Kr�sW. Freitag, de« 18. Dezember 1883. II.Iayr� cllmrWlisbNI Krgsn für dir Interessen der Arbeiter. 4 Jnsertiousgebühr bettägt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei arößeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bis 4 L,. ZtachmittagS in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Anno«««c Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. KedaKtio«! Deuthstraße Ä.— Expedition: Zimmerstraße 44. GT&m Nergiüzte Feiertaze! So tönt es von allen Seiten hinter den Reichsboten her, die für die fröhliche Weihnachtszeit„zu Muttern" eilen, um sich einmal auch mit anderen Dingen als mit der lei- digen Politik zu befasse«. Auch wir, die wir von dem Be- ruf und von den Leistungen des deutschen ParlamentariS« muS keine so günstig« Meinung haben, als die übrigen Tageblätter, schließ-n unS dem Wunsche an, umsomehr, als wir der Ueberzeugung find, daß so mancher Reichsbote als Familienvater und HauShaltungSvorstaod, oder in seinem bürgerlichen Beruf für Vaterland und Menschheit viel Vor t-leilhaftereS leistet, denn als Parlamentarier und Polv tiker. Aber wir glauben andererseits auch, daß unsere Reichs* boten vergnügte Feiertage nöthig habe». Wen» sie wieder kommen, werden die ruhigen Tage, an denen man höchstens über Langeweile und über die Trockenheit der zu behandeln« den Materie zu klagen hat, vorüber sein. Dann wird ein parlamentarisches Uagewitter«ach dem anderen heraufziehen; es wird donnern und blitzen. Für die zaghafte« Seelea werden schwere Tage kommen; die Muthigen und Selbst« ständigen aber werde« viel Ergötzliches erlebe«. Die letzten Sitzungen de« Parlaments vor den Ferien haben eine ganz eigenthümliche Erscheinung aufzuweisen ge« habt: die rasche Erledigung de» M i l i t ä r e t a t«. Man war so überraschend schnell damit zu Ende, daß der Präsident die Ferien einen Tag früher beginne« lassen wnnte, ai« er gehofft hatte. Früher rief gerade der Ailitäretat lange und weitschweifige Debatten hervor; dies« Wal wurde über wichtige Posten ohne Debatte ent« schieden. E« ist nicht zu verkennen, daß sich langsam, sehr langsam, aber doch fühlbar in den Anschauungen über die Anforderungen des Militärsystems eine Umwandlung voll« zieht. Wen« früher die Militärverwaltung neue Mittel verlangte— und ist wohl eine Session verflossen, in der sie keine verlangt hat?— so sangen die Nattonalliberalen und �konservativen das alte Lied vom Erbfeind jenseits de« Rheins, der besser bewaffnet fei, als Deutschland, und man erreichte gewöhnlich, was man gefordert hatte. Das ist nun anders geworden. Nattonalliberale Reden„ziehen" nicht mehr und konservative auch nicht, vielleicht noch weniger in diesen Dingen. Aber auch die allgemeine Stimmung hat sich geändert. Man erinnere sich nur an den Antrag der sozialdemokratischen Abgeordnete», der dahin ging, den Familien der zu Uebungen eingezogenen Reserve-Mann- schafte» für die Dauer dieser Uebungen eine Unterstützung oder Entschädigung zu gewähre«. Der JeuMelon. Die Hand der ZUmefis. Roma» 56 von Gwald Augnst König. (Fortsetzung.) . In den Auge» der schönen Frau blitzte der Zorn >ah auf.% „Auch da» noch?" fragte sie mit bebender Stimme. »Dadurch wird allerdings dem Fasse der Boden auSge« 'vßea. Wie viel fehlt?" .20000 Tbaler." V**»«. „Und wie groß ist der Rest meinet Vermögen«?" a8te sie nach einer geraumen Weile. „80 000 Thaler. Der Verlust kann durch gewissen» Me Verwaltung der Zinse» binnen einige» Jahre« auSge« "chen werde», gnädige Frau—" ,„Dieser Verlust schmerzt mich nicht," fiel die Generalin � in'« Wort,„mir bleibt ja immer noch ge- aber die Entdeckung, die an ihn sich knüpft, hat «wen, Herzen eine Wunde geschlagen, die nie vernarben "«len emes Vorwurfs, sie mup«-» v..,. j;" - machen!" fuhr die schöne Frau fort, ,ndem sie ihm die and bot. „Und was«ollen Sie au« thua?" fragte der alte «r». ,.c•* „Sie wollen ihn nicht zur Rechenschaft ztehen? Herr KriegSminifler glaubte de« Antrag in höchst schneidiger Weise abgefertigt zu haben und Herr von Köller, der Spaß» wacher der Konservativen, suchte ihn völlig zu begrabe». Aber Beide täuschten sich vollständig; eS erhoben sich rechts und links Stimmen, die zwar mit der Form des Antrags der Sozialdemokraten nicht einverstanden waren, aber doch seinen Inhalt und seinen Grundgedanken für durchaus richtrg und zeitgemäß erklärten. Sogar National- liberale und Freikonservative waren dafür, daß man de» Antrag nicht ablehne, sondern ihn an die Budget-Kommissio» verweise, was denn auch mit ungeheurer Majorität geschah. Die über diesen Erfolg erfreuten Arbeitervertreter sahen eben so heiter drein, wie die militärischen Komissarien und die Bundesrathsmitglieder ernst und düster auf das Haus blickte«, das sich mit Ausnahme der Deutsch« Konservativen für den von den Regie* rungSsitzen so sehr bekämpften Antrag im Prinzip aussprach Dieselbe Stimmung kam in der Mittwochsitzung zum Aus- druck. Der Kriegsminister und die ihm beigeordneten Mili- tärS gaben sich große Mühe, durch reichlichen Aufwand von Beredtfamkeit das HauS für ihre Mehrforderunaen zu ge* wianen; allein es gelang nicht. Auch die so vielumstrittene Unteroffiziervorschule zu Neu-Breisach, die der ReichSta; nun schon dreimal abgelehnt hat— sie soll 289 000 Mari kosten— fand keine Zustimmung trotz der dringenden Empfehlung de» Herrn Kriegsminister»; sie wurde sch w e i- g e n d zum v'erten Male abgelehnt. Man darf freilich nicht vergessen, daß daS sonst immer vorhandene Redebedürfniß der Herren Reichsboten durch den dringenden Wunsch, nun bald„zu Muttern" zu kommen, in den Hintergrund ge- drängt worden war. Die Militärverwaliung mag daraus ersehen, daß es für sie immer schwieriger werde» wird, höhere AuSgabeposte» für militärische Zwecke zu erreichen, wenn selbst die Nationalliberalen anfangen, bockbeinig zu werden. Das liegt aber in der Natur der Sache. Die zunehmende Verarmung des Volkes kann auf die VolkSver- treter nicht ohne Eindruck bleibe«. Aber wehe, wenn die Herren Reichsbote« wieder auS den Ferien komme». Dana wird ihnen sicherlich eine ge- waltige Strafpredigt seitens des mächtigen Kanzlers nicht erspart bleibe« und von manchem nationalliberalea Helden wird man singen und sagen, was der alte Homer zuweilen von feine» reisige« Kämpfern meldet: „Ihm erzitterten Herz und Knie«!" Man amüsire sich also„bei Muttern" so gut als mög- lich; nach Neujahr hört der Spaß auf und e« wird unge- müthlich. „Nein, zwischen ihm und mir sst fortan da« Tischtuch zerschnitten." „Aber er muß erfahren, daß Sie den Betrug entdeckt haben," sagte der Oberst mit leisem Vorwurf. „Wozu? Er kann das ja mit Sicherheit annehmen. Wa« würde durch Vorwürfe und Drohungen geändert? Nichts! Das Geld ist vergeudet, in die Hände der Wucherer gewandert, ersetzen kann er e« nicht, ist es da nicht veraünf- tiger, daß ich die zwecklose Auftegung mir erspare?" Der Oberst schüttelte das Haupt, er würde in diesem Fälle energischer gehandelt haben. „Und halten Sie eS jetzt nicht für Ihre Pflicht, Fräu- lein von Lossow zu warnen?" fragte er. „Nein," erwiderte die Generalin fest und ruhig,„so groß auch die Schuld meines Bruders ist, an de» Pranger will und darf ich ihn nicht stellen. Und ich bitte auch Sie um Verschwiegenheit, Herr Oberst, Zhr ritterlicher Charakter bürgt mir dafür, daß Sie mir die Erfüllung dieser Bitte nicht verweigern werde», so schwer auch die Zusage Zhnm fallen mag!" „Baron von Lossow ist mein Freund—" „Sind wir in dieser Angelegenheit von irgend einer Seite um Rath gebeten worden? Die Verbindung wurde ohne unser Wisse« und Zuthu« geschlossen, und eine offizielle Anzeige ist uns bis heute nicht gemacht worden. Oder hat Herr von Lossow mit Ihne» darüber berathen?" „Im Gegeotheil, meine« verblümte« Fragen ist er aus« gewichen." „So haben Sie auch keine Verpflichtungen ihm gegen« über. Und ist e« den« nicht möglich, daß mein Bruder in geregelte» Verhältnissen die verderbliche Bahn verlasse« wird? Herr von Lossow und Ella werde» ihn gewiß überwachen, sie sind Beide keine schwachen Naturen, die zu Allem, waS ihnen etwa nicht gefällt, schweigen." „Um so schlimmer für de« Frieden dieser Ehe!" „Nun, ich denke, die Fehler und Schwächen werde» schon vor der Hochzeit erkannt werden," erwiderte die Ge- neralia ernst,„und Selbsterkenntniß führt in den meisten Fälle« zur Besserung, Der Betrug, den mein Bruder an mir verübt hat, giebt mir kein Recht, seine ganze Zukunft Volitische Urberstcht. DaS Projekt eines ReichS-Branntwein-MonopolS hat in den weitesten Kreisen große Aufregung bervorgerufen, größere noch, als seiner Zeit das Tabakmonopol-Projert. Die ungefähr 4000 Branntweinbrenner würden auf Reichsunkosten einen enormen Vortheil ziehen, und diese Zuwendung läßt fich auch dadurch nicht rechtfertigen, daß man fie als der Land- wirthschaft im Allgemeinen gewidmet hinstellt. Daß der Branntwein ein für höhere Besteuerung sehr geeignetes Objekt ist, hat man von Liberalen oft genug betonen gehört; doch ist ebenso oft darauf hingewiesen worden, daß es nicht angängig sei, die Steuer anders als an der Quelle, d. i. bei dem Pro- duzenten zu erheben. Es geht nicht an, daß auch hier wieder der kleine Mann, welcher doch vorzugsweise der EchnapS*Kon- sument ist. mit der Auszeichnung bedacht wird, den Löwenan- theil an den Lasten zu tragen, während die großgrundbefitzen- den Produzenten fich mit dem Reiche in den Ertrag thetlen. glicherweise m'"'""""' ____.--u—..., w.«»«»*»v»» Möglicherweise wird, wie seiner Zeit zur Empfehlung deS Tabak-Monopols, so hier zur Empfehlung des Branntwein- Monopols gesagt werden: es könne von einer unbilligen Be- lastung des armen Mannes nicht die Rede sein, da eS in eines Jeden Belieben stehe, auf den Branntweingenuß, wie auf daS Rauchen zu verzichten. Das ist falsch. Kein Gesetz und keine wirthschastliche Einrichtung ist im Stande, eine weitverbreitete und eingewurzelte Gewohnheit zu beseitigen. Die Gewöhnung an das Rauchen und an den Branntweingenuß ist vorhanden, und wenn man Tabak und SchnapS vertheuert, so ist die Folge einzig der thatsächliche Zwang, nicht etwa weniger zu rauchen und weniger zu trinken, sondern schlechteren Tabak zu rauchen und schlechteren Branntwein zu trinken. In England und Rußland ist in Folge einer enormen Steuer der Genuß eines die Gesundheit zerstörenden Fusels in traurigem Maße verbreitet. Zu dem gleichen Resultate würde man auch bei ___ �» pwvwvmfvw IS»V|»VMtrW IIIWII UMUf W k uns kommen, und wir hätten nicht die Entschuldigung, daß die Einrichtung von alter Zeit her übernommen, auch nicht, daß fie in einer staatswirthschaftlichen Zwangslage getroffen ist, und überdies müßten wir gestehen, daß ein erheblicher Theil des Ertrages zur weiteren Bereicherung reicher Leute dienen soll. Ueber die Fütterung der Reptilien für 1886 wird, wie sämmtlichcn Reptilienblättem durch ein autographirteS Zirkular deS Berliner PreßdureauS mitgetheilt wird, erst am 26. Dezember entschieden.— Ein solches Zirkular ist, nach der «Freis. Ztg.", zufällig der Redaktion deS„Fräuk. Kour." in die Hände gefallen. Dem betreffenden Zirkulare war auch noch eine schriftliche Mittheilung beigefügt für ein von dem„Fränkischm Kourier" nicht genanntes süddeutsches Reptilien blatt. Darin spricht die Verwaltung des Reptiliensonds ihre Verwunderung darüber aus, daß die Befitzer des Blatte?, die doch notorisch reiche Leute seien, von ihren Opfern sprächen und doch mit jedem Quartale alS um Subvention Nachsuchende erscheinen; über» Haupt sei es auch im Berliner Preßbureau bekannt, daß daS betreffende Blatt eine Subvention von der(süddeutschen) Landesregierung durch die Zuwendung der amtlichen Inserate erhalte, da man auch in Berlin recht gut wisse, daß diese Zu- zu vernichten, die Hoffnung, daß er fich bessern werde, darf ich nicht fallen lassen." Der Oberst hatte die Brauen ernst zusammengezogen, aber der Eintritt Siegfrieds hinderte ihn, die Antwort zu geben, die ihm auf der Zunge schwebte. Mit lebhafter Freude ging er ihm entgegen, um ihn in seine Arme zu schließen. „Läßt Du Dich endlich auch einmal blicke«?" fragte er scherzend,„lauge genug hast Du mich warte« lassen!" „Dasselbe könnte ich Dir mit größerem Recht sagen." erwiderte Siegfried, nachdem er auch die Generali» degrüßt hatte.„Mich bindet mein Amt, und in den letzten Tagen hatte ich die Hände voll. Man vermißt Dich überall, Papa, auf der Parade, an der Tafel und im Klub." „Wirklich? DaS ist ein gutes Zeichen!" lachte der Oberst.„Nun, Diejenigen, welche mich vermisse«, sollen sich nicht über mich, sondern über meine liebenswürdige Frau Schwägerin beschweren, die mir hier den Aufenthalt so an- genehm macht." „Beschwere»?" sagte Siegfried, der schöne« Frau einen leuchtenden Blick zuwerfend.„Nein, dafür will ich lieber Ihnen von ganzem Herzen danken!" „Ich kann diesen Dank nicht annehmen, denn mir fehlt die Ueberzeugung, ihn verdient zu haben," erwiderte die Generali», von deren Stirne die finsteren Schatten ge- schwunde» waren.„VerwalwngSgeschäfte haben de« Herrn Oberst hier gefesselt—" „Verzeihe» Sie, gnädige Frau, diese Geschäfte würden mich nicht zurückgehalte» haben, den Abend im Klub zu verbringen," unterbrach der Oberst sie.„Beende» wir den kleinen Streit, Siegfried soll selbst entscheide«. Du bleibst heute bei un»?" Wenigstens bis nach dem Diner!" „Glaubst Du de» Nachmittag besser verwenden z« !ö»ne»—" „Ich muß arbette», Papa!" „Aber wir haben heute ja Sonntag," schaltete die Generalin mit leisem Vorwurf ein. „So ist er nun einmal!" rief der Oberst ärgerlich. „Jeden Tag muß er arbette«, auf feine Familie nimmt er Wendung nur zur Unterstützung de» Blattes seiner Gesinnung und nicht seiner geringen— Verbreitung wegm erfolge.— Man muß doch sagen, fügt die Redavion des„Fränk. Kour." dieser Mittbeilung hinzu,„die Herren Preußen selbst in ihrer Beamtenstellung sind manchmal doch recht boshaft." Brauntweinbreunereieu und Branntweinsteuer in Elsaß-Lothringe«. Das Reichöland zählte am Schluffe des abgelaufenen Etatsjahres 29 994 Branntweinbrennereien, von denen 21 797 in Betrieb stanven, 1917 weniger als im voraus- gegangenen Jahre. An Gesammtsteuern wurden 377239 M., 153 439 M. weniger als im Vorjahre erhoben. Die Ueber- gangsadgabe von Branntwein betrug 65 103 M.(1002 M. mehr als im Jahre 1833—84), der Cinganaszoll von einge- führtem Branntwein 313 551 M. oder 147884 M. mehr als im Jahre 1883—84. Eine Uebergangsabqabe wird in Elsaß- Lothringen nur von dem aus Baden, Württemberg, Bayern, Hohenzollern und Luxemburg eingeführten Branntwein er- hoben. Dagegen ist der Branntweinvertehr zwischen Nord- dmtschland und Elsaß Lothringen, welches sich mit diesen Staaten in Steuergemeinschaft bestndet, steuerftei, so daß No- tizen über die Einfuhr aus Norddeutschland nicht vorliegen. Der Rückgang der einbeimischen Branntweinerzeugung wird nicht auf verminderte Nachfrage, sondern darauf zurückgeführt, daß das Reichsland mit billigen norddeutschen Spirituosen überschwemmt wird. Dieser Umstand, in Verbindung mit den für die unteren Stände unerschwinglich gewordenen Wein- preisen, hat wesentlich dazu beigetragen, daß der Alloholismus im Reichslande eine erstaunliche Höhe angenommen hat und noch immer mehr zunimmt. Ueber Mehrbelastung des Zuckers schreibt die„Frels. Ztg.": Die Einnahme der Reichstaffe aus der höheren Be- lastung des Zuckerverbrauchs, welche durch die dem Bunde?- rathc vorgelegte Novelle beabsichtigt wird, ist in den Motiven des Entwurfs auf 63 219 992 M. berechnet. Für das Ueber- aangSjahr 87/88 berechnet der Entwurf die Einnahme auf 55 942 782 M. In dem dem Reichstage vorliegenden Etat pro 86/87 ist die Einnahme der Zuckersteuer nur auf 37 286480 M. veranschlagt. Demnach würde also der neue Gesetzentwurf eine Mehrctnnahme für den folgenden Jahrgang von über 18 Millionen Marl und eine Mehreinnahme für die Zukunft von über 25 Millionen Mark bewirken. Nachdem die Zölle und die Börsensteuer in diesem Jahre im Ertrage schon um über 50 Millionen Mark gesteigert worden find, liegt auch nicht die mindeste Veranlassung vor, dem inländischen Zucker- verbrauch noch weitere 25 Millionen aufzupacken. Der neueste Hochverrathsprozeß in Leipzig wird durch folgende Notiz auS Euven erklärt: Gegen den Konditor Karl Johann Ecupin aus Namslau, der am 23. August d. I. auf dem hiesigen Postamte verhaftet wurde, als er im Begriffe stand, ein Packet anarchistischer Zeitungen nach Mannheim auf- zugeben, ist die Anklage wegen HochverrathS und Verbreitung verbotener Schriften erHoden worden. Die Hauptverhandlung gegen denselben, zu welcher drei Personen von hier alS Zeugen geladen find, wird am 30. Dezember vor dem vereinigten Ii. und HL Straf-Eenat des Reichsgerichts zu Leipzig er- öffnet. Ueber„zu weit gehende" statistische Wünsche wird offiziös geschrieben: Bei den Eröiterungen über die Statistik der Krankenversicherung, welche bei Gelegenheit der Berathung deS Etats des Statistischen Amts im Reichstage gepflogen wurden, find Wünsche und Erwar- tungen bezüglich dieser Statistik ausgesprochen worden, die vom Standpunkte deS statistischen Sachverständigen al» zu weit gehend bezeichnet werden müssen. Man glaubte eine Statistik der Morbidität und Mortalität(Art der Krankheit, Zahl der Gestorbenen k.) nach Berufsklaffen u. A. m. erlangen zu können. Dazu eignet fich aber daS von den Kassen zu er- wartende Material schon an und für fich nicht; denn es han« delt fich bei den meisten Arten von ihnm nicht um Organisa- tionen nach Art der Lebensoerficherungsgesellschasten, in denen die aufgenommenen Individuen dauernd bleiben, sondern um Anstalten, deren Personenstand nach Zahl und Beschaffenheit fortwährendem Wechsel unterworfen ist, der fich zu solchen feineren statistischen Untersuchungen wohl nicht eignen dürfte. Aber auch abgesehen hiervon, würden für die Beschaffung der Unterlagen zu solchen Berechnungen den Kassenvorständen so genaue Aufzeichnungen und umfängliche Nachweisungen zu- gemuthet werden müssen, daß dadurch ihre Amtsführung we- sentlich erschwert würde- Der Bundesrath hat denn auch in die Formulare, welche das Schema für die zu liefernden Jahresnachweisungen darstellen, nur die für die Kontrole der Entwickelung der Kassen unentbehrlichsten Daten über Zahl der männlichen und weiblichen Personen, die Krankheitsfälle und-Tage und über die Kaffengedahrung aufgenommen. Sckon die Verarbeitung dieser Nachwetsungen aller einzelnen Kassen zu Ueberfichten wild für das Statistische Amt eine recht umfangreiche Aufgabe sein, und man wird es wohl der Er- fahrung übnlassen müssen, ob später, wenn die ganze Lrgani- sation stch eingelebt hat, etwa noch reicheres statrstisches Mate- tial daraus gewonnen werden kann. dabei keine Rücksicht. Heute aber werden die Akte« einmal vergeblich auf Dich warten!" „DaS hoffe ich auch," sagte die Generali», die sich inzwischen der Thür« genähert halte,„ich werde Bella auf den angenehmen Besuch vorbereiten." „DaS ist höchst überflüssig," scherzte Siegfried, al» die Thürs sich hinter der schöne« Frau geschloffen hatte,„mit Arabella habe ich schon eine ganze Weil« geplaudert." „Sie hast Du wohl eher aufgesucht, wie Deine« Papa?" fragte der Oberst, während er ihm eine Zigarre anbot. „DaS lag nicht m meiner Abficht, aber es wäre doch gar zu unhöflich gewesen, an ihr vorbeizugehen, als ich ihr im Park begegnete." „So, so, Du bist durch die Hinterthür in'« Haus ge- kommen?" Eine leichte Rothe überzog das Antlitz deS jungen Mannes." „Der Fußweg, der durch da» Gebüsch hieher führt, ist angenehmer," erwiderte er. „Und die leise Hoffnung, der schönen Koufine im» Park zu begegne«, trug wohl auch dazu bei—" Ich habe daran wirklich nicht gedacht." „Na, ich würde Dir diesen Gedanke« nicht Übel ge» «omme» haben," sagte der Oberst ruhig,„wäre ich zehn Jahre jünger, wer weiß, was geschähe!'• Siegfried blickte einigermaßen betroffen de« Vater an, der alte Herr lachte herzlich. „Sei nur ganz unbesorgt," fuhr er fort,„rch würde diese Festung nicht erober«, selbst wenn ich sie ernstlich be- lagern wollte, das habe ich schon in der ersten Stunde entdeckt. Aber Scherz bei Seite, nimmt die Arbeit Dich wirklich so sehr in Anspruch?" „Ich würde längst hier gewesen sem, weun rch nur dt« Zeit dazu gefunden hätte. Ja den letzten Tage« hat fich so vieles ereignet, daß ich nicht zu Athem kam." „Und die Untersuchung geae« Rabe beschäftigt Dich auch noch?" fragte der Oberst mit einem raschen forschenden Blick auf die Thür«. „Mehr denn zuvor." Frankreich. Die Untersuchungen dcS Tonkin- Ausschusses baben sonderbare Dinge ans Tageslicht gebracht. Die feiner Zeit von der Regierung des Herrn Ferry veröffentlichten Siegesnachrichten auS Tonkin waren zumeist gefälscht. Während die Hceiführer große Verluste meldeten und dringend um Verstärkung baten, wurde offiziell verkündet, daß in Tonkin die Sache einen glän- zenden Verlauf nehme Dieses System der Vertuschung scheint das Kabinet Brisson fortsetzen zu wollen, der Tonkin-Ausschuß hat nun aber beschlossen, dem ganzen Schwindel dadurch ein Ende zu machen, daß dem Mrnistcrium die weiteren Mittel zur Fortsetzung des Krieges nicht bewilligt werden sollen. UebrigenS ist der vielgenannte Oberst Herbinger jetzt in Paris eingetroffen und der Kriegsminift-r wird nichts dagegen haben können, daß derselbe vor dem Tonkin-Ausschuß nähere Mit- theilungen macht. Es ist dies um so mehr nothwendig, als Herbinger von dem General Marier beschuldigt worden ist, den Rückzug von Longsong in der Trunkenheit befohlen zu baben. Nach Lage der Sache ist anzunehmen, daß die Kammer fich mit den Beschlüssen deS Ausschusses einverstanden er- klären wird. Rußland. Die von ausländischen Blättem gemachten Mittheilungen über die strafgerichtlichen Verhandlungen, welche in Warschau gegen den Friedensrichter Bardowski und die 28 zugleich mit ihm angeklagten Nihilisten geführt werden, find nicht nach dem Geschmack der ausfischen Behörden gewesen. Sie sehen seit einigen Tagen streng darauf, daß nichts von den VerHand- lungen zur öffentlichen Kmntniß gelangt. Außer Vertretem der preußischen und sächfischen Polizei soll auch ein Mit- glied der österreichischen Polizei den Verhandlungen bei- wohnen. Dänemark. Aus Kopenhagen wild der„Voss. Ztg." geschrieben: Der demokratische Verein der Gemeinde Adslev bei Skanderborg beschloß in seiner letzten Sitzung einstimmig, die Steuern für den gegenwärtigen Steuertermin zu verweigern und in Ver- bindung damit den energischsten Protest gegen die Steuer- exekutiv» zu erheben. Allen weniger vermögenden Mitgliedern werden die mit der Auspfändung verbundenen Kosten aus dem VereinSfonds erstattet und im Falle einzelnen der Steueroerweigerer Hypotheken von Konservativeen gekündigt werden sollten, werden alle mit der Anschaffung neuer Kapitalien entstehendm Unkosten von den übrigen Mitgliedern getragen. Einstimmung wurde ferner beschlossen, fich dem Vorschlage der Gemeinde Voel bei Silkeborg anzuschließen, nach welchem De- putirte aus allen liberalen Gemeinden des ganzen Landes nach Kopenhagen gesandt werden sollen, um von dem Könige die Entlassung des Ministeriums Estrup zu verlangen. Schließlich wurde eS allen Vereinsmitgliedem zur Pflicht gemacht, in Handel und Wandel so weit als möglich nur mit politischen Gefinnungsgenoffen zu verkehren.(Wenn der Dänenkönig den Herrn Estrup entlassen wollte, hätte er das ficher längst gethan.) G r o ß b r i t a«« i e«« Die irische Frage beschäftigte einen englischen Kabinets- rath, an welchem alle Mitglieder des KabinetS Theil nahmen. Man muß nach Lage der Sache mit den Pamelliten rechnen und fich zu Konzesstonen entschließen. Deshalb wurde be- schloffen, eine Reform der Lokalverwaltung in England und Irland vorzunehmen. Die Vorschläge mit Bezug auf Jr- l a n d erfteuen fich, so heißt es, der einstimmigen Billigung sämmtlicher Mitglieder des Kadinets und die tonangebenden Mitglieder der Regierung geben fich der Hoffnung bin, daß die Hauvtprinzipicn der Gesetzgebung, die auf der Schwester- Insel Anwendung finden soll, die Unterstützung der Mehrheit der gemäßigten Liberalen finden werde. Nach einer anderen Version sollen in Irland genau dieselben Re- formen, wie in England eingeführt werden.— Der frühere Minister Dilke hielt in seinem Wahlkreise Chelsea eine Rede, in welcher er stch sehr eingehend mit der politischen Situation befaßte. Er drückte u. A. die Meinung aus, daß, wie die Sachen jetzt ständen, die radikale Partei(Herr Dilke gehört zu dem linken Flügel der Liberalen) eine bessere Gelegenheit haben werde, Unheil in der auswärtigen Politik Englands zu verhüten und die Einführung heilsamer Reformen zu fichern, indem fie in der Oppofition verbleibe, anstatt fick an einer liberalen Verwaltung zu bethei- ligen, die das Vertrauen des HauleS der Gemeinen nicht dauernd genießen könnte. Auf eine Unterstützung der Radila- len darf die Regierung aber nicht rechnen, wenn fie einen neuen Feldzug im Sudan unternehmen will. — Aus Irland werden neue Ausschreitungen gemel- det. Der Aufseher eines Pachthofes bei Killarncy, dessen Pächter ausgewiesen worden war, ist von„Mondscheinlern" zu Tode geprügelt und in Ballinagor wurde der Versuch gemacht, das HauS des Friedensrichters John Lewis mittelst Dynamit in Lust zu sprengen. Die Explofion zerstörte indcß nur die Hausthüre und zerschmetterte alle Fenster. Lewis hatte fich „Du hast nun Entdeckungen gemacht?" „Ich habe Manches erfahren, aber die Beweise fehlen «och immer, und der Bursche scheint daS zu wisse«, er wird übermüthig." „Inwiefern?" „Ich war gestern Abend mit dem Justizrath ein Stündchen in der rothen Traube zusammen, Rabe hatte mich offenbar dort aufgesucht, er setzte sich mir gegenüber und griff mich in einer Weise an, die mich zwang, ihm ziemlich un- verblümt seinen Standpunkt klar zu machen. Er hatte daS provozirt und zwar absichtlich, um eine« Grund zu habe», mich herauszufordern." „In allem Ernst?" fragte der Oberst, die Brauen emporziehend. „Beftemdet Dich das?" erwiderte Siegfried achsel- zuckend.„Ich erklärte ihm gestern Abend schon, daß ich ihm das Recht, Genugthuung zu fordern, nicht einräume« könne, nichtsdestoweniger schickte er mir heute Morgen seinen Kartellträger, einen gewissen Herrn von Barnekow." „Und was hast Du d e m geantwortet?" „Daß sei« Freund in meme« Augen nicht satisfak- tionsfähig sei, verlange er nähere Beweise, so würde ich fie ihm geben, nicht unter vier Augen, sondern vor Zeugen, denen ich dann die Entscheidung anheimstellen wolle." Der Oberst nickte, seine Stirne glättete sich wieder. „DaS war die einzig richtige Antwort, die Du ihm gebe« konntest," erwiderte er,„aber sieh' Dich doch vor, sie könnte böse Folgen haben. Diese Leute sind rachsüchtig und in den Mittel« zar Erreichung ihrer Zwecke nicht wählerisch. Sollte Rabe, was ich nicht glaube, die ihm angebotenen Beweise verlangen, so berufe Dich auf mich, ich werde ihm eine Anklage in'» Gesicht schleudern, die ihn vernichten muß." „Und wie lautet diese Anklage?" „Ich habe der Generali« Verschwiegenheit gelobt." „Ich gelobe dasselbe, vielleicht bietet Deine Anklage mir einen Haltepunkt für die Untersuchung." „Ich glaube nicht, daß sie damit in Verbindung ge» bracht werde» kann," sagte der Oberst,„sie jst eine Sache für fich, und Du wirst auch begreife», daß ich mein bei seinen Pächtern durch Verweigerung einer Pachtzinsreduk» tion mißliebig gemacht. «gyptem Der Nachfolger des Mahdi, der.Ihrlif" Abdullah, hat, bevor seine Streithaufen gegen daS eigentliche Egypten aufgebrochen find, in den Straßen von Abu-Hamed und an de« Moschee- Eingängen eine Proklamation anschlagen lassen, die zum Vernichtungekrieg der Ketzer und Ungläubigen auffordert. Die„Neue Freie Presse" meldet: Die Lage in Egypten ist ungemein ernst. Der ganze Sudan ist wieder in vollem Auf- rühr. Die Araber umzingelten die englischen Truppen bei Koscheh. Die letzteren find von Wady-Halfa abgeschnitten und vertheidigen fich verzweifelt. Es wird eine Katastrophe befürch« tet. Die Regierung sendet sofort mehrere Regimenter nach Egypten ad. — Alexandrien, 13. Dezember. Die neue Verordnung, kraft welcher Dampfer, die mit elektrischem Licht erleuchtet find, einen Theil des S u e z k a n a l s bei Nacht befahren können, ist ein großer Gewinn. Bis jetzt wurde nichts zur Erweite- rung des Kanals gethan, wie dies vereinbart worden ist. Es verlautet hier, daß der Verzug nicht von Herrn von LeffepS oder von dem Verwaltungsrath herrührt. Beide find von der Nothwendigkeit des Werkes durchdrungen, aber die egyptische Regierung bereitet unerwartete Schwierigkeiten. Die gegen- wärtige Breite und Tiefe des Kanals find in der vomKsedive gewährten ursprünglichen Konzesston verzeichnet und eS find Abänderungen der Statuten der Gesellschaft nothwendig, ehe der Kanal erweitert werden kann. Der Khedive verweigert seine Einwilligung zu diesen Abänderungen ohne stichhaltig« Gründe. Es bedarf keines weiteren Terrains. Kein«Rechte des Khedive werden angetastet. Die britische Regierung ist bemüht, in die egyptische Regierung zu dringen, ihre Zustlmmuna zu der rein formellen Abänderung der Statuten unverzüglich zu geben. Amerika. Bei den letzten Unruhen gegen die eingewanderten Chinese« wurden im Staate Wyoming 28 Chinesen erschlagen nnd gegen 600 verwundet. Der eigentliche Grund des Haffes der ameri- konischen Bürger gegen die Chinesen ist nicht nur darin zu suchen, daß dieselben durch ihre Anspruchslofigkeit den amen» konischen Arbeiter und schließlich auch den Fabrikanten ver« drängen, sondern er resultirt auch aus dem Verhalten der Bundesbehörden zu dem Chinesengesetz, welches bekanntlich die weitere Einwanderung gegen die Söhne China's in Kalifornien verbietet. Die Unzufriedenheit richtet fich somit auch gegen die Bundesbehörden, welche daS Gesetz mit Füßen treten, denn es ist eine notorische Thatsache, daß fortwährend Chinesen nicht nur bei Nacht und Nebel von Kanada aus, sondern direkt unter den Augen der Bundesbeamten in San Franziska eingeschmug- gell weiden. Gerichts-Zeitung. Den Mainzer Doppelmord vor dem Schwurgericht. Mainz, den 15. Dezember 1885. ErsterTag der Verhandlung. Nachmittags- Sitzung. Als die Sitzung gegen 3% Uhr wieder eröffnet wird, find den Berichterstattern auf Anordnung deS Präfidenten Tisch« aufgestellt worden. Die Unruhe des Publikums ist jedoch fortgesetzt eine derartige» daß den Verhandlungen sehr schwer zu folgen ist._ Es wird zunächst der Kreisarzt, Geh. Medizinalrath Dr. Helwig, vernommen. Dieser devonirt, welche Wahrnehmungen er an dem im Rhein aufgefundenen Rumpf gemacht habe. Die Haut deS Rumpfes ließ darauf schließen, daß der Ermordete den besseren Ständen angehört habe. Der Kopf, der ganze Hals, die Arme und die unteren Extremitäten fehlten. Der HalS war bis auf die Wirbelsäule abgeschnitten. Die Arme und Beine find augenscheinlich theilS abgesägt, theils mll Ge- walt durchbrochen worden. Die Muskeln waren total zerfetzt, die Haut zeigte Spuren, wie man ste bei Erhängten zu sehen gewöhnt ist. Es ist danach anzunehmen, daß der Ermordete erwürgt oder erdrosselt worden ist. Der wettere Befund ergab, daß der Ermordete in früheren Jahren einmal an der Rippenfell- entzündung gelitten nabe. Am Nachmittage desselben Tages wurde ich nach dem Furstenbergerhof Nr. 3 gerufen, woselbst wiederum ein Mord entdeckt sein sollte. Ich begab mich sofort an den Ott des Verbrechens und fand daselbst eine Frau er- mordet im Bette liegen. Der Schädel der Ermordeten war ganz furchtbar zuge- richtet. Um den HalS derselben war ein sogenannter Schuster- riemen geschlungen. AlS wir am folgenden Tage die Settio» der Leiche vornahmen, wurde auch Herbst, der inzwischen ver- haftet war, in das Sektionshaus gebracht. Herbst sagte: D* arme Frau, ste hat mir viele Wohlthaten erwiesen.„Und zum Dank dafür baden Sie fie ermordet!" bemerkte ich. Daraufhin flüftette der Angeklagte, anscheinend ganz verlegen, einige un- Wort nicht brechen darf. Du nanntest vorhin den Name« Barnekow, kennst Du diesen Herrn persönlich?",„ „Nein, er soll ei« Hazardspieler und Glücksjäger fem- „Und diesen Bursche« wollte Rabe hier einführe«? „Arabella nannte mir de« Namen, Rabe hatte ihr de« sauberen Herr« vorgestellt und später seiner Schwester geg*? über geäußert, eine Verbmduaa mit Barnekow würde m« Zukunft Arabella'S in jeder Weise ficher stelle«. Es wm wirklich hohe Zeit, daß wir den alten Hader fahren ließ«*- der Bursche hätte die Generalin an den Bettelstab gebracht Und Lossow muß gewarnt werden," fuhr er fort, währe«* er mit großen Schritte« auf und nieder wandette,„es war« unverantwortlich—" „Ich glaube. Du kannst das dem Polizeipräsidenten über« lassen," fiel Siegfried ihm in die Rede,„er wird«*** ruhen, bis er seinen Nebenbuhler entlarvt hat." „Du hast Dich mit ihm verbündet?". „Ich konnte ohne die Hilfe der Polizei nicht fe»«S werden. Hast Du die Verwaltungsbücher in Ordnung vr funden?" „Ich kann in dieser Beziehung dem früheren Verwa! nicht den leisesten Vorwurf machen." „Da» wundett mich." „Bah, er hatte Zeit genug, und er konnte damit je» etwa auftauchenden Argwohn entgegentreten. Slnv Bücher in Ordnung, so denkt man, die Kasse müsse auch sein." „Und die Kasse war es nicht?" ftagte Siegftied. „O gewiß; mit dem Abschluß des Kassenbuchs ßg der kaum nennenSwerthe Bestand auf Heller und Pt überein. Aber die jährliche» Ueberfchüsse sind spurlos v schwunden und die Bücher ergeben über deren Verwenv" gar keinen Aufschluß." „Weiß da« die General,«?" Geld „Ich war verpflichtet, eS ihr mitzuthe.len; d°s � ist natürlich im Hazardsp,el vergeudet, unw»derbn«g"V loten.". 4i „Sind die frühere» Diener entlaffea worden „Nur der Kammerdiener." „Die Zofe nicht?" verständliche Worte.„Wenn Sie etwas zu sagen haben, so sagen laut, damit eS Jeder hören kann," bemerkte ich. Herbst erwiderte: Ich bin es nicht gewesen, wenn man mich auch der Mordthat beschuldigt. Die Wothe hatte mit einem hochgestellten Herrn ein intimes Liebesverhältnis); des, halb kam es zwischen den Wothe'schen Eheleuten oftmals zu argen- Zerwürfnissen. Anfänglich erklärte fich Herbst auf Be- fiagen bereit, der Sektion beizuwohnen, es schien ihm jedoch sehr bald unheimlich zu werden, denn nach wenigen Mnuten äußerte er den Wunsch, fortgeführt zu werden. Der Sachverständige zeigt den Geschworenen den gräßlich verstümmelten Schädel der Frau Wothe und fährt alsdann fort: Ich habe ferner die Hosen untersucht, die dem Angesagten bei seiner Verhaftung ausgezogen wurden. Ich habe aus den be- bluteten Hosentheilen das schönste Blutkrystall gewonnen. Ich bemerke hierbei, daß Herbst 8 Zentimeter größer ist, als Wothe gewesen, eS ist mithin nicht anzunehmen, daß Herbst die Hosen von Wothe getragen hat. Auch die übrigen bei Herbst vorgefundenen Sachen waren stark beblutet. Die gefundenen Oberschenkel sowohl als auch der später aufgefundene Kopf haben vollständig zu dem Rumpfe gepaßt. Der Kopf bestätigte, daß der Tod durch Erdroffelung eingetreten ist. Möglich ist aber auch» daß der Ermordete niedrig gesessen, daß ihm der Mörder zunächst einen heftigen Schlag auf den Kopf versetzt, da dieser aber nicht tödtlich war, er noch nachträglich die Erdrosselung vorgenommen hat. Der Kehlkopf ist mit solch' furchtbarer Gewalt zertrümmert, wie ste mir in meiner Wjährigcn Praxis noch niemals vorge- kommen ist. Selbst dem berühmten Gerichtsarzt Maschka in Wien find nur zwei Mal derartige Kehlkopfverletzungen vorgekommen. Jedenfalls ist diese Art der Verletzung nur mit furchtbarer Gewalt zu bewerkstelligen. Gelingt fie aber, dann ist fie absolut tödtlich. Ich habe den Wothe nicht persön lich gekannt; der Kopf war bereits in Fäulniß über gegangen, so daß die Gefichtszüge schwer zu erkennen waren. Trotzdem vermochte ich zu konstatiren, daß der Ermor- dete einen kleinen Schnurrbart getragen. Ferner fand ich Spuren vor, daß der Ermordete Ohrringe getragen. Im Weiteren be- richtete ein Gefängnißarzt, daß Wothe einmal an der Rippen- sellentzündung erkrankt war. Als wir die Sektion an dem vor- gefundenen Kopf vornahmen, wurde auch der Angeklagte in daS SektionshauS gebracht. Als ihm der Kopf gezeigt wurde, be- merkte er, daß dieS wohl nicht der Kopf des Wothe sei, der Seftion wollte er jedoch nicht beiwohnen. Wir stellten ferner fest, daß der Ermordete bei Ledzeiten den Kopf etwas schief ge- tragen und endlich, daß in den Magen beider Ermordeten stark mit Mehl versetzte grüne Bohnen vorhanden, die augenschein- lich zu ein und derselben Zeit genoffen waren. Dieser letztere Umstand führte uns ganz besonders zu der Vermuthung, daß zwischen beiden Ermordeten eine engere Verbindung stattge- künden haben müsse. Augenscheinlich hat der Mörder dm Leichnam deshalb derartig verstümmelt und die einzelnen Theile bei Seite ge- schafft, um die Leiche unkennUich zu machm. Der ermordete Wothe hatte an dm einzelnen Körpertheilen ganz besondere Merkmale, an denen er sofort zu erkennm gewesen wäre. So war z. B. die Brust vollständig mit Haaren bewachsen und wie mir berichtet wird, die Arme tätowirt. Asfistmzarzt Dr. Kolb bestätigt die Aussagen des erstm Sackverständigm. � Zeuge Röder bekundet: Er sei am Nachmittage deS 2�. August ungefähr von 5'/» bis 7 Uhr bei der ermordeten Frau Wothe gewesm. Diese sei in einer Stimmung gewesm, daß nicht anzunehmm ist, fie habe von dem vielleicht schon geplantm Morde Kenntniß gehabt. Frau Fritz bekundet: Sie habe am Nachmittage des 27. August den Angeklagten mtt einer dichtgefüllten Reisetasche gesehen. Der Angeklagte bestteitet, daß die Tasche gefüllt ge- wesm sei. Präs.: Wo ist die Tasche? Ängekl.: Die habe ich an einen AckerSmann verkaust. Pras.: Können Sie den Namm desselben nennen? Angekl.: Nein I Prof.: Es werden nun eine Reihe von Zeugm auftreten, die Sie am Morgen des 27. August gegm 6 Uhr vor dem Tauthor und später in der Langgasse gesehm haben. Angell.: DaS kann nicht sein, denn ich habe um 6 Uhr noch im Bett gelegen. � Präs.: Selbst auf dem Flur, der zu Ihrer Wohnung führt, haben fich Blutspuren vorgefundm. Angekl.: Davon weiß ich nichts; von mir rühren jeden falls die Blutspurm nicht her. � � �„, KommiS Zimmermann bekundet, daß Wothe auf ferne Gheftau sehr eifersüchtig gewesen, es sei deshalb öfter» Zwischen den Eheleuten zu Zerwürfnissen gekommen. Einmal bade ihm Frau Wothe an ihrem Arm einen blauen «leck gezeigt, mit dem Bemerken, daß fie ihr Mann wieder einmal furchtbar gedrückt habe. Wotbe, der im Vimmer anwesend war. habe darauf bemerkt: Meine Frau be- wmmt manchmal den Rappel, da muß ste in Schach gehalten werden. Der Zeuge bekundet im Weiteren auf Beftagen, er habe bei dem Angeklagten niemals Ringe gesehen. Präs.: Nun. Angeklagter, Sie behaupten wohl nrcht, ir- mals Ringe besessen zu haben? Gmiwirth Nicolai: Am Abende d-S 26. August kurz vor 8 Uhr kam Frau Wothe in meine Gastwirthschaft und fragte. mk(ky gftrtnn vn sei oNer vd oewesen sei. Da ihr dies XDI „Franziska?" fragte der Oberst erstaunt.„Nein, JW ist ja speziell von der Generalin eagagirt, welche Veran- kassuug hätte ich haben könne», fie zu entlassen?" „Hm, ich traue ihr nicht; fie ist mit dem Kammerdiener verlobt." „So, so, na, mich geht da» nichts an; es ist Sache der Generali». Soll ich fie darauf aufmerksam machen?" köu test� �üvsche das nicht. Wenn Du die Zofe beobachten ,„Nein, Siegfried, dazu passe ich nicht, deshalb bitte * Dich, damit mich zu vetfchonen. Liegen Verdachtgründe gegen das Frauenzimmer vor, die feine Entlassung nöthig wache», dann zögere ich nicht lange, aber diesen Gründen N» nachzuspüren, überall zu horchen und zu forsche», da« " Meine Sache nicht." . Siegfried wußte das selbst, er hielt es für rathsam, ww alten Herrn keine weiteren Mittheilungen zu wache». »Du wirst keinen neuen Diener engagiren?" fragte er. .»Für meine Person nicht, William genügt mir, und weiß, daß ich mich auf ihn in allen Stücken verlasse« an». Ahxx einen Gärtner muß ich habe», Siegfried; wenn , u mir den Gefalle» erzeigen willst, Dich in der Stadt "wzusehen—" *»Sehr gerne, es wird am besten sein, wen» ich eine �»»onze einrücken lasse." »Wie Du willst, ich überlasse da« Dir!" William erschien in diesem Augenblicke, um die Herren �'fch zu bitten, und bald darauf saßen der Oberst und wgsried den Damen gegenüber. . Di« Unterhaltung war sehr belebt, der Oberst erzählte »ml reichen Schatz seiner Erinnerungen eine Geschichte li? 61 anderen, er konnte, wenn er wollte, außerordentlich edenswürdig fein und eine Gesellschaft in der heiterste» geistreichsten Weise unterhalte». mö r*Inb �eule ihat er et schon deshalb, um so viel als zpDch.de» unangenehme» Eindmck zu verwischen, den seine ��.�uvgen über Rabe auf die Generali« gemacht hatten, suhlte sich gewissermaßen dazu verpflichtet. «regsried und Arabella verhielten fich meist schweigend, �******•• W..,-----------, od ihr Mann nicht da sei, oder da gewesen sei. Da ihr vemeint wurde, sagte fie, fie wolle warten. Etwa V* Stunde darauf kam der Angeklagte in großer Aufregung und unterhielt fich etwa 10 Minuten sehr lebhaft im Flüstertone mit der Frau; alSdann verließen Beide gemein« schaftlich das Lokal. Kellnerin Büchner und Kommis Bommersheim destätigen die Aussagen. Der Angeklagte bestreitet, aufgeregt gewesen zu sein. Soldat Köhler erzählt den Vorgang in der Ntkolai'schen Wirthschast in ähnlicher Weise wie die Vorzeugen. Eine de» sondere Auflegung habe er an dem Angeklagten nicht wahrge- nommen. Frau Wothe habe bei Gelegenheit des Flüsterton-Ge- sprächS eine abwehrende Bewegung gemacht. Daraufhin habe der Angeklagte gesagt:„Ach waS, eSkann ja nicht'raus- kommen." Präs.: Nun Angeklagter, was sagen Sie dazu? Angekl.: Herr Präsident, der Zeuge irrt fich, ich habe zu der Frau Wothe, die zu einer falschen Thür hinausgehen wollte, gesagt, Kommen Sie doch hier hinaus. Im Uebrigen haben die Zeugen alle so entfernt von uns gesessen, daß fie unmöglich unsere Unterhaltung gehört haben können. Der Zeuge bleibt bei seiner Bekundung. Zimmermann Gutacker bestätigt vollständig die Aussagen deS Vorzeugen. Musketier Wirtz hat am Abende des 26. August den Herbst mit der Wothe in der Nikolai'schen Wirthschast gesehen und nichts Auffallendes an crfterem wahrgenommen. Am Morgen des 17. August, nach 6 Uhr, habe er den Herbst in sehr aufgeregter Weise und lüderlich gekleidet, den Zahlbacher Weg entlang gehen seben. Angekl.: Der Zeuge int fich ganz entschieden; ich bin am Morgen des 27. August nicht am Zahldacher Weg gewesen und gehe im Uebrigen niemals lüderlich ge- Malergehilfe NilliuS: Ich habe nicht wahrgenommen, daß Herbst in der Nikolai'schen Wirthschast auigcregt gewesen. Ich habe bloß gehört, daß Herbst, als er mit der Wothe daS Lokal verließ, sagte: Gehen Sie doch hier hinaus. Die Sitzung wird hier gegen 7'/, Uhr AbendZ auf mor« gen(Mittwoch) 9 Uhr vertagt. Mainz, den 16. Dezember 1885. Zweiter Tag der Verhandlung. Präfident Landgerichtsrath BerdellS eröffnet gleich nach 8 Uhr Vormittags wiederum die Sitzung mit etwa folgenden Worten: Ehe ich mit der Zeugenvernehmung fortfahre, habe ich an Sie, Angeklagter, einige Fragen zu stellen. Sie hatten bei Wothe Kost, haben Sie am 26. August mit den Wothe's zu- sammen grüne Bohnen gegessen? Angekl.: Jawohl. Präs.: Wann aßen Sie die Bohnen? llngekl.: Mittags gegen 12 Uhr. Pras.: Die Wothe'schen Eheleute ahm die grünen Bohnen zu gleicher Zeit? Angekl.: Jawohl. Präs.: Sie haben gehört, daß auch in dem Magen der ermordeten Frau Wothe Reste von genoffenem Käse vorge- fundm worden, haben Sie auch am 26. August mit Frau Wothe zusammen Käse genossen? Angekl.: Jawohl. Präs.: In welcher Zell war daS? Angekl.: Nachmittags gegen 4 Uhr. Pras.: Wann find Sie am 23. August Abends in die Nikolai'fche Wirthschast gegangen? Angekl.: Etwa gegen 8 Uhr. Präs.: Wann kamen Sie mit der Frau Wothe in deren Wohnung? Angekl.: Etwa gegen 8'/, Uhr. lZräs.: Wer betrat die Wohnung zuerst? Angekl.: Da? weiß ich nicht mehr. Präs.: War die Wohnung verschlossen? Angekl.: Jawohl. Präs.: Dann müssen Sie fich doch erinnem, wer die Thüre aufgeschloffen hat? Angekl: Dessen erinnere ich mich nicht. Pras.: Wer mag wohl den Schlüssel gehabt haben? Angekl.: Ich glaube, den habe ich gehabt. Präs.: Haben Sie ihn der Frau Wothe gegeben? Angell.: DaS weiß ich nicht mehr. Präs.: Wann kam der Ehemann Wothe nach Hause? Angekl.: Nachdem wir etwa 4 Minuten zu Hause waren. ohne fich indeß der Unterhaltung, sobald sie allgemein wurde, zu entziehen. Ihre Gedanke« mochten wohl mit an- deren Dingen beschäftigt fem, und der Oberst schien daS auch zu vermuihen, denn er richtete selten da» Wort an sie, seine Scherze und Anekdote» hatten offenbar den Zweck, die Generalin zu erheitern. Und diesen Zweck mußte er wohl, als die Tafel auf- gehoben wurde,«ach seiner Anficht noch nicht erreicht haben, mit unermüdlichem Eifer fuhr er fort, neue Anekdoten und Wortspiele zu ersinnen, die selbst da» Erstaunen Williams herausforderten, der seinen Herrn noch nie in dieser geradezu ausgelassene» Stimmung gesehen hatte. Siegfried und Ära- bella aber hatten den Speisesaal verlasse«, fie waren sauf die Terasse hinauSgettetea und dann Arm in Arm in den Garten hinuntergegangen. „Ich erkenne Papa kaum wieder," nahm Siegftied da» Wort, nachdem sie eine kurze Strecke schweigend zurückgelegt hatte»,„ihm scheint ei» neues Leben aufgegangen zu sei». Wie heiter und ausgelassen er ist! Und mrt der Vergangen- heit scheint er völlig abgerechnet zu haben, mit den alten liebgewonnenen Gewohnheiten, die so tief und fest einge- wurzelt waren, hat er gebrochen, die früheren Freunde, deren Umgang ihm unentbehrlich war, vermißt er nicht— und da» Alles haben Sie binnen wenig Tagen fertig gebracht." „Ich?" fragte Arabella lächelnd. „Sie und Ihre liebenswürdige Mama!" „Diese Behauptung ist doch wohl zu gewagt." erwiderte Arabella, die schönen Augen niederschlagend.„Onkel Georg fühlt sich wohl und behaglich in dem Hause seiner Väter und seiner Kindheit. Ihm wird zu Muthe sei», wie Je- mandem, der nach langer Abwesenheit in die Heimath zurück- kehrt und Alle« so wiederfindet, wie er e« verlasse» hatte. Und wer sollte dem biedere» alte» Herrn nicht freundlich entgegenkommen? Ich will Ihne» offen gestehen, daß ich der ersten Begegnung mtt ernster Besorgniß entgegensah, ich dachte an den Hader, der un« so lange getrennt hat, ich konnte ja nicht erwarten, daß diese schroffe Schranke schon in der ersten Stunde fallen würde." „Und daß fie so rasch gefallen ist, war eine natürliche Präs.: Wie lange blieben Sie in der Wothe'schen Woh- nung? Angekl.: Ich bin sehr bald weggegangen, da die Eheleute fich zankten. Präs.: Sie sagten, Sie hätten fich, ehe Ste mit Frau Wothe nach Hause gingen, Wurst gekauft, haben Sie von der Wurst gegessen? Angekl.: Ja wohl. Präs.: Haben die Wothe's ebenfalls von der Wurst ge- geffen? Angekl.: Das weiß ich nicht. Präs.: Sie find also zwischen 3'/« und 9 Uhr von Wothe Du Pras.: Wohin gingen Sie? Angekl.: Ich machte zunächst einige Einkäufe und ging alsdann in die Gastwirthschaft„zum Goldstein". Präs.: Wann ungefähr find Sie nach dem„Goldstein" gekommen? Angekl. Wß: Angell Präs Es kann etwa 9V, Uhr gewesen sein. Wie lange find Sie im„Goldstein" gewesen? Etwa eine halbe Stunde. ______ Und wohin begaben Sie fich dann? Angekl.: Alsdann ging ich bis etwa 3 Uhr Nacht? spazieren und begab mich gegen 3 Uhr in meine Wohnung. träs.: Welchen Anzug trugen Sie an diesem Tage? ngekl.: Einen Sonntagsanzug. Es erlcheint nunmehr als Zeugin Frau Heinrichs: Am 26. August Abends gegen 8V, Uhr sah ich zwei Personen, eine Frau und einen Mann, in die Wothe'sche Wohnung gehen. Ich konnte die Personen in der Dunkelhett nicht erkennen. Kaum waren die beiden Leute in der Wohnung, da hörte ich aus derselben ein klägliches Hilfegeschret dringen. Die Hilfe- schreiende Stimme war die einer Frauensperson. Ich kümmerte mich nicht dämm, da ich annahm, es sei blos ein ehelicher Streit. Präs.: War denn zwischen den Wothe'schen Eheleuten öfters Streit? Zeugin: Das habe ich nicht wahrgenommen. Ein weiterer Zeuge, dessen Name nicht zu verstehm war, hat ebenfalls zur selben Zeit diesen Lärm gehört. Präs.: Nun, Angeklagter, was sagen Sie dazu, Sie haben selbst gesagt, daß Sie mit der Frau Wothe allein nach Hause gekommen find? Angekl.: Herr Präfident, ich weiß nicht, waS ich dazu sagen soll, so lange ich in der Wothe'schen Wohnung war, hat ' jedenfalls ein Hilfegeschrei nicht stattgefunden. Gürtler Menz: Am Abende deS 28. August, etwa gegen 8Vi Uhr, hörte ich aus der Wothe'schen Wohnung von einer Frauenstimme ein klägliches Hilfegeschrei dringen. Die Frau schrie auch noch:„Fritz, ich will eS ja nicht mehr thun!" Einige Zeit darauf sah ich den Herbst auS der Wothe'schen Wohnung kommen. Ich dachte, der gehe weg, da er von dem Skandal nichts wissen will. Präs.: Wissen Sie etwas über die Wothe'schen Familien- Verhältnisse? Zeuge: So viel mir bekannt, waren dieselben durchaus friedliche. Präs.: Wissen Sie, daß Herbst zu der Wothe in engerer Beziehung gestanden hat? Zeuge; Ja, ich habe vielfach gehört, daß Herbst mit der Wothe ein LiebeSverhältniß unterhalten hat. Präs.: WaS hatte der Angeklagte am flaglichen Mend für einen Anzug an? Zeuge: So viel ich weiß, tmg er einen grauen Anzug. Frau Menz bestätigt diese Depostta. Fabrikarbeiter Sautier und dessen Eheflau haben genau dieselben Wahmehmungen gemacht. Arbeiter Krancher: Herbst wohnte zur Zeit des Wothe- scken Mordes bei mir, wir schliefen in einem Bette. In der Nacht vom 26. zum 27. August kam Herbst erst kurz vor 3 Uhr nach Haufe. Herbst kam mit entblößtem Kopfe nach Hause und legte fich wider seine sonstige Gewohnheit mit den Hosen ins Bett. Präs.; Was für Hosen hatte er an? Zeuge: Graue Hosen. Der Zeuge bekundet im Weiteren, daß Herbst die ihm gezeigten bedluteten Hosen angehabt habe. Wann Herbst am Morgen deS 27. August weggegangen sei, wisse er(Zeuge) nicht. Schutzmann Hodann konstatirt, daß daS Bett, in dem Krancher und Herbst schliefen, bebrochen gewesen und er danach angenommen habe, daß Krancher am Abend vorher detrunken gewesen sei. Krancher bestreitet, betrunken gewesen zu sein, er erinnere fich auch nicht, daß er fich bedrochen habe. Auf Befragen des VntheidigerS bekundet die Fabrik- arbeitersfrau Sautier, eine Schwester des Krancher: Sie habe gleich bei ihrer ersten Vernehmung gesagt, von ihrem Bruder werde man sehr wenig erfahren, da dieser ein sehr schwaches Gedächtniß habe.(Fortsetzung in der Beilage.) Folge der herzgewinnenden Liebenswürdigkeit, mit der man meinem Papa hier entgegen kam," sagte Siegfried.„DaS lasse ich mir nicht abstreiten, um so weniger, al» Papa selbst e« behauptet." „So wollen wir denn nicht darüber streiten," scherzte Ära» bella, vielmehr der Thatsache, daß Freude und Friede in diese« Hau« zurückgekehrt sind, un« erfreuen. Al» Mama mir mittheilte, daß Onkel Willy uns verlassen habe, war«S mir, al» fei eine schwere Last von mir genommen." „Darf ich ftage», Bella, welche Ursache Ihrer Ab» «eigung gegen ihn zu Grunde lag?" „Eine befriedigende Antwort kann ich Ihnen darauf nicht geben, ich kenne selbst die Ursache nicht und habe auch nie darüber nachgegrübelt. Ich habe stets in ihm eine« Störenfried gesehen, der Einfluß, den er auf Mama übte, konnte mir nicht unbekannt bleibe», und das ich diesem Ein- fluß entgegentrat, wo ich es vermochte, daß wußte er, und es war natürlich, daß er e« mir nicht vergab. Mama hat oft zwischen un» zu vermitteln gesucht und ich habe mich auch wirklich bestrebt, meine Abneigung zu überwinden, aber eS gelang mir nicht, und Onkel Willy schien eS auch selbst nicht zu wünschen." „Und wenn Sie aufrichtig sein wollen, Bella, dann müssen Sie zugeben, daß Ihre Abneigung eine kräftige Stütze an dem Verdacht fand, den Sie gegen diesen Mann hegten," erwiderte Siegftied, sie ernst und voll an- schauend. „Zn der letzte« Zeit wohl, aber früher lag ja keine Veranlassung zu einem Verdacht vor." „Sollte Ihnen seine Lebensweise ganz unbekannt ge» blieben srin?" „O nein, Franziska berichtete mtt darüber mehr, al« ich zu hören verlangte." „Und da mußten Sie fich fragen, woher er die Mittel nehme, die diese verschwenderische Lebensweise er» forderte." „Diese Frage drängte fich allerdings mir auf, aber der Verdacht entstand erst nach der Beraubung de« Gärtners." (Fortsetzung folgt.) Berlin SO., empfiehlt zu festen Preisen 174 Oranien,trai;e 174 174 Ora«ie«strake 174 \ v Herren Unterbewkleider. Baumwollene& 60, 80 Pf, 1,00, 1,25, 1,50, 1,75. Schweiß-Hosen a 1,75, 2,00, 2,25, 2,50, 3,00. dito extra schwer a 2,25, 2,75, 3,25, 3,75. Wolleue Herreu-Vesten. Preis für 1 Stück 3,50, 4,00, 4,50, 5,50, 6,00, extra feine Qualität bis 10,00, 12 00 Mk. Gesuudheits-Hkmden In Sommer-Vigogne a 75 Pf., 1,00, 1,25 1 50, 175 Ml. Schweiß« Hemden a 1,75, 2,00, 2,25, 2,50, 2,75. dito extra schwer a 2,50, 2,75, 3,00, 3,25, 3,50, Trscot.Tlnlleu in allen starben, mit Fächer-Schooß, a Stück 3,50, 4,00, 4,50. 5,00, 6,00, Do. mit«ingewirttim Futter 6,50, 7,00, 8,00, 8,50. Damen- und Kinder-Casotteu. Für Kinder a Stück 25, 50, 75, 1,00, 1,25, 150 , Damen a„ 1,50, 1,75, 2,00, 2,25, 2,50, 3,00. Wolleue Talllen Tücher. Farben: schwarz, weiß, bordeaur, arenat, marwe te. a Stück 3,00, 3,50, 4,00, 5,50, 6,50, 7,50 Ml. Damen- und Kinder-Weste«. Kiuder-Tricots. Baumwollene a Stück 80, 90, 1,00, 1,10, 1,20 k. Vigogne„„ 80, 90, 1,00, 1,10, 1,20*. Wollen«„„ 1,50, 1,75, 2,00, 2,25, 2,60 je, Wollene gehäkelte Kinder-Kleidchen. a Stück 2,60, 3,50, 4,00, 4,50, 6,00, 5,50, SM Verantwortlick«'.ttedalleur A. Trarlbei« im Berlin. Druck und Verlag von Max Badittg in Berlin Beuthstraße 2 Hierzu eine Beilage zum Berliner Bolksblatt. Wo 296 Freitag» de« 18 Dezember 1885. II. Jahrg. Politische Ueberstcht. Die Znteressenpoltttk, die jetzt leider im deutschen Par- lamente in einer Weile wie nie zuvor zum Ausdruck kommt, wird in einem LeittnüM der„Voff. Ztg." eingehend de» sprochen. Nachdem daS Blatt darauf King, wiesen, daß sich die Begehrlichkeit des grurddefitzenden Adels und namentlich desjenigen in den östlichen Provinzen stets gesteigert habe, schreibt es wörtlich:„Bis 1849 Jat sich das Junkertbum den ertmiiten Gerichtsstand und die Patrimonial- Gerichtsbarkeit zu erhalten gewußt; wettere 23 Jahre hat eS die Abschaffung der oatrimonialen Polizei zu vereiteln verm cht, und seit dem Jahre 1872 kämpft es mit dem gleichen Erfolge für die Erkaltung deS letzten Restes seiner feudalen Privilegien, die Beibehaltung der putehenllchen Polizei, und lehnt damit erfolgreich seine Verpflichtung ab, nach gemeinem Rechte zu den kommunalen Lasten, insbesondere zu dem Schulwesen und dem Wege« bau, beizutragen. Auf wirthschafUichem Gebiete hat es ferne Wünsche im Wesentlichen auf die Wiederherstellung seines Jagdrechts und auf die Beibchatung seiner Grund« fteuerfreiheit beschränkt. Daneben her ging auch ein wenig Schnapepolitik, aber bei Weitem nicht in dem Maße, wie dieS heute der Fall ist. Wie klein, wie harmlos scheinen diese Bestrebungen gegenüber den wirthschaftlichen Sonderintereffen deS GrundbefitzeS. die heute verfolgt weiden. ES ist schwer, ein Gebiet deS Staatslebeni aufzufinden, auf welchem die konservative Partei in Verbindung mit den feudalen Elementen deS Zentrums ihre Majorität nicht zur Geltung gebracht hat. In der direkten Besteuerung verlangt fie eine scharfe Heran« Ziehung deS mobilen Kagitals durch eine Rentensteuer und schließt in willkürlicher Weise die Grundrente von dem Begriff der Rrnte aus. Der Börse hat fie eine neue Steuer auf- gelegt, die, wie' man auch sonst über dieselbe urtheilen möge, ohne jede genauere Kcnntniß von dem Wesen des Handels- geschäfts ausgearbeitet ist, den Verkehr auf das äußerste er« schwert und schließlich nicht diejenigen finanziellen Resultate bringen wird, auf die man gerechnet hat. Die Ge« treidkzölle, die Holzzölle kommen nicht der Landwirth- schaft, sondern wenigstens in überwiegendem Maße dem Großgrundbesitz zu Gute. Jedes landwirthschaftliche Produkt bis zur Zichorie herunter ist durch Zölle begünstigt. Der Zuckerindustrie find jahrelang hohe Exportprämien bezahlt, die heute nicht mehr abgeleugnet werden können, und die zur Störung des Gleichgewichts der Finanzen des Reiches und des Staates den Löwenantheil beigetragen haben. Wenn auch nicht in demselben Umfange, erfreut fich die Spiritus-Jndustrie doch der gleichen Bevorzugung." Und zum Schluß heißt ei: wird fich in der Geschichte vergeblich nach einem Bei» le umsehen, wo eine Jntereffenpolitik so nachdrücklich und unverhüllt getrieben worden ist; man preist es ja als einen Fortschritt, daß die Zeit vorübergegangen «UVCdU V»..*... u-;-,-,-----; w— v———-»ow wo man idealen Zielen nachjagte, und daß jetzt die parla- «entarischen Kämpfe zu einem Mittel geworden find, wider« Mitcnde wiithschaftliche Interessen durchzukämpfen. An daS «nbe solcher Agitationen denkt Niemand, und doch ist es un< Zweifelhaft, daß dieses Ende eintreten wird und daß der Zeit« wo di-s geschehen wird, nicht sehr lange ausbleiben Diese Ausführungen der„Voss. Ztg." entsprechen vollstan« «ig der Wirklichkeit. Doch wollen wir noch hinzufügen, daß Nicht nur die konservativen, sondern auch die liberalen Parteien die idealen Ziele längst bei Seite gestellt haben. ES ist noch nicht so lange her, als die Liberalen für jede ihnen auf wirth- schaftlichem Gebiete gewährte Konzesston eine politische Freiheit verschacherten und ideale Forderungen verleugneten. Ideale Ziele verfolgt heute nur noch die Arbeiterpartei, welche auch die E bschaft antreten wird, wenn die alten Parteien ahge- witthschaftet haben. „ I« dem Diätenprozeh FiSknS contra Hasenelever findet am 13. Februar in Naumburg ebenfalls der Termin zur Verhandlung in, wetter Instanz statt, wie schon gegen dm deutschfreistnnigen Abg. Lerche. � Z» den Erörterungen über daS allgemeine gleiche Wahlrecht bemerkt die„VolkSztg.": Zittrm wir einen Zeugen, welcher auch von der„Kreuzzeitung" als einwandsfrei anerkannt werden wird, nämlich die„Kreuz, ettung" selbst: DaS Blatt des Herrn von Hammerstein schrieb im Jahre 1882 also nur ein Jahr, ehe der Abg. von Hammerstein im Ab- Seordnetenhause für eine vorläufige Konseroirung des allge- «winen Wahlrechts einttat: „So lange das allgemeine geheime, direkte Wahl- recht die Stimme eines Halbblödfinnigen gleichwerthig macht mit der eines im Staatsdienst ober im öffentlichen Leben erfahrmen und wohlverdimten Mannes; so lange die Gestaltung unserer Gesetzgebung im letzten Grunde abhängt von der unorganischen, urtheililosen Masse— so lange wird auch das unsittliche Treiben demagogischer Wühlerei, welches fich an die niedrigsten Instinkte des Volkes wendet, die Oberhand behalten, böseS Beispiel gute Sittm verderben und Goethe'S Ausspruch von der Macht deS„Niederträchtigen" fich bewahrheiten." Wie fich doch die Anfichten ändern! Heute leugnet die- " daß die Konservativm Gegner deS allge- w*-rr------,_ die„urtheilslose Masse sehr gut zu beurtheilen ÜMC flD) VUU) v»v ♦••• i»»*,»-.. '?e„Kreuzzettuna", daß die Ko..�..»................... jrtnen gleichen Wahlrechts find. Sollte den Herrm wirklich le Erkennlniß gekommen sein, daß aS Verhalten der Konservativen ttmag? .. Matrikularbeiträge. Die Berechnung der nach dem leichshaushaltS>Etat für 1886— 87 zur Deckung der Gesammt» usgabe aufzudringendm Matrikularbeiträge ist dem Reichs- 'ß* zugegangen. Danach find im Ganzm an Matrikularbei« lagen aufzubringen 138 440 391 M. Davon entfallen auf ireußen 72 296 032 M., Bayern 25164 093 M., Sachsen 873 345 M., Württemberg 9 395 177 M.. Baden 6 604461 .sark. Hessen 2 481 520 M.. Mecklenburg. Schwerin 1529331 ?art, Sachsen-Weimar 820452 M, Mecklenburg-Strelitz %736 M.. Oldenburg 394 396 M.. Braunschweig 925 283 aark, Sachsen-Meiningen 548797 M., Sachsen-Altenburg ,9882 M.. Sachsen-Koburg- Gotha 516043 M.. Anhalt 16423 M., Schwarzburg- SonderSbausen 188 450 Mark, -bwarzburg. Rudolstadt 212803 M., Waldeck 149 797 Mark. leuß ältere Linie 134 584 M. Reuß jüngere Linie 268548 Echaumburg-Lippe 92 750 M., Lippe 318 680 Mark, Neck 168 478 Mark. Bremen 415353 M.. Hamburg 1 202 859 «rl und Elsaß-Lothringen 4945118 M. , Buf Grund des Sozialistengesetzes verbietet die kal. Äfische Kretshauptmannschast Zwickau die unter dem Titel: r«eraner""'""»—>»«- Amtsblatt für den ?ra«r«eich. Dem Eifer der Patriotenliga verdanlt Frankreich die Ein« richtung der sogenannten Echützenbataillone, deren Ausbildung zur Föiderung deS Patriotismus und als Vorbe« reitung des künftigen Revancheknrges dienen sollte. Die Ein- richtung ist kaum ein paar Jahre alt, aber schon deginnen die Franzosen des Spiels müde zu werden. Wie der„Voss. Ztg." telegraphirt wttd, hat der Neuillyer Gemetnderath beschlossen, das dortige Schülerbataillon aufzulösen, da die Einrichtung fich für die militärische Ausbildung als werthlos erwiesen und die Schuljugend blos zuchtloS gemacht und an Rauchen und Trinken gewöhnt habe. Andere Gemeinderäthe wollen diesem Beispiel folgen- Eo ist es auch besser! Gro tzbritauuie«. Oeffentlich leugnet sowohl Herr Gladstone, wie auch Herr Ealisbury, mit Parnell Verhandlungen gepflogen zu haben, während insgeheim von beiden Seiten um die irische Freund« schaft geworben wird.„Standard" erfährt, Gladstone wolle, falls er die Staalslettung wieder übernehme, die irische Frage auf folgender Grundlage lösen: Aufrechterhaltung der Reichs« einheit und Autorttät der Königin; Suprematie des Reichs« Parlaments; Bildung eines irischen Parlaments, welchem die legislativen und Verwaltungs Angelegenheiten anvertraut wer- den sollen, jedoch mit Bürgschaften für Vertretung der Mino« ritäten und der billigen Vertheilung der Reichslasten. Eine dieser Bürgschaften würde die Ernennung eines gewissen Verhältnisses der irischen Abgeordneten durch die Krone sein. Es wird angenommmen, daß der„Standard" seine In- formationen aus der Denkschrift geschöpft habe, welche Glad- stone an die Königin über die irische Frage richtete.— Herr Parnell wird fich schwerlich damit zufrieden stellen lassen, daß die Krone daS Recht haben soll, eine Anzahl Deputirter ins zukünftige irische Parlament zu schicken. Amerika. Nach einer aus San Franziska hier eingegangenen Depesche entdeckte die dortige Polizei eine sozialistisches?) Verschwörung, welche die Ermordung des Gouverneurs von Kalifomien und anderer angesehener Bürger zum Zwecke hatte. Mehrere Ver- hastungen haben stattgefunden.— Sowert unS bekannt, giebt es in San Franziska nur wenig Sozialisten, eS ist schon deS- halb mehr wie auffällig, daß die Verschwörung eine„sozia- listische" gewesen sein soy. Vorausfichtltch wird fich auch in diesem Falle wieder herausstellen, daß die Sozialisten mit der „Verschwörung" nicht das Geringste zu thun hatten. . Verlag °«ane" enthält Parlamentarisches. Die sozialdemokratische Fraktion deS Reichstags hat in ihrer letzten Sitzung einmüihig beschloffen, für die Regierungsvorlage, den Nordostseeranal betreffend, zu stimmen. Spezielle Wünsche, denen die Redner der Partei im Plenum Rechnung zu tragen haben, wurden laut in Bezug auf die Trennung der mfiitärrschen von dm hanvelspoltttschen In« tereffen, ferner bezüglich der L o h n v e r h ä l t n i s s e der bei dem Kanalbau beschäftigten Arbeiter. Doch wurde ausdrücklich betont, daß alle diese Bedenken nicht ausschlaggebend sein könnten auf die Gesammtadftimmung. Die sozialdemokratische Fraktion wird also ohne jegliche Bedingung für die Regierungs- vorläge fich erklären. — In der A r b e i t e r s ch u tz k o m m i ssi o n des Reichs- tags wurde gestern die Debatte über die Reorganisation der ReichS-ArbeitSämter fortgesetzt. Abg. Auer spricht für die Nothwendigkeit der Einführung derselben, während Dr. Lieber folgende Resolution beantragt:„1. Der Reichstag wolle be« schließen, unter Ablehnung deS Antrages Auer, den Herrn Reichskanzler aufzufordem, die Vermehrung der Zahl der Fabrik- inspektoren unter gleichzeitiger Verkleinerung der Auffichtsbezirke überall da herbeizuführen, wo fich das Bedürfniß einer solchen Vermehrung zur vollkommenen Erreichung der Aufsichtszwecke herausgestellt hat oder noch herausstellen wird. 2. Den Herrn Reichskanzler aufzufordern, beim Reichstag den Entwurf eines Gesetze?, detreffend die obligatorische Einführung von Gewerbe- acrichten, mit der Maßgabe baldthunlichst vorzulegen, daß die Mitglieder derselben zu gleichen Theilm von den Ardeitgebern und von den Arbeitern in getrennten Wahlkörpern und in un- mittelbarer, gleicher und geheimer Abstimmung gewählt werden." — Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. — Die Polen haben nunmehr ebenfalls einen Antrag in Bezug auf die Ausweisungen eingebracht, welcher folgmven Wortlaut hat:„Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, in Ausführung deS Artikels IV, Nr. 1 der Reichsverfassung einen dahingehenden Gesetzentwurf baldmöglichst vorzulegen, in welchem den ftemden Unterthanen insofern dieselben die öffentliche Ordnung und Sicherheit nicht gefährden, der freie und ungehinderte Auf- enthalt innerhalb des Reichsgebietes gewährleistet und in wel- chem 2. die Stipulationen der Wiener Verträge, welche den Bewohnem der ehemals polnischen Landestheile innerhalb deS preußischen Staatsgebietes Freiheit deS Verkehrs und des Auf« entHalts garaniiren, gebührend Rechnung getragen werde." AlS Antragsteller ist der Abg. v. JazdzewSti unterzeichnet. Die drei Anträge, welche dieselbe Angelegenheit behandeln, sollen gleichzeitig zur Debatte gestellt werden und zwar verausstchtlich am ersten„SchwerinStage" nach den Ferien, d. h. am 13. Januar k. I. — Die Kommisston deS Reichstags für die Einfüh- rung der Berufung begann die zweite Lesung ihrer Beschlüsse. Der das Prinzip der Anttäge enthaltende§ 354 der Strafprozeßordnung, wonach die Berufung stattfindet gegen die Urtheile der Schöffmgerichte und gegen die Urtheile der Strafkammern in erster Instanz, wurde mit großer Majo- rität angenommm. Wie in erster Lesung beschlossen, sollen StrafberufungSkammern bei dm Landgerichten gebildet wer- den.§ 76 des GerichtSverfassungS-GesetzeS wurde in folgender von den B-schlüffm erster Lesung abweichenden Fassung ange- nommen:„Die Strafkammem find als erkennende Gerichte ferner zuständig für die Verhandlungen und Entscheidungen über daS Rechtsmittel der Berufung gegen die Urtheile der Schöffengerichte 1. wenn lediglich Uebertretungen Gegenstand der Entscheidung in der Berufungsinstanz find, 2. in Privat- klagesachm, sofem nicht die.Staatsanwaltschaft die Be- rufung eingelegt oder im Laufe derselben die Verfolgung über« nommen hat." — Die Kommisfion für die Beamten« Unfallverficherung nahm einstimmig daS Beamten> Unfallgesetz unter Streichung deS§ 12 an, welcher die Ueberweisung von Staatsbetrieben wegen der unzureichenden Zahl der versicherungspflichtigen Mitglieder an die BerufSgmoffenschastm zuläßt. Kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. Sitzung am Donnerstag, den 17. Dezember. Der stellvertretende Stadtverordneten- Vorsteher Herr Büchtemann eröffnet die Versammlung um 53/« Uhr mit geschäftllchm Mittheilungen. Die Abtheilungen haben die Wahl von 15 Mitgliedem für den Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, betreffend die für daS Jahr 1886 erforderlichen Erweiterungen und Erneuerungen auf den städtischen GaS» anftalten und am Rohrsystem in der Stadt, sowie von 15 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung der Neuwahl der Mitglieder der Einschätzungs- Kommisfion für die klasstsi- zirte Einkommensteuer pro 1886/87 vollzogen. Frau Dr. Straßmann hat ein Schreiben an die Versammlung gerichtet, in dem fie ihren innigen Dank für die herzliche Theilnahme ausspricht, die ihr die Stadtverordneten-Versammlung anläßlich deS Ablebens ihres Mannes bezeigt hat. Nach Eintritt in die Tagesordnung wird ein Natmalisa- tionSgesuch geschäftsordnungsmäßig erledigt. Wahl des Stadtverordnetenvorstehers. Ab« gegeben werden III Stimmzettel; davon ist 1 unbeschrieben; die absolute Mojorität beträgt 56 Stimmen. Es erhalten: Herr Büchtemann 63, Herr Dr. Stryck 46, Herr Diersch 1 Stimme. Gewählt ist Herr Büchtemann. Der Ge« wählte nimmt die Wahl unter Dankesworten an. Er bittet um Nachficht für seine Geschäftsleitung und verspricht eine un- parteiische Handhabung derselben. Er schließt mit den Worten: Ich trete mein Amt in der Ueberzeugung an, daß der that« kräftige, bürgerliche Sinn, der so schöne Schöpfungen in Berlin im letzten Jahrzehnt geschaffen hat, in Mnen, meine Herren, gleich lebendig und mit ihm der hMkme Sinn verknüpft oleiben möge, welchen die Versammlung bisher gegen die noth- leidenden Mitbürger bewiesen hat. Ich hoffe, daß dieser Bürgerfinn bei Stadtverordneten und Magistrat bestehen und auch fernerhin seine Früchte tragen wird. Ich glaube, nichts Besseres versprechen zu können, als daß ich die Geschäfte der Versammlung im Sinne und im Geiste meines verewigten VoryänaerS im Amt weiter zu führen bemüht sein werde. Nunmehr ist die Wahl eines stellvertretenden Stadtver- ordneten- Vorstehers erforderlich geworden. Dieselbe wird ge- schästsordnungSmäßig in der zweitnächsten Sitzung erfolgen. Die nächste Sitzung wird auf den 30. dieses Monats festgesetzt. JnterimSbrücke für den Neubau der Moltke- brücke. Der Ausschuß beantragt durch seinen Berichterstatter, Stadtv. Nikolai, die Ablehnung des Baues der Interims- brücke. Die große Ausgabe(nominell: 77000 M.) könne gespart werden. Der Verkehr sei durchaus nicht so bedeutend und die Pferdebahngeleise können mit 280 Meter Umweg über die Alsenbrücke oder wenn diese wegen ihrer ge- ringen Breite nur ein Geleise bekommen könnte, zum Theil über die Kronprinzendrücke am Alexandeiufer entlang geführt werden. Stadtv. Wieck vertritt die Anficht der Minorität det Ausschusses. Die Konstruktion der Alsenbrück« sei nicht geeignet, einen größeren Lastenverkehr auszuhatten. Außerdem werde nach Eröffnung deS neuen Packhofes der Lastverkehr über diese Brücke gehen. Der Redner ersucht, den Ausschuß- antrag abzulehnen und den Magistratsantrag auf Bau der interimistischen Brücke anzunehmen. Stadtv. Geiter rechtfertigt den Ausschußantrag. Stadtv. Dr. Kürten Hütt eine JnterimSbrücke sttr durch« auS nothwendig. Stadtv. Dopp bittet, den Ausschußantrag anzunehmen. Es sei allerdings bekannt, daß in der Fraktion der Majorität uen, ars rrn irrarcronsoeiwrug armer oen Koulissen. Stadtbaurecht Hob recht erklärt den Bau einer In- terimSdrücke für nothwendig und unerläßlich. Die Eisenkon« struktion der Alsenbrücke habe höchstens eine Tragfähigkeit von 6000 Kg. pro Wagen, während schon für einen großen Pferde- bahnwagen 8500 Kg. Tragfähigkeit erforderlich ist. Auch den königlichen Behörden gegenüber erleichtere man fich die Stellung ungemein, wenn man den Bau einer JnterimSbrücke beschließe. Stadt. Karsten spricht gegen den Ausschußantrag. Ein Schlußantrag wird angenommen. Der Magistratsanttag auf Bau der JnterimSbrücke wird mit großer Majorität angenommen; der Ausschußantrag ist somit abgelehnt. Petition des Bankier E. Löser um Errich- tu na von Volksbadean st alten. Der Petitionsausschuß beantragt durch seinen Referenten Herrn Dr. Kürten Uebergang zur Tagesordnung. Stadtrath B orchard erkennt die Wichtigkeit von Volks- badeanstalten an und hofft, daß eine in nächster Zeit vom Ma- gisttat in dieser Hinficht gestellte Vorlage die Zustimmung der Versammlung finden wird. Stadtv. G o e r ck i: Die letzten Ausführungen des Mit- Slieds deS Magistrats rücken die Verwirklichung eines Wun- hes der arbeitenden Bevölkerung sehr nahe. Die Untersuchung der jetzigen Badeanstalten hat ein Resuttat ergeben, wie wer erwarteten: die gänzliche Unzulänglichkeit der jetzt bestehenden Einrichtungen. Da der Magistrat fich eingehend mit der Sache beschäftigt hat, so können wir ruhig diese Petition ihm als Anspom zur Berückstchtigung überweisen. ES kann nicht befremden, daß die arbeitende Bevölkerung einen großen Vortheil in der Errichtung von VolkSbadeanstatten er- olickt. Wenn in ftüheren Jahren der Magistrat auf diese Wünsche nicht eingegangen ist, so haben fich doch die Verhält- niffe jetzt geänvetu Die Industrie, der Verkehr hat eine un- geahnte Dimenston angenommen, aber oft find die Einrichtun- gen in den Werkstellen zur Reinigung deS Körpers für den Arbeiter entweder mangelhaft oder gar nicht vorbanden. Eta« tistisch läßt fich schwer nachweisen, daß augenblicklich die Zahl der Wannenbäder nicht ausreicht. Wer aber selbst alS Ar- beiter am Sonnabend die Badeanstalten besucht bat, der weiß, daß man oft IV:— 2 Stunden warten muß, bis man eine Badewanne benutzen kann. Eine mangelhafte Reinigung des Körpers aber birgt große Gefahren für den Gesundheitszustand der ganzen Bürgerschaft. Außerdem bieten jetzt die Bauten der Gasanstalt, des Radial- systems leicht Gelegenheit, derartige Einrichtungen unterzubrin- gen. Das Bedürfniß wird ja auch von keiner Seite verneint. Da die Ueberweisung der Petition an den Magistrat kein Mißtrauensvotum enthält, beantrage ich die Ueberweisung der Petitton an dm Magistrat, um fie der SanitätSkommisfion zu überweisen. Stadtv. Dr. S t r y I: Die Schuldeputation geht mit dem Plane um, in dm Volksschulm Badeanstalten für die Kinder herzustellm, indem daS Souterrain hierzu eingerichtet wird. Derartige Einrichtungen haben fich, wie ich mich selber überzeugt habe, in Göttingen ausS beste bewahrt. Die Lehrer verfichern, daß die Kinder, welche gebadet haben, viel geweckter und munterer in den Echul- stunden find. Die Echuldeputation beabfichtigt vorläufig zu beantragen, in 3 Schulen derartige Einrichtungen zu treffen. Die Kosten find gering(700-1000 M pro Schule) im Ver- hältniß zu dem großen Nuyen. Im Uedrigen bitte ich Sie, den Antrag Gorrcki anzunehmen. Der Antrag Goercki wird angenommen. Beschaffung von zwei neuen Löschzügen für die hiesige Feuerwehr. Die Vorlage wird nach kurzer Ditkusfion einem Ausschuß von 15 Mitgliedern überwiesen. Eine Anzahl unwesentlicher Vorlagen werden debatte- los genehmigt. Die Wahlen der Mitglieder der Stadtverordneten« Versammlung für die gemischte Deputation zur Vorberathung der Angelegenheit w'gen Kreirung der Stelle eines städtischen besoldeten Santtätsteamten werden die Ausschüsse vollziehen. Ankaufdes GrundstücksDerfflingerstr. ISa zu Gemeindeschulzwecken. Etadtv. Langenbucher schlägt Ausschußberathung vor, da das Terrain als Hinterland zu theuer bezahlt sei. Etadttath Schmidt bittet, wie der Beschluß auch auS- falle, um möglichste Beschleunigung der Angelegenheit. Stadto. Stryk bittet, den Magistratsantrag ohne Aus- schuß�rathun�anzunehmen-das Grundstück für das billigste und passendste. Der Antrag des Magistrats wird angenommen. Eine Anzahl Rechnungen werden dem Rechnungs« Ausschuß überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß 3V- Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. v. Schul-Vadeanstalten. Die städtische Schul-Deputa« tion batte seiner Zeit zwei Deputirte zur Befichtigung der in den Gemeindeschulen zu Göttingen eingerichteten Badeanstalten zur Benutzung für die Schüler entsendet. In der Sitzung am Mittwoch hat nun die Schul' Deputation nach Vortrag der Deputirten beschloffen, bei den Kommunalbehörden in Vor- schlag zu bringen, bei Gelegenheit von Neubauten für Ge- meindeschulea versuchsweise bei drei Doppelschulen Vorsorge für solche BadeeinricWngen zu treffen, die den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit bieten sollen, warme Bäder zu nehmen._ Lokales. r. Ueber die manaelhafte Beleuchtung unserer sämmtliche« Stadtbahnhofe wird von dem reisenden Publi- lum mit R-cht Kloge geführt. Zunächst dauert es ziemlich lange, ehe die Beleuchtung gegm Abend überhaupt funltionirt. In den Bureaus brennt längst Licht und die Signale find längst erleuchtet, wenn die ersten Laternen auf dem Perron «ine dämmerhafte Beleuchtung erzeugen, bei der eS schwer oder unmöglich ist, die angcdrachtm Plakate, Verordnungen oder Fahrpläne zu lesen. Abgesehen von der unbehaglichen Stim- mung, in welche ein solcher Lichtmangel den Wartenden ver- setzt, so können auch wirklich recht unliebsame Jrrthümer daraus resultiren. Daß bloße Ersparnißrückfichten die Ursache des de- klagten Mangels wären, ist nicht anzunehmen; hier wäre das Sparen ganz und gar nicht am Platze. Eine lehrreiche Illustration zu den bei jeder Gelegen« hcit wiederholten Mahnungen der Preffe, mtt Stteichhöl.ern vorfichtig umzugehen, giedt eine vom Bureau deS sächsischen Landtages versendete Beilage zu dem Rechenschaftsbericht der sächstschen BrardverficherunaS Kommission, in der nachgewiesen wird, daß im Königreich Sachsen in den letzten vier Jahren durch fahrlässiges Umgehen mit Streichhölzern erwiesenermaßen zweifellos 197, muthmaßlich 72, also höchst wahrscheinlich 269 Brände entstanden find, für welche Schadenvergütungen in Höhe von 503 777 Mark gezahlt werden mußten. In 209 Fällen waren Kinder, in 60 Fällen Erwachsene Urheber der Brände. b. AuStrudel«. Den alten Landsknechten wird nach« gesagt, daß ihre Leidrnschast für das Würfelspiel keine Grenzen kannte. Abn geschieden. Länger als ein Menschen alter hauste der Alte in seinem Naturalien- Kabinet am Nckolaikirckhof, dicht neben der historischen Stätte, wo einst Lesstna sein Heim aufgeschlagen hatte. Eine wahrhaft chaotisch- Verwirrung zeigte fich dm erstm Blicken der Eintretenden. Fische und Amphibien aller Art, Schmetterlinge und Käfer, Muscheln und Steine lagen hier umher, aber der alte Keitel wußte überall Bescheid. ES war ein Mann, der im wahrsten Sinne des Wortes die„ganze Welt" gesehen, der den größten Theil scineS 84jähriaen Ledens Vruf Reisen zugebracht, und der Alles, was er in seinem Naturalienkaoinet aufgesiapelt hatte, selbst mitbrachte auS den femsten Ländern. Keitel stand mit allen uaturhistorischen und ethnographischen Museen und vielen Privatsammlungen in steter Verbindung, er machte, da er Alles auf seinen Reisen billig erworben hatte, gute Gcschäste, aber er blieb immer der einfache Mann, der im unmodischen Rock mit dem Eammtkäppchm auf dem ausdrucks- vollen Kopf einherging. Sein Sohn, der auch schon bejahrt iftffühit vas eigenartige Geschäft weiter fort, aber für ihn ist .kein Nachfolger da, und wer weiß, wohin die reichen Schätze aus dern Natmalienkabinet am Nikolai kirch Hof einst zerstreut "�Mit der Unterschrift des Stadtverordnete« Görckt erhalwn wir einen A.likel, den wir hieimit der Oeffentlichkeit überleben. jj0minunain)ahitn und die VolkS- Zeitung. Die K mmunalwahlen find vorüber und mitBe« friedisung können wir im Gioßen und Ganzen auf das er- zielte Resultat blicken, wenn auch die Erwart ngen Einzelner wohl nicht ganz erfüllt sein weiden. Man beachtet aber von dieser Seile leider zu wenig, daß Hindernisse und Schwierig- leiten zu überwinden waren, die manchmal alle Anstrengungen illusorisch machten. An und für fich ist das öffentliche Wahl- svstem schon ein dermtiges Hinderniß. Es wären daher noch geringere Erfoige durchaus nichts Befremdendes oder gar Er« schreckendes. Der Zufall, der oft finnreicher aber auch ver« härgnißvoller spricht als die wohlbedachte Adficht, war von vornherein gegen uns. Von den Vertretern der Arbei'erpartei wurden 40, von den Vertretern der Bürgerpartei 50 pCt. aus» gelost, während das gütige Schicksal die Majorität in der Stadtverordnetenversammlung nur zu IL'/, pCt. der Neuwahl iinte>wa?f. Tie Parteien rücken so ziemlich in gleichmäßiger Stärke in den Sitzungesaal deS Rathhauses wieder ein, wenn auch keine der anderen Parteim eS vermochte, dieselbe Stimmen- zahl der Wähler, wie bei der vorigen Wabl, zu erreichen. Einzig und allein die Arbeiterpartei kann mit Stolz darauf hinweisen, wie nicht nur die alten Anhänger treu zu ihr gestanden haben, sondem auch diejenigen, welche abseits unserer Bestrebungen und Änfichtm standen, mehr und mehr von der Richtigkeit unserer Uederzeugungcn durchdrungm werden. Nur die Arbetterparteivei- mochte überall eine Vermehrung, ja in manchen Bezirken sogar eine Verdoppelung und Verdreifachung ihrer Stimmenzahl zu erzielen. Dieses Resultat trotz aller Machinationen, trotz aller Anfein- düngen der Gegner und namentlich der fortschrittlichen Presse! Unter dieser war es wiederum die„Volks'Zeitung", welche fich des alten Rufes der Ausübung des Grundsatzes: Cainmniare andocter, Semper haeret aliqnid, würdig zeigen wollte. Sind die Wahlen und die Vorkommnisse bei denselben lehrre'ch, haben wir Nutzanwendungen aus denselben zu ziehen, so liegen dieselben vielmehr in den begleitenden Erscheinungen dieser Wahlkämpfe als in dem Resultate selbst. Welche Anstrengungen machte nicht die liberale Partei, uns, die wir noch nie durch ein Kompromiß unS kompromittirt haben, zu einem solchen zu verleiten! Und als alle Liebesmüh umsonst war, als die Ar- beiter absolut nicht um der beanx yem der Fortschrittspartei willen ihr Prinzip verleugnen wollten, von der fie die ver« brauchte Fechtermanier des Verleumdens und des rohesten GeschttnpfeS an. Wiederum allen voran natürlich die„Volks« Zeitung!" Im wirren Durcheinander:„Lokalagitatoren",„unter- geordneteLeute",„nach Kreuzzeitungs- Lob lüsterne Sub- jekte" waren die Episteln, welche die„Volks- Zeitung" in ihrem von Bescheidenheit durchtränkten Anstandsgefühl den Wortführern der Arbeiterpartei gegenüber für angemessen hielt. Alles dies vermöchte nicht unsere Aufmerksamkeit für das ge« nannte Organ zu wecken, wenn nicht das Blatt fich zu folgen- der Stilübung in seiner Nummer vom 17. Dezember hinreißen ließe:„Sie haben weder auf die Lockpfeife der Reaktion, noch auf die fragwürdigen Stimmen im eigenen Lager gehört, welche es aus dem Gedächtniß der Arbeiter löschen möchten, daß in dem sozialdemokratischen Programm doch auch der demokratische Moment seine Rolle spielt." Wir lassen dem« gegenüber geschichtliche Thatsachen reden und jeder ehrliche und anständige Mensch wird sein Urtheil daiüber haben, od ein Organ mtt solcher Vergangenheit nicht geradezu die Träger des demokratischen Gedankens beleidigt, indem es voraiebt, für daS demokratische Prinzip einzutreten. 1. Die„Volks- Zeitung" war es, welche zuerst im Jahre 1858 den Namen der Demokratie abschwor und erklärte, die Demokratie müsse in die konstitutionelle Partei aufgehen. 2. Die„Volks- Zeitung" war das erste Blatt, welches 1859 die Losung ausgab, man müsse fich von der Foiderung des all- aemeinenWahlrechtS lossagen und mindestens auf eine un« bestimmteZukunft Hinaus an dem das gleiche Recht kränkenden und den Arbeiterstand herabsetzenden Dreiklaffenwahlgesetz festhalten. S. Die„Volks-Zeitung" war es, welche 1859 das lügenhafte Geschrei von der neuen Aera erfand und durch diese feige Täuschung der alten Demokratie den Todesstoß gab. Bedenkt man weiter das Auftreten der„Volks-Zeitung" Lassalle gegen- über, erinnert man fich, wie die„Volks-Zeitung" bemüht war, Lassalle den Arbeitern als einen Reattionär zu verdächtigen: so steht man, daß der Lauf der Jahre und der Wechsel der Redakteure leine Wandlung in dem Charakter und in den Aeußerungen der„Volks Zeitung" bewirkte. Wie früher, werden auch heute die Wortführer der Arbeiter verdächtigt, als frag- würdige Menschen hingestellt. Und in dieser Thatsache liegt eine lehrreiche Erfahrung. Sie beweist, daß es in dem Wesen deS kleinzelstigen liberalen Mobs liegt, als dessen geistige Vertreterin die„Volks Zeitung" wohl unbestritten von jedermann betrachtet wiid, nur mit Verleumdung fich wetterhin eine kurze Galgenfrist ihrer Existenz zu fichern, die ja bald genug durch die Erkenntniß der Arbeiter, wie die Abstimmungsziffern beweisen, beendet sein dürste. r. Ein lauter Krach, dem unmittelbar ein heftiges Klirren folgte, wurde auS einem Barbterladen am Kottbuser Ufer kommend, am Dienstag Abend von den Vorübergehenden gehört und veranlaßte dieselben zum Stehenbleiben, um die Ursache des Spektakels zu erfahren. Diese stellte fich als eine ziemlich komische heraus. Ein dort im Kanal vor Anker lie- gender Schiffer wird von heftigen Zahnschmerzen geplagt und geht in den Barbierladen, an dessen EinganaSthür weithin fichtbar die Jnstgnien deS prattischen Heilgehilfen prangen. Ader dieser selbst ist nicht anwesend und der anwesende junge Mann ist zur Vornahme so wichtiger chirurgischer Operationen nicht befugt; dennoch dringt der Zahnleidende in ihn, doch den schmerzenden Zahn zu entfernen oder doch wenigstens ein geeignetes Instrument zu leihen, dann wolle er versuchen, fich den Zahn selber auszuziehen. Vielleicht kitzelte hlerbei den jungen Mann der Ehrgeiz ein wenig, genug, der zahnkranle Schiffer saß bald auf einem Stuhl, um dessen Beine er krampf« Haft die seinigen geschlungen und dessen Rabmen er mit beiden Händen fcstgepackt hatte; oben in der geöffneten Mundhöhle aber hantiite der angehende Heilkünstler ohne jede Rücksicht auf die entsetzlichen Grimassen, welche sein armes Opfer schnitt. Endlich bestieg der junge Mann den Stuhl, auf welchem der Schiffer saß, von rückwärts, so daß er mit den Füßen auf der Sitzfläche des Stuhles stand, neigte fich nach vorn über den geöffneten Mund des Schiffers und suchte so dem im Oberkiefer fitzenden kranken Backemahn beizukommen. Aber so ein Schifflrzabn fitzt fest und der kühne Oparateur versucht endlich einen kräftigen Ruck, dcffen Folgen dann allerdings weit über den beabsichtigten Zweck hinausgingen; nicht blas der Zahn wurde herausgehoben, fonvern auch der Heilkünstler flog rückwärts von seinem Standpunkte und mit der Kehrseite in den großen hinter ihm hängenden Spiegel, dessen Glas er mtt lau!cm Krach zerttümmerte. Jedenfalls ein recht fatales Mißgeschick bei einer chirurgischen Eistlings« leistung. Einhundert Mark Belohnung setzt ein geängstigter Vater demjenigen aus, welcher ihm Nachricht über den Ver« bleib seines Sohnes zu geben vermag. Der Maurer Gustav Görn auS Sternfelde bei Spandau, 19 Jahre alt, welcher auf einem Bau zu Charlottenburg in Arbeit stand, ist seit dem 9. v. M. spurlos verschwunden. Die angestellten Ermittelun- gen. welche erst spät aufgenommen find, da die Eltern ihren Sohn anderwärts in Arbeit stehend glaubten, haben der „Neuen Zeit" zufolge ergeben, daß Görn fich am Abend dieses Tages von einem Lokal in der Kirchstraße auf den Heimweg nach Sternfelde begeben hat. Seitdem kehlte jede Spur. Der Verschwundene, ein solider, nüchterner Mann, war 173 Zentimeter groß, blond und bartlos, mtt einer Narbe auf der linken HalSseite. Derselbe trug eine seidene Mütze, blau karrtrten Rock, blau und weißeS Halstuch und Maurerhosen. b. Der Ueberfall deS Droschkenkutschers am Sonntag charalterrfirt fich als ein Racheakt und nicht als ein Raubonfall, und insofern dient diese Thalsache zur Beruhigung des Publi« kums. Schlimm ist der Vorfall insofern, als eine Personen« Verwechselung vorzuliegen scheint, indem der Racheakt dem Ueberfallenen gar nicht gegolten hat. Die zu der That ge« dungenen Menschen haben fich in der Person geirrt. Der Uelerfallene, nocd ein junger Mann, befindet sich nach der Aussage seiner Schwester in einem sehr bedenklichen Zustande- selbst das Gehirn ist verletzt. Aussicht auf Entdeckung der Thäter ist vorhanden, da man dieselben vor Antritt der Fahrt mit dem Kutscher zusammen in einem Lokal in der Dorotheen- straße gesehen hat. Zu einem Trödler am Mühlendamm kam am 1. d. M» den Herbst in der großen Larggasse mit einer schweren gefüllten Reisetasche gehen. Die Reisetasche war größer, alS die mtt hier vo gelegte. Präs.' Haben Sie den Herbst genau erkannt? Zeugin: Ganz genau. Präs.: Können Sie fich in der Person nicht irren?,_ Zeugin: Nein. Am Nachmittage desselben TageS, etlva gegen 4 Uhr, sah ich den Herbst wiederum am Hauptw«»- jedoch diesmal ohne Reisetasche. Er kam mir sehr aufgereg vor und schien es sehr eilig zu haben. ... Der Angeklagte erklärte, die erste Bekundung müsse erm schieden auf Jnthum beruhen, die zweite Bekundung dagegen gebe er zu, er sei jedoch nicht aufgeregt gewesen. o V Seugin, welchen Anzug trug Herbst? Zeugin: Einen grauen Anzug. ,.M � Kaufmann Breivogel: Am Abend deS 26. August M Frau fiKenz zu mir und theilte mir mit, fie habe soeben a der Wothe'schen Wohnung ein klägliches Hilfegeschrei und vn p.# in«innen Laden, um 2 Semmeln zu kaufen. Er trug o den Anzug, der hier vor mir liegt. o , Auf weiteres Befragen bekundet der Zeuge, er wisse n'« ob Heibst mit der Woche engere Beziehungen Unterhaus I-denfalls haben fie sehr einträchtig zusammen gelebt, v» habe der Woche Alles eingeholt. vaß gehenscht habe._ 0.„.o etwa Dienstmagd Embach: Am Morgen des 27. gegen 7 Uhr, habe fie den Herbst in derselben Kleidung 0 ,�� wie sie auf dem Tische liege. Herbst habe ein blaues O« und eine blaue Ardettsschürze getraa-n.. MsteN« Die Geschworenen äußern den Wunsch, daS Hau bergerhof Nr. 3 in Augenschein nehmen zu können- Verth.: Ich habe selbstoeiständlich gegen die Befichtigung mchts einzuwenden, ich kann aber nicht zugeben, daß vielleicht «in Beamter der Staatsanwaltschaft die Herren Geschworenen führt. ES würde sich vielleicht empfehlen, daß die Herren Ge schworenen ohne Führung die Befichtigung vornehmen. Der Staatsanwalt erklärt steh mit diesen Ausführungen ernverfiandcn, worauf der Gerichtshof demgemäß beschließt. Chemiker Dr. Egger konstatirt, daß das im Abort der Gastwirthschaft zum„Tannenbaum" gefundene Halstuch, in dem der eine Oberschenkel eingewickelt war, seiner Überzeugung nach, ehemals blau gewesen sein muß. Fuhrmann Bloch: Ich verkehrte häufig bei Wothe. Herbst holte der Wothe nicht dlos Alles ein, er kochte auch das Esten. Zwischen Herbst und der Frau Wethe habe ein zärtliches ätiedeS« und Duzverhäliniß bestanden. Davon habe der Ehe- mann Woihe jedenfalls nichts gewußt, denn so bald Wothe anwesend war, haben fie fich per Sie angeredet. Frau Wothe sagte zu ihm:„Herr Herbst" und er zu ihr:„Frau Wothe". Der Angeklagte bestreitet da? ganz entschieden. Frau Nitzschat: Zwischen der Frau Wothe und Herbst habe ein sehr freundschaftliches Verhältniß bestanden. Ob daffelbe ein intimeS Liebesverhältniß gewesen, wisse fie nicht, «S habe ihr aber geschienen, als bestehe ein solches. Frau Wothe habe ihr erzählt, daß ihr Fritz eine Uhr und rer- Ichicdene andere Gegenstände gekauft habe. Präs.: Wer war denn Fritz? Zeugin: Herr Herbst. Die Zeugin bekundet im Weiteren, Herbst sei nicht zu der Hochzeit der Wothe gekommen und an diesem Tage sehr niedergeschlagm gewesen. Auf ihre, an Herbst gerichtete Frage, weshalb er nicht zur Hochzeit gehe, habe dieser geantwortet:„Das thut nicht gut." Auch nach der Hochzeit sei Herbst zumeist sehr niedergeschlagen gewesen und habe wenig gegessen. Ihr(Zeugin) habe es geschienen, als sei Eifersucht bie Ursache dieses Verhaltens. Im Weiteren bekundet die Zeugin, daß der Regen argntel, in dem der im Rhein vorgefundene Leichnam eingewickelt ge- «esen, der Frau Wothe gehört habe. Vertheidiger: Wie hat Frau Wothe ihren Mann ge- Nannt? Zeugin:„Schamdes". Die Sitzung wird hierauf bis 3'/» Uhr Nachmittags vertagt. (Nachmittags- Sitzung.) Heute Nachmittag haben die Geschworenen die Befichti- gung der sämmtlichcn Räumlichkeiten des Hauses Fürsten- bergerhof Nr. 3, sowie der Wothe'schen Wohnung im Beson- deren vorgenommen. Als die Sitzung gegen 3'/« Uhr wieder «töffnet wird, ist der Andrang des Publikums ein solch' ge «alliger, daß behufS Auftechterhaltung der Ordnung auf den Straßen die berittene Gendarmerie requirirt wer» den muß. Der zunächst vernommene Zeuge, Uhrmacher Kindlinger, «kognoSzirt die Uhren in der Wothe'schen Wohnung als die- jenigen, die Herbst gekauft. . Der Angeklagte giebt zu, die Uhren, jedoch lediglich im Auftrage und für das Geld der Wothe, gekaust zu Kaden; es sei ihm nicht eingefallen, der Frau Wothe eine Uhr zu schenken. Kaufmann HaaS bekundet, daß die unter dem Herbst- fchen Bett vorgefundenen bebluteten Hosen von ihm ge- «uft seien. Der Präsident konstatirt, daß der Angeklagte angegeben, er habe bei dem Zeugen ein Paar Hosen gekauft. Angekl.: Ein Paar ähnliche Hosen habe ich allerdings Jessen, ich kann aber nicht sagen, ob es dieselben find, die hie» auf dem Tische liegen. . Dienstmann Glück: Am Abende des 27. August, etwa gegen 8'/, Uhr. habe ich den Herbst, eine gefüllte Reisetasche über den Stücken tragend, gesehen. Angekl.: Ich gebe zu, daß ich zu dieser Zeit mit einer Reisetasche ging, dieselbe war aber nicht gefüllt; in dieser Beziehung irrt fich der Zeuge. Zeuge: Ich irre mich nicht; eine leere Reisetasche trägt «an doch nicht über dem Rücken. Arbeiter Kurraß: Ich bin mit Herbst in die Schule ge- hangen und kenne ihn in Folge dessen ganz genau. Am Mor. hen deS 27. August, etwa gegen 8'/, Uhr begegnete ich dem Herbst mit einer gefüllten Reisetasche. Dieselbe schien sehr fchiver zu sein, denn H-rbst keuchte förmlich unter seiner . Arbeiter Gunckel: Ich habe lange Zeit mit Herbst im Zucht- ?ause zusammen geseffm. Herbst verstand vortrefflich zu bar- hieren und übelhaupt sehr gut mit dem Messer umzugehen. Operationen auszusuhren jc, so daß er von allen Ge Isngenen der„Doktor Herbst" jsgte einmal zu mir:„Wenn 'Omme, dann begehe ich etwas, gekommen ist." 14 Tage nach lch dem Herbst in Zahldach. Herbst sag e ,u m,r jnuß mich manchmal außerhalb Mainz aufhalten, denn genannt wurde. Herbst ich jetzt wieder heraus- was noch niemals vor- dem Morde begegnete " Ich wenn J*' mir zu Hause etwas passirt, dann sperrt man mich ein, ■nenn ich auch daran unschuldig bin. , Verth.: Hat Ihnen Herbst vielleicht gesagt, daß Wothe men Diebstahl geplant habe? Zeuge: Nein. v Verth.: Ist Ihnen bekannt, daß Wothe im höchsten Grade ~ widernatürltchen Unzucht ergeben war? Zeuge: Jawohl. irnv Leiter Stöhn: Am 27. August. Nachmittags zwischen 2 üJäl 3 Uljr, begegnete ich dem Heibst am Floßhaken in der der Kalkbrennerei, er hatte einen ganz verstörten Blick. »,5 bort kaum ein Mensch hineinkommt, zumal ein Fußweg ,,„4' hinführt, so fragte ich den Herbst, wo er herkomme. Er ntwortete, er habe ficb die Füße gewaschen. >, Der Angeklagte giebt diese Bekundungen im Allgemeinen r- Er habe in die Wothe'sche Wohnung nicht hineingekonnt, in �kselbe verschlossm war. Er sei deshalb vielfach »in- Stadt umhergelaufen. Inzwischen habe er t der Auffindung der ermordeten Frau Wothe ge- Da er vielfach bestraft sei und bei Wothe gearbeitet, de er defürchtet, er könne wegen Mordverdachts ver« werden. Als er nun aus der Gastwirthschaft„zur Rose" skam, hörte er, wie fich eine Anzahl Leute über die vor- menen Mordthaten unterhielten und dabei äußerten: üroße Schuhmacher, der bei Wethe gearbeitet hat, wird »rtü. s.�'iirt werden". Diese Bemerkung habe ihn der- ' � de ängstigt, daß er sogleich nach Laubenheim ge- �vlizei- Kommissar Schüler: MM-MZWU ' zunächst wolle er fich abr hier Arbeit suchen. Im ~'-"t � Jim, S« : antwor rolle er artig dei !i, er sch lar, od: zeirbnen _■_— a—*»i PlOihe, v...»»....—... ift- fich selbstständig gemacht, in Arbeit treten.. �«n Nachmittage Vs 28. August vernommen wurde. ' �.plötzlich: der Wothe soll ja gefunden worden fem. KZMD&%%%%'% �.unklar, od Herbst mit dieser Bemerkung Mord ' Zeit darauf theilte mir *-—— f »d�'e o & � 0anä erschrocken an. Als dem Herbst bedeutet wurde, woher er denn das wisse, es stehe ja noch gar nicht fest, daß der aufgefundene Rumpf dcr des Woche sei, erschrak er furchtbar und sagte: ich habe es im„Mainzer Anzeiger" gelesen. Angetl.: Die letzte Bekundung bestreite ich ganz ent- schieden. Ich habe ja gar nicht wissen können, daß der auf- gefundene Rumpf der deS Wothe sei, ich habe im„Anzeiger" nur gelesen:„Es ist in unserer Stadt ein Verbrechen verübt werden, wie es nur in Wettstädten vorzukommen pflegt!" Der Zeuge bleibt bei seiner Bekundung. Schuhmachermeister Lüh: Wothe hat dei mir längere Zeit gearbeitet, und da ich oftmals mit ihm zusammen gebadet habe, so hatte ich Gelegenheit, ihn entblößt zu sehen. Ich habe nun den Rumpf und Kopf des Ermordeten gesehen und an mehreren auffälligen Merkmolen an beiden Köipertheilen sofort den Wothe wieder erkannt. Geh. Medizinalrath Dr. Helwtg: Die von dem Zeugen bezeichneten Merkmale waren allerdings vorhanden, die an dem Rumpf von dem Zeugen wahrgenommenen waren jedoch keines wegs auffallend, sondern find im Gegenth il bei den meisten Menschen vorhandm. Auf Befragen des Staatsanwalts bekundet Lüh: Wothe habe ein sehr großes Messer besessen, daS mit einer ebenso Sroßen Säge verbunden war. Mit dem letzteren Instrumente abe Wothe einmal den Stiel eines Hammers durchgesägt. Kriminalschutzmann Lämmersdorf(dieser ist bisher irr- thümlick„Schutzmann" bezeichnet worden) bekundet: Es sei in der Wothe'schen Wohnung sehr genau, aber vergeblich nach jenem Messer gesucht worden. Verth.: Ich muß bemerken, daß der Herr Staatsanwalt schon einige Male zu den Herren Geschworenen gesagt hat: Behalten Sie dies im Auge, das ist von Wichtigkeit. ES ist di-s eine Beweiswürdigung, die dem Herrn Staatsanwalt nicht zusteht. Ich würde glauben, meine Pflicht in dieser wichtigen Angelegenheit zu verletzen, wenn ich nicht darauf »ufmerksam machte. Präs.: Eine derartige Beweiswürdigung seitens der An» klagebehörde kann ich allerdings nicht zulassen. Staatsanwalt: Ich enthalte mich jeder weiteren Aeußerung hierüber, die Herren Geschworenen werden am besten zu beur- theilen wissen, ob mein Verhalten während der Verhandlung taktvoll und unparteiisch war. Der Angeklagte bemerkt: Das dem Wothe gehörige Messer sei ebenso wie die damtt verbundene Säge bedeutend kleiner gewesen, als fie der Zeuge bezeichnet habe- Geh. Medizinalrath Dr. Helwig: Da er die Säge nicht gesehen, so könne er nicht sagen, od mit derselben die Durchsägung von Menschenknochen in der Weise, wie es dei dem Morde geschehen, habe ausgeführt werden können. Bürgermeister Möhn(Laubenbeim): Am 27. August, Abends gegen 10 Uhr, kamen zwei Leute zu mir und thetlten mir mit, in der Stenner'schen WirlhicUft sei ein Mann ein- gelehrt, der dem Polizeidieuer so verdächtig vorkomme, daß dieser rbn verhasten wolle. Der Polizeidiener lasse mich deshalb um Rath fragen. Ich sagte: Der Polizeidiener ist ja sehr vorfichtig, wenn diesem der Mann verdächtig vorkomme, so solle er ihn verhaften. Einige Zeit darauf hörte ich aus dem Arresthause furcht« baren Lärm ertönen. Der Mann rief:„Ich bin Mainzer Bürger, heiße Gottfried Friedrich Müller, wohne Gärtnergaffe 85 in Mainz und mir will man hier Gewalt anthun, Laubenheimer Bürger helft mir." Ich ließ nun den Polizeidiener rufen und sagte ihm: Wenn der Mann nicht dringend verdächtig ist, so solle er ihn laufen lassen. Ich gab jedoch dem Polizeidiener und dem Nachwächter den Befehl, ihn zum Dorfe hinaus zu begleiten. Kaum waren jedoch Polizeidiener und Nachtwächter mit dem Manne fort, da kam ein Mann und theilte mir mit: in Mainz sei ein Doppelmord geschehen und ein Schuhmacher Herbst «erde als Tbäter verfolgt. Dieser Herbst habe mit dem soeben entlassenen Müller eine auffallende Aehnlichkeit. Ich rief dem Polizr wiener, der fich etwa 200 Schri te mit Müller entfernt hatte, nach, er solle mir den Mann noch einmal zurückbringen. Ich ließ den Mann in mein Bureau führen und hier gab er vor: Er heiße Gottfried Friedrich Müller, wohne in Mainz, Gärtnergasse 85. Er habe zu einer Bee digung nach Alsheim reisen wollen, habe aber den Zug virfehlt und habe nun in Laubenheim übernachten wollen. Ich sagte ihm, wenn das so richtig sei, dann hätte er doch wieder nach Mainz zuiückgehen und am folgenden Morgen mit dem ersten Zuge nach Alsheim reisen können, das wäre jedenfalls billiger gewesen. Der Mann antwortete mir: Da ich einmal in Lauben- heim bin. so wollte ich auch hier übernachten. Als ich ihm nun sagte: In Mainz werde ein Schuhmacher Namens Herbst ge- sucht, der einen Doppclmord verübt haben solle und dieser Herbst solle mit ihm auffallende Aehnlichkeit haben, da würbe der Mann erdfahl im Geficht; er kehrte fich an die Wand und konnte anfänglich kein Wort der Erwiderung herausbringen. Alsdann begann er in künstlicher Weise zu lächeln und sagte: Aber Herr Bürgermeister, Sie werden mich doch nicht für den Mörder halten. Ich bemeikte ihm, daß er verhastet sei. Er bat mich nun wiederholt, ihm doch das nicht anzuthun, ich ließ ihn jedoch wieder ins Arresthaus sperren und am folgen- den Morgen der Staatsanwattschast in Mainz vorführen. Präs.: Nun Angeklagter, was sagen Sie dazu? Angekl.: Im Allgemeinen stimmt Alles. Piäs.: Aus welch?« Gründen nannten Sie fich Müller? Angekl.: In Laudenheim wohnt Jemand, mit dem ich im Zuchthaus zusammen gesessen habe, ich befürchtete, dieser könnte mich treffen und wenn er meinen richtigen Namen hörte, mich erkennen. Präs.: Wollten Sie denn wirklich nach Alsheim reisen? Angekl.: Ja. Präs.: Was wollten Sie da machen? Angekl.: Ich wollte dort ein mir bekanntes Mädchen bitten, nach Main, zu reisen, um fich zu erkundigen, weshalb man mich verhalten wolle. Soldat Windisch ist dem Herbst am Spätabende des 27. August auf der Dorfstraße zu Laubenheim begegnet. Der Angeklagte, der zwei Ringe an den Fingern getragen, sei ihm sehr aufgeregt vorgekommen. Mehrere andere Zeugen, die den Angeklagten in Lauben- heim gesehen, haben dieselbe Wahrnehmung wie Windisch ge« macht. Einige Zeugen haben außer den Ringen noch zwei Schlüssel bei ihm gesehen. Ein Zeuge bekundet außerdem: Er habe fich mit dem Angeklagten in der Stenner'schen Wirth- schaft über die Auffindung des Rumpfes unterhalten. Bei dieser Gelegenheit habe der Angeklagte gesagt:„WaS ist da weiter, da pasfiren noch ganz andere Dinge." Der Angeklagte bezeichnet alle diese Bekundungen als un- wahr. Er wisse gar nicht, weShalb er verdächtig geschienen habe, er wisse fich doch anständig zu benehmen. Ringe habe er niemals besessen, ebenso wenig habe er, al« er in Lauben- heim war, Scklüffel bei ficb ge'ührt. Polizeidiener Spieß-(Laubenheim) bestätigt die Depofita des Bürgermeister Möhn. Er habe am 28. August im Schorn- stein des Arresthauses in Stroh eingewickelt emen goldenen Ring und zwei Schlüssel und in einem anderen Versteck des Arcesthauses einen zweiten goldenen Ring gefunden. Der Angeklagte erklärt auf Befragen des Präsidenten: Ueber die Ringe und Schlüssel kann icd keine Auskunft geben; die Arretirunz ist in anderer Weise erfolgt, als fie der Zeuge aeschildert. ich will aber dagegen nichts einwenden. Auf Antiag des Staatsanwatts konstatirt der Prästdent, daß die im Laubenheimer Anesthause vorgefundenen Ringe dieselben find, die von mehreren Zeugen als den Wothe'schen m-nd.-u. (Donnerstag) Vormittags 3 Uhr vertagt. Vereine nnd Versammlungen. Die Arbeiterpartei hatte am Dienstag Abend in der Urania, Wrangelstraße 9—10, eine öffentliche Versammlung einberufen, in welcher das Resultat der an diesem Tage voll« zoaenen Stichwahlen verkündigt wurde. Die Versammlung wählte Herrn Felgentreff zum 1., Herrn G. Schulz zum 2. Vorfitzenden und Herrn L. Rennthaler zum Schriftführer. Nachdem die Resultate der Wahlen mitaetheilt waren und die Versammlung Kenntniß erhalten hatte, daß die zur Stichwahl gelangten Arbeiterkandidaten im 25. und 34. Wahlbezirk wohl eine ganz bedeutend größere Stimmenzahl als Trm 24. November, leider jedoch nicht die Majorität der abgegebenen Stimmen erhalten hatten, ergriff zunächst Herr Stadtv. Herold das Wort und bedauerte, daß die Wahlagitation von der Ar» beiterpartei nicht rührig genug betrieben wurde und fich so viele Arbeiter durch die Gegner hätten einschüchten lassm. Wenngleich die Konservativen fich mit den Liberalen in den Hamen liegen und fich gegenseitig auf's Heftigste befehden, scheuen fie doch andererseits nicht vor Kompromissen zurück, wenn eS fich darum handelt, gegen die Arbeiterpartei Stellung zu nehmen. Die heutigen Wahlen im 25. und 34. Wahlbezirk haben davon ein Beispiel gegeben. Sind unsere Kandidaten auch unterlegen, so können wir doch mit Befriedigung auf die Zunahme der für Franke und Böhl ad» gegebenen Stimmen Hinblicken. Wir haben auf unsere eigene Kraft gebaut und nicht um die Stimmen der Gegner gewor» ben. DieS wird der Arbeiterpartei stets zur Ehre gereichen. Mögen die Arbeiter Berlins auch in Zukunft stets die Augen offen haben. Herr Mitan bezeichnet die beiden gegnerischen Parteien als eine reaktionäre Masse und nennt die Konserva- tiven die Schleppenträger der Liberalen, indem fie im 34. Wahl» bezirk für die Liberalen gewirkt haben. Redner appellirt an den gesunden Sinn der Arbeiter Berlins, trotz des Dreiklaffen, Wahlsystems und der öffentlichen Sttmmabgade den Kommu- nalwahlen gegenüber fich nicht gleichgiltig zu verhalten, dabei aber stets unentwegt, ohne sich von den Gegnern umgamen zu lassen, auch wenn diese fich noch so arbeiterfreund» lich stellen— den vorgezcichneten Weg zu man» dein, ohne nach rechts oder links zu blicken. Stadtv. Görcki bewerft: Zwar find wir dei den Stichwahlen unterlegen, aber deshalb wird man uns nicht unterdrücken können. Die Fufion der gegnerischen Parteien steht außer Zweifel. Hätten wir das allgemeine gleiche und direfte Wahl» recht, so würden wir unsere Gegner mit ganz anderen Resul» taten überraschen. Wohlan denn, erlahmen wir nicht, lassen Sie uns mit vereinten Kräften für unsere Prinzipien kämpfen, dann werden wir bald andere Erfolge zu verzeichnen haben, vor allem, liebäugeln wir nicht mit den Gegnern, weder von der einen noch von der anderen Seite, sonvem lassen Sie uni rüstig an der Verwirklichung unserer Bestrebungen weiter arbeiten. Herr Quinton sprach sich in ähnlichem Sinne aus. Hierauf machte Herr Lehmann bekannt, daß der Genosse Ham» scher gestorben ist und bat die Versammelten, fich am Freitag Miltaa recht zahlreich an der Beerdigung des Verstorbenen zu betheiligen. Der Vorfitzende ersuchte die Anwesenden, fich zu Ehren deS verstorbenen Freunde? von den Sitzen zu erheben, welcher Aufforderung die Versammlung nachkam. Nachdem hierauf eine im Sinne oben genannter Redner gehaltene Reso» lution angenommen war, schloß der Vorfitzende die zahlreich besuchte Versammlung. be. Im Bezirksverein deS werkthätigen Volkes der Schönhauser Vorstadt, der seine Vereinsversammlung am Dienstag, den 15. d. M. in Silber's Salon, Schwedterstr. 23, abhielt, sprach Herr Dr. Gerlach über„Ernährung". In der Diskusfion sprach zunächst der Reichstagsabgeordnete deS 6. Wahlkreises, Herr Pfannkuch: In der Provinz seien solche Vorträge, wie der eben gehörte, den Arbeitern so gut wie gar nicht zu verschaffen, da dort der Kastengeist noch schärfer herrsche und die Gelehrten dem Arbeiterstanoe fern halte. Lust und Licht, Waffer und ausreichende kräftige Nahrung seien die Hauptbedlnaung für das Wohlsein des Körper?. Solange diese Bedingung für den Arbeiter nicht einigermaßen vorhanden sei, sei er schwer im Stande, edleren Zielen nach- zustreben und die Sorge um den täglichen Unterhalt lähme jeden Flug in das Gebiet der Kunst und Wissenschaft. So» lange die Vegetarier ihr Rezept nur einer bestimmten Klasse empfehlen, müsse es emstlich bekämpft werden, wenn der Ar» beiter nicht zum pflanzenverzehrenden Kuli im Gegensatz zu dem fleischverzehrenden Befitzenden herabgedrückt werden solle. (Beifall.) Wenn die Maßregel für alle gleichmäßig eingeführt werden solle, könne man eher darüber reden. Reinlichkeit deS Körpers erhalte die Gesundheit; überall müßten Volksbadean« stalten enichtet werden. Dem Arbeiter sei es heute beinahe unmöglich, nach den Regeln der Hygiene zu leben. Ost müsse er in demselben kleinen Raum mit seiner zahreichen Familie wohnen und schlafen, indem auch gekocht werde. Abhilfe könne nur durch ein Arbeiterschutzgesetz geschaffen werden, eine Er- kenntniß, die jetzt sogar einzelnen Mitgliedern der deutsch- freisinnigen Partei aufdämmere, wie der Abg. Halben bewiesen habe. Ruhe und bessere Ernährung, als Folge von besserem Arbeitsverdienst, würde ein gesundes und tüchtiges Menschen» geschlecht schassen, das fich für Kunst und Wissenschaft de- geistem werde. Und die Zeit werde kommen, wo alle leben würden als freie Bürger im freien Staat.(Lebhafter Beifall.) — An der weiteren Diskusfion bctheiligten»fich �die Herren Kunkel, Bremer, Schmidt und Dietrich.— Der Herr Referent beantwortete hierauf noch Fragen, die, an den Vortrag an» knüpfend, in großer Zrhl eingelaufen waren, in enlgegen- kommender und ausführlicher Weise.— Aus der Vereinskaffe wurden den streikenden Arbeitem auf antik geschnitzte Holz» leisten 15 Mark bewilligt. Die Versammlung deS Fachvereins der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Dampf-Armaturen, welche am Sonnabend, den 12. Dezember, in Gratweil's Bierhallen tagte» beschäftigte fich mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Metzner. 2. Die jüngsten Vorkommnisse in unserer Branche in Bezug auf die Zweckmäßigkeit und Nothwendigkeit unseres Fachverems. 3. Verschiedenes. Zum 1. Punkt der Tagesordnung hielt Herr Metzner einen Vortcag über Religion oder Konfession, welcher mit großem Beifall aufgenommen wurde. Zur Diskusfion wurden noch einige auf daS Thema fich be» ziehende Fragen vom Referenten beantwortet. Zu Punkt 2 der Tagesordnung wird seitens eines Mitgliedes das Vorgehen der Firma Scheffer u. Ochlmann als ein die ganze Branche an den Ruin bringendes bezeichnet und hatte jeder anständigere Arbeitgeber dasselbe Interesse am Bestehen des Vereins wie die Arbeiter, und nur durch ein festes Zusammenhatten sei es möglich, einem derartigen Herabdrücken der Preise entgegen» zu wirken. U. a. ergreist auch Herr Gottfried Schulz vaS Wort und fordert die Kollegen auf, fleißig zu agitiren, damit fich jeder, Mann für Mann, dem Verein! anschließe, Niemand dürfe fich durch persönliche Kleinigkeiten der Sache fern hatten, sondem immer, das Ziel im Auge, vorwärts streben. Von Herrn Lütgenau erhielten wir folgendes Schreiben mit der Bitte, daffelbe zu veröffentlichen: In einem Per- sawmlungSbericht der gestrigen Nummer deS„Berliner Volks» dlatt" ist erwähnt, daß ich am vorigen Montag einen zuge» sagten Vortrag im Verein der Kistenmacher nicht gehalten und für den nämlichen Abend eine Verpflichtung zu zwei Vorträgen eingegangen hätte. Gewähren Sie mir güiigfi den Raum einiger Zeilen zur Angabe des Sachverhalts, ohne dessen Kenntniß ich als rückfichtsloS, selbstsüchtig, unzuverlässig und unpünktlich erscheine. Am letzten Sonnabend wurde mit mir bezüglich der Uebemahme des Vortrags in dem genannten Verem verhandelt und ich bat, da ich schon anderwettig engagirt sei, einen anderen Referenten einzuladen, bemühte mich auch felbst, doch vergeblich, einen solchen zu beschaffen. Für den ?!othfoll erklärte ich mich indessen bereit, noch Beendigung deS «rsten Vortrages und der Diskusfion über denselben noch, und zwar nicht gegen Honorar, eine Halde Stunde zu sprechen. Als ich erschien, war die Versammlung eben aufgelöst worden. Hochachtungsvoll Dr. Franz Lütgenau, Elisabeth-Ufer 40, I. Ortskrankenkasse der Tischler und Pianoforte-Arbei- ter z« Bertin. Freitag, d-n 19. Dezember, Abends 7 Uhr, im Bürgersaale deS Rathhauses: General- Vers ammluna, wozu die grmäß deS Statuts gewählten Vertreter der Kaffenmrl- alieder und der Arbeitgeber eingeladen find. Tagesordnung: " Vorstandsmitgliedern seitens der Gruppe der 2. Wahl von 4 Vorstandsmitgliedern seitens 3. Gemeinschaftliche Wahl 1. Wahl von 8 jkaffenmitglieder. der Gruppe der Arbeitgeber, s. GemeMschaflUche Wahl von 3 Ausschußmitgliedern zur Vorprüfung der Jahresrechnung. 4. Antrag des Tischlermeisters Herrn F. W Brande? und Ge- «offen auf Abänderung der§§ 34 und 38 deS Statuts. Generalversammlung des Einsetzer- Vereins Sonntag, dm 20. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, im VereinSlokal, Neue Fsriedrichstc. 44. Tagesordnung: 1. Wahl des gesammtm Vorstandes. 2. Verschiedenes. Neue Mitglieder werden auf- genommen. Billets zu dem am 3. Weihnachtsfeiertage statt- stnd enden zweitm SiiftungSfeste find im VereinSlokal beim Vergnügungs- Komitee zu habm. Versammlung der Filiale 5 der Allgemeinen Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter, Sonn- abmd, den 19. d. M., Abends 8Vi Uhr, Lothringer ftr. 81. Arbeiterverein„Hoffnung" zu Friedrichsberg und Um- gegmd. Mitgliederversammlung am Eonnabmd, den 19. Dezember, Abends 8l/i Uhr, in Neumann's Lokal. Gürtelstr. 41. Vortrag deS Herrn Christensen über unsere Zeit. Verein sämmtltcher Berufsklasse«, Berlin IV(E. H.). Sonnabend, Abends 8'/- Uhr, Mitgliederversammlung Flottwell- straffe Nr. 1 bei Kuß. - n Kriefkastett der Redaktion. Creseld. Das Scbmben enthält beleidigende Aeußerun- gm, so daß in, wetter Instanz eine Freisprechung nicht zu er- wartm ist. Die Frist zur Einlegung d-r Berufung ist eine Jöoche. Die Kosten der Berufungsinstanz bettagen zirka 30 A. B. Naunynstr. 1. Der Standesbeamte kann nur den Eheabschluß vomehmen, sofern die Genehmigung deS Vaters zur Eingehung der Ehe erbracht wird. 2. Dem Vater muß ein Vormund bestellt werdm, welcher an Stelle des Vaters die Gmehmigung ertheilen kann. R. A. 158. Die Arbeitgederin ist zum Schadenersatz nicht verpflichtet. Siebert. Die Kostm haben Sie zu tragen. . S. 100. Nein. 3. Ziehung d. 3. Klaffe 173. Königl. Preuß. Lotterie. Ziedung vom 17. Dezember 1884. tlut die»«Winne Uder 155 Mark find den dttrefienbe» Nummer» in Porenthei- beigeffigl. (Ohne Gewähr.) 6 40 151 230 40 339 405 27 639 41 84 88 614 26 32 40 62 81 838 44 46 1300) 80 74 930 44 1001 33 263 92[1701 339 433 74 514 19 22 85 62-1 709 27(1701 88 90 952 65 2 052[170] 69 96 122[1701 69 93 225 11701 67 64 382 431 59 509 15 60 88 600 12(1701 82 702 50 57 8'»4 10 29 48 927 52 3010[2401 29 72 78 91 163 204 10 82 87 363 459 578 83 743 805 951 4018 68[2001 168[1701 202 347 56 476 537 71 660 700 9 847 900 18 94 5013 29 97 115 47 61 56 69 219 22 72 97 320 426 74[1701 96 530 39 91 99 616 32 703 18 50 78 822 90 919 42 60 6003 6 10 19 106 41 55 242 49 67 370 94 426 61[2401 65 681 666 77 727 69 69 99 811 66 77 913 7023 75 220[1701 27 32 67 68 73 302 91 436 55 81 83 607 21 56 606 7 19 712 33(1701 848 908 77 93 8036 63[2001 107 72 73 213 39 90 335 49[1701 429 30 76 80 88 649 631 86 708 39 46 905 19 33 41 »019 24 106 264 82 88 313 27 63 84 477 79 87[1701 649 671 729 63 76 805 10 909 36 37 91 10030 100 72 297 337 39 419(1701 36 75 81 86 504 91 97 624 704 49 823 66 969 66 11008[170] 42 190 210 67[1701 331 88 418[1701 27 96 543[1200] 51 77 652 63 712 870 903 13100 222 62 75 305 61 87 11701 93 474 505 29 30 89 90 608 12 16 18[170] 75 81 774 921 13038 BOO 39 60[200 82[2001 86 101 232 89(1701 98 364 466 83 96[1701 651 61 90 98 716[2401 21 95 841 931 36 43 14009 33 36 70[2001 119 216 63 69 86 335 46 48 63 409 42[170] 65 74 671 85 93 614 68 76 710 22 23 40 814 81 923 63 1 5011 36[1701 40(3001 57 131 334 424 25 52 557 600 29 52 86 713 904 92 16029 86 61 93 132 60 81 208[2401 79 88 95 386 405 25 50 91 : Aga r.n r. i CO........-------- MMMSSSV GMMM? SZKZSP« mimmmi -WKU M.9 453 294 427 640.44 48 66[170] 716 33 47 56 83 953 69 96 634 47(2001 56[240] 637 »MMSASNW iBm 3R84�n5W 608 732 35.41 M79g6 1lgjggW�� i4"46*52"«»i ,19 66 89 139 tt?« 366' 524 621 mm» RMUMMW 818 77 92 912 Theater. Opernhaus. Heute: Oberon, König der Elfen. Schauspielhaus. Heute: Waldemar. Deutsches Theater. Heute: Kabale und Liebe. Friedrich-Wtlhelmstädttsches Theater. Heute: Pariser Leben. Restdeut-Theater. Heute: Clara Eoleil. Vorher: Die Schrureiteriu. Walluer-Theater. Heute: Drei Monat nach dato. Belle-Alliauee-Theater. Heute: Herr und Frau HypokrateS. Walhalla-Operetteu-Theater. Heute: Der Jagdjunker. Bittorta-Theater. Heute: Messalina. Ceutral-Theater. Alte Jakobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heut«: Zum 13S. Male: Die wilde Katze. Reiangsposse in • Fitten von W. Mannstädt, Mustk von G. Stessens. LoutsenflSdtisches Theater. Direttion: Jos. FirmanS. Heute: Lucia von Lammermoor. Ofteud-Theater. Heute: Der Tower von London. Theater der Reichshallen. Täglich: Aufrtten sämmtlicher Spezialitäten. American-Theater. Ä ögiich: Austreren sämmtlicher Speztalttälm Kaufmann'« Uägllch: Große Spezialitäten-Vorstellung. Konkordia. Täglich: Auftrettn sämmtticher Spezialitäten und tbeairalisch« Vorstellung. Aihambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Donnerstag, zum dritten Male: Die Gefängniffe des Louvre, oder: Der Thurm von Nesle. Drama in 5 Akten nach dem Franzöfischm des Gaillardet. [ In PariS auf dem THSätte de la Porte St. Martin über 260 Mal mit großartigem Erfolge gegeben. Bor der Nor�leüung: Großes Konzert der HauSkapelle. Anfang deS Konzert» Wochentags 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Anfang deS Konzerts Sonntags 6 Uhr, der Vorstellung 7 Vi Uhr. Wons haben Wochentags GMgkett und find im Theaterbureau _(12—1 Uhr) gratis zu haben. Passage 1 Treppe. 9 IL Morg. btt 10 U. Ab. vQSjrT Kaiser-Panorama. Eine Reise durch Ober-Jlalien. Pom- «W»» peji. Eine Wanderung durch d. Berner Oberland. WeihnachtS-Ausstellung: DaS Leben Jesu. Jerusalem. H e r 1 h a- Reise.— a Reise 20 P'g., Kinder nur 10 Pf. Unserem Freunde Rod. Schadow zu seinem Heuligen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch, daß J)ie�ganzen wackeln. [255] R. löten ch. Herrn August Dellmann zu seinem heutigen Ge- burtStag ew donnerndes Hoch I 253_ Die Kollegen. Allen Freunden und Bekannten empfehle ich mein Putz- u. Modewaaren-Geschäst. 214] Emst Prüfer, Skaliherstr. 80. Tischler-Verein Sonnabend, den 19. d. M., Abends 8", Uhr. General- Versammlung im Kouzerthause Sanssouci, ��Ue�-sttaße T. O.: 1. Wahl dcs gesammten Vorstandes. 2. Erledi- gung von 3 Unterstützungsgesuchen. 3. Ausgabe der Billets zum WeihnachtS- Vergnügen. Nur Mitglieder haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 247 Der Vorstand. Mitglieder-Versammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Slavierarbeiter am Eonnabend, den 19. D e z b r., Abends 3Vi Uhr, in Gratweil's Bierhallen. Kommanoantenstt. 77/79 (unterer Saal). Tagesordnung: 1. Voi trag deS Herrn Kögel über:„Elettrtzität", mit Vorführung von Exoerim-nten. 2. VorschiedeneS und Fragekasten. Gäste willkommen. Die Inhaber von Büchern werden ersucht, dieselben bis zum Jahresschluß der Bibliothek wieder einzuverleiben: ebenso werden die Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen im Rück stand find, hierdurch aufgefordert, dieselben zu begleichen. 252|__ Der Vor ft and- Kranken- und Legradulßkasse d. berliner Gü?tler und Lronzeure(d. H. 60). Die Beerdigung des Mitgliedes Wilh. Ol low findet am Sonnabend, den 19. Dezember. Nachmittag? 1 Uhr, von der Leichenhalle des St. TdomaSkicchhofes(Britz) aus statt. Um zahlreiche Beiheiligung bittet 254]__ De�r Vorstand. Das Ulirm-OeMst von B. Rittershansen, Fehrbeliinerstrasse 1, Ste Schlihaiser Allee,� empfiehlt zu Weihnachtsgeschenke« | fein wohlaffortirteS Lager sämmtlicher Uhren zu den I billigsten Preisen. Um den Einkauf zu erleichtern, werden-Wl auch sämmtliche Arten Uhren ohne jede"Mm ' Preiserhöhung gegen geringe Theli- SM- zahlangen abgegeben."90 Reparaturen werden solide und billig ausgeführt.[209| Neltw der Salti« asd FMrmjskN. Sonnabend, den 19 Dezember, Abends 8'/, Uhr, �erfamittlutin t« Sratweil's Bierhallen. Kommandantenstraße 77/79. TageS- Ordnung: 1. Wie stellt sich der V-rein zur Lohnbewegung? Referent Kollege A. Steindorff. 2. Difilusston. 3. Verschredines und Fragckasten.— Gäste find willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen._[257] Der Vorstand. Öeffenlliche Quittung. Aus dem GeneralfondS der Berliner Zimmerer haben wir 100 Mark erhalten und sagen denselben uns:rn Dank, ebenso den anderen Gtwerken, welche uns u'terfiützt haben.[251 Die Fachkommisston der Eteindrucker und Ltihographe» Berlin«. Morgen, Sonnabend, Schlachtfest. Von früh an frische Blut- und Leberwurst. 256_ W. Reißmann. Fciedrichsbergerstraße 10. Neue Hamburger Kaffee-Lagerei F. A. Steiner, Nr. 9 Nrttdeier- Straße Nr 9, zwischen Kottduser-Thor und Oranienplatz. Spezialgeschäft für Kaffee. Zucker. Thee. Chokolade. Kakao, Vanille ie.(2744 Dm geehrtm Hausfrauen als sehr vottheilhaste Ein- kaufsquelle empfohlen. Rohe Kaffees, ca. 30 Sotten. 3 Pfd.°on M Pf. an, Souchong-Thee, feinschmrckmd! Pfd. von 2 M. an, Chokolade, garanttrt rein Kakao und Zucker, von 1 M. an. Gebrüder Mass, Admiralstr. 40, Eck© Skalitzerstr. (früher Alte Linde), empfehlen zum devorstehmden.. Weihnachtsseste: Ä«.2. ä i /i"»•: i- Beste aus Broden gem. Potsd. Raffinade.»s« Bestes Heynauer 00 Weizenmehl..... 15" Deutsches Kaiser-Auszug-Mehl..... 20„ Ungarische« do. do. X?" Reue Rosinen a Psund 35 Pf., 2 Pfund.. 65« Neue Sultaninen....... 30 und 40» «... 1.».,-.."�.„; �:;:;||; Große neue Mandeln, süße und bittere.. 80" Cacao, Thee, Chokolade in größter Auswahl billigst.' 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