Mr. 805. Doimerstag, de« 81 Dezember 1885. II. ZayM erlmrWdsdliill Krgsn siir die Interessen»er Arbeiter. 4 »a« berliner VolksdlaL� Festtage«. WmmeineirtSprei« 1,35 Mark, wöchentlich 35! Emzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 1 (Eiagetrage« i« der PosheiwngSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) Jusertiousgebühr beträgt � für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Znferate werden bis 4 Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle« Anumwem Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Kedaktio«; Keuthstraße 2.— Erpedition: Zimmerstraße 44. Abonnement«�(Einfodung. Zum bevorstehenden VierteljahrSwechsel erlauben wir unS, alle Arbeiter Berlins zum Abonnement auf daS „Berliner Nolksblatt" mit der Gratisbeilage „Illastrirtes Kountagsblatt" einzuladen. Wer der Sache der Arbeiter dienen will, helfe ein Unter« nehmen befestigen, welches bestimmt ist, die berechtigten For« dcrungen und Wünsche der Arbeiter zum Ausdruck zu bringen. Suche ein jeder von unseren bit herigen Anhängem, in dem Kreise seiner Freunde und Bekannten das„Berliner Volksdlatt" zu verbreiten und sehe darauf, daß jeder neu ge« fundene Gcfinnungsgenosse sein Versprechen, zu abonniren, auch wirklich hält. Unsererseits werden wir bemüht sein, den Inhalt unseres Blat-eS immer reichhaltiger zu gestalten. M„Nerliner Molksvlatt" kostet für das ganze Vierteljahr frei ins HauS 4 Mark, für den Monat Januar 1 Mark 35 Pf., pro Woche 36 Pfg. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspcditeuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstt. 44, ent« gegengenommen. Für außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für daS nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark entgegen. Die Redaktion und Expedition de«„Berliner BolkSblatt". Zum Jahresschluß. Bei Jahresschluß ist es nun einmal Mode geworden, im Familien-, im wirthschaftlichen und im politischen Leben «inen Rückblick zu halten. Den Familienrückblick überlaste« wir unseren geneigten Lesern, den wirthschaftlich- politische» wollen wir hier in gedrängter Kürze denselben vorführen. Das allgemeine Zeichen der Zeit war in allen Kultur» staaten im vorigen Jahre ein wirthschaftlich« Rückgang, unter dem natürlich die Arbeiter am meisten zu leiden habe». Dies« Rückgang war so intensiv, daß derselbe selbst die verhältnißmäßig gennge russische Industrie ergriffe» hat, die bislang eine wirthschastliche KrisiS leichter überwinde« konnte, d« Unmafle billig« Lebensmittel wegen, die in jenem �°�Ab«°°auch°"d��große Republik im Westen, die V«- einigten Staate« von Amerika, sind von dem Niedllgang nicht»«schont gebliebe» trotz d« reichen Hilfsquellen, die IeuMeton. Die Ha«d der Demest«. Roma» 651 von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Freilich!" sagte Marianne lächelnd.„Herr Rabe will ihm ja das Geld dazu geben." „Erscheint Ihne« da« nicht verdächtig?" fragte der Kutsch« hastig. „Weshalb? Es kommt oft vor, daß ein Heu für seine« Kammerdien« sorgt." „Ja, wenn'S d« Oberst für den alte« William thäte, so würde ich daS begreifen; ab« Rabe hat ja selbst nichts, und der Joseph ist in meinen Auge» ein Lump." „Wenn Heu Rabe Fräulein von Lossow heirathet, wie Franziska behauptet, so hat« Geld ge» nug, und schenken wird«'S seinem Kamm«- dien« auch nicht. Ich finde darin wirklich nichts, Franz, und was mich bettifft, so mag ich ihnen wünsche», daß sie glücklich w«de»." „Ich wünsche ihnen auch nichts Böse«, ab« eS ist eine alte Wahrheit, daß Zeder im Lebe» das findet, wa» er ver- dient. Und dann will ich Ihnen doch sagen, Marianne, daß ich in der Freundschaft Rabe's für seinen Kamm«diener mehr finde wie Sie! Erinn««Sle sich au die Papiere, die dem Tärtucr gestohlen wurden. erinn«a Sie sich, daß der alte Mann Zoseph dieses Diebstahls beschuldigte—" »Lassen wir die alten Geschichten ruhen," unt«brach Marianne ihn unwillig,„sie haben uns damals genug Auf- »egung gebracht, und die Wahrheit wird doch nicht an'S Licht kommen!" „Wn weiß das?" „Es kümmert sich ja Niemand mehr um die Geschichte, und w« sollte auch noch ei» Interesse daran haben!" Franz blickte sinnend in die Abenddämm«ung hinaus, feine Stirne hatte sich leicht in Falten gezogen. g«ade diesem Lande zu Gebote stehe«. Die größere Aus- Wanderung«ach diesem Lande aus Europa hat nicht etwa seinen Grund darin, daß in de» europäischen Staaten der Wohlstand gestiegen sei und ein ftischcreS wirthschastlicheS Leben pulsire, nur die schlimmen Nachrichten aus Am«ika, wo sich im vergangenen Jahre Krisen auf Krisen, Streiks auf Streiks' häuften, haben die Auswanderungs- lustigen gewarnt und die Reise über den Ozean auf bessere Zeiten»«schoben. Unser Vaterland selbst leidet gleichfalls schwer unter der wirthschaftlichen Nothlage. Allerlei Ver- suche sind in den letzten Jahren seitens der Regierung und auch d« Volksverttetung gemacht worden, Hilfe zu bringen, besonders unter dem ausdrücklichen Vorgeben, den am meisten leidenden Arbeitnn empor zu helfen. Indirekte Steuern wurden«höht, Zölle auf vo.hirendlge Lebensmittel gelegt, Jndustriezölle bewilligt, alles unter dem Vorgeben, daß dann die Löhne d« Arbeit« steigen würden. Jndeß hat sich dieses Experiment gar ttaurig bewährt— die Löhne sind aefallen! Man»«suchte eS mit der Sozial-Reform. Ei« Kran- kenkassengesetz, ein UnfallversicherungS- g e s e tz wurden erlassen— minimale Zugeständnisse an die Arbeiterklasse, von deren Nutzen überhaupt man bis heute noch nicht überzeugt ist. Vor dem AlterversorgunaS- g e s e tz der Arbeiter, welches unter Umständen großen Se- gen den Arbeitern bringen könnte, ist man stehen geblieben. Ueb«haupt bat dies« Gedanke kaum Aussicht, feste Gestal- tung anzunehmen. Neben dem Zögnn d« Regierung sieht man die Abneigung aller übrigen mächtigen Parteien, die vor ernsthaft« Hilfe de« Arbeitern gegenüb« zurückschrecken. Da auf einmal hat man den Stein dn Weisen gesun» den: Kolonisation! Hatte man zuerst Hoffnung, in diese Kolonie», welche deutsche Kaufleute für da« Deutsche Rerch erworben haben, de« Strom d« deutschen AuSwand«« binzuleiten? Wir glauben es, doch diese Hoffnung war nur ei» schön« Traum, der längst verflogen ist. Drohend steht an den Häfen West- und Ostafrika'S daS Gespenst der Malaria, welches über kurz oder lang jeden Deutschen, d« dort Arbeit verrichtet,«greift und zu Tode hetzt. Nur einige deutsche Rheder und Handelsherren habe« durch die Kolonialpolitik Vortheil und eine Anzahl ostpreußischer und pomm«sch« Spritbarone— das Volk geht leer aus. Von alle« Parteien, welche sich um die Arbeil«klasse in Deutschlaad ei« Verdienst erworben haben, ist eS die sozialdemokrattsche, welche nun schon seit einigen Sessionen im Reichstage ein sozial-reformatorisches Gesetz, das sog. Arbeiterschutzgesetz eingebracht hat. Uns«en Lesern ist dies« Gesetzentwurf bekannt und erfreut sich d«selbe auch wohl mehr oder weniger der allgemeinen Zustimmung. „ES mag sein, daß sich jetzt Niemand mehr darum kümmert," erwiderte er,„daS gnädige Fräulein denkt nur noch an ihren V«lobtea und der Herr Assessor hat auch das Jat«esse verloren. Ab« unrecht ist es doch, daß man eS nicht näher unt«sucht hat." „Was?" ftagte Marianne«schreckt. „Weshalb d« alte Man» sich das Leben genom« wen hat." „W« will das unt«suchen? Die Todlen reden nicht mehr, und auß« Georg hat Niemand die Ursache gewußt." „Und jetzt findet« keine Ruhe im Grabe!" „Kommen Sie wied« mit den alte» Gespenst«» geschichten?" „Das sind keine Gespenst«geschichten, Marianne, es ist Wahrheit," erwiderte d« Kutscher in«nstem Tone.„Der Selbstmörd« hat im Grabe keine Ruhe, er muß jede Nacht an den Ort zurückkehren, wo er sich das Leben genommen hat. Deshalb graut mir auch vor dem Häuschen im Park, und deshalb kann ich den Vorschlag des Hchm» Ob«st nicht annehmen." „Da« ist so gewiß und wahrhaftig Unsinn, als ich hi« vor Ihnen sitze," sagte Marianne ärqerlich.„Die Tobten kehre« nicht zurück, wen« auch sonst Manche? passiren mag, was man nicht begreifen kann." „Und so lange Sie meine Behauptung nicht widnlegen könne», behaue ich dabei. Ich möchte in dem Häuschen nicht übernachten." „Und ich würde es ohne Bedenken thun!" „Spotten Sie nicht, Marianne!" „Ach was, ebenso können Sie behaupte», die Pferde seien auch unsterbliche Geschöpfe." „Und wäre das den» so ganz undenkbar? Ich habe oft bei Pferden mehr gesunden Verstand gefunden, als bei Menschen." „Ich sage Ihnen«och einmal, daS ist Unsinn!"«- widnte Marianne, während sie dem eintretenden William einen Blick zuwarf, als ob sie ihn auffordern wolle, ihr zu Hilfe zu kommen. Wer einmal todt ifl, der kehrt nicht zurück, und e« ist dabei auch ganz gleichgiltig, wie Jemand sein Lebe« v«liert. Was meinen Sie, William?" Durch die Sozialdemokraten getrieben, haben auch andere Parteien zu dieser Mat«ie Stellung genommen und einzelne Anträge aus dem Arbeiterschutzgesetz zu den thrigen aemacht. So Zentrum, Koas«vative und Nationalliberale. Nur die Deutsch-Freisinnigen verhalten sich völlig ablehnend und ebenso, wie in letzt« Zeit»«lautet, die Regierung. Das wäre allerdings eine recht sondttbare Waffenbrüderschaft. So kann man keineswegs auf das Zustandekomme» auch nur irgend eines TheileS des Arbeiterschutzgesetzes mit Hoffnung blicken— doch dürfen die Arbeiter selbst nicht locker lassen, sie müssen immer weit« fordern, was ihr gutes Recht ist, dann werden sie dasselbe auch«ringen. Ja den übrigen Staaten Europas find die Arbeiter» Verhältnisse, wie wir schon andeutete», auch nicht besser, wie in Deutschland und ebensowenig hat dort die soziale Gesetz- gebung, rrotzdcm überall Anläufe genommen worden find, einen nennenswerthen günstigen Verlauf genommen.— Die politische Situation ist in allen europäi- sche» Staaten mit dem Worte Reaktion zu bezeichnen. Von den Großstaatcn sind Frankreich und England noch die relativ freiesten, aber auch dort haben im letzten Jahre die konservativen Elemente große Fortschritte gemacht. Von de« übrige« Staaten ist in dies« Richtung nicht zu rede». Bezeichnend aber ist, daß die schweizer Republik fortwährend von offiziösen und rep'ilischen Zeitungs- schreib«« Vorwürfe«hält ob ihres lasterhaften Thun und Treibens, ja daß man ab und zu mit dem Zaunpfahl winkt, die Republik in der Schweiz müsse baldigst der Monarchie weichen. Daß bei d« allgemeine» Reaktion das Deutsche Reich nicht zu kurz gekommen ist, läßt sich leicht denken. Politische und Preßprozesse regnetS nur so vom Himmel h«ab. Die fiskalischen Diäten Prozesse stehen noch auS. Während bei uns die Ausweisungen von P«sonea russisch« und östeueichisch« Nationalität grassiren, werden vie Deutschen in den russischen Ostseeprovinzen schwer bedrängt und die deutschen Einwohner in Böhmen und Mähren von den Czechen geprügelt. Der Nationalitätenhadcr, der imm« und immer wied« durch Kriege neu genährt wird, muß selbst im tiefsten Frieden seine unbegreifliche» Bocksprünge mache« und unS i« läugstv«gangeve Zeiten zurückführe«. 'Außerdem aber hat sich da» v«gangene Jahr auch nicht frei gezeigt von allerhand Kriegsdrohungen. Die Karolinenfrage tauchte plötzlich in Folge unser« Kolonial- Politik am Horizont auf— und schließlich war es dem Papst vorbehalten, seinen schiedsrichterlichen Friedens» spruch zu fällen. Ob da» deutsche protestantische Kaiser- thum von dem ganzen Vorfall besonders erbaut fei« kann? Die orientalische Frage ist wieder lebendig geworden, „Will Franz daS nicht glauben?" fragte der alte Mann kopfschüttelnd. „Die Ungläubigen seid Ihr!" rief der Kutsch« un- willig.„Zbr glaubt nicht, wa« Ihr nicht seht, Ihr müßt eS mit Händen greifen können. Früher dachte ich auch so. aber jetzt weiß ich's besser." „Und wie lange soll der alte Georg ruhelos herum» wandern?" fragte Marianne spöttisch. „Bis der Fluch von ihm genommen ist." „Da« ist wirklich dummes Zeug," erwiderte William, „damit dürfte meinem Oberst Niemand kommen." „Hm, die Soldaten glauben in der Regel an gar nicht»," sagte Franz achselzuckend.„Ich w«de dem Oberst nicht lästig fallen, e« kann mir ja einerlei sein, was andere Leute glauben." „Und was sagen Sie dazu, William, er will den Vor» schlag des gnädigen H«r« nicht annehmen." „Ich würde es thun,"«widerte d« Angeredete,„als Gärtn« hätte er ein angevehmncs Leben." „Auch Arbeit genug!" brummte Franz. „W« nicht arbeitet, soll auch nicht essen," sagte Mari- anne in»«weisendem Tone.„Der alte Georg hatte, wen« die Sonne untergegangen war, Feierabend, wie oft müsse« Sie mitte« in d« Nacht aus den Federn, um nach de« Pferden zu sehen! Kommt der gnädige Heu heut erst«ach Mitternacht wieder, so müssen Sie das Pf«d in Empfang nehmen." „Das gehört einmal zum Amt und seine Pflicht muß Jeder«füllen," erwiderte Franz ruhig,„ich habe mich darüber nie beschw«!. Und dann ist es auch nicht meine Absicht, bis an mein Ende allein durch das Leben zu wand«»: Jed« gründet gerne de» eigenen Herd." „Ich sagte Ihnen ja schon, daß Sie eS könnten, wen« Sie den Gärtnerposte» übernehmen," antwortete Marianne. „ES käme ja nur auf eine Rücksprache mit dem gnädigen Herrn an." Mit einem leisen SchreckenSruf war die Wirth- schaft«ia bei den letzten Worten von ihrem Stuhl empor» gefahren; ein dunkl« Schatten war am Fenst« vorbeige» huscht. doch«ahm dieselbe für diesmal feine gefährliche« Dimen frone« an. England und Frankreich waren in Folge ihrer Äolonialpolitik in die blutigsten Händel verwickelt, aus denen sie mehrfach nur mit große« Schlappen hervor- gingen.——— So ist der Rückblick auf das verflosiene Jahr fei« be« {anders angenehmer— das Schlimmste aber ist, daß das- elbe nur Geringes zur Besserung der Lage der arbeitenden Klasse beigetragen hat. Einen Theil der Schuld tragen die Arbeiter selbst;«och stehen viele abseits und schmollen mit ihrer Lage, ohne sich selbst zu bemühen, ohne selbst einzutreten für einen Auf- schwung der wirthschaftlich-sozialen Verhältnisse im Lande. Wäre mehr allgemeines Streben, wäre noch mehr Einigkeit vorhanden, schlösse sich jeder Arbeiter auch irgend einer Arbeitervereinigung an, dann würde es bald besser werden. Aber auch die Arbeiterpresse muß vo« de« Arbeitern eifrig gelesen werde«, damit das geistige Band sich immer fester um die Arbeitermassen schlinge. So weit, wie es an uns liegt, werden wir dazu beitragen und besonders der Entwickelung�aller wirthschaftlich-sozialen und aller Ardeiterfragen immer größere Aufmerksamkeit schenken. Möge das Jahr 1886 de« Arbeiter« mehr Heil und Segen bringen, als das Jahr 1885. Fröhliches Neujahr! Kr>irilnkhr». „Die Ardeiterverhältnisse eines Landes find von dem Stande der Arbeiterehen abhängig!" Wer mag so die ganze Volkswirtbschaft auf den Kopf stellen? So wird der Leser fragen. Das muß doch wohl irgend ein alberner Reporter oder irgend ein von der Schute weggelaufener Gymnafiast sein, der einige quacksalberische so- zial-reformatorische Phrasen, aber noch keine drei Seiten in dem Kompendium deS alten längst verstorbenen Heidelberger Professors der Nationalökonomie, deS braven Rau, gelesen hat. Bei Leibe nicht! Der obige Satz flebt in der„Sozial-Korrespondenz" des bekannten Dresdener Professors der National- Oekonomie und Vorstehers des amtlichen statistischen Büreaus, Viktor Böhmert. Wo der Mann in dem Augen- blick nur seine Gedanken gehabt haben mag? Denn für so dumm, daß er an den zihrten Satz selbst glaubt, halten wir ihn doch nicht. Um aber gar keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen, daß der zitirte Satz von weltbistorischer Bedeutung und von vollkommener wissenschaftlicher Wahrheit sei, heißt es in dem betreffenden Artikel dann weiter: „Man kann diesen Satz getrost an die Spitze aller Be- trachtungen über die soziale Frage stellen."..... Also die Arbeiterehen behenschen die Arbeiterverhaltrnsse! BiS jetzt haben alle Ockonomen gesagt, daß bei guten Arbeits- Verhältnissen die Ehen der Arbeiter stch vermehrten; bei schlechteren aber die Eh-n fich verminderten; daß somit die Arbeitsverhältnisse die Aibeitereben beeinflußten. Bei guten Arbeitsverhältnissen können die Arbeiter ihre Nachkommen ernähren, bei schlechten aber nicht. Und dieser «ational-ökonomische Grundsatz bezieht fich nicht allein auf die gesetzlichen Ehen, sondern auf die allgemeine Population über- Haupt. Der Unterschied liegt nur darin, daß bei sogenannten guten Zeiten die gesetzlichen Ehen im Verhällniß zu der allgemeinen Bevölkerungszunahme mehr steigen, al» bei schlechten � �Daraus erhellt, daß gute wirthschaftliche Zustände auch die sogenannte bürgerliche Moral sördem, während dieselbe bei jedem wirthschaftlichen Rückgang zu leiden hat. Herr Böhmert predigt nun den Arbertern Enthaltsamkeit, um den an der Spitze dieses Artikels gestellten Satz zu be- weisen. Er räth dm jungen Arbeitern ad, in eine frühzeitige Ehe zu treten, damit fie stch nicht neue Konkurrenten schaffen� allerdings national-ökonomisch und erinnert an Malthus und Kirchmann, welche ganz dasselbe Ziel, aber auf andere Weise erringen wollten. Jedoch kommt hier die National- Oekonomie' mit einem mächtigeren Faktor, mit der Natur, in Konflikt, die fich den Teufel um die gesetzliche Ehe scheert. Wenn der junge Ar- beiter fich nicht frühzeitig in die Ehe begiedt, so erwachsen ihm auf andere Weise Konkurrenten, von denen es gleichgiltig ist, ob fie des Vaters oder der Mutter Namen tragm. Di« Bastarde haben ja bekanntlich auch noch mehr Feuer und Ar- beitskrast. d. h. wenn fie am Leben bleibem Oder sollte in der That Professor Böhmert darauf speku- liren, daß die unehelichen Kinder im Ganzen der Sterblichkeit „Haben Sie'S gesehen?" fragte sie mit zitternder Stimme den Ku, scher, dessen Blick starr auf dem Fenster �'Georg!" erwiderte Franz leise. „Glauben Sie daS wirklich?" „Kann es etwas andere« gewefe» fein?" Eine Fledermaus war e«!" sagte William spottend. Nein, nein," entgegnete Marianne rasch, die in die Mitte des geräumigen ZimmerS zurückgetreten war,„es war der Schatten eines Manne«." .Das habe ich auch gesehen,"«rckte Franz,„aber es giebt Leute, die fich nicht überzeugen lasse« wolle«. Wa» die einmal gefaßt haben, das halten fie fest, sie sehen mit offenen Auge« nicht, weil sie eben«tcht sehe« 10 0 1 �Und war'S ei« Man«, so war e« kein Geist," er- widerte William,„einen Geist kann Niemand sehen." .Im Dämmerlicht sieht man fie," sagte Franz trotzig, „e« sind Schatte«, die rasch wie der Blttz am Auge vorder- husche« o«(ggfpefljtagefchichten?" fiel Franziska� die unbemerkt eingetreten war, ihm in'S Wort.„Ich bm wirklich froh, wenn ich d e n Blödsinn nicht mehr zu hören brauche� passiren wird, wisse« Sie auch noch nicht," erwiderte der Kutscher mit scharfer Betonung.„Ge- wisse Leute werden erst durch Erfahrungen klug, und Ere könne««och viel erfahren/' „Hoffentlich nur Angenehmes!" sagte die Zofe schmppssch. al?o �irk�ch. daß e« Georg war?" fragte Marianne, die von ihrem Schrecke« sich«och«,cht erholt hatte. »Ganz gewiß." „Aber e« ist noch nicht Mitternacht!" Daß die Geister erst um Mitlernacht erscheme« solle«, tst ein Aberglaube, de« die alten Weiber in die Welt ge- bracht habe«. Sie weilen Tag und Nacht bei un». Georg ist jetzt bei uns hier im Zimmer, er hört jede« Wort, wel- ches wir spreche«—" mehr verfallen, als die ehelichen, und deshalb von der fiühen Ehe abrathen? Diese Spekulation wäie doch allzu raffinirt und würde auch auf die Dauer keinen Ausschlag geben. Daß Herr Böhmert den Arbeitern und Arbeiterinnen an- räth, vor der Eheschließung etwas zu sparen, ist ganz gut ge- meint und eS wäre leichtfinnig, wenn die jungen Eheleute dres nicht thäten, wenn fie es eben können. Aber eine solche Er- sparniß geht bei der eisten Krankheit, bei dem ersten Kindbett wieder verloren und die proletarische Wirthschast nimmt dann vielleicht 3 bis 9 Monate später ihren Anfang. Man schaffe den Ardeitern bessere Existenzbedingungen und Raum für bessere Entwickelung, dann ist es sicher viel richtiger, wenn die Arbeiter in einem angemessenen jugendlichen Alter Heirathen, als wenn fie schrankenlos ihre Jugend, wie man zu sagen pflegt, erst„genießen". Dieser Genuß ist in der Ehe ein viel reinerer, segensreicherer. Daß wir dabei nicht die Religion im Äuge baben, ist selbstverständlich. Ader die Ktndererziehung gedeiht in der Ehe besser, als außer der Ehe, und eine gewisse LedenSordnung wirkt wiedemm erzieherisch noch auf die Erwachsenen ein. So find wir nickt Gegner der zahlreichen Arbeiterehen, wie Herr Professor Böhmert, sondern Anbänger derselben; nur wollen wir dahin streben, daß eine gute soziale Grundlage für diese Ehen geschaffen wird, auf daß diesclben auch durchweg glückliche werden. Und dies kann nur dadurch geschehen, daß die Arbeits- und Arbeiterverhältniffe fich emporheben, denn, die Arbeiterehm eines Landes find von dem Stande der Arbeiterverhältniffe abhängig! Politische Ueberstcht. Die„Kreis. Ztg." ist ganz erbost, daß wir das Gebahren der„freifinnlaen" Partei gegenüber dem Branntweinmonopol- Projekt dem Werthe nach gekennzeichnet haben. Das Blatt meint, wir ärgerten unS nur, weil die„frcis." Partei zuerst die Jnnitiative gegen daS auftauchende Projett ergripen habe. Nun, Herr Richter mag fich beruhigen, wir haben keine Ursache, uns dieser seiner Liedlingsbeschästigung hinzugeben Muth ist eS ficherlich nicht, waS die„steif." Partei zu diesem Vorgehen gegen das Projekt veranlaßt, es geschieht vielmehr aus rein manchesterlichen Gründen. Diese Gründe spiegeln fich trefflich wieder in einem Artikel de?„Wes. Ztg.", von dem die „Freifinnige Zeitung" folgende Zeilen begierig in ihre Spalten aufgenommen hat: „... Wenn einmal in daS System des freien Weit- bewerbS Bresche geschossen ist, so wird man sehen, wie schnell die Großgrundbefitzer und Fabrikanten mißliebig werden. Sie haben Überdies die einfache politische Moral gegen fich. Denn wenn einmal die Vertheilung deS allgemeinen Einkommens nicht dem freien Wettbewerb, nicht dem natürlichen Spiel der Kräfte(wie lieblich!) über- lassen werden soll, so ist schlechtweg kein Grund denkbar, weshalb die Millionen den ohnehin schon retchen Groß- grundbestyern und Fabrikanten gegeben werden sollten; weshalb dann nicht lieber den Minderwohlhabenden, die oft nicht satt zu essen, keine warme Kleidung, keine ge- sunde, warme Wohnung habm?" Da haben wtr'S also! Die Angst, daß die Idee einer geregelten staatlichen Produktionswerse durch Monopolistrung eines Industriezweiges Fortschritte machen könnte, ist die Trieb- fever zu dem Geschrei, welche« Herr Richter und mit ihm die sogen,„freistnnige" Partei gegen den Monopolgedanken erhebt. Mit dürren Motten wird darauf hingewiesen, daß durch eine staatlich geregelte Produttion, die Millionen nicht ferner den Fabrikanten und Großgrundbefitzer« zufließen würden, darum muß also jede Verstaatlichung verworfen werden. Die„freifinnige'Wattei will also nicht daS V o l k» sondern die Pitvilegien der Fabrikanten und Großgrundbefitzer vor dem Volke schützen! DaS ist deS Pudels Kern. AuS solchen Gründen können wir uni natürlich nicht gegen Verstaatlichung eineS Industriezweiges erklären, daS weiß auch die„Freis. Ztg. und daher der Zom gegen uns. Die„konservative" Aktion gegen daS allgemeine Stimmrecht wird im„Deutschen Adelsblatt" wie folgt Iritisitt: „Wenngleich wir uns von den Keinen Partei- und FrattionSstreitigkeiten im Echoße unserer parlamentarischen Körperschaften im Allgemeinen grundsätzlich fern halten, so glauben wir doch hiervon gezenüber der neuerdings aufge- rauchten Streitstage über die Beseitigung oder Modifikation des allgemeinen gleichen, diretten Wahlrechts eine Ausnahme machen zu müssen und zwar aus dem Grunde, weil uns die richtige Behandlung dieser Frage für die Zukunft der konser- vativen Partei alS unbedingt präjudiziell erscheinen will. Haben wir unsererseits auch niemals einen Zweifel darüber ge- lassen, daß wir die gegenwätttge anarchische(!) und atomistrte Gestalt des allgemeinen Wahlrechts keineswegs als daS letzte Wott in der Wahlstage behandeln, so haben wir doch stets auch davor gewarnt, auf daS jetzt bestehende Wahlrecht leichtfertiger Weise(!) ohne dringende Veranlassung und ohne bestimmte Vorschläge, was man als Besseres an „Jetzt schweige« Sie!" sagte Marianne ärgerlich.„Sie machen ervem Angst und bange." „Und ich habe immer gefunden, daß da« ein recht kindisches Vergnügen ist," erwiderte Fravziska,„ich mag de« Unsinn«icht mehr mit anhören!" Sie ging hinaus und stieg langsam die Treppe hinauf. Seitdem Joseph«icht mehr im Schlosse war, fand sie es überall langweilig, und namentlich in der Gesindestube hatte sie keinen frohen Augenblick mehr. Franz und Marianne ftagte« jede« Augenblick, wann fie zu heirathen gedenke, fie richteten unzählige Fragen a« sie und unterließen dabei nicht, sie unaufhörlich vor ihrem fie di'' berechtigt waren Verlobten zu warnen, wozu sie doch weder verpflichtet noch Zu fpionire« gab'S auch nicht» mehr, und der alte William war ei« trockener Mensch, ein Dummkopf, der sich bestrebtes Jedermann» Freund zu hleiben. Da ließen fich keine Jntriguen mehr anspinnen, aber dafür wollte Franziska später sich schadlos halten; einer junge« schmucken Witthin machten die Herren gerne die Kour, und wen» der Herr Gemahl darüber eifersüchtig wurde, so war daS nach ihrer Ansicht ei« Triumph, der eine angenehme Abwechslung i« das nüchterne Eheleben brachte. Leise schritt Franziska über de« mit Teppiche« belegte« Konidor, und als fie jetzt an dem Arbeitskabiuet des Oberste« vorbei kam, glaubte sie im Innern Geräusch zu hören. Befremdet blieb fie stehen. Die Dame« und der Assessor waren im Boudoir, fie wußte daS mit aller Sicherheit, der Oberst hatte erst vor einer halbe« Stunde da» Schloß ver- lassen, er konnte nicht zurückgekehtt fein, sie würde ihn auch gesehen habe«. Wer also war i« dem Kabinet? Die Kammerzofe war eine echte Tochter Eva'«, sie konnte der Neugier nicht widerstehen. Leise legte sie ihre Hand auf de« Drückrr, dann öffnete fie behutsam die Thüre, aber so geräuschlos dies auch geschah war e» doch bemerkt worden, und«schreckt fuhr sie zu- seine Stelle zu setzen gedentt, als parlamentarischer Dilettant Angriffe zu machen, über deren Trag- weite man offenbar im Unklaren ist. Unzweifelhaft wird daS jetzt bestehende Wahlrecht von der Masse der Bevölkerung als die werthvollste Errungenschaft unserer Reichsverfassung betrachtet und der Äettreter der Sozialdemo- kratie hatte nicht ganz Unrecht, wenn er das Antasten dieser Errungenschaft als die Eröffnung der Pfotten einer neuen Re- volution kennzeichnete. Die Bedeutung eines derattigen Vor- gehens liegt zu sehr auf der Hand, als daß eS bejonderer demagogischer Künste bedürfte, um damit einen überaus gefähr- lichen Zündstoff in die Massen zu werfen und insbesondere die- jenige Partei, von welcher ein derattiger Angttff ausgeht, als die ausgesprochene Feindin der Volksrechte und Volksfreiheit darzustellen und zu verdächtigen. Unsere speziellen Freunde haben von Anbeginn auf die Gefahren(!) und Konsequenzen des jetzt geltenden Wahlrecht? hingewiesen und ohne Unterlaß betont, daß gegen diese Gefahren nur eine Hilfe und zwar in der ttchtigen Behandlung und Lösung der sozialen Fragen zu finden sei und daß jeder anderweite Versuch, die Entwicklung zurückzuschrauben, unzweifelhaft auf daS Haupt seiner Urheber zurückfallen werde..." Dieses Geschreibsel ist recht lehrreich, es bestätigt auf? Ncue, daß man nur den geeigneten Moment erwattet, um gegen da« heuttge ReichstagSwahlrecht Sturm zu laufen. Es wird den verren nun freilich recht schwer fallen, einen solchen Mo- mcnt herbeizuführen und somit wird dieser reaktionäre Wunsch vor der Hand ein recht frommer bleiben. Die Reichsgerichtsentscheidung in Sachen deS Chemnitzer SozialtstenprozesseS kann in ihr« weiteren Verfol- gung noch zu recht merkwürdigen Ergebnissen und Wider« svrüchen führen. ES ist festzuhalten, daß die Mitangeklagten Viereck und Volkmar, die aus KrankheitSaründen in Chemnitz zunächst nicht vrozesfirt wurden, ihr« Abutthcilung vor dem Chemnitzer Gericht noch entgegensehen und so kommt dieses in die Lage, die Entscheidung deS Reichsge- richts gegen diese Beiden anwenden zu müssen, was ihm für die anderen fieben Angeklagten entzogen ist. ES ist aber kaum anzunehmen, daß daS Chemnitzer Gettcht gegen Viereck und Wollmar zu einem anderen Ergebniß kommt, als gegen die anderen sieben Angeklagten, denn waS das Reichsgerichts«- kenntniß bemängelt, ist thatsächlich in der Verhandlung vor dem Chemnitzer Gettcht des Ausführlichsten erörtert worden, und es war ein rein formales Versehen, wenn daS Chemnitzer Landgericht dies im Uttheil festzustellen unterließ. Wie aber nun, wenn das Chemnitzer Gettcht im Prozeß gegen Wollmar und Viereck bei sein« alten Anschauung stehen blerbt und die- selben freispricht, daS Freiberger Gettcht hingegen die fieben zuerst Freigesprochenen vermtheilt? Und was dann weiter. wenn beide Urthnle formell unanfechtbar find, ab« matettell zu ganz entgegengesetzten Schlüssen kommen? Man steht. dieser Prozeß sängt an, hochinteressant zu werden und wir fürchten, daß wie immer er ausfällt, da« Ansehen der Rechts- pflege nicht dabei gewonnen hat. Dem Laien liegt doch die Frage nahe: wie kann eine wissentliche Gesetzesverletzung sei- tens der Angeklagten vorliegen und wie soll eine Verunhci- lung ausgesprochen werden können, wenn selbst die höchsten Gerrchtshöfe über den Begriff einer ungesetzlichen Verbindung getheilter Anficht find und Tage der Ueb«lcgung brauchen» um zu einem festen Urtheil zu kommen? Neugiettg darf man wohl auch sein, welches Gericht fich zunächst beeilt, die Sache zum Abschluß zu bttngen. Die Angeklagten werden vermuth- lich die Aufschiebung der Verhandlung durch ReichStagsbeschluß herbeiführen. Das Branntweinmonopol soll bekanntlich auch dazu dienen, den Nothstand ver Landwirthschaft, speziell derjenigen, die fich mit dem Kattoffelbau zur SpitttuSfabttkation beschäftigt» zu beseitigen. Interessant ist es nun, wie die„Köln. Volks, tg." üb« den Nothstand der SpitttuSbrenn« uttheilt. DaS Blatt schreibt: Der Osten Deutschlands bat einen wenig ertrag. reichen Boden; ad« er ist doch ergiebig genug, um seine Be« völk«ung gut zu ernähren. Wenn aber allerdings ein Stoß« Theil der Rittergutsbesitzer immer mehr zu der Gewohn« eit übergeht, die Wintersaison ganz oder theilweise in B«lin zu verleben, möglicher Weise hi« fich anzukaufen, ein großes Haus zu machen und Gesellschaften zu geben, so fragt fich der Kenner der Verhällnisse oft erstaunt, wo denn das Geld dazu herkommen soll. Selbst die Vermalt« ihrer Güter schütteln bedenklich das Haupt. Die Söhne dienen in Garde- Regimentern und brauchen allein schon reichliche Zuschüsse. Was noth thut, das ist die Rückkehr zu ein« fächeren Gewohnhetten, die H«absetzung der üb«« triebenen Ansprüche an das Leben, und wenn eine ansehnliche Fabrikatsteuer auf Branntwein diesen Erfolg beschleunigen könnte, dann wäre fie allein schon deswegen empfehlenSwetth. Das Monopol aber, welches ihnen noch größere Erträge fichern würde, wäre für fie noch gesundheitsschädlicher alS der Kar- toffelschnaps, den fie brennen. In Wahrheit steht eS mit der Sptritusindustrie �keineswegs so schlecht, alS man glauben machen will; je länger man aber ihr gegenüber die Sammet- Handschuhe anbehält, um so schw«« wird eS allndings, eine sammen, al, jetzt ihr Blick auf Rabe siel, der vor den» eis«nen Schrank stand. Ein Schrei entfuhr ihren Lippen, im nächsten Moment fühlte sie ein kalte« Eisen an ihrer Schläfe. „Keinen Laut, ob« Sie sind des Todes," flüst«tt Rabe in drohendem Tone.„WaS hier geschieht, geht Sie nichts an. Der Oberst ist auSgetttten, nicht wahr?" „Ja," erwiderte Franziska entsetzt. „Sprechen Sie nicht so laut! Ist d« Assessor im Schlosse?" „Bei den Damen im Boudoir!" „Verrathen Sie keinem Menschen, daß Sie mich hier gesehe« habe«, wollen Sie da«»«spreche«?" „Ich weiß nicht—" „Wenn Sie nur eine Silbe verrathe«, mache ich Sie und Ihre« Vttlobte« unglücklich, ich sorge dafür, daß Sie mit Schimpf und Schande entlasse« w«de«, und Joseph bringe ich in'S Zuchthau«." „Ich verspreche Alle«", sagte da» zum Tode geängstett Mädchen. »Wenn Sie schweigen, find Sie binnen vi« Woche" Witthin I" Franziska schrie laut auf;— hinter dem Rücken Rabe* öffnete sich die Pottin« und die Gen«ali« stand auf Schwelle de« Kabinet,. Rabe mochte ahne«, wa< hi«t« ihm vorging,« wandt hastig fich um und stampfte wüthend mit dem Fuß auf de Teppich._ „Verflucht!" sagte«, mit de« Zähne« knirschend,/ diesem Hause ist ma« üb«all vo« Spione« umgeben!" Die Generali« hatte beim erste« Blick die Sack lag «kannt, d« geöffnete Schrank und die Waffe in d«■-a ihre« Bruders mußten jede« Zweifel beseitige«.. „Geh' hinaus und schweige, ich befehle e« Dir auf. Strengste!" gebot die Generali« d« Zofe, und Franz» beeilte sich, den willkommenen Befehl zu befolgen. � Frau von Stuckmann zog die Potti«e wieder heftete den flammenden Blick fest auf da« todetbleicho � de« Bruders. ynt „Konntest Du mir da««icht«spare«?" fragte I vernünftige Besteuerung vorzunehmen. Denn die EcbnavZ drenner im Osten fangen an, auf demselben hohen Fuß fich einzurichten, wie die Zucker- Industriellen, bis dann eine Krifis kommt, und der Steuer Erheber das Nachsehen hat. WaS die Landwirthschaft im Osten Deutschlands von derjenigen des Westens umerscheidet. das ist die Sucht nach möglichst rascher Bereicherung, welche hier der Zucker, dort der SchnapS bringen soll. Das Korn wächst zu langsam, wirft auch nicht ganz so viel Prozente ab; bei Schnaps und Zucker kann man mit viel größeren Summen rechnen und eher den großen Herrn spielen. Es ist traurig, aber es ist so. Die Landwifthschaft ist hier nicht mehr die vornehmste, edelste Beschäftigung, sondern in der Hauptsache ein Anhängsel zum Fabrikbetrieb. Ist die indu« strielle Spekulation mißglückt, dann ist der Körnerbau, welcher zwar eine bescheidene aber sichere Rente auch heute noch ab« wirst, wieder gut genug, um zu ihm zurückzugreifen. Aber verdient der landwirthschaftliche Spekulant etwa größere Thi" nähme als der Börsenjobber? Die Sozialdemokraten werden im Reichstage bei Be« rathung des Rechenschaftsberichtes über die Verlängerung des Belagerungszustandes eine Resolution beantragen des Inhalts, daß die angegebenen Gründe eine Verlängerung nicht recht- fertigen. Ferner arbeiten dieselben einen Antrag auf strengere Bestrafung des DuellS aus. Afrikanisches. Während vor acht Tagen hier ein Pro tokoll über die Grenzregulinmgl zwischen den deutschen und den französischen Besitzungen im westlichen Zentralafrika unter- zeichnet wo-den, soll es nach Meldungen, welche in den eng lischen Blättern vorliegen, angeblich dort zu einem kleinen Kon flikt zwischen einem deutschen und einem französischen Schiffs Kommandanten gekommen fein; die Besatzung eines französt- schen Kriegsschiffes hätte zu Batengo ihre Flagge gehißt, ein Detachemcnt des deutschen Kriegsschiffs„Coclop" sie wieder hcrabgeholt. Ein andere? deutsches Kriegsschiff habe fich auf diese Meldung von Et. Thomas im Golf von Guinea nach Batengo begeben.— Die Bestätigung dieser von Madrid nach London gelangten Mittheilungen bleibt erst abzuwaften; sollten dieselben richtig sein, so wird, meint die„Rat. Ztg.', obne Zweifel der Zwischenfall, welcher fich durch die bisherig- Un« klarheit der dottigen Grenze erklären würde, ebenso treund- schaftlich erledigt werden, wie bereits die Grenzftage selbst. Spanten« Wie der„Jndep. belae" gemeldet wird, soll in dieser Woche auch England das Protokoll, betr. die Karolinen, unterzeichnen, nachdem ihm dieselben HandelSvortheile wie Deutschland zuge« sichert find.— Die Präsidentenwahl im Kongreß enthüllte den tiefen Zwiespalt der Konservativen. Die größere Hälfte folgte EanovaS, der nicht gewählt wmden wäre, wenn nicht 22 Libe« rale zu seinem Anhang fich gesellt hätten; sein Gegner Romero Robledo erhielt ll2 Stimmen, darunter 16 von der dynastischen Linken und 9 unabhängige Liberale. Die Republikaner ent- hielten sich der Abstimmung.— Die Zivilliste der Regentschaft soll in folgender Weise geregelt werden: Königin- Regentin 7 Mill. Fr.: Prinzessin von Austrien(die fünfjährige Thron- folgerin) 500 000; von den Jnfantinnen Jsabella, Paz und Eulalia(Schwestern des verstorbenen Königs) erhält die erstere 250000, die beiden andern je 150000; die Exkönigin Jsabella 750000; ihr Gemahl, Don Franz von Assist 300000; ihre Schwester, die Herzogin von Montpenfier, 250000 Fr. G r o h b r i t a« u i e»». Die Regierung sucht Irland in jeder Hinficht versöhn (ich ,u stimmen. So hat sie neuerdings bei der Armee bekleidungs Fabrik in Limerick 130 000 Uniformen bestellt, welcher Auftrag die Fabrik ein volles Jahr beschäftigen dürfte. Früher wurden die Uniformen für die britischen Truppen fast ausschließlich in der Militäreffektenfabrik in Pimlico(London) angefertigt.— Der Widerstand gegen die ExmisstonSbeamtm dauert ungeschwächt fort. Bei der Exmission einer Pächter« familie in Modeliao bei Dungarven mußte die Polrzei daS HauS, deffen Insassen fich mit siedendem Waffer, Flaschen, Krügen und wo« ihnen sonst zur Hand kam, über eine Stunde lang vertheidigten, zuletzt mit Sturm nehmen, und da das Volk Partei für die arme Familie ergriff und die Polizei mit Steinen bewarf, so machte diese von ihren Waffen Gebrauch, wobei mehrere Verwundungen vorkamen. Kommunales. «....«.. V �. w Der Etat der Hochbau-Verwaltung schließt ab mit einer Einnahme von 2 250 000 M., von denen 2140000 M. aus der Anleihe des JahreS 1882 zu entnehmen find zwecks ää ää SÄMÄ bebender Stimme.„War es nicht genug damit, daß Du Dich an meinem Vermögen verariffen hattest—" .Und wenn es nun geschehen war, weshalb mußte es an die große Glocke gehängt werde«?" fuhr Rabe auf. „Ich habe da« nicht gethan!* „Der Oberst—" »Er entdeckte zuerst den Diebstahl, ich hatte keine Ahnung davon, sonst würde ich dafür gesorgt habe», daß er nichts davon erfuhr! Er versprach mir, zu schweigen, meinetwegen Dich zu schone«—" „Pah, welchen Werth hat das Versprechen dieses Feigling«!" fuhr Rabe wüthend auf.„Er hat mich bei Lossow angeklagt, mich beschimpft und mir jede Te» nuzthuung verweigert „That er das, so wirst Du ihn dazu gereizt haben," fiel die Generalin ihm mit gehobener Stimme m's Wort. „Der Oberst ist ein Mann von Ehre, und daß er Dir ge- genüber keine Rücksicht»ahm, das finde ich begreiflich." „Und daß Du ihn vertheidigst, finde ich auch begreif- lich," erwiderte Rabe mit boshaftem Hohn.„Wann wird die Doppelhochzeit gefeiert?" Der Zorn blitzte in den Augen der schönen Frau auf. „Was berechtigt Dich, diesen Ton anzuschlagen?" fragte sie.„Ist dieser Hohn der Dank für meine Güte?. Ist er angebracht in einem Augenblick, in welchem Du als er- tappter Einbrecher vor mir stehst? Woher«ahmst Du die Schlüssel, um diesen Schrank zu öffnen?" _„Du spielst die Rolle eines Untersuchungsrichters vor« trefflich," erwiderte Rabe, den Kopf trotzig zurückwerfend. „Du verstehst nur nicht, ihr den nöthigen Nachdruck zu geben. Die Schlüssel fand ich unter meinen Papieren." „Und so ttef konntest Du sinken—" „Das ist Unsinn, Adelaide! Mir verdankst Du dieses Vermöge», e« wäre recht und billig, wenn Du es mit mir theiltest." „Dir verdanke ich es? Im Gegentheil, hättest Du es verwaltet, wie ein rechtlich denkender Verwalter e« getha« haben würde, so müßte eS sich verdoppelt haben. Um die Zinsen meines Vermögens hast Du mich bettogen." „Das hat Dir wohl der Oberst gesagt?" Ordinarium und 4 773 300 M. auf das Extraordinarium ent- fallen und welche? zur Verwendung für die vorbenannten Bauten resp. für bereits in Angriff genommene Bauten bc- stimmt ist, während daS Ordinarium für Reparaturen und Unterhaltung der städtischen Gebäude erforderlich ist. Städtische Erziehungs-Anstalt. Um den steigenden Anfordemnaeu in Bezug auf die gesetzlich angeordnete zwangS- weise Erziehung sittlich verwahrloster Kinder zu genügen, loll zunächst provisorisch, und um Erfahrungen für eine definitive städtische Erziehungsanstalt zu sammeln, in den Räumen des Arbeitshauses zu Äummelsburg eine solche Anstalt eingerichtet werden. Der Stadtverordneten- Versammlung wird eine ent- sprechende Vorlage zugehen. w. Der Etat für die Tiefbau-Verwaltung, umfassend die Sttaßen- und Brückenbaulast schließt ad mit einer Gesammt- Einnahme von 4 541 858 Mark und einer Ausgabe von 8 202 960 Mark, so daß ein Zuschuß erforderlich wird von 3661 102 M. Die Haupteinnahme von 2 400000 M. wird entnommen aus der Anleihe für Verbreiterung der Neuen Friedrichstraße und für Anlegung der Kaiser Wilhelmstraße, welche Anlagen auch einen großen Theil der Ausgaben ver- schlingen; für Brückenbauten sind 940 300 M. und für Ent« wäfferungS-Anlagen 730970 M. vorgesehen. Zokales. Die Tannenbäume find verschwunden, die Neujahrs- wünsche haben ihren Einzug gehatten. Von den eleganten Karten, die fich durch Reichthum und Vielgestaltigkeit aus- zeichnen, bis zu den„Groschen-Bilderbogen" finden sie reißen« den Absatz. Alle Versuche, zu Gunsten der Ablösung der Neujahrsgralulationen für wohlthätige Zwecke Propaganda zu machen, find fehlgeschlagen. Von Jahr zu Jahr wächst die Zahl der Stadtpostbriefe, welche die Post am 1. Januar zu besorgen hat, vor einem Jahre überstieg sie schon bei weitem eine Million. Für die diesmalige Bttefbestcllung find wieder die umfassendsten Vorbereitungen getroffen. Aber aller Eifer der Post kann nicht die Fehler gut machen, die durch unge- nügendeö Adresfiren verursacht werden. Was in dieser Be- ziehung selbst an Tagen gesündigt wird, an denen Alles auf daS pünktliche Eintreffen der Sendung ankommt, grenzt ans Fabelhafte. Durch die Angabe der näheren Bezeichnung der Richtung: C., N., SW. ic. beschleunigt man die Ablieferung der Briefe um Stunden. Trotzdem dicS allgemein bekannt ist, unterbleibt es noch gar zu häufig. Einen reitenden Schutzmann als nachträgliches Weih- nachtSgeschenk erbitten fich die Nachkam des KöntgSthoreS dringend vom Polizetprästdenten. Heber den Platz am Thore wälzt fich alltäglich von der Königschaussee her ein starker Strom von G-fahrten aller Art, welche aus den zahlreichen Oftschaften vor dem Thore nach Berlin kommen oder dahin zurückkehren. Zahlreiche Leichmzüge überschreiten den Platz nach den bei Weißensee gelegenen großen Friedhöfen: zwei Pferdebahnlinim kreuzen fich hier, und waS das Schlimmste ist: sämmtliche Schlächterwagen des nördlichen Berlins benutzen die Friedenssttaße quer über den Platz am Thor auf der Fahrt zum und vom Zcnttal-Viehhofe. Kurz eS ist ein Jagen und Rennen dort, wie an keinem andern Thore Berlins. Dazu kommt, daß drei Schulen in der Nähe liegen und viele Hun- derte von Schulkindern täglich mehrere Male über den Platz gehen. Unglücksfälle ereignen fich häufig, zu verwundern ist nur, daß nicht noch viel mehr Unheil vorkommt, denn dieser große Verkehr vollzieht fich eigentlich ohne polizeiliche Aufstcht. Ein Schutzmann zu Fuß könnte auch gar nichts nützen, denn es sollte einem solchen wohl schwer werden, den wie toll daher- jagenden Schlächterwagen beizukommen. Nur ein reitender § osten vermag hier den nothwendigen Schutz für Lebm und esundheit der Paffanten zu gewähren. Seit Jahren hat fich der Bezirksverein Königsthor nach dieser Richtung hin bemüht, vielleicht schafft die öffentliche Besprechung dieser Angelegenheit Abhilfe. r. Das Stammseidel ist ein beliebtes Weihnachtsgeschenk unserer Herren Gastwirthe an diejenigen ihrer Gäste, vie sie gern an die allabendliche Tafelrunde in ihrem Lokale zu fesseln wünschen: außerdem pflegt ein nobler Stammgast solch ein Präsent stets mit einem größeren Quantum des in der bettef- senden Kneipe konsumirten Getränkes zu begießen; Grund genug, um solch Geschenk zu Weihnachten als besonders zweck- mäßig erscheinen zu lassen, denn schenken muß man doch nun einmal etwas. Bemerkenswerth ist nun die Art, wie ein be« kanntcr Restaurateur im Südosten der Stadt, der zu Weih- nachten einige seiner Gäste ebenfalls mit Stammseideln be- glückte, fich mit den Bestimmungen deS Aichungsgesetzes abgefunden hat. Nachdem man in der prattischen Handhabung des Gesetze? festgestellt hat, daß jedes Glos nur einen Aichstrich haben darf, und nachdem femer gefordert wird, daß jedcS Glas biS zum Aichstrich vollgeschenkr sein muß, wonach also ein als volles Seidel geaichteS Stammglas vom Witth nicht zum Ausschänken eines Schnittes gebraucht werden kann, hat der betreffende Wirth die neuen Stammseidel auf 0,1 Liter aichen lassen. Er schafft fich damit die Möglichkeit, daß au? solchen Gläsem, wie daS bei urfidelen Kneipereien schon vor- gekommen ist, auch Wein getrunken werden kann, ohne daß dabei die Füllung bis an den Aichstrich unbequem oder gar hinderlich wäre.— Nach dem Buchstaben des Gesetzes hat der kluge Restaurateur jedenfalls genug ge« than, es fragt fich nur, waS die Polizei und das Gericht zu dieser Aichung sagen werden. Für dm stark beeinträchtigten Gebrauch der Stammgläser wäre dieser Ausweg allerdings der -veckmäßigste; denn für den Stammgast ist ein koulanter Witth die Hauptsache und diese Koulanz läßt fich durch dm Aichstttch allein nicht abmessm. r. Die Besitzer von EtSkellereien scheinm dem die»- jahrigen Winter aber auch gar nichts zuzutraum. Auf der Oderspree, den EchifffahttSlanälen und auf den umliegendm Seen hat die Emte des kaum 2 bis 3 Zoll starkm Eises be- gonnm, und namentlich die Brauereien find mit allen diSpo« nidlen Arbeitskräften und Gespannm beim Einfahren des Eise« thätig. Den kräftigen, durch gute Kost und reichlichen Bier- gmuß sehr wohlgenährten Brauerei-Arbeitern gegenüber haben die gegenwättig disponiblen, durch mangelhafte Emähmng und Kälte heruntergekommenen Arbeiter einen schweren Stand. Wenn trotzdem daS Angebot von Arbeitskrästm für die Eis- ernte sehr zahlreich ist, so liefert daS einen Beweis für die große Zahl der vorhandenen, und ohne eigenes Verschuldm Arbeitslosen. R. Am Dienstag Mittag spielte fich auf dem Fttedhof der St. Pettt- Gemeinde eine ergreifende Szene ab, die dm wenigen Augmzeugen unvergeßlich bleiben dürste. An einem kleinen Grabe stand ein Mann gebeugten Hauptes, er mochte ungefähr Anfang der dreißiger Jahre sein. Sein dichte?, schwarzes Kopfhaar und der lange Vollbatt zeigten eine nicht gettnge Zahl weißer Fäden und verttethen, daß der Träger ftüh gealtett sei. Dem Aeußeren nach gehötte er dem Kauf- mannsstande an. In tiefe Gedanken versunken stand der Mann und bemerkte nicht, wie eine verschleierte, schlanke Dame fich hinter ihm dem Grabe näherte, in der Hand ein Kränzlein tragend. Erstaunt und erschreckt zugleich stand fie beim An- blick deS Mannes still, unentschlossen, ob fie vor oder zurück« gehm solle. Doch nur einen Augenblick wähtte dieS Zaudern, mtschlossm trat fie zu dem Grabe und legte mit zitternder Hand das Kränzlein nieder. ES diente dem Andenken einer Verstorbenen, dem GebuttStage des ruhenden jetzt fünfjähttgen Töchterchms. Ein lauter Seufzer stahl fich in diesem Augen- blick von den Lippen deS Mannes. Still trocknete er die Tbränen, welche unaufhaltsam seinen Augen entströmten. Da plötzlichgttff er die Dame bei beiden Händen und in flehmt- lichen Watten bat er um die verlorene Liebe!— Stumm legte fich die Gattin an die Brust des nach Fassung ttngen- den ManneS und schluchzte leise: er hob ihren Kovf in die Höhe und drückte einen Kuß auf ihre Lippen. Am Grabe des Kindes hatten die Gatten fich wieder gefunden. welche vor drei Jahren durch Richterfpruch getrennt, sich seitdem nicht ge- sehen hatten. Arm in Arm verließen die auf's Neue Beglück- trn langsamm Schttttes die Stätte des Friedens. Der Musiklehrer S. wurde gestern wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit verhaftet. ES wird ihm zur Last gelegt, daß er eine mit Apfelfinen handelnde Frau durch daS Vor- geben, größere Einkäufe machen zu wollen, in seine Wohnung gelockt und ihr daselbst Gewalt angethan hat. Der Eigenthümer einer Uhr gesucht. Am 6. November d. I. ersuchte ein Unbekannter einen Steinsetzer in der Neustädtischen Kirchstraße, ihm schnell zur Erlangung einer Droschke behilflich zu sein, oder aber ihn mit einem Kahn über die Spree nach dem Schiffbauerdamm zu fahren, und versprach als Belohnung eine filderne Zylinderuhr, da er kein Geld bei fich habe. Beide gingen durch die verlängerte Neustädtische Kirchstraße an die Spree und ließen fich von einem dott liegen« den Schiffer übersetzen, wofür der Steinsetzer die Uhr erhielt. Auf diese machte nun auch der Schiffer Anspruch. Beide einigten fich nun schließlich dahin, daß fie die Uhr der Polizei- behörde Übergaben, woselbst fie auch aufbewahrt wird. Der Unbekannte Eigentbümer der muthmaßlich gestohlenen Uhr kann dieselbe bei dem Kriminal-Kommiffattat besichtigen. Die mit der Nummer 7647 versehene Uhr ist alt, auf der Rückseite stark abgenutzt und am Zifferblatt an den Zahlen 1, 6 und 7 h-fiünhW „Ich glaube soviel in der Schule gelernt zu haben, um da? selbst berechnen zu können." „Und trotzdem behaupte ich noch einmal, mir allein ver- dankst Du Alles, was Du hast. Damals hätte der Oberst Dir keine Wohnung in seinem Schlosse angeboten, er würde Dir Alle« genommen und Dich hinaus gestoßen haben!" „Deine Drohungen fürchte ich nicht mehr," sagte die Generalin mit verachtender Geringschätzung,„Du kannst Dir diese Mühe ersparen, ich glaube nicht an die Existenz eines mir gefährlichen Geheimnisse«. Was ich besitze, da« habe ich von meinem Gatte» ererbt, und den größere« Theil diese« ErbeS hast Du im Hazardfpiel vergeudet." „Zwinge mich nicht, Dir jene» Geheimaiß zu enthüllen, dessen Existenz Du bestreitest, der Schlag würde vernichtend Dich treffen. Ich habe Dir Alle« geopfert, die besten Jahre meines Leben«, meine ganze zukünftige Existenz, — der Mohr hat seine Arbeit gethan, der Mohr kann gehen." „Und wa« wäre au« Dir geworden, wen» ich mich nicht Deiner angenommen hätte?" erwidette Frau von Stuck- mann scharf.„Warst Du nicht damals schon ei» verlorener Mensch? Soll ich Dir da« Verzeichniß der Summe» vor- legen, die Du schon zu Lebzeiten deS Generals vergeudet hast? Ich glaubte, Du werdest Dich bessern, ich hoffte wirklich, das Dir anvertraute Amt werde—" „Ich habe es ehrlich verwaltet!" „In Deinem eigene« Interesse; aber ich will diesen Punkt nicht weiter berühre». Du hättest mir ehrlich und offen Deine Schuld eingestehe» solle«, ich würde Dir ge- Holsen haben, und durch Deine Verbindung mit de» Lossow'«—" „Sie ist gelöst!" „Definitiv?" „Ich Hab'« Deinem Echwlger zn verdanken. Der Feigling hat die Rolle des Denunzianten übernommen, ich war gezwungen, die Verlobung aufzuheben." „Vielleicht ist es besser so," sagte die Generali«, deren Lippen ein herber Zug umzuckte,„die Lossow'« wären durch Deine Verschwendung verarmt. Wer seine Ehre so gleich- lieber eine Blutvergiftung mit tödtlichem Ausgang wird aus dem benachdatten Charlottenburg berichtet. Die Frau eines dott in der Kirchstraße wohnenden Maurerpoliers H. hatte ihrem Mann als Weibnachtsüberraschung ein Paar Haus. schuhe gestickt, bei welcher Arbeit fie neben anderer, auch viel arüne Wolle verwendete. Wahrend der A:bttt bemerkte Frau H. plötzlich am Daumen der linken Hand eine kleine Blase, die fie, ohne ihr weiter Beachtung zu schenken, mit der Stecknadel aufstach und dann weiter arbeitete. Unmittelbar darauf fühlte Frau H. einen brennenden Schmer, in der Hand und später im Arm. so daß fie schließlich einen Arzt konsultiren mußte. Derselbe konstatitte eine Blutvergiftung, die bereits so weit vorgeschtttten, daß alle seine Bemühungen vergeblich waren. Dte Aermste ist jetzt unter den fürchterlichsten Schmerzen an den Folgen der Blutvergiftung verstorben. ailttg in den Staub treten kann, wie Du et in dieser Stunde bewiesen hast, der besitzt die moralische Kraft nicht mehr sich au» dem Sumvf aufzuraffen und seine Leiden- schaften zu beherrschen. Mit bewaffneter Hand einzubrechen, um seine Spielschulden tilgen zu können—" „Beende gütigst Deine Moralpredigt," fiel Rabe ihr barsch in'« Wort,„ich habe keine Spielschulde» mehr." Aber diese Schulde« haben jene 25 000 Thaler verschlungen, die Du mir raubtest'. Wa« willst Du nun noch?" „Nicht»!" erwiderte Rabe trotzig.„Almosen verlange ich von Dir nicht, aber Du wirst an mich denken! Du wirst bereuen, daß Du de« Bruder geopfett hast, um da« Versöhnung, fest mit dem Schwager feiern zu können! Segen bringt eS Dir nicht, Du wirst es er- fahre* ich» hra� ich mit Dir, Du selbst zwangst mich dazu dadurch, daß Du mein Vertraue« mißbrauchtest. Ich hätte besser getha«, schon vor Jahren mich von Dir zu trennen, ich wäre dadurch von mancher tiefschmerzliche« Erfahrung verschont geblieben. Du wärest vielleicht untergegangen, aber dasselbe Schicksal fleht Dir auch jetzt bevor." „Und dann trägst Du die Schuld daran." „Zch?" „Jawohl! Du mußtest mehr Rücksicht auf mich nehmen k Al« der Oberst das Testament seine» Bruder» nicht anerkenne» wollte, mußtest Du seine Verzichtleistung anaehmen, und Alles wäre gebliebe« wie et war. Zch konnte vor und nach meine Schulden tilgen, und der Baron von Lossow würde nicht« iKachtheilige« über mich erfahre« haben. Durch den jähe«, uner- warteten Bruch wurde ich gezwungen, meine Gläubiger so- fort zu befnedigen. und daß Du mir fteiwillig das Geld nicht gebe« würdest, wußte ich voraus." „Entschuldigt da« den Diebstahl?" ftagte die Generali» entrüstet.„Ich hätte eS Dir gegeben, wenn dieses Opfer gebracht werde« mußte, um Deine Ehre zu retten. Und trotz allem Vorgefallene« bin ich auch jetzt noch bereit, etwa« für Dich zu thun, das Letzte!" „Da« Letzte? Erkläre Dich deutlicher." „Ich will Dir zehntausend Thaler gebe« unter der Bedingung, daß Du Europa verläßt."(Forts, folgt.) g. S9 ist eine auffallende Thatsache, daß die größte Zahl der m die Jnenanstalt zu Dalldorf im vorigen Vermal« tungSjahre aufgenommenen männlichen und weiblichen Pe* fönen dem Handwerferstande anaehören. Von den 490 im vorigen Jahre aufgenommenen Männern gehörten an: 197 dem Handwerkerstände, 95 dem Arbciterstande, 71 dem Stande der Kaufleute und Gewerbetreibenden, 62 dem Beamtcnstande, 18 dem Künstlerstande, je 9 dem Gelehrten- und Militärstande, u. s. w. Unter den 383 aufgenommenen Frauen befanden sich 6 aus dem Gelehrtenstande, 3 Diakonisfinnen und 2 Schau- svielerinnen. Dem Alter nach waren von den aufgenommenen 873 Personen 6 zwischen 1—10 Jahren, 48 zwischen 10 bis 20 Jahren, 178 zwischen 20—30 Jahren, 290 zwischen 30 bis 40 Jahren, 195 zwischen 40—50 Jahren, 88 zwischen 50 bis 60 Jahren, 50 zwischen 60—70 Jahren, 15 zwischen 70—80 Jahren und 3 zwischen 80-90 Jabren alt. Von den aufgenom- menen Geisteskranken starben in Dalldorf 112 Personen, darunter 1 durch Selbstmord, 1 an Ei stickung. Entwichen find 22 Per- fönen, davon 7 aus Prioatanstalten. Auf eiuem Patrouillengange fand vorgestern Abend ein Thiergartenwächter die Leiche eines ca. 24jährigen, elegant gekleideten jungen ManneS an der Ecke der Zelten und Großen Queerallee auf der Erde liegen. Neben dem Todten, der aus einer Kopfwunde noch heftig blutete, lag ein bereits zum Theil abgeschossener Revolver. In den Rocktaschen des Todten fand man Uhr und Kette, etwaS kleines Geld und mehrere Visitenkarten auf den Namen eines Uhrmachers Ernst Werner. Zweifellos liegt ein Selbstmord vor. Behufs de« finitiver Relognition ist die Leiche nach der Morgue geschafft worden. Ein Nachtwächter bemerkte in der Nacht zum 29. d. M. auf seinem Patrouillenzanae um die Bartholomäuskirche einen alten Mann, der fich am Fenster der im Keller belegenen Küche des Pfarrers in verdächtiger Weise zu schaffen machte. Der Wächter nahm den Mann, der bei seiner Annäherung zu ent« fliehen versuchte, fest und fistirte ihn zur nächsten Wache. Bei seiner Durchsuchung fand man ein Stemmeisen, eine Diebes- iaterne und ein Bund mit sechs Schlüsseln. Daß derselbe mit einem leider entkommenen Genoffen einen Einbruch in der Woh- nung des Pfarrers zu verüben beabfichtigt hat, ist zweifellos, denn von der Scheibe eines Fensters, an dessen Gitter feit längerer Zeit ein Eisenstab fehtte, war der Kitt zum Theil ab- elöst und vor dem Fenster lagen mehrere abgebrannte Streich- ölzer. Der Festgenommene, der fich wohl falschlich für einen Arbeiter Krüge aus Breslau auSgiebt und erst fett einigen Tagen hier aufhalten will, scheint vor Kurzem auS einer Slrafanstalt entlassen zu sein. Explosion im Packet-Poftamt. Eme in ihren Ursachen bisher noch absolut unaufgeklärte Explofion fand am ersten Feiertag, wie uns nachträglich berichiet wird, in dem Postamt in der Oranimburgerstraße statt Beim Transport mehrerer Packele gerieth plötzlich ein ca. 6 Kilo schweres Packet unter einer verhäl nißmäßig geringfügigen Detonation in Brand und verbrannte vollständig, ehe es noch möglich war, den eigent- lichen Inhalt festzustellen. Nur mit Mühe konnten die ver- schicdenen anderen gleichzeitig in demselben Räume befind- lichen Packete vor einer Mitinbrandsetzung bewahrt werden. Seitens der Behörde ist die Untersuchung eingeleitet, um den Absender resp. dem Adressaten der gefahrvollen Sendung zu In Bezug auf«nsere Notiz, betreffend da« Katho- lisch- Krankenhaus, wird uns von zustandrger Seite mit- getheilt, daß gegen die Kranke in keiner Werse inhuman ver- fahren ist. Dieselbe wurde aus durchaus zwingenden Gründen nach der Neuen Chantee befördert und zwar in Begleitung ihrer Mutter, der man nur zur eventuellen Hilfe einen Schutz. mann mitgegeben hatte._ g. Ueber eine Feuerprobe in der stadtrschen Irren- anstatt zu Dalldorf sagt der vorliegende Verwaltungsbericht MO 1884/85: Der Mchungs- Dingent erschien eines Abends und gab dem Erziehungsinspektor dir Ordre: In den Knaben- schlafsälen ist Feuer, die Zöglinge finden n der Tumhalle Schatz. Mit Hilfe des Lehr- und WartepersonalS geschah die Uederführung der Zöglinge in die Turnhalle, indieselde wurde auch für die im Lazareth befindlichen Kranken die entsprechende Zahl von Bettstellen tranSportirt. 7 Almuten nach Meldung des FeuerS konnte lonstatirt werden, daß alle Zöglmge, 74 Knaben, 36 Mädchen und 8 Bettstellen(resp. 8 Kranke), sich in der Turnhalle befanden. Die Anftaltsfeuerwehr. welche mit brennenden Fackeln erschienen war. stand in voller Thatig- keit, die Spritze der Anstalt war ebenfalls zm Stelle und bot die Feuerprobe ein beruhigendes Bild für etwaige Un- glücks�alle. � qyoß, Pumpwerk der zwischen Wedding und Gesundbrunnen errichteten neuen Eisfabrik find Vre Brunnen auf den umliegenden bebauten Grundstücken vollständig waffer. leer gemacht worden. Um nun für jene todten Brunnen neue Quellen in tieferen Erdschietten zu erschließen, ist w,e die km: die einzelnen Hausbesitzer zu hoch stellten, und jene Bewohner über Mangel an gesundem Trinkwasser klagten, so ist hier auf BtÄ" brunnen zur Schlauchbcfestigung vorfindef hier feblt. mittheilt, ist tk Schauspielerin auf Antrag ihres V-rtherdigerS m ä« als Hehlerin b.theiligt sein soll, ist gleich beim Beginn der Untersuchung festgenommen worden und befindet fich noch �Polizet-Bericht. Am 29. d. M. Vor mittags fiel der Schlosser Becker in dem Speicher der Eckert schen Maschinen- Fabrik. Weidenweg 37. aus einer Höhe von etwa 9 Metern aui den Fußboden herab und erlitt dabei emen Schädelbruch, so daß er nach d-m Kranttnhause ,m F-lednchsha n gebracht «erden mußte, wo er nach kurzer Zeit verstarb.— Am Mittage desselben Tages fiel der auf dem Neubau der Gemeindeschule Gubenerstr 52-53 beschäftigte Arbeiter Henschel ,n eine mit frisch gelöschtem Kalk aefüllre Grude und /rktl dabei so schwere Brandwund.n, daß er nach dem städtischen Kranken- hause gebracht werden mußte. An seinem Aufkommen wird ge- zweifelt.- An demselben Tag- wurde in einem Garten in der Ba nimstraße die von Rat.en biS zur Unkenntlschtett an- gefressene Leiche eiacS neugebwenen Kindes und»m Thier- garten unweit der Zelten Allee die Lerche eincS unbekannten. den besseren Ständen angehörenden Mannes ,m Alter von etwa 20 bis 24 Jahren mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe und neben der L-lche ein abgctchoffentt R-volvn auf- gefunden. Beide Leichen wurden nach den. Obdultionshause geschafft.- Am 29. d. M. wurden von Chauffeestr. 36. Strahburgerstr. 32, Georgenkirchstr. 5 und Rrt'.erstr. 14 kleme Feuer gemeldet, welche theils von der Feuerwehr, theils vor dem Eintreffen der letzteren von Hausbewohnern geloscht wurden._ Gerichts-Zeitung. Der städtische Wächter August Kaiser stand gestern vor den Schranken der ersten Strafkammer hiesigen Landge- ---"'auf eine Anklage jregen fabr'a>figen Mein- am 27. Januar d. I. eine Klage auf KonresfionSentziehung vor dem Bezirksverwaltungsgericht verhandelt, und war in dieser Sache der gegenwärtige Angeklagte als Hauptbelastungs- zeuge vernommen worden. Der Beklagte erhob Einwendungen gegen die Glaubwürdigkeit desselben m d stellte u. A. die Be- hauptung auf, daß der Zeuge sich in der Nacht vom 12. zum 13. Oktober 1884 in seinem Lokale von ihm habe traktiren lassen. Kaiser stellt dies eidlich in Abrede und beschwor auch, daß er in dieser Nacht überhaupt in dem W-ise'schen Lokale nicht gewesen ist. Infolge dieser Bekundung wurde vom Bezirks- Verwaltungsgericht zu Ungunsten des beklagten Weise entschieden. Behufs seiner Rehabilitirung brachte derselbe gegen den Wächter eine Anzeige wegen Meineids an und benannte außer fich drei Personen, welche die Anwesenheit deS Wächters in der Nacht vom 12. zum 13. Oktober 1884 in seinem Kellerlokale bekunden würden- Da die Zeugen diese Angabe eidlich bestätigten, wurde Kaiser wegen oben genannten Vergehens unter Anklage"gestellt. Staatsanwalt Haack nimmt an, daß der Angeklagte im Moment der Eidesleistung fich der Unrichtigkeit seiner Aussage nicht be- wüßt war, andererseits aber, daß er fich bei einigem Nachdenken hätte daran erinnern können, ja daran erinnern müssen. Er habe somit frevelhaft leichtfinnig gehandelt und da der Ange- klagte Beamter ist, so müsse ihn eine harte Strafe treffen. Er beantrage 6 Monate Gefängniß. Der Gerichtshof erachtete eine Strafe von 6 Wochen für ausreichend. Auf eine Anklage wegen Beleidigung des Reichs- kanzler« Fürsten Bismarck mittelst der Presse hatte sich gestern der Redatteur der„Volkszeitung", Hermann Holdheim, vor der ersten Strafkammer hiefigen Landgerichts I zu verant- worten. Jnkriminirt ist der Leitartikel in Nr. 205 vom 3. September ct. mit der Ueberschrist„AuS Anlaß der Diätenklagen". In demselben ist der Angriff des Fiskus gegen die Abgeord- neten der Oppositionsparteien wegen Annahme von Partei- diätm einer scharfen Kritik unterzogen und auf denselben die Annahme der dem Fürsten Bismarck anläßlich des Dienst- jubiläumS gemachten Schenkung exemplifizirt. Der Staats- anwalt faßte die Exemplifizirung unter Anziehung der§§ 331 und 335 Etr.-G.-B.(Annahme von Geschenken für in das Amt einschlagende Handlungen und Verfallenerklä- rung des Werths derselben) als einen Vorwurf für den Fürsten Bismarck auf, eine strafbare Handlung begangm zu haben, und beantragt eine sechsmonatliche Gefäng« nißstrafe. Der Vertheidiger Rechtsanwalt Cassel beantragte Vernehmung des Redakteur Dr. Phillips darüber, daß er mit dem Angeklagten den inkriminirten Artikel auf seiner Strafbar- keit eingehend geprüft und eine Beleidigung des Fürsten Bis marck nicht gefunden habe. Hiernach habe sein Mandant das Bewußtsein nicht gehabt, daß Fürst Bismarck durch den Artikel beleidigt werde. Staatsanwalt Haack beantragte Ablehnung dieses Beweisantrages und verlangte, daß die Bestrafung des Angeklagten aus dem§ 186 St. G. B. erfolgen sollte, nach- dem derselbe auf diesen veränderten rechtlichen Gesichtspunkt aufmerksam gemacht worden Der Vertheidiger beantragte darauf Vertagung der Sache behufs weiterer Vorbereitung der Vertheidigung, und diesem Antrage gab der Gerichtshof trotz des Protestes deS Staatsanwalts statt. richts I, um sich eidS zu verantworten. (Segen den Schanlwirth Weise wurde Soziales mh Arbeitervewegang. Aufruf an die Lithographiesteiuschletfer und Be- rufsgenossen. Kollegen! Berufsgenoffen! Wir leben in ver Zeit, wo der Kampf ums Dasein immer gewaltigere Dimen- stonen annimmt und daher ist es dringend erforderlich, ganze Männer, echte Streiter ins Felo zu führen. Darum unter- nehmen wir eS, an Euch heranzutreten mit der Mahnung, end- lich Euch loszureißen von dem Schlaf, dem leider noch viele Kollegen verfallen find. Kollegen! Berufsgenoffen! Denkt an Eure Lage! Denkt daran, daß Ihr nicht allein für die Gegen» wart, sondern auch für die Zukunft zu kämpfen habt. Lasset den JndifferentismuS fallen und bekümmert Euch mehr um das Wohl Eurer selbst und um daS Eurer Mitmenschen. Wenn wir die Frage aufwerfen, durch welche Mittel wird eS mög- lich sein, unsere soziale wie materiale Lage zu verbessern, so finden wir nur eine Antwort darauf:„Nur durch eme feste und stramme Organisation." Am 6. d. Mts. haben wir eine Versammlung abgehalten, in welcher einstimmig der Beschluß gefaßt ist, einen Verein zu gründen, welcher den Zweck hat, die geweiblichen Interessen der Mitglieder zu wahren, sowie geistig und stttlich zu heben, um dadurch unsere materielle wie soziale Lage zu verbessern. Es ist eine Kommisfion ge» wählt zur Ausarbeitung eines Statuts. Dieses ist geschehen und baben wir zum Sonntag, den 3. Januar,(siehe Inserat) eine Versammlung einberufen zur öffentlichen Etatutenbera- thung. Kollegen, seid einig, denke Jeder daran, daß nur die Gesammtheit die Schäden, welche in unserm Gewerbe existiren, beseit-gen kann. Erscheint Mann für Mann in dieser Ver» samwlung, tragt diese Einladung in die weitesten Kreise unserer Kollegen, um thatkräftig« Mitglieder dem Verein zuzu- führen. Ueber das Institut der Fabrikinspektoren läßt fich die„Elb. Zig." folgendes schreiben: Die Arbeiterschutzkom- Mission des Reichstages bat bekanntlich einen Antrag des Dr. Lieber angenommen, welcher fich auf eine Erweiterung des Instituts der Fabrikinspektoren bezieht. Hauptsächlich sollen die Aufsichtsbeamten vermehrt dezw. die Aufstchtebezirke da, wo das Bedürfniß vorliegt, verkleinert weiden. Ein solches Bedürfniß ist entschieden mehrfach, z. B. in dem industrie- reichen Westen Preußens vorhanden. Preußm hat nur drei- zehn Fabrikinspektoren. während das kleine Sachsen deren sechs hat, welche noch mit Assistenten ausgestattet find. Allerdings besaß Sachsen das Institut schon längeie Zeit, als es durch die Gewerdeordnungsnovelle von 1878 für das ganze Reich eingeführt wurde. Aus den Belichten der Fabrikinspektoren geht hervor, daß in manchem Bezirke die Zahl der vorge- nommenen Befichtigungen nur einen geringen Prozentsatz der Zahl der vorhandenen Fabriken ausmacht. Der Ausbildung des Instituts nach dieser Richtung wird denn auch von der Regierung keine Schwierigkeit berettet. Indessen meinte der Minister v. Bütticher in der Sitzung vom 11 Dezember, daß hierauf gerichtete Anträge zweckmäßiger zunächst bei den Landes- regierungen anzubringen sein würden. Da die Fadrikmipektoren nicht Reichsbeamte find, sondern nur den Landesregierungen unter- stehen, ist auch ihre Kompetenz nickt überall gleich. In Preußen ist z. B. ihre Kompetenz dadurch erweitert worden, daß ihnen die Konzesfionsertheilungen für Fabriken überwiesen worden find. Daß das Institut fich bisher vortrefflich d-wäyrt hat, wird heute von allen Seiten anerkannt, nicht dlos von den Sozialdemokraten, die es bereits 1869 bei Berathung der Ge- werdeordnung durch einen Antrag einführen wollten, sondern auch von der freifinnigen Partei, die unter dem Namen des Fortschritts seine Einführung, wie so manches andere Gute, lebhaft dekämpft hat. Thar doch der mit seinen Gewerk- vereinen so schwer verunglückte Dr. Max Hirsch einst den klassischen Ausspruch, daß er als Abgeordneter fich als der wahre Fabrikinsvektor seiner Wähler und der Arbeiter über- Haupt fühle. Manches wird gleichwohl noch geschehen müssen, um das Institut auf die ihm zukommende Höhe zu bringen. Für die Jahresberichte find schon wesentliche Verbesserungen vorgenommen oder geplant. Dahin gehört namentlich die An- fertrgung eines übersichtlichen Generalderichts und die getroffene Anordnung, daß ickljährltch bestimmte zeitgemäße Puntte de- zeichnet werden, über welche die Auffichtsdeamten fich gleich- mäßig und eingehend zu äußern haben. Während die Berichte für 1834 besondere Nachweisungen über die Beschäftigung und die Zahl der jugendlichen Arderter enthalten, sollen die für 1885 vorwiegend die tägliche Arbeitszeit besonders in den Zweigen berückfichtigen, in denen eine mehr als»lfstündige Ärdeitszeit üblich ist. Kaiser-Willfelmspende. Man glaubte seiner Zeit ein großes und nützliches Werk zum Srgen der Aid-.iterklasse zu gründen, besonders da zu dem Fonds im Verhältnisse die Ar- ieiterbeiträge am reichlichsten geflossen waren. Nun aber ge- steht der jüngste GeneraloersammlungSbericht der Wilhelms- spende ein, daß die Arbeiteiklaffe fich gar wenig an dem Jnsti- tut betbeilige,„weil"— man hö.e und staune—„der Arbeiterstand durch die soziale Gesetzgebung des Reichs, welche eine Regelung der Altersversorgung der Angehörigen des Arbeiteistandes in Aussicht nimmt, sich abwartend oerhält." — Nun, da hört doch dieses und jenes auf k Weil die Arbeiter auf die Alterversorgung, welche nach einem Dutzend von Iah- ren vielleicht einmal in unzulänglicher Form erscheint, warten, deshalb kaufen Sie sich nicht bei der Wilhelmsspendr ein. Man sei doch ehrlich und gestehe offen ein, daß daS Institut gar nicht für Ardeiter eingerichtet worden ist. „Mein« Arbeiter zahlen�s doch!" Der Fabrikinspektor von Minden und Münster tbeilt mit. daß der Besitzer einer größeren Weberei obiges Wort in Bezug auf das gesetzliche Drittel seiner Beiträge bei der Krankcnverstcherung ausgespro- chen habe und meint, daß fich zu einer solchen Aeußerung doch nur Wenige würden hinreißen lassen.— Das glauben wir auch. Die Aeußerung würden Wenige machen, aber nach der Devise:„Meine Arbeiter zahlen's doch!" sehr Viele handeln und darauf kommt es an.— Man ficht, daß der Nutzen des Reichskrankenkassengesetzes fich immer winziger für die Arbeiter hinstellt._ Kleine Mittheilungen. Reubrandenburg, 26. Dezember. In den hiefigen Schulen zeigt sich die egyptische Aügenkrankdeit wieder, wes- halb fast alle Schüler blaue oder graue Brillen tragen. Im vorigen Jahre trat die Krankheit hier derart au5 daß die Schulen geschlossen werden mußten. Borläufige Resultate der Volkszählung. Von den 41 Städten des Reiches, welche bei der Volkszählung am 1. Dezember 1880 über 50,000 Einwohner hatten, haben nun- mehr 39 das vorläufige Ergebniß der letzten Volkszählung vom 1. Dezember er. veröffentlicht. Nur für Hamburg und Bremen ist das genaue Ergebniß noch nicht bekannt geworden. Die Reihenfolge dieser Städte ist diese: Berlin 1,316,382 Einwohner, Hamburg ca. 312,000, Breslau 298,893, München 260,000, Dresden 245,515, Leipzig 170,076, Köln 160,926, Frankfurt a. M. 153,765, Königsberg i. Pr. 150,691, Hannover 137,912, Stuttgart 125,510, Bremen ca. 123,000, Nürnberg 116,193, Düffeldorf 114,451, Danzig 114,201, Magdeburg 114,052, Straßburg 112,091, Chemnitz 110,698, Elberfeld 106,363, Altona 104,457, Barmen 102,921, Stettin 99,457, Aachen 95,321, Krefeld 89,906, Braunschweig 85,385, Halle a-S. 81,869, Dortmund 78,298, Mülhausen i. E. 69.620, Posen 68,177, Mainz 66,314, Augsburg 65,476, Wiesbaden 65,460, Essen 64,616, Kassel 62,950, Mannheim 61,730. Erfurt 58,307, Lübeck 55,488, Görlitz 55,120, Würzburg 55,036, Frankfurt a. O. 54487 und Metz 54,716. Zwischen Erfurt und Lübeck hat sich Karlsruhe geschoben, das 1880 49,283, jetzt aber 56,686 Einwohner hatte. London, 26. Dezember. Ueber das furchtbare Gruben» Unglück in Mardy unweit Pontypridd(Südwales) wird weiter gemeldet, daß die erste Wirkung der Explofion die theilwiise Zerstörung des Schachtes war, wodurch die sofort eingeleiteten RettungSarbeiten anfänglich sehr erschwert wurden. Anfangs glaubte man, daß nur 500 Arbeiter in der Grube beschäftigt gewesen seien. Genauere Nachforschungen ergaben» daß die Zahl fich auk 1100 belief, und von diesen wurden in wenigen Stunden 900 ficher an die Oderfläche beordert. Alsdann machten fich die Rettungsmannschaften ans Werk, um die Ver- mißten zu suchen, und baid kamen sie an die Stelle, wo etwa 100 Leichen auf dem Boden lagen. Augenscheinlich waren Alle nach dem Boden d«S Schachte« aestürzt, und in diesem scheelk- lichen Kampfe ums Leben mußten die Schwachen unterliegen. Viele lagen auf ihren Gesichtern, und einige waren äugen- scheinlich todtgetreten worden. Während der Nacht wurde Leiche nach Leiche in meistentheilS schrecklich entstelltem Zustande ans Tageslicht gefördert, und um 8 Ubr heute früh waren deren 75 geborgen. Während der ganzen Nacht drängten fich große Menschenmengen am Grubeneingange, und bei Tagesanbruch strömten noch Hunderte auS den benachbarten Dörfern herbei. Die Szenen an der Oberfläche spotten jeder Schilderung, und jeder neuen Ankunft der sterblichen Uebirrestc der armen Bergleute folgten herzzerieißende Ausrufe und lautes Schluchzen. Literarisches. Wie wir erfahren, wird das illustrirte UnteihaltungSblatt „Neue Welt", Verlag von I. H. W- Dietz in Emttgart. in der nächsten Zeit mehrere Gefängnißarbeiten des Reichstags« Abgeordneten A. Heine bringen, und zwar zunächst einen Ar« tikel über das framöfische Gesetz über die Fachvereine und dessen interessante Vorgeschichte, d h. die Gesetzgebung Frank- reicbS auf diesem Gebiet seit der Mitte des vorigen Jahr« Hunderts. Die„Neue Welt" ist bei allen Buchhandlungen und Postanstalten für 25 Pf. a Heft zu beziehen. Von der„Neuen Zeit", Stuttgart, Verlag von I. H- W. Dietz, ist soeben das erste Heft des 4. Jahrgangs er« schienen. Inhalt: Abhandlungen: Staatliche Lohnregulirung und die sozialreformerischen Bestrebungen der Gegenwart. Von August Bebel.— DaS„Elend der Philosophie" und„DaS Kapital". I. Von Karl Kautsky.— Parlamentarisches. — Wassili Wereschagin. Von Wilhelm Wiener.— Die Wahlen in England.— Literarische Rundschau: Theodor Mommsen, Römische Geschichte. Von Joh. Wedde. Prof. Dr. I. Huben, Die Philosophie in der Sozialdemokratie. — W L. Dirichlet, Das verdammte Geld.— Notizen: D>e landwirthschaftlichen Betriebe in Deutschland.— Der Kapita« lismus und die Vogelwelt. Verantwortlicher Redallem«. CtctthtiiK i» Berlin. Druck und Verlag von Max Badtug in Berlin 8W, Leuth st, aße i Gemeinnütziges. Wie verschafft man den Kindern, die Nachts schreien. statt zu schlafen, den nothwendiaen Schlaf? Ein Korre' spondent des„Daheim" gibt auf diese Frage folgende Am' wort: Ein Rumpfumschlag(feucht, von unter den Achselhöhle bis über den Unterleib reichend) ist der beste. Die zum Nässe bestimmte feine Leinwand muß doppelt genommen werden uno bequem rings um den kleinen Körper reichen. Die Flanellbindc. die nicht von zu grobem Flanell sein darf, muß mindestes zwei Fingerbreit breiter sein, als das Leinen und muß ssi' zweimal um den Rumpf herumreichen. Befestigt wird sie aw besten mit einem breiten Bande. Der ganze Umschlag""'S gut anliegen, darf aber das Kind nicht beengen. Die-vaup' fache ist aber, daß man nicht kaltes, sondem temperirtes Wasst� (etwa 16 Grad Rcaumur) zum Naßmachen des Leinens nstnw und dasselbe nicht zu stark ausringt.— Die Kinder meist die Nacht hindurch ganz nihig in dem Umschlage, wäre denn, daß derselbe zu fest anliegt, was nicht vorkomni' darf.— Des Morgens wird der Umschlag erst abgenoninj' wenn das Wasser zum Baden oder Waschen bereits zur, Wendung bereit steht. Nach dem Abnehmen des Umsch'N.z reibe man den Rumpf, wenn das Kind nicht direkt in s /f" kommt, flüchtig mit einem genäßten Handluch ab, um ihn abzutrocknen. Stets frische Luft im Schlafzimmer ist unbev noihwcndig zu einem gesunden Schlaf: also die Fenster,.�, Jahreszeit entsprechend, mehr oder weniger weit offen gelo" Hterza eine Beilage zu in Berliner Bolksblatt. 303 Donnerstag» de« 31 Dezember 1883. H. Iahrg A«5 Grsterreich. Staat»ve»faft»«g und Nationalitätenfrage in Oesterreich. n. Nach dem lunen �reiheitstaumel d-S JahreS 1848 folgt« eine lange, bange Nacht der Reatlion. Alles geistige Leben war erstickt oder doch für die öffenilichen fragen unschädlich gemacht, damit nichts den Konservativismus stören könne, der nun auf den von dem Kroaten Jellastcs und dem Raffen Pas- tewics errungenen Lorbeeren ruhte. Doch die nationalen Geister waren einmal geweckt und nicht mehr zur Ruhe zu dringen, die Reaktion selbst hatte fich ja ihrer bedienen muffen, um die Eturmflutben der Revolution einzudämmen, der Tschechen Haß gegen die Deutschen und der Kroaten und Slovaken natürliches Nationalgefühl, das fich leicht zum Heerbann gegen die Ma- gyaren verdichten ließ, hatten ihre Schuldigkeit im Dienste gegen die Freiheit aethan— beide Völker konnten nun gehen, wie der Mohr in Schillers„Fiesko" und fie gingen auch und unterwarfen fich. Aber in ihrem Innern gährte und kochte es bedenklich Da brachen die Balken des morschen Staats- gedäudeS unter einem von außen geführten wuchtigen Schlage — es waien die Niederlagen auf den italienischen Schlacht» selbem im Jahre 1859. Nicht ohne tiefere Bedeutung war dieser Schlag im Namen des Nationalitätenprinzips ge- führt worden, vor dem Oesterreich ein Anachronismus war. Die Zöpfe in Wien wackelten gar sehr, aber den Köpfen, auf denen fie saßen, entquoll kein rettender Gedanke, in ihnen herrschte öde Leere, pure Gedankenlofigkeit. Das Oktober- diplom, welches eine Konzcsfion an die Forderungen der Völker sein sollte, war ein fades Gemenge von ständischen Ideen, ab- solutistischen Neigungen und Furcht vor dem Volke. Es be- sried'gte Niemanden, weder Freiheitsmänner noch Nationale. Der Föderalismus, der darin steckte, war nur den Feudalen zu Liebe darin und gewährte den Nationalitäten keine Ga- rantie ihrer selbstständigen Entwicklung. Es folgte 1863 das Februarpatent mit zcntralistischcm Anstrich, aber schon 1865 versuchte man es wieder mit dem Absolutismus. Die nationale Bewegung hatte indessen, beeinflußt durch die von Außen kommenden sympathischen Regungen, tiefere Wurzeln geschla- gen. Die Italiener hatten sich schon zum größten Theile los- gemacht, aber die Aspirationen auf die Loslösung der noch im österreichischen Verbände stehenden Landsleute dauerten unge- mindert fort. Die Magyaren leisteten passive Opposition und schwächten dadurch in bedeutendem Maße die Widerstandskraft des Reiches gegen äußere Katasttophen und dessen finanzielle Hilfsmittel. Die anderen Nationalitäten sahen gleichgiltig den Schwankungen der inneren Politik und dem sichtbaren Zerfalle des Reiches zu. Das Jahr 1866 mit seinen für Deutschland und Oester- reich epochemachenden Ereignissen brachte eine Wendung, deren letzte Konseguenzen für Oesterreich heute noch nicht abzusehen find, in deren Voibereitung wir mitten inne stehen. Die Los- retßung Oesterreichs von Deutschland hatte vor Allem die eine unveimeivliche Konsequenz, daß die Bedeutung deS Dcutsch- thums für Oesterreich um ein Bedeutendes sank, der Gedanke einer Germanisation fich in eine Ittovie verflüchtigte. Heute stehen etwa 12 Millionen Deutsche 27 Millionen Nichldeulschen gegenüber, ein Verhältniß, daS an fich daS stärkste Argument gegen Germanifirungspläne bildet. Eine Verschiebung der nationalen Verhältnisse zu Ungunsten der Deutschen war also ohne Weiteres mit dem Ausschlüsse Oesterreichs aus Deutsch. land gegeben. Diese Konsequenz wurde noch verschärft durch den Ausgleich des Jahres 1867, den Beust in Unkenntniß der verwickelten und heikeln Verhältnisse Oesterreichs mit den Ma» gyaren schloß und der nicht wenig zur Verwirrung der inneren Politik beiträgt. Seitdem giebt es zwei herrschende Nationalitäten— oder genauer gesprochen, sollte eS zwei herrschende Nationalitäten geben — in Zrsleithanien die Deutschen, in TranSleithanien die Ma- gyaren. welche durch die dualistische Verfassung in eine Realunion zu einander treten, in der außer der Person des Monarchen eiaent- lich nichts mehr gemeinsam ist als die Armee und Marine, die Zölle, die äußere Politik und die dazu gehörigen Budget«. Der Ver- band ist so lose, daß er schon nahe an eine bloße Personal» union streift, und hat den ungeheuren Mangel, daß er alle zehn Jahre einer E-neuerung bedarf, also geradezu alle zehn Jahre den Staat in Frage stellt. Es gehött zu den Unglaub- lichkeiten, an denen Oesterreich so reich ist. daß ein derartiger Staat auf Kündigung die Zustimmung der Parlamente und w—""""mm— |is Ehrriilisilom. Skizze aus der Gegenwart von M. A. v. MarkovicS. (Nachdruck verboten.) Mariette, die niedliche Zofe der Frau von Gabor, einer unserer rühmlichst bekannten Romanschriftstellerinnen, sttzt im Vorzimmer und summt, halb träumend, die süßen Weisen au« GounodI„Faust", den sie gestern in der Oper gehört. Plötzlich läutet man schüchtern. Frau von Gabor hat verboten, sie zu stören, denn sie arbeitet an einem neue» Roman uvd kennt sich. Gie arbeitet schwer, wie AlphonS Daudet. Zst die Illusion des Momentes dahin, so eat- schlüpfen die guten Geisterchen, die die Feder der Dichterin gebannt hatte, und sie dann zurück zu rufen, gelingt ihr oft nicht in langen Wochen. Deshalb beeilt sich Mariette auch nicht, und ihre zier- lichen Füßchen bewegen sich nur träge über de» Teppich des Vorzimmer«. Sie öffnet und erblickt eine Dame in eleganter schwarzseidener Straßentoilette vor fich, tief verschleiert, die sich mit der Frage an sie wendet: „Hier wohnt doch Frau Aglaja von Gabor, die so be» rühmte Dichterin?" „Ganz recht", erwidert Mariette, allein Madame ist nicht zu sprechen— für Niemand— und ich habe Befehl—' „Frau von Gabor wird mit mir eine Ausnahme machen, mein Kind," sagt in überzeugendem Tone die Un- bekannte. Da« Kammermädchen zaudert. Damenbesuche sind ohnedies etwa« Seltene« bei ihrer Henia, die nur Redakteure, Schriftsteller und Künstler empfängt, und von ihrem eigene« Geschlecht ob ihrer kühne« Feder bewundert, aber wenig geliebt wird. Endlich fragt Mariette, welche« Name» fie anzumelden habe?" „Keinen Namen, mein Kind! der Name thut nicht« zur Sache!' Die Zofe meint, sie bezweifle, daß ihre Herrin eine Regierungen finden konnte. Es rächt fich hier die Unfähigkeit der früheren Regierungen, für da« von ihnen geleitete Staaten- gedilve eine natürliche Basts zu gründen, und man steht fich jetzt gezwungen, ein künstliches Gebilde mit immer gekünstel- teren Mitteln am Leben zu erhalten. Keines Beweises bedarf eS, daß die Theilung der Herr- schaft den Einfluß der Deutschen auf die Leitung ves Reiches noch schwächen ud daß fie nun auf die Eihaltung ihrer Herr- schaft in der westlichen RcichShälfte ihre Kräfte konzentrirm mußten. Mit dem Ausgleich Hand in Hand ging die Ent- Wicklung deS Parlamentarismus, die Erstarkung des politischen Sinnes im Volke, daS WachSlhum seines Einflusses auf die Leitung der inneren Politik. AlleS daS konnte für das Deutsch- thum nur nachtheilig wirken, den nationalen Hader nur be- fruchten. Je größere Massen fich am politischen Leben be- thetliaten, desto schärfer trat die Minderzahl der Deutschen h:r- vor; dennoch wäre vielleicht die Gefahr, die dem Einfluß des Deutschthums in Zisleithanien drohte, zu beseitigen gewesen, wmn nicht die Deutschen ganz falsche Wege eipgeschlaaen hätten, um ihre Herrschaft zu stchern. Sie stützten fich auf eine äußerst gekünstelte, mit den lächerlichsten Privilegien ausge- staltete Wahlordnung, um trotz ihrer Minorität im Volke im Parlament die Majorität zu haben. Die Folge dieses ge- künstelten Wahlsystems war, daß die Krone und die Regierung einen auSschlaggeb.nden Einfluß auf das Wahlresuliat de- hielten, der Scheinparlamentarismus zu einer verfassungs- mäßigen Einrichtung wurde und der Regierung gestattete, im Einvernehmen mit der Krone bei jeder ihr nothwendig scheinenden Wendung daS Parlament nach ihren Bedürfnissen umzugestalten. DaS Deutsch thum kam durch diese engherzige Politik seiner Führer in den Verdacht der GestnnungS- Verwandtschaft mit den Feinden aller Freiheit und eS verstärkten fich so die verhängnißvollen Traditionen, die fich auf die Verbindung von Absolutismus und Germanistrung zurückführten. Die Probe auf dieses Exempel ergab fich schon im Jahre 1871, als der Hof den Versuch machte, mit den Slawen und Klerikalen zu regieren; schon damals erwies fich das so fein ausgeklügelte Wahlsystem als vottheilhafter für die slawen- freundliche Regierung als für die Deutschen, denen es nutzen sollte. Doch jener Leidenskelch ging an den Deutschen bald vorüber, da fich die Folgen der deutschen Siege über Frank- reich im entgegengesetzten Sinne geltend machten. Aber der aegenwärtige Versuch des Grafen Taaffe, als Vertreter der Krone zur Durchführung der äußern Politik derselben, die auf die Ausdehnung der Großmachtstcllung Oesterreicbs auf der Balkanhalbinsel ausgeht, gegen den Willen der Deutschen zu regieren, zeigt in seinem bisherigen Verlauf auf daS Evidenteste die Möglichkeit, dieselbe Wahloidnung zur Gewinnung einer dem nationalen Interesse der Deutschen mindestens in- different gegenüberstehenden Majorität im Parlamente zu be« nutzen. Heute ist nrcht blas die Herrschaft der Deutschen in Zisleithanien ernstlich gefährdet, es weiden schon von Weitem die Umrisse einer bisher verlachten und velhöhnten Erscheinung sichtbar: die Gefahr einer Slawistrung Oesterreichs. Kommunales. Stadtverordneten-Bersammlung. Sitzung am Mittwoch, den 30. Dezember. Der Vorsteher, Herr Büchtemann, eröffnet die Sitzung um 5'/, Uhr. Zunächst wird ein Beileidsschreiben der Stadtverordneten- Versammlung zu Breilau verlesen, welche dem Vorfitzenden in Veranlassung des Ablebens des Herrn Dr. Straßmann zuge- gangen ist. Die Versammlung beauftragt den Vorfitzenden, dem Breslauer Stadtverordneten- Kollegium ihren Dank zu übermitteln. Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Gtadtv. Bresche referrrt über die Vorlage, betreffend die Ausschmückung der Aula der höheren Mädchenschule in der Jfflandstraße mit Wandgemälden, und deantragt zu diesem Zwecke die Summe von 3000 M. zu bewilligen. Da indessen der Kostenvorschlag auf 3960 M. lautet und Niemand anzugeben vermag, warum die Differenz von 960 M. in der Kommisfion gestrichen worden ist, wird die Lache zur nochmaligen Berathung an die Kommisfion zurückverwiesen. Die Magistratsvorlagcn, betreffend den Verkauf von Bau» stellen in der Gräfestraße, der Dieffenbachftraße, der Urban- ihr ganz Unbekannte werde empfangen wolle», die Dame möge nur getrost ihr das Anliegen mittheilen. Dabei warf sie einen argwöhnischen, musternden Blick auf die Besucherin. Die Dame errieth die Besorgnisse des Kammerkätzchen«, fie schlug den Schleier zurück und lreß dadurch ein Gesicht von fa«zinirender Schönheit sehen, dem nur die stechenden schwarzen Auge» das Angenehme raubte». „Sehen Sie mich an, ob ich nicht wie eine ehrbare Frau aussehe, und od Gie zu fürchten haben, daß mich etwa eine Bettelei herführt. Ich bitte, Ihrer Herrin einfach zu sagen: eine Fremde, die eine weite Reise gemacht, um sie zu sehe«, wünsche in dringender Angelegenheit sie zu sprechen." DaS Mädchen verschwindet zögernd, kehrt jedoch nach wenigen Minuten zurück, öffnet die Thür de« Arbeitszimmer« und läßt die Fremde eintreten, die da« Gemach leer findet und ihre unstäten Augen durch den luxuriös und mit allem Komfort ausgestatteten Raum fliegen läßt. Einige Sekunden später erscheint unter der braunen Sammetporticre in enganschließendem blauseidenen Hauskleid eine hohe volle Frauengestalt, Frau von Gabor, ihren Gast mit vornehmer Herablassung musternd. Die Fremde macht eine tiefe Verbeugung. „Madame--" stottert sie. Frau von Gabor erwidert da« Kompliment mit leichtem Neige« des stolz erhobenen Haupte«. „Madame--?" Beide stehen sich jetzt gegenüber und tausche» eine» lange« prüfenden Blick. Frau von Gabor ist eine überreiche Schönheit von fünf- bis sechsundvierzig Zahren, mit starrer, eisigkafter Miene, da« blasse, feingeschnittene Gesicht voll Ernst uvd Eatschiedeuheit, dunkle, forschende, räthselhafte Augen, die wie zwei Fackeln Jedem in das tiefste Innere zu leuchten drohen, Auge», die noch heut jedem Manne gefährlich werden mußten. straße und Am Plan Ufer, sowie der Antrag auf Erwerbung des Bürgersteigterroins von dem Gmndstücke Kastanien- Allee 40 und einer Parzelle des Grundstückes Keffelstraße 38 werden ohne Debatte angenommen. Dasselbe geschieht mit dem Antrage, betteffend Errichtung eines Springbrunnens auf dem Spittelmarkt, sowie die Vorlage wegen Errichtung einer Waffer« Hedestation auf dem Tempelhofer Berge. Mit Bezug auf die Auswahl der im Etatsjahre 1886/87 neu- resp. umzupflasternden Straßen und Plätze wird nach kurzer, auf der Journalisten-Tridüne schwer verständlicher De« batte beschlossen, die Angelegenheit einem Ausschuß von 15 Mit- gliedem zu überweisen._ Es folgt dann eine Diskusfion über die vom Magistrat vorgeschlagene Aufstellung von Kandelabern auf den Geländer- Postamenten der MarschaUsdrücke. Dabei tadelt Stadto. Singer, daß der Magistrat beschloffen habe, die betreffenden Kandelaber nicht in Berlin, sondern in Braun- schweig anfertigen zu lassen. Redner meint, daß, da die Kosten für die Kandelaber von der steuerzahtenden Bevölkerung Berlins getragen werden müssen, so seien auch in erster Linie Berliner Firmen und Berliner Arbeiter bei der Anferttgung derselben zu berückfichtigen. Es fehle doch wahrhaftig in unserer Stadt nicht an Fabriken, welche sich mit der Herstellung der- artiger Gegenstände beschäftigen, und auch an deschäftigungs- losen Arbeitern sei leider kein Mangel. Redner bemerkt aus- drücklich, daß er dieses Verfahren des Magistrats, auswärtige Submittenten vorzuziehen, nicht allein für den vorliegenden Fall rügen müsse; es seien vielmehr die Berliner Arbeiter auch bei anderen Gelegenheiten oft genug zu Gunsten auswärtiger Unternehmer übergangen worden. Redner beantragt daher, die Vorlage des Magistrats nur unter der Bedingung anzunehmen, daß die Herstellung der Kandelaber durch hiesige Firmen zuge- sichert werde. Nach einer ziemlich interesselosen Debatte über den künst» lerischen Werth der auS Braunschweig zu beziehenden Kande- laber, welche einigen Mitgliedern im Modell vorgelegen haben, wird der Antrag Singer abgelehnt. Dagegen wrrd die Vor- läge deS Magisttats mit dem Zusätze angenommen, daß zu diesem Zwecke die Summe von 12 500 Mark bewilligt wird. Damit ist die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erledigt. Schluß gegen 7 Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Lokales. Nehmt Euch ein Exempel d'ran! möchte man unseren hochweisen Stadtvätern zurufen, wenn man liest, wie die Pari- ser Gemeindeverwallung ihre finanziellen Interessen gegenüber der dortigen Gasgesellschast wahrzunehmen weiß und wenn man damit unsere wahrhaft kläglichen Verhällnisse in Vergleich zieht. Wie aus Paris berichtet wird, hat der Gemeinde: ath die Hälfte deS Reingewinns, welche von der Pariser GaSgesell« schaft an die Stadttasse abgeführt werden muß, für 1886 auf 12 850 000 Fils, angesetzt. Außerdem zahlt die Gesellschaft für jeden in Paris verbrauchten Kubikmeter Gas 2 Cts., waS wiederum 5100000 Fils, ausmacht. Zusammen zahlt also die Gesellschaft 17 950 000 FrkS. an die Stadtkasse, außerdem noch nahezu fünf Millionen an Steuern und Gebühren, letztere hauptsächlich für das Recht, Gasrohre zu legen. Dagegen zahlt die Stadt der Gesellschaft 3321 800 Frks. für das von ihr oe- nöthigte Gas, welches die Gesellschaft zum halben Preise ab- lassen muß. Die Stadt hat daher im Ganzen nahe an 17 Millionen FrkS. reinen Nutzen aus dem Gas. Ein schöner Gewinn, und er wird obne jede Mühewaltung, ohne Uebcr- nähme irgend welcher Verantwortlichkeit, ohne daS geringste Risiko eingeheimst. In Berlin dagegen begnügt man fich mit der lächerlich niedrigen Abfindung von zirka 400000 M. jährlich und ist dafür.noch die Verpflichtung eingegangen, die städtischen Gaspreise auf derselben Höhe zu erhalten, so daß die englische GaSgesellschaft ihr Gas um 6 pCt. billiger verkaufen und der Stadt dadurch die fettesten Bissen der Privatlundschaft wegschnappen kann. Hat fich doch der Herr Kämmerer sogar gegen diese geringe Entschädigung noch lange gesträubt, mußte sie ihm doch förmlich aufgezwungen werden. So schreibt die „B e r l. Z t g." Sie lokettirt schon seit längerer Zeit mit der Gassrage, ohne den Kernpunkt zu treffen oder treffen zu wollen. Sie zeigt ihrem Publikum, welches fie seit gestern merkwürdiger Weise sogar unter den Beamten des Handels, „Sie haben in dringender Angelegenheit mit mir zu sprechen?" sagt die Dichterin. Der Fremden Blick drückt beim Anblick derselbe« plötz- lich wahres Entzücken au«. „Das also ist die Frau, die Alle» in solch schwärme- rische Verzückung versetzt--" beginnt sie, halb träum- verloren. Die Züge der Museatochter erhellen sich; sie ist eitel, und dieser Weihrauch benebelt ihre sinne. „Darf ich wissen, wer mir die Ehre ihres Besuche« schenkt?" fragt sie milder in To» und Stimme. Die Fremde schlägt den Blick zu Boden und erwidert: „Lassen Sie mich vorläufig noch unbekannt bleiben. Ich spreche ja mit keiner gewöhnlichen Frau, sondern mit einer geistig hochstehende« Meisterin der Feder, sollte sich diese über AlltagS-Formalitäten nicht hinwegsetzen können und wollen?" „Wenn eS sein muß!" replizirt Frau von Gabor ge- schmeichelt. Sie läßt sich bequem tn die schwellenden Polster der Chaiselongue nieder, bietet mit graziöser Handbewegung der Dame einen nahestehenden Sessel und bittet, zur Sache zu komme«. Die Fremde verneigt sich, nimmt Platz und beginnt mit weicher, wohllautender Stimme: „Madame, ich bin die Abgesandte der Frauen eine« Provinzstädtchens, die zu einem Verein zusammengeiretcn sind, der alle schönen Künste und nur das Gute und Edle in seiner Mitte pflegt. Es ist natürlich, daß auch Ihre Werke, Madame, Ihre Poeme und Romane bei un« die volle Würdigung und wahre Begeisterung fanden. Sie sind kein« lokale Berühmtheit; Ihr Ruhm geht weit über die Grenzen Ihre« Vaterlandes hinaus- nicht nur ein inter» essantes Kind Ihrer Zeit, denn— Ihre Werke werden Sie überleben! Wohl sind Schönheit uvd Reichthum für da« Weib Thron und Szepter, mit denen sich die Welt um Viele« bequemer und angenehmer beherrsche», sich leichter unterordnen läßt— Ihr anmuthige« Haupt, Madame, schmückt die Krone de« Genie«!" Ministeriums zu suchen beginnt, ein trügerisches Spiegelbild. Es bestehen thatsächliche, rechtskräftige Verträge zwischen der Stadt und der englischen Gaigesellschast, und diese werden dmch die Pariser Rechnereien der„Verl. Ztg." doch nicht auS der Welt geschafft. Es muß abgewar.et werden, bis die destehenden Verträge abgelaufen find, und dann heißt es nicht Weiterpaktiren mit der englischen Gesellschaft, sondern einfach Uedernahme der GaSfabrikation durch die Stadt. Dann hat die Kommune den Profit so wie so. und alle Redereien und Schreibereien haben ein Ende. Das„Berliner Tageblatt" verlangt eine durchgreifende schleunige Reform des Strafprozeßrechts, weil der Redakteur deS Blattes, Herr Sigismund Perl seit dem 10. d. M. wegen rvlederholter Zeugnißverweigemng in ZwangShast sich befindet. Am 29. Oktober d. I. veröffentlichte das„Berl. Tgbl." unter seinen Lokalnachrichten die Notiz, daß vom 1. November d. I. ad die Gerichttkosten bei Beträgen bis zu 30 M. nicht mehr bei den Zahlungspflichtigen durch den die Kostenrechnung über« bringenden Gerichtsvollzieher abgeholt werden sollen, sondern daß fortan vielmehr die Bchändigung der Kostenrechnung durch Ne Post erfolgen werde. Die Nachricht ist Herrn Perl von einem ihm seit Jahren persönlich näher bekannten Beamten übermittelt worden. Obwohl derselbe zur Kenntniß der be« treffenden Verfügung nicht auf amtlichem Wege gelangt sein will, hat er Herrn Perl doch daS Ehrenwort abgezwungen, seinen Namen nicht zu nennen, weil er sonst mit seiner Familie rettungslos verloren wäre. In Folge dessen hat Herr Perl seine Aussage vor Gericht verweigert und ist deshalb zu 50 M. verurtheilt worden. Außerdem wurde über ihn die Zwangs« hast bis zur Dauer von 6 Monaten verhängt. Die gegen dieses Urtheil eingereichte Beschwerde ist vom königl. Land- gericht auf Grund eineS Beschlusses deS königl. Kammergerichts verworfen worden. Die königl. Ersatzkommiffionen der AushebungS- bezirke Berlin erlassen folgende Bekanntmachung:„In Ge« mäßhcit des§18 ad 2 der Kontrol- Ordnung vom 28. Sep- tember 1375 wird hierdurch bekannt gemacht, daß die verstärkten Ersatz-Kommisstoncn behufs der Entscheidung über Gesuche um einstwellige Zurückstellung bei eintretender Mobilmachung der Armee am 29. März 1886 ihre nächste Sitzung halten werden. Diejenigen in Berlin wohnenden Mannschaften der Reserve, Land» und Seewehr und Ersatzreserve 1. Klasse, welche auf Zurückstellung für das Jahr 1886 Anspruch machen, werden aufgefordert, ihre Gesuche unter Angabe ihrer Militärverhält« nisse und der Nummern, unter denen ste in den Listen der hiefigen königl. LandwehrbezirkS Kommandos geführt werden, im Laufe ves Monats Januar 1886 beim Militärbureau des hiefigen Magistrats einzubringen. Hierbei wird ausdrücklich bemerkt, daß die bereits früher berückfichtigten Mannschaften ihre Anträge auf weitere Zurückstellung im Bedarfsfalle zu er« neuem haben und die nach dem 31. Januar k. I. eingehenden Gesuche nicht berückstchtigt werden. Nach Abhaltung des Ter- mins am 29. Man k.J. werden die Namen derjenigen Mann» scha ten, deren Gesuche alS begründet erachtet worden find, durch das„Intelligenz- Blatt" öffentlich bekannt gemacht werden." Zu den gerade nicht sehr erbaulichen Nachklängen deS WeihnachtsfesteS gehört in dm hiefigen Geschäften ver Umtausch gekaufter Maaren; derselbe nimmt bei einigen Ga- lanterie« und Kurzwaaren. Firmen den Charafter einer wirk« lichen Kampagne an, so daß die Verkäufer vor dieser Periode ein leicht erklärliches heimliches Grauen haben. Der alte Satz „Ueber den Geschmack läßt fich nicht streiten," erleidet um diese Zeit eine schmähliche Niederlage, denn zwischen den Tauschlustigm und Geschäftsinhabern entbrennen über den „Geschmack" hefttge Kämpfe, bei denen den erstercn aus Höflichkeitsgründen der Sieg zufällt. Alles, was als„paffen« des Weihnachtsgeschenk" eingekauft wurde, erweist stch als daS Gegentheil. es passen nicht Handschuhe, Strümpfe, Hauben. Schürzen, Mäntel, Kleider, Schmuckgegenftände, künstliche Blumen rc., aber auch Bijouteriewaaren, Bücher, Lampen, Tcppiche, Gardinen, HauS- und Küchengeräthe rc. werden für verfehlt erklärt. Wie wett diese Umlauschwuth geht, beweist «in Beispiel, das der„Nat..Ztg." aus einem hiefigen größeren Geschäft berichtet wird. Eine alte Dame hat von den Ihrigen in liebenswürdiger Fürsorge für den Sommer eine prächtige — Hängematte erhalten. Die Beschenkte behauptet nun, daß fie nach angeblicher Anprobe die Matte erst zu groß, dann zu klein, zu leicht, zu schwer, nicht ficher, zu c n« farbig u. s. w. gefunden habe. Man hört dre auf daS miß« rathene Weihnachtsgeschenk in unerschöpflicher Fülle gehäuften aAf rj; W'ä%% Muster wieder wählt und tnumphirend von dannen zieht.- Nicht selten erscheinen naive Personen auf der Brldflache, die mit großer Beredtsamkeit erklärm, das von der Firma stam- mende Weihnachtsgeschenk durchaus nicht brauchen zu können, fie bllten fick deshalb daS Geld aus, eine Forderung, auf «K# Aaloia vo» Sabor will dm mthusiastischm Wort« schwall rhrcS Gaste« unterbreckm, doch die Fremde bittet: Lassen Sie mich alles sage«, was ,ch sert Zahrm m stalten die farbensattm Schilderungen Ihrer Romane, da« Ungewöhnliche Ihres Styls. da«# breit getretenen Wegen niemal« erreicht wrrd, und sich über manche der WM Ä un� nüchternsten Denkers, wie em warmer Sonnenstrahl! Sie sind, Madame, befähigt, ein e, genes Blatt in der Ge« schichte unserer moderne« Literatur einzunehmen, den« da« sonnig klare Auge Ihres Genius lich klar auf dem Grunde der Menschenseelen; Aglaja vo« Sabor geHort zu jene« UNNWH 5J5ÄS Ä vnsatiovsstnl« ist ebenso bewundernswürdig, wie d,e ernste Auffassung aller Grundgedanken in ihre» Romanen, welche ficb alle gleich weit vom Materialismus der letzten Jahr- zehnte, wie vom Idealismus der Vergangenheit fern ��Krau vo« Sabor erblaßt und erröthet vor innerem Vergnüge«. O Eitelkeit der Eitelkeiten! Selbst der schärfste Verstand läßt sich im geeignetm Moment durch em Ouent- �aöamt Sie�beschäme« mich durch Ihr allzureichliches Lob stammelt die Tochter der Musen. Die Fremde erhebt die großm schwarze« Augen zu ihrer Madame! Aglaja von Sabor ist wohl ohne daran zu denken, da? Bestellte abzuholen. Da werden von unbekannten, nobel aussehenden Personen Möbel, Korb- waaren, Lederartikel, Holzwaaren zc. mit Angabe der Maß- Verhältnisse in Aufttag gegeben— Vieles wird nicht abge« holt. Ein hiefiger Buchbinder befitzt eine kleine Bibliothek nicht abgeholter, von ihm eingebundener Bücher, während ein Glaser eine Reihe im Stich gelaffener grüner und filberner Brautkränze auf dem Halse hat. Ueb-r die Miesmuscheln wird der„Old. Ztg." au« Wilhelmshaven geschrieben: Die neuerdings durch den Kreis- phyfikus Dr. Echmidtmann angestellten Versuche mit den viel- besprochenen Miesmuscheln baden ergeben, daß nicht giftige, im Werftbasfin ausgesetzte Miesmuscheln innerhalb 14 Tagen giftig geworden find, während umgekehrt giftige Muscheln, in der Hafeneinfahrt ausgesetzt, in demselben Zeitraum ihre ge- fährliche Eigenschaft vollkommen verloren hatten. Hiernach müssen die im Werft affin vorkommenden Muscheln unter allen Umständen als giftig angesehen werden. Die Oderwerft- divifivn ersucht daraufhin die Ressortchefs, die ihnen unter- stellten Arbeiter rc. von dem Vorstehenden in geeigneter Wei'e in Kenntniß zu setzen und dieselben nochmals vor dem Genuß von aus dem Werftbasfin entnommenen Miesmuscheln zu warnen. Das Alhambra-Theater ist seit Beginn der Weihnachts« Feiertage allabendlich fast ausverkauft. Der Beifall, den daS jetzige Repertoirstück„Der verkaufte Schlaf" an diesen Tagen davontrug, war sehr lebhaft. Die Obduktion der KindeSleiche, welche der Hebamme S. am Weihnachtstage in einer Kiste durch die Post zuge- schickt wurde, hat ergeben, daß das Kind todtgeboren war. Gerichts-Zeitung. o. k. Ein Hochverraths-Prozefi vor dem Reichs- Ge« richt. Leipzig, den 30. Dezember. Vor dem Forum deS ver- einigten zweiten und dritten StafsenatS deS kaiserlichen Reichs« gerichts hatte fich heute der Konditorgehilfe Johann Seupin wegen vorbereitender Handlungen zum Hochverrath zu verani« worten. Seupin wohnte in VervierS und hatte von dem anarchistischen Zentralkomitee den Auftrag, die in London er- scheinende Zeitung„Der Rebell" in Deutschland zu verbreiten. Sobald nun eine neue Nummer dieser Zeitung herauskam, er- hielt Seupin dieselbe in großen Mafien zugesandt. Er packte die Zeitungen in verschiedene Postpakete, reiste mit denselben nach Deutschland, um ste hier an verschiedene deutsche Adressen zur Post zu geben. Am 23. August d. I. kam Seupin dieser Angelegenheit wegen nach Euven. AlS er nun hier zwei große Packcte und einen Brief zur Post geben wollte, wurde er ver- haflet und die Packcte sowohl alS auch der Brief mit Beschlag belegt. In den Packcten befand stch die Nummer 10 des „Rebell" und der Brief war an einen Schneider Rüssel, in Marienkirchen im Elsaß wohnhaft, adresfirt. Seupin, der am 24. Dezember 1856 zu Namslau in Schlestcn geboren und evangelischer Konfesfion ist, bekennt fich zu den Anarchisten. Vom Jahre 1876 bis Ende 1878 hielt stch Seupin in Berlin auf und war hier Mitglied des„Vereins zur Wahrung der Interessen der werlthätigen Bevölkerung Berlins". Der erste Vorfitzende dieses Vereins, der gleich nach Erlaß deS Eozialistengeseßes aufgelöst wurde, war der bekannte sozialdemokratische Renegat, Zimmerer Finn. Im November 1878 wurde Seupin auf Requistrion der NamSIauer Polizeibehörde wegen Verdachts de« Hochverraths verhaltet. Nach setner Haftentlassung durchwanderte er Deutschland, Belgien, Frankreich, England u. s. w. In London, woselbst er 4 Jahre lebte, verkehrte er vielfach mit dem bekannten An- archisten Reinkc. Auch war er bei der in Brüssel erscheinenden anarchistischen Zeitschrift„Ni dien, vi maitre" thälig und wurde in derselben mehrfach alS„Genosse" erwähnt. Der Bruder des erwähnten Rüffel, an den der bei Seupin vorgefundene Brief adresfirt war, ein Schuhmacher, zählt zu den hervorragenden Anarchistm. Da in dem„Rebell" zum Hochverrath aufgefordert wird, so ist gegen Seupin, bei dem außerdem viele anarchistrsche Flugschriften vorgefunden wurden, die Anklage wegen vorbe« reitender Handlungen zum Hochoerrath erhoben worden. Den Gerichtshof bildeten: Senats- Prästvent Drenkmann (Präfident) und die ReichSgerichtsräthe Theralt, Schwarz, Kirch« Hof. Krüger, Stechow, Petsch, Dr. Mittelstädl, Schaper, von Pezold, und Calame(Beifitzcnde). Die Antlagebehörde vertritt: Reichkanwalt von Wolff, die Vertheidiguna führt Juflizrath Arndts als Protokollführer fungirt: Kanzlei-Rath Schleiger. Die Verhandlungen finden im Reichsgerichts-Gcbäude in einem verhältnißmäßig kleinen, eleganten Srtzungssaale statt. Es hat sich ein zahlreiches Zuhörerpublrkum eingefunden. Gleich nach Erscheinen des Gerichishofes wird der Angeklagte vorge- führt. ES ist dieS ein mittelgroßer, untersetzter Mensch, der den Eindruck eines sehr ehrbaren Arbeiters macht. Nach Auf« ruf ver Zeugen wird der Anklagebeschluß verlesen. Danach wurde in den vom Angeklagten versandten ZeitungS- Exemplaren zur gewaltsamen Aenderung der deutschen Bundesverfassung und zur Ermordung des Kaisers aufgefordert. Der Angeklagte erklärt fich für nichtschuldig. Auf Be« fragen des Präfidenten demerkt der Angeklagte: Vom Jahre voll geworden; und wenn auch vielleicht nicht der Schimmer der Unsterblichkeit Ihr Haupt einst umleuchtet— selbst im weißesten Marmor finde« sich dunkle Adern— ein Meteor bleibe» Sie immer. Und nun zu meiner Mission! Mit dem Ausdruck der höchste« Verehrung sendet mich unser Damenklub, Ihnen, der gefeierten Dichterin, da« Diplom al« Ehrenmitglied zu überreiche«, mit der lebhaften Bitte, sich ehebaldigst als Gast unseres Städtchen« zu betrachten, und un« eines Ihrer kleinen Meisterwerke persönlich vorzu« tragen. Ich hoffe, Madame, Sie tragen unseren warmen Gefühlen für Sie baldigst Rechnung——" Die schöne Fremde bringt unter ihrer Atla«mantille ei» Futteral hervor, dem sie ein große« zusammengerollte« Pergament entnimmt, das sie nun mit hastiger Bewegung Frau von Sabor vor die Auge» hält, indem sie ganz nahe an sie heran und hinter die Chaiselongue tritt. Ein süßer Veilchenduft durchfluthet alsbald da« Zimmer..... Wenige Minute» später rauscht d,e schwarze Dame durch da» Vorzimmer, an Mariette, der Zofe, vorüber, und flüstert dem Mädchen in'« Ohr:„Ihre Herrin fühlt sich angegriffen und wünscht ei» wenig zu schlummern— ich komme wieder— morgen——" Mariette schaut verwundert auf; indeß die Visite der Fremden dauerte fast eine Stunde—— es ist begreiflich. Nach einiger Zeit treibt angeborene Neugierde die Zofe nachzusehen, od die Gnädige in Wahrheit schlafe. Sie findet sie blaß und schwer athmend quer über die Chaiselongue liegen, über Mund und Nase ei« feuchte«, mit scharfriechender Essenz getränkte« Tuch. AuS den Ohren fehle« die kleinen BnllantboutonS, die prachtvolle» Ringe von den Fingern, Uhr und Kette aus dem gold- gestickten Pantoffelchen über dem Schreibtisch, und von diesem selbst die werthvollste» Stücke de« schwer silberne« Schreib- Nezessaire«. Die kühne Heldin der Feder hält zwischen de« krampf. Haft verzogene» Fmger« da«„Ehrendiplom". 1876 bis dahin 1877 war ich in Berlin und betheiligte mich dort insofern an der sozialdemokratischen Bewegung, als ich die sozialdemokratischen Versammlungen besuchte und die„Berliner Freie Presse" laS. Im Juni 1877 war ich wiederum einige Tage in Berlin. Im August 1877 kam ich wieder nach Berlm und wurde dort Mitglied de»„Vereins zur Wahrung der Interessen der werktbätigen Bevölkerung Berlins". Im Juni 1878 wurde ich in Berlin wegen eines Briefes, dm ich an meine Mutter in Namslau gesandt, verhaftet.— P'äs.: Der Brief war hochoerrätherischen Inhalts? Angekl.: DaS weiß ick nicht.— Ter Angeklagte erzählt im Weiteren: Im Juni 1873 wurde ich wiederum entlassen und begab mich nun auf die Wanderschaft. Im Jahre 1879 kam ich nach London. Dortselbst hatte ich mehrere Stellungen; zuletzt war ich bei Marschall in Stellung.— Präs.: Sie verkehrten dort vielfach mit Anarchisten?— Angekl.; Ob es Anarchisten waren, weiß ich nicht.— Präs.: Sie waien dort mit einem gewissen NohS und einem gewissen Reinke bekannt? Angekl.: Ich hörte erst später, daß der Mann Reinke hieß, er nannte fich mir gegenüber Rausy.— Präs.: Sie verkehrten auch mit einem gewissen Knauerhase?— Angekl.: Ja.— Präs.: Sie wußten, daß all' diese Leute Anarchisten waren?— Angekl.: Das wußte ich nicht, ich hielt die Leute blos für Revolutionäre.— Präs.: Sie machen also einen Un> terschied zwischen Anarchisten und Revolutionärm?— Angekl.: Ja.— Präs.: Nun, Sie bekennen fich selbst als Anarchist, wir werden darauf noch zurückkommen. Als fie nun von London weggingen, wohin begaben Sie fich da?— Angekl.: Ich ging nach Deutschland zurück und?war zunächst nach Aachen. Von dort begab ich mich nach Brüssel, Lüttich und von dort endlich nach VervierS.— Präs.: Beiheiligten Sie fich in VervierS auch an der anarchistischen Bewegung?— Angekl.: Rem.— Präs.: Sie verkehrten aber dort mit einem bekannten Anarchisten Hennes?— Angekl.: Nein.— Präs.: Nun, wies» find Sie zur Auslieferung der Packete in Eupen gekommen?— Angekl.: Ich ging eines Sonnabends Nachmittags in VervierS spazieren. Auf diesem Spaziergange traf ich einen mir unbekannten Mann, der mich bat, ihm zwei Packete zur Post in Deutschland zu bringen. Ich versprach ihm dieS und der Mann sagte zu mir, er werde mir die Packcte am folgenden Morgen in einen Garten dringen.— Präs.: WrS- haib wollte der Mann die Packete nicht selbst und zwar in Verviers zur Post geben, daS mußte Ihnen doch auffallen?— Angekl.: Der Mann sagte mir, er wollte die Packete deshalb in Deutschland befördern lassen, da des Sonntags die Post in Belgien geschloffen sei.— Präs.: Der sogenannte unbekannte Mann ersuchte Sie doch aber bereits am Sonnabend, die Packete zur Post zu befördern, fiel Ihnen daS nicht auf?— Angekl.: Nein. Der Angeklagte erzählt nun im Weiteren auf Befragen des Präfidenten: der unbekannte Mann habe ihm nun am folgenden Morgen, den 23. August, die 2 Packcte nach dem Garten gebracht, und ihn aufgefordert, ein Packet zu adiesfiren, damit die Adressen nicht von einer Hand geschneben seien.— Präs.: Kamen Sie denn dieser Aufforderung n ich?— Angekl.: Ja.— Präs.: Fiel Ihnen das nicht auf?— Angekl.: Nein. — Präs.: Wußtcn Sie, waS in den Packcten enthalten war. — Angekl.: Nein.— Der Angeklagte erzählt nun weiter, daß er bis Lottheim gefahren und von dort nach Eupen gegangen fei. Als er in Euven das Postzedäude betreten und gerade im Begriff war, die Packete aufzugeben, wurde er ver« haftet.— Präs.: Sie wissen, daß in den Packcten Exemplare der Nummer 10 des„Rebell" enthalten waren?— Angekl.: fa.— Präs.: Ist Ihnen bekannt, waS in der detreffenden eitungs- Nummer enthalten war?— Angekl.: Nein.— Präs.: Haben Sie die Zeitung nicht gelesen?— Angekl.: Nur so obei flächlich.— Präs.: Nun, in der Zeitung wurde direkt zur gewaltsamen Aenderung der deutschen BundeSoer- fassung aufgefordert. Es wurde dabei bemerkt, daß es noth« «endig sei, die deutschen Bundesfürsten zu tödten und um die gewaltsame Aenderung aller bestehenden Verhältnisse zu be« schleunigen, wurden die Arbeiter Deutschlands zur Revolution aufgefordert, ihnen die Anwendung von Dynamit u. s. w. empfohlen, damit durch Werfung von Tynamiwomdm Verwir- rung unter das Militär gebracht wird. Angeklagter, erklären Sie fich mit dieser Anschauung einoerstandcn?— Angell.: Nein.— Präs.: Sie haben beim Herrn Staatsanwalt in Eupen allerdings gesagt, daß Sie fich mit dem Inhalt deS„Rebell" nicht ein» verstanden erklären, sondern fich zu derjenigen sozialdemokratischen Partei bekennen, die auf gesetzlichem Wege eine Aenderung der bestehenden Verhältnisse bezweckt. Bei Ihren späteren Ver« nehmungen haben Sie aber ertlärt, daß Sie mit dem Inhalt des„Rebell" fich vollständig einverstanden erklären und daß, wenn Sie auch den Inhalt gekannt, Sie nicht Anstand ge« nommcn Härten, die betr. Zeitung zu verbreiten.— Angekl.: Bei dem Herrn Staatsanwalt habe ich die Wahrheit gesagt. Die letztere Bekundung habe ich nur gethan, da ich eine solch grobe Anklage bekam.— Präs.: Also lediglich, weil Sie Ihrer Meinung nach eine grobe Anklage bekamen, bekannten Sie stch vor dem Untersuchungsrichter zu den anarchistischen Grund« sätzen?- Angekl.: Ja.(Fortsetzung folgt.) Vereine nnh Versammlungen. Eine große öffentliche Versammlung der Mitglieder der Kranken- und Begräbnißkasse für Frauen und Mädchen (E. H. Lffenbach) fand am Sonntag, den 27. d- M., in GratweilS Brerhallen statt. Auf der Tagesordnung stand: Aufstellung der Kandidaten für den Vorstand. Zunächst verla« der Vorfitzende, Herr Jost, die Antwort des ZentralvoistandeS. auf den von der am 13. d. M. stattgehabten Versammlung beschlossenen Antrag: Männern, deren Frauen Mitglieder der Kasse find, zu allen Versammlungen Zutritt und Redefreiheit zu gewahren. Die Antwort lautete ablehnend, und waren sämmtltche Argumente, deren der Zentralvorstand fich bediente, g SS «riefe angezogenen Paragraphen des Statuts diese Ang«' legenhert mst keiner S.lde berühren. Von allen zur DiSkusston sprechenden Damen und Herren wurde die Ablehnung veS ±9*2 Drages alS unberechtigter Eingriff in die Rechte der * Zutnttju den Versammlungen und Redefreiheit gewährt wer- s-S-.%%%'%%%%: ä$ em Gewaltakt vorliege, um für verschiedene Herren eine Leben« stellung zu schaffen, wie eS fich in der hiefigen VerwalW"�' stelle bemerkbar mache. Obgleich der jetzige Vorfitzende öffew ü®.. eniart, kein Amt anzunehmen, so besuche er trotzdem kranre Mriglreder, um für fich zu agitiren, indem er dieselben auf d> " nächster Zeit stattfindende Neuwahl deS Vorstände«� auk ............... en �crtglteder So ungeyeueruch vrefes müsse es, da eS öffentlich gesprochen wurde, glaubwürdig'st scheinen. Ebenso sei der jetzige Kontroleur, Hrrr Möhring now' Amte, obgleich auch gcgm diesen Thatsachen vorliegen, welches" schluß aus dem Vorstände schon längst hätten herbeiiübren wun Es wurden noch verschiedene Handlungen des Vorsitzen scharf kritistrt, auf deren Aufzählung wir jedoch verzrch Hierauf wurden mehrere Herren als Kandidaten zum VoM',� den vorgeschlagen, die aber alle zu Gunsten des Hern» seldt ablehnten. Derselbe nahm die Kandidatur an. st,fr, Bielefeldt wurde als Kandidat für den Vorfitzenden nnt gegen eine Stimme gewählt und proklamirt, währenv ♦ WW�WIW��WWWMMMM� Ml Julius Kreutz zum Kandidaten für den Kontroleur bestimmt wurde. Da der bisherige Kasfirer. Herr Schießt, sich bereit erstarte, fem Amt auch femer zu übernehmen, so wurde der- selbe ebenfalls als Kandidat aufgestellt. Zu Beisitzerinnen wurden Vre Damen: Frl. Stobt, Frau Kalisch, Frau Ottilie Schneider, ,rrau Juhnemann, Frl. Löwcnstein, Frau Emma Schneider, Frau Jost, Frl. Klara Schmidt, Frau Uschcr, Frl. John, Frau Tieftmnk und Frl. Greß vorgeschlagen und ge- wählt. Nach einem warmen Appell des Vorsitzenden an die Anwesenden. nun auch kräftig für sämmtliche Kandidaten zu agistren, und in der Hauptversammlung, die jedenfalls am 3. Januar m Gratweil s Bierhallen tunlerer Saal) stattfinden wird, am Platze zu sein und das Mitgliedsbuch nicht zu ver- gessen, schloß der Vorfitzende die Versammlung. m Der Verband deutscher Ztmmerleute(Lokalverband Berlin) hielt ferne letzte Versammlung in diesem Jahre vor. gestern Abend in den Gratweil'schen Bierhallen ab. Als ersten Punkt der Tagesordnung hörten die Versammelten einen Vor- trag über„DachauSmittelung und Schiften". Zu Punkt 2 machte ver Vorfitzende bekannt, daß de: Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister in Beilin auf eine originelle Art versuchte, den in anderen Städten, z. B. in Hamburg. Lübeck, Magdeburg, Harburg, Leipzig, Altona von der Gesellenschaft abgelehnten GcsellenauSschuß durch sogenannte Platzv-r- tretungen zu Stande zu bringen. Redner hob besonders her- vor, daß die Berliner Zimmerleute auf diese Machinationen einer Hand voll Arbeitgeber nicht eingehen würden, denn der Bund beschäftige im höchsten Falle ein Drittel der Zimmer- gesellen Berlin«. Wenn die sog.„Jnnungsgesellen" auf diesen Koup hineinfallen würden, so wären zwei Drittel der Berliner Zimmerleute in dieser Versammlung unvertreten. Sämmtliche Redner wiesen darauf hin, daß die von der Gesammtheit ge- wählte Lohnkommisston nur allein befugt sei, über die Lohn- fragen ,c. zu unterhandeln. Ein Antrag, die Lohnkommisfion aufzufordern, schleunigst eine Generalversammlung einzuberufen, um gegen die Attake der Jnnungimeister Front zu machen, wurde einstimmig angenommen. Nach Erledigung deS Frage- kastens schloß die gut besuchte Versammlung 11 Uhr Abends. Die Generalversammlung wird in kurzer Zeit durch große Eäulenplakate angezeigt werden. Große öffentliche Versammlung der Schmiede Sonn- tag, den 3. Januar 1886, Vormittags 10 Uhr, bei Keller, Andreasstr. 21. Die Tagesorduung wird in der Versammlung bekannt gemacht.— Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinm.— Der JnnungS-Vorstand hat sein Erscheinen zugesagt! Am 30. Januar findet im„Kolosseum" ein Maskendall der Schmiede statt. Venin der Berliner Bauanschläger. Am Sonntag, den 3. Januar, Vormittags 10 Uhr, Generalversammlung bei Preuß, Oranienstr. 51. Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Tcchcugeertheilung. 2. Vorstandswahl. 3. Beschlußfassung über die Verwendung der Vereinsgelder. 4. Fragekasten.— Der Wahl wegen haben nur Mitglieder Zutritt. Fachveretn der Tischler. Montag, den 4. Januar, Abends 8V: Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstt. 23, außerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Be» richt der Fachkommisfion über ihre bisherige Thätigkeit. 2. Er- nennung von Beittagsammlern für die Zahlstellen deS Vereins. 3. Verschiedenes, Fragekasten. OuittungSbuch legitimirt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Diejenigen Mitglieder, welche noch Billets vom Weihnachtsfest in Händen haben, werden ersucht, dieselben in der Versammlung zurückzu» � �Den Mitglieder» deS Verein« zur Wahrung der Interessen der Klavierarbeiter zur Nachricht, daß die nächste Mitgliederversammlung am Sonnabend, den 2. Januar in Gratweil's Bierhallen, im unteren Saal, stattfindet. Tages- ordnung: 1. Vortrag des Predigers Herrn Kendziora über Materialismus. 2. Diskusfion, Verschiedenes und Fraaekasten. XL. Die Mitglieder werden ersucht, die rückständigen B-iträgc in dieser Versammlung ,u entrichten, da am Z. Januar die Abrechnung stattfindet und es auch im Interesse der Mitglieder liegt, ihrer statutenmäßigen Rechte nicht verlustig zu gehen. Um lahlreichen Besuch wird ersucht. Allgemeine Kranken» und Sterbekasse der Metall« arbeiter(E. H 29 Hamburg) Filiale Berlin 8, Gesund. brunnen. Mitgliederversammlung Sonnabend, den 2. Januar 1836, Abends 8'/, Uhr, Badstraße 54/56, Weimanns Volks» flirten. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. VorstandSwahl. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Zentral-Kranken» und Sterbekasse der Fabrik» und Haudarbeiter b. G.. E. H.. Dresden, ortliche Verwaltung, Berlin W. Mitglieder-Versammlung am Sonntag, den 3. Jan. 1886, Vormittags 10 Uhr, im Lokale der Viktoria. Braueret. Lützowstr. 112)13. DaS Erscheinen der Mitglieder de« Westens ist erforderlich. Mitgliedsbuch legitimirt. Ttschler-Berein. Sonnabend, den 2. Januar, Abends 8'/, Uhr. Kottduserstr. 4», Mitgliederversammlung. Elegante Masken-Garderobe Fr. Panknin � Reu eröffnet. G. Richter's Restaurant, ,_.„, Kottbuserstr. 2, früher„Alte Linde", Apfiehll fernen neu eingerichteten Saal für Vereine, 150 biS �0 Personen fassend, mit und ohne Bühne, zur unentgeltlichen Benutzung. Ausschank von Weiß- und Bairisch-Bier. Speisen » k carte zu billigen Preisen.[2750 150,003 Neujahrswünsche sollen verkauft werden bei Zum Jahreswechsel empfehle mein Lager von sowie sämmtlichm Kvmtoirbedarf. **%%%«-«-» M Wd Uermikchtrs. Hamm, 26. Dezember. Die schauerliche That des Händ- lers Muckelmann erregt noch immer alle Äcmüther. Wie ein Korrespondent der Rhein. Wests. Ztg." meldet, hatte Nückel- mann auch seinen rn Dortmund befindlichen Sohn, der übri- aens nicht verheirathet ist, sondern noch im Lehrlingsverhältniß steht, aufgefordert, am Tage vorher nach dem Eltemhause zu kommen; wäre dieser nicht verhindert gewesen, dem Rufe zu folgen, so hätte er— der Gedanke liegt nahe— Möglicherwerse das Schicksal seiner Mutter und Geschwister getheilt. Alle, welche übrigens die friedlich neben einander liegenden Leichen gesehen, schildern den Anblick als einen ergreifenden. Was die muthmaßlichen Motive zu dem Massenmorde betrifft, so bestätigt es fich, daß an dem Morgen der That ein aus angeblich 2000 Mark lautender Wechsel von einer hiesigen Engrosfirma präsentirt werden sollte. Doch kann dieser Um- stand allein dem im rüstigsten Lebensalter befindlichen und arbeitsfähigen Mann nicht alle Besinnung geraubt haben. Die schreckliche That erscheint unbegreiflich, unbegreiflicher umso- mehr, als Muckelmann seiner Familie in Liebe zugethan ge- wesen sein soll- Heute Mittaw 1 Uhr fand die Beerdigung der von Muckelmann hingemorveten sechs Opfer statt. In drei Leichenwagen wurden die sechs Särge— im ersten die Mutter und das jüngste zweijährige Mädchen— nach dem neuen Kirchhofe im westlichen Stadttheile übergeführt. Die Bethei- ligung der Bürgerschaft an diesem Akte war eine kolossale, da das Mitgefühl für die arme Familie ein allgemeines ist. Die Begräbmßfeier war eine erschütternde. Ueber die mißliche Lage der Einwohner de« Kanton« Uri(Schweiz) geht der, Lienen Zuger Zeitung" folgender von Galgenhumor gewürzter Bericht zu:„Die Engländer und die Schwalben find längst schon fortgezogen und es ist bei hereinbrechendem Winter stille geworden in unseren Bergen. Nur der schrille Pfiff der Lokomotive stört die frosttge Ruhe und treibt die erschrockenen Füchse und Dachse in ihre Höhlen zurück. Während das fett gewordene Murmelthier in der warmen Erdhöhle schläft, fitzt der magere Gewerbsmann hinter dem heißen Ofen, raucht sein Pfeifchen und denkt— es ist ja gerade die„heilige AdventSzeit"— ernstlich an seine vier letzten Dinge: an die noch unbezahlten Rech- nungen, an die große Konkurrenz, an die Kantons- steuer und an die Golthardbahn. Die letztere liegt ihm, wie eine Achtkupplermaschine, besonders schwer im Magen. Einerseits freut er fich, in einer so glücklichen Zeitpeciode zu leben, da man die Bratwürste, welche man Morgens telegra- phisch in Mailand destellt hat, schon Nachmittags um 6 Uhr 15 Minuten in Flüelen in die Pfanne legen kann; andererseits aber schaut er voll Kummer in die Zukunft, welche ihm so leer und trostlos erscheint, wie ein viermal vergantetes WirthShaus! In früheren Jahren bildete im Sommer der Personenverkehr, im Winter der Waarentransport für viele Umer eine überaus ergiebige, für manchen beinahe die einzige Erwerbsquelle. Nur um einen Geschäftsreisenden sammt seinen Musterlisten über den Gotthard zu befördern, mußten fich hundert Arme und hundert Beine in Bewegung setzen. Und Alle fanden dabei genügend Brod und Unterhalt. Der Kaufmann lieferte die Pferde, der Fabrikant den Wagen, der Handelsmann den Hafer, der Bauer das Heu, der Thierschutzoerein den Kutscher, der Schneider die rothen Mützen, die Kellnerin die Zigarren und der Wirth endlich— den Rausch. Jetzt find diese beiden Geldquellen größtentheils ver- fiegt; denn Alles, was in unserem Lande einzunehmen ist,„be- sorgt" nunmehr einzig die Gotthardbahn. Infolge dieser Uni- versalthätigkett der Gotthardbahn find in den verflossenen Herbsttagen mehr als fünfzig hiesige Bürger nach Amerika auS- gewandert. Andere werden, so bald der Heimathschein ge- schrieben und das Reisegeld gesammelt ist, ihnen nachfolgen. Gewiß werden diese, durch bittere Erfahrungen belehrt, jetzt wohl an solche Orte hinziehen, wo es noch keine Eisen- bahnen gtebt. Ich aber und Andere, denen schweizer Berge und geräucherte Schinken noch theuer find, bleiben unterdessen im eigenen Lande und ernähren unS redlich, daS heißt, der Eine erwirbt fich etwaS als Zei- tungskorrespondent der„Neuen Zuger Zeitung" und die An- deren zehren vom Frauengut. Ueberdies ist eS ja jedem er- laubt, einen neuen Erwerdszweia zu ersinnen. Der RegierungS- rath selbst hat jüngsthin den Nothstand der gewerdtreibenden Klaffen und den Geldmangel der jüngeren Generation in ernste Erwägung gezogen und hat, um Vielen möglichst gut zu Hilfe zu kommen, wenigstens— die Jagdzeit auf Füchse, Marder und Jltise bis Ende Januar verlängert. Der Export von Pclzwaaren wicd demnach bedeutend werden, sofern näm- lich die Einwanderung von Bären, Füchsen und Mardern größere Dimenfionen annimmt. Zur Stunde wünschte ich mir selber eine Bärenhaut, um bei halbleerem Magen und etwa 10 Grad Frost nickt zu Grunde zu gehen." Ueber da« Lebe« und Treiben am Hofe Thibo's von Birma werden in englischen Blättern Einzelnheiten ver- breitet; welche im Großen und Ganzen das Bild vergangener August Schattenkönige wiederholten, die unter der Faust eine? Hab» gierigen Hausmeisters oder unter dem Pantoffel einer herrsch» süchtigen Gattin schmachtend, fich durch die Freuden der Mahl« zeiten für die fehlende Macht ttösteten. Thido nahm seine Zu» flucht zur Ginflasche. Er trank oft und viel, hatte in Folge dessen ein aufgedunsenes Aussehen und beträchtliches Haarweh; aber entging dadurch wenigstens den Nägeln seiner Frau, deren Spuren man in seinem Gefichte verfolgen konnte, so oft er es gewagt hatte, mit einer andern birmanischen Schönheit Liebesblicke zu tauschen oder fich sonstige Freiheiten zu ge- statten. Sein Palast war sein Gefängniß, sein Minister und seine Frau seine Kerkermeister. Sein Land blieb ihm ein verschlossenes Buch und die sonst in seinem Reiche Herr- schende Vielweiberei eine verbotene Frucht. Nur mit Erlaudniß des Tqnedah Mengyee durste er seinen Palast verlassen- und auch dann höchstens die nächsten Pagoden besuchen. Eifer» süchtig bewachte die Königin alle seine Bewegungen. Sein Vorganger, der König Min-Done-Min hatte nicht weniger als dreiundfünfzig ebcndürtige Gattinnen, die unebmbürtigen abgerechnet. Er zeugte mit ihnen bundertzehn Kinder, von denen zweiundfiebzig vei seinem Tode noch lebten und der Mordgier der Königin und ihres Ministers zum Opfer fielen, denn diese Beiden hatten zur Vergewaltigung deS KönigS und deS Lande« gemeinsame Sache gemacht. Sie erlangte dadurch die Htnrich- tung aller Verwandten und die Beseitigung aller Nebenduh- lerinnen und er völlige Straflofigkett bei seiner Verbindung mtt den räuberischen DacoitS, die auf seinen Befehl im Lande plünderten und stahlen. So oft der König diese Strauchdiebe durch seine Truppen einfangen ließ, retteten sie fich durch die Berufung auf ihren Schutzherrn, den Tqnedah Mengyee. Der letztere war allmächttg. Er besaß stets Geld, ließ einen Theil in die Taschen deS königlichen PaareS fließen und beförderte so ihre unfinnige Verschwendungssucht. Freilich war in der letzten Zeit scin Einfluß etwaS geschwunden; er hatte die Eilelkeit der Königin getäuscht. Sie wünschte einen Thronerben, er machte den steiwilligen Propheten und weissagte ihr einen Sohn. Aus Freude darüber verehrte ste ihm einen werthvollen Rubin; aber die Verheißung trog, und der Schalk, der fie zum besten gehabt, mußte daher den Stein wieder herausgeben. Der Name der Königin ist Supajah Lat, d. h. sehr entzückende Prinzesstn. Sie ist jung, hübsch, blond, gescheidt, grausam und herrschsüchtig. Bei dem Verwandten» morde spielte fie eine hervorragende Rolle. Sie duldet keine andere neben fich, und so ließ fie noch jüngst mehreren Diene- rinnen, die ste im Verdacht hatte, eine Liebelei mit ihrem Gatten zu unterhalten, die Hände abhacken. Thibo hat merk- würdiger Weise eine englische Erziehung genossen. Im Alter von zwölf Jahren trat er auf Anordnung des vorigen Herrschers in die von Dr. MarkS geleitete Schule der„Gesellschaft zur Verbreitung der Bibel" zu Mandalay ein, und lernte dort englisch sprechen und schreiben. Später aber vergaß er ob der Regierungssorgen seine europäische Bildung und die Ginflasche that das übrige. Der Photograph im Dienste der Bauk von England. Eine Einilchtung, welche das Interesse weiterer betheiligter Krerse verdient, hat, der„W. Ztg." zufolge, die Bank von England gettoffen. Sie hat ihr ständiges Personal in Rück- ficht auf die Vermehrung von Betrügereien, welche mit unrecht- mäßix; envorbentn CheckS und Anweisungen begannen werden, um einen Photographen vermehrt. Derselbe hat seinen Sitz in der Nahe deS Ka firers, mit dem er fich durch ein gewisses Zeichen verständigt. Nähert fich nun ein nur einigermaßen Verdächtiger der Kasse und präsentirt die Anweisungen, so macht der Photograph auf einen Wink deS Beamten, dem der Check zunächst beHuts Ertheilung der Anweisung an der Kasse vorgewiesen und während derselbe bei dem Kasfirer präsentirt wird, mit einem eigens hergerichteten Apparat, ohne daß der Verdächtige es merkt, eine Aufnahme. Grundsätzlich wird ferner jeder Vorweiser einer auf eine größere Summe lauten» den Anweisung, der nicht persönlich dem Beamten bekannt ist, photoaraphirt. Diese Einrichtung ermöglicht bei vorkommen» den Betrügereien eine genaue Beschreibung des muthmaßlichen Verbrechers und gewährt zweifellos für die Polizei eine wirk- same Unterstützung zur Ermittelung der Betrüger. Kriefkasten der Redaktion. Georg 13. Sofern Sie nachweisen können daß die AuS« lagen, welche Sie gemacht haben, für die Minderjährige noth- wendig waren, können Sie Erstattung derselben verlangen. Alter Abonnent, Adalbertstr. Sie hadm keinen An- spruch auf Lagergeld. Witte, Jnvalidenstr. 1. Nach Ihrer Darstellung liegt keine Entlassung, sondern eine Unterbrechung der Arbeit vor. Für den Fall, daß eine Entlassung au» dem Arbeitsverhält« nisse vorliegt, hat rhre Tochter einen Anspruch auf Istägige Kündigung.— 2. Der Arbeitgeber hat V» der Beiträge selbst zu leisten. Ein Zuwiderhandeln macht ihn strafbar. Röhl. Sie können gar keine Ansprüche erheben. Alle Ihre Anfragen find zu verneinen. Herold Berlin 80., 113 Skalitzeretrasse 113._■ mki-, Spiegel- und MslermaM-Magazm. Eigene Fabrik. Solide Preise« Prompte Bedienung, Reichhalttger Abendtisch. Zu jeder Tageszeit: 5Knia«berger Fleck, ä Portion 25 Pf. Einem geehrten Publikum empfehle mein 01%& Achtungsvoll Arbeltsaaehwels für Klavier arbeiter Reichhaltiger kalter und Rfe* Der Fachverein der Schneider hält Montag, den 4. Januar 1886, Abends 8V> Uhr, in Gratweil'« Bierhalle«, Kommandantenstraße 77—79, oberer Saal, die Prüfung der Schüler der beiden Kurse, unter Lei» tung deS Lehrers M a l l w i tz, welcher vom Verein wegen seiner praktischen Tüchtigkeit gewählt wurde, ab. Herr Mallwitz wird eine Ansprache halten. Aufnahme von Schülern zum neuen Kursu», welcher am 4. Januar anfängt, in der Wohnung des Herrn Mallwitz, Krausenstraße 41, vorn 3 Tr.— Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Gäste haben Zutritt. 322 Der Vorstand. Anffordernng. letzten Zeit bei Keller, Rüdersoorferstraße 21, gearbeitet haben, besonders die Kollegen Baier und Rößler, sowie die- jenigen, welche dort für 4 Wochen Krankenkasscnbeiträge an- statt 80 Pf. 1,20 Mark bezahlt haben, ihre Adresse an mich einzusenden. Brauer, Skalitzerstraße 129. Hermann Stramm,«eftaurateur, Skalikerkrake 18. [2010 verein zur Wahrung der Interessen der Älavierarbeiter Lerlius. Eonnadend, den 2. Januar, Abends 8'/, Uhr, Mitglieder-Versammluna w Gratweil'« vterhallen, kommandantenstraße 77/79 (unterer Saal). TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Predigers emer. Herrn Kendziora über: „Materialismus". 2. Vereinsangelegenheiten.[324 Mitglieder, welche mtt mehreren Beittägen im Rückstände find, werden ersucht, dieselben zu entrichten, widrigenfalls fle bei der bevorstehenden Abrechnung auS der Mitgliederliste ge- strichen werden._ Der Vorstand. Die Nr. 24 der humoristischen Blätter[319 „Der wahre Jacob" ist erschienen und in der Exped. deS„Beil. VoltSbl." zu haben Tpeater. cwn""n"- Eckavsptelhaa«. Heute: Tilli. Deutsche« Theater. Heute: Der Bureaukrat. Artedrtch-Wtlhelmvädtische« Theater. Heute: Die schönen Weiber von Georgien. Nestdeui-Theater. Heute: Elara Soleil. Vorher: Die Schulreiterin. _ Wallner-Theater. Heute: Frau Direktor Striese. velle-Alltauee-Theater. Heute: Lucinde vom Theater. Walhalla-Oheretteu-Theate». Heute: Mamsell Angot. Viktoria-Theater. Heute: Meffalina. Central-Xheater. Heute: Der Stabstrompeter. Louisenftädtische« Theater. Heute: Di« weihe Dame. Ofteud-Theater. Heute: Theodora. Theater der«eichShalleu. Täglich: Aufretm sammüicher Spezialitäten. Amertcau-Theater. Täglich: Austreten sämmtlicher Spezialitäten. «aufmauu'« Variete. Täglich: Große Speztalstäten-Vorstellung. Koukordia. Täglich: Austreten sämmtlicher Spezialitäten und theatralisch« Borstellung._ Alhambra-Theater. Wallnertheaterstrahe 16. Der verkaufte Schlaf. Romantisch'tomischeS Weihnachtsmärchen in 3 Asten von E. Jakobson und O. Girnvt. Vor der Vorstellung: Großes Konzert der Hauskapelle. Anfang des Konzerts Wochentags 7 Uhr. der Vorstellung 8 Uhr. Anfang deS Konzerts Sonntags 6 Uhr, der Vorstellung 7% Uhr. Bon« haben Wochentags Giltigkeit und find im Theaterdureau (12—1 Uhr) gratis zu haben. M, Passage 1 Tredpe. 9 U. Morg. ML 10 U. Ad. �TTTy Kaiser-Panorama. Bf Eine Wanderung durch Amerika. Kalifor- nien. Der Mond. DaS malerische Berner Oberland. WethnachtS- Ausstellung: DaS Leben Jesu. Jerusalem k. a Reise 20 V'-. Kinder nur 10 Pf. Abonnements. Anfforderangr.%%%: welche noch im Besttz von Liften für die Ardeiter der abae- brannten Fabrik, Ruppinerstraße 9, stnd, diese Listen, ob auS- gefüllt oder nicht, auf Kosten deS Unterzeichneten zurück zu senden. E. Echwittau, N., Bernauerstr. 82, Ii. illif»Fortbillluugssckule im Kaufe" Eine dillige, reichhaltige und interessante Lektüre für Jedeimann ist die Potsdamer Zeitung. Dieselbe enthält 4 werthvolle Gratisbeilagen: 1) Sonntagsblatt. Mit Romanen und Novellen der deliebttsten Schriftsteller, cia Familien blatt. Humoristisches Wochenblatt. Satyrisches, hochfein illustrirteS, unpolitisches Witzblatt. 3) Landwtrthfchastltaies und HandelSblatt. Schnell orientirend auf beiden Gebieten. 4) Fortbildungsschule im Hause. Lehrt zum Selbstunterricht: Franzöfisch, Englisch, Deutsch, Buchhal- tung. Rechnen u. s. w. Die bereits erschienenen Bände der Fortbildungsschule werden komplett oder in einzelnen Disziplinen neu eintretenden Lesern gegen eine Vergütung von 5 Pf. pro Nummn nachgeliefert. Die Potsdamer Zettung ist unabhängig und daher unparteiisch. Sie bat daS Bestrebe", so viel an ihr liegt, die bürgerlich«, politische und rellgiöse Freiheit des Ein- zelnen und der Gesammthrit mit der Autorität deS Staates in Harmonie zu bringen. Täglich in großem Zeitungsformat erscheinend, orientirt fie in rascher und enisprechender Weise ihre Leser über die Vorgänge auf dem Welttheater; besonderes Interesse widmet fie den provinziellen und lokalen Vor- Cen, unterstützt durch zahlreiche Berichterstatter. Täg. Kouri- Bericht der Effekten- und Produktenbörse, Preise deS Berliner Viehhofes, Veröffentlichung der preußischen Lotterien, der Sudhastationen des RegierungSbe» zirks Potsdam, tägliche Wetterausfichten. Sämmtliche Postanstalten und Briefttäger nehmen Bestellungen pro 1. Quartal 1886 zum Preise von nur 2 Mark 50 Pf, bei freier Lieferung ins HauS für 2 M. 90 Pf. entgegen. Probeuummeru lagen senden wir schon jetzt überall gratis uns franko, und bitten mitülst Postkarte iU Inserate kosten 15 Pf. pro 9 cm breite Zeile. Verlag der„Potsdamer Zettung" tu Potsdam. Eine billigere Ausgave der„PoiSoamer Zeitung" ohne die Beilagen derselben, mit Ausnahme des Sonntags blatteS, stnd die hrraßisihtn pfeNig Pätter. Dieselben erscheinen ebenfalliZ 6 mal wöchentlich und kosten bei allen Postanstalten und den Briefträgern nur 1 Mark 50 Pf. vierteljährlich, frei ins HauS 1 M. 90 Pf. Jnsertionspreis für die dieigespaltene Zelle nur 10 Pf. Verlag der Preußischen Pfennig-Blätter tu Potsdam. Arbelter-BMGWfiH Hi Orameubmger Vorstadt und des Weddiug. Gemüthliches Beisammensein mtt Familie bei Schramm, Hochstraße 32a, Abends 9 Uhr. Freunde und Bekannte find freundlichst eingeladen. Nächste Versammlung Montag, den 11. Januar, AbendS Vi9 Uhr, im Wcdding-Park. 320 Der Vorstand. Am Sonntag, den 3. Januar. Vormittags 10 Uhr, Große öffeMche Versammlung d. Steindrucker u. Lithographen im patmensaal, Neue Klköaliauserstr. 20. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Zur Deckung der Unkosten Entree nach Belieben. Um zahlreiches Erschcinen bittet 230 Die Fach-Kommission. Ievtral- Kranken- und Segräbuißkaße für Frauen und Mädchen(i. H. Mr. 26 Osseubach a. M.). Hauptversammlung am Sonntag, den 3. Januar, Nachm. 3Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77 79 (unterer Saal). Tagesordnung: 1. Abrechnung des 4. Quartals 1385. 2. Neuwahl deS Gesammtvorftandes. 3. Verschiedenes. Nur Mitgliedern gegen Vorzeigung deS Quittungsbuches ist der Zutritt gestattet. 321 1 Der Vorstand. Versammlung d. Fachvereins d. Steinmetzen Berlins am Sonntag, den. 3. Januar 1886, Vo-mittagS 10 Uhr, in Ählgrimm's Äalon, Sophienstraße 34. Tagesordnung: 1. Quartalsabrechnung der Vereinskasse. 2. Bericht über die KommisstonSverhandlung betreffend die Lohndiffcrenzcn. 3. Wabl eines Schriftführers.[327 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht _ Der V o r st a n d. Große öffentliche Versammlung der Lithographiesteinschleifer und Berufsgenossen am Sonntag, den 3. Januar, Vormittags 10'/, Uhr. im Restaurant Seefei dt, Grenadierstr. 33. Tages-Ordnung: Statutenberathung und Mrtaliederaufnahme.[318 Um zahlreiche» Erscheinen ersucht Der Einberufer. Flato& Comp Spieldosen für den bend, stets vorräthig verleihen Mufikwerkc, als: Preis von 1,00 M. pro in den Filialen der Firma: KrauSnickstraße 17. Heiligegeiststraße 38. Kl. Andreasstr. 11. Alexandrinenstraße 109. Das verdi eitelste deutsche Arbetterblatt ist Das Recht auf Ärdeit Sozialpolitische Wochenschrift vertritt den Standpunkt sozialer Reformen auf der Grund» läge freier Seidstoerwaitung der arbeitenden Klassen. Rundschau im In- und Auslände, namentlich auch über die sozialpolitische Gesetzgebung, Forischtitte der Technik und öffentliche Gesundheitspflege. Vereins- und HilfS- kaffenwesen. Otig-nal-Korrespondenzen aus allen Theilen Deutschlands sowie aus dem Auslande. Abonnementepreis per Quartal nur Mk. 1,20 oder monatlich 40 Pf. Die Ergänzung auf polllischem Gebiete zum„Recht auf Arbeit" ist das veutsSje Wochenblatt. Entschieden, reichhaltig und inten ssani. Informationen aus eister Hand. Oiiginal Berichte aus allen wichtigen Plätzen. AbonnementspreiS per Quartal nur Mk. 1,20 oder monatlich 40 Pf. Inserate, welche in Anbetracht der großen Auflage beider Blätter die weiteste Verbreitung finden, werden mit nur 20 Pf. pro 4spaltige Petitzrile berechnet. JfgJ Wer auf die Blätter adonntrt, erhält als Gratisbeilage den Süddeutschen Postillon. Redigi'.t von Mox Kegel. Bestes humoristisch- saiyrisches Blatt mit zahlt eichen Illustrationen. Ptodenummern sieben jeder Zeit gerne zu Diensten. Recht zahlreichen Abonnements steht entgegen der I. gime, mm. Unter höflicher Bezugnahme auf obige Abonnements- Einladung beehre ich mick dm Lesem des„Berliner Volksblatt" die ergebene Mittbeilung zu machen, daß ich von Neujahr ab die Filiai-Erpedition obiger Zeitungen übernehme und Abonnements auf dieselben jeder Zeit gerne entgegennehme. Probenummern stehen stets gerne gratis zur Verfügung. Gleichzeitig bitte ich alle Diejenigen, welche, in an» deren Stadtthellen wohnend, geneigt find, eine Zweig« Expedition zu übernehmen, sich gest. mit mir in Ver- dtndung setzen zu wollen. Berlin 8., Ende Dezember 1885. Robert Sünderraann, Gitschinerstraße 61, ! Dis IkmbtttgJcenutaii'iU (58. Jahrgang) erscheint allabendlich mit dem Aeneste« de« Tage« ans allen Gebieten«nd gelangt noch mit de« Abendposten zur Versendung. I n d a l r: Entschiede» liberale Politik, orientirende politische Klederstcht, parlamentarische Grigiual-Korrespon- denxen aus hervorragender Fever, Reichstag»- und Adhand» lungen bedeutender Autoren über Ausstellungen, Mufikfeste tc.. Korrespondenzen aus London und Pari«, Modebriefe, naturwissenschaftliche Fcumelons, Roman. Konzert- und Theater Referate, Allerlei von den Gebieten der Künste und Wissenschaften. Landmirthschaftliche Original-Artikel und Antworten durch einen Fachmann, Volkswirtbschaftliches, Jndu- strielles, Post-»nd Eisenbahn-Tarife. Handel«-«nd Körsen-Uachrichten an« Hamburg vom selbe» Tage in umfang- eichem Maße, tägliche Kouroberichte, Wochenbericht de» Hamburger Waarenmarkte«, Fonvs- und Waaren- Telegramme von allen Handelsplätzen. Lokal-Rachrichte« und Ncuigkeilen aus Schleswig» Holstein, Mecklenburg, au« dem Hannoverschen u. s. w., Schisssberichte, Schiffslistrn der täglich Knr- haven passtrenden und iw Hamburger Hafen aus- und eingegangenen Schiffe, Witterung«- Keob- achtungen der deutschen Seewarte, Sport- Neuigkeiten, sofortige telrgraphisch» Meldung der Rennresuttat» von allen Rennplätzen, Familien-Nachrichten, Fallissement« au« allen Länvern u. f. w. vlM- DaS allwöchentlich erscheinende Ziehungslisten» blatt„Porta na' erhalten die Abonnenten des „Fremden-Blatt" gratis. Allen auswärts lebenden Hamburgern, ferner den mit Hamburg in Geschäftsoerbindung stehenden Deutschen und Ausländern, sowie allen Jnbabem von Hotels und fiestaurations- Etablissements, Crfss u. s. w. aller Länder sei das in Hamburg beliebte und stark verbreitete„yam» bürget Fremden-Blatt" zum Abonnement bestens em- pfohlen. Abonnementsprei» inkl. Postaufschlag pro Quartal M. 5. Anzeigen, pro Zeile 35 Pfennig, finden die weiteste und wirkiamste Verbreitung. Probe-Exemplare auf Verlangen franko. Bayerischer Landbote. (Aeltestes Blatt Münchens.) Einziges entschieden fretstnntge« Tageblatt Münch« s. Mit 1. Januar nächfthin beginnt ein neues Abonncmrnt auf das 1. Quartal deS 62. Jahrganges zum bisherigen Preise von nur Mark 1,60 vierteljährlich. Der„Baprri'che Landbnte" bringt Original-Leittirtt' Politische Ueberficht, die wichtigsten Provinzialnachtichten, e« reichbaltige Rubrik lokaler Nach lichten, Vereinsnachrich'nn, wichtige Fälle aus dem Gerichtssaale und alle intereffanl.n Voikommniffe des öffentlichen LebenS im Reiche und im Ai- land. Ein höchst spannender Kriminal-Roman von Adolf Belot: Ererbte Schuld und das SonntagSblott„Walhalla" bilden den feuilletonistiscken Theil des Blattes. Jnierate find von anerkannt guter Wirkung. Die Tendenz des BlatteS ist entschieden freifinnig und i Förderung der Interessen des arbeitenden Volkes seine Hout'i' aufgäbe. Die bis 1. Januar erscheinenden Nummern werden gra'' geliefett. Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebcnst ein Verlag des„Bayerischen Landboten" München, Altenhofstr. 2. „Damjiällter freie Presse' (6. I a h r g a n g) �. Zeitung für daS werkthätige Volk in Stadt und Lau' Erscheint tü glich in Darmstadt. Preis pro Quartal mit demUnterh2ltungsblatt„Sonntagsrut!k «ur Mk. 1,83 Zu zahlreichem Abonnement ladet höflichst ein_.. Die Erpedttton der„Darmstädter freie« Presse DaS„Berliner VolkSblutt", sowie sämmtliche in Bei'in erscheinende Zeitungen empfiehlt zur pünktlichen Besorgung Max Kirsrb 229 Admiralstraße 28.» Der Chemnitzer Sozialisten- Prozetz(Broschu"/ a 15 Pf. ist noch zu haben.___ Schön-«nd Schnellschreib ßy Unterricht!"Wss„ Drei verschiedene Cchristen für G Mark lehri•* Unterzeichnete in den neu zu eröffnen ven Schreid-Kursen rn Dresdenersttaße 10 jeden Dienstag, tioihringerstraße 37 K Donnerstag, Blumcnstraße 56 bei Ebels dach-l-'- Freitag und Sleglitzermaße 65 beim Lebrer Sevacat K «jinstar jülethke, 2286| Kalligraph und Schreiblehrer. Steglitzersiraße� Ein Hund u. Federwagen billig z. v. Dresdenerstt. 132, �Stenograph ----—.-. a empfiehlt stch den geehrten Verein»» Vm ständen. der Expedition des„Berliner Volksblat�. Der unentgeltliche Arbeitsnachw� der Klavierarbeiter befindet sich Skalitzerstraße 18 bei Stramm» Lerantwortlrcher Red altem R. Er««!, et» in verlin. Druck und Verlag von Max Badiag in Berlin SW, Beuthswaßr 2.