greise, junge Männer, Frauen und dasselbe Schicksal; Niemand wurde verschont«s. schienen von Mordmanie befallen zu sein; fie 0% � wie rasende Bestien. Die Angegnnenen fanden und Befinnung, fich zur Wehre zu setzen. Der schal) zu plötzlich, zu überraschend, und die SL menschen sausten zu schrecklich und wuchtig auf d> � Gliedmaßen der Unglücklichen hernieder. � Schäfer versuchten Widerstand; fie®u|#. US°.- S?VÄ t&'Ä K Ä Ä I '«5 X\ -ch *1 .Die jWn °n- Knc s«i, K schj CjMmi Anblic� wie nach einer Schlacht.' Ällenthalbi_ �ber; WWZWKWM aufgelesen und in lbr,f((r' gebracht, 17 andere wurden von dem telegraphii« Arft Stadtberg in Bredelar im Hotel Weber�v« deflnden sich darunter mehrere mit I nner mit doppelt gebrochenem Arm schlagenen Beinen, einige mit k anderen schweren Verwundungen. o« Verwundeten find Waldecker aus R&f" uiA #####% deznks Breslau sein. ti" % w U »AS m Verantwortlicher Redakteur R. Sronhet« w Berlin. Druck und Verlag von Max vadtng in Berlin 8W, Beuchstraße 2 Hier»« •«7* SÄ » i -selbe «aef n, indem, lü'jtf, rtflbf c EchmeijS re BerleM ; dürfte ds iefige flrfeW > weigert,/ jdäfäDen Jg rng der f dneten P Beilage zum Berliner BolNlatt. mßfSk 258, ig nicht t : das W4 t dem Bat? Versuch werden. � mdlickkeit W Mittwoch, den 4 November 1885« II. Jahrg. �. NoUtifche Keberstcht. una«billig Die Kretfiuniaen unter sich! Das bekannte Reklame- ' kann»-. lau des Herrn Vioffe wurde von dem Organ des Herrn lhreur M« Richter, der„greis. Zeit." schon wiederholt angeoriffen, oerern°>>> ohne dm gewünschten Erfolg; Herr Moffe, der Gewal- rtglrmer!.�r, hatte seinen Angefüllten Lchweigen befohlen und so M die„Freifinnige" ihr Pulve, bis seht unnütz verpleffen. t|t nUtl faiway piaeifi AaM in nun anders geworden. In seiner heutigen Abend- k dringt das„Verl Tagebl." folgenden geharnischten .t die Dirc�., Herr Emil Barth, der Strohmann eines bekannten �rj n"t oheneck Ä rAterworttührerS. etachirte S?........' w I.* in«-— feiner wurde. e ArbeT--. ötrafgefojfj i�fi Si ist nickt«r Xh treil,!«« 5 erfcbtft a der Äft i»»...-"« der neuerdings unter die Zeitungsverleger k*"' 5ch feit mehr als vier Wochen unendliche Dürrn tönlirfi n-rfnrfif- Anremvelungen, von uns der )en. Nachdem et nun nalistischen Künste er- dem letzten Hilfsmittel Fälschung angelangt. die Geduld. In unserem w»'vv* flu/ 111�% s/', durch täglich versuchte Anremvelungen, von uns der zu embryonischen "schöpft hat, ist er endlich'bei dem letzten Hilfsmittel tu AtfuioS, bei der verleumderischen Fälschung angelangt. zr.w reibt-- WbrT"?St uns denn mdlich vre eseouro. ore umcuin iL m«d'ndblatte veröffmtlichten wir einen kurzen Artikel dh-üs�damerika und Deutschland in Ostafien", in dem in rft?ie Gefahr hinwiesen, welche dem deutschen Handel W m'mm durch die aewaltig vordringende Konkurrenz In durch die gewaltig vordringende Konkurrenz »n,, Amerikaner drohr. Aus diesem patriotischen Hin- ......."" Flaggenhiffung in Korea zu fordern!" nun der fälschende Strohmann des die verleumderische Unterstellung, Gründen(!) Es genügt um fie gebührend daß dieses jesuitische ,...—.....,——.—.-. i �—.-— rd, der fich rn ernen Snniflen Echafsvelz hüllt. Denn jeder gerechte Richter �tfijjpehen, daß dieses Bubenstück, das an die Fälschungen � sIn«?ronäeu9fn Chm, Goedsche und Pierfig gemahnt, b*l Jfi"ock freifinnig genannt werden kann." ich �.Bcrth ist bekanntlich Redakteur der„Freis. Ztg." und Mj,./">0.en Tagen im Wahlkreise Hirschberg.Echönau zum �Unn.�ilbgeordneten gewählt. Jetzt nennt ihn daS Mosse'iche W Fuchs im deutschfreistnnigen Pelz und sein An- Achter k Q'ä ein Bubenstück bezeichnet. Was wird Herr M sagen, dessen rechte Hand der Herr Barth ist? Äi fx ßen wird fich die„Freistnnige" wohl nicht gut Sim a.".?en, und so werden fich die feindlichen Brüser M wer von ihnen wirklich„freifinnig" ist. Bei dürften den Unbetheiligten unwillkürlich die iinrij ä einfallen:....„Denn uns will es schier gisr# Wen der Rabbi und der Mönch, daß fie alle Beide Etöcker dürfte im Wahlkreise Herford-Halle-Biele- Landtagsabgeordneten gewählt werden. wurde derselbe voriges Mal mit Hilfe r-* biiC�weratm durchgebracht. Die Konservativen haben Mern»,?. nicht die absolute Majorität der Wahlmänner, w I» mir k,--- r.ii rrs--- c,-... vi.___ :r®ti oßen 'asernen nd. nef mst /'Ä annten # )ie Ä ine ch fS II ger, • w?« i iuler! v■„ f* f otive. Dann folgen die Deutschfreistnnigm tfk ja*' d« RalionaUiberalm, welche den Ausschlag geben. %% mü vUn dte Nachricht eingetroffen, daß die Nationallibe- At, h„sT? /.Freisinnigen" einen Pakt dahin abgeschloffen U iett-r locker nicht wieder gewählt werden soll. An Stelle ÄnnL" koll ein anderer Konservativer, im Uebrigen ein uZjfl'* und ein Nationalliberaler gewählt werden. Ob die let JIW fich diesem Abkommen fügen werden, muß abze- Wen 5�Uchweig, 2. November. Heute hielt der zum Re- sj Stahtn5aUte P"nz Albrecht von Preußen seinen Einzug in tu, Der Zug, dem ein Trupp Husaren voranritt, be- durch die geschmückten Straßen dem Schlosse 'chem der neue Regent seinen Wohnfitz nehmen wird. Frankreich. Ä waä Attentat auf den Minister Freycinet, welches ki«Ii/ oller Bemühungen der Untersuchungsrichter und S>?t unerNärlich geblieben war, ist endlich etwas mehr Leitet worden. Eine Vermietherin von der Rue gNsK* 9k- 314 begab fich gestern Morgen zum Polizei- 'drei QuaitierS und theilte ihm mit, daß seit zwei w Htm rv �rtr Miether, Namens Pierre Marcotti, ein gebürtig, verschwunden sei, der vollkommen IeuMeton. i« MvrMavevmSdche«« «merikanische ErzShlrng von valdnin Möllhanfeu. . Zu(Fortsetzung.) ihren o! junge Frau, fie sah nicht so aus, als wenn """W fh\(W jJji v??ben btS zum Zünglinasalter überwachen würde. % hAi] 1Ü? ZeickT?'�. ihrem sanften, ergebungsvollen Antlitz bereit« nli-�L-) 3 ihr z���Sedrückt zu haben, und wenn die Freude, oieMl Mty, ihr fortan von keiner Seite mehr streitig ge- ; Derr�i.n,?t e' ihren Zügen einen Schimmer von Zugend- u",. PA I/WtnW�i'0 war da« nur vorübergehend; e« war ei» l s0ia¥M nachte air3QutJ0Pfer Gerichtsbarkeit geforderte« Förmlich- e« eben die nachträglich angestellten k. Sfieber Ä�l �°er so wichtigen Angelegenheit erheisch- k!'"ohte» c TW ihre Schwester erfuhren jemals e« wurde ihnen nur mitgetheilt, �«nv'T./et emem unsinnigen Angriff auf die Mo- mJV S'. DeU --.t,..." v»i ement unpnmgen �n. kää'ääs «och ewigen Tage» wurde wieder vorübergehend getrübt, dem Signalement de« Individuums entspreche, da? auf Herrn Freycinet oeschoffen habe. Diese wichtige Erkläiung wurde sofort dem Gericht mitgetheilt und in Folge dessen der Ange- klagte in's Kabinet des Untersuchungsrichters geführt, wo fich bereits Der Advokat Laguerre, der Vertheidiger oes Attentäter', befand. Der Untersuchungsrichter theilte dem Angeklagten mit, daß der von ihm reklamirte Vertheidiger anwesend sei und fragte ihn, ob er jetzt zu sprechen geneigt sei.„Uebrig-ms", setzte er hinzu,„wissen wir jetzt, wer Sie find, Sie heißen Marcotti und wohnen Rue Vaugirard". Der Angeklagte, der jetzt einsah, daß er erkannt war, gestand, daß er in Wirklichkeit Marcotti heiße, und ließ fich dann über die Motive seiner That in folgender Weise aus:„Ich war Werkmeister und beim Kanal von Suez, dann in Port-Said ange« stellt. Später begab ich mich mit meiner zwanzigjährigen Tochter nach Panama. Kurz nach meiner Äntunft find Agenten Nachts in mein Haus gedrungen, haben Alles geplündert und mein armes Kind genothzüchtigt, das zwei Tage darauf in Folge dieses Gewaltakts starb." Marcotti fing, als er dies erzählt hatte, heftig an zu weinen; er ergriff ein Album mit Photographien, welches man bei ihm vorgefunden und jetzt vor ihm auf dem Bureau deS Untersuchungsrichters lag, durchblät. terte es fieberhaft und zog dann eine Photographie hervor, die er dem Untersuchungsrichter zeigte mit den Worten: Da ist daS arme Kind! Man bat fie mir getödtet, entehrt und man will fie nicht rächen! Ich habe mir Recht zu verschaffen gesucht, aber man hat mich nicht angehört. Ich habe gekämvft, man hat mich ruinirt, zu Grunde gerichtet, fortgejagt. Ich bin mit meinen geringen Mitteln nach Frankreich zurückge- kehrt und habe aufs Neue versucht, mein Recht zu er- langen. Alle Anstrengungen waren vergebens. Ich hatte mit dem Elend zu kämpfen. Eine Zeit lang war ich Angestellter bei der„Agence HavaS", dann wurde ich krank. Man hat mich in der CharilS untergebracht, und als ich wieder hergestellt war, war ich ohne Stelle. Ich habe dann alle möglichen Metiers betrieben, aber ich verlor mein Ziel nicht außer Augen, mein armes Kind zu rächen. Aber was vermag ein Unglücklicher ohne Protektion, ohne Geld? Ich habe zu wiederholten Malen eine Klageschrift im Ministerium des Auswärtigen eingereicht, ich habe mich an verschiedene Ver- eine gewandt, aber nirgends fand ich Gehör. Und als ich einsah, daß alles umsonst war, faßte ich den Entschluß, auf irgend eine Weise die allgemeine Aufmerksamkeit auf meine Person zu lenken. Ich hatte durchaus nicht die Abficht, Herrn de Freycinct zu tödten, den ich nicht kannte. Ich habe nicht einmal auf ihn geschossen, ich habe auf den Boden gezielt und man wird die Kugel oder die Spur ohne Zweifel irgendwo auf dem Pflaster finden. Ich wiederhole es, nur Lärm wollte ich machen, um zu meinem Rechte zu kommen." Wie der„Nat.-Ztq." aus Parts tclegraphirt wird, fand gestern die Vernehmung des Ministers Freycinet vor dem Untersuchungsrichter statt. Der Minister soll mit aller Ent- schiedenheit der Anficht Ausdruck gegeben haben, daß Marcotti kein wirkliches Attentat beabfichtrgt noch begangen habe. 'Die baldige Entlassung Marcotti's gilt daher als wahr- scheinlich. G r o ß b r i t a u« i e Der englischen Gemeindeverfassung gemäß tritt am 1. November stets ein Drittel der Gemeinderäthe zurück und wird durch Neumahlen ersetzt. Diese Neuwahlen, welche vorgestern in ganz England(mit Ausnahme der Stadt London) stattqe- funden haben, find abermals, wie dies nun schon seit dem Jahre 1882 der Fall ist, zu Ungunsten der Liberalen ausge- fallen. Ein Telegramm aus London meldet der„Voss. Zeit." darüber: Wo bei den vorgestern in England und Wales statt- gehabten Gemeinderatbswahlen Wahlkämpfe stattgefunden, er- zielten die Konservativen Erfolge. Dieselben gewannen 74 liberale Sitze. In den Städten ist das konservative Element unstreitig im Zunehmen, waS fich bei den nächsten Parlaments- wählen fühlbar machen dürfte. Die Liberalen rechnen indeß auf große Erfolge in den ländlichen Wahlbezirken. Amerika. Aus Rio de Janeiro, Ende September, wird geschrieben t Nach mancher stürmischen Debatte hat das brafiliamsche Parla- ment jetzt das Sllaven-Emanzipations-Gesetz angenommen, mit dessen Einführung eine freudig zu begrüßende zivilisatorische Reform angebahnt wird. Auf Grund dieses Gesetzes wird in als die Stunde schlug, in welcher sich Menschen, die sich gegenseitig achten und liebe» gelernt hatten, vielleicht auf Nimmerwiedersehen von einander trennen sollten. Den frommen Missionär rief e« zu seiner Gemeinde. Er schied segnend und gesegnet, und ihn begleiteten Falk und die beiden Delaware». Ersterer, seinem Beruf und einem unwiderstehlichen Drange folgend, Kalifornien zu be- reffe« und kennen zu lernen, zugleich aber um seinem Freunde Werner einen Besuch abzustatten; letztere, um ein Revier zu entdecke», auf welchem die Biber noch nicht gänzlich au«- gerottet worden und deshalb noch eine erfolgreiche Zagd zu hoffen sei. Zanse», der trotz der jüngste« Erfahrungen mit einer gewissen Starrheit an der Lehre de» Mormonenthum» hing, wurde der Abschied von seine» beide» Nichte» und Weather- ton sehr schwer. Er schien die Trennung al» einen harte» Schicksal»schlag zu befrachten; aber wa« er fühlte und wa« ihm Kummer verursachte, da» verschloß er mit eiserner Willens- kraft in seiner Brust. Alle Bitte», mit ihnen zu ziehen und fich von einem Orte zu trennen, wo er so einsam und verlassen dastehe, wie« er mit ruhiger Festigkeit zurück.„Zhr habt jetzt einen junge« und kräftigen Beschützer," sagte er zu den Schwe- ster«, indem er Wealherton mit väterlichem Wohlwollen die Hand reichte,.er ist der Einzige in der ganzen Welt, dessen Fürsorge ich Euch anvertrauen möchte und in dessen Händen ich Euer Geschick gesichert weiß. Sollte ich mich dereinst wirklich zu vereinsamt fühlen und die Sehnsucht nach Euch mich übermannen, wa« hält mich dann ab, Euch zu besuchen?" Er sagte die« lächelnd und in sorglosem Tone, nachdem er aber Alle der Reihe nach umarmt und ge- segnet hatte und fich dann dem Westen zuwendete, da war es ihm, al» habe er einen Theil seines Lebens hinge- geben. Betrübt blickten ihm seine Angehörigen«ach; selbst der alte Raft, der eine große Zuneigung zu dem kleinen Erich gefaßt hatte und diesen auf den Arme« trug, ver- sicherte, daß e» schade um den Mann sei. Dann aber richtete« sie hoffnungsvollen die Blicke gegen Osten, wo 13 Jahren die Sklaverei in unserem Staate aufgehoben sein Wenn man jedoch die Todesfälle, die Freilassung der über 60 Jahre allen, sowie der Plantagen-Eklaven in Anrechnung bringt, so wird der Zeitpunkt, wo man von einer thatiächltchen Aufhebung der Sklaverei wird sprechen können, wohl etwas kürzer zu bemessen sein. Sklaven, welche daS 60. Lebensjahr erreicht haben, find sofort freizulassen; dieselben haben aber noch für die nächsten 3 Jahre bei ihren früheren Befitzern die gewohnte Arbeit zu verrichten. Der Staat kauft die übrigen Sklaven ihren Befitzern für eine genau festgesetzte Summe ab und hat dafür einen gewissen Betrag der jährlichen Zoll- und Steuereinnahmen zur Bildung eines Emanz'pationSfond« reservirt. DieS ist im Wesentlichen der Grundgedanke des Gesetzes._ Kommunales. Gewerbe-Schiedsgericht. Der von den Etadtoerord- neten Tutzauer und Genossen in der Stadtverordneten-Versammlung gestellte Antrag, betreffend die Einsetzung eines zu gleichen Tbeilen aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern be- stehenden Gewerbe-EchiedSgertchts wurde bekanntlich einer aus 5 Mitgliedern des Magistrats und 10 Stadtverordneten bestehenden gemischten Deputation zur Vorberathung überwiesen. Wie uns mitgetheilt wird, findet eine Sitzung dieser Deputation heute Abend im Rathhause statt. Zu Referenten find ernannt worden die Herren Stadtsyndikus Eberty und Eiadtv. Dr. Meyer ll. Städtischer Medtzinalrath. Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung folgende Vorlage— betreffend die Kreirung der Stelle eines städtischen besoldeten Sanitäts- beamten, deren Inhaber Mitglied deS Magistrats sein würde — zur Kenntnißnahme zugehen lassen: «Die Stadtverordneten• Versammlung hat in der Sitzung vom 26. Februar er. nachstehenden Beschluß gefaßt: „Die Versammlung beschließt nach dem Vorschlage des Etatsausschusses, die Stelle eines städtischen besol- Veten Sanitätsbeamten, deren Inhaber Mitglied deS Magistrats sein soll, zu kreiren und ersucht den Magi- stcat, fich hiermit einverstanden zu erklären und ihr den Entwurf des nach§ 29 der Städte- Ordnung erforder- lichen Ortsstatuts, in welchem event. auch die Kreirung einer neuen unbesoldeten Stadtrathsstelle vorzusehen ist, recht bald zur Genehmigung vorzulegen." Auf eine ähnliche Anregung hatte der Magistrat der Stadt- verordneten-Venammlung unter dem 15. April 1878 mitgetheilt, daß, so lange die Sanitätspolizei in den Händen der staatlichen Behörden liege, ein ausreichendes Feld für die Thätigkeit und durchgreifende Wirksamkeit eines ständigen Medizinalbeamten in der Kommunal- Verwaltung dem Magistrat nicht vorhanden zu sein scheine.— Dasselbe Verhältniß walte noch gegenwärtig ob und der aus demselben entnommene Grund sei auch bei der jetzigen Berathung der Angelegenheit wesentlich dafür maß- gebend gewesen, daß der Magistrat bei der damaligen Beschluß- faffung stehen geblieben sei. Der Magistrat hoffe, fich mit der Stadtverordneten-Versammlung im Einverständniß zu befinden, wenn er dahin strebe, die Sanitätspolizei für Berlin in den KreiS der städtischen Verwaltung zu bringen. Gelinge dieS— und wenn auch für's Erste nur in Bezug auf die eigenen (städtischen) Anstaltm und Einrichtungen—so falle jener hauptsächlichste Grund der Ablehnung feiten« des Magistrats fort. Stadtverordneten- Versammlung. An Stelle der ordentlichen Sitzung, welche in dieser Woche ausfällt, findet am Freitag, den 6. November c., Nachmittags 5 Uhr, eine außerordentliche Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung statt. Tagesordnung: Einige Penstonirungs- und Anstellungs- fachen— 8 Naturalisationsgesuche.— Vorschläge des Ausschusses, betr. die Vertheilung der diesjährigen Zinsen deS Vermächtnisses Königs Friedrich Wilhelm in.— Berichterstattung über die Vorlage, betr. die Herstellung von Bureauräumen in dem Stiftungsbause Breitestt. 10— Vorlage, betr. den Ver» kauf der Baulichkeiten auf dem zur Freileguna der Uorkstraße erworbenen Theile deS Grundstücks Hornstr. 25 zum Abbruch, — desgl., betr. die Skizze zum Neubau einer Gemeinde-Mäd« chenschule auf dem Grundstücke Auguststr. 67-63- desgl., betr. die erfolgte Revision eingelöster Zinsscheine von Berliner Stadtobligationen und Anleihescheinen— desgl« betr. die Gewährung einer Beihilfe zur Unterhaltung der Anstatt für ihre Heimath lag, wo ihnen die Zukunft so goldig entgegen« lächelte.— Trotz Raft'« täglich»wiederholten Betheuerungen, daß eine zeitweise Trennung der Gatten außerordentlich viel zum ehelichen Friede« beitrage, wie er zwar nicht au« eigener Erfahrung wisse, indem er«och nie in seinem Leben mtt etwas Anderem als einem seegerechten Dreimaster zusammen» gesplißt gewesen, wie ihm aber tausendmal von verheirathe- ten gute» Freunden versichert und beschworen worden sei, ließ Wealherton sich dadurch doch nicht zurückhalte», seiner jungen Gattt» zu Gefalle« dem Seeleben zu ent- sagen. Sie Alle, nämlich Wealherton, MrS. Hertha Weather« ton, deren Schwester nebst ihrem Kinde und sogar Raft be- wohnen jetzt gemeinschaftlich eine reizende Billa an einem der anmuthigsten Punkte de« Hudson, jedoch nahe genug beim Hafen von New-Aork, um von sieben zu sieben©tun- de« Ebbe und Fluth in dem stolzen Strom beobachte» zu könne«.— Raft machte nur noch eine einzige Reise ohne seine« „Dickte", wie er den Offizier außer Dienst, ohne gegen die Disziplin zu verstoßen, nennen durfte. Dann aber erklärte er, daß in Folge der Landreise sich ein böser Rheumatismus in seiner Hüfte festgesetzt habe, der ihn zettweise, namentlich wenn er auf die Lanvreise zu sprechen kam, stark hinke« machte, und daß er sich vor allen Dinge« auSkuriren müsse, ehe er wieder in See steche. Zst der Rheumatismus nun wirklich so hartnäckig, oder behagt der alten Theerjacke die eigens für ihn auf der Villa eingerichtete Koje, in welcher er nicht nur seine Hängematte, sonder« sogar auch seine wurmstichige Schiffskiste vorfand, so gut genug, er spricht immer seltener den Wunsch au«, zu seiner alte» Lebensweise zurückzukehren.— Wenn Weather» ton aber gar einmal Besuch von einem feüheren Kameraden, oder von sonst einer Salzwasser- Größe erhält, dann hinkt Raft plötzlich wieder so stark, daß Jeder fich theilnehmend nach seinem Befinden erkundigt und es ganz natürlich findet, daß volle fünfundvierzig Zahre schweren Dienste« auf See auch bei dem kräftigsten Menschen Spuren zurück- Epilepiische in Bielefeld— deSgl., betr. die Benutzung des FeftsoaleS und der an denselben angrenzenden fteflräume im Rathhause zu einem Bazar— deSgl., betr. die Wahl der Bei- 8ier und Beifltzer- Etellvertreteter für die bevorstehenden tadtverordneten-Ergänzunaswahlen�— k.deSgl., betr. den Ver« kauf der Baulichkeiten auf dem zur Freilegung der Vorlstraße erworbenen Tbeile des Grundstücks Möckernstraße 92—93 zum Abbruch— Antrag von Mitgliedem der Versammlung, betr. die Verlängerung der Wahlzeit für die Wähler der m. Abtheilung ber den bevorstehenden Stadtverordneten Ergänzungs- wählen— desgl., betr. den Tarif sür die Herstellung rlekrri- scher Beleuchtungsanlagen— Vorlage, betr. eine bei der ftest- stellung des Etats für die Volksdibliotheken pro l. April 1885/86 gefaßte Resolution— desgl., betr. den Verkauf deS auf dem Grundstücke Gilschinerstr. 1 befindlichen Schuppens zum Abbruch— desgl., betr. den Veikauf der neben dem Grundstücke Köniasstr. 37 an der verbreiterten Neuen Friedrichs- ftraße belegenen Baustelle— Beantwortung der Anfrage von Mitgliedern der Versammlung, betr. die Durchlegung der Zoffenerstraße und die Erbauung einer Brücke über den Land- wehr Kanal im Zuge der Alexandrinenstraße— Vorlage, betr. die Amtsniederlegung eines unbesoldeten Etadtraths— desgl., betr. die Festsetzung neuer Baufluchtlinien sür daS Terrain an der Herkulesbrücke— desgl., betr. den Nachtrag zum Statut der von riedrich-Wilhelm. Stiftung— desgl., betr. die Abtretung Zürgersteigterrain am Kottbuserdamm— drei Rechnungssachen— Vorlage, betr. die Kreirung der Stelle eineS städti- schen besoldeten Sanitätsbeamten— Berichterstattung über ein Naturalisaiionsgesuch— zwei Unterstützungssachcn— Vorlage, betr. den Ablauf der Mahlzeiten von zwei RatbSmaurermeistern. — Außerdem findet in dieser Sitzung um 7 Uhr die Neuwahl eines Stadtschulraths statt. Kokale». er. Es war eine wahre Orgie, welche die Meister der Innung der Damen-Mäntelschneider vorgestern Abend in Sanssouci feierten. Wir haben oft Gelegenheit, Versammlungen jeglicher Art zu besuchen, wir haben den turbulentesten Szenen in stürmisch erregten Volksversammlungen beigewohnt— nie« mals haben wir gesehen, daß fich eine Eprengkolonne mit gleicher Rückfichtslofigkeit, gleicher Roheit benommen hat. Männer gegen Frauen, parlamentarisch geschulte Männer noch dazu, die fich auf diese Eigenschaft nicht wenig zu gute thaten, ent- blödeten fich nicht, durch tumultuarisches Brüllen den Gang der Verhandlungen zu stören, fie gingen in ihrer innungS- meisterlichen Herrlichkeit sogar soweit, wehrlose Mädchen in der brutalsten Weise zu beschimpfen. Wir würden diesen un- augenebmen Gegenstand überhaupt nicht berühren, wenn wir nicht mit tiefer Entrüstung selbst Zeuge der flegclbatten Auf- tritte gewesm wären, die fich im Hintergrunde des Saales ab- spielten. Wahrscheinlich glaubte man sich dort sicher, dort konnte man seine Wuth über das selbstständige Vorgehen der Näherinnen unverhohlen Ausdruck geben, und diejenigen AuS« drücke, die man dort hörte, bestätigten voll und ganz das, waS mit berechtigter, leidenschaftlicher Erregung auf der Rednertribüne über die unwürdige Behandlung der Arbeiterinnen von Seiten der Arbeitgeber vorgetragen wurde. Das also find die Leute, welche verlangen, daß die Arbeiterin mit gekrümmtem Rücken zu ihnen kommt, um ihre Vermittelung um Erhöhung der Arbeitslöhne zu erflehen! Uns haben die Minuten nicht leid gelhan, die wrr unter dielen so hoch gebil- deten Männern verbracht haben, die theilweise angetrunken, fich nicht scheuten, Leute, die hoch erhaben über ihnen stehen, in daS Bereich ihrer schmutzigen Diskussion zu ziehen! Wenn jemals noch ein Zweifel über die Berechtigung der Bewegung der Arbeiterinnen bestanden hätte— daS Gebahren dieser Männer hätte ihn hinweggefegt: man kann eS der Arbeiterin nicht verargen, wenn fie fich auflehnt gegen ein so drückendes Joch. Wenn wir nun anderersetts fragen, waS haben die Leute mit dem, was fie zur Sache vorzubringen wüßten, nun erreicht? Nichts, absolut nichts, fie mußten unier dem erdrückenden Beweiematerial ihre Behauptungen zurück- ziehen, fie mußten zugeben, daß fie fich in jeder Beziehung „geirrt" hatten! Deshalb waren die Trompeter und Schluß- brüller in den Ecken deS Saales vertheilt— wahrhaftig, wenn die Innung ungeschulten Frauen gegenüber nicht mit anderen Waffen zu kämpfen weiß, dann muß es weit mit ihr Se kommen sein, dann kann fie fich selbst zu ihren alten, ver« himmelten Tladitionen legen. Die Witterung des Monats Oktober er. verlief im Allgemeinen böchst ungünstig und machte jegliche Hoffnung Spätherbst zu Schanden. Die ersten auf einen schönen.. Monatslage waren zwar noch leidlich warm, doch windig, trübe und regnerisch. Bei stets schwankendem Barometer trat dann stürmische, allmälig rauh werdende Wstterung ein, und erst gegen Mitte deS Monats waren einige ruhige regensreie und sonnige Tage zu verzeichnen. Der 16 und 17. waren abnorm warm; selbst Nachts ging das Thermometer nicht nicht unter 10,7 Grad; bald aber folgte wieder trübe, rauhe und regnerische Witterung, und wenn auch vom gelassen haben. Rast bestreitet dies selbstverständlich und behauptet, sein Leiden rühre von seinem Kreuzen auf dem Festlande her, und dieses sind mit die einzigen Gelegenheiten, bei welchen seine Narbe etwas blau anläuft. Sonst ist dieselbe immer schön rosenfarbig, so rosenfarbig wie seine Laune, wenn er in der zu der Villa gehörigen Sezel-Schaluppe auf dem Hudson kreuzt, oder auch eine Fahrt nach New-Bork unternimmt, um semen getreue« Maat und Freund, den ehrlichen Stelzfuß zu besuchen und mit diesem, bei einem steifen G-og, die alten Erlebnisie noch einmal überzuholen. Sammeln sich bei solche« Gelegen- heilen aber etliche junge neugierige Hände um ihn, und er beginnt ein Garn zu spinnen, so weicht er gar oft auS seinem KourS und erzählt fast mehr von seiner acht Monate langen Landreis,, als von seinem fünfundmerzrg Jahren Marinedievst. Er nimmt eS dann nicht so sehr genau mtt der Wahrheit und fördert solche Wunderdinge zu Tage, daß seine Zühörer nicht nur die Ohren, sondern auch Mund und Augen vor Erstaunen aufreißen. Für gewöhnlich spielt er auf der Villa die Rolle eines Haushofmeisters, doch sieht man ihn nie anders, als m feiner EeemannSttacht mit der silbernen Pfeife am Halse. Wenn Weatherton auch keine Ansprüche auf Pension hatte oder er« hob. so sorgte er doch dafür, daß Raft seinen Halbsold fort« bezog, welchen er selbst ihm dann noch für seine Dienst- leistungen im Hause verdoppelte. �, Auf diese Mise hat der alte tteue Bursche, der so ganz allein auf der Welt dasteht, eine über alle Erwartung behagliche Heimath für den Abend seines Lebens gefunden. Er sucht sich dasür auch nützlich zu machen und auf alle mögliche Art seine Dankbarkeit an den Tag zu legen. Er fischt, er angelt, er segelt, er schnitzt dem kleine« Erich aus koitlger Eichenrivde ganze Flotten auS und lehrt ihm die verschiedenen Fahrzeuge auf- und abtakeln, und zum Entsetzen von desien Mutter erzählt er dem Kleinen, der mit einer unbeschreiblichen Liebe an dem grim- miz dareivschauenden Bootimann hängt, so viele wunder- bare Seegeschichten, daß dieser schon gar nicht mehr die Zeit seines Eintritts in die Marine erwarte« kann. Raft aber lacht hinter dem Rücken der junge« Frau über deren 20. ab Wind und später auch Regen nachließen, so blieb doch das Wetter bis zum Monatsschluß meist trübe, kalt und un- freundlich. Der Monat Oktober, der fich sonst oft durch schönes beständiges Wetter auszeichnet, hat jetzt zwei Jahre die auf ihn gesetzten Hoffnungen zu Nichte gemacht; auch im vorigen Jahre war eS unfreundlich, kalt und regnerisch. Da der November erfahrungsmäßig nur in den seltensten Fällen freundliches Wetter bringt, der Dezember aber fast stets bereits den Charakter deS Wintermonats trägt, können wir für dieses Jahr nicht mehr viel Erfreuliches von der Witterung erwarten. Hoffentlich artet die augenscheinlich vorhandene Neigung zu Nebeln und Regenfällen nicht gar zu sehr auS. Nach den in dieser Zeitung veröffentlichten meteorologischen Beobachtungen auf der äußeren Station im Joachimsthalschen Gymnafium betrug die mittlere Morgentcmperatur(6 Uhr) im Berichtsmonat 6,1°, die MittagStempcratur(1 Uhr) 10,8°, die Abendtcmperatur(10 Uhr) 6,9°. Daraus ergiebt fich eine mittlere Tageitemperatur von 3,1°, d. i. 1,3° weniger, als dem Oktober nach langjährigen Beobachtungen zukommt. Der wärmste Tag war der 16. mit 13,5°, der kälteste der 31. mit 3,0° Tageswärme; die absoluten Extreme waren 17,5° am 1. und— 2,0° am 21. Letzterer Tag brachte den ersten, gleich ziemlich intenfiven Frost: außer an diesem Tage war noch zweimal eine negative Nackttemperatur zu verzeichnen. Ter Barometerstand war mit 752,0 mm bedeutend unter dem nor- malm. Die Schwankungen waren oft beträchtlich, die Minima besonders am 11. und 26. lang andauernd, während die Maxima am 4. und 15. rasch vorübergingen; die Extreme betrugen 766,0 mm am 15. und 738,1 mm am 27. Der Wind wehte vorherrschend aus Südwest, demnächst aus West. Ost- und Nordwinde gehörten zu den Seltenheiten, Südostwind wurde gar nicht beobachtet. Wind« stillen(Calmen C.) wurden 18 registrirt, meist im letzten Monatsdrittel, in welchem die Lustbewegung theilweise abnorm schwach war. Stürme wurden am 3., 5. und 23. verzeichnet. Die Windgeschwindigkeit betrug im Monatsmittel 19,45 Km- pro Stunde; fie schwantte innerhalb 24 Stunden zwischen 32,58 und 5,61 Km. Außerordentlich stark war die Bewölkung. Wmn 0 ganz Heller und 10 ganz trübe bedeutet, war das Monatsmittel 7,8. Fast die Hälfte aller Beobachtungen ergab völlig bedeckten Himmel, wäbrend nur 9 Mal ganz klarer Himmel beobachtet wurde. 16 Tage warm als trübe, keiner als heiter zu bezeichnen. Niederschläge fielen an 16 Tagen in der Höhe von zusammen 76 mm, d. i. 33 mm mehr, als dem Oktober zukommt. Die größle Regenmenge innerhalb 24 Etun« den wurde am 12. mit 20,2 mm festgestellt. Die Luftfeuchtigkeit betrug 77.7 pCt., sie schwantte zwischen 42 und 100 pCt. Beide Ertrcme kamen auffälligerweise am 21., letzteres früh, elfteres Mittags, vor. Reif wurde zweimal konstatirt. Elektti- sche Erscheinungen fanden im BerichtSmonat nicht statt. Weil leider noch ein Nachspiel zum Prozeß Graes droht, so sei hier in kurzem Einiges über die gegenwärtigen Verhättniffe d-r Rother'schen Familie mitgetheilt: Bertha Rother hat, wie das„Frdbl." berichtet, Berlin seit ihrer Frei- sprcckung uicht einm einzigen Tag verlaffen; alle die aben- teuerlichcn Gerüchte, die über fie in Umlauf gesetzt worden, find falsch. Sie bat fich mit ihrer Mutter eine Wohnung in einer Straße der Rosenthaler Vorstadt aemiethet und denkt auch nicht daran, zur Bühne zu gehen. Sie hat ihre jüngste Schwester Lieschen aus dem stadtischen Krantenhause zu fich gmommm und pflegt das brustkranke Mädchen bei fich zu Hause. Sie will mit Lieschen für einige Zell nach Italien gehen. Ihre Mutter hat bei der Staatsanwaltschaft eine Denunziation gegen die Zeugin Klara Adler wegm Meineides eingereicht, resp. bcabstchtigt fie einzureichm. Die Clara Adler, das frühere Dienstmädchen der Rother'schen Familie, soll nämlich nach dem Ausgang des Prozesses zu Frau Rother ge- kommen sein und ihr unter Thränen gestanden haben, daß fie von anderer Seite zur Ablegung eines falschen Zeugnisses de- wogm worden sei. Wenn der Denunziation wirklich Folge ge- geben werden sollte, so würde der Prozeß, wie oben gesagt, noch ein Nachspiel finden. Anna Rother geht wieder ihre eigenen Wege. Sie ist wieder Modell des jungen Malers St. ge« worden. Der alte Rother hat fich mtt seiner Frau nicht ausgesöhnt und seine Wohnung bei der als Zeugin vernommenen Plätterin Beskow behalten. Ter Kutscher Ihlow aber, der in seiner Glanzzeit den Sportsman spielte und Mitglied des famosen„Rixdorfer Reitervereins" war, fährt wieder als einfacher Kutscher Droschke. g. Mit welcher Langwierigkeit oft die Behandlung von Personen, welche mit ansteckenden Krankheiten behaftet find, verbunden ist, beweist folgender Fall. Im städtischen Krankenhause Moabit definden fich gegenwärtig vier Kranke, welche an verschiedenen ansteckenden Krankheiten leiden: ein Mann an Pocken, eine Frau an Pocken, ein Mann an Fleck- typhus oder Rekurrens, eine Frau desgleichen. Jeder einzelne Patient fiebert stark, braucht 2 Pfleger, nämlich einen für den Tag. den anderen für die Nacht, macht also 2 mal 4 gleich 8 Personen. Damit nun die Kranlheit im Krankenhause nicht weiter verschleppt wird, müssen die Gebäude, in denen die Kranken untergebracht find, für die Dauer der Krankheit von Besorgniß, und fteut sich schon darauf, auch Wcatherton's kleine Nachkommen bald in die Schule nehmen zu können. Auf Editha Holmsteo'S Wangen sind die Rosen wohl wieder zurückgekehrt, doch wenn auch ihr Leben so recht friedlich dahinfließt, die ihr von allen Seiten zu Theil werdende Liebe sie innig beglückt, und sie in ihrem Knaben auf's Neue aufzuleben scheint, so ruht doch ei« unvertilg- barer Schimmer sanfter Schwermuth auf ihrem ganzen Wesen, ein Schimmer, der die Herzen Aller, die mit ihr in Berührung kommen, nm noch mehr zu ihr hin- zieht.— Um»un endlich zu schildern, wie Hertha und Weatherton in ihrem gegenseitigen Besitz ihr ganzes irdisches Glück fanden und täglich«och immer mehr finden, müßte ich sie von Angesicht zu Angesicht vor mir habe»; ich müßte in ihren Augen, in ihren Blicken lesen können, und den- noch, ich fühle eS, würde ich einer solchen Aufgabe nicht gewachsen sei«. Weatherton segnet de» Tag, an welchem er sich zur Reise nach dem Salzsee entschloß, und innig beglückt schmirgt Hertha fich an ihn, wen« er, indem er ihr zärtlich in die schönen blauen Augen schaut und die gewellten blonden Haare von ihrer reinen Stirn streicht, i» Erinnerung ver- gangener Tage und der wunderbaren Begebenheiten, welche» sie ihre Vereinigung verdanken, sie schmeichelnd nennt: sein herziges Mormonenmädchen. Meine Erzäbluvg ist zu Ende. E» bleibt mir nur»och übrig, das Endgeschick einzelner Personen mit wenigen Worte« zu berühren. Der Baron überlebte seinen älteren Kameraden nur kurze Zett. Er starb an jener schrecklichen Krankheit welche so vielfach dem übermäßigen Genuß geistiger Getränke folgt. Der unbestimmte Wunsch, auf künstliche Art die Vergangenheit aus seiner Erinnerung zu streichen, sei» ganze« ftühere» Leben zu vergessen, gereichte ihm zum Verderbe«• er wurde mit sehr wenig Förmlichkeiten neben seinem Qn. meraden in den Wüstensand eingescharrt. (Schluß folgt.) dem übrigen Verkehr im Krankenhause abgesperrt werden.& Pflegelpersonal darf daher während dieser Zeit den## auch nicht verlassen und ist eS deshalb nöthig, daß alleS W waS fich sonst die Wärter selbst besorgen, wie Wäsche wcM Essen und Arzenei holen rc. von einer anderen Person gern» werden muß. DieS ist im angezogenen Falle die neuv Person, der Hausdiener. Dazu kommt, daß auch die Zeit l luiiuiu, üub aucy oic aw behandelnden Arztes nicht entsprechend ausgenutzt werden las da derselbe ge, wungen ist, zwischen dem Besuche eine! l» steckenden Kranken und den übrigen Visiten, um die w der Uebertragung herabzumindern, eine längere Pause einmv zu lassen. b. Angenehme Familienverhältnisse. Unter den Lich' stürzt eilig ein elegant gekleideter Herr in eine Droschke«Ps klaffe. Eine feine Dame ballt voller Aufregung, die 0#: und Umgegend ganz vergessend, hinter ihm her die Faust � ruft ihm nach:„Ter Lümmel— der gemeine Schuft!" wendet fie fich gleichsam entschuldigend an den Schutzm# Posten hinter ihr:„DaS ist nämlich mein Eohn!"„Ja", � der Hüter der Ordnung trocken, und damit ist seine Theiln� erschöpft. UnS aber schwebte noch lange das verlegene% des Sünders und der im Zorn noch immer schönen iW oes eunoers und ver rm Zorn noch rmmer schonen Dame vor. Und wir sahen fie in Gedanken 30 Jahre M zärtlich über die Wiege des blonden'Ä'ebtt'ngs gebückt.% ''~ �......"" schauerte eS; hin W heut:„Der gemeine Schuft!" UnS der Segen der Mutter, der erhält, was der Vater*— r Mittel? Einbruch wurden am 1. d. M. einem*. Hagelsdergerstraße wohnhaften Beamten Wertbpapine J' Silbersachen— elftere im Betrage von 2500 M. aus'E Vuveriacyen— etjterc tm Belrage von 2500 M. aus Wohnung gestohlen. Die Wertpapiere bestanden zum Theil aus der 4 prozentigen preußischen Staats. Anleihe � unaarische Goldrente. Da der iW-mW NerWAm die 1#■ ~ Ali de t°gs. bei 1 anderen 31 nach der( mengung M den% bat. ob keung du «ichc wur l»! bracht wer ei Drei! Pkaflttnm theiluna dl Äü ungarische Goldrente. Da der Inhaber derselbe« die � empfehlende Vorficht gebraucht hatte, die Talons von" Stücken getrennt aufzubewahren, und die Diebe die m nicht gefunden haben, so konnten dieselben die Papier«� verwerthen und haben fie, wie schon wiederholt vorgek�. in einen Brieflasten des Etadtpostamts gesteckt, wo st' 3 II @5 üS'uniann Arbeit von in mnu«es<®iaoipo]iami0 gtiictn, wo r« j aefunden wurden. Von den gestohlenen Eilbersachen, W? 7 größeren und kleineren Löffeln bestanden, und mit E- l-S W 4n.vDv4v«> u«»v uiuKicii-cufrem oenemoen, uno mu* N. gezeichnet waren, ist bis jetzt noch nichts ermittelt � eln lNlt E. L. gezeichneten Eßlöffel war„zum AndenK* P. den 10. August 1858" eingravirt. � Unfälle auf den Pferdebahnen. Im Monat 6% der d. I. gelangten in Berlin auf sämmtlicken Pferde*� bohnltnitn 161 Zusammenfiöße und Betriebsstörungen 16 Unglücksfälle zur polizeilichen Kcnnlniß und W Von den Betriebsstörungen wurden 2 durch Zusati.--�. von Pferdebahnwaggons untereinander. 102 durch Zusa� ftöjje von PferdebahnwaggonS mtt Etraßenfuhrwerk durch andere Umstände veranlaßt. In Folge der Zusf- und stöß- wurden 105 Pferdebahnwaggon- und 51 Straß m AM 0..f_________ W-M si werte beschädigt. Von den Zusammenstößen wurden Verschulden von Pferdedahnkutjchern, 51 durch Versck» SS -----VI v.„v„uyiiiu»|uyu,ll, i'ger Weise beeinflußt. Die gezogene Glückt ungünstiger % "°chen. »Ä wl zun lant «sm--..............-- m""__ a'iS � auch dem andern ist man aus der Spur.. rti» .Durch einige hiesige Zeitungen ging kürzlich»''� therlung, daß wahrend der diesjährigen Ausstellung'V werven mehr als 200 Taschendiebe, zumeist Deutsche, dortigen Polizeiorgane festgenommen worden seien. Nachricht wenig glaublich klang, hat das Polizei fich von dem Commissaire de police en cbef zu• eine Auskunft erbeten und unter Uedersendung eineS- Verzeichnisses dm Bescheid erhalten, daß die Zahl der tele« deuischen Taschendiebe 13 deträgt, worunter 2 1 fich definden. Außerdem find wegen anderer Vergehe" gerei, Widerstand ,c.) 16 deutsche Reichs angehörrge worden. Das Herannahen des Weihnachtsfestes künj bereits aus den Straßen an, wenigstens hat die � Weihnachtsmarkt schon eröffnet, ohne de zielle Ankündigung erst abzuwarten. Der Handel � mannern. Knarren und Waldteufeln wird schon * Kl IÄbb iw- R Swi s W in, w wcroen vre sugenoirchen Verkäufer doch Waare edem Vorübergehenden in dem unverfälschte"�/ 2%%%� anzupreisen, und einige Grosse" das Geschäft doch ad. tz i tÄ Nur mit Gewalt konnte M. von der irttlicherset»�_ Theater,. Die überaus an�.� KWWEW WZWZM #### 1 mm t�e« W SB Strc oerdea. � tn P°» che wM ;fon ß«»1' .rs Verden M e ein«»-» die m ufe einM x den Linie "«$ M Schutml«� ü fSl inem Ui' PSg SC ns 0% die«if. P-via-'? rtl chen, in- j nit Rt mittelt- Anden«-- znat $f«: brUNfltf Un usai»»-� »FÄ r Zu Siral Ali der Arbeiter Gumpert an demselben Tage. Nachmit« >»08, bei den AbbruchsarbeÜen in der Taubenstr. 20 mit drei n-wten Arbeitern eine etwa 5 Zentner schwere Eisenschiene nach der Straße schaffen wollte, wurde er in Folge der An Mengung vom Blutsturz befallen und fiel zur Erve. Den an- ®ttMi Arbeitern wurde in Folge deffen die Schiene zu schwer, M ließen dieselbe fallen und traf dabei das eine Ende dersel- n.«! Jliil 'K- Ä. der am 6. Juli er. stattgehabten Versammlung der ®!'6f fu!r n?gemeine drohende Redensarten ausgestoßen, i&rG ifch nach der Bekundung deS Polizeilieutenants Mar- °uf dre in der Versammlung anwesenden Buchbinder ...... daß sie JO&hT uw � die?-« Wennigser bezogen. Beide bekundeten, ?bdein,» n Ncrn eine Drohung nicht gehört haben, von den Ninel«« v®01 fie schließlich auS dem Lokal hinausge- � AeckHuÜ Der Gerichtshof folgte den Ausführungen Kuventhal, daß zur Anwendung deS Straf- -rsoideriirf! ,�"� Einwirkung auf den Willen der Anderen lochen,'bi. Auch diese Angeklagten wurden daher frcige- eigenartigen, anscheinend unheilbaren Manie Mein ,vw Rudolph L. ergriffen worden. Er stand M-rstanr,, �jKften Male wegen Beav L. erlitt im 4'%'" iste Staatsgewalt vc ffch-Iben ijlprrtit. �880 die erste Strafe von 30 Mark wesikn Aeilung d-r und von dieser Zeit an folgt eine Verur- b?ngtc Sw, r®"n auf dem Fuße; die zuletzt über ihn ver- ßeschirf,. betrug vier Monate Gefängniß. Der Mann ist rügender �Lr �ger Arbeiter, ein guter Ehemann und ein >-ch sein« m». bnvater, aber er kann die Schutzleute nicht Lankhafixp-nbncrgung gegen diese Beamten hat einen fast �'amer, �barakter angenommen. Der Landgerichtsrath und in k" allen Fällen zu verurtheilen hatte, hat in ? iich und �"-dringlichsten Weise ihm vorgehalten, daß i chöri*! Familie unglücklich machen würde, wenn er b°t ihn"ud zwecklose Handlungsweise nicht aufgäbe, er � Nack.5�, seine bisherige Wohnung auszugeben srÄ» Issi'u" vern.k1 wieder auf der Anklagebank Platz nehmen -astitt sowie er seine Feinde zu Gefichte dekommt, dein friil""t den größten Beleidigungen. Die Schutzleute ""neren Revier kennen ihn schon und zumal des ihnen der Angeklagte auf dem Nachhausewege i.'ch ß'ngen fie ihm gerne aus dem Wege, um ihn nicht vj V Anblick zu reizen. In der Nacht zum 15. Mai zwei Schutzleute In einer Restauration in ...lhiq �raße fitzen und sofort wurde der alte Groll wieder fo b'fQu'"®r begab fich nach dem betteffenden Revierpoli- sB'IhtioH,""d stellte an den wachhabenden Beamten das Mün??' derselbe solle die beiden Schutzleute aus der .°bd, oJ'on holen laffm- Als sein Verlangen kein Gehör ,.bS i(t Ü. er an zu toben und mußte schließllch mit Gewalt jßln, A-uche entfernt wwden. Der Vertheidigrr des Ange- b, �cktsanwalt Dr. Ealomon, hatte zum gestrigen Ter- a,k bekannten Irrenarzt Professor Dr. Mendel mit zur ! An&.sr und beantragte, diesen über den Geisteszustand ™ lafftn Ptn zu vernehmen, eventuell den letzteren cxvloriren >,■ Der Vertheidiger führte aus, daß der Verfolgungs- l.?b»Nkn\ Angeklagten einen so krankhaften Charakter ange- &i,' o, deffen freie Willensbestimmung ausgeschlossen «i* TeriÄ�ilagte leide an dem sogenannten..Blaukoller." .°d. d«.�tShof lehnte Öii"'"'- m' V •n lehnte die Beweisanträge deS Vertheidigers % w -W m SM k ZÄ d Srm.ss ö�iagten, der sich vor Bericht äußerst ruhig * ch ein. benahm, für geistig völlig intakt hielt, der nur 'bbe Jz* Jn Lyck, vor der 100. Abtheilung deS hiefigcn Schöffen- ? bttez ri'«ontaioiten. In einem in Nr. 72A des genannten got tzi.% 26. März er. veröffentlichen Korrespondenzartikel Mer W-schästsprariS der Kreditgesellschaft Lyck in sehr . die«Bf?.!®, knlistrt und behauptet. daß dieselbe, q�zudeKt�?ung der christlichen Mitglieder noch weiter k"stor.'..'-Mr einen bankerotten Juden zu ihrem ß?nb, ��Z-wählt hatte. Der Angeklagte machte den Ein- °aß er über die Aufnahme der Artikel gar leinen in f r---- ?st(h[L' bfn bekommen. Der über diese Behauptungen vor- b»ß..Zeuge Etem vermochte nur zu bekunden, leoek.-®bef sehr häufig direkt Manuskripte in die Druckerei habe. Der Vertreter des Klägers, Rechtsanwalt 5 in hnii brachtet eine exemplarische Strafe für angezeigt, die l,on 14 Tagen Gefängniß in Anttag dringt. Der bof verurtheilre den Angeklagten zu zwei Monaten Ge- \__ r w r«»*... i w• t_ I IM � J!__ SL-i... J r. %dunT unb in der„Voss. Ztg." zu. In der iersck!?? bteß es, daß die Einwände des Angeklagten seine k— nicht ausschl-i-l-n Tl«» nenm hm Neivatkläaer schuldigungei solchen Art MKMWN«» von Presse, deren Äntisemitismu» .....'k«K SS %%%&°S'L- Strafmaß weit hinausgegangen werden. Erfurt, 1. Novbr. In gestriger Sitzung hiefiger Ettaf- kammer stand nur eine Verhandlung an, doch ist dieselbe von weitgehendem Jntereffe. Auf der Anklagebank erschien der Brauereibesttzcr Heinrich Weber aus Nordhausm. Der mitan- geklagte Gymnasiallehrer Dr. Max Rüge in Steglitz bei Ber- lin, welcher im Jahre 1884 von der deutsch freifinnigen Partei in Nordhausen und Umgegend als Reichstagskandivat aufge- stellt worden, war nicht erschienen. Es war einem Antrage, ihn kommissarisch vernehmen zu lassen, Folge gegeben worden. Die Genannten standen unter Anklagte, fich eines Verstoßes gegen den§ 1 der Königl. Verordnung vom 15. März 1850, welche gebietet, daß Versammlungen, in denen öffentliche Angelegenheiten eröttert werden sollen, poli« zeilich angemeldet werden müssen, schuldig gemacht zu haben. Als Vertheidiger beider Angeklagten amtirte Herr RechtSan- walt Dr. Tracger-Nordhausen. Am 25. Oktober 1884 fuhr der Wahlkandivat Herr Dr. Rvge in Begleitung des Brauereibe- fitzer Weber und des Gärtner Hennecke lletzterer war während der Fahrt aufgestiegen) von Nordhausen nach dem Orte Urbach. Im Stechard schen Gasthofe stieg man ab. Abgesandte be- werkstelligten, daß am Abend einige 20 Urbacher in der Gaststube erschienen und die politischen Erörterungen des Reichstagskandidaten anhörten. Man sprach untereinander über Kornzölle, Steuerverhältnisse, Militäroerhättnisse u.s. w. Plötz- lich trat der Gendarm Hufschläger ein und machte Herrn Brauereidefitzer Weder die Ätttherlung, daß er(der Beamte), Rapport über diese Versammlung erstatten müsse. Dies geschah auch. Das Schöffengericht zu Ilfeld verurtbeilte Dr. Max Rüge und den Ärauereibefitzer Weber am 15. Januar 1885 zu je 20 Mark Geldstrafe oder je 2 Tagen Haft, sprach aber den Mitangeklagten Gastwirth Stechard stei- Die beiden elfteren legten Berufung ein und erzielten in der Sitzung der Straf- kammer zu Norvhausen am 11. April ein freisprechendes Urthcil. Die kgl. Staatsanwattschaft machte hiergegen vom Rechtsmittel der Revifion Gebrauch und der Strafsenat des Kammergerichts hob das zweitinstanzliche Urtheil auf und wies die Sache zur nochmaligen Verhandlung und Entscheidung an die Straf- kammer des Landgerichts Erfurt zurück. Der Gerichtshof ge- wann gestem die Ileberzcuaung, daß beide Angeklagte schuldig seien, da die inkriminitte Zusammenkunft als eine Versamm- lung, in welcher öffentliche Angelegenheiten erörtert werden, anzusehen wäre, auch anzunehmen sei, daß beide die Abstcht gehabt hatten, eine solche Versammlung zu veranstalten. Petersburg, 31. Oktober. Der am 20. Oftober n. Et. bei dem hiestgen Gerichtshofe begonnene Prozeß gegen den ehemaligen Kronstädter Polizeimerster, Flottenkapitän Golo- watschew, welcher nebst einem Polizeibeamten wegen einer Reihe von Amtsvergehen aus Eigennutz, wie Erpressungen, Bestech- lichkeit rc- angeklagt war, endete heute mit der Schuldig- sprechung beider Angeklagten durch die Geschworenen. Dieselben wurdm zur Entziehung aller Rechte und zur Verbannung nach Sibirien verurtheilt. Da dem Mitangeklagten Polizeibeamten mildernde Umstände bewilligt werden, so wird bei dem Kaiser die Umwandlung der über ihn verhängten Strafe in Ausschließung aus dem Dienste nachgesucht werden. Golowatschew, welcher diDer auf freiem Fuß belassen war, ist nunmehr ver« ereine und Uersammlungen. de. Eine Mäntetnähertnnen-versammluna tagte am Montag in„Sanssouci", Kottbuserstr. 4a, unter Borsttz der Frau Stägemann. Frau Büge wendete fich zu einer ausführ- lichen Widerlegung der Verdächtigungen, welche gegen fie und die Mäntelnäherinnen-Bewegung in der öffentlichen Versamm- lung der Damenmäntelschneider am Montag, den 26. v. MtS., erhoben worden find. Beschimpfungen aller Art würden die Arbeiterinnen nicht hindern, ihren Weg unbeirrt zu gehen und ihre gerechten Forderungen zu verwirklichen. Grünftam- Händlerinnen seien nickt in der Kommisston, da man noch in der Lage sei, tüchtige Mäntelnäherinnen zu haben. Wenn fie lRednerin) auch augenblicklich nicht Mäntel nähe, so habe fie doch s. Z. für bedeutende hiestge Geschäfte gearbeitet. Aller Streit und alle Noth seien mit einem Schlag durch Be- willigung der Forderungen der Arbeiterinnen zu beseitigen. (Bravo.) Die Firma Gebrüder Singer sei in jener Versamm- lung heftig angegriffen worden; fie(Rednerin) könne konitatiren, daß diese Firma keine schlechteren Preise zahlt, als viele andere, die zu den humanen Geschäften gerechnet werden. Es gebe viel schlechtere Geschälte die, trotzdem fie schlechtere Preise zahlten, doch nicht mit solcher Rückstchtslostgkeit an den Pranger gestellt würden, wie es mit der Firma Singer geschehe.(Lebhafter Beifall.) Rednertn fordert zum Schluß die Mäntelnäherinnen auf, fich weder durch Drohungen noch durch teere Versprechungen beirren zu lassen und stets daran zu denken, daß tief eingerissene Uebelstände fich nicht auf einmal, sondern nur schrittweise und dadurch be- seitigen ließen, daß alle treu und standhaft zusammenhielten. (Lebhafter Beifall.)— Fräulein Ottilie: Die Regierung nimmt fich unserer Bewegung an und wird unS helfen. Die Mäntel- Näherinnen müssen selbstständiger werden. Wenn Grünftam- Händlerinnen die Bewegung leiten...(Große Unruhe). So- lange G.'ünftamhänvlerlnnen an der Spitze stehen...(Etür- mische Unterbrechung. Rufe: Schluß— Die Rednerin verläßt die Tribüne.)— Frau Stägemann: Ich befitze keinen Grünkramhandel mehr, ich habe eine Nähstube errichtet, wo Näherinnen, die gemaßregelt find, lohnende Arbeit finden. (Beifall.) Es kann den Arbeiterinnen gleich sein, wer an der Spitze steht, rvenn er nur ein warmes Herz und einen hellen Kopf hat.(Beifall.)— Fräulein Wabnitz: Es thut mir leid, wenn in öffentlicher Versammlung Frauen gegen einander stehen. Das sollte vermieden werden. Die Schneider wünschen, daß wir fie um höhere Löhne bttten. Wir bitten aber nicht, sondern wir fordern. Sie thun so, als hätten Sie ein Privi- legium auf daS Mäntelnähen.(Beifall.) Wir find denuyzjrf worden, wir seien Sozialdemoftajxn. Wir find aber' nichts äls'ManteknSherinrren, die ssoyeren Lohn haben wollen. Die Fachkommisston muß einen Lohntarif ausarberten, nach dem zu zahlen ist.— Herr Auerbach: Was ist so mancher der gro- )en JnnungSschneider'MllbfDwesen, der jetzt die Kaufleute o heftig angreift? Selbst Kaufmann, wie Herr Asch z. m Löhne und behandelt........... Immer wird Herr Paul Singer so behandelt, als wenn die Firma des Geschäfts PaUl Gmger wäre und nicht Gebrüder Singer. Die Firma wird fich gegen alle Verleumdungen zu schützen wissen.(Beifall.) Frau Krankemann: Die General- Versammlung hat die Fachlommisfion zum selbstständigen Han- dein gewählt und das soll erst bewiesen werden, daß die Fach« kommisfion ihre Schuldigkeit nicht gethan hat.(Beifall.) Herr I. Kreutz: Alle Arbeiterinnen müssen fich einem von den zwei Frauenvereinen anschließen. Die Lertung der Mäntelnäherinnen- deweguna muß in Händen von Personen liegen, die öffentlich gewählt find und momentan Mäntel nähen. Außer den sieben Personen müssen drei Arbeiterinnen als. Mitglieder einer Revifions- Kommisston gewählt werden, die alle 4 oder 6 Wochen in öffentlicher Versammlung Rechenschast über die eingelaufenen Gelder giebt. Dre gewählten Per- sonen müssen erklären» daß fie ihr Amt als Ehrenposten betrachten und k-ine Bezahlung nehmen.(Beifall)— Frau Ferlau: Wir werden Sozialdemokraten genannt. Ich möchte gern wissen, ob wir es find. Wenn alle diejenigen Sozial- dcmokraten find, die ihr gutes Recht verfechten und als Men- schen leben wollen, bin ich es auch.(Beifall.) WaS verstehen wir Frauen von Politik? Wir find nicht konservativ, nicht fortschrittlich, nicht—„deutjchirrfinnig".(Heiterkeit.)— Herr Mart. Meyer: Auch heute find viele schöne Reden gehalten, aber nichts ist gethan. Es ist wieder eine Radauversammlung. (Stürmische Unterbrechung.) Der Redner versucht weiter zu sprechen, verläßt jedoch, da ihm dies nicht möglich ist, die Tribüne.— Herr Maaß, Schneidermeister: Sie greifen unausgesetzt die Schneidermeister an, die doch auch Menschm find, die mit Ihnen fühlen. Ich habe mehrere Jahre für Singer gearbeitet. Herr Singer weiß selber nicht, welche Presse sein Geschäft zahlt. Die Innung hat fast gar keinen Einfluß, da fie nur 350—400 Mitglieder, kaum der zehnte Therl der selbstständigen Damenmäntelschneider Berlins, zähtt.— Frl. Jagert konstatirt, daß, als fie bei Herrn Maaß für Singer arbeitete, dieselben Preise bei S. gezahlt wurden, als bei Krafft und Lewin.— Herr Maaß behauptet, daß die Firma Singer den Preis für die Stapelartikel gedrückt habe. Die weitere Debatte artete in persönliche Angriffe der ver- schiedenen Rednerinnen gegen einander aus, welche der Be- wegung durchaus nicht zum Nutzen ac reichen können. Die sammlung wurde geschlossen, ohne daß ein Beschluß gefaßt worden wäre. bte. Im Fachverein der Barbier- und Friseurge- Hilfe«. deffen Versammlung am Montag Abend Alexander- sttaße 31 unter Vorsitz des Herrn Küschmann tagte, wurde nach einem Referate des Herrn Eündermann über die Zwecke und Ziele der Arbeiter-Fachvereins-Bewegung sehr ledhast über die von den Barbier- und Friseurgehilfen zu bekämpfenden Miß- stände debattirt, deren Beseitigung nur durch zahlreichen, all» gemeinen Eintritt in den Fachveretn herbeizuführen sei. Der Verein erstrebt zunächst die Abschaffung der von der Innung hochgehattenen sogenannten Attestbücher und der üblichen, eine Art Verrufserklärung darstellenden Publikationen im Verein?» organ der Barbiere, wenn ein Gehilfe bei Konfliften mit dem Prinzipal gegen diesen„fich vergangen hat". Ferner: V-r- kürzung der Arbeitszeit' dieselbe soll künftig an Werktagen im Sommer höchstens bis 7 Uhr, im Winter bis 8 Uhr Abends, an Sonntagen im Sommer bis 2 Uhr Nachmittags und im Winter bis 6 Uhr Abends dauern. Bei der in der Versamm» lung vollzogenen Vorstands- Ergänzungswahl wurde Herr Küschmann zum ersten, Herr Metnecke zum zweiten Vorfitzenden gewählt. dfo. Die öffentliche Versammlung der Dachdecker, welche Sonntag Vormittag Alexanderstr. 31 unter Vorfitz deS Herrn Matz stattfand, besckäftigte fich mit der Lohnfrage. Zu- erst erstattete Herr Hanke Bericht über den Erfolg des an die Meister versandten Schreibens, in welchem der Wunsch der Kommisfion ausgesprochen wird, mit den Meistem über eine von den Gesellen Berlin? vom 15. März künftigen JahreS ab beanspruchte Erhöhung deS bisher gezahlten Minimallohns in Unterhandlung zu treten. In dem darauf eingelaufenen Ant- wortschreiben lehnt eS die Innung ab, mit derLohnlommisfion direkt zu verhandeln, und verweist letztere an den Gesellenaus- schuß der Innung. Dieses Schreiben, bemerkt der Referent, sei inzwischen von der Lobnkommisfion bereits dahin beantwortet worden, daß fie ihrerseits den Jnnungs-GesellenauSschuß nicht für kompetent erachte, zumal fie bis jetzt von der Existenz resp. von einer öffentlich vollzogenen Wahl eines solchen auch noch nicht das Geringste gewußt habe. Eine solche soll auch, wie ein in der Versammlung anwesendes Milglied dieieS Aus- fchuffes, Herr Feuerstein, später selbst mittheilte, keineswegs stattgefunden haben, der jetzige Ausschuß vielmehr ein vom Jnnungsvorstande selbst aufgestellter sein. Ein zweites, vom Referenten zur Verlesung gebrachtes Schreiben an die Kom- misfion geht vom Verein der selbstständigen Dachdecker aus. Dieser Verein erklärt fich mit einer Lohnerhöhung im Früh» jähr einverstanden und zu Unterhandlungen darüber mit einer von der Gesellengeneralversammlung zu wählenden, auS drei Mitgliedern bestehenden Kommisfion bereit. Der Re- ferent empfahl, auf diesen Vorschlag einzugehen. Als aufzustellende Forderung schlug der Referent einen einheitlichen Minimal-Lohntarif von 50 Pfg. pro Stunde bei neun« oder zehnstündiger Arbeitszeit und für das mit besonderer Anstren- gung und allerlei Widerwärtigkeiten verknüpfte Fassaden-Ab- waschen vor Beginn des eigentlichen Tagewerks in den Stunden von 3 bis 5 Uhr Morgens pro Stunde 1 Mk.— Nach einer animirten Distusfion im Sinne des Referenten faßte die Versammlung einstimmig dementsprechende Beschlüsse. Zu De» putirten behufs Verhandlungen mit dem„Verein seldsiständi» ger Dachdecker" wurden die Herren Hanke, Keller und C. Matz gewählt. Auch wählte die Versammlung Herrn C. Matz zum Mitglied der Lohnkommisfion. Zum vöttcherstreik wird uns geschrieben: Da bis jetzt viele Unwahrheiten über unsere Arbeitseinstellung verbreitet worden find und wir sehr wenig in die Oeffentlichleit ge- gangen, so diene folgendes zur Aufklärung. Am Sonntag tagte in H eise's Salon. Lichtenberstraße 21, eine allgemeine Böttchergescllen-Vcrsammlung unter Vorsttz deS Herrn Hollt» mann, in welcher der Bericht der Kommisfion und die Be- rathung der Statuten des neuen Fachoereins auf der Tages« ordnung standen. Herr Holltmann theilte der Versammlung mit, daß Herr Koch, Faßfabritant, endlich nach vierwöchent» lichem Streik doch die Forderungen der Gesellen bewilligt hat. In einem Briefe an die Lohnkommisfion theilte er mit, daß er schon vor 10 Tagen seinen Gesellen das Verlangte bewilligt hätte und er fich wundere, daß die Gesellen noch nicht an- fangen zu arbeiten. Der Grund lag aber tiefer; Herr Koch batte so viel Prozente auf seine Maschinen in Anrechnung ge- bracht, daß die Kommisfion nicht darauf eingehen konnte. Zu- letzt hat er doch nachgegeben und will so gut bezahlen, wie alle anderen Arbeitgeber in der Bierfaßbranche. Wir haben so gut wie gefiegt, es sehten nur noch einige kleine Werk» stellen und Brauereien, über welche die Sperre verhängt worden ist. Die Versammlung nahm folgende Resolution an: „Die Versammlung protestirt entschieden gegen das Vorgehen der Herren Beckmann(Spandauer Brücke) und Hippold (Hasenhaide) wegen Einführung fremder Gesellen aus Prag (Böhmen) und verpflichtet fich, nur bei solchen Wirthen zu verkehren, die ihr Bier aus den Brauereien beziehen, in denen unsere Forderungen bewilligt wurden. Die Versammelten wünschen, daß fich die ganze Berliner Bürger- und Arbeiter» schast diesem Proteste anschließen möge." Die Forderungen find außer den schon früher genannten Firmen dewilligt bei Lüpvs(Friedrichshain), Schloßbrauerei(Echönebcrg) und Oswald Berliner. Versammlung am Mittwoch, Uhr, Bergstraße 68. Tages» den achverein der Tischler. November, Abends 8'/, ordnung: 1. Ein medizinisch-wissenschastlicker Vortrag. 2. Ver» schiedenes und Fragekasten. Referent wird in der Versamm» lung bekannt gemacht. Gäste willkommm. B'.lletS zu dem am 14. d. M. stattfindenden Vereinskränzchen find in der Ver» fössÄÄ-% Krüger, Koblankstr. 14; Thierbach. Neue Königstr. 72. und Schicht, Garten str. 40a, zu haben. Urbeiter Bezirks-Verein Süd- Ost. Heute, Mittwoch. Abends 3'/, Uhr, ordentliche Mitglieder- Versammlung in der „Urania", Wrangelstr. 9-10. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Herrn Michelsen. 2. Geschäftliches. 3. Verschiedenes. 4. Frage- kästen. Der Bürger- Deputirte Herr Quednau, sowie die Mit» giieder des freifinnigen Bezirks Vereins der südöstlichen Louisen- sradt find zu dieser Versammlung eingeladen. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Die Mit- giieder, welche noch PetttionSlisten zum Arbeiterschutzgesetz in Händen haben, werden ersucht, dieselben unbedingt an den Vorstand abzuliefern. d«ute: Don Juan. Heute: Narziß. Theater. Opernhau». Echauspielhau». Deutsche» Theater. Heute: Ein Tropfen Gift. Kriedrich-Wilhelmktädtische» Theater. Heute: Offmbach- Cyclus. Die schöne Helena. «estdeu,-Theater. Heute: Theodora. Walluer-Theater. Heute: Herr und Frau Hippokrates. Velle-Nlltanee-Theater. Heut«: Papageno. Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Mefsalina. Centrai-Theater. Alte Jatobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Zum 9L. Male: Die tcilbe Katze. Gtfi off« in Eltffen». 4 Akten von W. Mannstädt, Mustk von G. Louisenstädtisches Theater. Direstion: Jos. FirmanS. Heute: Die Hochzeit deS Figaro. Osteud-Theater. Heute: Preciofa. Kdutastädtische« Theater. Heute: Gastspiel der Liliputaner. Die kleine Baronin. Theater der Reichehalle«. Kiglich: Aufreten sämmtlicher Spezialitäten. Ameriean-Theater. Täglich: Auftreten sämmllicher Spezialitäten. Kaufmann'» Varletö. Täglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. Koukordia. Täglich: Auftreten sämmllicher Spezialitäten und theatralisch, Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tag«: Der Lumpensammler. Drama in 5 Akten nebst einem Vorspiel von Felix Pyat. In PariS auf dem Theatre de la Ponte St. Martin über 100 Mal mit außerordentlichem Erfolge gegeben. Vor der Vorstellung: Großes Konzert der HauSkavelle. Anfang deS Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Bons haben Wochentags Giltigkeit. Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bis 10 U. Ab. Kaiser-Pauorama. Eine Wanderung durch daS Rieseugebirge. Z. ersten Male: Die Pyrenäe«. Die Hertha« Reise. Karolinen-Palau-Jnseln sc. a Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Abonnement.[2670 M" Allen meinen Freunden, Bekannten und meiner werthen Rachbarschaft empfehle meine I»es«tn»«ioi»,'Weiss-, Balrlsch-Bler- nnd Frnhstücks-I.okal, kräftige« MittagStisch, Vereinszimmer, franz. Billard. 2677] Hochachtungsvoll Panl Lehmann, Köpnickerstr. 73. WMWcklS in reichster Auswahl auf Lager und«ach Ma kürzester Zeit aus den gediegensten Stoffen: 8, 12 und 15 Thlr., Mnziige: 8, 10, 12, 15 und 18 Hosen; 2, 3, 4. 5 und 6 Thlr.[! G. Dilssner, Schneider für Herren, 46. 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Januar iwo zurückbehalten wird.-----'»"«enaen Zinsen nebst Tain», eino-eliefert*er V Der Inhaber erhält den gleichen Nennwerth 4 procentiger Pfandbriefe mit Coupons iih«r h � basrer Znzahlnng von'/« pCt. für die Differenz der Stücksinsen vom 1 Januar bis L Juli igge VOm J«nnar 1886 ab laufenden Zinses■®b. ders versehenes, nach Littera und Nummern geordnetes Verzeichnis» beizufügen. er �amem-Dnterschrift Formulare hierzu können bei den unter No. 1 genannten Stellen kostenfrei in Empfang genommp« Pfandbriefe können behufs der Anmeldung jeder der nuter No. 1 genannten Stellen mit der Poat*frden. tn___ i._ TS:____ J____ atvairrA«tAmnal 4»K r*A Ai* T>_____:__ v. �4. iUS �oauaf, WATel und genauer Wohnnngi angst" 1 "Na, Ate � ..Dia .. ,°-r e, "ßl �Unb der zu convertüenTe"n Stücke znm Ausdruck zu bringen und werden dleselbe�nVunHchsT berto�Xi�t�rten Pfandbri.e��Wö6000 Mwk tc8 emofan�eu'�ind"bei �#1 � Äa 5. Den 4'/, procentigen Pfandbriefen, welche zur Convertirung eingereicht werden, ist ein doppeltes mit deutlicher K'' u 4� 2b%i Ä» Dod 6. Die UXV r lauuuiicic n.UUUCU ucutsao«W* JW««.----- r' o~-—«was ww�as�zs auib UCf rOSt eiNlFA»l»n�». Das Porto für die Einsendung und Rücksendung sowie etwaige Stempel trägt die Prenssisohe Central- j T"den und erfolgt die nntcr vollst Berlin, den 22. October 1885. Bodencredii-Actienire«Pli.�i..r. Gegenleutung nnw *y Preussische Die Btrectloa ActiengeseÜicbaft. __________________ �tingemauu. Verantwortlicher Redakiem N. vrouheim in Berlin. Druck und Verlag von« JT—— «adi«g in Berlin 8 8W.. Beuthstraßr