tzr.-474. Hontttag» den 22. November 1883. II. Jahrs« MttVMlall Drgan für die Interessen der Arbeiter. 4 QiW, Da«„Berliner Volksdlati« AbounementSprei»' wöchentlich 35' Emzetne Vtt. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10- lMngetrage« in der PofhzeitungSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) I« s e r t i d» s g e b ü h r beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden big 4 Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle« Ann»««» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. dn Die Kandidaten der Arbeiterpartei den bevorstehenden Kommuual- wahlen sind die folgenden: �skar Rojahn, Klempnermeister,(3. Bezirk) Kleine MarkuSstraße 28. Zeinrich Uoske. Tischler.(8. Bez.) Adalbert- _ straße 89. Krohm, Medailleur,(10. Bez.) Berg- k Mannstraße 19. Itotti Singer, Kaufmann,(12. Bez.) Linden- x stroße 65. Winand Mitan, Tischlermeister,(14. Bez.) , Wienerstraße 29. kritz Znbeil. Tischler.(19. Bez.) Waldemarstraße 73. ert Herzfeldt, Gelbgießer, �21. Bezirk) fr Adalbenstraße 71. Franke. Schlosser,(25. Bez.) Saar- ff, �brückerstraße 6. �Ustav Uoigt, Tischler,(26. Bez.) Münche- * bergerstraße 32. Steind-rff. Sattler.(28. Bezirk) Marienstraße 14. �«ttfried Schnh, Gelbgießer,(32. Bezirk) Wienerstraße 11. �wil Köhl. Vergolder,(34. Bezirk) Acker- fr. straße 133,. is **k*f Rosahn» Klempnermeister,(38. Bezirk) fr� Kleine MarkuSstraße 28. *ito Kallmüller» Gürtler,(40. Bezirk) Veteranenstraße 23. Me Zizialresiirm. Dem Reichstage liegen bi« jetzt von Seiten der Re- k'�g von sozialpolilische« Gesetzentwürfen nur zwei vor: Ausdehnung der Unfallversicherung auf die land- und sJUiirthschaftliche» Arbeiter und auf Beamte und Personen "fMtn.J Jseuillvton. Die Hand der Kemests. � Roma» 1 von Ewald»ugust König. (Fortsetzung.) Alle Behälter und Schubladen wurde» geöffnet, aber fand sich etwa«, was über die Motive dieses �innords Aufschluß hätte geben können. IU Selbstmörder pflegt in der Regel einige Zeile» �hwterlaffe», in denen er seine That zu rechtfertigen & rar sstoäVä ä „Wer hat zuerst die Leiche entdeckt? "Unser Kutscher.". "Und«ach ihm waren Sie hier? »Jawohl." "pie habe» nicht«—' MWZM WMMM wodurch erfuhren Sie e«?" ftagte S.egfned. ir sÄ«ußte e« längst, aber ich schwieg dazu, so lange �Arbeit«icht versäumte.", 0(( haben ihn»icht betrunken gesehen?" *'u$S?n'ett l, New. Er trank erst am Abend, bevor können uns auch keine« Aufschluß darüber "�ei«. mögÄ,��«. selbst«S bereitet des Militärstande». In der Thronrede ist von der„Fort- führung des soziale» Reformwerk«" gesprochen worden; die verbündeten Regierungen haben sich indessen auf die be- zeichneten positiven Punkte beschränkt. Daß die staatSsozialistischen Organe, wie z. B. die an» tisemitische„StaatSbürger-Zeitung". von den beide» genann- ten Vorlagen überaus entzückt sind und dem deutschen Volke vorreden wollen, daß eS von der Ausdehnung der Unfalloersicherung auf die genannten Kategorien der Be» völkeruna eine goldene Zukunft zu erwarten habe, finden wir sehr begreiflich. Wenn die Regierung gar keine sozialpolitischen Vorlagen gemacht hätte, so würde sie von den Blättern jenes Schlages dafür auch gelobt worden fein. Man hätte dann gesagt, eS sei eine weise Zurückhaltung und Besonnenheit geboten, um nicht in Ueberstürzung zu verfallen. Wir sind in diesen Dinge» anderer Meinung. Für eine volkSthümliche und durchgreifende Sozial» reform find wir allezeit warm eingetreten und werden e« auch in Zukunft thun. Was aber bis dato Reichstag und Regierung an sozialpolitischen Gesetzen geschaffen haben, könne» wir nicht als eine Sozialreform betrachten. Da wir die Schönrederei«icht lieben, so fassen wir da» Wort„So- zialreform" völlig ernst in seiner garze« umfassenden Be- deulung auf, wie eS auch immer von denen ausgefaßt wor- de« ist, welche die Bedeutung sozialer Frage« richtig zu würdi- gen gewußt haben. Die Arbeiteroersicherung ist nur ein winziger Theil, eine untergeordnete Frage innerhalb einer wirklichen So- zialreform. Und auch diese untergeordnete Frage ist vis jetzt weder genügend noch in einem volkSthümliche« Sinne gelöst worden. Man hört über die Kranken- und Unfallversiche- rung in ihrer jetzige» Form eine Menge von Leuten jubeln und frohlocke«; allein das sind fast durchweg Leute, die e« nicht nöthig habe», sich gegen Unfälle und Krankheiten zu versichern. Von de» Arbeitern selbst, soweit dieselben ge- wohnt find, ihre Anschauungen selbstständig kund zu geben, sind diese neuen Gesetze mit einer Kälte aufgenommen wor» den, die nicht mißverstanden werde» kann. Da kommen wir wieder auf das zurück, was schon so oft gesagt worden ist: e« ist nicht die Frage der V e r- s i ch e r u« g, die in allen Theilen des Deutsche« Reichs die arbeitende Bevölkerung in Bewegung gesetzt hat— es sind wichtigere Fragen. Die über» mäßige Ausnutzung der Arbeitskraft de« Einzelnen, der Mangel an Beschäftigung, die übermäßige Herein- ziehung von sogenannten jugendliche» Arbeitern, von Frauen und Kindern in die industrielle und theilweise auch die landwirthschaftliche Arbeit, die immer noch finkende« Löhne, die erzwungene Konkurrenz der Arbeiter unter ein- ander, die aus diesen Dinge» hervorgehende angebliche, hat, in der Pflanzenkunde besaß er bedeutende Kennt» visse." „ZedenfallS erscheint eS seltsam, daß er de« Inhalt der ganzen Flasche zersetzt hat," sagte der Arzt,„er hätte ja nur einige Tropfen in das Glas zu träufeln brauchen, da» würde vollständig hingereicht haben." Rabe zuckte die Achseln, ein ironisches Lächeln glitt über sein fahle« Gesicht. „Ich habe mich zwar in diesem Falle noch nicht be- funden," sagte er sarkastisch,„aber ich glaube nicht, daß man in stachen Augenblicken Alles reiflich erwägt und überlegt." Siegfried blickte den Arzt erwartungsvoll an, aber da der Mann der Wissenschaft schwieg, erwiderte auch er nichts auf diese etwa« ungezogene Bemerkung. „Wir wollen jetzt mit dem Zeugenverhör begmnen," sagte er;„Sie haben wohl die Güte, Herr Rabe, mir ei« Zimmer anzuweisen, in welchem dasselbe vorgenomme« werde» kann." „Und darf ich ftagen, welche Zeuge« Sie verhöre« wolle«?" „DaS Gesinde." Rabe nickte zustimmend, er fand dagegen nicht« einzu» wenden. Er führte die Herren in da« Schloß, und nachdem Siegfried in einem Zimmer des Erdgeschosse» Platz genommen hatte, begann er mit dem Verhör de« Kut» 'erS. „Sie haben gestern Wend de« Verstorbene« zuletzt gesehen," sagte er,„wo war das?" „In der Gesindestube," erwiderte Franz. „War der alte Mann aufgeregt?" „In de» letzte« Tagen war er da« immer, die gestoh» lene» Papiere lagen ihm sehr am Herzen." „Hat er Ihnen oder einem Andern den Inhalt dieser Papiere verrathen?" „Nein. Er hat nur gesagt, sie enthielte» Geheimnisse, die er nicht cnthüllen dürfe, wenn er sich nicht die Finger verbrennen wolle. Nach seinem Tode sollten wir, Marianne aber im Verhältniß zu den allgemeinen Bedürfnissm«icht wirkliche Ueberproduktion, deren Wesen wir schon so oft erörtert haben, die immer mehr schwindende Konsumtiv»?' kraft der Massen— das sind die Resultate, die au« der bei uns herrschenden wirthschaftlichcn Anarchie heroorge- ganzen sind. Diese Verhältnisse weisen einer wirkliche» Sozialreform eine großartige und allerdings schwierige Auf- gäbe zu und Zedermann wird uns Recht geben, wenn wir sagen: Wie winzig stehe» dieser riesenhaften Aufgabe gegen» über die„positiven Errungenschaften", die von unsere« Sozialkonservative» so hochzepriesenen beiden Versicherung»» gesetze da! Vor der Frage der Sonntagsarbeit scheint man Still- stand gemacht zu haben. Welche Resultate die so viel be- sprochene Enquete gebracht hat, ist heute nur ungenügend und in einzelne» Theilen bekannt. Die Regierung hat sich, so scheint es, zu einer Vorlage, die Sonntagsarbeit be« treffend, nicht entschließen können und die offiziöse« Blätter deuteten f. Z. an, daß„angesehene Körperschasten", also Handelskammern und Vereine von Industriellen, sich gegen Abschaffung resp. Beschränkung der Sonntagsarbeit au«» gesprochen und damit ein große« Gewicht in die Waagschale der Entscheidung geworfen hätten. Auch von der Alter»- Versorgung ist eS gänzlich still geworden und Manche, die sich in eine Art Verzückung hineinredeten, wenn sie vo« dieser„Krönung de» Gebäudes" sprachen, schweige» jetzt ganz bedenklich. Man hat ängstlich vermiede«, die Sozialreform so zu .estalten, daß dadurch die auf dem wirthfchaftlichm Gebiet errschende« Klassen in irgend welcher Weise in ihre« Interessen beeinträchtigt werde» könnte». Da» wird man wohl auch ferner thun. Allein gerade dadurch bewirkt man, daß da«, wa« man heute Sozialreform nennt, eine solche weder sein«och auch in Zukunft werden kann und man bedenkt dabei schwerlich, daß die Arbeiter durch die gegen- wältigen wirthschaftlichen Zustände täglich geschädigt werden. Wir sehe« unsere Volkskraft schwinde« und die Staats-Doktoren wisse« nicht, was sie verordne» sollen. Indessen wird die Arbeiterftage nicht mehr von der TageS- ordvung verschwinden und die öffentliche Meinuna wird immer mehr auf der Forderung durchgreifender sozialer Re- formen bestehen._ PoUtische Ueverstcht. Die„Freisinnigen" unter sich!„Seildcm Eugen Richter Redakteur geworden, hat er der Reihe nach die großen„fteistnnigen" Berliner Blätter(und auch die aus- wältigen) in einer Weise angerempelt, die unmöglich der von ihm vertretenen Sache nützlich sein konnte"— so zu lesen in und ich, diese Papiere an uns nehmen und damit nach Gut" dünken handeln." „Sprach er auch gestern Abend von den Papiere»?" „Jawohl, er sagte, heute sollten wir Alle etwa» Ueber- raschendeS erfahren." „Er wollte die Sache dem Gericht anzeigen?" „Aus seinen Rede« ging das hervor." „Erwähnte er etwas, was auf seinen nahen Tod hin- deutete?" „New. Aber ich habe auch auf seine Worte so genau »icht Acht gegebe». Aufgeregt war er, aber kein Mensch von uns hätte daran gedacht, daß er sich da« Lebe« nehme« würde." „Wann brach er auf, um in feine Wohnung zugehe«?" „Wie immer, um neun Uhr." „Und seitdem hat Niemand ihn wieder gesehen?" „So viel ich weiß, nicht." „Was haben Sie nach neun Uhr gethan?" „Ich habe noch einmal nach den Pferden gesehe«, da«« bin ich zu Bett gegangen." „Sie waren also nicht mehr im Park?" „New." „Was führte Sie heute Morgen in die Hütte de« Gärwer«?" „Hm, eS war mir schon auffallend, daß er beim Früh- stück fehlte, und als ich ihn auch später»icht im Garte» fand, wollte ich sehen, ob er krank geworden oder schon zur Stadt gegangen war." „Gingen Sie zuerst in das Wohnzimmer?" „Jawohl, und als ich ihn dort«icht fand, ging ich in» Schlafzimmer." „Haben Sie in einem der beide« Räume etwa« bemerkt. wa» Ihnen ausfiel?" tranz blickte den Assessor fragend an, er hatte offenbar in» dieser Worte«icht verstanden. „Was mir ausfiel?" erwiderte er.„New, ich wüßte auch nicht—" .Ich mache Sie speziell darauf aufmerksam, ob Sie " vielleicht eine» Brief oder eine« Zettel, sei e« auf dem Dem Organ dkS Herrn Masse,„Berliner Tageblatt".— Und nun heißt 10 an dieser Spelle weiter: Er(Richter) hat angesichts eines l o m p ro mittire n d en journalistischen Mißerfolges es an Verdächtigungen, Angriffen und Beleidigungen gegen die freistnnigcn Blätter nicht fehlen lassen. Nach dem Mossescken Blatt find auch„Vosstsche Zeitung",„VollSzcitung" und„Berliner Zeitung" von Herrn Richter beleidigt, resp. angegriffen worden. Die..VolkSzeitung" hat er nahezu aus den Reihen der freifinnigen Partei heraus- gestrichen, und mit der„Berliner Zeitung" hat er dieS in aller Form schon gethan. Schließlich aber wurde auch die „Nationalzeitung" von ihm in ähnlicher Weise mit Grobheiten und Beschuldigungen überschüttet. Die„National-Ztg." hatte nämlich darauf hingewiesen, daß auf wichtige Abstimmungen der deutschsteifinnignr Fraktion die von keinem Fraktions- TerroriSmus abhängige liberale Presse einen erfreulichen Ein- fluß geübt habe. Herr Richter stellte diese Wirkung der Presse in Abrede, da diese Presse(d. h. hier die„National Zeitung") im Parlament nicht vertreten sei. Darauf antwortet jetzt die „Nat. Ztg.": „Die erwähnte Bemerkung deS Herrn Richter ist durchaus charakteristisch dafür, wie er und seine nächsten Gestnnungs« genossen von jeher ihre Stellung zur öffentlichen Meinung auf» gefaßt haben: die letztere kommt danach nur insofern in Be- tracht, als fie daS Echo der Parlamentsreden von Richter und Genossen ist: anderenfalls ist fie bedeutungslos. Vermöge dieser seiner Denkart hat Herr Richter fich nachgerade fast mit der gesammten Presse, auch mit den seiner Fraktion am nächsten stehenden Blättem überworfen, da die Zeitungen nicht nöthig Häven, fich von ihm so behandeln zu lassen, wie manche Inhaber parlamentarischer Mandate. Jen: Stellung zur öffentlichen Meinung, die Unfähigkeit, die- selbe zu würdigen, sobald fie nicht Ordre parirt, war eS vornehmlich, wodurch Herr Richter die Fortschrittspartei dergestalt ruinirt hatte, daß er die letzte Rettung derselben in der Ver- einigung mit den Eezesfionisten erblickte: und er wird die deutschfreiflnnige Fraktion, die hauptsächlich vermöge seiner Mißliebigkeit im Lande bei ihrem ersten Wahl-Debüt sofort den dntten Theil ihres Mitgliederstandes verlor, ebenso ruiniren, wenn ihm dazu freie Hand gelassen wird. Im „Wallenstein" ist von einem General die Rede, der ein Heer« führer sein wolle, aber ein Heerverderder sei; so ist Herr Richter ein Parteiverderber, nicht ein Parteiführer." „Wir können— meint daS„Berl. Tagebl."— nur unser lebhaftes Bedauern darüber aussprechen, daß das publizistische Verhalten Eugen Richter's die der freisinnigen Partei nahestehende Presse zu solchen Auslassungen zwingt. Wir haben die meisten Anrempelungen Eugen Richter's rm Interesse der Partei mit Stillschweigen übergangen— da uns die Sache deS Liberalismus weit über persönlichen Empfindlichkeiten steht. Aber wir möchten doch die Aufmerksamkeit der Partei selbst auf diese Zustände lenken, welche zum Vortheil der liberalen Sache nicht länger andauern dürfen, soll nicht schließlich die peinlichste Zerfahrenheit daS Kennzeichen der liberalen Partet« Verhältnisse werdm. Wer fich am meisten als Dritter über dergleichen Vorgänge freuen darf, liegt zu klar auf der Hand, als daß wir nöthig hätten, darauf noch besonders hin- Ter Hinweis auf den„Dritten" soll also den Kitt herbei« schaffen, mit dem daS Loch in der„freifinnigen" Pauke ver- klebt werden muß. Nun, die Angst vor dem„Dritten" mag wohl auf eine kurze Zeit ihren Zweck, den verfahrenen Parteikarren wieder etwas flott zu machen, erfüllen, auf längere Zeit hinaus wird das Mittel aber nicht vorhalten. Den„Dritten" kann man so wenig täuschen, wie die eigenen Parteielemmte, welche, soweit fie noch selbstständig zu denken vermögen, bereits in hellen Haufen desertiren. Charakteristisch ist nock, daß daS— freilich seihst in allen Farben schillernde—„Berl. Tagebl.", die ausgesprochen nationalliberale„Nat. Ztg." auch zu den Organen des Freifinns rechnet; es ist dies ein neuer Beweis für die Verschwommenheit der deutschfrcifinnigen Partei. Herr Richter hat entschieden Pech; die Gründung der neuen Partei war schon eine große Fehlgeburt, und die Gründung eines freifinnigen Organs bat ihm noch weniger Lorbeeren einge« tragen. Er, der Gründer und Leiter der angeblich feristnnigen Partei, muß fich von seinen Jüngern„kompromittirenden jom« nalistischen Mißerfolg" nachtagen lassen und obenein noch hören, daß er eigentlich ganz überflüsfig ist. Ein lehrreiches Beispiel, wohin eS führt, wenn die Volksvertretung, wie jetzt in Bezug auf die Kolonialgesetz« gebung verlangt wird, zu Gunsten der Regierung auf ihre Mitwirkung verzichtet, liefert die Geschichte des Welsen- f o n d s.„Die Volksvertretung hat", wie der parlamentarische Korrespondent der„Breslauer Zeitung" schreibt,„wohl keinen Beschluß, den fie jemals gefaßt hat, schwerer bereut, als den, durch welchen fie die Verwendung deS WestenfondS der Regie- rung ohne jede Mitwirkung oder auch nur Kontrole von ihrer Seite überlassen hat. Die Regierung hat auf dem formalen Recht, welches sie hierdurch erworben, mit der äußersten Energie bestanden. Jeden Versuch, von ihr irgend eine Aus« kunst zu erlangen, hat fie in der schroffsten Weise adge- Tisch in der Wohnstube, oder in den Hände» der Leiche be- merkt haben?" „Nein. Aber ich habe auch darauf gar«rcht geachtet, mein Schrecken war zu groß." „Haben Sie auch die Flasche auf dem Tische nicht bemerkt?" „Ich erinnere mich auch dessen nicht." „ES heißt, der Gärtner habe in der letzte« Zeit fich der Trunksucht ergeben, ist Ihnen davon etwas be- kannt?" Nicht das Geringste. So viel ich weiß, hat er de« Tag über nur Wasser getrunken. Aber Abends, ehe er zu Bette ging, trank er ein Gläschen Kirschbranntwein, den er in jedem Sommer selbst fabrizirte. Er war sehr geizig damit, und er verrieh Keinem, wo er seinen Vorrath auf- bewahrte." .Niemand wußte, wo die Flasche war, ans der er trank?" „Diese Flasche lag in der verschlossene» Kiste unter dem Bett, aber den ganzen übrigen Vorrath haue er an einer nur ihm allein bekannten Stelle im Parke ver» graben�ie �eit also nie betrunken gesehen?" ''War er mit einem Apotheker oder Chemiker be- freundet, von dem er sich da« Gift hätte verschaffe» können?". „Außer mit uns, verkehrte er mit Niemanden," ant- wortete der Kutscher,.er suchte keine Freunde, und in die Stadt kam er sehr selten." „Haben Sie noch etwa» zu erwähne», was zur Losung dieses Räthsel« beitragen könnte?" Franz schü'telte verneinend den Kopf, und Siegfried ging jetzt zum Verhör Marianne'S über. Zhre Aussagen stimmten mit denen deS Kutscher« ganz überei», zur Aufklärung der Sache trugen sie so wenig bei wie diele. Franziska konnte ebenfalls keinen Aufschluß geben, sie hatte sich gleich nach dem Abendessen au« der Gefivdestube n, die Gemächer ihrer Herrschaft zurückgezogen und auf da« wehrt."...„ES schwebt über den Beträgen, welche auS diesem Fonds verwendet find und über den Zwecken, zu denen fie verwendet worden find, das tiefste Dunkel, urd doch liegt Grund vor, anzunehmen, daß einzelne Beträge in einer Weise verwendet worden find, welche nie die Brllrgung der Volks- Vertretung erlangt haben würden, und welche, wenn man fie im voraus hätte ahnen können, das Gesetz gehindert baben würde, zu Stande zu kommen. Ebenso so ist von dem Rechte des Bundesraths, Verordnungen zu erlassen, wiederholt ein Gebrauch gemacht worden, der den Reichstag auf das tiefste befremdet und Veranlassung gegeben hat, tem BundeSrath ähnliche Rechte nicht mehr einzuräumen. Der Reichstag hat somit dringende Veranlassung, aus dem Wege ver Gesetzgebung sein eigenes Recht zur Mitwirkung an der Gesetz- gebung nicht zu schmälern. Er wird fich eher jeder Mehrarbeit unterziehen, die ihm aus der Kolonialgesetzgebung erwachsen kann." Von dem Reichstagsabgeordneten Kräcker erhätt d? „Volks-Ztg." folgende Zuschrift: Berlin, 20. November 1885. Gestatten Sie mir einige Worte zur Aufklärung in Betreff des Entscheides der Reichskommisfion in Sachen der Schließung der Druckerei. Es heißt in dem Entscheide der betreffenden Kommisfion, daß der Verein doch exiftire, und daß nach den am 20. November v. I. beschlagnahmten Büchern es fich ferner heraus« gestellt habe, daß zu dieser Zeit noch ca. 100 Darlehnsgeber (soll hier auch heißen VereinSmitgliever) vorhanden gewesen. Allein die ganze Frage stellt fich doch eigentlich so: ob der angebliche Verein zu der Zeit der Schließung noch existirte. Die Schließung fand aber nicht am 20. November v. I., son- dem am 12. August d. I. statt. Ich habe schon früher hervorgehoben, und geht dies auch aus den Geschäftsbüchern hervor, daß zur Zeit des Verbots nur noch 10—11 Darlebnsgcber vorhanden waren, deren Gut« haben ich noch vor Schließung deS Geschäfts bei der königl. Regierung zu Breslau hinterlegt habe, diese Hinterlegung aber wurde bekanntlich zurückgewiesen. Durch diese Zurückweisung blieben nun allerdings noch sogenannte Vcreinsmitglieder. Allein dieS waren mit einer einzigen Ausnahme Leute, die vielleicht gestoiben oder ausgewandert und vielleicht nirgends aufzufinden find. Die Auffassung, daß ich mit Leuten, die nicht auffindbar, daß überhaupt Leute, die fich gegenseitig nicht finden können, dennoch einen Verein bilden resp. vorstellen soll, ist mir neu. Hätte es der Reichskommisfion beliebt, mich vor dem Ent« scheid zu hören, so hätte ich die nöthige Aufklärung des Each- Verhältnisses bringen können, denn es kommt meiner Anficht nach nicht darauf an, ob der angebliche Verein vor einem Jahre, also am 20. November v. I., sondern od er zur Zeit des Ver- botes, also am 12 August d. I. noch vorhanden war. Der Umstand aber, daß die Behörde erst jetzt, nach fieben- jShr'ger Dauer des Sozialistengesetzes, zu der Anficht kommt, daß hier ein Verein im Sinne des§ 1 deS Sozialistengesetze« vorliege, läßt doch jedenfalls die Anficht zu, daß ich und außer mir noch viele Leute annehmen konnten, daß eine solche Handels- gesellschaftliche Verbindung keine solche Verbindung ist, auf welche das Sozialistengesetz Anwendung finden kann. Ich ersuche alle diejenigen Blätter, welche von dem Ent« scheid der Reichskommisfion Notiz genommen, diese Zeilen abzu- drucken., Vom sächsischen Landtage wird aus Dresden berichtet: In der ersten Sitzung des Landtages nach seiner erfolgten Konstituirung kam eS wegen eines anscheinend harmlosen Gesetzentwurfs zu»inem ziemlich scharfen Geplänkel zwischen dem Minister deS Innern und dem sozialdemokratischen Ab« geordneten Stolle. ES handelte fich um Maßnahmen gegen das Ueberhandnehmen von Feldtauben und die Aufhebung der Schonzeit wilder Tauben. Der Gesetzentwurf ist dem Einfluß unserer Großgrundbefitzer zu danken, die zwar sehr klein an Zahl, aber im Ministerium und in der Ständeverttetung den entscheidenden Einfluß haben und die Zeiten von 1789 und 1830 zurückwünschen, wo fie allein Tauben halten und beliebig fremde Tauben schießen durften. Der Gesetzentwurf hat also «inen gewissen sozialen Hintergrund und ist geeignet, nament« lich auch die Häusler und Kleinbauern materiell zu schädigm. Der Adgeoidmte Stolle wies die vollständige Unzulänglichkeit und Unausfühibarkeit der vorgeschlagenen Maßregeln nach und machte darauf aufmerksam, welch' Maß von Unzufriedenheit durch diese Maßregeln gerade die Regierung in die Kreise der kleinen Leute auf dem Lande trage. Der Minister antwortete in ziemlich erregter, Weise, worauf der Abg. Stolle noch einmal zu einer Entgeonung daS Wort nahm. Von einem der bäuer- lichen Abgeordneten mußte fich der Minister de« Innern sagen lassen, daß es doch eine Grausamkeit sei, die Sckonzett ver wilden Tauben soweit aufzuheben, daß das Wegschießen der alten Tauben den Hungertod der jungen Brut zur Folge habe. Da auch von anderer sachverständiger Seite die Unzulänglich- keit deS Gesetzentwuifes hervorgehoben wurde, wanderte er zur Epezialberathung an eine Deputation. Gespräch, welches bei Tisch geführt worden war, gar nicht geachtet. Daß Georg ein Trunkenbold gewesen sein sollte, wollte sie nicht bezweifeln, und die Lamentationen de« Verstorbenen über die ihm gestohlenen Papiere waren ihr von vorne herein kindisch und albern erschienen. Den Kammerdiener verhörte Siegfried zuletzt. Schon das dreiste, trotzige Auftreten Joseph'« machte auf den Untersuchungsrichter eine« unangenehmen Ein» druck. „Ich habe immer geglaubt, daß es mit diesem Manne ei» solche« Ende nehmen würde," sagte der Kammerdiener, nachdem er die Vorfragen beantwortet hatte.„Erspart hatte er nicht«, und Herr Rabe hat ihm oft mit Entlassung ge- droht, weil er nicht« verstand. Deshalb haßte er un« auch Alle; wo er namentlich mir einen Stein in den Weg werfen konnte, that er e«. Hätte er seine Anklage gegen mich be- weisen können, so würde er triumphirt haben. Herr Rabe mußte mich dann ja entlasse»; aber er konnte e« nicht, und er wußte da« selbst." „Würde er nicht in diesem Falle die Anklage falle» gelassen und seine» Jrrthum bekannt haben?" fragte Siegfried. .Klüger wäre e« allerdings gewesen, aber sei« Haß duldete das nicht. Er hätte heute seine Anklage beweise» müssen, und da« war ihm unmöglich." „Er soll heimlich getrunken haben," warf Siegfried ein, der den Zeugen scharf beobachtete. „Da« glaube ich gern, er liebte den Branntwein leiden- schaftlich." „Haben Sie ihn bettunken gesehen?" „Betrunken? Nein, dazu war er zu schlau, er wußte, daß die gnädige Frau ihm daS nie vergeben und vergesse» hätte." „War es Ihne« bekannt, wo er seine Branntweinflasche aufbewahrte?" „Nein." „Erinnern Sie sich nicht mehr, daß er behauptete mit den Papiere« sei ihm auch die Flasche gestohlen worden?" Ueber das Klima in Westafrika sp icht fich auch der Sekretär des franzöfischen„Afrikareisenden" de Ärazz?' v. Cbavannas, welcher kürzlich aus Afrika nach Frankreich zurückgekehrt ist, nicht günstig aus. Von den zehn Mitglieder« der Expedition, die Frankreich im Dezember v. I. verlassen haben, find vier gestorben, zwei find krank zurückgekehrt. Brajj» ist sehr leidend. Die Netto- Einnahme des Reichs an Zöllen- Tabaksteuer und Zoll- und Tabaksteuer- a v e r s e n für das Etatsjahr 1886/87 ist bekanntlich auf W' aesammt 258 600000 M. veranschlagt, wovon nach Abzug Ver Summe von 130000000 M., welche der Reickskaffe verbleibt, 128 600 000 M. an die Bundesstaaten überwiesen werden sollen. Der Elttag der Reichsstempelabgaben, welcher den einzelnen Bundesstaaten voll überwiesen werden muß, ist auf 22 375 006 Mark veranschagt. Die Vertheilung dieser beiden Summe» würde fich nach dem Voranschlag auf Grund der Bevölkerung ziffer vom 1. Dezember 1880 folgendermaßen vertheilen. Ei iirden erhalten: Preußen an Zöllen ac. 77554250 M-, a» ieichssternpelabgaben 13 493 600 M.; Bayern an Zölle» 15324 570 M, an Reichsstempelabgaben 2 614 110 M.; Eackle» an Zöllen 8 451660 M., an Reichsstempeladgaben 1 470500 Mark; Württemberg an Zöllen 5 603 870 M., an Reichft stempelabgaben 975 010 M; Baden an Zöllen 4 464 220 Af* an Reichsstempelabgaben 776 720 M.; Hessen an Zölle» 2662000 M.. an Reichistempelabgaben 463 160 M.; MeckltM bürg Schwerin an Zöllen 1 640 560 M., an Reicksstemvelcd- gaben 285 440 M.; Sachsen-Weimar an Zöllen 880 120 M- an Reichsstempelabgaben 153 130 Mark; Mecklenburg' Etreltz an Zöllen 285060 M., an ReichsstemK' abgaben 49 600 M.; Oldenburg an Zöllen 959450$[•- an ReichSftemvelabgaben 166 930 Mark; Braunschw"? an Zöllen 993 250 M., an ReichSstempelabgaden 172 810 Sachsen Meiningen an Zöllen 588 710 M., an Reichsstempel' abgaben 102 430 M.; Sachsen-Ali enburg an Zöllen 440 770 S, an Reichsstempeladgaben 76 690 M.; Sachsen-Koburg an Zöllen 553 580 M., an Reichsstempeladgaben 96 320 M> Anhalt an Zöllen 661260 M., an RerchSstemveladgape» 115 050 M.; Schwarzburg. Sondersbausen an Zöllen 202 160% an Reichsstempelabgaben 35 170 M.; Schwarzburg Ruvolsso� an Zöllen 228 280 M., an Reichsstempeladgaben 37 720% Walde ck an Zöllen 160 690 M., an Reichsstempelabgab»> 27 960 M.; R-uß ä. Linie an Zöllen 144 370 M., an R«%' stempelabgaben 25 120 M.• Reuß j. Linie an Zöllen 288 080 an Reichsstempeladgaben 50 120 M.; Schaumburg Lippt� Zöllen 100 570 M., an Reichsstempelabgaben 17 500 M.; an Zöllen 341 860 M., an Reichsstempelabgaben 59 480 Lübeck an Zöllen 180 730 M., an Reichsstcmpeladzap? 31 450 M.; Bremen an Zöllen 445 560 M., an Reichsitemi� abgaben 77 520 M.; Hamburg an Zöllen 1 290 340 M, f. Reichsstempelabgaben 224 510 M.; Elsaß-Lothringen an Zo? 4 454 030 M., an Reichsstempelabgaben 774 950 M. Der s? nitiven Vertheilung de« Mehrertrages der Zölle und der 1% steuer, sowie des Ertrages der Reichsstempelabgaben wirb F' Bevölkerung vom 1. Dezember 1885 zu Grunde gelegt m#' Schweiz. In Basel hat der Große Rath(wie schon kurz m!% theilt) am 16. November mit 63 gegen 12 Stimmen<>", Gesetzentwurf angenommen, nach welchem alle Beerdig»" gen auf Kowen des Staat« vorgenommen werl� Man rechnet, daß dem FiSkuS daraus eine jährliche Mehr»� gäbe von 40000 Frcs. erwachsen werde. Alle« unn»» Gepränge fällt dabei natürlich fort. Bei der Berath»� veranlagte nur die Frage der Feuerbestattung eine la» gere Debatte. Daß diese Frage nicht mehr kurzweg vo»° Hand gewiesen werden könne, darüber war man einig.%, Rath sah jedoch in der Art, wie der Gesetzentwurf die � berührte, die Gefahr, e« möchte diese Att der Bestattung�» gar zu großer Vorliebe vom Sanitätsdepartement bebaW» werden. Sein Vorschlag, es zu ermächtigen, versuch«� auch die Feuerbestattung eintreten zu lassen, sofern ein 2#% bener es gewünscht hat und seine Angehörigen den AÄ theilen, wurde mit dem Zusatz beschwert, wenn dies dem% nicht besondere Kosten verursache; und der Antrag, f#* definitive Einführung einer fakuttatioen Feuerbestattung der Regierungsrath dem Großen Rothe einen Entwurf legen, wurde im Gesetz zu einem förmlichen Befehl veria!'� Eine Begeisterung für die Feuerbestattung zeigte fich i» Diskusston nur ausnahmsweise; sonst scheint die Frag« Rath wie daS Publikum ganz kalt zu lassen. A u st r« l i e». Nach brieflichen Mittheilungen aus Süd- Austr»� herrschte in Adelaide noch immer große Handelssto Tausende von Handwerkem waren beschäftigungslos Vii wanderten nach Viktoria und Neusüdwale« auS. Südaustn�, soll durch diese Auswanderung während der letzten vffU Monate um 4000 Personen ärmer geworden sein. 3»-Li seeland ist die Lage nicht viel besser und waren daselbst 1" l mehrere Handelsfallimente vorgekommen. „Da« kann sein," ewiderte Joseph achselzuckend,"jL Behauptungen, insoweit fie sich auf diesen Vorfall W09 waren mir zu lächerlich.". „Wann verließen Sie gestern Abend die stube?" Gleich nach Tisch. DaS Geschwätz de« alten R! � langweilte mich, ich ging in mein Zimmer und»artei elf Uhr auf Herrn Rabe." „Herr Rabe war nicht im Schlosse?" pii< „Nein, er war vor Mittag fortgeritten und gleich gesagt, daß er wahrscheinlich erst heute Morgen v kommen werde."„j?" „Sie waren also gestern Abend nicht mehr im P „Ich habe mein Zimmer nicht verlassen." � � „Sie haben auch nichts Verdächtiges gesehe« ov hört?" „Gar nicht«. gW „Haben Sie eine Ahnung davon, auf welchem der Gärtner sich das Gift verschafft haben kann? i* „Nein, aber ich glaube, daß er eS schon sessen hat." „Woraus schließen Sie da«?"< „Ich kam einmal darüber, wie er eine todte � w grub. Das fiel mir auf, und zwar umfomehr, w. meinem Anblick erschrak. Anfang« antwortete � f Fragen nicht, nachher sagte er mtt, er habe ExP- M macht, e« sei immer gut, wenn man die Wirkuag gi� kenne, und das sei von Kindheit an seine besono haberei gewesen.",.°« «Sagte er dabei, welche« Gift er benutzt .-ÄmS« KA-ä Aufregung, wen» er einen Feind unschädlich � jL,» S, habe et wohl die Mittel dazu, und es st' glerchgiltig, wa« mit ihm selbst geschehe, außer stugen Leben könne er ja nicht« verlieren."' „Waren, als er die« sagte,«och andere gegen f" „Nein." (Fortsetzung folgt.) Parlamentarisches. .— Die Ultia. Reaktionäre haben stch veranlaßt gefühlt, �er„Wahlmüdigkeit" des Volkes in folgendem Antrage Aus. «ruck ,u geben: �„Die Legislaturperiode deS Reichstages dauert fünf vahre. Zur Aufiöfung d«S Reichstage» während derselben ist Beschluß des BunoeSrathS unter Zustimmuug deS Kaisers erforderlich. Dieses Gesetz soll mit Ablauf der gegenwärtigen «giSlaturpcriode in Kraft treten." _ In dieser Weise soll Art. 24 der ReichSverfassung umge- staltet werden. Der Versuch, die dreijähnge Wahlperiode zu verlängern, ist bii jetzt vom Reichstag noch immer mit großer ■whrheit zurückgewiesen worden und so dürste e» auch dies- o>al kommen. _— Der Abgeordnete Lenzmann hat den Antrag auf Entschädigung unschuldigVerurtheilter neuer« vmgs wieder eingebracht. Der Antrag lehnt fich an die Vor- arbeiten der Kommisston an, umfaßt aber noch die Entschädi« Sunz für unschuldig erlittene Untersuchungshaft. — Der Seniorenkonvent deS Reichstages Nt gestern unter Vorfitz des Frhrn. v. Franckmstein zu einer xtsprechung zusammen. Derselben wohnte zum ersten Male MenS der 14 polnischen Mitglieder der Abg. MagdzinSki bei, ariher wurden die Polen der Fraktion des Zentrums zuge- sichnet, in Zukunft werden fie ber der Regelung der Vertretung °*r einzelnen Parteien in den Kommiistonen zu berückstchtigen Inn. Es wird also eine neue Berechnung deS Verhältnisse» nforderlich, nach welchem die Fraktionen Anspruch auf Ver. »rtung innerhalb der Kommisstonen haben. Nach längerer �bkusfion einigte man fich, dem Präsidenten vorzuschlagen, die nste Berathung des Etats auf die Tagesordnung vom Dienstag W setzen. ,.— Dem Reichstag ist am 19. d. M. eine Petition, �»essend gesetzliche Anerkennung der Berufs» Jeeine, überreicht worden. Dieselbe soll nicht nur die «werk-, Fach» und ähnlichen Vereine, sondern auch die nicht jtoe blichen Vereinigungen, wie die der Künstler, Schrist» Mer, Aerzte, in ihren Vermögensrechten schützen. Die Petition a vom Zentralrath der Gewerkvereine unterschrieben, fie bringt Weich einen formulirten Gesetzentwurf über eingeschriebene �rufsvereine. Die Petenten weisen unter Bezugnahme auf l. Wrrliche Botschaft darauf hin, daß die pofitive Förderung Wohles der Arbeiter durch gesetzliche Anerkennung der �«ufsvereine, welche fich auf dem Boden der geltenden Recht»« Tönung bewegen, wesentlich gehoben werden rönne. Vereine mh Uersammlungen. � b«. Die öffentliche Arbeiterinnen- Versammlung, Me am Freitag, den 20. d. M., in„Sanssouci", Kottbuser- !?nße 4a, unter Vorsitz der Frau Dr. Hofmann(2. Vorfitzende �-Stägemann, Schriftfüh. Frl. Fagert) stattfand, war von £• 1200 Personen, darunter etwa 300 Männer besucht. Frau „ s- hofmann referirte über die Ziele des ArdeiterinnenvcrcinS tief Ait Ä'"- Die H werden, «u» L welche in letzter Zeit vielfach die Anfichten hätten, sehr am Platze. Nachdem die Rednerin nun 2% kurzen Rückblick auf die Entwickclung der Bewegung in 23"" geworfen, kommt fie auf die Mäntelnäherinnenbew«. ESMu sprechen, die in Anbetracht der großen Zahl der Ar» Mmnen der KonfettionSbranche und großen Bedürftigkeit zuerst in Angriff genommen worden sei. Eine Kom« N? sei mit der Leitung der Geschäfte beauftragt worden, fc,?!"nst in einem langsamen und bedächtigen Vorgeben daS mÄjn sehen, habe dieselbe geglaubt, mit einem Male eine HÄ Bewegung in Fluß bringen zu können. Eine künst« ni�.i�norgrrufene Aufregung lege stch aber bald und eS sei n„i geblreben. als ganz halllose, auS der Lust gegriffene und imL �sonlicher Gegnerschaft der einzelnen Führerinnen be. ti.k gegenseitige Verdächtigungen, welche die Fraumsache ' schädiaten. Diese Verdächtigungen, soweit he fich ...der Verwendung der eingelaufenen Gelder beschaf« L' legt Rednerin ausführlich klar. Eine Versöhnung sei ° � gelungen: fem läge es aber, nne fcmdliche Stellung C die Fachkommisfion einzunehmen. Gelange eS derselben, ä?®* ersprießliches zu erreichen, so würde daS überall mit Mden begrüßt werden. Tie Wege seien nun aber einmal ßnnt. Die Wahl einer Fachkommisfion habe fich als ver. iÄ gezeigt. Vorläufig sei eine Näherinnen- Kommisston ge- ß>.?u wordm, die 4 Branchen umfaffe, nämlich die der j�ntel-, Weiß- und Knadenanzügen- Näherinnen, sowie der �Neiderinnen. Später werden auch andere Branchen heran- Bogen werden. Von der Wahl einer festen Lohnkommisston S.wan noch Abstand genommen.„Mit voller Kraft, aber 2«: nöthigen Vorficht gepaart, vorzugehen. Material zu teWIn, dasselbe ,u prüfen und dann damit öffentlich hervor- - ssten, soll Pflicht und Aufgabe der Näherinnen- Kom- > sein. Die Arbeiterinnen befitzcn noch nicht so Gemeinfinn. daß fie fich auf einmal ver- Majorität unter ihnen muß erst er. -------- Sämmtliche Mitglieder der Kommisfion d."°en ihre Aemter unentgeltlich verwalten und bemüht sein, I-Wn nt gestellten Anforderungen zum Wohle ihrer Mit» gestern zu entsprechen." Zum Schluß richtete Frau Dr. Hof- LT* noch einige herzliche Worte an die Versammlung. Sie % Mitarbeit und Unterstützung, um Einigkeit und bi,7>-n.- Ueberaus lebhafter Beifall lohnte der Rednerrn, bt'nj Laufe de» Abends noch Gelegenheit nahm, für die an C �"chStag zu sendende Petition, betreffend die Abschaffung sonntags, und Kinderarbeit, um Unterschriften zu bitten- kfes r- NW«°S!'Ä«Ä ��nnenkommisfion nur unter Aufstcht des Lererns fich jeder Revifion zugänglich erweisen wer�n. Die dleib'"in habe ein Recht damach zu ttaaen. wo Are Groschen MSZMHtzVffZ iich 2%« über die Mäntelnäherinnenlohnfrage.«o treffend S°a.< �«nannte auch in mancher H.nstcht geäußert haben WMM m glieder des Vereins zur Vertretung der Jntereffen der Ar« beiterinnen zu verwenden, fand einstimmige Annahme. Die Metallschrauben-Facondreher und Bcrufsgenossen hielten am 18. d. Äts. in Wohlhaupt'S Salon eine öffentliche Versammlung ab, in welcher Herr Milan über den Arbeiter« schütz» Gesetzentwurf referirte. In seinem von der zahlreichen Versammlung sehr beifällig aufgenommenen Vortrage äußerte fich Referent ungefähr folgendermaßen: Durch Annahm« de» Gesetzentwurfs würde verhindert, daß die freien Arbeiter, welche ja außer für das tägliche Brod auch noch für Steuem und Abgaben arbeiten müffen, durch die Konkurrenz der Zuchthaus- arbeit zu leiden hätten, da alsdann in den Zuchthäusern nur Arbeiten für die Kommunen, Militär>c. angeferriat werden dürfen. Bezüglich der Sonntagsarbeit machte der Redner der Versammlung klar, daß der Gesetzentwurf nicht etwa eine Sonn« tagSheiligung im englischen Stile anstrebe, nein, für uns solle ein wirklicher Ruhetag geschaffen werden nach der Anstrengung sechstägiger Arbeit, damit auch der Arbeiter wenigstens einen Tag der Woche fich und den Seinen widmen könne. Ueber die Nachtarbeit sprach fich Redner dahin auS, daß eS fich bei der Nachtarbeit nur um die größtmögliche Ausnutzung der Ar« beitskraft und der Arbeitsräume handelt. Nach Annahme deS Gesetzentwurfs müsse erst die Nothwendigkeit bewiesen werden, ehe des Nachts gearbeitet werden dürfe.— Die Kinderarbeit müsse beseitigt und die Frauenarbeit nur in beschränktem Maße gestattet werden. Der Kinder nahm Referent fich sehr 5)arm an. Nur durch eine freie und fröhliche Kind« eit sei es möglich, dah der Mensch fich für die späteren Jahre ein fröhliches Gemüth bewahren könne. Frauen« Arbeit werde nach dem Gesetz so geregelt werden, daß dieselbe der Männerarbeit keine Konkurrenz mache. Auch der Wöchnerin nehme stch der Gesetzentwurf an, da er vorschreibt, wie lange Zeit vor und nach der Entbindung die Arbeit der Frauen ver« boten ist. Redner führte die ungeheure Sterblichkeit in den Jndustriebezirken an, wo die Kinder, und Frauenarbeit Haupt« sächlich üblich ist. Ein fiecheS, verkommenes Menschengeschlecht werde durch die lange Anstrengung in den Fabriken gezogen werden. Redner ging alsdann zum Normalarbeitstag über und bewies, daß eS nach Einführung deffelben wohl besser um den deutschm Ärdeiterstand bestellt sein würde. Es sei nun eine leere Redensart der Gegner des Gesetzes, daß, wenn der Ar« beiter weniger Zeit arberte, er auch weniger verdiene; gerade umgekehrt werde und muß es kommen. Je weniger Zeit ge« arbeitet würde, um so mehr Arbeitskraft sei erforderlich und je mehr Nachfrage nach Arbeitskraft, um so höher würde der Verdienst deS Einzelnen fich steigern. Redner schloß mit einer Aufforderung an die Versammlung, die Petition, wenn die» nicht bereits geschehen, zu unterzeichnen. Der Vorfitzende, Herr Jacobs, eröffnete hierauf die Diikusston; an derselben bethei« ligten fich die Herren Hirsch und JacodS, beide sprachen im Sinne deS Referenten und empfahlen Herrn Milan der Ver« fammlung als Stadtverordneten-Kandidaten für den 14. Wahlbezirk. Nachdem Herr Mitan in seinem Schlußwort noch auf die von Herrn Hirsch angeregte Frage der Hausindustrie ein- tegangen und ihre Schädlichkeit gegeißelt hatte, eröffnete der iorZtzende die DiSkusfion über den 2. Punkt der Tage»« ordnung:„Die Verhältnisse in der Etelzner'schen Fabrik". An derselben betheiligten fich die Herren Jacobs, Hirsch, Zimmermann, Schulz, Hecht und Andere.— Gegenwärtig verhandelt der Vorstand deS Fachvereins in dieser Sache mit Herrn Stelzner. Eine Kommunalwähler-Versammlung im 25. Wahlbezirk, zu der die drei fich gegenüberstehenden Kandidaten, die Herren Franke. Krampf, und Dr. Gerstenberg eingeladen waren, fand am 19. d. M. statt. Bei'Eröffnung der Versammlung verlas der Vorsitzende Herr Thomae, die Antwortschreiben der Herren Dr. Gerstenberg und Krampf welche, freundlich dankend die Einladung annahmen und unter der Voraussetzung, daß die Zeit e» ihnen erlauben würde, ihr Erscheinen zusagten. Außerdem schrieb Herr Krampf(Bürgerpartet), daß die Jntcr« essen der Arberterpartei mit dm seinigm identtsch seien und da« für gesorgt werden müsse, daß die Opvosttion im Rathhause verstärkt würde. Nunmehr nahm Herr Kaufmann Flatow da» Wort. Referent erläuterte in klarer Weise die Forderungen der Arbeiterpartei; Aufhebung der MiethSsteuer und Ersetzung derselben durch eine progressive Einkommensteuer, Aufhebung de» Monopols der mglischen Gasanstalt nach Ablauf deS Kontraktes, Uebemahme der Pferdeeisenbahn ic. durch die Stadt. Des« gleichen Uebemahme der Sanitätswachen und Vermehrung der« selben, Errichtung von Volks-Bädern, welche zur Besserung deS sanitären Zustande» der Arbeiterbevölkerung sehr nothwendig find. Referent wie» auch auf die Vortheile der Er- lichtung von Gewerbeschiedsgerichten hin, wie fie von dm Arbeiter- Stadtverordneten gefordert werden und schloß sein Referat, indem er die Wahl deS Kandidaten der Arbeiterpartei Herrn Schloffer Emil Franke, auf daS Wärmste befürwortete. Währmd des Referates war Herr Dr. Gerstenberg erschienen und bat ums Wort; er führte etwa folgendes aus: Die MiethSsteuer abzuschaffen, sei nicht möglich, da der Ausfall von 11 Millionen nicht zu ersetzen sei. Die Stadtvertretung hätte überhaupt kein Recht, eine Verände- rung der Steuer vorzunehmen, da» müsse dem Landtage über« lassen bleiben und außerdem seien ja 14 000 Wohnungen steuerfrei, also sei die Steuer nicht so sehr hart. Bezüglich des Schulwesens äußerte Redner, die Zahl der Freistellen sei eine hinlängliche; wenn die Schule vollkommm frei wäre, würde Jeder studiren wollen. Er selbst sei ein Bauernsohn und er wisse, wie e» den armen Studenten ergehe. Aus ihren Reihen gingm die Hochstapler hervor, da fie gewöhnlich über da» Examen nicht hinauskommen. Redner ist der Anficht, die polt- tische Richtung der Stadtverordneten sei Nebensache, im rothen Hause würde nicht Politik getrieben. Herr Franke trat dieser Anficht entgegegm. Wenn nach der politischen Meinung de» Kandidaten nicht gefragt würde, so könnte es dahin kommen, daß die Stadtvertretung in ihrer Mehrheit konservativ würde, und wai von solcher Vertretung in Hinficht des Volks« wohls und der Freiheit zu erwarten sei, da» hätte doch der Reichstag bewiesen, wo die Mehrheit konservativ ist. Die Konservativen haben ihre Liebe zum Volke dadurch de« thätigt, daß fie Zölle auf die nothwcndigsten Lebensmittel ge- legt hätten: außerdem würde die Schule dann wohl so reformirt werden, daß nichts zur Aufklärung dei Volkes gethan werde; auS diesem Grunde schon müßte für Verstärkung der Arbeit rvertteter gesorgt werden. Redner erklärte fich mit allm Punkten des Programms der Arbeiterpartei einverstanden und versprach, daffelbe immer hoch zu halten. Herr Tischler Voigt befürwortet cbmfalls die Wahl des Kandidaten der Arbeiter« partei und erwähnt noch, wie beleidigmd er soeben in einer fretfinnigen Wählelversammlung behandelt worden wäre und ersucht Herrn Dr. Gtlstenberg, bei seinen Parteigenossen dahin zu wirken, daß fie fich das Benehmen der Arbeiter zum Muster nehmen, welche Herrn Gerstenberg in tolerantester Weise seine Anfichten entwickeln ließen. Herr Gerstenberg nahm nochmals zu einer Entgegnung daS Wort, um zu beweisen, daß da» „Festessen" vollkommen gerechtfertigt war. Hierauf nahm Herr Flatow da» Schlußwort, indem er nochmals die Anwesenden aufforderte, für die Wahl des Kandidaten Herrn E. Franke zu wirken. Zum Schluß nahm die Versammlung mit allen gegen eine Stimme eine Resolution an, wodurch fie stch ver« pflichtete, mit aller Kraft für die Wahl des Albeiterkandidaten einzutreten. Im„Gauverein Berliner Bildhauer", Annenstr. 16, findet am Dienstag, den 24. d. Ml»., Abends 9 Uhr, der erste dramatische Leseabend(Vorlesung) statt, und zwar aus Göthe's „Fauft", I. Theil. Männergesangverein Schneeglöckchen. Jeden Montag Abend im„Restaurant Krone", Naunynstraße 78, UebungS« stunde. Für den 40. Kommunal-Wahlbezirk findet am Man- tag, den 23. November, Abends 8V>Uhr, in Alt- Moabit 39/90, eine große Kommunalwählerversammlung statt. 1. DaS Programm der Arbeiterpartei und die Thätigkcit der Ltadtver- ordnctenversammlung, Referenten Otto Ballmüller, Kandidat für den 40. Bezirk, und Stadtverordneter Herold. 2. Diskusfion. Sämmtliche Wähler der M. Abtheilung find hierzu einge« laden.„ m 32. Komvmnal-Wahlbezirk. Montag, den 23. No- vember, Abends 3'/, Ubr, in der„Neuen Walhalla", Schön- hauser Allee 156. Oeffentliche Versammlung der Kommunal» Wähler der dritten Abtheilung. Tagesordnung: Die Stadtverordnetenwahl. Referenten: Stadtverordneter Tutzauer und Gottfried Schulz, Kandidat der Arbeiterpartei für diesen Bezirk. Alle Wähler find hierzu eingeladen. 28. Kommunal- Wahlbezirk. Große öffentliche Kom- munalwähler- Versammlung, am Montag, den 23., Abend» 8 Uhr, im Saale des Herrn Muschold, LandSdergerstr. 31. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kandidaten Herrn August Steindorff über:„Unsere Forderungen an die Kommunalver» waltung. Korreferent: Herr Stadtv. Fritz Görcki. 2. Dis- kussion. Sämmtliche Wähler der 3. Adtheilung find hierzu eingeladen. Die Wählerlisten liegen aus. 19. und 21. Kommunal-Wahlbezirk. Eine große Kommunalwähler-Versammlung findet am Montag, den 23. No- vember, Abends 8 Uhr, in den Bürger-Sälen, DreSdenerstr. 96 statt. Tagesordnung: Der 24. November und seine Bedeu- tung für die arbettende Bevölkerung Berlins. Referent Stadt- verordneter Herr Singer. Korrefenten Herr Zubeil für den 19. und Herr Herzfeldt für den 21. Bezirk. 14. Kommunal-Wahlbezirk. Oeffentliche Kommunalwähler- Versamm lung der 3. Adtheilung. Montag, den 23. November, Abend» 3'/, Uhr, in der„Urania", Wrangelstr. 9— 10. Alle Wähler find hierzu eingeladen. 34. Kommunal-Wahlbezirk. Montag, den 23. d. M, AbendS 8'/, Uhr, findet in Echwarzei's Salon, Brunnenstr. 54, eine große Kommunal-Wählerversammlung statt. Tagesordnung: 1. Am Vorabend der Wahl. Referent Herr Emil Böhl, Kandidat des 34. Bezirks. 2. Ansprache deS Herrn Stadtver» ordneten Fritz Görcki. Das Wahlbureau für den 34. Bezirk hefindet fich bei Mar Schayer, Acker str. 143(Ecke Invaliden« straße) und ist am Tage der Wahl Morgen» von 7V, Uhr an geöffnet. Genossen, welche dei der Wahl helfen wollen, können sich bei Ballmüller, Veteranenstt. 28, melden. 12. Kommuual-Wahlbeztrk. Oeffentliche Versammlung der Kommunalwähler der 3. Adtheilung Rontag, den 23. No- vember, Abends 8'/, Uhr, in Bettinas Salon, Köpnickerstr. 195. Alle Wähler, ohne Unterschied der Pattei, find hierzu einge» laden. Oeffentliche Versammlung der Kommunalwähler des 10. Wahlbezirks der 3. Adtheilung, Montag, den 23. November, Abends 8'/, Uhr, in Habei's Brauerei, Bergmannstr. 5 bis 7. T.>O.: Welche Forderungen hat die Bürgerschaft an die Thätigkeit der zu wählenden Stadtverordneten zu stellen. Re« ferent Herr Oskar Krohm. Freie DiSkusfion. Die Wähler« listen für den 10. Bezirk liegen zur Einficht aus. Verband deutscher Zimmerleute(Lokalverdand Berlin). Dienstag, den 24. v. M., Abends 8 Uhr, Kommandanten« . straße 77/79, Generalversammlung. T.-O.: 1. Wie verhält sich der Lokalverdand Berlin zu ver am 11. Ottober er. gefaßten Resolution der Generaloersammlung der Berliner Zimmerleute. 2. Vortrag über Treppenbau. 3 Verschiedenes. Die Versammlungen finden regelmäßig jeden letzten Dienstag vor dem 1. und 15. jeden Monat» im obenbenannten Lo« kale statt. Fachverei« sämmtlicker im Drechslergewerk beschäf- trgten Gewerksgenoffen. Die Vereinsversammlung am Äon- tag, den 23. d. MtS., kann Umstände halber nicht stattfinden. Von dem Stattfinden der nächsten Versammlung wird recht- zeitig Kenntniß gegeben werden- Der Vorstand ersucht alle Mitglieder, welche ihre Karten noch nicht haben, dieselben bei R- Sündermann, Gitschinerstr. 61, I., oder bei K. Buchmann. Naunynstt. 4. III., ab,uholen. Daselbst findet auch jederzeit vre Aufnahme neuer Mitglieder statt. Generalversammlung der Stetndrucker, Lithographen und Bemfsgenossen, am Montag, den 23. November Abends 8 Uhr, im Etablissement Bugaenhagen(oberer Saal) am Moritz. platz. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommisfion über den Streik bei der FirmaErnst u. Komp., Köpnickerstr. 112. 2. Diskusfion. 3. Verschiedenes. Deutscher Techniker-Verband. Die Mitglieder deffelben veranstalten am Sonnabend, den 23. November, in den Bür- gersälen, Dresdener Str. 96, seit Bestehen des Verbandes das erste größere Fest mit Damen. Einlaßkarten find vorher zu haben im Zentralbureau des Deutschen Techniker� Verbandes. Fnednchstraße- 131c, Arminballe, Kommandantenstr. 20, Keil's ■ötethallen, Passage und Münchener Brauhaus, Johannis- straße 18/19. Freie Vereinigung der Graveure, Ziseleure und B-- rufsgenossen. Versammlung am Montag, den 23. November, Abends 8'/, Uhr, im Restaurant Sahm, Annenstr. 16. T.-O.: 1. Geschäftliches, Aufnahme neuer Mitglieder, Bericht des Ar- beits-Nachweise-BureauS. 2. Vorttag des Herrn Guttmann Die Produktiv- und Rohstoff-Genossenschaft der Schnetder, welcke rhr erstes Geschäftslokal in der Zimmer- straße 30 am 1. Marz d. I. eröffnet hat, beschloß in ihrer letzten �Generalversammlung, zum 1. Mär, nächsten Jahres ein zweites Geschaflslokal in der Gegend des ehemaligen Rosen» thaler Thores zu eröffnen. Kleme Mittheilungen. Forst i. L.. 16. November. Zwei Söhne hiestger Bürger, die Herren E. und H., die, um stch in ihren Geschäften zu ver« vMkommn-n, gegenwärtig Italien bereisen, haben ein wenig erfteulrcheS Abenteuer durchmachen müffen. In Mailand wurden dieselben, während fie fich um Arbeit bemühten, un- geachtet ihrer ordnungsmäßigen Reiselegitimation festgenommen und 5, sage fünf Wochen, in Einzelhaft wie schwere Verbrecher gehalten. Warum und aus welchem Grunde gegen die beiden jungen Leute so verfahren wurde, ist nicht bekannt geworden. Erst auf Verwendung des deutschen Konsuls, der tclegraphisch von dem Vorfall in Kenntniß gesetzt wurde, wurden die Be- dauern Swcrthen auf fteien Fuß gesetzt. Bitterfeld. 16. November. Heute Morgen, al» der 3 Uhr von hier nach Lerpzrg abfahrende Personenzug unfern Bahnhof kaum verlassen hatte, glitt der Schaffner Glut, welcher mit dem Koupiren der Billets beschäftigt war, von einem mit Reif be- deckten Trittbrett und kam ,o unglücklich in die Räder deS Zuges, daß der Aermste ganz zerquetscht und ein Stück Weges mit fortgeschleift wurde. Der Unglücksfall war von Nieman- dem bemerkt worden und erst nach 1'/, Stunden wurde der Leichnam aufgefunden. *, i"?"8 Um»rottnfchweiflifchett, ig. November. Der 31 jahrrge Grubenarbeiter Lours Borchers aus Emmerftadt wurde am Sonnabend auf Grube„Emma" verschüttet und konnte nur aS Lerche an das Tageslicht ge- �ohn � hmterlaßt eine Frau und einen unversorgten Theater. Operuhau«. fceule; Die Meistersinger von Nürnberg. Morgen: Marie, oder: Die Tochter des Regiments. Schauspielhaus. Heute: Wallenstein's Tod. Morgen: Die Bekenntnisse. Vorher: EchteS Gold wird klar im Feuer. Deutsches Theater. Heute: Die Räuber. Morgen: Ein Tropfen Gist. Kriedrtch.Wtlhelmstädttsche« Theater._ Heute: Fortunios Lied. Hochzeit bei Latemenschein. Mr. und Madame Denis. Morgen: Offenbach.Cyclus. OrpheuS in der Unterwelt. Refiden,-Theater. k'rute Theodora. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Walluer-Theater. D-ut«: Mein Lropold. Morgen: Unter uns. Hierauf, zum fünften Mal«: Der Viel» geliebte._ velle-Alltauee-Theater. ■ Ein Fallissement. Morgen: Kyris-Pyritz. Walhalla-Operetteu-Theater. Heute Die Glocken von Corneville. Morgen: Don Cesar. Viktoria-Theater. Der Müller und sein Kind. Morgen: Messalina. Ceutral-Theater. Alte Falobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Berlin, wie es� weintjmd lacht. Morgen; orgen: Zum 114. Male: Die wilde Katze. Gesangsposse te « Ntten von W. Mannstädt, MusU von G. Steffens. Louiseuftädtische« Theater. Direktion: Jos. Firmani. Heute: Fidel, o- Morgen: Der Wildschütz. Olteud-Theater. 'Nuk: Oie Pariser Bluthochzeit. Morgm: Die Leibeigene. Kouig städtische« Theater. Heute: Gastspiel der Liliputaner. Sneervittchen und die Zwerge. Morgen: D» kleine Baronin. Theater der Reichshallea. Läglich: Austeten sämmtlicher Spezialitätm. Amerieau-Theater. Räglich: Austreten sämmtlicher Spezialitäten. Kaufmann'« Täglich: Grosse Spezialitäten-Vorstellung. Koukordia. Täglich: Austreten sämmtlicher Spezialitätm und theatralische Vorstellung._ Alham bra-Theater. Wallnertheaterstrasse 15. Heute und folgende Tage: Berlin, wie es weint und lacht. VolkSstück mit Gesang in 3 Asten und 10 Bildem von C. F. Berg und D. Kalisch. Regie: Herr A. Seefeld. Vor der Vorstellung: Grosses Konzert der HauSkavelle. Anfang des Konzerts Wochentags 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Anfang des Konzerts Sonntags 6 Uhr, der Vorstellung 7'/, Uhr. Bons habm WochmtagS Gilttgkeit und find im Theaterbureau _(12—1 Uhr) gratis zu haben._ Bfaehr's Caslno. Orauteuftraße 24. Naunhnstraße 65*. Täglich: Grosse Spezislliäten-Yorstellnnc. Neu! Austreten deS berühmten Mionon-TämerpaareS Ge« schwister Footttt, deS Transformationskünstlers Hm. Flösselli, des urkomischen Willms. der Wiener Duettisten Geschwister Kranke, der Chansonetten Frl. Büren, Lazarini, Krüger, sowie Spezialitätm l Ranges. Näheres die Tagesprogramme. 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Mit fich veranlaßt, auf diese Thatsache mit folgenden Worten Mzuwelskn: ist ein durchaus planmäßiges und konsequentes Vor- Z** verbündeten Regierungen, wenn in elfter Linie die «Vollendung der II, fallverficherungs Gesevgebung in Ausstcht wird. Indessen unte, scheidet stch der nüchterne Ton � ossaungsrcde gerade an dieser Stelle so sehr, wie wir OmA', unvorthetlbaft von den verh-ißungSvollcn rnWungen früherer Thronreden, daß wir die Sorge nicht „�«üifeu können, es werde in Verbindung mit der Unter- welche die mittelparteilichen Bestrebungen zugleich mit . n Angriffen gegen die auf sozialpolitischem Gebiete am stark» i" vorwärts drängenden„Hochkonservativcn" osstziös erfahren C'•m Bolke die Befürchtung wachgerufen werden, daß fcjl'osatitgen sozialpolitischen Gestchttpunlte der kaiserlichen �«art vom 17. November 1881 nicht mehr in gleicher Weise «.Mvrnd seien, wie vor 4 Jahren. Sache der konservativen i wird es sein, durch iniliatives Vorgehen diesem, lit��Plas griffe, sehr gefährlichen Pesstmismus die Spitze k npit alte konservative Base räih also ihren Parteigenossen, selbst likwo, ve zu ergreifen zur Einbringung sozialresormatori' ki» �ittze, und so das zu thun, was die Regierung unterlassen »„.„.Was dabei herauskommen wird, ist unschwer zu errathen; zutreffender Gedanke dürfte dabei schwerlich ans kiw fr kommen. Der Reichstag wird sich aber dennoch mit «iiiÄn �chen Anträgen zu beschäftigen haben, gleichviel, ob entsprechende Vorlagen gemacht werden oder nicht. DaS Tetp�amtzgesetz liegt dem Hause vor und im Laufe der h»!??�.wird sich voraussichtlich noch bei andern Vorlagen Ge« foUk Ju positivem Wirken in dieser Hinficht bieten.— Ganz sfotw lvird in d>r Eröffnungsrede noch das Fehlen jeder �°"?ung über das Sozialistengesetz bemerkt. Das W-n � der Regierung unterliegt den verschiedensten Deu- »0,/!�! während einige Blätter glauben, daß zunächst auS Sbi� �ralcn und konservativen Elementen eine für die Re- A Zuverlässige Mittelpartei gebildet werden soll, milderen ivoiw Verlängerung deS Gesetzes durchgesetzt werden kann, Wit? andere wissen, daß zunächst der Streit im sozialdemo» �oger abgewartet'werbe, bevor dem Reichstag der �iriiaö Verlängerung zugestellt wird. In wieweit diese lich richtig find, muß dahin gestellt bleiben; wahrschein» ZichM beide falsch. Bei der jetzigen Zusammensetzung des »>iib wird es der Regierung wohl kaum schwer werden, b's«bne die vielgenannte Mtttelpartei ihre Wünsche bezüglich seijz„pialistcngesetzes zur Geltung zu bringen, und anderer» GoiinTx( wohl ernstlich Niemand an eine Zersplitterung der >- AIIII' w rr r C.i------ n jl . wie v» y**»»«-~— i o�i dl öc mo* iBtvnvi". Partei bauen will, der wird sicherlich niemals zur „Anlegung kommen. ber � Maßregelungen von Arbeiter« au« Anlaß lilte qpMtagswahlen werden der„Schles. Volksztg." detall- >ii!iÄ"theiu,ngen gemacht. Die Palme bei den Entlassungen ' Blatt zufolge, der DonnerSmarckhütte Mrers All Beutben). Alle, die ultramontan gestimmt 0 Simoer. uauc vf»uuufici(&ii -che an die Kranken-, Invaliden», IWittwen- und Waise« . sie nicht den doppelten Beitrag, wie bisher, ent- oder wovon bezahlen?— Angesichts solcher That- hat aber die offiziöse Presse— voran die„Nordd. 1�»;*— den traurigen Muth, von der„Freiheit" deS ? reden und zu erklären, daß bei den Landtagsmab- %»z-.kimme deS Volkes gesprochen habe.— Ob daS offi- jJKott dos selbst glaubt? v Apolda, 19. November, wird der„Nat.»Ztg." be- -'koch nie hat hier eine GemeinderathSwahl unter sol» Kerlitter Sotttttagspla«derei. � C. Die Zeit ist wieder einmal da, wo da« Wohl %„ en Manne«" der Beruf aller hervorragenden Po- ?esl,aj.°�°rden ist. Früher war die häufige Geburt eines H»nü«»«be« sein einziges Vergnügen, seitdem ihm je- n �br eichet Seite die Titel und Rechte eine« Ent- �n�°erl.ehen worden find, ist er mit angenehmen Ver- H hlu urngeben, überhäuft man ihn mit zarten Steuer« !*,.'eitle liebsten soziale« Schäden. Za Berlin wird ■ � Armen mehr geben, denn bereit« verkehre« die b*"- und hochgeborensten Herren im christliche» Ver- IBHi Herten erzählt zu werde«. mm � nicht auch bei un« viele Kredite für de» Unecht bewilligt f Wir werden i« sehe», wre cher Betheilizung stattgefunden, als die letzte. Von 2900 Wahlberechtigten wurden 2373 giltige Stimmen abgegeben. Jedem Wähler, welcher von seinem Wahlrecht keinen Gebrauch machte, war eine Strafe von 1 Mark angekündigt und da« half. Die Sozialdemokraten haben einige ihrer Kandidaten durchgebracht: sozialdemokratische Stadtverordnete giebt es in unserer Gemeindevertietung schon seit einer Reihe von Jahren. Zum serbisch-bulgarische« Krieg. Die Niederlage der Serben wird nun auch von serbischer Seite zugestanden, wenn auch in etwaS verschleierter Form. Die Niederlage muß eine große gewesen sein, denn das serbische Hauptquartier wurde bereits auf serbisches Gebiet zurückocrlegt. Auch die Einnahme von Widdin hat sich noch nicht bestätigt. In Sofia henscht große Unruhe, wie aus folgendem Telegramm ersichtlich ist: Sofia, 20. November. D e hier befindlichen Vertreter der Mächte waren deHufs Abfassung eines Schriftstücks zusammen- getreten, in welchem die bulparische Regierung aufgefordert wird, die Freiwilligen und Milizen eintretenden Falls an der Theilnahmc an der Vertbeidigung der Hauptstadt zu hindern, damit den Serben kein Grund zur Begehung von Grausam- leiten gegeben werde. Der Minister Tsanow richtete darauf eine schriftliche Miltheilung an die Vertreter der Mächte, in welcher darauf hingewiesen wird, daß die serbische Armee eben» falls Freiwillige und Milizen in ibicn Reihen zählt. Augenblicklich schweigen bei Slivnitza die Kanonen, auf beiden Seiten bcdarf man anscheinend dringend einiger Ruhe. Nach der Mittheilung, welche der Fürst von Bulgarien der Regierung über die Kämpfe bei Slivnitza zugehen ließ, wurden die Serben auf der ganzen Linie verfolgt und gezwungen, sich auf die Anhöhe links vom Tragomanpaß zurückzuziehen. Die nach dem Passe führende Chaussee befindet sich in den Händen der Bulgaren. Bei einem Gefechte in der Umgegend von Golonbovtzi wurde eine serbische Truppenabtheilung, welche den linken Flügel der bulgarischen Position bei Slivnitza angreifen wollte, vollständig geschlagen. Unter den verwundeten bulgari- schen Offizieren befindet sich auch Kapitän Marinow, der Flügcladjutant des Fürsten. Nach Berichten aus Slivnitza kämpften die Bulgaren in Stärke von 15 000 Mann mit außerordentlichem Muiyc gegen eine doppelte Streitmacht. Die Serben dürften genöthigt sein, ihren rechten Flügel zu verstärken.— Der Sanitätsdienst ist mangelhaft. Wie die heutige„Times" erfährt, hegt der König von Serbien die Absicht, dem Füistcn von Bulgarien Friedens- vorschlüge zu machen. In Rußland ist die Stimmung gegen Serbien im Wachsen und daS englische Kabinet hat sich für ernste Maßregeln entschlossen, um dem„bcudermörderischen" Kriege ein Ende zu machen. Milan von Serbien dürfte somit guten Grund zum baldigen Friedensschluß haben. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 3. Sitzung vom 21. November, 2 Uhr. Am Tische des Bundesrathes v. Boetticher und Kom» missarien. Zwei Schreiben des Reichskanzlers, betreffend die Ermäch» tiguna zur strafrechtlichen Verfolgung der Malchiner Zeilung und ves Jauer'schen EtadtblatteS, wegen Beleidigung deS Reichstages, werden an die GeschäftsordnungS-Kommisston ver- wiesen. Eingegangen ist der Gesetzentwurf» betreffend die Abände« rung des Gesetzes wegen Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen. Urlaub erhalten u. A. der Ada. Grad für die Dauer der Sitzungen des Bezirkstages des Ooerelsaß, sowie wegen einer wissenschaftlichen Reise bis Ende Januar, der Abg. tzerrmann für drei Wochen, wegen Theilnahme am Altendurger Landtag, die Abgg. Reich und Günther für vier Wochen, wegen Theil- nähme am sächsischen Landtage, und zehn Abgeordnete des Gioßherzogthums Baden, wegen ihres Landtag«, auf Wochen. Lender nur für 14 Tage. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Be- rathung der Uebersicht der ReichSausgaben und Einnahmen für das Etatsjahr 1884/85. Abg. Rickert empfiehlt auch diesmal ihre Ueberweisung an die Rechnungskommisston, obwohl es ihm wegen des Zusammen- hangeS zwischen den Ansätzen im neuen Etat und der Prüfung älterer Rechnungen seit Jahre« zweifelhaft gewesen, ob nicht die Berathung statt in der Rechnungskommisfion besser von der Hase läuft, in der nächste« Zeit werden wir ja erfahre«, ob man ernstlich für de»„Enterbten" etwas zu thun ge- willt ist. Et ist eine merkwürdige Sache um die Folgen mancher Handlung. Wenn man immer Alle« vorher bedächte, würde man Manches hübsch unterlassen, natürlich im Hin- blick auf die zu erwartenden Nackenschläge. Benutzte man z. B. nicht die Nothlage eines arme» Teufel«, um ihn in eine verantwortungSrciche Stellung zu bringen, so hätte man nachher auch nicht die Blamage, denselben bei Gerichttver- Handlungen aus dem Arbcstshause vorgeführt zu sehen. Und da nütze« nachher auch alle«och so„glaubhaften" Er- klärungen nichts mehr, ein großer Theil der Menschen ist und bleibt skeptisch und pessimistisch angehaucht, man sagt stets, wie der Herr, so der Diener. Man thut gut, über derartige Schattenseiten des menschlichen Lebens möglichst schnell zur Tagesordnung überzu- gehe«, sie zeigen un« Bilder, die zu betrachten gerade nicht zu den Annehmlichkeiten gehört. 2» der Periode der Eisbahnen und der blaugefrorenen Nasen denkt man leider an etwa« A, der es. 2« allen Rumpelkammer» sucht man jetzt nach den Schlittschuhen und mancher Familienvater kann dem Drängen seines 2üngste« nicht widerstehe», er muß in den sauren Apfel beiße» und seine Nachkommenschaft auf« Glattei« führe«. Wahrscheinlich wird heute schon manche Dame auf den Eis- bahnen recht vergnügte Purzelbäume schlagen, und wenn niemal« dre vielgeliebte Toumüre einen Zweck gehabt hat, so zeigt sie doch gerade jetzt ihre Kulturmission darin, daß sie den Anprall de« zarte« Körpers auf die harte Eis- decke wenigstens ganz erheblich abschwächt. E« würde sich empfehlen, daß eine findige Modistin auf den Gedanke« käme, in der Tournüre eine Federvorrichtung anzubringen, die auf dem Eis zu Fall kommende Damen von selbst wie« der auf die Füße schnellt. Da« Gesammtbild einer Eisbahn würde dadurch ganz entschieden bedeutend verschönt werde», einer Adtheilung der Budgetkommisfion erledigt würde..... dann würde die Rechnungsprüfung wirklich materiell nutzbar für die Etatsberathung werden, wenn ein inniger Zusammen» dang zwischen den die Rechnung prüfenden Mitgliedern und der Budgeikommisston statthat. Indessen, es giebr nicht sieben opferwillige Mitglieder, welche zu gleicher Zeit in der Budget» und in der Rechnungskommisfion die Arbeit dewältigen mögen und da wir ja auch tüchtige Männer für die Rechnungskom- Mission haben, so sehe ich noch keinen zwingenden Gmnd, zu einer anderen Einrichtung überzugehen. Ich habe in- dessen den dringenden Wunsch, daß die Herren aus der Rechnungskommisfion freiwillig im Zusammenhang mit der Budgetkommisfion bleiben. Hierbei möchte ich jedoch nicht unterlassen, auf denjenigen Etat hinzuweisen, der die Interessen der Nation in höherem Maße in Anspruch zu nehmen geeignet ist, ich meine den M a r i n e- E t a t. Das hier in Betracht kommende Jahr 1884,35 weist in dem letzteren eine Etats- Ueberschreitung von 3 900 000 M. auf, auch für dm Herrn Schatzsekretär eine Urberraschung, der noch im Anfang dieses Jahres die Ueberschreitung auf weniger als die Hälfte geschätzt hat. Vor Allem aber lenke ich Ihre und die Auf- merksamkeit der Kommisston auf zwei Punkte des Marine» EiatS: den Werftbetrieb und die In dienst stel- l u n g von Schiffm. Bei der ersteren Position finden Sie keine Etatsüberschreitung, im Gcgeniheil, es ist sogar noch eine Ersvarniß von etwa 400000 M. gemacht worden, und trotz alledem haben bei den drei kaiserlichen Werften zahlreiche Arbeiterentlassungen stattgefunden. Eine Erklärung für diese sonderbare Erschernunw habe ich trotz aller Mühe bis jetzt nicht finden können. Die Morineverwaltung hat oft erklätt, daß ein gewisser Normalstattd von Arbeitern auf den einzelnen Wersten festgehalten werden müßte, da für die Verwaltung wie für die Arbeiter piötzlrche und größere Schwankungen in dem Be» stände der letzterm auf den Wersten gleich nachtheilig sein würden. Es ist uns immer gesagt wordm:„Jetzt stehen alle Wersten auf dem Normalstandpunfte, jetzt ist die Einrichtung so getroffen, daß die Marine im Stande ist, ihre Arbeiten selbst zu bewältigen." Wie kommt es nun, daß im Anfange d. I. plötzlich Hunderte von Arbeitern auf den drei kaiserlichen Werften entlassen worden find, obwohl der Marineverwaltung genügende Summen zur Verfügung ge- standen haben, welche auch bis auf 400000 M. ausgegeben worden find, zumal dieser Posten in dem laufenden Etat um gegen 2 Millionen Mark erhöht ist? Diese plötzlichen und unerklärlichen Arbeiterentlassungen stehen mit allen Zusagen und Mittheilungen der ReichSrcgierung im Widerspruche. In Danzig habm sie einen ganz erheblichen Eindruck auf die gewerblichen Klaffen gemacht, denn eS war den entlassenm Männern in einer Zeit, wo die Arbeiten auf den Privat- werftm seit Jahren schon darniederliegm, ganz unmöglich unterzukommen, sie mußtm sich als gewöhnliche Tagelöqner vermiethen. Hierauf lege ich indeffen weniger Gewicht als auf die Interessen der Marine selbst und ich bitte deshalb eventuell bei Gelegenheit der Etatsberathung darüber um Auskunft, wie viel Arbeiter auf den einzelnen Wersten entlassen worden sind. Der zweite Punkt betrifft daS Kapitel der Indienststellung der Schiffe, für welche das Gesammtsoll 1884 85 2 956000 M. betrug. Diese Ausgabe Position hat seit den siebziger Jahren in ihrer Höhe nicht er- heblich geschwankt, jetzt zeigt sie eine Ueberschreitung von fast zwei Millionen, genau 1 968 OOO M., und zwar hauptsächlich in Folge der Indienststellung der Kriegsschiffe„Bismarck" und „Gneisenau" und der miethweisen Beschaffung eineS für Westafrika bestimmten Tender«. Diese rapide Entwickelung müssen wir mit ganz besonderer Sorgfalt verfolgen, zumal wenn wir un« der Ausführungen des früheren und des jetzigen Chefs der Merrineverwaltung aus der vorigen Session erinnere: es könnte sich allerdings die Furcht einschleichen, daß, wenn in so beschleunigtem Tempo den Forderungen des Auswärtigen Amtes Rechnung getragen werden sollte, die Gefahr eintreten konnte, daß unsere Marine in ihrer Leistungsfähigkeit auf die Dauer geschwächt würde. DaS ist das Urtherl nicht von Laien, sondern von den höchsten sachverständigen Autoritäten. Dem gegenüber muß es unsere Hauptaufgabe sein, zu erfahren, ob wir bei unseren Bewilligunzen bald an einen Ruhepunkt ge» kommen find, und ob damit das ausgezeichnete, als solches vom In- und Auslande anerkannte Personal unserer vottrefflichen Marine zu Athem kommt. In der Budgetkommisfion ist uns in vottger Sesfion ja auch, wenngleich unter Reserve, erklärt worden, daß eine erhebliche Ausdehnung der Jndienstleistung nicht in Aussicht zu stellen sei. Dennoch ist die Anspannung der Kräfte unserer mm— mm— ame—m— mmammm von fern würde es mindrstens den Anblick einer springende« Heuschreckenheerde gewähren. Wir verzichten ausdrücklich zatter Weife auf den«aheliegenden Vergleich mit anderen Springern. Ueberhaupt seitdem die Architekten so luftig zu bauen angefangen haben, daß ihnen ein Modemagazin da« Mate- rial in genügender Siärke liefert, sind die Modistinnen kühne Architekten geworden und führen Gebäude auf, die zu Besorgniß Anlaß bieten. Wenn der schmachtende Jüngling beim Schlittschuh- laufen die mit dem massive« Tssürm von Hut armirte Ge» liebte umrankt und ihr ein zärtliches„Werde mein" ins rosige Ohr flüstert, kann es gar leicht geschehen, daß der tückische Oberbau in» Schwanken geräth und den Flehen- den wen» nicht verschüttet, so doch aus den süßesten Träu- me» schreckt. Der Kampf gegen diesen Schmuck ist au«» fichtslo« und vollends die Tournüre spottet jeglichen An- griff«. Sie ist der Tochter Eva'S— an'S Herz gewachsen. Nur eine irdische Macht vermöchte hier Wandel zu schaffen, der Staat. Di« Reichsboten sind gerade versammelt, könnte man sie nicht veranlassen, dahin zu wirke«, daß der Staat jede» Exemplar aicht und stempelt? Dan» würde die Sitte gewiß verschwinde«. Auch der Staatsanwalt müßte zu Hilf« gerufen werde», er würde Gmnd genug zum Ein» schreiten fi-den, schließt doch, wie uns kürzlich ein kundiger Jurist versicherte, das Tragen einer Tournüre alle Kriterien der„Vorspiegelung falscher Thatsachen" in sich. Wa« würde daS für einen Monstreprozeß geben! Ganze Arsenale müßte» erbaut werde«, um alle die konfitzirten Rückenpolsteruvgea aufzubewahren, und was würde stch da nicht Alles vor- finden— vom seegrasgestopften Kopskiffen bi« hinab zum frechen Stiefelknecht! Einem Junggesellen steht e« leider nicht an, auf diesem Gebiete die VolkS-Jnitiative zu er- greifen, hoffentlich findet sich bald der Familienvater für diese Aktiv»! Manne in der jüngsten Zeit im imtei Krochen gesteigert worden- Unsere Bedenken liegen weit weniger auf formalem Gebiet, als in der B-sorgniß, daß eine solche Anstrengung der Kräfte iür unsere Manne in ihrer gegenwärtigen Organisation gefährlich rönnen könnte. Wenn schon 1884/85 eine so unverhältniß- mäßige Ueberschreitung eintrat, wie mag ei dann mit dem Mehrerkordenriß des laufenden Jahres aussehen. Ich gebe schließlich dem Wunsche Ausdruck, daß bei der ersten Lesung dcS Etats der Herr E.t atzsekretär über diese Ueberschreitung eine etwas dctaillirtere Auskunft geben möchte. Bundeskommiffar Admiralitätsrath Richter: Die Marine- Verwaltung ist in der Lage und bereit, die rechnungsmäßigen Angaben auf daS Genaueste zu machen. Wenn sie auch äugen- blicklich dem Wunscke nicht nachkommen kann, die Anzahl der auf den einzelnen Wersten enllaffenm Arbeiter anzugeben, so wird sie der Kommssfion die nöchigen Angaben zugehen lassen. Jedenfalls haben zwingende Gründe für eine solche Maßregel vorgelegen. Zum Tbeil dürste dieselbe schon darin ihre Er- klärung finden, daß bei der stmkeren als ursprünglich beab- fichtigten Indienststellung von Schiffen eine geringere Anzahl derselben zur Reparatur in die Wersten gekommen ist. Abg. v. Hclldorf: Die vom Abg. Rickert hinfichtlich der Gemetniamkeii der Arbeiten vonRcchnunas- und Ludgetkommi sston geäußerten Wünsche begegnen in der Tendenz durchaus meinem Einvcrständniß, jedock kann ich seine Besorgniffe wegen Etats- Überschreitungen im Marine-Elat, namentlich da dieselben auS einer gesteigerten Indienststellung von Schiffen entspiingen, nicht theilen. Eine Regierung, welche im gegebenen Falle nicht den Muth hat, im Interesse der Gesammthert Etatsüberschreitungen zu wagen, taugt nichts. Von diesem Standpunkte aus können und dürfen wir nicht um einige über den Voianscklag zu viel aufgewendete tausend Mark feilschen und rechten. Der Reichs- tag muß fich gegenwärtig halten, daß die dauernd fortschrci- tende Entwickclung des Reichs auch plötzliche Mehraufwen- düngen erheischt.. �- Abg. Rickert: Ich kaffe unsere Stellung so auf, daß wir uns als einen mitverantwortlichen Faktor der Gesetzgebung fühlen muffen, und daß dieses Gefühl der Mitverantwortlich- kcit in Bezug auf den Marineetat etwas mehr hervortreten muß als bisher. Wir können uns nicht dadurch decken, daß der Reichskanzler oder die verbündeten Regierungen den Etat vorgelegt haben. Wenn Herr v. Helldorf meint, eine Regierung sei nichts wcrth, die nicht den Muth habe, Etatsüber- schreitungen zu machen, so sagt er etwaS Selbstoerständ- lichcS. ES handelt fich nur darum, ob die Regierung in ihrem Eifer nicht zu weit geht und andere Interessen der Ration dadurch schädigt. Es fraat fich, werden die Interessen der Marine, welche in erster Reihe die Vertheidigung des Vater- landes, in zweiter politische und Handelsinteressen im Auge b, halten muß, nicht dauernd mehr geschädigt als die Vortheile find, welche wir aus den eisten Anfängen der Kolonialpolitik haben. Ich glaube, die Nation ist jetzt schon etwaS ernüchtert in ihren rosigen Hoffnungen über die Kolonialpolitik. Sie (rechts) klagen über die schlechte Lage der Landwirthschast, deS Gewerbes, über den Steuerdruck der Kommunen und doch haben Sie kein Wort über diese starke Belastung und de- willigen alle Forderungen, als wenn wir gar nicht Geld genug ausgeben könnten. �. v c. Abg. v. Helldorf verwahrt fich dagegen, daß er Herrn Rickert wegen seiner Monita einen Vorwurf habe machen wollen: er habe nur betonen wollen, daß ElatSüberschrei- tungen an fich einer Regierung nicht als Schuld bezumeffen �"'Die Ueberficht wird hierauf der Rechnungslommisfion überwiesen, ebenso ohne Dtdaste die allgemeine Rechnung für 1881/82. ES folgt die erste Berathung deS Gesetzentwurfs, be- treffend die Fürsorge für Beamte und Personen des SoldatenstandeS in Folge von Betrieb S» U" �Ai-g�S ch r a d e r: Wir stehen dieser Vorlage im Großen und Ganzen viel sympathischer gegenüber alS den fiüheren Unfallevorlagm, denn sie ist zum Theil eine Erfüllung dessen, waS wir seit Jahren vergeblich erstrebt haben. Wir bedauern nur, daß dies Gesetz sich auf die im Betriebe verunglückten Beamten beschränkt und nicht auf die Zoll- und Polizeibeamten ausgedehnt ist. Ebenso bedauerlich ist. daß alle diejenigen Schädigungen, welche die Beamten in Folge von Krankheiten, ». B. in gesundheitsgefährlichen Klimaten erleiden, nicht in das Gesetz einbegriffen find. Femer möchte ich auf die Disparität hinweisen, welche zwischen den Beamten und den im Reichs- dienst vorübergehend beschäftigten Beamten und Arbeitern ge- schaffen wird. Während sür diese nach dem Unfallveistcherunas- grsctz als Grund der Gewähmng einer Entschädigung der Be- ßerlmer Thwter. Vielfache« Wünschen entsprechend, wird Herr Direktor Fritzsche im Friedrtch-WUhelmftävtischen Tveater einige Re- prisen von„Orpheus" veranstalten. Am morgigen Montag erscheint Orpheus wieder auf der Oberwelt, wo er fich bis Donners- tag aufhalten wild. Freitag tritt„Blaubart" auf die Szene. — Am heutigen Todtensonntag findet, wie eiwährt, die ein- malige Wiederholung des EmatterabendS, mst„Fortunw'S Lied" als Novität stellt. Loutsenstädtisches Theater. DaS Repertoire vergangener Woche dexdränkte fich zum größten Theil auf die Repilsen gern gesehener Opern. Wir finden darin auch die besten Ramm verzeichnet, wie Halevy, Mozart, Verdi. Auch der komischen Over wurde mit der Neueinstudirung der Lortzing'schen Oper „Der Wildschütz", Rechnung getragen und hatte fich das noch heute jugendfrische Werk lebhasten Bei'alls zu erfreuen. Für die nächste Woche steht den mufikalischen Freunden guter Mufik ein aanz besond-reri Genuß bee or. da Herr General-Jntendant v..Hülsen die einmalige Au'fühnmg der Over«„Margarethe" a-stattet hat. DaS Gounod sche Werk wird am Dienstag, dm 24 d. M, mst den besten Kräften dieses Theater« in Szene statt.- Heute, Sonntag, werden dre„Räuber" und morgen, Montag.„Ein Tropfen Gift" gegeben. Am nächsten Frestag, den 27. d. Ml«., geht nunmehr destlmmt das Schauspiel„Das Fräulein von Seiglisre" von Jul-S Sandeau neu in Szene Repertoire der Königlichen Schauspiele vom 22. bis 29. November 1885. Im Opern hause. Sonntaa, den WAWKWM BSSSSS4JSS Finte... Im Kaiser- Panorama— Passage-- gclangf neben der liehen Ansichten und die wunderbar erscheinende Plastik ver- leiht denselben elwas außerordentlich Fesselndes. Der Besuch kann einem Jeden warm empfohlen weiden. triebsunfall selbst entscheidend ist, soll nach diesem Gesetz die Entschädigung denjenigen Beamten vorenthalten werden, welche den Unfall durch ein grobes Verschulden selbst herbeigeführt haben. Dies ist im Prinzip richtiger, aber immerhin gegenüber den übrigen Beamren eine Ungerechtiakest. Es kann vorkam- men, daß der Lokomotivführer nach einem Betriebsunfall eine Penston nicht bezieht, während der nicht angestellte Heizer eine Unfallsentschädigung erhält. Jedenfalls war: zu erwägen, od nicht nach dieser Richtung das Unfall- verfiazerungSgesetz einer Korrektur bedürfe. Eine zweite Schädigung besteht darin, daß, während der Ai bester schon in jungen Jahren ein normales Einlommen hat, und beim Betriebsunfall eine Entschädigung und den Ersatz der Kurkosten erhält, der Beamte, deffen Einkommen mst den Jahren wächst, fich mst einer geringfügigen Pcnfion dcanügcn und auf die Kurtosten verzichten muß. Nach der Vorlage würde die Rente für die Beamten geringer sein, als fie z. H. beim Eisenbahnpersonal jetzt auf Grund des Hastpfllchtgesrtzcs geleistet wird. Trotz dirscr Bedenken habe ich den ledhafien Wunsch, daß dieses Gesetz zu Stande kommt m d daß wenig stenS der größere Theil dieser Bedenken durch eine kommissa- rische Berathung beseitigt weide.(Beifall links.) SlaatS'ekreiär v. Bötticher: Wir werden bemüht sein, den Wünschen deS Abg. Schräder, soweit es im Rahmen dieses Gesetzes möglich ist, gerecht zu werden, schwerlich aber in vollem Umfange. Ebensowenig wie es uns gelungen ist, auf dem Gebiete der Unfahvcrficherung für die induslriellen Arbeiter jede ungleichartige Behandlung verletzter Personen auszuschließen, ebensowenig und noch weniger, glaube ich, wird es gelingen, jede Disparität in diesem Gesetze zu ver- meiden. ES ist ein sehr beklagenswerther Uebelstand, daß der im industriellen Betriebe erkrankte Ardeiter nicht ebenso wie der körperlich verletzte Arbeiter von der Fürsorge des Unfallgesetzes erfaßt wird. Wir haben uns aber be ruhigen müssen, da dies zur Zest nicht möglich ist. Dasselbe gilt auch hier. Wollten wrr nun dieS Gesetz über die Schävi gung im Betriebt ausdehnen, so würde dies von einer finanziell gar nicht zu übersehenden Tragweite sein. Es sei nur an die im Manöverbetrieb oeiunglücktcn Solvaten erinnert. Es gast nur, zunächst die allseitig anerkannten Lücken in der BeHand- lung der Beamten zu beseitigen. Haben wir dies gethan, so wird fich im Laufe der Zeit oie Nothwendigkeit ergeben, auch auf diesem Gebiete wester zu gehen. Die Zoll- und Polizei- deamlen fallen schon deshalb nicht, Ulster dieses Gesetz, weil das Reich weder Polizei- noch Zollbeamten anstellt. ES winde den E-nzelstaaten vorbehalten sein, ihrerseits diesen Beamten zu Hilfe zu kommen. Die Wohlihaten dieses Gesetzes lediglich auf die etatsmäßigcn Beamten zu beschränken, ist nicht unsere Absicht. Alleidings werden die Beamten in diesem Gesetze strenger behandelt als die Arbeiter. Wir haben dies aber sür nolhwendig gehalten. Herr Schräder hat ja auch anerkannt, daß dies im Prinzip richtiger sei; inwiefern nun, um diese DiSparstät zu beseitigen, eine Korrektur des Unfallverficheiur.gs- Gesetzes für Arbeiler vorzunehmen sein möchte wird an einer anderen Stelle zu prüfen sein. Die Frage, ob nicht vielleicht auch die Kompetenzen der Beamten für die Abmeffung der Rente in Betracht zu ziehen find, wird jedenfalls in ver Kommisston ihre nähere Erörterung finden. Wenn einige Beamte unter dem Hastpflichtgesey besser gestanden haben als unter der neueren sozialpolstiseden Gesetz- gcdung, so find wir durch den bisderigen Gang der Gesetzgebung dahin gekommen, das Hafipflichtgcsctz möglilbst zu be- festigen und das UnwllverficherungS. Gesetz auf immer weitere Krei-e ausdehnen. Besonders entgegentreten möchte ich der in der Presse wiederholt aufgestellten Behauptung, daß unsere sozialpolittsche Gesetzgebung in eine gewisse Stagnation ge- rathen sei, und der Beschwerde, daß dem gegenwärtig ver- sammesten Reichstage von den verbündeten Regierungen noch keine Vorlage über die Alters- und Jnvalidenveisorgung ge- macht sei. Von Stagnation bei uns ist absolut keine Rede. Der Eifer nicht allem der verbündeten Regierungen, sondern auch der ar gestellten Beamten ist nicht erlahmt. Und wenn es nichts weiter wäre, so wäre eS der Wunsch und Wille Er. Majestät deS KaiselS, welcher jede Gelegenheit benutzt, um auf die Förderung dieser Aufgabe zu dringen, unS anzu- spornen, um diese Gesetzgebung zum Abichluß zu bringen. Wenn wir noch keine weitere Vorlage gemacit und uns auf die vorjährige Vorlage über die land und forstwirthschastlichen Arbeiter beschränkl haben, so ist diei auf sehr erhebliche fach- licht Gründe zurückzutühren. Mit Unrecht wird unS vorge- worfen, daß wir uns noch kein Bild über die Eie- stattung der Alters und Jnvalidenversorgung gemacht haben. Wir laben nicht bloS ein Bild, sondern mehrere(Heitnkeit). Aber für mich ist das entscheidend, daß wir nicht eine neue Organisation erstreben, bevor die allen fich nicht eingelebt haben. Ich strebe dahin, für die Alters- und Jnvalidenversorgung die bereits bestehenden Verbände ebenfalls »u denutzen. Das ist lediglich der Grund, wer halb wir hier lein werteres sozialpolitisches Gesetz vorlegen. Ausbleiben wird es nicht, und ich hoste, daß es eine ebenso günstige Bcurthei- lung erfahren wird wie dieses G.-setz.(Betsall rechts.) Abg. Buhl spricht seine Anerkennung über die Einbrin- yng der Vorlage auS, die ihm nur nach zwei Seiten hin zu �denken Veranlassung gegeben hat. Einmal wird zu prüfen sein, od das neue Gesetz nicht besser nur auf die Reichtbeawlen beschränkt wäre, die biS j-yt von der Unfallverficherung ausgeschlossen find, sodann wird untersucht werben müssen, ob die Uedertragung der Unfallverficherung auf alle Personen des SolvatenstanveS gerechtfertigt ist. Ob diese Z Deisel, die eine nur vierundzwanzegstündige Prüfung der Vorlage hervorge- rufen hat, fich als stichhaltig erweisen werben, wrrb die Kommission zu prüfen haben, die am besten auS 28 Mitgliedern zusammengesetzt wird. Die Debatte wird geschlossen und die Vorlage an eine Kommisfion von 28 Mitglrevern verwiesen. Schluß der Sitzung 4 Uhr. Nächste Sitzung Diensta 12 Uhr. Etat und Anleihegesetz. Kommunales. Zur Stadverordnetenwahl. Alle Diejenigen, welche gewillt find, heute(Sonntag' und am Wahltage, Dienstag, den 24. November, für die Wahl der Ardetteriandidaten zu wirken, werden ersucht, fich Morgens 8 Uhr in folgenden Lokalen zu melden: 8. Wahlbezirk: Blumenthalstr. 5 bei S ch m a a r. 10. Wahlbezirk: Gneifenauftr. 17 bei Linde n dorn. 19, und 21. Wahlbezirk: DreSdenersst. 38 bei Koch. 25. Wahlbezirk: Memeleistr. 57 bei B r u n z e 1. 26. Wahlbezirk: P�llefavenstr. 26 bei Lange. 28. Wahlbezirk: Keidelstr. 9 bei Jung nickel. 32. Wahlbezirk: Zehsenickerstr. 22 bei I a k o b i. 34. Wahlbezirk: Ackernr. 143 bei Echayer. 88. Wahtbezirt: Chauffeenr. 104 bei R r e m e r. 40. Wahlbezirk: Dreysestr. 3 bei R a e d e r. Die Vorbereitungen für* die allgemeine deutsche Volks« zählung am 1. Dezember er. find für Berlin durch die hiefige VolkSzahlungSkommijfion jetzt vollständig durchgeführt. Nach- dem die 74 Reoiervcpulirtcn für die fämmllicden Polizeireviere er na? nt worden, haben dieselben die Destiiktskommessaiien de- stellt, welche wieder die Zählm-psrevisoren für die einzelnen Häuser gewählt und berufen haben. Fast sämmtliche Per- sammlungen zur I firuirurg deS Zählpersonals haben statt- WÄESOTUj«* vertheitt, so daß Ende diese« Monat« die Kasten und Listen unbedenklich in den Händen der Familienhäupter und Weh« nungsiv Haber sein werden. Wieviel Personen bei der VolkS- zählung dttcki betheiligt sein werden, läßt fich noch nicht b«- stimmt ermitteln; die Gesammtzahl scheint aber nicht größer zu sein als diese Zahl bei der Volkszählung von 18%, M viele Zähler mehrere Häuser und Zähldezi- ke(deren Zw 19 893 betragt) übernommen haben. Voraussichtlich wird# die E nmoh nerzahl Beilins am 1. Dezember d. I. auf nahe an 1,295,000 Seelen, die Zunahme seit der letzten Volkszählung auf 173,000 Seelen stellen. Nachdem die Lokales. sozialdemokratische Fraktion ihre» Arbeiterschutzgesetzentwurf wieder eingereicht bat. dü'ftt e« sich empfehlen, die darauf bezüglichen Petitione» nunmehr einzureichen. Wir fordern deshalb die Ar» better auf, damit vorzugehen und rathen, der Petrtione» nicht an einzelne Abgeordnete, sondern an da« Burea» des Reichstages zu senden. Auf alle« Petitoneu istd# Ort, von welchem dieselben kommen, anzugeben. W» ersuchen die sich für diese Angelegenheit interessieeudt» Blätter um Weitrrverbreitung dieser Aufforderung. td. Durch die Beseitigung der Ofenklappen in untren Kachelöfen und Einführung der luNdichiversMIi-ßbaren Ost# thüren an deren Stelle, find die bisherigen Zustände nicht in dem Maße verdefiest worden, wie ursprünglich erwartet nmifc- die Gefahr der Kohlenoxyvgasvergiftung ist nicht vollständil ausgeschloffen, wie zahlreiche Fälle beweisen und für Viele ist die. luftdichte" O'enrhüre betreffs des rationellen Schließet» des Ofens noch ein Buch mit 7 Siegeln. Während fie der Ofenklappe umzugchen wußten, wissen fie mit der Otentbü« gar nicht Bescheid. Eine wanne Stube resp. ein wanner Of* rtt in der jetzigen Jahreszeit ober ein Hauprbedüstniß, und V« Kunst des Heizens wird nebtn den vielen anderen Künste» unserer Hautfrauen vornehmlich in Anspruch genommen.%'» nun in der Kunst des Heizens perfekt zu werden, ist e« i»' vörderst nothwendig, fich mit den guten resp. schlechten Eisssf schasten de« Ofens genau verstaut zu machen, da von vies» Kenntniß viel die Behandlung deS Ofens abhängt. Im AW' meinen kann man den Grundsatz aufstellen, daß bei** Konstruktion unserer Kachelöfen ein solcher einer anderthalb stündigen Feuerung bedarf, um fich gründlich zu erhitzen f; die Wärme nachhaltig wieder auszustrahlen. Durch den ,J" allgemein üblichen Modus, ein beliebiges Quantum B«»» Material in dm Oren zu stecken und nun dasselbe in Brand? setzen, wird der Endzweck des Heizens, ein warmer Ofen, warme Stube nicht erreicht, denn nach einer halben 6#% wird das Brennmaterial verbrannt sein, der Ofm konnte? aber nicht völlig du chwännm, nur die untersten Schichten?? heiß, während die oberen kalt bleiben; der O'en wird»J wenigen Stunden gänzlich erkalten und demzufolge das Z'� nicht genügend erwärmen. Um zum Ziele zu gelangen, iß? gende« Verfahren einzuschlagen: Je nach Ast der zu Menden Räumlichkeit ist«me gewisse Menge BrennmtteW? forderlich(wobei natürlich die Art desselben, ob Holz, Stern W! Preßtoble w. in Bestacht kommt), welches fich leicht ermWj läßt. Dieses Quantum Brennmatestal verbrenne man»? auf einmal im Ofen, sondern theile es in mehrere Tbeile verbrenne diese nach einander, dadurch wird dem Oft»� gelassen, fich in allen Schichten zu erwärmen, er vermag vi Wärme in fick aufzunehmen und lange Z-it wieder vo»» zu geben. DaS en licht Schließen des Ofens erfordert eine%% dere Aufmerksamkeit. Wird der Ofen erst geschloffen, d. 9:.% luftdichte Ofenthür zugeschraubt, nachdem bereits der Funke im Ofenloche erloschen, so geht dadurch viel verloren; wird die Osentbüre geschlossen, während das Bj-L Material noch in vollen Flammen steht, so bildet fich im Ä steine Kreosot und Glanzruß, welcher dem Mauerwerk schädlich ist; außerdem wird dadurch die Gefahr, va?.. Kohlenfeuer die heimtückischen Kohlenzast ins Zimmer 1%, (»Ur... 0' f sehr nahe gerückt. Es empfiehlt fich daher, den schließen, nachdem die letzte Schicht des nach e nander legten Brennmaterials zu gut•/« Theilen verbrannt ist, y trotz des luftdichten Verschlusses wird der Ofm mcistdin � noch soviel atmosphärische Luft zulassen, daß die gering*.y brennung in dem verschlossenen O'en ohne Gefahr zu y« geführt wird.— Man steht hieraus, daß selbst daS CfaJjyi einiges Nachdenken erfordert und nicht so leicht ist, al«*' Anschein bat.# w. Ein Unternehmer hat den betreffenden Behörd'y, Projekt eingereicht, das an der Ecke der Kolonie und sttaße belegene, bis zur Prnke reichende Terrain in$ größeren Kurpark umzuwandeln und daselbst ein KurhaUn,,� Hals-, Brust- und Lungenkranke zu erbauen. Er will>»y im Parke einen pavill anartigen Kuhstall erbauen, über U» � in zwei Stockwerken Krankenzimmer eingestchtet werden was den K'ank-n Gelegenheit zum Emathmm der dünstungen des Kuhstalles gewähren würde. I Forderungen der Speztalärzte. Ein hiesiger G*'. ------ n, dessen Krnd schwer erkrankt war, ersuchte einen 9 Spezialarst um einen Bewch bei seinem Kinde. Da«Vi» fich nicht geneigt zeigte, dem Rufe zu folgen, legte M das Honorar für einen Besuch mit 100 Mark auf VtN M worauf der Arzt erklärte:„Nun fehlen aber noch dte yP für den Wagen!" Nachdem auch diese mit 20 M- � und angenommen waren, kam der Spezialarzt; aber/ Htl'e war er'olglos.— Die„Volksztg", der wir d« lung entnebmen, meint, die Angst und Roth H"'*, auszubeuten, dürste am wenigsten Sache f*", A rttUein.«„ft"£ Twr Frage der Stehbierhallen wird der»A � y-«"« geschrieben: Die in Berlin brennende Frag -ssenannten Srehbin hallen hat auch in hiesigen%% 5� »u lebhaften Erö terungen gegeben, zumal man fi« Einführung auf Londoner Muster beruft. Wer aber, kennt, der sagt fich ohne weiteres, daß unter Allern, e? Nachahmungswerth für Deutschland ist. gerade vre englischen Kleinhandels mit Bier und Spirituosen ove � if ja daß die Nachahmung desselben für Deutschlanv hängnißvoller wirken müßte, alS es sich für Englano � pf wiesen hat. Die mgl.schm Wirthsdäuser(Refla�y nur an ernigen Orlen in der City von London bürden), find nicht konzeifionit t, fondern haben(ony welche nicht an eine Perfon verliehen werden tan. � an dem Grundstück hattet und ausgedeutet wrrd»«Jt«„ weilwn Käufer c-der Pächter desselben. Dre gre* und Brenner bilden nun eine kapitalsmächtige im Laufe der Zeit die Schanlstellcn käufl.ch an st»% gar> trankt von den Eigenthümern der Gmndstücke � und zwar zu dem Preise, den die Vereinigung fisty wuS'? Lasten zu tragen hat..älscht natürlich n-"°. nicht höher st.chen. als irgend eilte AM' Berlins, nur noch mit dem Unterschiede, ,,5°,,kstreve»� > I in England ausgeschlossen ist. ES ist' jft daS Trinken im Stehen keine ErbolungSzeU.�lb„ rnrngi# tUchen(?) den 0 TOehten n jjrflle! /? Arbeitet '�«ilicher, C' nur de wird. e'»ttbund Mdeekeit■ v°nn des 3 fto die 3 Iä' Wen ist. fe die 1 In 50, J'hna I ffiofc Volk»' icht bc « n Zahl ird filt jf nahe 'ZahlM und»or diesen glänzenden Spelunken treibt fich SLiSi �glische Proletariat umher, daS keine gemüthliche r> itmattc hat und froh sein würde, wenn eS seine verdienten j, UZ einen Platz, ähnlich einem Berliner Budikcrkeller, -.f'n konnte. Diese englischm Trinlspelunken, die nicht der �ewchaft, der Erholung und Aufheiterung dienen, sondern I«il» 5�udal, find die Ursache der Trunksucht der Wrider, I entsetzlichsten sozialen Elends. Sie find auch die Ur- I önner und Weiber schmutzig und in Lumpen ein- hÄn■'■}'n einem fielen Zustande fich befinden, der ihnen .�??en Eintritt in einen Keller niedersten Ranges in Berlin uF*. würde(?). Unter diesen Umständen kann man dreist «AkeU' daß moralisch betrachtet, ein rechischaffcner Berliner r�L�kller ein Bildunas Institut, eine AnstandSschule ist für u*t.V'lter. Und wir Deutsche in England vermiffen nicht? ruft, ulS die alte, gemüthliche Stammkneipe, in der t?'"ur dem Leib, sondem auch drm Geiste Erfrischung JP �'d- Die Ueber egenheit dcurschcr Intelligenz und «nstandSgesübl und nothwend.g folge �,"t"wer, als die alte, gemuiyrrwe Viammineipe, rn oe i,,�uur dem Leib, sondem auch drm Geiste Erfrischung ge rtf�Ard. Die Ueber egenheit dcuischer Intelligenz und da e,„!�bundcnem Anstandsgefühl und nothwendig folgender ist nicht zum geringsten Theile der gesellschaftlichen WirthshauslebenS zuzuschreiben und wer fich sträubt kT? j!' Lerwilderung des Volkes, muß stch sträuben gegen ze�Malistische Ausbeutung deffelben durch Errichtung von Uta Pkätzen, deren Bestimmung nur das nackte j"im ist. Liebe und Haushund, oder Nero und der Bräutigam, LJ?.01 ähnlichen anlockenden Titel könnte man der kleinen Kt. sleben, die fich vor einigen Tagen in der Mariannen- Hi.Ä'r�te. Ein dortiger Hausbesitzer hat außer seiner L?�°hngen, hübschen Tochter LieSchen eine mächtige und RMlO* dänische Dogge, Nero benamset, die mit großer Wirksamkeit bei jeder Anwesenheit fremder Personen oe- werden muß, damit ste mit ihren Zäbncn kein Unheil tia ,•1 ein allein stehendes junges Mädchen kann eS i,»i- NjkeintN zweckmäßigeren Begleiter in Birlin geben, alS »�en..',Ncro", der wohl als ein unfehlbares Mittel gegen wPSiiche Begleiter einzelner Damm gelten kann. Lieschen «ZM« die meisten ihrer Gänge in Begleiwng des unge- gpen ViersllßerS und ihr Herr Papa glaubte keines Jr* Schutzes für seine Tochter zu bedürfen. Vor !d,N.Tagen klingelt eS bei LieSchenS Eltern. Der Papa, fcui tl.on dem bissigen Nero, öffnet. Ein junger Mann ist bw"1" einiger Verlegenheit nach Wohnungen im Hause , /iero beschnuppert den Fremden, zeigt aber keine Lgi Wr-tt sonstigen Feindseligkeit, so daß rein Herr fich wundert urtd ganz erstaunt seinen Hund betrachtet; sein.. W die Ohren, hält den Kopf ein wenig schief und guckt w,,„ mit einem ebenso intelligenten wie geheimniß« »." Blicke an. Am Abend deffelben TageS macht LieSchen krüh Morgens geklingelt hatte, und N-ro läuft gemury- Itlbfn �5! an der Ecke trmnt fich daS Pärchen. An dem- iiiito Aknd erzählte der Papa diese wunderbare Geschichte in .wmkneipe mit der Bemerkung:„Daß ein junger vi« ,? 3� meiner Tochter geht, ist am Ende erklärlich; aber Siir-im modern bissigen Köter fertig geworden ist, daS bleibt fiiz">lhs-l!" Und die Moral von der Geschicht': Vor'm hrus��schlltzt'ne hübsche Tochter der schlimmste Hund deS JZi tt'-'«wi■.', tPl da««erfahren in der Paepke'schen Mordsache ist e außerordentlicher Wichtigkeit, welche baarrn >in«� 5,bater entwmdet hat. Es ist daher dringend .»wenh, daß alle Personen, an welche die ermordete Frau Paepke in der Zeit vom 1. Oktober bis 3. November er. Baarzahlungen für Wirthschafts- oder sonstige Bedürfnisse ge- leistet hat, davon dem Untersuchungsrichter Herrn Landgerichts- rath Hollmann entweder mündlich oder schriftlich zu den Akten U. R. 1 690/85, Alt Moabit 11/12, Zimmer 137 Mittheilung machen. Mündliche Meldungen werden in den Vor- Mittagsstunden zrvischen 11 und 12 Uhr entgegengenommen. „Gefärbte Teltower Rüben" find die neueste Erfindung der Nahrungsmitteltätscher. Eine auswärtige Firma färbt die weiße, sogenannte Beelitzer Rübe mittelst einer Lckerlösung und bringt sie dann alS echte Teltower Rübe, welche von Natur ein gelbes Acußere hat, in den Handel. Die gefärbte Rübe giebt, wenn fic vor dem Putzen gewaschen wird, dem Waffer einen gelben Schein, während die echte Teltower Rübe das Waffer erdig färbt. Von Paletotdiebstählen, die ein Lokalberichterstatter in der Universttät hat vorkommen lassen, ist nach Erkundigungen, die ein Konkurrent von jenem an zuständiger Stelle eingezogen hat, nichts bekannt; ebenso wenig ist von Seiten des Rektors ein Warnungsanschlag erlaffen worden. Ueberall, wo die Gar- derobe außerhalb der Auditorien fich befindet, find zur Beauf- fichtigung derselben besondere Wärter angestellt. Wahrend der beiden letzten Jahre ist im Univerfitätsgebäude kein einziger Diebstahl festgestellt worden. Ein eigenthümliche»„besonderes Kennzeichen" wird in einem den Polizeibehörden zugegangenen Steckbriefe ange- geben, welcher hinter den„Budiker" Banhorsch aus Berlin, Oranienstraß 40, wegen Betrug? seitens des königlichen ersten Staatsanwalts zu Görlitz vor einigen Tagen erlassen worden ist. Es heißt da wörtlich:„Besondere Kennzeichen: Sagt sehr oft: Ach Jott! und streicht fich dabei mit beiden Händen den Echnurbart." Daß als Sprache des steckbrieflich Verfolgten in dem Signalement„echt Berliner Dialekc" verzeichnet ist, er- scheint nach Obigem wohl selbstverständlich. Polizet-Vericht. Am 19. d. M. Nachmittag? machte ein bei seiner Mutter in der Ziegelstraße wohnender junger Mann nach vorangegangenem Streit mit seinem älteren Bruder, bei welchem letzterer thätlich geworden war, den Versuch, stch mittelst Stnzchnin zu vergiften.— Am 20. d. M. Vormittags wurde ein Mann in der Nähe des Zeughauses krank und de- wußtloS aufgefunden und mittelst Droschke nach der Charitee gebracht.— An demselben Tage Nachmittags fiel dem Arbeiter «lein beim Aufladen von Kisten auf dem Grundstück Schmidt- straße 8a. eine etwa 1 Zentner schwere Kiste vom Rollwagen auf den Leib und zerquetschte ihm den Oberschenkel. Der Ver- unglückte wurde nach Bethanien gebracht.— Um dieselbe Zeit verunglückte ein Handelsmann, indem er in Folge von Trunken- heit die Treppe der Verbindungsbahn an der Station Wedding unvorsichtig hinabstieg und mehrere Stufen bis auf daS Straßen- pflaster hinabfirl. Er erlit hierbei anscheinend einen Beinbruch und mußte mittelst Droschke nach der Charitee gebracht werden. Kostale«««d Arbeiterbewegung. Zur Arbeiterinnenbewegung.. Wi- bereitS mitgetheilt, 0 V vv»««. 7•••— 7» yww.�0116 eme derartige Enquete recht schätzbares Material zeitigen dürfte� so ist doch nicht klar erfichtlich auS welchem Grunde gerade der Stand der Näherinnen zum Zielpunkte der Enquete erkoren ist, da bekanntlich die Näherinnen bezüglich des Verdienstes noch eine beffere Stellung Gegenüber verschiedenen anderen Arbeite- rinnen einnehmen. Den langsamen Gang derartiger Veran« staltungen der Regierung voraussehend und fich die Einseitig- keit der Enquete hinstchtlich der Branchen zu Nutze machend, hat der„Verein der Arbeiterinnen Berlins"(im Norden) einen Fragebogen zur Vertheilung gebracht, der sehr schnell, bei rich- tiger Beantwortung der Fragen, ein klares Bild über die Lage der Arbeiterinnen, speziell in Berlin, ergeben dürfte. Der Fragedogen kommt nur in Berlin zur Vertheilung und enthält folgende Fragen: 1. In welcher Branche arbeiten Siek 2. Sind Sie verheirathet? 3. Falls verhcirachet, wie viel Kinder? 4. Wie viel verdienen Sie wöchentlich? 5 Wie viel Stunden arbeiten Sie täglich? 6. Arbeiten Sie Sonntags s 7. Unterstützen Sie Jemand durch Ihre Arbeit? 8. Gehören Sie einem Vereine an?— Da nur ein schnelles und energi« sches Vorgehen in jeder Hinstckt im Stande ist, eine Besserung hervorzurufen, so hofft der Vorstand deS Vereins, daß die Ärbcitcrinnen Berlin? für Beantwortung der Fragen, re'p. prompte Rücklieferung des Fragedogens Sorge tragen werden. An die Steindrucker und Lithographen Berlins. Die Firma Ernst u. Co., Köpenickcrstr. 112, hat an die Herren Prinzipale ein Zirkular unter der Spitzmarke„Privatim" ver- sandt, worin fie ersucht, die Uedelstände, welche in ihrem Ge» schäft herrschten, zu verdecken und die Kollegen, welche den Mutb hatten, für ihr gutes Recht einzutreten, durch Publizirung der Namen an den Pranger zu stellen. Wir halten eS daher für unsere Pflicht, den Kollegen sowie allen interesfi'ten Kreisen den thatsächlichen Sachverhalt zu unterbreiten. Seit langer Zeit bestanden in Folge verkehtter ArbeitSetntheilung Mrß- stände, mclche so weit gingen, daß wir einen Verdienst von 10 ais 21 M. bei angestrengter Thätigkcit erzielen konnten. Hierzu kommt noch, daß wir jeden auch nicht von durch ent» standemn Schaden tragen mußten. Wenn nun gesagt ist, daß ein Kollege aus verschiedenen Vorkommnissen sofort ent» lassen werden mußte, so ist der einzige Grund darin zu finden, daß derselbe im Namen seiner Kollegen gehandelt hat. Daß die Firma das Recht hatte, denselben sofort zu entlassen, weil keine Kündigungsfrist bestand, ist wohl selbstverständlich; daß die Firma fich aber nicht entblödete beizufügen: DaS ist der erste, die anderen fliegen hinterher, ist wohl absichtlich vergessen anzuführen. Um dieses zu verhüten, hielten wir es für ralhsam, nicht so lange darauf zu warten, uns dieser Eventualität auszusetzen. Kollegen, wir haben selbstverständlich nicht aus Scherz die Arbeit niederge» legt, die Nochwenvigkeit hat uns dazu gezwungen, trotzdem viele von uns Familienväter find. Kollegen, wir haben diesen nothwendigen Kampf aufgenommen im Interesse All-r, und hoffen, daß Ihr nicht nur diese Handlungsweise der Firma verurtheilt, sondem uns kräftig zur Seite steht, sowie auch da- durch, daß, sobald man uns ausschließt, ihr in�iieser Druckerei die Arbeit nicht aufnehmt. Weitere Aufklärungen werden in der am Montag Abend 8 Uhr im Buggenhagen'schen Saale (Nioritzplatz) stattfindenden Versammlung unterbreitet, daher ist es Pflicht eines jeden wahrhaften Kollegen in derselben zu er« scheinen. Die streikenden Kollegen der Firma Ernst u. Komp. Arbeiterfreundlich gesinnte Blätter werden um weitere Ver» breitung gebeten. Kriefkasten der Redaktion. Schneider. Ihr Manuskript befand fich in einem total unbrauchbaren Zustande. Ferner ersuchen wir, die Vrrsamm- lungtberichte nicht erst 3 Tage nach Abhaltung der Versamm- lung einzusenden. m Ein Wähler. Wenn Sie vom städtischen Wahlbureau keine Einladung zur Wahl erhalten baben, die Ihnen bei der Wahl als Legirimation dient, so müssen Sie eine andere Legi» timation in das Wahllokal mitnehmen. Wo speisen Sie? In der alten Pomraerscben Küche b. K l e i n, jetzt Oranienstrnße 181, Hof Part. Gediegener Mittaastisch mit Bier 50 Pf. Abendtisch in großer Auswahl von 30 Pf. an. Angenehmer� Aufenthalt mit Billard. i schj�«chlagwettergefahren in Sleinkohlenwerkcn be- lWt j. �urch Trennung des Sumpfgases von der Gruben- '»n jedem von Schlagwettern bedrohten Werke.[27 -�"chtein bei Waldenburg in Sch'efien. d. 5. Mai 1885. Raue, Stgr. a. D. Zu Weihnachtsgeschenken! Otto Graetsch, Sattlermcister, . Oranien-Strasse 45. "verpferde und Wagen, Schulmapven von 1 M. an, vi. Poitemonnais von 10 Pf. an, Batten« und Brieftaschen. 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JAl_ 3- A.: R. Gutsche, Krausnickstrahe Nr. 11. Oeffentliche KWMNlWhltr-Vetsümlmg des 32. Bezirks 3. Abiherlung. Montag, den 23. November, Abends 8 Ubr, in iler Heuen Nullialla, Sifiönfianfec HUee 156. Tages-Ordnung:[60 I Besprechung über das wirthichastliche Programm der Arbeiterpartei. Referent der Kandidat des 32. Be- zirks Herr Gclbgießer Gottfried Schulz. 2. Vortrag des Stadtverordneten Franz Tutzauer über: Die Arbeiterpartei und die Bürgerpartei im RathhauS. 3. Diskussion. Sämmtliche Wähler ohne Unterschied der Partei find will- kommen. Das Ardeiter-Wahlkomitee. J. A.: Hugo Lebmann. NB. Genoffen, welche am Wahltage thätig sein wollen, können sich am Dienstag von 8 Uhr Morgens im Restaurant Zehdenickerstraße 22 melden._ Zwei große KivWinilwähler- Vechmlillliit«. Montag, den 23. November, Abends 8V, Uhr. 1. für die Wähler des 12. Wahlbezi, ls in jßeltm's Salon, Äöpuicker-Straße 195. 2. für die Wähler des 14. Wahlbezirks in der„Urania", Wrangelstr. 9 u. 10. Sämmtliche Wähler der 3. Abtheilung find eingeladen. 29_ Das Arbeiter Wahlkomitee. 19. und 21. Kommunal-Wahlbezirk. Versammlung am Montag, den 23. November 1885, Abends 8 Uhr, in den Bürgersälen, Dresdenerstr. Nr. 96, Ansprache der beiden Kauoidaten. Korreferent: Herr Stadtverordneter Singer. Das Arbeiter-Wa h l- K o m i t e e. Der Fachverein der Schneider hält am Montag. de« 23. November. Abends 8'/, Uhr, eine öffentliche Versammlung ab in Gratweil'S Bierhallen, oberer Saal, Kommandantenstratze. Tagesordnung: 1. DaS Vorgehen der Mäntelnäherinnen und das Verhalten der sogenannten Damenmäntel-Schneider-Jnnung. Freie Dis- kusston. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. Ver» schiedcncs. Der wichtigen Tagesordnung wegen werden stimmt. «che Schneider sowie sämmtliche Damenmäntel> Schneider er- sucht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Aufnahme neuer MM '"'Ä'15*' Das Herrengarderobe-Magazin t- der Luckauerstraße. vv" riü-a-?H Siegfried Simon k% der Luckauerstraße. Gegrandet 1870. Ge�rOndet 187# 881 ltglieder. Der Vorstand. Ortskrankenkaffe d. Klempner. Sonntag, den 29. November. Vormittags 10 Uhr. findet in Jordan'# Salon, Nene Grünstraße 28, eine Ter sammlnn der ! r s a m m gen(llljährig) Mitglieder unserer Kaffe Wahl von 225 Vertretern und am Moniag, den 30. d. Abends 8 Uhr, ebendaselbst eine Versammlung der Arbeitgeber, welche Beiträge aus eigenen Mitteln zur Kaffe leisten, behufs Wahl von 100 Vertretern statt. gerner thcilen wir mit, daß die Abänderungen im§ 29 Muts betreffs Erhöhung der wöchentlichen Beiträge für erwachsene weibliche Mitglieder von 15 auf 24 Pf., für männliche Kaffenmitglieder unter 16 Jahren und Lehrlinge von 15 auf 18 Pf. für weibliche Mitglieder unter 16 Jahren von 12 auf 18 Pf.. deSgl. lm%§ 62 betr. Bekanntmachungen, daß die- selben im Berliner Volksdlatt und der Berliner Zeitung er. folgen, vom Bezirke ausschrß Berlin genehmigt find und mit der 1. Rechnungswoche im Jahre 1886 in Kraft treten. 30_ Der Vorst a n d. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher KStichtrgkskllkn Knli»s n. ZllMgeud im Saale der Wittwe Heise. Lichtenbergerstr. 21. Tagesordnung: 1. Der Streik der Kollegen in Dormund und Breslau. 2. Regelung des Arbeitsnachweises.[32 Da# Erscheinen ist dringend nothwendig. Friedr. Holtmann, _____ Vorsitzender der Lohn Kommission. Oeffentliche versammlang der Cigacced'Micec, Sodicecinnen and (Kigatcenmadiec Montag, den 23. d. Mts., Abends p r. 8'/, Uhr, bei Siemund, Linienstraße 8. 34] Der Einberufer. empnevu»ur Herbst- und Winter-Saison srin reichhaltizeS Lager von Anzügen, Paletots, Schlafröcken ic. in den neuesten Stoffen und Facon# zu soliden Preisen. vestettungeu nach ülaajlj werden prompt ausgeführt. Zweites Geschäft: Oranienstraße 207, Ecke Skalitzerstraße. [2798 Produktiv- Die von Mitgliedern des Fachvererns der Schneider gegründete# n. 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