Ur. 303. Diettstag, de« 29. Dezember 1885. ILisfes- StMlMsbIM Brgan für dir Intrresftn der Arbeiter. 4 LSaliS St*°-�rltuer Vollsblatt-- KÄ-LZMÄrK'-. Jnsertionsgebühr beträgt für die Z gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi« 4 Ahe Nachmittag« in der Expeditton, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Anno« Bureaux, ohne Erhöhung de« Preises, angenommen. KedaKtio«; Keuthstraße Ä.— Grpedttw«: Zimmerstraße 44. Abonnement«� Tinknäung. Zum bevorstehenden Vierteljahrswcchsel erlauben wir unS, alle Arbetter Berlins zum Abonne-nent auf daS „Berliner UolKsHutt� mit der Gratisbeilage „Illastrirtes Sonntagsblatt" einzuladen. Wer der Sache der Ardeiter dienen will, helfe ein Unter nehmen befestigen, welches bestimmt ist, die berechtigten For« derungen und Wünsche der Arbeiter zum Ausdruck zu bringen. Suche ein jeder von unseren bisherigen Anhängem, in dem Kreise seiner Freunde und Bekannten das„Berliner Volksblatt" zu verbreiten und sehe darauf, daß jeder neu ge» fundene Gesinnungsgenosse fein Versprechen, zu abonniren auch wirklich hält- Unsererseits werden wir bemüht sein, den Inhalt unseres Blattes immer reichhaltiger zu gestalten. �„AerRner IMsblatt" kostet für daS ganze Vierteljahr frei ins HauS 4 Mark, für den Monat Januar 1 Mark 35 Pf., pro Woche 35 Pfg. Bestellungen werden von sämmtlichen ZeitungSspcditemen, sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstr. 44, ent- gcgengenommen. Wr außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für daS nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark entgegen Tie Siedaktion und Expedition deS„Berliner Volksblatt" Inm ßwanfiutin-fcopl. Der SchnapS beginnt eine immer wichtigere Rolle bei uns.rm Deutschen Reiche zu spiele«. Schon seit langer Zeit laufen liberale und konservative Mucker gegen den Schnaps. Konsum Sturm, wollen die„Gewohnheitstrinker" unter polizeiliche Aufsicht stellen und, wenn sie uvverbesier. lich sind, m.Trinker-Asyle" sperren. Dabei geberdet man sich, als ob alles Uebel in der Welt vom Schnaps herkäme Die Herren, die den Kreuzzug gegen den Schnaps predigen sind so ziemlich alle in der Lage, sich ein Faß guten Weines einzulegen und wir möchten fast behaupte», daß sie den großen Lärm mit dem Schnaps nur deshalb machen um da« öffentliche Interesse von den brennenderen wirth. fchaftlichea Fragen abzulenken. Andererseits erhebt nun die Presse der freisinnigen Partei einen fürchterlichen Lärm über das von der Regierung be- abfichtigte sogenannte Brantwein- Monopol und die Presse «-»l AeuiLteton. Die Hand der Uemefis. Roma» 63| von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Elender Bauernfänger, Sie sind gefährlicher al« ein Sttaßenräuber! Daß Sie von Ihrem heuttgen Raub keinen Heller erhalten, werden Sie begreiflich finden, auf Vergangene« mag ich nicht zurückkommen, wenn Ihnen ein letzter schwacher Rest von Ehrgefühl nicht sagt, daß Sie verpflichtet seien, den Raub zurückzugeben." Herr von Barnekow hob die Banknoten auf, die sei» Gegner ihm>or die Füße geschleudert hatte, es schien »icht das erste Mal zu fein, daß er sich in solcher Situatton befand. „Und jetzt die Karten!" sagte er befehlend.„Wegen der Schuld werde« wir später an einem anderen Orte rede».« Ein höhnischer Zug glitt Über da« Gesicht Rabe'S. „Die Karte« werde ich Ihre« Freunde» vorlegen," er« widerte er mit einem Blick unsäglicher Verachtung.„Sie find riv zu hartgesottener Sünder, als daß man Sie schone» dürfte; Ihren weiteren Schritten, mit denen Sie mir drohe», sehe ich ruhig entgegen, Sie werde« so klug sei» die Folge» SU bedenken und mich nicht zwingen wolle», diese Karten dem Staatsanwalt zu Übergeben. Und nun hinaus, ich habe "ttt Ihne» nichts mehr zu schaffen!" Herr von Barnekow hatte die Banknote« schon in sein Portefeuille gelegt und das letztere in die Tasche geschoben, �«ahm jetzt fernen Hut und sein elegantes Spazier- pockchen. �.Und das sagen Sie mir?" fragte er höhnisch.„Sie werden wahrhaftig nicht wage», dem Staatsanwalt eme ««zeige zu machen, den« wen» Einer Ursache hat, diesen «eawten zu fürchten, so find Sie es! Ich weiß vielleicht de« Zentrums schließt sich dem an. ES geht da» Gerücht, die ReichSreaierung beabsichtige die Branntweivproduktton zu verstaatlichen— daher der Lärm. Die AgitattonSmittel der Herren Richter, Rickert und Genossen müssen recht abgenutzt sei«, weil sich die Herren so krampfhaft auf das Branntwein-Monopol stützen und da« Land mit ihrem Geschrei erfülle». Wir find auch keine Anhänger eines Branntwein-Monopol« für die Regierung; immerhin aber hätte man erst einmal abwarten können, was die Regierung beabsichttgt, ehe man alle Schleusen der journalistischen und parlamentarische« Kritik losließ.(In- zwischen ist nun freilich eine offiziöse Ankündigung über die Form des projcktirte« Monopol« erfolgt.) Jetzt wird mit der Stange im Nebel umhergefahre», den» man weiß noch gar nicht, welche Form da« von der Regierung projekttrte Monopol habe«, ob es sich blos auf die Pro» duktio» oder auch um den Vertrieb de« Branntwein« handeln soll, ung waS Alles damtt zusammenhängt. So wenig wie einem Monopol für die Regierung stimme» wir aber auch dem lärmenden Verlangen der frei sinnigen Partei«ach einer erhöhten Besteuerung de» Schnapses zu. Wir bleiben m dieser Hinsicht konsequent und verwerfen die indirekte Besteuerung in jeglicher Form, also auch in der Form der Branntwernbesteuerung. Eine solche Besteuerung würde dem arme» Manne auch noch das Gläschen Branntwein vertheuern, das er hin und wieder bei der Arbeit sich gestattet, weil seine Mittel ihm leider nicht erlauben, sich ein besseres Getränk zur Auffrischung seiner Kräfte zu beschaffe«. Wenn die Regierung wirklich mit dem Projekt eines Branntwein-Monopol« vorgehe» sollte, so erheben sich dem gegenüber fast dieselben Bedenke«, wie gegenüber dem Tabaksmonopol. Wir haben gegen die Verstaatlichung von Produkttons- zweigen und Produktionsmittel», sowie des WaarenverttiebS im Allgemeinen nicht nur nicht« einzuwende», sondern wir sind auch der festen Ueberzeugung, daß sich die Industrie in den Händen des Staats— theoretisch genommen— ungleich besser befände, al« in Privathäaden unter der Geißel der freie» Konkurrenz, welche die Produktion zu einem wirthschaftliche« Vernichtungskampf Aller gegen Alle gemacht hat. Allein es kommt darauf an, wie die Um- Wandlung aus dem Privatbetrieb in den Staatsbetrieb voll- zogen wird und welchen Zwecken sie dient; es kommt eben darauf an, wie der Staat, resp. das RegierungSsystem selbst beschaffe» ist, da« eine solche Umwandlung vor« nimmt. Unter de» heutigen Umstände» bedeutet die Schaffung eine« industriellen StaatSmonopolS nichts Anderes als eine fiskalische Maßregel; man braucht Geld, daher der Name Monopol. Da« ist beim Tabaksmonopol mehr, al« Sie ahne», und nun frage ich Sie noch einmal, wollen Sie mir die Karte» zurückgeben?" Hätte Barnekow diese Frage in einem anderen Tone gestellt, so würde Rabe vielleicht sich besonnen und eingesehen habe«, daß die Klughett Nachgebe« gebot, aber dieser drohende, beleidigende To» bestärkte ihn in seinem Trotz. „Nein!" erwiderte er. „Sie werden e« bereuen!" sagte Barnekow, und ohne eine Antwort abzuwarten, entfernte er sich mit dem feste» Entschluß, für diese ihn entehrende Niederlage Rache zu nehmen._ Pläne. Siebe! hatte in der That seinen Zweck erreicht; es war ihm gelungen, seine Frau so sehr einzuschüchtern, und in die Enge zu treibe«, daß sie ihm da« Geheimniß enthüllte, in der Hoffnung, an ihm eine» Verbündeten zu � Die erste Folge dieser Enthüllung war, daß der Zimmer- man» sich mit seiner Frau aussöhnte. Da« projekttrte Holzgeschäft schwebte ihm«och immer vor de« Augen, er hoffte jetzt die Mittel zur Gründung deffelben zu gewinne«. DaS er seine frühere Lebensweise nicht fortsetzen konnte, hatte er eingesehen, und so unsäglich schwer ihm da« geworden war, hatte er doch bisher der Versuchung erfolgreich widerstanden und keine geistige» Getränke mehr genossen....... Sein ganzes Streben gmg dahin, ein vermögender Mann zu werde«, und er sah wohl ei», daß er die lüder- liche Bahn verlasse« mußte, wen» dieser Wunsch in Er- füllung gehen sollte. Er erkannte ferner, daß er seiner Frau ungerechte Vor- würfe gemacht hatte, daß er durch seinen unbegründeten, aus der Luft gegriffenen Verdacht selbst der Urheber seine« Unglücks gewesen war.„. �. DaS sollte jetzt ander« werden, er wollte den Beweis liefern, daß er auch jetzt noch fähig war, seine Familie zu ernäbren. und daß Niemand das Recht hatte, mit Verachtung auf ihn herab zu sehe». Freilich, so lange er im Tagelohn auch gar nicht geleugnet worden. Zu denen, die solche fiS« kalischen Maßregeln bekämpfen, gehöre« selbstverständlich auch wir; wir dächten, das Reichsbudget wäre nun gerade groß genug. Ohnehin würde es nicht möglich sein, eine wirksame parlamentarische Konttole zu schaffen, die zugleich für die Verwendung der Erttägniffe aus dem Monopol bestimmend wäre. Dann aber kommt noch ei« anderer Fall. Ein Mo« vopol konzenttirt den Produktionszweig, de« es umfaßt; nach dem heutigen System werden sonach Arbeitskräfte „überflüssig". Man erinnere sich an den analogen Fall beim Tabaksmonopol. Wenn dies damals durchgegangen wäre, so wären viele taufende von Arbeitern beschäftigungslos geworden. Sie hätten Zeder eine Abfindungssumme bekomme», allein diese war gering und sie hätte» sich damit höchstens auf den heute schon so sehr überfüllten Kleinhandel und Gastwirthschaftsbettieb werfen könne« oder auswandern müssen. Daß sie hätte» noch einen anderen Beruf erlernen solle«, konnte kein Billigdenkender von ihnen verlangen. Bei der Verstaat- lichung der Branntwein-Produktioa würde eS kaum anders gehen. Schon der Mangel einer Garantie für die sichere Wiederbeschäftigung der bisher in der Branntwein-Zndustrie thätigen Arbeiter schließt bei unS eine Zustimmung zu dem Branntwein-Monopol, wenn wirklich ein solche« in der Form des Tabaksmovopols geplant ist, von vornherein au«. Aber«och ein anderer Umstand erweckt unser Mißtraue«. Das amtliche Organ der deutschen Spiritus» fabrikanten tritt dringend für daS sogenannte Branntwein» Monopol ein. Wie kommt daS? Die Herren SchnapS» brenner könne« es kaum erwarten, bis sie ihre Brennereien los werde»; sie hoffen jedenfalls recht anständige Preise dafür zu erhalten. Nun, die deutschen Steuerzahler werden keine» Grund haben, de« Herren Schnapsbrennern be» sondere Gefälligkeiten zu erweisen; es ist die» nur ein Grund mehr, sich dem Projekt gegenüber ablehnend zu ver» halte«. Soweit für diesmal; inzwischen warten wir ab, bis das Branntwein-Monopol-Projekt in seiner wirklichen Form uns greifbar vorliegt. Politische Ueberstcht. Gegen Diäten für die Herrenhansmitglieder. In der Stadtverordneten-Versammluna zu Glogau beantragte Stadtverordneter Dr. Gabnel, die im Etat als Kosten für Ver» tretung im Heirenhause ausgeworfenen 600 Mark zu streichen, nicht aus politischen Motiven, denn gegen Bürgermeister BemdtS konservative Gesinnung habe er nichts, derselbe sei immer kon- servativ gewesen, auch zu einer Zeit, wo dies nicht ganz unge- sährlich war. Der Antragsteller stützte sich vielmehr darauf, arbeitete, war keine Hoffnung vorhanden, daß er diese« Ziel erreichen würde, deshalb hatte er sein Augenmerk auf daS Geheimniß geworfen, durch dessen Verwerthung er sich die nöthigen Mittel zu verschaffen gedachte. Daß er an seinem Schwager keinen energische» Verbündeten besaß, erkannte er rasch. Der Schließer wollte, seitdem er bemerkte, daß er be- obachtet wurde, mit der Sache nichts mehr zu thun habe», er weigerte sich sogar, scheinbar auf die Pläne Rabe'S ein» zugehen, trotzdem sein Schwager ihm wiederholt die Ver- sicherung gab, daß kein Grund zu einer Besorgniß vorliege. So war denn Siebel auf sich allein angewiesen, und «ach langem Nachdenken hatte er seinen Plan entworfen, mit dessen Ausführung er an diesem Nachmittag begann. Das Resultat seiner Unterredung mit Rabe hatte ihm befriedigt, er verließ da« Hotel mit der Ueberzeugung, daß die Ausführung seine« Planes ihm gelingen werde, und in dieser Stimmung berührte es ihn unangenehm, als er draußen vor dem Gasthofe dem Verlobten seiner Tochter begegnete, der ihn offenbar erwartete. Konnte er auch Über Kaltenborn selbst nichts Nach» theilige« sagen, so war er doch mit der Verlobung so rechl nicht einverstanden, e« gefiel ihm nicht, daß sein künstiger Schwiegersohn im Dienste der Polizei stand, die Polizeibe» amten hatten sich nie seiner Sympathie erfreut. Werner Kaltenborn trat auf ihn zu und schritt mit ihm die Straße hinunter. „Sie waren bei Rabe?" fragte er. Der Zimmermann, der ihn um eine« Kopfe« Länge überragte, blickte verächtlich auf ihn hinunter. „Haben Sie spionirt?" erwiderte er. „Zch sah Sie in de» Gasthof hineingehe», und es ist mir bekannt, daß der Bruder ber Generali« dort wohnt." „Und da warteten Sie, bis ich wieder herauskam?" „Jawohl." „Welchen Zweck hatten Sie dabei?" stagte Siebel barsch. „Wer hat Sie beauftragt, mir als Spion zu folge«? Sie kann es doch verteufelt wenig kümmern—" „Wozu die Aufregung?" unterbrach Werner ihn.„Wir könne« darüber in aller Ruhe mit einander reden. Es ist daß der Fiskus gegen eine Reihe von ReichstagSabgeordneten Klage auf Herauszablung angeblich empfangener Diäten ange- strengt habe. Der Fiskus sei zwar in erster Instanz überall abgewiesen, habe aber Berufung eingelegt, man wiffe nicht, wie die oberen Instanzen erkennen würden. Die Abweisung stütze sich in erster Instanz darauf, daß die Zahlung der Diäten aus privaten, nicht aus öffentlichen Mitteln erfolgt sei. Hier sollen nun Diäten aus öffentlichen Mitteln bewilligt werden. Der FiSkus könne also später die an Berndt gezahlten Diäten mit Beschlag belegen. Darum müsse diese Etatspofition ge- strichen werden. Nachdem Oberbürgermeister Martin? die Po- sition vertheitigt und ausgeführt hatte, daS Privilegium einer Vertretung im Herrenhause sei äußerst werthvoll, daffelbe sei nicht allen Städten von der Größe Glogaus verliehen, lehnte die Versammlung den Antrag Gabriel ab. So ist's recht! In der Sitzung deS landwirthschastlichen Vereins zu Jauer vom 16. Dezember er- erklärte RittergutSbe- fitzer Haicke Hochkirch bei Befürwortung der Petttion(Wollzoll, Branntwein. Monopol, Doppelwährung rc.) der Pom. Oek.>Ge« sellschaft, an der er auszusetzen hatte daß sie die neuen Puntte präzifire, weil das so aussehe, al« sei es damit genug:„Wir um unser selbst willen." Das Verwendunasgesetz(Lex Huene) bestimmt, daß die Vertheilung derjenigen Beträge, welche auS den landwirth» schaftlichen Zöllen an die Kommunalverbände überwiesen wer» den, zu'/, nach dem Maßstabe der in den einzelnen Kreisen aufkommenden bezw. singirten Grund- und Gebäudesteuer er« folgen soll, soweit solche nach den Grundsätzen der KreiS» ordnung vom 13. Dezember 1372 durch Zuschläge zu den KreiS« steuern herangezogen werden kann. Damit die erste Verthei« lung stattfinden kann, ist es nothwendig, zunächst die auf die einzelnen Kreise treffenden Beträge an Grund» und Gebäude« steuer nachzuweisen. Der Finanzminister hat dem zufolge eine Verfügung an die Regierungen erlassen, nach welcher die be- treffenden Nackweisungen brS zum 15. Februar 1886 einzureichen find. Da eine Vertheilung der zum erstenmal verfüg- bar werdenden Summe erst nach Beginn deS Etatsjahres 1886/1887 auf die alsdann bestehenden Kreise erfolgenNcmn, wird für die Angabe der letzteren die vom 1. April 1886\gJ giltige Eintheilung bezw. Abgrenzung allgemein zum Anhal zu nehmen sein. Zum Branntweinmonopol liegt jetzt die erste offiziöse Kundgebung vor. Die„Verl. Pol. Nachr." bringen eine Dar- legung, in welcher es heißt:„Mit Recht ist bei der General- debatte über den nächstjährigen ReichSbauthaltSetat von dem Redner deS Zentrums die Zweckmäßigkeit einer Reform der Branntweinsteuer hervorgehoben worden, durch welche unter Wahrung der Interessen der Landwirthschaft dem Reiche er» bebttche Mehreinnahmen zugeführt werden. Mit diesen beiden GefichtSpunkten find aber die Ziele einer wirklichen Reform der Branntweinsteuer nicht erschöpft. ES tritt ihnen vielmehr alS drittes Ziel mindestens gleichberechtigt die Hebung der Moral und Gesundheit unseres Volkes durch die Einschränkung über- mäßigen Branntweingenusses und den Ausschluß deS nicht ent- fuselten RohspirituS von der Konsumtion hinzu. Diese wird nur vermöge einer sehr hohen Steuer, welche zugleich der Reichskaffe Deckung für die Verminderung deS Steuer» Objektes bietet, wirksam zu fördern sein. Ist aber eine Beschränkung des TrinkkonsumS eineS der von der Steuerreform zu verfolgenden Ziele, so erhellt, daß eS zur Wahrung der Interessen der Landwirthschaft neben der Erwerbung anderer Absatzgebiete vor Allem erforderlich ist, der ohnehin schon drohenden Gefahr der Ueberprodultion vorzu» beugen.... Scheint daher die vorzugsweise bisher erörterte Form der SpirituSsteuer wenig geergnet, den Anforderungen zu genügen, welche an eine Reform dieser Steuer zu stellen find, so liegt cS auf der Hand, daß neue Methoden der Be- steuerung, vor Allem also die Form deS Monopols in den Kreis der Erörterung gezogen werden müssen. Gerade diese» kann, wenn auf richtiger BafiS durchgeführt, all' den Anforderungen genügen, die wir an eine gute Reform der Branntweinbesteue- rung stellen müssen. Dann aber darf es nicht, wie neuerdingS vielfach erörtert wird, ein RohspirituS- Monopol, sondern eS muß vielmehr ein richtiges Branntweinmonopol sein. Der Staat muß E ig e n t h ü m e r deS gesammten Spint und alleiniger Verkäufer deS Branntweins werden In der dem Entwurf zum Zuckersteuergesetz schlossenen Begründung heißt eS in Bezug auf die aus den Zuckerabgaben zu erzielende Einnahme, daß nach dem Maße des Reinettrages in der Periode 1374/75 bis 1879/80 jetzt bei einem JahreSkonsum von 7,63 Kg. Rohzucker pro Kopf der Bevölkerung die Jahresauskunft 1,32 M. vom Kopf oder ins» gesammt zirka 60 600000 M., mithin zirka 21 800000 M. mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre 1880/81 biS 1884/85 betragen müßte. Vom finanziellen Standpunkt sei demgemäß dahin zu streben, die Rübenzuckersteuer thunlichst in dem be- zeichneten Maße ausgiebiger zu gestalten. Daß der angegebene Nettoertrag durch die Erhöhung der Steuer und die Rcgu- möglich, daß Sie selbst nicht wissen, welcher Gefahr Sie sich durch den Verkehr mit diesem Manne aussetzen, ich aber sehe mich gezwungen, Sie darauf aufmerksam zu mache«. Würde» Sie in den Prozeß, der diesem Manne droht, ver» wickelt, so sähe ich mich genöthigt, die Verlobung mit Apollonia zu lösen." „Hm, dadurch wäre nichts werter verloren!" „Für Sie vielleicht nicht, aber Ihr Kind würde uaglück- lich werden. Apollonia liebt mich, sie weiß, daß sie an meiner Seite ihr Glück findet, und auch mir würde e» un« säglich schwer fallen, den Schritt zu thun. Aber Sie werde« begreifen, daß der Geheimsekretär de» Polizeipräsidenten nicht die Tochter eines Verbrechers heirathe» darf." Eine» Verbrechers?" fuhr Siebel enttüstet auf. „Sie werden es, wenn Sie mit diesem Manne ei» Bündniß schließen und sich zu seinem Mitschuldigen mache». Handelt es sich nicht um die Befteiung eines Gefangenen?" Wer hat Ihne» das gesagt?" „Sie hören, daß ich eS weiß.". .Dummes Zeug," spottete der Zimmermann, seme Ver» legenheit hinter einem ironischen Lächeln verbergend,„die Polizei ist auch nicht allwissend." „Wa» sie zu wisse« wünscht, das erfahrt sie auch," er» widerte Kaltenborn mit scharfer Betonung.„Ihr Schwager ist auch in die Sache verwickelt gewesen, aber er schernt sich eines Besseren bedacht zu haben.".... „ES ist weder meinem Schwager noch wir eingefallen, einen Gefangenen zu befreien!" sagte Siebel, trotz, g auf» fahrend.„Wir wissen wohl, daß das eme zu schwierige Sache ist, und für nichts und wieder nichts verbrennt man sich auch nicht gern die Hände. Sie find da gewaltig auf � Ii." MÄ" 3? W..q Zhrer Versicherungen doch Inders darüber. Wollten S,e mit diesem Manne nichts zu schaffen haben, so würde» S,e ihn nicht besuche»—"... „Kann mein Besuch keine« andere» Zweck gehabt ��„Ich wüßte nicht, welchen I" entgegnete der Sekretär, indem"er forschend zu seinem Begleiter aufschaute. lirung der Steuerveraütung in der von der Regierung in Vor« schlag gebrachten Weise auch wirklich erreicht werden wird, dar- über spricht fich die Vorlage vorsichtiger Weise nicht aus. Es find derselben zwar RentabilttätSderechnungen beigefügt; aus denselben eraiedt fich jedoch nur, daß bei einem Rübenver- brauch von 90 bis 100 Millionen Doppelzentnern und einem Jnlandskonsum von 3 500 000 Doppelzentnern Zucker die Ein- nahm« den zu erstrebenden Ertrag von 60600000 Mark dann noch etwas übersteigen wüive, wenn zur Herstellung eineS Doppelzentners Rohzucker von 93,75 pEt. Polarisation 10,5 Doppelzentner Rüben erforderlich sind, während bei einem Rendement 10,25= 1 der Ertrag fich auf ca. 59 Millionen Mark belaufen und bei einem Rendement 10— 1 auf zirka 55 Millionen zuiückgehen würde. DaS Ergebniß der Börsensteuer. Bis zum I.Oktober 1885 hatten die der Börsensteuer unterworfenen Geschäfte rund 500000 M. weniger an Steuer gebracht als im Vorjahre. Dazu bemerken die„Berl. Polit. Nachr.":„Dieses Manko ist biS Ende November auf rund 250000 M. herabgemindert, so daß, wenn man die Monate Oktober und November allein in Betracht zieht, alS Mehrertrag für diese beiden Monate der Bettag von rund 420 000 M. fich ergiebt. Allein diese An- nähme ist offenbar zu niedrig, denn das Manko betrugEnde August noch nahezu 1 200000 M, mithin 240 000 M. im Monat und ist im Monat September um nahezu 700000 M., offenbar wesentlich durch die im Hinblick auf die bevorstehende Neueinführung antizipirten Geschäfte, herabgcsetzt worden. Stellt man, wie es daher richtig ist, die fünf ersten Monate deS Halbjahres vom 1. April bis 30. September 1885 zum Vergleich, so kommt man auf einen Mehrertrag der Börsen- steuer von rund'/« Millionen Mark für die ersten zwei Monate feit Inkrafttreten deS neuen Gesetzes. AuS Westfalen, 23 Dezember, wird der„Franks. Zig." berichtet: Aus einem Vorttage, den der AmtSbruder und Parteigenosse deS Hofpredigers Stöcker, Pastor D i e tz, am 19. Dezember ct. in einer Versammlung des konservativen Vereins in Schaumburg-Lippe gehalten hat, erfährt man, daß in dem konservativen Programm neben der Forderung fünf- jähriger Legislaturperioden auch die Forderung figurirt, daß die„politisch Unreife n", d. h. alle Manner im Alier bis zu 30 Jahren, von der Theilnahmc an der Rcichstagswahl auSgeschloffm sein sollen; erst nach vollendetem 30sten Lebens« jähre, erklärt der Herr Pastor, fei ein Mann urtheilsfähig und ir Wahlübung zuzulassen! Nach einem Berichte der„Mind. mg" machte schließlich ein Bauer, Wauth aus Meinffen, dtn>zohlmeincnden Vorschlag, daß man fich, um die Vaga- b u n ve n und Bettler zu beseitigen,„den Kolonien an- schließe," d. h. dieselben nach Afrim tranSpottire.— Wir wissen nicht, ob der Herr Pastor aus Erfahrung gesprochen hat und ob er etwa gar diese Erfahrung an semer eigenen Person gemacht hat. Aber wenn das wirklick der Fall sein sollt«, so wäre damit noch keineswegs der Beweis erbracht, daß alle Männer vor ihrem 30sten Lebensjahre zu wenig Ver- stand befitzen. Die Absicht, die Bettler und Vagabunden nach den Fiederkolonien abzuschieben, ist weder menschlich noch christlich: der Herr Pastor und sein„Bauer" müßten nach- Serade— fie find doch über dreißig Jahre alt— soviel 93er« and befitzen, um zu verstehen, daß die heutigen Verhältnisse eS find, welche unabläsfig Vagabunden erzeugen. AuS dem sächsischen Landtage. Die sozialdemokratischen Abgeordneten im sächfischen Landtage haben folgenden Antrag eingebracht: Die Kammer wolle beschließen: Die Staatsregierung zu ersuchen, sobald als möglich, spätestens aber dem nächsten Landtag einen Gesetzent« wurf vorzulegen, durch welchen das Gesetz über das VolkSschulwesen vom 26. April 1873 dahin abgeändert wird: daß für alle auf Grund von§ 3 deS erwähnten Gesetzes errrchtetm Schulen a. die Erhebung von Schulgeld, b. die Erhebung besonderer Schulanlagen aufgehoben werde, dagegen angeordnet wird, daß die Aufbringung der Unterhaltungskosten für die Voltsschulcn, soweit diese nicht auS dem vorhandenen Vermögen oder StiftungS- fonds bestritten werden, durch Besteuerung aller steuer« Pflichtigen Gemeindemitglicder nach Maßgabe ihreS Ein« kommens stattzufinden hat' daß der Staat die Verpflichtung übernimmt, den Echulgcmeindcn zur Unterhaltung der Volksschulen einen jährlichen Beittag von mindestens acht Millionen Mark aus der Staatskasse dergestalt zu überweisen, daß dieser Beitrag, soweit er nicht für die Pensionen und Unter- stützungcn an Lehrer und Hinterlaffene von Lehrern Verwendung findet, nach der Kopfzahl der schulpflich- tigen Kinder an die einzelnen Echulgemeinden vettheilt wird; daß in den Volksschulen einheitliche Lehrbücher für das ganze Land eingeführt werden, deren Auswahl eine alljährlich stattfindende Konferenz der Schulinspettoren „Zum Beispiel die Pension meiner Frau." „In dieser Angelegenheit würden Sie sich doch wohl an die Generali« wende», die Zhrer Frau die Pension zahlt." „Besondere Gründe veranlassen mich, mit dem Bruder der Geaeralin darüber zu reden." „Darf man diese Gründe erfahren?" „Wozu? Es sind Privatangelegenheiten, die Sie nichts angehe»." „Nennen Sie es mit dem richtige» Wort," sagte Werner sarkastisch,„eS ist ein Geheimniß, welches Niemand erfahren' darf. Ob Sie selbst es kennen, weiß ich nicht, aber ich weiß wohl, daß Ihre Frau, Rabe und der Gefangene in dieses Geheimniß verwickelt sind, und ich gebe Ihnen mein Wort darauf, der Untersuchungsrichter wird nicht ruhen, bis er es erfahren hat." „Was kümmert das mich!" erwiderte Siebel achfel» zuckend. „Was das Sie kümmert? Außerordentlich viel! Zenem Geheimniß liegen Verbrechen zu Grunde, und die Enthüllung desselben wird die Betheiligtea in'S Gefängniß bringen. Die Enthüllung ist näher, wie Sie glauben, und eS kann Zhnea so wenig wie mir gleichgilttg sein, welche Rolle die Mutter Apollonia'» in jenem Prozeß spiele» wirv. Uns Beiden liegt viel daran, die Gefahr abzuwenden, und das kann nur dadurch geschehen, daß Sie und Zhre Frau auf die Seite de« Richters treten." „Hm, fahren Sie fort!" „Ein unumwundenes Geständniß würde—" „Mein bester Herr, damit hat'S noch eine Weile Zeit," sagte der Zimmermann hastig,„zu viel darf man auch nicht verlangen. Sind Sie vielleicht beaufttagt, mir daS Alles zu sagen?" „Und wenn ich es wäre?" „Dann kann ich Zhnea nur antworten: warten Sie ab und überlassen Sie es mir, zu handeln, wie ich eS für gut finde. Wenn ich die Gelegenheit benutzen will, um mir zu einem kleinen Vermögen zu verhelfen, so können Sie dagegen doch wahrhaftig nichts einwenden, denn dieses Ver- mögen wird später Zhnen zufallen." vorzunehmen hat und daß die Lehrmittel an die Schüler unentgeltlich verabfolgt werden. Hierzu sei erläuternd demertt, daß im Jahre 1884 der Gesammtaufwand für die öffentlichen Volksschulen in Sachsen fich auf 16 833 038 Marl belief, zu denen der Staat nur 1 627 743 Mark inkl. der Penfionen und Unterstützungen an Lehrer und deren Hinterlaffene beitrug. Schulgeld wurde in sämmtlichen Gemeinden, wenn auch in verschiedener Höhe er- hoden~und fall« man für drei Kinder Schulgeld bezahlt war, meist daS vierte und die folgenden frei. Neben dem Schulgeld be« steht in den meisten Gemeinden noch die Erhebung besonderer Schulanlagen; Lehrmittel find mit Ausnahme an Armen- und Waisenschüler nirgends frei. Dadurch nun, daß der Staat die ganze Schullast den Gemeinden aufbürdet, find viele derselben mit Steuern überlastet und find kaum noch im Stande, den vom Gesetz erhobenen Anforderungen zu genügen, fie bleiben mit der Zahl der Lehrer und mit den nöthigen Schulbauten im Rückstand. Würde der sozialdemokratische Antrag ange- nommen, so würden unser« Gemeinden mit einem Schlage um eine große Last erleichtert, viele, welche nur die einfache Volks- schule befitzen, würden mehr als die Hälfte der Unterhaltungs- kosten abgenommen bekommen. Dresden, 22. Dezember. Das Stillleben unseres Land- tages würde kaum unterbrochen, wenn nicht ab und zu die paar Sozialdemokraten dafür sorgten. Am Freitag bandelte es fich um die Wahrung der öffenttichen Stimmzettelabgabe und der öffentlichen Etimmzettelauszählung bei den Gemeindewahlcn. Der Gemeinderath zu Plauen bei Dresden hatte nämlich an« geordnet, daß diese Wahlhandluns, nur geheim von den Wahl- auSschußmitgliedern, die der Gemeinderath selbst wählt, statt- zufinden habe. Beschwerden bei den verschiedenen Instanzen helfen nicht», da die Gemeindeordnung über die Art der Wahl« Handlung keine Bestimmung enthält. So kam die Angelegen- beit auf dem Petttion swege zur Verhandlung in der Kammer. Die Deputation hatte beant-agt, die Beschwerde auf fich de« ruhen zu lassen, wogegen.die Abga. Bebel, Geyer, Kaden, Vollmar reagirten, da damit dem Mißbrauch Thür und Thor geöffnet sei. Daß die Wahlhandlung öffentlich sein müsse, sei selbstverständlich, sonst habe die Wahl keinen Sinn; Miß- dräuche zu konstatiren sei sonst unmöglich und doch fordere die geheime Wahlhandlung zu Mißbräuchen heraus. Die Abgg. v. Pohlentz und Dr. Pfeiffer, und der Minister des Innern veriheivigien die Praxis des geheimen WahloerfahrenS und so entschied denn auch die Kammer. Der Antrag der Deputation wurde gegen fieben Stimmen angenommen. Zoll- und Steuerdefraudation, Schmuggel und Hinter- ziehung der Gefälle, find in jedem Staate, welcher den an- geblichen„Segen" des Systems der Zölle und indiretten Steuern genießt, an der Tagesordnung. Sehr zutteffend sagt der englische Kulturhistoriker Thomas Buckle: Die Gesetzgeber haben den Schleichhandel mit allen seinen Verbrechen hervor- gebracht und so die Heuchelei und den Meineid vermehrt. Vor unS liegen zwei amtliche statistische Nachweisungen betreffend die im Deutschen Reiche bezw. Zollgebiete während des Etats« Jahres 1884/85 angestrengten und erledigten Prozesse wegen Uebertretung der Zoll- unv Stcuergesetze, sowie der Ein- und Ausfuhr- und Durchfuhr-Verbote. In Beziehung auf Zölle wurden anhängig 16 666, erledigt wurden(einschließlich der noch aus dem Vorjahre überkommenen) 16703 Prozesse. Wegen Zoll-Defraudation(Schmuggel) wurden veruttherlt 11 414 Personen. Die von diesen hinterzogcnen einfachen Ge- fälle beziffern fich auf den Betrag von 54 840 Mark; die erkannten Geldstrafen beliefen steh auf 369 237 Mark. Wegen Ordnungswidrigkeit im Zollwesen erlitten 4518 Personen Geldstrafen im Gesammtdettage von 18603 Mark. Unmittelbar zu FreiheitSsttafen verurtheilt wurden 87 Personen. In Bezug auf den Schmuggel steht die Provinz Hannover einschließlich Bremen mtt 3945 erledigten Prozessen und 3618 Vcrurtheilunaen oben an. Ihr folgt Schlcficn mir 3158 Prozessen und 1857 Verurtheilungen; dann Schleswig-Holstein ernschließlich Hamburg und Lübeck mit 2059 Prozessen und 1611 Verurtheilungen- das Rheinland mit 1864 Prozessen und 1042 Verurtheilungen. Wegen Verstoß gegen die Ein-, Ausfuhr- und Durchfuhrverbote, sowie in Beziehung auf die Rübenzuckersteuer, die Abgabe von in- ländischem Salz, die Tabaksteuer, die Wechselstempelsteuer, die ReichSstcmpelsteuer, die Spielkartenstempelsteuer, die Reichs« ftempelabgaben, die Branntweinsteuer, die Brausteuer und die UebergangSabaaben wurden angestrengt 63550 Prozesse, wo« von 33 423 ihre Erledigung fanden. Die Gesammtzahl der hierbei zu Geldstrafe im Gesammtbetrage von 985241 Mark verurtheitten Personen bclief fich aus 20 843; unmittelbar zu Gefängnißstrase verurtheilt wurden 248 Personen. Die Menge der bei unmittelbarer Einschwärzung über die Grenze konfis- zirten Maaren belief fich auf 81 722 Kg., darunter 29 306 Kg. Tabak und Tabakfabrikate; 29 387 Kg. Salz; 10 131 Kg. Kaffee; 5191 Kg. Zucker und 1317 Kg. Petroleum. Ferner wurden konfiszirt 226 Stück Rindvieh und 1115 Stück Schweine und Spanferkel. Nur in einem Direktiv- Bezirke fand keine Konfiskation von Schmuggelwaaren statt, nämlich rn Württemberg. Im Direktiv- Bezirke Thüringen kam eine Konfiskation vor, in Hessen- Nassau fünf. Ohne das famose „Sie wollen eS durch Drohungen erpressen?" fragte Kaltenborn in warnendem Tone.„Davon ratye ich Ihne» entschieden ab, eS könnte zu einer Anklage gegen Sie führen. Hören Sie die Vorschläge, die der Untersuchung»« richtet Zhnen machen wird und prüfen Sie dieselbe« ernstlich." „Ich habe mit ihm nichts zu schaffen;" „Aber er mit Zhnea! Denken Sie an oie Zu« kunft Zhrer Tochter, Sie würden es nie verantworte« können—" „Zetzt lasse« Sie mich in Ruhe!" rief der Zimmer« mann wüthend. Sie haben mir keine Vorschriften zu mache«, und Sie sollten sich schäme», daß Sie sich zu solchen Diensten gebrauchen lassen. Ein Spion ist immer ver« ächtlich, er muß sich selbst verachten." Er bog rasch in eine Seitenstraße ein, ohne sich «ach seinem zukünftigen Schwiegersohne noch einmal um« zusehen. Die Warnungen und Vorstellungen Kaltenborn'« hatten ihn geärgert, fie drohten seinen Plan zu durch« kreuzen. Daß Rabe bereit« so scharf überwacht wurde, hatte er nrcht vermuthet, also auch nicht in den Kreis seiner Berech« nungen gezogen, für ihn ergab sich daraus die Nothwendig« kett, rasch zu Handel». Auf der anderen Seite ging aber auch aus den Worte» des Sekretärs hervor, daß der Untersuchungsrichter bis jetzt noch nichts entdeckt hatte; beharrte der Gefangene bei seinel» Schweigen, so konnten immerhin noch Wochen vergehe», ehe das Geheimniß enthüllt wurde. „Wo ist Apollonia?" war seine erste Frage, als er'» das Zimmer seiner Frau trat., „Die ehemalige Wärterin saß mtt ihrem Sttickstrumpl am Tisch, auf dem die brennende Lampe stand, sie blickte bettoffen den Einttetenden an. ..Sie besucht eme Freundin," antwortete sie. Der Zimmermann rückte einen Swhl an den und ließ sich nieder.. „Der SekretariuS ist ein Polizeispion," sagte er,«de» Kerl dürfte un« nicht mehr in'« Hau« kommen." System der„Schutzzölle" und indirekten Steuern würde es die „Verbrechen" des Schmuggels, der Zoll- und Steuerentziehung nicht geben. Der Gesetzgeber hat diese„Verbrechen" erdacht; fie find die notwendige Folge des Systems, welches dem Rechtsbewußtsein des Volkes nicht entspricht. *** Zwanatkassev— freie Kassen. Unter dieser Ueber- schrist veröffentlicht die Hamburger„Bürger-Zeilung" folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redakteur! Sie veröffentlichten in der letzten Donnerstags- Stummer Ihres geschätzten Blattes ein Schreiben de« Herrn Ministers von Bötticher an dm Vorstand des OrtSkaffmverbandes in DreSdm, in welchem die in DreS- dm durch ein„Extrablatt", sowie auch in Nr. 276 deS 5. Jahrganges der„Bürger.Zeitung" veröffentlichen Acußerungm*) deS Herrn von Bötticher in Bezug auf das Vcrhältniß der freien HilfSkassm dm Ortskrankmlaffen gegenüber dem Anscheine nach dementirt werden sollen. Sie haben nun zwar gleich den rich- tigen Sinn dieses„Dementi", welches von vielen Blättem als vollwichtiges genommen und mit großem Behrgen veröffent- licht wurde, h-rausgcfundm und dememen,„daß es eizmtlich gar kein Dementi ist; es sei selbstverständlich, daß Herr von Bötticher in der Unterhaltung die diplomattschen„Wmn" und „Ader" nicht gespatt hat. Gestatten Sie nun uns, als Dmjenigen, welche die be- treffende Eingabe überreichtm, im Jntereffe dee Wahrheit einige Worte über dm wirklichen Sachverhalt. Nachdem unS Herr v. B. über den Zweck unseres Er« scheinen« gefragt und wir ihm diesbezügliche Auskunft gegeben hatten, meinte er:„da könnte die Rcichsregierung doch vor- läufig nichts machen, es müßte Beschwerde gefühtt werden bis an daS sächfische, dezw. preußische Ministerium"; und alS ihm erwidett wurde, daß daS zum Theil schon geschehen sei ohne Erfolg, wir auch hauptsächlich die Intervention der Reichs- reaierung aus dem Grunde anrufm, um derattige Vorkomm« niffe für die Zukunft überhaupt zu verhindern, da sagte Herr v. B.:„Nun, Sie haben ja wobl Alles zu Papier gebracht; wir wollen nun daS'mal durchsehen". Hierauf begann Herr v. B. die auch in Nr. 277 der„Bürgerzettung" veröffentlichte Eingabe langsam und deutlich laut zu lesen, machte Bemer- kungm oder stellte Fragm, wo eS ihm nöthig schien. Als er dm Satz gelesen hatte:„die geschädigten Arbeiter müssenIfich also in ihr Schicksal fügm, wmn fie nicht auch noch arbeitslos werden wollen," da sagte Herr v. B.:„Das habm fie nicht nöthig, fie könnm fich beschwerm und die Zahlung der Beiträge verweigern!" und als er weiter gelesen hatte:„an eine Rückvergütung der widerrechtlich von dm OttSkasscn eingezoge- nen Verträge ist aber nicht zu denken, da die Ottskasse, und zwar nicht mit Unrecht, den Einwand erheben wird, daß fie für die Zeit der Beitragsleistung auch in Krankheitsfällen zur Unterstützung verpflichtet ist," da erklärte H. v. B.:„DaS ist ein Jrrthum, die Ottskaffm müssen diese Betträge wieder zurückzahlen!" AlS hierauf unsererseits eingewendet wurde, daß dann die betreffenden Mitglieder doch auch die empfangene Unterstützung zurückzahlen müßten, da betonte Herr v. B. auS« drücklich:„Nein, die Beiträge müssen zurückgezahlt werdm, die Unterstützung jedoch nicht, mindesten« ist eS sehr zweifelhaft, ob die Unterstützung zurückgefordett werden kann." Wir wollen verschiedme andere Aeußerunaen de« Herm v. B. unerwähnt lassen, um dm Raum dieses Blattes nicht zu fehr in Anspruch zu nehmen, beschränken uns vielmehr darauf, noch kurz anzuführen daß Herr v. B. schließlich noch über die Lebensfähigkeit der ZwangSkassen und der freien Kaffen mit uns »—---- 1, 4m nufbcrboltf i5COCn0| uyvwtt w*. sprach, wobei er auch die kürzlich im Reichstage wiederholten abfälligen Bemerkungm über die„theuren" Aerzte machte, und diesen die Schuld an der Misere der Zwangskassm beimaß, worauf er uns verabschiedete mit dem Bemerken,„wir sollten nur die Schttststücke hier laffm, er wolle mit den anderm Herren darüber reden, und wmn sich in dem von uns ge« wünschten Sinne etwa« thun lasse, dann solle es in Bälde ge« schehen." Wir erklären also hiermit ausdrücklich, daß die in dem er« wähnten Extrablatt enthaltenen Mittheilungen vollständig auf Wahihett beruhen, und daß wir uns freuten, wenn Herr von .. nrhm mütd«. die von uns aufge- «hätten, wozu wir Pflichten der Ausländer in Rußland auf, daß die Oberpreß- Verwaltung gestern den Redaktionen durch ein Rundschreiben untnsagte, die bezüglichen Pläne dn Regierung näher zu be« sprechen.— Wie ein Kralauer Blatt meldet, erschien in Chelm ein russtsch:r Kalender, welcher die Bauern zum Aufstande und zur Niedermetzelung des Adels in Rusfisch-Polm auffordttt. Grotzbritaunien« Nach den neuesten Nachrichten scheint ti zweifellos, daß das Toruministerium im Amt bleiben und so lange weiter regrerm wird, bis ein Mißtrauensvotum ihm daS Signal zu ein« Auflösung des neuen ParlammtS giebt. Es ist dieS durchaus der Lage entsprechend. Die Liberalen haben zwar mehr Etimmm alS die Konservativen, aber fie haben keine Majorttät— fie find numerisch weit schwäch« als zur Zeit ihrer Niederlage im vorigen Parlament. Wenn fie nach jener Niederlage die Regierung nicht wieder übetnehmm konnten, um wie viel weniger jetzt, wo die Neuwahlen so gewaltige Lücken in ihre Reihen gerissen haben? Doch fie haben nicht nur keine Majotttät, fie find auch auS so verschiedenattigen Elementen zusammmgesetzt, daß man von ein« geschlossenen, einheitlichen lii eralm Patt« gar nicht reden kann. Seit die untergeordneten Lichter nicht mehr durch den«dlttchendm Stern Gladstone'S verdunkelt werden, herrscht unter den führerlosen Führern, welche die Geschicke d« Partei jetzt leiten, Verwirrung, Had« und Zwietracht. Und den alten WhigS, welche ungifähr die Hälfte der„großen lid«alen Armee" bil- den, behagt eS durchaus nicht in d« gemischten Gesellschaft, von der fie umgeben find. Sie stehen dm TotteS weit näher, als den Radikalen von der Kouleur ChamberlainS; und, sollte auch noch nicht in nächster Zeit eine Verschmelzung der beiden alten histottschen Parlammtspatteien zu Stande kommen, so ist eS doch sehr unwahrscheinlich, daß die WhigS fich zu einem Eturm auf das Tory- Kabinet h«geben werden. Eine Annäherung der Whigs und Tories wird begünstigt durch die demagogische Polttit GladstoneS, den Jr- ländern gegenüber. Dieser ehrgeizigste und inkonsequenteste aller Politiker hat in seiner Hast, wieder an'« Staatiruder zu gelangen, dm Irland«» sehr wettgehende Anerbietungen ge- macht, die wohl den Radikalen gefallen, den WhigS aber ebenso unannehmbar erscheinen müssen wie den TorieS. Herr Glad- Sone, d« feinen Fehl« bald merkte, hat freilich hintennach lleS abgeleugnet, indeß man weiß, was man von solchen Ab> leugnungen zu halten hat. Und d« erste Schachzug, den Gkad- stone in d« neuen parlammtanschm Schachpattie gethan hat, war entschieden ein Fehlzug. d« von feinen Gegnern sicherlich gut ausgenutzt werden wird. Unt« diesen Umständen ist es keineswegs unmöglich, daß die Frist bis zu abermaligen Neu- wahlm fich ziemlich ausdehnen wird. Und da« kann uns nur angenehm sein. So wenig wir mit den TorieS sympathifiren — fie haben wenigstens eme auswärtige Politik, die den europäischen Kulturinteressen dient, während Herr Gladstone stet« der Schleppträger des russtschen Barbarenthums war. Und für eine radikale inntte Polttik find in England die Vorbedingun- gm noch nicht vorbanden. Die Arberterk lasse, die jetzt noch zum großen Theil in dm Banden des Ltberalis- m u S steckt, und ihm bei der letzten Wahl in den ländlichen Wahlkreisen die Kastanien auS dem Feuer holte, muß fich erst emanzipitt und auf die eigenen Füße gestellt haben. Und das geschieht nicht über Nacht. Amerika. Ein strenges Gesetz gegen die Vielweiberei ist in dem detreffenden Ausschuß dem Repräsentantmhause zur Annahme empfohlen worden. Die Bill verordnet, daß alle Heirathen in den Territorien von dem Geistlichen und den kontrahirenden Parteien schriftlich bescheinigt werden sollen, erzwingt das euaniß des Ehemannes oder der Frau, die der Polygamie ngeklagt find, verfügt Bestrafungen wegen Ehebruchs in Utah an DSU»— y»» i»■>—-- WJ__•» be« Ehemanns oder der Frau daS weidliche Wahlrecht ab. auf! Auch schafft das Gesetz (nur in Utah?) nimmt den jeder Zeit mit gut.«»» w.—. Hamburg, den 19. Dezember 1885. HochachtungSoollst C. D e i s i n g e r. I. Zaffke. R u h l a« d. In Rußland ist eine neue Maßregel der Zensur in Kraft getreten, welche d«„Köln. Ztg." in folgender Form gemeldet wird:„Die russische Presse trat in letzter Zeit mit so starken Fordnungen zur Beschränkung der Rechte und Erhöhung der *) Wir habm feinet Zeit unseren Lesern ebenfalls von diesen Aeußerungen Kenntniß gegeben und glauben deshalb oao lvr»v,>uir iiuuvtivu,. v..�....---,.......... TestamentSbestatrgungs. Gerichtshöfen in Utah die allgemeine Jurisdiktion und erklätt das territoriale Gesetz über die Fähig« keit illegitim« Kinder zur Er«bung von Eigmthum für un- gittig. Ferner greift die Bill die Mormonenkirche an, indem fie den Präfidmten der V«einigten Staaten ermächtigt, Kuratoren zur Verwallung ihrer weltlichen Angelegenheiten zu ernennen, annullitt den Morau nen- E'nwanderungifonds, ver- zuhassen, unser Blatt aufzunehmen._ auch Diese Zuschrift in .Unsinn,"«wid«te Frau Siebel ärgerlich.„Ich weiß wirklich nicht, weshalb Du ihn nicht leiden magst; er ist ein ehrlich« Mensch und« wird'S noch zu etwas bringen." „Der?" brummie Siebel vetächtlich.„Ich möchte da« Brod nicht essen, das auf diese Weise veidient wird, lieb« will ich Hung« leiden." „Und wer hat Dir gesagt, daß er ei« Spion sei?" „Er selbst!" „Das kann nicht wahr sein!" „Er hat mich heute Abend verfolgt,« hat vor dem Hotel gewartet, bis ich h«aus kam und mir dann in'« Ge« ficht gesagt, ich wolle mit dem Lump, dem Rabe, ein Blind« schließen. Er hat mir fem« gesagt, der Unt«suchungS» nchter wolle mir Vorschläge mache«, weißt Du, waS bas mit andern Worten heißt?" Die alte Frau schüttelte dm Kopf, in ihrm stamm �ugen spiegelte sich angstvolle Erwartung. »Daß ich auch ein Polizeispion w«dcn soll!" „DaS kann er Dir nicht anbieten!" .„Diese Leute können Alles!" fuhr d« Zimmermann oohnssch fort,„weil fie selbst keine Ehre haben, glaubm hat mir sogar wachen—" KtevtaJWÄ'*5» -»"»V vv* v**-. I"7-- I. "ÄMÄ«« r .Dann muß« Gründe haben!_ wechetiti dürfe« nicht Heirathen!" »Da« sagte« wirklich?" fragte die alte Fta knftüstet. Was weiß er denn von dem Gehernnuß•®at wchts! Wie kann« mich eine Verbrecherin nennen r bietet die Wiederherstellung irgend einer derartigen Körperschaft zur Einführung von Mormonen und konfiszitt alle diesbezüglichen Fond« zu Gunsten eines SchulfondS in Utah. — In Peru(Südamerika) sucht die Bevölk«ung nun, nachdem der Friede endlich hergestellt ist, dem fiegnichen Be« zwinger des Bürgerkriege«, General Caceres, auf alle er« oenkliche Weise ihren Dank kundzugeben. AuS allen Landes« theilen wird der General beglückwünscht und besonders die Bevölkerung von Lima bemüht fich, ihn auszuzeichnm.— Die vorläufige Regierung hat einen Straferlaß angekündigt, der für die Erhaltung der Ruhe wirksamer alS Gewaltmaßregeln fein wird, denn das Volk ist des langen Bürgerkrieges gründ« D« Zimmermann zuckte die Achseln, als ob er an« deuten wolle,« wisse darauf keine Antwort zu gebm. „Wmn mir die Sache zu bunt wird, gehe ich zum Unt«suchungSricht«." fuhr die Frau mit wachsmder Erregung fort,„die Generalin antwortet auch nicht wegen der Pension—" „Ich glaube auch nicht, daß sie das Geld weiter zahlm wird!" „DaS wäre erbärmlich! Nachdem ich die Pension so lange bezogen habe, kann sie mir nicht ohne Grund entzogen werden." „Und weshalb nicht? Sie hat ja nichts davon ge- wüßt! Wir können aber auch nicht drohen, das Geheimniß macht sie noch unglücklich«, als die Andern." „Und wmn wir es ihr auch unt« dem Siegel der V«schwiegmheit mittheilm wollten, sie würde uns für uns« Schweigen keinen Pfmnig opfern. Die Frau denkt viel zu rechtlich, sie wäre die Erste, die alle betheiligten Pnsonen in Kenntniß setzte!" Siebel hatte das Haupt auf dm Arm gestützt, n blickte finster vor sich hin. „Nach dies« Seile hin ist leid« nichts zu machen," sagte er,„wir müssen davon ganz absehen. Wenn nur der alte Zwist noch bestände und da« Testammt nicht gefunden worden wäre! D« alte Ob«st hätte uns gewiß eine schöne Summe gezahlt." „Ja, wen»— wenn!"«widerte die Fran unwillig. „WaS hilft uns das Alles? Wir müssen die Dinge nehmen, wie sie sind, und nicht, wie sie möglicherweise sein könnten. Ich glaube, wir könnm übtthaupt nichts mehr machm." „Bei der Generali« und bei dem Oberst aller« dings nicht." „Und bei Rabe ebmsowenig!" Nur noch bei ihm,"«widerte Siebel,„und er geht richtig in die Falle. Ich habe mir eine« Plan ausgedacht, « soll mir soviel zahlen, daß ich den Holzhandel an« ' fa"07ffl3Se Falle hast Du ihm gestellt?" 'Ich habe mich angeboten, dem Gefangmm G,ft lich müde. Die fernere Ordnung der sehr verwirrten Verhältnisse wird der Kongreß auf fich nehmen, der am 30. Mai er- öffnet w«den soll. Zokale». b. Das Leben und Treiben auf dem Weihnachtsmarkt erlosch mit dem Schlage d« MittemachtSstunde des Heiligabends. Vom ersten Feiertage ab führte« nur noch ein schattenhaftes Dasein. Die Verkäufer waren mit dem Geschäft des Heiligabends zuftiedener als mit dem sogmannten„gol- Denen" Sonntag, an welchem das Gedränge die Besuch« viel- fach am Kaufen hinderte. Die Marktleute find übrigens ein interessantes Völkchen. Sie bilden, so ,u sagen, eine große Familie, wie fie ja auch ihren Vlarktoerem haben. Die Polizei behelligen fie wenig; auf Diebe paffen fie gegenseitig auf und fassen fie einen ab. so wird kurzer Prozeß ge- macht. Immerhin geht es nicht ohne Verlust ab und Abentmer erleben sie genug. So traten am Heiligabend noch spät zwei Käufer an eine Bude, von dmen der eine plötzlich Reißaus nahm, während der andere dem Ver- käufer einen eilig dem Lustgarten zulaufenden Mann zeigte. Der Händler jagte hinter ihm her, es war nicht der Dieb, aber offenbar ein Dritter im Bunde. Der Zweite hatte fich natürlich ebenfalls inzwischen auS dem Staube gemacht. Nur ein Mal haben die Marttleute vor einigen Jahren die Polizei in Anspruch genommen, aber in einem Falle, welch« die Be» Hörde selbst stutzig machte. Man brachte nach dem Markt«- BüreauS zwei hochelegante Damen mit ihren Dienstmädchen— scheinbaren natürlich. Diese vier hatten das Stehlen en gros betrieben, indem die Damen dm Mädchen die gestohlenm Sachen hinterrücks zupackten. Das vierblätterige Kleeblatt be« kam bis zu fieben Jahren Zuchthaus. Auch die fliegenden Händl« machen übrigens ganz gute Geschäfte. b. Neujahr und Fafchtna find jetzt an der Reihe. Mit ihnen rechnet von nun an die Geschäftswelt, welche mit Weih- nachten abgeschloffen hat. Wohin man kommt, begegnet man jetzt Maskenball-Plakaten, in und um Berlin. Selbst im neuen Krug hinter Treptow ist am Sylvesteradend Masken» ball. Die Berlin« Droschken kutsch kündigen ihren großen Maskenball für den 3. Januar in der Philharmonie an.— Neujahrskarten zeigen fich in allen Schaufenstem. Neben dem Chenille-Affen zeigt fich auch als allcmeueste Neuheit der Chenille-Kater, der über einer Schüssel mit marinirtem Höring fernen Buckel krümmt. Mit großer Andacht studirt Jung und Alt die Groschenbogen, deren Verse und Bilder vielfach etwas kräftig find. g. Recht ruhig ging eS i« den Berliner SanttätS- wachen während der Feiertage zu. Hier war wer ig oder nichts zu thun und so konnten fich die Angestellten der Ruhe hingeben, die fie in vielen Nächten entbehren. Auch sonst fehlte eS an den üblichen Etraßmexzeffen, wenigstens wurden folche von Bedeutung nicht gemeldet. g. Das Trtnkgelderunwesen hat wohl nirgends derartige Auswüchse erzeugt, als in einzelnen unser« Wimer CafSs. Hier giebt es bekanntlich die sogenannten Zählkellner. welche nichts weiter zu thun haben, als das Geld von den Gästen entgegenzunehmen. Giebt man diesen stets sehr selbst- bewußt auftrttenden Leuten, welche dem Gast nicht den ge» ringsten Dienst geleistet habm. ein kleines Trinkgeld, so halten fie es garnicht einmal der Mühe für wnth, sich zu bedanken. sondern stecken mit souveräner Nichtachtung Den OboluS ein. Die Art und Weise ihres Auftretens erinnert in nichts an die vielgerühmte„Weana Gemüthlichkeit" und wirkt überaus ab» stoßend und veiletzmd. Wenn man bei einer Schale Melange oder einem„Schwarzen" 20 bis 25 Pfennige Trinkgeld geben soll, so wird der Besuch dieser Cafss ein äußerst kostspielig«. Das ganze System d« Zahlkellner muß überhaupt als über» flüsstg bezeichnet werden, namentlich wenn man steht, wie fich diese Mmschen stets höher dünken, als der anständige Gast. Zudem kommt noch, daß fich zwischen ihnen und den in den meisten CafSs verkehrmdm„Damen" eine Vertrauensstellung herausgebildet hat, welche oft genug insofern für den Gast verhängnißvoll wird, als bei evmtuellen Streitigkeiten die „Damm" sttts recht erhalten. g. Große Berge von Weihnachtsbäumen und Tannm- sträuchen auf einzelnen Straßen und Plätzen der Stadt lieferten den Beweis, daß die Händler mit Weihnachtsbäumen in diesem Jahre ein sehr schlechtes Geschäft gemacht haben. Arme Leute, welche nicht in der Lage waren, fich vorher einen Weihnachtsbaum zu besorgen, fanden hier die beste Gelegen- heit, unentgeltlich einen Weihnachtsbaum zu«langen und so waren die Plätze von den noch brauchbarm Weihnachtsbäumen bald abgesucht. Am heiligen Abend waren die Bäume der- artig billig, wie bist!« wohl in kein-m Jahre. Um ihre Bäume loS zu werden, verkauften die Händler fie zu jedem Preis, und so kam es, daß man einen Baum, d« noch am Vormittag 1,50 M. kostete, für 50 Pf.«hielt. Ob diese Flauheit im Verlauf von Weihnachtsbäumen auf eine große Zufuhr oder in dem geringen Verkauf von Weihnachtsbäumen zu suchen ist, dürste schwer zu ermitteln sein. thust „Halt ein!" rief die Frau entsetzt.„Wmn Du da« „Fällt mir im Traume nicht ein, eS ist ja nur eine Finte. Rabe soll mir das Gist geben, habe ich ihn so weit, dann drehe ich den Spieß um. Er mag dann wollen oder nicht, er muß mit dem Gelbe herausrücke« I" „So? Er wird einfach behauptm, er habe Dir da« Gift nicht gegeben, und da es nicht vor Zeugm geschehen ist, kannst Du es auch nicht beweisen." „Man wird mir glauben," erwiderte Siebel,„und wmn es dasselbe Gift ist, mit dem der alte Gärtner sich das Leben genommen haben soll, so wird es zu ferneren Bermuthungerr Anlaß geben, die ihm nicht angenehm sein können." „D«S ist freilich richtig!" „UebriamS wird er es so weit nicht komme« lasse». Wenn ich ihn auf alle diese Punkte aufmerksam mache, wird « klein beigeben." „Und wenn« es wider Erwarten nicht thut?" fragte die Frau. „Dann gehm wir zum Untersuchungsrichter." Die alte Frau schüttelte wieder daS Haupt, ihr rundes Gesicht zeigte einen ungewöhnlich ernsten Ausdruck, und die unstäten lauernden Augen senkten sich, als sie dem glühmde« Blick des Zimmermanns begegneten." „Mir ist nicht wohl bei der Sache," sagte fie besorgt, „ich weiß, daß Du nichts«reichen wirst, und bricht die Katastrophe ohne uns herein, dann bin ich auch verloren. Es wäre besser, wen» ich freiwillig dem UntersuchungSricht« Alles mittheilte, was damals fich«eignet hat, ich kann ja behaupten, man habe durch Drohungen mich gezwungen zu schweigen." „Und was dann?" fragte Siebel. „Dann mögen die Dinge ihren Gang gehen." „Und wir haben das Nachsehen! Niemand wird un« einen Pfennig für das Geständniß gebe«, im Gegentheil—" „So arbetten wir!" „Das ist auch ein armseliges Leben. Man vttdient heutzutage im Taaelohn kaum soviel, daß man da« ttockn« Brot hat. Und Du hast das Arbeiten vnlernt." (Fortsetzung folgt.) Grosse SMgarn und Strinplwaaren-Fabrlk Ommcnitr. 166«DK?.»»«n Dtatticuftr. 166 Parterre u. L Etage.' Parterre u. 1. Etage. Filialen: Dame«-«nd Kinderweste« «ab ohne Aermel von 1 Mark«a tt« z» den feinsten Qualitäten. Kinder-Tricots t« Wolle, Vigogne und Baumwolle von 60 Pf. an. 1. Alexanderstraße 69 am Alexander-Platz. 2. Jnvalidenstraße 112, Ecke Ehausseestraße. 3. Oranienstraste 267, yis-A-vii Manteuffelstraße. 4. Skalitzerstraste 168. 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Dir SizmldliiiiiKrM im deutslhe« Reichstize können machen, waS sie wollen, sie machen's den Herren Libe« ralen natürlich nie recht. Im vorigen Jahre brachten sie zu wenig Initiativanträge ein. in diesem Jahre zu viele. Und wenn die Sozialdemokraten gar einen Antrag ein« bringen, den auch die anderen mcbr links stehenden Parteien hätten einbringen können, so wissen die liberalen Zeitungen nichts Anderes zu thun, als hämische und gehäsfige Bemer- kunycn zu machen. Besonders zeichnet fich dabei das Organ des Herrn Eugen Richter aus. Der Diaten-Äntrag gefällt ihm nicht wegen der Diätenprozcsse, denen seine JraktionSgenoffen ängstlich auSzu- weichen suchen, indem fie erklären, keine Diäten empfangen zu haben. Ter tapfere Eugen ärgert sich nun, daß bei der öffentlichen Berathung der Dtätenfrage im Reichstage doch wohl auch von irgend einer Seite nach dcm Verbleib des fortschritt« liehen Diätenfonds gefragt werden wird. Der Antrag der Sozialdemokraten, die Poleninter« p e l l a t i o n in Bezug auf die Ausweisungen betreffend, ist vielen der übrigen Rerchslagsabgeordneten unlieb, weil er, wie der Abg. Windthorst bemerkte, der Frage in verfassungs« mäßiger Weise näher tritt. Nun kommen aus lauter Eifersucht die Polen und Deutsch« Freifinnigen mit vollständig lendenlahmen Anträgen nachgehinkt und schwächen dadurch die ganze Angelegenheit in bedenklicher Weise ab. Das tollste Zeug aber, was die konservativen Blätter übrigens mit den liberalen gemeinsam leisten, ist die Anklage gegen die Sozialdemokraten, daß sie grade den Antrag auf Unterstützung der Familien der zu den regelmäßigen Uedungen herangezogenen Reservisten und Landwehr« l e u t e gestellt haben, weil fie doch gewohnheitsmäßig gegen den ganzen Etat stimmten!!!— Aus dieser Anklage ficht man so recht die Oberflächlichkeit und Gehäsfigkeit jener Leute— Eugen Richter ist natürlich auch dabei— welche die parlamentarische Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben vorgeben. Wie oft ist eine Partei in der Lage, für Verbefferungen innerhalb des Rohmens eines Gesetzes zu sttmmen, dem fie im Ganzen ihre Zustimmung verweigert. Und gerade bei dem Budget kommt eS häufig vor, daß die Sozialdemokraten für einzelne Pofiuonen, die sich auf Kunst, Wissenschaft u. s. w. beziehen, fich erklären, um dieselben gegen reattionäre Anwandlungen mit durchbringen zu helfen, trotzdem die Partei gegen den ganzen Etat stimmt. Der Etat im Ganzen findet ja immer die Zustimmung deS HauseS und da ist es Pflicht auch der radikalsten Partei, diesen Etat so gün- fstig wie möglich gestalten zu helfen, mag dieS nun durch einen Ab- rch am Militäretat oder durch Einsetzung einer Posttion für auen der Landwehrmänner oder durch Erhöhung der Ge« tter der niederen Postbeamten geschehen. Dies« parlamentarische Taktik ist übrigens ohne Unter« brechung von den Sozialdemokraten im norddeutschen und im deutschen ReichStagr bislang innegehalten worden und es läßt fich ihnen auch vernünftiger Welse gar kein Vorwurf daraus machen, trotzdem Herr Eugen Richter und Andere mehr von „Widersprüchen" faseln. Diese Taktik ist übrigens auch keine speziell sozialdemo- kratische, sondern fie wird von allen parlamentarischen Parteien mehr oder weniger geübt. Der ganze Aerger der anderen Parteien ist ia nur dadurch entstanden, daß fie nicht selbst den im ganzen Lande populären Antrag auf Unterstützung der Familien der zur Uedung einberufenen Reservisten und Landwehrmänner ein« gebracht haben. Saat doch ein konservatives Blatt nachdem es die So- jialdemokraten im Allgemeinen angegriffen hat: „An fich«obnt dem Antrag em gesunder Gedanke mne. Er verlangt eine Unterstützung der Familien der zu den regel« mäßigen Uedungen eingezogenen Reserve, und Landwehrleute. Für den Fall der Mobilmachung ist eine solche Unterstützung Diebe imb Wale. Em Naturbild aus Deutschland'S Neuzeit von Oskar Klaußmann. tSiachtnick verboten.) Der Sommer 1885 hat zu den fruchtbarsten gezählt, die wir seit lange« Jahre» gehabt habe» und unter dem glühende» und doch belebenden Strahlen der Sonne ist in Wald, Feld und Flur gewachsen und gereift Alles, was rlich anzusehe» und zu genieße»; aber mit dem Guten auch das Böse gediehe«, scheint doch die Sonne über Gerechtem und Ungerechtem. So ist dieser Sommer»icht nur fruchtbringend und nützlich gewesen für da» Schöne, sondern auch für allerlei Gewürm und Ungeziefer, ja noch wehr: die Leidenschaften habe» fich durch ihn gemehrt, sie find heftiger, glühender geworden. Sie folgten dabei nur einem alten Naturgesetz; die Hitze da draußen erzeugt auch die Hitze im Blute deS lebenden Wesen», entfesselt die fürchterlichen Leidenschaften, die verborgen in ihm schlafen, Und am Aequator sind die Leidenschaften bekanntlich glühen« der, größer, mächtiger, gewaltiger, als ia der Eisregioa 1 �EsVar im Frühjahr diese« Jahre«. Der Marquis de Lievrc begegnete ihr auf einem seiner einsamen Spaziergänge. »Sie" ging mit niedergeschlagenen Augen and dem trippelnd- tilfertigen Gang jener lieblichen Geschöpfe, über denen der Duft und Schimmer von Jugend und Unschuld schweben. Der Marqui« de Lieore war frappirt von dieser eigenartigen, einfache» Schönheit. Wie herrlich stach diese Natürlichkeit, diese Unschuld gegen die weiblichen Wesen seiner französischen Hcimalh ab. Er folgte der Jungfrau vorsichtig, damit fie •dn nicht bemerke und dadurch scheu wurde, und nach wenigen stunden kannte er alle Verhältnisse des„Opfer«". Ja Opfers, denn der Herr Marqui« hatte beschlossen, die arme «lerne durch seine Gunst auszuzeichnen, sie zum Sprelzeug Zu nehmen, fie mit seiner Neigung zu beglücke«, mon dien gilt ein Herz, wo es sich um das Vergnüge« handelt. ß Die„Kleine" war die Tochter einer Wittwe, die«» niller Zurückgezogenheit lebte. Frau Lampe, geborene Haas, vT»we jener Frauen, die vom Unglück viel zu leide« vlvcn. Frühzeitig an boS Schicksal eines ungeireuen, flatter« längst reichszesetzlich geordnet; eS kann kein grundsätzlicher Widerspruch dagegen erhoben werden, daß auch im Frieden bei den Hebungen der Reservisten und Landwehrmänner eine Unterstützung solcher Familien eintritt, die durch Einziehung ihres Ernährers in Roth gerathen. Der Gedanke fand auf allen Seiten Anklang' es ist die erste nützliche An- regung, die die Sozialdemokratie im Reichstage gegeben hat, die zu einem praktischen Resultate führen kann. WaS nun die erste nützlicheAnregung anbelangt, so ist es doch wohl weltbekannt, daß alle sozialreformatorischen Anträge und Vorschläge, die im deutschen Reichstage einge- bracht und gemacht worden find, durch die Sozialdemokraten angeregt worden find. Waren fie es doch, die schon im Jahre 1869 den Antrag auf Einführung deS Fabrikinspektorats eingebracht haben. Wo wäre die ganze deutsche„Soztalreform" ohne die „nützliche Anregung" durch die Sozialdemokraten? Unzweifelhaft wird diese rührigste aller Pattelen— mag fie sonst gefallen oder mißfallen, wem fie will— noch manche „nützliche Anregung" geben, und fich verteufelt wenig daraus machen, ob fie dadurch die andern parlamentattschen Partei« körper vor Konkurrenzneid zum Platzen dringt. Politische Urberstcht. Zum serbisch- bulgarischen Konflikt, Serben und Bulgaren find den Beschlüssen der von den Mächten ernannten Kommission nachgekommen: die Bulgaren haben fich aus Serbien und die Serben aus Bulgarien zurückgezogen. Ganz glatt ist die Sache freilich nicht abgelaufen; beide Parteien b. schuldigen fich geamseitig, die Vereinbarungen verletzt zu haben, an einigen Punkten ist-S sogar zum Blutvergießen gekommen. Die in diesem Feldzug erlittene Niederlage hat Soldaten fich weigern, die Befehle ihrer Kommandanten au& zuführen. Um die nöthige„Disziplin" herzustellen, wurden bereits sechszig Mann erschossen. Elberfeld, 24. Dezember. Nunmehr ist auch die„Neue Bürger- Zettung" vorläufig beschlagnahmt worden, weil dieselbe eine Fortsetzung der auf Grund des Sozialistengesetzes ver« botenen„Freien Presse für Berg und Mark" sein soll. Drei Polizeikommiffare und sieben Schutzmänner hatten diese Maß- regel zur Ausführung gebracht, und zwar waren ein Kommissar und fünf Schutzmänner in der Druckerei erschienen, wo fie drei Stunden weilten. Inzwischen hatten zwei andere Kom- miffare mit je einem Begleiter die Wohnungen deS Herrn Schöllgen(des Verlegers der verbotenen„Freien Presse") und dei Herrn Gilles.(Redakteur und Herausgeber der„Neuen Bürgerzeitung") durchgesucht. Bei dem letzteren war nichts „Verdächtiges" gefunden worden, in Herrn Ecköligens Wohnung war man auf Loose der Königlich Sächstschen Lottette gestoßen, auf welche man die Hand deS Gesetzes legte. In **............ Exemplare verdutzt fich auf einen Strafparagraphen und es muß' sonst/ e�ne richterliche EnlscherSung erfolgen. Frankreich. Endlich ist die Tonkindebatte beendigt und das Ministe« rium Briffon hat mit wenigen Stimmen über die Mehrheit einen PyrrhuSfieg errungen. Mit 274 gegen 270 Stimmen wurde der Regierung der geforderte Kredit für Tonkin bewilligt. Radikale und die größere Masse der Monarchisten stimmten gegen die Vorlage. Der Sieg gleicht in der That mehr einer Niederlage und es erscheint ganz glaubhaft, daß Briffon mit seinen Kollegen demisfioniren will. Der Sieg Briffons er« scheint um so kleinlicher, als das Ministerium noch in den letzten Tagen mit einem Erfolg vor die Kammer treten konnte: es ist demselben nämlich gelungen, mit Madagaskar einen für Frankreich vottheilhaften Frieden zu schließen. Wie die„Agence HavaS" gerüchtweise erfährt, räume der Friedensvettrag mit den HowaS Frankreich das Protektorat über ganz Madagaskar ein. hafte« Gatten gekettet, welcher sich den Teufel um seine zahlreiche Nachkommenschaft kümmerte, hatte sie ihre Kinder durch Unglücksfälle und Krankheit bis auf das eine ver« lore«, hatte den Gatte» selbst eines gewaltsamen Tode« sterben sehen und war von all der Unbill und dem Unglück ganz stumpfsinnig geworden. Sie merkte es kaum, wie herrlich sich«eben ihr die einzige Tochter entwickelte, sie dachte nicht mehr an die Zukunft, nicht einmal an die Gegenwart, son- der» lebte nur»och in der Vergangenhett. Die Verhältnisse lagen also für de« Marquis so günstig als nur möglich; dennoch war eine Annäherung, wenn die» selbe von Erfolg sein sollte, nicht so leicht. Der Marquis de Lievre zerbrach fich seit einigen Tagen den Kopf, wie er die„Liaison" einfädeln sollte, als ihm der Teufel in seiner Weisheit, den Spießgesellen zuführte, de» der alte Wüstling gerade gebrauchen konnte. Jean Lapin stammte aus der Seitenlinie der Familie des Marquis, war aber ein gänzlich aus der Art geschlagene« zum Pöbel herabgesunkenes Jndi« viduum. Einer Mesalliance verdankte er eine ungeheuerlich starke Nachkommenschaft, die ihn im Verein mit seine« Lastern vollkommen heruntergebracht hatte. Er wohnte draußen im Proletarierviertel, in jenem Konglomerat von Erdhütten, zwischen denen den ganzen Tag da« Gesindel von Nachwuchs sich herumbalgte, um quieckend ia die Erb« höhlen zu fahren, wen» sich etwa« Verdächtiges näherte. Der Marquis hatte den heruntergekommene» Vetter bisher nicht beachtet, jetzt beschloß er ihn als Werkzeug zu benutzen. Er erwiderte erst einige Male seine bisher ignorirten Grüße, dann ließ er sich mit ihm in ein Gespräch ein und machte ihm schließlich kleine Geschenke für„die arme Familie", wie er sagte. Der Marqui« hatte zwar ftüher geschworen, der elende Lump, der Lapin solle nie im ganzen Leben auch nur die gettngste Kleinigkeit von ihm erhalten, aber was vergißt man nicht, wenn man Jemanden braucht. Außerdem war die Familie de« Marquis berühmt wegen ihres kurzen Gedächt« nifle«, sodaß in Frankreich ei»„schlechte« Gedächtniß" noch heute„memoire de lievre" heißt. Jean Lapin wußte sehr bald, um was eS sich handelte und seiner schurkischen Seele war der Auftrag, den er über« «ommen, ein hochwillkommener. Außerordentlich leicht wurde es ihm, sich in das Vertraue» der alten stumpffinnige« i Frankreich werde in Tananarjvo durch einen Rcstdenten ver» treten sein; derselbe werde mit der Leitung der auswättigen An» 8elegenheiten Madagaskars betraut werden und solle das Recht aden, eineEskotte zuhalten. Bis zur Bezahlung einer Kttegs» entschädigung von 10 Millionen FrankS werde Tamatave von ftanzöfischen Truppen besetzt bleiben.— Trotz alledem aber nur eine Mehrheit von 4 Stimmen für die Regierung; daS ist ein sicheres Zeichen, wie wenig die schönen Phrasen de« Herrn Briffon und seiner Freunde von der„Ehre" und dem „Ruhm" Frankreichs heute noch im Stande find, das Voll für eine ganz unnütze und abenteuerliche Kolonialpoliiik zu er« wärmen._ r, — In Paris fanden am Sonntag die noch ausstehenden Stichwahlen für die Deputtttenkammer statt. Sämmtliche sechs radikale Kandidaten find mit sehr großer Mehrheit gewählt und erhielten etwa 160000 Stimmen. Demnächst folgten De» roulede mit 104 000, Ranc mit 97 000, die Monarchisten mit 83 000 Stimmen.— Heute(Montag) findet die Präsiden« tenwahl statt: vorausstchtltch wird Grevy wiederum gewählt werden. Spanten. Heber den Zwischenfall, der in Madrid durch den Prinzen Heinrich von Bourbon(Herzog von Sevilla) veranlaßt worden ist, wird noch folgendes bekannt: Bei König Alfonso's Leb- zetten bezog der Pttnz, wie alle Vettern des Königs, monatlich 1000 Franken aus der Privatschatulle. Fünf Tage nach Alfonso's Tode unterdrückte die Regentin diese Penston. Der Herzog von Sevilla, gänzlich mittellos, verheirathet und Vater dreier Kinder, suchte eine Audienz nach, um die Königin Christine zur Zurücknahme ihrer Verfügung zu bestimmen. Diese Audienz wurde ihm verweigett, trotzdem er als Grande erster Klasse und Kammerherr berechtigt ist, immer bei der Königin einzutreten. Als er gegen alles Herkommen auch nicht zur königlichen Tafel gezogen wurde, während er kommandiren- der Offizier der Pallastwache war, wollte er gewaltsam ein- dringen und der bekannte Skandal erfolgte. General Pavia stellte ihn sofott zur Disposition: das wurde von Wolff's- Depesche zur Meldung verstümmelt, Pavia sei zur Dispofitton gestellt. — Die spanischen KotteS find am vorigen Sonnabend zusammengetreten. Zum Präfidenten des Deputittenkongresses ist Canovas del Castillo mit 222 gegen 112 Stimmen, die auf Robledo fielen, gewählt worden. Der Vorfitz im Senat ist dem Marschall Mattinez Campos übertragen worden. Die Königin-Regentin wird am 31. d. M. den Eid vor den Kottes leisten. G r o h b r t t a» n i e u. Der unverwüstliche Humor der Jrländer hat fich wohl selten besser bewahrheitet, als in voriger Woche in Emlv, wo sie über einen Gettchtsvollzieher Namens Mäher zu Gericht saßen. Derselbe hatte einigen Pächtern, die das Zahlen ihreS Pachtzinses vergessen hatten, Exmisfionsbefehl« zugestellt. Nach sorgfältigster Untersuchung des Thatbestandes fand der impro» vifitte Gerichtshof den Sünder des ihm zur Last gelegten Verbrechens schuldig und verurtheilte ihn zu fünf Jahren gänzlicher Enthaltsamkeit von allen geistigen Gettänken, die schlimmste Strafe, die einem irischen Gerichtsvollzieher wohl zuerkannt werden kann, da fie alle stark dem nationalen Whiskey huldigen. Erst nachdem Mäher auf den Knien da» verlangte EnthaltsamkeitSgelüdde abgelegt hatte, ließ man ihn laufen. — Während die englische Regierung auSposaunen läßt, daß in Birma Alles in der schönsten Ordnung sei, zeigt fich von Taa zu Tag mehr, wie sehr sich diese Behauptung mit der Wirklichkeit im Widerspruch defindet. Nach einer in London eingegangenen Nachricht aus Birma vom gesttigen Tage ist am 21. v. M. eine englische Kavalletteabtheilung von einer aus 400 Mann mit 2 Geschützen bestehenden Freischaar ange» attffen worden. BritischerseitS find Verstärkungen von In« fanteiie mit 2 Geschützen abgesandt worden. Die Birmanen werden, hiernach zu uriheilen und da fie sogar mit Geschützen versehen find, den Briten wahrscheinlich noch viel zu schaffen machen. Mutter zu schmeicheln, die ganz stolz darauf wurde, daß ihr Töchterchen Gnade vor den Augen deS Marqui» gefunden. Vielleicht sollte fie an ihrem letzten Kinde noch die größte Freude erleben. Anders stand die Sache bei der Tochter. Das unschul» dige Geschöpf ahnte ja gar nicht, um was es sich handelte, aber der Instinkt der Keuschheit und Jugend sagte ihr, daß ihr Gefahr drohe. Der Marqui« hatte seinen Besuch ge- macht und fich sehr zurückhaltend und vorsichtig betragen, die Mutter und Jean Lapin wußten»icht genug Rühmens von dem alten noblen Herrn zu machen, aber baß Töchterchen blieb kühl und zurückhaltend. Sollte sich vielleicht längst eine andere Liebe in baß jungfräuliche Herz geschlichen haben?... Errathenk Da war Kohlhaas, ein Verwandter der Frau Lampe, der de« öftere« zu Besuch kam, ein einfache«, harmloses aber goldtreues Gemüth. Der Verkehr zwischen ihm und dem Töchterche« der Frau Lampe, geborene» Haas, war ei« ziemlich fteier, wie dies ja zwischen Verwandten üblich ist, jener Verkehr, der dem alten Schalk Amor immer wieder so vottressliche Gelegenheit giebt, Unruhe in zwei Herzen zu stiften. Kohlhaa« hatte mit der Feinfühligkeit de« Liebenden so« fort geahnt, was die Besuche des Marqui« und seine« schurkischen Helfershelfers bedeuteten und beschloß auf feiner Hut zu sein. Natürlich hatte er die Geliebte auf das Em» dringlichste gewarnt, und der Marqui» de Lievre kam bei der„Kleinen" nicht um einen Schritt weiter, trotzdem er eß an Aufmerksamketten aller Art und an Geschenken»icht fehle» ließ. Er war wüthevd darüber und hatte es sich jetzt fest in den Kopf gesetzt, die Unschuldige in seine Gewalt zu bekommen. Jean Lapin freute sich allein der Erfolglofig« keit, denn so lange diese anhielt, stiegen die Spende« deß Marqui» und blieben dieselbe» auch nicht aus, was iu befürchten war, wenn er erst am Ziele seiner Wünsche iand. Aber Jean hatte auch entdeckt, wa» der Grund für die Sprödigkeit der vom Marquis Umworbene« war und eß stand bei ihm fest, daß Kohlhaas aus dem Wege geräumt werde» müsse. DaS Mittel dazu schien ihm bei der nawen DevkungSart des harmlosen, ehrlichen Kohlhaas ei» ganz einfaches zu sein: Die Eifersucht. Marquis de Lievre billigte den Plan seines bübischen Kommunales. o. k. Die Berliner Gemeindeschulen. Am 1. November t. I. hatte Berlin 158 Gemeindeschulen mit 2611 Klaffen- 5 immern. Hiervon befanden fich 1995 Klaffen in den Schul- »äusern der Stadt und 553 in gemietheten Räumen. In vor- übergehender Benutzung waren ferner 67„fliegende Klassen". 11 nie richtet wurden am 1. November in den 2611 Klaffen: 71260 Knaben und 73973 Mädchen. Im letzten Schulhalb- jähre wurden 4804 Kinder eingeschult; nämlich 2557 Knaben und 2247 Mädchen. Unbesetzt blieben ncch: 2780 Knaben- und 2235 Mädchenplätze. In den Klassen der Oberstufe l. und II. K'asse, wurden höchstens 60, in der Mittelstufe III. und IV. Klasse 65 und in der Unterstufe v. und vi. Klasse böchstens 70 Kinder unterrichtet. Der Durchschnitlsstand einer Berliner Gemeindeschule betrug im laufenden Jahre 780 Zöglinge und der Bestand aller schulpflichtigen Berliner Gemeindeschüler ist also jährlich so groß, wie die Einwohnerzahl einer mittleren deutschen Provinzialstadt. Außerdem befitzt Berlin noch 25 Gymnasien und Realschulen, 46 höhere Mädchenschulen, je 12 mittlere Mädchen- und Knabenschulen und femer eine große Zahl von Seminarien, Fortbildungs-, Fach- und Religicns- schulen, die, wenn auch nicht annähemd die Schülerzahl der Gemeindeschulm erreichen, doch eine sehr große Zahl Zöglinge unterrichten. w. Auf Antrag deS Kuratoriums der städtischen Wasserwerke beabsichtigt der Magisttat bekannrlich die Errichtung eineS Wafferthurms auf dem Kreuzberge. Er ersucht daher die Stadtverordneten-Versammlung, fich mit der Errichtung einer Wafferhebestation auf dem Tempclhofer Berge in der Nähe der Bockbrauerei auf Grundlage eines vorgelegten Projekts einverstanden zu erklären und die veranschlagten Kosten in Höhe von 313 225 M. auf Konto deS den städtischen Wasser- werken noch zustehenden Antheils an den Anleihen von 1878 resp. 1882 zu bewilligen, ferner fich damit einverstanden zu erklären, daß die Kosten der Pflasterung der Straße 23 bis zur östlichen Grenze des für Hebewerk und Waffertburm zu erwerbenden Gmndstücks, überschläglich berechnet auf 54000 M-, von der Verwaltung der Wasserwerke bis zum Wiedereingange von den Ädjazentm vorgeschossen werde. w. Neue Gasanstalten. Wegen Errichtung einer neuen Gasanstalt in Friedenau schweben die Verhandlungen noch zwischen dm betheiligten Behörden. Indessen dürfte der Bau dieser Anstalt, selbst wenn er in ziemlich ausgedehnter Weise hergestellt werden sollte, nicht ausreichen, da der Konsum des Gases in Berlin crsahmngsmäßig jährlich 6 pCt. d. h. um 4'/, Millionen Kubikmeter zunimmt. Bis zum Jabre 1890 würde demnach eine Zunahme von 25 pCt. oder 10Ö Millionen Kubikmeter stattfinden, es würden somit die dann vorhandenen Anstalten nicht im Stande sein, das nöthige Quantum Ggs zu schaffen. Man ist daher jetzt schon bedacht, neben der Fttedmauer noch eine zweite Gasanstalt um das Jahr 1890 zu enichtm, wozu die Vorbereitungen bereits eingeleitet find. Dem Ver- nehmen nach soll die Abficht vorhanden sein, diese zweite Gas» anstatt in Moabit zu erbauen. Eine außerordentliche Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung findet am Mittwoch, dm 30. Dezember, Nachmittags 5 Uhr, statt. Tages-Ordnung: 4 Naturalisationsge« suche.— Vorschläge des Ausschusses für die Wahlm von un- besoldeten Gemeindebeamten.— Einige Pmfionirungs- und Anstellungssachen.— Berichterstattung über die Vorlage, betr. die Ausschmückung der Aula der höheren Mädchenschule in der Jfflandstraße mit Wandgemälden.— Vorlage, best, dm Ver- kauf von Baustellm an der Gräfestraße, der Dieffenbachsttaße, der Urbanstraße und am Plan-Ufer.— Desgl., betr. die Er- werdung des Bürgersteigterrains vor dem Grundstücke Kastanien- Allee 40.— Desgl., bett. die Erwerbung einer von dem Grundstücke Kesselstraße 38 zur Straßmregulirung erforder- Itchcn Parzelle.— Desgl., betr. die Einrichtung erneS Giroverkehrs zwischen der städtischen Sparkasse und dem Berliner Kaffenverein.— Desgl., betr. die Enichtung eines Spring- brunnens auf dem Spittelmartt.— Desgl., betr. die Ernch- tung einer Wafferhebestation auf dem Tempelhofer Berge.— Desgl., betr. die Auswahl der im Etatsjahre 1886/87 neu- resp. umzupflastemden Straßen und Plätze.— Desgl., betr. die Aufstellung von Kandelabem auf den Geländerpostamentm der Marschallsbrücke.— Berichterstattung des Ausschuffes zur Vorbereitung der Wahl der Mitglieder zur Einschätzungs Kom- misston für die klasfifizirte Eintommensteuer pro 1886/87.— Desgl. über ein Naturalisationsgesuch.— DeSßl. des Ausschusses zur Vorbereitung der Neuwahl von zwei unbesoldeten Stadttäihen.— Zwei Unterstützungssachen.— Vorlage, bett. dm Ablauf der Wahlzeit eine« Bürgerdeputirten bei der Schul Deputation. Bei den hiesigen Standesämtern find in der Woche vom 13. Dezember bis inkl. 19. Dezember zur Anmeldung ge. kommen: 229 Eheschließungen, 891 Lebendgedorene, 43 Todt- geborene, 538 Sterbefälle. BeratherS, und mit sehr einfachen Mitteln wurde das ganze Bubenstück ins Werk gesetzt. Lapin erschim eines MorgmS bei Frau Lampe, geborenen Haas, und wußte dem Töchter- chen unbemerkt zuzuraunm, daß der Marquis sie dringend bitten ließe, ihm des Nachmittags ein Rendezvous am Haselgebüsch rechts von der Chaussee zu geben. Er habe ihr außerordentlich wichtige Mittheilunge« betreffmd Kohl- Haas zu machen, dem große Gefahr drohe. Der letzte Grund war für die Zungfrau der maß- gebmde. Sie versprach»um Rendezvous zu erscheinm, um so mehr, da Lapin zugesagt hatte, als garcke d'honnenr ebenfalls dabei sich einzufinden.......... Kohlhaas machte nach seinem einfachen Mittagbrot eine Promenade, als ihm Lapin begegnete. Kohlhaas konnte ihm nicht ausweichen und mußte sich seine Begleitung gefallen lassen. Lapin hatte seinen scherzhaften Tag. Er erging sich in cyaische» Witzeleien über Liebe und Weiber, wurde immer anzüglicher und nannte schließlich den Namen der kleinen Lampe.. L„ Kohlhaa» brauste auf wie ein Rasender:„Elender!" schrie er den Schurken an seiner Seite an,„wie kannst Du es wagen, sie zu verdächttgen?" —„Zunger Schwärmer!" entgegnete grinsend Lapin, „kommen Sie einmal hierher und betrachte« Sie das Bild unter dem Haselstrauche." KohlhaaS sah hinüber und war wie vom Donner ge- rührt. Vor seinen Lichtern tanzte und flimmerte es, in seinen Löffeln brauste es:... Da... da, wenige Schritte vor ihm saß die Elende, Treulose, im tete-i-täte mit dem Marquis... Rache! Rache! Rache!" stürmte e, m der Brust de« Kohlhaas, den diese Entdeckung fast zu Bode« warf. Sei« unschuldiges Gemüth war aus den Fuge« gegangen, eine wahnsinnige Eifersucht in ihm erwacht, der Schurkenstreich des elenden Karnickels gelungen. So schnell ihn seine vier Läufe davonttuge«. eilte Kohlhaa« hinweg... Da ei« Stutzen... vor sich sah er einen Zäger mit einem Hunde. Wie der Blitz zuckte der Gedanke durch sein Hirn:„Die Hasenjaqd ist eröffnet!" und gleich, eitiq schrie ihm der Satan der Elfersucht rn den Löffel:„Laß die Treulose mit dem Verführer sterben." Ehe KohlhaaS daran dachte, was er that, hatte er sich Lokales. Neue« Postamt. Am 1. Januar k. I. tritt in Berlin 8W., Hagelsdergerstraße 49, eine neue Postanstalt in Wirksamkeit, welche die Bezeichnung Postamt 47(Hagelsdergerstraße) erhält. Bei dieser Postanstalt können Postsendungen jeder Art mit Einschluß von Telegrammen und Rohrpostsendungen ein- geliefert werden. Die Dienststunden für den Verkehr mit dem Publikum werden festgesetzt: an Wochentagen von 7 Uhr Vormittags im Sommerbaldjahr und von 3 Uhr Vormittags im Winterhalbjahr bis 8 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen von 7 bezw. 8 Uhr Vormittags bis 9 Uhr Vor- mittags und von 5 Uhr bis 7 Uhr Nachmittags. Die An- nähme gewöhnlicher Packet« erfolgt täglich nur bis 7 Uhr Nach- mittags. Wieweit die Ueberhebung und der Dünkel bei unseren sogenannte» Gebildeten bereits gedieben ist, zeigt der nachfolgende Bericht, den wir in der„Voss. Ztg." „Eine Ueberraschung zum heiligen Abend, so schreibt das genannte Blatt, derettete ein wohlhabender Bankier seinem Dienstmädchen. Dasselbe hatte im Laufe des Jahres eine ganze Anzahl von Porzellansachen zer- schlaam, ohne fick wohl klar zu machen, wie rasch fich das summirt. Unser Bankier aber fertigte ein Verzeichniß der zerschlagenen Gegenstände an, warf den Werth der- selben aus und legte dem Mädchen die quittirte Rech- nung auf den Weihnachtstisch als Geschenk. Der Bericht- erstatter will wissen, daß das Mädchen ob dieser Ueber- raschung in Krämpfe verfallen sei. So gehts heute; die Herrschaften müssen die Rechnungen für das zerbrochene Geschirr bezahlen und die Maden verfallen darüber in Krämpfe. Die Herrschaft, so erzählt der Berichterstatter, hätte am heiligen Abend Mühe gehabt, einen Arzt zu schaffen. War denn statt dessen nicht ein Kübel Wasser in der Nähe?" Also ein Kübel Wasser scheint dem humanen Herrn von der„Voss. Ztg." ein geeignetes Heilmittel für ein an Krämpfen leidendes Dienstmädchen zu sein. Wir wollen hier von der unendlichen Taktlostgkeit deS„wohlhabenden Bankiers" ganz absehen, seine Dienstboten zu Weihnachten in der geschilderten Weise zu überraschen, aber die Frage wird unS wohl erlaubt sein, ob die„Voss. Ztg.", wenn vielleicht die Frau Gemahlin deS„wohlhabenden Bankiers" zufällig am Heiligabend von Krämpfen befallen wäre, ebenfalls einen Kübel Wasser zur Herstellung der aestötten Gesundhett empfohlen hätte. Auch den Verfassern solch' unverschämter Artikel dürste hin und wieder ein kaltes Sturzbad nicht schädlich sein. Eine Tracht Prügel statt des üblichen Weihnachtsge- schenkeS erhielt am heiligen Abend daS Dienstmädchen Johanne Scholz, die bei einem Herrn K- in der Prenzlauerstraße in Dienst stand. Das Mädchen hatte daS Unglück» beim Auf- scheuern einen Tassenkopf zu zerbrechen. Darüber wurde der gestrenge Hausherr so wüthend, daß er am genannten Tage in die Küche kam und auf daS Mädchen einschlug. Als dieses fich den Mißhandlungen entziehen wollte, schloß er eS einfach ein. Am zweiten Weihnachtsfeiertage verließ daS Mädchen die ungastliche Stelle. AuS dem katholischen Krankenhaus. Wenn bisher unter Berlins Einwohnern von Krankenhäusern und der daselbst herrschenden Kur und Pflege die Rede war, so wurde stets daS katholische Krankenhaus lobend hervorgehoben. Auch ich war, so schreibt unS ein Leser, derselben Anficht. Doch darüber bin ich eines Besseren delehtt worden und meine Pflicht ist eS, Nachstehendes zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Am 21. Dez. wurde die Schwester meiner Braut, Louise Dausel, schwerkrank an der Lungentuberkulose in daS katholische Krankenhaus ge- bracht. Schwer krank, ohne Hoffnung auf Wiedergenesung, wünschte fie in einem Krankenhaus ihrer Konfession zu sterben. Nachdem das Mädchen einige Tage im katholischen Kranken- hause gelegen und die Todesstunde, daS bange Gefühl immer näher rückte, die Liebe zum Leben, die ja in den letzten Stunden bei jugendlichen Menschen am größten ist, die Sehn- sucht nach ihren Angehörigen, der Schmerz— fie dewahrte das Bewußtsein bis zur letzten Stunde— daß fie scheiden mußte, mit einander rangen, da raubte es ihr zeitweise die klaren Gedanken— fie phantafirte. Und was that die Verwaltung deS katholischen Krankenhauses? Als die Fiedelphanfien wieder eintraten, hat man das arme unglückliche Mädchen in Begleitung eines Schutzmannes in eine Droschke gesetzt, und fie als— Irrsinnige nach der neuen Charitee befördert, wo fie nach wenigen Tagen starb. Nun liegt die Frage nahe, ob man gegen einen begüterten Patienten ebenso gehandelt haben würde? Oder ob man es vorzog, in dem Krankenhau'e. wo die christliche Liebe waltet, lieber den Finanzpunst der Chantee zu überlassen? g. Auf den Kirchhöfen Berlins herrschte an den beiden Feiertagen ein reges Leben; bei aller Freude, welche das Weih- nachtsfest bietet, hatte man der lieben Todten gedacht und viele, dem revierende« Hunde gezeigt und lockte ihn und den Zäger nach dem Haselstrauche. Nichts ahnend saßen hier der Marquis de Lievre und die„Kleine" zusammen, die ncch immer nicht erfahre» hatte, welche Gefahr dem Geliebten drohe... Zwei Schüsse krachten rasch hintereinander... Der Marquis und die kleine Häsin wälzten sich in ihrem Blute. „Eine Doublette zum Beginne der Zagd, die Saison kann gut werden!" sagte der Zäger und stopfte die beiden Leiche» in seine Jagdtasche........... Die Qualen des reuige» Gewissen«! Wie sie nagen und bohren! Wie das brennt und blutet in der Todes- wunde, die die Seele trägt. Kohlhaas war dem Wahnsinn nahe. Lapin war wüthend über den Tod de Lievre's und hatte dem Eifer« süchtigen au« Rache geflaoden, daß die kleine Lampe das unschuldige Opfer seiner blinden Eifersucht geworden war. Als Koh'.baas außer sich auf ihn losstürzte, war Lapin in eine der Röhre« seine« Baue« gefahren, in die ihm der Rächer nicht zu folge» vermochte......... KohlhaaS wollte sterben.... Dort drüben kam ein Zäger.... Kohlhaas lief ihm entgegen und macht« zehn Schritt vor ihm ein Männchen. Der Zäger schoß und— fehlte. Es war ein Sonntagsjäger. Vergeben« bot sich ihm Kohlhaa« immer wieder zum Schuß. Nachdem der SonntagSnimrod die dreißig Patrone«, die er bei sich führte, vergeblich auf ihn verfeuert hatte, ging er ärgerlich nach Hause. KohlhaaS lebte. Der Tod hatte»hn geflohen. ei» Wahnsinniger stürmte er durch die Felder. Da drüben sah er plötzlich einen rothen Balg schimmern. Reinecke, der Erbfeind der Familie, schlich dort zwischen den Kartoffeln..... Verzweifelt rannte KohlhaaS ihm ent- gegen.... Ei» Sprung... ein unterdrückte« Quiecken... KohlhaaS lag mit durchbissener Kehle in der Furche. Alle, die Zhr Hasenbraten in diesem Zahre esset, weihet ihm eine Thräne. Der elende Lapin lebt und ist vergnügt. Nur in Rührstücken und Schauderromanen wird daS Laster bestraft, im Leben ist da« ander«...... Wie dort viele schöne Kränze winden auf die Gräber der Dahingeschiedenen niedergelegt. Wie manches Familienglied mag in der kühlen Gruft ruhen, welches noch am heiligen Abend des verflossenen Jahres im Kreise der seinigen fich an dem strahlenden Weih« nachtsbaume erfreut bat. Auf vereinzelten Hügeln sah man am ersten und zweiten WeihnachtSfeiertaae kleine Tannenbäumchm; hier hatten Mütter ihren dahingeschiedenen Lieblingen einen Weihnachtsbaum gesetzt— ein ergreifender Anblick. Ei« nicht erfüllter Weihnachtswunsch war das Motiv, welches einen zehn Jahre alten Knaben zum Selbstmo'.d ver- anlaßt«. Der Knabe, der Sohn eines in der Louisenftadt wohnhasten Kauimanns, hatte fick als Weihnachtsgesckenl ein Theater gewünscht. Als er seinen Wunsch am Weihnacktsabend nicht erfüllt sah, ent'crnte er fich, wie der„B. B.-C." be« lichtet, unbemerkt aus dem Zimmer, wo die Äescheerung statt- fand. Bald darauf von seinen Angehörigen vermißt, fand man ihn in einem zur Wohnung geHöngen Dienstboten- Echlafraum an einem Haken hängend. Nachdem der jugend- liche, bereits bewußtlose Selbstmörder abgeschnitten worden, gelang eS, ihn wieder ins Leben zurückzurufen. Der Knabe hatte vor einem Jahre, als er mit einer schlechten Zensur auS der Schule heimkehrte, schon einmal den Versuch gemacht, fich zu erhängen, ist aber damals ebenfalls noch rechtzeitig abge- schnitten und gerettet worden. Die königliche Staatsanwaltschaft zu Stettin forscht nach einem des Raubmordes verdächtigen Fleischergesellen Wilhelm Reuter, welcher fick muthmaßlich nack Berlin gewandt hat. Derselbe ist etwa 30 Jahre alt, 1,70 Meter groß, hat dunklen Schurrdart, ist dreilschullriq, von kräftiger Statur und bat nach innen gebogene Beine. Er ist bekleidet mit kurzer Jacke, rothem oder blauem Halstuch und rrägt langschäftige Stiefel. b. Eigenthümer gesucht. Die Direktion der Görlitzer Bahn sucht den Eigenthümer einer Kuh, welche zwischen KönigS-Wusterhausen und Grünau vor einigen Wochen über- M. ein. Dieses Geld Derselbe muß aber zieht es vor, die fahren wurde. Das Fleisch brachte 3'.. soll fich nun der Eigenthümer abholen. dem Frieden nicht recht trauen, denn er Summe nicht einzukasstren. Die Phantasie einer junge» Dame hat einem anstän- digen jungen Manne am Tage vor Weihnachten einige Stun- den sckweren Kummers bereitet und hätte ihm leicht seine ganze Festesfreude verderben können. Am Nachmittage deS gedockten TageS war der Verkehr in der KönigSstraße ein sehr lebhafter; beim Vorbeipasffren hatte der HandlungskommiS X. eine junge Dame etwas gestreift, und in diesem Moment ver- mißte dieselbe ihren Siegelring an der rechten Hand. In dem Glauben, den Ring kurz zuvor noch an ihrem Finger gesehen zu haben, bezichtigte fie den X., ihr bei der Anremvelung den Ring vom Finger gezogen zu hab-n. Der Beschuldigte de« theueite zwar hoch und heilig seine Unschuld, das pasfirende Publikum nadm aber für die vermeintlich Bestohlene Pattei, und X- mußte es fich gefallen lassen, nach dem in der Klostersttaße belegenen Polizeibureau trans- pottirt zu werden. Frau Wäschefabrikant Löwenberg, die um dieselbe Zeit vom Alexanderplatz aus die Königsstraße nach der Heiligegeiststraße pasfirte und welche Zeugin dieses Vorfalls ge- worden war, fand zufälliger Weise ca. 2 Stunden darauf auf dem Straßendamm der Königstraße, etwa einige hundert Schritte von der erstgedachten Stelle, einen durch Ueberfahren bereits plattgedrückten goldenen Damenring. In der Hoffnung, daß es der von der jungen Dame vermißte sei, begab fich Frau L. schleunigst nach dem Polizeidureau, wo in der That die Identität des Rings auS der von der Verliererin gemachten Beschreibung zur Evidenz festgestellt wurde. Da der als Dieb eingelieferte B. bereits nach dem Molkenmarkt übergeführt war, wurde dessen Jnfreiheitsetzung auf tclegraphischem Wege be- wirkt. Am Weihnachtstage in aller �rühe hatte sich in unserer Nachbarstadt Potsdam, wie man dem„B.-C." von dort schreibt, das Gerücht oerbreitet, daß fich wiederum ein ähn- sicher Raudmordanfall, wie vor einigen Wochen im Prediger- Wittwenhause, im Hause Jäger Kommunikation 5 und zwar gegen die in Potsdam sehr bekannte Inhaberin eines Kinder- gartens, Fcl. Fiedler, zuget-agen hätte. Daß die ganze Stadt in großer Unruhe darüber war, weil Einbrüche in letzter Zeit oft vorkamen, läßt fich denken. Es ist daher sehr dankbar an- zuerkennen, daß Herr Polizeidirettor Wolfgramm gleich den- selben Tag Abends folgende Anzeige erließ:„Die Lehrerin Fiedler Hierselbst, Jäger- Kommunikation 5 parterre wohnhaft. hat angezeigt, daß sie heute morgen halb acht Uhr von zwei Männern in ihrer Wohnung überfallen und geknebelt sei. Die Thäter hätten ihr baares Geld. Bettstücke, sowie eine Uhr ge- stöhlen. Die sofort angestellten Ermittelungen haben ergeben daß der Vorfall seinem ganzen Inhalte nach erfunden ist. Die jc. Fiedler ist geständig, die falsche Denunziation gemacht zu haben, um fich aus ihrer drückenden finanziellen Lage zu befreien. Um einer irtthümlichen Darstellung und einer Be- unruhigung der Bewohnerschaft Potsdams vorzubeugen, wird dies hierdurch öffentlich bekannt gemacht. Potsdam, den 24. De- zember 1885. Wolffgramm, Königl. Polizeidirektor." In der Garderobe de« Belle- Alliance- Theater hat fich am Freitag ein Unglück ereignet, über das der B. B..Z. folgendes berichtet wird: Eine Choristin hatte, als fie ein Kleid eilig über Kopf und Schulter streifte, nicht bemerkt, daß eS an einer Lampe Feuer gefangen. Als fie endlich gewahr ward, daß fie brenne, stürzte sie erschreckt, um Hilfe rufend, in vre Garderobe des Fräulein Böhm. Bei dieser Gelegenheit kam sie mit der letzteren in allzu nahe Berührung und setzt« auch das Gewand derselben in Brand. Die beiden Mädchen stürmten in ihrer Seelenangst aus der Garderobe hinaus und fachten dadurch die Flammen immer heller an. AlleS war selbstverständlich daS Werk eine« Augenblicks. Frl. Böhm Verbindungstteppe gelangt, strauchelte. kollerte die Stufen hinunter und fiel glücklicher Weise Herrn Niedt, der gerade im Begriffe war, hinaufzugehen, in die Arme. Derselbe zog rasch fernen Ueberrock aus, warf ihn über Frl. Böhm und erstickte die Flammen. Auch die Choristin hatte bald Hrlfe gefunden. Berve Mädchen erlitten jedoch immerhin ziemlich schwere Brandwunden. Frl. Böhm wurde in das Elisa- dethhospital, die Choristin hingegen in das HauS ihrer Eltern ge- d, rächt. Von ernem anderen Berichterstatter geht unS über den traurigen Vorfall folgendes zu: Während der Generalprobe ver Posse „Lucinde vom Theater" am Freitag Vormittag stieg eine Chonstin, welche rn dieser Posse gleich Frl. Böhm als Fee zu erscheinen hatte, in ihrem leichten Tarlatangewande in ihrer Garderobe auf einen Tisch, kam dort mit ihren leichten Ge- wandem der Gasflamme zu nahe und gerieth in Brand. In �?r Angst lief sie durch die Garderode in das Ankleidezimmer des Frl. Böhm, welche die Brennende zu retten suchte und fich hrerbei selbst in Brand setzte. Nunmehr lief Frl. Böhm in S ihrer Herzensangst die Treppen, welche von ihrem Ankleide- mmer auf die Bühne führen, hinunter, wo ein Schauspieler ie Flammen mit einem Mantel erstickte. Frl. Böhm wurde sofort in das Elisadeth-Kranlenhaus geschafft, wo sie in ein Wasserbett gebettet werden mußte, doch ihren Brandwunden bereits Sonntag Mittag erlegen ist. Die Chonstin kam.mit leichteren Brandwunden davon. Zweikampf in Berlin. Wie österreichischen Blättern au« Berlin berichtet wird, hat hier ein Duell zwischen Baron Ludwig v. Erlanger und dem Industriellen Arthur Prins- Reichen heim stattgefunden. Dasselbe ist unblutig verlaufen. Anlaß zu dem Renkontte gab der Umstand, daß Baron Erlanger eine Thea» ter-Vorstellung in Begleitung einer Dame von zweideutigem Rufe besucht hatte, was der erwähnte Industrielle bei ein« späteren gesellschaftlichen Begegnung mit dem Baron als ärger« nißerregmd bezeichnete. Während der Feiertage find, wie gewöhnlich, mehrfache Einbrüche in den ohne Aufstcht gelassenen Wohnungen ausge- führt worden. Am ersten Weihnachtsfeiertage wurde in der Wohnung eineS Technikers in der Barnimstraße ein Einbruch dadurch verübt, daß das Schloß der Korridorthüre mittels Nachschlüssels geöffnet, daS zweite Schnepperschloß dagegen mittels Stemmeisen« erbrochen worden ist. Der Dieb itt so- dann in das eine Lorderzimmer gegangen, in welchem Werth- fachen aufbewahrt waren, hat aber die anderen Zimmer un- durchsucht gelassen. Aus einem Schrcibsekretär resp. auS einer Kommode, welche gleichfalls mittels Stemmeisen erbrochen worden find, wurden außer verschiedenen Goldsachen vier Ein» hundert- und zwei Fünfzig Markscheine, zwei Privatschuldscheine über 1200 bezw. 2700 M., zwei Lebensverficherungs-Policen über je 300 M. und Feuerv-ificherungs Papiere der Gesellschaft Teutonia über 4500 M. gestohlen. Die Ermittelungen nach dem unbekannten Thäter find seitens der Kriminalpolizei ein- geleitet. Das königliche Amtsgericht zu Sandan hat Steck» driefe hinter zwei Schmiedrgescllen erlassen, welche verdächtig find, den Tischlergesellen Schmidt auS Borna in der Haide vei Schönfeld im Ii. Jerichower Kreise am 8. d. Mts. deraubt und durch Erhängen ermordet zu haben. Nachdem der Er- mordete, welcher ern Goldstück, mehrere Thalerstücke und eine Uhr bei fich geführt, am genannten Tage in einem Gasthause in Schönseld mit den Schmiedeaesellen eingekehrt war und für sie die Zeche bezahlt hatte, machten fich alle drei auf den Weg nach Wuttau, um dort zu übernachten. Dort kamen nur die Schmiedegesellen an, welche über Havelberg in der Richtung nach Wilsnack respeklive Wittenberge weiter reisten, während ic. Schmidt am folgenden Tage erhängt gefunden wurde. Von den Schmiedegesellen ist jeder ca. 35 Jahre alt, der Eine etwa 6 Fuß 6 Zoll groß, von starker Statur, breitschultrig, hat dunkelblonde Haare, blonden Schnurrbart und eingefallene Backen, der Andere etwa 5 Fuß 2 Zoll groß, mittlerer Statur, hat langes, schwarzes Haar, schwarzen Schnurrbart und aufgedunsenes Geficht. Der Größere trug seine Sachm in einem sog. Berliner(schwa-ze Wachstuchdecke), der Kleinere in einem rothen Tuch. Einem Kaufmann in der Kurfürstenstraße wurden am zweiten Welhnachtsfeiertage Silbcrsachen im Gesammt- werthe von etwa 1000 M. mittelst Einbruchs aus seiner Woh- nung gestohlen. Der größte Theil der gestohlenen Sachen war mit 8. T. gezeichnet. Die Diebe waren so frech, daß fie auf einem in der Wohnung befindlichen Leierkasten gespielt haben. Der zu Anfang d. Mts. unter dem Name» Ludwig Vollmer» in Glückstadt aufgetauchte vermeintliche Schwindler, welcher Bestellungen auf Freiburgcr, Bukarester und Braunschweiger Lotterieloose entgegennahm, ist nach einer Mitiheilung der kaiserlichen Ober-Post-Direktion in Kiel in Hamburg festgenommen und zur Haft gebracht worden. Mit einem unheimlichen Weihnachtsgeschenk wurde eine Hedeamme in der Gneisenaustraße dedacht. Am 24. d. MtS. Mittag« erhielt sie durch die Post eine Kiste mit dem Aufgabeort Berlin Postamt 1 C. Auf dem Koupon der Be- gleitadresse war als Adsenderin Louise Schulz, Blumenstraße 5, angegeben. Beim Oeffnen der Kiste fand fie einen Zettel fol- aenden Inhalts:„Wenn Sie die kleine Leiche begraben lassen können und mir durch daS Berliner Tageblatt unter L. 8. sagen, wo, erhalten Sie am 2. Januar k. I. 300 M durch die Post. Unter einer Schiebt Heu fand die Hebeamme eine in ein ungezeicknetes Stück Parchent eingewickelte neugeborene Kinderleiche männlichen Geschlechts. Dem äußeren Anschein nach war daS Kind Tags zuvor geboren und hat bei der Ge- durt gelebt. Aeußere Verletzungen waren an der Leiche nicht wahrzunehmen und scheint nicht ein Verbrechen, sondern ein Alt der Bosheit vorzuliegen. O,, D«» Deutsche Theater nimmt für den Schluß des Jahres eine Sitte in Anspruch, welche an den meisten großen Bühnen bereits durch Tradition befestigt ist. Dem Beispiel des Wiener Burgtheaters, sowie deS hiesigen königlichen Schau- spielhauses folgend, düngt eS am Eylvestcrabend eine beson- dere, der scherzhasten Stimmung des Jahreswechsels und der kommenden Faschingszeit entsprechende Novität, den vierattigen Schwank„Der Büreaulrat" von Gustav v. Moser. Polizei-Bericht. Am 25. d. M. Vormittags wurde eine 95 Fahre alte Frau an der Ecke der Weber- und Gr. Frank- furterstraße von einem Wagen überfahren und erlitt eine Quetschung des Oberschenkels, so daß fie mittelst Droschke nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht werden mußte. — An demselben Tage Mittags erhielt eine Hebeamme in der Gneisenausttaße von einer unbekannten Person durch die Post ein Kistchen, in welchem fich die Leiche eines neugeborenen Kindes befand.— An demselben Tage Nachmittags wollte ein Schutzmann ein dem Handelsmann Schneider gehöriges Fuhr- werk, als dasselbe, von einem berittenen Polizei- Wachtmeister verfolgt, im schärfsten Trabe Unter den Linden entlang fuhr, an der Ecke der WilhelmSsttaße anhalten, wurde jedoch dabei überrannt und überfahren und erlitt an beiden Beinen und am linken Arm Verletzungen.- Zu derselben Zeit fiel der Kürschner Berger auf dem Gendarmenmarkt zur Erde und brach ein Bein. Er wurde mittelst Droschke nach der Eharitee gebracht.— Am 24. dieses Monats Vormittags brach in dem Leipzigerstraße 84 befindlichen Lager des Zentral-Mogazins der vereinigten Tischler- Meister Feuer aus, durch welches ein nicht unerheblicher Schaden angerichtet wurde. Am 25. d. M. Vormittags gerieth der Schlosser Eckmann auf dem Lehrter Bahnhofe zwischen die Buffer zweier Güterwagen und erlitt hierbei eine erhebliche Quetschung der Brust, so daß er nach der CharitS gebracht werden mutzte.— Am Abend desselben Tages wurde eine Frau beim Ueberschreiten des Straßendammes vor dem Hause Fried- richsstraße 133 von einer Droschke überfahren und hierbei am Bein und am Kopfe gequetscht, so daß fie nach der königlichen Klinik gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit fiel ein Mann in der Trunkenheit in der Stralauerstraße zur Erde und «litt einen Bruch deS linken Unterschenkels. Eine gleiche Ver- letzung hatte fich ebenfalls der Zimmermann Breetz durch einen Fall vor dem Hause Markgrafenstr. 90 zugezogen. Beide fanden in der CharitS Aufnahme.- Am 26. d- M. fand Schwerin- straße 21 ein bedeutendes Feuer statt, durch welches der Dach- N li&'vs äwt unbedeutende Brände wurden am 26. und 27. d. Monats gemeldet: PotSdamerstraße 76, AlvenSleben- ssraße 10, Manteuffelstraße 15., Sorauerstraße 22 und Papen- straße 3.- Am 26. d. M. Nachmittags wurde der Ardeiter Hennig in der Tresckowstraß« von einem Schlächter-Fuhrwerk überfahren und erlitt dabei außer Verletzungen am Kopfe wehrerc Rippendrüche, so daß er«ach dem Städtischen Kranken- Mse im FnednchZkain gebracht werden mußte.- An, 27. d. M. früh wurde eine Frau in ihrer Wohnung erhangt vorge- künden und an demselben Tage Vormittags wurde im Louisen- stadtischen Kanal unweit der ZwillingSbrücke dre Leiche eines unbekannten, etwa 60— 70 Jahre alten, anscheinend dem Arbeiterstande angehörenden Mannes aufgefunden. Beide Leichen Große Frankfurterstraße 134, beim Gasanzünden eine Portiere "«rand. DaS Feuer ergriff auch die Maaren im Schau- Äil l°nnte jedoch noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr W°scht werden. Einige Stunden später brannte in einer %4e deS Hauses Liebenwalderstraße 52 die Balkenlage unter «ner Kochmaschine. Soziales und Arbeiterbewegung. Die Sozialrefonn im Deutsche« Reiche ist nun voll- ständig in's Stocken gerathen. Von der Altersversorgung für Arbeiter, die alS Krone dem„staatssozialistischen" Gebäude aufgesetzt werden sollte, hört man nichts mehr. Ob die Re- gierung den ganzen Plan aufgegeben hat, weiß man nicht; das eine aber istjficher. daß an die gegrnwättigeEesston deS Reichs- tag» leine dahin zielende Vorlage gelangen wird. Damit wäre die„medizinische" Sozialreform vorläufig verfahren— einem Hause gleicht dieselbe ohne Dach, in welchem Kälte, Wind und Wetter fich ihr Stelldichein geben.— Aber der„hygienischen" Sozialreform, nicht der nachträglichen Heilung, sondern der Vorbeugung von Krankheiten will fich die Regierung nunmehr verständiger Weise annehmen? Gesetzliche Sonntagsruhe, Ver- bot der Kinderarbeit, Beschränkung der Frauenarbeit, Maximal arbeitstag u. f. w.— fie sollen das arbeitende Volk beglüMi? Mit Nichten! Nach einer offiziösen Nachricht gilt es jetzt als völlig ficher,„daß die Regierung auf eine reichsgesetzliche Re- gclung der Sonmagsfrage nicht eingeht."— Wenn daS schon feststeht, dann wird die Regierung noch viel weniger auf eine wettere reichsgesetzliche Regelung der Kinder- und Frauen- arbeit und der Ärbettszeit eingehen.— Die Arbeiter mögen aber nicht verzagen und treu und fest bei ihren gerechten und bescheidenen Forderungen in Bezug auf den Arbeiterschutz, auf eine volksthümliche Sozialreform beharren.„Rom ist nicht an einem Tage erbaut worden" und„Viele Tropfen Höhlen den Stein auS"— das find zwei wahre Sprichworte. Die aggressive Handelspoltttk Deutschlands beginnt mehr und mehr in den Nachbarländern die unvermeidliche Gegenwirkung hervorzurufen. Wenn irgend ein Land, so hat bisher die Schweiz ebenso der Ueverzeugung der großen Mehrheit der Bevölkerung entsprechend wie in lieber« einstimmung mit der thatsächlichen Gestaltung des Zolltarifs daS Bestreben bekundet, mit allen benachbarten Staaten ein friedliches handelspolitisches Verhältniß zu unterhalten. Weder der Rückfall Deutschlands in das Schutzzollsystem im Jahre 1879, noch die Tarifrevistonen Frankreichs und Oesterreichs im Jahre 1882 haben diese handelspolitische Stellung der Schweiz erschüttern können. Auch der neue, im Beginn d. I. in Krast getretene schweizerische Zolltarif soll nicht sowohl eine künstliche Begünstigung einzelner Gewerbzweige schaffen, als die Vermehrung der Bundeseinnahmen herbeiführen; der Zoll- tarif der Schweiz trägt auch nach dieser letzten Revision noch vorwiegend einen finanzpolitischen Charakter. Erst die in diesem Jahre im Deutschen Reiche beschlossenen Zollerhöhungen, welche fich zum Theil speziell gegen schweizerische Jndustrie-Erzeugniffe (Taschenuhren, Seidcnzwirne, Stickereien, Seidenstoffe, Müller- gaze rc.) richten, haben in der Schweiz einen solchen Mißmuth erzeugt, der zur Aufnahme des zollpolitischen Krieges geneigt scheint. Einfügung eines Kampfarttkels in den Zolltarif, Er- höhung des Mehlzollrs, Verdoppelung der Viehzölle, Kündi- gung der Handelsverträge mit Deutschland und mit Oester- reich— daS find die wichtigsten Vorschläge, mit denen fich diesmal die Bundesversammlung zu beschäftigen haben wird. — Ueberhaupt hat sich in den letzten Jahrm in den politischen Kreisen in der Schweiz eine große Verbitterung gegen Deutsch- land festgesetzt, die mehr oder weniger durch das gegenwärtige Zoll- und Wirthschafts-System des Deutschen Reichs entstanden ist. Gewinnt diese Stimmung die Oberhand und werden dem« nächst strenge Vergeltungsmaßregeln gegen das Deutsche Reich ergriffen, so werden die bedrohten deutschen Industriezweige, welche an der Schweiz bisher einen guten und zuverlässigen Abnehmer gehabt haben, nur die allen anderen Staaten feind- selige Zollpolitik Deutschlands selbst dafür verantwortlich machen können. Der Fabrtktnspektor von Düsseldorf hat fich, wie es scheint, von allen seinen Kollegen den freiesten Blick bewahrt und scheut fich nebenbei auch nicht, das, was ihm bei seinen Inspektionen aufgestoßen ist, offen auszusprechen. So macht er " �"........ Fabriken auf .„Es bedarf ........... Fabriken, welche nrcht durch völlig ländliche Umgebung oder besondere günstige Einrichtungen und eine besonders sorgfältig auswählende Direttion ausgezeichnet find, um zu erkennen, daß eine große Anzahl derselben von den körperlich herunterge- kommenen Arbeiterinnen in den englischen Fabri k-Distri kten gesundheitlich kaum noch unterscheidbar ist, und eS ist ebenso in die Augen springend, daß diese Mädchen— je jünger fie in solche Fabriken treten— sittlich verkommen. Freche Augen, eingefallene oder hohle Wangen, schlappe Kleidung und Haltung, schamlose Reden, namentlich außerhalb der Fabrik, das find häufig die Eigenschaften eines bald mehr, bald weniger erheblichen Bruch- theils dieser durch die Armuth, zuweilen auch durch die Habsucht oder Nichtsnutzigkeit der Eltern in die Fabriken gedrängten demitlerdenswerthen Geschöpfe. Je länger die Arbeitszeit, je unsauberer, härter und gehetzter die Arbeit, je heißer und je mangelhafter der Ardeitsraum und seine Lüftung, je zahlreicher die ange- drohten Ordnungsstrafen, je knapper dieLöhneund d i c A t k o r d e, und je geringerer die Fürsorge, die Zahl und die Art der Wohlfahrtsmittel— umsomehr treten di-e bezeichneten Schäden hervor."— Bravo! Das nennt man offen sein! Wir, die wir schon oft unsere Anficht über die Frauenarbeit ausgesprochen haben, wollen nur bemerken, daß derjenige, der fich solchem Elend, solcher aus dem- selben entspringenden Degeneration des weiblichen Geschlechts und somit der Nachkommen desselben des schnöden Mammons halber verschließt, kein Freund des V a t e r l a n- d e S und der Menschheit ist. Eine Tragödie aus dem Arbeitcrleben. In ver- schiedenen Zeltungen finden wir folgende Notiz aus Dort- m u n d, die wir unfern Lesern nicht vorenthalten wollen: In der hiesigen Werkzeug-Maschinenfabrik von Wagner u. Komp. war seit einer Reihe von Jahren ein junger Gießer beschäftigt und zwar erst als Lehrling dann als Gebilfe, der im Früh- jähr v. I. das Unglück hatte, fich mit flüjstgem Eisen zu ver- brennen, in Folge dessen der Verletzte etwa fünf Monate im Krankenhause zubringen mußte. Auch nach Verlauf dieser Zeit war der junge Mann nicht ganz geheilt, doch bekam er auf dem Werke wieder Arbeit. Früher hatte derselbe per Schicht beinahe 3 Mark verdient, nunmehr aber nur einen ganz mini- malen Betrag, so daß er oft nach 14 Tagen einen Lohn von nur 5-6 Mark nach Hause brachte. Wenn der Vater, ein braver Puddelmeister, hierüber ärgerlich wurde, so läßt fich dieS begreifen, zumal derselbe noch für mehrere steine Kinder zu sorgen hat. Die Folge waren Zwistigleiten zwischen Vater und Sohn, welch letzterer ein Kosthaus wählte und das Vater- haus vermied. Mit dem Verdienste wurde es nicht besser, so daß der junge Mann schließlich seine Sachen versetzen mußte. Am vergangenen Freitag war auf dem genannten Werke wieder Löhnung und der junge Gießer hatte in vierzehn Tagen bei 115 Stunden Arbeitszeit sage und schreibe 2— Zwei— Mark verdient, so daß derselbe, da er 2,50 Mark Krankengeld zu zahlen hatte, eine leere Lohndüte(die Arbeiter e' halten das Geld abgezählt in Düte») erhielt. Diesen Umstand glaubte der junge Gießer seinem Meister zu verdanken, dem er Rache schwor. Noch an demselben Abende lauerte er dem Meister auf der Straße auf und jagte demselben zwei Kugel in den Kopf. Der Mann ist erheblich verletzt, jedoch, wie die Aerzte annehmen, nicht lebensgefährlich. Aus Oberhausen, einem ungemein lebhaften rheinischen Fabrikorte, Haupteisenbahnknoienpunkt der Köln Mindener Bahn mit industrieller Umgegend wird gemeldet, daß nun auch dort auf den großen Eisenwerken die Arbeitszeit eingeschränkt und zahlreiche Ardeiter entlassen worden seien. Unter denselben befinden fich sogar solche, die 20—25 Jahre lang in denselben Werken und Hüttenbetrieben thätig waren. Was diese Aermsten machen sollen, das ist nicht zu sagen. Den Wanderstab können fie nicht ergreifen— eS wrnken Armenhaus und— vielleicht dann gar Gefängniß und Zuchthaus. O, des Jammers! Wie auS Liverpool mitgetheilt wird, ist endlich der Hafenarbeiter st reik beendet, da die Hafenbehörde in die Lohnerhöhung von 6 Pen« täglich gewilligt hat. Auch sollen später noch einige Zugeständnisse an die Arbeiter hin- fichtlich Verkürzung der Arbeitszeit erfolgen. keine und Uersammlungen. th. Eine große Volksversammlung tagte am 27. d.M. _____ r Vorfitz deS Herrn Krause im Konzerthause Sanssouci. Die Tagesordnung lautete:„Die Kommunalwahlen und daS Dreiklasscnwahlsqstem mit öffentlicher Stimmabgabe." Der Referent Herr Dr. Lütgenau knüpfte mit seinem Lorttage an die stattgehabten Kommunal Stichwahlen an. DaS Versprechen, daS die Liberalen öffentlich gegeben, an dem übrigens herzlich wenig gelegen sei, hättm sie dergestalt erfüllt, daß für den Schloffermeister Franke 67, die Uebrigen für Krampf gestimmt hätten. Ebensowenig hätten die Konservativen für Böhl ge» stimmt. Die zwei Mandate seien weniger wichtig, als der große Stimmenzuwachs, den die Arbeiterpartei zu verzeichnen habe und mit Stolz könne konstatirt werden, daß daS Panier der Arbeiterpartei rein erhalten worden sei. Die geringere Be» theiligung an den Wahlen zum Landtage und zur Kommune, als zum Reichstage beruhe nicht auf Wahlmüdigkeit, sondern auf der Abneigung deS Volkes gegen die ZensuSwahl. Da« Reichstagswahlsystem habe 1849 auch kurze Zeit für Landtag und Kommune bestanden, sei aber sehr bald auf» gehoben und durch die ZensuSwahl ersetzt worden. Die Arbeit- r namentlich seien sozial abhängig, Kün» digungen in Folge von öffentlicher Stimmabgabe nicht« settenes; ein eklatanter Fall sei die Entlassung Böhl'S. Man brauche auf keinem Paneistandpuntte zu stehen, sondern nur Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit zu lieben, um ein Gegner der öffentlichen Stimmabgabe und ein Freund deS allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zu sein auch für Landtag und Kommune. Er brachte eine diesbezügliche Peti- tion an das Abgeordnetenhaus zur Verlesung, dieselbe zur An- nähme empfehlend. DaS allgemeine gleiche, direkte und ge- Heime Wahlrecht sei nur schwer zu erringen. Die konservative Partei sei keine Freundin desselben, die liberale Partei begnüge fich mit einer theoretischen Befürwortung desselben, trete aber nicht pravisch dafür ein. Nur durch eigenen festen Zusammm» schluß und durch die eigene Kraft könne ctwaS erreicht werden. Das einzige Bollwerk für die Freiheit des VolkeS sei die Ar» betterpartei.— Von stürmischem Beifall begrüßt nahm darauf Reichstagsabgeordneter Singer das Wort. DaS allgemeine gleiche, direkte und geheime Wahlrecht wurzele so tief in den Herzen des Volkes, daß selbst die konservative Partei nicht ge- wagt habe, direkt gegen dasselbe zu operiren, sondern auf Schleichwegen ihr Ziel zu erreichen suche. Der Anttag auf Verlängerung der Legislaturperioden sei nur ein verdeckter Angriff auf daS allgemeine gleiche, geheime und dircfte Wahl» recht. Dieser Angriff sei aber so ernster Natur, daß energisch Protest dagegen erhoben werden müsse und die sozialdemokra» tische Partei werde bis zum letzten ÄtHemzuge für das gleiche und geheime Wahlrecht kämpfen. Dieselbe wisse sehr wohl, daß nur innerhalb der gesetzlichen Schranken eine Besserung der Verhältnisse herbeigeführt werden könne. Durch Aus- nahmegcsetze und Verkürzung deS Wahlrechts werde aber da« letzte Ventil verstopft und dies sei schädlicher als eine freiheit« ltche Entwickelung. Den Konservativen scheine es unbequem zu sein, daß alle 3 Jahre ein Tag erscheine, wo alle ivaiui vmiuuuiiiiwc lyiuiuun im merwvrage eine einjährige Legislaturperiode beantragt. Am besten würden aller» Vings die Verhältnisse reformirt durch Einführung der Volks- adsttmmung, wie in der Schweiz. Die Unauflösbarkeit de« Reichstages sei auch nicht genügend gewürdigt worden in den Debatten im Reichstage; nur der Abg. Windthorst habe die Bedeutung richtig erfaßt, indem er meinte, daß dadurch eine Stärkung der Volksmacht herbeigeführt werde. Der Abgeordnete v. Helldorff hätte nicht nöthig gehabt, zu ver- stchem, daß er kein Freund des allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts sei; das Zenttum sei dieS ebenso» wenig; sehr zweifelhaft sei, ob die fteifinnige Partei energisch für daS bedrohte Wahlrecht eintreten werde- nur die sozial» demokratische Partei habe den AntragsHelldorff als das genom» wen, waS er ist, als einen Angriff auf daS allgemeine, ge» hcime Wahlrecht und werde dieses bi» aufS Aeußerste verthei» digen. Wenn auch einer Petition kein so Hoher Werth beizumessen sei, wenn eS auch wichtiger sei, daß in Vollsver« sammlungen hierzu Stellung genommen werde und fich immer weitere Kreise zur Vertheidigung zusammenschließen, wenn auch keine AuSficht auf Erfüllung der Petition vorhanden sei, so sei dieS doch kein Grund, dieselbe nicht abzusenden, denn dieselbe wäre wohl im Stande, eine wohlthuende Anregung zu geben. „Friede auf Erden" sei jetzt überall verkündigt worden. Dieses erhabene Wort könne nur zur Wahrheit werden, wenn Freiheit und Gerechtigkeit walte auf Grund deS all« gemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts. Herr Guttmann sprach fich für die Petitron aus, wünscht die» selbe jedoch erweitert und zwar dahin, daß der Staat die Armenpflege als Aequivalent für die Penstonen der Beamten übernehmen soll, damit den Arbeitern durch die Armenpflege nicht daS Wahlrecht entzogen werde; ferner, daß der Staat den ReichStagSabgeordneten Diäten zahlen soll. Auch be- zweifelte er, daß daS Panier der Arbeiterpartei durch dm Be» schluß des Wahlkomitees, die Wahlenthaltung bei den Stich» wählen betreffend, rein erkalten worden sei.(Widerspruch.) Der Antrag Helldorff bezwecke nur, die sozialdemokratische Partei zu ungesetzlichen Handlungen zu proooziren, um einen Grund zur Verlängerung deS Sozialistengesetze« zu haben. Man solle recht besonnen handeln, dann würde das Gesetz fallen. Herr Krause machte darauf aufmerksam, daß die Petition für das Abgeordnetenhaus bestimmt sei und daß dort Diäten gezahlt würden. Das Wahlkomitee habe, dem allgemeinen!Wunsche entsprechend, keine Kompromisse geschlossen. Herr Gottfried Schulz verwarf ganz entschieden die Petition und verlangte eine Resolutton. Man habe nicht zu bitten, sondem zu fordern. Allgemeine Wehrpflicht— allgemeines Wahlrecht. Auch er nahm daS Wahlkomitee in Schutz, Hasenclever habe nur seine persönliche Anficht geäußert. Herr Krohm betonte, daß der Be- schluß des WahlkomiteeS in Gegenwart Hasenclevers gefaßt worden sei. Auch er(Redner) verwarf die Petition. Dieselbe würde von Vielen nicht unterschrieben werden, daher mehr schadm, wie nützen. Abg. Singer erklärte, daß eine Ver« letzung deS Prinzips nicht stattgefunden habe. Man könne sehr wohl Sozialdemokrat sein und dennoch für einen Frei» finnigen gegen einen Antisemiten stimmen. Besser wäre es gewesen, wenn fich das Wahllomitee dieser modernen Anschauung zugeneigt hätte. Man solle fich keinen Jllu» fionen hingeben, das Sozialistengesetz werde auf alle Fälle ver« längert werden, dessen ungeachtet würden die sozialdemokra» tischen Abgeordneten nach wie vor ihre Schuldigkeit thun.— Nach noch längeren unwesentlichm Debatten und nach warmer Empfehlung des„Berliner Volksdlatt", sowie Genehmigung einer Tellersammlung für die Arbeiter der mechanischen Schuh- waarenfabrik in Offenbach, welche einen Ertrag von Mk. 14,17 ergab, gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahm«- „Die am 27. Dezember 1885 in Sanssouci tagende allgemeine Lfftniliche Volksseisammlung erklärt sich aufs Entschiedenste gegen jede Verkümmerung deS allgemeinen gleichen, geheimen und drrekten Wahlrechtes, sowie gegen eine Verlängerung der Legislaturperioden Eie verlangt im Gegentheil die AuSdeh» nung des allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts auf alle gesetzgebenden Körperschaften und eine Erweiterung deS« selben insofern, als sie das Stimmrecht für Jeden verlangt, der das 21. Lebensjahr mrückgelegt hat. Außerdem verlangt sie die Verlegung des Wahltages auf eine« Sonn- oder Feiertag, die Gewährung von Diäten an die Abgeordneten, sowie die voll« ständige Sicherung der geheimen Wahl dadurch, daß die Stimm- zettel für alle Parteien aus der Staatsdruckerei geliefert und in einem verschlossenen, ebenfalls von der Staatsdruckerei ge- lieferten Kouvert abgegeben werden. Die Versammlung spricht die Anficht auS, daß die Wahl erst unter diesen Vorausseyungcn wirklich allgemein und geheim vollzogen werden könne und be- auftragt daS Bureau, diese Resolutton dem Landtage zu unter« bretten." hr. Eine öffentliche Versammlung der Kürschner fand am Sonntage Linienstraße 30 unter dem Vorfitze des Herrn Schmidt statt mit der Tagesordnung:„Welche Vortheile würde ein Zentralverband der Kürschner Deutschlands bieten?" Der Vorfitzende leitete die Verhandlungen ein, indem er darauf hinwies, daß ohne eine Zenttalisation eine Beseitigung der Mißstände deS Lehrlingswesens in den Provinzialstädten und eine Aufbefferung der gedrückten Löhne nrcht möglich fei. Herr Koch sprach fich dahin aus, daß die Lohnbewegung tn Berlin dauernde Erfolge erst dann werde erzielen können, wenn ein Zentralverband mit einer Unterstützungskaffe für reisende und für arbeitslose Kollegen gegründet sein werde. Herr Michelsen legte dann in einem längeren Referate dar, daß die Arbetter in allm Gewerben bei der oisheltgen Produktionsweise nur durch möglichst große Organisationen im Stande sein werden, die aufö Tiefste herabgedrückten Löhne auf eine solche Höhe zu bringen, daß fie durch ihre Arbeit bei normaler Arbeitszeit soviel ver« dienen, wie zu einer menschenwürdigen Existenz einer Familie erforderlich ist. Die heiligste Pflicht jedes Arbeiters sei eS, durch Anschluß an die Organisation seiner Berufsgenoffen dazu beizutragen, daß die Organisation groß und mächtig werde. Unter gewissen Umständen sei der Streik ein geeignetes Mittel, Lohnreduktionen zu verhindern oder Lohnerhöhungen durchzusetzen. Tie Garantie aber dafür, daß ein lokaler Streik zum Siege führen werde, sei nur durch einen größeren Verband und durch eine Unterstützungikaffe gegeben, aus welcher nicht nur die streikenden, sondern auch arveirSlose Kollegen genügend unterstützt werden können. In der Diskusston wurde hervor« geHoden, daß die Gesammtzahl der Mitglieder der bereUS in 9 Städten(außer Berlin) bestehenden Fachvereine ca. 1200 betrage, daß die Fachvereine die Lohnbewegung nicht einer von ihnen unabhängigen Lohn» Kommission überlassen, sondern zur Durchsetzung ihrer Beschlüsse Lohntarif- Kam« misstonen einsetzen müssen und daß neben der Agitation für die Gründung des Zentralverbandes die Imitation für die Vergrößerung deS FackivereinS mit erneutem Eifer be« trieben werden müsse. Die Aeußerung eines selbstständigen Arbeiters in der Mützenhranche, daß eS im Interesse der Ge- fellen liege, nicht auf Wochenlohn, sondern auf Stück zu ar- beiten, rref eine lebhafte Debatte über die Frage hervor, ob Lohnarbeit oder Akkordarbeit den Vorzug verdiene. Man ver« ständigte fich dahin, daß eine zweckmäßige Oraanisatton der Arbeiter die Bevorzugung der Arbeit für Wochenlohn zur Folge haben werde. Es wurde schließlich einstimmig eine Re- solution angenommen, in welcher die Versammelten fich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklären und die Anficht aussprechen, daß zur Hebung des Kürschnerge» werbeS die Gründung eineS Zentralvcrbandes nothwendig sei. Der Vorstand de» Fachvereins sämmtlicher im Drechslergewerbe beschäftigten Gewerksgcnoffen erläßt folgende Bekanntmachung: Die von dem Verein zum ersten Weihnachts- feiertag beschlossene Feier des vierten Stiftungsfestes, ist in letzter Stunde polizeilich verboten worden. Die Mitglieder resp. alle Kollegen, welche noch Billets zu der genannten Fest« lichkeit in Händen haben, werden ersucht, dieselben spätestens in der am Montag, den 4. Januar, in den Arminhallen, Kom- mandantenstr. 20, stattfindenden Versammlung zurückzugeben. In dieser Versammlung wird alles weitere betreffs dieser An- gelegenheit beschloffen, sowie die Gründe bekannt gegeben wer« den, warum das Verbot erfolgt ist. Verband deutscher Zimmerlente(Lokalverband Berlin). Dienstag, den 29. d. M., Abends 8 Uhr, Kommandantenstraße 77/79. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste haben Zutritt. Gauverein Berliner Bildhauer. Dienstag, den 29. Dez., Fachabend mit Vorlesung. Hierauf gesellige Unterhaltung. Kleine MittheUnngen. Weimar, 24. Dezember.(Brennende Kinder auf der Bühne.) Im Großhcrzoglichen Hoftheater gelangte gestern, wie man der N. Fr. Pr. schreibt, ein Weihnachtsmärchen:„Beeren- lieschen oder die güldene Kette", von Auguste Danne, Mufik von K. Göpfart, zur ersten Aufführung. Am Schlüsse der Vorstellung drängten die zahlreichen in dem Stücke beschäftigten Kinder, dem strengen Verbote entgegen, aus dem lebenden Bilde im Hintergründe heraus, um d'.e ibnen zugeworfenen Zuckerdüten aufzuheben. Dabei gcrieth das Wattekostüm zweier Knaben an den Lichtern des Weihnachtsbaumes in Brand. Zwei Schauspieler sprangen hinzu, warfen die brennenden Kinder nieder und erstickten die Flammen, und durch die in Gang gesetzten Spritzen wurde in kurzer Zeit auch die Gefahr eines Theaterbrandes dann gänzlich beseitigt. Die Räumung des Theaters seitens des Publikums geschah ohne Unfall und in Ruhe. Außer den beiden Knaben wurde auch ein Arbeiter durch die Brandwunden verletzt. Der Großherzog wie die Generalintendanz haben für die ärztliche Behandlung und Pflege der Verwundeten gesorgt. Waldenburg i. Schl., 27. Dezember.(Raubmord.) Am 24. d., Mittags zwischen 1 und 2 Uhr, fand der in der Melchiorgrude beschäftigte Auslader Hawpel in Neuhain bei Dittersbach, dessen Haus absetts der Chaussee und entfernt von anderen Häusern liegt, seine Ehefrau auf den Dielen der Wohnstube todt mit zertrümmertem Schädel vor. Hampel hatte fich früh in der dritten Stunde zur Schicht begeben. Die Ermordete ist muthmaßlich in früher Morgenstunde im Kohlenschuppen oder beim Melken im Kuhstalle von dem Mörder überfallen und niedergeschlagen worden, hat fich dann aber wohl noch einmal aufgerafft und ist nach der Wohnstube geflohen, wo der Mörder, der fich als MordwcrkzeugS einer Rodehacke bediente, fie vollends tödtete. Der Kopf der Ermordeten weist nahe an 40 Schädelbrüche auf. Nach vollbrachtem Morde erbrach der Mörder eine Kommode und raubte ein Söckchen mit 30 M. und ein Porte« monnaie mtt 9 M. Inhalt. Uermischtes. Wer lebt am längste«? Die Gärtner, Schiffer und Fischer erreichen im Durchschnitt ein Alter von 58 Jahren. Ihnen folgen die Bäcker, Bierbrauer und Schlächter mtt 54 Jahren, die Zimmcrleute, Maurer und Anstreicher mit 49, die Schlosser, Schmiede und Schreiner mit 48, Schuhmacher und Schneider mit 41, endlich die Taglöhner und Lohnarbeiter mit 32 Jahren. Bei dm Kaufleutm schwankt die mittlere Lebensdauer in weiten Grenzen, der vom Wellengänge der Hausse und Baisse beeinflußte Börfianer wird minder älter, als der ruhig dahinlebende Geschäftsmann. Unter dm akademischen Ständen erfreut fich die Geistlichkeit des längsten Lebens, 67 Jahre. Ihr zunächst stehen Philologen und Lehrer mit 57, die Juristen mit 54 und endlich die Aerzte mit 49 Jahren. Im allgemeinen werden die Verheiratheten älter als die Jung- gesellen. Also, Ihr Hagestolze?! Literarisches. Emil Zola's Roman:„Lea rnyatferea de Marseille". welcher bekanntlich die Augm der literarischen Welt zuerst auf den jetzt so berühmten franzöfischen Romancier richtete und ihm den Weg zum Welttuhm bahnte, erscheint jetzt zum ersten Male in deutscher Sprache, und zwar wird die einzige autori» fiite Ueberietzung(von Max Trautner, einem deutschen Schrift- steller in Brüssel) von Januar 1886 ab im Feuilleton der ,u Nürnberg erscheinenden„Fränkischen Tagespost" publizirt. Wir machen auf diese interessante Publikation der Freunde der Zola'schen Werke hierdurch aufmerksam. Vom„Recht auf Arbeit", sozialpolitische Wochenschrift, herausgegeben von L. Viereck in München, ist soeben Nr. 83 erschienen. Dieselbe hat folgenden Inhalt: Zum Jahres- Wechsel. Das Arbeiterschutzgesey im Deutschen Reichstag II. Situationsbericht über die Lohnverhältnisse in der Metall- branche in Gevelsberg. Kapital und Arbeit: Die Lohnbewegung der Drechsler in Berlin im Jahre 1884. Sozialpolitische Rundschau: Aus der Arbcirerschutz Kommisston. Zahl der Kon- kurse in Deutschland. Die Bedeutung der Arbeitszeit für die Börse. Hohe Dividenden. Ausdehnung der Sonntagsarbeit. Beschäftigung jugendlicher Arbeiter. Die Antichinesenbewegung in Amerika. Anttag auf internationale Arbeitsgesetzgebung in Frankreich. Der Kongostaat. Das Anwachsen der Großstädte in Deutschland. Die Geschäftslage und die Kaufkraft der Maffm. Freie Hilfskassm: Ausdehnung deS Deutschen Sene« felder Bundes. Vereine und Versammlungen: Berichte aus Berlin, Stettin, Foist N/L. und Plauen N/L. Ver« mrschtes-c._ Kriefkasten der Redaktion. Abonnent Etsenbahnstraße. Der Vorfitzende der Kasse wohnt Adalbertstraße 10, Hof 4 Tr. Die Zahlstellen derselben befinden fich bei Herrn Renz, Naunynstr. 27(jeden Sonntag nach dem 1.) und im Restaurant Grüner Weg 21(jeden Sonntag nach dem 15. im Monat). R. D. Ueber derartige Fragen können wir im Brief« kästen keine Auskunft ertheilm. In Zukunft wollen Sie Ihre Briefe in genügender Weise ftankiren. Von Postkarten abge« schnittene Briefmarken find ungittig. K. W., Junger Abonnent. Klagen Sie bei der Ge« werbe-Deputdion des Magistrats(Köllnisches Rathhaus, Breile« straße 20 a.) Theater. Overnhau». Heute: Carmen. Echansbielhau». Heute: Der zerbrochene Krug. Vorher: Das Tagebuch. Zum Schluß: Kleine Mißverständnisse. Deutsche« Theater. Heute: DaS Käthchen von Heilbronn. Krtedrich-Wilhelmstädttsche« Theate». Heute: Die schönen Weiber von Georgien. Restdenz-Theater. Heute: Clara Soleil. Vorher: Die Schulreiterin. Wallner-Theater. Heute: Frau Direktor Striese. Belle-Alltanee-Theater. Heute: Lucinde vom Theater. Walhalla-Oberetten-Theater. Heute: Don Cesar. Viktoria-Theater. Heute: Messalina. Eentral-Theater. Heute: Der Stabsttompeter. Louisenstädtische« Theater. Heute: Der PoMon von Lonjumeau. Oftend-Theater. Heute: Theodora. Theater der Reichshallen. Täglich:»ufreten sämmtlicher Spezialitäten. Amertcau-Theater. Täglich: Austreten sämmtticher Spezialitäten. «anfmann'« Variete. Täglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. Konkordia. Täglich: Auftreten sämmtticher Spezialitäten und theatralisch« Lorstellung.__ Alliambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15� Der verkaufte Schlaf. Romantisch-tomisches Weihnachtsmärchen in 3 Akten von E. Jakobson und O. Gimdt. Vor der Vorstellung: Großes Konzert der Hauskapelle. Anfang deS Konzerts Wochentags 7 Uhr. der Vorstellung Anfang d«S Konzerts Sonntag« 6 Uhr, der Vorstellung '//knt».".»Sml10"• m Wim Eine Wanderung durch A m e r i k a-Kalif o r- nien. Der Mond. DaS malerische Berner »«.VSS DlKÄSd.? w. r&Ä Herrn Oesterreich meinen auftuhttgsten Dank. _ In. jiOiCniQQi. Eine möbl. Schlafstelle zum 1. Jan. zu verm. bei R a b e. Wafferthorstt. 64, 2 Trp. Ebendaselbst ist auch eine große .Sinderbettstelle billig zu verlaufen._ Täglich: Königsberger Fleck, st Portion 25 Pf. im Rkstanrant Skalitzerstraße 18 bei Stramm. 2588 Zentral-Kranken- und Zterbekaße der Fabrik- u. Handarbeiter b. G. (E. H. Dresden Filiale Berlin 3.)_ Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Zahlstellk Prinzen« straße 93 nach der Ritterstraße 35 bei B eitsch, vorn pari., vom 28. Dezember an verlegt ist.[298 __ Der Vorstand. Wezirksverein des werktyätigm Walkes der Schönhauser Karstadt. Dienstag, den 29. d. M., Adds. präzise 8V> Uhr, in Thormaan's Kasino, Belforterstraße 15 General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Neuwahl des Vorstandes. 2. Vorttag. 3. Verschiedenes. 4. Fragckasten. Um zahlreiche Betheiligung ersucht[314 _ Der Vorstand. Der unentgeltliche Arbeitsnachweis der Klavierarbeiter befindet sich Skalitzerstraße 18 bei Stramm. Harmonikasp, bill. F. Winkel, Pallisadenstr. 83, 4Tr.[312 SÖÖÖÖQOÖOQOOOC DIE BüCHDRüCKEREI von Max BADiNG BERLIN SW„ Beuth-Strasse 2 empfiehlt sich zur Anfertigung von Drucksachen aller Art insbesondere Prels-Couranten, rfz Circularen, illustrirten Catalogen, kaufmännischen sowie Gerichts-Formularen, Rechnungen, Actlen, Coupons, BrielkOpfen, allen Etiquettes, Quittungsbüchern, Statuten, Werken, Broschüren, Quittungen, Flugblättern, Placaten, vi Adress- u. 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