r. S89. Donnerstag, de« 10 Dezember 1885« n. Jahrg. 44. f 1 i s f?g 1 MerVMIxtl Brgan für die Interessen der Arbeiter. Da«„aSctHner RalkSSlatt« 35 «tnjelne Sir. 5 Pf. SoimtagS-Nummer mit illustr. Beilage 10■ (Sivgetrage» w der PostzeiwngSpreitliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertioasgedühr beträot für die Z gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Austrägen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Sye Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annon«»' Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. KedaKtio«! Kenthstraße 2»— Grpedttio«: Zimmerstraße 44. Itat recht bmerkmzninlhe Erschriiurg ? kS, daß von gewisser Seite aus alle Bestrebungen auf � Gebieten der Wohlthätigleit, der Heilung sozialer Schaden, der Hebung deS Handwerker» und Arbeiter- »»»des u. f. w. mit dem Chnstentbum verquickt werden. *..Nur auf dem Boden des Christenthums kann das 5�rk gelingen"— und tausend pastorale Zunge« setzen T m Bewegung, um die Richtigkeit dieses Ausrufe» zu «»ew eisen." _ Christlich. soziale Vereine, MissionSvereine tauchen über A auf, halten Versammlunge« ab, besprechen Thesen Men Beschlüsse, die immer in dem Gedanken gipfeln, nur stj Christenthum liegt da» Heil der Welt. Wir lasse« ei *» noch gefalle«, wenn derartige Beschüsse gefaßt �«tden in Bezug auf die„himmlische Glückseligkeit", Ungleich wir an dieselbe nicht glauben, aber man das Christenthum oder auch irgend eine ?°kre Religion mit den soziale«, irdische« Frage« *r'»üpft, so hxgeu wir dagegen die allerernstesten Bedenken. . Wir haben dieselben in einem Punkte der spezifisch ,?!°llchen Wohlthätigkeit schon in einem Artikel:„Ver- Warnte Arme", ausgesprochen und können nur betonen, daß Bedenken auch auf allen Gebieten der spezielle« christ- ähea Hilfeleistungen zu suchen sind. ..®o wollen wir heute einer Versammlung Erwähnung i™, welche der„Evangelische Verein für innere Mission (*,** Grasschaft Mark" vor einige« Tagen in Hagen(West- ***%) rtfinofiftrie« bat So fri•? Kampf gegen die Trunksucht, feine bisherigen Er- und feine ferneren Aufgaben". E« hätte füglicher ?>statt Erfolge„Mißerfolge" heißen können. Der Redner "kachle nicht» Neue» vor und schlug zum Schlüsse sieben �fcsen vor. Fasse« wir dieselbe« kurz zusammen. . Besonders vom christlichen Standpunkte fei der JNpf gegen de« Branntwein, den größten Verderber des 5°Ik«wohls, nothwendig. Der Kampf fei schwierig, weil er Me» Produzenten, DiStnbuente« und Konsumenten gleich wende. Strengere Gesetzgebung, möglichste Rein» zi't hxg Alkohol«, höhere Besteuerung, Beschränkung der �ethschaften und der Verkaufsstelle», die Trunkenheit soll werden, Entmündigung der Gewohnheitstrinker, �>'erasyle. Herberge« zur Heimath. Kaffeehäuser u. f. w. w.. Die„Hauptshese", Nr. 7, wollen wir wörtlich hier �vergeben: j,»Endlich gebe ich anHeim, ob nicht die mancherlei be- senden christliche« Vereine eine gute Handhabe bieten, den JeuMeton. Die Hand der Demest». Roma« von Ewald«vguft König. (Fortsetzung.) sage«, Herr Rabe habe Ihne« tausend Thaler er habe damit Ihr Schweigen erkauft, und Sie Se« da« Gehciinniß nicht enthülle« "Weil ich es nicht darf!" "Weil Sie es nicht dürfen? Dem Richter müssen Sie br,*" geben' Bezieht das Geheimniß sich auf ei« Ver- Wn?' s° stvd Sie verpflichtet, dem Gericht Anzeige hasti machen, wenn Sie nicht der Mitschuld sich theil» Sil k, dachen wollen: liegt aber kein Verbrechen vor, so d,,'?. Sie sich fest darauf verlassen, daß der Richter «>i,d �v«n Mittheilungen keinen weiteren Gebrauch mache« Geheimniß ist nicht mein alleiniges Eigenthum, ich k? Personen sind m dasselbe verwickelt, Personen, die ° muß." •gsenn ich Ihne« Verschwiegenheit verspreche—" dann darf ich nicht reden." Mrd glauben Sie, daß Herr Rabe e» mir enthüllm "Nein," fchto�'gfreb blickte de« Amerikaner eine geraume Weile estle'«md an. er fand in diesen wetterharten Züge« nur "«Vge Entschlossenheit. � x � w �i ick �schlmmern selbst 3H« Sache," s-gt- er-nd- WWWW Wollen Sie mir offen gestehen, weshalb MiT,# �'e bedeutende Summe gezahlt hat? Sie *' wen« Sie wi.klich schuldlos sind, Sie könne« Kampf wider de» Branntwein in der Weife wieder auf zunehme«, daß wir EnthalifamkeitSvereine wider die destillirte«(nicht wider die gegohrenen Getränke) in's Leben rufen. Unsere Leser wissen nun, daß alle diese Vorschläge schon längst gemacht worden sind und daß sie nur auf die ärmere Klasse der Bevölkerung Bezug haben, obwohl die These, welche die Bestrafung der Trunkenheit verlangt, all- gemein gehalten ist. Der Vortragende wußte natürlich, daß in der Praxi» lediglich Angehörige der niedere» Stände eventuelle Strafe« erleide» würden, da die betrunkenen An- gehörigen der höheren Stände sich leicht einer Denunziation und Anklage entziehen können. Dazu giebt es ja Privatge- läge, Kasinos, Bediente und Karossen. Dann ober ist die letzte These besonders bezeichnend. Der meiste Branntwein wird destillirt, während die Weine, auch wenn sie, wa» bei den südlichen in den Handel ge» brachte« Weine« immer der Fall ist, stark mit SpiriwS versetzt werden, doch zu den gegohrenen Getränken gerechnet werden. Also auch hier soll die„christliche Liebe" nur auf die Armen und Arbeiter, nicht auf die Wohlhabende« und Reichen Anwendung finden. Doch genug davon. Nach der Versammlung de» MisfionSvereinS fand ei« gemeinsame« Mahl statt, bei dem es an„gegohrenen Ge- tränken" nicht fehlte. ES wäre auch schade drum gewesen; wir gönnen die Getränke den Vereinsmitgliedern von gan- zem Herzen, auch wenn einer oder der andere vielleicht etwa» schwankend nach Hause gegangen sein maa.— Wir wiederholen hur einen schon früher oft auSge» fprochene« Gedanken: Der Tmnksucht und vor allem der Branntweinpefl, so weit sie in der That unter den arbeitende« Klasse« vorhan» de« sind, kann nur durch Umänderung unserer jetzigen wirthschaftlichea und sozialen Verhältnisse ein wirksamer Damm entgegengesetzt werde«, alle anderen, besonder» auf veraltete« Weltanschauungen aufgepflanzten Bestrebungen haben auf die Dauer keine Wirkung.--— UebrigenS war die Trunkenheit unter den Völkern in denjenigen Zeiten, wo das Christenthum bedeutend mehr Macht unter dem Volke hatte, viel ausgebreiteter und schlim mer, als jetzt, wo da» Christenthum den Einfluß im Volke verloren hat. Man denke nur an da» Mittelalter, an die Gelage, oder besser an da» Fressen und Saufen der Ritter und Mönche, an denen leider auch das Volk Theil nahm. Weshalb ist d a m a l s da» Christenthum nicht einge» schritte«? Jetzt hat e» die Macht verloren. Die Humanität, die fortschreitende Bil« d u« g und vor allem die soziale Besserstellung de» Volke», welche wiederum Humanität und Bildung dadurch sich die Freiheit verschaffen, während Sie im anderen Falle vielleicht lebenslänglich im Zuchthause sitze« müssen." Der Gefangene fuhr bei den letzten Worten erschreckt zusammen, sie hatten einen tiefe« Eindruck auf ihn gemacht. „Da» wäre ei« ungerechtes Urtheil!" erwiderte er.„Wie kann man eine« Schuldlosen in'« Zuchthaus schicke«?" „Beweisen Sie, daß Sie schuldlos find!" „Man beweise mir, daß ich schuldig bin! All» Be- weise, mit denen Sie mir drohe«, Herr Assessor, sind Schein« beweise, auf die man eine so furchtbare Anklage nicht grün- den darf." Siegfried zuckte die Achsel«, e» ärgerte ihn, daß seine Hoffnung nicht erfüllt werden sollte. „Wenn Sie fich hinter Geheimnisse verschanze«, deren Enthüllung Sie verweigern, so dürfen Sie fich auch nicht beklage«, daß maa Ihne« keinen Glauben schenkt," er« widerte er;»derartige Vorwävde find sehr wohlfeil, aber der Richter läßt fich durch sie nicht beirren. Habe« Sie Jemand beauftragt, Ihr Gepäck zu reklamiren?" Der Amerikaner blickte befremdet auf. „Wie wäre mir da« möglich gewesen?" erwiderte er. „Ein Unbekannter hat das Gepäck aus dem Hotel holen wolle«, haben Sie eine Ahnung davon, wer dieser Unbekannte kein kann?" „Nein." „Ich vermuthe, daß Herr Rabe e« war, die Be- chreibung, die der Hotelbesitzer mir gab, paßt ganz auf eine Person." »Und ist mein Gepäck ihm ausgeliefert worden?" fragte der Gefangene sichibar erregt. „Nein, es ist in meinem Besitz, da« Gericht hat e» mit Beschlag belegt. Habe« Sie Ihre« heutigen Au« sagen noch etwa« hinzuzufügen?" „Nein," erwiderte der Amerikaner nach kurzem Zögern. Der Aktuar erhob sich, um de« Beamten zu rufe«, der erzeugt, sie allein können die Trunksucht immer mehr ver« mindern und der Branntweinpest Halt gebieten. Politische lleberstcht. Der Nutzen der Kanalanlagen in den Moor« und Haidegegenden de» deutschen Nordwestens, den wir mehr« mals schon nachgewiesen haben, wird auch von der„Rat.. Ztg." jetzt scharf betont. ES existiren nämlich an beiden Seiten der Ems große, aber kanallose Moorkolonien, in denen häufig Nolhsiand aufbricht, weil eben die Bewässerung fehlt. Nun« mehr hat man wieder den Staat um Hisse angegangen, da die Feldfrüchte zum Theil erfroren find. Minister Lucius hat auch 15 000 Mail hingesandt. Wäre nun der Süd-Nord» Kanal, der längst projrktirt ist, einmal fertig und die Verbin- dung zwischen Marsch und Moor hergestellt, dann könnte leicht der Düngerüderfluß der Marsch sowie der Seeschlick den Moor- gegenden zugeführt und auch eine rationelle Bewässerung herbei- geführt werden. Da« eine aber steht fest, daß derartige Moor» gegenden durch rationelle Bewirthschaftung, mit Hilfe der Kanalbewässerung u. s. w., zu ungemein fruchlbaren Gegenden umaeschaffen werden können. Und dai wäre eine bessere und verständigere Kolonisation, wie die in Südafrika geplante. Doch bei solcher Kolonisation im Innern macht man die Rech» nung obne die Agrarier, ohne die Vertreter des Groß- grundbefitze», die gegenwärtig die Klinke der Gesetzgebung m Händen haben. Durch die afrikanische Kolonisation setzen fie ihren Spiritus ab und hoffen, ihn auf dem Preise zu erhalten; durch eine Fruchtbarmachung des Oedlandes in Deutschland aber glauben sie die Getreidepreise und besonder« die Wirkung der Getreidezölle bedroht— fie fürchten die Konkurrenz im eigenen Lande mehr, als die Konkurrenz deS Auslandes, weil gegen die erstere keine Schutzzölle«richtet werden können. So fiegt auch hier wieder die Jnteressenpolitik über das Ge« meinwohl. Die„Freisinnige Zeitung" kann daS gehässige Vor- gehen nickt lassen. Än ver gestrigen Nummer befindet fich folgende Notiz: In W e i ß e n f e l S hat Dr. Max Hirsch, der Anwalt der deutschen Gewerkvercine, vor einer vom Orts- verbände einberufenen Versammlung von 1000 Personen einen Vortrag über Eozialreform und Zukunftsstaat gehalten. Die Sozialdemokraten versuchten nach dem Vortrag vergeblich Störungen.— Die angeblichen Störungen der Sozialdemokraten find lediglich darauf zurückzuführen, daß einzelne Sozialdemo- kraten fich zum Worte meldeten und als ihnen da» Wort be« schränkt werden sollte, auch ohne Erlaubniß des Herrn Hirsch einige Worte an die Versammlung richteten. Der soziale Wunderdoktor glaubt eben, in irgend einem von der Kultur noch weniger beleckten Winkel in Deutschland seine Weisheit unbehindert auskramen zu können, nachdem ihm daS in den größeren Städten nirgend» mehr gelingt. Aber zu seinem größten Aergrr findet er bereits überall Gegner, welche die Hohlheit seiner Theorien nachzuweisen im Stande find. Jeder» der fich zum Worte meldet, scheint bei dem Herrn Hirsch und Genossen schon al« Ruhestörer zu gelten. Nette Gesellschaft da»! im Vorzimmer wartete und nun den Angeklagten in'S Ge- fängniß zurückbringen sollte. „Denken Sie Über da», was ich Ihne« gesagt habe, ernst und ruhig nach,"»ahm Siegfried noch einmal in war- nendem Tone da» Wort,„ein offene« Geständniß kann allem Sie retten." Der Amerikaner schüttelte schweigend da» Haupt und folgte dem Beamten, und bald darauf verließ auch Sieg- fried da« GerichtSaebäude. Hatte diese« Verhör auch kein Resultat für oder gegen die Anklage ergeben, so glaubte Siegfried jetzt doch, au« den Aussagen de« Angeklagte« mit voller Sicherheit de» Schluß ziehe« zu dürfen, daß Willibald Rabe an jenem Verbrechen betheiligt gewesen war. Die Ermordung veS Doktor«, die Zahlung der bedeu« tenden Summe an den armen Taglöhner, die Beraubung und die Vergiftung de« alte« Gärtner«, da« Alles hing eng mit einander zusammen, e« war eben daS fortzeugende Ge- bähren einer bösen That. Der Amerikaner hatte behauptet, da« Geheimniß beziehe sich nicht auf jene« Verbreche«. Wenn diese Behauptung der Wahrheit entsprach, dann mußte ei« zweite« Verbreche« vorliegen, von dem, außer den betheiligten Personen, bisher Niemand eine Ahnung gehabt hatte. Nun war e« für Siegfried freilich eine sehr uvange —" L._----*•_»•*- nehme Sache, gegen den Bruder der Generalin in dieser Weise vorzugehen, aber seine Amtspflicht gestattete ihm nicht, nach irgend einer Seite hin Rücksichten zu nebmen, sie ge« bot ihm, Alles aufzubieten, um die Schuldlosigkeit des An» geklagte« festzustellen, wenn derselbe da« Verbrechen wirklich nicht begangen hatte. Und er konnte an die Schuld dieses Manne« nicht glauben, er mußte selbst sich sagen, daß die bi« jetzt vorliegenden Beweise eben nur Scheinbeweise waren, die allerdings Material genug»ur Abfassung eines Anklage« akte« boten, aber von einem gesch ckten Vertheidiger über de« Haufen geworfen werden konnten. DaS Räthsel wurde immer dunkler und verworrener, dem Assessor drängte fich mehr und mehr die Ueberzeuguvg auf, daß die Lösung allein in den Händen Rabe'« lag. Unser Erbfreund beeilt(ich neuerdings, seine»Areund- schaft" mit beredten Worten zu beweisen. Einige Beispiele mögen die Intensität der„Freundschaft" illustriren. Das ein- flußreiche rusfiische Journal„Ewjet" sogt in einem Artikel, worin es die Gefahren(!) erörtert, die Rußland in Zukunft dedrohen: Im deutschen Vo ke hat sich gebildet und eine feste Gestaltung angenommen die Idee von em'r universalen Herr» schaft, die Idee der Unterdrückung jeglicher anderen äußeren Macht auf dem europäischen Kontinente. Früher oder später wird Rußland mit dieser Macht und diesen Bestrebungen zu- sammenstoßen. Und auf diesen Zusammenstoß muß man sich rechtzeitig vorbereiten und nickt erst dann, wenn's zu spät ist.— Und die russische„Petersburger Zeitung" bemerkt gelegentlich einer Untersuchung, die sich rm Grunde mit der den Russen unbegreiflichen That« fache beschäftigt, weshalb die Llavm nicht schon jetzt das mächtigste Volk der Welt find: Wenn die Slavm sich früher als die deutschen Stämme vereinigt hätten zu einem großen politischen Körper, unter Hegemonie Rußlands: wo wäre da heute Deutschland! Es hätte dann jetzt nicht mehr Bedeutung, als Schweden und Norwegen; Rußland aber hätte für ewige Zeiten Ruhe und Frieden und die Möglichkeit segens- reicher Entwickelung. Aber die slavische Idee war in Rußland zu schwach und so entstand denn das Deutsche Reich, das zum Ucberfluß auch noch Oesterreich an sich zog. Dieser Ton der großen russischen Organe ist selbst den in tiefster Demuth vor dem russischen Koloß ersterbenden offiziösen Blättern zu stark gewesm. Der„Köln. Ztg." ist nämlich folgendes Telegramm aus Berlin zugegangen:„Der Ton, den leitende russisch« Zei- tungen in den letzten Tagen Deutschland gegenüber angeschlagen haben, hat hier unangenehm berühr', denn er zeigt, daß die An- strengungen, welche Deutschland zur Aufrechterhaltung des Friedens gemacht hat, die verdiente Anerkennung nicht finden und sogar geflissentlich mißverstanden und falsch gedeutet wer» den. Englische und französische Zeitungsartikel haben ihre Be- deutung, aber eine andere, als Kundgebungen der russtschm Presse. Bei letzterer darf man immer mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß sich darin die Ansichten leitender Persönlich- keilen widerspiegeln. Gerade diese aber sollten wissen, daß die deutsche Politik auch in jüngster Zeit wieder eine entschie- den ruffenfrcundliche gewesen ist."— Das klingt beinahe wie «ine osfiz öse Note an die russische Regierung, welche sich na- türlich wenig daran kehren wird. Sie weiß ja. daß sie sich solche kleine Liebenswürdigkeiten bei der thurmhohen Freund« schaft mit Deutschland schon erlauben darf. Die Bismarckfpende hat am Freitag zu einer kurzen Verhandlung in der bayerischen Kammer der Ad- geordneten Veranlassung gegeben. Die Adgg. Burger und Schels beschwerten sich über eine bezirksamtliche Bekannt« machung im Günzburger Amtsblatte, worin Gcm-indekassen und Privaten die Betheiligung an der Fürst Bismarck-Svende nahegelegt wurde. SchelS bemerkt hierzu, die Verwendung der Spende habe den Erwartungen nicht entsprochen. Der königl. Staatsminister sagt eine näbere Untersuchung des Falles zu, bemerkt aber, daß eine Gesetzwidrigkeit in jener Bekarnt- machung jedenfalls nickt vorliege, nachdem es ja jedem Ein- zelnen anheimgestellt ist, etwa« zur Spende bei, u, ragen oder nicht. Die„Pos. Ztg." bemerkte dazu: Das ist in der That ein recht gemüthlicher Standpunkt. Würden die bayerischen Minister es mit eben solcher Seelenruhe gestatten, wenn Be- zirkSämter einmal zu Gunsten der Sammlungen für hervor» ragende Abgeordnete des Bezirks solche Bekanntmachungen er- ließen? Oder ist es besonders paffend, daß von den Behörden solche Samlungen amtlich begünstigt werden, gerade dann, wenn es sich um den obersten Beamten im Reich handelt? Elberfeld, 6. Dezember. Herr Ferd. Gilles schreibt der„Franks. Ztg., die von ihm redtgirte„Freie Presse" sei kein Organ der Arbeiter-Parlei, sondern wolle einlach ein Organ Sr das werkthätige Volk sein. Das Blatt sei auch kein Organ r demokratischen Partei, sondern solle lediglich sachlichen Interessen dienen.— Herr Gilles scheint sich selbst nicht klar über die Tendenz des von ihm gegründeten BlatteS zu sein. Berichtigung. In der Notiz der„Politischen Ueberficht" Nr. 287, anfangend„Der Abg. Eugen Rich er", muß selbst- verständlich in der dritten Spalte, Zeile 15, daS Wort söge» nannte wegfallen. Holland. Von dem Eonalisten Fortuyn, der an den neulich en De- monstrationen in Amsterdam in hervorragendem Grade thell- nahm, ist den erwerbslosen Arbeitern in einer öffentlichen Ver- sammlung der Rath ertheilt worden, eine„Bettelgefolglchaft" (wohl im Hinblick auf die historische Organisation der Geusen) zu organistren. Diese Propostlion hat den Beifall verschiedei'er Arbeitervereine gefunden. Die Regierung hat in derselben eine Aufreizung zur Begehung einer ungesetzlichen>!) Handlung «blickt und sofort Befehl zur Verfosgung Fortuyn's ertheilt.— Aus diesem kurzen Bericht, den wir einem auswärtigen Blatte entnehmen, ist nicht klar«sichtlich, um was es sich handelt. Es wird daher Näheres abzuwarten sein. Jene« Geheimviß mußte«gründet w«den, e« war ohne Zweifel der Schlüssel zu allen späteren Ereignissen. Siegfried ttat in da« Gebäude des Polizeipräsidium«, er war entschlossen, den Weg, den er sich vorgezeichnet hatte, zu virfolge«. und alle Mittel zu benutzen, um da« Zi>l zu- «reichen. D« Polizeipräsident empfing ihn in seinem Ka» binet, Siegfried war mit ihm befteundet,« hatte seine Hilfe schon oft in Anspruch genommen. „Was verschafft mir heute die seltcne Ehre?* fragte d« Präsident, nachdem« dem jungen H«rn einen Sessel angeboten hatte.„Wieder einmal ein Räthsel, dessen Lösung mir übertragen wird?* „Und dazu ein sehr schwere« Räthsel," erwiderte Sieg- fried,.eine delikate Angelegenheit—" „Hm— sie greift in die höhnen Kreise«n?' .Da« gerade nicht. Kennen Sie den Brud« der Ge» uttalrn von Stuckmaun persönlich?" „Ich lernte ihn vor einem Jahre kenne»;« wünschte, mir vorgestellt zu werden, und bei irgend einer Gelegenheit, deren ich mich augenblicklich nicht mehr erinnere, wurde dieser Wunsch«füllt.*. „Darf ich Sie ftage«, welche« Emdruck« auf Sie ge» „Emen angenehme« nicht.* sagte der Präsident rasch, .sein scheuer, unstät« Blick gefiel mir nicht, und fem Be- streben, sich mir qegenübn liebenswürdig zeigen, nschle» mrr auch etwa« auffatlend.* „Diesen Man« habe ich auf« Korn genommen,«- widerte Siegfried,.und wenn ich Sie darauf aufmerksam mache, daß er der Brud« mein« Tante ist, so werden S'e begrerfen, daß die Gründe, die mich dazu««anlassen, sehr wT�ünbe?" statte der Präsident, dessen Blick «wartungsvoll auf dem Gesicht de« jun.en Manne« ruhte. .,Mn jed« Weise zu fördern.»£• aus Washingtoon eingetroffene Depesche, welche durchaus" gründet zu sein scheint, bestätigt das seit einig« Zett im � laufe befindliche Gerücht, welchem zufolge die mexikanische« gierung Arrangements mit China betreffs Hnftellung euh direften Dampf«- Verbindung zwischen letztttem Lanv und% mexikanischen Höfen getroffen haben sollte. Es heißt%% in die betreffende Linie einzustellenden Dampfer würdM England gebaut oder gekauft werden und unt« chiiw»'?ä Flagge segeln. Die Dampf« Linie w«de sowohl von mexikanischen wie von der chinesischen Regierung iubsidiitt� den. Auß« der Bezahlung ein« bestimmten Summe ffl* Postbeförderung werde die Dampfergesellschaft ferner für l' ä nach Mexiko gebrachten ckinefischen Einwander« ein## L «ballen. Wenn stch diese Nachricht wirklich bewahrheiten dürften die Mongolen es bald für gut finden, den uni Gestaden d« Vereinigten Staaten den Rücken zu kcl_ sich nach dem„toleranteren" Mexiko begeben. Die mexit� Bevölkerung sehnt sich natürlich ebensowenig wie die L einigten Staaten nach d« chinestschen Einwanderung, adet� internationale Großkapital betrachtet dieselben als willkov«� Ausbeutungsobjekte. Was scheert es diesem, wenn die- und mit ibnen nach und nach alle weniger kapitalkräftige»-v;, bürg« zu Grunde gerichtet w«den durch die BedürfnißloA> dcr Chinesen? Nehmen die letzteren schließlich überbA'.siij wird es dadurch ungemüthlich im eigenen Lande, so laßt e- 1 ja mit dem zusammengescharrten Golde auch anders»» leben. zokale«. a Der eigentliche Weihnachtszauber beginnt oon � wenn der WeihnachtSmarlt„aufgebaut" ist; man kann � nach wohl mit einiger B«echligung sagen:„Wir M Vorabend großer Ereignisse", denn morgen ist d« S$%iid- «schienen, an dem der Weihnachtsmarkt..aufgebaut D« 11. Dezewb« ist gewissermaßen ein historisch« Tag- tausende von frohen Kinderherzen schnell« schlagen fick dem Gedächlniffe der lieben Jugend viel# fester einprägt, als sonstige historische Gedenftage. Z"«j so suchtsvoll« Erwartung haben uns«e Kleinen dicsem hochwichtigen Tag entgegengeharrt und in Hellem Ju»». � yeut auS vielen Kindnkeblen das große Wort:»Morg' M der Weihnachtsmarkt aufgebaut!" Und soll man unl� n' htm».i.e. a______ v 5i!I vo" dern nicht diese unschuldige Freude gönnen? 31*|rv,.- WethnachtSmarkt mit seinem bunten Schimm«"vLe»� lebhaften Treiben ihnen ein Vorgeschmack aller Freuden, welche ihrer am häuslichen WeihnachtttisM w«den. mit denen sich die jugendliche Phantasie im höchsten Maße beschästigt; können stch dock die P. tysv Kinderaugen gar nicht satt sehen an den ausaesteüU'W� Werten, welche sie am liebsten alle auf ihrem Wtihn°?# tmedetfirden möchten. Hebt doch der WeihnachtSw"'' zkB auf Erwachsene immer wieder seine V' auS und wohl Niemand unterläßt-S. ihm Besuch abmstatten. W« wird nicht gemahnt eigene Kindnzeit, in der noch Hoffnungen und � � brefen Selbstmord glauben und ihn zu erklären such � Genetolin wünscht eine gerichtliche Untersuchuv» � VoifallS nicht; sie ist nach mein« Ansicht in Folg Emdeckung no'hwendig geworden.* „Sie vermuthe« also—*' Wt „3d> bin noch nicht zu Ende, Herr»°j muthmaßliche» Mördn des Doktor« nahm«ch» ««mal in'« Verhör. Ich«fuhr, daß dn Mann. � sS-ÄÄ,-Hä.5e? b. niTx rxÄS» WZZFZW WWW gehen kann." f dt«# „ n*« Polizeipräsident hatte da« Hau?» j ® war im Nachdenken vrrsunke«.-cht»e»" ..Wollen Sie mir diese Schlußfolgerunge«"«o fragte er, i v"5''e iind sehr einfach. Gleich nach d � •- � General« und d« Ermordung de« � F r* W oinem arme» Tagelöhner em« �, x« tausend Thal« unt« d« Bedingung M. � Wanderung. Nachdem diese Auswanderung> bat, wird auf ihn d« Bndacht gelenkt, und? ßiffffLßt# Kammerdiener Rabe'«, d« leider nicht web x* K* werden kann. Jetzt«st wird die Mordwaffe„cf y ort Ausgewanderten gefunden, jetzt..Drohtet!? Kammndienn sich, daß d» letztere du„ t'» gesprochen hat.« wolle an dem Dokior � leidigevd«, Grobheit Rache nehmen. J. � gu! Jahre» kehrt d« Ausgewanderte zurück, er w �uigsMthen vom Sturme des LebenS geknickt, voll Wehmuth der Familienvater der Zeiten, wo auch seinen Kindern «Li/jl, Traum zerstört sein wird. Und ach! diese Zeit ist sprach nicht gar fem, den« viele, viele wandern durch die An Reihen der Budm in dem bitteren Bewußtsein, auch 'Yr ein Stück von all' den Herrlichkeiten erwerben zu können. o/Js blick der Schätze ist oft daS Einzige, was er seinen «nvern als Weibnachtsgabe bieten kann, und obgleich er weiß, ü? durch diksen Anblick tausend unerfüllbare Wünsche in den Mm seiner Kinder Wurzel fassen, so versagt er diesen doch �Zweifelhaften Genuß nicht, sondern geht mit ihnen auf u? Weihnachtsmarkt und vergißt in der allgemeinen Lustbar- schließlich seinen eigenen Schmerz. Last und Freude über« - Der Menschenstrom, der sich durch die Weihnachtsbuden er steht zumeist� nur die glänzende Außenseite deS All'V' � �»V---- u, «l'ch'wchtsmarltes, nur Wenige mag er in fich bergen, welche s?,-'e Schattenseiten desselben vergegenwärtigen, die Leiden und Mehrungen und das Ungemach, dem die Händler und Ver- Mer bei Wind und Wetter, Frost und Nässe ausgesetzt find, 2 Die schönen Hoffnungen auf ein gutes Weihnachtigeschäft, ri°uch ihnen vielfach unerfüllt bleiben. Gar viele von ihnen Mm auch enttäuscht und kummervoll wieder von dannen föf dennoch kommen fie immer wieder, trotz aller '««en Erfahrungen, gleich den großen Kindern, die ihre ein- �"Hoffnungen und Wünsche längst zu Grabe getragen! j,£ Weihnachtsmarkt ist einmal zu einer liebgewordenen Gr- Jde« geroordtn, und wenn auch viele sagen, der Weihnachts- fL? daffe nicht mehr in den Rahmen der Weltstadt,— der "nft läßt doch nicht von seinem Weihnachtsmarkt. „ e. Ctudentenstreiche. Die akademischen Bürger unserer MirstUkt scheinen fich im gegenwärtigen Wintersemester be- Meri bemerklich machen zu wollen, und zwar in einer für rk�lcht immer vortheilbaften Weise. Am vergangenen Sonn« SP pasfirten vier dieser jungen Leute die Oranienstraße; fie '•uttn dem Kondukteur eines Pferdebahnwagms der Linie »orlitzer Bahnhof— Behrenstraße, halten zu lassen, welchem Mische dieser erst an der nächsten Haltestelle entsprechen f°nnte. Die Vier nahmen nun im Wagen Platz und regalutm yP.�chaffner mit so unfläthigen Schimpfwörtern, daß daS xuslikum einschritt und die Entfernung der Vier aus dem Men verlangte; der Schaffner rief also einen Schutzmann JP« und die vier Akademiker wurden expedirt; hierbei konnte S1« derselben es nicht unterlassm, noch beim Verlassen des Men dem Schaffner schnell einen wuchtigen Schlag ins Gi' £1 tu versetzen, worauf die Vier in einem nahen Restaurant schwanden. Entrüstet verlangten die Anwesenden die polizei« g* Feststellung des Namens des Ucbelthäters; mehrere Herren •gen aus und gingen mit dem Schutzmann in das Lokal; 1 laßen die drei Begleiter des Gesuchten um einen Tisch, �«n fich schnell ihrer Ueberzieher entledigt und thaten, alS Irf,* Ü llänsst beim Zechen wären; nach dem Vierten, der fich Wetj ßedtMt hatte, befragt, behaupteten fie, diesen garnicht PJoinm. Es wurden deshalb zunächst die Personalien der Drei llSestclit und eS wird wohl möglich sein, den Uebelthäter zu SP�ln. Muthvoll und anständig kann man das Verfahren -vier in diesem Falle gewiß nicht nennen, und es wäre L' wenn fich die Studirenden von Außerhalb— die Ein« Nochen wissen eS— ein für alle Mal merken wollten, daß r®?.keineswegs in erster Reihe Univerfitättstadt ist; Berlin .„ Weltstadt und als solche wird Ruhe und Ordnung außer Uh* iedkin ihrer Bürger auch noch von einer sehr ausgiebigen strammen Polizei gehandhabt. Was in Jena oder Jungen ein fideler Burschenstreich ist, kann unter dem Drucke Berliner Verhältnisse leicht eine folgenschwere That wer« tifuv""* In einem wohlthuenden Gegensatz zu dem oben ge« Vorfall steht ein anderer. Am Dimstag Nachmittag drei flotte Studenten eine Partie durch den Grüne« Trotz deS kalten, nebligen WettcrS schritten ste Köhlich ■Jwtd aus dem gefrorenen Fahrweg entlang, wie das eben ...viunae Leute können, denen der Schrecken einer Ei kältung im ü Heiserkeit nicht sonderlich imponirt. Da liegt seitwärts .. Chausseegraben eine wehklagende Frau; ste ifi beim Tragen Kiepe mit Reistgholz und als fie den Chausseegraben Uchretten wollte, fehlgetreten und hat fich eine so schmerz« Verstauchung des einen Fußes zugezogen, daß es ihr un« L°l>lich ist, mit ihrer Last vorwärts zu kommen. Schnell find � Drei bei der Hand; der eine hockt den Korb mit Reifig (h.t vvv—----- y ff1' die anderen Beiden nehmen ...... fie fort. Freilich ist noch eine weite Strecke die Frau bei den bis nach Schmargen« dorthin will die �en und führen ist., lst noch eine w.»».—..... fiirfi« r°ber hilflos kann man fie doch hier nicht liegen lassen, lle und hinter den drei Samaritern her kommt eine oon einem ältlichen Herrn und einer jüngeren »üb! besetzt ist. Auf ein Zeichen der Drei hält der Kutscher foRt' m" �er Kiepe auf dem Rücken hält in gravitätiicher eine wohlgesetzte Ansprache an die Equipagen-Jnsassen, er ihnen viel Schmeichelhaf'es sagt, besonders aber der LP? Dame. Diese lächelt, rückt ein wenig bei Seite und iL Wt die arme Frau auf dem Rücksttz des Wagens und stii r.uLPe, Reifig thront vorn bei dem Kutscher. Unter � ledhaftesten akademischen Segenswünschen der drei rollt w»„ damaligen Zeugenaussage verhaftet. Und jetzt taJ stch heraus, daß noch ein Dritter jenes Gcheimniß L,.;'°er Gärtner, der bisher nicht den Muth gehabt hat, losen air zu reden. Das Gewissen gebietet ihm, dem schuld« »>ed°. k �klagten beizustehen, er hat das, was er weiß, �!li, schoben, a faj,n sich also nicht inen, aber er ist so A�über w der Gesindestube zu plaudern, und der überbringt die Drohungen deS Gärtner» seinem Q A, Man verzichtet auf den Versuch, die Verschwiegen- dies.�?iners zu erkaufen, weil man nur zu wohl weiß, daß » r � nn der ehrenhaften Gesinnung deS alten KfL., schettern würde; man raubt ihm die Papiere und hat � � sie. Der Gärtner weiß, wer die Papiere gestohlen zesirjp droht, und jetzt bleibt nichts weiter übrig, als die «N-chen Lippen stumm zu machen." tzoli,? �mned brach ab, erwartungsvoll blickte er den �Präsidenten an, der langsam auf und ab wanderte. her lrtfie Slauben also, der Angeklagte sei schuldlos?" ftagte �-.«ach einer Pause.' �ise'ri f?nn au seine Schuld nicht glaube«, so viele Be« siir dieselbe zeuge« mögen." fürchten Sie nicht, daß Sie in Ihren Ver- , Jl11 ßu weit gehen könnten?' 7 h« weit entfernt, diese Vermuthungen al» un- % y,x.P'chttg zu bezeichnen," erwiderte Siegfried,„aber mit zugeben müssen, daß—" »en l.'ann darüber nicht urthelle». Herr Assessor. %»... die Untersuchung gegen Rabe aufnehmen, so '-- Sie allem verantworte« «me Sache, die a6�eti?,Ü®?rtUtt0 muß ich allerdings allein über- °�-rf ,ch ju der Sache selbst auf Ihre Unter« !» fA?_ , �lten Ä®ie mir nur, worüber Sie Aufschluß HfkMWRW �%%%% und welche Lebensweise er führt, auch der jetzige Kammerdiener beobachtet daS flotte Fuhrwerk davon, für das der Abstecher nach Schmargendorf nicht groß in Bettacht kommt. Im nächsten Gasthause aber ttinken die drei auf daS Wohl der Equipagen« defitzer; der Redner mehr auf das Wohl der jungen Dame, deren schöne Augen ihm einige Zeit Stoff zum Nach« denken geben, bis— er ein Paar schönere gesehen hat. Auf der Pferdebahnstrecke Moabit-Charlottenburg kurfirlen bisher Einspänner ohne Kondukteur. Der Kutscher hatte die Ausgabe, auch das Fahrgeld einzukasstren. Vor we« nigen Tagen wurde auf dieser Strecke ein Kind überfahren. Das Polizeiprästdium nimmt an, daß die anderweitig in An« spruch genommene Aufmerksamkeit den Kutscher verhinderte, Pferde und Geleise genügend im Auge zu deHalten und hat deshalb die Einstellung von Schaffnern auch auf dieser Sttecke angeordnet. Seit gestern sungiren dieselben bereits. Vor zwei Wochen brachte der„Pester Lloyd" unter der Ueberschrift:„A Berlin L" den einleitenden Artikel zu einer längeren Reihe von Aufsätzen über die Hauptstadt des Deut« schen Reiches, der mit überaus freundlichen Worten fich ein« führte, und in dem der Verfasser ganz offen eingestand, daß der Zweck der Reisebriefe sei, Berlin zu huldigen, von dem er neidlos eingestand, daß eS einen überwältigenden Eindruck auf ihn gemacht habe. Im ersten Briefe war der ungarische Ver« fasser bis Breslau gelangt. Man durfte auf die Fortsetzungen gespannt sein. Nun aber find ste ausgeblieben, kein Wort er« wähnt ste, es wird nicht angekündigt, daß die Veröffentlichung vielleicht später erfolgen wird. Was ist geschehen? Waren die Briefe vielleicht z u freundlich? Es wäre recht interessant, zu fahren, warum uns die Schilderung Berlins, die so anmuthend begann, vorenchatten werden soll. Die Untersuchung gegen die deS GattmmordeS ver« dächtige Frau Marunge und deren beide leibliche Söhne nebst ihrem Pflegesohne ist. wie die„Staatsd. Ztg." mittheilt, ttotz der kurzen Zeit seit der Einleitung derselben doch schon ihrem Abschlüsse nahe. Trotz des beharrlichen Leugnens der vier Beschuldigten ist das Beweismaterial ein erdrückendes, so daß der Erhebung der Anklage nichts mehr im Wege steht. Dazu melden fich noch täglich neue Zeugen, welche mehr oder minder erhebliche Details und I dizien zusammentragen. Nach Lage der Sache dürfte die Hauptv rhandlung desMordprozesses schon in der nächsten, Mitte deS küt ftigen Monats stattfindenden Schwur» gerichtsperiode am Lar ogericht n stattfinden. R. Nasenwürme v Wie gefährlich diese Parafiten der Hunde dem Menschen werden können und wie wenig auf diese Gefahr geachtet wird, oavon kann man fich täglich überzeugen, wenn man die unnatürlichen und übertriebenen Zärtlichkeiten steht, welche viele ihren Hunden angedeihen lassen. Die junge Frau deS Kaufmann» GanSberg, auf dem Platz vor dem neuen Thor wohnend, behandelte ihr Wachtelhündchen mit der größten Zärtlichkeit, küßte dasselbe täglich wiederholt und der dankbare Hund erwidette diese Liebkosungen nach seiner Manier. Vor einigen Tagen fühlte Frau G. in der Nase ein eigenthümlicheS Brennen und Jucken und eine starke Entzündung machte fich bemerkbar. Der zu Ruthe gezogene Arzt konstatirte sehr bald, daß Frau G. durch Uebertragung von ihrem Hunde Nasen- Würmer erhalten habe. Ihre Zärtlichkeit für den Hund muß die junge Frau jetzt empfindlich büßen, da der Heilungsprozeß ein sehr langwieriger und schmerzlicher ist. Wasserstand der Spree in der Woche vom 22. bis 28. November.(Angabe in Metern.) Poltzeibericht. Am 8. d. M. früh entstand beim Koaks« verkauf in der städtischen GaSanftalt in der Müllerstraße ein solches Drängen des kaufenden Publikums, daß eine in der Krffelstraße wohnhafte Frau im Gedränge derart gedrückt wurde, daß fie des Gehens unfähig war. Obgleich äußerliche Verletzungen nicht wahrnehmbar waren, wurde fie doch nach der Charit« gebracht.— An demselben Vormittage fiel der Fischhändler Liborius, als er mit seinem Hundewagen die Burastraße pasfirte, in Folge Ausgleitens zur Erde und erlitt eine Verstauchung deS rechten Fußgelenks, so daß er fich mittelst Droschke nach seiner Wohnung begeben mußte.— In der Nacht zum 9. d. M. entstand in der Bergstr. 69 in einem Pferdestalle, wahrscheinlich in Folge Herunterfallens einer Lampe. Feuer, welches zwar durch Hausbewohner noch vor dem Eintteffen der Feuerwehr gelöscht wurde, jedoch erst, nachdem das im Stalle befindliche Pferd erstickt war. Oerichts-Zeituns. P. Beleidigung eines Gerichtshofes. Am 6. Oktober d. I. befand stch der Hundehändler Blasdorf aus Rixdorf in werde«. Ich habe Sie von meinen Vermuthungen unter- richtet und überlasse e« jetzt vertrauensvoll Ihrem bewährten Scharfsinn, die Mittel zu wähle«, die zu einer Entlarvung führen können." „Ich glaube, Sie habe« bessere Mittel; üben Sie eine Pression auf den UnteisuchungSgefangenen—" „Soweit ich das kann und darf, wird et geschehen." „Und haben Sie auch bedacht, Herr Assessor, was Ihre Frau Tante dazu sagen würde, wen« Sie ihre» Bruder eine» so furchtbaren Verbrechens beschuldigen?" .Ich darf darauf keine Rücksicht nehmen," erwiderte Siegfried;„hat Rabe das Verbrechen begangen, so muß cS gesühnt werde«, die Generali« wird mir darin beipflichten. ES handelt sich hier nicht um die Ermordung des Doktors allein, sonder» um ein zweite» Geheimniß, von dem ich wohl annehmen darf, daß es mit jenem Verbrechen in enger Verbindung steht. Die Erforschung dieses Geheimnisses habe ich mir zur Aufgabe gestellt, und ich werde nicht ruhe», bis ihre Lösung mir gelungen ist." Der Polizeipräsident zuckte die Achseln und warf einen Blick auf seine Uhr; Siegftied erhob stch. „Erinnere ich mich recht, so sagte mein Papa mir ein» mal, sie feie« mit dem Freiherrn von Lossow sehr be- freundet," fuhr der letztere fort;„ist das wirklich der Fall, so werden Sin durch eine baldige Entlarvung Rabe'« auch dem Freunde einen große» wichtigen Dienst leisten." „Wie soll ich da« verstehen?" ftagte der Präsident. „So viel ich weiß, ist Herr von Lossow mit dem Bruder der Generalin befreundet." „Mehr als da«. Rabe wird sich mit Fräulein von Lossow verloben, sobald seine Erhebung in den Adelstand Thatsache geworden ist; die einleitende» Schritte sind berett» geschehen." „WaS sage« Sie da, Herr Assessor?" „Die Wahrheit, aber e» muß unter uns bleiben!" „Fräulein von Lossow soll bereits Braut des Herrn Rabe fein?" erwiderte der Präsident, der seiner Auftegung kaum gebiete» konnte.„Das kann ich nicht glaube»!" „Ob die bindenden Worte bereit« gewechselt find, weiß dem Zuhörerraum deS dortigen Schöffengerichts, welches a» jenem Tage über einen seiner Freunde in einer Anklagesache wegen Hehlerei Recht zu sprechen hatte. Der Freund war auf Grund schwerwiegender Indizien zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt worden und sollte auf Antrag der Amtsan waltschast durch Beschluß des Schöffengerichts sofort im Gerichtssaal ver« haftet und abgeführt werden. Bevor dies letztere geschah, ver- suchte der vemrtheilte Freund, seine Uhr und Geld dadurch in Sicherheit zu bringen, daß er diese Gegenstände dem BlaSdorf zusteckte. Der Vorfitzende des Schöffengerichts vereitelte jedoch diese Abficht, indem er den im Saale anwesenden Gendarm beorderte, dem Blasdorf Uhr und Geld wieder abzunehmen. Darüber aufgebracht, rief nunmehr BlaSdorf seinem Freunde zu:.Lege Appellation ein, das ist ein ungerechtes Ur- theil!"— Infolge dieser Aeußerung wurde gegen Blasdorf wegen Beleidigung deS Schöffengerichts Anklage erhoben und der Genannte hatte stch wegen dieses Vergehen» gestern vor der Elrafkammer des Landgerichts II zu verant- warten. Der Vertheidiger des Angeklagten, Justizrath Dr. Book, plaidirte auf Freisprechung deS Angeklagten, welcher im Audienz» Termin den Einwand erhob, daß er mit jener Aeußerung nur den verurtheilten Freund habe auf die„Unrichtigkeit" des Ur« theils aufmerksam machen, nickt aber das Gericht beleidigen wollen. Der Staatsanwalt führte dagegen aus, ob der Ange- klagte diese angebliche Abficht gehabt oder nicht, sei gleichgiltig, denn festgestellt sei durch den in jener Sitzung amtirenden Ge» richtsschrerber, daß der Angeklagte das ergangene Uttheil als ein„ungerechtes" bezeichnete.— Der Gerichtshof erachtete den Angeklagten der Beleidigung für schuldig und erkannte auf 1 Woche Gefängniß. Gleich, eitia ertheilte der Gerichtshof den in jener Sitzung beleidigten Schöffen des Amtsgerichts zu Rixdorf die Befugniß, dieses Uttheil in der„Rixdorfer Ztg." zu publiziren. Unschuldig verurtheilt. Rechtsanwatt Dr. F. Fried« mann hatte von dem vor ca. 3 Monaten von der ersten Straf- kammer hiestgen Landgerichts l wegen eines schweren Diebstahls zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilten Arbeiter K. das Mandat erhalten, einen Wiederaufnahme> Anttaz an das Gettcht zu richten, und hat fich in Folge dessen aestem zu seinem noch in der Untersuchungshast befindlichen Mandanten begeben. In- zwischen ist es nun gelungen, den wirklichen Dieb, als welcher K. vom Gettcht angesehen und verurtheilt ist, zu ermitteln, und hat demzufolge die Strafkammer die Entlassung des unschuldig Veruttheilten angeordnet Dieselbe ist bereits heute erfolgt und dürste der Erfolg des demnächst einzureichenden Wiederaufnahme Antrages keinem Zweifel unterliegen. Eine Neuerung unserer deutschen Strafprozeß-Ord- nung bezüglich Auferlegung der Kosten auf den Antragsteller gelangte gestern zum ersten Mal hier zur Anwendung. Der Apotheker B. etablirte vor einigen Jahren hier ein Droguen« geschäft und erhiett hierzu von dem Schneid rm erster Grüner, einer in den Kreisen der Geldverleiher dekannten Persönlichkett» ein Darlehn von mehreren hundert Mark. Zu seiner Sicher« heit, namentlich aber zur Sicherung gegen etwaige Pfändung seitens andrer Gläubiger, schloß B. mit G. einen Verttag, nach welchem ersterer sämmtliche Laden- utenstlien von dem letzterem gegen einen bestimmten Miethsbetrag gemiethet hat. Noch bevor B. an Grüner das ganze Darlehn zurückgezahlt hatte, gerieth er in Vermögensverfall und verkaufte seine Badeutenfilien. Grüner denunzirte B. wegen Unterschlagung dieser ihm nur vermietheten Gegenstände. Die Staatsanwaltschaft wies aber die De- nunziation als nicht genügend begründet zurück und einen gleichen Erfolg hatte die gegen den Bescheid der Staatsanwalt- schaft bei dem Oberstaatsanwalt eingelegte Beschwerde. Da« gegen verfügte aus den Antrag des Grüner auf gettchtliche Entscheidung der Strafsenat des Kammergettchts die Erhebun der öffentlichen Klage, in Folge dessen der Apotheker B. vor der 87. Abtheilung des hiestgen Schöffengettchts zu verantwotten hatte. Sein Vcttheidiger Rechtsanwalt L'ysersohn machte im Termin auf einen Punkt aufmerksam, der vom Kammergettcht gar nicht in Berückstchtiaung ge- zogen war. nämlich darauf, daß der Angeklagte die Utenfilken selber gekauft und bezahlt hat. ohne fie jemals dem Denunzranten und Antragsteller zum Eigenthum zu übergeben. War aber der Angeklagte Eigenthümer dieser Sachen, so konnte er auch keine Unterschlagung daran begehen. Die Simulirung des Lelhvertrages ergebe sich hieraus aber zur Eoidenz. Der Gerichtshof erkannte bei dieser Sachlage nicht nur auf Frei- sprechung des Angeklagten, sondern legte dem Antragsteller in Gemäßheit des§ 504 Stt.-Pr.-O. auch die Kosten des Ver- fahrenS und der dem Angeklagten erwachsenen nothwendigen Auslagen auf. Der angezogene Paragraph ordnet nämlich an, daß auf denjenigen, welcher die Erhebung der öffentlichen Klage durch einen gettchtlichen Antrag erzwungen hat, die Be- stimmungen über dle den Privatkläger treffenden Kosten An« wendung finden, wenn der Angeklagte freigesprochen oder außer Verfolgung gesetzt wird. Die Verhandlung in der SKafsache gegen den früheren Gerichtsvollzieher Rindfleisch ist auch gestern noch nicht zu Ende geführt und wird am nächsten Sonnabend fortgesetzt und wahrscheinlich beendet werden. ich nicht," sagte Siegfried, der sich die Ursache dieser Auftegung nicht erklären konnte,„ich weiß nur, daß Herr von Lossow Schritte gethan hat, um Rabe unter dem Name»: von Lossow- Rabe in de» Adel- stand erheben zu lassen. Wird dieses Gesuch nicht genehmigt, so wird wohl auch die Verbindung nicht zu Stande komme», deshalb bitte ich Sie nochmals um Ver« schwiegenheit." Der Polrzeipräsident nickte zustimmend und drückte dem junge« Herrn die Hand mit dem Verspreche», daß er ohne Verzug einen tüchtigen, erfahrenen Beamte» mit der Lösung der schwierigen Aufgabe beaufttagen werde. Siegftied athmete erleichtert auf, als er da« Gebäude verließ, der erste Schritt war geschehe», und auf die euer- gische Unterstützung seitens der Polizei durfte er jetzt mit Sicherheit rechnen. Sobald er eine ruhige Stunde fand, wollte er da« Gepäck de« Amerikaners untersuchen, es war möglich, daß er in demselben Papiere fand, die ihm eine« Haltpunkt boten; daneben hoffte er noch immer, daß der Angeklagte sich endlich doch zur Enthüllung deS Geheimnisses bequemen werde, wenn eine längere Haft seinen Trotz gebeugt, und er die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß er ohne dieses Geständniß dem Zuchthaus verfalle« war. Es war unnütz, sich über das Geheimniß selbst dm Kopf zu zerbrechen, so lange eS ein undurchdringliche» Dunkel umgab, man konnte nur aus allen vorge- fallenen Ereignissen vermuthen, daß eS ein furchtbare«, ge« fährliche« Geheimniß war, ei» Geheimniß, dessen Enthüllung Rabe vernichten mußte. Alle diese Gedanken traten in de« Hintergrund zurück, als Sregftied bald darauf an der Tafel seinem Vater ge- genüber saß. So Hefter hatte er den alten Herr« selten gesehen, er mußte daraus den Schluß ziehe», daß die Aussöhnung be« reft« stattgefunden hatte. (Fortsetzung folgt.) Kereine und Uersammlungen. w. Behufs Gründung einer PenfionS« Zuschußkasse für die Beamten und Hilfsarbeiter, sowie für deren Eheftauen hielten die Beamten und Hilfsarbeiter des Magistrats und der städtischen Werke am Montag Abmd im Bürgersaale deS Rath« hauseS eine Versammlung ab. Es wurde daS Etatut für die« selbe angenommen, welches der Versammlung von dem zur Vor- berathung eines solchen in einer früheren Versammlung ge- wählten Ausschuß vorgelegt worden war. Nach erfolgter Konftituiiung der neuen Kaffe nahm die Versammlung sofort die Wahl deS Vorstandes vor. Aus dieser Wahl gingen her« vor die Herren Bureau-Direktor May alS erster Vorfitzender, Bureauvorsteher Gettwart als zweiter Vorfitzender, Bureauvor- steher Fiedler und Echilling l und Kontroleur Urban als Bei« fiyer. Wie wir hören, wird der Vorstand von der Gründung der Kaffe, welche sehr segensreiche Folgen haben dürste, den in der Versammlung nicht anwesend gewesenen Beamten Kenntniß geben und nach erfolgter Sammlung der Beitrittserklärungen dem Magistrat dai Statut zur Genehmigung vorlegen, unter Mitlheilung der Zahl der Mitglieder der neuen Kaffe. th. Polizeilich aufgelöst wurde die Mitgliederversamm« lung deS Vereins der Arbeiterinnen im Norden Berlins, welche am 8. d. M. Linienstr. 30 stattfand. Ein angesetzter Vortrag deS Herrn Dr. Lütgenau wurde von dem anwesenden Polizeilieutenant inbibirt, weil, wie derselbe bekundete, der Bortrag nicht polizeilich angemeldet worden war, die gemeldete Tagesordnung vielmehr lautete:„Wir wollen uns zanken." Sämmtliche Männer wurden auS dem Saale gewiesen, die Be« richterstatter mußten fich als solche legitimiren. Wunderbarer Weise kam die intbümlich angenommene Tagesordnung den noch zur vollen Geltung, in dem zwischen Frau Cantius und Frau Pötting ausgebrochene Differenzen, in Folge deren fich Frau Pölling veranlaßt sah, ihr Amt alS erste Vorfitzende niederzulegen, zum Austrag gebracht wurden, bei welcher Ge- legenheit fich die G-müther derartig erhitzten, daß die polizei- liche Auflösung erfolgte.— Das von demselben Vereine vrojek- tirte Kränzchen, welches am 5. d. M. im„Deutschen Kaiser" stattfinden sollie, ist polizeilich verboten worden. An deffen Stell« ist für nächsten Dimstag ein geselliges Beisammensein mit Gästen in Ausstcht genommen.— Der Verein zur Wahrung der Interessen der Arbetterinnen feiert am 21. d. M. Weih- nachtsbeschecrung mit Tanzunterhaltung, während im Januar nächsten Jahreö ein Maskenball stattfinden soll. Derselbe Verein richtet an alle Arbeiterinnen folgenden Aufruf: Die in der Mitgliederversammlung des Vereins zur Vertretung der Jntereffen der Arbeiterinnen gewählte Fackkommisston, welche die Autgabe hat, die Mängel und Schäden innerhalb der Frauenarbeit aufzudecken und zu mildern, richtet an die Arbeiterinnen Berlins aller Branchen die Bitte, ihr doch thatkrästig durch Zusendung von Material über Arbeitsoer» hältniffe resp. AcbettSlöHne, Arbeitszeit jc. zu unterstützen, damit dieselbe um so eher in die Lage kommt, ernstlich an die Hebung der Lage der Arbeiterinnen herantteten zu können. Diesbezügliches Material bitten wir an Unterzerchnete, ent» weder mündlich oder schriftlich einzusenden gez. Frau Kreutz. Skalitzerftraße 28; Fräulein Wabmtz, Petristraße 10- Frau Neßlich, Pallisadenstraße 6; Frau Gudela, Frankfurter Allee 109. An die Drechsler und verwandten Berufsgenossen Berlins. Kollegen! Am heutigen Tage, Abends 8'/, Uhr, findet in den unteren Sälen bei Gtatwcil, Kommandanten« straße 77—79, eine Generalversammlung st alt.(Tagesordnung stehe gestriges Inserat im„Berliner Volksblatt" und heutig«» Säulenanschlag.) In Anbettacht dieser wichtigen Tagesordnung richten wir an Euch die Mahnung, recht zahlreich zu erscheine» resp. dafür Sorge zu tragen, daß mindestens jede Werfst»» vertreten ist. W>r glauben umsomehr diei von Euch verlange« zu können, da vor Weihnachten keine Versammlung mehr statt' findet, und da diese Versammlung dm Abich uß unserer die!« jährigen Lohnbewegung bedeutet. Daß dieser Abschluß cm guter wird, dafür zu sorgen liegt in Eurem eizmen Interesse- Verein Berliner Mechaniker. Versammlung am ZW nerstag, den 10. Dezember, Abends 8Vi Ubr, im Restaurant Menck, Alte Jakobstr. 128. Tagesordnung: Vortrag des Herr» Halle über Armwinkel Apparate der Krystallopttk unter führung von Instrumenten verschiedener Konstruktion.®»n{ willkommen. Gewerkschaft der Metallarbeiter verlins und U«' gegend. Große öffentliche Grcneralversammlung Metallarbeiter Berlins und Umgegend am Sonntag, 13. Dezember 1885, Vormittags 10'/, Uhr, im Wedding>Park, Müllerstr. 178 Tagesordnung: 1. Zweck und Ziele der% werkschast. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Tie Wicktiofe« der Versammlung macht daS Erscheinen eines jeden Mall« arbeiterS zur absoluten Nothwmdigkeit. Eine öffentliche Versammlung von Kaufleuten finAt am Donnerstag, den 10. Dezember, Abends 8'/, Uhr, in Salon, Kommandantenstr. 72, statt. Tagesordnung:™ Presse und die Handlungsgehilfen-Bewegung. Theater. in Opernhaus. Heute: Coppelia. Vorher: Der bettogene Kadi. Schausvieldau«. Heute: Der verwunschene Prinz. Vorher: Gastrecht. Deutsches Theater. Heut«: Romeo und Julia. Kriedrich-Wilhelmstidtisches Theater. Heute: Pariser Leben. Siefldenz-Theater. Heute: Slara Eoleil. Vorher: Die Schulreiterin. Wallner-Theater. Heute: Der Registrator auf Reisen. Belle-Alliauee-Tbeater. Heute: Lug und Trug. Vorher: Die Sünderin. Walballa-Operetteu-Theater. Heute: Meffalina. Eeutral-Theater. Alte J-kobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Zum 130. Male: Die wilde Katze. Sesanaspoffe 4 Akten von W. Mannstädt, Musik von G. Steffens. LouisenstSdtische» Theater. Direvion: Jos. FirmanS. Heut«: Czaar und Zimmermann. Osteud-Theater. Heute: Dorf und Stadt. Theater der Sieichshalleu. k äglich: Aufr-.ten sammtlicher Spezialitätm. American-Theater. Liglich: Auftreten sämmllicher Spezialitätm. Kaufmauu's ▼»riet«. Xiglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. «outordta. Täglich: Auftretm sämmllicher Spezialitätm und theatralische Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute: Mit theilweise neuen Dekorationen und Kostümen. Hinko, oder: König und Freiknecht. Drama in 6 Allen und einem Vorspiel von Ch. Birch Pfeiffer. Bor der Vorstellung: Großes Konzert der HauSkavelle. Anfang des Konzerts Wochentag» 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Anfang deS Konzerts Sonntags 6 Uhr, der Vorstellung Won» habm Wochentags GiMgkeit und find im Theaterbmeau _(12-1 Uhr) gratis zu haben. Es mehr# Caslno. Orauieuftraße 24. Naunynftraße 65m. Täglich: Grosse§pezlmllt&teB-Vorstelluir. Neu! Austreten deS berühmten Mignon-Tänzerpaare» Ge« fchwister Koottit, deS TranSformattonStünstlerS Hm.Klüsselli» he» urkomischm Willms, der Wiener Duettistm Geschwister Kranke, der Chansonettm Frl. Büre«, Lazarini. Krüger» sowie Spezialttätm l. Ranges. Näherei die Tagesprogramme. Wochentags Anf. 8 Uhr, Sonntag» Ans. 6 Uhr. land. m Reise Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bis 10 11. Ab. Kaiser-Pauorama. Eine Reise durch Ober-Jtalien. Pom» p e j t. Eine Wanderung durch d- maler. Schott- e r t h a« Reise. Karolinen-Palao- Inseln. Psg., Kinder in» 10 Pf. FamllienbilletS. Danksagung Allm Denjenigen, welche am Sonntag, den 6. Dezember, meinem Mann, dem Knopfmacher H e i n r i ch R i ch t e r, die letzte Ehre erwiesen haben, sowie dem Ardeiter Bezirksverein „Süv-Ost", sage ich hiermit meinen herzlichstm Dank. 176_ Die Hinterbliebenen. Neu eröffnet. G. Richter s Restaurant. Kottbuserstr. L.fMer AlleLinde� empfiehlt seinen neu eingerichteten Saal für Vereme. 150 bis Schön- und Schnellschreib gär Unterricht!-WH Unterzeichnete Dresden erstraße 10 der HB jeden Dienswa und Freitag Steglitzer. (xastaT Mlethke, 22861 Kalligraph und Echreiblehrer. Steglitzerstraße 65. Reichhalttger Abendtisch. Zu jeder Tageszeit: Kuiasberger Fleck, i Portion 25 Pf. Einem geehrten Publikum empfehle mein Mcijj-& Reichhaltiger kalter ud warmer Frühstücks«. sAf Mittagstisch v. 12-2# mit Bier& Kouoert%% Arbeltsnmchwels für KlmTlermrbelter. achtungsvoll Hermann Stramm, Uekaurateur, Skalitzerkraße 18. Große öffentliche Arbeiterinnen> Vers ammluna Jreitag, den 11. d. Mt8., Abends 8 Uhr, in flloHimann s Saaf, Gr. Frankfarterstr 117. Tagei-Ordnung: Vortrag des Herrn M e tz n e r über:„Die heutige Lage der Frau." 2. Diskusston. 3. Verschiedene?. Männer haben Zutritt! verein zur Vertretung cker Interessen cker Arbeiterinnen. Mitglieder-Veis ammlung Donnerstag, den 10. Dezember, Abends 8 Uhr, tu Gratweil'« Bierhalleu, Sommandantenstraße 77/7». Tages-Ordnung:[174 Innere Vereinsanaelcgenheiten.— Die BilletS zu dem am Dienstag, den 29. Dezember, stattfinden Weihnachts- Vergvügen zum Preise von 30 Pf. find in der Versammlung zu haben.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet __ Der Vorstand. Central-ÄranKen- u. Sterbe.Kasse der Fabrik- u. Handarbeiter b. G. (E. H., Dresden). Versammlung der Mitglieder sämmtlicher Berliner Verwaltungsstellen Freitag, den ll. Dezember 1885, AbdS. 8Uhr, in Orchel'S Salon, Sebastianstr. 39. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Verschiedene?. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Mitgliedsbuch legitimirt. 1781_ R. Den, ig. Für den verein für Reform der Schule und Erffehnn? hält Herr Schäfer den letzten Vortrag über «DaS Vnhällniß von Volksbildung und Sozialreform" heute, Donnerstag, den 10 d. MtS., Abends 8'/« Uhr. im Louisenstädtischen Konzerthause. Alte Jakobstr. 37, wo,u auch Damen der Zutritt gestattet ist._[179 Weihuachts Geschenke! Größte Auswahl in Photographie-Album, Ciga»en-, Cigaretten- u. Briestaschen, P temonnaie«, Mufik- u. Schreibmapp., y Vifitcntaschen, Poesie-, Briefmaiken- S u. Oblaten AlbumS, Ball-u.Ge« s e-w" � sellschaftsfächer. Gesang , V �/ Lager von Bilder« Büchern und Jugeudschriften. sowre sämmtlichen Schul- u. Schreib- waaren, Galanterie- u. Bijouteriewaaren, Uhr- kette» f. Heren u. Damen. Srockif, Obninge, Armbänder Halsketten, Bild»rahmen, Lampenschirme, Zirkel- u. Reißzeuge. Uhrstand». Rezeflatre in Leder und ff. vrtefpapter m. Monogr. und anderen Verzierungen. Schach, Lotto _ Domino, Damenbrett», Tuschkasten u. s. w.' Bei nur te-U» Waare müioTT bücher, Schulmappen Garderoben- u. Handtuch halt». Schreibzeuge Burstcnkasten Notizbücher, Kochbüch», Kalender 1886. w» feste Preist Winter- Paletots!! Herren« und Knabenanzüge sowie Damen« lleid» u. Mäntel im Tuchaesckäst Priizeukr.A?, gezenlld. d. lurnhall«. TWMlniigGn Eestatletf Durch die Expedition, Ztmmerstraße 44, ist f beziehen: D» im Verlage von Wörlein u. Kowp- soeben erschienene Deutsche Handwerker- und Arbeiter- Notiz-Kalender str Z,h» IM Der Kalender ist inhaltlich wiederum bedeutend«JJ mehrt worden. Außer den bisher schon darin enthalte«� Tabellen, Tarifen und Gesetzen(als KrankenverficherrT gesetz mit Nachtrag vom 28. Januar 1885,< kaffengesey mit Novelle vom 1. Juni 1884«:•' n e u beigefügt: Da« Gesetz über die Freizügig�' Gesetz, betr. da» Urheberrecht an Mustern«? Modellen. Gesetz über Martenschutz. Im kalender find die in der neuesten Zeit eingettele« Ereignisse nochgetragen. 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Aus Aliona läßt stch d s tgdl." ichieiden:„v>e P tit.on zu Gunsten des sozial- tait schen sogenannten Aibeiterschutzgescy Ent- s hat von den in Oer Metallwaar-noranche «lawstigten fei speisonen inSgeiammt 24 90 t UnlerfAtiftm Die für diese Petition in einer diesigen(Atlo aee) ,'t:allai''fifer»®etfammlung gewohlie Koami>fion kam anqe- M des Umstandes, daß in der betreffenden Branche 490281 "vetfonen beschäftigt w rden, also kaum 5 rCr. die P tition J'eoeichnet haben, selbst zu dem Ergebe iß, daß das erzielte (/.." tot ais ein klägliches zu bezeichnen ist."— Natürlich ocr L;' die o flziöse„Nordv. All« Zig." nicht, diesen Beucht in iiiJ. aufzunehmen. Schabe, daß des ireiwillige Re- Menaeblatt nicht auch gleich hinzuiüzt, wie(ch reer es den �weikichafien gemacht wird, Beibindungen und Versamm« e-l*" iwecks Agitation für'ein stützendes«ekctz einzugehen, iu ocranfial en Man denke nur an die Auflösung des »lallardei'erveidandeS, welche bekanntlich im Laute des ver- RBOien Sommers erfolgte. Das Verbot dieser Verbindung A sicherlich seinen Theil an der verhältnismäßig niedrigen der Unterschriften beigetragen. Aber das oiftziöse Organ »M fich doch einmal die Petitionen anseden, welche auS den .«sen der Großgrundbesitzer kommen und darauf gerichtet ' vie gesam- ten Staatsbürger zu deren Gunsten zu be> der Großgrundbefitzn 1 VW,•» V�v v t*• V V----- T—•------ Ptt'ten auizuwersen gehabt, wie die oben flirrte. Freilich rührt ■ a ti I.______ W_ C J* � m.** t 00 f a ♦ 4 noch n cht eine derartige P-Iitioa hat soviel Unter» uur von Sir heiter n her und da scheint ein Blatt, «04. O gan einer Negierung auffielt, welche angeblich ch?.�o, alreformen zu Gunsten des arbeitenden Volkes plant, ta* sonderen Gefallen daran zu sinden, die Bestrebungen �beifer synematisch herabzuwürdigen. I ff.'f Frersinnigen unter sich. Zu dieser Rubrik liefert ltaa r�kifcbe Organ, die„Frers. Ztg", einen hübschen Bei» L.' cs schreibt:„FalscheFieunde. In einem bi»«!.'• 11,0 ein neuer Sturm der Reaktion heraufzieht und !»•(>, L,e Kraft einer geschloffencn freisinnigen Partei zur Ab; fit»" �tauSsordert, fahren Blätter, wie die„Volks-Ztg."..Fr. ' und„Berl. Tgbl.", fort, ohne ersichtlich?» praktischen Im,-. vVo."""""•"ni-. Iiftt."% Frage des Verbots der Kinderarbeit in der künst. bl«(."Ttlfe aufzubauschen, die freisinnige Partei, oder doch fitien h"t derselben, den Arbeitern gegenüber zu verdäch- Kr an eine Berne- ku�g des Abg. Halben »a.s.�fataftSo-dnung, Gegensätze grundsätzlicher Art in der Kli��arischen freifinnigrn Partei theilwcise sogar unter »ar«,,, Berufung auf das frühere P-ogramm der Fortschritts. »° K.?"auszuftasfilen. welche in dieser Weise nicht entfernt bies sind.'Alle Gegner der freisinnigen Partei erfüllt S»..5chauspiel natürlich mit besonderem Behagen."— Armer das ist schlimm, sehr schlrmm! Aber sei getrost großer Bot-, lchlittSmann, Dein Baumbach wird mit Dir den alten ' Joeiter pflanzen! � Gefängnisiarbeit. AuS sicherer Quelle erfährt die l'a6 Won oor einiger Zeit der Minister des ibeis,"" Ernverstänbniß mit dem Kriegsminister die Versuchs» ' nft �"/N'gung von 150 000 Miiilärsiiefeln in den Straf. »'ÄÄÄÄTä S �'chaftigung von Gefangenen mit Anfertigung von Militär» � uen gioßere AuSvehnung zu geben ist.— WaS werden Zünftler sagen, die vor einigen Monaten mit �W�Empbase verkündeten, daß die Regierung die Konkurrenz /�Geiängnißarbeit beseitigen wolle! d,. Dr. Becker, der Oberbürgermeister von Köln, ist gestorben. d. y e ist am 25. September 1820 geboren, mithin 65 Fahre .>.Warden. Becker war lange Zeit unter dem N imen der b e Becker" in Deutschland bekannt. Als 1848 die Volks. ».TO ausbrach, war er einer der Vertreter der radikal- u.%>> �enhejz wahr, die stch mir durch eine ein Jahr zuvor �bbiil a�ad geknüpfte Bekanntschaft bot, Eingang in iej».' lsifldS Harem zu erlangen. Ich hatte dazumal den i» d./ bet„Bach Kabine"(der ersten Frau de« Sultan«) »I« J romantisch gelegenen Waldmühle kennen gelernt, und �>»b i v„burch einige Zeile» verständigte, daß ich, um ""»äit n Leute zu studiren, die Reise«ach dem Orient ge» �"fü,« e er sich mir iu liebenswürdigster Weife zur Km vj si- Wo er erschien, da war e«, als ob von stum- bt; r�pe, ei»;.Sesam, öffne Dich!" ertönte, und selbst ei»e g?�'sch geschlossenen Thüre« thatea sich uns auf, mir «tzn�rlt neue; Eindrücke eröffnend, die mich oft mit "füllte" Bewunderung, aber auch— mit tiefstem Ekel ber�h"! Azi, hatte dazumal Gewaltakte mancher Art letzten Haremtdamen in nicht geringe Auftegung Vorgänger Abdul Medjid mochte wohl Unfum» dm% �»ebn%®or» ein Ende genommen; man munkelte,| 9««tenzbi«(junge Mädchen, die«ach der i ordnetenhause, dann im norddeutschen und deutschen Reichstag. 1372 wurde er als Vertreter Dortmunds in das Herrenhaus berufen; Köln hat er in diesem jedoch nicht vertreten; und da er seit den ersten siebziger Fahren fich auch in den Reichstag nicht mehr wäb'en ließ, endete mit jenem kurzen Eischemen des„rothen Becker" in der preußischen Pairskammer seine parlamentarische Thätigleit. Wie so viele Andere, hatte auch Becker es für praktischer und nutzbringender gefunden, stch allmälig der großen Maffe der N chtS- und Jasager anzuschließen; er hat get eulich die Entwickclung vom Radikalen zum Gouverne» mentalen durchgemacht. Während seine früheren Freunde in der Verbannung weilten, bereitete er fich durch Preisgabe sei- ner Uebenz ugung ein behaglicteS Leben in der feeimath. Er war im politischen 2 ben schon lange ein todter Mann. Erhebnngen über den Umfang und die Art der Frauenarbeit sollen nach einer Anveutung deS Staatssekretärs v. Böt-icher fiattfiaven. In dv» Reichetagsfitzung vom 3. d. M. machte derselbe, nachdem er über die Enquete, betreffend die Sonntagsar bei', gesprochen hatte, die Mittheilung, daß auch in der Frage der Frauenarbeit berei s Vorarbeiten gemacht worden seien uno daß Die Re'chsregierung bereit sei, demnächst bei dm Kommisfionsberatbungen diese Vorarbeiten zur Disposition zu stellen. Die speziell über die nächtliche Beschäftigung von Slrbeiterinnen angestellten Erhebungen betreffen folgende Fragen: 1) In welchen Industriezweigen ist die Nachtarbeit weiblicher Arbeiter schon seit längerer Zeit Gebrauch gewesen und in welchem Umfange findet ste in denselben statt?(unge- fähre Zahl der gewerblichen Anlagen, welche Ardeiterinnen Nachts beschäftigen, und Zahl der Arbeiterinnen in denselben). 2) In welchen Industriezweigen ist die Nachtaracit von Arbeiterinnen neuerd ngs eingeführt und in welchem Umfange ist dies bis jetzt in den einzelnen Industrie- zweigen geschehen? 3) Ist die weibliche Nachtarbeit, wo sie besteht, eine regelmäßige oder nur ausnahmsweise, findet ste das ganze Fahr hindurch oder nur in gewiffen de- grenzten Perioden statt? 4) Findet bei der Nachtarbeit der Arbeiterinnen, soweit sie besteht, ein Schichtenwechsel statt, so daß für die Slrbeiterinnen auf eine Reihe von Nachtschichten eine Reihe von Tagesschichten folgt, oder werden die zur Nachtzeit herangezogenen Arbeiterinnen durchgehendS oder in einzelnen Industriezweigen nur bei Nacht beschäftigt? 5) Liegen bereits Erfahrungen über den Einst aß der Nachtarbeit auf die Gesundheit und Sittlichkeit der Arbeiterinnen, sowie auf das Familienleben der Arbeiterbevölkerung vor? 6) Stehen dem Verbote der Nachtarbeit für Ardeiterinnen erhebliche Bedenken entgegen, überhaupt oder für einzelne Industriezweige? event. worin bestehen diescNn und können sie durch gewiffe Vorbe» behalte bei dem Erlaffe deS Verbotes beseitigt werden?— In Arbeiterkreisen ist von einer derartigen Erhebung noch nichts bekannt geworden. Man wird auch in diesem Falle wieder nicht beliebt haben, praktische, erfahrene Arbeiter oder Arbeite- rinnen bei der Enquete zu Rothe zu ziehen und daher dürste d'esetbe kaum etwaS anderes als„schätzbares Material" zu Tage fördern, ein getreuer Spiegel der Wirklichkeit kann durch solche einseitige Erhebungen niemals geschaffen werden. *** Zur Orientkrise liegt folgende Depesche auS Sofia vor: Die dulaarifche Regierung hat der serbischen Regierung geant- wortet, sie müsse, weil die serbischen WaffenstillstandSvorschläge nichts Sicheres und Bestimmtes enthielten, ihre Gegenvor» schläge aufrecht erhalten und werde, falls sie binnen 24 Stun- den keine Antwort erhalte, den Großmächten Bericht erstatten, auf deren Anordnung sie die Feindseligkeiten eingestellt habe. — Bekanntlich verlangt die bulgarische Regierung von den Serben zunächst die Räumung des Gebietes von Widdin, weiches die Serben noch besetzt halten und ferner eine Kriegs- mtschädigung von 31 Millionen Franks, sowie die Garantie, daß Serbien in Zukunft dm Frieden nicht wieder stört. Die serbische Regierung hat darauf bis jetzt nur ausweichend ge- antwortet und den Bulgaren scheint endlich die Geduld aus- gegangen zu sein.— Wie vor einigen Tagen gemeldet, hatte die Pforte bereits die Abficht, einen neuen Gmeralgouoerneur nach Ostrumelien zu entsenden. Das Austreten der Oftrumelier, welche durchaus nichts mehr von den Tür km wissen wollen, scheint der Pforte Veranlassung geworden zu fein, von der Entsendung deS Gouverneurs„vorläufig" Abstand zu nehmen. Allem Anschein nach wird eS zur Herstellung des früheren Zu- standeS nicht mehr kommen; Ostrumelien dürfte den Bulgarm endgiltig verbleiden. Gunst des Sultan« streben) auf räthfelhafte Art entfernt worden, daß vier Kabinen Effendi'S(Mütter der Prinzen und Prinzessinnen) in eine bessere Welt geschafft worden seien. Die geschminkten Schönen, die sich in ihren farbig» seidenen Pludderhosen, den tief dekolletirten Taillen, den reichen Spitzenschleier« gar sonderbar ausnahmen, bestürm» ten, als wir in den Salon eintraten, Doktor Effendi, ihnen mitzutheilen, wo die Verschwundenen geblieben; sie weinten und schluchzte», da auch sie in wenig Tagen nach dem alten Serail überführt weiden sollten; Sultan Abdul Aziz werde hier mit seinen Favoritinnen einziehen, ihnen Entbehrungen aller Art auferlege». Eine junge, schöne Griechin, die sich mir vertraulich nahte, antwortete auf meine Trostworte: „Weißt Du denn, welches Unglück unserer wartet? Hier haben wir, so lange Abdul Medjid lebte, den Himmel auf Erden gehabt; jetzt wird man un« in jene» düstere Grabgewölbe(sie deutete auf ei» gm äußerste» Ende des Palaste« gelegene« finsteres Gebäude) einsperren; sind wir dort erst hinter jenen Wällen, so werde» wir weder Himmel noch Eide sehen; alle Freuden der Welt sind uns versagt, Roth und Elend ist unsere Zukunft I" „Die Arme hat Recht/ sagte Doktor Effendi, mich bei Seite nehmend,„schon morgen sollen diese entthronten Favoritinnen in jene« graue Kastell überführt werden; in tiefster Zurückgezogenheit müsse« da die Schönen de« ottomanische» Hofes ihre Tage verbringen; ihr Aus- und Eingehen, ihre Beziehungen zu der übrigen Welt werden auf'« Strengste überwacht. Zeder Sultan sieht sich als den verantwortlichen Hüter der Ehre feines Vorgänger« an, und in dieser Eigenschaft erachtet er sich für ver« pflichtet, darüber zu wachen, daß die Wittwen des ver- storbene» Sultan« der schärfste« Kontrole unterzogen werde«/ Als wir Tag« darauf wieder den Harem besuchten, war aller Orten die heilloseste Verwirrung. Frankreich. Die französtiche Kammer wi d sich binnen Kurzem nun auch mit Anträgen zu befassen haben, welche den Schutz der Arbeiter bezwecken. Die Sidgeordneten Camelinat und B a S l y haben, unterstützt von anderen Kammermitgliedern, den Antrag gestellt, die Regierung möge veranlass m, daß eine internationale Regelung der Arbeitergejetzgebung vorgenommen werde. Dem französtschen Manchesterthum ist dieses Vorgehen natürlich höchst unbequem, und es wird gewiß nicht müde werden, die landesüblichen Phrasen aufS Neue gegen diesen Antrag ins Feld zu führen. Freilich wird der Antrag keine willige Ohren finden, aber die Diskussion über den Arbeiter» schütz ist damit eröffnet und fie wird vorläufig auch nicht wieder ganz von der Tagesordnung verschwinden. G r o tz b r i t a u n i e«« BIS Dienstag Abend waren 324 Liberale, 246 Konservative und 76 Parnelliten gewählt. Die verbleibenden 24 Wahlen dürften den relativen Parieienftand nicht wesentlich verändern. Wie verlautet, ist SaliSdury's Politik jetzt darauf gerichtet, eine Koalition mit den„gemäßigten Liberalen" herbeizuführen und die Forderungen Parnell'S zu bekämpfen. Die liberalen Führer erörtern im engsten Kreise, ob das Torykabinet im Amte belassen werden soll oder nickt' sollte ein verneinender Entschluß gefaßt werden, so würde Gtadstone gleich nach Zu- sammentritt deS Unterhauses, sobald der Sprecher gewählt sein wird, ein dinktes Mißtrauensvotum beantragen. — In Birma dauern die Kämpfe fort. Nach einer Depesche au« Rangun vom 6. d. M. hatte am vorigen Mitt- woch die fliegende östliche Grenzkolonne aus Thayetmrio, bestehend aus 218 Mann der schottischen Füsiliere, zwei Geschützen einer Bergdatterie und einiger indischen Eingeborenen- Jafan» terie, ein starfeS Treffen mit etwa 1100 Feinden, die hinter dverpallisadirten Dörfern und vier Brustwehren in Nr) ad an verschanzt standen. Der Feind, welcher stch unter guter Deckung befand, hielt ein lebhaftes Feuer aufrecht, aberschließ» lich wurden die Palltsaden mit dem Bajonett erstürmt. Der feindliche Verlust bezifferte fich aus 60 lobte und 150 Verwundete, während die britischen Streitkräfte nur drei(!) Ver- wundete hatten.— Da muß der„Feind" mit Kohlrüben ge- schössen haben! Wahrscheinlich haben einige Birmanen hinter einer Dornhecke gelegen, welche von den englischen Hterfüh-ern als eine starke Schanze betrachtet wurde. Nachdem die Eng- länder gegen diese gewaltigen Schanzen die Kanonen spielen ließen, find die unbewaffneten Eingeborenen natürlich fort- gelaufen._ Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 13. Sitzung vom 9. Dezember, 1 Uhr. Am Tische des BundeSratheS von B o ettt ch e r, von Burchard, von Scholz u. A. Nack einem Schreiben des Staatssekretärs von Boetticher hat das Amtsgericht zu Schiltighcim bereits am 30. v. M. den wider den Slbg. Mühleisen auf den 3. d. M. anberaumt giwesenen Termin aufgehoben und die feauptoerhandlung bis nach Beendigung der Session hinausgeschoben. Eingegangen ist die Ueberficht über den Stand der Bau- auesübrungen und die Beschaffung der Betriebsmittel für die Eisenbahnen in Elsaß Lothringen. Zunächst steht heute zur dritten Berathung der Antrag von Köller, betreffend die Abänderung deS Reichs» beamtengesetzeS. Abg. von Köller: Wir werden für das Gesetz in der Form der früheren Regierungsvorlage unter allen Umständen stimmen, auch den Antrag Francke Pfafferott, welcher dem Gesetze rückwirkende Kraft bis zum 1. Ap il 1883 verleihen will, nicht nur annehmen, sondern ihm sogar noch weitere AuS« dehnung bis zum 1. April 1882 beizulegen beantragen. Die Hauptsache ist, daß da« Gesetz überhaupt zu Stande kommt, daß wir es also derartig ve einbaren, daß die Regierungen es annehmen können. Aus diesem Grunde habe ich meinem Ent» wurf genau die Form gegeben, welche daS Gesetz vor einigen Fahren hier im Reichstage erhielt. Der Sinti ag auf Rückwirkung der Bestimmungen bis zum 1. April 1883 scheint mir nun nicht völlig zweckentsprechend zu fein. DaS preußische BeamtenpenfionSgesetz hat den Beginn seiner Wirk» Die ganze weibliche Bevölkerung, zirka tausend Seelen umfaflend, wurde tranSlvgiri. Ganz verzweifelt geberdete sich die Sultanin Valide, die Mutter de« Sultans, die, wie man fich erzählte, ehe« dem Badedieneri« gewesen, die Hainadar Custa, die Schatz- meisterin, die Bach Zkbal(erste Favoritin), die Guienzdi« mit ihren Danas(zum Hosstaat gehörige Sklavinnen) ver- ließen weinend und wehklagend die prächtig mit allem orientalischen Luxus geschmückten Räume.— Wie arme Sünderinne» hielten sie ihren Einzng in das alte Serail. Ein« schöne Znkasfirri» suchte auf dem Wege dahin zu entfliehe«. Die Eunuchen schienen im Ein- verständniß und ließen sie entwischen; einer der außen- stehenden Wächter aber schleppte sie bei den Haare» herbei, und drohte ihr, als sie sich losmachen wollte, mit der Bastonade. Doktor Effendi»ahm die Unglückliche in seinen Schutz, versprach ei« gutes Wort für sie einzulegen, damit sie nicht — gezüchtigt werde. Die Disziplin im Serail wird thatfächlich durch strenge Maßnahmen und körperliche Strafe» aufrecht er» halten. Erster« bestehen in dem Verbot, auszugehe», in Ein- sperruog, Entziehung der Nahrung; körperliche Strafe« werden mit dem Worte abandje bezeichnet; e« bedeutet Boston ade auf die Fußsohlen, eine Strafe, die jetzt nur noch in Ausnahmefällen in Anwendung kommt. Noch Anfang« dieses Jahrhundert« herrschte die Unsitte, junge Mädchen derart auf die Fußsohle» zu schlagen, daß sie zeitlebens lahm blieben. Schläge bekommen sie noch; die Ruthe ersetzt jetzt de» Stock; bie Eunuchen vollziehen die Strafe«. Unsere Zirkassierin mußte sich nolens volens dem Zuge wieder anschließen; fie stimmte in da« allgemeine Geheul mit ei», und al» man endlich an der Thür de« grauen Hause» angelangt war, klammerte sie fich an mich an, i» leidenschaftlichen Ausdrücken bittend, ich möge sie befreien- fie wolle meine Sklavin sein, Alles für mich thun, nur samleit am 1. April 1882. Warum sollen denn die Reichs- bcamten, wen» man einmal die Wirksamkeit des Gesetzes er- «eitert, nicht ebenso pestellt sein? Diesem Gefüdle der Billigkeit entspringt unser Antrag. Von höchster Bedeutung bei der ganzen Sache ist aber die Stellung der verbündeten Regierungen zu dem Gesetz; wenn wir es zur Verabschiedung bringen wollen, so dürfen wir es nickt mit einem Paragraphen deschweren, der es unannehmbar macht. Wird uns die be- stimmte Erklärung gegeben, daß die Anträge das Gesetz nicht unmöglich machen, so werden wir für alle Abänderungen stimmen. Schatzsekretär v. B u r ch a r d: Ich bin natürlich nicht in der Lage, irgendwie bezeichnen zu können, ob die vei Kündeten Regierungen evenuell geneigt sein würden, dem Antrage Pfaff.rotr oder Francke oder irgend einem ähnlichen Inhalts, zuzustimmen, wenn ste das Gesetz annehmen würden; ich nehme aber auch Anstand meinerseits persönlich, gewiffermaßcn technisch, mich zu diesem Unterantrag auszusprechen, weil ich de- fürchten muß, daß, wenn ich mich zu diesem Jnzidenwunkte näher äußere, daraus die Annahme hergeleitet werden könnte, als ob die verdünditen Regierungen geneigt sein könnten, in dieser oder jener Fassung dem Unterantrag und dem tanzen G setze ohne eine Verbindung mit dem Militär- Zenstonsgeseye zuzustimmen. sHört! hört!) Dieser An- nähme möchte ich meinerseits keine Nahrung geben; denn es liegen— ich wiederhole das— gar keine G ünde vor, die die Annahme rechtfertigen könnten, daß die verbündeten Re> gierungen von ihrer früheren Entschließung, die sie wiederholt gefaßt und die ste neuerdings erst noch bekundet haben, daß nämlich die beiden Gesetze nur mit einander verabschiedet wer- den sollen, abzugehen geneigt sein würden.(Hört, Höst!) Abg. Richert: Die Stellung der verbündeten Regierun- Sen, welcher der Herr Eckaysekretär soeben Ausdruck gab, hctnt mir nicht in Ucbereinstimmung mit dem in offiziösen Fachorganen und auch hier wiederholt hervorgehobenen Reichs- intereffe zu stehen. Der Bundcsratb ist versammelt, er hat Kenntniß von allen Beschlüfien des Reichstages, da ist es doch eine eigenthümliche Art, die Geschäfte zu führen, wenn wir nickt emmal eine Antwort bekommen können(sehr wahr! links) wäh'end. wenn es fich um einen kleinen Zoll bandelt, sofort ein Beschluß deS Bunde srathS extraHirt wird. Jetzt will die Regierung durchaus wieder eine Verbindung zwischen zwei Materien herstellen, die fie selbst früher als nicht in Verdin- dung stehend erkannt hat. Der Reichstag hat alle Veran- laffuna, fich eine derartige Verquickung nicht aufzwingen zu lassen. Wir weiden die Verantwortung denen zu- schieden, welche ohne Veranlassung jetzt dem Reichstage gegenüber diese Verbindung aufrecht erhalten und dadurch eine Lösung verhindern, deren die Frage dringend bedarf.(Sehr gut! links.) Dem Antrage Francke-Pfafferott werde ich zustimmen, einen Grund zur Ablehnung des ganzen Gesetzes kann seine Annahme tür die Regierung nicht bilden. Wir überlassen die Verantwortung dem Bunvcsra'.h, ob er das Gesetz scheitem oder, wie eS seine Pflicht ist, zur Annahme ge- langen lassen will.(Beifall links.) Abg. Windthorst: Sehr erbaulich ist dies ganze Schauspiel eben nicht.(Heiterkeit.) Es bandelt fich dock hier zunächst um einen Gesetzentwnrf, der früher von der Regie rung selbst vorgelegt worden ist und dessen Verabschiedung unmittelbar nahestand, um ein Gesetz, dessen sachliche Roth- wendigkeit die Regierung durch ihre Vorlage selbst anerkannt bat. Meiner Anficht nach hätten die Reichsbeamten allen Grund, mit einer weiteren Verzögerung unzufrieden zu sein. Sachliche Gründe find nicht vo-handen, welche die Regierung am Zugr-ifen hindern; diese aber fleht mit gelreu, ten Armen zu, weil fie eben taktische Zweckt im Auge hat. Das möchte ich den Reickeb amten sagen: wir haben die Schuld nicht, wenn das Gesetz nicht zu Stande kommt.(Zustimmung links und im Zentrum.) Die Annahme der von Francke- Pfafferrott vorgeschlagenen Rückwirkung kann daS G setz, wenn die Regierung überhaupt zustrmmm will, nicht zu Falle bringen, denn fie entspricht der Gerechtigkeit und Billigkeit. Scheitert das Gesetz, so scheitert es an der Taktik der Regierung. Wenn man am jener Seite(rechiS) der Verbindung der Frage der kommunalen Steueipflicht der Offiziere mit dem Milirärpenfionsgesetze so energisch widerstrebt, so kann ich das nicht begreifen; die Materien find gar nicht so hetorogen. Wenn ich die Verhält- Nisse eines Steuerpflichtigen zu begutachten habe, so muß ich mir seine Verhältnisse im Ganzen vergeg-nwärtigen, und naiür- I ch auch die Privilegien, die er genießt. Jede Schwierigkeit ließe fich ganz einfach beseitigen, wenn wir eine bündige Er- klärung der höchsten Autorität und eine Zufickerung dafür er- hiellen daß, wenn das Mrlitär Penfionsgesetz angenommen würde, d e Regierung bereit ist, für die Regulirung der Beitragspflchl der Militär Personen zu den Kommunal- lasten in kürzester Frist bei den Einzellandtagen Sorge zu tragen. Hieraus werden die drei ersten Artikel deS Gesetzentwurfs angenommen. Die Abgg. Francke und Pfafferott beantragen, dem Gesetze rückwirkende Kraft bis zum 1. April 1883 zu weit, wert fort möge ich sie führen, hin nach jenem golde- vea Lande, wo auch die Frau„ein Recht" genießt. Duses Wort ftappirte mich.— Ich suchte weiter Ge- legenheit, um zu erkenne«, was in diesen Köpfen bereit« von Frauenrechteo spukie und war nicht wenig erstaunt, al« mir eine der Guienzbi«, jene jungen Mäochen, die von den Kabinen in die hohe Schule der Koketterie eingeweiht werden, sagte:„Zhr glücklichen Frauen ahnt nicht, wie sehr wir Euch beneiden! Zhr seid frei, könnt Euch einen Gatten wählen, Zhr wißt, daß er Euch und keine Andere liebt! Wir werden von unseren Eltern verkauft, wrr ster- den vor Langeweile! Nicht« macht uns Freude, nichts gewährt uns Zerstreuung!" „Zhr braucht nicht zu arbeiten/ entgegnete»ch,„bei ur.S aber muß die Frau... „O wie gerne würden wrr/ unterbrach mrch dre schone Zirkassierin,.von früh bi« spät schaffen, wenn man uns nur unsre Fre heit gäbe!' Als ich sie erstaunt ansah, fuhr fie, meine Gedanken errathend, fort:„?a, wrr misse» au« Büchern und Romanen wie c« bei Euch zugeht! Wir lesen Lccoq und Zola und noch lieber da«, wo« die Frauen drucken lassen! Glaub mir, auch unter unS ist Manche, die ihre Empfiadungen niederschreiben könnte, Zhr würdet cS gerade so gern lese«, wie wir da«, was Zhr zu Papier dringt, aber"— setzte sie mit verbalterem Groll hinzu, „man füttert u«S mit Dulcet und Zuckerbrödchen, zwingt uns"— sie hielt inne, da eben die Hasnadar Custar, die Schatzmeifterin ihr zuflüsterte, sich ruhig zu verhalten, sie werde sonst genöthigt sein, ihr ihre Bezüge zu kürzen. Ua- sere Schöne biß sich auf die Lippe», drückte mn dre Hand und entfernte sich._... AIS wir wieder etliche Tage spater dos palastartige Gebäude betraten, war Lust und Leben aller Orten. Sultan Abdul Aziz's Damen hat'en ihren Ernwg ge- halten— ca. 1200 Seelen weilten jetzt in de« verschiede. ven Serml«.— Zm großen Harem allein sind 200 Dienende beschäftigt; eine gleiche Anzahl in den kleinen Hofstaate» der diversen Prinzessinnen, die getrennte Schlösser bewohnen. verleihen und begründen diesen Vo-schlag unter Hinweis daraus, daß die Materie bereits 1883 gesetzgeberisch an- geregt worden sei, und daß man die Beamten unter den Folgen der Verzögerung des Zustandekommens nicht leiden lassen dürfe. Abg. v. Köller wünscht die rückwirkende Kraft des Gesetzes bis 1. April zu erweitern. Der Grund, daß die Vorlage zuerst 1883 an den Reichstag gekommen, sei doch durchaus nebensächlich, dagegen'vrächen Ge- rechtigkeit und Billigkeit für den Termin 1882, weil die preußischen Bcamten von diesen Jahre an dieselben Benefizicn genießen. Abg. Ackermann erklärt fich für diesen Antrag, da seitens der verbündeten R» gierungen eine Erklärung n-cht abgegeben worden sei, daß das Gesetz dadurch unannehmbar werde. Der Antrag Francke Pfaff-rott wird mit Einsetzung der Jahreszahl 1882(statt 1883) angenommen. Der Rest de« Gesetzentwurfs wird nicht deanstandet und am Schlüsse auf Antrag des Abg. R i n t e l e n die Bestimmung hinzugefügt, daß das Gesetz auf Mitglieder des Reichsgerichts kerne Anwendung findet. Mit diesen Abänderungen wird das Gesetz im Ganzen angenommen. Es folgt die erste Berathuna der auf die Dauer der Legislaturperiode des Reichstags bczüglich-n Anträge von konservativer und kozialdemok. atischer Seite: Die Abgg. v. Helldorff und Graf v. Kleist beantragen, den Art. 24 der Verfassung dahin abzuändern:„Die Legislaturp-riode des Reichstags dauert fünf Jahre. Zur Auflösung des Reichs- tags während derselben ist ein Beschluß des Äundesrathes unter Zustimmung des Kaisers erforderlich." Dagegen beantragt Abg. Auer mit 22 sozialdemokratischen Genossen, den Art. 24 der Verfassung dahin abzuändern: „Die Legislaturperiode des Reichstags dauirt zwei Jahre. Eine Auflösung desselben kann nicht statt- finde n."— Beide Gruppen verlangen, daß ihre Anträge mit Ablauf der gegenwärtigen Legislaturperiode in Kraft treten. Abg. v. H e l l d o r f: Der vorliegende Gegenstand hat den Reichstag wiederholt beschäftigt, zuerst 1867, wo man fich mit Rückficht auf die preußische Verfassung zu einer dreijährigen Legislaturperiode entlchloß, zuletzt i 880/31, wo die R gierung eine zweijährige Buvgeiperiode und im Zusammenbang damit eine vierjährige Legislaturperiode vorschlug. Obwohl wir uns mit unserem Antrage auf das Vorbild anderer Staaten be- rufen können, welche viel längere Legislaturperioden haben, so ist doch unser Antrag von der öffentlichen Meinung, der Presse, mit einer gewissen Ungunst betrachtet werden, weniger auf Grund sachlicher Würdigung, als deswegen, weil man in dem- selben Hintergedanken vermuthete. Unser Antrag soll aus ge- wissen Opportunitätsrückfichtcn im Jnter ffe unserer Partei ge- stellt sein. Unsere Fraktion bildet aber noch nickt 20 pCt. des Reichstages. Von Erhaltung eine« Befitzstandcs kann also nicht die Rede sein. Eine gewisse Gunst der Lage ist aller- dingS für uns vorhanden, sprechen doch selbst unsere Gegner von einem konseivaliocn Hauch im Lande. Es ist dieS eine naturgemäße Reattion gegen die herrschenden Doktrinen, die fich namentlrch in den jüngeren Elementen geltend machen. Darauf beruht auch unser Vertrauen für die Zukunft.(Sehr richtig! rechts.) Wenn dies aber richtig ist, so wären wir falsche Rechner, wenn wir längere Legis- laturperioden beantragten. Eine Opportunitätsrückircht bestimmt uns allerdings zu unserem Antrage: Ruhe des politischen Lebens, Rückfichtnohme auf die thatsächlichen Verhältnisse, wie fie fich historisch entwickelt haben, ist einer konservativen Auffassung günstiger, während die Wahlagitation, recht eigentlich das Feld der Demokratie, nicht zur politischen Einficht und Erwägung beitragt. Man hat nun gegen unseren Antrag eingewendet, daß lange Legislaturperioden die Zahl der Kandidaten noch mehr vermindern würden. Darin steckt ein Körnchen Wahrheit. Der Kandidatenmangel gründet aber vielmehr in der Menge unserer Sitzungen und in der Masse der parlamentarischen Arbeit. Noch viel wichtiger daher als dieser Antrag wäre die Lösung der Aufgabe, die überwach-rn- den parlamentarischen Arbeiten eini gern aßen zu beichiänken. Ein solches Maß von parlamentarischer Arbeit kann im Jnter- esse des Ganzen auf die Länge nicht bestehen.(Sehr wahr! rechts.) Diej nigcn Kandidaten, welche die Bedürfnisse des praktischen Ledens kennen, find wohl auf vier Monate für den Reichstag zu haben, nicht»''er auf acht Monate. V elleicht erleben wir nock einmal einige schüchterne Borsch äge auf Reform unserer Geschäftsordnung heute kann ich diesen Ge- danken nur streifen. Der wichtigste Grund, der gegen unseren Antrag geltend gemacht worden, ist, dcß eine lange Legis- laturveriode den Koniakt mit dem Volle lockere. So sprach der Abgeordnete Richter, und 1881 sprach Lasier gegenüber der damaligen Vorlage, daß fie die Rechte des Volkes schmälern wolle. Nun sage ich zunächst: kommt denn im Reichstage der einheitlich: Volkswille überhaupt zumAusdruck? Wo bleibt die Vertretung der Minoritäten der Wähler? Ist die Wählerschaft auch nur in der Lage, eine Instruktion ihrem Sultavin Valide, die Mutter Abdul Azrz'S, empfing unS in einem mit persische« Waadstickereie» gezierten Salon, in dessen Mitte ein großer, reich vergoldeter Tisch stand, der fast unter der Last der aufgehäuften Zuckerbäckereren und Konsituren zu breche« schien. RmgS herum saßen in gleichfalls vergoldeten Schaukel- stühlen prächtig gekleidete Frauen, die einen feilten ihre 3 Zentimeter lange» Nägel, andere lasen, wieder an- dere aßen Zuckersachen, nur wenige achteten auf das Ge- spräch, das Sultanin Valide mrt großer Gewandtheit führte. Sie stellte mir ihre Schatzmeifterin, ihre erste Sekre« tärin, Siegelbewahrerin, Küchmvorsteherin vor, ließ mir Scherbet und türkischen Kaffee reichen, sistirte dann die Unter- Haltung, bis ich denselben getrunken, interesfirte sich aber hernach in ltebenSwürdigster Weise für Alles, was ich zu sehen wünschte. Die'hohe Stellung, welche die Sultanin Valide einnimmt ist übereinstimmend mit der einer Kaiserin oder Königin in den europäische« Staaten; ihr Hofstaat ist reicher als der der anderen Prinzessinnen, sie hat unbeschränkten Kredit und treibt kolossalen LoxuS.— Da« Schörste und Beste, wa« in den Modesalons der Seinestadt gefchvffm wird, sendet man ihr zur Ansicht. Sie behält es meistenth. il«, da wie sie selbst sagte, ihr Rang ihr verbiete, etwas zu tournire«. Gefällt es ihr nicht, so erhalten es ihre Skia- vinnen. Auf eine» Wink der Sultanin brachten zwei Diene» rinnen einen großen Glaskasten her« in, in dem die Gala- robe, welche die Sul'ani» am lkommenden F-sttaae traaen wollte, lag. Mrt sichtlicher Freude sah sie, wie ich qU Schönheiten de« Kostüm« zu würdigen wußte. F« � werde schön sein", sagte sie. ihre noch immer m- ziöse Gestalt im Spiegel betrachtend,.man soll mir nickt ansehen, daß.ich älter bin, al« unsere jüngsten Ka- dinen!— Interessant war es mir, zu hören, wie Sultanin V«. Itbe über ihre Vorgängerin dachte. Ohne Bemänte'u ia» zählte fie, daß jene sich an der Beraubung des öffentlich?« Mandatar geben zu wollen oder zu können? Die ganze Eai« scheidung der Majorität ist doch nur ein Nothbehelf, weil voch einmal der Wahiatt vollzogen werden muß, und ein seht zweifelhafter, wo nickt einmal unter den Genoffen ahgest'mirt wird. Die Konsequenz jenes Gevankens führt zur Volkeab' stimmung, die in der kleinen Schweiz vielleicht am Platze ist, tn Deutschland aber kein Politiker anstreben kann. Der&<• danke verstößt aber auch gegen ven ausgesprochenen Geist der Verfassung. Im Art. 29 steht: Die Abgeordneten find V«' treter des ganzen Volks und find an Auitiäge und Jnstmk- tionen nicht gebunden. Man sollte doch, theoretisch betrachtet, den Werth des allgemeinen Wahlrechts nicht überschätzen. Das ganze Volk bat nur ein Interesse daran, daß solche Vertreter gewählt werden, welche die Interessen des Ganzen kennen und fie vertreten wollen. Früher wies Richter darauf hin, daß unsere raschlebende Zeit kurze Wahlperioden vorlange. Es kommen ja Fälle vor, wo eine Ersetzung der bisherigen Ad- geordneten durch Neuwahlen nothwendig ist. Für diese» Fall find die Auflösungen da, welche den Widerspruch der Handlungen der Volksvertretung mit den Fort« schritten der Zeit korrigiren sollen. Daß allerdings der Reichstag nicht die Tagesmeinung vertreten kann und soll, ist 1867 selbst von Vincke betont worden. Dann hat man ein- gewendet, Herr Richter hat dies offen ausgesprochen, daß eine lange Legislaturperiode den Reich-tag gegenüber der Regierung schwäche. Liert denn die Macht und der Einfluß deS Reichstages in der Oppofition und Agitation die Regierung? Jen« E» wand ist aber ai ch innerlich falsch und beruht auf eine» Euppofition, die wir wahrdaftig keines alls gelten lassen könne», daß nämlich die Mehrheft der Abgeordneten charakterlose Leute find, die fich dem Einfluß der Regierung ergeben. Ich behaupte u«- gekehrt: lange Legislaturperioden stärken die Macht der Volks- Vertretung. Die Gründe, welche unS zu unserem Antrage»«- anlaßt haben, find folgende: Zunächst die Einwirkung b« Wahlen auf die Bevölkerung einerseits, und dann am Reichstag selbst. Wie man auch über das allgemeine 33% recht denken mag, so viel ist gewiß, daß es eine Art der 33#" organisation großgezogen, leider auch in den ländlichen Distrikte»- welche dem Allgemeinen nicht zum Besten dient. Damit hansii zusammen die Entwickelung der Presse. Diese fängt seit Ew' führung der dreijährigen Legislaturneriode mehr und mehr«t- auf die breite Masse des Volkes einzuwirken. Die üb«- wuchernde Tageelcktüre trägt wahrhaftig zur Verticfrwt der geistigen Bildung und Thätigkeit nicht bei.£? find keine gesunden Zustände bei uns, wenn für n»1; liche geistige Arbeit ein erbärmlicher Hungerlohn gezahlt»% während Reklamen, Tapesneuigkeiten und oberflächliche Unm? Haltungslektüre theuer bezahlt werden.(Sehr richtig! lin»' Daß der Einfluß der Presse auf die Wahlen ein fittlich«& wird Niemand behaupten. Die Wahlagitation hat immer einen persönlichen Charakter angenommen. Es wird dabei** der Wabrheit nicht so genau genommen, wie es sonst cig«J lich im öffentlichen Leben genommen werden müßte.(Hdt«2 linke.) Wenn man bedenkt, welche Schädigung der Auioritäh»? Achtung zwischen Ardeitern und Arbeitgebern jede Wahl mit/? dringt, muß zugestehen, daß ein Mittel gebunden werden muß, ckes dieses Uedel wenigstens mildert. Die häufigen Wahle»/!- aber auch von verderblichem Einfluß auf den Reichstag,% die zunehmende Rücksicht auf die nächsten Wahlen muß'- Leistungsfähigkeit des Reichstages schwächm. Es wird ffij mehr für die Wähler gesprochen, als für die Sache selbst. wird Alles zur Partersache gemacht. Und unsere PressL|> durchaus nicht darauf aus, ihrem Leserkreis ein objektives r'" unserer Bei Handlungen zu geben. Die Berichte werden je 2, der Parteistellung erheblich gefäibt(Zuruf links). Ich»" j k'in Blatt aus. Die Pieffe gerirt fich gewissermaßen Partei. Wir erleben es alle Tage, daß die Redaktionen schiedener Zeitungen mit hohen Worten Namens der sprechen. Wir d> zwecken mit unserem Antrag: keine stümmelung der Verfassung. sondern eine Verdeff«�/ derselben auf Grund der Erfahrung. Wir handeln so besten Freunde der Verfassung(Zustimmung rechts) dre Gründe für unseren Antrag mit Ruhe und Objtkl'°Lz dargelegt, ohne Spitze gegen irgend eine Partei. De»». � Ziel, daS wir verfolgen, ist ein gemeinsames. Diese R" � des Parlamentarismus ist im Interesse des gesammle» R.' � taaes und der ganzen Nation, und deshalb empfflg�" Ihnen dringend meinen Antrag zur Annahme. rechts.) Abg. K a y s e r: Der Antrag deS Abg. v. HelldA nichts Neues, sondern nur der Fetzen eines früheren v» rungsantrages; würde dieser angenommen, so käme der des Regierungsantrages auch bald nach; er enthalt»«, Anderes, als eine Kürzung der Volksrechte und entsprMP,� Furcht vor den Wählern. WaS im Sozialistengesetz U» � grabung und Umsturz der destehenden Verhältnisse gen» ist, das enthält gerade dieser Antrag der Konservativen. Spitze richtet fich dirett gegen die Arbeiter. Der ärmere/�. der Bevölkerung, der ohnehin schon so wenig zu M c»-#« & Mg eine Miniatur- Photographie der öffentlichen 3 Schatze« betheiligt und sich in einem Zahre zirka 1 5 jjranl« bei Seite gebracht. Zhre HaSnckdar, der die � ieitung de« kaiserlichen Harem« zufiel, verstand e«»ich-,. � der Verschwendung nach dem Laster Einhalt zu g* die erste Baltadji und dere» Faktotum hätten ri � mögen von 7-8 Millionen erübrigt, da« 'ch traute meinen Ohren nicht- dem Fiaa»zmi°'I'" � Disposition stellten, damit er für sie an der Balje lulitC.— Selbst bei un«, wo man so energisch für— der weiblichen Berufsthätigkeit agirt, ist e< p# fctncr Dame in dea Sinn gekommen, Börsianena den- hier im fernen Osten, wo den Frauen 1»'' Gelegenheit abgeschnitten ist, mit der Außenwelt 3%� kehren, verstehen sie e«, sich Börsenlonjunkwre«*"**» g mach-», denn, wie mir die Bach Zkbal(erste»r' e» Sr. Majestät) erzählte, hat die Baltadji riesige„x gewönne», so daß sie eine Art kleine Potentati» der sich alle Minister beugten. Sultanin Valide verließ gar bald den Salo»,. agte, sie de» Kabinen(den Mütter« der P"' pitf -oiuiuc veinep gar oaio ucu> ste sagte, sie de» Kabinen(den Mütter« der t Pntufssincfji) Audienz bewilligt habe.— f a Ms blüht und duftet wie in einem Feenreich. Da steht man zwischen den Bäumen Hängematten kr,, w denen sich schön geschmückte, doch unendlich ge» "ml l'lt aussehende Frauen wiegen. Sklavinnen fächeln loL �uhlung zu, Ennuchen in Hochrothen seidenen Pludder« k. präsentsten Erfrischunge», lebhafte Kinder schießen Rasen Purzelbäume, aus vergoldeten Käfigen iV» n(Ter Band erotische Vögel �ey l,.�?len Purzeioaumr,.......„ , fft#»r.? q'Prechen Papageien, allerhand exotische Vögel "to i» i?'vder erschallen, man glaubt sich in einem Do- ' v'fi"»'— Munsch unerfüllt ,v� �'vder erschalle», man glauvr pw m � 8' st»den, das keinen Wunsch unerfüllt läßt. er �*4 1 Wie viele Seufzer und Klagen i 'a»i' v- hn-t meilte. an mein B, ber fu.�04! Wie viele Seufzer und Klagen drangen üb°,.� �Vit, da ich dort weilte, an mein Ohr k Ilster» ti* 80.interessant aussehende Zirkassierin, deren y drög. wahres Strahlenfeuer verbreiteten, bat mich, fibt« n>eS04.JU ihrer Befreiung thun, sie fei if' wl ste du»! � all de» andern Kabinen verfeindet, i k st» �4 Kränkungen und Sticheleien unmöglich vonl'.et»« andere, ganz majestätische Erschein» k■«t n lUnon'fche Formen selbst einen Maler begeij händeringend, ich möge sie mitnehi kTftr unB!?' ste M eine ehrbare Frau gewesen, habe ihre» Sfr �rri Monate alte« Kind über Alle« geliebt, s�ste», z„°?händler gekommen, hätten fie de» Ihrigen '"PI und'"ach Tunis, dann«ach Konstantiaopel ge- k�chte» verkauft.— Eine junge Georgierin mit >.!...-«..nNndlich wie ein „ faaft.— Crne junge....... erf*:''rfWauen Augen, die unergründlich wie ein %"rit jh buchte mich für ihren Fall zu interefsiren. stähest�»�.Nachbar« Sohn Mustafa versprochen, seit °v ihr»,"dhett liebten sie einander; doch der Vater fps�aufix �unerguog nichts wissen. Mit vierzehn cbes Feuer, sie wisse, daß Mustafa ihrer auf dem Mühlendamm schien ste also preisgeben zu wollen. Das war aber der Bruder eines preußischen Ministers, welcher jene Worte gegen die Juden gebraucht hat. Wenn man die Agitation der Cremer, Pickenbach und der sonstigen Freunde des Herrn Stöcker mit den wildesten Eozialdemo« traten vergleicht, so erscheinen die letzteren immer noch sehr gemäßigt. Solche Mittel werden auch von den Konservativen zm Erlangung eines Mandats angewendet! Herr v. Hellvorf muß übrigens eine sonderbare Vorstellung von der Presse haben. Das Preßgeschä't bat erst dann einen goldenen Boden, wenn die Börse oder der RevtilienfondS kor- rumpirend auf die Presse einwirken. Wenigstens kann man nicht sagen, daß diejenigen Vertreter der Presse, welche über Wahlversammlungen berichten, besonders gut bezahlt wären. Seine Klage über die Parlamentsberichte theile ich, weil na- mentlich die Sozialdemokraten am meisten unter der unvoll- ständigen Berichterstattung zu leiden haben. Die Parlaments« berichte widmen— und zum Theil können fie es nicht anders — nur dem großen Parlaments Bureaukraten ihre Autmerk- samkeit, zum Theil find die Berichterstatter auch gar nicht im Stande, den mehr technischen Verhandlungen im Reichstage mit genügendem Verständnisse zu folgen. Der Reichstag hat darauf zu achten, daß an dem bestehenden Rechte nichts ge« ändert wird; es würde das nur zu einer Minderung der Rechte des Volkes führen. Das Ansehen des Reichstags hängt nicht von drei- oder fünfjähriger Legislaturperiode ab, sondern da- von, daß die Abgeordneten fich bewußt find, daß ste hier fitzen im Namen der Wähler. In einem Lande, wo die Re- gierung so übermächtig kist, find häufige Wahlen besonders nothwendig; der Volksvertreter kann fich ihr gegenüber nur dann auf das Volk berufen, wenn in möglichst kurzen Zwischenräumen gewählt wird. An dem Kandidatenmangel ist der Diätenmangel schuld; der Beamte, der sein Gehalt fort« bezieht, kann ruhig hierherkommen, nicht der praktische Ge- schästSmann. Mehr alS alles, waS zu Gunsten der längeren Legislaturperiode angeführt wird, hat die Fahrkartenänderung dem Ansehen deS Reichstages geschadet. Aber das haben fich die Konservaliven ruhig gefallen lassen, trotzdem»m Foyer gerade von ihrer Seite die grimmigsten Gefichter gezeigt wur« den. In den ausgeklärten Volkskreisen ist die Mernung mohl lebendig, daß daS, waS dem Reichstag geschieht, den Wählern icschieht. Wenn alle zwei Jahre gewählt wird, würde auch »,ie Auflösung des Reichstages überflüsstg, und alle Auf« lösungen baben ja etwaS vom Brandgeruch des Staatsstreichs an fich. In der Schweiz und Amerika giebt es kein Auf- lösungsrecht, und in Frankreich benutzte es Mac Rahon in der Hoffnung, einen Staatsstreich herbeiführen zu können. DaS Hauptmoment bei der Auflösung ist doch, daß die Regierung den richtigen Moment abwarten, augenblickliche Strömungen und Leidenschaften benutzen, daß so zu sagen eine Heber« rumpelung der Wähler stattfinden kann. Seit 1878, seit ich im Reichstag fitze, wird in jeder Sesfion davon gesprochen: der Reichstag wird aufgelöst! Dadurch hat die Regierung mehr durchgesetzt, als wenn fie den Reichstag wirklich aufgelöst hätte. Aus Furcht, ein Jahr früher zu sterben, nach Hause geschickt zu werden, hat mancher freistnnige Abgeordnete für das Sozialistengesetz gest mmt, der nachher doch durchgefallen ist; der einzelne Abgeordnete hängt eben zu sehr an dem Mandat. Eine Auflösung findet nur statt, wenn der Reichstag nicht mit dir Regierung ein- verstanden ist, nicht aber, wenn er nicht mit der öffentlichen Meinung im Einklang ist. So kann die Regierung jedes Parlament ausnutzen. Die Partei, die eine VerfassungS« änderung anstrebt, glaubt, fie zu ihren Gunsten ändern zu können. Das glaubt die konservative Partei jetzt auch, Herr v. Helldorf ist doch sonst ein Freund der Verfassung. Dieser Versuch ist wie die geplante Volksvertretung auf dem Grunde der Berufsgenoffenschaften, der Volkswirthschafts- rath, der Staatsrath u. s. w. nur gegen das all- gemeine Wahlrecht gerichtet. Die Konservattven bringen mit ihrem Antrage die Verfassunasftage in Fluß, und hoffnungsvoll rechnet v. Helldorf auf die Jugcnd. Die Jugenv besteht nicht Mos aus Vereinen deutscher Stu- denten und Reserveoffiz'eren; dazu gehört auch die deutsche Arbeiter« und Handwerkerjugend, und diese wird nicht auf Ihrer Seite stehen. Die Konservattven erschüttern die Ver- faffungSgrundlage. indem fie die Verfaffungsftage in Bewe- gung dringen. Mögen Sie alle Hindernisse aufbauen, um die Volksrechte einzuschränken, um der arbeitenden Bevölkerung Luft und Licht für ihre Mitwirkung an der Gesetzgebung zu rauben, die arbeitende Bevölkerung und die ganze Jugend wird fich unseren Bestrebungen anschließen, die nicht auf eine Verkürzung, sondern auf Erweiterung ihrer Rechte gerichtet find. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Um 4'/: Uhr wird die weitere Debatte bis DonnerS« t a g 1 Uhr vertagt. Außerdem Etat. Parlamentarisches. — Die„Volks, tg." nennt als diejenigen Mitglieder der deutschfteifinnigen Partei, welche in der Arbeiterschutz- gesetzfrage auf dem Standpunkt des Abg. Halben stehen, harre, fie habe in Romanen gelesen, daß man eine Wieder- vereirigung herbeiführen könne, daß nach der Trennung um so reineres Glück zu erhoffen sei. Ich kostete, beruhigte, erzählte ihnen, daß auch wir Frauen im Weste« unsere Herzenskämpfe durchzumache» hätten, oft mit Existenzsorgen rechnen müßten und daß viele der Uasrigen, die im Kampf um'« Dasein unterliegen, sie um ihr sorgenloses Leben beneiden würden. Da« machte sie stutzig. Offenbar haben fie ganz falsche Begriffe von der Stellung der abendländischen Frauen. Al« ich ihnen klar zu machen suchte, daß wir mit unser« Rechten auch Pflichten übernehmen, die oft sehr ernste Anforderungen an uns stellen, daß gar oft die Begabtesten und Schönsten unter un« es nicht dahin bringen, wie sie ei« eigenes mit Komfort aus- gestattete« Heim zu haben, r« dem fie vor des LebenS Wechselfällen geborgen sind, da schienen Viele von ihnen mit ihrem Schicksal ausgesöhnt. Traumverloren blickten sie in'S Blaue, wohl überlegend, daß ihnen ihr Solee far niente denn doch lieber fei, als ein Leben der Pflicht und gar oft der Entsagung.... Ehe ich de« Harem verließ, statteten wrr noch dem Kinderpavillon, au« dem un« schon von Weitem ei« wüster Lärm entgegentönte, einen Besuch ab. Mehr al« 200 Kin« der, den verschiedensten Kabine» gehörig, spielte» hier Lawn tennis, Cricket, Croqnet, Versteck ic. Sie wurden von de» Alaike» beaufsichtigt, die sie täglich einmal den betreffenden Müttern zuführen, denen aber im Uebrigen die Sorge für ihr körperliches und geistige« Wohl zufällt. Ger» hätte ich noch dm munteren Sprüngen der kleinen Sultanskinder zugeschaut, doch Doktor Effendi kam, wich abzuholm. Als da« hohe Schloßportal hinter uns zufiel, war e« mir, als hätte ich eine fremde Welt verlasse», eine Welt, äußerlich so schön, innerlich so leer, so gehaltlos, so arm an wahrm Genüssen, daß ich mich glücklich schätzte, selbst unter Verzichtlerstung auf alle dort gebotenen Freuden, rin- gm, streben, arbeiten zu können, um mir in de« Worte« edelster Bedeutung das Recht der freien Selbstbestimmung zu wahrm. die Abgeordneten Virckow, Möller, Träger. Löwe, Langerhans, Äohland und P r o p p i n g. Die Erkla- rung Halbens in der Reichstagsfitzung vom 4. d. lautete nach dem stenographischen Bericht:„Ich bitte den Herrn Präfidenten, mir zu gestatten, daß ich im Rahmm einer geschäftsordnunaS- mäßigen Bemerkung darauf aufmerksam mache, daß ich der nächste eiraeschriebene R'dner bei Schluß der Debatte war und mir daS Wort erbeten hatte, um im Namen einer Minorität der dmtschfreifinnigen Partei eine feste sympathische Stellung» nähme zu den Anträgen auf Beseitigung der industriellen Kin« derarbeit außerhalb der elterlichen Wohnung, auf Beseitigung der Nachtarbeit für jugendliche und weidliche Arbeiter, femer auf eine Einschränkung der Arbeit vcrhciratheter Frauen inr Interesse der Erziehung und Verwaltung ihres HauswesenS zu dokumentiren. Ich freue mich, daß es mir möglich ist, davon vor diesem Hause und vor dem Lande ausdrücklich Kenntniß zu geben, wenn es auch nur innerhalb einer geschäftsordnungS- mäßigen Bemerkung geschehen konnte." In der P e titi o n s k o m m ission ist über ein weitere Kreise interesstrmdes Gesuch des Dr. Wollny in Berlin Beschluß efaßt worden. Dasselbe ging dahin, der Reichstag möge dm »laß etne: Gesetzes erwirken, welches den Verkauf und die Anwendung elektromagnetischer und optischer Instrumente unter behördliche Ucberwacbung stellt. Betreffs dieses Vor« schlages konnte jedoch aus den begründeten Ausführungen deS Petenten ein wirkliches Bedürfniß nach gesetzlicher Regelung nicht nachgewiesen werden. Auch von keinem Mitgliede der Kommisfion wurde dieser Nachweis geführt. Der Beschluß der letzteren ging daher dayin, dem Reichstage die Petition als zur Erörterung im Plenum nicht geeignet zu de« zeichnm._ Kommunales. Zu den Stichwahlen. Die Wählerlisten liegen zur Einficht für Jedermann auS: Für den 25. Kommunal- Wahlbezirk im Zigarren- geschätt von Meyer, Koppenstr. 66. Für den 34. Kommunal- Wahlbezirk im Zigarren- geschast von Ballmüller und Steinicke, Veteranenstr. 28. Zur Wahl im 26. Kommunal- Wahlbezirk. Der Wahlooistanv deS 26. Kommunalwahldezirks(Abtheilung A) hat, wie die„Post" erfährt, auf seine Anfrage vom Polizei- Prästdium die Antwort erhalten, daß Herr Direktor Kohlert am 27. November erst seine Naturalisation nachgesucht und dabei angegeben habe, daß er in Mecklenburg-Schwerin staatS« angehörig sei. Der betr. Wahlvoi stand(Abtheilung A) hat demnach, da der Magistrat fich in seinen Entschlüssen auf das trotokoll vom 24. November stützt, bei dessen Abfassung der jahlvorstand von der Sachlage, betr. die Staatsangehör'gkett des Herrn Kohlert, noch nicht unterrichtet sein konnte, nunmehr in einer Sitzung am 6. Dezember die in Abtheilung A auf Henn Kohlert aefallenen 271 Summen für ungilttg erklärt. Ob die andere Abtheilung B diesem Beispiele folgen wird, ist noch nicht bekannt. Zugleich hat der Wahlvorstand dem Magistrat und der Stadlverordneten- Versammlung Kenntniß von seinem Beschlüsse gegeben und, da der Magistrat den Wahlvorständen die Jnitialive in der Anberaumung der Stich- wähl überlassen hat, diesen benachrichtigt, daß die auf den 15. Dezember angesetzte Wahl aufgehoben werden müsse.— Demnach würde also Herr Limprccht nach Anficht des Wahl« Vorstandes gewählt sein. Wie die Sache liegt, würde es fich indeß empfehlen, beim Magistrat dagegen zu protrstiren und die Anordnung einer vollständigen Neuwahl zu beantragen. Lokales. Die Anfragen betreffs der Schneeschmelzapparate bei der hiestzen Slraßenretnigung seitens auswärtiger Magistrate werden dahin beschieden, daß die mit denselben in früheren Jahren angestellten Versuche zu negativen Resultaten geführt haben, und soweit hier bekannt, von keiner städtischen Vermal- tung dauernd eingeführt worden find. Alle Versuche, den Schnee auS den Straßen zu schaffen, mit Umgehung der Abfuhr, haben fich nicht dewährt. Die im vorigen Jahre in Pari« durch Anwendung von Salz erzielten Erfolge beruhen eineS» theils auf Selbsttäuschung, anderntheils verbietet fich diese« Verfahren mit der Zeit ganz von selbst, weil die Straßen- passanten bald zu der Einsicht kommen, daß daS Schuhwerk sich zu rasch abnutzt und dagegen remonstriren werden. Das einzig praltische Mittel, den Schnee zu beseitigen, ist und bleibt die Abfuhr. Fällt der Schnee in solchen Massen, daß er nicht bewältigt werden kann, dann muß eben gewartet werden, di« die Natur hilft und die Sonne den Schnee schmilzt, der nicht abgefahren werden kann. In Jahren starken Schneefalles find die Abfuhr kosten für die Stadtkasse recht empfindlich, haben jedoch wieder das Gute, daß vielen arbeitslosen Leuten dadurch Gelegenheit geboten wird, ihre Familien, ohne die Armenpflege in Anspruch zu nehmen, zu ernähren. Rosa Besser wird von ihren tiefdckümmerten Angehörigen gesucht. Dieselbe begab sich vorgestern früh gegen V-9 Uhr von Neu- Kölln am Waffer aus auf den Weg nach der in der Annenstraße gelegenen Schule, ist aber dort nicht angekommen. Ueber ihren Verbleib hat fich bisher nichts ermitteln lassen DaS Mädchen steht im 12. Lebensjahre, macht aber den Ein« druck, als wäre es bereits 14 bis 15 Jahre alt. Es ist 1,40 biS 1,50 Meter groß, war bekleidet mit blauem Kleid, Hosen, Gummistiefeln, dunkelbraunem Regenmantel und trug einen Ranonhut mit dunkelblauer Schleife an der vorderen Seite. Die Eltern fürchten, daß ihrem einzigen Kinde ein Unglück zu» gestoßen ist und harren auf etaa ge Mitheilungen, die zur Aufklärung dienen könnten, Neu• Kölln am Wasser[ 17, 2 Treppen. Gegen den Raubmörder Schunicht wird am nächsten Donnerstag und Freitag, und zwar der vielen Zeugen wegen — es find deren im Ganzen seitens der Anklage beHorde 39 ge» laden— im großen Schwurgerichtssaal verhandelt. R. Ein Zechpreller besonderer Art. In einem B!er- lokale der Jnvalidenstraße mit Damen-Bedienung verkehrte seit einiger Zeit ein junger Mann, welcher fich unter dem Namen eines Kaufmanns Richard K. eingeführt hatte. In voriger Woche, nachdem er einige Tage seinen Besuch ausge- setzt hatte, erschien er wieder, blieb einer Kellnerin die Zeche von fast fünf Mark schuldig und versprach dieselbe am nächsten Tage zu begleichen. Als Herr K. fich weder am folgenden Tage, noch überhaupt wieder s.hen ließ, schrieb die Kellnerin zunächst einen Mahnbrief, und als derselbe fruchtlos blieb, schickte fie ihre Mutter zu den Eltern ihres Schuldners, um den Betrag einzuziehen. Hier war man über eine solche For- deruna höchst erstaunt, denn der Sohn war seit länger wie drei Wochen von Berlin abwesend, auch wurden ihm alle für ihn eingehenden Briefe nachgeschickt. Um der Sache auf den Grund zu gehen, begab fich der Vater zu der betreffenden Kell- nerin und legte ihr eine mitgebrachte Photographie seines Sohnes vor. Die Kellnerin erklärte sofort, da« Bild befitze gar keine Aehnlichkeit mit ihrem Schuldner, fie brachte dagegen eine ihr üdcrgedene Vifitenkarte zum Vorschein, von welcher der Vater zugeben mußte, daß eS wirklich eine Karte seines Sohnes sei. Man gelangte schließlich zu ver Ueberzeugung, daß irgend ein Fremder von dem jungen K, der in dieser Be- ziehung sehr leichtfinnig war, eine Vrfitenkatte ei halten habe und diese nun zur Ausführung seines Schwindel auf oben erzählte Art benutzt habe. Der Fall dürfte in mancher Be- ziehung zur Vorficht und Warnung dienen. SterblickkeitS- nnd Gesundheittverhältnisse. G und süd> deutscher Städte, sowie aus Paris, London und den größeren englischen Orten etwas größere Eterblichkeitsverhältnißzablen, auS den mittel« und norodeutschen Städten dagegen vielfach etwas kleinere Sterblichkeitsziffern gemeldet wurden, als in der Vorwoche. Eine große Zahl von Sterbefällen an akuten Entzündungen der Athmungsorgane riefen die noch immer, de- fonders in Mittel- und Norddeutschland, vorherrschenden östlichen und nordöstlichen Windrichrungen hervor, wodurch die Sterblichkeit in den höheren Altersklassen eine wesentlich er« höhte wurde; doch war auch die Theilnabme des Säuglings- alters an der Sterblichkeit eine etwas gesteigerte, so daß von 10000 Lebenden in Berlin(aufs Jahr derechnet) 65, in München 85 Säuglinge starben.— Unter den Todesursachen bewirkten Masern, Diphrherie und Kroup, Pocken, akute Entzündungen der Athmungsorgane und Brechdurchfälle mehr Sterbefälle, während die Sterblichkeit in Schar« lach, Typhus, Kindbetifieber und Keuchhusten eine ge- ringere wurde. So traten Masern in Berlin, Bremen, Duis- bürg, Liverpool, London in größerer Verbreitung auf; in Königsberg blieb die Zahl der Sterdetälle an Masern die gleich große, in Danzig, Dresden, Prag. Budapest, Paris, St. Petersoura wurde fie etwas kleiner.— Das Schar lachfieber rief in Berlin, Hamburg, Holle, Duisburg, London mehr Todesfälle hervor, während in Dresden, Prag, Paris und St. Petersburg ihre Zahl etwas abnahm.— Diphtherie und Croup traten wiederum in einer ansehnlichen Zahl, namentlich deutscher Städte in größerer Ausdehnung auf; unter Anderen war die Sterblichkeit an Diphtherie in Berlin, Danzig, Dortmund, Erfurt, F:ankfurt a. d. Oder, Hamburg, Köln, Leipzia, Magde- bürg, Nürnberg, Stuttgart, Budapest, London, Parts, St. Petersburg, Trieft eine größere, in Altona, Barmen, Dresden, Halle, Kiel, Königsberg, Brüssel, Christiania, Odessa, Wien, Warschau eine etwas vrrmindcrte.— Typhöse Fieber zeigten fich fast allgemein in beschränkter Zahl alS Todesursachen, ins besondere hat in Br rlin, Hamburg, London, Trieft die Zahl der Todesfälle abgenommen und er- fcheint nur in Pari? und St. Petersburg etwa? ge« steigert.— An Flecktyphus kam nur 1 Todesfall aus dem Re- gierungsbezirk Aachen zur Meldung, doch wurden von eben- daher noch 10 neue Erkrankungen und aus St. Petersbmg 3 zur Anzeige gebracht.— Der Keuchhusten trat in Berlin, Hamburg, London, Liverpool, Stockholm in etwas größerer Ausdehnung zu Tage. Auch Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kinder zeigten sich vielfach in größerer Zahl als Todes- Ursachen.— Pocken kamen Zahlreicher und aus einer größeren Zahl von Städten zur Mittheilung. Einzelne Pockenfälle wurden aus Berlin, Hamburg, Trieft, Zürich, London, Et. Petersburg gemeldet. Aus München, Rom, Liverpool kamen 2, aus Paris 3, aus Budapest 10, aus Prag 13, aus Wien und Venedig je 21 Todesfälle, aus den letzteren Orten auch eine größere Zahl von neue« Erkrankungen zur Meldung. — Die Nachlichten über die Cholera lauten günstig. In Spanien und Italien(Palermo) ist die Epidemie dem Er« löschen nahe; amtliche Bulletins werden nicht mehr ausgegeben. Auch aus dem Departement Finistsre ist nach den amtlichen Mtttheilungen vom 17. bis inkl. 20. November keine weitere Erkrankung vorgekommen. Gerichts-Zeitung. Reichtgertchts-Emscheidung. Beim Auswechseln ab- - big gewordener Schienen auf einer Etsenbahnstrecke, welche Arbeit zur Nachtzeit ousgefüh'.t wurde, während die Bahn- Verbindung fahrplanmäßig innerhalb sechs Stunden rubte, ver- letzte fich schwer ein Arbeiter, welcher auf Grund des§ 1 des Haftpfl.chtgesetzes, betr. die erhöhte Haftpflicht bei Eisenbahn- Unfällen, Schadenersatz vom EisenbahnstSkus beanspruchte. Der Verletzte wurde aber in beiden Instanzen mit seinem Anspruch abgewiesen, indem fie auf den vorliegenden Fall die erhöhte Haftpflicht aus§ 1 nicht für anwendbar erachteten; auch die von ihm eingelegte Reviston wurde vom ReichSgericht, dritter Zivil- senat, durch Urtheil vom 16. Oktober ds. IS. zurückgewiesen. Der höchste Gerichtshof führte begründend aus:„Wäre die Zwischenzeit von 6 Stunden zur Ausführung der Arbeit oder die dazu verwandten Arbeitskräfte ungenügend bemessen gewesen, so wäre nicht unmöglich, daß in Folge der damit verbundenen Gefahr wegen Herannahen» der Bahnzüge und der naturgemäß hierdurch hervorgerufenen Aufregung ein Zusammenhang zwi- schen der fraglichen Arbeit und den eigenthümlichen Gefahren des Eisenbahnbetriebes in der Art fich ergeben konnte, daß auf einen dabei fich ereignenden Unfall der§ 1 des Hrftpflichtge- setzeS anzuwenden wäre. Im vorliegenden Falle erscheint jedoch die Anwendung ausgeschlossen, weil festgestellt ist daß sowohl die vorgesehene Zeit wie die aufgebotenen Arbeitskräfte voll- kommen genügten, um die Arbeit mit Ruhe und ohne Ueber- eilung ausführen zu können. Nach dreser Seite hin ist daher der dem Kläger zugestoßene Unfall mit den eigenthümlichen Gefahren de« Eisenbahnbetriebs, bezw. mrt dresem selbst nicht in Kausalzusammenhang zu bringen. Daß aber auch die wei- teren von dem Kläger geltend gemachten Momente: nachtliche Ardelt und bei Fackelbeleuchtung, diesen Zusammenhang nicht herzustellen vermögen, ergiedt fich aus der ernfachen Er. wägung, daß derartige Momente dem Ersenbahndettreb durch« aus nicht eigenthümlich find." Soziales und Arbeiterbewegung. Gräfrath bei Solingen, 5. Dezember. Daß man be» un- serer gesundheitsschädlichen Industrie mit dem neuen Kranken- kaffengesctz ganz besonders trau: ige Erfahrungen machen mußte, war wohl vorauszusehen und wurde auch von berufenen Ar- bettern. die länger als ein Jahrzert rn Krankenkassen thatig waren, unseren D-rwaltungsdeamten gegenüber unumwunden ausgesprochen. Aber all« Vernunftgründe Helsen mcht. Zur Zeit, als es galt, über die zweckmäßigsten Oraanisatlonen ln Betreff der Krankenkassen zu berathen, wurden)m Kreise Solingen durch polizeiliche Beeinflussung der Wrrthe alle Ver« sammlungen absolut unmöglich gemacht Was fast an allen andern Otten Preußen? unbeanstandet geschah, durfte hier nicht geschehen. W.e würde es aber wob heute mit den Krankentassen stehen, wenn die intelligentesten Arbeiter Deutsch- landS nicht überall Hand ans Werk gelegt hatten? Unsere Herren Bürgermeister dachten jedoch anders; fie glaubten,� wenn nur die„richtigen Instruktionen" von Seiten der Regierung kämen, dann würden fich die fix und fertigen Ortskassen mit dem nöthi- gen Reservefonds u.s. w. gewissermaßen aus der Erde hervorzaudern lassen.— Aber weit gefehlt! Heut«, trotzdem noch kein Jahr seit der Gründung der Octekaffen ins Land ge- gangen, ist der Karren bei uns so tief in den Schlamm ge- rathen, daß derselbe mit den besten Vorspannpferdrn schwerlich wieder flott gemacht werden wird. Die Gräfrother Ortskrankenkasse zahlt nämlich seit unge- fähr 2 Monaten keine Unterstützung mehr, was aber den Vorstand derselben nicht hindert, für die verfallenen Beiträge nach wie vor Pfändungen und Verkäufe vor- nehmen zu lassen. Von vielen uns bekannten Fällen wollen wir hier nur einen Fall erzählen. Ein zu Hl. Stock« dum wohnender Messerreider, welcher seine Beittäge zur Orts- kranken lasse statutgemäß entrichtet hatte, ist seit dem 5. Oktober an der Rippen'ellentzündung schwer erkrankt, ohne daß ihm — außer Arzt und Apotheke— bis dato auch nur ein Pfennig Unterstützung zu theil wurde. Der Kassmarzt hat den Mann regelmäßig besucht und ihm die Legitimation zur Erhebung des UnterstützungS- geldes ausgestellt, welche aber stets mit dem Bemerken zurück- gewiesen wurde:„Es ist keinGeld in der Kass e." Da die Hilfsbedürftigkeit des kranken Mannes eine große ist, wandte man fich an den Herrn Bürgermeister um Aimenunter- stüyung. aber auch hier blieben alle bisherigen Bemühungen umsonst. Wir veröffentlichen diese? in dem Glauben, daß von berufener Seite in dieser skandalösen Geschichte Remedur geschaffm werde. Wenn man den Arbeitern für die Kranken- kassendeiträgc eventuell ihr bischen Hab und Gut pfändet, fie aber nicht einmal Ausficht haben, bei etwaigen Erkrankungen Unterstützung zu erhalten, daß da die Erbitterung täglich steigen muß, ist selbstverständlich, wie es auch selbstverständlich ist, daß unter solchen Umständen ein Glaube an die Durchführung einer gesunden So ialreform schlecht aufkommen kann. Ueber Lohnreduktion»- Manipulationen dringt das „Offenbacher Tageblatt" ein recht bezeichnendes„Eingesandt". Dasselbe be chäftigt fich mit der Firma Dreschfeld u. Halber- strvt zu Offenbach und lautet: Einem Arbeiter platzte ein Holzleisten ohne daß ihn dafür eigentlich irgendwelche Schuld traf. Was machte obige Firma? Sie zog dem Ardeiter zwei Mark und zehn Pfennig ab. Als darauf der Arbeiter, der mit diesen 2 M. 10 Pf. den Leisten mehr als hinriichend be- zahlt hatte, denselben mitnehmen wollte, meinte Herr Dreschfelv: „Nun! Was wollen Sie mit dem Leisten anfangen?" Als der Arbeiter erklärte, er wolle ihn lieber ins Feuer weifen, als ihn der Firma lassen, meinte der Herr Halberftadt:„Wir kaufen Ihnen denselben ad", und man bot dem Arbeiter 1 M. 60 Pf. dafür, welchen Bettag der Arbeiter begreisticher Weise nahm und ftoh war, nur 50 Pf. bei den Herren lassen zu müssen. Ein solches Gebühren ist doch gewiß„sauber" und verdient öffentlicher Würdiguna. Der Gewrrberath in Mecklenburg macht es fich in seinem Bericht über die Lohnverhältniffe seines Bezirkes sehr leicht, indem er schreibt:„Die Löhne fand ich im Berichtsjahr, gegen die des Vorjahres gehalten, völlig unverändert. Für die oescheidenen Ansprüche des Arbeiters ließen sich dieselben über- all als auskömmlich bezeichnen, und eigentliches Arbeiter« elend hatte ich— zumal überall Arbeit zu finden war— nir- 8ends wahrzunehmen. Selbst die Entlassung von mehreren undert Arbeitern au« einer den Betrieb stark einschränkenden Fabrik führte ein massenhaftes Elend— wie ich anfänglich defürchtet hatte— nach meinen Erkundigungen nicht bcrdei, vielmehr erfuhr ich, daß die entlassenen Ardeiter sehr bald bei Neubauten und in einer Zuckerfabrik Beschäftigung ge- funden hatten."— Das nermt man, wie die Katze um den heißen Brei gehen! Die Frauenfrage ist nunmehr gelöst. Pastor Seidel in Dresden sprach im christlich-soztalen Verein über die Stel- lung der Frau in der modernen Gesellschaft. Er meinte, die Liberalm dezweckten die Emanzipation der Frauen, die Sozial« demokratm aber die Auflösung des Familienlebens; im Geiste des Christenthums müsse wieder auf die naturgemäße Stellung der Frau hingewiesm werden. Die Frau müsse die Gehilstn des Mannes sein. Allerdings eristiie ein Ueberschuß von Frauen, doch dieser Ueberschuß seiwett zu machen, in- dem fich die Mädchen dem unmdlichen, Tausende von Krästm noch entbehrmdm Felde des Diakonissenweseni zuwenden, anstatt über Beruislofigkeit zu klagen. Durch chttst- liche Erziehung könnten die Mädchen auf diesen allein richtigen Weg geleitet werden. Da wären wir ja um eine brennende Frage rm Handumdrehen ärmer geworden. Vom Thüringer Walde wird jetzt in einzelnen Provinzial- blättern ein Artikel verbreitet, der die dottiae Industrie in den rofigsten Farben malt. Porzellanmaler, P rlmacher, Knopf- macher, Glasarbeiter sollen danach vollauf Arbeit und guten Verdienst haben. Wie uns aber mitgetheilt wird und zwar von Beihelligten, haben die Porzellanfadriken wobl zu tbun, aber die Waaren stehen schlecht im Preise und die Löhne stns sehr gering. Ebenso geht es auch in den übrigen angeführten Gewerben. Die Nürnberger Metallausstellung hat sehr schlechte Ge- schäfte gemacht. Es wird wohl der ganze GarantufondS von 100000 M. dabei eingebüßt werden. Wir haben uns immer gegen die kleinen Gewerbe- und Fachausstellungen in kleineren und mittleren Städte aewantt. Einen wirklichen Nutzen für die deutsche Kunst und Industrie, für das gewerbliche Leben und den Handel kann nnr eine Weltausstellung in der aufblübenden Weltstadt Berlin haben. Doch leider wttd dieser unser Wunsch nur Wunsch bleiben; er scheitert an der Energielofigkett der deutschen Industriellen, an der unsympathischen Haltung der Regierung und an kleinlichen politischen Rückfichten. In Metz wurden zwölf von denjenigen Arbeitern, welche in der Buchdruckerei von Even u. Co. die Arbeit eingestellt hatten, plötzlich verhaftet. Man ist gespannt auf die Ursache dieser Maßregel. Einen neunstündigen Arbeitstag haben die Dock- arbeiter zu Liverpool nach dreiwöchigem Streik errungen. Zirka 1500 Arbeiter hatten behufs Kürzung der A.berlSzeit den Streik erklärt, bis die Hafenbehörde nachgab und neun- stündige tägliche Arbeitszeit bewilligte. Bravo! Vereine nnd Versammlungen. In der öffentlichen Mitgliederversammlung de« Kachverein« sämmtlicher an Holzbearbeitungsmaschinen be- schäftrgter Arbeiter, welche Sonntag, den 6. d. M., bei Herrn Eichholz, Köpnickerstr. 158 tagte, hielt Herr Tischlermeister Mitan einen betfällig aufgenommenen Vortrag über:„Gewerkschaftliche Bewegung". Referent streifte zu Anfang seine« Vottrages kurz Vre Bewegung deS Mrttelallers, ging sodann über zur englischen Gewerkschaftsbewegung(TradeS Unions) schilderte deren großattige Organisation in eingehender Weiie und meinte daß eS denselben doch nicht gelungen sei eine nennenswetthe Besserstellung ihrer Lage zu erringen, weil sie fich um Politik gar nicht bekümmetten. In Teutschland gründeten Führer der Fottschrütspartei ebenfalls Gewerkverein« nach englischem Muster, die heute aber in stetem Rückgänge begriffen find, weil die Führer der Gmerk, chaft nur immer Selbsthilfe predigen und von Staatshilfe durchaus nichts wissen wollen. Erst durch daS Auftreten eines wissenschaftlich gebildeten Mannes wurde die Arbeiterbewegung W ein andere» Fahrwasser gelenkt. Referent ging dann näher auf den Ar detlerschutz-Äesetzentwurf«in. schildette eingehend die Vortbeil, gendc Mahnung an die Anwesenden, fich recht zahlreich an der Organisation zu betheiligen.(Beifall.) In der Diskuliio» sprachen jämmtliche Redner im Sinne des Referenten. 6'" Antrag, wo- ach die Veieinsversammlungen jeden Sonntez nach dem 1. und 15. jeden Monats stattfinden sollen, mu% angenommen. Ebenso wurde ein Antrag angenommen, wvnaa zwei Drittel vom Ueberschuß der Matine vie Wfttwc Johaniut und ein Drittel der krankeFraiier Gronau erhalten soll. Die nächste Versammlung findet am 20. d. M. im genannten Lokal staa- Auch kommen daselbst Billets zu dem am 23. Januar in der Urania stattfindenden Maskenball zur Ausgabe. Die öffentliche Versammlung der Maler Berlins in Wiith's Salon, Dres'enerstr. 45, am Sonntag, den 6. d R, war leider nur schwach besucht. Der Bencht der Kommisstsr vom Stteik der Maurer resnl'itte dahin, daß eine definüu! Abrechnung nicht stattfinden könne, da viele Sammellisten ni® eingegangen find. Nach reger Debatte wurde der Antrag der Versammlung angenommen, daß die Kommisfion enerais» die weitere Verfolgung dieser Angelcgenbeit in die Harb nehmen habe. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung: y rechnung vom Streik der Leipziger Kollegen, gab der Rafft# Herr Küßner einen speziellen Rechenschaftsbericht. Listen iM hierzu ausgegeben von Nr. 1 bis 34, nur die Liste Nr. 18'st nicht eingeliefert worden. Gesammelt ist ein Betrag 143 M. 30 Pf, verausgabt 106 M. 50 Pf., bleibt cinSeß«"5 von 36 M. 80 Pf. Die Versammlung beschloß, mit letztem» Betrage das Defizit der tagenden Versammlung und die m-- kosten, die durch die Abrechnung entstanden find, zu dw*. eventuell zu gleichem Zweck der nächsten Ve'sammlung r Disvofition zu stellen. Beim dritten Punkt der TazesordnunS- Verschiedenes, wird einstimmig beschlossen, daß nach ei# jeden Versammlung der Mal-r so schnell wie tröfchch Bu eau aus ein kurzgefaßter Bericht an das„Berliner MlN blatr" eingereicht werden soll; ferner daß Her Nikolei von# Kommisfion zur nächsten Versammlung eingeladen wird. Der Fachveretn der Former und verwandten genossen hielt am Montag, den 7. Dezember, in Kriegs' Salon, Wasserlhorstr. 68, seine erste Mitglieder-Sitzunz � welche von nahezu 300 Personen besucht war. Ein##4 von Herin Dr. Bohne über das Thema: Tarwirs ß-T um das Dasein, wurde mit großem Beifall abgenommen. � der hierauf folgenden Diskusfion wurde namentlich berssi� hoben, daß die Arbeiter fich nicht nur auf ihre Seldstbiift Vh schränken dürfen, sondern auch zu verlangen hätten, daß V? die Staa shilfe eben so gut zu Theil werden müsse wie# Großmdusti iellen, welche durch Exportprämien und dergleichen� schützt wü-den. Um dieses nun zu erlangen, ist es iwW daß vie Arbeiter Schulter an Schulter, Mann an Mann> sammen treten, um Fachvereine zu bilden und dott mit � Kraft ihre Verhältnisse zu bessern. Hierauf folg'e die � iegung der Statuten durch den Vorfitzenden, Herrn und empfiehlt derseibe als aeeianeteS Oroan das VollSdlatt" und die„Melallaebeiter Zettung" und mf#h, kannt, daß die Versammlungen des Vereins durch das„3% Volksblatt" und durch Postkarte bekannt gemacht werden. � Beiträge werden in den Versammlungen und am SoM'11�, nach dem 15. jeden Monats bei Eovtke.'Ritterstt. 1% gegen genommen. Berliner«tuckatcur-Berein. Die am Montag halten« Vereinsveisamwlung nahm den sachlichen VarW u Herrn Lindemann sehr baeall-g auf. Der Vo: tragend« i, namenrlich auf den Werth und die Voitheile einer R"#" ü- bitdung hin und wurde auf diese Anregung hin eine* misfion gewählt zur Bildung einer Fach- und ZeldKw�, Zum Schluß richtete der Vortragende einen Appell an b* � sommlung. um recht rege und wirksame Bette, ligirng# � Verein, da sonst alle Mühen und Arbeiten des Vktfm-hs e.'inger Beiheiligung ganz erfolglos wären. E«# ensache jede? Kollegen, fich dem Verein anzuschließ� c*% Stolze'schen Stenographenverein(#A« Zeuetttew, Alte Jakobftraßc 75) hält am Donnerstag, Abend? 8 Uhr, Herr Rechtsanwalt Dr. Sauer einen 3 � über die Stenographie im Justizdienst, an den fick graphische Aufnahme einer fingitten Gettchtsow'.,,#4 schl'.cßen wird. Der Verein hat sämmtiicke diesigen Rietz" Rechtsanwälte zu dieser Sitzung eingeladen. � Vereinigung der deutschen Schmiede. Versaw� Sonnabend, den 12. Dezember. Atenos 8'/, Übt,.7. I Gratereit'sch-n Bitthallen. Tagesordnung: 1. füi Antrag au' obligatottsche Einführung des Vereinsorga � sämmrliche Mitglieder. 3. Verschiedenes und FragcA� ist, Da dieies die letzte Vereinsversammlung in diesem 9*9* so ist vollzähliges Erscheinen nothwendig.„.,jt« In dem Verei« für Reform der Schule hung halt Herr Schafer seinen dritten Vottraa:„lieber®'� b-Ulnrß von Volksbildung und Sozialreform", künstigen � zf, tag, den 10 Dezember, Abends 8'/, Uhr, Alle Jmodl» wozu auch Damen der Zutritt gestattet ist. ... Die Genossenschaft deutscher BühntN-««.S�Jti>' führenden Ausschuffes befindet fich Horn 8. Dezember daselbst und ist täglich von 9-4 Uhr geöffntt. � volkenmgstheorie. Referent: Herr Dr. R. Gräser, j-f angelegenheiten. Freie Diskusfion. Gäste willkommen Erste Tenöre erwünscht. Literarisches.,< MMMW chr'sches.- Rebus.- Auflösungen der in\(1)� nlh lltenen Aufgaben.— Aerzllicher Rathgeber. � Korrespondenz.- Mannichfalttges.— Lrterattschrs- KricNialten der «Ä> röenssoiel Text wie alle anderen Zert ki* w' r. itz.."'ul«-»lujanvoivi»«»» 1%«ste Redner ausgesprochen hat. ohne die„Schuppenkctttn" geschehen. Verantwottlrcher Redakteur R. Cronhet« in verlin. Druck und Verlag von Max vadtug in Berlin 8W Beuthstraße/