Kr. 1. Freitag, den 1. Januar 1886. III. Jahrg. 8erliiitrDolbslilnll Krgan für dir Intrrrsscn der Arbeiter. 4 Da»„Berliaer Bolksdlatt« «schewt SaliS Morgea» außer nach Sonn« und Festtage». WomremeutSprei» Verlt» freiV« Hau» vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 1 RsMonnement 4 Ml. Smzelne Nr 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10! (Eingetragen in der Po�eitungspreiSlifle für 1885 unter Nr. 746.) Jusertiousgebühr deträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4i Nachmittag» in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Aunonce&i Bureaux, ohne Erhöhung des Preise», angenommen. TlMhi Redaktion: Keuthstraße Ä.— Expedition: Zimmerstraße 44. WVWW Zwliigmziehililg DttranljtlnllEt Killder. Wenn uns irgend eine staatliche oder überhaupt öffent- liche Thätigkeit staatlicher oder provinzieller Organe zum Nachdenken stimmt, so ist es die Zwangserziehung verwahr- loster Kinder. Und dies Nachdenken wird noch besonders hervorgerufen gegenwärtig, wo wir eben ein K i n d e r f e st in des Wortes vollster Beoeutung gefeiert haben. Wohl wissen wir, daß auch den kleinen Verwahrlosten, in den Anstalten sowohl als auch in den Familien, wv sie untergebracht find, der Weihnachtsmann oder das Christkind- l.in ersche nt, aber me st in emer Weise, welche die Kinder mehr abschreckt und beunruh gt, als e-quickt und erfreut. Die finstere Orthodoxie schreitet durch die Zwangserz ehung der Kinder u°d verdrängt das Wohlwollen und die Humani. tät. Doch lasten w« das jetzt. Wir sind ja nur durch da» große alljährliche Kinderfest auf das heutige Thema gekommen.--- Die Gründe nur Zwangserziehung liegen in der„Ver- wahrlosung" der betreffenden Kinder; diese Verwahrlosung zeigt sich in verschiedenen Fehltritten, zu denen die Kinder meist von den Eltern u. s. w. wenn auch nicht gerade an- gestiftet, so doch nicht abaehalten weide». Diese Fehltritte bestehen meistentheil» in kleineren Diebstählen(im Königreich Sachsen nennt man in solchen Fällen das Stehlen recht gemüttstich: Mausen), dann im Landstreichen, Betteln und merkwürdigerweise im Brandstiften. Die Kinder sehen un- gemein gern ein loderndes Feuer- dabei fehlt ihnen durch- weg das Bewußtsein des Unrechts, welches in den oben angedeuteten Fehlt, itten liegt. Grund genug, daß mau bei der E zi.hung nicht unnöthige Strenge walten läßt, sondern Liebe und Belehrung. Leider herrschen aber bei der ZwangS- erziehung der S'ock und der unveistäudliche Katechismus, duich welche Fu cht und Heuchelei einerseits und Unlust am Leinen anvereiseit« dm Kindern anerzogen werden. Aus diesen Gründen findm wir auch später eine verhältnißmäßiq große Anzahl dieser ZwanzSerzogenen auf der Verbrecherlauibahn. Aber auch diejenigen verwahrlosten Kinder, welche in anderen Familien zur Erziehung gegeben werden, find nicht bester daran. Meist stnd es nur Familien, welche solche Kinder aufnehmen, die selbst am Hungertuche nagen und da» Erziehnngsgeld als Zuschuß zu ihren Einnahmen brau- chen. Vierzig Pfennig täglich werden in verschiedmen Pro- vinzen als Höchstbetrag für ErziehungS- und Kostgeld ge- zahlt, gewiß eine schöne Summe dort, wo der Ernährer selbst nur 1 M. 20 Pf. bis 1 M. 50 Pf. als Loh» er- Daß dabei das in Pflege gegebene Kind, ebenso wie 66 JeuMNon. Die Hand der Kemesi». Roma» von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Ah, man will de» unbequeme» Bruder entfernen? Man fürchtet wohl seinen Spott, wen« die Doppelhochzeit gefeiert wird? Vielleicht hat der Oberst diese Bedingung gestellt, sei» Bruder machte mir auch einmal denselben Vorschlag." „Pfui, da» war eine Infamie!" sagte Frau von Stuck- mann, und vor ihrem zornflammenden Blick mußte er UN- willkürlich die Auge» niederschlagen, es mochte ihm selbst wohl plötzlich klar geworden sein, wie tief er bereit« gesunken war.„Einen anderen Ausdruck finde ich dafür nicht, und zu Deiner Beruhigung will ich Dir erklären, daß von dieser Verbindung niemals die Rede sein kann und wird! Ob diese Erklärung genüge« wird, Deiner Ver« leumdunassucht wirksam entgegenzutreten, weiß ich freilich nicht! Willst Du den Voischlag annehme», so erfülle ich mein Ansprechen, lehnst Du eS ab, so sind wir für immer geschieden, und ich werde meine Maßregel» wffen, um einer nochmaligen Begegnung mit Dir unter diesem Dache vorzubeugen. � � kategorisches Ultimatum!* spottete Rabe.(.Bis wann muß eS beantwortet werden?' %@»%bt mir keine Zeit zur Ueberlegung?" Ich wüßte nicht, was Du jetzt noch zu überlege« hättest? Du hast Deine Schiffe hinter Dir verbrannt, es war ein Vabanque- Spiel, Du hast es verloren." Trotz der kurzen Frist schien Rabe bereits zu der Ueber« zeugung gekommen zu sein, daß er diesen Vorschlag nicht zurückweisen durfte, daß e» in der That die letzte Brücke war, die über de» zu seine« Füßen gähnenden Abgrund hinüberführte. die eigenen Kinder, hungern muß und in seiner körperlichen Entwicklung gestört w rd, ist natürlich, daß aber ferner von einer Erziehung n cht die Rede sein kann, ist selbstverständlich. Unter solchen Umständen wäre immer noch eine Anstalt vor- zuziehen, wenn oort nicht der Stock zum Cysten ge- hörte und die äußere Frömmigkeit, die öden religiösen Formen zum Besserung»- und Erziehungsprinzip erhoben würden.--- Meist hat den Kindern, die„verwahrlost" angetroffen werden, schon zu Hause Pflege und Erziehung gefehlt; meist Kinder der Armen, sind bei ihnen außerdem noch be- sondere Familienverhältnisse Schuld an ihrer Verwahrlosung. Von 801 Kindern, die in der Provinz Sachsen in Zwangs- erziehung sich befinden oder in de» letzten Jahren befunden haben, sind 53 völlig verwaist, 282 sind vaterlos, 161 mutterlos, 100 Kinder haben einen Stiefvater, 46 eine Stiefmutter. In 489 Fälle» hatten die Eltern Strafen verbüßt; in 366 Fällen fielen sie den Gemeinden zur Last. — Man sieht, daß bei fast allen verwahrlosten Kindern ein äußerer, natürlich von ihnen unverschuldeter Umstand vorhanden ist, der sie auf die Bahn der Fehltritte, der Ver- wahrlosung getrieben hat und sie vielleicht später auf die Bahn des Verbrechens tteidt. Davon werde» nur sehr wenig« durch die gegenwärtige Zwangserziehung abgehalten.— Ehe die Verhältnisse im Allgemeinen sich nicht gebessert haben, ist gegen die Zwangserziehung an sich kaum etwas einzuwenven. Jedoch sollte man für diejenigen verwahrlosten Kinder, welche in Familienerziehung gegeben werden, eine höhere Summe aussetzen u»d vor allen Dingen auch danach sehen, daß eine Erziehungskrast in dem Manne oder der Frau vorhanden ist. In den Anstalten aber sollten nicht blo» der GesangsbuchverS und der Stock herrschen, e» sollte nicht bloS der Zucht und Züchtigung gestöhnt werden, son- dern der liebevollen Erziehung. Außerdem aber dürfte» die in den Anstalten aufgenommenen Kinder unter keinen Um- ständen von der allgemeinen Volksschule auSge- schlössen werde». Man könnte sie strenger überwachen, sonst aber müßte man sie genau so behandeln wie die übrige« Schulkinder. Gerade durch die Abgeschlossenheit in den Anstalten fühlen sich die Kinder schon als Ausgestoßene; man ver- gesse nicht, daß gerade die Kinder ein größeres Zartgefühl und ein ungemein großes Gedächtniß haben, so daß die Erinnerung an die ZwanaSerziehungSanstalt sie durch das ganze Leben begleitet und oie Aermsten vielfach abhält von tüchtigem Thun und Schaffen.--- Wir sehen also, daß auch diese soziale Frage ihren Ursprung hat in der allgemeinen sozialen Nothlage. Wird .Und was soll ich drüben mit zehntausend Thaler»?" fragte er. .DaS überlasse ich Dir! Arbeiten wirst Du steilich müsse», ich kann Dir nicht die Mittel geben, das Leben eine» Grafen zu führe», Du mußt selbst sehen, wie Du durchkommst." .Und wann müßte die Abreise stattfinden?" „Auch da» will ich Dir Überkasse», ich glaube aber, e» läge in Deinem eigene« Interesse, sie zu beschleunigen. Ist die Verlobung mit Ella von Lossow aufgehoben, so wird der Baron auch die Gründe bekannt mache«, und unan- genehm kann eS Dir nicht sei», wen» man in alle« Kreise» Dir ausweicht." Wieder regten sich Haß und Trotz im Innern Rabe'«. al» er, die Augen erhebend, den Blick seiner Schwester voll Verachtung auf sich gerichtet sah. .Dir steht e» nicht zu, über mich zu richten," sagte er in barschem, trotzigem Tone,.Dir am wenigsten! Ich mache Dir noch einmal und mit vollem Recht den Vor« wurf—" ..Triff Deine Entscheidung!" schnitt die Generali» ihm die Rede ab. „Tieb mir das Geld, ich werde in de» nächsten Tage« abreisen." Frau von Stuckman« wiegte ablehnend das Haupt, keine Spur von Mttleid war in ihre« schönen Züge» zu finde», nur eine ernst« Strenge spiegelte sich in ihnen. .Ich werde Dir das Geld durch Vermittlung eine» Bankiers i« New-Jork auszahlen lassen," erwiderte sie; „die Mittel zur Bestreitung der Reisekosten gebe ich Dir, sobald Du die Papiere, deren Du zur Auswanderung be- darfst, mir vorlegst." „Bin ich den» ei« unmündiger Knabe?" brauste Rabe in gereiztem Tone auf..Fürchtest Du, das Geld mir nicht anverttauen zu dürfe«? Wenn ich einmal mein Wort verpfändet habe, dann löse ich es auch ein." m .Ich babe das Veittauen auf Dein Wort verloren," entgegnete Frau von Stuck man« kalt,„Du kannst mir das nicht übel nehmen, denn Du selbst trägst die Schuld daran. letztere nicht mehr und mehr beseitigt, so kann erstere nicht zur Zufriedenheit gelöst werden. Deshalb soll auch hier wieder unser cetenun ceaseo lauten: Vo lksthümli che Sozial-Reform! Politische Ueberstcht. Unser Blatt wird in letzter Zeit ungemein häusig von anderen Zeitungen der verschiedensten Parteien zitirt. Vor Allem spielt eS eine große Rolleinden Berliner Korrespondenzen der auswärtigen Blätter. Doch wird eS nur selten bei Namen genannt. ES heißt nicht: daS„Berliner Volks» b l a t t" schreibt, sondern meistens daS Berliner Ar» beiterorgan, daS hiesige Ardeiterorgan theilt mit, daß u. s. w. WeShalb man wohl den Namen verschweigt? Wahrscheinlich, um zu verhindern, daß einzelne Leser ver Zeitungen, die unser Blatt mit Vorliebe zttiren, Abonnenten deS „Verl. VolkSdlatt" werden. Auf daS„Berliner Arbriterorgan" kann man keine Postdestellung machen, man muß bei der Post den richtigen Titel nennen. Wir wollen heute noch keines von den Blättem nennen, welche unser Blatt denutzen, ohne den richtigen Namen anzugeben, jedoch bitten wir, künftighin den» selben nicht mehr zu verschweigen. Will man den Lesern ausdrücklich mittheilen, daß die betreffende Notiz au« einem Arbeiterorgan kommt, so steht nichts im Wege ,u sagen: auS dem„Berliner Vollsblatt", dem Berliner Arbeiter- organ. Bremen, 27. Dezember. Wie sehr der Gedanke welcher dem Arbeiterschutzgesetz zu Grunde liegt, auch in anderen als gerade Arbriterkreisen schon Boden gewonnen hat, zeigt ein Antrag, welcher der hiesigen Bürgerschaft(Stadtvertretuna) vor» lag. In demselben wird verlangt, daß den bei Submission�. bauten des Staats(Bremen) beschäftigten Arbeitern ein Nor- malardeitstag und ein Minimallohn zu Theil werden solle. Der Antrag war von einem Stadtverordneten gestellt worden; Anlaß dazu gab die niedrige Löhnung einer Anzahl beim Ab» bruch des alten HauvtdahnhofeS beschäftigten Ardeiter. Natür« lich war die Mehrheit der Stadtväter gegen diesen ganz praniscken Vorschlag und so wurde er denn auch mit den üb- lichen Redensarten abgethan. Nun, er wird sicher wiederk'hren. und die Zeit dürfte nicht mehr fern« sein, wo solche Forde- rungen sich nicht mehr abweisen lassen. _ I» Betreff de» Branntweinmonopol« läßt sich die „Magd. Zett." auS Berlin melden:„Aus ReaierungSkreisen velautet, daß man dort an einer schließlichen Annahme des EpiritusmonopolS nicht zweifelt, weil man mit den agrarischen Elementen im Zentrum rechnet. Die Opposition wird sich aus den Deutschfreifinnigen und allen Gruppen links von denselben, sowie aus einem, wie man annimmt, nicht sehr großen Bruchtheil des Zentrums zusammensetzen."— Di« Rechnung auf die Zustimmung der agrarischen Element« der Zentrums- fraltion dürste nicht ganz unzutteffend sein. Die ullramon- tanen Blätter und auch der agrarische Theil derselben, bekämpfen zwar jetzt noch ohne Ausnahme in der hef» tigsten Weise das Branntwein- Monopol, aber auS Gäbe ich Dir das Geld, so müßte ich befürchte«, daß Du auch diese Summe auf den grünen Tisch legen würdest, leichtsinnig genug bist dazu." „Ob das nun hier oder drüben geschieht, kann Dir zieinlich gleichgiltig sein," erwiderte Rabe höhnisch. „Drüben wirst Du Dich ernst bedenken," fuhr die Generalin fort,„Du wirst berücksichtige«, daß Du nach dem Verlust dieses Geldes ein Bettler bist, der entweder ver- hungern oder die niedrigsten Arbeiten verrichten muß. Ein» für allemal will ich Dir die Hoffnung nehmen, daß Du auf mich, nachdem ich Dtt dieses letzte Opfer gebracht habe, wieder zurückkomme» kannst, ich habe bereit« mehr für Dich getha», al« ich meinem Kinde gegenüber verantworte» kann. Du wirst eine« Kreditbrief auf ein amerikanisches Bankhau» erhalte«, bei diesem Hause kannst Du die Summe in Empfang nehme«, und es ist dann ganz Deinem Ermesse« anheimgestellt, welche—" „Genug der Worte!" sagte Rabe rasch..Schicke mir den Kreditbrief in'« Hotel.Zum Kaiserlichen Hof", oder theile mir mit, wo ich ihn in Empfang nehmen kann, damit ist diese Angelegenheit geordnet. Es wird eine Zeit komme», vielleicht ist sie näher, wie wir glaube», in der Du dieser Stunde mtt bitterer Reue gedenken wirst. Und nun adieu, ein Wiedersehen wünschen wir wohl Beide nicht!" „Avieu!" erwiderte die Generali« mit mühsam er- zwungener Ruhe.„Möge der Ernst des Lebens, wenn er jktzt an Dich herantritt. Dir die rechte Bah« zeigen und Deinen Charakter festigen. Ich werde Dir verzeihen, sobald ich die Tewihhett erhalte, daß Du aufrichtig be- reut hast." Ein heisere« Hohngelächter war die Antwort Rabe'«, während er da« Kabinet verließ; aber diese» Lachen ver» stummte sofort, al« er draußen im Korridor sich plötzlich dem Assessor und Arabella gegenübersah. Beunruhigt durch da« lange Ausbleibe» der Mutter, hatte Arabella de« Vorsatz geäußert, sie aufzusuchen; Siegftied. dessen scharfes Ohr den HUferuf Franziska'« eben» falls gehört hatte, degleitete sie, und jetzt standen die Beiden unerwartet dem Bruder der Generalin gegenüber. «echt sonderbaren Gründen. Eo schreibt heute der „WefifLitsche Merkur", daS Lr»an de» Herrn von Schoriemer-AIst:„lieber daS„riedtige Branntwetr monopol" haben die Offiziösen gerade am Vorabend des FefteS einen Art kcl veröffentlicht, der die schlimmsten Beiiiich ungen de» stätigt. Ale seiner Zeit dai Tabatmonopol populär gemacht werden sollte, hing Profeffor Wagner ihm da« sozialpolitische Mäntelchen de«„Patrimoniums der Enterbten" um. Er er- reichte damit freilich daS Gcgentheil von seinem Zweck, denn Viele, die über ein tinfache« Monopol zu Finanz'wecken mit fich hätten reden lassen, erklärten nunmehr: Nein, von solchen bedenklichen staatssozialistischen Experimenten wollen wir nickt« wissen I Jetzt schlagen die Ofstziösm zur Empfehlung de« Branntweinmonopol« einen ähnlichen Weg ein...." Wenn e« weiter nicht« ist, wa« die ultramontanen Agrarier von der Zustimmung zum Monopol abhält, al« da« sozialpolitische Mäntelchen, so dürfte die Einigung nicht in allzuweiter Feme liegen. I« Bezug auf die«»«Weisung ameriknntscher Staatsbürger au« Schleswig wird dm„Hamb. Ztachr." von Berlin ge schriebe»:„In di-scr Frage ist dem Annehmen nach ein Einverständnis zwischen Deutschland und Amerika erzielt worden, wie e« bei den freundlichen Beziehungen beider Etaat-n zu einander nicht andn« zu erwarten gewesen ist. Qe__ nx.p-...... w m_______ n..w wi- 0, a____ ir_____ L V." l. V. Im Großen und Ganzen find dit Ausmeisunasbefchle währmd i b ir t geblieben und bleiben e« jetzt der Verbandlungen t n b i für alle Zukunft. Für besondere Fälle jedoch treten fie in Wirksamkeit. Der Unterschied, der hierbei gemacht wird, dürfte recht triftige Gründe haben, und allem Anscheine nach werden diejenigen ausgewiesen bleiben müssen, die u n m i t t e l- dar vor Eintritt ihrer Militär pflichtigkeit Deutschland ver« lassen haben, in den Vereinigten Staaten fich naturalistren ließen und dann wieder heimkehrten. In solchen Fällen liegt die Abficht, fich auf diesem Wege der Militärpflicht zu ent- ziehen, so klar zu Tage, daß kaum ander«, al« eS geschehen, dem Uebel zu steuem war. Wir glauben annehmen zu dürfen, daß seitens der Regierung der Vereinigten Staaten diesem Umstände auch Rechnung getraa-n worden ist und Deutschland somit seinelsests wieder in der Lag« war, den Wünschen Ame- rika« zu entsprechen und den amerikanischen Staatsbürgern in Schleswig den femeren Aufenthalt zu gestatten, bei denm ein solcher DoluS nicht unbedingt nachzuweisen gewesen ist."— Das klingt recht erfreulich. ES geht aber auch auS dieser (offiziösen?» Zuschrift hervor, daß die Auffassung der ame rika« nischen Regierung den Sieg davongetragen hat. Amerika ist eben nicht das„heilige" Rußland! Eine Versammlung von Domänenpächtem hat dieser Tage in Berlrn staltgefunden, welche die Schritte berathm hat, die zu thun find, um bei der schlechten Konjunktur der lanvwnthschaftlichen Produkte eine Ermäßigung der Pacht, so- wie die Abstellung sonstiger harten Bedingungen, welche der Pachtkontrakt den Domanenpä'chtem auferlegt, zu erlangen. Die Versammlung, welche von etwa 60 Domänenpächtern besucht wurde, beschloß, wie der„Hann. Cour." berichtet, ein Gesuch um eine Ermäßigung de« zu zahlenden Pachtgeldes von 25 pCt. beim Minister für die landwirthsckaftlichen Singe- lege? heiten einzureichen. Obgleich aus vielen Provinzen mänenpächter anwesend waren, beschloß man, daß vorläufig nur diejenigen der Provinz Brandenburg in einer Gesamwtpetition beim Minister vorstellig werden und erst später, je nach dem Ausfall, die Pächter der anderen Provinzen fich anschließen sollten. Gleichzeitig wurde beschlossen, alle Jahre im Monat Dezember eine iolche Versammlung der Domänenpächter abzu- halten, um die gemeinsamen Interessen zu derathen. Au« Mainz wird der„Franks. Ztg." unterm 30. Dezember geschrieben: Von der Staatsanwaltschaft in Frankfurt ist heule Mo, gen dem Schneidermeister Josef Leyendecker h er wegen seiner Betheiligung an dem Begräbniß des Gra« veur Hiller— bei welchem e« bekanntlich zu den blutigen Szenen auf dem Frankfurter Friedhof kam— eine Anklage zu- gekommen. Dieselbe lautet auf Vergehen gegen den§ 116 deS St a ges tzbucheS(Auflaufsparagraph.)— Von einer Bestrafung der Polizeideamten, welche die fliehenden und wehrlosen Leid- tragenden mit Säbelhieben regalirt haben sollm, ist bi« jetzt noch nichts bekannt geworden. Hoffentlich trägt der Prozeß .-•-dg-'"icht auf gegen Herrn Leyendccker dazu bei, daß etwas mehr Licht den ganzen Vorgang fällt. Zur Abwehr de« Spiritusverkaufsmonopol« tagte im hiesigen Zentralhotel eine von etwa 50 Spiiitusinteressenten und Vertretern größerer Firmen von Berlin, Posen, Breslau und anderen Plätzen desuchte Versammlung. Dieselbe beschloß fast einstimmig, mit allen g-setzlichen Mitteln gegen die Ein- führung des Monopols Front zu machen und durch Petitionen an zustädiger Stelle und durch Agitationen bei den GutSbe- fitzern, Landwirthm und Brennereibefitzern in den Provinzen vermittelst ZertungSartikel und besonderer Broschüren energisch dagegen zu wirken. Die Versammlung stellte zu diesem Zwecke ausreichende Mittel zur Dtsp'fition. Posen, 29. Dezember. Die polnische sozialistische Prokla- mation, welche hier am ersten Weihnachtsfeiertage an vielen Stellen unserer Stadt angeschlagen war, hat auch auf mehre- „E« ist immer noch so, wie es früher war", sagte Rabe mit schneidendem Hohn,„hinter alle» Thllre» stehen Horcher und Spione." Dem Assessor schoß das Blut in die Wange», er mußte gewaltsam an fich halten, um den auflodernde» Zorn in Schranken zu halten. „Wer hat Ihnen erlaubt, diese« Hau» zu betreten?" fragte er mit scharfer Betonung.„Bringen Sie Ihre Sottisen in Ihren Kreisen an, wir verbitten fie un«!" „Feigling!" knirschte Rabe. Siegfried richtete sich hoch auf, ein flammender Blick zuckte auS semen Augen, erschreckt legte Arabella ihre Hand auf seinen Arm, als ob sie eine Gcwaltthat befürchte, an deren Ausübung fie ihn hindern wolle. „Daß Sie mich nicht beleidigen können, hat mein Vater Ihnen gestern deutlich genug bewiesen", sagte er; „wenn Sie es dennoch versuchen, so bleibt mir nicht« übrig, al« Ihnen die Thüre zu zeigen. Ich erwarte, daß Sie ohne Ve'zug fich entfernen, Ihrer Familie wegen würde ich es bedauern, wenn Sie mich nölhigten, da« Dienstpersonal zu rufen." Willibald Rabe schleuderte seinem Gegner einen Blick des tödtlichstm Hasses zu, aber da in diesem Moment auch die Generalia auf den Korridor hinaustrat, drängte er die Antwort, die ihm auf den L ppen schwebte, zurück. Mit einer drohenden Verwenschung eilte er an dem Brautpaar vorbei, die Treppe hinunter. „Wa« wollte er hier?" wandte Arabella, tief auf« athmend, sich zur Mutter. „Laß mich schweigen darüber", antwortete die Generali» mit einer abwehrenden Handbewegung,„wir babe« ihn hoffentlich zum letzten Male gesehen. Er wird in de» nächsten Tage» Europa verlassen." „Schon so bald?" fragte Siegfried überrascht.„Hat er den Tag scmer Abreise bereit« festgesetzt?" „Nein, er muß warten, bi« eine geschäftliche Angelegen« Heft geordnet ist" Während dieser kurzen Unterredung war die Generalin mit ihren Kindern in das Boudoir zurückgekehrt; sie schellte, Franzi«!« brachte Licht. ren Straßen in kleineren Packeten oder in zerstreuten Exem« plarcn gelegen. Die Proklamation ist gerichtet:„An das ar- beitende Volk" und endet mit den Worten:„Es lebe der Bund der Völker! ES lebe die soziale Revolution!" Unter- zeichnet ist die Redaktion des„Przdswit", welcher gegenwärtig unter Redaktion des Sozialisten Mendelsohn, der vor einigen Jahren wegen sozialistischer Agitationen hier vor Gericht stand, in Paris(früher in Genf) erscheint. Uebrigens knüpft die Proklamation an die ZI u s w e i s u n g e n an und benutzt die- selben zu sozialistischen Agitationszwecken. Spante»»« Der Madrider Berichterstatter de«„TempS" ist zu der Er- klärung ermächtigt, daß fich der kürzlich veröffentlichte Straf- erlaß nach Auffassung der spani'chen Regierung auch auf die Person RuizZorilla'S eistrecke und daß letzterer daher nicht nur ungehindert nach Spanien zurückkehren könne, sondern man eS höheren Orte« sogar gern sehen würde, wenn er fich . M* rm,'-»-»«---"- entschlösse, wieder thätig in die politischen Angelegenheiten, �etwa als Kanvtvat für die nächsten Wahlen, einzugrerfen.— Wenn fich diese Nachricht bewahrheitet, so handelt hie neue spanische Regierung weiser wie ihre Vorgängerinnen. Indem fie dem ve'vannten Republikaner gestattet, ungehindert in sein Vater- lanv zurückzukehren, versöhnt fie die Gemütber in weit höherem Grade, als wie daS im entgegengesetzten Falle möglich wäre. Italic»». Wie sehr daS Volk von Mißtrauen gegen die Regierung beseelt ist, zeigt eine Nachwahl zum Parlament in Pavta. Dort wurde nämlich der Professor Sbarbaro mit 7700 Stimmen zum Abgeordneten gewählt, während der ministerielle Kandidat nur 3400 erhielt. Und die« geschah, trotzdem Sbarbaro wegen Beleidigung und Verleumdung von Ministern, sowie wegen einer Re be von Preßvrrgehen zu einer fieben« jährigen Gefängnißstrase verurthrilt wurde, welche er gegen« wärtig verbüßt. In Folge seiner Wahl ist seine Entlassung aus dem Gcfängniß zu erwarten. Die italienischen Blätter erblicken in dieser Wahl ein Anzeichen des ungemein um fich greifenden MrßtrauenS gegen die strenge Unparteilichkeit der Gerichte und die Makellofigkeit der regierenden Klassen. Die„Ovinione" sagt, Sbarbaro'« Wahl gebe zu bedenken, ob nicht etwas geschehen müsse, um dem Volke das Vertrauen wiederzugeben; daß die politische Gesellschaft Italiens kränkle, sei unleugbar. Sbarbaro werte fie nicht heilen, aber seine Wahl müsse Jedermann über die Ausdehnung de« Uebels be« lehren. Die„Rassegna" und andere gemäßigte Blätter sagen ungefähr Aehnliche». Großbritannien Wie verlautet, bereitet die Regierung einen Gesetzentwurf vor. der fich nach gleichförmigen Grundsätzen mit einer Reform der Lokalrcgierung in Großbritannien und Irland befaßt. Der Entwurf ist einem Ausschüsse des KabinetS behufs seiner baldigen Einbringung im Parlament unterbreitet worden. Die Regierung wird jeden Vorschlag, der dahin geht, den Lokalbe- Hörden in Irland die Kontrole über die Polizei einzu« räumen, auss Aeußerste bekämpfen.— Darnaw gewinnt eS den Anschein, als od eine Verständigung mit Parnell nicht zu Stande gekommen ist.— John B r i g h t, einer der de- kanntesten Liberalen, gedenkl sein Mandat(er vertritt seit Jahren Birmingham) niederzulegen, weil der jüngere Nach- wuckS seiner Partei ihm zu radikal wird. Auch ein Zeichen dit Zeit. «gtzpte«. Die Engländer wollen wieder einmal die Sudanesen be- fiegt haben. In Kairo traf eine Depesche ein, in welcher Ge- neral Stephenson aus dem Orte Koscheh meldet, er habe den Feind angegriffen und geschlagen und den Ort Ginnis besetzt. Der Feind befinde fich im vollem Rückzüge, die Kavallerie setze die Verfolgung noch fort. Der Verlust des Feinde« sei sehr beveutmd, zwei Kanonen und 20 Fahnen wurden erbeutet, auf englischer Seite sei ein Lieutenant gefallen, ein Lieutenant und 20 Mimn wurden verwundet.— Hinterher wird fich wohl wie- der herauSst llen, daß dieser Sieg ähnlich stüheren und ohne jede Bedeutung gewesen ist. kmMzm Charles Mittelstadt und Oskar E�gerS. Die vier Angeklagten find Mitglieder der Anti. Chinesen Liga. In dem" Haupt- Sf"« StcfchmSrcr befand fich ein Laboratorium zur Anfertigung von Hollenmaschinen. Die verhafteten Verschwörer Ä ff Ä A?Ä eine Versammlung von G e s ch ä f t s i e u t e n u n d Ar« d eitern statt, in welcher der Vorschlag zur Abhaltung einer Staatskonvention gemacht wurde, um Maßregeln zur Au«« trcidung der Chinesen zu ergreifen. Besorgt ruhte der Blick Arabella'S auf dem blassen Antlitz der Mutter, e« mußte ein aufregender Auftritt zwischen ihr, und|dem Bruder stattgefunden haben, das unter« lag keinem Zweifel. „Wäre Onkel Georg ihm hier begegnet, so würde er nicht so gnädig davon gekommen sein," sagte sie. „Ich bitte Dich noch einmal, forsche nicht weiter," er« widerte Frau von Stuckmann, die Augen verlegen nieder- schlagend,„Du wirst begreifen, wie schmerzlich es ist, den eigenen Vruder anklagen zu müssen. Schweigen wir darüber, wir sprachen vorhin von Deiner Kindheit, Sieg- fried, nehme« wir den abgebrochene« Faden wieder auf." Wie aus einem Traume erwachend, strich Siegfried mft der Hand über Stirae und Augen, dann warf er eine» Blick auf seine Uhr. „Es würde der Mühe nicht lohnen, liebe Mama," sagte er,„ich muß leider Euch sogleich verlassen." „So frühe schon?" fragte Arabella überrascht.„Du bist ja erst vor einer Stunde gekommen." „Und hätte mein Versprechen und meine Sehnsucht nach Dir mich nicht mit zwingender Gewalt hierher ge- triebe«, so würde ich mein Bureau nicht verlasse» haben." „Du hast heute noch Amtsgeschäfte?' fragte die Ge« neralin „Vielleicht, mft Sicherheit weiß ich eS«och nicht." „Wenn Dein Aktuar weiß, wo er Dich findet, dann kannst Du ja hier warten, biß Du gerufen wirst," sagte Arabella, indem fie de« Arm um den Geliebte» schlang und ihn bittend anschaute. Siegfried schüttelte ablehnend da« Haupt. „Ich darf das nicht," entgegnete er,.eS handelt fich um ei« schwere« Verbrechen, dessen Enthüllung heute Abend bevorsteht. Wenn die Nachricht, die ich heute Mittag er« halten habe, auf Wahrheit beruht, so ist euer früherer Kam« merdiencr der Thäter" „Joseph?" sagte die Generali» bestürzt.„WaS soll er verbrochen haben?" „Er ist eines Raubmord» beschuldigt." „Unmöglich!" „Ob er die That wirklich begange» hat, liebe Mama, — Den Mormonen dürste nachgerade doch etwaL um gemüthlich zu Muthe werden, denn man beginnt ihnen von ollen Seiten zu Leibe zu gehm. Nachdem fich Präsident Cleve land in seiner Botschaft an den Kongreß so entschieve» für Unterdrückung der Polygamie ausgesprochen, hat Senatl Edmunds im Senaie eine Bill eingebracht, welche die untr der Administration de« Präfidenten Buchanan den Mormone! zugestandenen politischen Machlbefugmsse wiverruft. I Territorium Idaho, wolelbst die Mormonen stw vertreten find, hat die Legislatur ein radikale» Mfttel zu ihrer Unterdrückung ergriffen, indem fi« ein Gesetz pasfirt hat, durch welches den Angehörigen aller polygamistischen Gemeinschaften die bürgerlichen Rechte entzogen werden. Die Mormonen bestritten die Konstttuttona- lirär dieses Gesetzes, erlitten damtt aber eine Niederlage, indem die Supreme Courl deS Territoriums die Legislatur unter« stützte. Eine weitere sehr empfindliche Niederlage haben die Mormonen soeben in Folge einer Entscheidung der Ver» einigten Staaten Supreme Comt(höchster GerichtSbof) cr- litten. Der Mormonenäileste Canon, welcher vom Bundes- gertchte in Salt Lake City wegen Polygamie zu sechs monat» ltcher Gesävgnißhait und zur Zahlung einer Strafe von 300 Doll. oerurthnlt worden war, hatte gegen dieses Uitheil an die Sumeme Comt appellitt. Letztere hat die Entschei« dung des Gerichtes niederer Instanz bestätigt und bei dieser Gelegenheit eire Auslegung deffen gegeben, was unter Poly-. gamie zu verstehen ist. Darnach macht fich ein Mann vieüS barrn en Verbrechens schuldig, wenn er mit zwei Frauen zusammen in �"3' demselben Hause wohnt, mit ihnen zusammen an demselben iu erhalt Tische ißt unv dieselben durch seine Wotte oder HandlunaS- Ei« weise vor den Leuten als seine Gattinnen hinstellt.— Die Grünem Bundesregierung hat eine beträchtliche Anzahl von Truppen Sckildho in der Nähe von der Salziee- Stadt konzcnttttt, um irgend einzig in welche Auflehnung gegen die Durchführung deS Edmund«- kaum zu Gesetzes sofott energisch unterdrücken zu können. Selbstmc _ Leben ei, trunkene, in der fr Der diesjährige'Wmter ist bis jetzt ein nebelreicher ge- wodurch� wesen, und weitere Nebel werden in Ausficht gestellt. Ue. betreffen retten E die ang Mal wr Erfüllur derniß 1 zu kauf Modewc rinleucht vrattisch, tation u ST immer v achselzuc Tagen einem F ein defek aber nü Mittwoä empfand Schmerz. daß sie Mittwocl KoKales. .....—■,— /- o-.-----(jUct�cTn. v;-f— orni-A—— w-p-- dlesen Wmter an, daß er besonders fruchtbar an starken Nebeln Lücken k fem werde. Man weiß, daß der Nebel durch Wasserdämpfe, St.in die m einer Atmofuhare vorhanden find, welche kälter als de» K�s( SSSSt£ä ALlÄÄSfÄaasSM-°° est _, y-------,-------— 1—• Cli Gestalten, ziemlich ähnlich den unendlich kleinen Seifenbläschcn, armselig' bildet. Wenn es zum Regnen kommt, kondenstren fich jnefe man est ttcinen SphemW und n&den Äbssettropfen.'Es W � Ylta Tu ff« CÖ......- w.. MllV lUlv acacben, die historisch geworden find: z. JB. liest man in dem, ,wei Fus "'M" dem der Tagebuch der Regierung Heinrich Hl.:„Sonntag den 24. Tag_______ des Januar 1588 erhob fich über der Stadt Paris und der innere E Umgegend ein so dicker Nebel, besonders von Mittag bis zum ip daß anderen Morgen, wie er bis dahin niemals gesehen ward; denn Schildho: er war so schwarz und so dick, daß zwei Personen, welche mit- BlatteS. einander die Straße wandelten, fich nicht sehen konnten, und betteten i man war gezwungen, sich der Pechfackeln zu bedienen, um sich Ich«sch gegenseitig zu erkennen, obgleich es noch nicht einmal 3 Uhr Bedeuten war. Wrlde Gänse und andere fliegende Thiere wurden —..--------■. in weniger. Massen gefunden, welche in die Höfe und Räume der Hause» HjZgel Ji gefallen waren." Nebel dieser Att stnd häufig in London, wo schwarzes man das Gas in den Straßen anzünden muß. 1783 bedeckt« enget gef zeitweise ein immenser Nebel Europa und den Atlanttichen Ardeiter Ozean. 1822 und 1823 waren die Nebel in Frankreich so stark, vielleicht daß man mitten am Tage ohne irgend welche Behrnderun anhaltend in die Sonne mit bloßem Auge blicken konnte. -ibt eine Art Nebel, die ganz besonders unangenehm ift. W!, f JT.*- JT. X---- �"*- keine Att so arm st „......— rj*—-I".„fr � tüobl ÖQä nd die schlecht riechenden Dünste, deren Gestank man Mias- Grabeshl men oder organischen Stoffen zuschreibt. Man bemerkt fie vor- Oder etr züglich an den Rändern von Sümpfen und muß fich vor ihnen ihn ruh« sorgsam hüten."_.. mag hi Praktische Reklame durch» Jvserire«. Ein renom- paar al: mitter Modewaarenhändler der Friedrichsttaße wurde kürzlich l,tzte Zus von einem seiner elsäsfischen Lieferanten besucht und ber dieser Wieviel! Gelegenheit gefragt, warum er jede Novität ein Dutzend Mal haben, e> in den Zeitungen annonziren lasse. Der betteffende Geschäfts« habt? 25 mann erwidette darauf:.Wenn ich z. B. ein neues Muster Scheiden. von Frühjahrsroben für Damen das erste Mal ankündige, geht nicht wird diese Annonzc gar nicht bemerkt. Vielleicht wird fie da» herum— zweite Mal bemerkt, aber man hat weder Zeft noch Lust, fie ist auch 3 zu lesen. Das dritte Mal siebt man fie und liest vielleicht die dann Hai Ueber- oder Unterschrist. Wiederhole ich nun die Anzeige zum aber find fünften Mal, da liest man fie nochmals und geht mit sich zu— Diese Ralfe, ob man der Frau Gemahlin, Fräulein Braut, Tochter; auch wtel Nichte-c. etwa ein Präsent damit machen könne. Das sechste[am gerat Mal kommt man darüber ins Kare, daß eine solche Robe em schmalen prächtiges Geschenk sein müsse. Liest man die Ankündigung ohne Kla, der Novität zum siebenten Mal, so kommt es zum Beschluß, ganz kurz die Robe gelegentlich in Augenschein zu nehmen. Das achte den eine Mal wird der Entschluß fester. Das neunte Mal thut man eS brachte st< wirklich, kauft aber noch nicht. Das zehnte Mal hat es di« Leben nie darüber kann ich jetzt«och nicht urtheileo. Ich weiß Zoseph t nicht, ob der Name Jakob Hochmuth Dir bekannt ist—" strabella. „Hochmmh?" unterbrach Frau von Stuckmann ihn mft Di« wachsender Erregung.„Gewiß! Der Mann ist ei« nachdem Wucherer, er hatte meinem Bruder Geld geliehen, er wandt»„dies gib sich in einem unverschämt groben Briefe an mich, um diese« deren Be Darlehen von mir zurückzusordern." tere muß „Und Du hast diesem Verlange» Folge gegeben?"„Ich fragte Siegftied, m dessen Seele ein«euer Verdacht auszu- sagte die tauchen schien. anderen 2 „Nein, aber die Schuld ist getilgt." fähig, est „Weißt Du da» so sicher?"„Wi „Mein Gott, Siegfried, Du wirst doch nicht—" erwidette „Beruhige Dich. Mama, gegen Deinen Bruder liegt ja Handschu nicht der geringste Verdacht vor," sagte Siegftied rasch.„Ich wie die 3 wußte nicht, daß der Ermordete derartige Geschäfte machte, daß Zofe: eS war mir ebenso unbekannt, daß Dein Bruder mft ihm i» ich eu(fc; Verbindung stand. Hochmuth wurde heute Morgen in seinemeaststi>» diener Rabe'S erkannt haben will." „Aber kennt er Joseph so genau, daß er daS mft Sicher-»vr heit behaupten kann?" sagte die Generalm. �pazstrac Ich habe diese Frag« auch an ihn gerichttt, er aat« lnd st, mottete mir, er habe«och am Nachmittage de« gestrige» agestLl' Tage« den Kammerdiener in der Wohnung Deines Bruder« gesehen, er könne sich nicht wohl ftren." „Aber daraus geht doch noch immer nicht hervor, .Du daß-nd as u» n van äftöeni Hieve» ienati : unti mon« 8' betreffende Dame schon selbst gelesen und kommt mit dem dl- rekten Gesuch zum Herrn Gemahl, Bräutigam, Onkel»c., ihr die angekündigte neue Frühjahrsrobe zu kaufen. Das elfte Mal wird diese Bitte wiederholt und man„verspricht' die Erfüllung derselben. Erst das zwölfte Mal, wenn kein Hm- derniß dazwischen tritt, geht man wirklich daran, die Nomtat zu kaufen."— In dieser Auseinandersetzung des Berlmer ft-_i Modewaarenhändlers.welche auch dem elsäffer Fabrikanten einleuchtete, liegt viel Wahres und sicher die Thatsachc, daß d,e praktische Reklame das natürliche Ergebniß der üpprgen Bege- tation unseres Gewerbefleißes ist. R. Trotz aller öffentliche« Warnungen, bei auch nur geringen Verletzungen Vorficht anzuwenden, und, ehe es zu spät ist, einen Arzt zu Rathe zu ziehen, scheint es dennoch immer wieder Leute zu geben, die dergleichen lächelnd und achselzuckend unbeachtet laffcn. So hatte sich vor ermgen Tagen die in der Bernauersttaße wohnende Frau �Lenzte an einem Finger der rechten Hand beim Gcschirrwaschen, durch ein defektes Glas, eine nur kleine Verletzung zugezogen, dre sie aber nicht weiter beachtete. Als Frau W- am vergangenen Mittwoch einen Gegenstand mit Zuckersäure gemmgt hatte, empfand sie im rechten Arm einen zwickenden, stechenden Schmerz. Der Arm schwoll schnell und immer starker an, so dab sie denselben»u keiner Arbeit gebrauchen konnte. Am 1 lörigm Recht« ittono» indem unter« xn die : Ver- rf)«* undcs« monat« e von Uitheil ntschci- hiflrr % len. aselden i"«halten. ilungS-«in einsamer Friedhof. Wer seine Schritte durch den - Die Grunewald dem Havelstrande zuwendet, kann in der Rahe ruppen Schildhorns einen Friedhof sehen, dessen Einfachheit wohl irgend einzig in seiner Art und ein zweiter in ganz Deutschland wohl nundS-> kaum zu finden sein dürfte. ES ist dreS der Friedhof für die Selbstmörder, welche im Grunewald und in der Havel ihrem Leben ein Ende gemacht haben. Erschossene, Erbängte, Cr- trunkene, alle ruhen hier friedlich nebeneinander. Hier, mitten in der freien, schönen Natur ruhen diese Unglücklichen. Kein Portal, kein Gitter, kein Kreuz, keine Tafel, keine Inschrift, wodurch sich doch sonst ein Friedhof kennzeichnet, nichts von . c* alledem. ES ist ein viereckiger, ziemlich großer, sandiger Platz, u ganz hassen schlanke Fichten ringsum ein natürliches Gitter gebildet Ä haben. Man steht nur eingefallene Sandhügel, auf deren Nebeln Rücken kein grünes hälmchen sprießt. Ein paar gewöhnliche Dampfe, Feldsteine liegen auf jedem Hügel, die das Kopfende des rls de» Grabes bezeichnen sollen. Auch eine Leichenhalle hat man hier >rmrgen vor einiger Zeit errichtet. Sie stellt ein kleines, laschen» armseliges Brctterhäuschen dar, durch dessen Fensterchen b diese man einen Blick in daS Innere werfen kann. Ach, t Nebel und wie traurig steht es auch hier drinnen auS. Eine w dem zwei Fuß hohe Pritsche, mit einem etwas erhöhten Brett, auf -4- Tag ßem der Kopf des Tobten zu liegen kommt, ist die ganze nd der innere Einrichtung. Die Pritsche rst ungefähr vier Fuß breit, ns zum sa daß Zwei neben einander liegen rönnen. Ich besuche oenrr Schildhorn sehr häufig, so schreibt unS ein Freund unseres he mit- BlatteS, und habe-ist kürzlich wieder dm stillen Friedhof n, und detreten und auch die Gräber gezählt. ES find 56 an der Zahl. um sich Ich erschrak fast, denn die Zahl hat sich in kurzer Zeit um ein a Uhr Bedeutendes vermehrt; vor einem Jahre waren eS viel, viel den m weniger. Der Selbstmord ist im Wachsen begriffen!— Ein Hause» Hügel zeichnet fich von allen anderen durch ein kleine? wn, wo schwarzes Holzkreuz auS, vor welches ein kleiner kniender GipS- bedeckte»ngel gestellt ist. Wer mag hier unten ruhen? Ein junger ntischen Arbeiter vielleicht, der lange beschäftigungslos war? Fremd so stark, vielleicht in der fremden Welt, keine Eltern, keine Geschwister, >deruna keine Arbeit, kein Essen, kein Obdach.— Ach! man kann noch as l(o arm sein, einen Strick findet man noch immer.— Wer mag -■ �» njohl daS Kreuzchen und den kleinen GipSengel auf dm kahlen Mias« Grabeshügel gesetzt haben? Vielleicht eine stille Liebe? fie vor- Oder ein Freund? Wer kann eS wissen?— Lassen wir r rhne« ihn ruhen und geh'n zu einem anderen Hügel. Wer mag hier schlafen? Auf dem Hügel liegen ein .r-n°n> paar alte Hosenträger. Sollten fie deS Selbstmörders kürzllch Utzte Zuflucht gewesen sein? Ihr armen Unglücklichm!— 1 dieser Wieviel Leid, Enttäuschung und Hunger müßt Ihr gelitten td Mal haben, eh« Ihr euch zu dem letzten aller Schritte entschloffen schäfts« habt? Wie hat vielleicht die arme Brust gekämpft vor dem Muster Scheidm. Soll ich, oder soll ich nicht?— Nein, nein, eS ündige, geht nicht mehr, ich muß I— Ein starker Zweig— ein Strick sie da» herum— dm Kopf hindurch,— geschehen ist'S I— Vielleicht sst, sie ist auch Mancher dabei, der durch Selbstschuld gesunkm, und »cht dre dann Hand an fich gelegt hat; das wird Niemand streitm, tsi zum aber find diese nicht auch noch trotz alledem bedauernswerth? siw SU— Diese letzten Weihnachten, am dritten Feiertage, war ich Tochter, auch wieder auf dem Friedhof. Es war Vormittag, und ich > sechste kam gerade dazu, als man wieder zwei Selbstmörder in ihren obe ein schmalen Särgen in die Gruft binab ließ.— Ohne Thräne, °-Zung ohne Klage.— Das ging Alle» sehr geschäftig schnell, und in eschluß, ganz kurzer Zeit hatten auch fie ihre Sandhügel. Beide wur- is achte dm eine Woche zuvor im Grunewald erhängt gefunden. Man man c» brachte fie nach der kleinm Leichenhalle, wo sie, die fich im es dre Leben nie gesehen hatten, Beide nebeneinander mehrere Tage > weiß Joseph das Verbreche« begangen habe« muß," erwiderte ist—" flrabella. hn mit„Die Frau Giebel will den Schrei gehört haben, kurz »st ei« nachdem ihr Mann fie verlassen hatte," sagte Siegfried: wandt«.dies gibt dem Verdacht gegen den Kammerdiener eine Siütze, > dieses deren Bedeutung nicht unterschätzt werde« darf. Das Wer« tere muß nun die Untersuchung ergeben." eben?•.Ich glaube, Du verfolgst da eine falsche Fährte," aufzu. sagte die Generalin kopfschüttelnd.„Joseph mag in jeder andere« Beziehung sein, wie er will, aber ich halte ihn«ich» fähig, ein solche« Verbrechen zu begehen." „Wie gesagt, die Untersuchung muß eS ergeben," ..«widerte Siegfried achselzuckend, während er langsam seine siegt ja Handschuhe anzog;„ich habe meine Maßregeln getroffen, •»Ich wie die Amtspflicht e« mir gebot, e« ist sehr wahrscheinlich, machte, daß Joseph heute Abend verhaftet wird. Und deshalb muß rhm l« ich euch jetzt verlassen." fernem Die beiden Dame« konnten ihrer Bestürzung nicht so Werth- wsch gebieten, die Vermuthung, daß Rabe auch in diese rbmord Bache verwickelt werden könne, lag ja zu nahe. rfolge« Vielleicht war die Schuld«och nicht getilgt, vielleicht '» Kitte der Ermordete seinem Schuldner mit gerichtlicher Klage umpfen mb anderen Zwangsmaßregeln gedroht, und Rabe hatte darauf �rch diese Drohungen sich hinreiße« lasse», in Verbindung »it seinem Diener die That zu begehen I er Er» Daß Siegfried diese Vermuthungen theilte, ging aus einer nachdenkliche« Miene hervor, und faßte in seiner 'a0** Seele ein Verdacht einmal Wurzel, da»« ließ fich auch besucht; rwarte«, daß er ihn verfolgte. s�ahnt.„gch will Dir ein Pferd satteln lasse«," brach die m-üe» Generali« endlich da» reinliche Schweige«, Franz kann Dich ammer« �gleiten und da» Pferd wieder zurückbringen." , Siegfried lehnte daS Anerbieten dankend ab. Sicher-„Ich ziehe vor, zu Fuß»u gehen," sagte er,„der Spaziergang in der hcrrlichtN Luft wird mir wohl thu», ir ant« Mb � halbe« Stunde bin ich ja an meinem Ziele estnge««gelangt." kuoer«„Du wirst ermüdet ankommen," schaltete Arabella ei«. ..,.»Nicht doch, Geliebte, ei» solcher Spaziergang erftischt, r, daß md vor alle» Dingen beruhigt er die aufgeregten Nerve». auf der Pritsche geruht haben. Da stch keine Angebörlgen gemeldet haben, so wurden sie gemeinschaftlich in die kalte Gruft gesenkt. Im Tode vereint.— Mit einem der Leute, welche mit dem Zuwerfen der Grube beschätttgt waren, sprach ich. Er erzählte mir, daß die Leichen ganz steif gefroren waren und dedauerte, daß man ihnen nicht mal die Kleider ausziehen konnte, da dieselben ebenfalls fest (T froren waren.„Bei den Einen war der Rock und die Hofe und das Hemde noch ganz gut, und nun habe ich bloS die zwei Filzhüte", fügte er mit einem fast komisch traurigen Ge- stchtSauSdruck hinzu.— Ihr armen Todten! Man möchte Euch auch noch die Kleider von Euren erfrorenen Leibern zerren.— Im Leben hat man euch betrogen— und im Tode nimmt man Euch noch daS Letzte. Nun find e» 58 an der Zahl.— Ein kalter Wind wehte von der Havel herüber, die schlanken Fichten neigten wie wehmüthig ihre Köpfe hin und her.— Traurig verließ ich die UnglückSstätte und möchte mit Heine sagen: — wenn ich fie zähle, so will verbluten meine Seele. Die Folgen der WeihnachtSbescheerunge«. Die schöne goldene Weihnachtszeit mit ihrem Glänze und Jubel, mit ihren Lichtern, ihren Erwartungen und ihrem Freudentaumel ist vor- bei. Die Herzen schlagen wieder ruhig, aber Jeder fühlt, daß die Beweise der gegenseitigen Liebe da« die Familenglieder um- schließende Band noch enger geknüpft haben. Nur dem Volke sind die öffentlichen WeihnachtSdescheerungen wieder zum Un- fegen geworden, der noch lange nachschleppt und über daS ganze Jahr hinweg seine verderblichen Folgen zeigt, die dann beim nächsten Weihnachtifeste vollständig in Blüthe schießen. Für die Geber liegt eine große Freude in der Bescheeruna, wer will daS leugnen, und dadurch werden selbst sonst klare Köpfe wirr gemacht. Sie denken an die eigene Freude über dem Anblick der Freude, ohne fich irgend welche Folgen klar zu machen. Wenn daS Schenken nicht auf Gegenseitigkeit beruht, oder die natürlichen Verhältnisse eS mit sich bringen, wie bei Eltern und Kindern, oder bei Herrschast und Dienerschaft, wo oft so- gar die Weihnachtsgeschenke al« ein Theil deS Lohne? von vornherein festgesetzt find, erzieht dasselbe bei Gebern und Neb- mein nur schlechte Eigenschaften. Erstere nehmen fich nicht die Mühe, so wie eS Nolh thäte, helfend einzugreifen, und armen Familien möglich zu machen, ihre Weihnachten im Familie»' kreise selbst zu feiern, anstatt fich fie feiern zu lassen- ES werden eine Anzahl Kinder zusammengetrieben, die Geber stürzen hin und her, um AlleS recht schön einzurichten, aber od es geschieht, um die Kinder, zu erfreuen oder nur um fich selbst, oder vielleicht auch ihrer Eitelkeit zu genügen, ist dabei schwer zu ent- scheiden. Immer beseelt fie aber da« Gefühl, daß fie, fie, fie ein edles Werk vollbringen. Und das Gefühl ist ein sehr an- genehmes, auch wenn es so leicht erkauft wird, wie durch eine Weionachtsbescheerung- Wenn nun die Freude auf den Gestchtem der Kinder glänzt, und— immer von dem Heiligenschein deS edeln Werkes umgeben— hundertfach auf die Geber zurückstrahlt, so ist daS reizend—»ür die Geber auch ohne die Dankesworte der Ettern und Kinder die noch hinterdrein kommen. Dann geht man auseinander als— zwei verschiedene Klaffen von Men> schen, mögen fich auch die Geber und Nehmer in ihrer Stel- lung, ihrer geistigen Entwickelung, ja vielleicht auch in ihren Vermögeniverhältnisscn noch so nahe stehen. Das unselige Klaffei.bewußtsein ist wieder um einen Spatenstich tiefer ge- graben, die Spaltung vergrößert worden, anstatt daß fich wie bei jedem andere» fröhlichen Feste das gegenwärtige Verständniß erweitert und angefangen hätte, die Kluft zu über- brücken. Die Geber gehen mit dem erhebenden Ge> fühl zu Bett, ein außerordentlich gutes Werk mit außerordentlich wenig Mühe gethan zu haben: die Neb- wer mir dem erniedrigenden Gefühl auf die öffentliche Wohl- thätigkeit durch ihre Armuth angewiesen zu sein. Je klarer die Eltern der beschenkten Kinder denken, desto mehr muß diesem bttteren Gefühl gegenüber die Dankbarkeit zurückstehen, wo aber kein Selbstbewußtsein vorhanden ist, zieht in die Herzen der Nehmer die einfache nackte Bescheerung ein. DaS Kind hat ein Schürzchen, ein Hemdchen, Pfefferkuchen, Nüsse u. s. w. bekommen, da« war sehr angenehm, denn eS brauchte alles nothwendig, was können wir also thun, damit eS das nächste Mal wieder zu Bescheerung herangezogen wird? Dieser Gedanke sät eine giftige Saat, die, je nach dem Boden und der Pflege, die fie findet, das ganze Jahr über in Heuchelei, Berechnung, Verstellunch und Kriecherei emporwuchert. Und »war nicht nur bei den Beschenkten, sondern der Einfluß dehnt sich auch auf alle die Leute auS, die gern beschenkt worden wären, mit unterdrücktem Neid und Mißgunst zusehen mußten, und hoffen im nächsten Jahr daran zu kommen. Wo bleiben da die Hoffnungen, die jeder edel dentende und einsichtsvolle Arbeiter hegt, daß fich nach und nach auch bei dem ärmsten Menschen das Bewußtsein seiner Menschenwürde geltend machen, und daß er lernen wird, sein Menschenrecht zu fordern, anstatt kleine niedrige Mittel anzuwenden, um Wohlthaten von seinen Mitbrüdern zu erlangen, die ebenso nackt und HMslos geboren worden find wie er. Die bittere Pille deS Rehmens wird in Adieu, liebe Mama, wen« meine Zeit e? erlaubt, bi» ich morgen Abend wieder hier." Die Generalin hielt seine Hand fest in der ihrigen, er sah die schönen Augen in angstvollem Flehen auf fich ge- heftet, und er verstand die Bedeutung dieses Blick«, er wußte, warum fie ihn bitten wollte. Arabella gab ihm da» Geleite; auf der Terrasse nahm fie Abschied von ihm. „Et ist mir, als hänge ein schwere? Gewitter über uns," sagte sie mit leise zitternder Stimme,„als müsse dieses Gewitter sich mit furchtbarer Gewalt über uns ent- lade». Nenne diese Ahnungen thöricht, Siegfried, ich kann ih«e« nicht gebieten." „So müssen wir in Geduld abwarten, ob fie sich erfüllen werden." erwiderte Siegfried, der ihr keinen besseren Trost zu geben wußte,„was auch kommen mag, wir tragen es gemeinsam." „So glaubst auch Du—" „Nicht», Geliebte, ich lasse die Ereignisse an mich herantreten und sorge nur dafür, daß sie mich nicht unvor- bereitet finden. Den Mächten des Geschicks können wir nicht gebieten." „Nur um Eins bitte ich Dich, schone so viel eS Dir möglich ist den Brnder unserer theueren Mama!" „Und der Schuldlose? Soll er für ihn büßen?" „Nein, nein, aber wäre es denn nicht möglich, den Schuldigen entfliehen zu lassen?" „Das wäre eine Pflichtverletzung, die ich selbst mir nie« mal» vergeben könnte!" sagte Siegfried ernst. „So will ich die Verantwortung auf mich nehmen," erwiderte Arabella erregt.„Gieb mir nur einen Wink, wenn die Gefahr ihm nahe ist, ich werde—" „Geliebte, Du weißt selbst nicht, was Du verlangst," unterbrach Siegstied sie.„Ich kann und darf in keiner Weife gegen meine Pflicht handeln, und wäre der Schuldige mein eigener Bruder, ich müßte ihn dem Gericht überliefern. Da» Einzige, was mir in diesem Falle zu thun bliebe, wäre, die Untersuchung einem anderen Richter zu übertrage«. Und bi» zu dieser Stunde beschränkt sich ja Alle« nur Goldpapier und Lichtelschimmer eingehüllt, und durch schein» bareS Wohlwollen und scheinbare Liebe der Stolz, der in jeder Menschenbrust wohnen soll, eingeschläfert und— schließlich zu Grabe getragen. Das find die Erfolge unserer heutigen öffentlichen MaffenweihnachtSbescheerungen, unter deren Einfluß daS junge Geschlecht heranwächst. Wer aber den Annen wahrhast wohl will, wer wahrhaft die Menschheit liebt, der möge fich nicht mit Lichtern auf den Bäumen abgeben, sondern ernsthaft dazu helfen, daß es Licht in den Geistern werde. Wir würden dann keine Weihnachtsbäume für alle Welt brauchen, denn dann würde auch die bescheidenste Familie fich ihr eigenes Bäumchen selbst anstecken können. Der wohlhabende Sohn einer hiesige« Kaufmanns« familie, der nach VerÜbung mehrerer Streiche vor zwei Jahren von feinen Verwandten nach Amerika tranSportirt wurde, kehrte, wie der„B. B-C." erzählt, vor etwa einem Jahie nach Europa zurück und beglückte zunächst Paris mit seiner Gegen» wart. Nachdem alle seine Versuche, die Angehörigen zu wei- teren Geldsendungen zu veranlassen, an dem Widerstande der- selben gescheitert waren, reiste derselbe nach Afrika und ließ fich dort bei der franzöfischen Fremdenlegion anwerben. Aus den von dorther an die hiestgen Verwandten gerichteten Briefen geht hervor, daß der leichtstnnige junge Mann zu einer fünf- jährigen Dienstzeit in der franzöfischen Truppe fich verpflichtet hat. Inzwischen war aber die Rückkehr deS SohneS nach Deutschland nothwendig geworden, und die Angehörigen setzten bei den franzöfischen Behörden alle Hebel in Bewegung, um die Entlassung ihres Angehörigen auS der Fremdenlegion her- bcizusühren. Als aber alle diese Versuche vergeblich waren, beschloß die Familie deS Fremdenlegionärs, denselben zur Flucht von seinem Truppentheil zu veranlassen. Um diesen Fluchtplan zur Ausführung zu bringen, beorderte der um seine Mtwir» kung hierbei angegangene Dirigent eine? Berliner Institut? einen Angestellten seiner Filiale in Paris nach Afrika, der, mit nicht unbedeutenden Geldmitteln und Kleidungsstücken versehen, vor drei Wochen in Algier landete, um bei der Flucht des Fremdenlegionärs hilfreiche Dienste zu leisten. Nach einer nun während der Festtage hierher gelangten Nachricht war die Flucht des Soldaten von seinem Truppentheil, der im Innern der franzöfischen Kolonie in Garnison lag, glücklich bewerkstelligt, und nach mehrtägiger beschwerlicher Reife auch die Küste deS Mittelländischen Meeres erreicht worden. Hier aber witterte ein franzöfischer Polizist in den beiden Fremden franzöfische Deserteure und bewirkte ihre Verhaftung. Nach- dem stch diese siermuthung hinsichtlich de? AuSreißerS bestätigte, ist derselbe gefesselt nach Algier tranSportirt worden, und dürfte seine Verurtheiluna nach den dort bestehenden strengen franzöfischen Militär- Gesetzen bereits erfolgt sein. Welche Strafe demselben zudittirt worden, weiß man noch nicht, ebenso ist über das Schicksal deS Helfershelfers, auch eine? Deutschen, etwas Weiteres nicht bekannt geworden. Um Gewißheit hier- über zu erhalten, ist ein anderer Angestellter desselben Institut? von Berlin aus nach Afrika gesandt worden, der die Reise dorthin über Paris am Montag angetreten und zunächst ver» fuchm wird, in der französischen Hauptstadt zu Gunsten der Beiden bei den franzöfischen Militär-Behörden zu inter- veniren. Die interessante« Naturanfaahmen von Amerika Kali- fornien mit den tcleSkopischen Anfichten deS Mondes im Kaiser» Panorama(Passage) erregen solch vielfache Bewunderung, daß die Plätze bei Weitem nicht ausreichen. Neben diesen Ansichten ist der ZykluS Paris ausgestellt. Die Weihnachts-Aus- stellung wird nur noch heute und morgen zu sehen sein. Velle-AllianceTheater. Die Aufführungen der Emil Pohl'schen GesangSpoffe„Lucinde vom Theater" erfreuen fich allabendlich der beifälligsten Aufnahme. Die Posse ist so reich an komischen Situationen, wird so vortrefflich dargestellt, daß selbst der griesgrämigste Hypochonder schließlich in daS frohe Lachen des Publikums mit einstimmen muß. Polizei-Bericht. Am 30. v. M. Vormittags wurden eine Frau auf dem Werverfchen Marli von einer Droschke und ein Mann in der Bellealliancestraße von einer Equipage überfahren und dabei derartig verletzt, daß erstere nach d-m jüdischen Krankenhause, letzterer nach der Charitee gebracht werden mußte. — Auf dieselbe Weise verunglückte einige Stunden später ein in der Holzgartenstraße in Dienst stehendes Mädchen, indem dasselbe in der Niederlagstraße von einem GefchästSwagen Überfahren und am rechten Knöchel so schwer verletzt wurde, daß es mittelst desselben Wagens nach seiner Wohnung gebracht werden mußte.— An demselben Nachmittag fiel eine Frau am Hallefchen Thorgebäude in Folge AuSgleitens zur Erde und brach den Arm. Sie wurde mittelst Droschke nach ihrer Woh- nung gebracht.— Um dieselbe Zeit brachte ein in der Acker- straße wohnhafter Mann fich in selbstmörderischer Abstcht mit einem Tischmesser mehrere lebensgefährliche Schnitte in den Eals bei, so daß er mittelst TragekorbeS nach dem Lazarus- ranlenhause gebracht werden mußte. Derselbe litt an Epilepsie und soll den Selbstmordversuch in einem Anfall von Geistes» stö:ung begangen haben. auf Vermuthungen, eine Anklage ist gegen diesen Mann noch nicht erhoben." „Aber sie wird erhoben werden." „Mit Sicherheit läßt sich das noch nicht behaupten!" „Ich blicke tiefer, Siegfried, ich weiß, was kommen wird, aber ich mag nicht darüber nachdenken, ich fürchte, Mama wird den furchtbaren Schlag nicht überwinden. Ich will nicht weiter in Dich dringen. Du mußt thun, was Deine Pflicht Dir gebietet; adieu, Geliebter, ich erwarte Dich morgen mit Sicherheit!" Sie riß sich aus seinen Armen los und eilte in da» Schloß zurück, bestürzt blickte Siegfried ihr nach, diese furchtbare Erregung b unruhigte ihn. Fürchtete sie wirklich, Rabe sei bei jenem Raubmord betheiligt? Er selbst glaubte an jene Betheiligung nicht, es schien ihm sogar zweifelhaft, daß Joseph, trotz der gegen ihn vorliegendenjVerdachtSgründe, dieses Verbrechen begangm haben sollte. Aber beharrte Giebel bei seiner Behauptung, so lag wenigstens ein Grund zur Verhaftung des Kammerdieners vor, und damit war man möglicher Weife der Enthüllung des Geheimnisses, welches die Ermordung des Dok.ors Wieland umschwebte, einen Schritt näher gerückt. Siegftied hatte für den nächsten Vormittag ein Verhör aller betheiligte» �.Personen angeordnet; die ehemalige Wärterin, der Gefängnißschließer, Rabe und Giebel waren bereit« vorgeladen; wurde Joseph verhaftet, so sollte er zu- erst vernommen werden, vielleicht gelang es, ihn zu Aeuße- rungen zu bewege», die für das Hauptverhör eine« sicheren Haltpunkt boten. In Gedanken darüber verfunkev, schritt Siegfried rüstig weiter. Er hatte den Fußweg eingeschlagen, denselben Weg, auf dem veizeit die Leiche des Doktors gefunden wor- de« war. Wenn Rabe em Verbrechen begangen hatte, konnte er ihn nicht retten, so gerne er et auch aus Theilnahme für die Generalin gethan hätte, der Schuldige mußte das Ver- brechen sühnen, damit dem Schuldlosen Freiheit und Ehre zurückgegeben wurden. (Fortsetzung folgt.) Oerichts-Zewmg. vezüglich der Adrrsfirung vo» Berichtiaunge«. deren Aufnahme von einem periodisch erscheinenden Blatte verlangt wird, hat gestern die sechste Strafkammer hiesigen Landgerichts l eine bemerki nSwerthe Entscheidung getroffen. In der Nummer 82 der„Germania" vom 12 April 1885 war ein Korrespondenz« mttkel aus Mainz vom 10. d. MtS| enthalten, in welchem der Ostergottesdtenst der dortigen Astkatholiken in wenig schmeichelhafter Weis« besprochm worden war. Der Vorstand des Vereins zur Unterstützung der katholischen Reformbewe« gung sandte in einem an die Redaktion der„Germania" ge- stand gestellten Etrafantrag der Redakteur Koering durch Strafbefehl wegen Nichtaufnahme der fraglichen Be- richttgung zu 20 Marl ev. zwei Tagen Haft bestraft. Hiergegen beantragte Koering richterliche Entscheidung und stellte u. A. unter Beweis, daß ihm der ein« geschriebene Brief des die Ausnahme der Berichtigung verlangenden Vorstands gar nicht zugegangen ist, sondern von dem Chefredakteur einfach in den Papierkorb geworfen wurde, weil derselbe die Berichtigung nicht für aufnahmefähig erachtete. Außerdem machte der Angeklagte den Einwand, daß der Antragsteller gar nicht aktiv legitimus sei und daß die Berichtigung selbst fich nicht auf thatsächliche Angaben be- schräme. Das Schöffengericht wies sämmtliche Einwände als unerheblich ab und verurtheilte den Angeilagten mit Rücksicht auf die notorische Gehäsfigteit der„Germania" gegen die Alt« katholiken zu der im Strafbefehl festgesetzten Strafe. Gegen dieses Urtbeil hat der Angeklagte Bemfung eingelegt, und Mite sein Vertheidiger, Rechtsanwalt Madler, im Termine auS, daß§ 20 des Preßgesetzes sich nur auf die Verantwortlichkeit des RedaktemS für den strafbaren Inhalt, nicht aber auf die Bestimmungen erstrecke, welche sich lediglich mit der Ordnung der Presse oe« schäftigen. Unter diesen bandet fich der Z 11, welcher ausdrücklich dem verantwortlichen Redatteur die Verpflichtung drücklich dem verantwortlichen Redatteur die Vcrpfllchtuna zur Ausnahme einer Berichtigung auferlegt. Die Berichtigung yätte hiernach auch an dm Angeklagten adresfirt sein müssen, wenn derselbe die Aufnahme bewirken sollte. Im Weiterm bemän« gette der Vertheidiger den Inhalt der Berichtigung selbst alS nicht auf thatsächliche Angaben beschrSnH_und die Aktivlegiti« idirte mation der Antragsteller. Staatsanwalt Oppermann plaidi auf Verwerfung der Berufung, da der Verantwortliche Vorsorge ''" m""" eingehenden Briefe treffen müsse,'daß alle an die Redattion ihm zugestellt werden. Der Gerichtshof trat in den beiden ersten Angriffspunkten dm Aulführungen deS VertheidigerS durchweg bei und erkannte deshalb unter Aufhebung des erstm Urtheils auf Freisprechung des Angellagten. Bezüglich der Mivlegitimation nahm der Gerichtshof an, daß jeder der alt« katholischen Richtung Zugehörige zum Verlangen um Aufnahme einer Berichtigung, also auch zur Stellung deS StrafanttagS, berechtigt sei. Der HochverrathSprozest vor dem Reiche- Gericht gegen dm Konditorgehilfen Johann Scupin. Leipzig, dm SO. Dezember.(Schluß.) Präs.: Die am 17. Juli aufgegebenen Packetadressen find von der Post eingeliefert; der Abschnitt der Packitadrcsst an Kissel ist auch da; auf demselben steht als Absender: Karl Müller in Eupm; einen solchen Mann giedt es dort nicht. ES ist nun durch drei Schriftsachverständige festgestellt, daß diese Adressen von Ihnen geschriebm sein müssen. An gell.: Ich habe sie nicht geschrieben.— Durch verschiedene Briefe wird festgestellt, daß der Angeklagte mit dm Londoner Anarchisten in intimem Verkehr bis zuletzt gestanden hat. Der vom Präfidmtm ausgesprochenen Anficht, daß in Verviers eine Expedition zur Verbreitung verbotener Dmckschriftm nach Deutschland bestehe, widerspricht der Angeklagte, wmigstens bestreitet er daran theilgenommen zu hadm.— Längere Zeit nahm die Verlesung mehrerer Artikel aus dem„Refoll" in Anspruch, deren Inhalt sich vor- wiegend mit dem Prozeß Lieske heschäftigt. Die Artikel athmen den wüthendftm Haß gegen alles Bestehende und ergehen sich in Ausdrücken, die trotz ihrer Ungebeuerlichkeit fast humoristisch erscheinen.— Es erfolgt nunmehr die Vernehmung der Zeugen. Grenzaufseher Quacken, Postgehilfe Hahn und Packetträger Johä geben über die Verhaftung des Angeklagten und den Inhalt der bei tbm vorgefundenen Packete nähere Auskunft. Polizeikommiffar Guggenbühler aus Mannheim sagt fol» gendes: Ich hielt am 13. August d. IS. bei Kissel Haus« suchung ab: er saß auf dem Kanapee und laS in der „Freiheit". In seiner Rocktasche fand ich eine Nr. 9 deS ,Re« bell": neun weitere Exemplare, die er mit jener am 19. Juli erhalten, will er verbrannt haben. Den Adressmabschnttt fand ich in seiner Wohnung. Bei der Wtttwe Kamp hielt ich am 26. August Haussuchung ab, fand jedoch nichts; sie leugnete auch, ein Packet erhalten zu habm. Ihr Mann, welcher im vorigen Jahre gestorbm ist, war Anarchist und hatte mit an» deren Anarchisten Verkehr. Zeuge Kissel, 59 Jahre alt, mit weißen Haaren und weißem Barr, erklärt, er kenne dm An- acklagtm nicht; die Nummer des„Rebell" habe er zwar er» halten, aber bis auf eine verbrannt; verbreitet habe er sie nicht, da er das Gesetz kenne. Die Wittwe Kamp(unvereidigt, wie Kissel) leugnet, ein Packet� am 18. oder 19. Juli erhalten zu haben, der Packcirräger Dürrwäng sagt jedoch aus, er babe ihr ein solches au« Eupm gebracht. Die Sachverständigen Sekretär Schöllen au« Aachen und Echriftenvergleicher Arthur Hmze von hier sprechm stck über» einstimmend dahin aus, daß die Packetadrcffen vom 17. Juli bedingt von Scupin geschrieben sein müssen. Land- gerichtSrath Breithardt aus Aachen bestätigt die mitgetheittm Aussagen des .„ Ingeklagten in der Voruntersuchung. Der Reichsanwall beantragte Schuldigsprechung d«S Angellagtm aus§§ 85 und 86 und 80 und 81 des Str. G.-B. sowie auS § 10 des Drnamitgesetzes und Verurtheilung zu 5 Jahren 2 Monaten Zuchthaus. Der Vertheidiger dagegen wollte nur § 86 als die mildere Bestimmung angewendet wiffm und plaidirtc für mildernde Umstände. Das Urtheil, welches um 4 Uhr verkündet wurde, lautete:„Der Angeklagte Scupin wird auf Grund der§§ 86, 80 und 81 zu 2 Jahren 1 Monat Zuchthaus, 3 Jahren Ehrverlust und Polizeiaufficht verurtheilt; die Nummern des„Rebell" find einzuziehen." Ein für Handwerkerkreise beachtenswerthes Urtheil hat, wie die„Bresl. Ztg." schreibt, in dirsm Tagen die erste Strafkammer des Breslauer Landgerichts gefällt. Ein Stuben« Strafkammer des Breslaucr Landgerichts gefällt. maler hatte im Sommer d. I. das Anstreichm und Malen der Flure eines stark bewohntm Hauses übemommm, hatte das Anstreichm von einem Arbeiter ausführen lassen und nach Beendigung dieser Arbeit dem Anstreicher erllärt, das Malm werde er selbst besorgm. Mit Beginn dieser Malerarbeitm zögerte der Meister aber von einem Tage zum andern und inzwischen blieben, nach seiner ausdrücklichen Anordnung, die von dem Anst. eicher auf den Treppenabsätzen aufgestellten Gerüste stehen. Auf eineS dieser unbenutzt dastehenden Gerüste kroch nun eines Tages daS 1% jährig- Kind eines im fünften Stockwerk jeneS HauieS wohnendm Sattlergesellen, eS stürzte schließlich von dem Gerüst auf die Treppe hinab und fiarb wenige Tage darauf in Folge der bei dem Falle erlittenen Ver- lctzungen. Gegen den betreffenden Maler wurde darauf, weil er nicht für rechtzeitiges Wegräumen der Gerüste Sorge ge» tragen habe, Anklage wegm fahrlässiger Tövtung erhoben, und er wurde in der Eingangs erwähnten Verhandlung trotz seiner Einwendungen schuldig befundm und zu sechs Wochen Ge- fängniß verurtheilt, wobei es ihm vom Gerichtshofe ausdrücklich' zum Vorwurf gemacht wurde, daß er, anstatt die einmal über» nommme Arbeit alsbald auszuführen, in unverantwortlicher! Weise mit derseldm gezögert und dabei die Gerüste unbenutzts und unbewacht gelassen habe. Auch gegen die Mutter des* Kindes war, weil sie dasselbe nicht genügmd beaufsichtigt habe,!: dieselbe Anklage erhoben, sie wurde indessen freigesprochen, weil' der Gerichtshof ihrm Einwand als stichhaltig anerkannte, daß sie bei der vielen Arbeit in ihrer Häuslichkeit, die sie an jenem{ Tage gehabt, das Kind nicht ununterbrochen habe scharf im Auge behalten können. Nr K gern tum m «lad nicht mora Mereine mh Uersammlungen. Zentral Kranken- und Sterbekasse der Fabrik- und Handarbeiter b. G.(E. H. Dresden). Verwaltungsstelle Berlin NO. Sonntag, den 3. Januar, Vormittags 10 Uhr, Mitgliederversammlung im Lokale des Herrn Tuschmann, Weinstr. 11. Tagesordnung: 1. Kassenbericht pro Ottober» November. 2. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch lcgitimirt. Fachverein der Schneider. Montag, den 4. Januar, Abends 8'/, Uhr, in Gratweil's Bicrhallen(oberer Saal), Kommandantenstr. 77—79: Prüfung der in den beiden letzten Kursen der Fachschule unterrichteten Schüler. Der Lehrer Herr Mallwitz wird eine Ansprache halten. Ein neuer Unterrichts»! Kursus beginnt am 4. Januar. Theilnehmer können fich mel von der Zerst steht entss Herr imme Toii> tende nach große J zug i und geftä' mit z den in der Wohnung des Herrn Mallwitz, Krausenstr. 41, jll. Der Schüler-Prüfung können auch Gäste beiwohnen. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Die Glaeeehandsckuhmacher Berlin« halten Montag, den 4. Januar, Nachmittags 2 Uhr, im Saale des Universums, Brunnenftt. 29, eine Versammlung ab, zu welcher alle Kollegen, bei der Wichtigkeit der Tagesordnung(den Stand unserer Lohnbewegung betr.) dringend ersucht werden, pünktlich unl» zahlreich zu erscheinen. Zentral-Kranken» und Sterbekasse der Maler und verw. BerufSgmoffen(E. H. 71). Dienstag, den 12. Januar Abends 7'/, Uhr. Alte Jakobstr. 83, b-i Renher, Mitglieder« Versammlung. Tagesordnung: 1. Kaffenbettcht. 2. Errichtung von vier Filialen in Berlin. 3. Wahl der Kassen deamten. 4. Verschiedenes. Am Freitag, den 8. Januar, erfolgt die offizielle Bekanntmachung im Jnsertionstheile dieses Blattes. Tory i Ersch Unter landS durck fi kerun welch wähn schwa lingei dränf die( at! -foi vollst, mome natür die t erfüll kann. 1 greif« Theater. Opernhaus. Heute: Lohmgrin. Morgen: Keine Vorstellung. Schauspielhaus. Heute: Maria Etuatt. Morgm: Keine Vorstellung. Deutsche« Theater. Heute: Der Bureaukrat. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Friedrich-Wilhelmstädttsche« Theater. it: Die schönen Weiber von Georgim. rgm: Dieselbe Vorstellung. Refidenz-Thmter. beute: Clara Soleil. Vorher: Die Schulreiterin. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Wallner-Theater. Frau Direktor Strtese. gm: Dieselbe Vorstellung. Belle-Allianee-Theater. :e: Lucinde vom Theater. m: Dieselbe Vorstellung. «alhalla-Operettru-Theate«. ;e: Mamsell Angot. 2jo" lkorgen: Dieselbe Vorstellung. Viktoria-Theater. Heute: Meffalina. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Ceutral-Theater. Heute: Der Stabsttompeter. Morgen: Dieselbe Vorstellung. «ouiseustädttsche« Theater. ute: Die lustigen Weiber von Windsor. orgen: Fra Diavolo. Ostend-Theater. ute: Theodora. liorgm: Dieselbe Vorstellung. Theater der«eichshalleu. Täglich: Ausretm sämnttlicher Spezialitäten. «merteau-Theater. Täglich: Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Kaufmauu's TarlvW. Täglich: Große Spezialitäten-Vorstellung. Konkordia. Täglich: Austreten sämmtlicher Spezialitäten und theatralifch« Lorstellung. AUuunbra-Theater. Wallnertheaterstraße 16. Heute und folgende Tage: Der verkauste Schlaf Romantisch-tomischeS WeihnachtSmärchm in 3 Akten E. Jakobson und O. Gimdt. tt Vorstellung:.. Großes Sonzert der Hauskapelle. mg des Konzerts Wochentags 7 Uhr, der Verstell vor der Vorstellung: von Anfang des' Konzerts Wochentags 7 Uhr, der Vorstellung 3 Uhr» Anfang de, Konzert« Sonntag 6 Uhr. der Vorstellung «onS habm«ochentaaS Glltigkeit'und find im Theaterbureau (12-1 Uhr) gratis zu haben. Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bis 10 U. Ab. * if'--------- «aiser-Pauorama. Eine bequeme Wanderung b-Patis. Ame r ika, Kalifornien. Der Mond. Weihnacht«. 20 Pf, Kinoer nur 10 Pf. Abonnements 1 M. Ausstellung: D a S L e b e n I e s u. Jerusatem je. Sine Reise Abonnei it. empfiehlt einem geehrten Publikum sein großes Lager in Arallteostraße 165, Ecke Oranienplatz. Herbst- und Winter-Mänteln z« äußerst billige« aber festen Preise« bei streng reeller Bedienung. >2403 Regenmäntel ä 9, 10, 12, 15 Mk, bis ,« den elegantesten. Wintermäntel äl2,15,18,20Mk. bis zn den elegantesten. Jaquets ä 7, 8, 9, 10 Mk. bis au den elegantesten. Kck-Tabak. Größte Auswahl sämmtlicher in- und ausländischer Sotten, sowie guten � Sumatra Schnitt. zu billigsten Preisen 2809 Lruuueullraße 141 142. ein«ich F r a n ck._____ Die Akadmische Mschule, Fachwissenschastliche, praktische n«d technische Hochschule für Herren- u. Damen-Schneiderei ». Faust, Friedrichstr. 63 von zwischm Mohren» und Kronmstr. DaS System s-hr leicht faßlich, begründet nach der gm- metrischen Konstr. und nach der Neuzeit der Mode. Anerkannt in den Kongressen und hiesigen sowie auSwärttgm Schneider» vereinen. Eröffnung der Tageö-Kurse am 4., der Abmd-Kurse am 6. Januar 1886. Anmeldung zu jederzeit Fttedrichstr. 63, Vorderaufgang._ 302 Omnibus-Haltestelle am Schönhauser Thor. Schönhauser Allee 182. Im LielhhuaM, anerkannt größtes Lager. Schlmniger Vettauf von 12 000 eleg. Winter-Paletots, neu und wenig getragen, für 10, 12, 15—36 Mk. prima; 10000 mod. Anzüge für 12, 15, 20-36 Mk. Auch für corpl. Pett- Passendes. Damm-Mäntel, Knab.- u. Buttchen» Sachen, Uhren, Hüte, Koffer, Schlafröcke, Pelze je. 731 Die Verwaltung. WM» Omnib. u. Pferdeb. wird vergüt. WWW Schön- nnd Schnellschreib- llnterrichtl Drei verschiedene Schriften für 8 Mark lehrt der Unterzeichnete in dm neu zu eröffnenden Schreib-Kutten in der DreSdmetttraße 10 jeden Dienstag, Lochringerstraße 37 jeden Donnetttag, �Blummftraße 56 bei Ebersdach jeden Freitag und Steglitzerftraße 65 beim Lehrer Sevarat-Kurse. OnstaT methke, 2286) Kalligraph und Schreiblehrer, Steglitzetttraße 65. Die Nr. 24 der humoristischen Blätter ist nschienm ,Ler wahre Jacob" mm und in der Exped. des„Berl. Voltsbl." z [319 zu haben Elegante Masken-Garderobe i 1 Fr. Fanknin Oranienstraße 178, v. 2. Etage, 323 Ecke Adaldertstr. Zu beziehe« durch die Expedition Zimmerstr. 44. SS !»«i» m. ZZZCZjZCZZZCmmmcr'Trr: »>»»»»».» mm*»* Ig % bahn Wag> I" Entsi Die lungt U S dem nun Soetoi ist«Nchtaik»! Der tat Wtlt-K«lt«i>er für 1886. Nu» kein tri(tut Inhalt hkbm»tt httvot: v-r gWdmtb» ft-etirtsch» V»l>»tftch4»»r»»»tlchtn |Ui4i»iog*tt'al,(*a»ritt 1881—1884.— tzUoot- lan>. Erzählung von Rod. Sliwrichtl.— Mtatroso«» PtzUol'»»!,!».«°»«rinhold Wtrntt.— fitfttrn», tamiini«n» SUrnfänupptn. Bon Olm. Sdhl«. — 9rak«a Im tflalU. Erzählung von W. Imsen.— 9pp Ochluugonmoia»». Erzählung von D. atom»olt. Als Gratisbeilagen: l.»a my« Zwtst. ,. Prtse gefällig 1 ». lver»lU Srrier.«,«b««i.chb-lr? l Banblalatbct. Prot» 50 Pfennig. • tsttgltt*.**0#. »em aus, in ei Ben ihn uner fich mal «och «S t, Zu haben in der Expedition Zimmerstr. 44. Zur Wwtersaison empfehle meine FMK Möglicher Filz-. Wü»: cholsichshe. ebenso Pt>ti>e« i» Ilm itlf«.[2082 G. Geyer, so., Mariannenstraße 10, SO. 'Ä spru vom stimi ««d beoi die liche imm «vi, Vor breö mez, den bei Per lävi Wäl Veramwottlicher Redakteur«. Er»» her» im VettM Druck und Verlag von«ax vadiug in Bettin 8W„ Beuchftraße 2 Hierin eine vellao" f i und nach >aS Malm ilerarbeitm' ndern und inuns, die ufgestellten■ ien Gerüste im fünften eS stürzte und ttarb tenen V«r- rauf, weil Borne ne« loben, und trotz seiner 'Ochen Ge- uedrücklich >mal über« twortlicher unbenutzt tiutter des itigt habe, ichen, weil nnte, daß an jenem! scharf im Beilage zum Berliner BolNlatt. Kr. 1. Freitag» de« 1. Januar 1886. HL Jahrg. Z Zir Lage in Injlnni.. Mit seinem irischen Pronramm ist H�rr Gladstone„herein« «efallm", wie wir voraussagten. Er hat fich üder,eugen müssen, daß der Schachzug ein Fehlzug war und möchte ihn ftetn zurücknehmen. Mit dem bloßen Ableugnen und Demen- «rm ist es aber nicht gelhan- daß der Plan von Herrn Gladstone ausging oder wenigstens approbirt war, unterliegt nicht dem geringsten Zveif-l, und Herr Gladstone wird die «oralische Urheberschaft nicht los. Die Wirkung des Vorschlags war gmau die »an un« vorausgesagte: Lord Hartington, der Führer der WhigS, hat einm energischen Protest gegen„die Zerstückelung Englands" erhoben, und zwischen den Zeilen steht mit dicken Buchstaden geschrieben, daß die Whigs entschlossen find, fich mit den TorieS zu vereinigen, faltS Herr Gladstone Ernst machen sollte. Und dann wäre eS stir immer auS mit den Chanzen drs Herrn Gladstone. Die TorieS und Whigs zusammm verfügen über eine bedeu« tmde Majorität im neuen Parlament und aller Berechnung nach würden fie durch eine Neuwahl ihre Majorität noch vergrößern. Herr Gladstone hat also durch seinen unglücklichen Schach« zug das Gegentheil dessen erreicht, was er erreichen wollte, und die Stellung seines verhaßten Widerparts Ealisbury nur gestärtt. Dieser befindet fich jetzt in der angenehmen Lage, mit zwei Majoritäten operiren zu können: wenn kein Schacher zwischen Gladstone und Parnell zu Stande kommt, mit einer Majorität von Tories und Jrländern; und wenn der Schacher zu Stande kommt, mit einer Ma« jorität von Tories und Whigs. Unter solchen Umständen liegt es auf der Hand, daß daS Torykabinet nicht an seine Demisfion denkt. Bei dieser Gelegenheit sei noch auf eine eigenthümliche Erscheinung aufmerksam gemacht, die so recht handgreiflich den Unterschied in der ökonomischen und politischen Entwicklung Eng- landS und Deutschlands zeigt. Die englischen Liberalen find durch daS Land und die Landbevölkerung von der Vernichtung gerettet worden. In Deutschland ist es umgekehrt: der Liberalismus wird hier durch das Land und die Landbevöl» kerunz gesch'azen, und stützt fich ausschließlich auf die Städte, welche in England großemheilS dem Liberalismus den Rücken gekehrt haben. Freilich auch der demsche Liberalismus steht in den Stävten seine Herrschaft erschüttert— er verliert fortwährend Boden, und zwar an die Sozialdemokratie. In England ist die sozialdemokrattsche Bewegung noch zu schwach, als daß eS den Arbeitern bisher hätte ge« lingen können, die Liberalen in den Städten zu ver« drängen. Vorläufig find eS die Tories, welche dort die Erbschaft deS Liberalismus angetreten haben. Dafür hat derselbe in den ländlichen Arbeitern, die durch die letzte Reformbill daS Wahlrecht erlangten und deren Führer Arch vollständig von der liberalen Bourgeofie umgarnt ist, einen momentanen Ersatz gefunden. Auf wie lange? DaS läßt fich natürlich nicht bestimmen, gewiß aber ist, daß der Liberalismus die den ländlichen Arbeitern gemachten Versprechungen nicht erfüllen, die in ihnen erweckten Hoffnungen nicht verwirllichen kann. Und im Augenblick, wo die ländlichen Arbeiter dies be« greifen, werden fie fich vom Liberalismus abwenden. Politische Ueberstcht. Viel Geschrei und wenig Wolle. Durch die Zeitungen geht gegenwärtig die Nachricht, daß der preußische Minister Maybach einer auswärtigen Firma die Lieferung von 17 Eisenbahnwagen überttaaen habe, weil dieselbe fich erboten hat, die Wagen zu einem niedrigeren Preise zu liefern, als die deutschen Firmen. Hierüber erhebt daS Fabrilantendlatt, die„Rhein.- Westf. Ztg." einen großen Lärm, eS wird ihr schwer, für die Entscheidung des Ministers die richtige Erklärung zu finden.— Die Offiziösen beeilen fich bei dieser Gelegenheit, die Hand- lungsweise des Herrn Ministers in ein recht lglänzendeS Licht «stellen, indem fie hervorheben, daß derselbe bei einer nlichen Gelegenheit darauf hingewiesen habe, wie wenig die preußische Eisenbahnverwaltung die Pflicht habe, beut« schen Fabrikanten höhere Preise zu zahlen, damit dieselben dem Auslände desto billiger liefern könnten.— Letzteres ist «un freilich öfters der Fall gewesen und der Herr Minister Zum neuen Jahr. B. C. Nun ist el wieder Neujahr, fast möchte ma» sagen, daß daS Gläserklingen vom vorige» Sylvester noch nicht ganz erstorben ist. Wie liegt un« die Zeit so nah, wen« wir zurückdenke», wie endlos dehnt sie sich vor uns aus, wen» wir in die Zukunft blicke». Ein Zahr— so viele Tage, so viele Stunden, was kann m einem solche« Zeitraum nicht Alles geschaffen werden! Berm Beginn eines neue« ZeitabschnittteS bettachten wir ih» rvre das Kind einen glänzenden, neue» Thaler, schier uuermeßltch scheint ihm die Menge der Gegenstände, die e« fich für die blmkende Münze kaufe» kann— und doch, ein- mal angebcoche», zerinnt sie ihm in die Fingern: bevor eS «och recht zum Bewußtsein de» Besitzes gelangt ist, blickt «S ttaurig i» dte leere Hand. Geht eS uns ander«? SovieleZahre wir schon verlebt habe«, so oft wir schon mit Freunde» und Bekannte» in übermüthiger Sylvesterlaune die Gläser habe» erklinge» laffen, soviel sprudelnde Rede» wtt an jenem Wendepunkt schon haben vom Stapel laufen lasse« oder denen wtt in fröhlicher Fest» stimmung gelauscht habe» möge«, so oft wir mit Tante» und Basen da« flüssige Germn d«S schmelzenden Metalls beobachtet haben, und wie oft auch schon unser Magen gegen die unvernünftige Ueberfüllung mit„Mohnpielen" und ähn« licheu schönen Sache« protestirt haben mag— immer und immer war eS die alte Geschichte, die gerade wie die Liebe ewig neu bleibt,— mit stolzer Zuversicht und mit den besten Vorsätzen blickten wir jedesmal in da« dunkle Thor de« an« brechende» Zahreß, um am Schlüsse desselben wieder anzustoßen, wieder dieselben Vorsätze zu fasse», u»S wieder de« Magen zu überladen. E« rst eigentlich lächerlich, was für ei» Aufheben der Mensch de» gewisse» AnISsse» vo» seiner eigenen, werthgeschätzte« Persövlichkeit macht. AI« ob man de» alten Spaßvogel nicht längst erkannt hätte, al« ob er überhaupt noch im Stande wäre, irgend Jemand mit seine« Fanfaronaden zu täusche«! Gerade der Wechsel de» Jahre« mit seinem Karnevals, muß eigenartige Erfahrungen diesbezüglich gemacht haben, sonst hätte er diesen Umstand nicht de sonders hervorgehoben. Aber weshalb war eS möglich, daß die deutschen Fabrikanten alle auswärtigen unterbieten konnten? Einfach deshalb, weil fie ibren Arbettern einen weit geringeren Lohn zahlten, wie die Fabritanten des Auslandes. Dies war der Hauptgrund, hierzu kam freilich noch, daß ihnen, wie das auS den Motten deS Ministers hervorgeht, von der Regierung eine desondere Berückflchtigung zu Theil wurde, indem man, um die nationale Produmon zu schützen, ihnen einen böbreren Preis für die Produkte zahlte, als ausländische Fobrikanten für dieselben in gleicher Güte verlangten. Es zeigt fich eben bei dieser Gelegenheit wieder, daß ein ganz an- derer Weg eingeschlagen werden muß, wenn die nationale Produktion geschürt werden soll. Die Regierung muß bei Vergebung der Arbeiten nicht nur das Mindestgebot berückfich- tigen, es ist vielmehr nothwendig, daß an die Submittenten das Verlangen gestellt wird, zugleich mit dem Angebot die Löhne anzug-ben, welche fie ihren Ardeitern zahlen wollen. Und beim Zuschlag müßte der betreffenden Firma die Be- dingung auferlegt werden, die angr kündigten Löhne auch wirklich auszuzahlen. Natürlich könnte daS Mindestgebot nicht maßgebend sein, eS müßten vielmehr die zu zahlenden Löhne mit in Betracht gezogen werden. Ein solches Vorgeben wäre im wickl chen Sinne ein Schutz der nationalen Produttion und es würde dem Minister schleckt anstehen, wenn er dann die nothwendigen Produkte vom Auslande beziehen wollte, weil dieses in Folge schlechterer Löhne billiger liefern könnte. DaS Verdienst deS Herrn Ministers ist in vorliegen- dem Falle em sehr minimales und rechtfertigt keineswegs da« große Geschrei, welches deshalb erhoben wird. Gleiches Recht für Alle ist eine alte demokratische Forderung, die aber noch lange nicht in der nöihigen Weise zur Geltung gekommen ist. An diese Forderung erinnert uns folgende Notiz: Raffel, 26. Dezbr. Neulich wurde einer der reichsten Leute unserer Stadt, der Rentier Breiding. wegen Meineids zu 2V, Jahren Zuchthaus verurtheilt- Seine Bitte, die ihm diktitte Strafe statt in der Weblheidener in der Sttafanstalt zu Ziegenhain verbüßen zu dürfen, ist genehmigt worden. Auch ist ic. Breiding auf sein Nachsuchen gegen Hinterlegung einer Kaution von 100006 Mar auf zwei Tage aus der Hast entlaffen worden, um seine häuS- lichen Angelegenheiten zu ordnen. Wir gönnen dem Manne die Entlaffung auf zwei Tage ebenso wie die auf seinen Wunsch erfolgte Versetzung nach einem anderen Zuchthause. Allein es drängt fich uns die Frage auf, ob man eS auch dann gethan hätte, wenn der Verurtheilte keine 100 000 Mark Kaution stellen konnte? Wir wissen eS nicht, glauben aber, daß ein Verutthellter, der nichts befitzt, die gleiche Rückficht beanspruchen kann, wie ein Reicher. Will man solche Vergünstigungen von der Stellung einer Kaution abhängig machen, so wird das gleiche Recht vollständig illusorisch, da der Arme dann niemals ttne solche erhalten wird. Aus Verden wird unterm 23. Dezember geschrieben: Unter den Kanalarbeitern bei Bruchhausen waren am ersten Weihnacktstage Unruhen entstanden, weil den Arbeitern ein Viettel ihres Lohnes zurückbehalten war. Es sollte dieses, wie nachttäglich mitgetheilt wurde, deshalb geschehen sein, damit die Leute während der Feiettage nicht ihren sämmtlichen sauer verdienten Lohn durchbringen(!) konnten, sondern auch nach den Feiertagen einen Zehrgroschm besaßen. Zur Bekämpfung der Unruhen und Herstellung der Ordnung find 30 Ulanen unter Führung eines Offiziers und einiger Unteroffiziere dort- hin gesandt worden, dieselben werden morgen jedoch zurück- kehren um dann durch Infanterie auS Bremen ersetzt zu werden. Verwundet ist bei der Katastrophe ein Ulan, dem mittelst einer Schaufel der Schädel stark verletzt wurde. Gestern wurden 11 der Unruhestifter geschlossen hier unter starker Be- deckung eingebracht und im Landgerichtsgefängniffe detinitt.— Wir bedauern es aufrichtig, daß fich vre Aroeiter zu solchen Unruhen hinreißen lassen, aber nach Lage der Sache hätten dieselben wohl vermieden werden können, wenn man den Leuten den gewiß nicht übermäßigen Lohn zu den Feiettagen voll- ständig ausgezahlt hätte. Die oben angeführte Entschuldigung klingt wenig glaubhaft, abgesehen davon, daß eine Vorcnt- Haltung deS Verdienstes au« solchen Gründen geradezu eine Beleidigung für die Arbeiter sein mußte. Jedermann freut fich auf daS liebe WcihnachtSfest, und der Arbeiter will sich und den Seinigen doch ebenso gut eine kleine Freude bereiten, wie jeder andere Staatsbürger. Da« mußten auch die Unter- geklapper, seinem Sckellengeklttr führt ihn uns mit allen seinen Schwächen, fettem Eigendünkel, sette» Fehler« BOT.—— Dort unter jenem Hausflur hat fich ein Händler mit NeujahrSkatte» niedergelassen. Bunt sind die meisten, ob sie schön find, weiß ich nicht, daS ist auch aleichgilttg. Mit gemessenem Schritt naht er» alter Herr. Niederttacht liegt heute auf seinem sonst so gut- müthige« Gesicht, prüfende» aber ironische« Blickes mustert er die ausgestellten Herrlichkeiten, jetzt hat er, wa» er sucht. Die Gattt» ist'», die theure, die er heute zwar nicht erfreue«, aber ei» bischen ärgern will. Er zahlt und geht. Vielleicht kommt höchstens ette Stunde später die theure Gattin selbst, um für de« gestrengen Ehe« gemahl eine ähnliche Ueberraschung zu erwerben, und am nächsten Morgen erfreut fie der Postbote gleichmäßig mit den beiderseitigen Liebesgaben. Schmolle» und Verstimmung ist vielleicht die Folge der gegenseitige» Zärtlichkeit. Da lobe ich mir de» Schusterjungen. Hat ih» der Meister da» ganze Jahr hindurch geärgert, hat die Frau Meisterin ihm die„Stullen" stets mit dem heiße» Messer gesiriche», so ist heute sei« Tag, er hat ih» herbeigesehnt, wie der Kommerzienrath daS bunte Band für das Knopfloch, und das Trinkgeld, welche« er eben von einem Kunde« erhalte« hat, kann gar nicht besser avoelegt werde», al« für ein Paar NeujahrSwünsche für de» Meister und die Meisterin. Armer Zunge, Dir blüht der Knieriemen, doch wa« schadet'S? Er hat doch seine Freude gehabt, und je mehr der Meister haut, desto inniger wird ihWdie Ueberzeugung, daß er sette» Zweck erreicht hat. JedeS Tbierche« hat sei» Plaifirchen, und ist e« nicht leicht möglich, daß die schwarze That überhaupt verborgen bleibt? Dann ist der Genuß em ganz unaussprechlicher.,... Eine junge Dame naht. Tournüre vorschnftSmäßig. Absätze halsbrecherisch. Hut vierstöckig. Die fein bebapd« schuhie Rechte greift»ach ettem Amor, der noch nicht durch die Künste irgend eine« Schneider« entweiht ist. Sie wirst nehmer wissen und daher tragen fie moralisch die Schuld an den durch dte Erregung hervorgerufenen Ungesetzlichkeiten. Ueder entsetzliche Zunahme« der Brutalttätsvcr» breche« klagt die„Bonner Ztg." in einem längeren Attikel» der die Uedersckrist:„Auch eine Weihnachtsmahnung trägt." DaS Bonner Blatt schreibt: „Wer die Lokalblätter Westfalens und der angrenzenden rheinischen Jndustnedezirke durchliest, glaubt fich in jene Ge- 6 enden Neu Amerikas versetzt,-ro Bowiemeffer und Revolver die Stelle des Schiedsiichlers»«treten— nur daß wtt bei unseren Mordbuben keine Spur von jener kalifornischen Art Ritterlichkeit finden, die Bret Harte uud Andere noch zu rühmen wissen. Von Seiten unserer klerikalen Presse ist auf diese bedenkliche Erscheinung schon öfters hingewieien und zur Erklärung der Kuliurlampf herbeigezogen worden. In der That wird es fich nicht ableugnen laffen, daß ein Theil unseres jüngeren Klerus durch die eifrige Thätigkeit auf urrkirchlichem und politischem Gebiete an Zeit und Ansehen zur stttlichen Uebermachuna und Leitung des Volkes verloren hat. Der ein- zige Grund ist dies freiltch nicht. Allzugroße Mil e aus söge- nannten Humanitäts gründen gegenüber dem Verbrechen und dem Verbrecher, die liebevolle Beschäftigung ett es großen TheileS der Presse mit Mordprozeffen und Mordgeschichten, das allmälige Einfickern gewisser Lehren des sogenannien wissen« schaftlichcn Maierttlismus in die unwissenschaftlichen Schickten deS Volkes,— das find ebenso viele Ursachen zu dieser surckt« baren Verrohung unserer Fabnkjugend, die uns aus den zahl- losen Alarmnachrichten entgegenstarrt. Wie die Mi te! und Wege beschaffen find, dem Uebelzu st-ueren,— daS hterzu unte:« suchen steht weder in unserem Berufe, noch in unserem Können; aber wir fühlen uns verpflichtet, auf dieses traurigste und stchtlste Symptom der wachsenden Verwilderung und Mißachtung des Gesetzes und seiner Drohungen bei un« serem Volke hinzuweisen. Wir müssen eS um so eher tbun und werden es um so öfter wiederholen, da wtt im Jnteiesse des Sittlichkettsgefühls und zur Schonung unserer Leser von der Mittheilung der einrelnen Gräuelfälle so viel als möglich Abstand nehmen. Eine Weihnachtsnummer einer westfälischen Lokalieitung; an der Spitze die obl'galische Cbrtflfestgeschichte mit der Tendenz und dem Schlüsse Friede auf Erd n und der» Menschen ein Wohlgefallen; dann ein halbes Dutzmd neue Mefferaffären: Bürger und Familienväter von Buden muth- willig erschlagen; dann eine Sammlung zu Werbnacktsge- schenken für de« armen Gefangenen im Zuchthaus, und dann etwa noch eine Geschichte von dem Manne, der einen Anderen er- mordet, um nur ins Zuchthaus zu kommen— führwar, ein solches Blatt scheint unS ein wichtigeres und lehrreicheres Dokument für einen Gesetzgeber, als ganze Aktenbündel! Wer wird helfen?" Das rheinische Blatt bringt nichts Neues, AUeS was hier gesagt wird, ist oft genug von Blättern äbnlichen Kalibers gesagt worden. Es find imm« die alten Geschichten, die auf- getischt werden, und waS da« schlimmste ist, es tritt dabei rmmer dte alte Anschauung zu Tage, welche von uns oft genug gekennzeichnet worden ist. Es ist keineswegs die Rodheit nur bei dem sog. unwissenden Volke oorhanden; wer das behauptet, liefert damit den Beweis, daß ihm selbst das nothwrndige Wessen zur Beuttheilung fehlt, oder aber, es liegt ihm daran, den wirklichen Tbatbestand zu oerdunkeln. Allzu große Milde und Humanität Verbrechern gegenüber, das Eindringen deS Materialismus in die unt«en Volksschichten, Unfähigkeit deS KleruS und schließlich unsere moderne Lit«atur sollen Schuld an der zunehmenden Verrohung sein. W..s letztere anbetrifft, so laßt stch nicht bestreiten, daß fie die Entfittlichung tördcrt, aber nicht etwa nur bei den„unwissenden" Volksschichten, son- dern in weit höherem Grade bei der sogenannten bester en Gesellschaft. Die Geistlichkeit würde, auch wenn fie weit fäbiger wäre, durch ihre Lehren niemals im Stande fein, Verbrechen und Vergehen wesentlich einzudämmen. Selbst in den ftömmsten Gegenden kommt eS vor, daß der Mörvcr betet, bevor er fich auf fein Opfer stürzt. Der Materialismus ist also nicht der Förder« des Verbrechens und der Rohheit. Und die Humanität ist es noch viel weniger; all dte Klagen über zu große Milde find gänzlich unzutreffend. Diese Klage ist wohl die älteste, aber auch ungerechi fertigste, fie war schon zur Zelt vorhanden, als noch Folter und Tottur in ihrem ganzen Umfange angewandt wurden. Je roher und strenger die Behandlung, um so schroff« und gefühllos« wird der Mensch, welcher fie ettragen muß. Wenn steh einzelne Men» schen nach dem Zuchthaus od« dem Gefängniß wünschen, so liegt das weniger an d« Herrlichkeit deS Gefängnißlebens, eine« schmachtenden Blick auf denselben, mit dem- selbe» seelenoolle« Augen aufschlag hat fie daS duftige Briefche» noch an jedem Sylvester in den Briefkasten gesteckt, mit bewunderungswürdig« Ausbau« galt der glühende Blick allerdings an jedem Jahresschluß ettem An- deren. WaS kümmert's urS? In fremde Herzensangelegenheiten hat man sich selbst zu Neujahr nicht zu mischen, und der B«ltt« hat doch gewiß Recht, wenn n sagt: .Abwechselung muß find I" Indessen—„wenn die Hoffnung nicht wäre." Hofft der Ehemann nicht, daß seine Frau nicht auf denselben Gedanken komme wie«, hofft der Schusterjunge nicht, daß er dem Knieneme« de« Meister« entgehe« wird, und hofft die Schöne nicht, daß schließlich doch mal Ein« steh für S Leben in ihre Tournüre vergaffe» wird? Selbstredend, den» sonst würden sie Alle zusammen wohl ganz ander« handeln. Auch wir alle And«en hoffe«. Ohne die Hoffnung wäre uns« Leben schaal und wenig begehrenSwnlh, es würde uns abstoßen, e» würde uns zur Last, zum Ueb«druß werde». Und gerade am Jahresschluß find wtt in der Hoffnung»« seligsten Stimmung, wtt«warte« Alle« von d« neuen, an« brechenden Zeit, die alte, vttgangene hat un« nicht» gebracht, die Zukunft allein bringt unS Heil. DaS ist ei« mystischer, fatalistischer Zug im mensch» lichen H«zen, daß e« mit all« Macht, mit all« Kraft dem Unbekannte», dem Unerschlossenen zu« drängt. Ab« gerade deswegen, weil n tt all« Menschen Herze« gleichmäßig wohnt, weil wir fast Alle uvt« seinem Zwange stehen, muß er Wahrheit in sich bngen Und so möge denn die Zukunft endlich einmal«fülle«, wa« fie unS so lange vorgegaukelt hat, möge Alles, wa« wtt«, träume» und«streben, endlich greifbare, thatsächliche Wirk« lichkeit werde», dann ist ei gleichgiltig, an welchem Zeit. puntt de» Jahre« wir uns befinden, dann«st rufe» wtt unseren Freunden au« freier, fröhlich« HerzenSüberzengung ei» richtige»„Profit Neujahr" zu. ßtHnoen nur ein so jämmerliches Dasein alS daran, daß eS manchem Menschen nickt mebr will, in der Freiheit auch wie ein Sträfling zu führen. DaS ist sehr, sehr traurig, und eS mahnt rniS dringend, die Zustände ver- bessern zu helfen. Das kann aber nicht geschehen, wenn man wie das rheinische Blatt nur immer auf die vorhandenen Rohheiten hinweist, sondern es muß Hand angelegt werden, um dieselben zu beseitigen. Wie das geschehen kann, haben wir oft genug erklärt. Zum Branntwein« Monopol schreiben heute die offiziösen„Berl. Pol. Nachr.", indem fie Beschwerde über ab- fichtliche und unabfichtliche Entstellungen deS Planes der Re- gietung führen: Wenn man mehrfach die Produzenten von OualitätS» SpiriluS mit der Bchauptuna gegen das Branntwein-Monopol einzunehmen sucht, daß ihr Produkt mit dem Rohspirrtus über einen Kamm geschoren wcrdm solle, mithin ihre Konkurrenzfähig« keit beeinträchtiat werde, so entbehrt diese Behauptung jeglicher thatsächlichen Unterlage. Vielmehr dürfien die Preise fich genau nach dem Werthverbältniß der von dem Staate zu über- nehmenden Erzeugnisse abstufen, so daß auch die Produzenten qualitativ besserer Trinkstoffe dabei ihre Rechnung finden. — Das nämliche gilt von der Behauptung, daß daS Branntwein-Monopol die Hamburger, nach dem Zoll- anschluß nach dem Freibafengediet überzufiedelnde EpirituS- industrie gefährdet werde. Denn daS Monopol findet auf Zollausschlüsse keine Anwendung und berührt daher das Hamburger Freihafengebiet absolut nicht. Die für das- selbe in Aueficht genommene Industrie wird mithin durch das Monopol nicht im mindesten gehindert oder geschädigt. Im Gegenrheil erwächst ihr auS der Notbwendlgkeit, für den im Jnlande nicht verwendbaren Spiritus im Zollauslande Absatz zu suchm, die Möglichkeit, das Rohmaterial für den Veredlungsbetrieb auS Deutschland zu billigeren Preisen zu beziehen, als bisher auS dem Auslande.— Schließlich mag in Ergänzung unserer gestrigen Mittheilungen er- wähnt werden, daß in Norwegen der Verkauf und AuS> schont von Branntwein nur von bestimmten, staatlich in allen Städten genehmigten Branntweinverbänden(Brande- vinZsamlage) bewirkt werden darf. Diese vor einigen Iahren gesetzlich angeordnete Einrichtung umfaßt mit der am I.Januar 1886 ins Leben tretenden Ausdehnung auf Christiania das ganze Land. Ihr monopolartiger Charakter tritt noch beson- ders in der Bestimmung hervor, daß den betreffenden Gesell- schaften nur der Ertrag von 5 pCr. des Kapitals verbleibt, der Ueberschuß dagegen für öffentliche Zwecke, Erleichterung der Schul- und Gemeinvelasten jc., Verwendung findet. *.* Forst, im Dezember. Unsere Stadt ist in der„glücklichen" Lage, ein Organ zu befitzen, welches fich zu wirklichen Kraft- leistungen emporschwingt, wenn eS gilt, die Spießbürger vor den Forderungen der Arbeiter graulich zu machen.„Forster Tageblatt" nennt fich dieses Musterblättcken und stolz trägt eS das Motto:„Mit Unerschrockenheit für Deutschlands Einheit, für Recht und—„lokale" Wohlfahrt!" Die Redaltton, welche fich, wie mit dicker Schrift angekündigt wird, im Hinterhause eines RentierS befindet(jedenfalls um dort an diesem corpna delicti volkswirthschaftliche Studien zu machen) versteigt fich bei besonders feierlicher Gelegenheit sogar zu volkswirthschaftlichen Artikeln, welche Steine zu erweichen vermögen. Eine solche Leistung brachte auch die Nummer vom 20. Dezember, in der fich unter der Ueberschrift: „Träume— Schäume" ein Aufsatz befindet, welcher geeignet ist, bei jedem noch nicht ganz vecfimpelten Menschen ein homerisches Gelächter hervor- zurufen. DaS Geschreibsel handelt von dem Ztormalarbeitstag, den es als eine Ungeheuerlichkeit hinzustellen sucht und von dem es behauptet, daß nach dessen Einführung die ganze Welt (natürlich sammt dem„Förster Tageblatt") zu Grunde gehen müsse. Wir haben keine Veranlassung, den ganzen Blödfinn, wie er in dem Artikel enthalten ist, hier aufzuwärmen, einige Kraftstellen werden genügen, den Lesern der„Volksstimme" einen Begriff von der„Leistungsfähigkeit" besagter Redaktion zu geben. Es heißt da: „Ein sozialistischer Redner hat im Laufe der Debatten den von ihm geforderten Normalarbeitstag als das hingestellt, waS er in den Augen der Sozialdemokraten ist, nämlich als ein großer Schritt auf dem Wege zur Aufhebung deS Ergenthums. Die Arbeiter sollen dock nicht etwa glauben, daß das Haupt- ziel des Normalarbeitstages, also die Beschränkung der Ar« deilszeit auf eine ganz destimmte Anzahl von Stunden, mög- lichst bei fest destimmten Minimallohn, die Schonung ihrer Körperkräfte ist; er soll nur zu der großen Suppenschüssel des Em Dwjiihrszruh. Der langen dunkeln Nacht war die lange graue Dämmerung gkfolgt. Die Schatten hoben sich zögernd und langsam von der weiten Schneedecke, auf der sich nach und nach die Hütten der Verbannten wie schwarze Flecke von der Ebene abzuzeichnen begannen. Endlich verkündete auch im Osten ein heller Streif das Herannahen der Sonne; der Wiedirstrahl de» Morgenlichtcs fing an, in dem Schnee auf de» Dächern zu blitzen und sich in Hellem Glänze zu brechen, aber der Neujahrsmvrge« ist selbst für die Gefangenen in Sibirien ein Ruhetag, und trotz des nahenden TogeS bewegte fich nur hier und da eine einzelne in Pelze gehüllte Gestalt, welche die Trostlosigkeit und Oede des Dorfe« nur noch mehr hervortreten li-ß, zwischen den zerstreut liegenden Häusern. Au» einem derselben war ein Mann getreten, welcher der eisige» Kälte nicht achtend vor der Thür flehen geblieben war, und nach dem lichten Streif am Horizonte schaute. So weit e« der dicke Pelz, den er trug, erkennen ließ, war e» ein großer schlanker Mann, Mitte der Dreißiger, der»och nicht lange das Leben der Verbannte« theile« konnte, den« seine Gestalt war noch nicht gebückt und au« dem bleichen Geficht strahlten die Auae» klar und voll That» kraft. Er wußte nicht« von der hoffnungSlosin Entsagung, der er früher oder später vielleicht auch anheimfalle» sollte, und fühlte noch den Zauber deS NeujahrmorgenS, an dem er, wie alle die ander« freien Menschen, rn seinem Herzen an da« Schicksal die Frage stellte: Wa» wird da« deginnende Jahr bringen? Der Glückliche, er hatte nicht aufgehört zu hoffen, zu fühlen, zu denken; dem eintönigen Verbanvunq«- lebe« war eS noch nicht gelungen, ihn zur empfindungslose« Maschine umzuformen. Von der Fraae an die Zukunft gingen die Gedanken von Gregor Wasilitsch unwillkürlich zu der Vergangenheit über. Er entsann fich dunkel eines NeujahrSmorgen«, wo eine schöne junge Frau über sein Bettchen gebeugt, ihn mit dem NeujahrSgruße geweckt und wie er dann mit de« Te- schwlster» über die NeujahrSgeschenke gejubelt hatte. Jetzt war die junge F-au alt geworden, der Kummer und Gram hotten ihre Haare gebleicht und sie beweinte in weiter Ferne daS traurige Schicksal ihres Sohne», ia den fie so viele Hoffnungen gesetzt. Der zweite Neujahr« morgen, der ihm vor die Seele trat, fiel 10 Jahre später. Er war als angehender Osfisier auf Urlaub bei den Eltern gewesen, und diese hatten einen Ball am Sylvester gegeben, wie e« die hohe Stellung seines Vater« jverlangte. Kommunismus führen, aus der dann der ganze Staat löffeln wird. Denn, so wurde ausgeführt, durch den Normalarbeitstag muß auch die Produktionsmenge geregelt werden; daraus folgt Bestimmung deS Waaren preise«, und schli-ßlich ist dabei dem Ardeitgeber jede ftre Bestimmung über seine fieben Sachen entzogen. Das ist die wahre vedeutung dieses Plane«, und der Normalarbeitstag im sozialistischen Sinne ist also kein Arbeiterschutzmittel, sondem nur der Vorläufer deS krassesten Kommunismus. Der Arbeitgeber kann herausrücken, so fordern einfach die Sozialdemokraten, und dann gleiche Arbeitszeit, gleicher Lohn für alle Arbeiter. Ia, muß denn der, welcher so etwas dem Arbeiter»u unterbreiten wagt, nicht vor Scham roth werden? Wa» heißt denn das anderes, al«: Der fleißige und verständige Arbeiter und Bruder Thunichtgut und Nichtoerstand werden zusammen tn einen Tops geworfen, und Tu, Nummer Eins, quäle Dich, daß Dir die Haut von den Fingern gebt immerzu, wenn's Dir sonst Vergnügen macht! Aber mehr Geld als dein Neben- mann, der faul und schläfrig in den Tag hineintrodelt, darfst du nicht verdienen. Nun, da würde die fleißige Arbeit über- Haupt an Ansehen verlieren, und der Schwadroneur, den man jetzt zur Thür bin aus wirft, würde in Hohem Tone von der allgemeinen Voll«- und Ärbetterbeglückuna reden und fich als den Macher deS Ganzen hinstellen. Für ihn maa es behaglich sein, mit recht weitem Löffel in die allgemeine Suppenschüssel zu fahren, er wird fett und dick und von redlicher Ar- beit ist keine Rede. Mit einem Wort: der sozialdemokratische Normalarbeitstag vernichtet den guten alten Satz, jeder Ardeiter ist seines Lohnes wctth, und stellt an seine Stelle an den fleißigen Menschen die Aufforderung: Quäl dich, damit die Faullenzer nicht Hunger leiden. Zu einem solchen Gericht sogt man dcch wohl: Profit Mahlzeit.... Der sozialistische Normalarbeitstag mit seinen Folgen ist ein Traum, der fich nicht verwirklichen kann und, wenn auch erst spät vielleicht, endlich werden fich die rechtlichen Arbeiter davon doch überzeugen. WaS aber wohl zu billigen, das ist die Sicherung gegen übermäßige Heran- ziehung des Arbeiters zur Arbeit gegen reinen Willen. Im Allgemeinen können wir zur Ehre der deutschen Industrie wohl sagen, daß die Arbeitskraft der Einzelnen nicht bis aufS Blut ausgebeutet wird: im Gegen» theil, in sehr vielen Fällen verdanken die Arbeiter ihren Prinzi« palen bereits mehr alS die sozialistischen Wortführer ihnen jemals bringen können. Wir haben viele großartige Wohl- thätigkeitsernrichtungen zu Gunsten der Arberter, die von den Arbeitgebern in uneigennützigster Weise errichtet find." DaS„Forster Tageblatt" wird unS doch gewiß recht dankbar sein, daß wir dieses„Produft" weiteren Kreisen zu« gänglich machen. Eine emsthafte Erwiderung auf das öde Geschimpfe wäre freilich ein unnützes Beginnen, da die Leser der„Volksstimme" ficher den Vogel bereits an seiner Feder erkannt haben; dem Vogel selbst aber und seinem Anhange ist mit einer sachlichen Polemik doch nicht beizukommen. Und da» hat seine guten Gründe. Der Redattion des„Frst. Tgdl." ist nämlich die große Eupoenschüffel nicht unbekannt, aus welcher alle jene Leute„löffeln", die bei dieser Gelegenbeit gegen die notb- wendigsten Forderungen der Arbeiter mit der F-der oder mit Worten vorgehen. Diese Art„Helden" arbeiten fich freilich niemals die Haut von den Fingem, wohl aber ziehen fie fich jedesmal eine neue Haut über nach dem Grundsatze:„Wer mich bezahlt, der hat mich!" Ein solcher Schwadroneur wird natürlich dick und fett, denn seine„Arbeit", welche im Wesmt« lichen darin besteht, die Wahrheit auf den Kopf zu stellen, ist recht einträglich. Die redliche Arbeit kann freilich mit Leuten dieses Schlags nicht konkurriren und so befitzen diesel- den noch obenein die Stim, jeden für einen Faullenzer zu er- klären, der lieber darbt, als daß er fich zu einer solchen Hand- lungsweise benutzen läßt.— Nachgerade weiß selbst der dümmste Schafhirt, daß der Normalarbeitstag keine spezifisch sozialdemo- kratische Forderung ist, er wird auch von jenen Arbeitern und Handwerkern verlangt, welche sich nicht zu den Sozial« demokraten rechnen. Ringsum, auf dem ganzen Erdenrund, soweit die Zivilisation vorgedrungen ist, erstredr das arbeitende Volk eine kürzere oder eine gesetzlich geregelte Arbeitszeit und verschiedene gefetzgebende Körperschaften haben dem Verlangen bereits nachgeben müssen. Der Normalarbeitstag wird viel mit dazu beitragen, daß der Fleißige, welcher heute oft bei allem Fleiß noch nicht einmal Arbeit finden kann, Beschäfti- gung und zwar auch lohnende erhält, kein vernünftiger Mensch wird verlangen, daß er für den Nichtsthuer mit arbeiten soll, wie das leider— jetzt so oft der Fall ist.— Besonders hervorzuheben ist der in dem Artikel gespertt gedruckte Satz: „Was aber wohl zu billigen, das ist die Sicherung gegen Grade als er mit einem junge« Mädchen, halb Kind noch, zu einem Tanz antreten wollte, wurde verlündet, Mitternacht fei nahe. Alle« stand erwartungsvoll und al« die 12 Schläge verklungen waren, blickte die kleine Wera lachend zu ihm auft und sprach ihm den Neujahrsgruß au«, noch ehe er Zeit gehabt hatte, ihr denselben zu sazea. Darauf waren wieder Jahre vergangen. Gregor Wasilitsch hatte Gelegenheit sich auszuzeichnen, war von Grad zu Grad gestiegen, und kehrte nach langer Abwesenheit nach St. Petersburg zurück. Mit glänzerden Aussichien, jung und reich wie er war, lachte ihm da» Leben in jeder Hinsicht und er stürzte sich mit voller Lust in den Strudel, um nach den lange« ArbF-Sjahren mir vollen Züge» die Freude» der Gesell'chast zu genießen. Bei einem der Feste, wie sie nur St. Peteisburg kennt, wo Pracht und Luxu» alle» bieten, was die Phantasie zu erdenken im Stande ist, war er in eine« der zu einem Garten umgewandelte», ent- fernter liegenden Zimmern getreten, um einen Augenblick frische Luft zu schöpfen, und fand dort Wera allein, tief in dem Schatten der Zweige sitzend. Das war aber nicht mehr seine kleine lachende Tänzerin von früher, e« war auch nicht die von Frohsinn übersprudelnde Fürsteutochter, wie er fie eben noch in der Gesellschaft gesehen hatte, vor deren Schön- heit er sich, wie die ganze Petersburger Welt, beugte: es war eine ernste, ia tiefe« Sinnen versunkene Frau, die mit einem ihm völlig fremde« Auidruck der Entschlossen hiit in den Zügen emporschreckte als er eintrat. Betroffen hatte er versuchen wolle«, durch einen Schrrz die Schatten au« ihrem Gesicht zu verscheuchen, al« sie ihm rasch ent- gegen trat. Gregor Wasilitsch entsann sich deutlich, fie hatte ein blaue« mit Silbersternen übersäteS Kleid gelrage», daß sich weich an ihre biegsame Gestalt anschmiegte, und e« war ihm alt sähe er wieder da« Blitzen der Sterne vor sich und al« höre er das Rauschen der Seide. Sie hatte vor ihm gestanden, um eine Antwort verlegen, die kleinen Häude krampfhaft um den Fächer gespannt und ihre blaue» Augen dunkel gefärbt vor innerer Erregung. Dann, nach einem tieien Athemzuge ihn voll anblickend, hatte sie endlich geantwortet:„Dort lacht und tanzt man und Hunderttausende leiden." Ihre Siimme klang weich und bebend und Gregor Wasilitsch hatte sie nie so schön gesehen. AIS sie ihn nach dem AuSzang zu drängte und angstvoll bat, sie allein zu laffe», wurde ihm der ganze Sinn ibrer Worte klar. Der Gegensatz zwischen dem Petersburger Glänze und dem Elend des Volkes t at zum ersten Mal nackt vor ihn hin, und er wußte, daß jeder Lauscher der Berarhung fernbleiben mußte, übermäßige Heranziehung des Arbeiter« zur Arst gegen seinen Willen!" Und gleich hinterher wird gesogt, im Allgemein« sei daS auch gar nickt der Fall. Daraus folgt, daß es im K sonderen also doch Thatsache ist, und natürlich in weit größer« Umfange, als es zugegeben wird. Der Schreiber hat jedfl falls kaum eine Ahnung davon, waS übermäßige Anstrengm ist und wo dieselbe beginnt, wie mag er fich aber wohl> Sicherung der Arbeiter gegen übermäßige Ausnutzt denken, wenn die Gesetzgebung leinen bestimmten ArbeitSt- vorschreiben soll? Glaubt der gute Mann etwa, der Hc Fabrikant oder Gutsbesitzer werde aus freien Stücken einer de artigen Sicherung zustimmen? Da muß er seine Pappenheim doch besser kennen. Selbst wenn es der Einzelne thun möÄ so kann er es nicht, weil er mit der Konkurrenz zu rechnen he Und wie würde es sein, wenn fich der Ard-rter in spät Stunde oder Sonntags weigern würde, zu arbeiten? Er würt einfach entlassen oder doch gemaßregelt werden. Es bleibt af AlleS Humbug, wenn die Gesetzgebung nicht eingreift nnd d> Normalarbeitstag sowie ein Ardeiterschutzgesetz schafft. F eil« würde dann nach einem solchen Unstnn, wie ihn daS„Forst Tageblatt" enthält, kein Verlangen mehr fein, und solche Artike schreiber müßten dann eine nützliche Arbeit verrichten, wenn s nicht umkommen wollten. Aber das wäre eine große Wohlth für fie und die gesammte Gesellschaft. *** Frankreich. Am Montag hat die französtsche Republik ihrem bisherig« Präfidenten auf weitere fieben Jahre das Mandat erneuei welches ihm am 30. Januar 1879 übertragen war. Mit 4- von 589 Stimmen wurde Jules Grevy wiedergewählt. Ei« erdrückende Mehrheit scheint dies auf den ersten Blick zu sei> Aber bei geuauerem Zusehen macht man die Entdeckung, d« wenig mehr als die Hälfte der offiziellen Vertreter deS franzl fischen Volkes Grevy ihre Stimme gegeben hat. Die Dep« tirtenkummer zählt, wenn alle Mandate besetzt find, 586, t» Senat 300 Mitglieder. Hätten alle ihr Wahlrecht ausüb« wollen oder können, so würde die geringe Majorität— n« nicht 30 Stimmen über die Hälfte— gar auffällig in d Augen gesprungen sein. So aber enthielt fich die Rechte d« Abstimmung, indem fie gegen die Nationalversammlung al als eine unvollständige prolestrrte. Da über 300000 Wähl« darin keine Mandatare und 22 Erwählte der Nation durch d Annullirung der Deputirtenwahlen von Korstka, Lozere, Ardcä und Landes von ihren Eitzen vettrieben seien. Der Prote wird nun freilich nicht weiter beachtet werden und eS läßt fi mit Sicherheit annehmen, daß Herr Grevy auch gewählt mff den wäre, wenn jene 22 Abgeordneten zur Stelle waren. B« zum 30. Januar 1893 wird Herr Julei Grevy somit weit« Präfident der französtschen Republik sein, wenn ihn nickt voi her besondere Ereignisse abberufen. Die deutschen Offiziöse drücken ihre Befriedigung über die Wiederwahl Grevy's aui weil kaum anzunehmen sei, daß er jemals einem Revanche kriege seine Zustimmung geben werde. — Der Pariser Gemeinderath ist, wie verlautet, von Arbeiter bestürmt, welche fich darüber beklagen, daß es ihnen nicht g« lingt, bei der städtischen Kehrmannschaft eingestellt zu werde» Der Berichterstatter für das Straßenwesen, Santon, beantrag daher, der Gemeinderath möge beschließen, daß höchstens e» Zehntel Ausländer bei der Straßenreinignng eingestellt werde« dürfe. Nach dem amtlichen Ausweis besteht das Kehrperjon» aus 3464 Personen, darunter viele Frauen und Halberwachsene 981 dieser Personen find Ausländer, wovon 670 Italicner un! 281 Deutsche; die übrigen gehören verschiedenen Ländern a» Die 179 reichSangehörigen Elsaß Lothringer werden nicht de« Ausländern zugerechnet, sondern besonders aufgeführt. D» „France" verlangt nun, daß tn Anbetracht des Nolhstantei alle im Kehrpersonal befindlichen Ausländer einfach über � Grenze gewiesen werden. 1870 waren die Deutschen weit zahl reicher bei der Pariser Etraßenreinigung beschäftigt. Äei! stammten fie aus der alten Landgrafschaft Heffen-Darmstad und nicht wenige waren bloS deshalb zeitweilig nach Pari ausgewandert, um heirathen zu können. Mit der neuere' deutschen Gesetzgebung find die Hindemisse weggefallen, mi denen die Eheschließung in jenen Landestheilen umgeben wa' Uedrigens ist kaum anzunehmen, daß die Hetzereien der„France Anklang finden könnten. Kommunales. Gegen die Wahl deS Herrn Vortmann zum Stadl verordneten ist, wie bereits gemeldet, eine Reklamation erhob«' worden, über welche die Stadtverordneten- Versammlung» die in dem enilegenen Gartenzimmer gehalten werden sollii Bei seiner Rückkehr zur Gesellschaft empfing man ihn jubeln! mir dem NeujahrSgruße; ein neuer Zeitabschnitt hatte ft Rußland begonnen. Schwere innere und äußere Kämpfe waren für ih» dieser Nacht gefolgt; dieselbe hatte sein Schicksal entschi» den, das mit der Verbannung abschloß. Drei Jahre war er ia Haft gehalten worden, und sei zwei Jahren in Sibirien; se.ldem hatte er nicht» mehr vo> der Welt gehört. Was war aus allen andern geworden Lebte Wera»och, war sie frei, oder vielleicht im Auslände« Er wußte nur, daß sie alleslaufgeboten hatte, ih» zu b« freien. Und feine Kameraden? Gestern war wieder ei> Tmpp Gefangener angekommen, e« konnte» Freunde darunld sein, oder vielleicht konnte er irgend eine Nachricht erhalte» die nicht nach so viel Jahren zählte, wie die letzte, die empfangen. Gregor Wasilitsch blickte immer«och über daS Schutt' feld hin nach dem hellen Streifen am Himmel, der kau» merklich breiter und glänzender geworden war, seit er vo« seine Hüt e hinaus trat. Wie wenig Minuten genügen, ei» ganzes Leben wieder zu durchleben. Das Schloß seine« BaterS, die Soldatenjahre, die Petersburger Gesellschaft seine Arbeit mit den Nihilisten und Wera, alles hatte st lebhast vor seinem Geiste gestanden, als wäre eS wieW Wirklichkeit geworden. Und jetzt---! Er ball» unwillkürlich die Hände. Und jetzt— sollte sei» Lebe» ab geschloffen sein, er sollte begraben sein in Schnee und Eil für immer, lebendig todt sein. Et rang sich ein Laut aui seiner Brust, halb ein Schrei, halb ein Lachen der Ve» zweiflung. Da sprach Jemand hinter ihm den NeujahrSgruß.& war eine weiche, sanfte Stimme, sie war ihm fremd rnff doch so bekannt, so lieb; er Hütte schon einmal diesen de denden Ton gehört und nie wieder vergessen können. Wa> sein Traum Wahrheit geworden? Er fühlte wie sein Her, stille st/ind vor freudigem Schrecken und wieder so heftif schlug, daß er es zu hören meinte; er wagte nicht, sich un» zuwenden au» Furcht, er könne sich getäuscht haben. Do«! eine kleine zarte Hand legte sich auf seinen Arm und di> Stimme sag'e wiever: Gregor Wasilitsch. Der erste Sonnensttahl zitterte über die Schneeflächl dahin, brach fich in tausend buntrlänzenden Krystallen um überfluthete e n Menschenpaar, dessen Herzen warm««' glücklich schlugen, trotz deS starren WinterstosteS um fie he» Er brachte ihren enen Neujahijgruß, der nachklingen soll« für ihr ganzes Leben. S. S. S. entscheiden haben wird. Der Magistrat hat, der„Nat.>Ztg. jufolge, beschloffen, dah die Reklamation die Einführung deS Etad'vcroldnettn Vortmann nicht dehindern kann. «U Kandidat für den 27. Kommunalwahlbezirk ist vorgestern Abend unter Leitung des Stadtverordneten Dr. Inner im Rüth'schen Lokale, Große Frankfurter straße, von einer Ver- sammlung konservativer Wühler Dr. Evers vorläufig aufgestellt worden. In einer demnächst zu berufenden Wählerversamm- lung soll die endgiltige Entscheidung getroffen werden. Rokale». Bündel-Villet«. Die mit Ablauf des Jahres IW un- giltig gewordenen, unbenutzt in den Händen des Publikums verbliebenen Bündel- Billets für den Berliner Stadt- und Stadt- Ringbahn-Verkehr können bis einschließlich den 31. Marz 1886 an den Schaltern derjenigen Stationen, an welchen sie f- Z. gelöst worden find, gegen gleichartige, für das laufende Jahr giltige Billets umgerauscht werden._._ � r i. Titel- und Ordens- Jäger. Eme interessante Ent. hülluna über den in Deutschland angeblich dlüh-nden Ordens- und Titelschwindel bringt der genuefische„Caffaro". Da» Blatt schreibt:„In Deutschland ist die Ordenssucht mehr als anderSwo in eine öffentliche Krankheit ausgeartet. ES giebt dort viele, sehr viele sonst anständige Spekulanten, welche auS dem Zusammentragen unverdienter Kreuze und Diplome ge- radezu ein Gewerbe machen. Dieselben bombardiren Jahr aus. Jahr ein bei jeder günstigen Gelegenheit, besonders beim Neujahrsfest, bei Geburtstagen, Taufen ,c. ausländische Sou« veräne und deren Familien mit schwungvoll stilistrten Gratu- lationsschreiben, prachtvoll kalligraphirten Poefien. oft auch mit duftigen BouquctS, mit ganzen Kisten von Wein, Früchten«., mit der ausgesprochenen Abficht, dafür nicht nur ehrenvolle Dankschreiben, sondern auch Orden oder Hoflieferanten-Diplome zu erzielen. Zu den Fürsten, die am meisten vrn ihnen be- rückstchtigt werden, gehört neben dem König der Hellenen und dem König von Rumänien auch der König von Italien, der in diesem Jahre wieder reicher als je von ihnen bedacht worden ist. Solche unver- langten Spenden werden besonders an den kleineren Höfen, wo an Geld kein Uederfluß herrscht, keineswegs ungern ge- sehen, sondern stets mit Dank akzeptirt und nachher durch daS Hofmarschallamt auf entsprechende Weise belohnt. ES ist un« glaublich, wie viele Orden, Lieferantindiplome rc. auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege nach Deutschland imvortirt werden. Es ist die billigste und oft auch probateste Manier, um eS zu einem wohlklingenden Titel und ähnlichen An« bängseln zu dringen. Kommt so ein ausländischer Fürst zu« fällig nach Berlin, so wird er von solchen„freigebigen" Be« wunderern, die stet» in Demuth vor ihm ersterben, in seinem Hotel förmlich belagert. Manche„Könige" fühlen fich durch eine solche Ovation sehr geehrt und fie vergessen nie, ihren Hosmarschall von den Namen dieser Leute genau Notiz nehmen zu lassen. So wird's gemacht." b. DaS gerichtliche Taxatorenwesen, welche» bei der Größe Berlin's von einschneidender Bedeutung ist, bewegt fich noch in althergebrachten, patriarchalischen Formen. So fungiren beim Amtsgerrckt I für das riefige Gebiet der Nachlässe 5 Gerichtsboten im Nebenamt« und zwei alte Frauen, von denen die eine bereits 75 Jahre zählt. Einers« it» kann die Sachkenntniß eines Gerichtsboten von Hausgeräth, Möbeln, Betten, Wäsche, Kleidungsstücken ,c. nur eine sehr oberflächliche sein, anderer- seit« fehlt e» ihnen bei einem täglichen Dienst von 8 bis 4 Uhr und länger an Zeit zur Vornahme einer gründlichen Taxe. Da» Verzeichniß der vereidigten Taratorm weift genug Kaufleute und Handwerksmeister auf, aber fie kommen nicht heran, weil das Gericht selbsm Palmensaal, Neue Schönhauserstr. 20. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Grosse öffentliche Versammlung der Lithographie- steinschleifer und Berufsgmossen am Sonntag, dm 3. Januar, Vormittags 10'/, Uhr, im Restaurant Seefeld, Grenadier« straße 33. Tagesordnung: Statutenberathung und Mitglieder- aufnähme. Arbetter-BezirkSverein der Oranienburger Vorstadt nnd deS Wedding. Nächste Veesammlung Montag, den 11. Januar, AbendS'/,9 Uhr, im Wedding-Park. Vereinigung deutscher Stellmacher(Mitgliedschaft Berlin). Versammlung Sonnabmd den 2. Januar, Abends 8 Uhr, in Gratwcil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77—79. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Metzner. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste willkommen. Uermischtes. Gewissenlose Handlungswelse eines Dampfers. Ueber die bereits von uns gemeldete Kollision eines unbe- kannten Dampfers mit der Ueckermünder Bark„Fidelio" am Abend deS 30. v. M. in der Nähe von Dungemß, wobei der Kevitän E. Meyer auS Eggesin, Steuermann E. Mülling aus Grabow a. O. und fünf von der Mannschaft ihren Tod fanden, wird der„Ostsee-Zeiwng" von einem der drei Ueberlebenden, welche vor einig'n Tagen in Stettin eingetroffm find. folgm> des berichtet:„Wir waren mit dem„Fidelio" nach einer Ab- Wesenheit von etwa 15 Monaten mit einer Ladung Cypreffm- holz auf der Rückreise von Wilmington nach Wolgast begriffen. Die Reise verlief äußerst günstig, wir waren etwa 30 Tage von Wilmington unterwegs und befanden uns bereit» tm Kanal. In der sicheren Zuverficht, daS WeihnachtSfest diesmal im Kreise unserer Angehörigm verlebm zu können, warm wir Alle in freudiger und gehobener Stimmung. Am 30. November, etwa 6 Uhr Abends, näherten wir unS mit ftischtm SW.-Wind dem Feuer von Dungeneß, die Lust war etwas dick, und wir machten kleine Segel, um nicht zu viel Fahrt zu laufen. Als wir daS Feuer in Eicht bekamen, braßten wir die Raaen an, legten das Schiff über Backbord und hielten ab, um vom Lande abzukommen. Die Luft hatte sich inzwischen wieder aufgeklärt. Kurze Zeit darauf passitte uns an der Backbordseite er» aus der Nordsee kommender großer Dampfer. Als der Dampfer eben außer Sicht war, tauchten plötzlich zwei Signallichter an Steuerbord auf, welche gerade auf uns zukamen. Kapitän Meyer glaubte zuerst, es wäre ein Boot, das uns seine Dienste anbieten wolle, als das Schiff aber näher kam, sahen wir. daß es ein großer Dampfer war, der sich mit voller Kraft unserem Schiffe näherte. Um uns bemerkbar zu machen, schrien wir alle Mann den Dampfer an; dieser änderte, als er dicht bei uns war, plötzlich seinen Kurs, worauf unmittelbar mit einem furchtbaren Krach der Zusammenstoß erfolgte. Der Dampfer hatte uns in Mittschiffs an der Steuerbordseite getroffen. Bei dem ersten Stoß durchbrach er unseren Schandeckel und drang mit seinem Steven etwa bis auf drei bis vier Deckplanken ein. Dann wurde der Dampfer durch die See gehoben, worauf beim Niederstampfen ein zweiter Stoß, fast noch stärker als der erste, erfolgte, durch welchen unser Schiff halb durchschnitten wurde. Der Dampfer hat nach der Kollision vielleicht 10 Minuten in unserem Schiffe festgesessen, doch konnte Niemand von uns einen Namen an demselben sehen. Auf dem Schiffe war wäbrend de» ganzen Vorfalls alleS vollkommen ruhig, nicht ein Wort, aus welchem man auf die Na ionalität hä-te schließen können, wurde lautbar. Bei der Annäherung hatten wir auf der Back des DampferS deutlich zwei Mann gesehen. DaS einzige, waS wir in der Bestürzung bemerken konnten, ist, daß eS ein großer schwarzer Dampfer war. Als er von unserem Schiffe frn war, ging er langsam rückwärts, wir schrien ihm in englischer und deutscher Evrache zu, unS doch Leinen zu unserer Rettung zuzu- werfen, doch erHullen wir keine Antwort. Unser Schiff legte sich dann nach Backbord vollständig auf die Seite, so daß die Masten und Raaen auf dem Waffer lagen. Die Verbindung des Hinterschiff« mit dem Vorderschiff war durch den tiefen Einschnitt, der nun nach oben lag, vollständig unterbrochen. Auf dem Vorderschiff waren der Koch Köhler, der Matrose Engelbrecht und der Schiffsjunge, während wir übrigen sieben, der Kapitän, Steuermann, Zimmermann Krotz, Matrosen Wellhausen, Schwenk und Heydekrüger und der Jung- mann Siebert unS auf dem Hinterschiff befand:». Als daS Schiff sich auf die Seite legte, vetterten wir auf den Schiffsbord am BeianSmast, wo wir unS festhielten. Der Dampfer entfernte sich, ohne von unseren wiederholten Hilfe» rufen auch nur die geringste Notiz zu nehmen, eine kurze Strecke, warf dreimal einen elektrrschen Lichtstrahl auf unser Schiff, zog drei rothe Signallaternen auf und oerweilte etwa drei bis vier Stunden in unserer Nähe, worauf er, ohne auch nur das Ge- ringste zu unserer Rettung gethan zu haben, leine Reise fort- setzte und uni unserem Schicksale überließ. Die See war in- zwischen unruhiger geworden, die Wellen schlugen fortwährend über unS hin, so daß wir, die wir fast sämmtlich in Wilmington am klimatischen Fieber gelttten und in Folge dessen nicht üher viel Kräfte zu verfügen hatten, uns nur mit äußerster Anstrengung festzuhalten vermochten. Unsere drei Kameraden auf dem Vorderende des SchiffeS riefen fortwährend um Hilfe, etwa um Mitternacht wurde jedoch alle» ruhig und nahmen wir an, daß sie wohl durch die Sturzseen fottgcspült waren. Auch unsere Kräfte fingen allmählich unter der Ein- Wirkung der Kälte an zu erlahmen: der Jungmann Eiebert und der Steuermann Mülling waren die ersten, die von den Sturz- seen fottgerissen wurden. Der Steuermann rief dem Kapitän noch zu:„Adieu Kapitän, meine Kräfte sind zu Ende, ich kann mich nicht länger halten", worauf der Kapitän antwortete: „Halten Sie noch aus, Steuermann", doch schon mit der nächsten Welle wurde der Steuermann und mit ihm zugleich Siebert fortgeriffcn. Der Mattose Heydekrüger hatte sich eben- fall» losgelassen, wurde jedoch noch von uns mit festgehalten, doch erstarrte derselbe allmälig in unseren Armen. Als wir bemerkten, daß der Tod bereits bei ihm eingetreten war, ließen wir ihn loS, um unsere Kräfte für uns selbst zu schonen. Der Körper fiel durch die eingeschlagene Seitenwand der Kajüte in diese hinein. Morgens etwa gegen 6 Uhr hatte auch unser Kapitän schon fast die Besinnung verloren, er wurde jedoch vom Zimmermann und dem Matrosen Wellhausen mit festge« halten; plötzlich kam eine außergewöhnlich heftige Sturzsee und riß den Kapitän und Zimmermann fort, dem letz'eren ge- lang eS noch ein Tauende zu erfassen, während gleichzeitig Well« Hausen ihn an den Kleidern ergriff und festhielt. Den Kapitän sahen wer noch einig« Augenblicke mit empormhobenen Armen hinter dem Schiff treiben, dann versank er. Etwa eine Stund« später, also gegen 7 Uhr Morgens, al» auch unsere Kräfte schon zu Ende gingen, nahte sich unS Erlösung. Der englische Dampfer„City of Hamburg", Brownlee, von Rotterdam kom- mcnd, hatte unser Wrack bemerkt und sandte der Kapitän so« fort ein B»ot zu unserer Hilfe ab. Die beiden Matrosen Wellhausen und Schwenk hatten noch so viel K'aft, um sich in« Boot gleiten lassen zu können, während dem Zimmermann Kroß, der schon so erstarrt war, daß er sich kaum zu bewegen vermochte, eine an einer Leine befestigte Rettungsboje zuge« worsen wurde, mittelst welcher er gleichfalls gerettet und in» Boot gezogen wurde. Auf der„Csty of Hamburg" wurden wir mit der größten Menschenfreundlichkeit aufgenommen, vom Kapitän und Ingenieur mit trockenen Kleidern versehen und liebreich verpflegt. Nach drei Tagen wurden wir in Belfast. wohin der Damp'er bestimmt war. gelandet. Der Zimmer- mann fand dort Aufnahme im Hospital, wSH-end die beiden andcren, die sich bereits wieder erholt hatten, nach London und von da nach Dover geschickt wurden, um dort, nachdem daS Wrack unsere« SchiffeS eingeschleppt worden, die in der Kajüte gefundene Leiche des Matrosen Heydekniger zu rekognosziren. Nach einigen Tagen trafen wir mit drm inzwischen genesenen Zimmermann Kroß in London wieder zrsam- men, von wo wir gemeinsam die Reite über Hamburg nach Stettin machten. Wir begaben unS zunächst nach U-chrmünde, wo wir bei unserem Rheder, Herrn Louis Amende, der unS auf« Freundlichste aufnahm und bewirthete, unsere Abrechnung in Empfang nahmen. Unseren armen, auf so grausame Weise umS Leben gekommenen SchiffSg-fährten widmen wir ein ehrendes Andenken.(Es wäre wünschenSwetth, daß Ob'ge» die weiteste Verbreitung fände, um vielleicht auf diese Weise den Dampfer festzustellen und den gewissenlosen Führer des- selben zur Rechenschaft ziehen zu können. Die Red.) N. i erschein i in's H( 4 Mar Kleine Mittheilnngen. i Mainz, 29. D> zember.(Zu den Zahlmeiftecverbastungen.) Da AuS Anlaß der Vorlommniffe, welche jüngst die Bei Haftung ftine W vieler Zahlmeister zur Folge hatten, ist von dem preußiichen flusstelli Kriegsminister an sämmtliche Regiments-Kommandeure ein... Schreiben gerichtet worden, durch welches die sttengste Ueber--.. wachung und Kontrole der Zahlmeister wie auch der Vermal-» t",01 tungsbeamlen der Armee angeordnet wird. Insbesondere#er"ela wird in dem Schreiben, daS auch dem gesammten O'fisiertorp» i'enrath durch Verlesung zur Kenntniß gebracht wurde, die regelmäßige sind bis Prüfung der Bücher der Zahlmeister und die sorgfältigste werbelre Ucberwachung der den Zahlmeistern und Rechnungsbeamten wollen unterstehenden Kassen und Fonds anbefohlen. g# Oldenburg. Nach dem vorläufigen Ergebniß der Volks- zählung betrug am 1. Dezemder d. I. die Bevölkerung im Herzogtbum Oldenburg 267079. im Fürstenthum Lübeck 34 719, im Fürstentbum Birkenfeld 39452; zusammen im Großherzogthum 34l 250 gegen 337 478 in 1880 DaS Herzogthum erfuhr gegen 1880 eine Zunahme von 3431 Köpfen, das Fürsten« thum Birkenfeld eine tolche von 767, das Fü itenihum Lübeck vill. eine Abnahme von 426; im Gan>en betrug im Gro-herzogthum ich auch die Zunahme 3772 oder 1,12 pCt. Einzelne G.meinven deS«jmst fe, H rzogthums erfuhren eine Zunahme von einem Drittel der, Bevölkerung, andere eine solche von 8pCt., 9, 17 und 32 pCt.: jm-, die Residenzstadt O denburg hatte eine Zunahme von 1087. Köpfen. Dagegen ist in 76 Gemeinden des Herzogthums(von. 119) eine Abnahme der Einwohnerzahl zu verzeichnen.»oiragen Etrassburg, 30. Dezember. G-siern Abend um halb wders g 9 Uh' fand auf dem UebungSplay deS Pionierbataillons 15 Reith", j vor dem Steinthor, wo eine Mine gelegt wurde, um heut« sichten n eine alte Lünette zu sprengen, eine Explosion statt. Ein Ge« mf dem e sich} achter? esonder rz un ördern. T freiter wurde gelövtet, zwei Soldaten schwer verwundet. L Hrieflmsirn der ttcdalition. I. L.. Wolltnerstr. 8. Januar. Wie Sie sehen, besorgt. Besten Dank. Zan bic I Hier annst! iadt die leren Nc 'ein müff ils We «tzt vorb Serlin i »en ZaI m. vorden. Bereine gz iellur Fachverein der Putzer. Geschlossene Mitglieder-Versammlung Sonntag, den 3 Januar, Vormittags 10 Uhr, im Lokale Jnselstraße 10. l-Abrechnung und Besprechung... Verschiedenes. Fragekasten. über Tagesordnung: Kaffcn-Abrechnung und daS Unfallverfichetungs■ Gesetz. Verschied' Der Vorstand. 231] I. A.; I. Dietrich. Berfammlnng d. Fachvereins d. Steinmetzen Berlins am Sonntag, den 3. Januar 1886, Vormittags 10 Uhr, in Äh! grimm's Salon, Sophienstraße 34. Tagesordnung: 1. Quartalsabrechnung der VereinSkaffe. 2. Bericht über die KommisstonSverhandlung betreffend die Lohndifferenzen. 3. Wabl eines Schriftführers.[327 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht _ Der Vorstand. VtMMMg deatslhn Meiallardtiin. Mtgliedschaft Berlin. Sonnabend, den 2. Januar. Abends 8 Uhr, ß>»ratweil'S Vierhalle«, Kommandantenftrasse 77/79. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Metz» er.& Verschiedene«. S. Fragekasten.[233] Der Bevollmächtigte. Ordentliche General-Versammlung der freien Krankem nnil Kegräbnißkasse der 8lknk- maiftec n Lernfsgknoffen Kerlins Montag, den IL Jannar, AbendS 8 Uhr. im Lokale deS Herrn Feuerstein, Alte Jakodstraße 75. TageS-Ordnung: 1. Vierteljährliche und jährliche Kassen- Abrechnung. 2. Innere Angelegenheilen. 3. Wahl des Vorstandes und Ausschüsse«. 4. Verschiedene»..[235 DaS Erscheinen aller MUglieder ist nothwmdtg. QuittungSbuck legitimtrt. Der Vorstand. NB. Da« UerguLgen zum Besten hilfsbedürftiger Kranken findet heute, Freitag, den 1. Januar, im Königstadtischen Kafino, Holzmarktstraße 72, statt. Große öffentliche General-Versammlung der Zimmerleute Berlins Und Umgegend K-nniag, den 3. Januar 188«, in der Tonssalle, Friedrichstraße 112. Tagesordnung: 1. Wie verhalten die Zimmerleute Berlin» sich zu dem von den BundeSmeistern gefaßten Beschlüsse be- tressS Wahl von Gesellenvertrctungen auf ihren Platzen. 2. Verschiedenes.' 1232 Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist es Pflicht jeden Zimmermanns, w dieser Versammlung zu erscheinen. 230 Die Lohn-Kommission. I. A.: I. Seitzt, Schönholzerstr. 10 a. Zentral-Kranken- und Legralmißkaffe für Frauen und Mädchen(<£. H. Ar. 26 Offenbach a. M.). Hauptversammlung am Sonntag, den 3. Januar, Nachm. 3 Uhr, in Gratwcil's Bierhallen. Kommandantenstr. 77/79 (unterer Saal). Tagesordnung: 1. Abrechnung deS 4. Quartals 1885. 2. Neuwahl de» GesammtvorstandeS. 3. Verschiedenes. Nur Mitgliedern gegen Vorzeigung des QuittungSbucheS M der Zutritt gestattet._ Der Vorstand. Masken-Garderobe F. Stenzel, Dresdenerstr. 21 Elegante 250] Kostüme zu den solidrsten Preisen. Ermäßigung. GroßeAuswahlin �'tlber feil Masken- Garderobe fc.: zu billigen Preisen. Anzüge schon von 1 Mark an. qw R. Klose, Reicheubergerstr. 167.-worden Elegante Maskeu-Garderobeu für Herren und Damen zu billigen Preisen.[252 W, Ohristopei, K-ttbuser-Ktrosse 3. �tanb mc OltskmkeikO de» Zimmerergewerbes. General-Versnmmluug Sonntag, de« 10. Januar, Vormittags 9 Uhr, inier im Lokale Linlenstr. 3 bei Kiemnnd. Tagesordnung: Ersatzwahl de» Vorstandes.(§33 deS Statuts.) Zutritt haben nur die am 1. März v. I. gewählten Ver- treter.(§ 43 de« Statuts.) Die am 30. November v. I. gewählten Vertreter der Arbeitgeber versammeln sich am 10. Jannar, N-rmittag» 11 Zlssr, in oben genanntem Lokale.[234 TageS-Ordnung: Wahl der 2 Vorstandsmitglieder. NB. Nach erfolgter Wahl findet die Konstituirung de» Vorstände» statt._ Berlin, den 2. Januar 1886. Der Vorstand. H. Weniger, Borfitzender. Max BABING BERLIN SW„ Beuth-Strasse 2 empfiehlt sich xur Anfertigung von Drucksachen aller Art inibesondere Preis- Couranten, Ulustrlrten Catalogen, kaufmännischen «owie Gerichts-Formularen, Rechnungen, Aetlen, Coupons, Briefköpfen, allen Etiquettea, Clrcularen, Quittungsbüchem, Statuten, Werken, Broschüren, Quittungen, Flugblättern, Placaten, Adress- u. Visitkarten <*c. etc. Die Druckerei verfügt Ober ein grossartiges Material in den modernsten stylvollen Schriften, ist im Besitze von einfachen und doppelten SchneU- pressen neuester Construction sowie der praktischsten Hilfsmaschinen, wodurch dieselbe In den Stand gesetzt ist, in kürzester Frist die grössten Aufträge bei billigster Preisnotirung zu erledigen. Und )o!tor e So ch vor ermochtt Ver er den sieseS V ruf diese Sie, stelle g« /oktor a ese Sic icb ent1 das d Cr � lo s cht die «tdecken. Daß weife!; ugel ttttbt? Wai erste Stob II enn di< �ichnhei Verantwortlicher Redakteur 9L«lrontzet» tat Berlin. Druck und Verlag von Mar vadtng in Berlin 8W. Beuchstraß« 2.