Ur. 4. MMmoch, de» 6. Zanuar 1886. III. Jahrg. t » e i. t u ie t» t» l» erlimrVMlill Brgsn für Sic Jnlrrrssen drr Arbeltcr. 4 -S <ä » m -S i, ,S DaS„Berliner VolkSblatt" erscheint.täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Wz. Sonntags- Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pfg. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) nsertionSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. ......~........... werden bis 4 Gr von allen Annoncen- Redaktion: Kenthstraße 2.— Gepeditio«: Zimmerstraße 44. (Enlfuftliing its gmulnum ES ist den heutige« Zeitverhältnisse» durchaus ange- messen und geboten, daß wir die verständigen Vorschläge, welche fich gegen das Umsichgreifen der Branntweinpest wenden, auch dann gern unterstützen, selbst wenn wir über« zeugt sind, daß an«ine radikale Besserung nicht zu donken sei. Aber mit demselben Eifer haben wir u«S auch gegen j Prügelstrafe, BefseruugShäufer, fromme Verse und Gebete «wandt, weil wrr von solche« rohe» oder orthodoxe« ! Vorschlägen nur eine Verschlimmerung des UebelS er- warte«. Unser Radikalmittel ist ja bekannt: wirthschaftliche . Hebung des Arbkiterstande»! Ein kräftiges, billiges Glas Bier und ein Pfund gutes Ochfenflnsch vertreibe« de« Schnapsteufel viel leichter, vor allem gründlicher, als der Haselstock und da» frömmelnde Augenverdrehen.--- Doch nun zu dem verständige« Palliativmittel. Das» selbe lautet: Entfuselung des Branntweins. Wir treten ganz entschieden für dieselben ein und wundern u»S nur, daß die deuifche Reichsregierung nach dieser Seite hin»och keine besonderen Schlüte aethan hat. Doch unter- richten wir un» über die Sache selbst etwa» näher und geben wir da» Wort dem Tefängnißarzt, SanitätSrath Dr. Bär. Dieser hat eine« Aussatz geschrieben:„Die Ver« unreinigungea des Trinkbranntweins ins- besondere in hygienischer Beziehung". Aus demselben wolle« wir hier unsere« Lesern den bezeichnend- stcn Abschnitt vorführe«: „Zu alle» alkoholischen Getränke», im Wein, im Bier, wie im Branntwein ist das stimulirende Prinzip ein und dasselbe und doch zeigt sich in den Folgen des Miß- brauch» dieser Getränke der größte Unterschied. Es ist un- bestritte«, daß die Erscheinungen des AlkoholiSmuS, ins- besondere die schweren Säuferkraakheiten nur in de« sog. Schnaps länder«, d. h. dort, wo der Branntwein in großer Menge konsumirt wird, vorkommen und daß sie weit seltener und namentlich bedeutend leichter find in Form und Verlauf in Gegenden, wo Wein oder Bier das VolkSge- tränk bilden. Zu einem Theil hat das seine« Grund in der verschiedenen Konzentration des in den berauschende« Getränken vorhandenen AethylalkoholS. Dieser ist im Wein und Bier in einer verhältnißmäßig schwachen, im Branntwein hingegen in einer unvergleichlich stärkere« Lösung vorhanden. Ze konzentrirter aber der Alkohol in den Kreislauf des Blutes gelangt, desto gesundheitswidriger und zerstörender wirkt er auf die einzelnen Gewebe und Organe, zu denen er gelangt. Zm Wesentliche« wird jedoch Jeuillelon. Die Hand der Kemeft». Roma» 69; von Ewald August«Saig. (Fortsetzung.) »Ich gehe freiwillig mit!" rief der Kammerdiener. „Man soll mich nicht schließen, wie einen gemeinen Ver« brecher, ich werde so dumm nicht fem, einen Fluchtversuch zu machen, dadurch würde ich mich schuldig bekennen." Trotz dieser Verficherung und trotz seines EträubenS wurde»«hm die Hände gefesselt; mit einem Raubmörder macht die Polizei kurzen Prozeß. 00,1®arneloro trank sein Glas aus und zog seine Uhr zu Rath. ES war noch nicht Zehn; wenn er den be» absichtigte« Zweck errnchen wollte, mußte er seinen Vorsatz «och heute Abend ausfahre«. Die Gelegenheit, an Rabe Rache zu nehmen, war ihm jetzt geboten, er konnte ihn vernichten, und er wäre ein gewesen, hätte er diese Gelegenheit unbenutzt ge- rn Untersuchungsrichter bereits zu Bett gegange«, so mußte er geweckt werde«, man durfte nicht warten bi» NtmpeU mußte im ersten Verhör über- .. Siegfried wachte«och, er studirte in seiner Wohnung d:e Akten emer verwickelten Untersuchuvgisache, als Herr wurde* l�m kuich die Hausmagd angemeldet Befremdet blickte er den Eintretende« an— wollte «arnekow die Herausforderung Rabe'« wiederholen? Nun, er kam ihm gerade recht, diesem Manne gegen- mlL T I et feme Vermu, Hungen über de» versuchte« -Meuchelmord offen ausspreche«, das war ei« neuer und weig« 8* Trund, die geforderte Genugthuung zu ver- dieser Unterschied dadurch veranlaßt, daß«eben dem Aethyl- alkohol den einzelne» dieser Getränke auch noch andere Alko- hole und deren Abkömmlinge beigemengt find. Namentlich sind es die unter dem Namen der Fuselstoffe zusam- mengefaßten Beimengungen, die vorzugsweise die nachhaltige» Säuferkrankheiten veraalaffe«. Während im unverfälschten Wein, im reine» Bier nur Aethylalkohol vor- kommt, ist die Menge der fuselhaltigev Verunreinigungen beim Getreidebraantwein ansehnlich groß und am größten in dem aus Rüben und Kartoffeln gewonnenen Branntwein. Es hat sich jedoch ge- eigt, daß, wenn der aus Rüben und Kartoffel« hergestellte illkohol bis zu dem Grade gereinigt ist, daß er nur Aethyl- alkohol enthält, seine Schädlichkeit eine minimale Grenze erreicht, welche der de« Weinbranntwein» gleichkommt. Hier- aus erklärt sich, warum die Folgen der Trunksucht so man- nigfaltig und verderblich find, wo sehr viele kleine sogen. HauSbrennereie» die Spiritusproduktion betreibe« und der Branntwein von den giftigen Nebenprodukte» am wenigste« ereinigt, konsumirt wird. Die bedenkliche Zunahme der Trunksucht m einzelneu Kantone« der Schweiz wird mit Recht zum großen Theil der übergroße» Anzahl der Brenne- reien zugeschrieben, welche mit ihrem schlechten Fabrikate die Bevölkerung vergiften. Zst aber erwiesen, daß diese Beimen« gungen die Schäden be» Alkoholmißbrauches in hohem Grade vermehren, so darf auch der Verkauf von Trinkbranntwein, welcher diese fuselar- tigen Verunreinigungen enthält, nicht ge- stattet fei«. Zn Deutschland ist bekanntlich in jüngster Zeit, wie bei den andere» NahrungS« und Genußmitteln seitens drr Gesetzgebung der Reinheit de» Bieres und des Weines eine immer größere Ueberwachung zugewendet wor» den. Bei der Berestuna de« BiereS wird der Zusatz von Kartoffelstärkemehl als Surrogat für da» Getreidemalz ge« setzltch deshalb beanstandet, weil die Erfahrung bei der Branntweinfabrikation zeigt, daß der Kartosselzucker bei seiner Gährung Fuselöle bildet.— Von diesen wirkt der Amylalkohol entschieden sehr nachtheilig auf den mensch- lichen Organismus. Er ist es hauptsächlich, der die länger andauernden Gefühle von Schwere und Eingenommenheit des Kopfes, das Betäubtsei« beim Genuß mancher gegohre- ner Getränke veranlaßt. Und auf dieser Anschauung hat da« Reichsgericht wiederholt die Verwendung des aus Kar- toffelmehl hergestellten Zuckers zur Bierbereitung als straf- bar befunden. In gleicher Weise wird der Zusatz von Stärkezucker beim Gallisire» und Petiotisiren des Weine« als unzulässig erachtet. Wen» in diesen Getränken alle jene gesundheitsschädlichen Surrogate und Beimengungen ferne- gehalten weiden, weshalb soll nicht ein Gleiches beim Branntwein stattfinde«? Früher hat Er bot ihm keinen Stuhl an, Herr von Barnekow schien da« auch nicht erwartet zu haben. .Ich muß um Entschuldigung bitte«, daß ich noch so spät komme," sagte er,„und dies um so mehr, al» unsere erste Begegnung jedenfalls einen Eindruck bei Ihnen hinterlassen hat, der mir nicht» weniger als günstig sein kann." „Es ist mir lieb, daß Sie das selbst fühlen," erwiderte Siegfried spöttisch,„nach dieser Erklärung aber muß Ihr Besuch mich um so mehr überrasche». Einem Manne, der aus dem Hinterhalt seine» Gegner niederzuschieße» versucht der also mit dem gemeinen Meuchelmörder auf der selben Stufe steht, in ehrlichem Zweikampf entgegenzutreten, wäre gleichbeoeutend mit Selbstentehrung. Unterbrechen Sie mich nicht— vielleicht haben Sie keine Kenntniß von der neueste« Heldenthat Ihre« Freundes; betrachte« Sie dort memen Hut, er wird Ihne» de» Beweis liefern, daß die Kugel de« MeuchelmöroerS mir zugedacht war." Herr von Barnekow konnte seine Ueberraschung nicht verberge», diese neue Anklage hatte er nicht erwartet, sie kam ihm außerordentlich gelegen. „Davon hatte ich alleidingS keine Kenntniß," sagte er, während er den Hut besichtigte.„Wann ist dieser Versuch gemacht worden?" „Heute Abend, als ich mich auf dem Heimwege be- fand. Herr Rabe scheint die Stelle, auf der seiner Zeit der Doktor Wieland ermordet wurde, sehr genau zu kennen." „Auf derselbe» Stelle ist der Schuß gefallen?" „Jawohl." „Und Sie wiffe» mit Sicherheit, daß Rabe ihn abge- feuert hat?" „Mit Sicherheit?" erwiderte Siegfried achselzuckend. „Ich glaube in diesem Fall auf eine« positive« Beweis ver- zichten zu dürfe». So lange Rabe mir nicht den Beweis liefern kann, daß er in jenem Augenblick sich an einem an- der» Orte befand, werde ich ihn diese« Mordversuchs an- klagen." „Und wisse« Sie, wa« ich glaube? Daß der Schuß man Anforderungen dieser Art nicht zu stellen vermocht, weil das Verfahren, die erforderliche Reinheit des Trink- branntweinS herzustellen, ein sehr mangelhaftes gewesen. Heutzutage hat aber die Technik diese Schwierigkeit über- wunden. Eine Schwierigkeit ist, daß zu einer erfolgreiche» Beaufsichtigung ein Verfahre» vorhanden sein muß, das in der Praxis schnell und leicht den quantitativen und qua- litatioen Nachweis der vorhandenen Unreinigkeite« zu liefer» im Stande ist und da« gleichzeitig jedem Beamten in die Hand gegeben werden kann. Das von Stenberg in Stock- Holm und von Savalle in Paris angegebene Versahren kann ungemein leicht gehandhabt werde» und löst die für die Praxi« wichtigste und nothwendigste Aufgabe vollkommen. In Schweden, wo nach dem Schankgesetz von 1869 Bräunt- wein, welcher mit für die Gesundheit schädlichen Stoffen gefälscht oder nicht gereinigt ist, nicht verkauft oder au»ge- schänkt werden darf, ist dieses Verfahren bei der Unter- suchung von Seiten der Behörden seit Jahren in Anwen- bung und hat sich mit gutem Erfolg bewährt. Die gün- stig.e Wirkung derartiger Maßnahmen läßt sich an Schweden exemplifiziren, woselbst die durch Trunksucht bedingten Fälle von Irrsinn, Selbstmord, veliriam tremens, kurz die schwerste» Folgezustände des chronischen AlkoholiS- mu«, seitdem nur gereinigter Branntwein in de« Konsum gebracht wird, eine entschiedene Abnahme erfahren habe«. Zm Deutsche» Reich wird an- nähernd in wenigstens 300000 Stellen Branntwein im Kleinhandel zum Ausschank und zum Konsum feilgeboten und verabreicht, ohne daß man weiß, was in dem Branntwein ist, wie er bereitet wirb. Es ist an der Zeit, daß die staatliche Fürsorge ei« ernstes Augenmerk auf diese» Theil der öffentlichen Gesundheits- pflege lenke I" Soweit Herr Dr. Bär. Wir könne» diese» Au«. sührungen unsere Zustimmung nicht versage». Eigentlich sollte unser Nahrungsmittelgesetz schon die Handhabe biete«, die völlige Entfuselung des Branntwein« herbeizu- führen. , Der Magistrat zu Jever hat noch kürzlich unter Hin- weis auf das NahrungSmittelve, sälschungSgesetz eine Verordnung erlassen, daß die Verkäufer von suselhaltigem Kartoffelbranntwei« zur Bestrafung gelange« sollen. Man kann also jetzt schon auf Grund des Gesetzes gegen den Fusel zu Felde ziehen. Doch taugt dieser Einzelkrieg wenig. Ewe allgemeine Verordnung muß bestimme», daß man überall gegen de» Fusel vorgehe» soll. Noch besser aber wäre eine Revision des Nahrungimitteloerfälschung». gesetzeS.— Nur mit einem Punkte find wir nicht vollständig mtt den Ausführungen des Dr. Bär einverstanden. Er wendet Freund ist oder Sie ließe« sich weniger dem Beleidiger, al» dem Untersuchungsrichter ge- gölten hat?" .Da« kann sein, aber ei überrascht mich, daß Sie mich darauf aufmerksam machen." Herr von Barnekow rückte einen Stuhl an den Schreibtisch und ließ sich nieder, ein bedeutsames Lächeln umspielte seine Lippen. „Sie glaube«, Rabe sei mein Freund," sagte er in vertraulichem Tone.„Sie schließen da» daraus, daß ich Ihnen die Herausforderung dieses Herrn überbracht habe. Nun, ich war bei der Beleidigung zugegen, und Rabe for- derte diesen Dienst von mir, den ich nur widerstrebend ihm erzeigte. Wenn er aufrichtig sein wollte, so würde er die Erklärung gebe« müffe«, daß ich von dieser HerauSforde- rung ernstlich abgerathen habe. Er bestand darauf, und ich fand keinen plausiblen Grund, die Erfüllung seiner Bitte zu verweigern." „Erlaube« Sie, dafür, daß er Ihr doch war, habe ich andere, bessere Beweise. durch ihn meiner Koufine vorstelle«—" „Es war sein eigener Wunsch!" „Was hätte er damit bezwecke« wollen?" „Ich will es Ihnen offenherzig sagen. Er wollte Sie verdrängen, Ihne» Schwierigketten beretten—" »Ich verstehe schon," erwiderte Siegfried mit verach- tender Geringschätzung.„Aber sollte nicht»och ein anderer Grund vorgelegen haben?" Herr von Barnekow sah ihn betroffen an. „Ich errathe ihn nicht," sagte er. �Rabe schuldete Ihnen eine namhafte Summe, es war eine Spielschuld, die getilgt werden mußte, und die er«ich» tilgen konnte. Die Hand seiner Nichte sollte diese Schuld ausgleichen—" „Hat er Ihnen das gesagt?" „Nein, aber ich vermuthe es." „Und ich leugne nicht, daß Sie Recht habe« könne«. Jndeß, diese Projekte find ivSgesammt zu Wasser geworden, und ich habe mit ihm gebrochen, weil meine Ehre und mein Name mir verbieten, eine« Verbrecher meinen Frermd z« nennen." sich ausschließlich ober doch vorzugsweise gege« die kl eine« HauSbrennereien, welche den fuselhaltigen SchnapS am meisten bereite«. Da« ist doch wohl kaum richtig. Wir geben gern zu, daß diese kleine» Brennereien gar nicht in ber Lage sind, den Kartoffelsprit völlig zu cntfuseln, da ihnen die«öthige» Apparate fehlen und die Anschaffung derselben allzu kostspielig werden würde, aber die größere« SpirituSbrennereien im Osten de« Lande«, trotz- dem fie wohl in der Lage sind, die Eatfuseluna vorzunehmen, thuen«S deshalb nicht, um größeren Profit zu er- «eichen.——— Doch da« ist»ebensächlich. Geht in dieser Frage die Gesetzgebung energisch vor, verlangt fie die Entfuselung jeg- lichen Trinkbranntwein«, so ist ein großer Schritt vorwärts in der TruakfuchtSfrage geschehen. Die Regierung kann ja nun zeige», ob ihr da« Volk oder der SpintuSbaron mehr am Herzen liegt. politische Ueberstcht. Der Reichstag wird am Freitag wieder zusammentreten und seine Arbeiten wieder aufnehmen. Und an Arbeiten wird es ihm nicht fehlen, da eine Anzahl wichtiger Vorlagen bereits in den Kommisstonen berathcn werden, andere nicht minder wesentliche aber in Bälde zu erwarten find. Da ist zunächst der Nord Ostseekanal, dann die Ausdehnung der Unfall- und Krankenverfichemng auf landwirthschaftliche Arbeiter und der Gesetzentwurf über die Rechtspflege in den kolonialen Schutz- gebieten. Ferner kommen zur Berathung: Der Zuckerstcuer- Gesetzentwurf und das Branntweinmonopol. Selbst wenn das letztere dem Reichstag noch nicht als Entwurf vorliegen sollte, dürfte es doch in den Vordergrund der Diskusfion treten, weit «inr darauf bezügliche Resolution zur Besprechung gelangen wird. Hierzu kommen dann noch die verschiedenen Initiativ- Anträge hinfichtlich der Ausweisungsfrage und der Wahlfreiheit. Auch der zünftlerische Antrag des Herrn Ackermann liegt noch in petto und im Hintergründe erscheint der Antrag au* Verlängerung des Sozialistengesetzes, welches im Herbst abläuft. Von verschiedenen Seiten glaubt man sogar daran, daß auch noch das Militärseptennat an die Oberfläche kommen wird, ob- gleich die Offiziösen verkünden, daß der Reichstag sich vor der Hand noch nicht mit demselben zu beschäftigen habe. Immer- hin bleibt eine recht hübsche Musterkarte, welche voraussichtlich noch durch unerwartete Vorlagen eine weitere Bereicherung er- fahren wird. Ueber die Resolution, welch« von der sozial« demokratischen Fraktion in Bezug auf den kleinen Belagerungszustand im Reichstage eingebracht werden soll, äußert sich die deutschfreifinnige„Pos. Ztg.": „Von den neuen Anträgen, welche die sozialvemokratische Fraktion deS Reichtage« angekündigt hat, dürfte der auf eine Resolution, welche die von dem kleinen Belagerungszustand bisher gemachte Anwendung für unberechtigt, die Rechenschaftsberichte darüber für ungenügend erklären will, einige Bedeutung gewinnen, da er zum Theil den Parteien erne Stellungnahme aufnöthigen wird, welche für das Verhalten derselben zu einer Vorlag» der Regierung wegen Verlängerung deS SosialistengesetzeS nicht ohne Folgen sein kann. BtSher hat die Diskussion über die alljährlichen Rechenschaftsberichte betreffs des in Berlin, Leipzig, Hamburg u. s. w. angewendeten kleinen Belagerungszustandes fast aus. schließlich in sozialdemokratischen Reden dagegen und einzelnen Erwiderungen von Vertretern der Regierung bestanden: die anderen Parteien verhielten sich passiv, da daS Sozialisten- gesetz irgend eine Beschlußfassung des Reichstages über die Be- richte nicht vorsteht; ein zwingender Anlaß zur Meinungs- Lußerung über dieselben war also nicht vorhanden, und alle Parteien, natürlich mit Ausnahme der Sozialdemokraten, ver- mieden eine solche lieber, als daß sie sich dazu drängten. Es ist unleugbar, daß der»kleine Belagerungszustand", oder um anstatt dieses sehr unzutreffenden Ausdrucks das hervorzuheben, was dabei die Hauptsache ist, die Befugniß zu Ausweisungen auf Grund des SozialifimgesetzeS im Laufe der Jahre eine Bedeutung gewonnen hat, welche ursprünglich nicht beabsichtigt war. Die Verhängung eineS besonderen, über die allgemeinen Bestimmungen des SozialisttNgesetzeS noch hinausgehenden Aus« nahmezuftandeS war ursprünglich alS Abwehr- Maßregel gegen eine ganz akute Gefährdung der öffentlichen Eicherbeit gedacht. wie die RelchStagsverhandlungen von 1878 und dre Motivirung der ersten Anwendung, welche von dem„kleinen Belagerungs- zustand" gemacht wurde, bewiesen. Diese erfolgte Ende 1873, als der Einzug deS von seinen Wunden genesenen Kaisers in Berlin bevorstand, für die Reichshauptstadt. Damals hielt der Minister des Innern, Graf Eulenburg II, es noch für noch. wendig, die Maßregel ganz besonders und zwar mit der Ver« antwortlichkeit zu rechtfertigen, welche das Ministerium unter den damaligen Umständen, bei der Erbitterung der erst vor Kurzem nnter daS Ausnahmegesetz gestellten Sozialdemo- traten für die Sicherheit des Monarchen trug. Allmälig aber, „Einen Verbrecher?" fragte Siegfried, überrascht auf« blickend.„Diese Behauptung finde ich allzu gewagt, wen« fie nicht bewiesen werde« kann." »Zch glaube, Sie werden de« Beweis morgen er« halten!" „Worauf stützen Sie diesen Glauben? „Auf die Verhaftung des Kammerdieners." „Zst sie erfolgt?" ftagte Siegftied rasch. „Soeben. Zch war zugegen; ich hatte dm Mann auf- gesucht, um ihm auf de» Zahn zu fühlen. Rabe hat ihm zehntausend Thaler versprochen, er will sein Versprechm nicht einlösen, und der Kammerdiener glaubt jetzt, Rabe habe ihn denunzirt, um ihn zu beseitige«. Diesen Glauben habe ich ihm eingeflößt, und an Zhnen ist es nun, ihn zu benutzen." Siegfried war über diese Mittheilung im höchst« Grade überrascht, er erkannte ihr« Werth augenblicklich. „Zst e« Zhn« bekannt, wofür Rabe ihm diese Summe versprochen hat?" fragte er. „Zed«falls dafür, daß er schweigen soll." „Schweig«? Worüber?" „Auch da« ist mir heute Ab«d klar geworden; wäre der Bursche nicht verhaftet worden, so würde ich ihn viel- leicht zu einem ausführlichen Geständniß veranlaßt haben, ich war auf dem beste» Wege, und fei» Haß geg« Rabe unterstützte mich in mein« Bemühungen. Der Kammer» diener hat die Papiere des Gärtners gestohl« und seinem Herrn Übergeb«; ob sie vernichtet sind, darüber will er nichts Bestimmtes wissen, ebenso will er dm Znhalt jener Papiere nicht kmnm." „Hat er dm Diebstahl zugegeben?" „Ohne Umschweife. Aber das allem ist e« nicht, er scheint auch Beweise vorlegm zu können, daß der Gärtner nicht selbst sich daS Lebe« gmommen hat, sondern ermordet worden ist." „Und worin besteh« diese Beweise? „Zch konnte es leider nicht erfahr«. Er wollte mor« ?« dm letzten Versuch machen, Rabe zur Erfüllnna seine« lersprechm« zu zwingen, mißlang dieser Versuch, so sollte ich Alle« erfahr«, was ich zu wissen wünschte." mit der regelmäßigen Erneuerung de«„klein« Belagerung«. Zuflandes" und seiner Ausdehnung auf mehrere andere Gebiete, ist dieser— das ist unleugbar— zu einem regelmäßigen und integrirendm Bestandtheil der Handhabung deS Sozialisten- Gesetzes geworden; die Rechenschaftsberichte kommen in der Hauptsache darauf hinaus, daß die Durchführung dieses Gesetzes in einigen großen Städtm und deren Umgebung nur vermittelst des„klein« Belagerungszustandes" möglich fei, und daß der- selbe darum angewendet wird. Allerdings wird der Reichstag sich kaum der Mitverantwortlichkeit für diese allmälige Umwand- lung deS WescnS und Zweckes dieser Ausnahmegewalt ent- ziehen könnm; er bat fie ohne Widerspruch zugelassen— eine Tbatsache, die nicht dadurch aus der Welt geschafft wird, daß daS Eozialistmgesetz ihn nicht direkt zu einer Meinungsäußerung üher die erstatteten Rechenschaftsberichte auffordert. Nun wollen die Sozialdemokraten also eine solche gegen d« von dem Kleinen Belagerungszustand" gemachten Gebrauch provozirm. Bermuthlich werden Diejenig«, welche ursprünglich gegen daS Sozialistengesetz resp. später geg« jede Verlängerung gestimmt haben, einfach auf diese ihre allgemeine Gegnerschaft gegen dasselbe und auf ihre Absicht, demnächst auch geg« eine weitere Verlängerung zu stimmen, verweisen; auf fie ist der Antrag aber wohl auch nicht gemünzt, sondern auf diejenigen Gruppen des Reichstags, welche durch ihr Votum für eine VerlängerungSvorlage oaS Schicksal dieser entscheid«, also in erster Reihe auf einen Theil des Zentrums. Dieses dürfte denn auch dadurch in einige Verlegenheit gesetzt werden." Aus diesem Artikel geht hervor, daß auch noch andere Parteien als wie das Zentrum in Verlegenheit durch diese Re- solution gebracht werden. Wmn das Blatt meint, diejenigen Parteien, welche schon immer gegen das Gesetz gestimmt hätten, würden sich mit dem Hinweis begnügen, daß fie„dem- nächst" auch gegen jede weitere Verlängerung votir« werden, so macht das ganz den Eindruck, als ob man im„freifinnigen" Lager nicht den Muth hat, offen für die Resolution einzu- treten. Der Grund hierfür dürste wohl darin zu such« sein, daß die von früher her bekannten unsicheren Kantonisten auch „demnächst" wieder bei der Abstimmung über die Verlängerung deS Gesetzes„umfallm" werden und um die Blamage noch etwa» hinauSzuziehm, will man stch jetzt nicht auf eine Ab- stimmung einlassen.— Wenn eS der deutschfreifinnigcn Partei darum zu thun war, gegen die Nvthwcndigkeit der weiteren Verhängung deS kleinen Belagerungszustandes Stellung zu nehmen, so hätte fie das überhaupt schon längst thun können; die Entschuldigung, daS dazu kein zwingender Anlaß vorhanden gewesen sei, klingt gar zu kläglich. Eine allgemeine Amnestie sollte, so verlautete gerücht- weise, am 3. Januar zum 25jährigen Regierunasjubiläum des deutschen Kaisers verkündet worden. Es stellt sich jedoch jetzt heraus, daß dieses Gerücht unbegründet war. Die„Krcuzztg." erklärt diesbezüglich, es sei keine Amnestie ergangen, sondern nur wie regelmäßig eine Anzahl Begnadigungen erfolgt, die jedoch von Fall zu Fall geprüft find und nicht einseitig eine bestimmte Kategorie von Strafen betreffen. Derartige spezielle Straferlasse als Ausfluß des Begnadigungsrechts der Krone pflegten innerhalb des Ressorts der Justizverwaltung, meist auf Vorschlag der Strafanstalts-Vorstände vorbereitet zu werden, während die„Amnestie" den Charatter einer politischen Maß- rcgel trägt. Die Straferlasse anläßlich des Jubiläums find gesetzlich auf preußische Besttafte nicht beschränkt; auch für Fälle, in denen das Reichsgericht in erster Instanz erkannt hat, steht dem Kaiser das Begnadigungsrecht zu. Die Marschverpflegungs-Vergütuug ist für das Jahr 1886 durch Anordnung deS Reichskanzlers vom 17. vor. MtS. folgendermaßen festgesetzt: Es find bei Verpflegung mit Brod an Vergütung pro Mann und Tag zu entrichten für volle Tages- kost 80 Pf., für MittagSkost 40 Pf., für Adendkost 25 Pf., für Morgenkost 15 Pf. Bei Verpflegung ohne Brod vermindert stch die Vergütung für volle TageSkost um 15 Pf., für jede Mahlzeit um 5 Pf. Ueber das Branntweinmonopol als Vorstufe für die Altersversicherung der Arbeiter bat stch der sreikonservative Abgeordnete Dr. Delbrück am 30. Dezember in seinem Wahlkreise Stralsund in sehr charakteristischer Weise ausgesprochen. Herr Delbrück will den Ertrag deS Monopols zunächst verwendet wiffen, um dm Arbeiteistand von allen direvcn Steuern, den Kommunalabgaben und dem Schulgelde zu befreien. Wenn das geschehen, so stände nichts entgegen, dem Arbeiter«inen Beitrag zu der Altersoerficherung aufzu- erlegen. Daß auf diesem Wege die Erleichterung, welche dem Arbeiter durch die Einnahmen auS dem Monopol zu Theil werden soll, durch die Beiträge zu der Altersoerficherung wieder illusorisch gemacht werde, beunruhigt Herrn Delbrück nicht. Ueberdies würde der StaatSzuschuß zu der Altersver- sorgung, den Herr Delbrück alS eine Ablösung eineS Theils der jetzigen Armcnlast rechtfertigen will, auch nur aus den Einnahmen aus dem Monopol gedeckt werden könnm, d. h. auS Einnahmen, welche wesenttich aus der Tasche des Arbeiters stießen. DaS ganze Experiment liefe demnach lediglich darauf hinaus, d« Arbeiter zu Abgaben zu zwingen, aus denen hinterher die Kosten der Altersversorgung bestritten „Sprach er nicht von anderen Geheimnissen?" srag'e Siegsried nachdenklich. Ließ er keine Amßerungen fallen, die darauf hindeutet«?" „Rein." „Er sprach einzig und allein nur von den Papier« und dem Selbstmord des alten Gärtners?" „Nur davon!" erwiderte Barnekow.„Es ist mög- lich, daß er noch mehr weiß, mir hat er davon nichts ge- sagt." „Sie warm bei seiner Verhaftung zugegen, wie Sie vorhin erklärt«, wie bmahm er sich?" „Er protesiirte geg« die Verhaftung, und wmn er auch vor derselben sich in Widersprüche verwickelt hat, so möchte ich dennoch beHaupt«, daß er an diesem Verbrech« schuldlos ist." „Worin bestand« die Widersprüche?" „Er leugnete �anfangs, gestern Abend im Hause des Ermordet« gewesen zu sein, später gab er es zu." „Zn diesem Widerspruch liegt schon ein Beweis für seine Schuld," sagte Siegsried mit einem forschenden Blick auf Barnekow.„Finden Sie das nicht auch?" „Ich lege größere» Werth auf den Eindruck, den der Mann im Augenblick der Verhaftung auf mich gemacht hat. Aber ich will keineswegs Ihrem Urtheil vorgreifen, zudem interessi- e ich mich auch für den Verhaftet« nicht. Zch mollte Sie nur auf die Falle aufmerksam mach«, die ich bereit« vorbereitet habe, und in die sein glühender Haß geg« Rabe ihn blindlings hineinführen wird. Zn welcher Weise Sie dann seine Geständnisse benutze« wollen, bleibt natürlich Ihrem Ermesse« allein überlassen, ich hoffe aber mtt Zuversicht, daß Rabe seiner Bestrafung nicht entgehen wird." „Und darf ich ftage«, ob ei» besonderer Grund Sie bewegt, mir das Alles zu sagens?" Herr von Barneckow schlug verlege« die Augen nieder, die Verachtung, die in dem Blicke dei Assessor« sich spie- gelte, konnte sich ja nur auf ihn bezieh«. „Zst eS nicht eines Zed« Pflicht, einen Verbrecher zu «tlarv«?" erwiderte er ausweichend. aber diese Pflicht erkenn« nur Wenige an! werden. Herr Delbrück erklärt, die Mittel zu der Alters vers«- gung seien nur auf zwei Wegen, durch das Tabackmonopel oder durch das Branntweinmonopol zu beschaffen. DaS erste« aber sei abgelehnt und unwiderruflich beseitigt. WaS Wünsch« und Bestrebung« betreffs des Tabackmonopols anbelangt, wich man die Auwrität des Abg. Delbrück schwerlich als auischlag- gebend anerkennen. Wenn erst das Branntweinmonopol zur Ausführung gelangt ist, so wird ein großer Theil der Gründe, wegen der« der Reichstag das Tabackmonopol abgelehnt hat hinfällig. Das Branntweinmonopol schließt das Tabackmonopol nicht aus, sondern bahnt demselben d« Weg. Die Unfallversicherung betreffend wird offiziös ge» schrieb«:„In Folge des gering« Entgegenkommens, weichet von Seit« der Privatunfauverficherungs-Gelellichaft« bezügliä der Ue bernahme der vor dem 1. Oktober 1885 geschlossene» Privatverficherungen gegen die Berufsgenossenschaften geütt worden, ist in der in Berlin stattgehabten Diiektorenkonfereq beschloffen worden, auf gemeinsame Kost« einen geeignete» Vertreter' anzunehmen, der die Verhandlungen mtt d« Privab verstcherungsgesellschaftm führ« und die Rechte und Interesse» der Berufsgenossenschaften nach jeder Richtung wahren wird. An den Vorstand der Berufsgenoff«schast für die chemisch» Industrie ist nunmehr daS Ansuchen gerichtet worden, die An- Selegenheit in die Hand zu nehmen und einen Vertreter zu de- ell«, welcher mtt der Abwicklung sämmtlicher von den Be« rufSgenoffenschaften auf Grund des§ 100 deS Unfallverfiche« rungsaeseyeS übernommenen Privatverträge beauftragt werde» soll'. Die daraus erwachsenden Kosten soll« nach Verhältntß der Zahl der von den einzelnen Berufsgenoffenschaften über» nommenen Polizen vcrtheilt werden. Der Vorstand der Be» rufsgenoffenschaft für die chemische Industrie hat nunmehr a» diejenig« Berufsgenoffenschaftm, von denen bisher eine Zu- stimmung noch nicht eingegangen ist, ein Zirkular mtt der Aufforderung erlassen, binn« acht Tag« zu erklären, od fie sich dieser gemeinsamen Maßregel anschließen wollen." Aus Mannheim wird berichtet: Am Sonnabend fände« hier zahlreiche Hauisuchungen statt, welche jedoch daS erhoffte Resultat nicht hatten. Grund zu dieser außerordentlichen Maß- regel seitens der Staatsanwaltschaft war die angeblich stattge» fund«e Maffenveithettuna deS in Zürich erscheinenden«Sozial« demolrat". Wie wir in Erfahrung brachten, sollen es ältere Nummern genannter Zeitschiift gewesen sein, welche den Weg in die OcffenUichkeit wanderten. Nach uns gewordenen Jnfor- mationen wußte man in sozialistischen Kreisen, ehe die Polizei haussuchte, nichts von dieser Verbreitung und find sonst ganz gut informirte Leute vollständig überrascht worden. Die ver« botene Druckschrift soll im großherzogl. Schloß, in Kasernen und selbst auf dem großherzogl Bezirksamt verbleitet word« sein. Man muß stch wundern, daß Niemand dabei erwischt worden ist, denn eine solche umfangreiche Verbreitung konnte doch nicht so ganz unbemerkt gescheh«. Insbesondere deshalb nicht, da doch die Wachsamkert. der hiefigen Echutzmannschaft in dieser Beziehung nichts zu wünschen übrig läßt. Hannover, 2. Januar. Die hier vor Kurzem stattgefun- denen Stadtverordnetenivahlen(Ersatzwahlen) find zu Ungunsten der Welsen ausgefallen. Bisher hatten dieselben über die ab- solute Blajorität verfügt, nunmehr find jedoch beide Parteien in gleicher Stärke vertreten. Bei der am 2. d. M. stattgehabten Wahl des Vorfitzenden der Bürgervorstehcr stimmten dre zwölf Welsen für Brüel, die zwölf Nationalliberalen für Roscher. Das Loos entschied für ersteren, worauf dessen Vorschlag ge- mäß durch Akklamation die Nationalliberalen Bühring zu« zweiten Vorfitzenden, Roscher zum ersten Schriftführer und der Weife Basse zum zweiten Schriftführer gewählt wurden. I» diesem Sinne war bereits zwischen beid« Parteien skomprv- mittirt worden. Kiel, 3. Jan. Die Amerikaner auf Sylt sollte» nach Meldung schleSwiger Blätter, am gestrigen Tage d/ preußische Staatsgebiet verlaff«; wie der„Kieler Ztg." ab«» gestern Abend aus Sylt telearaphtrt wurde, find die dort zw» Besuche weilenden amerikanischen Bürger ruhig dort geblieben und ist auch von weiter« Maßnahmen der lönigl. Regierung gegen dteselbm nicht» bekannt. Holland. Der Sozialismus macht im Lande große Fort« schritte.„Jede Woche", heißt es in einer Korrespondenz au» dem Haag,„bringt die Gründung eines neuen sozialistischen Vereins in ven Städten sowohl wie auf dem flachen Lande. Die letztere Erscheinung muß als ein beunruhigendes Sympto» bezeichnet werden. In allen Ländern, wo der Sozialismus viele Anhänger zählt, aehött gerade die ländliche Bevölkerung zu den konservativen Elementen, wie dies auch im Allgemeine» dem Charakter des Ackerbauers entspricht. In den Nieder- landen dagegen sehen wir unter dem ultramontanen Ministerium HcemSkerk die sozialistische Lehre mit großem Erfolge in die ländlichen Bezirke eindring«. Die erste Folge dieser Er- scheinung war vor einiger Zeit die Wahl deS Sozialist« Held zum Abgeordneten eines sriestschen LandbezirkeS, so daß ver sozialistische Faktor nunmehr einen Vertreter in dm General- staaten besitzt. Der Abgeordnete Held ist aber ein vernünftiger Politiker im Vergleiche mit dem eigenUichm Führer der hol- Zndeff«, Ihre Gründe können mir gleichgiltig set», ich schulde Zhn« sogar Dank, wen» ich durch Zhre Vermitt« lung ein bisher verborgmeS Verbrech« entschleiere. Wollen Sie die Güte haben, sich morg« Vormittag«ach neun Uhr im GerichtSgebäude einzufinden? Es wäre möglich, daß ich Zhrer Aussage zur Ueberführung de» Verhaftet« bedürft«, und die Zeit ist zu kurz, um Sie in der vorgeschriebene« Form vorzuladen." Barnekow hatte sich erhob«. Er nahm seine» Hut.> „Zch werde kommen," erwiderte er. „Sobald ich also Ihrer bedarf, schicke ich meine« Aktuar ins Wartezimmer, um Sie ruf« zu lass«." „Werden Sie auch Rabe verhören?" „Er ist auf morgen als Zeuge vorgelad«." „Zch möchte nicht mit ihm in Berührung kommen, Rabt braucht ja nicht zu wissen, daß ich—" „Zch werde Zhr« Wunsch berücksichtig«, so wett es in der Möglichkeit liegt," unterbrach Siegftied ihn, während er ihm das Geleit zur Thür gab,„überdies bedarf ich Zhre» Auisage ja auch nur in der Untersuchungssache gegen de» Kammerdimer, in die Rabe voraussichtlich nicht verwickelt sei« wird." Herr von Barnekow war beruhigt, er«ahm Abschied und cnifernte sich, mtt dem Resultate seines Schritte« zw frieden._ Enthüllte Geheimnisse. Siegfried hatte am nächst« Morgen fem Bureau kaui» bettet«, als er auch Befehl gab, den verhaftet« Kammes di«er zum Verhör vorzuführen. „Zch vertraue darauf, daß wir heute Licht in da« g* heimnihvolle Dunkel bring« werden," sagte er zu seines Aktuar, währmd er die Untersuchungsakt« flüchtig durch' blätterte,„vielleicht auch wird der Amerikaner ein offen«» Geständniß ablegen. Sind die Zeug« sämmtlich auf zehs Uhr vorgelad«?". „Zawohl, ganz wie Sie es befohl« haben, H«� Assessor." „Wir habe» also«och eine ganze Stunde vor u«» i ländischen Sojlnftemolrden,»elcher in den letzten Wochen und Monaten das Königreich bereiste und überall die Behörden in große Verlegenheit brachte. In Umutden sprach Fortuyn vor einer tausendköpflaen Menge und warb zahllose Anhänger für die sozialistische Lehre. Wenn diese Agitation fortfährt, mit dem gleichen Erfolg zu arbeiten, so wird daS Ministerium Heemster! nicht, wie es fürchtet, von den Liberalen, sondern von den Sozialdemokraten gestürzt werden. Sehr viel Mühe wird es den letzteren ohnehin nicht mehr kosten, da in der zweiten Kammer der Generalstaaten den 43 Ultramontanen 42 Liberale und 1 Sozialist gegenüberstehen. Herr HeemSkerl versucht es noch, sich einige Zeit im Gleichgewicht zu erhalten, hat aber keine Ausficht, mit seiner Balanzirkunst ans Ziel zu gelangen." Italien. Ueber die Wahl Sbarbaro's zum Abgeordneten für Pavra äußert sich Dr. Sigl im bayrischen„Vaterland" folgender. maßen:„Der zu 7 Jahren verurtheilte Univ.-Prof. Sbarbaro wurde deshalb in Pavia zum Abgeordneten gewählt, um den Gerichten damit auszusprechen, wie schlecht man von ihrer Ge- rechtigkeit denke, Sbarbaro als Opfer eines Justizmordes feiger Seelen halte und ihn deshalb frei haben wolle.... Daß die italienische„Justiz" unterm Hund und durch und durch kor- rumpirt ist, ist ja bekannt; die italienischen Geschworenen find ober auch nicht beffer als die Juristen. ,, Recht" bekommt der, der fich's am meisten kosten läßt, ungefähr wie in Oesteneich; wer kein Geld hat, ist ein Lump und kommt in'S Loch, was man im Allgemeinen„moderne Justiz" nennt."— Herr Sigl ist jetzt auch auf Oesterreich nicht gut zu sprechen. Rußland. Wie man unS aus Warschau unter dem 2. d. M. meldet, dürften dem kürzlich zum Ablchlusse gebrachten großen Sozia- listenprozeffe in nicht ferner Zeit weitere Gerichtsverhandlungen nachfolgen, da von den Individuen, welche in der letzten Zeit unter dem Verdachte nihilistischer Umtriebe verhaftet worden sind, ungefähr dreißig in einer Weise kompromittirt erscheinen, welche hinreichende Anhaltspunkte zu einem strafgerichtlichen Vorgehen bietet. Die Verhafteten find zumeist Ruffen. Großbritannien. Das neue Wahlgesetz hat die Arbeiter-Kandidaturen er- leichtert, aber von den 40 Kandidaten, welche in der Wahl auftraten, find nur 12 gewählt worden, und diese waren zugleich die Kandidatm der liberalen Partei mit Ausnahme des Grudenarbeiters Abraham in Wales, der einen liberalen Kapitalisten als Gegner hatte. In London traten 5 Arbeiter als Kandidaten auf, wovon 4 mit großer Majorität gewählt wurden, der ü. hatte nur 20 Stimmen weniger als sein kon- servativer Gegner. Drei davon, der Zimmermann Cremer, der Maurer Howell und der Glasbläser Leister find bekannte Führer der Trades Unions. Die Hälfte sämmtlicher Arbeiter- Parlamentsmitglieder find Grubenarbeiter, die durch die jähr« lichen Kongreffe allgemein bekannt find. William Cramford, der Sekretär des Grubenarbeitervereint von Durham, befiegte Vane Tempest, dessen Familienhaupt der Marquis von London« dcny, einer der größten Grubenbefitz�r von England ist; Joseph Arch, der Prästdent des nationalen Ackerbau-Arbeiter- vereinS, erfocht einen nicht minder glänzenden Sieg über Lord H. Bentink von der Familie des Herzogs von Portland, Broadhurst, der Steinhauer, vertritt den stehenden Theil der großen Industriestadt Birmingham. Auf streng sozialdemo» kratischem Boden steht indeß keiner der 12 Abgeordneten, obgleich dieselben Forderungen auf den Kongressen erhoben haben, welche fich in nichts von dm sozialdemokratischen unter» scheiden. So bat z. B. der Führer der Landarbeiter, Josef Arch, seiner Zeit fich dahin ausgesprochm, daß der gesammte Grund und Boden Englands natwnalifirt werden müsse und andere Mitglieder der Gewerkvereine haben Aehnliches ver- langt. Mit den deutschen Gewerkvcreinen Hirsch'scher Richtung haben die englischen nur den Namen gemein. Welche Ansichten die gmannten Abgeordnetm im Unterhause ver- treten werden, wird fich ja bald zeigen. In dm meisten Fällen werden fie fich vorauSfichtlich den Liberalen anschließen. Bei den stattgefundmen Wahlen kandidirten zwar in London und Nottingham auch ausgesprochene Sozialisten, dieselben konnten eS jedoch nur auf eine verhältnißmäßig kleine Stim- menzahl bringen._ Kommunales. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten« Versammlung am Donnerstag, den 7. Januar er., Nachmittags 5 Uhr. Einführung der wieder- bezw. neuaewählten Mitniieder der Versammlung— Wahl des Vorstehers und des Vorsteher-Stcllvertreters— Wahl von drei Beisttzern und drei Stellvertretern derselben— Verloosung der Mitglieder in die Abtheilungen— Beschlußfassung darüber, an welchem Tage und zu welcher Stunde die ordentlichen Sitzungen der Versammlung im Jahre 1886 stattfinden sollen— Beschlußfassung über die Neuwahl des Ausschusses für die Wahlen von unbesoldeten Gemeindebeamten, des Ausschusses zur Be- Beobachten Sie dm Burschen, Sie haben eine« scharfen Blick." Bald darauf wurde Joseph hereingeführt, Siegfried empfing zugleich dm schriftlichm Bericht de« Polizeikom- miffärS über die Verhaftung und die gleich nachher vorge- «ommene Haussuchung. Bei dieser Haussuchung war nicht» Verdächtige» gefun- den worden, weder Geld noch eine Mordwaffe,«och irgend ein mit Blut befleckte» Kleidungsstück. Siegfried ließ dm Blick eine geraume Weile auf dem Angeklagten ruhen, dann richtete er die üblichm Eingang»- ßagm nach Ramm, Alter und Stand an ihn. „Sie wiffm, wesbalb Sie gestern Abend verhaftet wur- den?" begann er das Verhör. Der Kammerdiener hatte während der kurzen Haft seine volle Fassung wieoergefuvdm. „Im Augmblick der Verhaftung wurde der Grund mir mitgetheil»," erwiderte er.„Hätte ich nur eine Ahnung da« von gehabt, daß der Fremde, der fich zu mir setzte, ein Polizeispio» sei« könne, so würde ich ihm keine Antwort ge« gebe» haben." „Sie habm die Frage, ob Sie vorgestern Abend im Hause des ermordeten Antiquars gewesen seien, anfangs verneint," sagte S-egftnd mit gehobener Stimme.»Sie sprachen also abfichtlich eine Lüge aus, zu der Sie keine Veranlassung hatten, wenn Sie sich wirklich schuldlos fühltm." „Ich seh« ein, daß dies eine Unklugheit war," mtgeg- nets der Angeklagte,„aber in solchen Augenblicken tiberlegt man nicht lange, man sucht die Gefahr zu be- feitigm." „Durch Lügen kann man daS nie!* „Dennoch greift man immer wieder zu diesem Mittel." „Sie standen mit dem Antiquar in Veibindung?" „Nein, niemals!" „Dann muß der späte Abendbesuch um so auffallmder erscheinm." „Ich kann ihn gmügend erklären," sagte der Kammer- vrener.„Schon seit einiger Zeit stand ich mit einem Nestau« rateur, dessen Geschäft ich übernehmen wollte, in Unterhand« gutachtung der Vorlagen wegen Anstellung, bezw. Penfiorn- runa von besoldeten Gemeinoebeamten und Lehrern, des Aus- schusses für Petitionen— desgl. über die etwa sonst noch zu wählenden ständigen Ausschüsse— desgl. in Bezug auf die Abordnung der Mitglieder der Versammlung in die Vermal- tungs-Deputationen und Kuratorien— desgl. in Bezug auf die Zutheilung der Stadtbezirke an die Mitglieder der Ver- sammlung behufs der Ausführung von Recherchen— desgl. über die Neuwahl derjenigen Ausschüsse, welche im Jahre 183S zur Vorberathung einzelner Gegenstände ernannt, den ihnen ertheilten Auftrag noch nicht erledigt haben— desgl. darüber, welche Gegenstände im laufenden Geschäftsjahre an das Ende der Tagesordnung zu bringen find— vier Naturalisations- Sesuche— Wahl der Mitglieder und Ersatzmänner zur Ein- hätzungskommlssion für die klasfifizirte Einkommensteuer pro 1886/87— Berichterstattung über die Vorlage betr. die Aus- schmückung der Aula der höheren Mädchenschule in der Jffland- straße mit Wandgemälden— Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betr. die Vermehrung der Mitglieder des Aus- schusses für die Wahlen von unbesoldeten Gemeindebeamten— Protest gegen die im achten Kommunalwahlbczirk von der dritten Abtheilung vollzogene Wahl eines Stadtverordneten— Vorlage, betr. den Bencht über den Geschäftsbetrieb der Spar- lasse im Juli-September-Quartal v. I.— desgl. betr. die Anfrage von Mitgliedern der Versammluug bezüglich der An- legung eines Kirchhofes für die Dorothcenstädtrsche Kirchen- gemeinde innerhalb des städtischen Weichbildes— desgl. betr. den Ablauf der Wahlzeit eines Vürgerdeputirten bei dem Kuratorium des Zentral-Viehhofs. Neue Garten» und Schmuck-Anlage« auf dem Dön» Hofsplatze. Der Garten-Direktor Mächtig hat den Auftrag erhalten, das Projekt von Garten- und Sckmuck Anlagen auf dem Dönhofsplay dem Magistrat vorzulegen. Der Magistrat wünscht mit der Verschönerung des Platzes so bald als möglich nach Uebertragung W Marktes in den Markthallen in der Linden- und Fiiedrichstraße und in der Zimmer- und Mauer- straße vorzugehen. ES ist nicht unmöglich, daß der größere Theil der Anlagen im Laufe des JahreS 1886 wird ausgeführt und vollendet werden können. Die Reguliruag des Hallescheu Ufer» auf der rechten Seite de» Landwehrkanals zwischen Möckern- und Schöneberger Brücke ist schon wiederholt vom königlichen Polizeipräfidtum und von Privaten angeregt worden- Doch konnte bisher mit der Aufstellung des Rcguliruvgsprojektes nicht vorgegangen werden, weil der FtSkus die Anlage eineS Hafens innerhalb des Berlin-Anhaller BahnhofsterrainS beabstchtiate. Nachdem von diesem Projekte jetzt Abstand genommen ist, beabfichtigt der Magistrat, die Reaulirung des Halleschen Ufers auf be- sagter Strecke in Angriff zu nehmen. Diese Strecke gehört zu den wenigen Stellen, an denen eS in Folge der neuen Ufer- mauern dcS Kanals möglich ist, neben der höher belegenen Uferstraße noch eine Ladestraße herzustellen. Eine solche deab- stchtigt der Magistrat anzulegen, da der Minister der öffenllichen Arbeilen, zugesagt hat, daß, wenn dies geschieht, er für diese Strecke das bekannte Auslade- Verbot nicht aufrecht erhalten würde. Der Magistrat gedenkt nun, die zu dieser Anlage er- forderliche fiskalische Fläche von 1208 Quadratmetern, welche der Fiskus dereit ist, für 4 M. pro Quadratmeter der Stadt- gemeinde zu überlassen, nach Einholung der Zustimmung der Stadtverordneten-Versammlung zu erwerben. Lokales. g. Recht interessante Daten über die Wasserversorgung und die Höhenlage einzelner Etadttheile Berlins enthalten die amtlichen Schriftstücke, betreffend die Errichtung einer kleinen Wafferhebestation auf dem Tempelhofer Berge in der Nähe der Bockbrauerei. Es heißt da u. A.: DaS VertheilungSnetz des RohrsystemS der städtischen Wasserwerke ist in zwei(eine untere und eine obere) Zonen zerlegt, well das Niveau der Straßen in der oberen Zone ein solches mit Bezug auf das Niveau der Straßen der unteren Zone ist, daß es fich als ökonomischer erweist, ohne Rückficht auf die obere Zone das für die untere Zone bestimmte Waffer nur zu jener Höhe zu heben, welche genügt, die Häuser in der unteren Zone»u ver- sorgen. DaS Rohrsystem der ersten Zone dient zur Wasser- Versorgung in den vor dem ehemaligen Prenzlauer, Schön- hauser und Rosenthaler Thore belegenen Stadttheilen, während da» Rohrsystem der unteren Zone für die niedriger gelegenen Stadttheile bestimmt ist. Bei dieser Einrichtung braucht der für die letzteren Stadttheile nothwendige größeste Theil des aus den stävtischen Werken zu entnehmenden Wassers nicht bis zu derjenigen Höhe gehoben werden, welche der höher- liegende Stadttheil gebietet und wird dadurch eine ganz er« he bliche Ersparniß an Kosten, welche die Höherdrückung des gesammten Wasserquantums verursachen würde, er- zielt. Ein der Höhenlage der Stadttheile vor dem Prenzlauer, dem Schönhauser und dem Rosenthaler Thore entsprechender Straßenkomplex ist der am Krcuzderge südlich der Bergmannstraße rechts und links von der Belle- Allianeestraße gelegene; derselbe liegt ungefähr in gleicher luvg, der Kontrakt wurde vorgestern geschloffen. Binnen drei Tage« sollte ich laut diesem Kontrakt zehntausend Thaler abtragen, Herr Rabe hatte mir diese Summe versprochen. Ich erinnerte ihn vorgestern an sein Versprechen, er schob die Zahlung hinaus und meinte, ich solle vorher mich acht oder vierzehn Tage dem Geschäft widmen, dann werde ich wissen, ob es pt eiswürdig sei. Daraus mußte ich enweh« me«, daß er überhaupt nicht gesonnen war, sein Verspreche» zu erfüllen, und ich kam dadurch in große Verlegenheit. Zahlte ich das Geld nicht innerhalb der festgesetzten Frist, so war der Vertrag null und nichtig. Da erranerte ich mich, daß Herr Rabe mit dem Antiquar Hochmuth in Ver- bindung stand, den er oft genug in meinem Beisein einen Wucherer der schlimmsten Sorte genannt hatte. Ich wollte wissen, ob Herr Rabe von diesem Manne Geld erhalten oder zu erwarten hatte, und im Stillea hegte ich dabei die Hoffnung, daß Hochmuth selbst mir die Summe vorstrecken werde. Ich ging hin und traf ihn nicht zu Hause, um mir «inen vergebliche« Gang zu ersparen, beschloß ich seine Heimkehr auf der Straße zu erwarten. Ich, mußte lange warten, endlich kam er, ich begleitete ihn in seine Wohn ftube." „Um welche Zeit geschah das?" „Es konnte halb zehn sein." „Und wie lange halten Sie gewartet?" „Ueber eine Stunde." „Verließ in dem Augenblick, in welchem Sie eintraten, ein anderer Mann das Haus?" „Es kann sein, ich erinnere mich dessen so genau nicht mehr; ich war sehr erregt." „Fahren Sie fort." „Hochmuth empfing mich mit Grobheiten, mit Herrn Rabe wollte er nicht« zu thun habe», er erklärte mir, er sei mit ihm ganz aus«inander, Rabe habe seine Schuld getilg«, und von ihm bekomme er keine» Heller mehr." „Erinnern Sie sich genau, daß er sagte, die Schuld sei getilgt?" „Ja, er fügte noch hinzu, das Geld sei ihm auf einem Brett ausgezahlt worden, und seinetwegen könne Rabe da» Geld gestohlen haben, er kümmere sich nicht darum. Und Höhe mit dm Fußböden der Wohnungen in den viertm Etaam der Häuser am Belle Allianee. Platz. Gegenwärtig erhalten die Grundstücke dieses StraßenlomplexeS das Wasser aus dem Rohrnetz der unteren Zone, aber wie die Höhmverhällnisse«» bedingen, und nicht anderS zu erwarten stand, ist die Waffer« Versorgung der höheren Etagm eine oft unterbrochene und ganz unsichere; da» Waffer steigt nur dann in die höheren Etagen, wenn auS dem Rohmetze der unteren Zone ein verhältnißmäßig zeringeS Quantum entnommm wird. Seit Dezember 1884 ist m Keller des Hauses Belle. Allianeestraße 54 ein automatisch« graphischer Druckmanometer aufgestellt worden und zwar in Anschluß mit einem 150 Millrmeter weitem Rohr gebracht, welche» fich von dem in der Bergmann straße liegenden 762 Millimeter-Hauptrohr abzweiget und zur alleinigm Versorgung deS HauseS Belle-Alliancestraße 53 dient. Dieses Manometer notirte in den Monaten März bi» Juli in den Nachmittag»« und auch VormittagSstundm Druckhöhen von 68 bis 63 Meter, so daß mehrere Stunden hindurch die 4. Etage kein Waffer, die 3. Etage nur zeitweise Wasser hat erhalten könnm. Die Beschweidm der Hausbefitzer find daher begründet. Der gebildete Hausknecht, eine ftühere beliebte Possen- karrilatur, hat fich auf seiner eigenen Heimstätte, der Bühne, überlebt. Die Kultur hat auch auf den Hausknecht fich erstreckt und au» ihm einen— Hausdiener gemacht. Daß an dtesm weit höhere Anforderungen gestellt weiden, als vordem, liegt in der natürlichen Foitmtwickelung der Dinge; daß aber heut» zutage bereits übertriebene Anforderungen gestellt werden, davon kann man fich täglich überzeugen durch dm Jnseratm» theil resp. Zeitungen.„Gute Echulkmntniffe" müssen vor Allem sein; warum? weil der Hausdiener zu vielerlei Dienstletstungm herangezogen wird, die ihm eigentlich nicht zustehen. Zum Zweiten werdm direkt Profesfionistm verlangt, Tischler, Schlosser k.. ja letzthin wurde sogar ein Mechaniker gesucht, welcher zugleich Hausdienerstelle vertreten sollte. Wmn daS so fort geht, wie soll das enden? Der Hausdiener von heute ist der gebildete HauStnecht von ftüher, denn er soll Alles sein, können und wiffm, um durch seine Universalthättgkeit mög« lichst viel zu sparen, selbstverständlich an Gebalt und Lohn. Und es wird auch gespart.— Dank der gutm Zeiten! R. Bei solche« Anlässen, wie bei der sonntägigen Jllu« mination, ist die Neugierde ja begreiflich, indeß muß doch AlleS eine Grenze haben. Wenn Eltem fich mit 3— 4jährigm Kindem in das mgste Gedränge wagen, so entschuldigt man dieS noch einigermaßen, dmn gerade solche Kinder habm ein« große Frmde an den vielen Kerzen und Flammen, aber waS verstehen kleine Wickellinder davon und welche großen Ge- fahren werdm diese armen Geschöpfe, die man quer in den Armm tragen muß, bei dem Drängen und Stoßen ausgesetzt, denn gewöhnlich vergißt die Trägerin in der Befriedigung der eigenen Neugierde darauf, daß fie ein Kind in den Armm tragt. Solch sträflichen Leichtsinn der eigenen Mutter mußte Sonntag Abend ein kleines Wickelkind im Gedränge in der Wilhelmstraße büßen. Einem Herrn wurde durch einen Stoß die brennende Zigarre aus der Hand geschleudert, und diese flog dem armen Kinde in dai Geficht und verursachte unter« halb des rechtm Auges eine jedenfalls sehr schmerzhafte Brand» wunde. DaS Geschrei des Kindes vermischte fich mit dem Zetergeschrei der Mutter, die Patteien der zunächst befind« lichen Zutchauer waren getheilt; vei dämmten die Einen die unvernünftige Mutter, verurtheitten die Anderen daS Rauchm in solchem Gedränge und gewiß hatten Beide Recht, aber des- halb wird fich wahrscheinlich bei der nächsten Gelegenheit AehnlicheS wiederHolm. Eine ne«e Erfindung. DaS neue Jahr, an dessen Wiege wir noch stehen, in stiller Zuverficht hoffend, daß da» Neugeborene fich zu unserer Zufriedenheit und zum allgemeinm Besten entwickeln werde, scheint diese unsere Erwartungen in vollem Maße befriedigen zu wollen, denn zugleich mit ihm hat ein Wunderwerk daS Licht der Welt erblickt, welches, dem neuen Jahre gleichsam als Pathengeschenk beigegeben, eine phänomenale Umgestaltung der Verhältnisse herbeizuführen berufen erscheint, Dies Wunderwerk ist natürlich eine„Er- findung". DaS„Buch der Erfindunam" hat deren wunder- bare aufzuweisen, doch„die Neueste" steht wohl unerreicht und einzig in ihrer Art da. Es ist mit den Erfindungen eine eigene Sache. Wenn wir die Erfindungen vor uns sehen, er- scheinen fie uns so einfach, daß man fich im Stillen wundert, nicht schon lange selber auf diese Idee gekommen zu sein und denselben Eindruck und dasselbe Gefühl ruft auch die neueste Erfindung hervor. Die Erfindung der Nähmaschine ist schon ziemlich alten Datums, die Erfindung der Musik fällt schon in beinahe vorweltliche Zeiten zurück und doch bedurste es einer so langen Spanne Zeit, doch mußte erst der junge Morgm des JahreS 1886 christlicher Zeitrechnung heraufdämmern, bevor ein auserwählter Sterblicher, von einem ingeniösen Gcdankm erleuchtet, die Erfindung und mit ihr der staunenden Mensch- heit als NeujahrSgeschmk die— mufikalische Nähmaschine machte. Wie gesagt, die Erfindung erscheint«nS im ersten Augenblick furchtbar einfach, da der Gedanke doch sehr nahe lag. Die Mufik spielt schon lange Zeit bei der Nähmaschine eine Hauptrolle. Genäht wurde schon lange nach Noten, und dann ftagte ich ihn, ob er mir da» Geld leihm wolle, ich bot ihm einej Hypothek auf mein HauS an, aber er wurde grob, zweifelte an meiner Ehrlichkeit und nannte mich einen Schwindler." „Und da übermannte Sie die Wuth," sagte Siegfried, als der Angeklagte stockte,„vielleicht siand die Schawlle mit dem Gelde vor Ihnen, die Versuchung war zu groß, und als die That geschehen war, kam die Reue zu spät." „Ja, die Schatulle stand vor mir," fuhr Joseph fort, das Haupt erhebend,„aber der Gedanke, sie zu rauben und dadurch meinen Verlegenheiten em Ende zu machen, ist mir nicht in de« Sinn gekommen. Aber daß die Wuth mich übermannt hat, da» ist war; der Grobian nannte mich Schwindler und zeigte mir die Thür«, und da weiß ich nicht, wie'« gekommen rst, daß die Lampe plötzlich umfiel, ich gab dem Wucherer einen Faustschlag und machte mich au» dem Staube." „Einen Faustschlag, der ihn niederstreckte?" „In der Finsierniß, die mich umgab, habe ich davon nichts gesehen, ich habe auch keinen Hilferuf gehört, mein Zorn war gleich wieder verraucht, da wartete ich nicht lange, ich machte mich auf und davon." „Ohne die Schatulle?" „Ja, ich dachte nicht an sie." „Besinnen Sie sich einmal, ob Sie nicht ein Messer in der Hand hatten," sagte Siegfried in eindringlichem Tone. „Wenn da» der Fall gewesen wäre, müßte ich es wissen." „Ich warne Sie vor einem halben Geständniß! Die Leiche ist mit durchschnittenem Halse gefunden worden, ein Faustschlag kann da» nicht bewirkt haben. Der Man« ist gestürzt, und Sie haben sich über ihn geworfen, da« Messer lag vielleicht auf dem Tisch, der Hilferuf veranlaßt« Sie, kurzen Prozeß zu machen." „New, nein!" erwiderte Joseph.„Mir graut, wenn ich daran denke, daß ich diese blutige That verübt habe« könne. Ich bin fortgelaufen und habe die Thür« hinter mir zugeschlagen." (Fortsetzung folgt.) die arme, an die Nähmaschine gefesselte Näherin Hörle dabei wohl auch die Engel im Himmel fingen; zu dem eintönigen Gellapper und Geschnarte der Maschine er« tönte so manches Klagelied, so mancher banger Seufzer und verballte— ungehört; so manche ThrSne rann langsam und leise die abgehärmten Wangen herab und trovste in sanftem Falle auf die Arbeit,— ungesehen, ungehöft! Geduld, ihr Armen! Alles wird jetzt anders werden! Nicht sollt Ihr mehr einsam weinen und llagen! Denngleichwie der Elfen Licht- gestalten aus Sonnenstrahlen und Mondscheinlicht ihr luftiges Gewand zusammenweben, also werden jetzt all' Euer Kummer, Leid und Sorge, Euer Hoffen und Sehnen, Eure Seufzer, Eure Thränen kunstgerecht in Mufik gesetzt und klingen wird es fortab aus allen Häusern, aus dem elenden Dachstübchen herunter und aus dem dumpfen Keller herauf daS—„Lied vom Hemde". Hinaustönen wird es in alle Welt und wird fich Gehör verschaffen. Und ist dieses erst geschehen, nun, dann dreht fich wohl das Blatt und mit ihr auch die Walze. Dann kommt ein anderes Stücklein dran und das frohe Herz wiegt fich in holden, süßen Träumen, eingelullt durch Richard Wag» ner'sche Zukunftsmusik. Mit der„Götterdämmerung" fängt ei schließlich wohl auch bei den Menschen zu Lämmern" und nach diesem zu„tagen" an. Nicht braucht Ihr mehr zu fürchten, deS Nachts den schlafenden Liebling zu stören, ein Druck— und die Nähmaschine spielt ein holdes Schlummerlied, nicht braucht Ihr femer die Klagen über daS„Gerumpel" eurer Nachbarn zu fürchten, denn Ihr werdet bald keine mehr haben, die Leierkasten werden aussterben und die Irrenhäuser fich be- Völkern— kurzum, der Himmel wird auf Erden sein: und daS AlleS hat mit ihrem Spielen die— mufikalische Nahmaschine gethan. ÄuS Lübbe«»« geht der„Staatsb.-Ztg." folgende Mit- theilung zu: Ein ziemlich reges Treiben entfaltete fich am Nach- mittaae des Neujahrstages auf den oberhalb von Lübbenau, in der Nähe der Stadt, gelegenen Wiesen. Alt und Jung ans der Stadt und den umliegenden Ortschaften beschäftigte fich mit Schlittschuhlaufen. Viele setzten ihre Fahrt bis zum Dorfe Leipe fort, dem beliebtesten im Spreewalde belegenen Ausflugs- orte der Lübbener im Winter. Hierbei war jedoch die größte Vorficht geboten, da einige größere Fließe und Kanäle noch nicht vollständig oder doch wenigstens an einzelnen Stellen mit einer ausreichend starken Eisdecke versehen waren. Abge- sehen von einigen kleinen Unannehmlichkeiten war aber kein Unglücksfall zu beklagen. Der Schmiedemeister Döring, welcher einer offenen Stelle ganz nahe gekommen war und rm letzten Augenblick noch die Gefahr bemertte, rettete fich noch dadurch, daß er fich schnell rücklings niederwarf. Der von den Schlittschuh- läufern gefürchtetste Spreewaldstrom ist die in der Nähe der Stadt fließende Gorrischoa, welche nur bei der größten Kälte vollständig und fest zufriert. r. Vo« seinem Mittagschläfchen erwachte vor einigen Tagen das vierjährige Söhnchen eines in der Adalbertstraß« wohnenden Kaufmanns mit etwas erstauntem Gestcht, hielt das Händchen auf sein rechtes Obr und ort sicherte fortwährend, daß eS da drin„krabbelt". Die vorgenommene mütterlich« Untersuchung und Behandlung der Ohrmuschel und des Süßeren GehörgangeS hatte nur einen negativen Erfolg, denn nach der Versicherung des Kleinen„krabbelte" es da drin weiter. Unter diesen Umständen hielt man es für nöthig, einen Arzt zu rufen, der nach sorgfältiger Erwägung aller von ihm ermittelten Um- stände dem Kleinen eine stark alkoholhaltige Flüsstgkeit in das detreffende Ohr spritzte, worauf dieser in Schlaf verfiel und spater über sein Ohr keine weitere Klage führte. Bei seinem »weiten Besuche nahm der Arft sodann eine Ausspritzung de? OhreS vor, und förderte dabei den Leichnam eines JnsettS zu Tage, dessen Vorhandensein beim Gebrauch von Kinderbetten allerdings unvermeidlich zu sein pflegt, das aber hier dem mörderischen Alkohol zum Opfer gefallen war. r. Die verflossene« Feiertage scheinen zahlreiche Ent- lassungen von Arbeitern und namentlich von Arbeiterinnen zur Folge gehabt zu haben. Allabendlich bei der Ausgabe des In- telligenzblattes ist der Andrang der Stellesuchendcn auf den« jenigen Plätzen, wo dieses Blatt zuerst zur Vertheilung zu ge- langen pflegt außerordentlich groß. Nur den wenigsten der vielen Beschastigungsuchenden glückt es, Arbeit zu finden und unter den weiblichen Arbeiterinnen suchen die Kupplerinnen, diese Hyänen des Arbeitsmarktes, ihre Opfer. Bei dem licht- Szenen Gewerbe dieser Personen kommt ihnen besonders der mstand zu statten, daß die Polizeibeamten auf den betreffenden Plätzen streng auf die Freihaltung der Passage achten und so einzelne kleinere Gruppen auf dre Hausflure der benachbarten Häuser treiben. Stehen dort einige junge Mädchen beim Lesen des Blattes zusammen, so ist flugs eine solche Kupplerin bei ihnen, die unter dem Vorgeben, gleichfalls Arbeit für ein junges Mädchen zu suchen, mit jenen ein Gespräch beginnt und trotz ihrer angeblich traurigen Lage fich doch bereit erklärt, noch einem oder einigen jungen Mädchen, die augenblicklich ohne Obdach und Stellung find, Aufnahme zu gewähren, denn fie wisse, wie das ihn«. Was aus solchen jungen Mädchen wird, die in die Hände einer solchen Person fallen, brauchen wir wohl nicht weiter zu sagen. Mögen alle Arbeiterinnen vor der ihnen bei solchen Gelegenheiten drohenden Gefahr gewarnt sein. Polizeiliche Mtlchrevistone«. Im Laufe des Monats Dezember 1885 wurden in Berlin im ganzen 3817 polizeiliche Milchrevistonen vorgenommen, bei denen in 26 einzelnen Fällen 197*/, Liter Milch, als zu leicht wiegend vorgefunden, zur Ver- nicktung gelangten. Gegen die Uebertreter wurde das straf- genchtliche Verfahren eingeleitet. ar. Die Familie eines hiesige« F«hr««ternehmers ist, wie wir nachträglich erfahren, am Neujahrstage von einem argen Mißgeschick heimgesucht worden. Der Sohn, welcher in einem großen Modewaarengcschäst in der Kommandantenstraße thätig ist, hatte eben sein Monatsgehalt in Empfang genommen und mit seinen Kollegen die bayerische Gebirgskneipe aufgesucht, um daselbst ein halbes Stündchen gemüthlich zu ver> leben. Als er das Lokal verlassen wollte, vermißte er sein eben erhaltenes Salär, daS er in einer Tasche seines Heber» ziehers aufbewahrt hatte. Allem Anschein nach ist ihm daS Geld gestohlen worden. Inzwischen hatte sein Vater einen Herrn nach Steglitz gefahren, und während er dort vor einem Hause seinen Passagier erwartete, brauste ein Zug vorbei: die Pferde wurden scheu und gingen durch, der Führer der Droschke suchte fich durch einen kühnen Sprung zu retten, ver» letzte sich aber bei dem Falle innerlich derart, daß er noch heute sehr bedenklich krank darniederliegt R. Neberfahren. Durch fern>igeneS Fuhrwi k wurde »estern Abend der bei v-r Wittwe Völler, Kro? prinzen Ufer 18, in Etellur g befindliche Kutscher Wolfs aus Friedrichsberg, vor dem Hause Oranienstt. 33. W. erlitt hierbei eine Zerquetschung der Muskeln und der rechten Kniescheibe, sovaß die Knochen blank lauen. Nachdem ihm ein Nothverband auf der Saniiäls» wache in der Adalberlstraße angelegt, wurde W. per Droschke nach dem städtischen Krankenhouse geschafft. R. Auf eine bedauerliche Weise verunglückte Montag gegen Abend der Arbeiter Bergmann in der Chausseestraße. Ein mit Bausteinen Hostet« Wagen war im Thorweg eines Neubaues festgefahren. Da fich Vre Pferde vergebens abmühten, den Wagen vorwärts zu bringen, eilttn einige Bau« arbeite', herbei und griffen kräftig in die Speichen der Rader. Den vereinten Kräften gelang es, den Wagen etwaS vorwärts zu bringen, da ließen vorn dre Pferde nach, der Wagen rollte einige Schritte zurück, wobei der B. mit fernem rechten Fuß unter das Rad kam und ihm die Zehen»«quetscht wurden. B. wurde von Kollegen in die Charitce gebracht. R. Am Neujahr« tage wurde der Maurergeselle Chrrstian Jahn, Ackerstraße 126, in die Cvarttee eingeliefert I. war am Donnerstage von einem Neubau an der Frtedrichsgracht h« unter gestürzt und hatte einen Schädelbruch erlitten. Da d« schw« Verwundete in seiner Wohnung, wohin« zunächst ge- schafft war, die erforderliche Pflege nicht erhatten kann, brachte man ihn TogS darauf nach der Charitee, sein Leben steht in Gefahr. Bewegung der Bevölkernug der Stadt Berti«. Im Monat Novemb« v. I. fanden 1136 Eheschließungen statt Bei 991 Eheschließungen waren Mann und Frau gleicher Konsesfion, und zwar waren 921 evangelische, 43 katholische, 30 mosaische Paare. Evangelische Mischehen waren 61, mit 58 katholischen, 2 mosaischen, 1 Dissidenten-Frau. Katholische Mischehen waren 75 mit evangelischen Frauen. Mosaische Mischehen waren 3 mit evangelischen, 1 mit katholischer Frau. 2 Dissidenten ehelichten evangelische Frauen. Zum ersten Male beiratheten 946 Männer, 1004 Frauen; zum zweiten Male 173 Männer(149 Wittwer, 24 Geschiedene), 127 Frauen(92 Wittwen, 35 Geschiedene), zum dritten Male 16 Männer(14 Wittwer, 2 Geschiedene), 5 Frauen(Wittwen), zum vierten Male 1 Mann(Wittwer). Lebendgeboren wurden 3635 Kinder, darunt« 474 außereheliche. Todtgeboren waren 152 mit 22 außerehelichen. Es fanden 37 eheliche, 5 außereheliche Zwillingsgeburten uud außerdem 1 eheliche DrillingSaeburt statt. Die Zahl der Sterbefälle betrug 2340. Von den Gestorbenen «lagen an Masern 35, Scharlach 47, Rose 7, Pocken 1, DiphtheritiS 169, Bräune 14, Keuchhusten 45, Kinddettfieb« 15, TyPhuS 17, Ruhr 1, Syphilis 2, Altersschwäche 68, Gehirnschlag 87, Lungenentzündung 220, Lungenschwindsucht 328, Diarrhöe 39, Brechdurchfall 16, Magendarmkatarrh 15. Durch Vergiftung kamen 13 Personen um, hiervon 4 durch Selbstmord 6 durch Alkoholvergiftung(Delirium tremens). Eines gewaltsamen Todes starben 42 Personen, und zwar durch V«bren» nun» 3, Ueberfahren 1, Sturz oder Schlag 14, Erschießen 3, Erhangen 12, Ertrinken 2, andere gewaltsame Todesursachen 7. Hierunter find 20 Todesfälle durch Unalücksfälle, 20 durch Selbstmord, 2 durch Tödtung herbeigeführt. Unter den Gestorbenen find 1169 incl. 171 außereheliche Kinder unter 5 Jahren, also 50 pCt. Im Alter von 5 bis 15 Jahren starben 130, 15 bis 20 Iah en 30. 20 bis 30 Jahren 151, 30 bis 40 Jahren 221, 40 bis 60 Jahren 322, 60 bis 80 Jahren 154, üb« 80 Jahren 63 Personen. Im ersten Lebensjahre starben 573 eheliche, 132 uneheliche, zusammen 705 Kind«, und zwar im 1. Monat 208, 2. Monat 106, 3. Monat 73, 4. Monat 65, 5. Monat 42, 6. Monat 29, 7. Monat 33, 8. Monat 19, 9. Monat 24, 10. bi» 12. Monat 106, davon waren«nährt mit Muttermilch 154, Ammenmilch 4, Thiermilch 371, Milchsunogatm 4, ge- mischtet Nahrung 95, nicht angegebener Nahrung 147. In hiesigen Krankenhäusern starben 528, einschließlich 38 auswärtige, welche zur Behandlung hierhergebrachl waren, und zwar: im Elisadeth-Krankenhaus 21, Elisabeth-Kinderhospital 2, Bethanien 49, Fricdrichshain 119, Hedwig?- Krankenhaus 42, Jüdisches Krankenhaus 10, Klinikum 21, Univ«fitSts»Frauen- Klinik 18, Augusta- Hospital 16, Lazarus- Krankenhaus 36, Militär. Lazareth 4, EtädltscheS Krankenhaus Moabit 47. Charitee 152. Auf die 13 Standesämter vertheilen fich die Todesfälle folgend«maßen: Berlin-Kölln-Dorotbeenstadt 87, Friedrichstndt 68, Friedrich- und Schöneberg« Vorstadt 115, Friedrich- und Tempelhorr Vorstadt 157, Louisenstadt jenseits 297, Louisenstadt diesseits und Neu-Köln 186, Stralau« Piertel 366, Königstadt 149, Spandau« Piertel 131, Rosenthal« Vorstadt 268, Oranienburg« Vorstadt 186, Friedrich- Wilhelmstadt und Moabit 148, Wcdving 182. Die Lebend- geborenen find 34,00, die Todtgedorenen 1,42, die Sterbefälle 21,89 pro Mille der fortgesckriebenen Bevölk«ungszahl. ES wurden 11 103 Zugezogene, 7739 Weggezogene gemeldet, und in Gasthäusern»c. nach polizeilicher Meldung 26 458 Fremde behttbergt. Die Zahl der im Monat November zur Meldung gekommenen Jnfektions-Erkrankungsfälle betrug an TyphuS 69, Pocken 1, Masern 421, Scharlach 260, DiphtheritiS 747, Kind- bettfieb« 20. Die größten Zahlen unter diesen Erkrankungen entfallen auf Standesamt Vll mit 825, X mit 164, IV mit 146, VI mit 128 Fällen. Polizei-Beritt. Am 2. d. M. Abends gerieth in der Drucknei von Danzig«, TreSdenestr. 84, der Lehrling Strumpf durch eigenes Verschulden mit d« rechten Hand zwischen die Walzen ein« Schnellpresse, wodurch ihm der Daumen z«quetscht wurde. Er mußte nach der königlichen Klinik gebracht werden. — In der Nacht zum 4. d. M. wurde ein Mann bei ein« Schläg«ei in d« Fehrdellinerstraßc durch Stock' und Schirm- schlüge auf den Kopf so schw« verletzt, daß er mittelst Drosidke nach der Charitee gebracht werden mußte.— Am 4. d. M. Vormittags wurde ein jung« Mann in einem hiefigen Hotel todt vorgefunden. Derselbe hatte fich durch einen Revolverschuß in den Mund getödtet Die Leiche wurde nach dem ObduftionS- hause geschafft.— Um dieselbe Zeit fiel der Arbeiter Parch- mann auf dem Hofe des Grundstücks Möckernstr. 94 beim Auf- laden von Müll mit dem gefüllten Kasten in Folge AuS- gleitens zur Erde und brach daS Bein. Er wurde nach der Chart ee gebracht.— An demselben Vormittage wurde in d« Nähe der Lesfingbrücke die Leiche deS Töpfers Krutkoff anoe» schwemmt und nach dem Obduktionshause gebracht.— An demselben Tage Nachmittags wurde ein unbekannter Mann, in welchem später der Form« Schäf« festgestellt wurde, finnlos bettunken in der Dalldorferstraße betroffen und zur Ausnüch- terung nach d« Wacke des 58. Polizei-Reviers gebracht. AlS derselbe Abends geweckt werden sollte, fand man ihn todt, und ist er nach Feststellung des hinzugezogenen Arztes am Schlag- fluß verstorben.— Am 5. d. M. früh brach in ein« Gartenhalle des Grundstücks Thurmstr. 31 Feu« aus, durch welches die Halle und die daranstoßende Kegelbahn völlig zerstört wurden. Auf welche Weise daS Feuer entstanden, hat fich nicht feststellen lassen. Gerichts-Zeitung. Die bereit« zweimal vertagte Anklagesache gegen de« Dr. philadelphiae Simon Michael Rah wegen öffent- lich« Beleivigung deS Rechtsanwalts Jonas mittels üdl« Nachrede gelangte gestern wiederum zur Verhandlung, ab« noch nicht zum Urtheilsspruch, da fie auf neue Einwendungen des Angeklagten abgebrochen w«den mußte. Zum nächsten Sonnabend rst von dem Gerichtshof die Fortsetzung der V«- Handlung anberaumt worden. Der Angeklagte hat in seinem mehrfach besprochenen Vortrage in ein« Versammlung des D. A. B. am 29. Mai v. I. von dem Justizrath Marow« behauptet, daß« für Leute Prozesse geführt habe, obgleich ihm deren wucherisches Treiben aus diesen Prozessen bekannt ge- worden sei. Den gleichen Vorwurf hatte der Angeklagte gegen den derzettigen Generalsubstituttn deS Rechtsanwalts Ma- kow« Rechtsanwalt JonaS erhoben. Nur der letztere hat den Strafantrag gestellt. In dem am 18. Septemb« v. I. angestandenen Termin hatte fich der Ange- klagte auf daS Zeugniß eines Hauptmanns v. Goretzki Körnitz darüber berufen, vaß der Kaufmann V. Dauß seine aus wucherischen Geschäften erwachsenen Prozesse durch dm Justiz- rath Makow« in d« Zeit haben führen lassen, in welcher Rechtianwalt Jonas ihn als Generalsubstttut vertrat: daß V. D. als notorischer Much«« in Berlin bekannt sei und daß dies den Mandataren unmöglich hätte entgehen können. Außerdem hatte d« Angeklagte die Behauptung aufgestellt, daß Justizrath Makomet auch die Prozesse d« Getreide- Handlungsfirma Simon Boehm, der in gleichem Rufe stehe, wie V. D„ geführt habe. Diese Behauptung nahm der An» geklagte, nachdem festgestellt worden, daß Justizrath Makow« einmal d« Mandatar von Simon Boehm gewesen sei, zurück. In dem am 10. Oktober pr. anzestandenen Termin stellte ich b«aus, daß nicht der richtige v. G.-K. geladen war. D« Angeklagte erweiterte damals noch seine Antrage auf Er- Hebung deS Wahrheitsbeweises, und der Gerichtshof beschloß Vertagung und theflweise Erhebung dieser Beweise. Abgelehnt wurde die Vernehmung de« Kaufmanns Smanuel Bail in Cherson in Rußland und eineS Frl. Neumann, welche bei Bail Buchhalterin war, darüb«, daß Vittor D. den B. durch Be- Wucherung ruinirt habe. Im gestrigen Termin wurdm die Rechtsanwälte Jonas und Steinjchneiver, sowie Gerichtsaffeffor Hirchberg, welche zu verschievmen Zeitm als Hilfsarbeit« des Justizraths Makow« fungitt haben, vernommen. Nach deren übereinstimmenden Bekundungen warm die fttr Dauß geführten Prozesse lediglich aus einfachen Wechseln hervorgegangen. aus deren Namen ein Schluß auf zu Grunde liegende Wuch«geschäste nimm« zu ziehen gewesen sei. Justizrath Makow« habe bei Annahme-on Mandaten mit pnnlichst« Sorgfalt darauf ge- achtet, daß auch nicht das geringste Anrüchige damit verknüpft sei, und ist ihnen eine Instruktion nach dieser Richtung hin ertheilt worden. Aus dm V«nehmungm der übrigen Zeugm heben wir nur die des kommissarisch vernommenen v. Goretzki- Kornitz und deS Korvettenkapitäns Olleerg in Constanz hervor. Beide haben von and«m Personen Mittheilungen erhalten, auS denen fie auf einen wucherischen Charaker der Geschäfte deS V. D. geschloffen hätten. Sie wissm aber über die Pro- »esse deffelbm durch J.-R. Makower nichts. Gerichtsassessor Hirschb«g hob in sein« Aussage noch hervor, daß bei ein« Subhastation von dm Leutm im Bureau des J.-R. Makower davon gesprochen wordm ist, daß der Eubhastat von dm Geldgebern, unter denen fich auch V. D. befand, wohl or- dmtlich hochgmommm worden sein w«de. Auch sei ihm vor etwa vrerzebn Tagen im Privatgespräche mitgetheilt wordm, daß V. D. sehr hohe Zinsen genommen hätte. Dm Namen seines Gewährsmannes würde« nur angeben, wenn dies vom Gnicht verlangt würde. Da d« Angeklagte dm Ramm durchaus wissen will und d« PrSfidmt keinen Anlaß hat, die dahingehende Frage deS Angeklagtm als unzulSsstg zurückzuweisen, benennt der Zeuge dm Direktor Spey« der Linoleumfabrik zu Köpmick als feinen Gewährsmann. Der ,u heute ebenfalls gelaame Zeuge Justizrath Makow« konnte wegen Krankheit nicht«scheinen. D« Angeklagte besteht aber trotz des Vorhalts, daß d« Zeuge doch fich« nicht anders be- künden werde, als dre Zeugen JonaS, Steinschneider und Hirschb«g, darauf, daß dieser Zeuge darüber vernommen werde, daß ihm die wucherische Qualität seines Mandanten V. D- von 8 inen Bureaubeamten zur Kenntniß gebracht wordm sei. ußerdem beantragt er von Neuem die B«nehmung de« Frl. Neunrann und des Emanuel Bail. D« Verttet« des Nebenklägers Rechtsanwalt Dr. E. Fiiedemann widerspricht dtesm Anträgen, und der Gerichtshof beschließt kommissarische Vernehmung des JustizrathS Makow« in dessen Wohnung, die Vernehmung der Neumann und deS Bail ad« abzulehnen. weil die von denselben zu bekundmdm Thatsachen als nichtig angenommen werden sollen. Fem« soll zum Sonnabend der Direktor Speyer geladen werdm. Reichsgerichts-Entscheid««». Leipzig, 4. Januar. Ein BismarckdeleidigungSprozeß, d« wie alle solche Prozesse manch«- lei Jnt«effantes bot und zum Nachdenken anregte, kam am 4. Januar vor dem dritten Strafsenate des Reichsgerichtes zur Verhandlung. Beschuldigt, dm ReichSkanzl« durch die Presse beleidigt zu haben, war der verantwortliche Redakteur der„Altmburgischm Landeszeitung", Herr Hugo Gustav Otto Kegel in Altenburg, wobei zu bemerken ist, daß genanntes Blatt keineswegs zu d«„nörgelnden Oppofitionspresse" zähtt und früher dm Fürsten Bismarck recht gelobt hat. In Frage kam ein in Nr. 105 jm« Zettung vom 6. Mar 1885 enthaltener Originalbericht aus Kairo, üo«schrieben„Zur Affäre de« BoSphore Egyptim" und unt«zeichnet mit dem Buchstaden A. Nachdem daS Vorgehen der französischen Regierung in jener bekannten Sache besondttS lobend erwähnt war, folgte ein Ab» satz, welch« ungefähr folgendermaßen lautete: An uns Deutsche tritt unwillkürlich die Frage h«an: Würde sich die deutsche Reichsregierun« eine« ihr« Untnthanm aus dem Ge- wttbestande in der Weise annehmen wie die französische? Er müßte mindestens von oben herab gut empfohlen oder vom Adel sein. Der ReichSkanzl««blickte hierin eine Beleidigung sein« Person als Leiter der auswättigm Angelegenheiten und stellte deshalb Strafantrag. In der Sitzung vom 3. Novem« b« v. I. vemrtheilte daraufhin daS Alten bürg« Landgericht den obqmanntm Redakteur auf Grund deS§ 185 zu 3 Mo- naten Gefängniß. D« Einwand, daß eS eine deutsche Reichs« regittung nach der Verfassung nicht gebe, wurde in dm Uttheils- gründen als unzutreffend zurückgewresm, da der Reichskanzler alle Verwallungsbehördm deS Reichs gewiffermaßm als seine BureauS betrachten könne und dm Strafan- trag nicht als Privatmann, sondern als Leiter d« RnchSbehördm, speziell deS Auswärtigen AmteS gestellt habe. In der Revision, welche vor dem Reichsgericht durch Herrn Justizrath Dr. Braun vertreten wurde, rügte der Angeklagte, daß ein von dem deutschen Konsul in Kairo am 25. September abgefaßtes Protokoll üb« die Vemehmung des dortigen Kaufmanns Ander«, eines deutschen Staatsangehörigen. der fich zum Verfasser deS inkriminirten Artikels bekannte. trotz des Antrages deS V«theidig«S nicht vorgelesen wordm sei. Hieran knüpfte fich die Ausführung, daß eS nach dem Preßgesetze nicht gerechtfertigt«scheine, dm Redatteur zur V«- antwortung zu ziehen, wenn der Verfass« bekannt sei und dirett unter dem Griffe der deutschen Regierung, hier veS Kon- sulates in Kairo stehe. Der Vertheidig« führte dann noch besonders auS, daß eine ReichSregierung nicht bestehe, was ja d« ReichSkanzl« am 1. Dezember selbst im Reichs- tage erklärt habe. Ung«echtfettigt erscheine eS auch, gegm den Redattmr zu»«bändeln, ehe man gegm den Verfasser verhandelt habe, weil man sonst nicht üb« die preßgesetzliche V«antwortttchkeit deS«sterm im Klaren sein könne. D« Reichsanwalt bezeichnete die Beschwerde als nicht begründet, da eS in das Ermessen deS Gerichtes gestellt sei, eine Sache, bei d« mehr«e Angeklagte in Frage kommen, zu trennen. Die prozessuale Rüge könne deshalb keinen Erfolg haben, wett jenes Protokoll in Kairo auf Veranlassung der Staatsanwalt« schaft aufgenommen sei. Jm Uebrigm ließen die Feststellun- gen des UrtheilS keinen RechtSirtthum«kennen und er bean- trage desHaid die Verwerfung der Revision. DaS Reichsgericht erachtete diese Ausführungen für zutreffend und v«warf die Reviston. Uerewe und Uersammlunge«. Der Zmtral-ArbettsnachweiS für Tischler, im Jahre 1881 vom Fachverein der Tischl« begründet, befindet fich Blummftraße 56 auf der Tischlerherberge. Die Arbeits- vermittelung geschieht für beide Theile(Meist« und Gesellen) unentgeltlich. Die Adressmausgabe an arbeitsuchende Gesellen «folgt an Wochentagen von 8'/, bis 9'/, Uhr Abends; Sonntags Vormittags von 9 bis 11 Uhr. Gesuche um Zu- schickung von Arbettm w«den p« Postkarte erbeten, auch können derartige Gesuche in den am Eingange dei Lokals be» findlichm Briefkastm gelegt werden. Der Fachverew der Tischler hält am Sonnabend, dm 9. Januar, Abends 8*/, Uhr, in Eäg«'S Lolal, Grüner Weg Nr. 29, eine Versammlung ab, zu welch« auch Gäste Zutritt haben. Im Norden Berlins findet in dieser Woche keine Ver« einSversammlung statt. Die Zahlstellen des Vereins find jeden Sonnabend AbmdS von 8*/, bis 10 Uhr geöffnet und befinden fich Belle- Allianc-platz 6 bei Hilscher, Skalitzersttaße 18 bei Stramm, ZionSktrchplay 11 bei Hohn und Blummftraße 56 auf der Tischl«herb«ge. Daselbst w«den die Mitgliederbeiträge in Empfang genommen, sowie nme Mitglied« aufgenommen. Verantwortlich« Redakteur K, Grauhet« tu Berlin. Druck und Vulag von M« Babing in Berlin ÖW, Beuthsttaße 2 Hierin eine Beilage. Vellage zum Berliner Volksblatt. . 4. Mittwochs den 6. Jannar 1886. III. KiW nindjtn gilt mchl! die rechtsliberal« und mit der Ueberschrist: offiziöse Prefie läuft „Die Besorgnisse der dem Kredit für die Be- eventuell den Einbruch Durch ein Artikel Schweiz." Der Artikel spricht zunächst von festigung deS GotthardpaffeS, der der„Fremden" von Süden her Einhalt gebieten solle und fahrt dann fort: „Es giebt wohl kaum mehr einen vernünftigen Schweizer, der nicht zu der Uedeizeugung gelangt wäre, daß die ganz«, in Europa längst veraltete und vereinzelte republikanische „Eidgenossenschaft" nur so lange zu bestehen vermöge, alS e« den Monarchien unseres ErdtheileS gefällt. Wenn fich die Schweizer dieses tbatsächliche Verhältniß recht klar machen wollten, so hätten fie fich auch füglich den Kredit für die Gottharddefemgung und ihre ganze bisherige Soldaten- spielerei ersparen können. Mindestens wird doch Niemand, selbst nicht in der Schweiz, allen Ernstes glauben können, daß ©ort die verschiedenen„Cantönli"- Milizen den Einmarsch und Besetzung des Landes seitens deS Heeres irgend einer europäischen Großmacht zu verhindern vermögen." WaS hier der Reptilien> Artikel sagt, kann Niemand be« streiten. Wenn die Monarchien, d. h. sämmtliche monarchische Großstaaten beschließen, die„Eidgenossenschaft" aufzuheben, so wird Niemand einem solchen Beschlüsse vorläufig widerstehen können und an Stelle der Republik würde eine Monarchie treten mit einem von den Großmächten eingesetzten Herzoge oder Könige an der Spitze. Es tritt dann daS„Recht" deS Mächtigen ein. Doch was soll das eigentlich gegen daS Miliz« system, gegen die schweizerische Volkswehr deweisen? Wenn nämlich in der Schweiz daS preußische Militärsystem eingeführt würde, wenn dann sämmtliche Großmonarchien Europas den Untergang der freien Schweiz beschlössen, könnte dann am Ende die militärisch dresfirte Schweiz erfolgreichen Widerstand leisten? Die Bejahung dieser Frage wird selbst das best bezahlte Reptil nicht zu zischen wagen. Und umgekehrt! Wenn die Republiken in Amerika be« schließen, den einzigen monarchischen Staat jenes Erdtheils, das Kaiserreich Brasilien, nicht weiter bestehen zu lassen, son« dem in eine Republik zu verwandeln, dann können alle Mo- narchen der Welt, der Kaiser von China an der Spitze, dieS nicht verhindern Die Frage liegt bei der Schweiz nicht so: Monarchie oder Republik, stehendes Heer oder Miliz?— sondern sie spitzt sich in der Frage zu: Macht oder Ohnmacht? Daß die heutige Schweiz mit stehendem Heer oder mit MUizsystem einer monarchischen Großmacht nicht auf die Dauer widerstehen kann, ist natürlich. Aber auch dem republikanischen Frankreich würde die„Eidgenossenschaft" ebensowenig mit Erfolg Halt gebieten können. Deshalb ist der folgende Passus des aufgeführten Artikels so überaus unzutreffend. Hören wir: „Auch die Befestigung des Gotthardpasses wird die mili« tärische Widerstandsfähigkeit der Schweiz gegen das Heer eines manarchischen Großstaates, das aus geschulten, wirllichm Sol- daten besteht, nicht wesentlich erhöhen können. Das Milizwesm ist und bleibt einer tüchtigen stehenden Armee gegenüber völlig unzureichend, ja die Schweiz würde fich von der Richtigkeu dieser allgemein feststehenden Behauptung jedenfalls thatsächlich überzeugt haben, wenn fie überhaupt in der Neuzeit Gelegen« heit gehabt hätte, gegen ein stehendes Heer Krieg zu führen." Wir wollen einmal annehmen, das große Deutschland mit seinem außerordentlich tüchtigen Menschenmaterial hätte ein Milizsystem; Belgien, Holland, Dänemark und die Schweiz aber stehende Heere und diese vier Staaten wollten Deutschland mit Krieg überziehen— was wäre die Folge davon? Innerhalb acht Tagen würden die Volkswehren unseres deutschen Vaterlandes die sämmtliche» gedrillten Soldatm jener vier Staaten zum Tempel hinausgejagt habm auf Nimmerwiedersehen! Natürlich! Deutschland ist auch groß und die vier anderen find klein! Ader ebenso natürlich ist eS, daß die Schweiz, weil fie klein, den Großmächten nicht widerstehen kann. Bis jetzt haben in der Neuzeit nur drei Mal in großm Kriegen Volks- wehrm stehenden Heeren gegenüber gekämpft— und zwei Mal gestegt. Die zusammengerafften Krieger der ersten franzöfischen m FalsWrltt-Kmsse. Beobachtungen am grünen Tische. Unlängst war in den Zeitungen zu lesen, daß der bra- stlianische Gesandte am italienischen Königshofe, Herr Calado, im Spielklub della Caccia zu Rom beim Falsch« spielen abgefaßt worden sei. Man hatte fich schon seit ge« raumer Zeit darüber gewundert, daß jener exotische Diplomat, der ehemals unter dem zweiten Kaiserreich als begünstigter Verehrer der Geliebten Napoleons UL. der schöne« Mar» gumle Bellanger, in Paris eine gewisse Berühmtheit ge- nossm hatte, ein ganz erstaunliches Glück beim Spiel ent« wickelte und stets ungeheure Summen gewann. CS wurde nun ei» besonderes Komitee mit seiner Ueberwachung be« auftragt, und dieses stellte denn auch bald fest, daß Herr Calado„das Glück zu korrigirm" verstehe, sobald es Miene mache, ihm untreu zu werden. Dieser Fall hat jedoch nur in den Kreisen, die dem Treiben der vornehmen und ge» «erbsmäßigen Spielerwelt fern stehen, besondere Ueber» raschung erregt; den» in den zahlreichen Spielzirkeln, welche in allen große» Hauptstädten— am meiste» freilich noch w Paris— sich vorfinden, erlebt man ähnliches nur zu häufig. D« Brasilianer, den seine Regierung— kaum glaublich u»d doch wahr!— ganz einfach nach Athen versetzt hat, brachte berm Spiel einen jener Kunstgriffe zur Anwendung, die man im Argot der Spieler„la ponssette" heißt, und worüber unsere Leser vielleicht nicht ohne Interesse einige nähere Details vernehmen werden. Vorher sei bemerkt, daß in de« meisten Sptelklubs das bare Geld durch Marke« oder Plättchen vertreten wird, auf denen die Summe, welche fie vorstellen sollen, durch Ziffern bezeichnet ist. Die Mitglieder kaufen vor dem Spiel solche Marken an der Kasse, welche dieselben nachher wieder einlöst, sobald der Gewinner sie präsentirt. Die Poussette ist die gewöhnliche Manier de« Be« nügevs beim Spiel, welche solche Zndustrieritter des grünen �'iches vom Schlage des genannten Diplomaten anzuwenden Republik haben. die gedrillten Truppen dreier monarchischen Großstaaten in völlige Flucht geschlagen, und die preußischen Lendwehren haben 1813 in der Hauptsache dazu beigetragen, den größten Feldherrn aller Zeiten zum Lande hinauszutreiben. Und 1870/7 l? Haben die unauSgedildeten Gambetta'schen Schaars» der deutschen Armee nicht energischeren Widerstand geleistet, als die gedrillten kaiserlichen Regimenter? Oder möchte man auch in offiziösen deutschen Kreisen an einen Ver« rath Bazaine's glauben?—,. Fedoch die Schweiz braucht gar keine Angst zu haben. Die Großmächte mögen mit Unmuth auf die schweizer Re- publik schauen, aber fie werden fich niemals einigen, diesem Unmuthe irgend eine Tbat folgen zu lassen. Bier große Reiche grenzen an die Schweiz und alle vier find eifersüchtig auf einander. Italien wird bei einem etwaigen Untemehmen gegen die Schweiz von Frankreich und Oesterreich streng bewacht: beide Großmächte würden sofort der Schweiz ihre Unterstützung an- bieten und bis diese Verhandlungen zum Abschluß kamen, würden die schweizer Milizen und die Gotthardpaßbefestigunaen den grade nicht übermäßig tüchtigen italienischen Soldaten den Weg versperren Sollte Frankreich FnteroentionSgelüste bezeigen, so würde ihm Deutschland auf die Finger sehen, und ebenso umgekehrt. Die Schweiz kann also ruhig sein. Weshalb also das Reptiliengezisch gegen die Schweiz, die nur ihre Grenzen schützen will?_ Plihllumnk. Von der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstag wird bekanntlich in nächster Zeit der Antrag eingebracht werden, durch Gesetz zu bestimmen, daß fich die Wähler bei Abgabe ihrer Stimmzettel amtlicher Wahlkouverts bedienen müssen. Es braucht wohl nicht näher eröetert zu weiden, daß nur durch dieses Mittel das Wadlgehcimniß vollständig gewahrt werden kann, und Hoch- und Niedergestellte, Albeiter wie Fabrikant, sicher sein können, daß ihre Abstimmung keine per« sönlichen Nachtheile für fie im Gefolge haben kann. Das Schicksal deS Antrags hängt bekanntlich davon ab, ob im Reichstage Zentrum und Liberale dafür stimmen werden. Vielleicht nehmen fich nun die Mitglieder dieser beiden Fraftionen ein Exempel daran, waS die Führer der bayerischen Patrioten und Liberalen über dieses Thema in der bayerischen Abgeordnetenkammer geäußert haben. Gelegentlich der bekannten Debatten, welche in der ein- bundertundzwölsten öffentlichen Sitzung der Abgeordneten« kammer über„Wahlsreiheit" und„Wahlgeheimniß" oder viel- mehr über die Betheiligung der Beamten an der Wahl Voll» mar's gepflogen wurden, äußerte fich der Führer der Liberalen, Herr von Schauß, nach dem amtlichen stenographischen Bericht in Bezug auf das Wahlgeheimniß unter Anderm wie folgt: „—— Wunderbar ist aber, daß die Herren so genau wissen wollen, daß sozialdemokratisch überhaupt von Beamten gewählt sein soll, was ich nicht glaube.— Die Erhebungen, die von der Regierung aepsiogen worden find, haben ergeben, daß dafür keine Anhalts- punkte vorhanden find. Ich weiß bestimmt, in München links, im ersten Wahlbezirke, haben wir gar keine Er« klärung, woher man etwa wissen könnte, daß sozialdemo« Iratisch gewählt ist. Woher weiß man es denn angeblich von dem Wahlbezirke München Ii? Sollte da nicht auch der bedauerliche Umstand dazu b;i- getragen haben, daß im Wahlbezirke Ii die Wahl viellcrcht eine weniger geheime gewesen ist, als im Wahl- bezirk München I? Sollte es an dem Vollzüge des Wahlgesetzes fehlen, außen in den Ausschüssen oder bei anderen Behörden? Das wäre noch viel bedenklicher, wenn die einzelnen Ausschüsse mit Mitteln, welche ich recht gut kenne, d-e ihnen zur Verfügung stehen, eine Art Kontrole über die Ausübung des Wahlrechtes übten! Wird das Wahlrecht so ausgeübt in allen den Formen, die das Gesetz vorschreibt, so sollte man meinen, daß man von der Art der Abstimmung gar nichts wissen kann, also auch nicht, ob ein Beamter sozialdemo- kratisch oder anders gewählt hat.— Daß man trotz- dem wissen soll, daß dem anders gewesen sei, das hat mir schon damals, alS Herr Dr. Daller die berühmte pflegen. DaS Wort bedeutet eigentlich ein Stecknadelspiel; hier aber soll e» in erster Linie eine blitzschnelle Bewegung bedeute«, mit der ein Ponte< Gegenspieler im Pharao oder Bakkarat), sobald er gesehen, daß der Kcup für den Bankier verloren ist, seine Marke von dem gelben Strich, auf dem fie bisher stand, mitte» auf den Spielteppich schiebt, wo« durch sich der Gewinnst verdoppelt. Dergleichen ist unter de» Auge« der dicht nebe» einem Sitzenden nicht leicht aus- zuführen; trotzdem aber giebt es Leute, die es in dieser Spezialität zu einer ganz erstaunliche« Gewandtheit gebracht haben. ES cxistire» nun sehr verschiedene Arten der Poussette, von denen man die meisten Kniffe in den Svielklubs längst kennt; aber es gelingt einer gewandten Hand und eisernen Sttrn immer wieder, die Gesellschaft eine Zeitlang zu hintergehen, bis dann doch die Stunde der Entdeckung schlägt. Besonders vorsichtige Biedermänner dieses Schlages be- gnüge« sich damit, beispielsweise eine Marke von fünf Louis i cheval auf den Strich zu setzen; geht der Kvup verloren, so behaupten sie stech, ausdrücklich vorher angesagt zu haben, daß die Marke diesmal nur einen Louis gelten solle; und der Bankier giebt sich fast immer damit zufrieden, da er keine Zeit zu langen Auseinandersetzunzen mit den einzelnen Spielern hat. Gewinnt aber der Koup, so lassen sie sich natürlich den ganzen Betrag auszahlen. Ein augenscheinlich in alle Geheimnisse der Spielsalons eingeweihter Autor, K. Deperieres, erzählt in seinem soeben erschienenen, höchst interessanten Buche„Pari«, wie eS spielt und— mogelt"(Paris qni Jone et Paris qui triebe) von einem sehr hohen Herrn, der zwei Zahre lang diese lohnende Industrie in einem der exklusivste« Spielzirkel von Paris ausübte. Das Komitee faßte endlich den Entschluß, ihm brieflich mitzutheilen, daß sein Treiben entlarvt sei, und dieser Brief wurde ihm übergehe«, als er beim Spiele saß und gerade gewonnen hatte. ,Wie viel?" stagte der Bankhalter, während jener noch las."Lächelnd nannte er die ganze Summe, wechselte seine Rede in Tuntenhausen gehalten hat, große Bedenken erweckt."— Hierauf erwiderte der Führer der Patrioten, der Abgeord- nete Kopp, folgendes: „-- Kollega Schauß wundert fich auch darüber, daß man im Wablkreis München II vielleicht durch eine Verletzung der Pflichten der Ausschüsse, wie er meint, gewußt hat, wie man gewählt hat. Meine Herren! Da kämen wir auf eine Frage, die wir auch schon behandelt haben, und zwar bei Gelegenheit der Abänderung des Wahlgesetzes. Es ist nichis leichter als zu wissen, wie Jemand gewählt hat: abgesehen davon, daß man in der Regel die politische Gesinnung der Wäbler schon von vorneherein kennt, so hat auch jeder S.immzettel eine verschiedene Farbe. Man kennt schon an der äußeren Form des Wahlzettels den Kandidaten und weiß daher von Jedem, der seine Stimme abgiebt, wen er gewählt hat. Das wollten wir ja ändern durch Einführung von Wahlkouverts, allein auch diese Sache hat ihre Schmie« rigkeiten gehabt. Also, es ist ohne Verletzung der Pflichten des Ausschusses den Mitgliedern desselben sehr leicht möglich, gleich bei Abgabe des Wahlzettels zu er- kennen, wie gewählt wurde." Hier ist also klar und bestimmt nachgewiesen, daß bei der gegenwärtigen Abstimmung mittels Stimmzetteln aus weißem Papier daS Wahlgeheimniß nicht gewahrt werden kann. waS aber allerdings erreicht wird, wenn von Amtswegen Wahl- kouverte von gleicher Farbe und Größe an alle Wähler ver- theilt werden. Der Führer der bayrischen Patrioten behauptete zwar, die Einführung von Wahlkouverts habe ihre Schwierig» ketten, diese„Schwierigkeiten" find aber wohl einzig und allein nur darauf zurückzuführen, daß eben diverse Parteien im Partei» intereffe nicht wollen, daß das Wahlgeheimniß gewahrt bleibe, weil sonst auch kein Druck auf die nicht vollständig unab- hängigen Wähler ausgeübt werden kann. Daß die Einführung von Wahlkouverts mit gar keinen Schwierigkeiten verbunden ist, beweist am besten, daß dieser ModuS in einer ganzen Reihe von Staaten schon längst ein- geführt ist und fich auch bewährt hat; die Parteien im Reichs- tag, welche daher gegen den Antrag auf Einführung von Wahl- kouoerts stimmen, stellen fich selbst das Zeugniß aus, daß sie eben daS Wahlgeheimniß nicht gewahrt wissen wollen. Lokales. �„ b. Ohne Konkurrenz kein Leben. Die Omnibus- Gesellschaft macht brillante Geschäfte. jJn den letzten Fest- tagen brachte ein Omnibus bis 55 Mark ein Und wie viele Personen mußten die Kondukteure unterwegs abweisen I Vom Halleschen Tbor bis zu den Linden zählte man bei einem Omnibus 8 Personen, welche nicht aufgenommen werden konnten. Die Gesellschaft aber bleibt bei ihrer beschränkten Anzahl Wagen und ihren langen Fahrpausen. Sie ha: genug Einnahmen. Ebenso hält fie hartnäckig ihr schwerfälliges Wagen-Modell fest. Der langgestreckte W-lmersdorfer Omnidus mrt seinen 20 Sitzplätzen im Innern fährt viel leichter, alS die Ungethüme der Berliner Gesellschaft. Aber, waS geht sie das Publikum an! Die Gesellschaft steht fich brillant, und dies genügt ihr. Su hat eben keine Konkurrenz. »«§•»glücklicher" Gewinner. Der Kaufmann M. in der Brertestraße entnahm ein Loos der letzten großen Lotterie mit emem lener 4818 Gewinne herauszukommen, für welche in der Ziehungsttste ein Gesammtwerth von 70000 M. angegeben ist- Auf die Einsendung seines Looses erhielt nun Herr M. ein Kastchen von lackiriem Holz mit Charntren und einem Schloß von Weißblech, welches nach dem Uctheil von Fachleuten kaum einen Werth von 1 M. besitzt, während nach der Zahl der Gewinne und dem hierfür ausgeworfenen Betrage der DurchschnittSwerih ca. 15 M. sein müß:«. An Porto mußte Herr M. obenem noch 80 Pf. bezahlen. Da auch daS Schloß des Kastchens beschädigt war, so ver- weigerte Herr M. die Annahme des Gewinnes und «hielt auf eine bezügliche Postkarte von dem Komitee ein Schreiben folgenden Inhalts:„In Erwiderung Ihrer Post. karte theilen wir Ihnen mit, daß der Gewinn, den Sie empfangen haben haben, den Werth von 3 M.(drei Mark) Marken an der Kasse ein und verschwand, ohne weiter ein Wort zu sagen. Solcher Manöver giebt e« nach dem unserer Schilderung zu Grunde gelegten Berichte des genannten Autors nun noch gar manche, und alle haben ihre eigne Bezeichnung. Eine» der primiiivste» ist z. B., die Karten beim Austheilen genau zu verfolgen; denn da manche Bankiers sehr hoch gebe», so kann man e« bei genügender Hebung dahin bringen, die Karten von unten zu erkennen. Man nennt dies„joner le point de vuo." In de« Klubs kommt man, wie elwähnt. rasch hinter alle diese Listen, entschließt sich aber manchmal, wenn die Sache nicht ,u auffällig und unverschämt betrieben wird, ein Auge zuzudrücken. Ein junger Man« war eben in etnen Zirkel als Mitglied aufgenommen worden und hielt zum ersten Mal darin Bank. Mit Befremden sah er jedes« mal noch rasch einen LouiSd'or auf den Tisch fallen, wenn die Gegenlpieler gewonnen hatten. Als Neuling in dem Kreise wagte er nichts zu sagen, sondern zahlte nchtig aus; nach dem Ende der Taille aber nahm er einen von de« Herren, die ihn eingeführt hatten, beiseite und vertraute ihm an, was er„bemerkt zu haben glaube," wie er sich diskret ausdrückte.„O, das macht nichts, mein Lieber," sagte jener ganz gelassen,„darauf brauchen Sie nicht zu achten. Das ist Richard!" „So, so," meinte der verdutzte Bankier,„wenn eS Richard ist, dann bitte ich um Entschuldigung." DieS war die einzige Aufklärung, welche man ihm zu geben für «öthia hielt. Manche Arte« der Poussette find im Gegensatz zu den vorhin erwähnten keine plumpen Kniffe, sondern wirklich scharfsinnig auSgesonnen. In einem vornehmen Spielklub einer großen Badestadt war die Tafel, an der man Bakka« rat spielte, durch die doppelte Hängelampe darüber nicht hinlänglich beleuchtet, so daß man au den beide« Enden »och zwei Handleuchter au« massivem Silber aufstellte. Ein reicher Bankier, Grieche von Nationalität und Beruf(im Französische« bezeichnet daS Wort grec bekanntlich zugleich einen gewohnhettsmäßigen Falschspieler), saß stets auf dem rtprasmiirt, und erlauben unS gleichzeitig zu bemerken, daß die Gewinne im Werthe nicht nach der Reihenfolge, sondern durch einander laufend find. Wir bedauern, daß vaS Schloß von dem festen Kästchen, welche? Sie gewonnen haben, zerbrochen worden ist und füge Ihnen zur Entschädigung 3 Mark in Briefmarken bei. Das Kästchen retourniren Sie unS nicht wieder." Wie koulant! Aber trotz dieser Opferwilligkeit denkt Herr M. gar nicht daran, fich zufrieden zu geben, sondern wird eventuell die Hilfe der Behörde in Anspruch nehmen, um zu seinem Recht zu gelangen. Auf die Verhältnisse der Privatlotterien wirft dieser Vorfall jedenfalls wieder ein grelles Licht. Die unterbrochene HochzeitSfeier. Der Schuhmacher Krüger beging am 23. November v. I. sein Hochzettsfefi, und seine in der Schlegelstraße belegene Wohnung barg am Abend des genannten Tages eine Anzahl heiterer und angeheiterter Gäste, die das Tanzbein schwangen, so gut eS der beschränkte Raum erlaubte. Da tauchte plötzlich in der Gesellschaft eine fremde Erscheinung auf, die man bisher nicht gesehen. ES war ein junger Mensch, ver fich sang glne eine der Damen engagirte und mit Lust und Gefühl nach den Klängen einer Zieharmonika unter den HockzeitSgästen umhersprang. Der HochzeitSvatcr machte große Augen, als er den ungebetenen Gast erblickte, der nicht einmal ein hochzeitlich Kleid anhatte und kategorisch verlangte er von ihm, daß er fich sofort entferne. Dem Eindringling paßte dieS aber nicht und nach mehrmaliaer vergeblicher Aufforderung mußte man Gewalt anwenden. Auf dem Hofe kam es zwischen dem Hinausgeworfenen und seinen Gegnern zu einem Kampf, und hierbei muß der elftere wohl ein Messer oder einen sonstigen scharfen Gegenstand benutzt haben, denn zwei seiner Gegner wurden im Geficht verletzt. Schließlich brachte man den Exzedenten zur Wache, woselbst er als der bereits mehrfach wegen ähnlicher Brutalitäten vorbe« strafte„Arbeiter" Ernst Beierlein rekognoszirt wurde. Am Montag hatte die 88. Abtheilung des Schöffengerichts diese Angelegenheit zu prüfen, und der Gerichtshof fand den Exzeß so grober Natur, daß er auf 3 Monate Gefängniß erkannte. Der Kaffee als Barometer. Die verschiedenen Erschei- nungen, welche sich ergeben, wenn Zucker einer Tasse schwarzen Kaffees beigegeben wird, find hinlänglich bekannt; das Er- gebniß der bezüglichen Beobachtungen jedoch dürste wohl manchem Leser neu sein. Nach wiederholt angestellten Per- suchen und Proben im Vergleich mit den Angaben eines metallischen Barometers Bourdon und eines Barometers mit Oueckstlberröhren ergiebt fich folgendes: Wenn Sie beim Vollgießen Ihrer Tasse den Zucker zergehen lassen, ohne die Flüsfigkeit in Bewegung zu bringen, so steigen die im Zucker enthaltenen Luttbläschen an die Oberfläche. Formen diese Bläschen eine schaumige Masse und halten fich hübsch im Zentrum der Tasse, so zeigt dies� stäiigesj Schönwetter an. testet fich dagegen der Schaum in Ringen am Rand der äffe an, so bedeutet dies Regen. Im Falle der Schaum über der ganzen Oberfläche sich ausbreitet, so haben Sie Ver- änderlich, sammelt er sich schließlich gegen Einen Punkt des Randes der Tasse, ohne sich zu zertherlen, so ist Regen, aber von kurzer Dauer, im Anzug. Wie vor einiaen Tage« mitgetheilt wurde, hat der Gärtner Jost aus Britz in der Sylvcsternacht einen Kutscher tödtlich verwundet, lieber diesen Vorfall wird folgendes Nähere mitgetheilt: Jost war als Gärtnergehilfe in den Spaethsschen Baumschulen in Britz angestellt und zeichnete fich dort durch einen gewissen Bildungsgrad, durch Fleiß und Eifer, außerdem aber auch durch sein häufig sehr exzentrisches Wesen aus. Nicht in einem Lokal in Rixdorf, sondern in der in den Baumschulen zu Britz befindlichen Restauration war am Syl- vesterabend Jost mit seinen Kollegen zur Feier versammelt, als auch der Spaeth'sche Kutscher Weber sich dort einfand. Jost mochte die Gesellschaft desselben nicht angenehm sein, denn er äußerte sich mit Bezug auf denselben, daß es nach Pferden rieche. Weber fühlte fich durch diese Aeußerung ver- letzt, und es kam zwischen beiden zu einem ziemlich bestigen Wortkampf, welcher indessen durch das Dazwischentreten der anderen Personen beigelegt wurde, so daß anscheinend jeder Zwist beseitigt schien und die Streitenden in anscheinend bestem Einvernehmen noch längere Zeit bei einander saßen. Plötzlich verschwand Jost aus dem Lokal und holte aus seiner Dienstwohnung einen geladenen sechsläufigen Revolver. Als bereits längst das neue Jahr angebrochen war, verließ auch Weber das Lokal und nur wenige Schritte in der Baumschule von demselben entfernt, wurden drei Schüsse aus unmittel- barer Nähe auf ihn abgefeuert, von denen einer traf und chm eine Kugel in die linke Brust jagte. Erst durch das Hilfe- geschrci des Schwerverletzten wurden die noch im Lokal be- findlichen Gärtner, die der Meinung waren, daß die Schüsse noch dem Neujahr gegolten hatten, aufmerksam und fanden Weber, der nach Bethanien geschafft wurde. Jetzt im Unter- suchungs-Arrest ist Jost völlig zerknirscht und gebrochen, Weber ist noch am Leben, doch ist die Kugel noch nicht aus der Brust entiernt.�� � gilbet. Der 8 Jahre alte Sohn deS Echuhmachermeisters Ltndhorst in der Markgrafenstraße einen Eckplatze und setzte immer ein Hundertfrankkstück. Er rauchrs uaablässig Zigaretten, und in dem Hantieren mit dem vor ihm stehenden Leuchter, das er dabei ausführte, beruhle das ganze Geheimniß scineS immerwährenden Spiel» glückes. War nämlich ein Koup für die Ponten gewonnen, so hob er den Leuchter auf, um sich eine neue Zigarette anzuzünden, und dann lag jedesmal ein Hundertfranksstück auf dem Spieltcppich, auf das natürlich der gebührende Ge- winnst ausgezahlt wurde. Nach einigen Sekunden wußte er dann gewandt ein neues Hundertfravksstück unter den wieder hingesetzten Leuchter zu praktiziren und wartete nun ab. Ging der Koup verloren, so bezähmte er seine Lust zu rauchen, der Leuchter blieb stehen, nnd das Hundertfranks- stück ruhte darunter, bis es bei dem nächsten Gewinnst Koup wieder zum Vorschein kam. Das Befremdenste war, daß dieser Grieche, der natürlich nach der Entdeckung stincS Kunststücks schimpflich ausgestoßen wurde, eine Rente von 200 000 Frank« besaß und fich doch in so schmutziger Weise bemühte, immer noch mehr einzuheimsen. Ein Spanier von Rang und sehr angesehener Stellung in der großen Welt übte lange Zeit hindurch in einem der großen Pariser Klubs eine andere Art der Pouffette aus. Wie in fast allen geschlossenen Gesellschaften gicbt eS dort leine KroupierS, sondern der Bankier zahlt selbst au«. Jener Hidalgo hatte nun immer einen ganzen Haufen von Marken verschiedenen Werthes vor sich, den er setzte. Verlor ee, so war nichts zu machen; gewann er aber, so erwiderte er auf b:e Frage deS Bankiers„Wie viel beträgt der Haufen?" ganz unbefangen:„Zch weiß eS nicht, werde aber nachzählen." Nun breitete er den Haufen mit der Rechten auf dem Tische aus, wußte aber jedesmal mehrere Marken höheren Betrages, die er schnell aus der Tasche genommen und in der hohlen Hand verborgen hatte, geschickt hinzuzuthun. DieS waren den« seine kleinen Verdienste, die er unbeargwohnt einzoa, bis er eines TageS die Dosis gar zu stark bemessen hatte. Nu« kam man dahinter, und schon ammächsten Tage erhielt er eine Zuschrift deS Vorstandes, in der er ersucht wurde, nicht mehr im Zirkel zu erscheine«. Nach zwei Tagen schon erschien er jedoch ganz ruhig w'eder und vertiefte sich im Lesezimmer in die„Revue des deux-Monde«." Man schickte einen der Angestellten zu fand am Sonntag Nachmittag an der Ecke der Markgrafen» und Beffelstraße eine Börse mit 1800 M. Inhalt, bestehend in 32 Scheinen a 50 HU. und 2 Scheinen a 100 M. Der Knabe brachte-den werthvollen Fund seinem Vater, welcher fich mit demselben sofort nach dem Polizeibureau in der Linden- straße begab und ihn hier deponirte. Bald darauf traf hier auch die Meldung ein, daß ein junger Mann, welcher mtt seiner Braut Hochzeitseinkäufe machte, die Börse verloren hatte. Fast unglaublich klingt es, daß der Verlierer fich weigette, einen Fmderlohn zu bezahlen. Erst auf den Hinweis im Polizeibureau zur Verpflichtung hierzu bequemte er fich zur Erlegung des gesetzlichen Finderlohns. Aus dem Lebe« der Großstadt. Vor einigen Jahren war daS Haus Schw.... in Wien der Sammelplatz hervor« ragender Persönlichkeiten der Kaiserstadt an der Donau. Den Mittelpunkt des Interesses bildete die schöne Gattin, welche die Natur mit einer Fülle äußerer und innerer Vorzüge auS> gestattet hatte. Namentlich bewunderte man ihr Talent zum Malen, eine Kunst, die fie begeistert liebte und pflegte. Eine« Tages schlugen deS Gatten Unternehmungen in unerwarteter Weise fehl, nichts wollte mehr glücken, und endlich war der Zusammenbruch nicht mehr aufzuhalten. Man kann fich die demüthigenden Einzelheiten eines solchen Schicksals vergegen- wärtigen. Gram und Sorge warfen dm Gatten aufs Krankenlager. Vor fünf Monaten starb er, sein Weib, sein Kind in trostloser Lage zurücklassmd. Nun trat, wie die „B. Z." mtttheilt, der Charakter ver Mutter in ganzer Größe hervor. Wie tief fie auch der Tod des Gatten erschüttert hatte— fie mußte an ihr Kind denken, fie mußte fich auf- raffen und an die Gewinnung eines Unterhaltes für dasselbe gehen. In Wien war natürlich ihreS Bleibens nicht. Sie machte viele Kostbarkeiten, die früher einen Theil ihrer Be- dürfnisse gebildet hatten und zum Theil wohl schon im Leih- amt waren, so weit es ging, zu Geld, eiste nach Paris und erlernte dort in den ersten Ateliers das Photographiren, ein Gewerbe, auf das fie ihr Malertalent hingcwiesm. Nach viermonatlichem Studium erhiest fie das Zeugniß, alle Voll« endung des Faches erlangt zu haben und zumal Photographien durch Oelfarben so glücklich zu übermalm, daß fie damit Kunstwerke schafft, die einen bleibenden Werth haben. Vor drei Wochen kehrte die muthige Frau Parts den Rücken und--- Seit einigen Tagen empfiehtt fich dem Ber- liner Publikum daS„Photographische Atelier Mea". Die Be- fitzerin desselben aber ist die Helvin dieser buchstäblich wahren Erzählung. Einen große« Schaden habm in diesem Jahre die Pächter der Rousseau� Insel. Alle Vorbereitungen, welche fie bei eintretmdem Frost in der Hoffnung trafm, daß endlich daS Gewässer derartig gefrieren würde, um die Eisbahn eröffnen zu können, stellten fich als unnütz heraus. Dem Anschein nach ist auf einen tüchtigen Winter gar nicht zu rechnen, und so kommt es denn auch, daß die Eiskellereibefitzer mit Sorge in die Zukunft sehen.— WeZhalb sollen gerade nur die Pächter der Rousseau- Insel den Schaden haben und die anderen nicht? Jedenfalls find die meisten Anderen viel bedauernswerther. Sensationeller Selbstmord. Auf dem Schloßplatz ttat am Montag Abmd ein fein gekleideter Herr an einm Droschken- kutscher erster Klasse mit den Motten heran:„Ich fühle mich sehr unwohl, fahren Sie mich schnell zur Chatttee", bezahlte gleichzeitig den Kutscher und stieg in den Wagen. Vor der Charitee angekommen, lag der Unbekannte bestnnungslos und zusammengekrümmt im Wagen. Schnell auf die rcsp. Station gebracht, verstarb dettelbe, ehe ihm ärztliche Hilfe zu Thttl werden konnte. Der hinzugekommene Arzt konnte nnr noch den Tod durch Vergiftung konstatiren. Am Dienstag früh ist der Unbekannte durch die Ehefrau als der Rettor der 59. Gemeindeschule und Lehrer der HandelSwiffenschaft E. Bombe, in der Andreasstt. 59 wohnhaft, rekognoszitt worden. Derselbe hinterläßt eine Frau und 6 Kinder. Muthmaßltch gestohlen. Kurz vor Weihnachten find von der Kriminalpolizei einem mehrfach bestraften Menschen verschiedene Sachen abgenommen worden, die muthmaßlich gestohlen find, zu denen die Eigcnthümer fich aber bisher nicht haben ermitteln lassen. Es find dies eine alte filberne Zylinder- Uhr, an der der Ring fehlt und die fich in einer Kapsel be« findet, die inwendig auf Papier die Firma:„W. Heinritz, Uhr- macher in Gehrden", trägt, ferner eine filberne Ankeruhr, die Rückseite derselben genarbt, dann drei anschttnend unechte Siegelringe, der eine mit einem kleinen runden, rothen Stein, der andere mit einem ovalen violetten Stein, der dtttte ohne Stein und endlich vier unechte gleichattige Uhrketten, an wel- chen fich je ein Berloque befindet, das in einem schildattig ge- faßten Stein das Bild eines Niännettopfes zeigt. Ringe und Ketten düttttn aus einem Bijoutette- Geschäft gestohlen sein. Etwaige Meldungen werden im Kriminal-Kommiffariat, Zimmer Nr. 78, entgegen genommm. Ueber ein«e«es Schwindelmanöver, dem der in der Langestraße wohnende Uhrmacher Schön zum Opfer gefallen, wird uns vom Betroffenen selbst bettchtet: In das Geschäft des Sch. kam vor Kurzem eine unbekannte Frau, die angab, die Eheftau eines in der Gasanstalt beschäftigten Arbeiters M. ihm hin und ließ fragen, ob er den Bttef des Komitees nicht erhalten habe, der ihm den ferneren Zuttitt verbot.„Za- wohl mein Herr, den habe ich erhalten, dachte aber, daß man mir nur den Spielsaal verboten habe," war die naive Antwott. Ein anderer dunkler Ehrenmann, der gleich dem vottgen dem„schönen Land de« Weine« und der Gesänge" ent- stammte, auf den man aber bereits aufmerksam geworden war, erschien zuweilen zu der Spielpattie mit einem ganz neuen und sorgfältig zusammengefaltcten TausendftankS- Schein. Diese» setzte er; indem er gewöhnlich dabei be- merkte, er wolle nur wenig, aber theuer spielen. Verlor er nun, und sollte sein Schein eingezogen werden, so rief er „Halt, halt— e« ist ein ganz neues Billet, das gebe ich nicht her I" und legte dafür eine Marke von tausend Franks an die Stelle. Gewann er aber, so erwiderte er, wen» der Bankier ihm arglos eine TausendsrankS-Marke als gewonnenen Bettag hinhielt, lächelnd:„Nein, mein verehtter Freund, — falten Sie nur'mal erst auseinander!" Die« geschah, und man fand drei Tauseadfranks- Scheine. Kommt ein solches Manöver zu oft, so erregt e« natürlich Argwohn, und unser Freund machte daher de» Scherz mtt seinem neue» Billet höchstens zweimal die Woche. Schließlich kam man aber doch dahinter und verschloß ihm die Pfotteo, worauf er„flolz wie ein Spanier" in seine Heimath zurück- kehrte. Solcher„Praktiken und bösen Kniffe" ließen sich noch viele anführen; wir beschränken uns darauf, nur noch fol- gende Art, die in den Spielhöllen besonders häufig vor« kommt, zu beschreibe». Ein Spieler verfolgt mtt einem kleinen Bleistift in der Hand sehr gespannt den Gang des Spielei und notttt sich jede» Koup fo eifrig, daß er ganz in diese Beschäftigung vertieft scheint. Plötzlich sähtt er wie aus einem Traum auf, fetzt den so fleißig benutzte» Stift auf den Strich und annonzitt,— wie dies den Mitgliedern gestattet ist,— zaghaft:„Zwei Louis stehe» auf dem Stift!" Der Bankier wiederholt dann einfach die annonzttten Be- träge:„26 Louis auf der Dose! 50 Louis auf dem Porte- feuille! 2 Louis auf dem Bleistift!" Gewinnt der Koup, so bleibt der Stift stehen, bis der Besitzer seine zwei Louis er» zu sein, und verlangte eine goldene Uhr aus Leihkonttakt, welche ihr denn auch auf Grund einer Legitimation eingehändigt wurde. Eine gleiche Manipulation gelang später mehreren, mtt ihr in Gesellschaft mttgekommenen Frauen. Sehr bald stellte fich jedoch heraus, daß die entnommenen Sachen sofort nach Empfang versetzt oder verkauft worden seien und daß die be- treffenden Frauen dieses Manöver in diversen Abzahlung*« Geschäften professtonSmäßig betrieben, worauf der Kriminal« behörde Anzeige gemacht und die Frau M., wie ihre Freun« dinnen zu länaeren Gefängnißstrafen vermtheilt wurden. Jedenfalls eine Wamung für die allzugroße Vertrauensseligkeit dieser Geschäftsinhaber. Gemäß de« Veröffentlichungen de» Kaiserliche« Gesundheitsamts find in der Zeit vom 20. bis 26. Dezember 1885 von je 1000 Bewohnern, auf den Jahresdurchschnitt be« rechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 23,0, in Breslau 24,9,1 in Königsberg 35,3, in Köln 21,0, in Frankfurt a. M. 17,2, in Hannover 21,9, in Kassel 22,6, in Magdeburg 23,4, in Stettin 20,9, in Altona 27,5, in Straßburg 22,1, in Metz 13,2, in München 25,1, in Nürnberg 25,7, in Augsburg 22,6, in Dresden 22,4, in Leipzig 23,1, fit Stuttgart 23,9, in Karlsruhe 20,2, in Braunschweig 26,2, in Harn» bürg 31,6, in Wien 27,2, in Budapest 32,6, tn Prag 32,5, in inITttest-, in Krakau 36,7, in Basel 18,9, in Brüssel 23,4, in Amsterdam 23,8, in Patts 23,8, in London 18,0, in Glasgow 25,0, in Liverpool 22,4, in Dublin 22,7, in Edinburg 19,1, in Kopenhagen 17,5, in Stockholm 20,3, in Christiania 17,9, in Petersbu� 27,2, in Warschau 30,5, in Odessa—, in Rom 23,4, in Turin 23,1, in Bukarest—, in Madrid—, in Alexandrien—. In der Zeit vom 29. Nov. bis 4. Dezbr. in New-Uork 21,8, in Philadelphia 18,0, in Baltimore 17,5. in EanFranzisko—, in Kalkutta 27,9, in Bombay 24, 5, inMadras 38,6. Auch in dieser Berichlswoche blieb der Gesundheitszustand in den meisten Großstädten Europas ein günstiger, doch wurden aus den süd- sowie aus den noiddeutschen Städten(wie auch aus Wien, Budapest, Prag) vielfach höhere, aus den west« deutschen, namentlich aus den nieden heinischen Städten, meist kleinere Sterdlichktttsverhältnißzahlen berichtet. Die in Süd- deutschland herrschenden östlichen, in Norddeutschland in der 2. Wochenhälfte vorwiegenden, von mäßigem Frostwetter ge- folgten nördlichen und nordwestlichen Luftströmungen ttefenl vielfach ttne größere Zahl von Erkrankungen an akuten ent- zündltchen Prozessen der Athmungsorgane hervor, obwohl die Gesamwtzahl der durch fie hervorgerufenen Sterbefälle eine etwas kleinere als in der Vorwoche war. Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kinder dagegen traten meist in normaler Weise zu Tage und bedingten im Allgemeinen ttne etwas geringere Betheiligung deS Säuglingsniters an der Gesammt- sterblichkeit. Von 10000 Lebenden starben aufS Jahr berech» net in Berlin 65, in München 75 Säuglinge.— Von den Infektionskrankheiten haben namentlich Masern eine größere, Scharlach und Kindbettfieber eine klttnere Stttgerung, Diphtherie, txphiöse Fieber und in deutschen Städten auch Pocken eine Abnahme der Eterbefälle aufzuweisen, wäh» rend Todesfälle an Keuchhusten fast in der glttchen Zahl wie in der Vorwoche gemeldet wurden.— Sterbefälle an Maser« waren in Berlin, Braunschweig. Bremen, Elberfeld, Amsterdam, Krakau, London, Prag und besonders in Duisburg zahl« reich, während fie in Dresden, Königsberg, Wien, Budapest» Liverpool abnahmen.— Auch das Scharlachfieber wurde i« Berlin, Hamburg, Liverpool, Tuttn häufiger, in Christiania. St. Petersburg, Prag seltener TodeSveranlassung. Aus Halle wird kttn weiterer Sttrbefall daran gemeldet.— Die Sterb« lichkeft an Diphtherie und Kroup hat in Berlin, Kassel, König«- berg, Leipzig, Stuttgart, Amsterdam, Budapest, Paris. Praz und Wien zugenommen; dagegen wurde die Zahl der Sterbe- fälle an diesen Krankheitsformen in Altona, Breslau, Dam!« Dresden, Frankfurt a. M., Frankfurt a. O, Hamburg, Nürnberg, London, Christiania, Petersburg, Warschau eine klttnere, in Frttdurg in Baden blieb flc die gleiche wie in der Vorwoche.— Der Keuchhusten forderte in Londo» mehr, in Dublin und Liverpool weniger Opfer; in Hamburs, Stockholm, Kopenhagen war die Zahl der gemeldeten neuen Erkrankungen ttne kleinere.— Typhöse Fieber zeigten fich im Allaemttnen in beschränkter Zahl, namentlich in Berlin, Hamburg, London, St. Petersburg, Tuttn. Ansehnlich gestet- gert war die Zahl der Todesfälle nur in PattS und Warschau- — Sterbefälle an Flecktyphus kamen aus Aachen, Budapest und Prag je 1, vereinzelte Erkrankungen aus den Regierungsbezirken Aachen, Mattenwerder sowie aus St. Petersburg zul Mtttheilung.— 1 Todesfall an Tollwuth wird aus Londo« berichtet.- Sterbefälle an Pocken, gelangten aus Müncke«, Basel und Zürich je 1, auS Paris und Turin je 3, aus Liverpool 3, aus Prag und St. Petersburg je 4, auS Warschau 5, aus Budapest 6, au« Wien 18 zur Anzeige. Ertrankunge« an Pocken wurden auS dem Regierungsbezirk Aachen und au« Edinburg vereinzelt, aus Breslau, Budapest und London und auS dem Regierungsbezirk Mattenwerder mehrfach, aus Wie« und Budapest in größerer Zahl gemeldet.— Die Cholera roaf Meldungen aus Treviso zu Folge daselbst am 23. Dezember als erloschen anzusehen, in Venedig zeigte fich vom 15. bl« i_____# halte» hat. Verliert er aber, so greift der Betreffende wi< in der Zerstreuung rasch nach seinem Stifte, anscheinend um sich wieder die vorhin unterbrochenen Notizen zu mache«, — in Wahrheit aber sv-kulirt er darauf, daß man übet Regulirung der großen Beträge sttnen nur zwei Louis reprä- stntirendea Stift vergessen werde. So geht«s meist auch wirklich, niemand achtet, daß der Stift verschwunden ist, oder denkt daran, die zwei LouiS zu reklamir«. Während diese Betrügereien mehr an da« Verfahre« eine« Taschendiebes erinnern, der un« gewandt die Borst aus der Tasche zieht, giebt es auch solche, die schon n> in ein höheres Gebiet der Gaunerei gehören, wie der.« z. B. das Anfertigen falscher Marken mehr an Falschmünzerei erinnert. Ein in der Spielerwelt von Paris sehr bekannter Pri«i hatte dieselben Anfangsbuchstabe« wie der Klub, in dem et täglich zu spielen pflegte. Da nun an den Zagdabenden it seinem Schlosse ebenfalls gespielt wurde, so hatte er sich eigene Marke» mit seine« Initiale» machen lassen, die dene« im Klub zur Verwendung gelangenden und ebenso gezeich- arte« täuschend ähnlich sahen. Eines Tage« nun, als fei«* Taschen leer waren, füllte er sie mit den eigenen Marke« und kam damit in den Klub, wo er sie beim Spiel oll Klubmarken verausgabte. Da die letzteren aber sämmtlich »umerirt sind, so kam man bald hinter den prinzliche» Be- trug; die Sache erregte natürlich ungeheures Aufsehen, wurde aber vertuscht. Ebenso macht man es, wie schon erwähnt, vielfach W arme« Teufeln, die kleine Beträge durch die Pouffette}tf erschwindeln suche», mit denen sie weiter leben und— spiele« können; denn da« Spiel ist für sie ja das Lebe». Entlarv werden sie alle gewöhnlich sehr bald; denn gleich dem Lüge" hat auch die Pouffette„kurze Beine", weshalb auch die zah'- reichen Falschspieler höheren Grade«, deren Kniffe wieder««' sehr veischiedenartig, aber bedeutend rasfinirter und schwer� zu entdecke» sind, nur mtt Verachtung auf solche„Dilettanten herabzublicke» pflege«. E r n st M o n t a« u«. (GerrchtS-Ztg.) 23 Dezember im Durchschnitt tZzilich I Cholerafall. Im De« vartement Finistere(Frankreich) kamen vom 8.— 15. Dezember 29 Erkrankungen und 25 Todesfälle zur Meldung. Auch in Japan zeigte fich im Ottober in Osaka und Kohe die Cholera epidemisch._ Gerichts-Ieitimg. «eichSgerichts-Entscheidung.— Ein tzausportier(sog. Vizewirth sc), welchem vom Hauieigenthümer gegen Entgelt unter Anderem die Treppenbeleuchtung übertragen ist, kann, nach einem Iktheil des Reichsgerichts, II. Strafsenats, vom 6. November v. I., durch Unterlaffen der rechtzeitigen Treppen- beleuchtung bei eingetretenem Unfall fich einer fahrläsfigen Körperverlexung unter Uedettretung einer Berufspflicht(§ 230, Abs.2Etr.-G.-B.) schuldig machen und auch ohne Strafantrag strafrechllich verfolgt werden. In Krankfurt a. M. wurde am letzten Sonnabend beim dottigen Landgerichte zum ersten Male in Deutschland eine Che auf Zeit(auf zwei Jahre) getrennt. er Gebrauch des Ausdrucks„Pfaff". gegenüber einem Geistlichen wurde vor Kurzem vor dem Schöffengericht zu Aalen(Württemberg) mit 8 Tagen Gefängniß bestraft. Der Thatbestand war folgender: Der 25jährige V. von Hohen« stadt saß Abends in der dortigen gräflichen Adelmann'schen Witthschaft zum Adler mit mehreren anderen Gästen zusammen und sang in etwas angetrunkenem Zustande unter anderem einige Schnaderhüpfl. Ein im Nebenzimmer fitzender Kaplan sah sich dadurch veranlaßt, ins Wirthszimmer einzutreten und dem Burschen den Gesang zu untersagen. Dieser jedoch ant« wortete, er habe von jeher nichls nach den Pfaffen gefragt und frage auch heute nichts nach denselben. Hierdurch und durch den wiederholten Ausdruck„Pfaff" sah fich der Kaplan deletdigi und erhob Klage durch die ÄmtSanwaltschast. Das Gericht erkannte auf obengenannte Strafe. Soziales und Arbeiterbewegung. Um die jugendlichen Fabrikarbeiterinnen noch mehr an die Fabrik zu feffeln, haben verschiedene große Spinnereien in Böhmen besondere Lokale in und an den Fabriken her- stellen lassen, in denen nach Feierabend die Mädchen allerlei häuslichen Arbeiten, Strümpfe stopfen, Kleider ausbessern rc. obliegen. Des Sonntags Nachmittags, wo die Arbeit ruht, werden in dem Lokale allerlei Spiele eingerichtet unter einer Aufseherin. Wer nicht zu den häuslichen Arbeiten und den Sonntagsnachmittagsspielen kommt, gilt als lüderlich, auch wenn das Mädchen in seiner Familie bei Mutter und Ge« schwister fich aufhält. So werden im Dienste des Kapitals selbst die Familienbande nicht geachtet, und all' die Jugendfreude taufender Mädchen stecht hin in den eisernen Klammern des modernen Jndufttialismus. Die Arbeitszeit in der Jnftrnmentenfabrtkatto« des Königretchs Sachsen ist noch immer eine ungemein lange, d. h. dort, wo noch volle Arbeit herrscht. Vierzehn Stunden täglich ohne Ruhepausen ist die gewöhnliche Arbeitszeit. Ar- beitszeit von 5 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends mit einer halbstündigen Unierbrechung zur Mittagszeit kommt auch vor und nur in einer Anzahl größerer Werkstätten Markneukirchens ist eine zwölfstündige Arbeitszeit, natürlich ohne die Pausen gerechnet, eingeführt. Gewöhnlich liegt die Arbeitszeit zwischen 6 Uhr früh und 7 Uhr Abends mit viertelstündiger Frühstücks- und Vesper- und mit halbstündiger Mittagspause. Die Löhne sollen jetzt mehr und mehr und trotz der Akkordarbeit, die seit einigen Jahren eingeführt worden ist, obgleich die Arbeiter mehr Waare liefern, bringen sie doch einen geringeren Lohn mit nach Hause, als noch im Jahre 1881. Da in der Jnstru- mentenabrikation die Hausindustrie noch vorherrschend ist und zahlreiche Kinderhände beschäftigt werden, so kann man bei ihr nicht vorübergehen, ohne der Demoralisation der Bevölke- rung zu gedenken, die gerade hierdurch geschieht. Im engsten Räume fitzen da die Familienglieder über die Arbeit gebeugt zusammen— Arbeitsstube, Wohnstube, in welcher des Winters auch gekocht wird, ist ein einziger Keiner Raum; das anliegende Schlafzimmer wird mit benutzt oder doch geöffnet, damit für die Nacht in dasselbe auch etwas Wärme einströmt. So steht man die trostlosen, bleichen Kinder, noch dazu lediglich von Kartoffeln und Cichorien ernährt, ein Bild des Jammers und Elends— Deutschlands Zukunft. Die Brüuner Tuchindustriellen laufen Sturm gegen den elfstündigen gesetzlichen Normalardeitstag fie erklären, ohne die„zwölfte Stunde" nicht bestehen zu können. Und doch liegt die Tuchindustrie in Mähren jetzt gerade tief darnieder, so daß nach übereinstimmenden Berichten der Kohlenverbrauch um 50 pCt. gefallen ist. Wie man fich dabei gegen eine so verständige gesetzliche Maßregel auflehnen kann? Alte Ge« wohnheit und auch der Gedanke, den Arbeitern könnte zu wohl werden, mögen die Triebfedern sein, daß die Fabrikanten um die„zwölfe Stunde" beim Abgcordnctenhause pctitioniren wollen. Im Anfange war auch den Arbeitern der Maximal« ardeitstag ein Dorn im Auge; sie glaubten in der Thal, daß fie durch denselben im Lohne geschädigt würden, da die Fabri« kanten nämlich auch dort, wo schon die elfstündige A'beitsieit eingeführt war, Vi, des Lohnes abzogen. Doch nach und nach regelte fich schon die Lohnfrage wieder. Die Arbeitszeit ist thatfächlich um eine Stunde vermindert worden und wenn die Fabrikanten über dieselbe hinausgehen wollen und dazu die gesetzliche Erlaubniß erkalten, so müssen fie eben um die eine Stunde den Lohn aufbessern. Das geht Alles recht langsam, aber derartige noch so kleine Errungenschaften bleiben dauernde im Gegensatz zu denen, welche im Streiklamrf oder durch„freie Vereinbarung" errungen werden. Uereine und Uersammwngen. In der Versanrmlung der Schmiede, welche am Vormittags 10 Uhr, Andreasstr. 21 tagte, benchtcte der Bo? fitzende der Lohnkommtsfion, Herr Lehmann, ausführlich über vre Thatigleit der Kommission im vergangenen Jahre und hob hervor, daß nicht allein die Schmiede, sondern die Arberter fast sammtlicher Gewrrke um ihr Recht und ihr täg- lrches Brod gekämpft haben. Um die herrschenden Mißstände der großen Arbertslofigkeit rc., welche durch die Konkurrenz der Frauen- und Gcfangnißardcit herbeigeführt würden, wirksam entgegen treten zu können, sei die größte Einigkeit erforderlich; diese sei aber leider ber den Schmieden nicht vorbanden. Durch die Kommisston und den Verein sei eine Zersplitterung der «raste entstanden, die Lohnkommisfion habe darum beschloffen. ihre Funktionen einzustellen, damit jeder Schmied der Vereint» gung beitreten könne. Der Antrag, daß die Lohnkommisston zu Gunsten des Vereins zurücktritt und keine weiteren Beiträge einziehen darf, wurde hieraus von der Versammlung ange- nommen. Herr Drewitz stimmte dem Vorredner bei und betonte besonders, daß die Vereinigung nicht begründet sei, um Streiks Z» provoziren, sondern um die Streiks möglichst zu verhindern. Tie Vereinigung solle den Meistern beweisen, daß sie einer Macht gegenüber stehen, welche nöthigenfalls im Stande ist, ihre Forderungen durchzuzusetzen. Der Verein müßte aber auch Wanderlehrer ausschicken, um die auswärtigen Kol« legen aufzuklaren, damit d, est nicht sagen wie bisher, die Ber- liner Schmiede wollen die Arbeitszeit verkürzen, um die Faul- beit ,u stallen, sondern um die arbeitslosen Kollegen von der Stiaße zu schaffen. Auch mutzte erst in anderen Städten Re- medur geschaffen werden, in welchen noch 12—13 Stunden ge- arbeitet wird. Die Versammlung nahm hierauf folgende Re- lotution an:„Die heute, am 3. Januar, versammelten Schmiede lagen der Kommisston ihren Dank für das bishmge Wirken und empfehlen allen Kollegen, nachdem die Thätigkeit der Kom- Mission vertagt, der Vereinigung der deutschen Schmiede ber- zutreten." In Betreff deS Arbeitsnachweises berichtete alsdann Herr Drewitz, daß die gewählte Kommisston das Regle- ment ausgearbeitet hat, jedoch habe der Obermeister mehrcres daran auszusetzen gehabt und schließlich erklärt, es nicht zu unterschreiben. Der Altgeselle, Herr Gcelhaar, berichtet, daß der Obermeister, Herr Warnest, nichts gegen die Paragraphen des Reglements einzuwenden hätte, auch nicht dagegen, daß eine schwarze Tafel im HerbergSlotal ausgehangen wird, auf welcher die Meister verzeichnet werden sollen, bei denen noch Sonntaasarbeit üblich ist; er könne aber nicht verbtetm, daß diesen Meistern Gesellen zugeschickt würden. Die Gesellen sollten doch zeigen, daß fie Gesellen find und nicht nach solchen Werk« statten gehen. Nach längerer Debatte wurde folgende Resolu« tion angenommen:„Die Versammlung erklärt fich mit dem von der Kommission ausgearbeiteten Reglement einverstanden und beaustragt den Vorstand der Vereinigung, falls bis zum I. Febmar eine Einigung mst dem JnnungS-Vorstand nicht zu Stande gekommen ist, einen seldststänvigen Arbeitsnachweis zu errichten." Zu„Verschiedenes" wurde mehrfach angefragt, wie fich dst Gesellen der JnnungSkaffe gegenüber zu verhatten hätten; es wurde konstatirt, daß viele Jnnungsmeister die Ge« sellen entlassen und dann wieder eingestellt hätten unter der Bedingung, daß fie der JnnungSkrankenkaffe beitreten müßten. Herr Tobler theilt mit, daß ihm die Jnnungsmeister ein Schrei- den zugeschickt haben, worin mitgetheilt wird,„daß die JnnungSkaffe in Kraft getreten sei und daß die Mitglieder, welche abgemeldet find, keine weiteren Beiträge für die Ortskasse zahlen würden." Der Redner betont jedoch, daß er als Vorstandsmitglied der Ortslranstnkasse für Rege- lung dieser Angestgenheit eintreten würde. Laut§ 6 deS Krankenkassengeseves vom Jahre 1883 müßte jedeS Mitglied, welches aus der Ortskranlenkasse ausscheiden will, drei Monate vor Jahresschluß kündigen, und nachweisen, daß eS bereits einer anderen Kasse angehört, und dieS wäre hier nicht der Fall gewesen, da die Jnnunaskrankenkaffe erst am 1. Januar in Kraft getreten sei. Der Vorfitzende, Herr Tempel, macht noch bekannt, daß die nächste Vereinsversammlung in Grat« weil's Bierhallen am Sonnabend, den 9. Januar und am 30. Januar der Maskenball der Vereinigung der deutschen Schmiede im Kolosseum, Kommandantenftraße 57, stattfindet. Mit einem dreifachen Hoch auf das Gedeihen des Vereins am Sonntag Vor« 33, unter Vorfitz deS Herrn Rose eine Versammlung ab. Auf der Tagesordnung stand:„Berathung der Statuten. Der Kommisfions- Entwurf fand im Allgemeinen Anklang. Es waren nur einzelne Para- Sraphen, welche nach lebhafter Debatte Abänderungen erfuhren, auptsächlich war es der Paragraph über Unterftützungs-Ange- legenheiten. Da dieser Paragraph von der Behörde beanstandet worden ist, wurde derselbe nach reiflicher Erwägung in kurze, bündige Form gefaßt. Nach Schluß der Diskusfion sprach Herr Michelsen noch mit warmen Worten für die Einigung aller Ardeiter, denn nur durch eine feste Organisation und Fern« Haltung aller persönlichm Gehäsfigkeiten könne die SUtlichkeit und Bildung, sowie die geistigen und materiellen Interessen der Arbeiter gefördert werden. Nachdem noch zahlreiche Mit- glieder-Einzeichnungen in die Listen des Vereins stattgefunden, wurde die Versammlung um 2'/, Uhr Nachmittag» geschloffen. br. In der Generalversammlung de» Fachve ein« der Kürschner» welche am Montag bei Seefeld, Grenadier« sttaße 33, tagte, erstattete Herr Wedemeyer den Kassenbericht für das Jahr 1885. Die Ausgaben haben 486,27 M. betragen, die Einnahmen 383,79 M. Die Unterbilanz im Bettage von 102,48 und ein Manko von 4,24 haben aus dem Reservefonds 225,57 M. gedeckt werden können, und es ist noch ein Kassen- bestand von 118,85 M. verblieben. Auf Antrag des Henn Wedemeyer wurde dte Besttmmung in der Geschäftsordnung: „lieber Ausgaben bis zu 10 M. hat der Vorfitzende selbst- ständig zu verfügen" gestrichen und die folgende Bestimmung akzeptirt:„Zahlungen an den Vorsttzenden werden vom Rendanten nur in den Geschäftsstunven des Vorstandes geleistet". Auch ein Antrag, daß der Rendant angewiesen werde, Zahlungen über 1,50 M. nur gegen Quittungen zu leisten, in denen der Betrag auch in Buchstaden ausgedrückt ist, wurde angenommen. In Betreff der Mitgliederzahl des Vereins bemerkte Herr Wedemeyer, daß von den 122 Mit- gliedern, welche im Jahre 1885 Beittäge gezahlt haben, 47, die nur für 1 bis 3 Monate Beiträge bezahlt haben, nicht mehr als aktive Mitglieder gelten können.— Aus den dann vorgenommenen Wahlen gingen die folgenden Herren hervoi: Berger und Schmidt, 1. und 2. Vorfitzender, Grunert, Rendant, Nix i, Kasstrer, Baer und Koch, 1. und 2. Schriftführer, Nix Ii, Archivar, Hunder, Venzislau und Gottschalk, Beisttzer. Dte Zentral> Kranke«- und Vearäbnifikasse für Frauen und Mädchen(E. H. Nr. 26 Offenbach), östliche VerwallunMtelle Berlin, hielt am Sonntag in Gratwetl's Bierhallen, Kommandantenstraße 77—79, ihre Hauptvcrsamm- luna ab. Dte Tagesordnung lautete: 1) Abrechnung pro 4. Quartal 11:85. 2) Neuwahl des Gestimmt- Vorstandes. 3) Verschiedenes. Der Vorfitzende, Herr Richter, eröffnete die Versammlung um 3,/< Uhr Nachmittags und berichtete hierauf über den Stand der Kasse. Den, Berichte zufolge zählte die Kasse am Schlüsse des Jahwes 1834 3967 Mitglieder. Neu hinzugetreten find im Jahre 1885 2766 Mitglieder. Ausgetreten, resp. wegen Restirens der Beittäge gestrichen, ausge- schloffen und gestorben find im Berichtsjahre rnsgesammt 3219 Mitglieder, so daß am Schlüsse des Jahres ein Bestand von 3514 Mitglieder verblieb. Es starben im Jahre 1885 19 Mitglieder. Die Versammlung ehrt Sas Andenken derselben durch Erheben von den Sitzen. Hieraus erstattete der Kasfirer, Hm Schieße!, den Kassenbericht pro 4. Quartal 1885.— Die Einnahme betrug in diesem Vierteljahre 13 235.80 M., die Ausgabe 12 044.45 M. Beim Eintritt in die Verhand- lungen über ven zweiten Gegenstand der Tagesordnung eiklärte der bisherige Vorfitzende, ein Amt in der Kasse nicht mehr annehmen zu können. Gnvählt wurde zum Vorfitzenden Herr Theodor Bielefeld, Gitschinerstr. 94 wohnhaft. Herr Georg Schieße!, Wasserthorstt. 69 wurde zum Kasstrer wieder- und Herr Julius Kreutz, Skalitzerstr. 28 zum Konttoleur neugewählt. Zu Beisitzerinnen wählte die Ver- sammlung die Damen: Fr. Jost, Frl. Becker, Frl. Graß, Frl. Stobt, Fr. Peukert, Frl. Schmidt, Fr. Raupach, Fr. Bästcr, Frl. John, Fr. Fischer, Frl. Feldbinder, Fr. Löwenstein, Frl. Pachmann, Fr. Strauß und Fr. Grotdmann. Der dritte Gegenstand der Tagesordnung konnte, trotzdem der Voifitzende erklärte, daß noch wichtige Angelegenheiten zu verhandeln stien, nicht mehr erledigt werden, da ein großer Theil der Mit- glieder nach vollzogener Wahl das Lokal verließ. Um 7'/, Uhr schloß der Vorfitzende die Versammlung. btt. Der Fachverein der Putzer hielt am Sonntag Vor- mittag in der Jnselstr. 10 eine gut besuchte Versammlung ab, in w-lcher zuerst der Verein Slasfirer den Kassenbericht erstattete und u. a. mittheilte, daß sich der jetzige Kaffcnbestand auf 237 M. 13 Pf. beziffert. Alsdann kam der schon in einer früheren Vereinsversammlung erwähnte Unfall des Vereins- Mitgliedes Raabe zur Sprache, wobei der Genannte Ende No- vemder v. I. auf einem Bau in der Straußbergerstraße durch einen Stu:z von der Rüstung einen doppelten Schenkelbruch und mehrfache Rippenbrüche erlitt. Augenblicklich soll das Be- finden des Verunglückten zu der Hoffnung berechtigen, daß derselbe in einigen Wochen wohl wieder arbeitsfähig, aber fahrlässtger Weise selbst verschuldet; dies soll aber, wie in der Versammlung auf Grund inzwischen gepflogener sorgfaluger Recherchen versichert wurde, keineswegs zutreffen, der Unfall vielmehr ausschließlich durch eine häufig vorkommende zufällige Verschiebung der sogmannten Deckbretter am Ende der Rüstung berbeiaeführt worden sein. Da, wie mitgetheilt wurde, die Frau des Verunglückten bereits eine Vorladung vor das Reichs» verficherungSamt in dieser Angelegenheit erhaltm habe, so werde sich dabei wohl bald herausstellen, in wie weit die Bauhand» westSmeister und Untemehmer durch daS Unfallverficherunas« gesetz verpflichtet find, die auf ihren Bauten arbeitenden, be» kanntlich aber von sogenannten„Putzmeistern" engagirtm Putzer- Kolonnen gegen Unfallsgefahren zu verfichern. Bei der fich hierananschließendenErlcdigungvonUntersMtzungsgesuchenwurde einem über vierWochen kranken Vereinsmitgliedeeine Unterstützung von 15 M. bewilligt, während ein anderes UnterstützunaSge» such abgelehnt werden mußte, weil derBetreffmde noch nicht die im Statut für die Erlangung der Unterstützungsberechtigung vor» geschriebene Zeit dem Verein als Mitglied angehört hat.— Hierauf diskutirte die Versammlung längere Zeit lebhast über die§1,9 und 2 des Unfallverficherungsgesetzes, sah stch dann aber, mit Rückficht auf die bereits zu weit vorgerückte Zeit ge- nöthigt, die Debatte bis zur nächsten Versammlung zu vertagen. — Bezüglich der Gesuche um Gewährung unentgeltlichen Ver- einS-Rechtsschutzes wurdm die Mitglieder dringend ersucht, stets erst nach Beschreitung der keine Kosten verursachmden Vorinstanz beim Gcwerbegericht an den LereinSvorstand mit solchen Gesuchen stch wenden zu wollen. Endlich beschloß die Versammlung, für die Vereinsmitglieder einen Wimer Mas- kenball zu veranstalten und von nun an alle Versammlungen des Vereins im„Berliner Volksblatt" inserirm zu lassen. Verein ehem. Schüler der 162. Gemeinde Schule. Mittwoch, den 6. Januar, Abends 9 Uhr, im Restaurant „Kuhla" Kaiser Franz- Grenadier Platz 7. Gäste find will« kommen. Der Louisenstädtische Stenogravhen-Verein beginnt am Mittwoch, dm 6. d. Ms., Abends 8V> Uhr einen unentgeltlichen Unterrichts. Kursus in der Roller'schen Stenographie für Herren und Damen. Bei der leichten Erlernbarkeit dieses Systems nimmt der Unterricht nur 4 Stunden in Anspruch und find für die vollständigen Lehrmittel beim Beginn desselben 3 Mark zu entrichtm- Weitere Unkosten entstehen nicht. An» Meldungen zur Theilnahme werden im Restaurant Löskow» Prinzenstc. 79 erbeten. Verein für Technik und Gewerbe. Mittwoch Abend 3V, Uhr, im Restaurant, Mittelstraße 65, Vortrag. Gäste find willkommm._ Uermischtes. Entweichuna von Seeleute«. Nach dm im Oktoberhest zur Slattsttk des Deutschen Reiches enthaltenen Nachweisungen über die Entweichungen von Seeleuten der deutschen Handels» marine im Jahre 1884 hat die Zahl der in diesem Jahre zur Anzeige gebrachten DesettionsfäUe im Ganzen 4109 betragen gegen 4540 im Jahre 1883, 4400 im Jahre 1882, 4082 im Jahre 1881 und 3662 im Jahre 1880, ist also, während sie von 1880 bis 1883 von Jahr zu Jahr gestiegen war, im Ver» ezu letzterem Jahre wieder nicht unerheblich zurückgegangen. den Entwichenen waren 25 Steuer- und Bootsleute, 290 Echiffshandwerker u. dergl., 2340 Matrosen und Leicht» mattosen, 423 Schiffsjungen, 14 Maschinisten u. dergl., 925 Heizer und Kohlenzieher, 49 Lagermeister und 43 Personen unbekannter Stellung. Hierunter defanden stch 2645 Deutsche, 1424 Ausländer und 40 Personen unbekannter Herkunft. Be- züglich des Militärveröältniffes der deutschen Deserteure war Dasselbe unbekannt bei 555 und noch nicht entschieden bei 914; 333 gehörten zur Reserve, 97 zur Land oder Seewehr und 284 zur Ersatzreserve, während 462 militärfrei warm. Aus den Angaben über die Heuerverhältniffe der Entwichenen läßt fich entnehmen, daß die Durchschnitts Heuerbelräge für die auf deutschen Kauffahrteischiffm angeworbenen Seelmte seit dem Jahre 1881 in aufwmtS steigender Richtung fich bewegm; vielleicht ist auS dieser Steigerung des HeuerlohnS der im Jahre 1884 eingetretene Rückgang in der Zahl der Eni- weichungen theilweise zu erklären. Von der Gesammtzahl der Entweichungen entfallen 61,9 pCt. auf die Häfen der Vereinigten Staaten von Amerika und au' den New-Uorker Haken allein 41,2 pCt.. ferner 8,2 pCt. auf zentral- und südamerikanische Hafen, 7,3 pCt. aus britische Hafen und 5,9 pCt. auf dte Häfen Australiens und der Südsee. Jubiläum der Buchdruckerkunst. Die Stadt Vhila- delphia ist im Begriff, den 200sten Jahrestag der Einführung der Buchdruckerkunst in jener Region zu feiern. Die' erste Dnlckerpresse wurde im Dezember 1685 von William Bradford aufgestellt, und das erste gedruckte Buch war ein Kalender für das Jahr 1686. Die erste Papiermühle in Amerika wurde in 1690, gleichfalls in Philadelphia, von William Rittenhouse errichtet, dessen Name deutsche Abstammung vermuthen läßt. Einige Jahre später gab ein Sohn Bradford's die erste ame- rikanische Zeitung heraus. Dieser Sohn, als Geschäftstheil- Haber mit Benjamin Franklin, veröffentlichte im Jahre 1741 das erste amerikanische Buch von beträchtlichem Umfange; und zwei Jahre später gab Christopher Sauer, der erste Schrift- gießer in Amerika, die erste amerikanische Bibel heraus. Die erste tägliche Zeitung der Vereinigten Staaten erschien in Philadelphia im Jahre 1784 unter dem Namen„Pennsylvania Packet". Die Vorbereitungen zur Feier der festlichen Erinne- rung befinden fich in den Händen der historischen Gesellschaft von Pennsqlvanien. Unglück im Ctrkus. Im Cirque Royal in Brüssel pro» duzirten fich kürzlich zwei kleine Mädchen, dte 6- und 8jährigcn Schwestern Connne und Judith Pasveloup, auf zwei über einande'.- gesvannten Drahtfeilen, als plötzlich das obere fich von seinem Haken loslöste und die kleine Künstlerin, die ältere der Schwestem, in die Tiefe stürzte. Beim Fallen stteifte sie mit Arm und Schultern das untere Drahtseil, wobei ihr daS Fleisch bis auf die Knochen abgerissen wurde, und der jähe Ruck, sowie der Schreck brachten auch die kleine Judith aus dem Gleichgewicht, so daß de be Mädchen dicht hinter einander aus der beträchtiieven Höhe mitten in den Zirkusraum nieder- stürzten und mit lebensgefährlichen Verletzungen in's Hospital geschafft werden mußten. Dte Heilsarmee hat wiederum einen ihrer bekannten glänzenden Triumphe gefeiert; fie hat nämlich bei ihrer letzten Versammlung in Coventry vor einem zahlreichen Publikum von Andächtigen und Neugierigen ein armes taub» stumme? Mädchen durch die Kraft inbrünstiger Gebete von seinen Gebrechen— geheilt, demselben den Gebrauch der Sprache und des G-hörs, den das Kind in Folge von Schar» lach verloren hatte, wiedergegeben. Dem„B. B. C." wird hierüber geschrieben: Das Kind, ein kleines Mädchen von fünf Jahren, dessen Heilung die frommen Soldaten zu Stande bringen wollten, wo die Kunst der Aerzte verzweifelt hatte» saß theilnahmloS mitten im Saal. Um dasselbe herum hatten fich mehrere Kompagnien der großen Armee unter Kommando deS Obersten Pearson gruppi. t. Die Zuschauer saßen in den Galerien und Logen. Auf ein gegebenes Zeichen des Hauptmanns begann ein wahrer Höllenspektakel. Wohl hundert ver gebetsfreudigen Soldaten und Soldatinnen hatte» stck auf die Knie geworfen und erhoben einen Chorus inbrünstigen Geheuls, das jeder Beschreibung spottet. Es klang wie das Wimmern um Gnade von hundert zu Höllenoualen verdammter Seelen. Jeder Ein- zelne redete, nein, schrie wie ihm der„Schnabel gewachsen war", und in der bekannten Form wie die heilsarmeeliche Liturgie es ihn gelehrt hatte. Bittend, bettelnd, heulend, wimmernd, jammernd, ersuchten fie den Himmel um den er« sehnten Beweis seiner Gnade, um die Heilung des Kindes; fie schlugen an ihre Brust, fie rauften fich das Haar und flehten m ohrenzerreißendem Lärm um daS Wunder. Und dasselbe geschah! DaS taube Kind, das all' den Trubel, der um seinetwillen vorging, zwar nicht hörte, aber mit verwun« derten Augen betrachtete, that, waS Kinder seines Alters in solchen Lagen zu thun pflegen. Die kleinen Augen zwinkerten, Selen gelangweilt und ermüdet zu, und bald schlief daS llädchen so sanft, als lag' eS daheim in seinem Bettchen. Eine halbe Stunde mochte das bundertstimmige Gewimmer wohl gedauert haben, als begreiflicherweise die gläubige Ge- meinde von dem Wunsch ergriffen wurde, zu sehen, od ihre brünstigen Gebete der Himmel erhört hätte. Oberst Pearson schritt auf daS schlafende Kind zu und rief ihm laut inS Ohr: »Mädchen, hörst Du mich?" Erschrocken fuhr daS Kind auf und starrte den Frager an.„Ob Du mich hörst, Kind?" wiederhotte der Kommandeur. Statt aller Antwort brach daS geängstigte kleine Wesen in daS bitterlichste Schluchzen aus. „Sie hat ihn gehört! Sie ist genesen! Der Himmel hat die Gebete der Gläubigen erhört und ein Wunder geschehen laffen!" so donnerte es jetzt jubelnd durch die Halle, daß die Wände zitterten. Alles drängte fich herzu. Alles wollte mit eigenen Augen sehen, mit eigenen Ohren das Unbegreifliche hören. Man hob daS kleine Wesen empor und trug es in feierlichem Rund- gange durch den Saal, während die Menge fich von Neuem auf die Kniee warf, dem Himmel für das Gnadengeschenk zu lobfingen. Nur leider hat fich keiner gefunden, der das Mäd- chen sprechen gehört hätte. Von dem Grundbesitze, welcher in der Hand des Fürsten Pleß vereinigt ist, kann man fich eine Vorstellung machen, wenn man«fährt, daß allein sein Forstterrain 41813 Hektaren, d. h. über 167 000 Morgen umfaßt. Von diesen liegen etwa 23 000 Hettaren im Regierungsbezirk Oppeln, 8500 im Regierungsbezirk Breslau, 1800 im Regierungsbezirk Posen und 8500 im Regierungsbezirk Bromberg. Plattdeutsche Redensarten: Geduld överwind'n SchwienSbraden. Allns mit Äaten, seggt de Enieder, da gifft he stn Fru wat mtt de Eel. Hand von'n Sack, de Haber is verkösst. Frien iS keen Peerkop. Beter in de wiede Welt as in'n engen Putt. Je doller aS de Kreih fick wascht, je smarter ward se. Kleine Mittheilnngen. Reu-Ruppin, 4. Januar. Ein sehr bedauerlicher Un- -•--■"" in der Mühle gen. Ein Sohn ______,_______....._________.-.--- ltüble b-schäftigt, als plötzlich die Angehörigen auf ihrem Gehöfte dumpfe Schläge von der Mühle her vemahmen. Nichts Gutes ahnend, eilten ste sogleich nach der Mühle, und dort bot fich ihnen ein schrecklicher Anblick dar. Der junge Mann war buchstäblich zermalmt, die beiden Füße bis zum Kniegelenk waren abge- tchlagen und die einzelnen Knochen und Flerschtheilc lagen wie Spreu in der Mühle umher. Er selbst mußte gewallsam aus der Welle, mit welcher er verschlungen, beftett werden. Man vermutbet, daß der junge Mensch die Unoorfichtigkeit begangen, beim Einölen einzelner Betriede die Mühle nicht anzuhalten, und daß hierdurch die schreckliche Katastrophe, die ohne Zweifel den augenblicklichen Tod zur Folge hatte, herbeigeführt wurde. Aus Schlesien, 4. Januar, wird der„Voff. Ztg." geschrieben: Mit dem neuen Jahre scheinen die Ausweisungen russischer und österreichischer Unterthanen bei uns kein Ende genommen zu haben, wenigstens wird aus dem Slupnaer Ämtsbezirke gemeldet, daß an 86 Personen die Ausweisungs- ordre ergangen ist. Andererseits wird auch berichtet, daß ein- zelnen Ausgewiesenen nachträglich der Aufenthalt gestattet ist. Zu ihnen gehött u. A. ein Berginvalide, der bereits durch den Amtsdiener der russischen Behörde übergeben, aber von dieser wegen Verlust des Hcimalhsrechts in Rußland zurückgewiesen war. Dem alten Manne ist auf sein Gesuch an den Minister des Innern widerruflich im Kreise Tarnowitz der Aufenthalt gestattet, und man fragt fich mit Recht, warum den alten Leuten, welche durch langjähngen Aufenthalt und langjähnge Arbeit in Preußen fich ein Anrecht auf Altersunterstüyung gefichert zu haben glauben, überhaupt erst die Ausweisungs- ordre zugestellt wird, da man in Preußen doch auch wiffen kann, daß Rußland die Aufnahme derselben verweigert. Mainz. 4. Januar. Von Seiten des Polizeiamtes sind die Schutzmannschaften angewiesen, auf diejenigen Verkäufer von Feuerzeugen, Blumen ,c. zu achten, welche noch daS schul» pflickrige Alter defitzen. Die Eltem solcher Kinder, welche in den Wtrthshäusern umherziehen, werden in Strafe genommen. Dieser Tage wurde sogar in einer Witthschaft ein noch schul- pflichtiges Kind festgenommen, welches in Trikot gekleidet, Jongleurkünste ausführte. Den Nachforschungen der Polizei gelang es, die Mutter deS KindeS ausfindig zu machen; dieselbe hatte daS Kind an einen Menscben vermiethet, der mit demselben von WirthshauS zu WitthshauS zog und das durch das Kind erworbene Geld verjubelte. Vom Rhein. Die Polizeibehörde in Oberlahnstein hat allen Personen, die noch nicht 17 Jahre alt find, daS öffentliche Tabakrauchen bei 1-9 Mark Strafe v.rdoten.— Die Polizei in Witten a. d. R. hat den Gastwitthcn verboten, Branntwein oder jedes andere geistige Getränk ohne sofortige Baarzahlung zu verkaufen. Auf Kredit dürfen Getränke nicht mehr verabrcickt weiden. Posen. Zu den Ausweisungen. Bis zum 1. Januar d. I. waren in Krakau im Ganzen 989 Ausgewiesene eingetroffen und zwar 377 Männer, 223 Frauen, 388 Kinder. Gießen, 31. Dezember. Ueberfahren wurde gestern Nacht beim Ueberschreiten des Bahnhofs von einer leergehenden Maschine ein auf der Post aushilfsweise beschäftigter hiesiger Einwohner, Namens Keßler. Derselbe war sofort todt, in- dem ihm der Kopf abgefahren wurde. Der Verunglückte hatte erst um 9 Uhr seinen Dienst angetreten und war kurz vorher 13 Wochen lang an einem Armbruch arbeitsunfähig gewesen. Er hinterläßt Frau und Kinder. GemeinttLtziges. Billige Stiefelsohle« gegen nasse Füße. Um soliit herzustellen, nehmen man nicht zu dünne, aber möglichst elasti- sche Pappe(Lederpappe dürfte fich wohl dazu empfehlend tauche fie fottgesetzt in Leinölfirniß ein respektive lasse fie i» Stücken, größer als der Fuß ist, einige Zeit in dieser Flüssi» keit liegen, bis die Pappe ganz davon durchdrungen iß Dann schneide man fich nach dem Fuße, durch Auflegen deffelbui auf die Pavpe und Abzeichnen der Umriffe Sohlen daraus. Gut ist es aber immerhin, mehrere Paare davon herzustellen, un öfter wechseln zu können. Solche Oelpappe läßt weder aus der Ober, noch Unterseite Nässe durch und hält daher de« Fuß trocken und wann. Diese Sohlen find sehr einfach her» zustellen und haben fich bislang überall bewährt. Reinigung von Tuchbetleidungsstücke«. Um Tuch« stoffe zu reinigen, koche man etwa 3 Loth gewöhnlichen Tabal mit eiwa 2 Liter Wasser ab und bürste damit nach dea Striche den zu reinigenden Gegenstand mit einer steifen Bürstt tüchtig ad, reibe stark hinterher trocken nach und hängt zum Trocken auf. Der Gegenstand sieht darnach sauber unl schön aus und hat nicht den mindesten Tabacksgeruch aufzu» weisen. Reinigung von Flasche«. Zur Reinigung von Flaschen, die einen festen, schwer löslichen Satz auf d'm Flaschenbode« zeigen, benutze man mit gutem Resultate Chlorkall, den ma« in einem gewissen Quantum hineinbringt und dann etwas Wasser zufügt. Diese Lösung läßt man etwa 24 Stunde« darin, die dann den festen Satz zerstört und auflöst, so dai nur ausgegossen und nachgespült zu werden braucht. Kriefkasten der Redaktion. F. 8. k. Wenn Sie aus der Landeskirche ausscheide« wollen, müssen Sie dies dem königl. Amtsgericht Berlin>, Abtheilung für Zivilstandssachen, C. Neue Frredrichstraße 13. schriftlich anzeigen. Sie haben Ihren Vor- und Zunamen, Stand, Wohnung und welcher Religionsgemeinschaft Sie bis« her angehörten, mit anzugeben. An Gebühren haben Sie eint Mark zu zahlen. Wollen Sie über den erfolgten Austritt eine Urkunde haben, was indeß nicht nöthig ist, so haben Sie für dieselbe noch M. 1,50 zu zahlen. Theater. Mittwoch, den 6. Januar. Oper«kia«s. Die Walküre, in 4 Atten von Echa'uMelhauS. Tilli, Lustspiel in 4 Atten von Francis Stahl. Deutsche« Theater. Das Aäthchrn von Heil- bronn. Refidenz-Theater. Clara Soleil. Vorher: Ifie Schulretterin. Friedrich-Wilhelmstädtische« Theater. Die Fledermaus.___ �„ Walhalla» Operette«- Theater. Mamsell Angot. Wallner-Theater. Frau Direktor Sttiese. Belle- Alltance- Theater. Lucinde vom Theater. Central-Theater. Der Stabs. Trompeter. LoutseustädtischeS Theater. Signor Lucifer. (Novität.) Biktoria-Theater. Messalina. Ostend-? heater. Theodora. Aönigstädtisches Theater. Die Marionetten des Teufels....... American- Theater. Große �Spezral, täten- Th�a?er�der�ReichShallen. Große Speziali- «ausmann'« Gamete. Große Spezialitäten- «oukÄdia!"�Große Spezialitäten-Vorstellung. Große Auswahl in[251 Masken-Garderobe zu billigsten Preisen. Anzüge schon von 1 M. an. ß. KlOSe, Rrichenbergerstr. 167. Verein zur Vertretung der Jutereffen der Aldeittniikii. General-Versammlung Donnerstag, den 7. Januar, Abends 8 Uhr, in Gratweil's Bierhallc», Kommandanten- straße 77/79, oberer Saal. Tagesordnung: 1. Vierteljahres- Beiicht. 2. Abrechnung. 3. Wahl des gesammten Vorstandes. 4. Frage- kästen; Verschiedenes.[368 Mitgliedskarte legitimirt. Gäste haben keinen Zutritt.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Unter dem Protektorat J.J. K.K. H.H. deS Kronprinzen und der Frau Kronprinzessin Kin derheilftätten-Lotterie. m'&ViW — HospizZoppot.— Gewinne a 4000, 1000, 500, 200, 100, 50, 10 und 5 Mark in Silber. 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Gesetz, betr. das Urheberrecht an Mustern und Modellen. Gesetz über Marken- schütz. Im Geschichtvkalcnder sind die in der n e u e st e n Zeit eingettetenen Ereignisse| nochgetragen. Der Kalender, mit Schreibpapier und Papier für Tagcsnotizcn ausgestattet. | kostet wie bisher 50 Pfennig. Auf vielfachen Wunsch ist eine stärkere Ausgabe mit m e h r Schreibpapier und I besserem Einband angefertigt, von der das Exemplar zu 70 Pfennig abgegeben wird.{ Wiederverkäufer erhalteu Rabatt. Die von Mitgliedern des Fachvereius der Schneider gegründete JJroMtin-B. RMoffßktiosstnjW der Schntiiitt zu Berlin(E. G.) empfiehlt ihr Lager fertiger Herren-Garderobe, sowie ihr reichhalttges Lager in- und ausländischer Stoffe, ebenfalls Futter, Borte und Knöpfe. Kerren-Harderobe«-Wjg jeder Art werden nack Maaß angefertigt. Kttiie Arbeit.— Vuerhafte Stoffe.— Feste preise. Der Vorstand und Vrrwaltnngsrath. Täglich: KSnigsberger Fleck, ü Parti»« 25 Pf. in Rtstllllrallt Sbaliherstraste 18 bei Stramm. 2588 Cigarren- u. Tabak-Handlung en eron en detail Fritz Goercki Berlin SO., Admiralstraße 40 ffrühere„Linde"). Import echter Havanna, Lager aller Sorten Rauch- und Schnupf-Tabake» Keich asforttrtes Lager echt turkifcher. rnMlcher. «»> amerikanischer«igaretten n. Tabake. Gcht Pordhänfer Kautabake.[2# Verantwortlrcher Redakteur*. Ccosltiai i» Berlin. Druck und«erlag von Mar Babing in Berlin SW., Beuthftraße 2.