Donnerstag, den IT Dezember 1883. II. Jahrs» trinirr WbMI Brgan für dir Intrrrssen der Arbritcr. 4 Bai»Berttuer Volksblatt« Festtage«. Wovsementipreis' ch 1,35 Mar!, wöchentlich 35* Em»el»e Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10! (Eingetragen in der Postzeiwngipreiiliste für 1885 unter Nr. 746.) Ausertioasgebühr deträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi» 4 Nachmittag» in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annon�Mv Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. K3ES2. Redaktion; Kenthstraste 58.— Grpeditio«: Zimmerstraste 44. ■ES Das»llgemme Uahlrecht itnh die Es ist wohl allgemein bekannt, auf welche Weise das gegenwärtige Wahlrecht zum deutschen Reichstage entstanden ist; doch wollen wir hier mit einigen Worten zunächst noch darauf hindeuten. Nach Gründung des Norddeutschen Bunde« wurde da» allgemeine gleiche Wahlrecht von dem Trafen Bismarck für die Wahl zum konstituirenden Reichs« tage diese« Bundes festgesetzt in der Erwägung, daß die »el schieden artigen Steuersysteme in den Einzelstaaten ein «inheitlicheS Klassen- oder Zensuswahlrecht nicht möglich «achten, in fernerer Erwägung, daß durch das allgemeine Wahlrecht der Reichsgedanke gestärkt und die Erwählten der Ration dem Hauptförderer dieses Gedankens unweigerlich Heeresfolge leisten würden. Das waren die Triebfedern zur Einführung de« all- leinen gleichen und direkten Wahlrechts mit geheimer >stimmung. m Doch es kam ander», als Graf Bismarck gewünscht hatte. Zunächst allerding«, unter der Herrschaft de» Na- tionalliberaliSmuS, leistete der Reichstag dem Kanzler immer und zu jeder Zeit unbedingte Heeresfolge. Die paar Fort« schrittSleute und Altkonservativen kamen eben so wenig in trage, als das kleine Häuflei« der Sozialdemokraten. Das entrum existüte noch nicht. Fürst Bismarck, der sich damals einen liberalen An- strich gegeben hatte— im Herze« war er immer hochkonser- vativ— brachte, getragen von einer hochgehenden nationalen Bewe—-... �------..-x—it-ii— w Fr. Kapila....„..p..... p-,,-—--------— die Arbeitskraft ausbeuten'zu könne». Darüber entstand Heller Zubel im Lager der Kapitalsvertreter, doch anderer« seit« sahen sich die Konservativen, die Bertteter de» immobi« lev Kapitals, übervortheilt und ließen die» dem zum Fürsten avanzirte« Reichskanzler merken. ES entstand ihm auf der äußersten Rechte» eine wirthschaftliche Opposition. BiS dahin war die Sache ganz glatt abgegangen. Für jede wirthschaftliche Freiheit, die Fürst Bismarck den Libe« rale» zugestanden hatte, opferte« diese eine politische Frerhert «rf dem Altar des Kanzlers. Zug um Zug. Die Liberale« waren durch diese» frevelhafte Spiel völlig korrumpirt worden; auch hatten sie die politischen BolkSfreibeiten sämmtlich verschachert, so daß dem Kanzler an der liberale« Partei nicht« mehr gelegen war. Von de« Konservativen gedrängt, wechselte er plötzlich die Front und kehrte zu seiner alten Liebe zurück. Eine neue wirthschaft« "iQßWI»airtot] JeuMelon. Die Hand der Uemests. Roma« 551 von »Wald August König. (Fortsetzung.) .Müssen?" unterbrach Rabe ihn scharf.„Dazu kann «ich Niemand zwingen. Sie und der Justizrath könne» »ezeugen, daß ich zu der Herausforderung genöthigt wurde, da» Duell selbst wird in der vorgeschriebene« Form iattflnden, da» Urtheil kann also im schlimmste« Falle nur »uf zwei Jahre Festungshast lauten, und in der Regel wird »ach sechs Monaten der Rest der Strafe im Gnadenwege Klassen." „Nicht immer!" „Dafür lasse ich Lossow sorgen." .Vorausgesetzt, daß er sich durch diese« Ereigniß nicht -eranlaßt sieht, auf d'e Verbindung mit Ihnen zu ver« ächten" „„Da« kann er jetzt nicht mehr, und in den Augen Llla's wird das Duell mir nur einen NrmbuS verleihen, -er sie noch fester an mich kettet. Sie haßt den Assessor «ch. den Grund kenne ich nicht, aber aus dem Hasse selbst »acht sie kein Geheimniß. Sie sehen. Barnekow, d,e Folgen lwd nicht so schlimm, wie Sie befürchten,»ch werde chne» «it der größten Seelenruhe die Stirve bieten." ,„So ruhig wäre ich nicht." sagte Barnekow köpf« chüttelnd;„aber Sie müssen da» besser wissen." „Sie werden morgen die Güte haben und den Assessor Ksuchen. Ihnen seinen Sekundanten zu bezeichnen." „Bitte, lassen Sie mich aus dem Spiele." „Sie wollen mir den Gefallen nicht erzeige»? „Jeden anderen, nur diesen nicht." „Und weshalb nicht?" ftagte Rabe ärgerlich. .Weil ich keine Lust habe, eine Festungskasematte zu -ewohnen," erwiderte Barnekow lakonisch.„ES wird �hnen liehe Aera, die Aera der Zölle und indirekten Steuern brach an. Ein Theil der Liberalen, wie die LaSker und Bam« berger, wurden Gegner des Kanzlers. Inzwischen war auch der„Kulturkampf" ausgebrochen, so daß Fürst Bismarck in den ihm nunmehr w i r t h« schaftlichen Freunden, den Klerikalen, scharfe politische Gegner fand. Die Situation wurde immer verwickelter. Das allge« meine gleiche Wahlrecht that seine Schuldigkeit nicht mehr. Wenngleich der Kanzler mehrfach gegen da« preußische Drei« klassenwahlsystem in denkbar schärfster Weise losgezogen war, so fing er doch jetzt an, da» allgemeine Wahlrecht nicht mehr für vollkommen zu halten, seine glühende Liebe zu demselben erkaltete, die Resultate dieses Wahlrechts gefielen ihm nicht mehr. Zwar gelang es dem Fürsten Bismarck meist noch, für seine sämmtlicheo Pläne eine Mehrheit zu erzielen. Für seine wirthschaftliche» Vortagen stimmten die unbedingt Gouvernementale«(die Konservativen) und das Zentrum mit seine» Anhängseln, für seine politischen Vorlagen aber wiederum die Gouvernementalen, die Halb-Gouvernementale» (die National-Liberalen) und die Sezessionisten. Dieser Zu« stand, der im Wesentlichen ja heute noch vorhanden ist, ist jedoch selbst für den mächtigen Reichskanzler ein unerquick- licher und sicher nicht geeignet, die Autorität desselben zu befestigen und den Reichsgedankea zu fördern, so daß die Frage«ach dem„Karnickel", welches Schuld an diesem Zu- stand hat, nicht ausbleiben konnte. Nunmehr ist diese Frage gelöst und das„Karnickel" gefunden, nämlich das allgemeine gleiche Wahlrecht. Umsomehr ist man von der richtigen Lösung der Frageüber- zeugt, weil das früher von dem Kanzler so viel geschmähte preußische Klassenwahlsystem ihm ein bei weitem besser kon« struirteS Parlament bei den letzten Wahlen gebracht hat, als er eS im Reichstags besitzt.—-- Seitdem diese Erkenntniß in de» höheren Kreise« ein- gezogen ist, vergeht kaum eine Woche, wo nicht in irgend einer gouvernementalen Zeitung«in Angriff auf das allge- meine gleiche Wahlrecht gemacht wird. Aber nicht in den Zeitungen allem, sondern auch in den Parlamente« selbst. Erklärte sich doch im vorigen Jahre der Stellvertreter de» Fürsten Bismarck, der Vizepräsident des preußische« Ministeriums, Herr v. Puttkamer, im''' für die Beseitigung der geheimen Stimmabgabe bei' den ReichStagSwahlen. Nach dieser Beseitigung aber würde da« allgemeine Wahlrecht dem Lichtenberg'schen Messer ohne Klinge gleichen, an dem daS Heft fehlt; das allgemeine Wahlrecht würde dann in der That aufgehoben. Neuerdings hat nun bekanntlich der Führer der Kon- servativen, Herr v. Helldorss, im Reichstage erklärt, daß das doch nicht unbekannt sein, daß auch die Sekundanten be- straft werden?" „Barnekow, ich hätte Ihnen diese Feigheit nicht zuge- traut!" „Nennen Sie das nicht—* „Doch, ich nenne es Feigheit! Jedem Freunde würde ich ohne Bedenken und Zöger» diesen Dienst leisten und nicht longe fragen, welche Folgen derselbe habe» könnte." „Ja, Sie! Mit mir ist'S eine andere Sache!" „Da» will mir nicht einleuchten." „Hm, die Richter würden mir gegenüber unangenehm werden, die Behörde weiß sehr genau, wovon und wie ich lebe, und ich möchte darüber nicht gerne den Staatsanwalt reden hören. Dieser Herr ist mir ohnehin nicht grün, er soll schon mehrmals geäußert haben, daß er mit Sicherheit erwarte, mich über kurz oder lang vor den Gerichtsschranken zu finden." „Und was will er Ihnen dann anhabe«?" fragte Rabe spöttisch.„Er könnte Sie nur dann abkanzeln,»venn Sie des falschen Spiels überführt würden. Was hat denn über- baupt dieses Duell mit Ihrer Lebensweise zu schaffe«? Ueberdie« ist die Gefahr für Sie nicht so groß, sie ist über- Haupt nicht vorhanden. Paragraph 209 de« Strafgesetzbuchs besagt ausdrücklich: Kartellträger, welche ernstlich bemüht gewesen find, den Zweikampf zu verhindern, Sekundanten, sowie zum Zweikampf zugezogene Zeuge», Aerzte und Wund» ärzte sind straflos." „Steht das so wörtlich im Gesetzbuch?" „Ich stelle Ihnen anheim, selbst nachzuseheo. Und ich will Ihnen auch da« Zeugniß gebe», daß Sie mir ernstlich abgerathen, mich auf alle Folgen aufmerksam gemacht und den Auftrag nur widerstrebend übernommen haben. Straf« lofigkeit ist Ihne« also zugesichert." „Dennoch wäre es mir lieber, wenn Sie mich au« dem Spiele ließen," sagte Barnekow zögernd. „Gut, ich werde einen anderen Freund um diese« Dienst bitte«, dann aber dürfen Sie sich darauf gefaßt mache«, daß ich in unsere» Kreise« Ihre Feigheit Jedem berichten werde." „Ich wollte, Sie säßen auf dem Blocksberge!" erwiderte Herr von Barnekow, während er den Hut abnahm, um die allgemeine gleiche Wahlrecht für den deutschen Reichstag abzuschaffen sei. Zwar wird derselbe von den nahestehende« Parteien und auch von den Regierungsorganen deSavouirt, aber nur deshalb, weil er ein„Geheimniß" ausgeplaudert hat zu unrechter Zet. Sonst ist man natürlich in jene« Kreisen vollständig mit dem Inhalt der Helldorff'sche» Rede einverstanden.——— Zu den unbedingten Gegnern des allgemeine» gleichen Wahlrechts gehören gegenwärtig: 1) die Bundesregierungen, 2) die gouvernementalen, das heißt: die konservativen Parteien, 3) die Na- tionalliberale» auf Wunsch der Regierungen. Bedingte Anhänger de» allgemeinen gleiche» Wahlrechts sind 1) da« Zentrum, 2) die Deutschfreisinnigen. Beide Parteien befinden sich gegenwärtig in der Oppo- fition gegen die Regierung. Im Falle dieselbe im„Kultur- kämpf" nachgiebt, werden eine größere Anzahl der Mitglieder des Zentrums ins reaktionäre Lager abschwenken und gegen das allgemeine Wahlrecht Stellung nehmen.— Sollte aber Fürst Bismarck einmal wieder in das liberale wirthschaft- liche Horn blasen, so werden sich zahlreiche Mitglieder der deutschfreifinnige« Partei finden, die auf dem Altar St. Manchesters auf Wunsch da« allgemeine Wahlrecht opfern. Auch sind in dieser Partei verschiedene„unsichere Kantonisten", auf welche, wie die letzte Abstimmung über die Verlängerung des Sozialistengesetzes beweist, kei» Verlaß ist. Unbedingte Anhänger des allgemeinen Wahl- rechts sind die Polen, Elsaß-Lothringer und Dänen, und zwar deshalb, weil bei allgemeinen Wahle» da» Nationalitätsgefühl gestärkt wird. Grundsätzliche Anhänger de» allgemeine« Wahlrechts aber sind die Sozialdemokraten und auch die V o l k s p a r t e i— und zwar aus Gleichheits- Prinzip.--- Man sieht also, daß vorläufig daS allgemeine Wahl» recht zwar bedroht, aber nicht ernstlich gefährdet ist. Jedoch können politische Wandlungen eintreten, durch welche die gegeawärtige Majorität für Beibehaltung des jetzigen Reichs- Wahlgesetzes zur Minderheit wird. Deshalb muß daS Volk auf der Hut sei». Bei den nächsten Wahle» wird die Frage«ach der Stellung der Kandidaten zum allgemeinen Wahlrecht eine große Rolle spielen. Da» Volk muß sein erstes, sein beste« Volksrecht zu schützen wissen. Und wie die alten Römer jedem FeiudeSdrohen mit dem Donnerrufe entgegeneilten:„Das Vaterland ist in Gefahr", so wollen wir daS Volk und besonders die Ar- nasse Stirne zu trockne».„Sie können mit eiskaltem Blut Ihren besten Freund in'» Unglück stürzen." „Und mrt derselbe« Kaltblütigkeit könne» Sie ih» plündern. Wir wollen uns gegenseitig keine Liebenswürdigkeiten sagen, ich hoffe, Sie werden keine Bedenken weiter geltend machen und Ihre Ausgabe morgen lösen." „Und wen» der Assessor die Herausforderung nicht annimmt?" „Dann werde ich ihm öffentlich Worte sagen, die ih» zwingen, die Genugthuung von mir zu fordern. Im Noih- falle bewirkt das ei» Hieb mit der Reitgerte, das ist oft das einzige Mittel, das Blut eines Feiglings in Wallung zu bringen." Herr v. Barnekow schüttelte bedenklich da« Haupt. „Ich fürchte, Sie spielen da doch ein gewagte« Spiel," sagte er warnend;„Herr von Stuckmann ist Beamter und daneben ei« sehr geachteter Mann, solche Leute zu insultiren um sie zu einem Duell zu zwingen, ist gefährlich." „Im Gegentheil, gerade diese Leute find gezwungen, einer solche« Forderung nachzugeben, wenn sie sich in ihre» gesellschaftliche« Kreisen nicht unmöglich machen wolle» Sie haben weiter nichts zu thun. als de» Assessor zu er- suchen, er möge Ihne« seinen Sekundanten nennen." „Und wenn er dies wirklich thun sollte, welche Waffe wählen Sie?" „Ptstolen, Ort, Zeit und Distanz« find mir gleichgiltig. ich erwarte, daß Sie mein Interesse vertreten werden." „Fliehe» wollen Sie also nicht, wen« dos Duell für Ihren Gegnern einen unglücklichen Ausgang nimmt?" „Weshalb frage» Sie den« noch seinmals?" „Damit ich die nöthigen Vorbereitungen treffen kann" „Hm, find Sie im Besitz eines Passes?" „Natürlich, ich kann ja nie wissen, ob ich nicht i« der nächsten Stunde durch mißliche Verhältnisse gezwungen werde, eine Reise anzutreten." «Sie könnten mir diesen Paß wohl überlassen." sagte Rabe nachdenklich,„,ch würde nur im Nothfalle Gebrauch davon machen." � „Und wenn ich ebenfalls in diese« Fall käme?" ftagte Herr v. Barnekow zögernd. weiter cmsporue« zu festem Zusammenhalte« und muthigem Ziinge« mit dem Rufe: „Das allgemeine gleich e Wahlrecht ist in Gefahr!"_ xolitische Nrberstcht. Die Novelle zum Preßgesetz wird jetzt im JuAiz-Aus« schuß des Bundesraths berathen. Bekanntlich zielt diese No- velle darauf hin, daß die sechsmonalliche Verjährungsfrist für Preßvergehen für den sfall, daß der Thäter außer Landes oder unbekannt ist, suspendirt werden soll. Sollte der Bundesrath auch der Novelle seine Zustimmung geben, so gilt doch als sicher, daß fie vom Reichstag verworfen wird. Zum Zeugutßzwang. Die Abficht des Zentrums, einen Antrag auf Beseitigung des Zeugnißzwanges im Reichstage einzudringen, gewinnt dadurch ein besonderes Interesse, daß bei den Verhandlungen in der bayerischen Abgeordnetenkammer über die ZeugnißzwangS-Affaire des Redakteurs der„Neuest. Nachr.", Herrn Boshart, der Abg. von Schauß erklärte, die nationalliberale Partei habe bei der Berathung über die Justiz- gesetze im Reichstage die bezüglichen Bestimmungen annehmen müssen, um das Zustandekommen der Gesetze zu ermöglichen. Anträge auf Beseitigung des Zeugnißzwangs würden aber bei ihr freundliche Aufnahme finden. Der Antrag des Zentrums wird erkennen lassen, inwiefem Herr von Schauß berechtigt war, im Namen der nationalliberalen Partei des Reichstags derartige Zuficherungen zu geben. Das geplante Branntweinmonopol findet nicht in allen konservativen Blättern Zustimmung. Der konservative „Rcichsdote" wendet fich folgendermaßen gegen dasselbe:„Wir können uns für Monopole nicht erwärmen. Gerade daS Branntweinmonopol könnte der Regierung recht viel Unannehmlichkeiten bereiten." Zahle die Regierung den EchnapSbrennern zu nied« rtge Engrospreise, so seien diese ärgerlich; setze die Regierung die Preise für die Echankwirthe zu hoch an, so habe fie es mit deren Unzufriedenheit zu thun. Die Schankwirthe und daS konsumirendc Publikum würden ihr vorwerfen, fie begünstige die Fabrikanten zum Schaden deS Publikums. Wenn der Staat aber zu viel vom Schnaps profitiren wolle, so sei auch die Gefahr vorhanden, daß der Schnapskonsum seitens des Staates nicht so, wie es geschehen sollte, bekämpft werde.„Wir fürchten deshalb, daß die Regierung an einem Branntwein-Monopol wenig Freude, aber viel Unannehmlichkeiten erleben würde, die ihrer Autorität und ihrem Ansehen gerade in den großen ärmeren Volksmaffen schaden würden.— Diese Opposition wird freilich kaum lange vorhalten, bald wird auch der„Reichs- böte" zu der„Erkenntniß" kommen, daß die geplante Maßregel eine für die Bevölkerung höchst„wohlidälige sei. Die Auswanderung nach Brasilien wird wiederum dm preußischen Landtag beschästigen. Minister v. Boetticher hat es in der Reichstagsfitzung am vorigen Freitag abgelehnt, fich näher auf das vom Abg. Dr. Hammacher geäußerte Ver- langen nach Aufhebung des v. d. Heydt'schen Reskripts vom Jahre 1859 einzulassen, da dieses Thema vor den preußischen Landtag gehöre. Das Reskript unterwirst die Auswanderung aus Preußen nach Brasilien Beschränkungen, welche für die Auswanderung nach anderen Ländern nicht bestehen, und darf insofern als veraltet bezeichnet werden, als die Verhältnisse in Brafilien, namentlich in den südlichen Provinzen, welche fast ausschließlich in Betracht kommen, sich inzwischen wesentlich geändert haben. Die Angelegenheit wird, wie man dem «Hamb. Corresp." aus Berlin berichtet, alSbald in dem neuen Landtag zur Sprache gebracht werden. Von der Ausweisung eines Ausländers weiß die Elbe: selber„Freie Presse" folgendes zu melden:„Von zuoer- lässtger Seite erhalten wir die Mittheilung, daß ein in Elber- seid in der Gesundheitsstraße wohnmder„rusfischcr Unterthan" sein Ausweisungsdekret zugestellt erhaltm hat. Aus Anlaß der Polen Ausweisungen in den westpreußischen Provinzen hatte der Mann an die königliche Regierung seine Papiere mit dem Gesuch um Naturalisatron eingesandt und als Antwort— das Ausweisungsdekrct erhalten. Nur der Verwendung des Ober« bürgermeistcrs Jäger verdankt derselbe eS, daß ihm weaen der Niederkunft seiner Frau eine kurze Frist des VerweilenS ge- währt wurde." Wie es deutschen Arbeitern im Auslände ergeht, zeigt eine Zuschrift, welche der„Nordd. Allg. Ztg." aus Sofia (Bulgarien) unterm 3 Dezember zugegangen ist. Es heißt in derselben: Zu den in Lom�Palanka in der Ausführung be- ariffenen großen Regierungsbauten find von den bulganschen Unternehmern eine Anzahl deutscher Arbeiter und Handwerker engagirt, welche von dm ersteren nur un- regelmäßig und widerwillig dezahtt werden. Die bulgarischen Unternehmer gehen sogar so weit, unter Benutzung ihres Ein- fluffes auf Grund irgend eines Vorwandes Verhaftungen gegen die deutschen Arbeiter zu erwirken, wmn diese den ihnen zustehenden Lohn verlangen. In diesen Fall ist kürzlich ein deutscher Zimmermeister gekommm, der von dem Präfekten von Lom-Palanka, im Widerspruch mit den in Bulgarien nach der ausdrücklichen Bestimmung des Berliner Vertragcs bestehenden „Nichts hindert Sie, eine« neuen Paß ausfertigen zu lassen." „Es würde Verdacht erregen." „Bah, Sie hege« die Furcht eine» Kindes, welches auch vor jeder Polizeiuniform davonläuft. Schäme» Sie sich, Barnekow, die frühere despotische Macht besitzt die Polizer nicht mehr, und Sie behaupteten vorhin ja selbst, Sie hätten ei« reines Gewissm." Ich stehe auf einem schwankenden Bodm—" „So verlassm Sie ihn, die Existenz eines Spieler» würde mir auch nicht behagen." „Wollen Sie mich als Verwalter auf Lossow engagiren?" fragte Barnekow, stehm bleibend. „Das wäre die größte Thorheit, d,e rch begehm könnte," erwiderte Rabe spottmd.„Ich kann selbst da« Gut ver- walte«, ganz abgesehm davon, daß Sie von der Oekonomie nicht« verstehen und mein Schwiegervater ebenfalls—" „Meine Frage war auch nicht ernst gemeint; ich wollte Ihnen nur zeigm, daß ein Rath ohne That sehr wohl- feil ist." „Heirathen Sie!" „Fräulein von Stuckman«?" „Weshalb nicht, wmn der Assessor das Feld geräumt hat! Sie müssen'« dann freilich ander« anfaagm und vor allm Divgen die erlittme Schlappe auswetze«, aber darüber können wir ja später noch sprechen. Schlafe« Sie wohl." „Sie gehen nicht mit in dm Spielklub?" fragte Barnekow übenascht, während er zögemd seine Hand in die de» Freu«. de» legte. „Heute nicht," erwiderte Rabe. „Wmn Sie nicht bei Kasse sei» solltm, so—" „Ich danke, heute bin ich nicht in der Stimmung, und für mich ist das Spiel auch keine Existenzfrage. Auf Wiedersche» also! Zch erwarte Sie morgm Vormittag in meiner Wohnung, Sie werde« dm Assessor früh be- suchen müssen, er geht kurz vor neu« Uhr zum Bureau." „Dann werde ich um«mn Uhr schon bei Jhnm sein," sagte Herr von Barnekow,„es unterliegt für mich keinem Zweifel, daß er mir ohne Weiteres die Thürs zeigm wird." Kapitulationen, ohne jeden Grund in das Gefängniß gesetzt ist.— Und die deutsche Regierung? Darf fie solche Ver- gewaltigungm dulden? Die„Noidd. Allg. Ztg." erzählt nichts von Schritten, welche gethan wurden, um die deutschen Ar« beiter zu schützen. Es gewinnt den Anschein, als od Bruder Bulgare fich nach dem Bruder Russen richtet; letzterem erlaubt man ja so manche Liebenswürdigkeiten gegen Deutsche und daher mag es kommen, daß ersterer fich zu dergleichen auch für berechtigt hält. Das NeichSversicherungSamt besteht aus mindestmS drei ständigen Mitgliedern, einschließlich des Prästdenten, und auS acht nichtständigen Mitgliedern. Von den letzteren werden vier von dem Bundesrath auS seiner Mitte und je zwei mit- telst schriftlicher Abstimmung von den Genossenschaftsvorständen und von den Vertretern der verficherten Arbeiter aus ihrer Mitte in getrennter Wahlhandlung gewählt. Die Wahl er- folgt nach relativer Stimmenmehrheit und bei Stimmengleich- heit entscheidet das Loos. Offiziös wird nun geschrieben: Da die Vorstände der so zahlreichen Berussgenossenschasten unter fich noch keine Fühlung haben, so würde es bei dem schriftlichen Adstimmungsmodus sehr schwer werden, geeignete Kandidaten ausfindig zu machen, wenn nicht vorher eine Verständigung gesucht würde. Aus diesem Grunde hat«s die sächstsche Textil- berufsgenoffenschaft unternommen,«ine solche Verständigung herbeizuführen. Der Vorstand der deutschen Buchdrucker- genossenschaft ist aber mit dem von jener Genoffenschaft vorge- schlagenen WahlmoduS nicht einverstanden und hat deshalb in dm letzten Tagen ein Rundschreiben an sämmtliche Berufs- genossenschaften erlassen, dessen Inhalt wir im Wesentlichen wiedergeben: Der Vorstand der sächsischen Texlilberufs- genossenschaft hatte den Vorschlag gemacht, daß die einzelnen Berufs- Genossenschaften fich zu Industrie- gruppen vereinigm und jede derselben in derjenigen Reihenfolge, welche fich auS der in der Zahl der versicherten Personen aui gedrückten Bedeutung der einzelnen Jndustriegruppm ergiebt, einen Kandidaten zur Wahl auf- stelle. Die deutsche Buchdruckcrgenossenschaft ist jedoch der Anficht, daß durch diesen Vorschlag eine ganze Anzahl von Berufsgenossenschaften in der fteim Ausübung ihres Wahl- rechts beeinträchtigt würden, indem dieselben schon von vorn« herein an diejenigen Kandidaten gebunden wären, welche die ersten sechs, die größere Anzahl von verficherten Personm um- fassenden Berussgenossenschasten aufstellen würden. Ferner wird in dem Rundschreiben die Anficht vertreten, daß das Prinzip der Gruppenvertretung hier nicht Anwendung finden könne, weil die Mitglieder des Retchsverficherungsamts berufen find, nicht die Interessen einzelner Jndustriegruppm, sondem die allgemeinen berufsgenossenschaftlichen Interessen zu ver- treten. Die Buchdmckergenoffenschaft hält deshalb eine münd- liche Verhandlung in einer zu diesem Zwecke aus Vertretem der einzelnen Berufsgenossenschaften einzuberufenden Konferenz für nothwendig- in welcher auch zugleich in Bezug auf die Schwierigkeiten, welche fich aus der Uebernahme der Rechte und Pflichten aus Privatverficherungs-Verträgen ergeben,«ine Entschließung gefaßt werden könnte. Die Vorstände de- übri- gen Berufsgenossenschaften werden daher aufgefordert, b!S zum 30. d. M. fich zu erklären, ob fie bereit find, fich an einer der« artigen mündlichen Verhandlung zu betheiligen. Feuerbestattung. In der 17. Sitzung des Reichstages vom 14. Dezember erklärte der Abg. LingenS fich gegen einen etwaigen Zwang zur Feuerbestattung. Der Abg. Dr. Greve erwiderte dagegen, daß es fich nur um Einführung der fakul- tativen Feuerbestattung handeln werde, und überreichte eine auf diese hinzielende Petition des Berliner Vereins für Feuer- bestattung. ES wird uns mitgetheilt, daß dieselbe bis jetzt aus 138 Städten des Reiches und aus 166 Städten Preußens 23 365 Unterschriften aufweist. Daran haben fich die Aerzte mit 1942, die Juristen und Professoren mit 1046, die Lehrer mit 849, königl. Beamte mit 1045, evangelische Geistliche mit 10, Rabbiner mit 3, die Frauen mit 361, die Ardeiter mit 6000 Unterschriften betheiligt. Der Rcst entfällt auf Kaufleute, Rentiers, Fabrikanten, Gewerbetreibende u. A. Das Referat im Reichstage wird der Abg. Dr. Greve übernehmen. Für die Freunde der Feuerbestattung find Petitionslisten zur wei- teren Unterstützung dieser Forderung vom Verein für Feuer- bestattung, Berlin, Neue Königstr. 11, jederzeit zu haben- Aus München wird der„Nat.-Ztg." unterm 13. Dezember geschrieben: Der ultramontane Landtags-Abgeordnete Freiherr v. Soden wurdegestern wegen Uebertretung des Malzaufschlags- gesetzes zu 180 M. Geldstrafe und sein Braumeister wegen Äer« gehens wider das NahrungSmittelgesetz zu 300 M. verutt bellt. Die Verurtheilung des Herrn v. Soden erregt deshalb Auf- merksamkeit, weil derselbe immer in der zweiten Kammer gegen die Steuerhinterziehungen beim Malzaufschlag gesprochen hatte. Hamburg, 15. Dezember. Der Senat beantragt, daß die durch Beschluß von Senat und Bürgerschaft vom 21./26. Febr. 1883 zunächst auf 3 Jah:e eingesetzte, aus 5 Mitgliedern des Senats und 10 Mitgliedern der Bürgerschaft bestehende Kam- misston für die Ausführung des Anschlusses Hamburgs an das deutsche Zollgebiet unverändert auf weitere 3 Jahre verlängert werde. DaS Mandat dieser Kommisfion läuft mit Ende März „Thut er das, so muß er Ihnen die Gründe seiner Weigerung nennen," fuhr Rabe leidenschaftlich auf,„fordern Sie das unter alle« Umständen! Und nun nochmals gute Nacht." Er ging mit rasche» Schritten von dannen, und tief aufathmend bog Herr von Barnekow in eine Seiten- straße ein. Sonnenschein. Der Oberst v. Smckman« fühlte sich in seinem Schlosse außerordentlich behaglich. Die Uebernahme der Verwaltung, die Durchsicht der Bücher und Papiere und die Besichtigung des Gutes hatten in den ersten Tagen ihn vollauf beschäf» ttgt, und die nöthige Erhaltung und Zerstreuung fand er im reichsten Maße bei den Damen, die alles aufboten, ihm den Aufenthalt in ihre« traulichen Räumen angenehm zu machen, und deren LlebenSwürdigkeit ihn mehr und mehr fesselte. Der Generali« gegenüber waren seine Vorurtheile voll- ständig besiegt, an ihre bürgerliche Herkunft dachte er nicht mehr, ihre aristokratischen Anschauungen und Gesinnungen, verbunden mit ihrer Schönheit unv ihrem impouirenden Auf- treten, hatte« die trennende Schranke niedergerissen und ihr die Hochachtung und Bewunderung des alten Herrn im Fluge gewonnen. Arabella war schon am ersten Tage der Liebling deS Obersten; ritt er au«, so mußte sie ihn begleiten, war sie im Garten, so duldete es ihn nicht mehr im Zimmer. Die Rosenzucht war ihr Steckenpferd, und er hätte nie ge- glaubt, daß er fich so sehr für die Rosenkultur ioteressiren könne. So hatten die gegensettigen Beziehungen sich so ange- nehm wie nur möglich gestaltet, und der Oberst war für seine Person fest entschlossen, Alle« zu vermeiden, was diesen Frieden stören konnte. Er selbst hatte gemeinschaftliche Tafel beanttagt. der Antrag war ohne Zögern in der liebenswürdigsten Weise angenommen worden, er hatte fich erboten, die Werthpapiere der Generalin zu verwalten»nd dafür anerkennenden Dank geerntet. 1386 ab, und der Senat findet keinen Anlaß, in dem biS« herigen bewährten Verfahren Aenderungen in Vorschlag i« Schweiz. Der schweizerische Nationalrath hat den vom BundeSrath verlangten Kredit von 500 000 Franks(als erste JahreSquote einer im Ganzen mit 2 600 000 Franks berechneten Summe) für L a n d e S b e f e st i g u n g mit 79 Stimmen gegen 56 angenommen. Der Bundesrath vertheidiate die Nolywendigkeit, den Gotthard vor irgend andern wichtigen Alpenstraßen gegen Ueberrumpelung zu schützen. Unter allen Umständen müßte, so erklätte der BundeSrath Hartenstein nach der„N. Züncher Ztg.", einmal das Urserenthal gestchert werden, od nun der Feind von Osten, von Süden oder von Westen komme. Dort ist ein Zentralpunkt, von wo aus nach allm Richtungen Ab- zweigungen ausgehen. In dieser Hochlage müssen zweckmäßige Vorkehrungen für Unterkunft von Truppen, für Aufbewahrung von Proviant und Munttion getroffen werden.' Auf der Furla, auf dem Gotthard und der Oberalp müssen BlockhauSbautm errichtet werden, die mit schwacher Macht unter allen Umstän« dm gehalten werdm können. Eine andere wichtige Stelle ist Andermatt. Nach dem Vorschlage des BundesratheS muß aber auch Airolo gestchert werden, bis man eine geeignete Truppen- macht ins Tejfin werfen kann. Es ist dies ein Punft, der nur etwa vier Stunden von der Grenze entfernt ist. In Airolo müssen bedeutende Vertheidigungskräste etablirt werden können- Andere Punkte südlich von Airolo sollm ebenfalls defestigt werden. Frankreich. Am Sonntag fanden in Paris die oft besprochenen(ed)« Nachwahlen für die Deputirtenkammer statt. Es waren von den verschiedenen Parteim 7 Kandidatenlisten aufgestellt, von welchen die Liste Clemenceau, auf der fich die Namm Labor- dsre, Achard, Brialon, Douville- Maillefeu, Maillard und Millerand definden, die überwiegend größere Stimmenzahl auf fich vereinigte. Nach diesen erhiett der bekannte Maulheld DSroulsde die meisten Stimmen. Da aber die absolute Ma- jorität fehlt, so kommt es wiederum, wie bei der ersten Wahl, zu einer engeren Wahl zwischen dm Kandidaten, welche die meisten Stimmen erhalten haben. Die entscheidende Wahl findet am 27. Dezember statt. Das Stimmenverhältniß ge- staltete fich folgendermaßen: Die Kandidatm der radikalen Republikaner(Liste Clemenceau) erhielten 134000 bis 112000 Stimmen, der„Patriot" und Opportunist DerouRde 102000, Ranc(Opportunist) 92 000, dann folgen die Konservativen mit 83 000 und weniger Stimmen. Vorausfichtlich wird die engere Wahl zu Gunsten der radikalen Liste ausfallen. Spanten. Wie aus Madrid gemeldet w rd, sollm die Kortcs (spanische Volksvertretung) am 26. Dezember wieder eröffnet werden. Am 28. findet die Prästdenwähl statt, am 29. rvüb forsten(!), vor. Diese Veräußerung der staatlichen Forsten war bekanntlich schon ein früherer Plan des Herm Camacho, der indeß damals nicht zur Realifirung gelangte. Hoffentü« wird die Volksvertretung fich auch dieses Mal dem ft» das Land gewiß alles Ändere als vortheilhaften Bor- haben des Ministers widersetzen. Wie angenommen wird, dürste die Dauer der Sesfion nicht sechs bis acht Sitzungen überschreiten. Rußland. In den russisch« polnischen Fabrikstädten Lodz und TomaSzow find dem„Dzienn. Pozn." zufolge die deutschen Vereine von der russtschen Polizei aufgelöst worden. Anlaß dazu sollen„patriotische" Kundgebungen der Deutschen gewesen sein. Eine große Anzahl der Mitglieder wurde verhaftet. Thut aber nichts, der„Erbfreund" darf fich solche Kleinigkeiten schon erlauben._ Parlamentarisches. — Die bayeris che Zentrumspartei nimmt nach allem, was man hört, eine ablehnende Stellung gegen das Branntweinmonopolprojekt im allgemeinen und gegen die Aufgabe des bayerischen Reservatrechts inSde- sondere ein. — Zu Gunsten der Leichenverbrennung ist dem Reichstag eine Petition mit 23 365 Unierschristen zugegangen. — In der gestrigm Sitzung der A r b e i t e r s ch u tz' Kommission gab Geh. Rath Lohmann die Erklärung ad, die Regierung könne dem Antrage aus Enichtung eine» Reichs- Arbeitsamts nicht zustimmen, da darin ein Eingriff in die Kompetenz der Einzelstaaten enthalten sei. Der Weiter- entwicklung der Fabritinspektionen u. s. w. stehe nichts ent« gegen. Von sozialdemokratischer Seite wurde dem gegenüber hervorgehoben, daß das ReichSamt unentbehrlich sei, um eine einheitliche Durchführung der Maßregeln herbeizuführen. Ma« plauderte in dem kleinen Kreise über Alles,«ur der Name Rabe's wurde nie genannt. So sehr auch der Oberst diesen Man» haßte, oder richtig� gesagt: verachtete, die Anerkennung mußte er ihm zolle«, daß er die Geschäfte der Verwaltung mtt Umsicht und Eartsr geführt hatte. Das schöne Gut befand sich. für Alle» und ZedeS war ausreiä deutlich gaben die gewissenhaft geführre»«erwalruagso»� dem neuen Besitzer Auskunft über Alle», wa» er zu wisse» wünschte, man konnte in dieser Beziehung dem Bruder d'' Generali« nicht de« leisesten Vorwurf mache». Nur ein Punkt blieb dunkel. Wo waren die Ueber- schüsse au» den Einkünften de» Gute» gebliebe«? uhp vrn viimunyien oes csuies geoueocn: Die Einnahme» waren fast in jedem Jahre bedeuten .er wie die Ausgaben gewesen, und trotzdem hatte vo Baarvermögen der Generalin keineswegs zu-, sondern abg nommen. me». . r. a*te Haudegen hatte diese auffallende Thatsa� festgestellt, ihre Richtigkeit konnte unmöglich bezweis ««den. Er hatte ein Verzeichniß der von seinem Bruder h« cst hatte etn Verzeichniß der von fernem»ruoer y- lassfnen Papiere gefunden und auf Grund desselben Inhalt des eisernen Schranke» einer genauen Prufn� unterzogen. Nach seiner Berechnung mußte, wenn der, «alter ein ehrlicher Mann gewesen war, da» P vermehrt haben, statt dessen hatte e» sich um 25 000 vermindert Die Lösung de» Räthsel» lag nahe, Rabe Geld und die Ueberschüsse entweder rm Hazardsp el schleudert oder bei Seite geschafft; eme andere Losung ö te nicht._ ,. trüber Der Oberst trug Bedenke«, mit der®mralw da ihr die unangenehme Mittheilung machen. Er hatte damit lange gezögert, er war zu Rathe gegangen, ob er nicht besser thue,»uvor zu unterrichte«, ihr zu überlassen, der Geaeralin — Die freisinnige Partei hat nachstehenden Antrag zum Etat der Verbrauchssteuern eingebracht:„Der Reichstag wolle beschließen, zu erllären: Die Einführung des Branntwein« Monopols ist in politischer, wirthschastlicher und finanzieller Beziehung verwerflich." — Die Deutschfreifinnigen wollen fich nun auch einmal zeigen, ste haben beschloffen, folgenden Antrag in Bezug auf die Ausweisungen im Reichstage einzubringen: Der Reichstag wolle beschließen: zu erklären, daß die von der preußischen Negierung verfügten Ausweisungen rusfischer und österreichi» scher Staatsangehöriger nach ihrem Umfange und ihrer Art durch daS nationale Interesse nicht gerechtfertigt find, humane Rückfichten außer Acht lassen und materielle Interessen von Reichsangehörigen beeinträchtigen. Lokales. g. Der Weihnachtsmarkt-Verkehr läßt bis jetzt noch viel zu wünschen übrig. Wie in jedem Jahre kurz nach Auf« bau der Buden, so betrifft auch jetzt die häufig starke Frequenz deS Weihnachtsmarktes die Befriedigung der Neugierde der Einwobnerschaft und von übermäßigen Käufen ist noch keine Rede. Nicht unbedeutenden Schaden verursacht die schon tage- lang henschende feuchte, nebelige Witterung den Händlern mit Pfefferkuchen ic., deren Verkaufsartikel durch die Feuchtigkeit an ihrer Festigkeit verlieren. Auch bei den Händlern mit Weihnachtsbäumen hat fich das Geschäft bis jetzt noch nicht recht entwickeln wollen. Gekauft werden vorläufig nur die so- genannten Riesen-Tannenbäume, welche für die bereits in den nächsten Tagen beginnenden allgemeinen WeihnachtSbe» scheerungen armer Kinder bestimmt find. Die Preise be- treffend, so stellen fich die Weihnachtsbäume nicht wesentlich theurer alS im Vorjahre. Verhältnißmäßig theuer find die kleineren Bäume, well gerade die Händler von ihnen den größten Absatz und den größten Verdienst er- warten. Da die Preise der Weihnachtsbäume be- kanntlich steigen, je näher das Fest heranrückt, so ist es rath« sam. schon jetzt den Einkauf zu bewirken. Um den Baum zu tonserviren, steckt man ihn in einen mit Sand gefülltemgroßen Topf, womit man ihn wochen« und monatelang erhält. Die Anfuhr von Weihnachtsbäumen in diesem Jahr ist immer noch eine so bedeutende, daß von einem Mangel»um Feste nicht die Rede sein kann. Hierbei mag noch konstatirt sein, daß fich in Wcihnachtsbchang-Artileln eine wahre Industrie herausgebildet hat. Von den unzähligen Eächelchen verdienen die verschiedenartigen Gold- und Ellberaespinnste besonders erwähnt zu wer« den, welche fich beim strahlenden Kerzenglanz am geschmückten Weihnachtsbaum prachtvoll ausnehmen müssen. Man entsinnt sich wohl noch deS sogenannten„Aether« fritze", eines hochbegabten Mannes, deS unheilbar und unrett« bar der Leidenschaft des Aethers verfallen war. Mehrmals war er wie die„VolkS-Ztg." schreibt, nach Amerika hinüberge« gangen, weit in die Prairren Mexikos hinein, doch auch dort wußte er fich Mittel und Wege zu verschaffen, um wieder in den Befitz von Echwefeläther, dem Teufel, dem er zu entfliehen suchte, zu gelangen. Nachdem er vor mehreren Jahren wieder die Fahrt übers Weltmeer unternommen hatte, ist er seitdem verschollen. Jetzt macht in Brüffel eine Persönlichkeit von fich reden, die derselben Leidenschaft verfallen ist. Der ftanzöfische Graf Paul de Richemond hatte fich dem AetherkulwS so er- geben, daß man ihn nach Charenton überführen wollte, aber er entwischte seinen Wächtern und floh nach Brüssel. Hier er« gab er fich mit neuem Eifer seiner Leidenschaft— er steht unter gerichtlicher Vormundschaft und erhält monatlich 1500 tanks— und verübte so tolle Streiche, daß man ihn endlich tnahm und in daS städtische Hospital überführte, wo man i dieser Tage als„vollkommen geheilt" entließ. Kaum hatte kr die Thore hinter fich, als er sich einen Wagen nahm, zur knglischen Apotheke fuhr, fich drei Flaschen Schwefeläther kaufte Und mit Gier ihn einsog. Dann nahm er sich einen zweiten, dann einen dritten und vierten Wagen— in allen stöhnte er der Aetherlust— schließlich war er so finnloS geworden, daß der letzte Kutscher aus ihm kein Wort mehr herausbekam und ihn zur Polizei fuhr, Hier erkannte man ihn sofort als den Grafen Richemond, der erst vor wenigen Stunden da« Hospi« tal verlassen. Man beschloß, ihn an die franzöfische Grenze zu RrlmttW�mtedfMchMNg wegen mehrfacher Wechselfalschungen und damit zusammenhängender DlMkMvtzS? sstnehme Entdeckung mitzutheilen, aber er verwarf diesen Vorsatz wieder, der alte Herr liebte die Umwege nicht. So faßte er denn sich endlich ein Herz, einmal mußte me Mittheilung gemacht werden. „ 3n seinem ArbeitSkabinet, demselben, welche» früher Nabe benutzt hatte, saß die Generalin ihm gegenüber, de« �lick erwartungsvoll auf ihn geheftet. wb,„und ich danke Ihnen nochmals für da» Verstauen, welchem Sie mich durch die Uebertragung dieser V-r« 'ksamm, summe der Werthpapiere festzustellen." ZMM.WW khmen" kbe« Äj»& 'xrÄVÄ-i«». ,aöl0« Frau?" Ä „Er war darüber wohl entrüstet?" »Angenehm berührte sie ihn allerdings nicht, sie gc« ihm fortan nicht mehr, diese» Hau» zu betreten, und schränkte et sich darauf, mir die �Schlüssel zu dem nen Schrank zu schicken." sich von ihnen behufs Regullnmg der Kreditstage schon im Voraus die Akzepte einhändigen und gab ste dann an andere Personen, die mit ihr unter einer Decke steckten, weiter, vergaß jedoch, den Akzeptanten stotz deren Mahnungen die zu- gesagten Summen auszuzahlen. Um so pünktlicher aber wur- den denselben nachher von ihren Hintermännem die fälligen Wechsel behufS Einlösung präsenttrt. In derselben Weise hatte Frau V. schon früher mit einem Herrn von Stande ma« nipulirt, welche indessen, um nicht in einen Kriminalprozeß verwickett zu werden, von einer wetteren Verfolgung Abstand genommen hatte. Es steht nunmehr ein recht skandalöser Prozeß in Aussticht, welcher nicht blos den beiden Schleppern, sondern auch noch verschiedenen anderen angeblichen„Rm> tiers",„Bankiers",„Gutsdefitzem" ic. verhängnißvoll werden dürfte. Fast unglaublich klingt es, daß Frau V. dermaßen auf die Diskretion ihrer meistens dem Offizterftande angehöri- gen Opfer spekuliren zu können glaubte, daß sie fich nicht ent- dlödete, die von ihr erschwindelten Akzepte durch dritte Per- sonen einklagen zu lassen. Es haben in dieser Sache bereits vielfache Vernehmungen stattgefunden. Bemerkenswerth ist auch, daß ein adliger Offizier a. D. fich dazu hergeben konnte, dieser Schlepperei stühere Kameraden zuzuführen. Eterblichkeits««nd Gesundheitsverhältnisse. Gemäß den Veröffentlichungen des kaiserlichen Gesundheitsamtes find in der Woche vom 29. November bis 5. Dezember er. von je 1000 Bewohnem, auf den Jahresdurchschnitt be« rechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 21,7, in Breslau 20,6, in Königsberg 54,8, in Köln 24,1, in Frankfurt a. M. 17,2, in Hannover 17,3, in Kassel 19,5, in Magdeburg 19,6, in Stettin 21,4 in Altona 38,0, in Straßbura 24,4, in Metz 16,7, in München. Ä, 9. in Nürnberg 28,6, in Augsburg 33,4. in Dresden 22,2, in Leipzig 16,0, in Stuttgart 20,2, in Karlsruhe 20,2, in Braunschweig 25,1, in Hamburg 27,7, in Wien 23,9, in Budapest 31,1, in Prag 33,4, in Trieft 31,2, in Krakau 33,1, in Basel 24.2, in Brüssel 23.1, in Amsterdam 24,8, in Paris 22,1, in London 19,7, in Glas« gow 26,3, in Liverpool 23,5, in Dublin 24,7, in Edinburg 22,2, in Kopenhagen 18,0, in Stockholm 19,2, in Christiania 25,2, in Pctersberg 24,0, in Warschau 31,3, in Odessa 29,7, in Rom 23,2, in Turin 22,1, in Bukarest—, in Madrid—, in Alexandrien—. Ferner in der Zett vom 8. bis 14. No« vember: in New-Uork 19,4, in Philadelphia—, in Baltimore 15,6, in St. Franzisko 16,2, in Kalkutta 23,8, in Bombay 23,9, in Madras 33,6.— Die Sterblichkettsverhältniffe der meisten größeren Städte Europas blieben auch in dieser Berichtswoche günstige, wenngleich vielfach etwa» höhere Sterblichkeits- ziffern als in der Vorwoche gemeldet wurden. Von deutschen Städten hatten nur Königsberg, Dan, ig, Altona, Nürnberg wegen der daselbst heftig auftretenden Masern bezw. Scharlach und Diphtherie- Epidemien eine namhaft gesteigerte Sterblichkeit. Noch immer wurden akute Entzündungen der Athmungsorgane vielfach Erkrankungsursachen, obwohl die während der Woche vorherrschenden westlichen Windrichtungen eine Abnahme derselben erkennen lassen.— Die Betheiligung der höheren Altersklassen an der Sterblichkeit war, wie der Anthcil des Säuglingsalters an derselben, nur wenig verändert. Von 10000 Lebenden starbeniin Berlin, aufs Jahr berechnet, 68 Säuglinge, in München 87.— Unter den Todesursachen zeigen die Infektionskrankheiten meist eine kleine Abnahme der Sterbefälle, nur typhöse Fieber und Erkrankungen im Wochen» bett verliefen häufiger tödtlich.— Die Masernepidemien in Berlin. Bremen, Dan, ig, Duisburg, Königsberg, Krakau, Warschau zeigen eine Abnahme der Todesfälle, während die Zahl derselben in Braunschweig, Dresden, Amsterdam, Pest, London, Liverpool. Paris und Et. Petersburg eine etwas größere wurde. DaS Scharlachfieber hat in deutschen Städten, nament« lich in Berlin und Hamburg, weniger Opfer gefordert; dagegen stieg in Wien, Prag, London, St. Petersburg, Warschau, Ehristiania die Zahl derselben.— Die Gesammtsterblichkeit an Diphtherie und Kroup war in deutschen Städten nahezu die gleiche, in außerdeutschen dagegen mehrfach eine etwas gesleig-rie. In Altona, Breslau, Hamburg, Kassel, Königsberg, lieipzia, Magdeburg, Nürnberg, vtraßburg, Amsterdam, Brüssel, Chrrstiania, Wien, Prag, Warschau war die Zahl der Todes« fälle an Diphtherie eine gegen die Vorwoche etwas gesteigerte, in Danzig, Barmen, Berlin, DreSden, Halle, München, Köln, Budapest, London, Paris eine verminderte.— Typhöse Fieder riefen im Allgemeinen mehr Sterbefälle hervor, doch war die Zahl derselben nur in wenig Städten, wie Hamburg, Straßburg, London, Trieft, Paris und Warschau eine nennens- we rth größere.— An Flecktyphus kamen aus Lüdeck, Warschau und dem Regierungsbezirk Aachen je 1 Todesfall, auS den Regierungsbezuken Aachen und Marienwerder je 6, aus Et. Petersburg 5 Erkrankungen zur Anzeige.— Epidemische Genickstarre rief in Nürnberg 1, in Berlin 2 Erkrankungen hervor. — Der Keuchhusten forderte in London mehr Opfer, während in Berlin, Hamburg, Kopenhagen, Liverpool das Vorkommen desselben ein seltenere» wurde.— Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kinder zeigten sich allgemein in beschränkter Zahl. — Pocken riefen weniger Todesfälle hervor, doch war die Zahl der neu gemeldeten Erkrankungen besonders in außerdeutschen „Und nachdem Sie diese Schlüssel erhalte» hatten, haben Sie nicht nachgesehen—" „Nein, Herr Oberst, Mißtrauen war mir stet» ver« haßt!" „Heutzutage ist es leider geboten," sagte der alte Herr achselzuckend,„aber e« geht in der Regel so, durch bittere Erfahrungen muß man klug werde». Sie haben wohl nie Auskunft darüber gefordert, was mit den Ueberschüssen ge- schehen ist, die auS de» reichen Einkünften des Gute» noth- wenvig sich ergeben mußten?" Verwirrt schlug die Generalin die Augen nieder, alles Blut war au» ihren Wangen gewichen. „Diese Ueberschüsse sind natürlich Ihr Eigenthum," erwiderte sie,„ich bin bereit, sie Ihne» zu ersetzen." „Ich bitte Sie um Alles in der Welt, gnädige Frau, mißverstehen Sie mich nicht!" rief der Oberst bestürzt. „Hätte ich ahne» können, daß Sie meiner Frage diese Auf. fassung geben würden, so wäre sie gewiß nicht über meine Lippen gekommen. Jene Ueberschüsse, selbst wenn sie»och vorhanden wären, sind keineswegs mein Eigenthum, da» Testament meine» Bruders ttat erst an dem Tage in Kraft, an welchem es aufgefunden und eröffnet wurde. Diesen Standpunkt müssen wir festhalten, ich bitte dringend darum. Jene Frage stellte ich in Ihrem eigenen Interesse, die Bücher beweisen, daß Ueberschüsse gemacht worden sind, aber sie geben keine Auskunft, wa» damtt geschehe» ist." Die Generalin blickte lange schweigend vor fich hin, e» fiel ihr, trotz allem Vorgefallene», unsäglich schwer, de« eigenen Bruder anzuklagen. Sie werfen mir vor, ich habe mich nicht ernst genug um die Verwaltung meine» Vermögen» bekümmert," brach sie endlich da» Schweige», während der Oberst die ver« schiedenea Packete aus dem Schranke holte und auf den Tisch legte;„dieser Vorwurf ist gerecht, ich kann ihn nicht zurückweise«. Er ist um so gerechter, weil ich wußte, daß mein Bruder mehr verausgabte, als er durfte, aber ich bttte Sie daneben auch auf die Verhältnisse Rücksicht zu nehmen. Ich konnte ihm keinen Verwalter zur Seite stellen, in alle« geschäftlichen Angelegenheiten war ich auf seinen Rath und Städten eine größere. Aus London, Et. Petersburg und au» dem Regierungsbezirk Hildesheim kamen einzelne, aus Zürich, Liverpool, Trieft und Paris mehrfache, auS Pest, Venedia, Prag, Wim eine erheblichere Zahl von Todesfällen zur Mit» theilung; auch warm in Pest und Wien neue Erkrankungm sehr zahlreich.— Die Cholera zeigte fich in einzelnm Ortm in Spanien von Neuem; so find aus dem Fischerdorfe Isla Christina(Provinz Huelva) in der Zeit vom 6.-26. November 42 Todesfälle an Cholera gemeldet worden. Polizei-Bericht. Am 15. d.M., früh, wurde ein Mann in dem Flur eines Hauses in der Brüderstraße am Treppm« geländer und an demselben Tage, Nachmittags, ein etwa 50 Jahre alter Mann im Humboldthain erhängt vorgefundm. Die Leichen wurden nach dem Obduktionshause geschafft.— Einige Stunden später fiel der Weichmsteller Genske aus dem Potsdamer Bahnhofe beim Ueberschreiten der Geleise zur Erde und erlitt dabei einen doppelten Knöchelbruch. Er wurde nach dem Elisabeth- Krankmhause gebracht.— An demselben Abend wurde ein Mann auf einem Heuboden in der Mühlenstraße erhängt vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem ObduktionS- hause geschafft.— Um dieselbe Zeit brach in einem theils al» Wohnhaus, theils als Lagerhaus bmutztm Gebäude auf dem Grundstück Holzmarltstraße 33/34 und zwar in dem Weiden« lager bes Korbwaarenhändlers Berger auf bisher unermtttelte Weise Feuer aus, welches sehr schnell um fich griff und solche Ausdehnung gewann, daß die Feuerwehr fast die ganze Nacht in Thätigkeit blieb und drei Dampf- und drei Handdruckspritzen zur Anwendung bringen mußte. Bei den Löscharbeiten wurden 5 Feuerwehrmanner derart vom Rauch betäubt, daß drei nach Bethanien und zwei nach ihren Wohnungen gebracht werden mußten. Von den HauSdewohnem mußten mehrere Frauen und Kinder von den Feuerwehr-Mannfchaften aus dem ersten Stock deS brennenden Hauses gettagen und ein krank im Bette liegmder Mann mittelst des Rettungssackes aus dem Fenster herabgelassen werden. Verletzungen hatten dieselben anscheinend nicht erlitten.— In der Stacht zum 16. d. Mts. wurde ein obdachloser Mann wegen Trunkenheit zur Wache des 38. Polizei» RevierS gebracht und verstarb dort kurze Zeit darauf am Schlag» fluß. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft.— Am 16. d. Mts., früh, wurde auf einer Bank in der Nähe de» Goethe-DenkmalS im Thiergarten die Leiche eines Manne», mit zwei Schußwunden an der Stirn, aufgefunden. Neben der Leiche lag ein Revolver, so daß unzweifelhaft Selbstmord anzunehmen ist. Gerichts-Jeiwng. Da» Krankenversicherung«« Gesetz der Arbeiter vom 15. Juni 1883 hat in letzter Instanz vor dem Berliner Kammer- gericht dieser Tage eine Auslegung erfahren, die für die An- Wendung desselben von präjudiziellem Interesse ist. Es handelt fich um die Frage, ob Arbeitgeber, welche ihr Hilfspersonal durch ihnen unterstellte dritte Personen in ihrem Betriebe annehmen und beschäftigen lassen, verpflichtet find, diese nur mittelbar von ihnen benutzten Arbeiter zur Versicherung anzumelden. Dem Urtheil liegt folgender Thatbestand zu Grunde. Die Inhaber der weltbekannten Bilderbogensabrik von Oehmigke und Riem» schneider zu Neu Ruppin, Gebr. Motz, beschäftigen unter ihrem Fabrikpcrsonal einen Koloristen, dem die Arbeit obliegt, die sen» sationellen Erscheinungen der Dreipfennigbogen mit den schillern» den Farben zu verschönen, die das Entzücken unserer 5. und 6» jährigen Helden der Schiefertafel und des ABC-Buchs bilden. Der Kolorist kann aber trotz seiner maschinenmäßigen Fertigkeit im Gebrauch derblauen und rothen Pinsel den Anforderungen nicht ge» nügen; er engagirt also eine größere Anzahl Kinder, die ihm bei der Bekleidung der Schneewittchen, und Struwelpeter. Figuren hilfreiche Hand leisten. Die Kinder werden vom Kolo« risten beaufsichtigt und erhalten auch durch ihn ihren Lohn au» der Fabriklasse. Die Fabrikinhaber hatten die Kinder zur Ver« stcherung nicht angemeldet, weil dieselben zu ihnen in keinem Anmeldung wurden die Fabrikhcrren unter Anklage gestellt, vom Schöffengericht aber freigesprochen. Die Strafkammer zu Neu-Ruppin hob dieses Erkenntniß auf und vemrtheilte die Angeklagten zu einer Geldstrafe aus folgenden rechtlichen Ge» fichtSpunkten:„Die Angeklagten haben zu den betr. Knaben, wenn auch in keinem direkten, so doch in einem indirekten VerhAtniß al« Arbeitsgeber gestanden, indem dre Arbeit, welche die ingendlichen Personen zu leisten hatten, von ihnen gegeben wurde, und es erscheint zuläsfig. die Fabrikherren selbst dann alS„Arbeitsgeber" anzusehen, w/nn..wie hier, nur ein indirektes Verhältniß vorhanden ist. Diese Auffassuna entspncht auch dem Geiste des Ge» pfpxh ä?»r..r v t Ä Arbeiter vorgeschoyenen Betrage zu zwei Drittel derselben beim Lohn in Abzug bringen kann, und daß nun hier ein solcher Abzug n, cht möglich war, da die Arbeitgeber den Lohn nicht zahlten. Allein. eS erscheint zweifellos, daß der Gesetzgeber in § 53 nur eine Regel hat aufstellen wollen, welche auf die im daß er diese« VerKaue» Oberst mit warnender in mir aufstieg, dann Beistand angewiesen, und ein Bruch mit ihm würde meine Interessen schwer geschädigt haben." „Und dachte» Sie nre daran, mißbrauchen könne?" fragte der Theilnahme. „Wenn ei« solcher Gedanke._........ wurde ich stet» m,t der Versicherung beruhigt, mein Ver- mögen werde um keine» Heller gekürzt." „Und Sie glaubten daran?" „Gewiß— weshalb sollte ich zweifeln?" „Hm, diese Versicherung war eine Lüge." „Herr Oberst—" „Gnädige Frau, die Rücksichten, die ich meiner eigene« Ehre schulde, verbiete» mir, gegen irgend Jemand eine An» klage zu erheben, die ich nicht beweisen kann! Hier ist da» Verzeichniß der von meinem Bruder hinterlassenen Werth. xapiere. die Handschrift, die wir ja Beide kennen, beseitiat jede» Zweifel an der Richtigkeit diese» Dokuments." Die Generalin nickte zustimmend, da» Papier, welche» der Oberst ihr überreich, hatte, zitterte in ihrer Hand. „Wären die Zinsen von Jahr zu Jahr zum Ankauf wetterer Werthpapwre verwandt worden, so müßte das Kapital jetzt sich verdoppelt haben," fuhr der alte Haudegen fort,„und Sie werden zugebe», gnädige Frau, daß ein ge» wlssenhafter Verwalter die« unter allen Umständen getha» haben würde. Die Einkünfte au» dem Gut reichten ja zur Deckung aller Ausgaben aus, e» blieben sogar«och Ueber» schüsse, d,e ebenfalls zum Kapttal gelegt werden mußte«. Ich wrll nicht fragen, wo diese Zinsen geblieben find und welche Verwendung sie gefunden haben, der Mann, der allein darüber Auskunft gebe« kann—" »M mein Bruder, Herr Oberst!" unterbrach die Generali« ihn, wie au» einem beängstigenden Traume er» wachend.„Sie würden unter denselben Verhältnissen Handel« wie ich und schweigen." „Leider bin ich mit meinen unangenehmen Mittbei- (Fortsetzung folgt.) Mlgnntinen vorlommendkn FZlle paßt und daß cr damit nicht hat aussprechen wollen, daß nur bei direkter Lohnzahlung von der Anmeldungspflicht die Rede sein kann. Denn eS steht dem nichts entgegen, daß der Fabrikbesitzer durch Vereinbarungen mit den von ihm direkt beschäftigten Arbeitern fich den Ersatz der von ihm für die indireu beschästigtm Arbeiter vorge» schossenen Beträge in Höhe von'/, derselben ausbedingen kann." Die gegen dieses Urtheil eingelegte Reviston wurde unter Akzept'.rung der von der Strafkammer geltend gemachten Rechtsausführungen vom Kammergericht verworfen.— Danach besteht eine Anmeldungspflicht zur Krankenversicherung für die Arbeitgeber auch in Bezug auf alle auch nur mittelbar für ihren Geschäftsbetrieb thätigen Personen. Soziales««d Afveitervewegimgu An die Korbmacher Berlins. Kollegen! Nachstehen« der Fall veranlaßt uns gegenwärtig, Eure Hilfe in Ansvruch zu nehmen. Wir haben am Sonnabend, den 12. d. M., in der Werkstatt des H. KempkeS. Echlefischestraße 42, sämmtlich die Arbeit niedergelegt, mit Ausnahme des Kollegen Kulike. Die Veranlaffung dazu ist folgende. Am Sonnabend, den 5. d. M., erklärte H. KempkeS, daß er den am 20. Juli d. I. von ihm eigenhändig unterschriebenen Lohntarif vom 12. d. M. ad nicht mehr innehalten, also seinen eingegangenen Verpflich- tunaen nicht mehr nachkommen wolle und den Lohn um zirka 10 Prozent reduziren werde. Wir kamen nun sämmtlich darin überein, nicht von unserer gerechten Forderung abzustehen und legten in Folge dessen am Sonnabend die Arbeit nieder. Kollegen! Ihr werdet begreifen, daß es uns schwer wurde, zu dieser Maßregel zu greifen, aber unsere Pflicht gebietet uns, für unsere gerechte Sache das letzte zu versuchen. Kollegen! Bedenkt das Traurige unserer Lage: in wenigen Tagen find die Weihnachtsfeiertage herangerückt. Herr KempkeS macht sich keine Gedanken weiter darüber, 6 Familienväter mit einem Male arbeitslos zu machen. Ihm ist es gleich, od dieselben mit ihren Kindern traurige oder fröhliche Feiertage haben. Darum, Kollegen, erfordert es das SolidaritÄSgefühl, für die Gemaßregelten einzutreten und dafür zu sorgen, daß unsere Kollegen ebenso fröhliche Feierlage haben wie wir; auch das kleinste Opfer fördert unsere Sache und Vielen wird eS nicht schwer werden, die Wenigen zu unterstützen, damit sie nicht wankend werden in ihrem Entschlüsse. Wenn auch jetzt keine geeignete Zeit zu einer Arbeitseinstellung ist, so wollen wir dennoch zeigen, daß wir nicht zurückbleiben, wenn eS gilt, den Kampf aufzunehmen, denn gelingt es in diesem einen Fall, so werden die übrigen Arbeitgeber auch nicht lange warten, sondern dem Beispiel des Herrn Kemples folgen. Etwaige Unterstützungen nehmen die Unterzeichneten entgegen. Die Lohnkommisston der Korbmacher. Julius Fechner, Knppenstr. 63. Julius Arndt, Mühlenstr. 68. August Klüger, Slalitzerstr. 11. Louis Ran- dolff, Friedrichsberg, Blumenthalstr. Vadeeiurichtungen in Volksschule«. In Göttingen existiren solche Einrichtungen; der dortige Bürgermeister hat nnen Bericht über dieselben erlassen, dem wir folgendes ent- nehmen:„Die Bäder befinden sich im Erdgeschoß der Schul- gebäude und bestehen je aus zwei nebenemander gelegenen Räumen, wovon der eine als Bade-, der andere als Aus- und Ankleidezimmer dient. Der durch die Einrichtung verursachte Kostenaufwand ist sehr gering. Gebadet wird innerhalb der Schulzeit alle vierzehn Tage einmal. Die Reihenfolge der Klaffen setzt das Lehrerkollegium fest. Ist für eine Klasse die Badezeit gekommen, so entläßt der Lehrer sechs oder acht Schüler in den Baderaum. Dieselben entkleiden fich daselbst schnell, treten unter die Douchen in die Zinkwannen, reiben fich selbst im Badezimmer trocken und gehen zum Ankleiden; andere Kinder folgen schon nach unten. In etwa einer Stunde läßt fich das Baden einer ganzen Klasse ermöglichen. Die Befürchtung, daß eine wesentliche Stö-ung des Unterrichts eintreten könnte, hat fich als unzutreffend erwiesen, versäumt wird auch nicht viel, weil das Baden während des Schreibens oder Lesens oder in einer anderen paffenden Stunde erfolgt. Alle Geschäfte sowie die Ordnung beim Baden liegen dem HauSmann der Schule ob bez. dessen Frau an den Mädchen« schulen. Der Bericht rühmt die Erfolge an der neuen Ein« richtung. Das Baden bewirkt bei den Echülem körperliche und geistige Frische. Lernfreudigkeit und Sinn für Reinlich« keit."— Daß wir solche Einrichtungen nur von ganzem Herzen empfchlm können, ist selbstverständlich. Dabei sollte man aber nicht vergessen, nach dem Baden dm Kindern der Armen irgend einen Fmbiß darzureichen, da das Baden den Appetit befördert und andernfalls die armen Kinder noch mehr schwächen würde. Das Baden dürfte natürlich nicht fakultativ bleiben» es müßte von Staatswegen in allen Schulen eingeführt wer- den. Eine lohnende Aufgabe für die Herren Kultusminister! Aus Schleswig-Holstein wird über die dortige A» beiterkolonie folgendes berichtet:„Bisher haben über 1500 sogenannter armer Reisender in der Arbeiterkolonie Rickling bei Neumünster Aufnahme gefunden, welche hilflos und am-Rande der Verzweiflung stebeno, dort anlangten und deren Führung fast ausnahmslos eine befriedigende gewesen ist. N u r 20 von ihnen mußten nach kurzem Aufenthalte wie- der entlassen werden und nur 7 haben bislang vas ihnen durch die Aufnahme geschenkte Vertrauen gemißbraucht. Die große Zahl der übrigen ist. körperlich gekräftigt und mtt aus- reichender Kleidung ausgerüstet, hinausgezogen mit dem Vor« satz, durch Fleiß, Sparsamkeit und gute Führung fich vor neuen Rück'ällen in Roth und Elend zu bewahren. Nabe an 600 Kolonisten find von der Verw rltung in Stelle gebracht worden."— Das find die„Vagabunden", welche von unsem Weltverbesserern im reakiionären und liberalen Lager durch Prügel regiert werden sollen! Einen großen Nutzen haben die Ardeiterkolonien doch. Sie bestätigen, daß unter den„ar« men Reilenden" nur ein ganz geringer Tbeil von wirklichen Vagabundm fich befindet, daß die große Masse arbeitslos, aber arbeitswillig ist. Die Lage der Tuchindustrie in Ntederschlefie« iß genau so übel daran, als in der Laufltz. Ja, man schreibt auS Sagan sogar, daß der Geschäftsgang der denkbar schlech« teste sei. Arbeitszeit und Lohn find schon seit Wochen ver» türzt und das will bei dem an und für fich schon seit Jahren niedrigem Lohne in diesem Arbeitszweig viel sagen. Dazu droht ein harter Winter, welcher den bedrängten Webern dop- pelte Sorge macht. Fheater. Overnhan«. Heute: Der Wildschütz oder: Die Stimme der Natur. Tchanspielhan». Heute; Der Leibarzt. Deutsches Theater. Heute: Ein Tropfen Gift. Krtedrich-WilhelmstädttscheS Theater. Heute: Pariser Leben. Residenz-Theater. Heute: Clara Soleil. Vorher: Die Schulreiterin. Wallner-Theate«. Heute: Drei Monat nach dato. Belle-Alltanee-Theatt«. Heute: Herr und Frau Hypokrates. Walhalla-Operetten-Theater. Heute: Der Jagdjunker. viktoria-Theater. Heute: Meffalina. Central-Theater. Alte Jakobstraße 32. Direvton: Adolph Ernst. Heute: Zum 135. Male: Die wilde Katze. Äesangsposse% « ZUten von W. Mannstädt, Mustt von G. Steffen*. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Lonisenstädttsche« Theater. Direttion: Jos. FirmanS. Heute: Der Wildschütz. Ostend-Theater. Heute: Theodora. Theater der Reichshalle«. Säglich: Aufreten sämmtlich« Spezialitäten. Amertean-Theater. Täglich: Auftreten sämmtlich« Spezialitäten. Kaufmann'« Tari«** Täglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. Konkordia. Täglich: Auftreten sämmtlich« Spezialitäten und theatralische Vorstellung.____ Alhainbra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Donnerstag, zum dritten Male: Die Gefängnisse des Louvre, od«: Der Thurm von Nesle. »Ä»5 ÄÄ WK 250 Mal mit großartigem Erfolge gegeben. Vor d« Vorstellung: Großes Konzert d« HauZkapelle. Anfang de« Konzerts Wochentags 7 Uhr. der Vorstellung 8 Uhr. Anfang deS Konzerts Sonntags 6 Uhr, d« Vorstellung T/t Uhr. Ron« haben Wochentags Giftigkeit und find im Theat«bureau (12—1 Uhr) gratis zu haben. »«d#..„ Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bis 10 U. Ab. Katser-Panorama. Vs&P/ Eine Reise durch Ob er- Italien. Pom- nKMi' n e 1 i Eine Wanderung durch d. Bern« Oberland. Pot!""- ~ Neu eröffnet. G. Richter s Restaurant, Kottbuserstr. 2. früher„Alte Lindes empfiehlt seinen neu eingerichteten Saal für V«eine, 150 bis a la carte zu billigen Preisen.____[2750 Todes Anzeige. 1»■y-Sjr.VtÄXÄÄTn „Süd Ost", der Schuhmacher Carl Hamacher. bää"ä Ätf" w a «e&SSn ' K 18, bei Stramm J%%K%.%Berein„Güd.g Reichhaltig« Abendtisch. Zu jeder Tageszeit: KniäsbergerDleck, ä Portion 25 Pf. Einem geehrten Publikum empfehle mein IDeij}-& iflm|Mißc=M(i( Reichhaltiger kalt« und Frühstücks-,.sowie warm«____, v. 12-2 Übst _____. ouvert 50 Pst ArbeitMaehweln für KlaTlerarbelter. W»[2010 Achtungsvoll Hermann Stramm, Rekaurateur, Zkalitzerstraße 18. Winter-Paletots. Um zu räumen, werden die noch vorhandenen Paletots unt« dem Selbstkostenpreise verkauft.[196 Zimmer-Straße 64 I. Weihnächte Geschenke!/ Größte Auswahl in Photographte-Album, S u. Oblaten Albums, Ball«u.Ge-/ Cigarren-, Cigaretten- u. Brieftaschen, Por temonnaieS, Mufik« u. Schreibmapp., Visstentaschen, Poeste«, Briefmarken «Ä Lag« von Bilder- Büchern und sellschaftSfächer. Gesang bücher, Schulmappen, Garderoben- u. Handtuch Haft«, Schreibzeuge, � � � B irstenkasten. Jugendschriften. Notizbucher, sowie sämmtlichen Kochbüch«, y/T s Schul- u. Schreib Kalender AsSf.&S waare«, Galanterie 1886. S u. Bijouteriewaaren, Uhr- A. ketten f. Herren u. Damen, . S Brochs, Ohrringe, Armbänder � und Halsketten. Bilderrahmen, Lampenschirme, Zirkel- u. Reißzeuge, ..w JTs Uhrständer, Nezessaire in Leder und Plüsch, ff. Briefpapier m. Monogr. und anderen Verzierungen, Schach, Lotto, �' Domino, Damenbretter, Tuschkasten u. s. w. Bei nur reeller Waare oilliastc aver feste Preise. 8 431 CO iC tsn £- fSO W s- Wmter- palklois!! Herren« und Knabenanzüge fowie Damen- kleid« u. Mäntel im Tuchgeschäft «chlMstr.SS, g«g«nad. d. Tunchalll WMlNM MW! W rc # r> CO Fr. ßohleder's Bureau, München, Hcßstraße 31, besorgt folgende Arbeiten: i. Auskunft in Aroeiterangelegenheite«, Lohnstreit. fachen, Kündigungsfragen, Haftpflichtsachen, Krankenkassen- und Unfalloerficherungssachen, Ausarbeitung von Statuten, Briefen, Beschwerden, Sch:iftstücken all«Art, Bermittelung von Vereins« adreffen(100 Adressen 1 Mark). u. Statistische Erhebungen und Publikationen über: Fachvereinsbewegung, Berufsstatistik, Ausdehnung d« Fauen- und Kinderarbeit, Arbeitslossgkeft, Höhe d« Arbeitslöhne, Dauer der Arbeitszeit, Sonntags- und Nachtarbeit, Berechnung der Mehrarbeit(Kritik der Bilanzen), Lebenshaltung der Ar« best«(Jabrcshaushattungsdudgets). Für Mitglieder beigetretener Fachv«eine wird Auskunft aus Abtheilung l. gratis gegen Retourmarke ertheilt: für Andere gegen 100 Pf. in Marken. Der statistische Quartalsbeitrag für Fachvereine ist auf 3 Mark festgesetzt. Alle Zahlungen können in Briefmarken erfolgen. Um allseitige, unausgesetzte Betheili- gung er sucht 25271 Fr. R o h l e d e r. Silliges Weihnachtsgeschenk! Der«sie Jahrgang unser« lllnfitittcn Soiwlags-Slilaze mit Titelblatt und JnhaltSverlcichnis; ist ftlr 75 Pfennig? zu haben in der Expedition, Ztmmer-Slraße Nr. 44. Schön- und Schnellschreib- Unterricht: Drei verschiedene Schriften für 6 Mark lehrt Unterzeichnete in den neu«össneten Schreib-Kursen in b« Dresdenerstraße 10 jeden Dienstag und Freitag, Steglitz� straße 65, in, beim Lehrer, jeden Mittwoch,„Deutschen KcT Lothringer straße 37, jeden Donnerstag von 8V» bis lOV» tirnstaT Mlethke, 22861 Kalligraph und Schreiblehrer, Steglitzerftraße 65.. Durch die Expedition, Zimmerstraße 44, ist zu beziehen: D« im Verlage von Wörl ein u. Komp. soeben erschienene Deutsche Handwerker- und Arbeiter- Notiz-Kalender flr tu Zihr 1886 Der Kalender ist inhaltlich wiederum bedeutend vermehrt worden. Außn den bisher schon darin enthaltenen Tabellen, Tarifen und Gesetzen(als Krankenverflcherungs- gesetz mit Nachtrag vom 28. Januar 1885, Hilss- kassengesetz mit Novelle vom 1. Juni 1884 jc.) find neu beigefügt: Das Gesetz über die Freizügigkeit. Gesetz, betr. das Urheberrecht an Mustern und Modellen, Gesetz über Markenschutz. Im Geschichts« kalcnder ssnd die in der neuesten Zeit eingetretenen Ereignisse nachgetragen. Der Kalender, mit Schreibpavi« und Papier für Tagesnotizen ausgestattet, kostet wie bisher 50 Pfennig. Auf vielfachen Wunsch ist eine stärkere AuSgab« mit mehr Schreibpapi« und besserem Einband ange- fertigt, von der das Exemplar zu 70 Pfennig abgegeben wird. Wiederverkäufer erhalteu Rabatt. Sohn eines Genoffen, welcher Mechanik« werden wj� ucht E. Kensberg, Borstgstr. 10a. Kanarienhähne(Roller) u.Heckeinr. z. v. Mulackstr. 27. DIE BUCHDRUCKEREI Max Bading BERLIN SW„ Beuth-Strasse 2 empfiehlt sich zur Anfertigung von Drucksachen aller Art insbcsondne Preis-Couranten, Hz Circularen, illustrirten Catalogen, kaufmännischen Gerichts-Formularen, Rechnungen, Actien, Coupons, Briefköpfen, allen Etiquettes, Ouittungsbüchern, Statuten, Werken, Broschüren, Quittungen, Flugblättern, Placaten, Adress- u. Visitkarteo etc. etc. Die Druckerei verfügt über ein großartiges Material in den modernsten stylvollen Schritt»» ist im Besitze von einfachen und doppelten Sehne pressen neuester Construction sowie der P«* tisebsten Hilfsmaschinen, wodurch dieselbe m Stand gesetzt ist, in kürzester Frist die Aufträge bei billigster Preisnotirung zu erledigt Berantwortlich« Redattem«. Grsnhet» w»erlw. Druck und V«lag von Max Babing in»«lin 8W„ Beuthstraße» Hier»« ein- 0%***' Beilage mm Berliner Bolksblatt. S95. Donnerstag, de« 17. Dezember 188». II. Jahrs. Varlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 19. Sitzung vom 16. Dezember, 12 U h r. Am Tische de« BundesratheS Kriegsminister Bronsart ». Schellendorff, v. Haenisch und Komm:ffarien. Eingegangen ist die Zusammenstellung der in den beut» schen Bundesstaaten geltenden Gesetze und Verordnungen, betr. die Ruhe an Sonn- und Feiertagen. Die Berathung des Etats der Verwaltung des Reichsbeeres wird fortgesetzt und der Rest deS Ordinariums rasch erledigt. Nur bei Kav. 32(Ankauf der Remontepferde) erwähnt der Referent die Erklärung des KriegSministcrs in der Kommisfion, für die nächste Etatsberathung die Frage prüfen zu wollen, ob sich die Zulassung kleinerer Pferdezüchter zu den Märkten empfehle. Es folgt die Berathung der einmaligen Ausgaben und zwar deS Kap. V, ordentlicher Etat. Hierin find die Forderungen für Neu-, Um- oder Erweiterungsbauten zu militärischen Zwecken enthalten. DaS Haus tritt mit einer Ausnahme(betr. das Dienstgebände für das Artilleriedepot in Thorn, über welches später derichtet wird) allen Anträgen der Budgetkommisfion bei; eS werden also gestrichen l. die in Tit. 10 zum Neubau eines Kasernements »edst Zubehör für die 2. Abtheilung 2. Garde-Fcld-Artillerie- regimcnts in Berlin zum Terrainerwerb und zur Projektbear- beitung als erste Rate geforderten 300000 M. Referent v. Köller: Die Budgetkommisfion war der Anficht, daß fich diese Forderung noch bis zur Fertigstellung der für 2 Feldvatterien in der Ausführung begriffenen Kaserne- ments zurückstellen lasse. Die zur Zeit mit diesen 2 Feld» batterien belegte Kaserne am Oranienburger Thore wurde alS» dann für das 2. Garde-Feld-Artillerieregiment disponibel. Der Neubau eines Kasernements für das letztere, jetzt noch am Kupfergraben belegene, werde ja gleichfalls inzwischen in An- griff genommen, so daß man nachher noch vollkommen recht- ßtig zum Umbau der am Kupfergraben belegenen Ge- ude für das 4. Garde- Grenadier- Regiment(Königin) komme. Kommissar Oberstlieutenant Schulz: Der Referent hat im Wesentlichen die Motive der Kommisston auseinandergesetzt, sowie daß man im Prinzip keinen Widerspruch gegen diese Forverung gellend gemacht, sondern nur aus finanziellen B ünden eine Verschiebung des Projektes nöthig erachtet habe. So bleibt mir nur die Aufgabe übrig, zu er- Uären, daß die verbündeten Regierungen eine Hinaus- schiedung für sehr bedenklich erachten, weil die Kaserne am Kupfcrgraden in baulicher und sanitärer Hinficht schon lange nicht mehr den Anforderungen entspricht. Die Kaserne ist 1763 nach altem System erbaut mit Millelkorridoren, welche der Ventilation wenig Durchgang gestallen. Die Holz- konstruktionen find vielfach von Wurm und Fäulniß an- gegriffen, in den Ställen ist wiederholt die Influenza aus- vdrochen, so daß das Regiment an den Manöoern nickt theil- ftchmen konnte. Aus diesen Gründen glaubt die Militär- Verwaltung, auch diesen Neubau nicht aufschieben zu können. lltdrigenS ist es gar keine neu« Idee, fie ist schon im KasernirungSplane von 1876 in Aussicht genommen, weil man schon damals die Uebelstände der Kaserne am Kupfergraben als dingliche anerkannte. Ueber die im Titel 17 enthaltene, im vorigen Jahre ab- gelehnte Forderung von 10 000 M. zum Neubau und zur Ausstattung einer evangelischen Garnisonkirche in Spandau, erste Rate, wird auf Antrag des Abg. Hermes besonders abgestimmt, und die Bewilligung gegen die Stimmen der deutschfrcistnnigen Partei ausgesprochen.. � Ferner wird gestrichen 2. der im Triel 18 geforderte Betrag von 100000 M. zum Neubau einer Kaserne für eine Kompagnie Futr Artillerie und den Stab eines Fuß-Artillerie« Regiments in Magdeburg, erste Rate. _ Lberstlieutenant Schulz tritt für die Bewilligung rm Interesse der gesammten Garnison ein, da sämmtliche Käser- Nements Magoedurgs überbelegt seien. Soweit es der Mi- Ktärverwaltung möglich gewesen, habe fie fich bemüht, aus den Kitteln des Ordinariums Abhilfe zu schaffen, wie durch den «°u einer Baracke. Zu einer gründlichen Beseitigung der Uebelstände und Entlastung der Kasernen bedürfe es der ge. forderten reichlichen Mittel. i..,_ Es werden ferner gestrichen 3. die zum Neubau emes Ka- sernements nebst Zubehör für etwa 1'/- Kompagniecn Jnfan- terie in Sondeishausen als erste Rate verlangten 15000 M. In Bezug auf d ese Position bemerkt Oberstlieutenant Schulz: Ein Theil deS in Sondershausen garnisonirenden vinfanteriebataillons ist in Bürgerquartteren untergebracht; außerdem ist die eine der beiden militärfiskalischen Kasernen, die Regierungskaserne, kaum noch bewohnbar. Dadurch, daß kin zweistöckiges Seiten- und ein Hintergebäude früher einmal Aigefügt worden, ist durch Abschlüsse der Korridore die Zu- Wjrung frischer Luft wesentlich beschränkt. Auch der vorhandene Hofraum ist durchaus ungenügend. Sanitäre und disziplinare Rücksichten fordern die Aufgabe der Naturalquartiere und sprechen somit auch für den Neubau. Abgelehnt wird 4. der in Tit. 20 verlangte Betrag von 300000 M. zum Neubau eines Generalkommando- Dienst- Pdäudes für das fünfte Armeekorps in Posen; eS knüpft »ch an diese Position eine längere Debatte, während im All- Snneinen daS Haus eine starke Abneigung zeigt, die Beschlüsse 'einer Kommisfion noch weiter in Frage zu stellen. Abg. Staudy: Ich vertrete weder die Stadt Posen *%h einen posenschen Wahlkreis, meine Beziehungen zu Posen ?nd überhaupt nur sehr lose; aber alS objektiver Beobachter On_---.----''--- C*"»_ f X.y..C M ♦ i+l f Vit-Rnnt, immer noch„................ die Rücksicht auf finanzielle Bedenken hinausgeschoben. uralte, im Ziaarrenkastenstyl erbaute Gebäude ist längst zuständig unbrauchbar geworden; und wenn man bedenkt, o?.* 1 kommandirende General für die Bezüge, die er erhält, de!? �asentiren muß, so ist daS Gebäude vom Standpunkte lirfT' die es nicht ganz genau kennen, geradezu ledenSgefähr- nennen. Dementsprechend find auch die Bureauräum- hellen völlig unzulänglich. ES wird doch allseitig zugegeben SH�n müssen, daß ein kommandirender General auch den würdig zu existiren, und daß in den letzten bei?!? gerade die Posener Stelle von um das Vaterland ganz �onderg hochverdienten Männern bekleivet worden ist. Ich 9ik'<£.tf Forderung»u dewilligen. >ar Meyer(Halle): Die Frage ist augenblicklich n'»ob fich daS Dienstgebäude des Generalkommandos ."em Zustande befindet, der verbesserungsbedürftig ist. I Budgetkommisfion kompetenter als daS Plenum, denn dort können fie einer Prüfung unterzogen werden, wie ste hier gar nicht möglich ist. Wir haben uns bei dieser Berathung des Militäretats auf den Standpunkt gestellt, ohne dringende Ver- anlossung von den Beschlüssen der Kommisfion nicht abzu- weichen, und ich glaube, es cmpsiehlt fich nicht, das labile Gleichgewicht, in welchem fich der Reichstag gegenwärtig noch befindet, zu erschüttern. Der Herr Vorredner hätte für seinen Zweck nachweisen müssen, daß der Bau nicht mehr auf ein Jahr zu vertagen ist, ohne schwere Schädigung hervor« zurufen. Wenn der Besuch der Gesellschaften, welche der Herr General giebt, mit Lebensgefahr verbunden ist, so ließe fich ja dem dadurch vorbeugen, daß man die Re» Präsentationskosten einzieht.(Heiterkeit.) Auf die Weise kämen wir über die dringendste Gefahr hinweg.(Heiterkeit.) Aber uns weiter vom Standpunkte der Budgetkommisfion abbringen zu lassen, dazu sehe ich keine Veranlassung, und wenn Herr Staudy darauf aufmerksam macht, daß die Abstriche am Mili- täretat in der Budgetkommisfion erhebliche gewesen seien, nun, so erhellt gerade aus der Summe dieser Abstriche, wie vergeh- lich im Grunde das Bestreben deS Reichstags immer sein muß, an den Forderungen, welche die Regierung stellt, echebliche Abstriche vorzunehmen, in wie geringem Grade daS Budget- recht des Reichstages, auf welches man uns so oft verweist, wirksam werden kann. Wir haben gerade darum keine Veran- lassung, irgendwie von dem Grundsätze der strengsten Spar« samkeit bei denjenigen Punkten, welche einen Aufschub ver- tragen können, abzuweichen. Das Schlußresultat bleibt, eS er- wachsen Erhöbungen des Militäretats, und wir müssen uns Mübe geben, dasGleichaewicht sovielwie möglich aufrechtzuerhalten. Wir haben um das Regierungsgebäude für Breslau und dringend nothwendige Kliniken Jahre hindurch kämpfen müssen, ehe wir etwas durchgesetzt haben. Es wird mit Fug und Recht nichts eingewendet werden können, daß auch für Posen dieser Neubau noch ein Jahr aufgeschoben werden kann.(Beifall links.) Oberstlieutenant Schulz: Der Neubau des Dienst- aebäudes in Posen kann nicht länger aufgeschoben werden. Nicht nur die Lokal- und Provinzigtbehörden, sondern auch eine dorthin geschickte Kommisfion haben fick davon überz;ugt, daß das alte Gebäude seinem vollkommenen Verfall nahe ist. Eine Restauration desselben würde wenigstens 200000 Mark kosten und rechnet man dazu eine mehrjährige Müthe für eine provi- sorische Dienstwohnung des kommandirenden Generals, so würde auch ökonomisch ein Umbau ungünstiger sein als ein Neubau. Kriegminister Bronsart v. Schellendorff: Das Anwachsen des Mititäretats und speziell des Kav. 5 kann doch auch unter andern Geflchtspunkten als denen des Abg. Dr. Meyer betrachtet werden. Sie sagen, daß gegen das vorige Jahr 7 665000 Mark mehr gefordert werden; wenn Sie da- von eine sehr bedeutende Einzelforderung in diesem Etat, über die ich nicht weiter sprechen will, gefälligst abrechnen, so handelt es fich nur noch um eine Mehrforderung von 665000 Mar! für dieses Kapitel, welche beson- ders zur Instandhaltung der Gebäude der Militär- Verwaltung bestimmt ist. Von diesen 665 000 M. haben Sie die Güte, im Verhältniß zum vorigen Jahre abzurechnen, daß in diesem Jabre für«ine Forderung, welche mit der Post in Verbindung steht, der Bau in Köln 700 000 M., voriges Jahr 500000 M. verlangt worden find. Das ist an und für fich nicht eine Forderung der Militär-, sondern in höherem Maße der Postverwaltung. Die Post vergütet in ibrem Etat auch die Mittel für diesen Bau. Dann bleibt eine Mehrforderung von etwa 465000 Mark für das, was hier unter Bauten in Kau 5 begriffen wird. Nun find in der Kommisfion bei diesem Kapitel etwa 2 369 000 M. abgesetzt, so daß thatsächlich für die Unterhaltung des Militärbauwcsens nach den Vorschlägen der Kommission 2( 00000 M. weniger bewilligt werden, als im vorigen Jahre, und es befindet fich so wie so schon im Ganzen im Rückstände, da in der Etatsberathung deS JahreS 1884 vis 1885 aus Giünden, die nicht auf dem Gebiet der Militärver- waltung liegen, grundsätzlich fast alle ersten Bauraten, ich glaube, nur mit einer Ausnahme, abgesetzt wurden. Wenn Sie das Alles zusammen in Betracht ziehen, dann haben Sie wirklich nicht Grund, bei Beurtheilung der einzelnen Bewilligungen fich auf den Standpunkt zu stellen, daß Sie hier dem Anwachsen des Militäretats entgegentreten und so erhebliche Abstriche machen mußten, wie fie fich in der eben von mir dargelegten Summe darstellen. Abg. Meyer(Halle): Wir können die Forderung für Posen schon deshalb nicht bewilligen, weil die Berechtigung ihrer Höbe in der Budgetkommisfion noch gar nicht erwogen worden ist. Es wäre doch noch zu prüfen, ob nicht in der An- läge des kostspieligen Baues Vereinfachungen vorgenommen werden könnten. Oberstlieutenant Schulz: Das vorjährige und daS dies- jährige Projekt hat in der Kommisfion ausgelegen. DarauS, daß gegen das Projekt keinerlei Einwendungen erhoben wurden, haben wir die Schlußfolgerung gezogen, daß man mit dem Projekt im Allgemeinen einverstanden sei. Abg. Hermes: Gegen diese Schlußfolgerung muß ich NamenS meiner Partei piotestiren. Wir würden gegen die Forderung überhaupt gestimmt haben, denn wir hatten den projektirten Bau für viel zu prunkvoll angelegt. Die Abgg. Hammacher und Lingens verwahren die nationalliberale Partei bezw. das Zentrum gleichfalls gegen die von dem KommiffariuS gezogene Schlußfolgerung. Zum Neubau der Kavallcriekaserne in Düsseldorf werden alS elfte Rate 93 000 M. gefordert. Oberstlieutenant Schulz führt aus, daS bisherige Gebäude sei baufällig, für das gegen- wärtige Bedürlniß zu enge. Die Posttion wird aber nach dem Vorschlage der Kommission abgelehnt. Ebenso werden 100 000 Marl erste Rate für eine Kaserne in Minden ge« � Für den Neubau eines Landwehr-DienstgebäudeS in Neuß werden als erste Rate 15000 M. gefordert. Die Kommisfion deantragt, die Posttion zu streichen. Oberstlieutenant Schulz: Das bisherige Dienstgebäude sei vom Schwamm vollständig durchsetzt, die Bestände an Klei- dungsstücken seien in ungenügenden, schmutzigen Räumen unter« gebracht, und, nachdem fich ein Lumpenhändler in der Nähe angefiedelt, der Vernichtung durch Mottenfraß ausgesetzt. Abg. Roderath kann auf Grund eigener Anschauung im Interesse der Erhaltung der vorhandenen Bestände, welches ein Reichsintereffe sei, nur die Bewilligung empfehlen. Ada. Meyer(Halle) giebt zu dedcnken, daß auch ein neueS Gebäude vor der Nachbarschaft eines LumpinhändlerS oder einer ähnlichen nicht zu schützen sei. Die Posttion wird abgelehnt. Zum Ncuaau eines Drensigebäudes für die Landwehr in Köln werden als 1. Rate 10000 M. gefordert, deren Adlrh- nung die Kommisfion beantragt. Oberstlieutenant Schulz bitttt um Annahme der Pofi- tion. Der Grund und Boden für den Neubau sei vom FiS« kuS kostenfrei überlassen. Die jetzt gemietheten Räume müßten in spätestens zwei Jahren verlassen werden. Außerdem sei für Konttolversammlungen, Mobilmachungen und für eine zweck« mäßigere Unterbringung der Bestände ein größerer Gebäude- komplex nothwendig. Abg. Röckerath tritt diesen Ausführungen bei. Die Miethe für erweiterte Diensträume würde höher sein, als die Zinsen des Baukapttals. Die Position wird abgelehnt. Zum Neubau eines Kasernements des Kavallerieregiments in Darmstadt werden 10000 M. verlangt. Die Kommission beantragt deren Streichung. Generalmajor v. Hönisch empfiehlt im Interesse der Konzentration des Kavallerieregiments in Darmstadt, von welchem ein Theil in Babenhausen garnisonirt sei, die Be« llbg! Raks: Da das Prinzip der Konzentration der Kasernements nicht allgemein durchgeführt ist, so ist auch eine Verlegung der Kaserne von Babenhausen nach Darmstadt nicht dringlich, zumal die Entfernung beider Orte nur Vi Stunde beträgt. Generalmajor v. H ä n i s ch: Sie beträgt thatsächlich 3 Meilen. Die ganze Anlage genügt für Exerzierzwecke und Truppenzusammenziehungen im Falle einer Mobilmachung nicht. Die Posttion wird abgelehnt. Zur ersten Beschaffung der Mobillaiausstattung für Dienst- Wohnungen der Generalrnspekteure der Artillerie bezw. deS Ingenieur- und Pionierkorps und der Festungen werden 40000 M. gefordert. Auf Antrag der Kommisfion bewilligt das Haus nur 35000 M- Für größere Neu- und RetabliffementSdauten auf den Re- montedepots werden anstatt 157 000 Mark nur 100000 Mark bewilligt. Zur Erwerbung eineS südlich von der Hauptka» detienanstalt rn Lichterfelde belegenen TerrainS und Einrichtung desselben als Exerzier- und Turnplatz werden 574 800 Mark gefordert, welche die Kommisfion zu streichen de- antragt. KriegSminifler Bronsart v. Echellendorff: Es handelt fich hier um eine Forderung, welche, wie ich in der Kommission bereits gesagt habe, von der Militärverwaltung als eine ganz besonders wichtige und dringliche zu bezeichnen ist. Es handelt fick darum, der Haupt- Kadettenanstatt, deren Anlage etwa 9000000 M. gekostet hat, und die zu ihrer Unterhaltung einen erheblichen Staatszuschuß von mehr als 200000 M. erfordert, die Bedingungen einer gedeihlichen Ent- Wickelung zu sichern. Ich habe in der Kommisfion den ver» schiedenen Einwänden gegen die Lage des Platzes, gegen das Bedürfniß zu begegnen versucht, und das endliche Resultat ist doch das gewesen, daß nicht verkannt wurde, wie wirklich für das Kadettenkorps, für die Haupt-Kadettenanstalt in Lichter» felde, die wichtigste Militär- Erziehungsanstalt, diese Sache von ganz besonderem Nutzen und ganz besonderer Dringlich- leit sei. Dazu kommt noch, daß das Garde- Schützendataillon, welches in Lichterfelde in Garnison steht und noch keinen Detail> Uebungsplotz bat, doch auf einen solchen, wie jeder andere Truppentheil, Anspruch hat. Schließlich ist nun die Zustimmung zu dem Projekt an der Preisfrage gescheitert. Ich würde mich ja herzlich freuen, wenn im d e Ueber- zeugung hätte, daß durch Zurückstellung dieser Position auf ein oder mehrere Jahre eine billigere Erwerbung des Terrains zu erhoffen wäre. Durch einfache Ablehnung d;r Posttion ist das gewiß nicht zu erreichen. Im Gegentneil, da das Be- düriniß anerkannt ist und nur der Preis Anstoß erregt hat, werden fich hier vielleicht illegitime Spekulationen, von denen schon aus Anlaß deS Preises in der Kommisfion die Rede ge- welen ist, in viel höherem Maße entwickeln, wie wir das z. B. bei der Anlage von Artillerie Schießplätzen unausgesetzt erleben. Der Preis ist durchschnittlich auf etwa 9000 M. gekommen. Gerade wegen deS Preises find wir genüthigt gewesen, in neuerer Zeil einen Zugangsweg zu der vertragsmäßig durch Herrn v. Carsten« s. Z. im Teltower See angelegten Bade« anstatt zu expropriiren, da uns, wie ich glaube, auch aus Spe- kulaiionsmoiiven dieser Zugangsweg untersagt worden war. Dem haben wir nun auch das Zwangsverfahren gegenüber« gesetzt, und das Tenain, welches unS den Zugangsweg zur Bade» anitalt sperrte, ist exprovriirt worden. Dieses Terrain zerfällt nun in 3 Theile, und wir haben dafür soviel bezahlen müssen, daß der Preis pro Morgen bei dem einen Theil auf 8000 M, bei den anderen auf 2500 M. fich stellen würde. Da< mit 2500 Mark bezahlte Terrain ist dabei ganz niedrig gelegenes Sumpf- gelände, daS für Baustellen absolut unbrauchbar ist. Von dem Terrain zu 3000 M. pro Morgen ist ein Drittel als Bau« terrain zu betrachten, es liegt aber unmittelbar hinter dem Kopf der Schießstände für das Lichterfelder KorpS. Aus diesen Gründen scheinen mir die für den Exerzierplatz geforderten Preise, wenn fie auch hoch find, doch nicht so exorbitant, daß darum die ganze Sache abzulehnen wäre. Wir werden in Zu- kunft nicht günstiger gestellt fern, sondern eher zu höheren Auf« Wendungen gezwungen werden. Wenn Sie die Anlage an fich für eine nützliche hatten, so ist es wirklich nicht eine gute Finan, volilik, in diesem Jabre, wo die betreffenden Besitzer wenigstens doch bis zum 1. April an ihre jetzige Forderung gebunden find, die Forverung pvre abzulehnen. Die Forderung wird gegen die Stimmen weniger Konser« vativen g e st r i ch e n; dagegen wird eine Forderung von 61 000 M. für ein neues Artilleriedepot in Tborn, welche die Kommisfion ebenfalls zu streichen beantragt, vom Hause b e- willigt, nachdem Generalmajor v. H a e n i s ch und die Adgeord- neten R i ck e r t und D i r i ch l e t, welch letzterer in der Kom« Mission auS Versehen dagegen gestimmt hatte, fie befürwortet haben. Im württembergischen Etat hat die Kommisfion 138 500 M. für Neubauten von Stallungen in Ulm abgelehnt. Würtiembergischer Kommissar v. Baur-Breitenfeld bittet, die Forderung, für die ein dringendes Bedürfniß vor- liege, zu bewibigen. Das HauS beschließt jedoch nach dem Kommisfionsan- trage. Im außerordentlichen Etat der einmaligen Ausgaben will die Kommisfion die für den Bau einer Garnisonkirche in Etraßburg geforderten 121 000 M. streichen. Oberstlieutenant Schul, motivirt die Forderung mit dem in Straßburg vorhandenen Nothstande, da die Garnisonbehör« den vergeblich fich bemüht hätten, für den Gottesdienst der Mannschaften die Gastfreundschaft in den dort vorhandenen Kirchen zu erlangen. Die Position wird gestrichen. Ferner beantragt die Kommisfion, die bereits dreimal in früheren Jahren abgelehnte Forderung für den Bau einer Unteroffizier. Vorschule in Neu-Breisach mit 289 000 M. auch diesmal zu streichen. Kriegsminister Bronsart v. Schellendorsf: Ich habe schon in der Ko-nmisfion ausgesprochm und wiederhole «S hier: eS ist nicht etwa ein Eigenfinn der Militärvenvaltung, daß wir mit dieser Forderung, trotzdem ste mehrfach abgelehnt ist, wiederkommen. Auch daß allmälig das Manquement der Unteroffiziere weiter in der Armee abnimmt, kann nicht ein Grund für die Militärverwaltung sein, von dieser Forverung abzustehen. Denn es handelt fich für die Militärverwaltung hier um zwei Dinge: einmal um die allgemeine Förderung der Qualität des Untero'fizierersatzeS aus den Untcroffizier- schulen, welche geschieht, wenn die jungen Leute schon in der Unterosfiziervorschulr eine angemeffene Erziehung und Bildung ge» nießen, andererseits auch darum, dasganz besonderSfürdenMilitär- stand geeignete Element dieses tüchtigen Volksstammes der Elsaß- Lothringer für die Armee verwendbarer zu machen, alS es möglich ist, wenn man die Unterosfizlerschule etwa an einem anderen Punkte anlegt. Außerdem kommt das ökonomische Jntcreffe hinzu, indem wir hier die Kascrnements soweit vorhanden haben, daß ste mit erheblich geringeren Kosten einzurichten find, als wenn wir irgendwo zum Neubau eines solchen E'abliffe- ments schreiten. Deshalb bitte ich dringend, dieser Pofition zuzustimmen. Die Pofition wird gestrichen. Für Erweiterung und Neuerwerbung von Artillerie- Schießplätzen werden im Ganzen 4444601 M. gefordert, von welchen die Kommst fion 1 444 601 M. abstreichen will. Nach den Ausführungen des Referenten v. Koller handelt eS fich dabei hauptsächlich um Ablehnung der Forderung für einen Schießplatz bei Beelitz- Die von den Terrainbefitzern dafür geforderten Preise seien so hoch gewesen, daß fich jetzt auch die Militärverwaltung entschlossen hatte, im Wege der Expropriation vorzugehen. Die Pofition wird nach dem KommisfionSantrage in Höhe von 3 000000 M. bewilligt. Für den Neubau einer Kavalleriekaserne in R a t i b o r werden 42 000 M. gefordert, welche auf Antrag der Kom- misfion gestrichen werden; ebenso streicht das Haus 7000 M. für die Projektbcarbeitung für einen Kasernenbau in Leob» schütz, wohin eine Eskadron Kavallerie von ZiegenhalS ver< legt werden sollte. Auch die für den Umbau des ehemaligen Garnisonlazareths in Kassel zu einer Kaserne für zwei Batterien Feld- artillerie geforderten 200000 M., und ferner 8000 M. für ein neues Kasernement in Schwetzingen werden nach den ent- sprechenden Kommisfionsanträgen gestrichen. Damit ist die Berathung des Militäretats und die TageS- ordnung erledigt. Präfident von Wedell-PieSdorf: Ich hatte als Arbeitsziel vor der Weihnachtspause den Abschluß der Be- rathung deS Militäretats ins Auge gefaßt; ich hoffte, daß dies Ziel morgen oder übermorgen erreicht würde. Nachdem nun aber zu meiner Freude heute schon der Militäretat er« ledigt ist, schlage ich Ihnen vor, die Pause schon heute ein- treten zu lassen. Widerspruch gegen diesen Vorschlag erhebt fich nicht. Sckluß 3 Uhr. Nächste Sitzung Freitag, den 8. Ja« nuar 1886, Mittags 2 Uhr.(Wahlprüfungen, Etat.) Kommunales. Die Ersatzwahlen zur Stadtverordneten-Versamm« lnng haben mit den am Dienstag vollzogenen Stichwahlen, deren Resultate wir in unserer gestrigen Nummer brachten, ihrer vorläufigen Abschluß gefunden. Nur der 27. Kommunal- Wahlbezirk hat noch an Stelle des verstorbenen Stadtverord- neien-Vorstebers Dr. Etraßmann, der im Jahre 1883 in der Stichwahl über den Kandivaten der Bürgerpartei stegte, eine Ersatzwahl zu vollziehen.— Die Zusammensetzung der Stadt- verorlneten« Versammlung hat(durch vre diesjährigen Wahlen keine wesentliche Acnderung erfahren. Von den jetzt verlritenen 125 Wahlbezirken gehören 109 der liberalen, 11 der Bürger, und 5 der Arbeiterpartei an. Die Bürgerpartei hat demnach einen Sitz an die Liberalen verloren, während die Arbeiterpartei wie flüher durch 5 Stadt- verordnete vertreten wird. Von den in diesem Jahre gewählten Stadtverordneten ge- holten 12 dlw Stadtverordneten. Kollegium bisher nicht an, es find dies die von d-r 1. Abthetlung gewählten Herren Dr. Althaus, Dr. Friedemann, Wagner, Dr. Mießner und Sachs. Von der 2. Abiheilung die Herren Weber und Hanger; wäh- rend von der 3. Abtbeilung die Herren Vorlmann. Mühlberaer, Mitan, Hoffmann und Hellriegel zum ersten Male zu Stadt- verordneten gewählt wurden._,, w. Zur Gewinnung eines guten Trinkwasser« bat der Magistrat bereits seit längerer Zeit Bohrungen in der Köp-nick. r Stadt Forst zwischen dem Langen See(der so- genannten„Dahme") und dem Müggelsee vornehmen lassen. DaS Resultat dieser Bohrungen ist ein vollständig negatives gewesen, da auch das in jener Gegend gewonnene Wasser ebenso wie das Charlottenburger und Tegeler Waffer nach für, er Frist einen dicken, geldlichen, stark ei, enhalligrn Nieder- schlag zeigt und längere Z.it zu seiner Klarung gebraucht. Die zur Vornahme dieser Bohrungen seiner Zert vom Magistrat und der Siadtverordneten-Versammlung mederg-setzte Kom- misston ist zu dem Beschlüsse gekommen, den städtischen Be Hörden das Einstellen fernerer Bohrversuche zu empfehlen, da es ausfichislos erscheint, in der Umgegend Berlins Wasser zu finden, welckes allen Anforderungen an ein gutes Trinkwasser entspricht. Der Magistrat hat beschlossen, der Stadtverordneten- Versammlung dem Gutachten der Kommission entsprechend die Zuschüttung des südlichen Pankearmes hat der Magistrat be- 8» Äl5Ä36.Ä'Ä5.S»,''5»Ä sr äää«&.»';» «aäS staluts und der Polizei- Verordnung bezüglich der Kanalisalion m Laufe des Berichlejahres zum Abschlüsse zu bri.gen, bat fich nicht verwirklichen lassen, weil verschiedene, das finanzielle In- teiesse der Stadt berührende Fragen noch weiterer Erwägung bedürfen. Bezüglich der früheren Entschädigungs- An,pruche einiger der Avjozent-n hinfichilich des abzutretenden Terrains w. ist aw Grund des ergangenen Schiedsspruches eine vollständige aus Viianlaffung diesseitiger Berieselungianlagen finv im Per -GMMZM- klä.eriscken Ansprüche abweisende Erkennlniß 1. Instanz vom Kammergericht insofern zu Gunsten de- Klagers abgeändert worden. als die Berechliguna zu einem Er avansprucde»war anerkannt woraen ist, dessen Höhe aber in ernem neuen Ver- fahren geltend zu machen bleibt. Kokalr«. w. Zum Krankentassengesetz. Es kommt sehr häufig vor, daß Personen, welche dem Krankenverficherungszwange unterliegen, aus den freien Hilfekassen, denen fie angehören, aus freiem Entschlüsse wegen Nichtzahlung der Beiträge oder aus anderen Gründen ausscheiden. Mit dem Monate dieses Ausscheidens aber werden solche Personen, wenn ste in der bisherigen Beschäftigung verbleiben nach§ 19 Absatz 2 deS Krankenverficherungsgesetzes ohne Weiteres Mitglieder der für ihren Erweebszweig bestimmten Orts Krankenkasse, und dem betreffenden Arbeitgeber liegt die Anmeldung der aus der freien Hilfskasse Ausgeschiedenen, sowie die Einzahlung der Beiträge an die Orts Krankenkasse ob. Die Arbeitgeber find daher verpflichtet, zur Vermeidung empfindlicher Nachtheile, das Verbleiben ihrer verficherungs Pflichtigen Arbeiter in den freien Hilfskaffen genau zu kontroliren. Die Vorstände der Orts- Krantenkassm find in der Lage, gegen die Außerachtlassung dieser Kontrole einzuschreiten, da ihnen die dem königlichen Polizei Präfidium zugehenden Verzeichnisse der aus den freien Hilfskassen ausgeschiedenen Personen durch Vermittelung der Gewerbe- Deputation deS Magistrats periodisch mitgetheilt werden. Zur Förderung des Neujahrs- BriefverkehrS ist wiederum die Einrichtung getroffen worden, daß Sradlbriefe, Postkarten und Drucksachen, deren Bestellung am Sylvester- abende oder am 1. Januar früh gewünscht wird, bereits vom 26. d. M. ab zur Einlieferung be» den Postanstalten in einem Umschlage gelangen können, auf welchem der Inhalt als Neu- jahrsdriefe bezeichnet ist. Die Umschläge werden auf den Post- anstalten geöffnet, die Einlagen aber einstweilen aufbewahrt und erst zur gewünschten Zeit bestellt. Die Einrichtung erstreckt fich lediglich auf die im Orte verbleibenden ftankirten Briefe. Unter der Spitzmarke„Das Barometer-Maximum" schreibt der Hamburger Meteorologe der„Voss. Ztg." vom 15. Dezember:„Unter dem Einfluß einer von Schottland nach Skandinavien ziehenden Tepresfion wich das Gebiet hohen Druckes und mit ihm daS Frostgebiet nach Südost zurück und warme Südwestwinde drangen von den Küsten etwa 180 Meilen gegen Osten nach Zenttaleuropa vor. In Hamburg hatte am Sonnabend früh der Fcofi den Höhepunkt, und War 10 Grad Celsius Kälte, erreicht, als fich Schäfchen, aus Nord ziehend, und Nebelwolken aus Süd einstellten, welche in Gemeinschaft mit dem Fallen des Barometers den bevorstehenden Witterungs« Umschlag anzeigten. Schon am Sonntag früh trat hier Thau- wetter und Regen ein. Seit zwei Tagen hat aber daS Zurück- weichen des Hohen Druckes aufgehört und das Barometer steigt wieder stetig in Nord- und Mittel Europa. Das Zentrum des hohen Druckes lagert noch über Ungarn und bildet die Grenz« scheide zwischen dem milden trüben Wetter des WestenS und der jetzt wieder zunehmenden strengen Kälte des Ostens, die in Krakau 25 Grad Celstus erreicht hat. Der zunehmende Druck wird zunächst Abnahme der Bevölkerung und langsame? Sinken der Temperatur bedingen bis Ostwind aufspringen wird, der alsdann die kalte Luft herführen und schnellere Steigerung des nun wieder zu erwartenden Frostes veranlassen dürfte." Wie die Herren JnnungSmeister mit den Mäntel« Näherinnen Hand in Hand gehen. Am Sonntag, den 6. d. richtete die Kommisfion der Mäntelnäherinnen an Herrn Schneidermeister Elsner, als Mitglied der' Kommisfion der Ar« bettgeber, folgendes Schreiben: Soll die Regelung der Ar- beits« und Lohnverhältniffe der Mäntelnäherinnen durch den Minimallohntarif in Kraft treten, so ist es vor allen Dingen nötbig, daß Sie uns die Adressen derjenigen Arbeitgeber mit- theilen, die den soliden Meistern Konkunenz machen und unter dem herkömmlichen Preise fich bei Geschäften anbieten. Wir haben beschlossen, diejenigen Arbeiterinnen, die bei solchen Meistern arbeilen, aufzufordern, sofort die Arbeit niederzulegen und den Zuzug fern zu halten, weil wir sicher annehmen können, daß die Arbeiterinnen dort den festgestellten Minimal- lohn nicht erhalten. Auf diese Weise werden wir vor allen Dmgen die Geschäfte zwingen, das bisherige Drucklystem des ArbeitSpreises aufzugeben. Ferner möchten wir Sie bitten, doch ebenso frei gegen die Geschäfte vorzugehen, die schlecht zahlen, wie wir es gegen die Schneidermeister thun und die Schundpreise zu veröffentlichen. Um gefl. Antwort, sowie freundliche Unterstützung ersuchend, zeichnet re.— Dieses Schreiben itt bis jetzt ohne Aniwort geblieben. Zum Kapitel der Verjährungen theilen wir folgendes mit: Es verjähren die Forderungen aus dem Jahre 1883 1. der Fabrikunternehmer, Kaufleule, Krämer, Künstler und Handwerker für Waaren und Arbeiten, sowie der Apotheker für Arzneimittel, mit Ausnahme solcher Forderungen, welche in Bezug auf den Gewerbebetried des Empfängers der Waare oder Arbeit entstanden find; 2. der Fabrikuntemehmer, Kauf« leute, Krämer, Künstler und Handwerker wegen der an ihre Ardeiter gegebenen Vorschüsse; 3. der Schul- und Erziehungs- kosten und Honorare, mit Ausnahme derjenigen, welche an öffentlichen Anstalten reglementsmäßig gestundet werden; 4. der Fabrikarbeiter Gesellen und gemeinen Handwerker rückständiger Lohn; 5. der Fuhrleute und Schiffer Lohn und Auslagen; 6. der Gastwirthe für Wohnung und Beköstigung und endlich 7. alle Ansprüche auf Schaden, insbesondere auch die An- sprüche, welche ein in seinem Berufe Verunglückter gegen seinen Arbeitgeber zu erheben hat, verjähren mit dem 3l. Dezember 1885, wenn nicht bis zu diesem Tage dem Schuldner der Zahlung shefehl oder die Klage dehändigt ifi. „Hier wohnte Daniel Chodowiecki von 1777 bis zu seinem Tode am 7. Februar 1801. Seinem Andenken die Stadt Berlin 1885." So lautet die Jnsckrift der bronzenen Gedenktafel, welche seit Dienstag das Parterregeschoß deS Born' scher» Neubaues in der Behrenstraße 31 schmückt, wo vordem das schlichte Heim des Meisters fich befand. Die erste Hälfte seiner staunmswerthen Schaffenezeit, 21 Jahre, verlebte Chodowiecki in dem noch erhalten gebliebenen, damals Rollet- schen Hause, Brüderstr. 7. Dieses sah den Ruhm des genialen „Peintre gravear", des bedeutendsten und wirksamsten Künstlers volksthümltcher Richtung, aufsteigen. Das HauS seines Schwiegervaters, des GoldstickeS Barez in der Behrenstraße, welckes Chodowiecki dann bis zu seinem Tode bewohnte, war bei Anlegung der Behrenstraße— in den letzten Jahren des 17. Jahr- Hunderts— erbaut worden. Es bestand aus zwei Stockwerken, zu denen man durch eine inmitten de? GcbäudeS befindliche EingangSthür gelangte. Dahinter lag e'n Gärtchen, unter dessen blühendem Birnbaum im Mai 1783 die Trauung der ältesten Tochter deS Künstlers, Jeanette, mit dem Prediger Popin bei der franiöftschen Gemeinde zu Burg stattfand. Doch auch schwere Schicksalsschläge sollten ihn in diesem seinem Heim tief darniederbeugen. Nach dem Hinscheiden seines Schwiegervaters entriß ihm der Tod drei Jahre später, am 1. Juni 1785, die tieue Lebensge ährtin. Eine nicht uninteressante Jagd entwickelte fich, der „No dd. Allg. Ztg." zufolge, am Sonntag Vo mittag bei der F eiarche am Schiestschen Busch. Dort hatten fick schon in den Moi genstunden zwei große Fischottern gezeigt. Später saß der eine rn aller Gemülhlichkeit auf einem Stück Eis, welches fich in einem Winkel an der kleinen Schleuse angesetzt hatte, und glotzte das zahl, eich umh rstehende Publikum ganz unverftoren an Bald verließ er seinen kühlen Sitz, glitt ins Waffer, kam wieder, verschwand wieder und trieb das eine Weile io fort. Unterdessen waren zwei Jäger herbeigeholt; aber der Fischotter schien Lunte gerochen zu haben und hatte fich davon gemacht. Bald tauchte er in der Mi te des Stromes bei der Freiarche wiederlwlt auf, so daß sein Weg ganz genau zu verfolgen war. Nun gingen die beiden Schützen schußfertig der Eine auf dem linken, der Andere auf dem rechten Ufer enilang, von der ganzen schaulustigen Menge begleitet- So waren Alle bis zur Brücke am Lobmühlenweg gekommen. Hier entstieg der Otter dem kalten Element, um auf der Kante eines Brückenpfeilers über dem Wasserspiegel etwas zu verschnaufen. Diesen Augenblick benutzte ein Wachtmeister der Strompolizei und bereitere dem bösen Fischräuber durch einen wohlgezielten Sckuß ein jähes Ende. Mit Mühe gelang es zwei Schrffern, die Beute vermit« telst eines Handkahnes aufs Trockne zu bringen. Der glückliche Schütze zog mit ihr davon, von den Vorübergehenden ob der« selten nicht wenig angestaunt. Etseudahn-Unfall. Wie uns mitgeiheilt wird, erlitt der am Sonntag Morgens 8 Uhr 10 Minuten von Charloltenbura abgegangenen Personenzug der Görlitzer Eisendahn dadurch einen Unfall, daß kurz vor der Station Hankes-Ablage von dem rechten Vorderrade der Lokomotive der Reifen absprang. Der Lokomotivführer bemerkte dies sofort und konnte den Zug glück- licher Weise noch zum Stehen bringen, bevor eine Entgleisung desselben erfolgte. ES wurde sofort nach Königs-Wusterbausen telegraphirt, von wo darauf eine Lokomotive geschickt wurde» welche den Zug nebst der verunglückten Lokomotiee im lang« samen Tempo bis KönigS- Wusterhausen brachte, woselbst vre durch den Unfall urbrauchbar gewordene Lokomotive zur Repa« ratur gelassen wurde. Der Zug erlitt durch den Unfall eine Verspätung von ca. 1'/- Stunde. Am Sonnabend Abend zwischen 11 und 12 Uhr veranstaltete die Berliner Pferdebahn auf der Strecke Brandenburger Thor— Ausstellungspark eine Probefahrt mtttelst Elektrizität. Die Vertreter des Polizeipräfid umi wohnten der Fahrt bei. Es war gerade diese Strecke ausgewählt worden, weil fie reich an scharfen Kurven ist und somit die höchsten Anforderungen an die Leistungsfähigkeit stellt. Die Fahrt wurde zwei Mal hin und zurück ausgeführt und ging ohne Störung von statten. Den Bewohnern deS Hanse« Heilige Geiststraße 49, Ecke der Brauhauestcaße, wurde vor einigen Tagen eine nicht geringe Uederraschuug bereitet. Das gedachte Haus muß näm« ltch zum Theil der neuen Flucht der Kaiser Wilhelmstraße weichen, weil dasselbe mit seiner nach der Brauhausstraße zu belegenen Front iu die Flucht der Kaiser Wilhelmstraße springt. Mit dem Eigenthümer deS Hauses war zwar der Eatschädi« aungSbeitrag vereinbart worden, die Miether, welche die Ver« kleinerung des Hauses trifft, hatten noch Konttakte hiS zum nächsten Jahr und waren der Meinung, vor dem 1. Oftober 1886 ihre Räume nicht verlassen zu brauchen. Am Sonnabend wurden fie nun durch polizeiliche Verfügung aufgefordert, innerhalb fünf Tagen ihre Lokaletäten zu räumen. Man kann fich namentlich die Verlegenheit der Geschäftsleute denken, welche so kurz vor dem Fest in ihrem Beruf so arg gestört werden sollten. Mehrere der Betroffenen begaben fich nun zum Polizeipräsidenten, der ihnen darauf gestattete, noch bis nach dem Weihnachtsfest in den alten Räumen zu ver« bleiben. Drei unbekannte» anständig gekleidete Herreu cngaairten am Sonntag Nachmittag gegen 4 llhe den Führer der Droschke l. Klaffe Nr. 1435, S., zu einer Fahrt nach dem Restaurant zum deutschen Kaiser bei Plötzensee. Dort ange« kommen, stiegen die Fahrgäste auS, ließen dem Kutscher ein Glas Bier geben und fuhren dann nach Eaatwinkel, wo fie im letzten Lokal einkehrten. Nach kurzem Aufenthalte wurde die Rückfahrt angetreten, nachdem dem Kutscher die Weisung ertheilt worden war, langsam zufahren. Zwischen der Plötzen- see'er- und der Torfbrücke erbrelt obne jede Veranlassung der Kutscher von einem der Fahrgäste plötzlich einen Schlag mit einem harten Gegenstand(Siock oder Todtichlägerl auf den Hinter- köpf, so daß er stark blutete. Die Fahrgäste sprangen demnächst aus der Droschke, und als S. gleichfalls vom Bock sprang, um einen derselben festzuhalten, erhrelt er einen zweiten Hieb in? G.sicht, welcher ihm das Nasenbein zerschmetterte. Dann er- griffen die sauberen Patrone die Flucht, auf welcher S- fie nicht verfolgen konnte, da er zu schwer verletzt, auch daS Pferd gestürzt war und den Scheerbaum zerbrochen hatte. S. schickte daS Gespann durch einen Bekannten an seinen Fuhrherrn und begab fich zur nächsten Sanitätswache in der Pankstraße. Be- bufs Ermittelung der unbekannten Fahrgäste wird nach dem Führer einer andern Droschke l. Klasse geforscht, welcher mit seinem Gefährt vor dem Restaurant zum deutschen Kaiser zu gleicher Zeit mit dem verletzten Kutscher E. hielt und zu letzterem geäußert hat:„Ei, Du hast ja eine feine Fuhre!" Derselbe wolle fich bei der Kriminalpolizei melden, oder auf dem nächsten Polizeibureau seine Mittheilungen zu Pro- tokoll geben. Menschenrettung an« dringender Lebensgefahr in Verbindung mit der Bewältigung eines größeren Brandes auf dem Grundstück Holzmarktstraße 33/34, das waren die beiden Aufgaben, welche der Feuerwehr am Dienstag Abend zufielen und von ihr auch mit dem besten Erfolge gelöst woid-n find. Auf dem betroffenen Grundstück befindet fich die Kalkbrennerei und Mörtelfabrik von Bonn, und enthält dasselbe neben den zu der gewerblichen Thätigleit benöth igten Baulichkeiten, zu welchen auch ein großer Ringofen gehört, an seiner Grenze nach dem Stralauerplatz zu in der Hinterfront bis dicht an das dortige Feuerwachtgrundstück herangehend, ein von der Straßenfront zurückgebautes, mit dem Giebel nach letzterer weisendes langes z oeistöckiges Seitengebäude, dessen Erd» geschoß zu Komtoirzwecken sowie als Remise für die Mörtel- wagen benutzt wird. Die 1. Etage ist bewohnt, während daS oberste Geschoß bis in das Dach hinauf zur Lagerung ganz beträchtlicher Vorräthe an Rohr, Flechtweiven und aus letzterem Material hergestellter Körbe benutzt wird. Unter diesen Lagcroorräthen war gestern Abend aus bisher unbekannt gebliebener Ursache Feuer entstanden, welches mit einer unge« mein starken Oualmentwickelung in die Erscheinung trat. Die Feuerwehr wurde, der„Ntt. Ztg." zufolge, kurz vor 9-/« Uhr alarmirt; die erste Hilfe war von der benachbarten Feuerwache ohne Zertverlust zur Stelle, wenige Minuten darauf traf Unter« stützung von dem Depot in der Köpnickerstraße ein, welcher bald der größte Theil der Löschbereitschaft solgte. Da der Rauch nach oben keinen Abzug fand, hatte fich derselbe nach unten kompakt zusammengeballt und die Wohnungen und den Treppen« flur derartig erfüllt, daß die Treppe überhaupt nicht wehr pasfirt werden konnte, wodurch die Bewohner, welche nicht gleich bei den ersten Anzeichen der Gefahr das Freie gesucht hatten, in Eistickungspefahr geriethen. Es waren dres zwei Er« wacksene und zwei Kmder. Die Etage wurde sofort mittelst der Hakenleitern erstiegen, der Rettungsjack, sowie das Sprung« tuch und die große mechanische Leiter bereit gemacht, während gleichzeitig durch die widerstandsfähigsten Mannschaften Hilfe über die Treppe zu bringen versucht wurde. In unglaublich kurzer Zeit hatten letztere daS fast Unmöglich: möglich gemacht und sämmtliche Personen wohlbehalten, wenn auch von dem Rauch schon tdeilw.'ise sehr benommen, ihrer Bedrängniß entrissen und auf den Hos hinunter befördert; nur bei einem älteren kranken Manne war die Beförderung mittelst des Ret« tungSsackcs nothwend g geworden, während die übrigen über die Treppe hinunter getragen wurden.— Gleichzeitig war man von außen und so gut eS ging, auch von innen dem Brande zu Leibe gegangen und hatte nach und nach 2 Dampfspritzen, dir Gas und Tampssprltze und 3 Handdiuckspritzen ins Gefecht geführt. G oße Schwierigkeiten wurden dem Angriff dadurch bereitet, daß die Fensteröffnungen mit Weiden- und Rohr« bündeln fest verpackt waren, daS Eindringen in den Brandherd von außen deshalb erst nach längeren mühsamen Vorberei« tungen erkämpft werden konnte. Nach erfolgtem Durchbrechen der Flammen durch daS Dach wurde die Situation eine etwas bessere, da der Qualm nunmehr seinen Abzug nach oben fand. Vorher wurden noch eine Anzahl Mannschaften: Ober« feuermann Kreutzderg. die Feuermänner Mierwald. Peuckert, Habicht und Hoffmann, sowie die Hpritzenmänner Tscharntl« und Glaser, welche beim Angriff mit den von ihnen dirigmen Echlauchltitungen übet die Treppen hinweg zuerst zu dem Brand- Heid g-Ianaten, von einem gesährlichen Unfall betroffen, indem oiesetven sammllich vom Qualm so benommen wurden, daß ste bewustlos niedersanken; von den nachfolgenden Kameraden sofort hinuntergeschafft und bald wieder zum Bewußtsein zurück» gebracht, wurden drei von ihnen nach Bethanien, die übrigen nach ihren Wohnungen übergeführt. Der Brand ist im Uebrizen aus das oberste Stockwerk dezw. auf daS ergriffene Lager beschränkt worden; zur Herbeiführung diesei Resultats bedurft« es zwar noch stundenlangen schweren Kampfes, und «st heute Vormittag gegen 11 Uhr waren die umfangreichen AusräumungSarbeiten zu Ende geführt. Das zerstörte Lager gehörte den Korbweidenhändlern Berger und Benzin. Gerichts-Zettiwg. Die erste Differenz wegen der im Kriminalgericht eingeführten neuen Maßregeln, wonach die Sitzungssäle ohne besondere Genehmigung des Vorsttzenden von Niemand, selbst "on den Rechtsanwälten nicht, die in einer späteren Sache zu lungiren haben, betreten werden dürfen, machte stch bei einer Seffern vor der ersten Strafkammer hiefigen Landgerichts I allgehabten Verhandlung geltend. Rechtsanwalt V. A. Hoff« wann ist als Vertheidiger deS Zimmermanns Wilhelm Klutt geladen, der stch gestern neben dem Malergehilfen Emst Evener auf eine Anklage wegen fahrlässtger Tödtung mit Uebertretung ber Gewerbspflrcht zu verantworten hat. Die Terminsstunde war 10'/, Uhr. Um nun zu seiner Information die Gerichts- äffen noch einmal durchzusehen, war R.-A. Hoffmann schon war tinigen Tagen um unbeschränkten Einlaß in den Sitzungssaal tjngekommen, ist aber abschläglich besckicden worden. «or Eintritt in die bcregte Verhandlung stellte er nun den untrag, ihm vorher die Gerichlsakten zu seiner Information auszuhändigen, und protestirt, als dies, da ein gesetzlicher Grund hierzu nicht vorliegt, abgelehnt wurde, gegen die weitere Ver- aandlung, indem er in der Nichtaushändigung der Akten eine «eschräntung der Vettheidigung seines Klienten erblickte. Der Gerichtshof begnügte sich damit, den Protest zu Protokoll zu »ehmrn, und uat in die Verhandlung ein- Es handelte stch % einen schweren Unglücksfall, der auf dem Lehrter Güter- aabnhofc bei dem neuen Anstrich der Etsentheile der Hallen- Wölbung dadurch passtrte, daß der Anstreicher Vietz'e- am %. Juni er. von der Rüstung herabfiel und infolge eines dar' trlillencn Schädelbruchs seinen soforttgen Tod fand. Der erste Eingeklagte war mit der Auffübrung der Rüstung betraut ge- vesen, während der zwette Angeklagte die Malerarbeiten zu leiten hatte. Beiden wird die mangelhafte Anlage der Rüstung tum Vorwurf gemacht. Der Belag von Brettem unter der Decke war nämlich ein unvollständiger, so daß Lücken von Pehmen Metern bestanden haben, und durch einen Fehltritt b«s Victzker ist dessen Absturz zum Boden hervorgerufen worden. Der erste Angeklagte behauptet, daß er bei Uebemahme der Arbeit lediglich nach den ihm ertheillen Anordnungen gehandett habe und daß ihm auch keinerlei Verantwortlichkeit aufgebürdet Vörden sei. Derartige Rüstungen hatte er bisher nie anzu» fertigen gehabt. Der zweite Angeklagte schreibt den sjehllritt seines verunglückten Kollegen einem Unglück- «chen Zusammentreffen zu. Die Beweisaufnahme brachte »eue Momente nicht zu Tage; auch dem Gut- Uten des Bausachverständigen war die Anlage der Rüstung eine derartig konstruktionswidriae, daß fich d>e Arbeiter auf derselben in steter Lebensgefahr be- landen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Klutt als den Hauptschuldigen neun, gegen Evener sechs Monate Gefängniß. Der Vertheidiger hob in feinem Plaidoyer hervor, daß der ein» f'fle Eckuldige der inzwischen verstorbene Prokurist Hottetet K welchem die Verantwortlichkeit für die Ausführung särrmt- lühn Arbeiten obgelegen habe. Sein Klient habe nur die ihm 1 getragenen Arbeiten geleistet. Der Gerichtshof verurtheilte IM Hauptangellagten zu vier, den Mitangeklagten zu zwei IZionatkn Gefängniß, indem er annahm, daß Beide stch der Wahr, welche durch die mangelhafte Ausführung der Rüstung % b(e Arbeiter heraufbeschworen war, hätten bewußt sein . � Die Eigenthümerin des Hauses Spandauerstp. 48. Kau Pauline Worcmann, hatte fich gestern vor der dritten vtraikammer hiefigen Landgerichts i auf erne Anklage wegen Zlril v. I. brach bei einem Transport von Bierfässern nach Wem Keller die Treppenwange ab, und Züll beanspruchte urch den Vizewstth von der Angetlagten, welche in der Leip. DSMSöMW Vorsicht" an. Die Angeklagte ließ auf die Aufforde- deS Z. demselben erst antworten. daß deriemge. Richer die Treppe zerbrochen hätte, ste auch repa- %«t lassen möge, alsdann beaufttaate ste aber den Zimmerpolier Kusowsli, die an der Kellertreppe nothwendigen Waraluren vorzunehmen, ohne aber dieselben als eilig zu de» Pchnen. Am 22. Mai er. brach beim Pasfiren der Treppe Si Züll die zweite Treppenstufe plötzlich ab,. Z. stürzte hinunter Pb erlitt ernste Beschädigungen, die ihn längere Zeit an das fesselten. Die Staatsanwaltschaft macht nun die Ange- für diesen Unglücksfall verantwortlich, we l ste die Repa- »S an der Treppe wegen der ihr mrtgetheilten Gefahr des k°sftrens derselben nicht sofort hatte ausführen lassen. Ter WchtShof erachtete auch die Schuld der Angeklagten für dar- N-n, sah aber im Gegensatz zum fungirenden Staatsanwalt. fc eine Strafe von 400 M. beantragt hatte, deren Fahrlasfig» M nicht für eine sehr gröblich- an und verurtheilte ste zu � M. eo. zu 15 Tagen Haft. Der Mainzer Doppelmord vor dem Schwurgericht. Mainz, den 15. Dezember 1885. Erster Tag der Verhandlung. . Der Andrang des PMikums i� selbstverständlich ein ganz wenser. Obwohl der imposante Schwurgrrichtssaal hmlang- 3% Raum bietet, so find die Vertreter der Presse in Er» d�g-lung eines Tisck-S genöthigt, auf den Knien zu schreiben. dem Tische des Gerichtshofes ist ein förmliches Waaren- W aller Arten Kleidungsstücke, die als Beweismaterial Abgeiichtsrath Dr. Vockenheimer und Landnchter Dr. Pree- «r ÄÄUÄ Nachdem er die Anklagebank betreten, werden ihm die rtf«ariii ««-z-xsM-W gt&aSsi'feSSaSas außerordentlich. Präs.: Angeklagter, wo find Sie denn erzogen worden? Angekl.: Bis zum zwölften Jahre bei meiner Mutter. Präs.: Und wo war Ihr Vater? Angekl.: Herr Präfident, über meine Mutter will ich Ihnen gern stde Auskunft geben, bezüglich meines Vaters muß ich jedoch Diskretion beobachten. Präs.: Sie find also bis zum zwölften Lebensjahre hier in Mainz bei Ihrer Mutter erzogen und hier in die Schule gegangen? Angekl.: Ja. Präs.: Und waS geschah dann? Angekl.: Dann wurde ich in eine Privat. Erziehungs> An- stalt gegeben, wo ich bis zu meinem vierzehnten Lebensjahre verblieb. Präs.: Traten Sie alsdann in die Lehre? Angekl.: Nein, ich wurde zunächst Handlanger, ich erlernte erst später das Schuhmacherhandwerk. Der Präfident konstatirt, daß der Angeklagte bereits im Jahre 1852 wegen Diebstahls bestraft worden ist. Im Wei- teren wurde der Angeklagte noch vielfach, stets wegen schweren Diebstahls. mit langjährigem Gefängniß und Zuchthaus bestraft. Präs.: Nun, Angeklagter, Sie werden beschuldigt, am 26. August d. I. die Wothe'schcn Eheleute ermordet zu haben? Angekl.: Herr Präfident, ich bin vollständig unschuldig. Präs.: Sie wiffen, daß sehr starke Verdachtsmommte gegen Sie vorliegen, ich will fie Ihnen nicht jetzt sämmtlich hier vorführen, dieselben find aber in ihrer Totalität so er- drückend, daß es in Ihrem Interesse liegen würde, wenn Sie ein offene« Geständniß ablegten. Angekl.: Ich bin unschuldig, mithin kann ich einGeständ- niß nicht ablegen. Präs.: Sie find am Abend des 26. August von 6'/, Uhr ab in Gesellschaft der Frau Wothe gesehen worden? Angekl.: Ich war allerdings gegen 6'/, Uhr Nachmittags bei Frau Wothe, ging alsdann nach der Windmühle hinauf und begab mich gegen 7'/, Uhr in die Nikolai'fche Wirthschast, dortselbst traf ich Frau Wothe an. Ich trank mtt ihr gemein- schastlich ein Glas Bier und begab mich alsdann mit ihr in die Wothe'sche Wohnung. Kaum waren wir in der Wothe'schen Wohnung angelangt, da kam der Ehemann Woche und machte seiner Frau Vor- wü�fe. Welcher Art diese Vorwürfe waren, weiß ich nicht mehr. Ich sagte n?ch zu Wothe: er solle von seinen Vorwürfen ab« lassen, denn F-tu Wothe müsse doch ihren Körper hingeben, um für die Famif.» den Lebensunterhalt zu verdienen. Ich muß hierbei bemerke?, daß Frau Woche, abgesehen von dem Erwähnten, eine sehr anständige Frau gewesen, die sehr zu achten war. Präs.: Run, Frau W>.che war verheirachet, trotzdem ließ fie fich von Ihnen küssen und lebte mit Ihnen überhaupt auf sehr vertrautem Fuße, ich weiß n;-ht. ob eine solche Frau so sehr zu ackten ist. Angekl.: Ich bestreite entschied«., �;* die Frau Wothe jemals geküßt, oder irgend ein intimes BerhruL.zs mit ihr unterhalten habe. Präs.: Sie duzten fich doch mtt ihr? Angekl.: Auch daS ist unwahr, Frau Wothe nannte mich fast immer ,/Herr Herbst. Nur wenn ich einmal etwas holte und fie mir, zum Fenster hinaus, noch etwaS nachrief, da sagte fie bisweilen„Fritz", aber stets redete fie mich mit Sie an. Präs.: AlS Sie am 26. August Abends Frau Wothe aus der Nikolai' schen Wirthschast abholten, da sollen Sie in sehr aufregtet Weise mit der Wothe im Flüstertone gesprochen haben. Frau Wothe soll Ihnen anscheinend Einwendungen gemacht, Sie sollen jedoch eine abwehrende Handbeweguna gemacht und gesagt haben:„Ach waS, es kann ja nicht'rauskommen?" Angekl.: DaS bestreite ich ganz entschieden; ich gebe zu, daß wir unS im Flüsterton unterhatten haben, die erwähnte Aeußerung habe ich jedenfalls nicht gethan. Präs.: Nun, wir werden ja die Zeugen hören. Es wird nunmehr den Geschworenen der Plan der Stadt Mainz, sowie eine Zeichnung der Woche'schen Wohnung über« geben. Alsdann erscheint als Zeuge Beigeordneter Dr. Gaßner, der zur Zeit der That Staatsanwalt war und die erste Unter» suchung geführt hat. Dieser erzählt, in welcher Weise am Mar» gen des 27. August der Rumpf im Rheiustrom vorgefunden wurde. Man glaubte zunächst, der ermordete Mann sei das Opfer einer Eifersucht geworden und der Verdacht der Thäter- schaft lenkte fich zunächst auf eine Meßverläuferin, die unver« ehelichte Marie Müller aus Frankfrrt a. M. Ich telegraphirte sofort nach Frankiurt, das mit der Müller sofort angestellte Verhör ergab jedoch deren vollständige Schuldlofigkeit. Sehr bald darauf machte eine Schiffersfrau bei der Polizei die An» zeige, ihr Mann sei spurlos verschwunden. Am Nachmittage desselben Tages wurde die ermordete Frau Wothe vorgefunden. Da weder Herbst noch Wothe anzutreffen war, so faßte ich sofort den Verdacht, Herbst und Wothe haben beide Mord- thaten gemeinschaftlich begangen. Ich wußte, daß die er- mordete Frau Wothe von der Prostitution lebte. Ich nahm daher an es sei ein Mann bei der Wothe gewesen, der Zwecks Beraubung von Herbst und Wothe gemeinschaftlich ermordet worden ist. Ich nahm ferner an, daß die Mörder, nachdem fie den Fremden ermordet, auch die Frau Wothe aus dem Wege geschafft hatten, um fich einer lästigen Zeugin zu ent- ledigen. Ich telegraphirte deshalb sofort an alle deutschen Polizeibehörden und an alle Haienplätze, daß Wothe und Herbst als Mörder verfolgt werden. Dieser Verdacht wurde bei mir um so größer, da, nachdem ich die Wohnung des Herbst hatte untersuchen lassen, unter dem Bett desselben ein bebluteter Hemdliagen, eiw bebluteteS Taschentuch und ein Paar beblutete Hosen vorgefunden wurden. Am Morgen des 28. August hörte ich zu meiner Freude, daß Herbst in Laubenheim ergriffen worden s«. Ich bemerke noch, daß sehr bald festgestellt wurde: Herbst sei am Abend des 26. August mit Frau Wothe in der Nikolai'schen Wirthschast gewesen. Frau Wothe babe schon lange da gesessen, als Herbst ganz aufgeregt in die Wirthschast kam und der Frau Wothe etwaS leise in's Ohr sagte. Frau Wothe habe anscheinend Einwendungen gemacht, darauf habe Herbst gesagt:„ES kann ja nicht'rauskommen." Als wir den Herbst verhörten, machte er im Laufe des mehrstündigen VerhörS plötzlich die Bemerkung: Der Wothe ist ja aefunden worden. Ich fragte den Herbst, woher er das wisse. Darauf antwortete er: er habe eS im„Mainzer Anzeiger" gelesen. Ich ließ sofort den„Mainzer Anzeiger" holen und forderte den Herbst auf, mir diese Notiz zu zeigen. Als er dieselbe trotz langen Suchrns nicht fand, sagte er: Dann habe ich mich geirrt und diese Nachricht irgendwo gehört.— Als Herbst zu der Leiche der Frau Wothe geführt wurde, bedauerte er die Frau mit dem Bemerken, daß er derselben viel Dank schuldig sei. Als ihm der ihm Rhein gefundene Rumpf gezeigt wurde, war er sehr gleichgiltig und gab vor. denselben nicht zu kennen. Staatsanwalt Ewald: Herr Zeuge, erinnern Sie fich, daß der Angeklagte bei dem erwähnten Verhör, dem ich auch bei- gewohnt, von dem Zusammentreffen in der Nikolai'schen Wirth» schaft nicht daS Mindeste erwähnt hat? Zeuge: Jawohl, das ist richtig. Präs.: Nun Angeklagter, was sagen Sie dazu? Angell.: Ich habe nicht gesagt, Wothe sei gefunden, ich hätte es im„Mainzer Anzeiger" gelesen. Das ist entschieden ein Jnthum. Ich habe bloS gesagt, ein Mädchen in der Gastwirthschaft„zur Rose" hat mir von Frau erzählt. der Auffindung der Beigeordneter Dr. Gaßner: Ich muß meine Aussage vollständig auftecht halten. Angekl.: Hnr Adjunkt, Sie irren stch. Beigeordneter Dr. Gaßner: Ich kann mich nicht irren. da diese Ihre Bemerkung nicht bloS mir, sondern allen im Verhörzimmer Anwesenden ganz außerordentlich auffiel. Vertheidiger: Herr Zeuge, der Verdacht der Thäterschaft lentte fich zunächst mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Marie Müller. Es meldeten fich eine Reihe von Zeugen, die dett Mantel, in dem der Rumpf eingewickelt war, als der Müller gehörig bezeichneten? Zeuge: Ja, allein eS stellte fich jedoch sehr bald die Grundlofigkeit all' dieser Bekundungen heraus. Schutzmann Lämmersdorf bekundet über die Art. wie die ermordete Frau Wothe aufgefunden worden. Die Wothe habe einen Schuhmacher- Riemen fest um den Hals ge- schlungen gehabt. Gleich nach der Verhaftung des Herbst wurde konstatitt, daß seine Weste, Hosen.und Hemd beblutet waren. Präs.: Nun, Angeklagter, was haben Sie darauf zu sagen? Angekl.: Ich habe ja keine blutige That begangen, mit-- hin können auch meine Kleider nicht beblutet gewesen sein. Präs.: Sind das nicht Ihre Sachen? Angekl.: Eine ähnliche Hose und Weste habe ich wohl besessen, ich kann aber nicht sagen, daß dies meine Sachen find. Präs.: Unter Ihrem Bett wurde aber ebenfalls ein Bündel bebluteter Sachen vorgefunden, sehm fie fich diese Sachen ein»- mal ani? Angekl.: Genau kann ich dieselben auch nicht wieder erken- nen; im Uebrigen bemerke ich, daß ich sehr oft die Sachen von Wothe und Wothe meine Sachen getragen hat. Femer muß ich bemerken, daß mir kurz vor dem Morde ein paar Hemden gestohlen wurden. Durch mich find die Sachen jedenfalls nicht beblutet worden. Kriminalschutzmann Oeferberg bekundet, daß Wothe gleich nach seiner im Monat Juli d. I. stattgehabten Verehelichung den allerdings vergeblichen Versuch gemacht habe, seine Frau von der fitt-npolizeilichen Kontrole zu befreien. Frau Wothe sei nach wie vor ihrem unsauberen Gewerbe nachgegangen und habe auch mit Herbst ein inttmes Verhältniß unter- haltm. Der Angeklagte bestreitet die letzte Bekundung. Schutzmann Hodann bekundet über die Art der Auffindung dei Rumpfes, KovfeS und der beiden Oberschenkel. Wothe s« ihm(dem Zeugen) persönlich genau bekannt gewesen; er habe den aufgefundenen Kopf an den Gesichtszügen sofort als den des Wothe erkannt. ES tritt nunmehr eine längere Pause ein. (Fortsetzung folgt.) Myslowttz, 12. Dezember.(Die Schulstrafen.) Die gestrige Sitzung des hiefigen Schöffengerichts beschäftigten. wie hier fast regelmäßig, die Strafen für Schulversäumniffe.. Es ist dies ein Beweis für daS soziale Elend in unserer Stadt. So nothwendtg einerseits ein regelmäßiger Schulbesuch ist, so machen andererseits die sozialen ErwerbSverhältniffe diesen Schulbesuch unmöglich. Auch gestern erschienen, wie ge- "aälj*' aKf Anklagebank arme Wtttwen, die schul- pfUGzir»' ahn auch noch ganz kleine Klinder zu ernähren haben und eine. �reichende Armen-Unterstützung nicht haben er- wngen können, jum sost nun eine solche arme Wittwe th'— i ©oll ste»u Hause bleu, n und mit ihren Kindern verb-ungern, oder soll ste ihr zur«-'--'fichtigung ihrer kleinW Krnder vom Hause unabkömmliches Kuiv«u schule zurückhalten und fich in der Fabrik einen kümmerlichen Verdienst suchen, dann der Schulstrafe verfallen und diese Strafe durch tagelange Haft abbüßen? Mit Recht antwortete gestem eine angeklagte Wittwe auf die Vorhaltung des Vorfitzenden, das Gesetz verlange regelmäßigen Schulbesuch,„ja, mit dem Gesetze kann ich meine Kinder nicht ernähren" und auf die fernere Aeußerung des Vorfitzenden, fie möge fich wegen Armen-Unter- stützung an den Magistrat wenden:„Dies habe ich gethan bin aber abgewiesen worden", was der Herr Bürgermeister. alS Vertreter der Amtsanwaltschaft, nicht widerlegen konnte. Mit dm verlangten Entschuldigungen hat eS auch seine be» sondere Bewandniß. Schreiben kann so eine Wittwe nicht und zur mündlichen Entschuldigung fehlt ihr die Zeit, da fie von 6 Uhr Morgms bis spät Abends auf Arbett fich befinden muß, soll fie ihren geringen Arbeitsverdienst nicht verlieren. Und wem fällt während der Strafhaft der Mutter die Ernährung der Kinder anheim, als eben der Kom- mune, die mit der Armen-Unterstützung so bauShälterisch ver» fährt! Dem R-fermtrn ist eine solche Wittwe bekannt, die zwar eine monatliche Armen Unterstützung von sage„drei Mark" erhält, trotzdem aber schon mehr als 2 Monate Hast für Schulversäumniffe ihrer Kinder hat verbüßen müssen; wäh. rend dieser Haft hat die Kommune die Kinder doch«nähren müssen und dabei ist die Wittwe obdachlos, denn für monat- lich 3 M. erhält fie hier keine Wohnung. Dies find überaus traurige Zustände, deren Beseitigung nur durch die Gesetzgebun möglich ist. Leider scheint jedoch wenig Ausficht zu sein, da unsere Volksv«tteter diese Zustände fo bald bessem werden. Soziales und Arbeiterbewegung. Die Fachkommisston der Steindrucker und Lttho- graphen steht fich zu folgender Richtigstellung der Erklärung Die%& stellung wäre sofort erfolgt, vre Fachkommisfion wollte fich je- w-rden muß. 1. Eine Aenderung der Arbeitszeit hat stattge- Drese Verkürzung wurde um 2 Stunden per Tag bewilligt. fcrÄ ÄWi® a?«« große Mehrzahl der Drucker nur 7, 8, 9, 10-18 Mark ver- vi">t. 3. Die jetzt bei genannt« Firma beschäftigten Drucker hatten die Arbeit ebenfalls niedergelegt, wenn ihnen nicht die Firma pro Mann und Woche 3 Mark extra gegeben und in dieser Weise dem zweiten Streik vorgebeugt hätte. 4. Von der Wahrheit, mit welch' geringem Verdienst die Drucker abgefer- |Ä KAÄ Ittt Posten mit einem Verdienst, wie oben angeführt von 7. 8, g bis 15 M. gefunden. 5. Die streikenden Drucker konnten nicht fordern, was ste wollten, denn dieses war Sache der Komis- fion, und diese wurde von der Firma gleich mit der Andeutung abgespeist, daß die Firma keinen von den Streikenden je wieder in ihre Druckerei einstellen werde. Es bat deshalb auch keineir Zweck gehabt, daß man überhaupt eine Forderung stellte. Daß aber die Drucker eine solche Abstcht hatten, das haben fie in den zwei öffentlichen Versammlungen b-iBuggenhagen genügend auseinan. dergesetzt und waren ihre Forderungen auch vollständig gerechtfertigt- Die Kollegen sahen das auch ein und erklärten fich mit den Streikenden nicht nur für solidarisch, sondern billigten da? Vorgehen dttselben einstimmig. Kollegen! Die jetzt arbeiten» den Drucker find zum zweiten Male mit der Forderung an die Firma herangetreten und man hat ihnen einen Mtnimallohn von 21 Mark und gesetzliche Kündigung bewilligt. Es muß jetzt unsere Pflicht sein, für die Streikenden so lange zu sorgen. bis fie alle untergebracht find. Das Weihnachtsfest steht vor der Thür und Jeder will seinem Nächsten eine Freude bereiten. Wir müssen ein Gleiches an den Streikenden thun. die alle für im? eingetreten find; wir müssen zeigen, dass nur auch im Stande find, zusammen zu halten und für einander einzutreten- Die Zahlstellen find bei Weick, Aleranderstr. 31; Schayer, Invaliden» und Ackerstraßen- Ecke, und bei Kreutz, Kottduser Platz, Sonnabend und Montag Abends von 6—9 Uhr und Sonntag Vormittags von 9— 12 Uhr. Die Fach- Kommission der Steindrucker und Lithographen. Die Beschäftigung der jugendliche« Arbeiter ist fast überall im Steigen. Dieselbe ist seit dem letzten Jahre in den industriellen Bezirken Deutschlands um zirka 3 Prozent gestiegen. Der Fabrikinspettor von Düsseldorf hat dm an». kennmswerthen Muth, von„der lohnverderbenden Wirkung der Gefängnißarbeit" zu sprechen und dieselbe, soweit fie den„freim Arbeitem" Konkurrenz macht, entschieden zu ver- urtheilm. A»S der Oderlausitz wird der„Manufakturarbeiter- Zeitung" nachstehendes geschrieben: An Arbeitskrästcn ist hier, wie überall, kein Mangel und ist als charakteristisches Zeichen mttzutheilm, daß hiesige Fadrikantm trotzdem in dm Nachbar- städten annonziren laffm:„Weber und Weberinnen werden die gutem Lohn gesucht", um auf diese Weise die Konkurrenz unter den hiesigen Arbeitern zu vermehren und die Löhne herabzudiücken. Gestützt auf solche Manipulationen ist es auch nur möglich, den Arbeitem das zu bieten, waS nachfolgender Ukas erhält. „Bekanntmachung! Um zu erreichen, daß die Kammgarnweber die allergrößte So-gfalt anwenden, entschließen wir uns, die bisherigen Löhne zu erhöhen und werden unS vor Aufnahme der Arbeit verständigen. Dagegen find wir aber genöthigt folgende Strafen ein- treten zu lassen, und werden Hoffmtlich jedoch recht selten nöthig haben, hiervon Gebrauch machen zu müssen, da unS einzig und allein an gutem Ausfall der Stücke ge- legen ist. Wir bringen in Abrechnung für jede Platte von 10 Ztm. 20 Pf. und 5 Pf. für jeden Zlm. mehr; jeden SchlurkS oder Unreinlich keit vom Schützen 50 Pf., jeden Schußfehler 26 Pf., jeden verzogenen Faden bis 1 Meter 1 Mark und für jeden darauf folgenden Meter 2 Mark, jeden versetzten Faden bis 1 Meter 1 Mark 50 Pf., über 1 Meter jeder 3 Mark mehr, jede aus- gebrochene und schlecht regulirte Stelle 50 Pf., schlechte Leiste von 50 Pf. bis 1 M. M. und O. Sommerfeld." Wie daS obengenannte Blatt mittheilt, so vcrdimcn auch in jener Fabrik Weber auf kleinen Musterstühlcn stündlich nur 12 Pf., jugendliche Arbeiter 10, ebensoviel die Wollleserinnen und Noppcrinnen. DaS ist allerdings ein trauriges Bild. Die Gemeinde-Kranken-Veriicherung zu Offenbach steht, wie das„Dffenbacher Tageblatt" mittheilt, vor einem de- trächtlichm Defizit, welches fich nach Ansicht unseres Herm Bürgermeisters für'S nächste Jahr auf 8000 M., sage und schreibe achttausend Marl beläuft. Noch vor wenigen Wochm glaubte man in gewiffm Kreisen an einen glänzenden Abschluß der Gemeindeverfichemng, und heute achttausend Mark Defizit! Das ist bitter! AuS der Schweiz ist eine zwar kleine aber interessante soziale Maßregel zu verzeichnen. Der große Rath in Basel hat ein Gesetz angenommen, nach welchem alle Beerdigungen auf Kostm des Staates vorgenommen werden. Es versteht sich. daß dabei alles unnütze Gepränge wegfallm muß. Wir>>0 auf der einen Seite eine allgemeine Gleichheit weniak«-«S m >r. Bestattung der Todten herbeigeführt, so F?4 NS anderer. ftttö»iMjt verkennen, daß durch die Uebe"'-hme der Beerdr- mmgskosten guf den Staat dem Arf--"!* sehr drückende Sorge abgmo„*..~.„ rrirh. Auch a«S den Seidenwebereien verschwindet der Hand- stuhl immer mehr. Noch vor 20 Jahren gab es z. K. im Kanton Zürich zirka 30000 Handslühle, die jetzt bis auf einige tausend verschwunden find. In der Rheinprovinz geht eS ge« nau so; die meisten Handweber treiben ihr Geschäft nur noch als Nebenverdienst. Durch die„Kraftstühle", welche neuer. dingS eingeführt find, ist ihnen auch dieser Nebenoerdimst ver- lorm gegangen und so hört man allüberall Klagen. Die Düsseldorfer Regierung will es nun versuchen, mechanische Stühle herstellen zu lassen, die fich auch für die Hausindustrie eignen. Wir glauben, daß eine derartige Spekulation eine völlig verfehlte ist, da auch dann noch die Leistungsfähigkeit der Hausindustrie gegenüber den durch Dampfkrast getriebenen Stühlm weit zurück bleibt. Nicht die Großindustne und auch nicht die Errungenschaften der Mechanik, dürfen bekämpft werden, man soll dieselben lediglich in den Dienst der Allgemein- heit siellen— nur dann kann der Roth der Arbeiter gesteuert werden.__ vereine nnd Nersammlnngen. Die Gewerkschaft der Metallarbeiter hielt eine öffent« liche, gut besuchte Versammlung am Sonntag, den 13. Dezember, im Wedding-Park, Müllerstraße 178, unter Vorsitz der Herren Klein und Günther ab. Herr Gulheit als Referent sprach fich in seinem mit vielem Beifall aufgenommenen Vor- trage über die Entstehung der Metallarberter» Bewegung von ihrem ersten Anfangsstadium biS zur heutigen Zeit sehr zu- lreffend aus. Er beleuchtete dann die einzelnen Punkte der Etatuten der Gewerkschaft und unterzog hierauf die BeHand« lung der Arbeiter und die Einrichtungen in einzelnen größeren Fabriken Berlins einer näheren gerechten und scharfen Kriiik. Vortragender schloß mit der Bitte, daß jeder Anwesende Mit« Sglied der Gewerkschaft werden möge. An der Diskusfion de- theiligten sich die Herren Klein, Günther und Hill unter leb- stem Beifall der Versammlung. Hierauf empfahl der Vor- ende das„Berliner Volksdlatt", sowie die„Deutsche Metall- ardeiter-Zeitung" als VercinSorgane und machte den Anwesenden zur Pflicht, der Gewerkschaft soviel wie möglich neue Mitglieder zuzuführen, indem jeder Einzelne für die gute und gerechte Sache als Agitator eintreten müsse- Ferner theilte er mit, daß die nächste Versammlung für den Süden Berlins am Sonn» tag, den 17. Januar 1886, Vormittags 10'/, Uhr, im großen Saale des Etablissements Sanssouci stattfindet. Hierauf schloß der Vorsttzende mit einem dreifachen Hoch auf das Ge» deihen der Gewerkschaft der Metallarbeiter Berlin? und Um« gegend die Versammlung. bfs. Im Verein zur Wahrung der Interesse« der Tapeztrer wurde am Montag Abend in Gratweils Bier« ballen zwei Verein�mitgliedern der beantragte unentaellliche Rechtsschutz gewährt. Ferner brachte Herr Sander(Altgehilfe) ein Schriftstück der Gewerbe-Deputation des Magistrats zur Verlesung, worin dieselbe eine vom Altgehilfen des Gewecks zu ertheilende Auskunft darüber fordert, ob die Mitglieder des vor einiger Zeit gewählten Gchilfen-Ausschuffes der Tapezirer- Innung den! ihre Wählbarkeit bedingenden Anforderungen entsprechen, wonach dieselben mindestens sechs Monate bei Jnnungsmeistern gearbeitet haben müssen, und ob die Gehilfen, welche jenen Gehilfen-AuSschuß gewähll haben, wenigstens vier Wochen bei einem Jnnungsmeister geaibeitet. Von einer eigentlichen Diskussion über diese Angelegenheit wurde vor- läufig Abstand genommen. Den Hauplgegensiand der Ver- Handlungen bildete die hierauf folgend-„endgiltige Stellungnahme deS Vereins zur Zentralisation." Hierüber «feriite der Vorsttzende, Herr Wildberger. Er sprach sich im Wesentlichen dahin auS, daß man eine Zentra- lisation der deutschen Tapezirer-Fachvereine, wie eine solche zum bevorstehenden, vom 6. k. M. ab in Fronfurt a. M. statt» findenden Tapezirerkongres mehrfach, besonders von den Ver- einen in kleineren Pravinzialftädten. beantragt werde, zur Zeit für u»" thunlich und verftüht ansehen müsse, da unter den gegenwärtig maßgebenden Verhältnissen bezüglich der Vereins- gesetze und deren Handhabung verschiedene Polizeibehörden die Fachvereine als politische Vereine behandeln, welche nicht mit einander in Verbindung treten dürfen, eine Verbindung aber für alle Vereine, welche gewerkschaftliche Zwecke verfolgen, absolut unentbehilich sei, wenn das Koalitionsrecht der Arbeiter nichr ferner, wie bisher, nahezu illusorisch bleiben und die alte Misere bei fast allen Lohnbewegungen nicht endlich aufhören solle. Daher sei auf dem bevorstehenden Kongreß nur eine Zentralisation zu materiellen, rein gewerkschaftlichen Zwecken anzustreben und zu befürworten, also eine allen deutschen Tapezirern gemeinsame( zentralistrte) Gewerkschafts- organisalion, die mit allen höheren sozialpolitischen Aufgaben und mit den Fachvereinen selbst nichts zu schaffen hätte. Eine solche Organisation nach Art des Ver- bandcs der deutschen Buchdrucker würde den Fachvcrcinen keinerlei Abbruch thun. Alle Differenzen, wie fie gegenwärtig zuweilen zwischen den Fachvereinen und den sogenannten freien Lohnkommisfioren beständen, würden in Wegkall kommen, jene Kommissionen selbst als unnöthig verschwinden und die Fach- vereine fich mit ungelheiltcr Kraft ihren Ausgaben hingeben können. In der Diskusfion sprachen fich alle Redner im Sinne des Referenten aus, worauf die Versammlung nahezu ein- stimmig eine mit dessen Ausführungen fich deckende Resolution zum Beschluß erhob. Der Kachveretn der Steinträger hielt eine Mitglieder- Versanimlung am Sonntag Vormittag Jnselftraße 10 bei Schiffer ab. Herr Mitan, welcher über die Notwendigkeit der Ärbeiterschiedsgerichte sprechen wollte, konnte wegen Er- krankung nicht erscheinen. An seiner Stelle referirte Herr Michelsen über das Thema:„Die Lage der Gegenwart und die Stellung der Ardeiter." Redner führte folgendes aus: Es sei zunächst Pflicht eines jeden Arbeiter?, daß er danach strebe, seine soziale Lage zu verbessern. Der Einzelne sei jedoch nur ein schwankendes Rohr, eS sei daher auch nicht möglich, im Einzelnen etwas zu erreichen, dazu gehöre die Gesammt- heit und um in der Gcsammtheit elwas zu erzielen, muß jeder Einzelne im Wissen ausgebildet, und über die in Betracht kommenden Verhältnisse fich klar geworden sein. ES sei be- wiesen, daß ein einzelner Arbeiter öfter von seinem Arbeitgeber sozusagen„über? Ohr gehauen" wird; dies sei hauptsächlich dann der Fall, wenn der Arbeiter fich der Organisation seiner Berufsgenoffen nicht angeschlossen hat. Mit dem bloßen Bei- tritt zur Fachorganisation sei aber nock nicht alles pethan, man solle nicht glauben, wenn man seine 10 oder 20 Pfennig Beitrag steuere, sei scho- genug geschehen, man müsse auch streng darnach handeln, was der Derein vorschreibe. Refere-" führte weiter auS, daß man vor Allem auch bei den Sicinträgern eine Regelung der Arbeitszeit einführen müsse. Die Abgeord- neten Auer und Genossen haben den Arbeilerschutz- Gesetzentwurf wieder eingebracht, zu Gunsten der Arbeite--. Redner bedauert, daß derselbe wieder einer Kommisfion überwiesen worden ist. Der Entwurf müßte, falls er Gesetz r�urde, eine Besserung der Lage der Arbester herbeiführen. l?s würde dann vermieden, daß die Arbeiter allzu lange arteiten. Auch die Kinderarbeit müsse verschwinden damit n'>ch die Kinder ihre richtige Er- ziehung genießen /üer deuischfrei sinnige Abgeordnete Baumvach b�e zwar erklärt, es sei besser, wenn die Kind«- mbeiten, als wenn sie betteln gehen. Von einem prvbuktiven Arbeiter kann dieser Grundsatz nicht anerkannt werden; oie Arbeiter wollen nicht, daß die Kinder ihren Vätern Kon> kmrenz machen. Durch das Arbeiterschutzgesetz würde die Ardettslofigkeit mehr und mehr verschwinden. Die Arbeiter hätten ein Recht auf Arbeit, was sogar vom Reichskanzler zugegeben wird. Die Ai bester müßten aber selber rüstig an's Werk gehen und zeigen, daß fie ihre Forderungen degiünden können. Die Einigkeit sei daS Ziel und mit Hilfe dieser sei es möglich, eine Besserung der Lage der Arbeiter auf gesetz- lichem Wege zu erreichen. Redner forderte alle Anwesenden auf, dafür zu agitiren, daß alle Steinträger der Fachorgant- sation beitreten. Jeder Arbeiter müsse dafür Sorge trogen, daß er nicht nur von der Hand in den Mund lebe, sondern darnach trachten, auch einen Spargroschen für seine alten Tage zu ertangen.(Großer Beifall.) An der Diskusfion betheiligten fich die Herren Rennthaler und Vallenthicn, welche fich im Sinne des Referenten aussp-acken. Der erste» führte noch aus, daß, wenn die Steiniräger auck in diesem Jahre schon eine Kleii igkeit errungen haben, doch Niemand glauben dürfe, daß dieselben nun schon ein rosiges Leben führen. Die Arbeit- geder seien recht gut im Stande, noch mehr zu bezahlen, man solle nicht glauben, fie können dies nicht, diese Herren stellen fich stets sicher. Folgende Resolution wurde darauf angenom- men:„Tie heutige Mitgliederversammlung des Fachoereins der Steinträger erklärt ficy mit den Ausführungen des Refe- renten voll und ganz einverstanden und verpflichtet fich, alle von ihm angeführten Mittel zur Gellung zu bringen, damit der Verein ein positives Ziel erreiche." Zu Verschiedenes fühlte der Vorfitzende an, daß unter den Kollegen leider Verdächtigungen verbreitet würden, die nicht auf Wahrheit beruhen. Man rede sogar Kollegen ab, sted dem Verein anzuschließen, statt fie dem Verein als Mitglieder zuzuführen. So wurde von dem Kollegen Reinhardt, welcher zwar nicht Mitglied deS Vereins ist, jedoch zu der Äersamm- lung eingeladen war, um öffentlich Beweise zu liefern, de- hauptet, bei einer im Sommer stattgefundenen öffentlichen Ver« Handlung im alten Echützenhause, welche von der Lohnkom» misston der Eteinträger einberufen ward, habe die vorge- nommene Tellersammlung ca. 40 M. ergeben, während nur 27 M. gebuchr wären. Herr Reinhardt konnte zwar keine Be- weise liefern, beharrte jedoch darauf, erst das Buch einzusehen. Nachdem die Heeren Mahron, S einberg, Schöltzel. Büllkc die Sache ausgetlärt und nachgewiesen hatten, daß die Behauptung auf Unwahrheit beruht, wurde es dem Voistyenden überlassen, Herrn Reinhardt sein Unrecht durch Vorlegung des Buches nachzuweisen. Herr Michelsen meinte, daß es traurig sei, wenn solches Geschwätz in die Welt geschleudert würde, Kollegen, welche leichtfinnig derartige Verdächtigungen lolportiren, müsse man bedauern, eine solche Handlungsweise sei verwerflich und solle man nicht einwurzeln lassen. Außerdem wurde von Henn Rennthaler mitgetheilt, daß man mit der Umerftützung etwas unüberlegt gehandelt habe und daß man die Unteistützungs- lasse nicht für eine Krankenkasse ansehen solle. Man habe schon mehreren kranken Mllgliedern Unterstützungen bewilligt, dies sei aber nicht Schuld allein deS Vorstandes, sondern auch der Versammlung. Hierüber entlpann fich eine kleine Debatte, worauf beschlossen wurde, bei Unicrstüyungsanträgen nur laut Statut zu verfahren und das Weitere dem Vorstand zu über- lassen. Die nächste öffentliche Versammlung findet am diittea Weihnachtsfeiertage(27. Dezember) statt. Der Voi fitzende er« suchte, für recht zahlreichen Besuch derselben zu wirken. Der Verein der Maschinisten nnd Heizer Berlin? feierte am Sonnabend, den 12. Dezember, im Schützenhaus, Linienstraße 5/6 das Fest seiner Fahnenweihe. Nach einigen einleitenden Mufikpi-cen wurde die Feier mit einem vom Gesang» verein„Einigkeit" vorgetragenen Liede eröffnet, worauf He-r Krause eine markige, packende Ansprache h ell. Nunmehr er» folgte die Enthüllung deS von den Damen des Vereins ge- widmeten prächtigen Banners, um das fich die besonders um die Anschaffung desselben verdienten Frauen und Jungfrauen gruppirlen. Nachdem ein die Bedeutung des Tages feiernder Prolog von Frau Holz vorgetragen war, wurde daS Banner von- zeomitee dem Verein übergeben und die F-ier mit Gesang geschloffen. Ter nun folgende Tanz hielt Alt und Jung noch lange froh beisammen. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Maler und verw. Berufsgenoffen(E. H. 71). Der Vorstand macht die Mitglieder darauf aufmerksam, daß Dienstag, den 12. Januar 1886, Abends 7'/. Uhr. Alte Jakobstr. 83. bei Ret) her, eine Mtgliederversammlung stattfindet, mit der Tageeordnungt 1. Kassenbericht. 2. Errichtung von vier Filialen in Berlin. 3 Wabl der hierzu nöthigen Kassenbeamten. 4. Verschiedenes- Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Außerdem ersucht der Vorstand die Mitglieder, welche Lestr des„Berliner Volksblatt" find, die Nichtleser darauf aufmeri- sam zu machen, daß am Freilag, den 8. Januar, die offiziell» Bekanntmachung im Jnsertionstheile dieses Blattes erfolgt. Kachverein der Stetudrucker und Lithographen- Heute Abend 8 Uhr in Gratweils Bierhallen, Kommandanten« sttaße 77— 79, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: l.Vor« trag des Regierungsbaumeisters Herrn Keßler über:„Die Maschine und rhre Verhältnisse im heutigen Wiithschaftssyftem". 2. Diskusfion. 3. Verschiedenes.— Neue Mitglieder werden aufgenoinnren. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Der Fachverein sämmtlicher im Drechslergewerk be- schäftigten Gewerksgenoffen veranstaltet am ersten Äeihnachts« ferertage, Abends 6 Uhr, bei Gratweil, Kommandantenstraße 77—79, zur Feier stines viert. n Stiftungsfestes eine gelellrge Zusammenkunft und Tanzkränzchen. Programme und BilletS find bei folgenden Mitgliedern zu haben: W. Prause, Adal- bertstr. 91, III.; F. Pindru, Manteuffelstr. 65a, Ouergeb. IV.; R. Sündermann, Gitschinerstr. 61. I., und K. Buchmann, Naunynjlr. 4, III., sowie am Sonnabend auf sämmtlichen Zahlstellen. DaS Bureau der Nationalen kaufm. Kranken« und Sterbetasse, eingeschriebene Hrlfskaffe Nr. 71, definset fich seit 15. d. M. Neue Grünstr. 41 U. Kriefkasten der Redaktion. Der Zirkus Herzog- Schumann brannte in der Nacht vom 22. v.s 23. September 1875 ab. nicht, wie gestern irr« thümlich berichtet wurde, im Jahre 1874. Herrn Aua. Herold. Herr G. hat seit Jahresfrist keine Zeile für das„Be l. Volksblatt" geschrieben, rrntgegengesetzte Behauptungen find aus der Luft gegiiffen. 2. Ziehung d. 3. Klasse 173. König!. Prentz. Lotterie. Zleduufl ti-rn 16. Dezember 1885. Nur die SIewtnue uder lüö-JJiarf sind den detreifenden Siummern in Parenthese beigesUgt. (Ohne«ewädr.» 2 13 16 61 87 98 106 20 48 61 78 79 281 321 38 12001 67 64 81 96 401 51 611 607 67 89 749 74 87 99 12)01 824 1170] 69[170] 97 940 60 86 98 1 010 40[1701 66 147 67 66 227[1701 370(1701 409 80 99(1701 618 80 719 60 73 96(2001 894 912 38 47 73 88 2003 164 94 217 63.,08 74 75 418 79 607 20[9001 26 34[2401 603 751(1701 82 89[1701 882 88 930 47[1701 94»123 82[2001 37 94 11701 293 609 611 84 86 730 37 804 22 60 76 87(170) 962 70 4204 9 63 67 818 416 16 539 55 56 693 741 74 810 61 67 911 63 88 95 5039(1701 78 129 65 89 246[1701 47 92 352 494 564 602 25'1701 71 1200] 79 784 96 98 840 934 66 98«266 360 536 693 746 48 98 806 36 989 7012 24 37 38 67 97 101 6 40 48 91 93 209 36t[1701 94 400 8 37 72 86(17o) 503 4 6 10(1701 22 684 763 83 805 28 73 77[1701 931 33 51 82 8044 196 256 869 466 68 626 75 606 24 38 64 778 841 940 63 96 0028 63 69[2401 192 220 66 91 348 67 96 426 57 67 75 633 54 612 69 77 723 90 811 98 926(1701 10017 29 39 19o 229 66 71 323 47 62 410 22 603 21 36 93 693 7 39 830 937 41 74 11016 68 71 108 39 271 846 474 849 955 18042 94 152 56 66 80 93 94 389 426 534 38 705(200) 62 70 849 52 95 937 82 18083 141 99 221 22 26 63 66 334 666 98 644 88 729 812 22 86 98 901(170] 83 87 47 63 1 4039 139 81 211 12 40 70 94 96 333 94 448 78 U701 610 40 602 12 716 31[200] 57 73 82 817 29 37 46 916 46 62 15107 27 71 302 72 468 74 673 611 64 68 705 34 42 67 889 916 36 62 83[170| 1 6023(18001 89[2001 164 1170] 68 220 22 48 62 61 333 455 680 84 678 786[3001 82 821 63 900 25(1701 46 62 1 7046 63 107 45 61 67 203 17 46 63 343 417 26 49[1701 66 66 611 90 803 41 77 82 94[171 96 927 31 18112 96 209 87 99 370 496 683 602[1701 40 77 86 718 6_ 808 919 26 56 66 1»034 89 141 43 66 86[200) 228 328 33[300] 40 72 403 610 36 621 81 90 706 50 72 836 966 80038 92 132 307 433 45 52 87 506 40 60 677 92 736 67 809 77 911 14 21000 122 218 21 61 89 480 528 51 693 748 62 69 96 820 44 994 «2039 47 64[200) 79 83 118[170] 215 95 97 330 422 587 722 27 79 93 845 902 17 90«»036 44 111 261(3001 85 91 345 409[1701 68 86 96 504 94 651 68 65 753 96 879 925 2 4022 48 69 1240] 94 126 60 97 218 59 339 64 88 91 96 99 496 614 711 57 68 805 930 25000 31 136 92 216(2001 80 81 344 44 3 45 636 601 60 85 762 850 60 916 44 26008[200| 118 25 39 486 96 537 609 20 717 25 93 862 76 86 906 9 76 77«7006 23 64 13 1 41 320 21[2101 31 92 408 621 29 63 674 716 33 61 808 90(200) 904 75 78«8061 76 93 117 41 43 89 95 208 75 304 87 419 36 643 688(170] 721 33 83 817 1170) 73 977 96«»003 64 108 11 4o 1300) 60 67 74 11701 267 360 97 453 516 69 635 819 58 60 »«044 139 98 216 34 49 65 431 663 86 864 909 78»1013 30 264 66 336""""*""• 00—"" Q-"—----- E srwaf%% (170) 91 749 60 867 919 39 69 62 98 1 ö 961 96�»G013 lio" 8�20�43 398 463 tnOHttJ 35 46 9�800�% 72z IIA"ÄTM'S Kl V K teÄIÄ'l%'K 7268 87 302 6 80 92 42 85 SO 520 685 09 749# 43!17üJ 47 64 12! 1170, 286 4'K» 554 85 627 68 7» 49|170| 63 67 85 4 7i„ »--» ......................"- 48 89 JI 366 420 91 699 621 99 757 98 834(170) 82 908 48C2l6i m'fifi3 55%/%%%«& II 7*> 7ä onn 7Ö SAK 1 7 w< 1 QO 46 96 279 90 98: im« pK 73 8»6 6(1701 12 26 U UWMM-KS- IlfiSM ��%%�491M,noWM 963622 26 MS*'* s isüfl'H' MMM ÄÄWZ 87 187 46 91 301 11 413 67 76 554 73 627 30 62 806 32 93 btt »8129 202 8 61 79»7 88 366 84 480 651 71 1170] 662 84 93 IM gl* IQ O-iv Ta ro. ai sk ii.Of ÄO HO rorvu ec\ or. tt n«; Oittl 0 19v0] 5g 447 69[200] 651 Verantwortlicher Redakreur ft. Sr.-het« m Berlin. Druck und Vertag von«»x»ading in Berlin SW„«cuthftraße 2.