Mr. 302. Freitag, den 25 Dezember 1885« IL IayrA- fierlinerUolWlatl Krgil» für die Interessen der Arbcrter. 4 Da«».Werttaer Volksbwtü« McheM täguck Morgen« außer«ach Eon«» und Festtage«. WmmemevtSpreiS Berlw frei w'« Hau« viertchährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35' ysstabommnent 4 Mf. Einrelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10' (Singetrage» i« der Posheitu»g«prei«liste für 1885 unter Nr. 746.) t,„ t, Zaferttoasgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 M Set größere« Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi« 4 AI» Nachmtttag« m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Anno««M Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion; Keuthstraße 2«— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. rryam Abonnements- Cinknäung. Zum bevorstehenden Vierteljahrswcchsel erlauben wir unS, alle Arbeiter Berlins zum Abonnenent auf das „Kerliner Uolksblatt" mit der Gratisbeilage „Jllastrirtes Ssnntagsdlatt" einzuladen. Wer der Sache der Arbeiter dienen will, helfe ein Unter- nehmen befestigen, welches bestimmt ist, die berechtigten For« derungen und Wünsche der Arbeiter zum Ausdruck zu bringen. Suche ein jeder von unseren bisherigen Anhängern, in dem K: eise seiner Freunde und Bekannten das„Berliner Volksdlatt" zu verbreiten und sehe darauf, daß jeder neu ge- fundene Gesinnungsgenosse sein Versprechen, zu abonnirm, auch wirklich hält. Unsererseits werden wir bemüht sein, den Inhalt unseres Blat es immer reichhaltiger zu gestalten. �„Berliner Kotksölatt" kostet für daS ganze Vierteljahr frei inS Haus 4 Mark, für den Monat Januar 1 Mark 35 Pf., pro Woche 35 Pfg. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstr. 44, ent- gegengenommen. Für außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für daS nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark entgegen. Tie Redaktion und Expedition de«„Berliner Volksblatt". All die Arbeiter Kerlills! Am 1. Januar 1886 beginnt da«„Berliner V o l k S b l a t t" seinen dritten Jahrgang. Nicht gering waren die auS den öffentliche» Verhältnissen resultirendea Schwierigkeiten, welche sich unserem Bemühen, mit diesem Organ in erster Linie die Interessen derArbeiter zu verfechten, entgegenstellten. Doch glauben wir dreist be» haupten zu dürfe«, daß es uns gelungen ist, allen berech- tizten Anforderungen in dieser Richtung nach Möglichkeit zu genügen. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß uns das auch ferner gelinge« wird. Jedenfalls werde« wir nach wie vor i« jedem Theile des Blattes mit aller Entschiedenheit eintreten für eine wirklich freisinnige und gründ- lichesozial-politischeReform. Stets werden wir Handel« in dem Bewußtsein, daß eS unsere heiligste Pflicht ist, de« Arbeitern über alle politischen, sozialen und wirthschaft- lichen Verhältnisse und Vorkommnisse rückhaltlos die vauiei-, �feutrfcfon. Di- Hand der Nemesis. Roma« 62, von Evald August König. (Fortsetzung.) „Würden Sie sich damit einverstanden erkläre», daß das gesammte Vermögen von Ihrem Schwiegervater oder Ihrer Frau verwaltet wird und Sie selbst nur er» erbarm» liche« Taschengeld erhalten?" „Das wurde Ihnen geboten 9" „Herr von Lossow hatte die Güte!" „Und das gnädige Fräulein?".,,,. „Es genügte mir, daß der Baron mir sagte, ferne Tochter sei mit seinen Bedingungen einverstanden; weiter verengte ich nicht« zu wissen." „Sie haben also definrtrv gebrochen?" „Jawohl," nickte Rabe,„und darauf wolle« wir eine Nasche Champagner trinken." Herr von Barnekow klemmte sei« goldenes Lorgnon auf die Nase und blickte seine» Freund mit sichibarer Be» wunderung an.,..,„ .„Sie habe« Muth, Rabe," sagte er,„rch wäre voll» ständig vernichtet, wenn ich eine so glänzende Hoffnung zu orabe getragen hätte." _„Pah, ich iraure nicht allein an diesem Grabe," scherzte Me, während er die Glocke zog.„Es war ja auch bre «tzte Hoffaung des gnädige« Fräulein, und Herr v. Lossow �>rd sich wohl mit dem bitteren Gedanken vertraut machen Bussen, daß er der Letzte seines Stamme« ist." Höhnisches Lachen, in welche« auch Barnekow em» I türmte, begleitete seine Worte. �, .»Und Sie?" fragte Herr von Barnekow«ach k°rk?e aBeiIe' während Rabe die Champagnerflasche ent» i» �"�4 werde meinen Weg finde«, wen« nicht hier, dann "nem andern Lande." Wahrheit zu sagen, damit die Erkenntniß des Rechten und Guten immer mehr Platz greife. Mit allzeit offenem Visir wollen wir kämpfen gegen alle falschen Freunde de« Volkes, gegen Lüge, Heuchelei, Servilität und Halbhett, gegen die unverhüllie wie gegen die versteckte in's Gewand des„LiberalitmuS" gehüllte Reaktion. Unsere Parole ist und wird bleiben: Alles für d eS Volke« Wohl« fahrt, Freiheit und Würde! Möget Ihr, Arbeiter Berlins, durch ein zahlreiches Abonnement auf die,cS Blatt beweisen, daß Ihr die große Aufgabe, welche dasselbe in Eurem Interesse sich gestellt hat, zu schätzen wisset! Bedenkt, welch gewaltige An- strenyungen von den geschworenen Gegner« Eurer Jäter- essen sortgesetzt gemacht worden, um Euch zu verwirren, zu täuschen und zu entzweien. Keiner von Euch wird die Einheit der Interessen Eures Standes verleugnen wollen; um wie viel mehr müßtet Ihr den hohen Werth anerkennen, de« die einheitliche, nach streng abgeschlossenen Prinzipien bemessene Vertretung dieser Interessen durch eine täglich erscheinende Zeitung hat. Schon allein der Hinblick auf die so überaus wichtige parlamentarische Session in der wir uns be- finden und die unausgesetzt die sreimüthigste Kritik heraus- ordert, dürfte genügen, unserem Blatte die größte Auf- merksamkeit zu widmen. Die nächsten Monate werden auf dem Gebiete der wirthschaftlich-sozialen und der politischen Gesetzgebung sehr viel Neue», Interessantes und UeberaschendeS bringen. Wir werden e« nicht bei einer objektiven Berichterstattung darüber bewenden lassen, sondern vom Rechte der Kritik einen möglichst umfassenden und fteimüthigen Gebrauch mache». De« lokalen Angelegenheiten, insbesondere der Arbeiterbewegung, dem Verein«- und Versammlungswesen, sowie auch der f e u i l l e« tonistische« Unterhaltung und Belehrung werde« wir unausgesetzt mit Eifer und Gewissenhaftigkeit Rechnung trage« und unS dabei leiten lassen von dem Grundsatze:„Wer Vieles bringt, wird Jedem Etwas bringen". So hoffen wir, un« Eures Vertrauens, Arbeiter Berlins, immer mehr würdig zu zeigen, und unterstützt von Euch, im engsten Bunde mit Euch, redlich beitragen zu können zum Siege der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der Vernunft! Dre Redaktion de«„Berliner Volksblatt". Sie denke« wirklich daran, die Hermath zu ver- lasse«?" „Weshalb nicht? Hier fesselt mich wahrhaftig nichts!" Der Blick Barnekow's ruhte lauernd auf dem fahle« Gesicht Rabe'S. Für den Assessor v. Stuckmann würde es er« Triumph sein,'wenn Sie heute oder morgen auf Nimmerwiederkehr abreisten," sagte er.„Der junge Mann würde behaupten, die Furcht vor ihm habe Sie fortgetrieben, und diese Be- hauptunq wäre in Wahrheit scheinbar begründet." ,Dem Assessor v. Stuckmann werde ich zuvor den Be» weis'liefern, daß ich ihn nicht fürchte l" erwiderte Rabe auf» brausend.„Wissen Sie, wie der Oberst v. Stuckmann sich über Sie ausgedrückt hat?" Der Oberst?" ftagte Barnekow, die Augenbrauen emporziehend.„Wo sind Sie denn mit ihm zusammenge» troffen� � mich bei dem Baron v. Lossow aufgesucht, sei« Sohn hatte ihm bereit« die Herausforderung berichtet, offenbar nur zu dem Zweck, den Schutz de« alte« Pol» tronS anzurufen. Feiglinge find Beide, ich habe eS dem Oberst in'S Geficht gesagt, er hatte auf diese Beleidigung nur die wohlfeile Erwiderung, er könne von mir keine Ge» nugthuSb�' wirklich, daß er feige ist?" fragte Bar» ntlow, bedenklich daS Haupt schüttelnd.„Ich würde große« Bedenke« tragen, daS so offen zu äußern." „Er wird auch von Ihnen kerne Genugthuung for» dern!"._„„ " Erjagte"" Sie�seien nicht besser als ich," spottete Iä".säLomS* ketnet Weise in den Weg getreten� was habe rch mit ihm zu � sprach auch über Sie, er stellte mir unter An» Weihmihtm. Millionen von flimmernden Kerzen auf grüne» Tannen» bäumen habe» angezeigt, daß ein Tag der Freude erschienen ist für die arglose« Herzen der Kinder. Wir streite« un« mit Niemandem über die Bedeutung des Tages. Jeder mag sie sich zurecht legen, wie er will; aber es ist wohl Niemand vorhanden, der den Kleinen ihre Freude mißgönnt. Und so können auch wir nur wünsche», daß diese Freude den Kleinen und auch den Großen unver» kümmert zu Theil werde— soweit dies überhaupt denkbar ist in unserer Zeit der schweren Roth. Ja, die Zeit der schweren Roth! Wir wolle« Niemanden'« Weihnachtsfreude stören, aber wir können so manchen trüben Gedanken nicht los werden, der sich uns aufdrängt, trotz all der Fröhlichkeit und trotz all dem lustige» Kerzengcflimmer des Weihnachtsabends. j Unsere Zeit drückt Allem, was vergeht, ihre» grob materialistischen Stempel auf. So auch den Tagen, in welche daS Weihnachtsfest fällt. Da wird die eigentliche Festfreude zur Nebensache, denn Tausende und Abertausende von Geschäftsleuten, Handwerkern, Arbeiter» sind gewohnt, um Weihnachte» ihre Haupteinnahme zu mache«; ja Viele könnten ohne eine gute Weihnachiseinnahme gar nicht be» stehen. Da beginnt denn ein fieberhaftes Treiben, ei« Laufen und Rennen, ein Anpreisen und Ueberbieten, wie auf dem Jahrmarkte. Und was ist dann Weihnachte« für den, der ein schlechte» Geschäft gemacht hat! Wir tadeln Niemanden, der an dem Treibe« Theil nimmt; der Einzelne kann sich der allgemeine« Be» wegung nicht entziehen und soll eS auch nicht. Aber wir wolle« nur darauf hinweisen, wie die Gestaltung unsere» sozialen und wirthschaftlichen Leben» auch dem fröh« lichsten Feste einen guten Theil seiner Harmlosigkeit nimmt und den Kampf um« Dasein selbst bis an de« Weihnacht«» bäum trägt. Aber glücklich sind noch Diejenigen, denen die Mög- lichkeit gegeben ist, sich einen fröhlichen Weihnachtsabend zu mache», sich und den Ihrigen daS Herz zu erfreue«. Es giebt gar Viele, für die der Weihnachtsbaum überhaupt nicht leuchtet. Ach, das ist eine alte Geschichte, wird da so Mancher sagen. Ja, das ist sie, aber wenn sie so alt ist, warum hat man sich noch nicht mehr mit ihr beschäftigt. Solch' eine „alte Geschichte" ist für de», der sie mit Verständniß be» obachtet, manchmal beveutend lehrreicher, als dicke Folianten, an denen sehr weise thuende Professoren Jahre hindurch im Schweiße ihres Angesicht« gearbeitet habe». Gerade zur Weihnachtszeit sticht das traurige LooS der Ihne«, wie Sie glauben, und eine gute Meinung hegt Niemand von Ihnen." Herr von Barnekow lehnte sich in seinen Sessel zurück und hüllte sich immer dichter in Rauchwolken, es war ihm doch nicht angenehm, daß man so verächtlich über ihn sprach. „Der Oberst erklärte mir höhnisch, ich könne Ihne» unverhohlen sage«, wie er sich über Sie ausgedrückt habe," fubr Rabe fort,„aber wa» er alles gesagt hat, das habe ich inzwischen vergesse». Wollen Sie ihn fordern, so—" „Ich denke nicht daran!" fiel Barnekow ihm in'S Wort. „Eine beleidigende Antwort, wie Sie dieselbe von dem Assessor erhalten haben, will ich mir nicht holen! Aber ich werde mich daran erinnern, er soll an mich denken." „Und was wollen Sie thun?" „Ich weiß das noch nicht, so rasch kann ich keinen Plan entwerfe», ich will die Gelegenheit abwarten." Ein höhnisches Lächeln umzuckte die Lippen Rabe'S, er füllte die leeren Gläser wieder und heftete den glühende» Blick durchdringend auf daS bleiche Gesicht Barnekow'«, in dessen Zügen Haß und Rachsucht sich spiegelten. „Der Verdacht, den Sie auf mich geworfen haben, be- ruht auf einem Jrrthum," fuhr Herr von Barnekow nach einer kurzen Pause fort,„ich habe nie mit einem Andern über Sie gesprochen, ich spreche überhaupt über meine Freunde nicht. Wohl aber glaube ich, daß wir die Läster» zunge in unserem Kreise suchen müssen, ich errathe bereits, wer uns Beiden diese» Gefalle» erzeigt hat; sobald ich Gewißheit habe, werde ich ihm einige Worte sage«, die ihm nicht angenehm sind. Und die Herren von Stuck- mann sollen sich in Acht nehmen; kann ich auch al» Freund ihnen nicht nütze«, so kann ich doch als Feind ihnen schaden." „Ich überlasse das Ihnen", erwiderte Rabe achselzuckend, „ich gedenke meiner Schwester einige Mittheilungen zu machen, die den alten Hader»wischen ihr und dem Oberst wieder wecken sollen. Der Assessor hat sich heut mit dem gnädigen Fräulein verlobt, aber ich werde diese Verlobung lösen." Armuth recht ab gegen die allgemeine Freude. Wie leid thun uns jene armen Kinder, denen in der armselige» Be- hausung daheim, wenn sie eine solche haben, kein Weihnacht� bäum darrt, die aber hungernd und stierend bis in die späte Nachr Straßen und WirthShäuser ablaufen müssen, um einen„Hampelmann" oder ein„Schäfken* an den Man» zu bringen und dabei stets gewärtig sein müssen, von hart' herzigen Menschen grob angefahren zu werden. Und wie oft wird von Eltern gesprochen, welche sich nicht scheue», die armen Kinder zu bestrafen, wenn diese nicht genug von ihrer Waare verkaufen. Alle« das ist sicherlich schon oft gesagt worden, aber wir glauben nichts UeberflüssigeS zu thun, wenn wir es hier wiederholen; in unserer rasch- und leichtlebigen Zeit gewöhnt man sich nachgerade an Alles, auch an den Anbltck von Armuth und Elend. Aber tief verfehlt wäre es, wollte man durch den an solchen Tagen besonders schroff auftauchenden Gegensatz von Armuth und Wohlhabenheit sein Herz vom Hasse entzünden lassen. Möge das Fest und die Freude der Kleinen alle Herzen milde stimmen. Alles, was die humanen Gedanken der neuen Zeit erfaßt hat, mag sich an diesem Tage im Geiste vereinigen und sich neu geloben, vorwärts zu streben auf der großen Bahn, die uns die neuen Zdeen unserer Epoche eröffnet haben. An diesem Tage dürfen wir träumen von einer schönere« Zukunft, an deren WeihnachtSsest Niemand trauern, sondern Jedermann ein leuchtender Weihnachtsbaum Frieden und Freude in'S Herz strahlen wird. Politische Ueberstcht. Preuhische Matzregeln gegen die Kolportage- Lite» ratnr. Der preußische Minister deS Innern hat, wie der „Hamb. Korresp." erfährt, eine die Handhabung des§ 56 der GewetbcordnungS- Novelle vom 1. Juli 1888 betreffende Verfügung erlassen, welche— so meint genanntes Blatt— der Zustimmung Aller gewiß sein kann, welche die der Verbrecher» weit gewidmete Kolportage- Literatur nur einigermaßen kennen. Es handelt sich dabei weniger um die Verdrechcr-Romane, als um die auf die gröbste Sensation berechnete Ausmalung und Schilderung von Verbrechen und Verbrecher Existenzen, wie sie in Gerichtssälen zur Erscheinung kommen. Es existiren bekannt- lich Prcßerzeugnisse, welche mit den Bildnissen von Mördern geziert find und auf den Straßen feilgeboten werden. Manche derartige„Geschichten" geben zu der Befürchtung Anlaß, daß fie in den Augen von Lesern von schwacher GeisteS., Charakter- oder Gemüthebildung die geschilderten Thatcn in einer Be- leuchtung zeige», die nicht sowohl abstößt, als für das Ver> brechen inteiesfirt. Jene Verfügung macht den Behörden zur Pflicht, bei Genehmigung der Kolportage solcher Druckschriften besondere Sorgfalt aufzuwenden. Obwohl wir eine derartige Schundliteratur entschieden ver- urtheilen, so können wir d.nnoch ein Extra-Vorgehen gegen dieselbe nicht gutheißen, weil erstens schwer zu entscheiden ist, welche Schriften zu einer solchen Literatur zu rechnen find und zweitens solche polizeiliche Maßregeln am allerwenigsten ge- eignet find, dem Uebcl zu steuern. So lange noch die söge- nannten„anständigen" Unterhaltungsdlätter spaltenlange Be- richte über Mordaffären und Hinrichtungen bringen, in welchen die einzelnen Umstände bei denselben mit einer erwischen Roh- beit geschildert werden, und so lange sogar die sogenannte bessere Gesellschaft mit einer wahren Gier nach dieser Lektüre verlangt, wäre es ein ganz unnützes Beginnen, bei paffender Gelegenheit einige Druckschriften zu ionfirsziren. welche nach Anficht irgend eines Polrzeibeamten oder Staatsanwalts zu den oben gedachten Schundschristen zu rechnen find. Augenscheinlich will der Herr Minister mit der strengeren Handhabung des Kolportage� Paragraphen der Hauptsache nach einer weiteren Verwilderung und Enlstltliaung vorbeugen, das wird aber durch das Verbot irgend einer Raubergeschrchte nimmer erreicht werden. Es tritt hier wieder die alte, aber immer noch moderne Anficht zu Tage, daß nur die dem„ge> meinen" Mann zugängliche Literatur verderblich wirke und event. sogar verbrecherische Triebe erzeugen könne, obwohl Vre Wirllichkert für diese Annahme keineswegs den Beweis lrefert. Man kann fich leicht von dem Gegentheil überzeugen. wenn man gelegentlich eines sensationellen Prozesses ernen Blrck auf das im Zuhörerraum befindliche Publikum werfen will; Vre sog. bessere Gesellschaft, deren Lektüre stcher nicht dre auf den Straßen zum Verkauf gelangende ist, füllt fast ausschlreßlrch den Gerichtssaal. Der Prozeß Graes, welchergewiß noch Allen rn Erin- nerung ist, hat dies aufs Neue bewiesen. Sah doch die Umgegend des Kriminalgebäudes einem Jahrmarki ähnlich, nur daß statt der Marklsrauen..zarte" Damen und olaceedehandschuhte„Herren fast ausschließlich das Terrain beherrschten. Die sogenannte bessere Gesellschaft prügelte fich fast um die Plätze im Zu- Hörerraum und je ekelhafter die Situation wurde, um so hoher „Können Sie ei?" fragte Barnekow, in dessen Auge» der Haß wieder aufblitzte. „Die Generali» wird selbst ihm die Thüre zeraen!" „Weshalb haben Sie von dieser Waffe nicht früher schon Gebrauch gemacht?" „Einfach deshalb nicht, weil ich fie mcht früher be» �ea Es wäre für Sie ein Triumph, um den ich Sie be- neiden würde, aber ich glaube»och nicht an die Möglichkeft desselben. � �hve» nichts Näheres mittheilen", erwiderte Nabe,„die Sache muß einstweilen mein Geheimniß bleiben. Aber das darf ich Ihnen sagen, daß ich mit Sicherheit da- rauf vertraue, meinen Zweck zu erreichen. Nur eme Schwieng» keit muß dabei überwunden werden, die, daß ich eine Um er- redung mit meiner Schwester erlange. Schriftlich kann ich ihr die Mittheilung nicht machen, sie würde den Brief dem Oberst zeigen und ihm dadurch die Möglichkeit bieten, sich und seinen Sohn zu vertheidigen, und Sie wissen ja, der Anwesende hat immer Recht.", Bitten Sie die Generalro um ihren Besuch, sagte Barnekow, der mit gespannter Aufmerksamkeit zuhörte. „Sie wird nicht kommen." „Wenn Sie ihr schreiben, es seien wichtige Mit» fheilurwen � und ihre Tochter würde ihr eben. falls abrathen, auf diesem Wege erreiche ich nicht, was ich wünsche. Ich muß meine Schwester in ihrer Wohnung un- erwartet überfallen, und das kann nur dann geschehen, wenn der Oberst nicht zu Hause ist. Sie müssen ihn in die Stadt locken, Barnekow, schreiben Sie ihm unter Ihrem eigenen oder einem fremden Namen. waS Sie wollen, e« ist gleich. ailtig, wenn Sie nur das erreichen, daßdcrOberst durch den Brief sich veranlaßt sieht, zu einer bestimmten Stunde hieherzukomme». Wahrend seiner Abwesenheft werde ich handeln, er soll sich wundern über den Empfang, de» er bei seiner Heim- kehr findet. � ist jetzt sein Eigenthum:" schaltete Barnekow gedankenvoll ein. � Leider, ich kann ihn nicht daraus vertreiben. Aber stieg d!e„Begeisterung" de? gebildeten Mob. Solche Vor gänge find gewiß dazu angethan, die Anficht, daß nur die sogenannte Schundliteratur rntfiltlickend wirft, zu beseitigen, und mithin die Maßregeln des Ministers als ungeeignet er- scheinen zu lassen. Um Verbrechen und Rohhnlcn aus der Welt zu schaffen oder dieselbrn auch nur einzuschränken, find ganz andere Maßnahmen nothwendig. Eine höhere Sittich- keit kann nicht durch beliebige Dekrete geschaffen werden, son> dein nur durch soziale Reformen, welche geeignet find, die Ucsachen der immer mehr um fich greifenden Enlaitung zu beseitigen. Die böse Frage der Sonntagsarbeit läßt die„Nordd. Allgem. Ztg." nicht zur Ruhe kommen, es ist ihr auch gar zu unangenehm, daß fich im Grunde genommen so gut wie nichts gegen daS Verbot der Sonntagsardeit sagen läßt und daß es somit eine undankbare Aufgabe bleibt, mit den längst abgestan- denen Phrasen immer wieder gegen diese Forderung zu Felde ziehen zu müssen. Jetzt bespricht das freiwillige Regierungs- blast in einem leitenden Artikel das bisher zur Frage der Eonn- tagSruhe aufgesammelte Mataial, insbesondere die Spezialgesetze der Bundesstaaten, und sagt: „Wir find gewiß in erster Linie geneigt, jenen idealen Zustand herbeigeführt zu wünschen, in dem die Sonntagsruhe allgemein ist, und verkennen die nach dieser Richtung fich de- wogenden Anstrengungen weder in ihren Motiven noch in ihrer Beiechtigung. Anbei erseiis aber zeigen auch gerade diese Ver- ordnungen in ihrem Gesammteindruck wieder von Neuem, wie schwierig es ist, die bei einem generellen Verbote der Sonn- tagearbeit von all-n Seiten als Nothwendigkeit zugestandenen Ausnahmen zu regeln.(Die alle Glocke Et. Manchesters: Bim, bam, dum!) Wenn man aber in Betracht zieht, daß in Oesterreich eine Regierung, welche gewiß nicht be- schuldigt werden kann, kirchenfiindlich zu sein, Hand in Hand mit den dortigen Parteien, deren Richtung mit derjenigen verwandt ist, die bei uns besonderen Nachdruck auf die Forderung eines generellen Verbotes der Sonntags- arbeit legt, ein solches generelles Verbot gesetzlich konstituirt hat, und daß, obwohl diese selbige Regierung sich aenöthigt gesehen hat, einen bekanntlich höchst umfangreichen Gebrauch von ihrer Befugniß, Ausnahmen zuzulassen, gemacht hat, den- noch dort in Oesterreich schon jetzt sehr laute Klagen betreffs der praktischen Wirkungen dieser Gesetzgebung erKoben werden, dann dürfte dieser Vorgang fü: unS doch eme Mahnung zur Vorsicht enthalten..... Das beute zu ziehende Fazit ist, daß auch aus dem nun bekannten Material an Gesetzen und Verordnungen über diese Frage oh- e Vergleich mit den Er- gebnissen der angestellten Enquete eine Entichcidung kaum ge- troffen werden kann, daß aber dieses Material von Neuem zeigt, daß nur unter Bcrückflcktigung der in verschiedenen Ge- äenden verschiedenen Bedürfnisse diejenige Lösung möglich er- scheint, welche dem idealen Zustand allgemeiner Sonntagsruhe mit den nicht abweisbaren wirthschafstichen Rückfichten zugleich Rechnung trägt." Die Berufung auf die Ausnahmen, welche„selbst" die „kirchenfreundliche" österreichische Regierung machen mußte(?) find also die Beweise, welche ausschlaggebend lein sollen gegen die gesetzliche Sonntagsruhe. Das ist wirklich stark! Ebenso gut könnte fich das offiziöse Organ auf irgend einen anderen Staat berufen, wo gar kein Verbot der Sonntagsai beit eriftirt, um daraus das Resultat zu ziehen, daß das Verbot der Sonn- tagsaibeit unmöglich sei. Natürlich wird in Oesterreich von gewissen Leuten, die in der Woche schon 6 Sonntage haben, über die Einschränkung der Sonntagsarbeit geklagt, solche Klagen ertönen zuweilen sogar in England und Amerika, wo Sonntags tür schweres Geld noch nicht einmal frisches Brod zu haben ist, weil es keinem Bäcker einfallen wiid, am Sonntage zu arbeiten. Trotzdem ist in jenen Ländern Niemand geneigt, solchen geldgierigen Heulmeiern irgend welche Bedeutung bei- zumessen und ebensowenig verdienen die Rufe kurzfichtiger oder fanatischer Menschen in Oesterreich beachtet zu werden. Nur die preußisch offiziöse„Nordd. Allg. Ztg." scheint es bedeutsam zu finden, daß fich solche Stimmen gegen die Sonntagsruhe erheben. Nur immer hübsch langsam, ja recht„vorfichtig", das ist die Parole dieses gouvernementalen Blaties geworden, wenn eS fich um Verbesserung der Lage des arbeitenden Volkes handelt. Kommt die„nothleidende Landwirthschaft" in Frage, so kann eS natürlich gar nicht schnell genug geschehen. ES geht doch nichts über eine„weise Vorficht"! Die„Freisinnige Zeitung" im Loyalitätsfrack. Die „Demokratischen Blätter" schreiben:„Nachdem die„Frei- finnige Zeitung" ihren devotesten Bückling vor Kronprinz und Kronprinzesfin gemacht hat, um fich der hohen Protektion für künftige Fälle zu verfichern, muß ihr jetzt der König von Sachsen als Nothhelfer wider die Schutzzölle dienen, indem fie ihm den Ausspruch in den Mund legt, er habe von Anfang an nicht an den Segen der Schutzzölle geglaubt. So oft im Reichstage oder in der Presse von den Konservativen der Kaiser in die Debatte hineingezogen wird, ist Herr Richter so- fort bei der Hand, um wider diesen Bei stoß gegen den Kon- stitutionalismus zu weitem; der unverantwortliche Träger der Krone stehe über den Parteien und dürfe nicht in den Streit meine Schwester wird eS mit ihrer Tochter verlassen, und der Herr Assessor kann dann seine schönen Hoffnungen auch zu Grabe tragen." Zn der Seele Barnekow'S überwog in diesem Augen» blick die Rachsucht jedes andere Gefühl; er dachte nicht einmal daran, daß möglicher Weise ihm selbst eine Falle ge- stellt oder sein Vertrauen zu anderen Zwecken mißbraucht werden könne, sein Haß gegen de» Oberst ließ solche Ge- danken nicht aufkommen. „Und wann wolle« Sie ihren Plan ausführen?" fragte er. „Je eher ich es kann, desto lieber ist es mir." „Ich werde morgen schreiben." „So ersuche« Sie ihn, übermorgen Abend zwischen sech» und sieben Uhr sich hier einzufinden. Als Ort der Zusammenkunft können Sie ihm irgend«in Hotel ersten Range« bezeichnen, da« wird ihm Verträum ein» flößen." „Gut, haben Sie mir über diese Angelegenheit noch mehr zu sagm?" „Nein." „Dann denke ich, wir brechm auf, im Spielklub er» wartet man uns schon." „Gehen Sie allein hin, ich habe kerne Lust," er- widerte Rabe,„die Gesellschaft widert mich an. seit. dem ich weiß, daß man in ihrer Mitte vor Vorrath nicht sicher ist." „Fürchten Sie, verlieren zu können?" fragte Herr von Bamekow mit schneidendem Spott. „Ich glaube Ihnen oft genug bewiesen zu habe», daß ich diese Furcht nicht kenne, deshalb können Sie derartige Bemerkungen sich ersparen." „Wmn Sie nicht bei Kasse sei« sollten—" „So würden Sie mir feine» Kredit schenken, nachdem ich Ihnen gesagt habe, daß meine Verlobung gelöst ist." „Wenn Sie das glaube», so bcurtheilen Sie mich falsch," erwiderte Barmkow, indem er ein zierliches Eiui aus der Tasche zog und aus diesem ein Kartmspiel deS Tages hineingezogen werden. WaS dem König von Preuß»n recht ist, sollte dem König von Lachsen billig sein. Tie„Freifinnige Ztg." denkt aber anders. Unkonstitutionell ist für fie nur das, was zu ihren Zwecken nicht paßt, im höch- sten Grade konstitutionell dagegen das, was ihr zur Förderung ihrer Zwecke dienlich scheint. Wenn das so weiter geht, wird daS„freifinnige" Blatt noch die sämmtlichen Heiligen des Gothaer HofkalenderS zur Unterstützung seiner Bestrebungen ausmarschiren lassen."— Wir haben dem nichts hinzuzufügen. Ein Urthetl über Arbeitsentlassung. Der gemäßigten' viefach offisiösen Mitiheilungen zugänglichen Münchener„All- gemeinen Zeitung" wird aus Berlin geschrieben:„In der hiestgen Arbeiterpartei erregt es nicht wenig Mißtrauen, daß der ein« ihrer Kandidaten bei der letzten Stadtverordneten» wähl, Vergolder Böhl, plötzlich, angeblich wegen Arbeits- mangels, von dem Unternehmer, der ihn seit 6 Jaheen beschäftigte. entlassen woiden ist. Eine solche Maßregelung auS rem politischen Motiv n müßte natürlich böses Blut machen, zumal die biefige Arbeiterpartei fich innerhalb der gesetzlichen und allerdings durch das Gesetz eingeengten Grenzen gehalten hat."— Das ist ja recht verständig; wenn die Herren nur bei allen ähnlichen Vorfällen so unbefangen mtoeilen möchten. Die Frage der Zuchthaus» und Gefängnißarbeit wird aller Wadricheinlichkeit nach unsere Parlamente bei ihrem demnächstigem Wiederzusammenlritl eingehend beschäftigen. Als vorläufiges Material für die zu erwartenden Berathungen darf eine soeben im Bureau des R'ichstages niedergelegte Pe- tition gelten, welche von 14 264 Schubmachern aus allen Thcilen Teutschlands unterzeichnet ist und in welcher daS Verbot der Gefangcnardeit für Prioatgewerbetreibende ver- langt wird. Die regelmäßig wiederkehrenden Unglücksfälle in den Bergwerken find die Veranlassung gewesen zur Bildung einer preußischen Schlagwetter- Kommission, welche die Aufgabe übernommen hat, die Ursache der Unfälle zu er» gründen und Mittel zu deren Beseitigung in Voischlag zu bringen. In Bochum waren nun vor einigen Tagen die sämmtlichen Gmbendeamten-Vereine des OberdergamtsbezirlS Dortmund zusammengekommen, um einem Vorttag des Berg- afsessor Nonne aus Dortmund über die Thätigkeit der preußischen Schlagwettcr-Kommisston zu hören. Nach den Ausführungen des Herrn sstonne haben der kommisston 1070 Explofionsfalle — die Jahre 1861 bis 1882 umfoss-nd— zur Begutachtung vorgelegen. Von diesen 1070 ist bei 1036 die Ursache ermittelt und zwar bei 58 Pro ent der sämmtlichen Ex- plofionen die Anwendung des offenen Lichtes, bei 27 Prozent aber die schlechte Beschaffenheit der Lampe. Hieraus geht zur Genüge hervor, daß sich die obligatorische Einführung der verschlossenen Eicherheitslampe auf allen Gruben, die mit schlagenden Wettern zu kämpfen haben, empfiehlt. Da die Schlagwetter Kommisston selbst die obligatorische Erklärung der SicherheitSlampe auf der bereits erwähnten Kategorie Gruben besürwortet, so wird die Maßregel gewiß zur Ausführung kom- men. Im ganzen vreußischen Staate find überhaupt 76 000 Wetterlampen im Gebrauch, wovon 50000 auf den Obeiberg« amtsbezirk Dortmund, 17 500 auf das Saarbrücker Revier ent» fallen. Die Kommission hat alle vorhandenen Lampeusysteme geprüft und setzt diese Prüfungen im Laboratorium zu Bochum noch fort, aber von allen vorhandenen Lampen hat keine als Normallampe, die allen billigen Anforderungen entspräche, empfohlen werden können. Die Kommisston hat ferner inter» effanteS Material in Bezug auf das Duichschlagen der Flamme durch den Drahtkorb der Lampen zu Tage gefördert. Herr Nonne ersuchte die Beamten schließlich, die Arbeiter in ent» sprechender Weise über die Schlagwetter zu belehren. Letztere? geschah bis jetzt fast gar nicht.(Das ist leider sehr traurig!) — Wir wollen hierzu noch bemerken, daß von dem Steiger a. D. Henn Raue aus Weißstein in Schlesien dem Riichstaa eine Petttion vorgelegt worden ist, in welcher der Petent ein Mittel in Vo schlag bringt, welches geeignet sei, allen Schlagwetter» Explosionen vorzubeugen. Herr Raue bittet den Reichstag, ihm Gelegenheit zu geben, seine Behauptungen theoretisch und prak- tisch zu beweisen. Der Landesverrathsprozeß gegen Kapitän a. D. Sarauw aus Kopenhagen und Schrütstellcr Rötiger aus Main« wird nach der„Nation alztg." in den„ersten Monaten" des kommenden Jahres vor dem Reichsgericht zur Verhandlung gelangen. Vom preußischen Staatsrath hat man lange nichts gehöil. Im Laufe dieses Herbstes ist er nicht einberufen wor- den, und dem Vernehmen nach steht die Einberufung auch für das neue Jahr vorläufig noch nicht bevor, wenn es auch nicht, wie voi sichtig in Regierungskreisen hinmgefügt wird, als aus- ae'chloffen betrachtet werden kann, daß er noch zur Berathung irgend welcher Vorlagen berufen würde. Man hatte daran gedacht, so heißt es, die Entwürfe über Ausdehnung der Kreis- und Prooinzialordnung auf westliche Provinzen dem Staats- rathe zu unterbreiten; man ist aber von diesem Gedanken ab» gegangen, weil diese Vorlagen doch im Ganzen auf einem schon in Wirksamkeit befindlichen Prin,ipe beruhen und im Ganzen nur eine Ausdehnung der im Osten der Monarchie bestehen- nahm,„ich bin bereit, Ihnen sofort das Gegentheil zu be» weisen." „Sie werden jedenfalls denke«, ich habe aus dem Schiffbruch doch noch etwas gerettet," spottete Rabe,„darau» allein erkläre ich mir Ihre Bereitwilligkeit!" „Sie vermuthea stets das Schlimmste, Rabe, in Ihren Augen ist Jeder ein Schuft, so lange er Ihnen nicht da» Gegentheil bewiesen hat." „Und ich habe dre Erfahrung gemacht, daß die» da« richttge Prinzip ist," erwiderte Rabe, während Herr v. Bar» nekow die Karten mischte.„Sie denken ganz dasselbe, wen» Sie e« auch nichi aussprechen." „Wie hoch spielen wir?" fragte Barnekow. „Ich spiele gar nicht!" „Bah, Sie werden sich doch nicht den ganzen Abend langweilen wollen." „Das ist meine Sache!" „Haben die Vorwürfe Lossow'« spießbürgerliche Vorsätze in Ihnen geweckt?" fragte Barnekow höhnisch.„Wollen Sie vielleicht dadurch seine Verzeihung erkaufen?" „Dann würde ich mich selbst verachten," sagte Rabe, dem da« Blut in die Stirne stieg.„Wa« ich getha» habe, kann ich verantworte» und Niemand hat mir darüber einei» Vorwurf zu machen." „Wenn ich das glauben soll, müssen Sie es mir be» weist«," sagte Barnekow, während er eifrig beschäftigt war. ein Paftencespiel zu machen,„mir scheint doch, die Vorwürfe haben einen nachhaltigen Eindruck auf Sie gewacht. 34 würde Ihne» das so sehr Übel nicht nehmen, Rabe, Fräulei« von Lossow ist eine beneidenSwerthe Partie, und eine glänzende Zukunft schlägt Niemand gerne in die Schanze. „Sie würden eS gewiß nicht thun," erwiderte Rabe, der dem Spiel mit gespannter Aufmerksamkeit zuschaute. „Ich weiß daS nicht, jedenfalls aber würde ich meine" Freunden gegenüber aufrichtig fein nnd mich weder um ihre" Beifall noch um ihren Spott kümmern. Hm— ein böst» Omen, die Patience geht nicht auf, ich werde heute Abe"" nicht gewinnen!" „Unsinn!".. „Sie mögen Recht haben, aber ich habe zu oft fctn Gesetzzebung bedeuten. Und wis die Steuergesetze an- langt, so wird dem Landtage in seiner ersten Session ein auf Aenderung deS Steuersystems hinzielender Entwurf über- Haupt nicht zugeben. Mit Sleuervorlagen wird man vor- läufig genug im Reichstage zu thun haben. Neben der Zucker- steuer Novelle soll das neue Branntwcinstcuergesetz eingebracht werden. Warnung vor Auswanderung nach Australien. Augindlicklich wirb Teutschland von Agenten beieist, welche Ardester durch Kontrakte verbindlich zu machen suchen, in den Zuckerplantagen von Queensland(Australien) Sklavendienste zu tbun. Bisher wurden die Plantagenarbeiten dort von Süd- sce-Jnsulanern ausgesührt, die außer freier Kost M. 360 für die dreijährige Ardeutzeit oder M. 2,50 pro Woche erhielten. Das Parlament von Queensland hat nun, gedrängt durch die unabhängige Presse und das australische Volk, der dortigen Eklaverer ein Ende bereitet und das Engagiren von Südsee- Insulanern sehr erschwert, ja fast zur Unmöglichkeit gemacht. Um jedoch den Plantagmbeftyern gleichzeitig entgegen zu kom- wen, hat sie Agenten nach Deutschland und Dänemark gesandt, welche mit Vollmachten versehen find, deutsche und dänische Arbeiter unter den nachstehenden Bedingungen anzuwnben: „Die Arbeiter verpflichten sich, drei?iahre an einem von den Agenten zu bestimmenden Platz für M. 10 pro Woche zu ar- betten." Die Arbeitszeit in dem sehr wcchselvollcn Klima, in tropischer Hitze, beträgt 12 Stunden täglich; das ist aber selbst dem Neger, der an Entbehrungen und Hitze gewöhnt ist, zu viel. Außerdem, was kann ein Europäer, selbst wenn er noch so bescheidene Ansprüche macht, mit M. 10 in einem Lande an- fangen, wo die gewöhnlichste Arbeitshose M. 8—10, Hemden M. 8, Stieseln M. 15—20 lösten, ganz abgesehen von Tabak und Bier, welches dem Deutschen unentbehrlich, bei den Vor- tigen hoben Preisen aber nicht zu erringen ist. Wir warnen ausdrücklich vor der Auswanderung nach Queensland zu dem Zwecke, um in den dortigen Zuckcrplantagen zu arbeiten. Die Ardeiter schlagen dort ihre Gesundheit und ihr Leben für ein paar Kapitalisten in die Schanze, welche nichts sehnlicher wünschen, wie ihre schwarzen Sklaven mit weißen zu vertauschen. Lasse sich Niemand durch zweifelhafte und betrügerische Hoff- nungen von Agenten bethüren. Tie Verhandlungen zwischen der Türkei und Deutsch' land über den türkischen Zolltarif find vor Kurzem zum Abschluß gekommen; praktische Bedeutung wird dieser aber erst erhalten, wenn die übrigen Großmächte beigetreten find, da der vereinbarte Tarif als allgemeiner in Kraft gesetzt werden soll. BiS jetzt macht angeblich Oesterreich-Ungarn noch Schwierig- testen wegen seiner Konfektion s-Industrie. Uebrr die zwischen Deutschland und der Türkei vereinbarten Zollsätze wird dem„Hamb. Korr." folgendes berichtet: Der zukünftige türkische Zolltarif wird der türkischen Gewerbethätigkeit einen besseren Schutz als bisher gewähren, und zwar in Form fester Gewichtszölle, welche auf Grundlage von bereits vereinbarten Prozenten des Werthcs berechnet werden sollen. Für zahlreiche Rohprodukte, Halbfabrikate und für Gold- und Silberwaaren (des Schmuggels wegen) bleibt eS bei dem bisherigen Ansatz von 8 pCt. des Werthes. Erhöht werden dagegen die Zölle für Mehl auf 13—15 pCt., für Kaffee, Kakao und Thee auf 10—12 pCt., für Zucker und Syrup bis zu 16 pCt., für Spirituosen bis zu 20 pCt., für Droauerien bis zu 10 pCt., für Glas und Glaswaaren bis zu 12 pCt., für Eisen und Metallwaaren bis zu 13 pCt., jür Garne zwischen 6 und 11 pCt., für Baumwollwaarcn bis zu 20 pCt., für Wollwaaren bis zu 15 pCt., für Konfektionsartikel zwischen 15 und 18 pCt., für Phantafieartikel bis zu 20 pCt. des Werthes u. s. w, sämmtlich umzurechnen in feste Gewichtszölle. Frankfurt a. M., 24. Dezember. Es wurde seiner Zeit behauptet, daß bei der sog. Friedhofs-Affaire auch die städtischen Friedhofsbeamtcn Kuh und Nagel fich wörtlich und tbätlich gegen das Publiluni vergangen hätten. Eine deshalb vom Magistrat angestellte Untersuchung blieb erfolglos. Jetzt ist auch d:e auf Wunsch der Stadtoerordneten-Versamm- lung von der StaatSanwalrschaft gegen die beiden Beamten «ingeleitete Untersuchung eingestellt worden. AuS Etrahburg». E. wird dem„Correspondent für Deutschlands Buchdrucker" geschrieben, daß das Bezirkspräfidium von Lothringen auf Antrag der Metzer Polizeidirektion den dortigen Ottsoerein aufgelöst hat. Gründe hierzu find laut Auflösungsdckret folgende: Da der Metzer Ortsverein ein wöchentliches Minimum von 21 Mark festsetzte und durch ein von sämmtlicken Mitgliedern unterzeichnete« Zirkular dies den Prinzipalen kundgab, über die Lehrlingswirthschaft und sonstige Tarifangelegenheiten debattirte und eine Tarifkom- misston von 5 Mitgliedern ernannte, welche mit den Prin- zipalen etwaige Steitigkett-n regeln sollte; da der Verein weiter beschloß, folgende Anträge zur IV. Generalversammlung des Elsaß Lothring. Unterstütz. Vereins zu stellen, als: Grün- dung einer Konditionslosenkasse und Ausstellung eines Normal- tarifs für Elsaß-Lothringen, ferner nochmals mit dem Faktor der Even'schen Druckerei hinfichtlich der lO'/.stündigen Arbeitszeit unterhandelte und beschloß, bei dem Zentralvoi stand in Straßburg um angemessene Unlcrstützung während der Dauer einer Erfahrungen gemacht, daß derartige Voraussagungen in der Regel eintreffen. Wäre rch abergläubisch, würde ich heute nicht spielen.".„_. Rabe mochte sagen, was er wollte— wie alle Spreler mar auch er gegen solche Omina nicht unempfindlich, und er ahnte nicht, daß Barnekow absichtlich das Patievcespiel verloren hatte, um ihm eine Falle zu stellen. „Was spielen wir?' fragte der letztere, indem er die Karte» aufnahm. „Ich schlage meine Tante— deine Tante vor!" „Gut, und der Einsatz?" „Hundert Thaler.' „Wie Sie wollen!" sagte Barnekow ruhig.„Ueber- nehme» Sie die Bank, oder wünschen Sie—' „Die zehn ersten Taillen übernehme ich." „Gut, beginnen wir." Herr von Barnekow holte sei« Portefeuille auS der Tasche und legte ein Packet Banknoten vor sich hin. Rabe zog die Glocke und forderte eine zweite Flasche Ehampaaner, dann ttaf auch er seine Vorbereitungen.— Das Spiel begann, Barnekow pointtrte, Rabe zog langsam die Karten ab., Nach der erste« Taille hatte Rabe dreihundert Thaler gewonnen, nach der fünften bettug sein Gewinn bereits tausend Thaler.__ „Sie werden die sechstausend Thaler wieder gewinnen," sagte Barnekow, dessen Ruhe zu der Erregung Rabe'» einen scharfe« Gegensatz bildete.. „Bah, auf den erste« Gewinn habe ,ch nie viel ge- geben!' „Und ich sage Ihnen, da» böse Omen hat wahr ge- chen." „Es würde mir keineswegs unangenehm sein," murmelte Rabe. „Und wir ist es ziemlich gleichgiltig," erwiderte Bar- »ekow achselzuckend.„Sie haben so oft verloren, weshalb sollen Sie nicht auch einmal gewinnen? Fahren wir fort!" Das Glück wendete sich; in den letzten Taillen verlor Rabe nicht nur seinen ganzen Gewinn, sondern noch tausend sprodjei eventuellen Arbeitseinstellung nachzusuchen; in Erwägung, daß nach Voistihcndem die Zwecke des Unterstützungsvereins ohne diesseitige Genehmigung überschritten und verändert worden find und daß die im Vereine verfolgten, diesseits nicht genehmigten Zwecke nur dazu dienen können, Unfrieden unter den Buchvruckereibesttzem hervorzurufen, da aber im übrigen das öffentliche Interesse die Unterdrückung derartiger Störungen gebietet und weil der Gesangverein„Tyvographia" in sehr enger Beziehung zu dem gevachien Unterstützungsvereine steht— alles dies veranlaßte den Bezirks Präsidenten, auf Grund deS Art. 292 des franzöfi- fischen Strafgesetzbuches(welcher selb st in Frankreich nicht mehr in Kraft ist) den Unterstützunasverein(Orts- verein Metz) sowie den Gesangverein Typographia aufzulösen. — Außerdem waren die Metzer Kollegen noch mehrfachen Un- annehmlichkeiten ausgesetzt, so z. B. wurden 9 Kollegen, welche vier zugereiste Franzosen bereden wollten, Metz wieder zu verlassen, von der Polizei eingesperrt(jedenfalls damit die öffentliche Ordnung nicht gestört werde); fünf davon erhielten während einer 17stündigtn Haft ein Stück Brod und ein Glas Wasser und dcs folgenden Tages mußten alle neun in Be- glettung von vier Staa'.sdienem in der Mittagsstunde den ein viertel Stunde langen Weg nach dem Amtsgericht an- tteten, wo fie aber von dem Untersuchungsrichter vorläufig auf freien Fuß gesetzt wurden. Etwas dagegen zu machen, ist ganz unmöglich, höchstens könnte man erreichen, daß der ganze Unterstützungsverein mit sammt seiner Krankenkasse das Zeit- licht segnen müßte.— Ob noch weitere Schritte gegen die verhaftet gewesenen Kollegen seitens des Gerichts geschehen, bleibt abzuwarten; die diesbezügliche Mitthellung, welche uns in letzter Stunde zuging, halten wir für noch nicht be- gründet. Elberfeld, 22. Dezember. Nachdem die hier seit Kurzem erschienene„Freie Presse für Berg und Marl" auf Grund des Sozialistengesetzes verboten worden, erscheint seit heute ein Blatt unter dem Titel:„Neue Bürger-Zeitung, volkSthüm- liches Organ für Stadt und Land." Rußland. Die„Nowoje Wremja" despricht in einem Leitartikel die Ausgaben vcr eingesetzten Epezial-Kommisston zur Hintanhal- tung der Einwanderung von Deutschen und meint, die gedachte Kommission müsse die energischsten Maßregeln ergreifen, um der friedlichen Eroberung Rußlands durch die Deutschen ein Ende zu machen. Fürst Bismarck habe durch die MaffenauS- Weisungen der rusfischen Unterthanen die russische Regierung belehrt, wie mit Ausländern zu verfahren sei,„wenn das Wohl des Staates auf dem Spiele ist."— Wie der„Odessky Wiestnik" meldet, wird den in Rußland wohnenden jüdischen Kaufleuten nur die Führung von Exportgeschäften gestattet. In Folge dieser Verordnung werden vom 1.(13.) Januar an von der Behörde diejenigen jüdischen Geschäfte gesperrt wer- den, welche sowohl mit inländischen russischen Erzeugnissen als auch mit ausländischen Waaren im Innern Handel treiben. Diese Nachricht, welche d-r„W. Allg. Ztg." aus Odessa über- mittelt wird, klingt doch etwas befremdlich. In Rußland ist freilich Alles möglich. Amerika. Wie in den Vereinigten Staaten, tritt man jetzt auch in Kanada der Einwanderung von Chinesen entschieden entgegen. Durch ein dort kürzlich erlassenes Gesetz ist Chinesen, welche fich nicht durch vorschriftsmäßige Pässe als Staatsbeamte, Kaufleute, Touristen oder Studenten ausweisen körinen, der Eintritt in daS Dominium bei Strafe nur gegen Zahlung eines hohen Kopfgeldes(50 Doll.) gestattet; ferner darf kein Schiff nach kanadischen Häfen mehr als 1 chinesischen Passagier auf je 500 Tonnen seines Raumgehalts befördern, und zwar bei einer Strafe von 50 Doll. für jeden überzähligen Paffagier. Landung von Chinesen vor Zahlung dcs Kopf- gelbes wird an den Schiffern durch Geld- und Freiheitsstrafen und Konfiskation des SchiffrS geahndet.— ES ist doch wirk- lich jammerschade, daß die ibörichten Kanadier die„anspruchS- losen" und„bescheidenen" Arbeiter fern zu chatten suchen— nicht wahr liebe„Nordv. Allg. Ztg."? Gerichts-Zeitung. Das staatsgefährliche Strumpfband. Im Elsaß be- steht bekanntlich noch die alte Sitte, daß bei Hochzeiten die Freunde dcs Bräutigams berechttgt find, der Braut das Strumpfband abzuverlangen. Diese Zeremonie erfolgt gewöhn« lich während des HochzeitSmahles. Früher mußte die Braut in Gegenwart aller Hochzeitsgäste fich eineS ihrer Strumpf- bänder von den jungen Leuten abnehmen lassen. In unserer prüderen Zeit nimmt fie es selbst ad und überreicht es den „Berechttglen". DaS Band wird in kleine Stücke zerschnitten. Jeder der HochzeitSgäste erhält ein Stückchen. Die Damen tragen dasselbe auf der linken Seite; die Herren erhalten ihr Knopfloch damit geschmückt. Alle Gäste tragen daS „Bändchen", so lange die Hochzeit dauert. Am 15. Juli dieses Jahres verheirathete sich, wie der„Expreß" berichtet, Thaler dazu. Jetzt übernahm Barnekow die Bank, er zog die Karten rascher ab, Rabe vermochte dem Spiel kaum zu folgen. Der Verlust dcs letzteren wurde mit jeder Taille größer, er pointirte höher, die wachsende Aufregung ttieb ihm den Schweiß auf die Stirne. „Sie wolle« das Glück forziren," sagte Barnekow ruhig,„ich würde das nicht thun.' «Ich sitze nochmals fünfhundert Thaler auf die Dame," erwiderte Rabe mit heiserer Summe, während er in der zitternden Hand das Champagnerglas hielt. „Wie Sie wollen,— König, Zehn, Aß, Bube— Dame, Sie haben verloren!" „Viertausend Thaler!" murmelte Rabe.„Ich wollte, Sie wären mit Ihrer Spielwuth, wo der Pfeffer wächst!' „Bah, Sie würden mich möglicherweise auch in jenem schönen Lande aufsuchen!" „Habe ich jemals Sie aufgesucht?" „Sie werden mir doch nicht vorwerfen wollen, daß ich Ihnen nachgelaufen sei? Sie regen sich zu sehr auf, Rabe, das ist ein Fehler, den Sie ablegen müssen." „Denken Sie an Ihr« eigenen Fehler,' erwiderte Rabe barsch,„ich habe Sie nicht beaustragt, mir die Splitter aus den Augen zu ziehen." „Sie wollen mich wohl auf den eigenen Balken auf- merksam machen?" spottete Barnekow. „Ich hätte nicht« dagegen, wenn Sie Rücksicht darauf nehmen wollten." „Mit Vergnügen! Pointiren Sie!" „Fünfhundert auf den König und fünfhundert auf die erste Dame!" Barnekow zog ab, mit fieberhafter Spannung ruhte der glühende Blick Rabe's auf den Karten. „Wieder verloren!" sagte Barnekow«ach einer Weile, während er seinen Freund fragend anblickte, der mit sehr bedenklicher Miene den Kopf schüttelte, als ob er andeuten wolle, daß er nicht begreifen könne.„Wollen Sie auf- hören?" „Nein, entweder oder!' „Quitte ou double?" zu Oischweiler bei Scklettstadt die Nichte des dortigen Bürgermeisters, Fräulein Zimmermann, mit Herrn LerdS auS Uttenheim. Unter dcn Gästen befanden fich der Bürger» meister und der Adjunkt von Oischweiler, sowie der Bürger» meistcr und der Adjunkt von Uttenheim. Während man das Dessert servitte, wurde daS traditionelle Strumpfband zerschnitten und unter die Gäste vertheilt. Das Band war roth, weiß, blau. Eämmtliche Gäste wurden daher mit den französtschen Nationalfarden dekorirt. Ein Theil derselben promenitte damit auf der Straße und erschien Abends damit im CafS. Mehrere Gäste, unter Anderen der Hotelbesitzer Geist aus Schlettstadt, trugen ihr Bändchen noch am folgenden Tage auf dem Bahn- Hofe zu Schlettstadt. Ein Kondukteur machte darüber eine ab» fällige Bemerkung, worauf Herr Geist mit einer gepfefferten Verbal- Injurie antwortete. Tie Angelegenheit kam zur Kennt- niß des Staatsanwalts. Derselbe erblickte in dem Tragen fran- zösischer Farben auf der Straße und an öffentlichen Orlen(noch dazu am Tage nach dem französischen Nationalfeste) eine poli- tische Manifestation, und erhob eine dcsfallstge Anklage gegen alle männlichen Theilnehmer der Hochzeit. Am 17. Dezbr. erschienen die zehn Angeklagten, worunter die obengenannten vier Gemeindebeamten, vor der Strafkammer zu Colmar. Die An- klage stützt fich auf ein französisches Dekret vom 11. August 1848, welches die Entfaltung oder öffentliche Ausstellung von „aufrührerischen Zeichen" bei schweren Strafen verbietet. Herr Geist wurde außerdem der Beamtenbeleivigung bezichtigt. Die Angeklagten wurden durch die Rechtsanwälte Ruland und Port vettheidigt. Sie gaben sämmtlich zu, daß ihnen von den Damen angeheftete Bändchen getragen zu haben, ohne auf dessen Farbe zu achten; vermahnen fich jedoch entschieden gegen die Behauptung» damit eine polttische Demonstration beabstchtigt zu haben. Der KreiSdirektor PfarriuS giebt die beste Auskunft über den Bür» germeister und den Adjunkten von Orschwetler. Der StaatSanwall bleibt bei seiner Behauptung, daß eine politische Manifestation, wenn auch von keiner großen Tragweite, vorliege, und verlangt die Anwendung des Gesetzes von 1848. Tie Vertheidiger erklären, ein Gesetz, welches die Aufreizung zum Aufruhr unter Strafe stellen wollte, sei auf das Tragen eines Bändchen im Knopf- loch, und dazu noch bei einer Hochzeit, nicht anwendbar. In Straßdurg gebe es sogar eine studentische Verbindung, welche die nämlichen Farben als Abzeichen trage, ohne daß es Jeman- den eingefallen sei, darin eine stra'barc Handlung zu erblicken. Das Gericht schloß fich den Ansichten der Vertheidiger an, sprach sämmtliche Angeklagte von der Verletzung des Gesetzes vom 11. August 1848 frei und verurtheilte Herrn Geist wegen Beleidigung des Zugführers Kaiser zu 10 M. Strafe. Die Sache ist demnach relativ glücklich abgelaufen. Das gefähr- liche Strumpfband von„Orschweclcr" ist gegenwärtig im Elsaß in Aller Mund. Eine sehr glückliche Hand scheint die Staats- anwaltschaft nicht gehabt zu haben, indem fie die harmlose Stnimpfdand-Affaire zu einem politischen Prozesse aufbauschte, wobei fie fich noch auf ein veraltetes fran chsticheS Gesetz stützen mußte. Durch solche Prozeduren wird die Germanisimng des Elsaß nach unserer Meinung mehr hintangehalten als ge- fördert. Uermischtes. Rhinow, 22. Dezember.(Noch nicht aufgeklärt.) Don- nerstag Abend kehrten alle Landbriefträger wieder von ihren Touren zurück, nur e'ner, der erst vor einigen Jahren ange- stellte Landdriesträger Röding, fehlte. Bei näherer Nach- suchung fand man denn Abends 7'/, Uhr dcn jungen Mann in vollständig geordneter Dienstausrüstung in der Prieyener Haide, mit dem Leide auf der Erde liegend, die Beine lang ausgestreckt, das Geficht, einen Fuß hoch über der Erde, gegen eine Birke gelehnt und um den HalS eine Schlinge, deren Schnürende wohl zehnmal fest um den Baum ge« schlungen war, entseelt vor. Die Geldangelegenheiten und andere postalischen Geschäftssachen stimmten, soweit fich bis jetzt übersehen läßt, genau, auch war Uhr, Börse ac. bei dem Todten noch vorhanden und die Kleidung in geord- netem Zustande, so daß ein dem Tode vorangegangener Kampf um das Leben als ausgeschlossen betrachtet werden muß. Aber auch ein Mord aus Rache rc. scheint nicht gut denkbar, da Töding ein gutmüthiger, gefälliger Mensch war, der lein Kind tzeidtgen konnte. Ein Haus von Eisen, leicht versandtfähig und aufstell- bar, mit fünf trockenen Zimmern, Küche, Keller und Zubehör nach einem neuen von Heilmann erfundenen Systeme wird gegenwärtig von der Hüttenverwaltung in Königshütte O.-Schl. aufgeführt und bereits im Januar bewohnbar sein. Die Vottheile dieser neuen Bauart besteben namentlich rn der enormen Billigkeit, da daS erwähnte, als Villa auS- geführte Haus nur etwa 6000 Mark kosten soll, und in der leichten Verscndbarkeit seiner einzelnen Bestandtheile. Falls daS System, bei dem im Innern Holzwände und schlechte Wärmeleiter zur Verwendung kommen, fich bewährt, dürfte die Fabrikation solcher Heilmann'schen Häuser ein wichtiger Ge» schäftszweig werden. „Jawohl." „Es handelt sich um fünftausend Thaler!" „Wenn ich verliere, um zehntausend, ich weiß eS!" sagte Rabe aufwallend.„Fürchten Sie vielleicht, ich könne eS nicht zahlen?' „Ich denke nicht daran, da» zu behaupten.' „Dann verliere» Sie auch keine Worte weiter!" „Welche Karte?' fragte Barnekow. „Noch einmal die Dame!" Herr von Barnekow zog ab, der fieberhaft glühende Blick Rabe's folgte jeder Bewegung. Die Dame fiel auf die Seite des Bankhalters, aber in demselben Augenblick hielt auch die Faust Rabe'« die Gurgel Barnekow's mit eisernem Griff umklammert. „Schurke!" rief Rabe mit heiserer Stimme.„Jetzt ist mir die Ursache Deines fabelhaften Glücks klar geworden! Heraus mit dem gewonnenen Gelds!' Herr von Barnekow riß sich los, es gelang ihm, er sprang von seinem Sessel auf, mit flammendem Blick stand er dem Gegner gegenüber. „Sind Sie wahnsinnig geworden?" ftagte er wüthend. „Was wollen Sie? Ich habe da« Geld ehrlich gewonnen." „Das lügen Sie andere« Leuten vor, aber nicht denen, die gefälschte Karten kenneu!' erwiderte Rabe, der sich be- reit« der Karten und auch der Banknoten seines Gegner» bemächttgt hatte.„Was hindert mich, Sie öffentlich als falsche« Spieler zu brandmarken?" „Die Furcht, in'S Irrenhaus gebracht zu werden," sagte Barnekow, vor Wuth zitternd.„Beweisen Sie Ihre An» klage!" „Wenn ich dies« Karten vorlege, so ist der Beweis geliefert; wer mit gezeichneten Karten spielt, der muß im Volteschlage» geübt sei«. Wollen Sie gutwillig meinen Verlust mir zurückzahlen?" „Nein! Mein Geld ist in Ihren Händen; wenn Sie das saubere Gewerbe eines Straßenräubers betteiben wollen, so kann ich Sie daran nicht hindern." (Fortsetzung folgt.) 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IL Jahrs» Kommunales. ..■ W-» A A X � M Die Berliner Schuldeputatton hat vor einigen Tagen beschloffen, versuchsweise in drei demnächst ,u errichtenden Schul- gedäudrn Voi sorge für solche Bade- Einrichlm gen zu treffen, welche den Schülern und Schülerinnen Gelegenheit b'eten sollen, warme Bäder zu nehmen, ssast gleich-eilig find, wie die„Volks. Zeitung" berichtet, die städtischen Behörden von Breslau und Magdeburg der Frage näher getreten, ob es empfchlenswerth sei, mit den Schulen Bade- Einrichtungen zu verbinden; in Magdeburg haben die Stadtverordneten bereits Stellung ge- nommen und dem Magistrat die Einrichtung von Brausebädern — um solche handelt es fich nämlich— in zwei neuen Schul- gebäuden empfohlen. Die Einrichtung von Bädern ohne Echwimmbasfin und Wanne, lediglich unter Anwendung von Brausen, ist, weil fie weniger kostspielig ist, als unsere sonst üblichen Badecinrichtungen, und zudem eine viel raschere Be- Nutzung gestattet, schon seit Jahren nicht blos empfohlen, son« dern auch bereits praktisch duicbgefübrt worden. Im preuffi schen Heere find derartige Badeeinrichtungen in einer Reihe von Kasernen bereits vorhanden, und die über dieselben in milltäriilt en Zeitschristen erschienenen Berichte sprechen fich im Allgemeinen sehr befnedtgend aus. Das Verdienst, diese Ein- richtung auch für die Volksschulen angewandt zu haben, gebührt, so viel wir wiffen, der Stadt Güttingen. Auf Anregung des dortigen Bürgermeisters Merkel find Schulbäder eingerichtet worden und jetzt schon seit längerer Zeit in Betrieb. Einem olfiziellen Bericht über dieselben entnehmen wir folgende Angaben:„Der den Schulkindern zur Verfügung g nettenspieler, 2 Pnst-tenfadriken, 2 Lymphe-Institute, 2 Muldenhandlungen, 6 Notcnstechcr, 3 Pumpernickelfabriten, 1 Magne- tiseur, dagegen 28 Stoptbüchsen-Packungsfabriten. Als Unikum führt der Aoreßkalender u. A. auf: 1 Rauh-Karden Händler, I Dachsplettfabrik, 1 Oelkuchen-, 1 Pferdeschoner-, 1 Senf- pavier, 1 Puderquasten-, 1 Schnitzelmesser, 1 Seeleuchtzeichen, 2 Wollstaub., 1 Ziegelmehlfabrik. Ohne große Konkurrenz befinden fich noch die 14 Sägenschärfer, die 3 Schlaglothfabriken, die 17 Thierausstopfer, 2 Wunde- knauelfabriken, 2 Stuhlrohr- wäfchereien, 1 Magarinfabrik, 14 Nict.nfabrikanten und 2 Packet- knebelfabriken. Als poetische Fabrikanten find 11 Gelcgcnheits- dichter verzeichnet. Aus einer Rkim»Epistel aus Plötzensee, die ein un- freiwillig dort Wohnender an einen Freund gerichtet hat und die der„Berl. Cour." veröffentlicht, geben wir die folgenden gelungenen Verse wieder:„Zuerst, und dies ist nicht„ganz ohne", mußt Du noch wissen, wie ich wohne I In einem An- bau, ziemlich groß, einem viereckigen Steintoloß(doch hat's an der Front acht Frnster blos), da wohne ich im Erdgeschoß!— Die Fenster baden Eisenstangen, damit wir nicht vor Einbruch bangen, das Zimmer ist mehr tief als breit, das liegt so in der Baulichkeit. Das Bett wird, weil es sonst beengt, bei Tage an die Wand gehängt; an Inventar giebts vielerlei, doch nichts, was wohl entbehrlich sei.— Von meinem Fenster aus gesch'n, seh' ich die Kirche vor mir steh'n. und an dem Kirchthum ziem- lich matt, das Kirchthurmuhreuzifferblatt.— Man führt so gern den Spruch im Munde,„dem Glücklichen schlägt keine Stunde" — die Uhr schlägt stündlich viermal an, wir haben große Freude dran, ste zeigt unS den Verlauf der Zeit, im Gegensatz zur Ewigk-it.— Nun hast Du, wenn auch etwas wild, von meinem Domizil ein Bild.— Um 6 erschallt mit heil'iem Klang der Glocke Ton minutenlang. Jetzt heißt's vom Bette Abschied nehmen und schnell zum Ausstchn fich bequemen. Man reinigt fich und seine„Kluft" und läßt durch's Fenster frische Luft; es ist sehr streng darauf zu achten und ganz genau dar- nach zu trachten, daß wir nicht mit Spinngeweben friedfertig zusammen leben. Am Sonnabend wird stramm gescheue- t und die Leidwäsche auch erneuert, scheuern ist kein Hochgenuß, doch man thut es,— weil man muß. Um fieben sängt die Arbeit an, mck Pausen geht's bis fieben dann: daS Pensum. daS erst schwer mir fiel, ist jetzt nur noch ein Kinderspiel. Mich reizet nicht der Keldgewirn, doch weil ick großer Scknupfer bin, sporn ich mich an durch die Devise:„Nach jedem Dutzend eine Piise." Ein Prischen ist der Tugend Preis, die ich so zu erhaschen weiß. Von Arbeit lebt man nicht allein, es will doch auch gegessen sein! Für's Essen gilt als feste Norm,'s giebt alles nur in Suppenform!— Die Trinker thatrn nach der Sage einstmals berathen diese Frage: Wie fängt man es am besten an, daß man daS Essen auch trinken kann? Ver< gebens— es blieb offene Frage— hier ist's gelöst mit einem Schlage. Dreimal pro Woche giebl's Kaffee, ich schwärme nicht für die Idee, es ist das nichts für meinen Magen, der kann den Kaffee nicht vertragen.— Die Mittagskost ist gut legte und zu friedlichem Schlafe einlud. Da erschienen die Männer wieder, diesmal war e« um das Bäumchen geschehen. Ein Hieb bis in das innerste Mark,»och einer— dann fand eS sich auf einem Wagen unser Hunderten von Ge- «offen wieder; fort ging die Reife, weit hinweg. Gestern Abend strahlte e« nun in glänzender Pracht. ES sah freudig erregte Gesichter, die Mensche« waren fo fröhlich gestimmt, aiS ob das wahre Glück nur in dem engen Zimmer zu finden wäre; vergessen war doS waldige Thal, vergessen das Weh und die Sehnsucht nach den zurückgebliebenen Kameraden, ein Leben voll Pracht und Herrlichkeit hatte begonnen. Kurzer Rausch, eitle Freude! Morgen vielleicht schon reißt man den Flitterkram von Deinen Zweigen, morgen schon fleckt man Dich in den russigen Ofen,— ade Tannenwald, ade Frühlingssonne, ade Vogel- WaS kümmert's uns? DaS ist der Lauf der Welt. Heute braucht man D ch, der Schmeichler raunt Dir listige Worte ins Ohr, die Welt liegt Dir zu Füßen; wie wird's morgen sein? Wer kann es sagen, den» wer hat den morgigen Tag gesehen? Vielleicht weht morgen der Wind über Dich hm, wie er draußen über den tobten Stumpf des Weihnachtsbaumes dahmfegt. Da» Friedensfest der Menschheit leitet man mit Zer- störung blühende« Leben« ein, und wer weiß denn, ob heute wirklich alle Menschen glücklich und zufrieden sind? Giebt e» nicht genug, die auch heute und morgen und vielleicht noch viele Tage hungernd und frierend durch die Straßen pilgern, die mit verbissenem Groll auf diejenigen sehen, von denen sie glauben, daß es ihnen besser geht? Zu Ende ist der Mummenschanz mit der Mild'hätigkeit, und e« ist auch «in Glück. Heute wäre eS Zeit, daß alle diejenigen, die mit ihrem Namen und mit ihrem Gelde ei» unwürdiges Spiel in den Zestungen getrieben haben, einmal Umschau hielte» räch den Elendesten der Elenden, dann würden sie erfahren, ob eS eine Phrase oder Wahrheit ist, waS heute verkündet wird:„Friede auf Erden!" beseitet und von Kartoffeln stets begleitet, dreimal aieb'is Fleisch in allen Wochen, man läßt's gleich in der Suppe kochen. Die Speisen haben Sondernamen, doch weiß ich nicht, woher ste kamen, nur zweie weiß als sicher ich, ein? ist der „blaue Heinerich," die Suppe ist aus Buchweizgrütze und blau wie die Dragoneimütze. Eh' Strauß die blaue Donau schrieb (die Donau ist nicht blau, doch trüb), saß er wohl an der Schüssel Rand, in der solch„blauer Heiniich" stand.—— Rumford, das ist ein Mischgerichte, deß Inhalt folgt aus der Geschichte. Ein Kapitän, der Rumford hieß, einstmals auf eine Sandbemt stieß, das Schiff bekam'nen großen L.ck, auch war der Vakrath ziemlich weg: Herr Rumford ließ in seiner Roth, KgMffeln, Erbsen, Graupen, Brod, auch Esfiz, Speck rc. (dies aM war an Vorrath da) diverse Stunden eitrig kochen, die Mkhlzeit Hab' sehr angesprochen. Der Schiffbruch war gcmwmcht schwer, wo käme daS Rezept sonst her? Rum- «lUJffi nennt'S der Berliner hier, zu essen macht es kein Tcrifir." Die Spitznamen der Berliner Verbrecher. Von einem Ungenannten werden in der„Zeitschrift für die gesammte Strafrechtswiff.nschaft" Bd. IV. S. 414 ff. Bd. V. S. 114 ff. 423 ff. Bd. VI. S. 225 ff. höchst intereffante Schilderungen veröffentlicht, welche die Ueberschrist des gegenwärtigen Artikels führen. Zunächst scheint der P ozeß Dickhoff und die psycho- logischen Einblicke, welche derselbe in die Behenschung eines einzelnen über eine Verbrecherbande thun ließ, dem Verfasser zu seinen interessanten Schilderungen Anlaß gegeben zu haben; der zweite Aufsatz führt die Ueberschrist„Entstehungsmsache, Lebensweise, Organisation". Der Neuling muß, einmal aner- kannt und aufgenommen, eine vollkommene Schule durch- machen. Im Anfang werden ihm unbedeutende Rollen zuge- wiesen, er muß Wache stehen bei Einbrüchen, helfen beim Fortschaffen gestohlener Waaren u. dgl.; sobald er fich aber hierbei bewährt hat, muß er mit an die eigentliche Arbeit heran; einer schwierigeren Aufgabe findet ihn das Vertrauen der Genossen für würdig, und löst er auch diese zur Zufrie- denheit der alten, so erwirbt er nun bald das Prädikat „schwerer Junge" als auSgelernter Verbrecher, der keine Be- denken mehr kennt und vor keiner Thal mehr zurückschreckt. Zu gleicher Zeit wird ihm— und das ist ganz ausnahms- loS— ein Beiname beigelegt, und nur ausschließlich noch mit diesem wird er gerufen und dritten Verbrechern gegenüber genannt. Diese Ausschließlichkeit geht so weit, daß eS alte Verbrecher giebt, die fich lange Jahre kennen und lange Jahre hindurch dasselbe Handwerl gemeinschaftlich betreiben und den- noch keine Ähnung davon haben, wie der wiikliche Name des andern lautet. Sie wollen ibn auch garnicht wissen: ste haben kein Interesse daran; innerhalb der Verbrecherwelt kommen ste mit dem Spitznamen aus, ja besser als mit dem richtigen Na- men; denn jedermann ihresgleichen kennt den ersteren, nur sehr wenige den letzteren; und außerhalb der Verbrecherwelt be- dürfen ste weder des einen noch des anderen; denn fie wollen von der Bekanntschaft mit den Genossen überhaupt nichts wissen, und es ist ihnen immer noch lieber, den Bekannten verrathen zu sehen, den von den Uneingeweihten ja doch nur selten jemand kennt, als den wirk'ichen Namen. Dies ist auch der Hauptgrund, weshalb das Belegen eines Spitznamens in der Verbrecherwelt so oanz allgemeine Sitte ist. Mag auch ein guter Theil der Veranlassung auf den überall bekannten Sarkasmus der Berliner Bevölkerung zurückzustihren sein, auf ihren Hang zum beißenden Spott, auf ihre Neigung, jedem andern etwas anzuhängen, ihre Befähigung, die Schwächen anderer herauszufinden und ste in einer oder der andern Form ihrem Witz dienstbar zu machen; und muß auch aner- kannt werden, daß alle diese Eigenschaften in besonders hohem Maße gerade auch innerhalb der Verbrecherwelt wiederzustl-den find; daß der eigenartige, zugleich zwang- und formlose Ver- kehr unter ihnen andererseits jede Empfindlichkeit ausschließt, oder doch nicht aufkommen lassen würde: so stnd die Verbrecher von Prekesfion doch auch wieder so praktische Leute, daß fie mit solchen Witzeleien auch eine zweckmäßige Seite zu verbin- den wissen, und ste würden ficherlich nicht an einem und den- selben Namen, wenn er einmal einem der Ihrigen zuertheilt ist, mit einer solchen Zähigkeit und Ausschließlichkeit festhalten, wenn fie fich davon nicht praktische Resultate versprächen, die ste dann auch thalsächlich erreichen; denn dieses Ver- stecken hinter fälschlich beigelegten Namen erschwert oft Entdeckung von Verbrechen ungemein. Es dürste nicht uninteressant sein, einige dieser Beinamen kennen zu leinen, da fie bezeichnend find für die Ausdrucksweise dieser Leute und den Verkehr untereinander. Sehr ver- breitet stnd die Spitznamen, welche fich an den Vornamen der Betreffenden anschließen und mit ihm die vom Träger erlernte, aber längst nicht mehr ausgeübte Profesfion verbinden, wie „Böttcherkarl",„Schlächterwilhelm",„Schloffermax",„Schuster- august"; oder die statt der Professton die Waffe angeben, bei der der Inhaber gedient hat, wie„Kanonenaugust",„Ulanen- robert". Es folgen solche, die ein körperliches Gebrechen oder eine äußerliche Eigenthümlichkeit zur Veranlassung haben:„der Dicke",„Narbenlarl",„Buckelkonditor",„Schiestnaul",„der steife Lehmann",„die Eognaenäse". Auch schmeichelhafte Beinamen finden fich:„schöner Eduard",„guter Robert", ebenso wie tadelnde:„fauler Anton", ja sogar Schimpfnamen, wie „Affe",„Blechsckädel". Wieder andere lehnen fich an die Kleidung an, die manche mit Vorliebe tragen, z. B.„der bunte Karl",„der grüne Jäger", oder fie beziehen fich auf andere Eigenthümltchkeiten wie„der Zigarrenadoli", der Ein- fiedler", der„Komödiantenernst". Auch allerhand Titel und Würden w-rden gern beigelegt:„der Gefreite",„der Wacht- meister",„Student",„Regierungsrath",„Platzmajor",„Rechts- anwalt", ja sogar„Staatsanwalt". Nicht selten ist die Bei- legung von Namen bekannter und berühmter Persönlichkeiten: „Der Barbier von Sevilla",„Helmerding",„Blücher" u. s. w. Noch seltsamer, oft komischer, oft häßlicher ist die Blumen- lese, die man unter der weiblichen Verbrecherwelt vernehmen kann. Die„schwarze Tonie", der„Bouillonkopf", das„Pfeffer- rösel", die„Svortminna", das„Talglicht", die„schiefe La- terne", die„Chokoladenminna", die„lange Charlotte", die „polnische Gräfin", die„Schneppenmarie", die„Neunfingrige", die„Stiefelanna", daS„Eisbein", die„Dragonerlotte", das „Süßmaul", die„Spitzbubenida", die„Schinkelverle". die „Bratenguste". die„Butterblume", die„Judenbertha", die „Trapezamalie", die„Dampfwalze", die„Bankierwittwe", Alle diese Namen haben ihre Entstehungsgeschichte; gar mancher abenteuerliche Roman knüpft fich an ihre Existenz. Die Geschickten werden vergessen; aber die Namen bleiben. Verbrecher-Generationen steigen inS Grab; aber ihre Namen bleiben in der Erinnerung der Ueberlebendm, und diese selbst werden bei ihren Beinamen genannt von dem heranwachsenden Geschlecht, das k-ine Ahnung davon hat, welchen Vorkomm- niffen jene ihre Entstehung verdanken. g. liebet die Manipulatione« des von der Kriminal- Polizei verhafteten Geldagenten Hermann Printz erfahren wir von einem der Betbeiligten folgendes: Em hiesiger Fabrikant A. suchte ein Dorlehn und erließ eine bezügliche Annonze, auf «eiche P. eine Offerte abgab, in welcher er um den Besuch A.'s bat. P. verlangte nun von A. einen Vorschuß von 6 M., da er erst durch das hiestge Auskunftsbureau von Schimmelpfennig Erkundigungen übet seine Verhältnisse einziehen müßte, um das Resultat seinem Geldwanne mittheilen zu können. A. war vorfichtig genug, diesem Verlaangen nicht sofort zu entsprechen. Im Laufe der Unterredung theilte P. dem A. mit, daß Geld zu 6 bez. 10 pCt. nirgends zu haben sei; er, resp. sein Geld- mann kauften nur Wechsel, v. h. also, fie lassen dem DarlehnS- suchet einen Wechsel ausfertigen und„bezahlen" beispielsweise für einen auf 300 M. lautenden Wechsel, der nur eine kurze est läuft, 250 M. Hierdurch umgehen fie das Wuchergesetz. em A. wurden auch statt baaren Geldes sog. Geschäfrswechsel off.rirt, die er in Zahlung bei seinen Gläubigern geben sollt Es stnd dies jedenfalls diejenigen Wechsel, welche P. bezw sein Geldmann für fich lauft, um dieselben zu dem Sckriftwerthe mit einer guten Verzinsung weiterzugeben Die Zahl der von P. geschädigten Personen soll eine ganz bedeutende sein, so daß dem edlen Menschenfreund ein gehöriger Prozeß gemacht werden wird. I« dem vielbesuchten Kaisetpanorama Passage werden die Reise durch das malerische Berner-Oberland, die interessante Wanderung durch Amerika, Kalifornien und teleskopischen Auf- nahmen die Mondes und die Weihnachlsausstellung, denk- würdige Stätten des heiligen Landes nebst den wunderbar plastisch erscheinenden Tableaux aus dem Leben Jesu noch bis kommenden Donnerstag ausgestellt sein. Polizei-Bericht. Am 23. d. M. früh wurde ein unbe« kanntet Mann, anscheinend ein Arbester, im Alter von etwa 26 Jahren, welcher am Tage zuvor wegen starker Trunkenheit zu seiner Ausnüchterung nach der Wache deS 41. Polizei- Reviers gebracht worden war, in der Zelle todt vorgefunden. Derselbe ist, wie durch den hinzugerufenen Arzt festgestellt wurde, wahrscheinlich in Folge übermäßigen Branntwein- genuss-S am Gehirnschlag verstorben. Die Leiche wurde nach dem Lbduktionshause geschafft.— An demselben Vormittage wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Artilleriestraße an einem Spiegelbaken erhängt vorgefunden.— Um dieselbe Zeit wurde der Arbeiter Gerstel auf dem Gendarmenmarkt beim Abladen von Marktgegenftänden von einem Pferde derart gegen das Bein geschlagen, daß er anscheinend einen Knochen- brück) erlitt und nach der Charit« gebracht werden mußte.— An demselben Tage Nachmittags wurde ein Dienstmädchen an der Alvensleben- und Kirchbachstraßen Ecke bewußtlos an der Erde liegend und aus Nase und Mund stark blutend vorge- sunden und mittelst Droschke nach dem Elisabeth Krankenhause gebracht. Wie fich später herausstellte, ist dasselbe durch chren Brodherrn gemißhandelt worden, fortgelaufen und an der ge- dachten Straßenecke bewußtlos zusammengebrochen. Gerichts-Zeitmtg. Det Chemnitzer Sozialistenptozeß vor dem Reichsgericht. Ii. Leipzig, 23. Dezember. Das heute Mittag 12 Uhr von dem Präfidenten des 3. Strafsenates deS Reichsgerichte?, Herrn Dr. von Beyerle verkündigte Urtheil hat(nach steno» graphischer Niederschrift) folgenden Wortlaut: In der Strafsache gegen Bebel und Genoffen erkennt daS Reichsgericht, daß auf die Revrston der Staatsanwaltschaft daS Urlheil des Landgerichtes Chemnitz nebst den denselben zu Grunde liegenden thatsächlichen Feststellungen aufzuheben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung in die Vorinstanz und zwar an das Landgericht in Freiderg zurückzuverweisen ist. Den Angeklagten ist zur Last gelegt, theilgenommen zu haben, oder Theilnehmer gewesen zu sein an einer innerhalb der sozialdemokratischen Partei bestehenden Verbindung, deren Dasein, Verfassung und Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden sollte und zu deren Beschäftigungen und Zwecken es gehöre, Maßregeln der Verwaltung oder die Voll« ziehung von Gesetzen unwirksam zu machen durch Herstellung und Verbreitung von Preßerzeuanissen von der in dem§ 1 des Sozialistengesetzes bezeichneten Art, insbesondere der verbotenen Zeitschrift„Sozialdemokrat" und durch Abhaltung von Ver- iammlungen der bez ichneten Art, oder mit Umgehung der in Beziehung auf das Versammlungsrecht bestehenden gesetzlichen Vorschriften. Die Anklage gründet fich folgeweise auf die §§ 128 und 129 des Strafgesetzbuch. Das Gericht erster In- fianz hat auf Freisprechung erkannt. Die Staatsanwaltschaft hat daS Urtheil angefochten unter der Behauptung, daß die Freisprechung auf einer Verletzung der§§ 128 und 129 beruhe. Es konnte der Revifion der Erfolg nicht vecsagt wer- den. Zwar find von den Vorwürfen, welche dem Urlheile gemacht werden, mehrere nicht begründet. Wenn zunächst be- hauptet worden ist, dem Urtheile liege eine Konfrondirung (Vermischung) der§§ 128 und 129 zu Grunde, so konnte das nicht für begründet erachtet werden. Es hat allerdings daS Landgericht im Eingange seines UrtheileS fich über die Vor« aussetzungen. unter welchen eine Lerurtheilung eintreten mußte, dahin ausgesprochen, eine Verurtheilung der Angeklagten im Sinne des Eröffnungsbeschlusses würde nur dann eintreten können, wenn als durch die Beweisaufnahme in der Haupt- Verhandlung in thatsechlicher Beziehung festgestellt folgende vier Punkte erachtet werden müssen: 1) daß innerhalb der sozialdemokratischen Partei eine Verbindung existiie, 2) daß diese Verbindung hinsichtlich ihres Daseins, ihrer Verfassung und Zwecke vor der S aatsregierung geheim gehalten werden solle, 3) daß zu den Zwecken der Verbindung gehöre, Maß» regeln der Verwaltung oder die Vollziehung der Gesetze durch ungesetzliche Maßregeln zu verhindern oder zu entkräften. Es ist als Voraussetzung für die Verurtheilung der Beweis so- wohl deS unter 2) als des unter 3) angeführten Umstandes hervorgehoben, allein zwar mit Recht. Denn die Anklage geht ja auf eine Handlungsweise der Angeklagten, durch welche sowohl der§ 128 mit Rücksicht auf die Abficht der Geheim- Haltung, als der§ 129 verletzt werde, und es konnte deS« wegen daS Gericht ganz wohl sagen, zu einer Verurtheilung im Sinne des Eröffnungsbeschlusses wäre der Beweis sowohl das unter 2) als des unter 3) angeführten Ilmstandes nöthig. Bedenklicher ist das, was ebenfalls dem Gerichte zum Vorwurf gemacht wird, wenn in verschiedenen Sätzen des Ur- theilS so gesprochen wird, als nehme daS Gericht an, daß in dem ersten Falle deS§ 128 erfordert werde, daß sowohl hin- stchtlich der Existenz als der Verfassung, alS des Zweckes der Verbindung die Abficht der Geheimhaltung vor der Staats- regierung bestehe, während das Gesetz blos sagt„oder". Allein abgesehen davon, daß an einer anderen Stelle deS Urth.-ils die Gründe in ihrer Fassung vollkommen den Worten deS Ge« setzeS entsprechen, war zu erwägen, daß sogar, wenn nicht eine ungenaue Ausdrucksweise, sondern eine wirkliche Verkennung d:s Sinnes des Gesetzes zu Grunde läge, dieser Jrrthum für das Urtheil nicht nachtheilig gewesen wäre, da das Instanz« gericht zu dem Ergebniß in thatsächlicher Beziehung gelanat ist» daß weder in Beziehung auf daS Dasein oder in Beziehung auf die Verfassung, noch in Beziehung auf den Zweck Geheim- hallung beabfichtigt gewesen sei. Es handelt fich deswegen wesentlich darum, od das Gericht den Begriff Verbindung richtig aufgefaßt hat. Das Jnstrnzgericht hat seine Stellung gegenüber der Antlage in Beziehung auf diesen Punkt dahin gekennzeichnet, die Anklage nehme an, Verbindung im Sinne der§ 128 und 129 sei jeoe nach Organisation und Zweck auf dauernden Bestand berechnete Vereinigung von Per- sonm, aber von dem Jnstanzgerichte werde diese Definition als zu weit erachtet, es sei vielmebr außer dem bezeichneten Merkmale weiter erforderlich eine durch die vor dem Eintritt in die Verbindung abzuge« bende Willenserklärung deS Einzelnen, fich den Gelammtwillen unterreden zu wollen, bedingte Wechselbeziehung des Einzelnen zu dem Einzelnen und somit zu dem Ganzen, es werde also für den Beitritt zu der Verbindung eine die Willensfreiheit des zukünftigen Mitgliedes beschränkende Erklärung, eine Zu« sage erfoide.t, welche es zu der dezeichneten Abhängigkeit ver» pflichte. Die Vorinstanz führt nun aus, auS denjenigen That« fachen, welche zur Begründung der Anklage vorgebracht seien und welche theilweise nicht erwiesen, theilweise erwiesen seien, gehe, soweit der Beweis dieser Tbatsachen herq-stellt sei, nur hervor, daß die sozialdemokratische Partei eine Organisation de- fitze, wie sie überhaupt politische Parteien zu befitzen pflegen, daß mithin aus den festzustellenden Thatsachen nicht ent» nommen werden könne Vis Begehen einer Veibindunz in dem gedachten Linne. Es ariid in der Beziehung ausgeführt, daß die Partei in der Gcsammtheit der jeweiligen zu der Partei gehörigen R'ichstags-Abgecrdncten eineLeilung, eine Gesammt- leituna besttzc, jedoch nicht so, daß die Abgeordneten unier stch eine Verbindung bilbcn, daß diese Gesammtleitung eine Dis. ziplin handhabe, jedoch eine Disziplin, welche nicht über das Hinweggehe, was man überhaupt unter Partcidisziplin versteht, daß auch das ökonomische Gebahren nicht ein anderes sei, als es sonst bei den Parteien vorkommt, daß die Partei in dem„Sozialdemokrat" ein offizielles Organ befitze, aber eben überhaupt nur ein Organ, wie politische Parteien ihre Partei- organe haben. Das Gericht ist deswegen zu dem Eigebniß gelangt, daß eine Verbindung in dem Sinne, wie dasselbe den Begriff Verbindung auffaßt, nicht erwiesen sei. Nun ist anzu- nehmen, daß in dem Worte Verbindung etwas spezifisch Ver. schiedenes von dem nicht liegt, waS man auch als Verein oder Gesellschaft bezeichnet. Es werden auch in den Gesetzen, welche als die Vorgänger des Strafgesetzbuches anzusehen find, diese Ausdrücke promiscoe(durch einander) gebraucht. Es ist sodann, was die Definition der ersten Instanz betrifft, nicht zu bean- standen das Erforderniß, daß die Vereinigung auf einen dauernden Bestand berechnet sein müffe. Der Charakter von etwas Dauerndem kann schon in den Worten gefunden werden. ES geht aber dieses Erforderniß insbesondere auch aus dem§ 129 hervor, wo der Zweck so bezeichnet ist, daß darunter etwas Dauerndes nur verstanden werden kann im Unterschiede von dem Komplott zu einzelnen strafbaren Handlungen. WaS sodann das Erforderniß der Unterordnung des Willens unter den Gesammtwillen betrifft, so ist auch das etwas, waS der Verbindung mit einer anderen Vereinigung für einen gemeinschaftlichen Zweck ge- meinsam ist. Ein Zusammenwirken für einen gemeinsamen Zweck läßt fich ja doch nicht wohl anders denken, als daß die Einzelnen, welche Mitglieder der Vereinigung find, ihren Willen, soweit eben der Vereinszweck es erfordert, dem Ge- sammtwillen unterordnen, mag dieser nun in Mehrhcits- beschlüffen fich aussprechen, oder in dem Befehle der Leiter der Vereinigung oder sonstwie. Daß die Eifordernisse mit dem Be- triffe der Vereinigung zu verbinden find, geht auch aus der Zorgeschichte der§§ 128 und 129 hervor. Es darf aus dieser insbesonvere entnommen werden, daß blos vorübergehende Vereinigungen nicht unter die Paragraphen fallen; es darf aber auch angenommen werden, daß die Vereinigungen, welche unter die§§ 128 und 129 möglicherweise fallen, nicht in weiterem Sinne verffanden find, als die Vereine, auf welche fich das preußische Vereinsgesrtz vom März 1850 bezieht, daß also eine Beschäftigung mit öffentlichen Angelegenheiten noth- wendig ist, um die Anwendbarkeit dieser Paragraphen zu be- gründen. Bedenken hat nun aber das Urtheil erster Instanz er» regen müssen in der Richtung, daß dasselbe sowohl in der aus- drücklichen Begriffsbestimmung als in den weiteren Ausführungen nicht wohl eine andere Deutung zuläßt, als daß das Instanz- gcricht zum Begriffe der Verbindung erfordert hat eine ausdrückliche, d. h. mit ausdrücklichen Worten erfolgte Er» klärung, fich dem Willen der Gesammlheit unterordnen zu wollen. Es ist in dieser Beziehung insbesondere zu verweisen auf die schon angezooene Stelle, wo das Verhältniß des In« stanzgerichtcs zu der Anklage präzifiit ist und wo ausdrücklich von einer vor dem Eint.itt in die Veibindung abzugebenden Willenserklärung und einer Zusage die Rede ist. Sodann find aber in dieser Beziehung besonders ins Gewicht gefallen die Ausführungen, welche in Beziehung aus den Kopenhaoener Kongreß und in Beziehung auf das Verhältniß der Ange- klagten zu den Vorgängen und Beschlüffen dieses Koven- Hagener Kongresses gemacht find. Es ist nun kein Zweifel, daß daS Gericht, wenn es diese Anficht hat, in einem Rechtiirrthume sich befunden hat, denn der Beitritt zu einer Verbindung kann auch erfolgen durch konkludente Hand- lungen. Auch das rcichsgerichtliche Urtheil, dem daS Landgericht fich anschließen zu wollen erklärt hat, ist nicht anders als in diesem Sinne zu verstehen. ES erhellt aus diesem Urtheile deS I. Strafsenates in keiner Weise, daß derselbe eine Erklärung mit ausdrücklichen Worten zu dem Begriffe der Verbindung erfordert hat. Diese irrige Anficht, von welcher, wie man hier- nach annehmen muß, daS Landgericht ausgegangen ist, mußte aber nothwendig von Einfluß sein auf die �eurtheilung des gesammtcn thatsächlichen Materials, und es konnte deswegen das Urtheil erster Instanz nicht aufrecht erhalten werden, son- dern es mußte der Reoifion des Staatsanwaltes Folge gegeben werden. Uereine und Versammlungen. Der Fachverein der Tischler hielt am Montag, den 21. Dezember in Jordans Salon, Neue Giünstr. 29, eine Mitgliederversammlung ab, die einen sehr unerwarteten AuS- gang nahm. Der Referent, Herr Dr. Bohn, hielt einen Vor- trag über Darwinismus. Streng fich an die Sache haltend, ohne irgend welche soziale oder politische Anspielungen, eiläu- terte er zuerst die Wandlungen, welche Hausthiere durch die Zucht der Menschen erfahren, w e sodann tei den übrigen Thieren die Natur durch den„Kampf ums Dasein" auS den unvollkommensten Formen immer höher stehende Thiergaltungen und schließlich auch den Menschen entwickelt habe. Als der Referent nach etwa dreiviertelstündiger Dauer seines Vortra- ges ganz beiläufig äußerte:„daß mit der Darwinschen Abstammungslehre die biblische Erzählung von der Er- schaffung je eines fertigen Thierpaarcs und ihrem Auftrage, fich zu vermehren, völlig unvereinbar sei, erhob fich der über- wachende Polizeilieutenant, ehe noch der Sprecher seinen Satz ganz vollendet, und erklärte die Versammlung auf Grund des § 9 des Sozialistengesetzes für aufgelöst— zum größten Er- staunen sämmtlicher Anwesenden, daS übrigens mehr in Heiter- keit als Entrüstung überging, da das Verfahren des Beamten gegenüber einem rein auf wissenschaftlichem Boden fich bewegen- den Vortrage völlig unbegreiflich erschien. Kopfschüttelnd, selbst- verständlich in völliger Ruhe, verließ man den Saal. Wie verlautet, soll gegen die Auflösung betreffenden OrteS Beschwerde «hoben werden. Eine große öffentliche Versammlung sämmtlicher Kürschner und Berufsgenoffm findet Sonntag, 27. Dezember <3. Feiertag), Vormittags 10 Uhr, in Golle's Restaurant, Linienstr. 30. statt. Tagesordnung: Welche Vorthetle bietet der Zentral- Ver band deutscher Kürschner den Kollegen? Re- ferent Herr Michelsen. Zu dieser höchst wichtigen Tagesord- nung ist eS erwünscht, daß sämmtliche Kollegen erscheinen. Arbeiter-VezirkSverein der Rosenthaler Vorstadt. Die Bibliotdek des Vereins zähtt bis jetzt 260 Bände und find namentlich in letzter Zeit eine ganze Reihe von sozialpo litischen Werken den Mitgliedern zur Versügung gestellt wor- den. Tie Mitglieder werden deshalb aufgefordert, die Biblis- thek recht fleißig zu denutzen. Die Ausgabe resp. Umtausch der Bücher geschieht am 2. und 3. Feiertag Vorm. 9—11 Uhr im Rrstaurant Schayer, Ackcrstraße 143. Mitgliedskarte le- Litimirt. �... Gr. öffentliche Versammlung der Mechaniker, Optiker, Uhrmacher, chirurgischer und anderer Jnstumentenmacher Sonn- tag d. 27. d.M. Vorm. 10 Uhr in dm Bürgersälen, Dresdener- straße 96. Tagesordnung; 1) Vortrag des Regierungsbaumeisters Herrn Keßler; 2) der Unterstützungsverband deutscher Mechanr- ter zc. Referent Herr Kirsten aus Stuttgart; 3) Tislusfion. Wicht eines jeden Kollegen ist eS. am Platze zu sein. Nach «er öffentlichm Versammlung findet eine Versammlung des -vach Vereins statt. Tagesordnung: 1) Ausgabe der Quiltungs» «ücher; 2) Wabl des gesammten Vorstandes. Nur mit Quittungen resp. Ouitturrgsdücher Versehene haben Zutritt. Fachv-rein der Tischler. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß cer Besitzer der Badeanstalt„Oranien-Bad", Oranicn- straße 44(zwischen Oranienplatz und Moritzvlatz), Vereins- Mitgliedern gegen Vorzeigung ihres Quittungsbuches ein Bad 2. Klasse statt 50 Pf. mit 40 Pf. berechnet. Große Volksversammlung Sonntag, den 27. Dezbr., Vormittags 10 Uhr, im Konzeithause Sanssouci, Kottbuser- straße 4 a. Tagesordnung: 1. Die Kommunalwahlen und das Dreiklaffen Wahlsystem mit öffmtlicher Stimmabgabe. Referent: Stadtverordneter Herr Görcki. 2. Freie Diskussion. Ortskrankenkasse der Böttcher Berlins. Generalver- sammlung Sonntag, den 27. Dezember, Vormittags 10 Uhr, in Hrise's Salon, Lichtenbergerstr. 21. Tagesordnung: 1. Wahl dreier Revisoren. 2. Verschiedenes. Fachverein der Böttcher. Sonnabend, den 26. Dezbi., Vormittags 10 Uhr, Generalversammlung in Heise's Salon, Lichtenbergerstr. 21. Tagesordnung: 1. Wahl des gesammten Vorstandes. 2. Verschiedenes. Zentral-Kranken» und Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter. Verwaltungsstelle Berlin E. (Wedding und Gesundbrunnen). Die Mitglieder werden ersucht, ihre Restdeiträge am Sonntag Abend auf der Zahlstelle bei Heißig oder täglich Abends beim Kasfirer zu entrichten. Verein zur Pflege freireligiösen Lebens. Sonntag, den 27., Vormittags 10 Uhr, im Gesellschaftshause, Nieder- wallstr. 20, Vortrag des Herrn Prediger Dr. Völkcl über das Thema:„Unsere Familienfeier unter dem Weihnachtsbaum." Zutritt hat Jeder. Der Verein für Reform der Schule und Erziehung hält Sonntag, den 27. Dezember, Vormittags 10 Uhr, in Keller's Salon, AndreaSstr. 21, eine öffentliche Versammlung ab, in welcher Herr Schäfer über das 5)eil der Völker spr.-chen wird, wobei auch von ihm gestellte Thesen zur Vertheilung und bez. zur Diskussion kommen. Zutritt haben nur Herren. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Tischler und Klavierarbeiter Berlins Sonntag, den 27. Dezember, Vormittags 10 Uhr, Große Frantfurterstr. 117(Mohrmann). Tagesordnung: 1. Weiterer Bericht über die Thättgkeit der Revistons° Kommisfion. 2. Abrechnung der abgelaufenen Gelder. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Fabrik- und Handarbeiter b. G.(E. H. Dresden, Filiale Berlin 8.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Zahlstelle Prinzenstraße 93 am 23. Dezember nach der Rckeistraße 35 bei Beitsch, vorn part. verlegt wird. Bezirksverein der arbeitenden Bevölkerung deS Süd-Westen Berlins. Freitag, den 25. Dezember(1. Feiertag), Abends 5 Uhr, geselliges Beisammensein der Mitglieder nebst Familie und deren Freunde und Bekannte in tzabel'S Brauerei, Bergmannstc. 5—7. Der Kranken- Unterstützunqs- Bund der Schneider u. s. w.(E. H.) feiert am zweiten Weihnachtsfeiertage sein dies- jähriges Weihnachtsfest, verbunden mit Konzert, Ball und Kinderbeschecrung. Billels find vorher zuhaben: im Restaurant Krausenstr. 11; Münzstr. 2. im Zigarrengeschäft; Jannowitz- drücke 1 v. III bei Eckelt und Annenstr. 11 v. IV bei Boche. Bezirksverein des werkthätigen Voltes der Schön- hauser Vorstadt. Dienstag, den 29. d. Mts., Abends präzise 8V, Uhr, in Thormann's Kasino, Belforterstr. 15, ordentliche Gen eralversammlung. Tagesordnung: 1. Wahl des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Kendziora. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Gäste willkommen. Neue Mit- glieder werden aufgenommen. Die Mitglieder werden ersucht, recht pünktlich zu erscheinen, da die Versammlung präzise 8'/, Uhr eröffnet wird. Näheres stehe Inserat der Dienstag- nummer. Uermischtes. Die berühmte Skatstadt Altenburg, in welcher daS Etadiverordnetcnkollegium 25 000 Mark für Abhaltung eines Skatkongresses nunmehr bewilligt hat, darf auch auf den Namen einer Bierstadt mit Recht Anspruch erheben. Der Bierkonsum bat dort nämlich im Jahre 1884 folgenden Umfang erreicht: 35'/- Hektoliter Porter, 206'/, Hektoliter Bock, 3975 Hektoliter Bayrisch, 250 Hektoliter Böhmisch, 21 898 Hektoliter Lagerbier, 295'/- Hektoliter Lichtenhainer, 451 Hektoliter diverses Weißbier, 148 Hektoliter KLstritzer. 28'/, Hektoliter Gase, 22 517'/, Hello» liler Braunbier. Zusammen 49 325 Hektoliter. Rechnet man die Stadt derzeit zu 29 490 Einwohnern, so kommen auf den Kopf ca. 171 Liter— eine ganz respektable Leistung! Hitziges aus der Eiszeit! In Pest haben fich 2 Abge» ordnete auf 25 Schritte Distanz geschossen, wobei die Lust schwer verwundet wurde, die Duellanten aber unbeschädigt blieben.— In Bukarest schössen gar ein paar Ex-Ministcr einige Kugeln — an einander vorbei und trafen lediglich Mutter Erde. Die wunderbarste und schönste Stimme, die seit Menschengedenken gehört worden ist, soll nach dem Ausspruche Rubinsteins eine kürzlich in Baltimore gestorbene Nonne Agnes Gubert beseffen haben. Strakosch hatte ihr seinerzeit 250,000 Frcs. für eine sechsmonatlicke Konzertreise angeboten, was fie jedoch ausschlug, um als 20jähriges Mädchen ins Kloster zu gehen. Eine wunderliche Heilige! Zwei weibliche Rechtsanwälte haben kürzlich auf der Uniocrfität Turin promovrrt. Eine davon NamenS Lidia Poet hat fich dort bereits als„Avvocatessa" niedergelassen. Kleine Mittheilungen. Hamm in Westfalen, 23. Dezember. Eine gräßliche That hat sich heute hier ereignet; ein bisher sorgsamer, tieuer Gälte und Familienvater bat seine Frau und fünf Kinder ermordet. Der am 25. April 1839 zu Distedde im Kreise Beckum ge- borene Spezereihändlcr, frühere Eisenbahnschaffner Friedrich Muckelmann führte bis zum 1. Oktober d. I. in der Norden- feldmark ein Epezereigeschäft, verbunden mit Kleinhandel van Branntwein, und hatte sick, da er auch cine Pension von 35 Mark den Monat bezog, ein hübsches Vermögen erworben, das er jedoch zum größten Theile in ein Haus gesteckt hat, welches er sich in der Oestinghauserstraße(eine neue Straße südlich der Bahnhofsstraße) erbaut und daS er am 1. Oktober bezogen. DaS Geschäft scheint in dem neuen Lokale nicht be- sonderS florirt zu haben, denn erstens liegt daS Haus in einer noch wenig bebauten Straße und dann hatte Muckel- mann für das neue Geschäft die Konzesfion zum AuS- schank von geistigen Getränken nicht erhalten. Heute früh gegen 7'/, Uhr nun kam Muckelmann zu dem bei ihm wohnenden Postschaffner Schulte, überreichte demselben ein Schächtelchen mit Golbsachen und sagte: So, bitte bewahren Sie daS, bis mein Sohn aus Dortmund kommt. Meine Frau braucht die Sachen nicht mehr, denn fie liegt unten in ihrem Blute, auch habe ich die übrigen Kinder gctödtet. Schulte glaubte dies natürlich erst nicht, aber der verstörte Blick des M. machte ihn dcch besorgt, weshalb er schnell nach oben ging, wo die drei ältesten Kinder schliefen. Da fand Schulte denn die Angabe bestätigt, die drii Kinder lagen neben einander in ihrem Blute und todt. Schulte rief seinen Sohn herbei, der den Mucker mann, welcher sich angezogen hatte und angeblich nach der Polizei wollte, um den Vorfall anzuzeigen, so lange festhielt, di Polizei ankam. In der Küche zu ebener Eide lag die Frau mit den beiden kleinsten Kindern, Anna, geb. am 19. Juli 1881 und Helene, geb. am 11. Juni 1883. Die im oberen Schlafzimmer liegenden drei Kinder standen ebenfalls noch im jugendlichen Altir und zwar ist Karl am 28. Januar 1873, Klara am 25. März 1874 und Wilhelmine am 16. März 1875 geboren. Der älteste Sohn, Franz, geboren am 28. Deiember 1868, ist Lehrling in dem Mertens'jchen Geschäfte am Westen- bellwcge in Dortmund. Ueber die grausige That selbst gieb Muckelmann folgendes an:„Er habe befürchtet, bald sterben zu müssen und da er in den Vermögensverhältniffen zurückge» gangen, so habe er nicht gewollt, daß die Seinen mal unter daS„Fußvolk" kamen. Die vergangene Nacht habe seine Frau vor Sorgen unruhig geschlafen, da habe er denn gedacht, fie solle fich nicht mehr lange quälen. Heute früh, als er mit der Frau aufgestanden, bade er sich erst im Laden zu thun gemacht und hierbei ein Fleischermeffer eingesteckt, daS er im Hofe gewetzt. Sodann fei er in die Küche zurückgekehrt, wo seine Frau mit Stiefelputzen beschäftigt ge- wesen; er habe der Frau den Kopf zurückgebozen und den HalS durchschnitten. Da er daS Messer geschliffen, habe fie keine Schmerzen gehabt. Sodann sei er die Treppe heraufgegangen und habe zunächst den Knaben geweckt. AlS dieser fich eben die Hosen angezogen, habe er ihm den Kopf zurückgebozen und den Hals durchschnitten. Sodann habe er die Klara auf gleiche Weise getödtet und neben den Bruder gelegt. Wilhelmine sei inzwischen aufgewacht und habe: Papa, Papa! gerufm, er habe sie ab« aus dem Bett genommen, getödtet und neben die beiden Leichen gelegt. Hierauf sei er nach unten gegangen und habe zunächst die vierjährige Anna todt gemacht. Die Leiche habe er neben die Mutter gelegt. Die kleine Helene sei wach gewesen, weshalb er fie gefragt habe, od fie der Mama in den Himmel folgen wolle. Das Kind habe wohl gelächelt, die Frage aber nicht verstanden, er habe dasselbe mit einem Schnitt getödtet und ebenfalls neben die Mutter ge- legt.— Der gerichtliche Befund, welcher durch Herrn Gerichts- Assessor Griedsch aufgenommen wurde, soll die An- gaben des Muckclmann bestätigt haben. Die Leichen lagen in großen Blutlachen nebeneinander. Hat der Mann die Tbat bei voller Bestnnung begangen? so werden unsere Leser fragen. Ja, wer ist im Stande, diese Frage zu beant- warten! Muckelmann selbst behauptet es; er giebt an, sein« Smne vollkommen mächtig zu sein und die Folgen der That wohl überlegt zu haben. Jetzt thue es ihm zwar leid und wenn er eS noch einmal thun sollte, dann würde er es unt«» lassen. Hand an fich selbst habe er deshalb nicht angelegt, weil er wisse, daß er ja doch mit den Seinen bald vereinigt werde; dem Spruche deS irdischen Richters habe er nicht vor- greifen wollen, er glaube hierdurch die Verzeihung deS Himmels zu erlangen. Ohne irgendwie ein Urtheil zu präjudiziren, glauben wir doch annehmen zu können, daß die Sorge um die Seinen zur fixen Idee geworden. Die Katastrophe mag da- durch noch beschleunigt worden sein, daß, wie bestimmt ver- lautet, heute ein Wechsel üb« eine Summe von über 5000 M. fällig war.— Muckelmann wurde gegen 1 Uhr in einem ge- schioffenen Wagen nach dem Gefängnisse gefahren, eine kolossale Menschenmenge begleitete den Wagen, ebenso war das Haus den ganzen Tag von dichten Schaaren umlagert. Ueber ein Feuer auf dem Rordd. Lloyddampfer „Hohenzollern" wird der„W.Z." unterm 21. Dezember auS Bremerhafen gemeldet: Gestem Abend gegen 11'/« Uhr«- tönte plötzlich das Fcuerhorn und rief die Brandlöschmann» schaften zu ihrem Dienste. Es brannte auf dem im neuen Hafen liegenden Lloyddampfer„Hohenzollern", Kapt. A. Meier, wo man in der im ersten Kompartement des Zwischendecks lagernden, aus Baumwolle bestehenden Ladung Feuer bemerkte. Es wurden sofort die Schiffspumpen angestellt, auch die Lösch- Mannschaften von Land erschienen ziemlich rasch, und eS wurde zunächst möglichst viel Waffer in die Ladung gepumpt, um die äußeren brennenden Ballen abzulöschen und den dicken Qualm zu beseitigen, der ein Eindringen in den Raum zur Unmög- Itchleit machte. Der Dampfer wurde zugleich von dem Schuppen, vor dem er lag, nach ein« freien Kajestelle verholt, und dann wurden die in Brand befindlichen Ballen aus dem Schiffe heraus an Land geschafft, wo die b«eitstehenden Spritzen fie ablöschten. Es waren dieS etwa 40 Ballen; gegen 2 Uhr waren die Arbeiten beendet, worauf die beschädigten Ballm ,ur Vorficht nach einem freien Platze abgefahren und unt« Wache gestellt wurden. Der Schaden ist noch nicht zu taxlren, über die Ursache deS FeuerS ist nichts bekannt; man ver« muthet Selbstentzündung der Baumwolle. DaS Schiff selbst hat keinen Schaden«litten. Stendal, 18. Dezember. Gestern Nacht gegen 12 Uhr brach bei dem hiesigen Fleischermeister F. Feuer aus, bei dem vier Personen umS Leben gekommen find. Ein Geselle, ein Lehrling und ein Knecht find verbrannt; ein anderer Geselle sprang aus dem Bodenfenster auf die Straße, fiel jedoch mit dem Kopf nach unten und verletzte steh so schw«, daß er heute früh im Krankenhause seinen Geist aufgab. Altona, 18. Dezember. Ueber 1800 Strafmandate find vom Landrathsamt heute an Eltern und Vormünder erlassen worden, die eS versäumt haben, ihre Kinder rechtzetiig impfen zu lassen. Ottensen, 22. Dezember.(Einsam gestorben.) In einem auf hiesigem Gebiet belegenen Schuppen beim Diebsteich fand man diesen Morgen in einem Winkel zusammengekauert einen alten Mann vor, der bereits seit länaerer Zeit dort, wo er jeden» falls Schutz vor den Unbilden der Witterung gesucht, vor Kälte krsta:rt ist. Da nichts über seine Personalien festzustellen war, schaffte man die Leiche ins Leichenhaus. Posen, 23. Dezember. Sämmtliche hier in Haft genommene Zahlmeister find, da die Untersuchung die Verdachtsmomente in keiner Weise bestätigte, in F-eiheit gesetzt worden. London, 23. Dezember. In der Kohlengrube Mardy bei Pontypridd in Wales hat heute Nachmittag eine Explofion stattgefunden, während fich viei hundert Arbeiter in der Grude befanden. Einzelheiten find noch nicht bekannt. London, 24. Dezember. Nach den neuesten Berichten aus Pontypridd find von den Arbeitem, welche fich während d« Explofion in der Grude Mardy befanden, bis jetzt 320 gerettet worden. Gemeinnütziges. Mittel gegen gelbe Wäsche. Man gebe in das letzt« Blauwaffcr oder in die Stärke eine Mischung von 3 Theilen starken Spiritus und ein Theil Terpentinöl, und zwar auf einen Eimer Waffer 2 Eßlöffel voll von der Mischung. Dar- nach wird die Wäsche weißer wie mit Chlorbleiche und dabei greift es die Zeuge nicht im mindesten an. Wie unterdrückt man das Rauchen der Petroleum- Lampen? Das lästige Rauchen der Petroleum- und and«en Lampen, sowie daS damit verbundene Verkohlen der Dochte verhütet man am einfachsten, wenn man die letzteren vor dem Gebrauche in möglichst starken Esfig legt, fie ausdrückt und nun trocknen läßt. Sie find dann zum Gebrauche fertig und das besprochene Uebel fällt nunmehr ganz fort. Kriefkasten der Redaktion. A. K. 100. Man nennt im Volksmunde«ine gewisse Art von Libellen„Scejungfer". Abenteunliche Wesen dieses NamenS existiren nicht. Heute. Sie wollen fich noch einige Tage gedulden. Tie Frage ist übrigens ziemlich schwieriger Natur, da Reichsgesetze in dieser Angelegenbeit nickt existiren. 100. 1) Ungefähr 200 Mail insgesammt. Sie können daS übrigens bei jedem Agenten erfahren, doch wenden Sie sich an keinen Winkclagenten. 2) Wenn Sie gesund find und in anständiger Kleidung er'cheinen, so werden Sie überhaupt nicht Nack Mitteln aekaat. 3i(Mlmm„w*. � .............. u/nwen«re uoeryaupt nicht nöthig, da der Amerika»« in solchem Falle galant genug ist- die wenigen Cents auS seiner Tasche zu zahlen. Theater. Opernhav». Freitag: Tell. Sonnabend: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wart« bürg. Sonntag: Aleffandro Stradella. Echansvtelhaa». Freitag: Die Verschwörung deS Fiesko zu Genua. Sonnaabend: Der Bibliothekar. Sonntag: Was ihr wollt. Deutsche» Theater. Freitag: DaS Kätbchen von Heilbronn. Sonnabend: Ein Tropfen Gift. Sonntag: DaS Käthchen von Heilbronn. Montag: Ein Tropfen Gift. Kriedrich-Wilhelmttäd tische» Tbeare,. Freitag und folgende Tage: Pariser Leben Residenz-Theater. Freitag und folgende Tage: Clara Solell. Vorher: Die Schmreiterin. Wallner-Theater. Freitag und folgende Tage: Frau Direktor Striese. velle-Alltanee-Theater- Frettag und folgende Tage: Lucinde vom Theater. Walhalla-Operettea-Theater. Freitag und folgende Tage: Der Jagdjunker. Viktoria-Theater. Freitag und folgende Tage: Messalina. «entral-Theaier. Freitag und folgende Tage: Der Stabstrompeter. Louisen städtisches Theater. Freitag: Martha. Sonnabend: Joseph in Egypten. Sonntag: Die Zauberflöte. Ostevd-Theater. t:eitag und Sonabcnd: Der Tower von London. onntag und Montag: Theodora. Theater der Retch»halleu. Täglich: tlustrten sämmtlicher Spezialitäten. Amerieau-Theater. Täglich: Auftreten särmnllicher Spezialitäten. Kaufmann'» Varl«*«*. Täglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. Koutordta. Täglich: Slustreten sämmtlicher Spezialitäten und theatralisch« Vorstellung. Alharnbra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Am 1., 2. und 3. Weihnachtsfeiertage; Der verkaufte Schlaf. Romantisch-tomisches Weihnachtsmärchen in 3 Akten von E. Jakobson und O. Girndt. Vor der Vorstellung: Großes Konzert der Hauskapelle. Am 2. Feiertage. Mittags von 12—2 Uhr Große Matinee zum Besten der UnterstützungSlaffe hilfsbedürftiger Bühnenangehöriger. Vitfcmg deS Konzerts Wochentags 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Anfang deS Konzerts Sonntags 6 Uhr, der Vorstellung 7'/, Uhr. BonS haben Wochentags Giltigkeit und find im Theaterbureau (12-1 Ubrl gratis zu baben. Die Feiertage gemüthliche Unterhaltung im„Wahren «akob" bei Spickermann, 306 Rüdersdorfer st raße 51. VnterstOtzungsv. Buchbinder und vcrwandnn Berufsaeuofsen. Sonnabend, den 26. Dn�mber�<2�?�ibnacktsfeiertag) Am Grosse im Lokale„Aeu-Twoli" Oranienstr. 52. Reichhaltiges Programm. Billcts a 50 Pf., vorher 30 Pf., find zu haben bei O. K e r k h o s f, Al xandrinenstraße 103; F. Freudenreich, Stallschreiberstr. 24, Hof 1 Treppe: P. Schneider, Blumenstr. 29. Anfang 11 Uhr rräz.[308 Bezirksverein d. arbeitenden Bevölkerung des SW. Berlins. Freitag, den 25. D e z d r.(1. Feiertag), Add S. 5 Uhr, Gtstlligcs Ktismwesstill der Mitglieder nebst Familie und deren Freunde und Be« kannte unter dem brenuenden Tannenbaume in Habel'« Kranerei, Bergmannstraße 5—7.[295 Winter- Paletots!! Herren» und Knabenanzüge sowie Damen- lleider u. Mäntel 'm Tuckgeschäft PriAftAstr.öS, gegenM,. d. Turnhalle. 'rUkMlWW MM! Schön- und SchneUschreib- Nnterrichtl . V VW �-w-w". m Drei verschiedene Schriften für 6 Mark lehrt der Unterzeichnete in den neu zu cröffntnoen Schreib- Kursen in de. DreSdenerstraße 10 jeden Dienstag, Lrthringe' straße 37 jeden Donnerstag, Blumenstroße 56 bei Ebersbach jeden Freitag und Steglitzer nraße 65 beim Lehrer Separat' Kurse. Mlethke, 2286] Kalligraph und Schreib lchrer» Stcglitzerstraße 65 August Herold Berlin 80., 113 Skalitzerstrasse 113. MM, Zpiegel- uiul Polßerwaarm-Maglizm. Eigene Fabrik. Solide Preise. Prompte Bedienung.__ 490 Fachverein der Böttcher. Sonnabend, den 26.Dtzbr., Vormittags 10 Uhr, Geueral-virsammlung in Heise'S Salon, Lichtenbergerstraße 21. Tagesordnung: 1. Wahl des gesammten Vorstandes. 2. Verschiedenes.— Die Mitglieder werden ersucht, bei der Wichtigkeit der Tagesordnung recht zahlreich zu erscheinen. 297] Fr. Holtmann», Vorsttzender. Große öffentliche Versammlung der Mitglieder der Kranken- u. Begräbnißkasse für brauen u Madchen($. H(Dffrnbach) am Sonntag, den 27. Dezembr.(3. Freiertag), Nachm. 3 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77/73 Tagesordnung: 1. Aufstellung von Kandidaten zum Vorstand. 2. Verschiedenes. Männer haben Zutritt und dü-fen sprechen. Zur Deckung der Unkosten Entree nach Belieben. Große öffentliche Versammlung der SteiutrSstt Kkttms u. Umhegend am Sonntag, den 27. Dezember, VormttragS 10V, Uhr, in der„Tonhalle'% Friedrichstraße 112. Tages-Ordnung: 1. Die Lohnbewegung dieses Jahres und wie verhalten wir uns zu derselben im nächsten Frühjahr. Refe« rent: Herr Rennthaler. 2. DiSkusfion. 307 3. Verschiedenes. Es ist Ehrenpflicht eines jeden SteinträgerS, pünMich zu erscheinen.____ SWsche MischchFabM! Empfehle dem geehrten Publrkum wein seit 14 Jahren bestehendes[147 Größtes Kager in Filz-, Doubleschuhen und Pantoffeln bei bekannter reeller und dilligster Bedienung. Bitte genau auf H a u s n u m m e r und F i r m a zu achten. A. Buchholz 1 0Q Große Frankfurterstrafie 133 M-laGaU Größte Auswahl sämmtlicher in- und ausländischer Sorten, sowie guten_ Sumatra Schnitt."Wk zu billigsten Preisen 2809 Sruuueustraße 141142. Heinrich F jfch Omnibus-Haltestelle am Schönhauser Thor. Schönhauser Allee 183. Im Ijeihhausi, Schleuniger Verkauf von neu und wenig getragen, an« tonnt größtes Lager. Schleuniger Verkauf von 12 000 eleg. Winter-Paletots, neu und wenig getragen, für 10, 12, 15—36 Mk. prima; 10000 mod. Anzüge für 12, 15, 20-36 Mk. Auch für corpl. Pers. Passendes. Damen-Mäntcl, Knab.- u. 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