lr. m Mittwoch, den 11» Uovember 1883. II. Jahrs« MerVMI«» ch Brgan für die Interessen der Arbeiter. k'Sstabomlement 4 Da»„iSerllnet BoWUatt« Morgen» außer nach Sonn- und Festtage«, UbonnementSprei» au» vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark� wöchentlich 35 DU. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) mit illustr. Beilage 10! Jnfertiousgebühr~,A beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbertzmarkt 10 ISÄTt.'ÄÄ" Äw? 3taÄf44�ÄÄ jSL«i Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. KedaKtion; Kenthstratze Ä.— Expedition: Zimmerstraße 44. Au; Nordamnillii. v», ��. deutsch-amerikanischer Politiker hat einmal gesagt, de* ftt'"r die Vereinigten Staate» von Nordamerika von de* ��enden Parteien mehr fürchte, al« von einem stehen- ?.viere. Wir möchten diesen Ausspruch nicht ganz unter- m' ro'c begreifen aber, wie man in Amerika zu sAs" pessimistischen Anschauungen gelangen kann. Die ?el, die sich im politischen Leben der großen Union ein- purzelt haben, werden so lange bestehen bleiben und »en so lange am Marke jene» so arbeitsamen Volkes SDn!"» das gegenwärtig herrschende Parteisystem besteht. . n kann über die große Misere in dm Vereinigten Staa- üdw, dadurch hinweggetäuscht werdm, daß alljährlich Hin? gemeldet werden kann, die öffentliche Schuld habe publik,• � viel abgenommen und die Zeit, da die Re- dir e Schulven mehr haben werde, erscheine sicher in »m ochsten Zukunft. Damit ist doch keineswegs Alles erreicht, «tiBm»man. DOn einem großm und fteien Gemeinwesen Zabr.» daben in der großen Republik in den letztm Evit,» � merkwürdige Schauspiel gesehen, daß die an die der in l4 SiaatSwesevS gestelltm Männer sich bemühtm, ßeuer* v Staatsverwaltung herrschenden Korruption zu getunM& f,e aber ohnmächtig blieben dm VerhälMiffm Gewak..?'- die sich in der Union im Laufe einer langen de«* es r herausgebildet haben. Der Präsident Garfield, I der' er Meiunng nach ewstlich darum zu thun war, irrsin.j.���chen Aemterjagd zu steuern, schlug einem halb von k,, Menschen die erbetene Anstellung ab und wurde gewäbi». � dafür meuchlerisch erschossen. Der neu- die ei �fösideot C l e v e l a n d erregte bei dm Leute», vftttar)ne Reinigung des Augiasstalles, genannt Staats- alz verlangen, zuerst große Hoffnungen. Er wurde Kartei" der demokratischen(freihändlerisch-föderalistischm) iprock, �°hlt und hatte in seinm Wahlreden ver- die%!' et werde keineswegs sich herbeilassen, be-xj��aatsämter als„Siegetbmte", wie bisher der «envg�de technische Ausdruck lautete, unter seine Partei- 'ein. Zu vertheilen. Nach seiner Wahl wiederholte er Mprechm. "* der neue Präsident mit seinen Versprechungen 'A gemeint hat, lasse« wir dahingestellt, denn bei dm \ der in der Union herrfchmden Parteien muß ach auf Alle« gefaßt machen. Genug— die Rechnung de» Wirth gemacht. Seit dem Siege über die M Operation der Südstaaten war die republikanische(schütz- P��lch-zmtralistische) Partei am Ruder gewesen und dre den.J/Pje» hatte» zusehen müsse»; wie nach den oft mit jTOeifelljastefie» Mitteln erkämpften Stegen die„Beute" *** 2o| mamol] gfeuiCCcfon. Die Hand der Uemests. Roma» von Ewald August König. (Fortsetzung.) ich."�omalz, al» Sie mir das Jahrgehalt auSsetztm, stand "och allein, jetzt habe ich eine erwachsene Tochter." "Hat Ihr Man» Ihnen denn gar nichts hinterlassen*" ßnm•°einen Pfennig, er war ein TaugmichtS, ich denke köu�Mtt Schrecken daran, daß er einmal wieder auftauchen "Ai er denn nicht gestorben fragte Rabe überrascht. sei».�!..owahre! Vor zehn Jahrm hat er mich verlassen, und �%We ich nichts mehr von ihm gehört." «Davon habe ich ja noch gar nicht« gewußt!" ihres f�ine Frau smfzte tief auf und strich die Faltm �jetve« glatt. w, war, al» ich ihn kennen lernte, ein braver ich.' sagte sie;„er hatte freilich kein Vermögm, aber der te ihm, und ich dachte, wir würden um» schon mit Wko essva« erwerben, wir warm ja beide gesund und Zahlt?« t 1 dm vierhundert Thalern, die sie mir jährlich hatte it. �stritt ich die Kostm unserer Haushaltung, ich hau,;m, ßefagt, ich besitze ein kleines Kapital, und er �genehm» darnach, der Zuschuß war ihm natürlich FiS44ov. wu_____ // KW in Gestalt von Staatsämtcrn unter die Anhänger der sieg- reichen Partei vertheilt wurde. Diese» Zusehen einerseits und das Beutevertheilen andererseits dauerte etwa ein Vierteljahrhundert und den Demokraten lief nach und«ach im Munde das Wasser zusammen. Sie klagtm mit Recht die republikanische Partei an, daß sie die großartigste Korruption gefördert habe. Dem war so, allein wenn die Demokraten versprachen, sie feien selbstlos genug, um bei einem Siege ihrer Richtung auf die Beute zu verzichtm, so logm sie eben genau so wie die Republikaner vor dm Wahle» zu lügen pflegten. Man brauchte nur ihr Treiben in den einzelnen Staaten und Städten, wo sie dominirtm, beobachten und man konnte sofort den Bewci» haben, daß sie genau so veranlagt sind wie die Republikaner. Während unter dem G r a n t' schm Regiment die Korruption einen so hohen Grad erreicht hatte, daß Minister wegen Unredlichkeiten im Amte angeklagt und verurtheilt wurden, lieferte der„demokratische" Millionen- dieb Tweed, der Häuptling der berüchtigtm Tammany- Ringer in New- Aork, dm vollgiltigm Beweis, daß man auch bei der demokratifchm Partei vor keinen Mitteln zurück- scheue, wenn es gelte, Beute zu machen. Herrn Cleveland war, auch wenn er es auf« richtig gemeint hat, nur eine kurze Zeit be« schiedm, während der feine Amtsführung mit feinen Worten und Versprechungen sich in Einklang befinden sollte. Bald regte es sich mächtig inner- halb der demokratischen Partei und die Agitatoren, die bei der Wahl thätig aewesm, verlangten für ihre Dienste belohnt zu werden. Fünfundzwanzig Jahre haben diese Leute zuge- sehen, wie Andere die„Beute" unter sich vertheiltm; nun ist ihre Partei in dm Besitz der Staatsmacht gelangt und die„Beute" sollte ihnen entgehen) Nun, Herr Cleveland hat sich gesträubt; aber er weiß ganz gut, daß es zum Kon- flikt mit seinen Parteigenossen kommen wird, wen» er-sie nicht belohnt. So hat er venn auch schon zu einem guten TKeil klein beigegeben; er hat eine große Anzahl von Demo- kräten in dm diplomatischen und polittschen Stellungm, die er zu vergeben hat, untergebracht und hat auch die zahlreichm Postmeisterstellen, die sehr gesucht sind, ausschließlich seinm Parteigmossen zugewendet. Man steht, die Vertheilung der Beute beginnt und der Herr Präsiomt, der nun A gesagt hat, wird nicht umhin können, auch B zu sagen. Da wird aus der„Reform des Zivildienstes", die Herr Cleoeland versprochm hat, wohl nicht viel werden. Man sieht, die Anschauung, daß die Staatsämter der bei de« Präsidentmwahlen siegenden Partei gehörten, ist schon eine historische Tradition geworden. Man muß diesen Zustand bedauern. Jene» große Gemeinwesen war ur- sprünglich dazu berufen, der Welt ein Beispiel zu gebm, Ich wich ihm au» und erfand eine Lüge nach der andern, er wurde wüthend, und der häusliche Friede war gestört. Endlich mußte ich die Wahrheit bekennen, und nun wurde es noch schlimmer. Er wollte wissen, aus welchen Gründen ich da« Geld von ihnen empfing, die Gründe, die ich nannte, ließ er nicht gelten, er lachte und spottete darüber, er beschimpfte mich und nannte mich ehrlos, und diese Szmm wiederholten sich täglich. Die Wuth darüber, daß sein Projekt in die Brüche gegangen war, trieb ihn in'» WirthShau«, und von der Zeit an war nicht mehr mit ihm auszukommen. Ich habe Alle» versucht, ihn zu bessern, aber eS war vergeblich, ich hatte feine Achtung verloren, und auch unser Kind liebte nicht mehr. So ging'S noch einige Jahre durch, mit Scheltm und Toben, und oft mußten die Nachbarn mich vor seinm Mißhandlungm schützen. Ich habe damals oft darüber nachgedacht, ob das nicht eine Strafe fei—" „Unsinn!" fiel Rabe ihr in die Rede.„Weshalb habm Sie gcheirathet? Sie hätten es nicht thun follm, Sie konnten sorgenfrei leben und Ihre Existmz war Jhnm ge- sichert." „Ja. wenn man Alle« voraus wüßte!" smfzte Frau Siebel, wehmüthig das Haupt wiegend. „Der gesunde Menschenverstand hätte Jhnm da» voraus« sagm können. Einmal mußte�hr Mann nach der Quelle fragen, au« der Sie schöpften, und dann entsprangen aus der einen Frage die anderen. Was ist später aus dem Manne ge. worden?" „Er war eine« Tage« verschwunden, ich konnte nicht, weiter erfahrm, al» daß er mit einem Schiffer nach Holland gegangen�tdem Sie nicht» mehr von ihm gehört?" „Gar nichts.",...,. „So wird er wohl gestorben und verdorben fetn 1" „Dann müßte ich doch die Todesnachricht erhaltm haben," sagte die kleine Frau,„ich fürchte noch nnmer, daß er Plötz- lich wieder erscheinen kann, Unkraut vergeht ja nicht. Der GutSbcsiyer hatte die Hände auf dm Rückm ge- «< daß ein großes Volk glücklich gemacht werden kann. Aber den herrfchendm Klassm fehlt auch dort jeder Zug idealen Wesens und Streben»; sie haben dm Erwerb über Alles gestellt und haben diese Anschauung auch auf da» Staat»- und politische Leben vollständig übertragen. Die beiden herrschenden und korrumpirten Parteien in der großen Union müssen abwirthschaften, wenn es sich zum Besseren wenden soll; sie werden sich völlig um da« Ver« trauen des Volkes bringen und dann abtreten müssen. Dann erst wird drüben auch ein politisches Leben möglich sein, daS nicht von der wüstm Jagd auf„Beute" beherrscht wird._ Politische Urbersicht. Niemand bestreitet dem Herrn Schulze au» Delitzsch, daß er sich einiges Verdienst um die Arbeiterbewegung er» worden hat und zwar durch seine Thätigkeit bei Gründung von Vereinen. Daß diese Vereine selbst aber, mit und ohne seine Schuld, entweder nur den selbstständigen kleinen Gewerbetreibenden zugeworfene Strohhalme find, um diese kleinen Unternehmer noch etwas länger in der Konkurren«fluth zappeln zu lassen, oder aber, daß diese Vereine, besonders die Konsumvereine, in den meisten Fällen den schon etwas mehr Bemittelten, den Beamten u. s. w. unter die Arme greifen, ist männiglich bekannt. Der„König im sozialen Reich" wußte nicht, oder wollte nicht wissen, wo der Kern der sozialen Frage liegt. Wohl wurde er später mit der Nase darauf gestoßen, und als Schulze die Produktivgenossenschaften in den Kreis seiner Betrachtungen zog, so verquickte er sein Eparsyftem mit diesen Genossenschaften und verdammte dieselben dadurch zur absoluten AuSstchtslofigkeit. Die„ V o l k s z e i t u n g" macht uns nämlich zum Vorwurf, wir hätten nicht mit der ge- bührenden Achtung vom Herrn Schulze auS Delitzsch gesprochen und zitirt bei dieser Gelegenheit Lassalle'S Lob über Schulze aus dem offenen„Antwortschreiben". Damals hatte aber .......... ganzen Drei stig. keit und dem ganzen Halbwissen des Herrn L a s s a l l e" gesprochen. Wir könnten ja nun mit Auszügen aus dem„Bastiat-Schulze" von Laffalle der„VolkSzeUung" dienen, um daS Urtheil desselben über Schulze zu ergänzen. Doch wissen wir nicht, wre darüber die Lansespolizerbehörde denkt und ob uns der Abdruck aus verbotenen Schriften ebenso er- laubt ist, wie anderen Blättem. Wir find also in der Ver- theidigung mehr beschräntt. Ob gerade Schulze- Delitzsch wörtlich gesagt hat, die Arbetter sollten fich von der Politik fem halten, darauf kommt es nicht an; ähnliche Aeußerungen sind aber seiner Zeit von fortschrittlichen Wortführern gefallen. Daß aber die ganze Agitation Echulzes darauf hinauslief, die Arbetter von einer eigenen Politik, von Gründung einer politisch- sozialen Arbeiterpartei abzuhalten, das wird Niemand leugnen können. Man braucht nur die Stif- tung des Handwerkervereins Hierselbst und des Berliner Arbei« tervereinS zu betrachten. Dieselben wurden inS Leben gerufen, um für die politische Fortschrittspartet Propaganda zu gerichtliche Scheidung beantragen," versetzte er,„Sie hätten das längst thun sollen. Kommt der Mann wirklich zurück, fo verpflichtet das Gesetz Sie, ihn zu ernähren." „Du lieber Himmel, und ich kann jetzt schon mit den paar Thalern nicht auskommen!" „Sie können e«, wmn Sie wollen!" „Es ist ganz unmöglich." „Ich kenne Beamte, die jährlich nur dreihundert Thaler habm und davon ihre alten Eltern ernähre» müssen," sagte Rabe lakonisch.„Verheirathen Sie Ihre Tochter, dann stehen Sie wieder allein." „Und woher soll ich die Aussteuer nehmen?" „Ueberlassen Sie das Ihrem Schwiegersohne." „Das ist Alles leicht gesagt," erwiderte Frau Siebel; „aussuchen kann ich mir den Schwiegersohn nicht, dazu bin ich zu arm, und außerdem ist Apollonia auch schon»er- lobt." „So, so— mit wem denn?" „Mit einem Sekretär des Herrn Polizeipräsidenten." Rabe blieb flehen, fein Blick ruhte voll Erstaunen auf dem runden Gesicht der kleine« Frau. „Da» war schlau," sagte er mit leisem Spott,„aber ich fürchte, Sie haben sich dabei doch verrechnet. Der Man« wird seine Karriere nicht preisgeben, wenn—" „Daran habe ich noch nicht gedacht," unterbrach Frau Siebel ihn,„aber im schlimmsten Fall würde er mir doch helfen. Er ist ein gefcheidter Kopf, und die Mutter seiner Frau darf er nicht im Stich lassen." „Wollen Sie ihn mir vorstellen?" „Sehr gerne; dann aber müßten Sie sich zu mir be« mühen, Sie treffen ihn jeden Abend bei mir." „Wo wohnen Sie?" „Im Hause Jakob Hochmuth'»." Sie hatte den Namen in einem so seltsamen Tone au»« gesprochen, daß der Gutsbesitzer sie befremdet anblickte. Wußte sie, daß er mit diesem Manne in Verbindung stand? Kannte sie die Geschäfte, die er mit ihm machte? „Jakob Hochmuth?" wiederholte er.„Das ist wohl der Antiquitätenhändler—" „Sie waren ja schon in dem Hause!" machen.— Wir gestehen gern zu, daß gegenwärtig die„Ter- führet" der Arbeiter auf einer anderen Seite zu suchen find, als bei der Fortschrittspartei; d«S kommt aber lediglich daher, weil die Fortschrittspartei jeglichen Einfluß auf die Ar« beiter verloren hat und ein Arbeiter fich von dieser Partei nicht mehr verführen läßt. Deshalb bält diese Partei auch in ihrem Bestreben, die Arbeiter zu„verführen", gegenwärtig inne; das wü.dc fich aber sofort ändern, wenn die Fortschritts- partet wieder größere Macht erlangte.— Das kleine journa- stische Kniffchen des X Korrespondenten der„Pollszeitung" von der offiziösen Presse, welche unsere Besprechung über Schulze„mit Wohldehagen" wiedergegeben habe, wollen wir nicht emst nehmen, da jeder Leser unseres Blattes weiß, welche Stellung wir zu den offiziösen Preßhelden einnehmen. Im Uebrigen ist es uns ganz gleichziltig, wer es abdruckt, wenn wir etwas Richtiges gesagt haben. Wahlblüthen. Wenn die Deutsck-Fretfinnigen besonders empört find darüber, daß in Bielefeld Etöcker mit genauer Roth durchgekommen ist, so mögen fie bedenken, welches Wahl- kcmpromiß fie dort geschlossen haben Mit den National- Liberalen und Freikonservativen!- Wie man hört, hat sogar der freikonservative Kandidat Echnabsmeyer, für den zu stimmen fich die Deutsch Freifinnigen vervflichtcten, bei der vorigen Wahl als Wahlmann für Etöcker gestimmt. Ein solches unnatürliches Bündniß mußte ja eine Fehlgeburt erzeugen! Oder nennen die Deutsch Freifinnigcn es etwa kein unnatürliches Bündniß, wenn fie fich mit den Konser- vativen vereinigen? Uns ist das auch recht! Dabei klingt uns aber ein fast verschollenes Wort wieder inS Ohr:„Eine reaktionäre Masse!"— In Hamm-Soest waren 184 national liberale Wahlmänner, 141 klerikale und 96 deutsch- freifinnige gewählt. Und doch wurden ohne engere Wahl zwei deutsch-freifinnige Abgeordnete gewählt. Wie war das möglich? Keine Partei hatte für fich die absolute Majorität. Wenn fich von vornherein nicht zwei Parteien verbanden, mußte es engere Wahl geben und in diese kamen dann die Kandidaten der national liberalen Partei und des Zentrums. Die Zentrumsmänner aber wußten, daß die deutsch- freifinnigen Wahlmänner dann für die national- liberalen Kandidaten ge- stimmt haben würden und so machten fie aus der Roth erne Tugend und den National- Liberalen einen Strich durch die Rechnung, indem ste gleich im ersten Wahlgange für die Deutsch-Freifinnigen stimmten. Stolz können diese auf den Sieg nicht sein.—%n Neuwied-Altenkirchen standen 241 koniervatio-nationalliberale Stimmen 241 klerikalen gegenüber. Hier mußte das Loos entscheiden. Das Zentrum hatte das größte„Schwein".— Arhnliche Beispiele könnte man noch anführen, um das„widerstnnigste" aller Wahlrechte und die innere und moralische Bedeutungslofigleit des preußischen Abgeordnetenhauses zu kennzeichnen, aber wir wollen uns mit obigen begnügen. Leider aber hat das preußische Abgeordneten- Haus eine faktische Bedeutung und diese hat sch n genügsam das Volk geschädigt. Die Geschichte des Bauernkrieges>igt bekanntlich die energische Betheilrgung der größeren Städte an der damaligen Bewegung. Damals war, was auch daS Studium der städti- scken Unruhen am Schlüsse des Mittelalters erkennen läßt(Rothenburg 1450, Wien 1462 und 1500, Köln 1482 und 1513, Augsburg 1491, Erfurt 1509, Konstanz 1511, Speier 1512, Worms 1511), das Proletariat in seiner Bildung begriffen, und die treibende Kraft in allen diesen Unruhen ist und bleibt diese neuentstandene soziale Schicht. ES ist dies die erste Lebensperiode der städti« scheu B'.fitzlosen. Unter der Herrschaft der kapitalistischen Pro- duktionsweise, die sporadisch an den Ufern de? MittelmeereS bereits im 15. und 16. Jahrhundert auftrat, in dem nächst- folgenden Jahrhundert fich zu ihrer jetzigen absoluten Macht- stellung entfaltet und dadurch die Klaffe der befitzlosen Arbeiter geschaffen hat, vollzieht fich die zweite Phase, der„Emanzi- pationslampf des vierten Standes." Nicht uninteressant ist vre Thatsache, daß in dem gewerbereichen Augsburg bereits um das Jahr 1520 es an 3000„Nichtshäbige", d. b. Befitzlose. gab. Das find die Vorfahren des heutigen Textilproletariats, das den Augsburger BaumwollenlordS zu einer imposanten Machtstellung auf dem Weltmarkte verholten hat, natürlich auf dem Wege des—„freien Arbeitsvertrages." Die Kanalisation der Mosel ist schon seit längeren Jahren als eine Nothwendigkeit anerkannt worden. Die rheinischen Handelskammern haben dies oft genug in Eingaben an den preußischen Handelsminister betont, den fie für die Intervention des Staates zu interesfiren suchten. Der Handelsminister hat aber jedenfalls exst mit dem preußischen Premierminister und dieser mit dem Reichskanzler konferirt. Wahrscheinlich hat der preußische Handelsminister die Nothwendigkeit deS Kanalbaus eingesehen. doch erhielt er vom Premier die Mittheilung auf Wunsch des Reichskanzlers, er, der Handelsminister, möge ffch zunächst an den Kriegsmintster wenden, ob derselbe in dm nächsten Jahren keine Militärzuschüsse verlange. Dieser aber bejahte die Frage wie immer, und der Handelsminister zog bettübt seiner Wege. — Gerade in den oberen Moselgegmden giebt es aber viele „Ach ja, ich erinnere mich. Gut, ich werde in dm nächsten Tagen einmal kommen." Er schien damit die Unterredung abbrechm zu wollm, aber Frau Siebel war damit keineswegs einverstandm, der Zweck ihres Besuche« war noch nicht erfüllt. „Ich möchte de» jungm Lmtm gerne eine bescheidme Aussteuer geben," sagte sie in bittendem Tone,„sie wollen schon bald heirathen, und da hatte ich meine Hoffnung auf Sie gesetzt." „Auf mich?" antwortete Rabe ironisch.„Ich glaube, daß diese Hoffnung eine vergebliche ist, Sie haben die Rech« nung ohne den Wirth gemacht." „Fünfhundert Thaler würden hmrerchen." „Das mag sein, aber—", „Die gnädige Frau würde mrr da« Geld gewiß ��„SBotouf wollen Sie diesm so zuversichtlich ausge- sprochmm Glauben stützm? Die Frau Generalin wrrd Ihnen dieselbe Antwort gebe», die Sie von mir erhaltm habm, sie hat bereit« gmug getha». mehr könnm S,e nicht »erlangen. Und Sie werten nicht so thöncht fem, eine Pression auf sie übm zu wollm, ich wüßte wirklich nicht, in welcher Weise Sie es könntm." Und Sie werden auch nicht meine Bitte erfüllm? "Ich habe keine Veranlassung dazu." „Sie wiffm doch, daß Halm verhaftet ist?" „Gewiß weiß ich es." „Fürchten Sie nicht, daß er redm wird?" „Bewahre, er wird schweigen." „Wissen Sie da« so sicher?" fragte dt« ehemalige Wärterin mit schärferer Betonung.„Sre konntm sich irren, Herr Rabe, gegen dm Mann wird eine furchtbare Anklage «hoben, von der er fich vielleicht nur dadurch reimgm kann daß er ein offmes Geständniß ablegt." „Und wenn er da« wirklich thäte. was würde er da- durch gewinnen?" fragte der Gutsbesitzer ruhtg.„Dmkm Sie einmal über die Folgm nach, dann werden Sie bte Ueberzeugung erlangen, daß er wahnfinnig fem müßte, wollte er auf diesem Wege der Anklage mtgegentretm." „Und thut er es nicht, so könntm es Andere thun. arbeitslosen Hände, denen der Bau des Kanals, der fich auch ficherlich rentirm würde, in der gegenwärtigen hüben Zeit sehr gelegen käme. Ein Moselkanal existirt schon längere Zeit und zwar von Metz bis an die preußische Grenze. Dieser Kanal ist aber von der franzöfischen Regierung erbaut worden. Dadurch betragen die Steinkohlen aus dem Eaargebiet in Elsaß-Lothringen auf dem Kanal die Hälfte der Transport- kosten, als im preußischen Gebiet auf dem Fluffe. Nunmehr kommt die Nachricht, daß eine Gesellschaft in der Bildung de- griffen ist, welche auS Privatmitteln den Kanalbau unternehmen wird. Später wird dann der Staat, der ja bekanntlich alle Transpottwege verstaatlichen will, den fettigen Kanal um eine dedeutend höhere Summe, als das Anlagekapital jetzt be- trägt, übernehmen. Und daS nennt man rationelle Staats- witthschaft! Z« den Diätenprozessen bemerkt die„Franks. Ztg.": Wmn Herr Fiskus wohl berathen ist, so zieht er die weiter von ihm erhobenen Klagen einstweilen zurück und läßt zunächst die höheren Instanzen reden; hat er dort kein besseres Glück als bei den Landrichtern, so muß er fich ja ein für allemal bescheiden, geräth es aber besser, nun so fängt man die Sache wieder von vorn an. Was den moralischen Effekt dieses Beutezuges nach den Diäten betrifft, so geht er den Fiskus nichts an, da dieser allezeit nur eine juristische, niemals eine moralische Person gewesen ist. Wie er jeden Gewinn mit einem von olet(es stinkt nicht) begrüßt, so kann er sich über jede Niederlage mit einem von dolet(es thut nicht weh) trösten. Sobald er in der Diätenfrage seine Rolle ausgespielt haben wird, darf man ermatten, daß eine neue Dekoration Ab- wechslung in das Stück bringen wird, denn der Regisseur, der Herrn FiSkus auf die Bretter gebracht hat, ist in Anwen- dung von Hilfsmitteln zur Erzielung eines Erfolges uner- schöpflich. lieber„unser täglich Brod" veröffentlicht der bekannte Statistiker, Geheimrath Engel in der„Nation" eine Reihe von Artikeln. Er versucht in denselben, den rationellen Brod- getreidebedarf des deutschen Volkes zu ermitteln. Zu diesem Zweck untersucht er die Rolle, welche dem Brode in der Ge- sammternährung des Menschen(speziell des Deutschen) zufällt und kommt dabei zu folgendem Resultat:„Der Durchschnittsbewohner des Reichs verzehtt täglich 509 g Brod; er deckt damit 27,5 pCt. der getammten täglichen Nahrungsmenge, 55 pCt. der gesammten Nährstoffe und 65 pCt. der gesammten Kohlehydrate. Kein anderes Nahrungsmittel kommt dem Brode an Wichtigkeit gleich." Im ferneren Verlauf der Unter- suchung stellt er auch das gesammte Körpergewicht des deutschen Volkes statistisch fest und gelangt zu einem Gewicht von 2 023 770 000 Kilogramm, mit welchem die rund 46 Millionen Bewohner des Deutschen Reichs in die Weltwagschale fallen. Das Schlußresultat seiner Aussätze in der„Nation" formulirt Engel dahin:„Für die deutsche Landwiithschast geht aus unserer Untersuchung hervor, daß fie nur bei so reicher Ernte wie die des Jahres 1878 allenfalls im Stande ist, den zu rationeller Ernährung des deutschen Volks unumgänglich nöthigen Bedarf an Brodgetteide zu decken. Für die in- zwischen auf 46 Mill. gestiegene Bewohnerzahl würde aber selbst jene reiche Ernte heute nicht mehr ausreichen. Wenn nicht mehr Land unter den Pflug genommen und mit Biod- getreide bestellt wird und wenn dem bereits damit destellten Lande nickt höhere Etträge abgewonnen werden, dann helfen die künstlichen Absperrungen fremden Brodgetreides nicht, das deutsche Volk bedarf hiervon einer enorm steigenden Menge, um seine Spannkräste auf der Höhe zu erhalten, welche seine Weltstellung, seine Kultur, seine physische und geistige Arbeit erfordern. Gegenüber der ebenso vielfach behaupteten wie bestrittenen Nothlage der deutschen Landwiithschast spitzt fich die Brodfrage im Deutschen Reiche immer mebr zu einer politischen Frage allerersten Ranges zu, zu einer Frage, die, wie es auch kommen möge, nicht so schnell wieder von der Tagesordnung verschwinden wird, wie fie fich selbst darauf ge- setzt hat- Je mehr Licht über dieselbe verbreitet wird, desto besser ist es." Die Schutzzollpolitik, welche daS Deutsche Reich in der jüngsten Zeit in erhöhtem Grade eingeschlagen hat, so läßt fich die„Allg. Ztg." aus Brüssel schreiben, hat nunmehr in Belgien zu sehr empfindlichen Repressalien geführt. Was in Belgien besonders unangenehm berührte, war die Erhöhung des Einfuhrzolles von 63 auf 70 Mark per 100 Kilogramm für Webwaaren, wodurch der so dettächttiche Handel der Aloster Spinnereien nach Deutschland geradezu den Todesstoß erleidet. Die Aloster Spinnereien sahen fich genöthigt, in Deutschland selbst, namentlich in Pommern und in der Rhein- pfalz, Fabriken anzulegen, welche den Verkehr mit Deutschland fcttsetzen sollen. Als R e p r e s s i v m a ß r e g e l hat die bei« Sische Regierung nunmehr eine bedeutende Erhöhung der Bier« euer dekretirt, wodurch die bayenjchen Bierbrauereien, welche alle Restaurants in den vornehmen Stadttheilen nahezu aus« schließlich versorgen, sehr hatt getroffen werten. Da die baye- tischen Biere hier bereits gegenwärtig sehr theuer find, so läßt fich eine empfindliche Abnahme deS Konsums zu Gunsten der inländischen Brauereien ermatten. Dieselben haben auch schon „Sie zum Beispiel?" „Allerdings." Willibald Rabe lachte höhnisch, die Drohung schien ihn eher zu amüsiren als zu beunruhigen. „Und die Folgen?" fragte er. „Sie werden sie kennen," erwiderte Frau Siebel in gereiztem Tone. „Gewiß kenne ich fie, aber Ihnen könne» sie doch auch nicht unbekannt sein. Mitgefangen, mitgehangen, Madame! Die Rolle, die Sie damals gespielt haben, könnte Sie an einen gewissen Ott bringen, an dem da« Leben keine ange- nehmen Setten bieten soll! Wir wollen die gegenseitigen Drohungen sparen, Sie wissen so gut wie ich,' daß Sie schweigen müssen." „Und die gnädige Frau sollte noch gar nichts von dem, wa« damals vorgefallen ist, wiffen?" „Keine Silbe! Wer sollte e« ihr gesagt haben? Wenn sie es erführe, so würde« die Verhältnisse augenblicklich andere werden, diese Versicherung gebe ich Ihnen. Und mit Ihrem Zahrgehalt wär'S dann auch ein- für allemal zu Ende, das vergesse» Sie güttgst nicht. Seien Sie froh, wenn Halm schweigt, mir macht dieser Punkt Sorge genug, e« ist nicht nöthig, daß Sie meine Sorge noch vermehren." Die klein« Frau athmete tief auf, sie mochte wohl ein« sehen, daß fie m der That die Rechnung ohne den Wirth gemacht hatte. „Sie hätte« spare« sollen," fuhr Rabe fort,„Sie konnten arbeiten, und Ihre Tochter konnte ei auch, damit ließ sich ein kleines Vermöge« erwerben. Aber wenn man Gottes Wasser über Gotte« Land laufen läßt und über die Zukunft nicht weiter«achdenkt, dann darf man sich auch später nicht beklagen." „Sie werden also gar nichts thun?" fragte Frau Siebel. „Ich übernehme keine Verpflichtung und verspreche nicht«; wenn ich dem Brautpaar eine kleine Summe schenke, so thue ich da» au« eigener, freier Entschließung zwinge« lasse ich mich dazu nicht. Und bevor ich etwas thue, will ich das Brautpaar kennen lernen. Machen Sie keine« Versuch bei der Frau Generalin, er würde zu keinem den Plan gefaßt, Bier nach bayerischem Muster zu fehl- gen Preisen zu brauen und das„Munich". welches Wl konsumirt wird, entbehrlich zu machen. Da die neue steuer bereits mit Neujahr in Kraft trttt, so sollte deutsche Regierung sehr beeilen, in dieser für die deuilchs- dustrie so wichtigen Frage zu intervenircn.— Der Sn» Korrespondent der„Allg. Ztg." giebt also der deutschend regierung einen Wink, den ste übrigens schon oft erhalte»> Daß fich nach und nach aus dem erhöhten Schutzzolls Kampfzölle zwischen den einzelnen Ländern entw» müssen, ist selbstverständlich. Und was die Fabrikanten# einer zollgeschützten Industrie verdienen, das verlieren«»» die Fabrikanten einer Industrie, auf deren Erzeugnisse- Nachbarland hohe Einfuhrzölle setzt. Wenn dann imm«' der Erhöhung der Zölle foitgefahren wird, so geht es den_ treffenden Staaten wie den Heiden Löwen in der Fabel,. fich im Eifer gegenseitig bis auf die Schwänze aufgesn" haben. Dem Landtage wird bald nach seinem Zufarnme»® ein Gesetzentwurf zugehen, durch welchen die Stävteoll nung der sechs östlichen Provinzen mit den durch die w* Verwaltungsgesctze nothwendig gewordenen und einigen» teren Aenderungen, zunächst in der Stadt Wieso»»' eingeführt wird. In den übrigen Stadtgemeinden des* gierungsbezirks Wiesbaden soll ihre Einführung auf üb«® stimmenden Beschluß des Gemeindevoistandes und derb meindevertretung nach Anhörung des ProvinziallandtigS königliche Verordnung erfolgen. Die wichtigsten Aendentv der alten Etädtecrdnung sollen dann bestehen, daß das N gerrecht auch durch Entrichtung eines Hauptgrundsieuerbel� dessen geringfier Satz nicht unter 6 Mk. und dessen HA nicht unter 30 Mk. festzusetzen ist, von dem im Stadtde? belegenen Grundbesitz erworben wird. Durch Gemein»* schluß kann die Entrichtung von Bürgerrechtsgeld UftOjJ kaufsgeld für die Theilnayme an den Gemeindenuk>»r, angeordnet werden. Als Termin für daS Inkrafttreten des* setzes soll der 1. Juli 1886 in Aussicht genommen sein. Der im Entwurf vorliegende ordentliche preutzischen Militärverwaltung für 1886 87 schließt»? den Etat für 1885-36 mit einem Mebr ab von 5 659 bei den fo tdaunnden und von 8 016 069 M. bei den einj gen Ausgaben. Von der hiernach fich ergebenden Gel»? Mehrausgabe von 13 675 791 M. gebt daS Mehr bei des* nähme mit 175 666 M. ab, so daß fich ein Gesammt J darf von 13 500 125 M. ergiebt. In der Hauptsache das Mehr bei den fortdauernden Ausgaben in 33 86? für vermehtte liebungen der Ersatzreservisten, in einem von 3000000 M- zur Beschaffung der Brot- und? Naturalien, sowie zu Garnison- Verpfl-gungszuschüffen Fonds zu Kommandozulagen der Offiziere soll urtj 700000 M- erhöht werden, auch sollen die verbeiwR Unteroffiziere beim Verlassen der Garnison eine EntsÄ«� erhalten, was 100000 M. erfordert. Zur besseren LerpßA der Solvatenpferve find 1100000 M vorgesehen. Die%% stützungSfonds für die Beamten und Unterbeamten werde».j 140 000 M prhnhf Stilr � 140000 M. erhöht. Für das Fcldgerälh der Trupps», 244000 M. erforderlich. Zur Aufbesserung der Zahlmeister und für 32 Oderstabsärzte find 47 000 gesehen. Bei den einmaligen Ausgaben kommen außer Bedarf von 7 000 000 M, für Kompletirung des Wape»� rials und den gewöhnlichen Ansägen für KasernenbauteH,- zugsweise 800000 Mark zur Beschaffung und HerrichtuÄ�t Verbandmitteln behufs Einführung der antiseptischen behandlung im Felde, 100000 M. für größere Melirt»� bei den Remontedepots und 575000 M. zur Erwerbu»� Terrain hci der Haupt-Kadetten Anstalt zu Groß-L'«�" behufs Einrichtung als Exerzier- und Turnplatz&% Der außerordentliche Etat für die Verwaltung de«« Heeres— Kapitel 6 der einmaligen AusoabeN(«M einem Bedarf von 24 992218 M., d. i. 4 657 859 im Vorjahre, ab. In Ausficht ist genommen, den WM/ 10787 101 M. aus Anleihemitteln, mtt 12230 860#1/ dem Reichs Festunasbaufonds und mit 1 974 257 3R. 13 ordentlichen Einnahmen des Reiches zu decken. Braunschweig. Die„Braunschweig. Landes zeiMsUi? Organ des früheren braunschw. Regentsckaftsratbs eni»�> gcnde Bemerkungen, welche von der„Nordd. Allg. 3' wiedergegeben werden:„Die auswärtige Presse eist vor den Ereignissen voraus. Daß unter den neuen nissen eine Militärkonvention mit dem mächtigen Preußen demnächst zu erwarten steht, kann man«eKg ohne Prophet zu sein. Nun aber wissen schon heute» P tige Blätter ganz genau,„daß die ersten Schritte schluß der Konvention" geschehen find. Hier we'ß z/ unterrichteter Stelle von diesen Schritten noch f wüßte man'«, so würde man es wohl den verschwiegen�» tungsschrcibern zuletzt erzählen.— UebrigenS ist X zu zweifeln, daß die hiesige Regierung den Abschluß° � vention in Berlin demnächst bcanttagen, und daß der 0 schweigische Landtag die Konvmtion ohne Weiteres g« wird." Resultate führen, den« meine Schwester thut** meinen Rath. UeberdieS mache ich Sie auf Jjf gungen aufmerksam, die derzeit zwischen ur.S* � X worden sind. Ich habe Ihnen damals gesagt, da?- ß dem Zahrgehalt sein Bewenden haben müsse, und � jedem Versuch, mich zu weiteren Zahlungen zu» z/ energisch entgegentteten würde; Sie scheinen da« der Jahre vergesse« zu haben, da thut es Roth, da? daran erinnere."-M Die kleine Frau hatt« sich erhoben, der ir Zurückweisung ihrer Bitte spiegelte sich deutlich runden Gesichte. fi« „Undank war immer der Welt Lohn," M/, bittert,„es kann mich nicht überraschen, daß ich „Sie haben keine Ursache, sich über Undank zu beklagen," fiel Rabe ihr barsch in« Wort, 1» halten, was ich Ihnen versprach, und mehr zu f � Sie nicht berechtigt. Ich werde heute oder besuchen, und gefällt mir Ihr zukünftiger Sch gien mcht, dann, da« sage ich Ihne« voraus, erhai, gt». die Aussteuer keine» Pfennig von mir. klod. fuhr er fort, als Frau Siebel schon im Beartssc' � Thür« zu öffne»,„ich habe schon damals 3%#,� mi) hier aufzusuchen, Sie nöthigen mich, dtest» wiederholen!" Niemand weiß ja, weshalb ich komme. „D" ist«och m Alles aus. ,..---- Sie mir etwa« mttzuihetle-. �t, Sie mtt schreiben, ich werde dann, wenn«s meine» Habe» Und nun Adieu, MadameT Ihne« komme«. I.______„ Die kleine Frau war ganz verwirrt, � ganz ander« gekommen, als sie erwartet hatte.. ßnw „Adieu,"«widerte sie mechanisch, und a " aufblickte, konnte sie«u» Gutsbesitzer aufblickte, sonnte'' sie steigert wurde. Vi zu#9 hks hit'I ' neue" sollt« W. önitfA«» Der M itschrn RÄ erhallt« M -chutzz-N cn entM kanten% eitert» czeugni«'] m immn» ht es WZ >er Fabch/ ! aufflefw Holland. Amsterdam, 9. November. Heute begaben sich einige mnvert Arbeiter, welche angeblich von den Sozialdemo- »raten zusammenberufen waren, in geschlossener Ordnung ium Bürgermeister, um Arbeit zu fordern, wie dies in letzter detl bereits wiederholt durch kleinere Arbettergruppen geschehen t°ar. Dieselben fanden jedoch die Gitter dcS Stadthauses ge« nvloffcn: von einem Polizeikommiffar wurde ihnen eröffnet, der Bürgermeister die Deputationen nickt empfangen --- V»V*•*«**»V.IV«*«»»V»»»««.ff| rotttde so lange dieselben ihre Forderungen in Form von «mnilidjtn Demonstrationen vorbrächten. In Folge dieser V-i aar:___________ IT__ w.1__ W;. ar_c._ix____.1 IIIIII»-] tee'J c«m baH -i:.••••Mfvti �cmuuruuiumtu uuvu.uu�icu. ajii?)vtu» «Setgetung des Bürgermeisters entsandten die Arberter zwei �utiite, welche um Gehör baten. Der Bürgermeister lehnte % Rückstcht auf eine stattfindende Sitzung den Empfang ab. Deputitten wandten sich deshalb schriftlich an den Bürger- »41? und baten für morgen um Gehör. Da die vor dem «athhauz versammelte Menschenmenge stch nur langsam ent- so wurde dieselbe durch die Polizei zerstreut. Seitens ?? Behörden find für heute Abend besondere Vorfichtsmaß- regeln getroffen. Frankreich. „. jMt Erwartung, daß der wegen des Attentats auf Freycinet rAaftete Marcotti demnächst in Freiheit gesetzt werden würde, M fich nicht; im Gegentheil hat drc Untersuchung eine t- Marcotti ungünstige Wendung genommen. Der„Corr. %*•, Zufolge hat es stch herausgestellr, daß Marcotti seinen vicht, wie er behauptete, dodenwärts gerichtet, sondern mtl m Kutsche des Ministers gezielt hat. Außerdem hat man , u Gewißheit erfahren, daß er mit seiner Tochter k-ineswegs imal vf" Einverständniß gelebt hatte. Man hat einen Brief �nndrg gemacht, den Marcottts Tochter an die Superiorin %% Klosters geschrieben hat und worin dieselbe fich über die �'gzandlungen von Seiten ihres Vaters beklagt und um eine als Köchin einkommt. Rumänien. ij An welcher RückfichtSlostgkeit die rumänische Regierung s»�. Ausweisung von 9 Journalisten aus Rumänien vcr- C S»st. geht unter Anderem auch daraus hervor, daß unter " ilfts« SW<§«•* STD/»*»*(lb� -i'» ♦•HVV4.VM» WWW#- Ausgewiesenen fich ,.«. ein Mann befindet, welcher, . W von seiner Thätigkeit als Mitredaktcur der regierungs- �undlichen„Bukarester freien Presse", auch als Reporter für Nrne dem Ministerium Bratiano günstig gefinnte Organe �Auslandspresse thätig war. Er und sechs semer Schicksals. Ue» find nach Rumänien zuständig und kennen außer Ru- ?»»» kein anderes Vaterland. Wohin sollen diese fich nun Men? Einer von den Ausgeiviesenen rst hollandischer ÄMHan. während ein zweiter das österreichische Staatsbürger- ** besitzt. �Alr Dänemark. "'iottf»! ZstKand, das mit sehr wenigen Ausnahmen nur oppo- h«™kflEOibnete zum Folkething entsendet, find Nachttch- welche den dort in der Bevölkerung Herr-' ttuft-®e»st bekunden. In Heining im Amte Ringkjöding lag, träfe tD't,�r»Voss. Ztg." geschrieben wird— am Sonn- !?lflunn« Ordonnanzen und trotz drohmder Ver« "» Mitgliedern der östlichen Schützenvereine eine »»an en.„.»»»»»»»'g abgehalten, um zu sehen, über welche Stärke bofe bJ ni lu diesem Kreise verfügen könne. In dem Gast« Mnn» waren fast alle eingeschriebenen Schützen, 200 bewaffnet� erschienen. Gegen den U UvU/Usllivif VfcfU# vyvjjv.» Mf»,. wvldln"� und den Kasstrer des Vereins ist Anklage erhoben dieselben nach der Verwerfung des provisorischen übuna.fe �� durch das Follething ,u den regelmäßigen Schieß- vut,u� vuxj � uiitiwiuy nu vv»i fitfttjt"�geladen hatten. Die Uebungen find indessen aus- liegt. �ben. bis ein Unheil des Gerichts in der Sache �vor- 2!$?� „Nielsen Bor stand. ffen m—"• berichtete über die ungesetzliche Anklage 4 � ihr �oistand. Durch eine einstimmige Aeußerung und ?der hj.-?»waffnctes Erscheinen am Sammelplätze wünschten . Nechf� den zu konstatiren, daß fie den Willen hätten, i»a Ourrbiirfi(f,r.n Rechtsanwalt Weil empfahl ein ruhi- ng wurde dann fol- der Schießbahn zu zur Uebung »es qtZ»urchzuführen. Rechtsanwalt Weil e Sende-ft.sUlschiedeneS Auftreten. Einstimmig ?»»»!«» ,Kon angenommen:„Die in de: � angenommen:„Die tn ver w Z.schießen?? zweihundert Schützen find ..lediw,..°en bernt, in der Ueberzeugung, daß fie zur des Schießens vollkommenes Recht Ä*— IS*-t— »hh�usnahme auf haben. die Das Koips gemeinschaftliche will aber demokratische MMZMZM- Ntiltel, urin wozu die Versammlung ihre kräftigste Unter- Schützend Ttf'°�Anord�ung°dn Pollztt? nach' 'Z bewirthet' �venhagen, 8. November. Mit dem heute nach Island M itK W »och � r ae» fes Sjct" alt«, S-ch« � vlä? «!« Ei« Verschollener. leb, 7'° Drohungen Rabe'S hatte« Frau Siebel kaum so Tglt�'Seregt, wie die Erinnerung an den verschollenen daß ver Verschollene zurückkehren und ,...._____ könne, hatte schon seit Wochen drückend lach, r, Seele gelegen; es war eine Ahnung, deren Ur- l�bst sich nicht erklären konnte, eine dunkle, bange Ww®' die wohl au» den so plötzlich wieder lebendig ge- sei, ��Erinnerungen an den Trunkenbold hervorgegangen ließep sich diese Erinnerungen ja nicht verwischen, id vj-, f»e zu lauge mit dem Manne zusammen gelebt, sie--lübe« und Bittere« an seiner Seite erfahren, �"scht hätte* ni�t l)er0e�tn' � �hr fie selbst es auch ge« Üeite ifo.'i1? Rechter hatte fie«ur selten über diese dunkelste � S%be«« gesprochen, wozu auch sollte sie die heitere % nut§.de« Kinde« durch diese Erinnerungen ttüben, die dst»ßte» Verachtung und Abscheu gegen de» Vater einflößen �ite viel darum gegeben, wenn ihr seine Tode« trieb-«.zugekommen wäre,-sie würde dann ihre Ruhe jüttr*, gefunden haben. Mußte sie doch jetzt in steter s° wc.«& iöesorgniß schweben, denn kehrte er wirklich zurück, il e��sie, so sauge st, noch etwa» besaß, verpflichtet, ihn ATF '# ö'el Unrtt5le bedanken verbanne», e« war ja»och »RÄWWSN—' da« alte trübe wenn sie»ur an Lebe« wieder, die Möglichkeit .«m,— �-wcMicgx oaraus gerechnet, daß Rabe d'illia?? füllen und da» Geld für die Aussteuer ihr be- '»it w J®****- Sie hatte dabei auf Geheimnisie gepocht, Enthüllu»«--'' - upY� fc w,—— whj vyc�vmmiic v,,?. Enthüllung fie drohen zu können glaubte. �ch' s.�.'" diesen Voraussetzungen so btti �MWund .» auen vrefen Voraussetzungen so bttter sich »s- sihen! seinem eigene« Beliebe« hatte er e« abhängig ge- ' 0d w ihr erne kleine Summe schenken wollte; da« expedirten Postdampfer hat der Justizminister Nellemann eine Kundgebung nach der Insel gelangen lassen, daß die vom Althinge(auf Island) vorgenommene Verfassungsreviston die königliche Sanktion nicht erhalten habe; gleichzeitig wird den Isländern bedeutet, daß fie auch künftta fich aller Wünsche in der fraglichen Richtung zu enthalten haben. Kopenhagen 3. November. Auf einem gestern Abend zu Ehren des Mmisterpräfidenten Estrup von dem hiesigen Wähler- und Ardeiterverein(?) der Rechten veranstalteten Banquet, welchem sämmtliche Minister beiwohnten, sagte Estrup in seiner Rede, vas Ministerium wolle, wie die Partei der Rechten, das konstitutionelle Königthum, den fteien König über dem freien Volke, entsprechend der Verfassung, ausrechthalten. Er hoffe, der gegenwärtige Kampf werde bald aufhören und die DiS- kufston zu einer Verständigung in Betreff der großes Legislatur- arbeiten führen.— Der Herr Estrup muß einen eigenthümlichen Begriff von der„Freiheit" haben! G r o h b r i t a«« i e«. Bei den bevorstehenden englischen Wahlen werden einige zwanzig Arbeiterkandidaten aufgestellt. Reine S o- zialdemokraten find von diesen Kandidaten allerdings nur zwei, Burns und Parker, die von der„Sozialdemokra- tischen Föderation" in Nottingham und Hacknay aufgestellt find. In einem Londoner Stadtviertel kandidirt als sozialisti- sche Kandidatin Fräulein Helene Taylor, die Stieftochter des bekannten Nationalökonomen Johns Stuart Mill. Natür- lich würde ihre Wahl kasstrt werden, wenn fie überhaupt mög- lich wäre. Amerika. In Brasilien scheinen fich gewaltsame Konflikte vorzu- bereiten. Der Kaiser, lange Zeit liberalen Ideen folgend, hat neuerdings ein reaktionäres Regiment eingeführt. In Folge dessen tritt die Opposition in der Volksvertretung sehr scharf auf. Die„Germania" berichtet darüber: Sr. Joaqutn Nabuco, Abgeordneter für Pernambuco, äußerte fich, unter dem tobenden Beifall der Galerien, also: „Zivei Einrichtungen haben sich in Brasilien zusammen- gethan, um jegliche Unabhängigkett und Freiheit zu vernichten: die Monarchie und die Sklaverei. Der Kaiser und die De- mokratie find unversöhnbar geworden. Der Herrscher hat bei allen seinen Geschäften der Sache der Freiheit keinen Äugen- blick gewidmet." Diesen Erguß, der an Kräftigkeit nichts zu wünschen übrig läßt, übertrumpft noch der Senator Silveira Mar- tins, Vertreter der Provinz Rio Grande do Eul, durch folgendes: „Was ist dieses Land von 300000 Quadratmeilen und zwölf Millionen Bewohnern? Wie ist es regiert? Durch die Laune eines alten Mannes, der durch die Jahre schon ver» braucht ist und an seiner Intelligenz Schaden gelitten hat. Wa« find wir? Eine miserable Schafheerde.(Munen im Hause und auf den Galerien.) Ich spreche mit voller Offenherzigkeit, denn ich habe keine ehrgeizigen Wünsche zu realiflren und als Politiker will ich daS öffentliche Beste; da« ist meine Sache. Wenn der Arme, ver Soldat verpflichtet ist, sein Leben für das Vaterland auf den Schlachtfeldern dahin- zugeben, warum sollen die Senatoren dem Vaterlande nicht das Opfer bringen, die Wahrheit zu sagen, wenn fie wiffen, daß die Lage eine schlechte ist? Die Art, wie die Konservativen zur Regierung gelangt find, beweist, daß die radikale Verän- derung, welche rn diesem Lande gemacht werden muß, nicht der Wechsel der Parteien sein muß. die Menschen bleiben dieselben; der Wechsel muß mit dem Kaiser stattfinden.(Proteste, Bei- fall, lautes Murren und große Aufregung auf den Gallerten und im Hause.)— Prästdent Baepenoy: Der edle Senator kann auf diesem Gebiete nicht fortfahren. Ich bin zu dieser Bemerkung genöthigt.— Silveira Martins: Die langen Regierungen ermüden. Wenn die Regierung ein Lebensalter dauert, so ist das für das Volk ein Unglück, denn daS Volk schreitet kräftig fort, das menschliche Gehirn aber nutzt fich ab und wird mit jedem Tage schwächer. Um die Nation zu retten, muß der Herrscher gewechselt werden, denn deS jetzigen Verstand ist rn jeder Beziehung unfähig!" Das Zcntrumsdlatt bewerft zu diesen Mittheilungen u. A.: Im brafilianischen Parlamente find starke Ausdrücke nichts Ungewöhnliches. Derattige Angriffe gegen die Person des Kaisers aber sind doch unerhört; Joaquin Nabuco hat auS seiner antimonarchischen Gefinnung kern Hehl gemacht und offen die Herstellung einer Föderativ-Republil befürwortet. Diese Gedanken theilen eine große Zahl selbst der hohen Beamten des Staates. Lokales. -migiMii ericht hervor, daß der Gewinn aus den Ammoniakwäffern um klang ganz so, als ob sie um ein Almosen gebettelt hätte, während sie doch glaubte, zu dieser Forderung berechtigt zu sein. Und sie hatte dem Brautpaare mtt Sicherheit ver- sprachen, für das«öthige Geld zu sorgen, sie mußte diese« Versprechen einlösen. Zn gedrückter sorgenvoller Stimmung trat fie in da« Hau« de« Antiquars;' sie wollte schon die Treppe hinauf- steige«, al« eine Thür geöffnet wurde, und Zakob Hoch- muth. die blaue Küchcnschürze vorgebunden und den Koch- löffel in der Hand, ihr den Weg versperrte. „Ein Wort, Madame," sagte er ,n seiner rauhen, derben Weise,„nicht« für ungut, e« sind Dinge vorgefallen, über die ich mtt Euch spreche« muß." Frau Siebel trat in die halbdunkle Küche, der Antiquar zeigte auf einen Stuhl und ttat an den Kochtopf, in dcm er langsam rührte. „Erbsen mtt Speck I" fuhr er fort.„Wollt Zhr mit- <�en Izch danke," erwiderte die kleine Frau, deren Blick mit fieberhafter Spannung auf ihm ruhte.„Was haben Sie mir zu sagen?" „Seid Ihr verheirathet? Frau Siebel erschrak. �lte'„UBb was bewegt Sie zu dieser Frage?" erwiderte die kleine ��%�%chher erfahre». Seid Ihr von Eurem Manne gerichtlich geschieden?" 38 199 M. gegen den Voranschlag zurückgeblieben ist. E« wird dies damit motivitt, daß man den Abnehmern der Ammoniak« wässer(erstrre find noch mehrere Jahre durch Verträge gebun» den) habe entgegenkommen müssen, weil der Preis für Ammo» n:akpräparate zurückgegangen. Weshalb das der Magistrat muß, ist allerdings nicht gesagt. Als seiner Zeit die Pachtoer» träge mit den Unternehmern, die viele Jahre sehr ansehnliche Gewinne aus den Ammoniakwässem gezogen haben, verlängert werden sollten, konnte kaum Jemand ernstlich daran denken, in Konkurrenz mit diesen Pächtern Gebote auf das Ammoniak» waffcr abzugeben, weil der Magistrat mit Recht fich sagte, es sei am besten, wenn die bisherigen Pächter auch fernerbin Ab- nehmer blieben, weil dieselben die beste Eicherhett böten, den Verttag auch zu halten, und zwar einmal ihrer Kapitalkraft und zum andern ibres sonstigen Renommees wegen. Wa« ge» schieht aber jetzt? Der Preis der Ammoniakpräparate ist wesent- lich zurückgegangen und selbstverständlich möchten die Pächter sehr gern von ihren Verttägen entbunden sein. Das mag und kann nun der Magistrat nicht, aber er sagt, er muß den Päch- tern entgegenkommen und thut dies mit 38 199 M. Ist da« nicht eine wesentliche Modiflzirung des Vertrags? Wenn der umgekehrte Fall eingetreten wäre? und die Preise der Ammo« niakpräparate wären wesentlich gestiegen und der Magistrat wäre zu den Pächtern gekommen und hätte gesagt, ich habe mich getäuscht, ich habe nicht vorausgesehen, daß ihr so viel Geld verdienen würdet, nun seid einmal so gut und gebt un« deshalb etwa 38 199 M. mehr Pacht,— was hätten vre Herren Pächter wohl gesagt? Keinen Pfennig hatten sie selbstverständ» lich herausgegeben, geschweige denn 38199 M. Und das mit Recht. Ich hätte es auch nicht gethan, denn wozu macht man denn Verträge? Aber weshalb handelt der Magistrat anders und vermindert die Einnahmen der Stadt zu Gunsten zweier noto- risch sehr reicher Firmen, ohne daß er nachweist, er mußte dies thun auf Grund der abgeschlossenen Verträge? Es wäre gewiß angezeigt, wenn einer der Herren Stadtverordneten den Ma» gijtrat veranlaßte, fich näher über die Sache auszulassen." Ein Kommentar würde das Gesagte nur abschwächen. Ueber die unqualifizirbare Neugierde de« Publi- kums bei Leichenbegängnissen macht der Feuilletonist der ,,VolkS-Ztg." folgende treffende Bemerkungen:„Heilig mag die Stunde sein, wo ein junges Paar zum Altar tritt, aber heiliger als Alles find die Trauer und der Schmerz, und nichts ist widerwärtiger nnd empörender, als fie zum Gegenstande blödesten Gaffens gemacht zu sehen. Wer jemals mit tiefem und ehrlichem Herzensanthcil hinter einem Sarge geschritten ist, wird das mit herber Bitterkeit empfunden haben. Es ist eine Entweihung der emstesten Stunde, die das menschliche Leben in fich schließt. Wir reden nicht von den großen osfi» ziellen Trauergeprängen, die nichts find und sein sollen, als Schaustellungen anderer Art, wir reden von den schlichten Be- gräbniffm der Bürger, der Arbeiter, des Volkes. Kaum ist der Leichenwagen vor der Thür vorgefahren, so bleiben die Paffanten stehen und mustem die Fenster, die alten Weiber aus der Nachbarschaft verlegen ihre schwatzende Thätigkett vor die Schwelle des Trauerhauses, Dienstmädchen mit Kindern auf dem Arme bilden Spalier und die löbliche Etraßenjugend tobt johlend umher. Nach und nach öffnen fich sämmtliche Fenster der benachbarten Häuser und hinter jedem Blumen« topf erscheint, wie es im Liede heißt, ein Kopf, der mit un- verwandter Spannung nach der betreffenden Thür schaut und nicht eher zurückgezogen wird, als bis Sarg find Leichenwagen und Trauergefolge den Blicken entschwunden find. Damit ist denn die Tyeilnahme an dem Trauerfalle erschöpft und die Zungen der liebenswürdigen Nabarinnen wenden stch inter- essanteren Gegenständen zu. DaS ist ein Schauspiel, welches wir nicht nur in den kleinen Städten der Provinz, sondem in den Straßen Berlins fast täglich beobachten können, und wir wollen die Stunde segnen, wo jedes Begräbniß von der Leichenhalle der Kirchhöfe aus erfolgen wird. Auch hier ist zwar die Anwesenheit der Gaffer nicht ganz zu vermeiden, aber fie macht sich nicht so aufdringlich geltend. Wer inzwischen zur Abstellung dieser widrigen, im tiefsten Grunde auf Mangel an Herzensbildung beruhenden Un» fitte etwas beittagen kann, mag es thun; die Einwlrkuna auf die Familie, der Appell an das Gefühl sind hier die Hauptsache." Giftige Miesmuscheln. Der in Wilhelmshaven Mitte vorigen Monats vorgekommene Fall von Vergiftung durch Miesmuscheln giebt dem Oberfischmeister Dalmer in Flensburg Veranlassung zu nachfolgender Erklärung:„In fast allen Zeitungen hat eS gestanden und es ist wahr: In Wilhelm- Häven find mehre Personen in Folge Genießens von Mies» muscheln gestorben und eine Anzahl anderer erkrankt. Diese Schrecken skunde hat zur Folge gehabt, daß augenblicklich da« r«•» p j r it«_„>._' Von allen Sellen"laufen an die ...........» ein, was großen Schaden im Geschäft bedeutet und lerder auch den Muschelhändlern und Muschelfischern das Brod für den Winter wegnimmt. Sehen wir uns den Fall in Wilhelmshaven an: Alle vergifteten Per- sonen find zu gleicher Zeit erkrankl und zwar alle durch den Genuß von Muscheln, welche von dem Boden desselben Schiffs- -____------ i. I'< Jahren erlebt und durchgemacht habe. Zeder sollte sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, und sie thäten besser, wenn Sie, statt über andere Leute nachzudenken, auf die Rattenjagd gehen wollten." „Da« muß ma» kennen," erwiderte der Antiqar ge- lassen,„jede« Thierchen hat sein Pläsirchen, Euer Man« scheint'« auch zu haben." „Mein Mann?" kleine Frau sah ihn bestürzt an. War ihr« Ahnung schon eingetroffen?., „Sie kenne« ihn ja gar nicht," sagte sie mtt zitternder Stimme,„er ist vor zehn Zahre» ausgewandert." „Wohin?" „Nach Holland." „Und seitdem habt Zhr mcht« mehr von ihm ge» sehen?" „Nein,«ei«, wa« wisse» Sie von ihm?". „Nichts für ungut, er isi wieder da!" „Wo?" fragte Frau Siebel entsetzt. .Still, ich Hab' mir'« gedacht, daß er nicht wie der verlorene Sohn aufgenommen würde, das muß man kennen. Oder wollen Sie ihm ein Kalb schlachten?" „Haben Sie ihn gesehe»? Wo ist er? Wie sah er aui?" „Na, Zhr werdet'« ja selbst sehen," erwiderte Zakob Hochmuth.„Zch glaube nicht, daß ihm Jemand ei» Almosen geben würde, der ihm zwischen Tag und Dunkel begegnet. Welche Profession hat er?" „Zimmermann." „Hab' mir'« gedacht, das muß man kenne«; Zimmerleute und Maurer haben die Nase immer über der Bräunt» Weinflasche. Madame, Zhr hättet ihm da« erste Mal fünfund» zwanzig aufzählen sollen, das wäre gescheidt gewesen." Frau Siebel schüttelte tief aufseufzend da« Haupt, ihr fieberhast glühender Blick hing unverwandt an de« Lippen de« Antiquar», der jetzt mtt sichtbarem Behage» seine Suppe kostete und darauf da« Feuer schürte. (Fortsetzung folgt.) vrahmS eninotnmen find. Hieraus erhellt. daf> der Fall nur ein Ran; lokaler ist. Die Erkrankten find alle Arbeiter, woraus zu schließen ist, daß der Genuß von in Wilhelmshaven gewachsenen Muscheln daselbst nur bei der ärmeren Bevölkerung in Gebrauch sein dürste.(Natürlich, denn reiche Leute werden wahrscheinlich etwas befferes haben!) DaS Wattenmeer der Nordsee, wozu ja auch die Jade zu rechnen ist, enthält diese Miesmuscheln in ganz unermeßlicher Anzahl, die, für jedes Fahrzeug zugänglich, ganz außerordentlich leicht zu gewinnen wären. Dennoch wird diese Muschel der Nordsee meines Wissens an den deutschen Küsten nicht betriebS- und erwerbsmäßig gewonnen, ist auch meines Wissens lein Handels> Artikel und wird nur ganz lokal, keineswegs allgemein, von der ärmeren Bevölkerung gelegent- lich verzckrt, während von der Ostküste Schleswig> Holsteins ein recht schwungvoller Handel mit Miesmuscheln nach allen großen und vielen kleinen Städten Deutschlands betrieben wird. Das hat folgenden Grund: Die größeren deutschen Ströme, welche der Nordsee zufließen, find, wie andere Ströme auch, in fortwährender Deltabildung begriffen, d. h. sie führen ftste Schwemmpartikelchen dem Meere zu, welche fich vor der Mündung ablagern und zuletzt Marschland bilden. Diese Schwemmtheilchen werden, ehe fie zu Boden finken, von den Tideströmungen hin« und hergeführt, welche Strömungen auch bei Seegana den Grund der Wösten vielfach aufrühren, so daß das Wattenmeer eigenstich niemals ein recht blankes Waffer darstellt, jedenfalls lange nicht so blank, klar und rein. wie das der Hohen See oder des Ostseestrandes an der schleS- wig.holsteinischen Ostseeküste, wo weder große Strommündun» gen vorhanden find, noch Ebbe und Fluch herrschen. Die Miesmuschel aber hat für wohlerzogene Geschmacksorgane nur Werth, wenn fie reinem, klarem Waffer entstammt. Daher der lebhafte Betrieb unserer schleswig-holsteinischen Ostküsten- muscheln. Man sagt, im Sommer sollen viele Muscheln giftig sein, und es ist wahrscheinlich, daß in manchem Sommer ein- zelne VeraistungSerscheinungen zu konstatiren gewesen sein werdcn. ES mag diese Ergenschast der Muscheln von ge- wissen Nahmngssubstauzen oder NahrungSorganismen veranlaßt sein. Ader im Sommer werden ja Niemand Muscheln angeboten. Wer fie im Sommer ißt, der hat fie selbst gepflückt und tragt die etwaige Schuld ganz allein. Im Winter dagegen ist meines Wissens noch kein Ver- giftungsiall in Folge GcnicßenS unserer schleswig-holsteinischen Ostseemuscheln festzustellen gewesen. Im Winter allein, d. h. in der kästen Jahreszeit, giebt es einen Handel mir Muscheln. Auch die wenig schmackhaften Muscheln auS drm Wattenmeer werden im Wmter schwerlich giftig sein können. Wie geht es nun zu, daß die Muscheln von dem Prahm zu Wilhelmshaven giftig waren? Metallihefle waren nicht am Schiffsboden, die man als Ursache ansehen könnte. Neuerdings wird gesagt, daß der Prahm gebraucht worden sei, um Fäkalstoffe aufzunehmen und fortzubrmgen. Wer mag sich noch da übcr die Giftigkeit der anhaftenden Muscheln wundern? Wo in der Nähe von an Pfählen, Bollwerken, Fahrzeugen rc. hastenden Muscheln Fabrikausflüsse, Fäkalien oder anderer Unrath dem Meere zu- fließt, wie das ja in verkehrreichcn Häfen gar häufig zu finden ist, da werden auch giftige Muscheln vorkommen können, aber nur ganz unvernünftige Menschen werden von solchen Stellen entnommene Muscheln genießen, und niemals dürfte eS Händlern einfallen, solche Muscheln zu kaufen und in Verkehr zu bringen. Die Händler würden fich ja selbst um ihren Geschäfts- ruf bringen. Man kann demnach mit viel größerer Zuversicht Muscheln effen, welche von Händlern, insbesondere von solchen unserer schleswig-holsteinischen Ostseeküste bezogen find, als Schweinefleisch oder Wurst genießen; denn Trichinose und Wurstgift treten ganz ungleich viel häufiger auf als Muschel- Vergiftungen. Man ißt dämm doch Schweinefleisch und Wurst nach wie vor. Bei der Muschel ist die Gefahr bei weitem Seringer, ja, bei Handelsmuscheln so gut wie ausgeschlossen. iinzelne östliche Vergiftungsfälle können bei jedem NahmngS- mittel umkommen, aber Niemand gewöhnt fich darum das Essen ganz ad." Die Sternschnuppe« am 18. und 14. und am 24. biS 26. November. In den Nächten vom 11 bis 14. November, besonders aber in der Nacht vom 13. auf den 14. wird fich daS Schauspiel einer größeren Anzahl von Sternschnuppen darbieten. Tie meisten kommen auS dem Sternbilde des Eoßen Löwen, und da dieses erst gegen Mittemacht aufgeht, wird die Erscheinung hauptsächlich in der zweiten Hälfte der icht eintreten. Das Austrsten der Novemdermeteore läßt fich viele Jahrhunderte hindurch in den Annalen der Völker ver- folgen; fie werden in den Chroniken geschildest als feurige Lanzen, die über den Himmel hinwegfahren, oder als Feuer- »eichen kämpfender Heere. Genauere Untersuchungen ergaben, daß diese Meteore jedoch nicht in jedem Jahre gleich häufig erscheinen, sondem daß die Hauptschauer nach Ablauf von je 33'/« Jahren austreten. Die prachtvollsten Erscheinungen dieser Art ereigneten fick am 12. November 1799, an demselben Tage des JahreS 1833 und zuletzt in der Nacht vom 13. zum 14 November 1866. Bei diesem letzten Auftreten ist die Er- scheinung eingehend beobachtet worden und eS hat fich ergeben. da« zur Zeit des Maximum« in 10 Minuten mehr als 15 000 Meteore am ganzen Himmel über einem BeobacktungSoste in Norddeutschland aufleuchteten. Wenn man hieraus auf die Zahl der Sternschruppen schließt, die damals über der ganzen Erdobei fläche in die Atmosphäre eintraten, so kommt man auf weit über 100 Millionen Meteore. Man kann also wobl von einem Stemschnuppenregen sprechm, darf aber nicht wähnen, die Stemschnuppen zögen so dicht gedrängt durch den Raum dahin wie etwa unsere Schneeflocken. Denn dieselben Beobachtungen und Untersuchungen, welche jene große Anzahl der Meteore kennen lehsten, zeigen auch, daß der durchschnitt- licke Abstand der einzelnen Stemschnuppen von einander, zur fteit als fie am dichtesten fielen, noch über 14 Meilen betrug, «o va» selbst damals in einem Räume von je 3000 Kubit- «r'SSÄX: --— � M<»». I-- tzoqnen t w, i w__ mm in dieser Bahn der Sonne ms aus io awtuunw»..... fernen fich aber auch von ihr bis auf 390 Millionen Mellen In diesem entfemtesten Tbeile ihres Laufes kommen fie dem Planeten Uranus zu gewissm Zeitm ziemlich nahe, und dies hat Leverrier in Paris veranlaßt, genauer die Einwirkung zu untersuchen, welche jener Planet auf den Stemschnuppen- schwärm ausüben kann. Zunächst bemertte er, daß die No- vember-Meteore, astronomisch gesprochen, noch eine sebr jugend- liche Erscheinung sein müssen. Denn wenn sie an Alter etwa den Planeten vergleichbar wärm, so müßten die einzelnen Meteore, derm Geschwindigkeit doch nicht ganz gleich ist, fich längst über die ganze Bahn vertheilt haben, während bis jetzt thalsächlich nur einer oder einige Puntte dieser Bahn dicht mit Meteoren besetzt erscheinen. Leverrier kam zu dem Schlüsse, daß der Nooembestchwarm unserem Sonnensystem auS den Tiefen des Weltraumes zuging und bei dieser Gelegenhett durch die Anziehung der großen Planeten in die Babn gewostm wurde, die er gegenwärtig oeschreidl. Im Jahre 126 unserer Zeit- rechnung näherte sich der Schwann dem Planetm Uranus so sehr, daß hauptsächlich dieser ifrn am Zurückgehen in den Weltraum verhindeste. Auch Schiaparrlli erblickt in diesem Schwann eine Ast Eroberung unseres Planctmsy'tems, dock schreibt er den Haupteinfluß den Planeten Jupiter und Saturn zu. Merkwürdig ist nun, daß sich in der gleichm Bahn mit dem Stemschnupvmschwarm auch ein Komet bewegt, nämlich der erste von 1866, und damit hat fich eine Verwandtschaft zmischm diesen beidm Klassm von Himmelskörpem heraus- gestellt, deren nähere Erforschung Aufgabe der Zukunft ist. Nach neueren Untersuchungen von Krrkwood ist es wahr- scheinlich, daß auf der in Rede stehenden Sternschnuppenbahn außer der Hauptmeteoi wölke noch zwei andere Anhäufungen vorhanden find. Mit der dichtesten Wolle dieser Meteore wird die Erde in den Jahren 1899 bis 1901 zusammentreffen und es wird fich dabei daS Schauspiel von 1866 wiederholen. Die beiden anderen Gmpven, welche jedoch viel weniger reich an Meteoren find, sollen nach Kirkwood der Erde in den Jahren 1886 biS 1889 und 1912 bis 1915 begegnen. Die erste dieser zwei Gmppm nähest fich also gegmwärtig der Erdbahn mehr und mehr, und vielleicht er- scheinen bereits am 13. und 14. November d. I. die Vorpostm des Schwarmes. In den Nächten vom 24. bis 26. November wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch ein anderer, sehr merk- würdiger Meteorschwarm erscheinen, und zwar wird der Strahlungspunkt dieser Meteore nahe bei dem Stern y in der Ändromeda liegen. Diese Sternschnuppm stehen in enger Be- ziehung zu dem verloren gegangenen Biela'schen Kometen, ja, fie werden von einigen Astronomen geradezu als die Trümmer dieses Kometen betrachtet. Nach der Meinung des ausge zeichneten Beobachters Denning in Bristol sollen sogar im Szenwästigen Jahre die Sicktbarkeitsverhättnisse dieses Stern- nuppenschwarmes noch günstiger sein, als gelegentlich der großastigen Erscheinung von 1872. Indessen läßt fich mit Gewißheit nichts hierüber voraussagen, weil es möglich ist, daß die Erde, als fie im Jahre 1872 dm Schwärm durchschnitt, die Bahn deffeldm völlig umgestaltet hat. Darüber werden nun die Beobachtungen im letzten Drittel des gegen« wästigen Monats Aufschluß geben.(K. Z.) r. Ein Gänsekauf. In dem Stadttheil Gesundbrunnen wohnt ein sehr bekannter Amtier und ehemaliger Bäckermeister mit seiner ebenso bekannten Gattin. Die starke Neigung des Meisters zum Kneipen wird sehr wohlthätig gehemmt durch ein sanftes Pantoffelregiment der Frau Meisterin und wenn so ein kleines häusliches Donnerwetter die beiderseitige Tem- peratur stark abgekühlt hat, dann beginnt der Meister eineUn- terhaltung mit seiner Gatttn, wobcr er jedem Hauptwoste die bekannte Berliner Verkleinerunaifilbe anhängt, wodurch seine Aeußerungen einm unwiderstehlich einschmeichelnden Charafter erhaltm.„Mutterken, ick hätte en Jelüsteken, uns en Jänse- ken in Rummelsburg zu kosen/' begann unser Vleister am Sonnabmd zu seiner Frau; einige Bedenken, welche diese gegen die Zweckmäßigkeit deö Projektes batte, wußte ihr Gatte mit einigen weiteren gut angebrachten„Btutte.kenS" ,u widerlegen und bald wanderte er nach Bahnhof Gesundbrunnen, wohin ihm das Mädchen bereits einm mächtigen Markttord er den demnächstigen Gänsstransport voraufgetragen hatte. uf dem Nordring gings nach Rummelsburg und bald guckte der lange Hals einer feisten Gans aus dem großen Korbe hi mußte also während der gesetzlichen Schonzeit gewildest W* Ein Gewehr war damals nicht bei ihm gefunden worden, o aber Patronen und Rehposten. Außerdem sollte er zw« brüche, einen beim Gutsbesitzer Elsner bei Bernau und k« in Buckow verübt haben. In der Voruntersuchung W fich zuerst„Hase" und alsdann„Müller" genannt, bis � sein wahrer Name ermittelt worden. In der Zelle benr versucht, fich das Leben zu nehmen, war aber durch W#, kommen eines Aufsehers daran verbinde: t worden. Er damals zu drei Jahren Zuchthaus verustheilt und alsbald � dem Zuckthause in Brandenburg abgefühst. Nachdem«M Monate dost zugebracht, sollte er nach Liebenwalde trans?� werden, um fich wegen eineS früheren Jagdfrevels rar* dortigen Schöffengerichte zu verantworten. Auf der In Wegstrecke mußte der Omnibus benutzt werden. Der porteur setzte fich in das Innere des Wagens und M' Gefangenen, dessen Gefährlichkeit er vielleicht nicht kamsr,. dem Verdeck Platz nehmen. Bei der Ankunft in Lieber� war Adam verschwunden. Als der Wagen durch den j-r fuhr, war nämlich Adam, wie einst Absalon, an den eines Baumes hängen geblieben, und hatte den Wagens fich wegfahren lassen. Nach mehreren Monatcn �®uw< wieder beim Wildern ergriffen; er legte fich aber diesw«, Namen„Albrecht" bei und wurde unter diesem Nawtsi„, man seine Vorst aftn nicht kannte, zu nur 1'/, JabrenGs' niß verustheilt. Au' dem Tranövort nach dem Gefängwi� lang es ihm wieder, die Flucht zu ergreifen. Wieder u? er mehrere Monate die Freiheit genießen, bis er!ürjli«"L Neu-Holländer Forsten bei Oranienburg wieder brim ergriffen wurde. Im Amtsgefängniß zu Oranienburg er anfänglich ziemliche Freihrilen, soweit ein ungstapF Gefangener solche überhaupt genießen kann; als ab« K Vergangenheit und seine wieoerbolte Flucht bekam»' •UVt.H-U-lttllVVU Ulli- itiui uueuuuuut Miuu,» da mauerte man einen Ring in den Fußboden»er d/ und schloß ihn daran fest. Das erbitterte ibn dcrma|P> er den Amtsrichter, ali dieser ihn eines TageS in b« verhören wollte, zu erdrosseln versuchte. Nach bWS wm de er unverzüglich schwer gefesselt an das Law in Berlin eingeliefest. Ob er an dem Mordoersuche Förster Sasse bei Königs- Wusterhausen betheiligt ioifter Sasse bei Königs- Wusterhausen betheiligl's regt nur eine Vermuthung, aber noch kein thatsächw halt vor�_..._______..y g. Die Anwendung de« elektrische« Lichtest» hat biS jetzt nur eine verhältnißmäßig gestnae Ausdetzr fahren. Am Schlüsse des Betriedsjahres 1884 35 der I'' Gasanstalten waren nach der hier gefühsten Konttole � 72 Einrichtungen für elektrische Beleuchtung vorbanr� •*5. v;»p I.W* lud-CJCICU'OJIUIIU i|riuf denen 41 für Bogenlicht und 31 für Glühlicht bcstimwA 25 dieser Anlagen wurden durch Gasmotore, 47 durch�A Maschinen betrieben. Nur bei zwei dieser elektriscbrn tungsanlagcn war die Einrichtung für Gasbeleuchtuli�,� hauptsächlich aber auch als Reserve beim Versagen b< Ä scheu Lichtes benutzt wird. Die elektrische BeleuldU��l» Tdeiles der Leipziger straße und des Potsdamer 36 Siemens'scher Bogenlampen, welche seit dem 1882 eingerichtet ist, hat fich im Allgemeinen atty An 16 Abenden war dieselbe jedoch tHeilS rväh.«�., Brennzeit, theils nur kurze Zett in Folge von 5» der Maschinenanlage außer Betrieb und mußte w« Zeit die vorhandene Gasbeleuchtung in BenutzuWgW� werden. Außerdem wurde die Straße an der S«' sowie diese Brücke selbst mittelst elektrischer Glühio-»�,� hfr iUnAi hfT/nAW rnpWi# fiutQ ruft der ganzen N-cht beleuchtet, welche Lampen Vurw M. Beleuchtungsanlage auf der städtischen GA-., M- Stralauer Platze versorgt werden. Auch ber%«i traten mehrfach Störungen im Betriebe ein. so Gasbeleuchtung zurückgegrrffen werden mußte.... Trichinen im Rattensteisch. Der Rosenkranz in Reinickendorf hatte in den bei ve.jf» Abdeckerei befindlichen Sandbergen, welche von � lich uniennirnri find, eine solche von besonderer gen und daS Fleisch derselben auf Trichinen einem Präparat in Größe einer Linse hat er chinen gründen. � _'—-'-»» w- I 60 71 97 366 93 418 25 991 11501 w"«rvi C-X W a VVI I II �.41 682 88 722 39 834 69 73 92 923 31 54 26 a04 14 96 481 540 (If-o) 118 20 31 «"""« 49 76 79 194. QA 99ft %%,91*™"iiiwli&niäo,«3$%%%� Ä# 49105 69 264 344[120] 456 64 977 89 622[160] 32[160] 71 73 64 977 89 ,7 sl-U §7%74.% ML 147« 826 49 900 6 **!!M8 99972 9799 �90%%% 127 98 291 36 363 11201 6l'90"559 616 64 764 820"77 907 60 � , 3 » Herrn Z" und di ?ie Forderu: heimer Absti ßen nie e vr»°n. die hen, ind *411] eint mime J3Ä0?, 31 I 32 805«?4il6 tli0> 76 Beraatwostlichcr Redakteur K krouhttm M Bertm. D.uck und Vertag von Max vadiug in Besti�? Beuthstraße 2 die i; Ii Hierzu zw« Beilage zum Berliner BolMatt. m. Mittwoch, den 11. November 1883. II. Jahrg. m s \iU m Politische Ueberstcht. »» �t!tn Eugen Richter har es arg verschnupft, daß wir fw und die übrigen Koryphäen des Freisinns beschuldigen, iJ»orderurrg des gleichen und direkten Wahlrechts mit ge- vnmer Abstimmung für den Landtag und die Stadtoertretun- nre ernstlich erhoben zu haben. Das Richter'sche r°n. die„Freis. Ztg.", versucht nun, ihren Palron reinzu. dm, indem sie schreibt: »Das sozialistische„Berliner Volksblatt" sucht den Arbeitern einzureden, die fteistnnige Partei sei aar nicht einmal für das allgemeine direkte Wahlrecht. Im Pro- gramme der fteifinnnigen Partei steht ausdrücklich: »Erhaltung des geheimen allgemeinen gleichen und diretten Wahlrechtes", und im preußischen Landtage hat dre freisinnige Partei darüber, daß sie das gleiche Wahlsystem auch zu den Landtagswablen eingeführt wlssm will, niemals einen Zweifel gelassen. Ader das wird absichtlich verschwiegen. Was die Wahlen zu den Stadtverwaltungen anlangt, so hat über die Verkehrt- hert der öffentlichen Dreiklassenwahlen niemals Meinungsverschiedenheit auf liberaler Seite geherrscht." fchT"»Freis. Ztg." wird die Mohrenwäsche augenscheinlich iSis.i??' � bestätigt hier lediglich, waS wir in unserem V"'1 debauntet hnhen hn6 nnmlifb in dem Vroaramm der »»n oer Erhaltung � Wahlrechts gesprochen wird; cS kann also k* Reichs age geltende Wahlrecht gemeint sein. Von Vünh ykrtfung" dieses Wahlrechtes auch für den Land- K„ vre Stadtvertrrtungen steht in dem Programm doch N- 1 Richter mag sich in der„Freis. Ztg." und hm.��'unmlungen drehen und wenden wie er will, diese der.�vn er durch einige Gelegenheitsphrasen nicht aus le Die letzteren sind ja außerordentlich billig, iL., nen aber auch Niemanden über die Wirklichkeit hinweg- ß�!»ne____ r______________ si»?rn. Und daran wird auch dadurch nichts geändert, daß i]I,% Abgeordneten dieser Partei im Landtage mehrfach für Wahlrechts...erklärt" Haben. Solche Wunsche find so wenig ernft zu nehmen, wie die »etw nk.*?ftTn Richter vor seinem Stammpublikum. Ent- Stob h,i' entweder giebt Heir Richter zu. daß er und sein '"— x,----- cts....«».A, oder aber er Partei das —.... wollen. Im konstatiren sein, daß die freisinnigen Partei, mmerlich feig sind, tov&lyxi'W _*S II II V f U l II V II» I* v M•• V** V....»■w-ww wie jon;®li«lbemofratif(fte Reichstagsfraktion hält— �Ke Si>>,,??chiedknen Blättern mitgetheill wird— am 18. ihre � u tz», sll ab. Auf der Tagesordnung steht das A r b e i t e r« �eränd-��', Es handelt fich um die Frage, ob dasselbe gebracht".resp. mit welchen Modifikationen es wieder ein- ""iureick lieber die Nothwendigkeit, dasselbe sofort ' Nnd alle Abgeordneten der Fraktion einig. Kommunales. für dieSitzung derStadtverordneten- onnerstag, den 12. November er., Nach. —•'~ r rn. r & bj.:— Wahl der Beisitzer und Bcisitzer-Stelloertr Ml.°. �vorstehenden Stadtverordneten� Ergänzungswahlen. kih,%' betr. den Verkauf des zwischen den Grundsiw 80—82 und der neuen Bauflucht der Neul„ "W�tttabe belegenen Terrains.— Desgl., betr. die Ein- Wl gemischten Kommission zur Vorbereitung der Neu- Mitglieder der Bezirkskommisfion für die klasfisizirte �elgLbttr��mchhm�ne�mrm Das Damraliiusirt. (Modern-indischeS Eisenbahnidyll.) Ajax Dribble vom bengalischen Zivildienst war schüchternsten Menschen, die man finden kann. � hieran trug zum Theil sei» eigener Vater, weil er, K'njoh r k" Verehrer HomerS, dem Sohne einen so un- SW'Wichen und durchaus unpassenden Namen gegebe». �ckii,,. st der Verantwortlichkeit für de« jungen Ajax »fttuAn�h�t, inklusive seiner dünne« Beine, mag seine ziq �iama auf dem Gewissen haben. Allein sie hat ihm �nschadigung ei« Paar schmachtender brauner Reh- llp»�11. ouf ine Welt gegeben, wie sie sich in tausend weiblichen Geschlechte höchst wirksam erwiesen Rur schade, daß er ihren sanften Glanz durch ein blauer Brille» empfindlich schädigte. %?i0S betete die Frauen an, aber nur auf Distanz. »dar fu1" weibliche« Wesen eine Konversation zu führen, „ h" schrecklicher als alle Oualen der Hölle. Unter "Xtorfi- llmständen begreift man, daß Mr. Dribble, wiewohl "vib �°st>ndische Mard ihn um seiner schönen Augen willen, aber im Hinblick auf seinen höchst respektablen Ciafir"�ufmunternd anlächelte, da« Leben eine« wahren 8e�ah* eines Tage«, daß fich der Richter von *oiw{e diesem Amte war Mr. Ajax eben ernannt W«J ,"uf dem Perron deS Bahnhofe« in Bombay befand. "> at}K' sich nach seinem neuen Amtssitze zu begeben. k*—. Ct"_. i___ � w l__ t A f____» m MMZM bev o*** herabzog, wobei er mit strengem Blick auf die an H��Rvupeethür angeheftete Tafel wie«, auf der mrt großen irlk" � lesen stand: For Ladies only.?« dem» bim Augenblicke entdeckte Mr. Dribble, der hmter seiner Brille ziemlich kurzsichtig war, daß da« Koupe«, m »d« � er so leichtfertig hatte eindringen wollen, bereits hrfj,[1>n jungen Dame besetzt war, wa« ihn zur hastrpsten uigung seine« Rückzüge« anfeuerte.?n diesem li�Urnte läutete e« zum dritten Male und der Kondukteur « den armen Ajax m da« nächste Koupee desselben Zahlstelle in der Sparkasse.— Zwei Rechnungssachen.— Einige Anstellungssacben.— Vorlage, betr. den Ablauf der Wahlzeit von zwei Rathsmautetmerstern.— Zwei Unter. stützungssachen.— Berichterstattung, betr. den Ablauf der Wahlperiode der Zioil-Mitglicder der beiden Ersatz- Kommisstonen Berlin IA und HA— Vorlagen, betr. den Ablauf der Wahl- zeit eines Bürgerdeputirten bei dem Kuratorium deS Zentral- Viehhofs und von vier Bürgerdeputirten bei der Gewerbe- Deputation.— Um 7 Uhr findet eine gemeinschaftliche Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung statt, behufs der Neuwahl eines Mitgliedes für den Bezirks- Aus- schuß Berlin. w. Die über die Stabilität der Moltke-Brücke seitens der städtischen Bau- Deputation angestellten Untersuchungen haben bekanntlich ergeben, daß die Brücke einem Neubau unter« zogen werden muß, während dessen die Herstellung einer Noth- brücke erforderlich ist. Das Projekt für letztere liegt zur Zeit dem königlichen Polizei- Prästvium zur Herbeiführung der landespolizeilichen Genehmigung vor, nach deren Ettheilung der Magistrat beabsichtigt, sofort mit dem Bau zu beginnen. Dieser Bau wird etwa 77 000 Mark kosten und hat der Magistrat die Abficht, diese Summe bei der Stadtverordneten- Versammlung aus der im Etat pro 1885 86 im Extraordinarium für den beabsichtigten Neubau der Moltke-Brücke vorgesehenen ersten Baurate von 200000 M. zur Verfügung zu stellen. Jokales. Aus Rixdorf schreibt man uns: Auf Requisition der Berliner Polizei fand hierorts am Sonntag eine HauSdurch- suchung nach verbotenen Druckschriften bei dem Schuhmacher Herrn Heufelder statt. Es wurde jedoch nichts Verbotenes ge- sunden. Die Santtätswache und Rettungsstation der südöst» lichen Loutseustadt wurde im Monat Oktober in 170 Fällen zur Hilfeleistung in Anspruch genommen: an inneren Krank- heitsfällen 76, geburtshilfliche 10 und chirurgische 84. In der Wache wurden 100, in den Häusern der Patienten 70 Fälle erledigt. An den Sonntagen kamen in der Zeit von 10 Uhr Vormittags bis 10 Uhr Abends 22 Fälle zur Behandlung, in den Wochentagen in der Zeit von 10 Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags 70 Fälle, während in der Nachtzeit von 10 Uhr Abends vi« 6 Uhr früh 48 Fälle zur Behandlung kamen; die übrigen fielen in der Zeit von 6 Uhr Nachmittags bis 10 Uhr Abends. Diese Erfahrungen haben eine Neuein» theilung de« Wachdienstes nölhig gemacht, infolge dessen von jetzt ab ärztliche Hilfe von 10 Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags und von 7 Uhr Abends bis 6 Uhr früh zur Stelle sein wird. Mit dieser Einrichtung wurde gleichzeitig eine Er- höhung der Gehälter sämmtlicher bei dieser Sanitätswache de- schäftigten Per onen durchgeführt. Tie nunmehr genehmigten Etatuien, die ein Kuratorium von 6 Personen vm schreiben, find zur Vertheilung gekommen. In das Kuratorium wurden S emählt; Herr Polizei-Hauptmann von Etutterbeim zum Vor- tzenden, Herr Hauptmann a. D. Ealbach, Stellvertieter, Herr Fabrikant Riedel zum Rendantm. Ferner die Herren: Geh. Sekretär Hille, Materialien- Verwalter Manger und Fabrikant Christany. Gin todtgeborenes Kind. Am 1. November erschien plötzlich— wie daS Mädchen aus der Fremde— eine„Neue Volkszeitung", Herausgeber Dr. Etöpel.— Die Zeitung sollte sechsmal wöchentlich erscheinen und nur 3 Pf. kosten. Der Inhalt war stark staaissozialistisch gefärbt.— Weder die Haupt- städtische Presse noch daS Publikum haben Notiz von dem billigen Blatte genommen— nach einwöchentlickem Erscheinen ist es am Sonnabend entschlafen. Für wenig Geld kann nichts Ordentliches geboten werden— das sagt sich auch das zeitungs- lesende Publikum. „Auf diesem nicht mehr ungewöhnlichem Wege." Fräulein G.... f war eine Schauspielerin, der eS nicht ge- Irngen wollte, aus den kleinen Rollen herauszukommen. Sie quälte sich recht und schlecht und sah, ohne Engagement, tcost- los einer nicht vielversprechenden Zukunft entgegen. Da las sie— die Sache ist jetzt zwei Jahre her, in der Zeitung eine Waggon«, wo er erschöpft auf den Sitz sank und ein Dankgebet zum Himmel richtete, daß ein gütige« Geschick ihn vor dem zwar nicht beabsichtigten, aber darum nicht minder hassenSwerthen Verbrechen bewahrt hatte, in da« Damenkoupee einer indischen Eisenbahn einzudringen. Nach und nach erholte er sich von dem ausgestandenen Schrecken, brachte seine zahlreichen Koffer, Taschen und Decken in Ordnung und nahm endlich als angenehme Reife« lektüre einen sehr interessanten Kommentar zum indischen Strafgesetz zur Hand. Und so tief versunken war er in diese« lehrreiche Buch, daß er gar nicht bemerkt hatte, daß die Schiebethür zwischen den beide« Koupee« sich infolge EchüttelnS des Wagoon« ein wenig geöffnet hatte. As« er endlich aufsah, traf sei» Auge den halb schelmisch-lächelnden, balb erschreckten Blick einer wahrhaftig recht hübschen junge« Dame, die, eine Reisencvelle in der Hand, im Nachbarkoupee saß und allem Anscheine nach im Zweifel darüber war, wa« sie angesichts der geöffneten Schieberhür unternehmen sollte. Mr. Dribble seinerseits gerieth in die größte Verlegenheit. Die Rothe seiner Haare übertrug sich auf sein Antlitz, und der lieblichen Erscheinung den Rücken kehrend, that er, al« ob er sie gar nicht gesehen, und machte sich eifrigst an seinem Gepäck zu schaffen. Doch der Spitzbube wußte bereit« ganz genau, daß die juege Dame nicht blo» hübsch, sondern auch von wohlproportionirtem Körperbau war, daß Haar» löckche« von prächtigstem Goldblond ihr die Stirne um» schatteten und daß sie eine Jacke von Seehundsleder trug, was in Indien eine ziemliche Seltenheit war. Nach einer Weile wagte er e«, während er sich bückte, um den Schein zu erwecken, als ob er etwa« Fallengelassene« aufheben wollte, von unten herauf eine» Blick hinüber zu werfen und entdeckte dabei, daß die schon halb offen gewesene Thür wieder zugt schoben worden war. Zugleich vernahm er Laute, die auf ein Haar unterdrücktem G. kicher glichen. Ajax wurde daraufhin röther als je zuvor, er fuhr sich mit beiden Hände« durch die Haare, daß sie sich kerzengrade emporrichteten und erlangte dadurch die ausgesprochenste Aehnlichkeit mit einem Kakadu. Di« Thür blieb indessen zu und durch die Milchscheibe erkannte er, daß sie auf der anderen Seite mit etwa» Blauem befestigt war. Hindurch in eine ruhigere Stimmung gebracht, wendete sich Mr. Dnbdle wieder seinem indischen Kodex zu.... Allein jenes blaue Etwa« flimmerte ihm unaufhörlich HeirathSofferte gotischer Herkunft. Der Bräutigam saß weit über Land und Meer in Siam, gab fich als Hotelbesitzer zu erkennen und suchte schleunigst eine Lebensgefährtin. Den Be« dingungen entsprechend sendete Fräulein G. ihr Bild hinüber und mochte längst den Hotelbesitzer und die HeirathSanzeiae vergessen haben, als ihr ei:eS schönen TageS der Postbote einen beschwerten Brief und die Ueberfahrtskarte nebst den übrigen Reisekosten überbrachte. Ohne langes Besinnen ging sie. Und jetzt liegt in der That ihren Freundinnen ihre eigene Photographie vor, während sie in den Armen einen kleinen Deutsch-Siamesen schaukelt. r. Eine unsinnige Kraftprobe wurde am Montag von dem etwa 16 Jahre alten Lehrling eines BäckerS in der Reichen« bergerstraße unternommen. Beim Mehlabladen unternahm es der junge Mensch auS freien Stücken, einen über zwei Zentner schweren Mehlsack vom Wagen zu heben und ms Haus zu tragen und brachte diese Arbeit auch fettig. Im höchsten Maße autgeregt von der Anstrengung versuchte der junge Mensch dasselbe mit einem zweiten gleich schweren Sack; als er aber diesen vom Wagen hob. brach er unter der Last zusammen und mußte ohnmächtig ins Hau« getragen werden. Der herbeige- rutene Arzt erklärte den Zustand des jungen Menschen für sehr bedenklich und ordnete dessen Unterbttngung in Betha» nien an. Gestohlene« Fuhrwerk. Am Freitag kehrte der Kutscher eines Fabrikbesitzers an der Oberspree mit einem einspännigen Aibeitswagen von Berlin zurück. In der Nähe von TabdertS Waldschlößchen ließ er das Fuhrwerk auf der Chaussee stehen, um in dem nahen Etablissement eine Bestellung zu machen. Als er nach wenigen Minuten zurückkehrte, waren Pferd und Wagen verschwunden. Am Sonnabend wurde der Wagen im Waloe gefunden. Das Pferd war ausgespannt und ist bis jetzt noch nicht wieder zum Vorschein gekommen. Ein verschluckter Fünfzia-Markschein. Ein Gutsbesitzer logirte kürzlich in einem votel in B., und während des Diners stand sein großer Hund neben bez. hinter seinem Sitz. Ein Herr, der dem Gutsbesitzer vis-a-vis Platz genommen, wollte zahlen und dem Kellner einen Fünfzrg Markschein reichen und ließ das Wetthpapier in eine Sauciere fallen. Ein neben dem Gutsbesitzer sitzender Herr ergriff den Schein, um ihn, mit Sauce überzogen, wie er war, dem Kellner zu reichen; in diesem Augenblick aber sprang der Hund zu und verschluckte den Schein. Eine Tödtung deS HundeS, um den Schein zu retten, lehnte der Eigenthümer des ThiereS ab, da der Hund sehr wetthvoll war. E« entsteht nun die im Wege des Prozesses zu entscheidende Frage: Wer hat den Schein zu ersetzen? d. Der Hundefana auf dem Dönhof«platze während deS Gänsemarktes am Dienstag und Freitag von 1 bis 5 Ubr blüht fott, trotzdem die Polizei, um den ewigen Szenen mit den Hundefängern ein Ende zu machen, den Fußweg in der Diagonale des Platzes von Gänsewagen freihält. Die Po- lt-ei selbst ist von dem Treiben der Hundefängee wenig erbaut, aber sie ist gesetzlich verpflichtet, ihnen auf Verlangen deizu- stehen. Anders liegt die Sache für daS Publikum welche« auf richterliche Entscheidung antragen sollte. Die Marktordnung besagt nämlich, daß weder Käufer noch Verkäufer einen Markt mit Hunden betreten dürfen. Weder find nun Passanten Käufer, noch ist die öffentliche Passage über den Dönhossplatz als Markt anzusehen. Der Rechter würde also durch seinen Spruch diesem Treiben der Hundefänger ein Ende machen können. Wasserstand der Spree in der Woche vom 25. bis 31. Oktober.(Angabe in Metern.) zwischen den Zeilen und setzte ihn außer Stande, seine Lektüre fottzusetze». Vergebens war er bemüht, seine schönen Augen durch da« Wogqonfenster hinau« auf die vorüber» ziehende Gegend zu lenken, immer zog sie eine zwingende Gewalt nach jenem blauen Etwa« zurück. Endlich konnte er seine N-ugierde nicht mehr bezähmen, er schlich zur Thür hin, legte sein Auge an die schmale offen gebliebene Ritze, einzig zu dem Zwecke, um zu erforschen, was für«in Produkt menschlicher Elfindunglgabe jene« blaue Etwa« sei. Bald hatte er herau«, daß jene« blaue Etwa«— ein Damen- strumpf war. DaS Blut schoß unserm Ajax au« dem Ge» ficht, er wurde gaez schwach, so daß er nicht einmal die Kraft besaß, das Auge von dem Thürspalt zu entfernen. Allein Damenstrümpfe sind elastisch, und auch der, mit dem wir eS hier zu tyun habe«, dehnte sich, dehnte fich, bis er endlich— der Waggon hatte eben einen heftigen Ruck ge» macht— der Thür keinen Halt mehr bot— und da stand der schüchterne Mr. Dribble in der Haltung eines männlichen Ungeheuers, das giettge« Blicke« die Geheimnisse der Unschuld erforschen will. Aber schon in demselben Augenblicke wurde die Thür von drüben mit Heftigkett wieder zugeschoben und«euer» ding« befestigt, diesmal mit etwa« Gelbem. Man kann sich die Verwirrung unsere« vortrefflichen Ajax lebhaft vorstellen. Diese Verwirrung war um so größer, al« auch er die Thür schließen wollte, bei welchem Versuche seine Finger mit jenen der Unbekannten in eine allerdiag« nur sehr flüchtige Berührung gekommen waren, die ihm aber trotzdem wie«in el kmscher Schlag durch de« ganzen Körper fuhr. Wieder wendete er sich dem Kodex zu— nicht ohne vorher auf zwei seiner Finger einen Kuß gedrückt zu haben. Begreif- licherweise mißglückten die Versuche, sich ,n da» indische Strafgesetz zu vettiefen, diesmal noch gründlicher als zuvor. Nicht lange dauerte es und der würdige Richter von Jag- pooree hatte entdeckt, daß da« gelbe Etwa« nichts andere« war als ein Strumpfband. Jeder Zweifel war ausgeschlossen, denn die glänzende Spange war deutlich zu erkennen. Leider find Strumpfbänder«och elastischer als Strümpfe, und so konnte eS nicht fehlen, daß die widerspenstige Schiebet! ür sich bald wieder zu einer immer breiter werdenden Spalte öffnete. „Sie ist schüchtern, das arme Ding! gerade wie ich," dachte Mr. Dribble;„eine seltene und schätzenswerthe Eigen» E. Ausweisung. Die sämmtlichen in Rixdorf wohnenden rusfischen Juden baden— wie eine hiesige Korrespondenz mel- det— von der Landespolizei-Behörde den Befehl erhalten, binnen 4 Wochen Rixdorf und daS preußische Staatsgebiet zu verlaffen._ Polizei-Bericht. Am 9. d. M. früh wurde ein Mann in seiner Wohnung, in der Memelcrstraße, todt vorgefundm. Da sich am Halse des Verstorbenen eine Strangulationsmarte befand, so ist anzunehmen, daß derselbe einen Selbstmordversuch gemacht hat, an dessen Folgen er nachträglich verstorben ist.— Am Mittage desselben Tages erschoß sich eine Frau in ihrer am Thiergarten belegenen Wohnung mittelst Revolvers.— An demselben Tage Nachmittags machte in der Skalitzerstraße ein Mann, nach einem vorangegangenen Streite mit seiner Wirthin, in seiner Schlafstube den Versuch, sich das Leben zu nehmen, indem er sich mit einem Messer Schnitte in die Ell- bogengelente beibrachte. Obgleich an beiden Gelenten die Adern durchschnitten waren und in Folge dessen eine lebensgefährliche Blutung eintrat, wurde er doch noch rechtzeitig verbunden und am Leben erhalten.— Um dieselbe Zeit verunglückte der beim Abbruch des HauseS Bellcrmannstr. 7 beschäftigte Maurer Wunderlich dadurch, daß beim LoSlösen von Mauerwerk die dabei benutzte Brechstange abglitt, so daß er dabei das Gleich- gewicht verlor und eine Etage tief hinabstürzte. Er erlitt da- durch eine erhebliche Verwundung am linken Bein und mußte mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht werden.— An demselben Nachmittag fiel der Dachdecker Finte auf dem Grund- stück Fürbrinyerftr. 12 auS einer Höhe von etwa 9 Metern >ängegerilst herab und erlitt außer einer Gehirnerschütte> vom rung so schwere innere Verletzungen, daß er mittelst Kranken« wagens nach der Charitee gebracht werden mußte. Gerichts-Zeitung. Ei« eigenthümlicher Fall von Beamtenbeleidigung beschäftigte gestern die 88. Abtheilung hiesigen Schöffengerichts. Nach der Anzeige des Kriminalwachtmeisters Warkenthin resp. nach der daraufhin erfolgten Anklage soll der Lederhändler Hugo Glaser am 14. Juli er. nach dem Weggang des Schutz- manns Lange, welcher von ihm den Fragedogen über die Sonntagsheiligung abholen wollte, mit Bezug auf denselben geäußert haben:„Der ist ja viel zu dumm, um mich zu de- lehren." Im gestrigen Termin deponirte Warkmthin, daß er an dem fraglichen Tage in dem Moment in den Laden des Glaser getreten sei, um ein Paar Sohlen zu kaufen, als Schutz- mann Lange aus demselben heraustrat. Glaser äußerte, den Zeigefinger an die Stirne legend:„Der Schafskopf will mich belehren." Da diese Aeußerung sich nur auf den Schutzmann beziehen tonnte, habe er dem Glaser eine Vorhaltung darüber gemacht, wie er einen Beamten beleidigen könne. Dieser habe ihn daraus aufgefordert, sich zu entfernen, und habe er unmittelbar darauf die Anzeige zu Papier ge- bracht. Der Angeklagte stellt entschieden in Abrede, die ihm imputirte Aeußerung gethan zu haben. Der in Zivil befind- licht Wachtmeister W. sei beim Erscheinen des Schutzmanns Lange in seinem Laden gewesen und habe auf seine Bemer- kung, daß er gar nicht wisse, waS er in dem Formular aus- füllen solle, erklärt, das sei ja sehr leicht. Dadurch sei er mit W. in einen Wortwechsel gerathen, in dessen Verlauf ihm der- selbe den Vorwurf machte, er habe vorhin einen Beamten de- leidigt. In Folge dieser Beschuldigung habe er den ihm bis dahin unbekannten W. aus seinem Laden gewiesen. Trotzdem diese Angabe durch die im Laden mit anwesend gewesenen Echuhmachermeister Neumann und Bagermann im Wesentlichen bestätigt wurde, erachtete es der Gerichtshof für undenkbar, daß der Wachtmeister Warkenthin eine falsche Anzeige erstattet und einen falschen Eid geleistet haben sollte. Auch der Wider- spruch in der Anzeige und in der heutigen Aussage bezüglich � r~ ekla' des gebrauchten Schimpfworts sei unwesentlich. Der Angeklagte wurde daher zu 10 Mark verurtheilt. Die von vielen Herrschaften den Dienstboten gegen- über ausgeführte Manier, beim Wegzuge die während der Dienstzeft zerbrochenen und verlorenen Sachen vom Lohn abzu- ziehen resp. ersetzt zu verlangen, bildete den Gegenstand eines vor dem Amtsgericht II gestern verhandelten Prozesses. Ein in dem benachbatten M. wohnender Baumeister hatte seine Koufine als Dienstmädchen angenommen und beim Ottsoorstand ange« meldet. Da sich der Baumeister und seine Ehefrau mit der Koufine resp dem Dienstmädchen nicht verständigen konnten, wurde derselben der Dienst gekündigt. Als das Mädchen am Ziehtage das Lohn verlangte, erklärte ihr der Baumeister, daß sie für zerbrochene und verlorene Sachen 50 Mark zu zahlen habe, welche er vom Lohne abstehen werde. Das Dienst- mädchen(bezw. Koufine) ging jedoch nicht darauf ein, sondern verklagte ihren Koustn, Den Baumeister. In der gestrigen Verhandlung gab der Beklagte die Forderung zu, erklärte aber, an die Klägerrn eine Gegenforderung zu haben. Der Gerichts- Hof ging nicht, wie der Beklagte glaubte, darauf ein, die schaft bei einem Mädchen. Ich will diese unglückliche Thür jetzt selbst festmachen." „WaS thun Sie da?" fragte eine sanfte Stimme von der andere« Seite, als Ajax sich mit einem von einem Koffer losgelösten Riemen an der Thür zu schaffen machte. Man merkte, daß die Stimme der Fragende» ein wenig zitterte. „Ich will die Thü-Thü-Thür festbi-binden," stotterte Ajax,„ha-ha-haben Sie etwas da-dagegen?" „O, nicht das geringste!" erwiderte die Stimme trocken. „Ich bin Mr. D-D-Dribble vom bengalische« Zivil« dienst; Sie brauche« keine Angst*u haben ," sagte indem er, etwas muthiger geworden, sich bemühte, er, durch den Spalt der schöne» Nachbarin ansichttg zu werden. „Oh, ich habe keine Angst! Ich trage stets einen geladenen Revolver bei mir." Diese Antwort erregte durchaus nicht Mr. Dribbles Wohlgefallen. „Ich bin der Distriktsrichter von Jugpooree," sagte er mit sanfter Würde. „Sie fahre»«ach Jugpooree? Ich auch." „Sehr erfreut!... Ich wollte, ich könnte die Thür schließen." „Ich will Ihnen von dieser Seite helfen," sagte sie. Und ihre Finger kamen wieder in Berührung. Aber je mehr sie sich bemühte«, die Thür mit dem Riemen zu fixiren, um so wetter ging sie auseinander. „Lasten Sie es gut fein," sagte das Mädchen verdrießlich.„Ich fürchte mich durchaus nicht vor 3"�Unbekümmert um die nun halb offene Thür griff sie zu ihrer Novelle. Ajax that eine Weile, als ob er in seinem Kodex läse...,. „Hoben Sie etwas zu essen mit?" ftagte er«ach emer Pause. "o" Euchen!" Da« ist ja gar nicht nahrhaft. Erlauben Sie, daß ich Ihnen etwa« Kompakteres anbiete." Dabei zog er unter seinem Sitze einen beträchtlich umfangreichen Korb hervor und schob ihn in das Nachöarkoupee. (Schluß folgt.) Gegenforderung anzuerkennen, sondern ersuchte den Baumeister, den Beweis zu bringen, daß das Mädchen die Sachen, wenn fie dieselben überhaupt entzwei gebrochen. 1. mit Abstcht oder aus Bosheit zerbrochen habe; 2. daß das Repariren so viel wie angegeben ist, betragen hat. Unter Anderem hatte das Mädchen zwei Schlüssel verloren, weshalb der Baumeister 2 neue Schlöffer machen ließ und dafür dem Mädchen 20 MI. berechnete. Den Beweis zu erbringen war der Baumeister jedoch nicht im Stande, da er keine Zeugen hatte, welche de- künden konnten, daß die Sachen absichtlich zerbrochen worden find. Die Folge war, daß der Baumeister seine Gegen- forderung vorlaufig zurückzog, Eine recht brutale Handlungsweise einer 65 jährigen Dame gegenüber hat fich der Steinsetzmeister Karl Friedrich Hartwig zu Schulden kommen lassen, der gestern dieserhalb vor der 87. Abtheilung des Schöffengerichts fiand. Der Angeklagte war ein Flurnachbar der Frau Mufikdirettor Scheffer im Hause Wollinersttaße 2; es kam aber zwischen den Parteien häufig zu Differenzen wegen des gemeinschaftlich zu benutzen- den Einganges. Frau Echeffer hielt genau darauf, daß die Korridorthür stets geschlossen wurde, die Familie des An- geklagten nahm eS aber hiermit nicht so genau und es kam häufig deswegen zu einem unerquicklichen Meinungsaustausch. So auch an einem Augustabende, als der�Angeklagte zu später Stunde mit seiner Familie nach Hause kam. Frau Scheffer fand fich veranlaßt, fich davon zu überzeugen, ob die Heim- kehrenden die Thüre geschlossen hatten und hierüber wurde der Angeklagte so erbost, daß er fich hinreißen ließ, seiner Gegnerin einige kräftige Ohrfeigen zu appliziren. Die Gemißhandelte stieß gellende Hilferufe aus und nahm noch in derselben Nacht polizeilichen Schutz in Anspruch. Der schlagfettige Steinmetz- meister versuchte zwar im Verhandlungstermine, die ganze Ohrfeigengeschichte als eine pure Erfindung der BclastungS- zeugin hinzustellen; der Gerichtshof glaubte der letzteren aber und verurtheilte den Angeklagten zu 30 Mark event. 3 Tagen Gefängniß. Leipzig. 3. November Gefährliche rothe Schleifen! Vom hiefigen Schöffengettchte wurden drei Arbeiter, die bei ieerdic der Beerdigung eines Genossen Kränze mit rothen Schleifen getragen hatten, zu 7 resp. 5 Tagen Hast verurtheilt. In den Gründen des Urtheils wurde ausgefühtt,„daß roth die Farbe der sozialdemokratischen Pattei sei, also einer Pattei, deren Tendenz auf den Umsturz der heutigen gesellschaftlichen Zu- stände hinauslaufe, und daß daher daS Tragen rother Abzeichen dem Tragen republikanischer Abzeichen gleich zu erachten und deshalb nach Maßgabe der Verordnung vom 14. Juli 1849(!) zu bestrafen sei."— Wozu doch solche Jahrzehnte alte Verordnungen gut find! Soziales««d Arveitervewegung. Neber die Lohnhöhe in der Provinz Brandenburg (Berlin ausgeschlossen) äußctt fich der Gewerberatb folgender- maßen:„Lohnbewegungen fanden an verschiedenen Otten statt, hervorgerufen durch die Berliner Besttebungen, hatten aber nirgends einen thatsächlichen dauernden Erfolg, sodaß die Höhe der Löhne in den letzten zwei Jahren gleich geblieben. Diese Höbe scheint übttgens vorläufig, in Rückficht auf die Konkurrenz« fährgkett der diesseitigen Industrien, auf dem höchsten Stande angelangt zu sein. Am besten gelohnt find die Vorarbeiter in der Melallmdustrie(Gießer, Hammer-, Walzer-, Drahtzich-, Rohrzieh- und Dreher-Meister) mit 29 bis 30 M. wöchentlich, desgleichen deren erste Gehilfen mit 18 bis 24 M., zweite Gehilfen 14—18 M. Die Wochenlöhne der Vorarbeiter in der Maschinen- und Holzindustrie bewegen fich zwischen 18 und 20 M., diejenigen der Tuch- und der optischen Industrie und der Steinmeyer zwischen 16 und 18 M., die der Schiffbauer zwischen 15 und 16 M., der Zimmerleute, Ziegler, Zigarren- macher zwischen 12 bis 15 M, der Maurer, Schlosser, Schmiede, Schneider, Sattler, Seller zwischen 10 bis 12 M.; am niedttgsten nächst dm Tagelöhnern scheinen die Löhne der Schuhmacher zu stehen, 9 und 10 M. wöchentlich."— Schade, daß die Durchschnittslöhne nicht schärfer präzifirt find. Von 18—24 und von 14—18 M. ist ein großer Spielraum. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man die niedrige Ziffer für die dem Durchschnitt viel näher stehende bezeichnet, als die höhere. Die Tuchmesse in Frankfurt a. d. O. bestätigt nur die schlechte Lage der Textilindusttie, ebenso wie dies die ver- floffme Leipziger Messe gethan hat. In einem Meßbencht lesen wir noch dazu, daß trotz der sehr gedrückten Preise keine belangreichen Käufe abgeschlossen worden seien,„weil die vor- handene Waare nicht befriedigte."— Also immer noch„billig und schleckt!" Die Genesis deS kapitalistischen Pächters in Deutsch- land rst em Kapitel der Wirthschastsgeschichte, das unsere Agrarhrstoriker lebhafter zu beschästigen beginnt. Während im 17. und auch noch zum Theil im 18. Jahrhundert der Ritter- gutsvachter m Deutschland viel mehr Steuer- und Gefälle- Einnehmer war, entsteht mit dem Eintritt de« industriellen Großkapiials in die Landwirthschaft, mit dem Uebergang aus dem naturalwitthschaftlichen Betriebe zum landwirthschaftlichen rial von zirka 25—30000 Mark ist in Wald(Schweiz) D 180000 Franks versteigert wordm. Die Feuerverstcherung, bil ™....... i 800000 Franks. Da« dem Werthe fast entsprach, betrug 800 000 Franks waren mit dem Etablissement noch größere Anlagen und Wi# verbunden. Diese Entwetthung ist geradezu kolossal und W einen BW�uf die trauttgen witthschafttichen Verhältnisse da TextiliÄustrie in der Schweiz. terewe und Versammlungen- Großbetriede der agrarische Wrrtdlchaftsunternehmer, der k a p i- talistische Pächter. Soliegen z, B. für die � güter und Domänen der Provinz Sachsen detaillirte Unter- suchungen Pommer's vor(vergl. Jahrbücher sür National- Ökonomie und Statistik, N. F. XI. Bd., 4. Heft, S. 343 4). die uns Aufschluß über das Verhältniß der Einnahmen aus der Landwirthschaft zu denen aus anderen Einnahmequellen sonst und jetzt geben. Zu Grunde liegen die zahlreich erhal- tenen Pachtanschläge. Vor allem werst Pommer nach, daß mit der Ausbildung eines besonderen, kapitalkräftigen Pächterstandes und des dadurch hervorgerufenen Wachs- tbums von auf den Boden verwendetem Kapital die Erträge rapid gestiegen find. So hat fich z.B. in der Domäne Wettin der Werth des Inventars per Morgen von 1704 bis 1870 verfiebenfacht. Die Einnahme aus der Ackerbenutzung im Verhältniß zu den übrigen Einnahmen betrug 1715 nur 34,5 pCt. 1731: 44,9 pCt., lf55 47 1 pCt" 1792; 43,7 pCt., 1804: 50,2 pCt., 1834: 47,0„Ct., 1847' 61,3 pCt. Die analoge Einnahme für Preetz sch betrua 1722; 47,8 pCt., 1745: 43,0 pCt., 1781: 54,1 pCt„ 1808: 54,8 pCt., 1828: 509 pCt., 1845: 57,4 pCt. der Gesammt- einnahme. Thut nichts, aber Getreidezölle und Zuckeraussuhr- piämie, Schutz der landwitthschaftlichen Arbeit vor d.r mageren Hllfe des Krankenkassen- und UnfallverstcherungsgesetzeS kurz Regelung der Gesetzesfabrikationsmaschine nach Vorschrift der Großgrundbefitzer, fie find doch noch noch wendig für die „notbleidende Landwirthschaft"."' Ueber die Höhe der Arbeitszeit im Schwarzwald schreibt der badische Fabrikinspettor:„Die Arbeitszeit beträgt beinahe allgemein 12 Stunden, in einigen großen Webereien sogar 12'/» Stunden, nämlich von Morgens 5'/, oder 3 bis Abends 7 Uhr, mit Mittagspause von 12 bis 1 Uhr. Vor- und Nachmittags-Pausen find in der Textil-Jndustrie nicht üblich und werden von den Arbeitern selbst, die durchweg in Akkord arbeiten, nicht gewünscht. Im Sommer wird in eini- gen Fabnken Morgens 5'/, Uhr angefangen und Abends 6'/, Uhr aufgehört, in anderen beginnt die Arbeit während deS Winters erst um 7 Uhr Morgens und endigt um 7 Uhr Abends, und nur in einem Strickwaarengeschäst wird während der Wintermonate von Morgens 7 Uhr vis Abends 8 UKr oe. arbeitet." Man steht, daß sonst überall noch in Deutsch lc.nd die 11 stündige Arbeitszeit überschritten wird, daß ein«clm. stündiger Maximalarbeitstag eine Wohlthat sür das arbeitende Volk wäre, Eine große vaumwollenfabrik von 10000 Spindeln 260 Webstühlen, 5 Arbeitshäusern. 22 Wohnungen und Mate-' de.„Die Wahrheit trägt ein Schwert, Gerechtigkeit ...... Wort Johann Jacobi'S, mit de« hat es geschmiedet," dieses------------------.... Herr Tischlermeister Mitan sein Referat übt;„die Angrift gegen den Reichstags- Abgeordneten Herrn Paul Singer vf Seiten der Damenmäntel> Schneider- Innung" einleitete, zeichnet am besten die Aufgabe und den Charakter der imtt" santen Volksversammlung, welche am Montag, den 9. d., t® Lokale„Sanssouci", Kottbuserstr. 4 a, unter Vorsitz des Hess" Stadtverordneten Herold stattfand. Der große Saal und((# Nebenräume waren überfüllt: fast 2000 Männer waren pW' mengekommen, um nach eingehender Prüfung der SachlG dem ReichstagS-Abgeordneten Singer ein glänzendes ZcuW darüber auszustellen, daß die verleumderischen Schmähung� mit denen jener Mann in den letzten Wochen überschu»« worden ist, als nichtswürdige Lügen erkannt find sehr gegen die Abstcht ihrer Urheber nur dazu f dient haben, das unbedingte Vettrauen und die 0# Hochachtung zu verstärken, welche 26 000 Wähler für W Vertreter im Reichstage empfinden. Vernichtend war anWf seitS das Uttheil, welches über diejenigen gefällt wurde,# jene böswilligen Verdächtigungen erfunden und weiterverbM' hatten, über die Herren Jnnungsmeister und ihre männer, die ihre vergifteten Pfeile nur aus sicherem halt zu schleudern vermögen und feige genug nickt scheinen wagen, wenn es gilt, Aug' in Aug, dem geschm»� und verleumdeten Manne gegenüber ihre grundlosen?■ schuldigungen zu wiederholen. Die Herren Jnnungsmötj? und ihre Freunde warm nicht erschienen, oder getraute» M nicht trotz vollster Redefreiheit das Wort zu nehmen; das«« der beste Beweis, daß fie fich selber schuldig fühlen.—*2 als es die Schilderung dieses äußeren Eindrucks vermag, bei jedem Unbefangenen der Verlauf der Verband lunge»% vorbrinzm mußte, wird die Wiedergabe der Reden sprechen,»� in ihrer Einmülhigkeit— von einer kleinen Meinungsverslb»� heit in Bezug auf die GeschäflSleitung und von eu.em osstjjj nicht ernsthaft zu nehmenden Redner abgesehen— der, sammlung das Gepräge vollster Harmonie gaben,«et Fülle deS EtoffeS können wir leider nur eine Skizziru»!! Hauptreden versuchen.— Der Refermt, Herr Milan darauf hin, daß die Anschuldigungen, welche die Tamenmäntel, Schneiderinnung gegen Herrn Singer i gegen dm Reichetags-Abgeordncten, gegen den Vettn mann der Wählerschaft des IV. Reichstagswahlkreises, ge> m. a. W. durch politische Motive veranlaßt seien, gen�L, wie man bereits vor 2 Jahren bei der Wahl zur ordnetenversammlung die Raffen- und Religionsftage m Singer aufgeworfen habe, ein Vorgehm, daß bei der � für den Reichstag mit dem gleichen, negativen Erfolgew� holt wordm sei. Die Berliner Arbeiter hätten ebe»�, Herren und ihre Schliche durchschaut, es sei ihnen 0'* giltig, od ihr Vettreter Mohamedaner(Heiterkeit) ovo � sei. wmn fie ihn nur als Menschen schätzen kow'� deshalb sei Singer gewählt worden. Um jenen gungen aber ein für allemal die Spitze abzubrechen, Verrrauenswänner der sozialdemokratischen Pattei zu Singer begeben, hätten die Geschäftsbücher der gehend geprüft und hätten konstatirt, daß er makellos'»p. (Stürmischer Beifall,) Er(Redner) kenne Singer seit gesehen, was Singer rm Stille« feR |Ä! mm, könr Dagt, fönt Pnenzuttt Sm » SPS ! tf. n wolle M %' Et K 45 fe in den er habe in dieser Zeit wie viel heimliche Thränen er getrocknet""wie er dt»»i,«q ''''....... tzÄ n o,r; mit der That bcigestanden habe, die von ihren rückgelassen werden mußten.(Stürmischer Beifall.) Forum dieser Volksversammlung sollten jene Anschujv!�� noch einmal geprüft weiden, das Schild der Perlet � " n# S# blank und rein gehalten und es müsse gezeigt wcrden-%, Singer ein ehrlicher Mann sei, der daS Vettrauen säße.(Beifall.) Die Gegner sollten sehen, was hätten. Der Kitt, der zwischen Singer und seinen Wa->. � würde immer fester geworden sein.(Beifall.) SJt soiderte der Vorfitzende wiederholt eindringlichst etwaige IN JnnungSmeister und dergleichen auf. daS Wott j« fSW Es meldete fich aber Niemand.— Nun detrat der Astfl � i-"5K' 0 Abgeordnete PaulSinger dieTribüne. Stürmischer f Beifall erscholl, Hochrufe ettönten und die Hüte wul�> k.» V____ L. W! f____...»virftsUlV schwenkt gebunq Sichtlich bewegt durch diese unvn Mittelteil, sprach der Redner: Ich danke Ihnen, mein« � für Ihren Zuruf. Wennjes etwas giebs das mich kann, so rst eS diese Manifestation deS...»........„„ Der Versuch, Zwietracht und Mißtrauen zu säen- � lammerlrch untergehen. Wenn es fich um meine Perl»« As bei jenen Angaffen handelte, würde ich verzichten, e" auf Beschuldraungm zu erwidern, die den Stempel � p%7Wn b logenhert an der Stirn tragen.(Bravo.) Wer adett Sradtv. ist, wer 25600 Wähler im Reichstage zu verttt./ zu erwidem, darf auf fich sechst Wähler. keine Rückficht Reichstage nehmen und Heuen eine Antwort zu geben, sondem weil meine. Ä den persönlichen Theil betrifft,'' ch" cht'erwiesen, daß, �., hauptung einiger Damenmäntelschneider■' versammu Me. durch mm# a «e&T m kovr k S'Si 'eine] #= M emm '«rc. Gebiet jener mmmem NOSLKSiMW»' ick" es BE K'fcs.. 1 »2%�»ugehen, wenn ich diese Ueberzeugung nicht auf rp Witten zum Ausdruck brächte.(Sehr rickiig.) Ich bin überzeugt, daß nur ein geschlossenes Vorgehen der Ar- zfun, in diesem Falle der Arbeiterinnen, etwas erreichen kann. ow Arbeiterinnen warten wollten, bis fie von ihren oder von den Geschäftsinhabern freiwillig rtwas er- L3 könnten fie lange warten. Und das habe ich nicht nur Lm. �ern ich habe die Arbeiterinnen aufgefordert, zu- ili �treten und ihrerseits ihre Forderungen zu stellen. Es klar, daß mit der Erhöhung der Löhne i'öfm. t,mnnm°uch die Geschäfte den Schneidern höhere w m*, niüffen. Wie kann man mir vorwerfen, daß ich � maffenintereffe deS KapttalismuS vertrete, wenn ich der «er für eine Lohnerhöhung unter der Voraussetzung .gemeinen Lohnerhöhung eintrete.(Bravo.) Die Herren «oii die Bewegung werde so intenfiv werden, daß fie und w'0�tn jßfttdt eineS Jnnungsmeisters berunter müssen, sird?5.«°nze Brimborium, das um meine Person gemacht »oäi's.�"ur dazu dienen, die Abhängigkeit der Arbeiterinnen innck.»-»�, schmieden und die ganze Bewegung illusorisch zu ht.SÜ'8 Vorgehen wird aber erfolglos sein.(Bravo.) (tojjpötonlltjjleü oder Dummheit kann mir den Vorwurf ''jh solle mit der Erhöhung zuerst beginnen. Wer nur bei �lmonalökonomische Kenntnisse befitzt, muß fich sagen, n.« einzelne, der im Getriebe der Industrie, unter dem Konkurren, steht, es nicht der wirthschaftlichen Verhält- «wi m'•— einzelne, der solches ver- »id.?°iue, würde erbarmungslos zerdrückt werden, «. rn würden die Gegner als warnendes Beispiel zeigen, ■ deweisen wollen, wie falsch die Sache ist, die jener Gegnern �ntei�««? Geschäftsmann gewinne, den Interessen metner w.» Archer Beifall), als daß ich als einzelner etwas Ii, von der Gesammtheit erwarte. Das eben trennt wanchesterlichen Parteien, daß wir nicht an die nicht an daS Allheilmfttel der freien Konkurrenz üuZ' das trennt uns von den Konservativen, daß wir nicht kük, dus der Rumpelkammer deS Mittelalters etwas herauS- «i&t wollen, das in die modernen Produftionsbedmgungen \ nSl paßt.(Beifall.) Wir wollen Reformen, welche eMlchaftliche Umformung vorbereiten(Stürmischer Bei- HD 2>can soll mir nicht mit der dummen elenden Phrase der einzelne könne bessern und ändern. Ich stehe 2,. i?!?vunkt der sozialdemokratischen Partei.(Bravo.) rrklärt, daß nur diegesetzliche Einführung eines .-.ITO._ pdeitstages und eines MnimallohneS eine dauernde Kfl. di* Looses der Mäntelnäherinnen herbeiführen kann. w».'«bt den Arbeiterinnm aber nichts weiter übrig, als lies Koalitionsrechtes zusammenzutreten und a rrn..wsgestellten Preisen festzuhalten.(Sehr ri «.5°er nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit � i«,,"auetn darüber auszusprechen, daß jene Arbeiterinnen >rw5. schrankenlosen Iii*,;;«Lehr richtig.) Den Gefallen will ich meinen Gegi wav.(Btavo!) Fch glaube, eS ist besser, ich opfere !w ali(Bffrhnffr.tnnnn ftMntN"' den ftnlerfffen NK an den A®tunii x r« beittttnntn aber nichts weiter übr ihnm, f Koalitionsrechtes zusammenzutreten und ll'ann ��ßellten Preisen festzuhalten.(Sehr richtig.) A-h«"kcht unterlassen, bei dieser Keiegenheit mein ! iitzl i,„"""darüber auszusprechen, daß jene Arbeiterinnen foto knvmdige Einigkeit unter fich noch nicht er« ikinet„A"' daß fie bis jetzt dem Beispiel ihrer�Brüder und WWWW> v-..... Ueber allem steht das Ziel; dem "v. Streitereien und des Zankes muß ein Ende Miseren und das werden, wie ich bestimmt hoffe, die kjch thun% vernünftigen Elemente der Frauenbewegung % in btn'„(Bravo.) Weit über all' den Personen, die p�re Löbnp>,"rund zu stellen suchen, steht der Kampf für PrderuiM...' der Kampf für eine gute Sache und für gerechte ,v!ch würde wünschen, daß' Und erhobenen Hartes einhergehen. Nie wird können. daß ich jemals die ff'""ner N>M°digt �lde. Fch weiß, daß ich ahler habe und dieses Vertrauen mir zu er- IM» an mein Lebensende mir zu bewahren, diese Sache der ich das Ver- »%.! L � MIVUI»»»»»(j»» T---- x'gfi. kw�.wir immer die höchste sein.(Minutenlanger fjatie»»s'kshe, nicht endenwollende Hochrufe auf Singer.) if'n Gin�rbehnte Diskusfion schloß fich an, an der fich die Al, � Kördel, Gärtner, fj. Kreutz, Zubeil, Müller, Schuh, Mehnert. Büttner. Liefländer und "heillgten. Ein Herr Doß, der von verschiedenen Wl"aber nicht nennen konnte, gehört hatte, ma Singer schlechte Preise zahle, erregte durch v» unparlamentarisches Benehmen die Heiterkeit der W? vis ihm der Vorfitzende, da er auS der Wieder- lk fiS&kjtnn, lügnerischer Erzählungen nicht herauskam »In y Dft ie Angaben durchaus nicht machen könnte, schließ- L � entzog. In der Diskusfion hoben die verschiede- i>,�.ÄiiI." kiirvor, daß die beste Antwort, welche die Arbeiter to?, ihres Vertreters geben tonnte, am 24. No- Lr». Sri /sage der Stadtverordnetenwahl, werde gegeben .irr �-bem trat die wärmste Sympathie mit den Be- �°°°rf�" Arbeiterinnen zu Tage und es wurde die Frage "Wn-' vb es nicht angehen werde, die Zwischenvermittler "— /- rrr,.. rwtrtJ?�«), die„Kolonnenführer" wie fie Herr Mehnert nannte, ganz zu beseitigen und gemeinsame große von den Geschäften direkt aus einzurichten. bst.I wmviise behauptete noch Herr I. Kreutz, daß die Mster in der stillen Geschäftszeit bei der Firma Aikn �it suchten und die Preise durch billigeres Angebot Ät. toVwrauf kam Herr Singer in seinem Schlußwort �wbennn von Beifall begrüßt, führte er folgendes A rn,® Eine ist durch die heutige Versammlung bewiesen: % Sei,.®"" haben nicht den Much, hier zu erfcheinen und »s-n�ungen zu wiederholen. Von alle dem, was fie "�nton verkündet haben, ist nicht ein Atom bestehen Short. Das ist eine Thatsache, die nicht zu unterschätzen C.'tettn q!"wen kann ich ver Anficht zustimmen, die von »ü»'"tn geäußert worden ist: die ganze Bewegung enbij?pkitischen Hintergrund. ES sollte den Leuten doch , j,"» 1*1 U�> ffiZ einmal klar sein, daß man mit den Berlirer Ar- hl ver Fr.i.Hf".Bauernfang treiben kann.(Lebhafter Beifall.) llbek� ii luter �reutz in bester Abficht wohl gesagt hat, ist ein »nlllL. iind einmal festgestellt und werden iLgGi diniert. Ja. ein JnnungSmeister, der fich erbot, zu Menb�,®°"»e winhschaftliche Lage gravitirt dahin, die K tÄrÄÄUÄ'Ä,Ä V'bbe"icht daS Gefühl häfte, daß hinter mir hundert» L'" tönn»! Ä�ede ich nicht mit Wärme und Energie ein- »"• JI' DaS Vertrauen, welches Sie mir entgegen- •töfhft 0?� rS Sie ehrt. Die Einigkeit der Partei rdenldeit biet»« Bald wird sich wieder eine Ge- % tza«' � beweisen. Dann aber wird bewiesen %.bl vorhandtn. ist.die Einigkeit N Mf.'�biungen des Referenten voll und ganz einverstanden >t?Lrt dab»*—-—- Damen» Ver< Anbetracht dessen, daß fie das vollste Vertrauen dem Reichtags- abgeordneten Singer schenkt und verpflichtet fich, bei allen Wahlen, wo seine Person in Frage kommt, mergisch für ihn einzutreten."— Nach einem Schlußwort deS Referenten, in dem derselbe darauf hinwies, in welcher Weise die„Freifinnige Zeitung" des Herrn Richter und der konservatie„Vorwärts" die elenden Verleumdungen gegen Einger fruktifizirt hätten, und nachdem Herr Zubeil unter lebhaftem Beifall auf daS „Berl. Volksbl." aufmerksam gemacht hatte, schloß der Vor- fitzende die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen dreifachen Hoch auf Paul Einger, den Vertreter des 4. Reichstagswahlkreises von Berlin. th. Im 40. Kommunal-Wahlbezirk(Moabit) fand am 9. d. M. eine vom Arbeiterwahlkomitee einberufene öffentliche Kommunalwähler- Versammlung im Restaurant Donath, Alt- Moabit 89/90, statt. Der Stadtverordnete Görcki hatte das Referat übernommen. Die Existenzbedingungen einer Klaffe, meinte der Vortragende, namentlich der der arbeitenden Be- völkerung, werden stark beeinflußt durch die Art der Verwaltung und durch die städtischen Einrichtungen und es erscheine daher geboten, zu untersuchen, ob die jetzigen städttschen Einrichtungen geeignet wären, das Wohl der arbeitenden Bevölkerung zu wahren und zu befördern. Von einschneidendster Wirkung seien vor Allem die Eteuerverhältniffe, und diese bewiesen, daß das städtische Regiment fich auf falschen Wegen befinde. Die indirekten Steuern ermöglichen keine gerechte Vertheflung der Steuerlast und als indirette Steuer sei, da fie ein nothwen- diges Lebensbedürfniß besteure, die Miethssteuer zu bettachten, wenn fie auch direkt erhoben werde, ebenso wie die Grund- steuer, welche, obgleich vom Hauseigenthümer direkt erhoben, doch auf die Schultern der Miether abgewälzt werde. Nachdem Referent die Ungerechtigkeit der gleichmäßigen Erhebung von 6'/»% Miethssteuer von Reich und Arm vor Augen geführt und die hieraus fich ergebenden Uebelstände klar gelegt, wies er darauf hin, daß es den Vertretern der Arbeiterpartei noch nicht ge- lungen sei, eine Aenderung resp. Verbesserung zu bewirken, daß noch heute dieselben Vorwürfe gegen die herrschende Majorität in der Stadtverordneten- Versammlung erhoben werden müssen wie bisher. Wenn auf die guten Resultate der Kommunalschulen hingewiesen werde, so seien diese ein Verdienst, welches voll und ganz der arbeitenden Bevölkerung, dem Einflüsse des Familienlebens zugesprochen werden müsse; denn wai leiste die Stadt für die Kommunalschulen? Die söge« nannte„Schulfreiheit" sei ein naturgemäßeSErforderniß desSchul- zwanges, kein liberales Verdienst, sondern ein historisches„Muß". jährend die Eltern der Kommunalschüler hier ansäsfig seien und alle Steuerlasten zu tragen hätten, besuchten die höheren Lehranstalten viele Penstonäre, deren Ellem außerhalb Berlins ihren Wohnfitz hätten und nichts zu den Ausgaben der Stadt beitrügen. So sorge die liberale Majorität der Stadtverordneten- Versammlung für die Interessen der Arbeiter! Durch die Ein- richtung resp. Vermehrung der„Freistellen" würden die Höheren Schulen den Kindern der Proletarier nicht zugängig gemacht, da den Arbeittrn die erforderlichen Mittel zum Schulbesuche fehlten, die Stadt hätte vielmehr die Pflicht, einen zweck- entsprechenden Fonds zu schaffen für unbemittelte Schüler, welcher sehr leicht dadurch zu beschaffen sei, daß die Stadt für Schüler höherer Lehranstalten nicht mehr Zuschuß zable, als für Kommunalschüler. Auf diese Weise brauchte keinerlei Steuererhöhung einzutreten. Mit solchen Anträgen dürfe man aber jetzt gar nicht hervortreten. Wo eS fich darum handele, für die arbeitende Bevölkerung etwas zu thun, da lasse sich die„liberale" Majorität nicht bereit ssnden. Wenn man in der Armenkommisfion fitze und arbeite und sehe daS grenzenlose Elend, welches man nicht ertragen könnte, wenn man nicht von Jugend auf daran gewöhnt wäre und sehe dann, wie in der Stadtverordneten< Versammlung leichten Herzens zwecklos Summen verausgabt würden, die Hunderte armer Fa- Milien vom Untergange zu retten im Stande wären, dann er- kenne man voll und ganz die dringende Nothwendigkeit, daß dieser„liberalen" Majorität in der Stadtverordneten Versamm- lung ein Ende gemacht werden müsse.(Slnkallender Beifall.) Eist auf Antrag der Arbeiter- Stadtverordneten habe man fich veranlaßt gesehen, ein neues, menschenwürdiges Asyl für Obdachlose zu errichten. Von dem jetzigen„Vertreter" des 40. Bezirks habe man noch nichts weiter wahrgenommen, als daß er innerhalb und außer» bald der Siadtverordneten-Versammlung mit Beharrlichkeit schweige. Der Kandidat der Arbeiterpartei im 40. Bezirk, Herr Ballmüller, sei ein Mann, der aus der Mitte der»r- deitenden Bevölkerung hervorgegangen und demzufolge das nothwendigste Requisit eines Stadtverordneten der 3. Ad- t Heilung besitze, Die Arbeiter des 40. Bezirks hätten hiernach am Tage der Wahl ihre Entscheidung zu treffen. Wenn jeder Einzelne im vollsten Maße seine Schuldigkeit thue, dann könne eS nicht zweifelhaft sein, daß der 24. November ebenso zu einem Ehrentage für die Arbeiterpartei fich gestalten werde, wie der 18. Oktober und 22. November vor zwei Iahten.— Langanhaltender Beifall folgte dem Vortrage, an dem fich, da Herr Ballmüller unvorhergesehener Weise am Erscheinen ver- hindert war, keine DiSkussson schloß. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: Die heutige Kommunal- wähler Versammlung 3. Abtheilung des 40. Kommunal Wahlbezirks erklärt fich mit den Ausführungen des Referenten ein- verstanden und verspricht, mit allen gesetzlichen Mitteln in die Agitation für die Wahl des Ardeiter. Kandidaten, Otto Ball- müller, einzutreten. Der Arbeiter- Bezirksverei« der Oranienburger Vorstadt und des Wedding machte am Sonntag eine Exkursion nach Manenftlde und befichtigte die Versuchsstation von Prof. Dr. Petri. Das ledhafte Interesse an dieser Neue- rung dokumenttrten die Mitglieder sowohl als auch die Gäste durch eine zahlreiche Betheitlgung und es verlohnt fich auch der Mühe, die Einrichtung in Augenschein zu nehmen. Mit größter Liebenswürdigkeit erklärte Herr Prof. Petri den An- fang und Verlauf seines Systems. Die Versuchsanlage ist so eingerichtet, daß täglich 1000 cbm Jauche gereinigt werden £»f 10 Pfd. Magnefiumsulphat a Ztr. M. 2 50= 25 Pf., 5 Pfd. — T'"-rv«rw' � KA Ogß; Super- Gips'a'CTlpr- 4 Pf""2.-Basfin: 50 Pf phosphat(Schmelze mit Soda aufgeschlossen oder andere auf- Är'ß beide Basfin« also eine Ausgabe von M- 3,29 Der Gewinn aus 100 cbm Jauche beträgt: 1.»affin: 4 Ztr. Dung a Ztr. a Ztr. 6 M(3,5 pCt. Stickstoff und 10 pCi Phosphorsaure �Pfd�Photph?/- Pf� Zusanmen M. 14 80. Der imif SÄ Äs« Gleichzeitig sei Prof. Petri fich Der Tag wird ftiedigt den Ort verlassen, wie... "Ungenannten Bezirksvereins gethan haben. �.Mitgliedern bekannt gegeben, daß Herr bereit erklärt hat, einen Vonrag zu noch naher bestimmt werden. alten. Bezirksverei« des werkthätigen Volkes der Schö« hauser Vorstadt. In der letzten Versammlung hielt der Kandidat für den 32 Kommunalwahlbezirk Herr Gottfried Schulz einen mit vielen Beifall aufgenommenen Vortrag über die Entwickelung der Arbeiterbewegung. Redner beleuchtet zu- nächst das Verhältntß zwischen Meister und Gesellen zu An- fang dieses Jahrhunderts und zeigt, wie durch Einführung deS Großbetriebes mit Maschinen die Stellung der Arbeiter eine andere geworden sei, ebenso die der kleinen Fabrikanten und Meister. Durch die Einführung ber Massenfabrikation und dadurch bedingter Billigkeit der Artikel seien die kleinen Meister nicht mehr im Stande' gewesen, mit den Großfabrikanten zu konkurriren, da ihnen nicht das zu diesem Betriebe nothwen» dige Kapital zur Verfügung stand, um fich erstens die theuren Maschinen und zweitens daS Material so billig wie es zu dem Zwecke nothwendig war, anzuschaffen. Dies veranlaßte Schulze» Delitzsch, zur Hebung resp. Beseitigung dieser Uebelstände die Gründung von Rohstoff-, Vorschuß und Kreditvereinen in Vorschlag zubringen. Auch für die Arbeiter gründete Herr Schulze sog. Konsumvereine, doch waren diese Versuche nicht geeignet, auf die Dauer Abhilfe zu schaffen. Nunmehr beleuchtet Redner deS Näheren die von den Herren Hirsch und Duncker gegründeten Gewerkvereine, auch diese waren auf die Dauer nicht im Stande, die Lage der arbeitenden Klasse zu bessern, weil fie von falschen Grundsätzen ausgingen. Im Weiteren bespricht Redner die Leistungen der englischen Trades Unions, die den Herren Hirsch und Duncker zum Vorbilde gedient haben. Trotz ihrer großen Leistungen seien auch diese Vereine nicht im Srande gewesen» bei andauemden Krisen zu helfen. Die eigentliche Arbeiter» bewegung datire auS den sechziger Jahren. Durch Gründung deS allgemeinen deutschen Arbeittroereins durch Laffalle im Jahre 1863 sei dieselbe erst in das richtige Fahrwasser gelenkt. Denn nur durch Bttheiligung an der Gesetzgebung durch Ver- treter der Ardeiter werde es möglich sein, die Lage der ar- beitenden Bevölkerung zu heben. Redner geht nunmehr deS Näheren auf einzelne wichtige Programmpunkte der Arbetter- pattei ein: NormalaibeitStag, Beseitigung der Frauen- und Kinderarbeit, Altersversorgung ic., und zeigt, wie es nur auf diesem Wege möglich sein werde, Reformen im Sinne der Arbeiter zu schaffen. Redner ermahnt die Versammelten, fich nicht durch Versprechungen, gleichviel von«elcher Seite dieselben auch kommen mögen, von dem als richtig erkannten Wege abbringen zu lassen. An der Diskussion betheiligten fich mehrere Redner im Sinne des Referenten. Auf eine Anfrage, betreffend die Etadtverordnetenwahlen, giebt der Vorfitzende Auskunft, daß alle Diejenigen wahlberechtigt find, die in der Kommunal» Wählerliste eingetragen sind und zwar in dem Bezirke, in dem fie bei Aufstellung der Wählerlisten gewohnt haben, gleichviel ob dieselben noch augenblicklich dort wohnen oder nicht. Die Wählerliste für den 32. Kommunalwahlbezirk liegt in der Zigarrenhandlung von Ewald(Vertt. Bremer) WeinbergSweg Nr. 15 B aus. Der 32. Wahlbezirk umfaßt folgende Sttaßen: Angermündersttaße; Chorinerstraße 2—19 und 71—86 inkl.; Christinensttaße 1—39 inkl. Fehrbellinerstr 1—24 und 82 bis 100: Kastanienallee 37—68; Lothringer str. 8 27; Lottum» Brasse 1—28' Metzerstt. 1—43; Prenzlauer Allee 2—16 und 241—248; Saarbrückerstr. 1-16 und 25—33; Schönhauser Allee 1—11 und 173— 188; Schwedterstr. 1—28 und 245 A bis 268; Straßburgerstt. 1—22 und 38—59; Templinerstt. 1 ------..... 1-6; ZionSkirchplatz 4; Zionskirch- bis �18 j�SIBdßenbutgerftt. bfa. In der öffentlichen Versammlung der Maurer, welche am Sonntag Vormittag in der Tonhalle stattfand, hielt der Regierungs Baumeister Keßler einen Vortrag über daS Arbeiter> UnfallveificherungSgesetz. Der Redner unterzog das Gesetz einer eingehenden Erläuterung, wobei er die Arbeiter der unter daS Gesetz fallenden Baugewerdsdranchen vor der Annahme von Arbeit bei solchen Bauunternehmern warnte, die das Bauen nicht als Gewerbebetrieb angemeldet haben, sowie nicht Mitglieder der Berufsgenossenschaft des Baugewerbes find und auf welche daher das Unfallverstcherungsgesetz, resp. die Versscherungspflichtigkeii keine Anwendung findet. — In der beim zweiten Punkt der Tagesordnung gepflogenen Diskusfion erregte ein vom Vorsttzenoen zur Verlesung ge- brachter und humoristisch kritistrter Artikel der„Baugewerks- Zeitung", über den Beschluß der Berliner Zimmerleute, für den nächsten Sommer die 9 stündige Arbeitszeit zu fordern, in hohem Grade die Heiterkeit ver Versammlung. Herr Bock theilte mit, daß ans den Bauten des Maurer» meisterS Fränkel anläßlich de« Jubiläums eines Maurers, der seit vollen 25 Jahren nur für das Geschäft des Genannten thätig war, zum Besten des Jubilars bei allen Gesellen Gamm- lungen vcranstalttt wurden. Herr Weiße berichtete, daß auf dem Bau deS vorerwähnten Maurermeisters(Neue Frie' rich« straße) permanent auch Nachts und bei elettrischem Lichte ge» arbeitet werden müsse, anstatt einige Arbeitskräfte mehr zur Tagesarbeit einzustellen. Hierauf wurden einige Unter» stützungsanträge erledigt und zwei kranken Kollegen je 15 und 20 M. bewilligt. br. Eine öffentliche Versammlung der Schlosser tagte am Montag unter dem Vorfitze des Herrn Miethe in den Bürgersälen. Herr Baumeister Keßler hielt einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Die Schädlichkeit der Akkord- arbeit". Der Vertragende wies darauf hin, daß die Akkord- arbeit eine unter den vielen KiankheitSerscheinungen in unserem gewerblichem Leben sei. Tie Ursache der Krankheit unseres sozialen Lebens sei der Umstand, daß der Fortschritt, den die Menschheit in der neuesten Zeit gemacht, kein gleichmäßiger ge- wesen, daß dem Fortschritte in der Technik auf dem Gebiete des industriellen Lebens nicht ein gleicher Fortschritt in der Er» kenntniß deS Zweckes der Arbeit entsprochen habe. In Be- zug auf die Arbeit habe im Altcrthum die Anficht geberrscht, daß dieselbe von einer niederen Mcnschenklaffe, von Sklaven, für die höhere Mcnschenklaffe, die Herren, venichtet werden müsse. Die dem alten auf der Sklaverei beruhenden Gesell- schaftSleben angemessene Ar ficht, daß der Sklave für den Herrn zu arbeiten habe und daß der Herr dem Sklaven nur das zu seinem Lebensunterhalte Nothwendige geben müsse, habe trotzdem, daß im modernen Staate die Sklaverei abgeschafft ist, noch nicht aufgehört, auf dem Ge- biete des gewerblichen Lebens die herrschende zu sein Die Herrschast jener Anficht habe es auch bewirkt, daß die Einführung des Maschinenwesens bis jetzt nicht den Arbeitern, son- dem nur dem Kapital, dem modernen Herrn Nutzen gebracht bat. Aufgabe der Arbeiter in der Gegenwart sei eS. zu Körper- schaften zusammen zu treten und als solche es durchzusetzen, daß die Kapitalrente kleiner, der ihnen zufallende Antheil an dem Arbeitserträge größer werde und daß der Maschinenbetrieb ihnen nicht weniger als dem Arbeitgeber zu gute komme. Allem, waS die Arbeit billiger mache, muffe seitens der Arbeiter mit Entschiedenheit entgegen getreten werden. Referent wieS dann nach, daß die Akkordarveit sowohl eine Verlängerung der Arbeitszeit, als auch eine Verminderung der Löhne in fich schließe, und warnte die Arbeiter davor, um der nur scheinbaren Vortheile willen fich auf Akkordarbeit ein- zulassen. In der Diskusfion, an welcher die Herren Löschte, Miethe und Franke fich bctheiligten, wurden die Ausführungen des Referenten durch Hinweise auf tyatsächliche Vorkommnisse bestätigt. Zum zweiten Gegenstande der Tagesordnung:„Wie verhalten fich die Schlosser Berlins zu ihrer Lohnkommisfion?" wurde von mehreren Rednern dem Wunsche Ausdruck gegeben, dass von den Anwesenden ein Jeder im Kreise der ihm defreundeten Kollegen für eine regere Betheiligung an der Lohnbewegung und an den von der Lohnkommisston einberufenen Versamm« lungen nach Kräften agitiren möge. Es wurden dann Ersatz»' wählen für die Lohnkommisfion vollzogen. Aus der Wahl gingen als neue Mitglieder der Lohnkommisfion die Herren Krüger, Köckritz und Franke hervor. Zur Lohnbewegung der Drechsler und verwandttn LerufSgenossen erhallen wir folgendes Schreiben: Bezug» nehmend auf dm in der Dienstags-Nummer des„Berliner Bolksblatt" veröffentlichten Bericht unserer Sonntags-Veisamm» lung erlauben wir uns folgendes zu berichtigen: Zunäckst war die Versammlung, wenn auch schwach, so doch von zirla 180 Personen besucht! Die weiteren Ausführungen des Berichtes, detreffend unsere Erfolge, entsprechen den Thatsachen. Zur Vermeidung jeden Jrrthumi und etwaiger falscher Auffaffung aeben wir jedoch in folgmdem Wortlaut die in der gestrigen Nummer nicht richtig wiedergegebme Resolution, welcke von der Versammlung angenommen wurde:»Die heutige General- Versammlung der Drechsler und verwandten BerufSgenoffm erklärt: 1) daß die bisher erzicltm Erfolge für uns maßgebend sein müffen; 2) erklären wir im Weiteren: um unsere Eifolge voll und ganz auszunützen, müffm wir uns organistren, d. h. der bestehenden Fachvereinigung anschließen und stets und ständig bereit sein, für fernere Zeit mit allm gesetzlich erlaubten Mitteln für die Bcfferung unserer so überaus traurigen Lohn« Verhältnisse einzutreten." Dies zur Richtigstellung des Be- richtes.— Weiter fügen wir zugleich einen neuen Erfolg zu dem bisher erzielten hinzu: Tie Arbeiter der Werkstatt Hoscus, Markusstraße, beantragten bei der Lohnk>.mmisfion am Montag Abend die Werkstatt-Arbeitssperre wegm vorgekommener Differenzen. Sofort wurden die nothwendigen Schritte gethan, um die Rechte der Arbeiter zu wahren und mit Erfolg. Bereits gestern(Dienstag) nach kaum zweistündiger Sperre erzielten die betreffendm Arbeiter eine ihren Forderungen entsprechende Einigung. Einigkeit macht stark, das habm auch die Kollegen dieser Werkstatt erfahrm; trotzdem von 10 Genosseu noch Einer in der Wertstatt gebliebm war, wurde doch die Einigung durck das Vorgehen der anderen 9 Genossen erzielt. Denselbm Aus» gang wie diese Sperre hatten auch die in der vorigen Woche verhängten Werkstättensperren; es waren zirka 5 mit 20 Gesellen. Kollegen! Arbeiter! Unsere diesjährige Lohnbewegung hat für uns Erfolge gezeitigt, wie mir sie wohl kaum erwartet haben: doch nun gilt es diese Erfolge auch festzuhalten. Zu» nächst alle Mann hinein in die Fachvereinigung, dann aber auch beständiges Steuern zum Generalfonds, denn wir müffen unbedingt im nächsten Jahre noch einmal vorgehen. Bedenkt, jeder Pfennig den wir für unsere Interessen opfern, wird uns hundertfach zurückgegeben. Vorwärts sei unsere Losung und wir werden den ganzen Sieg erringen.— In der nächsten Woche wird wiederum eine Versammlung stattfinden, um alles noch Nothwendige zu regeln, dann seid alle Mann am Platz. Diese Versammlung findet an einem Wochentage statt: wir er» suchen zur Zeit auf die Bekanntmachung zu achten. Die Lohn- kommisfion der Drechslergesellen. I. A. Rodert Sündermann, Gitschinerstr. 61 I. Der Nrbeiterverei«„Hoffnung" zu Friedrichsberg tagte am Eonnabend, de» 7. November, im Lokale des Herrn Neu- mann, Gürtelstraße 41. Herr Schuhmachermeister Metzner referirte in sehr verständnißvoller Weise über„Religion und Konfrsfion" unter Beifall der Versammlung. Zu„Verschie- deneS" wurde die Petttion an die hiesige Gemeindevertretung, betreffend die ungenügende Straßenbeleuchtung hiefigen Orts einstimmig angenommen. Nachdem der Vorsitzende noch auf- gefordert hatte, die noch ausstehenden Petitionslisten für daS Arbeiterschutzaesetz in mindestens 14 Tagen abzuliefern, erfolgte Schluß der Versammlung. Im Verein für die Reform der Schule und Er- ziehuna hält Herr Schäfer über die Frage: Wie weit ist die soziale Reform Sache allgemeiner Bildung? seinen zweiten öffentlichen Vortrag am Donnerstag, den 12. November, Abends 8V« Uhr, vor Damen und Herren, Alte Jakobstr. 37, im Louisenftädtischen Konzerthause. Der Gesangverein„Glückaus" tagt jeden Mittwoch Abend Schomsteinfegergasse 1. Männerpesangverein„Norddeutsche Schleife". Jeden Mittwoch im Theater-Restaurant, Dresdenerstraßc 71 bis 72, Uedungsstunde. Sprechsaal. Di« Rtdattwn stellt di« Benutzung de» Spr-chsaal«, soweit Raum dafür abtugeben ist, dem Publidun zur B-fprechung von Angelegenheiten allgemeinen Jntereste» zur Verfügung! fie oerwahrt steh aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt defleiben identifizirt zu werden. Zum Submission� Wesen. Obgleich bei uns in Deutsch» land ein elendes Bestcchungsverfahren, besonders im Sub» misfionswesen, wie in Rußland, nicht üblich ist, hat man es hier mit einer Konkurrenz zu thun, die für unsere Zukunft nicht stichhaltig ist. Die größeren Gischäfte jedweder Sj* betheillgcn sich nur an diesem Submisfionsverfahren unbp es sehr häufig vor, daß sie sich gegenseitig 60 bis 80 M bieten. Selbstverständlich werden gewöhnlich die Arbeite den Mindestf ordernden abgegeben. Wenn der Min»' dernde einen Kostenanschlag eingereicht hat, für den n Verwendung reellen Materials unmöglich bestehen kam weiß er sich dennoch zu helfen. Er vergiebt die Arbeitt: Stücklohn(Akkord), wobei mitunter ein Wochenlobn bn- kommt, welches ein menschenwürdiges Dasein unmöglich»� Sein Geschäft ist groß, er hat demzufolge dauernder und bleiben ihm die Arbeitertrotz deS niedrigen Lohnsatze» hänglicher als bei einem Kleinmeister, wo fie, gleiaM schlechte oder gute Zeiten find, einen höheren Lohn bekaim Aus diesen Gründen ist es ja auch leicht denkbar, daß m» Kleinmeister am jetzigen Submisfionswesen nicht erfolareu theiligen kann. Wenn z. B. im Submisfions verfahr� Bedingung gestellt würde: Der Submittent llebernahme der Arbeiten verpflichtet den, Arbeitnehmern'■ nach den Verhältnissen zu zahlenden Wochenlohn(nehm«' an 24 M.) zu zahlen, dann wäre schon damit ein � Stück„soziale Reform" gelöst, der Schundkonkurrenz em t> gesetzt und könnten nicht mehr solche Kostenanschläge, A nachstehend vorführen werde, abgegeben we.den.— stricharbeiten im Geldhallengedäude der Lberpostdirelm* der Spandauerstraße wurde z.B. vom Sobolta'schen M ein Anschlag eingereicht von 1540,61 M, vom Knöpgcs% schüft ein solcher von nur 628,21 M. Dieser Kontrast�! für fich selbst.— Nehmen wir nun an, daß der W fordernde auch noch ein gut Theil verdienen will, man fich unwillkürlich fragen, wie dies der Betriffende wird. Die Beantwortung habe ich schon oben näher ,IK Dieses ist nicht allein Sache der Gehilfen resp. ArberWJ sondern nach meiner Anficht erst recht Sache der und fie sollte fich verpflichtet halten, ganz energisch sm r. einzutreten. Unter meinen Herren Kollegen herrscht� die Anficht, daß die Gehilfen resp. Arbeitnehmer nur r* und oppositionell handeln, daß fie nur gewillt find, ih� Lage zu verbessern: diese? ist nach meinem TafürhM, vollständig irrige Anficht. Emil Pahnke, Malermeister,~ straße 3. 9r.& Ächchtt i & w � te Wv SÄ Aich« Theater. Opernhaus. Heute: Sardanapal. Schauspielhaus. Heute: Wallenstein's Tod. Deutsches Theater. Heute: Ein Tropfen Gift. Krtedrich-WilheltnMdttscheS Theater. Heute: Offenbach» Cyclus. Die schöne Helena. Refidenz-Theater. Heute: Theodora. Wallner-Theater. Heute: Herr und Frau Hippokrates. Messa»Dora. velle-Allianee-Theater. Heute: Der Hypochonder. Walhalla-Operetteu-Theater. Heute: Don Cesar. Viktoria-Theater. Heute: Meffalina. Central-Theater. Ntte Jakobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Zum 103. Male: Die wilde Katze. Gesangsrvff« in 4 Akten von W. Mannstädt, MufU von®. Steffen». Louisenstädtisches Theater. Direttion: Jos. FirmanS. Heute: Das Testament des Herzogs. Ofteud-Theater. Heute: Ein Berliner Reiseonkel. Königstädtisches Theater. Heute: Gastspiel der Lfliputaner. Die kleine Baronin. Theater der RetchShallen. KSglich: Aufreten sämmtlicher Spezialitäten. Ameriean-Theater. Täglich: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Kaufmann's VarleW. Täglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. Konkordia. Täglich: Auftreten sämmllicher Spezialitäten und theatralische Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Der Lumpensammler. Drama in 5 Akten nebst einem Vorspiel von Felix Pyat. In Paris auf dem Theatre de la Ponte Et. Martin über 100 Mal mit außerordentlichem Erfolge gegebm. Bor der Vorstellung: Großes Konzert der Hauskavelle. Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Bons haben Wochentags Gittigkrtt. Haehr's Casino. Orantenstratze 24. Naunynstrasie G5a. Täglich:«rcsse Spezlatltäten-VorsteUnnsr. Neu! Austreten de» berühmten Mignon-Tänierpaares Ge- schwister Footttt. deS TranSformattonskünstlers Hrn.Flössellt, veS urkomischen Willms, der Wiener Duettisten Geschwister Kranke, der Chansonetten Frl. Büren, Lazarini, Krüger. sowie Spezialitäten I. RangeS. Näheres die Tagesprogramme. Wochentags Ans. 8 Uhr, Sonntags Ans. 6 Uhr. 10. Wahlbezirk. Die Wählerliste für den 10. Kommunal-Wahlbezirk liegt von jetzt an im Zigarrengeschäft von Wilh. Knötschke, Mittenwolderüroße 2, zur Einficht aus._[2748 Verein znr Vertreinng der Inierejsen der Arbeiterinnen. Mitgiieder-Versammluug Donnerstag, den 12. November. Abends 8 Uhr, la Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77 79, oberer Saal.[2743 Tagesordnung: Jnneie Angelegenheiten. Neue Mitglie» der werden aufgenommen. Um zahlreiches und pünstlicheS Erscheinen ersucht Der Vorstand. NB. Der unentgeltliche Arbeitsnachweis befindet sich bei Frau Kreutz, Skalitzerstr. 23, und Frl. Eeeger, Prenzlauerstr. 39. Wie weit ist die soziale Reform Sache der allgemeine« Bitdung? Oeffentlicher Vortrag deS Herrn Schäfer Donnerstag, de« 12. November. Abends pünktl. 8'/« Uhr. im Louisen- städtischen Konzerthause. Alte Jakobstr. 37, zum Besten des Verein« für Reform der Schule und Erziehung. Zutcttt haben Damen wie Herren. Nach dem Vortrage Fragebeant- wortung und Diskussion.[2742 Neue Hamburger Kaffee-Kagerei F. A. Steiner, Nr. 9 Nttsdeier. Straße Nr zwischen Kottduser-Thor und Oranienplatz. Spezialgeschäft kür Kaffee, Zucker. Thee, Chokolade. Kakao. Vanille rc.[2744 Den geehrten Hausfrauen als sehr vortheilbafte Ein- kaufsquellc empfohlen. Rohe KaffeeS. ca. 30 Sorten. a Pfö. von 60 Pf. an, Eouchong-Thee, feinschmeckend, Psd. von 2 M. an, Chokolade, garantirt rein Kakao und Zucker, von 1 M. an. Zur bevorstehenden Wintersaisou empfehle meine Fsttrlk r-rzSgUcher Alf-, Ao-ble.:. Kolzschohe. ebenso Nntw» i» llllei SrSße«. l-oas SO., Mariannenstraße 10, SO. Börsten- «.«rifea.» Passage 1 Treppe. 9 U. 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