k S76. Mittwoch, den 35 Uovember 1885. n. Johrg- iwyufWM'- SJonTiiin� S>I it ernähr Tbc» t-'I t. DD.1«' Brgan für die Interessen der Arbeiter. Da«„BerHuer SBolföWiitfi" Aglich Morgen« außer nach Sonn- und Festtage«,«bonnementtprei« für U« frei nr« Hau« vierteliährlich 4 Marl, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 36 Pf. �Kdonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungtpreisliste für 1885 unter Nr. 746.) ., M V1 Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 M. Set größerot Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Nachmittags m der Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annome«-- Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. KKE3: KedaKtio«: Hesthstraße 3.— Grpebitio«: Zimmerstraße 44. # Hilst ja dach nichts! (l'"1 ähnlich höre« wir täglich sonst ganz A*.Arbeiter ausrufen, wenn man sie auffordert, ihre käme- W .t— vv(»V4 UUVVUIVI� WCUU UIMM|kV WWlsWWtv*, Uftt Mchastschafiliche Pflicht und Schuldigkeit zu thun, indem A-eine ffiemerffAnft nVipr in einen Sfafineretn als Mit» ■eine Gewerkschaft oder in einen Fachvcrein � kswreten und wirke». Deshalb Hilst e« denn nichts? � Die Gewerkschaften und Fachvereine bestehen schon meh- �ahre und haben ja bis jetzt gar so Geringes zu Wege — 6 �r'tn'0'rt erhält man meistens auf die toi Natürlich habe« die Arbeitervereinigungen für alle Die- gr""'chls zu Wege gebracht, welche da meinen, daß kj I?1 die paar Groschen Beiträge nunmehr die gebra- C-" Rauben in'« Maul fliegen müßten; aber alle Die- »«d» welche selbst in treuer Arbeit zu den Gewerkschaften �,�chvereinigu»gen, zu den UnierstützungSvereinen und �°upt zu den.........'......- zu den Ardeitervereinigungen gestanden habe«, „daß e« hilft", sie wissen, daß die Arbeiter vor- ....... kommen könne», sie wissen, daß das kamerad- �„.J�iche Zusammenwirken,«ach qethaner Mtth. �' an sich schon viel wahrhafte Erholung yPd de« Arbeiter stärkt und erftischt, ihn tröstet immer mehr auf ihn zudrängende Unbill de« denn wenn auch die Gewerkschaften und Fachoereine, und schgs,,�ch die politische Arbeiterpartei selbst momentane wirth« nity e2e Bortheile für die Arbeiter im großen Maßstabe r fingen können, so wird doch eine Grundlage tt heutige« Zeit gelegt, auf welcher nach i z' �ach ei« st aU l i ch e S","ro o h n l i ch e« i e» für den Arbeiterstand aufgebaut wer- �nd dgbei sagt man:„Es Hilst doch nicht»?!" ist in der That nur eine Phrase, eine En t- ftlti'tzuna für die Faulen, für die Gleich- to J 9 e n, hinter der sie ihr Phlegma, ihre Bequemlich. 21 besten verstecken können. � auch thatsächlich ist viel zu Stande gebracht wor- di J«hme man doch die deutsche Arbeiterwelt vor »i""d sehe sie sich jetzt an. ��amal« verharrten fast alle deutschen Arbeiter noch in Ijjwischer Unwissenheit und in kaum zu besiegendem ?,i 7> damals waren Schoap«, Bier und Kartenspiel " 3 j 0 e n Vergnügen auf der Herberge und in den K auch«och zu den nothwendigen Unterhaltungen ge % wurde. vHt 1 "l IenMeton. Die Hand der Uemells. Roma» von Ewald August König. . v. �(Fortsetzung.) Ni löS�}®U' ba� � einei5 Verbrechens beschuldigt � tink-l" �widerte Siegfried rasch. ,.Und wenn dieser stOer« dann würde ich das der Generali« wegen be- ich würde mir allbann den Vorwurf machen, ffuck.»? persönlicher Abneigung gegen Rabe Alle« her- e' um auf ihn die Schuld zu wälzen." e z�j 9« gerade heraus, Du fürchtest, Deine Kousine ir„Sj. bitfor Vorwurf machen." Dnkel"" uicht, sie theilt meine Abneigung gege« kheilt diese Abneigung?" fragte der Oberst Pktq. �-„Dann fließt das Blut ihre« Vaters in ihren Vjer diese Behauptung paßt auch wieder nicht, der ? spezieller Freund der Rabe'«. Daß jr. b mit ihrer blendenden, imponirenden Erschei- i 9efessc[t da» ist mir allerdings begreiflich, ste iAe. � noch diesen Zauber ausüben, wenn sie es t. rnö wie irfi mift. fw«»or dem Talent gebeugt chönheit; aber un« dem Bruder seiner und seine volle Gunst schenken konnte. «eußerung fallen, um zu erforsche», wie. L bildete Gespräche über politisch« und ökonomische Fragen, welche zur Erkenntniß der eigenen Lage der Arbeiter führe«, die AufmoKsamkeit der Mitglieder und Besucher fast ausschließlich. Und da„hilft eS doch Alle Arbeiter natürlich, welche glauben, daß ihre eigene Mithilfe an der Erlösung der Arbeiterklasse von schwerem Drucke nicht nöthig sei, sie sind auch dieser Erlösung selbst nicht werth. Aber ihre Familien, ihre Nachkommen wollen doch zum Mindesten theilhaftig sein an den Segnungen der künftigen Zeit. Daran schon sollte» die Gleichgiltigen denke» und sich zur Pflicht veranlaßt fühlen, wenn sie ihrer selbst wegen auch nicht die Finger rühren mögen. Man mag die Sache also ansehen, wie man will, e« ffollte bei jedem Arbeiter sich dieses Pflichtgefühl rühren, jeder Arbeiter sollte von Klassenerkeontniß beseelt sei», um mit seinen Kammeraden gemeinsam einzutreten für die Besse- rung der Arbeiterverhältnisse. Und geht die Besserung auch nicht so rasch von statten, will sich auch der schöne Bau nicht so rasch gestalten, da eben Stein zum Steins getragen und aufeinandergesüat werden muß, so sollte doch schließlich jeder Arbeiter stolz sein, daß er mitgewirkt hat. Dieser Gedanke möge die Trägen, die Gleichgiltigen anspornen, sich aufzuraffen, sich an die Kameraden anzu« schließen und de» Fach- und Unterstützungsvereinen beizu- treten. Daß dabei für de« Einzelnen es nicht ausgeschlossen sein darf, auch in dem größeren Rahmen einer politische sozialen Arbeiterpartei mitzuwirken, haben wir schon kürzlich an dieser Stelle betont, denn die Znteresse«, die wirthschaft- lichen sowohl als die politischen, künnen schließlich nur energisch vertreten werden durch die Gemeinsamkeit, durch gemeinsame Ziele und durch da« Zusammen- schließe« aller Arbeiter- Elemente im deutschen Vater lande. Dan» wird es bald keinen Arbeiter mehr geben, der noch de» traurigen Muth hat, zu sagen: „ E« hilft ja doch nicht«!" V?zusammenkünsten, eS sei denn, daß die übliche (Hl autd nnA i» tn>n aber fesseln in den Arbeitervereinigungen ge- seine Angehörigen über diese Bestimmungen denken. Und Rabe hat sicherlich Kenntniß davon gehabt, also wird er auch dem Testament nachgeforscht haben." „Hätte er eS gefunden, so würde er e« vernichtet haben," warf Siegfried ein. „Davon mag die Generalin ihn zurückgehalten haben—" „Du glaubst, die Generalin habe früher schon von der Existenz diese« Dokuments Kenntniß gehabt?" „Wäre das etwa unmöglich?" „Soweit ich die Generalin kenne, halte ich es in der That für unmöglich. Ich bin fest überzeugt, daß sie da« Testament erst gestern gesunden hat." „Man kann darüber anderer Ansicht sein." „Ich nicht, Papa." „Bah, Deine Menschenkenntniß reicht nicht weit. Die Generalin wünscht gerade jetzt aus besonderen Gründe« die Aussöhnung, durch da« Testament hofft sie dieselbe anzu- bahnen." „Du denkst nicht an da« Opfer, welche« dieses Doku- ment ihr auferlegt. Sie wird durch dasselbe genöthigt, ihr halbes Vermögen Dir abzutreten." „Und die beiden Hälften werde» gleich darauf durch die projektirte Verbindung wieder vereinigt," sagte der Oberst mit schneidendem Spott.„Ich hoffe und glaube auch nicht, daß Du die Hände dabei im Spiel hast, da« wäre Deiner unwürdig—" „Kann ich mehr rhun, als Dir die�Versicherung gebe», daß ich von dem Zwecke, der die Generalin hierher führte, keine Ahnung halte?" fiel Siegfried ihm vorwurfsvoll in« Wort.„Hätte sie mir Vertrauen geschenkt, so würde ich ihr abzerathen und zuvor Dich vorbereitet haben, die heftige Szene wäre dadurch vermieden worden. Mag man über die Sachlage nun auch urtheflen, wie man will, in diesem Wortstreit konnte ich Dir nicht Recht geben. Und weshalb sollen die Bestimmungen diese« Testament« nicht erfüllt wer« den? Ich finde, daß der Entschluß de« General«, Dir da» Stammgut zu übertragen, von einer echt.brüderliche« Ge- finnung zeugt, und—" „Darüber zu entscheiden, steht mir allein zu," erwiderte Politische Ueberstcht. Gegen die Verlängerung der Legislaturperiode de« Reichstag« spricht sich auch die„Germania" in entschiedener Weise aus. Das Blatt schreibt:„In der letzten Nummer haben wir bereits nachgewiesen, daß der Antrag: Verlängerung der Legislaturperiode auf fünf Jahre, Jahr auf Jahr unan- nehm barer geworden ist, weil Jahr auf Jahr uns immer deut- licher durch da« Verhalten deS einzig leitenden Manne« in Deutschland und Preußen zum Bewußtsein kommen mußt«, daß eS fich um eine systematische Zurückdrängung der Volks- und Parlamentsrechte, um fortdauernde Steigerungen der Steuern handelte u. s. w. Gegenüber solchem Streben aber der Regierung noch eine Verstärkung ihrer Macht in die Hand zu geben, wie eS in dem Antrage der Konservativen ge» schiebt, da nach demselben die Regioung jeden ihr zusagenden Reichstag volle fünf Jahre benutzen, jeden ihr nicht passenden aber gerade an einem ihr geeignet erscheinenden Moment nach Hause schicken kann, dem Volke aber die Gelegenheit, auch seine Meinung zur Geltung zu bringen, nur noch alle fünf Jahre, statt bisher alle drei zu eröffnen— eine solche Wirkung d-S konservativen Antrags zu unterstützen, können wir auf kerne Weise für angebracht halten. Unter dem sozialdemokratischen Gesetzentwurf zum Arberterschutzgesetz fehlt die Unterschrift des Abg. Heine. Dies ist verschiedenen Blättern aufgefallen. Wir sind in der Lage, mittheilen zu können, daß der genannte Abgeordnete fich wegen Preßvergehens im Gefängniß zu Halberstadt befindet, «ms welchem er erst am 18. Dezember entlaffen wird. Bezüglich der i« Aussicht gestellten Branntwei»- steuerreform beeilt die„Kreuzzla." fich, zu erklären, es stehe für ste außer Zweifel, daß die Besteuerung des Konsums in erster Linie in Betracht gezogen werden müffe, um so mehr, alS die Berückfichtigung der immer lauter ertönenden Klagen üb« die phyfisch und moralisch verheerende Zunahme der Trunk» sucht nicht länger hinausgeschoben weiden dürfe. Es ist aller» dingS wahrschernlich, daß auch die Regierung an eine ernstliche Besteuerung der Branntwein f a b r i l a t i o n zur Zeit nicht denkt.— DaS fromme Blatt fühlt stch natürlich erst recht nicht veranlaßt, für eine Besteuerung des Branntweins an der Quelle einzutreten. Die Schnapsbrenner find die reinen Lämmer gegen die Konsumenten und EchnapSverkäufer, und deshalb darf zwar heidenmäßig viel„Soff" gebrannt, aber— sonderbare Logik— wenig getrunken werden. Das alte Lied von der nothleidcnden Laudwirth- schaft wird in einer neuen Melodie von der„Pommerschen ökonomischen Gesellschaft' wieder gesungen. DaS Direktorium dieser Gesellschaft will dem Reichskanzler, dem Bundesrath und dem Reichstag eine Denkschrift überreichen, welche die Frage berührt:„Welche weiteren gesetzgeberischen Maßnahmen erheischt der fortschreitende Niedergang Ver deutschen Landwirth- schaft?" Die Mittel, welche vorgeschlagen werden, find u. A.: die Doppelwährung, die„zeitweise" Elhöhung der landwirth- schaftlichen Schutzzölle, Einführung eines Einfuhrzolles auf Wolle unter Exportvergütung für die Ausfuhr von Geweden, Heraufsetzung der Exportvergütung für Spiritus non 16 auf 20 Mk. für die nächsten drei Jahre ohne Eihödung der Steuer, dagegen Einführung einer hohen Konsumsteuer auf Verkauf ves Trinkbranntweins durch den Staat als Alleinbe- rechtigten, hohe Besteuerung des Handels mit ausländischen Papieren an der Börse und aller dörsenmäßigen Differenzge- schäste, Erleichterung der Kolonisation und Begründung eine« unverschuldbaren Klein. Grundbesttzes, Verstaatlichung oder pro- vinzielle Kommunalifirung der Feuer- und Haaelverficherung. Man ficht, von welcher rührenden Bescheidenheit die Herren find! In Pommern, woher diese neuen dreisten Forderungen der Subventionirung der Grundbefitzer auf Kosten der übrigen der Oberst auffahrend, während er seine Handschuhe anzog, ich handle stet« nach meinen eigenen Grundsätzen." „find Du willst bei Deinem Entschluß beharren?" „Warten wir ab, bis die Generalin mir wirklich da« Gut zur Verfügung stellt." „Da« wird in den nächsten Tagen geschehen." „Dann ist e» immer noch Zeit, darüber zu berathen. Ich will auch zuvor noch mit Lossow darüber rede«, er gab mir stets einen guten Rath, wenn ich eines solche» bedurfte." Damit ging der alte Herr hinaus, kopfschüttelnd blickte Siegfried ihm nach, er konnte diesen hartnäckigen trotzigen Eigensinn nicht begreisen und noch weniger billige». Da» war nicht mehr da« zähe Festhalten an schroffen Vorurlheilen, es war ein tief eingewurzelter Haß, der durch nichts gerechtfertigt oder entschuldigt weiden konnte. Siegftied konnte freilich keine Ahnung davon haben, daß die impovirende Schönheit der Generali», ihr rubigcS, würdevolle» Austreten, ihre aristokratische Haltung, und vor Allem ihre muthige und energische Vertheidiaung des Gatte« einen tiefen und nachhaltigen Eindruck auf den Oberst ge- macht hatten, und daß der alte Herr gegen diesen Eindruck seinen ganzen trotzigen Stolz aufbot, weil er von ihm sich nicht beeinflussen lasse« wollte. Ei« Kammerdiener. Die Generali» hatte kaum das"Gut verlassen, als Herr von Barnekow hoch zu Roß auf demselben einttaf. Josevh führte den fremden Herrn in dem Empfang«- salo«, unv einige Minuten später stand Rabe dem Freunde gegenüber. „Sie kommen leider zu einer sehr ungelegenen Stunde," sagte er einigermaßen verlegen,„die Frau Generali» ist so- eben zur Stadt gefahren, und meine Nichte wird heute keine» Besuch annehmen." „Da« ist wirklich seltsam," erwiderte Herr von Barne- low spöttisch, während er, ohne eine Einladung abzuwarten, sich in einem Sessel niederließ.„Sie laden mich ei«,« Bevöllerunti kommen, dominirt der Groß grundbefitz bekannt- lich am stärksten in ganz Deutschland; ein Bauernstand, den »an doit di spanische Wand für die eigene Begehilichkeit vorschieben kann, ist überhaupt nicht oder doch nur spärlich »orhanden. Die Dauer der Legislaturperioden ist in de« der- schtedenen Staaten sehr verschieden. Kürzere, als drei- jährige Perioden, giebt eS nur in den Vereinigten Staaten, wo die Vertreter zum Repräsentantenhause auf zwei Jahre, die Mitglieder zu den Vertretungen der Einzelstaaten ver- schieden aus zwei oder auch nur auf ein Jabr gewählt werden. Dreijäbrrge Wahlperioden haben Deutschland, Dänemark, Ungarn, Norwegen, Serbien, Schweden, die Schweiz und von deutschen Einzelstaaten Preußtr, Oldenburg und Weimar. Auf vier Jahre wählt seine Vertreter: Belsen, wo jedoch all« zwei Jahre die Hälfte neu gewählt wird, Frankreich, Griechen- land, Holland, wo wie in Belgien alle zwei Jahre die Hälfte ausscheidet, Por ugal, Rumänien, Sachsen. Koburg. Auf fünf Jahre: Spanien, Italien und Kanada. Auf sechs Jabre: Luxemburg, wo alle drei Jahre die Hälfte ausscheidet, Oester- reich und eine Reihe kleinerer deutscher Staaten, so: Baiem, Bremen, Biaunschweig, Hamburg, Heffen, Lübeck, Württem- berg. England hat siebenjährige LegiSIaturperiodm. Baden überträgt daS Mandat auf acht Jahre, doch wird alle zwei Jahre ein Viertel der Volksvertretung neu gewählt. Sachsen endlich hat neunjährige Wahlperioden, doch wird alle drei Jahre ein Drittel der Kammer neu gewählt. Der„Deutsche Verein für Armenpflege und Wohl« thätigkett" hat kürzlich privatim eine statisttsche Erhebung über die in 77 größeren deutschen Städten untedliiytcn Armen angestellt. Die Hauptresultate dieser neuen Armen- stalistik werden dem Bremer Armenpfleger-Kongreß unterbreitet, eine genauere Bearbeitung soll demnächst publizirt werden. Der„VolkSw." bringt folgende Angaben über die relative Hä figkeit der Armen im Vergleich zur Bevölkerungszahl in den einzelnen Städten. Gezählt find hierbei sämmtliche in offener und geschloffener Pflege(Armenanstallen) Unterstützten, einschließlich der Ange- hörigen. Am ungünstigsten liegen die Verhältnisse in Posen, wo auf 10000 Einwohner 1070 Arme kommen, dann folgen Wismar mit 860, Königsberg in Pr. mit 836, Quedlinburg mit 811, Elberfeldt mit 772, Greifswals 762. Bremen 755, Barmen 729, Baden 725, Essen 723, T'lfit 716, Frankfurt am Main 699. Hagen i.W. 634. Gloaau 682, Lübeck 681, Hildes- heim 679, Hanau 678, Halle 669, Dessau 669, Käthen 668, Elbing 659, Lüneburg 643, Neuwied 641, Erfurt 631, Mül» heim a. Rh. 615, Rostock 607, Kiel 598, Gleiwi» 599, Leimig 593, Dortmund 584, Duisburg 569, Dresden 558, Kassel 556, Guben 546, Brandenburg a. H. 534, Neumünfter 531, Magdeburg 517, Bernburg 515, Stuttgart 513, Stralsund 494, Eilenburg 485, Gotha 480, Brüel in Meckl. 474. Ruhrort 468, Schönebeck 465, Hörde 446, Düsseldorf 442, Meiningen 438, Naumburg a. E. 409, Bremerhaven 406, Burtscheid 399, Anllam 393, Siegen 388, Stendal 386, Weimar 383, LandS- berg a. W. 381, Krefeld 379, Solingen 361, Zwickau 351, Rerchenbach i. W. 334, Jena 330, Luckenwalde 312, Trier 310, Koburg 294, Mülheim a. Ruhr 293, Weißenfels 261, Mcerane 254, Ludwigsdurg 241, Oldenburg 225, Darmstadt 213, Sagan 190 und Schweivnitz 164 Arme auf 10000 Einwohner. In 4 Städten find nur die in offener Pflege Unterstützten gezählt; eS find dies Etraßburg i. Ell. mit 1019. Berlin mit 612, Potsdam mit 439 und Halberstadt mit 262 auf 10000 Einwohner. Liegen erst nähere Angaben über die Art und die Zeit der Eihebung vor, dann läßt fich prüfen, in wie weit dieselbe der allgemeinen amtlichen für dieses Jahr angeordneten Armenstatistik vorgearbeitet hat. Bedauerlich ist eS, daß viele der größten Stävte Deutschland« z. B. Hamburg, Breslau, München, Köln Hannover, Danzia und Nürnberg bei dieser Privaterhebung nicht berückfichtigt find. In dem Etat der Retchsschnld auf das Etatsjahr 1886/87 find zur Verzinsung der 4-prozentigcn Reichsschuld 17 600000 Mark ausgeworfen; die Aufwendung für diese und für die Mittel, welche zur Deckung einmaliger Ausgaben mit- tclst Schatzanweisungen aufgenommen werden, beträgt zusammen 18 302 500 Mark. Die verzinsliche Staatsschuld in 4vroz. Reichsanleihe wird am 1. Oktober 1986 etwa 460 Mill. Marl betragm. An Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern sowie anderen Einnahmen find im Reich für die Zeit vom 1. Avril 1885 bis zum Schlüsse des MonatS Oftoder 1885 einschließlich der kreditirten Beträge(und verglichen mit der Einnahme in demselben Zeitraum deS VoijabreS) zur An- schreidung gelanat: Zölle 136 420 009 M.(+ 11 541 634 M). Tabaksteuer 3 925403 M.(+ 1 165029 MO- Rübenzucker- steuer- 110 609 943 M.(- 21 001 395 M.), Sal.st.uer 21 162 940 M.(+ 223 674 M), Branntweinsteuer 13 050056 Marl(— 1 336 489 M.\ Ueberganasabgaben von Branntwein 57 344 M.(- 12 634 M.). Brausteuer 11516 216 M. (+ 469 662 M.), UebergangSabgaben von Bier 1 078 794 M. (+ 104737 MO; Summe 76 600843 M.(- 8 845 782 M.). — Spielkartenstempel 548 530 M.(+ 11040 M), Wechsel« dieser Stunde zu komme», und sobald ich mich einfinde, sagen Sie mir, e« sei die ungelegenste Stunde, die ich habe wählen können." „Allerdings, mein Freund, aber wegen dieses schein« baren Widerspruchs trifft mich kein Vorwurf. Unser alter Gärtner ist in der vergangenen Nacht plötzlich gestorben, und meine Nichte hat sich den Trauerfall etwas allzu sehr zu Herzen genommen. Tadeln will ich sie deshalb nicht, aber Sie werden begreifen, daß ich unter diesen Um- ständen Bedenken tragen muß, Sie heute vorzustellen." „Hm, daß das Ableben eines Drenstboren so großen Einfluß auf die Gemüthsstimmuvg der Herrschaft haben könnte, will mrr nicht recht einleuchte«. Man findet immer wieder Ersatz—" „Die Charaktere sind verschieden, Barnckow; der Gärtner war ein alres Erbstück, er hat meine Nichte von Kindheit auf gekannt." „Wäre nicht ein zufällige» Begegne« zu ermög- liche»?" „Man würde die Absicht merke» und verstimmt werden," erwiderte Rabe kopsschüttelnd.„Ueberdies halte ich es für besser, wenn Sie sich gedulde», bis ich Sie auch meiner Schwester vorstelle» kann." Er zog an der Glockenschvur und gab dem gleich dar- auf eintretenden Kammerdiener mit leiser Stimme einen Befehl. Herr von Barnekow klopfte mit der Rettgerte auf seine zierlichen Lackstiefel und blickte durch das goldene Lorgnon den Freund erwartungsvoll an. „Und nie lange gedenken Sie meine Geduld auf die Probe_*>» stellen?" fragte er. eine „Nur einige Tage; Sie werde» mrr zugeben, daß man solche Sache nicht üb«r'« Kaie brechen kann." >_'„... f f M P jf C K t_ fC. IVk-UfV v v----, -Ich verlange das auch nicht, aber ich wünsche doch bald Gewißheit zu haben. Wenn ich'« recht bedenke, so bereue ich, den Handel mit Ihnen abgeschlossen zu haben." „Au« welchem Grunde? Mißtrauen Sie mir?" „Daß will ich nicht gesagt haben, und zu einem solche« Mißtraum habe ich ja auch noch keinen Grund. E« geairt mich, daß ich so lange auf da« Geld warten soll. Nehmen stempelsteuer 3 923 510 M.(— 51 518 M.), Stempelabgabe ») für Wertbpaviere 2 159 821 M., b) Schlußnoten und Rech« nungen 844 025 M., c) Kauf- und sonstige Anschaffungs- aeschäfte 973 166 M., d) Loose zu Privatlotterien 329 880 Mark(- 370 859 Mark). Staatslotterien 3158 404 Mark (+ 13 452 MO Die zur Reichikaffe gelangte Jfi-Einnahme, abzüg- lich der AuSsuhrvergütunaen und Verwaltungskosten, beträgt bei den nachgezeichneten Einnahmen bis Ende Oktober 1885: Zölle 119629 278 M.(+ 11 151 792 M.). Tabaksteuer 7792338 Mark(+ 1 196 912 M.), Rüben, cker steuer 14076142 M- (- 1 868 863 MO, Salzsteuer 19 857 715 M-(125 447 M.), Branntwet» steuer und UeberaangSabgabe von Branntwein 20 823 220 M.(— 2060 995 M), Brausteu-r und Uedergangs- abgäbe von Bier 10 677 877 M.(+ 492 682 M.); Summe 192 856 570 M.(- 8786081 M.).- Spielkartenstempel 515 733 M.(+ 22 811 M.) Die Reineinnahme des Deutschen Reichs auS der Rübenzuckerstener ist für das Etatejahr 1886/87(die Ver« gütung von 233520 M. an Oesterreich und Luxemburg auS der Berechnung gel isstn) um 880 000 M. geringer veranschlagt, als im EtatSjahr 1885/86. Nach der„Nat.-Ztg." betrugen die Einahmen auS diesem Titel innerhalb der letzten vier Etats- jähre: 1886/87 1885'86 1884/85 1883,84 1882/83 AnS theilung: Brutto- einnähme Ml. 149 500 000 127 500 000 166 228 777 142 630 549 139 643 060 Netto-Einnahme Daher (abzügl. 4Proz. Ausfuhr-Ver« Rein Ein« gütl�unqen nähme 106 000 000 84 000000 123000 000 109 060 000 86000 000 MI. 37 520000 38 400000 36 577 629 27 165 329 28057 340 Kosten) Mk. 143 520000 122400000 159 577 629 136925 329 134057 340 Sachsen erhält die„Volkszeitung" folgende Mit« Hier zu Lande spiett die„rothe Farbe" eine viel größere Rolle als im übrigen Deutschland. Die Bewohner Sachsens und auch besonders die Arbeiter lieben die bunten Farben. Die Halstücher find meist von grellen Farben; vor- zugsweise beliebt ist blau und roth. Auch beim Winden der Kranz« bei festlichm Gelegenheiten müssen besonders rothe und blaue Schleifen herhalten. Und in der Tbat, solche Schleifen machen einen fteundlicheren Eindruck, als weiße oder gar schwarze Bänder. Doch auch die grüne Farbe fehlt nicht. Nun find aber die„rothen Schleifen" mehr noch bei den Anhängern der sogenannten„Ordnungsparteien" als bei der hochwohllöb- lichen Polizei gründlich verhaßt und man erklärt fie als die „Farben der Umstürzler". Ja e« kommt dabei vor, daß so ein rechter Ordnungsmann seinem Töchterchen, wenn es zum Balle geht, verbietet, eine rothe Schleife zu tragen, trotzdem die Mama behauptet, daß dem hübschen Kinde nur roth steht. Aber auf des„reichStreuen" Vaters Machtgebot muß ein blaues oder grüneS Band genommen werden, trotz der Tbränen des TöchterleinS.— Es war kürzlich in Lunzenau ein Tumfest, bei welcher Gelegenheit die Bewohner de! hübsch gelegenen, freund- lichen Städtchens ihre Häuser mit Tannenzweigen und allerlei grünen, bänderumwundenen Kränzen geschmückt hatten. Dabei fehlten auch natürlich die frischen, rothen Bänder nicht. Aber die armen Lunzenauer hatten ibre Rechnung ohne die bösen Rochlitzer gemacht, welche zum Besuche auf dem Feste gewesen waren. DaS konservative„Wochenblatt" zu Rochlitz brachte nämlich einen Artikel über das 25 jährige Stiftungsfest des lunzenauer Turnvereins und erzählte von den Kränzen mit den rotben Farben, die charakteristisch für die Gefinnung eines TheilS der lunzenauer Einwohner seien. Der lunzenauer Turn« verein brachte nun die Erklärung, daß roth die Farbe d-r Tur« ner sei. So viel wir wissen, ist fie das auch m Verbindung mit weiß. Dabei beruhigte fich aber daS genannte Blatt nicht, sondern rechnete nach, d..ß in Lunzenau bei den letzten Wahlen 169„rothe Stimmen" abgegeben, wäbrcnd auf die übrigen Parteien nur 113 gefallen'seien.— Nun ist es also entschieden, daß die Stadt Lunzenau im Jahre des Herls 1885 die „Farben des Umsturzes" und zwar vor den Augen der Polizei, ohne daß dieselbe die Farben verboten hätte, aufgepflanzt hat. Das ist ja schrecklich— und kann auch nur in unserem„ge- müthlichen" Sachsen vorkommen. Die größere Sterblichkeit deS Militärs, verglichen mit derjenigen der gleichaltrigen Zivilbevölkerung, wird, wenn auch zögernd, von der amtlichen Statistik anerkannt. Und doch re- kmtirt sich das Heer aus der Blüthe der männlichen Jugend, aus der„Elite" des Volks, und doch ist die eigentliche sostale Notb, Hunger und drückende Entbehrungen, wie fie etwa dem arbeitslosen Proletarier ficher find, dem Soldaten fremd. Aber ebenso wie die Eelbstmordziffer in der Armee eine um Vieles höhere ist, als in der übrigen Bevölkerung(in Preußen z. B. eine fünfmal so hohe!), ebenso ist die Mortaliiät im Allgemeinen eine bedeutendere. Die Strapazen des Dienstes, die Wirkungen der Manöver, der ganze Geist der Mililärver- /faffung tragen dazu bei, die Sterblichkeitsverhältnisse ungünstig zu gestalten. Lassen wir die Zahlen reden. Es gestaltete fich, wenn man in der Zivilbevölkerung nur die Altersklasse von 20- 30 Jahren zum Vergleichspunft nimmt, die Mortalität des Sie mir das nicht Übel, Rabe, ich habe in der vergangene« Nacht Pech gehabt und mir dadurch Verpflichtungen aufge- laden, die mir sehr unangenehm und drückend sind." Joseph trat in diesem Augenblick ein, er trug auf einem silbernen Teller eine mit Schilf umflochtene Flasche und zwei funkelnde Kitzstallgläser. „Und da« verstimmt Sie?' fragte Rabe lachend, wäh« rend er behutsam die Gläser füllte.„Sie betreiben die Sache ja stzstematisch, was Sie heute verliere», können Sie morgen wieder gewinnen." „Die Möglichkeit ist freilich vorhanden, aber mit der Aussicht auf diese Möglichkeit kann man keine Spielschulden decken," erwiderte Barnekow ärgerlich.„Es wäre mir wirk« lich lieb, wenn Sie mir au« der Verlegenheit helfen könnten." Willibald Rabe warf aus de« halbgeschlossenen Augen einen finsteren Blick auf seinen Freund. „Sie haben drollige Einfälle," sagte er,„aber besondere Ehre machen Sie Ihrem Verstände nicht. Wenn unter Männer« einmal ein Vertrag geschlossen worden ist, so muß auch Zeder an den Bedingunoen desselben festhalten. Und nach dem zwischen uns geschlossenem Vertrag haben Sie heute noch kein Recht, Ihre Forderung an mich geltend zu machen." „Ich beanspruche dieses Recht auch durchaus nicht, ich sage ja nur, Sie würden mir damit eine» großen Gefallen erzeigen—" „Und daneben wissen Sie so gut wie ich, daß e« mit augenblicklich ganz unmöglich ist!" „Mit tausend Tholer» wäre mir geholfen." „Und morgen und jeden folgenden Tag abermals tausend Thaler, bi« die Schuld getilgt ist," spottete Rabe. „Barnekow, mir scheint, Sie glaube», die Forderung sei Ihnen nicht ficher genug." Herr von Barnekow machte eine ungeduldig« Be- wegung. „Wenn Sie diesen Verdacht hegen, so wollen wir nicht wetter darüber reden, sondern uns lediglich an den Bestim- mungen unsere« VerttageS halten," erwiderte er, während er die Gläser seine« Lorgnon» reinigte.„Offenherzig ge« Militärs während der FriedenSzeiten in den Hauptstaeia � Arbeit dr In Rußland Großbritannien von: Frankreich Italien 27 62 61 64 61,5 einer von: 78 108 104 105 93 99 190'/. 74 70 64 52 47 Oesterreich �Jährlich, keine Empfehlung des Militarismus! Vom serbisch-bulgarischen Kriegsschauplatz W wieder die Kunde von einem Siege der Bulgaren ein. Slivnitza, den 22. d., Abends, find folgende Nachricktttl» Sofia eingegangen:„Die Höhen und daS D-fil- dei tW gomanpaffes waren heute früh noch durch serbische TruM besetzt. Eine starke bulgarische Rekognoszirungsabtheilung Morgens auf den Feind und eröffnete gegen denselben w sehr heftiges Gewehrfeuer. Die Serben hatten an verschieb� Punklcn ihrer Autstellung Schanzen aufgeworfen und Attillerie besetzt. Dcr Fürst begab fich persönlich nach% Ort des Kampfes und sandte das Regiment Ternowo, we� zum ersten Male an einem Gefecht Theil nahm, sowie an»": Truppen, welche in Slivnitza zur Reserve standen, au' j™* Schlachtfeld. Gegen 2 Uhr war der Kampf am heftig?� Bei Eintritt der Dunkelheit machten die Bulgaren � Bajonettangriff und vertrieben die Serben auS ihren gen. Die Bulgaren bivouakirten in den eroberten Posttu"!� Die Anhöhe von Dragoman ist vollständig von den verlassen, es ist wenig wahrscheinlich, daß dieselben wieder" Offensive crgreifrn werden." Inzwischen scheint die bulgarische Demüthigung der*-. gegenüber ihre Früchte zu tragen. Wie Londoner Blättern« Konstantinopel vom 21. v. M. telegraphirt wird, richtete Pforte an Serbien die Aufforderung, daS von ftrd'� Truppen besetzte bulgarische Gebiet unverzüglich zu rämnrr. Die rusfische„Intervention" taucht immer ernsthafter Ein Jlrtikel der„Moskauer Zeitung" sucht auszuführen, «.in armci vrr„aauBiau« Zerrung iuoji auszu,uu�" ,.� der Drei-Kaiser-Bund nicht im Stande gewesen, das 0%, gießen zwischen Bulgaren und Serben zu verhüten.%%, pirHc» juiiiujtu üuigoicn uno«crorn zu verquicn. scherne als kein angemessener Preis dafür, daß Rußland g Jabre hindurch ferne Aftionssreiheit gebannt habe. 9%, habe im richtigen Verständniß dem Vorgehen des WfZ Alexander gegenüber auf Wiederherstellung deS ante bestanden. Als somit klar geworden, daß von sattonen keine Rede mehr sein könne, habe der König vB,,� bien, der faktisch in einem Vasallenverhältniß zu DjJa reid)-Ungarn stehe, einen räuberischen Einfall in WJ* garische Gebiet gemacht, fich sogar als WiederherstellSÜA Rechte des Sultans geberdet, während die türkische Arm« ,'j ruhig zusah. Mit welchem Reckt that Serbien dies, rot d die Türkei Serbien hierfür belohnen? so fragt da- ß, kowsche Blatt, indem eS hinzufügt, daß die Türkei willigung der Berliner Stanaturmächte keinen Fuß de» � garenlandeS an Serbien abtreten dürfe. Eine BerletzM'�j. Grenzen deS bulgarischen LandeS wäre für Rußland bedeutend mit einer Verletzung der eigenen Landew? Rußlands. Für die Unverlctzlichkeit des von RuW kämpften bulgarischen Territoriums zu stehen, sei durch seine staattiche Würde und nationale Ehre venjij» Nicht Sentimentalität oder ideale Jllustonen, sondern d> sten Interessen Rußlands verlangten, daß es ähnlichen v gegenüber eine unerschütterliche Festigkeit bekunde.. ßuß Sprache des Artikels ist deutlich genug und wenn der zwischen Bulgarien und Serbien nicht bald sein E»� p so dürfte den Drohungen bald die That, das heißt die Intervention, folgen.. Französtsche Blätter kündigen den Eintritt%%%#* in die kriegerische Altion an. Bereits vor einiger wt? die Kosten für die griechischen Rüstungen einschl>cßü®L# England bestellten Schiffe von kompelenter Serie au'+/) Frank« geschätzt; einen Betraa. der um so mehr ins�,p fällt, da das Ministerium Delyannis bei der Uebern, � I>»»»», VW VW«,.»->»>> W...I»V V V• VVV„,. Regierung betonte, daß die Finanzlage Sparsamlen» geboten erscheinen ließe. Hiernach begreift man vre n..........---.....•••• u"">v.»...w� vvtt Z»'' heit Griechenlands, aus welcher nun erne rnUttanl®1 eventuell vefreien soll. Oesterreich« Unaa r«.. J Die Zunahme der allgemeinen Schwächlich"� fich deutlich bei den Militäraushedungen. Kern M-w..# lich, daß die moderne Menschheit immer mehr degene der Herrschaft des Pauperismus und des So betrug ,. B- in-O e st e r r e i ch daS„UnW8%g cj! zent 1353.57 nur 47,0, 1858/63 bereits 57, 2,_ „.WW.M»—.... r* btl schon 69,9 und wuchs dann konstant von 1371—''��. Prozent. Von je 1000 Untersuchten waren 1870: lingc". 1871: 281; 1872: 309; 1873: 367. Die»««V J Lg* W standen, habe ich kein besondere« Vertrauen dazu, hier Herr und Gebieter werden soll. WaS Hüft' mich in Illusionen wiege, die eben nicht« weiter als WL 7— � uf v VVWi«—-,. tome sind! Erkundigt man fich nach mit, so wtro fahren, daß ich keine Mittel besitze—" CVJt r r«v... C Ich glaube alle diese Bedenken beseitigt zu pV ~~ och einmal auf," unterbrach �! und nun tauchen sie noch tzer�z« ihn sarkastisch;„mit Ihnen ist nichts anzufang. ,� gpi» fehlt Ihnen. Machen Sie wenigstens den Verl treten können Sie noch immer." aKarte» u Der Gutsbesitzer war bei de« letzten, � Fenster getreten, die vielen Einwürfe und i fa,, Freundis, die offenbar nur darauf ppd Schuldforderung geltend zu mache«, ärger stimmte» ihn.. im Sem Blick fiel auf Arabella, sie wanderte zwischen den Blumenbeeten auf und nieder. gg# j? „Der Zufall scheint Sie begünstigen zu gl#, nekow," sagte Rabe rasch entschlossen,„w im Garte», komme« Sie, ich werde Ihnen zeigen" Herr von Barnekow erhob sich W'8 Blick auf de« Spiegel; ein seldstzuftied � über seine Lippen� seine Toilette war tar. � /,«eS öl« Kftfe � als b(J§ gjg J---- ""flechten.« � wann ein Wot der nickt,..«wm-nd mt. b„«W ei«� MMKS nfinft kw �----- �~* pflng den Freund rhre« Onkels mtt Jutz jhr u1_ Höflichkeit, ihre erregte Summung erl Fremven fteundlich zu empfange«, �' L mpistatia � Arteit durch das Kapital erzeugt diese Entartung. Wahr- alerUcb«' n Milil-» 3lid)feit: 190% 74* 70, 64, 52» NÄ hrichten« des ZW TrMZ ilung M selbe« r'chiedeiiA und � na» Z so, weM wie onfcj 'Wig nSi->lw PoM"» ;n SelbZ wieder derP� lätternlUZ räume«- tbaster°L & G res,% i � gerad: die Schwärmer für"Mäuseracwehr und Aruppge- �e sollten stch nicht so gegen den Arbeiterschutz sträuben. __ Rußland. fl# Warschau haben am Montag die gerichtlichen Ver- Zungen gegen 29 Nihilisten begonnen. Aus dem Material ist u. A. Nachstehendes zu entnehmen: In »rrwJau bestand ein sogenanntes Zentral> Komitee, dessen Mgleit stch auf das ganze Königreich Polen erstreckte, und M' in Verbindung mit dem rusfischm Komitee„Narodnoj rl]}' stand. Gleichzeitig unterhielt daß Warschauer Komitee, fte.s von einem Agenten der„Narodnoj Woli" geleitet M, enge Beziehungen mit der Redaktion deS„Klaffen- y in Pari«. Jedoch hatten diese Beziehungen nichts 5"« mit denjenigen zu der„Narodnoj Woli", mdem die stch speziell nur auf allgemein sozialistische Bestrebungen D�lrn. Im Dienste dei Warschauer Komitce's stand der vom„Rothen Kreuz", welcher für jeneS unter dem . tel humaner Bestrebungen durch Veranstaltung von Konzerten u. f. w. bedeutende Geldmittel aufbrachte. �»HStigteit dieses Komitee'S, welches bis zu den im vorigen Mer erfolgten Verhaftungen unbeobachtet wirkte, bestand MZ, darin, daß eS an verfchiedmen Orten deS Königreichs, Zgierz und anderen Orten„Arbeiter- Komitee'«" N°«le und durch seine Agenten unterhielt. An der Spitze Warschauer Komitee'S stand der Friedensrichter Bardownj, nunmehr auch in dem Prozesse alS Hauptangeklagter �.Vordergrund tri........ vorausfichtlich einen Monat dauern wird, �verwickelt. Von den im vorigen Jahre Verhafteten find eine Anzahl ohne gerichtliches Verfahren nach Sibirien �«t worden. .. Grohbritauuien. agrarischen Zustände in England haben 2�- V." bereits öfters beschäftigt. Fest steht für daS der Sieg des landwinhschaftlichen Großbetriebes. nicht ohne Interesse sein, einige genaue Angaben jk Verl Heilung des englichen Gmndeigenlhums zu er- � Wir geben dieselben nach einem Gewährsmann, der weniger ali ein Gegner der Landbarone rst, nach Mr. vateman. Derselbe hat die verschiedenen Klaffen der ?besttzer um die Grösse ihreS B-fitze« für ganz England N(ir h berechnet. Die Ergebnisse stellen stch folgender- Klaffe SN in A M cht-iti 400 2529 9585 24412 117 O49 �459 Peers(mit Einschluß von PeeresseS und den ältesten Söhnen von � PeerS)...,••••- Grosse Grundeigenthümer(Gemeine, be- sivenv 3000 AcreS von mindesten» 3000 Pfd. Lsterl. Reinertrag).. EquireS, dcfiyend zwischen 1000 und 3000 Acres oder über 3000 AcreS, aber mit weniger als 3000 Pfd. Lsterl. Reinertrag, durchschnittlich 1700 Acres) Greater Ueomen,*) besitzend zwischen 300 und 1000 AkreS, durchschnittlich 5Ö0 AcreS....... Leffcr Ueomen,"*) besitzend zwischen 100 und 300 AcreS, durchschnittlich 170 Acres......••»» Kleine Eigenthümer. defitzend zwischen t 1 bis 100 Acres........ Hausbesitzer(cottagers), besitzend weniger als 1 Acre......... Oeffentliche Körperschaften; a. Die Krone, Kasernen, Ge- sängniffe k..•..••• b. Rel giösen. ErzrehungS-, philan- thropifchen Zwecken gewidmet. c. Kommerzielle u. a...... ! Lüstes Land......... Größe ihr. Grund- eigen- thums Acres 5 728 979 8 497699 4319 271 4782627 4 144 272 3 931 806 151 148 165427 947 655 1 524 624 1524624 34523968 'S»•' Stelle den Faden der Unterhaltung aufzu- bie Schmeicheleien, die Barnekow allerding« ge- �"zuflechten verstand, machte« auch«'cht den beabsich. --.Andruck, Arabella zog im Gegeutherl die feraea MlY Muster zusammen und miwater erschien em ver- � Äug um die Lippen, der nur zu deutlich erkenne» auf diesem Wege der ersehnte Zweck«'cht zu er- INI K? % ei«" iL i-hi o war. & J** von Barnekow sprach über Theater und Musik kLhZ wahrhaft erstaunlichen Leichtigkeit und e,ner be- Ufld�b« sie ausgesprochen wurden, war an ihnen zu �sÄ?° hätte ihm da« beweise», ihn vor den Auge» iS&mmxm Mannes bereit« erkannt bisse, dann heftete er den .At�.?öen die Gluth de« Zori Da« �deutet da«?" fragte er. Ä!,t �edeutet. daß Sie. Blick Zorne« loderte. und sah ihr auf den Freund, Ich b-greife Sie nicht, Barnekow," fuhr mtmm geben, wenn Sie, ich habe über diese« Thema m Nach dieser Uebersicht entfallen auf 4217 private Gross- grundbefitzer, von denen jeder mindestens lOÖO Acre« hat, 56 2 pCt., auf 83 997 Eigenthümer von 100—1000 AcreS 27,05 pCt., auf den Lefitz der todten Hand 4,4 pCt. der Ge- sammtfläche. Grossgmndbesitzer und Grundbefitzer der todten Hand verfügten demnach über 60,6 pCt., die Befitzer von mehr ali 100 Acre« 87.65 pCt. der Gesammtfläche. Die 400 Peer«'), d. h. die reichsunmittelbaren Aristokraten, haben mehr Grund- befitz inne, al« die 9585 größeren, oder die 24 412 kleineren Gutsbefitzer zusammen. Die 1288 großen Grundeigenthümer repräsentiren mehr Grund und Boden von England, al« 24 412 lesser yeomen und 217 049 kleine Eigenthümer, demnach mehr als 241 461 Haushaltungen zusammengenommen! Und gar erst die cotta gera! Diese Zahlen geben ein deutliche« Bild von der Allmacht der englischen Latifundienwirthschast, die in absehbarer Zeit auch die letzten Reste de« Mittelgrund- befitzeS ebenso ficher aufschlucken wird, wie fie den Bauernstand bereit« fortgefegt und mit Haut und Haaren aufgespeist hat. Die englische Grundaristokralie ,.... bat einen guten Magen, Hat ganze Länder aufgefressen Und doch noch nie fich übergessen." Erwin Nasse(Agrarische Zustände in England, S. 132), der Bateman'« Tabelle au« Brydrick's Buch über englischen Grundbesitz und englische Grundbefitzer reproduzirt, focht mit vollem Recht:„Man darf die Zahl der Gross» grundbefitzer, wie fie von Bateman ermittelt ist, als eine Maximalzahl, die des ihnen gehörigen Areal« al« eine Minimalzahl betrachten." Da« heißt: Thatsächlich ist eine größere Menge von Grund- befitz in den Händen einer kleineren Anzahl von Großgrund« befiycm, als Bateman berechnet hat, die Konzentiatton dei Grund und Bodens ist fortgeschrittener, als dieser Schriftsteller annimmt. So ist es auch in Wirklichkeit. Die Mehrheit der anderen Statistiker kommt zu bei weitem ungünstigerm Re» sultaten. Nack Arthur Amold z. B. reduzirt sich die Zahl der Grundeigenthümer mit mehr als 1000 Acre« für England und Wale« auf etwa 2500. Und dii heute ist die Behauptung John Bright'i noch nicht widerlegt, wie Marx treffend hervor- hebt, daß die Hälfte von England 150 Grundbesitzern gehölt. Die Vorgänge in England find— der Spiegel in Deutsch- land. Auch wir werden zu solchen Zuständen kommen wie England; auf dem besten Wege dazu find wir bereits. Parlamentarisches. — Dem Reichstage ist sein eigener Etat jetzt Die dauernden Ausgabm betragen 379 671 ;(n. u- 000 M. weniger als im Vorjahre. Es find nämlich die'Entschädigungen der Privateisenbahnen für die Freifahrt- karten der Rcichitagsadgeordneten diesmal nur mit 18000 M. veranschlagt, während sie im Vorjahre noch mit 48000 M. angesetzt waren. Seit der vorigen Sesfion ist bekanntlich daS Recht der Abgeoidneten auf freie Fahtt auf die Route zwischen ihrem Wobnsttz nach Berlin beschränkt worden. Diese Maß« regel, die damals allgemein überraschte, erscheint noch weniger mottvirt, wenn man jetzt erfährt» daß im Jahre 1884/85 37233 M. weniger Entschädigungen an die Eisenbahnen ge- Sohlt worden find, als im Etat ausgeworfen waren, und zwar iauptsächlich, weil ein großer Thell der Prioatdahnen in- zwischen in StaatSbesttz übergegangen war. Wahrscheinlich werden auch die diesmal angesetzten 18 000 M. nicht ganz gebraucht werden, denn fie sind nicht nach der Erfahrung des letzten, sondern nach dem Durchschnitt der letzten drei Jahre veranschlagt. — Der neue Militäretat pro 1886 87 beabfichtigt eine Gehaltsaufbesserung bei den Zahlmeistern; in Anbetracht der augenblicklich von allen Seiten kommenden Nachrichten über Verhaftungen von Zahlmeistern wegen an- geblicher Bestechungen k. wird dieser Vorlage besondere« Ge- wicht gegeben werden. Bisher betrug das Gehalt d-r Zahl- metster zwischen 1350 und 2»00 M. DaS Minimalgehalt soll nunmehr um 300 M. aufgebessert worden, indem die beiden niedrigsten Stufen von 1350 M. und 1500 M. in Wegfall kommen. Mottvirt wird diese Gehaltserhöhung mit der Be- deutung und Verantwortlichkeit der Stellung, welche die Zahl- metster in ihrer Eigenschaft als Kassen und RechnungSbeamte einnehmen und mit der geringen Steigerung deS Mindest- einkommens gegenüber den vor der Beförderung zum Zahl- metster zuständig gewesenen Dienstbezügen und Vergünstigungen. Auch wird darauf hingewiesen, daß die Besörderung zum Zahlmeister bei den gegenwärtigen AvanzementSoerhältniffen erst nach einer Dienstzeit von 18—21 Jahren stattfinde, und daß bei den Zahlmeistern von der bestimmungsmäßig zulässigen Beschaffung der neuerdings von ihnen verlangten Kaution durch Ansammlung von Grhaltiabzügen fast durchweg Gebrauch ge« macht werden müsse. — Das Vorsteheramt der Stettiner Kaufmannschaft hat ») Geborene Mitglieder des Oberhauses. durchaus geistreicher Weife gesprochen," sagte Barnekow gereizt._ ,3a, was Sie geistreich nennen! Sogar meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, und w'ch wundert nur, daß Sie nicht auch noch über Pferde und Hürde ei« Kapitel abgeleiert habe«. Sie sind unver- besserlich." „Und Sie find außerordentlich grob!" erwiderte Herr von Barnekow achselzuckend.„Wie ich mich einer Dame gegenüber zu verhalte» habe, weiß ich selbst sehr wohl, und bat Fräulern von Stuckmana in der That eine so gediegene Bildung genossen, so hätte» Sie mich darauf aufmerksam machen sollen" „Bei Ihnen glaubte ich da« nicht»öthig zu haben," sagte Rabe mit schneidendem Spott. „Und nun glauben Sie, mein erste« Debüt habe Alle« verdorben?' „Da« will ich nicht behaupte«, Barnekow, Sie könne» immerhin de« zweiten Versuch noch mache«! Aber warten Sie damit, bi« ich Sie meiner Schwester vorstellen kann, ich sagte Ihnen ja früher schon, die Entscheidung hänge Haupt» sächlich von dem Eindruck ab, de» Sie auf die Generatin machen." Herr von Barnekow belustigte sich damit, seinen Grimm an einem Beet voll blühender Petunien«»«zulassen, die er mit seiner Reitgerte kunstgerecht köpfte. „Ich habe das Vertrauen verloren," erwidert« er, „Fräulein von Stuckmann hat durch ihre plöhliche und gänzlich unmotivirte Entfernung mir eine entschiedene Ab« neigung gezeigt. Schon der Empfang war nicht» weniger al« ermuthigend, Sie werden mir wohl die Bemerkung er- laude«, daß eine feingebildete Dame in dieser Weise keinen Gast empfängt, der ihr zum ersten Male vor« gestellt wird." „Und Sie werde« mir dagegen wohl die Be- merkung«rcht übel nehme«, daß man in einem fremde« Garte«—" „Verzeihen Sie, der Unmuth ließ mich vergessen, wo ich mich befinde," unterbrach Barnekow ihn rasch, während er sichtbar erschreckt die bereit« zu einem neuen Hieb eine Petition gegen den Zuschlagszoll auf daS in Fässern eingehende Petroleum an den Reichstag gerichtet. — Der Etat über den ReichSinvalidenfondS für 1886/87 schließt ab mit einer Auigabe von 26 961 688 M., welche mit einer ebenso hohen Einnahme balanzirt ist. Gegen daS Vorjahr hat fich die Inanspruchnahme deS Fonds um 763 917 M. vermindert. Gedeckt wird da« Bedürfniß mit 20 894 000 M aus den Zinsen und mit 6 067 588 durch Kapitalzuschuß auS der Substanz des Fonds. Der Kapitalzuschuß ist im Vergleich zum Vorjahre um 333 750 M- niedriger. Au» dem Reichsinvalidenfonds werden an Penfionen jc. in Folge de« Krieges von 1870/71 gezahlt 21 717 231 M.: ferner an Penfionen in Folge der Kriege vor 1870 3 713 324(darunter 388000 M. an Soldaten jc. der ehemaligen schleswig-holsteinischen Armeen), ferner an Ehrenzulaaen für die Inhaber deS Eisernen Kreuzes 40 068 M.. an Pensionen an ehemalige ftanzöstsche Mmtärpersonen 425 000 M. und für die Invaliden- institute 512814 M. Au« den Fonds erhielten Ende Juni d. I. in Folge des Krieges von 1870/71 Penfionen und Pen» fionserhöhungen 9 Generale der Infanterie und Kavallerie 41 Generallreutenams, 88 Generalmajors, 192 Obersten, 222 Oberstlieutenant«, 517 MajorS, 782 Hauptleute und Rittmeister, 1319 Premier- und Eetondelieutenant« und 244 Sanitätsoffiziere, zusammen also 3414 Offiziere. Von den Mann- schatten erhielten Jnvalidenpenfionen und Penstonszulagen 1533 Feldwebel, Wachtmeister und Oberfeuenverker, 6705 Sergeanten und Unterof filiere und 41 312 Gefreiten und Gemeine, zusammen also 48570 Soldaten. Unter Hinzurechnung von 261 Militärbeamten und 26 der Marine angehörigen be» trägt die Zahl der Militärbeamten, welche Benefizien de« Fonds in Folge des letzten Krieges genießen 52271 Ferner werden noch 5646 Wittwen, 4102 Kinder und 2893 Eltern gefallener Soldaten jc., zusammen also 12 641 Angehörige unterstützt. Aus den Kriegen vor 1870 werden 795 Offiziere, 2579 Solvaten und 92 Militärbeamte, ferner 1546 Wittwen und 51 Kinder Gefallener mit Penfionen dezw. Unteistützungen bedacht. Kommunales. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, den 26. November er., Nachmittags 5 Uhr. Vier Naturalisationsgesuche— Vorschläge deS Ausschusses für die Wahlen von unbesoldeten Gemeinde- beamten— Berichterstattung über die Vorlage, betr. eine an- derweitige Organisation der Deputation für die Verwaltung der Kanalisationswerke— deSgl. über die Vorlage, betr. den Verkauf des zwischen den Grundstücken Klosterstr. 80—82 und der neuen Bauflucht der Neuen Friedrichstraße belegenen Terrains— Vorlage, betr. den Fortgang der Känalisauons» und Aptirungsarbertcn im Juli— September-Ouartal d. I.— desgl., betr. die Ausschmückung der Aula der höheren Mädchen- schule in der Jiflandstraße mit Wandgemälden— desgl., betr. die Uebertragung der Pferde- Eisenbahn linie Potsdamer Thor —Weichdildgrenze— Schöneberg von der Großen Internationalen Pferde-Eiscnbahn-Aktien Gesellschaft auf die Große Berliner Pferde Eisenbahn-Ättien-Gesellschaft— deSgl., betr. den Ab- schluß eines Vergleichs in Betreff der von den städtischen Rieselgütern im Riederbarnim'schen Kreise zu zahlenden Kreis- Eintommensteuem— desgl., betr. die Herstellung eineS be- festigten Weges längs des hinteren TheilS des städtischen Villen- Bauterrains bei Treptow— Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betr. die Festsetzung eines Einheitspreises für den Verkauf von KoakS aus den städtischen Gasanstalten — drei Rechnungen— Beantwortung der Anfrage von Mit- gliedern der Versammlung, betr. die Pferde. Eisenbahn Linie Gesundbrunnen— Wedding— Moabit— Thiergarten— Lützowplatz — Wahl eines Büraerdeputirten für die Gefinde-BelohnungS« und Unterstützungs-Deputation— eine Unterstützungssache. w. Der von der Stadtverordneten-Versammlung eingesetzte Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage deS Magistrats, betreffend die eingereichte Skizze zu dem Erweite- runasbau der 21./24. Gemeindeschule, Neue Fiiedrichstraße 32, sowie den mit 265 000 M. abschließenden Kostenüberschlag hat am Montag Abend beschlossen, der Versammlung vorzuschlagen, den Antrag deS Magistrats abzulehnen, weil nach der Anficht deS Ausschusses durch einen Um- resp. Erweiterungsbau doch nicht daS vorhandene Bedürfniß beftiedigt werden würde. Der Ausschuß empfiehlt deshalb, in dem vorhandenen jetzt für Knaben und Mädchen bestimmten Gebäude nur die Knaben unterzubringen und für die Mädchen an anderer Stelle eine besondere Schule zu erbauen. Gleichzeitig empfiehlt der AuS- schuß. die Festsetzung der neuen Bausiuchtlinie für den Theil der Neuen Friedrichstraße vorläufig noch auszusetzen. Lokale». Zur Verhütung von Unglücksfällen erinnert das Po- lizei- Prästdium an folgende Bestimmung:„Bei Eintritt deS WinterS wird zur Verhütung von Unglücksfällen die Bekannt- mackun» vom 17. Dezember 1846.— Amtsblatt Stück 52, Seite 402,— in Erinnerung gebracht, nach welcher die Be- >..... geschwungene Reitgerte sinken ließ.„Sie hatte« mir so große Hoffnungen gemacht und—" „Wollen Sie auf diese Hoffnungen schon verzichten? Ich sagte Ihnen ja, daß meine Nichte heute nicht in der Stimmung sei, Fremde zu empfangen, weshalb zwangen Sie mich durch Ihre Zweifel, Sie dennoch vorzustellen? Sie hätten sich gedulden sollen!" „Gedulden!" wiederholte Barnekow spöttisch.„Wenn Einem die glühende Kohle auf dem Fuß liegt, dann hat alle Geduld ei« Ende. Ich komme nochmals auf meinen bereits ausgesprochene» Wunsch»urück, habe« Sie die Güte, Ihren Schuldschein einzulösen, so ist unsere Angelegenheit geordnet." Ein höhnischer Zug umzuckte die Lippen Rabe'», langsam schritten die beiden Herren zum Schloß zurück. „Sie kennen unseren Vertrag." sagte er;„in diesem Augenblick können Sie noch nicht mit Sicherheit behaupten daß Ihre Autsichten hoffnungslos sind. also haben Sie auch keinen berechtigten Grund, den Vertrag umzustoßen. Wollen Sie da« aber dennoch thu», dann werde ich diese Angelegenheit dem Urtheil unserer Freunde unter- breiten." „Ich glaube nicht, daß Sie das thun werden," er- widerte Barnekow mit demselben Hohn,„da« Urtheil würde seine ganze Schärfe gegen Sie richten. Sollen wir un» denn dieser Bagatelle wegen entzweie». Rabe? Sie können über die Hand Ihrer Nichte nicht verfügen, und von Ihrem Einfluß auf die Generalin halte ich nicht viel, da ist e» doch nach meiner Meinung besser, daß wir un« nicht thörichten Hoffnungen hingeben, deren Verwirklichung in der Unmöglichkeit liegt. Und Ehrenschulden muß man so rasch wie möglich tilge», Sie haben diesen Grundsatz stet« anerkannt—" -Und es ist sehr überflüssig, daß Sie mich darauf aufmerksam machen," unterbrach Rabe ihn barsch. Wenn Sie da« Geld haben müssen und wolle«, so' werde ich suchen, e« Ihne» zu verschaffe», dann aber sind wir ge- schredene Freunde." u (Fortsetzung folgt.) nutzlmg der Eisbahnen zum Echlittslbuhlaufen nur auf den« jenigen Stellen gestattet ist, wo fich besondere Aufseher befinden. Eämmtliche Exekutivbeamten find angewiesen, auf die Beach» tung der vorstehenden Anordnung zu halten." Die Langsamkeit der stadtische« Elektrizitätswerke bat schon mehrfach die Klagen der Privatleute erregt, die ihre Wohnungen oder Geschästslokale elektrisch beleuchtet zu sehen wünschen. Jetzt hat eine Anzahl von Privaten, wie der„B. B. C." hört, eine Petition an den Magistrat gerichtet, damit dieser kraft seines vertragsmäßigen Rechtes untersuche, ob die Gesellschaft überhaupt in der Lage sei, den Anforderungen auf Lieferung von elektrischem Licht zuverlässtg und genügend nach« zukommen.— Man sollte lieber beim Magistrat anfragen, weshalb immer und immer wieder die Ausnützung derartiger Betriebe leistungsunfähigen Aktiengesellschaften übertragen wird, deren Aftionäre fich nur die Taschen füllen, im Uebi ......................_____.... bngen aber fich wegen der eingegangenen Verbindlichkeiten absolut keine Kopfschmerzen machen. Auster den großen StaatSbüchersammlungen und den Fachoibliotheken der einzelnen großen Staatsanstalten befitzt unsere Stadt gegenwärtig 23 Volrsbtbliotheken mit einer Gesammlbücherzahl von nicht viel unter 100 000. Diese Bände find im Laufe des Jahres 331 723 mal an die Besucher der Bibliotheken ausgeliehen worden. Es gewährt ein wirkliches psychologisches Interesse, fich einmal nach der Zahl und den Berufsarten dieser Leser der Volkibibliotheken zu erkundigen. Wir finden unter ihnen Beamte, Lehrer und zwa« in ziemlich fich gleichbleibender Zahl. Während einer fünfjährigen Ver- gleichsdauer ist die Zahl der lesenden Lehrer von 889 auf 895, die der Beamten von 1365 auf 1508 gestiegen. Auch die'Zahl der lesenden Kaufleute, Gewerbetreibenden, Handwerker und Gesellen hat sich keineswegs im Verhältniß der gestiegenen Bevölkerung vermehrt; fie stieg nämlich während der anae- gehenen Vergleichsdauer nur um die winzige Zahl von 323, nämlich von 5659 auf 6082. Günstiger stellen fich in dieser Hin ficht die Frauen; die Zahl der Leserinnen in den Bolls« bibliotheken ist von 3195 auf 3801 gestiegen. Am auffallendsten ist das Anwachsen der die Volksbidllotheken in Anspruch nehmenden Gymnafiasten, Studenten und Schüler; von 2306 ist diese Leserklcssc auf 3594 in die Höbe geschnellt. Aber sehr betrübend ist der Umstand, daß die Zahl der lesenden Arbeiter abgenommen hat; fie ist von 1753 auf 1667 heruntergegangen. Hieran ist die übertriebene lange Arbeitezeit und die damit im Zusammenhang stehende Arbeitslofigkeit schuld. Mit Dampf soll jetzt der Schnee von den Geleisen der Großen Berliner Pferde- Eisenbahn fortgeschafft werden. In den Werkstätten der Gesellschaft ist ein Schneekchr- Dampf- pflüg konstruirt worden, mit dem in dm letzten Nächten die ersten Fahrversuche gemacht wurden. Die bewegende Dampf» Maschine befindet fich, wie die„Staatsb. Ztg." schreibt, in- misten eines auf Echienenrädem ruhenden Apparats, der eine beträchtliche Ausdehnung hat. Dieselbe treibt zwei Walzen, zur Vorwärts- und Rückwärtsbewegung, an denen fich die Kehrschaufeln befinden. Diese find nicht mehr desenartig, son» dem aus elastischen Rohrstäben zusammengesetzt, so daß die Geleise sogleich in ihrer ganzen Breite von Schnee und Eis gereinigt werden. Dieser Schnee-Dampfpflug wird nur bei Nacht in Betrieb gesetzt, wenn der Pferdebahnverkehr ruht.— Und wo bleiben die armen Leute, die währmd des WinterS durch Schneeschippen immer noch ein paar Groschen von der Pferdebahn verdienten? Der„Dampfpflug" arbestet gewiß billiger! R. Eine muthige Patientin. Am Montag Abend gegen 7 Uhr erschim die unverehelichte Louise Kopp, Schönlein» straße 12 yof III. wohnend, auf der Sanitätswache in der Adalbertsträße, um fich eine soeben zugezogene Verletzung des linken Armes verbinden zu lassen. Arzt und Heilgehilfe erschraken aber nicht wenig, als fie nach Entfernung deS blutgetränkten Tuches eine Wunde erblickten, die vom Handgelenk bis zum Ellenbogen reichte und bis auf den Knochen ging. Das Fräulein war, ein Weißbierglas in der Hand, die Treppe hinunter gestürzt, und die Scherben des zertrtimmcrten GlaseS halten ihren Unterarm auf daS Entsetzlichste zerfleischt. Ver« schiedene Stücken Glas steckten noch in der Wunde und mußten jetzt unter großen Schmerzen behutsam entfernt werden. Nicht weniger als 23 Nadeln wurden zum Zunähm der Wunde ver» wendet und neun Liter verdünntes Karbolwasser zum Relnigm und Ausspritzen derselben verbraucht. Während der ganzm Theater. Opernhan». Heute: Die Jungfrau von Orleans. Echauspielha«». Heute: Die Nachtwandlerin. Deutsches Theater. Heute: Ein Tropfen Gift. Friedrich-WtlheimstädttfcheS Tsteater- Heute: Offenbach-Cyclus. OrpheuS in der Unterwelt. Siefident-Theater. Heute Theodora. Walluer-Theater. beute: Unter uns. Hierauf, zum 7. Male: Der Vielgelrebte. Selle-Alltauee-Theate-. Heute: Kyritz-Pyritz- Walhalla-Operetten-Theater. W. r.» W«. SM.:«*»». Alte Jakobstraße 32. Direktion: Adolph Emst. Heute: Zum 116. Male: Die wilde Katze. Gtsangsrosi- in 4 Alten von W. Mannstädt. Mufik von G. Steffens. Louisenstädtische» Theater. Direktion: Jos. Firmans. Heute: Alessandro Stradella._ Oftend-Theater. Heute: Die Pariser Bluthochzeit. KbnigstädtischeS Theater. Heute: Gastspiel der Liliputaner. Die kleine Baronin- Theater der Reich»hallen. Uilgllch; Aufreten sämmsticher Spezialitäten. Ameriean-Theater. Täglich: Austreten sämmtlicher Spezialitäten. Kaufmann'» Vwle«. Ulglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. Konkordia. Alglich: Austreten sämmtlicher Spezialitäten und theatralische Vorstellung. Alharnbra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Berlin, wie es weint und lacht. Bollsstück mit Gesang in 3 Akten und 10 Bildnn von C. F. Berg und D. Kalisch. __ Regie: Herr A. Seefeld. Vor"der" Vorstellung: Großes Konzert der HauSkapelle. Anfang des Konzerts Wochentags 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr» Anfang deS Konzerts Sonntags 6 Uhr, der Vorstellung T/t Uhr, »onS haben Wochentags Giltigkeit und find im Theaterbureau (12—1 Uhr) gratis zu haben. Mrnehr* Camino. Oranienstraße 24. Raunynstraße 65«. Täglich: Crosse Speilainaten-Vorstellnns:. Neu' Austreten d«S derühmten Mignon-TamerpaareS Ge- sowie Spezialitäten l. Ranges. Näheres die Tagesprogramme. Wochentags Anf. 8 Uhr, Sonntags Ans. 6 Uhr._ Jg.-„ Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bis 10 U. Ab. WlSN' Kaiser-vanorama. Eine Wanderung durch Afrika. Savoyen und eine bequeme Montdlank-Besteiguna. Her t h a- W.® Prlnscher'm anatomisches Museum BBP- im rotben Schlovs ,»»W fon 9 Morgena bis 10 Abends für erwachsene Herren. Freitag ganser Tag Die Arbefter der Metall- schrauben- Facondreherei und Äerufsgen. deS Herrn G.A.Stelzner. Mel--, chiorfiraße 23, Berlin, definden fich im Streik und bitten wir daher die Kollegen unserer Branche, den Zuzug von dieser F.bn, W ,u WW. � 8.0,,»,. Große öffentl. Versammlung der Mälltewaherinuen Uhr. am M i t t w o ch. den 25. N o v b r., A b e n d s 8'/, in Grätz'S Salon, Brnnnenftraße 140. Die Arbeiterinnen werden ersucht, recht zahlreich zu er- scheinen. Die dabei bethciligtm Herren Kauflmte und Schneidermeister haben als Gäste Zutritt. 51 Im Austrage der Fachkommisston: Rosa Büge. A. Kranckemann. Decein zvr Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen. Donnerstag, den 26. November, Abends 8 Uhr, Teraammlmiip Gratweil's Lierhallen, Kommand-mtenstr. 77/79. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr Lütgenau über:«Was sollen unsere Mädchen lernen." 2. Diskusfion. 3. Fragekasten. 4. Verschiedenes.— Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder wer- den aufgenommen. Um zahlreiches und pünktliche» Erscheinen bittet_[491_ Der Vorstand. in Mittwoch, den 25. November, Abend» 8% Uhr, Berfckmmlung sämmtlicher Böttcher- Gesellen Berlins im Saale der Wittwe Heise, Lichtenbergerstr. 21. Tages-Ordnung: Wie verhalten wir uns gegenüber denjenigen Meistern oder Arbeitgedern, welche den vereinbarten Tarif nicht halten? Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist e» Pflicht eineS jeden Kollegen, zu erscheinen. Gleichzeitig werden die Kollegen aufmerksam gemacht, daß ohne Kotten Niemand Zutntt hat. Im Austrüge der Lohnkommisston: 44 Fr. Holtmann, Vors. Vierte öffentliche Quittung. 30 M. vom Fachverein der Schrauben- und Facondreher; 7,10 M. vom Arbeiter-Bezilksverein der Oranienburger Vor- stadt und des Wrdding(Tellersammlung); 10 M. von dem Fachverein der Drechsler zu Leipzig; 20 M.(zweite Rate) von den Hamburger Gewcrksgenossen; 9 M.(zweite Rate) von den Lübecker Gewerksgenossen erhalten zu haben, bescheinigt. Allen Gebem unsem besten Dank. Die Lohnkommisston der Drechsler und verw. Berufsgenossen zu verlin. I. A.: Der Vorfitzende Robert Sündermann, Git« schinerstr. 61, 1 Tr.; der Kasfirer Karl Buchmann, Naunynstraße 4, 3 Treppen. Zur Beachtung! listen von unS erhalten haben, das dringende Ersuchen, dieselben so schnell wie möglich an die oben Gezeichneten einzu- senden!— Die Generalversammlung findet bestimmt am 2. resp. 3. Dezember statt.— Wir ersuchen, die obige Notiz zu beachten und weiter zu verbreiten! 52 Hörsten- und Plnsel-Fahrilc von W. Heyfelder, Rr. 7. DreSdenrr-Straße Rr. 7, empfiehlt sein eigenes Fabrikat zu soliden Preisen. Fttstr- und Staub Kämme in Gummi. Hotn-und Elsenbein. Fensterleder, Schwämme, Zahn- und Nagelbürstm. Spezialität; Piassaoa- Besen zur Srraßen-, Hof- u. Stall-Reinigung. eihhans Ausverkauf. 7� Jägerstrasse e iW«»mischen Unnnniwä und Mauetftrnfi»• zwischen Kanonier- und Mauerstraße. Verfallene hochelegante neu und wenig getragene Garderode: 12000 Winter ttcberzieher, streng modern ff. Stoffe von 10-80 Mk. sooo compl. Rock- «. Mädchen-Räntel, 3000 hochelcg. 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Der Ziehhund, der st» f ir. rniirb»«TnkTirfi hurrfi min nnhetfs müthlich gelagert hatte, wurde plötzlich durch ein anderes sW werk gestört, dessen Pferd unmittelbar vor ihm hielt. Als da» Fuhrwerke unbeauffichtigt waren, aerttteb fich der Hund W Langeweile damit, den vor ihm stehenden Gaul so lange an* bellen, bis dieser weiter ging und seinen Wagen in das Hui�I fuhrwerk hineinfuhr, so daß dessen Inhalt auf die Straße p I I V VUQ VV||VII\JUV)U14. UW[ VtV � 1 J|■ und unter die Räder getteth; selbst der herbeispringende � Ust',? scher gerieth in eine bedenkliche Lage. Von den umgestun� � Holzwaaren waren viele zertrümmert und anderweit beickadizd Ueber diese NdS>thcile der Hundefubrwerke für unseren Stra«� vettehr wird von den Führern der Pferdefuhrwerke lM Klage geführt; derartige Unfälle find häufig und der muß meist von den Geschädigten getragen werden, gleichaw* denselben eine Schuld an dem Unfälle trifft oder nicht, da" gewöhnlich schwer ist, den Schuldigen festzustellen. -c"-« tischen N B. Mißlungene Jagd. Seit einigen Tagen hatten* mit ihren Obstkähnen im Kanal hallenden Schiffer mächtige Fischotter bemerkt, die fich vorzugsweise an Lranienbrücke zeigte. Zu ihrem Fang hatten fich am 9% Mittag mehrere Schiffer vereinigt und fich dazu mit SM? und Hacken aller Art bewaffnet. Man durchsuchte sämmW* Ecken und Winkel, das schlaue Thier war aber nicht aar treffen und die mit so großem Lärm begonnene Jagd(üfr DÖUifl rffiilfrtfTnä Iflnn mirl) ititf WkfrmlT mr» ffrh die völlig resultatlas. Man wird jetzt überall, wo fich die gezeigt hat, Netze legen und hofft, wenigstens auf die w1' noch die Beute zu erwischen. Wo speisen Sie? In der Pommermchea Köche b.ßl'% Hof r jetzt Oranienstraße 181, Gediegener Mittag mit Bier 50 Pf. Abendtisch rn Auswahl von 30 Pf. an.. nehmer Aufenthalt mit Bill orb s Eiganlil- und Tablllt-HMIB von Ferdinand Gwald (Vertreter: A. Bremer), BERLIN N., Weinbergsweg 15b. Lager aller Sotten Rauch-, Kau- und Schnupftab«� Cigaretten und Präsent-Cigarren. €. GotzmanD: » ÜRcmadiec, Dresdenerstrasse 9,. zw. Kottbuser Thor u. OranitSd empfiehlt sein reichhalliges Lag" Rcpulaloren, 14 Tage gehend, d Werke, von 20 Mark an,. iand-Uhren von 3 M°r� Silbernen Eylinder-Uhre«� Mark an... J von 16 n Silbernen Remontoir llilrt' von 25 Mark an,. Goldene« Damen-Remontoir» 14karäiig, von 40 Marl an Reparaturen bei 2jähttger Gara% Cylinder reinigen..... � do. neue Feder..." Negulator reinigen... ,•" m Regulator m. Schlagwerk reintgen» Wänduhr reinigen..•,•"\ß, do. m. 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AlsM r Hunt# lange o»? : das Hur.» Straß-» »gei�j�l iÄ1 en Sk-ß? jetfe l-M wr Elb»?? gleichsiel» nicht, ti>>t Beilage zum Berliner Bolksblatt. fe. 27« Mittwoch, den SS. November 1885. Oel de, i hatten Jf ichiffer<«* eise an% am Mo>A nit St';� { sämmtll» nicht# Wahlrcsultate. gestem von der 3. Wähleradtheilung vollzogenen Etadtverordnctenwahl erhielten: n,,'• Wahlbezirk: Rojahn(Arbeitervartei) 20, Tcmplin gje Part.i) 785, Gerold(Burger Partei) 896. Gewählt: �Wahlbezirk: Nöske(A. P.) 263, Vorwann(lib. P.) � Plön dach(8. P.) 757, Rothensee(B.-P.) 25. Stichwahl lchen Vorlmann und Pickendach. «, 10- Wahlbezirk: Krobm(A. P.) 359, Müblberger(lib- P.) �CöeiDira(lib. P.) 94 Meyer l«. P) 501. Stichwahl Milchen Mllhlberger und Meyer. U. Wahlbezirk: Singer(A..P.) 1137. Kullig(IIb. P-) 264. Gewählt: Singer. 14. Wahlbezirk: Mitan(A.-P.) 883, Greiling(lib.P.) 393. Gewählt: Mitan. »JO- Wahlbezirk: Zubeil(A..P.) 275. Schern(lib.P.) 702. "w(B-P.) 156. Gewählt: Echem. Dl & �- Wahlbezirk: Müller(B.'P.)' Henkeld(A.-P) 118, 136. Gewählt: Grab«-. Grab-(lib. P.) w Wahlbezirk; Franke(A..P.) 289, «IS I"* ä«»» ' w»»•»'»y* v«- j wm w•-—-»- i/——— f(�CtflCllbCTQ 2U), Krampf(B.-P) 333.# Stichwahl zwischen Kranke und Krampf. 'ttab-L Itürtff ärß' an, Marl llhre-� Uhre» oir-M� l jf' ®'«i« 2«. Wahlbezirk: Voigt(A.-P.) 435, Kohled(lib.P.) jjj�wprecht(B. P.) 727. Stichwahl zwischen Kohled und Wahlbezirk: Steindorff(A.-P.) 159, Haesccke(lib. Wtl*l) 811, Cremer(B. P) 448. Gewählt Haesecke. 83, �2. Wahlbezirk: Schulz(A.-P) 354, Fleischer(lib. P.) hoff«. ffmann(v. P) 656. Stichwahl zwischen Fleischer und "iroiann. 50o«4- Wahlbezirk: Böhl(A.-P.) 478, Hellricgcl(lib. P.) ' Wremer(B. P.) 339. Stichwahl zwischen Böhl und Hellriegel. iz,% Wahlbezirk: Rojabn(A.'V.) 136, Blutb(lib. P.) WaUich(B. P) 403. Stichwahl zwischen Bluth und Wahlbezirk: Ballmüller(A-P.) 237. Gencke(lib. Müller(B.-P.) 772. Slichwahl zwischen Müller und . Politische Ueberstcht. Sifg Or, i'fm serbisch, bulgarischen Kriege neigt fich der %,'wi mehr den Bulgaren zu. Wie wir bereits im ersten Uttio«. �n. gelang es den Bulgaren, die Serben aus den MicfZ Positronen am Dragoman Paß zu vertreiben.. Eine Jet*.;■"uS Sofia meldet nun: Nachdem die Truppen in »tw r�nen Nacht in den eroberten Positionen bivouakirt «n, Mannen sie heute früh den Kampf wieder, verfolgten fl&jP-'Ut» und besetzten Zaribrod.— Zaribrod liegt nur noch k«,!"? von der serbischen Grenze, somit dürften die Wm Oereits serl isches Gebiet betreten haben. Die serbische 3%«. scheint indetz noch immer vor der bulgarischen "-%!8 Widdin zu stehen. Einer in Sofia eingetroffenen Meldura zuwlge soll Widdin sogar von den Serben in en sein. Die Bestätigung dieser Nachricht bleibt gen >. s.«« Ää ISiureÄ" ''— ar.-------- iL.___ **8 uno 2ü5uroe vct uuiyuuiu�cu«««utw ouwewv* k lehnt. Namentlich nach dem ungerechten An- nach den von bulgadscher Seite gebrachten dem vergossenen Blute will Fürst Alexander von lktÄü�nstillstanS erst auf serbischem Gebiete hören und «>« n'chsießlich, vi, Frage der Entsendung eineS Kommissars .Knege zu�vertagen.— Man sieht, dem Buk- eine Note zugehen g wegen der Bqä 0ci n ersucht. 'fttje. Feindseligkeiten herbeizuführen, unmittelbar be- e r�lau. 24�vembe�Jn� Prozesse d-S FiSku« H Vorordnungen die Erbebung eines Ausfuhrzolles für Palmöl und Palmkerne, die Erhebung einer Lizeniabgabe auf den Handel mit Spirituosen eingefühd und für die Rhede und den Haien von Kamerun eine Lootsenordnung erlassen.) Das Haut t:!tt in die erste Berathung deS Etats für 1886—87 und des Anl-ihegesetzes ein. Schatzsekretair v. Burchard: Das vo:jährige uncrfreu- liche Bild unserer Finanzlage hat fich seitbem in mehr als einer Hinficht günstiger gestaltet. Zunächst find durch die No» Vellen zum Zolltarif und Stempelgesetz wesentlich erhöhte Ein- nahmequellen, erschlossen, welche demReick und den Bundesstaa en zu Gute kommen werden, und zwar nicht nur für da? künftige Elatsjcbr, sondern schon für das laufende; und selbst für das abgelaufene haben fich durch Vorrathseinfuhren während der Berathung der Novellen die Zolleinnahmen wesentlich günstiger gestaltet. Außerdem ist aber auch der Abschluß für das abge- gelaufene Rechnungsjahr dadurch viel besser geworden, als rch im vodgcn Jahre voraussetzen konnte. Die Ausgaben 1884,85 haben mit einem Mehr von drei Millionen abgeschlossen, eine Million höher, alS ich fie geschätzt hatte. Doch haben fich auch die Einnahmen, sowohl die, welche dem Reick verbleiben, als die den Bundesstaaten zuzuführenden, ganz erheblich gehoben. Die Brausteuer hat ein Mehr ergeben von 2 273 000 M-, ein sprechendes Zeuaniß für den im verflossenen Rechnungsjahre wesentlich gesteigeden Bierkonsum. Die Brannntweinsteuer hat ferner 3 767000 M. über den Voranschlag gebracht. So willkommen aber diese Mehrcinnahme finanziell auch ist, so wenig ist fie widh'chaftlich mit Freuden zu begrüßen, da sie dadurch enistandcn ist, daß die Ausfuhren an Branntwein ge- radezu gestockt haben. Bei der Post- und Telegraphenver- waltung hat fich ein Ueberschuß von 680000 Man, bei den Reichs- Eisen bahnen ein noch höherer von über 1 Million Mark ergeben. Diesen Mehr- Einnahmen stehen nun Mindereinnahmen gegenüber bei der Rüberzuckersteuer, beiden Aversen, in geringerem Umfange auch beim Bankwesen, im Ganzen 15 Millionen Mark. Bei der vorjährigen Schätzung nahm ich an, daß der Ausfall an Rübcnzuckersteuer sich noch erheblich höher, auf 21 Millionen, stellen würde, in der Vor- aussetzung. daß bei den Baarzablungen auf die Rübenzucker- steuer auf erheblich höhere Bettage mcht>u rechnen sein würde; tbatsächlich aber find Baarzahlungen in viel höherem Betrage eingegangen, und daraus rcsultirr die Verminderung des Aus- falls auf ca. 14'/, Millionen. Im Ganzen ergiebt fich hier- nach ein Fehlbetrag pro 1884—1885 von 5 735000 M., der im nächsten Etat seine rechnungsmäßige Deckung zu finden haben wird. Der Abschluß des Jahres stellt fich somit gegen die vorjährige Schätzung bezüglich der eigenen Einnahmen und Ausgaben des Reiches uw 8'/« Millionen günstiger. Im Ganzen ergiebt fich für daS laufende Jahr eine Minderein« nähme von 10 900000 M., der eine Ausgadeersparnlß von 572000 M gegenübersteht; der Fehlbetrag wird also voraus- sichtlich 10350000 M. erreichen. Von den Einzelstaaten zu überweisenden Einnahmen ist bei der Tabackssteucr die Er- reichung deS Solls biS auf etwa 200000 M. zu hoffen. Der Edrag der Zölle und Stempelabgaben ist sehr schwer zu überschlagen wegen der durch die Novellen veranlaßten Aende- rungen aller Rechnungsgrundlagen. Bei den Zöllen ist auf einen Mchredrag von 25 700 000 Mark zu rechnen. Für die noch schwierigere Schätzung deS Dtchrcrt-ags der Gtempelab- gaben hat man schließlich auf daS Urtheil zuverlässiger und sachkundiger Personen rekurriren müssen, welche den Mehrer« trag auf jährlich 10000000 M.. für daS laufende Jahr auf 5500000 M- veranschlagen. Unter Zurechnung der Aversen ergiebt fich hieraus, daß die Summe der Ueberweisungen um rund 31'/, Millionen die Voraussetzungen des Etats über- schreitet. Zieht man hiernach die Bilanz des laufenden Jahres so stellt fich einem Fehlbeträge von 10'/, Millionen eine um 31'/, Millionen gesteigede Ueberweisung an die Seite, so daß die Verbesserung gegen den Etat im Ganzen vorausfichtlich 21 Millionen betragen dürfte. Ueber den Umfang, in welchem auf Grund des Gesetzes vom 13. Mai 1885 betreffend die Verlängerung der Rübenzuckersteuerkredite diese Verlängerung ver- langt worden ist. kann ich mittheilen, daß von der Gesammt- summe von 104 600 000 Äk., für welche der verlängerte Kredit hätte in Anspruch genommen werden können, er nur für 31 800000 Mk.--- 30,4 pCt. in Anspruch genommen wurde. Der Etat für 1886/87, zu dessen Beleuchtung ich mich nunmehr wende, erhält sein Gepräge durch folgende Zahlen: Die Erhöhung der Matrikula: betrage beträgt 21'/,, die Erhöhung der Ueberweisungen 53'/, Millionen, demnach stellt sich die Btlanz der Einzelstaaten gegen das Vorjahr günstiger um 32 Millionen. An der Erhöhung des Extraordmariums ist ebenfalls hervorragend das Heeresbudget belhciligt; im ordentlichen Etat werden 4 673 000 M., im außerordentlichen, namentlich für Bauten in Elsaß-Loihringen, 1 096 000 M. erbeten. Die erstere Mehrfordcrung ist wesentlich die Folge zweier großer Maßregeln, der Vermehrung der Konseroenvorrätbe und der Beschaffung von Verbandmitteln und anderen Gegenständen behufs Durchführung der antiseptischen Wunddehandlung. Die Hauptaufgaben der Steueneform liegen nunmehr auf demGe- biete der inneren Verbrauchsabgaben. Die Reform der Lucker .......----' Sache gehört ja eigentlich nicht hierher, und darüber, wie sie attenmaßig liegt, find wir noch nicht im Klaren. Hier glaube ich nur sagen zu sollen, eS macht einem die Bewilligungen be- sonders schwer, wenn man die vollen Pflichten erfüllen soll, ohne daß die Reckte, für die man fich interesfirt, gewährt wer» den, und wenn die Herren wünschen, daß wir einigermaßen gute Laune haben sollen bei der Bewilligung für die Kolonial- Politik, dann verhel'en Sie uns zu unserem Recht.(Aha! rechts.) In der geschäftlichen Behandlung deS Etats stimme ich dem von anderer Seite vorbereiteten Antrag auf Ueber- Weisung einzelner Kapitel und Titel an die Budgetkommisston zu.(Beifall im Zentrum.) Abg. Richter: Ich habe aufgehorcht, warum der Herr Schatzsetrelär das Bild dieses Etats weniger unerfreulich findet als das des Vorjahres und entdecke nichts weiter als ein De- fizit von 5700000 M. im Jahre 1884/85 und für daS laufende nach seiner Daistellung eins von 10 300000 M- Wenn ihm die Verdoppelung des Defiäts weniger unertt ulich erscheint, so stellt er an die Freude bescheidenere Ansprüche als irgend einer seiner Vorgänger. Für das abgelaufene Jahr hatte er ein größeres Dcfizil erwadet. Wenn esjjeringer war, so war das nicht etwa die Folge wirthschafllicher Besserung, sondern ein ein- faches Kaffenoerhältniß, wie er eS selbst dargestellt hat: Das abgelaufene Finanzjahr 1334/85 hat dem laufenden weniger Einnahmercste an Rübensteuer hinterlassen, es hat mehr als ein anderes Jahr selbst einkaifid; um so viel das erste Defizit geringer war, um so viel größer wurde das zweite, für den Kasstrer vielleicht ein sehr erfreuliches Bild, für den Finanz- mann eine ganz gleichgiltige Verschiebung der Einnahmen, die das eine Jahr etwas günstiger, das andere etwas ungünstiger erscheinen läßt. Unsere Stellung zur Zucker- und Branntwein- steuer ist bekannt. Aber gegenüber dem Bestteden, fortgesetzt die Einnahmen der Steuern zu erhöhen und unter dem Namen der Reform nur Plusmacherei zu tteiben, werden wir mehr als je an dem Grundsatz festhalten, daß eine Erböhung der Steuereinnahmen nur zu erfolgen hat unter gleichzniiger Entlastung einer anderen Eteuervelastung Zug um Zug. Denn welche einzelne Steuerform man auch empfehlen mag, schließlich wird jede aus ein und demselben Faß des Volkshaushalts gezanft. ES kommt mir vor, als ob in diesem Jahre mehr Neubauten auf dem Gebiete der Militär- Verwaltung in Angriff genommen würden, alS in irgend einem Jahre zuvor. Alle abgelehnten Bauten auS dem Vorjahre erscheinen wieder. Die erste Bewilligung einer Garniiovkirche im Vorjahr scheint Muth gemacht zu haben, militärische Kirchenbauten zu beginnen. Für Straßburg ist der Bau einer Millionenkirche in AuSficht genommen. Auf der andern Seite werden 7 bis 9 Millionen für die Bewaffnung verlangt. Wir find gewöhnt zu erwägen, daß Deutsch- land in der Verbesserung der militärischen Technik mcht hinter den anderen Staaten zurückbleibt. Die FodschrittSpadei bat früher für diesen Zweck kolossale Summen bewilligt. Ich selbst habe vor 10 bis 12 Jahren mitgewirkt bei den Vor- lagen, die eine Umgestaltung des Festungsbaues, unserer Ge- schütze und unseres Gewehrmaterials bezweckten. Um so mehr jhnhßt***»«»• v«— o-�-W-------■"* Dänemak?» 24 November. Der Vizepräsident des ist wegen einer in einem kftfm, und fiilü? der Bericht über die von der preußischen, A'bsi Gesetze« �M'�urgischen Regierung auf Grund des So- cO»o.."/tteHfun* t"1 Anordnungen und eine Denkschrift " Ktatsiabr in Kamerun. Varlamentsbrrichte. Deutscher Reichstag. Sitzuna vom 24, November. 12 Uhr. v. Burchard, r...»— f'-..."...... essen der Sp r rituserzeugung zu ge- tahrden, so wird damit den Wünschen und Forderungen aller Theile entsprochen. Abg. v. Huene: Daß das Bild deS vorjährigen Etats ■%- V» V 1 1 V, vuv VV» VVtJ[,■ sich günstiger gestaltet hat alS der Echatzsetretair vorausgesagt, ist alS Folge und Wirkung der neuen Steuern ganz selbstver- ständlich. Man kann überhaupt nicht gut von emer günstigen oder ungünstigen Finanzlage deS Reiches sprechen. da seine Einnahmen und Ausgaben nicht in fich abgeschlossen find und man die Frage immer so stellen muß: wie steht die gesammte Finanzlage der Einzelstaaten und des Reiches zusammen V Wir haben im Reiche eigentlich nur die Ausgaben. Wir werden auch in diesem Jahre dahin streben müssen, die dem Reiche übertragene Verwallung möglichst sparsam einzurichten, mög- lichst vrele Ueberschüfle für die ReichSkaffe abzuliefem und von den überwiesenen Summen der Einzelstaaten möglichst wenig zurück zu verlangen. Erst wenn wir dieS erreicht haben, find wir auf einen grünen Zweig gekommen. Die Kolonialpolitik tostet einen Aufwand von 5400000 Mark. Solche Zahlen werden dem größten Enthufiastm klar machen, daß man in diesen Dingen mit einer gewissen Ruhe vorgehen muß. Da ich gerade von der Kolonialpolitik spreche, so möchte ich hier eine Frage streifen, die für weite Kreise meiner politischen Freunde ein Interesse hat, die Frage deS MissionSwesenS. Die w___„—.— v»*-»>•Mvkiitiui» vi-jiviu-icn» wun 10 mcQr haben wir Anlaß, den Forderungen engere Grenzen zu ziehen, die nicht unmittelbar mit der besseren Ausrüstung zum Kriege zusammenhängen, die nicht in diesem Jahre geleistet werden müssen. Bei der ersten kolontalpolitiscken Erörterung bemertte der Reichskanzler selbst, wie die beschränkte Ausdehnung un« serer Küste und unserer seemännischen Bevölkerung der Ent- Wickelung der Marine natürliche Grenzen ziehe. Schon bisher vermochte die seemännische Bevölkerung allein nicht den Ersatz für die Marine zu stellen. Jetzt muß noch weiter ge- griffen werden in Bevölkerungskreise, welche aus den Binnenprovinzen herstammen, deren Ausbildung für die Ma- rine natürlich um so viel schwieriger wird. Die amtlichen Nachweise sagen ja selbst, daß der Aufenthalt auf Schulschiffen, der sonst auf 6 Monate berechnet ist, für diese Leute ein Jahr dauern muß, und daß die Ausbildung eine so schwierige ist, daß auf 100 Auszubildende 140 bereits Ausgebildete auf einem Schulschiffe fich aufhalten müssen. Für den Kriegsfall wird die Sache noch um so schlimmer, als diese ganze Entwickelung unseres Marinepersonals eine Vermehrung der Kapitulanten und Angeworbenen darstellt im Verhältniß zu denen, die ihrer Wehrpflicht genügen. Dadurch wird im Kriegsfälle natürlicher Weise die Heranziehung nur in geringerem Maße möglich. Man sagt unS— und das mag ja wohl richtig sein— daß wir auf der Landkade jetzt von anderen europäischen Staaten unangefdchtenen Besttz ein Kolonialgebiet haben, daS größer ist, als Deutschland selbst, es ist uns auch angekündigt worden, die Vorlage von Weiß- oder Blaubüchern, welche über die internationale Anerkennung dieses Kolonialdefitzes AuS- kunft geben sollen. Ich zweifle nicht, daß die neuen Blau« bücher ebenso wie die früheren Zeugniß ablegen von der großen diplomatischen Gewandtheit, von dem großen Scharfsinn, von dem Fleiß und dem Eifer, mit welchem der Herr Reichskanz- ler diese Fragen biS ins Einzelne im Interesse Deutschlands den anderen Staaten gegenüber befolgt. Aber waS beweist d-e Leistungsfähigkeit des Herrn Reichskanzlers als Diplomat im Dienste seiner Kolonialpolitik sür den Wetth dieses Kola- nialbefitzes an fich? Ich möchte nicht mißverstanden werden. Man entgegne mir nicht: es ist erst ein Jahr verflossen, was erwar« test Du von diesem einen Jahre? Das liegt mir auch voll- ständig fern; ich habe nie geglaubt, auch nicht für möglich ge« halten, daß etwa biS heute eine große Kultur fich dod entwickeln werde, oder daß irgend welcher wtttbschaftliche Nutzen ziffermäßig in die Augen springen würde. Nein, darum ban- delt es fich heute gar nicht; das. um was eS sich bei dem Ver- gleiche handelt, kann einzig und allein das sein: was wissen wir heute über die Kolonien mehr als im Vorjahre, in wie weit haben fich in diesem Jahre unsere Informationen verooll« standigt über die Ausfichten und Hoffnungen auf die Ent- Wickelung dieser Kolonien für die Zukunft? Da muß ich nun sagen: wer spricht heute noch von Angra Pequena, von Lü- deriyland und von Lüderitz? DaS ist ein ganz verkrachtes Ge- schüft, und das, waS ich am ersten Tage, wo von Kolonial- Politik gesprochen wurde, bemerkte, daß Angra Pequena nicht? ist, wie ein ödes Sandloch, das bestreitet heule Niemand, zu bedauern find nur die armen drei Beamten, die jetzt dod unsere Flaggenstange auf dem öden Sandmeere bewachen müssen.(Heiterkeit links.) Wetter, bieten etwa die Verhäliniße von Kamerun nach den neueren Jnfor« mationen irgend eine bessere Ausficht auf Ent- Wickelung? Nach diesen können wir gar nicht wünschen, daß daS, was den Haupttheil des Handels dort ausmacht, die BranntweinauSfuhr. fich überhaupt noch weiter entwickeln Qe— k. er,•*-• „v.»vv iii uicun �.age geoiacyi. Tste Henen, die dort ver« sammelt waren, find gewiß nicht verdächtig, in Bezug auf die Kolonialpolitik voreinaenommen zu sdn, der Herr Reichskanzler hat auch ihre Autorität insofern anerkannt, als er einen Re- gierungtkommiffar entsandt hat, um ihren Konferenzen gerade xn Bezug auf die Kolonialpoliii! beizuwohnen. Diese Herren haben nun in Resolutionen übereinstimmend festgestellt, daß «in großer Theil deS von Deutschland dorthin ausgeführten Branntweins gesundheitsschädlich gemischt ist, und haben den Herrn Reichskanzler ersucht, auf Grund des Nahrungsmittel- gesetzcs gegen diese Ausiuhr eines mit gesundheilsschädlichen Stoffen versetzten Branntweins einzuschreiten. Diese Misfions- Gesellschaft hat auch einen Aufruf erlassen, worin fie all- Deutschen ersucht, den Misstonsgesellschatten beizustehen, um von Deutschland die Schmach abzuwenden, bei anderen Nationen als Verderber heidnischer Völker zu gelten. Zn Bezug auf Ostafrika liegen freilich tie Verhältnisse nicht so; da schützt uns gegen eine solche verderbliche Branntweineinfuhr nicht das Christrnthum der Kaufleute, son- dern der Muhamedanismus, der dort im Gegensätze zu West- afrika maßgebend ist. Aber eine noch größere Schmach als diejenige, von der eben die Missionär« in Bezug auf die B'.anntweinausfuhr reden, würden wir Deutsche auf unS laden, wenn wir gestatten wollten, was die deutsch ostafrikani- sche Gesellschaft sich erdreistet zu verlangen, daß unter der fchwarz weiß rothcn Flagge die Sklaverei dort geduldet wird, und daß mit der Peitsche die Neger in den deutschen Kolonial- gebieten angehalten werden zur Zwangsarbeit.(Hört!) Und doch wird von jener Seite uns verflchert, daß diese ganzen ostafrikanischen Besitzungen keinen wirthsckaftltchen Werth baden, wenn nicht eben diese Zwangsarbeit, diese Sklaverei der Neger stattfindet. Also, in Westafrika ein unS nicht zu besondeicr Eh�e gereichender Branntweinhandel, dort in Afrika eine Möglichkeit der Eatwickdung nur unter Einführung der Skla- verei und alle dem, was damit zusammenhängt. Der Herr Reichskanzler machte u-s im Vm jähre zum Vorwurf, daß wir in Bezug auf die Ko'.onialpolitik zögernd find, dilatorisch, matt und lau. Ich weiß nicht, wenn er diesen Vorwurf noch heute erhebt, ob er noch irgend wie Anklang finden würde in erheblichen Theilen der Bevöllirung. Im Gegentheile; die Stimmung hat fich entschieden in derselben Richtung entwickelt; die Bevölkerung steht jetzt gerade der Kolonialpolitik so gegenüber in weiten Kreisen, wie wir ihr damals gegenüber gestanden haben. Als er Herr v. Stauffenberg damals unseren Standpunkt klar- legte, betonte er, daß er auf diesem Gebiete die äußerste Vor- ficht für angezeigt hielte. Wenn man unS einen Vorwurf machen kann, so könnte man ihn höchstens in der Richtung machen, daß wir nicht genug abwehrend aufgetreten find, daß wir bis zu einem gewissen Grade die Dinge haben fich ent- wickeln sehen, und daß die Deutschen im Stande find, fich Vor- stellungen über Kolonialpolitik zu bilden, nicht blos aus Bückern, aus Reisebeschreibungen, nach Theorie und Phantasie, sondern an der Hand der Wirklichkeit, wie die Dinge wirklich beschaffen find. Hoffen wir, daß diescs Lehrgeld uns nicht zuletzt allzu theuer kommen wird. Damals hat man einen gewissen Rahmen für die Kolonialpolitik aufgestellt, der dahin ging, daß man nicht künstliche Kolonialprojekte schaffe, daß man nur den Reichsschutz gewähren möge, wo schon Niederlassungen in dem entsprechenden Umfange der deutschen HandelSinteressen vor- Händen find. Damals erklärte H-rr v. Stauffenberg, wir ver- möchten nicht zu erkennen, ob nicht schon der Rahmen überschritten sei. Heute wird dies niemand leugnen, daß der Rabmen, den der Reichskanzler selbst aufstellte, weit überschritten ist. Meine Herren, Alles, waS in Ostafrika vor fich gegangen ist, liegt völlig außer- halb des Rahmens der Kolonialpolitik. Wo find denn da die HandelSunternehmungen gewesen als Grundlage für den Ge- dietserwerb? Eine Anzahl Junker find von Berlin auf Aden- teuer dorthin ausgegangen. Das ist das Ganze. Und die deutschen HandelSunternehmungen, die auf der Insel Sansibar wirtlich bestanden, blicken mrt sehr ungünstigen Augen auf diescs Vorgeben, weil fie davon nur eine Schädigung der älteren Handelsbeziehungen erwarten, aber durchaus keinen Nutzen. Und, m ine Herren, wie steht eS mit Kaiser- Wilbelms- Land in Neu-Guinea; dwt wohnt heute noch kein Deutscher; da ist heute noch leine Spur von Handel auf dieser Insel; und der Schutzherr, Herr v. Hansemann, ist allerdings Handels. mann, hat aber bisher nicht mit Sachen gebändelt, die für die Papuas von Werth oder käuflich wären. Wo ist also da noch ein Zusammenbang der Kolonialpolitik mit Handelsunterneh- mungen, mit Niederlassungen, die eine kolonial-politische Befitz- ergreifung als eine natüUiche Folge von Handelsniederlassungen erscheinen läßt? Aber es wird fich ja noch im Laufe dieser Sesston— eine Gelegenheit ist ja schon angekündigt— mehr- fach Gelegenheit finden, auf diese Dinge zurück zu kommen. Gestatten Sie mir, noch mit einer allgemeinen Bemerkung zu schließen. Es ist ja mehrfach außerhalb im Lande die Anficht verbreitet, a!S ob eine Etatberathung im Stande wäre, einen Etat von Grund aus umzugestalten, als ob fie im Stande wäre, die Finanzlage anders zu machen, als fie fich wesentlich in dem Etat darstellt. Diese Auffassung— daS brauche ich für dies S HauS kaum zu sagen— ist eine durchaus un- richtige. Wenn wir auch hier und da einen Strich anbringen. hier und da einen Ton mildern, so bleibt doch der Etat des einzelnen JahrcS immer«in Abbild der gesammtcn Finanz polrtik des Lande». In eine günstige Finanzlage werden wir nickt eher gerathen, als bis fick die gesammte Politik, die Wirthschaftspolitik. die Fwan, polrtik- an diese denke ich in erster Reihe- überhaupt ändert, und ,e früher das geschreht, je früher diese WirthschaftSpolitik und Nnan-votttrk nne andere Richtung annimmt, desto besser ist eS. Geschieht das nicht. nun. meine Herren, dann wird drese Frnanzpolmk dieselbe Er. fahrung machen, wie andere Regierungssystsme rn anderen Zeiten auch gemacht haben: diese Finanzpolitik wird zuletzt am Einmaleins scheitern. Es werden rhr Grenzen gesteckt werden, fie wird ein Ende nehmen müssen in Folge der zu- nehmenden Ueberiürdung d s LanseS mit neuen Steuern und in Folge der wachsenden V-rwinung der Finanzverhaltnrsse überhaupt.(Bravo! links.) Schatzsekretär v. Burchard: Richter hat aus meinen Worten tS»» sÄljfm'1-%W Er hat daran Aus'üdrunaen geknupt. es rönne me. ävääiä äs, zeicßnct, aus welchem höhere Einnahmen hei genommen werden könnten. 0# und die Ausführung deS Henn Schatz ekr-tais, daß der Etat «ine wesentliche Besserung enthalte, entspricht nickt dem ersten Emdruck den der Etat auf mich gemacht hat. Namentlich zwei Momente find geeignet, die Schärfe eines Urtherls gegen den Der Herr Abg. die Schlußlolgerung eine wesentliche Er- genommen sei. es könne dieS Etat zu steigern Jeder bildet fich zunächst sein Urtheil auS der wirthschastlichen Lage heraus, in welcher fich daS Land befindet, und da muß ich den beiden Herren Vorrednern Reckt geben: die wirthschaftliche Lage im Lande ist zur Zeit noch auf ziemlich niedrigem Niveau. Ich denke, daß wohl hier und da ein Anfang zur Besserung erkennbar ist, aber ein rosiger Zustand ist entschieden nicht nicht vorhanden. Von der In- dustrie kann ich auS eigener Erfahrung nicht sprechen, die Land- wirthschaft aber befind« fich thatsächlich in Gegenden, die ich kenne, in einem Nothstande, ebenso, wie ich Ihnen im Vorjahre dies zu sagen mich veranlaßt sah. Trotz der guten Ernte leidet die Landwirthschaft unter dem erheblichen Druck der nildrigen Preisverhältniffe. Im vorigen Jahre haben wir einen wesentlichen Schritt in der Steuerreform gemacht, dadurfr daß wir eine richtige Besteuerung dir Börsengeschäfte hirbeigeführt haben. Nun wollen die verbündeten Regierungen, wie es in der Thronrede heißt, auf dem Gebiete der indirekten Ereuern mit weiteren Reformen vorgeben. Auch ich habe übrigens den Ein- druck gehabt, daß der Tabak wieder in Angriff genommen werden solle, doch haben die letzten Ausführungen des Hern Burchard zu meiner Befriedigung diesen Eindruck beseitigt. Was die Branntweinsteuer betrifft, so kann ich Ihnen zur Klarlegung meiner und meiner Freunde Stellung nichts Besseres sagen, als was ich im vorigen Jahre bemerkt habe. Ich bin peisönlich geneigt, an und für fich aus dem Spiritus für die ÄeichSlasse alles das zu machen, waS möglich ist, aber wenn nur die Landwirthschaft nicht dabei zu sehr betroffen wird. Es find ja allerdings große Flächen Landes dem Kar- toffelbau zu Zwecken der Spiritusbrennerei dienstbar, welche besser nutzbar gemacht werden könnten, aber es ist sehr zu be- denken, daß eine zahlreiche Bevölkerung ihren Erwerb davon bat, und vor allen Dingen darauf zu achten, daß bei einer Aenderung der Besteuerung die etwa fich ergebenden Folgen für den Kartoffclbau fich allmälig vorberetten. Was dre Be- st-uerungsfrage selbst betrifft, so muß ich zunächst die Vorlage abwarten, ehe ich Stellung dazu nehme. Bei der Re« form wird weniger Rückfichr auf die Steigerung des finan- ziellen Ertrages zu nebmen sein, als darauf, daß die In- dustrie nicht zum Ruin getrieben wird, daß nicht durch die Form der Besteuerung die Errichtung von Fabriken erleichtert wird, welche aus anderen Substanzen Branntwein herstellen, den jetzt vorhandenen Fabrikanten noch Konkurrenz machen und die Produktion, deren wir reichlich, wenn nicht schon zu viel haben, noch steigern. Ich stimme durchaus dem bei, daß der Erwerb der neuen Kolonien uns die moralische Verpflichtung auferlegt, in ihnen nicht neue Absatzgebiete für unseren Branntwein zu er- blicken. Die Behauptung, daß man in Ostafrika unter dem Schutze des Deutschen Reiches Sklaverei treibe, kann nur auf einem Mißverständniß beruhen, das seine Erklärung in einer etwas ungeschickten Auslegung findet. Bezüglich der Zucker- steuer sind meine politischen Freunde bereit, mit den ver- dündeten Regierungen in die Äeratbung dieser Steuer einzu- treten. Allerdings find auf dem Gebiete der Zuckerindustrie normale Zustände auch jetzt noch nicht eingetreten. Ich glaube, daß eS möglich sein wird, dem Reich aus d-r Zuckelsteuer einen erkllcklichen Ertrag zuzuweisen, ohne daß dadurch die Rüben- zuckcrfadrikation benachtbeiligt wird. Die Rübenzucker- mdustrie kann sehr wohl noch eine Ausdehnung ertragen, dagegen nicht der Brennereibetrieb. Die Sicherheil unserer Zustände, der Friede und die geachtete Stellung des Rciches noch Außen hin, sowie die Ausübung deS dem Deutschen Reich gebührenden Einflusses, ist das, was wir erstreben. Dies wollen wir erreichen durch Aufrechterhal- tung der Wehrkraft, der vortrefflichen Schule aller männlichen Tugend für das ganze Volk. Ihre Wirksamkeit wollen wir bilden und erhalten, dann, glaube ich, weiden wir uns um das Wohl des Varerlandes verdient machen.(Beifall rechts.) Abg. v. B e n d a billigt den Etat. Sächstscher Bundcsbeoollmächtigter Graf von Hohenthal und Bergen erwidert auf eine gelegentliche Aeußerung des Vorredners— daß nach Zeitungsnotizen die sächsische Finanz- läge eine sehr gute sein solle, was man aber wohl dahingestellt s«n lasse müsse—, daß nach dem eben dem Landtage vorge- legten Etat die Finanzlage Sachsens in der That eine sehr Sute sei, und daß das Budget einen ganz erheblichen Ueber- huß aufweise. Abg. Liebknecht: In drei Jahren hat die Steigerung des Geiammtbudgets um 86 Millionen, d. h. 2 M- pro Kopf oder bei einer Familie von 5 Köpfen 10 M. pro Familie zuge- nommen. In relelatio noch höherem Verhältniß ist das Militärbudget angeschwollen. In allen bürgerlichen Kreisen, soweit es nicht Jnteressenkreise find, habe ich ühcr- einstimmend die Meinung gehört, jetzt ist's genug, der Reichstag muß umkehren, bis hierher und nicht weiter! Unterläßt der Reichstag, sein Veto einzulegen, dann wird er auch beim Volke den letzten Rest seines Anschentz einbüßen. Die Kolonialpolitik bat keinen Nutzen gebracht, nur daß die Ausgaben des MarineetatS enorm gestiegen find. Als der Abg. Richter dem Hause vorrcchnete, was uns die Kolo- nialpolnik kostet, war ich darauf vorbereitet, aus dem Hause einen allgemeinen Protestschrei zu vernehmen und mußte er- staunt sei, daß auf allen Seiten völlige Ruhe herrscht� ja, daß diese Ruhe geradezu einer Zustimmung glerchkam. Weder hat die Kolonialpolittk für unsere überzählige Bcoölkerung Luft ge- schaffen, noch find durch fie die Ausfuhrgebiete erwertert wor- den; was unserer Industrie etwa als wirklicher Vorth«! zugewendet ist, wurde unseren Steuerzablern vierfach genommen. Auch die Ueberproduklion bat eine Minderung erfahren; fie liegt in der ganzen wirthschastlichen Organisation begründet. Man redet un« vor, Deutschland sei jetzt eine Weltmacht, nicht mehr blos eine kontinentale Macht; es stehe neben, ja über England. England hat über diese Ueberschwänglichkeit gelacht, aber nur gelackt; man hat den Deutschen auf die Finger gesehen, und überall, wo der Deutsche seitdem hinkam, hat er Engländer fich gegenüber gesunden; alle Reisenden find überzeugt, daß jetzt für die Deutschen in Afrika daS ernsthafte, ehrliche Vordringen der Forschung weit schwieriger geworden ist als früher, weil jetzt überall die Engländer im Ä-ge find und überall Annexions- und Flaggenhiffunpsgelüste wettern. Daß die Kolonialpolitik nicht die daean geknüpften Hoffnungen erfüllen kann, erhellt am besten aus Englands Beispiel. Auch in England hat trotz der höchstentwickelten Kolonialpolitik die Ueberprodultion nicht aufgehölt, auch dort bestehen genau die wirthschastlichen Miß- stände, über die wir bei unS klagen. ES wird gefragt, wie man überhaupt noch von Reaktion reden könne. Nun, ich verteile unter Reaktion, daß man gegen den Willen des Volkes handelt, daß man die Freiheit unterdrückt. Bei unS aber steht die größte Partei unter Ausnahmegesetzen; sowie die Diäten- frage angeregt wird, unternimmt man Anariffe aus das allge- meine gleiche Wahlrecht; die kürzlich vom Fiskus angestrengten Prozesse wegen der Parteidiäten bedeuten ebenfalls eine Herabwürdigung deS Reichstags; in den rinzel- nen Abgeordneten hat man den Reichstag beleidigt. Ein G ück noch, daß man mit dem Chemnitzer So- zialistevprozeß nicht erreicht hat, waS man wollte, und daß das Gericht die Angeklagten freisprach; es wäre sonst der größte Fanatismus im Volke enegt worden, und Sie können Ihrem Scköpfer danken, daß das nicht geschehen ist. So mackt die Reaktion überall ihre Vorstöße. Kürzlich hat die französische Kolonie in Berlin ihre Jubelseier begangen; gleichzeitig hat aber— und mit vielem Recht— ein österreichisches Blatt die jetzt stattfindenden Ausweisungen auS Posen und Ostpreußen auf eine Stufe gestellt mit der Austteibung der Fran- zoken nach Aufhebung deS Edikts von Nantes. Daß man Taufende ausweist ohne den Nachweis, daß Einer von ihnen ein Verbrechen begangen hat. einfach wegen der polnisch«! tionalität, daS heißt ein Verbrechen gegen die HumarrtOj gegen die moderne Gefittung. Hier ist durch einen deuts«« Staat eine That verübt, die uns vor dem Ausland« geschänw hat.(Unruhe.) Man rechtfertigt diese That mit der Staat* raison. Damit kann man aber AlleS rechttertigen, wer« man sagt: I'6tat o'est moi; la raison c'est la raiso» d'stat. RobeS pierre und Danton haben damit o™ ihre Verbrechen gerechtfertigt. Ebenso kann Anarchist diese Logik für fich anführen. Sie stellen f™ damit auf den Boden der brutalen Gewalt. Dem muß s® Reichstag entgegentreten, um so mehr, als ja gnade die Poiw die eifrigsten Gegner des PanflaviSmus und damit eine bessere Garantie deS Weltfriedens und der Sicherheit Deutn? lands find, als alle Kaiserbündnisse zusammengenommen. die Zusammenkunft in Skiernewice stattfand, habe ick gesagt: wenn jene Herren zufrieden find, dann muß«Iw» Böses geschmiedet worden sein, und gleick darauf erfolgte preußisch russische Auslieferungsvertrag. Weil man sich,"? den Debatten bier im Reichstage fürchtet, stellt man sich I'v auf den partikularistischen Standpunkt und läßt die staaten Preußen, Bayern und die anderen vorgehen. Jsi,#* nicht auch Reaktion? Deutschland ist jetzt der erste ziollWss Staat, welcher die Grenze vermischt zwischen politischen gemeinen Verbrechen, der erste, der einer so barbans«w Macht wie Rußland die Möglichkeit gegeben bat, mißliebige Uwerthanen, die nach Deutschland geflüchtet W' vorzugehen. Wir haben Deutschland zur Vorstu-e von SM' rien gemacht.(Heiterkeit.) Was die WirthschaftSpolitik bp trifft, so baden wir niemals behauptet, daß die M preise durch die Zölle bestimmt werden. Der Kornprcis M ab von der Konkurrenz des Auslandes. Jedenfalls ist£ rosige Zukunft, welche von unseren Gegnern als FolgeJ® WirthschaftSpolilik prophezeit wurde, nickt eingetreten; 5', aber wollen trotzdem nicht eingestehen, daß Sie sick K haben. Was dann die Sozialreform betrifft, so fällt einen®» der riesige Eifer auf, mit vcm man vorstürmt bei der it«®' aesetzgedung, wo es fich darum handelt, die Taschen des anr» Mannes zu leeren; andererseits die wunderbare Vorficht,«r der man vorgrht auf dem Gebiete der Sozialgesetzgebung.� wurde angekündigt, nicht blos durch den Mund des Re™, kanzlers, nicht blos durch den Mund seines Untergeben� nein, sogar durch den deutschen Kaiser in der kaiserlichen r' schaft, daß die Sozialreform fortan eine Hauptaufgabe Deutschen Reiches sein solle, und man sagte, an der Botr®, des Kaisers solle Niemand deuteln dürfen. An der SM.'x Reichsprogramms stehe die SozialrMrm. Was ist gesckebw Das brechen Krankenverficherung, oas bischen Unfalls gebung. Dazu hat der Staat seinen ganzen Apparat von s reformatorischer Gesetzfähigkeit in Bewegung setzen w« um diese kleinen Vorlagen annehmbar zu machen. DieseJL lagen reichen nach keiner Richtung hin, fie find eine dD? Reform deS Armenwesens, und auch die AltersversÄ würde nur eine solche sein. Die Hauptursache und die 0% läge einer jeden Eozialreform, das von uns vorgesch�J Arbeiterschutzgesetz, haben Sie abgelehnt. Keine SozialroJ kann ohne ein solches Gesetz durchgeführt werden."J Reichskanzler hat gegenüber dem Normalarbeititag fich st L lehnend verhalten, wie es auch die extremsten Vertreter Ji Freihandelspartei nicht mehr thun können. Der GrundgebMJ einer Sozialreform muß se n, daß der Staat den Armen(TO die Ausbeutung durch den Reichen schützt; in der Richlnsifu, noch nichts geschehen. Auch sonst bat die Politik deS WL lanzlers nach keiner Richtung hin Segen gebracht; man Jahre 1866 die demokratifch deutsche Frage durch die preur-, deutsche Frage ersetzt und Oesterreich aus Deutschland bst«� geworfen' seitdem kann das Deutschthum in Lcst®fl£ der slavischcn Hochfluth nicht mehr Stand halten, un» sehen die traurigen Deutschenverfolgungen in O-sterreia% die Unfähigkeit Oesterreichs, seine Misston im DM.Z erfüllen. Es wird immer von der friedlichen Deutschlands gesprochen; trotzdem erließ die„Norddemi. Allgemeine" neulich wieder einen kalten Waffcrstrohl JL, Frankreich, der dort viel böses Blut gemacht hat. Unfug der offiziösen Presse sollte man doch wirklich««*0% treten; die Regierung mag dock offen erklären, wa» Politik ist, und nicht alle Welt im Unklaren darüber, ob Pindt« oder Bismarck spricht. Die päische„Friedenspolitik" ist durch die Vorgänge am blamirt. DaS Deutsche Reich sollte, wie man verkündet � f» I# eiit* Einigkeit, Frieden und Freiheit schaffen. Was ist auS Einigkeit geworden? Die Hälfte aller Deutschen f Ausnahmegesetzen. Ter Frieden ist nicht erhalten, das Balkanhalbinsel; und wenn im Uedrigcn Frieden in Europa Qy-u, so ist das auch nicht das Verdienst der Politiker Deutschs sondern in Rußland ist es der Nihilismus, in F-ankrel". Demokratie, was diese Länder an kriegerischem Vorgeb®'. hindert hat. Die Freiheit ist ab« erst recht nicht gekont� sondern man dedrückt das Volk, man steigert den M'l,r muS; überall ist eingetreten, was wir voraussagten. Kulturkampf hat Fiasko gemacht, die Wirthschaftspolim, auswärtige Politik desgleichen; überall FiaSko! nf (Heiterkeit.) Die Steuerschraube wvd immer fester ang'i. Ter Reichstag muß jetzt erklären: bis hierher und nicht Wir w«den deshalb gegen das ganze Budget � i*. f 4 T»V1 rt VI � t»• ,1*� � v».« 4 VM««. �4 A<* titä■. Ter Reichstag muß jetzt erklären: bis hierher und nicht Wir w«den deshalb gegen das ganze Budget n'� ds- wir dokumentiren damit, daß wir das ganze System des � fchenden Klaffenstaats bekämpfen!(Beifall bei den S demokraten.) Präsident von Wedell-Piesdorf ruft Hand deS inzwischen hergestellten Stenogramr Abg. Liebknecht wegen der Aeußerung, daß Denn durch die Ausweisungen vor dem Auslande zur Ordnung. Er könne eS nicht dulden, daß Die, einer deutschen Bundesregierung in solcher Weise werde. � Von den Abgg. v. Benda, Gamp, v. Huene, v. mJ» und R cknt ist ein Antrag eingegangen: die Etats de». wältigen Amtes, der Marineverwaltung, einzelne Kap' EtatS des Reichsamtes des Innern, deS Reichshee'�',�* Reichsjustizveiwaltung, des Reichsschatzamts, der schuld, deS allgemeinen PenstonSfonds, die imt?"* p«* Einnahmekapitel, das Extraordinarium, das Etats � das Anleihegesctz an die Budgetkommission» weisen. Um 4'/« Uhr wird die weitere Berathung bis w och 12 Uhr vertagt. Außerdem erste Berathung Bf seuchengesetzes. Kokales. Das Studium der in größeren Städten weise. Nichts kann eindringlicher reden, nichts die r' der heutigen Zufiände besser zeigen, als jene Man«» durch welche beschäftigungslose Personen, oft unter i. pal httlftttr*/* um ttxrt hlttCTC? durch welche beschäftigungslose Personen, oft unu- dmgung, um Arbeit bitten, wo die durch bitteres Gezwungenen um Unterstützung sich an ihre pte wenden. Recht gehandelt würde eS nun sein. wen fönen, welche fich bei diesen Zuständen wohl UN de befinden, die. in bevorzugteren Stellungen befindlich,® Allen zu lassen wünschen, fich helfend jener M-n'? Allen zu lassen wünschen, fich helfend jener M I» �fi unter diesen Zuständen leiden, annehmen und" fllit.v Kräften versuchen würden, wieder etwa» machen, waS sie oft eigener Vortheile weg � H unterlassen, aber----* oft eigener Vortheile wegen vergebens dürste man JBnf orten suchen. Bedeutend schlimmer ist ei jedoch, Menschen es wagen, die herrschende Noth auszubeuten, ßch nicht scheuen, öffentlich für Löhne, die zu bezeichnen Run wohl lange nach Worten suchen müßte, um Arbeiter zu "Am. So befindet fich z. B. in der heutigen Nummer des mntelligenjblatt" folgende» Inserat:„Ein Schwei,'rdegen, auch noch Lehrlrng(Setzer und Drucker), bei 10 Mark 2" langt Max Meyer, Lothringerstr. 78"„Wenn auch A> Lehrling" sagt jener Meyer, ins Deutsche übersetzt: stnn irgendwo em Lehrling seinem Meister fdttläuft, also (adbluchig wird, Mit: das schadet nichts, bei mir erhält er mg, denn ich gebrauche billige Arbeiter! Und zehn nj" Lohn bietet dieser edelherzige Mann,— wie jener Ar« «'in damit auskommen soll, daS kümmert ihn ja nichts. Wn aber jene erbärmlich bezahlten Menschen fich verleiten Mi, nur um leben zu können, ihren Arbeitgedern gegenüber Mn und Dein zu verwechseln, so ist daS Geschrei groß, und Z'st es unbestreitbar, daß durch eine derartige lumpige Bc« Wung unehrliche Leute groß gezogen werden. (�Rtebiel Formulare werden für die amtl. Dezember 'ende Volkszählung in Berlin erfordert? Berlin nimmt .�>,ug auf seine Bevölkerungsziffer in Europa eine einzige kiellung ein. Wohl überragen die Riesenstädte London und M bedeutend die jüngste Weltstadt, aber fie find schon dm ch �Wunderte hindurch der Konzentrationspunkt einheitlicher »?'tin!ysteme gewesen. Berlin jedoch war noch vor zwanzig yy die Hauptstadt Preußens, heute, wo fie Reichshauptstadt jA'ben, umfaßt fie in ihrem Weichbilde von etwaS mehr als M Lluadratmeile fast genau dm 22. Theil der Bevölkerung �.Königreiches Preußen, dessen Ländergebiet 6191,2 Ouadraf. ?An beträgt. Hiernach läßt fich ermessen, welcher Antheil aus Anlaß der Volkszählung angefertigten Zählformu- D entfällt. Wir geben dieselben dem„B. T." zufolge hier« Aj'ßemäßig. Berlin erhielt: rnn «vrmular A. Jndividualzählkarte, für Anwesende 1520 000 „ für Abwesende B. HaushaltungSverzeichniß und Woh> nungSkarte C/D. Umschlag I. Anweisung für den Zahler P. Kontrolliste G. Ortsliste m r � H. Anweisung für die Behörden 80000 350000 350 000 25 000 50000 900 900 to,., H. AN«er,UNg Tut oie«ryoroen l«'s zu diesem Buchstaben gehen die vom Staat geliefer. ? Formulare, hierzu kommen die zum Zwecke der VollSzah- |»on der Stadt Berlin angefertigten: «mmular J. Grundstückskarte....... 26 000 K. 1750 25 500 3 900 1200 20 000 Grundstücksverzeichniß n L. Hauszettel.......... ,, M. Mappe mit Etiquette...... N. Ueberficht des allgemeinen Ergebmffes ,, 0. OrganisationSplan......• » P. Ziamensverzeichniß der Distrikts Kommissare.......-• » Q. Quittung über Zählung»-Materralien ,, B. Formular über die Revision der ZählungS Materialien.... » 8. Anschreiben an die Distrikts-Kom- miffare.......-- „ T. LegitimationSkarte für die Zahler. dj&s in All?m �fmd� v/e Volkszählung' in Berlin somit c Aufwand von 2 518 650 Formularen, welche die unge- N-langt, dann heißt es zuerst die Bevölkerungsziffer fest- K": Hierüber sowohl, als über die Aufarbertung deS überhaupt toll seiner Zeit ein anderer Artikel den Unterhalten.% '• Die Saison der Balltoiletten ist bereits im besten 7 000 5 000 500 5 000 18 000 28 000 üim. oä'it»ation oer»aurorrerien rn orieuo III, vcfiiii JU TurstpicknickS, Abendtische und andere Vergnügungen Iii?'1" fich unvermeidlich anschließenden Balle finden allabend. g und mit dem Balle kommt die Ballrobe zugleich auf , jenes Garderoben stück, bei dem die Debatte 'tit des Nackten stets wieder von Neuem auf- kann und zwar in der Voraussetzung, daß ™en werden kann und zwar in oer-voiau-,r»u,,u, W'*collere, grantle" der Primadonna und der„trefe AuS- T', der Nähmamsell denselben unbekleideten Raum betreffen. verdient hierbei zu werden, daß bei den Tanzver- Üpifien der minder vornehmen Krerse der bedenkliche Ausschnitt desto„höher" geht, je mehr die Gesellschaft M den„unteren" Ständen zusammensetzt, ein Moment, .wi Verächter des nackten Fleische» beachtenswert h sein • Anders liegen diese Dinge in den vornehmeren Ge- �»kreisen. Von dem englischen Premierminister d'Jsraeli man. er habe in einer Balldamen-Gesellschaft auf die _ ob er je etwas Schöneres gesehen habe, geantwortet: W feiner Entwöhnung nicht! Nicht minder treffend und Berliner Humor zeugend, war die Bemerkung eines � Schmiedemeisters und Roßarztes, die dieser am letzten habend auf einem hiefigen Balle machte. Als der etwas y, Gerte Ausschnitt einer jungen Dame besprochen wurde, b-l,' ber bärtige Roßarzt mit seiner tiefen Bestimme die Be lhwUU&___«■ AM , U'iien; wenn rn«» �»eise Sentenz, die jungen Damen zur Beachtung empfohlen Die beiden öffentliche« Springbrunnen'auf dem Platz verbrauchen im Laufe eines Jahres ein beinahe s° großes Quantum von Wasser, als die übitatn vier Ann ich von meinem Standpunkte aus man tief, schneidet, �.so schwärts nicht!" 'wichen.Quantum von Wasser, als die übrigen vier Ä�-rplatz und'Neuer jstwv; vre Springbrunnen � t rWm"8*iabre 137 950 cbm Waffer, der Springbrunnen am F A-.."""platz 8245 cbm, am Alexanderplatz 12100 cbm, r kloR1 ��ikt 17 813 cbm, am Kemperplatz 21 000 cbm.— ÄMchen �eringbrunnen am Älcxandrrplatz, Belle- Älliance �Mtperplatz und Neuer Markt zusammen und zwar ver- Markt zusammen........ ltlv am Pariser Platz im vergangenen cbm Waffer, der Springbrunnen am h Markt 17 813 cbm, am Kemperplatz 21 000 cbm.— rÄÄSÄ'«°Ä 1 Promenave tn oer'snrnmiuuv» "««Platz in der Müllerstraße mit 2450 cbm u. s. f. b'Vzi&alsche BilletS. Auch in diesem Jahre scheinen MW gegenüber einmal ungebührlich benommen haben, so daß drese fich äußerte, dies Bettagen seinem Meister mitzutheilen. Der Geselle ist vor kurzer Ze t von seinem Meister entlaffen wor- den, und eS liegt die Vermuthung nahe, daß er die Fwu im Vervacht hat, ihn außer Arbeit gebracht zu haben, und des- wegen Rache üben wollte. An seinem Rock wurden Blutspuren gefunden, auch ist sein Koffer mit Beschlag belegt.— Der andere Mann wurde auf dem Bahnhof verhaftet, alS er gerade von Berlin kam. Er hatte bis zum Sonntag ebenfalls in einer Potsdamer Herberge logirt, war aber unter Zurücklassung seiner Papiere nach Berlin gefahren, hatte indeß gesagt, am nächsten Morgen wieder zu kommen. Verschiedene Personen haben bereits bei der Konfrontation festgestellt, daß der Mann in Potsdam gebettelt hat. Schon mehrfach ist aus der Provinz gemeldet worden, der Mörder der Frau Paepke wäre da oder dort ergriffen. Meist trugen die Nachrichen den Stempel der Unrichtigkeit auf der Stirn. Jetzt finden wir in der„Magdeb. Ztg." Nottzen, die zwar dunkel abgefaßt find, aber doch Beachtung zu ver- dienen scheinen. Dem Blatt wird gemeldet: Staßfurt, 21. November. Im Laufe des heutigen TageS sollen, wie wir soeben erfahren, in Leopoldshall die muthmaßlichen Mörder der Frau Paepke in Berlin festgenommen sein. Dieselben hatten fich in Leopoldsball schon einige Tage aufgehalten. Im Hemde des einen sollen fich noch Blutspuren befunden haben. Als die beiden Personen heute Abend mit dem'«>3 Uhr Zuge nach Bernburg gebracht werden sollten, ttaf aus Berlin ein Geheim- polizist ein, der die Beiden noch aus dem Zuge in Emvfana nahm. Wie wir nachträglich noch erfahren, find die des Raub- mordeS an der Frau Paepke Verdächtigten durch den aus Berlin eingetroffenen Polizeilieutenant zunächst nur rekognoszirt worden unv dürften erst in den nächsten Tagen unter ficherer Bedeckung au» dem hiefigen Amtsgefängn'ß nach Berlin über« führt werden. Von Berlin aus war die Spur der Verbrecher bis nach hier verfolgt und die hiefige Polizei benachrichtigt worden, daß fich dieselben in Etaßiurt und Umgegend auf- hielten, wovon auch der Behörde in Leopolshall Mttheilung geworden. Als fich die Verdächtigen nun unter richtigem Namen(die wir bisher noch nicht erfahren konnten) auf der dortigen Polizei anmeldeten, wurden fie sofort festge- nommen. Ein Mann ohne Zähne muß es gewesen sein, der schon zu iw ederholten Malen den Schaukausten des Zahnarztes Urbanczyk, Königgrätzerstraße 27, zum Ziele seiner einbreche- tischen Tbätigkeit ausersehen hat. Durch die Erfahrung des gleichen Einbruches vor 1'/- Jahren belehrt, sah fich der Zahn- arzt veranlaßt, zum besseren Schutze an der Lade seines Schau- kastens eiserne Schienen anbringen zu lassen, mit welchem Er- folge aber, beweist der wiederholte Einbruch. Was leistet denn noch Widerstandskraft gegenüber einem notorischen Einbrecher und der rohen Gewalt fernes Brecheisens! Wie damals so auch diesmal schienen dem Einbrecher die ausgestellten Goldgebiffe, Goldplomben u. s. w. sehr verlockend vorgekommen zu sein, nach welchen er in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag seine diebische Hand ausstreckte, um leider wieder un- bemerkt vavon zu kommen. Daß man es hier mit einem und demselben Einbrecher zu thun habe, muß man vermutben, wenn man in Erwägung zieht, daß er speziell nach den goldenen Ge- bissen langte, welche lediglich Kopten der damals von ihm ent- wendeten waren, während er jetzt als Sacherkenner— die Kautschukgebisse unberührt ließ. Der Schaden beläuft fich immerhin auf 100—120 M. Uebrigens waren schon vor acht Tagen Spuren eines Einbruches fichtbar, an dessen Ausführung er aber jedenfalls gebindert sein mußte. Vielleicht gelingt es endlich, dieses gefährlichen Einbrechers habhaft zu werden. g. Ein Aufsehen erregender Vorfall beschäftigt seit einigen Tagen in umfangreichem Maße die Kriminalpolizei, über welchen ein Berichterstatter meldet: Dem Direktor eines hiefigen vielgenannten kunstgewerblichen Instituts war vor einiger Zeit im Interesse des einheimischen Kunstaewerbes vom Oderprästdenten der Provinz Brandenburg die Eclaubnlß zur Veranstaltung einer Lotterie ertheilt worden, welche denn auch dem Lotterieplane entsprechend stattfand. Zu dieser Lotterie wurden seitens deS gedachten Direktors eine Anzahl von Kunst- gegenständen bei hiefigen Firmen entnommen, um als Gewinne zu dienen. Gegenwärtig nun findet der Verkauf der Loose zu einer zweiten Lotterie dieses kunstgewerblichen Instituts statt und dieser Umstand bat die Veranlassung zu einer Anzeige bei dem Oberpräfidemen der Provinz Brandenburg über diverse Unregelmäßigkeiten gegeben, welche fich der Entrepreneur der Lotterie, der Direktor jenes Instituts, hat zu Schulden kommen lassen. Unter Anderem find die von ihm zu der eisten Lotterie entnommenen Gegenstände noch gar nicht einmal be- zahlt worden und alle Mahnungen der betreffenden Firmen um Zahlung waren nutzlos, weil der Herr Direktor kein Geld besitzt und oaS ihm unterstellte Institut weder Verbindlichkeiten befitzt, noch solche eingehen kann. Sodann aber, und darin dürften strafbare Momente zu finden sein, waren die Loose mit einer Firma versehen, welche dem Publikum die Gewähr für die Sicherheit ihrer Ansprüche geben sollte, eine Gewähr, die thatsächltch gar nicht vorhanden ist. Die Kriminalpolizei stellt nun, jedenfalls auf Veranlassung des Oderprästdenten der Provinz Brandenburg, die eingehendsten Recherchen in dieser Sache an und es ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß in Folge der zu Tage gekommenen auffallenden Handlungs« weise deS Herrn Direktors die bereits genehmigte zweite Lotterie inhtbirt wird. Reisende Bauernfänger. Ungefähr acht Mitglieder dieser edlen Gilde halten am Montag eine Kunstieise von Berlin nach Potsdam unternommen und es dort hauptsächlich auf Handwerksgesellen abgesehen. In einem RestaurationSlokat entrirten fie ein sogenanntes Kümmelblättchen und rupften einen jungen Bäckergesellen derartig, daß fie ihm ungefähr 50 M. baares Geld und seine Taschenuhr abnahmen. Der Bäckergeselle wurde zu hohen Einsätzen dadurch veranlaßt, daß man ihn zunächst größere Geldsummen gewinnen ließ. ES stellte fich aber heraus, daß die Geldstücke, welche die Männer verausgabten, falsch, sogenannte Blüihen, waren. Als später der Bäckergeselle in einem Kaufmannsladen in der Lindenstraße saß und über seinen Verlust weinte, kamen gerade zwei von den Bauernfängern dort vorüber. Sofort liefen die Insassen des Ladens auf die Straße und hielten in Gemeinschaft mit anderen Personen die beiden Männer fest, welche später durch Schutzleute nach dem Polizeigewohrsam gebracht wurden. Bei ihrer Verhaftung wurde noch eine Menge falsches Geld bei ihnen gefunden. g. Eine Fangprämie, welche auf einen steckbrieflich Ver- folgten, und zwar rnHöhe von 10 M. gesetzt worden ist, dürfte uv fern Lesern etwaS Neues sein. Wieden sämmtlichen Polizei- behörden seitens des großherzoglichen LandarbeitSbauses zu Güstrow mitgetheilt worden, ist der Webergeselle Wilhelm Nitze aus Trebbin entwichen und flüchtig geworden. Auf seine Fest- nähme ist di- vorgedachte„Fangprämre" gesetzt worden.— Liest man diesen Ausdruck ohne einen sonstigen Zusammenhang, so nimmt mau unbedingt an, es handle fich um das Einfangen eines entlaufenen Thieres. B. Schreckliche Rache. Fräulein Melanie P, die Tochter eine? in der Potsdamer Straße wohnenden RentterS, befand fich in fortwährendem Streit mit ihrem Bruder, einem flotten Studenten, über die Schönheit und die Anwendbarkeit der Tournüren. Während der Student sämmtlichen Tournürm den Untergang geschworen, war die Schwester eine eifrige Ver- ehrertn dieser modernen Damenböcker und trug selbst Tour- nüren von riefigem Umfang, welche fie eigenhändig aus Sei- denstoff angefertigt und mit Daunen gefüllt hatte. Einen günstigen Moment benutzend, war es gestern dem Studenten gelungen, fich unbemerkt der ihm so v-rhaßten, schwesterlichem Tournüre zu bemächtigen, und die Näth« derselben mit seinem Taschenmesser derartig zu lockern, daß nach einigen Bewegun- gen die Füllung von selbst entweichen mußte. ,AlS Frl. M., gestern Nachmittag, umgürtet mit ihrer Tournüre. stolz durch die Leipziger Straße schwebte, lösten fich die gelockerten Näthe. Erst schüchtern zeigten fich am Saum ihres Kleides einige Federn, bei jedem Schritt aber wurde der Federfall größer und staunend betrachtete das Publikum die federnde Dame. Fräu« lein M. bemerkte endlich zum Entsetzen ihr Unglück und flüchtete in daS nächste Haus. Ihr Bruder Studio hatte die für ihn ergötzliche Szene in der Ferne mit angesehen und als F l. M. aufgeregt nach Hause zurückkehrte, wurde fie von ihm noch ob mein gehörig ausgelacht. Polizei-Bericht. Am 23. d. Mts., Morgens, sprang ein Soldat am Tempelhofer Ufer in selbstmörderischer Äbficht in den Landwehr. Kanal, wurde jedoch noch lebend aus dem Wasser gezogen, nach der Wache des 34. Polizei-Revicrs und, nachdem er fich erholt hatte, nach der Wohnung des Offiziers, zu welchem er als Bursche kommandirt rst, gebracht.— An demselben Tage, Nachmittags, gerieth der Arbeiter Viereck in der Echröder'ichen Holzschneiderei, Blumenstraße 30, mit der rechten Hand in die Kreissäge und wurden ihm dabei zwei Gelenke des Zeigefingers abgeschnitten. Nach Anlegung ernes Verbandes auf oer Sanitätswacbe wurde er nach seiner Woh- nung gebracht.— Um dieselbe Zeit fiel ein Knabe, als er vor der Thür des Hauses Bukowerstraße 6 einen anderen Knaben auf den Schultern umhertrug, dabei zur Erde und brach an- scheinend den linken Oberschenkel. OerichtS'Ieitung. Marquise Mta de Candia wegen Betruges vor Gericht. Eine internationale Hochstaplerin hatte fich gestern vor dem Forum der zweiten Strafkammer des königl. Landgerichts Berlin 1 zu verantworten. Marqaise Rita de Candia, die? der Name der Angeklagten, ist die Tochter des bekannten Teno» risten Mario und der berühmten Sängerin Giulia Grift, die beide noch vor wenigen Dezennien zu den gefeiertsten Talenten in der Tbeaterwelt gehörten. Sie debütirten in allen größeren Städten Europa'S und unternahmen selbst eine Reise nach'Nord- Amerika. Die Mutter der Angeklagten, Giulia Grift, oder Marquise ve Candia, wie fie in Wirklichkeit hieß, deren Ruf fich sehr schnell über ganz Europa verbreitete, war im Jahre 1869 mit ihrem Gatten auf einer Reise nach Peters- bürg begriffen; fie erkrankte jedoch in Berlin und starb hier am 28. November 1869. Der Vater der Angeklagten Marquise de Candia wurde als sardinischer Jäger- Offizier eines Jugendstreichs wegen nach Cagliari ver« wiesen und flüchtete, da man ihm den Abschied verweigerte, nach Paris. Dort erregte in den Salons sein wunderbarer Tenor solches Aufsehen, daß ihm der Direktor der Großen Oper ein erstes Engagement mit monatlich 1500 Franks anbot. Nach zweijährigen Studien unter Poucherd und Dor- dogei trat er am 2. Dezember 1838 zum ersten Male als „Robert der Teufel" auf. Bald wurde er neben Rubini für die italienische Oper gewonnen und begründete seinen Weltruf durch Gastspiele in Petersburg und London. In Paris erhielt er eine monatliche Gage von 15 000«Franks. Nach dem Tode zog fich Mario, oder Giuseppe Marqnis de Candia, wie er eigentlich hieß, von der Bühne zurück und vertheille sein großes Vermögen noch bei seinen Lebzeiten unter seine Kinder. Kur, vor seinem Tode gerieth er jedoch tn Roth und lebte von Unterstützungen, die ihm hochherzige Freunde gewährten. Er starb im Dezember 1883 zu Rom. Aus die Angeklagte Rita entfielen bei der er- wähnten Vermögenstheilung 100000 Lire, die auf dem Leih- ami zu Florenz deponirt wurden. AlS fie nach erlangter Groß- jährigkeit das Geld in Händen bekam, bereiste fie fast ganz Europa, veranstaltete luxuriöse Festgelage ic., kurz, fie führte ein derartig verschwenderisches Leben, daß fie die ganze Summe in einem einzigen Jahr verbrauchte. Dessen ungeachtet s tzte die junge Marquise ihr luxuriöses Leben fort. Die Mittel hierzu wußte fie fich durch Enmahmc von Darlehen zu ver- schaffen. Ihr Name, sowie ihr ganzes Auftreten machten ihr diese Manipulationen sehr leicht. Bereitwilligst wurdenZihr baare Darlehne, Echmuckgegenstände aller Art jc. gewährt. Sie unternahm nach wie vor Reisen nach allen Hauptstädten Europa?, lc flirte in den feinsten Hotels und führte ein derartig verschwenderisches Leben, daß alle Welt glaubte, fie sei eine sehr reiche Marquise und ihr anstandslos alle möglichen Dinge geliehen wurden. Zu den solchergestalt Gerupften gehört selbst ein Berliner Dienstmann, der der vermeintlich jehr reichen Marquise 100 M. auf Nimmerwiedersehen vorgeschossen hat. Drei Jahre lang verstand es die Angeklagte, auf Kosten Anderer zu leben dezw. zu schwelgen. Im Oktober 1884 wurde fie jedoch endlich, als fie fich gerade in Berlin aufhielt, von der NemefiZ erreicht. Sie befindet fich seit dreser Zeit in Haft und muß deshalb heute wegen Betruges in 56 Fällen vor den Schranken Eingangs bezeichneten Gerichtshofes erscheinen. Die Verhandlungen finden im großen Schwurgerichtssaale statt. Der Zuschauerraum ist von einem disttnguirten Publikum überfüllt. Den Vorfitz deS Gerichtshofes führt: Landgerichts- Direktor Lüty, die Staatsanwaltschaft verlritt Assessor Dr. Flickel, die Vertheidigung führt: Rechtsanwalt Wronker. Gegen 9-/« Uhr Vormittag» wird die Angeklagte in den Saal «ä«:""ä te kmä ist rhr Haar fast ganz grau geworden; das letztere konttastirt ungemein zu ihren noch ziemlich jugendlichen Gcstchts- zügen. Dre Angeklagte steht fich zunächst recht ruhig im Saale um und unterhält fich alsdann sehr lebhaft mit rhrem Verthetdiger. Sie spricht ge. läufig deutsch, jedoch so leise, daß fie am Berichterstattcrtrsch schwer verstandlich ist. Nach geschehenem Aufruf und Ver- warnung der Zeugen giebt fie auf Befragen des Präsidenten. LandgenchtSralh Lüty, an: Sie sei am 11. März 1852 zu London geboren, evangelischer Konfesfion. Sie sei die ver- ehelichte Tochter des Tenoristen Mario und der Sänaerin Schwestern und einen Bruder, die sämmtlich in London leben Präs.: Sie sollen von Ihrem Vater 100 000 Lire geerbt haben? - AngeklA Bedeutend mehr.- Präs.: Wieviel mehr?- iä sr-naf a r* is sä kam ich Geld- Prasi: Ueberschätzen S:e nicht Ihr Ver- m°g«n?- Angekl.: Nein.- Präs.: Ihr Vater besaß wohl in seiner Bluthezeit ein sehr bedeutendes Vermögen, allein er führte, wie Ihnen bekannt sein wird, ein sehr verfchwenderi- sttes Leben, so daß das Vermögen sich schließlich sehr reduzirte. ?�ben-tz en Jahren lebte Ihr Vater sogar in Noth und c.% IS™ ä? Pws-: Besaßen Sie außer dem Erbthetl Ihres Paters noch SÄO irÄ;«?? ilÄ SfKS»4'Älis wmmm Hotel und im Wo wurden' Berlin auf der beendet und es rnSglidben Leuten, selbst von Rellnern und Dienstleuten?— Angekl.: Ich war in augenblicklicher Verlegenheit.— Präs.: Von Ihrer Rente, die sich jährlich auf mindestens 1500 Marl belief, polten Sie als einzelne Dame doch sehr gut leben können. Wenn Sie jedoch alle möglichen Goldsachen lauften, kostspielige Reisen unternahmen u. s.w. dann konnten Sie allerdings nicht auskommen?— Angekl.: Die Goldsachen waren nicht alle für mich.— Präs.: Für wen waren fie noch?— Angekl.: Ich will den Namen der betreffenden Dame nicht nennen, da die- selbe jetzt verheirathet ist.— Präs.: Sie haben außer den ent- nommenm Darlehen unaufhörliche Reisen unternommen, in den verschiedensten Hotels gewohnt und find dann immer, nachdem ste denG-schästsleutenohneBezahlungWaaren entnahmen, plötzlich verschwunden, ohne auch nur die Hotelrechnuna zu bezahlen?— Angekl.:Jch glaubte immer, ich werde Gelder erhalten.— Präs.: Das scheint doch nicht ganz richtig zu sein, alS Sie in Köln im Hötel Leinefelter anlangten, besah fich ein Kellner%hre Koffer und sah, daß fie zumeist leer waren?— Angell.? Das ist wahr, ich glaubte aber Geld zu erhalten.— Präs.: Im Sommer 1833 waren Sie in München und wurden dort aus- gewiesen?— Angekl.: Das ist nicht wahr. Präs.: Die Alten besagen es aber?— Angekl.: Der italienische Minister-Refi- dcnt sagte mir, eS sei besser, wenn ich München verlasse.— Präs.: Das ist doch nichts weiter als eine feine Ausweisung? — Angekl.: schweigt.— Präs.: Sie find nun Jahre lang In Köln, München, Aachen, Paderborn. Berlin u. s. w. umbergc- reist und haben eine Schuld praeter propter 25 000 Mark gemacht und gaben stets vor, großes Vermögen zu besttzen?— Angekl.: DaS letztere habe ich nicht gethan.— Präs.: Jedenfalls war Ihre Handlungsweise nicht hübsch, denn Sie mußten doch wissen, daß Sie schließlich all' die Schulden nicht bezahlen konnten?— Angekl.• Ich gebe zu, daß meine Handlungsweise nicht ganz recht war, ich glaubte jedoch noch immer, bezahlen zu können.— Präs.: Sie wohnten hier in Berlin in Zernickow's Fürstenhof?— Angekl.: Ja.— Präs.: Sie verhaftet?— Angekl.: Hier in Straße.— Das Jnquifitorium ist damit wird in die Beweisaufnahme eingetreten. Der erste Zeuge ist der Besitzer des hiefigen Hotel„Fürsten- Hof", Holzinger: Die Angeklagte logirte längere Zeit bei mir und lebte überaus opulent. Ganz besonders wurde fie luxu» riöS, als eine junge Dame, Namens Marie Müller, stch als Gesellschafterin zu ihr gesellte. Obwohl die Rechnungen Mo- not# eine geradezu schwindelhaf e Höhe erreichten, schenkte ich der Angeklagten mit Rllckficht auf ihren Namen, ihr gesammtes Auftrelen, ganz besonders aber deshalb Vertrauen, da fie mir N'cht nur sagte, fie beziehe aus Italien große Revenuen, son- dem fie bat mich einmal, eine Depesche an einen gewissen Luciant nach Mailand zu senden. In Folge dieses Telegramms erhielt fie in wenigen Tagen 5000 Mark gesandt. Allein die Rechnung wurde schließlich so hoch, daß meiner Frau zur Zeit, als ich gerade im Bade war, die Sache doch zu bedenklich schien. Meine Frau verbot der Müller schließlich das Haus, da an- läßlich der Müller die Angeklagte in so opulenter Weise lebte. Ich habe schließlich bei der Angeklagten 1900 M. verloren.— Es wird alsdann die kommissarische Aussage des Oberkellners Reichler verlesen. Dieser kondstionirle zur Zeit in Zernikow's Hotel hier selbst und hat der Angeklagten, da ste vorgab, großes Vermögen zu befitzen, 300 M. und auf seine Veranlassung euch ein in demselben Hotel dienende# Stubenmädchen dieselbe Summe geliehen; das Geld haben fie beide nicht mehr zurück erhalten.— Präs.: Wethalb machten Sie derartige Anleihen? — Angekl.: Ich glaubte immer, Geld zu erhalten und dasselbe zurückgeben zu können.— Präs.: Ja, fie glaubten das, das hat doch aber eine gewisse Grenze? Und wozu brauchten Sie so viel Geld, so daß Sie Kellner, Hausdiener. Stubenmädchen, Dienstleute ic. anpumpten?— Angekl.: Ich war in Ver- legenheit.— Prästvent; Sie hätten doch aber etwas einfacher leben können. Wenn man im Saus und Braus lebt und fich das Geld dazu von armen Erubenmädchen, Hausdienern u. s. w. leiht, ohne genau zu wissen, ob man dasselbe wird zu- rückerstatten können, so nennt man das einfach nach unserem Sprachgebrauch Schwindelei.— Die Angeklagte schweigt.— Posamentierfrau Sckachler: Ich lieh der Angeklagten, als fie im Jahre 1883 im Westend Hotel hierselbst wohnte, nach und noch 1700 M., ohne von d'm Gelde jemals etwa# zurück zu er- halten. Die Angeklagte gab vor, ein sehr großes Vermögen zu befitzen.— Dienstmann Ritter: Ich wurde von der Ange- klagten mehrere Monate hindurch beschäftigt und habe für meine Dienstleistungen und einige Auslagen ca. 90 M. von der An- geklagten zu erhalten.— Kaufmann Hoffmann: Ich lernte die Angellagte durch Frau Scheßler kennen und da erster« mir ver- Scherte, daß fie eine jährliche Rente von 25000 stark beziehe, so lieh ich ihr nach und nach 6700 Mark. Als ick fie um Rückgabe ersuchte, machte ste allerhand Ausflüchte, wie: ihr Anwall habe ihr 8000, anstatt 18000 M. gesandt, da die italienische Rente zu niedrig stehe und daß ste deshalb nicht verkaufen wolle. Einmal sagte ste mir: Im deutschen Bundesrathe sei ein sehr hoher Beamter, der in der Nähe von Berlin ein Gut bestpe. Dieser, der jetzt verheirathet sei, sei ihr Bräutigam gewesen, der ihr für sein nicht eingelöstes Eheversprechen 30 000 M. zu zahlen habe. Der Bundcsiath sei jedoch jetzt geschloffen, so daß fie augenblicklich da# Geld nicht erhalten könne. Als ,ch einige Tage darauf wiederum in ihrer in der Vabnhofstioße belegenen Wohnung nachfragte, wurde mir der Bescheid, daß fie nach England ab- gereist sei.— Auf Befragen des Präfidenten demeikt die An- geklagte, fie wolle den detreffenden Heim aus dem Bundes- rath nicht nennen: fie habe im Uebriaen den itali'mschen und nicht den deutschen BundeSrath gemeint.— Der Zeuge bleibt bei seiner Behauptung.— Wäscherin Dümat: Ich habe für die Angeklagte mehrere Monate gewaschen und ihr während dieser Zeit 200 Marl geliehen, da fie mir verficherte, ein sehr bedeutendes Vermögen zu be- fitzen. Einschließlich des mir schuldig gebliebenen Waschgeldes schuldet mir die Angeklagte 350 MI.- Es gelangen hierauf mehrere kommissarische Vernehmungen zur Verlesung. Der Advokat Rigoletto und Ministerial Rath Kottran(Rom) de- künden übereinstimmend: Die Angeklagte habe allervings 100000 Lire von ihrem Vater als Erbtheil erhalten, etwaü Weiteres batte fie jedoch nicht zu erwarten. da in der letzten Zeit die Pasfiva des alten Mario bedeutend großer waren als die Aktiva. ES sei jedoch möglich, daß die Angeklagte immer noch geglaubt hat. ste werde von ihrem Vater noch ernma so viel erhalten, um alle Schäden decken zu können. Munsterial- Rath Kottran hat ihr geschrieben: ste habe von ihrem Vater nichts mehr zu erwarten, fie habe ihm jedoch geantwortet, sie könne nickt glauben, daß ihr Vater so schlecht gewirthschastet habe.— Hier tritt eine kurze Pause ein. limine und Nersammlmigen. Tie vom„Deutschen Kulturbund" am 23. d. M. nach den Gratwerl'schen Bier hallen einberufene Versammlung war besonders von Herren stark besucht. Gegen 8% Uhr«öffnete Frau Dr. Hofmann die Versammlung und ließ zunächst ein Bureau wählen. Die vorgeschlagenen Damen waren Frau von Riesenthol und Frl. Räuber(Die erste Vorfitzende und erste Schriftführerin des Kulturbundes): fie wurden einstimmig ae- wählt. Nachdem die Vorfipende einige erklärende und ein- leitende Worte über Zweck und Ziele de# Kulturbundes gesagt, eicheilte fie der Referentin Frau Dr. Hofmann daS Wort zu ihrem Vortrage. Rednerin verlaS zunächst die vom Verein in Umlaut getetzte Petition, deren Inhalt folgender ist;„An den Hohen Reichstag wenden wir uns mit der Bitte, die st.alliche Regulrrung der Prostiiution(die bestehende Ein- richlung der Sittenpolizei) abschaffen und durch ein. regel- mäßiges Gerichtsverfahren ersetzen zu wollen, weil dieselbe weder mit den gesetzlich anerkannten Rechten und Freiheiten der Staatsbürger, noch mit dem Siltengcsey vereinbar ist. Einerseits wird die mtttellose(srau durch dieselbe außerhalb des Gesetzes gestellt und der unumschränkten Willkür der Polizei preisgegeben: andererseits werden dadurch die fittlichen Ausschreitungen von Mann und Frau gesetzlich ge- nehmigt und gefördert." Anknüpfend an Vorstehendes schilderte Rednerin eingehend, auf wie veralteten Anschauungen die Einrichtungen der„Sittenkontrole" beruhen, fie erscheinen fast wie ein Ueberbleibsel der Sklaverei, wenn man hört, daß der Körper der gefallenen Mädchen wie ein Werkzeug von Andern gegen ihren Willen in Ordnung gehalten wird. Wer je einen tieferen Blick in diese Zustände warf, der müßte dem Kampf um das Recht der Frau fich an- schließen. Oft genug ist schon von Aerzten betont worden, daß die jetzt bestehende Einrichtung der„Sittenkontrole" durchaus keinen Schutz betreffs der Gesundheit bietet: eine Zwangsuntersuchung bat höchstens din Erfolg, dm Mädchen den letzten Rest der Scham zu nehmen und die Gefallenen der Armee des Lasters einzureichen. Der Bürgermeister von Kolmar, HerrSchlumderger, hat durch Abschaffung jenerEmrichtunggezeigt, daß die Gesetze für die öffentlicheOrdnung auch hienür ausreichend find. Der wirthschaflliche Schaden, den die bestehenden Ein- richtungen herbelführcn, ist nicht zu übersehen; diesen haben die fittenreinen Arbeiterinnen zu tragen, welche, wenn fie über die zu niederen Löhne klagen, von den Geichäftsinhabern auf gewissen Nebenerwerb mehr oder weniger verblümt hingewiesen werden. Es ist wohl in allen anderen Fällen strafbar, die Noth seiner Mitmenschen auszubeuten, und heißt es nicht der Humanitär einen Schlag inS Geficht versetzen, wenn man gefallene Madchen zur Ehrlofigkeit verurtheilt? Zum Schluß bat Rednerin nochmals um rege Un- terstützung ihrer Agitation. Die Diskusston wurde er- öffnet. Ein Herr Heller erklärte, daß er dem allgemeinen Beifall nur beistimmen könne; doch, meint er, der Staat allein wäre nicht im Stande, hier Abhilfe zu schaffen. Es müßte zuerst eine Amderung der sozialen Verhältnisse herbeigeführt werden; die Hälfte der Prostrtuirten gingen aus Noty und Elend jenem schimpflichen Erwerbe nach; wie wäre es aui möglich, daß eine Arbeiterin bei einem Lohne von 1,75 M. 1 Dtz. Oberhemden ihre Bedürfnisse in ai ständiger Weise' friedigen könne. Hier wäre es nöthig, daß Alle mit Hand anlegten und nach Kräften eine Aenverung der ibattächlichen Verhältnisse anstrebten. Obgleich bei diesen Versammlungen sonst stets von Eliten der Herren eine Diskusfion gewünscht wurde, meldete fich Niemand mehr zum Wort und erfolgte der Schluß der Versammlung daher beieitS gegm 9'/« Uhr. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Korbmacher Berlin# und Umgegend hielt am Sonntag, den 22. d. M., im Lokale des Herrn Otto, Ädalbertstraße 21, unter dem Vorfitze de# Herrn Carl, seine Versammlung ab. Nach Erledigung des ersten Punktes der Tagesoidnung, Bericht über die Be- schlüffe der letzten Vorstandsfitzung, berichtete H.rr Sleinecke über die von Seiten des Gesellen Ausschusses entrirte Lohn- bewegung, indem derselbe ausführte, daß fich die Meister in der am 16. d. M. stattgehabten Versammlung von Arbeit gedern mit der Erhöhung des bisherigen Tarifs um 10 pCt. einverstanden erklärt, und ein großer Theil derselben fich durch NamenSunterschrist zur Zahlung der Mehr'orderung verpflichtet haben. In der darauf folgenden Diskusfion bezweifelten mehrere Redner den Erfolg dieser Lohnbewegung, da unter dem verhältnißmäßig nur geringen Theil von Arbeitgebern, die fich zur Zahlung der Mehrfoiderung verpflichtet haben, noch verschiedene find, welche überhaupt gar keine Gesellen deschäf- tigen. Die vorwiegende Meinung grng schließlich dahin, daß, wenn durch diese Bewegung Erfolge auch nicht erzielt worden find, fie die Interessen der Gesellen auch nicht schädigen kann. Alsdann nahm der inzwischen in der Versammlung erschienene Herr Dr. Lütgenau das Wort. Die Versammlung beschloß sodann, die Dezemberveisammlung des nahen Weihnachtsfestes wegen ausfallen zu(äffen. Das Arbeitsnachweisbureau befindet fich jetzt bei Herrn Friedrich Jungnickel, Wiener- straße 11. Eine öffentliche Kisten- und Koffermacher-Versamm- lung tl-ate am Sonntag, den 22. d. Mts., in Wichchempt's Salon, Manteuffelstr. 9, in welcher Herr Michelsen als ersten Puntt der Tagesordnung einen Vortrag über die feindlichen Tendenzen der Gesellschaft hielt. An der Diskusston betheiligien fich die Herren Wahrmann, Leichnitz und Haschek. Es wurde folgende Resolution angenommen: Die heutige Versammlung der Kisten- und Kofiermacher erklärt fich mit den Auslührungen de# Herrn Referenten roll und ganz einvnstanden und ver- pflichtet fich, im Sinne seiner Ausführungen zu agitiren. Zum zweiten Puntt der Tagesordnung wurde beantragt, eine Kommisston zur Ausarbeitung eines Dampfpreistarifs zu wählen. Nach langen Eiörteiungen wurde jedoch die Wahl auf die nächste Mitgliederversammlung vertagt. Zuletzt wurde noch von Herrn Tschemig als Kommisfionsmitglied ein Brief von Hamburg, beziehentlich der Streikunterstützung verlesen, woraus hervorging, daß die Beziehungen zu den Hamburger Kistenmacher als durchaus vorzügliche zu betrachten find. Im Allgemeinen Arbettervererein zu Friedrichs- Hägen hielt am Sonnabend, den 21. November, Herr Regierungsbaumeister Keßler einen Voitrag über die Ursache der schlechten Lage der arbeitenden Bevölkerung. Redner wie# nach, daß es hauptsächlich nur die Bedürfnißlofigkeit des Ar- beiters ist, weicte Schuld hat, daß seine Lage eine so traurige ist. Ten Beweis haben wir z. B. durch die Chinesen, welche in Amerika eingewandert find, und durch ihre Bedürfnißlofig- keit für jeden Preis arbeiten konnten, wodurch fie die Löhne derartig herunter gebracht haben, daß fich die Regierung ge- nöthigt sah, ein Antichinesen G> setz zu erlassen, nach welchem nunmehr die Einwanderung der Chinesen ,n Nord-Amerika verboten ist. Ti'sclde Erscheinung haben wir in Deutschland durch die anspruchslosen Polen. Der Kapitalist giedt nur so- viel vom Verdienst ab, als der Arbeiter zur Befriedigung der nöthigsten Bedürfnisse braucht. So war es schon in der alten Zeit, sowie im Mittelalter. Als sich unter den Handwerkern die Zünfte bildeten, da war es unter den eigentlichen Zunft« gesellen etwas besser, denn dieselben waren schon von der auf- steigenden Kultur etwas beleckt, und machten demnach auch mehr Ansprüche. Dock genoffen verhältnißmäßig nur sehr Wenige die Voitheile der Innungen, bei der großen Masse der Arbeiter blieb Alles!deim Alten. Dann kam die Zeit der Dampfmaschine- Diese wurde schon im Anfang ihrer Entwickelung, nicht etwa zum Wohle des Arbeiters, sondern nur zum Vortheile des Kapitalisten benutzt, und fand in dieser Hinficht immer mehr Verbreitung. Sodann erklärte Redner, daß es die heiligste Pflicht eines jeden Ar- beiter# sei, sich um alle Fortschritte der Kultur zu kümmern. Man müsse fich zu vereinigen suchen, nur in der Vereinigung fände man die nöthige Bildung; je mehr Bildung, desto mehr Bedürfnisse, und je m hr Einigkeit, desto eher kann eine Re- form erstrebt werden. Man werfe daher den JndifferentiSmuS von fich und betheilige fich an einer Arbeiter-Vereinigung, denn nur dadurch kann man zum Ziele gelangen. Reicher Beifall lohnte dem Redner für seinen lehrreichen und allgemein ver- ständlichen Vortrag. Im Verlauf der Diskusfion legte der Vor- sitzende eS den Anwesenden nochmals ans Herz, über daS eben Gehörte nachzudenken. Jeder müsse nach seinen Ktästen in diesem Sinne wirken. Sodann wurden noch einige Vereins- angelcgcnhciten erledigt und schloß der Vorfitzende die Vcr- sammlung um 12V« Uhr. Verein Berliner Mechaniken. Donneista', dm 26.$* vember, Abends 8V, Uhr, Sitzung im großen Saale W Restaurant Ad. Menck, Alte Jakobstr. 128. Vortrag dcs hem Atchmcister Ad. Baumann über die verschiedenen Konstruktion'" der Gasmesser unter Vorführung von Modellen Um Mit' liche# Erscheinen wirb gebeten. Gäste willkommen. Zentml-Kranken- und Sterbe-Kasse der Töpfer«"J Bernfsgenoffen Deutschlands. Die Zahlstelle Büloiv> r" Frodenstraßen-Ecke ist nach der Flottwellstr. Nr. 5 hei L«" verlegt. Eine öffentliche Versammlung der Zigarrensortm-- Zigarrensortilerinnen und Zigarrenarbeiter, welche am 23. D.> nach dem Eiemund'schen Lokale, Linienstraße 3, einberufen den war, wurde de# mangelhaften Besuche# wegen auige!'« und auf einen anderen Tag verschoben. Die freireligiöse Gemeinde veranstaltet auch in diesw Winter mehrere Adendvorträge, wozu Dam n und freien Zutritt haben. Dieselben werden wie in früherer Weist["• auch wieder im Louisenstädtischen Konzerthause, Alte straße 37, Abends SV« stattfinden. Donnerstag, den 26. V vember, spricht daselbst Herr Schäfer über die NolhwenbM der Religion als Schutz für die menschliche Gesellschaft. Generalversammlung der Gewerkschaft der 9%, arbeiter Berlin» und Umgegend Sonntag, den 29. Wr Vormittag# 10V- Uhr, im Palmensaal, Neue SchönhaustM« Tagesordnung: 1. Bericht der Kommisfion. 2. Wahl des stände#. 3. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Metallarbeiters, zu erscheinen. An die Metallschrauben-Kacondreher und genossen Berlins richten wir die düngende Aufforbeninf.v, Zuzug zu der Fabrik des Herrn Etelzner, Melchiorstr. 23, f** zuhalten. Die ArMter der genannten Fabrik sind'"ist? der dort herrschczMn Zustände gezwungen, fich ihre Reo» dieser Weiser z» wahren. f Vermischtes. - Bier, da# beste Volksgetränk. Was Jstr ist das längst bekannte, nährende und geistige Getränk, da# durch künstliche Bereiiun weiniger Gährung auS stärkemehlhaltigen Stoffen Hopfen bereitet wird. Seine Hauptbestandtheile find: B». Zucker, Dextrin(Gummi), Kleber, Kohlensäure, Weingw Hopfen- Extratt. Darum ist ein gut gebrautes, gohrrnes, abgelagertes und vollständig klares Bier ein»n, sundheit vollkommen zuträgliches, durststillendes, nähier�»- stärkendes Getränk. Da# Wasser darin löscht den TuAzji Weingeist erregt und elhettert, das Malzextrakt napjjjl Kohlensäure erfrischt, der Bitterstoff de# Hopfen» g,, magenstärkenv und veidauungsfördelnd. Die schleiwir�A, stanvtheile�wie Dextrin und Kleber find blut- und � des Bierei an untritiven blo-' bildende Stosse. Ä so der Gehalt—______................ muskeldildenden Stoffen, ähnlich wie beim Brode, ein vollkommen "'k durstlöschende und erquickende welche es geeignet machen, als zuträgliches Bolksaettänk, als das flüssige Brot zu gelten und eine immer weitere Verbreitung ßj; W Feststehend ist die Thatsache, daß in vielen Länd»"� Bier längst schon zu den unentbehrlichen Nahrung«� gehört. Und das Bier als Bolksaettänk macht ein fo•FSVi Element in der Kulturentwickelunz de# Menschen geschl�",� daß kein Mensch, der gesunden Beistand hat. seiner tung hinderlich sein wird. Das Bier hat bei den stets eine große Rolle gespielt und ihnen jene Kraft, welche� fie auf so mancher Wahlstatt rühmlichst bcthät>F»M im Menschen kräftig entw ekelt und zwar zu seinem � ,11 denn das ist es gerade, was ihn anspomt, fich P%iF heben, und dies ist wiederum ein nothwendiger gen Forlschiitte?.. �(ii* Die Neigung zu aufheiternden Etimulantien ist» F Phase diese# Verlangens. Als solche beanspru«, � jtf findet fie Anerkennung in unseren Gewohn besten, v. jrf mäßige Genuß alkoholischer Getränke— insbesonv � Bieres— ist durch gesellschaftlichen Gebrauch gutgebc'k m stch soweit erstreckt, wie die Kultur selbst, und Klassen, gleichviel, welche# ihr Stand und ihre stellung sei.. � ., Das Bier aber ist auch in phyfiologischer Bez'kbu � hohem Werthe. Em gut abgelagertes Bier gicbt nist W Fleifch und wenig Brot genossen eine der Milch, w' ¥ Attisch eine dem Reis in Beziehung auf das Berhau J�» stoMrerer und stickstoffhaltiger B«standtheile ähnliche Acy Dabei defindet stch da# Bier bereits in jener von den Berdaur-ngssäften leicht asfimilirt und seiner � stimmung im Köiper zugeführt werden kann. Da» f daher Nicht so sehr durw die Menge seiner Bestandw' � vielmehr durch deren rasche Verarbeitung und en prfflr ssS Kreres vorzugsweise auf dem reichlichen Voih-ndens-'N�x< Salze, dre eS zu einem der besten Surrogate für L machen. Die meisten charatterlstischen BestandtheUe t" finden fich auch im Biere vor. So «WWW @##0 Ei wo ZZMWW? ...... I, CS nrfy w, ÄV den Klübenden Hochofen..., RUWWWw»' vor i» v. G. 17. Max vi. machen. Äriefkasten der Kedadti� y G. 17. nnAff-r Uiintmer.....-.rii'jä' In nächster Nummer. Wir können leider keinen Verantwortlicher«edatteur«. Eronhei« in Berlin. Druck und»erlag von Max«adina in Berlin SW veuthstraße 2