Mittvoch, de» 9. Dezember 1885. ll. Zichr� eMerZMI«». Krgan für die Interessen der Arbeiter. Da«„«erlittet Vottsblati« «n«t 4 SRI. Mszelue Nr. S Pf. SomrtagS-Skummer mit illustr. Beil («mgetragett i» der Postzewmg«prei«lifie für 1885 untet Nr. 746.) Jttsertiottsgebühr betrügt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. ZlrbeitSmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Znferate«erden bi« 4 uh* Rachmittag» in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce» Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. Krachftr-tz- 2.—«»P-dM««: Zim«erftr-tz- 44. Die„Httwze In Gnechtizkeil". So nannte man einst die stolze und feste Burg de« �rühmten Ritter« Franz von Sickinae», die Ebernburg Äreuznach. Sie war während der flurmbewegten Refor- Mail»»«zeit d,e Zuflucht«stätte aller derjenigen, die für Deutsch« �and» Einheit, Freiheit und Größe gekämpft, die dessen Lo«> mtzung au« der römische« Knechtschaft gefordert und dafür geachtet und flüchtig geworden waren. Hier hielt sich Ulrich ""■■>—-»iL—-—--->.. «e» großen Ritterverschwörung, die sich«ach sanken, Schwaden, Hesse» und di» Böhme» «n» erstreckte und von hier au« unternahm Sickinge» ■ w« Zug nach Wien, der so unglücklich autfiel und den Magische» Untergang de« Ritter« und seine« Freunde« Hutten herbeiführte. Auf der Ebernburg, der jetzt in Trümmern liegende« Ehemaligen.Herberge der Gerechtigkeit", ei» Denkmal für politischen Diotkure» Franz von Sickinge« und Ulrich Jo« Hutten zu setzen, ist gewiß«in Gedanke, der jedem ttecheitlich gefinnte« Manne sympathisch erscheine» muß. uw«r die Natur der Huttea«Sickmgen'schea Idee find wir heut« völlig klar. Sie wollte an Stelle de« durch die Httrschast zahlloser kleiner und großer Terrttorial« Wen zerrissene» und geschwächte» Deutschland ei« ?mge« Deutschland herstellen. Der Fehler von Hutten '"d Sickinge« war, daß sie glaubten, ei» fteie« und �nige« Deutschland auf die Ritterschaft, auf den �d e l begründen zu können; sie wollte«, wie ei» Histo» ttk« richtig sagt,„eine gleichmäßige aristokratische Ordnung ß lisch« b« Kaiser und die große Masse de« Volke« ll«.' Da» Volk wäre sonach in Abhängigkeit vom Abel «ebliebe». Allein man muß dem kühne« und entschlossenen «»mpf« Hütt«« und Sicking«« geg« die Territorialfürst« und geg« d« römischen Despotismu« alle Aaerk«»ung toll«. Hütt« ging auch viel weiter al» Sicking«; er schilderte in sein« Schriften mtt begeisterten Wort« da« «Und de« Volke« und wenn er auch kein de» stimmte« als s�hen,.......... populäre« Programm hatte. Ab«, wer ist'« der heute ei» D«kmal für Sicking« **d Hütt« verlangt t Bon Kreuznach au« ergeht ei» Aufruf Beiträge zu einem solchen Denkmal; an der Spitze de« st°«itee« steh« ei» preußischer Landrath und ** Hofbuchhändl er und unter b« Unterzeichner» Aufruf« steh««och mehrere Landräthe und hohe Jeuillüeton. Die Hattd der D-mefis. Roma«/ l von Ewald August«öttig. (Fortsetzung.) »vab« Sie oft«achgeseh«, ob die Waffe»och» tta Berstecke lag?* »Nie, ich dachte nicht mehr an sie. Wen» ich mich kk erinnert hätte, würbe ich sie bei meiner Abreise mit- heb«." **—__ t••- Z? 4«»".... Ä-— ät* ich habe ihn in j«er Nacht überhaupt nicht ?iu»d« später wurde seine Leiche in dem k-hr Siegfried fort, und wieder streifte »ocb �kflcht de« Amerikaner«.„Erinnern Sie sich **4* Sewiß." Beamte. Auch der»ationalliberale Abgeordnete Dr. Suhl, der bekannte Leisetreter, steht darunter. Die Beittäge werden bei Bleichröder in Berlin und bei Hahnemacher in Frankfurt aag«ommen I!! Von diesem Komitee sollen Sicking« und Hutten„e i» g«» schlachtet" werden, d. h. die beiden historisch« Gestalt« werden b«utzt, um da« deutsche Volk mit einem Schwall abgestandener und öder nationalliberal-kooservatioer Phras« zu überschütt«! Soll man da lach« oder wein«? Nun, wir find nicht sentimental— wir lach«! Aber wen» er au« seinem Grade steig« würde, Ulrich -——•■ �• i— i c— tjt*» r~i~. von Hutten, der Held mit Feder und Schwert, der für sei» Zdeal lttt, stritt, darbte und starb, der rastlo« die Länder durchzog und manche seiner Schriften auf dem Sattelknopf VWtWtt*)}***** 1—-r-'l------- 1■ «twerf« mußte, wenn er die Rechnungiträger und d,e � r. s*r w* c C.*__ f t— �■,„■■■■--- W M*M*�p*V«*******�**— VW;---------|-- w. T_ Doktor Buhl und seine«ationalliberale Gesellschaft ver- kriech«, die schon bange sind, w«n«in Minister die Stirn runzelt. Die.Herberge der Gerechtigkeit!" Wir würd« d« Herren Buhl und G«oss« au« v« Volksschriften Ulrich'« von Hutten gerne vorführen, wa» der edle Ritter unter „Gerechtigkeit" verstand. Aber ach, wir thu« besser, e« zu unterlassen, den« die Herr« Buhl und Genosse» Hab« ja dafür gesorgt, daß der Abdruck bezeich»«der Stellen au« Hütt«« Schrift« un« verhängnißvoll werd« könnte. Ei» Denkmal setz« sie darum fteilich doch auf der Ebern- bürg. Ulrich von Hütt« rief kühn: ,Z ch Hab'« gewagt!" Nachdem er sich einmal«tschloss« hatte, für seine politischen Ideen einzuttet«, warf er alle Rückficht« ab—.wiewohl mein' ftomme Mutter weint'," fügt er hinzu und sagt: „Wer wollt' in Solchem bleiben daheim? Ich Hab'» gewagt! da» ist mein Reim!" Aber die Herr« Buhl und G«osse», wa» wage» sie? Sie.wagen" e« höchst««, hohen Gönne« ihr« un- terthänigste Ergeb«h«it zu bezeug« und sie Hab« dabei vor Hutten da» voraus, daß ihre Mütter nicht zu weine« brauch«, wie die Mutter de« Ritter« auf ver Stecke!«- bürg. Zndess« eine« steht fest: die groß« Charaktere unserer vaterländisch« Geschichte, zu denen Hütt« und Sicking« unzweifelhaft gehör«, könn« durch die»attonalliberal- konservative Phras«mache nicht getrübt werd«. Da» An- denk« an diese Erscheinung« beruht auf der Auffas- „Sprach« Sie mit Jemand darüber?" „Nur mit dem Gärtner." „A«ßerte er eine Meinung über d« Vorfall?" „Direkt nicht, er war sehr einsilbig, und mir kam e« vor, al« ob ihn selbst eine Schuld drücke. Ich sage das rncht, um auf ihn Verdacht zu(«(«, er kann diese That nicht begang« Hab«." „Aber es schi« Ihn«, al« ob er wisse, wer sie bega« g« hatte?" „Auch das will ich nicht beHaupt«. Er äußerte nur, man müsse jede« Wort reiflich überleg«; eine Anklage, die man nicht beweis« könne, sei sehr gefährlich." „Da« war im Grunde genommen em« wohlfeile Red««- art, di« nicht einmal zu Bermuthung« Anlaß gieht. Aeußerte er kein« bestimmt« Verdacht? .Nein." „Sprach« Sie öfter mit ihm?" „Zweimal, da« letzte Mal kurz vor meiner Abreise, al» ich Abschied von ihm nahm." „Und auch bei dieser Geleg«heit ließ er keine Aeußerung fall«, die auf j«« räthselhast« Mord Bezug «ahm?" nuuin? „Doch, aber ich verstand d« Sin« seiner Wort« nicht. Er sagte mir, e« sei merkwürdig, daß die Herr« vom Äe. richt gar nicht««tdeckt hätten."" �- zeig«, aber er werde sich hüte s« frag«, und darauf wifsi er könnte ihn« eine Spur :, man würde»ach Bewei- er dann keine Antwort zu richt gar nicht««tdeckt ig«, aber er werde' , n frag«, und geb«." „Sin« Namen nannte er nicht?" .Bewahre. Wohl aber sagte er, di« groß« Verbrecher sei« besser daran wie die klein«, d«« an sie d«ke man erst zuletzt oder gar nicht. Damit brach er da« Gespräch ab, und ich ftagte auch nicht weiter, ich konnte ja nicht ahn«, daß der Verdacht auf mich fall« würde." „Sie Hab« auch über diese Worte de« Gärtner« nicht weiter nachgedacht?" „Nein— wozu? Solch« Leute sprech« wie ihn« der Schnabel aewachs« ist, sie d«k« über ihre Worte nicht weiter nach, und w«« sie einmal eine Vermuthung au« der Luft gegriff« habe», dann halt« sie an ihr fest." sung de« Volk» und daran kann auch Herr Bleichröder nicht« ändern. Nein, ihr Herr«, mtt j«er„Herberge der Terechtigkett" habt Ihr nicht« zu thu»! Wen» ihr e»«ch aber doch einbildet— nun, wir lach«, und derer, die mit un« lach«, werde» nicht W«ige sei»._ Politische Keberstcht. -...........' den Vordergrund n, hat ein provi« ,,, Rheinprovinz soeben einen Aufruf an alle konditiontrend« Apotheker Deutschland« erlassen, in welchem diese aufgefordert werden, stch an einer Petition an dm Reichstag zu betheiligm wegen Einfüh« rung der Gewerbefreiheit für die Apotheker, selbstverständlich unter Kontrole der LandeSbehörvm. Die Motive zu diesem Schritte find der Hauptsache nach darin zu suchen, daß e« den meisten geprüften Apochekern unter den bestehenden Verhältnissen nicht möglich ist, selbstftändig zu werden, da« heißt eine Apotheke eröffnm zu können. Be- kanntlich gehört zur Errichtung einer Apotheke die behördliche Konzesfion; ist in einem Bezirke eine Apotheke errichtet, so hat der glückliche Inhaber derselben da« Monopol zum Verkauf der nach ärztlicher Vorschrift verordneten Medi- kamente; kein anderer darf stch in seinem Bezirk niederlassen. ">enn die Einwohnerzahl bis zu einer be sen ist, wird eine weitere Konzesston zur 9 potheke ertheilt. So warten nun hunderte und wohl tau- ende ihnen theil! Konzesfion eine die Bevölkerung | Nur wenn die Einwohnerzahl bi« zu einer bestimmten Höh« gewachsen ist, wird eine weitere Konzesston zur Anlegung einer Apotheke ertheilt. So warten nun hunderte und wohl tau- sende geprüfte 9lpotheker oft viele Jahre auf den Moment, der ihn« da» Glück in dm Schoß werfen soll, ohnedieseS Glückes i zu werden, weil bei Vergebung der gewisse Reihenfolge inne gehalten wird und stch natürlich nicht in solchem Maße vermehrt, daß fortwährend neue Apotheken errichtet werden können. Erhält ein Apotheker die lang ersehnte Konzesston, so ist da« für ihn fast ebenso werthvoll, als wenn er mit einem Bruchtheil de« großen Loose« von der Göttin Furtuna bedacht wurde. Ist er unbemittelt, so finden stch Dutzende von bemittelten Kollegen, die gerne bereit find, ihm die Konzesfion für eine enorme Summe abzukaufen. Ist er bemittelt, so wird er durch dm Betrieb der Apotheke bald genug zu einem reichen Manne wer- den. Da» Geschäft bringt etwas ein, daher auch der Schacher mtt älteren Apotheken. Die« ist aber gerade der springende Punkt bei der ganzm Angelegenheit. Der Apotheker darf für die auf ärztliche Anordnung hin verordneten Medikamente nur einm bestimmtm Preis forvem, aber dieser ist in den meistm Fällm so hoch, daß der Käufer resv. der Patient staunen würde, wenn er den ursprünglichen Werth der ArzneimUtel in Ersatz rung brächte. DaS Etikett macht viel, oft Alles. Es find ja nur weniae in der Lage, die lateinischen Worte lesen zu können, da» Publikum würde manchmal stumm vor Staunen werdm, wmn e« die unverständlichen Zeichm in'» Deutsche übertragm könnte, dmn unter dm hochklingmdsten „Dieser Gärtner hat sich vor einige« Tag« da» Leb« g«omm«," sagte Siegfried, die blitzenden Auge» fest auf d« Angeklagte« richtend;„man fand die Leiche nebe» einer Branntweinflasche, und der Inhalt dieser Flasche war mtt «wem sofort wirk«d«n Gift zersetzt." Bestürzt war Halm zurückgetret«, sein starrer Blick verrieth da« Entsetz«, welche» diese nnerwartete Mittheilung ihm einflößte. „Ja, vorausgesetzt, daß nicht«in Anderer e« «ha» hat." „Welcher Andere?" „Ich weiß e« nicht," sagt« Siegfried gedehnt,.ich spreche nur ei»e Vermuthung au«." Da« Geficht de« Amerikaner« war«och bleicher gewor- dm, er stützte sich mtt der Hand auf dm Tisch, der zwisch« ihm und dem U»tersuchu«g«richter stand, und dem scharf beobachtende» Blick Siegfried« mtgiug e« nicht, daß der kräftige Man» wie in Fieberschauer» zttterte. „Hatte der Gärt»er sich dem Trünke ergeben?" ftagte Halm. „Herr Rabe will e* behaupte», aber alle Uebrigm de- strettm e«." „Und welch« Ursache liegt diesem Selbstmord zu Grund«?" „Darüber kann Niemand Auskunst geben." „Seltsam! Georg war, so lange ich ih« kannte, ei« fleißiger,«üchtemer Mensch, eine gutherzige Seele, die Niemandm ei» böses Wort sagm konnte, und nur etwa« zu ängstlich, zu schüchtem und bescheidm war." „So ist er mir auch geschildert wordm," nickt« Steg- fried.„Wie sprach man damals über de» plötzlichm Tod de« Gmerals?" „Man bedauerte allgemein, daß der Smeral so uner- wartet gestorbm war. Jeder, der ih» kannte, achtet« und liebte ih»." � „Nur Einer nicht." „Ich weiß e«, Herr Rabe!" selbst vergiftet?" ftagte er mtt bebender 8* ?kamen verbirgt fiS oft die unbedeutendste Materie. Tin wenig destillirtei Wasser, ein wenig Pulver hinein— aber ein großer lateinischer Name auf dem Etikett und— der Patient schluckt da« Zeug hinunter, in dem Glauben, da« kost» barste Heilmittel zu genießen, denn— eS hat ja verhältniß-- mäßig viel Geld gekostet. Die Äpothekenfrage darf mit Recht «ine brennende genannt meiden; der Armeimittel bedarf auch der Aermste und c« ist gewiß endlich an der Zeit, dafür Sorge zu tragen, daß der arme Riank sich die unentbehrliche Medizin zu einem den Wetth entsprechendem Preise verschaffen kann. *.* I« Bezug auf de« Diäteuantrag heißt eS in den nationalliberalen Blättern folgendermaßen:„Die Eozialdemo- traten wissen sehr wohl, daß an Annahme diese« Gesetzes kaum im Reichstage, geschweige denn im BundeSrathe zu rechnen ist — aber Agitation um jeden Preis, das ist und bleibt ihre Losung."— Wir glauben nun, daß die Nationallibcralcn keinerlei Berechtigung haben, anderen Parteien ihre AaitationS- lust vorzuwerfen; doch ist es auch kein Fehler, dieselbe zu besitzen. Aber in diesem Falle irren fich die Nationalliberalen in Bezug auf den Urheber dcS vorliegenden Ant'ags. Die Sozialdemokraten haben sich bislang niemals um die Diäten- frage sonderlich gekümmert und würden auch in diesem Jahre keinen derattigen Antrag gestellt haben, wenn der preußische Fiskus sie nicht dazu veranlaßt haben würde. Der also ist der wirkliche Attentäter, der dem armen arbeitsgeplagten Reichs« tage noch einen„Schwerinstag" raubt. Wenn die National- liberalen sich nur dieserhalb beeinträchtigt fühlen, so mögen sie dem preußischen Fiskus aufs Dach steigen, die Gelegenhett wird ihnen geboten werden, aber— der Muth wird fehlen. Der bayerisch« russische Autlieferuugsvertrag wird von der„Nordd. Allg. Ztg." in der belannten Manier rer« theldigt, wodurch ohne Zwei'el gleichzeitig der analoge Verttag Preußens mit Rußland gerechtfertigt werden soll. Das Be» denken, daß der Eindruck der Existenz eines deutschen National« starres im Auslande durch derartige Verträge der Einzel» staaten schwer beeinträchtigt werden muß, findet in dem offi- ziösen Artikel gar keine Würdigung. Die Vertheidigung be» schränkt fich auf die Behauptung, daß die betreffenden Verträge ein erster Schritt zur Abwehr der Anarchistenbande seien, w«S- halb ste„seitens des ganzen vernünftigen, ordnungsliebenden T Heils der Bevölkerung sympathisch begrüßt" würden. Hier« nach scheint, so bemerkt die„Nat. Ztg." recht zutreffend, die veinünftioe und ordnungsliebende Bevölkerung Bayerns keinen einzigen Vertreter in der Kammer zu haben, denn in dieser bat fich nicht eine Stimme für den Vertrag geäußert. ES würde fich wahrscheinlich ähnlich im Reichstage verhalten, falls die Regierung den am Schluß der vorigen Sesfion ein- gebrachten Vertragsentwurf wieder vorlegte. Die in Ver» ugen stipulirte Auslieferung wegen„Belervigung" eines Mit- gliedes der rusflschrn Kaiserfamilre aber kann unmöglich mit der Nothwendtgkett der Abwehr des Anarchismus begründet werden, und ebenso wenig daS allgemeine Versprechen, mit Rücksicht auf die freundschaftlichen Beziehungen in allen Fällen, in denen„nichts entgegensteht, auszuliefern. Wir Habens herrlich weit gebracht! Vor einigen Tagen wurde bekannt, daß die VermögenSoerhälmiffe deS neulich gestorbenen früheren FinanzminifterS Bitter ungünstig ge- wesen seien, und heute lesen wir schon in verschiedenen aus- wältigen Blättern eine Korrespondenz, in welcher dem Ver- storbenen hohe Anerkennung dafür gezollt wird, daß er als Finanzminister— ehrlich geblieben ist.„Er hat," so wird ganz ernsthaft ausgefühtt,„alle Eisenbahn-Verstaat- lichungen mitoorzudereiten helfen, es wäre ihm«in Leichtes ge- wesen, diese seine Kenntniß auszunützen, und er hätte, ohne den Staat im Geringsten zu schädigen und ohne einen Pfennig Kapital zu befiven, sich Hunderttausende von Thalern verdienen können. Der Weg lag offen vor ihm, und für einen finanziell bedrängten Beamten war die Verlockung stark genug. Bitter verstand allen Versuchungen, die gewiß auch an ihn herange- treten find; er zeigte einen wahrhaft spartanischen, einen wahr- hast preußischen Sinn. Die Bethätigung eineS so reinen, so intakten Charakters verdient die vollste Anerkennung.— Wir können der„Volks-Ztg." durchaus beipflichten, wenn fie hierzu bemerkt: Nach unserem Dafürhalten hat Herr BUter einfach seine Schuldigkeit gethan. Er hat seinen Posten alS Finanzminister, wie alle anderen Aemter, die er bekleidet hat, so versehen, wie er es im Jntereffe deS Staate? für gut und zweckmäßig hielt. Die Form der Anerkennung aber, welche man Herrn Bitter zollt, weil er sich dem Schatten deS„Gistbaumes" nicht ausgesetzt hat, rst nicht nur für den verstorbenen ehemalt. (ien Finanzminister, sondern auch für jeden andern Beamten, et er in hoher oder niederer Stellung, verletzend; dahin werdm wir hoffentlich nie kommen, daß einem Beamten eine besondere Anerkennung gezollt werden muß, weil er seine Stellung nicht mißbraucht hat, um fich zu bereichern. Ein nettes Anttsemtte«. Stückchen ist wieder enthüllt worden! Man meldet darüber aus Stargard in Pommern: Die Zeitungen brachten im vorigen Jahre die Notiz von einem m y st e r i ö s e n A t t e n t a t auf den Hort der hiefigen kon- servatioen Partei, Prof. Dr. Wiggett. dem man eine Art „Die Beide« waren wohl nicht mit einander befreundet?* „Reine Idee von Freundschaft! Ewer ging dem An- der« aus dem Wege, so weit er nur konnte, und hatte Herr Rabe irgend etwas angeordnet, so durfte man sicher darauf rechnen, daß der General e« sofort wieder änderte. DaS war wie Feuer und Waffer; kamen die Beiden einmal zu- fällig zusammen, dann zischte eS ganz gewaltig." Und nach dem Tode de« General«?' „Darüber weiß ich nicht viel zu berichte«, ich ging ja bald darauf fort." „Erinnern Sie sich noch, wa« die Ursache diese« plötz» lichen Todesfalle« war?' fragte Siegfried. .Man sagte, er sei am Schlage gestorben.' „Daran zweifelte wohl Niemand?" „Nein, der General war ei» alter Mann und schon feit mehreren Tagen leidend.'..... „Es tauchten also damals kerne Gerüchte auf, dre dieser �eh�Dtt�ef�ngene" schüttelte de« Kopf und strich leicht mtt her Hand über die Stirne. „Nein," erwiderte er,„und wer hätte auch daran denken fallen? Man sprach ja nur von der Ermordung des Dok- tors und der schweren Krankheit der Generali«.' „Fiel eS denn Niemanden auf, daß der Tod des General» und die Ermordung de« Doktor» so rasch auf tÄÄ X ��°Wurden Sie damals als Zeuge vernommen?' .Nein." „Auch der Gärtner nicht?" „Es kann sein, ich entsinne mich dessen nrcht mehr. „Er ist vernommen worden" erwiderte Sregftred, während er in den vor ihm liegende« Akte« blätterte; Höllenmaschine zugesandt hatte. Es herrschte damal« in un> serer Stadt große Auftegung, und man glaubte und sei suchte glauben zu machen, jener Attentats Versuch sei von Anhängern einer feindseligen Partei veranlaßt. Als eigentlicher Urdeder dies-S SiückchenS entpuppte fich jedrch nunmehr der Chef- redakteur unseres konservativen BlatteS, der„Pommer'schrn Volkszeitung", gegen welchen denn auch das Verfahren einge- leitet wurde und welcher in der Schöffengcrichtssiyung vom 2. Dezember vemtthetlt wurde. Die„Höllenmaichrne" war freilich ttotz Pulver und Zünder ganz ungetährlich, aber fie hatte offenbar den Zweck, die politischen Gegner, Freifinnige und Juden, in den Attentats verdacht zu bringen. Zur Karolinen-Aagelegeuheit wird der„Köln. Ztg." aus Madrid vom 5 d. telegraphirt: Der Ministerrath nahm den Vettrag über die Karolinen unverändert an und ratifizirte die von dem früheren Minister Elduayen eingeganaene Ver- einbarung; ferner verlängerte er den im Jahre 1887 ablau senden Handelsvertrag mit Deutschland bis zum Jahre 1892. Zugleich beschloß die Regierung, sofort die nöthigen Maßregeln zu treffen, um Epaniens Rechte auf anderen Punken zu wahren oder die Priorität der Besetzung zu ordnen, welche unter Berufung auf die Berliner Konferenz etwa beansprucht werden könnte. JmDtäteuprozetz gegen den Neichstagsabgeordueten W. Hasenclever findet vor dem OderlandeSgericht zu Raum« bürg Termin am 18. Dezember statt Dte überseeische Auswanderung aus dem Deutschen Reich über deutsche Häfen und Antwerpen betrug nach dem neuesten statistischen Monatsheft« im Oktober c. 8529 Perkonen gegen 12 745 im Oktober 1884, 19 440 im Oktober 1883, 18 477 im Oktober 1882 und 22217 im Oktober 1881. Von Beginn dieses Jahres bis zu Ende Oktober find im Ganzen 96 709 Personen auf dem angegebenen Wege ausgewandert gegen 135090, 153394, 179 443 und 104 K)1 im entsvrcchenden Zeiträume der vier Vorjahre. Die Abnahme der Auswan- derung hält also an. AuS Preußen find im laufenden Jahre bis Ende Lkrober 64 489 Personen ausgewandert, darunter 10 846 auS Pommern, 9147 aus Posen, 8654 aus Weftpceußen und 8602 aus Hannover. AuS Sachsen. Die sozialdemokratischen Mtt- glieder der zweiten Kammer haben folgenden Antrag einge» bracht:„Die Kammer wolle beschließen die Staatiregierung fr ersuchen, die Ausdehnuug der staatlichen Brandoer» icherung auf die bewegliche Habe in Erwägung zu ziehm und zu diesem Zwicke zunächst eingehende Nachfor« schungen über den Stand des Mobiliar- Versicherungswesens, bezw. die G-schäststhätigkeit der VcrficherungSgesellschasten in Sachsen, sowie über die Wünsche und Beschwerden der Beoöl- kerung in dieser Richtung anzustellen und das Ccgebniß bald- möglichst dem Landtage mttzutheiler." v. Vollmar. Bebel. Geyer. Kaden. Stolle. Ueber die Entweichuuaen von Seeleuten der deutschen Handelsmarine im Jahre 1884 entnehmen wir dem ONoberhett zur Statistik des Deutschen Reichs folgende An- gaben: Die Zahl der zur Anzeige gebrachten Desertions'älle betrug im Ganzen 4109 gegen 4540 im Jahre 1883 4400 im Jahre 1882 und 4082 im Jahre 1881. Unter den Entwichenen befanden fich 2645 Deutsche, 1424 Ausländer und 40 Personen unbekannter Herkunft. Von den sämmtlichen Entwrichungen entfallen 61,9 pCt. auf die Häfen der Vereinigten Staaten, darunter allein 41,2 pCt.(1694) auf den Hafen von New-Nork, ferner 8,2 pCt. auf zentral- und südamerikanische, 7,3 vCt. auf britische, 5.9 pCt. auf australische Häfen und 7,2 pCt.(296) auf deutsche Häfen. *** Der serbisch-bulgarische Krieg befindet fich noch immer im alten Stadium. Man verhandelt noch immer über die Friedensbedingunaen urd nach der Sprache der serbischen Organe zu urtheilen. wird der Kriegstanz bald wieder beginnen. Je mehr fich der österreichische Einfluß zu Gunsten der Serben geltend macht, um so schroffer und drohender wird die rusfische Presse. So schreibt z. B. die sehr einflußreiche„Moskauer Ztg." anläßlich der Drohung deS österreichischen Gesandten Grafen Khevenmüller, daß d:e bulgarische Armee bei einem wetteren Vorrücken auf österreichikche Truppen stoßen könnte: Früher oder später sei einerlei, Niemand könne wissen, wohin und wie wett der Krieg gehen werde, die Drohung für die Zukunft übe daher denselben niederdrückenden Einfluß aus, wie solche tür die Gegenwart. Dieselbe hätte keine Bedeutung, wenn ihre Wirkung fich lediglich in der Einstellung der Feindseligkeiten geäußert haben würde. Thatsächlich sei eS jedoch anders ge» kommen. Die Drohung habe den gesunkenen Math der Serben gehoben und diese aufgemuntert, ihre Kräfte zu sammeln und sich zur Wiederaufnahme der Feindseligkeiten vorzubereiten, falls dies für die Aufmunterer der Serben wünschenswerth werden sollte. Die„Moskauer Zeitung" fragt indeß, ob die Erwägung der Erfolge der russischen Offiziere, welche die bul- garische Armee ausgebildet hätten, nicht als nützlicher Finger- zeig dienen werde, daß Bulgarien nicht so ganz verlassen sei, wie man glaube. Die durch hohen Lobes werthen Helvenmuth erkauften bulgarischen Siege könne man nicht aus der politi- „aber er hat sich sehr vorsichtig ausgedrückt. Er war in jener Nacht im Schlosse, man hatte ihn gerufen, als man die Leiche des General« fand, und ich vermuthe, daß er mehr wußte, als er sagen wollte. Er muß in der That sehr ängstlich gewesen sei«, au» seinen damaligen Aussagen geht daS hervor." „Wenn er mehr gewußt hat, dann war e« unrecht, daß er nicht mit der Sprache herausrückte," erwiderte der An- geklagte;„derzeit konnte eine Spur noch verfolgt werden, und der Thäter wäre gewiß entdeckt worden.' „In Amerika angelangt, kauften Sie eine Farm, nicht wahr?" ftagte Siegfried. „Jawohl, Herr Assessor, eine Farm im Westen. Es war fruchtbare« Land, aber e« kostete unsägliche Mühe, den Bode« urbar zu mache«. Es war eigentlich nur ein Stück Urwald." „Wie viel zahlte« Sie dafür?« „Es mögen 500 Dollars gewesen sein.« „Und Sie allein unternahmen diese mühsame Arbeit?' „Anfang« ja, später fand ich Hilf«, die allerding« theuer bezahlt werden mußte. Zn de« ersten Jahren lebten wir sehr einsam, dann aber fiedelte« sich einige deutsche Familien in unserer Nähe an und wir habe» m,t ihnen gute Nachbarschaft gehalten, bis mein arme« Weib tobt war." „Wann starb Ihre Frau?" „Vor zehn Jahren." „Und darauf verkaufte« Sie Ihre Farm wieder?" „Sobald die erste Gelegenhett sich mir bot,' nickte de, Amerikaner.„Ich hätte wieder Heirathen können, mein Nachbar legte es mir nahe genug, daß ich seine Tochter haben könne, aber ich wollte da« nicht, das Heimweb lieS mit schon damal, keine Ruhe." 9* „Wenn Sie schuldlos waren, konnte» Sie ia schon derzeit heimkehrea," schaltete Siegftied ein. "üb™ „Sehr selten." schen Rechnung zwischen Serbien und Bulgarien streichen.% bulgarische Armee sei aufae Hilten und der Möglichkeit bewädt worden, die sämmtlichen Früchte ihrer Siege und Opfer zu f' nießen. Dieselbe jed«ch durch Drohungen zur NachziebiM zwingen, geh« über da« Maß deS Zulässigen.— So vi« t» klar, Väterchen wird eS nicht dulden, daß österreichische Tmp?«« den Serben zu Hilfe eilen. Geschieht e«, so wird sich« am die rusfische Intervention da sein. Frankreich« Parts, 7. Dezember, Abends. Die Deputirtenkamont beschloß mtt 338 gegen 174 Stimmm den Antrag auf n« wettere Erhöhung der Zölle für Getteide und Vieh in Enm gung zu ziehen. Der Minister für Landwirthichast erklärte- er wolle sich einer Jnbettachtnahme des Antrages nicht widen setzen, e» sei aber zu bedenken, ob es weift sei, nach der jüngsten Erhöhung der Zölle noch eine weitere Erhöhung em- treten zu lassen, ohne zuvor eine Erfahrung in dieser Be' ziehung gemacht zu haben. Frankreich habe einige gute gehabt, aber man müsse auch schlechte fürchten und dürfe d» «uSwärttgen Produkte nicht von dem franzöfischen Markte f«9 halten. — Der Generalrath deS Seinedepartements nahm w» 34 gegen 8 Stimmen eine Resolution an, in welcher der Wunsch ausgesprochen wird, daß die Räumung von TongW innerhalb eines mtt dm nationalm Interessen vcrträglia» Zettraums erfolgen möge. Viele Mitglieder enthielten sich** Abstimmung. Spa«,e«. rxJ. Minister Sagasta hatte eine Unterredung mit Marsch� Lopez Dominguez. Dieser erklärte dem Premier, daß er den« sei, den gegenwärtigen leg len Zustand zu unterstützen, W* aber an den Prinzipien der Konstitution festzuhalten entschloß? sei und hoffe, das neue Ministerium werde sein PrW®!? genau durchführen und den Linkslideralen durch demolratM Reformm und nachdrückliche Abweisung der Karlistm entgefp' kommen.— An der Grenze bat man eine starke Beweg99» unter den Anhängern Zorilla'S bemerkt, der auf Befehl r? Präfekten des angrenzenden franzöfischen Departements fich Nähe Spaniens entfernen mußte. In Folge dieser Hrlw? der revolutionären Parteim hat die Regierung die machung der Amnestie vertagt?! Groftbritaunieu. Nach den letzten Wahlnachrichten haben die Liberalen die Konservativen 247, die Parnelliten 73 Eitze gewo»9? Man nimmt jetzt an, daß daS Echlußergebniß sein wird: � Liberalen 331, die Konservativen 255, dre Parnelliten 34?>' Die Verbindung der Konservativen mit den Parnelliten w«? also ein Mehr von 8 Stimmen über die Liberalen berst'9?! — Der„Observer" glaubt annehmen zu dürfen, daß. wenn die noch ausstehenden Wahlen zu Ungunsten der vatiren ausfallm sollten, daS Ministerium dennoch vor< sammentttit deS Parlament» seine Entlassung nicht eint sondern dem Parlamente wichtige legislative Reformen bretten werde. Amerika. New Uork. Das Nat. Exekutiv Komitee der soziatt*919«, tischen Partei Nordamerikas macht bekannt, daß der Adgf*, nete des deutschen Reichstags, Liebknecht, fich bereu, klärt habe, in Amerika in einer Reihe von dort zu vero9� icuucn �rxiainmiunRcn aiö jiconcr aurjuucicn. g# hatte der im Laufe dieses Herbstes in Cincinnati tagend« 5L greß der sozialdemokratischen Partei Nordamerikas ein« � ladung an die Herren Liebknecht und Bebel erlassen- scheint B e b e l fich bis jetzt noch nicht entschloffen zu eine BesuchSreise über den Ozean anzutreten. Wie nf,# aus der Bekanntmachung des National Crikutio-Kornuee��j fichtlich ist, will dassabe fich wieder hott an Herrn wenden und hofft es auch noch auf dessen schließlich« s mung. Parlamentarisches. — Dem Reichstage ist eine Petitton des Zentralo��, deutscher Wollwaarenfadrikantm mtt der Bitte zug'' Anträgen auf Einführung von Wollzöllen entschieden r. zu tteten. Nach dem Ergebniß der Viehzählung vom nuar 1883 produzire Deutschland nur 10 pCt. bedarfs. Die Zollfreiheit sür Gesplnnststoffe sei ein Prinzip der deutschen Zollgesetzgebung. Die � welche die Industrie durch Zölle auf die Rohstoff« werde, könne durch Erhödung der Fabrikatzölle. vim» M glichen werden. Bei der jetzt schon bestehenden Uederpro � werde der Wollzoll dm Export vernichten. � solche durch dte Petition des Schafzüchter-Verein» in in Ausstcht genommen, würden in ihrer Durchführung M windltche Schwierigkeiten heroorruseir. Die PetenüN � darauf hin, daß in dm durch ste verttetmen Jndusttrw Arbeiter beschäftigt seien, deren Eristmz durch die- von Wollzöllen in Frage gestellt� werden wu �0 Wenn wir nun auch gegm Zoll „Wer schrieb Ihnen?" d«? Der Gefangene zögerte mit der Antwort, er.- Blick durch das Zimmer schweifen, als ob er fet»® zu Hilfe rufe« müsse. „Von wem erhielten Sie die Nachrichten Siegftied«och einmal. „Ich hatte Herrn Rabe und auch dm Girtn« mir einmal zu schreibm, ob die Generali« uav d? durchgekommen seien; Herr Rabe schrieb m», Gärtner erfüllte sein Versprechm nicht.' „Wie oft schrieb Rabe Jham?"__, „oo ränge meine tfrau UDte, jeoe»»i"' nachher erhielt ich keine Zeile mehr von rhm.* möge« verlorm gegangen fem; nachdem ich � verkaust hatte, führte ich ei« sehr unstä'e« r war heute hier, morgen dort, mein Geschäft mtt fich. „Welches Geschäft bettiebm Sie?'. tSN"?,«« „?ch kaufte rohe Häute und schickte ste n ch. „Bedarf man dazu nicht eines namhaften ,34 hatte für meine Farm k200 Do Geld erhalte» und fing klein aa: der � dj Kaufmann, mtt dem ich in Verbindung'-pI'' ei« braver Man«, er sandte mir das a» � und ohne Abzug, und e< wurde viel nerv Waare.' m „Iß Ihr Vermöge««och drübm?' „Nein, ich habe e« tt» einem Hamburg � deponirt."- 5-� „Sie erhielten also nur von Herr« Ra aus der Hcimath?" „Ja, nur von ihm.". Ker� „Und er schrieb Jhnm niemals über j dessen Sie damals schon beschuldigt wurden- � „Keine Silbe.'«iegf'�or� abgesch�ffm�Büchse� wafinÄet'Hü«« der Kamn erdimer Rabe'« hatte erschweren ��,tt macht, olli-« das mußte ihm bekannt fern. d lo «Iis » h k ssitt» I feeii Z »ichi * w ttudi * mjtj am n# itS m tw rs f«# ■h ttni ab« andererstit» doch auch dagkg«« allarm. M, man bei derartigen Pettttonm immer die Arbeit« al» We benutzt. In Wirklichkeit dürste dm Herren Petentm der ««danke, sür da« Wohl ihrer Arbeit« einzutreten, sehr weit "egen, daS hat sich bei and«m Gelegenheiten Hundertsach ge» Wfll, ab« hier heiligt d« Zweck wieder einmal daS Mittel. — Die Wcthnachtiferien des Reichstages w«den, wie PM hört, am Donnerstag. 17. Dezemb«, beginnm. SS stehen iwm nach Wiedaaufnahme d« Sitzungen nur noch acht Tage * Leriügung. �— Die vneinigten Bimetallistm und Aarari« kündigen � Einbringung eines Antrages wegm Einführung d« Loppelwähiung im Reichstage unmittelbar nach Neujahr an. _— Die Fraktionsliste im Hause der Abgeordneten Mt nunmehr im Druck vor. Die Frattion der Konservativen Wlt 129, des Zentrums 100, V« Nationalliberalen 68, d« jncilonservativen 65, d« Deutschfreistnntgen 43, der Polm 15, 'oiitt Fraktion Angehörige 13. Kommunales. Zu den Stichwahlen. Die Wählerlisten liegm zur Einficht für Jedermann auS: den 85. Kommunal> Wahlbezirk im Ztganm« Wilung de? 26. Kommunal' Wahlbezirks— Vor- Sflk. betr. den Abbruch der Baulichkeiten auf dem hinter dem «rurdstgxke Neue Jakobstraße 14 belegenen Lederwalkmühlen- püibstücle— desgl, betr. die für daS Jahr 1886 erforderten Erweiterungen und Erneuerungen auf den städtischen Msanftalten und am Rohrsystem in der Stadt— deSgl, £«. die Einberufung von Leyrern in den hiestgen Gemeinde- Münenst zum 1. April 1886— deSgl, betr. den Verkauf deS vurstenhauses, d« Alten Münze und des Grundstücks Wnder- 7— deSgl, betr. den Beginn der Bauarbeiten zum «£*n Polizei-Präfidialgcbäude— Etat für den Administrations- l?ds der Svarkaffe pro 1886— Vorlage, betr. die Preisliste ™c die durch die Aktiengesellschaft„Städtische Elekirizitäts- r"'«" auszuführenden Einrichtungen elektrischer BelcuchtungS ,�?2«n— desgl, betr. die austauschweise Erwerbung von ßy zur Straße 88, Abtheilung IX. des Bebauungsplans(v«l. S'leirßtaße), erfordnlichen Parzellm— Beantwortung der ÄM« von Mitgliedern der Versammlung, betr. den Stand I�tnathungm wegm der Ladestellen am Schifffahrtslanal Wgl, betr. die Regulirung der Bngmannstraße von dem .�hauten Schulhause bis zur Hasenhaide— drei Rech- o�gen— Vorlage, betr. die Verlängerung deS PachtverttageS ött die Erhebung des Marktstättegeldes— desgl, betr. den Maus der Wahlzeit eineS Bürgndeputirtm bei dem Kuratorium Zenttal-ViehhofS— deSgl, betr. die Neuwahl der Mit» ilieder �r Einiä.ivungS'Kommiffion für die klasfifizirte Ein- �imcnsteuer pro 1886/87— eine Unterftützungisache. Lokales. . r. Der Mangel an geeigneten Schutt-Abladestelle« 5?lht fich in ein« Weise fühlbar, die für manche Bau-Unter« Wim« geradezu als Kalamität zu betrachten ist, namentlich den trotz der vorgerückten Jahreszeit noch immer sehr leb- � betriebenen Abbrüchen älterer Gebäude. Zwei Stunden läng« brauchen die mtt Schutt beladenen Wagen, ehe sie 5?? Piaö erreichen, wo sie fich ihrer Last entledigen können. ""'' reswegcs ein so wntbloseS Material' n brauchen zur Auffüllung ihrei ....... ch eine kleine Entschädigung pr- rsre, um die Fuhrleute nach ihren Grundstücken zu locken. Augenblicklich dürfte dies all«dingS wohl nirgends geschehen, jL°°ß der dadurch herbeigeführte lledelstand seine Rückwirkung �daS Baugeschäst nicht erkennen läßt. Ein sehr begehrter l01 H�uikehr? Schrieb« Zhnm nicht, Sie de» wohlthun, in Amerika ju bleiben?" $olm fann genau orcht mehr«innen,/«widerte „E.''°e« diese Frage in V«legmheit zu setzen schim. Nick..� 10°uch mcht meine Absicht, nach Europa W*». so lauge ich mir»och kein Vermögen er- dechr.? �atte, und spät«, al« ich es besaß, war d« Brief- V'o,« Herrn Rabe abgebrochen. D« Kamm«diener, iekt wich ausgesagt hat, war ein schlechtes Sub- klch"j�.W sich jetzt nicht mehr beweism/ fiel Sieg- Ku™** Wort,„und selbst wenn es bewiesen werden jzhl,.' �urde es an d« Aussage selbst nicht« ändern. Sie sür die Farm 500 Dollars, nicht wahr?" "gy gtfjchr," nickte d« Amerikaner. *3attohl/tWe mu�'e no,üt� �oar g�ahlt w«den?" 1 wöchte ich Sie fragen, woher Sie da» Geld 7(v,B d�den. 500 Dollar« sind nach uus«em Gelbe Jöttt i/, �dal«. Im ersten Vnhör«klärten Sie, sür die �Ugea erhalten zu hoben, Ihre Ersparnisse be- i di-kiL.- also besaßen Sie in Summa 350 Thal«. r*«* u'fm®«lbe mußten Sie die Reisekosten für zwei Ptt- Raiten e.®uB*tbein alle nöthigm Anschaffungen drübm be» �üvin,» wußten fern« eine nicht ganz unbedeutende %'Wmüw Hand behalten, um für die erste Zeit Nah- /oiuie..laufen zu können, e* dau«te jedmfall« mehr«e �Ufte,# 1)18 Sie auf Einkünfte au» d« Farm rechnm �gsriede��laner halte vor dem durchdringmdm Blick »ich klagen niedngeschlagm,« konnte feine V«. %"h* Jhnm°rtn"uchten, daß Sie üb« diesen Punkt ä*» Ä kommen/ fuhr der Assessor fort; mir die Wahrheit, Sie müssen es, wen» föt c. �"d, denn au« dies« Frage läßt sich ein neu« a. Schuld schmieden." ~•' eya Ar cy»'' WUW U« 3hte Schuld schmieden." Werne Schuld?* fragte Halm verwirrt.„Zst denn Artikel ist dies« Bauschutt bei d« Anlage neu« Sttaßen, wo er zur Auffüllung sowohl, wie zm Befestigung des Untergrun- deS Verwendung findet. Uns«e Kommunalverwaltung wäre dah« wohl in der Lage, dem«wähnten Uebelstande gegen- üb« Abhilfe zu schaffen, indem ste mit der Anlegung längst projeklirter Sttaßen vorginge, die zwar im Bebauungspläne figuriren, die von den Bewohn«» der Nachbarschaft auch dringend gewünscht werden, deren Offenlegung ab« noch auf Jahre hinaus ein fromm« Wunsch bleiben zu sollen scheint.— Man scheint in solchen Fällen immer erst die opferfreudige Anregung d« interesfirten Grundstücks- befitzn abzuwarten; allem wir find überzeugt, das Resultat wäre für die Kommune daS gleiche gewesen, wmn fie ihr«- felis die Initiative«griffe. Es ist nnm« schwer, zahli eiche Besitzer zu einem gemeinsamen Antrage zusammen zu bringen, aber über den behördlichen Vorschlag läßt fich leicht« eine Einigung«zielen. Die Direktion der Stadt- und Ringbahn hat gegen- wärtig provisorisch auf dem Stadtbahnhof Fciedrichstraße die Einrichtung getroffen, die Billet« nicht nur einfach zu durch- lüchern, sondern den Anfangsbuchstaben d« Abfahrtsstatton(für Friedrichstraße also F) vollständig auszuschlagen. Es soll vor- gekommen sein, daß von Paffagieren ein und dasselbe Billet mehrfach verwerthet worden ist. Femer macht daS BetriebSamt bekannt, daß die an den Schaltem in diesem Jahre gelösten BilletS am 31. Dezember d. I. ihre Gilttgkett verli«en. Die- selben werden biS zu dem gedachten Termine an jenen Schaltem gegen gleichartige für daS Jahr 1886 giltige umgetauscht, an Venen ste gelöst worden find. Ein neues Schlafmittel. An der medizinischen Klinik zu Gießen find, wie d« ,,T. R." geschrieben wird, unter Leitung von Prof. Riegel höchst int«essante Untersuchungen über neuere Schlafmittel vom Asfistenzart Dr. Stick« vorge- nommen worden. Bekanntlich haben die biSber bekannten Schlafmittel, daS Morphium, Chloralhydrat und Bromkali, mannichfache Uebelstände, die ihre Anwendung bei manchen Krankheiten und bei manchen Personen ausschließen. DaS soll nun bei dem wichtigsten d« neu«en Mittel, dem Urethan, durchaus nicht der Fall sein. DaS Urethan, ein dem Hamstoff chemisch verwandte«, aber aus appetitlicheren Stoffen darge- stellte« Mittel, ist na» Dr. Stickn's Bericht in der„D. Med. Wochenschr." von nicht unangenehmem, an Paraffin erinnem- dem Geschmack, wird zu mindesten« 1 Gramm gegeben, schadet ab« auch in Gaden bi« zu 4 Gramm nicht im mindesten. Seine beste Wirksamkeit soll eS bei einem ganz mod«nen Uebel, der nervösen Schlaflostgkeit, entfalten, ad« auch bei jen« Schlaflostgkeit, wie fie»m Gefolge von schwächenden Krankheiten austritt. Beruht jedoch die Schlaflofigkeit auf starken Schmerzen, so ist es weit wenig» wirksam als das Morphium. j. Zur Warnung. Der berüchttgte LotterielooS-Schwind- ler Louis Strötzel, welch« früher schon hi« wegen solcher Gaunerstücke gerichtlich abgestraft worden ist, beschäftigt wieder einmal die Sicherheitsbehörde, die ihn nach seinem plötzlichen Verschwinden au« Berlin steckbrieflich vnfolgt. Es hieß.« habe fich nach London oder Amerika begeben. Sicherem V«- nehmen nach hat er jedoch in Zürich ein Kommisfion«- und Agentur-Geschäft gegründet mit d« ausgesprochenen Abstcht, von dort aus Deutschland zu brandschatzen. Er wandte fich zu diesem BeHufe an einen hiesigen Bekannten mit dem Er« suchen, ihm dabei in der Weise behilflich zu sein, daß er üb« ihn auf Anfrage gute Referenzen ertheile, und versprach ihm für jeden derartigen Liebesdienst einige Mark Vergütigung. Da nun anzunehmen ist, daß Sttötzel bereits mit vielen Fir- men Deutschlands Verbindungen angeknüpft bat, um fie zu prellen, so wird hiermit im öffentlichen Interesse dringend vor diesem Hochstapler gewarnt. Er gehörte früh« zu d« nicht ein- getragenen Firma A. Sttötzel jr. und wohnte Echönhaus« Allee. Er betrog damals durch Agenten, die n fich auf der Sttaße aufzulesen pflegte, zahlreiche Leute, indem er ihnen unter der falschen Vorspiegelung jedesmaligen Gewinnes Prämien- Antheilscheine zu»«doppelten Preisen anschmierte. E« wird vermuthet, daß er fich neuerdings wieder mit ähnlichen Loo«- schwindeleien befaßt. Wie verlautet, wird seine Auslieferung wegen der hier noch schwebenden Anzeigen maßgebenden Ortes v«iangt werden. In einen Handschuhladen in Schöneberg, in welchem allein ein junges Mädchen anwesend war, kam am Donnerstag in d« Mittaastunde ein Schlächterlehrling in Begleitung eines etwa 12 jährigen Knaben, welche ein seidenes Halstuch zu kaufen verlangten. Die Verkäuferin legte ein Paket Halstücher vor zum Preise von 4 M. daS Stück. Dieselben entsprachen nicht dem Geschmack d« Burschen, und als die Verkäuferin fich umwendete, um andere auS dem Regal zu langen, legten die Burschen das Paket in die mitgebrachte Schlächtermulde, entfernten fich aus dem Laden und eilten die Chauff« entlang nach Friedenau zu. ES wurde sofort Lärm gemacht, und die Diebe von Beamten verfolgt. Diese Bemühung schien resultat- los vnlaufen zu sollen, und befanden fich die Verfolger bereits auf dem Rückweg, alS ihnen die Burschen von einem Neben- wege her entgegenkamen. Die Diebe wurden nun festgenom- d« Doktor Wieland b«aubt worden? Im«ste« V«hör haben Sie mtt gesagt, da» Verbrechen könne nur ei» p«sön- lich« Racheakt gewesen sei«, da ein Raubmord nicht vor- liege—" „Anscheinend lag« allerding« nicht vor," fiel Sieg- fried ihm in die Rede,„man fand in den Taschen d« Leiche Uhr, Börse und Portefeuille. Ab« kann da« Portefeuille nicht eine große Summe enthalten haben? Diese Frage muß jetzt aufgeworfen werden, nachdem durch Ihre eigene Autsage d« Beweis geliefert ist, daß Sie im Besitz em« Geldsumme waren, üb« d«en Erwnb Sie sich nicht ausweisen können. Der Doktor Wieland war ein vermögend« Mann, er konnte am Tage vor jen« Nacht da» Geld eingenommen und in die Tasche gesteckt haben. D« Mörder hat dann da» Portefeuille durchsucht, das Geld her« »»«genommen und—' He« Assessor, da» sind doch wohl nur Vermuthungen," erwiderte d« Amerika»«, dessen Lippen jetzt wied« ein trotzig« Zug umzuckte.„Vermuthungen, die erst dann begründet wäre«, wen« mtt da« V«brechen bewiesen würde/ „Sie wollen mtt also nicht sagen, von wem Sie da« Geld erhalte« haben? Bedenken Sie die Folgen wohl, eine offene Antwort kann möglicherweise zum Beweis Ihr« Unschuld führen, Verstocktheit dagegen würde, wie die Dinge jitzt liegen, die Anklage erschw«en." Wied« schweifte der Blick de« Gefangene« durch da« hohe g«äumige Zimm«. „Herr Rabe hat mtt da« Geld gegeben/ sagte« nach ein« Pause. „Wie groß war die Summe?" .1000 Thal«." „Und wa« onanlaßte ihn dazu?" „Da« darf ich nicht sagen." „Ueb«lege« Sie Ihre Worte wohl!" ,E« ist ein Eeheimniß, welche« ich nicht enthülle« w«de." Siegfried schüttelte mtt ernst«, warnend« Miene da« Haupt, ei fiel ihm unsäglich schw«, seine Erregung zu be- meistern. me«. In der Mulde fand man nicht nur die Tücher, sonder» noch eine Menge Epielwaaren. Heber den Erwerb der Sachen befragt, gaben die Burschen noch anfängliche« Leugnen an, daß fie diese auf verschiedenen DiebeSfahrtm in Berlin au« Epielwaarengeschästen entwendet, und da fie dieselben nicht nach Hause bringen dürfen, auf dem Nebenwege in einen Sttinbaufen versteckt hatten, wo denn auch noch mehr«« an« d«e Gegenstände gefunden wurden. Beide Bengel, von denen dn eine 15, der andere 13 Jahre zählte, find der EtaatSan« waltschast üb«geben worden. g. Die verhänanißvolle Eisenbahn- Katastrophe, welche fich am 2. d. M. bei der Ueberführung d« Stettin« Bahn üb« die Prenzlau« Allee«eignete, soll, wie ein Bericht» erstatter schreibt, thatsächlich durch die Nachläsfigkeit deS bi« stalionirten Bahnwärters entstanden sein. D« fahrläsfige Beamte steht daher seiner strengen Bestrafung entgegen. Dies« traurige Fall, bei welchem zwei junge Menschenleben nur durch ein Wunder dem Tode entronnen(der eine d« jungen Frieficke'S erlitt bekanntlich schwere Verletzungen), zeigt wieder» um, wie überaus gefährlich die Eisenbahnübnführunaen üb« belebte Kommunikationswege find. Kann man dieselben nicht gänzlich beseitigen, so ist dringend erford«lich, daß man an d«artigen gefahrlichen Stellen die umfangreichsten Sich«heits- Vorkehrungen tteffen müßte, um unter allen Umständen Un» glücksfälle zu verhüten. Gerade an der bezeichneten Stelle findet bei d« am Morgen noch herrschenden Dunkelheit ein starker Verkehr von Fuhrwerken statt, welche mit Lebensmitteln beladen nach Bnlin kommen. Wie uns ferner mitgethellt wird, find von d« kal. Eisendahn-Direktion jetzt Maßnahmen gettoffen worden, welche die Wiederholung eineS Unglücks an der gedachten Ueberführung wenig wahrscheinlich machen. Kowaltki hat sich letzthin in einen Widerspruch verwickett. Er hatte behauptet, die an seinen Kleidern vorgefundenen Blut» flecken rührten von einer großen Schlägerei her, nach der er in Fürstenwalde(wegen Körperverletzung) eine stebenmonatliche Gefängnißsttafe abgebüßt bat. In Fürflenwalde ab« hat die Gefängniß-Jnspeftion mit Bestimmtheit bekundet, daß Kowalski'» Kleider gleich nach sein« Einlieferung gründlich g«einigt worden seien und daß etwa vorhandene Blutflecken fich« sorg- fällig daraus entfernt worden wären. Der Kellner Kreutz- derger hat fich noch imm« nicht ermitteln lassen; man nimmt an, daß er fich verborgen hält. Möglicher Weise hat« die ihn betteffende Notiz in den Zeitungen als eine Art Steckbrief aufgefaßt. Der Direktor der Kunst-«nd Gewerbehalle, Herr Fischer, hatte bei der Strafkammer deS Landgerichts l. gegen seine Verhaftung Beschwerde erhoben und Freilassung gegen Kautton beantragt. Die Etrafkammn hat indessen den Hastbefehl deS UntersuchungsrtchtnS bestättgt. Der Prozeß wird erst nach mehreren Monaten zur Verhandlung kommen, da die Untersuchung noch lange nicht abgeschlossen ist. Wiener EafS«. Wir haben bereits vor einig« Zeit auf die au« verschiedenen Gründen bedenkliche Vermehrung d« Wiener Cafes, die durchaus nicht dem Bedürfnisse entspricht, hingewiesen. Bnlin wird förmlich mit solchen Lokalen üb«- schwemmt und ein Ende dieser Kaffeehaus. Epidemie ist gar nicht abzusehen. Wie eine hiefige Korrespondenz meldet, sollen zum 1. April wieder neun Wien« CafeS«öffnet werden. Polizeibericht. Am 5. d. M. Nachmittags g«ieth in d« Bisquitfadrik auf dem Aktien-Viehhofe der Arbeiter Meyer beim Reinigen der Walzen einer Teigbrech. Maschine mit d« linken Hand zwischen die Walzen und erlitt dabei eine derartige Quetschung des Unterarmes, daß er nach dem LazamS-Kranken» hause gebracht und dort der Arm amputirt werden mußte.— Am 7. v.M. Vormittags wurde ein Mann in der Rosenthaler« straße durch eine Droschke überfahren, wobei« solche Verletzungen erlitt, daß er mittelst Droschke nach sein« Wohnung ge» bracht werden mußte.— In d« Nackt zum 7. d. M. fand in der Georgeniirchstraße zwischen mehrerm P«sonen eine Schlägerei statt, bei welch« ein Mann mehrere Fleischwunden im Geficht, sowie einen Bruch des Nasenbeins«litt, so daß« nach dem städtischen Krantenhause im Friedrichshain ge- bracht werd-n mußte.— Am 7. dieses Monats Morgens wurde ein Mann in sein« Wohnung in d« Frank- furt« Allee«hängt vorgefunden.— An demselben Tage, Nachmittags, wurde beim Abbruch eine? KlosetgebäudeS auf dem Grundstück Gartenstraße Nr. 3 der Arbeiter Vogel da« durch auf der Stelle getödtet, daß plötzlich eine Wand um» stürzte und er von einem etwa 4 Zentner schweren Mauerstück getroffen wurde. Außer ihm wurde auch d« Arbeiter Brom» mont dabei von der Mauer getroffen und am rechten Ob«» schenke! schwer verletzt.— Um dieselbe Zeit fiel der Arbeit« Hasse beim Besteigen eines mit Kies beladenen WagmS in d« Reichenbergerstraße wieder herab und wurde überfahren. Er erlitt so schwne Verletzungen am Unterleib, daß« mittelst Droschke nach Bethanien gebracht werden mußte.— An demselben Nachmittage fiel auf dem Neubau Bülowstraße Nr. 40 ein Zimmergeselle beim Umlegen eineS Balkens auS dem dritten bis in dm den«stm Stock hinab und«litt dabei so schwere Verletzungen, daß er nach dem Elisabeth-Krankmhause gebracht werden mußte, wo« kurze Zeit darauf verstarb. dem Mit Sie Ab- da- G«ade diese« Geheimniß, dessen Existenz« längst ge- ahnt hatte, war eS, wa« er«gründen wollte;« hoffte, daß e« ihm gelingen werde, einen Blick hinter den dunkle« Schlei« zu werfe«, ab«« fühlte auch, daß« dem Am«- rikaner nicht verraihen durfte, welchen W«th« darauf legte. „Ein Geheimniß?" wied«holte« scheinbar zweifelnd. „Natürlich bezieht e« fich aus jene« V«brechen?" „Nein, Herr Assessor." „Welches andere Geheimniß könnten Sie mtt Brud« d« Generalin von Stuckmann theilens einem Manne, d« damals üb« die Achsel aus den armen Tagelöhn«, hinunt« sah? Ihre baldig« reise nach dem räthselhasten V«brechen zeugt ja auch sür—" .Und doch find alle diese Vermuthungen falsch/ sagte d« Angeklagte, d« jetzt wieder ruhiger geworden war. „Uebn den Thäter jene« Verbrechen« v«mag ich nicht die mindeste Auskunft zu geben, und ich schwöre bei Allem, wa« mtt theuer und heilig ist, daß ich selbst frei von Schuld bin." „Damtt kommen Sie nicht durch,"«widnte Siegfried, „ich habe diesen Schwur schon oft aus dem Munde eine« V«brecher« vernommen, dn spät« selbst da« Geständniß sein« Schuld ablegte/ D« Amerika«« warf da« Haupt zurück und sah de« Untnsuckung«richter mit einem ernsten, vollen Blick an. „Können Sie wttklich glauben, daß ich ei« gemein« Vnbrecher sei?" fragte er. „Was ich glaube, sage ich Ihnen nicht/«widerte d« Assissor,„Sie werden wohl selbst wissen, daß d« Untersuchungsrichter so lange an die Schuld de« Angeklagte« glaubt, bis das Gegentheil bewiesen ist. Und ohne Grund wird Niemand angeklagt, ein V«dacht muß stets d« Anklage vorh«gehe«. Hier aber liege« so viele VndachtS« gründe vor, daß in d« Beweiskette kaum noch ei« Glied fehlt, und ich will Ihne« nicht v«hehlen, daß Sie jedenfalls v«urtheilt werden, wenn e< Ihnen nicht gelingt, die Beweis« zu entkräften." (Fortsetzung folgt.) und Strinplwaaren-Fabrlk Oranienstr. 166 Parterre u. 1. Etage. Tücher tn Zephyr, Castor, Plüsch, Mohair, Mooswolle attb Velour in allergrößter Auswahl. Damen- amd Kinderweste» mit amd ohne Aermel von 1 Mark a» bU p den feinsten Qualitäten. Kiuder-Trieata in Wolle, Vigogne und Baumwolle von 60 Pf. an. BP r i v hj qa Oranicnftr. 166 Ii H L 1 N»U. Pgxterre«. 1. Etage. Filialen: 1. Alexanderstraße G9 am Alexander-Platz. 2. Invalidenstraße 112, Ecke Ehausseestraße. s Oranienstraße 207, ris-a-vi» Ptanteuffelstraße. 41. Skalitzerstraße 108. «amisal», Kewki-id-r und Dchmeißs-tke«. Kyste« JSs-r. ;« Original« Preisen. Grie-t-Tatlle» tn hochelegantester Ausführung in jeder beliebig Farbe und Qualität. 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Medizinal» M Herr Dr. Schulz, eröffnete um 6'/« Uhr die 58er« gmmlung mit einer Mnfpi ache, in der er des verstorbenen «ladtverordneten Vorstehers, Herrn Dr. Etraßmann, lt. Seine warmen, mit bewegter Stimme gesprochenen orte, welche die Versammlung stehend anhört, lautete etwa endermahen: Meine Herren! Eine Veiänderung ist ein- -rten, d>e tief eingreifen muff nicht nur in die Verwaltung. lv«rn auch in unsere Herzen. Der Vorsteher, für den wir te urspiünglich nur einen Vntr-ter wählen wollten, ist nicht Sim Freitag, wo ich diese Versammlung einberief, war die größte Hoffnung auf seine Erhaltung. Am Sonntag, 5. � Uhr Vormittags, ist er hingeschieden. Seine Eltern Men in beschränkten Vert ältniffen. Er hat die Gaben des und Herzens, die ihm in die Wiege mitgegeben, nicht «halten, sondern weiter ausgebildet. Er nudirte Medizin, � seine Liebe zum Wohlthun ihn m einem Studium drängte, � den Menschen H l'« dringen will. Nach mancherlei Fahr- Meiten, die ich hier nicht erwähnen will, kam er hierher und ffch in Berlin als Arzt nieder. Bald zog ihn sein Sinn 'em, was die Stadt will und zu dem, was die Menschheit u. Schon im Jabre 1863 wurde er Mitglied dieser Ver- >mlunp. Nach 12 Jahren hatte er die Liebe und das Ver- rren der Versammlung in so hohem Grade sich erworben, 1 er zum Vorsteher der Stadtverordneten-Versammlung gewählt ade. Was er als solcher gewirkt hat, wird bekunden, daff » immer zumV orsteher wiedergewählt w urde und es geblieben wäre, ei H""och länger gelebt hätte. Aufferdem hat er fich große Ver- 'onste um die ganze Bürgerschaft erworben durch Realifirung ner Idee, die allerdings schon vor ihm bestand, die aber noch .�Ner ausführen unternommen hatte. Jedenfalls ist eS er- M und segensreicher, Leute vor der Verarmung zu schützen, 7°.. ne aus der Armuch wieder emporzureihen. Diese nicht ooüzer iche Armenpflege realifirte er im„Verein gegen Ver- j®""« und Bett lei". Dies ist ein so groffeS Verdienst, daff kaum ein gröfferes an die Seite geletzt werden kann. zusende unserer Mitbürger find so über Waffer gehalten war ».?> find brauchbare Mitglieder der Gesellschaft geblieben.— LU» er uns als Vorsteber war, werden Sie wiffen. Der hohe seiner wiffen schaftlichen und finlichen Bildung befähigte ä" lu einer unparteiischen Geschäftsführung selbst unter den Vwrerigsttn 58erhältnisskn. Auch in den Kreisen seiner Mner wird anerkannt werden, daß er groß genug dachte, stch alte feindlichen Stiömungen hinweg zu setzen, daff er i.'i'tm � nahe getreten ist, der anderen politischen Anschauungen als er. Ich habe eine ganze Reche von Stadtverord- l�oorfteber kennen gelernt, da ich seit 1848 in dieser Ver« �mrnlung fitze. Ich habe aber keinen kennen gelernt, der so �ft-rffmonn seines AmteS waltete. Dies verpflichtet uns Iifften Dankbarkeit und ich bin überzeugt, daff Sie alle .oi mit mir einer Anficht find. Zum Schluß habe ich nur Haj-' M,U ilHk VMtt«.|u»v. vui__ ' Ii», i�ntn Wunsch hinzu zu fügen: Gehen Sie vor fichtig bei � bevorstehenden Wabl eines Vorstehers dieser Versammlung � Werke. Hüten Sie stch, durch eine verfehlte Wahl den Nagel "iuschlagen in den Sarg der Selbstverwaltung. : Etadtv. Dr. Horwitz: Meine Herren! Nach de« Worten ?"Nks verehrten Vorredners, der am besten in der Lage war, .tn Gefühlen unseres Schmerzes um den Verlust unseres Amts» hoffen, Führers und BeratherS Ausdruck zu geben, wäre es i�"g'M«ffen von mir, an dieser Stelle noch mehr zu er- Nur eins sei mir zu sagen gestattet: Straffmann 5?� ein Fanatiker der Pflichttreue. Er hat die Kräfte seines 5°chels verzehrt im Dienste für das Gemeinwohl. Er ist im Mi gestorben. Und noch einS ist zu bedenken. Wo nahm �"llffmann die Kraft her zu seiner Thätigkeit V Erinnern z>".UNS derjenigen, die am tie ften berührt werden durch den �rlust deS trefflichen ManneS, denken wir an seine Familie, Jttne treue HauSfrau, welche in Wahrheit die Gemeinschaft ganzen Lebens mit ihm theilte und die ihm Kraft, An- Sgffig und Ausdauer für sein Wirken gab. Ich glaube Ihrer LiMmmung, meine Herren, ficher zu sein, wenn ich Sie bitte, Jfi(t, Wittwe den Ausdruck unseres herzlichsten Beileids zu .".Mitteln und ich erlaube mir, Ihnen den Entwurf eines Briefes «rzul-n-n(Redner verliest ein Schreiben an die Wittwe deS -— r..rann, das derselben unter Würdigung der Verdienste �«erstorbenen die Theilnahme der Versammlung verfichert.) Sir'1«.8™'(Redner verliest ein Schreiben an die Wittwe des Q'«traffmc.....""- sj----->— 3uiM 4"'r—, btn � BeileidS erhebt stch die Versammlung von ��folgt die Wahl eineS interimistischen Vorstehers, der Ii, IL Von Eduard Z i l l i n g e r. Wreotai) fcth�x" tn�"' düsterer Tefänguißhof. Ringsherum hoch- tgzßj � verwttterteS Gemäuer mit nur etlichen unregel- "knheitten, stark vergitterte» Luken; oben ei» winzig dütf,, n H'wmel und unten in einer Ecke ein einziges IjgJ J8 grünende« Bäumchen. Oed«, abstoßend ist der U»d ,°der ein Gefängnißhof braucht auch nicht freundlich (o Hz?«�dend zu sei». Ei» Tefäagniß— wie die Menschen 'verberge... ffedtzto neben dem Schuppe» sägt Einer Holz. Eine »tit.j grauer SttäflingSuniform steckende Gestalt ftim.nk'"""'"'siven, glattzeschorenen Kopfe und brutale«, g" sichtszügen... Ei» Lebenslänglicher. W' knuß abgesondert arbeiten. Die Diebe, Defrau- dtejns.' �wbrecher lehnten sich dagegen auf, mit dem ge- flen«!. J11 arbeiten und der Verwalter war tolerant di«£'?nen in dieser Beziehung Gehör zu geben. Auch "«rmi-k w Gesellschaft verbannte und in Tt fangen Häuser � ib,!?' hat ihre Distinktione«, ihr Ranggcfühl dirt. ä'honnsur. Sie habe» gestohlen, d.frau- ihre»»"'Ükbrochk», allein kein Tröpfchen Blut klebt an hat ,,.wmn— der aber ist ein Mörder... Wohl »Urb; Äl'»"»♦, mdeß lag feine Schuld klar zu Tage, % �«wiesen, in jedem Punkte überwiesen... Uftnei- T Mödzr. dem Lebenslänglichen. wolle» sie»,cht- zl habe». fcÄ Vi» M N» tziA Nicht,'« ist ihm ei» Ding. bis zum 1. Januar nächsten Jahres die Geschäfte der Ver- sammlung zu leiten hat. Abgegeben werden 108 Stimmzettel. 4 fino undejchrieden. Es erhalten Strdiv. Dr. S t r q k 63 Etimmm, Epinola 18 Stimmen, G i e r s ch 10 Stimmen, Dr. Langerhans 5 Stimmen und Dr. Kürten 1 Stimme. Gewählt ist mit- hin Herr Dr. Stiyk. Herr Dr. S> r y k nimmt die Wahl mit einigen DankeS« worten an und ersucht die Versanmlung, zunächst sich zum Danke für die Geschäftsleitung deS Geheimraths Dr. S ch u l z von den Plätzen zu erheben. Geschieht. Die nächste Veisammlung wird hierauf auf Donnerstag festges.tzt. Nach einigen Mittheilungen deS Vorstehers Dr. Stryk, die stch auf die Leichenfeierlichkeiten bei der Beerdigung deS Herrn Dr. Straffmann beziehen, ist die Tagesordnung er« schöpft. Schluß 7'/« Uhr. »$ w. Sämmtliche städtischen Bnreaux werden heute deS BegräbniffeS des verstorbenen Stadloer ordneten' Vorstehers Dr. Etraffmann wegen von 10 Uhr Vormittags geschloffen. w. In der außerordentlichen MaaiftratSsttznng vom Dienstag wurden die im Etatejahre 1886,87 neu- resp. umzu« pflasternden Sttaffen ausgewählt. Nach dem Etat der städtischen Baudeputation find hierfür 3 000000 M. auSge- worfen, wozu noch 120 000 M. für im ElatSjahre 1335/36 de- rettS deschafften Materials treten. An Neupflasterungen sollen im Ganzen 19 435 Quadratmeter ausgeführt werden.— Diejenigen Straffen, in denen im Jahre 1886/87 neue Pferde- bahngeleise angelegt werden, sollen bei dieser Gelegenheit zur Umpflasterung mit definitivem Materiol gelangen. Es find das diejenigen Siraffen, welche von den folgenden Linien be- rührt werden: Aesundbrunnen-Wcdding-Moabit, Jerusalemer- i straffe von der Kronensttaffe bis zur Lindenstraffe, Lützowvlatz- Bülow-, Nock-, Bärwald', Pnnzenftraße, Chaussee-, Jnva- lidenst aße Kastanien-Allee, Schönhauser Allee. Es werden in diesen Straffen, ügen etwa 28500 Quadratmeter mit Steinen und 18500 Quadratmeter mit Asphalt gepflastert werden. Nach Abrechnung deS von der Großen Berliner Pferdeeisenbabn- Attiengesellschast zu dieser Pflasterung zu leistenden Zuschusses betragen die Kosten 690000 M. Hierzu kommen für Steine 2. und 3. Klaffe 230000 M., für Steine 4., 5. und 6. Klaffe 300000 M., für Arbeiten auf dem Depotplatze III 300 M., für Regulirun g und Ausführung kleinerer Pflasterungen 40 000 M-, zur Beseitigung tiefer Rinnsteine 75 000 M., so daff also diese Pofitiomn die Gesammtsumme von 1 706 300 M. erfordern. Der Magistrat genehmigte die Vorschläge der Bau- deputation und wird dieselben der Stadtverordneten- Versamm- lung zur Beschlußfassung vorlegen. g. In Kurzem steht eine«mfangreiche Revifion de« Berliner Boltsbibliotheken bevor, welche große Auswen- düngen für Bücheranschaffungen nothwendig wachen wird. Nach Abzug der Ausgaben für das verflossene Geschäftsjahr blieb ein Bestand von 2722 Mark 85 Pf. übrig, welcher aus dem obigen Grunde nicht zinstragend angelegt wurde. AlS Vermögen des VolkSbidliothekenfondS befinden fich im Magi- strats D'pofitorium 1. eine hypothekarische Obligation über 30000 Mark, welche vom wiffenschaftiichen Verein als eisernes Kapital bestimmt und als solches mittelst königl. Verordnung bestätigt worden ist. Die Zinsen dieses Kapitals kommen dem VerwattunaSkonds zu Gute. 2. Berliner Pfandbriefe zu 4'/, pCt. über 1500 Mark, welche ebenfalls vom wissenschaftlichen Verein beigetragen und als Reservefonds zur Gründung neuer Volks- bidliotheken bestimmt find. w. Die Durchlegung der Straße Nr. 5 von der großen Frank-urterstraffe nach der Palltsadenftraffe resp.»Fiiedrichs- dergerstraffe wird immer mehr ein Bedürfniff für die dortige Gegend. Durch diese Straffenanlage wird die Verbindung zwischen dem Landsberger Thorr und der AndreaSstraffe resp. der durch letztere zu erreichenden Stadtgegenden bedeutend verkürzt. Zur Erreichung dieses Zweckes haben Bewohner der Friedrichsdergerftraffe eine mit zahlreichen Unterschriften de« deckte Petitton an den Magistrat um endliche Anlegung der Straffe 5 gerichtet. w. Für die Regulirung und Pflasterung der Prenz- lauer Allee ist die Ausstellung eines Projektes der Neuein« thcilung dieser Straffe von der Lothringer- bis zu: Danziger» Slraffe erforderlich geworden. Es soll hiernach die Straffe eine Mittelpromenade von 6,20 w, zwei Fahrdämme von je 8,50 m, zwei Bürgersteige zu je 3,50 rn Breit« und Borgärten zu beiden Seiten von je 9,40 w Breite, also eine Gesammt breite von 49 w zwischen den Baufluchten erhalten. DaS kgl. Polizeipräsidium hat jetzt dem Magistrat mitgctheilt. daff der Mrnister der öffentlichen Arbeiten stch mit dieser Etraffenein- theilung einverstanden erklärt habe. UeberdieS ist er nicht so gan, allein. An dem Pfosten der eisenbeschlageuen Thüre, welche auS dem Hofe in die Zellen führt, steht der ihn bewachende Soldat, die Arme auf den Gswehrlauf gestemmt, de» Kopf darauf gedrückt, sinnend vor sich hin blickend. Vielleicht denkt er an die dralle Magd des Fleischers unten im Dorfe am Markte, mit der er zu- weilen de« Abend», wen» er gerade dienstfrei ist, am Strom- ufer entlang schlendert. Da huscht's an dem Soldaten vorbei; ein kleine«, etwa fünf Zahre zählende« Mädchen ist's, in kurzem Röckchev, mit blauen Aeuglei», goldene» Löckche» und einem Blüthenbüschel in Händen, ein äußerst bewegliches Figürche», das kleine Töchterchen deS GefavgenhauS- Inspektors. Die Kleine ist noch nicht schulpflichtig und hat, da sie auch vollständige Freiheit genießt, genug Zeit und Weile, fich im Gefangen Hause herum zu tummeln, wo sie tagsüber bald hier, bald dort springend und singend auftaucht. Niemand achtet ihrer und sie guckt unbeirrt in die Zelle», spielt mit Kette» und nickt den Verbrechern zu. Am liebsten weilt sie aber bei dem alten, mürrischen Gesellen, dem Mörder, dem Lebenslänglichen. Der hat ihr'« ganz besonder« angetha». WaS zieht da« schuldlose Kind zu dem schuldbeladene» Gefangene»? Auch ei» Räthsel... Tag für Tag kommt die Kleine zu dem wüste», stumpfe» Alten, der nicht scherzen und nicht fteundlich thun kann, der auch zu ihr nicht spricht und sie noch nie ge- liebkost hat— und doch huscht die Kleine zu ihm und bringt ihm fast täglich Blumen. Er hat vorher nie etwa« von Blumen gewußt, jetzt erst weiß er von de« bunten Divgcrn, die so gut riechen... Der Gefangene läßt, da der Wachmann eben auf ihn nicht achtet, die Säge ruhen, setzt sich auf ein breite« Scheit, um sich ein Weilchen zu verschnaufen, dabei sich mit dem Zipfel der grobe« Zacke de« Schweiß von der Zokales. Eine genaue Angabe der Einwohnerzahl derStadt Berlin wttd nach Lage der Dinge erst nach einigen Wochen stattfinden können. De: G.und für diese Veriöaeruna l egt— wie der„T. R." geschrieben wird, in einem kleinen Verieben, daS fich in den Anweisungen für daS Zählpersonal findet. Die Distrilskommiffare find in einer gedruckten Instruktion an- gewiesen worden, am 3. Dezember die Zahl der anwesenden Personen anzugeben, während in den für diese Angabe zu be- nutzenden Formularen die Einwohnerzahl gefordert wurde. Auch in der Instruktion an die Revier- Teputirten wurde die Einwobnerzabl verlangt. Da nun die Einwohnerzahl nur die in Berlin wohnhaften Personen, die vorübergehend Ab-resen- den eingerechnet, umfaßt, die Distrikts Kommissare zum Theil aber wobl ihrer Instruktion gemäß die Zahl der Anwesenden, die in Berlin fich nur vorübergehend Aufhaltenden ringe- schloffen, angegeben haben, so ist dadurch daS Ergebniff, da« schon jetzt an die Zentralstelle abgeführt ist, unzuverlässig ge- worden. Ob die angegebene Zahl zu klein ist, richtet stch da- nach, od am 1. Dezember mehr Berliner auswärts oder mehr Auswärtige in Berlin waren- Das letzlere ist wobl daS Wahrscheinlichste. Die vollständigen Zählmatcrialien gelangen erst am 15. Dezember an daS Statistische Amt. Die end- giltige richtige Zahl wird also frühestens in der letzten Hälfte deS Dezember veröffentlicht werden können und jedenfalls um einige Tausend kleiner ausfallen als die jetzt gemeldete Zahl. Die Ziehung der 3. Klasse 178. königl. preußischer Klassen-Lotterie wird am 15. Dezember v. I., Mo aenS 8 Uhr, im ZiehungSsaale deS Lotteriegedäudes ihren Anfang nehmen. Die Erneuerungsloose, sowie die Freiloose zu dieser Klaffe find nach den§§ 5, 6 und 13 des LotterieplanS, unter Vorlegung der bezüglichen Loose aus der 2. Klaffe, bis zum 11. d. Ml«., Abends 6 Uhr, bei Verlust deS Anrechts ein- zulösen. b. Ein höchst originelles Album bat fich der Direktor des städtischen Krankenhauses. Herr Herfordt, in seiner früheren Amtstbätigleit als Direktor deS nun verschwundenen„Ochsen- lopfts" angelegt. ES enthält auf einer langen Reihe von Blättern alle möglichen Typen auS dem Ardeitsbause. Da steht man eine Gruppe zur Aufnahme antreten, eine andere, welche ins Lazareth wandert; eine Gruppe von Damen der taibwelt beim Waschfaß, eine dieser Damen in Gala bei der inlieferung und dann im grauen Anstaltslleide, einen ehe« maligen Referendar als Pflegling der Anstalt, einen gewesenen Schauspieler, eine alte Hospualftin mit grünem Augenschirm, dann wieder charakteristische Typen langjähriger Anstalts- deawten. Und schwermüthig beschließt die bunte Bilderreihe die Szene, wo der Tischler den„Naser quetschet" für einen ver- stordenen ArdeitSbäuSler zimmett. Bezüglich deS Herrn Stöcker theilt die„Krz.-Ztg." heute mit,„daß der Wunsch der„Nordd. Allg. Ztg.", Herrn Stöcker auS der Berliner Bewegung entfernt zu sehen, seiner Erfüllung vielleicht nicht fern ist".„So viel glauben wir jed.nfalls zu wiffen," sagt daS Blatt,„daff der Urbeber dieser Bewegung entschlossen ist, Klarhett zu schaffen, und stch, wenn den von außen hereingetragenen Streitigkeiten nicht ein für alle Male in dem Sinne ein Ende gemacht werden kann, wie er eS von seinem Standpunkt fordern muff, auf die Leitung der„christlich- sozialen" Partei zurückzuziehen." g. Etne interessante Ehescheidungsklage ist dieser Tage einem hiefigen Rechtsanwalt übergeben worden. Auf dem nicht mehr ungewöhnlichem Wege der HeirathSoermittlung hat die Tochter eines hiesigen Hausbesitzers mit dem Inhaber eines Galantericwaarengeschäfts den Ehebund geschloffen; beide sahen zu spät ein, daff die Ehe ein großer Jmhum war. Dem Kaufmann war nämlich seitens der stets optimistisch angehauchten Hetralhsvermittlerin mitaetheilt worden, daß seine spätere Frau ziemlich vermögend sei und der Kaufmann war rücksichtsvoll genug mit seinen Schwiegereltern in sp» über den diffiulsten Punkt, den nervas reiurn, vor der Hochzeit zu sprechen. Aber auch die junge Dame bezw. deren Eltern wurden durch die HeirathSver- Mittlerin in den Glauben versetzt, daff der heirathSlustige Kauf- mann fich in den besten Verhältnissen befände. Dieser gegen- seitige Glaube an die Wohlsttuirtheit war eben der große Irr- thum. Denn bald nach der im August d. I. stattgehabten Hochzeit stellte ei fich heraus, daff der Hausbefitzer durch Hypo« Stirn« wischend. Die Kleine eilt in muthwillige« Sprüngen auf ihn zu und legt ihm den blühenden Hollunderzweig auf die Knie. Der Alte nimmt den Zweig, ohne ein Zeichen von Theilnahme zu äußer», ent- gegen, dreht ihn zwischen seinen Fingern herum, blickt aber ganz blöde und spricht kein Wort. Da« verdrießt die Kleine und mit dem geballte» Fäust- chen wider den kahlen Schädel de« Alten stoßend, sagt sie: „Du bist dumm, Du kannst nicht» sprechen!" Auch da« läßt er, ohne Empfindlichkeit zu zeigen, über fich ergebe»; e« ist ja wahr, er weiß nichts zu sagen. Nun duckt sich die Kleine auf den Boden und rafft mit ihren niedlichen Patschchen Sägespäne auf. „Ich w ll regnen lassen," lacht sie, sich wieder erhebend, und öffnete allmälig ihre Hände über seinem Haupte, daß die Späne auf ihn herabttäufel». „Zst da« hübsch?" Er stiert sie blo« gedankenlos an. O, wie ist er dumm und langweilig! Aber sie schmiegt sich doch an ihn, und rasch wieder etwa« Neue« ersinnend, fegt sie mit den Fingern den gelbe» Blüthenstaub von dem Hollunderbüschel... Zhre Finger sind ganz gelb und sie tippt damit dem Alten auf die Nase. Da« sieht nun frei« lich äußerst komisch au», wie die gelbe Nase au» seinem plumpen, schwammigen Gesichte ragt. Die Kleine weiß sich vor Lache» gar nicht zu faffe» und bricht immer neuerding» in helle» Kichern au». Die Blauäuglein blitze« ihn gar munter an und wie sich die Kleine enger an ihn schmiegt, fühlt er deutlich ihr kleine« Herzchen an dem seine« pochen, Schlag um Schlag.... Und da ist'« ihm schier, als regte sich ein Gleiches in ihm, al« erstünde auch ihm etwa« da drinnen— und sei« Herz pocht bald in rasche«, kurze«, bald in schweren, zögernde« Schlägen... Er erbebt, zitiert... ihtkenadlösung und Ausfall von Mietben in arge Geldver- legenheit gedrängt war und nicht einmal wenige 100 Thaler hergeben konnte, welche der Schwiegersohn zur Befriedigung immer mehr drängender Gläubiger bedurfte. Diese mißlichen B rhältniffe fühlten zu einer ernsten Mißstimmung zwischen den beiden jungen Ehegatten, welche ihren Höhepunkt in der Rückkehr der jungen j�rau zu ihren Eltern fand. Als Haupt- jjrunö der Ehescheidung ist gegenseitige Abneigung(!) ange- r. Auf einen frechen Diebstahlsversuch schien das Manöver hinauszulaufen, das von einem Menschen von ziem- lich zweifclbaftcr Erscheinung am Montag Nachmittag in der Mariannenstraße in Szene gesetzt wurde. Derselbe machte sich an einem dort haltenden Arbeitsfuhrwerke zu schaffen, indem er eines der beiden Pferde vollständig absträngte und die Leine vom Zügel löste, so daß das Thier völlig frei neben der Deichsel stand. Einige Zeit wartete der Unbekannte, und als das Pferd fich nicht von der Stelle bewegte, gab er demselben im Vorübergehen einen Puff in die Weichen. Das Thier ging nun auch einige Schritte auf der Straße vorwärts, doch kam jetzt der Kutscher des Wagens hinzu, dem gegenüber der Fremde stch äußerst roh und brutal benahm, aber schnell verschwand, als mehrere Augenzeugen gegen ihn energisch Partei ergriffen. Da der Patron möglicher Weise sein Manöver noch öfter und mit befferem Erfolge wiederholt, so möge vor demselben hiermit gewarnt sein. � Der Kafsenbote Glase von hier wurde am 5. v. Mts. im Grunewald auf dem Wege vom Güterbahnhof Grunewald nach Charlottenburg von rwei Personen überfallen und von einer derselben aus einer Entfernung von etwa 5 Schritte auf ihn geschossen. Eine 7 Millimeter starke Kugel traf ihn in die rechte Schläfe und fügte ihm eine erhebliche Wunde zu. Nach- dem der schwer Getroffene etwa eine halbe Stunde bestnnungs- los gelegen hatte, raffte er fich auf und erholte fich so weit, daß er noch feine Wohnung in der Oranienstraße zu erreichen vermochte, wo er fich noch jetzt in ärztlicher Behandlung be» findet. Da ihm weder Geld noch sonstige Werthsachen geraubt find, so lag der Verdacht nahe, daß die That von Wilddieben oder Vogelfängern verübt sein könnte, die den Glase in der Dunkelheit für einen Forstbeamten gehalten haben. Es haben in Folge dessen bei vielen berüchtigten Vogelfängern in der Umgegend Hauisuchungen stattgefunden, um zu ermitteln, ob jene etwa im Besitz von Schußwaffen seien, die zu dem Kaliber der auf Glase abgeschossenen Kugel paffen; bis jetzt haben die Nachforschungen jedoch zu keinem Resultat geführt. Alhambra-Theater. Zum Benefiz für Frl. Häser geht am Freitag Karl von Holtei's vaterländisches Schauspiel „Leonore" in Szene. Frl. Häser spielt die Titelrolle. Es steht zu hoffen, daß diese Aufführung ein volles Haus für das allgemein beliebte Mitglied erzielen wird. Da» von der Berliner Liedertafel(Dirigent A. Zander) am 6. November in der Philharmonie gegebene Konzert war recht gut besucht. Die Leistungen des Vereins waren im Ganzen befriedigend; wir gestehen aber ganz offen, daß wir nach den vielen vorausgegangenen Gesummt- und Einzelproben ein anderes Resultat und auch ein anderes Programm ermattet hätten. Der Leiter des Vereins scheint ohne Beschnitt's „Osfian", Krause's„Im Grase thaut's" und Abt's„Vineta", gar nicht leben zu können, denn wo er dittgirte, prangten diese Chöre auf dem Prog'amm. Daß derselbe Weber's Freischütz- Atte, Leise, leise" für Männerstimmen arrangiite und im Konzctt fingen ließ, ist geradezu geschmacklos. Die zwei Volks- lieder, /Jetzt gang i an's Brünnele" und„Morgen muß ich sott von hier", welche übttgenS reckt gut gesungen wurden, find von Silcher und auch von Erl so vottrefflich arrangitt. daß wir dieZandel'sche„Velbefferung" nicht verstehen. Der Verein hat jedem atls eine Zukunft, d. h. wenn er so fleißig weiter arbeitet. Verschweigen können wir nicht, daß kein Chor mit ganz reiner Intonation gesungen wurde. Gerichts-Zeitung. Ein Unglücksfall durch da» Zusammenfahren zweier Pferdebahuwagen lag einer Anklage wegen fahrlässtger Kor- peiverletzung mit Uebettretung der Berufepflicht zu Grunde, welche gestern gegen den früheren Pferdebahnkutscher Hermann Friedrich Wilhelm Gebel vor der zweiten Sttafkammer hie- figen Landgenckts 1 zur Verhandlung gelangte. Der Ange- klagte fuhr am Vormittage des 23. Juli er. einen Wagen der Linie Behrenslraße— Brandenburgstraße. An der Charlotten- und Leivzigerstraßen-Ecke befindet stch bekanntlich für die Linie Behrenstraße-Ecklefisches Thor eine Ausweichung. Trotzdem nun die Weiche für die Fahrt über die Leipzigersttaße hinweg für den Wagen des Angeklagten richtig stand, getteth derselbe auf nicht aufgeklätte Weise in die nach der Leipzigerstraße führende Kurve. In demselben Augenblicke kam an dieser Stelle ein Wagen der Linie Hafenvlay Schloßplatz angefahren und erfolgte zwischen beiden Wagen eine heftige Karam- bolage. Infolge derselben wurde der auf dem Hmterperron des Gedelschen Wagens befindliche Kaufmann Frieficke auS Spandau bis auf das Trottoir geschleudert und Frau Schaper durch Glassplitter ei heblich verletzt. Beide brachten beinahe je 6 Wochen im Krankenbett zu und find jetzt wieder vollständig hergestellt. Dem Angeklagten. derZ bereits über 7 Jahre im Dienste der Pferdebahngesellschaft stand und wegen dieses Unfalls entlassen worden>st, wird die Schuld daran zur Last gelegt, weil er bei dem Entgegenkommen deS andern WagenS Wunderlich, er zittert, wo er doch fei« Lebe» lang nicht gezittert hat. nicht, al« er den teuflischen Plan mit gleichmüthiger Grausamkeit auSsann, nicht, wie da« heiße Blut seines Opfers über feine Hände floß, nicht, als ihn die Häscher mit überlegener Gewalt festnahmen, nicht, wie die Richter mit fürchterlichem Ernste ihr Verdikt sprachen: Lebenslänglich! Lebenslänglich— das da heißt, bei lebe«. digem Leibe begrabe« fem. LebesSlävglich, er verstand auch da» nicht. � schrille MittagSgeläute herüber. Der Soldat erwacht au» feine» Träumen, schultert sei« Gewehr und ruft dem Gefangene« rauh zu:.Vorwärts!" Dieser tritt trägen, schleppenden Gange« de» Rückweg nach der K rkerzelle a«, hart hinter ihm schreitet mit aufgepflanz. tem Bajonnet der Soldat, einen Schritt weiter zurück aber schleicht die Kleine..._____ Die Zellenthüre thut sich auf, fällt in« Schloß zurück, der Schlüssel knarrt— der Gefangene ist wieder in seiner Zelle Unbewußt hat er den Blüthevzweig mit sich ge» nommen, er blickt ihn an— da» duftige Ding ist doch hübsch. Er kauert sich auf seme» Strohsack und begräbt sein Haupt in die Hände. Sein Herz pocht»och immer— da« ist ihm � n?S)a trippelt, mit ihrem süßen Stimmchen ein Lied- che» summend, die Kleine an der Zellenthüre vorbei; ihr Gesang tönt herein, bald stälker, bald leiser— bi« er end- lU� Ueber das�fahle, ausdruckslose Gesicht de« LebenSläna- liche« zwingt sich ei« Lächeln, dabei gleiten aber auch dicke Thränen über stine Wange» herab... Das erste Lächeln, d,e ersten Thränen... O, die Kleine, die Kleine, sie hat femen Auge» Thränen gegeben und seine Lippen lächeln gelehrt! an der Weiche nicht gehalten hat und auch weil er zu schnell gefahren ist. Derselbe desttttt, eine dahingehende Instruktion erhalten zu haben, ferner daß er zu schnell gefahren sei. Der Etaatsanwatt beantragte 3 Monate Gefängniß; der Gerichtshof beschloß aber, die Sache zur weiteren Aufllärung zu ver- tagen. Neichsaerichts-Entscheidung. Hat ein Gerichtsvollzieher bei einer Zwangsvollstreckung bestimmte Gegenstände, unter Hinweis aus dieselben, als gepfändet bezeichnet und darüber Protokoll errichtet, ohne Siegel anzulegen, und sodann fich entfernt, um Leute behr-fS Wegschaffens der gepfändeten Sacken herbeizuholen, so macht stch, nach einem Urtheil deS Reichs- genchts, in. Strafsenats, vom 12. Oktober d. I., der Cxcquendus durch Beiseiteschaffen oder Zerstören jener Sachen in der kurzen Zwischenzeit, während welcher der Genchts- Vollzieher die Transporteure herbeigeholt, der Entziehung aus der Verstrickung schuldig. Warschau, 5. Dezember. Der Nihilistenprozeß, dessen wir bereits mehrfach Erwähnung gethan haben, hat ein nach jeder Richtung hin abnormes Gepräge. Die ganze Angelcgenbei! befindet fich noch in der Phase der Zeugenvernehmung. Um in der öffenttichen Meinung nicht in den Ruf des MrßbrauchS der Gesetze zu kommen, bat die Staatsanwaltschaft zunächst nur, wie bereits berichtet, 29 Personen unter Anklage gestellt, während eine größere Anzahl sog.„verdächtiger" Personen, ohne bis jetzt angeklagt zu sein, seit Monaten, ja sogar seit einigen Jahren in strenger Haft schmachtet. Aus der Zahl dieser verhafteten Nichtangellagten rekrutiren fich diejenigen Personen, welche der Genchtshof als Hauptzeugen den Ange klagten gegenüberstellt. Solcher Hauptzeugen find zunächst 30 ausersedcn. Dieser Zug charakterifirt zur Genüge die Tendenziofität, von welcher das Gericht stch in diesem Prozesse leiten läßt. In Folge solcher Maßnahmen kam es gestern im Gettchtssaal zu recht drastischen Szenen. Unter diesen„Hauptzeugen" befand fich ein Tischler aus Lodz, dessen Vereidigung der Vorstyenve des Gerichtshofes verlangte. Es entspann fick zwischen diesem Zeugen und dem Vorfitzenden folgendes Zwiegespräch: Zeuge:„Ich bin in dieser Angelegenheit selbst schuldig; ich fitze bereits 3 Jahre im Gefängniß und weiß nicht, was mit mir, mit meiner Frau und meinen Kindem passttt. Ich kann den E'd nicht leisten und nichts bezeugen." Vorfitzender:„Das Gericht verlangt von Ihnen kein Zeugniß gegen Ihre Person. Da« Gericht richtet Sie nicht und weiß auch nichts weiter von Ihrer Person; eS verlangt nur, daß Sie gegen den Angeklagten Zeugniß ablegen. Einzelheiten, welche Sie angeben, können Sie oerschweigen." Zeuge:„Ich kann keinen Eid leisten. Man hält mich drei Jahre, man hat mich zu falschen Aus- sagen zu zwingen versucht, und wenn ich gefragt habe, waS mit mir und meiner Familie vorgeht, so hat man mir die Antwort verweigert." Vorfitzender:„Ich wiederhole Ihnen noch einmal, daß es dem Gericht nicht um Sie und Ihre Person geht, wir wollen von Ihnen nur die Schuld der An- geklagten wissen." Zeuge:„Ich kann keinen Eid leisten, denn ich brn nach der Anficht der Behörden Mitschuldiger, obgleich ick mich nicht schuldig fühle." Ober-Staatsantwalt Maraweky: „Da der Zeuge den Eid verweigert, so beantrage ick, dmselben von der Zeugenvernehmung auszuschließen." Staats- anwaltschastsgebilfe Turau:„Für mich ist dieser Zeuge sehr wichtig. Ich schließe mich zwar dem Antrage des Ober- Staatsanwalts an, verlange aber, daß die ftüher gemachte Ausiage deS Zeugen verlesen werde." Die Rechtsanwäkte Spasowic; und Charytonow verlangten vollständige Ausschlie- ßung des Zeugen. Die früher gemachte Aussage des Zeugen wurde allein Recht und jeder rechtlichen Bestimmung enlgehen dennoch verlesen.— Tarauf wurde als Zeuge der Richter Do» browolsli, welcher in der Festung Modlin in Untersuchungs- hast untergebracht ist, in den Gerichtssaal gefübrt. Derselbe machte durch seine bleiche todtenähnliche Gestalt einen recht de- mitleidenSwetthen Eindruck. Nur feine feungen Augen ver- riethen, daß in diesem Gerippe noch Leben vorhanden ifL Zwei von den behufS Zeugnißablegung verhafteten Personen, die unverehelichte Rufiecka, welche mit Baidowski Beziehungen un- terhaltm hat, sowie eine Frau Pohl, find im Hajtgefängniß wahnstnnig geworden. Von der Zeugenvernehmung der ersterm, welche fich als e ne wahre Jammergestalt darstellte, mußte Abstand genommen werden, ebenso von der Verneb- mung der Frau Pohl. Der Ober-Staatsanwalt Morawskt verlangte aber die Verlesung der von der Pohl, die schon lange unzurechnungsfähig ist, b�rettS früher gemachten AuS- sagen. Da von Seiten der Rechtsanwälte gegen die Verlesung dieser Aussagen protestirt wurde, so beanttagte ver Ober- Staats- anwalt, den Gendarmette-Oberst-Lieutenant Bielanowski und Staatsanwaltsgehilfen Turau, welche die Pohl früher ver- nommen haben, darüber zu verhören, ob diese damals unzu- rechnungS'ähig gewesen sei. Trotz deS Protestes deS Rechts- anwalt« Svasow'n, welcher geltend machte, daß der genannte Polizei- Oserst-L eutenant und der Staatsanwaltschiftsgehilfe» von denen die Pohl damals dispssitionS ähig befunden worden ist, ihre Anficht bei Strafe nun nicht ändern könnten, wurden dieselben doch verhört und die Zeugenaussage der Pohl ver- lesen. WaS die Verthciviger anbetrifft, so kann denselben im Aligemeinen keine große Bravour nachgerühmt weiden; die meisten von ihnen zeigen stch äußerst zurückhaltend, eingeschüch- tett durch die im Gerichtssaal anwesenden Zuhörer, welche fast auSnahmiloS auS Personen in mit hohen Orden geschmückten Uniformen bestehen. Der Prozeß wird vorausstchtlich noch 1'/, bis 2 Wochen dauern.__ Soziales«nd Arbeiterbewegung. Die Leistung» kraft und Letstungofähigkeit der Ber- Itner Maurer und Zimmerer zu bemängeln, ist geradezu absurd und dies hat auch diS jetzt Niemand anders gethan, als die„BaugewerkSzeitunq". das Organ der Baugcwrrks- mrister. Daß ein solches Organ mit derlei Mitteln gegen die Ardeiter kämpft, ist zwar nicht schön, jedoch erklärlich, daß aber die„Freis. Ztg." au« dem genannten Blatte derartige An- griffe odne ein Wort der Erwiderung abdruckt, das ist weder schön nock erklärlich. Doch vielleicht haben wir den Schlüssel zu einer Erklärung. DaS Organ der Baugewerksmeister ver- tlitt die Interessen derselben und schimpft deshalb auf die Bau- arbeiter; die„Freis. Ztg." vertritt die Interessen des Herrn Eugen Richter und da fie den unauslöschlichm, meist recht albernen Haß diese« Herrn gegm die Sozialdemokraten kennt d shald muß es die im Gerüche der Sozialdemokratie stehenden Arbeiter der Baugewerbe in Berlin verlästern. Dafür aiebt ja auch die Notiz selbst einen gewissen Anhalt. Hören wir also diese von der„Freis. Ztg." der„Baugewerksztg." ent- nommene Notiz an:„Die neunstündige Ardettszeit ist von den Zimmerern erklärt, die Maurer behaupten zwar vorläussa nock, von dieser Forderung abstehen zu wollen. Wenn der Zimmer- mann nur neun Stunden arbeitet, kann ja der Maurer aar nicht zehn Stunden arbeiten, denn beider Arbeit greift tna in einander. In den Forderungen der abgekürzien Arbeitszeit und des Lobne« von 50 Pf. pro Stunde in Verbindung mit de- Abschaffung der Akkordarbeit komme der echt s o z r a l d e m n- •mV,*'»!» H 1% eine kürzere Arbeitszeit..aerinaere lieistuna" mindestens ist die Behau'vtung% Bezug auf dk O u�a l i' worauf es bei den Bauten besonders ankommt, vollständig un richtig. Wir haben es hier mit der Phrase zu thun, daß bff Maurer uud Zimmerer Berlins aussprechen sollen:„Wir wollen mehr verdienen, aber auch mehr leiste n." Diese» Verlangen ist ebenso unverständig, wie brutal. Wer die Bas' wbeit nur einigermaßen kennt, wer die Anstrenaungen un» Wetterunbilden(Sonnenbrand, Sturm und Regen) nur einigermaßen in Betracht zieht, der kann keine MehrleistM von den Berliner Maurern und Zimmerern verlangen, er m denn ein interesfirter Baumeister selbst oder ein von denselben bezahlter Skribent. Das letztere ist von den Redakteuren der „Freis. Ztg." nicht anzunehmen; bei ihnen erklärt fich an»« nahmsweise ihre Stellung in dieser Frage durch den blinden Haß ihres Chefs gegen die Sozialdemokratie. Sämmtliche Handstühle hat die große Firma E. Frankel zu Neustadt in Oberschlefien einsehen lassen. Dadurch werde» wiederum zahlreiche Hände üb« flüssig und die Ueberprodumo« wird vermehrt. Die Roth unter den Arbeitern in jenem One wird somit in diesem Winter sehr groß werden.„ Aus Gera wird der„Manufaktur-Ardeiterzeitung" nro» getheilt, daß der Weber Karl Lange, den das Blatt einen treuen, braven Genossen nennt, gezwungen durch Krankheit und Roth seinem Leben durch Erhängen ein Ende bereitet habe- Das Blatt fügt hinzu, daß man hier ein Opfer der heutig� wirthschaftlichen Verhältnisse vor fich habe.., Ristkoprämie. Auf der Zeche Osterfild bei Essen«« am 4. Dezember eine Wetterexplofion stattgefunden, bei d« 17 Personen ums Leben gekommen find. Haben dieselben dv lang eine Ristkoprämie durch irgendwelchen Gewinn erhalten- Oder ist es so.viel schlimmer, wenn Jemand das Kap>ws „riskirt", als wenn er daS Leben für geringen Lohn Spiel setzen muß? Um Unterkommen zu finde«, steckte diesen Herbst# löjähliger Tagelöhner bei Striesen(Sachsens eine Strob'eian mit einem W«the von 2600 M. in Brand. Der junge PW» wollte in derselben nächtigen, doch war ihm, wie er sagte, W Stroh zu naß und deshalb habe er die Feime angezündet;("J® habe er keine Ausfickt auf Arbeit und Obdach gehabt. Brandstifter hatte fich freiwillig der Gendarmette gestellt, f erhielt 2 Jahre Gefängniß. Damit ist sein Wunsch vorlag erfüllt, doch zugleich ein junge« Menichenliben für alle zerstört. Nunmehr sängt für denselben der bekannte KreiAA? an: Gefängniß, Arbeitslosigkeit, Vagabondage und schnell» Z-chthaus. Durch solche Vorkommnisse aber werden un'zu»i wegen einer Lohnerhöhung von 10 pCt. zurückgezogen, und � Firma Briggs u. Co. hat fich hiermit ein oerstanden erklang (P daß die Arbeit ununterbrochen ihren Fortgang nehmen» Da�die obigen�Giuben �die größten im Distttf� find, f® ndii DM Streif abgewendet wäre.— Nach 2|A|ährtger Dauer hat� wartet man, daß die Arberter ver anderen Gruben d>� Beispiel folgen und im Laufe der Woche auch ihre Rü"d(K zurückziehen werden, womit alsdann der befürchtet� Maschinenbauerstreik in Sunderland"rj, sein Ende durch einen Vergleich gefunden, der die Lehruns, frage indeß unentschieden läßt.— Die Kraft»!> Maschinen in England schätzt man der Arbeit gtflr � 400 Millionen Menschen. Von anderer Seite wird dte Nw der englischen Jndusttie aus 32 685000 Pferde!, afte�. geben. England entwickelt darnach eine Arbeitsle'N� die 20 Mal größer ist, als die Zahl seiner Eino>°� darstellt._ Vereine und Nersnminluitge� o. k. Die Arbeiterpartei hat in einer am Abend in Gründers Salon(Schwerinstr. 26) stattM® � sehr zahlreich desuchten Versammlung zu der im 8. Koniw. Wahlbezirk devorstehenden Stichwahl zwischen Pickead«®� Vottmann endgiltig Stellung genommen. Stadt»-, führte aus. daß die Arbeiter fich weder für die liberal' weniger aber für die konservative Partei begeistern daß, wo diese beiden Parteien eine Stichwahl au«?» haben, eS Pflicht der Ardeiter sei, fich der Stichwahl* K halten.(Lebhafter Beifafl)— Handlungsart, ilse(V sei Im Prinzip auch für Wahlenthaltung, allein in zirke. wo es gelte, einen Mann au« dem Felde Z" der Ausnahmegesetze für Andersgläubige verlange,»er Spitze einer Bewegung stehe, die unserem heutig«', o» hundert zur Schande gereicht, da entstehe dock die Wahlenthaltung richtig sei.(Beifall und W» Die Herren Hasenclever, Bebel und Liebknecht them m Standpunkt Görckr'S eben so wenig, wie m.h 1 bei den vorjährig-»-(c,,i*m„hlen e-n babcn- Wenn die Vortmann'S haben, ,.vuu,-— �_ back,'«, deS HauptvertretcrS des Antisemitismus,»er$ feinen Einfluß verliere, wenn er nicht mehr gewählt w � verhindern suchen. Der AnttsemitismuS sei nickt z» g* schätzen. Durch die Niederlage Pickenbach's AnttsemitismuS eine wesentliche Einschränkung qvjtasi? fall und Widerspruch.)— Arbeiter Niemann: Er � g## der deutschfreifinnigcn Partei und halte daS für krtneM sr-' r; der Stadtverordneten-Versammlung zu sprengen." b ' ,,«bänglich bekannt, da? genau: Es sei den Arbeitern hii Zur äußersten Reattion gehöre und für% st* Ä wndm die Arbeiter niemals stimmen. Er bedanke» �#1 auch für die Waffenbrüderschaft der d-utschsreifinnig' deren Parteileitung durch ihre Adkommandffurg dt- � bfi ning des Sozialiirenaesktzes bewirkt habe. c0 ML, ßr �WW eringer ge- dh')?" sei, so wäre gleichwohl auch auS diesen 14 Explosionen fenn.«. ziehen, daß man nie vorsichtig genug vorgehen »rir 2,�°� allen Dingen müßte darauf geachtet werden, daß 11%"'"llich tüchtige und erfahrene Heizer angestellt würden, , Rerade der Verein müßte es als eine seiner K�/aufgaden bettachten, nach dieser Richtung hin % zu thun. In der daran fich knüpfenden leohaften q-üh». i?n kam besonders zur Sprache, wie oft leider ganz un« i»j freute mit der Wartung von Kesseln bettaut würden, neralversammlung der Schlosser einzuberufen und auf die Tagesordnung derselben die Frage zu setzen,„ob die Lahm kommisfion der Schlosser überhaupt fortbestehen solle". Der Antrag resp. die anläßlich desselben von einem Redner vertre- tene Meinung, daß die Kommisston aufzulösen sei, und daß die Leitung der Lohnbewegung resp. gewerkschaftlichen Bewe- gung auf den Vorstand des Fachvereins übergehen müsse, rief neuerdings eine sehr bewegte Diikusston hervor, in der die Geister heftig aufeinander platzten. Wir beschränken uns darauf, aus der Debatte nur hervorzuheben, daß Herr Miethe und einige andere Redner der Anficht waren, es sei die? ebenso sehr mit Rückstcht auf die derzeitig maßgebenden Vereinsl gefetze unthunlich und schädlich, alS überhaupt überflüssig, oa bekanntlich särnrntliche Mitglieder der Lohnkommisston auch Mitglieder deS Fachvereins seien, gleichwie in Betreff der an der Gewerkschaftsbewegung den hervorragendsten Antheil nehmenden Elemente der Gewerksgenossen ganz dasselbe de- hauptet werden könne und Lohnkommisston und Fachverein der Schlosser bisher stets in bestem Einvernehmen miteinander und nebeneinander gewirkt hätten. Uedrigens sei in Betreff der beschlossenen nächsten Generalversammlung mit der hierauf bezüglichen Tagesordnung nur allen Berliner Schlossern drin- gend zu empfehlen, an derselben recht zahlreich fich zu be tbeiligen, damit nicht zum Schaden der Sache und ohne die Willensäußerung der Gesammtheit unüberlegte, folgenschwere Beschlüsse gefaßt werden mögen. Die Vereinigung deutscher Stellmacher, Mitgliedschaft Berlin, hielt am 5. d. Ms. ihre regelmäße Versammlung in Graiweil'S Bierhallen, Kommandantenstt. 77—79, ab mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Regierungs-Baumeister Keßler. 2. Verschiedenes. In den mit großem Beifall aufge nommenen Ausführungen ließ fich Referent unter Anderm aus „Es gab eine Zeit rm Mittelalter, in der eine Harmonie zwischen der Arbeiterschaft herrschte, von der man sagen konnte, daß das Handwerk fich dabei wohl befinden mußte. Diese be- stand in dem Einvernehmen, daS zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer herrschte. Der Geselle, d. h. derjenige Arbeiter, der in Gesellschaft mit dem Meister dessen Vermögen mehren half, galt damals nicht wie heule als ein Untergebener, sondern als gleichberechtigt. Auch die damalige Zeit gebot solchen festen Bund. Es galt öfter blutige Kämpfe mit den grundbcfitzcnden Klassen auSzufechten. Und In solchen Kämpfen gaben gewöhnlich die Gesellen den Ausschlag, da dieselben in der großen Mehrzahl waren. Und schon deshalb mußte man mit diesen rechnen. Auch hatten die Gilden besondere Vor- rechte, z. B. durfte leine fremde Waare eingeführt werden, man durfte nur so viel produziren, wie der Konsum erheischte. In Streitigkeiten waren immer oder meistentheilS die Beschlüsse der Gesellen ausschlaggebend. So hatte man mit der Zeit fich ein erträgliches Dasein geschaffen. Auf dem platten Lande sah es dafür auch ganz anders aus. Die Bauern warm als Leib- eigene die Sklaven des Landadel?. Dieser entschied über Wohl u»d Wehe, Tod und Leben derselben. Unter dieser recht- und schutzlosm Zeit fing die Aristokratie an, stch immer mehr her- anzubilden. Die Lebmsdedürfnisse mehrten fich. BIS zum 17. Jahrhundert hielt daS Steigen der Lebensmittel mit dem Steigen der Arbeitslöhne gleichen Schritt. Von da an blieben fie immer mehr zurück. Im 30. Jahre dieses Jahrhunderts endlich sei eine Bewegung eingetreten, wie fie vorher aar nicht möglich war. Die Lcoensmittel fingen an, um daS Doppelte zusteigen, während die Arbeitslöhne verhältnißmäßig zurückblieben. — An der Diskusston betheiligte fich hauptsächlich Herr Elein, der fich zu Gunsten des Arbetterschutz. Gesetzentwurfes aussprach. !u Verschiedenes empfiehlt Herr Mentzel, um das Wissen der lrbeiter in jeder Hinsicht zu mehren, das„Berliner Vrlki- blatt", alleiniges Organ für die Interessen der Arbeiter. Herr Granick machte noch bekannt, daß Sonnabmd, den 19. d. M., wieder eine Mitgliederversammlung stattfinden wird, Herr Hering, daß derselbe die Beiträge der Mitglieder auch in seiner Wohnung entgegen nehmen werde, und Herr Singert, daß am Montag, den 14. d. M., in Scheffers Lokal, Jnselstr. 10, eine außerordentliche Versammlung stattfinden wird, in welcher der Anttag über die Auflösung des Vereins zur Abstimmung ge» bracht wird. bf«. Im Fachverei« sämmtlicher im Drechslergcwerk beschäftigten Gewerksgenossen sprach als Referent der am Montag Abend in den Armin-Hallen, Kommandantenstraße 20, siattgehabten Mitgliederversammlung unter Vorsttz des Herrn Prause Herr Sündermann in beifällig aufgenommener Weise über daS Thema:„Zwecke und Ziele deS Vereins und wie verschaffen wir denselben Geltung?" Der Redner erläuterte in Kürze die wichtigsten Bestimmungen deS Vereinsstatuts, als Einsetzung einer Fachkommisfion behufs Regelung der Werkstatt- velhättnisse und der Lohnstage: ferner die Errichtung von UnterstützungSkassen für reisende Berufsgenossen, sowie für den Fall der Ardeitslostgkeit, von welchen Kassen die erstgenannte bereits besteht, während nach Anficht des RednerS das Be« dürfniß thunlichst baldiger Errichtung der Unterstützungskasse für gewisse Kategorien von Arbeitslosigkeit unter den heutigen Verhältnissen ein unabweisbares sei. Im Weiteren verbreitete fich Redner noch über die Vortheile, welche die bestehende Kasse für unentgeltlichen Rechtsschutz den Vereinsmitgliedern gewährt, sodann über die im Drechslergewerk und den ver- wandten Berufen noch so schlecht bestellten Verhältnisse des Arbeits nachwetseS und deS Lehrlingswesens, die beide einer gründlichen Regelung durch energisches Eingreifen von Seiten des Vereins bedürften. Endlich erörterte der Referent auch noch die Nützlichkeit und Nothwendigkeit der Gründung dcS „Verbandes der Drechsler und verwandten Berufsgenoffen Deutschlands", dessen Vortheile er einer eingehenden Be» svrechung unterzog. Mit einem eindringlichen Mahnruf an die Äereinsqenoffen, unermüdlich für die Bestrebungen des Vereins einzutreten, durch rege Agitation seine Ausbreitung zu fördern und die endliche Verwirklichung feiner Zwecke herbeizuführen, schloß der Redner. An daS Referat reihte fich eine durchaus in demselben Sinne fich bewegende lebhafte Diskussion. Auch wurde beschloffen, am ersten Weihnachtsfeiertage in den Gratweil'schen Bierhallen in der Kommandatenstraße da? vierte Stiftungsfest in gewohnter kollegialischer Weise zu '�m Verein der Sattler und Fachgenossen hielt am Sonnabend, den 5. Dezember, in Grarweit's Bierhallm Herr Dr. Benkendorf einen Vorttag über Feuerbestattung. Der Vortragende führte die Zweckmäßigkeit der zur Tagesirage ge» wordmen Feuerbestattung an und trat aus sanitären Gründen ganz entschieden für dieselbe ein. Er ist jedoch gegen jeden Zwang, indem er das freie Verfllgungsrecht hochhält. Eine eingegangene Resolution zu Gunsten der Feuerbestattung wurde angenommen, trotzdem Herr Steindorff, welcher für Feuerbestattung ist, die Mitglieder bat, vor der Abstimmung Senau zu überlegen, wofür sie stimmen wollen. Unter„Ver- hiedeneS" wurde eine Werkstätten ordnung auS der Leder» waarenfabrik von Zender, Brandenburgstr. 20, verlesen, welche allgemeine Enttüstung hervorrief, weil durch die darin ent» haltenen Verpflichtungen des Arbeiters, derselbe dem Fabri» kanten gegenüber willen- und schutzlos dasteht. Gleichzeitig wurde bewerft, daß ein jeder dort Beschäftigte diese Werk» stattordnung unterschreibt, ohne daß er weiß, was er unter- schrieben hat, da man den Arbeitern zum Lesen keine Zeit läßt. Zwecks Abhilfe solcher Uebelstände wurde zum Anschluß aller Kollegen an den Verein aufgefordert und speziell auf die am Sonntag, den 13. Dezember, Vormittags 10 Uhr, in demselben Lokale stattfindende Versammlung der Meister und Gesellen behuss Klarlegung der ttaurigen Verhältnisse im Gewerbe hin« gewiesen. Der Arbeiterverein„Hoffnung" für Friedrichsberg und Umgegend tagte am Sonnabend, den 5. Dezember, im Lokale deS Herrn Neumann, Gürtelstraße 41. Der Schrittsteller Herr Baake referirte unter großem Beifall über„Der Ursprung der Familie". Redner führte die Versammlung zurück in eine Zeit, wo die Menschen noch auf den Bäumen gelebt haben müssen, um fich so besser vor den wilden Thieren schützen zu können, da das Reibefeuer erfunden sein muß, welches einen wetteren Sckutz und zu gleicher Zeit auch die Anregung zum Zer» nagen des Fleisches gab, und nach welcher Zeit die Erfindung der Waffen, z. B. Pfeil und Bogen und anderer Werkzeuge zur Fällung der Bäume u. s. w. fallen muß. Die Monogamie oder Einehe sei erst durch das Eigenthumsrecht entstanden und diese habe wieder die Sklaverei im Gefolge gehabt. Zu dieser Zeit hatte der Mann das Recht, über Leben und Tod seiner Sklaven, wozu auch Frau und Kinder gehörten, zu bestimmen. Dieses Recht existire nickt mehr in jener Form, doch sei noch manches Unrecht als Eibtheil in unsere Zeit mit hinüber ge» nommen. Redner hofft eine weitere Besserung unserer Zu« stände dadurch, daß Jeder Hand anlegte, um mitzuarbeiten an der Emanzipation des arbeitenden Volkes. Eine Tellersamm» lung zu Gunsten deS in der Freitag-Nummer vom 3. Dezbr. im Sprechsaal dieses Blattes nähcrdezcichneten Schlossers er« gab 4,05 M. Zentral» Kranken- und Sterbekasse für Frauen und Mädchen Deutschlands(E. H. 26, Offenbach a. M.). Bezug» nehmend auf den in unserer gestrigen Nummer enthaltenen Bericht über die am Sonntag bei Gratweil, Kommandanten- straße, abgehaltene Versammlung schreibt unS Herr C. Richter, daß er als Vorfitzender der Kasse fich verpflichtet hielt, der ge» nannten Versammlung fern zu bleiben, da Krankenkassen-Ange» legenheiten nur in Versammlungen der Kaffenmitglieder, nicht aber in öffentlichen Versammlungen zu erörtern seien. Nachdem fich die Versammlung am vorigen Sonntag jedoch auch mit Herrn Richter beschäftigt hat, steht dieser— wie et unS mit» tbeilt— fich veranlaßt, zum nächsten Sonntag, den 13. Dc chr., Nachmittags 3 Uhr, ebenfalls eine öffentliche Versammlung in Graiweil'S Bierhallen(oberer Saal) einzuberufen, wozu er sämmtliche Kaflenmitglieder(auch die Männer der verheiratheten Mitglieder), hauptsächlich diejenigen, welche Beschwerde zip- führen haben, einladet. Verein„Gemeinschaft" zur Wahrung der Interessen der Obst-, Gemüse-, Milch-, Kohlen-, Kordwaaren» und Produftenhändler Berlin». Donnerstag, den 10. d. M., Abends 8 Uhr, Sedastianstr. 39: Versammlung. Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau. Sämmtliche Händler find hierdurch ein- geladen. Eine öffentliche Versammlung sämmtlicher Arbeiter, (Schnitzer) auf antik geschnitzte Holzleisten, findet am Mittwoch, den 9. Dezember, im Saale des Herrn Weil, Alexanderstr. 31, statt. Tagesordnung: Die Arbeitseinstellung in der Fabrik von Stighan und wie verhalten fich sämmtliche Kollegen dazu. Männergesangverein„Norddeutsche Schleife". Jeden Mittwoch Abend UebungSstunde im Theater- Restaurant, DreS- denerstr. 71—72._ Vermischtes. Ein sibirische» Schiida. Der„Odess. Listok" erzählt folgenden ergötzlichen Vorfall aus dem Leben eines sibirischen Schild«. Die Stadt G. im.Gouvernement T. hatte das Unglück, ihr Stadthaupt durch den Tod zu verlieren. Die dor« tigen Kaufleute, bei denen es sehr beliebt gewesen, wünschten, sein Portrait zu stiften, und wandten fich zu diesem Zwcck an die Moskauer Zeichenschule, speziell an den Professor der histo» tischen Malerei M. Scotti, mit folgendem klassischen Schreiben: „Die dankbare Kaufmannschaft der Stadt G. wünscht, das Ge- dächtniß des allgemein beliebten, gegenwärtig verstorbenen Stadtbauptes zu ehren, und ersucht darum ergedenst die Mos- kauer Zeichenschule, ein Portrait von ihm in Farben und in Lebensgröße anzufertigen. Hierbei folgen 200 R. S. daar und die allerzuverläsfigsten Kennzeichen desselben. Dieser Brief enthielt weder eine Photographie noch auch nur eine Zeichnung des Verstorbenen, sondern nur ein Bläitchen, auf welchem verzeich. net stand: Sein Alter war 52 Jahre und 6 Monate, feine Körperlänge 2 Arschin 97» Werschok, Haar und Augenbrauen röthlichblond, Augen grau, Nase, Mund und Kinn gewöhnlich, Gestcht glatt, besondere Kennzeichen: schnarrt etwas beim Sprechen. Prof. Scotti übertrug die originelle Bestellung einem durch seinen Humor und seine Späße bekannten Zögling der Zcichenschule, Asttachow, welcher in ein paar Tagen das Porträt fertig gemalt hatte und an die Adresse sandte. Einige lelt später traf au? Sibirien wieder ein Brief ein, in welchem die Familie deS Verstorbenen und die gesammte Kaufmannschaft der ehrbaren Stadt G. dem Künstler herzlich dankten, da sie daS Porträt außerordentlich ähnlich fanden. Elektrische Beleuchtung Roms. In allemächster Zett soll Rom in seinen Hauptstraßenzügen elektrisch beleuchtet werden. Die Gasgesellkchaft von Rom hat, in der Abficht, ein voll» ständiges System zur elektrischen Kanalifirung in den Haupt» straßen der Stadt herzustellen, vor einigen Tagen einen Vertrag mit einem großen ungarischen Hause abge- schloffen. Die Zentral- Kraftstation würde stch bei den Cerchi nahe bei dem Hauptgasometer befinden und von dort durch Transmisstonen nach allen Punften im Innern der Stadt daS Licht vermitteln. Es wird dabei der nämliche Vorgang wie in Mailand eingehalten, welche Stadt nach dem Snstcm Edison elektrisch beleuchtet wird. Vorläufig werden zu diesem Zwecke in Rom der Korso, die Nationalstraße von der Via»a Venezia bis zu den neuen Stadtvierteln und—>-— Platze bis zur St. Angelo-Brücke kanalifirt. ---- vw«piUW* von dem Gesu- Theater. Overubaus. von Sevilla. Zum Schluß: Wiener Heute: Der Barbier Walzer. Echausvirlhant. Heute: Johannistrieb. Deutschet Theater. Heute: Ein Tropfen Glft. Krtedrtch.Wtlhelmftrease SpeilAiltaten-Torstellmia. Neu! Austreten deS berühmten Mignon-Tämerpaare» Gr« fchwister Joottit, deS Transformationskünstlers Hrn.Jlösselli, de» urkomischen Wittm», der Wiener Duettisten Geschwister ranke, der Chansonetten Jil. Büren, Lazariui, Krüger, owie Spezialitäten l Ranges. Näheres die Tagesprogramme. ochentagS Anf. 8 Uhr, Sonntags Ans. 6 Uhr. 167 Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bis 10 U. Ab. Kaiser-Panorama. Eine Reise durch Ober-Jtalien. Pom« p e j t. Eine Wanderung durch d. maler. Schott« land. Hertha- Reise. Karoltne n. P alao- Inseln. » Reise 20(jfg,, Kinder nur 10 Pf. FamilienbilletS. Unserm VereinSkoll, gen August Stahl zu seinem tigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch! Od hü och ward tum„Wahren Jakob" finden? I. P. W. R. v- L. G. R. L, D. A. R. E. B. F. L. Wo speise« Sie? In der allen Ponimersetaeii Küche b. K l e i n, jeyt Oranienstraße 181, Hos pari. Gediegener Mittagstisch mit Bier 50 Pf. Abendtisch in großer Auswahl von 30 Pf. an. Singe» Ar.....—| nehmer Aufenthalt mit an. illard. 173 Heute großes Wurstessen, wozu ergebenst einladet W. Prüfer, Elisadethufer 16/17. Aeftancant m ersten pommersllim Ankiie, Oranien'Straße 50. s!14 Kraftiger Mittagstisch mit Bier 50 Pi. Abendtisch, große Auswahl, von 30 Pf. an, bis Abends 11 Uhr. F. Grunow. Schlachtfest am Mittwoch, den 9. Dezember, wozu alle Freunde und Be- kannte ergebenst einladet �. 168 W. Rclssmann, FriedrichSbergerstraße 10. Von früh Morgens an frische Blut- und Leberwurst. 1 g. Pianino, schwarz, f. 66 Thlr. zu verk. Oranienstr. 4, n(, Passende Weihnachtsgeschenke! 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Dezdr., Abends 8'/, Uhr, in Gratweil's Lierhallen, Kommanvantenstr. 77/79 (untere Säle). Tagesordnung: 1. Der offizielle Abschluß unserer diesjährigen Lohnde- wegung. 2. Abrechnung vom Streikfonds. 3. Wie schaffen wir unS einen Gcneralfonds.— Es ist Pflicht eines jeden Gewerlsgenossen, zu erscheinen. Die Lohnkommission. I. A.: Rodett Eündeimann. Gitschinerftiaße 61, I. Mittwoch, den 9. Dezember, Abends 8V: Uhr Große öffentl. Versammlung der Söttchergesellen Herlins in H eise's Salon, Lichtenbergerstraße 21. Tagesordnung: Abrechnung vom Streik. Das Erscheinen ist bei der Wichtigkeit der Tagesordnung dringend nothwendig. 175 _ Fr. Holtmann, Vors. der Lohnkommisfion. Hl rga®* — w H- 1-. bC es K IBil Ii PI s«iKI K «->53 N -Jw--C" fSSäs _ r r Fr r§- N« rs-s-rs-s-wrrs-rS c-SSS N. Abrahamsohn, Oranienstraße 84. 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