Ur. 301. Donnerstag» de« 24 Dezember 1885. II. Jährte il erliimMMl Brgsn für dir Interessen der Ardritcr. 4 ... tSgli» K«lw frei m# Psstabomlemyü 4 Da«»«Werl,»er VolksblatS» Morgen» außer«ach Sonn» und Festtage«. —..titT. w.*. rm»---- tti JC< r» r Wonnementspret« i au« vierteliährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 s —"•"~---- Sonntag«-Nummer mit illustr. Beilage 10 l Einzelne Nr (Singetrage« in der ..... 5 lstf.......---- y—.iiii...........-----|_- Po�eitu»g«prei«liste für 1885 unter Nr. 746.) Jnfertiousgebühr betrügt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi» 4 ÄI Rachmittag» w der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annovee«- Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. STTT. Redaktion: Kenthstraste 2»— Grpedttion: Zimmerstraste 44. TtNiM iwET Abonnements� Einkaäung. Zum bevorstehenden VierteljahrSwcchsel erlauben wir un«, alle Arbeiter Berlins zum Abonnement auf das „Kerliner UolKsbintt � mit der Gratisbeilage .»Jllnstrirtes Sonntagsklatt" einzuladen. Wer der Sache der Arbeiter dienen will, helfe ein Unter- nehmen befestigen, welches destimmt ist, die berechtigten For- derungen und Wünsche der Arbeiter zum Ausdruck zu bringen. Suche ein jeder von unseren biiherigen Anhängem, in dem Ki eise seiner Freunde und Bekannten das„Berliner Volksblatt" zu verbreiten und sehe darauf, daß jeder neu ge- fundene Gefinnungsgenoffe sein Versprechen, zu abonniren, auch wirklich hält. Unsererseits werden wir bemüht sein, den Inhalt unseres Blat-es immer reichhaltiger zu gestalten. �„Werfiner Aolksölatt" kostet für daS ganze Vierteljahr frei inS HauS 4 Mark, für den Monat Januar 1 Mark 35 Pf., pro Woche 35 Pfg. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, sowie von der Expedition unseres BlatteS, Zimmerftr. 44, entgegengenommen. Für außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für daS nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark entgegen. Die Redaktton und Expedition de«„Berliner Volksblatt". Das Uiuisterium Tlemeuceau. Die französische Presse spricht so viel von einem Mi- «isterium Elemeuceau, daß ma« annehmen muß, ein solche« werde über kurz oder lang eine Thatsache sein. Wenn Herr Trcvt) am Ruder bleibt, so wird e« ihm sicherlich schwer fallen, den radikalen Politiker zum Leiter der Staatsge- schäf.e zu ernennen. Zwar hatte Herr Grevy in seine» jungen Zahre» selbst sehr radikale Anwandlungen, allein mit der Zeit hat er sich mehr konservativen Anschauunge» zuge« »eigt und ist somit ganz die Persönlichkeit geworden, welche die französische Bourgeoisie auf dem Präsidentenstuhl der Republik braucht. Wir müssen gestehen, daß un« dieser „honette" Advokat au« dem Zura weder als Präsident der Kammer noch als Präsident der Republik jemals imponirt hat. Gegenwärtig wird ihm die Neugestaltung der inneren Politik viel Kopfzerbrechen machen. Der HauS- backene Brisson war ganz der Minister, der zu «Bi»««.] gfettiCCefon. Di- Ka«d der Uemefis. Roma« 61> von Ewald Nugust KSaig. (Fortsetzung.) Ei« heisere« Lachen war die Antwort Rabe'S, er dachte an seine Rache, mit dem Assessor zugleich sollte sie auch Arabella treffen. .Die Herrlichkeit wird rasch ein Ende nehmen," � �„Wenn Sie etwa« Näheres erfahren wollen—" Ich danke, was kümmert mich die Angelegenheit!" „Der Herr Oberst soll heute Morgen eine sehr ernste Unterredung mit der Frau Generali» gehabt habe», und zwar über Sie." „Hat Franzi«!» wieder spionirt?" „Sie hat nur Zhre« Namen gehört, da« Uebnge konnte sie nicht verstehen." „Sie soll sich schäme«—" „Verzeihen Sie, Herr Rabe, wenn Spioniren ein Talent ist, so haben Sie bei Franzi«!» diese« Talent ge« weckt und ausgebildet, wir mußten ja Alle spioniren, Sie wollten e«." W■«( „Unverschämter!" brummte Rabe, al« der Kammer- dien er nach diese« Worten hinausgegangen war.„Warte »ur acht Tage, dann bin ich über alle Berge, und Du kannst eiuen»»der« suchen, der so thöricht ist, Dir die Taschen zu füllen." Er erhob sich und öffnete seinen Koffer, deffen Inhalt hastig auspackte. Er hatte sich nicht getäuscht, auf dem Boden de« Koffer« fand er die Schlüssel zu dem etserne» Schrank«, ein triumphirender Zug glitt über setn Tahle« Gesicht, während er sie in die Tasche steckte. . Sobald sich jetzt die günstige Gelegenheit fand, konnte uer Plan ausgeführt werden. Er kreuzte die Arme auf der Brust und wanderte dem hausbackenen Präsidente« Grevy paßte. Wen» Clemen- ceau Mmisterpräfide«t wird, so kommt eine demokratische Richtung an'« Ruder, die sich bald genug gegen da» Institut der Präsidmtschaft selbst richte« und damit den Ast absäge« wird, auf dem Herr Grevy sitzt. In der That ist die Präsidentschaft in Frankreich schon jetzt nur»och ein wesen- lose« Schattenbild. Daran können die Hofnachrichte», die tagtäglich m den offiziösen Pariser Blätter« stehen, nicht« ändern. Die Frage, ob ei» Ministerium Clemenceau möglich sei, wird vielfach erörtert und wir gehören zu denen, die sie mit Ja beantworten. Warum sollte ein Ministerium Clemenceau denn nicht möglich sein? Eine andere Frage wäre, ob ei» solches von Dauer sei« könnte, und das hängt unsere« Erachten« allei» von der Haltung de« Herrn Clemenceau selbst ab, wenn ihm die Leitung der Regie- rungSgeschäfte anvertraut werde« sollte. Alle die Regie- rungen, die bisher in Frankreich au« den republikanischen Oppositionsparteien genommen worden sind, haben die Ver- sprechungen, die ihre Mitglieder als Oppositionsmänner machten, in keiner Weise erfüllt. Am evidentesten war die« beim Ministerium G a m b e t t a der Fall. Wen« Herr Clemenceau darin einmal eine rühmliche Ausnahme machen wollte, so würde die« für Frankreich sicherlich kein Un- glück sein. Un« scheint, die Aufgaben einer volksthümlichen Re> gierung in Frankreich wären folgender Art: DaS Erste wäre die Einstellung der kostspielige« und gefährlichen Abenteuer in Ostasie«. An diesen hat Niemand ein Interesse, al« die militärischen Aben- teurer, die auf diesen Zügen Ruhm und Reich- thum zu erlangen hoffe» und die Börsenbarone, die zu diesen Abenteutrn die Gelder vorschießen und sich vom französische» Volke dafür schwere Zinse« zahle« lassen. Die Republik braucht nicht die„Gloire" welche die Napoleon« nöthig hatten und mit der sie eben doch nicht auf die Dauer bestehe» konnten. Die Republik braucht Frieden und Wohlstand im Innern uud e« wäre gut, wenn end- lich eine Regierung käme, die die» begreifen wollte. Da« Andere wäre eine durchgreifende Reform der Steuergesetzgebung. Die armen und arbeitenden Klassen müssen mittelst einer indirekten progressiven Ein« kommensteuer, die zugleich die Beiseitigung der indirekte» Steuern bedingt, entlastet werde». Sodann wäre erforderlich eine durchgreifende Schul» und UnterrichtS-Reform. Man bat in diesem Punkte in Frankreich schon viele schöne Worte gehört, hinter denen die Thate« leider sehr zurückgeblieben sind. Herr Paul Bert namentlich hat den Franzose« viel schöne Bil- der an die Wand gemalt von den Wirkungen lange auf und nieder, über den Plan, den er bereits ent« worfe« hatte, nachdenkend. Dann und wann blieb er am Tische stehen, um ein GlaS Wein zu trinken, er that es mechanisch, mehr aus Gewohnheit als Bedürfniß. Der Abend dämmerte schon, eben wollte Rabe nach dem Glockenzuge greife«, um Licht zu fordern, al« die Thür« geöffnet wmde und der Zimmermann Siebel «intrat. Beim Anblick diese» Mannes trat Rabe erschreckt zu- rück, aber im nächsten Moment loderte der Zor» wild in ihm auf. „Wa« wollt Ihr hier?" fragt« er barsch.„Wer hat Euch erlaubt, mich hier aufzusuchen?" „Sachte, sachte," erwrderte Siebel begütigend,„wen« Sie nicht zu un« kommen—" „Dazu hatte ich in den letzte» Tagen keine Veran- lassung!" fiel Rabe mit wachsender Erregung thm in'« Wort.„Euer Schwager will ja auf meine Idee nicht eingehe», er ist ein Dummkopf, der nicht« Besseres al» Ar- muth und Elend verdient." „Na, er ist ein ehrlicher Man«," antwortete Siebel, während er sich auf eine« Stuhl niederließ,„so sehr Übel kann ich'« ihm nicht«ehmen. Mit mir läßt sich eher ei» Wort rede»!" „Ich wüßte nicht, was ich mit Euch zu reden hätte!" „Dan» will ich auch gleich wieder gehe», ich falle nicht gerne lästig. Uebrigen« will ich Ihne» doch rathea, nehmen Sie sich in Acht, ma» ist der Korrespondenz schon auf die Spur gekommen." „Bleibt!" rief Rabe rasch, al« er sah, daß der Zimmer- man» sich erhebe« wollte.„Was ist geschehen?" „Man hat den Gefangenen vifitirt!" „Und auch etwa» gefunden?" „Nur die Photographie." „Dann hat Euer Schwager geplaudert." „So dumm ist er«u» doch nicht," erwiderte Sibel,„er wird sich nicht selbst an den Galgen bringen." „Dana habt Ihr e» gethan!" sagte Rabe erregt. einer radikalen Unterrichtsreform; allein die Wirklichkeit bleibt hinter seinen Idealen in geradezu abschreckender Ferne zurück. Ein Staatsmann, der die Energie besäße, den Franzosen eine wirkliche Unterrichtsreform zu geben, würde auch endlich dahin gelangen, der wühlerischen Geistlichkeit de« Boden abzugraben und die jetzt so Vielen unmöglich er» scheinende Trennung von Staat und Kirche vorzubereiten. Die Hauptaufgab« einer volksthümlichen Regierung i» Frankreich aber wäre eine umfassende und energische Sozialreform, die ernst genug gemeint sein müßte, um nicht an den Rücksichten auf die Spezialinteressen der herrschenden Klassen zu scheitern. Alle bisherigen republika- nischen Regierungen haben die Interessen der so sehr be- drängten Arbetterschaft nicht nur vernachlässigt, sondern auch in den meisten Fällen geradezu ignorirt. Man denke nur au die geradezu alberne Haltung des KabinetS Ferry den Arbeitern gegenüber. Wir wissen ganz wohl, daß zu einer wirklichen Sozial- reform Muth gehört, aber wenn Herr Clemenceau diesen Muth nicht hat, so soll er lieber die Regierung nicht über- nehmen. Der NormalarbeitStag, der in Frankreich nur auf dem Papier steht, müßte endlich zu einer Thatsache gemacht und die Arbeiterbevölkerung gegen übermäßige Ausbeutung geschützt w erden. Was wir unter wirklicher Sozialreform verstehe», brauchen wir hier nicht erst zu wiederholen; wir haben das schon oft genug in diesen Blättern auseinander« gesetzt. Die französischen Ardeiter werden in diesem Punkte wohl kaum anders denken, denn die deutschen. So hätte eine radikale Regierung wohl Gelegenheit, in Frankreich eine wohlchätige Umgestaltung der offen t* liche« Verhältnisse anzubahnen und zwar auf friedlichem Wege. Ob Herr Clemenceau der Mann dazu ist, wisse» wir nicht. Wenn eine Regierung in Frankreich volkSthÜm- lich werden will, muß sie ganz andere Wege einschlagen, als die bisherigen. Sonst wird Herr Clemenceau bei de» skeptischen Franzosen einfach den Weg der Gambetta, Ferry u. s. w. wandeln und bald verbraucht sein. Politische Uekerstcht. Entmündigung und Zwangshetlung werden vom Verein gegen Mißvrauch geistiger Getränke für Gewohnheitstrinker verlangt. Reben den Verschwendern und den Geisteskranken sollen die Gewohnheitstrinker in dem künstigen Zivilgesetzbuch des Deutschen Reiches der Ehre theil- hastig werden, daß man sie einem geregelten Entnündigungs- verfayren unterwerfen kann, sowohl was ihre Vermögensrechte» wie was ihre unumschränkte persönliche Freiheit betrifft. AlS Gewohnheitstrinker soll gelten, wer„dem regelmäßigen oder dem periodischen Trunk notorisch in dem Maße ergeben ist» daß er seine Selbstbeherrschung und die Fähigkeit, seine Ge- „Ich? Soll mir nicht einfallen! Ich denke mir, der Gefangene hat sich selbst verraihen." „Wie wäre das möglich!" „Der Untersuchungsrichter soll ein geriebener Beamter sein, und der Amerikaner hat ja selbst erklärt, e« liege ihm nichts daran, ein offenes Gestänvniß abzulegen. Er hat auch an die Generali« schreiben wollen—" „Wenn er Eurem Schwager einen Brief an die Gene« ralin giebt, dann soll dieser Brief mir überliefert werden, hört Ihr?" sagte Rabe befehlend.„Der Mann bringt sich selbst in's Unglück, er sollte sich gedulden und abwarten." „Bis er im Zuchthaus sitzt, wie?" „Ach was, er ist noch nicht verurtheilt—" „Er wird auch nicht freigesprochen werden, und sobald er da» merkt, wird er dem Untersuchungsrichter Alles ent« hülle». Er hat das meinem Schwager wiederholt gesagt und dabei Drohungen gegen Sie und meine Frau fallen lassen. Wisse» Sie, was das Beste wäre?" Rabe hielt in seiner Wanderung inne, mit fieberhafter Spannung ruhte sein Blick auf dem robusten Manne, dessen Züge er in der Dämmerung kaum noch unterscheiden konnte. „Sprechen Sie!" sagte er befehlend. „Mau müßte de» Kerl um die Ecke schaffen," erwi» bette Siebel mit gedämpfter Stimme. Rabe trat näher. „Wie könnte da« geschehen?" fragte er leise. „Na, ich habe schon oft gehört, daß Jemand sich im Gefängniß da« Leben genommen hat" „Der Amerikrner wird es nicht thun." „Das glaube ich auch nicht, aber er könnte e« ja thun, ohne e» zu wissen." „Ihr müßt Euch deutlicher ausdrücken." „Sie wollen mich nicht verstehen," sagte der Zi«- mermann kopfschüttelnd.„Ich glaube, wenn man ihm eine Flasche Wein in'» Gefängniß schmuggelte, würde er sie trinken." „Da» wäre möglich." „Und der Wem könnte ihm den Tod bringen!" schatte zu besorgen, mehr oder weniger verloren hat. seine Pflichten vernachläsfigt und fich und seiner Umgebung gefährlich wird." Aber nicht jeden so zu charatterifirenden Freund deS dämonischen Gelränts soll der Richter entmündigen und zur Trinkerheilanstalt vcrurtheilen, sondern nur dann, wenn dies„im einzelnen Falle, aui Rückficht auf die Familie oder das öffentliche Wohl unbedingt geboten" erscheint. ES wird nun kaum Jemand etwas dagegen einwenden können daß man einen Trinker, der seinen Mitmenschen ge» fährlich wird, unschädlich zu wachen sucht. Aber schwer dürfte zu entscheiden sein, wo diese Gefühl lichleit anfängt. Es kann Jemand regelmäßiger oder periodischer, also Gewohnheits» trinker sein, obne dabei die Selbstbeherrschung einzubüßen oder gar seinen Mitmenschen gefährlich zu werden. Wer soll schließlich entscheiden, wo das Entmündiaungsverfah' en oder die Zwangsheilung Platz greifen muß? Der Richter? Nun, dieser wird fich immer auf Sachverständige berufen müssen und als solche werden jedenfalls Mediziner gelten sollen. Das wird aber ein schönes Tohuwabohu werden. In Betreff der Eni- mündigung dürften schließlich noch die Befitzlosen am besten wegkommen, weil fie davor ffcher flnd, daß Habsucht und Geld« gier die Motive werden können zu einem Antrage gegen fie auf Entmündigung. Eine herrliche Perspektive eröffnet fich aber den Befitzenden. Ihnen kann eS gar leicht pasfiren, daß fie auf Antrag eines Verwandten oder gar des eigenen geld- gierigen Kindes entmündigt werden. Da der Begriff„Gewöhn- hei strinker" kein feststehender ist, so könnte es fich nur zu leicht ereignen, daß ein findiger Arzt einen Trinker für unzurechnungs- fähig erklärte, obgleich derselbe weit mehr Vernunft zeigte, als der Herr Dottor oder Phyfikus jemals hinter seinem dicken Schädel aufzuweisen hatte. Es ist ja schon mehrfach vorge- kommen, daß ganz vernünftige Menschen von Dummköpfen mit Doktortitel für verrückt erklärt worden find. Die Zwangs- erzichung und die persönliche Freiheit kämen besonders für die Be- fitzlosen in Frage. Auch hier würde die Entscheidung ficher in den Händen der Aerzte liegen, da für den Richter doch immer das Urtheil deS Sachverständigen maßgebend wäre. Daß auch hier fich„Jrrthümer" auf Jrrthümer häufen würden, liegt auf der Hand. Um festzustellen, ob ein Trinker seinen Mit- menschen gefährlich ist, wäre daher ein ganz anderes Verfahren nothwmdig. Die Schwärmer für Entmündigung und Zwangs- verfahren würden übrigens besser thun, zunächst den Ursachen des UedelS auf den Grund zu gehen, fie würden dann finden, daß der Hebel zunächst an anderer Stelle angesetzt wer- den muß. Gegen die russische Barbarei wenden fich jetzt auch konservative Blätter. Das brave„Deutsche Tageblatt" ist ent- rüstet, daß„Institutionen, die fich Jahrhunderte lang dewährt und den Ostseeprovinzen die allseitig anerkannte Höhe in in- telligenter und wissenschaftlicher Hinstcht gefichert haben, abge- schafft werden, um morschen, faulen, rusfischcn Einrichtungen Platz zu machen, an denen ganz Rußland krantt." Aber— so fährt das Blatt fort— so ernst und trübe auch die Thatsache ist, ihre Ausführung reizt durch den Uederetfer, der hier und da darin entwickelt wird, doch bisweilen zum Lachen. So hat z. B. vor einigen Tagen der Gouverneur von Esthland, Fürst EchahowSkoi, der fich überhaupt durch besonders hochgradige Deutschenfrefferei hervorthat, um mit dem jetzigen Justizministcr Manassein ein„edles Bruderpaar" zu bilden, sämmtliche deutschen Fahrpläne und Anzeigen, die bisher friedlich neben den rusfischcn hingen, vom Bahnhof in Reval entfernen lassen. Dadurch ist also jedem nichtrusfischen Unter- than, der der Entzifferung russtscher Hieroglyphen unkundig ist (und daS ist wohl die sehr überwiegende Mehrzahl), die Mög- lichkeit entzogen, fich über die Angelegenheiten des wichtigsten Verkehrsmittels zu informiren. Echt rusfische, weil überflüsfige Barbarei! In Reval hat vor Kurzem ein Gesangverein das Oratorium„Die letzten Dinge" von Spohr aufgeführt und wollte dazu, wie üblich, auch deutsche Tertbücher drucken und v er th eilen lassen. DicS wurde aber vom Gouverneur im Em- verständniß mit dem Zensor verboten, weil in diesem Text einmal das Wort„T y r a n n" vorkommt. DaS ist buchstäblich m�Das konservative Blatt beschränkt fich auf Mitthcilungcn der beiden„lustigen" Geschichten. Das„Lustige" besteht wohl darin, daß auch solche Deutsche in Rußland, wenn fie fich zu lustig darüber machen, eineS schönen Tages nach Sibirien verschwinden könnten, oder wenn siedenWegüberdre deutscheGrenze fänden, von deutschen Gen- darmen der russts ch en B ar b a r ei zurückaelie« fert würden. DaS Letztere findet ja auch daS„Deutsche Tageblatt" ganz in der„Ordnung". Ueber den geplanten Wollzoll äußerst stcheinkon. servatives sächfisches Blatt in folgender drastischer Weise: Deutschland kann die Masseneinfuhr ausländischer Wolle nicht entbehren. Wollte eS seinen Wolldedarf seinen„nationalen Schafen" abscheeren. so müßte man die 19 Mrllionen Schafe auf 91 Millionen vermehren und dabei blieben noch die zwei- beinigen Schöpse unger-chnet. die auf den Ruin der deutschen Wollweberei und Tuchfabriken ausgehen. Deutsch and müßte seinen Ackerbau in Weideland umwandeln, um 91 Mrllronen „Das ist zu gefährlich!" erwiderte Rabe.„Wer wird ihm den Wein bringen?" „Mein Schwager." „Dazu ist er zu furchtsam:" Er wird keine Ahnung davon haben, was er dem Gefangenen bringt, dafür lassen Sie mich sorgen." „Und wenn der Man» todt rst, wrrd man die Wem« flafche � der Nacht trinkt, wird man erst am ander« Morgen seine Leiche finden, und mein Schwa- ger ist jedenfalls der Erste, der sie entdeckt Es liegt dann in seinem Interesse, die Flasche wleder mitzunehmen." „Aber der Verdacht wird trotz alledem auf ihn ��'Bewahrel Kann der Gefangene nicht das Gift für alle ßälle aus Amerika mitgebracht und in irgend einem STÄ M Ä» und natürlichste Lösung der Frage. An seiner Schuld wird dann Niemand mehr zweifeln!",,, Rabe blickte lange, ,n Schweige« versunken, vor � �DaS war allerdings die einfachste und kürzeste Lösung, "«... MMWUM � will mir das überlegen." sagte er«ach einer langen Pause,.aufrichtig gestanden, gefallt mir Euer Vor» schlag, Nicht, finden � auszusetzen?" fragte Siebel. „Er is�zu gefährlich." Gerade ftr'mich. Wenn nun der Gefangen eVer- dacht schöpft und den Wein nicht trinke« will? Wäre es Eibafe zu ernähren. Das bedeutet aber einen Rückgang der Bodenkultur überhaupt. Ausgedehnte Schafzucht eianet fich nur für die menschenleeren Länder Australiens, Südafrikas und Südamerikas. In Deutschland lohnt ausgedehnte Schaf- zuckst nur auf großen Gütern, deren Stoppelfelder den Schafen, obne Beeinträchtigung deS Fruchibaues, reiche Weide bieten. Wenn die preußischen Rittergutsbefitzer, die nach den Woll- Märkten den von ihnen„W o l l w a s s e r" getauften Cham pagncr in Strömen zu ttir.Ien pflegen, klagen, daß die Schaf- zuckst in Deutschland zurückgehe, so ist das an fich richtig. Dafür ist die deutsche Landwirthsckaft zur lohnenden Zucht anderer werthvoller Tdiere übergegangen. Ein Schutzzoll auf Wolle wäre eine Ungeheuerlichkeit, die fich in der Schließung von Hunderten von Tuchfabriken sofort bitter rächen würde." — Besonders bemerkenswerth ist eS, wie fich die Konservativen unter fich anschmeicheln. Dir„Sttöme von Champagner" passen allerdings trefflich zu den foriwährcnden Klagen der Junker über den Verfall der Landwirthschaft und noch besser zu den Getteidezöllen, die das Brod der Armen zu vertheuern geeignet find. Gegen das Branntweinmonopol haben fich am Sonn- abend Abend nach der„Nordh. Ztg." in Nordhausen die Branntweinfadrikanten in einer zahlreich besuchten Ver- sammlung ausgesprochen. Nach längerer Besprechung und Be- leuchtung der drohenden Gefahr eines Branntweinmonopols — eine Maßregel, welche, wie die„Nordh. Ztg." berichtet, unsere ganze Branntweinindustrie zu vernichten und damit der Stadt m unberechenbarer Ausdehnung zu schädigen geeignet sein würde— ist der Beschluß gefaßt worden, an die Reichs behördcn und den Reichstag eine Petition zu richten. In dieser Petition soll ausgesprochen werden, daß, wenn derartige in die verschiedensten Interessen einschneidende Maßnahmen getroffen werden, oder auch nur im Reichstag zur Berathung kommen, die Interessenten und zwar Produzenten, Spiritushändlcr, Spritfabrikanten, Branntweinfadrikanten und Destillateure, eingebend, entweder in Form einer Enquete oder in beliebig anderer Weise befragt werden, damit, gestützt auf diese Urtheile, sowohl der Bundestag, wie der Reichstag in der Lage sei, fich zu orientiren und den bestehenden Verhältnissen Rechnung zu tragen. Die Einführung einer Kirchensteuer in Hamburg ist von der Synode der evangelisch-lutherischen K'rchengemein- schaft daselbst angenommen worden. Eine aus 9 Mitgliedern destehende Kommission ward beauftragt, die weitere Ausarbei- tung der kirchlichen Verordnung vorzunehmen und einer inner« halb dreier Monate anzuberaumenden neuen Sitzung der Synode ihre Vorschläge zu unterbreiten. Die oppositionelle Presse in Hamburg macht gegen dieses Projekt energisch Front, weil das- selbe zur Hebung des schwer darniederliegenden kirchlichen Lebens nicht beitragen lönne. Die Ausweisungen von Ausländern werden bekanntlich demnächst im deutschen Reichstag von verschiedenen Seiten zur Sprache gebracht werden. Die offiziöse Presse nimmt des- bald wiederholt Veranlaffung, darauf hinzuweisen, daß diese Maßregel der preußischen Regierung eine durchaus nofhwendue sei. So heißt es in einem diesbezüglichen Artikel: Angesichts deS beantragten TadelSvotumS gegen die Ausweisungen polnischer Ueberläufer aus den Ostv-ovinzen Preußens mag eS an der Zeit sein, nochmals die Vorgänge in die Erinnerung zurückzurufen, welche den Anstoß zu dem Vorgehen der preußt- schen Regierung gaben. Bekanntlich hatte der mit der Leitung der Agitation deS Zentrums in Westpreußen detraute Abg. Spahn an der Hand eines reichen Zablenmaterials, welches ihm von dem bischöflichen Amte in Pelplin behufs Ver- werthung auf der Tribüne zur Verfügung gestellt war und durch welches eine starke Zunahme der katholischen und, was ziemlich gleichbedeutend ist, der polni- schen Schulkinder in W'stpreußen nachgewiesen wurde, bei der letzten Berathung des Etats des Kultusministeriums die Forderung erhoben, das Volftschulwesen der Provinz diesen thatsächlichen Verhältnissen anzupassen und demnach evangelische und paritätische deulsche Schulen in katholische zu verwandeln, wo immer die Zahl der katholischen Schullinder überwiege. Diese Forderung lief mit Rücksicht darauf, daß die meisten Katholiken dort Polen find, auf eine Polonifirung der bither überwiegend deutschen Volksschule im großen Stile hinaus. Bei den Erhebungen, welche über die Ursachen jenes Vordrin- gens des Polinthums angestellt wurden, ergab fich, daß der Grund hierfür vornehmlich in der großen Anzahl polnischer, dem preußischen Staate nicht angeböriger Eindringlinge aus den benachbarten rusfischen Landcstheilen liegt. Diese Zahl erwicS sich in ganzen Distritten als so groß, daß die Auf- nähme ihrer Kinder in die bestehenden Volksschulen, auch wenn man ihnen keinen Einfluß auf den nationalen oder konfesfio« nellen Charakter einräumte, zu einer schweren Schädigung der erziehlichen Wirkung der Volksschule führen mußte. Die bestehenden Volksschulen zeigten fich außer Stande, den Kindern jener polnischen Zuzügler den im Staatsintereffe erforderlichen Grad der Volksbildung zugäng- lich zu machen, fie waren aber auch genöthigt, um ihretwillen die Ausbildung der Kinder der staatsangehörigen Bevölkerung nicht möglich, daß er die Flasche dem Gefängnißarzt zur Untersuchung giebt?" „DaS würde mein Schwager verhindern." „Er weiß ja selbst nicht, waS die Flasche enthält." .Schadet nicht«, ehe er abgelöst wird, sorgt er gewiß dafür, daß die Flasche aus der Zelle entfernt wird. Darin sind diese Leute vorsichtig, sie müsse« es fein." „Es muß aber irgend etwas gefunden werde», worin das Gift enthalten war." „Dal ist wahr," sagte Siebel,„ich dachte daran noch nicht. Aber das läßt sich ja leicht bewerkstelligen, Sie gebe» mir ein kleines Flacon, und ich sorge dafür, daß e« in der Zelle gefunden wild. Ich übernehme das Alles!" „Auch die Besorgung des Gifte« selbst?' „Das kann ich nicht, ich habe keine Verbindungen, die mir daS möglich machen. DaS wäre auch das Einzige, was Sie übernehmen müßten!" „Und welche Bedingungen stellt Ihr?" .Ich will nicht zu viel fordern," erwiderte der Zimmer- mann,.Sie zahle« mir tausend Thaler, damit bin ich zu- frieden." „Das ist eine große Summe!" „Bedenken Sie daneben auch, was Sie dabei ge- Winnen I Wenn der Kerl plaudert, sind Sie verloren, der Untersuchungsrichter ist«in Stuckmann, und Sie wissen selbst, auf welchem Fuße Sie mit dieser Familie stehen. Der Assessor würde gar keine Rücksicht darauf nehmen, daß Sie der Bruder seiner Tante sind, im Gegentheil, er drängt den Amerikaner nur deshalb fo sehr zum Geständniß, um Sie zu verderbrn." „Woher wißt Zhr das Alles?" fragte Rabe über- rafcht. „Habe ich Ihne« nicht gesagt, daß meine Frau die ehemalige Wärterin sei?" „Da» weiß ich, aber Ihr sagtet mir auch, an dem Wohl und Wehe Eurer Frau liege Euch gar nichts." „Hm, da« hat sich geändert!" .Seit wann?" zu vernachläsfigen. So war durch die lange planmäßig be- triebene Heranziehung polnischer Elemente die asfimilirende Kraft der Volksschule lahmgelegt und der Boden für die auf plan- mäßige Polonifirung der Schule gerichteten Bestrebungen, wie fie in der Fordciung des Abaeordneten Spahn zuerst bervor- traten, geebnet. Diese letzte Seite der Sache gewinnt offenbar noch an Bedeutung, wenn man erwägt, daß hinter diesen For« derungen eine parlamentarisch so stark vertretene Partei, wie das Zentrum steht- Die Vorgeschichte der Ausweisungen illustritt den Charatter und den Zweck des freifinnigen An- träges eigenthümlich; er erscheint demnach im Lichte einer Unter- stützung der von dem Zentrum patron ifirten Polonistrungsbe« strebungen, welche die Gevenleistung für die Wahlunter stützung, die das Zentrum dem Freisinn geleistet hat, bezw. bei künftigen Wahlen noch leisten soll, darstellt. Ueber die Aufgaben der bevorstehende» Landtags- sesfion wird offiziös geschrieben: Die bevorstehende Sesston des preußischen Landtags verspricht kurz zu werden. Außer dem Etat und den zugleich verkehrS- und finanzpolitischen Vorlagen, deren Einbringung bevorsteht, dürfte von größeren organischen Gesetzentwürfen zunächst nur die Kreis- und Pro- vinzialordnung für Westfalen zu gewärtigen sein, deren Durch- berathung vorausfichtlich allerdings nicht unerhebliche Schwierig- keiten bieten wird, obwohl die meisten Prinzipienfragen beretts bei der entsprechenden Vorlage für Hannover und Hessen-Nassau entschieden wurden. Ausgeschlossen ist es freilich nicht, daß im Gefolge der ReichSgesetzgebung gesetzgeberische Aufgaden er» wachsen, wie fie in Bezug auf die Betheiligung Preußens an drm Nordostseckanal ohnehin in Ausficht stehen. Dies könnte zum Beispiel wohl der Fall sein, wenn, wie dieS vor einigen Tagen von anderer Seite angeregt wurde,— mit welchem lhatsächlichen Hintergründe vermögen wir nicht zu sagen— eine Betheiligung der Kommunen an den Erträgen der Ärannt- weinsteuer in Ausficht genommen würde. Sollte dies wirklich der Fall sein, so wäre zu wünschen, daß die gesetzgeberische Initiative dazu führte, daß mit Hilfe dieser Mittel emer organischen Reform der Kommunal« und Schullasten der Weg ge» «bnet würde. Aber auch abgesehen davon, werden ohne Zweifel die Vorbereitungen zum Abschluß gebracht, um im Falle er« ncuter Angriffe gegen die preußische Volksschule nöthigenfalls das gesetzliche Fundament derselben zu verstärken. Ausweisungen. Die Äusweisungsfrage auf der Insel F ö h r, von der wir seinerzeit berichtet haben, ist in ein weitere? Stadium gerückt, indem die Regierung zu Schleswig, wie wir den„Flen-durger Nachrichten" entnehmen, auf das Ge- such von Deutschamerikanern behufs Verlängerung ihres Aufentbalts verfügt hat, daß die gestellte Frist am 2. Januar 1886 abläuft. Rußland. Moskau, 15. Dezember. Ein geheimnißvoller Selbstmord hat vor einigen Tagen im sogenannten Transportgefängniß stattgefunden. Eine der zur Deportation bestimmten ge- fangenen Frauen, die noch in blühendem Alter stehende Edeldame Krshewezkaja, nahm Gift, ohne ihre Mtt« gefangenen auch dann, als das Gift seine Wirkung bereits zu äußern begann, durch ein Wort oder einen Echmerzenslaut etwas davon merken zu lassen. Erst als diese sahen, daß die Krshewezkaja immer bleicher und bleicher wurde und ihre Züge fich zu verzerren begannen, wurde nach einem Arzte geschickt. Dessen Hilfe kam jedoch zu spät und er konnte nur noch kon- statircn, daß alle Symptome auf Vergiftung hinweisen. Die BedauernSwerthe hat den schnellen Tod dem langsamen in den Eisgefilven Sibiriens vorgezogen. Serbien. Die serbische Regierung scheint eine außerordentliche Furcht davor zu haben, daß die Zustände des Landes öffentlich be- tannt werden. Der Wiener„N. Fr. Pr." wird nämlich aus Belgrad gemeldet: Obwohl seit Wochen fast kein einziges fremdes Blatt hier aufliegt, weil Alles rücksichtslos konfiszirt wird, so wurde dennoch der bisherige Zensor und Sektions- Chcf im Ministerium des Aeußern, Gjoka Poppovic, seines Amtes enthoben und an dessen Stelle Milenko Zujeoic als Staatsanwalt für Preßangelegenheiten mit dieser Funktion be« traut. Der neue Zensor galt noch vor wenigen Jahren als einer der enragtrtesten Sozialisten."(?) Eine? Kommentars bedarf diese Mrttbeilung nrcht.— Demnach scheint der Regie- rung die Konfiskation aller Blätter noch nicht zu genügen, mehr wird auch der neue Zensor aber nicht fertig bringen können, denn wo nichts ist, kann auch nichts konfiSzirt weiden. Großbritauuien. Was die Parnelliten unter„Home Rule" in Irland ver- stehen, bat der Abg. Mr. T. P. O'Connor, der für die reckte Hand Parnell's gilt, neulich einem Interviewer von der„Pall Mall Gazette" erläutert. Irland soll wie Kanada sein. Im Reichsparlament sollen keine irischen Mitglieder fitzen. Ferner soll Irland keine Beiträge zu den Reichsausgaben liefern und leinen Antheil an der Nationalschuld haben. „Seitdem ich weiß, wofür meine Frau bisher die Pen- sion empfing!" „Sie hat Euch Alle« mitgetheilt?" rief Rabe be- Mrzt. „Jawohl." „Das war sehr unvorsichtig!" „Im Gegentheil, fie hätte es früher thun solle», es wäre für sie und für mich besser gewesen," erwiderte Sie« bel ernst.„Ich hatte einen anderen Verdacht auf fie ge« warfen, und je mehr fie sich weigerte, mir die Wahrheit zu sagen, desto fester hielt ich an dem Verdacht. Ja, mein Herr, ich weiß jetzt Alles, und wa» ich nicht weiß, da« kann ich vermuthen. Ihre Sache steht verteufelt schlimm, und ich rathe Ihnen wohl, warte» Sie nicht, bi« der Amerikaner die Geduld verliert." Rabe stand in der Mitte des Zimmers, der letzte Schein des Dämmerlichts beleuchtete fein fahles Geficht, dessen Züge verzerrt waren. „Eure Frau war bei der Generalin," sagte er mtt bebender Stimme, die seine leidenschaftliche Erregung bekun- dete,„ich hatte ihr davon abgerathen, aber sie wollte klüger sein al« ich." „Sie war da ihrer Pension wegen!" „Sie war da, um der Generalm eine« Brief des gro« be« Wucherers zu bringen, bei dem sie wohnt!" erwiderte Rabe mit scharfer Betonung.„Sie wußte, daß ich in die« fem Briefe angeklagt wurde!" „Ob sie das gewußt hat oder nicht, darüber kann ich nicht urtheilen," sagte der Zimmermann,„sie hat mir nicht« davon mitgetheilt. Die Generali» will ihr die Pension nicht weiterzahlen, thut sie e« nicht, fo werden wir reden." „Wenn Zhr Eure Frau in« Gefängniß bringe» wollt—" .Wie wir e« anfangen müssen, um da« zu verhüten, weiß ich schon, ich bin auch nicht auf de» Kopf gefallen."?! „Fangt«S an, wie Zhr wollt, Eure Frau wird be« straft." .Wir wollen'« abwarfen." „Zhr wißt da« so gut wie ich, und deshalb habt 39* auch ein Znteresse daran, daß der Amerikaner schweigt, Lokales. Binnen wenigen Tagen wird auch die letzte Spur der ehemaligen Königsmauer vertilgt sein. Das einzige Haus. welches bisher noch in dem großen Trümmerfclde ein einsames Dasein fortfristete, ist nun gleichfalls der Vernichtung anheim- gefallen. Bereits sind-zahlreiche Bauarbeiter mit dem Abbruch desselben beschäftigt, auf dessen Trümmem bereits neues Leben erblühen wird. Was dann noch von der Königsmauer übrig bleibt, beschränkt ssch auf einige Hintergebäude der Klosterstraße in der Nähe der Königstraßc, deren Bewohner indeß dem Treiben in jener verrufenen Straße stets fern gestanden haben. Wenn man bedenkt, welche Anstrengungen es gekostet hat, um endlich zu dem jetzt erreichten Ziele zu gelangen, wie seit Jahr� zehnten sowohl von den städtischen Behörden, wie von Ver einen und Privaten an der Beseitigung dieses„Schandfleckes" der Hauptstadt mit der größten Energie gewirkt worden, dann darf man wohl mit Recht das Erreichte als ein Ercigniß von großer Bedeutung bezeichnen, daS für die Entwickelung der Reichshauptstadt sich nach jener Richtung hin als wohlthätig erweisen wird. Der Pfefferkuchen und die übrigen Süßigkeiten für den Weihnachtstisch find auch von den Wandlungen des Geschmacks nicht unberührt geblieben. Pfefferküchlcr und Konditoren haben fich zu wahren Modelleuren ausgebildet. Selbst die Pfeffcri nuß hat eine elegantere Gestalt angenommen. Am großartige sten find die Modellir- Leistungen beim Marzipan, welches ganze Stillleben und Thierszenen in buntem Hockrelief auf- weist. Fremder Pfefferkuchen kommt in großen Massen nach Berlin. aber es geht hier wie beim Bier, Berlin schickt noch mehr Pfefferkuchen hinaus, als hereinkommt. Was die höchste Kunst des Pfefferkücklers leistet, das prSsentirt fich in den Schaufenstern des Westen», in der Leipzigerstraße, der PotS- damerstraße und in der Passage. Aber die alten Jugentu Erinnerungen ruft der Osten lebhafter wach, die Frankfurter straße und deren Umgegend. Hier steht man noch den braunen, Monden Pfefferkuchen mit den eingedrückten Mandelkernen, die rothen Herzen und Tafeln mit den Sprüchen in Zuckerguß: „AuS Liebe", Wenig aber herzlich" u. f. w. bis zu ganzen Versen und endlich den bunten Baumbehang aus Schaum, den die blendenden, aber ungenießbaren GlaSfrüchte mehr und mehr verdrängen. Ueber den Plan, den Uhrendienst durch pneumatische Röhren in Berlin zu reguliren, weiß die„Voss. Ztg." fol- genoes zu berichten: Für die Stadt Berlin wird die Anlage eines großartigen Rohrnetzes für den Betrieb mit komprimirter Luft geplant, wie ein solches durch die Compagnie Generale des horloges et forces pnenmatlqnes in Paris bereits ein Crt worden ist. Nach einer„Denkschrift", die der Ver- der genannten Gesellschaft, Ingenieur Vittor Popp, so eben veröffentlicht hat, ist die betreffende Kompagnie schon vor längerer Zeit bei dem Berliner Magistrat um die Etthellung einer Konzession zur Leguna eines Rohrnetzes für den pneu- matischen Uhrendienst eingeiommen. anscheinend indessen ohne das gewünschte Ziel zu erreichen. Die Denkschrift dürfte daher den Zweck haben, über die Vortheile eineS Netzes für kompri- mirte Luft genaueren Aufschluß zu erthcllen Die nicht fehr umfangreiche Darstellung betrifft zunächst den pneumatischen Uhrendienst, betreffs dessen angegeben wird, daß die Pariser Gesellschaft in der Rur Saint Fargeau, nahe der östlichen Enceinte, ein Etablissement mit Luftkomprefforen und Reser voirS für eine Jahres-Produttion von 25 Millionen Kubik metern errichtet hat. Die Länge des Rohrnetzes für den Uhrendienst beträgt 300,000 Meter; es werden gegen 15,000 öffentliche und private Uhren der Stadt Paris geregelt. Die komprimirte Luft findet zweitens als be wegende Kraft Anwendung und zwar in Paris, wo die Konzesfion im April d. I. ertheilt wurde, hauptsächlich im Dienste der Kleinindustrie, meist für Maschinen his zu einer Pferde kraft. AuS der von den Straßen in den Häusern auf- steigenden Leitung wird dem Motor durch ein Kautschukrohr die treibende Luft zugeführt. Die Kosten einer Maschine von einer halben Pferdcttast werden in Paris zu 40 ZentimeS be- rechnet, ein Ertrag, der fich der niedrigeren Kohlenpreise wegen für Berlin noch ermäßigen soll. Die Hauptrohre von 8 Zentimeter Weite liegen in Paris nur wenig unterhalb des Bürger- steiges, da ein Einfrieren nicht befürchtet wird. Die Denk schrift deleuchtet deS Weiteren, wie diese Luftmaschinen alS DZWWMW vorräthen verwendbar ist. Endlich wird noch angeführt. daß bei Anwendung des GaSglühlichteS nach dem„Systeme pnen- sagte Rabe mit gedämpfter Stimme, aber jede« Wort scharf betonend.„Ihr wißt auch, daß, wenn die Generali» die Wahrheit erfährt, von einer Pension keine Rede mehr sein wird." „Eben darum will ich Zhnen ja helfen!" „Gut, wenn Zhr einseht, daß das in Eurem Interesse liegt! Bearbeitet Euren Schwager—" .Mit dem ist gar nichts anzufangen." „Eure Schwester ist eine vernünftige Frau." .Sie hat keine Macht über ihn, zudem ist sie kränklich, schon deshalb will sie von der Auswanderung nichts wisse». «uf diesem Felde erreichen wir nicht«, lasse» Sie es ssch gesagt sein und denken Sie über meinen Vorschlag nach." D«r Zimmermann hatte sich bei de» letzten Worte» er« Hobe». „Ich will darüber nachdenken," erwiderte Rabe, indem �fin die Tasche griff,„nehmt da« und trinkt eine Flasche Wein auf meine Gesundheit." .Zch danke, ich trinke nicht mehr!" _.Seid Zhr wirklich Eurem Vorsatze treu -pah, es wird nicht lange dauern— wollt Ihr "icht nehmen?" .Nein, ich nehme nur, was ich verdient habe." „Ihr seid ein merkwürdiger Mensch; aber wie Zhr wollt! Kommt nicht wieder hierher, e» könnte Verdacht er- wecken, die Kellner sind neugierige Burschen." 8�»?� wo werde ich Sie treffe«? Bei meiner „Nein, ich möchte dem Antiauar nicht wieder begegnen. Mndet Euch übermorgen Abend Punkt neun Uhr an der »udreaSkirche ein, ich werde Euch alsdann meinen Entschluß wmheile». Aber sprecht mit Niemand darüber, auch nicht wn Eurem Schwager, ich fürchte, dem Manne darf man «lcht vertrauen." .Er ist zu ehrlich." bleiben� wird er sein Leben lang ein Bettler gebliebe»? das Geld .Das sind Geschmackssachen/ worgeu Abend also?" spottete Siebel.„Ueber- Etellenvermittler-Kniffe. Auf eine Annonze in einer hiefigen Zeitung, nach welcher für ein größeres, nicht näher be- zeichnete« Bankinstitut ein Buchhalter und ein Korrespondent gegen hohes Gehalt gesucht, aber nur Reflettanten berückfichtigt werden sollten, die fich gegenwärtig noch in Stellung befinden, gaben, wie die„Voss. Ztg." mtttheilt, zwei Angestellte eines hiesigen Pioduklengcschäftcs ihre Adressen ab. Eine Antwort erhielten die beiden Bewerber nicht, dagegen erschien bei ihrem Chef ein Stellenvermittler, der fich erbot, für die in dem Ge- jchäft freiwerdendm Stellungen geeignete Kräfte nachzuweisen, und, als ihm bedeutet wurde, daß Vakanzen nicht vorhanden seien, als Gegenbeweis die beiden Bewerbungsschreiben der An- gestellten vorlegte. Der Prinzipal war verstandig genug, nach- dem er den Sachverhalt erfahren hatte, dem Agenten die Thür zu weisen. Für die Angestellten wird das aber eine gute Lehre sein. Der elektrische Straßenbahn-Wagen wird bekanntlich nun auch in Berlin und zwar auf der Linie Brandenburger Thor-Moadit in Betrieb gesetzt werden. Ueber dies neue System wird geschrieben: Das System des Ingenieurs Recken- zäun in London beruht auf dem Prinzip der Elettrizitäts-Er- zeugung in einer zu diesem Zweck errichteten Ladestation, welche auch gleichzeitig als Station für BeleuchtungSzwecke dienen kann. In dieser Station wird transportable elettrische Kraft gewonnen und durch Akkumulatoren dem Wagen zuge- führt, so daß derselbe mit diesen Akkumulatoren völlig unab« hänatg von der Station funttionirt. Der in der Waggon- fabrrk von Herbrandt u. Ko. in Ehrenfeld bei Köln erbaute elettrische Wagen unterscheidet fich äußerlich nur wenig von den in Berlin üblichen Straßenbahnwagen. Der Wagen ruht auf vier Achsen und acht Rädern, welche durch zwei kleine nach dem Patent Reckenzaun in der Fabrik der„Power Storaae Company" in London erbaute Dynamomaschinen vermittels einer einfachen, aber absolut ficheren, ebenfalls patentirten Transmisstonsvorrichtung in Bewegung gesetzt werden. Diese Dynamomaschinen sind unterhalb deS Wagengestells angebracht und durch isolirte Leitungsdrähte mit den Akkumulatoren ver» dunden. Das Ingangsetzen oder Anhalten des Wagens ist demnach die unmittelbare Folge der Ein- und Ausschaltung des elektttschen Stromes zwischen Akkumulator und Dynamo- Maschine. DaS Innere des Wagens wird deS Abends mit vier Stück Brush Glühlampen von je 20 Normalkerzen er- leuchtet. Die Erleuchtung erfolgt ebenfalls durch die oben er- wähnten Akkumulatoren. Ueber die Vorzüge dieses elektrischen Wagens ist noch folgendes zu bemerken: Der elektrische Wagen ist im Stande, die schärfsten Kurven zu pasfiren und vermöge seiner bi« auf 16 Pferde zu steigernden motorischen Kraft Steigungen von 1: 15 zu überwinden, so daß der bei vielen Straßenbahnlinien nöthig werdende Vorspann ver- mieden wird. Endlich hofft man, durch den elektttschen Betrieb jährlich etwa 290 000 M. zu ersparen.— Für die Aktionäre natürlich! Mittheilungen über die Bewegung der Bevölkerung der Etadt Berlin. In der Woche vom 29. v. M. bis 5. d. M. fanden 195 Eheschließungen statt. Lebendgeboren wur« den 783 Kinder, darunter 96 außerehelich. Todtgeboren waren 38 mit 5 außerehelichen. Die Zahl der Sterbefälle betrug 529. Von den Gestorbenen erlagen an Masern 9, Scharlach 5, Rose 2, Diphtheritis 35, Bräune 3, Keuchhusten 11, Kindbettfieber 4, TyphuS 4, Ruhr—, Syphilis—, Altersschwäche 20, Gehirn- schlag 16, Lungenentzündung 39, Lungenschwindsucht 76, Diarrhöe 13, Brechdurchfall 3, Magendarmkatarrh 2. Durch Vergiftung kam 1 Personen um, und zwar durch Selbst- morv.Eines gewaltsamen Todes starben 9 Personen, und zwar durch Verbrennung 1, Uederfahren—, Sturz oder Schlag 1, Erschießen 1, Erhängen 4, Ertrinken 1, andere gewaltsame Todesursachen 1. Hierunter find 3 Todesfälle durch Unglücksfälle, 6 durch Selbstmord herbeigeführt. Unter den Gestorbenen find 266 inkl. 37 außereheliche Kinder unter 5 Jahren, also 50,3 pCt. Im Älter von 5 bis 15 Jahren starben 17, 15 bis 20 Jahren 11, 20 bis 30 Jahren 29, 30 bi» 40 Jahren 38, 40 bis 60 Jahren 83, 60 bIS 80 Jahren 72, über 80 Jahre 13 Personen. Im ersten Lebensjahre starben 140 eheliche, 27 uneheliche, zusammen 167 Kinder, und zwar im 1. Monat 48, 2. Monat 22, 3. Monat 17, 4. Monat 18, 5. Monat 7, 6. Monat 6, 7. Monat 12, 8. Monat 10, 9. Monat 7, 10. bis 12. Monat 20. Davon waren ernährt mit Muttermilch 22, Ammenmilch—, Thiermilch 78, Milch- smrogaten 1, gemischter Nahrung 24, nicht angegebener Nahrung 35. In hiesigen Krankenhäusern starben 118, einschließlich 10 Auswarttge, welche zur Behandlung hierhergebracht waren, und zwar: im Elisabeth- Krankenhaus 7, Eltsabeth- Kinderhospital—, Bethanien 6, Friedrichshain 29, HedwigS- Krankenhaus 10, Jüdisches Krankenhaus 3, Klinikum 4, Univer- fitäts-Frauenklinik 6, Augusta> Hospital 6, Lazarus-Kranken- hauS 7, Militär Lazareth— Städtisches Krankenhaus Moabit 12, Charite 28. Auf die 13 Standesämter vertheilen fich die Todesfälle folgendermaßen: Berlin- Köln> Dorotheenstadt 32, Friedrichstadt 21, Friedrich, und Schöneberger Vorstadt 19, Friedrich- und Tempelhofer Vorstadt 33, Louisenstadt jenseits 68, Louisenstadt diesseits und Neu- Kölln 45, Stralauer Viertel 72, Königstadt 35, Spandauer Viertel 36, Rosenthalev Vorstadt 60, Oranienburger Vorstadt 38, Friedrich-Wilhelm- stadt und Moabit 35, Wedding 35. Die Lebendgeborenen find 31,3, die Todtgeborenen 1,5, die Sterbefälle 21,5 pro Mille der fortgeschttcbenen Bevölkerungszahl(1 302 829). Es wurden 2569 Zugezogene, 2281 Weggezogene gemeldet, so daß fich die Bevölkerung mit Einrechnung der nachträglich gemeldeten Ge- borenen um 281 vermehrt hat', die Bevölkerungszahl beziffert fich sonach am Schlüsse der Berichtswoche auf 1 303 110. Dre Zahl der in der Woche vom 6. bis 12. d. M. zur Meldung gekommenen Jnfeklions-Crkrankungssälle betrug an Typhus 20, Pocken 4, Masern 95, Scharlach 47, Diphtheritis 133, Kmd- bettfieber 6. Die größten Zahlen unter diesen Erkrankungen entfallen aus Standesamt Vll mit 76, V 33, IV tnU 32, VIII mit 25 Fällen. m„ SterblichkeitS- und Gesundheitsverhältnisse. Gemäß den Veröffentlichungen des kaiserlichen Gesundheitsamtes find in der Zeit vom 6. bis 22. Dezember von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurchschnitt berechnet, alS gestorben: in Berlin 21,2, in Breslau 26.4, in Königsberg 41,6, in Köln 21,7, in Frankfurt a. M. 19,0, in Hannover 20,7, in Kassel 22,6, in Magdeburg 22,4, in Stettin 21,9, in Altona 32,7, in Straß- bürg 23,5, in Metz 23,8, in München 27,9, in Nürnberg 32,5, in Augsburg 21,8, in Dresden 27,6, in Leipzig 24,3, in Stuttgart 20,2, in Karlsruhe 20,2, in Braunschweig 26,8, in Hamburg 32,3, in Wien 25,5, in Budapest 27,0, in Prag 27,0, in in Trieft?. in Krakau 37,5, in Basel 17,4, in Brüssel 24,0, in Amsterdam 21,9, in Pari? 21,4, in London 18,8, in Glasgow 28,8, in Liverpool 24,6, in Dublin 31,0, in Edinburg 21,0, in Kopenhagen 17,3, in Stockholm 22,9, in Christiania 18,3, in Petersburg 25,6, in Warschau 32,1, in Odessa 31,0, in Rom 24,8, in Turin—, in Bukarest—, in Madrid—, in Alexandrien—. Ferner in der Zeit vom 15. bis 21. November: in New-Uork 21,6, in Philadelphia 16,0, in San Franziska 20,4, in Baltimore 17,2, in Kalkutta 25,1, in Bombay 24,5, in Madras—.— Der Gesundheitszustand in Berlin war auch in dieser BettchtSwoche ein günstiger. Die während der Berichtswoche zumeist vorherrschenden westlichen Luttströmungen übten, obwohl fie sellener Weise von starkem Frostwetter begleitet waren, keinen ungünstigen Einfluß auf das Vorkommen von entzündlichen Prozessen der AthmungS- organe aus, denn sowohl die Zahl der Sterbefälle als die der zur Kenntniß gelangenden neuen Erkrankungeu war eine er- be blich kleinere als in der Vorwoche. Auch Erkrankungen an Keuchhusten waren nicht gesteigert. Einen wesentlichen Nachlaß zeigen Erkrankungen an Masern, die besonders im Stralauer Viertel größere Verbreitung gefunden hatten. Auch Diphtherie rief wenrger Erkrankungen hervor; namentlich hat die Zahl derselben im Stralauer Viertel abgenommen, währeud fie in der Oranienburger Vorstadt etwas größer wurde. DaS Vor- kommen von Scharlach und von Unterleibstyphus blieb ein beschränktes, so daß aus keinem Eiadttheile eine größere Zahl von Erkrankungen zur Meldung gelangten. Wohl aber kamen wieder mehrere(4) Erkrankungen an Pocken zur Anzeige. Rosenartige Entzündungen dcs Zellgewebes der Haut und Erkrankungen im Wochenbett gelangten seltener zur Behandlung. Akute Darmlatarrhe und Brechdurchfälle der Kinder blieben in normalen Verhältnissen. Erheblich seltener wurden rheumatische Beschwerden der Muskeln und auch akuter Gelenk» rheumatismus Gegenstand ärztlicher Behandlung. j. Annonzen-Schwindler. Bei der hiestaen Kriminal- Polizei laufen zahlreiche Anzeigen gegen gewisse Annonzen- Schwindler ein, welche gewöhnlich vom Auslande auS in hiesigen Blättern Inserate veröffenttichen, die unter der Spitz- marke„Lohnender Nebenverdienst" Herren und Damen auS besseren Ständen gegen Einsendung einer Anzahl von Marlen lohnende Nebenbeschäftigung verheißen. Die betreffenden Reflektanten erhalten aber auf ihre Anfragen nicht einmal Antwort, da es den Schwindlern nur auf die Postwerthzeichen ankommt. Zur Zeit wird in dieser Gaunerbranche besonders von Paris und Riga auS gearbeitet. Das Publikum möge also auf der Hut sein! Louisenstädt. Theater. Die Wiedereröffnungs- Vor» stellung am ersten Feiertage wird Flotow's„Martha" bringen und zugleich das erste Gastspiel des rühmlichst be» kannten lyrischen Tenoristen Herrn Titkary von Stadt- theater in Nürnberg. Derselbe wird am 3. Feiertag sein Gast« spiel als Tamino in„Die Zauberflüte" fortsetzen, Den 2. Feiertag hat die Direklion der settösen Oper„Joseph und seine Brüder" von Mehul vorbehalten, ein Werk, welches zu diesem Zwecke neu einstudirt worden ist. Polizei-Bericht. Am 19. d. M. Abends siel ein Mann beim Verlaffen eines Schanklokals die Treppe hinab und erlitt dabei einen Doppelbruch des rechten Unterschenkels. Er wurde zunächst nach seiner Wohnung und von dort nach der Chatttee gebracht.— Am 22. d. M. früh wuide ein Mann auf dem Flur des Hauses Drcsdinerstr. 19 plötzlich vom Schlage ge- troffen und verstarb auf der Stelle. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft.— Am Nachmittage desselben Tages aerieth der Kutscher Kutzner am Tempelhofer Berg beim Umwenden seines Wagens unter die Räder, wurde überfahren „Punkt neu» Uhr." „Zch werde mich einfinden, gute« Abend." Rabe erwiderte den Gruß nicht, sein starrer Blick ruhte lange auf der Thüre, die der Zimmermann fast geräuschlos hinter sich zugezogen hatte. „Das wäre der Dritte!" murmelte er.„Mir graut davor, und dennoch werde ich müssen! Zurück kann ich nicht, also vorwärts!" Er strich mit der Hand über die Augen und zog heftig an der Glockenschnur. „Licht und eine Flasche Bordeaux!" rief er dem ein- tretenden Kellner entgegen. Beides wmde gleich darauf gebracht, Rabe füllte da« und trank e« auf einen Zug aus. seine Hut Glacee- auf den „Wir werden drüben wieder aufleben!" sagte er. Wenn man nur Geld in der Tasche hat, findet man überall eine Heimath und eine lustige Gesellschaft. Ella von Lossow? Pah! Zoseph nannte sie einmal eine Hopfen- stange, der Bursche hat Recht, ich begreife nicht, daß ich mich überwinden konnte, ihr die Schmeicheleien zu sagen. Gefesselt an sie, geknechtet von ihr und ihrem Vater, der Beiden willenloser Sklave— der Kukuk auch, da» wäre das Lebe« eine« Hundes gewesen-- Sie kommen mir gerade recht, Barnekow, ich würde Sie jedenfalls heute Abend aufgesucht haben!" „AuS besonderen Gründen?" ftagte Herr von Bar- nekow, der inzwischen eingettete» war und jetzt dem Freunde gegenüber stand. „Zawohl, au« sehr besondere» Gründen!" erwiderte Rabe scharf.„Sie find indiskret gewesen, Barnekow!" „Inwiefern?" „Welche» Znteresse hatten Sie dabei, meine Spiel- chulde» an die große Glocke zu hängen?" „Das sollte ich gethan haben?" antwortete Barnekow opfschüttelnd.„Zch begreife kaum, daß Sie das glaube« können." „Wer anders hätte es thu» können?" „Bitte, wer hat Ihnen davon Mittheilung gemacht?" „Herr von Lossow; er wußte sogar ganz genau, daß ich in einer Nacht sechstausend Thaler an Sie verloren hatte." Herr von Barnekow zog langsam Handschuhe au« und legte sie neben seinen Tisch. „Und da glauben Sie, ich müsse ihm das gesagt haben?" erwiderte er.„Waren nicht unsere Freund« zu» gegen? Kann nicht einer von diesen die Sache verrathen haben?" „Möglich wäre da« allerding», aber ich glaube nicht, daß einer von ihnen über die Höhe der Summe so genau unterrichtet war." „Hm, ich weiß da« nicht, aber e« ist mir aufgefallen, daß man sich in der letzten Zeit so angelegentlich nach Zhnen erkundigte." „Nach mir?" fragte Rabe überrascht.„Bei Zhnen?" „Bei mir gerade nicht, aber bei unseren andere« Be- kannten. Man will wissen, wie und wovon Sie lebe«, und mit wem Sie verkehren—" „Zetzt errathe ich Zweck und Ursache schon," unter- brach Rabe ihn.„Herr von Lossow hat jedenfalls die Güte gehabt, mir diese Spione auf de« Leib zu schicken." „Hat er Zhnen die Leviten gelesen?" „Barnekow, ich denke, Sie werde« mich kennen! Zch lasse mich nicht bevormunden, und deshalb habe ich ihm auch den Bettel vor die Füße geworfen." „Was? Die Verloburg haben Sie selbst gelöst?" „Glauben Sie, ich geize nach der Ehre, der Familie von Lossow anzugehören?" spottete Rabe. „Nach dem Bruch mit der Generali» war diese Verbindung Zhre letzte Hoffnung," erwiderte Barnekow, der au« seinem Erstaunen kein Hehl machte. „Zch gebe da« zu," sagte Rabe mit scheinbarer Gleich- giltigkeit,„aber Demüthigungen lasse ich mir darum doch nicht gefalle«. Zch sage Zhnen da« unter un». Barnekow, und ich vettraue darauf, daß Sie keinen Gebrauch davo» machen." (Fortsetzung folgt.) ■ A. wb erlitt tatet sckwere Verletzungen, so daß er nach Wnet Wohnung gebracht werden mußte.— An demselben Nach« mittage wurde der Maurer Pealow, alS er auf dem Aktien- Viehhofe unaufgefordert einen Eisenbahnwagen an die Autlade« rampe schieben half, von demselben gegen die Rampe gedrückt und erlitt dabei so schwere Quetschungen, daß er etwa eine Stunde darauf verstarb.- An demselben Tage Abends wurde ein junger Mann in seiner Wohnung in der Tieckstraße erschossen auf dem Eopha fitzend vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft. Gerichts-Zeitung. Der Agent Angelo dt Dio war gestern auS der Unter« suchungshaft vor die 87. Abtheilung hrefigen Schöffengerichts vorgeführt, um fick auf eine Anklage wegen Betrugs in 25 Fällen und eines Falls der Unterschlagung zu verantworten. Der Angeklagte gab fich für den Direktor deS„Mikroskop, internationales Auskunft- und Detektiv-Bureau, Hauptagenturen an allen europäischen Plätzen" aus und veranlaßte durch diesen hochtrabenden Titel und durch die Vorspiegelungen, daß er tausende von Abonnenten befitze, u. A. 25 Raufleute zur Abnahme von Abonnementsbüchern für je 10 und 15 Mark. AuS dem Zentralbureau Friedrichstr. 214 wurde der Anaeklagte wegen Nichtzahlung der Miethe exmittirt, und dieses Schicksal ereilte den Angeklagten auch in allen übrigen Wobnungen, die er dezogen hatte, so daß er schließlich überhaupt nicht mehr auffindbar war. Die Anklage behauptet nun, daß die 25 Kauf» leute sich nur durch den hochtrabenden Titel des Instituts und die falschen Vorspiegelungen deS Angeklagten zur Abnahme der Abonnementsdücher haben bewegen raffen. Die Unter« schlagung hat der Angeklagte dadurch begangen, daß er für einen Kunden Gelder eingezogen und nicht abgeliefert hat. Der letzten That ist der Angeklagte geständig, der Betrugsfälle will er fich nicht schuldig gemacht haben. Da die Zeugen nicht geladen waren, mußte die Sache vertagt werden. Gegen die„Volks-Ztg.", vertreten durch deren Redakteur Hermann Holdheim, wurde gestern vor der ersten Strafkammer hiefigen Landgerichts I eine Anklage wegen Beleidigung des Ministers der öffentlichen Arbeiten, Maybach, verhandelt. In« kriminirt ist ein in Nr. 213 vom 12. September er. enthaltener Lokalartikel, zu welchem, anknüpfend an die Thatsache, daß daS Abonnement auf die von IDr. Angerstein herausgegebene Wochenschrift für deutsche Bahnmeister, weil ste daS Mißfallen einielner höherer Beamten erregt hat, den Bahnmeistem ver» boten worden sei, einige Raisonnements gemacht find. ES ward hervorgehoben, daß das Blatt bisher keinen Prozeß ge« habt, sonach höchstens einzelne Artikel wegen ihres vielleicht nicht ganz zutreffenden Inhalts den Anstoß veranlaßt haben. Anstatt aber die Aufnahme von Berichtigungen zu fordern, sei «s bequemer befunden, lieber das Blatt zu verbieten. Da« durch wurden die Beamten aber nicht belehrt, sondem höchstens bei ihnen eine Unzustiedenbeit erweckt, welche sie schließlich in die Arme der Sozialdemokratie trieben. Am Schluß wurde mitgetheilt, daß der Verleger deS betroffenen Blattes beim Minister Beschwerde erhoben habe, damit derselbe vorgekom« mene Uebergriffe der höheren Beamten rektifizire. Durch diesen Artikel hat Minister Maybach fick beleidigt gefühlt und Strafantrag gestellt.— Staatsanwalt Oppermann erachtet'.die Beleidigung des Ministers für zweifellos dargethan. Wenn gesagt sei, daß fich unter den Eisenbahnbeamten eine Miß« stimmung geltend mache, welche fie der Sozialdemokratie m die Arme treibe, und wenn behauptet worden, daß die ge« troffenen Maßnahmen geeignet find, jedes selbstständrge Gefübl der Beamten zu unterdrücken, so können fich die darin ent« haltenen Vorwürfe nur auf den Chef der Eisendahnverwaltung beziehen. Mit Rückficht auf die zahlreichen Vorstrafen des An« geklagten(die letzte liegt 20Jahre zurück und die Strafen fallen fast durchweg auf die Konfliktszeit) beantrage er 6 Wochen Gefängniß. Rechtsanwalt Caffel als Vertheidiger führte dem gegen- über auS, daß in dem ganzen Raisonnement Niemandem der Vorwurf gemacht sei, absichtlich die Beamten der Eozialdemo- kratie in die Arme zu führen, sondem es sei nur objektiv die getroffene Maßregel nach dieser Richtung hin beurt heilt. Nur diese werde den angeführten Erfolg herbeiführen. AlSdann fehle auch jede Beziehung auf den Minister Maybach. Da, wo sein Name genannt sei, ist grade von der an ihn gerichteten Beschwerde die Rede. Eine solche richte man aber doch nicht an den, dessen Maßregeln man angreift. Auch stehe seinem Mandanten der Schutz deS§ 193 Stt�G.-B. zur Seite; denn hier handelte eS fick um die Abwehr eines auf die Preffe gerichteten Angriffs. UebrigenS berufe er fich auf daS Zeugniß des Eisenbahn. Direktors Löffler in Magdeburg, daß ihm die von dem Verleger der Bahnmeister-Wochensckrrft erhobene Be« schwerde zur Erledigung überwiesen sei und daß er infolge der angestellten Ermittelungen einen BetriebSinspettor, welcher auf die Bahnmeister zum Nichtabonnement eingewirkt, rektifizirt habe. Grade hieraus ergebe fich auch, daß ein anerkannt berechtigtes Interesse teS betreffenden Blattes in specie und der Presse im Allgemeinen vertheidlgt worden ist. Aus diesen Gründen beantrage er die Freisprechung seines Klienten. Daß im Falle einer Verurthcilung die Vorstrasen des Angeklagten nicht herangezogen werden dürfen, brauche er wohl nicht erst besonders hervorzuheben. Der Gerichtshof lehnte zunächst den Beweisantrag als unerheblich ab, da, die Wahrheit der zu erweisenden Thatsache vorausgesetzt, die Beleidigung deS Ministers Maybach immer noch bestehen bleibe. ES ser nam- lich der Staats-Eisenbahnverwaltung vorgeworfen, daß ste bei den Beamten jede Regung eineS seldstständigen Willens zu unterdrücken trachte.» Da die Beleidigung aber nicht besonders schwer sei und die Vorstrasen 20 Jahre zurückliegen, so war die Strafe nur auf 100 M. ev. 10 Tage Haft zu bemessen. Soziales-ni> Arbeiterbewegung. Ueber die Zwangserziehung verwahrloster Kinder w Preußen liefert ein veröffentlichter Nachweis deS Ministe« rtum deS Innern interessantes Material. Seit dem 1. Ostober 1878, an welchem Tage das Gesetz über die Zwangserziehung in Kraft trat, bis zum 31. Marz d. J. find in Preußen im Ganzen 9528 verwahrloste Kinder in Zwangserziehung unter« gebracht worden. Bis Ende Mär, 1884 betrug die Zahl der« selben 7714, so daß in dem letzten Etatsjahre 1814 Kinder in Wangserziehung genommen worden find. Von den einzelnen srovinzen hat die meisten Kinder Schlesien gestellt und zwar 1560, es folgt die Rheinprovinz mit 1149, Hessen. Nassau mit 754. Brandenburg(ohne Berlin) mit 797, Sachsen mit 785, Pommern mit 742, Hannooer mit 701, Posen mit 601, Westfalen mit 569, Ostpreußen mit 490, Schleswig-Holstein mit 445, Berlin mit 399, Westpreußen mit 329 und Hohcnzollern mit 7 Kindern. Vergleicht man die Provinzen nach ihrer Ein« wohner, ahl und der Zahl der Kinder zur Zwangserziehung, so findet folgende Reihenfolge statt: am schlechtesten stellt fich Hessen Nassau, dann Pommern. Schlefien, am besten West« preußen, Westfalen und Berlin. Entlassen waren von der Ge« sammtzahl und zwar widerruflich 190, endgiltig 430, gestorben find 192 und sonst in Abgang gekommen 93, so daß Ende März 1885 noch 8653 in Zwangserziehung waren. In Pri« vatanstalten waren von denselben untergebracht 4667, in Fami« Ken 3391; weitere 589 waren Anstalten der Kommunalver« bände, secks StaatSanstalten überwiesen worden. Eine Arbeiterkolonie soll jetzt auch für Thüringen eingerichtet werden. Doch will man fich vorlaung mit einem Theile deS Reußischen BezirkSarmenhauseS zu Tin, bei Gera zur Unterbringung der„Kolonisten" begnügen. Das ist allerdings ein sehr schlechter Anfang.- In der Brandenburger Kolonie Friedrickswille werden im Sommer Ackerbau �nd landwirthschaftliche Arbeiten, im Winter vorzugsweise Moorkultur betrieben. DaS ist löblich, weil dadurch den soge< nannten freien Arveitern keine Konkurrenz gemacht wird. Im Laufe des Jahres wurden in dieser Kolonie allein 303 arbeitslose, aber arbeitswillige Wanderer abgewiesen, weil kein Platz mehr vorhanden war. Die große Mehr. zahl der Aufgenommenen hat sich ordnungsmäßig betragen und zum großen Theile nach d r Entlassung anderen Broterwerb gefunden. Das find die„Vagabunden, für die so vielfach die Prügelstrafe empfohlen wird.— Ein Blatt, welches sonst gleichfalls für die Prügelstrafe schwärmt und über die„Vaga- bunden" schimpft, die„Dresdener Nachrichten", bringt fol gende Notiz:„Für die armen hungernden Vögel, denen die dichte Schneedecke Körner und Nahrung entzieht, legen die Blätter mehr oder weniger gereimte und ungereimte Vitien ein, womit man nur einverstanden sein kann. Vergiß, lieber Leser, diesarmen Vögel nicht, aber erbarme Dich auch der armen Kinder, die Dir hungernd und stierend in Stadt und Land auf der Straße begegnen, erbarm' Dich der armen Handwerksdurschen, welche hungernd und frierend und Verzweiflung im Herzen ihre Straße ziehen, die keine Heimath haben und keine Arbeit, und keinen Verdienst finden können und die noch übler daran find als die armen Vögel."— Wenn die Bessetung bei den„Dresd. Nachr." nur anhält!? Eine größere Abnahme der Bevölkerungszahl in den letzten 5 Jabren weist das Unstrutthal auf. Nach näheren Ermittelungen trägt die Schuld an diesem Bevölkerunasrück- gang die Zuckerkrifis und die Arbeitslosigkeit in den mit der« seiden verbundenen Industriezweigen. Unsere neue wirthschaft« liche Acta, die so viel gepriesene, bewährt fich demnach doch sehr scklecht. Wie traurig eS überall mit der Tuchindustrie steht, kann mann auch daraus ermessen, daß die sämmtlichen Fliegen« schmidt'schen Besitzungen in Hattingen(Westfalen), bestehend in zwei großen dreistöckigen, massiv aus Sandstein erbauten Fabriken inkl. zwei Dampfmaschinen, Kesseln, vollständiger Spinnerei Einrichtung sammt Dampfmühle und Garten, in der Nähe deS Bahnhofs, an der Ruhr gelegen, für die Summe von nur ca. 50000 M. verkauft worden find. Der Vrauntweiukonsum nimmt auch in den romanischen Ländern immer größere Dimensionen an. Kein Wunder, daß in Frankreich, wo, wie wir kürzlich nachwiesen, die Lebens. Haltung der arbeitenden Klassen fich stetig verschlechtert, im Jahre 1878 bereits per Kopf der Bewohner 2,99 Liter Brannt« wein verbraucht werden gegen 1,09 Liter im Jahre 1830. In dem Paradies der Kapitalisten, der Hölle deS Proletariats, in Belgien, wo die Hälfte der Arbeiterfamilien in der Armenliste steht, wuchs der Branntweinverbrauch von 1830 bis 1870 von 4,42 auf 8,56 Liter per Kopf. Sobald die Lebensbedingungen fich bestem, sobald höhere Löhne, kürzere Arbeitszeit dm Ar- heiter auf eine etwas höhere Stufe des Daseins heben, ver- mindert fick auch die Zahl derer, die auf das Evangelium des Schnapses schwören. Die Zahl der Fallissements in England und Wales betrug in der am 12. d. M. beendeten Woche 88 gegen 78 in der korrespondirenden Woche des Vorjahres. Seit dem 1. Januar er. hat fich die Zahl der Fallissements, verglichen mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres, um 640 vergrößert._ Uerewe und Uersammlungen. Eine außerordentliche General-Versammluug des Fachvereins der Steinmetzen Berlins tagte am 20. d. M. Sophienstraße 34, wozu sämmtliche Arbeitgeber eingeladen waren. Die Tagesordnung lautete:„Die Motivirung unserer Lohnerhöhung zum nächstm Frühjahr." In dem dichtgefüllten Saale waren nur drei Arbeitgeber anwesend. Herr Hofmann theilte mit, daß die Versammlung einberufen sei, um den gn« wesenden Meistern die Motivirung des Lohntarifs zu unterbreiten; et(Redner) erfucke die Anwesenden, alle persönlichen Reibereien mit den Meistern zu unterlassen und die An« gelegenheit nur sachlich zu diskutlren. Gleichzeitig bedauerte er, daß von zirka 30 eingeladenen Arbeitgebern nur so wenige erschienen waren- Der Vorfitzende, Herr Stieber, motivirte nun eine Lohnerhöhung mit dem Hinweise auf die kurze Lebensdauer der Steinmetzen, ferner auf die langwierigm Krankheiten, denen dieselben unterworfen seien, und die Unter« stützungen, die wegen der vielen Kranken an die Steinmetzm gezahlt werden müssen. Eine Besserung der Verhältnisse im Steinmetzgewerbe werde eintreten, wenn die Löhne fich etwas besser gestalteten. Herr Worin gab nun einen längeren Bericht über die Differenzen, welche zwischen vielen Arbeilgedem und Gesellm trotz deS Tarifs vorgekommen seien. Der Ver- dandtvorfitzende der Steinmetzen Deutschlands, Herr Röhn, illustrirte die Verhältnisse der letzten 10 Jahre und äußerte fich folgendermaßen: Aus statistischen Berichten aus allen Gauen Teutschlands ist zu ersehen, daß die Arbeitgeber die Arbeiter bezahlten, ohne zu berechnen, was das Stück Arbeit nach den örtlichen Verhältnissen kosten würde. Dieses zu beseitigen find wir nicht im Stande. Nach langem Ringen ist endl ch die Organisation unter den Steinmetzen zu Stande gekommen. Gerade in Berlin haben durch die Einigkeit unter den Kollegen und die Verständigung zwischen den beiderseitigen Lohnkom« Missionen die Lobnverhältniffe fich dedeutend gebessert. Hoch- gegriffen ist der Durchschnittslohn von 25 Mark nicht.(Rufe: 15 Mark.) Abwarten müssen wir aber, od die Verhandlungen mit den Arbeitgebern zu unseren Gunsten ausfallen. Eine Lohner- höhung ist nothwendig, das beweist ferner derZusammenbruch un« serer Gewerkskrankenkaffe, da unsere Arbeitskraft zu sehr angestrengt wird. Unbedingt wollen wir verhindern, daß unsere Kollegen im Alter von 30 Jahren auf den Kirchhof gebracht werden. (Stürmischer Beifall.) Herr Hempel: Der Durchschnittslohn muß als Hauptforderung bettachtet werden. Die Statistik weist uach, daß Maschinenbauer 35 Jahre, die Tabakarbeiter 31 Jahre, die Rentiers 66'/, und die Steinmetzen nur 30 Jahre all werden. Wenn nun, wie eS oft vorgekommen ist, bei Diffe« renzen der Arbeiter nach dem Komtoir gehen muß, und ihm dort vom Meister einfach gesagt wird: warum haben Sie fich ktinen besseren Tarif angeschafft, find wir da nicht genöthigt, diese Mißstände zu beseitigen? Ick appellire an die Humanität der Meister, wir reichen Ihnen die Hand zum Frieden, geben Sie unS die Ihrige, denn nur so kann die Lohnregulinrng auf friedlichem Wege geschehen.(Beifall.) Der Vorfitzende ersucht die anwesenden Meister, ihre Ansichten der Versammlung kund zu thun. Herr Huth, Königl. Hof-Eteinmetzmeister: Mein Bestreben ist schon lange geweien, den Gesellen einen ficheren Lohn zu verschaffen.(Einzelner Widerspruch.) Ich werde auch diesmal dahin wirken, da ich Vorfitzender des Meisterbundes bin, daß die KommisfionSverhandlungev, betreffs der Lohnerhöhung bald beginnen können. Herr Handschuh: Ich gebe zu. daß einige Kollegen einen guten Lohn verdienen, aber Diejenigen, welche Jahr aui und ein am Block stehen müssen und in Akkord arbeiten, find nicht genügend bezahlt; betrachte man den Tarif, er ist nicht zu hoch gestellt, alle Arbeiter streben nach Lohnerhöhung und da dürfen wir unbedingt nicht zurück- stehen.(Bravo.) Herr PrieS, Grabdenkmalfabrikant, erklärt: Ich stehe dem Tarif etwaS fremd gegenüber, da in meinem Geschäft wenig Steinmetzarbeiten gemacht weiden, wünsche aber selbst, daß eine Verständigung bald herbeigeführt werde. Herr Grube, Arbeitgeber: Ich begrüße daS Vorgehen der Gesellen, bin zwar nicht im Meister- bund, bewillige aber doch jede Forderung der Gesellen WaS heißt heute Meister? In Berlin ist nur ein Meister a:% tA/n'vSÄC%%%: Unternehmer bei Submissionen von Arbeiten zu sehr unter. A v?» L kommen wird aber auch von manchen Gesellen gewißbraucht; dahin müßte unbedingt der Vo. stand wirken, daß solche L-ute gekennzeichnet werden.(Beifall.) Herr Etieber: DaS Sub« misfionsverfahren in seiner jetzigen Gestalt ist für alle Hand« werker nicht von Nutzen, wir haben schon längst gewünscht» daß es beseitigt werde, dazu find wir jedoch außer Stande, das müssen wir schon den Meistern selbst überlassen. Jeden« falls ist es nothwendig, bei Anschlägen unsern Tarif zur Öand zu nehmen und darnach die Preise festzusetz n. Von einem guten Einvernehmen zwischen Meister und Ge« sellen kann bei uns kaum noch die Rede sein, denn dazu geben die Arbeitgeber den meisten Anlaß. Nur durch das Zustande« kommen eines einheitlichen Lohntariks können fich diese Miß« stände beseitigen lassen, auch ist es UsuS bei einigen Meistern» daß, wenn ein Geselle seinen bestimmten Lohn verlangt, er vom Meister als unbrauchbar erklärt wird.(Beifall.) Herr Röich weist auf das Klassensystem hin, welches in vielen Werk« statten herrscht und befürwortet, daß Ärbeiier, welche dieselben Arbeiten fertigen, auch den gleichen Lohn zu verlangen haben. Ein Schreiben vom Meisterdund war eingegangen, worin man ersuchte, die Streitigkeiten aus dem Huth'sche.i Platze durch eine unparteiische Kommission regeln zu lassen. Dazu wurden zwei Mitglieder gewählt. Nach Erledigung einiger persönlicher Sachen wurde die zahlreich besuchte Versammlung geschlossen. br. In der Versammlung des Fachvereins der Stuckateure, die am Montag, Kommandantenstr. 71, stattfand» legte der Vorfitzende der Lohnkommisston den von dieser aus« gearbetteten Lohntati« vor. In Betreff der kleinen Erhöhung der Tagelohnsätze wies Referent daraus hin, daß nach dem neuen Baukalender für das Baujahr 1886 von den Sachvcr» ständigen die Preise für Stuckalurarbeilen bedeutend höher notirt find. Die Eonntagsardeit betreffend, spreche die Lohn» kommisfion den Wunsch auS, daß dieselbe gänzlich abgeschafft werde, da dies obne Schaden für dag Gewerbe der Siucka« teure geschehen könne. Femer lege die Lohnkommisston eS allen Kollegen ans Herz, durch sorgsciltige Ausführung der ihnen übe-ttagenen Arbeiten zur Hebung des GeweibeS beizutragen und dahin zu wirken, daß ein gutes Einoernehmen mit den Prinzipalen best, he. aber auch für die als gerecht aner» kannten Forderungen auf gesetzlichem Wege einzutreten.— Der von der Kommisfion vorgelegte Lohntarif lautete in feinem ersten, die Forderungen für Arbeit bei Tagelohn enthaltenden Theile folgendermaßen: A. Für die Werkstatt-Arbeiter: Maxi» malarbeitszett täglich 9'/, Stunden. Minimallohn pro Tag für die Gießer 4M., für die Former 4 50M., tür die Zieher und Modell« Zusammensetzer 5 M. Keine Akkord-Arbeit in d r Werkstatt k Für jede Ücoerstunde ein Mehr von 5 Pf. B. Für die Bau« Arbeiter: Maximalarbeitszeit täglich 9'/, Stunden; Minimal» lohn pro Tag 5 Mark. An Fassaden keine selbstständige Nach« rüstung. In Zimmern muß die erste Rüstung gestellt werden» eventuell wird dieselbe im Tagelohn gemacht. Jede fernere Rüstung wird mit 1 Matt berechnet. Das Ergebniß der Diskussion war, daß alle von der Kommission aufgestellten Forderungen, mit Ausnahme der auf die Fassade und Zemmer« Rüstungen fich beziehenden, unverändert angenommen wurden. Nach sehr langen ledhaften Debatten, in denen auf das Unfall« vetfichemngsgesetz und auf den Umstand hingewiesen wurde» daß bis zum Jahre 1870 kein Prinzipal den Stuckateuren zu« gemuthet habe, die Rüstungen herzustellen, wurden die die Rüstungen detreffenden Sätze gestrichen und an Stelle derselben in den Lohntarif diese Bestimmung aufgenommen:„Die nöihigen Rüstungen an Fassaden und in Zimmein werden von uns Stuckateuren nicht hergestellt." Die Beraihung über den zweiten Theil des Lohntarifs, in welchem die Preise für Akkord-Ardeiten bei Bauten festgestellt find, wurde vertagt und soll in einer außerordentlichen Versammlung am 23 d. M. erfolgen. Der Arbeiterverein„Hoffnung" für Friedrichsderg und Umgegend hielt am Sonnabend, den 19. d. M., eine Ver» sammlung ab, in welcher Herr Christensen daS Referat über: „Unsere Zeil", übernommen hatte. Referent wies nach, daß die Bourgeoifie ihre jetzige Machtstellung ausschließlich dem Kapital verdanke und gab zu diesem Zwecke eine eingehende Schilderung der Zeit kurz vor der fran-öst'chen Revolutton von 1789. Darauf führte er etwa folgendes aus: DaS Pcoleiaiiat vermehrt fich immer mehr, während die Zahl der Krpitaliften fortwährend abnimmt, der sogenannte„gesunde Mittelstand"» der Abgott der Liberalen, verschwindet mehr und mehr, der Grund dafür liegt in den heutigen Ptoduttionsverhältniffen. In Folge der weitgehenden Anwendung von Maschinen wird die Nachftage nach menschlicher Arbeitskraft in den Fabriken immer geringer, wodurch die Löhne immer mehr gedrückt wer» den. R-dner despticht dann die Roth der kleinen Gewetbe« treibenden und weift nach, daß auf dem Gebiete der ländlichen Aideit dieselben Zustände im Werden begriffen find, die wir in der Industrie schon vor Augen haben. Der Grund dafür» daß die Arbeiterbewegung un'er den ländlichen Arbeitern ncch verhällnißmäßig wenig Anhänger bcfitze, liegt nach seiner An« ficht nicht in dem„konservativen Sinn" der Landbevölkerung. sondern hauptsächlich darin, daß in der bäuerlichen Produktion die Maschine noch wenig zur Verwendung kommt. Sodann bespricht Redner die heutigen Zustande und kommt dabei»n sehr interessanten Resultaten. Besonders wies er auf den Ver« fall deS Familienlebens und auf die gegenwärtigen Rechtsoer« Hältnisse hin. Er erntete reichen Beifall für seinen Vortrag. Der Fachverein der Tischler macht bekannt, daß der Zmttal- ArbeuS« Nachweis deS Vereins, Blumen-Sttaße 56 (Tischlerherberge), vom 24.-26. Dezember, sowie am 31. De« zernber und 1. Januar 1886 geschlossen ist. Billets zur Weih« nachtsfeier deS Vereins find zu baben bei den Vereinsmitgli-deiN Friese, Waldemarstt. 38 III; Grünwaldt, Piinzenstr. 6 IV bei Krause; Wieck, Skalitzerstr. 133 III; Böhm, Jobanniterstt. 10, Hof Hl; Fest, Hollmannstt. la; Schicht, Gartenstr. 40a; Witte, Jnvalidenstt. 21 II; sowie auf der Tischl-rherderge, Blumen- straße 56. Die Festlichkeit besteht auS Konzert, GcsangSoor- trägen, Theatervorstelluna und«all und findet am 1. Feiertage. Nachmittags 4'/, Uhr anfangend, in Keller'S Salon, Avdreasstr. 21 statt. An der Kasse deS Lokals werden kein« Billets ausgegeben. «�Zentral« Kranken« und Sterbekasse der deutsche« Böttcher. Den Mitgliedern wird bekannt gemacht, daß vir Berttage am 2. WeihnachtSfeiettage in Heise's Lokal. Lickt-n- dergerstr. 21 von 10 Uhr Vormittags biS 2 Uhr WachmittagS entgegengenommen werden. Uermischtes. . Eine entsetzliche Leidensgeschichte erzählte der Matrose Hernnch Schwenke in Dover bei der Todtenschau über dir die in dem Wrack de» Dover gefunden wordc» ------- aussage zufolge war auf der Höhe vo» Dungeneß ein unbekannter Dampfer mit der„Fidelro � sammengestoßen, in Folge dessen letztere kenterte, während de* Dampfer weiter fuhr, ohne fick um das Schicksal der 10 Kops zahlenden Besatzung des deutschen Schiffes zu kümmern, � sich an den Masten und Sparren festrlammette und stunden' lang in der fürchterlichsten Kalte dem Sturm und den ausgesetzt blieb. Zuerst ließ ein Schiffsjunge seinen fahren und verschwand in der Wassergischt, dann folgte Vst» kniger, darauf der Kapitän Meyer, und so ertranken naan � ander sieben Mann, bis endlich der auf der Fahrt nach J�o befindliche Dampfer„City of Hamburg" die drei überleben. Matrofen, darunter Schwenke, rettete und nach Belfast bw« von wo aus fie nach Dover gebracht wurden, um berj% schau beizuwohnen, die nach Feststellung der Jdentttar � Leiche vertagt wurde, um womöglich den Namen de»« kannten Dampfers zu ermitteln. Verantwortluher Redakteur«.(»«tei» in»«lin. Druck und«erlag von Max vndwg in Berlin SW..«euthstraße 2. Beilage zum Berliner Volksblatt. 301. Donnerstag, de« 24. Dezember 1886. II. Jahrg. GmerKschaslliche Grzlluislltiou. (Seflennmtlifl tntfleben fast täglich in den verschiedensten Orten Deu'schlands Aibeitcrvercinigungen aller Art, Fachvercine und Gewe k>chaften, welche tie ges.enseittae Unteistützung der Mitglieder und die Hebung der Lage der Fachgenoffen im All» gemeinen anstreben. Das ist gewiß ein löbliches Beginnen. Es zeugt zugleich von dem Soli aariiätsgefühl, welches mehr und mehr unter den deutschen Arbeitern fich geltend macht und das zu erringen sucht, was dem Einzelnen unmöglich ist. Bei unseren heutigen wirihichaftlichen Zuständen ist vir Solidarität unter der ge- drückten, viel'ach nothleivcnden Arbeiterklasse von zwingender No>hwendigk.it, wenn die Arbeiter nicht immer weiter ins Elend, ins Verderben sinken wollen. Die Einigkeit der Fachgenoffen, daS feste Zusammen- halten der Berufs, weige, und dabei doch der leitende Ge- danke, vie grmeinsamcn Ziele der Arbeiter zu eistreden, find geeignet, den Fachvereinen und Gewerkichaften die gebührende Stellung in der deutschen Arbeiterbewegung zu geben. Daß diese Bewegung gerade jetzt wie immer mehr an Aus» dehnung gewinnt, dürfte zunächst in der wachsenden Aufklä» rung unter den Arbeitern, aber auch in der gegenwärtigen großen Nothlage im Volke ,u suchen sein. Wenngleich also anzuerkennen ist, daß die Arbeiterbewegung im Allgemeinen und die Gewerkschaftsbewegung im Besonderen fich eines bedeutenden Ausschwunges erfreut, so find wir doch erst kaum über die ersten Anfänge hinaus und es bedarf noch großer Anstrengungen, ehe man mit einem gewissen Stolze sagen kann:„Nunmehr ist das Bollwerk gegen die maßlose Ausbeutung der Arbeitskraft durch den Kapitalismus errichtet!" Ader diesen Anstrengungen dürfen wir nicht aus dem Wege gehen. Das größte Hinderniß der Arbeiterbewegung, auch der gewerkschaftlichen, liegt aber nicht etwa in den Verfol» gungen, welche die Arbeiterverein igungen durch behördliche und gesetzliche Maßnahmen oder durch kapitalistische Maßregelungen zu erleiden haben, sondern in der Gleich- Siltigkeit der Arbeiter selbst und„in dem Unver- and der Massen", welche fich unseren Bestrebungen entgegen- stemmen. Hier muß zueist der Hebel angesetzt werden. Ge- lingt es uns, die Stumpfheit und Trägheit, die noch in weiten Arbeiterkreisen herrschen, zu überwinden, dann find die anderen Hindernisse leicht zu übersteigen, dann ist der Druck der ver- einigten, durch die Erkenntniß ihrer Klaffenlage gestählten, durch die Uederzeugung von einer besseren Zukunft begeisterten Arbeitermassen so mächtig, daß Niemand mehr solchem Drucke zu widerstehen vermag, und freiwillig der Arbeiterklaffe Vieles zugestanden werden wird, waS man ihr jetzt noch an ihren gerechten Forderungen vorenthält. Deshalb baden alle intelligenten Mitglieder der Fach« vereine und Gewerkschaften sowie der Arbeiterorganisationen überhaupt die heilige Pflicht, unermüdlich Rekruten zu werben für den Befreiungskampf der Ardeik vom Joche der Kapital- macht. Wie aber soll dieser Kampf geführt werden? Zunächst also sollen die Ardeiter, wie gesagt, dahin gebracht werden, daß fie ihre Lage erkennen, daß fie ferner die Uedrrzeugung gewinnen von dem Erfolge ge« meinsamer Bestrebungen. Diese gemeinsamen Bestrebungen haben fich zunächst auf gegenseitige Unterstützung zu richten, damit Keiner im Kampfe ermatte. Diese Unterstützung soll fich vorzüglich auf die Zeit der unverschuldeten Arbeitslofigkeit des Einzelnen und auf vie Reiseunterstützung beziehen, wie dieS schon von einigen Korporationen durchgeführt worden ist. Die Krankcnunterslützung und die Unfalloerficherung find ja, wenn auch nicht in unserem Sinne, vorläufig durch die Gesetzgebung geregelt; eine Altersversorgung der Arbeiter aber kann durch korporative Verbände schon wegen der ungemein hohen Bei» träge, welche dieselbe erfordern würde, nicht in Angriff ge» nommen werden. Doch auch da will ja bekanntlich das Rerch e�Bleibm wir also bei dem Nächsten. Mit Reiseunter- stlltzungen und Unterstützungen bei Arbeitslofigkeit ihrer Mit- glieder thun natürlich die gewerkschaftlichen Vereinigungen nicht genug, Ueberhaupt soll das Unterstützungswesen erst in zweiter Linie stchcn. In erster Linie muß unS die Frage Arbeiters Weihmuhlrii, tStochdnick»erboten.) Ei« Wind war'», der uns das Blut in den Adern zu flarren drohte. Er pfiff mit gleichmäßiger Heftigkeit, so hneidend und scharf, als wollte er den Menschen zeigen, rß er. das Recht habe, ihrer wärmenden Kleidung zu »otten. Das Asphaltpflaster der glänzende» Straßen der leichs Hauptstadt hatte er rein gefegt, an einzelnen geschützte« itellen hatten sich längliche Streifen von Schnee gesammelt, w, mit einer Schicht feinen Staubes überzogen, sich seines »aseinS zu schämen schien. Trotz der Kälte war eS kein chteS Winterwetter. Der Himmel sah grau und münisch is, einzelne Schneeflocken versuchten wohl schüchtern den rdboden zu erreichen, doch der Wind erfaßte sie und trieb ! in tollem Spiel weit hinweg über die Dächer und talmenden Schornsteine, bis sie sich in das Nicht» ver- ren Trotz des ungünstigen Wetters herrschte ei« buntbe» egteS, unaufhörlich dahmfluthevdcS Leben in den Straße«. amen in reich mit Pelz verbrämte« Sammetmäntela bliebe« »r den blitzenden Spiegelscheiben der Schaufenster stehen td musterten prüfenden Blickes die ausgestellten Herrlichkeiten, guipage« mit dampfenden Pferden hielten vor den Ein- wgen der Magazine, und wenn der Kutscher auch noch oft ungeduldig mit der Peitsche knallte, daß seine Pferde schreckt zusammenfuhren,— er mußte ausharren, wenn lch schließlich die Zügel seinen erstarrten Fingern zu ent« llen drohten. Dazwischen kamen und gingen die unisor- irten Hausdiener der großen Geschäfte mit umfangreichen lnketen, sie froren nicht, denn der helle Schweiß rann ihnen dicken Tropfen von der Stirne herab. Ueberall herrschte emsiges Treiben, es war eben wenige 'ge vor Weihnachten und die große Welt machte ihre jfte« Einkäufe. Draußen in den Vorstädten hörte man erdings weniger von dem kommenden Fest; wohl sah man >zelne Schaufenster der hoch gelegenen Läden etwas besser 'geputzt, an den Straßenecken standen einige ftierende i beschäftigen, wie verhindert man es. daß derartige Unterstützungen nolhwendig werden. Und wenn es auch bei unseren heutigen wirtbschaftlichen Verhältnissen nicht möglich sein wird, dies vollständig zu verhindern, so giedt eS doch Mittel, um der Arbeitslofigkeit und der Roth überhaupt in vielen Fällen vor- zubeugen. Schon in der Macht, welche eine Arbeitervereinigung dann hat, wenn die Zahl der Fachgenoffen eine große und die Vereinskafse leidlich gefüllt ist, liegt ein Fingerzeig für vie Fabrikanten und Untemehmer, die Ausnutzungsschraube der Arbeitskraft nicht zu scharf anzuz'ehen und die Arbeiter selbst besser zu behandeln. Die Unternehmer wissen wohl, daß in der Gesammtheit der Arbeiter eine nicht zu unter» schätzende Macht liegt, fie wissen auch, daß wohlorganifirte Arbeitseinstellungen zur Verminderung der Arbeitszeit, zur Verhinderung von Lohnreduktionen und eventuell zur Er» höhung des Lohnes stegreich ausfallen, wenn eine wohl ge» leitete starre gewerkschaftliche Arbeiterorganisation hinter dem Streik steht. Eine solche Arbeiterorganisation ist die erste Bedingung eines Streiks; planlose Streiks find von vornherein aus» stchtSlos. Streiks find nicht Endzweck der gewerkschaftlichen Organisation, fie find an fich nicht empfehienswerth, wie dieS das „Berl. VolkSblatt" schon oft ausgesührt hat, doch lassen fie fich oft nicht von der Hand weisen. Da fie eines der schneidigsten Kampfmittel find, muß man äußerst vorfichtig damit umgehen, genau so, daß man jeden Augenblick gewärttg sein muß, für die große Ardeitermasse ein größeres Unglück herauf zu beschwören, als man verhüten will. Deshalb beachte man folgendes: Kein Streik darf in Szene gesetzt werden, wenn großes Arbeilerangebot am Platze oder in der Umgegend ist. Er darf ferner nicht angefangen werden, wenn nur der geringste Theil der Arbeiter der betreffenden Etablrsscments in Fachvereinen ist. Eine umfassende Erhebung über die abnormen Zustände muß vorher gemacht werden, mit Eintritt des Streiks ist eS zu spät. Man muß fich vergegenwärtigen, daß an anderen Orten und von anderen Geweiken nicht zu viele Arbeitseinstellungen zur selben Zeit stattfinden; ferner das Unterstützungswesen gut organisirt haben, sowie im Falle der Arbeitsniederlegung sofort nach allen Seiten Weisung geben, um Zuzug fem zu haltm. Zu diesem Zweck müssen auf allen Herbergen der Um gebung Leute sein, welche die reisenden Gesellen abhalten, nach dem Orte des Streiks zu reisen. Dies ist sogar eine der wichtigsten Aufgaben. Dann muß die Arbeiterpresse ihre Schuldigkeit thun, um die Berechtigung des Streiks in den weitesten Kreisen dar- zulegen. Ferner soll man fich vor Ausbruch des Streiks genau ver» gegenwärtigen, wie der Geschäftsgang in dem betreffenden Arbeitszwerge im Allgemeinen ist, ob ein großes Angebot von Händen den Unternehmern zu Gebote ftrht, ob dringliche Aufträge vorhanden find. Von großrr Wichtigkeit ist es, fich zu versichern, daß die Stimmung am Orte nicht nur in Arbeiterkreisen, sondern auch bei dem Publitum überhaupt den Streikenden günstig ist. Diese sympathische Stimmung wirft moralisch auf den Verlauf deS Streiks ein und ist ge» eignet, in vielen Fällen die Härtnäckigkeit der Unternehmer zu beflegen. Wohl wissen wir, daß bei Arbeitseinstellungen trotz der Koalitionsfreiheit fich die öffentlichen Organe der Polizei und Verwaltung vielfach gegen die Streikenden erklären, doch geben dazu hin und wieder Veranlassung allerlei Aus- schreitunaen.einzelner der Streikenden. Es muß mit Macht darauf hingewirtt werden, daß solche Ausschreitungen nie« m a l s vorkommen, dann kann auch mit gutem Recht eine etwaige Parteinahme der Regierungs» und Polizei-Organe für die Fabrikanten und Unternehmer energisch zurückgewiesen werden und zwar durch die Presse und durch Beschwerden biS in die obersten Instanzen und— wo es fich um KoalitionS- freiheit handelt— bis an den Reichstag. Fabrikantenkoalitionen und Konventionen erfreuen fich keinerlei Belästigungen seitens der Behörden und können ruhig und ungestört ihre Maßnahmen treffen, um die Preise der Maaren, die Lohnhöhe, die Arbeitszeit u. s. w. gemeinsam für Händler mit Weihnachtsbäumen, sie bliesen in die Hände und liefen eilig auf und nieder, um etwas Leben und Be- wegung in die kalten Glieder zu bringen. Die Frauen saßen hinter dem schützenden Schirm der Tannenbäume, sie hielte« die wärmende Kaffeekanne zwischen den Fingern, nahmen hin und wieder einen Schluck von dem dünnen Getränk und schauten sehnsüchtig aber vergebens die Straße «ach Käufern hinab. Hier sah man überhaupt nur vereinzelte Menschen, bisweilen trabte ein Lehrling mit einer fertigen Arbett pfeifend zu einem ungeduldigen Kunden, nur selten kam eine Frau aus den KaufmannSläden, die, ihre Schätze unter der Schürze bergend. eilig ihrem Heim zustrebte. Woher sollten die Mensche« auch kommen? Die Männer waren in den Fabriken, wo sie die Kost« barkeiten herstellten, die in den vornehmen Stavttheilen an besser Situirte verkauft wurde«, und in ihren ärmlichen Woh» «ungen sausten und rasselten die Nähmaschine«— wer hatte da Zeit und Lust, sich um Anderes zu kümmern als um de» täglichen Erwerb?-- — Dort aus jenem weitläufigen Gebäudekomplex mit den rauchenden, himmelanstrebenden Schornsteinen trat eben ein Mann. Dröhnend hatte der Portier da» mächtige Thor hinter ihm zugeworfen, er stand allein auf der öde», kalten Straße. Zweifelnd und zögernd blickte er vor sich hin, er wußte offenbar nicht, wohin er feine Schritte zu lenken habe. Er faßte unbewußt nach feiner Mütze, strich sich den dunklen Schnurrbart mit der rusfigen Hand, dann knöpfte er den alten, fadenscheinigen Rock über seiner blauen Blouse zu— und lachte laut auf. Kennt Jemand dieses konvulsivische, gequälte Lachen, welches nicht aus dem Herze» kommt, und welches peinlicher klingt, als der letzte Angstschrei eines zu Tode gehetzten und gemarterten ThiereS? Es ist das unheimliche, unsinnige Ge» lächter des Wahnsinns, eine unwillkürliche Handlung unserer Nerven, von der der Geist nicht« weiß. Nu« gehen wir denn," sagte der Mann vor fich hin, wie um sich selbst zu beruhigen,„gehen wir denn, ihr Gewerde festzusetzen. Dasselbe Recht muß für die Arbeiter festgestellt werden. Die Koalitionsfreiheit muß erweitert werden; ein Reichs» Vereinsgesetz muß die verschiedenen, daS Vereinsleben lähmen- dm Bestimmungen der Einzelttaa�en aufheben, damit eine Zentralisation aller gewerkschaftlichen Vereinigungen ermög» licht wird. Dies kann nur durch die Gesetzgebung geschehen. Somit ist auch den Mitgliedern der Fachvereine und gewerk« schaftlichen Organisationen der Weg angewiesen, den fie irr dieser Hinsicht zu wandeln haben. Sie sollen deshalb keine Politik in die Vereine tragen, weil fie dann bei dem heutigen Stande der Vereinsgesetz- gebung in Deutschland den Bestand der Vereine gefährden würden, aber fie sollen einzeln der großen deutschen Arbeiter- bewegung beetreten und diele fördern, damit die Arbeiterklasse immer mehr Einfluß auf die Gesetzgebung deS Deutschen Reiches erlange. Dort ist der Boden, auf welchem auch die Stillung der gewerkschaftlichen Organisation, das Recht derselben bestimmt wird. Aber dort wird noch mehr destimmt. Dort soll schon in nächster Zeit die Frage des Arbeiterschuyes gelöst werden. Tausende von Unterschriften und Petitionen um Einführung der Sonntagsruhe, eines MaximalardeitStageS, des Schutzes der Frauen- und Kinderarbeit haben auch die Mitglieder der Fachvereint und Gewerkschaften an den Reichstag gesandt, um zu zeigen, daß fie wohl wissen, daß die gewerk- schafiliche Bewegung nur erstarken kann, wenn fie fich gegebenen Falles der allgemeinen Arbeiterbewegung anschließt. Mit einem wirksamen Arbeiterschutz aber werden die Ar« beiter körperlich und moralisch gestärkt, fie werden wettere Forde« rungen stellen und den Werth der Vereinigungen immer mehr schätzen lernen. Dann wird es auch viel leichter sein, die Ardeiter zu den Arbeitervereinigungen heranzuziehen und immer weitere Aufklärung zu bringen. Wohl wissen wir, daß viele Arbeiter fich noch scheuen, die Verernsbciträge zu zahlen und daß fie deshalb den Organi« sationen fem bleiben. Bei ruhiger Ueberlegung aber müssen diese Arbeiter fich sagen, daß die Vereinsdeiträge hohe, sehr hohe Zinsen tragen, daß fie ja gerade dazu dienen sollen, die gesammte Lebensstellung der Arbeiter erhöhen zu helfen. Diese Beiträge find eben jröihig, um Aufklärung unter der Arbeitermaffe zu schaffen, fie find nöthig, um die Unterstützungen zu leisten und das Band der Einigung fester zu schlingen. Und wie die Beiträge nöthig find, so ist in eben dem- selben Sinne die Unterstützung der Arbeiter» p r e s s e erforderlich, die ein geistiges Band sein soll für die Arbeiter und ihre Bestrebungen, die förderlich sein soll, Er» kenntniß überall zu verbreiten. Unv so weit dies das„Berliner Volksblatt" betrifft, wird es nach wie vor seine Schuldigkeit thun. Somit rufen wir auch allen organistrten Gewerksgenossen zu, gleichfalls ihrer Pflicht eingedenk zu sein, und die übrigen Arbeiter, die dieses Blatt zur Hand bekommen, mögen ein- treten in die gewerkschaftlichen Vereinigungen in ihrem eigenen Interesse, zum Wohle ihrer Familien und für das Wähler- gehen der gesammten Arbeiterklaffe. Kommunales. w. Sämmtliche städtische Bureau» mit Ausnahme des Zcniralbureaus werden heute �Donnerstag), des bevorstehenden Weihnachttfeftes wegen, um 1 Uhr Mittags geschlossen. w. Den Etat der Gehälter der besoldeten Magistrats» Mitglieder und derjenigen Beamten, welche nicht zum Per« sonaldcsolvungs Etat gehören, hat der Magistrat pro 1886/87 in Höhe von 215 304 M. festgesetzt, und zwar 194500 M. für die Magistratsmitglieder und 21404 M. für die genannten Beamten. Die letztere Summe schließt in fich 14000, welche für Remunerationen der Hilfsarbeiter deS Magistrats bestimmt sind. Der ganze Etat hat gegen den Etat pro 1885/86 eine Erhöhung von 3724 M. erfahren. Schmuckanlagen. Auf Veranlassung deS Maaistrats find jetzt für Herstellung von Schmuckanlagen auf dem Waffer» thorplatze, die so oft auch in der Stadtverordneten- Versamm» luna verlangt worden finv, 10 500 Mark auf den Etat der Part» und Garten» Verwaltung gesetzt worden. Ferner stehen auf demselben Etat 10300 M. für Echmuckanlagen auf dem nur vorwärts, gleichgiltig wohin, nur vorwärts, fort von hier!" Ec ging bis zur nächsten Straßenecke, dann blieb er plötzlich stehen. Es war nicht der Wind, der mit voller Wucht und Schärfe um die Ecke pfiff, der seinen Schritte« Einhalt gebot. Der Mann schien ihn vielmehr garnrcht zu beachten, er war groß und sehnig gebaut, und trotz seiner leichten Kleidung berührte ihn die Kälte nur wenig. „Nur jetzt noch nicht nach Hause," murmelte er,„sie er» fährt es noch früh genug, weshalb soll ich ihr unnöthigea Kummer verursachen!" Er richtete sich hoch empor und schritt einer anderen Richtung zu.-- � Zn der Fabrik, aus welcher der Mann gekomme« war, läutete die Glocke zur V-Sper. Die riefigen Maschinen standen still, Hammer und Feile wurden bei Seite ge» legt, man wusch sich die Hände an der Wasserleitung und machte es sich für die wenige« Minuten an den Werktische» bequem. Das frugale VeSperbrod mit dem zerknitterten Zeitung«» papier, in welches eS eingewickelt war, in der Hand, bildeten die Arbeiter kleine Gruppen, und diskutirten eifrig in leisem Tone einen Gegenstand, der sie Alle gleichmäßig zu interesfiren schien. „Ihr mögt sagen, waS Ihr wollt," sagte ein alter, er» grauter Arbeiter, indem er heftig auf den Tisch schlug.„Ihr mögt sagen, waS Zhr wollt, eS war ein Unrecht, ei« bitteres, unmenschliches Unrecht von dem Herrn, drei Tage vor Weih- nachten den bravsten und geschicktesten Man» auf die Straße zu werfen. Er wußte eS außerdem so gut wie wir Alle, daß sich Schmidt gerade jetzt in einer dringenden Nothlage be» fand; vor vier Wochen starb seine Mutter, für die er als ehrlicher und rechtschaffener Sohn sorgte, und feine Frau leidet noch immer an den Folgen der Entbindung. Ich weiß das ganz genau, denn wir wohnen auf einem Korri- dor, und ich werß auch, daß ein guter Theil seiner Wirth« schaft durch die unvorhergesehenen Ausgaben in die Brüche ging. Von den paar Pfennigen, die er sich früher gespart Pappelplatz, 7000 M. für Vollendung von Ecbmuckanlagen auf dem Wörtherplatz und 9000 M. zu Echmuckanlagen um die Tankeskirche. w. Mit dem Bau deS Polizei-Präsidial-Gebüudes auf dem Alcxanderplatz wird, wie jetzt vom Ätagistrat f>st de- stimmt worden ist, im Frübjahr begonnen werden. Für das EtatS jähr 1885/86 find für dielen Bau 600000 M. ausgeworfen m d für daS Etatejabr 1886/87 wird der Magistrat noch 1 Million Mark zur Verfügung stellen, so daß zu der ersten Baw Periode dieses Gebäudes im Ganzen also die Summe von 1600 000 M. zu Verausgabung gelangen soll. Errichtung eines Wasserthurms. DaS Kuratorium der städtisch« n Wasserwerke hat dem Magistrat die Errichtung eines Wafferthurmes aus dem Kreuzberge empfohlen und der Magistrat hat stch mit diesem Vorschlage einverstanden erklärt. Der W-sserthurm ist unentbehrlich geworden, da daS Wasser bis in die höchsten Theilc der Häuser auf der Süd- und Süd- ostoite der Stadt geliefert werden soll. Das Kuratorium wird Projekt und Kostenanschlag für die Vorlegung an die Stadt- verordnetenveisammlung vorbereiten. Die Kosten des Wasser» thurms werden fich auf etwa 313 255 M. belaufen. Neue Löschzüge. Der Magistrat beschäftigt fich gegenwärtig, wie die„Nat.-Ztg." mittheilt, mit der Feststellung der Ausschreibung für einen neuen schnell wirkenden Löschzug für die Stadt Berlin, der, wenn er allen Anforderungen entsprechen sollte, bei der Feuerwehr eingeführt werden soll. Die AuS- fchreibung ist von der Feuerwehr-Direktion entworfen uud dem Magistrat seitens des königlichen Polizeipräfidiums mitgetheilt worden. Zugleich hat aber der Magistrat beschlossen, bei der Stadtverordnetenversammlung die Genehmigung zur Beschaffung der gegenwärtig sehr vermißten zwei neuen Löschzüge nach bis- hrrgem System in Antrag zu bringen. Lokales. Das vorläufige Einstelle« der elektrischen Beleuch» tung in der Leipzigerstraße hat mehrfach zu Mißverständ- nissen Anlaß gegeben. In Bezug hierauf veröffentlicht die Elekt. Zeitschrift folgendes: Der wahre Sachverhalt ist der, daß man in Ausficht genommen hatte: vom 1. Ottober 1885 an Sllte der Betrieb dieser von Siemens u. HalSke hergestellten nlage von der zweiten Zentralstation der städtischen Elektti- zitäts werke auS übernommen werden. Ueber den von Siemens u. Halsk« nun gemietheten Bauplatz, auf dem fich das provi- sorische Maschinenhaus für die Leipzigerstraße befand, war in- zwiichen anderweit verfügt worden. Leider aber hat der Beginn des Betriebes der neuen Zentralstation unerwartet eine Verzögerung erfahren. Da inzwischen das alte Maschinenhaus ab- gerissen werden mußte, in welchem die Dampfmaschinen und elektiischen Maschinen Platz gefunden hatten, welche für den Betrieb der Beleuchtung der Leipzigerstraße gedient hatten, und die Zentralstation in der Mauerstraße noch nicht in der Lage war, ihrerseits den Betrieb zu übernehmen, so blieb leider nichts übrig, als bis auf Weiteres, aber hoffentlich nur für ganz kurze Zeit, diese Bogenlichtbeleuchtung außer Thätigkeit zu setzen. Eine Schaar dunkler Männergeftalten bewegte fich in der Nacht zum Sonntag in der Gegend des„großen Stern" im Thiergarten, in geheimnißvoller Weise in den Gebüschen. Viele Neugierige hatten fich ihnen angeschlossen und warteten der Dinge, die da kommen sollten. Es wurde alsbald ein Faß Bier aufgelegt und das Seidel machte die Runde, bis ein Mitglied der mysteriösen Schaar das Wort ergriff, um dem Stifter„der Tumgemeinde vom 19. Dezember" eine Ge- dächtnißrede zu halten. Dieser, ein ehemaliger Maurermeister, hatte, der„B. B. Z." zufolge, bei seinem Tode ein Kapital mit der Bestimmung ausgesetzt, daß die Mitglieder alljährlich an seinem Geburtstage im Thiergarten zur Nachtzeit ein Faß Bier austrinken und dabei seiner gedenken sollen. Diese? Ver» mächtniß wird immer streng innegehalten. Von den noch ledenden fiedzchn Mitgliedern hält einer die Gedächtnißrede, nachdem werden einige Tumlieder gesungen und im Dauer» lauf begeben fich die Mitglieder in ein hiefigeS Lokal, wo das Fest mit einem gemeinschaftlichen Abendessen seinen Ab- schluß findet. Unsägliche Roth herrscht, wie der„Staatsb. Ztg." sei- tenS eines Gerichtsvollziehers mitgetheilt wird, in der Famillf des Steinmetzstraße 56, Hof I. wohnenden EchneidermeiMs Fliege. Der Gerichtsvollzieher, welcher den Austrag hattef bei Fliege eine Pfändung vorzunehmen, fand dort nichts, alß das nackte Elend. Derselbe hat als erster 1 M. für die Armen gespendet. Gerade jetzt zur Weihnachtszeit finden fich gewiß darmlierzige Seelen, die fich der Armen erbarmen. Nachdem von ärztlicher Seite darauf hingewiesen war, daß nicht selten Schüler der höheren Lehranstalten durch Schwerhörigkeit in ihrergeistigen Entwicklung gehemmt wüi den, hat, wie die„Deutsche Med. Wochenschrift" meldet, der Kultus- minister die bezüglichen Thatsachen ermitteln lassen. Zufolge einer an die Provinzialschulkollegien gerichteten Zirkularver- fügung hatten sämmtliche höhere Schulen anzuzeigen, wie viel schwerhörige Schüler fich in jeder Klasse befinden. Nach dieser E.mittelung beträgt die Anzahl der schwerhörigen Schüler in hatte, wrll ich überhaupt nicht reden, die sind längst bei allen Teufeln. Es ist eine Schmach— nun, ich will nichts gesagt haben!" Er nahm hastig einen Schluck aus seiner Bierflasche und fuhr dann fort: „Was hat denn Schmidt vorgestern in der Versamm- lung gesagt? Waren wir nicht alle Zeugen, und können wir nicht alle beschwören, daß eS die lautere Wahrheit war? Müssen wir nicht arbeiten wie die Zugthiere von früh bis spät, giebt eS einen Aufenthalt für uns, haben wir eine Aussicht auf bessere Zeiten? Zeder von uns weiß eS, wie wir dastehen, ein unbestimmbarer Zufall, ein Nichts macht uns brotlos, dann stehen wir da, hungernd und frierend, und kein Mensch kümmert sich um unS. Am aller- wenigsten die Leute, die durch unsere Kraft Hunderttausende zu Hunderttausenden schlagen, bis es Millionen werden, und auch dann noch sind sie unersättlich. Das erkennt doch Zeder von un», selbst der dümmste Laufbursche weiß eS, und weshalb sollten wir eS nicht sagen? Wird die Sache da- durch besser, daß wir unseren Grimm bei unS behalten, daß wir nicht einmal klagen dürfe», nicht auf Mittel sinne» sollte«, daß auch wir einmal uns unseres Lebens freue» könne», denn wir haben doch auch ein Recht zum Leben. An mir liegt nicht viel, ich bin ein alter Kerl, und wer weiß, wie lange ich noch den Hammer führe, aber Recht gehabt hat der Schmidt doch, er ist ein braver Zunge, daß er wenigstens auszusprechen gewagt hat, was uns quält. Das ist meine Meinung und damit Punktum!" Wieder ertönte die Glocke, die langen Treibriemen der Maschine fingen an zu spielen, nach wenigen Miauten er- klangen dumpf und wuchtig die Schläge der schweren Hämmer, die Funken umsprühtea die nervigen Gesellen der Schmiede wie Regentropfen, die scharfen Feilea kreischten an dem harten Stahl, es klopfte, hämmerte und pochte, da- zwischen klapperten und rasselte» die Triebräder— die gewöhnliche Unterhaltungsmusik der Fabrikarbeiter. Hoch oben in einer jener lasten attigen, langweiligen Miethskasernen mit den schmutzigen, ausgetretenen Treppen, den höheren Schulen Preußens 2,18 pCt. der Schülerzahl. von denen 1,74 pCt. der Gesammtzabl der Schüler(oder 80 pCt. der Schwerhöligen) mit diesem Uebel jschon bei ihrem Eintritt in die Schule behaftet gewesen find. Nur bei 0,44 pCt. der Schüler der höheien Sckulen und nur bei 0,31 pCt der Schüler der Vorschulen fällt die Entstehung der Schwerhörig« keit in die Zeit des Schulbesuches. Von denjenigen Fällen, in welchen der Anlaß der Schwerhörigkeit zu bestimmter Kennt- niß der Schule gelangt ist, erweist stch die volle Hälfte als Folge von Masern, Scharlach und verwandten Kranlheiten, welche ebenso häufig erst nach dem 9. Lebensjahre eintreten alS vor demselben. In der Vertheilung der Schwerhörigen auf die einzelnen Klassen ist auch kein Steigen der Verhältniß- zahlen nach den aufsteigenden Klassen erfichtlich, so daß stch kein ursächlicher Einfluß der Schule auf die Entstehung der Schwerhörigkeit nachweisen läßt. Die Unter richtsverwaltung befindet fich daher gegenüber der Schwerhörigkeit von Schülern höherer Schulen in wesentlich anderer Lage als gegenüber ihrer Kurzstchtigkeit, welche mit den aufsteigenden Klassen zu- nimmt und daher eine spezialärztliche Untersuchung der Höberen Schulen erforderte. Die gleiche Sorge hinfichtlich der Schwer- Hörigkeit ist ausschließlich dem Elternhause zu überlassen. Der Schule ist— nach einer kürzlich erlassenen Verfügung des Kul- tusministers— nur zur Pflicht zu machen, daß fie bei den- jenigen schwerhörigen Schülern, welche ihr Uebel noch nicht zur Theilnahme am Unterricht unfähig gemacht, durch besondere Berückfichtigung die nachtheiligen Folgen für die geistige Ent- Wickelung möglichst ermäßige, und daß fie, wenn die beginnende Echwerhörigkett den Eltern noch nicht bekannt zu sein scheint, diese sofort in Kenntmß setze und ihnen die Einholung ärztlichen Rothes anheimgebe. Ein seltenes Jubiläum feiert am 25. Dezember der Webergeselle Karl Lrndner, Andreasstt. 49. Derselbe verfertigt seit dem Jahre 1860 ununterbrochen Weihnachts-Pyramiden zum Preise von 10-50 Pf. pro Stück. Jährlicher Absatz 150—200 Stück. Wir wünschen dem Jubilar ein fröhliches Weihnachtsfest. Ein Privatgelehrter E. Gravenhorst sendet an wohl- habende Juden ein Schriftchen über MoseS Mendelssohn, begleitet von einem autographirten Bettelbriefe, worin er um 40 Pf. für die Broschüre bittet,„um einem armen Manne dadurch eine WeihnachtSfreude zu bereiten". Der Mann und sein Stubengenosse I. I. Orandt betreiben diesen Bettel syste- matisch; früher mit Schriften über den„herrschaftlichen Diener" und den„herrschaftlichen Kutscher", zuletzt im Oktober über den„Hofprediger Stöcker, seine Feinde und seinen Prozeß". Sie besteuern, wie man steht, vorurtheilsfrei eine Partei nach der andern. Unter der Ueberschrift/„Nordwind" schreibt der Ham- bmger Meteorologe der„Boss. Ztg." ä. ä. Hamburg, den 22. Dezember: Das Druckmaximum, welches während zweier Tage ziemlich heiteres Wetter mit leichtem Frost brachte, bat einen Angriff durch eine schwache aus West kommende De« presfion erfahren, wobei das Gebiet hohen Druckes nach Süd- Osten verschoben wurde. In Folge dieser veränderten Druck- vertheilung trat Südwind ein, da die Luft von dem nun süd- lich gelegenen hohen Druck nach dem Gebiet mit schwachem Druck im Nordwest strömte. Die Wendung deS Windes nach Süd und sodann nach Südwest brachte am Dienstag Nach- mittag in Hamburg Regen und Thauwetter hervor. Die De- presfion welche diese Witterungsänderung bedingte, ist jedoch in Abnahme begriffen, und schon werden durch die deutsche Seewarte aus England Nordwestwinde bei sinkender Temperatur und steigendem Barometer gemeldet. DaS eingetretene Thau- wetter wird also keinen Bestand haben, dagegen wird wieder leichter Frost bei vorwiegend trockenem Wetter und zunächst nördlichem Winde eintreten. DaS hiesige Koschat'sche Doppel-Ouartett, welches e» fich zur Aufgabe gestellt, die Kompofitionen deS k. k. Kammer- sängers Thomas Koschat in Wien zum Vortrag zu dringen, giebt am ersten Weihnachts-Feiertage im Etablissement Buggen- ijageiwrunterstützt von anderen künstlerischen Kräften, eine Ma- tinAF DaS Doppel-Quartett setzt fich ausschließlich aus Süd- schen zusammen und dringt die Lieder vorwiegend im arntner, Tiroler und Oberbayrischen Dialett zum Vortrag. In Betreff des vielbesprochene« Konfliktes einer de- deutenden Anzahl von Berliner Rechtsanwällen mit dem Land- gerichtS- Präfidenten Bardeleben erhält die„B. B. Ztg." fol« gende authentische Darlegung:„Eine Versammlung von An- wälten hat unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Justizratb LauS zur Besprechung der streitigen Angelegenheit nicht stattgefunden. Dagegen ist allerdings eine Bewegung im Gange, welche be- zweckt, eine möglichst große Zahl von Anwälten zu dem Ent- schluß zu vereinigen, bis zur Aufhebung jener Verfügung des Herrn Prästdenten Bardeleben Vertretungen in Strafsachen überhaupt nicht zu übernehmen. So viel verlautet, ist eine sehr bedeutende Anzahl von Rechtsanwälten zu diesem Schritt entschloffen, nicht etwa, um bei dem Betreten der Kriminalsäle einen Vorzug vor dem Publikum zu haben, sondern weil für den als Vertheidiger oder Vertreter eines PrivatklägerS auf« tretenden Rechtsanwalt die Möglichkeit, vor Beginn der Ver> Handlung in der ihn betreffenden Sache an dem für die Ver- den feuchte» Wänden wohnte der auS der Fabrik entlassene Maschinenbauer Wilhelm Schmidt. Es sah etwa» dürftig aus in der Swbe und Küche, die er seine Wohnung nannte, trotzdem aber fehlte ein ge- wisser Anstrich von Behaglichkeit nicht. Früher sah e« besser aus, er hatte ei« Mahagoni-Kleiderspivd und eine Kommode besessen, leider hatte er diese Gegenstände jedoch eines Tage«, als seine junge Frau schwer krank darnieder- lag und die Begräbnißkosten für seine alte Muster gedeckt werde« mußten, mit seinem alte» Freunde die knarrende» Treppen Hinabttagen und zu einem Trödler bringen müssen. Seitdem sah es leer aus in dem zweifenstrige» Zimmer, aber man gewöhnte sich daran und ttöstete sich mit dem Gedanken, daß einst der Verdienst ein besserer werden würde, und dann konnte ma« sich die verlöre» gegangenen Sache« ja wieder avschaffe«. Die junge Frau hatte soeben die Pettoleumlampe mit dem grünen Schirm angezündet, sie hatte auch den Ose« geheizt, denn sie wußte eS, daß ihr Mann die lange» Winterabende nicht gern in der Küche zubrachte, er fteute sich dann über seinen kleinen Sprößling, mtt dem er trotz seiner riesigen Fäuste so zart und vorsichtig spiele« konnte, als hätte er sei» Lebtag nicht« Anderes gethan. Zetzt allerdings lag der junge Weltbürger noch i» seinem Waschkorbe— eine Wiege besaß er nicht, die Mutter hatte ihn gebadet und seinen drallen Körper in ein ftische« Hemd gesteckt. Gewiß träumte er von seinem Vater, in dessen Krauskopf er seine Finger vergrub und an dessen Schnurrbart er seine ersten kindlichen Kräfte versuchte. Die junge Mutter beugte sich über ih» und betrachtete mit stillem Glück sein im Traum lächelnde«, rosige« Kinder- gesicht. Sie war eine schlanke Blondine mit tiefblauen Augen, nur an den feinen durchsichtige« Händen und den blauen Aver« an den Schläfen bemerkte man»och die Spuren der überstandenen Krankheit. Sie blickte auf die Uhr. Noch drei Stunden, bis ihr Mann nach Hause kam, eine lange Zeit noch. Sie warf einen Blick nach der Nähmaschine, die in einer Ecke stand doch der Arzt hatte eS verboten, sie durste noch nicht arbeiten thewiger bestimmten Tisch fich niederlassen zu dürfen, unter vielen Umständen zur Erfüllung seiner Aufgabe sehr wesentlich ist. Nicht um die als Zuhörer zu einer Kriminalsache erscheinenden Rechtsanwälte handelt es fich, sondern um diejenigen, welche an einem und demselben Tage vor demselben Gerichtshof zu fungiren haben. Wie bekannt, stehen stets vor derselben Strafkammer an einem Tage durchschnittlich zehn Termine an. Diese werden hintereinander anberaumt, ohne daß irgend Jemand vorher zu berechnen in der Lage ist, wann zum Beispiel der auf 10'/% Uhr festgesetzte Termin wirklich abgehalten wird; häufig ist dies aber bekanntlich erst nach Stunden der Fall. Da nun in den durchschnittlich zehn Strafsachen pro Tag und Kammer mehrere Rechtsanwälte auszutreten pflegen, so würden alle diejenigen, deren Termine nicht ganz pünktlich um die angesetzte Stunde abgehalten werden, auf den Korridoren warten, bis etwa ihre Sache an der Reihe ist. Ein solches Warten auf dem Flur in Amtstracht schädigt das Ansehen eines notb wendigen Organs der Sttafrechtspflege derart, daß gerade diejenigen Rechts» anwälte, welche die Würde ihres Berufes hochhalten, am meisten entschlossen find, eine solche Situation nicht auf stch zunehmen. Das Warten auf dem Flur nimmt übrigens den betreffenden Herren, welche die bis zum Beginn ihrer Sache oft sehr lange Zeit sonst durch anderweite Arbeiten im Saal während der den ihrigen vorhergehenden Verhandlungen auszufüllen pflegten, die Gelegenheit dazu. UeberdieS fällt durch die getroffene An- ordnung die Möglichkeit fort, vor dem Termin noch einmal die Gerichtsakten einsehen zu können, da diese Akten nach dem Flur nicht verabfolgt werden können. Sehr häufig hängen Freiheit und Ehre eines Angeklagten davon ab, daß sein Ver- theidiger vorher fich darüber hat informiren können, welches Ergebniß die bisherigen, auS den Akten erstchtlichen Untersuchungshandlungen gehabt haben. Und sehr häufih ist diese Akteneinstcht nicht früher, als kurz vor dem Termin möglich, weil die Alten vorher zwischen dem Staatsanwalt und den Untersuchungsrichtern, dem Vorfitzen- den und dem Referenten unterwegs find. Thatsäcdlrch ist übrigens der Fall vor wenigen Tagen eingetreten, daß ein Vertheidiger um die schriftliche Erlaudniß nachsuchte, vor d-m Beginn der Verhandlung, bei welcher er betheiligt war, zum Zweck des Aktenstudiums den Sitzungssaal betreten zu dürfen, daß ihm diese Erlaubniß aber versagt wurde. Nun ist den Rechtsanwälten aber gerathen worden, daß fie in dem gewöhn« lichen Zuschauerraum Platz nehmen mögen, bis es zu ihrer Ver« Handlung kommt. Dieser Rath ist indessen nicht befolgdar, da das Publikum der sogenannten Kriminalstudenten in den Moa» biter Sitzungssälen doch zu eigcnthümlich ist, um einem in AmtStracht befindlichen Rechtsanwalt ein Beieinandersttzcn mit diesen Elementen möglich erscheinen zu lassen. Aklenstudium in Gegenwart dieser Kriminalstudenten wäre geradezu ohne schwere Schädigung der Sttafrechtspflege ausgeschlossen.— Aus diesen Gründen werden wohl sehr viele Rechtsanwälte jenem oben besprochenen Beschluß beitreten, im Interesse ihres Etandcs, im Interesse der von ihnen vettretenen Parteien und im Interesse ihrer sozialen Stellung."— Wir nahmen gestern von den Ansichten der Gegenpartei Notiz und glauben daher auch die Anschauungen der Anwälte unserenLesern unterbreiten zu sollen. Wir unsererseits glauben übrigens, daß die Anwälte im Recht find, Nach einer bei der Kriminalpolizei gemachten An« zeige find vor etwa drei Wochen die in Castan's Panoptikum aufgestellten Wachsfiguren bestohlen worden und zwar aus der Hand Voltaire's eine geschnitzte Elfendeindose mit dunkler Gra« virung und von der Brust eines Schützenkönigs fünf filberne und bronzene Medaillen. Zur Ermittelung eines Raubmörders wird folgendes bekannt gemacht: Am 1. November d. I. wurde in Bogen- hausen in Bayern der vormalige Oekonom Michael Bader ermordet und beraubt. Nach verschiedenen Aufschreidungen, welche in seinem vtachlaffe gefunden worden, dürften folgende Werthpapiere geraubt sein: a) 21 Stück Pfandbriefe der Hypotheken- und Wechselbant zu je 2000 Marl, b) 44 Siück zu je 1000 Mark, c) 15 Stück zu je 200 Mark, d) 10 Eillck zu je 100 Mark, e) 50 Stück bayerische Eisenbahn-Anlehns-Obli- gationen zu je 400 M. Die einzelnen Nummern dieser Obli« gationen, von denen bei den unter a und s bezeichneten nur die sogenannten Mäntel vorhanden waren, während bei den übrigen die Koupondogen und TalonS mttgeraubt zu fein scheinen, find auf dem hiefigm Kriminal- Kommissariat zu erfahren. Auf die Ermittelung und Festnahme des Raub- mörderS ist eine Belohnung von eintausend Mark ausgesetzt. Vereine nnv Versammlungen. Tie Vereinigung der deutschen Stellmacher. Mitglied- schaft Berlin, hielt eine Vereinsversammlung am Sonr abend, den 19. d. M., in Gratweil's Bierhallen, ab. Auf der Tages- ordnung stand: 1. Vortrag; 2. Wahl eines Revisors: 3. Wahl einer Kommisfion für Ardeitsausgabe-, 4. Verschiedenes. In seinem Vortrag erläuterte Herr Gcaack die Beschaffenheit zweier Räder, von denen er das eine, in Folge des vielen Sturzes, mit der heutigen Innung verglich. Das andere jedoch, ein Rad, wie es heute in Berlin gangbar ist, sei ein Sinnbild der Mechanisch ergriff sie ihr Strickzeug, da ertönte energisch und kräftig die Klingel— das war ihr Mann. Erschreckt flog sie nach der Thür, um zu öffnen. „Du kommst so früh, Wilhelm, ist Dir etwa« paffirt?" fragte sie ängstlich. „Laß mich nur erst hinein," entgegnete er scheinbar ruhig,„e« ist nichts von Bedeutung!" Er trat i» da» Zimmer, legte seine Mütze ab und setzte sich an den Tisch. Düsteren Blickes schaute er einen Augenblick in die Lampe, dann stand er auf und trat an die Lagerstätte seine« Knabe». Vorsichtig lüftete er die Decke und fuhr dem Kinde sanft mit der Hand über die Stirn. „Marie," sagte er zu seiner Frau, die ih» sprachlos be» ttachtet hatte,„Marie, wir werden ttaurige Weihnächte» haben." „Traurige Weihnachten, weshalb?" „Sehr einfach," entgegnete er,„man hat mich urplötz« lich aus der Arbeit entlasse«,„weil mein Auftteten außer« halb der Fabrik ei» derartige» ist, daß das gute Emver« nehmen, welche« zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herrschen muß, leicht gestört werden könnte!"' Er sagte diese letzten Worte mit Bitterkeit, seine Faust ballte sich und dennoch lächelte er. Seine Frau sah ihn mit ihren großen Augen wie geistesabwesend an, fie schien die Tragweite des Gehörte» »och gar nicht erfassen zu könne«. Sie machte eine weguvg, als ob sie etwas sagen wollte, er untetbrach sie jedoch heftig. „Es ist unvöthig, daß ich mich jetzt nach andere« Arbeit umsehe, bi« Weihnachten geht die Arbett allerdings flott i» allen Fabriken, aber alle Plätze sind auch besetzt, und nach den Feiertage» macht man überall Inventur, die Bettiebe stehen still, vor M1" oder Ende Januar ist an eine» regelmäßige» dienst gar nicht zu denken. Das sieht Zeder ein, e« gehört nur wenig Verstand dazu!" Er stand auf und und trat vor seine Frau hm. � schien mächtig in seinem Znnecn zu arbeite»; wie u heutigen Vereinigungen. Die Nabe als Linnbild deS Vor- standeS müsse auS dem bestem Holje gefertigt weiden. Ebenso müssen die einzelnen Tbeile, die Speichen resp. Mitglied- schaftcn innig mit der Nabe verbunden sein. Die Zentrali- sation resp folgen müsse das Ganze fest zusammen halten. Em solches Rad resp. Vereinigung vermag den gestellten An- sorderungen zu genügen. Ist auch der Verband gut organifirt, so dürste es wohl vcraeblich, wenigstens mit den allergrößten Anstrengungen verbunden sein, zwischen die einzelnen Tbeile einen Keil zu treiben, welcher stark genug ist, die Mitglied- schatten auseinander zu sprengen. Hieran Woß Redner die Aufforderung, sich zahlreich an der Agitation für die Vcreini- gung zu betheiligen. An der Diskusston bethetligten fich die Herren: Thom, Glauditz, Volte, Gclbahr und Andere. Zum Revisor wurde Herr Wilhelm gewählt. Bei der Wahl der Kam- misston für Arbcitsausgabe betonte Herr Graack die Nützlichkeit desselben in Bezug auf die Vereinigung wie auf die Mitglieder. Es wurden hierauf gewählt die Herren Mentzel, Uliich, Gel- Hahr, Elein, Barthel, Wachaus und Grünemann. Zu Ver- schiedenes lag ein Unterstützungsgesuch vor. in welchem ein bejahrter Kollege um Hilst bat. Die Versammlung be- schloß, den Mitgliedern freizulassen, denselben zu unterstützen, da derselbe auch die Werkstärten in unziemlicher Weise in An- spruch nehme. Herr Glaubiy stellte den Antrag, ein Ver- gnügungskomits zu wählen resp. das alte noch vom Fachverein gewählte KormtS zu bestätigen. Die Versammlung bestätigte daS alte Komit«, welches aus den Herren Giaubitz, Elein, Barthel, Singert, Dornst I, Hölzke und Gelhahr besteht. Noch wurde bekannt gemacht, daß die nächste Versammlung am Sonnabend, den 2. Januar 1886, in Gratweil's Bierhallen (oberer Saal) abgehalten wird. Krankfurt a. O., 21. Dezember. Eine Versammlung des neugcgründeten FachoereinS der Tischler fand hier am Sonn- abend, den 19. Dezember, im„Neuen Karthau!" statt. Herr Apelt(Tischler) aus Berlin referirtc über das Thema:„Die Entwickelung und der Niedergang deS Handwerks." Derselbe sprach fich in seinem Vortrage etwa folgendermaßen auS: lieber die Entwickelung des Handwerks von seiner ersten Stufe an lasse fich kein genaues Zeitalter bestimmen, da man schon bei den Urvölkern Gerälhschasten, Waffen, Geschirr:c kannte. Bei den Egpptern war die Kunstfertigkeit im Handwerk besonders weit entwickelt, wovon ja die Sammlungen in den Museen die besten Beweise liefern. Später entwickelte fich das Handwerk bei den alten Griechen und Römern zu einer kaum wieder er- reichten Höhe. Eine größere Bedeutung erlangte das Hand- werk in Deutschland aber erst nach den Kreuzzügen bis zum W jährigen Kriege, in welcher Zeit man auch die freien Hand- werker-Städte erblühen steht. Auch damals hatten die Handwerker zu kämpfen gegen die Feudalherrschaft deS Ritterthums und verschiedene andere Widerwärtigkeiten. Es wurden zum Schutz gegen die Unterdrückungen die Innungen ge- Ichaffen, welche mit ihrer vereinten Kralt nicht bios im Stande waren, fich zu vettheivigm, sondern auch verschiedene Privi- legien zu erringen. Begünstigt wurde das städtische Bürger- thum auch durch den aufblühenden HandelSstand, durch die Entdeckung Amerikas u. s> w., bis es endlich am Ende vorigen und Anfang dieses Jahrhundetts zu seiner vollendeten Macht- stellung gelangte. Zu derselben Zeit ging aber auch eine voll- ständige Umwälzung im Handwerkerstand vor fich, nämlich durch die �Nutzbarmachung der Dampfkraft. Hier wurde das Ei g-legt, woraus fich unsere heutigen wirthschastlichen Ver« häliniffe entwickelten, wie aber auch gleichzeitig au! den da- m Ilgen Innungen die heutigen großartigen Gewerkschaften hervorgingen. Es beginnt der sogenannte vierte Stand mit an die Oberfläche zu treten. Auch in Deutschland vollzog sich dieser Prozeß, so bald auch hier die Groiproduklion festen Fuß gefaßt hatte. Die veränderte Produktionsweise war es, welche auch bei unS die engen Schranken mittelalterlicher Gesetzgebung ouä bnri. Wege räumte, um fich frei entwickeln zu können. Diese Umgestaltung vollzieht fich in allen Kuliurstaaten der Erde. Wir sehen auch, wie mit der Entwickelung der kapitalistischen Produktionsweise die frühere Sklaverei mit auS dem Wege geräumt wurde. Man hatte nicht mehr nöthig, die Arbeiter zu kaufen, sondern die durch die Maschinenarbeit brodlos gewordenen Arbeiter bekam man, indem man ihnen nicht mehr, als waS zum Lebensunterhalt nothdürftig gebraucht wurde, zahlte. Außerdem wurde aber auch durch die Massen- Produktion eine Reservearmee geschaffen, welche man dazu be- nutzte, den Lohn der beschäftigten Arbeiter herabzudrücken, ja man benützte sogar Frauen und Kinder, wodurch den männ- lichen Arbeitern große Konkurrenz gemacht wurde. Durch den immer größer werdenden Druck ist der Arbeiter endlich dahin gekommen, darüber nachzudenken, aus welchen Ursachen die Roth der arbeitenden Klaffen entsteht und wozu fie führt. Die aufgeklärten Arbeiter fingen an, sich zu orga- nifiren, um gemeinschafttich zu berathen und zu kämpfen für ihre Eristenz. Ueberall sehen wir jetzt Fachvereine gründen, auch hier in Frankfurt a. O. Redner geht dann auf den MaximalarbeitStag. sowie Beschränkung der Frauen- und «inderarbeit ein und empfiehlt allen Arbettecn vre Agitation für das Arbeiterschutzgesetz. Ferner empfiehlt Redner die Einführung des unentgeltlichen Rechts- seine Bewegung zu verbergen, kreuzte er die Arme über der Brust. „Marie/ sagte er dann mit gepreßter Stimme, die erst allmälig stärker wurde,„Du weißt, daß ich Dich und Unseren Zunge» mehr liebe, als mein eigenes Leben. Wir haben bisher noch nicht viel Freude am Leben gehabt, im Gegentheil, harte Prüfungen sind vnS nicht erspart ge- «lieben. Hätte es sich um meine Person allein gehandelt, glaube eS mir, nicht ein Wort hätte ich dem kalten, er- barmungSlose« Geschäftsmann gesagt, als er mir unver- Muthet seine niederschmetternde Eröffnung machte. Lieber hätte ich sterben wollen, sofort, ehe ich jenen Mann hätte werke» lassen, daß sein hinterlistiger Schlag da verwundet hätte, wo er eS wollte. Ich habe an Dich gedacht, an unser unschuldiges Kind, und ich habe jenem Manu meine Verhältnisse offenbart.„Es thäte ihm leid/ hat er mir «chselzuckend geantwortet,.jetzt könne er aber nicht« mehr an der Sache ändern!' Ich bat ihn zum zwetten Mal, .? möchte seine« harten Entschluß zurücknehmen, ,ch hielt ?hm vor, daß ich stets treu und unermüdlich für 'ha gearbeitet habe, ei strebe doch jeder Mensch "ach Besserung seiner Lage, und e« ist nicht edel gehandelt, w<-v«--- w ftA mm Svreiber der allgemeinen aach Besserung seiner Lage, und es ist nnpr eoer geymm«., Min man den, der sich zum Sprecher der allgemeinen Mei»"--..— j.i nfmp llnierfuckmna der vorgebrachten «lac ruin sich überreichte mir de» Zettel— es war ein««>>>»>!>,-.»» i«äffe;«in Almosen bot mir der reiche Mann, wo ich m Arbeit bat, er wollte mich abfertigen wie einen Bettler! a übermannt««s miA iA rerknitterte seinen Wisch und ihn nn man den, der st� zum .lemung macht, sofort ohne Untersuchung der vorgebrachten tui0®6" und Beschwerden in seiner bürgerlichen Existenz n'N'rt— ich will eS nicht verschweigen, vielleicht rührte «P/toas in ihm, er warf einige Zahlen auf Papier und sein � m'r �en �itel— ei war eine Anweisung auf MKW -AM-.SSMä schutzes für die Vereinsmitglieder, sowie Gründung einer Bibliothek. Die Bildung sei die erste Aufgabe der Arbeiter, um fich Achtung und Anerkennung in der Gesellschaft zu erringen. Nicht Streik« können unsere Lage dauernd bessern, sondern der Arbeiter müsse für eine veränderte Produktions- weise kämpfen, vor All-m für Verkürzung der Arbeitszeit, damit er auch Zeit gewinne, fich die Forschungen der Wisse« schaft anzueignen. Wenn der Ardeiter fich erst als ganz Mensch in der Gesellschaft fühlt, dann wird ihm auch di Morgenröthe einer besseren Zeit entgegenleuchten. Reich' Beifall delohnte den Redner für feinen ungefähr fünfviert-' stündigen Vortrag. An der Diskusston betheilst fich ein Ardeiter, welcher den alten Brei der Ott vereine aufzutischen suchte, er wurde aber von der Ver- sammlung derartig mit Schlußrufen überhäuft, daß er abtrat- Weiter betheiligten fich an der DiSkusfion noch mehrere Redner, fast alle im Sinne des Referenten. Ein Meister beklagte sich über die langsame„Montagsarbeit"; ein Fiankfutter Stadt- rath hielt eS nicht nöthig, Fachvereine zu gründen, da die- selben doch nichts machen könnten. Dazu wären die Innungen, welche allein im Stande wären, auch dem Arbeiter zu helfen. Dem Meister wurde vom Referenten erwidett, er solle die Arbeitszeit verkürz-n und die Sonntagsruhe innehalten, dann werde der blaue Montag von selbst wegfallen; dem Herrn Stadtrath wuiden seine Ausführungen von einem Herm Heinze gründlich widerlegt. Nach einem kurzen Schlußworte des Re- ferenten, in welchem er den Frankfurter Kollegen nochmals warm empfahl, dem Vereine treu zur Seite zu stehen und denselben zu einer..Arbeiterschule" heranzubilden, trennte fich die etwa von 150 Personen besuchte Versammlung.— So ist denn auch in Frankfutt a. O. der Grundstein zu einer neuen Arbeiterorganisation gelegt, möge dieselbe blühen und ge- deihen. Der Unterstützungs-Verein der Buchbinder veranstaltet am zweiten Feiertage im Lokale„Neu-Tivoli", Oranienstr. 52 e-ne Matinee zum Besten der Vereinskasse. Das reichhaltige Programm verspricht in Anbetracht der ausgezeichneten Kräfte, welche hierbei mitwirken, einen genußreichen Morgen. Da fich die Matinee« der Buchbinder stets eines großen Zuspruchs er- freuen, so machen wir hierauf besonders aufmerksam. Billets »30 Pf. find zu haben bei: O. Kerkhoff, Alcxandrinenstr. 103 1. Plantz, DreSdenerstr. 99 III: G. Schießt, Wafferthorstr. 69 III; P. Schneider, Blumenstr. 29; Linke, Wilhelmstr. 3, Hof H. (Siehe Annonce.) Die Mitglieder der Zentral-Krankenkasse der Schuh- macher und Berufsgenossen, E. H. Hamburg, ersucht der Vor- stand der örtlichen Verwaltungsstelle Berlin, ihre noch restiren- den Beiträge in ihrem eigenen Interesse möglichst schnell zu begleichen. Außer am Montag, den 28 ds. Mts, in den de- kannten Zahlstellen, werden ausnahmsweise in der Zeit bis Neu- jähr bei dem Kasstrer Burisch, MarkuSstr. 38, und beim Bevollmächtigten Papke, Naunynstr. 36, Beiträge angenommen. Der Unterstützungsverei« deutscher Schuhmacher feiert sein erstes Stiftungsfest am ersten Weihnachtsfeiettage, Abends von 7 Uhr an, in Mimdt's Salon, Köpnickerstc. 100. Das reichhaltige Programm verspricht einen genußreichen Abend. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbetter(E. H., Hamburg). Ortsverwaltung Berlin C(Hallischer Thorbezirk). Die Zahlstellen find Sonnabend, den 2. Feiertag, geschloffen, dafür aber Sonn- tag, den 3. Feiettag, von 10—12 Uhr Vormittags geöffnet. Es ist im Interesse der Mitglieder dringend nothwendig, daß sämmtltche Beiträge für dieses Jahr voll entrichtet werden. Siehe Aufruf vom Sonntag, den 20. Dezember, im„Berliner Volksblatt", die Kasse betreffend. Thue jedes Mitglied seine Schuldigkeit. Oeffeutliche Versammlung der Steiuträger Berlins und Umgegend am Sonntag, den 27. Dezember, Vormittags 10V» Uhr, in der„Tonhalle", Friedrichfir. 112. Tagesordnung: 1. Unsere Lohnbewegung in diesem Jahr und wie verhalten wir uns im nächsten Frühjahr. Referent: Hm Rennthalcr. 2. Freie DiSkusfion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen tst nothwendig. Zeutralistrte Hilfskasse der Stuckateure tc. Den Mitgliedern der örtlichen Verwaltungsstelle Berlin Ii zur Nach« richt, daß am Sonntag, den 27. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, in Niest's Salon, Kommandantenstr. 71 und 72, eine außer- ordentliche Mitglieder- Versammlung stattfindet. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes zu erscheinen. Fachverein für Schlosser und BerufSgenoffen. Der Feiertage wegen fällt die Vereinsversammlung am 26. Dezember aus. Die nächste Versammlung findet am Sonnabend, den 9. Januar 1886 statt. Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Maler und verw. Berufsgenossen(E. H. 71). Der Vorstand macht die Mitglieder darauf aufmerksam, daß Dienstag, den 12. Januar 1886, Abends 7'/- Uhr, Alte Jakobstr. 83, bei Rcyher, eine Mitgliederversammlung stattfindet, mit der Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Errichtung von vier Filialen in Berlin. 3. Wahl der hierzu nöthigen Kaffenbeamten. 4. Verschiedenes. seufzte bisweilen tief auf und manche heimliche Thräve netzte ihre Finger. Es war nicht der Geist, der uns zum Weihnachtsfeste den„Friede» auf Erden" verkündet, der heute auf dem ärmlichen Zimmer ruhte. Blutig verletztes Ehrgefühl, Angst um die Gegenwart, Sorge um die Zukunft, Nolh und Trübsal überall, ist das noch Friede? »* * Heute war es Heilig-Abend. Draußen lag Schnee; er knirrfchte unter den Tritten der Dahineilenden, die noch Be- sorgungen zu mache« hatte«. In de» Wohnungen wurden allmälig die Weihnachtsbäume angezündet, Groß uno Klein befand sich in jener sieberhaften Spannung, wie sie eben nur das Weihnachtsfest hervorbringt. Zn jener kleinen Wohnung oben faß da« junge Ehe- paar am Tisch, wider ihren Willen hatte sich der jungen Leute eine peinliche, gedrückte Stimmung bemächtigt. Nie- wand wollte ei» Gespräch beginnen aus Furcht, eS könnten Gegenstände erwähnt werden, welche de» Andere« verletzen könnte». Die junge Frau hatte fich auf den heutigen Abend so sehr gefteut. Auch sie hätte so gern einen geschmückten Tannenbaum besessen; waS wäre e« für eine Freude ge- wesen, wenn der Kleine jauchzend nach den Lichter« ge- griffen hätte— und jetzt? Die wenigen Markstücke, die noch in der Familienkasse waren, mußten zu Rath ge- halten werden, e« konnte lange dauern, bis neuer Zu- schuß kam. Da klingelte e«. „ES wird nebenan sein/ sagte der Mann mechanisch, „wer sollte unS heute besuchen." „Ich will doch öffnen, nebenan scheint Nie- mand zu Hause zu sein/ sagte die junge Frau und ging JRo, � Bauart;ft ziemlich lange," hörte man draußen die tiefe, brummende Stimme de« alte« Flurnachbars sagen. Meine Alte ist jetzt nicht zu Hause, die braucht nicht dabei Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Am Freitag, den 8. Januar, erfolgt die offizielle Bekannt» machung im JnsertionStheile dieses Blattes. Kleine Mittheilnngen. Leipzig, 23. Dezember. Das Reichsgericht hat in dem Chemnitzer Sozialistenprozeß der Revision stattgegeben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht in Freiberg verwiesen. Aus Burg, 22. Dezember, wird uns geschrieben: Am d. M. verschwand von hier der Schuhmacher Gustav ch u l z, welcher Kasfirer der hiefigen Filiale der Zentral- Kranken- und Eterbekasse der Schuhmacher Deutschlands war, mit dem Kaffenbestand von 148 Mark. Schulz hatte eS verstanden, fich das Vertrauen der hiefigen Arbeiter in hohem Maße zu erwerben. In Folge dessen ist es ihm auch gelungen, viele seiner Freunde und Gewerlsgenossen zu be» sckwindeln und um erhebliche Summen zu brandschatzen. Wie wir hören, hat er auch namhafte Bettage, welche für streikende Schuhmacher gesammelt waren, unterschlagen. Mögen diese Zeilen mit dazu beitragen, die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf diesen sauberen Patron zu lenken, damit«S ihm nicht gelingt, sein„Handwerk" noch anderSwo fortzusetzen. Kriefkasten der Nedaktio«. I. H. Goldlauter. Auf eine Seemeile rechnet man 1852 Meter. 1 Knoten gleich 7,7 Meter. 1 Faden bedeutet ursprünglich so viel als ein Mann mit ausgebreiteten Armen um- fangen kann. Der englische Faden mißt 1,8288 Meter, der niederländische Faden(bis 1870 gebräuchlich gewesen) 1,6988 Meter, der französische 1,6242, der dänische und der frühere preußische Faden gleich l,883i Meter ic. je. An unsere Leser. Ein Abonnent bittet um die Adresse des Vorstandes resp. der Zahlstellen der„Bau- und Fabrik- arbeiter-Krankenkasse"(nicht der Dresdener eingeschriebenen Hilsskasse). Vielleicht sendet uns ein Mitglied der betteffenden Kasse die gewünschte Adresse ein. N. H. F. K. Bei Anmeldung einer Versammlung brauchen Sie der Polizeibehörde die Tagesordnung der Versammlung nicht anzuzeigen, ebensowenig ist der Witth, in dessen Lokal die Versammlung stattfinden soll, verpflichtet, die Anmeldung mit zu unterzeichnen. L- F. Bernauerstraße. Ob und wann in Berlin eine Weltausstellung stattsindet ist noch nicht bestimmt. Die für 1888 projeklirte Ausstellung ist nur für die Erzeugnisse der deutschen Industrie»c. geplant, ist also keine Weltaus» stellung. H. G. 1. Der Wirth kann die Sachen rettniren und Zahlung deS MiethSzinses für die ganze MiethSzeit bean» spruchcn. 2. Gefängniß biS zu 2 Jahren oder 900 M. Geld» strafe. L. Sch. 70. 1. Die Feiertage werden nicht bezahlt. 2. Nein. Peterviez. Mündliche Kündigung genügt. A. M. Da daS Verlöbniß nicht in notarieller oder ge- richtlicher Form abgeschlossen ist, so zieht ein grundloser Rücktritt keine vermögenSrechtticben Folgen nach fich. C. G. Lausttzerftr. Die Frage ist unverständlich. F. L. Friedenstraße. Nach den Bestimmungen deS § 18 haben Sie unserer Anficht nach Recht. Die AufstchtS- behörde ist die Gewerbe Deputation deS Magisttats zu Berlin. Machen Sie dort ihre Ansprüche geltend, falls der Vorstand nicht darauf eingehen sollte. Von einem gänzlichen Ausscheiden aus der Kasse kann überhaupt nicht die Rede sein. K. St. U. Die Bestellgebühren betragen: a. für ein Packet biS 5 Kg. 15 Pf. b. für ein schwereres Packet 20 Pf. c. für einen Geldbrief biS 1500 M. 5 Pf. d für einen Geldbrief von 1500—3000 M. 10 Pf. e. für eine Postanweisung 5 Pf. Die Bestellgebühren gehören nicht dem ausführenden Beamten, fließen vielmehr in die Postkasse. B., Ackerstraße. Ein Anspruch auf 14tägige Kündigung' steht Ihnen nicht zu, da Sie den Schein vom 14. Dezember unterschtteben haben. Den Vorttag des Herrn F. haben Sie mißverstanden. Rheda. 1. Derartige Personen find nicht aufnahmefähig. 2. Nein. 3. Wohnott des Arbeitgebers ist maßgebend. Alter Abonnent N. W. 1. Der Ehemann kann mittel« Bürgschaft für die Bezahlung der Forderung fich verpflichten. 2. Die hervorgehobenen Umstände bewirken kein Erlöschen der Forderung. Beckmann. Sie find verpflichtet, die Tauskosten zu de- zahlen. Kutschke. Die Forderungen find noch nicht verjährt. Sie müssen beim Amtsgericht I hier auf Zahlung klagen. zu fei», ich habe sie glücklich weggelockt, die weint nämlich immer gleich bei solchen Gelegenheiten." Die junge Frau öffnete die Thür. Auf der Treppe sah sie ach« oder zehn Männer stehen, von denen Zeder ei« Packet in der Hand ttug. Voran stand ihr Flurnachbar, der einen ausgeputzten Weihnachtsbaum in seine« Händen balanzirie. „Machen Sie nur die Thür ganz und gar auf, Frau Schmidt/ meinte er,„sonst kann ich meine Pflicht al» Weihnachtsmann nicht erfüllen." Er zwängte sich mit seiner Last durch die Thür, die Anderen folgten. „Sie irren sich, Sie gehen ja bei unS hinein/ sagte Marie, doch der Alte war schon im Zimmer. Gravitätisch pflanzte er den Weihnachtsbaum auf dem Tisch auf, bedächtig zündete er die Lichter an, während die Anderen ihre Geschenke niederlegte«. „Lieber Wilhelm/ sagte er dann, indem ei sich seinen grauen Batt strich,„lieber Wilhelm, Du weißt, daß ich kein großer Freund von vielem Reden bin. Ich habe mir aber gedacht, daß eS unsere Pflicht und Schuldigkeit war, einem Kameraden, der Manche« für un« gethan hat, wozu er nicht verpflichtet war, in der Zeit der Roth beizustehen und da haben wtt Kollegen unter un« eine Besprechung gehabt, deren Resultat diese Kleinigkeiten find. Wen« die reichen Leute auch kein Mitleid mit uns haben, so wohnt doch immer noch bei der Armuth das Erbarmen und die Liebe!" Er beugte sich zu ihm nieder und drückte ihm etwas in die Hand. „Sei nur stille," sagte er,„am 1. Januar ist die Miethe fällig, und in bessere« Zeiten giebst Du e« uns zurück 1" Stumm, mit feuchte» Augen aber beredtem Händedruck dankte Schmidt seinen Kamerade», und al« der letzte da« Zimmer verlassen hatte, da lagen Mann und Frau sich in de» Armen— nun war eS doch„Friede auf Erden I" B. C. 1 Heute Heute Heute Heute Heute Heute Heute Heute Heute Heute Heute Heute Heute Heute Heute Heut« Theater. Operuhau». Geschlossen. Geschloffen. Geschloffen. � �edrich.WtIhel«ftSdttsche» Theate». Geschloffen. Echausvielhau«. Deutsche» Theater. Siestdenz-Theate«. Walluer-Theater. Geschloffen. Velle-Alltanee-Theater. Geschloffen. Walhalla-Operetten-Theater. Geschloffen. Viktoria-Theater. Geschlossen. Keutral-Theater. Geschlossen. Louisenffädttsche« Theater. Geschloffen. Ofteud-Theater. Geschloffen. Theater der Steich»hallea. Geschlossen. Amerieau-Theater. Geschlossen. Kaufmann'« Vurle«. Geschlossen. Konkordta. Geschloffen. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute Donnerstag: Keine Vorstellung. Am 1., 2. und 3. Weihnachtsfeiertage: Der verkaufte Schlaf. Romantisch-tomisches Weihnachtsmärchen in 3 Akten von E. Jakobson und O. Girndt. vor der Vorstellung: Großes Konzert der Hauskapelle. Am 2. Feiertage. Mittags von 12-2 Uhr Große Matinee zum Besten der Unterstützungskasse hilfsbedürftiger Bühnenangehöriger. Anfang de« Konzerts Wochentags 7 Uhr. der Vorstellung 8 Uhr. Anfang de« Konzert« Sonntags 6 Uhr, der Vorstellung 7 Vi Uhr. von« haben Wochentags Giltigkeit und find im Theaterbureau (12—1 Uhr) gratis zu haben. » i 1 q" mnrn 1n"»"> WTAJry Kaiser-Panorama. \BwPaf ll. Abth. Amerika. Kalifornien. Der M ond. Eine Wanderung durck d. Berner Oberland. WeihnachtS. Ausstellung: DaS Leben Jesu. Jerusalem. Hertha» Steife.— a Reise 20 Pfg.. Kinder nur 10 Pf. Allen Freunden und Bekannten erlaube ich mir hierdurch eraebenst meine Verlobung mit Fräulein Marie Marke- stutz anzuzeigen. Berlin, im Dezember 1885. _ Karl RosenthaL Konzerthaus„Sanssouci" Kottbuserstr. 4». Am 2. Weihnachtstrtertaa Graus MAf nffiB, [301 wozu ergedenst einladet der __ Echäfer'sche Gesangverein der„Elfer". Die üutfabhk von H. Kehr «mpfiehll zum bevorstehenden Weihnachtsfeste ihr vorzügliches Lager selbstgefertigter Filz- und Seidenhüte. -n b>«»■« 1. Geschäft: Skalitzerstraße 109, nahe d. Manteuffelstr. 2. Geschäft: Ädalkert- und Köpnickerstraßeu-Ecke, ___ Eingang Avalbertstraße.___ Präsent-Cigarren in hochfeinen Qualitäten, nur eigenes Fabrikat, in Ktsteu a 25 Stück von 1,10—2,50 Kisten a 50 Stück von 2,50 bis 5 Mk., sowie alle Sorten Rauch-. Kau- n. Schnupftabake empfiehlt A. Kunze, 241_ Forster» Straße Nr. 2. 1 MM-OeMst I von R. Rittersb ansen, 1 Fehrbellinerstrasse 1, Ste Schtthi-ser Akte, I empfiehlt zu Weihnachtsgeschenke« > sein wohlassortirtes Lager sämmllicher Uhrm zu dm■ billigsten Preisen._ I ■ BC Um den Einkauf zu erleichtern, werden-M»> gf auch sämmtltche Arten Uhren ohne jede■ I WM- Preiserhöhung gegen geringe Tbeii--W»■ WM- zahlnnsen abgegeben.*90 Reparaturen werdm solide und billig ausgeführt.[209| Verantwortlicher Redakteur A. on gros Cigarren- u. Tabak-Handlung«a detsu Fritz Goercki Berlin SO., Admiralstraße 40(frühere„Linde"). Große Weihnachts Ausstellung. Prasent-Kisten ä 1,00, 1,25, 1,50, 2.00 M. u. s. w. Auch empfehle ich meine Rauch- und Schnupf-Tahake in Packeten zu Geschenken. Import echter Havanna, Lager.aller Sorten Ranch- und Schnupf- Tabake. Reich assortirte« Lager echt türkischer, russischer n. amerikanischer Cigarette« u. Tabake. Echt Nordhäuser Kautabake. [286 Reichhalliger Abendtisch. Zu jeder Tageszeit: Knigsberger Fleck, a Portion 25 Pf. Einem geehrten Publikum empfehle mein Weih-& lkm(Miec=Ma[ Reichhaltiger kalter und Frühstücks-,.sowie warmer Mtttagstisch v. 12-2 Uhr. _ mit Bier ä Kouvert 50 Pf. Arbeitsnachweis für Klaviersrbelter.»W[2010 Achtungsvoll Hermann Stramm, Rellaurateur. Zkalitzerstraße 18. Große Volksversammlung am Sonntag, de« 27. Dezember, Vormittags 10 Uhr. im Kovzerthaufe Sanssouci, TageS-Ordnung: 1. Tie Kowmunolwahlen und das öffentliche, indirekte Wahlrecht. Referent: Herr Stadtv. Fritz Goercki. 2. Freie DiSkusfion. Der Einberufer. _ W. Kiause, Prinzenstrafe Nr. 6. Der Verein für Reform der Schule und (Enirhtttia � Sonntag, dm 27. Dezbr., Vorm. 10 Uhr, * J"in Keller' ä Salon, AdreaSstrahe 21, eine öffentliche Versammlung ab, in welcher der Prediger der freireligiösen Gemeinde, Herr Schäfer, über das Heil der Völker sprechen wird, wobei auch von ihm gestellte Thesen zur Vertheilung und bez. zur Tis- kusfion kommen. Zutritt haben nur Heiren._[300 Zevtral- kranken- und Stekbekajfe der Fabrik- u. Handarbeiter b. G. iE. H. Dresden Filiale Berlin 3.). Den Mrlglievern zur Nachricht, daß die Zahlstelle Prinzen- straße 93 nach der Ritterstraße 35 bei Beitsch, vorn pari. vom 28. Dezember verlegt ist.[298 Der Vor st and. Fachverein der Böttcher. Eonnabend, den 20. Dezbr., Vormittags 10 Uhr, Geueral-Versammlung in Hetse's Salon. Lichtenbergerstraße 21. Tagesordnung: 1. Wahl des gesammtm Vorstandes. 2. Verschiedenes.— Die Mitglieder werden ersucht, bei der Wichtigkeit der Tagesoednunz recht zahlreich zu erscheinen. 297| Fr. Holtmann», Vorsitzender. Große öffentliche Versammlnug sämmtlicher Nschln u. Klmemdeiter Kerlins Sonntag, den 27. Dezbr., Vorm. 10 Uhr, Große Frankfurterstraße 117(Mohrmann). Tagesordnung: 1. Weiterer Bericht über die Thätigkeit der Revifions- Kommisston.|296 1. Abrechnung der abgelaufenen Gelder. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. Bezirksverein d. arbeitenden Bevölkerung des SW. Berlins. Freitag, den 25. Dezbr.(I. Feiertag), Adds. 5Uhr. Gtsklliges Kcisaillmeiistin der Mitglieder nebst Familie und deren Freunde und Be- kannte unter dem brennenden Tannenbaume in Kabel'« Krauerei, Bergmannstraße 5—7._[295 lveihnachts-Geschenke! Größte Auswahl in Photographie-Album Cigarren-, Cigarettm- u. Briestaschm. Por- y � temonnates.Mufik- u. Schreibmapp.,/ f*" Vifitentafchen. Poesie-, Briefmarken-. u. Oblaten AlbumS, Ball» u. Ge- y fellschaftsfächer, Gesang dücher, Schulmappen. Garderoben- u. Handtuch haller, Schreibzeuge, Bürstenlasten, Notizbücher, Kochbücher. Kalender I Lager *y von Bilder. �y Bachem und & S Jugendschrifte«, sowie sämmllichen Schul-«. Schreib- waaren. Galanterie- u. Bijoutericwaaren, Uhr- ketten f. Herren u. Damen, Broch-, Ohrringe, Armbänder und Halsketien, Bilderrahmm, Lampenschirme, Zirkel- u. Reißzeuge, Uhrständer, Rezessaire in Leder und Plüsch, ff. Briefpapier m. Monogr. und anderen Verzierungm, Schach, t/olio, _ Domino, Dammbretter, Tuschkasten u. s. w. Bel�ur reeller� Waare vrlllgste aver"fkste� Pfeife!"" D Villiges Weihnachtsgeschenk! Der erste Jahrgang unserer Illlljlmte« Ämlags-Keilaie mit Titelblatt und Jnhaltsverzeichniß 75 Pfenniir Su haben in der Expedition. Zimmer-Ilraße Nr. 44. Zum Weihnachtsfeste! Emp'thle Präsent-Zigarren,'/i»,'/>«,'/«« Kistchm. echt Wiener Meerschaum-Pfetfen und Zigarren-Spitzen in großer Auswahl. Lange und kurze Tabaks-Pfetfen in allen nur möglichen Sorten. Pkeifenköpfe mit dem Bildniß Lastalle'S. M. Meyer, Neu eröffnet. G. Richter's Restaurant, Kottbuserstr. 2, früher„Alte Linde", empfiehlt seinen nm eingerichteten Eaal für Vereine, 150 dl« 200 Personen fassend, mit und ohne Bühne, zur unentgeltlichen Benutzung. Ausschank von Weiß- und Bairisch- Bier. Spellen a la carte zu billigen Preisen.[2750 CO iO ö] W S- Wiuter- paletots!! Herren- und Knabenanzüge sowie Damen- lleider u. Mäntel im Tuchgesckäst Priiftustr.öZ, g«genIU>.d.T>>nch!>a». 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