: fotii Nr. 201. Konnabettd. de» 7. Vvveuchsr 1883. Brgan für die Interessen der Arbeiter. .____-Berliner VolksSlatt" Ncheisj Laglich Morgens außer nach Sonn» und Festtagen. MonnenientspreiS für «rlm frei in S HauS vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. "�stabonnement 4 MI. Eimelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Vellage Iv Pf. (Eingetragen in der Post�eitungSpreiSlist« für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Annonce«» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. AedaKtio«; DenthKraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. in* Der iimlschc Deichst� . In wenigen Wochen wird der deutsöbe ReichSiag wie- �Zusammen sei» und die Blicke der Politiker auf sich .. Weshalb wohl? Die Macht der Gewohnheit ist eS, die 3oen Poliukxr zwingt, sich etwas an dem Parlamentsleben jJl zu betheiligen. Das Volk selbst bekümmert sichrer- Mnißmäßig wenig um de» deutschen Reichstag. Eon- M Ein aus dem allgemeinen Stimmrecht hervorgegange- .' ülso der vollständigen Voikssouveränität entsprechendes MIament, das aber zur absoluten politischen Machtlosig- **»erurtheilt ist und, von dem Willen des Fürsten Bis- vollständig beherrscht, weniger Selbstständigkeit und aischz Initiative besitzt, wie ein Gemeinderath im Pom- — das ist eine der merkwürdigsten Erscheinungen «esamniten politischen Lebent und giebt auch bei dafür ab, daß das Volk ziemlich theilnahmloS Sachen Parlamentarismus gegenübersteht. übertreiben nicht. Wie oft bat der Wille des ri,�" Mannes aus oppositionellen Majoritäten Mino- Zw" ßcmacht, wie oft hat er durch sein Einschreiten alte vi» 5?�, tarier zum Prinzipienverrath gebracht! Noch kurz � ch�uß der letzten Zession kam durch daS Wort de« Stn* �'imarck die ganze Frage der Sonntagsarbeit ins beul» Konservative, Zentrum und Nationalliberale de» Rücken vor dem Stirnrunzeln des Kanzlers. diae»aß der gegenwärtige deutsche Reichstag keine leben- für& sonder» nur ein Ornament, ein Schmuck bat l Zutsche Reich. Der j-tzige deutsche Reichskanzler beutf* deutschen Reichstag ins Leben gerufen und die schnitt �eichsverfasiung ist sozusagen auf seinen Leib zuge- «L-ft» worden. Und daran ist bei seine» Lebzeiten wohl "Ww ändern.--- e Aber auch daS Schachern undFeilschen im Reichstage, das «,C°ue» zwischen sonst befreundeten Parteien unter ein- da«""d zwischen ihnen und dem Reichskanzler— Alles J««Ibehrt den Eindruck des Ernstes, es sieht einer Ko- bim ähnlich, wie ein Ei dem andern. Das Spiel de» Koulisien, der fortwährende Opportunismus hat "'%ng den Reichstag beim Volke diskreditirt. % d sind e« die Klerikalen, denen vom RegierunaS- imv aus Komplimente gesagt werden, bqld sind es die � lonalliberalen, bald aber auch werden diese von den Ptosen und der Regierung nahestehenden Blättern mit »u,...liebenswürdigsten" Redensarten regalirt, bald jene. ™ � sentimentale Klagen bald erklingen I>r'7 hört man vorn RegierungStische r..die Undankbarkeit der Volksvertretung, Drohungen. Mtiotevi Aeuirteton. Die Sand der Uemefis. Roma» von Ewald August König. (Fortsetzung.) lange bis die Rosen sich erschließen," er- Arabella freundlich;„die Rose lube ich noch wie"�W.Nose?" wiederholte Georg gedankenvoll, dann, Öh einem Traume erwachend, fuhr er mit der Hand kubr e Augen.„Wir haben in diesem Jahre neue Sorten," Lord%'ovt'"e'ne wundervolle Gloire de Dijon, einen 'lUatvrze l"»' die tiefdunkelrothe sammtartige Louis vo» l'n � doch bleibt mir die Zentifolie immer die liebste ande.o"'" unterbrach Arabella ihn.„Ihr kommt keine a» Duft gleich, sie ist die Königin unter allen." der �.die Zentifolia«uscosa, die Moosrose?" fragte schien � seinen Kummer vergesien zu haben dem ist die Rose der Gräber," erwiderte Arabella,„auf der s�e Ä � 0irne''st mir ein Sinnbild äberrom ��ung. Rein, Georg, die persische Zentifolie ""fu alle anderen." an unt. �den iminer Recht," nickte der alte Mann,„und Freud- n? Zentifolienbeet werden Sie auch in diesem Jahre werde ,, ich aber an der Freude theilnehmen -» den?" f» ß�hulb sollte Ihnen diese Freude entzogen wer» lust ö» Arabella theilnehmend.„Hat der kleine Ver» setzen sg r-n/ �uu«e so sehr getrübt? Kann ich ihn er- »Um Geld handelt es sich nicht, gnädiges Fräulein," Aber aus alledem tritt immer scharf hervor der Wille des Reichskanzlers, und glnch hinter ihm her marschirt die Nachgiebigkeit der Parteien. Das ist der Kern des deutschen ParlamentariSinus, au dem natürlich in erster, wir möchten sagen, in einziger Linie die Schwäch' der großen Parteien schuld ist. Daß sich im Volte vielfach der Mißmuth gegen solche Zustände kundgiebt und daß auch die Glcichgiltigkeit eiu- tritt, ist nicht zu verwundern, zu verwundern oder zu bewundern aber ist in der That nur die Langmüthigkcit des Volke» und die Zähigkeit, mit der es an den Errungenschaften des allge- meinen Wahlrechts festhält. Wir lob-n das und können deshalb mit freudiger Hoffnung in die Zukunft sehen. Aber tadeln können wir es auch nicht, daß unter solchen Umständen das ganze ReichstagSparkett von Vielen nur als ein Boden angesehen wird, auf welchem Agitationstänze aufgeführt werden. Keine einzige Partei ist daran unschuldig. Zahlreiche Reden, welche im Reichstage gehalten werden, haben gar kein augenblickliches gesetzgeberisches Jntereffe, sondern ledig- lich ein agitaiorischcS. Doch das ist allzu erklärlich. Bei der unbeschränkte» Macht deS Reichskanzlers muß ja das gesetzgeberische Jnteresie zurückgedrängt werden. WaS nützen die besten gesetzgeberischen Reden und Vorschläge, wenn sie an einem Worte des Fürsten Bismarck scheitern können? Deshalb hat fast nur der Blick in die Zukunft, das Agitiren für eine bcffere Zukunft auf Grund gesetzgeberischer Ideen ein größeres Jnteresie. Und so erblickt auch daS klare Auge"des Volkes in diesem Reichstag nur den ohn- mächtigen Vorgänger eines späteren ernsteren VolkSparla- ments; aber es achtet ihn doch immer als einen Vor- gänger dcffelben. Dadurch erklärt es sich wohl, daß der gegen- wärtige deutsche Reichstag noch ein größeres Interesse beim Volke hat, als man annehme» sollte und wie er es, an sich genommen, verdient.—— Die Verhandlungen der nächsten Reichs- t a g S s e s s i o n werden wahrscheinlich schon der sozialen Fragen wegen, die zur Bebatte kommen, von allgemeinem großen Interesse sein, die Beschlüsse aber nicht, da sich dieselben nach wie vor fest an den Willen des Kanzlers anschließen und lediglich die RegierungSanschau» ung zum Ausdruck bringen werden. Doch deshalb darf Niemand den Kopf hängen lasien, da doch sicherlich auch die Zeit kommen wird, wo die Be- schlösse deS deutschen Reichstages sich mit den An- schauungen deS Volke« voll und ganz decken werden. sagte der Gärtner rasch.„Wie sollte ich in den Besitz einer namhaften Summe gekommen sein? Und selbst wenn ich in diesem glücklichen Falle gewesen wäre, würde ich das Geld nicht an einem solche» Ort aufbewahrt haben." „Ich glaube, Franziska sprach von Papieren, von einem Tagebuch." „Ja, es waren Notizen aus vergangene» Zeiten." „Und diese Notizen hatten für Sie so großen Werth?" Der alte Mann nickte und preßte die Lippen auf ein- ander, als ob er sich selbst Gewalt anthu» wolle, um nicht zu viel zu verrathen.,_.. „Sie haben auf Joseph Verdacht geworfen?" fragte Arabella nach einer Pause...... � � r „Und Alles spricht dafür, daß dreser Verdacht begrün- � �Enthielten diese Nolize« vielleicht etwas, was über irgend ein Veraehen des Kammerdieners Aufschluß gab? Erinnern Sie sich, ihm damit gedroht zu haben? Georg blickte das schöne Mädchen ernst und voll an, und Arabella las in diesem Blick, daß er ihr etwa« zu ver. bergen suchte, daß, wie sie eS geahnt hatte, ein Eeheimniß an die gestohlenen Papiere sich knüpfte. „%«,», gnädiges Fräulem,"«mrdnk« gen er Ruhe,„eine Drohung Hobe ich gegen Joseph nie jchutzMhn. � x�halten wirklich keine Notizen über ihn?" Nein" "Ännen Sw cha mir. Georg, ich will ihn prüfe» Nolitische Ueverstcht. Eine Abänderung des Preßgesetzes ist von Preußen beim Bundesrathe beantragt worden. Dieselbe geht dahin, dem § 22 des Preßgesctzes einen Zusatz zu geben, nach welchem die Ve? jährung gegen den Thäter ruhen soll, so lange er nicht er« mittel! ist oder außer dem Bereiche der inländischen Gerichts- gewalt sich befindet, wenn innerhalb der in dem betreffenden Paragraphen bestimmten Frist eine richterliche Handlung zum Zwecke der Verfolgung des Verbrechens oder Vergehens vor- genommen wird. Die allgemeinen Vorschriften des Straf» gesctzbuches sollen indeß Anwendung finden, wenn nach diesem die Verjährung früher eintreten würde. Nach den jetzt giltigen Bestimmungen mutzen die Staatsanwaltschaft oder die Privat« klageberechtigten die Verjährung über sich ergeben lassen, falls es ihnen nicht gelinat, den Thäter eines strafbaren Preßerzeug» nisses in den sechs Monaten nach dem Beginn der Verbrenung desselben zu ermitteln. Der Vundesrath überwies in seiner letzten Sitzung den Entwurf eines Gesetzes über die Herstellung des Nord-Ost« s e e- K a n a l s den betreffendon Ausschüssen. Der Antrag Preußens, betreffend die Abänderung des§ 22 des P r e ß- g e s e tz e s, wurde dem Ausschuß für Justizwesen überwiesen. Zu dem von dem Reichstage angenommenen Gesetzentwurf wegen Aufhebung des Gesetzes über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchen-Aemiern wurde beschlossen, daß, da der BundeSrath erst am 17. Novbr. vor. Jahres dem Beschlüsse des Reichstages die Zustimmung versagt habe, kein Anlaß vorliege, von diesem Beschlüsse ab» zugehen. Zur Karolinenfrage schreibt man der„Kln. Ztg." aus Berlrn:„Der erneute Schriftwechsel mit Madrid schlägt nicht mehr den früheren friedlichen rind freundschaftlichen Ton an, sondern wahrt in sehr bestimmter und strenger Weise den deuischm Standpunkt, die bis jetzt hier gezeigte Langmuth scheint nachgerade erschöpft. Und es ist nicht unglaubhaft, daß, wie die Dinge s.> weit gekommen, die Drohung mit dem Ab« bruche der diplomatischen Beziehungen gefallen ist. Es ist kaum zu bezweifeln, daß man im Vatikan Kenntniß von dieser Lage der Dinge hat, und man vermuihet hier, daß in Folge dessen der Papst seine Vermittlerthätigkeit etwas venögert habe."— Bor einigen Tagen hieß es bekanntlich, der Papst habe dahin entschieden, daß dre Inseln der spanischen Herr« schaft verbleiben, dem Deutschen Reiche jedoch wichtige Kon« , esstonen in Bezug auf die Freiheit des Handels auf den Inseln zu machen seien. Nach den neueren Mittheilungen ist diese Version unrichtig; der Papst hat noch nicht gesprochen, wohl aber ist die Angelegenheit wieder in ein ernsteres Stadium getreten. Nach dem Gesetz- Entwurf wegen Herstellung deS Nord» Ostsee- Kanals soll ein für die Benutzung durch die deutsche Kriegsflotte geeigneter Ceeschifffahrts- Kanal von der Elbmündung über Rendsburg nach der Kieler Bucht unter der Voraussetzung hergestellt werden, daß Preußen zu den auf 156 Millionen Mark veranschlagten Gesammt- Herstellungskosten desselben 50 Millionen im Voraus hergiebt. Die Mutel zur Der Schuldige muß bestraft werden, und eine» Dieb dürfen wir nicht in unfern Diensten dulden, aber ebenso wenig darf auch auf einem Schuldlose« ein entehrender Verdacht ruhen bleiben!" Der alte Mann schüttelte wieder das graue Haupt und sah eine Weile mit starrem Blicke vor sich nieder, er schien darüber nachzudenken, ob er»och mehr verrathen dürfe, als er bereits gesagt hatte. „Es giebt Dinge und Ereignisse, über die man erst dann reden darf, wenn der geeignete Augenblick gekommen ist," sagte er, wie aus einem Traume erwachend,„Geheim« nisse, deren unzeitige Enthüllung nicht den Schuldigen, so»« der» den, der sie als Waffe benutzt, vernichtet. Ich darf Ihrem Verlangen jetzt noch nicht nachkomme», gnädiges Fräulein, Sie werden das, was Sie zu wissen wünschen, immer noch früh genug erfahren, wenn eS auch erst nach Jahren zu Ihrer Kcnntniß kommt." „Wie geheimnißvoll das lautet!" erwiderte Arabella, einen scherzenden Ton anschlagend, aber ihr Blick schien dabei die geheimsten Gedanken Georgs erforschen zu wolle«. „In Ihre Geheimnisse will ich mich nicht eindrängen, aber bedenken Sie wohl, daß Sie genöthigt sein werden, diese» Geheimniß zu enthüllen, wenn die volle Wahrheit an de« Tag kommen soll. Und ich fürchte, Sie haben bereit« zu viel gesagt, um noch länger hinter dem Berge halten zu können." „Muß ich Alle« enthüllen, nun dann ist eS meine Schuld nicht, daß ich dazu gezwungen werde, dann falle« alle Folgen auf den, der mich dazu gezwungen hat." „Auf Joseph?" „Rein, auf einen Andern!" „Wollen Sie mir auch diesen Andern nicht nennen?" „Heute noch nicht; ich hoffe, daß er sich besinnen wird, und dann ist cS vielleicht besser,'daß der Inhalt jener Papiere verschwiegen bleibt. Man sollte jcdcS Wort dreimal bedenken, ehe man es ausspricht, weshalb war ich auch so thöricht, in der Gesindestube von meinen Notizen zu reden! Joseph würde von ihrer Existenz nie etwas erfahren haben." Deckung der vom Reich zu bestreitenden Kosten bis zum Be trage von 106 Millionen sollen, der„Kr.-Ztg." zufolge, im Wege d«S Kredits beschafft und zu diesem Zwecke Schatz anwetsungen ausgegeben werden. Von den nicht zur deutschen Marine gehörigen Schiffen, welche den Kanal benutzen, soll eine entsprechende Abgabe nach einem vom Kaiser im Eint) er nehmen mit dem Bundesrath festzustellenden Tarif erhoben werden.— In der Begründung wcrven die militärischen und wirthschastltchen Voctherle des Kanals erörtert. Nachdem die Ausweisungen polnischer Elemente aus den östlichen Provinzen einen so gewaltigen Umfang erreicht haben, scheint die Regierung die Ausweisungen gegenüber fremden Staatsangehörigen überhaupt schärfer ausüben oder doch wenigstens bestimmter regeln zu wollen. Auch hinsichtlich der Angehörigen der nordamer Hanischen Union erlassen. Die vom 22. und den Staaten, mt der Reichskanzler neuerdigS Bestimmungen „Weser-Ztg." demerkt dazu: ,T>urch Etaatsoertrag Februar 1868 ist zwischen dem Norddeutschen Bunde Zereiniaten Staaten vereinbart, daß Angehörige beider . wenn sie in einem derselben fünf Jahre ihren festen Aufenthalt gehabt haben, als dort naturalifirt angesehen werden sollen, daß aber, wenn ste in ihre Heimath bleibend zurückkehren, die Naturalisation in dem andern Staate als unwirksam betrachtet werden soll, und daß die Absicht bleibender Nieder- lassung in der Heimath nach zweijährigem Aufenthalt als er« wiesen angesehen werden kann. Schon vor einigen Jahren waren Zweifel entstanden, ob Deutsche, welche nach fünfjährigem Aufenthalt in �Nordamerika wieder hierher zurückkehren, währeno der ersten zwei Jahre ihres hiesigen Aufenthaltes ausgewiesen werdrn können. Diese Frage hat der Reichskanzler bejahend entschieden, wie es ja eigentlich auch nur natürlich ist, da alle Ausländer, und das find in Amerika naturalisirte Deutsche doch formell geworden, schon nach allgemeinen völker- rechtlichen Grundsätzen ausgewiesen werden können, sobald irgend ein Grund vorliegt, ihren Aufenthalt hier als dem StaatSinteresse nachtheilig zu erachten. Thatsächlich soll übrigens von diesem Ausweisungsrechte nur in geringem umfange Gebrauch gemacht sein, namentlich auch nicht in den nicht seltenen Fällen, in welchen mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen ist, daß junge Leute sich fünf Jahre in Amerika nur zu dem Zweck- aufgehalten haben, sich hier der Ableistung ihrer Militärpflicht zu entziehen. Die Aus- Wanderung namentlich junger Leute im Alter von 16 bis 20 Jahren hat einen ziemlich bedmtenden Umfang angenommen, und ein großer Theil derselben kehrt, wenn er m Amerika sich naturalifirt weiß und vor der hiesigen Militärpflicht sicher glaubt, nach Deutschland zurück, um dauemd hier zu bleibe,«. Darin liegt eine Ungerechtigkeit für die Altersgenossen, welche während jener Zeit hier drer Jahre haben d enen müssen und noch fortwährend als Reservisten und Landwehrleute der milt- tärischen Kontrole unterliegen und durch Einziehung zu militärischen Hebungen in ihrem bürgerlichen Berufe geschädigt «Verden. Es hat dieser Mißstand wiederholt zu Beschwerden geführt und eS ist dieS anscheinend der Grund gewesen, welcher den Reichskanzler veranlaßt hat, jetzt zu bestimmen, daß in allen Fällen, wo junge Leute, die offenbar nur, um fidj der Militärpflicht zu entziehen, nach Amerika ausgewandert find und nach fünf Jahren zurückkehren, dieselben ausgewiesen «verde» sollen. Doch soll dies„nicht rücksichtslos" geschehen, sondern eS soll den Betheiligten eine angemessene Frist zur Regelung ibrer hiesigen Angelegenheiten belassen und deshalb für einige Wochen oder Monate ihr Aufenthalt hier gestattet werden.— Uebrigens soll auch in anderen Fällen, wo ein besonderer Grund dazu vorliegt, gegen nicht mehr militär- Pflichtige Deutsche, welche nach fünfjährigem Aufenthalt in Amerika hierher zurückkehren, von der Ausweisungsbefugniß Gebrauch gemacht werden, ehe nach zweijährigem Aufenthalt ihre Naturalisation in Amerika unwirksam wird." Derartige Ausweisungen, namentlich die zuletzt ange- deuteten, dürften in vielen Fällen die Intervention der Ver« einigten-Staaten-Regierung zur Folge haben. Nordamerika ist eben nicht Rußland und es«st daher vorauszusehen, daß die amerikanische Regierung, die unter dem Sternenbanner allen Nationalitäten Raum und Schutz gewährt, ganz energisch für ihre Bürger eintreten«vird. Aus Schleswig kommt bereits die Nachricht, daß die Regierung zu Schleswig eine Anzahl Deutsch-Amerika- ner,«velche auf der Insel Föhr wohnhaft waren, des Landes verwiesen hat- Die Ausgewiesenen haben Ordre erhalten, das preußische Staatsgebiet bis zum 15. Nov. zu verlassen. — Nach einer Mittheilung des„Dziennik pozn." hat der Minister deS Innern die Verfügung erlassen, daßtzdcn aus Westpreußen ausgewiesenen Russen, denen in Paßern, angelung beim Betreten deS russischen Gebietes Schwierigkeiten gBvachi vmden, der gegenwärtige Aufenthalt auf ein Jahr vrol.'ngiötl wird.— Wttdrn die Schwierigkeiten dann beseitigt sein&c,,� Hinsichtlich der Befähigungszeugniffe fü� M bedeutend. Blamirt hatte fich bei den Wahlen nur eine Partei, nämlich die d e u t s ch« f r e i s i n n i g e, wie immer durch ihre Halbheit. Sie hatte auf ihrer Liste auch einen Bürger i s r a e- l i t i s ch e n Glaubens, was heute, wo die Blüthe der Juden- Heye längst vorüber, nicht einmal viel Much voraussetzt. Trotzdem hatte sie nicht die Konsequenz, den freilich etwas alttesta- mcntarischen Vornamen ihres Kandidaten auf die Liste zu drucken und begnllgle fich im Gegensatze zu den anderen Namen mit dem Anfangsbuchstuben. Darob wurden sie von den Konservativen durch Inserate jämmerlich genarrt und gewiß mit Reckt, denn wer öffentlich auftreten will, muß den Much der Ueberzeugung haben. Die entschiedenste der bürgerlichen Parteien schämt sich des religiösen Bekennt- nisses ihrer Anhänger. Daß aber im Wahlkampf solche Rück- sichten genommen werden, ist doch ein Zeichen des Verfalls sowohl der Humanität wie der Gewissensfreihett. Frankreich. Um der nochleidenden Pariser Arb-iterbevölkerung während des Winters, der fich als lang und hart ankündigt, zu Hilfe zu kommen, haben die Syndikatskammern des Pariser Handels und Gewerbes den Plan gefaßt, mit Hilfe des Gemeinderachs eine Reihe von Festen zu veranstalten, welche einerseits Arbeit und Erwerb und andererseits Ueberschüffe schaffen, die als Unterstützungsgelder verwendet werden können. Der Präsident des Pariser Gcmeinderaths, Herr Michelin, und der Stadtbau- direltor Alphand, zeigten sich damit einverstanden und luden die Vertreter der Pariser Presse zu einer Voiberathung ein. Wie verlautet, wurde man einiq, vorläufig fünf große Bälle in Zwischenräumen von je drei Wochen auf einander folgen zu lassen. Dieselben sollen der Stadt 1 500 000 Franken kosten und in der großen Oper, im Börsenpalast, im Stadthause, in der Handelskammer und in einem anderen noch zu bezeichnen« den öffentlichen Gebäude stattfinden. Für April und Mai ge« denkt man ferner historische Züge in Szene zu setzen, und es ist sogar von einer ganzen Festwoche die Rede, welche das mittel- alterliche Paris vor den Augen der Zeitgenossen herauf- beschwören sdll-sZ So gedachte man den Pont Reuf so wieder berzustellen, ehedem war; die Sckuster, Schneider, Holzschnitzer, Weber wmden da in ihren Buden arbeiten und die beliebtesten Schauspieler, Ccquelii, der Jüngere, Christian, Arabella hatte die letzten Worte in einem sehr ernsten, eindringlichen Tone gesprochen, in einem Tone, der deutlich das Bestreben und den Wunsch erkennen ließ, den Verdacht von dem Kammerdiener abzulenken. Sie ging jetzt tiefer in den Park hinein, und schweifte auch ihr Blick von Zeit zu Zeit forschend über die grünen Rasenflächen, so haftete er doch zumeist auf dem Sande, in welchem hier und da eine Fußspur sichtbar wurde. „Diese Spuren sind schon alt," sagte Georg, als Ära- bella ihn auf dieselben aufmerksam machte,„sie haben für die Untersuchung gar keinen Werth." Arabella schwieg und setzte ihre Wanderung fort, und als sie am äußersten Ende des Parkes angelangt war, dort, wo früher die Hütte Halm'S gestanden hatte, zeigte sie auf eine» dunklen Gegenstand, der halb versteckt, aber dem suchenden Blick doch sofort sichtbar, im Ge- sträuch lag. „WaS ist das?" fragte sie. Den Lippen des alten Mannes entfuhr ein Ruf des Erstaunens. „Unmöglich!" sagte er.„DaS ist ja das gestohlene Kästchen! Wie kommt es hierher? Arabella athmete tief auf, ein schwerer Druck schien ihr vom Herzen genommen zu sei«. „Nun werden Sie erkennen, wie ungerecht Zhr Ver- dacht war," erwiderte sie. Georg hatte das Kästchen aufgehoben, mtt zitternder Hand öffnete er eS. „Es ist erbrochen," sagte er. „Ganz natürlich, der Dieb wollte wissen, wa» es ent- hielt. Sehen Sie nun zu, ob die wichtigen Notizen, auf die Sie so großen Werth legen, nicht fehlen. Der alte Mann war bereits damit beschäftigt. „Wenn Sie wüßten, was diese Notizen enthalten und über welches Ereigniß sie Aufschluß geben, gnädiges Fräu- lein, würden Sie gewiß nicht darüber spotten," sagte er mit leisem Vorwurf, und seine zitternde Stimme verrieth eine gewaltige innere Erregung,„da sind alle übrige« Papiere, meine Briefe und meine Zeugnisse, aber—" Duvuis, auf improvisirten Schaubühnen das Volk durch ge» »feperte Vorstellungen ergötzen. Für das Marsfeld wird ein Ritterturnier in Aussicht genommen und Herr Älphand denkt an nichts Geringeres, als einen Akt aus Victor Hugo's„Es- meralda"(deutsch„Der Glöckner von Notte-Dame") m seine« „natürlichen Rahmen" d. i. auf dem Platze Noire- Dame aufführen zu lassen; alles das, um den Pariser Arbeitern Be- schäftiaung und Brod zu geben!— Das ist wirklich ein« sonderbare Art, der Roth zu steuern. — Der Pariser Stadt rath wählte in seiner ersten Sitzung den radikalen Advokaten Maillard zum Vorfftzendm- Einem Antrage auf Amnestirung politische Verbrecher wurde keine Dringlichkeit zuerkannt. Der bisherige Vorsitzende Abge- ordnete Michelin erklärte übrigens im Voraus, er wolle von der Amnestie Jules Ferry ausgencmmen wissen, dessen Vcrurthcilung er in der Kammer beantragen werde. Ange- nommen wurde ein Antrag, die Regierung um Beschleunigung der Vorarbeiten zur 1889er Weltausstellung anzugehen, da von letzterer eine Beendigung der Wirthschaftslrise zu er- matten sei.„. — 25 bis 30 radikale Abgeordnete hatten fich bei Herrn W' roy zu einer zwanglosen Unterredung über die nächsten Am- gaben der Kammer versammelt. Beschlüsse wurden nicht gefaßt' aber man schien über drei Punkte einig: durchgreifende Veränderung in der Beamtemvelt, Abschluß der schwebenden RoW- nialunternehmungen, Aufhebung der Konkordatspolitik. Nw Aeußerungen republikanischer Abgeordneten verschiedener Rw tung scheint eine Einigung auf folgenden Grundlagen geplant zu werden: 1. völlige Aufhebung der Madagaskar� Expedition! 2. Beschränkung der Tongkingbesetzunz auf das Delta; 3. Streichung des Kultusbudgets; 4. Nichtausweisung der Orleans« prinzen; 5. politische Amnestie. Herr Bnsson weist mehritt dieser Punkte zurück. Dänemark. Bekanntlich ist der dänische Landtag(Folkething und Lanvsthing) bis zum 18. Dezember vertagt worden; bis dahin regiert das Ministerium Estrup unumschränkt. Um um serc Leser über die dortige Situation auf dem laufenden erhalten, wollen wir hier aus einem hochkonservativen Blatte, den„DreSd. Nachr.", einen Artikel wiedergeben, dessen Tenbefl) wir ja nur zum Theil zustimmen, der aber die Situation j» Dänemark recht üderfichtlich behandelt. Derselbe lautet:■c" Dänemark scheint der Äerfassungskonflikt zu einer baldigen 8" waltsamen Lösung zu drängen. Zehn Jahre bereits spielt da» Stück. Der Ausgangspunkt des Streites ist folgender: D« Krone verlangte von dem Landtage die Bewilligung sehr be- trächtlicher Geldsummen und zwar zur Vornahme ausgedehnt» Befestigungen der Hauptstadt Kopenhagen und anderer mistta- rischer Rüstungen. Die zweite Kammer Dänemarks, das M kething, lehnte diese Bewilligungen ab, was unzweifelhaft>» gutes Recht ist. Ob diese Verweigerung vom Standpunkt des dänischen Patriotismus zu rechtfertigen ist, steht auf eine« anderen Blatte. Wir Deutsche haben aber wenigstens ke«»» sonderliche Ursache, uns für diese dänischen Rüstungen zu bn geistem und etwa lebhaft für den Standpunkt der Krone un» des Ministeriums Estrup einzutreten, wenn letzteres zehnmm sich konservativ nennt. Denn das Ministeriuin Estrup jf unter den Feinden deS deutschen Reiches einer der erbitte»' sten, die Czechen können uns nicht glühender hassen, als da» jetzige Kabinct des Dänenkönigs. Die geplanten und«mw» wieder geforderten Befestigungen Kopenhagens und sonstigen Rüstungen richten fich ganz speziell 0%% Deutschland. Es ist ein Glaubenssatz des MW* riums Estrup, daß, da Dänematt bei einer euroväiscb»' Verwickelung sich allemal unter den Reihen der Feinde Dettf(£ landö befinden werde, es fich zur Vettheidigung k Sf igst rüste» und vor Allem die Landeshauptstadt vor einem Uebersalle dura die deutsche Flotte— der nicht ausbleiben könne— dur« mächttge Festungswerke schützen müsse. Umg kehrt steht dem Programm der dänischen Linken die Pflege guter fr' ziehungen zum deutschen Nachbarstaate und, wiewohl.'�. Däne den Verlust der Elbherzogthümer und insonderheit Nord« schleswigs verschmerzen kann, so läßt sich die Linke»och n1® von so blindem Haffe gegen Deutschland leiten wie die Kro». und das konservative Ministerium Esttup DaS Volk immer entschieden auf die Seite der Linkenmänner. Ju dreimaligen Wahlen, die seit 10 Jahren vor sich gegang� find, schmolzen die Konservativen im Folkething auf ein»»m lein von 17 zusammen, denen 79 Linkemnänncr gegenüberstelle" Estrup regiert seit Jahren ohne Budget. Dasselbe wird regelmäßig abgeschlagen und ebenso wird die nachgesuchte 0! demnität für das budgetlose Regiment verweigert. Estrup flj hierbei von folgendem Trugschluß aus: die 1. Kämmer,'s' Landsthing, stehe zur Krone; selbst wenn das Landsthtng% Gemeinschaft mit dem Folkething das Budget verweigere' JJ stelle der aus beiden Kammern(Thingen) bestehende Reich!»» unmer nur den einen Faktor der Gesetzgebung dar; die sei der andere und dieser brauche fich nicht unter I"E Faktor zu beugen. Dies aber hier um so weniger, als f. Hälfte deS elfteren, der Landsthing, auf Seite der Krone N. Unterwürfe sich also der König, so opfere er nicht nur ff „Aber?" fragte Arabella erwartungsvoll, als( stockte. „Aber meine Notizen fehle»!" „Sehen Sie noch einmal nach!" „Sie fehlen," erwiderte der der alte Mann tonlos finde Sie nicht. Glauben Sie nun an die Wa meiner Behauptung, daß der Dieb nur diese Papi« sucht hat?" Arabella schüttelte noch immer zweifelnd da« H sie wußte nicht, was sie glauben sollte, diese neue Eatde verwirrte sie.' «Darf man«intreten?" fragte in diesem Auge eine Summe, deren Klang dem schönen Mädchen da« jäh in die Wangen trieb. Rasch wandte Arabella sich um, am Ausgang Parkes stand Siegfried, den Hut in der Hand, Lächeln des Glückes auf den Lippen. ..Ich heiße in diesem Augenblick Sie doppelt st willkommen," sagte sie, ihm die Hand bietend,„muß W annehmen, daß die Vorsehung Sie gesandt hat." ."Die Vorsehung?" fragte Siegfried erstaun t inde Blick prüfend den Gärtner streifte.„Darf ich frag* d'ese Bemerkung dem Vetter oder dem Untersuch rrchter gilt?" Augen,„aber ich hoffe, Sie werden mir nicht zürnen,, meine erste» Worte dem Untersuchungsrichter gelten- Gärtner ,st in der vergangenen Nacht bestohlen word� «ch stehe da vor einem dunklen Räthsel, welches'ch losen kann." r■, f0. will ich die Lösung versuchen," fned heiter,„«ch hoffe, die Nuß wird nicht allzu h**. Mo, met« Freund, berichten Sie mir die Thatsasi kurz wie möglich und im Zusammenhaag, ich wer richten"""st nachher meine Frage« Im ersten Moment war der alte Man» fÄ fangen, er wußte offenbar nicht, wie er besinnen> ?echt. sondern auch das des LandSthmg, wozu er nicht dcfugt sei. Es ist dies der Kodex des Absolutismus, der verfassungsmäßig regierten Ländern keine Geltung i- Wenn die Krone unbedingt soll ihren Willen überall rchsetzcn können, wozu dann noch eine Volksvertretung und Dar eine mit dem Eteuerbcwilligungsrecht ausgestattete? Nun nahmen die Dinge beim Zusammentritt des jcdigen Reichs» �Zks' folgenden Verlauf: derFolkething weigerte sich, das pro» vssorisch vorgelegte Budget in Berathung zu ziehen, verwarf lowohl dieses als das ordentliche Buvget und wurde uner- «arteterweise wochenlang, bis zum 13. Dezember, dafür vcr- In der Zwischenzeit hat das Ministerium Estrup selbst- ilanorg ein Gendarmerielorps ausgerüstet und soeben ein„vor» (MW Strafgesetzbuch" in Kraft treten lassen, welches eine F" Belagerungszustand über Dänemark verhängt. Durch das rr'tonge verfassungswidrige Regiment ist nämlich das Volk Wnnatisch in die Revolution hineingetrieben worden. Die Sozialdemokraten haben sich der willkommenen Gelegenheit de- wachlrgt, um das über ihre Regierung mit Recht empörte Volk Aufzuhetzen. AuS diesem Zustand erklärt sich das Altentat des Mldnnokratischen(?) Schriftsetzers Rasmussen gegen den Mister Estrup und mancher andere Exrcß, zu dem sich die «Werrmänner haben hinreißen lassen. Man hat diese Gesetz- «rvrtgkeiten und Verbrechen aufs Strengste zu verdammen, ann aber doch nicht dagegen blind sein, daß das Ministerium � durch sein verfassungswidriges Regiment geistig vorbereitet >;etzt scheint Estrup durch sein provisorisches Strafgesetz» sUch und die Einsetzung von Ausnahmegerichten eine Zwangs- S»; lchassen zu wollen: entweder Staatsstreich oder Revolution. ZT Ministerium Estrup ist nicht konservativ, sondern reaktionär M versaht absolutistische Zwecke. Willkürlicher könnte auch � Zar nicht mit den Rechten und Freilzeiten seines Volkes Mvnnc-----......~j. K(iH) angesogen haben, können um so weniger seinen despo» Leistungen Geschmack abgewinnen, als dieselben in eine kr?- deutschfeindliche Spitze auslaufen und als das Will» �Krment seines scheinkonservativen Dieners Estrup mehr wie anbete dazu beigetragen hat, den revolutionären Geist in Dänenvolk zu verbreiten. Kommunales. Eine internationale Tteuerfrage beschäftigt die Aler-Deputation des Magistrals. Ziach Anstel 10 der Reichs» jd?'fung genießen die Mitglieder des' Bundesratks Steuer- (JJjt. Trotzdem hat der Magistrat den zum Bundesrath sandten kommissarischen Vertreter der Reichslande Elsaß- ttJHlen sur Kommunalsteuer herangezogen, da derselbe nicht Zs�Mtglied des Bundesrathes, sondern nur als Beamter der sch�iande angesehen iverden könne, und als solcher, da er zn? ständigen Wohnsitz in Berlin habe, auch hier zu den jS�nunaisteuern heranzuziehen sei. Von gegnerischer Seite Meegen die Mitgliedschaft zum Bundesrath für den Kom- ftlbh ln Anspruch genommen, außerdem aber behauptet, daß, das nicht der Fall wäre, eine Besteuerung des sinwVl � hier in Berlin schon auö dem Grunde nicht statt- WhJL ne' weil derselbe als Rcichsbeamter in Straßburg »»ittt ioi und daher nur dort besteuert werden könne. Da (o'HDllich beide Parteien bei ihrer Absicht beharren werden, Eatsckü! � Frage in kurzer Zeit den höheren Instanzen zur ung vorgelegt werden. te« Die Sperrung der Unterführung der verlanger- basiidst„strahe früher Blücherstrnße� hat bekanntlich in den und �"««nzenden Bezirken grob- Aufregung h-rvora-ruf-n. rröffnun»? den Magistrat inehrfach Anträge auf Wieder- "h hflv 1T � �->>»»» CV.-t b!}..rns-f o •MUbit uuct cinui riuvuiu��u M Si,®"d«n müßte, waS im Interesse der Beaufsichtigung W»ung desselben nicht statthaft sei, übrigens aber die Wtr%°rstehe. die Straße bereits am 1. April k. I. zu re- ""d zu vflastem, während welcher Zeit dieselbe doch �sili,?w-lrt werden müßte. Er könne daher zur Zert den uoch nicht freigeben. Lokales. l° �.«i» gutes Wort sindet meist-inen guten Ort und Um. �wir nicht unterlassen, auf einen Uebclstand hinzu- Dlq-'ss. ss-n Beseitigung leicht möglich und im allgemeinen UK�.teyt. Die' polizeilichen Auflösungen von Arbeiter- .S�rmnenversammlungen find derart an der Tages- «, tÄ, daß es fast gewagt erscheinen will, überhaupt noch Versammlung zu besuchen, da man im Falle einer Auflösung in eure äußerst üble Lage und�i« erne hti .»ui-----.... persönliche Gefahr oerath. Wenn es unlogisch ist, für den etivaigen Verilvß gegen die 'Mt ts'n Gesetze eines Einzelnen, die Gesammthcit, in diesem $!&.?�iche Besucher einer Versammlung, verantwortlich zu �' w ist es doch eine allbekannte Thatsache, daß der 1In> -yq,..'hm sogar unangenehm zu sein, daß der Unter- . Ä Schier sich der Sache annahm. ®'i(f e3 lag etwas in dem ernste», durchdringenden dihte?�üeds, der so fest und unverwandt auf ihm Zwang, Alles zu sagen, was er wußte und „Schwieg nichts, alle Fragen Sisgfried'S beant- # si.t, T1ftuJftthtIich( nur Eins wollte er nicht verrathen, fr. SienfM"««stohlenea Papiere. Mte, ärneb versuchte mehrmalz, ihn auf's Glatteis zu A«{�n � einer verrätherifchen Aeußerung über öu bewege«, aber Georg schien mstinkliv da» *'(hl ng'(9e der Fragen zu fühlen, er beantwortete sie gar ..<%* vur ausweichend. rächen untersuchte Siegfried das gewaltsam erbrochene �tschte'g� mit dem Gärtner in dessen Wohnung und 0enau«ach, ohne ivdeß seine eigenen Ver- 8 und das Resultat seiner Nachforschungen zu ver- ~ nun genug," sagte er endlich, während er »$äu«rf �abella's und von dem alten Manne gefolgt 25 da«,,„ wieder verließ,„aber waS ich weiß, kann ich 4*# Ng.s�erthea, wenn Sie die gerichtliche Verfolgung ®eotA txll beantragen." „Do,?.'.Rüttelte ablehnend daS graue Haupt. bftte et Qntt tch mich jetzt noch nicht entschließen," er- t J0 großen Werth auf die Papiere legen, b?,°ren Mi» diesen Weg betreten müssen, auf einem �ste,.« werden Sie dieselben schwerlich zurücker- ka8 doch." �sri«d. e' darauf vertrauen zu dürfen?" fragte nickt« bejahend. ••W» er* 8vf?�' daß ich drei Tage warten wolle," 'T-nthuin w"d e< ihm wobl aelinaen. mir ihm wohl gelingen, mir zurück zu verschaffen I Wen» das aber schuldige mit dem Schuldigen oftmals leiden muß, oder, wie ein altes Sprichwort sagt:„Mit gefangen, mit gehangen!" Wenn auch an dieser Thatsache nichts geändert werden kann, so könnten doch die Härten in den Konsequenzen einer Polizei- lichen Auflösung, wie sie sich in ziemlich schroffer Weise fühlbar machen, wesentlich und zwar sehr leicht gemildert werden. Wer schon jemals der polizeilichen Auflösung einer stark besuchten Versammlung beigewohnt hat, der wird gewiß zu beobachten Gelegenheit gehabt haben, daß fast unmittelbar nach erfolgter Auflösung eine größere oder geringere An- zahl Polizeibeamte das Versammlungslokal betrat, deren Aufgabe darin bestand, den Saal„schleunigst zu räumen". In Folge des UmstandeS, daß die Roth- oder Neben- ausgänge, deren die öffentlichen Lokale meistens einen oder mehrere zu besitzen pflegen, regelmäßig verschlossen, daher un- benutzbar find, den Anwesenden alio nur ein einziger Ausweg zur Verfügung steht, entsteht naturgemäß, indem Alle nach diesem einen AaSgang hindrängen, eine verartige Stauung, daß eine Entleerung des Versammlungslokals ungemein er- schwort und verlangsamt wird. Die Unmöglichkeit, daS Ver- sammlungslokal vorerst verlassen zu können, einsehend, verbleiben die Besonnenen ruhig so lange auf ihren Plätzen, bis der größte Druck nachgelassen bat. Nun aber kommen die Polizei- deamten und zwingen die Besonnenen, ihre abwartende Haltung aufzugeben. Alle Gegenvorstellungen haben nur die größten Unannehmlichkeiten zur Folge und setzen die Betreffenden wo- möglich der Gesabr aus, mit den Gesetzen in Konflikt zu ge- rathen. Es bleibt ihnen also nichts anderes übrig, als sich in die wogende Brandung zu stürzen, durch ihr Bestreben, den Ausgang zu erreichen, die herrschende Verwirrung zu vermehren, sich eine geraume Zeit drängen, stoßen, treten und quetschen zu lassen, ohne schließlich früher ninaus zu kommen, als wenn sie ruhig gewartet hätten, bis etwas„Lust" geworden wäre. Daß dies eine sehr ungcmüthliche Situation, namentlich für Personen weiblichen Gescklechtcs, ist, wird Jeder zugeben müssen, und es kann cbensomenig geleugnet werden, daß derartige Maßregeln eine groß- Härte in sich schließen. Unserer Ansicht nach erscheint eS geboten, daß die Polizeibehörde dafür Sorge trage, daß bei Abhaltung von Versammlungen die im Versammlungslokale vorhandenen Noth- und NebcnauSgönge geöffnet seien und da- durch dem Publikum auch nutzbar gemacht werden, da sie im verschlossenen Zustande vollständig ihren Zweck verfehlen. Da- durch würde die„Räumung" des EaaleS oder Lokales viel schneller und mit weniger Ungemach von statten geben und verbunden sein. Natürlick müßten die Noth- und Nebcnaus- gänge vor Beginn geöffnet oder doch leicht zu öffnen sein, damit sie im Falle einer plötzlichen Auflösung der Versammlung der Versammlung sofort zum Verlassen dcS Lokales benutzt werden können.— Wir glauben, daß diese For- derung eine gerechte und wohl der geneigten Beachtung unserer Poli-eib-hörde we-th ist. Sanitätliches. Wie nöthig die Vermehrung und einheit- liche Einrichtung von Sanitälswachen ist, beweist wieder folgender Vorfall, der fich in der Nacht vom Miliwoch zu Donnerstag abgespielt hat. Ein Ardeiter in der Liesenstraße war durch die bedenkliche E.krankung seines Kindes gezwungen, Nachts ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und begab fich destzalb nach der Sanitätswache in der Pankstraße(etwa 10 Minuten Entfernung). Der anwesende Arzt erklärte sich bereit, mitzukommen, wenn der Hilfesuchende eine Droschke an- schaffe. Dam t einverstanden, erkundigte fich der Arzt nach der Wohnung, und als erhörte, daß dieselbe in der Licsenstraße sei, lehnte er seinen Besuch mit dcr Motiviru ng ab, die Liesenstraße gehöre nicht zu seinem Revier; im Ucbrigen könne er ja jeden anderen Arzt nehmen, cS loste ihm auch nicht mehr. Erst nach längerem Euchen mit Hilfe des Wächters gelang es dem Valer, einen gerade des Weges kommenden Arzt zu finden.— Also weil in einer Entfernung von 10 Minuten die Liesenstraße nicht zum Revier der Pankstraße gehört(eine weitere Sanitäts- wache befindet sich am Oranienburger Thor, von der Liesen- ftraße 25 Minuten entfernt), hält es der in einer SanitätS- wache anwesende Arzt nicht für nöthig, ein Menschenleben zu retten. Derartige Vorkommnisse pasflrcn alle Tage und legen Zeugniß dafür ab, wie nöthig es ist, daß die Stadt die Sanitätswachcn übernimmt, erweitert und Einrichtungen trifft, daß solche Fälle nicht vorkommen; dieselben gereichen einer Stadt wie Berlin keinesfalls zur Ehre. Aus dem Berliner Verbrecherlebcn. Unsere Leser erinnern sich gewiß noch der kürzlich verönentlichten Spuck- geschichte, d. h. mit anderen Worten jener Taschendiebin, welch: sich unter dem Vorgeben an Damen herandrängte, daß letztere einen schmutzigen Flecken auf der Rückseite der Kleider halten, welchen sie entfernen wolle, wobei sie alsdann die Taschen ihrer Opfer leerte. Bekanntlich ist diese Taschendiebin m ilagranti ergriffen und alö die vielfach vorbestrafte Schlvfferfrau Anna Jahnkc, geb. Hohmann, rekognoSzirt w«dczt< Mit ihr wurde auch ihr Zuhälter, mit dem sie gemeinschaftlich von dem Ertrage ihrer verbrecherischen Handlungen lebte, verhaftet, lieber dre Lebensweise dieser beiden Verbrecher werden folgende inter- cssante Details veröffentlicht. Vor etwa Jahresfrist machte sich in zwei kleineren Theatern und später in einem großen nicht geschieht, gnädiger Herr, dann komme ich zu Ihne«, und dann sollen Sie Alles erfahren." „Sie wollen also jetzt keine Anzeige machen?" „Nein, noch nicht!" „Dann hätten Sie mich auch mit der Geschichte ver- schonen sollen," erwiderte Siegfried ärgerlich, indem er dem alten Manne den Nücke« wandte. Arabella legte leise ihre Hand auf seinen Arm und ihr bittender Blick entwaffnete augenblicklich seine» Zorn. „2ch muß um Verzeihung bitten," sagte sie, „eS war ja mein Wunsch, daß Sie das Näthsel lose« möchten." Siegfried zog die kleine Hand in seinen Arm und schritt langsam mit ihr von danne«. „Wie können Sie nur glauben, daß ich Ihnen zürne?' erwiderte er mit leisem Vorwurf.„Mich ärgert eS nur, daß der alle Mann nicht den geraden Weg gehen will, trotzdem er so großen Werth auf die verlorenen Papiere L�'„Und was halten Sie von seiner Anklage?" fragte Arabella, erwartungsvoll zu ihm aufblickend. „Ich weiß nicht, ob ich es Ihnen sagen darf." „Dann wissen Sie auch nicht, ob Sie mir Vertrauen schenken dürfen.". „Wollen Sie da« Eine von dem Andern abhangig machen, Bella?" Es war das erste Mal, daß er si; mit ihrem Tauf- namen anredete, und als sie dabei seinen, Blick begegnete, schlug sie erglühend die Augen nieder. „Ergiebt sich nicht das Eine aus dem Ander»?" er- widerte sie......,. „Diesen Vorwurf darf tch nicht auf mir ruhen lasien, selbst nicht in dem Falle, daß ich mich der Gefahr aussetze, Sie zu erzürnen," sagte S-egfrud, indem er vor einer Bank stehen blieb und seine schone Be- gleiterin vmch eine leichte Verneigung einlud, Platz zu nehmen.„Denken Sie, der Untersuchungsrichter rede zu Ihnen, und vergessen Sie nicht, Bella, daß seme tbeilungen jedem Ander» ein Geheimmß fclcioen müssen. Garten- Etabkiss ment, in welchem auch«gemimt" wird, ein Ehepaar dadurch in auffälliger Weise bemerkbar, daß es dem Bühnenpersonal, besonders vem weiblichen Theile desselben, bei Benefizen und anderen Gelegenheiten Kränze, Bouquets, Blumen-Kiff-n,-Körbe und-Füllhörner von so hohem Werth« zu Füßen legte, wie dies an diesen Bühnen sonst selten zu ge» schehen pflegte. Das hatte bald eine Bekanntschaft zwischen dem Ehepaar und den Schauspielern zur Folge, die um so in- timer wurde, als das Ehepaar auch im geselligen Verkehr dem lustigen und leichtlebigen Künstlervolk gegenüber fich außer- ordentlich splendia zeigte. Nach der Vorstellung gab es sehr oft SouaeurS für mehr als 20 Mark, und Bier gab es zu jeder Zeit, so viel wie Jeder trmkcn wollte. Ueber ihre per- sönlichen Verhältnisse theilte das Chrpaar gelegentlich mit, daß ihr Ziame Herzog sei, der Mann sei Buchbinder, habe aber fem Geschäft aufgegeben, weil die Frau eine so große Eibschaft ge- macht habe, daß' sie beide gar nicht im Stande wären, die Zinsen zu verzehren. Dcir älteren und besonneneren Schau- spielern kam die Sache doch bedenklich vor, sie hielten einen Krach für unausbleiblich und hielten sich reiervirt; um so in- timer wurde der Verkehr mit den jüngeren Damen und Herren von der Bühne. Einladungen zum Kaffee in der sehr gut ein- gerichteten Wohnung des„Herzogschen Ehepaares", werthvolle Geschenke an Schmucksachen:c. waren an der Tagesordnung. Im letzten Sommer war das Ehepaar vier Wochen in Leipzig„zum Besuch bei Verwandten" und kam reich beladen„mit Indiens Schätzen" wieder nach Berlin. Sie konnten nicht genug erzählen und zeigen, wie viel kostbare Geschenke sie„von ihren Ver« wandten" empfangen hatten. Die Beziehungen wurden schließ« lich so familiär, daß eine Schauspielerin, die von Herzogs be» sonderS bevorzugt wurde, die fich laber sonst rühmte, daß sie„niemals" Geschenke annehme, fich mit der, nebenbei bemerkt, recht häßlichen Frau-herzog auf einem Bilde— die Köpfe liebend aneinander geschmiegt— vhotographlren ließ. Das Bild mit dem famosen Pärchen hat die ganze Zeit, vom Sommer bis zum Tage nach der Verhaftung der Frau Jahnke, in dem Schaulasten cmes Photographen dicht beim Etadtkeller am Alexanderplatz ausgchangen. Unter diesen Umständen mußte dre Nachricht von der Entlarvung und Verhaftung des säubern„Ehepaares" wie ein Blitz aus heiterem Himmel unter dem arglosen Künstlervolke wirken. Von der Identität des vielumworbencu Herzog'schen Ehepaares mit der berüchtigten Taschendiebin und ihrem Zuhälter erfuhr man in jenen Kreisen erst, als die Vorladungen verschiedener Schauspieler vor die Kriminalpolizei eintrafen. Wie billant es Frau Jahnke ver- standen hat, durch Frisur und Kleidung sich unkenntlich zu machen, erhellt wohl am besten aus der Thatsache, daß selbst diejenige Schauspielerin, die sich mit der Frau Herzog bezw. Jahnke zusammen photographiren ließ, bei der Konfrontation auf dem Molkenmarkte ihre alte, liebe Freundin nicht zu er- kennen vermochte. In Folge dessen ist unter dem betreffenden Künstlcrvolke eine wahre Panik ausgebrochen, jeder, der fich mit kleinen Geschenken oder Aufmerksamkeiten naht, wird bitter- döse zurückgewiesen, auf der anderen Seite fehlt es nicht an Hohn und Spott darüber, daß die betreffenden Schauspieler fich durch Geschenke bewegen ließen, mit Personen intimen Umgang zu pflegen, denen der Stempel der Gemeinheit auf die Hlrni gedrückt war. Jene famose Reise nach Leipzig aber, von welcher„Frau Herzog" so reich beladen heimkehrte, hat nicht„lieben Verwandten" gegolten, war vielmehr eine„Ge» schäftsreise" zur Dresdener Vogelwiese und Leipziger Messe. Was endlich den wirklichen Ehemann der„Frau Herzog", den Schlosser Jahnke betrifft, so wird derselbe im Monat Mai nächsten Jahres nach Verbüßung einer mehrjährigen Strafe aus dem Zuchthause entlassen werden; er wird also seine treue Gattin sobald nicht zu Geficht bekommen. r. Das Ganze ist gleich allen seinen Theilen. Dieser unwidellcgiiche, mathematische Setz gilt im praktischen Leben und namentlich in unserem großstädtischen Handelsverkehr doch mit einigen Einschränkungen, wie dies trotz aller mathematt» schcn Klugkeit und Berechnung dieser Tage ein alter Herr in einem Putzgeschäft dir Oranienstraße erfahren mußte. Vor einiger Zeit trat der alte Herr in den Laden und erkundigte fich nach dem Preise einer Putzfeder, die sich auf einein im Schaufenster ausgestellten Hute befand; man bezeichnet ihm 15 Mark als den Verkaufspreis. Am nächsten Morgen erscheint der alte Herr abermals und fragt nach dem Preise der Agraffe, die sich auf demselben Hute befindet, und dieser Preis wird ihm im Einzelverkauf auf 3 Vtark 50 Pfg. bezeichnet. Nach emiger Zeit erscheint der alte Herr mit einer Dame, die sich nach dem Preise des ganzen Hutes erkundigt, der auf 22 Mk. 50 Pfg. berechnet wird. Es beginnt nun daS übliche Handeln und die Dame erreicht schließlich das Zugeständniß, den Hut % 21 Mark kaufen zu können.„Die Fever ist doch eigentlich auf dem Hute überflüssig," meint nun plötzlich der alte Herr Ztt der ihn begleitenden Dame„und die Agraffe könntest Du eigentlich auch entbehren, der Hut müsse fich dann um 18 M. 50 Pfg. billiger stellen." Der Ladeninhaber hielt diese rech» nungsmäßia unanfechtbare Kalkulation des alten Herrn zunächst für einen Sckerz, weil er unmöglich glauben konnte, daß fich Jemand einbilden könne, einen eleganten neuen Damenhut "■ I III— 1 1'■■■■■ I I J JJ S..S»»»»S>SWWWD»WWSMWWWWWW Wollen Sie mir versprechen, sich dieser Bitte stets zu erinnern, auch dann, wenn Sie in Versuchung kommen sollten, von meinen Mittheilungen Gebrauch zu machen?" Darf auch Mama nichts davon erfahren?" fragte Arabella. „Neiit, auch sie nicht." „Gl wird mir schwer werden, ihr etwas zu verheimliche», aber ich will es Ihnen versprechen." Siegfried nickte befriedigt; für ihn war e« ein süßes Gefühl, daß die, welche sein ganzes Denken und Sein er» füllte, mit ihm allein ein Geheimmß theilen sollte. „Sie haben gehört, daß der Gärtner behauptet, die ge- stohlenen Papiere enthielten Notizen aus vergangenen Zeiten," fuhr er fort, während er mit seinem Rohrstock geometrische Figuren in de» Sand zeichnete,„worauf diese Notizen sich beziehen, ob und welche Enthüllungen in ihnen gegebe» werden, wissen wir allerdings nicht, aber mit Sicherhett dürfeir wir annehmen, daß es sich dabei um Dinge handelt, deren Enthüllung dem Bruder Ihrer Frau Mama nicht an» genehm ist." „Onkel Willy?' fragte Arabella überrascht. „Allerdings, Bella! Georg behauptet, der Kammer» diener sei der Dieb, und diese Behauptung habe ich in meinen Nachforschungen bestätigt gefunden. Ein anderer Dieb würde das Geld und die Wäsche des alten Mannes gestohlen haben, und hätte er außerdem daS Kästchen mit- genommen und erbrochen, so würde eS ihm nicht in den Sinn gekommen sein, gerade diese Notizen mitzunehmen. Sie allein fehlen in dem erbrochenen Kästchen, also hat der Dieb auch sie allein gesucht." „Aber das Kästchen ist am Ausgang des Parkes ge« funden worden!" sagte Arabella sinnend. „WaS beweist das? Nichts weiter, als daß der wirk» liche Dieb den Verdacht von sich ab und auf einen Ander« lenken wollte. Plump genug hat er daS ersonnen, eher hätte eS in seinem Interesse gelegen, da» Kästchen mit seinem ganzen Inhalt spurlos verschwinden zu lassen, er konnte es ja verbrennen, dann blieb eine Haussuchung re« sultatloS." (Fortsetzung folgt.) für 2 Mk. 50 Pfg. zu laufen; als er aber die Austen Kauflustigen im vollen Ernste fragend aus sich gerichtet des sah. machte er den Kaufverhandlunaen durch einige energische Er« Hörungen ein Ende. Dem alten Herrn schien dieses Ver fahren ganz unbegreiflich; er ging mit seiner Dame in einen anderen gegenüberliegenden Puyladen, wo er den Handel ebenfalls in ähnlicher Weise streng rechnungsmäßig betrieb, aber ebenfalls mit dem Verkäufer� nicht einig werden konnie. Der alte Herr, der häufig jene Straße passtrt, heißt seit dem Bekanntwerden dieser Handelsgeschichren in der dortigen Nach- barschaft allgemein der„Rechnungsrath". Auf einen der gefährlichsten Hochstapler, der lange Jahre hindurch von der Bildfläche verschwunden war, jetzt aber wieder aufgetaucht ist, werden die Polizeibehörden wamend aufmerksam gemacht. Es ist dies ein gewisser Doriaintville aus Porte- au Prince auf Haiti, welche als Comte de Nau, Rentier Delafield aus Amerika sc. vor 15 Jahren ein Hochstapler ersten Ranges gewesen ist. Was den Bebörden über diesen Ntenschen mitgetheilt wird, klingt wie ein Kapitel aus einem romantischen Verbrecher Roman. Er ist der Sohn einer gewissen Faure, welche zu Porte- au- Prince bei einem Herrn Nau diente. Ende der 50er Jahre tauchte er in Paris auf und nannte sick daselbst Auguste Jacques Dorsainiville, Catilina Faure de Nau. Er verheirathete sich mit der Tochter einer sehr respektablen Familie, verließ jedoch bald seine Frau, die er sehr schlecht behandelte. Im Jahre 1860 wurde er in Paris wegen Betruges verurtheilr, bald daraus in contumaciam zu fünf Jahren Gefängniß Im Jahre 1861 beirathete er in London abermals die Tochter einer sehr respektablen Familie, ging dann nach Liverpool, wo er angab, von der Regierung zu Haiti beaustragt zu sein, Fregatten anzukaufen und 100 000 Emigranten nach Haiti zu befördern. Mit Hilfe gefälschter Korrespondenzen gelang es ihm, hockstehende Persönlichkeiten gründlich auszuplündern. Bald daraus tauchte er als Notar Delafield in Grnf auf, fabrizirte sich eine Korrespondenz, wo- nach er die Tochter einer steinreichen Familie in Brüssel heirathen sollte, und verübte mit Hilfe gefälschter Kreditbriefe unglaubliche Schwindeleien, die ihm eine Gesängnißftrafe von fünf Jahren einbrachten, wovon ihm beinahe die Hälfte im Wege der Gnade erlassen wurde. Im Jahre 1669 hat dieser Jnduftneritter unter Anderem für die Summe von 6 Millionen Franks der preußischen Regierung sein System, im Spiele stets zu gewinnen und damit alle Spielbanken zu ruiniren, zum Kaufe offerirt, das Anerbieten ist aber natürlich zurückgewiesen worden.— In Hamburg ist der verwegene Mensch im Jahre 1868 gleichfalls verurtheilt worden und hat auch in Dresden Schwindeleien in g'vßem Umfange verübt. Im Lk- tober 1870 tauchte er in London wieder auf, schwindelte wieder auf Konto seines untrüglichen Mittels, am Roulette Millionen zu gewinnen, und verpfändete u. A. zwei werthvolle Oelgemälde, die wahrscheinlich während der Kricgsunruhen aus einer fran- »östschen Gemäldesammlung entwendet waren. Er verkehrte in London mit verschiedenen hochstehenden Personen, namentlich aber den Konsuln von Haiti und Brasilien, prellte eine Hotelier- familie, deren eine Tochter er heirathen wollte, und entledigte sich derselben aus einer Reise nach Homburg, nachdem er seinen präsumtiven Schwiegereltern eine genügende Anzahl gefälschter Wechsel angcschmiert hatte. In Frankfurt a. M. wurde er ver- hastet, mußte aber wieder entlassen werden, da er überaus ge wandt ist, und der gleichfalls von ihm getäuschte Cb&rps d'af- faires ihm einen regelrechten Paß als„Le Comte Catilina de Nau, Advokat und haitischer Gesandter in Paris", ausgestellt hatte. Er wandte sich dann wieder nach Paris, lebte dort aus großem Fuße und hielt sich Equipagen, Pferde und Livree- diener. Er hatte in kurzer Zeit 12 000 Frks. Schulden gemacht und wurde zu drei Jahren schweren Kerkers verurtheilt. Der steche Schwindler schrieb damals noch auS dem Gefängnisse Briefe an viele Zeitungen der verschiedensten Länder, um die Welt wissen zu lassen, wie man einen Gesandten in Frankreich behandelt. Nach Verbüßung seiner Strafhaft wurde er nach Brüssel ausgeliefert, um dort die ihm zudiktirten 2 Jabre Ge> fängmß zu verbüßen.— Jetzt ist nun dieser gefährliche Schwindler und Betrüger, der mittlerweile 51 Jahre alt ge worden, in London wieder aufgetaucht, unterhält Beziehungen mit Bayoune, besitzt einen Paß, und es wild vermuthet, daß er bald wieder aus dem Festlande sein altes Gewerde auf- nehmen wird. Die Erdarbeiten in der Burgstraße geben uns ein Bild der ersten Befestigung Berlins vom Jahre 1247. Die erste Stadtmauer begleitete die Spree von der langen Brücke bis zur Börse. Hier stand ein Thurm mit einem Wehr(Mönch), daher Mönchthurm genannt. Dasselbe svannte das Wasser des alten Festungsgrabens für die Damm-Mühlen. Die Mauern selbst verstärkten zwei Tbürme, der eine stand auf der Stelle des Joachimsthal'schen Gymnasiums, der andere auf der No:d> westecke der Kriegs-Akademie. Das Stück der Mauer von der kleinen Burgstraße bis zur langen Brücke legte schon Kursistst Friedrich ll. nieder, als er Berlins Oeffnung mit Gewalt er zwungen hatte. Bei der Friedrichsbrücke ging eine sogenannte Stokkate, eine Reihe mit Eisen beschlagener Pfähle, durch die Spree, deren Reste bei dem niedrigen Wasserstande von 1835 zum Vorschein kamen und abgesägt wurden. Den schmalen Durchlaß sperrte ein Baum, den der Wächter des nahen Spandauer Thorthurmes öffnete und schloß. Die Thüme waren sehr stark, der am Spandauer Tbor hatte unten vier Ellen dicke Mauern. Die Stadtmauer selbst, unten aus Feld stein, oben aus Backstein bestehend, war meist 6 Fuß dick, die Fundamentirung war ziemlich roh, statt Zinnen trug die Mauer oben Schießlöcher. Die Thürme waren meist rund und bis 80 Fuß hoch und darüber. Diese alte Befestigung hielt von bekannt gewordenen größeren Belagerungen zuerst die im Herbst 1349 durch König Wilhelm III. von Dänemark aus, der als Bundesgenosse des Landesherrn gegen den falschen Wal- demark in die Mark kam. Herzog Albrccht von Mecklenburg entsetzte die Stadt. Im Juni 1351 belagerte sie der Markgraf selbst, ebenfalls vergeblich. Zum letzten Male thaten die alten Werke im Herbst 1435 gegen die Tempelhoser Ordensritter ihren Dienst. E. Eine Schreckensszene. In der Gemeindeschule der Linienstraße kam es am Matwoch Vormittag während des Unterrichtes in einer Mädchenklaffe zu einer aufregenden Szene, welche das Einschreiten des Rektors zur Folge hatte. Eine Lehrerin bekam während des Religionsunterricht» plötzlich einen bestigen Blutsturz, der sie ohnmächtig zu Boden sinken ließ. Die kleinen Mädchen gerielhen über diesen schrecklichen Anblick in eine solche Angst, daß sie, ganz kopflos, sich nickt anders zu helfen wußten, als ein derartiges Lärmen und Toben zu erheben, wie es in den Räumen der Schule wohl selten gehört worden ist. Endlich wu-de ein Lehrer, der im zweiten Stock gerade unter jenem Schulzimmer, unterrichtete, auf den Tumult aufmerksam, ging dem Skandal nach und fand die unglückliche Lehrerin aus dem Boden im Blute liegen, umgeben von den weinenden und schreienden Nlädchen. Der Rektor wurde so- fort herbeigeholt und ließ die bewußtlose Lehrerin zunächst nach seiner Amtswohnung schaffen, von wo aus später ihre Ueber- suhrung nach der eigenen Wohnung erfolgte. Polizei-Vertcht. Am 4. d. Ms., Abends, fiel der Handelsmann Riegel, als er von einem im ersten Stock des Hauses Ackcrstraße Nr. 80 belegenen Boden Heu hinunterwarf, anscheinend in Folge eigener Unvorsichtigkeit aus der Boden- luke auf den Hof hinab und erlitt dabei einen doppelten Schädelbruch, so daß er mittelst Tragekorb nach dem Lazarus- Kranlenhause gebracht werden mußte.— Am 5. d. Mts., Vormittags, wurde vor dem Hause Münzstreße Nr. 19 ein rm- bekan'-ter, anscheinend durch Trunksucht völlig herunter- gekommener Mann, in Krämpfen liegend, betroffen und nach der Wache des 16. Polizei-Retners und, weil die Krämpfe sich wiederholten, von dort mittelst Krankenwagens nach der Eharitee gebracht.— An demselben Tage, Vormiitags, geneth in der Räucherkammer des Schlächtermeisters Holste, Wich- mannftraße 20, der darin befindliche Speck dadurch in Brand, daß eine Speckseite ins Schniauch-Feuer fiel und die empor- schießenden Flammen auch die übrigen Vorräthe in Brand setzten. — Einige Zeit später wurde der 44 Jahre alte Schuhmacher Kölbcr in seiner Wohnung, Saarbrückerstraße Nr. 11, todt aufgefunden. Derselbe hatte einen mit glühenden Holzkohlen ge- füllten Behälter neben seinen Arbeitstisch gestellt, und ist da- her anzunehmen, daß derselbe während der Arbeit den aus- strömenden Kohlendunst eingeathmet und so den Tod gefun- den bat. Die angestellten Wiederbe' bungsversuche blieben ohne Erfolg.— Am Nachmittage desselben Tages wurde der Kasscnbote Glase beim Paisiren des Grunewaldes von einem unbekannten Mann, wahrscheinlich einem Wilvdiebe, welcher ihn für einen Forssbcamten gehalten haben mag, mittelst eines Revolverschusses in der rechten Schläfe schwer verletzt. Der rc. Glase fiel zu Boden, erholte sich jedoch nach etwa einer halben Stunde soweit, daß er ssch naeh dem Bahnhof Grunewald begeben konnte, wo er Abends um 11 Uhr anlangte. Eine Beraubung hat nicht stattgefunden.— Am 6. d. M. früh wurde ein Mann an der Jauriowitzbrücke, auf der Erde liegend, betroffen und nach dem Kran kenhause im Friedrichs- harn gebracht. Hier stellte sich heraus, daß er den rechten Fuß gebrochen hatte._ Soziales und Arbeiterbewegung. Beitr«. 5. November. Nach Beendigung des Töprer- streiks bleiben hier noch nahe an dreißig Kollegen zu unter- stützen, die nur schwer Arbeit finden werden; dazu kommt noch die Kunde, daß in einer Fabrik mehrere Gesellen arbcits- los werden. Die Streik Kommission hat ihre Thätigkeit ein- gestellt, um die Abrechnung machen zu können, und hat der Fachvercin es übernommen, die Unterstützung weiter zu führen. Kollegen außerhalb, die noch etwas zur Linderung der Roth hier tbun wollen, werden gebeten, Sendungen und Briefe an den Vorstand des Fachoereins, per Adresse Herrn August Krause, Breitestraße 51, zu richten. Das Arbeiterviertel zu Mülhausen. Bekanntlich ist auf Veranlassung deö eisasser K oßindustricllen Jean Dollfus zu Mülhausen dort eine förmliche Arbeiterstadt enlstandeir an deren Errichtung eine größere Anzahl von Jndu- striellen und Privaten sich betqeiligt haben. Die Arbeiter- Häuser werden von den Arbeitern nach und nach e-worben. Ueber 1000 Häuser zählt die Mülhausener Arbeiter- stadt. Vor einigen Tagen war der Verwaltungsrath dieser Gründung zusammen, in welchem Herr Dcllfus selbst Bericht erstattete. Diesem Berichte wollen wir folgende Daten entnehmen:„Die Zahl der am 30. Juni d. I. vollbezahlten Häuser beträgt 775; es bleiben also 285 übrig, auf welche», nach Ausweis der Bilanz, noch eine Schuld von 413 455.05 Fies. ruht. Im Laufe des Jahres fanden fünfzehn Uebertragungen von Häusern statt, welche die Käufer nicht länger halten konnten; sie wurden sofort wieder vergeben. Wir haben stets Käufer, die mit ihren Zahlungen im Rückstände sind; in diesem Jahre waren es 42 mit Beträgen zwischen 400 bis 600 Frcs. für eine Gesammtsumme von 20130 F es., also etwas weniger als im vorigen Jahre. Seit Entstehung der Gesellschaft bis zum 30. Juni d. I. sind von unseren Hauskäusern 4 261 080 60 Frcs. eingezahlt worden, davon 2 766 120 Frcs. a conto der Häuser selbst, und 1 494 960.60 Frcs. für Kontraktsgebühren, Zinsen, Versicherungen k. Nachdem ich von den 20 in diesem Jahre erbauten Häusern schon 18 habe unterbringen können, schlage ich Ihnen die Forts.tzung unserer Bauten und die Errichtung von 18 neuen Häusern im nächsten Frühjahr vor. Wir haben die Geburten und Todesfälle in unseren Arbeiterquartieren berechnet und sie mit den Geburts- und Todesziffern der ganzen Stadt verglichen und dabei zu unserer großen Geuug- tduung gefunden, daß in der Arbeiterstadt ein Uebersckuß der Geburten über die Todesfälle von 1'/,» Prozent besteht, während in der Gesammtstadt der Geburtenüberschuß sich nur aus 8/io Prozent stellt."— Der Bericht fand vollständige Billb gung des Vcrwaltungsraths.— Wir enthalten uns über der- aitge Einrichtungen für heute jeden Uitheils, da wir in der nächsten Zeit eingehender dieselben defvrechen werden. Die Maurer und Zimmerer in Dresden, wo in Folge von Straßendurchbrüchen größere Neubauten bevorstehen, find auch in die Lohnbewegung eingetreten. In einer am 3. d. M. stattgehabten großen Versammlung führte der Referent aus, baß bereits im vergangenen Frühjahr von der Lohnkommission die Forderung eines Stundenlohnes von 35 Pf. bei zehnslün- digcr Normalarbeitszeit aufgestellt und mit der enormen Siei- aerung der Lebensmittelpreise und Miethzinsen ic. seit einer Reibe von Jahren begründet worden sei. Die Lohnvcrhältniffe der Bauarbeiter seien nirgends so ungünstig, wie gerade in der durch seine großartigen Luxusbauten weithin bekannten säch- Jjchen Residenzstadt.. In Hamburg zahle mau Sommer und eintet 50 Pf. pro Stunde; in Berlin, Leipzig, Chemnitz sei ebenfalls den berechtigten Forderungen der Gesellen einiger- maßen entsprochen worden. Va-rntth Mothes Leipzig habe statistisch nackgewiesen, daß«in Maurer oder Zimmerer nach dem Lohnsatze von 1828 18 P'., jetzt mindestens 45 Pf. verdienen müsse. Es bandle sich darum, geschlossen gegen die ab- lehnende Haltung der Meister vorzugeben, fest organisiri auf- zutreten, um den entsprechenden Lohnsatz von 35 Pf. und eine des Arbeiters und Menschen würdige Existenz zu erzielen— selbst auf die Gefahr eines Streiks bin.— Einstimmig wurde zuletzt beschlossen, erneut m.t der Forderung von 35 Pf. vro Stunde und zehnstündiger Arbeitszeit vorzugehen, sowie bei den staatlichen und städtischen Behörden und dem Landtage vor- stellig zu werden. Kottbuscr Braunkohlengruben. Dleizebn Braun« kohlendergwerke der Niederlausstz haben sich zusammengeschlossen und eine Gewerkschaft gebildet. Die Gesammtfläche beträgt 14,000 Morgen; das Kohlen flötz hat vielfach eine Stärke von 10 Meter. Man fleht hier, wie das Kar'tal sich vereinigt, um größeren und sichereren Gw'mn zu erzielen. Alles drängt zum ausgebildetsten Großbetrieb hin. Tie Dockarbeiter zu Livetsiool haben gegen 2000 an der Zahl plötzlich die Arbeit niedergelegt, um eine Lohn- eihöhung von 2'/- pCt. und eine Arbettszeiwerminderung von drei Viertel Stunde vro Tag zu erzielen. Da gegenwärtig an Arbeitskräften dort kein llebeifluß ist, glaubt man, daß die Arbeiter diese nicht bedeutenden Forderungen durchsetzen werden. In Glasgow ist ein Streik der Baumwollenarbeiter aus- gebrochen; die Zahl der dmch den Streck außer Arbeit sich befindlichen Personen deträgt 2400. Aus Texas meldet man eine große Arbeitseinstellung. Weiße Arbeiter, unter denselben zahlreiche Deutsche, hatten eine Lohnerhöhung gefordert, die ihnen aber abgeschlagen wurde. Die Unternehmer warben rasch Neger an, woraus zirka 1500 weiße Arbeiter den Streik erklärten. Vereine und Versammlungen. b 8. Dre öffentliche Taptziercr-Versaniiulung. welche am Mittwoch Niederwallstraße 11 unter Vorsitz des Herrn 1 1: V) Ii,«»t» l«-i A i+i a«- wmÄ � V...-» WUddnAer tagte, beschloß r.ach Anhörung eines Referates des Venn Sander über„Die Notbwendigteit einer gescbloffcnen f AM Uli* A Sö*" A« IT A t m« N'i.. vi-uuwui, uocr �(ojuroenoiguu einer gLMio�cnen Organisation zur Durchführung der de?annten Mininlallohnsätze und der Ostiindigen Arbeitszeit im nächsten Frühjahr" und nach einer hieran sich anichließendea längeren Diskussson die Bei- beHaltung der jetzigen Oraaaisation zur Lohnbewegung, sowie die Neuwahl der aus 7 Mitgliedern bestehenden(unbesoldeten. aber künftig für direkte Zeitversäumniffe zu entschädigenden) Lohnkommission. Es wurden zu Kommissionsmitgliedeen ge- wählt die Herren Allmer, Eipel, Engel, Lewin, NicolK, Sander und Staudinger. Die Wahl zu Revisoren fiel aul die Herren Collbrun, Trautwann und Wildberger. Fachverein der Schneider. Montag, den 9. Nooemoft Abends SVa Uhr. Oeffentliche Versammlung in Grat weil- Bicrhallen(oberer Saal), Kommandantenstr. 77—79. T.'L-i 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Herrn Singer üb» das Arbeiterschutzgesetz. 2 Freie Diskussion. 3. BeiprechM über die jüngsten Vorkommnisse im Schneidergewerbe, betreffen5 die sogenannte Dame n- Mäntelschneider- Innung. 4. Versch»' denes. Kollegen, welche noch an dem Unterrichts Kursus» Zuschneiden, desgl. an dem Kursus im Schön- und Schnell' schreiben tbeilnehmen wollen, können sich in der Versammlung melden. Alle Schneider Berlins baden Zutritt zu der Vef sammlung. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Verein zur Wahrung der Interessen der Kiste«' und Koffermacher. Montag, den 9. November, Abenw 8'/- Uhr, in den„Arminhallen", Kommanvanlenstr. 20, sammiung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Su«« über„Die Ewigkeit des Stoffes und die Zeitlichkeit snn» Entstehung." 2. Antrag, betreffend Statutenänderung. 3. Lll« stehen wir jetzt zu dem Fuhg'schen Streik und dem BesW der Versammlung des Fachvereins der Stellmacher. 4. xi»' schicdenes und Fragekasten.. Kranken- und Sterbekasse der Tischler ic. Oeriw Verwaltungsstelle Berlin Gr. Sonnlag, den 8. d. M., N mittags 10 Uhr, Große Franksurterstraße 117, bei Wulf: glied.rversammlung. Tagesordnung: 1) Abrechnung vs� 3. Quartal. 2) Wahl eines Schriftführers. 3) WidW Kassenangelegenheiten. 4) Verschiedenes. Mitgliedsbuch W limirt. In der letzten Mitglieveroersammlung wurde � � schlössen, ein Tanzkränzchen in der Verwaltungsstelle Berlin» abzuhalten; dasselbe findet am Sonnabend, den 14. NovefflW in Wulffs Salon. Große Franksurterstraße 117, statt. BM« für Herren 40 Pf., Damen 25 Pf. sind auf den Zahlstcll» bei den Beilragsammlern,, sowie bei den Vorstandsmitglie5»« zu haben.,. Allgemeine Kranken- und Sterbekaffie der MfW, arbeitet(Eing. H.lfskasse, Hamburg 29) Filiale Berlin l (äußere LouisenKavt). Sonnlag, Vormittags 10 Uhr, teuffelstr. 90. Mitglieder-Versammlung. Die Arbeiterinnen-Versammlung, welche am 5. d.� in der„Urania" stattfinden und in welcher Frau Hedwigs helwy-Henrich über:„Die Ursachen der rechtlosen Frau" spito" sollte, ist polizeilich verboien worden. u Arbeiter- Bezirksverein der Rofenthaler Vorst«5! Versammlung am Montag, den 9. November 1865, Ada» 8 Uhr, in der Neuen Walballa, Schönhauser Allee 156.« gesordnung: 1) Vortrag deS Herrn Dr. Benkendorff Feuerbestattung. 2) Verschiedenes. 3) Fragekasten.— reiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht. Neue Mitgll werden ausgenommen.— Die Ausgabe und der Umtausch» Vibliotheibiicher findet am Sonntag Vormittag von 9� bei Herrn Schayer(Bierlokal), Acker- und JnvalidensttM Ecke, statt. M Arbeiter-Verein„Hoffnung" für Friedrichs berg K Umgegend. Mitglieder- Bei sammlung am Sonnabend,% 7. November, Abends 8'/- Uhr, in Neumanu's Lokal,(% straße 41. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Metzner � Relrgion und Konfession. Zentral- Kranke»- Kasse der deutschen Zimmckt Sonnlag, den 8. November, Voimittags um 9 Uhr, Gen»!, Versammlung im Salon zum Deutschen Kaiser, Lothri«? straße 37. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Verschied«� Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der%% arbeitet(E. H. Nr. 29) Hamburg, Filiale 4 Berlin,&Z abend 8'/- Uhr, Ändreasstr. 26. Kassenbericht. Neuwahl Kasfirers je.,. Verein zur Wahrung der Interessen der Klav arbeitet. Heute(Sonnabend), Abends 3V- Uhr, inMatw» Bierhallen(oberer Saal), Kommandantenstr. 77/79,| MiW�J Versammlung. Tagesordnung: 1. Zweiter Vortrag des Michelsen über das Arbeiterschutzgesetz. 2. Verschiedenes£ i—"lOr 0 3 Ii 592 :oe s- Stirn l'iS Werder Fragekasten.— Die Vorstandswahl findet in der na» Versammlung am 21. November statt.— Die Versaw«-� ......-......-......"■—"edtt" wird präzise 8'/- Uhr eröffnet; dies für säumige Mitglie- Beacktung. Verein der Berliner Bauanschläger. Sonntag, mittoas 10 llbr, Versammlung bei Preuß, Oranienstt. 51 Tischler-Verein. Heute Abend 8'/: Uht, Kottbuß Vortrag des Herrn Dr phil 23. Angerstein. Verein der Einsetzer(Tischler). Sonntag, Va 10 Uhr, Neue Friedrichstr. 44, Mitglieder-Versammluna Oeffentliche Generalversammlung der Schloff»«, Berufsgenossen am Montag, den 9. d. M., Abends 8 Vit: in den Bürgersälen. Dresdenerstr. 96. Tagesordnung: W verhalten sich die Schlosser Berlins zu ihrer LohnkomÄg? 2. Die Schädlichkeit der Akkordarbeit. Referent Herr aungsbaumeister Keßler. 3. Ergänzungswahl der Komi 4. Verschiedenes. S 3 0% I Vermischtes. Der Streit um das„Sattelkissen". Der Anzeiger für Kreuznach Stadt und Land" brachte vor»/ Tagen folgendes Inserat:„Der Kuriosität halber iW w unseren Mitgliedern mit, daß 30 oldenburgcr Dame«/ Verein zum Schutze des„eul" gebildet haben. Diese�AF öffentlichen in der„Oldenburger Zeitung" folgende% f. Eckläiung:„Dem Wilhelwshavener Henenllub, der 5 schmähte Tornüre aus der Welt schaffen will, antwoB� junge Damen hierdurch, daß auch sie einen Verein H und zur Sicherstellung der ebenso kleidsamen als Tourniire gegründet haben. Wenn den Männern der einer niedlichen Tournüre so zuwider ist, so rächen.« betreffenden Herrchen, nach Kamerun zu gehen, da ß.r schwarzen Schönen wohl noch nicht diesen französiia««�iit> auifel leimen. Wir würden solche hoffnungsvolle? gar nicht entbehren, da auch wir uns feierlich haben, lieber ebelos zu bleiben, als einem Tournüren» die Hand zu reichen." w. 130 Schlagwetter mit nachfolgenden Explosiv»!,.heu5! im Jahre 1884 in den unter Aufsicht des Staates>'- � preußischen Gruben stattgefunden. Davon entfallen 8 Lberbcrgamtsdezirk Dortmund 100, Bonn 20,~ f ic-utiuciijuim&ucZui xvv&iwiuiw lUU, VoNll J und Klausthal am Harz 1. Erplofionen mit toCii�L,;# fanden im Ganzen 27 statt. Die Zahl der bei den Ek« Meten Bergleute beträgt im Ganzen 75. Der erste farbige Rechtsanwalt i» Baww f Jürji'fh daftlbft zur Praxis zugelassen worden. � j Fiant Waiing, ist 26 Jahre alt, in Svringfielv, � h% boren, genoß feine Schulbildung auf der dortige« tk Schule und studiite später, während er Vucbh«'1).r# sionsamte zu Washington war, aus der Howard«« � Rechte. und— großer Blatter ist noch immer nicht im wy gnff-n. Em Inserat in Nr. 281 des„Leipz. „Für eine Papierhandlung wird ein tüchtiger iL iii y Der unfreiwillige Humor im JnferateniK hpt: — großer Blatter ist noch immer nicht im%«.," Wi & % rn i .3' Wate, fm a ichlie % «utor ?chei, 1% tikuloiift Bliemchen auf manche Verhältnisse seines V« einen fast unheimlichen Einfluß gewinnt. stetzs Der heutigen Nummer liegt für unsere Abonnenten die Stummer 6 de«„Illuft*"' tagsblatt" bei. Verantwottlichcr Redakteur«. Crouheim In Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin 8Wy Beuthstraße V Hierin ein- 1 Nicolas, fiel auf lovember, jratweiks T.-L-! - r iidtt spreckuüg betreffen! V-rsch* tursus i« Schnell« iammlung der V-r« r Kiste«« , Abends 20, Sf 5i. Sm«n rM Oerililbe & 8 aliÄ b»» W ?«SS SS ■M VA; m" sprei?' Vorsts kr# rdoiff, 'MW mtaufffl] von 9� idenstra? bsderg t ibcnö>" LothriNt, TSjk Äatl«1 agdesSZ iteöen«?, der na-bz ßeifam«« iitglieve-n tf mntag. mstt. 5b ittbuser!�| Bor«/ mluna-e! -chlosts» nds 8# rung bnlomO t Serr : Koi 261. Ksn«adend, den 7» Uovembcr 1883. II. Jahrg. S VolMsche«rbrrficht. Die Lauotagswahteir sind m Berlin, wie vorauszusehen «>ar, beutschfreisinnig ausgefallen. Im 1. Wahlkreise waren «eer Abaeorvnete zu wählen, in den übrigen je zwei. Die zUah wird in getrennten Wahlgängen vollzogen. Im ersten Mahlgang erhielten Stimmen: Kloy(dfr.) 601, Stöcker(kons.) ff,0, Marggral lnat.) 75. Im zweiten Wahlgang erhielten p-0®?.(dfr.) 590, o. Levehow(kons.) 223 und Mcitzcn(nat.) S Stimmen. Im dritten Mahlgang fielen auf ParesiuS(dfr.) "�.Brandes(kons.) 220 und Kyllmann(nat.) 60 Stimmen. r Gewählt find also im ersten Mahltreise die Herren Klotz, n � rauchte sogar, jenem mißgünstigen Belgier Material ,r Behufs Versorgung mit neuem Schmauch- Cchjff�.(aiS richtiger Seeheld mußte ich doch auch auf dem �nnte« n» Sifiotre im Munde haben) strebe ich dem be- hestnbti* Bahngebäude, beziehungsweise der darin �chlixfi-, 4? Buvette zu. Wie ich dann meine« Handel Waljn' von außen eine helle SchissSglocke mit zwei- Hotel." ��chichiag. Zm selben Momente sehe ich auch den iukvmm»"�'urmer Reisetasche im Sturmschritt auswich »theml sonst sehr gemüthliche Nordfranzose keucht fehlt»„L.j r statte schon gedacht, daß ich den Weg ver. lichte bereits d��A �asch einsteigen, denn das Schiff *tofSb«n k!0!96. �en? �anne beflügelten Fuße? und stehe «agelt. llleich wieder wie an das LandungSpodium ge- """" i4-"=°" Nordhausen, 6. November. In der Klagesache des preußischen Fiskus gegen den Reichstagsabgeordneten Lerche wegen empfangener Reichstagsdiäten wurde der erstere vom hiesigen Landgericht abgewiesen. Art. 32 der Reichsverfassung hätte nur auf öffentliche Mittel, nicht Privat- mittel Bezug. Bismarcks seinerzeit im Reichstage abgegebene Erklärung sei authentisch. Im Uebrizen sei Lrndrecht nicht auf Reichsgesetz anwendbar. In der Begründung des Gesetzentwurfs betr. den Nordostseeknnal wird die Bedeutung des Kanals für die Zwecke der Kriegsmarine und für die Berti, dizung der deutschen Seeküste auseinandergesetzt. Der Kanal kürze für die Handelsschifffahrt die Fahrt um 237 Seemeilen ab. Die Er- sparniß werde um so größer sein, je weiter südlich das Ziel der aus der Ostsee kommenden Sckisse liegt. Segelschiffe er- sparen drei Tage, Frachtbampser 22 Stunden. Bon 35 000 Schiffen, die jetzt jährlich den Sund pasfiren, werden sicher 18 000 den Kanal benützen. In den Fahren 1877—1881 seien auf der Fahrt zwischen Nord- und Ostsee 92 deutsche Schiffe mit 2OO0O Registertonnen und einem Gesammtwerth von 3—4 Millionen Mark untergegangen. Der projektirte Kanal werde drei Meilen oberbalb Brunsbüttel an der Elbmündung gelegt werden; die Einmündung in die Kieler Bucht soll bei Holtenau stattfinden, Von Westen her würve der Kanal durch die Kuvensee- und die Gieselau-Niederung nach Wittelsbergen an der Eiver gehen, über Rendsburg würde die Linie des Eiderstromes innegehalten; bei Steinrade würde der Kanal sodann abzweigen, um darauf die Linie des jetzt bereits be- stehenden Eiderkanals unter Hinweglassung der Krümmungen bis zur Eidermündung in der Kieler Bucht sestuihalten. Die jährlichen Unterdaitungskosten sind auf 1 100000 M. veranschlagt. Die Schiffsabgaben sollen 75 Pf. per Registertonne betragen. Für den normalen Querschnitt ist eine Breite von 60 Meter im Wasserspiegel, 26 Meter in der Sohle und eine Tiefe von 8,5 Meter projektirt. Die preußische Präzipual- quote von 50 Millionen Mark soll damit motivirt werden, daß der Staat dann von einem Ilmbau des Eiderkanals befreit würde, dessen Kosten sich auf 40 Millionen Mark belaufen. Außerdem erfahre die Provinz Schleswig Holstein in Folge der Entwässerungen durch den Kanal große lanvwirthschaftliche Vortheile. Aus Liegnitz wird der„Voss. Ztg.«« unterm 5. d. M geschrieben: Fn der beutigen Wadlmännerve sammlung beantragte der Wrhlkommiffar, Reg. Assessor v. Jagov, daß die sämmtlichen Wahlmännerwablen des Stadtkreises Liegnitz (131 liberale und 17 konservative) für u ngiltig erkläit wür- den, da in einzelnen Bezirken die Eintheilung nicht der vorhandenen Seelenzahl entspreche, namentlicb die Militärde- völterung nicht richtig vertheilt worden sei. Es genüge nicht, die Wahlmännerwahlen des betreffenden Bezirkes zu kasstren, da eine Verschiebung in sämmilieben anderen Bezirken fich ergeben haben würde. Die Liberalen vrotestirten dagegen, daß hierüber in der Versammlung diskutirt resp. beschloffen würde, da dies Sache des Abgeordnetenhauses sein würde. Der Gegenkandidat, St.-A. Hoffmann, machte der Stadtverwaltung den Vorwurf absichtlich tendenziöser Eintheilung, wurde aber vom Stadtv. Prager rekt sizirt. Nach zweistündiger Diskusfion wurde in sehr erschwerter Abstimmung der Antrag angenommen, über den Antrag des Wahlko rmissarS zur Tagesordnung ü�er« zugehen, und hierauf im ersten Wahlgange Seyffart mit 260 gegen 222, im zweiten Goloschmidt mit 260 gegen 220 gewählt. Die Stadtverwaltung wird voraussichtlich gegen den Staatsanwalt Hoffmann dre Beleidigungsklage er- b°ben.__ Frankreich. lieber die Lage der reaktionären Parteien laßt sieh die in Manchen erscheinende„Allgemeine Zeitung" aus Paris folgendes schreiben: Die Monarchisten befinden sich in einer nicht geringen Verlegenheit. Wohl zählen fie 200 Mann in der neuen Kammer; allein was ihnen fehlt, ist ver Führer. Soldaten und selbst Lieutenants q nug, doch kein General, um die Truppen zu leiten; Niemand, um die Tapferen zum Siege zu führen. Man halte so stcher gehofft, daß der Herzog de Brogiie im Eure- Departement gewählt werden wurde, und mit ihm wäre der L-ader und Feldherr der Rechten gefunden gewesen. Sein ReD:i«faW, seine Erfahrung in parlamentarischen Kniffen und-jtze Autorität seiner politischen Vergangenheit bestimmten ihn zu �Siestv Rolle; unter „Der große Dampfer hat heute in Dover R paratur. Es fährt das kleine Schiff.«« „Dageblieben,«' war mein erster, schreck, zepaarter Gebanke, wir haben nichts zu versäumen!'« Ab r ich fühle eine Hand auf der Schüller. Das bekannte freundliche Gesicht emeS alten Herrn nickt mir zu und nebenan steht sie, die junge Dame, der ich als erprobter Seefahrer gelte, auf die etwas wilde Geberde, mit der ich den Hut abreiße, holdselig erröihevd. Ich weiß nicht mehr, was ich da gesagt habe, jedoch ich war mit eingestiegen und hatte in der Mstte des Schiffes neben den Herrschaften Platz genommen. Denn hier fühle man das verteufelte Schaukeln noch am schwächsten, meinte mein freundlicher Bekannter, von dem ich gleichzeitig erfuhr, daß er allerdings in der Rheingegend geboren, aber längst schon ein naiuraltsirter Engländer sei. Das Raffeln der Aukermaschine widerhallte m meinem Gehirn wie die Posaune dcS jüngsten Gerichts, und war cS Thatjache oder nur Vision meiner Sehnerven: ein Schiffs- junge trug eine ganze Säule blankgescheuerter Porzellan-Ec- zeuanisse, die ich hier mitsammt Meiner feigen Flucht von heute Nachts höllisch verwünschte. Ich hätt'S nun schon. ,m stillen Mondenscheme und in irgend einem entlegenen Schiffs- winkel, längst überstanden gehabt. Und jetzt, vor rhr, vte furchtlos dem bangen Gesch ck entgegenmo, vor ihr,»ach jenem ur seligen, erlogenen, mitleidigen Lächeln, daß sie ganz gemutet. 3er AugenHid iß da! Ich fühle- zu meiner Ehre sei eS gesaat- m un- mittelbarer Erwartung dcS schrecklichsten der Schrecken wie- ver etwas Math ir. mir. 34 W9« out me mde Am der«, die an bte Brüstung eilen, um de« ZmWbWenbe« MZMMWZ ihm und mit ihm wäre Alles leicht gegen die Republik gewor« den. Leider haben die Wähler der Eure das in sie gesetzte Vertrauen getäuscht, und der Herzog ist unterlegen, gleich sei- neu Kollegen in der Regierung des 16. Mai, den Fourtou, Decazes, M'aux und Eaillaux. Der Schlag war für die Koa« liirten der Rechten ein harter. Wer soll den fehlenden Chef ersetzen? Paul de Cassagnac ist zu ungestüm und wild, Graf de Mun zu ausgesprochen klerikal. Da ließ Edouard Hervö im„Soleil«« den Ruf nach irgendeinem royalistischen Kurtius erschallen, daß er sich aufopfernd in den Abgrund stürzte, um für den Herzog einen Platz zu schaffen. Aber Wochen ver« gingen, und Niemand unter den Deputirten der Rechten be- eilte fich, zurückzutreten und seinen Sitz für den Her« zog frei zu machen. Keiner wollte fich freiwillig opfem, als plötzlich ein alter legitimistischer Abgeordneter der Veneöe, Hr. de la Basseiiöre, starb, und damit alle Roth geendet schien. Wiederum Enttäuschung! Die legitimistischen und kleritalen Organe erklärten höchst lühl, daß die Wähler der VendSe unempfindlich für die Ehre seien, durch den früheren Konseilspräfiventen des 21. Mai vertreten zu werden. Um sol« chen Preis zögen fie sogar vor, daß die Rechte ohne Chef bleibe. Der Zorn det Orleanisten ist Darob ein gewaltiger. Doch dürfen ste demselben nicht einmal recht Luft machen, um die Legiti« misten und alten Royalisten, die ohnedies schon nur zu un« willig den Grafen von Paris als„König" anerkennen, nicht vollends vor den Kopf zu stoßen und hierdurch die ganze müh« selig und wenigstens äußerlich hergestellte„konservative Union«« wieder über den Haufen zu werfen. Jetzt heißt es freilich, daß der Graf de I'Aigle seinen Eitz in der Oise dem Herzog ad« treten will. Allein einmal werden sich die Wähler nicht ein« fach wie eine übertragbare Waare behandeln lassen, und zum andern werden die Bonaparlisten, welche die starke Hälfte im Oise- Departement bilden, nicht dem von ihnen so gründlich ge- baßtcn Duc ihre Stimme geben. Nun kommt noch gar Francis Magnard mit einem seiner kleinen, meistens überaus verständig und treffend geschuebetien Entrefilets im„Figaro«« und wirfr ebenfalls seine dissonirende Note dazwischen.„Wie sehr ich auch die Abwesenheit des Herzogs de Broglie im Parlament bedauere", läßt sich Magnard vernehmen,„so weiß ich dennoch nicht, ob seine Suprematie ohne Nachtheile gewesen sein würde. Was er angreift, mißlingt; was er vertheidigt, ist verloren. Er konnte die Monarchie, die er wieder herstellen wollte, nicht zu Stande bringen; er hat die Republik, die er zertreten wollte, gegründet; er hat den Bonapartismus, den er verabscheute, zu neuem Leben gerufen; sein eigenstes Werk, daS Sevtennat. kehite sich wider ihn; von dem 16. Mai trägt er die Unpopu« larität, ohne daß er fich je für denselben sonderlich begeistert gehabt hätte. Hr. de Broglie gleicht Marmont, dem immer glänzenden, aber immer unglücklichen General. Sollte fich viel« leicht nicht unter den Neuerwählten der Rechten ein unedirter Thiers odor ein noch ungekannter Mols finden?" Man möchte glauben, daß dieß am Ende ebenfalls die Meinung der monarchistischen Deputirten ist, so wenig Eifer zeigen fie, ihrer« seits etwas zu thun, um jenen„nothwendigen«« Chef in ihrer Mitte zu sehen. Auf diese Weise werden unter der führer« losen reaktionären Armee Disziplin und Zusammenhang sich schnell genug lockern. Denn mit dem gelräumten Thiers und Mole hat es gute Weile. Dergleichen giebt es schwerlich auf der Rechten. Wenn also die Monarchisten noch weiter Terrain im Lande gewinnen sollten, was mehr als zweifelhaft ist, so würden sie es gewiß allein den Fehlern der Republika- ner verdanken und nicht elwr dem Werth und der Tüchtigkeit ihrer Devutirten im Parlament. — Der neue deutsche Botschafter bei der französischen Re« publik, Graf Münster, hat vorgestern in Paris sein Beglaub i« gungssckreiben überreicht. Sein Empfang durch den Präst- d-nten Giöpy erfolgte unter Entfaltung ganz außergewöhnlichen Glanzes. Spanien. Ueber einen mißglückten revolutionären Putsch in Spanien, der in der Nacht vom Montag auf Dienstag versucht worden, liegen in spanischen Blättern jeyt nähere Mittheilungen vor. Derselbe fand tn Karthagena statt. Zwölf Individuen, die als Marinesoldaten virlleldet waren, drangen in den Bagno ein und boten den Gefangenen im Namen Ruiz Zorilla's die Frei- � ' lftit ata, wenn fie fich am Aufstand betheiligen und Das Vater»;; l«nd mit den Waffen in der Hand vertheidigen wollten.- Änderet Blätter sprechen von einem Gewaltversuch gegen daS libl.il, i n i———■ und Vorderdeck, lachend retirirt eine kleine Gesellschaft von dort, und meine eigenen, ausgespreizten Beine beginnen sehr unfreiwillig zu hüpfen, zum Glück nur etwa drei Schritte weit, worauf es mich schwer auf eine Deckbank setzt. Da mir jedoch weiter nicht sonderlich unbehaglich zu Mathe wird, be» achte ich mit oroßem Interesse den Äiaffenrückzug der weih« lichen Schiffsaesellschaft. Ein gedickter Raumnimmt sie auf, mit der lltbeifeWft:„Ladies only". Es bleiben jedoch immerhin noch zahlreiche Pracht-Exemplare auf Deck und bewegen sich da zierlich und sicher. Zch richte mich auf und vermag zu stehen. Hollah! Ich wäre also doch seetüchtig! Eins, zwei, drei— loSmarfchirt! Ein fester Wille überwindet Alles! Zch taumle zwar gehörig, aber daS leisten ja die Andern ebenfalls.?lach einer kleinen Weile muß ich mich wieder setzen, diesmal auf die Bank längs der Bordwand. Nun sehe ich sie leibhaftig, jene eleganten Neisegestalten, die wie aus dem„Graphic" herausgeschnitten scheinen. Ich kann sie alle mustern und auch jeden Gegenstand auf dem Schisse in Augenschein nehmen. Sowie ich aber mein Auge aus die Waffe> fläche richte, die mir die hochaufschwankende jenseitige Bordwand regelmäßig wieder verhüllt, wird mir unerklärlich schwül. Ob ich den« das nicht bekämpfen kann! Auf— ab, auf— ab--- ich bis'« schon gewohnt, —— ah,— da kommt sie, die schöne Tochter des angli» sirien Rheinpreußen—— nein! Es sind zwei— drei— vier Töchter von anglisirten Rheinpreußen. Sie lächeln mir Alle zu.— Nun ist sie wieder einfach! Das schöne Mädchen lehnt sich an die Verkleidung der Kajüientreppe und lächelt wieder zu mir. O, ich getraue mich schon zu ihr hinüber. Aufgestanden! Ach, dieses gräßliche Waffer, sitzt ist es da und»un wieder nicht, und jetzt-- bm ich schon hart an der jungen Dame und war ja doch gar nicht gegangen. Zch fühle eine Hand die meine erfaffe« und dabei dringt nur etwas von der Zirbeldrüse bis in den Hals hinab. Das Ding geht wieder ins Gehirn retour, steigt wieder ab und wieder auf—— es wird'mir roth und grün vor den Augen und sehen kann ich nur, daß sich Schiff, Menschen und Meer durcheinanderwühle». Aber ich fühle immerfort die fremde Hand in der meinigen, fühle, daß diese Hand klein und zart ist. Es schreit m mir mit L Arsenal. Die Anstifter wurden sämmtliK verhaftet» ihr Chef ist ein ehemaliger Infanterie- Offizier. Die Aimrtheilung der Schuldigen soll durch ein Kriegsgericht erfolgen. Serbien. In Nif ch ist eine Verschwörung gegen das Leben des Königs Milan unter den FretwMgen entdeckt worden. Der Rädelsführer Bilotijevicz, ein Verwandter des Prätendenten» ist lammt Komplizen verhaftet. Auch in Belgrad find Ver- Haftungen vorgenommen. Kommunales. Stadtverordneten-Versammluna. Außerordentliche Sitzung vom Freitag» den 6. November. Der Vorsteher der Versammlung Herr Dr. Straß« mann eröffnet die Sitzung um 6»/« Ubr mit geschäftlichen Mittheilungen. Die Ausschüsse haben die Wahl von 10 Mitgliedern für den Ausschuß der Vorberathung der Vorlage, be- treffend die Verlängerung der Giltigkeitsdaucr deS Nachtrages »u den Instruktionen für die Verwaltung des städtischen Bau- wesens vollzogen. Nach Erledigung einer Anzahl Pensionirungs-» Anstellungs« und Naturali sationsgcsuchen und einiger unwesentlichen Vorlagen beschließt die Versamm- lung den Verkauf der Baulichkeiten auf dem zur Freilegung der N orkstraße erworbenen Theile des Grundstücks Hornstraße 25 zum Abbruch. Die Skizze zum Neubau einer Gemeinde-Mäd- ch e n s ch u I e auf dem Grundstück Auguststraße 67/68 wird genehmigt. Die Gewährung einer BeihUfe in Höhe von 6000 Mark zur Unterhaltung der Anstalt für Epileptische in Bielefeld wird beschlossen. Die Ueberlaffung deS Festsaales im Rathhause zu einem Bazar wird genehmigt. Mit dem Verkauf der Baulichkeiten auf dem zur Frei« legung der Korkstraße erworbenen Theile des Grundstücks Möckemstr. 92/93 zum Abbruch erklärt fich die Versammlung nach kurzer Debatte, in welcher Stadtv. Herr Eßmann um Ablehnung der Vorlage bittet» einverstanden. Von oen Stadtverordneten Görcki und Genossen ist fol- gender Antrag eingebracht worden: Die Versammlung wolle oeschließen» den Magistrat zu ersuchen» bei den bevorstehenden Ersatzwahlen für die Stadtverordneten Versammlung die Wahl« zeit für die 3. Abtheilung von 9 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends festzusetzen.— Zu diesem Antrag ist eine Resolution einer Kommunalwählerversammlung des 14. Bezirks 3. Abtheilung eingelaufen, welche um Annahme des Antrages er- f r Stadtv. Weiß II beantragt, die Wahlzeit für die una bis 4 Uhr Nachmittags und für die 1. Abtbei« 3 Uhr Nachmittags auszudehnen, den Beginn der für dre 3., wie für die 2. und 1. Abtheilung auf 10 littags festzustellen. iv. Görcki: Wenn wir uns veranlaßt sahen» ntrag auf Verlängerung der Wahlzeit zu stellen, so obigen wir von der Ansicht aus, daß, wie daS System der Wahl auch sei, jedenfalls dafür Sorge getragen werden müsse, dem Wähler ausreichende und und freieste Gelegenheit zu geben, sein Wahlrecht auszuüben. Soll die Wahl ein treuer Reflex der in der Bürgerschaft herrschenden Anschauungen sein» so muß von allen unnöthigen Zeitbeschränkungen abgesehen werden. Und das ist besonders nothwendig für die Wähler der 3. Abtheilung, denen der Vorschlag des Magistrats wenig Zeit zu Wahl läßt. Die Zeit von 9 Uhr Vormittags bis Mittags eignet sich wenig für den Arbeiter, zur Wahl zu schreiten und er müßte durch Wegfall von Arbeitsstunden ein pekuniäres Opfer bringen, wenn er sein Recht als Bürger aus« üben will. Des Mittags findet dann ein ungeheurer Andrang statt, so daß der einzelne oft genug unverrichteter Sache um- lehren muß. Die Zeit von Mittag bis 4 Uhr Nachmittags ist noch ungünstiger für den Arbeiter, so daß es unerläßlich ist, die Wahlzeit bis 6 Uhr auszudehnen. Wenn es in Ihrem Wunsche liegt, daß wenigstens einigermaßen die in der Bürgerschaft winlich herrschenden Meinungen durch die Wahl zum Aus- druck gelangen, so nehmen Sie unseren Antrag an. Stadtrath Schreiner: Der Magistrat hat die Festsetzung der Wahlzeit reiflich erwogen. Gegenwärtig, wo nur ein Drittel der Bürgerschaft zur Wahl gelangt, wo überdies wohl auch nicht eine solche Aufregung herrschen wird, wie vor 2 fahren, find 7 Stunden Wahlzeit völlig ausreichend. Die A, teilet können in der Mittagszeit zweckmäßig die Wahl vollziehen. Eine etwas stramme Anordnung in dieser Beziehung trägt mtt zur Erziehung der Wähler bei. Es wäre eine zu große Belästigung des WahlvorstandeS(!), ihn noch länger als sieben Stunden die Wahl leiten zu lassen und dann noch die Fest- stellung des Resultats von ihm zu verlangen. Stadtv. Weiß Ii erklärt, daß er dem Antrage Goercki sympathisch gegenüberstehe, bittet aber, seinem Antrage gemäß die Vortheile einer ausgedehnteren Wahlzeit den Wählern aller Abtheilungen zu gewähren. fürchterlicher Entschlossenheit auf: Ich will nicht! Jetzt nicht, und lieber über Bord! „Nix Wasser sehe», Sir, auf de» Mastspitze hinauf, yes, nur auf den Mastspitze und gar nix anderswo!" Da» war die Tochter des anglisirte« Rheinpreußc«, und da» herzig-drollige Englifch-Deutsch prägte sich mir, trotz der verfluchten Situation, unauslöschlich ein. Mein haltlos gewordene» Auge gewann die Mastspitze und da» Uebrige that vielleicht ver erwiderte Händedruck. Langsam fühle ich mich wieder Herr meiner Glieder werden und hätte es von mir abgehangen, wir wären dann recht lange so Hand in Hand dagestanden, Beide den Blick auf die vortreffliche Mastspitze gerichtet, die mir die Welt wieder ins Gleich- gewicht brachte. Aber Leute gingen vorbei und mit einer raschen Geberde entzog sich mir die holde Retterin. Al« ich ihr dann nachzusetzen versuchte, mußte ich gleich beim ersten zaghaften Schritte, dann beim dritten, wieder beim achten und recht oft noch die freundliche Mastspitze suchen. Schließ- lich aber war auch das nicht mehr nöthig. Da» Entsetzliche war mit dem ersten Symptom überwunden, meine Fahr- qualifikatio» von anderen Meeren stellte sich ein, und nun konnte ich mit leidlicher Haltung Derjenigen Gesellschaft leisten, auf deren Mienen ich bezüglich jenes prahlerischen Verhaltens keine Spur von Vergeltung sah. Mittlerweile waren wir auf halbem Wege angelangt. Nach rückwärts sahen wir noch recht gut die Stadt Calais mit ihren alterthümlichen Thürmea aus dem wogenden Wasser ragen, das ich endlich nun vertragen konnte, vor uns aber lag die englische Küste, felsig und gewaltig imponirend. E» macht doch eigenthümlichen Eindruck, der isolirten Heim- stätte diese» große» Volkes zum ersten Male ansichtig zu werden. Da» verwitterte Schloß von Dover gemahnt an die historischen Tragödie« der Briten und der Halbkreis Srauoioser Uferbauten an eie Macht jener vielfachen Erfin- ungen, die über diese alte Meerenge, auf der wir uns noch befinden, de» Weg auf den Kontinent und über die ganze Welt gefunden. Und mögen die Engländer in ihrer gemalt- sam gewahrte» Abgeschlossenheit noch so egoistisch erscheinen, der Gruß, den wir dieser Küste bringen, ist ein ehrfurchtsvoller, besonders wenn wir durch's Fernrohr hart am Quai Stadtverordneter Löwe spricht fich für den Antrag Weiß Ii. aus. Stadtv. Singer: Gegen die Aenderung, wie fie Kol- lege Weiß vorschlägt, habe ich, soweit sie die n. und l. Abtheilung betrifft, nichts einzuwenden; eben so lege ich keinen besonderen Werth darauf, daß die Wahlzeit des Morgens i m 9 oder 10 Uhr beginnt, da die Arbeiter doch weder um 9 noch um 10 Uhr früh bequem zur Wahl gehen können. Gegen die Aus- führungen des Herrn Magistrats-Kommiffars aber erkläre ich mich entschieden. Die Motivirung, die er heute gegeben hat, stimmt mit der Motivirung nicht übcrein, welcher der Magistrat selber gegeben, als er die Betheiligung an der Wahl du-ch Zusammenfassung der einzelnen Bezirke bei der Ausloosung über die ganze Stadt ausbreitete und diese Maßregel damit nach meiner Meinung überzeugend damit rechtfertigte, daß er auf das wachsende Interesse der Bürger- schaft an den kommunalen Angelegenheiten hinwies. Wenn der Magistrats-Kommissacius meint, daß dies Mal bei der Wahl reine so große Aufregung herrschen werde, wie vor 2 fahren, so ist das kein Motiv, von der eine leitende Be« Hörde auszugehen hätte. Ebenso scheint mir die erziehliche Stellung, die der Magistrat in dieser Angelegenheit fich zu- schreibt, in keiner Weise den Interessen der Bürger- schaft zu entsprechen. Der Magisttat ist als Exekutivbehörde von der Stadtverordneten-Versammlung gewählt: aber daß er deshalb die Aufgabe hätte, erziehlich auf die Bürger durch Einschränkung der Wahlzeit einzuwirken, kann ich durchaus nicht anerkennen. Wenn der Arbeiter in der Mittagspause zur Wahl geht, so thut er es auf Kosten seiner Erholungs- zeit. DeSbalv muß die Wahlzeit verlängert werden und ich habe das Vertrauen zu den als Wahlvorstehern gewählten Bürgem, daß sie gern ihr Amt auch einige Stunden länger ausüben. Wenn bei der Reichstagswahl bis 6 Uhr Abends gewählt wird, wird es bei den Kommunalwahlen wohl auch gehen. Vergessen Sie nicht, daß Sie durch Fest- setzung des Schlusses der Wahl auf 4 Uhr Nachmittags eine große Zahl Wähler III. Abtheilung thatiächlich ihres Wahlrechts berauben. Denken Sie an die Bauarbeiter, die erst um 4 Uhr, beim Einbruch der Dämmerung, die Arbeit schließen, in der Mittagsstunde aber wegen der Entfemung der Bau- stelle von der Wohnung oft genug nicht in der Lage wären, zur Wahl zu gehen. Ich bitte Sie dringend, unseren Antrag anzunehmen und dem Magistrat die Verantwortung zu über- lassen, gegenüber dem Votum der Stadtverordnetenversamm- lung bei seinem Entschluß zu deHarren und dadurch eine große Anzahl Mitbürger vom Wahlrecht auszuschließen. Nachdem noch der Stadtv. K a r st e n gegen den Antrag Görcki fich erklärt hat, dessen Inkonsequenz er noch nackzu- weisen sucht, wird mit großer Majorität der Antrag Görcki mit der Modifikation angenommen, daß die Wahlzeit um 10 Uhr früh beginnt. Ebenso wird der Antrag Weiß Ii ange- nommen. Auf Anttag des Stadtv. Schwalbe und Genossen beschließt die Versammlung nach längerer Debatte, den Äa- aistrat zu ersuchen, den auf Grund des mit der Deutschen Edison-Gesellschaft abgeschlossenen Vertrages geneh- migten Tarif für Ausführung von Arbeiten für Lieferung von elektrischem Licht rc. der Stadtverordneten-Versammlung zur Kenntnißnahme vorzulegen. Der Verkauf des auf dem Grundstücke Gitschiner- straße 1 befindlichen Schuppens zum Abbruch wird genehmigt. Ebenso der Verkauf der neben dem Grundstück Königstraße 37 an der verbreiterten Neuen Friedrichstraße be- legenen Baustelle zum Preise von mindestens 570 Mark pro Quadratmeter. Die Anfrage von Mitgliedern der Versammlung betreffend die Durchlegung der Zossenerstraße und die Er- bauung einer Brücke über den Landwehrkanal im Zuge der Alcxanvrinenstraße wird vom Magistrat unter HinwerS auf die verfügbaren Mittel vorläufig ablehnend beantwortet. Eine Reihe Vorlagen unwesentlicher Natur werden debattelos genehniigt. Von dem Final-Abschluß über die Ver- waltung der Wasserwerke, Kanalisationswerle und Rieselgüter nimmt die Versammlung Kenntniß. Kreirung der Stelle eines städtischen SanitätSbeamten. Die Antwort des Magistrats auf den Beschluß der Versammlung in dieser Angelegenheit ist bekannt und lautet ablehnend. Stadtverordneter Dr. Langerhans übt scharfe Kritik an dieser Antwort, die er unverständlich findet. In längeren Ausführungen sucht er noch einmal die Nothwendigkeit eines Medizinalrathes zu begründen. Wenn die Stadt auch augenblicklich noch nicht im Besitze der Sanitätspolizei sei, werde dieselbe ihr doch von der Regierung überlassen werden, sobald die Kommunal-Ver- waltung zeige, daß fie fich der Verantwortlichkeit und der Opfer dieser Einrichtung bewußt sei.— Redner stellt den An- trag, die Angelegenheit in gemischter Deputation noch einmal zu oerathen, damit man zu einem besseren Resultate gelange. die erste englische Lokomotive dampfen sehen. Vaterland George Stephenson»! Sei mir gegrüßt I Der Dampfer verliert mit einem Schlage sein nerven- gefährliches Schwanken und fährt ruhig die gewaltigen stei- nernen Molen entlang, auf deren oberster Fläche Neugierige in großer Menge der Landung zusehen. Schönuniformirte Zollbeamte sind Diejenigen, die, wie zu unserer Begrüßung, das Schiff besteigen. Und wer nach der umständlichen Revi- sion endlich, an dem strammen Konstabler vorbei, daS Land betrete» darf, den empfängt unter dem Schwibbogen des Molendammes schon eine ganze Reihe Eisenbahn«Ange- stelltet. „Holborn Viadukt?— London Bridge?— Zentral Station?— Viktoria?")c. „London!" antworte ich kurzweg und im Tone eines Menschen, dem das Nähere schließlich egal sein kann und der die englische Sprache noch mehr fürchtet, als die See- krankheit. „Aber nach welcher Station denn? Das müssen Sie doch wissen!" sagt der englische Eisenbahnbeamte in tadel- losem Neuhochdeutsch. Ein behagliches und von dem Manne erwidertes Schmunzeln erscheint bei mir. So klingt die Sache schon anders! „Wissen Sie, Landsmann, ich möchte gleich in den fashionabelsten Theil, wo cS recht--" „Da nehmen Sie Viktoria, der Zug hier rechts! Der bringt Sie nach Westend." Da steht mein erster englischer Kourierzug! DaS Aeußere wie da» Innere eines Waggons erster Klasse darf auf Eleganz wenig Anspruch erheben. Dafür aber ist'S ein Fahren, wie eS eben nur auf einer englischen Eisenbahn stattfinden kann. ES wird nicht geläutet, es wird nicht trompetet; ein kurzer Pfiff und dann jagt daS Dampfroß mit seiner Wagenkette vom Meeresufer davon, um bis Lon- don gar nicht mehr stehen zu bleiben. Es sind dies zwei Stunden ungeheuer raschen Fluges, zwischen zwei, bald vier, und bald sechs Geleisen, durch Bahnhöfe, deren Ge- bäude wie der Blitz vorüberschießen. Das war Canterbury Stadtv. Geheimrath S p i n o I a findet die Antwort bei Magistrats gleichfalls sehr dürftig. Der Antrag Langerhans wird angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Schluß 8'/- Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung... In dieser Sitzung wurde um 7 Uhr die Wahl eines Stadrschulrathes vorgenommen. Gewählt wurde unter groß« Majorität der bisherige Stavtjchulrath Herr Dr. Berttam«if weitere 12 Jahre. Lokales. Wie beurtheilt man den Werth von Vraunkohle«« briquettes? Diese jetzt sehr zeitgemäße Frage erörterte da Polytechnische Gesellschaft in ihrer gestrigen Sitzung.. wurde in der Beantwortung der Frage darauf hingewreM daß man Briquettes nie nach der Zahl, sondern nur nach wicht kaufen solle. Ursprünglich habe das Briquette allerdiiw ein Normalgewicht— ein Pfund— gehabt, allmälig M aber die Konkurrenz Abweichungen hervorgerufen; jetzt sei vielfach bereits bis 350 Gramm heruntergegangen. Bei vn sehr verschiedenen Güte des Materials empfehle fich dann am noch eine Probe auf den Aschengehalt. Man lege ein gewrist» Gcwichtsquantum Briquettes auf eine Kohlenschtppe, verbrenn« es und wiege alsdann die verbleibende Asche. Wie konstrww wurde, giebt es in Berlin Briquettes, die nur 3 pCt. Aichs enthalten, während andererseits hier auch Waare in den Hand« kommt, die bis 40»Ct. Aschengehalt aufweist, die somit selba mit dem allerbilligsten Marktpreis noch viel zu theuer bezrp worden ist.,.. i. Ein Zeichen der Zeit. Ein hiesiger Regierungsba» meister hatte vor einigen Tagen in einem biestgen Blatte*»>> Annonze inserirt, wonach er für die Abschrift eines mit Fedss' Zeichnungen versehenen Atten-VolumcnS eine Persönlich� suchte. Auf diese Annonze waren 114 Bewerbungen eiw laufen, darunter waren drei ehemalige Bureau. Chefs,«" Major a. D., drei Offiziere a. D., ein Kandidat und jw Student der Theologie, ein Gymnasiast und— ein approbirl« prakttscher Arzt.. ar. Als Wahlkuriosum wag nachtraglich noch crwAP werden, daß im Königstävtischen Viertel zum Wahlmann Prediger Schmidt gewählt worden war, der bekanntlich r starben und schon am 23. Oktober beerdigt worden ist. i. Vom Ziegen in die Traufe gcneth ein Milchhärtdia welcher täglich aus den Vororten mit seinem Fuhrwerk n™ Berlin kommt, um seine Kunden mit Milch zu versehen. Mann hielt gestern in einer Straße des Süd- Westens� Stadt. Während er in ein HauS gegangen war, in d» mehrere Kunden von ihm wohnten und er in dem Ha« längere Zell zu tbun hatte, war sein 17 jähriger Sohn, � sonst immer als Wächter des Fuhrwerks seinen Vater begleit? in strategischer Benutzung des richtigen Zeitpunttes, in der*r Wesenheit des Vaters in eine gegenüber gelegene DestillatU« getreten, um dort fich durch eine kleine Weiße für seine nüchter« milchwässerige Thätigkeit anzufrischen. Der Vater trat etws- früher als erwartet wurde aus dem Hause heraus, sah 1«? Fuhrwerk aussichtslos auf der Straße stehen. Seine dun« Ahnung führte ihn auch sofort an die richtige Stelle, und Wuth und Acrger schlug er in seiner Aufregung mit blechernen Litergefäß seinen Sprößling über den'Kopf. Letzter«" fchienen die vaterlichen Liebkosungen nichts NeueS zu stm resignirt folgte er seinem Vater auf die Straße hinaus. angelangt und im Begriff weiter zu fahren, trat, wie man? alltäglich beobachten kann, ein Schutzmann an das FubtOK'' um die Gemäße zu revidiren. Leider wurde jedoch Wächter des Gesetzes das blecherne Maaß als nicht richtig d« funden und konsiszirt, sowie der Eigenthümer zur Strafe«ftirj Die väterliche Liebkosung in der Destillation hatte dem Kopf- des jungen Tempelhofers nichts geschadet, dagegen in«G Blechgefäß eine sehr erhebliche Beule zurückgelassen,«rW dasselbe für die Benutzung vollkommen ungeeignet machte. ar. Ein unerwartetes Glück ist unter eigenthümlia. Umständen vier Geschwistern zu Theil geworden, die bisher dürftigen Verhältnissen lebten und mit mühevoller Arbeit kärglichen Unterhalt fich erwarben; es sind drei Schwester? von denen zwei für ein hiesiges Wäschegeschäft Knopflov? arbeiteten, und ein Bruder, der die Bäckerei erlernt hat. ri besaßen zwar noch eine Tante, die kinderlose Wittwe t«? Schlächtermeisters in der Potsdamerstraße; obwohl diese? Giücksgütem überreich gesegnet war, kümmerte fie sich den« nicht um ihre armen Verwandten und hielt ihre Schätze ängstlich zusammen. Da wurde fie plötzlich von einer schwÄ Krankheit betroffen, und es rückte die Stunde immer heran, wo sie von dem Liebsten, was fie besaß, von WE Reichthümem fich trennen mußte. Nun war fie von jeher*5 „fromme" Frau und wollte wenigstens nach ihrem Sinne ihr Vermögen entscheiden. Sie berief also einen Notar fich, dem fie ihren letzten Willen diktirte; danach sollten ihre Hunderttausende als Legate in den Besitz wohlthads� und frommer Stiftungen übergehen, und für ihre 4 a«" und das war Chatham und da habe« wir schon die Häuser der größten Stadt der Welt. M Eine solche Einfahrt in London gehört zum Großartig�.. was wir in unserem Leben mitmachen können. Wir#L auf gleicher Bahn mit einem Mal an vier oder fünf% ren Zügen vorüber, mit denen wir kreuzen, oder die\ überholen; wir habe» andere Bahnen auf Viadukten"L Brücken neben uns, unter uns und ober uns; wir st-L nacheinander die abwechselnde Physiognomie dieser u#r j gleichlichen Mettop ole, wie wir sie in Tunneln und � Hochbauten bis zum Herzen durchschneiden, von den- � tägebauten der Südvorstädte bis zur Kuppel der herrl«? St. Pauls-Kathedrale. Die Halle, in der unser Zug schließlich stehe« ist vollständig schmucklos und entsetzlich räucherig, mensioven jedoch kolossal, bis zur Unmöglichkeit. jjj Waggonthüren werde» aufgerissen und— man braucht nicht erst auszurufen, wo wir angelangt. Unmittelbar � uns haben wir schon die Menge von Miethwage« � Equipagen, die auf den ZwischcnperronS der Bahnhof'» herumkutfchiren, wie auf den offenen Stabtstraße».,, � sogleich im dichtesten Gewühle von Viktoria-Stteet w � überkommt es mich wieder wie eine Art Seekrankheu�,.., paart mit dem Gefühle unendlrchen Verlasseoseins. unstetes Auge sucht unwillkürlich eine rettende Mai und mache ich nicht gleichzeitig einen glückliche« Seitenip � so bereichere ich die darauf durchaus nicht angewiesen ,�i lizei- Chronik der Hauptstadt Großbritanniens w» „Geräderten"., mv- Zn jenem Wage» aber, vor dem ich mich salvw.� sitzt sie, die Tochter des anglisirten Rheinpreuße» wtt hiederen Herrn selbst. Das holde Mädchenanttttz«glt mir nun herzlichen Abschied zu und Beruhigung mich wieder. Ich bin nicht wildftemd in der Rief, Eine liebliche Bewohnerin derselbe« agnoSziri guten Bekannten. vandtm hatte sie nicht mehr und nicht weniger als COOO M. ' der Zufall„verfügte" anders; bevor sie noch das stammt unterschrieben hatte, traf sie ein Schlaganfall, der tn Tod auf der Stelle zur Folge hatte, ültun mußte na- Wich die gesetzliche Erbfolge eintreten; die vier Geschwister mren die nächsten Verwandten, und so wurde unter sie das ßanze fürstliche Vermögen getheilt; die Erbquote des Einzelnen Mef sich auf die stattliche Summe von 265 OOO Mark. Der otubct hat sofort die Bäckerei an den Nagel gehängt und giebt nunmehr dem beschaulichen Leben eines Rentiers den Vorzug; ? siebt augenblicklich in Unterhandlung wegen des Erwerbs fln« Villa. Die älteste der drei Schwestern hat sich eine Ge- Mchafterin engagirt und eine Wohnung von 4 Zimmern in ?�Köpmicker Straße gegenüber der Velvet'Fabril gcmietbet. M Ausstattung derselben ist überaus glänzend und kostet "'MO Äark. Mit dem Reichthum haben sich indeß bereits Ki Passionen bei ihr herausgebildet und aus allerhand Puäufen bei Juwelieren und Garderobiers geht hervor, daß " den Werth des Geldes kaum noch zu schätzen weiß. „ � Im Deutschen Theater findet die für nächsten Montag, ?'?; M., in Aussicht genommene erste Aurrührung des Saaa- „Das Fräulein von Scigliere" erst am Donnerstag, • 0; M. statt. Am Montag kommt wieder„Ein Tropfen m zur Aufführung. Ueber einen versuchten Todtschlag im Grunewald geht � nachstehende Mutheilung: Am 5. d. M., Nachmittags ?Vn 4'/« Uhr, ging der hier in der Oranicnstraße wohnhaste Menbote Glase vom Güterbahnhof Grunewald nach Cqar- janmburg, als etwa auf der Hälfte dieses Weges zwei Männer entgegenkamen, von denen der eine in der Enfcrnung vor a 5 Schritt einen Schuß abfeuerte. G stürzte getroffen so- zur Erde und blieb tn Folge starken Blutverlustes eine lang besinnungslos liegen. Nach einer halben Stunde mT raffte sich der Verletzte wieder auf und ging nach dem mqnhof Grunewald zurück, von wo aus er nach Berlin fuhr «P sich in seine Wohnung begab. Der sofort herbeigerufene �'. konstatirte eine schwere Verwundung des Kopfes durch "' Millimeter starkes Geschoß, welches noch in der an der Mcn Schläfe befindlichen Wunde steckte. An Geld oder �mgen Werthsachen fehlt dem Verwundeten nichts. Derselbe TOjwg die beiden Männer der Dunkelheit wegen nicht zu be- Mben oder zu rekognosziren. Da es auf eine Beraubung Ut abgesehen war, so ist die Vermuthung nicht ausgcschlvffm, N die That von Wilddieben verübt woeden ist, welche den ?>e wegen seines miittärischen Aeußeren für einen Forstbe- gehalten Hab n mochten. Wegen fortgesetzter Kautionsschwindeleien wurde tn ein angeblicher Dr. pbil. Sch. verhaftet. Derselbe hat i*f Holzmarktstraße Nr. 9 ein Komptoir als Annonzcnagent «Atet und Kaffendoten oder Schreiber engagirt, die vor dem »mit ihrer Stellung Kautionen stellen mußten. Dem Sch. zur Last gelegt, daß er die Kautionen in seinem Nutzen d. v � hat. Bis jetzt haben sich acht Personen gemeldet, SfcJ'urch Sch. geschädigt worden find. Die unterschlagene u>nme beläuft sich auf ca. 1400 Mark. »..Das Dunkel, welches über dem Raubmord in der W �aße herrscht, scheint sich immer noch nicht lüften zu «m Donnerstag wurden eine Menge ambulanter b�schleifer sistirt. Bei näherer Untersuchung der Leiche ach nämlich herausgestellt, daß der Mörder seinem Opfer Hiebwunden noch eine Anzahl Stiche, anscheinend llntMi �ner Scheere beigebracht. Das linke Ohr und die tzgMve find durchstochen, außerdem befinden sich mehrere tz�?unden am Halse. Da am Morgen der Mordthat zwei gJft.Mchleifer in dortiger Gegend ihrem Gewerbe nachge- Wc sind, so ist der Verdachr aufgetaucht, daß diese die der ir.-silwesen. Moabit herrscht ein allgemeines Gefühl all-» g/'?erheit; Schloffer und Tischler haben zu thun, um te-°ri5NMd.°rungen gerecht zu werden; es werden Schlöffer �"tl S.cherh-ttsketten und Gucklöcher angebracht, wo solche nicht vorhanden find. ».ftDie Obduktion der ermordeten Frau Poebke wurde Lk � Nachmittag durch die Gerichtsärzte Dr. Liman und % Wolff vorgenommen. Die Obduktion ergab, daß der Frau der Himschale auch das Nasenbein und der Oberkiefer Kündig zerschmettert waren.� Ueber die Beerdigung der waren. ist noch nichts festgestellt. I I�Gerichts-ZeUnng. «et& �ine interessante Musterschutzsache kam vor Kurzem Handelskammer des hiesigen Landgerichts l zur Per- ang und Entscheidung. Eine größere auswärtige Firma sich auf einen von ihr angefertigten Tamcmock einen Schutz geben laffen. Einige Zeit darauf erschien im ein Damenrock, welcher mit Ausnahme einer Garnirung [stfwpue Kopie des mustergeschützten Rockes war. Als die' % �uten eruirte man eine hiesige Firma, gegen welche nun «wältige.Handlung nicht nur wegen Verletzung des ichutzgesetzeS, sondern auch zur Zahlung einer Entschädi- ...„i,?0? zehntausend Mark klagbar wurde. Die verklagte SJ»»n der Klägerin den Anspruch auf Musterschutz, "chez sr. tuster wede�als ein neues noch als ein cigenthüm ------——.. im Sinne des Gesetzes vom 11. Januar 1376 sei- Vom königl. gewerblichen Sachverständigen- u>urde nun ein Gutachten dahin gefordert, ob das für ."Än 5 ertragene Muster schutzberechtigt und ob mit dem- te.• das für Beklagte eingetragene Muster identisch ist. DaS Ruft-,, ÖtnÄ nun dahin, daß das für Klägerin eingetragene Nw., ichutzberechtigt nicht anzusehen ist und das für eingetragene Muster mit dem Muster der Klägerin M» Die Handelskammer deS Landgerichts I hat ?Ntster 5, n Klagefundament nicht finden können, weil das ist ninr nachgeahmt worden, einfach nicht schutzbcrech' und wies nicht nur den Klage- und Entschävrqungs. »Uch.der auswärtigen Firma ab, sondern legte ihr �tfabiw nicht unbedeutenden Kosten des Gerichts- auf. i 9. hA �retirung mit Hindernissen hatte am 26. Juli mtetn«chutzmann Kaldach vorzunehmen. Er traf an Ksite. schlrfendcn Mann— wie sich später heraus- �Ülivulh ichon vielfach vorbestraften Produktenhändler August Malz i,',�°n der Böschung des Spandauer Schifffahrts- Schläfer Ä? an, und weil solches verboten, weckte er den w�lchiisipf���wurde darüber so ergrimmt, daß er fürchter- vllch 7,""wte. Nun sollte er" mit zur WÄie.„Erst muß ick nbefh?*3 abkühlen", meinte Nettwald aber, sprang, ohne sich WZ�Ms UnhUnMückfür den Beamten, daß'hm ttoJir in—- AM nach h.,'."wn i,* r..,y.„... drei Kollegen ft�uiaen» eilten und erst durch deren vereinte Bc- �asiena-rilt""� die Festnahnre bewirkt werden. Das fatRiüsfi oerurtheilt« gestern den Exzedenten zu 5 Monaten des SommerS bei der Nationalbank für ?-Ste �,etübte Defraudation in Höhe von 20000 M. r iur Kognition der ersten Strafkammer hiesigen O'Sfajt n.T. �us der Untersuchungshaft wurde vorgesiikrt Achten unbestrafte Buchhalter Max Krebs, der bei frfin** cv. L. i, schon seit fr, � ww» w«» njül uv�vttgvvi» inf � t)ot SiaufcJe8 Sotnmetä zu sechs verschiedenen Malen ». rOUIT» rc-(teÖTTneten fÄpfhfnfnh WÄWÄ!?? WS». „.Gaulle jm geörrnetm Geldspind niederqestellten Effekten- in Heinde � oben bezeichneten Betrage entwendet ----------- Bettage........... Posten versilbert. Arft Befragen des Präsidenten giebt der Angeklagte schweren Vcrtrauensbruch einmal Aufsicht, das andere Mal durch leitet worden ist, in die er Börsenspekulationen� gerathen ist. an, daß er zu diesem durch die mangelnde drückende Schulden ver- infolge von mißglückter Als im August er. eine größere Revision der Kasse und Bestände seitens der Dircktron bewirkt worden und dadurch das große Manko ent- deckt werden mußte, habe er den Entschluß gefaßt, sich das Leben zu nehmen, um der Schande zu entgehen. Demzufolge habe er mit einem Revolver einen Schuß in seine linke Brust gefeuert, der ihn aber nicht getödtet, sondern nur verletzt habe. Er bereue seine That und bitte um milde Beurthnlung der- selben. Staatsanwalt Heinemann läßt als mildernden Umstand das Geständniß und die Reue des Angeklagten gelten und be antragt mit Rücksicht andererseits auf die Höhe des defraudirten Objekts eine Gesammtstrafe von 1 Jahr Gesängniß und einem Jahr Ehrverlust. Der Gerichtshof ging wegen der Erheblichkeit der Objekte weit über das beantragte Strafmaß hinaus und verurtheilte den Angeklagten zu zwei Jahren Gefangniß und 2 Jahren Ehrverlust. Ein kriegslustiger Invalide ist der Almosenempfänge' Christian Dubrau, der gcuern unter der Anklage der schweren Körperverletzung vor der 67. Abthcilung dc-S Schöffengerichts stand. Der Angeklagte hatte einen Theil seiner in der Zosse- nerstraße belegenen Wohnung an mehrere Schlafburschen ver- miethct und übt als Hausherr ein strenges Regiment. Er weiß seinen Anordnungen durch thätliches Eingreifen Nachdruck zu verleihen nnd hat wiederholt seine Miether regelrecht verhauen, obgleich er in Folg: eines während des letzten Fcldzugcs erlittenen Schlaganfalls auf einer Seite gelähmt ist. Am Abende des 23. März d. I. kam es zwischen ihm und seinen Schlaf- burschen wieder zu einer erregten Szene, weil die letzteren fich nach der Ansicht des gestrengen Wirths zu laut ums. Hielten. Der Angeklagte mußte diesmal aber den Rückzug ergreifen, da seine Gegner einmüthig gegen seine Anwesenheit in der von ihnen gemiethctcn Stube prolestirten. Wuth- und racheschnaueend faßte der Zurückgewiesene hinter der Thür Posto, in der gesunden Hand einen gewaltigen Knüppel schwingend. Ahnungslos ver- ließ einer seiner MietHer, der Schuhmacher Rücker, bald darauf die Stube und hatte kaum den dunklen Korridor betreten, als er durch einen mit voller Wucht geführten Schlag, der seinen Kopf traf, zu Boden gestreckt wurde. Seine Kollegen, die den hinterlistigen Ueberfall hörten, kamen dem Bedrängten zu Hilfe, der Angeklagte zog fich aber, fortwährend mit dem Knüppel fuchtelnd, in seine Wohnstube zurück Der Tischler Bieriich drang aber mit ihm zugleich hinein und um fich dieses Gegners zu erwehren, ergriff der Angeklagte ein in der Ecke stehendes Bayonett und führte damit einen so heftigen Stoß gegen die Brust des Bicrlich, daß die Waffe durch dessen Kleidung hindurch etwa einen halben Zoll tief in die Brust drang. Beide Verletzte mußten sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und haben längere Zeit an den erhaltenen Wunden labonrt. Der An- gerlagte denahm sich im ersten Termine so auffällig, daß der Gerichtshof Zweifel an seiner Zurechnungoiähigkeit hegte und zum gestrigen zweiten Termin den Geheimrath Dr. Wolff laden ließ. Auch jetzt blieb der Angeklagte einfach dabei, Alles für Elffndung zu erklären, wenigstens wiffe er von nichts. Geheimrath Dr. Wolff gab sein Gutachten dahin ab, daß der Angeklagte in Folge des erlittenen Schlagansalls auch einen geistigen Defekt crlitlcn habe und als gemeingefährlicher Mensch ins Jrrenbaus und nicht ins Gesängiriß gehöre. Der Staatcanwatt mußte aus diesem Grunde die Freisprechung des Angeklagten anheimstellen und entschied sich der Gerichts- Hof für dieselbe. Breslau, 3. Rovember.(Zweikampf.) Ein Student der Medizin gerieth vor längerer Zeit Nachts in einem hiesigen CafS mit einem Studenten der Philologie aus geringfügigen Ursachen in Streit. Es erfolgte der Kartenwcchsel und später die gegenseitige Forderung zum Duell. Der Letztgenannte lehnte den Vorschlag, Zweikampf mit scharfen Schlägern, ab, dagegen wurde ein Pistolenduell mit 15 Schritt Distanze vereinbart. Am Morgen des 25. Juli traten die Gegner in Be- gleitung der Sekundanten, des Unparteiischen und des Arztes zwischen Zedlitz und Pirscham in anmirtelbarer Nähe der Oder an. Beide Duellanten gaben ihre vorschriftsmäßigen Schüffe, jedcch ohne zu treffen. Tie schwere Beleidigung war somit gesühnt, und unter Benützung der für die„Verwundeten" be stimmt gewesenen Wagen fuhren die.Herren nach der Stadt zurück. Hier wurde bei einem ziemlich ausgedehnten Früh schoppen wiederholt der beiderseitig bewiesene Muth geprieserh und schien damit die Angelegenheit beendet gewesen zu Heute hatte das Duell aber vor der I. Strafkammer� hiesigen Landgerichts ein Nachspiel. Beide Studircnde, wegen Zmetkampfs mit„tödtlichen Waffen" unter Anklage gestellt, gaben ohne Weiteres die That zu. Die Strafe lautete für Jeden auf 3 Monate Festungshaft. Der«Staatsanwalt hatte 4 Mol nate in Antrag gebracht. J —-bnmiÄ r| UereLue und UersauMmtgeu. Der Sanitätsvcretn macht bekannt, daß zu allen bereits früher pudlizirlen Zahlstellen noch für heute und die folgenden Sonnabende im Restaurant Schulz, Lindenstr. 69 erne Zahlstelle eröffnet worden ist. Alle etwa früher geiösien Bons haben für heute noch Giltigkeit. Die Generalversamm- lung findet in der nächsten Woche statt. Näheres zur Zeit im Annonzentbeil dieses Blattes. Der Louisenstädtische Bezirksverein Vorwärts hielt am Dienstag, den 3. d. M., in Marquardts Lokal, Alrxan- drinenstr.. 110, eine Versammlung ad, in welcher Herr Dr. Smhn einen Vortrag über„die Ewigkeit des Stoffes und die Zeit- lichkeit seiner Gestaltungen" hielt. Referent führte ungefähr folgendes aus: Die Welt, die Gesanimtheit des Seins, ist ewig, das heißt, sie ist stets gewesen und wird in alle Ewigkeit sein. Die Lehre von ihrer Erschaffung durch höhere menschen- ähnliche Wesen aus Nichts ist irria, ebenso unrichtig ist die Ansicht, daß die, einst durch die Götter aus Nichts geschaffene Welt, auch wiederum in ein Nichis zerfallen wird. Es giebt kein Nichts. Jede vorhandene Gestalt, Stern, Pflanzen, Thier, Mensch u. s. w. selbst die Nichtgestalt, die Luft besteht aus EtwaS, aus Stoff. Der wichtigste im Weltall verbreitete Stoff ist Eisen. Ohne Eisen keine willkürliche pflanzliche und thierische Bewegung. Redner scklrß unter lenhaftem Beifall. Hieran schloß sich eine lebhafte Diskusston. Die jnäch'ie Versammlung findet am Dienstag, den 17. dieses Monats statt. Zur Lohnbewegirug der Drechsler und verwandten Be- rufsgenoffen Berlins. Die Forderungen find bis 6. November in 90 Werkstätten mit 350 Gesellen bewilligt worden; rm Streit befinden sich noch ea. 30 Gesellen. Kollegen! Arbeiter! Wir können mit unseren bis zur Zeit erzielten Erfolgen zu- frieden sein; wir werden demnach, da in diesem Jahre wobl keine weiteren Erfolge mehr erreicht werden können, die dicS- jährige Lohnbewegung zum Abschluß bringen. Wir richten somit an alle Gewerksgenoffen den dringenden Mahnruf, fest- zuHallen an dem Werke, das wir begonnen haben, um im nächsten Jabre dasselbe voll und ganz vollenden zu können. Vor Allem ist es nothwendig, auch für fernere Zeit einen regelmäßigen Beitrag zum Streikfonds beizusteuern, damit wir bei der Wiederaufnahme des Lohnkampkes gerüstet sind!— „Vorwärrs" soll für alle Zeit uniere Losung sein. Deshalb müß! Ihr Euch alle, Mann für Mann, der Fachoereimgung anichließen. Vereint sind wir alles, einzeln können wir nichts erringen. Ferner erscheint Alle in der am Sonntag, den 3. November. Vormittags 10 Uhr, im Königstadt-Kasino, Holz- marktsiraße 72, stattfindenden öffentlichen Versammlung, um alles Weitere zu veianlaffen. Die Lobnkommisston. Der Vorfitzende, Robert Sündermann, Gitschinersir. Gl, 1*r. Fachverein der Tischler. Versammlung am Montag, den 9. November, Abends S'/j Uhr, Grüner Weg 29, Eäger's Salon. Tagesordnung: 1) Vortrag. 2) Diskusiion. 3) Ver- schicdeneS und Fragekasten-— Gäste find willkommen. Reue Mitglieder werden aufgenommen.— BillotS zum Tanzkränz- chcn des Vereins, welches am Sonnab.nd, den 14. November, in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28, stattfindet» find in der Versammlung, sowie bei den Mitgliedern: Thierbach, Neue Königstr. 72; Krüger, Koblankstr. i4; Schicht, Gartensir. 40a; Lindemann, Aarnthcrstr. 9; Heckmann, Mcurteuffelstr. 40, und Schulz, Memelerstr. 83, zu haben. Zerr trat- Kranke«- und Begräbnis! kasse der Sattler und Berufsgerrossen Deutschlands(Hoffnung). Sonnabend, den 14. d. M., in den„Bürgersälen": Großes'Tarrzkränzchen. Billets in allen Zahlstellen für Herren 50 Pf, Damen 25 Pf. Oessentliche Versammlung der Maler(Meister und Gehilfen), Sonntag, Vormittags 10 Uhr, in Gratrreil's Bier- hallen, Kommandantenstraße 77/79. Tagesordnung: Vortrag des.Herrn Dr. Lütgcnau über Submissidnswescn. Getreraiversaumlung sämmtlicher Drechsler und Berussgenossen. Sonntag, den 8. November, Voi mittags 10 Uhr, im KönigstadtzKaftno, Holzmarkrstlaße 72. Tagesorv- mmg: 1. Der Abschluß unserer diesjährigen Lohnbewegung, und wie sichern wir unsere Erfolge. 2. Verschiedenes.— Sämmtliche Branchen des GewertS sind eingeladen. Die Zahl- stellen befinden«ich an den bekannlen Stillen Sonnabends Abends von 8—10 Uhr. Grosre öffenttrqe Versammlung sämmtlicher Luxus« vapierpräger unv Papierschläger am Sonntag, den 8. d. Mts., Nachmittags präzise 2V- Uhr, im Königstädtiichen Gesellschaftshaus, Limenstr. 30. Vortrag des Herr« R. Kunkel über ge- werlschaftliche Organisation. Eolingeu, 5. November. Eine über 50 Jahre alle Witiwe aus hiesiger Gegend trat vor einigen Jahren bei einem Wittwer als Haushälterin in Dienst, konnte jedoch, so sehr sie auch dar- auf drang, keinen Lohn bekommen und sah sich endlich ge- nöthigt, einen Vorschlag anzunehmen, nach welchem ihr statt dessen das verharidene Möblcmcnt nach dem Tode des Besitzers zufalle. Bald darauf starb der alte Mann. Ein gutes Ge- schüft hatte sie zwar nicht gemacht, denn der ganze Plunder brachte ihr nicht mehr wie 75 Mark ein, immerhin aber war sie nicht ganz ohne Entschädigung geblieben. So meinte sie; doch nicht lange dauerte es, da begann sie ganz anders über das Geschäft zu denken. Es stellte sich nämlich bald heraus, daß der Mann zahlreiche Schulden hinterlassen habe. Sie, als die Erbin, hatte nach dem Gesetze auch diese übernommen, und eine gleich darauf anhängig gemachte Klage auf Zahlung einer Summe von 1000 Mark bewies ihr» daß die Gläubiger nicht gewillt waren, auf die obwaltenden Verhältnisse Rücksicht zu nehmen. So kann man für Andere arbeiten und mit Schulden bezahlt werden. Weib— Frau— Gemahlin. Ueber diese Bezeich« nungen finden sich in den nachgelaffenen Papieren David Strauß' folgende treffliche Anmerkungen: Wenn man aus Liebe heiratbet, ivirv man Mann und Weib wenn man aus Be« quemlichkeit ein Ehebllndi iß eingeht. Herr und Frau, und wer aus Verhältnissen heirathet, Gemahl und Gemahlin. Das W ib liebt den Mann, die Frau schont ihn und von der Ge< nrahlin wird er geduldet. Man hat für sich allein ein Weib, für seine Hausfreunde eine Frau und für die Welt eine Ge- mahlin. Der kranke Mann wird von seinem lieben Weibe ge« vflegt, von der Frau besucht, und nach seinem Befinden er« kundigt fich die Gemahlin. Die Wirthschaft besorgt das Weib, das Haus die Frau, den Ton die Gemahlin. Unseren Kummer theilt das Weib, unser Geld die Frau und unsere Schul- den die Gemahlin. Sind wir todt, so beweint uns unser Weib, beklagt uns unsere Frau und geht in Trauer unsere Gemahlin. Untcro ssizier zu einem Rekruten, der sehr kurze geschorene Haare trägt:„Wenn Sie morgen wieder mit so kurzen Haaren kommen, fliegen Sie in Arrest! Merken Sie sich das!" Sprechsaal. I HXie Redaktisn stellt die Betiutzung de» SprechsaalZ, soweit Raum dafür adjugeben ist, dem Publikum zur Besveechiliig vo» Angelegenheiten allgemeinen Interestei zur»erillgung; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identisizirt zu werden. Im Sprechsaal des„Berl. Volksblatt" vom 3. November wendet sich Herr R- Flatow gegen den neugegründeten„Volks- bildungsvercin". Wenn Herr Flatow meint, daß. die Arbeiter- Bezsiksvereiner. durch diesen Verein geschädigt wtkkd�'svftst KM- doch wohl nicht ganz zutreffend. Herr Fl.'ist ja dafür, ■AWdtf BezirlSvereisie nur alle vier Wochen ihre Vrreinsocr- ' smmnlttngen abhalten; da ist es denn doch wohl nicht so schwer, dem VoikSbildungsverein anzugehören, und dennoch dem Be- zirksvercine die bisherigen Kräfte zu widmen. Bei der Statuten- veratbung des Voltsbildungsvereins wurde von mehreren Seiten der Wunsch laut, dem Verein weitergehend? politische Tcnden- zen zu geben und zwar dadurch, daß der Verein eine Reform der bestehenden Schulen und die Unentgeltlichkeit des Unter- richts an den höheren Lehranstalten anstreben solle; ferner wurde gewünscht, der Verein solle darnach streben, daß Vcr- treter der Tendenzen des Vereins in die Kommunaivcrwaltung gewählt werden. Wenn der Verein diese Bestrebungen in seinem Statut aufgenommen hätte, so könnte man demselben. und vielleicht mit Recht, den Vorwurf machen, daß er die Arbeiter-Bezirksvereine schädige und in Bereintsvielerei aus- arte. In Rücksicht auf die bestehenden Ardertcr-BezirkSveretne wurden diese Anträge jedoch einstimmig verworfen. Der „Vollsbildungsverein" erstredt die Hebung der Bildung seiner Mitglieder; zwar ersterben dies auch die Arbeiter-Bezirksvereine sowohl als auch die Fachvereine, aber wie die Bezirksvereine hauptsächlich kommunale und politische Angelegenheiten erör« lern, so beschäftigen sich die Fachvereine hauptsächlich mit ge« werkschaftlichcn Angelegenheiten, so daß für die Wissenschaft- lichc Ausbildung, wie sie der„Verein für Volksbildung" will, in den Bezirks- und Fachvereinen sehr wenig Zeit übrig bleibt. Als Mittel zur Erreichung seines Ziels hat der Verein die Errich« tunz einer Bibliothek und einer Lesehalle in Aussicht genommen. Auf den Werth der Bibliothek wurde schon an dieser Stelle aufmerksam gemacht. In der Lesehalle sollen den Mitgliedern die besten Elzeuqnissc der Tagesliteratur zu Gebote gestellt werden.— Ferc Fl. versucht es, durch den Hinweis auf schon bestehende Schulen, den Verein als überflüssig darzustellen; er sagt aber auch an anderer Stelle sehr richtig, daß doch wohl der Unterricht hauptsächlich in Nationalökoiromie und Natur« Wissenschaft ertheilt werden solle. Ich füge noch hinzu, daß auch Geschichte und deutsche Liieramr als Unterrichtsgegenstände in Aussicht genommen sind. Vielleicht ist nun der Herr Einsender so freundlich, mir ein dem Arbeiter zugängliches In« stitut zu nennen, irr dem diese Wiffenschaflm so gelehrt werden, wie sie für den Arbeiter nörhig sind. An der Hitmboldt-Aka- dcmie fnngirte, wenn ich mich recht erinnere, Herr Dr. Max Hirsch a!S Lehrer der Nationalökonomie.— In Dresden be« steht übrigens seit Jahren ein Verein, der dieselben Zwecke ver- folgt, wie der neu gegründete Volkebttsungsverein, und auch gute Erfolge erzielt hat. Außerdem aber meine ich auch, daß dcö Gulen nie zuviel geboten»erden kann. Wenn Herr Fl. auf die jugendlichen Letter dieses Vereins hinweist, so de« daure ich sehr, daß nicht ältere und vielleicht erfahrenere Leute bei der Gründung mitgewirkt und auch die Leitung übernommen haben. Bernhard Bruns, Tischler, Rcichenbcrgcrstr. 105. Theater. Overnhaus. Heute: Johann von Paris. Schauspielhaus. Heute: Tmg in Treue. Deutsches Theater. Heute: Der Richter von Zalamea. Friedrich'WtlhelmstSdtische« Theater. Heute: Offenbach- Cyclus. Die schöne Helena. Restdeuz-Theater. Heut«: Theodora. Wallner-Theater. Heute: Herr und Frau Hippokrates. Belle-Alltanee-Theater. Heute: Papageno. Hierauf: Eine verfolgte Unschuld. Walhalla-Operetteu-Theater. Sllte Jakobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Zum 93. Male: Die wilde Katze. GesangSpofi« in 4 Akten von W. Mannstiidt. Musik von G. Steffens. Louisenstädtisches Theater. Direktion: Jos. Firmans. Heute: Der Troubadour. Osteud-Theater. Heute: Der Jongleur. KonigstädtischeS Theater. Heute: Gastspiel der Liliputaner. Die kleine Baronin. Theater der Rcichshalleu. Täglich: Austeten sämmtlicher Spezialitäten. Ameriean-Theater. Aäglich; Austreten sämmtlicher Spezialitäten. Kausmann's Variete. Täglich: Große Spezialitäten-VorsteUung. Kontordia. Täglich: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten und th:atcalifch< Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Der Lumpensammler. Drama in 5 Akten nebst einem Vorspiel von Felix Pyat. In Paris auf dem Tbeatre de la Ponte St. Martin über 100 Mal mit außerordentlichem Erfolge gegeben. Vor der Vorstellung: Großes Konzert der Hauskavelle. Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Bons haben Wochentags GUtigkeit. Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bis 10 U. Ab Kaiser-Panorama. Eine Wanderung durch das Niesengebirge. Z. ersten Male: Tie Plireriäen. Die Hertha- Reise. Karolinen-Palau-Jnseln ic. a Reise 20 Pf., Jfmdpr wr 10 Pf. Abonnement.[2670. Pränscher'«* anatomisches Museum im rothen Scliloss VU ton 9 Morgens bis 10 Abends für erwachsene Herren. Freitag ganzer Tag 2700 Uamentaj*. Sonnabend und Sonntag: Große Abend-Unterhaltung im„Wahren Jacob'4. Von den Mitgliedern der Dresdener eingeschriebenen Hills- lasse, Filiale Ost, werden jeden Sonnabend und Sonntaa Beiträge sowie Aufnahmen angenommen. 12690 « Splchcrmann, NüderSdorferstrasie Uru nössiltt! !lcs tlöfftkt! -... Freunden und Bekannten, sowie meiner werthen Nachbar? Barschaft zur ergebenen Nachricht, daß ich[2515 Kottbuser Damm 56 (Hermannsplatz) eine ii. Frü$5 Ni dickes u be mit franz. Billard eröffnet habe. Gr. Ausschank von vorzüglichem hellen und Patzenhofer Lagerbier. Für gute Speisen und Gelränke rst bestens gesorgt. Zahl- reichem Besuch entgegensehend, zeichnet hochachtungsvoll A. Barthel. EjMtN- mii- Taiisk-KandlMg von Ferdlmmad (Vertreter: N. Brem« r), BERLIN N., Weinbergsweg 15 b. Lager aller Souen Rauch-, Kau- und Schnupftabake, Cigaretten und Präfent-Eigarren.>2358 Meinen werthen Vereins- und Bezirks-G-nossen emp-ehle ich mich zum Einrahmen aller Arten Bilder zu soliden Preisen. Pücklerstr. 51, H. II. Todes- Anzeige. Allen Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Jnstrumenienmacher Keinltoid PiefUe, seinen Verletzungen, die ihm von ruckloser.Hand bei- gebrach: worden sind, am 2. d. Mts. in Bethanien er- legen ist._,[-�93 Die Beerdigung findet am Sonntag, Nackmiliags 3 Uhr. von der Leichenhalle deS Neuen Jatobi-Kirchhofes aus statt. DieKollegen der Pianoforte-Fabrik von C. Ecke, Markasstraße 13. .tfSWBi 165. Vrauirustill�e, Ecke Oranienplatz. Mm Mm MaaAseig) empfiehlt einem geehrten Publikum fem grofies Lager in Crallleustiaße 165, Ecke Orauienplatz. Herbst- und Winter- Mänteln zu äusierst billigen aber festen Preisen bei streng reeller Bedienung. >2403 Regenmäntel ä 9, 10. 12,15Mk.| Wintermäntel äl2, 15, 18,20 Mk. bis zu den elegantesten. j bis zu den eleganteste». Jaquets ä 7, 8, 9, 10 Mk. bis zu bell elegantesten. 4NÄ.. mäu 2540] sämmtlicher Systeme(Ringschiffchcn- Maschine)- Rtparatur-Wertstail.(Theilzahlung.) a 0€ m: m e Es E. Frauke, Saarbrückerstraße Nr. 6. Arbeiter-Bezirköverein der Oranienburger Vorstadt uno des Wedding. EIkursion nach Marienfelde zur Besichtigung der Versuchsstation von Prof. Dr. Petri am Sonntag, den 8. d. M r s. Treffpunkt Morgens bis spätestens 9 Uhr bei R o t h a ck e r, Belle- Alliancestraße Ztr. 5.— Gäste willkommen.>2721 Der Vorstand. Arbeiter-L mrksverem„�emAhlichkeit" fir Relllichkudorf llod stmgkgcnd. Sonntag, den 15. November, VormrtlagS II Uhr, im Lolale des Herrn B u d e w i tz, Hausotterstr. 4: Heneral-Aersammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Malers Knauf über Wissenschaft- liches. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Mitglieder, welche noch im Besitz von Petitionslisten sind, werden ersucht, dieselben bis Sonntag abzuliefern.— Am 14. November: Grosses Familien Kränzchen im Vereins- Lokal. Um zahlreiches Erscheinen bittet>2694 Der Vorstand. lactivercin der Tlscliier. GevfmNMhMg Montag, den 9. November, Abends 8V- Uhr, in Säger's Salon, Grüner Weg 29. Tagesordnung und Vortragende wilden in der Verlamm« lung bekannt gemacht. Gäste willkommen. Neue Ntirglieder werden aufgenommen. Zahlreicher Besuch dringend notbwendig. 2700] Der Bevollmächtigte. Große öffentliche Verl'aNmlung der Stellmacher Berlins am Eonotag, den 3. November, Vorm. 10 Uhr, im Louisenstädtischen Konzerthaus. Alte Jakobstraße 37. Tages-Ordnung: 1. Vorlegung des von der Kommriston ausgearbeiteten Akkord- resp. Lohn Tarifs.>2695 2. Wie verhalten sich die Stellmacher Berlins zu der Ver- einigung deutscher Stellmacher? 3. Verschiedenes. Wir hoffen, daß ein jeder Stellmacher in der Versamm- lung erscheint. Mit kollegialischem Gruß Die Kommission. Große öffentl. Versammlung Montag, den 9. November, Abends 8'-, Uhr: im Wcdding-Park, Müllerstrnsse 178. Tagesordnung:„Die Religion in Unterricht und Er- ziehong. Referent Herr Dr. Lülgenau. Frauen haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 2720] Der Einberufer. M.-Kes.-Vcr. der Roseuth. Uorji. Montag, d.u 9. November, Abends 8 Uhr, in der UeUtst Schönhauser Allee 156. ' � Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Benckendorff:„Die Feuer« beslartung." 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht. Neue Mitglieder werden aufgenommen.[2697 Große öffentliche KmvMwWrr-vtchM!» g am Sonntag, den 8. November. Vormittags 10 Uhr, in den Bürger-Säleu, DreSdencrstraße 96. Tageö-Ordnung: 1. Die städtische Verwaltung und die Lage der arbeitenden Bevölkerung Berlins zu derselben. Referenl Etadtver- orSneler Herr Fritz Görcki- 2. Diskussion. 3. Ansprache der Kandidaten, Herr Zubeil für den 19. und Herr He-zstid für den 21. Kommunalwahlbezirk. Sämnitliche Wähler beider Bezirke sind biervurch freund- ichst eingeladen. Die Herren Schcmm und Grave, bisherige Vertreter, sind brieflich eingeladen.[2698 Das Arbeiter- Wahlkomitee. 3 A.: W. Krause, Prinzenstr. 6. OeffenMche Versammlung sämmtlicher Tischler Berlins am Sonntag, den 8. November, Vormittags 10"- Uhr, ill lulltt's grohkN Züül, Avdrküüflraßt 21. TaaeS-Orvnung: Punkt 1. Die Anklagen deS Tischlers Rödel gegen die t/UV OlC Kollegen Sckmiv und Schaar und wie verhalten sich vre Ber- iiner Tischler dazu? Punkt 2. Weiterer Berirtn über die Thätigkeit der Reoiffons-Kommission. Referent W. Sckmidt. Um zahlreiches Erjcheincn ersucht l'>?>■> Cigarren und Tabake, Pfeifen and Eigarren-Lpitzeu in größter Auswahl M Meyer, Koppenstrasse CG, zweites Haus vom Grüne« Weg. II Ltrbeiter-Berein„Hoffnung für Friedrichsberg u. Umgegend. � Mügliedec-VersamMlunz am Sonnabend, den 7. November, Abends 8Vi Uhr,# Neumann s Lokal, Gürtelstraße 41. Vortrag des H«A Metzner uver„Religion und Konfession". ß*' Der Vorstand. IGEM Gewissenhaft abgezogene RW Uhren,-MW zwei Jahre Garantie für gutes Gehen: von Slilbcrn: Eyl. Uhren 15 M. an. Neusil. Remontoir» Uhren von 12 M. an. Silberne Cyl.- Remontoir- Uhren von 24 M. an. Silberne Anker-Remontoir« Uhren von 32 M. an. Neparatnren von Goldene Damenuhren 25 M. an. Goldene Damen-Remontoin Uhren von 35 M. an Golvene Herren-Remontoir- Uhren von 50 M. an. Getragene filb. Cyl.- Uhren von 3 Zlt. an. von IM. an. jffltox Busse, 2533] Uhrmacher, Jnvaliden-Strasse Nr. 1i>7- zwischen Acker- u. 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