i j : Donnerstag, den 12. November 1888. II. Jahrg. MiurlMliitl Krgsn für die Jnterefftn der Arbeiter 4 r-; * -- W Oö i »Ol„Berliner VoUsdlntt� tdgitA Morgen« oujjet nach Sonn- und Festtage«. Ubonnementtpret« ftd W in« Hau, vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf �wwwemcm 4 Mf. Em,«lne Nr. 5 Pf. Sonntagt-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf �— v— sn nftioifunrtanrgialtß« für 1885 unter Nr. 746.) Jnfertioasgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 T Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bis 4 N Nachmittag« in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonee«« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraste 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Dil gerslhörfuiiz te Prchglschls. ___ CW r cvr t— t-____ ODm aC« a m am 1( v> rov f o ,-uet Antrag auf Abänderung de« Preßgesetzes von 1874, iäF. BundeSrathe vorliegt, bezweckt die Ver- die bisher auf sechs Monate sich belief, tu»?l>era. Man hat bei diesem Antrag hauptsächlich W.7®?� im Auge gehabt. DaS deutsche Sttafgesetz- U'"'ho« bekanntlich auch Bestimmungen gegen im Aus- .-»litis»- ,i-h SRrpünetoeben. die an dem oeiaaniticy auip...... begangene politische und Preßvergehen, die an dem M, oet bestraft werden sollen, wenn er den deutschen Ge- ßj»? ,? bie Hände fällt. Indem man die VerjährungS- «>sck»>° � Auslände verübten Preßvergehen verlängert, wan dem Urheber die Rückkehr, d. h. man schiebt if™"" hinaus, an dem er straflos zurückkehren kann. Hutm6% obschoa sie gegenüber der jetzigen . VerjährnngSparagraphen im Preßgesetz einen ite-tvl!. �"stellt, nicht besonders bedeutend. Namentlich Potanr» t � Grenzen des Reichs kommt der Verjährung«- tyKt �9 nur selten zur Geltung; er hat keine Wirkung Üefc/i®enn die Untersuchung einmal eingeleitet ist, und im Men>!!! 5"Seht ein stark gegen daS Strafgesetzbuch ver- soinfpi,"tonflSarlttel oder auch ein Buch selten der Aufmerk- Person� betreffenden Behörden oder der angegriffene« anlJf�firdig ist nur, wie diese Preßgesetz-Novelle ver- ■Fristen®'e wir uvS erinnern, waren früher die aufiusna�'�i einig darüber, wie der Verjährungsparagraph Plfßnern? f". Der Paragraph bestimmt einfach, daß sich« wenn keine Untersuchung eingeleitet wird, in bie beb»«.?� verjähren. Nun gab e« eine Menge Zuriste«, «uf die 9? te*' der Begriff„Preßvergehen" bezöge sich nur .»wmen ist. Wenn nun eine Beleidigung durch w c''e begangen wird, sagte man sich, so verjährt sie � �feuirfetoru 26) Die Hand der Uemests. Roma» von Ewald August König. (Fortsetzung.) sie."®0 geben Sie mir doch endlich Gewißheit," sagte Mate,'wmer gefürchtet, daß er zurückkommen und was wolltet Zhr thu», wen» er käme?" "Lch weiß es nicht!" "-in meinem Hause dulde ich ihn nicht!" "Aber wenn er nun nicht gehe« will?" '!>» f.- nn soll er sich anständig betragen, oder ich werfe Mauz, verstanden?" ni* Gott, was wird das«och geben?" Hiebt'».M 2hr jetzt nicht eine energische Frau seid, dann „(jj. em Unglück ," erwiderte der Antiquar lakonisch. auf � solche» Subjekt muß man zeigen, daß man Haare ich j. V} Zähnen hat. Drinnen in meinem Zimmer ist er, . chu gar nicht hinaufgelaffen, damit es da oben keinen gab." �o weiß Apollonia noch nicht—" bester'? bad's ihr nicht gesagt, und ich glaub' auch, eS ist %biL- s"le Vichts davon erfährt. Aber, wie Zhr wollt, l°nnt% lch habe Euch nur einen guten Rath gegeben, Zhr ttUf v. befolgen oder nicht: nehmt Zhr den Taugenichts .' werfe ich die ganze Familie hinaus." * Frau wollte sich erheben, aber die Hand de« M legte sich auf ihre Schulter und drückte sie auf luhl zurück. sagte er,„hört erst, wie'S gekommen ist. Ü be» roni?iJ schläft, er war betrunken, wartet, bi« S ee.ausch ausgeschlafen hat. Vor zwei Stunden Haue gekommen, und hätte er Euren �stoge-% gonannt, war' er auch sofort wieder hinauS-- x sagte mir gleich, er sei Euer Mann, und nach dem Sttafgesetz in 6 Monaten, während doch die Be- strafung nur auf Grund des Sttafgesetzbuchs eintreten kann, das eine ganz andere Verjährungsfrist hat. Hier ist ein Widerspruch allerdings vorhanden. Zhn zu löse«, wäre nicht«öthig gewesen, daß man zurück ging; man hätte ihn auch vorwärts, d. h. im Sinne der Preßfteiheit, lösen können. DaS Reichsgericht hat, wie ofsiziöse Blätter mittheilen, die im Preßgesetze festgesetzte Verjährungsfrist auch für solche Preßvergehen averkannt, die auf Grund des Strafgesetzbuchs zu bestrafen sind. Dies geschah, al« man im Zahre 1883 einen Anarchisten oerhaftet hatte, von dem man an- nahm, er sei Mitarbeiter von Most'«„Freiheit" gewesen, al« sie noch in Bade» erschien. Dieser Anarchist war an einem konservative» Blatte zu Potsdam angestellt worden. Als die Polizei von seiner Anwesenheit Wind bekam, verhaftete sie ihn und man begann beim Reichsgericht die Untersuchung gegen ihn. Da sich aber ergab, daß die Artikel, für deren Verfasser man ihn hielt, schon sechs Monate vor Beginn der Unter- suchung in der„Freiheit" erschienen waren, so galt die Verjährungsfrist für abgelaufen und der Verhaftete wurde außer Verfolgung gesetzt, befindet sich unseres Wissen« zur Zeit auch noch in Deutschland. Der Stteit wegen ver Uebertragung der VerjäbrungSfrist de« SttafgesetzeS auf Vergehen, die auf Grund des Strafgesetzbuches zu ahnden sind, trat bei dieser Gelegenheit nicht hervor, obscho« früher, wenn wir uns recht erinnern, die Zmiftea sich über diese« Punkt häufig nicht einigen konnten. Von einer„Rechtslücke" kann hier unseres Er> achtens nicht die Rede sein, wenn schon die offiziösen Blätter dies behaupte«. Ein Widerspruch ist da, aber wir können eS im Interesse der Preßfreiheit über- Haupt nicht für angebracht finden, daß man diesen Wider- sprach durch einfache Verlängerung der Verjährungsfrist aufhebt. DaS hätte sich doch auch auf andere Weife be» wirken lassen. Wie sich wohl der Reichstag dazu stellen wird? Nun, er wird die Novelle zum Preßgesetz annehmen. Herr Most und Genosse» haben mit ihren grotesken Phrase» bis jetzt weiter noch nichts erreicht, als daß die wenigen bürgerlichen Freiheiten, die noch geblieben, mehr eingeschränkt warben sind und noch mehr eingeschränkt werden. Sie rühmen sich dessen, und beweise» dadurch, daß nicht nur ihre Theorien, sondern auch ihre Taktik wahnwitzig ist. _ Vw volitifche Ueberstcht. Der nächste Antrag auf Erneuerung des Militär- septennat« dürfte— so memr die„Lib. Corr."— zugleich freuen würdet Ihr Euch auf va« Wiedersehen nicht, aber das Hundeleben habe er satt, jetzt solltet Ihr für ihn sorgen." „Der Elende! Hat er mir»och nicht Kummer und Sorgen genug bereitet?" „Wird wohl noch besser kommen, Madame, wen« Zhr ihm nicht die Zähne zeigt! Laßt ihn in eine Besserung»« anstalt bringen, verstanden? Ich Hab' ihm gesagt, Zhr seid autgegangen, und al« er einmal sich hingesetzt hatte, schlief er auch schon ein. Er kann nachher einen Teller Erbsen mit Speck esse», und dann sehen wir, wa« mit ihm anzufangen ist." „Wenn er noch immer der Sklave seiner schlimme« Leidenschaften ist, dann wird er auch keine Vernunft aaneh- men," seufzte Frau Siebel.„Zch habe ja damals schon Alle« versucht—" ..Alle«? Nicht« für ungut, Madame, Zhr habt ihn wahr- scheinlich mit baumwollenen Handschuhen angefaßt, e« wäre besser gewesen. Zhr hättet den Besenstiel genommen." „He- Wirthschaft!— Wo ist der verfluchte Kerl? Gebt mir einen Bitter»!" rief eine heisere Stimme. Der starre Blick der ehemaligen Wärterin ruhte voll Entsetzen auf dem Vagabund, der in der geöffnete« Thüre �„Einen Bitter«? Den sollt Ihr haben, Freundschaft!' sagte der Antiquar gelassen, während er m fern Schlaf. , immer ging, und als er gleich darauf zurückkehrte, ttug er in der rechten Hand eine Reitgerte, t« der lmken em Gla» �Der Vagabund hatte inzwischen sich in der dunklen Küche umgesehen und seine Frau bemerkt- er sah sie eine Weile stier an, dann schlug er et« höhnisches Ge- lächter auf. „Ist dieser alte Knasterbart jetzt Dein Freund?" fragte -r.„Grawlire, der Kerl schemt Geld zu haben!" Die kleine Frau hatte sich hoch aufgerichtet, der Zorn Du Dich S Dir selbst, so solltest Du Dich vor Anderen schämen!" erwiderte sie.„Du bist er« verlorener Mensch—" mit Vorschlägen wegen Erhöbung der Friedensprasenzziffer ver- bunden sein. Die offiziösen Blätter bereiten auf diese Vorlage vor, indem fie davon ausgehen, daß verfassungsmäßig die FliedenSpräsenzziffer 1 pCt. der Bevölkerung betragen müsse, die Bevölkerung aber seit der letzten Festsetzung der Friedens- präsenzziffer gestiegen sei. In der letzten Vorlage war die Er- böbung der Friedenspräsenz für die Zeit bis 31. März 1888 auf 1 pCt. der ortsanwescndcn Bevölkerung nach der letzten Volkszählung bcanttagt, die Majorität des Reichstages aber strich oie Festsetzung auf 1 pCt. der Bevölkerung aus dem Text des Gesetzes weg und bestimmte die Friedenspräsenz auf 427 274 Mann, damit es nicht den Anschein habe, als ob bei steigender Bevölkerung auch die Präsenzziffer des Heeres er- höht werden müsse. Der Reichstag wird sich mit dem Nach- weise, daß die Bevölkerungszabl gestiegen sei, nicht begnügen, er hat das Recht, den Nachweis dafür zu verlangen, daß eine Erhöhung der FriedenSpräsenzziffer im Interesse der Sicherheit Deutschland» unerläßlich ist. Der EtatS-Entwurf für daS Auswärtige Amt für daS EtatSjabr 1886/87 schließt in Einnahme mit 633235 M. (gegen daS Votjahr mehr 15505 M.), bei den forpauenden Ausgaben mit 7 377 535 M.(gegen daS Vorjahr mehr 234 460 M.) und bei den einmaligen Ausgaben mit 615000 M. (gegen das Vorjahr mehr 79060 M.) ab. Der Mehransatz bei den fortdauemden Ausgaben beruht im Wesentlichen auf der Ausbringung einiger neuen Stellen bei der Zentral Ver- waltung, auf der Erhöhung der Repräsentationskosten zweier Gesandten und auf einigen Reuforderungen für Konsulate. Bei den einmaligen Ausgaben ist das Mehr hervorgerufen durch die Uebernahme der bisher in den Etat des Reichsamts des Innern ausgebrachten Beihilfe zur Förderung der auf Eifchließung Zentral-Afrikas und anderer Ländergebiete ge- richteten wissenschaftlichen Besttebungen. Die Etatsentwürfe der königlich sächsischen und der württembergischcn Militärverwaltung für 1886/87 schließen mit einem Mehrbedarf von 904 106 M. bezw 1 020 626 M., wovon 424 176 M. bezw. 199 293 M. auf die fortdauern- den Ausgaben entfallen, während die noch verbleibenden Mehr- beträgt dem ordentlichen Etat der einmaligen Ausgaben ange- hören. Die Mchrforderungen beziehen fich im Allgemeinen auf dieselben Zwecke, welche in dem Etat des preußischen Kontin- gents vorgesehen find. Im Ganzen erreichen die Ausgabe- etatS der drei im Reichshaushalt speziell zum Nachweis gelan- genden Militärverwaltungen eine Höhe von 303 655 953 Mark bei den fortdauernden Ausgaben, das find 6 283 191 M. mehr als im Vorjahre, und von 20 607 455 M. bei den einmaligen Ausgaben deS ordentlichen EtatS, daS find 9 317 332 M. mehr als im Vorjahre. Die Nachricht von der bevorstehenden Ernennung des Grafen Herbert Bismarck zum Staatssekretär wird in manchen Blättern als unrichtig dezeichnet, während andere glauben, daß dieselbe auf Wahrheit beruhe. Zu demselben Thema schreiben die sächsischen konservativen„Dresdener Nach- richtm":„Auffällig ist in der That das rasche Aoanzement dcS SohneS des Reichskanzlers. Graf Herbert Bismarck hat nur das erste diplomatische Examen abgelegt und würde damit jetzt „Und wer hat mich so weit gebracht? Du! Hol' der Teufel Deine Liebhaber und Deine Geheimnisse, Du hast mich unglücklich gemacht, jetzt sollst Du mich auch er- nähren." „Da« Maul gehalten, Freundschaft!" sagte der Antiquar befehlend.„Betragt Euch anständig, sonst werfe ich Euch hinaus. Da hinein, vorwärts!" Siebel kam dem Befehle murrend nach, die Frau folgte, zitternd vor Auflegung, de« beiden Männern. „Da habt Zhr Euren Bittern," fuhr Zakob Hoch- muth fort, indem er da« Gla« auf den Tisch stellte, .trinkt!" „Wasser?" erwiderte der Vagabund verächtlich. „Zhr thätet gut, nichts Anderes mehr zu trinken, ver- standen?" „Das sind meine Sachen!" „Natürlich! Dann sucht aber auch den Narre«, der Euch da« Geld giebt!" „Da« werdet Ihr mir geben!" „Zch ".ZHr oder das Weib da. mit ist e« egal." „Na, dann will ich Euch vorab sagen, womit ich solchen Burschen, wie Ihr einer seid, zahle." erwiderte der Antiquar, indem er dem Vagabunden die Reitgerte vor dis Augen hielt.„Kennt Zhr dieses Instrument? Wen« ich Euch da« einmal um die Ohren pfeife« lasse, vergeht Euch Hören und Sehen!" Siebel wollte lachen, aber der entschlossene Ernst, der in den Zügen de« Antiquars sich spiegelte, verleidete ihm die Lust dazu, er»erzerrte nur da« Gesicht zu einem höhnt- schen Grinsen. „So, jetzt wollen wir vernünftig mit einander reden," fuhr Zakob Hochmuth fort,„Zhr werden nun wissen, daß Zhr an mir Euren Mann gefunden habt. Weshalb seid Zhr vor zehn Zahren fortgelaufen?" „Weil da« Weib mich fortgetrieben hat." „Das ist eine Lüge!" erwiderte Frau Siebel. „Ruhig!" gebot der Antiquar.„Die Frau ist brav und rechtschaffen, Zhr aber seid ein Taugenichts, ver- standen?" in ein Amt einrücken, welches bisher von einer der ersten diplo> malischen Kapazitäten ausgefüllt wurde. Man braucht nicht gerade anzunehmen, daß die neuerliche Schiebung in den höchsten Diplomatenstellen(Fürst Hohenlohe aus Paris nach Straßburg, Graf Münster aus London nach Paris, Graf Hatzfeld von Berlin nach London) eigens dazu vorgenommen wurde, um für Graf Herbert ein weiches Bett zu schütten und man- muß doch den Vorgang ungewöhnlich finden".„Aber da der betr. Posten eigens um des Grafen Hatzfeld willen auf 50000 M., statt der früheren 36000 erhöht wurde, so wäre die Wiederermäßigung deS GehaltS auf die normale Höhe eine Probe darauf, ob der Reichstag dabei an das Sprüchwort von päpstlichen Neffen und Kardinalen denkt." Die klerikale„Schles. Volksztg." schreibt über die Ange« legenheit folgendes:„Schwerlich rst es bloßer Zufall, daß der ehemalige Vertraute des Reichskanzlers, Herr Lothar Bucher, unstreitig die bewährteste Kraft im Auswärtigen Amte, gerade jetzt seinen Abschied gefordert und zunächst einen sechSmonat« lichen Urlaub angetreten hat. Derselbe hat gleichzeitig mit dem Abgange deS bisherigen Staatssekretärs, Grafen Hatzfeld, sein Dezemat abgegeben. Sehr gespannt ist man in politischen Kreisen darauf, ob der jugendliche Graf Bismarck auch mit seiner Emennung zum Staatssekretär als Mitglied in daS Slaatsministerium eingeschoben werden wird. Man hielt dies vielfach für ganz undenkbar; aber unmöglich ist ja bei uns, wie die Erfahrung lehrt, gar nichts." Ueber die Ausweisung einer Anzahl Deutsch-Ame« aikaner tbeilt die„D. Ztg." folgendes mit: Von den schleS« wigschen Nordseeinseln und insonderheit von der Insel Führ wandern ahjährlich zahlreiche junge Leute auS. Viele derselben kehren nach Jahren, wenn fie fich in den Vereinigten Staaten das Bürgerrecht erworben haben, wieder zurück, um auf kürzere oder längere Zeit ihre Eltem und sonstige Verwandte zu be« suchen. Bisher wurde diesen Leuten mit Beziehung auf ihren Aufenthalt in der Heimath keine Schwierigketten gemacht. DieS scheint jetzt anders zu werden. Die neuerdings auS Amerika zurückgekehrten jungen Leute haben Ordre erhalten, das prcu» ßische Staatsgebiet bis zum 15. November zu verlaffen. Man nimmt an, daß die Regierung durch diese Maßregel der großen Auswanderung einen Damm setzen will. Die Ausgewiesenen, welche amerikanisches Bürgerrecht befitzen, beschwerten fich zu« nächst bei dem amerikanischen Konsul auf Führ, der seinerseits der amerikanischen Gesandtschaft zu Berlin Anzeige er« stattet hat. Vom Reichstagsabgeordeten Hasenclever erhält die „Volkszeitung" folgende Berichtigung: In Nr. 266 erstes Blatt bringen Sie eine Notiz aus Breslau, der„Schles. Volksztg." entnommen, welche von„bestunterrichteter Seite" er« fahren will, daß ich„thatsächlich" in Kürze nach Breslau über« fiedele, um die Leitung der dortigen sozialdemokratischen Partei zu übernehmen. Daran knüpft das genannte Blatt die Mit- theilung, daß vom 1. Januar ab in BreSUm ein Arbeiterblatt erscheinen würde, welches gegen die beiden dortigen Gericht? zeitungen energisch Front machen wolle. Thatsächlich ist nun, soweit meine Person dabei in Betracht kommt, an alledem kein wahres Wort. Aber auch von der Gründung eines Arbeiter- blattes in Breslau ist mir nichts bekannt, tauch weiß ich nicht, wer in diesem Falle die„bestunterrichtete Seite" sein soll. Ich will dabei noch bemerken, daß ich mich, so lange das AuS« nahmeaesetz gegen meine Partei besteht, an der Gründung eines Ardeiterblattes, besonders in Breslau, ficher nicht be« theiligen werde. Diejenigen Blätter, welche die unrichtige Mit« theilung aus der„Schlefiichen VolkSzeitung" gebracht haben, bitte ich um gefällige Aufnahme vorstehender Berichtigung. Halle a. E., den 6. November 1885. W. Hasenclever. Eine neue Sklaverei? Der Vorfitzende der deutsch' ostafrikanischen Gesellschaft, ein Herr PeterS, hat vor einigen Tagen in Effen über die ferneren Abfichten dieser Gesellschaft einen Vortrag gehalten, in welchem er fich folgendermaßen äußerte:„In Östaftika könne eS fich lediglich um Plantagen» wirthschaft handeln, die zu organistren jetzt eine Hauataufgabe d-.r veutsch-ostafrikanischen Gesellschaft sei. Die Arbeiter» bevölkerung müffe aus dem Sklavenmaterial ge- schaffen werden. DaS wird am besten geschehen können, in» dem die Sklaven angekauft werden; denen man dann gewisse Distrikte zur Bebauung übergiebt und die man dann durch Ueberweisung einer gewiffen Tantieme an ihre Station fesselt.„Durch den Verkehr mtt den Deutschen wer- den fich für die Eingeborenen Bedürfnisse herausstellen, die fie jetzt noch gar nicht kennm; vielleicht könnte auch ein Gesetz eingeführt werden, nach welchem jeder fich bekleiden muß, und fie würden dadurch gezwungen, fich Kleider anzuschaffen und, um diese bezahlen zu können, zu arbeiten." Daß fich auch Niemand finden will, der die Arbeit für diese noblen Herren in dem ttopischen Afrika verrichten will. So etwas ist natürlich höchst unangenehm. Und nun kommt noch hinzu, daß die Schwarzen partout in der Hiye unbekleidet herumlaufen wollm, mithin also nicht einmal daS Geringste an Kleidungsstücken zu konsumiren brauchen I Aber daS Mittel hat der kluge Herr PeterS bereits entdeckt, welches Abhilfe fchaffen kann. Man mache schnell ein Gesetz, nach welchem „Wir wollm die Sache herumdrehm," höhnte der Vagabund.„Das Weib hat mich bettogm, hat von ihrm guten Frmndm Geld genommen und mit vorgeschwindelt, eS seim Zinsm von einem ererbten Kapital." „DaS war kein Grund, sich dem Trunk zu ergebe« und mich zu mißhandeln," sagte die kleine Frau mit zitternder Stimme.„Ich durfte ihm ja nicht sacjen, wofür ich das Geld bekam, er hätte mir verträum müssm. Aber da warf er gleich eine« beleidigmdm und mtehrmdm Verdacht auf mich, und ich konnte sagm, was ich wollte, er glaubte mir nicht." „Ein solcher Esel bin ich nicht," spottete Siebel..Mit schönen Redensartm lasse ich mich nicht fangm—" „Und Ihr seid dennoch ei» Esel!" fiel der Antiquar ihm in'« Wort.„Wo habt Zhr Euch so lange Herumgetrieben?* „In Holland." »Zeh« Söhre lang?" .Hab' in Amsterdam gearbeitet—" „Hinter der Gmeverflasche, das muß man kennm. An Weib und Kind habt Ihr dabei wohl nicht gedacht?" „Mein Kind? Pah, weiß ich dmn-" „Jetzt haltet dm Rand, oder die Reitpertsche saust Euch um die Ohrm! Was wollt Ihr hier? Weshalb seid Zhr zurück gekommen? Macht's Euch Spaß, wmn die Sttaßenjungm hinter Euch her laufm? Den Spaß konnte die Polizei Euch verderbm, verstandm?" Der Vagabund hatte das sttupprge Haupt auf die Arme gestemmt, er stierte mit de« glasigm Augen dm Antiquar yöhuisch an. „Die Polizei?" wiederholte er« heiser.„Die hn eine heftige, absolute Form gekleidet, und erklärte, was auö der Gemeinderath beschließen möge, man werde kein religio!!» Abzeichen aus einer Echulstube wegnehmen, so lange er Ad' junkt sei. Gras bestritt, daß er seinem Wunsche«me heM Form gegeben hätte, und fügte hinzu, die Haltung deS# junften flöße ihm Mitleid ein. Nun entstand ein Tumult...... der eine Weile dauerte, alle Gemeinderäthe hatten fich erhri>, und da der Ucberbringer keinen prompten Bescheid ' gab, so ging ein Angestellter des Geschäftes von M das Telephon, ließ fich mit Adolph Kl. in der !>i,�straße verbinden und fragte:»Welche Farben sollen _% Ahnen bei uns bestellten spanischen ShawlS haben?" I k gar nicht tingefallen, bei Ihnen spanische Shawls lasten Sie den Ueberbringer fest!" lautete die w Antwort. Inzwischen war aber der Betrüger, Situation zu bedenklich geworden, aus dem Geschäfte w und es blieb nur übrig, der Kriminalpolizei von z�Malle Anzeige zu machen. Das Telephon aber hat auf ÜSrl? bie Engroshandlung von Echw. vor dem Verluste «er Dutzend spanisches Shawls behütet. «s'ber gleichzeitiges Telegraphiren und Telephonire» Linien. Ueber dieses Thema hielt Telegraphen- �ir. Kareis im Wiener Elektro« technischen Vereine einen Wen Vortrag. Er führte aus, daß die Telephonie auf Distanz fich in der That in nicht gar zu ferner Zeit in bißK der Verkehrsmittel einfügen zu wollen scheine. Seit ndung des Telephons habe man einerseits zu weit- Hoffnungen, andererseits aber zu große Zweifel ar Anwendbarkeit geknüpft. Die Zwerfel seien meist>""" % W gewesen, denn es sei gelungen, lautsprechende % stwer Telephone, welche auf weite Distanz hikaus wLL iu konstruiren, aber die Kombinationen, welche das ' btti, jum Ersätze für Telegraphen-Apparate hätM machen Nlenk, bis jetzt bloße Kombinationen gehliebe eidk.-.r' ivwie bis» D�k�mieriakeiten. meirf) Dieser fich der bie großen Schwierigkeiten, welche fich der vA bieses neuen Verkehrsmittels entgegenstellten, seien ?°iii nch die Staatsverwaltungen derselben gegenüber re» Nhl Die zu überwindenden Schwierigkeiten seien Met ZwM'Aor als auch polttischer, polizeilicher und finan- itl �«wenw � Telephon stehe aber schon für weite Strecken S»t, ung. So von Brüffel nach den Städten Ostende, rS« Löwen, Lüttich, VervlcrS, Charleroi und . b°z S-l1 von Antwerpen nach Gent und Lüttich. Dahei Van Ryffelberge auf das ganze Leitungsnetz dessen Länge 6800 Kilometer mit einer Draht- Mcht n)ortiAon � 000 Kilometern beträgt, in Anwendung ge« Hungen J"- Dieser Thatsache gegenüber hätten es dieVer- A" der weiften Länder für nothwendig gefunden, fich rWen sA.��n Grundlage, welche die Ausführung des ge- ane ein Ä�ws bildet, an Ort und Stelle durch berufene jofif, v"! Vild zu verschaffen. Die österreichische Re- P 8 L diese Angelegenheit von allem Anfange an scharf , Auftrage des Handelsministers studirte der ? Velgien das System, über dessen Resultate „berichten ist: Das System Van Ryffelberge hat SlnWn ar ftunßtn aufzuweisen: Verstärkung der schallver- W»on �varate, Beseitigung der Induktion, welche, so- Mard,�.? Telegraphie als auch von der Telephonie auf M ftir;!fn herrührend, ein bisher unübersteigdareS Hin« baz Telephonie auf weite Distanzen hildete; endlich IM i,*! bie Möglichkeit, nicht nur auf weite Ent> ,"'elephoniren, sondern auch zu diesem Zwecke die �■---... c. /■ w.»______ ci- » dandenm" und gleichzeitig durch die Telegraphie in - genommenen Drahte zu benutzen. igen n Gel m % m In vf W«----------'7" u—----■ um,'fittttg der Bevölkerung Berlins nach den Ver- statistischen Amts der Stadt. � Die.fortge- W f-J? s'6 Dan» -bel v? i> pich� ?" Uklaf»"»*uwF*Mö�«b*♦!»»*» vvi. w.wv... ,, m ��öszahl betrug am 17. Oktober inkl. Ler ü"b Abmeldungen 1 291 604, hat fich dem- �°.„nA �gt es, aber ich weiß nicht, ob'» wahr ist." Myj, 0 tch wüßte nicht, welches Gebeimniß e» i£Vz Euch den Kopf nicht, Freundschaft, Ihr �hin" 9 herau» bekommen, Euer bischen Verstand reicht ..UÄ�eit mehr." ..Von'StSP'* b0� eTfa�en!" den Bruber der General«?" "Sog« seh, genau.'"'" er kommt ja oft zu meiner Frau!" >t. wir, bei Eurer Frau ist er, so lange sie hier nicht gewesen." i? biet!' � wa« haltet Ihr von ihm?" fragte Siebel, %M. Versicherung gar kernen Glaubm zu schmkm "Da«'ist wenigstens ein ehrliches Geständniß." M5UM5W- sammm 780(darunter 92 außereheliche), todt 25 männliche, 15 weibliche, zusammen 40(darunter 4 außereheliche) Kinder. Die Lebendgedorenm, aufS'Jahr berechnet, bilden 31,5, die Todtgeborenen 1,2 pro Mille der Bevölkerung, die außerehelich Geborenen 11,85 pCt. aller in der Woche Gebormen, davon die bei den Lebendgeborenen 11,79, die bei dm Todtgeborenen 13,33 pCt. In der kgl. Charitee und Entbindungsanstalt wurden 37 Kinder geboren. Gestorben(ohne Todtgedorene) find 517, nämlich 284 männliche, 233 weibliche Personen. Von diesen warm unter 1 Jahr alt 150(inkl. 22 außereheliche), 1 bis 5 Jahre 98(inkl. 6 außereheliche), 5—15 Jahre 27, 15 bis 20 Jahre 5, 20-30 Jahre 38, 30-40 Jahre 43, 40-60 Jahre 84, 60 biS 80 Jahre 63, über 80 Jahre 9. Die Sterbefälle beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 47,97 pCt. sämmt- licher in dieser Woche Gestorbenen aus. Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Kindem starben 38 im ersten, 22 im zweiten, 12 im dritten, 11 im vierten, 11 im fünften, 4 im sechsten, 52 im fiebenten bis zwölften Lebensmonate; von denselben waren ernährt 22 mit Muttermilch, 3 mit Ammen- milch, 83 mit Thiermilch, 1 mit Äilchsurrogaten, 15 mit gemischter Nahrung, von 26 war es unbekannt. Todesursachen waren besonders: Lungenschwindsucht(74), Lungenentzündung (45), Bronchialkatarrh(9), Kehlkopfentzündung(17), Krämpfe (28), Gehirnschlag(11), Gehirn- und Gehirnhautentzündung(15), Krebs(22), Alterschwäche(15), Lebmsschwäche(29), Abzehrung (11), Masern(2), Scharlach(9), Diphtherie(41), Typhus(4), Diarrhöe(10), Brechdurchfall(10), an anderen Krankheiten starben 153 und durch Selbstmord 14, davon durch Vergiftung 2, durch Erschießen 4. durch Erhängen 5, durch Ertrinken 3. Die Sterblichkeit der Woche auf das Jahr berechnet, kommm durch- schnittlich auf 1000 Bewohner in Berlin 20,8, in Breslau 22,1, in Frankfurt a. M. 19,0, in Köln 21,7, in Dresden 20,2, in München 25,4, in Bremm 23,1, in Stuttgart 15,5, in Wien 21,1, in Paris 21,2, in London 18,6, in Liverpool 22,4. In der Woche wurden dem Polizeipräsidium gemeldet als erkrankt an Typhus 34, an Masern 44, an Scharlach 62, an Diphtherie 187. In den 9 größeren Kranlenhäusem wurden in der Be- richtswoche 776 Kranke aufgmommen, davon litten an Masern 1, an Scharlach.3, an Diphtherie 39, an Typhus 8, an Rose 7. Es starbm 113 Personen oder 21,0 pCt. aller in der Woche Gestorbenen', als Bestand verblieben 3612 Kranke. Gerichts-Zeitung. Wie», 9. November.(Ein Roman des Dr. Sigl.) Vor« gestern erschien der bekannte klerikale Redakteur deS in Mün- chen erscheinenden„Vaterland", Dr. Johann Eigl, bei dem Polizei-Kommiffariate Leopoldstadt mtt der Anzeige, daß seine Wirthschafterin, Anna Äuchmayer, aus seiner Wohnung, München, Damenstiftstraße 16, plötzlich entschwunden sei. Er fügte hinzu, er sei deshalb nach Wien gekommen, weil er in Erfahrung gerracht, daß Anna Buchmayer fich nach Wien ge- wendet und bei einer Kupplerin, Namens Marie Hager, wohn- Haft Valeriefiraße im Prater, Aufnahme gefunden habe. Er bitte, die Polizei möge ihm beistehm, das unerfahrene 18 jäh- rige Mädchen dem Abgrunde zu entreißen. Die Angaben des Dr. Sigl fanden ihre Bestätigung in der Thatsache, daß Anna Buchmayer am 4. d. Mts., AbendS, aus München hier eingetroffen war, von ihrer angeblichen Tante Marie Hager vom Bahnhofe abgeholt und in deren Wohnung ge- ' itet wurde.— Licht in diese mysteriöse Sache zu dringm, war dem Bezirksgerichte Leopoldstadt vorbehalten, vor welchem gestern Anna Buchmayer, ein bildhübsches Mädchen, und Dr. Johann Sigl erschienen, um Zeugenschaft gegen die in Folge der Anzeige deS Dr. Eigl in Untersuchung gezogene Marie Hager abzulegen. Der Richter, Adjunft Dr. Röhn, vernahm zunächst Anna Buchmayer, während Dr. Eigl vor- läufig aus dem Verhandlungssaale abtreten mußte. Das Mädchen machte den Eindruck der größten Hilflofigkett; fie warf einen scheuen Blick auf die Thür, aus welcher fich eben Dr. Eigl entfernt hatte, und brach nun in Thränen aus. Eine schwerwiegende Anklage war es, die fie, nachdem fie fich einiger- maßen gefaßt hatte, gegen Dr. Eigl erhob. Ein jungeS, un- erfahrenes Mädchen, sei fie in daS Haus des Dr. Eigl ge- treten, derselbe habe fie verführt und entehrt. Sie habe einen unüberwindlichen Abscheu gegen ihn empfunden, und ihr ganzes Sinnen und Trachten sei darauf gerichtet gewesen, dem Hause Sigl's zu entfliehen. Eigl sei verhrtrathet, dessen älteste Tochter sei ihre intimste Freundin, fie sei mit oersclben im Kloster St. Vincent in Hall erzogen worden. Die Beziehungen, in welchen fie zu Dr. Sigl gestanden, seien dieser seiner Tochter nicht unbekannt geblieben. Als Dr. Eigl im vorigen Jadre die achtmonatliche Gefängnißstrafe wegen Beleidigung des Fürsten Bismarck antrat, habe er fie wieder der Obhut deS Klosters St. Vincent übergeben. Dort sei fie so lange, als Dr. Sigl im Gefängnisse weilte, geblieben, um dann neuerdings, wenn auch gegen ihren Willen, in dessen Haus zurückzukehren.— So weit äußerte fich Anna Buchmayer über Dr. Eigl. Dieser, welcher nun in den Saal gerufen wurde, stellte anfangs mit Entschiedenheit in Abrede, in einen intimen Verkehr zur Anna Buchmayer getteten zu sein.„Ich habe", sagte er,„fie auf noch dem Trunk ergeben ist, so muß er in eine Besserung»- anstalt gebracht werde», verstanden?" „Wenn Ihr das meint, ich mache Alle« mit. Aber wenn'« mir in der Anstalt nicht gefällt, dann breche ich aus, und dabei kann's Mord und Todtfchlag geben." „Dann kommt Ihr in'< Zuchthaus." „Gut, meine Frau hat'S auf dem Gewissen." ?„Eure Frau? Ich sag' Euch noch einmal, sie ist ein oraveS, rechtschaffenes Weib, und Eure Tochter verdiente auch einen anderen Vater. Von der Frau könnt Ihr nichts erwarten, sie hat für sich selbst kaum genug, und einen solchen SaufauS braucht sie nicht zu unterstützen. Nicht« für ur gut, Ihr könntet nichts Besseres thun, als Euch«ach Arbeit umzusehe« und ein anderes Lebe« zu be- ginnen. Wenn Ihr da« wollt, sollt Ihr, bis Ihr Arbeit erhalten habt, jeden Tag Euer Mittagessen hier finden, ver- standen?" .Na? Und das Uebrige?" „Geld für Branntwein bekommt Ihr nicht." „Ich soll wohl auf der Straße schlafe« und—" „Für Alle«, wa« Euch zukommt, soll gesorgt werde«, aber nur unter der Bedingung, daß Ihr ein ordentlicher Mensch werdet." Der Vagabund schüttelte de« Kopf. „Das paßt mir so recht nicht." sagte er,„aber ,ch will e« mir überlegen. Wenn ich hinter da« Gehennmß komme—" „Da hättet Ihr früher nachforschen müssen," fiel Jakob Hochmuth ihm in» Wort.„Jetzt sind alle Spuren verwischt. Weshalb bleibt Ihr auch so lange in Holland?" .Vorhin habt Ihr mir gesagt, ich hätte aar nicht zu- rückkommen solle», und jetzt ftaat Ihr mich, weshalb ich nicht früher gekommen sei? Ihr schemt die Smne nicht alle beisammen zu haben! Also hinauf darf ,ch nicht?" "Wohnt der Polizeisekretär auch oben?" „Hütet Euch nur vor dem, er spaßt nicht „Beißt er?" spottete Siebel.„An mir könnte er sich ihren eigenen Wunsch in mein Haus aufgenommen, um ihr ein angenehmes Heim zu schaffen, und ihre Bekanntschaft habe ich bei einer Unterhaltung gemacht."— Der Richter hielt nun dem Dr. Sigl die Angaben der Anna Buchmayer vor, worauf Dr. Sigl fich an die Letztere mit den Worten wendete:.�jch danke, mein Fräulein!"— Richter: Ich bitte, fich doch über meine Frage zu äußern.— Dr. Eigl: Nun denn, ja, ich habe mit ihr intime Beziehungen unterhatten. Nach diesem Zugeständnisse trat Dr. Sigl aus seiner Reserve heraus, und er gab nun auch zu, daß er Anna Buchmayer am 4. November 1884, als er die ihm wegen Beleidigung des Fürsten Bismarck zuerkannte achtmonatliche Gefängnißstrafe an- trat, in das Kloster St. Vincent gebracht habe.— Richter: In dasselbe Kloster, in welchem ste erzogen wurde, in ein Kloster, wo dieses nun schon verdorbene Mädchen mit unschuldigen jungen Kindern in Verbindung treten mußte— das war doch gewissenlos von Ihnen.— Dr. Sigl: Ich habe die Oberin aufmerksam Darauf gemacht. Damit war die vorläufige Vernehmung des Dr. Sigl beende!, und er gab das Ver» sprechen, heute zur Vrrhandlung gegen Frau Marie Hager be- stimmt zu erscheinen. Um halb 3 Uhr Nachmittags begann diese Verhandlung. Staatsanwalt und Richter warteten auf das Erscheinen des Dr Eigl und der Anna Buchmayer— da, um halb 4 Uhr erschien ein Telegrapbenbote im Ver- Handlungssaale und überreichte dem staatsanwaltschaft- lichen Funktionär, Kommissär Bidzowsky, ein Tele- aramm folgenden Inhalts:„Marie Hager war lediglich Werkzeug und Opfer einer Jntrigue ihrer hiefigen Schwester Ruschitzka, meiner Tochter und meiner Köchin, welche Alle aus Neid und Egoismus und Habsucht Anna von München forthaben wollten. Aufklärende Briefe vorgefunden. Anna Buchmayer, in Folge gestriger Auflegung von heftigen Krämpfen befallen, ist mit mir auf ärztlichen Rath abgereist, bedenklich erkranft hier angekommm, zwei Aerzte bei ihr, der dritte ge- rufen. Dr. Sigl."— Dieses Telegramm wurde heute Mittag« in München von Dr. Sigl. aufgegeben; er reiste nämlich noch gestern Nacht in Gesellschaft der Anna Buchmayer mittelst Kourierzuges nach München ab.(Bekanntlich spielt Dr. Sigl dort durch sein Blatt die Rolle eines strengen und kochst eifrigen Sittenwächters.) Die Verhandlung gegen Marie Hager nahm trotzdem ihren Verlauf. Die Angeklagte, eine 60jährige, wie es den Anschein hat, etwas beschräntte Person» gab an, daß ihr Anna Buchmayer flehentlich Briefe des In- Halts geschrieben, fie den Händen des Dr. Sigl zu entreißen. — Richter: In jedem Falle ist die Anna Buchmayer ein Opfer. Sie wollen dieselbe bei fich haben, damit ste Dr. Sigl nicht weiter verführt, und Dr. Sigl reist hierher, damit sie von Ihnen nicht verführt werde.— Von dem Richter aufgefordert, die Beziehungen zu präzifiren, die ste veranlaßten, fich um daS Wohl und Wehe der Anna Buchmayer so sehr zu kümmern» machte die Angeklagte folgende Angaben: Ihre Stiefschwester Anna Ruschitzka lebe mit dem Stiefvater der Anna Buchmayer» dem Friseur Peter Weiß in München, in wilder Ehe. Anna Buchmayer habe sich daran gewöhnt, dii Anna Ruschitzka ihre Mutter, fie(Marie Hager) ihre Tante zu nennen.„Ich war"» erzählt die Angeklagte,„vor einigen Monaten in München und habe erfahren, was Anna im Hause deS Dr. Sigl ist."— Richter: Haben Sie ihr Geld gesendet?— Angell.: Sie hat mich gebeten, ihr Geld zu senden, damit fie zu mir nach Wien kommen könne; ich aber habe ihr geschrieben, fie möge fich e» von ihrer intimen Freundin, der Tochter deS Dr. Eigl, die schon verheirathet ist, ausborgen, ich werde es derselben er- setzen. Das hat fie gethan, und einen Tag nach der Ankunft der Anna in Wien, d. i. am 5. d., habe ich das Geld— 60 Mark— der Tochter des Dr. Eigl gesendet.— Richter: Sie waren schon vor längerer Zeit in München und sollen der Anna Buchmayer 100 fl. gesendet haben» damit fie nach Wien komme.— Anaekl.: Das Geld hat Je- mand mir selbst nach München in Folge meines Ersuchens ge- sendet, weil ich fürchtete, mit dem mitgenommenen Gelbe nicht auszutommen.— Richter: Wer ist dieser Jemand?— Angekl.: Muß ich ihn nennen?— Richter: Die Wahrheit müssen Sie sagen.— Die Angeklagte nennt einen Herrn S-, Sekretär einer hiefigen fleiherrlichen Familie.— Richter: In welchen Beziehungen stehen Sie zu diesem Herrn V— Angekl.; Ich kenne ihn seit 30 Jahren,— Richter: Was sagen Sie zu der Thatsache, daß in Folge Ihrer Aufforderung Anna Buchmaycr sich in München in verschiedenen Stellungen photographiren und Ihnen die Bilder geben mußte?— Die Angeklagte giebt auf diese Frage eine ausweichende Antwort, gesteht jedoch schließlich zu, daß fie fich einige Photographien der Anna nach Wien mitgenommen habe.— Richter: Wozu?— Angekl.: Nun, ich wollte eine Photographie dem in Wien lebenden Onkel der Anna überbringen.— Richter: Dieses Onkels geschieht jetzt zum ersten male Erwähnung.— Angekl.: Ja, ich verkehrte nie mit ihm.— Richter: Und doch, wiewohl Sie mit ihm in keinem Verkehre gestanden, wollen Sie ihn mit einer Photographie der Anna überraschen. Das klingt doch sehr unglaubwürdig. — Marie Hager ist auch der Falschmeldung angeklagt, denn durch die polizeilichen Erhebungen wurde festgestellt, daß fie in Galatz an einen gewissen Boger verheirathet sei. Die Ange» die Zähne auSbeißen! Mit der Polizei muß man umzugehe« wissen." „Versteht Ihr'»? Ihr seid wohl schon oft mit ihr i» Konflikt gekommen?" „Oft? Nein, aber dann und wann doch einmal. „Na, mit unserer Polizei werdet Ihr nicht so rasch fertig, und wenn Ihr Eurem Schwiegersohne Aergerniß gebt, dann sitzt Ihr in der nächsten Stunde hinter Schloß und Riegel." „Wie heißt der Kerl?" „Sekretär Kaltenborn." „Werd' mir den Namen merken," sagte der Vagabund, während er sich von seinem Sitz erhob und den fettge- tränkten Hut, dessen ursprüngliche Form und Farbe man nicht mehr erkennen konnte, vom Fußboden aus- hob.„Kennt Ihr einen Gefängnißwärter Robert Schmalz?" „Wie soll ich zu der Bekanntschaft kommen?" erwiderte der Antiquar.»Ihr werdet ihn wohl besser kennen wie ich, sollte mich wundern, wenn Ihr die Gefängnißjacke noch nicht geflagen hättet!" „Na, dann wundert Euch, so lange Ihr wollt," höhnte Siebel;„der Mann ist mein Schwager. Daß meine Frau sich um die Verwandtschaft nicht kümmert, begreife ich, der armselige Gefängnißwärter paßt nicht zu der eleganten Madame. Der Mann hat meine Schwester aeheirathet; al» ich fortging, war fie noch ein blutjunge« Ding, ich will sehen, wie'« ihnen geht." „Seide werde» sie auch nicht spinnen!" „Glaub'S auch nicht, sonst wär' ich geborgen." Der Antiquar griff in die Tasche und holte einig« Geld- stücke herau«, die er, nachdem er sie sorgfältig gezählt hatte, dem Vagabund übergab. „Kommt morgen Mittag wieder," sagte er,„wenn Ihr nüchtern seid, sollt Ihr einen guten Teller Suppe finden. verstanden?" Siebel warf einen geringschätzenden Blick auf da« Geld, welche» er in der Hand hielt, dann steckte er e« in die Tasche. (Fortsetzung folgt.) Nagte klärt dies damit auf, daß ihr Gatte sie treulos verlaffen und eine andere Ehe eingegangen sei. DaS war vor 40 Jahren. AlS ste damals den österreuhischen Konsul um Schuß bat, habe ihr derselbe erwidert:„WaS wollen Sie, meine Liebe, das ist so Mode in der Walachei, jetzt können Sie wieder Ihren Mädchennamen Hager führen." Der staatsanwaltschaftliche Funktionär, Kommissar Bidzowsky, beantragte die Vertagung der Verhandlung, um weitere Erhebungen zu pflegen, und die Inhaftnahme der Angeklagten. Der Richter vertagte nun wohl die Verhandluna, ließ jedoch die Angeklagte auf freiem Fuß gegen das Gelöoniß, Wien nicht zu verlafien. Soziales«nd Arbeiterbewegung. Die Einführung der Arbeitsbücher auch für die erwachsenen Arbeiter und Arbeiterinnen erscheint wieder auf der Bildfläche. Nachdem die Herren von Kleist»Retzow und Ackermann mit der Einbringung eines dabinzielenden Gesetz» rntwurfs im Reichstage sich genügend bloßgestellt haben, wollen jetzt die Baugewerksmeister sich Lorbeeren auf diesem Gebiete holen. Sie wollen in der That eine Petition an den Reichstag richten um Einführung allgemeiner Arbeitsbücher. Daß ste dort Helfershelfer und Fürsprecher finden werden, dafür bürgen schon die oben genannten Namen.— Aber bei der Einführung allgemeiner Arbeitsbücher wollen die biedern Zünstler nicht stehen bleiben, sondern auch zugleich Sturm laufen gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter. Sre wollen eine Petition an den Reichstag senden, in welcher die kriminelle Bestrafung des dolosen Kontraktbruchs gefordert wird.— Das ist wieder ein wunderbares Zeichen von der Harmonie zwischen Kapital und Arbeit. Und besonders zeugen solche Echntte von der Leut» seltgkeit der Herren Unternehmer den Arbeitern gegenüber. Schleuderkonkurrenz. Wenn man zuweilen liest, daß Fabrikinhader fich über eine unwürdige Konkurrenz beklagen, das heißt, daß Konkurrenten ihre Waare billiger ablaffen, dann muß man über solche Naivität den Kopf schütteln. Wir haben nun einmal die freie, die schrankenlose Konkurrenz; auf der- selben bajirt unser gesammtes heutiges Wuthsckaftssystem. Schaffen wir die freie Konkurrenz ab, so fällt auch der übrige alte Plunder, als da ist: Ausbeutung der Arbeitskraft durch den Kapitalismus u. s. w. über den Haufen. Und das wollen doch auch diejenigen Fabrikanten nicht, welche fich über die Schleuderkonkurrenz beklagen. Deshalb müffen fie auch dann geduldig den Kopf ins Loch stecken, wenn sie der unliebsamen Konkurrenz nicht widerstehen können. Wir lesen da sogar in einem solchen Artikel, der sich mit der Schleuderkonkurrenz be« schästigt, folgenden Satz:„Der Konkurrenzkampf ist gut und bat schon große Erfolge gezeitigt, wenn er mit ehrlichen Waffen geführt wird. WaS heißt ehrliche Waffen? Jeder liefert so billig, als er eben kann, damit er seine Waaren um- setzt, und ein reicher Protz kann es eben länger aushalten, als ein junger Anfänger. Der oben zitirte Ausspruch hat genau dieselbe Bedeutung, als wenn man sagen wollte:„Der Krieg ist ganz gut, wenn dabei Keiner todtgeschoffen wird."— Aber weil bei einem Kriege immer Menschen todtgeschoffen werden und weil der Konkurrenzkampf daS ganze wrrthschaftliche Le- den vergiftet, deshalb ist weder der Krieg noch der Konkurrenz- kämpf gut. Lange Arbeitszeit. Aus den amtlichen Mittheilungen des Fabrikinspektors der Provinz Brandenburg geht hervor, daß im letzten Sommer die wirkliche Arbeitszeit auf den Ziegeleien 14—15 Stunden täglich beträgt. In den Spinnereien dauert die tägliche Arbeitszeit das ganze Jahr hindurch 13 bis 14 Stunden! Und da hält man ein Arbeiterschutzgesetz noch immer nicht für nöthig! Arbeiterausschlust. Die„Bad. VolkS-Ztg." schreibt: In unserer Nachbarstadt Ladenburg scheint nach uns gewordenen Informationen ein„Lokout" über die Zigarrenarbeiter verhängt zu werden. Diese Zigarrenarbeiter find fast sämmtlich Mitglieder der in Altona domtzilirten Hilfskaffe. Dieses Ver» brechen soll einen Zigarrenfabrikanten veranlaßt haben, den Austritt aus der Kasse anzubefehlen oder aber— die Arbeit zu quittircn.— Wir wollen, so bemerkt das oben genannte Blatt, diese Notiz unter Vorbehalt wiedergeben, indem wir nicht an- nehmen können, daß fich der Fabrikant zu solchen ungesetzlichen Handlungen hinreißen läßt und sehen deshalb einer Berichti- gung entgegen. Zu de« Akkordlöhnen. Der Gewerberath auS Hohen- z o l I e r n meldet:„Die Löhne find den Preisen der Lebens- mittel und sonstigen Lebensbedürfniffen angemessen und betragen bei männlichen Arbeitern 1 MI. 70 Pfa. bis 2 Mt. 30 Pfg., bei Arbeiterinnen 1 Ml. biS 1 Mt. 50 Pfg. Nur die Stück- löhne in der Haus� Industrie stehen sehr niedrig, so daß bei anstrengendster Arbeit oft nur 80 Pfg. bis 1 Mark verdient werden."— Man steht, daß die Arbeiter ebenso gut bei Akkord- (Etückf-Löhnen hungern müffen, wie bei Tagelöhnen. Gefängüistarbeit. Aus einem Ministerialdescheid an die Handelskammer zu Dresden erfährt man, daß gegenwärtig in den sächsischen Strafan st alten 4500 Arbeiter beschäftigt werden. Davon arbeiten 3000 für Rechnung außerhalb der Anstalten stehender Unternehmer. 40 verschiedene Gewerbe werden ausgeübt; die Tabaks- und Zigarrenindustrie beschäftigt die meisten Sträflinge. Dies ist recht dezeichnend, da die Lohnverhältnisse gerade der Zigarrenarbeiter in unseren, König- reiche recht traurige sind. 1500 Ardeiter und Arbeiterinnen werden beschäftigt für die Bcdürfniffe der sächstschm Straf« und Korrektionsarbeiter selbst. Die Fabrikation künstlicher Blumen, für welche sich die Dresdener Handelskammer ver- wenden wollte, wird in den sächfischen Strafanstalten nicht mehr betrieben. In der Lerpfleaungsanstalt für arme Reisende zu Seligenstadt lHeffen-Darmstadt) müffen grauenvolle Zustände Km sehen, trotzdem der Name des OrteS so verlockend für dm Wanderer klingt. Aus dem dortigen Amtsblatt ersieht man nämlich, daß oie Handwerksburschen in dieser Verpflegungs- station regelmäßig die Entdeckung machen, daß ihnen während der Nacht von den im Echlafraum fich aufhaltenden Ratten die Kleider derart zernagt werden, daß dieselben ohne Reparatur nicht mehr gebraucht werden können. WaS soll man dazu sagen?— so fragt mit Recht das„Offenbacher Tageblatt" und setzt hinzu: Eine Verpflegungsstation für Reisende, in der Ratten das Schlafgemach unsicher machen! Gewiß erne nette unsere edlen Menschenfreunde noch darüber, daß die Hand- werksburschen es vorziehm, im Freien zu kampiren, statt dre Verpflegungkstationen aufzusuchm! Sonderbare Kauze. Die Handschnhmachergehilfen zu Altenburg haben in der Fabrik von Renninger u. Söhne den Streek erklärt. Dre Arbeiter fordern eine Lohnerhöhung, da in der letztenZert das Geschäft wieder flott geht. Von dem erhöhten Geschaftsgewnm wollen die Arbeiter, und mit Recht, auch etwaS profitiren, aber die Unternehmer lassen fich nicht darauf ein— ihre Taschen �nl> Die Netzfabrik in Itzehoe beschäftigt 153 Arbeiterinnen, welche regelmäßige Nachtarbeit lersten müffen. Da- mit die Arbeiterinnen nicht allzusehr entkräftet werden, wird ihnen in der Nacht eine Ruhepause von V'x Stunden bewilligt, die fie in der Fabrik zubnngm. Diese Ernrichtung wird nun von liberalen Blättern alS eine sehr humane ae- priesen! Albern! Sie ist nur z w e ck m ä ß, g rm Interesse besserer Ausnutzung der weiblichen Arbeitskraft. Konsumvereine. Aus Krimmitschau in Sachsen erfahren wir, daß der dortige Konsumverein im letzten Jahre einen Reingewmn von 52 402 Mark erzielt hat. Das klingt ja wunderschön und ist doch nichts weniger als schön. Das Grund« prinzip der Konsumvereine, zu deren Gegnern wir nicht gebären. wird durch solche Plusmacherei ja vollständig verletzt! Die Mitglieder der Konsumvereine sollen in erster und einziger Linie billigere und bessere Waaren kaufen. Wenn aber hohe Gehälter gezahlt, Tantiemen und Dividenden vertheilt werden, dann geht ja der oberste Grundsatz vollständig verloren und die Konsumvereine haben für die Arbeiter gar keinen Werth mehr.— AuZ Oberschlefien hört man, daß Konsumvereine meist zu unerlaubten EchnapSschenkcn heruntergesunken find Also überall weicht man von dem Grundgedanken ab, dem arbeiten- den Volke durch diese Vereinigungen billigere und bessere Kon- sumartikel zu schaffen. Wiederum ein Beweis, wie wenig der- artige Palliatiomittel zur wirthschaftlichen Hebung des arbeiten« den Volkes beitragen. Kampf gegen die Maschinen. Die„Freisinnige Ztg." schreibt unter vorstehender Marke folgendes:„Wie uns eme Zuschrift aus Bernau mittheilt, wird der Kampf gegen die mechanischen Webemaschinen nicht bloS in Rheinland uns West- falen, sondern auch in anderen Landestheilen organifirt. So hat auch in Bemau eine Weberversammlung nattgefunden, welche die Abfindung einer Petition an den Reichstag de- schloß„auf Besteuerung der mechanischen Stühle auf mter- nationalem Wege". Damit verquickt wird die Forderung nach Abschaffung der Frauen- und Zuchthaus Arbeit, Einführung des Normal.ArbeitstageS und Lohnes. Sozialisien, Zünftler und Konservative scheinen fich in der Weberindustrre in den weitgehendsten Forderungen des Staatssozialismus zusammen- Sefunden zu haben."— Daß die Sozialisten an eine„Be- euerung der mechanischen Stühle auf internationalem Wege" nicht denken, weiß die„Freis. Ztg." recht gut. Wenn ein Be« schluß in einer bergischen Wcberversammluna auch dahin lautet, so werden wirkliche Sozialisten schon gegen denselben gestimmt haben. Aber die„Freis. Ztg." hat Spaß daran,„Sozialisten, Zünftler und Konservative" in einen Topf zu werfen. Lassen wir ihr daS kindische Vergnügen, da Niemand ein derartiges Beginnen erst nimmt. Der Durchschnittslohn der Weber in der Oberlaufitz (Königreich Sachsen) beträgt in drei Klaffen getheilt nach amtlichen Ermittelungen für die erste Klaffe 506 Mark für das Jahr und die Person, für die zweite Klaffe 343 und für die dritte Klasse 255 Mark. Es ist schade, daß nicht die Zahl der Arbeiter in den einzelnen Klaffen angeben wird, um die Wir- kung solcher Hungerlühne für die ganze Gegend noch besser begreifen zu können. Die Steinbrecher in den großen Dlnoroic-Brüchen in England haben den Streik erklärt. Sie verlangen eine Lohn- erhöhung von 6 Prozent. Man ist allgemein dort der Anficht, daß die Arbeiter bei einigermaßen guter Organisation ihre Forderung durchsetzen. Im Uebrigen stehen, auch wenn die geforderte Lohnerhöhung durchgesetzt wird, dann die Löhne noch immer niedriger, als vor zwei Jahren. Tie Berechtigung der Arbeiter zu diesem Streik kann somit nicht bestritten werden. kl«. 265 Er war ein Schneider Leider! Hat nie das Maß getroffen, War oft des—, Er hat sich zerschnitten die Hand Mit der Scheer, Und hat fich schwer Mit dem Biegeleisen verbrannt; Da ist ihm der Faden gerissen Und er hat inS Grab gebissen. Nicht übel find die folgenden Verse, welche einem li Tenoristen gewidmet find, der in einem Friedhofe nächst markt begraben liegt: Hier ruhet Konrad Reich Als Leich. Ein schlechter Tenorist, Jedoch ein guter Christ. Im Leben hat er nie so leicht Wie jetzt die Höh' erreicht...«joh« Auf der Gradstätte eines Ehepaares im Ulmer Fiw N%n TM, steht ein Kreuz nnt folgender Inschrift: P'0 nirk.»... Hier liegt ein Ehepaar, Das lang beisammen war. Nun gönnen fie einander Ruh, Im Leben kam es nie dazu. tum rv nie wuflu., �""»ru DO] Auf einem kleinen Dorskirchhofe in Oberösteneich � � künftl m Jäger folgendes, vom Dmfschulmeister verfaßtes v* g1" fich in> v._ Müder mal s lui der Lite, "°ungen voi Vermischtes. Eugen Richter macht fich in seinem Blatte lustig über den Aristokraten des„Berl. Tageblatt", resp. über den Steck- brief, welcher dem Freiherm von Spältgen aus Alt-Placht vom Landgericht zu Prenzlau nachgeschickt wird. Dieser„Aristokrat" ist sicher nickt schön und wir beneiden das„Tageblatt" nickt um seinen Geschmack. Aber wenn Herr Richter fröhlich ausruft:„Auch das noch!", da als besondere Kennzeichen X. Beine angegeben werden, so ist das doch z u komisch. Der oft begonnenen Sammlung humoristischer Grabschriften fügt„Carlo dolce" in der„Wiener Montagsr." als weniger gekannt die nachfolgenden hinzu. Auf einem bairischen Friedhofe zeigt ein Stein die folgende Inschrift: Ließ er der Laune schießen die Zügel, Da trank er wohl an zwanzig Krügel; Doch that er einmal dreißig trinken, Da mußte todt vom Stuhl er sinken. In einiger Verwandtschaft mit dieser Gradschrift dürfte die nachfolgende stehen: Die Dreizehner-Zahl War ihm stets eine Qual, Da hat er dreizehn Knödl verzehrt Und bald darauf lag er in der Erd. Auf dem Grabkreuze eines Friedhofes in Ungarn ist sol- gendeS zu lesen: In diesem Grab liegt Anyos Peter, Die Frau begrub man hier erst später, Man hatte fie neben ihm begraben. Wird er die ewige Ruh' nun haben? Einem lustigen Ritter von der Nadel und der Scheere wurde von seinen Kollegen folgende Denkschrift gewidmet: einem auf den Grabstein gesetzt: Der Michl Quarz hat einen Baum erstiegen Er fiel zu Boden und da blieb er liegen; Der junge Baum fiel nämlich nieder, Denn Michl Quarz verstand das Krax'ln, Der Michl brach dabei die Glieder, Die Wirbelsäul' und auch die Hax'ln. Zu den originellsten der bekannteren Grabschriften jene vcs HerrschaftS Kutschers Podibrad, der auf einem ,! hose Böhmens begraben lugt; fie lautet: Hier ruhet Wenzel Podibrad, Leibkutscher bei Graf 5kolowrat, Ueber sein Bauch ging Wagenrad. Und weil er immer war so brav, Ließ Stein ihm setzen der Herr Graf.- Noch origineller ist übrigens die folgende Grabschnst� y angeblich vor vielen Jahren auf einem Schachtgrabe": fie, Wiener Friedhofes zu lesen war:> Lei! Hier in dieser Gruben:l tickst Rü 08 Vivisektion? Man bezeichnet mit k Ja™. Wort die wiffenschastlichen Unteisuchungen, welche an Thieten vorgenommen werden, um daraus zu lernen, zu dem Zweck, dem detreffenden Thier selber zu %'k Experimente erfordern blutige Eingriffe in den lT™ Organismus; wieder andere setzen das Verbrennen-, . Mhen-, Erfrieren-, Verhungern- und Verdurstmlaffen, das , von Giften, das Anstellen elektrischer Reizungen rreich � �künstliche Erzeugung von Krankheiten voraus. Es faßtes M stch in der Fachliteratur der Viviseltoren zahllose Be- - � Üb PI* aTTa f M i yi»x r fl VW.4 ♦ 3) r» -egen n; n, zriften j einem i ibfchriflj chtgrab« olufn" wahrhaft grauenvolle Experimente, wie z. B. die k o en; Hochempfindsamen Thieren, namentlich Hunden, anbohren und ihnen mit glühenden Eisen resp. mit M � kochenden Waffers T heile des Gehirns ausbrennen tl.°uswaschen— Hunde mit durchbohrtem Gehirn in einen IM' eN' um ihre Schwimmfähigkeit in diesem Zustande j 5:1«, v— $ e- ??*) dürr Thiere mit verstümmeltem Gehirn durch glühende um die Grade ihrer Empfindungsfähigkeit zu Hunde und kleinere Thiere langsam ersticken ■) durch Unterwassertauchen in einem Käfig, b) durch en der Luftröhre mit einem Stöpsel, c) durch Verdes Maules mit Gips, d) durch Eintauchen der c ist zu» r. >hofe Tafel R�-.-................................. und dann anzünden, die verbrannten Hunde aber dann hehrere Tage lang leben laffen— Hunde und Kaninchen im k�nlen Claude Bernard'ichen Ofen langsam zu Tode jWT" fie mit lockendem Wasser verbrühen— ihnen bei X�vr Leibe die Knochen zersägen, das Rückgrat zerschnei- rk,.�ckenmark zermalmen, Die Äugen ausschälen ,c. und ' ha entsetzlichen Zustande noch Monate lans* den— die Thiere einem langsamen Hungertode lang fort- preis- lassen— ihnen ftt!, Ruö_________ % entsetzlichen Zustande r.otS Monate fa, den— die Thiere einem langsamen Hunge > er« rC de in Eiskübeln zu Tode erstarren laffm— �. �gaire ausschneioen und verstümmeln und dann nach b ervoller Verstümmelung Monate lang Beobachtungen b» anstellen,— kerngesunden Hunden durch Einimpfung s« Eiter und allen möglichen Krankheitsgiften schreck» s iw! m langsam zu Tode marternde Krankheiten mittheilen kein Erbrechen 'g- rer st., lefle. weil Hh,)..' aar»«in vitoicwcn erfolgen kann— Säuren und bi-iivIi™ ihnen in die Adern oder in den Magen ein» J Si-,-as Rückenmark durch Durchziehen eines Fadens in Maische Maren Entzündungszustand versetzen— llich ,>!. Schläge durch das offengelegte Gehrnt, sowre S, gewinnen gehen lassen- die Eingeweide, den Mast- Pulsadern zuschnüren, um über die aus solchen "Hein griffen resultirenden Folgen Beoabachtungen zu »ische � künstlick beigebrachte innere Wunden durch ffer in k. irritirten— Schwefelsäme oder kochendes Haut(Jn Ziagen gießen— Sand in die Adem bringen— kt-n di.»lebendigem Leibe theilweise abziehen— den butrfi?limmne>ven durchschneiden, damit die Nachbar« i Qfh�lv furchtbares Schmerzensgebeul nicht in Auf- ina ,.,-?k werde— Thiere nach Abscherrung ihre' Be- kaut>.°?e lackiren— ihnen Zwirnsfäden durch die fäfc w RugeS ziehen— ihnen verschiedene Adern und u?' Gallengang u. s. w. unterbinden- zwei rni h° die Lebensthätigkeit des neugeschaffenen Doppe. Me,,°°°chten- trächtigen Hündinnen den Lerb auf» k"e Thiere nach allen Arten der peimgendsten fcC ob. 1« Monate lang zu neuen Experimenten auf» "bi*? ffe den Schülern zu weiteren Versuchen über- V ersu ck s t hiere betäubt? wird die Vivisektion so vielfach ver- ....... Behauptung wird fo vielfach geglaubt, alS bei weitem den meisten Fällen die Thiere durch Köllig unempfindlich gegen den Schmer, gemacht aw,-»[in""er unberechenbare Vortheil, den die Mensch- klftVuS8 Chloroform erlangt hat, ist für die Thier. taiSÄt Buchstade geblieben, da wir die Grenze, welche /!°stgkeit vom Tode trennt, so wenig kennen, nament» "fc ß'Ren jmer Thiere, die vorzugsweise für phyfiolo- iiJjerimente benutzt werden. Uebrlgens dürfen wir "iß"den, haß selbst, wo durch Chloroform völlige Be« w,?°lest wurde, dieselbe nur ein oder zwei Minuten 7* füe den Rest der Zeit, vielleicht auf Stunden, daS % Ä«« gÄTiaK m"DaS Thier fällt in einen Zustand von Be- 'llfifitfil �»bun». J8 absolut unbeweglich macht. In! 1 1201 »♦"MCI k."Oün» i"wiwui uuvoviuiiu. iiiwuiM u-. v.v uie 66 t?� es A.besteht fort, denn wenn wir das Thier kncifm, so S6 67 tA» r schreit." Vom Chloralhydrat sagt der Vivi« 370 ijA CWotofi," leiner Methodik, es sei leichter zu doflren als 56 71% v ij1 noA und seine Wirkung dauere etwas länger, aber Betrugs von der Kriminalpolizei festgenommen worden. Genannte besuchte hiesige Geschäftsleute mit dem Vorged� daß er beauftragt sei, fich über ihre Leistungsfähigkeit� Solidität zu informiren, stellte denselben ein vortreffli� Zeugniß aus und veranlaßte dieselben schließlich durch sicheres Auftreten, ihm ein sogenanntes Änfragebeft für Preis von 10 Mark abzukaufen. Auf dem Umschlage, wj Heftes, welches 10 Kupons für Konttolanfragen be» d� Institut„Mikroskop" enthielt, waren als HauvtageniA größere Hauptstädte bezeichnet. Es hat fich aber hcrausgett� daß das sogenannte Institut, nachdem der Besitzer au? fe™" Wohnung exmittirt worden war, zu existiren aufgehört unbs* mals auswärtige Agenturen gehabt hat. Personen, � durch den di Dio geschädigt worden find, werden ersucht. F bei der Kriminal-Polizei zu melden.„... Gegen den Tifqler Schunicht ist, wie die..Post das gerichtliche Versahren wegen Ermordung der Frau ganz und gar eingestellt worden, da der Angeklagte nach M fällrger Untersuchung durch die gerichtlichen Sachverstand für vollständig geistcszerrüttet gehalten wird.. Die Preise der„Cehlachtpferde" sollen, wie die» meine Fleischerzeitung" verstchert�fast um die Hällie J' gegangen sein, da verschiedene Destillateure, Restauw»" rt- und Spessewirtbe ihre Bezuasauelle von Pferdeste� Schanb und Spessewirthe ihre Bezugsquelle von Pferd wurst und Pferdlfleisch aufgegeben haben; ebenso fh-* Delrkateffenhändlir in der Wahl ihrer Lieferanten be>w ziehen von Eervelatwurst vorsichtiger geworden, und ist bck r waltige Rückgang des Konsums in Pferdefleisch und g Wurst leicht erklärlich. Wenn die Fleischerzeitungen unter„falscher Flagge" betriebenen Verkauf von und Pferdewurst aartiren, so ist dies rückhaltlos zu bm?? jW« Ei* Sie Wer# Wien mir fo»tn steher kR und it #1 daS Di P ölüUxch 0%, arj � das Sig wachtbrief i «"-Ä » verwende, # U« nach K mußte.- "Hstogs.! Halver do Sftl i i # jedod Vln«ezo, L*.- t &! dagegen hieße es über das Ziel hinausschießen, wenn Aqitation gegen den Konsum des Pferdefleisches übw lichten soll Ueber die aegenwärttaen Temperatur-Aender«� wird der„Voff. Ztg." aus Hamburg, d. 10. Novemdeh schrieben: Der hohe Luftdruck lagen in noch ungeschn� r.U„- fc...------ s u-i__ iß mm 16 mV;* und aß.*- final- Hfl* Stärke über Zentral Europa und betrfiqt etwa normal. Die Deoresfionen find gegen Nordwest Süd weit über die Grenzen Europas zurückged dem Einfluß des Barometer- Maximums ist trockene zur Ausbildung gelangt. Zunächst war die Drul vielfach von starkem Nebel begleitet, der Nebel stieg � und bildete tiefschwebende Wolken, sogenanntes Unterg � Diese Wolkendecke behinderte von Sonnabend bis Dienst� � Wärmeverlust, so daß in Hamburg die Temperatur u 6 Grad stieg, nachdem schon leichter Frost eingetreten � Die Erwärmung am Sonntag war nicht allein bß" Wolkendecke hervorgerufen, sondern auch durch � yi springenden Ostwind, welcher in jenen Tagen, enw�fli. Regel, wärmere Luft dem Nvidwesten von Deutschland i�,,<,0 weil derzeit in Oftd#schlan�öh«e Temperatur 6�® im Westen; auch ist das Wasser der Ostsee noch 0 Sommer warm und erschwert die Entrvickelung der fernerer llrnftanh melfher SMfifftkfii«* in ein fernerer Umstand, welcher die Abkühlung in der Ausbildung hohen Drucks erschwert, ist d>e schaft der Luft zu erwähnen, daß ste fich selbst erwärmt. Diese sogenannte beträgt bei je 7'/, mm Drucksteigerung_ W diesen Tagen, wo das Barometer 17 mm gestiegen ist Wärmezufuhr. Windiges Wetter bindert auch oft ein' � Sinken der Temperatur, weil der Wind die oberen und Luftschichten mischt und somit verhindert, daß die schwere Luft, fich über den Erdboden ausbreitend, uvM weiterer Abkühlung ausgesetzt bleibt. Das Gebiet JW Druckes, welches die Grenzscheide der Windricki erstreckte sich in den letzten Tagen von England übet Holstein nach Ost und Südost. In qanz 6'®*?«k herrschten Westwinde, wie dies auf dcr Noidseite des Maximums stets der Fall ist. Teutschland liegt im» � von dem höchsten Druck und hat daher Ostwinß� g p Uftprung, entsprechend der Lage deS Druckzenlrums, � W der deutschen Ostgrenze zu suchen ist. Daselbst beg w Frostaebiet und dehnt fich westwärts aus, Dienstag Vormittag der Himmel in Norvwest- 3). 5 Sedro rf" tor eid» vor 1 'e%nl 0. � Mi SS retunq O Ul ÄSS m IF1 ----------- Vormittag der Himmel»n ocorowr,»'-"L.rDw. wolkenlos geworden ist. Es wurde schon früher 9 W* hoben, daß heiteres Wetter gewöhnlich nach Ausdildun» � Luftdruckes entsteht, wenn der Druck wieder abzunehmen � b. Während die Wiener Caf-'s wie 0 schießen, nehmen die alten Berliner Kaffeeklavpen.. existirenden Kaffeelokale aber rentiren sich im Verhm'N S. F gut, wie die glänzenden Wiener CasS's. Ein sehr 6* findet fich in der Lindenstraße. Leierkastenmänner, � baten auS Den Kasernen sc, bildeten seine ursprünss1'® schast. welch- rächt mehr alS 3 Pfennig sür die 2%# tf ä'ää" ar„s% sich auf den Pferdehandel. Mit diesem Händig av-r � feine eigene Bewandtniß und er wurde sein G' urä. Heut sähe er gern wieder in der warmen «Q»i eine sonderbare Gehilfen- l STÄSi«» y y „2)er Handlungsgehilfe", aufmerksam, indem er cm � � ###«# «fe W V»«? b sfe m iß ISA »n »iKf rif; btnut«.ä«%•. MrtfhtfteN 3� stchtl >»* thue man am besten, fich SxKWx-MHs selbstverständlich den Pr°Kv IU£ mrtrt nm bpffpM. flCÖ® �»«irf % K». I strengen, aethan. hätten Jedenfalls aber thue man am besten.. hüten und auf ein solches Probe. Engagement � neuerdings, 2 wie nsihwendig eS°str alle Namen der Firma nicht? % i oldstllck« sondern m»! im b-'m l erst W nes sein.- � Es og und man«? oürde, daB st schivindit AtordcS«iI und m »t. ? % S ». w- 8i» lustiger Todesverächter ist eS, welcher- der Aummk« folgende launige Zuschrift übersendet:„Wenn«S JMjfcrefftrt, so tbeile ich Ihnen mit, daß ick seit Juni 1832 «'M mir selbst konftruirten Normal Transport Sarg auf dem «Jtn stehen habe. Zur Zeit bewahrt meine Frau Gardinen- M und inastives Krnderspielzeug darin auf. Wie ein Sarg JP das Ding freilich kaum aus. Ich habe mir damals von nnem Fabriktischler, der momentan nicht viel zu lhun hatte, tw*/, Tannenholz eine viereckige Kiste machen lassen, iit av, �öhe, Länge und Schulter meiner Figur angepaßt sWbe ist außen glatt debobelt und innen mit dünnstem c' nl � ausgekleidet, so daß fie also den geforderten Bcdin- LW*1:."Zmksarg mit Kiste darum" entspricht. Es ist nur den Zinkdeckel aufzulöthen und den Holzdeckel zuzu« !i�?°en. so>st die Sache erledigt. Auf dem Teckel befindet iitniii,5.®anum„M. 8. Nr. 1, Gotha", und der zugehörige Mtbrref� ist auch bereits geschrieben. Dabei bin ich aber weniger alS ein Trauerkloß, was Sie gewiß auch schon ZU. dabcn werden, und denke mit meinen 33 Jahren meine in?! recht lange zu allerlei nützlichen häuslichen Zwecken »»wenden." in �W'SetiehL Am 9. d. M. Nachmittags gerieth der �graphischen Anstalt von Hagelberg, Alte Jakob- k. m.'' beschäftigte Arbeiter Knill mit der linken Hand in lii„"t und erlitt dabei eine derartige Quetschung derselben, k,!: räch dem Kranken hause im Friedrichshain gebracht wer- ~ trfSiU"*e'.~ Am 10. d. M. Morgens wurde in der Spree am Ufer die Leiche eines etwa 45 Jahre alten Mannes ?wä�?kmmt, und um dieselbe Zeit im Thiergarten die Leiche "iWu?" Jabre alten Mannes an einem Baume hängmd wRr"- Letztere hatte eine Schußwunde in der Schläfe, bei derselben ein noch mit 5 Pattonen geladener rorgefunden. Beide Leichen wurden nach dem Ob- 15 Soll, geschafft.— Als an demselben Tage Mittags ein ictW, t*tr Änabe mit dem Arbcitsfuhrwcrk seines Vaters die l:4 Wa'N Friedrichsfelve xasstrte, gingen die Pferde plötz- !.,»«ch und wurde er dabei vom Wogen geschleudert, über- UNo C"' V— AÜWX.X O-il Lelm, uneiw die Feuerwehr in kurzer Zell gelöscht.— An Rt« Nachmittage sprang eine Frau in selbstmöderischer Jm,• 5Ü| Echwermuth an der Burgstraße in die Spree, �»levoch, ohne Schaden genommen zu haben, auS dem W 0'joqcn und mittelst Droschke nach ihrer Wobnung ge- p&.r Zu derselben Zeit wurde der auf einem Neubau in Slfc Niilhelmsstraße beschäftigte Arbeiter Winjuth beim ar/" �nes Gerüstes durch einen herabfallenden Balken % Kopfe verletzt, daß er mittelst Droschke nach der Kgl. ü«bracht werden mußte. .. Oerickts-Ieitung. �reiche Anklagesache wegen fahrlässigen «ttM"* �«langte gestern gegen den HandelSmann Emst !» Sß,.� der zweiten Strafkammer hiefigen Landgerichts 1. e � üi1010'®<ßen den Angeklagten schwebten Anfangs �.�isachen wegen Zahlung von Stellmacher, und i welche beide von dim Schmiedemeister M«ine als Selbstlieferant, die andere als Cesfionar i�dweif»�?nteisters Hauck, angestrengt worden. Beide ??%« nti, QnÜen die zur Reparatur des dem Angeklagten ge- Nn unü.iS'ü8 erforderlichen Arbeiten ausgeführt, mit denen ��iten n°r 5�n war. Er weigerte sich daher, die für die Pib Preise lu zahlen und betraute, als er des- >ntrehino„?urde, den Rechtsanwalt Hänschke mit seiner 7uä der vom Angeklagten mühsam eingeforderten ,.kgs u A der Mandatar die Anficht gewonnen, daß Uuren./leiten wollte, bei Hauck überhaupt die Repa- haben und sämmtliche Arbeiten ...... Der Rechts. j seine Ein- lonat wuroe m ocm Prozex, m welchem Schlauck als � Eid. vouck klagte, auf einen dem Kläger aufzuerlegen» Z in dcr m" erkannt, daß es nicht- wahr sei, daß Beklagter l Snz Innung verzeichneten Arbeiter beim Zedenten des %»babe, daß eS vielmehr sei, daß er diese Arbeiten in Austiag gegeben habe. Nachdem dieses Urthnl Ok"ßi hatte, leistete der jetzige Angeklagte in dem K' rtfE* anberaumten Termin den ihm auferlegten Eid Jü�rrna 0ft mit seiner Klage abgewiesen wurde. Nach« s«I„?anmebr von Schlauck wegen Meineids denunzirt d�tnl? derselbe die Behauptung auf. daß er den in dcm ÖÜ litai normirten Eid gar nicht abgeleistet, sondem daß er «?�aren babe, nicht alle Ai betten bestellt zu haben. �....�bnwitz�ewesen� behaupten. : �erarbeiten (C tzwck, ..........> er habe die bei einem Schmied destellt, um so mehr, . wie auch in dessen Rechnung angegeben orschuß für seine Arbeiten gezahlt hatte. Der � destritt auch, daß er in dem Lefitz e nes Erkennt- z./ien sei, aus welchem er die ganz verkehrte Elves- �.ersehen haben können. Rechtsanwalt Hänschke bh? Oh l? Zeuge, daß er zwar die Absendung des Ekennt- " Angeklagten verfügt, daß dieser ihm aber vor V(t|a[)mtne ertlän hatte, das betreffende Erkenntniß gar % ¥ .°n zu haben. Er erinnere fich übrigens, daß der W �nehmende Richter die Norm nicht aus den Akten, Me einem Blatt Papier abgelesen und daß der Ange- % Ehrend der Ableistung des EideS den Einwand erhoben Atlich S anstatt Kläger Hauck heißen müsse.- Im ge- HS.Protokoll heißt es, daß der Beklagte den im Mt. i'B normirten Eid durch Nachsprechen sc. abgeleistet k? Uiufi Zeuge Schlauck bekundet, daß der Angeklagte ohne M be»,- eckung den ihm auferlegten Eid, dessen Identität %. Erkenntniß normirten er geprüst, nachgesprochen !, iilenb! Staatsanwalt beantragte einen Monat Gefänaniß, ber Vertheidiger Rechtsanwalt Dom II auf Frei- % y? nmibirt, da einmal nicht nachgewiesen sei, daß sein r'ün-, Eidesnorm gekannt und da andererseits nach der °?%nm!)0 bes Rechtsanwalts Hänschke gar nicht feststeht, ob kWliftl fii« den Eid wirklich in der aktenmäßigen Fassung K SlJjM- Der Gerichtshof erkannte aber dem Antrage �ch,zl?°nnwaItS gemäß, da er annehmen müsse, daß im y die»?? das Sachverhältniß richtig wiedergegeben ist, �beg noch durch das Zeugniß des Schlauck bestätigt �.�"�HtücheS Abenteuer eigenthümlicher Art hatte t befiek.« Johann Siewert in der Nacht zum 22. Septdr. vN in h.,'„Derselbe stand in der zwölften Stunde noch vor ,il°Hnurn; onigstraße belegenen Hause, in welchem er eine Z fich ü.inne hatte, um die frische Nachtluft zu genießen, % plötzlich eine im Schatten der Häuser umher- Met«. Gestalt näherte und die verfängliche Frage an ihn % gewoben Sie Schmiere?" AlS der Gefragte, neu- Betri.t?', den Zweck seines Aufentbalts auf der Straße «J'n, zt ttH- trat der Fremde mit der Aufforderung an ihn > Use»A" bei einem Ticbslahl behilflich zu sein, den er im &, üarf.Ü a?110� 42 ausbaidowerl habe. Siewert, ein % L�tich nlLr�onn, während der Fremde ein kümmerlich und Llben NÄ�oender junger Mensch war, ging anscheinend holen. Srcwert begleitete ihn wieder, als er aber einen Wächter traf, übergab er demselben dm angeblichen Einbrecher, der auffallender Weise über dies Ereigniß weder Verwunderung noch Schrecken ver- rieth, sondern dem Wächter bereitwilligst zur Wache folgte. Hier wurde derselbe als der bisher unbestrafte Schneider Theodor Otto Unruh rekognoszirt und gestem stand derselbe unter der Anklage der Aufforderung zu einem Verbrechm und des versuchten schweren Diebstahls vor der dritten Strafkammer des Landgerichts l. Der Angeklagte erklärte in glaubwürdiger Weise, daß seine ganze Handlungsweise ledigjnch kein Ver« zweiflungsakt gewesen, er habe die Komödie aufgeführt in der Hoffnung, sofort arretirt zu werden. Lange Zeit sei er arbeitslos gewesen, der Hunger habe ihn in nicht zu beschreibender Weise gepeinigt, er habe nicht gewußt, wo er die Nacht über bleiben solle und da sei ihm die Idee gekommen, fich durch die vor- erwähnte fingirte DiebstablSgeschichte für längere Zeit ein Unter- kommen zu verschaffen. Da die angestellten Ermittelungen die Angaben des Angeklagten durchweg alS wahr bestätigt haben, so erklärte der Staatsanwalt, die Sehnsucht veffelben nach den stillen Räumm des Gefängnisses auf längere Zeit nicht stillen zu können. Er müsse dessen Freisprechung und sofortige Ent- lassung beantragen. Und demgemäß erkannte der Genchtshof. Was wird nun aber aus dem Entlassenm, der bei einbrechen- dem Winter mittellos und wahrscheinlich nur nothdürstig be- kleidet, wieder den Kampf um's Dasein aufnehmen muß? Dortmund, 5. November. Die in der Nacht zum 21. Juni d. I. unter mysteriösen Umständen erfolgte Flucht des am 19. Mai zu 3Vj Jahr Gefängniß und 15000 Mark Geldstrafe vermthcilten Wucherers Isaak Rosenberg aus Hamm aas dem hiefigen Gerichtsgefängniß setzte begreiflicher Weise die Bevölkerung von nah und fern in Aufregung, denn Jedem kam sofort der Gedanke, daß es dem Wucherer nur mittelst einer größeren Summe gelungen sei, einen Beamten zu be- stechen, der ibm dann die Pforten deS Gefängnisses geöffnet habe. Bezüglich der einen Thatsache, daß R. einen ungetreuen Beamten gefunden, hatte fich die öffentliche Meinung nicht ge- täuscht, denn schon am Tage nachher bekannte fich dieser durch seine gleichfalls erfolgte Flucht als schuldig, dagegen irrte fie sehr, wenn fie einen großen Lohn für seine häßliehe That bei demselben voraussetzte. Es ist bekannt, daß Rosenberg nicht viel Freude in der wiedergewonnenen Freiheit gehabt, einige Tage nachher fand man ihn bei Hamm als Leiche, er hatte fich durch eine Revolverkugel selbst das Leben genommen. Heute befand fich nun der ungetreue Beamte in der Person des Auf- seherS Herrn. Kohn vor der Strafkammer auf der Anklagebank und neben ihm hatte der Sohn des Entwichenen, der 19 Jahre alte Kaufmann Bendix Rosenberg aus Hamm, Platz genommen. Ersterer ist der vorsätzlichen Befreiung eines Gefangenen, der Bestechung und nebenbei der Unterschlagung, letzterer der An- stiftung zu dem ersterm Verbrechen beschuldigt. Kohn, obwohl verheirathet und Vater eines Kindes, lebte hier in Dortmund mit einer unverheiratheten Person in wilder Ehe, welchem Ver- hältniffe zwei Kinder entsprossen find. Ueber den Fluchtplan hatte Kohn schon vor der Verurtheilung des Roscnberg mit diesem gesprochen. Letzterer war, wie Kohn heute erzählte, nach beschrittener Rechtskraft des über ihn ergangenen Erkenntnisses so niedergeschlagen, daß er im Hinblick auf die lange Freiheitsstrafe schon damals mit Selbstmord- gedanlen umging und Kohn wiederholt bat, ihm doch Gift oder einen Revolver zu besorgen. Das lehnte dieser ab, aber zur Flucht wollte er ihm verhelfen, wenn er belohnt würde. Rosenberg versprach ihm mehr zu geben, als sein jetzt- ges Einkommen betrage. Dieses Abkommen theilte Kohn dem Sohne Bendix R. mit und dieser versprach, das Versprechm seines VaterS halten zu wollen. Wie fich heute ergab, war Kohn mit Rosenberg jun. schon länger bekannt, Beide trafen fich gewöhnlich bei der Zuhälterin Kohn's und letztere erhielt auch von Rosenberg jun. schon vorher ein Kinderkleidchen, an- geblich aus Abzahlung, zum Preise von 10 M. Eben so hatte schon vor der Veruttheilung Rosenberg's sen. Kohn Stoff zu einem Anzüge zum Betrage von 54 M. erhalten, gleichfalls angeblich auf Abzahlung. Nach diesen Vorläufen ließ Kohn den Rosenberg sen. in der oben erwähnten Nacht entweichen, indem er demselben die Thüren öffnete, während der dienst- thuende Aufseher auf dem Hofe die Kontroluhr stellte. Am Abend nach der That begab fich Kohn, dem eS jetzt doch et« was eigenthümlich zu Muthe ward, zu dem Berainvaliden Sonnenschein, in dessen Familie er bekannt war. Unter dem Vorgeben, er wolle am Fredmbaum ein Fest mitmachen, wußte er die allein anwesende Frau zu bewegen, ihm einen Anzug ihres Mannes zu leihen. Diesen zog er an, ließ seine Uniform zurück und fuhr dann mit dem nächsten Zuge nach Hamm. Dort suchte er Rosenberg jun. auf, der ihm, nachdem er die Flucht seines Vaters erfahren, ein Porte- monnaie mit etwa 90—100 M. gab. Dann fuhr Kohn nach Münster, verlebte dort einen vergnügten Montag mit früheren Bekannten und machte fich hierauf ins Holländische, dort wurde er später eingefangen und ausgeliefert. Kohn hat nach seiner Ergreifung sofort ein umfassendes Geständniß abgelegt und hält dasselbe auch heute aufrecht. Rosenberg jun. dagegen bestreitet, den Kohn zu der That verleitet zu haben, er habe nur halten wollen, was sein Vater versprochen. Der Gerichtshof erkannte diesen denn auch nicht der Anstiftung, sondern nur der Bestechung für schuldig und belegte ihn mit 2 Monaten Gefängniß, wovon 14 Tage durch die Untersuchungshaft angerechnet wurden. Kohn wurde dagegen zu 2 Jahren Zucht- haus und 5 Jahren Ehrverlust verurthetlt. Diese Strafe würde viel höher bemeffen worden sein, wenn der Gerichts- Hof nicht berückfichtigt hätte, daß derselbe schon durch den Ver- lust seiner Zivilversorgungsberechtigung sehr hart gesttast ist. Soziales und Arveitervemegung. Der Fachvmi« der Töpfer zu Magdeburg erläßt folgenden Aufruf:„Durch die Maßregelung unstres Vor. fitzenden und durch die Verfügung für die übrigen Mitglieder. binnen 14 Tagen aus unserem Fachverein auszutreten haben die Töpfer der Gebr. Bal'schen Ofenfabrik die Arbeit nieder- gelegt. Gezwungen, nicht freiwillig, aber wohl überlegt, haben wir diesen Schritt gethan. Unsere Vereins- Versammlung am 31. v. M. verfiel der Auflösung. Man schnnt unsere Organi- sation zerstören zu wollen, und dieses soll durch Untergraben einzelner Existenzen geschehen. Die Rechnung schlug jedoch fehl; einig, wie es die Herren nicht gedacht, traten wir auf und erklärten: Maßregeln gegen unsere personlichen Freiheiten und Rechte lassen wir uns nicht gefallen, unsere Arbeitszeit gehört ihnen, die andere Zeit jedoch uns. Lange und har! wird der Kampf sein, davon find wir überzeugt, aber wir müssen fiegen, denn gelingt es, unsere Organisation zu sprengen, sofort werden Andere denselben Machinationen von Seiten der Arbeitgeber ausgesetzt sein. Das darf nicht geschehen, Sil,"T.in int* XS"u Ä* 55 den Mitteln pariren und zum Siege gelangen. Dazu bedarf es aber der Hilfe und so-ppelliren wir an das Solidaritätsgefüdl aller Arbeiter, unS in dresem aufgezwungenen aber gerechten Kampf nicht zu verlassen. Sind eS auch nur 21 Mann, welche unterstützt werden müssen.da zwer Mann anderweitig Arbeit bekommen haben, so find doch fast alle ver« ms stegen, es wäre eine Schande für uns, wenn wir unterliegen. Aber nicht allein Geld verhilft uns zum Siege, sondern ebenso sehr das Zurückhalten von Töpfern. Die Sperre über diesem Geschäft muß streng aufrecht erhalten werden und wird jetzt nickt gearbeitet, so ist im Sommer leine Waare vorhanden, weil die Fabriken dann fast leer stehen, indem Alles auf Bauten beschäftigt ist. Also, Kollegen, kommt nicht nach Magdeburg und haltet Zuzug strengstens fern. Der Sieg muß dann unser werden. Sendungen an F. Braun, Magdeburg, JakobSstr. 1, IV. Briefe und Anfragen an E. Cavello, Sudenburg-Magdeburg» Lange Weg 2. Mit kollegialischem Gruß: Der Fachverein der Töpfer und Berufsgenossen zu Magdeburg. Uerewe und Nersammwugen. Der Arbeiter-Bezirksverein der Rosenthaler Vorstadt hielt am Montag, den 9. d.M., eine Versammlung ab, in der Herr Dr. Benckendorff einen Vorlrag über Feuerbestattung hielt, und äußerte Referent etwa folgendes: Zu den sozialen und politischen Fragen der Gegenwart sei in sanitärer Be» ziehung eine neue hinzugekommen, die der Feuerbestattung, welche auch werth sei, öffentlich diskutirt zu werden. Man de» trachte vielfach die Feuerbestattung als ein heidnisches Ueber» bleibsel, wenn wir jedoch weiter nichts als dieses aus der Heidenzeit geerbt hätten, so würde die Menschheit nicht in ihrem geistigen Fortschritt während der finstern Jahrhunderte ge- hemmt gewesen sein. DaS höchste Gut der Menschheit sei die Gesundheit und so müsse Alles, was derselben im Wege steht, auf reformatorischem Wege geändert werden. Bei der Beerdi- gung der Leiche sei zu unterscheiden, ob die Leichen verwesen oder ob fie verfaulen; sei elfteres der Fall, so wären die Kirch- Höfe nicht zu gefährlich, trete dagegen letzteres ein, so entständen sehr leicht Epidemien durch das allbekannte Leichengift. Die afiatische Cholera, die fich im vorigen wie auch in diesem Jahre nach Frankreich und Spanien übertragen hat, sei vielfach der schlechten Beerdigungs-Methode, welche am Euphrat und Tigris besteht, zuzuschreiben. Sowie ein jeder gute Gedanke, der oas Wohl der gesammten Menschheit bezweckt, Anhänger und Ver- fechter findet, so werde auch der Tag nicht fem sein, wo man die obligatorische Feuerbestattung einführen wird.(Lebhafter Beifall.) An der Diskusfion bctheiligten fich die Herren Klemholz, Christensen, Kerlin, Steinschneider und Kunkel. Bei den Ausführungen des letzten Redners erklärte der überwachende Polizeibeamte die Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetz für aufgelöst. Ks«. Im Fachverein sämmtlicher im Drechslergewerk beschäftigten Gewerksgenossen hielt am Montag Abend Herr Theodor Metzner einen Vorttag über„Nothwendigkeit, Zweck und Nutzen der gewerkschaftlichen Arbeiter- Organisation". Schließlich auf die bekannten traurigen Verhältnisse der Arbeiter im hiefigen Drechslergewerbe eingehend, bedauerte Redner das dem Zustandekommen einer großen geschlossenen Organisation der Drechsler und Berufsgenossen kaum förderliche Vorhanden« sein von zwei dieselben Ziele oerfolgenden Vereinen und rieth dringend zu endlicher Verschmelzung der beiden Fachvereine. Herr Sündermann wies auf die im Verelnsstatut vorgesehene Errichtung eines Verbandes der Drechsler und verwandten Berufs» genossen rn Deutschland und auf die Nothwendigkeit hin, solchen Verband so bald als möglich zu errichten. Herr Siener unter» zog die aus dem Bestehen zweier Vereinigungen fich ergebende Zersplitterung einer weiteren Erörterung, wogegen Herr Pindrie auf die Entstehung des zweiten Drechsler- Fachvereins einging und die Vereinigung der beiden Vereine als wünschenswerth und keineswegs unausführbar bezeichnete. Als der Redner hierauf gleichfalls die baldigste Verwirklichung der Zentralisa- tion empfahl, wobei er auf die Ausbeutung der Arbeit den bekannten Vergleich mit der ausgepreßten Zitrone anwandte, löste der überwachende Polizeibeamte auf Grund des§ 9 deS Sozialistengesetzes die Versammlung auf. Am 14. d. Mts., Sonnabend, findet im Louisenstädlischen Konzerthaus, Alte Jakobstr. 37, zum Besten der Unterstützungskassen des Vereins ein Vergnügen statt. Eine öffentliche Versammlung der Schmiede tagt« am Montag, den 9. November, in den Gratweil'schcn Bier» hallen, Kommandantenstr. 77—79. Herr Michelskn refertrte über das Thema:„Wie können die Schmiede ihre Errungen- schalten behaupten und wodurch eine Besserstellung herbei» führen?" Der Referent wies darauf hin, daß, Irotzdctzi die Schmiede im vergangenen Sommer die Sonntagsarbeit a�e» schafft hätten, dennoch in der Gewerkschaft viele Uebelstänve vorhanden seien. Leider seien aber auch viele Schmiede von der Organisation wieder zurück getreten. Auch Sonntags würde wieder von vielen gearbeitet. Das seien bedauerliche Zustände, jeder müßte fich bewußt sein, was er fich und was er Weib und Kind schuldig sei. Jeder müßte daran denken, daß nur durch eine große, feste Organisation etwas erreicht werden könne. Die englischen Arbeiter— meinte Redner— find den Deutschen weit voraus; fie betrachten die Forderungen, welche wir heute stellen, als längst vergessene Thatsachen. Wenn der Ardeiter aber etwaS erreichen will, so müsse er nicht nur Wochen, sondern Monate und Jahre lang daran arbeiten. Referent bedauert, daß die Vereinigungen fich nicht frei genug entfalten könnten, dennoch aber solle der Arbeiter die geringen Rechte ansnutzen und für seine Forderungen eintreten. Auf die Ausführung des RednerS, daß der Schmied, der mit seinen kräftigen Armen das Eisen nach jeder Form biegen und schmie» den könne, auch so stark sein müßte, fich eine befiele Zukunft ein besseres Leben zu erringen, wurde die Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes aufgelöst. br. In der Mitglieder-Versammlung deS Verein» der Arbeiterinnen, welche am Dienstag Lothiingersttaße 37 stattfand, hielt der Misstonar Herr Marenski einen Vortrag über„Die Stellung des Weibes bei den Kaffern in Süd» afrika". Er gab ein an interessanten Details reiches Bild von dem Familienleben der Kaffern und von der Stellung, welche das Weib in demselben einnimmt. Es herrscht dort die Viel» weiberei; der Mann" ist der unbeschränkte Herr über seine Weiber; er erwirbt fich dieselben durch Kauf; fie find feine Sklavinnen und müssen für ihn alle Arbeiten beim Ackerbau und im Haushalte verrichten. Aber eine jede der Frauen hat ihre eigene Hütte auf dem Acker, den sie bebaut, und bildet mit ihren Kindern eine besondere Familie. Der Einfluß der Frauen auf ihre Männer ist trotzdem, daß fie Sklavinnen find, ein sehr bedeutender. Nur in den Dörfern, wo die Frauen zuerst sich dem Christenthum ergeben haben, ist dasselbe herrschend geworden. Am Schluß hob der Vortra» gende hervor, daß die Kaffernfrauen über ihr Schicksal sich nicht beklagen und meist einen fröhlichen Sinn zeigen.— Auf die Interpellation, ob die Neger zum Plantagenbau geeignet find, antwortete er, daß fie dazu fich nicht zwingen lassen, wohl aber dazu„erzogen" werden können. Zur Diskusfion nahm Frau CantiuS das Wort, um darauf hinzuweisen, daß auch in unserer zivilifirten Welt die Stellung des Weibes in vieler Beziehung eine noch sehr trostlose sei, daß für die Fraum in unserer zivilifirten Welt die Zeit gekommen sei, die es ihnen zur Pflicht macht, für ihre Menschenrechte selbst thatkraftig einzutreten, und daß nicht der christlich- Glaube, sondern die Menschenliebe die Macht sei, welche die trostlosen Zustände beseitigen und bessere Zustände herbei- führen kann. Frau Kolbe hob hervor, daß die gleiche Bereckti- gung, welche die Frauen selbst fich erkämpfen müssen, nicht zu verwechseln sei mit einer Gleichstellung der Frau und des ManneS in Bezug auf alle Berufsarten. Herr Marenski gab der Frau Cantius zu bedenken, daß das Christenthum die Sklaverei abgeschafft und die Gleichheit von Mann und Weib vor Gott zuerst gelehrt, und damit sich als wahres Mmschenihum erwiesen habe.— Nach Schluß der Diskulston legte Frau Pötting nochmals die Fragen. vor, w«lche behufS Herstellung einer Lohnstatistil auf den Fragebogen von den Arbeiterinnen beantwortet werden sollen. Frau CantiuS vermißte unter den Fragen die Frage, wieviel die Arbeiterin pro Stück und pro Dutzend bekomme, und sprach ihr Bedauern darüber auS, daß über die Einrich» tung des Fragebogens keine Vorbcrathung rm Vorstande statt« gefunden habe. Herr Dr. Lütgenau wies auf die Wichtigkert der Lohnstatistik und auf die Thatsache hin, daß in der Presse dem Streben der Arbeiterinnen jetzt schon mehr Anerkennung zu Theil werde, als in der eisten Zeit ihreS Auftretens. T>er Vorschlag, den Herrn Vaake machle, daß man daS AgitationS-Komitee nicht auS der Mitte des Vereins, sondern in einer öffentlichen Versammlung aller Arbeiterinnen wählen möge, fand keinen Anklang. Fräulein Marohn erklärte, daß die Preise welche ste als Arbeiterin in der Wäschebranche de- komme, so erbärmliche seien, daß fie stch schäme, dieselben in einer öffentlichen Versammlung anzugeben. Darauf wurden als Branchenvertreterinnen in das Agitationskomitee Fr. Reich, Fr. Blaurock und Frl. Beirr gewählt; Zu Revisorinnen Frau Berger und Frl. Müller. Es wurde dann noch beschlossen, daß am 5. Dezember ein Kränzchen und am nächsten Dienstag eine Versammlung der Mäntelnäherinnen stattfin« den soll., Im Allgemeinen Arbeiter-Verein zu FriedrichShage» hielt am Sonnabend, den 7. November, Herr Arndt aus Ber- nau einen Vortrag über Franz v. Sickingen und Ulrich v. Hutten. Der Vortragende gab zunächst seiner Freude AuS« druck, daß sich in Friedrichshagen ein Verein gebildet hat, der seine Mitglieder durch wissenschaftliche Vorträge belehren will. Sodann schilderte Redner in seinem Vortrage die Charaktere beider Männer, welche in ihren politischen Ansichten so sehr verschieden waren; von Sickingen war streng konservativ, von Hutten hielt sich jedoch zur äußersten Linken, doch waren berde von demselben Grundgedanken beseelt und verfolgten ein Prinzip. Beide waren der Anficht, daß daS Volk nur aufge« Theater. Overnhau». Heute: Der fliegende Holländer. Schauspielhaus. Heute: Was ihr wollt. Deutsches Theater. Heute: DaS Fräulein von Seiglidre. Friedrich-Wilhelmstädtikche» Theam. Heute: Lssenbach- Cyclus. Die schöne Helena. Residenz-Theater. Heut«: Theodora. Wallner-Theater. Heut«: Herr und Frau Hippokrates. Messa-Dora. «elle-Alltance-Theater. H-wt«: Der Hypochonder. Walhalla-Operetteu-Theater. � �„««WW.. Heute: Messalina. Alte. Heute: Zum 104� 4 Akten von Ceutral-Theater. raße 32. Direktion: Adolph Ernst. >cale: Die wilde Katze. GesangSposse 1» Mannstedt, Musik von