Donnerstag, den 3 Dezember 188». II. Jahrg. erlimVMlM Krgiin für die Interessen der Arbeiter. 4 «ttuelne Str. 5 Pf. Somrtags-Nummer mit illustr. Beilage (Eingetragev iu der Pojheitungipreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jasertiousgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate«erden bii 4 ZlachmittagS in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» AnnoneeÄ- Bureaux, ohne Erhöhung de» Preises, angenommen. Redaktion; Kenthstraste— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. l ßolmiiilPlitischrs. Es find allerlei sonderbare Blüthen, die auZ der Sphäre �ifrer Kolonialbestrebungea emporschießen. Erklärt da «nlich ein Mitglied der ostafrikanische» Gesellschaft Mi unverholen, daß er sich eine günstige Entwickrlung der Alchen Kolonien ohne Sklavenarbeit gar nicht �v'en könne. Daraus läßt sich ungefähr schließen, wie es �ientn Kolonien aussehen wird, in denen der Einfluß der -�fnkanischen Gesellschaft zur Geltung kommt. Für den lUipmfchen Einwanderer bleibt da wenig übrig; mit der lmge» Sklavenarbeit wird Zkaum ei» Chinese, geschweige ein deutscher Arbeiter konkurrircn könne». Es ist in- bezeichnend genug, daß eine irgend wie bedeutende Ein- -�»derung von Europäern, resp. Deutschen nirgends in den «M Deutschen Reiche besetzten GebietStheilea bemerkbar ge- forden ist. Was sollten die Auswanderer auch drüben fangen? Zunächst ist man über die klimatische und' sonstige �ichafsimhcit der neuen GcbietStheile noch nicht hinreichend ««errichtet. Die Arbeiten auf den Besitzungen der curo- Alchen Handelsherren dürften nach ihrer eigenartigen Be- Wevhest sowohl als nach dem damit verbundene« Ver- •----•••*.». C. T! je...r �°sfenheit sowohl als nach dem damit vervunvene«-ver» für deutsche Arbeiter nicht sonderlich verlockend sei» ZT ohnehin werden die Plantagenbesitzer u. f. w., soweit /*** nur möglich, die billigen Arbeitskräfte der Eingeborene» «•«ehe». Wer aber drüben sich„ein eigene» Heim" °,�d«n, d. h. ein Stück Land bebauen und sich damit er- ohreu will, der hat dazu eine Summe Geldes vöthig, die , mittelmäßigen Vermögen gleichkommt. Und wer ein .' iches besitzt, der braucht nicht erst auszuwandern, der sich in der Heimath sein Auskommen suchen. . Wäre» für de« deutschen Auswanderer in den neue« «Bischen Kolonien besondere Vortheile zu erhoffe», so würde lsch der AuSwanderungSstrom ganz von selbst dahin er» Wie». Die» ist aber nicht der Fall und so haben sich den« �kute gefunden, die künstlich einen Auswanderung«» Nom nach Afrika zu Stande bringen wollen. Namentlich 2* Leiter der sogenannten Arbeiter-Kolonie» in Deutschland haben diese Angelegenheit häufig besprochen und in«euerer Zeit ist von dieser Seite wieder betont wor- !?*, man müsse eine Verbindung zwischen den in Deutsche sBBd befindlichen sogenannte« Arbeiter-Kolonie» und de» �nseeischen Kolonien herstellen. . Man sagt in dem ZahreSbericht der Verwaltung einer wichen Arbeiter-Kolonie in Süddeutschland, daß es für viele �Bsaffen der deutschen Arbeiter-Kolonien eine Wohlthat wäre, «wenn ihnen die Mittel zur Ueberfahrt in eine deutsche ge- «Bnete Kolonie geboten würden, zugleich mit der Möglich- j*' sich ein eigenes Heim zu gründen; man erinnert hier- ***«""*"4 JeuMeton. DielHank der Nemesis. Roma» von »vald««gast König.' (Fortsetzung.) »Wie groß war der Betrag?" »Gar kein Betrag, Blanko-Unterschrift. Sollte in einer 'BZeßsachj., von der ich nicht» weiß, verwandt werde». * eigentlich gar nicht klug daraus geworden." Siegfried schüttelte den Kopf. ,„Und wer soll Ihne» diesen Wechsel anvertraut haben?" ,tQ6« er. -.Donnerwetter. Rabe!" 4*1 Und in"?.*u erskywmoetn, er z.U. u........ fetter J S Interesse verwendet. Daß die Geueralin B*hm r°ln Betrug gekommen ist, wird ihm sehr unange» ?ch b' aber gebe« Sie Acht, sie verzeiht ihm auch da». fallen illlf wirklich nicht, daß sie sich Alle» von ihm ge» i» ich begreife es um so weniger, weil sie handelt anderen Dinge» so energisch und selbstständig ' soll mitunter am grünen Tisch enorme sagt 3? verlieren, ei» guter Freund hat eS mir ge» "P? gute Freund wohl auch Spieler, wie?" besitz t'��ber, aber da« ist auch der einzige Fehler, de» er ..\ch frage Sie, woher nimmt Rabe da« Geld? -Osten\» srt verschwenderische Leben aus de« Gutsein- W* w-t.s,�ite»? Ich glaube es nicht, und selbst wen» d«, wäre, müßte doch die Generalin Kenatniß da» ich nicht, Verehrtester, kümmere mich auch nicht Slasch'.'ogis der Zuflizrath der jetzt den Rest auS der sem Glas goß.„Rabe ist mein Freund auch bei in erster Linie an alle diejenigen, welche aus irgend einem Grunde schon bestraft wurden."— Vielleicht giebt eS Leute, denen die» plausibel klingt; wir gehören nicht dazu. Die Arbeiter-Kolonien sind allerdings so beschaffen, daß eS für die Insasse« derselben„eine Wohlthat' ist, wenn sie in irgend einem anderen Verhälwiß einen wenn auch kärglichen Unterhalt gewinne« können. Allein selbst wenn man dahin gelangen würde, den AuSwaoderungSlustigen die Mittel zur Ueberfahrt nach Afrika zu verschaffen, so wäre vom„eigenen Heim" deshalb noch lange keine Rede. Um ein.eigene» Heim" auf dem Kameruugebirge oder in Ostafrika zu be« gründun, fehlt doch den Leuten, die genöthigt gewesen sind, in eine Arbeiterkolonie einzutreten, so ziemlich Alle«. Sie gehören zum ärmsten Theil der Bevölkerung. Und selbst w.nn man den günstigsten Fall annimmt— daß ihnen die Mittel zur Ueberfahrt gewährt und ihnen Ländereien umsonst angewiesen würden, so wären noch immer nicht die Be triebSmiitel da und die Versorgung für die erste Zeit, bis der angebaute Bosen seine Bewohner nähren kann, wäre auch noch nicht vorgesehen. Wo soll also da das„eigene Heim' herkommen? E» ist uqjb bleibt in diesem Fall ein Phantom. ES wird darüber geklagt, die entlassene» Strafgefangene» würden von der übrigen Gesellschaft al»„Auigestoßene" betrachtet, auch wenn sie den besten Willen hätten, sich ehr> lich durchzubringcn. Namentlich diese Leute wollen die Ver- waltungen der Arbeiter kolrnien zur Verschiffung nach Afrika empfohlen haben. Viel besser wäre e», de» Mitbürgern an- zuempfehlen, gegen entlassene Strafgefangene, die künftig sich ehrlich durchbringen wollen, sich etwa» weniger phari säerhaft zu betragen. Man sieht, die Verwaltungen der sogenannten Arbeiter. kolonien, mit denen wir in keiner Weise sympathisiren können, sind bemüht, für ihre Anstalten einen gewissen offiziellen Anstrich zu erlangen. Wenn ihnen die« gelingt, dann sind wir auch bei dem angelangt, was der Wunsch so vieler deutscher Spießbürger ist, bei den S t r a f« kolonien. Dann werben sofort die entschiedensten Ver- suche gemacht werde», die D e p o r t a t t o n in die Straf- vollzugSordnung einzuführen und da Unterschiede zwischen politischen und nichtpolitische« Straflhaten heute nicht mehr viel gemacht werden, so kämen wir bald auch dahin, daß„mißliebige Elemente"«ach Kamerun abgeschoben werden könnte«. Man hat sonach allen Grund, den Leitern der Arbeiter- kolonien in diese» ihren Bestrebungen auf da« Entschiedenste entgegen zu trete». Ohnedies haben die Arbeiterkolonie» de» Arbeitern schon dadurch ungemei» geschadet, daß man sie benutzt hat, einzelnen Unternehmern billige Arbeitskräfte nicht, begreife nicht, baß Baron v. Lossow ihm seine Tochter geben wrll." „Sie scherzen wohl?" „Fällt mir nicht ein, Baron hat selbst es mir gesagt." „Ihnen? Seltsam!" „Gar nicht« Seltsame«! Bin seit Jahren Sach- walter des Baron», habe ihm auch jetzt ein Gesuch an de» König« Majestät aufsetzen müsse». Rabe soll geadelt werden, von Lossow-Rabe. Keine üble Idee, wie?' Siegfried mußte lachen, er mochte wollen oder nicht. „Da« fehlte»och! sagte er.„Herr von Lossow-Rabe wird den Kopf«och einmal so hoch trage». Ist denn der Baron ganz und gar vernagelt, daß er in diese Verbindung einwilligt? Sein Schwiegersohn würde mit dem Rittergut bald fertig sein, davon bin ich über» zeugt." „Hm, kann ja ein solider Mann werden." „Der? Niemal«! Aber mein Papa soll dem Baron die Augen öffnen—" „Teufel auch, Rand halte», Assessor!" sagte der Justiz, rath erschreckt.„Habe Verschwiegenheit versprechen müssen, wäre mir sehr unangenehm—" „Na, dann will ich auch schweigen, beruhigen Sie sich. Wenn Ella von Lossow mit offene» Augen in ihr Unglück renne» will, so kann Niemand sie daran hindern, sie hat einen harte« eigensinnigen Kopf, vor dem selbst ihr Vater sich beugen muß. Glaube» Sie, daß de« König» Majestät da« Gesuch genehmigen wird „Baron v. Lossow sehr gut angeschrieben!" „Mag sei», aber hier handelt e« sich Rabe'», und ich kann mir nicht wohl denke«, um die Person .... daß man an maßgebender Stelle über sein« Vergangenheit so leicht hin» weg gehen wird." „Abwarten, Verehrtester! Schon oft vorgekommen, daß Jemand in den Adelstand erhoben wurde, von dem man e« nicht erwartet hatte." „Jawohl, wegen besonderer Verdienste zu liefern, mit denen der„freie" Arbeiter natürlich nicht konkurriren kann. Vor allen Dingen aber ist es eine thö» richte Illusion, wenn man glaubt, die Arbeiterftage mittelst der Kolonien zu einer Lösung bringen zu können. Dre „überzähligen" Arbeitskräfte«ach Afrika abzuschiebe«, ohne sich weiter darum zu bekümmern, waS dort aus ihnen wird, das würde gewissen konservativen und liberalen Sozialpoli» tikern sehr gefallen. Wrr sind indessen in Deutschland noch nicht so weit und werden hoffentlich, trotz verschiedener ftommer Wünsche, auch nicht so weit komme». PolMsche Ueberstcht. Hoch klingt das Lied vom—„freien" Arbeiter! Und zwar diesmal in der schutzzöllnerisch- nationalltberalen „Rhein.- Wests. Ztg.". Mit einer Frei— heit, die ihres Gleichen sucht, versteigt sich dieses Blatt zu folgender Anmaßung: „Unserer Anficht nach handeln die Fabrikherren in ihrem vollen Rechte, wenn sie daraus dedacht sind, die Stimmabgabe ihrer Arbeiter in der Weise zu lenken, wie sie eZ in ihrem eigenen Interesse und in dem der Arbeiter für geboten er» achten."" Die ultramor.tane Dortmunder„Tremonia" nagelt diese Prachtleistung mit folgenden Worten fest:„Es ist gut, daß die „Rh. W. Ztg." hier einmal ihr Herz ausgeschüttet hat. Hört ihr es, Arbeiter, daS schreibt daS Hauptorgan der Nattonalliberalen hiesiger Gegend, das Leibjournal der Industriellen! Also zum Stimmvieh in des Wortes vollster Bedeutung find die Arbeiter gestempelt. Das soll den Herren Nattonalliberalen angeschrieben werden!"— Das Dortmunder Blatt hat ganz Recht, wenn es den Arbeitern diese Prachtleistung der dortigen Schornstein'könige etwas näher definirt, allein eS darf nicht übersehen werden, daß die Offenheit einer solchen Sprache noch der gleißnerischen Heuchelei anderer Blatter des Manchester» thums vorzuziehen ist. Anderswo wird der Arbeiter auch nicht viel weniger beeinflußt und nicht immer find es nationalliberale Lohnherren, welche sich derartige Brutalitäten zu Schulden kommen lassen. So lange die Abhängigteitsverhältniffe fort» bestehen, werden auch die Beeinfluffunaen nicht aufhören und leider liegen die Verhältnisse für die Arbeiter, in Folge der immer größer werdenden Arbeitslosigkeit, derartig traurig, daß in Zukunft ein noch größerer Druck zu erwarten ist, wenn keine Geaenmaßregeln ergriffen werden, um den Herren daS Hand» werk zu legen. Jene offiziösen Blätter aber, welche erst vor Kurzem in dem Ausfall der Landtagswahlen die„Stimme des Volkes" witterten, werdep gut thun, von dieser Stimme der „Rheinisch- Wests. Ztg." Kenntniß zu nehmen. Wir werden nicht verfehlen, ihnen dieselbe zur geeigneten Zeit in Erinnerung zu bringen. Im antisemitischen Lager scheinen seltsame Dinge hinter den Kouliffen zu spielen; denn im„R e i ch S b o t e n" finden wir mit einem Male den Wunsch ausgesprochen, daß Herr Stöcker. um seine„so sehr in Angriff genommene Arbeitskraft" zu schonen,„eigentlich sein Amt als| niederlegen müßte"!!— Von anderer Seite wfpredigcr verlautet. Bewahre I Reichthum ein besondere» Verdienst? Von den vielen geadelten Bankier« hat auch nicht eine» Jeden Wiege in einem Palast gestanden." „Lassen wir da«, Zustrzrath, Et« wissen sehr wohl, wa» ich sagen will. Wenn Rabe geadelt würde, dann— aber ich will jetzt nicht ausspreche«, wa« ich denke, Sie habe» Recht, wir wollen e« ruhig abwarten." Er trank sein GlaS au« und nahm seine« Hut, die Mittheilungen de» alten Mannes hatte« ihn verstimmt. Rabe der Verlobte Ella v. Lossow'«? Er der einstige Besitzer de« schönen Rittergutes? Er konnte und mochte daran nicht glaube«. Ella von Lossow war ja stet« so wählerisch gewesen, wenn auch, außer ihrem Vermögen, nicht« sie dazu berechtigte. Und der Baron hatte jede Gelegenheit wahrgenommen, um seine Erklärung, daß er niemals in eine Mesalliance einwilligen werde, zu wiederhole«. Wa« hatte nun diese SianeSände» rung bewirkt? Durch welche Mittel hatte Rabe sich so fest in die Gunst de» alten, vorurtheilSvollen Edelmannes ein- genistet? � �|üt gewonnen hatte, war am Ende greiflich, aber daß er alle Vorurtheile de« BaronS umge» worfen habe« sollte, diese so tief und fest eingenurzelte» Vorurtheile, daS war gradezn unbegreiflick. Die Person Rabe'« machte dem Assessor heute sehr viel zu schaffen. Der Selbstmord d«S Gärtner« und das Verhör de« Dienstpersonal« gaben ihm Manche» zu denken. ES wollte ihm nicht einleuchten, daß der alte Georg selbst sich da« Lebe« genommen haben sollte; die Gründe welche Rabe dafür anführte, erschiene» ihm zu wenig stich. �ftWlÖ6t mußte dieses Ereigniß mit dem Raub der Papiere in Verbindung bringe«, und von diesem Gesichts» punft au« bettachtet, gewann die Sache ei» ganz andere» �"�Hatten die Papiere in de, That wichtige und gefähr- liche Notizen enthalten, so konnte Derjenige, auf den diese Notizen sich bezogen, erst dann die Gefahr beseitigt er- achten, wen« die Lippe« de« alte» Manne» verstummt waren. daß Herr Stöcker die Führung aller konservativen Vereine Ldernehmen und sein Freund, der bekannte Pastor Dietze, ihm als Stütze zur Seite stehen soll. Man will also die ge« sammte Heerde unter einen Hirten bringen; hoffentlich steht den Herren von der konservativen Partei der§ 8 des Vereins- gesetzes, welcher die Verbindung politischer Vereine verbietet, nicht im Wege. I« der Rubrik„Parteibewegung" leistet die„Nordd. Allg. Ztg." folgendes: „Die in Dortmund erscheinende„Tremonia", Organ der christlich sozialen(ultramontancn) Arbeitervereine von Dort- tnund und Umgegend, thcilt die Rede des Abg. Liebknecht — gehalten in der G neraldiskusfion des Etats— ihren Lesern ausführlich mit den darin enthalten Extravaganzen mit, während die übrigen Reden in sehr verkürzter Form vorgelegt «erden. Die„Ra. Wests. Ztg."(Organ der nationalen Groß- industriellen des Rheinlandes) glaubt fich daraus zu dem Schlüsse berechtigt, daß die christlich�sozialen Arbeitervereine ultramontaner Färbung in den industriellen Zentren des Westens sozialdemokratische Tendenzen unter dem Deckmantel der katholischen Propaganda verfolgen." Boshaft bemerkt dazu die„Germania": „Jesuiten als Führer der Sozialdemokratie— christlich- soziale Arbeitervereine mit sozialdemokratischen Tendenzen! Durchlaucht, dem gelehrigen Schüler ein Extra Douzeur aus dem Reptilienfonds!" Dem antisemitischen Dresdener ReichStagsabgeord- treten Hartwig ist von seinen Parteigenossen, den Konser- vatioen, der Stuhl vor die Thür gesetzt worden, weil er gegen den Vorsitzenden deS konservativen Landesvereins«ine de« leidigende Erklärung veröffentlicht hat. Der Gesammtoorstand des konservativen Vereins in Dresden macht öffentlich bekannt, daß einstimmig deschloffen wurde, Herrn Hartwig aus dem konservativen Verein zu Dresden auszuschließen. Zur Arbeiterschutzgesetz-Frage liegen dem Reichstage bis jetzt bereits 100 Petitionen vor. Diese auS den ver- schieden st en Gegenden des Reiches(mehr als 100 Städte sind vertreten) hervorgegangenen Petitionen bitten um Erlaß eines Arbetterschutz- gesetzeS, betreffend die Einführung eines Maximal« arbertStageS, Aufhebung der gewerblichen Sonntags-, Kinder- und Zuchthausarbeit, Einschränkung der Frauenarbeit, Errichtung von Arbeitsämtern und Arbeitskammern und Verbot der Arbeiten in Strafanstalten für Piioatgewerbetreidende. Die Petitionen zählen zusammen über 800000 Unterschriften. Viele Petitionen behandeln das Thema der Eonntagsarbeit im Besonderen und zwar in verschiedenem Sinne.— Man sollte nun doch meinen, daß der Reichstag alle Ursache hätte, sich dieser Frage mit ganz be- sonderem Eifer zu widmen. Aber wert gefehlt, in den Organen der tonangebenden Parteien des„hohen Hauses" wird diese Angelegenheit mit erner Glcichgiltigkeit behandelt, als ob dieselbe eine ganz nebensächliche sei. Dagegen findet man spaltenlange Abhandlungen über die Bestrebungen einer Hand voll Großindustrieller oder Agrarier, denen«ine Wichlig- keit beigelegt wiid, die den wirklichen Verhältnissen nicht im Entferntesten entspricht. Und so wird es sich auch diesmal wieder zeigen, wie wenig geneigte Ohren der Reichstag aufzuweisen hat, wenn es sich um das Wohl der großen Masse des deutschen Volles handelt. Der Majorität des Reichstages ist eS so sehr unangenehm, fich mit der Roth und dem Elend zu beschäftigen, sie hat fich ja mit anderen so„wichtigen" Dingen zu befassen, daß fie solche widerliche„Kleinigkeiten" recht schnell abthun muß. Freilich, so lange die übergroße Mehrheit der Bevölkerung noch die reaktionärsten und manchesterlichsten Männer zu Volksvertretern wählt, wird die Stimmung im Reichstage kaum eine andere werden, denn das Manebesterlhum, gleichviel in welcher Gestalt, hat noch niemals Mitgefühl, geschweige Venn ein Herz für das arbeitende Volk gehabt. Das Monopol zum Vertriebe deS Branntwein?, welches dem Staat in der von uns im Leitartikel Nr. 281 be- sprochenen agrarischen Denkschrift zugewiesen wird, soll der Regierung gar nicht unwillkommen fern. Man spricht in un- ternchtetkn Kreisen alles Ernstes davon, daß der Reichskanzler dieser und mehreren anderen Forderungen, die in der Denk- schuft der pommerscken agrarischen Gesellschaft niedergelegt find, nicht abgeneigt ist. Somit dürfte unsere in dem dercgtcn Artikel ausgesprochene Befürchtung vor einer erneuten Volks- belastung nrcht unbegründet sein. Die sächsische Kammer beschäftigte fich in einer ihrer letzten Sitzungen mit dem Antrag des Abg. Starte: Die Regierung zu ersuchen, Mittel und Wege zur Abhilfe der A e r zt e n o t h in den kleinen Städten und namentlich auf dem Lande ausfindig zu machen. Der Antragsteller hatte da- bei anreregt, od es fich nicht empfehle, durch Gewährung von Stipendien an Studirende der Medizin letztere zu verpflichten, später fich in bestimmten Bezirken auf dem Lande niederzulassen. Aus der Motivirung deS Antrages ging hervor, daß die Aerzte- noth aus dem Lande allmälig einen sehr hohen Grad erlangt habe und noch wesentlich durch die Abkommen verstärkt würde, Und wer war der Betreffende? Unzweifelhaft Rabe! Da« ging aus allen Aeußeruvgen de« Verstorbenen hervor, «s ließ sich ferner erkenne« aus der Sicherheit, mit der Georg de» Kammerdiener diese» Verbrechens beschuldigt hatte. Die Papiere waren verschwunden, der Bestohlene hatte gedroht, ihren Inhalt veröffentlichen zu wollen, und statt zur Ausführung dieser Drohung zu schreiten,«ahm er sich da« Leben. E« war wirklich gar zu unglaublich. Wie aber war das Gfft in die Branntseivflasche ge« kommen und wer hatte eS hineingegoffen? Die Generali« wünschte die Niederschlagung der Unter- suchung. vielleicht ahnte auch sie, daß die Antwort auf diese Frage ei» entsetzliche« Geheimniß enthüllen könne. Und hatte der Kammerdiener nicht in der auffallendste« Weise sich bemüht, de« Selbstmord zu erkläre»? War die Aussage dieses Manne» nicht in vielen Punkten de» Aussagen aller übrigen Zeugen durchaus widersprechend? Weshalb legten Rabe und der Kammerdiener so große« Gewicht darauf, daß der Verstorbene ein Trunken- bold gewesen sei? Alle übrigen Zeuge» bestritten da« ganz entschiede», gleichwohl beharrten diese Beiden dabei, Rabe hatte, sogar auf die Möglichkett hingedeutet, daß der alte Mann die That in einem Anfalle von Säuferwahnsinn gangen haben könne. Di« Gedanken Siegfried'» schweiften werter. Weshalb hatte Rabe so hartnäckig die Schuldlofigkert de» Amerikaner» behauptet, weshalb sogar de» anerkannt tüchtigsten Juristen mit der Vertheidigung de« Verhaftete» beauftragt? Stand er am Ende selbst jenem räthselhaften Verbrechen nicht fern, und gebot da« eigene Gewissen ihm, den Schuldlose« zu retten? Bezogen darauf sich die Nottzen der geraubten Papiere? Aber auch diese Fragen erschienen bei längerem Räch» denke» dem jungen Manne unnütz und thöricht. Welcher Grund hätte Rabe zur Ermordung de« Arzte« veranlaffen können, zumal seine Schwester der Hilfe diese« Manne« so dringend bedurfte? Nur ein einziger Grund ließ sich denke», der, daß der be» welche die Aerzte aus Anlaß der Einführung de? Kmnkenver- ficherungsgesetzes zur Sicherung ihrer finanziellen Stellung unter sich getroffen hätten. Darnach solle am Orte selbst der erste Krankenbesuch mit Mk. 1, jeder weitere mit mindestens 50 Pf. berechnet werden, exkl. der Kosten für Operationen, die je nach der Schwere des Falles mit Mark 30—50 zu berechnen seien. Handele es fich aber um einen Besuch außerhalb des Wohn- oites, so solle jeder Besuch pro Kilometer Entfernung um 1 Mk. erhöht werden. Es entstünden darnach also Taxen, wonach weiter entfernt wohnende, gering bemittelte Kranke auf jeden ärztlichen Beistand verzichten müßten. In der darauf folgenden Debatte stimmten alle Redner darin überein, daß der Aerztemangel auf dem Lande zu einer wahren Kalamität geworden und Abhilfe dringend nöthig sei, und wurden dafür die verschiedensten Vorschläge gemacht, auch getadelt, daß die Aerzte den Erwerbsstandpunkt zu sehr in den Vordergrund stellten. Der Minister des Inner» gestand die Bercchtigung der Klagen zu, konnte fich aber von den vorgeschlagenen Mitteln keine Abhilfe versprechen und erklärte, daß er die einzige Rettung nur darin sehe— er spreche dies aus auf die Gefahr hin, als Reaktionär und Finsterling verschrien zu werden— wenn wieder das Institut der Aerzte zweiter Klasse eingeführt werde, ein Vorschlag, der ihm seitens der Vertreter des platten Landes lebhaften Beifall einbrachte. AIS Aerzte zweiter Klaffe galten in Sachsen diejenigen, welche nur die Hälfte der llniversttäts- studienzeit für das medizinische Examen, zwei Jahre statt vier Jahre, absoloirt und eine entsprechende Prütung bestanden hatten. Es war verwunderlich, daß der anwesende Kultusminister Dr. Gerber, einstmals selbst Professor der Leipziger Univerfität, zu diesem etwas seltsamen Vorschlage seine? Kollegen nicht das Wort ergriff, denn es kann doch keinem Zweifel unterliegen, daß das Institut der Aerzte zweiter Klaffe den allererheblichsten Bedenken unterliegt und deswegen seiner Zeit aufgegeben wurde. Gigen die Wiedereinführung dürfte fich sowohl die medizinische Fakultät der Univerfität, wie daS Landes-Medizinalkollegium und der ärztliche Stand selbst entschieden aussprechen. Daß dem Landbewohner ein halb- ausgebildeter Arzt lieber ist, wie gar kein Arzt, mag erklärlich sein, zeigt aber, wie wenig man dort die Sachlage zu be- urthellen versteht. Denn daß der halbausgebildete Arzt alle Funttionen des ganzausgevildeten übernimmt, ist selbst- verständlich-, daß aber dabei auch eine Menge Fehlgriffe unterlaufen, ist ebenso selbstverständlich. Von sozialdemo- k r a t i s ch e r Seite nahm der Abg. Geyer zum ersten Male in der Kammer das Wort und führte aus, daß es nur ein Radikalmittel gebe, das sei die V erst aatlichung der Aerzte. Die Aerzte seien nicht besser und nicht schlechter als andere Menschen: wenn fie für ihre materielle Sicherstellung eintreten, thäten fie, wa« alle anderen Klaffen auch thun. Es sei also nochwendig, ihnen von Etaatswegen, weil ihre Stellung im öffentlichen Interesse liege, diese zu garantiren. Die weitere Debatte wurde durch Annahme eines Schlußantrages abgeschnitten und der Antrag Starke einer Kommisston überwiesen. c. Halberstadt, den 1. Dezember. Die Abweisung des Fiskus mit seiner Klage gegen den Reichstagsabgeordneten Heine wegen Herausgabe empfangener Partei. Diäten wurde vom Gericht folgendermaßen begründet: Die Aktivlegitimation der preußischen Regierung zttr Erhebung der Klage erscheine begründet, denn jeder Einzelstaat müsse für den Fall, daß gegen eine reichsgesetzliche Bestimmung in seinem Gebiete ge« fehlt sei, zur Klageerhebung defugt erachtet w-rden und ihm die Berechtigung zugestanden werden, im Wege der Klage festt'tellen zu lassen, od der Beklagte befugt gewesen, derartige Diäten anzunehmen. Der Beklagte würde zur Zahlung ver- pflichtet sein, wenn die Zahlung zu einem unerlaubten Zweck geschehen sei. Ein solcher unerlaubter Zweck liege aber nicht vor, denn der Artikel 32 der Reichsverfassung enthalte kein Verbot der Annahme von Diäten auS Privatmitteln. Hierauf deute schon das Wort„beziehen", welches offenbar andeuten solle, daß die Abgeordneten keine Gelder aus öffentlichen Kassen oder Mitteln erhalten sollen. Auch„Besoldung" und der femere Ausdruck„Entschädigung" deute in der unmittelbaren Aufeinanderfolge darauf hin, daß nur solche Zahlungen gemeint seien. Im Uebrigen ergebe fich aber auch aus dem Ursprünge und dem Zustandekommen de» Artikel« 32 der Reichsverfassung, daß es aar nicht in der Abficht der Regie« rung gelegen habe, den Bezug von Diäten auS Privatmitteln zu verbieten. Denn wenn der Abgeordnete v. Bennigsen in der betreffenden Sitzung des konstituirenden Reichstags die Annahme solcher Gelder als mit den Bestimmungen des Artikels 32 wohl vereinbar bezeichnet habe, sei es auch Pflicht der Regierung gewesen� diese Annahme ausdrücklich zu repro- biren, wenn sie eine solche Annahme für unerlaubt gehatten hätte. Derartiges gehe aber aus der Etklärung des Grafen von Bismarck nicht hervor. Den Fiskus vertrat der Justizrath Rottum, die Vertheidigung Heine's hatte Hen Rechtcanwalt Ruhnle übernommen. München, 1. Dezember. Der Anirag deS Abg. Koppe, welcher die Kündigung des AuSlieferungsvcttrageS mit Rußland dezweckt, lautet:„Die Kammer wolle beschli-.ßen, an den General keine» natürliche» Tode« gestorben war, und der Arzt mit gerichtlicher Untersuchung gedroht hatte. Aber dieser Grund zerfiel wieder in Nichts, wen« maa bedachte, daß der Tod des General« Niemandem einen mate- riellen Nutzen bringen konnte, daß derselbe sogar die Existe», Rabe's gefährdete. Es war freilich möglich, daß der General gedroht hatte, de» leichtfinnigen Schwager nicht länger zu unterstützen, daß er sogar ihn aufgefordett hatte, sein Haus zu verlassen, aber in diesem Falle würde der Mörder die Ausführung seine« Verbrechen« so lange hinausgeschoben haben, bis er mit Sicherheit wußte, ob da« K-nd seiner Schwester leben«- fähig war. Also weshalb sollte Rabe de» Arzt ermordet haben? Siegfried fand auf diese Frage keine befriedigende Ant- wort, und doch tauchte sie immer wieder auf. Der Verhaftete leugnete noch immer, e« wollte dem Untersuchungsrichter nicht gelinge«, ihm eine Aeußerung zu entlocken, die auf eine andere Spur führen konnte, das räthselhafte Geheimniß blieb so dunkel wie e« war. Und nun war durch den Selbstmord Geora« ein neue« Geheimniß hinzugekommen! Mochte auch die Generalin die Untersuchung nicht wünschen, Siegfried mußte mit diesem Eieigniß sich beschäftigen, und der Vorsatz, Alle« aufzubieten, um die Wahrheit zu ermittel», befestigte sich mehr und mehr in ihm. Arabella hatte schon vor dem Tode Georg« ihren Bei- stand ihm zugesagt, er durfte nach diesem Vorfall mit Zuversicht darauf rechnen, daß sie ihrem Versprechen treu bleiben werde. Ob sie von der Verlobung ihre» Onkels mit Ella v. Lossow bereits Kenntniß hatte? Wie mochte sie darüber urtheilen? Freilich, er war der Bruder der Mutter und trotz ihrer Abneigung gegen ikm durfte sie ihm doch nicht« Schlimme» wünsche». Und»un sollte er gar in den Adelstavd werden! Bei der Erinnerung an diese Mittheilung de« Juki». rathe mußte Siegfried abermals lachen, aber die Sache König die Bitte zu richten, allerhöchfiderselbe wolle anzuordn« geruhen, daß die bald mögliche Umgestaltung des zvisltt» Bayern und Rußland Vereinbatten Auslieferungsvettragis«a 1. Oftober 1885 entsprechend den über Auslieferung flüchtW Verbrecher seither geltenden, insbesondere auch im baytw russischen Vettrage vom 23. Februar 1869 beachteten Grundsätzen und mit Äerückstchtigung der anarchistischen Verbrechcn herbeigefühtt werde." — Vom Könige von Bayern war bestimmt worden, M eine Deputation des 16. bayrischen Infanterie- Regimen»' dessen Chef König Alfons von Spanien war, zur LeichrvM des letzteren nach Madrid fich dezeben solle. Wie inveß w# Paffau gemeldet wird, ist die Deputation von dort nicht abgn reift, weil der deutsche Gesandte in Madrid. Graf Solms, er- llätt haben soll, das E- scheinen von militärischen Deputation� sei gegenwärtig inopportun. Rußland. Wie der„Thorner O. Z" aus Alexandrowo mitgethrw wird, find dort am vergangenen Sonnabend bei dem ange- schenen Grafen Z., der auf der Rückreise nach Warschau de- gnffen war, verbotene Drucksachen vorgefunden, v* Drucksachen find mit Beschlag belegt, den Grafen wollte vw" festhalten, doch wurde ihm auf seine Bitte gestattet, seine Gt' mahlin begleiten zu dürfen. Kraukreich. Die Akten von Mario tti, des bekannten Atten» t ä t e r s gegen Herrn von Freycinet, find mit dem Bericht d« Gerichtsärzte wieder an den Untersuchungsrichter zurückgelM und dieser hat daraufhin die Untersuchung eingestellt. Mauow ist, als vom Vettolgungswahnfinn befallen, von den für unzurechnungsfähig erklärt worden. Mariotti erhält jekoa die Freiheit nicht wieder, sondern wird al« gemeingefährlta» Wahn finniger zunächst nach der Irrenanstalt Ste. Anne Z>» Bebandlung gebracht, um dann später in seine Heimath, n®> Nessa in Korfika, geschafft zu werden.,■. — Paris, 1. Dezember. Der Ministerrath beschloß� einer heute Vormittag abgehaltenen Sitzung, fich der on°r trachtnahme des Vorschlags über weitere Erhöhung der jjr auf ausländisches Getreide nicht zu widersetzen und da« dium dieser Frage zuzusagen.— Die Regierung JJ eil«» «Hobe» ♦ fc*.0 M- MJM«CUUP UllW VUD iUUC.J Senats sprachen fich gegen jedwede Räumung Tongtings Dänemark. Der Streik der Kopenhagener Maschinenbauarbeiter>>> endet, die Arbeiter haben die Arbeit unter der Beding aufgenommen, daß fie Mitglieder der Fachvereinii bleiben, jedoch ist eS ihnen nicht gelungen, den eri Minimallohn durchzusetzen.— Die Sozialdemokraten den reakttonären Gewalten nicht den Gefallen erwiesen, Putsch zu veranstalten, worauf gewisse Elemente mit Wollust gemattet haben. Die intelligenten Arbeiter 0% schauen jene Herren sehr gut und werden fich von denstl� nicht von dem richtigen Wege abdrängen lassen. U« Je etwas für die Arbeitslosen zu thun, hat der MauneMtJff: bestimmt, daß die solle Arbciterzahl aus den Werften un°,. den Werkstätten im Winterhalbjahr beibehalten werde. JL daß zur Ausführung der projektirten Wette neue Arbeittf � gestellt weiden sollen. Großbritannien. ftiw Unter den bis gestern b.-kannt gewordenen neugewa»"-- Mitgliedern des Unterhauses befinden sich 176 Liberale. L Konservative, 29 Parnelltten und 2 Unabhängige. MM, 2 Liberalen eine einheitliche Partei, so hätten sie mithin W% eine Mehrheit von 18 Stimme» Die Sache verhält st? dessen doch thatsächlich anders, den,? unter den 176 bcst� fich sicherlich mehr als 18 sog. gemäßig.. Whigs(Liberale).� bei den meisten Abstimmungen mit den Konseroativen nicht mit dem Stamm der liberalen Partei geben werden- 6, Zahlenvcrhältniffe dürften sich übrigens noch wesentlich� ändern. Am Dienstag wurde an 71 Stellen, Mittwo» an 60, Donnerstag an 34, Freitag an 61 und Sonnabem" Stellen gewählt. Am darauffolgenden Montag,. 4 .. Dezember, folgen 12, am Dienstag 18 und am MüMW") Wahlbezirke; dann am 14. und 15. Dezember die Ottinü'.�, Sbetland-Jnseln und vom 15. bis 18. Dezember die»w- sttät von Evinburg und St. Andrews. Somit kann***[b sammtergebniß fich noch wesentlich ändern. Ali lehr"jj wendig wird fich bald nach Zusammenttttt deS Parlaw eine Neubildung der Patteien herausstellen. Die radcka> � gehauchten Liberalen können ficher nicht mehr, wie Wahlen diesmal noch geschehen, mit den gemäßigten unter derselben Flagge segeln- hat doch ihr Führer ai) lain schon wiederholt erklatt, fie seien jetzt stark genu� � seidstständige Partei aufzutreten.— Auf alle Fälle reits am parlamentanschen Horizont das Bild der jii Parnell's im Unterhause auf. Die„Times" besprechen � Wahlergebnisse in einem längeren Attikel und ärgette und verstimmte ihn doch, und in dieser verbü GemüthSstimmuvg trat er in seine Wohnung. Sein Schlafzimmer lag nebe» dem de« � � die beide« Stuben waren durch eine Thüre mit em verbunden... Siegftied hatte kaum seine Kerze angezündet,® Thüre geöffnet wurde und der Oberst,«och voli-g kleidet, eintrat. frf\ .«Ich habe auf Dich gewartet," sagte er i» � ruhigen Weise, während er einen Brief auf de« j, »Nicht diese« Briefe» wegen, der wahischei»!'#. � Wichttge« enthalten wird, sondern um mit Dir zu r®" Siegftied hatte den Brief bereit» aufgebrochen- „Erlaubst Du, daß ich ihn öffne?" ftagte er. „Gewiß, das Amt geht ja vor."«�reitl Der junge Man» entfaltete rasch da«.< während fern Blick über dieZttle» schweifte, leichte Falte zwischen seinen Brauen.,, s.att .3)n» Gepäck de« Amerikaner«— so, f0» L# halblaut,„ich werde mich morgen doch erkundige«, so sehr für dasselbe interesfirt hat." Tiost „Bezieht diese Sache sich auf de« Mrder de«* W'eland?" fragte der Oberst...... j« H< Jawohl. Das Gepäck de« Verhafteten% ,fl{ zurück, ich dachte seitdem nicht mehr daran. Z/AchlÜ Fremder eS reklamirt und sich sogar erböte», zum Koffer morgen oder übermorgen vorzuzeig?«- „Und weißt Du, wer dieser Fremde ist? . Hotelbesitzer, der selbst diese» Bnef 8 v*t, will ihn nicht gekannt haben." �Rabe!* her Betroffen blickte Siegfried den Vater an, -w«n Sessel niedergelassen hatte.. »Weißt Du da« ficher?" erwiderte er. � »Ich vermuthe e« nur, aber ich»«o-btt J hat barouf eingehen. Glaube mir, Siegftied, ssute« Gewissen, und über jene« räthselhafte» «r genauer unterrichtet, al« wir ahnen.", Siegfried schüttelte zweifelnd den Kopf. ,, „'Ich habe mir oft vaffelbe gesagt," erwid das Wahlergebniß werde SaliSbury mtt die Pflicht deS Rücktritts auferlegen; er werde fich viel- ttchr entschließen müssen, entweder mit den gemäßigten Libe- den Parnelliten zu kooperiren; sollte ihm durch eine nwaige Koalitwn der Liberalen und Pamelliten eine Nieder» Mi« werden, so dürfte er nicht refigniren, sonder» zur Schwede«« n d Rorwege«. Christiania, 23. November. Die Wahlen zum St orthing mv veendet. Die Linke hat 82, die Rechte nur 32 Eitze ge- |�|wkn. Die Rechte ist also um einen Mann stärker als Parlamentarisches. - Es darf als zweifellos gelten, daß der Reichstag dem «Mrage auf Einführung der Berufung im Strafprozeß zu» mnmm wird, und zwar ist dem Antrage eine ziemlich große Nihrhrit gefichert. Indessen wird dieser Beschluß nicht zu i.it.en Ergebnissen führen, denn im Bundesrathe hat der» W kaum Aussteht auf Annahme, obschon eine An- �Regierungen, namentlich aus Süddeutschland, sehr ge- rW stnd, darauf einzugehen. Preußen ist bekanntlich da- »lkgen. ,- Ein Antrag auf Einführung der Diäten ? von der sozialdemokratischen Fraktion bereitet und soll noch in dieser Woche eingebracht 'vn den. Kommanales. h,, Neues Hospital. Zur Vorderathung des Antrages Ragistrats wegen Erbauung eines Hospitals für 500 ge- Mioe und 250 steche Männer auf dem zwischen der Prenzlauer und der Straße 25» belegenen städtischen Grundstück die Etadtverordneten-Versammlung durch Beschluß vom «w cr. einen Ausschuß niedergesetzt. Derselbe hat nun Dienstag unter Vorsttz des Stadtverordneten Dr. Langer- einstimmig beschlossen, der Veisarnrnlung die Annahme irr Svgistratsantrages zu empfehlen. Zum Berichterstatter ist : Stadtverordnete Haß ernannt worden. Der Haupthinderungsgrund gegen den Bau der -�gesprochenen Pferdebahn Gesundbrunnen-Moabit, welcher i»-?? auszuführenden Umbau der Fennstraßen- Brücke lag, mJyt gehoben, da dem Magistrat nunmehr vom kgl. Polizei- L'Muun die polizeiliche Genehmigung zum Umbau der Fenn- rücke, sowie zum Neubau erner Fußgänger- Brücke über t� isenstädtischen Kanal im Zuge der Melchiorstraße er- M..forden ist, nachdem bereits voryer die strompolizeiliche omstskalische Genehmigung seitens der kgl. Ministerial- uuiommisston ausgesprochen wordm war. Nereine und Uersammwngen. An die Stellmacher Deutschlands. Kollegen! DieBe- welche seit geraumer Zeit auf allen Gebieten des ge« w• m u'ciiyc|CU utiuumti- uuz uuvu vt» j-eroitcheu Gebens stch bemerkbar macht, hat fich auch in unserer Geltung verschafft, indem der Beschluß des am 24. und Rai zu Magdeburg stattgehabten Kongresses verwirklicht u�n ist. Am 5. Oktober cr. ist die„Bereinigung der deut- IS Stellmacher" ins Leben getteten, mtt der Aufgabe, die _ Ben und materiellen Interessen seiner Mitglieder zu für &"} und zu wahren. Kollegen! Jetzt ist eS an Euch, dieses Srf2%nt zu einem festen zu machen. Bor Allem ist es »,'5- Pflicht, die arbeitslosen Kollegen, welche in Folge der Ptosen Produktionsweise, ohne ihr Verschulden, auf die Land- �,,1�., geworfen find. zu unterstützm. Da fich der Lohn stets tj, Angebot und Nachfrage regelt, ist es vor allen Dingen die Zahl der Arbeitslosen zu verringern durch Regelung ��Arbeitszeit. Die Kollegen, welche arbeitslos auf der Land- liegen, find leider oft gezwungm, um jeden Preis zu »-werden. Der dadurch entstehenden geradezu unnatürlichen gurren, ein Halt zu gebieten, ist eines jeden Kollegen Pflicht. fA die Mißstände unseres Gewerks aber nur in der Gesammt- .. �r* m,#■. W» II,» m»9 m UV ruiv uu» flu Mten, weil fie leben müssen,� und von Wind und Luft nicht W 5»ie uiiißslanoe unzeres rvewerrs aoer nur rn oer iseiammr- K' und durch die Gefammtheit beseitigt werden können, muß J Met Kollege verpflichtet halten, fich der Zentralisation an- schließen. Das Gedeihen unserer Korporation wird allein er« �glicht durch festes Zusammenhallen aller Kollegen zur Wah- "8 ihrer moralischen und materiellen Interessen. Darum auf �Organisation, denn Einigkeit macht stark. Mtt kollegia- jHJtm Gruße: Der Vorstand der„Vereinigung der deutschen °'«lmacher." Wegen Auskunft wende man sich an den Vor- �n Fr. Vogeih Hohestraße Nr. 41, 3. Erage. Hamburg, An Marmorarbeiter Berlins hielten am 29. d. Mts., b». �atodstraße 48», eine öffentliche Versammlung ab mit Tagesordnung:„Die Arbeitseinstellung bei Vanelli u. Co." XiR. Arbeiter genannter Fabrik brachten die dortigen Verhält- l ve den Anwesenden zur Kenntniß und wiesen die Zumuthung Herrn Vanelli zurück, daß die Arbeiter für einen Lohn fli<- v" ,e feine EZiude, die nur in etwas ein Fundament blese Vermuthung bieten könnten." �„Gründe?" sagte der Oberst achselzuckend.„Sie wür- ...Wunden werden, wenn man sich ernstlich mtt der An- 'chek" beschäftigen wollte. Das hätte damals schon ge- iin«r! m(stlen/ aber der derzeitige Untersuchungsrichter war Herr, der die Bequemlichkett und ein gutes Glas foeini-i Unb der Bruder der Generali« wird wahr- �'.ch diese Schwäche gekannt und benutzt haben. Meine stzür-« � nicht, dem Thäter eines Verbrechens nachzu- Und ich fürchte, daß die Rücksicht auf die Damen «ms die Hände gebunden hat." »u, � Besorgniß ist unbegründet, Papa! Wenn ich ksringst« Spur fände, ich würde sie verfolgen, ohne %°uf die Person des Verbrechers." wäre allerdings Deine Pflicht, aber—" Wber»? e< stch um die Erfüllung meiner Amtspflicht ba werde ich niemals einem Wenn oder Aber eine V 8**0 zugestehen," sagte Siegfried mit gemessenem diilh L»�ud ich glaube, die Generali« wäre die Letzte, die Sfa* der Erfüllung meiner Pflicht zurückhalten oder biesx.%, Vorwurf daraus machen würde, sie denkt m liißt ,-.?�>ehung wie Du, Papa, und ihr Gerechtigkeitssinn w nicht bestechen." ->n d'. L?°«s sich um da« Geschick des eigenen Bruders, n.Aui1!.-*1/8 eigenen Namen« handelt—" % RW; UiniiKÄ� p-'.—>- e�tLtA // Beweise Dir auf 8lQu6enUOren- 3ch kann even an oie den, Ian0e jeder Beweis fehlt." Hess?rSsru,j.� warten willst, bis die Bewei,e �ir aus de»»�et angeboten werden, wttd wohl die Wahr. �ru! Mir'oinmcn. Weißt Du, was man heute sei 0[Jjl Älub erzählte? Da« Testament meine« »>-. ch»ach dem Tode des Generals gefunden, f---- fnfTp WM-MSS-i arbeiten sollten, der mit den hicfigen Verhältnissm nicht im Einklänge steht. Es handelte fich um eine Arbeit, für welche genannter Herr nur 3 Mark zahlen wollte, während die Ar- eiter mit Recht 4 M. 50 Pf. resp. 5 M. verlangen, denn bei dem gebotenen Preise würde ein geschickter Arbeiter nur 2 M. pro Tag verdienen. Nach längerer Debatte wurde von der Versammlung einstimmig beschlossen, daß die Streikenden unter dm von Herrn Vanelli gestellten Bedingungen die Arbett nicht aufnehmen und der Zuzug von der Fabrik streng fern zu holten sei. Außerdem wurde beschlossen, jedem Streikenden eine wöchentliche Unterstützung von 15 Mark zuzahlen. Einem Kollegen, welcher schon längere Zeit arbettslos ist, wurde eine einmalige Unterstützung von 20 Mark bewilligt. Da die Strei- kenden Fachvereinsmitglieder find, wird der Fachverein die Lohnregelung in die Hand nehmen. Um die Vereinskaffe nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen, wird jeder hier arbeitende Kollege pro Woche 50 Pf. extra zahlen. br. Mtt polizeilicher Auflösung endete die öffentliche Arbeiterinnenversammlung, welche am Dimstag im Salon „Zum deutschen Kaiser", Lothringerstr. 37, unter dem Vorfitze der Frau Vötting stattfand. Der Umstand, daß der Saal und die Nebenräume überfüllt waren, und die Herren, die wohl ein Drittel der Versammlung ausmachten, zum größten Theile dicht gedrängt stehen mußten, dürste viel dazu beige- tragm haben, daß die nöthige Ruhe während des Lortrages, welchen Herr Dr. Stahn über daS Thema:„Die Geschichte deS Menschen" hielt, zu wiederltm Malen durch minutmlange Störungen unterbrochen wurde. Manche von den störenden Zwischenrufen dürsten von solchen Herrm ausge- gangen sein, die auf ihren Plätzen den mitunter sehr leise sprechenden Vortragenden nicht haben verstehen können; aber einige junge Herren hatten offenbar mehr Interesse daran, Ulk zu treiben, als daran, den streng wissenschaftlichen Vortrag zu hören und zu verstehen. Die Vorfitzende mußte die volle ihr zu Gebote stehende Energie aufbieten, um die nöthige Ruhe immer wieder herzustellen. Der Vortragende brgann mit dem Hinweise auf das Verdienst, welches Darwin fich mit seiner„Abstammungslehre" auf dem Gebiete der Naturwissen- schaften erworben. Nachdem er dann die Vorstellungen von der Schöpfung der Well und des Menschen, wie fie bei den Jndiern und bei den Persern geherrscht haben und noch herrschen, dargelegt und nachgewiesen, daß diese Vorstellungen, insbesondere die Vorstellung, daß die Welt aus Nichts geschaffen sei, vor der auf Erfahrung und Vernunft beruhenden Wissenschaft nicht be- stehen können, unterzog er„die bei Juden, Muhamedanern und Christen bis heute herrschend gebliebene Lehre, daß Gott den ersten Menschen aus Thon und daS erste Weib aus Kalk laus einer Rippe) gemacht habe," einer gründlichen Kritik. Der feierliche Ernst, mtt welchem er betonte, daß im mensch- lichen Organismus Thon gar nicht enthalten sei, und daß aus Kalk allem einen menschlichen Organismus herzustellen un- möglich sei, und der Umstand, daß er die Abbildung eines vollständigen menschlichen Gerippes bei den Versammelten in Zirkulation setzte, damit„fie sehen möchten, wie ein nur auS Kalt destehender Mensch aussehe und wie ein solcher Mensch unmöglich leisten könne, was ein wirklicher Mensch leisten soll," konnten selbstverständlich nicht verfehlen, große Heiterkeit her- vorzurufen. Der Vortragende legte dann rn Kürze dar, wie man auf dem Standpunkte der modernen Wissenschaft nach Darwin die Entstehung der Erde und die allmälige Entwick- lung der Lebewesen zu immer höherer Vollkommenheit, zuerst der Pflanzen, dann der Thiere und zuletzt der Menschen fich vorzustellen habe. Die Besprechung der fünf Menschenrassen führte ihn dazu, Deutschland als den Theil der Erdoderfläche zu preisen, der geeignet sei, das Gehirn und damit das wahre Menschenwesen zur höchsten Entwicklung zu bringen. In Be- treff der Zukunft der Erde pflichtete er der Annahme bei, daß die Erde lich mehr und mehr der Sonne wieder nähere und daß in Folge der dadurch bedingten Zunahme der Wärme zuletzt alles Wasser auf der Erde verdunste und damit alles Leben aufhören werde. Der Wunsch, mit dem er schloß, daß die An« weserrden fich deS LebenS noch lange fteuen und dasselbe mit Vernunft, Weisheit und Mäßigkeit genießen möchten, wurde von den anwesenden Freunden deS Ulks als Anlaß dazu be- nutzt, einen korzirten Beifall« lärm zu inszeniren. Herr Kunkel nahm das Wort, um seinem Unwillen darüber Ausdruck zu geben, daß immer noch in die öffentlichen Versammlungen der Arbeiterinnen solche Herren kommen, die nur Unfug treiben und daS ernste Streben der Arbeiterinnen in der Oeffentlichkeit lächerlich machen wollen. In Bezug auf die Anficht, welche der Referent ausgesprochen hatte, daß die Deutschen Vorzugs- weise Grund hätten, ihr HeimathSland werth zu schätzen, wieS er daraus hin, daß Referent erst dann Recht haben werde, wenn eS den Ärbeilern und den Arbeiterinnen gelungen sein werde, fich aus dem Elende, in welchem fie zur Zeit noch leben, zu einer besseren sozialen Existenz emporzuarbeiten. Herr Kerlin sprach seine Zustimmung zu den Lehren Darwin's aus. Als er dann weiter von einem„bekannten alten Buche" sprach, in welchem haarsträubende, die Sittlichkeit gefährdende Ge- schichten enthalten seien und welches ttotzdem den Schulkindem in die Hände gegessen werde» und darauf hinwies, daß der „Und wer hat Dir das gesagt?" fragte Siegfried überrascht. „Herr von Woltersdorff." „Hast Du über da» Testament gesprochen?" „Keine Silbe." „Ich ebenfalls nicht. Woher also kann Herr von Wol- terSdorss Kenntniß davon erhalten haben?" „Da« weiß ich nicht," sagte der Oberst. „Du hast ihn auch nicht darum befragt?" „Zch dachte nicht daran." „Die Generalin wird keinesfalls einem Andern Mit- theilung gemacht haben," erwiderte Siegfried sinnend;„nach dem Besuche bei Dir befahl fie dem Kutscher, heimzufahren. Aber ihr Bruder war heute Nachmittag in der Stadt, ich begegnete ihm gleich«ach Tisch, und ich irre wohl nicht, wenn ich vermuthe, daß er dieses Gerücht verbrettet hat." „Ein Gerücht, welche» auf die Ehre seiner Schwester einen Makel wirft?" fragte der Oberst zweifelnd.„Zch kann das nicht wohl glauben." „Und was liegt diesem Manne an der Ehre seiner Schwester, wenn seine eigene Existenz in Frage kommt? Er will durch dieses Gerücht Dich nur noch mehr gegen die Generalin erbittern, will jede Versöhnung unmöglich machen, und e« sollte mich nicht wunder«, wenn er dabei selbst auf das Erbe spekulirte. Beharrst Du bei Deiner Verzichtleistung, so fällt Dein Antheil an der Hinterlassen- schast des General« gesetzlich dem Miterben zu. Die Gene- rali« wttd ebenfalls verzichte«, und thut sie da« zu Gunsten ihres Bruders, so kann Niemand dagegen etwas ein- wenden." Der Oberst stampfte zornig mit dem Fuß auf de« Boden, jäh blitzte der Haß, den er gegen Rabe hegte, in seinen Augen auf. „Wenn da« geschähe, ich wüßte nicht, waS ich thäte!" agte er. „Du könntest nichts weiter thun, als die Tyatsache an- erkennen!" „Unser alte« Familiengut im Besitz dieses Bursche«? Schon der Gedanke an die Möglichkeit dieser Thatsache ist mir unerttäglich." vernünftige Glaube an Auferstehung, der in der Einsicht be- stehe, daß der Stoff unvergänglich sei und immer wieder neue Lessmsformen annehme, schon bei den Indianern, aber noch nicht bei den Christen zu finden sei, erklärte der überwachende Volizeideamte auf Grund des§ 9 deS Sozialistengesetzes die Versammlung für aufgelöst. Ferchesar(Provinz Brandenburg), den 30. November. Seit fünf Jahren hatten wir gestern hier die erste öffentliche Versammlung, in welcher Herr Ferdinand Ewald auS Branden- bürg einen Vortrag über„Unsere wirthschaftltche und politische Lage" hielt. Was der Versammlung einen besonderen Reiz verlieh, war, daß fich zu derselben außer dem überwachenden OrtSvorsteher und Gendarmen auch noch der Amtsvorsteher, Prediger, Küster, sämmtliche Bauern sowie Ziegeleibefitzer, deren eS hier sehr viele giebt, eingefunden hatten. Man sah auf den ersten Blick, daß hier etwas Großes geplant wurde, und so war eS auch, es galt die Vernichtung der Arbeiterpartei am bicsigen Orte; man wollte der Agitation Ewald'S im hiefigen Kreise ein Ziel setzen, man hielt es für unerhört, daß die Brandenburger ihre Agitation auf die Dörfer des KreiseS er- strecken, seitdem man Ewald in Brandenburg nicht mehr sprechen läßt. Die Gegner merken endlich, daß es bei der nächsten Reichstagswahl doch schief gehen könnte und daß da- durch, weil fie Ewald in Brandenburg nicht sprechen lassen, nur für uns agitirt wird. Ewald besprach in der Versammlung die wirthschaftliche Lage im Allgemeinen und ging dann auf unsere Sittichen Verhältnisse ein» erläuterte, daß hier— wie er auS ihm überaebenen Lohnlisten ersehen habe— die Arbeiter nicht mehr als 9—10 M. wöchent- lich verdienen, worauf ihm auS der Versammlung zugerufen wurde: sehr oft auch nur 5—6 M. Ferner besprach Redner die auf unsere ländlichen Verhältnisse passenden Punkte deS Arbeiterschutz- Gesetzentwurfs. Er ging dann zur Besprechung der politischen Lage über und führte aus, daß unsere Gegner nur vor den Wahlen arbeiterfteundlich seien. Er kritifirte daS Verhalten derselben im Reichstage allen arbeiterfreundlichen Anträgen gegenüber, wobei er den Konservativen und Deutsch» freistnnigen scharf zu Leibe ging, und schloß seinen Vortrag mit der Aufforderung, bei der nächsten Reichstagswahl nur dem von der Arbeiterpartei aufgestellten Kandidaten die Stimme zu geben. Reicher Beifall belohnte seine Ausführungen. Als erster Redner meldete fich der Herr Prediger Dietz gegen Ewald. Er führte aus, daß es auch vorgekomwen sei, daß ein Arbetter 24 M. verdient habe; feiner erklärte er sich mit der Forderung der Sonntagsruhe einverstanden, wenn auch aus anderen, als vom Referenten angeführten Gründen. Auch mit der Einführung des Maximalarbcitstages sei er einverstanden, nur müsse eS dem Arbeiter gestattet sein, auf seinen Wunsch länger zu arbeiten. Ferner hob er hervor, wie segensreich für den Arbeiter die deutsch- konservative Partei im Reickstage, so- wie auch der Hofprediger Stöcker in Berlin gewirkt hätten. Vom Referenten wurde Herrn Prediger Dietz nachgewiesen, daß er in Betreff deS ersten Punktes nrckt genau informirt sei, eS sei vorgekommen, daß ein Arbeiter 24 M. verdient hasse; derselbe habe aber von Morgens 5 bis Abends 9 Uhr gear- bettet und sei von seiner Frau und seinen zwei Söhnen bei der Arbeit geholfen worden, so daß also vier Personen zusam» men nur 24 Ä. verdient hätten, was durch den Arbeiter selbst bewiesen werden kann, da derselbe anwesend sei- Daß Herr Dietz als Deutsch-Konservativer fich vollständig auf einen man« chesterlichen Standpunkt stelle, sei klar, wenn er sagt, er sei mit der Einführung des Maximal-ArbeitstageS einverstanden, es müsse jedoch dem Einzelnen auf seinen Wunsch gestattet sein, länger zu arbeiten, dann brauche kein hierauf bezügliches Gesetz geschaffen werden, dann sei nach wie vor der Ausbeu« tung des wirthschafllich Stärkern Thür und Thor geöffnet. Ewald bemerkte femer, daß Herr Dietz mit seinen AuSführun- gen seiner Partei keinen Gefallen erwiesen habe- Uesscr die segensreiche Wirksamkeit der Konservativen wurde dem Herrn Prediger vom Referenten in längeren Ausführungen klar ge- macht, waS die Arbeiter von dieser Wirksamkeit betreffs der Ackermann'schen Andäae(Innungen, Arbeitsbücher u. s. w.) halten. Herrn Hofprediger Stöcker betreffend, führte Referent aus, daß eS um das Chrtstenthum besser bestellt wäre, wenn die Geistlichen nicht vergessen würden, was ihres Amtes ist, nämlich die Nächstenliebe zu predigen, anstatt Haß und Zwietracht zu säen. Diese Ausführungen wurden mit donnerndem Beifall begrüßt, so daß den übrigen kampflustigen Herren der Muth vergangen war, fich noch weiter mit dem Referenten zu messen. Sie mochten wohl ein- sehen, daß es mit der Vernichtung der Arbeiterpartei wieder einmal nichts war. und fie mehr für, als gegen uns gewirkt hatten. An der Diskusston betheiligte fich noch der Zigarren- macher H. Neudeck, welcher den Gegnern begreiflich machte, was fie für den Arbeiter bisher gethan haben. Nach einem kurzen Schlußwort und Annahme einer Resolution zu Gunsten der Ausführungen des Referenten, welche mit allen gegen 7 Stimmen angenommen wurde, schloß der Vorfitzende die von 150 bis 200 Personen besuchte Versammlung, in welcher die Arbeiterpartei einen Erfolg errungen hat, wie er nicht schöner sein kann. Siezfried schwieg, sein Blick ruhte erwartungsvoll auf dem alten Herrn, der jetzt mit großen Schritten auf und nieder wanderte, um seiner Erregung Herr zu werden. „Zch glaube jetzt auch, daß Rabe das Gerücht er» funden," nahm der Oberst nach einer langen Pause wieder da» Wort,„der Zweck liegt ja wirklich offen zu Tage. Wäre da« Testament gleich nach dem Tode meines Bruder« gefunden worden, so würde die Generali« die Bestimmungen desselben sofort ausgeführt habe«; diesem Glauben kann ich mich nicht verschließe«, seitdem die Dame mir gegenüber gestanden hat. Ein Testament, welche« man nicht anerkennen, nicht ausführen will, vernichtet man, e« wäre zu thöricht, zu gefährlich, ein solches Dokument auf» zubewahren." „Zur Unterschlagung und Vernichtung eines solchen Dokuments würde die Generalin von Stuckmann niemal» ihre Zustimmung gegebe« haben," schaltete Siegfried ein. „Da» kann ich auch nicht glauben. Zst also da« Testa» ment schon früher aufgefunden worden, so hat Rabe selbst es gefunden. Ich bekenne offen, daß die Generalin mtt trotz ihrer bürgerlichen Herkunft volle Hochachtung eingeflößt hat," fuhr der Oberst fort,„und könnte sie sich entschließe«, mit ihrem Bruder vollständig und für immer zu brechen, so würde ich vielleicht in die dargebotene Hand ein- schlagen." Freudig überrascht blickte Siegfried auf; war sein Vater wirklich geneigt, so rasch nachzugebe«? „Zch werde den Besuchjder Generalin morgen erwidern," nahm der alte Herr noch einmal das Wort,„die Pflicht der Höflichkeit gebietet mir da«, man soll mir den Vorwurf nicht machen können, daß ich diese Pflicht verletzt habe." „Und welche Antwort willst Du ihr bringen?" „Kann ich ihr eine andere geben, als diejenige, die ich ihr bereit« gegeben habe?" „Beharrst Du bei dieser Entscheidung, so wttd der Riß nur«och breiter werden," sagte Siegfried in warnendem Tone. Der Oberst heftete de« Blick fest auf das männlich schöne Antlitz seines Sohnes. (Fortsetzung folgt.) Grosse Äkgarn und i-Fakrlk Dronicnftr. 166 d v» v i w e a Otöttkuftr. 166 Parterre u. i. Etage. 1 Parterre«. 1. Etage. Kluder Tvirots in Wolle, Vigogne und Baumwolle von 60 Pf. an. Filialen: 1. Alexanderstraße 69 am Alexander-Platz. 2. Jnvalidenstraße 112� Ecke Ehansseeftraße. 3. Oranienstraße 267, vis-a-n» Manteuffelftraße. 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S. Sitzung vom 2. Dezember, 1 Uhr. i 2 Tische deS BunveZrath:Z von Boettichcr, »nvurchard, von Schellina, v. Stephan u. a. k,. am«sten und eventuell zweiten Beiathung steht zunächst N vom Abg. v. Kölker eingebrachte Gesetzentwurf betr. die Änderung des Reichsbeamtengesetzes. u � h* v. Koller giebt einen Ueberblick der Borgeschichte Antrages, welcher den Reichstag zuerst als Völlige der Mengen 1882, sodann in Verbindung mit dem Mlitär- MstonSgesetze auch 1883/84 beschäftigte. In jenen VerHand- Wr«n n&<ü das Reichsbeamtengesetz die in dem gegen- Antrage wieder aufgenommene Form, kam aber weder , weil eS vor der dritt-n Lelung von den Regierungen Mögen wurde, noch 1883/84, weil es in Verbindung mit ■wlitärvenstonSgeseye derathen werden mußte, und an das jP'* die Regelung der Kommunalsteuerpflicht der Offlziere der Kommisfion geknüpft worden war, zur Erledigung. P«r letzten Session blieb die Frage unberührt. Die Wie- i?wfnahme derselben durch den vorliegenden Initiativantrag nncm anerkannten Vedürfniß nachkommen. In Preußen e Angelegenheit seit einigen Jahren geregelt, zahlreiche lte find durch Ucbertrilt auS dem preußischen in den «dienst wegen geringerer Penfionsansprüche erheblich dtheiliat, und viele Reichsbeamte, welche gern den Ruhestand treten möchten, harren nur um illen auS, weil fie bei der jetzigen Penston nicht jr-gen können. Sie wartan einfach die Regelung drr ijrttre ab. Falsch wäre es, daraus zu schließen, daß wir die W. ß des MilitärpenfionsgcsetzeS für minder dringlich er« tev"- Das ist nickt der Fall. Gegen unseren ausdrücklichen ist die Materie des Militärpcnfionsgesetzes von der L.T veite deS Hauses gewissermaßen mit einem Drücker da- z. fJKrsehen worden, daß man die kommunale Steuerpflicht N«im damit verband. Wir haben einer derartigen„cko »ii, �'Politik" stets widersprochen und werden auch fernerhin diiirr v i° prüfen, ob ein Gesetz nöthig ist oder nicht, unob- iiiie i?(GDon, ob wir durch unsere zustimmenden Voten irgend «Zusage zu einer anderen Vorlage seitens der Regierungen Lp�r.oder nicht. Man hat uns vorwerfen wollen, unser Mt* ß M bestellte Arbeit. Das ist höchst thörtcht; wir wissen Er wre fich tzie verbündeten Regierungen zu unserem Vor- stellen werden, aber im Vertrauen darauf, daß Sie die ÖPsudigkeit des Gesetzes zugeben, im Vertrauen auf das h�ugleitSgefühl deS Reichstage?, daß er nach Annahme des �lenpenfionSgesetzeS auch dem MilitärpenflonSgesetz seine -"�mung nicht versagen wird(aha! IrnkS), haben wir ihn Wir bitten um möglichst einstimmige Annahme. ich Rickert: Ich hatte mich aufrichtig gefreut, als Berlin"stag las; auch ich war mit dem Entschluß nach foeuhv istkommen, die Einbringung desselben bei meinen ? zu befürworten. Es konnte mir aber aus nahelie« er»Ahnden nur erwünscht sein, daß die Initiative von �verle ausging. Wir nehmen dem Antrage gegenüber oCistllau dieselbe Stellung ein, wie im Jahre 1883, als !)%, unsere Schuld daS Gesetz, welches mtt großer Ma- lch«.'N zweiter Lesung angenommen worden war, vor der Lesung zurückgezogen wurde. Ich bin überrascht, daß wZ 0- Köller heute vrel mehr über daS Militär penfions- welches nicht zur Diskussion steht, spricht, als über das ijpiQmtenpcnfionsgesetz, und ich finde es eigenthümlich, daß L' Verantwortlichleit für daS Nichtzustandekommcn dessel- �»uf hie große Majorttät deS Hauses wälzen will. Es ist allgemein bekannt, daß bis in Ihre(rechts) Reiben der Standpunkt der Majorität, welchen v. Köller be- gelheilt worden ist.(Zustimmung linkS.) Wir haben V ,�er vorgenommen, dem vorliegenden Entwurf auch nicht ' Ängsten Hindernisse in den Weg zu legen. Die preußi- Beamten genießen Wohlthaten, welche den Rcichsde» vorenthalten werden. Ich glaube, daß auch die ver« stn Regierungen zu der Erkenntniß kommen wer- vfo# fix auf dem Standpunkt von 1833 zurückgehen, nu!• �rafle nicht mit einer anderen belasten, welche mit lit? un Zusammenhange steht. Sollten wir vor die.Frage deS �i.?pensionsgesetzeS gestellt werden, so werden wrr fie in objektiven Sinne prüfen, wie früher. Heute sind die h, P,st>ste:tigten Angriffe deS Herrn v. Köller am wenigsten gewesen. Ich möchte Sie bttten, sich, ohne auf die M-�nh!rtt mit Rekriminationen zurückzugehen, darauf zu v"ten. dm unveränderten Antrag v. Köller anzunehmen. WbM. n wohl die berechtigte Hoffnung hegen, daß die ver- «tat* Regierungen dem einstimmig ausgesprochenm Mer.» w*"8 Reichstages nachkommen und damit im '«II»n Beamten und deS Staates zugleich handeln.(Bei- �t� Ä'kretär v. Burchard: Ich würde das Wort M habm, wenn ich nicht die Befürchtung hegte, öin,. �wlserem vollständigen Schweigen geschlossen werden ?%t die verbündetm Regierungen von ihrer früheren \üt, et, bm Zusammmbang der Beamtm- und Militär- S,»"»ner anderen Auffassung übergegangen wären. Ich � F.i,?°ean. daß im Jahre 1883 der Gesetzmtwurf, der ...°udeamten allein betraf, namens der verbündeten Re« ...... zurückgezogen kannt wurde, dritten Lesung hang anerkannt � .binirtes Gesetz vorgelegt der gleichen Ueberzeugung wären auS dem dringend chwebmde Frage einer »Ä'rs; mmm DZGM ntra0 auf Erlaß eines �luualprn,»v,,-. A.«h �std. welcher den Herren unverzüglich vorgelegt J' v. R rechts.) Cl nithj und der Standpunkt des Herm Schatz. %< wild aufrecht erhalten werden können. � Abo L-setzentwurfS ist ja"---- Rstkrt, und soeben auch von dem Antrag- von dem Grafen v. Donnerstag, den 3 Dezember 188». II. Jahrg. Mottle vollkommen anerkannt, und auch meine politischen Freunde(die Rationalliberalen) werden einmüthig für ihn ein- Veten. Was den parallellaufenden MilrtärpenfionSgesetzent' wurf, der heute von Neuem eingebracht worden ist, betrifft, so konstatire ich, daß meine politischen Freunde vor 3 Jahren in der Kommisfion die Brecktigung des Verlangens der Kom- munalbesteuernng der Oifi�iere vollstänötg a erkannt und keineswegs zugegeben haben, daß diese Frage mit der Militär- Novelle in keinem Zusammenhange stehe. Ich schließe, indem ich der Hoffnung Ausdruck gebe, daß auch auf diesem Gebiete bald ein Abschluß herbeigeführt werde; das Bedürsniß er« kennen auch hier meine Freunde vollkommen an.(Beifall.) Abg. Graf v. Behr: Die Reichspartei steht dem Antrag v. köller mit wärmster Sympathie gegenüber und empfiehlt seine Annahme dringend. Er ist in der Billigkeit und Gc- rechtigkeit durchaus degründet. Ich bedaure, daß die Regie- rnng heute ertlärt hat, daß fie von ihrem früheren Standpunkt nicht abgehen wolle oder zur Zeit nicht abginge. Ich hielte es für geboten, daß dieses Bcamtengesetz zunächst allein angenom« men wird, um so mehr, als die verbündeten Regierungen das Milttärpenfionsgesetz jederzeit haben können. Es liegt also keine Veranlassung vor, die beiden Gesetze zu verbinden. Wir müssen aber auch, wenn wir das andere Gesetz nicht bekommen, das vorliegende allein annehmen.(Beifall.) Schatzsekretär v. Burchard: Ich habe nicht gesagt, daß die verbündeten Regierungen von ihrem früheren Stand- punkt nicht abgehen, sondern nur, es hätte kein Anlaß vorge- legen, darzulegen, ob die Regierungen noch auf demselben Standpunkt stehen, und habe hrnzugefüat, daß äußere Merk- male daßr nicht vorliegen, daß d:e Regierungen von idrem früheren Slandpunlt abgegangen seien. Lb fie in der That auf demselben früheren Standpunkt stehen oder nicht, darüber habe ich nichts gesagt und konnte ich nichts sagen, einfach des« halb, weil darüber nichts festgestellt ist. Abg. v. Sch a l sch a: Meine politischen Freunde und ich stehen nach wie vor dem Gesetzentwurf sympachisch gegenüber, und ich bedauere nur, daß der Gesetzentwurf nicht schon Gesetz geworden ist, als er zum ersten Male eingebracht war. Eoenso spreche ich mein Bedauern aus, daß nicht auch daS Militär- penfionSgesetz schon längst verabschiedet ist, und wenn dieS nicht in ver von der Regierung beantragten Form geschehen konnte, so hätte es für das Wohl deS Vaterlandes nur förder« lich sein können, wenn die Form der Kommisfion angenommen worden wäre. Es wird geklagt, daß die Schlagfertigkett der Armee unter den gegenwärtigen Verhältnissen leide, und doch stolpert man über ein formales Bedenken und macht einen Vorwurf daraus, daß Dinge mit dem Mililärpenfionsgesetz verquickt werden, die in dasselbe nicht Hineingehören. Mit demselben Athemzuge verquickt man freilich selbst das Zivil- und Milttärpenfionsgesetz. Es ist un- begreiflich, daß die verbündeten Regierungen einem Gesetz- entwurf ihre Zustimmung bisher nicht gegeben haben, der für ganz Deutschland Verhältnisse schaffen soll, die in einem großen Theile Deutschlands bereits bestehen; der Gesetzentwurf würde 95 pCt. der Offiziere einen Vortheil schaffen, während er viel- leicht 5 pCt. schädigen und doch nicht unbillig schädigen würde. Ich bitte, eine so wichtige Angelegenheit nicht darnach zu be- urtheilen, ob formale Unrichtigkeiten bei der Berathung vorge- kommen find oder nicht, sondern einzig vom Standpunkte der Wehrhasttgkeit unserer Armee. Abg. Richter: Ich will mich freuen, wenn ich mich täusche, aber der Eindruck der Verhandlungen ist für mich ein dem Gesetzentwurf durchaus ungünstiger. Ich hätte es für günstiger angesehen, wenn der Herr Schatzsekretär überhaupt keine Erklärung abgegeben hätte; er war ja bei der ersten Be- rathung eines Initiativantrages dazu nicht genöthigt. Nun hat Herr v. Burchard zwei Erklärungen abgegeben, die fich eben so wenig decken, wie neulich seine Erklärungen bei der TabakSsteuer. Er hat in der letzten Zeit mehrfach das Unglück gehabt, mißverstanden zu werden. Ich höre aber auS seinen Worten mehr daS Nein, als die Geneigtheit für den Gesetzentwurf heraus. Wenn man in der Weise betont, daß keine äußeren Merkmale dafür vorliegen, daß die verbündeten Regierungen ihren früheren Stadtpunkl verlaff-.n bätien, so kann man fich kaum unsympathischer ausdrücken. Ein andere? ungünstiges Vor- zeichen ist dies, daß die Frage des MilitärpenfionsgesetzeS mit dem Beamtengesctz hier vermischt wird. Den Schlüssel dazu erhielt ich durch den Antrag des Grafen Moltke, betreffend die Einführung des MilitärgesetzeS, der gerade an diesem Tage gestellt wiro. Man kann gar keinen ungünstigeren Schachzug gegen den Gesetzentwurf machen, als wenn gerade in diesem Augenblick das Militärgesetz hervorgezogen wird; eine feind- lichere Handlung konnte von ver rechten Eette gar nicht unter« nommen werden. Indem Sie(rechts) gleichzeitig die beiden Anträge unterstützen, zeigen Sie, daß Sie nicht selbstständig daS Interesse der Beamtm fördern, sondern in anderen taktischen Formen die beiden Gegenstände wieder verquicken wollen. ES ist ja richtig, daß formell die beiden Anträge getrennt eingebracht werden. Aber cS unterliegt keinem Zweifel, daß schon daS Nebmeinanderbestehm derselben, daS Betonen ihres inneren Zusammenhanges der erste Schritt dazu ist, wieder eine Ver- toppelung herbeizuführen. Gelingt dieS, so wird diese Sesfion in Bezug auf beide Fragen ebenso ergebn'ßloS verlaufen, wie die beiden letzten Sesstonen verlaufen find. Es geht in der That nicht an, daß, wenn man bei der Penston die Gleichstellung der Äilitärpersonm mit den Beamten fordert, man in demseldm Augenblick es ablehnt, daß auch in Bezug auf die Lasten die beiden Kategorien sich gleichgestellt werden, daß die Offiziere fich derjenigen Kommunalbcsteuerung entziehen, der die Zivilbeamten unterliegen. Diese Frage muß hier gelöst werden, sonst wird ihre Lösung auf unabsehbare Zeitm hinaus- gefchobm.(Beifall links.) Abg. W i n d t h o r st: Ich bin der Anficht, daß dieseS Gesetz rückwirkende Kraft habm muß, daß also die Reichsbe- amten nachträglich denjmigcn Zusatz erhalten, den fie erhalten haben würden, wenn fie preußische Beamte geblieben wären. Wir haben alle Ursache, diese Disparität zwischen preußischen und Reichsbeamten wieder gut zu machen. Der Antragsteller .at zu meinem Bedauern das PenfionSgesetz für die Offiziere n die Debatte gezogen. Er wußte fich wohl schuldig, daß er geam die Intentionen der Regierungen vorging, denn diese haben das PenfionSgesetz zurückgezogen. Meine Sympathien für daS Militärpmfionsgesctz dauem noch fort. Ich weiß, waS wir unserer Armee nach außm und innen verdanken. Anderer« seitS aber verlangt daS Volk, daß die Offiziere, wenn fie in dieser Sache glerch behandelt werden mtt den Beamten, auch die gleichen Lastm tragen müffm, und es haben mir sehr angesehene und tüchtige Offiziere gesagt, daß fie diese Anficht theilen. Indessen will ich heute em mdgilligrs Urtheil nicht abgeben, an Entoegmkommm für das Militär- penfionSgesetz wird eS unsererseits nicht fehlm.(Beifall im Zentium.) Abg. v. Maltzahn-Gültz: Ich freue mich, daß der Anttag Köller eine so entgegenkommende Aufnahme gesunden hat, und ich hätte gewünscht, daß ihm von Eeitm der Regie- rungen ein größeres Entgegenkommen bewiesen worden wäre. Wenn der Abg. Richter aus der Ankündigung deS Militär- pensionsgesetzcs durch den Grafen si'toltke einen Vorwurf gegm uns hergeleitet und gesagt hat, feindlicher könne man gegen das Zustandekommen dieses Gesetzes gar nicht handeln, so ist das ungerechtfertigt. Wir haben Ihnen nackt und ohne Rück» ficht auf das andere Gesetz das Gesetz über die Reichsbeamten vorgelegt. Wollen Sie dasselbe nicht annehmen, weil Herr v. Köller und auch ich die mtsprechenden Forderungen auch für die Militärpersonen für nöthig halten? Dann thun Sie eS, aber werfen Sie uns nicht vor, daß wir dies Gesetz nicht verabschieden wollen. Dann hat Herr Rickert gesagt, daß der heute von Herm v. Köller bekämpfte Standpunkt bis in unsere Reihm getheilt worden sei. Ich entstnne mich nicht, daß einer meiner Parteigenossen die Kommunalsteuerfroge mit dem Mi- litärpenfioasgesetz gemeinsam behandelt wissen wollte. Ich bestteite also jene Behauptung bis zum Beweise deS GegentheilS. (Beifall recktS.), Abg. Richter: Herr v. Maitzahn bat die Sache so dar- gestellt, als wollten wir den Antrag Köller ablehnen, weil gleichzeitig der Antrag Moltke eingebracht ist. DaS liegt uns durchaus fern. Ich behaupte aber nach wie vor, daß die Ein- bringung des Antrages Moltke ein feindlich tattischer Zug gegen dm Antrag in Bezug auf daS Bcamtengesetz ist. Es kommt ja nicht blos darauf an, daß wir dasGejetz annehmen, sondern auch, wie fich die Regierung dazu stellt. Sie bestärken durch diesen neuen Antrag die Regierung in ihrem bisherigen Widerspruch gegen eine Trennung des Zivil- und Militär- penstonsgesetzes. DieS wird man auch außerhalb dieses Hauses allseitig erkennen. Man wird fich in Beamtenkreisen sehr ent- täuscht fühl n und einsehen, daß mit diesem Antrage nur der alte Stein geboten wird und eine Ablehnung dessen, waS alle anderen Parteien in diesem Hause diesm Beamten gewähren wolltm.(Zustimmung links.) Die Diskusston wird geschlossen. Persönlich bemerkt Abg. Rickert, daß Prinz Carolath, also ein Freikonservatioer, ausdrücklich betont habe, daß die Kommunaidestcuerung mit dem Milttärpenfionsgesetz in Zusammenhang gebracht werden müsse.,. Abg. v. Köller: Wenn der Abg. Richter in der Etnbrtn- gung des Antrages v. Mottle einen taktischen Zug gegen meinen Antrag erblickte, so ist daS durchaus falsch. Wir wollen die Materie getrennt behandeln, sonst hätten wir eine kombinirte Vorlage eingebracht. Sie(links) haben nun einmal die Gelegenheit ver- paßt, einem dringenden Bedürfniß im Lande adzuhclfm, geben Sie es nur zu!(Lachen links, Zustimmung rechts.) Damit schließt die erste Berathung, worauf das Haus so- fort in die zweite eintritt. Abg. P f a f f e r o t t beantragt, das Gesetz nicht mit dem Tage der Verkündigung, sondern mtt dem 1. April 1883(an welchem Tage das PenfionSgesetz zum ersten Male vorgelegt wurde) in Kraft treten zu lassen. Er hält die rückwirkende Kraft deS Gesetzes für recht und billig, weil man schon 1883 den Beamten Hoffnungen auf sein Zustandekommen gemacht habe. Abg. v. Köller bittet, den Antrag biS zur dritten Lesung zurückzustellen. DaS preußische Gesetz sei bereits 1882 angenommen worden. Darauf müsse Rücksicht genommen werden. Nachdem auch Abg. Rickert denselben Wunsch geäußert, zieht Abg. Pfasferott seinen Antrag für dieses Stadium der Berathung zurück. Abg. Windthor st hält die Sacke für vollkommen spruchreif, eignet fich den zurückgezogenen Antrag an, und be> antragt, ihn, da die verbündeten Regierungen trotz direkter Aufforderung zu demselben nicht Stellung nehmen, der Budget- kommisfion zu überweisen. Dieser Antrag wird jedoch abgelehnt und daS Gesetz unverändert angenommen. Es folgt die erste Berathung des von dem Abgeordneten v. I a z d z e w s l i und Genossen eingebrachten Gesetzentwurfs, betr. die Abänderung deS GerichtSverfassungsge- s e tz e S vom 27. Januar 1877. Abg. Dr. v. I a z d z e w S k i: Bei der Entscheidung über diesen Antrag sollten keine politischen Gründe, sondern nur praktisch-juristlsche GefichtSpuntte in Betracht kommen. Es kommt doch bei den Gerichtsverhandlungen vor Allem darauf an, daß den streitenden Parteien Reckt geschehe. Die Kam- Mission der vorigen Sesfion ist den Wünschen der polnischen Bevölkerung nur soweit entgegengekommen, daß fie vorschlug, daß, wenn unter Betheiligung von Personen verhandelt wird, die der deutschen Sprache nicht mächtig find, ein Dolmetscher zuzuziehen ist und die in fremder Sprache gemachten Aussagen in dieser in das Protokoll aufgenommen und dem Betheiligten zur Durchficht vorgelegt werden. Damit ist unsere Forderung eines ausführlichen Nebenprotokolls, worauf meine Landsleute so großes Gewicht legen, beseitigt; die Wichtigkeit der Proto- kolle aber ist erst wieder durch den letzten Erlaß deS preußikcben Justizminister betont worden. Es empfiehlt fich eine nochmaligePrü» fung unserer Wünsche in einer Kommisfion. Dabei könnte erwogen werden, ob nicht auch in dieser Richtung eine Aenderung in das GerichtsverfaffungSgesetz gebracht werde, daß es zugelassen werde, daß die Richter, welche die Muttersprache der Parteien verstehen, direkt in der Muttersprache verhandeln können. Die erwähnten Zustände werden um so schwerer empfunden, als an guten Dolmetschern außerordentlicher Mangel ist. Abg. Kadls: Meine Freunde und ich werden dem An» trage beistimmen. Im Jahre 1871 äußerte steh Fürst Bismarck gegen die elsäsfische Deputation ungefähr so;„Die Sprache eines Volkes ist ein hockschätzdares Eigenthum, daS nicht an- getastet werden darf." Er gab auch zu, daß in den Gegenden von Elfaß-Lothringen, wo man vorwiegend deutsch spricht, jedoch auch der franzöfischen Sprache mächtig ist, die Kenntniß beider Sprachen für die Bewohner dieses wie jedes Grenz- landes ein Lottheil ist, der nicht verkümmert werden darf. Leider wird dort öfters nicht im Sinne dieser Worte ver« fahren. Darin hat der Antrag Recht: eine gründliche Rechtsprechung ist nicht denkbar, wenn die Parteien fich nicht verstehen und nicht sicher find, vom Richter verstanden zu werdm. Abg. v. C u n y: Herr Kablö bat fich über die BeHand« lung der franzöfischen Sprache im Elsaß beschwert. Aber ge- rade im Elsaß find derselben weitgehende Kon, esfionen gemacht. Gleich im Jahre 1871 ist der Grundsatz ausgesvrochen worden. daß überall da, wo die französische Sprache Volkssprache ist. regelmäßig vor den Friedensgerichten(später vor den Amts- gerichten) in französischer Sprache verhandelt werden solle, und an diesem Grundsatze hat man bis heute festgehalten Die Verhältnisse in Elsaß- Lothringen geben also keinen Giund zu Angriffen, wie fie Abg. Kabis soeben gemocht hat. Er hat aber auch noch wetter weiter verlangt, daß selbst für die deut- schen Sprachgebiete die französtsche Sprache aufrecht erhalten werden soll. Mir ist es unverständlich, wie eine solche For- derung auf Grund des Nationalitätsprinzips erhoben werden kann. Ebenso unverständlich ist es mir, wie er arif Grund dieses Prinzips zu einer Unterstützung des JazdzewSlifchen An- träges hat kommen können. Er scheint mir denselben nicht recht gewürdigt zu haben. Jedes Volk ist berechtigt, die Erhaltung seiner Eprarte zu begehren. Aber davon steht nichts in dem Jazdzewski'schen Antrage. Derselbe stellt stch nicht auf den Boden des Naiionalitälsprinzips. Das deweist klar Art. I des Antrags, der die seit dem Jahre 1772 der Krone Preußen zugefallenen polnischen Landestheile umfaßt. Be- kanntlich deckt stch dieses Gebiet nicht mit dem polnischen Sprachgebiete. Es umfaßt einerseits nickt Oberschlesten. das auch eingezogen werden müßte, wenn Jazdzewsli vom Natio- natitälsprinzip ausginge. Andererseils bricht stch derselbe auf Gegenden, wo die deutsche Sprache das Uedergewicht hat, auf Westprcußen und Posen. In Danzig, Marienwerder, Manen- bürg ist das Deutsche überwiegend, und doch soll die polnische Sprache dort mit der deutschen gleichberechtigt sein. Auf Art. II. will ich nicht eingeben; das wird die Kommisston zu thun haben. Ich bitte Sie, eine Kommission von 14 Mitgliedern zu wählen. Abg. Hart mann hält die Forderung eines Neben» Protokolls nicht für zweckentsprechend, glaubt vielmehr, daß im Rahmen des jetzigen Gesetzes größere Garantien für eine richtige Rechtsprechung auch in Gegenden mit gemischter Bevölkerung gesucht werden müssen. Abg. Rintelen spricht sich auch für eine desondere Kommission aus. Die Debatte wird geschlossen. DaS Schlußwort erhält Abg. v. Jazdzewski: Dem Abg. v. Cuny bemerke ich, daß wir Oberschlesten nicht in unserem Antrage berücksichtigt haben, weil wir in demselben nicht nur die Jnlereffen der Gerichts- pflege vertreten, sondern auch Verträge, welche Oberschlesien nicht zu statten kommen. Es steht ja nichts im Wege, die oberscklestschen Abgeordneten ein Amendement zu meim Antrage stellen, welches ihre Gegend berücksichtigt. Uni Unterstützung dürfen sie sicher sein. Wir wollen keinen Staat im Staate, wie Herr v. Cum) uns vorwirft, sondern nur eine Berücksichtigung unserer Nationalität im preußischen Staate. (Beifall.) Der Antrag wird an eine Kommisston von 14 Mitgliedern verwiesen. Es folgt die Berathung des von den Sozialdemokraten eingebrachten Arbeiterschutzgesetzes in Verbindung mit den Anträgen der Abgg. Lieber, Hitze, Lohren wegen Einschränkung der Sonntagsarbeit, der Frauen-, Kinder- und Nachtarbeit rc- Abg. P f ann k u ch: Herr v. Puttkamer hat in der vorigen Session gemeint, wenn in dem Arbeiterschutzgesetz unsere ganze Weisheit enthalten sei, so könnten wir auch auf der rechten Seite des HauscS sitzen. Das hat uns nicht ab- gehalten, unseren Antrag au's Neue einzudringen. Bei der Sonntagsruhe hat der Reichskanzler gefragt, ob wir der An- ficht seien, daß die Industrie den Ausfall der Eonntaggsar- best zu tragen habe. Dieser Ansicht find wir allerdings. Und ist sie dazu nicht im Stande, im Gegensatz zu den Industrien Englands und Nordamerikas, die sich dem purita- nischen Sonntag zum Trotz entwickelt haben, so können wir uns für dieselbe nicht begeistern. Est noch Enqueten über Sonn- tagsarbeit u. s. w. veranstalten, heißt die Sache verschleppen. Auch bei der Forderung des Maximalarbeitstag-s leitet uns der Gedanke, daß der Kapitalprofit zu schmälern ist, um dem Arbeiter den Vortheil verlü.z'.er Arbeitszeit zu schaffen. Der Kanzler hat gemeint, wir sollten mit dieser Forderung nicht vor die Arbeiter treten. Die Prtilionen zu Gun- sten des ArbeiterschutzgesetzeS zeigten ein« ganz andere Sprache. Hunderttausende von Arbeitern haben stch einver- standen erklärt mit den Führern der Sozialdemokratie, die man dargestellt hat als Leute, die von der Agitation lebten- Aber die meisten derselben haben die Schule des Lebens mit ihren Härten und Martern kennen gelernt. Sie haben einen anderen Beruf erst»rgriffen, als sie wegen ihrer politischen Gesinnung Arbeit nicht mehr finden konnten. Wie mit der Sonntagsarbeit, so steht es auch mit der Frauen- und Kinder- arbeit. Sehen Sie, wie die kleinen Kinder in den Spitzen- spinncreien beispielsweise ihre Jugend verkümmern, und Sie werden mit mir sagen, daß es besser ist, auf einen Luxus zu verzichten, als die Kinderarbeit weiter aufrecht zu erhalten. Es freut mich, daß die Herren von der Rechten und aus dem Zentrum in dieser Beziehung ähnliche Anttäge stellen. Gehen Sie so weiter, so werden Sie auch um die Eigenthumsfrage nicht herum können. Denn dasselbe ist nicht göttlichen Ur» sprungs, sondern eine historische Kategorie. Ueberall müssen andere Verhältnisse eintreten, ehe uns der volle soziale Frieden werden kann. Durch den Normalarbeitstag werden allein an- nehmbare Verhältnisse zwischen der Produktion und der Kon- sumtion hergestellt werden können. Es ist richtig, auch in meiner Fraktion bestehen Meinungsverschiedenheiten über diese Frage. Aber dieselben find rein theoretischer Natur. Unsere Bestrebungen gehen aus einen organischen Ausbau der sozialen Verhältnisse hinaus. Damit widerlegt stch schon der Vorwurf, als od wir eine revolutionäre Partei seien. Unsere Anträge wollen die Kluft überbrücken, die stch zwischen den Arbeitern und Arbeitgebern aufgethan. Ohne die Sozialdemokratie würden wir in diesem Hause niemals zu einer gründ- licken Erörterung der sozialen Frage gekommen sein. Die von der Linken anempfohlene Selbsthilfe hat sich ohnmächtig er» wiesen gegen den Kapitalismus. Im Namen der Humanität, der G.'rechitgkcit und des Arbeiterstandes bitte ich die Herren um die Reduzirung der Arbeitszeit, um eine Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit und um die Beseitigung der Ge- fangnißarbeit. Wir find uns bewußt, an einer großen Kultur» aufgäbe mit heiligem Ernst mitzuarbeiten. Schneiden Sie unS nicht die gesetzgeberische Arbeit ab. Der sozialdemokratische Staat wird ganz destimmt den Manchesterstaal in seiner Form ablösen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Um 4'/, Uhr vertagt das HauS die weitete Berathung auf Donnerstag 1 Uhr. Kommunales. w. Wahl-Proteste. In einer außerordentlichen Sitzung am Mittwoch beschäftigte sich ZdaS Magrsttatskolleglum unter anderm auch mit einem beim Magistrat eingegangenen Protest gegen die angesetzte Stichwahl zwischen Limprecht und Kohlert. Der Vorstand deS 26. Wahlbezirks hat, wie bererts bekannt, für die dritte Abtheilung eine Stichwahl zwischen beiden ge- nannten Herten zum 15. Dezember cr.Zangesctzt. Htcrgegen ist nun beim Magistrat ein Prottst eingegangen, weil das Verfahren des Wahlvorstandcs am 24. November er. nicht korrekt gewesen sei, denn der Direktor Kohlett sei am Tage der Wahl nicht natural strter Pteuße gewesen, die auf ihn gefallenen Stimmen seien daher ungilttg. Bei dm Stadtverordneten- wählen vor einigen Jahren seien in einem Wahlbezirk ebenfalls diejenigen Stimmen, welche für einen Hausbesitzer abgegeben wer- den sollten, die aber auf einen Nichthausdcsteer gefallen waren, für ungiltig erklärt worden. Wenn der Wahlvorstand aus Unkenntniß der Sachlage die Stimmen für giltig erklärt habe. so folge daraus noch nicht die Nothwendiakert zur Ansetzung einer Siichwahl. vielmehr habe der Magistrat einfach die Kohlert'iche Wahl nachtraglich für ungiltig, dagegen dm Gärtnercibefitzer Limprecht für gewählt zu er- achten und die Stichwahl zu inhibiren. Der Magistrat hat sich dahin schlüsfig gemacht, daß er selbst nach der seit den letzten Stadtverordneten- Wahlen geänderten Gesetzgebung zu einem Eingreifen in den Gang des Wahlgeschästes und zu einer Anweisung an den Wahlvorstand beziehungsweise der Giltigkeits- oder Ungiltigkeitserllärung der abgegebenen Etim- men gar nicht mehr zustandig sei und deswegen auch auf den gegenwärtig vorliegenden Protest etwas Weiteres nicht veran- lassen können. Erst wenn durch den Wahlrotstand ein Resultat der Wahl als ein cndgiltiaes ihm mitzerheilt sein werde, sei dies von ihm einfach bekanntzu machen und gegen daS in solcher Weise bekannt gemachte Wahlresultat sei dann innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist ein Protest zulässig, der von ihm zur Entscheidung der Stadtverordneten- Versammlung vorzulegen sein werde. w. Wegen Anlegung der Uorkstratze auf der Strecke »wischen Möckernstraße und der Anhalter- resp. Dresdener- Bahn hat der Minister Oer öffentlichen Arbeiten die dabei be- thciligten Eisenbahn-Direklionen von Berlin, Erfurt und Maade- bürg angeiviesen, mit dem Magistrat in kommissarische Ver- Handlung-u tretm. Die Zahl der Geistes kranken und Epileptischen, für welche die städtische Verwaltung Berlins ,n sorgen bat, nimmt fortwährend zu. Während fie am 1. Oktober 1882 1594 betrug, belief fie fi-b, wie die„Nat. Ztg." mittheilt, am 1. Oktober d. I. auf 1976, ist mithin in drei Jahren um 332, jähr« lich durchschnittlich um 127 Kranke gestiegen. Für den nächsten 1. Oktober(1886) werden im Etatentwurf 2100 Kranke ange- n mmen. Von den Kranken des 1. Okt. d. I. defanden sich 1253 in der Irrenanstalt zu Dalldorf, 723 in Privatanstalten. Wie bekannt, wurde diei Dalldorfer Anstalt nur für 1000 Geisteskranke und Epileptische gebaut; ste kann aber in der Tbat 1250 aufnehmen. Eine weitere Steigerung ist dagegen nicht möglich, und es müssen daher die Kranken, welche nach Dalldorf �M?wiesen werden, jetzt schon regelmäßig in Privat- überführt werden. Lokales. er. Eine der im Prozeß Graef mehrfach erwähnte« Personen, vie junge Lieschen Rother ist vor einigen Tagen im Krankcnhause ihrem Lungenleiden erlegen und vorgestern beerdigt worden. Die Th'.tsache erschien uns zuerst nicht wichtig genug, um von ihr Notiz zu nehmen, viele Hunderte sterben täglich, die eine fühlbare Lücke zurücklassen, deren Fehlen von den Angehörigen schwer empfunden wird, und dennoch fällt eS Niemandem ein, stch irgendwie um diese namenlosen Dahingeschiedenen zu kümmern. Mit der Familie Ro her verhält stch dies jedoch anders, fie hat einmal dazu gedient, Stoff zur Sensation zu bieten, die„Gesellschaft" ist durch fie indirekt wenigstens kompromittirt worden, daher glauben die Organe der„Gesellschaft" heute immer noch, diese Familie mit derjenigen Verächtlichkeit, die der„Gesellschaft" selbst mindestens in gleichem Maße gebührt, vor aller Augen behandeln zu müssen. DaS Odium, welches auf exzentrische Wüstlinge fällt, muß dadurch abgeschwächt werdm. daß man ihre Opfer noch im Tode begeifert. Das Gericht halte damals sein Urtheil gefällt, es liegt unS ferne, hier nock einmal die alte Elrettftage auffr fchen zu wollen, aber acht lange Tage standen doch damals die Angeschuldigten am Pranger, und wenn fie schließlich freigesprochen wurden, so waren diese langen acht Tage auch schon Strafe. Wie liegt die Sache nun heute? Alle Tage liest man über den Herrn Professor Graef in der Presse seiner Anhänger wobl» wollende Notizen: der Herr Professor denkt gar nicht daran, nach „Elbflorenz" überzustedeln, er erfreut sich deS besten Wohlseins, er ist in rüstigem Schaffen begriffen, Lerjbleibt in„Sprccathen", und wir„Spreeathener" sollen in hellen Jubel hierüber aus- brechen, wenigstens Vi jenigen, die keine Töchter babcn, deren körperliche Eigenschaften sie zu Modellen qualifiziren. Wir find durchaus nicht dazu veranlagt, den pedantischen Sitten- richter zu spielen, aber der Anficht sind wir doch, daß bei der- artigen Angelegenheiten der verführte Tbeil mindestens dieselbe Achtung genieße wie der verführende. Es wird keinen rechtlich denkenden Menschen geben, der es abzuleugnen wagte, daß der Professor Graes ganz allein die moralische Schuld an der fitt« lichen Verkommenheit desjenigen MävchenS, mit dem er jähre- lang in den intimsten Beziehungen stand, auf stch zu nehmen hat. Wie verhält stch nun die Presse, die dem Professor Graef zu Füßen liegt, diesem doch sehr einfachen Eachverhältniß gegenüber? Vorgestern wurde LieSchen Rother begraben, und Alles, was an verabscheuungswürdiger Rohheit, an der brutal- sten Echamlostgkeit jcmrls erdacht worden ist, das wurde gestern Morgen vom„Berliner Börsen-Kourier" am Sarge dieses fünfzehnjährigen Kindes ausgesprochen. Sind wir soweit gekommen, daß wir die Scheu vor der Allmacht des Schmerzes verlieren, daß wir die heiligsten Gefühle, die ein Menschenher, überhaupt bewegen können, zum Gegenstand seichter Börsenwitzeleien machen, nu um abgelebten Leuten einen Moment des unmenschlichsten Ver- gnügens zu bereiten? Wenn das der Fall ist, so ist cs gut; wir möchten aber gern wissen, was man beginnen würde, wenn eine Zeitung ähnliche Glossen bei dem Leichenbegängniß eines Börsensürsten oder nur eine? ganz gewöhnlichen Kommerzien- rath.s machen würde. So viel ist stcher, daß die Familie Rother keine Musterfamilte ist, aber od diejenigen Mittel, die häufig an der Börse angewendet werden, um Geid zu„verdienen", an Unlauterkeit denen der Familie Rother sehr viel nachstehen, das ist eine Frage, über die d-r„Börsen- Kourier" wahrscheinlich selbst am besten informirt ist. Bisher war es immer Sitte, daß man sich am Sarge eines Todten mit dem größten Zartgefühl benahm, und mögen die Mitglie- der der Familie Rother sonst gethan haben, was fie wollen, das wenigstens können fie von den„gebildeten" Kreisen ver- langen, daß man fie am Grabe eines ihrer Angehörigen ihren Schmer, ruhig ausweinen läßt. Ueber die Lage der Berliner Eisenarbeiter finden wir in der„Volls-Ztg." einige Mittheilungen. Bei Hoppe, bei Schwartztopff, bei Borfig und in anderen großen Werk- stätten ist leicht zu erfahren, wie es mit Arbeit und Verdienst beschaffen ist. Ohne die Totpedofabttkation würde bei Schwartzkopff so gut wie gar nichts zu thun sein, und Be- schäftigung ist schon seit Monaten nicht vorhanden gewesen. Bei Bofig aber ist, so weit es den Lokomotivdau betrifft, schon seit Jahren ein sehr unerfreuliches Arbeitsverhältniß. Zur Zeit feiern z. B. die Schmiede auf dem sogenanlcn Eisenwerk, nachdem ihnen im vorigen Jahre ein Lohnabzug von 10 pCt. und in diesem Jahre ern solcher von 15 pCt. gemacht worven. Längere Arbeitspausen für den Einzelnen wie!ür die Berufs- arten, Schmiede, Dreher u. s. w., Halbtagsarbeit oder Be- schäftigung in halben Wochen beziehungsweise bestimmten Wochentagen find schon seit Jahren die Hilfsmittel gewesen, um Arbeiterentlaffungen vorzubeugen, und, nachdem am 8. Dezember 1883 die vrertausendste Lokomotive fertiggestellt, ist beute erst Nr. 4176 in Arbeit, während bei normaler Thätig- kcit die Nr. 4200 längst überschritten sein müßte. Die äugen- blickliche Arbeitspause, welche der Natur der Sache nach zuerst die Schmiede trifft, ist um so befremdlicher, als, wie aus sicherer Quelle mitgetbeilt wird, nicht direfter Arbeitsmangel die Ursache ist. Es sind noch 17 Maschinen in Bestellung, aber die Zeichnungen werden noch nicht ausgegeben, man will also seitens der Verwaltung jedenfalls Sparsamkett üben und dem gänzlichen Arbeitemangel vorbeugen. b. Einigkeit macht stark. Die Gastwirthe haben durch ihr vereintes Vorgehen gegen die Uedelstände im Brauerei- wesen einen ersten Erfolg zu verzeichnen. Eine der ersten hie- figen Brauereien hat beschlossen, das unzuverläsfige Tonnen- maß durch das Hektolitcrmaß zu ersetzen. Sie wird fortan ihr Bier nur in amtlich geaichten Fässern von'/«,'/, rv.'/> Hekto- litein Gehalt verkaufen. Die anderen Brauereien werden na- türlich nachfolgen müssen. Es wird damit einem der größten Uebclstande im Biervcrkauf gesteuert. Denn der Tonneninhalt variirt von 125 Liter(Soll) bis zu 180 Liter. Wer fkW den Bierfahrern gut steht, bekommt die größten Fässer. Flaschenbierhändler machen namentlich den Wirtbcn eine iw reelle Konkurrenz, ja fie hakten sich ihre eigenen Fässer, d<»> Inhalt fie bestimmen. Die Fässer der Brauereien dagegen M hallen oft noch weniger als 125 Liter(VaS Sallmaß), we>I i» in Folge des Pichens und der Reparaturen allmälig(W werden. Daß Jemand, der 120 Liter für 21 M. erhält,»s Demjenigen konkurriren kann, der für dasselbe Geld 180 M erhält, ist aber einfach unmöglich. g. Mit dem 1. Januar t. I. tritt eine. � ordnung des Regierungs Präfidenten zu Potsdam über w Ausführung des Feld- und Forftvolizetgeseves in Kraft, W' welche eine ganze Reihe von Spezialbcstimmungen-% das Einfangen von Nachtigallen, das Tödten rc. 90% Vogelarten, die Anpflanzung des Berberitzensttauchs, die tilgung der Heuschrecken, die Vertilgung der großen raupe, die Forstpolizei-Verordnung vom 1. Januar 1870 die Hilfeleistung bei Waldbränden— außer Wirksamkeit? setzt wird. Nach der neuen Polizeivcrordnung wird mit®"» strafe bis zu 30 M. unter Anderem bestraft, wer undew Geweihe oder einzelne Stangen von Rothhtri#; oder Dammhirschen aufsammelt. Mit Geldstrast zu 50 Mar! wird bestrast, wer 1. undefum Forsten schießt, oder Feuerwerke oder andere stände abbrennt, 2. in der Zeit vom 1- bis 1. Oktober in Forsten ohne Erlaubniß des eigenthümers oder Forfiverwalters außerhalb derjenigen o\ lichen Fahrwege, welche auf beiden Sellen durch Gräben R! den Forst destanv abgegrenzt find, Tabak anders% Pfeifen mit geschlossenem Deckel raucht. Bezüglich cvmM"? Waldbrände bestimmt die Polizeiverordnung: Bei%% branden find die männlichen Bewohner der Umgegend,. auf 8 Kilometer Entfernung von der Brandstätte, iw-L von 18 bis 50 Jahren Hilfe zu leisten verpflichtet. 3" K Gemeinden hat der Gemeindevorsteher, in GutSdezmM Gutsbesitzer den vierten Theil der hiernach verpFJD. Mannsckaften mit Svaten, Hacke.i und Acxten zu L unter einem geeigneten Anführer in möglichster Eile na« Brandstätte abzusenden, auch, soweit erforderlich, sür l«�. tige Ablösung dmch frische Mannschaft zu sorgen.~ Handlungen werdm mit Geldstrafe bis zu 30 M. Ws. Zum Kapitel der Konkurrenz der weitem � beitSkraft in kaufmännischen Geschäften wird mitgethe'»� ein nicht unbedeutendes hiesiges Geschäft an Stelle der Verkäufer jetzt Vei käuferinnen engagire, weil-- die Verkäufer 90 bis 100 M. G-Halt bezogen haben, � die Verkäuferinnen nur 15 bis 30 M. erhalten sollen � Tie Hutnadel! Als Sonntag Abend ein junges v$ am Hackeschen Markt den Omnibus verließ, stach dem Tritt siebenden Handlungsgehil'en ihre lange KrTta! tief in die Wcichtheile unterhalb des rechtm Auges. fie leider nicht festgehalten, um sie zu verklagen; das einzige Mittel, das lebensgefährliche Instrument adz"�� d. Händler und Polizei liegen auf dem Mb�ii» wegen der Ausstellung ihrer Waaren schon seit alter 3, Jahrhunderts«�. Krieg. Schon im Anfang des vorigen F- Magistrat die Pantoffclmacher durch die Polizeivinn. � Mühlendamm fortbringen. Die heutigen Kleiverhändur sich zu helfen gewußt. Sie haben sammtliche Läden auSacschnilten und hart hinter den leeren � Schätze aufgehängt. Sie hängen so für Jedermann i ohne daß vre Polizei ihnen etwas anhaben kann. jjbf Bei den hiesigen OrtS-Krankenkassen werden. � kannt geworden ist, Ardettnehmer zwar angemeidet, na«�� Zeit aber, ohne aus der Arbeit bei dem bisherigen»r�P auszuscheiden, wieder abgemeldet, und in sehr nrelen.�c, beschäftigen die Arbeilaeber Wochen und Monate laNg?�,«» ohne sie bei den betreffmdcn Kassen anzumelden, und Er- zur Anmeldung erst bei plötzlichen Erkrankungen reichung �kostenloser ärztlicher Behandlung. Zur leinwnH ronernoier arzrnwer«epanvlung. Zur dieser zu Tage getretenen Mißst-nde hat das Polizei>P� jw» M—i----------'-'m, ftöJJV wie wir erfahren, die Revieworstände angewiesen, fiandsmitgliedcrn der OrtSIrankenkassen, sofern flu als solche legitimrren, bei Recherchen in Fällen d" gedachten Art die nöthige Unterstützung zu gewähren etwa erforderliche Auskunft zu erthcilen. Hl Ein hiesiges Blatt berichtete vor einigen ein feingeklcideter Herr mit schwarzem Vollbart einew„� jährigen Knabin in einem Hausflur der Münzstraß«.. ar.zuthun versucht habe, aber in seinem Vorhaben I#,«HP den sei. Ueber den Vorfall ist bei der Polizeitehör-��s bekannt geworden, auch haben die in den Häusern(P Nachfragen die Richtigkeit der Angaben nicht bestätig'- Der Poltzei-Prästdent von Berlin hat untels',' jtJä vember d. I. die Bestimmung deS PudlikandumS vom- J 1850, nach welcher jeder EchiffSführer, der auf der der Einmündung bis zur Äusmüvdung des Landnw'? mit Einschluß dieses Kanals ein Fahrzeug, welches L V fruchten dient, aufstellen oder an vie Ufer anlegen l f einer polizeilichen Erlaubniß bedarf, dahin erweitert,% einer potizeuiajin vitiauoniB oeoarr, oayin erwc»"-- ,,!« Aufstellen oder Anlegen eines Fahrzeuges am rechten � Odcrsoree bis zum Markgrafenvamm aufwärts gleich'" Z polizeiliche Erlaubniß erforderlich ist.., Eine neue Mode für Damen wird in nachfw Inserat eines hiesigen Blattes angekündigt:„Reizen� Möpse, für Damen binten auf der Tournüre zu tnrgwc zu verlaufen bei O. Meißner, Schlächtermeister, Elbmg' an der Landsberger Allee."...zfci»? ar. Allerhand Humoristika von der Bolkss"»% werden uns von einem Distrikts Kommissarius freunp1}� f Verfügung gestellt. Da giebt Jemand den 4. Juli seinen Gcbuilstag an und will fett— 1848 in Berl® ff Haft sein! Ein Bruder Studio schreibt in der RubwA� fcsfion" christlich sozial! Ein mit Kindern reich gesegnet�..* der im Uebrigen das einttäglicbe Geschäft eines tyFLdP'M wählt hat, grebt als seinen Beruf an:„Vater s?"" j�j Hausgenossen." Dementsprechend findet sich bei st'U � nungsvollen Sprößlingen in der Rubrik„Genaue Be» des Berufes" die Bemerkung:„Kind.".«>,, Verschwundener Knabe. Die Ehefrau deS dorferstraße 19 wohnhaften Kupferschmiedes Pencker>», 30. November Vormittags ihren 2V« Jahre alten,® den Hof, um zu spielen Als ste sich nach etwa eine, Stunde nach dem Knaben wieder umsah, war schwunden dcn Geficht verroren yaoen. Aue orsyengen K* ohne Erfolg. Der verschwundene Knabe hat b''" �% KÄ Haar und blaue Augen und jrat mit einer grau� «fiJ» ich/' Är schwarzen Hosen, rosafarbenen Strümpfen und m schuhen bekleidet... , rb. Die Berliner Pfandleihen find e»n. L Zachen der Zelt. Wollte man von der Zahl dm'.ggc� z gleichwie von der Zahl der Auswanderer auf vie Wohlhabenheit schließen, so müßten die Einwohner �. 1 druck zu gebrauchen, wie Sand am Meere. Dteic. gerung in denn aber doch nicht ganz.zutreffend� man auch die Änjtcht gellen lassen wollte, dnß«3' g#. der noch etwas zu versetzen hat, noch nicht wird diese Anficht doch sofort widerlegt durch die keit des Versetzens, und daß diese zwingende J'0.„fc in hohem Maße vorbanden ist, beweist eben die der„bestehenden" Pfandleihen und gerade dicS dieser Institute resp. deren Inhaber trotz®f| � Drucke?, den daS Gesetz auf fie ausübt und Oos kr stch � Äff-r.& i eine»l» ff«, W ÄJ 'ü, 2 pCt. Zinsen zu nclmen, ist ein untrügliches Zeichen Uj o« in Berlin herrschenden Verbättniffe, da es bei den jUndleihen eben auch beißt:„Die Menge muß es bringen." uran noch weitere Beweise, so darf nur angeführt werden, nch neuerdings ein Berlin« Pfandhaus sogar erbietet, Mühen auf Unlerpfänder gegen 1 pCt. Zinsen zu verab- Ä..ein Beweis, daß selbst bei diesem Zinssatz noch ein kTri?" zu machen ist. Wie viel muß da aber versetzt wer- Jj?• Es ist daher zweifellos: die Berliner Pfandleihen find �Zeichen unscrer Zeit! Die Sanitätswachen kommen keineswegs blos den ".drittelten zu Gute, wie man vielfach glaubt. Ziachts kom- ? rll oaX stände in die Lage, hier Hilfe zu suchen. In einer SMN Sladt kommen die mannichfaltigsten Krankheitsfälle vor. M Journal der Sanitätswache in der Brüdcrstraße predigt % kkcht eindringlich. Die Miesmuschel hat im vorigen Mo- ,2 uuch hin ihre Bifitenkarle abgegeben. Ein Hausbofmeister *!>.tn Linden erkrankte nach dem Genüsse von 36 solchen iii. auf eigenthümliche Weise. Ein scharlachähnlicher Aus' sib� eigenthümliche Weise. Em Ichartachahnltcher Aus- I im- s. m ,e den ganzen Körper und die Handgelenke schwollen t>' N Puls war 120 in der Minute. Ein Linsen Liebhaber I inh �au aß noch spät Abends zwei Teller dieser Hülstn-rüchte erttantte in Folgc� dessen. D« Wirth des Sedlmcyr V4UU,,UC I" vcijcii. X— �------- w. Ute foilfc für seine Wunden suchen, welche ihm ein nacht- N? Uebcrfall seines Lokals durch„gebildeten Pöbel" ein- Mite. In derselben Lage befanden fich zwei Kellner des Mdikellers. Zwei Mal mußte der Arzt bei schweren Entbhv Sj'Ußtn einspringen, ein Mal bei einem Selbstmordversuch. Im Mzen leistete die Wache im November in 48 Fällen, 26 außer« N?" und 22 innerlichen. Hilfe. In zwei Fällen kam selbst schleunige Hiife zu spät. 33 Fälle wurden in der Wache, ? im Hause behandelt. Zahlung geleistet w.rde in 15 Fallen, % Mal mit 6, zwei Mal mit 3. drei Mal mit 2. sonst mit '/»und 1 Mark, so daß im Ganzen 20 Mark veremnahmt '«den. L Im Koffer gefangen. Wie gefährlich es ist, kleine ««der ohne genügende Ausficht zu lassen, hat man ja schon Zu seinem großen Schaden erfahren, aber leider ist es der —._«., rv_ � r*r» f* r..*-f- X 2_ � � �--- 22 � TZ � �«nstag Äorm:nag vre �rau oc». dr-i».' Zwei kleinen Kinder im Alt« von vier und eia»» ail?n kine halbe Stunde allein laffen müssen, da fie bat»? Abwendigen Einkauf für den Mittagstisch zu machen trie i, skch mit der Mutter bei ihrem Nachhau sekommen, die tu r'atdk'er erzählten, einen Spaß zu machen, versuchten Man c?.. Abhatten Kinder fich zu verstecken und begannen ja»,"-Winkeln der Wohnung umher zu stöbern und fich zu ög-''wen. Endlich geriethen fie auch an einen alt n, schweren der zur Aufbewahrung der alten Wäsche diente und schz.v. ffeöffnet und halbgefüllt dastand. Vergnügt, diesen mib? Lkatz entdeckt zu haben, klctt«ten beide Kinder hinein an. stch mit einigen Wäschestücken zuzudecken. s-u. Uleßen fie unglücklicher Weise gegen den Teckel, der- 1™,,,A•">>i- Oin>i»r mnrrn gefangen. Das Angst- y fie uii�iuuuu�u. �üvijv schlug zu und die Kinder waren y--— o- Mti der Kleinen, die den schweren D-ck-I nrcht wieder auf- '7'n konnten, auch, wohlj kaum den Versuch« dazu machten, � wohl anfänglrch laut genug., doch Niemand war «at Stauw Als war anfänglich laut genug. zu hören und ihnen zu Hilfe zu kommen. w's.P- von ihrem Ausgange nach Hause zurückkehrte, war Vi» en ßinfcem nichts zu sehen und zu hören, und doch fcefin daS Zimmer nicht verlassen haben, denn zum JW i>er Stubenthür waren fie viel zu klein und zu schwach. atGreri'W bald sinnlos, sucht die Frau überall nach; ein sie k c'r Gedanke, eine Art Ahnung zieht fie nach dem Koffer, oLfin den Deckel und findet ihre Kinder regungslos und jw �ewußtsein- Zum Glück wohnt unten im Hause ein oun, ke, theilnehmende Nachbarinnen holen denselben Her« W,% langen, bangen Minuten gelingt es, die schon Erstickten wieder ins Leben zurück zu ru'en. Vw..�i» entsetzliches Eisenbahnunglück hat sich gestern ',.�uhen Morgengrauen auf der Berlin-Stettiner Eisenbahn .unmittelbarer Nahe Berlins«eignet, über welches ein Be- » f■ o—'—------- u wieder ins Leben zurück zu ru'en. -ntsetzlicheS Eisenbahnunglück hc.......... frühen Morgengrauen auf der Berlin-Stettiner Eisenbahn »Unmittelbarer Nähe Berlins ereignet, über welches ein Be- �M'statter folgendes schreibt: Der täglich mit Milch nach kommende Eigenthümer Frisecke aus Schönerlinde war !,i.°nkt und hatte seine beiden erwachsenen Söhne beauftragt, k, Berliner Kunden die Milch zuzustellen. Als die beiden jffijkn Leute gestern früh zwischen 5 und 6 Uhr mit dem j"mgefähit die Prenzlauer Aller heruntergefahren kamen und Me die Ueberführung der Stettin« Bahn zwischen Pankow r c Blankenfelde pasfiren wollten, sauste ern Eisendahnzug welcher das Gefährt mit dem einen der beiden jungen K unter fich degrub. Die entsetzliche Katastrophe wurde tz. urch herbeigeführt, daß d« amtirende Bahnwärter die i„?mrcn nicht geschloffen hatte und die beiden jungen Leute V-et uoch herrschenden Dunkelheit die Gefahr nicht erkennen aj. c~s— S f.f* Mk ju) neu airnoen vw w« yv» r r y r Wie groß das Unglück ist, hat fich nicht sofort fest- »»—.. rn r- t f r__. u* /V 2a 4- 4 �+ s** ivb to.ri'ft'n sein— ,._. 'wet aelcklafen bab.n soll. m i UjRp,, V-7----- 7----/----.. bot»äffen können. Nur soorel haben wir bis jetzt erfahren, Ö« jungen Leute schwer verletzt, ein Pferd voll. V 8 ieniffen, und der Wagen gänzlich zertrümmert wurde. �.andere Frisecke soll noch rechzeitung vom Wagen ge- - apn Mn und fich so gerettet haben. Der Bahnwärter, ist sofort festgenommen worden. ' a"ontaa zu Tempelhof. Drei Arbeiter waren hstr bamli !u fiil 8'' m vöhe der vierten Etage ein Seitengerüst zu Ende ivjnN'i"- Einem Rufe zur Vesperpause Folge leistend, alz, alle drei Zimmnleute auf einmal das Gerüst verlassen, Vf-l l1}'5 Wanken gerieth und zwei der Leute in die Tiefe Won!, während eS dem dritten Arbeiter im letzten Augenblick - o. m* festzuhalten und fich so vor dem in. Der eine der beiden herab- ..cnMnA........... eine Tonne und zog fich einen Elis.Men Bruch der Beine zu;« wurde sofort nach dem «lsi.° nkrankenhause tranSportirt. Eonderbar war das Ver- "Vfn* anderen Verunglückten. Derselbe fiel, nachdem er er ausgeschlagen war, auf einen Sandhaufen und obgleich % ei_ V Rörperiheilen stark blutete, sprang« auf und lief seln.n �Wahnsinniger davon. Man nimmt an, daß« nach , A». Priort Mariendorf gelaufen ist. Angaben, die wir üb« den Mord in Charlotten« �a'cn P* im Wesentlichen als richtig erwiesen. W ist das HauS(Schloßstr. 23) des Ermordeten(er «en. n.�unge) durchsucht und dabei die Leiche gefunden wor- fie„N.......... ai....»« den tinfm Brett.... silbern derichtet darüber: Nachdem in den b? waren.""�dodcn aufgerissen und die Kellerräume durch- (V �feller L-fl?!l,eTn das alte Gnücht, Marunge sei in dem %— SZ&Z SÄnflÄ»,:" 5 knenftbltn* ln Zweifel darüber, auf welche Weise die s>.- A:. Zugehörigen den Gatten und Vater umgebracht jMB in öe von dem Aussinden d« Leiche hatte stch (k. MenfrfiBH f!Prd des Thatortes verbreitet, und Hunderte f- Die Fwu Marunge in Begleitung zweier Schutz. fie, a,z n/regung der versammelten Menge stieg auf das 4lQoM,�»Trpu Marunge noch der Konfrontatwn '-"'— f.n«.„wh n« >, ,«»- "" I'"#3- auf das mit dem ßK V: nach der----------------------- �ierii �vschimw.r k zurückgeschaft werden sollte und dem müden � Zi.will bie m?. lerne Last zu groß wurde.„Selbst das � xfoschke st- �'dettn nicht ziehen!"„Raus mit ihr aus >tuoii�. ,„nd ahnliche Ausrufe zeigtm hinlänglich, daß -...-a_ Dem dcson- —»iv>*• ovp-.—• für die Marunge bedrohlich war. nenen Einschreiten der zahlreich vertretenen Polizeibeamten gelang es indeß, jede Ausschreitung zu verhindern, und die Verhaftete wurde schließlich unbehelligt dem Gefängniß wieder zugeführt. Das Einschreiten der Behörde ist thatsächlich durch die Denunziation veS zur Zeit im hiefigen Krankenhause be- findlichen Schümann(des„Pflegesohns") veranlaßt worden. Echiemann hat von Hamburg vergeblich für sein Schweigen Geld gefordert und dann, da er ohne Subfistenzmittel war, von Hunger getrieben, Anzeige von dem Verbrechen gemacht. Derselbe ist dann hi«h« transvorlirt und wird nach seiner Genesung voraussichtlich ebenfalls in Unter- suchungshaft genommen werden. Auß« der Mutter waren bereits zwei Söhne verbastet; nachdem die Leiche aufgefunden, ist nunmehr auch die Braut des ältesten Sohnes und der dritte, in der hiesigen Glashütte beschäftigt gewesene fünfzehn- jährige Sohn««hastet worden. Habe und Wohnung der Familie find verfiegett und die beiden jüngsten Kind«, zwei Kraben von 9 bezw. 5 Jahren, bei einem Schuhmacher in Pflege gegeben worden. Urb« den Stand der Untersuchung vnlautet selbstverständlich nichts. Frau Marunge hat auch gegenüber der Leiche ihres Mannes Alles geleugnet. Sie wisse nichts von dem Verbrechen und dem Verscharren der Leiche. Von anderer Seite wird uns derichtet, daß schon vor einem Jahre, bald nach dem Verschwinden Marunge's, die Polizei die Ehefrau und einen d« Söhne verhaftet hatte. Damals wurde im Grunewald nachgegraben, um die Stelle zu ermitteln, wo nach dem Gerücht die Leiche des Ermordeten verscharrt sein sollte. Da die Untersuchung erfolglos war, wurden die V«- hafteten wied« entlassen. Bewegung der Bevölkerung Berlin« nach den Ver- öffentlichungen des statistischen Amts der Stadt. Die fortge- schnebene Bevölkerungszahl betrug am 7. November inkl. d« nachttäglichen An- und Abmeldungen 1 300 014, hat fich demnach gegen die Woche vorher um 2128 Seelen vermehrt. In der Wocke vom 8. bis 14. November wurden polizeilich ge- meldet 3382 zugezogene, 2324 fortgezogene Personen; standes- amtlich wurden 274 Ehen geschlossen. Geboren wurden 827 Kinder, und zwar lebend: 385 männliche, 408 weibliche, zusammen 793(darunter 103 außereheliche), todt 24 männliche, 10 weibliche, zusammen 34(darunter 2 außereheliche) Kind«. Die Lebendgedorenen, aufs Jahr b«echnet, bilden 31,8, die Todtgeborenen 1,4 uro Mille der Bevölkerung, die auß«ehelich Geborenen 12,70 pCt. all« in der Woche Geborenen, davon die bei den Lcbendgeborenen 12,45, die bei den Todtgeborenen 5,83 pCt. In der kgl. Charit« und Entbindungsanstalt wurden 45 Kinder geboren. Gestorben(ohne Todtgebocene) find 550, nämlich 307 männliche, 243 weibliche Personen. Von diesen waren unter 1 Jahr alt 178(inkl. 28 außereheliche), 1 his 5 Jahre 97(inkl. 5 außereheliche), 5—15 Jahre 28, 15 bis 20 Jahre 6, M— 30 Jahre 36, 30— 40 Jahre 55, 40—60 Jahre 84, 60 bis 80 Jahre 55, über 80 Jahre 11. Die Sterbefalle beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 50,00 pCt. sämmt- lich« in dieser Woche Gestorbenen aus. Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Rindern starben 59 im ersten, 31 im zweiten, 18 im dritten, 11 im vierten, 12 im fünften, 7 im sechsten, 40 im siebenten bis zwölften Lebensmonate; von denselben waren ernähtt 44 mit Muttermilch, 2 mit Ammen- milch, 63 mit Thiermilch, 1 mit Milchsurrogaten. 24 mit gemischter Nahrung, von 44 war eS unbekannt. Todesursachen Kiebs(12), Altecschwäche(13), Lcbensschwäche(36), Abzehrung (13), Masern(6), Scharlach(15), Diphtherie(31), TyphuS(4), Diarrhöe(9), Brechdurchfall(3), an anderen Krankheiten starben 161 und durch Selbstmord 10, davon durch Vergiftung2, durch Erschießen 2, durch Erhängen 5, durch Ertrinken 1. Die Sterblichkeit der Woche auf das Jahr berechnet, kommen durch- schnittlich auf 1000 Bewohner in Berlin 21,0, in Breslau 27,1, in Frankfurt a. M. 14,8, in Köln 17,3, in Dresden 20,5, in München 24,9, in Bremen 22,7, in Stuttgart 13,1, in Wien 25,7, in Paris 20,0, in London 19,6, in Llverpool 24,6. In der Woche wurden dem Polizeipräsidium gemeldet als erkrankt an Typhus 23, an Masern 70, an Scharlach 74, an Diphtherie 147. In den 9 größeren Krankenhäusern wurden in der Be- richtswoche 793 Kranke aufgenommen, davon litten an Masern 2, an Scharlach 10, an Diphtherie 39, an Typhus 9, an Rose 8. Es starben 121 Personen od« 20,0 pCt. aller in der Woche Gestorbenen; als Bestand verblieben 3760 Kranke. „Pariser Leben" wird stch morgen(Freitag) am sechsten Abend des Offenbach< Zyklus im Friedlich- Wilhelmstädtischen Theater entfalten und Alles ist geschehen, um den tollen Wirr- warr in Elinebabel plastisch vor Augen zu führen. Herr Di- rektor Ftttzsche, welch« diese Novität selbst in Szene setzt, hat seinen ganzen künstlerischen Heerbann aufgeboten, um jede ein- zelne der Figuren in diesem überwüthigen musikalischen Lust- spiele zu voller Geltung kommen zu lassen. Ein Quartett erster Särgerinnen, wie es die Damen Wrada(Baronin), Koch (Gabriele), Drucker(Pauline) und Stein(Metella) repräsen- tiren, ist im Vereine mit dem Tenoristen-Trio Szika(Gardefeu), Steiner(Brastlianer) und Weidmann(Prosper) wohl geeignet, die gesanglichen Ansprüche v-ll zu befriedigen. Vertreter des komischen Elemenis, wie Elise Schmidt(Madame Karadac), die Herren W-llhof(Gondremark), Binder(Frick), Steinberaer (Bobbinet) laffen ebenfalls die höchsten Anforderungen an ihre erheit«nde Kunst nicht unerfüllt, und auch die kleinen Partien versprechen in den Händen der Damen BastS, Bonnä, Ferna» und der Herren Hambrock und Rosen das Ensemble derart zu vervollständigen, daß„Pariser Leben" auf längere Zeit zu neuem Bühnenleben erstehen dürste. Alhambra-Theater. Zu d« heute stattfindenden Benefiz- Vorstellung von„Hinko, oder: König und Freiknecht" für Herrn Regisseur Scefeld willen außer den bereits von uns genannten Darftellern zwei Schüler aus der bestrenommirten Theaterschule des Herrn Hofschauspielers Albert Bauer vom Residenztheatn mit. Poltzei-Bericht. Am 30. v. M. fiel eine Frau in der Chauffccsiraße in eine auf dem Bürgersteig ausgeworfene, etwa 1 Met« tiefe, unzureichend abgesperrte Grube und erlitt dabei einen Knöchelbruch. Sie wurde mittelst Droschke nach ih-er Wohnung gebracht.— In der Nacht zum 1. d. M. vergiftete fich ein Mädchen in der elterlichen Wohnung in der Steglitz«- stiaßc mittelst Kleesalzes.— Am 1. d. M. Vormittags wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Seydclstraße«hängt vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem ObduktionShause ge- bracht.— Um dieselbe Zeit wurde einem 5 Jahre alten Knaben auf dem Holzplatze Manteuffelstr. 96 von einem 7 Jahre alten Mädchen beim Holzspalten durch r.rren Bellhieb aus Un- voifichtigkeit der Mittelfinger der linken Hand zersplittert. Der Knabe wurde nach Bethanien gebracht.— An demselben Tage fiel ein obdachloser Mann in d« Trunkenheit im Hause Post- straße 17 die Kellertreppe hinab und erlitt dadurch so schwere Verletzungen, daß er mittelst Krankenwagens nach der Charitee gebracht werden mußte.— An demselben Tage Nachmittags wurde ein Mann in d« Küche seiner in der Bavstraße bele- gcnen Wahrung erhängt vorgefunden.— Am 1. d. M. stürzte fick aus unbekannt« Veranlassung ein Mädchen, in der El- safferstraße wohnhast, aus dem 5. Stock über die Wendeltreppe bis in den Keller hinab und«litt dabei schwere Verletzungen, so daß dasselbe nach dem Hedwigs- Krankenhause gebracht wer- den mußte._ Gerichts-Zeitung. Eine äußerst wichtige Entscheidung in Betreff de« Zeitpunkte« der Stempelpsttcht prolongtrter Miethsver- iräge fällte gestern die erste Strafkammer hiefigen Lanvge- richts I. Zwischen dem Bankier Jznaz Leipziger und dem Weinhändler Langlet war im Jahre 1880 ein Miethsv ertrag auf 5 Jahre mit jährlicher Äiethszahlung von 1250 M. abgeschlossen und u. A. beschlossen worden, daß der Vertrag, wenn er nicht 1 Jahr vor Ablauf desselben gekündigt würde, auf femne 5 Jahre verlängert gilt. Der Vertrag ist am 1. Oktober v. I. nicht gekündigt worden, somit auf die Zeit bis 1. Oktober 1890 verlängert. Mitte September d. I. ließen die beiden Kontrahenten den Konttatt für die ProlongationSdau« stempeln, und wurden die beiden Kontrahenten, da die Eteu«- hehörde die Stempelung für zu spät erachtete, durch Resolut in eine Stempelstrase von je 1006 Mark genommen. Hingegen beantragten beide richt«liche Entschei« dung, in Folge dessen zu heute Termin anberaumt ist. Staatsanwalt Oppermann beantragte unter der Ausführung, daß der neue Vertrag als am 1. Oktobn 1884 abgeschlossen gelten muß, die Aufrechterhaltung des Strafresoluts. Justiz- rath Dr. Leondardt führte dagegen aus, daß aus dem Wort- laut des§ 6 Abf. e. des Stempelsteuergesetzes bei Prolonga« tionen von V«trägm geschlossen wnden muß, daß die Stempel- pflichtigkeit prolongirter Verträge«st mit der thatsächlich ein- getretenen Verlängerung beginnt. Die andere Alternative würde dem Grundprinzip des Stempelgesetzes, nach welchem nur für die Urkunde, nicht für die bloße Abrede, die Stempel» Pflicht eintritt, widersprechen. Auch aus der Judikatur de? Obertribunals und auS anderen Bestimmungen sei die Richtig- keit sein« Ausführung zu folgern. Er deantrage daher die Freisprechung seiner Mandanten.— Diesem Antrage entsprach d«'GerichtShof, welcher die Auffassung des Vertheidigers durch- weg theilte. Eine Anklage wegen einer eigenartigen Beletdi- gnna gelangte gestern gegen den Kaufmann Keßler vor der 89. Adtheilung des hiesigen Schöffeng«ichts zur Verhandlung. D« Angeklagte ist Eisenbahn-Abonnent der Strecke Berlin- Lichterfelde. Am 10. September et. öffnete er in dem vom Anhatt« Eisendahnhofe um 2 Uhr Nachmittags abgehenden Zuge eine Koupeethür selbst und wurde wegen dieser Kontra- vention vom diensthabenden Etationsbeamten, Eisenbahnasststen- ten Nowakowski, aufgefordert, auszusteigen. Unter Vorzeigung seines Abonnementsbillets weigerte fich d« Angeklagte dessen, und Nowakowski rief den Bahnhofsschutzmann herbei, auf dessen Aufforderung derselbe ausstieg. Als nunmehr der Slations- beamte den Angeklagten aufforderte, sein Nationale anzugeben, erklätte er:„Sie find nur Stationsasfistent, ich habe jetzt nur der Weisung des Schutzmannes zu folgen." Durch den ersten Theil der Aeuß«ung fühlte fich der Assistent N. beleidigt, und auch die Anklagebehöcde erblickte darin eine Beleidigung. Der Gerichtshof theilte die Auffassung und verurtheilte den Ange- klagten zu 15 Mark ev. 3 Tagen Haft. Eine gegen die eingetragene Genossenschaft der Kö- nigstädtischen Schornsteinfegermeistnschast begangene Untreue resp. Unterschlagung gelangte gestern zur Beurtheilung der ersten Strafkammer hiesigen Landgerichts 1. Der obengenannten Vergehen angeklagt ist der Schornsteinfegermeister Jobann Friedrich Otto Kirchn«. Noch dem Genossenschastsstatut üb«. nimmt für den Fall des Todes eines Mitglieds die Genossen« schaft selbst die Ausführung der von dem Verstorbenen abge- schlossenen Kehrvnträge und zahlt die dafür eingehenden Kehr- löhne IV: Jahr lang den betreffenden Hinterbliebenen. Die so übernommenen Arbeiten werden an die einzelnen Mitglieder vntheilt, welche die Verpflichtung haben, die Kehrverträge mit den Eigenthümcrn der übernommenen Grundstücke abzuschließen, die Arbeiten auszuführen, und das Kehrlobn für Rechnung d« Genossenschaft einzuziehen. Im Novemb« v. I. verstarb der Schornsteinfegnmeister Goetze, welcher Mitglied der beregten Genossenschaft ist. Ein großer Theil der von dem- selben früher verrichteten Arbeiten wurde dem Angeklagten überttagen und hatte derselbe nach§ 37 des GencssenschastS- statuts die dafür eingehenden Beträge in Höhe von 306 M. 50 Pf. pro Quartal an die Genossenschastskasse abzuführen. Die Beträge für das letzte Quartal v. I. und für das erste d. I. hat der Angeklagte prompt abgeliefert, die für daS zweite Quartal aber theilweise eingezogen und für fich oerbraucht. Der Staatsanwalt beantragte daher das Schulvig und vier Monate Gefängniß. Der Bertheidig« Rechtsanwalt Dr. Sa- lomon dahingegen führte aus, daß, da d« Angeklagte mit den Hauseigenthümern die Kchrverttäge in eigenem Namen abgeschlossen, derselbe weder als Bevollmächtigt« der Genoffen- schaft anzuseben ist, noch für sich fremde Gelder eingezogen habe. D« Gerichtshof stellte sich aber auf den Standpunkt der Anklage und verurtheilte den Angeklagten zu drei Monaten Gefängniß und einjährigem Ehrv«lust. Koziales m* Arveiterbemegnng. Ueber da« Proletariat im KaufmannSstande hört man jetzt vielfach reden. Selbst Bourgeois Zeitungen vom reinsten Wasser beschäftigen fich eingehend mit dieser„brennen- den Frage". So lesen wir in einem solchen, daß gerade in der Kaufmannschaft„das AuSnutzungSvrinzip auf die denkbar höchste Stufe getrieben würde". Die Notblage des Gehilfenstandes würde selbst von gut- situirten Geschäften in schärfster W>ise ausgebeutet.— DaS Hauptübel wird nun darin erblickt, daß der Kaufmannsgehilfe zum Tagelöhner degradirt würde, besonders dadurch, daß feste Engagements immer mehr aufhörten und die jungen Kaufleute auf Wochen, Tage oder gar auf Stunden engagirt würden. Dies ist ja sehr bedauerlich, aber nicht die Ursache davon, daß die Gehilfen inS Proletariat herabsinken, dies ist nur die Wirkung des ungemein großen Angebots von Arbeitskraft im Kaufmannsstande. Klage man lieber, wenn man eine Palliatio-Ursache nun einmal mit verantwortlich machen will, über das über alle Bedürfnisse hinaus ausgebildete Lehr» I i n g s w e s e n in den kaufmännischen Geschäften. Aber auch das ist nicht die Grundursache. Weshalb drängt fich denn Alles nach dem kaufmännischen Elw«b? Zum Theil schicken viele unbemittelte Personen ihre Kind« in die Kaufmannslehre, damit fie„etwas besseres weiden" sollen; zum Theil drangen fich die Knaben dazu, um nicht die Arbeitsjackcn anzuziehen und als„vornehmes He«- chen" paradiren zu können. Das soll kein Vorwurf sein; diese Erscheinung ist allzu natürlich. D« Hauptgrund aber des über- großen Angebots liegt in unseren gesammtenwirth- schaft lt chen Verhältnissen. Der Handwerkerstand geht zu Grunde, so daß es fich nur in den seltensten Fällen empfiehlt, den Knaben ein Handwerk erlernen zu lassen. Auch find sämmtUche Ardeitszweige derart mit Angebot von Arbeits- kräften überladen, daß zahlreiche Handwerksgesellen dem V-gabundenthum anheimfallen. Meister werden ist schwer, und wenn einer Me.st« geworden, so geht der Konkurrenz. kämpf loS, so daß in zahlreichen Fällen der Anfänger wieder Gefelle wnden muß. Auch in allen Zweigen d« Lohnarbeit ist eine Ueberfülle an Angebot von Arbeitskräften vorhanden. Wohin soll fich der junge, strebsame Mensch nun wenden? WaS soll er werden? Uederall dieselben schlechten Aussichten! Man kann also die Frage deS„kauf- männischen Proletariats" gar nicht von d« Frage des gesammten Proletariats loslösen. Demselben ist nur aufzuhelfen durch die Besserung der allgemeinen wirthschftlichen Lage. Deshalb ist es eine unge- mein ersteuliche Erscheinung, daß die jungen Kaufleute jetzt anfangen, fich mit d« sozialen Frage zu beschästigen, der sie stüher in Unverständniß und Gleickgiltigkeit den Rücken wandten. Und noch ersteulicher ist es, daß dieselben zum Theil schon, so weit fie fich mit sozial-politischen Dingen ab- geben, den Arbeitern und deren Besttebungen fich nähern. Durch gemeinsames Streben aller nothleidenden und unterdrückten Elemente aber kann eine gründliche und erfolg- rn hauplete, er könne von dieser nicht abgehen, so lange andere Arbeitgeber deS nämlichen Industriezweiges die von Alters her eingeführte tägliche Arbeitszeit von 14 Stunden beibehalten, die Fabrikarbeiter übrigens auch kein Verlangen trügen, diese Zeit gekürzt zu sehen, da fie hierbei ja nur am Lohn einbüßten und die gewonnene Zeit nicht zu verwerthen wüßten, so stehen diesen Behauptungen zahlreiche Aeußemngen von Arbeitgebern und-Nehmern entgegen, daß eine tägliche Feststellung der täg« lichen Arbeitszeit in ihrer längsten Dauer und deren strenger Durchführung, oder eine Beschränkung auf vorläufig etwa 11, höchstens 12 Stunden, im Allgemeinen als eine Wohlthat an- gesehen werden könnte."— Wie gnädig! Höchstens zwölf Stunden! ES ist bei all' diesen Angaben zu bemerken, daß die Arbeitszeit ohne die Effenspause gerechnet wird. Ueber die Lohnsätze läßt fich der Fabrikinspektor von Meißen folgendermaßen vernehmen:„Die Höhe der Lohn« sätze, welche auf Grund von Ermittelungen bei den erwachse« nen männlichen Arbeitem zwischen 8 und 18 M. und darüber, bei den erwachsenen weiblichen Arbeitern zwischen 5,50 und 12 M. und darüber, bei den jugendlichen Arbeitern zwischen 1 und 5 M. und darüber wöchentlich betragen, läßt auf eine günstige Ernährungsweise der Fabrikarbeiter im Allgemeinen schließen."— Schade, daß der Herr Inspektor nicht die Durchschnittslöhne uns mitthellt, dann würden wir ficherlich erfahren, daß dieselben viel näher bei dem angegebenen Minimum der Löhne, als bei dem Maximum ständen. Ungefähr so: Durchschnittslohn für Erwachsene 10 M., für weibliche Arbeiter 6 M-, für jugendliche Arbeiter 2 M. Wie man dabei auf eine günstige Ernährungsweise schließen kann, ist unerfindlich. Die großen technische« Fortschritte haben fich auch bei der oderscklesischen Eisenindustrie deutlich gezeigt. Im Jahre 1880 befanden fich im dottigen Revier 48 Koaks Hochöfen und 2 Holzlohlen-Hochöfen im Gange, die zusammen wöchentlich K450 Tonnen Roheisen liefetten. Gegen» wärtig find neben den beiden Holzkohlenöfen nur noch 31 Koaksöfcn im Betriebe, die aber wöchentlich 8500 Tonnen Roheisen erzielen. Der jetzige sogenannte schlechte Geschäfts- gang dort erklärt fich nicht etwa daraus, daß die Produktton theurer, sondern nur daraus, daß die Produkte viel dilliger gkworden find. Mereine mh Uersammlunge«. Die Stellmacher Berlins dielten am Sonntag, den 29. November, Vormittags, in Grätz's Salon, Brunnenstr. 140, eine öffentliche Versammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Nutzen der Organisation(Ref. Herr Michelsen). 2. Fott« setzung der Berathung des von der Kommisfion ausgearbeiteten Akkord- resp. Lohntarifs. 3. Verschiedenes. Zu Punkt 1 der Tagesordnung gab Herr Zltichelsen zunächst einen Ueberblick über die schlechte Lage des Handwerks der Jetztzeit und wieS darauf hin, daß der Abeiter gerade durch die heutigen Lohn- kämpfe tmmirmehr dazu gedrängt würde, fich eine Organisation zu schaffen; daß eS überhaupt das Bestreben eines jeden Ge« werks sein müßte, fich klar darüber zu werden, wodurch eine Aufbesserung der gewerblichen Verhältnisse zu ermöglichen, und wie eine dem Gesetz entsprechende Organisation zu schaffen sei. Redner suhlte dann weiter aus, daß j.der Einzelne bestrebt jern müsse, an dem großen Werke der Organisation der Ardeiter mitzu arberlen, da ja von den Arbeitgebern nichts zu erwarten sei. Alle Arbeiter müßten sich die Hand reichen und nie das Ziel aus dem Auge verli-ren. Auch für die Stellmacher sei die Zeit gekommen, die Hand ans Werk za legen, wie Bruder zu- sammen zu stehen und mit zu helfen, die Interessen ihres Berufes zu wahren und zu fördern. Redner zieht hierauf auch die Lage der Meister in Betrach: und erwähnt, daß gerade die besseren Meister eS find, welche gedrückt werden durch die Kon- kurrenz derjenigen, welche schlechte Arbeit billig liefern und infolge dessen ihre Gesellen drücken und länger arbeiten lassen; daß es aber die Albeiter selbst find, welche fich oft um ihre Lage am wenigsten kümmem. Nur durch die Gleichgiltigkeit der Arbeiter sei es den Meistern möglich geworden, daß fie fich die Ardeiter nur allzu gefügig machen konnten. Jeder Stellmacher müßte herangezogen werden zu dem schönen Bunde, es müßte soweit kommen, daß auch nicht einer sagen könne, er gehöre der Vereiniguna nicht an.— An der Diskusston betheiligten fich mehrere Redner sehr lebhast, deren An- fichten fich im allgemeinen mit den Ausführungen deS Vor- tragmden deckten. Hierauf wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die heutige, in Grätz Salon tagende Versammlung erklätt fich mit den Ausführungen deS Referen- ten einverstanden und verpflichtet fich, der Vereinigung der deutschen Stellmacher beizutreten. Sodann wurde zum zweiten Punkt der Tagesordnung übergegangen. Eie Debatte über einzelne Fragen zog fich etwas in die Länge, so daß beschlossen wurde, wegen der vorgerückten Zeit die Berathung über diesen Gegenstand in der nächsten Versammlung fortzusetzen. Alsdann wurde noch Herr Paulick als Revisor des UnterstüyungsfondS gewählt. Herr Graak machie bekannt, daß die Versammlung der„Vereinigung deutscher Stellmacher" (Filiale Berlin) am Sonnabend, 5. De-ember, Abends 8 Uhr, Kommandantenstr. 77/79, in Gratweil's Bierhallen(im unteren hinteren Saal) stattfindet. Ein Vortrag des Reglerungsbau- meister Keßler steht in Ausstcht. Gäste find zu dieser Ver« sammlung willkommen. Von Seiten des V-rgnügungskomitees wurde bekannt gemacht, daß am 13. Februar 1886 ein Wiener Maskenball in Bötzow's Brauerei(Prenzlauer Allee) stattfindet, wozu Billets schon jetzt bei allen Komitee- Mitgliedern zu haben find. I« der öffentlichen Versammlung der Berliner Böttcher, welche am Sonntag Vormittag unter Vorsttz des Herrn Hollman in Heise's Salon tagte, kam es zu sehr heftigen Debatten über die jetzigen Lohnverhältniffe. Verschiedene Meister weigern fich jetzt, nach dem Tarife, den fie erst kürzlich anerkannt haben, zu zahlen; fie fangen an, den Lohn zu redu- ziren. Hauptsächlich find es die Meister, in deren Werlstellen die Bierfässer fabrizitt werden, und diejenigen, bei denen meistens auf Lohn gearbeitet wird. So z. B- Herr Dietert, der am Freitag seine 6 Gesellen entlassen hat, weil fie in der Restauration zum Frühstück gegessen haben. Es werden bei dem betreffenden Meister nur alte Fässer reparitt, z. B.Oel, Theer, Herings ,Farb-, Schwefelsäure- Fässer. Da ist eS doch absolut notbwendig, daß fich die Arbeiter die Hände reinigen, bevor fie ihren Bissen Brod essen. Doch muthet Herr D. seinen Ärdeiiern zu, sie sollten bei der jetzig» n scklechten Witterung in seinem Stall,— denn Werkstelle kann man es nicht nennen— ihr Frühstück verzehren. Vielleicht fleht fich die Sanitätspolizei einmal diese Arbeitsstelle an, ttotz- dem Niemand, der nicht dazu gezwungen ist, in solche Räume, in denen die Arbeiter den ganzen Tag über arbeiten müssen, g«n hineingeht.— Die Versammlung beschloß, bei allen Meistern, welche trotz ihrer Zustimmung zum Tarif mit Lohn- ab�ügen vorgehln, so''o,t die Arbeit wieder ein>usl llen.$ wurde dann noch in der Versammlung ein Flugblatt unb W Etatuten der Zentral Reiseunterstützungskasse vei lesen(M Bremm). Die Versammlung war fich noch nicht klar, ob fi« die hiestgen Kollegen dieser Kasse onlchiießm oder einen ff"®' verein gründen sollen. Ein Beschluß hierüber soll in der nächsten Versammlung gefaßt weiden... bks. Im Verein zur Wahrung der Interesse« der Tapeztrer Berlins referirte am Montag Abend(in den G-atweil'scken Bierhallen) Herr Sander über den„Deutschen Tapezirer-Bund", den bekannten Verband der deutschen Tark' zirer-Jnnungen. Von Leipng ausgegangen, umfasse derniD* jetzt 18 bis 20 Tapezierer-Innungen, ferner habe er bereu» drei Kongresse abgehallen und zur Hebung der Lage derHano werksmeister eine Reibe von Robstoff, und anderen Genom» schatten, sowie eine Gehilfen- Reiseunterstützungskasse errichle» Ms auffällig hob der Referent die d-m Bunde gegenüber fie» beobachtete ablehnende Haltung der biefigen Tapezircr- Innung hervor.— Hierauf wurde unter Anderem beschloffen, vom 1. Januar k. I. ab das Arbeitsnachweisedureau des Vn» auch in den Abendstunden wieder geöffnet zu halten. Du!»1 ein ausgeschiedenes Vorstandsmitglied vo-genommene zungswahl fiel auf Herrn Trautmrnn. Aus den Delegmen- wahlen zu dem vom 6. Januar ab, im Anschluß an neralversammlung der Zentral-Krankenkasse der deutschen Tave- zirer in Frankfurt a. M. stattfindenden allgemeinen deuis»-» Tapezirer-Kongreß gingen als gewählt die Herren Sander und Wilvbcrger hervor. Zur Zentral- Krankcnkam" Versammlung muß aus statutarischen Rückfichten eine Neu«»? der Delegirten stattfinden.. Oeffentltche Generalversammlung der Schlosser«u Berufsgenossen. Sonntag, den 6. Dezember, Vormnlag 10 Uhr, im Lokale des H.-irn K lier, Andreasstr. 21. Tage» ordnung: 1. Vortrag desHerm Regierungs-BaumeistersM' über die Schädlichkeit der Akkordarbeit. 2. Diskusfion. 3-% wähl der Revisoren und eines Kommisfionsmitglicdes. 4. v berufung der Delegitten. 5. Verschiedenes. äflltrt Krieflmsten der Redaktion. Friedrichshagen. Es liegt nichts im Wege, daß � glieder eines politischen Vereins Personen werden können, xn verschiedenen Ortspolizei Bezirken wohnen. Z. S. Die Forderung ist noch nicht verjährt. Die muß am 31. Dezember d. I. zugestellt sein. Abonnent. Die Frau ist Ihnen zum Ersatz des Werths der Sacken verpflichtet. Die Klage ist durchaus gründet. Hammer. Zur Bezablung der Alimente ist der n Vater verpflichtet; die Verheirathung der Mutter hieran nichts. Rackau. Eie find im Unrecht, wir rathen Ihnen, dem Vermiether zu vergleichen. S. 100. Sie find bis zum 1. April an den vertrag gebunden. Karge. Sie müssen bei der Gewerbe- Deputatton Herausgabe der Geburtsurkunde klagen. Grk., Marienburgerstraße. Das Papier darf nur einer Seite beschrieben werden. R. W., Äodelpolirer, Prenzlauerstraße. DaS ist gleichailtig. I. R. 1856. Die Beantwortung der Frage hängi � den Bestimmungen des MiethSvertragcs ab. In dewl«� werden Sie die Antwort finden. d «->> Theater. Overnhau». Heute: Die Hochzeit deS Figaro. Echausptelha«». Heute: Waldemar. Deutsche» Theater. Heute: Kabale und Liebe. Seiedrich-Wtlhelmftitdttsche« Theater. Heute: Offenbach-Eyclus. Blaubatt. Reftdeuz-Theater. Heut«: Mein Leopold. Velle-Alltauee-Theate,. Heute: Ein Fallissement. Walballa-Overetteu-Theater. «üt Jakobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Zum 123. Male: Die wiwe Katze. Gesanasposse 4 tiitn von W. Mannstädt, Musik von G Steffen». Loutseuftädttsche» Theater. Direktion: Jos. FirmanS Heute: Der Waffenschmied. Ofteud-Theater. Heute: Dorf und Stadt. «duiastiidttsche« Theater. Heute: Gastspiel der Lttiputaner. Dre kleine Baronin. Theater der Retchshalleu. >»glich: Aufreten sämmtlicher Spezialitäten. American-Theater. ASztich: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten Kausmanu'« Vmriett. LSgllch: Große Spezialitäten-Vorstellung. Koukordia. SSalUfc: Austreten sämmtlicher Spezialitäten und lheatralts-de Erstellung.____________ Alhawi hra-Theater. Wallnettheaterstraße 15. Heute; Benefiz für den Obeiregiffeur Alfred Seefelv. Mit theilweise neuen Dekorationen und Kostümen. Hinko, oder: König und Freiknecht. Drama in 5 Asten und einem Vorspiel von Ch. Birch Pfeiffer. 8 Höt« Anfang deS Konzerts Sonntags 6 Uhr. der Vorstellung »on» baden Wochentags Gilttgkttt und find im Theaterbureau (12-1 Uhr) gratis zu haben. . jl Passage 1 Tretzve. 9 II Morg. bi! 10 ll. Ab. Kaifer-Pauorama. iafifir Das malcr. O b e r-Jt alte n. Po mpe ji. ***** Eine Reise durch die sachstsche Schweiz. Dres» de«. Hochinteressant: Die Hertha- stets e. Karolinen- Inseln.» Reise 20?«g. Kinder nur 10 Pf. Abonnements. Reichhalttger Abendtisch. Zu jeder Tageszeit: Köniasberger Fleck, - Pottion 25 Pf. Einem geehrten Publikum empfehle mein Weiß-& Kamsch-Mer-Mal Reichhaltiger kalter warmer Frühstücks-.� mit Bier a Kouoert% Arbeitanaehwels für KlaTlerarbelter. Achtungsvoll Hermami Stramm, Nekaurateur, Zkalitzerstraße 1& üfaehr's Camino. Orautenstratze 24. Naunynstraße 65a. Täglich: Grosse Spezlalltüten-liorstcllnnr. Neul Austreten deS berühmten Mignon-Tän-erpaareS Ge« fchwister Foottit, des TransformationSkünstlcrs Hrn. Fiösselli. des uttomischen Wtllms, der Wiener Duettistm Geschwister Franke, der Chansonetten Frl. Büren, Lazarini. Krüger, sowie Spezialitäten l. Ranges. Näheres die Tagesprogramme. Wochentags Ans. 8 Uhr, Sonntags Ans. 6 Uhr. Prftnscher's anatomisches Mnseom HM" im rothen Schloas"IKi cos 9 Morgens bis 10 Abends für erwachsene Herren. rreitag ganser Tag DälQCIltd�. Meinen Freunden und Bekann tm t heile ich hierdurch ergebenst mit, daß ich seit dem 5. November ct. mit dem Zigarren« und Tabakgeschäst, WttnderaSwcg 15b, welch. s meine Firma trägt, in gar keinem geschäftlichen Verkehr mehr stehe. Zur Führung mttneS NamenS als Firma ist Niemand berechtigt. Ferdinand Ewald, z. Z. Brandenburg a/H. mar soo nark 106 werden auf 3 Monat von einem stcheren Mann gesucht. Adr. unter A. L. find in der Exp. d.„Berl. Volksblatt" niederzulegen. 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