jfc-jm Mittwoch, den 33 Dezember 1888. II. IahrA er tot H ote Wl Drgan snr die Interessen der Arbeiter. » »a, �Zöerttaer BoNSblatS« yti». Morgen« außer nach Sonn- und Festtage«. Abonnementsprei» frei in'« Hau« vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35! Psfiabonnement 4 M. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntagi-Nummer mit illustr. Beilage 10' (Singetrage« in der Postzeituag«prei»liste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertiousgebühr beträgt für die 3gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 iSÄÄÄ Äw0? ÄtVfifÄ Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße S.— Expedition: Zimmerstraße 44. Abonnement»- Einkaäung. Zum bevorstehenden VierteljahrSwcchsel erlauben wir unS, alle Arbeiter Berlins zum Adonnernent auf das „Keriiner Uolksklatt� mit der Gratisbeilage „Illastrirtes Sonntagsdlatt" einzuladen. Wer der Sache der Arbeiter dienen will, helfe ein Unter» nehmen befestigen, welches bestimmt ist, die berechtigten For» derungen und Wünsche der Arbeiter zum Ausdruck zu bringen. Suche ein jeder von unseren bisherigen Anhängern, in dem Kreise seiner Freunde und Bekannten das„Berliner Volksblatt" zu verbreiten und sehe darauf, daß jeder neu ge« fundene GefinnungSgenoffe sein Versprechen, zu abonniren, auch wirklich hält. Unsererseits werden wir bemüht sein, den Inhalt unseres Bitties immer reichhaltiger zu gestalten. �..Aerliner Yolksölatt» kostet für daS ganze Vierteljahr frei inS Haus 4 Mark, für den Monat Januar 1 Mark 35 Pf., pro Woche 35 Pfg. Bestellungen werden von sämmttichen ZeitungSspeditemen, sowie von der Expeditton unseres BlatteS, Zimmerstr. 44, ent» gegengenommen. Für außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für daS nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark entgegen. Die«edaktion und Expedition de«„Berliner Volksblatt". Zur Situatim in Euzluuii. Die Wahlen zum englischen Unterhause haben für keine Partei einen entscheidenden Sieg gebracht, wenn auch den Liberalen die relative Mehrheit zugefallen ist. Die Entscheidung liegt in der Hand der Zrländer, die unter der Führung P a r n e l l'« diesmal 86 Mann stark erschienen sind. Wenn sie sich zu den Konservative» schla- gen, so können die letzteren den Liberalen ungefähr die Wage halten; wen» aber Herr Parnell seine Mannen den Liberalen zuführt, so haben diese die entscheidende Majori» tät. Wahrscheinlich wird indesien der Führer der irischen Landliga mit seiner Gefolgschaft einstweilen eine mehr selbst» ständige Haltung bewahren, um sich so bei den großen Fragen von Fall zu Fall die Entscheidung zu sichern. Dem gegenüber wird nun von Herrn Gladstone eine sehr verführerische Lockpfeife geblasen— der leitende liberale Staatsmann läßt in den ihm erge- ~*t~i Ieuill'eton. Die Hand der Kemest». Roman GOj von Ewald August König. (Fortsetzung.) ,3« eher, desto besser! Du brauchst die Wahrheit da» bei»,cht zu verschweigen, der Grund der Zurücknahme wird an maßgebender Stelle einleuchten, und Dich kann in dieser Sache kein Vorwurf treffen." Der Baron hatte sich von seinem Sessel erhoben, hoch «ufgerichtet stand er dem Freunde gegenüber, und der Ausdruck seine« Gesichte« ließ eine unerschütterliche Cot» ichlossenhett erkennen. .So soll es geschehen," sagte er, dem Oberst die Hand bietend.„Ich athme wieder auf, eine schwere Last ist mir von der Seele genommen." .Und Ella?« .Sie hat mir denselben Rath gegebe». Ueberdie« war Alla noch in keiner Weise gebunden, sie wollte erst dann ihr Jawort gebe», wenn mein Gesuch genehmigt war. Es ist 'vir sehr lieb, daß Du heute gekomme« bist, ohne Dein energisches Eingreife» wäre der Bruch wohl nicht so rasch erfolgt.« 0 Die Stirne des Obersten glättete sich, ein heitere« Mein glitt über sei» treuherziges Gesicht, er erinnerte jetzt erst de« eigentlichen Zwecks, der diesem Besuch zu Grunde lag. .„Na, die Generali» wird mir keinen Dank dafür wisse«, ®qb ich ihrem Bruder die Maike so schonungslos abgerissen ,? e ," sagte der Oberst,„sie hatte mich gebeten, ihn zu b?ff!Un' und den schändlichen Betrug zu verheimliche», sie »och immer auf seine Besserung. Daß dies eine ver- Sedliche Hoffnung ist, will sie nicht einsehen." »E« wird ihr schließlich doch klar werden." „Hm, dann beschuldigt sie wghrscheinlich mich, daß ich denen Blättern ankündigen, daß er sich mit einem gewichti- gen Reformplan zu Gunsten Irland'» beschäf« tige. Das Endziel unv die Hauptsache dieses Plans soll nicht« mehr und nichts weniger sein al» die H e r st e l- lung eines selb st ständigen Parlament» für Irland. DaS wäre allerdings ein sehr geschickter Schachzug von Seiten Gladstone'S, um die Iren für de» englischen Libera- liSmuS zu gewinnen. Ein irisches Parlament— das ist ja der glühende Wunsch der Iren seit so langer Zeit gewesen; e« war einst der Hebel zu der Agitation de» gewaltigen O' C o n n e l, die ganz Großbritannien in Auftegung und Gährung versetzte. Wa« jene Bemühungen ftüherer Zeiten, die einer Revolution ähnlich sahen, mit dem Aufgebot aller Kräfte nicht erlangen konnten, das soll heute den Iren von selbst wie eine reife Frucht in den Schooß falle», denn, so versichern die Gladstone'sche» Blättern, die mächtigsten Füh< rer der liberalen Partei haben dem Plane Gladstone'« schon ihre Zustimmung ertheilt. Herr Gladstone hat indessen, vorsichtig wie er ist, nicht unterlassen, bei einer so wichtigen Konzession an die Irlän« der bedeutende Klauseln und Kautele» anzubringen. Zu- nächst soll dem britische« Reichsparlament das Uebergewicht in allen da« Reich betreffenden Fragen gewährleistet und der Schutz der Interessen der Minorität(!) in Irland gesichert werden. Die Steuern sollen zwischen England und Irland„billig" vertheilt und englischen Produkten von Zr- land keine Schutzzölle auferlegt werde». Die irischen Ab- geordnete» sollen Mitglieder des Reichsparlaments bleiben, aber sich an der Berathung speziell englischer und schottischer Angelegenheiten nicht betheiligen dürfen. So sieht also der verlockende Plan de« Herrn Gladstone schon ganz ander« aus, al« wenn man einfach die Konzession der Einsetzung eine« Parlaments in Dublin in's Auge faßt. Ob die Zrländer auf diese« Plan eingehen werden? Wahr» scheinlich: dagegen darf man erwarten, daß Herr Parnell »och vorher sein Gewicht im Parlament recht fühlbar mache» wird, um den Liberale««och weitere Konzessionen abzutrotzen. Man merkt e« übrigen« den Gladstone'sche« Zugeständ» nissen an, daß sie da« Produkt eine« schwer durchgerungene» Entschlüsse» sind. Diese bürgerliche» und aristokratischen Machthaber in England würden am liebsten wie bisher weiter gewaltet und geschaltet und die Iren als ihre Heloten bettachtet haben, deren einzige Lebensaufgabe wäre, Abgaben und Kriegsdienste zu leisten. Was die Herren zwingt, endlich nachzugebe», ist weder Humanität noch Mitleid, sonder» die Einsicht, daß Irland in kurzer Zeit gänzlich ruiottt sei» wnd, wenn daS bis- herige System fortdauert. Die herrschenden Klassen Eng- ihm die Ausführung seiner guten Vorsätze unmöglich gemacht habe—" „Fürchtest Du wirklich, der alte Hader könne wieder erwachen?" „Jetzt nicht mehr, die Bande sind zu fest geknüpft. Siegfried bat sich vor einer Stunde mit Arabella verlobt, ich wollte Dir und Deiner Tochter die Nachricht bringen und euch zu einem kleinen Verlobungsfest abholen." „So rasch ist der Versöhnung die Verlobung gefolgt?" fragte Herr v. Lossow überrascht.„Ich wünsche von ganzem Herzen Glück und darf wohl darauf vertrauen, daß Du die Aufrichtigkeit diese« Wunsche« nicht bezweifeln wirst. Ella hatte das voraus gesehen, aber ich wollte nicht daran glauben." „So rasch hatte ich e« auch nicht erwartet." „Und wenn Du mir eine» große» Gefalle« erzeigen willst, dann sprich heute mit Ella nicht darüber, in der Stimmung, in der sie sich befindet, kann da« Glück An» derer sie nur erbitter». Du kennst sie ja und wirst mich verstehen." „Und ich danke Dtt, daß Du mich darauf aufmerksam gemacht hast." „Au« demselben Grunde muß ich leider auch Deine freundliche Einladung ablehnen," fuhr der Baron fort, „wir würde« schlecht in de» frohe« Kreis passen und euch Alle» die Freude verderbe«. Ella würde ohnedies ablehne», und ick halte es für«öthig, daß ich mich sofort zum Justiz» rath Wallher verfüge, um mit ihm über die Zurücknahme de« Gesuche« zu berathen." Der Oberst konnte gegen dieses Vorhaben nichts ein- wenden, er mußte dem Freunde beipflichten, und unter den obwaltenden Verhältnissen war es in der That auch besser, daß Lossow und seine Tochter dem frohen Kreise fern bliebe«, sie befanden sich ja nicht in der Stimmung, an der Freude herzliche« Antheil zu nehmen. So schied er denn nach kurzem Aufenthalt wieder, ohne Ella gesehe» und mit ihr gesprochen zu haben, und al« er da« Haus verlasse» hatte, da athmete auch er auf, in Lossow war die Luft nie so drückend gewesen, wie an diesem Tage. landS habe« aus der einst so blühenden„grünen Insel" eines der unglücklichsten Länder gemacht, da« man, wie einst Rom, schon als„die N i o b e der Nationen" bezeichnet hat. Den Zrländer« wurde zur„Sttafe" für ihre Ver- suche, sich unabhängig zu machen, einfach ihr Landbesitz weg- genommen, um an Englands Lord« und an seine große» Kaufleute vertheilt zu werden. Aus fruchtbarem Ackerland wurden Echaftriften gemacht, so daß der Bode» seine Be« völkerung nicht mehr ernähren konnte. Die Bevölkerung wanderte au« oder versank in Elend. Bei ihrer schlechte» Ernährung begann bald der Alkohol seine dämonische Rolle zu spielen. Nachdem Alles fehlgeschlagen, um eine bessere Situation herbeizuführen, kann man sich nicht wundern, daß sich die wische Unabhängigkeitsbewegung in der Form der Parnell'schen Lavdliga konzevttirt hat. Der Par» nelliSmuS ist ein einseitiges und unvollkommenes System; es hält den Pächter für den irischen Normalmenschen und vergißt ganz, daß der Tagelöhner auch noch da ist. Der ParnelliSmuS ist kleinbürgerlich und kleinbäuerlich. Aber er verspricht etwa« andere« als da« Bestehende und da» ist in Irland schon hinreichend, um ihm die verzweifelnde» Massen des irische» Volke» zuzutreiben. Daß ein irische« Parlament im Stande sein wttd, so« fort in Irland eine erttäglichere Situation herzustellen, bezweifeln wir sehr. Die Engländer haben das unglückliche Laad zu sehr ruinirt. Es wird eine lange, ernste und schwierige Reformarbeit nothwendig sein, um dem irische» Volke eine nur einigermaßen erträgliche Lage bieten z» können. Dabei kommt eben sehr viel darauf an, welche Bedürfnisse man dem etwaige» irischen Parlament über« ttagen wttd. Ob es wohl Jemand giebt, der wttklich glaubt, daß die so hartgesoitene» englischen Liberalen, die in Gleich- giltigkett gegenüber dcm irische« Elend wirklich großartiges geleistet haben, mit ihrer Parlamentsreform e« auch ernst- Haft meinen? Wir zweifeln sehr daran. Die Liberale» wollen den Zrländer« Konzessionen machen, um im Parka- ment da« Uebergewicht und damit wieder die Regierung zu erlangen. Die Herren Dilke und Chamberlain haben eS auf einem Bankett auch offen gesagt, daß man, sobald man sich stark genug fühlen werde, den Sturz des Kabinet» SaliSbury herbeiführe» wolle. Als ob damit für England etwas geändert wäre! Da hätten wir in der Regierung wieder die öde Abwechselung von WighS und Torie«, die nachgerade abgeschmackt wird. Die Schuld an diesem politischen Elend trage« die englischen Arbeiter, die immer noch nicht selbst- ständig auftreten, sondern sich ruhig von den beiden große» Parteien ins Schlepptau nehmen lasse«. So ist dreimal ttotz der Vermehrung der Wähler das Wahlresultat im Die Wolken ballen sich. Zitternd vor Wuth hatte Willibald Rabe das Hau» Lossow verlassen, alle Leidenschaften waren in seinem Znner» entfesselt, er mußte sie austoben lassen. Er wäre in dieser Stunde vor einem Morde nicht zurückgebebt, wen» er nur mit Sicherheit gewußt hätte, daß er dadurch seine« Zweck erreichen würde. Die verletzende, an Verachtung streifende Kälte Ella'», die Vorwürfe Lossow'« und die erniedrigenden Bedingungen, die ihm gestellt worden waren, hatten sein Blut m fieber- hafte Wallung gebracht, nun mußte zum Schlüsse anch noch der Oberst kommen und ihn de« BettugS und de« Dieb- stahl« anklagen! Lange Zahre hindurch hatte er der Versuchung wider» standen, das Vermögen seiner Schwester anzugreifen, nu» war der Fehltritt geschehen und ferne eigene Schwester die Erste, die ihn anklagte. Weshalb hatte sie nicht selbst die Verwaltung ihres Vermögen« übernommen? Weshalb hatte sie dem Oberst von dem Fehlen der Papiere Kenntniß gegeben, da sie doch wußte, wie sehr er von ihm gehaßt wurde! Und ttotz alledem hätte der Oberst nicht da« Recht gehabt, ihn zur Rede zu stellen, ihm diese entehrenden Worte zu sagen. Rachel war jetzt der einzige Gedanke Rabe'«. Die Genugthuung, die er fordern zu dürfen glaubte, wurde ihm verweigert, e« wäre ihm eine unsägliche Freude gewesen, hätte er Beide, Vater und Sohn, im Duell nieder- schießen können! Er hatte sie immer gehaßt, so lange er sie kannte, und je näher er sie kennen lernte, desto glühender war sei» Haß geworden, er wußte, daß ihr ganze« Strebe« darauf gerichtet war, ihn zu verderben. Und die Angst vor den kommenden Dingen trat hinzu, diese» Haß, diese« Verlangen»ach Rache zu er» höhen. Wenn die unermüdlichen Nachforschungen des Assessors mit Erfolg gekrönt wurden, war er verloren, er wußte es, er fühlte, daß der Boden unter seinen Füßen schwankte, Tanze« dasselbe geblieben. Die Wahlagitatio« wird jetzt i» England viel von hocharistokratische« Damen betrieben und man scheint in England politisch wirklich so schwach- nervig zu sein, daß man den Werbungen dieser Agitato- rinnen nicht widerstehen kann. Da wähle« denn Arbeiter und Bürger konservativ oder liberal um schöner Augen oder gnädiger Herablassung willen. Auch nicht Übel! Politisch- Urberstcht. DaS projektirte Branntweinmonopol hat bis jetzt außer bei den direkt Betheiligten noch fast nirgends Anklang gefunden. Das ist den Vätern deS Planes natürlich recht un- angenehm und da ihnen an dem Projekt sehr viel gelegen ist, so yaben fie dasselbe nun etwaS überzuckert, um es dadurch annehmbarer erscheinen zu lassen. In der offiziösen Presse wird nämlich ein Artikel tolportirt, in welchem u. A. folgendes enthalten ist:„ Es gäbe übrigens ein Mittel, den Herren Parti iführern zu erschweren, daß fie ihre Gefolgschaft auch bei dieser Gelegenheit im Gehorsam erhalten. Und dieses Mittel ist, daß die Gemeinden bei dem Ertrage der Steuer direkt bethciligt werden. Wenn die Gesetzetvorlage z. B. proxoniren würde, daß ein Drittel oder ein Viertel der Steuer, welche auf den im Gemeindebezirk lonsumirten Brannt« wein entfällt, der Gemeindekasse zufließen soll, so dürften die Herren auf Schwierigkeiten stoßen bei dem Versuche, all« sonstigen Elemente der prinzipiellen Oppofition gegen die Vor- läge stimmen zu lassen."— Wir b-zwetfcln, daß dieses neue Lockmittel den gewünschten Erfolg haben wird. Bezüglich der Agitation für de« Wollzoll wird dem „Hamb Korr." auS Beilin geschrieben:„Zu denjenigen Kreisen, welche lebhaft für die Bewilligung der Dampfer. Subventionen eingetreten find, gehörten auch die der Wollwaarenfabrikanten. Die direkte Einfuhr von australischen Wollen ist bisher auS Mangel einer schnell fahrenden deutschen Linie sehr gering ge- wesen. Die größten Mengen werden über Antwerpen und London eingeführt, namentlich über letzteres, daS Vortheile ver- schieden« Art bietet. Es hat fich jedoch der Uebelstand geltend gemacht, daß nach Einführung der großen, besonders gegen die direkte Versendung gerichteten Januar-Aukttonen größere Zeit. Verluste für die direkt»«sendeten Ballen eingetreten find. Es ist zur Zeit durchaus nicht wahrscheinlich, daß die Regierung fich dazu verstehen w«de, die Vorthcile, welche den Beziehern von australischer Wolle durch die Dampferlinien erwachsen, durch die Einführung eines Wollzolles wieder zu beeinträch» tigen. Schon die Unmöglichkeit, ein System zu finden, nach welchem d« Zoll bei d« Ausfuhr von Wollenwaaren wird« zurücko«gütet wird, muß davon abhalten. Auch in den Kreisen der Agrari« verkennt man diese Sachlage nicht, und eS ist bezeichnend, daß sowohl die Steuer- und WirthschastSreformer, als der Kongreß der Landwirthe die Agitation für einen Woll- zoll dem ostpreußischen Schafzuchtverein und der Pommerschen Oekonomischcn Gesellschaft überlassen haben. Im Reichstage hat diese Agitation gar keine Aussicht; selbst ein Theil der Konservativen wird nicht dafür zu haben sein."— Bemerkens wertb ist. daß fich auch der bekannte Herr v. Kardorff gegen den Wollzoll erklärt hat. Der Abgeordnete Baumbach«hielt nach der„Freist Ztg." vom Orts verein d« deutschen Metallarbeiter in Breslau einen besonderen Dank für seine„herrliche" Reichs- tagSrede. Es heißt darin:„Wir wissen, daß eS trotz dem Fortschritte d« Kultur noch eine große Zahl von Erwerbenden gtebt, die unauskömmlich leben, und eS ist eine schöne große, eminent christliche Ausgabe, fie alle zu«lösen. Aber wir wiffen auch, daß die Besserung der Lage der handarbeiienden Klasse nicht erreicht werden kann durch beschrankende Gesetze. sondern durch die Entwicklung der Fähigkeiten, durch g-istige Gleichheit, durch Wissen und durch etgene THStiakeit."— Daß diese bombastischen Phrasen zu Gunsten des Baumbach'schen BlödsinnS aui Bestellung fabrizirt worden find, steht man auf den ersten Blick._. Die wegen Zeugnifiverweigerung üb« zwei Erlanger Korpsstudenten seit fünf Wochen verhängt gewesene Haft ist jetzt aufgehoben worden. Zugleich ist auch die Untnsuchung wegen der Paukereien, üb« welche sie die Aussage verweigerten, eingestellt worden. Auf Grund des Sozialistengesetzes ist die Nr. 1 der Barmen, 1. Dezember 1885, Verlag von Wilhelm SchöllaenS in Barmen, Redakteur F«dinand GrlleS in Elberfeld, sowie daS fernere Erscheinen deS genannten Blattes durch die königst Regierung in Düffeldorf verboten word�etti«� 21 Der bekannte Konflikt des hiefigen Magistrats mit dem Regierungspräsidenten beschäftigte am vorigen Sonnabend daS Oberverwaltunasgericht. Der Maat- strat hatte zweifach Klage erhoben, einmal gegen daS Eingreifen des RegierungSpräfidenten in seine Anordnungen und. dann wegen einer Geldstrafe, mit welcher d« RegierungSprafident aber et zögerte noch immer, diese« gefährliche« Boden zu verlassen. amerjtattet konnte in jeder Stunde jene» gefährliche G-Heimniß verrathen, dessen Enthüllung ihn unrettbar ins Verdnben stürzte, die ehemalige Wärt«in hatte auch schon mit einem Geständaiß gedroht, und auf die Treue deS Kammerdieners durste Rabe sich ebenfall» nicht verlasse«. ,,,.,, Die beiden letztere« schwiege«, wen« thre Forderungen bewilligt wurde», und der Gefangene mußte zufrieden sei«, wenn man ihn au» dem Gefängorß best«te. Dazu bedurfte Rabe freilich Geld, viel Geld, und um dieses Geld sich zu verschaffen, hatte« jene Summe unt«. schlage«, in der sicheren Hoffnung, daß d,e Gennalrn de« Betrug nicht entdecke«, od« im schlrmmstm Falle, wre so vieles Andere, verzeihe» würde. Die projektirte, Verbindung mit Ella von Lossow sollte da« auf den Sand g«athe»e Schiff wied« ins breite Fahrwasser bringe«, e« war seine letzte Hoffnung gewesen j auf deren Erfüllung« mit Zuversicht verrtraute. DOn Lossow hatte ihm sei» Wort verpsän- det. eine glänzende Zukunft lag verlockend vor ihm und nun war da« Alles mit emem Schlage vernichtet! Entehrt in de« Augen D««, auf d«en Hilfe« vertraut hatte, von Gefahren bedroht, die mit jed« Stunde näh« rückten, wa» blieb ihm da noch übrig, als die Flucht? Unwillkürlich ballte« die Faust bei diesem Ge- danken, und ein Fluch entrang sich fernen bebenden 2iPP3Bohtn sollte er fliehen? Woher die Mittel nehme«, um sich vor dem Bettelstab zu sichern? Er besaß allerdings noch eine namhafte Summe, das Geld, welches« seinem Kammerdiener und dem Schließ« versprochen hatte. aber ihm erschien diese Summe un- genügend, sie sicherte seine Existenz nur für eme kurze Mußte dieser letzte Schritt aethan werden, was lag dann an einem Verbrechen mehr oder wenig«! dm Oderbürgermeister und 15 andere Mitglied« des Magi- strat» beleot hatte, weil dies« trotz des ergangenen Verbotes mit dem Fällen d« Bäume hatte beginnen lassen. In dem letzteren Prozeß ist der Etettiner Magistrat abgewiesen, die »«hängte Disziplinarstrafe also vom OderverwaltungSgericht für gnechttertigt erklärt worden. In der Hauptsache wurde die Entscheidung ausgesetzt. Afrtkantsches. Die neueste Nummer der„Kolonialpolit. Korr." veröffentlicht den Wortlaut eines Vertrages, welchen der Vertret« d« deutsch ostafrikanischen Gesellschaft, Schmivt, mit dem Sultan von Solu im Lande Usaramo am 2. Sep. tember dieses Fahre« abgeschlossen haben soll. In diesem Ver- trage heißt es: Der Sultan Matumula empfängt am heutigen Tage eine beträchtliche Anzahl von Geschenken an Munitton, KlerdungSgegenständen, Nahrungsmitteln verschiedener Art, sowie on Geld vom Lieutenant Schmidt. Er gestattet d m Lieutenant Schmidt als Vertret« der deutsch- ostafrikanischen Gesellschaft, fich in dem von ihm und seinem Volke dewohnten Lande anzusiedeln und Anstedler hinzuschicken, soviel dem Lieutenant Schmidt beliebt. Lieutenant Schmidt erhält das Recht, das Land zu vertheilen, wie ihm beliebt, übnhauot dar- über nach Gutdünken zu schalten und zu walten, ebenso wie üb« sämmtliche Bewohner des Landes. Nur soviel an Land reservirt fich Sultan Matumula, als er für seinen Lebens- unterhalt bedarf und pnsönlich bebaut. Der Sultan Matumula verpflichtet fich, mit Niemand fern«hin einen derartigen Vertrag zu schließen. Er räumt dem Lieutenant Schmidt das Recht ein, über die Einkünfte des Landes zu schalten und tritt diesem alS dem Vertreter der deutsch- ostafnlanischen Gesellschaft sämmtliche Souveränetätsrechte ab. Die deutsch- ostaftikan sche Gesellschaft wird hingegen, soweit in ihren Kräften steht, die Bewohner deS Landes gegen fremde Eingriffe schützen. Es ist vollständig klar, daß«jn„Sultan", welcher einen solchen Vertrag eingebt, keine Ahnung von dem Inhalte des- selben haben kann, oder etwas verschenkt. waS ihm gar nicht gehört. Daß ab« die deutsche Regi«ung den Schutz des Deut- schen Reiches auch auf Gebiete, welche in ein« solchen Weise „erworben" find, ausdehnen wird, ist kaum zu glauben. Aus Sachsen schreibt man der„VolkSztg.": Die Ge- sammtzahl der zur StaatSsteu« eingeschäyten Personen betrug in uns«em Königreich im Jahre 1864: 1 209 034. Das Durchschnittseinkommen ein« eingeschätzten Person beträgt 911 M- Steuerfreie gtebt eS 6V» pCt., die Klaffe von einem Einkommen zwischen 300 400 M. beträgt 19V» pCt. und die Klaffe von 400—500 M. 22V»»Et., zusammen 48',»Et. Somit hat fast die Hälfte der steuerpflichtigen Personen ein jährliches Ein» kommen von unter 500 M. Man geht nicht zu hoch, wenn man auf einen Steuerpflichtigen zw« weitere Personen(Kind«, Greise) rechnet, die mit ernährt werden müssen. Bedenkt man dies, so kann man die Summe deS ElendS ermessen, welche in unserem sonst reich gesegneten Lande herrschen muß. Per« sonen von 500- 800 M- Einkommen bilden 26V» pEt. und von 800—1000 M. 10»Et.— also 85»Et. der Bevölkerung, das heißt der Ernährer, haben nicht 1000 M. jährliches Einkommen. Es steht also schlechter im Lande aus, als man ge- wöhnlich glaubt. Das find die konservativen Herren, die immer von den segensreichen Einrichtungen, die unter ihrer Aegide entstehen, den Mund so sehr voll nehmen! Leipzig» 22. Dezember. Der in. Strafsenat des Reichsgerichts beschäftigte fich gestern mit dem bekannten Chemnitz« Sozialistenprozesse gegen die Abg. Bebel und Genossen. D« Reichsanwalt beantragte, das freisprechende Urtheil aufzubeben und die Angelegenheit an daS Landgericht zu Freiburg i. S. zu verweisen. Die RechSanwalte Munckel und Freitag II plaidirten für Verwerfung der Revision. DaS Urtheil«folgt am 23. Dezember, Mittags 12 Uhr. Nach dem deutsch-amerikanischeu Naturalisations- Vertrage vom 22 Okiober 1868 soll, wenn ein in den Ver- einigten Staaten von Amerika naturalifirter Deutscher seinen Wohnfitz wiederum in seinem GeburtSlande aufschlägt, ohne die Abficht zu haben, wieder nach Amerika zurückzukehren, dies so angesehen wnd-n, als habe er auf seine Naturalisation in den Vereinigten Staaten Verzicht geleistet. Die Abficht, nicht zurückkehren zu wollen, kann als vo. Händen angesehen werden, wenn die naturalifirte Pnson für länger als zwei Jahre ihren Wohnfitz in Deutschland nimmt. Offiziös wird jetzt ge» schrieben: Wenn nun in einem im Cinverständniß mit dem Kriegsminister ergangenen Erlaß deS preußischen Ministers des Innern vom 9. v. Mts. gesagt ist, daß diejenigen amerikani- schen Staalsangehöriaen, welche ehemals Deutsche waren und fich länger als zwei Jahre im Inland- wieder aufhalten, bis zum 31. Lebensjahre nach dem deutsch-am«ikanischen Staats- vertrage und gemäß§ 11 des Reichsmilitärgesetzes zum Militärdienste heranzuziehen find, so ist dies nicht dahin zu verstehen, daß die Heranziehung zum Militärdienste stets ge- schehen müsse. Der§ 11 des Reichsmilitärgesetzes fordert die Heranziehung zum Militärdienste nicht unbedingt, sondem verleiht nur die Befugniß dazu. Da zudem die Heranziehung zum Militärdienste in nranchen Fällen zu großen Harten führen würde, so haben die Bundesregierungen schon vor einigen Jahren seitens der Relchsregierung die Anweisung er- Die Bah« war betreten, daS Verhängniß trieb un«» bittlich ihn vorwärts! Hätte er da« Alles voraussehen können, so würde er tief« in die Kasse der Generalin hineingegriffen haben— jetzt war eS zu spät' Zu spät? Ein Gedanke tauchte blitzschnell in ihm auf, und dies« Gedanke wurzelte mit jeder Sekunde fest« und ttef«. Befaß er nicht noch ein Exemplar d« Schlüssel zu dem eisernen Geldschranke sein« Schwester? Drei dies« Exemplare waren vorhanden, eins lag im Schranke s'lbst, da« zweite hatte er der Generalin zurückge- schickt, und das dritte mußte, wenn seine Erin»«ung ihn nicht täuschte, sich zwischen seinen Papi««« befinden. E« hatte früh« in einer Schublade seines Arbeits- tisches gelegen, in d«selben Schublade, in der er seine Privatpapiere aufbewahrte;« erinnerte sich, de« Inhalt dies« Schublade, ohne ihn näh« zu prüfen, in seinen Kofi« ausgeschüttet zu haben, in jenem Kofi« also mußte« darnach suchen. Daß die W«thpapi«e sich noch in jenem Schranke be« fanden, uvt«lag für ihn keinem Zweifel, man mußte einen günstigen Augenblick abwarten, dann war es Kinderspiel, die gewünschten Mittel sich zu verschaffen. Rabe hielt an diesem Gedanke« fest, vor dem Ver- brechen selbst schreckte er nicht zurück. Selbst wenn die Generali» den Diebstahl entdeckte und d« Verdacht auf ihn fiel, vttfolgen ließ sie ihn gewiß nicht, ihre Existenz wurde ja durch dm Verlust dtt Summe nicht bedroht. Aber ehe« die Heimath für immer v«lreß, wollte« an Denen Rache nehmen, die ihn daraus»«trieben hatten, diesen Entschluß konnte nichts«schütter», selbst die drohende Gefahr nicht, die ihm schleunige Abreise gebot. Er hatte wied« eine» Ausweg, einm letzte« RettungS- ank« gefundm, es wurde ruhig« in seinem Znner», d« Sturm tobte allmälig aus. Er ging sofort in seine Wohnung, hier wollte er in ungestört« Ruhe seine Pläne mtwerfen. Es war ihm unangenehm, als ihm auf der Treppe des halten, Personen der bezeichneten Art nicht ohne weiteres ein- zustellen, sondem zunächst durch eine entsprechende Eröffnung vor die Wahl zu stellen, entweder in Deutschland zu bleiben und fich der Militärpflicht zu unterwerfen, od« daS Gebiet deS Deutschen Reiches zu verlassen. An Zöllen und gemeinschaftliche« Verbrauchssteuern sowie anderen Einnahmen find im Reich für die Zeit vom 1. April 1885 bis zum Schlüsse des Monats Novemter 1885 einschließlich der kreditirten Beträge(und verglichen mrt d« Einnahme in demselben Zeitraum des Vorjahr«) zur Anschrei- bung gelangt: Zö ie 159 587746 M.(+ 13177932 M.), Tabaksteuer 4 563 423 M.(+ 906 164 M.), Rübenmck rsteuer 72 320 933 M.(- 19 647 403 M.), Salzsteuer 25 797065 M. (+ 231252 M.), Branntweinsteuer 18 576 356 M. (— 1307 940 M.), Uede gangsabgaben von Branntwein 66 654 M.(- 14206 M.), Brausteuer 12 868 721 M. (-f 446 807 M.), UtbcrgangSabaaben von Bier 1 261 705 M. (+ 122 682 M); Summe 150 400 737 M.(- 6084712 M.). - Spielkartenstempel 671 780 M.(+ 16 306 M.), Wechsel- stempelsteuer 4463 458 M.(- 57255 M.), Stempelabgabe für». Weithpapiere 2288 776 M„ b. Schlußnoten und Rech- nungen 844 161 M., c. Kauf- und sonstige Anschaffung«» geschäfte 1 481 229 M, d. Loose zu Privatlotterien 443 879 M. (- 249311 M.). Eraatslotterien 3 491517 M.(+ 13 893 M.) — Die zur Reichskaffe gelangte Ist- Einnahme, abzüglich der Ausfuhroergütungen und Verwaltungitosten, beträgt bei den nachbezeichneten Einnahmen bis Ende November 1885- Zölle 138 239 560 M.(+ 12 513057 M.), Tabaksteuer 8 269 506 M. (- 1223 974 MÖ, Rübenzuckertteu« 17 235 771 M. (- 1945 404 M). Salzsteuer 23 488 748 M.(+ 179 646 M.). Branntweinsteuer und Uebergangsadgabe von Branntw-in 24341 140 M.(- 2 417 389 MO, Brausteuer und Uedergangs- abgäbe von Bi« 11979025 M.(+ 490 973 M.); Summe 223 553 750 M. 13 935 665 M.).- Spielkattenstempel 610321 M.(+ 28009 M.). Belgien. Von dem Deputirten für Nrvelles, Dumont, ist, wie b«eitS telegraphisch gemeldet worden, der Kammer ein von der Bank von NivclleS ausgehender Antrag, betreffend Einführung von Zöllen auf ausländisches Vieh und Fleisch, vorgelegt worden. Nach demselben sollen belegt werden Pferde mit FrkS. 25, Füllen, welche die Milchzähne noch nicht verloren haben, mit Frls. 10, Ochsen mit Frks. 30, Kühe und Stiere mit Frks. 12, junge Bullen, Kühe und Ochsen, welche die Milchzähne noch defitzen, mit Fils. 6, Kälber mit FrkS. 3, Hammrl mit Frk«. 2,50, Lammer mit Frks. 1, Schweine mit Frks. 6, Spanferkel von weniger als 10 Kilo Gewicht mit KkS 1, frisches od« gesalzenes Fleisch mit FrkS. 6, geräuchntes oder ge« trockneles Fleisch(exkl. Speck) mit Frks. 8 pro 100 Kilo.— Dieser Antrag, dem die Regierung nicht feindlich gegenübn- stehen soll, damit fie die V«rlage, betreffend Errichtung einer Nationalreserve, durchdringt, und für welchen von der Rechten, sowie von den lib«alen Deputirten von Gent gestimmt werden wird, soll am 13. Januar in der Kamm« durch den Abg. Dumont begründet werden. Spanten« Folgender Vorfall deschafrigt gegenwärtig die Presse: Der Herzog von Sevilla, ein Sohn des im Duell mit dem Herzog von Montpenfier gefallenen Infanten Don Enrique de Bour« bon und Vetter des verstorbenen Königs Alfonso, verlangte eine Audienz bei dn Königin-Regentin und bestand in seiner Eigenschast als Oberstlieutenant der Palastgarden auf seinem Verlangen. Da der Hoskämmer« auf Befehl der Königin Marie Christine den Herzog nicht vorließ, ließ fich derselbe zu heftigen Worten hinreißen und äußerte zuZlcich, daß« Jsabella IL al« Regentin vorziehen würde. Vor sämmtliche» Osfisteren der Palastwache erging et fich darauf in noch schärferen AuS- drücken gegen die Königin-Regentin, betonte noch mehr seine Anhänglichkeit für Jsabella IL, wobei er fich seines angeblichen Einflusses in militänschen Kreisen rühmte. Dies geschah Mrtt« woch Nachts, wurde jedoch erst am Sonnabend früh bekannt, und zugleich erfuhr man auch, daß der Herzog von Sevilla außer Dienst gesetzt und zur Verfügung gestellt wurde. Jetzt wird nun acmeloel, daß auch dn Vorgesetzte deS genannten Herzogs, General Pavia, seines Amtes entsetzt worden ist. Rußland. Ueb« eine bereits im vorigen Monat stattgefundene ge« heimnißvolle Verbattung wird der„Schles. Ztg." auS Petersburg vom 16. d. M. geschrieben:„Anfang Novemb« ließ fich hrerselbst ein Herr ber einem Kammerherm von Kn...... dem Vorstand der kaiserlichm Gärten, anmelden. Vom Diener b-deutet, daß Herr von Kn. nicht zu Hause sei, bat der H«r, fich der Gemahlin deS Herrn von Kn. vorstellen zu dürfen und übergab eine Visitenkarte, die den Namen eines d« vornehm« sten kaukafischen' Fürstengeschlechter trug. Frau von Kn. empfing den Fremden, der vollständig den Eindruck eines vornehmen Mannes machte, aber zu ihrer Verwunderung stundenlang bei ihr blieb diS zur Ankunft ihres Mannes. Diesem erzählte er von seinen großartigen Besitzungen im Kaukasus, schilderte die Liebenswürdigkeit, mit der ihn der Kaiser empfangen, er« Hotels, in welchem« wohnte, Joseph begegnete, ab« de» Kammerdiener schien da» nicht zu bem«ke«,« folgte ihm in'S Zimmer. „Ich bedarf Ihrer jetzt nicht," sagte Rabe unwillig, „lassen Sie mich allein, d« Kellner soll mir eine Flasche Bordeaux bringen, und Sie können meinetwegen gehen, wo- hin Sie wollen." „Ich muß um einen Augenblick Gehör bitten," erwi« d«te Joseph, und d« To», den et anschlug, klang trotzig. „Sie können mir wahrhaftig nicht übel nehmen, wenn ich wissen will, woran ich bin." „Ich habe heute keine Zeit!" „Da« habe« Sie in den letzte» Tagen imm« gesagt, H«r Rabe, wenn ich Gewißheit haben wollte." Rabe stampfte mit dem Fuß auf den Bode«, zornig blitzte es in seinen Augen auf üb« denen die buschigen Brauen sich drohend zusammenzogen. „Wa« wollen Sie?" fuhr er auf.„Sie haben mein Wort, und daß ich eS einlösen w«de, dürfen Sie nicht be- zweifeln." „Ich zweifle sogar stark daran!"«widerte Joseph, dessen lauernder Blick jed« Bewegung seine« Herr« folgte. „Wenn ich Sie um eine kurze Unterredung bitte, so haben Sie keine Zeit—" „So rede» Sie!" fiel Rabe ungeduldig ihm in« Wort. „Ich bin mit dem Reflaurateur über alle Bedingungen einig geworden, et will mir die Gastwirthschaft üd«trage»." „Wann?" „Heute noch, wenn ich e« wünsche." „Und wie lauten die Bedingungen?" fragte Rabe, während« eine Zigarre au» seinem Etui nahm und lang« sam die Spitze abschnitt. „Ich übernehme da« Hau« mit dem gesammten In« ventar und allen Vorräthen und zahle dafür fünfundzwanzig« tausend Thal«. Davon müssen zehntausend Thal« sofort baar gezahlt w«den, d« Rest bleibt auf dem Hause stehen und wird mit fünf Prozent Zinsen jährlich»«« zwst." „Ist da« Alles?" wähnt?, daß er nach Gajschina zu Tisch befohlen sei und bat endlich, ihm eine Eintrittskarte in den dortigen Palmengarten zu verschaffen. Ta dieser außer den Mitgliedern der kaiserlichen Familie nur wenigen Persönlichkeiten zugänglich ist, zögerte Herr von ftn.. dem Herrn eine derartige Karte zu geben und destellte den Fremden für den folgenden Tag zu fich. Der Herr empfahl fich mit der Bemerkung, er würde fich nächster Tage die Karte abholen. Herrn von Kn. erschien die Sache nicht ganz geheuer und er begab fich zum Polizeimeister Ge- neral von Greßer, um von dem Vorgefallenen Mittheilung zu machen. Dort fand er in einem ihm vorgelegten Album fernen Besucher wieder, und e» gelang auch der Polizei, die schon lange auf diese Persönlichkeit fahndete, dieselbe fest zu nehmen. Ob man eS hier mit einem Dieb oder mit einem Nihilisten zu thun hat, ist nicht bekannt geworden." G r o tz b r i t a« u i e». Jetzt liegt endlich daS Ergebniß der beiden letzten Wahlen vor. Auf den Orkney« und Lbetland. Inseln wurde der liberale Kandidat Leonard Lyell mit 3352 Stimmen gewählt, während auf den Tory Kandidaten Dundas 1412 entfielen. Die Wahl eines Vertreters der Edinburger und St. Andrews Universität fiel zu Gunsten deS konservativen Lord Advokaten von Schott« land, Mr. Macdonald aus. Er erhiel» 2840 Stimmen, sein liberaler Gegner, Dr. Ertchsen, nur 2453. Das Unterhaus ist mithin, wenn man------— 331 Liberalen, 249 und 86 Parnelliten. vti Mtnuunn» �,..*0. der Partetstellungen bleibt daS Stärkeverhältniß der Liberalen und Konservativen zu einander genau dasselbe, wie früher an- gegeben. Eine genaue Sichtung der Bestandthelle des Parlaments ergiebt, daß von den gewählten Abgeordneten 313 Mitglieder deS alten Parlaments waren und 355 neue Mitglieder find. Großdrit nnien stellt 267 alte und 298 neue Abgeordnete, Irland 46 alte und 57 neue Mitglieder. Nachstehendes find die Berufsstellungen der jetzigen 668 Abgeordneten: Bankiers 25, Richter 110, Brauer und Destillateure 24, Bauunternehmer und Architekten 6, Zivil« und Bergwerks« Ingenieure 6, Kohlengruden-Besttzer 16, Vertreter der schottischen Kleinbauem 5, Diplomaten und RegierungSdeamte 23, Güter« und LedenSverfichemngS« Agenten 4, Pächter und Landwirthe 12, Landadel und Landbefitzer 71, Arbeiter« Repräsentanten 12, Fabrikanten 69, Muglleder deS ärztlichen Berufs 16, Koufleute 42, zurückgetretene Geistliche 2, Zeitungs- Eigenthümer und Journalisten 34, Profesfionisten 9, Drucker und Buchhändler 6, Univerfitäts.Profefforen und Staats« Oekonomisten 9, Rechtsanwälte in und außer Praxis 23, Söhne und Brüder von Patrs 46, Dampfschiff-Cigner und Erbauer 21, Makler 6, Handelsleute 17. Armee und Flotte: Generale und Generalmajors 6, Obersten und OderfttieutenantS 20, Kapitäne und Lieutenant« 14, Majors und Fähnriche 7, Flotten. Offiziere 7. Zusammen 668. Die BerufSstellung der beiden zuletzt gewählten Abgeordneten ist noch nicht bekannt. JnSgesammt zählt daS Unterhaus 670 Mitglieder. Zu dem Obigen dürften die nachstehenden speziellen Be« merkungen nicht unintereffant sein: Die Brauer und Destillateure haben als Vertreter in der Anzahl bedeutend zugenommen, viele von ihnen waren bei der Wahl zum 001 igen Parlament unterlegen Die Ardeiter Vertreter haben fich an Zahl ver« vierfacht. Bei dm Repräsentantm der hauptstädtischen und Provinzial. Presse ist gleichfalls eine große Zunahme. Der arztliche Stand ist um 8 Mitglieder vermehrt worden. Auch die Gulspächter baden ihre Vertretung verstärkt. Die Londoner Fondsbörse zählt 6 Vertreter. Sammtliche Anhänger der ..sair trade"-Paitei(Schutzzöllner) im letzten Parlament find *ei den Wahlen durchgefallen, und daS neue Parlament wird demnach keinen einzigen Vertreter der Echutzzoll-Partei haben; endlich haben die Quäker 5 Mitglieder eingebüßt. «H-«. Fottgesetzt kommen aus Birma Nachrichten von Kämpfm, welche die Briten dort zu bestehen haben. So wird aus Äandalay unserm 17. d. M. telegraphirt, daß Major Waller, als er mit einem vorgeschobenen Detachement von Major Collins' Kolonne in östlicher Richtung durch mehrere Dörfer eine Rekognoszirung unternahm, plötzlich von einer Abtheilung von Shan-Dacoiten(Fretschaarm) angegriffen und selbst ver« «undet wurde. AlS der englische Befehlshaber bemerkte, daß eine Anzahl der Dacoiten auf ihre Nachhut zurückfiel, gab er den Befehl zu feuern, und 7 Dacoiten wurden getödtet. Auch ein(!) englischer Soldat verlor in dem Scharmützel sein Leben. Derselben Depesche zufolge glaubt Oberst Sladen, daß die räuberischen(!) Ueberfälle der Dacoiten fortdauern würden, bt» eine geregelte Regierung hergestellt worden sei. Ein in Man« dalay angekommener Bote meldet, daß drei Europäer, die zur Bombay und Birmaer Handelsgesellschaft gehörten, niederge« Metzelt wurden, als ihr Dampfer im Ehindwin-Fluffe ankette. Auch die Cholera beginnt die Reihen der britischen Truppen >u lichten, so daß derm Lage auch in dieser Hinficht derjenigen der Franzosm in Tongking zu gleichen beginnt.- Die Engländer haben fich de» Lande» mit Gewalt bemächtigt, find also im. i .„Der bisherige Witth wird mich i» da« Geschäft ein« fuhren, er behält sich vor, monatlich einmal nachzusehen." „Hm, gegen diese Kontrole läßt fich im Grunde nichts ernwenden." „Die zehntausend Thaler müsse» binnen drei Tage» ge» Zahlt werden, Herr Rabe!" „Und diese Bedingung find Sie ohne Weitere» ein- Begangen? Mir scheint Sie habe» darüber gar nicht nach« gedacht." „WaS ist da nachzudenken?" fragte Joseph trotzig. »Da« Geschäft ist de« Preis wetth und—" „Da« wisse« Sie nicht." „So viel verstehe ich am Ende doch davon—" „Sie verstehe« aar nichts," sagte Rabe ärgerlich,„Sie stauben, was ma« Ihnen sagt, und können dabei mit Ihre« geringe» Kenntnisse» und Erfahrungen Wahrheit von Lüge "'cht unterscheiden. Ich sage Ihnen da» in Ihrem Interesse und Sie sollten mir dankbar dafür sei» I Weshalb dringt °er Witth auf augenblickliche Zahlung? WaS liegt dieser zu Grunde?" «Er ist kränklich u«d will fich zur Ruhe setzen." „Gut. da» wäre ei» Grund, de« man gelte« lasse» f unte. Aber hat er mit der Ausführung dieses Entschlüsse» >° lange gewattet, wird er wohl auch noch acht oder vier» sehn Tage lä-ger warte» könne«. Verwalten Sie unter �«er Aufsicht da« Geschäft einige Wochen, damit Sie den gewinn wenigsten« annähernd berechne« können, u»d finde» ?>e dann, daß die Erwartungen, die Sie hegen dürfen, er» �t» werde«, so ist e» immer noch früh genug, ihm da» tu«u zahlen." 1,, Der Kammerdiener schüttelte unwillig den Kopf, ei« höhnische« Lächeln umzuckte seine Lippen. i...Aufgeschoben ist mitunter aufgehoben," erwidette er. "'ch kann mich darauf nicht einlassen." ...»Und da» wage» Sie mir zu sage«?"• brauste Rabe W»?» 3�nei1 nutt das Geld nicht gebe, was wahren Sinne des WotteS„Eindringlinge", während den Birmanen die Berechtigung nicht abgesprochen werden kann, ihr Vaterland zu vertheidigen, wofür fie freilich von dm Fremdlingen mit dem Namen Räuber belegt werden. Macht ist heute Recht! Amerika. Der Kommissar für Jndianerangelegenheiten in Washington giebt d'e Anzahl der Indianer in den Vereinigten Staaten auf 260000 an, von denen 72000 zivilifirte Landwirthe find. Die jetzt befürwottete Politik besteht darin, die Stammverbände zu lösen und alle Indianer prakttsche Landwirthschaft zu lehren; aber der Erreichung diese» Ziele» stehen große Schwiettgkeiten im Wege. Der Kommissar glaubt, daß, wenn eine derartige Politik systematisch verfolgt würde, in 5 Jahrm jeder Indianer unter zivilifirten Einfluß gebracht werden könnte. ES wäre daS übrigen» jedenfalls eine arge Tyrannei gegen die Rothhäute. — Die Arbeitslofigkeit und Noth der arbeitenden Klaffen in den Vereinigten Staaten von Nordamettka ist gegenwärtig eine so große und ausgebreitete, daß AuSwanderunaslustige nur dringend gewarnt werden können, ihr Heil jenseits des Ozeans zu suchen, bevor bessere Zeiten angebrochm find. Uederall stockt daS Geschäft, liegt Handel uno Verkehr darnieder, und leidet der Verdienst. Kenner der transatlantischen Verhältnisse rathen daher mit allem Nachdruck davon ab, die Schaaren der arbeit»« und erwerbslosen Existmzen drüben noch vermehren zu helfen. Wer nur einigermaßen sein Auskommen daheim finden kann, thut am besten, wenn er bleibt, wo er ist. Den wenigsten gelingt eS, ein Unterkommen zu findm; die meisten, namentlich Familien, verkümmem im Elend und sehen ihrem sicheren Untergange entgegen. Lokale». g. Den enormen Aufschwung, welchen Berlin in de« letzten vierzig Jahren genommen, zeigt die kürzlich beendete Völkszählung. Die Einwohnerzahl Berlins hat fich danach in dem gedachten Zeittaum um ca. 800000 Seelen vermehrt. Mit dieser Vermehrung hiett gleichen Schritt die Vergrößerung Berlin», wie aus folgenden authentischen Angaben erstchtlich ist. Damal» umfaßte die Stadt innerhalb ihrer Ringmauern einen Flächenraum von 6017 Magdeb. Morgen, nicht ganz '/, Quadratmeile. Sie bildete beinahe ein ungleichseitiges Viereck, ungefähr ein schiefwinkliges Parallelogramm, dessen größter Durchmesser etwa die Entfernung von dem Skalauer« thore bis zum Neuenthore der Friedrich. Wilhelmsstadt war. Der kleinere Durchmesser vom Halleschen bis zum Königsthore war etwa 1000 Ruthen, also Vi Meile, und etwa ebenso groß war die Entfernung vom Brandenburger- bis zum Land?« bergerthore. Die große Fttedrichstraße, welche die Stadt von der westlichen Seite, vom Oranienburger bis zum Halleschen Thore durchschneidet, maß 840 Ruthen oder etwa» über V, Meile. Der Umfang der Stadtmauer betrug 3900 Ruthen oder beinahe 2 Meilen. Innerhalb der Stadt war das Köpenicker Feld von 720 Morgen und daS Feld zwischen dem Stra- lauer«, Frankfutter, und LandSbergetthor von wenigstens 300 Morgen noch unbebaut. Die bebaute Fläche innerhalb der Ringmauer bettug etwa 5000 Morgen, undlder mit Häusern bedeckte Theil der nächsten Umgebung etwa 800 Morgen. Auf diesem Raum von 5800 Morgen standen 8380 bürgerliche Vorderhäuser, welche mit ihren Hinter- nnd Seitengebäuden bei der städtischen Feuersozletät mit 102411 925 Thalern ver« sichert waren, 181 königliche Gebäude zum Wetthe von gegen 12 Millionen Thaler und 32 Kirchen. Berlin hatte 17 Thore, 294 Straßen und Gassen, 24 öffentliche Plätze und Märtte. Außer den dekannten Gebäuden besaß Berlin 6 Gymnasten, 5 höhere Stadtschulen, eine Gewerbeschule, 12 Kommunal« Armenschulen und mehr als 250 höhere und niedere Schul- und BildungSanstalten, eine öffentliche Bibliothek, ein Museum, 3 öffemliche Theater, ein Zeughaus, 15 Kasernen und eine große Menge von milden Stiftungen und Hospitälern. Wie bedeutend sich nur der Jmmobilienwetth Berlin« gesteigert hat, zeigt die Thatsache, daß bei der städtischen Feuersozletät im laufenden Jahre Gebäude im Werthe von zirka 2 500 000000 Mark versichert waren. Dieser kurze Rückblick genügt, um zu beweisen, welche Autdehnung Berlin in dem verhältnißmäßig kurzen Zeittaum erhalten bat. Alle Arbeitgeber find verpflichtet, ihre Arbeiter und Arbeiterinnen, die fich nicht durch ein Kassenbuch al» Mitglied einer„eingeschriebenen freien Hilfkkasse" legitimiren können» der Otts- ankenkassenverhältniß erklätte, fie sei Mit« glted einer Kasse und werde daS Buch am nächsten Morgen mitbringen. Am nächsten Morgen aber brachte sie das Buch nicht mit und entschuldigte sich mit Vergeßlichkeit. Am dritten Augenblick besinne», den Weg zum Gerichtsgebäude anzu» tteten." Achselzuckend streifte Rabe die Asche von seiner Zigarre; aber so kalt, wie er sich den Anschein geben wollte, ließ ihn diese Drohung doch nicht, die innere Angst spielte sich zu deutlich w seinem unfiäten Blick. „Und glauben Sie wirklich, mit diesen alberne» Drohungen mich erschrecken zu können?" fragte er.„Sie geben Ihren au» der Luft gegriffenen Vermuthungen eine Wichtigkeit, die fie nicht im Entfernteste« besitzen. Wen« ich Ihnen die gewünschte Summe gebe, so thue ich e« nur deshalb, um Ihnen eme gesicherte Existenz zu verschaffen, aus keinem anderen Grunde." „Ueber den Grund wolle« wir nicht streiten!" „Gewiß nicht, aber Sie sollen auch nicht glauben, daß ich Sie fürchte, und daß ich durch Ihre Drohungen mich bewegen lasse, Ihnen eine Geldsumme zu schenken, die für Ihre Verhältnisse bedeutend genannt werden muß. Ei« solche« Geschenk könnte Verdacht enegen, schon deshalb wer» den Sie die Summe als ei« Darlehe» betrachten, für welche« ich hypothekarische Sicherheit forder« muß. Habe« Sie da» verstanden?" „Natürlich," erwidette Joseph, au» dessen tückischen Augen eine Fülle von Bosheit leuchtete,„wenn Sie-mir heute das Geld geben, wolle» Sie e» morgen wieder zurückfordern können." „Sehr richtig, und ich würde e« rücksichtslos zurück- fordern, sobald Sie mir Anlaß zur Unzufriedenheit böten. Ich liebe et nicht, fortwährend kindische Drohungen zu hören, überdies kenne ich Sie, ich weiß, daß Sre Ihre Motte nie überlegen." „Geben Sie mir das Geld, so werde ich schweigen!" „So lange, bi« Sie nichts mehr haben, dann be- ginnen die Erpressungsversuche wieder. Ich will mich da- vor schützen, zumal ich jetzt erkenne, daß Sie außerordentlich leichtfettig sind. Kein vernünftiger Meusch würde die Be- dingunge« des Gastwttths so rasch angenommen habe«, zehn- tausend Thaler findet ma» nicht auf der Straße." „Ich Habe sie angenommen und muß jetzt auch meine und vierten Tage erklärte die Kellnerin, daß sie ihr Buch ge- sucht aber noch nicht gefunden habe. Und dabei blreb es. Mit Ablauf der zweiten Woche entließ der Restaurateur die Kell« netin, da selbige ein Krankenkaffenbuch noch nicht vorgelegt hatte und er fich keiner Bestrafung aussetzen wollte. Alsbald nach der Entlassung mußte die Kellnettn KrankhertS halber d,e Chatttee aufsuchen, und letztere llquiditte nach erfolgter Heilung 37,50 M. Kurkosten, welche vom Magistrat und seitens des letzteren von der betr. Kasse erhoben wurden. Diese wiederum verlangt im Regreßwege vom Restaurateur S. die Erstattung, und derselbe muß in Folge seiner Pflichtversäumniß zahlen, ein Vorfall, der zur Warnung dienen mag. r. Eis I Eis! und wenn auch nicht Himbeer und Vanille, so doch unserer gesunden Jugend beiderlei Geschlecht« ganz gewiß nicht minder angenehm als die schmackhafte Sommer- erfrischung. Sämmtliche Seen im Grunewald-find mit einer drei Zoll statten Eisfläche bedeckt und wenn nicht aan, plötzlich Thauwetter eintritt, wozu im Augenblick keine Aussicht vor« Händen ist, so ladet dort für die Feiettage die prächtigste Schlittschuhdahn ein. Die Ei-Händler scheinen in diesem Jahre ganz besonders vorsichtig zu sein; trotz der für die Aufbewah» rung noch sehr genügen Stärke des EiseS hat man am Grüne» walvsee bereits mit dem Eiseinfahren begonnen, da man dem diesjährigen Winter nicht zu trauen scheint und ihm eine größere Milde zutraut als den EiShändlem lieb ist. Die armen Leute zerbrechen fich über diese Möglichkeit natürlich weniger den Kopf. Gtne Jagd auf Einbrecher. Dem Kriminal-Kommiffarius Grützmacher war von einem besttasten Vigilanten die Mit» theilung gemacht worden, daß e'ne Bande bestrafter Verbrecher in Rummelsburg mehrere Einbrüche und Diebstähle geplant habe. Namentlich seien von den Thürschlössern eines Viehhändler HilgerS Wachsabdrücke genommen und solle am Frettag in den Abendstunden bei dem Direktor Fischer der Zementbau- Aktiengesellschaft, ein unverschlossener, als Garderode benutzter Flur ausgeräumt werden. Der KommissattuS sendete einen Schutzmann zu Herrn Fischer und ließ diesem mittheilen, daß alle Vorkehrungen gettoffen seien, um die Diebe abzufassen. Fischer, der sich keine Legitimation von dem Beamten hatte vorzeigen lassen, hielt die Geschichte für eine„Falle" und setzte am Freitag früh den Gendarm Beyer davon in Kenntniß. Dieser nun begab sich am Nachmittag in dem Fischer'schen Hause in ein Versteck, von welchem aus er den Flur beobachten konnte und mattete der Dinge, die da kommen würden. E» stellte fich auch bald ein Mensch ein, der fich als Kriminal» beamtet legitimirte und mit dem Gendarm die Wache über« nahm. Nicht lange danach wurde die Flurthür aufgeklinkt und während zwei Verdächtige eintraten, und die sämmtlichen Kleidungsstücke von den Haren nahmen, hielt der Dritte die Thür geöffnet. Die beiden Beamten ließen die beiden ersteren rudig arbeiten, als fie fich aber mit der Beute entfernen wollten, sprangen fie vor; die Diebe aber matten ihnen ihre Last über den Kopf, sprangen die sechs Stufen hohe Treppe hinab und ergriffen die Flucht. Aus das Geschrei der Beamten sprangen die außenstehenden Beamten, Kommissar Grüymacher und noch ein Kriminalschutzmann hinzu, die wegen des dichten Nebels vorher nichts hatten sehen können und nun begann eine wilde Jagd in das freie Feld. Nach einer Verfolgung von etwa 200 Schritt wurde einer der Diebe gestellt. Derselbe schwang ein langes Messer und ttef seinen Verfolgern zu: „Wer mir zu nahe kommt, dem rttß ich die Kaldaune aus." Kommissattus Grützmacher aber griff den Verbrecher beherzt an und schlug ihn mit(einem Todtschläger zu Boden, wo er sofort gefesselt wurde. Inzwischen war auch ein zweiter der Diebe von anderen ihn verfolgenden Personen ergriffen worden, während der dritte entkam. Von den beiden Ergriffenen, die als schwer bestrafte Einbrecher erkannt wurden, ist der erster«» der fich den Beamten mit dem Messer widersetzte, ein der Kriminalpolizei unter dem Namen„Verbrecher-Emil" bekannter aller Zuchthäusler. Am Sonnabend früh wurden beide ge- fesselt nach dem Molkenmartt ttanspottirt. Am Sonnabend Abend wurde ein Vietter im Bunde, ein in Rummelsburg wohnender, ebenfalls vielfach bestrafter Verbrecher, unter dem Namen„Gänse-August" bekannt, der die Diebstahlsgelegenhttt „ausbaldowert", verhastet. Verbrecher» Emil und seine Komplizen hatten, wie fich bereits herausgestellt, vor etwa 8 Jahren in demselben Hause bei dem damaligen Direktor Riese einen Einbruch verübt und daS Geldspinde anzubohren versucht, wobei fie aber gestört wurden und die Flucht ergriffen, auf der ihnen von dem Direktor Riese einige Revolverkugeln nachgeschickt wurden. Jetzt werden ihnen eine ganze Reihe schwerer Diebstähle zur Last gelegt. Bezüglich unseres gestrigen LokalartikelS„Exmisfion zu Weihnachten", wird uns vom Witth des betreffenden Hauses berichtigt, daß die Exmission nur deshalb erfolgt ist, weil die betreffende Mietherin. ttotzdem ihr die Wohnung dem Kontratt gemäß rechtzeitig und ordnungsgemäß gekündigt war, nicht ausziehen wollte.— Es wird uns weiter mitgetheilt, daß der Wirth die Wohnungskündigung seiner Zeit nur auf wieder- holtes Verlangen der anderen Hausbewohner vorgenommen hat. Sachen find übrigens nicht retinirt worden. Verpflichtungen erfüllen," erwidette der Kammerdiener mür» ttsch,„das Geld muß binnen drei Tagen gezahlt werden." „Dann sehe» Sie zu, wo Sie es bekommen," sagte Rabe mit gemessenem Ernst.„Ich nehme mein Wort, welches ich Ihnen vei pfändet habe, nicht zurück, das Geld sollen Sie erhalten, aber ich bin nicht geneigt, es mir nicht» dir nichts zum Fenster hinaus zu werfen. Sagen Sie dem Wirth, ich müsse zuvor den Verttag prüfen, inzwischen wollte« Sie in dem Geschäft sich umsehen, und wenn e« eine reelle Sache wäre, solle er nach acht Tage» das Geld er« halten." „Und glauben Sie, daß er darauf eingehe» wird?" fragte Joseph, den die entschlossene Ruhe seine» Herr« ein« schüchtere. „Thut er es nicht, so ist da« ein Beweis, daß er Si« betrügen wollte." „Man hat mir überall gesagt, er sei ein ehrlicher Mann." „Bah, das will nicht« heißen, Mancher genießt einen gute« Ruf, der bei Licht betrachtet ein Lump ist. Folgen Sie meinem Rath, nach acht Tagen reden wtt weiter darüber." Ein befehlender Wink verabschiedete den Diener, aber Joseph leistete diesem Befehl nicht Folge. „Es wäre mir das Liebste, wenn Sie mir das Geld geben wollten," sagte er,„man kann nicht wissen, was passirt und—" „Eben weil man da» nicht wissen kann, ziehe ich vor, die Summe einstweilen zu behalten," fiel Rabe aufbrausend ihm in» Wott.„Ihnen ttaue ich zu, daß Sie kein Be« denken tragen würden, die Rolle eines Juda« zu spielen. Kommen Sie nach acht Tagen wieder." „Fränzche» ist auch draußen." „Franziska? Was will fie hier?" . Weiter nicht», als ihren Bräutigam besuchen," spotttte der Kammerdiener.„Sie hat eine interessante Neuigkeit mitgebracht." „Nun?" ftagte Rabe erwattungsvoll. „Arabella von Stuck mann ist seit heute Mittag die Braut des Assessor«, der Champagner soll beim Diner in Strömen geflossen sein."(Forts, folgt.) %'>'! T Grosse Strickgarn- und Strmifwaarei-Falirlk Dronienftr. 166 u m m w,# w gn Ocöuicnftt. 166 Parterre«. 1. Etage. Parterre«. 1. Etage. 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Die Ernennung der beiderseitigen Delegirten für die endgiltigen Fliedensoelhand ungen soll sogleich ei folgen- In der Reichsbeschwerde-Kommisston(für das So« zialistengesetz) ist insofein eine neue Einrichtung getroffen, als der Vor»itzende, Unteistaatssekretair Herfurth, in dem sächsi- schen Gesandten Grafen Hohenthal und Bergen einen Stell- Vertreter erkalten hat. ÄuS Schleswig-Holstein wiid der„Boss. Ztg." in Be- >ug au' daS Branntwemmovopol geschrieben: In den Kreisen jei Mittelpartei hat das Branntweinmonopol-Gespenst einen leisen Schrecken hervorgerufen. In der Provinz find alle In- tereffen dagegen. Die Verquickung von Landwirthschaft und Kartoffelbrennerei hat hier zum Glück noch nicht stattgefunden: die kleinen Kornbrennereien, welche vor der Annexion nicht selten mit dem landwirthschaftlichcn Betriebe verbunden waren, find nach Einführung der Maischraumsteuer und unter der er- drückenden Konkurrenz der großen ostpreußischen Kartoff-l- brennereicn meistens zu Grunde gegangen.— Der franzöfiiche Profeffor Alglave, welcher Gewährsmann des Reichskanzlers in der Brarntweinmonopolfraae ist, hat fich, wie der„Franks. Ztg." mitgetheilt wird, im Sommer 1884 in Berlin aufgehalten, um die s o z t a l e F r a g e und die A r b e i t e r v e r- Hältnisse zu studiren, und hat dabei mehrere Behörden, unter anderen auch die Kommunalbehörden der Stadt, besucht und um mancherlei Auskunft gebeten.— Bei den Arbeitern war dieser Wundermann natürlich nicht, weil diese über ihre eigenen Verhältniffe nichts wissen. Ader die Behörden können auS eigener Erfahrung sprechen.— Es geht doch nichts über «in gründliches Studium der sozialen Frage. Zu den Ausweisungen wird aus Eydrkuhnen berichtet: Die Ausweisungen nehmen hier ihren Fortgang. In letzter Zeit haben wieder mehrere, darunter geachtete Kaufleute, welche hier seit vielen Jahren auf Grund von Gouvernementspäffen Wohnsttz haben, Ausweisungsbefehl erhalten und zwar zum 1. Februar beziehungsweise 1. April. Die Deutschen, welche, aus Rußland ausgewiesen, hier ankommen, find alle sehr derangirt und müff-n sofort unterstützt werden. AuS Altona, 21. Dezember, wird den„Hamb. Nachr." berichtet: Vor einigen Tagen war ein Theilnehmer an einer Versammlung unter freiem Himmel auf Ottenscner Gebiet, der Zigarrenmacher Denk, auf Grund des Sozialistengesetzes ausgewiesen worden. Derselbe begab fick vorgestern zon hier fort, zu welchem Zwecke sich in der Maiklstraßt AbendS 8 Uhr eine größere Anzahl Sozialdemokraten sammelte, um unter Ovationen von dem Ausgewiesenen zu scheiden und ihm das Geleit zu geben. Die hiefize Polizeibehörde ließ aber sofort die Ordnung herstellen, indem fie die Menschcnmaffe auseinandertrieb, so daß Denk nur mit wenigen Genoffen seine vorläuffge Fußreise bis Hamburg antreten konnte. Am Nobislhor bestand der Zug schon wieder auS etwa 50 Personen und hier, als man Hamburger Gebiet betrat, wurde ein Hoch auf die Republik Hamburg ausgebracht. Von nun an wuchs d-r Zug fast mit jedem Schritte. AuS der Thal- straße in St. Pauli stürzte ein Sozialdemokrat mit einer langen Stange hervor, an welche ein rothes Taschentuch geknüpft war, und schritt an der Spitze des Zuges, fortwährend die Stange schwenkend, weiter, bald stimmte die ganze Menge die Arbeiter. Marsellaise an, unter deren Adfingung der Zug zum Venloer Bahnhof gelangte. Die Masse de« Zuges hatte fich bis dahin bis zu ca. 3000 Personen vermehrt. Der Bahnhof war abge- sperrt, so daß die Menge nicht hinein konnte. Denk reiste nach Preußisch- Minden, um dort fernen Aufenthalt zu nehmen. Durch die Zeitunz. Novellette von E. Fahrow. (Aus dem„Prager Tagblatt".) Ein Herr in den Vierzigern sucht mit einer jungen Dame, welche von Vorurtheilen frei ist, in Briefwechsel zu treten. Inserent ist in vorteilhafter Lebenslage, hat aber so trübe Erfahrungen gemacht, daß er jetzt auf diesem Wege die Bekanntschaft einer Dame zu machen sucht, welche unbe- «influßt von persönlichen Sym- oder Antipathien, nur da» geistige Interesse an der zu entrirenden Korrespondenz fest- hält. Freundliche Antworten erbeten«ub X. M. in der Expedition dieser Zeitung. 3. März 188— Mein Herr! Gleiche Seelen finden sich. Ihre Annonze hat mich inter- esfirt, und ich mache den Versuch, einmal schriftlich einen Menschen kennen zu lernen, was vielleicht leichter ist, als auf persönlichem Wege. Sie haben trübe Erfahrungen ge- «acht, ich auch. Sie find kein oberflächlicher Mann, nach der Gründlichkeit Ihrer Annonze zu urtheilen. Ich auch nicht. Sie haben Anlagen zu Spott, was ich aus Ihrer humorisirende» Schreibart der Sympathie erkenne. Kurz, wir habe» viel AehnlicheS, und das gefällt mir, weil in meinen Kreisen kein Mann existirt, der den Vorzug hat, mir ähnlich zu sei». Als Bedingungen für unseren künftigen Briefwechsel aber stelle ich hin: 1. Sie sagen mir, ob Sie gern lachen. 2. Sie sagen mir, welches die erwähnte trübe Erfahrung i« Ihrem Leben war. 3. Sie gestehe» offen ei», ob es Sie stören würde, wen» Sie hörten, daß ich häßlich bin. Ihre Antwort werde ich mir abholen lassen, richten Sie st« an M. K, Postamt 10. 5. März 188—, Mein gnädiges Fräulein! „Daß Sie kein oberflächlicher Mann sind/ ist eine Klagende Wahrheit, und ich liebe die schlagende« Wahr-. Frankreich. Die Verhandlungen über den Tonkin- Kredit haben be- gönnen und werden voraussichtlich mehrere Tage dauern. Gleich am ersten Tage zeigte eS fich, daß ein Theil der Mo- na-chisten für die Vorlage der Regierung votiren wird. Der Abg. Bischof Freppel trat entschieden für die„Ehre" und den „Ruhm" Frankreichs ein, dieser laffe es seiner Meinung nach nicht zu, daß Tonkin aufgegeben werde. Die Triebfeder zu diesem Eintreten des klerikalen Agitators für die Regierung dürfte wohl noch anderSwo zu suchen sein. In den neu er- oberten Ländern giebt es nämlich noch viele ungläubige Schafe und diesen ist schlecht beizukommen, wenn dieselben nicht in vollständiger Äbhänigkett von Frankreich bleiben. Der fromme Mann ließ diesen Gedanken auch durchblicken. Nach ihm trat der frühere Minister Vert aus denselben Motiven für den Tonkin-Kredit ein. Neues förderte auch dieser Redner nicht zu Tage, wohl aber fügte er den von dem Abg. Freppel vor- gebrachten Argumenten noch einen Wust von Phrasen hinzu. Wie schließlich die Abstimmung ausfallen wird, läßt fich noch nicht einmal annähernd bestimmen. Grokbritaunien. Die Londoner Saint James Gazette will wissen, daß das Kabinet sofort noch dem Zusammentritt des Parlaments ein Vertrauensvotum verlangen werde. Dasselbe sei bereit, daS System der administrativen lokalen Autonomie von Irland zu erweitern, werde in keinem Falle aber dem Projekte eines irischen Parlaments zustimmen, gleichviel, welche Garantien dem gegenüber geboten werden sollten. Lokales. Die städtische Hochbau-Verwaltung beabfichtigt, im Jahre 1886 den Bau des Asyl» für Obdachlose und für ob- dachlofe Familien und einer Desinfektionsanstalt, welcher fich in der letzten Zeit oerzögert hat, mit Energie zu deginnen und fortzuführen. ES soll die günstige Bauzeit des nächsten Sommers voll ausgenutzt werden, da jetzt daS Terrain auf dem städtischen Grundstück an der Prenzlauer Allee verwend- bar hergestellt ist. Die Anschlagssumme für den ganzen Bau beträgt 600 000 Mk. Davon sollen 200000 MI. im Jahre 1886, der Rest von 400000 Mk. aber 1887 zur Verwendung gelangen. Die Stadtverordneten-Versammlung hält in dieser Woche keine Sitzung ab. Humboldt-Denkmal. Wie die„Nat.-Ztg." mittbeilt, wird in den städtischen Behörden die Frage angeregt werden, ob nicht gegenwärtig, nachdem mehr alS fünfzehn Jahre seit der Grundsteinlegung des Humboldt Denkmals im Humboldt- Hain verflossen, endlich der Zeitpunkt gekommen sei, um daS Denkmal selbst herzustellen. Von der einen Seite wird die Aufrichtung eines erratischen Blocks mit Humboldt's Medaillon auf der Vorderseite, von der andern die Aufstellung einer Bronce- Büste in Vorschag gebracht. Die Volkszählung im Deutschen Reiche. Heber die allgemeinen Resultate dieser Zählung schreibt die„Tgl. Rund- schau": Di« Ergebnisse der Volkszählung find jetzt so weit be- tannt, daß man fie für die Stadtgcmeinden nach einigen all gemeinen GestchtSpunkten zusammenstellen kann. Am vollstän- vigsten liegen die Zählresultate aus den Haupt und Restdenz- städten vor. In dem Zeiträume der letzten fünf Jahre(vom 1. Dezember 1880 bis 1885) haben fich vermehrt: Beilin um 16 27 pCt.(1 316 382 Einwohner), Straßburg 5,75, München 13,37, Schwerin 6, Dresden 11,49, Darmstadt 6,55, Stuttgart 7,26, Braunichweig 13,75, Weimar 6,37, Meiningen 152, Dessau 18,92 Gotha 5.74, Kobu'g 2,59, Alien bürg 12,14, Rudoistadt 20,21, Gera 25,40 pCt. Gera, Rudolstavt, Dessau und Berlin zeigen die stärkste, Vieiningen, Koburg, Gotha und Straßburg die geringste prozentuale Bevölkerungszunahme. DreS» den, das 1875 über 4000 Einwohner mehr hatte als München, 1880 aber hinter dieser Stadt schon um mehr als 9000 Seelen zurückblieb, ist diesmal um weitere 5500 zurückgeblieben. München hatte bei der Volkszählung am 1. v. 260 000, Dresden 245 515 Einwohner. Ncch ein größeres Interesse als die Vergrößerung der Refidenzen hat das Wachslhum der Groß- heitc». Aber auch wenn Sie eine oberflächliche Frau wären, würde ich mtt Ihne« speziell gern im Briefwechsel bleiben, den» Ihr Styl erinnert mich an alte Zeilen, die mir aber um so lebhafter wieder vor die Augen traten, als ich Ihren Brief las. Dieselben Wortwendungev, dieselbe versteckte Heiterkeit. Wenn man 42 Jahre alt geworden ist, hat man min- destesS eine Liebe hinter sich. Ich bin nicht besser als die Anderen. Meine Liebe habe ich ebenfalls hinter mir, wie einen Berg, über den man gestiegen ist. Ich war damals noch nicht dreißig Jahre alt und verlobt. Verlobt so per Familienbeschluß. Meine Braut war ei» siebzehnjähriges Ding, eckig, einfältig und eigensinnig. Ich verliebte mich also in eine Andere; diese war schön, elegant, geistreich. Ein Jahr lang trug sie den Verlobungsring von mir; ich hatte meine erste Braut um ihretwillen abgedankt. Dann fand sie einen reicheren. Jetzt wurde ich ab» gedankt. Da haben Sie meine trübe Erfahrung. Ferner lache ich gern; aber leider bringen mich dazu nur kleine Kin- der und junge Hunde. Beides steht mir nicht immer zur Verfügung. Und Ihre dritte Frage? Eine Dame ist nicht häßlich, wenn sie graziös ist und ich wette meinen Kopf, daß Sie dies sind. Häßlich ist überhaupt nur die Frau, welche eckig ist, sei daS in ihren Bewegungen oder in ihren Gefühlen. Wir Männer lieben an der Frau alles W.iche) ganz ein» fach, weil es überaus langweilig wäre, unsere eigenen Eigen- schaften, die doch eben daS Gegentheil von weich siad, nun an unseren verehrten Gefährtinnen wieder zn finden. Ab- wechSlung muß fei». Wäre meine kleine Braut nicht solch ein Kratzbürstchen gewesen, ich hätte mich keiner Anderen zu- gewandt. Und Ihre trübe Erfahrung? � K. II. 25. März 188- Mein Herr! Sonderbar, sogar unsere trüben Erfahrungen ähneln sich; die meine hatte auch mit der Liebe zu thun, doch war ich wenigstens nicht schuld an meinem Unglück, wäh- rend das bei Ihnen der Fall war. Ein schlechter Trost: was nützt es uns, wenn wir ei» Joch unverschuldet tragen? städte. Zu ihnen gehörten, wenn man als untere Grenze 100000 Einwohner annimmt, 1875 folgende 12 Städte: Ber» ltn, Hamburg, Breslau, Dresden. München, Köm, Leipzig, Königsberg, Stuttgart, Hannover, Frankfurt a.M. und Bremen. Vis 1880 rückten nur zwei Städte: Danzig und Straßburg, in diese Reihe ein. In den verflossenen fünf Jahren dagegen überschritten nicht weniger als acht Orte die Zahl von 100000 Bewohner, nämlich: Nürnberg, Chemnitz, Altona, Barmen, Elberfeld, Düffeldorf, Magdeburg lohne Neustadt und Buckau> und Siettin(ohne die Vororte). Deutschland zählt also jetzt 22 Großstädte, 1880 deren 14, 1875 12 und 1870 nur 8. Am stärksten wächst die Einwohnerzahl in den Vororten der großen Stävte. So vermehrte fich Ludwigshafen(Mannheim) um 41,66 pCt., Cbarloitendurg um 39,56 pCt., Oitensen (Hamburg) um 31,58 pCt., Lindenau(Leipzig) um 26,25 pCt. Die kleinsten Wachethumszahlen kommen auS Bayern, besonders auS dem Maingebict. Hier wuchsen Schweinkurt um 0,45 Peizent, Ulm um 2,59 Perzent, Kempten um 3,15 Per« zerrt; Ansbach verlor 0,15 Perzent seiner Bewohner. Im Ge- gensatze dazu haben die meisten mitteldeutschen Jndustrialitädte ganz bedeutend an Einwohnern zugenommen, zum Beispiel Gera 25,40, Plauen i. V. 21 90, Sonneberg 21,43, Rudolstadt 20,21, Chemnitz 16 64, Apolda 15,32, Halle 14,52 Perzent u. s. w. Im Rheinrhale zwischen Karlsruhe und Worms und in der nächsten Umgebung gewannen Ludwigshafen 41,66, Kankenthal 20,91, Kaiserslautern 19, Mannheim 16,76, Worms 15,3, Pforzheim 1434 Perzent. Ein Rückgang in der Bevölkerungszahl wild wohl nur in sehr wenigen Städten zu verzeichnen sein. Das einzige Beispiel dafür bietet bis jetzt An-bach, wo eine Abnahme von 0 15 Perzent stattfand. DaS größte bis jetzt veröffentliche Wachslhum zeigt das Städtchen Kulmsee mit 45,30 Perzent. Hätte fich Berlin i" de'kelben Zeit ebenso stark vermehrt, so zählte es heute 1 630 825 Einwohner. Ader auch beim Innehalten der jetzigen V-rirehrungsziffer würde Verlin bri der nächsten Volkszählung(1390) schon etwas über 1 Vi Millionen hinausgehen, im Jahre 1900 aber 2 Millionen bedeutend überschreiten. Seitens des Polizeipräsidiums ist an die Berliner Theater eine Verfügung ergangen, durch welche, wie die„Voss. Ztg." meldet, angeordnet wird, daß die gelammte Holzkon- struklion der Bühne, daS Holzwerk aller Rrquifiten und Dekorationen, die Sosfiten und Gare sowie die zur Neuan- fertigung von Dekorationen zu verwendende Leinewand durch Jmpiägnirung mit Chemikalien unenlflammdar zu machen sind. Die stattgehabte Jmprägnirung soll durch einen Stempel deS betreffenden Fabrikanten an einer stchldaren Stelle des im- prägnirten Gegenstandes erkennbar gemacht werden. Den Regierungsprästdenten ist eine Abschrift dieser Verfügung mit dem Ersuchen mitgetheilt worden, gleichmäßige Anordnungen in den betreffenden Bezirken ihrerserts zu treffen. Der Ertaß einer diesen Gegenstand spezieller regelnden Polizeiver- ordnung ist vorbehalten, wenn erst weitere E. fahrungen hier» über, inSbesond.-re über die Perioden, innerhalb welcher die Jmprägnüung zu erneuem ist, gemacht find. Von mehreren Blättern ist die Nachricht gebracht worden, es sollte ein Konflikt zwrschen den hiesigen Anwälten und dem Landgerichtepräfidenten von Baideleben ausgebrochen sein wegen des letzteren Anordnung über die Kontrole der Sitzungssäle der Schwurgerichte und Stiafkammern. Es wurde erzählt, es sollten in e ner Sitzung der Berliner Anwälte unter dem Vorfitz des Geheim.» Justt,raths Laue geharnischte Be- schlüffe gefaßt worden sein. Das ist unrichtig. Vielmehr ver» hält es fich mit der Sache nach der„Freis. Ztg." folgend« r- maßen: Bei dm hiesigen Landgerichten ist bisher, wie bei anderen Landgerichten, den studirten Gerichtedeamten gestattet gewesen, in dem zu den Sitzungssälen der Schwurgerichte und Straskkammern gehörigen, für die Zeugen bestimmten Vorräume ohne besondere Kontrole Platz zu nehmen. Dort befanden sich auch bisher die Vettreter der Preffe- Bei Verhandlungen von Bedeutung und Aufsehen wurden durch sehr zahlreiche Be» Nutzung dieser Eilaubniß große Stöi ungen hervorgerufen. Die Thür stand oft keinen Augenblick still, Unberufene schlichen sich ein, und die für Zeugen bestimmt, n Sitzplätze waren besitzt. Auf Beschwerden der Lorfitzenden der Schwurgerichte und Strafkammern, ist nun, wie von uns mitgeth.ilt worden, vom Ich meine, ist man schon einmal unglücklich, so wäre ei nur gerade gut, es recht gründlich sein, das heißt, sich sage» zu müssen:„Du hättest es nicht zu sein hrauchen." Ich habe immer eine Aversion gegen die leidenden Lämmer ge» habt, welche unverdiente Dornenkronen tragen; daher rührt auch meine Aversion gegen mich selbst. Sie sehen also, Ihr thörichteS Handel» trägt Ihnen b,i mir schon einen Stein im Brett ein. Sagen Sie mir aber doch, mein Herr, warum lasse» Sie mich im Unklaren darüber, welche von Ihren alten Zeiten ich die Ehre habe, Ihne» zurückzurufen? Le style, c'est l'homme et parfois la komme. Es inier ef fit t mrch also zu hören, woher der Klang kam, dem ich als Echo diene. Ihre Definition über das, waS an einer Frau schön ist, hat mich sehr unterhalten. Aber glauben Sie mir, per» manente Weichheit wird gar bald eine Langweiligkeit. Ecken und Kanten sind die Reize des Lebens so gut wie Glätte» und Weichheiten. Schlange» sind auch weich und glatt. Aber damit Sie nicht denke», ich spräche pro domo, will ich hinzufüge», daß ich weder spitze Ellenbogen, noch hervorstehende Backenknochen habe. Warum halte» Sie sich denn keine jungen Hunde? M. K. •» 27. März 188— —— und weil doch junge Hunde schließlich alt wer« de«; dann sind fie nicht mehr lustig. Ich bin auch nicht mehr lustig und war eS doch eir mal. Mein Kompliment auch noch über Ihre Ecke» und Kanten; wo sie so liebenswürdig abgeschliffen sind, werde« sie allerdings zu Reizen. Wer weiß, ob meine kleine, trotzige Braut nicht auch mit der Zeit einen liebe« Swüidigen Schl ff bekommen hätte. Nu», es ist zu spät, darüber nach« zudenken; von allen Thorhellen ist es die größte, einen evt« flogenen Traum, ein verscherztes Glück, ei» gesprochenes Wort wieder zurückholen zu wolle«. Was ich in meinem ersten Briefe von Ihrem Stil sagte, nehme ich zurück. Ich meinte, darin Aehnlichkeiten mit dem meiner zweite» Braut zu finden, aber e« war ei« Jrrthum. Was jene leicht berührte, erfassen Sie kräftig, was dort oberflächlich gestreift wurde, betrachten Sie mit LandgttichtSprafidenten die Anordnung getroffen, daß � in jenen Vorraum Niemand, weder Richter, noch Staatsanwälte, noch Rechlsanwäite, noch Referendarien, noch Vertreter der Presse, obne Genehmigung des Vorfitzenden eintreten dürfe. Für die Pr.sse find in allen Fällen au den vordersten Bänken des Zuhörerraums besonders dezeichnete Plätze reservirt. Im großen Schwurgerichtssaal find den Staatsanwälten, Richtern, Anwälten und Referendaricn eigene Logen vorb« halten, so daß den hi.figen großen Verhältnissen entspr chend sür die Herren wohl das Möglichste geschehen ist. Bieher ist aus den Reihen der Richter, Staatsanwälte und Refercndarten über die neue Anordnung leine Beschwerde laut geworden, auch von den An- walten halten viele sie für nothwcndig. Nur ein Theil der- selben findet darin eine Verletzung und Beeinträchtigung und droht mit einer öffentlichen Erklärung, wonach fie bis zur Zurücknahme des Verbots vor dem Strafgericht nicht mehr vertheidigen wollen. Es handelt fich hier um ein durch keine gesetzliche Vorschrift eingeräumtes Verzugsrecht der Fürsten von Fach vor dem übrigen Publikum, und für dieses Vor- zugsrecht giebt es keine erheblichen sachlichen Gründe. Ocffent- lichkeit und Mündlichkeit soll für Jedermann vorhanden sein. Wir können deshalb, so fügt die„Freist Ztg." hinzu, die Ver- fügung des Heim Landgerichtspräfidenten nur billigen. Jeden- falls entsvricht fie dem vor allem hochzuhaltenden Grundsätze der Gle chdeit vor dem Gesetz. Aus dem Berichte des Verwalters des Konkurses von Julius Lepke, der, wie erinnerlich ist, seinem Leben durch Selbstmord ein Ende machte, geht h-rvor. daß der Verstorbene durch das Spiel ruinirt worden ist, gleichzeitig aber auch, daß in gewissen Kreisen das Spiel ganz ungeahnte Ausdehnung ge- wonnen. Das Geschält Lepke's ist außerordentlich lebensfähig gewesen. Er hat im Jahre 1882 allein 115000 M. verdient. Dagegen hat er innerhalb dreier Jahre mehr als eine Million Mark'm Spiele verloren. Die jetzr noch verbliebenen Spielschulden belaufen fich nominell aus 700 000 M. j Die Wechselschwtndlerin Frau Vogel, geb. Kähler, soll, wie gerüchtweise verlautet, fich in Warschau bei Verwandten au' halten. Von anderer Seite wird dagegen verficheit, daß fie fich nach Krakau geflüchtet hat. Jedenfalls ist fie der deutschen Justiz gerade in dem Augenblick entschlüpft, als die- selbe ihre Hand auf fie zu legen beabfichtigte. Der angebliche Verlobte der Schwindlerin, der Ulanenriltmeister z. D. v. N., befindet fich noch auf freiem Fuße, weil er nicht unter dem Zivilgericht steht. Die gegen ihn als vermuthlichen Komplizen der Entflohenen gerichtete Untersuchung wird vom Militär- gericht geführt. Der am meisten Geschädigte ist nächst dem Grafen von W. ein biefiger angesehener Militär- Effekten- Fabrikant, welchen der Rittmeister von N. schon bei seinem Regiment als sehr bemittelt kennen gelernt und jetzt seine „Braut" vorgestellt hatte. Da dieselbe fich als Befitzerin mehrerer Häuser, als Rentiere rc. aufspielte, gelang es ihr bald, zu dem Fabrikanten Herrn A. in Geschäftsverbindungen zu treten, indem fie ihm zahlreiche Wechsel übergab, deren Be> trag er ihr vertrauensvoll auszahlte. Er gab fie dann im guten Glauben an ihre Echtheit an seine Kunden rc. weiter. Die meisten derselben haben fich nunmehr als gefälscht heraus- gestellt, so daß Herrn A. die Bekanntschaft mit Frau Vogel theuer zu stehen kommt. j. Strötzel verhaftet. Wie die„Limmat" in Zürich auS guter Quelle erfährt, ist dort der berüchtigte Berliner Kom- misfions- und Prämienloos- Schwindler Louis Strötzel, früher in der Schönhauser Allee wohnhaft und Mitindaber der fingir- ten Firma A. Strötzel jun., von der Kantonalpolizei verhaftet worden. Cr hatte dort ein Agentur- und Kommisfionsgeschäft eröffnet, um auf diese Weise in- und ausländische Geschäfts- leute zu plündern. Zu diesem Zweck suchte er fich durch Be> stechung gute Referenzen zu verschaffen, die er stets an seine Opfer weiter gab. Strötzel, der hier mehrfach wegen ähnlicher Verbrechen bestraft worden ist, wird auch vom hiefigen Land- gericht l steckbrieflich verfolgt. Seine Auslieferung an die deutsche Behörde dürfte also erfolgen, sobald er sein Konto mtt den Gerichten in der Schwei, beglichen haben wird. Der Bäckergeselle Seidel, welcher unter dem Verdacht, daS Attentat auf die Frau Quast in Potsdam ausgeführt zu haben, vor einiger Zeit verhaftet wurde, ist am Freitag als gänzlich unschuldig nach beinahe vierwöchiger Untersuchungshaft entlassen worden. Seidel ist gänzlich mittellos und sucht Arbeit. Im Gefängniß hat er nach den„P. N." Erbsen verlesen und nach seiner Entlaffung 52 Pfennige herausgezahlt erhalten; das ist daS Ganze, was er besttzt. Mit einer beispiellosen Dreistigkeit ist in der Nacht zum 18. d. M. bei einem Kaufmann in der Alten Jakobstraße ein Einbruchsdiebstahl verübt worden. Die Diebe haben in die hofwärts belegene Kellerthür ein Loch gebohrt, durch das- selbe den von innen vorgeschobenen Riegel zurückgezogen und dann die Thür zu öffnen versucht. Sie stießen jedoch auf Widerstand, Hoden deshalb die Thür auS und drangen durch den Lagerkeller in den Laden. Hier zündeten die Einbrecher Licht an, begaben fich in das Schlafzimmer deS Kaufmanns, den fie muthmaßlich durch narkotische Mittel betäubt haben, und entwendeten eine auf dem Tische liegende Uhr sowie auS der feiner Schärfe. Sie sind Sie selbst und kein Echo eines andern Klanges. Wenn ich fortfahre, mich in Gedanken so lebhaft um Sie zu beschäftigen, bitte ich Sie allernächstenS um ei» Rendezvous. � � »» 10. Mai 188— Werther Herr! Mag eS eigensinnig aussehen, aber ich schicke Ihne« dennoch mein Bild nicht. Wozu denn? Unsere Korre- spondenz ist nun so hübsch im Geleise, die zwei Monate, seit wir uns schreibe«, sind mir so prächtig schnell vergangen — ich möchte nicht gern diese» Zustand gegen einen neue« eintauschen.... Ich schrieb Ihnen neulich, daß rch memen früheren Verlobren wiedergesehen habe; daS ist mir gestern wieder begegnet; ich fuhr und er ging und sah mich nicht. Ich kam aber doch wieder ganz unbrauchbar nach HauS. Wrrk- lich, ich glaube, ich darf nicht heiraihe«. Wenn man dreißig Zahre alt geworden ist und noch immer den Mann liebt. den man vor dreizehn Jahren lrebte, dann ist Hopfen und Malz verloren. Meinen Sie nicht auch? Es müßte denn sein, daß Jemand ander» mir in den Weg trete, der noch stärker wäre als Jener und sein Bild verdrängte. Aber daran zwe.fle ich. Soll man eigentlich mit dreißig Jahre» noch tanzen? Ich glaube nicht; aber in meiner gewohnten Rolle als Lamm lasse ich mrch richtig wieder heute zum Ball führen. Es wäre ein neckischer Zufall, wen» wir schon irgendwo einmal zusammen getanzt hätten, ohne zu wisse», wer wi- W,-„& ♦» 15. Mai 188— Verehrte Freundin! Ich bitte um Vergebung, wen» ich heute nicht vre! schreiben kann. Geschäfte, BerufSpfl achten, es geht»rcht. Ihre Handschrift war in Ihrem letzten Briefe flüchtiger al« sonst, woher kam daS? K- Ladenkasse, welche fie mit dem auS den Beinkleidern deS Scklafenden hervorgeholten Schlüssel öffneten, an barem Gelde 165 M. Daß die Diebe fich bei Ausübung der That sehr fichrr fühlten, beweist der Umstand, daß fie fich in dem Laden, der von dem Schlafraum nur durch ein Regal getrennt ist, restaurirten, wie die vorgefundenen leeren Bierflaschen beweisen. Die Thäter find bis jetzi nicht ermitt'lt. i. In der Marunge'schen Mordangelegenheit zu Chailottendurg bebarrt die Frau Marunge sowie ihre Söhne im Untersuchung� Grfängniß zu Moabit bei ihrer Aussage, daß fie nicht w.ssen, wie der Körper ihres Gatten resp. VaterS in dm Keller des HauseS in Charlottenburg gekommen. Der jüngste kleine Sohn jedoch hat bereits als sehr gravirend aus- gesagt,„daß die Mutter und Albert den Vater in den Keller geschleppt hätten." Zur Sicherheit der Untersuchung, um den Einwand, daß die gefundene Leicke mit der Marunge'schen nicht identisch sei, zu widerlegen, ist der Kopf des Marunge konservirt und aufbewahrt worden. Als sehr belastend für die Frau Marunge bat fich noch herausgestellt, daß fie dem mitoerhafteten Schiemann 900 Mark Schweigegelder versprochen hatte, und kurz vor tbrer Verhaftung fich vergeblich bemühte, eine Hypothek von 900 Mark auf ihr Grundstück auf. zunehmen. Belle-Alliance Theater. Der Personenzettel der Ge- sangs Posse..Lucinde vom Theater", die am nächsten Freitag zum ersten Male in Szene geht, weist außer den beiden Sou- breiten des Wallner-Tbeat-rs, Frl. BäckerS und Deckmann, auch die Damen Fröhlich, Möller, Wenck, Schmidt, Timmling, Lettau und die Herren Riedl, Dorn, Tyrlowsli, E. Achter- derg, Göschke, Schmidt, Wagner und Winter in hervorragenden Rollen auf. Polizet-Bericht. Am 21. d. MtS., Mittags, wurde ein Mann auf einem Grundstück in der Müllerstraße im Stall er- hängt vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem Obduttions- haute gkschafft.— Einige Zeit später verunglückte der Arbeiter Caspar auf dem Görlitzer Bahnhofe dadurch, daß er beim Abspringen von einem Güterwagen fiel und die linke Knie- scheide brach, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— In der Nacht zum 22. d. Mrs. wurde ein Herr in der Weinmeiftcrstraße nach vorangegangenem Streit von einem Anderen mit einem Steintopfe derartig gegen den Kopf ge- schlagen, daß er mittelst Droschke nach der SanitätSwache in der Jnvalidenstraße gebracht werden mußte. Gerichts-Zeitung. In ihrem Verlauf interessant ist eine Anklagesacht wegen Uebertrctung des Bahnpolizei- Reglements, wegen Er- regung ruhestörenden LärmS und wegen Widerstands gegen die Staaisgewalt, welche gestern gegen den Landwirth Otio Kehl aus Oranienburg vor der sechsten Straikammer hiefigen Land- gerichts l verhandelt wurde. Der Angeklagte war am 21. April cr. mit seiner Frau aus seinem Heimathsort nach Berlin ge« kommen, um diverse Einkäufe zu machen, und beabfichtigte, mit dem um 8 Uhr Abends vom Etertiner Bahnhof abgehenden Zuge nach Hause zurückzufahren. Während Frau Kehl bereits «ingestiegen war, hatte fich der Angeklagte um einige Augenblicke verrvätet, und der Zug setzte fich bereits in Bewegung. Be- greiflichelweise hatte Kehl das Bestreben, im Koupee noch Platz zu nehmen, zu welchem Behufe er dem Zuge nachlief. Kurz vor dem noch geöffneten Koupee wurde er von dem diensthabenden Etationsdeamten Riebensohn aufgehalten, wo- bei er zu Boden stürzte. Vor Schmerz über die erlittene Armverletzung wurde er etwas laut und begab fich in das Etationsdureau, um wegen des seiner Anficht nach zu frühen Ablassen deS Zuges eine Beschwerde zu Protokoll zu geben. Weil er fich aber nicht beschwichtigen lassen wollte und fich in febr lauter Weise erging, ließ der Stationsbeamte einen Schutzmann herbeiholen, um den Ruhestörer nach der Wache schaffen zu lassen. Der Angeklagte widersetzte fich aber seiner Fortführung, weil er vor Schmerz nicht gehen könne und verlangte, in einer Droschke fortgeschafft zu werden. Schließlich warf er fich zu Boden und konnte nur, nachdem er gebunden worden, mit den größten Anstrengungen zweier Po- lizeideamten nach der Wache gebracht werden. Nachdem dort sein Nationale festgestellt worden war, begab er fich nach der SanitätSwache, wo der Polizeiarzt Dr. Füller seinen Zustand fkststellte. Nach deffen Bekundung war der Angeklagte blut- überströmt und die Marken der Stricke hatten Blutunterlau- fungen erzeugt. Die Kleidung war zerrissen und außerdem klagte der Angeklagte über empfindliche Schmerzen im Arm. Im Termin vor dem Schöffengericht verficherte der Angeklagte, daß er in Folge von schlimmen Krampfadern, die in aufgeregtem Zustande dedeutend anschwellm, in der That nicht bade gehen können. Der Gerichtshof verurlheilte den An- geklagten wegen der beiden Ueberttetungen zu je 5 Mark und wegen deS Widerstandes zu 150 Mark. Hiergegen hat der Angeklagte Berufung eingelegt und sein Verrherviaer Rechtsanwalt Dr. Flatau führte im Termin aus, daß das Nachlausen hinter dem Zuge in der Abstcht, denselben zu besteigen, noch Irin versuchtes Besteigen sei; dazu gehöre 25. Mai 188—. -- und überhaupt haben Sie meine Handschrift noch gar nicht gesehen, denn ich diktire meine Briefe meiner jüngeren Schwester, der die anonyme Korrespondenz sehr viel Amüsement bereitet. Nächstens lasse ich mich vielleicht wirklich zu einem Rendezvous herbei, Ihre Briefe werde» kühler,— ich liebe das Ganze, also will ich Sie entweder durch eine persönliche Bekanntschaft ganz erkälten oder meine» platonischen Freund gänzlich zurückgewinnen. M. K. •• 27. Mai 188—. Wie danke ich Ihnen, verehrte Freundin, daß Sie mit immer gleicher Güte meine Fehler ertragen; schon brieflich zeigte» sie fich; denken Sie, welche Unzahl Sie gar ber persönlichem Umgang entdecken würde«, Sie haben recht, meine Briefe sind flüchtiger geworden. Das datirt seit dem 10. Mai. An dem Tage nämlich, al» Sie zum Ball gingen, war auch ich zu einem FrühlingSfefte mit Tanz geladen. Ich ging hin in der heimlichen Hoffnung, meine unbekannte Korrespondenti«, die so tyrannisch rn meinen Gedanken zu herrsche» begonnen hatte, dort zu finden. Ach, ich fand da- gegen eine Andere— meine erste kleine Braut. Dreizehn lange Jahre hatte ich fie nicht gesehen und was war in- zwischen au» ihr geworden! Ein Geschöpf voll Anmuth und Geist, eine herrliche Blüthe au» der nichtssagenden Knospe! Welche abgebrauchte Redensart! Aber sie paßt hierher. Sie hat nicht geheirathet und aus ihrem Erröthen und Erblassen durfte ich Glücklicher wohl errathen, daß sie mich noch nicht vergessen hatte. Wa« werden Sie sagen, daß ich Ihnen alles das er- zähle! Aber wenigstens habe ich den Trost, daß Sie zuerst mir berichtete», daß auch Sie noch einen Andern lieben. Das hat mich Wochen lang bitter gekränkt; jetzt preise ich daS Gesch'ck. Jck> kann Ihne« auch heute nicht mehr schreiben, verehrte Freundin, e« ist, al« fände ich keine Ruhe mehr, bis ich Gewißheit von ihr habe. KM mindestens da! Betreten des Trittbrettes. Ebensowenig könne in dem lauten Verhalten seines Klienten eine ungebührliche Störung der Ruhe gefunden werden; Abends um 8 Uhr werde überhaupt in einem stark frequentirten Bureau Nieman« denS Ruhe gestört. Folgt yieraus, daß überhaupt ein Grund zur Festnahme seines Mandanten nicht vorlag, so müffen auch die Widerstandshandlungen, wenn fie als solche aufgefaßt würden, erheblich milder geahndet werden. Der Gerichtshof adoptirte diese Ausführungen, sprach den Angeklagten wegen oer Uebertretungen frei und verurtheilte ihn wegen des Wider« stands zu nur 75 Mark. Der Chemnitzer Sozialisten-Prozeß vor dem Reichsgericht. Lerpzig, 21. Dezember. Der politische Prozeß, der gegen den sozialdemokratischen Abgeordneten Bebel und 6 Genoffen vor dem Chemnitzer Landgerichte am 7. Oktober mit der Frei- sprechung sämmtlicher Angeklagten geendigt hatte, kam heute vor dem III. Strafsenate des Reichsgerichtes in der Revistons« instanz zur Verhandlung, jedoch nicht zur Erledigung, da die Verkündigung des Urtheils auf Mittwoch, den 23. d. Mis, Mittags 12 Uhr veriagt wurde. AuS den Gründen des frei- sprechenden landgerichtlichen Erkenntnisses, welches noch in der Erinnerung der Leser sein wird, wollen wir hier nur anführen, daß alS nicht erwiesen angesehen wurde, daß innerkalb der sozialdemokratischen Partei eine gegen die§§ 128 und 129 verstoßende Verbindung bestehe und daß die Angeklagten einer solchen Verbindung angehörten. Gegen vieses Urtheil hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt und Verkennung des Begriffes einer geheimen Ver- bindung gerügt. Es sei irrig, so wurde in der BegründungS« schrift ausgeführt, wenn das Landgericht annehme, daß die Zugehörigkeit zu einer solchen Verbindung begründet werde durch eine ausvrückliche wörtliche Erklärung, daß der Betreffende seinen Willen dem der Gesammtheit unterordnen wolle. ES sei vollständig ausreichend, wenn die Mitglieder stillschweigend, durch konkludente Thatsachen ihren Willen bekunden. Wenn die Anschauung des Langerichtes richtig wäre, so würden die §§ 128 und 129 geradezu illusorisch sein. Das Strafgesetz wolle nicht die Form, sondern die Sache treffen. Schon in der Verbindung mehrerer zur fortgesetzten Verbreitung der verbotenen Zeitung„Sozialdemokrat" sei eine nach den angezogenen Gesetzesbestimmungen strafbare Verbindung zu erblicken. In der Annahme der Zeitung liege schon die Zusage, an der Verbindung theilnehmen zu wollen; dazu brauche kein Wort geredet werden. Von diesem Gefichts- punkte aus sei das Beweismaterial vom Landgericht nicht ge« prüft worden, auch sei unentschieden gelaffen, ob in der Theil« nähme an den Kongressen in Wyden und Kopenhagen, die den Angeklagten nachgewiesen sei, nicht eine Theilnahme an einer Verbindung zu finden war.— Der Reichsanwalt Herr Steng- lein erklärte die Reviston für begründet. Er behauptete, daS Landgericht sei fich über die Stellung der§§ 123 und 129 nicht im Klaren gewesen und habe den Inhalt derselben ver« mischt, während beide Paragraphen fich seldstständig gegenüber ständen. Nur§ 128 spreche von Geheimhaltung, nicht auch § 129; wenn das Landgericht annehme, daß der Thatdestand des§ 129 nicht vorliege, weil die Geheimhaltung nicht nach- gewiesen sei, so würde das ein Rechtsirrthum sein. Ferner sage das Urtheil, eS sei nicht mit ausreichender Bestimmtheit auS dem Ergebniß der Beweisaufnahme zu entnehmen, daß Dasein, Verfaffung und Zweck der Verbindung geheim gehalten werden sollten, während es im Gesetze heiße:„Dasein, Verfassung, oder Zweck". DaS Gericht nehme also an, daß sämmtliche Existenzbedingungen geheim gehalten werden mußten, während das Gesetz obne die Geheimhaltung eines derselben besttafen wolle. Der Redner ging nunmehr zu dem Haupigrunde über, daß der Beg iff einer Verbindung verkannt sei. DaS Land« gericht beziehe fich auf ein Urtheil deS ReichSgerich's vom 8. Januar 1885, worin e» heiße: ES erfordert der Begriff der Verbindung, daß eine Mehrheit zusammmtritt, daß der Wille des Einzelnen dem Gesammtwillen fich unterordne und daß der Theilnehmer eine seine Willensfreiheit einschränkende Er« klärung, eine Zusage, welche ihn verpflchten, ab« geben müsse, während das bei den Angehörigen einer Partei nicht nötbig sei. Denselben Gedankengang verfolge daS angefochtene Urtheil, aber die Folgerung, die es darauS zieht, sei eine gründlich irrige. Das Gericht habe angenommen, daß eine Willenserklärung nicht nur geschehen, sondern nach« gewiesen sein müsse, so etwa, daß ein ReverS beigebracht werden müsse. Er könne fich keine Verbindung denken, die nicht zuließe, daß in jedem Augenblick jedes Mitglied einfach erklärt:„ich thue nicht mehr mit" und austritt. Dann könne aber von keiner Unterjochung der Willensfreiheit mehr ge« sprachen werden. Das Gesetz habe auch hierauf nicht im ent» ferntesten Gewicht gelegt. Man müffe also, um den Begriff der Verbindung zu finden, auf den Sprachgebrauch zurück« gehen. Man spreche z. B. von studentischen Verbindungen» das sei etwas ganz Harmloses und man denke keineswegs an etwas dem Staate Gefährliches. Hieraus folge, daß Verbindung viel allgemeiner sei als Verein und sowohl die loseste alS die engste Vereinigung dedeuten könne. DaS Gericht habe 1. Juni 188- -- Sollte es dennoch möglich fein, verscherztes Glück zurückzuholen? Ich wünsche Ihnen das Beste! M. K. 15. Juni. Liebste Emma! Kaum weiß ich, wie ich die Feder halten soll. Wärest Du doch da, mich zu sehen in meinem Jubel! Ich will versuchen, ruhig zu erzählen. Du kennst meine Korrespondenz mit K. M. Ich hatte diesen Anonymus aus seinen Briefen ordentlich liebgewons nen; leider drang dies Gefühl nicht durch die äußerstttt Schichten meines Herzens durch; Du weißt, welcher Sou« verän in ihm herrscht und seit 13 Jahren geherrscht hat. Ihn, den Souverän, de« heimlich so treu Geliebte«, traf ich nun neulich in einer Gesellschaft! Ach Gott, liebes Kind, wie soll ich nur beschreibe«, was dann anfing? Er war frappirt, das sah ich; ich mag mich in diesen dreizehn Jahren auch genug verändert habe«. Er— nun, er war eben Er. Den ganzen Abend blieb er a* tnemer Seite. Wir waren unter lauter fremden Leuten, dir nichts von unserem ftüheren Verhältniß wußte«. Einig« Tage darauf schrieb mir K. M. Hier hast Du seine» Brief. Mir ging eine Ahnung auf. Seitdem sucht- Er, der Sou« verän meines Herzens nämlich, jede Gelegenhett, mich wieder« zusehen; es gelang ihm jede Woche mehrmals. Gester« Abend waren wir im kleinen Kreis wieder zusammen; ic* war aufgeräumt und glücklich; nach dem Abendbrod wäre« wir zufällig einige Miauten allei». Mich trieb ein Kobold, ihn zum Lachen zu bringen; er nahm mich bei der Han« und immer noch lachend dankte er mir für meine LuW� -Ja," sagte ich,„und dabei bin ich«och nicht einmal e>« junger Hund." Er stutzte, dann schrie er förmlich:.K Ich nickte und wollte antworten, aber er hielt mich Plötz"'* in seinen Armen und für die nächsten fünf Minute» lonn ich kein Wort herausbringen. Komm schnell, Du getreu. Hcrz, und sieh' Dir unser Glück an. Zu beschreibe« ü' nicht. Auf Zeitung«- Annonzea antworten wir in unser Lebe» nicht mehr; das habe» wir nicht mehr«öthra. Deine selige Melanie. daö Wort Virbindung im Sinne des intensiven Vereins auf- gefaßt, und alles, was hieraus gefolgert werde, sei daher rechlsirrig. Das spreche sich in dem Gegensatz zwischen Ver- bindung und Partei aus. Daß das Wort Partei eine Or- oanisat'on voraussetze, davon stehe im Gesetz keine Silbe. Wenn Paitcigenoffen sich eine Organisation geben, infolge deren sie gemeinsam für einen gewissen Zweck zu wirken im Stande seien, dann dilveten sie eben eine Verbindung; er sehe also die organifirte Parlei als eine Verbindung an. Man wisse, daß eine Parteileitung da ist, daß ein Organ existirt und daß Kongresse abgehalten find. Wenn die Organisation das sei, was die Partei bildet, dann seien auch die Angellag- ten Mitglieder, denn sonst hätten sie nicht an den Kongreffen theilnehmen können. Daß die Kongresse im Auslande abge> halten seien, habe doch nur den Zweck haben können, die Ver- Handlungen geheim zu halten. Wenn das Gericht sage, das Gcheimniß ser nicht bewahrt worden, deshalb sei es auf Ge« Heimhaltung nicht abgesehen gewesen, so sei das voll- ständig unlogisch. Er beantrage daher Aufhebung des Urtheils und Zuriickverwcisung der Sache an das Landgericht in Freiberg.— Der V-rtheidiger, Herr Rechtsanwalt Freytag II, sprach sich dahin aus, daß es im Gesetz ebensogut Verein statt Verbindung heißen könne; dem Sprach gebrauch entsprechend sollte aber hier eine festere Vereinigung gemeint werden. Der ganze Tenor des Urtheils sei aber daß nur eine zwanglose Parteivereinigung bestehe. Daß durch konkludente Handlungrn eine Erklärung abgegeben werden könne, wolle er gem zugeben, aber das Landgericht habe auch weiter nichts sagen wollen, als daß jemand irgendwie eine Erklärung abgeben müsse. Rachdcm er noch im übrigen die Revision für unbegründet erklärt und deren Verwerfung de- antragt hatte, ergriff der andere Verth-idiger, Herr Rechts- anwait Munckel aus Berlin, das Wort. Er gab zunächst der Vermuthung Raum, daß das Chemnitzer Landgericht alles das selbst gewußt bade, was der Herr Reichsanwalt über die Be- deutung der§§ 128 und 129, sowie über deren Verhältniß zu einander gesagt habe, der Umstand, daß„und" anstatt„oder" gebraucht sei, beweise teinesweas, daß das Gericht über den Sachverhalt im Unklaren gewesen sei. Des weiteren drückte der Redner seine Verwunderung über die Rechtsan schauung des RcichsanwaltS über den Begriff Verbindung auS und sagte, wenn dieselbe richtig wäre, so beseitigte man mit dem§ 128 daS ganze oppositionelle politische Leben, dann sei es lodt. Alle Parteien hätten ihr Programm und wären oft genöthigt, im Partei-Jntere sse irgend einen Beschluß geheimzuhalten, des- halb dürfe man sie aber nicht sogllich unter den§ 128 bringen. Er bitte die Revision zu verwerfen.— Der Präfivent, verr Dr. von Bcyerle, verkündete hierauf, daß das Urtheil am Mittwoch, den 23. d. M, Mittags 12 Uhr, 6e*«ca| gegeben werde._ Uerewe und Uersammwnge«. Im Bürgersaale deS RathhauseS tagte am Freitag, den 18. d. M., die erste Generalverlammluna der OrtSkrank-n- kaffe der Tischler und Pianoforte- Arbeiter Berlins. Dieselbe war von 115 Delegirten der Arbeitnehmer und 48 Dclegirten der Arbeitgeber besucht. Auf der Tagesordnung stand: 1. Wahl von 8 Vorstandsmitgliedern seitens der Gruppe der Kaffcnmitglieder(Gesellen). 2. Wahl von 4 Vorstands- Mitgliedern seitens der-»huppe der Arbeitgeber. 3. Gemein schaftliche Wahl von 3 Ausschußmitgliedern zur Vorprüfung der Jahresrcchnung. 4. Antrag des Tischlermeisters Herrn Brandes und Genossen auf Abänderung der§§ 34 und 38 des Statuts. Die Versammlung wurde eröffnet und geleitet vom Magistratssekretär Herrn Hanisch, welcher vorschlug, den letzten Gegenstand der Tagesordnung zuerst zu erledigen, da, fall« der Antrag auf Abänderung des Statuts ange- nommen werden sollte, die Wahl in anderer Weise W-M-KM SS jetzigen Statut nicht der Fall ist. Herr Brandes inotioirte seinen Antrag damtt, daß die Meister, welche'/, der Beiträge zahlen, auch berechtigt sein müßten, den Verwalter der Koffe und den Altgesellen mitzuwählen, daS jetzige Statut entspreche nicht den gesetzlichen Bestimmungen, wenn es die Meister von der Theilnahme an dieser Wahl ausschließe. Sollte die Ver sammlung auf den Antrag nicht eingehen, so würden die An« tragsteller sich an den Bezirks-Ausschuß wenden und dort hoffentlich Erfolg haben. Herr Hubert, der jetzige Altgeselle, beantragte, über den Antrag Brandes einfach zur Tagesord- nung überzugehen und sofort zur Wahl zu schreiten. Der Vorsitzende weigerte sich jedoch, über diesen Antrag abstimmen zu lassen, was großen Unwillen bei den Delegirten der Gesellen erregle, von den Meistern jedoch freudig begrüßt wurde. Herr Hencke bekämpfte den Anttag Brandes und wies nach, daß die Gesellen sehr wohl im Stande seien, tüchtige Verwaltungs- beamte in ihrer«litte zu finden, und daß der Antrag Brandes so recht die von Herrn Brandes empfohlene Harmonie zwischen Meistern und Gesellen beleuchte. Die Herren Strelow und Schütz nahmen ebenfalls Stellung gegen den Antrag; seit langen Jahren hätten die Gesellen gezeigt, daß sie, ohne Äe- vormundung der Meister, ihre Kaffenocamten zu wählen wissen. Im weiteren Verlauf der Ausführungen des Herrn Schütz erhoben die Delegirten der Meister den heftigsten Lärm. Nach. dem die Ruhe wieder hergestellt war, sprachen noch einige Delegirte der Gesellen, unter anderen Herr Schmitz, ebenfalls kür Beibehaltung der jetzigen Bestimmungen deS Statuts. Herr Schmitz gab alsvann einen Bericht über die Versammlung der Meister, in welcher die Delegirten derselben gewählt wurden, und tbeilte mit, daß drese Versammlung, obwohl zirka 2000 Meister in Verlin seien, welche Kaffcnmitglieder beschäftigen, nur von ca. 50 Meistern, größtentheils Jnnungsmeistern besucht, war und daß diese, aus etwa 50 Personen bestehende Metstcrver« sammlung 54 Delegirte zur Generalversammlung der Kaffe Gewählt habe; daran erkenne man, wie gering daS Interesse d« Meister für die Kasse sei. Redner führte weiter auS, daß 'bnen selbst viele Meister ihr Mißfallen über das Vorgehen xr Herren Brande? und Genossen geäußert hätten. Bei den Ausführungen des Herrn Schmitz machten die Herren Arbeit- Geber wieder einen heidenmäßigen Lärm, so daß sich ein an- �eier Redner der Gesellen, Herr K-eutz, dahin aussprach, daß ** es für einen Skandal halte, daß die Meister die Redner ,°er Gesellen nicht ruhig aussprechen laffen. Wären dre Äteren im Unrecht, so möge man sie widerlegen, dres ,?nne man aber durch die von den Meistern beliebten Unterbrechungen der Redner nicht erreichen. Die Meister �%n Umschau in ihren Werkstellcn halten, dort würden sie We Gesellen finden, vor denen auch mancher Meister alle Achtung haben müßte; wie die hcuiige Versammlung zeige, sei »venfalls der Bildungsgrad der Gesellen kein aermgerer als £* Meister. Nehmen Sie sich das zu Herzen ruft der Redner r" Meistern zu. Bei diesen Motten erheben die Meister emen staubenden Lärm, viele drohen mit den Fäusten und schreien: Zerlassen wir den Saal". Alles Zureden deS Vorfitzenden, in ?m Saal zu bleiben, war vergeblich, die Meister liefen L?"'nd zur Thür hinaus, nur etwa 6 von ihnen blieben ,n sn? Versammlung. Nachdem wiederum Ruhe eingetreten W noch Herr Mosler(Meister), tadelte das Vorgehen Redner und erklärte, die berechligtcn Wünsche der Geh war, ... ein« gesellen. ------ au» bei Endlich, nach- WWMM (jetziger Altgeselle) mit 77 Stimmen gewählt; Hen Witte, der jetzige Rendant, crhiell 34 Stimmen, während sich 4 Stimmen zersplitterten. Bei der Wahl deS Altgesellen wurden abgegeben für die Herren Tutzauer 73 und Hubert 35 Stimmen, 2 Zettel waren unbeschrieben und einige Stimmen zcrsplittettcn sich. Weiter wurden in den Vorstand gewählt die Herren Dut, Schmitz, Kreutz, Merkel, Arnold und Strelow. Alsdann voll- zogen die Meister die Wahl von 4 Vo standsmitgliedern seitens der Gruppe der Arbeitgeber. Es wurden gewähst(0 Stimmen wurden n jf abgegeben): Die Herren BrandeS, der jetzige Rerdant Witte und zwei andere Herren, deren Namen unser Bettchterstatter nicht recht verstehen konnte. In den Ausschuß zur Vorprüfung der JahreSrechnung, welche Wahl von den Meistem und Gesellen gemeinschaftlich vorge- nommen wurde, wurden gewählt die Herren Mosel(Arbeit- gcber>, Hencke und Schütz(Arbeitnehmer). Die Wahl der drei Kasstrer weigerte sich der Vorsitzende vornehmen zu laffen, weil diese Wahl in den Zcitungsinseraten nicht als auf der Tagesordnung stehend bekannt gemacht war. Gegen die Wahl des Herrn Witte seitens der Gruppe der Arbeilgeber wollen mehrere Delegirte der Arbeitnehmer protestiren, weil Herr Witte nicht selbst Arbeitgeber ist, aber auch die Meister wollen, wie schon oben angedeutet, gegen die Wahl der Arbeitnehmer protestiren, weil sie glauben, nach den Bestimmungen des KrankenkaffcngesetzeS berechtigt zu sein, bei der Wahl des Rendanten und Altgesellen mitzustimmen. rb. Das über Fiauenversammlungen im Norden Berlin? waltende Vrhängniß der polizeilichen Auflösung eieilte auch die am 21. d. Mts. im„Wedding-Park" statt- gehabte öffentliche Arbeitettnnen- Versammlung. Dm mittel- baren Grund zur Auflösung gab diesmal der bekannte Arbeiter Kirsow. Herr Kunkel referme über die Zwecke und Ziele deS Arbeiterinnen-Vereins im Norden unter Zugrundelegung der Ursachm, welche die Frauenbewegung und deren Organisation in's Leben gerufen und war der Anficht, daß der Nordverein nur aus dem Grunde nichts geleistet habe, weil sich derselbe fast nur mit persönlichen Nörgeleien befaßt und die eigentliche Sache auS den Augen verloren habe. Wenn die leitenden Fraum alles Persönliche bei Seite setzen und nur den prinzipiellen Zweck verfolgen würden, dann würde es auch Keffer werden. Bei der Neuwahl des Vorstände? sollten die Vercinsmitalleder hierauf Bedacht nehmen. Der Mäntel- Näherinnen. Verein sei auch nicht zum Besten der Arbeitettnnen, da in demselben die Innung eine dominirende Stellung einnehme, welche die Bewegung in ein falsches Fahrwaffer zu leiten suche; nicht jene„fremden Elemente", vor welchen die Arbeitettnnen seitens der Innung gewarnt würden, die jedoch allein im Stande wären, den Arbeiterinnen die rechten Wege zu weisen. Herr Schultze wünschte direkt Auflösung des Nord« Vereins und Anschluß an den alten Verein, kam dann auf die Vorgänge in der letzten Tonhallen-Versammlung zu sprechen und machte den Damen Büge und Kranckemann den Vor- wurf, fie suchten der Innung in die Hände zu arbeiten.— Frau Cantius stimmte den beiden Vorrednem vollkommen bei und gab schließlich der Ueberzeugung Ausdruck, daß der Nord- verttn unter einer anderen Leitung dennoch Ersprießliches leisten werde. Frau Kranckemann hielt dafür, daß der Mäntel- nähettnnen- Verein zu schwarz gemalt worden sei. Solange fie den zweiten Vorfitz behaupte, werde fie ei» wachsames Auge auf die Jnnungsmeistcr haben. Frau Pötting verwahrte sich gegen den Vorwurf der Selbstsucht und Verfolgung pcrsön- licher Interessen. Sie sei noch niemals Gegnerin der Arbeiter- bewegung gewesen und würde es auch niemals sein. Frau Büge erklärte, ihr Pttnzip sei Gerechtigkeit. Im Allgemeinen habe fie es mit den Mäntelnäherinnen zu thun, denn fie sei Leiterin eines Fachvereins. Sie erstrebe nur eine Lohnauf- desserung der Näherinnen und fie werde die gebotene Hilfe annehmen, ohne Rückstcht darauf, von welcher Seite dieselbe komme. So lange die Innung es ehrlich meine, werde fie nicht anstehen, mit ihr zusammen zu arbeiten. Als nach län- geren Debatten schließlich auch der Arbeiter Kiesow zum Wott gelangte, veranlaßten dessen Ausführungen einige Aufregung, welche wiederum die polizeiliche Auflösung veranlaßte. Im Verein der Sattler und Fachgenossen sprach am Sonnabend in Gratweil's Bierhallen Herr Steinvorff über „Die Stellung deS Vereins zur Lohnbewegung." Redner wies auf Grund gesammelten Materials der Lohnkommisston die traurigen Löhne des Gewerks nach. Da bei den jetzigen Ver- hältniffen es nicht möglich ist, mit 12—18 M. Wochenverdienst zu existiren, so ist Redner der Anficht, daß in dieser Htnficht düngend Abhilfe geschehen müsse. Da nun zur Abhilfe solcher traurigen Verhältnisse die gesetzliche Regelung noch fehlt, so sei man gezwungen, zu dem Palltativmtttel einer Lohnbewegung zu greifen. Diese dürfe jedoch nicht von dem Verein getrennt werden, Isondern müsse lediglich von demselben abhängen, daher könne man auch momentan noch nicht vorgehen, sondern müsse erst suchen, alle Kollegen dem Verein zuzuführen, um dann in geschlossenen Organisationen vorzugehen. Von einer Lohnde- wegung müsse der Verein augenblicklich noch Abstand nehmen, dagegen alle Hebel in Bewegung setzen, daß man im nächsten Frühjahr gut organistrt vorgehen könne, um wenigstens die ttaurigsten Verhältnisse zu beseitigen. In der lebhaften Dis- lusston wies Herr Cdapeau auf die größ'en Feinde der Bewe- gung, die eigenen indifferenten Kollegen hin; diese zu ge- Winnen sei die Hauptaufgabe. Herr Balz tritt für die geistige Bildung als Hauptpunkt der Organisation ein. Unter„Ver- schiedener" wurde beschloffen, fich am 3. Feiertage(27. Dezbr.) zu einem gemüthlichen Beisammensein in demselben Lokale ein« zufinden. Außerdem wurde auf die am 9. Januar stattfin- denve Versammlung hingewiesen. Spremberg, 19. Dezember. Donnerstag, den 17. d. M. fand hier eine öffentliche Volksversammlung im Saale zum „Bergschlößchcn" statt, welche von zirka 500 Personen besucht war. Herr Ferdinand Ewald aus Brandenburg refcttrte über das Thema:„Die Arbeiter und die Presse." Derselbe streifte zunächst die Berliner Fachvereinsbcwegung und die Stellung der freifinnigen Presse zu derselben und ging dann auf die Denunziation des Herrn Eugen Richter ein, der die Fach- vereine als sozialdemokratische Organisationen bezeichnete. Redner kam dann auf die Stellung der konservativen Partei und ihrer Presse gegenüber den Arbeitern zu sprechen; er beleuchtete dann die Bestrebungen der Christlich-Sozialen und kritifirtc das Jnnungs- und Lehrlingswesen, sowie sehr scharf das Verhalten des Herrn Hofprediaer Stöcker. Im weiteren Verlaufe seines Vortrages erläuterte Redner die Bestrebungen des Herrn Dr. Mar Hirsch und seiner Gewcrkoereine. Letztere bezeichnete er als die Schleppenträger der Dcutschfrcisinnigen. Ferner erläuterte Redner den Unlerschied zwischen den Konser- vativcn und Freisinnigen als Vertreter des liegenden und mo- bilen Kapitals; er unterzog die Stellung der deutschfreifinnigen Pattei einer kritischen Besprechung und erläutette den Antrag v. Helldorff und den Antrag Auer, betreffend die Einführung einer fünf- resp. zwcijähttgen Legislaturpettode für den Reichs- tag. Redner nahm auch noch Gelegenheit, den„Spreinberger Anzeiger" und seinen Redakteur ins rechte Licht zu stellen. Da nun auch hier in Spremberg die Arbeiter wie überall gegen- über den anderen Patteien zu kämpfen haben, so wies Redner darauf hin, wie nöthig es sei, daß die Arbeiter ein Organ be- atzen, welches voll und ganz die Interessen der Arbeiter ver- tntt und empfahl als solches„Die Volksstimme". An der sich anschließenden Diskussion versuchte der Vorsteher des hiesigen Ortsvereins der Stuhlarbeitcr, Herr Neugebauer, durch drei- aber gelang es Herrn Ewald, nachzuweisen,"daß"die Be- strcbungen der Gcwerkvereine die Interessen der Arbeiter zu wahren außer Stande find. Hierauf wurde folgende Resolution mit allen gegen eine Stimme angenommen:„Die heute im „Bergschlößchen" tagende Volksversammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten voll und ganz einverstanden und verpflichtet fich, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln für die Verbreitung des Arbeiter-Älattes„Die Volksstimme" einzutreten und weist die Lektüre der arbeiterfeindlichen Presse mit Entrüst-mg zurück." Alsdann ertheilie der Vorsitzende Herrn Ewald das Schlußwort, in welchem der Referent die Ver- sammlung ermahnte, seine Motte zu beherzigen und es jedem denkenden Arbeiter anheimstellte, auf dem von ihm gekenn- zeichneten Wege für die Verbesserung seiner Lage zu wirken. Hierauf schloß der Vorfitzende unter wiederholten Hochrufen der Versammlung dieielde. Eine öffentliche Volksversammlung findet am Sonn« tag, den 27. Dezember(3. Feiertag), im Konzetthaus SanS» souci, Kottbuserstr. 4 a, statt. Näheres stehe die Anschlagsäulen wie Inserat. Diese Versammlung hat oen Zweck, eine Petttion auszuarbeiten für Abschaffung des jetzigen Wahlsystems für die Kommunalwahlen. Arbeiter-Bezirksverein„Südost". Am 2. Weihnacht?- Feiettage früh 9 Uhr finden sich die Mitglieder des Vereins zu einem gemüthlichen Frühschoppen im Lokale des Herrn Stramm ein und werden dieselben ersucht, recht zahlreich zu er» scheinen. Zentral«Kranken« und Sterbekaffe der Tischler u.s. w. Wir ersuchen die Mitglieder, welche mit ihren Bttträgen noch im Rückstände find, dieselben bis Sonntag, den 3. Feiertag, in den Vormittagsstunden von 9—12 Uhr, Zionskirchplatz 11 bei Hohn, woselbst die Kasstrer anwesend find, zu enittchten. Zu gleicher Zeit machen wir darauf aufmerksam, daß wir die säumigen Mitglieder(nach dem Statut) mit 6 Wochen Rest streichen. Der Vorstand der Verwaltungsstelle Berlin F (Schönhauser Thor Bezirk). Fachverein der Steindrucker und Lithographen. Die Mitglieder werden ersucht, die rückständigen Beiträge wegen der am 1. Januar stattfindenden Abrechnung bei den Herren Linsener, Sebastianstr. 75, oder Splettstößer, Belfotteisstr. 6, zu entrichten. Berichtigung. Der Bericht über die öffentliche Versamm« lung der Eteindrucker und Lithographen in unserer gestrigen Nummer enthält einige Unrichtigkeiten. Es muß Zeile G statt „6 wöchigen" heißen: 14'Sgigen Kündigungsfrist; ferner in Zeile 10 statt„6 ohne Arbeit" muß es heißen: 16 ohne Arbeit. Im Bericht Über die Tapezierergehilfen-Versamm- lung(in Nr. 297 d.„Verl. Volksbl.") ist von Zeile 35 d. B. v. o. ab zu lesen:—, also eine große zentraltfirte Gewerk» schasts-Organisation. Eine Zentralistrung der bestehenden lokalen Fachvereine, die neben----- u. s w. Vermischtes. Hervorragende Leistung eine? Taucher?. Im Februar d. I. sank der von Kadix nach Haaannah bestimmte Post- dampfer„Alphonso der Zwölfte" in der Nähe der kanarischen Inseln. Da der Dampfer u. A. eine Ladung Goldbarren im Wetthe von über 2 Millionen Mark an Bord hatte, so wur- den Schritte gethan, den Schatz durch Taucher zu heben. Wegen der großen Tiefe von 46 Meter, in welcher daS Wrack lie�t, waren ganz besondere Einrichtungen zu diesem Unter- wm. v>» �***>0 wivMwa-v wmi* nehmen erforderlich. Nach einer Mittheilung im„Engineering" ist es nun dem Taucher Lambett gelungen, ein Kistchen mit Gold an das Tageslicht zu fördern, nachdem durch Sprengen zweier Decke ein Zugang zu dem Goldlagerraum eröffnet wsr« den war. Die Hebung deS Restes der werthvollen Ladung ist gefichert. Lambert ist derselbe Taucher, welcher fich vor einigen Jahren in den überflutheten Severntunnel wagte und dort die eiserne Thür schloß, durch welche das Waffer ringe« drungen war. Ueber deutsche? Studentenleben bringt die„Saturday Review", eines der gediegensten englischen Wochenblätter, in eine ihrer letzten Nummern einen längeren Attikel und beson« derS über zwei hervorstechendste Eigcnthümlichkeiten deS Studentenlebens: DaS„Kneipen" und„Pauken". Der Verfasser, der unsere Universitäten offenbar sehr gut kennt, steht in diesen beiden Eigenthümlichkeiten den Kultus der zwei altgermanischen Nationallaster, der Völlerei und Rauf- lust. Im Ganzen erscheint ihm das Leben der deutschen Studenten, verglichen mit dem der englischen, recht inhalttos(ist leider in den meisten Fällen wahr, und jetzt mehr als seit Langem), und sollte der Attikel unseren „Korpeburschen" zu Gesicht kommen, so werden fie ihn ficher nicht hinter den Spiegel stecken. Betreffs der sogenannten„Mensuren" oder Studenten» duelle beißt es in dem Artikel:„Es ist zweifelhaft, ob in einem Lande, wo militärische Gewohnheiten so tief eingewur» zeit find, die Duellpraxis ganz abgeschafft werden kann; aber nach unserem praktischen Sinn und nach dem Urtheil aller ver« ständigen Leute in Deutschland selbst, ist die Mensur— wohl zu unterscheiden von dem emsthafteren Duell mit Säbel und Pistolen, welches unter das Strafgesetzbuch fällt— kindisch, trotz ihres förmlich schreckhaften Scheins, und herabwürdigend (oblläisb desxite its ghastliness, and degrading). Trotzdem gehen viele Deutsche durch's Leben, ohne ihre Anficht zu ändern. daß daS„Pauken" der Studenten eine edle Einrichtung sei, und daß die Untverfitäten anderer Länder, namentlich die eng» lischen, der ritterlichen Mannhaftigkeit ganz entbehren. Der Artikel weist dann auf die neuerlichen Versuche hin, das deutsche Studentenduell auch des letzten Restchen von Ge« fährlichkeit zu entkleiden, und schließt:—„Der unter dem kritischen Auge der sämmtlichen Korpsstudenten bewiesene „Muth", namentlich bei ungleichen Paukereien, wo es oft einen förmlichen Regen von Wunden giebt, ist jetzt in gewisser Hinficht die einzige Lichtseite(Na! Na! Keine Uebettreibung!) des faulen und schlemmerischen deutschen Studentenlebens, und es muß daher abgewartet werden, ob d r paukende Student eine Reform verträgt, welche unzweifelhaft der seinen höchsten Stolz bildenden Einrichtung das Mal der Lächerlichkeit auf- drücken würde." Wir glauben, daß es ihr bereits aufgedrückt ist. Leider geht's mit dem Studentenduell ähnlich wie mit dem Offiziers» vuell. Es wird von oben herab begünstigt. Wenn unsere Studenten fich im Großen uud Ganzen gleich den englischen und amerikanischen mit emsten Dingen beschäftigen würden, statt in Trunksucht und Rohheit ihre Energie zu vergeuden, und dann schließlich sklavisch für'S Examen zu„büffeln", woher sollte der Staat seine gefügigen Beamten nehmen? Die wil« besten Kneiper und Pauker geben bekanntlich die zahmsten Staatsbürger und maschinenmäßigsten Beamten. Es ist also Methode und guter Grund in der Schonung und Pflege de? Studentenduells und dessen, was drum und dran hängt. Haltern, 16. Dezember. Eine scheußliche Rohheit wurde in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend auf der GlashMe zu Halter verübt. Während einer kurzen Pause hatten zwei Jungen im Alter von 13 und 14 Jahren zum Ausruhen in einem Kühlofen auf's Stroh sich gelegt. Ein roher Bursche schlich bald darauf an den Ofen heran, um folgenden Streich zu spielen. Trotzdem er verschiedene Male von dem Meister gewamt wurde, hatte er unbemerkt eine glühende Kohle hinein« geworfen und die Thür zugeschoben. Im Nu stand das Stroh in Flammen. Auf das Geschrei der beiden Knaben wurde die Thür aufgerissen; der eine hatte fich durch eine Luke deS OfenS geflüchtet, wogegen der Andere vbrn aus der Flamme heraus- gezogen wurde. Letzterer war derart mit Brandwunden dedeckt, daß die Ueberfühmng inS Krankenhaus stattfinden mußte. Die Haare waren total verbrannt, daS Fleisch der Wangen sowie der Arme war thetlS verkohlt, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der erster« kam mit leichten Wunden davon. Der 16 Jahre alte Thäter ist verhaftet. Mater. Ovenrhau». Heute: Di« Hugenotten. Echauspteltiau». Heute: Die Rantzau. Deutsche» Theater. Heute: Das Käthchen von Heilbronn. Krtedrich'WitheltnftSdttsche» Theater. Heute: Pariser Lebm. Rettdeut-Theater. Hmte: Clara Soleil. Vorher: Die Schmreiterin. Wallner-Theater. Heute: Unter uns. Hierauf: Der Vielgeliebte. velle-Allianee-Theater. Heute: Kyritz-Pyritz. Walhalla-Operetteu-Theater. Heute: Der Jagdjunker. Vtktoria-Theater. Heute: viefsalina. Central-Theater. «lte Jatobstraße 32. Direktion: Adolph Ernst. Heute: Keine Vorstellung. Ofteud-Theater. Heute: Keine Vorstellung. Theater der Reichshalle». Säzltch: Aufreten sämmtlicher SpezialttStm. American-Theater. Millich: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Kausrnaun'S Tariert Täglich; Große Spezialitäten-Vorstellung. Aoukordia. Täglich: Auftreten fämmllicher Spezialitäten und theatralische Lorstellung._ Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute Mittwoch und morgen Donnerstag: Keine Vorstellung. Am 1. Feiertage: Der verkaufte Schlaf. Weihnachtsmärchen von Dr. Ed. Jakobson. Am 2. Feiertage, Vormittags von 12—2 Uhr Große Matinee zum Besten der Unterstützungskaff: hilfsbedürftiger Bühnenangehöriger. Vor der Vorstellung: Großes Konzert der HauSkapelle. Anfang deS Konzerts Wochentags 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Anfang deS Konzerts Sonntags 6 Uhr, der Vorstellung 7'/, Uhr. Ton» haben Wochentags Giltigkeit und find im Theaterbureau (12—1 Uhr) gratis zu haben._ ■ �Tr| Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bis 10 U. Ab. wTMlTW Kaiser-Panorama. Sfif n. Abth. Amerika-Kalifornien. Der Mond. Eine Wanderung durch d. Berner Oberland. WeihnachtS- Ausstellung: Das Leben Jesu. Jerusalem. Hertha» Reise.— a Reise 20 P g.. Kinder nur 10 Pf. Jif„V Oranien Bad ,r&; 44 Oranien- Straße 44, zwischen Moritz Platz u. Oranten-Platz. Preise: 1 Wannenbad I. Kl. 75 Vf., Abonnement 5 St. 3 M. 1 Wannenbad EL Kl. 50 Pf.. Abonnement 8 St. 3 M. Douchen, Salz u. Schwefelbäder.(250] Volkmar Welzer. Wo speisen Sie? In der ersten alten Pommerochen Küche b. Klein, jetzt Oranienftraße 181, Hos Part. Gediegener Mittagstisch mit Bier 50 Pf. Abendtisch in großer Auswahl von 30 Pf. an. Ange« nehmer Aufenthalt mit Billard.__ fteffoncunt zur ersten Pommerslken Knike, Oranien-Etraße 50.[114 Kräftiger Mittagstisch mit Bier 50 Pf. 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