i naliM 5 st-lW cnoW Dan« mir., ' W JJorti« lainkl iändW- chiei« itj w „ tCP laut«1' ejcbuit« r. 893. Honutag,>0 IB. Dezember 1885. S-.UW' k» . Uli» KiÄ dinerMbtilall Krgsn für die Intrrcffen der Arbeiter 4 Va»«WerU»er Vottsblatt" %. 746.) J«sertio«sgebühr für � SM>alte»s PMtzeile odn'dnm' Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 9L S"„ � Auftragen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate«erden bis 4 Ahe RachmMajji t* ber�fpebttui«, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle« AnnonetMo �ureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. Kedaktion! Kenthstraße Ä.— Gepeditis«: Zimmerstraße 44 % i I =1 L J** Arbeiter-Wahlkomitee für die Kommunal»| /i a,)lnt hat am Freitag, de» 27 November, nach lauger i« Vegenmart oon Keichstagsabgeordueten IT* Stadtverordnete« beschlösse», in allen Bezirken, .* �'e Liberale« mit der Kürgerpartei znr Stich mahl wmen, die Wähler» melche für die Kandidaten der �beiterpartei gestimmt haben, anfznsorder», stch der ltimmnng z« enthalten. Das Komitee ermartet, v* bie Wähler der Arbeiterpartei diese« Keschlnß z« r"* ihrige« machen werde«. Im 34. und 25. Kezirk» »rlchen die Kandidaten der Arbeiterpartei, Köhl ,' Franke, mit den Vegner« ringen, habe» alle Leiter«nd Handwerker stch kräftig an der Agita» ***4 Abstimmang zu betheiligen. ������������a�Arbeit�-Wahlkomtt«. llMerblichlleit für Geld. »Alles füt'l Geld!*— so lautet eine Divise unserer C"1! Warum sollte man da nicht auch den Nachruhm nach h�ode, die sogenannte Unsterblichkeit, für'S Geld habe» K, �.Diese„Unsterblichkeit" ist zwar eine große Illusion; jj � oft nur Sache de« Zufall«. Wie mancher bedeutende (Z�be« griechische» und römischen AlterthumS mag au< die Schichte verschwunden sein, weil die Aufzeichnungen, kJ?».verewigen" sollten, zufällig verloren gegangen sind! "'---'•flupt ewig bei dem ununterbrochenen. Alle« , Alte« begrabenden. Neues gebärenden Wechsel w«tum»> Haben nicht jüngst eine Menge von., berühmten" ffifretn sür ihre.Unsterblichkeit" geziitert, al« ein boshafter Makler nachwies, daß da« gegenwärtig erzeugte Papier 2% sonderlich dauerhaft sei und daß in absehbarer Zeit die Schriftstücke und Drucksachen, die der Nachwelt von ?�ren Heroen erzählen sollen, vermodert sei» würden? ist nicht auch der materialistisch» konservative Kultur» J�tiker von Hellwald«in Anhänger jener Theorie,»ach . �her die Erde allmälig erkaliet und alle die Denkmäler tz.' Zeichen menschlicher Kämpfe und Errungenschaften i�Mal« unter einer Eiskruste begrabe» sei« werden? Auch **** Kgt skeptisch: „Unser Grab erwärmt der Ruhm? Thorenwarte! Narrenthum!" foi v>Un' gönnen ei dem tüchtigen Manne, wen» dwJr*" und seine Thate» von Generationen gefeiert Mau spreche un« nur nicht vom„ewigen" Nach« ij??!®a« uns aber unsäglich anwidert, das ist der„Nach- durch baareS Geld erkauft. Wie in unserem Zeit» S* hättest/ JenitLeton. Nie Hand der Nemests. Roma» oon Ewald August König. (Aortsetzung.) wüßt« nicht, wa» Du mir zu sage» Mon.°te alte Frau, in deren starrem Blick»och immer . ßch spiegelten. . fänonitJ*6'11� ganz zu vergesse», daß mein Schwager am,fr ist, unv daß ein gewisser Herr mit einem llnsersuchungSgefangenen Briefe wechselt." w!e?�.r. ,ebel gab ihrer Tochter eine» Wink, sie mußte I. Sü/.,' dann erst entfernte Apollonia sich zögernd. L �st Du mir zu sagen?" ftagte ste. Det« Geheimniß morgen an de« Tag jkommen �»'�"��ch I" erwiderte die bestürzte Frau mit bebender .D' Wer will«« enthüllen?" "Äie?�*nge»e." «.E. Du da« wisse«?" ? hat es meinem Schwager heute Abend erklärt. Unt.�°°° Dir und Rabe gesprochen; morgen soll J: D»,'�"ngSiichter Alle« erfahren." irf* blitf», r 0 der alten Frau war todesbleich geworden, 0Ne ,üf.lli ihren Mann an, der mit der Wirkung seiner L.UT*bh« sich j%.d(«; überdies ist er in die Enge gettiebea, k?hal�? erklären, weshalb Rabe ihm damals geschenkt hat." "Er geschenkt hat." sicher � s."'cht sagen sollen." ilussaa- einmal gesagt, zurücknehme« >"ge»ich* mehr." alter leider so ziemlich Alle« feil ist, so auch die sogenannte Unsterblichkeit. Dafür ist in diesen Tage« wieder«in hervorragendes Beispiel geliefert worden und zwar im gelobte« Lande der Zagd nach dem Gold, in Nordamerika. Dort ist Her„Eisenbahnkönig" V«»derbilt ge- storbe». Er war, wie sein Vater, ein Parve»u ersten Range«, aber er hat ein Vermöge« von 800 Millionen Mark hinterlassen. Da« reicht freilich hin, um jene Presse, deren Handwerk eS ist, den glückliche» Spekulanten enthusiastische« Lob zu zollen, zum Gipfel de: Begeisterung zu erheben. Za ja, der Vmderbilt war ein großer Mann! Er »erstand ei, mit den ererbte« Millionen zu wuchern, er hat sein Pfund nicht vergraben. Zudem er durch geschickte Spe» Motionen den Rahm von den Erträgnissen der nationalen Arbeit abschöpfte, gelang«s ihm, da« von seinem Vater auf ähnliche Weise aufgehäufte Vermöge» zu vervierfache». Da« ist schon eine That, die hinreicht, den sämmtlichen Börsenblättern deS Erdball« Ausrufe der Bewunderung zu entlocke«. Kann man mehr leisten? Und wie armselig stehe» diesem Helden gegenüber so neanche Dichter und Denker da, die un« zwar herrliche Kunstwerke und große Idee» hinterlasse« Haien, aber oft keine warme Stube oder keine ganze Hose besaßen und bitteren Mangel litten. Als Schiller starb, ward er vechältnißmäßig armselig begrabe». Da» kann einem Vanderdilt oder Rothschild nicht so leicht pasfiren. Aber V«nderbilt war kein gewöhnUcher Mensch, so lese» wir in den Börsenblätter«, er war ei» Förderer der Künste und der Wissenschaste». Und wa« hat er getha»? Er»ahm vo« feinen 800 Millionen— oielle.cht sind eS auch mehr, denn man schätzt sein Vermögen nur oberflächlich so— vier Millionen und gründete damit eine U n i v e r« fität. So ist sei» Nachruhm bei seiner Nation gesichert und sei« Name verewigt. Wir sind über die literarische und künstlerische Se« schmacksrichtung de« Herr» Vanderdilt nicht informirt. Allein er brauchte weder Geschmack«och Bildung, noch künstlerischen Sinn,»och irgend ein Interesse für ideale Bestrebungen zu habe». Und wir dürfe» auch vermuthe», daß vo« allen diesen Dingen bei ihm wenig oder nicht« vorhanden war, den» die Nankee'» pflege« nicht an Ueber« maß vo» Idealismus zu leiden. Aber wie einst der König Philipp vo» Makedonien sich nicht lange mit dem Belagern vo» Festungen aufhielt, weil i er im Besitze jenes mit Gold beladenen Esels war, Wer mit Leichtigkeit über die höchsten Festu»gS> mauern sprang, so brauchte Vanderdilt nur in seine Kassette zu greifen und einige Millionen zu BildungSzwecke« auf kann „Deshalb braucht er doch nicht Alles zu gestehe«,' -sagte Frau Siebe! mit wachsender Erregung;„er macht sich selbst unglücklich." „Er macht sich noch unglücklicher, wen» er schweigt; in diesem Falle wird er wegen eine« Morde«, de» er nicht begangen hat, verurthcilt." „Den er nicht begange» hat? Wer soll ihn denn be- gangen haben?" „Rabe!" erwiderte der Zimmermann, vor dessen lauern» dem Blick Frau Siebe! verwirrt die Augen niederschlug. „Es rächt sich Alle« im Lebe», wen» die Vergeltung auch erst»ach Jahren kommt I" Die alte Frau schüttelte de» Kopf. „Sprich diese Anklage nicht au», daß ein Anderer sie hört," sagte sie,„Du kannst sie nicht beweise», sie ist au» der Luft gegriffen. Und darum handelt e« sich bei diesem Geheimniß auch gar nicht—" „Da« weiß ich!" „Unsinn, Du weißt nichts." „Hm, weshalb hat der Gefangene die Photographie der Generalin von Stuckmann verlangt?" „Die hat er verlangt?" ftagte die Frau erstaunt. „Jawohl und auib erhalten!" „Das ist wieder Unsinn." „Ich habe selbst da« Bild gesehen. Und wai soll e« «u» geben, wen« der Untersuchungsrichter Dich morgen vor» ladet?" „So weit find wir doch noch nicht." „Bah, d i e Herren besinnen sich nicht lang«! Die Vorladunn ist rasch geschrieben, und au« dem Verhör geht'S direkt m Untersuchungshaft, da wird nicht lange gefackelt." Vergeblich hatte die alte Frau versucht, ihre furchtbare Aufregung zu bemeistern, sie konnte sich nicht mehr bezwingen, die Angst war zu mächtig. „Rabe muß das GMndniß verhindern," sagte ste, „Dein Schwager soll mit ihm rede». Man könnte ja de« Gefangenen rntwischen lassen—" „Dar» ist t« schon zu spät," fiel Siebel ihr in'« Wort, „und Rabe hat erklärt, er kümmere sich nicht darum, die Geschichte gehe ihn nicht« an." de« Tisch zu legen. Damit war sein Nachruhm gesichert,. und seine Familie genießt nun die Genugthuung, ihr ver» storbene« Haupt al» Beschützer der Wissenschaften gepriese» zu sehen. So kauft man sich heute de»„Nachruhm" und die „Unsterblichkeit". Die Vanderdilt und Genossen haben sonach alle Ursache, die« Zeitalter al« ei«„goldenes" zu bezeichnen. Leider habe« Millionen und aber Millionen anderer Leute keine Ursache dazu. Der großen und stolze« Republik, die vor dem Hafen von New-Aork da« Riesenstandbild der Freiheit aufgestellt hat, würde e« aber besser angestanden haben, wenn sie ihre» Volke die nothwendige« Bildungsmittel gewährt hätte, ohne erst auf die Großmuth eines„Eisenbahnkönigs" zu warte», der mit seiner Stiftung keinen anderen Zweck hatte, al« seiner persönlichen Eitelkeit zu ftöhne». Möge» die Börsen» blätter da» Lob diese« Aankee-Mäcena» singen— wir nicht! Dnö allge, schon längst ein Politische Ueberstcht. »Ugemeine gleiche Wahlrecht ist den Reaktionären 't ein Dorn im Auge, obwohl ste stch auS guten Gründen wohl hüten, ihre diesbezüglichen Absichten öffent» lich kund zu geben. Aber nicht rmmer gelingt e« ihnen, ihre geheimen Wünsche zu verbergen, unwillkürlich entfährt ihnen oft ein Wort, welches sie so gerne nicht gesprochen hät'.en. So wird es auch dem konservativen Abg. von Helldorff ge» wesen sein, der sich bei Berathung deS Antrages auf Einführung fünfjähriger Legislaturperioden folgendermaßen äußerte:„Ich habe schon früher ausgesprochen, daß ich kein Freund des allgemeinen Wahlrechte« sei...... Ich kann auch dem nicht zustimmen, daß das Reich daS allge» meine Wahlrecht behalten müsse, well eS mit ihm begründet worden sei; ich spreche offen auS, daß ich es für eine Frage der Zeit halte, wie lange daS Reich, überhaupt die Kultur» staatea, vaS �allgemeine Stimmrecht ertragen kann."— Der Abg. Bebel wies sehr zutreffend darauf hm, daß dieses Ge» ftändniß des Herrn Helldorff den Konservativen bei den nächsten Wahren doch recht unangenehm werden könnte, und die hoch» konservative„Kreuz- Zeitung" fühlt denn auch bereit«, wie sehr da«„auS der Schule plaudern" de» Abge- ordneten Helldorff die Pläne der Reaktion gefährden kann. Das Blatt nimmt Veranlaffung zu erklären, daß die konser» vatioe Partei nicht mit dem Herrn Helldorff in Bezug auf Be» seitigung des allgemeinen gleichen Wahlrechts einverstanden sei. Die alte Base müht sich mit ihrer Versicherung vergeblich ab; was die konservative Partei will, ist den Eingeweihteren längst bekannt, es ist aber recht rrfteulich, daß ihre geheimen Pläne jetzt auch öffentlich enthüllt worden sind. DaS hat der Abg. Helldorff gethan und er hat damit der Sache de« Volkes gegen seinen Willen einen großen Dienst ge« leistet. Zur Bekämpfung de« Geheimmittelschwindels hat der Regierungspräsident zu Liegnitz nachstehende Velfügung „Was ist da«?" „So sagte er. Die ganze Schuld ruhe auf Dir, Du mögest zusehen, wie Du sie von Dir abwälze» könntest. Dn hättest das voraussehe« müssen; mit großen Herren anbinde». ist immer gefährlich." Die ehemalige Wärterin schüttelte den Kopf, ei» trotziger Zug umzuckte ihre Lippen. „Er allein ist der Schuldige!" sagte sie.„Er kann diese Erklärung nicht gegebe« haben, er weiß, wa» er zu erwarte« hat, wenn Alle« an den Tag kommt." „Die Generalin—" „Die laß au» dem Spiele, sie hat vo» der ganze« Geschichte keine Ahnung, sie weiß nicht einmal, daß ich die Pension erhalte." .So, so, also Rabe, Du und der Gefangene!' spottete ~ t.r/__* nr—» /»: r r■-'- Siebel.„Ein heitere» Kleeblatt! Gieb acht, Rabe geht frei au«, dem Gefangene« wird wegen seines freiwillige» Ge» ständalsseS die Strafe erlassen und Du allein—" „Was soll da» Alle»? Weshalb willst Du mich ängstige»? Wen« ich reden wollte, so würde mir kein Haar gekrümmt." „So rede!" „Damit ich meine Pension verliere?" „Ich möchte lieber betteln gehe», als von einem Ver» brecher Unterstützungen annehmen." „Da« find Ansichten." „Die Ansichten eine« ehrliche» Manne«," erwiderte Siebel.„Ich hätte dem Menschen längst die Pension vor die Füße geworfen; dadurch, daß Du sie lange Jahre hin» durch angenommen hast, ist Deine Schuld«och schwerer ge» worden." Schweigend blickte die alte Frau vor sich hin, sie konnte diesen Behauptungen nicht wohl entgegentreten, e« lag z» viel Wahrhett in ihnen. „Vertraue Dich mir an!' fuhr Siebel fort,„hättest Du e» früher gesagt, so würde ich Dir de» richtigen Weg gezeigt haben und eS wäre Alles anders und besser gewor- den. Du schenktest Dein Vertrauen einem Andern, der Dich jetzt, im Stiche läßt, der Dich verleugnen erioffm:„ Die vielen Klagen in der neueren Zeit über die Zunahme der Kurpfuscherei und die häufigen Ankündigung gen von angeblichen Heilmitteln und Heilkuren in öffentüchen Blätiern vera laffen mich, die Aufmerksamkeit der Polizei» behörden nochmal« auf diesen dem Gemeinwohl schädlichen Schwindel hinzulenken und dieselben aufzufordern, �älle der unberechtigten Abgabe von Arzneimitteln seitens der Drogucn» Händler oder Kuipfusch r lauf Grund der kaiserlichen Per ordnung vom 4. Januar 1875 und des§ 367 alinea 3 des Reichs Slrafgtietzbuchks) streng zu verfolgen. Gleichzeitig aber verweise ick auf die Polizeiveroidnung der königl. Regierung vom 26 Oktober 1855. betreffend die Anpreisung von Stoffen als Heilmittel gegen Krankheiten oder Korverschäden, und er- suche die Polrzeiverwaltung, der Anpreisung von Geheim- Mitteln in öffentlichen Blättern thunlichst zu steuern. Ich be- merke zugleich, daß auf Grund einer gleichen, für den Re- gierungsbezirk Breslau bestehenden Polireivcrordnung, betr. die Anpreisung von Geheimmitteln, seitens deS königlichen Polizei Präfidenten in Breslau wiederholt Bestrafungen der Inserenten von Gehe mmitteln herbeigeführt worden find. Uebcr Fälle der Bestrafungen wegen unbefugten Verkaufes von Arzneimitteln oder wegen Geheimmittelschwin- dels wolle die Polizeiverwaltung mir Anzeige machen."— Der Begriff„Gcheimmittel" ist keineswegs so ganz klar, und somit können durch derartige Polizeivermdnungen leicht Uebergriffe herbeigeführt werden. Zur Bekämpfung dieses Schwindels find andere Mittel nothwendig, durch bloßes Dekrettren läßt stch derselbe niemals aus der Welt schaffen, stntemalen eS oft genug vorkommt, daß ein riaie mit seinem gesunden Menschen� verstand den Eitz und daS Wesen einer Krankhrit viel besser ergründen kann, alS ein gelehrter Doktor. Wie mancher Kranke ist noch durch ein Hausmittel geheilt worden, nachdem der Herr Doktor mit seinem Latein bereits zu End« war. Soll etwas Erfolgreiches unternommen werden, so ist dafür Sorge zu tra- gen, daß auch der Unbemittelte fich an einen tüchtigen Arzt wenden kann, eS also nicht mehr nöthlg hat, einen Ouack» salder in die Hände zu fallen. Femer wäre dahin zu wirken, daß die Aerzte fich zu ihren Verordnungen der Deutschen Sprache bedienen müssen, damit der Patient die Medikammte nicht wie bisher als etwas Geheimnisvolles betrachtet. Es könnte sehr wohl gesetzlich festgestellt werden, daß jede vom Apotheker verabreichte Waare ihre Bezeichnung resp. Zusammen« setzung in deutscher Sprache erhalten muß; daS wäre ein großer Forischritt und würde der Geheimnißkrämerei unendlich viel Abbruch thun. Vor allen Dingen muß aber mehr für geistige Aufklärung gethan werden, wenn dem Schwindel ein Ende ge« macht werden soll. In Bezug auf den verstorbene« Oberbürgermeister von Köln Dr. Becker wird uns mitgetdrilt, daß der Per« storbene niemals Mitredakteur der von Karl Marx gegrün« deten„Rheinischen Ztg.' und„N ue Rheinische Ztg." gewesen ist. Wohl aber gründete Dr. Becker im Verein mit Ritling« Hausen, nachdem vre obengenannten Blätter von der Regierung unterdrückt waren, die„Westdeutsche Zeitung", welch« aber zu den Mitarbeitem der„Neuen Rheinischen Zeitung" und speziell zu Karl Marx in keinen Beziehungen stand. Marx hat letzteres sofort nach dem Erscheinen der„Westdeutschen Ztg." im„Franks. Journal" erklärt. Dr. Becker ist allerdings Redak« teur der zur Konfliktsperiode in Düff-lvorf erschienenen„Rhei» Nischen Ztg." gewesen, die später nach Köln übergefiedelt und unter der Redaltion von Bürgers und Dr. Klöppel sankt entschlafen ist. Vor seinem Ende war das Blatt Eigenthum des A. Schaafhausen'scken Bankvereins. Vom sächstschen Landtage wird folgender für die Zu« stände in Sachsen sehr charakteristischer Vorfall mitgetheilt: In der am 4. Dezember staltgefundenm Sitzung der zweiten Kammer zeigte der Abgeordnete Hahn schriftlich an, daß er sein Mandat niedergelegt habe. Der Herr zog diesen Weg vor, weil er sonst in den nächäen Tagen ausgeschlossen worden wäre, denn es hatte fich ergeben, daß er zwar seit 1866 im Lande wohnte, aber noch nicht Staatsbürger war. Mindestens dreijährrges Staats bürgerrecht neben dem Zmsus ist aber die Bedingung, unter der allein Jemand in die zweite Kammer gewählt werden kann. Schlimm genug, daß der Herr vier Wochen in der Kammer fitzt und die Diäten bezog, ob« gleich er vom eisten Tage an wußte, daß seine Wahl ungilt'g sei. Noch schlimmer, daß die WalpiükungSkommisston fich Zeit nahm, über diese Allen bekannte Thatsache Beschluß zu fassen und der Herr eist sein Mandat nieverlegie, alS er erfuhr, daß die E o z t a l d e m o k r a t e n in der Kammer wegen dieser Ve' zögerung interpelliren wollten. In ähnlichen Fällen verfährt man gegen die Sozialdemokratie anders und rascher. Als 1877 Liebknecht in den Landtag gewählt wurde, wußte die Regierung so'ort, obgleich er auch schon seit 1860 im Lande wohnte, baß er noch keine drei Jahre Staatsbürger war, und fie erklärte seine Wahl ohne Weiteres für ungillig. Als 1881 Bebel gewählt wurde, entstand in der Landes- plrffe ein entsetzlicher Lärm, indem behauptet wurde, daß er nicht wählbar sei, weil er den Zensus dem Einkommen seiner Frau verdanke, obgleich nach dem klaren Wortlaut des§ 15 des Wahlgesetzes die Steuern der Frau dem Ehemanne zu wird, wenn er vor den Schranke« des Gerichts Dir gegen» übersteht." „DaS kann er nicht!" sagte die Frau, au« ihrem Brüten«mporfahrend. „Er w,rd es thun, verlaß Dich darauf. Die Worte, die der Bruder der Generalin von Stuckmann spricht, habe« mehr Gewicht, als die Worte einer Wärterin—" „Und ich sage Dir noch einmal, wenn ich reden wollte, so wäre dieser Man« verloren, und kein Richter würde daran denken, mich zu bestrafen!" „Ich glaube da« nicht, beweise eS mir I" „Dann könnte ich'« ebenso gut auf offenem Markte er» „Du glaubst, ich werde eS unter die Leute bringen?" fragte Siebel in ironischem Tone.„Niemand schneidet selbst sich die Nase au« dem Gesicht, und wie auch da« V rhältniß zwischen uns sein mag, so trägst Du doch meinen Namen. Aber wenn Du nicht willst— in Goite« Namen: morgen Abend wirst Du schon hinter Schloß und Riegel fitzen.. Er hatte fich rasch erhoben, die alte Frau athmete tief und schwer auf. „Wenn ich nur mit dem Gefangene» reden konnte! � 8„Glaubst Du, daß das eine» Eindtuck auf ihn mache» würde?" „Gewiß!" „Dann schreibe ihm." „Wird Dein Schwager de« Brief besorgen?" „Wenn ich ihn darum bitte, ja. Setz' Dich hin und schreibe, lange Zeit zum Ueberlegen bleibt Dir nicht." „Und was soll ich schreiben?" fragte die Frau ver- wirrt._ Weiß ich da«? Ich will es Dir sagen, wenn Du m,r da« Geheim», ß enthüllt hast; vorher einen Rath zu gebe», ist doch wohl unmöglich." „Vielleicht wäre eS besser, wen« ich mit Rabe spräche—" (Fortsetzung folgt.) Gute gerechnet werden. Gegenüber Herrn Hahn schwieg die Regierung, schwieg die Kammer und schwieg die Presse. Ist doch der Herr konservativer„Ordnungsmann" und nebenbei sehr reich. Unter der Ueberschrift„Freifinn in der Sozial- f olittk" deleuchtet das veutschfreistnnige„Hamburger Fren den» latt" den Stavdounkt, welchen die sreifinnige Partei insde- sondere auch in Bezug auf die Frage deS Normalardeitstage?, der Frauen- und Kinderarbeit eingenommen hat. Das„frei- finnige" Hamburger Blatt faßt die Stellung der freisinnigen Partei wie folgt zusammen:„Der Lideralismus lehnt keines- wegS prinzipiell die Inangriffnahme sozialpolitischer Reformen ab, aber er akzeptirt fie nrcht auf der Bafis vorgefaßter allge- meiner Theorien, sondern auf jener der realen Verhältnisse, auf welcher sowohl die Gründe für die einzelne legislative That, als auch ihre nützlichen und schädlichen Wirkur gen nüchtern und streng sachgemäß— ohne parteitaktische Neben- abrichten— mit Sorgfalt abgewogen werden müssen."— Was der Schreiber dieses Wortschwalls fich wohl eigentlich gedacht hat? Phrasen, nichts alt Phrasen und damit glaubt man dem gewaltigen Andrang nach sozialen Reformen entgegen treten zu können? Auf Errichtung einer staatliche« Mobiliar- Ber- fichernngsanstalt lautete ein Antrag, der am Freitag in der bayerischen Abgeordnetenkammer zur Eröiterung gelangte. Antragsteller war der Abg. Soden. Abg. v. Slauffenberg hielt die von Soden vorgeschlagene Staats- VeistcheiungSanstalt für den Vorläufer eines Staaisverficherungsmonopols. Die Vor« berathunqen, betreffend das Branntweinmonopol, mahnten daran, solchen Maßregeln rechtzeitig und entschieden entgegen« zutreten. Der Minister des Innern sah die Berliner Vor- schläge von Privatgesellschaften alS vorläufig erpiobenswerth an, eine Wiederaufnahme des Antrages Soden sei für später nicht ausgeschloffen; der Minister bat, den Antrag keinem AuS« schusse zu überweisen. DaS Haus beschloß gegen die Stimmen der Linken, den Antrag einer Kommission von 21 Mitgliedern zu überweisen. Lehrlinge in Etaatswerstätten. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat eS den Slaatseisendahndirektionen an- heimgestellt, dem Vorgange einer Eisen bahndirektion zu folgen, welche in den ihr unterstellten Eisenbahnwerkstätten die Lehr- linge nicht nur in der Schlosserei, sonvern auch in anderen im Werlstätten betriebe vertretenen Handwerken, wie Tischlerei, Sattlerei, Drechslerei, ausbilden läßt. Voraussetzung ist dabei, daß der Verwaltung hierdurch besondere Kosten nicht erwachsen, namentlich eine Erweiterung oder Ncueröff-ung von L-hrwerk- statten nicht erforderlich wird, endlich die Annahme und AuS- bildung von Lehrlingen der betreffenven Handwerke auf das durch den dauernden eigenen Bedarf der Verwaltung bedingte Maß beschränkt bleibt, da es nicht Aufgabe der Eisenbahn« Verwaltung sein kann, üb:: diesen Bedarf hinaus Lehrlinge auszubilden- DaS projektirte Branntweinmonopol stößt bei den süddeutschen Staaten anscheinend auf Widerstand. Der preu- ß'sche Finanzminister v. Scholz ist in München gewesen, um über das Branntweinmonopol zu unterhandeln. Er hat über denselben Gegenstand auch mit dem württembergischen Minister von Mittnacht verhandelt. Od eine Einigung erzielt worden, ist noch nicht bekannt. Man will jedoch wissen, daß dieser Widerstand beseitigt und die Vorlage nach Weihnachten dem Reichstage vorgelegt wird. Ueber den Inhalt derselben ist noch nichts Näheres bekannt. Auch die leitenden Persönlich- keiten in agrarischen Kreisen, die an der Sache begreiflicher Weise großes Jnteresse nehmen, wissen noch nicht« darüber. Nürnberg, 10. Dezmdr. Bei der gestrigen Wahl der Beisitzer zum gewerblichen Schiedsgerichte aus dem Stande der Ardeitgeber fiegten die Sozialdemokraten. Es wurden im Ganzen nur 267 Stimmen abgegeben, wovon 159 auf die sozialdemokratische Liste fielen. S Zum serbtsch-bnlgarischen Krieg. Die Friedensver» andlungen find gescheitert, die serbische Regierung hat die ulgarischm Bedingungen abgelehnt, jedoch mit der Erklärung, daß ein Angriff von serbischer Seite nicht erfolgen werde. Dre bulgarische Armee soll fich einer Depesche aus Belgrad zu- folge, bereits zum weiteren Vorstoß vorbereiten. Inzwischen hat der Bulgarenfürst ein Rundschreiden an die Mächte ge- richtet, in welchem er betont, daß ihm daran gelegen sei, den Fried.'N aufrecht zu erhaben. Einer neueren Nachricht zufolge haben die Mächte beschlossen, zwischen Serbien und Bulgarien zu vermitteln, jedock soll fich diese Vermirtelung nur aus Ab« schließung eines Waffenstillstandes auf Grund gegenseitiger Gedietsraumung, nicht auf den endgiltigen Frieden erstrecken. H o l l a» A. Die Wahl deS Arbeiterkadidaten Heidt in Sneek, der als Befürworter des allgemeinen gleichen Stimmrechtes ge« wählt wurde, scheint weniger Bedeutung zu haben, als man anfänglich annahm. Wenigstens schreibt ein gut unterrichtetes holländisches Blatt über den Fall:„Die liberale Partei hat lHeldt) annektirt, und er hat fich annektiren lassen. Wir wol« len sehen, ob Herr Pylersen Recht hatte, als er sagte:„Ein- mal Mitglied der Kammer, wird Herr Heidt fich weniger radikal gederden als viele dachten; in d-m natürlichen Bestreben, sei- nen Platz in der Kammer zu behalten, wird er gezwungen sein, mit den bestehenden Zustärden zu rechnen und in diesem Sinne mehr oder weniger konservativ zu sein."— Wir haben von vomherein der Wahl keine große Bedeutung beigemessen, weil die liberale Presse den Herrn Heidt gar zu sehr lobte. Ein solches Lob ist immer ein stchereS Zeichen, daß an der Sache etwas faul ist. Großbritannien« Tie Wahlen in Grvßdritanuien und Irland find nun so gut wie abgeschloffen. Nach einer Londoner D-vesche find bis jetzt 332 Liberale. 250 Konservative und 86 Parnelliten gewählt worden. Es haben nur noch zwei Wahlen stattzufinden, auf den Orkney. und Shetland- Inseln und auf der Univer« fität von Edinburgh und St. AndrewS: diese beiden Wahlen werden vorausfichrlich den Liberalen und Konservativen noch je ein Mitglied zuführen. Den Liberalen werden hiemach an der absoluten Majorität 3 Stimmen fehlen; fie ziehen in daS neue Unterhaus mit 333 Mitgliedern ein. d i mit 16 weniger alS nach den Wahlen im F'übjadr 1880. Die Konservativen waren in das verflossene Parlament mit 235 Stimmen ringe- treten, haben bei den jetzigen Wahlen sonach einen Zuwachs von 15 Stimmen erhalten.— Unter den neugewählten Abge- ordneten befindet fich auch Joseph Arch, der agrarische Agt- totor, der als Kandidat der Farmarbeiter im nordwestlichen Norfolk seinen konservativen Gegner, Lord Henry Bentick, mit 640 Stimmen Majorität aus dem Feld schlug. Die Wand«- deck- Abtheilung von Northum berland wählte ebenfalls einen Arbeiterkandivatm, Namens Fenwick. ES wird fich nun zeigen müssen, ob die von den organistitm englilchm Arbeitern gewählten Parlamentsmitglieder fich lediglich als Anhänasel der Liberalen betrachten oder seldüständig alS Vertreter der Arbeiter im Parlament wirken wollen. Amerika. Dem Senat wurde am 8. d. Ms. seitens der Legislatur von New Hampshire eine Denkschrift überreicht, welche hervor- hebt, daß Ausländer, die in dem Staate nicht aniäsfia find, hauptsächlich britische Unterthanen. 20 000000 M roen StaatSländereien in New> Hampsdire befitzen und eS sei dak>»r nothwendig. durch Gesetz solche Käufe zu verhindern.— Ferner wurde ein Gesetzentwurf eingebracht, welcher die Nachfolae t« der Präsidentschaft regelt, falls der Präfident und VUemsL dent sterben oder sonst unfähig werden, ihren Pflichten nackau. ,a' A. — Die provisorische Regierung von Peru soll nur so« lange das Regime führen, vis die bereits eingeleiteten allge« meinen Wahlen beendet find. Präsident und Mntfter für auswärtige Angelegenheiten ist Senor Eusebio Eanchez. Die Truppe» des Generals CacerS ziehen fich nach Santa Clara und die des G-nerals Jglestas nach Chorillos zurück. In dem jüngsten Treffen verlor EacereS drei Obersten und Jglestas sechs OderstlieutenantS. Im Ganzen find einschließ- I'ch einiger Zivilisten 200 Mann gefallen. Alle politische« Gefangenen find auf freien Fuß gesetzt worden. Kommunales. Zu den Stichwahlen. Die Wahlbureaus der Arbeiterpartei zu de« am Dienstag, den 15. Dezember, in der Zeit von 9 Uhr Vor- mittags bis 6 Uhr Abends stattfindenden Stichwahlen im 25. und 34. Kommunal-Wahlbezirl befinden fich: Kür den 25. Wahlbezirk: Memelerstraße Nr. 57 im Lokale des Herrn B r u n z e l. Kur den 34. Wahlbezirk: Ackerstraße Nr. 143 im Restaurant. Alle Diejenigen, welche am Tage der Wahl für die Wahl der zur Stichwahl gelangenden Kandidaten der Arbeiterpartei (Franke im 25. und Bögt im 34. Wahlbezirk) wirken wollen, werden ersucht, fich am Dienstag, Morgens 8 Uhr, in den Wahlbureaus zu melden. Die Wählerlisten liegen zur Einsicht für Jedermann aui: Kür den 25. Kommunal- Wahlbezirk im Ziganen» geschärt von Meyer, Koppenftr. 66. Kür de« 34. Kommunal« Wahlbezirk im Zigarren» geschäft von BaUmüller und Eteinicke, Veteranenstr. 28. *.* w. Der Etat der Polizeiverwaltung über die sächliche» Polizeikosten pro 1886/87, welche bekanntlich von der Stadt» gemeinde zu tragen find, schließt mit einer Gesammt- Aufgabe ab von 2 957465 M. und einer Einnahme von 445072 M. welche die städtische Feuersozietätskaffe zu den Kosten des Feuer- löschwesenS beizutragen hat. Die Ausgaben der Abtheilung I des Etats, die Olt-volizei umfaffnd, ist auf 1 137110 M. angenommen, die der Adtheilung II, das Nachtwache- und Feuer« löschwesen betreffend, beträgt 1 820 355 M. Es verlangt die Adtheilung I gegen daS Vorjahr 16 810 M. weniger, während für die Abtheilung II 3251 M. mehr gefordert werden. Der Gefammt-Zufchuß, den die Stadt- Hauptkaffe leisten, muß, be« rechnet fich auf 2512 393 M. gegen 2580952 des laufende» EtatSjabres. w. Der Etat der SpezialVerwaltung 48, Geschäft«« bedürfniffe und Prozeßkosten, beschäftigte heute den Magistrat. Demselben ist noch hrnzugefüat der Etat für die sächlichen Kosten der Verwaltung beider Rathhäuser, sowie der Einnahme» und Ausgaben für das Kommunalblatt. Der Etat schließt ab mit einer Ausgabe von 829 975 M. im Ordinartum. Die sächliche» Kosten für die beiden Raihbäuser und der dazu g'hörigcn Bureaus belaufen stch auf 15 872 M. Die allgemeinen säcd- lichen Verwaltungskosten erfordern die Summe von 382 780 Mark. Die Kosten für das Kommunalblatt betrugen 57000 M, während für die Wahlen zum Adgeordnetenhause, zur Stadt« verordnetenoersammlung und für Auffüllung der Listen für die Schöffen und Geschworenen 57 300 M. erforderlich find- Im Extraordinarium find für die Neuvermeffung Berlins 91 000 M. in AuSgabe gestellt. Gerichts-Zeitung. Ein Kasstber spielte sowohl in der gestern beendeten Ver- Handlung gegen den Gerichtsvollzieher Carl Friedrich Ri«� fleisch und den Bureauvorsteher T, als auch in einer vo: dew hiesigen Schwurgericht stattgehabten Verhandlung wegen wiffent' lichen Meineides und Begünstigung eines schweren Diebstahls, sowie Anstiftung zum Meineide, eine Hauptrolle. In dem letzteren Falle handelte eS stch um die falsche Beeidigung eineS Alibi. Diese» Verbrechens angeklagt waren der Schneidermeister Carl Gottfried Otto und dessen Ehefrau; der Hauplanstifter hierzu und Begünstigung war der Schlosser» geselle Stade und die verehelichte Arbeiter Kotn. Gege» Stade mußte, da derselbe krankheitshalber nicht vorgeführt werden konnte, doS Verfahren vorläufig eingestellt werden- Derselbe war neben den„Arbeitern" Brankow und Sackows» im Sommer d. I. wegen eines schweren Diebstahls in Unter» suchung und find alle drei auch in der später stattgehabte» Hauptverhandlung zu schweren Zuchthausstrafen vemrthetu worden. In derselben fungirten die Otto'schen Eheleute al« Alibizeugen und beschworen, daß fie mit Stade an dem Dieb- stahlStage und zur fraglichen Zeit zusammenzewesen waren- Die jetzt angeklagte Frau Korn sollte ebenfalls als Alibi, eugi» vernommen werden, da trat die Frau des Angeklagte» SackowSki hervor und thellte mit, daß die Kom auf Grund eineS von Stade aus dem Gefängnitz heraus erhaltenen Kasfi' bers die Otto'schen Eheleute bestimmt habe, als Alibizeuge» aufzutreten. Da Frau S. bekundete, daß ihr Frau Kom de» Kasstber selber gezeigt habe, was die letztere einräumte, 1/ wurde ihre Beeidigung wegen Begünstigung des Stade au»» gesetzt und alle vrei wegen Verdachts des Meineide« resp. der Begünstigung in Hast genommen und urtterAnklage gestellt. Die vor den Beschwör entrollte Beweisaufnahme fiel derartig ungünstig für die leugnende» Angeklagten au«, daß die Geschworenen die sämmtltchm Schuld» fragen bejahten. Der Gerichiehof veiu-therlle dm Ehemann Otto zu drei Jahrm, die Ehefrau zu achtzehn Monaten un» Frau Kom zu einem Jahr Zuchthaus, zu entfprechmdem Ehr» vertust, und wurdm außerdem dre Otto fchen Eqeleute für u»» fähig erklärt, als Zeugen oder Sachverstände vernommen werden.— Der Fall Rindfleisch verdankt ebenfalls einem KafN» ber feine Entstehung. Rindfletsch war bekanntlich wegen("rterri Strasthaten, wegen welcher er vom hiestgen Schöffengericht i» achtzehn Monaten Zuchthaus verurtheilt worden ist, in Uuicr suchungshaft gmommen. Da der Angeschuldigte nun wußte, daß stch in seiner Kasse ein bedeutend� Manko befand, sandte er einm Kasstber dem Gefangniß heraus, destimmt, seinem der Ferdmand übergeben zu werden, der ersucht wurde,» Entnahme der fehlenden Gelder aui sein Konto schreiben J laffen. Dieses Schreiben, welches auch durch die Hände v Mitangeklagten gegangen ist. gelangte in den Besitz der Horde, welche daraus Veranlassung nahm, der Sache auf v Grund zu gehen. Die weitere Folge war de Ei Hebung dt neum Anklage wegen Betrugs in einem Falle unv Uniers« � gung in fieben Fällen. Staatsanwalt Schäker beantragte N0g dem Resultat der Beweisaufnahme eine Zusatzstrafe von Wonatm ZuchthauS; der Gerichtshof nahm nur 5{,, Unterschlagung für erwiesen an und verurtheilte dm a>' flelfch ztuätzlich zu neun Monaten ZuchthauS, sprach fikpen dm Mitangeklagten frei, da in der dloßm �e>tc drs Kasstber« eine Begünstigung nicht zu finden gewesen Kreisprechung eine« uvschuldig Verurtheilte«. � � eklatantm Beilrag sür die Notvvendigkett der fühiung der Berufung gegen die Urtheile der Stra'kaw steferte die gestern vor ver zweiten Strafkammer Be � Landgericht« I stattgehabte Verhandlung eines Wiederauma«� falls. Der Ang. klagte, Briefträger Adolph Bartsch, hei zu setner am 10. August v. I. erfolgten AmtSsuepenno dem in der Annenftr. befindlichen Postamt Nr. 14 �'aioss» Unter Anderem war außer ibm bei dieser Anstalt Off ,*»» bilfSdote Bode beschäftigt. Gegm den letzteren schrvedl_ seit längerer Zell der Verdacht, daß er mit Geld oder lM im Schwerte Briefe abbanden kommen lasse, so daß der Vorsteher «i Amts, OberpostsekretSr Lichtwald, beschloß, d nselben auf % Probe zu stellen. Nach der Bekundung deS mit dieser Maßregel beauftragt gewesenen früheren PostsekretärS hatte Bobe die Probe glänzend bestanden. Auf dem � Postamt kamen sehr häufig Briefe an den in d:r Annen- ?aße wohnbasten Militärinvaliden Scholz an, in denen sich Mmarken für eine an Oifiziere gesandte Brochure befanden. i-'ei war unter den Postbeamten bekannt. Am 10. Aug. v. I. Mete Bobe bei seinem Vorgesetzten eine Anzeige gegen Sftlch, nach welcher derselbe fich einen an diesem Morgen dem Breslauer Kouricrzugt angelangten Brief an Scholz Mend des SortirenS angeeignet, während er auf dem Kloset N«öffnet und Brief und Kouvert in den Abguß geworfen wen solle. Als Beweis fügte der Denunziant eine Ecke des ?■ dem Abguß herausgefischten Briefumschlags dieses Briefes Ä- Der Ausgabestempel, welcher für gewöhnlich an der frag. "Jen Ecke angebracht zu werden pflegt, fehlte. Aus diesem u«fiande folgerte Bobe, daß der an jenem Morgen EJl dem Sortiren der Brüse beschäftigt gcw-sene pastfä diesen Brief zu fich gesteckt hatte, bevor «» Abstempelung der Briese bewirtt worden war. Infolge , �1« Anzeige wurde Bartsch wegen Unterschlagung im Amte | geklagt und am 3. Februar d. I. von der zweiten Straf- des Landgerichts l zu vier Monaten Gefängniß ver- Mnlt. Die Unschuldbetheuerung des Angeklagten fand �»sowenig als dessen Behauptung, daß der Denunziant und Mpizeuge Bobe der Thäter sei und den ganzen Koup gegen b" nur in Szene gesetzt habe, um den auf ihm ruhenden Obacht von fich auf ihn abzulenken, Beachtung beim Gerichts- Fm Gegentbeil wurde mit Rückstcht darauf, daß der An- lgte seine Schuld auf einen Unschuldigen abzuwälzen ver- » hatte, das niedrigste Strafmaß um einen Monat über- Men. Die gegen daS Urtheil eingelegte Rcvifion ?be verworfen und somit dasselbe rechtskräftig. 5 seinem Glück und zur Befriedigung deS öffent- jrtn Rechtsbewußtseins gelangte die Strafe wegen Mkheit des Angeklagten nicht zur Vollstreckung. In dem 2* den Rechtsanwalt Dprenfurth eingereichten Wiederaus- | �e-Antrage wurde Beweis dafür geführt, daß Bobe fich anderer �-gelmäßigk-iten schuldig gemacht, daß er keineswegs die mit «� angestellte Probe bestanden, sondern daß er nur nicht auf 1i?,.«eim ging, weil ihm der Plan durch die unvorfichtige C'llng des Postsekietärs Behrens vorzeitig enthüllt worden endlich daß die AuSgabcstempel nicht immer auf die Ecke, auch auf die Mitte des Briefes aufgedrückt werden. M?,6»lge der gelungenen Beweise wurde dem Wiederaufnahme- "le stattgegeben und der Angeklagte, nachdem ihm seitens ku früheren Vorgesetzten, Oberpostsekretär Lichtwald, ein (�ltches LeumundSzeugniß aui gestellt worden war, dem An- W seines Vertheidigers, deS Rechtsanwalts Wronker, ent» �chend unter Aufhebung deS früheren Urthetls freige- .Reichsgerichts- Entscheidung,(Nachdruck verboten.) C#- 10. Dezember.(Fahrläsfigkeit beim Eide.) Der Vater PolizeidienerS Wilhelm Pfarrer in Villingen war in später tolRftnnde des 14. Septembers v. I. von einigen Personen di�er Straße überfallen und arg gemißhandelt worden. 18 qi" leibst war hinzugekommen und hatte später am d. Januar d. I. vor der Strafkammer des Landgerichts tob» in der Anklogesache gegen die Uebetthäter Zeugniß ab- Auf Befragen eines Prozeßbetheiligten, ob er auch K,. llesehen habe, ob denn die Straße beleuchtet gewesen e,"' antwortete Pfarrer, dieS sei der Fall gewesen, denn die �"Mlalerne, welche an dem Hause fich befindet, vor dem U»Mcfje Vorfall stattfand, habe gebrannt. Später wurde Iriirt, Ul, daß am 14. September die Straßenlaterne noch gar L0forannt haben konnte, weil erst am 17. die Anzündung Idar Ipßknlaternen an einen Unternehmer vergeben worden IL: Pfarrer wurde nun deS fahrlässtgen FalscheideS ange- L,"nd mußte zugeben, daß er da« auS dem betreffenden M fallende Lampenlicht mit dem Lichte einer Straßen« hpbe verwechselt habe. DaS Gericht kam nun in der Sitzung 16. Oktober zu der Anficht, daß Pfarrer bei seiner lißabgade die Anwendung pflich' gemäßer Sorgfalt außer 'rlassen habe und zum mrnd"*— nicht mehr genau erinnere, mußten zur Erhaltung ihrer Existenz und die verbandsangelegen- b.it ohne jede Entschädigung verrichtet wurde. Groß find die Sympathien, die unserem Verein für sein Vorgehen entgegen- gebracht wurden, denn die zahlreichen Briefe(122) beweisen dieS, doch müssen auch wir unser Bedauern aussorechen, daß eS noch Kollegen gicdt, die fich mit kleinlichen Nörgeleien be- fassen und in ihrer OppofitionSwutb der gemeinsamen Sache mehr schaden als nützen, und dem Komitee die ohnehin nicht leichte Arbett erschweren, so daß demselben von vielen Städten die bittersten Vorwürfe über daS zu langsame Vorwärtsgehen gemacht wurden; weil andere Städte oft bis 6 Wochen warteten, ehe fie fich bequemten, Rückantwort zu ertheilen, deshalb waren wir gezwungen, die bereits in Fluß gebrachte Masse zu vereinigen. Die Kollegen, welche ihren Beitritt zum Verbände erklärt hatten, haben dann auch in überwiegender Mehrheit fich dahin ent- schieden, die ausgearbeiteten Statuten bis zum nächsten Ver- bandstage anzunehmen und die Stuttgarter Kollegen mit der Leitung der VorstandSgeschäste zu betrauen, während Berlin als Ort, wo der Ausschuß seinen Eitz haben soll, bestimmt wurde. Deshalb Kollegen, die Ihr uns mit Eurem Vertrauen beehrt, laßt nicht ab von dem edlen Ziele der Verbrüderung unserer Kollegen; da wo fich noch Unentschlossene befinden klärt fie auf und führt sie in unsere Reihen. Wohl giebt eS leider eine Anzahl Leute, denen eS Vergnügen macht, in die junge Organisation den Keil der Zwietracht zu treiben; über solche geht hinweg, denn fie find eS, die ohne nur einen Pfennig geopfert zu haben, fich mtt den kleinlichsten Nörgeleien befassen und Unftieden und Mißtrauen säen. Wir bitten des- bald unsere Verbandsmitglieder, fich nicht durch Provokation beirren zu lassen, sondern unentwegt den Weg der guten und gerechten Sache weiter zu wandeln, eingedenk des Dichter- wmtes:„Wer da strebt nach hohem Ziele,— Muß am Steuer ruhig fitzen;— Unbekümmert ob am Kiele— Lob und Tadel hoch aufspritzen."— Wir danken Euch nochmals, Kollegen, für Euer Verttauen und die Unterstützung, welche Ihr uns zu Theil w rden ließet, es wird uns stets eine schöne Erinnerung bleiben, daß unser Verein einer der ersten gewesen, welcher die Kollegen zur Vereinigung aufforderte und freut eS uns zu sehen, daß unsere Aufforderung befolgt worden ist. Es legt dies ein schönet Zeugniß ab von dem Geiste, der die Kollegen beseelt. Auch den Gegnern danken wir, denn fie find es, die das fertig brachten, waS uns nicht gelang; die Säumigen, wenn auch gegen uns, aufzumuntern, fie find somit unsere un- freiwilligen Mitkämpfer geworden. Stuttgart, den 9. Dezember 1835. Mit kollegialischem Gruß: Der Vorstand des Stuttgarter Mechaniker-VereinS. A« alle Gewerkschafte«, Kachvereine und Arbeiter- Am Montag, den 7. Dezember, haben die Arbeiter(Schnitzer) auf anttk geschnitzte Holzleisten in der Fabrik deS Herrn Slighan, Ritterstr. 11, fich genöthigt gesehen, sämmtlich die Arbeit nieder- zulegen, weil ein Kollege von ihnen, der die Gründung deS Fach Vereins der Arbeiter auf antik geschnitzte Holzleisten ver- anlaßt hat und zum Vorfitzenden des Vereins gewählt wurde, aus der Fabrik hinausgemaßregelt worden ist. Die Unter- zeichneten richten hiermit an alle Gewerkschasten, Fachvereine und Arbeiter die dringende Bitte, den Streikenden in diesem Kampfe beizustehen, da dieselben sämmtlich verheirathet find und zum Theil vier und fünf Kinder haben. Zu unterstützen find 20 Rann. DaS Urtheil über unsere Handlungsweise über- lassen wirgettost der Oeffenllichkeit. Wir wissen ganz gut, daß jetzt kurz vor Weihnachten eine schlechte Zeit zu Arbeitseinstellungen is ___ W V.t_______ r«.. w» F O rw-"- 'gUÜC WC«UUWKVUIIH viuu; yimußti. wvigfuu uugct en habe und zum mrndestcn hätte sagen müssen, daß -i»t mehr genau erinnere, woher das Licht gekommen wurde demzufolge eine— wenn auch niedere— irber den Angeklagten verhängt. In seiner Reviston, 10. Dezember vor dem 1. Strafsenate des Reichs- itz rp.äur Verhandlung kam, rügte Pfarrer die Verkennung egriffeS der Fahrläsfigkeit, indem er betonte, daß w.."?. wohl bei der Wahrnehmung einer Thatsache infolge luig uui iuciynuimcn eine ,0)1(0)« 3«; zu Arveusemsteuungen ist, und daß unsere Kinder für dieses Jahr auf eine WeihnachlSfreude verzichten müssen; aber konnten wir anders handeln, um der Arbettersache treu zu bleiben und unfern Wahlspruch zur Wahrheit zu machen: Einer für Alle, Alle für Einen? Nur vereinigt können wir fiegen. Wir appelltren hiermit an das Eolidaritätsgefühl sämmtlicher Arbeiter. Beiträge zur Unterstützung nehmen entgegen: Kuring, Mittenwalderstr. 8, Hof 4 Treppen; Richter, Dresdenerstr. 135, vorn 4 Treppen, Aufgang rechtS; Schwarzer, Metzerstr. 3, Hof 1 Treppe: Bensch, Weeßenburgstr. 74, Hof 1 Treppe. Die streikenden Arbeiter der Stighan'schen Fabrik. !V'ß'n Grundsätze angewendet CÄ* diesem Antrage unl �"vgericht in Darmstadt zurück. � Ott iv I» � c*..i. v. �— 7*------•— 7------»- 0, |Wfcu ieet Erregung einer— straflosen— Fahrläsfigkeit IVjif dachen könne und dennoch im Stande sei, mit gutem Swl" Unb bestimmt zu beschwören, daß man die Thatsache Äto,«Ajitrommen habe, wie man fie im Gedächtniß habe. re f0,u{n" W einmal im Bewußtsein und in der Erinnerung jwJ2* Wahrnehmung fortgesetzt habe, dann helfe alle an- %.), Sorgfalt nicht dazu, eine Erinnerung an den wirk- oMang hervorzurufen. Der Reichsanwalt, He (h der Sache des Angeklagten mit warmen � Gerichts, sagte er, sei rechlsirrthümlL.. daß eine Fahrläsfigkeit deshalb vorliege, weil das % ßor», �er zeugeneidlichen Aussage möglich sei. Er könne ' V /?ne AuSioge denken, von der nicht das Gegentheil ?«i. Was dem Angellagten pasfirt sei, könne jedem ge- «DgjJ �urch Fragen von dieser und jener Seite werde auf einen gedrungen und et gerathe dann in Verlegenheit, er S Wichtigkeit seine Aussagt hat und ziehe fich PV vlt Anklage zu. Der Angeklagte habe fich darauf be- ' ss..er in der Erregung des Augenblickes am 14. Sept. m Auffassung gekommen sein könne und ? g/be das selbst nachträglich zu. Wenn daS aber �«ez>,.'J0 ständen damit die Feststellungen deS Thatde- %(» Anklage in Widerspruch, denn dann habe der An- Stnh.0* �ine Gelegenheit gehabt, die gehörige Sorgfalt lgeq �r bttte daher wegen der prinzipiellen großen rjch.i� IMHeW aufzuheben und zurückzuverweisen, damit s>» ssrn Grundsätze angewendet werden.— Das ReichS- ~* und verwies die Sache an K Alf* M Arbeiterbewegung. Ä und"�'�ützungsverband für Mechaniker, L/" wir k Kollegen! Ueber ein volles Jahr lachen..... bemüht, die Kollegen auS oben verzeichneten % Juli Verbände zu verelnigen, aber erst seit An- W, unser bis dahin vergebliches Bemühen Aufn,f 5• durch einen in 10 000 Exemplaren ver- .�öglich�l und eine 7monatlichen Agttatto.r war eS unS Mb. Deze».,?.? Kölner Verein zu gewinnen, mit welchem wir Ünterftri 9 einen Vertrag abschloffen behufs gegen- �Mitglieder. Alle Bemühungen, o,e,en °bnc Mt Wmtne anderer Städte auszudehnen, ###%#« t-i'tbe Dttbrei'frf?• Romit" trat am 9. Juli in Thätig- Oe wurde"5. �en Aufruf in 1750 Exemplaren, M(e von ig tn 15 Zeitungen in einer Gesammt- WavSSfÄTs g&SÄSie 9 zwölf und mehr Stunden arbeiten Mereine und Uersammlungen. Eine Versammlung der Berliner Tapeztrer-Jnnung, welche in ihrem Verlaufe eine tragikomische Wendung nahm, tagte am 9. d. M. in der Niedelwallstr.il. Eingeladen waren sämmtliche selbstständigen Tapezirermeister Berlins. Der Vor- fitzende der Lohnkommisston der Tapezirer, Herr Sander, welcher bereits seit längerer Zeit selbstständig ist, fühlte nun gerade an diesem Tage das Bedürfniß, fich seine Eelbstständig- keit amtlich beglaubigen zu lassen und betrat wohlgemuth mit der Anmeldung in der Tasche dm Saal, natürlich um fich event. an der Debatte zu detheiligen. Kaum war der erste Punkt der Tages Ordnung, ein Vortrag des Herrn Obermeister Brandes erledigt, und zwar ohne Diskussion, so verlangte beim zweiten Punkt:„lieber Ortskrankenkassen und Unfallverfiche- rung" eine Anzahl Anwesender stürmisch. Herr Sander solle aus dem Lokale gewiesen werden. Der Obermeister der In- nung hoffie, Herr Sander würde von selbst gehen; derselbe erklärte jedoch, das falle ihm gar nicht ein und legitimirte fich durch seine amtliche„Anmeldung", worauf der Obermeister die Berechtigung„zum Dableiben" konstatirte. Jetzt ging der Tumult loS, raus! rau«! schrie Alles durcheinander. Eine Anzahl ruhiger, verständiger JnnungSmeistcr, u. a. das Vorstandsmitglied Herr Kreß, erklärten Herrn Sander für einen „fein gebildeten Mann", dem man die Theilnahme an der Versammlung gestatten müsse; aber nein! nein! rauS! rauS war die Losung. Herr Sander erklärte einfach: Er sei Meister und bleibe deswegen, die Heiren könnten ihn ja vielleicht be- kehrm und hoffe er, es dann bis zum Odermeister der Innung zu dringen. Wenn er wirklich ein fein gebildeter Mann sei, so würden die Herren, welche seine Ausschließung beantragen, auf diese Bezeichnung für ihre Person keinen Anspruch machen könnm. und da die Herren die freie Meinung herausgefordert hätten, so müßtm fie ihm seine Meinung auch entwickeln lassen, event. ihm die Richtigkeit ihrer Grundsätze beweisen. Ob dieser Dreistigkeit brach nun ein wahrer Sturm der Ent- rüstung loS, und stürmisch wurde das Verlesen der zuletzt ver« sandten Aufrufe deS Fachvereins und der Lohnkommisston der Tapezierer verlangt. Nack, dem diesem Verlangen entsprochen, die Gemeingefählllchkeit Sander's hierdurch erwiesen und 30 Anwesende gegen. 150 für dm Ausschluß desselben gestimmt hatten, entfernte fich zur fichtlichm Erleichterung der Versamm- lung daS Schmerzenskind. Nach einer halben Stunde wurde die Versammlung wieder unruhig, weil fich das Gerücht verdrciteie, der Ausgewiesene Halle fich auf der Bühne versteckt. Der Obermeister ließ revidiren, jedoch erfolglos, denn der Gesuchte befand fich, wie wir hören, zu der Zeit bereits bei Gratweil und rechnete im Kreise der Lohnkommijfion mit den Delegirtm über d-n Marken-Bestand ab. Im weiteren Verlaufe der Versammlung referirte Jnnungsm, ister Glaser über die OrtSkaffe und pasfirte ihm dabei das Malheur, eine unrichtige Behauptung aufzustellen, die der Ausgewiesene sofort durch statistisches Material widerlegt hätte. ES wurde femer die Abficht kund gegeben, eine Krankenkasse für Lehrlinge zu errichten und zum Schluß vei kündet, daß der Vorstand fich etwas ganz Besonderes ausgetüftelt habe und wenn die Ge- hilsenschast im Frühjahr vorgeht, so würde nach einem geheimen Plan verfahrm werden und die Gehilfenschaft verblüsst da- stehen. Es sei dann eine leichte Mühe, das Heft in die Hände zu bekommen. Diese Botschaft erregte große Freude und— der Voibang fiel. Der Aachverei« der Schneider hielt am Montag seine vierteljährige Generalversammlung in Gratweil'S Bierhallen mit folgender Tagesordnung ab: 1. Quartalsabrechnung; 2. Abrechnung vom Stiftungsfest; 3. Vorstandswahl. Auf bk Quartalsabrechnung deS 3. Quartals hat der Verein einen Bestand von 119 M. 62 Pf. Der Ueberschuß vom letzten Stiftungsfest in den Bürgersälen betrug 34 M. 65$. In den Vorstand wurden gewäblt die Mitglieder: Hartfuß sl.Vor- fitzender). Täterow. Paul Frenzel, Stänger, Leopold Frenzes, Schwerin. Antonius, Btesel und Weiland. Zu Reo, form: Gedatis, Kraft und Hensel. Alsdann wurde zu„Verschiedenes" von Herrn Harffuß darauf aufmerksam gemacht, daß am 2. Weihnachtsfeiertag ein Vergnügen in der Berliner Ressource, Kommandantcnstraße 57, stattfindet, welches vom Kranken» Untcrstützungsdunv der Schneider, Kürschner, Posamentirer, , Mützenmacher, Handschuhmacher und Schirmmacher veranstaltet wird, und wozu außer den Mitgliedern alle Freunde und Be« kannte Zuttitt haben. Die nächste Vereinsversammlung findet nach Neujahr statt. bfn. In der öffentlichen Schmiedegesellen-Versamm» lung, welche am 8 d. M., Abends, bei Keller's, AndreaS» straße 21, unter Vorfitz des Herrn Echartow stattfand, referirte Tischlermeister Mitan über„das Verhalten einzelner Werk» stätten gegenüber der Lohnkommisfion", indem er der Versuche verschiedener hiestger Schmiedemeister Erwähnung that, die durch die jüngste Lohnbewegung nahezu gänzlich beseitigte SonntagSarbeit wieder in Aufnahme zu bringen, was die Ge» sellenschast energisch verhindem müsse. Selbst Mtlitärschmiede, im attioen Dienste der Armee stehende Leute, habe man zur Eontagsarbeit herangezogen, vielleicht ohne Wissen der be» treffenden Kommandeurs, denen man daher den Sachverhall mittheilen müsse, was auch der Polizei gegenüber zu geschehen habe, welche nicht dulden dürfe, daß an Sonntagen der Schmiedehammer geschwungen werde. In der Drskusfion stimmte man allseitig dem Referenten zu und wurde zur zahl- reichsten Betheiligunz am Fachoerein sowie an der Lohnbewegung aufgefordert. Die den Schluß der Verhandlungen' bildende Be- sprechung der Berliner Schmiede«, HerbergS- und Arbeitsnachweis» Verhältnisse, über welche zahlreiche Klagen laut wurden, und ein ziemlich drastischer Meinungsaustausch zwischen dem„HerberaS- vater", Restaurateur Müller, und den Äortführem der Ge» sellen stattfand, hatte die Annahme eineS Antrages auf Wahl einer Kommission zur Regelung deS Arbeitsnachweises zur Folge, woraus sofort zur Wahl derselben geschritten wurde. Zur Viittheilung kam unter Anderem, daß am Sonnabend, den 12. d. M, Abends, in den Gratweil'schen Bierhallen, die letzte diesjährige Versammlung der„Vereinigung der deutschen Schmiede" stattfindet. Zur Stichwahl zwischen Kohlert und Limprecht. lautet die Tagesordnung einer öffentlichen Versammlung der Kommunalwäbter des 26. Wahlbezirks, welche heute Vormittag 11 Uhr in Mohrmann's Salon, Gr. Frankfurterstr. 117, stattfindet. Rathenow, 6. Dezember.(Heinrich Heine unter dem Sozialistengesetz.) Nachdem dem h'estaen Fachoerein der optischen Arbeiter schon drei Mal öffentliche Versammlungen verboten wurden, in deren einer„Der deutsche Bauernkrieg" das Thema eines Vorttaas bilden sollte, die beiden anderen Stellung zur gesetzlichen Sonntagsruhe nehmen und den An» schluß an den UnterstützungSoerband deutscher Optiker und Mechaniker berathen sollten, erlebte der Verein nun auch eine polizeiliche Auflösung. In einem Vortrage über Heinrich Heine zttirte der Vortragende folgende Stelle, wo Heine seine Grühle beim Anblick eines Zuges deutscher, nach Algier reisender Auswanderer schildert(Vorrede zum ersten Bande des Salon 1833—:„darum wurde ich plötzlich so matt und krank beim Anblick jener Auswanderer, jener großen Blutströme, die aus den Wunden des Vaterlandes rinnen und fich in den afrikanischen Sand verlieren.— Vergeben? beschwichtigte ich mich mit vernünftigen Gründen: Afrika ist auch ein gutes Land, die Schlangen dort züngeln nicht viel von christlicher Liebe und die Affen dort find nicht so widerwärtig wie die deutschen Affen. — Der Vorfitzende, Herr Ulrich, hob yervor, wie treffend fich dieS auch auf unsere Zeit anwenden ließe, worauf der über- wachende Polizeideamte die Versammlung auf Grund deS§ 9 des Sozialistengesetzes auflöste. Kriefkaken der Redaktion. Einer unserer Abonnenten(Schlossergeselle).- wünscht zu er fahren, wo hier in Berlin in den Abendstunden die Dreherei praktisch und theoretisch gelehrt wird. UnS ist ein derartiges Institut nicht bekannt. Vielleicht kann uns einer unserer Leser Näheres mittheilen. P. Ebersbach. Nach der Eachdarstellung liegt ein unbefugtes Verlaffen der Arbeit vor; der Arbeitgeber war berech- tigt, Sie sofort zu entlassen. Die Klage ist aussichtslos. Zander. 1. DaS Urtheil ist einen Monat nach Zufiel- lung desselben rechtskräftig. 2. Einer neuen Kündigung bedarf eS nicht. Pastor 10. Lassen Sie die Sache ruhen. Sie können sehr leicht mit dem Etra'gesetz in Konflikt kommen. R. P. Sie fragen: Kann ein Maikäfer in dieser Jahres- zeit lebend au« der Erde kommen? Wenn er todt ist, wird es ihm auch im Mai schwerlich gelingen. Sollten Sie aber an der Möglichkeit zweifeln, daß es jetzt lebende Maikäfer giebt, so besuche?, Sie uns doch einmal,„unser Käfer" lebt noch. Wende. So lange Sie die Räume dewohnen, haben Sie die Mtethe zu zahlen. Sie können Aufhebung des MiethSver- trageS verlangen, wenn die Wohnräume durch die von Ihnen hervorgehobenen Umstände nickt bewohnbar werden. Alter Abonnent. Wissen wir nicht. M. N. 2000. Das fragliche Recht steht dem Vater zu. t erzog. Nein. . 80. Die Alimentenforderung kann noch gellend ge» macht werden. Verjährung ist nicht eingetreten. B. B. 18. Nur nach Einfichtnahme der Poltze läßt fich die Frage beantworten. L. 39. Der Lehrling kann seine Stelle verlassen. Der Vertrag hat keine Giltiakeit. Wetdener. Auf Ratenzahlungen braucht fich der Gläudi« aer nicht einzulassen. Sie find zur Zahlung der Gesammt- summe verpflichtet. R. A. H. 10. Wenn Sie nachweisen, daß die Ge» schwängerte zur KonzeptionSzeit geschlechtlich beschälten ge- wesen. find Sie zur Alimentirung nicht verpflichtet. Brandenburgstraße. Ja. Wollwaber. Am besten ist es, wenn Sie fich schon in erster Instanz durch einen Anwalt verthcidigen lassen. Alter Abonnent. Nein. Sie können nur die Sachen deponiren. A. R. Der Abzug ist nicht gerechtfertigt. Abonnent Schoahanserstraße. Die Frage ist unver- ständlich. Abonnentin N. W. Wir können Ihnen legenheit keinen Rath ertheilen. H. St. 22. Anspruch auf Lohn und Kost find sechs Wochen. K. W. Die Alimente find nur bis zum vollendeten 14. Lebensjahre zu zahlen. B. Naunynstr. Am besten thun Sie, wenn Sie die Mietbe deponiren. Wetdner. Die Frau ist verpflichtet, die Wäsche zu er» setzen. «. W. 1886. Ja. Nr. 151 F.«. Vollständig unverständlich. H. M. Die Forderung ist erlassen. Die Schwester hat in der Ange« keinen Anspruch. G. Hallesches Ufer 27. fallverficherungsgesetz nicht zu. 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Im Leihhans, aneiraZttr0t56ts Anlaufsbafen nicht günstig sei, weil es nur einen unbe- «-utenden Verkehr mit dem Hinterland« hat und daß in erster «nie Rotterdam, in zweiter Antwerpen in Betracht kommen blirfc. Staatssekretär von Boetticher: Meine Herrm, was zunächst die von dem Herrn Referenten berührte Frage anve- wigt, ob die ganze Summe, welche in den Etateentwurf mit 4400 000 M. für die überseeischen Dampferverdindungen ein- Kellt ist, in dem Etat zu b< laffen sein möchte, so habe ich die itS in der Budgetkommission abgegebene Erklärung dabin u wiederholen, daß zur Zeil sich noch nicht mit voller Be- »mmtheit übersehen läßt, zu welchem Zeitpunkte die Jnbetrieb- ißung der Linien wird erfolgen können. Wir dürfen aber >ffen, daß volle Gewißheit darüber biS zur dritten Lesung ''s Etats zu erlangen sein wird, rnd wenn, wie ich jetzt schon unnehme, der Beginn der Fahrten erst mit dem 1. Juli des luchsten JahreS erfolgen kann, so ist eS selbstverständlich, daß die E> Mäßigung dieser EtatSposilion um% ihres B- Luges beantragen werden. Bei der Erörterung dieser vruge find wir zunächst zu der Uederzeugung gelangt, daß *s sich üderbaupt nur um drei Plätze handeln kann, die zur «�nen Wahl zu stellen find: eS find dieS Rotterdam, Vlis- M'n und Antwerpen. Rotterdam, daS der Herr Vorredner Plunders errjj'ohicn hatte, hat von uns nicht in Ausficht ge- ?omm>n werden können, und zwar um deswillen, weil Rotter- «am für die Schiffe, mtt denen die überseeischen Linien be- i»hren werden, nicht zu jeder Zeit anlaufsfähig ist. der Tief- ßang dieser Schiffe, deren Minimalgehalt zu 3000 Tonnen «orgeschrieben ist, beträgt nämlich 21 Fuß. Der von der See «ach Rotterdam führende Kanal aber ist nur von Schiffen von xöchftenS 19 Fuß Tiefgang jederzeit und ficher zu befahren; bei Eisgang ist er überhaupt nicht pasfirbar. Wir mußten also, so sehr wir auch geneigt gewesen wären, sonst den Jnter- Ken, die auf Rotterdam hinweisen, Rechnung zu tragen, die Mahl dieses Hafens aufgeben. WaS nun die Wahl zwischen Antwerpen und Vlisfingen betrifft, so will ich nicht leugnen, baß uns gewichtige Giünde für Vlisstngen zn sprechen schienen. *s war daS einmal die Abkürzung deS WegeS. den die Schiffe fcöültzulegen haben. Wird Antwerpen gewählt, so müssen die SWfie an Vlijfirgcn vorbei nach Antwerpen hineinfahren. Dadurch wird ein Zeitverlust herbeigeführt, der fich auf etwa bis 18 Stunden stellt, wenn man die Zeit für daS Beladen ?'r Schiffe hinzurechnet. DieS, meine Herren, ist eS, was d« über die Anlaufsfrage sagen kann, und ich hoffe, daß da- S» auch dem Interesse derjenigen Kreise, für welche der Herr ?bg. Fihr. v. Buol gesprochen hat, Rechnung getragen ist, '«weit es eben rationell und soweit es möglich war.(Bravo!) i Abg. Dr. Hammacher: Nach dem Vertrage zwischen Reich und dem Norddeutschen Lloyd hat der Reichskanzler Jur die Genehmigung für die anzulaufenden Hafen zu er- A'uen. Nach dem Gesetz war eS nicht ausdrücklich bestimmt Lvrden, daß so der stnngemaß ausgedrückte Gedanke deS �'chitagS vertragsmäßig ausgedrückt werden sollte, wie«S - Kerlmer Sonntagsplanderei. ». ß. C. Berlin prangt im Schmucke seine« Winter« '«de«. Die blaugefrorene Nase und die rothen Hände {"wen die Signatur de« Tage«, der gemüthliche Promenaden- "»ritt ist verschwunden und hat dem mehr eilige« als ele« 8?«'en Hundetrab Platz gemacht, an die Stelle der kühle» �«»den ist der„Warme" getrete«, der Pfannkuchen ist da« Lsste Objekt de» Tage«. .. Weshalb auch nicht, e« kann ja nicht immer Sommer und eine rechischaffene Kälte ist immer noch besser wa« der Berliner gewöhnlich mit„Matsch" be« N'et. Maskenball und Wintervergnügungen aller Art �hsel» mit einander ab, und wer da« ganze Zahr hindurch Hobel und Säge hantirt oder den schweren Schmiede- all?.?" geschwungen hat. der darf sich jetzt, wenige Stunden Svwtng« nur, al« spanischer Hidalgo oder Kreuzntter da« er* versüße». Königinnen der Nacht, Blumenmädchen, hne-s�.Kuh ly in in.** v.«—-------, Ule bpit und wie die stolzen und vornehmen Titel die b.,.•fn?ögen, erfreue« unsere Damen, und alle Leute, »ie«inen Maskenball mitgemacht haben— ich noch chötTfe' übereinstimmenden Ansicht, daß es dort sehr !chtv»?uud, der das nicht kennt, kann sich allerdings nur kll dem Vergnügtsein auf dem Masken- k«>>M b» Menge wogt durcheinander, Niemand Andere», die komischsten Verwechselnngen sollen �anen�'«s find nicht blo« die Dichter von Schauer- i-nzen gL ui(I(he behaupten, daß mancher Mann, der den k mit x mil einer unbekannten Schönen charmirt und größte- Liebenswürdigkeiten behelligt hat, bei "ge-ku �"»ung plötzlich j« da« erstaunte Gesicht seiner D<>5°u gesehen hat. �acht entschiede» Vergnügen, und der so häufig hier geschehen ist. Trotzdem bin ich damit einverstanden und tadle die Wrhl nicht, zumal ich daS volle Vertrauen zum Lloyd habe, daß er die jetzt in seine Hand gelegte große Ge- wall bezüglich deS Verkehrs Deutschlands mit Indien, China, Japan und Australien in großem Sinn ausüben wird. Sollte freilich die auf die eineS Spitze eine« Konfliktes zwischen dem Reich und dem Lloyd gestellt werden, dann könnte die ge- wählte Fassung des Vertrage« die Quelle sebr unangenehmer rechrlicher Differenzen werden. Zur Zeit beschäftigt uns der- gleichen nicht, und ich erhebe um so weniger E nsvruch gegen die betr. Vertraasbestimmung, weil mich die Entscheidung oeS Reichskanzler«, Antwerpen alS Anlaufshafen zu wählen, voll- auf befriedigt. In erster Linie weisen die Interessen von Rheinland, W st'alen und deS ganzen Westens und Südens von Deutschland auf Rotterdam yin. doch erkenne ich die technischen Hindernisse mannigfachster Art al« gegen diese Wahl ins Gewicht fallend an. In der Th t lä«t die Trefe d s Waffer- standeS der Waal von Rotterdam bis ins offene Meer ein zu« verlässtges Einlaufen der jetzt in Dienst zu stellenden Schiffe nicht zu. Nach der sehr zweckmäßigen Bestimmung deS Vertrages müssen auf Anordnung des Reichskanzlers im Deutschen Rerch Agenturen als Sammelstellen für Exportgüter errichter weiden, die das Recht erhalten sollen, die Frachttarife von der betreffenden Aufgabestation an biS zu der ausländischen Empfangsstation komdinirt nach dem Inland- und dem Seetarif zu stellen und zwar so, daß der kombinirte Tarif nicht höher ist, al« bei der Versendung über den holländischen oder delgi- schen Hafm. Ich meine nun, daß bei einer richtigen Jnter« xretation und vergleichSwetsen Brldung der Tarife vi» Bremen und jetzt vi» Antwerpen nur die Eisenbahnfracht in Betracht gezogen weiden kann, d. h. wenn z. B. vi» Köln Güter nach Shanghai zu versenden find, so soll die Fracht über Bremen nicht höher sein, als wenn man von Köln per Eisenbahn über Antwerpen und von dort per Dampfer verfrachtet. Nun läge für den Südwetten und Westen Deutschlands in der Be- Nutzung deS Rheinstroms eine sehr wesentliche Herab« Minderung des Tarifs. Ich fürchte, daß der Lloyd, der ja mit vollem Recht in erster Linie die Jnter- essen Bremens im Auge hat, dabei keine wesentlichen Resulta'e erreichen wird, eS sei denn, daß der preußische Elsen- bahnminister sich entschlöffe, im Interesse dieses Verkehr wesentitch ermäßigte Ausnahmetarise einzurichten. Allen Jnter« i ffenten im Lande sei es gesagt, daß in Zukunft bei dem Exporttarif nur die Einbeitgfracdt der Eisenbahnen und keineS« wegs die Frachten der Schifffahrt zu Grunde gelegt werden sollen. Ich widersetze mich dem nicht, daß Bre-en, diese wichtige, große, nach jeder Richtung hin unserer Sympathie bedürftige und würdige Handelsstadt große Vortheile aus diesen Dampferlinien hat; aber auf das Entschiedenste trete ich dem G-danken entgegen, als habe eS fich bei der Subvention aus- schließlich um ihre Interessen gehandelt. Abg. Dr. Windthorst: Die detheiligten Kreise können mit der Entscheidung des Herrn Reichetanzlers vollkommen zufrieden sein, nachdem fie fich überzeugt haben dürften, daß das Anlaufen in Rotterdam nicht möglich ist. Wenn der Abg. Sammacher es gewissermaßen bemängelt hat, daß bei dieser ntscheiduua dem Norddeutschen Lloyd zu weit gehenve Rechte eingeräumt seien, so kann ich diese Auffassung nicht theilen. Es wäre sehr wenig angemessen gewesen, nicht diejenige Gesell- schaft vor Allem zu hören, welche bei einem solchen Vor- schlage sachverständig ist, vor allen Dingen unseren Kollegen Meier(Bremen). Es befriedigt mich, daß die Angelegen- heit in seinen Händen lag. Er hat das Richtige getroffen mit dem Vorschlage der dieser Entscheidung zu Grunde liegt. Wenn Herr Hammacher gemeint hat, es handle fich bei der Dampfersubvention nicht bloS um die Interessen Bremens, sondern des ganzen deutschen Handelsstandes, so weiß ich nicht, was er damit hat sagen wollen. Ich sehe nicht, daß für Bremen etwas in Aus ficht steht, waS ihm nicht gebührt. Daß es nicht übertriebene Anspiüche erhebt, sondern nur verlangt, was ihm gebührt, sehe ich leider aus dem Umstände, daß von den neuen Dampfem sehr viel weniger dort gebaut werden, als man erwarten sollte. Abg. Meier(Bremen): In Rotterdam können unsere Dampfer, die wir nach Ostafien und Australien schicken, weil fie einen Tiefgang von 21 Fuß haben, nicht anlaufen. Von sämmtlichen dort angelaufenen Dampfern des Jahres 1884 hatten nur 3 einen solchen Tiefgang, während 8 oder 10 einen von 20, die übrigen einen von 18-19 Fuß hatten, was man als den gewöhnlich für Rotterdam zulässtgen Tiefgang bezeichnen muß. Nun hat man für Rosterdam die Verbindung mit dem Rhein namentlich in den oberen Gegenden, sebr hervor- Schoben. Ja, man hat angedeutet, die große deutsche Wasser- raße könne dadurch geschädigt werden. Nehmen Sie an. wir unter den günstigsten Anzeiche» begonnene Maskenball soll bisweilen schon mit häuslichem Krach und Krieg geendigt haben. Trotz alledem rückt Weihnachten immer näher und der Harzduft der Tannenbäume erfüllt unsere Straßen. Der Weihnachtsmarkt mit seinem Klimbim ist aufgebaut, Hampel- männerjunge» und Waldteufel machen ihren landesübliche« Spektakel, warme Würste und der herkömmliche Nordhäuser, oder ein„Schälchen Heeßer" mit einer Pretzel zeigen un« an, daß der Mensch nicht vom Bro» allein lebt. Der Weih- «achismarkt ist ein Stüchen Alt-Berlin, und derjenige, der das Licht der Welt am grünen Strand der Spree erblickt hat, möchte ihn um keinen Preis der Welt wissen. Allerdings giebt e» leider auch Leute in unserer trüben Zeit, die sich kaum ei» paar Kleinigkeiten vom Weihnachtsmarkt für ihre Kinder leisten können. Wer kann'« ändern? Zn stolzer Karosse jagt der Kommerzienrath in seinem kostbaren Pelz die glänzende» Straßen hinab, hier giebt er kurzen Befehl zu halten, eifrig springt der gallonirte Diener vom Bock, er Hilst seinem Herrn beim Aussteigen, und köstliche und theure Geichenke trägt er nach kurzer Zeit in den Woge« zurück. Immer weiter geht die eckige Fahrt; da« Silbergeschirr der Pferde leuchtet im elekttiichen Licht. Was könnte mit dem zehnten Theil der Summen, die hier für kaum beachtete Kostbar- keite« ausgegeben werde», für Arme und Elende nicht für Glück und Segen gestiftet werden! Wer kann sagen, wie- viel hungernde und frierende Familien eS augenblicklich in Berlin giebt, die mit Schaudern an den Tag de« Frieden» und der Freude denken, deren Vater mit dem wilde», ver- zweifelnden Blick nicht weiß, wie er am WeihnachiStag« seine darbenden Kinder befriedigen soll? Wer kann da« ärder»? hätten bei 25 Fahrten hin und der Rotterdam 52 Mal angelaufen und jedesmal 300 biS 400 Ton« Güter pelaven, so würde da« doch für den eno.men Verkehr auf dem Rhein voll« kommen versebwindend sein. Auf den Rheindampsern geht setwerlich viel Gut nach Rotterdam und Antwerpen, sondern e« wird wohl fast Alles im möglichst letzten Augenblick per Eisenbahn als Schnellgut nach Antwerpen, Rotterdam oder Bremen geschickt. Das liegt in der Natur eines solches Ver- hältniffeS- Herrn Hammacher bemerke ich, daß allerdings in dem Paragraphen det Vertrages nur von der Eisenbahn« differenz die Rede sein kann. Käme auch die Wasserdifferenz in Betracht, so würde eS höchstens die Kosten des Waffer« transports von Rotterdam nach Bremerhafen betragen, die viel- leicht gerinqer wären, als die Eisendahnfracktdifferrnz, wodurch aber der Transport verlängert würde. Darum glaube ich, trifft der Verttag daS Richtige, um den berechtigten An- svrüchen deS südwestlichen Deutschland gerecht zu werden. Nun will ich zugeben, daß der Vorwurf, als wenn wir nur Bremen berücksichtigen, eine gewisse Berechtigung hat. Die Jnter- essen Bremens bei den Eisenbamtariien find mit den deutschen Interessen im Allgemeinen auf daS Innigste verbunden, und ein Beweis dafür, daß wir nicht Partikulariften find, ist eS, daß wir die Schiffe, die wir an der Weser hätten bauen laffen können, wo der Bau billiger war, an der Oder haben bauen laffen. Der Titel wird bewilligt. In Kap. Tb werden 18000 M. für Ueberwachung deS AuSwanderungSwesenS gefordert. Abg. LingenS beklagt es zunächst lebhaft, daß die MisftonSthäligkeit, die ihrer Natur nach von großen Ordens- gesellschaften, wie den Jesuiten, betrieben werden könne, unter den jetzigen Umständen vollständig lahmgelegt sei. Ich habe sogar gehört, es sei ganz zurückgelegt für diese Sesston. Ich weiß nicht, ob ich dieS besonders beklagen soll, denn ich fürchte, es könnte seine Physiognomie von der öffentlichen Lage der Dinge erhalten, wodurch die Rechte der Freiheit und Selbst- ständigkeit bei Seite geschoben und große Ansprüche der Gewalt und des Staates erhoben werden würden. Abg. v. KoScielski: Ich will dem Rath deS Abg. Windthorst, die Frage der Ausweisung meiner LandSleute bei dem ersten besten Etatstitel vorzudringen, nicht so weit folgen, daß ich über die bei einer anderen Gelegenheit noch zu erör» ternde Rechtslage spräche. Ich will vielmehr nur die Reichs- regienrng auf die Nothlage aufmerksam machen, in weiche die merstcn Ausgewiesenen, und zwar gerade Diejenigen, welche fich noch auf Reichsgebiet befinden, gerathen find. Diese Leute leben nun einzig und allein von dem ErlöS ihrer weni» gen Habseligkeiten, die sie noch dazu für ein Spottgeld ver- kaufen müssen. Da liegt doch wirklich ein Nothstand vor, der es dringend nothwendig macht, daß die Reichsregierung die detreffende Behörde zur Remedur»eranlaßt. Staatssekretär«.Boetticher: Die Klagen gegenüber der Ausführung einzelner AuSweisungSmaßregeln find bei den preußischen Behörden anzubringen. Ich bin außer Stande, Kenntniß von diesen Vorgängen zu haben, und halte es nicht für wünichenswerth, wenn die Sache hier zur Sprache gebracht wird; dann könnte fie leicht dem preußischen Minister deS Innern entgehen. Ich rathe dem Vorredner, fick direkt an den letzteren zu wenden. Auf eine Diskusston über Maßregeln der preußischen Regierung kann ich mich selbstverständlich nicht ein- lassen. Es handelt fich bei diesem Etattttel überhaupt um AuS- Wanderung, nicht aber um Ausgewiesene. Der Kommissar für überseeische Auswanderung hat mit diesen Dingen absolut nichts zu thun. Abg. Hammacher: Auch ich wünsche dringend den Erlaß eines allgemein für Deutschland geltenden AuSwande- mngSgesetzeS, nicht aus den von Herrn LingenS vorgebrachten Gestchlspunkten, sondern weil die große Verschiedenheft der jetzt auf vi, fem Gebiet geltenden Rechtsvorschriften zu den größten Unzuträgltchkerten geführt hat. Staatssekretär».Boetticher: Es ist davon Abstand genommen worden, in dieser Eesfion dem Bundesrath und dem Reichstag eine bezügliche Vorlage zu machen, weil die Session b-reiis genügend belastet ist und man auch noch warten will, bis die Materie mehr spruchreis geworden ist. Aufgegeben ist jedenfalls der Plan, ein solches Gesetz zu machen, nicht. Abg. W o e r m a n n: Der Abg. Lmg.ns hat heute wieder mehrfache Angriffe gegen die Hamburgischen Behörden erboben. Er klagt zunächst, daß die Ankündigung deS katholischen Gottesdienstes in den Logirhäusem von den Wirthen nicht gestattet wiid. Damit haben aber die Hamburger Behörden nichts zu thun, da« ist lediglich eine Privatbeschwerde über die Wirthe. Auch dahin, daß der Vertreter deS Raphael- Vereins an Bord der Schiffe der Hamburg- Amerikanischen Packetfahrtgesellschast „Friede auf Erden," wird man in wenige» Tage» überall auf alle» Konzerten, in allen Kirchen verkünden giebt eS einen wahren Frieden hienieden. der dahin strebt, seinen Mitmenschen so zu lieben als sich selbst, der die edelste F-ucht seiner Thätigkeit darin findet, zu verzeihen und Liebe und Mild« zn spende», statt Haß, Zwietracht und Verachtung? Beim kommenden WeihnachtSfest drängen sich un« stet» solche Betrachtungen auf, und e« sind Gefühle der Bitterkeit, welche uns beschleiche», wenn wir immer und immer wieder sehen, daß der eine Bruder de» andere» ver» folgt, daß er empfindlich und herrisch ist, wo er sanftmüthig und nachgebend sein sollte, und daß blinder Streit und Ver» folgung herrscht, wo man den Weg ruhiger Vennittelung und Verständigung einschlagen sollte. Möge der besänftigend« Ruf„Friede auf Erden" überall ertönen, und möge er mtt seinen erhebenden Klängen nicht«»gehört verhalle«. $$ * Projektirte« Repertoire der königlichen Schauspiele vom 13. bi« 20. Dezember 1885. Im Opernhause: Sonntag, den 13.. zum eisten Male wiederholt: Siegfried; Montag, den 14., auf Begehren: Fidelto(Herr Ntemann); Dienstag, din 15.: Sylvia, Am Klavier: Mittwoch, den 10.: Der Troubavour(Herr Mlerzwinski als Gast); Donnerstag, den 17.: Der Wildschütz; Freitag, den 18., zum Besten des Weber« Denkmals: Oderon, König der Elfen; Sonnabend, den 19.: Tell(Her Mierzwinskt alS Gast); Sonntag, den 20.: Der Trompeter von Säklingen.— Im Schauspielhause: Sonntag, den 13: Waldemar; Montag, den 14.: Johannistrieb; Dienstag, den 16: Durch» Ohr, Kleine Mißverständ« niffe; Mittwoch, den 16: Faust; Donnerstag, den 17; Da» Testament deS großen Kurfürsten; Freitag, den 18., aus Begehren: Da» Tagebuch. Der Winkelschretber- Sonnabend, den 19.: Nathan der Weise; Sonntag, den 20; Rosenkranz und Güldenstern. zugelassen weide, können die Behörden nicht wirken. ES ist lediglich Sache der Gesellschaft, od fie den Verirrt, r zulassen will oder nicht; wenn fie es nicht thut, wird es wohl daran liegen, daß fie sonst auch alle möglichen Vertrcter anderer Vereine zulassen müßte, was die Ordnung b«i der Einschiffung sehr stören wü'de. Wollte der Verein nicht die Ham« dürrer B>hö den angreifen, sonde n ihnen die Hand zu ge» meiniam r Thätigkeit für das Wohl der Auswanderer bieten, die Behörden würden ein solches Zusammenwirken ficher zu schätzen wiffm. Erft vor kurzem hat der Senat ein Äuswan- derungsgesetz zur Regelung der ganzen Verhältnisse vor die Bürgerschaft gebracht. Auch ich habe aber, wie Herr Ham» mach«, den Wunsch, daß ein solches Gesetz gleichmäßig für das ganze Reich erlassen werde. Ebenso schließe ich mich de- züglich der Aufhebung des v. d. Hcydl'schen Reskripts Herrn Hammacher's Wünschen an, denn das V-rbot der Agenturen für Brafiiien kommt in der Praxis einem Verbot dcrAuswan- derung dahin gleich. Abg. o. P u t t k a m e r(Plauth): Ich theile die humanen Bestrebungen des Herrn LingenS vollkommen und will auch für die strtlichen und religiösen Bedürfnisse der AuSwanver« gesorgt wissen, ab« es müßten in dem zu«lassenden Aus» wanderungsgcsetze auch andere sehr große und berechtigte In- teressen vertreten sein. In meiner Heiinath Westpreußen ist die Auswanderung g«adezu eine Kalamität. Wie man diesen liebeln abhelfen könnte, ob durch gesetzlich festzustellende Mel- dungSpflicht bei den Ä Hörden, um durch da« Aufgebotver» fahren etwaige Ansprüche der Ardertaeb«, V«bände, Ge« richte jc. zu eruiren, oder durch eine bessere Kontrole in den Häfen, lasse ick dahingestellt. Abg. Dr. Barth: D'e Ausführungen deS Vorredner? haben mir wenigsten« den Wunsch sehr verleidet, in nächster Zeit hier ein ÄuSwanderungsgesetz einzubringen, denn eS könnte eine so große Summe von polizeilichen Schikanen in da« Geletz gebracht weiden, daß es besser beim Alten bliebe. Am zweckmäßigsten und besten bleibt es immer, eS jedem Einzelnen zu üdnlaffen, fich seine neue Heimath aufzusuchen. Geht es ihm dort gut, dann geht es auch den Zurückgebliebenen gut, der deutschen Industrie und d« ganzen deutschen Nation. (Beifall links.) Abg. LingenS bleibt auf Grund seiner eigenen Wahr« nehmung dabei, daß die Hamburg« Logir« und Kosthäus« für Auswander« hinter denen anderer Seeplätze, so auch Ant- weepens, zurückstehen. Wenn eS in den letzten Jahren etwa? besser geworden, so sei dies d« Anregung hi« im Hause zu verdanken. Abg. Woermann: Daß Herr LingenS die Lage deS AuswandererwesenS hier im Hause schon Jahre lang zum Gegenstande seiner Ausführungen gemacht hat, habe ich nicht gewußt; im vo'igeu Jahre hat bei der dritten L-sung deS Etats d« Staatsickretär v. Boetticher seine Angaben meiner Anficht noch hinreichend widnlegt. Und w'e steht es denn z. B. bei den großen Wallfahrten der Katholiken, wo plötzlich so große Menlchenmaffen zusammenströmen? ist denn da stets für auskömmliche Räumlichkeiten gesorgt?(Heiterkeit bei den Nationallrberalen.) Abg. Hammacher: Ich habe eine Aufhebung deS v. d. Heydtschen Reskripts, um die deutsche Auswanderung dahin zu leiten, nicht gewünscht. Anderns-ilS kann ich nicht anerkennen, daß d« Zusammenhang, die Fortdauer der alten und die Anknüpfung neuer Beziehungen mit d-m Mutterlande nicht ebenso vorhanden sein sollte bei den nach Nordamerika ausgewanderten D utschen. Ich deadfichlige bei der Berathung deS Etats des Auswärtigen Amts um Mittheilungen darüber zu bitten, wie unsere Konsuln in Porto Alegre u. s. w. über Vre Thunlickkeit der Auswanderung nach den dortigen Ge« g enden denken. DaS Kapitel wird bewilligt. Zum Kapitel 10„Statistisches Amt" beanlraaen die Abgg. Baumdach und Schräder: den Herrn Reichskanzler zu«suchen, die Ergebnisse der Zu- sammenttellung und Verarbeitung der Jahresadichlüsse der Krankenkassen, sowie ihrer Ueberstckten über die Ver> fichci ten und über die Krankheitserscheinungen pro 1885 dem Reichstag seiner Zeit mitzutheilen. Abg. B a u m b a ch: Eme ausführliche Begründuna deS Antrag, s ist wohl nicht erforderlich. Bei keinem neueren Gesetz liegt der Schwerpunkt fo sehr in der Art der Ausführung wie bei dem Krankenkaffengesetz; keines läßt dem Ermessen d« austüh- renden Behörden so weiten Spielraum. Schon ein Jahr nach dem Erlaß des Gesetzes liefert die Art der Ausführung ein anderrs Bild, als man sich im Reichstag davon gemacht hatte. Die Gemeindeverficherung sollte nach dem Willen des Gesetzes nur substdiär eintreten; lbat>ächlich ist vielfach dn Schwerpunkt der ganzen Organisation in die Gemeindeversicherung gelegt, während er in die Oltskiankenkassen verlegt werden sollte. Die Gemeindebehörden würden eine Ve> langsamung deS Tempos der sozialpolitischen Gesetzgebung freudig begrüßen u d haben daher die von Herrn v. Boettich« abgegebenen Er- klärungen sehr gern gekört. Uns« Antrag wünscht nickt daS dloze Zahlenmaterial, sondern eine offi ielle amtliche Miithei« lung und Veraideituna der gesammten Ergebnisse. Es werden uns ja jetzt die Weißbüch« über unsere neuen überseeischen Erwerbungen milaeiheilt; noch dantenswnth« vielleicht als düse würde ein Weißbuch über die Ausjühruag des Kranl-n« kassenges tzeS sein. Siaatss, kietär v. Bötticher: Ich habe den erwähnten Vorwurf gegen dieKassenvorständeinsolch« Allgemeinheit gar nicht erHoden, rmG gentherl bin ich nach den bisherigen Erfahrungen in Summa der Uedeize,aung, daß die Ausführung des Gesetzes fich überwiegend günstrg gestaltet hat. Auch so wäre der Reichstag in der Lage, seine kritischen Bemerkungei an diese Statistik zu knüp'en. Ist die Majorität des Reichs- t> g.s für den Antrag, so werde ich daraus leinen easas belli "�Abg- Hitze: Ich halte ei für genügend, wrnn diese Publikationen Denen zugänglich gemacht werden, die sich im R ickstage für die Materie inte essiren. Ich wünsche ab« die Statistik auf möglichst zahleiche in Betracht kommende Fragen ausgedehnt zu jeden. Sie muß UNS e ne vergleichende lieber« ficht der Mordiditätsverhälimsse d« Arbeit r überhaupt und der Alberter in den einzelnen Industriezweigen uad Jndustri. ,'Ntren ermöglichen; vielleicht könnte auch eine Statistik der Krankheiten aegeben w«den. Jedenfalls wird auch in diesem Punkt die Statistik mttbe stimmend darauf w«klN, ob die Sozialrejorm ein langsameres oder ein noch de« schleunigterrs Tempo anzunehmen hat. �, Abg. Schräder: W« haben ein hervorragendes Int«. esse daran, eine ausfüdrliche Statistik gerade für daS«sie Jahr zu erhallen: spät« wird die Mittheilung ein« solch n nur noch für größere Zwischenräume erforderlich fern. Der Grund der Mißerfolge der O tskafien liegt doch wohl kaum ,n mangelhafter Verwaltung. Diese Kassen können vor Allem bei ihrer großen Ausdehnung schwer Srmulalronen verhüten. Ich will nur kurz bemerken, die Staateersendahnen befinden �chienm� abaÄm�währendste nach auswärt? Vts�diÜig« �Ad'g. Struckmann: Ick bin zwar der Ueberzeugung, daß das Kran'enkaffengesetz in einer ganzen R-'he von Punk« ten wird abgeändert werden müssen, dennoch glaube rch, lo.rnen «Kr*?' Wrrlsamleit der Kassen laßt fich erst in Jahren abgeben, und ob freie oder Orts. Kassen beff«e Dienste leisten. Ich bin weder fanatischer Anhänger d« einen, noch fanatisch« Gegn« der anderen: ick wäge die Vortheile ab. Em Haupiübel- stand dn Ortskrankenkassen liegt in ibrer dureaukrati- schen Organisation und darin, daß der Arbeiter fich den Arzt nicht wählen darf. Den Vergleich der Schienenenkom ventionen mir der Haltung der Aerzte kann ich auch nicht für zuttrffend erachten; ich fasse ihre Förderung so auf, daß die Ae zte, wie wir, einen'gewerkichaftlichen Minimallohn, dean- spruchen. Bei uns in Sachsen wird überhaupt die Einführung der freien Kassen außerordentlich erschwert und Zwist in die A'beit«kaffen hineingetragen, Vielfach haben fich in den Orts« lassen jene Vett«- und Gevatterschaften breit gemacht, von denen gestern d« Herr Staatssekretär sprach. Es hat sich in Sachsen ein Verein von städti chen Bureaus- und Kassen- beamten gebildet, welch« die freien Htl'skassen durchaus nicht anerkennen will. Ter Magistrat in Dresden befindet fich in seiner Gefolgschaft. Er will die freien Kassen nickt zulassen, die von der Kreisbauplmannschaft in Leipzig und Dresden ge« nehmigt waren. Alle Brschwnden nach dieser Richtung haben nichts geholfen. Zuerst har die Ortskasse verfügt, daß die Meldestelle jede Aufnahme von Mitgliedern in die freien HilfSkassen zuerst vom Zenlialvorstande bescheinigen lassen müsse, und daß alle anderen Mitgliedschaften in den freien HilfSkassen ungiltig seien. Nun hat eine Deputation drr freien Htlfskaffen der hohen Staatsbehörde eine Be« schwndeschrift überreicht. Herr von Boetticher hat ihre Besckwnden für theilweise begründet gehatten und versprochen, zu ihrer Beseitigung beizutragen. Er hat ihnen auch ge- sagt, fie möchten fich mit ihrer Leschwnde nicht an Leute wie Rrcht«, Baumbach, Grillenderger%. wenden, dann würden fie weiter kommen. Darüber find nun Wochen vergangen. Leider ist ja das Reichsamt gesetzlich nicht kompetent, solche Beschwerden zu beseitigen, weil es an ein« Zentralbehörde für das Krankenkaffennesen fehlt und so die größte Verschiedenheit d« Behandlung Platz greifen kann. Es geschieht alles, um die freien Kassen zu ruiniren. In Breslau will man umgekehrt Mitglieder der freien Htlfskaffen in ein« OrtSkaffe nicht zulassen, im Widerspruch mtt den gesetzlichen Vorschriften. Ebenso ist zu beklagen, daß viele Krankenhäuser den freien Kassen nicht das« selbe billige Krankengeld dewilligen wollen, wie den Ortskaffen. Die Unterbilanz der Kassen hängt nicht, wie der StaatSsekre- tär meinte, von der Vnwaltung ab, sondern von dem schlechten Lohn und der mangelnden Arbeitsfähigkeit der Arbeit«. Wenn die Arbeit« beschäftigungslos find, werden fie leicht« krank und fallen dann nothwendig den Kassen mehr zur Last. Schon jetzt denkt man an manchen Orten an eine Beschränkung der Unterstützungen. Ich hoffe, daß recht bald von Reichs- wegen diesen und anderen Uebelständen abgeholfen w«« den wird. Staatssekretär v. Boetticher: Die Beschwerde, von d« der Vorrevn« sprach, ist beim Hnm Reichskanzler ringe« gangen. Wenn die Aeußnung der jächfisch-n Regierung vor- liegen wird, w«den wir entscheiden, was wir für richtig erkennen. Daß ich dieser Entscheidung irgendwie vorgegriffen, ist nicht richtig. Ich habe der Deputation nickt gesagt, ich hielte ihre Beschwerde für g«echtfertigt. Ich pflege so etwas nie zu thun, eingedenk des SaveS:„eines Mannes Rede ist keine Rede". Ich habe den Leuten auch nicht gesagt, fie möchten fich nicht an Richter od« Baumba», sondern an mich wenden, dann würden fie eher zu ihrem Recht kommen. Ich habe früh« einmal im Reichstag gesagt, wenn die Herren lieber den Instanzenweg beschritten, dann würden fie eber zum Ziel gelangen, als durch Exklamationen im Reichstage. Daran haben mich die Petenten erinnert und gesagt: Wir wenden unS nicht an Richter und Baumdach, sondern an Ew. Exzellenz.(Große Heiterkeit). Abg. v. Maltzahn-Gültz: Ich kann mich für den Antrag Schräder nicht«klären. Die amtliche Statistik in den grünen Buchern wird vollständig genügen. Die Ausgaben für das städtische Amt werden hi«auf be« willigt. Heber den Antrag Baumbach-Lchrader wird erst in dritter Lesung abgestimmt werden. Um 6'/« Uhr wird die weitere Berathung deS Etats auf Montag 1 Uhr vertagt. Parlamentarisches. — Die foz aldemolratiscke Partei des R ichstogs beantragt zur zweiten Bcratdung des EiatS, im Mrlitäretor in Kap. 31 v« Ausgaben«Verpflegung d« Ersatz- und Reservemann- schaften 2 276726 M.i 2150000 M. mehr auszuwerfen, und zwar als folgenden neuen Titel:„Für die Familien d« zur Uebung einberufenen Reservisten und Land- webrleute: für Preußen 2000000 M., für Sachsen 100000 M., für Württemberg 50000 M." Dem Titel soll folgende Anmerkung beigefügt werden:„Das Geld wird als Bnechnungsgeld dewilligt. Die KriegSministerirn haben auf Ansuchen dn Betheiligten nach Zahl der Famtlienglieder und nach der Vermögenslage aus diesem Fonds einen ausreichenden Ui teistützungsbeitrag ru leisten, dem der Verdienst der zu den Truppen eingezogenen Reservisten oder Landwehrleute zu Grunde zu legen ist."_ Lokales. Sech? Monate unschuldig tm Gefängnis). Vor ungefähr lechS Monaten wurde von dem Boden des Hauses Ekalitzerstr. 5 für angeblich 500 Mark Wä«che gestohlen. Zu derselben Zeit ardeiteren auf dem Dache des gevannlenHauseS dn Dackdeckermeist« 81. Scköneich und dessen Geselle Friedrich Krausnrck und wurde Letzterer von einer Mietherin desselben Hauses als der Dieb beschuldigt, und da dieselbe vor Gericht die Auesage machte, welche fie mit einem E de bekräftigte, daß fie den Dachdeck« Krausnick mit Sicherheit alS diejenige Person wiednerkenne, welche fie am Tage des Diebstahls mtt einem ?efüllten Sack vom Boden des Hauses Skaiitzerrtraße 5 habe ommen sehen, wurde K ausnick, welcher bereits fünf Monate in Untersuchung gesessen hatte, zu drei Jahren Zuchthaus ver- urtheilt. Zufällig ist es nun d« Kriminalpolizei gelungen, den wirklichen Dieb zu ermitteln und festzunehmen. Derselbe hat bereits ein umtangreicheS Geständniß abgelegt und find auch v«schiedene G genstände, welche von dem Diebstahl her- rührten, in seinem Befttz gefunden worden. Krausnick ist nun zwar nach sechs Monaten verbüßt« Strafe entlassen word.n, doch in welchem Zustande fich seine Häuslichkeit befindet, kann man fich denken, w n-r die Frau— von drm Hauswirth mit den Worten gekündigt wird:„Spitzbuden dulde ich in meinem Haute nicht"— fich gezwungen sah, Alles, was fie irgend entbehren konnte, aus N-std zu verkaufen. Ist hier nicht wieder von N uem die Frage am P atze: Wer eniichädigt denn nun den unschuldig Perurtheiltea? Die Dachdecker jedoch mögen nun endlich einmal die Warnung behttzigen, die Arbeit auf dem Dache nicht früher zu beginnen, bevor nicht der Boden von Wäsche geräumt ist. Ein große» Echadenfettep wüthete in d« Nacht vom Freitag zum Sonnabend' auf dem Grundstück Ruppinerstr 9, wo fich die Knopffabrik von Si gel ui>d Komp. defindet. Beide Fabriken find derartig beschädigt, daß an eine Fortsetzung der Arbeit nickt gedacht werden kann. Durch diesrs Unglück werden ungefähr 80 Knopfardeiter und 20 Maschinen bauardeiter brod. loS. Dies ist um so bedauerlicher, da die Weinachtsfriertaae vor der Thü e stehen und für die Ardeiter somit keine Aussicht vorhanden ist, daß fie vor den Feier-agen irgend welche Ar- beit finden. Gerade jetzt geht die«nopfradrikation am flottesten manch« Arbeiter hat monatelang auf diesen Moment gewartet und jetzt, wo endlich etwaS Arbett und Verdienst vorhanden ist, macht das entfeffelle Element ihre ganzen Hoffnungen z» Schanden. Das Wei�nachtSfeft wird für diese Familien ein recht trauriges w«den. Et« adeliger Hundefäuger, Namens Richard Karl Alphons von Kajemir, wird von der tgl. Staatsanwaltschaft beim Landgericht II Berlin steckdri-flich verfolgt, weil derselbe fich ein« ihm zudiktirten Gefängnißstrafe durch die Flucht ent« zogen hat. Unter der Spitzmarke„Strenge Kälte" schreibt der Hamburger Meteorologe der„Voss. Ztg.": Der Wittenrnffä« Charakter der letzten Tage zeichnete fich vor Allem durch die Kälte d« westlichen Winde auS. Während zu anderen Zeiten W-stwinde sofort Thauweiter zur Folge haben, weil diejeldea dann warme Luft vom O-ean herberlühren, sank in diese» Tagen trotz der westlichen Winde die Temperatur. Die Nieder« schlage fielen als Schnee und nun folgte bei nachfolgend heiterem Himmel durch die nächtliche Ausstrahlung scharf« Frost. Herbeigeführt war die auffällige Kalt, des Westwindes durch den hohen Druck üb« dem Ozean und England, Daselbst wehten Nordwinde, welche in ihrem wetteren Verlauf nach West umbogen und bei uns als Westwinde auftraten. Diese Luft stammte also trotz ih.« bei unS aus West kommenden Richtung nickt au« warmen Gegenden, sondern aus nördlichen Breiten. Nun hat fich der hohe Druck auch in Skandinavien und in Deutschland ausgebreitet und veranlaßt bei östliche« Winde heiteren Himmel. Wegen der hellen Nächte, der schwachen nordöstlichen Winde und dn vorhandenen Schneedecke liegen also die Verhältnisse für Kältemtwickelung sehr günstig. DaS Frostg-biet umfaßt dich« ganz Europa mit AuSschl ß des äußnsten WrstenS und Südens. Die Tempnatur fiel in Hamburg auf 9 und 7 Grad Kälte. Während ,ur Zeit der Druck hier noch in Zunahme begriffen ist, geht in Nord Skandi« navien eine Depresfion vorbei, welche zur Zeit die Witterung in Deutschland noch nicht bedroht. Einem Federvtehhändler wurden in d« Nacht vo« 10. zum 11. d. Mts. aus seinem Geschäftskeller in der Grena« dierstraße ausgeschlachtete Gänse und gepöckelte Keulen und Brüste im Werthe von 300 M. in der Weise gestohlen, daß die Diebe die Kellerfenst« einschlugen und eine Thür im 8# nern deS Kellers mit Gewalt erbrachen. Die Diebe wurde« unmittelbar nach Ausführung der Tbat von Kriminalbeamten, welche von dem geplanten Einbruch Kenntniß«halten hatten, ergriffen als fie im Begriff waren, die in zwei Säcke gepackte gestohlene Waare aus einer Droschke zu entladen. Beide wur» den zur Hast gebracht. Pereine und Uerfamminnge«. Von Herrn Max Kreutz erhalten wir folgende 3* schritt:„Geehrte Redaktion! Die Bemerkungen des Reichk» tagsabgeordneten Hasenclev« zwingen mich, eine Berichtigung zu machen, welche schon gestern erfolgen mußte, wenn rrro# ein Freund von derartigen Berichtigungen ist. D« Bericht ü> Nr. 288 ist insofern unrichtig, als ich sagte; Ich bin im Laust de? TageS angegangen, eine Erklärung abzugeben, wie Hase« cleo« Träg« seinen Freund nennen kann, ich ausdrücklich her» vorhob, vom Standpunkte des Menschen und Gesellschafters' nie ad« vom Parierstandpunkt aus. Daß ich diesen Stand? punkt auch dem g-ößten Gegner gegenüd« vertreten habe,«riß dcrienige am besten, der mich kennt. D« Ausdruck besch äntt oder banausisch kann mich daher nicht treffen, denn ich befitze«in gut Theil Verständniß für alles Edle und Freifinnige. Eng' herzig mag die Frage gewesen sein, doch wettgehend war meine Antwort darauf. Wenn dann Herr Hasenclever durch die be« sonderen Vndältnisse im achten Bezirk dazu gekommen ist, dsN Ausspruch„Gegen die Reaktion" zu machen, so hielt ich eS meine Pflicht, die dortigen Genossen an uns« Programm ß* erinnern, daß alle andern Parteien unS gegenüber eine xtity0' näre Masse find. Man hat der Partei P.ckenbach mehr®e' wicht beigelegt, als fie eS»«dient, denn der Beweis ist rt' bracht, daß dieselbe an uns einen Damm gefunden hat, Übtt den fie nicht hinauskommt. Um nun in nachfolgen� Zeit mit guter Waffe die gegenüberstehenden Parteien angreifen zu können, hielt ich es für richtiger. WahlcnthaltuaS zu empfehlm, und keinen Unt« schied zwischen Reaktion JJ machen. Ich befinde mich ebenfalls hier im Einv-rständn>I mtt vielen Genoffen. Ich«suche dab« eine geehrte Redaktion« zur Vermeidung von Mißverständrissen dieses der O-ffentludZ teit zu überliefern. Mit vorzüglicher HochachtungiMax Kreutz. Wir haben dieser Erklärung beizufügen, daß fie durchaus lehr viel zur Klarstellung der ganzen Sachlage beiträgt. Arbeit« Berlins fügen sich eben dem Beschluß deS von ihnen selbst erwählten Komitees und damit basta.„ Verein der Modelltischler, Ackerstr. 63. Montag Aber« 8 Uhr: Vortrag des Herrn Ingenieur Paul Bastine üdn „Verzahnungen". Gäste willkommen. Die Möbelpoltrer veranstalten morgen Abend 8 U? eine öffentliche Versammlung bei Kell«, AndreaSstraße /l- Tagesordnung: 1. Vortrag üb«„Aufgaben und Voitheile einer Geiammtorganisalwn." Ref.: He« Äichelsen. 2. KonstiluiruNS des Verbandes der Möbelpoltrer Berlins und Umgegenb« 3. Aufnahme von Mitgliedern für den Vorstand. 4. eines provisorischen Vorstandes. � Die Karlonarbetter werden am Montag, den 14. d-M« in Eberbach's Lokal, rlumenflr. 56, eine Versammlung kalten. Da die Neuwahl der Kommisfion und andne wichtig Angelegenheiten auf der Tagesordnung stehen, so ist eine g« besuchte Versammlung zu«warten. Fachveretn der Tischler. Versammlung Montag, 14. Dezember, Abends 8'/, Uhr, in Säger'S Salon, Weg 29. Tag'Sordnung: 1. Vortrag deS Herrn Predigt« «wer. Kendziora über:„Schiller'? ästhetische Erziehung � Menschen". 2. Drskusfion. Verschiedenes. Fragekasten. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Große öffentliche Versammlung sämmtltcher Sattl«* meister und Gesellen am Sonntag, den 13. d. Mts., P'%' 10 Uzr, in Gralwerl's Bierhallen, Kommandantenstr. 7','' Tagesordnung: 1. Bericht der Kommisfion über:„Die Loh»' und Aideitsoerhältniffeinnerhalb unseres Gewerks." 2. ttSkuifi�' Arbeiter- vezirt«verei«„Südost". Die Vnrinsvri sammlung am Mittwoch, den 16. d. Mts.. fällt aus. � He«en, welche an dn Partie nach Marienfelde Theil nehmst versammeln fich am Sonntag ftüh 8 Uhr hei Stramm, litzerstraße 18.._ Gewerkschaft der Metallarbeiter Berlin» u«d Uw aegend. Große öffentliche G-nnal Versammlung sämmtn« Metallardeit« Berlin? und Umgegend am Sonntag,�'? 13. Dezember 1885, Vormittags 10% Uhr. im Wcdding-P� Müllerstraße 178. Tagesordnung: 1. Zweck und 3«� Gewerkschaft. 2. Drskusfion. 3. Verschiedenes.,. tsst Der Arbetter-Veztrksverein im W ften Berlin»» am Montag Abend seine letzte diesjährige VcreinSveisammi ab. In derselben wird Herr Schweitzer über die ue völkerung frage sprechen. Auf die Veretnsbibliothek rviro den Feiertagen ganz besonders aufmerksam gemacht..„,#« Verrtn zur Wahrung der Interessen der*»'» j «nd Koffermacher. Miiglreveroe.sammlung Montag~ zg. 8Vi Uzr in den..Arminhallen", Kommindantenstroßr � Tagesordnung: 1. Vortrag oes Herrn Dr. Lüttgenau. rechnung vom letzten Streik der Erdmann'schen und Fuß*' Kistenfadrik. 3. Verschiedenes und Fragekasten._.„.meO Der Kranken-Uoterftützungs-Bund der wert Kürschner, Posamenltrer, Schirm- und Handschuhmacher�'�, sein diesjähriges Weihnach sfest am 26 Dezember('- rir zs. nachtSfeiertag) in der Beriiner Reffomce, Kommandanlem'% Dasselbe besteht aus Konzert, Ball und WeihnachtsbcsÄe für K.nder.(Siehe Inserat am Dienstag.) Theater. OpernbauS. Heute: Siegfried. Morgen: Fidelio.— Abaufpielhaus.' Herne; Waldemar. Morgen: Johannis. med.— Deutsches Theater. Heute: Die Welt, in der man W» langweilt. Morgen: Don Carlos.— Friedrich Wilhelm Mtisches Theater, oeute: Pariser Leben. Morgen: Dieselbe Vorstellung.— Refidenz Theater.: Clara Soleil. Vor« t: Die Schulretterin. vtorgen: Dieselbe Vorstellung.— Zöllner- Theater, veute: Drei Monat nach dato. Ltorgen: Dieselbe Vorstellung.— Belle-Alliance- Theater, veute: Herr gü Frau HypokratcS. Morgen: Dieselbe Vorstellung.— Mrlhalla Operetten-Theater. oeute:» er Jagdjunker. Morgen: Melde Vorstellung.— Viktoria-Theater. eure; SXffloltna. Soften: Dieselbe Vorstellung.— Zentral- Theater. Heute: Die wilde Katze. Morgen: Dieselbe Vorstellung.— Louiscn- '�»ischeS Tbeater. oeure: Tell. Morg'n: Oberon.— König« 'tischeS Theater. Heute: Die Räuder.— Ostend-Theater. lte. Theodora. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Alhambra-Theater. 8» Weihnachtsgeschenke« I- Otto Graetscb, Iiltlecmstl.,? %«—'—"■*" Oranien-Strasse 45. L Kinderpferde und Wagen, Schulmappen von 1 M. an, gg S* Portemonnaies von 10 Ps. an, � « Ligarren- und Brieftaschen. Große Auswahl Albnms%- "C von 75 P'. an bis zu den elegantesten. a itv Reeessairs mit und ohne Einrichtung von 80 Pf. an.# Reise- und Handkoffer. 151® Alte Kinderpferde werden wre neu dilligst aufgearbeitet. — i«g Schön- und Schnellschreib Iß" Unterricht!"W verschiedene Schriften für G Mark lehrt der in den neu eröffneten Schreid-Kursen in der Drei ,. Unterzeichnete Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Leonore, oder: Die Grabesbraut. �chauspUl mit Gesang in 3 Akten von Karl von Holtei «or der Vorstellung: Großes Konzert der Hauskapelle. «fang deS Konzerts Wochentags 7 Uhr, der Vorstellung 8 Übt. Anfang deS Konzerts Sonntags 6 Uhr, der Vorstellung „ 7"/» Uhr. '«H haben Wochentags Giltigkeit und find im Theaterbureau 02—1 Ubr) gratis zu baden. Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bti 10 U. Ab. Kaiser-Pa«or am a. ------- U'/-•■***■ V«» vvl»(IVM H J HC.----'----■' Dresdenerstraße 10 jeden Dienstag und Freitag, Steglitzer- straße 65, in, beim Lehrer, jeden Mittwoch,„Deutschen Kaiser�, " l ningerstraße 37, jeden Donnerstaa von 8>/, bis 10'/, Uhr. Gustav Mlethk©, Kalligraph und Schreiblehrer. Steglitzerstraße 65. 2286] #### htttbo«-- CO iO o an Als Verlobte empfehlen fich Emil Göritz. Marie Kandgraff. [220 43] W «f- Winterpaletots!! Herren« und Knabenanzüge sowie Damen- kleidet u. Mäntel , im Tuchgeschäst Pri>zeaSr.SZ, g«genIU>. d. Turnhall«. TkilzaMnoMB Eesiattelf 4-t I f* Ol CO ...Die dem Gelbgießer Herrn Knbe zugefügte Beleidigung ich zurück._ A. K reu er.[292 Wo speisen Sie? In der ersten altm Pommerschen Köche b. K l e i n, jetzt Oranienstraße 181, Hof pari. Gediegener Mittagstisch mit Bier 50 Pf. Abendtisch in großer Auswahl von SO Pf. an. Singe« ___ ncbmer Aufenthalt mit Billard. �estanrant zur ersten pommerslken Kölke, Oranien>Straße50. fll4 »«.kräftiger Mittagstisch mit Bier 50 Pf. Abendtisch, große -jjgttl)!. von 30 Pf. an, bis Abends 11 Uhr. F. Grunow. �Är. 38. G. Sodtke. Admiralstr. 38. Kraft-Bouillon von 10 Uhr ab a 15 Pf. Mittagetisch(Hausmannskost) a 50 Pf. mit Bier. �--- Abendtisch nach Belieben. Billig und kräftig.|240 Isnv M. follln NM. Sä Heinrich Lohrenz Putz- und Modetvaaren Große Auswahl in angekleideten Pappe«, Pnppenbälge, Köpfe it. Damen- nud Kinderhüte in grosser Anowahl. Reelle Bedienung. Billige Preise. Kmmsiialwählct- Dtchmlims am Montag, den 14. Dezember, Abends 8V, Uhr� im Lokale„Freischütz", Fruchtstr. 36a. Tages-Orvnung: 1. Die Stichwahlen. Referent: Herr Schloffer Franke, Kandidat des 25 Wahlbezirks. Korreferent; Herr OSkar K r o h m. 2 DiSkusston. Der jetzige Vertreter, Herr Krampf, ist eingeladen. Das Wahlresuliat vom 25. und 34. Wahlbezirk wird am Dienstag, Abends 6'/, Uhr, in demselben Lokal verkündet. Alle Diejenigen, welche gewillt stnd, am Tage der Wahl thätig zu sein, werden ersucht, am Dienstag, früh 8'/, Uhr, Memelerstraße 57 im Lokale deS Herrn Brunzel zu er« scheinen.[188] Das Ardetter-Wahlkomitee. I Versammlung des Vereins zur Wahrung der Iateresteu der Tapezirer in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr.77/79 Montag, de« 14. Dezember, Abends V>9 Uhr. Tagesordnung: 1. Endgiltige Stellungnahme zur Zentralisation. 2. Anträge der Mitglieder um Gewährung von Rechtsschutz. 3. Verschiedenes. Wir machen die Mitglieder darauf aufmerksam, daß die» die letzte Versammlung vor dem Kongreß ist und bitten um all« seitigeS Erscheinen. 217]_ Der Vorstand. Morgen. MifoelpllM! Morgen. Morgen Montag, Abends 8 Uhr große öffentliche Versammlung in Keller's GesellschaftshauS, Andreasstraße 21. TagtS- Ordnung(stehe heute die Anschlagsäulen.) DaS Erscheinen aller Möbelpolirer ist nöthig. Zur Deckung der Unkosten wird«in Entree nach Belieben erhoben. 218]_ Die Kommisston: I. A. Robert Weber. M.-KepVcrcill s. d. öerlms. Dienstag, den 15. Dezember, Abends 3>/,Uhc Versammlung iu Kellert Lokal, Andreasstraße Nr. 21. Tagesordnung: 1. Verkündurm des WahlrcsultatS im 25. und 34. Kom- munal-Wahlbezirl und Rückblicke auf die Kommunal« wählen. 2. Statuten-Berathung. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Nur Mitglieder haben Zutritt.— Neue Mi.glieder werden aufgenommen.— Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist zahlreiches Ei scheinen nothwendig. Mitglieder, welche noch nicht im Befitz des Vereinekalenders fino, können denselben gegen Vorzeigung der Mttgliedskarte in Empfang nehmen. Wohnungsverändemngen find sofort dem Kasfirer Berger meThpn Gläser. melden. 215| Der Vo r st a n d. Pen tvajfttet l Oranien-Vad......... � Uranien-Straße 44, zwischen Moritz Platz u. O.-anien. Platz. >.Preise: 1 Wannenbad I. Kl. 75 Pf., Abonnement 5 St. 1 Wannenbad II. Kl. 50 Pf., Abonnement 8 St. 3 M. itn, Salz u Schwefelbäder.[250] Volkmar Welzer. Neu! Neu! ; Für Naturfreunde.. �.Norddeutsche Eisbahn am Markgrafendamm bei �alau. Sichere und gefahrlose Eisbahn in einigen Minuten �der Stadtbahn zu erreichen, a Person 20 Pf., Kinder 10 Pf. Neu eröffnet. G. Richter's Restaurant, . Kottbuserstr. 2, früher„Alte Linde", «j?khlt seilen neu eingerichteten Saal für Vereine, 150 bis [onen fassend, mit und ohne Bübne, zur unentgelilichen Sitzung. Ausschank von Weiß- und Bairisch-Bier. Epeisen �____ a la carte zu billigen Preisen.__[2750 S. J. Wolf, für die Winter-Saison sein reichhaltiges Lager von Paletots f« den neuesten Stoffen und F a? o n s, und Knaben.Anzügen in Stahl u. Nickel in obiger Form von 2,50 an, Brillen in t Stadl von 1— 4 M., in Nickel von 2,50 M. an inkl. Gläser. — Pince-nez in Schildpatt M. 4,00. Goldene Ptnee-nez und Brillen stets reiwe Auswahl, von 8 M. Krimstecher m. Etui u. Riemen v. 15 M. an. Operngläser u. Fernröhre in reicher Auswahl. Thermometer(Spiegelglas) v. 3 M. Ba-ometer v. 6 M. an. Krankenth-rmometer, Lupen. Lesegläser. Latecn. maxies, Dampfmasch., Dampfschiffe, elektr. Maschine«, Wetterhäuser. Reißzeuge%. Höiler A Co, Optiker. 292 _ 8., 42. Prinzen-Straße 42, parterre.__ billigste vezuge quelle f. Gold- u. Silberwaar. Zu Fabrikpreisen empfiehlt Kreuze, Ringe, BoutonS, BrocheS mit Anhänger. Medaillons. Collier«, Herren« u. Damenketten nach Gewicht. Chemisett« u. Manchetten« knöpfe. Granatschmuck, Silberschmuck. Trauringe in Dukatengold und in Silber vergoldet stets vorrätbig. 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Den Mitgliede n zur Nachricht, daß die Versammlungen behufs Wahlen zur Ortsverwaltung für die Bezirke: Berlin 1, 5, 6, und Berlin-Friedrichs berg in der heutigen Nummer dieseS BlatteS unter Vereine und Versammlungen bekannt ge« macht find und bittet um recht zahlreiches Erscheinen 243] Der Bevollmächtigte. Weg«« Hedegimg des Etschäst« Ausverkauf vo« Lampe«, Jan«- und Küchengerüthen von Blech, Emaille und Eisen. pielmaaren, sammrlrche 50 Pfg.-Artikei nur 45 Pf., empfiehlt Robert Vieweg, Klempner, Zoffenerstt. 11, im Keller. Arbettsmnkl. 1 TifchlerlehrUng w. verl Admiralstr. 7. b. Trapp.[221 »ordmachergef. a. Schen-Arbeit v. Schwedterstr. 36.[195 Grösstes Etablissement des Ostens. M. lilKviiisolm. Berlin 0., Parterres Kleiderstoffe, Seidenwaareu, Leinen uud Baumwollenwaaren. Eigene Fabrik sämmtl. Sorten Wäsche zc. zc. ül I HTT" riiiiiai BBasais amMin Mm Grüner Weg 32, Ecke Andreas-Platz. 1. Etage: Große Konfektion in Damen-Mäntel, Costüme. Morgenröcke. Jupons und Mädchen-Mäntel. 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